Dr.SS. BbomMmcnfS'Bcdingungen: MonnementS• Preis pränumerando i Bierteljährl. 3£0 SKI., monatr. 1,10 2Rf., wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Psa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung-- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. Crfötlnt Sgl!» außer Dlontas«. Berliner Volksblnkl. Die TnlertlonS'Gebflftr veträgt für die scchsgespallene Kolonel» zcilc oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastliche Vcreitis- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Uleine Jänreigcn", das erste fsett- gcdruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „S»Äi»tlemol!ks1 k«rlia". Zcntralorgan der rozialdemokrat» leben Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68. Lindenstrasde 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sxpcdition: 8M. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Der Sieg der fungtürken. vor des vornherein als Und alle An- Widerstand ihr Konstantinopels Die Jungtürken siegen wie sie wollen, und was wenigen Tagen ohne blutige Kämpfe, ohne die Schrecken Bürgerkrieges unvollendbar schien, scheint ohne nennenswerte Opfer Erfüllung zu finden. Die Wiederherstellung der Kou- stitution ist gesichert und was die Revolution des Juni der- säumte, wird jetzt nachgeholt werden: die Männer des alten Regimes, von denen die Jungtürken nur die Ver- haßtesten und Korruptesten vertrieben hatten, sollen nun gänzlich verschwinden. Schien es aber bis in die letzten Stunden sicher, daß an der Spitze der zu Beseitigenden der Gefährlichste, Tückischeste und Schuldigste von allen, der„rote Sultan" Abdul Hamid stehen werde, so machen die letzten Nachrichten seine Abdankung doch wieder zweifelhaft. Wohl ist seine Absetzung die Forderung des Heeres wie der Kammer, und dem alten Ränkeschmied geschähe nur sein Recht, wenn, was ihm die Wiederherstellung seiner unumschräntten Machtstellung zu sein schien, zum längst verdienten Ver hängnis würde. Der grausame Unterdrücker und Verfolger der nationalen und konstitutionellen Bewegung niüßte schon zufrieden sein, wenn er als Gefangener der Jungtürken das längst verwirkte Leben retten dürfte.. Aber fast scheint es, daß die Jungtürken vor dem entscheidenden Schritt, der vielleicht in der asiatischen Türkei ihrem Regime neue Wider stände schüfe, selbst jetzt noch zurückschrecken und sich mit einem Kompromiß begnügten, das die Macht des Sultans weiter einschränkt und ihn zu einem Gefangenen der jung- türkischen Regimenter macht. Die junglürkische Armee hat, ohne den geringsten Widerstand zu finden, Konstantinopel auf allen Seiten eingeschlossen, und wenn sie die Stadt selbst noch nicht besetzt hat, so nur um abzuwarten, bis ihre Streitmacht groß genug ist, um jeden Versuch eines Widerstandes von ganz aussichtslos erscheinen zu lassen. zeichen lassen erkennen, daß ernstlicher nicht erwachsen wird. Die Garnison ist nicht nur ohne Führung, sondern auch offenbar ohne jede Kanipflust. In ihr lebt kein gemeinsames Ziel, sie ist nicht beseelt von einem gemeinsamen Wollen und dies macht sie zu energischer Abwehr gänzlich unfähig. Durch die Agitation der Reattionäre ivar sie zu einer Meuterei verleitet Ivorden, deren Zweck sie nicht kannte, deren Folgen sie nicht begriff. Jetzt stellt es sich deutlich heraus, daß den Reaktionären zwar ein Handstreich glücken konnte, weil sie es verstanden hatten, die Soldaten durch Geld und gute Worte gegen die Offiziere aufzubringen, daß sie aber weder im Volke noch im Heere über den Bereich Konstantinopels hinaus irgendwelche Machtmittel zur Verfügung haben. Die jung türkische Macht dagegen, die in der Verfügung über das Offizier korps und der europäisch geschulten Armeekorps besteht, erweist sich als unerschüttert. So wird denn auch die Kraftprobe, die den Jungtürken auferlegt ist, nur zu eitler Befestigung ihrer Stellung werden, um so mehr, da in dem Zusammenbruch der Reaktion auch die liberale Opposition gegen die Jung- türkcn hincingerissen werden dürfte. Die Abdankung des Sultans. Ei» Ultimatum. Konstantinopcl, 19. April. Die Gerüchte von einer Ab- dankung des Sultans, die seit Mittag umlaufen, ver- stärken sich. Es heißt auch, die Truppen hätten an den Sultan ein Ultimatum geschickt, abzudanken; der Sultan habe sich an die französische und englische Botschaft um Schutz gewandt. Niazi Bep soll an den Thronfolger, Prinzen Reschad, telegraphiert haben, sich bereit zu- halten. Die Jacht des Sultans soll unter Dampf zur Abreise bereit liegen. Nach Schluß der Kammersitzung berieten die Minister über die Lage; möglicherweise findet in der Nacht ein zweiter Ministerrat statt, um die weitere Regierungs- fähigkeit des Sultans zu prüfen, und vom S ch e i k ü l Islam ein Gutachten hierüber zu erwirken. Paris, 29. April.„Newyork Herald" meldet aus Konstanti- nopel, das jungtürkische Komitee habe an den Sultan in Form eines Ultimatums ein Telegramm gesandt, worin er als Meineidiger behandelt wird. Man forderte ihn auf, abzudanken. Der Sultan kehrte hierauf nach dem Uildis- Palast zurück und hielt mit seiner Umgebung eine Besprechung ab. Er soll beschloffen haben, abzudanken und Konstanti- nopel zu verlassen. Die Abgeordneten fordern die Abdankung. Konstantinopel, 29. April. Die bei den Truppen in San Stefano befindlichen Abgeordneten beschlossen, eine Depu- tation an den Sultan zu senden, um ihn zur Abdankung zu vc ranlassen. Neue Versprechungen. Paris, 29. April. Wie die„Agence Havas" aus Konstanti- nopel meldet, besprach der Sultan heute vormittag die Lage mit T e w f i k und Hilmi Pascha, bot letzterem das Porte- feuille des Großwesirs an und versprach, alle für die Verfassung geforderten Garantien zu geben. Es heißt, ZßOfil Kgfcha habe bsRt.i£iionieit aus San besetzte Die Abdankung vollzogen? 1 W i e n, 29. April. Wie der„Neuen Freien Presse" aus Kon- stantinopel gemeldet wird, soll der Sultan gestern abend auf l dringende Borstellungen des gesamten Kabinetts nach anfänglicher Weigerung schließlich in die Abdankung eingewilligt haben, wenn sein Leben garantiert werde. Die aus Salo- niki erwartete Antwort dürfte bereits eingetroffen sein und„b e- dingungslos" lauten. Um eine etwaige Flucht des Sultans auf seiner Jacht zu verhindern und um das Leben des Sultans zu beschützen, verbleibt die Flotte vor Beschiktasch. Gestern um 9�/2 Uhr abends hatte der Großwesir eine IVostündige Audienz beim Sultan in Anwesenheit des Palastsekretärs. Die Abdankung Abdul Hamids und die Thronbesteigung Reschad E f f e n d i s dürfte zwischen heute und morgen amtlich verlautbart werden. Versöhnlichere Stimmung? Konstantinopel, 29. April. Der Salonikier Korps- kommandeur verhandelt sehr eifrig mit Konstantinopel. Die Stimmung ist seit gestern versöhnlicher, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß man ein Blutvergießen in Konstantinopel fürchtet, da dies eine europäische Intervention herbeiführen könnte. Auch die Idee sofortiger Repressalien scheint fallen gelassen zu sein. Dafür besteht man unbedingt auf dem Wechsel der ganzen hiesigen G a r n i s on. Wahrscheinlich wird man die Wiedereinsetzung des Großwesirs Hilmi Pascha und anderer Minister sowie des Kammerpräsidenten Achmed Riza und als Satisfaktion irgend» ein demonstratives Einrücken der Salonikier und Adrianopeler Truppen verlangen. Der Sultan dürfte den Thron weiter innehaben. Jedoch dürfte seine Stellung noch mehr eingeschränkt werden, so daß er ganz unter den Einfluß des jungtürkischen Komitees und der Salonikier und Adrianopeler Truppen kommen würde. Die juncftürhifcbe Hrmee. Konstantinopel eingeschlossen. Köln, 29. April. Die„Kölnische Zeitung" meldet Stefano bei Konstantinopel: Um 2 Uhr früh die Vorhut Makri Köi. Alle Forts vom Marmarameer bis zum Schwarzen Meer sind in den Händen der verfassungsfreund- lichen Truppen, die konzentrisch aus die Hauptstadt vorrücken. Es ist noch ungewiß, wann der Hauptschlag erfolgt. Kein Widerstand der Garnison. Köln, 29. April. Wie der„Kölnischen Zeitung" aus Konstan- tinopel gemeldet wird, scheint die Gefahr eines größeren Zu- sammenstoßcs beseitigt zu sein. Zwischen dem Konstantinopeler Kommando und den Komiteetruppen wurde eine Abmachung ge- troffen, daß heute oder morgen die Konstantinopeler Garnison ohne Waffen den Komiteetruppcn zur Begrüßung entgegenrücken soll. Die Haltung der Flotte ist zweifelhaft. Die Schiffe im Bosporus sind in den Händen der komiteefeindlichen Mann- schaften. Anschluß an die jungtürkischc Armee. Konstantinopel, 29. April. Heute früh zogen etwa hundert- fünfzig Ma-nn aus der Taschkischla-Kiaserne mit klingendem Spiel in bester Ausrüstung den mazedonischen Truppen entgegen, um sich ihnen anzuschließen. Es ist noch nicht bekannt, welche Aufnahme sie gefunden haben. In der Kammer waren heute vormittag etwa fünfzig Abgeord- netc versammelt. Eine Sitzung findet nicht statt. Die gleiche Zahl Abgeordneter befindet sich bei den Truppen in San Stefano, wo in einem Klublokal beraten wird. Ein Manifest des Oberkommandos. Konstantinopel, 29. April. Der Chaf der vor Konstantinopel befindlichen mazedonischen Truppen, General H u s n i Pascha, erließ an die Garnison Konstantinopel einen Aufruf, worin er erklärte, daß das zweite und.dritte Armeekorvs vor Konstantinopel angekommen seien, um die Berfassun>für alle Zukunft zu sichern, die Ruhe und Ordnung Heder- herzustellen und die Anstifter der letzten Unruhen zu b e st r a f e n. Die Belagerungstruppen fordern daher, daß alle Mannschaften der Garnison der Hauptstadt in Gegenwart des Scheiks ul Islam sowie ihrer Kommandanten auf den Koran einen feierlichen Schwur ablegen, wonach sie den Befehlen ihrer Vorgesetzten blind gehorchen und sich für die Zukunft nicht mehr in die Politik mischen werden. Der Schwur soll an einem Tage von der gesamten Garnison abgelegt werden. Die Mannschaften müssen sich ferner verpflichten, der Wie der ein- setzung aller Offiziere und Unteroffiziere in die Stellen, die sie vor dem Aufftand innehatten, keinenWider- stand entgegenzusetzen. Als zweiten Punkt verlangt der Aufruf, daß die Soldaten der Hauptstadt sich nicht um die Maß- regeln zu kümmern haben, welche die Belagerungstruppcn zur B e- strafung derjenigen treffen werden, welche das Vaterland in Gefahr gebracht haben. Die Soldaten müssen sich endlich verpflichten, die Namen aller der Personen anzugeben, die sie zum Aufruhr angestiftet haben. Der Aufruf schließt, wenn diese Forderungen erfüllt würden, und die ge- samte Garnison während des Vorgehens der Belagerungstruppen passiven Gehorsam zeige, dann werde den Mannschaften nichts geschehen. Zugleich erließ General Husni Pascha einen zweiten Aufruf an die Bevölkerung der Hauptstadt, worin erklärt wird, der Zweck der AokWft der Mazedonien TrMev sei, allen Verrätern des Vaterlandes, die mit der Verfassung unzufrieden seien, eine endgültige Lektion zu geben. Es seien alle Maßnahmen getroffen worden, um während des Vorgehens der Truppen die öffentliche Ordnung und Sicher- heit zu wahren. Der Aufruf versichert schließlich, daß niemand außer den an den letzten Vorgängen Beteiligten etwas von den Truppen zu fürchten hätte, und fordert die Bevölkerung auf, sich nicht in Schrecken versetzen zu lassen. Beide Aufrufe sind in den Straßen als Extrablatt verteilt worden und werden von der Bevölkerung lebhaft besprochen. Die Haltung der Kammer. Konstantinopel, 19. April. Deputiertenkammer. In der geheimen Sitzung soll sich das Haus insbesondere mit der Frage beschäftigt haben, welche Haltung es dem neuen Kabinett gegenüber einzunehmen habe. Es herrschte die An- ficht vor, das Kabinett aufzufordern, sich zu einem späteren Zeit- punkte vorzustellen. In der öffentlichen Sitzung wurden weiter 35 Telegramme verlesen, in denen erklärt wird, daß das neue Kabinett nicht anerkannt sei, und daß die Truppen bereit seien, nach Konstantinopel zu marschieren. Die Kammer beschloß, die Telegramme dahin zu beantworten, daß kein An- laß zur Beunruhigung vorliege. Trotz der gegenteiligen Anregung der Kammer erschienen die Mitglieder des Kabinetts um 4 Uhr nachmittags im Hause. Die Sitzung wurde nunmehr wieder für geheim erklärt, damit darüber entschieden werde, ob das Programm der Regierung heute entgegengenommen werden solle. Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung wurde das Rcgierungsprogramm verlesen. Es besagt, das Ziel des neuen Kabinetts werde sein, das Scheriagesctz überall durchzuführen und die Verfassung unbedingt zu wahren. Infolge von Parteikämpfcn und Zeitungspolemikcn habe sich die Lage verschlechtert. Schließlich wird dem tiefen Bedauern über die Ereignisse in Adana Ausdruck gegeben. Die Kammer beschloß sodann, die Debatte über das Expose am Sonnabend zu beginnen. Im Senate gab die Regierung die- selbe Erklärung ab. Desorganisation der Reaktionäre. Frankfurt a. M.» 20. April. Wie der„Frankfurter Zeitung" aus Konstantinopel gemeldet wird, ist die Gesellschaft Jttihad-i-Mohammed, welcher die Urheberschaft an den jüngsten Unruhen zugeschrieben wird, aufgelöst worden. Der Herausgeber des Blattes„Vulkan" wurde verhaftet. Die Opfer von Adana. London, 29. April. Eine Meldung des Reuterschen VurcauS aus Konstantinopel von heute besagt, daß Konsulartelegrammen zufolge bei den letzten Unruhen in dem Vilajet Adana 5999 Personen getötet worden sind. Die englischen Schlachtschiffe. Malta, 29. April. Die Schlachtschiffe„Canopus" und„Ocean" sowie der Kreuzer„Minerva" haben Befehl erhalten, heute abend nach den türkischen Gewässern abzudampfen. Admiral Curzon-Howe befindet sich an Bord der„Ocean". ver neue flnsvareformplsa der Regierung. Der in der offiziösen Presse angekündigte Empfang der Ab- ordnungen aus Bayern. Sachsen, Württemberg, Baden und Thüringen, die sich zum Zweck der Ueberreichung von allerlei ans die Reichs- finanzreform bezüglichen Erklärungen und Resolutionen in Berlin eingefunden haben, durch den Reichskanzler hat gestern abend feicr- lichst im Kongreßsaale des Reichskanzlerpalais stattgefunden. Nach- dem die meist von hohen Staatsbeamten, Universitätsprofessorcn, Geheimen Kommerzienräten, Oberbürgermeistern usw. geführte» Deputationen sich eingestellt hatten, betrat mit hoheitsvoller Miene der Reichskanzler den Saal, begleitet von seinem „Stab", dem Staatssekretär des Jnnem Dr. v. Bethmann- Hollweg, dem Staatssekretär des Reichsschatzamts Sydow, dem bayerischen Legationsrat Freiherrn v. GrunekiuS, de»: sächsischen Staatsminister Grafen Vitzthum v. Eckstädt, dem wiirttemb. Ministerialrat Schleehauf, dem badischen Gesandten Grafen v. Berti- heim, dem Großh. sächs. Ministerialdirektor Dr. Nebe, dem baher. Staatsrat Ritter v. Burkhard, dem Koburg-Gothaischen Staats- minister Dr. v. Bonin-Brettin, dem UnterstaatLsekcetär v. Loebell, dem Geheimen RegierungSrat Wahnschaffe, dem LegationSrat v. Kemnitz und dem Hauptmann d. Schwartzkoppen. Nachdem die Deputationen und ihre Sprecher dem Reichskanzler von dem Unterstaatssekretär d. Loebell vorgestellt worden waren, nahm der Unterstaatssekretär Prof. Dr. v. Mayr für die bayerische Abordnung das Wort zu einer Ansprache. Er sagte nach dem offiziellen Wölfischen Bericht: Ew. Durchlaucht bitte ich, den mit zahlreichen Unterschriften Münchner Mitbürger ausgestatteten Aufruf an den Reichstag über die Finanznot des Reichs überreichen zu dürfen. Ich darf wohl sagen: Wir, die Unterzeichner des Aufrufs aus München, sind auch eine Gruppe von Interessenten, wenn auch eine anders geartete, als die sonstigen besonderen Jntercssentengnippen. Wir sind Vertreter des allgemeinen nationalen Interesses an geordneter Haushaltungsführung des Reiches. Als solche sind wir Interessenten, die keine Organisation haben, die aber die Not deZ Augenblicks in patriotischem Empfinden und Pflichtgefühl zusammengeführt. Wir vertreten die ver- schiedensten Stände und Berufe, das Bürgertum im allgemeinen. die ErwerbZtStigen. insbesondere in Gewerbe und Handel, die Künstler, die Männer der Wissenschaft und andere Berufe aller Art. Gleichloie für uns. die wir weitaus ii verwiegend Arbeitstätige find, ist auch für die gesamte übrige deuts che Arbeiterwelt die Festigung der Grund- lagen deS öffentlichen Haushalts im Reich, die allein wirtschaftlich erfolgreiches Arbeiten gewährleistet, von höchster Bedeutung.... In Bekundung unserer Sorge und Unruhe und unseres Sehnens nach endlicher Klärung der Lage sind wir heute erschienen mit unseren Bitten an die verbündeten Regierungen, die Reichsleitung und den Reichstag. Gebieterisch erheischt die Anerkennung der Staatsnotlvendigkeiten für das Reich die Ordnung der Finanzen nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Zweckmäffigkeit. Wie die tatsächliche EntWickelung der ganzen Frage sich in Deutschland gestaltet hat, bleibt als der einzig gangbare, als solcher in den weitesten Volkskreisen mehr und mehr erkannte Weg einer ausgiebigen EntWickelung der Verbrauchsbesteuerung, insbesondere der Be- stenerung der alkoholischen Getränke und des Tabaks, und gleichzeitig der besonderen, gleich- falls ausgiebige» Be st cuerung der Besitzenden »Nittels der Erbschaftsbesteuerung.... Wir fassen das, was uns für des Reiches und aller Reichs angchörigen Wohl geboten erscheint, in follgcnden Leitsätzen zusainmen: Resolution. Eine rasche, griindliche und dauernde Ordnung des Reichs Haushalts ist in, Interesse der Finanzwirtschaft des Reiches, seiner gesunden EntWickelung in» Innern, seines Ansehens nach außen eine gebieterische Notwendigkeit. Deshalb richten wir an die ver- bündeten Regierungen und an den Reichstag die eindringliche Aufforderung, sobald wie»nöglich, jedenfalls aber noch in der laufenden Session sich über die Reichsftnanzreform zu verständigen. Jede Verzögerung wirkt lähmend auf Handel und Wandel, erhöht die politische Unsicherheit, vermehrt die drückende Schulden- last. Ein Scheitern der Reform aber wäre einer Katastrophe gleich zu achten. Ohne im einzelnen zu den vorliegenden Steuer- entivürfen Stellung zu nehmen, halten wir unS an zwei Hauptgrundsätze: 1. Die Reform muh im wesentlichen durch reichseigene Steuern bewirkt werde»; sie darf die Lösung der Aufgabe weder den Einzelstaaten zuschieben noch in deren Finanzhaheit eingreifen. 2. Die Reform mutz beruhen auf einer Bereinigung von Steuern von VermögenSbesitz, als deren beste Form»vir Abgaben beim Erbübergang betrachten, und von den Genuhmitteln des Massenverbrauchs, vor allem der alkoholischen Getränke und der Tabakfabrikate. Rur eine dieser beiden Richtlinien befolgenden Reform der Reichsfinanzen entspricht den Forderungen der Zweckmäfiigkeit und Gerechtigkeit, verheitzt zugleich eine gründliche ausreichende Gesundung der schwer erschütterten finanziellen Grundlage des Reiches. Wir vertrauen der Einsicht und der Vaterlandsliebe der gesetzgebenden Körperschaften, daß sie sich baldigst auf diesem Boden in bindenden Beschlüssen einigen zum Heile des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes! Als Sprecher der sächsischen Deputation redete dann noch in gleichem Stil Prof. Wuttke aus Dresden und als Vertreter des Bundes der Industriellen der Geh. K o m m e r z i e n r a t W i r t h, der versicherte, dasi die Industriellen, patriotisch wie sie seien, willig den» Vaterlande die größten Opfer brächten und deshalb sogar für die Erhöhung— der Verbrauchssteuern einträten, obgleich die Verbrauchs steuern ganz besonders die Jiidustne belasteten. Nach dieser Einleitung kani der Knalleffekt. Feierlichst setzte sich der Reichskanzler in Positur und hielt die an- gekündigte„große" Rede. Er begrüßte die Erschienenen als„Wortführer und Vertrauensmänner weiter Schichten deS deutscheu B o l k e s und sprach von den Versuchen bestimmter Erwerbszweige, ihre Sonderintereffen den Be dürfnissen der Volksgesamtheft gegenüber zi» stellen. Als die Gruppe, die ganz besonders hartnäckig ihr Sonderinteresse vertreten habe, bezeichnete der„agrarische' Kanzler aber nicht etwa — den Bund der Landwirte, sondern den Tabak- verein. Darauf folgten allerhand patriotische Phrasen über die Ernmgenschaften des deutschen Volkes und seiner Schaffenskraft und schließlich endlich die Darlegung des neuen Fmanzreforntplans. Nach Wolffs Meldung sagte darüber der Kanzler wörtlich: „Wie soll die Reform sich im einzelnen gestalten? Die Herren ans Thüringen halten, wie ihre Adresse betont, nach wie vor die Vorschläge der verbündeten Regierungen für eine im Ganzen und Größen geeignete Grundlage zur Vcrständigling. Auch ich, meine Herren, habe mich von dieser Zuverficht nicht abbringen lassen»md bin gerade durch den Gang der Erörterungen im Reichstage und in der breiten Oeffentlichkeit mehr und mehr darin bestärkt worden. Geivsß»verden die verbündeten Regierungen sich nicht aus jedes Stück ihrer Vorlagey versteifen. Nachdem sich leider ergeben hat, daß für die Besteuerung von Gas, Elektrizität und Inseraten keine Mehrheit zu erlangen ist, so»Verden die verbündeten Regierungen diese Vorlagen f a l l e n l a s s e n m ü s s e n. Für die Lücke muß Ersatz geschaffen »verde». Ich bin zwar heute noch nicht in der Lage, hierüber bestimmte Mitteilungen zu machen, ich habe aber dahin gewirkt, daß sich die verbündeten Regierungen in den allernächsten Tagen endgültig über die Sto-llung schlüssig»n a ch e n. die sie zur Frage der Ersatzsteuern für die zweite Lesung im Reichstage einnehmen wollen." Dann verkündete der Reichskanzler, daß die Regierung a n d e m von ihr de in Reichstag vorgelegten Branntwein- Handelsmonopol festhalte und wandte sich darauf zur Erörterung der Erbschaftsbesteuerung: lind wie steht es»nit dem Ausbau der Erbschaftsabgaben? Hier ist es nicht so sehr die nüchterne Betrachtung der realen Tatsachen gewesen, die große und angesehene Kreise im Lande z,» ihrer bisher ablehnenden Haltung veranlaßt hat. Biel- »nehr haben Besorgnisse hineingespielt, die sorgsältiger Prüfung „schl standhalten sollten. Ich gebe die Hoffnung nicht aus— und Ihre Ktmdgchungen bestärken mich hierin— daß auch die Lstndlvirtschaft erkennen wird, daß sie sich mit der Ausdehnung der Erbschaftsbesteuerung wird abfinden können. Auf der Rochlaßsteuer werden die verbündeten Regierungen nicht bestehen. Da aber der Besitz nach fast allge, neiner Ueber- «instimnumg in Höhe des ans der Nachlaß st euer veranschlagten Betrages an den neuen Steuern beteiligt sein muß und eine andere gerechte, zweckmäßige und gleich ertragreiche Besitzstoner mit besserer Ausstcht auf Aunahine i>n Reichstage zurzeit nicht vorgeschlagen werden kann, so müssen wir an der Ausdehnung der Abgabe auf die nächsten Verwandten in der Forin einer Erb- anfällst euer festhält e n. Auch der Landwirtschaft nahestehende Autoritäten geben ja zu. daß die vorgeschlagenen Sätze ertragen werden können, und daß die landwirtschaftlichen Interessen schon in den Regierung»- vorschlagen berücksichtigt worden sind. Werden doch zwei Drittel bis drei Viertel oer deutschen Landwirte von der Steuer über« Haupt nicht betroffen. Die Landwirtschaft sollte aber auch nicht vergossen, daß sie unter einer Gesetzgebung lebt, die»nit der größten Ge- wisse nhaftigkeit ihre gesamten Interesse n fördert und am Herzen trägt. Ich persönlich nehme e s durch ausni cht leicht, in dieser Frage»»ich im Wider- spruch zu manchem alten Freunde zu besinden. Aber auch nach reiflichster Erwägung kann ich von der Auffassung nicht abgehen, daß die erweiterte Erbschaftssteuer ein Opfer an kon- serbatiben Grundsätzen nicht inbolbiert. Ich begrüße cS, daß große Teile der konservativen Partei zu derselben Auffassung , gelangt sind und verlveise dafür auf die Beschlüsse der konserva- tiven Partei in Sachsen. Ich»neine auch daß die Stimmen aus dem Mittelstande bei der Rechten des Reichstags nicht ungehärt verhallen sollten. In keiiier Weise aber vermag ich die Bedenken zu teile», daß ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenes Parlainent wie der Reichstag gerade mit der ErbschaHssteuer Unheil stiften könnte. Solange die Sozialdemokratie nicht Bundesrat und Reichstag beherrscht, solange besteht nicht die Gc- fahr konfiskatorischer Ausbeutung dieser Steuer. Sollten aber einmal die Sozialdemokraten die Geschäfte in die Hand nehmen — in den nächsten Jahrhunderten wird man das nicht erleben—, so würden die Erbschaften daran glauben müssen, ob die Sozial- demokratie die Deszendcntenbesteuerung vorfände oder nicht... Aber mit der Branntwein- und der Erbschaftsstcuerfrage ist es nicht getan. Daß das Bier uns Ivb Millionen mehr bringen muß, darüber»st man sich allgemein einig. Und was den Tabak betrifft, so wird es trotz aller Agitation dabei bleiben, daß alles, was der Tabakverein in diesem Falle gefchlt hat, wieder gut gemacht toerden muß durch einen Gcsetzent- Wurf, der dem sozialen Charakter der Steuer- vorlagen Rechnung trägt, den wohlhabenden Raucher höher belastet als den unbeniittelten und der Staatskasse einen Ertrag von 7 5 b i s 8V Millionen mit Sicherheit zuführt. Ich brauche es kaum auszusprechen, daß ich mich mit Ihrem Verlangen bezüglich der reinlichen Scheidung zwischen Reicht und Bundesstaatstinauzen durchaus übereinstimme. Die Ge schichte der M a t r i i ul a r be i t r ä g e ist eines der lehr- reichsten Kapitel unserer Finanzen. Was als Notbehelf und UebergangSinahnahme geschaffen war, hat sich im Laufe der Jahre zu einer ständigen und immer komplizierteren Einrichtung ent- wickelt. Dabei haben weder das Reich noch die Bundesstaaten ihre Rechnung gefunden.... Die verbündeten Regierungen werden die Einzelstaaten nur bis zur Grenze von 80 Millionen Mark, d. h. mit 2b Millionen Mehr als bisher in der Gestalt der Matrikularbeiträge an dein Gcsamtbedarf beteiligen. Ich erwarte also, um turz zusaininenzufassen, von der Finanzreform das Folgende: Sie soll aufbringen bvv Millionen. sie soll diese Suinme, abgesehen von 25 Millionen Mart neuer Matrikularbeiträge. aufbringen in der Form reichseigener Einnahmen, und zivar wenn die Fahrkartensteuer in verbesserter Forin bestehen bleibt, mit 350 bis 3K0 Millionen Mark vom K»»- suin und mit 90 bis 100 Millionen Mark vom Besitz. Bei den Konsumsteuern sollen Branntwein, Bier und Tabak rund 280 Mil- lionen Mark bringen, tv eitere 70 bis 30 Millionen Mark durch die sogenannten Ersatzsteuern, über die sich der Bundesrat dieser Tag» schlüssig machon wird, auf- gebracht werden. Die Nachlaßsteuer lvird in eine Erbanfallsteuer umgewandelt. Durchzusühren ist das Werk noch in dieser Tagung. Den Schluß bildeten allerlei Phrasen über das„große Werk der Reichsfinanzreform und den Dank des„großen Vaterlandes und damit war die patriotische Poffe beendet. ».* •» Der voin Reichskanzler verkündete neue Steuerplan ist dem- nach für die unbemittelten Vosksklassen noch weit ungünstiger, als der, den im November vorigen Jahres der Neichsschatzsekrctär dem Reichstage vorlegte. Damals sollten ungeführ 250 Millionen M. aus den hauptsächlich die ärinere Bevölkerung belastenden Wer hrauchssteuern, zirka 150 Millionen Mark aus der besonders den bemittelten Mittelstand treffenden Gas-, Elektrizitäts-, Inseraten und Wcinsteuer und an 100 Millionen Mark aus der Nachlaß- steuer herausgeholt werden. Heute sollen nach dem Plane der Regierung die Wohlhabenden nur noch zirka 60 Millionen Mark zu der geforderten Summe von 600 Millionen Mark bei- tragen; die anderen 440 Millionen will man den unbemittelten Volksschichten aufbürden, nämlich ungefähr 300 Millionen Mark an Konsumsteuern und 70 bis 80 Millionen an Ersatzsteuern, unter denen an erster Stelle die Er- höhung des Kaffeezolls steht. Obgleich also die heutige Finanznot läge durch die gewissenlose Mißwirtschaft der parlainentarischen Vertreter der herrschenden Klaffen entstanden ist, sollen dennoch trotz ihres Reichtums diese Klaffen nur ungefähr ein Achtel der erforderlichen Steuersum'ne übernehmen, während dem hart um fein Dasein kämpfenden werktätigen Volt sieben Achtel zugeschoben werden. U>rd trotz dieses fainosen„ge rechten Ausgleichs" wird den herrschenden Klaffen für ihre „Opferwilligkeit" nicht nur der Dank des„großen Vaterlandes" zugesichert, sondern den Großgrundbesitzern außerdcn, noch ver- sprochen, daß, wenn sie willig an dem einen Achtel»nittragen helfen, sie in anderer Hinsicht dafür reichlich ent- schädigt werden sollen! Eine größere patriotische Hans- wurftiade ist kaum denkbar. Sie Vetren vom Geldfach. Auch das preußische Dreiklafsenparlament nimmt am Mittwoch seine Beratungen wieder auf. Auch es hat noch Arbeit in Hülle und Fülle zu erledigen. Bon besonderer Wichtigkeit ist der Gesetzentwurf betreffend die Aenderung des Berggesetz es. der sich gegen» wärtig noch im Stadiuin der Komnftssionsbehandlung be- findet. Die Bergarbeiter haben alle Ursache, den Verhandlungen über die Abänderung des Berggesetzes die größte Auf- merksamkeit zu schenken. Zumal nach dem Bekannt- werden des Berichts über die Geheimkonferenz der Berg- Herren, die ja dainit gedroht haben, einen kleinen Minister- stürz zu inszenieren, falls der preußische Handelsminister v. Delbrück sich den Wünschen der Bergherren und der sie ver- tretenden Parteien nicht' gefügig-zeigen sollte. Auch haben ja ifie Beratungen der Kommission bereits bewiesen, daß eine starke Majorität am Werke ist, in den ganz un- zulänglichen Gesetzentwurf noch allerlei V e r s ch l e chterungen hineinzubringen. Es gilt aber nicht nur diese Verschlftinnerungs- versuche durch die Vertreter des Bergkapitals zu verhüten, sondern auch den Gesetzentwurf derartig auszugestalten, daß er wenigstens den elementarsten Forderungen der Bergarbeiter, nicht mir der im alten Verband, sondern auch der in den christlichen, polnischen und Hirsch-Dunckerschen Verbänden organisierten Arbeiter gerecht ivird. Es wird allerdings der ganzen Auf- inerksamkelt und Energie der Bergarbeiter bedürfen! Namcnt- lich werden die christlichen Bergarboiier dem Zentrum auf die Finger zu sehen haben, hat doch das Zentrum bisher sowohl im Plenum wie auch in der Kommission eine überaus schwächlich, um nicht zu sagen zwei- deutige Haltung eingenommen! Wahrscheinlich wird sich auch das Abgeordnetenhaus noch einmal mit den Beamtenbesoldungsvorlagen zu befassen haben, dg das Herrenhaus an den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses allerlei Abänderungen znungunstm der Beamten vorgenommen hat. Besonders bezeichnend für das . Haus sozialer Unreife", wie in der Demonstrationsversamm- lung der Beamten ein Redner die preußische Pairskamnier nannte, ist der Beschluß, den Beamten den Wohunngsgeld- zuschuß nicht bereits für 1LV8 zu gewähren, wie dgs den Leqmten von der Regierung wiederholt in der bestimwteften Form zugesichert worden war. 2!as Verhalten des Herren- Hauses beweist wieder einmal, wie notwendig es Ware, nicht nur' ay die Stelle des Dreiklassenwahlrechts für das Abge- ordnetenhaus das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu setzen, sondern endlich auch das Haus der geborenen und ernannten Gesetzgeber zu beseitigen. Leider»st beL der jämmerlichen Haltung des Freisinns und der perfiden Taktik des Zentrums nicht einmal an der Erzwingung des RcichstagswahlrechtS für das Abgeordnetenhaus zu denken! Freisinn und Zentruni glauben durch die Wahlrechtsinterpellation vom 12. Februar ihre Schuldigkeit getan und ihren proletarischen Wählern so viel Sand in die Augen gestreut zu haben, daß das Drei- klassenparlament nach Pfingsten ruhig auseinandergehen kann, ohne durch indiskrete Fragen nach dem Stande der Wahlreform auch nur im geringsten behelligt zu werden! Die entrechteten, gcnasführten Massen»nässen endlich mit ihrem Kampf um ihre politischen und sozialen Rechte Ernst inachen!_ verlcharrt! Maximilian Harden hat's erreicht. Er braucht nicht rn die Gefängniszelle zu wandern. Mit 6l)v Mark Geld- strafe kommt er davon. Die dritte Wiederholung des Prozesses M o l t k e- H a r d e n, die Dienstag vormittag in Moabit begann, endete am Abend mit diesem Urteil. Vier Monate Gefängnis sind Herrn Harden erspart geblieben. Er hat einen gerichtlichen Erfolg erzielt. Und für ihn zählte wohl nicht, was er dabei verloren, tvas er für diesen Erfolg draufgegeben hat.... Politischen Ruf hatte Harden allerdings nicht mehr zu verlieren. Und das Ansehen als Schriftsteller und Mann- In den Kreisen, wo ihm alles Frühere nicht geschadet hat, wird ihm auch jetzt der schmähliche Rückzug nicht schaden. An Stainnitischen deutscher Bierphilister, wo sich politische Urteils- lasigkeit mit Hurrapatriotismus einten, mag er auch jetzt noch lange als Held und Vaterlandsretter leben und die Ver- leugnung dessen, was er getan, um die Kamarilla Eulenburg zu stürze»,»nag ihm dort noch, wie er es fordert, als patriotische Entsagung ausgelegt werden. Er wird ein Held bleiben für diese Leute, obgleich er der Wahrheit zuwider erklärt hat, daß er den Grasen ttu»u> v. Moltke nicht der Homosexualität be- schuldigt hat. Wo man nicht glaubt, daß der Schriftsteller Harden das aus edlen Motiven getan, wo inan durchschallt, daß nicht das vorgeschobene Interesse an des Deutschen Reiches Wohfahrt, sondern die Sorge um die eigene Person diesen Rückzug veranlaßte, dg hatte Harden ohnehin nichts niehr zu verlieren, und also kann es ihm gleich sein, wie sein Ver- halten dort bewertet wird. Es war ein stets wohlberechneter Wechsel zwischen scharfen Vorstößen und Drohungen und kluger Zurückhaltung. Der Wind dreht sich und ein klitger Mann trägt den Mantel da- nach. Es gab Tage, wo Herr Harden bis hoch hinaus der Held des Tages war. Wo eine Ausfahrt des Kronprinzen als eine Delnonftration für den Angeklagten gedeutet wurde, und man die Hand Bülotvs, der ihn zum Sturz des Lieben- bergeps benutzt hgtte, über ihin sah. Aber dann kam der Umschlag, weil Herr Harden zuviel bewiesen hatte, weil er esntzn Sumpf aufgedeckt hatte, der bis dicht an die Stufen des Thrones reichte, weil er es perschuldet hatte, daß die Be- herrschten einen Ausschnitt aus den Kreisen der Herrschenden in seiner ganzen Berderbtheit und Fäulnis erbttckten. Di- Autorität war geschädigt, die Ordnung hatte Schaden gc- litten. Der„Retter des Vaterlandes" ward zum Herostraten, Vnlow und die anderen, die ihn Wider Eulcnburg gebraucht hatten, Niußten ihn fallen lassen. Der Eulenburger konnte sich rein schwören, und im zweiten Prozeß, den der Ober- staatsanwalt Jsenbiel iln Rainen des anfänglich strikte ver- neinten, nun aber ebenso energisch bejahten öffentlichen Jntcr- esses aufnahm, wurde Harden zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Schon damals»vich er kläglich zurück, aber es half ihm uichts. Ihin das Gefängnis und dein Fürsten Eulen- bürg die öffentliche Ehrenerklärung des Oberstaatsanwalts, der sich als Verteidiger des Liebenbergers fühlte. Dje� vier Monate waren zuviel. Herr Harden machte wieder einen Vorstoß. Zerschmetternd traf er den Eulenburg. Und abermals kamen für die„Edelsten und Besten der Nation" sehr, sehr peinliche Tage. Euleiibnrg sitzt wieder auf Liebenberg. Von ihm zu sprechen ist für so manche Amtsstelle Verlegenheit. Lebhaft ist das Bedürfnis, daß die böse Sache endlich verscharrt werde Ist Hardens Prozeß erledigt, so ist ein unbequemer Dränger weniger, der nach der Gesundheit, nach der Verhandlungs- fähigkeit des Mannes fragt, über dessen Haupt die Mein- eidsänklage schwebt. Der Prozeß Harden ist erledigt. Harden hat sein Ziel erreicht— er braucht nicht ins Gefängnis. Und Moltke hat doch seine Genugtuung. Beide sind auf ihre Rechnung ge- kommen, durch jene in der Geschichte der deutschen Recht- sprechung wohl einzig dastehende gemeinsame Erklärung die wie ein Vergleich aiihebt und doch nicht als Vergleich endet Und der Zweck war dem Gericht zu ermöglichen, die Beweisaufnahme und das Strafmaß zu beschränken. Graf Kuno v. Moltke konnte nach den bekannten Ehrbegriffen seines Standes auf eine Verurteilung des Gegners nicht vcrzichtei' Sonst hatte er nämlich die Einstellung des Verfahrens gegen die er nichts einzuwenden hatte, sehr einfach erreichen können. indem er den Strasantrag zurückzog. Aber er hat'doch dazu mitwirken wollen, daß die unaiigenehme Sache möglichst sckwell verscharrt werde. Und die I, tristen haben die Form dafür gefunden. . � So ist also die Affäre, die unseren herrschenden Kreisen so viele unangenehme Stunden bereitet hat, verscharrt. Weniw nach ihnen und ihren beflissenen Dienern geht.... Politische(leberNebt. Berlin, den 20. April 1009. Die Lebensmittelabgaben in den Gemeinden. Aus dem Reichstag. 20. April. Als Ouvertüre zum Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungcn war die Be- ratung von Petitionen eingereiht. Nicht weniger als Lö standen auf der Tagesordnung. Es wurden davon zunächst alle diejenigen, zu denen keine Wortmeldungen und Anträge vorlagen, den Anträgen der Petitionskommission gemäß er- ledigt. Dann wurde auf Autrag des nationalliberalen Abgeord- neten Wölzl gegen den Widerspruch der Sozialdemokratie eine Petition in der Beratung vorweggenommen, die darauf abzielt den Städten das Recht aus Forterhebung der Lebensmittel- abgaben(Oktroi) quf länge.re Zeit zu sichern. In§ 13 des Zollgesetzes war nämlich festgesetzt worden, daß die 'emeinden nur noch bis zum 31. Dezember 1910 das Recht haben sollten. Abgaben auf Lebensmittel zu cihebcn. Es war das eins der Pflaster. daS dem Volke auf die Wunde gelegt werden sollte, die ihm die Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel durch den neuen Zolltarif geschlagen hat. In einer großen Anzahl von Städten ist man auch verminstig genug gewesen. beizeiten diese Lebensmittelabgaben durch andere Steuern zu ersetzen. Andere Städte, wie Dresden und München, haben das versäumt und sträuben sich nun obendrein dagegen, die vorgeschriebene Uenderung zu dem festgesetzten Termin durchzuführen, trotzdem sie doch reichlich Zeit dazu in den sieben Jahren seit Annahme des Tarifs gehabt hätten. Die fragliche Petition geht nun darauf hin- aus. den Stadtverwaltungen die Beibehaltung des Oktrois noch bis zum 31. Dezember 1917 zu gestatten, also dem Volke auch diese drückende Abgabe noch um sieben Jahre länger aufzuhalsen. Die Petitionskommission hatte in ihrer Mehrheit sich gegen diese Zumutung gekehrt und deshalb dem Reichstage Uebergang zur Tagesordnung empfohlen. Dagegen beantragten Vertreter verschiedener bürgerlicher Parteien die Berücksichtigung der Petition mit der Einschränkung, das; die Frist für Ersetzung der Lebens- mittelabgaben in den Städten nur bis zum 31. Dezember 1814 , ausgedehnt werden solle. In der lebhasten Debatte, von der die ganze Sitzung aus- gefüllt wurde, ohne daß sie zu Ende kam. bekämpften die Genossen Emmel, Hildenbrand und Stolle sehr lebhast auch diesen Versuch der Herren Wölzl(natl). Liebert(freik.) und Manz(stets. Vp.), die Aufhebung des Oktrois abermals auf weitere vier Jahre zu verschleppen. Sie be- tonten mit aller Entschiedenheit, daß bei einigem guten Willen die Stadtverwaltungen es in der Hand hätten, dem Gesetze nachzukomnien. Es sei unverantwortlich, gerade den ar- bettenden Klassen, auf denen die Lebensmittelsteuern Vorzugs- weise lasten, noch länger die Lebenshaltung auf diese Weise zu erschweren. Die Debatte wurde auf morgen vertagt. Die Ab- stimmung wird dann eine namentliche sein, wie es die Sozialdemokraten mit Unterstützung einiger Freisinnigen be- antragt haben, um die Mitglieder der bürgerlichen Parteien zu zwingen, in dieser Frage persönlich Mann jür Mann Farbe zu bekennen._ Ersatzsteuern. , Wie die„Franks. Ztg." sich telegraphisch aus Berlin melden läßt, wird der Bundesrat nicht erst, wie es sonst üblich ist, definitive Beschlüsse dos Rr�stages in zweiter Lesung oder auch nur der Kommission avwartcn, ehe er sich über Aenderungen und Ergänzungen seiner Steuer- vorlagen schlüssig macht, sondern er wird das bereits in dieser Woche, wahrscheinlich übermorgen tun. Zu diesem Zwecke werden die leitenden Minister und die Finanzminister der Bundes- staaten nach Berlin kommen. Sie werden vor allen Dingen beschließen, welche Steuervorschläge als sog. Ersatzsteuern an Stelle derjenigen Steuerprojekte treten sollen, die bereits als aussichtslos gelten können. Man wird also bald erfahren, ob eine Erhöhung des Kaffeezolles oder eine Kohsensteuer oder ein Ouittungsstempel oder eine Besteuerung von Versicherungsverträgen, oder was sonst genannt wird, versucht werden soll. Auch der„Berliner Lokal-Anzeiger" teilt mit, daß im Reichsschatzamt für die als gefallen zu betrachtenden Steuern bereits teilweise Ersatzvorschläge ausgearbeitet worden seien; jedoch stehe noch nicht fest, welche von diesen außer der Erb- anfallsteuer an den Reichstag gelangen werden, da man noch nicht wisse, wie hoch der finanzielle Bedarf sei, der nach Ab- schluß der Arbeiten der Finanzkommission noch zu decken ist. Nach diesem Bedarf werde sich die Auswahl der Ersatzsteuern richten; deswegen sei auch mit den Bundesregierungen und den Führern der Blockparteien bisher noch keine Verständigung über die Ersatzsteuern angebahnt worden. Ueber die Geschäftslage im Reichstage wird berichtet: An» Mittwoch tritt der Senivrenlonvent zusammen, un, der Fiuanzkommisfion die'tätige Z«it zu ungehinderter Arbeit sicher zu stellen und sich schlüssig zu machen über die sonst noch zu erledigenden Aufgaben(Bankgesetz. Vtehseucheugeietz, uiilauterer Wetibeioerb, Zivilprozetzordnung. Sicherung der vauforderungcn, Reichsvetsichermtgsordnuitg, Hattdelsvertrag mit Portugal, deutsch- amerikanische« Äbkammen über gewerblichen Rechtsschutz, Bern« Uebereückunst zum Schutze der Literatur und Kunst usw.). Es wird erhofft, daß diese Vorlagen nach den eingehenden Kommissions- Verhandlungen im Plenum rasche Erledigung finden. Wenn irgend möglich, soll ferner die erste Lesung der Strafprozeßordnung und der Novelle zum Strafgesetzbuch vor Pfingsten stattfinden. Am nächsten Freitag tritt die Geschäfisordnungskommission wieder zusammen, zunächst um ihren Bericht über die bisherigen Arbeiten, die die Aenderungen der Geschäftsordnung betrafen, festzustellen, und dann die Beratung der Anträge ans Abändertingen der Berfa siung, Ministerverantwortlichleitsgesetz usw. zu beginnen. Zu dieser Berattnig wird der Bundesrat Vertreter entsenden. >Äeine Liebesgaben. Die„Freist Ztg." scheint von der„Rordd. Mg. Ztg." die Vorliebe für Dementis übernommen zu haben. ParteiosfiziöS schreibt sie: „Die demokratische und sozialdemokratische Presse hat sich bemüht, die Mär zu verbreiten, als ob die Freisinnigen die Zustimmung der Konservativen zur Erbanfallftcner durch Fallenlassen des Widerstandes gegen die Branniwein-LiebeSgabe einzuhandeln bereit seien. DaS ist leeres Geschwätz, das nur den Zweck hat, Verwirrung zu erregen, und Mißtrauen gegen die Freifiitnigett hervorzurufen." In Anbetracht der Prmzipientreue der Leiter der„Freist Ztg." hat dies Dementi genau so viel Wert, wie die schönen Dementis des Kanzlerblattes._ Freisinnige Tagung hinter vorschloffenen Türen, Kommenden Sanntag findet in Langensalza der sechste Parteitag des Bezirks Nordhausen der Frer- sinnige» BolkSpattei statt. Zu dem Bezirk gehören die Kreise Nordhausen-Grasschaft Hohenstein, Erfitrt-Schleusiiigen-Ziegen- rück, Mühlhausen« Langensalza- Weißensee, Sangerhausen- Eckards- berga, Schwarzburg- Sondershausen und ferner die Ueilbezirke Franlenhausen(Schwarzburg-Rudoistadt). Altstadt(Weimar 1). Esch» wege sEschwege-Schmalkalden). Wie üblich, hallen die das Tages- licht scheuenden Wiemeraner die Tagung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ab. Nur Delegierte sowie legitimierte Wiemerlinge und„besonders geladene Freunde" haben Zutritt. In dieser Geheimversammkung sollen, sresfinntgen Zeitungen de« Bezirks zufolge, hochwichtige Dinge von A l l g e in e i n i fl j e r« esse beraten werden. Dem Parteitage geht tags zuvor«in« Versammlung voraus, an der natürlich auch nur„Liberalgesinnte" teilnehmen dürse». Träger, Wiemer und Lewip- Berlin sygeu Über krSUivNige Programmstagcn reden. Zur Reichsfinanzreform nahmen am Montag in Köln und Vororten neun Protest- Versammlungen Stellung, die sehr zahlreich besucht waren. In allen wurde eine gleichlautende Resolution einmütig angenommen, in der die Finanznol des Reiches als Folge der RüftungSpolitil erklärt, und das Bestreben, die Finanzkalamität durch Verschärfung bestehender und Eiiiführnng neuer indirekter Steuern, die die minderbemittelten Bolkskretse schwer belasten, als unsittlich be- zeichnet werden. Die Versammelten protestieren entschieden gegen die Erhöhung der Biersteuer, Branntlvein- und Tabaksteuer, gegen die Erhöhung des Kaffeezolles und die Neueinführung von Steuern auf alkoholfreie Getränke, Zündhölzer und Kohlen. Schließlich fordern die Versammelten: Erweiterung der Rechte der Bolksver- tretung und Ministerverantwortlichkeit, damit ein geordnetes, staat- liches Finanzwesen Platz greifen könne. Die gefährliche Arbeitsruhe am t. Mai. Der Kieler Polizeipräsident hat auf das Gesuch des sozial- demokratischen Vereins in Kiel, einen Maifestzug zu genehmigen, einen ablehnenden Bescheid erteilt, der folgenden Wortlaut hat: „Auf Grund des§ 7 des Reichsvereinsgesetzes vom IS. April 1008 wird die Genehmigung zu dem von dem sozialdemokratischen Verein Hierselbst am i. Mai dieses Jahres geplanten Umzüge versagt, weil durch denselben nach Lage der Verhältnisse eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten ist. Es würde sich um einen Umzug m i t geradezn unbegrenzterTeilnehmerzahl— der sozial- demokratische Verein zählt etwa 6000 Mitglieder— handeln, der mit Rücksicht auf den für denselben gewählten Tag den aus- gesprochenen Ziveck hat, gegen die bestehende Staats-, Gesellschafts- und Arbeitsordnung zu demonstrieren. Die Beranstaltung eipes solchen Demon- ftratioiisznges, der geeignet ist, den Widerspruch der andersgesinnten Menge herauszufordern und an dem voraussichtlich eine Menge Personen teilnehme» würden, welche an diesem Tage ohne Einvernehmen mit ihren Arbeitgebern die Arbeit meide», und nicht nur diese, sondern auch ihre uichtseiornden Arbcitsgenoffen schädigen, läßt besürchten, daß er Gelegenheit zu Reibungen und Ausschreitungen zwischen de» einander gegenüber- stehenden Parteien und somit zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit Anlaß geben würde. Der letztere Grund ist durchschlagend. Der Herr Polizeipräsident tränt zwar den Kieler Genoffen nicht zu, daß sie die öffentliche Sicherheit gefährden würden. aber er meint befürchten zu müssen, daß die Maifest umzügler von ent- rüsteten Sozialistenfressern angefallen werden könnten. Daß er diese Sorte Menschen dabei richtig ein- schätzt, möchten wir bezweifeln— gelüsten mag es ihnen nach einer neuen Auflage der Schlacht von Spenge— aber die Courage dazu dürfte ihnen angesichts der„geradezu unbegrenzten Teilnehmerzahl" doch mangeln. Deshalb konnte der Herr Polizeipräsident ohne Sorge um die öffentliche Sicherheit der Maifeiernden den Umzug gestatten. Uebrigens— würde der Herr Polizeipräsident von Kiel auch den Umzug eine« Kriegervereins verbieten, wenn er zu der— freilich unhaltbaren— Ansicht käme, die Sozialdemokraten würden die Kriegervereinler anfallen? Wir wetten hundert gegen eins, daß der Herr Polizeipräsident in solchem Falle nicht an ein Verbot dächte, sondern feine Polizei bereit stellen würde, ttm die Kriegervereinler zu schützen. Bei Sozialdemokraten und gar wenn sie den 1. Mai feiern, liegt die Sache„ganz anders". Von wegen des gleichen Rechts I" *** Eine besser begründete Haltung nehmen in diesem Jahre die Behörden S a ch s» n- W« i n i n g e n s zu den Forde- rungen auf Gestattung hon Maifestumzügen ein. Jahrelang wiirden in den Städten des Herzogtums, so in Saal- selb, Gräfenthal, Probstzella, die Maifeier- Umzüge verboten, weil fie eine Demonstration seien, die auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung hin- ziel». Das Ministerium bestätigte ans die erhobenen Beschwerden hin die Verbote. I» diesem Jahre aber genehmigte der Saalfelder Magistrat den Maifestumzug und auch aus einer Reihe anderer meiningischer Orte liegen Nachrichten vor, daß man den Umzügen in diesem Jahre kein Hindernis in den Weg legt. Vom Balkan. Die Unabhängigkeit Bulgariens. B tt l g a r i e n hat die Wirrnis in der Türkei benutzt, pm die Anerkettnnng seiner Unabhängigkeit rasch durchzu- setzen. Das türkisch-bulgarische Protokoll, daS Montag in Kvnsian- iit�pel unterzeichnet wurde, erkennt Bttlgarten einschließlich Ost- rumclicnS als unabhängiges Königreich an und regelt die Entschädi- gung qn die Pforte auf der Grundlage, die zwischen Bulgarien und Rußland vereinbart worden ist. Dagegen hat die Frage der Ent- schädigung der Orientbahnen noch keine Erledigung ge- suuden; diese bleibt vielmehr besonderer Regelung vorbehalten. Erst nach dieser werden Deutschland und Oesterreich die Un- abhüngigkelt anerkennen._ Spanien. Korruption. Madrid, 20. April. In den Wandelgängen der Kammer lief gestern das Gerücht, der Personalchef des juristischen Bureaus im Marineministerinm habe vornestern dem Sekretär des Bureaus der Depntiertenkammer eine A it z e i g e wegen Untreue im Amte zu überreichen versucht, die sich gegen den Marine- minister und seine Kollegen im Kabinett richtete und die Zuerteilung der Licferutiasauflräge für den Bau des neuen Ge- schwadcrs zum Gegenstand haste. Der Sekretär habe die Annahme der Klageschrist verweigert. Darauf habe der Personalchef fie als Brief dem Kammerpräsidenten zugehen laffW. Als Zweifel an dieser Darstellung laut wurden, befragten einige Ab- geordnete die Angehörigen des Bureaus, die ihnen die Richiigfcit der Vorgänge bestätigten- Schließlich hieß es. der Präsident habe geäußert, es sei kein Grund vorhanden, die Kammer pon der Auslastung, um die es sich handle, in Kenntnis zu.setzen. In der Sitzung der Kammer teilte der Republikaner S o r i a n o trotz der Glocke des Präsidenten und obwohl ihm das Wort entzogen wurde, mit, daß Von einem Marineossizser eine Anzeige gegen den Marine- minister und die Regierung eingegangen sei. Madrid, 20. April. Die erwähnte Anllqg« des MarineauditeurS Macias lautete auf Verletzung der Anttspslicht. Sein Strafverfolgungsantrag richtet sich gegen den Mqriusminister Ferrandtz persönnch sowie gegen das gesamte Kabinett. Es herrscht hier eine ungeheuere Erregung der öffentlichen Meinung. Die ministeriellen Krxise möchten den Schritt Macias auf G e i st e S st ö r u n g znrückführen. Dieser jedoch, welcher einen der h ö ch st e n Posten in der M a r i n e j n st i z bekleidet, erklärt, er handle lediglich auS Pflichtgesühl, damit das spanische Volk nicht Hunderte von Millionen für völlig un- brauchbareSchiffe opfepe. Rußland. Der Zar und die Schwarzen Hunderte. Der Zar überwies dem„Rnßkoje Sobranje". der PeterSburgep Pogromistenorganiiation, 100 000 Rubel zum Bau eines eigenen Hauses. Die Prätovianer d«S Zarismus können über zarische Un- dankvarkeit nicht klagen. perflen. Die Intervention Rußlands. Petersburg» 20. April. Nach Mitteilungen des Generalkonsulats in T ä b r i s beabsichtigt die durch Hunger zur Verzweiflung getriebeneStadtbevölkerung, mit Fidais an der Spitze, die armenischen Stadtteile und die dort befindlichen Konsulate Rußlands und Englands a u s z u- plündern, um Brot zu erlangen. Die Führer der Bewegung rechnen offenbar darauf, auf diesem Wege und in dem äußersten Falle auch durch Ermordung eines Konsuls eine Einmischung Rußlands hervorzurufen, die die Uebergabe von Täbris an die Truppen des Schahs verzögern und den Revolutionären ermöglichen wird, sich zu verbergen. Im Hinblick auf diese Sachlage beauftragte die russische Regierung ihren Vertreter in Teheran, vom Schah kategorisch die Verfügung zu fordern, daß tinver- züglich für die ausländischen Konsulate, Institute und Unter- tanen sowie für die friedliche Stadtbevölkerung Lebens- mittel in genügender Menge nach Täbris durch- gelassen werden. Dabei wurde dem Geschäftsträger vor- geschrieben, der persischen Regierung zu erklären, daß die Nichterftillung dieser Forderung Rußland nötigen werde, sofort entschiedene Maßnahmen zur Wiedereröffnung der Straße nach Täbris mit Waffengewalt zu ergreifen, um dorthin Proviant zu schaffen und die rttssischen und anderen ausländischen Institute und Untertanen in der Stadt zu schützen._ Waffenstillstand. Teheran, 20. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Infolge der ernsten Vorstellungen des englischen und des russischen Gesandten willigte der Schah heute tu einen s o ch s t ä g i ge n W a s f e u st i l l st a n d vor Täbris ein. Hierdurch spll die Möglichkeit gegeben worden, die Stadt mit Lebensistitteln zu versehen und dadurch zu verhindern, daß hungrige und verziveifelte Elemente die Konsulate angreifen._ Huö der Partei. Zur Maifeier. Der Beschluß des Nürnberger Parteitages ans A b- gäbe des Tagesarbeitsverdienstes am 1. Mai wurde auch in der Parteiversammlung in Che m U i tz von einigelt„Jnicr- essenieu" bemängelt. Auch Anträge, die dem Beschluß eine besondere Auslegung geben wollten, wurdeg gestellt. Sie sau de» aber nicht e i n nt q l 11 n t e r st ü tz u n g b e i der Versammlung, die schließlich gegen mir wenige vereinzelte Stimmen folgende!» Antrage zustimmte:„Die heutige Parteiversflmmlung des sechzehnten sächsische» Reichstagswahlkreiscs beschließt gemäß dem Beschlüsse des Nürnberger Parteitages, alle Genossen, die am 1. Mai seiern und ihren Lohn erhalten, aufzufordern, ihn an die Partei- oder GeWerk- schastskaffe abzuliefern." Aus Stuttgart wird uns geschrieben: In Nr. 77 des„Vorwärts" wird aus Stuttgart berichtet, die Holzarbeiter haben die A r b e i t S r u h c am 1. Mai b e- schlössen, dagegen hätten die Metallarbeiter die Arbeitsruhe abgelehnt. Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen, denn die Metallarbeiter haben bis jetzt(3. April— das Schreiben gelangt infolge eines Versehens verspätet zum Ab- druck) in keiner Versammlung einen Beschluß zur Arbeitsruhe am 1. Mai gefaßt. Hingegen hat die Ortsverwaltmig, wie in den Vosiahren, beschlpssen, die Arbeitsruhe den Mitgliedern überall dort zu empsehlen, wo fie weder Bestrafung noch Entlassung zur Folge hat. Hat die Axbettsruhe Bestrafung zur Folge, sollen die Mitglieder entscheiden, ob fie sejent wollen oder nicht; sind Ent- lassimgen oder gar Aussperrungen die Folgen, wird den Mitgliedern empfohlen, von der Arbeitsruhe Abstand zu nehmen. Die Ent- scheidungen über ds» ArbeftSruhe werden nicht in einer Mitglieder- Versammlung, sondern in Betriebsversanmflungen gefaßt. Der gemeldete Beschluß der Holzarbeiter wurde in einer Mit- 8liederversam»tlung mit 33 gegen 20 Stimmen gesaßt, obwohl die jahlstelle des HolzarheiterverbandeS rund 0000 Mitglieder zählt. In einer außerordentlichen Generalversammlmig der Krcis- organisation Essen gab der Genosse Ärantz im Austrage der im Betriebe der„Arbeiterzeftung" tätigen Buchdrucker die Erklärung ab, daß der Parteitagsbeschluß. wonach Angestellte der Partei einen Betrag in der Höhe eures Tagelohnes au die Maifeierkommission zahlen sollen, sür sie leine Gültigkeit habe. Die Aussührungen wurden mit lebhaftem«Hört I hört I' aufgenommen. Zur M a i s e t e r schloß sich die Kreisversammlimg von M ü l- hausen i. E. dem Veichlusje des Ortsvereins Mülhausen an. daß die gemäß dem Beschluß» des Nürnberger Parteitages abgeführten Beiträge lTqgesverdienst) der seiernden Parteimitglieder, die infolge der Feier keinen Lohnabzug erleiden, zur Verstärlmtg des Fonds für ein B o l ks h a u s in Mülhausen dienen sollen, soweit fie zur Entschädigung für Geniaßregelie nicht benötigt werden. Nach den in der Versammlung erfolgten Mitteilungen wird die Arbeitsruhe in der Großtitdustrie an diesem 1. Mai eine Er- Iveiterung erfahren._ Keine Doppelkandidalnre». Im 37. ländlichen sächftschen Wahlkreise, den bisher Genoffe Gold stein im Landtage vertreten hat, tvurde Genosse Karl Sindermann aus Dresden als Kandidat ausgestellt. Die Wiederausstellung des Genossen Goldstein mußte unterbleiben, da die sächsische LandcLversainmluug beschlossen hat, daß Reichstags- und LandtagSmandate nicht in einer Person vereinigt werden sollen._ Vom Fortschritt der Presse. Um den Betrieb deS„Volks- blatt sür Bochum" erweitern zu können, wozu die steigende Verbreitung nötigt, hat der Verlag des„Volksblatt" in der Zwangs- Versteigerung ein Grundstück, in dem früher eine bürgerliche Zeitung hergestellt wurde, erworben. Unser Bochumer Parteiorgan wird also demnächst das eigene H» i in beziehen. Warnung. Im westlichen Deutschland reist ein junger Mann namens Jakob Schwarz und sucht die Parteigenossen zu brandschatzen. Er legt ein mit der Schreibmaschine heracstellieS ArbeitSzeugniS vor. unterzeichnet mit: Parteisekretär Max König in Dortmund. Handschriftlich ist noch der Nachsatz aiigpfügt, worin die Genossen ersucht werden, Schwarz, der ein tüchtiger Parieigenoße sei, durch Arbeit oder Geld zu unterstützen. D*;« ganze Schreiben ist aber gefälscht und der Mann ein Schwindler. Dg es ihm bereits gelungen ist, auf Grund dieser falschen Ausweise in Aachen Gelder zu erschwindeln, wird dringend vor ihm gelvarnt. Alle Ge- nossen, die bereits von Schwarz geprellt worden sind, werden ge- beten, Nachricht an den Parteisekretär Max König, Dortmund, Kielstr. 5, gelangen zu lassen. Eine uitvcrsrorcue Bohkottaktio» setzten i» Dresden die Ab« zahlungsgeschäfte gegen unser Parteiorgan, die Dresdener „ B o lks zei t ung", in Szene. Weil die„BolkSzeitung" daS rigorose Vorgehen einzelner Abzahlungsgeschäste gegen ihre Knuden an der Hand eines Berichtes des ArbeitersekrelariateS gebührend kritisiert hatte, beschlossen die Inhaber der Dresdener Ab- zahlungsgeschäfte. die Dresdener„Volks ,eitung" ein Jahr lang zu boykottieren, d.h. ihr während dieser Zeit kente Anzeigen ailszngeben.— Die Herreu Firmeninhaber vermuten wohl ans thron Ersahrungen mit gewissen bürgerlichen Blätter», daß sie auf diese Weise die Kritik stumm machen können. Sie werden bald erkennen, daß der textliche Inhalt eines sozialdemo» kratischen Blattes vom Inseratenteil aus nicht zu beeinflussen ist. poltzcüidxT, OeHcMltchcs ufw« Zum vierten Male nicht bestätigt wurde der Genosse Meyer, der viermal zum Mitgliede des Gemeindevorstandes in Moisling bei Lübeck gewählt worden ist. Am letzten Sonntag wurde nun der Genosse Gastwirt S ch i e r i n g zum Gemeindevorstandsmitglied mit 70 gegen 9 Stimmen gewählt. Es bleibt abzuwarten, ob die Aufsichtsbehörde diesen Genossen bestätigen wird. Die Rotscheu grassiert in Lübeck bedenklich. Die Staatsrettung zu Frankfurt a. M. Mr haben in der Sonntagsnummer mitgeteilt, daß die Regierung zu Wiesbaden unserem Genossen Dr. Q u a r ck, der vorn Frankfurter Stadtver- ordnetenkollegium mit der höchsten Stimmeuzahl und von fast allen Parteien zum Mitglied der Schuldeputation gewählt worden war, die Bestätigung versagt hat. Dabei haben wir auch die Form der Verfügung, die dem Frankfurter Magistrat von der Regierung zuging, beanstandet. Auf Grund einer mißverständlichen Abkürzung der Meldung kamen wir zu der Annahme, die Wiesbadener Regie- rung habe zur Versagung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung auch noch die UnHöflichkeit gefügt. Das trifft indes nicht zu. Die betreffende Stelle der Verfügung lautet nicht:„Es ist dem Redakteur Ouarck mitzuteilen.. sondern: Es ist der Stadt- verordnete Herr Redakteur Dr. Max Ouarck davon zu benach- richtigen..." Die F orm der Verfügung ist also korrekt. Um so schlimmer stehts mit dem sachlichen Inhalt. Legen die neue vollisbelsstung durch die sogenannte Finanzreform protestierte gestern abend die sozialdemokratische Arbeiterschaft von Groß-Berlin in acht- zehn großen Versammlungen. Wenige Stunden vorher hatte der Reichskanzler eine Anzahl von Abordnungen aus dem Bürgertum empfangen, die alle versicherten, daß ihr Patrio- tismus es sie gern ertragen ließe, wenn die breite Masse des Volkes mit 400 Millionen neuer Steuern belastet werde. Darüber hinaus versicherten gar die Idealisten unter ihnen, im Gegen- sah zu den Agrariern auch eine modifizierte Nachlaßsteuer im Reichsfinanzreformprojekt dulden zu wollen, da man ja die Unmöglichkeit einsah, alle die neuen Lasten der Arbeiterschaft auferlegen zu können. Immerhin 400 Millionen von den an- Leblich„notwendigen" 500 verbleiben dieser zu tragen. Muß das sein? Einstimmig bekundeten gestern abend die zu Tausenden Versannnelten, daß sie über diese Notwendigkeit anderer Meinung seien. Wäre das völkerverhetzende Wettrüsten nicht, existierte nicht das verderbliche persönliche Regiment, das nur jeden Augenblick in unübersehbare politische Schwierigkeiten zu stürzen vermöchte, hätte das Volk über Krieg und Frieden zu ent- scheiden, so wäre die Nation nie so belastet worden, daß sie eine solche„Finanzreform" brauchte I Wenn nun gegen den Willen der großen Mehrheit des Volkes die Beziehungen zu unseren Nachbar- staaten derartige geworden sind, daß sie der Nation den sogenannten „bewaffneten Frieden" aufzwingen, dann haben doch die an solchen Zuständen allein Schuldigen kein Recht, die daraus er- wachscnen Lasten denen aufzubürden, die stets und ständig ihre Gegnerschaft gegen den völkcrmordenden Krieg offen be- kannten. Wenn diese sich jetzt gegen eine weitere Belastung durch indirekte Steuern wehren, tun sie das wahrlich mit einem größeren Recht als die Agrarier, die ja für eine Vermehrung von Heer und Flotte vielleicht nicht zuletzt deswegen mit eintraten, weil ja fast jede dadurch notwendig werdende direkte Steuer zugleich eine Liebesgabe für sie enthielt. Das waren die Gedanken, welche die versammelten Massen bewegten und denen auch die Redner, jeder in seiner Weise, Ausdruck gaben. Und dieser Jdeengang führte in allen Ver- sammlungen zur einstimmigen Annahme folgender Resolutiou: Die Versammlung erhebt Protest gegen die ins Endlose steigende Belastung des Volkes durch die Kriegsrüstungen zu Wasser und zu Lande. Die Kriegsrüstungen sichern nicht den Frieden, sondern sie steigern die Kriegsgefahr und treiben die Staaten dem Bankerott entgegen. Die Kriegsgefahr wird ver- mindert, wenn die Völker selbst über Krieg und Frieden zu ent- scheiden haben. Die Versammlung fordert deshalb Erweiterung der Rechte der Volksvertretung und Verantwortlichkeit der Minister der Volksvertretung gegenüber. Die Finanzen des Reichs und der Bundesstaaten können nicht durch Bewilligung neuer Steuern auf eine gesunde Grund- läge gestellt werden, solange das gegenwärtige System der Aus- gabesteigerung besteht. Nur durch Anpassung der Ausgaben an die Einnahmen sind erträgliche Finanzverhältnisse zu schaffen. Die Versammlung protestiert gegen jede weitere Belastung der Arbeiterklasse durch neue Steuern. Die Arbeiterklasse muß gegenwärtig schon in Form von Zöllen und Verbrauchsabgaben den größten Teil der Reichssteuern aufbringen und ist durch die Neichsgesetzgebung gezwungen, die Summen zu tragen, die den Besitzenden durch Schutzzölle auf Getreide, Vieh, Fleisch, Garn usw. sowie durch die Liebesgaben der Branntweinsteuer zu- geführt werden. Eine Erhöhung der Biersteuer, der Branntweinsteuer, der Tabaksteuer, des Kaffeezolles und die Neueinführung von Steuern auf alkoholfreie Getränke, Zündhölzer und Kohlen kann die Ar- beiterklasse, die gegenwärtig unter der Krise schioer leidet, nicht tragen. Mit der gleichen Schärfe und Ausdauer, mit der die be- sitzenden Klassen gegen die Nachlatzsteuer protestieren, muß sich die Arbeiterklasse gegen die Steuern, die die Arbeiter treffen, zur Wehr setzen. Fm ersten Kreis waren Dräsels Festsäle das Ziel vieler Genossen und Ge- nossinnen, die sich selbst durch den strömenden Regen nicht abhalten ließen, gegen die beabsichtigte Finanzreform zu protestieren, die Genosse Müller in seinem eineinhalbstündigen Referate, gestützt Nuf ein reichliches Tatsachenmaterial, gebührend würdigte. Die Versammlung für den zweiten Wahlkreis fand in der Bockbrauerei am Tempelhofer Berg statt. Der Abgeordnete des Kreises Genosse Richard Fischer, sprach vor etwa 1000 Personen.— Zur Diskussion meldete sich ein Arbeiter aus Steglitz als Gegner. Er wünschte, daß„alles im guten" ab- gemacht werde, und kündigte an, es werde„alles so bleiben, bis in alle Ewigkeit". Der gute Mann erntete Heiterkeit. Dritter Wahlkreis. Im großen Saal des Gewerkschaftshauses referierte Genosse Max Grunwald. Seine Ausführungen fanden großen Beifall. Namentlich ließ die Versammlung keinen Zweifel darüber, wie sie über die den breiten Volksmassen aufs neue zugemutete Belastung denkt., Der vierte Wahlkreis sah drei Versammlungen. Im E l y s i u m geißelte Genosse M o l k e n b u h r vor einer zahlreichen Zuhörerschaft in seinen von gründlicher Sachkenntnis getragenen Ausführungen die grenzenlose Mißwirtschaft in den deutschen Reichsfinanzen. Unter großer Spannung ging in Freyers Festsälen S t ü ck l e n auf die Materie der Finanzreform ein._ Verantw. Redakteur: Haas Weber, Berlin. Inseratenteil verantw..: » ■ Kopf M Kopf geSräikgt lauschten in der„U k ä ü i a'. Wräffgel- straße, die Zuhörer den kernigen Worten Borgmanns, Die Genossen deI fünften Berliner Wahlkreises hielten ihre Versammlung im Schweizergarten am Königstor ab. Der strömende Dauerregen hielt die Besucher anfangs zurück; aber es währte nicht lange und sie kamen herbei, um einen Vortrag von Robert Schmidt zu hören, der sehr beifällig aufgenommen wurde. Mit Genugtuung wurde die zahlreiche Anwesenheit der Frauen bemerkt, die sich durch das schlechte Wetter nicht haben zurückhalten lassen. Im sechsten Berliner Wahlkreis waren vier große Versammlungen veranstaltet, und die Genossen konnten mit dem Besuch in allen vier Lokalen wohl zufrieden sein. Männer und Frauen waren zahlreich dem Rufe der Partei ge- folgt. Die Redner fanden überall aufmerksame Hörer, die mit ihrem Beifall nicht geizten, wenn die Kritik rückhaltlos aufdeckte, daß die Regierung als„Reform" ausgibt, was sie dem Volke als neue Lasten auf die Schultern wälzt. Im großen Saal von Ballschmieder sprach Genosse E b e r t, in der Kronen- Brauerei Genosse K u n e r t, in den Pharus-Sälcn Ge- nosse Ledebour und im P rat er in der Kastanienalle Genosse L i e p m a n n. Die Versammlung für Rixdorf, welche bei Fr. Hoppe in der Hermannstraße tagte, füllte den großen Festsaal bis zum letzten Platz. Viele mußten stehen. Reichstags- abgeordneter Fritz Zubeil hatte hier das Referat. Seinem Aufruf zum Protest folgte stürmischer Beifall. Schöneberg. In der Versammlung zu Schöneberg, die den großen Saal der Schloßbrauerei in der Hauptstraße— die auch von Frauen zahlreich besucht war— füllte, sprach Genosse Wels. Die kernige Rede, durchbebt von tiefer Entrüstung über die schmähliche Wirtschaft im Reiche wie über die volksverräterische Blockpolitik, und ausklingend in einem kräftigen Aufruf zum Kampf gegen die Mißwirtschaft und für die Ziele der Sozialdemokratie fand lebhasten Beifall.— Gegner meldeten sich trotz aller Aufforderung nicht zum Wort. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Außerordentlich gut besucht war die Versammlung in Lichten- berg,„Schwarzer Adler", wo Genosse Eichhorn in launiger Ironie und oft von Beifall und Heiterkeit unterbrochen, das Thema des Abends behandelte. Ucber die Versammlungen der übrigen Vororte lagen uns beim Schluß der Redaltion noch keine Berichte vor. GeilverKfcKaftlicKes. Sehr bedenkliches Christentum. Der vielgenannte christliche Gewerkschaftssekretär Tremmel, früher in Mannheim, übt sich darin, eine Anzahl unserer Partei- redaktionen wegen Beleidigung seiner Person zu verklagen, was bekanntlich der biblischen Lehre zuwider ist. Zuletzt war die Reihe am Genossen Faas in Pforzheim, welcher in der„Freien Presse" vom„unrühmlich bekannten Streikbrecher- sekretär" gesprochen hatte. Das Gericht strafte deshalb den Beklagten mit 10 M. und nahm im Urteil Bezug auf die Entscheidung in der Klage Tremmels gegen den„Volksfreund"- Redakteur vor dem Karlsruher Schöffengericht im Oktober v. I. Das Pforzheimer Urteil sagt in seiner mündlichen Ver- kündung: „Im Gegensatz zur Ansicht des Karlsruher Schöffengerichts muß das Verhalten Tremmels als sehr bedenklich bezeichnet werden. Gegenüber der Zahl von S00 Freiorganisierten, deren Interessen auf dem Spiele standen, hätten jene der 15 Christlichen zurücktreten müssen, um nicht die Sache der Mehrheit zu ge- gefährden. Das Verhallen T.'s sei jedoch nicht unehrenhaft." Bekanntlich bot Tremmel im Mannheimer Hafenarbeiter- streik den Arbeitgebern christliche Aushilfe an, was in Arbeiter- kreisen als unehrenhaft gilt._ Die Bewegung der Bauklempner. Der Tarifvertrag der Arbeitnehmer hat weitete Anerkennung gefunden und ist wieder von verschiedenen Firmen unterzeichnet worden. Einige Firmen haben erklärt, daß sie gern nachgeben möchten, sie wagten es aber nicht, da sie sonst geschäftlich ruiniert würden; sie fürchten offenbar den Terrorismus der Unter- nehmer. Eine Firma machte das Angebot, daß ihr Werk» führ er den Vertrag unterzeichne, um sich selbst den Rücken frei- zuhalten. Viele wundern sich, daß die Streikleitung nicht dulden will, daß die Firmen, welche den Tarif unterschreiben, SI?eik- arbeit übernehmen. Vielfach nehmen die Arbeitgeber an, daß der Verband jede Gelegenheit begierig ergreifen müsse, um Verträge abzuschließen. Sie nehmen an, daß die Unterstützungsfrage beim Verbände eine große Rolle spiele, aber damit befinden sie sich im Irrtum, wie Cohen in einer Klempnerversammlung, die am Dientagmorgen im Gewerkschaftshause stattfand, betonte. Er er» klärte, die Streikleitung köime sich auf keinerlei Kompromisse ein- lassen, entweder müssen die Unternehmer einzeln oder als Organi- sation den Tarifvertrag unterschreiben, ein drittes fei aus- geschlossen. Gerüchtweise verlautet, daß die Unternehmer am Donnerstag die Aussperrung aufheben wollen. Die Taktik solle geändert werden. Um so mehr Grund haben die Arbeiter, wach- sam zu sein und sich auf nichts ohne die Mitwirkung ihrer Organisation einzulassen. Der Verband hat schon 200 Ar- beitsberechtigungskarten ausgegeben, und es sind namhafte Firmen, die den Tarifvertrag der Arbeitnehmer anerkannt haben. Cohen erklärte in der Versammlung, daß er im„Berliner Tageblatt" eine Notiz mit einer irrigen Ansicht über das Ver- hältniS der Bauklempncr zur Akkordarbeit gefunden habe und machte den„Vorwärts" dafür verantwortlich. Ohne jeden Gründl Denn im„Vorwärts" ist wiederholt, schon bei den Einigungs- Verhandlungen, berichtet worden, daß die Klempner seit Jahren schon keine Akkordarbeit mehr ver- richten, daß diese ihnen jetzt von den Meistern auf- gezwungen werden soll, und daß die Arbeiter dadurch eine Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen befürchten. Cohen vergißt, daß die bürgerliche Presse den Mitteilungen von feiten der Unternehmer gewöhnlich ohne nähere Prüfung Auf- nähme gewährt. Die Streikposten berichteten mancherlei von ihren Erfahrungen mit der Polizei, die ihnen in der Ausübung ihres Rechtes als Streikposten viel Schwierigkeiten inachte. Am Sonntag früh sahen zwei Posten in Halensee, daß bei der Firma Marx, Hubertusallee gearbeitet wurde. Drei Arbeitswillige begannen dort. Die Posten lenkten die Aufmerksamkeit eines Schutzmannes auf die verbotene Sonntagsarbeit, wurden aber abgewiesen und als sie sich nicht ohne weiteres zufrieden gaben, vom Schutz- mann mit einer Sistierung bedroht.— Die Streikposten werden sich trotz aller Widerwärtigkeiten nicht abschrecken lassen, ihre Tätigkeit ist gerade in den nächsten Tagen sehr wichtig. Der Kampf«m den Ruhetag im Bäckergewerve. Die Bäckergesellen Berlins hatten sich gestern nachmittag außer- ordentlich zahlreich bei Freyer in der Koppenstrahe versammelt, um für die gesetzliche Einführung eines wöchentlichen 36stündigen Ruhetages zu demonstrieren. Der große Saal war samt den Galerien gedrängt voll, ein Beweis dafür, daß die große Masse Lee Bäckergesellen hinter der Forderung stehk. Der Rcserönk H e tz s ch o l d, der über den Kampf um unseren Ruhetag und die Wissenschaft sprach, erwähnte zunächst die Machen- schaften des gelben, von Bäckermeistern ausgehaltencn Bundes der Bäckergesellen, der bekanntlich mit einer Gegenpetition hervor- getreten ist und am selben Tage eine Massenkundgebung der„Hand- werkstreuen Kollegen" gegen die Forderung des Ruhetages ver- anstaltcte. Ihre Gegenpctition ist, wie der Redner bemerkte, vor» ihrem Bundespräsidenten und dem Buchdruckereibesitzer hergestellt und dann dem Reichstag als Meinung der Bundesmitglieder, denen gar keine Gelegenheit sich dazu zu äußern gegeben wurde, vorgelegt worden. Die Mitglieder selbst haben, wo sie es ohne Gefahr für ihre Stellung tun konnten, diese Petition unbedingt verurteilt, die nicht anders als ein mit größter Dreistigkeit unternommener Ver- such ist, den Reichstag zu täuschen. Nach den Machern der Gegen- Petition soll der Verband der Bäcker und Konditoren, der 18 193 Mitglieder zählt, von denen über 89 Proz. gelernte Bäcker sind, nicht die Vertretung der deutschen Bäckergesellen sein, und von dem Ruhetag wird behauptet, daß er 30— 40 000 Aushilfskräfte nötig machen werde und deshalb undurchführbar sei.— Die verschiedenen Schwindeleien, die in der Gegenpetition aufgetischt sind, werden übrigens in der vom Verband der Bäcker herausgegebenen„Denk- schrift an den Deutschen Reichstag" gründlich und mit zwingenden Beweisen widerlegt. Diese Denkschrift enthält im übrigen eine Fülle von Gutachten, die Aerzte, Gelehrte und Sozialpolitiker auf Grund einer Umfrage des Verbandes über die Schädlichkeit des Mangels eines Ruhetages im Bäckergewerbe für die Bäckereiarbeiter selbst wie für das konsumierende Publikum abgegeben haben. Es waren auf diese Umfrage bis gestern 30 Antworten eingegangen, von denen in die schon vor Ostern ge- druckte Denkschrift erst 20 aufgenommen werden konnten; die übrigen sollen in einem Nachtrag angefügt werden. Es ist in den Gutachten, wie der Redner im einzelnen darlegte, ein überraschend reichhaltiges Beweismaterial für die sanitäre und soziale Not- wendigkeit des Ruhetages im Bäckergewerbe zusammengekommen, und einen weiteren Beweis dafür bilden die der Denkschrift an- gefügtest Kranken- und Sterbestatistiken der Zentralkasse wie der Berliner Ortskasse des Bäckcrgewcrbcs, sowie der Umstand, daß das Ausland schon lange für Einführung des wöchentlichen Ruhe- tages, teils auch für Beseitigung der Nachtarbeit im Bäcker, gewerbe gesorgt hat.— Der Redner schloß seinen inhaltrcichen Vortrag, der stürmischen Beifall fand, mit der Aufforderung zu unermüdlichem Kampf für den Ruhetag und für die Stärkung des Verbandes, der die feste Grundlage bildet für das Ringen der Bäckergesellen nach mehr Freiheit und Kultur, nach einem menschenwürdigen Dasein. Die von 3000 Bäckern und Konditoren besuchte öffentliche Versammlung erklärte sich in einer Resolution erneut, genau so wie die Versammlungen im Dezember 1003 und Februar 1909, für die vom Verbände der Bäcker, Kondiwren und verwandte Berufsgenossen Deutschlands erhobenen Forderung auf Gewährung eines regelinäßigen wöchentlichen Ruhetages von 33 Stunden für alle Bäcker und Konditoren. Achtung, Töpfer! Die Sperre über den Kaufmann B i e l s k i ist hiermit auf- gehoben, da er sich mit den Töpfern geeinigt hat. Jedoch bleibt die Firma Artelt gesperrt. Die Verbandsleitung. Achtung, Militärsattler! Die Firma de la Croix Nchf., Dreibundstr. 1, hat einen größeren Posten Geschoßkörbe anzufertigen. Der Akkordlohn für die Näharbeit beträgt laut des beim Berliner Gewerbegericht»neder- gelegten Tarifvertrages 42 Pf. pro Korb. Die Firma de la Croix Nchf. bietet aber für diese Arbeit nur 32 Pf., indem sie diese Maß- nähme damit begründet, daß sie, um überhaupt etwas von der Arbeit zu bekommen, den Korb 60 Pf. billiger annehmen mußte. Wir ersuchen alle Kollegen, dieses Arbeitsangebot unbedingt ab- zulehnen und diesen Betrieb als gesperrt zu betrachten. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler. Achtung, Stukkateure! Bei der Firma O. Thiele G. m. b. H. sind Differenzen ausgebrochen. Wir ersuchen die Kollegen, das„u beachten. Deutfehes Reick). . Textilarieiterbewegung. In der Plüschweberei der Firma G. Rogler in GefreeS jOberft.) sind Differenzen ausgebrochen. Zu- zug ist fernzuhalten. Bezirkskommando und Tarifbewegung. Den Arbeitem der Möbel- fabriken Billigheimcr und Seitz in Würzburg wurde von den Unter- nehmern der Tarif zum 1. Mai gekündigt. Anscheinend wollen die beiden Firmen eine Kraftprobe inszenieren, um den Arbeitern Ver- schlechterungen aufzuzwingen. Es wird mit Hochdruck gearbeitet, um vor Tarifablauf noch möglichst viel fertig zu bringen. Auffallend ist auch, daß die Unternehmer beim Bezirkskommando um Befreiung ihrer kontrollpflichtigen Arbeiter von der Kontrollversannnlung nach- gesucht haben, damit ja kein Arbeitstag versäumt werde, noch auf- fallender aber ist, daß das Bezirkskommando dieses Gesuch genehmigt hat! Letzte)Machncbtcn und Dcpcfchcn* Unternehmer-Terrorismus. Dortmund, 20. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".)' Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe beschloß heute in einer Sitzung, am Sonnabend die sämtlichen Dortmunder Bauarbeiter auszusperren._ Ein mildes Urteil. Strasburg, 20. April.(B. H.)! Vor dem Kriegsgericht der 2g. Division in Mülhausen wurde gestern und heute gegen den Rittmeister der 3. Eskadron des Jägerregiinents Nr. 5 Grafen von Gcrsdorf verhandelt, der durch vorschriftswidrige Behandlung und fortgesetzte Beleidigung den Einjährigen Block zum Selbst- mord getrieben, ferner durch verschiedene Aeußerungen den Batcr des Einjährigen beleidigt haben soll. Der Angeklagte war zuletzt 8 Wochen vom Dienst suspendiert worden. Die Beweisaufnahme ergab, daß der dreitägige Mittelarrest, der dem Selbstmorde bor- aufging und als unmittelbares Motiv angesehen wurde, nicht vom Angeklagten, sondern vom Oberleutnant Engclmann verfügt worden war. Auf der anderen Seite aber wurde erwiesen, daß der Angeklagte sich zu persönlichen und antisemitischen Gehässig- keitu» habe hinreißen lassen. Das Gericht nahm nur einen einzigen Fall von Beleidigung, begangen durch den Ausdruck Judcnjnngr oder Judcnlümmel als erwiesen an und verurteilte den An- geklagten zu 2 Tagen Stubenarrest. Bezüglich der anderen Punkte erfolgte Freisprechung. Es hält, der Wage nach, die Frau Gerechtigkeit Noch überall nach alter Art Gerichte, Ist je bei uns ein kleiner Unterscheid,, So ist es etwan im Gewichte. Er lernt Bildung. Belgrad, 20. April.(Meldung des Wiener K. K. Korrespondenz. bureaus.) Kronprinz Alexander soll, wie der König auf Antrag einer besonderen Kommission beschlossen hat, bis zum Herbst d. I. in Belgrad bleiben und von September ab dil Universität Bonn besuchen. »h. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstgl» Paul Singer& Co., Berlin S W, Hierzu 2 Beilagen».tlutethgltuaMl, Ar. 92. 26. Iahrgaug. t Ifilnjf te„Öonröttö" Mitwoch, 21. April 1909. Reichstag 249. Sitzung vom Dienstag, den 20. April, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Kommissare. Auf der Tagesordnung stehen Petitionen. Eine große Zahl von Petitionen werden debattelos nach den Beschlüssen der Kommission erledigt. Darunter durch Uebergang zur Tagesordnung eine Petition aus Bewilligung einer Subvention für die deutsche Friedensgesellschaft. Dem Reichskanzler zur Er- ivägung überwiesen wird eine Petition des Gemeinderats von Bant bei Wilhelmshaven, der auf Anregung der dort ansässigen Rtaurer, Zimmerer, Bau- und Erdarbeiter darum bittet, daß zu allen aus Reichsmitteln gezahlten Arbeiten innerhalb des Reiches nur deutsche Arbeiter beschäftigt werden. Ebenso eine Petition auf Sicherung deS Koalitionsrechts der Privatangestellten. Dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen wird eine Petition. welche die Aufnahme der weiblichen A»gestellten in die obligatorische Kranken- Versicherung wünscht, sowie eine Petition, in der um die Aus- dehnung der Kranken- und Unfallversicherungspflicht auf Portiers und Hausangestellte gebeten wird. Desgleichen eine Petition, in der die Ausdehnung der Haftpflicht� der Eisenbahnen einschließlich der Klein- und Straßenbahnen auf �Sachschäden gewünscht wird. Der Vorstand des Deutschen Müllerverbandes, dem sich eine Reihe anderer Müllervereinigungen sowie verschiedene Handelskammern au- geschlossen haben, petitioniert um Maßnahmen, durch welche eine übermäßig große Ausfuhr von deutschem Getreide verhindert werde. Die Konimission schlägt vor, hierüber zur Tagesordnung über- zugehen. Die Gewerbekammer Dresden, der Verband deutscher Lohnfuhrunternehmer, der Zentralverband deutscher Bäckerinnuugen und der deutsche Handwerts- und Gewerbekanmiertag Hannover petitionieren um die Wiedereinführung des JdentitatSnachweiseö, die Aufhebung aller Ausnahmetarife für Brot. Getreide und Mehl auf deutschen Eisenbahnen und die Herabsetzung der Gültigkeitsdauer der zollfreien Einfuhrscheine von sechs auf drei Monate. Die Kam- Mission beantragt, diese Petition dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweise». Der Rat und die Stadtverordneten von Dresden, denen sich eine Reihe anderer Städte angeschlossen haben, petitionieren um die Verlängerung der im§ 13 des Zolltarifgcsetzes für Beseitigung der städtischen Verbrauchssteuern auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und andere Mühlenfabrikate, Backwaren, Vieh, Fleischmaren und Fett festgesetzte Frist bis zum 31. Dezember 1317. Die Kommission schlägt Uebergang zur Tagesordnung vor. Auf Vorschlag des Präsidenten Grafen Stolberg sollen diese drei Petitionen gemeinschaftlich beraten werden. Abg. Wölzl(natL) bittet die Beratung dieser Petitionen an öle Spitze zu stellen. Abg. Sachse(Soz.): Ich bitte die Beratung der Petitionen in der Reihenfolge vorzunehmen, wie sie auf der Tagesordnung stehen. Unter denen, die nach dem Antrage Wölzl zurückgesetzt werden sollen, befinden sich solche, die schon siebenmal auf der Tagesordnung gestanden haben und sehr dringender Natur sind. Der Antrag Wölzl wird angenommen! es wird in die Beratung der genannten 3 Petitionen eingetreten. Abg. Emmel(Soz.): Als im Jahre 1902 der neue Zolltarif geschaffen wurde, wurde in Z 13 Vorsorge dafür getroffen, daß die durch den Zolltarif schon erheblich verteuerten Lebensmittel nicht noch stärker belastet werden könnten. Der st ädtis che Oktroi sollte bis zu in Jahre 1910 aufgehoben werden. Jetzt wird darum gebeten, die Frist bis zum 31. Dezember 1917 zu verlängern, und in der Petitionskominisjion haben sich die Vertreter der Regierungen dafür ausgesprochen. Der Vertreter des preußischen Finanz- Ministers wies auf die schtvankcnde Finanzlage der Städte hin. Die Städte wußten aber, was kommen werde und hatten reichlich Gelegenheit, eine Aeuderung des bei ihnen bc- Rleines feiallctcm. Schlimme Geschenke. Fritzchcn bekommt vom Vater eine Trom- Pete. Drei Tage herrscht große Freude. Am vierten kann Mama das Geblase nicht mehr vertragen. Am fünften wird Papa im Mittagsschlas gestört. Das ewige Getute wird untersagt. Fritz lann sich trotzdem nicht zurückhalten. Die Trompete wird eingeschlossen. Geheul. Der Halsstarrige Junge erhält eine Tracht Prügel. Es ist nicht auszuhatten mit ihm, der ciire Trompete ge- schenkt bekanr und nicht blasen sollte.... Fanny erhält Schippc, Hacke und Sandeimer. Die Familie lebt in einer großstädtischen MietSkpserne. Auf dem Hofe werden die Kinder nicht geduldet. Tie Mutter oder das Dienstmädchen haben keine Zeit, mit der Kleinen aus den Spielplatz zu gehen. Bittere Tränen. Das Kind will keine Vernunft aunehme». Es ist unausstehlich, denn es hat Schippe, Hacke und Sandeimer und soll nicht im Sand spielen.... Ein Junge bekommt eine Laterna magica, und aus Angst vor der Feuersgcfahr wird sie eingeschlossen. Ein kleiner Beugel erhält ein mechanisches Spielwcrk. und nach drei Stunden ist der zarte Mechanismus geliefert. Der Vater wütet, der Junge heult. Die Geschenke, die den Kindern Freude bereiten sollten, sind zu einer Quelle deS Aergers und der Erbitterung geworden! Sie muhten es iverden. Wer zarte Nerven hat und sein Mittagsschläfchen braucht, schenke seinem Kinde keine Blasinstrumente. Ein Bau- lasten hätte wahrscheinlich die vermeintliche Störrigkeit und Un- gehorsamkeit nie verursacht. Die Eltern verlangen von ihren Kindern unbedingten Gehorsani. Aber ist es nicht unklug, die Widersetzlichkeit in nebensächlichen Tingen zu provozieren? Das Kind muß es doch als eine willkürliche Unbill cmpfiudcnl wenn man ihm ein Spiel in die Hand gibt— mit dem Verbot der Be- Nutzung. Beim Einkauf sollte daher gut überlegt werden, was in dem besonderen Falle wirklich geeignet ist, welches Spielwerk durch die Verhältnisse ausgeschlossen oder geboten erscheint. Wer ein Kind beschenkt, sollte sich vergewissern, daß seine Gabe praktisch, daß ihre Benutzung durch das Kleine möglich und daß sie schließlich der häuslichen Ruhe nicht nachteilig ist. Das ist die Humanität des Schenkers, der gewiß vor dem Gedanken zurückschrecke» wird, durch sune Freundlichkeit Kindern wie Eltern peinliche Stunden zu be- reiten.— Die kleinen Verbote festigen nie das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern. Der kluge Vater baut, eiirem geschickten Diplomaten gleich, vor. Er suggeriert dem Kleinen als eigenen Wunsch, was er von ihm verlangen würde. Das Kind tut gern, tut von s e l b st, was es aus ein Machtgebot nur widerwillig leisten würde. Ein Beispiel: Ein dreijähriger Junge spielt im Schreibzinuner des Baters. Er erhält ein paar Bilder, Drucksachen usw.. die bald im Zimmer umherliegen. Ter Junge soll schließlich die Papierschnitzel wieder aufräumen. Ter Bater kann daraus eine kleine Pflicht machen, deren Langweiligkeit der Kleine sich wahr- scheinlich zu entziehen sucht. Anders, wenn er das Aufräumen selbst zum Spiel erhebt. Er nimmt den Papierkorb, zeigt dem Jungen, wie lustig die Papierstückchen in den großen Strohkorb fliegen. Er weckt die Freude an der neuen Tätigkeit. Und bald liegt kein Eudchcn mehr umher. Ja, in einem Falle ist es vorgekommen, daß der Vater den Korb noch einmal ausleeren mußte, weil der �unge so große Lust zum Aufräumen bekommen hatte. Also es geht auch. ohne schroffen Befehl, ohne widerwilligen Gehorsam, ohne Tränen. Ein bißchen Diplomatie und Verständnis für die Natur stehenden Zustandes herbeizuführen. Wenn zum Ersatz des Oktrois o-e direkten Steuern der städtischen Bevölkerung erhöht werden müssen, so werden davon doch in erster Linie die besitzenden Klassen getroffen. Die leistungsschwächeren Volkskreise haben ein größeres Interesse daran, daß die Steuern auf direktem Wege erhoben werden als auf indirektem. Die Vertreter von Bayern und Elsaß- Lothringen wiesen darauf hin, die Städte seien infolge der mangel- haften Kommuiialsteuergesetzgebung nicht in der Lage gewesen, ihre Steuern so schnell anders zu regeln. Aber die Regierungen von Bayern und Elsaß-Lothringen haben seit 1902 reichlich Gelegenheit gehabt, die Kommunalstcuergesetze zu ändern.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokr.) Der Vertreter der elsaß-lothringi schon Regierung nannte den Oktroi geradezu das R ückgra t der städtischen Finanzpolitik. Das ist ganz falsch. Wäre es aber richtig, so würde diese Finanzpolitik ein sehr ungesundes Rückgrat haben, das unter allen Umständen beseitigt werden müßte. Ferner wies er darauf hin, die Kommunen würden ohne die Verlängerung der Frist in große Vor- lcgenheit kommen. Aber schon am 7. Dezember 1908 hat der Straß- burger Gemeinderat Vorsorge getroffen, die ausfallenden Steuern durch andere indirekte, z. B. durch eine Taxe aus Bier, zu ersetzen. Er hat im ganzen 765 000 M. neuer Steuern geschaffen, um den Ausfall zufolge des§ 13 des Zolllarifgesetzes zu decken. Aehnliches ist in Kolmar, Metz, Saargemnud geschehen. Würde nun jetzt nach den Wünschen der Petition die Frist verlängert, so würden diese Städte den jetzt geschaffenen Ersatz weiter erheben, außerdem aber würden sie auch den Oktroi auf die Lebensmittel weiter erheben, und die Folge würde sein, daß die direkten Steuern heruntergesetzt würden, also das direkte Gegenteil von dem. was der 8 13 des Zolltarifgesetzes wollte. Während, mau in Frankreich immer mehr zur Beseitigung des Oktrois schreitet, und statt dessen direkte Steuern einführt, klangen bei uns die Ausführungen einzelner RegierungSvcrtreter in der Kommission geradezu wie eine Aufforderung an die Gemeinden, neue indirekte Steuern einzuführen, also das Entgegengesetzte zu tun von dem, was der Reichstag wollte.un Aufwand an Geld und technischer Arbeitskraft auszuführen wäre. Jii�der Erforschung von Zünnan haben England und Frankreich während der letzten Jahre ungefähr Gleiches geleistet, Frankreich mehr durch Erkundung der Bodenverhältnisse und der Bewohner, England mehr durch die Aufnahme vorzüglicher Karten. Einer der Führer der englischen Arbeiten, Major Davics, hat jetzt in Cambridge(Universitätsdruckerei) ein großes Werk erscheinen lassen, das für die Kenntnis dieser, namentlich durch ihren nußer- ordentlichen Reichtum an Metallen wichtigen Provinz, für längere Zeit grundlegend sein wird. Dies Urteil bezieht sich namentlich auf die prachtvolle Karte, die das Buch b�olcitet und die Ergebnisse aller neuen englischen Aufnahmen enthält. Die Schilderung führt den Leser kreuz und guer durch Zünnan und stellenweise etwas über seine Grenze hinaus auf den Spuren der englischen Offiziere, die bei ihrer Äufnahmetätigkeit ein dichtes Netzwerk von Routen über das ganze Gebiet gesponnen haben. Zu ihnen ge- hörte auch der Kapitän Watts-Jones, der später in Rord-China, wo er unglücklicherweise gerade in die Zeit des Boxeraufstandes geriet, in der Großstadt Kwcihwatschöng von einem tückischen Mandarinen durch eine Einladung zum Mahl in einen Hinterhalt ge- lockt und dann ermordet wurde; sein Begleiter Birch war kurz vorher im Gelben Fluß' ertrunken. Das neue Werk bietet alier nicht nur einen anziehenden Lesestoff durch die Schilderung der Reiseerlebnisse, der Landschaft und der Bevölkerung, sondern es behandelt in besonderen Abschnitten auch allgemeinere Gegenstände, die gerade in der Gegenwart von großem Interesse sind. So finden sich darin Abschnitte über die verschiedenen Eiscndahnpläne zwischen Birma und Ehina, ferner über die Bodenbeschaffeuheit, die Bevölkerungsstatistik, das Klima und die Erzeugnisse von Kompensationen für die Erhöhung der Lebensmittelzölle. Im Ein« klang mit einer großen Anzahl seiner politischen Freunde ist Redner der Ansicht, daß es sich nicht empfiehlt, ain Zolltarifgesetz zu rütteln, das ein einheitliches Ganzes sei. Bahr, stellvertr. Bundesratsbevollmächtigter Geheimrat Strößcn- rcuthcr bittet den Reichstag, dem Wunsche der Petenten nachzukommen. Die bayerische Regierung und die bayerischen Gemeinden konnten sich keineswegs, wie der Abg. Emmel behauptete, auf das Gesetz einrichten. Sächsischer BundesraiSbevollmnchtiater Geheimrat Fischer schließt sich dem Vorredner an, auch die sächsischen Städte können die Stenern, die ihnen durch den§ 13 des Zolltarifgesetzes genommen werden sollen, nicht entbehren. Abg. Dr. Hcinze(natl.): Ich will ebenfalls die Wünsche der Petenten unterstützen. Der Ersatz des Ausfalls durch den Oktroi wird nicht nur durch direkte Steuern erfolge», sondern auch durch andere indirekte erfolgen. Daß die Frist zur Aufhebung des Oktrois verlängert wird, ist für die sächsischen Städte auch deshalb wichtig, weil wir in Sachsen vor einer Neuordnung der Kommuiialabgaben- gesetzgebung stehen. Abg. Gothein(fts. Vg.): Die ungünstige Lage der Städte ist nicht durch die Aufhebung deS Oktrois verschuldet, sondern durch die Zollgesetzgebung, welche die Lebensmittel verteuert hat und dadurch zur Erhöhung der Beamtengehälter genötigt hat.(Zustimmung links.) Der§ 13 des Zolltarifgesctzes ist seinerzeit mit erdrückender Mehrheit angenommen. Die Gründe, die jetzt für die Hinaus- schiebung des Termins geltend gemacht werden, zeigen, daß die Herren den städtischen Ottroi überhaupt nicht aufheben wollen. Ich bitte namens der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft, nach den Kommissionsbeschliissen über die Petition zur Tagesordnung überzu- gehen. Nur wenige Mitglieder der Fraktionsgenieinschaft werden für den Antrag Wölzl stimmen, die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen, mit der Beschränkung allerdings, die Frist nicht bis 1917, sondern nur auf fünf Jahre, bis zum 31. Dezember 1014 zu verlängern. Abg. Werner(Antis.) unterstützt den Antrag Wölzl. Vizepräsident Dr. Pausche: Es ist ein genügend unterstützter Antrag eingegangen, über den Antrag der Kommission auf Heber- gang zur Tagesordnung resp. über den Antrag Wölzl nauientlich ab» zustimmen. Die Abstimmung wird morgen stattfinden. Abg. Speck(Z.): Trotz meiner prinzipiellen Gegnerschaft unter- stütze ich doch den Antrag Wölzl in Rücksicht auf die Finanzlage namentlich der bayerischen Städte, in denen die direkten Steuern erheblich höher sind als in Preußen. Preuß. Geheimrat Strub bittet, der Petition stattzugeben. Da schon durch die Ausdehnung deS„Kinderprivilegs", durch die lvirt- schaftliche Depression usio. die Gemeinden mit Einnahmcausfällen bedroht sind, so würde die Aufhebung des Oktrois am 1. April 1910 für manche Städte geradezu ruinierend sein. Die Herausjchiebuug der Aushebung um vier Jahre sei dringend zu empfehlen. Abg. Pauli- Potsdam/z Proz. zu- geschlagen. Am Schluß des Jahres wird eine Dividende an die Warenabnehmer ausgezahlt. Daß die Angeklagten die Waren zum Selbstkostenpreise geliefert hätten, konnte das Gericht nicht an- nehmen, denn zu den Selbstkosten gehören nicht der Zinsberlust und „generelle Unkosten", die auch auf die Waren geschlagen wurden. Diese hätten den Arbeitern also nicht vom Lohn ab- gezogen werden dürfen, sondern nur die reinen Anschaffungs- kosten. Als„WohlfahrtZeinrichwng" ist die Konfumanstalt daher nach Ansicht des Gerichts nicht anzusehen, wenn auch die Arbeiter manchen Vorteil davon hatten. Die Direktoren hätten den Betrieb nicht gestatten dürfen und haben demnach gegen ß 115,1 der Gewerbeordnung verstoßen.— In ihrer Revision rügten die Angeklagten Verkennung deS Begriffs Wohlfahrtseinrich- tung. Der Zweck des Z 115,1 sei die Verhütung eir." Ausbeutung der Arbeiter; von Ausbeutung könne aber hier keine Rede sein. Der Reichsanwalt führte anS: Nur Lebensmittel dursten abgegeben werden, aber nicht geistige Getränke, Tabak, Schulranzen und ähn- liches, was alles keine Lebensmittel sind. Der Begriff der Wohl- fahrtseinrichtung ist nicht verkannt. Was im Z 115 verboten ist. wird in§ 117 nicht erlaubt. Die ganze Einrichtung, die die Gewerbeordnung hier getroffen hat, ist zum Schutze der Arbeiter bestimmt. Es sollen alle Veranstaltungen getroffen lverden, durch die die Arbeiter geschädigt werden können. Ob sie wirklich geschädigt worden sind, darauf kommt es nicht an. Die Wohlsahrtseinrichtung der Hütte ist aber überhaupt im Interesse der Fabrik, nicht der Arbeiter geschaffen worden. Denn die Arbeiter, die am Schluffe des Jahres nicht mehr in der Fabrik arbeiten, er- halten die Dividende nicht. Dadurch sind die Arbeiter abhängig von der Fabrik gemacht worden, ebenso dadurch, daß die Waren zu hoch angerechnet werden und daß dafür Dividende gezahlt wird. Dos Reichsgericht verwarf am Montag die Revision der An- geklagten als unbegründet._ Verweigerung der Neverzeitarveit kein EutlassungSgrund. Gegen den Restaurateur Rautenberg klagte die Cellistin Frau M. auf eine 14tägige Gehaltsentschädigung von 73 M. Sie fft ohne vorherige Kündigung entlassen worden, weil sie sich am Abend deS Neujahrstages geweigert hatte, über ihre Spielzeit hinaus zu spielen. Die Beweisaufnahme, die mehrere Verhandlungstermine notwendig machte, ergab, daß der Beklagte wohl am Neujahrstage um6 Uhr morgens bei Beendigung der Spielzeit der Silvesternacht dem Kapellmeister gesagt hatte, daß auch am Abend über 12 Uhr hinaus gespielt werden soll. Der Kapellmeister hatte es aber unterlassen, der Klägerin hierüber Mitteilung zu machen. Das Gericht erblickte des- halb im Verhalten der Klägerin mit Recht keine beharrliche Arbeits- Verweigerung. Das Urteil wurde gestern im Publikationstenniii dahin verkündet, daß der Beklagte dem Klageantrag« gemäß verurteilt worden ist._ Für die ostpreußische Landwirtschaft unbrauchbar. Der zur Vermittelung von heimischen und ausländischen Arbeits- kräften gegründete«Verein ostpreutzischer Landwirte" berichtet über seine Tätigkeit unter anderem folgendes:„Erstaunlich ist gegenwärtig der Abzug von Familien aus den Städten auf das Land. Der harte Winter hat die Leute einsehen lassen, daß für ihr Wohl auf dem Lande besser gesorgt ist. Abgelehnt ist der Rücktransport west- fälifcher Arbeiter, weil eine Anzahl Mitglieder des Vereins schlechte Erfahrungen mit diesen Leuten gemacht hat. Ist doch auch all- gemein die Ansicht verbreitet, daß diese für die Landwirtschaft nicht mehr brauchbar sind." Und weshalb mögen diese in den Bergwerken an schwere und lang andauernde Arbeit gewöhnten ehemaligen Landarbeiter jetzt für die Landwirtschaft wohl nicht mehr brauchbar sein? Haben sie die landwirtschaftliche Arbeit so ganz verlernt? O ncin l Aber sie haben es verlernt, sich von, rohen und gewalttätigen Besitzern und Inspektoren beschimpfen und prügeln zulassen. Sie lassen sich ferner nicht mehr unberechtigte Lohnabzüge gefallen und wollen nicht mehr wegen Kontraktbruchs des Arbeitgebers dank der bestehenden Aus- nahmcgesetze bestraft werden. Das sind die«schlechten Erfahrungen", die Mitglieder des„Vereins oftpreußischer Landwirte" wohl mit diesen Rückwanderern gemacht haben. £Iiis InduCtrie und Fjandel* sDeutschlands Außenhandel. Der Wert der deutschen Einfuhr im reinen Warenverkehr betrug im ersten Vierteljahr 1999 1880,9 Millionen Mark. Der Wert der Ausfuhr stellt sich ans 1549 Millionen Mark. Die Einfuhr ist gegen das Vorjahr um 1,1, gegen 1997 um 188,4 Millionen Mark zurück- gegangen, während die Ausfuhr sich gegen das Vorjahr um 55,7 Millionen Mark gehoben hat. Gegen 1907 ist die Aussuhr immerhin noch um 62,2 Millionen Mark gefallen. Einuahmen der Eisenbahnen. Nach den amtlichen Nachweisen vereinnahmten die deutschen Eisenbahnen mit dem Rechnungsjahr April— März in der Zeit vom 1. April 1998 bis Ende März 1909: im Personenverkehr 697194018 Mark, oder gegen das Vorjahr 17 496 874 M. mehr, im Güterverkehr 1 388 799 887 M., oder gegen das Vorjahr 56 667 713 M. weniger. Bei den übrigen Bahnen wurden in der Zeit vom 1. Januar bis Ende März 1909 eingenommen: im Personenverkehr 16 900 237 M., oder gegen das Borjahr 413 701 M. mehr, im Güter- verkehr 40 124 823 Vi., oder gegen das Vorjahr 1 214 804 M. weniger. Demnach ergeben die beiden Resultate zusammen eine Mindereinnahme von 40 799 344 M.; im Güterverkehr allein macht die Miitdereinnahme 57 882 517 M. auS. Aufgeflogener Berband. Der sächsisch- thüringische Färberei- verband hat die Farbsperre über den sächsisch-thüringischen Weberei- verband aufgehoben und löst sich am 39. September nach löjährigem Bestehen auf.. Berliner Terrain- und Baugesellschaft. Es werden wiederum, wie im Vorjahre, 10 Proz. Dividende verteilt, bei reichlich bemessenen Abschreibungen und Rücklagen. Rückgang des Kohlenvcrsandcs. Von den Zechen, Kokereien und Brikettwerken des Ruhrbezirks sind vom 1. bis 15. April d. I. in 11 Arbeitstagen 252 727 und auf den Arbeitstag durchschnittlich 22 975 Wagen z» 10 Tonnen mit Kohlen, KokS und Briketts be- laden und auf der Eisenbahn versandt worden gegen 284070 und auf den Arbeitstag 21 852 Wagen in demselben Zeitraum des Vor- jahrS bei 13 Arbeitstagen Es wurden demnach vom 1. bis 15� April 1009 auf den Arbeitslag 1123 mehr und im ganzen 31348 Wagen zu 10 Tonnen oder 11 Prozent weniger gefördert und zum Versand gebracht als in demselben Zeitraum des Vorjahres. Widersprechende Berichte über die Marktlage in Amerika lasfo. immer noch nicht ein klares Bild über die dortigen Verhältnisse gv. Winnen. Einmal heißt eS, die Nachfrage steige nun kräftig, dann wieder wird gemeldet, daß zwecks Belebung deS Marktes Preis- abschlage bewilligt werden müßten. Unterm 19. April wird anS New Uork gemeldet: In der ordentlichen Generalversaminluiig der United States Steel Corporation führte der Präsident des Ver- waltungsrats, Richter Gary, aus, das Geschäft sei in langsamer aber stetiger Besserung begriffen. Die Preisermäßigungen hätten die Wirkung gehabt, daß das Geschäft beinahe zum Stillstand gekommen teilte. Die»erBtouflet hielten mit Käufen in Erwattung noch niedrigerer Preise zurück. In den letzten sechzig Tage» jedoch, als die Preise beinahe die unterste Grenze erreicht hätten, wären die Käufe größer gewesen. Das jetzige Geschäft sei das umfangreichste seit Dezember.— Gleichzeitig berichtet die„Franks. Ztg." aus New Jork: Der Stahltrust reduzierte den Stahldrahtpreis um 2 Dollar per Tonne. Eue der frauetibewegung. Frauen als Schulräte gewählt. In Mlwaukee im Staate Wisconsin, Vereinigte Staaten von Amerika, fanden kürzlich die Schulratswahlen statt. Dabei gelang cS. von fünf Kandidaten unserer Partei dreien zum Siege zu der- helfen, darunter zwei Frauen, die eine mit 8252, die andere mit 6572 Stimmen, während der erwählte Genosse 6429 Stimmen erhielt. Die Schulräte stehen an der Spitze der Verwaltung der öffentlichen Schulen der Stadt. Im Schulrat sitzen 11 Männer und 4 Frauen._ 60 weibliche Stadtverorduete in Dänemark. Nach einem soeben veröffentlichten amtlichen Bericht über die dänischen Kommunalwahlen im März dieses Jahres sind unter den 867 gewählten Stadtverordneten 69 Frauen. Von diesen 69 weib- lichcn Stadtverordneten sind 18 Sozialdemokraten. Als aus- 1 1 gesprochene Antisozkalisten gelten 13 der weiblichen Stadtverordneten. Ungefähr ein Drittel der gewählten Frauen, die in 34 Städten gewählt wurden, sind im Schulwesen tätig? 37 sind verheiratet und 23 ledig. Jedenfalls wird bei den nächsten Kommunalwahlen im Jahre 1913 das weibliche Geschlecht in weit stärkerer Zahl in die Genieindevertretung einziehen._ Frauenausbeutung in Indien. Ein Lohn von sechs Schilling— gleich 6 M.— im Monat, zwei Mahlzeiten am Tage, ein Nachtlager auf festgestampftein Lehm- boden, der nur mit einer dünnen bauniwollenen Decke bedeckt ist— das ist das Los der Frauen, die in den indischen Jutespinnereien arbeiten. Sie nähren sich hauptsächlich von Reis und Gemüsen, die mit Kurry-Gewürz zubereitet werden, und kauen beständig Betelnuß als Anregungsmittel. Ein Musterbeispiel der rücksichtslosen Ausbeutungspraktiken, die sich der englische Kapitalismus in seiner reichsten Kolonie ungestraft erlauben zu können glaubt. Wie lange noch t Jedenfalls kann es unter solchen Verhältnissen nicht wunder- nehmen, daß der Sozialismus in Indien ständig an Boden gewinnt. Leseabende. Treptow-Bauulschttlenweg. jOrtsteil Baumschulcnweg.) den 21. April, 8V3 Uhr, bei Dänschel, Emststr. Genosse Karl Müller. Stralau. Donnerstag, den 22., abends 8l/3 Uhr, bei Käser, Mark- grafendamm 11: Vortrag. Donnerstag, 26. �Vorlesung. ßneffcaften der RedaMoti. Die iuristische Eprechstlmde 6»det Liudcnstrah- Nr. 8, zweiter Hof, dritter Eingaaa, vier Treppen, Fabrftuhl wochentiiolich abends von?>/, bis!>>/, Ubr statt. Geöffnet? illir Sonnabends begiiliit die Evrechstnnde NM<> Udr. Jeder Äufrage ist ein Buchstabe und diu Katil als Merkzeichen bcizniiiac». Briefliche Antwort wir» nicht erteilt. Bis zur Beantwortung i»! Bricstastcn köuueu 44 Tag« vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechfmudc vor. Rudolf 21. 1. Mit erreichter Volljährizkeit. 2. Der Betreffende kann sich an das Vormundfchastsgericht oder an seinen Vormund wenden.— P. S. 1759. 1. Eine bestimmte Anzahl von Marken ist nicht vor« geschrieben. Die Heilanstalt ist zur Ausnabme berechtigt, aber nicht uer- pflichtet, gleichviel wie viel Marke» geklebt find. Wenden Sie sich bchujs Ausnahme zunächst an die Versicherungsanstalt am Köllnischen Park, cvent. an das städtische Bureau, Nene Friedrichstr. 16. 2. 209 Btarke». 3. Leider ja.— 199 A. Sie mühten jetzt bei dem Oberpräsidentcn beantragen, Sic in den preußischen staatsverband aufzunehmen. Nachweisen müssen Sie, daß Sie sich in Deutschland wieder niedergelassen haben — 25. K. 555. 1. Etwa 25 M pro Monat. 2. Die Familie geht vor. 3.«je leben außer Gütergemeinschaft. 4. Nein.— O. Kolonic- strasie. 1. Der Vertrag laust iveiter. 2. Der Vertrag ist gültig. —«. K. 21. 1. Pro Tag 1 M. 2. 15 M. 3. 6 Monate. 4. 4 Jahr e.— — L. Vt. Leider ist ungenügende Sinnahme kein Grund zur vorzeiiigen ffintbindlinj} vom Mistsvertrag.— B. 3. Belitz,«ic sind im Irrtum. Ein Gastwirt kann wegen schulden für Speisen und Getränke innerhalb der Verjährungszeit klagen. Die Verjährungszeit beträgt zwei Jahre vom Ablauf des Jahres ab gerechnet, in dein die Forderung entstanden oder an- erkannt ivar.— Fahrenwaldt. Ist nichts vereinbart, so gilt auch sür Landwirtschastsgärtacr nach z 623 des Bürgerlichen Gesetzbuchs eine 14tägige Kündigungsfrist. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortuug. Zhcater. Mittwoch, den 21. April. Ansaug VI, Uhr. Königs. Opernhaus. Aida. Königl. Schauspielhaus. Ein Puppenheim. Rcues köuigltches Opcrntheater. Geschloffen. Deutsches. Faust. K a m ni e r s p i c l e. Der'Arzt am Scheidewege.(Ansang 3 Uhr.) Ansang 3 Uhr. Lessiiig. Nora. Neues Schanspiethans. Pech Schulze. Weste». Der Jockeyklub. Berliner. Einer von unsere Leut'. NeueS. Die fremde Frau. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Tiefland. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Lustspielhans. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. RevolulionShochzeit. Schilter O. iWaüner. Theater.) Die Karolinger. Schiller Charlottcnburg. Die Welt, in der liurn sich langweilt. Friedrich- LSilbelmiiädt. Schauspielhaus. Der Dorstyranu. Luise». Romeo und Julia. Trianon. Liebesgewitter. Neues Operette». Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Theater SW. Das Himmelbett.(Ans. ä'l2 Uhr.) Bernhard Rose. Reiterattacke. Gastspiel-Theater. Der Hund von Baskerville. Gebrüder Herrufeld. Meine- Deine Tochter. Der selige Nie- mann. APolio. Die Geschwister Wiescnthal. Spezialitäten. Metropot. Donuerweller— tadel- los. Wintergarteu. Spezialitäten. Gart Haverland. Spezialitäten. Bafiagc. Spezialitäten. ReichSballen. Steltiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Das Lied vom braven Mann. Ansang 8>/, Uhr. Kasino. Ackermann. Spezialitäten. Gustav BchreuS. Spezialitäten. Aniang 8'/« Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— 'Alles sürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Alis. ü'l, Uhr.) Urania. Tnubenstrafie 48/49. Abends 8 Uhr: Von Wvazia bis Korsu. Gternivarte, Juvalidenftr. 57/62, Urania, Wissenschaftliches Theater. laubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu, Lessing=Theater. Mittwoch 8 Uhr: Ibsen- Zyklus Nora. Donnerstag 8 Uhr: Griselda._ Zeriwer Theater. Heute 8 Uhr: Einer von nuscre Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau (La femme X....) Morgen u. Freitag: Die fremde Frau. Sonnabend neu einstudiert: Renn1«sinnee. Theater des Westens. _ Allabendlich 8 Uhr: CV* Der Jockeyklub. «onntag nachm. 3h« Uhr halbe Preise: Ein Vkaleertraum. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch. 21. Zlpril, Ansang 8 Uhr: Der Dorftyrann. Donnerstag: Lumpacioagabundus. Freitag: Der Dorstyrann., Sonuabeud: Husarensicber._ Gastspiel- Theater Köpemcker Straße 68. Ans. 8 Uhr. Sensationeller Erfolg! Ver ftund von ßaskervllle von Ferd. Bonn. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Kütntnere Bich um Amelie. Schwank in 3 Akten(4 BUdern) von Fchdcau. Morgen u. folg. Tage: Dies. Vorstellg. Sonntag, den 25. April, 3 Uhr: Ter Floh im Ohr. LaUsispavSSHsus. Abends 8 Uhr: Im Idulbsessel. \ eiiea Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Luljenslr. Abends 8 Uhr: Hie Dollarprinzcstiin. Operette in 3 Akten von Leo Fall. I» Vorbereitung: Der Zigeuner- daran. Ncliiller-Tlieater. O.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Ole Karolinger. Trauerspiel i» 5'Akten von Ernst v. Wildcnbruch.s Ende IGL Uhr. Donnerstag.aben ds8Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Freitag, a b c n d S 8Ubr: Die Welt, in der man sich langweilt. cochiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Welt, in dermansieb langweilt. Lustspiel in 3 Auszügen von Eduard Pailleron. Ende W'l, Uhr. Donnerslag. abendSSUHr: Macbeth. Freitag, abends 3 Uhr: Macbeth. Arnold Schalx. NeUG W�Glt Hasenheide 108-114.# „Das silberne Horn von Berlin"| Gr. Amatenr- Kmgkampf- Kottknrreaz. 8 ea. SSO �reannngen. �Vert.volle IZhrenprelse/? gpa*- Grobe SpeKialitüten-VorstcIliing." S Jeden Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: Gr Oker Mall. 5 4 Ansang 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Entree 9,39. 9,59, 1.—. S____ Hebbel=Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Revolutionshoebzeit. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Romeo und Julia. Donnerstag: Regimentstochter. Freitag Benefiz A. Kahlenberg: Faust. 1. Teil. Sonnabend: Regimentstochter. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Mädchen aus Irrwegen. Abends 8 Uhr: Faust. Montag: Das Mädel ohne Geld. 8 ü [NMUPRSSTIUT Gr. 132. Frankfurter Str. Reiterattacke. Lustspiel in 3 Alten von Stobitzer und Friedmann. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Donnerstag: Benefiz sür Gertrud Spiegelberg: Graf Essex._ flonnerweiter— tadellos! Kevoe in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schulte. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Donnerstag und Freitag: Geschlossen. Sonnabend, den 24. April, zum 1. Male: Operette in 3 Akten nach einer Idee des Victorien Sardou und Julius Freund. Musik v. Gustav Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Bich. Sohnlte. Uhr: Die Schwestern Wiesenlhal 9'/. Uhr; Amalie de L'Enclos, Stlmmphäncmen. 9 Uhr: F. A. Heinhaus, Rechenlüustl. 8 Uhr: Das graste Programm. Mv Behrens- Thealer. Mir. 9. Das glämende senfatwuelle April- Programm. 9'/, Uhr: Aufstieg des lenkbare» Luftschiffes„Zäppeliu II". Her Frisenr als Don Juan. Operette. _ Ansaug 6 Uhr. i Brauerei Friedrielisbaim 1 Heute, Mittwoch: Sechster Tag HVS-n«vHz-ü-ns-ws-tfVx I - der groflen internationalen.| r Weltmeisterschaft I j in Leichtgewicht und Slegespri&mle von 3000». Heute ringen i'iinf Paare: Hansen, Meisterringer, Dänemark, gegen Paganinl, Italien. Spevaek, Mähren, gegen Sanders, Neger-Champion. Lassartesse, Frankr., Weltmeister, geg. Stolzenwald, Rheinland.| Annen!, Italien, gegen Sander, Champion, Ungarn. Nitschke, Berlin, gegen Petrowitsch, Polen. ainShÄn: Das auBMiilkk 8pöTiaiilälslipmgmmm. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf., res. PI. 1 M., numer. Tisch 2 M. Setiioß der Saison m 6. Mai. Zirkus Busch. Mittwoch, 21. April, abds.U/, Uhr: Gala-Abend. U. a.: Um 8 Uhr: ? Mr. Charleston? Um 9 Uhr: Möns. Vansart I Mathilde Renz, Schulreiterin. Ernst Schumann, Neudreffuren. Um'/«10 Uhr: Herrn Karl Ilagenbecks Rieseuliitven und Eisbären. Um 9-i, Uhr: �.uswarilZerer! Sonntag: Zwei Borstellungen. 8 Crelshas Baggesen Amann sowie das von Publikum und Presse glänzend beurteilte April= Programm. Reservierter PI. 2 M. Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe) H- « B IssS-Mestsr Burgstraße 24. 2 Minuten vom Bahnhos Börse. um die Siegesprämie von 4599 M. in bar.— Bis heute haben sich 29 der ersten Ringkämpser oes In- und Auslandes gemeldet. Heute ringen: Brilion, England gegen Van der Born, Holland. Felgenhauer, Rixdorf geg. Scholl, Köln. Brenne, Stehermark gegen Schulz, Ostpreußen. Pierre de Reuen, Frankreich gegen Kornatzki, Polen. Außerdem: Tos Monster-Progr. 39 Attraktionen 30. Ansang 8 Uhr. Sonntags VI, Uhr. _ Preise wie gewöhnlich._ Ca sino-Theater Lothringer Str. 37.— Täglich 8 Uhr. Bis zum 30. April: Aekei'niaiiii. Ab 1. Mai aus Vielsachen Wunsch: Das Opferlamm. Sonntag 4 Uhr: Railland. Gebrüder Herrnfeld- Anfang 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Theater. Zum 11. Male: Meins-Deine Tochter. • Familien-Idyll in 2 Akten von A. und D. Herrnfeld (nach Papa Noa). Der selige Niemann. ipiel in 1 Akt Karl Tellheim. j Passage-Theater. I 3 Die maurische Schlangentänzerin 5 ■KaMa-jshad i Gastspiel der Gatland- Negeroperette 18 Solokräfto§ und das grandiose April-Programm. Der größte Varie4e=Erfolg» den je Berlin gehabt! t Passage-Panoptikum. Prinzeß Fassie mit „Das die Amazonenkönigin ihrer wilden Garde. blaue Weib4' das Opfer unbarmherziger Tätowation. Alles ohne Extra- Entree! Sanssouci� Kottbuser Z Slrafle 6. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Stets neues Programm. �iite-Loiree Frühlings-Kränzchen von Ein Wink für Kranke. Deutschland besitzt im Lamscheider Siahlbrunnen einen .Heilschatz erste» Ranges, der verdient, der leidenden Mensch» heit dauernd zugängig gemacht zu werden. IGeh. Medizinalrat Dr. Liebreich.) Anwendungsgebiet: Blutarmut, Bleichsucht, verschiedene Arten von Frauenlrankheiten. Magen- und Darmleiden, Nervenkrankheiten, blutarme Zustände, bei denen eine Mehrung der Blutmenge und Besserung der Blutbeschaffenheit not» ivendig ist, z. B. nach großen Blutverlusten insolge schwerer Operationen, Wochenbetten usw., nach überstandenen er» schöpsendeu Infektionskrankheiten wie Influenza, zur Hebung des Ernährungszustandes bei ausheilender Lungentuberkulose. „Aus ärztlichen Gutachten:*„Ein ganz vorzügliches Eisen» maiigan» Medikament."—„Die Lösungsverhältnisse der hauptsächlich wirkiamen Stoffe stimmen mit denen des Blutes überein. Das Wasser ist loohljchmeckend und gut be- kömmlich."—„Aus Leute, die angestrengt geistig arbeiten müssen, hat es einen erfrisch enden, regenerierenden Einfluß."—„Indem es das Nervensystem krästtgt, greijt eS gewissermaßen die Krankheitsursache direkt an." Dankesworte nach ersolgreichen Kuren:„Ich bin 1'/, Jahr« sehr krank gewesen, konnte nicht essen, nicht schlafen, hatte Schmerzen im Rücken, Stuhlverstopfung, Kopsichmerzen, große Nervenschwäche, große Blutarmut und Geschwülste in den Gelenken; ich habe nie gedacht, daß ich jemals wieder gesund werden würde. Und doch, wie schnell kam meine Gesuiidheit imedcr."—„Ich bin entzückt über den raschen, ausgezeichneten Ersolg, den ich erzielt; habe ich doch nach kurzer Zeit einen herrlichen Appetit erhalten, alle lästigen Magenbeschwerden sind verschwunden, und die alle Tatkraft lähmende Schwäche niuimt immer mehr ab."—„Der Lamscheider Stahlbrunnen hat mir meine Krast und meinen Mut wiedergegeben." Broschüren kostenlos durch Lamscheider Stahlbmimev, Düsjeldvrj 3. 164. UMIPTIPB W Variefe-Theater | Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. I Im Tunnel: Frelkonzert. I Sleidl- Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Thealer. Brflckenstr. Auf. Vi, U. Wochentags 81/«. Riesenerfolg. ?apa Sratmeke! Parterre-Saal: Berliner Spatzen. Prima Küche.— Entree frei. W.Koacks Theater Direktion: Roh. Dill. Brunnen itr. 16. Uelva, die rnsMe Waise. Großes Melodrama von Th. Hell. Anfang 8'/« Uhr. Entree»0 Ps. Ehren- und VorzugSkarlen gültig Itz Sonnabend, den 24. April: Große Elstravorst.: Die Macht des Goldes. BeiGhshallen-Theater Stettiner Sänger. Der Kompagnie-Ball. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konaert und Kunstlaufen. Haben Sie Stoff? /ch fertige davon Anzug od. Paletot noch Mass, schick, danerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Lab and, itcoe Prontenqdedjl.f Stdtb.Börse). Damms Volkspark-Theater (früher Dictz) Landsberger Allee 76J77. Täglich: WeisöaehSächsiseMöMeater zum erstenmal in Berlin— voll- ständig neu— alles lacht— man _ amüsiert sich köstlich._ Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Alt-Soabit 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 22. April: Die Tochter der Hölle. Lustspiel in 5 Akten von R. Kneisel. Ansang der Vorstellung 8 Uhr, Kassenösinung 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tauz. Folies Caprice.| Insolvent. Posse von L. Tausslein. In ImiscIiiKcr Nacht. Burleske von SB. Gericke. Antang 81/, Uhr. Nur uocti kurze Zeit verkaujen wir zu den ! äußeret billigen Preisen {□» 20Mk,an 3 in Biesdorf, Stadtbahn, jO R 82 üflECa an j Kanlsdorf, am Bahnhof, IG£3 lOMk.«. j•Stegcfclb, am Bahnhos, lÜR EOMk.» Bahnhof Sadowa. I Biesdorf, Raulsborf-Sitd, |OR 4».«. in Petershagen, Ostbahn. Verkaufsstellen au dm Bahnhöfen. tUalke Welte Berlin, Nene Königst. 16 Baustellen in Mahlsdorf, an gepflasterter Straße, unmittelbar am Bahnhof ÄNahlsdorf, preiswert zu verlausen. Event, wird Baugeld gegeben. Pläne stehen zur Verfügung. 59/1D Mahlsdorfer-Terrain-Gesellschaft, Berlin, Behrenstr. 21. Verantwortlicher Redakteur; Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil berantw.; Th. Glocke, Berlin, Iripck».Verlag: Vorwärts Buchdrizderei u. Verlggsanstg.lt Paul Singer& Cy., Berlin SW. 9r 92. 26. Mg«.,. Z. Ktilllße iltS ,FljWl!rtS" Stllilltl Düllislllstt. Mmch. 2L 1909 parte!-?Zngelegenkeiten. Niedcr-Schönhausen-Nordend. Am Sonntag, den 25. April, findet die Besichtigung der Wohlfahrtsausstellung in Charlottenburg, Fraunhoferstr. 11/12, statt. Treffpunkt um 11 Uhr vormittags bei Radseck, Kaiser-Wilhelm-Str. 10. Für Nachzügler um 1 Uhr vor der Ausstellung. Der Vorstand. Bernau. Die fällige Wahlvereinsversammlung am Sonnabend, den 24. d. M., fällt aus. Der Diskutier- und Leseabend der Frauen findet Freitag abend 83/4 Uhr bei der Genossin Rohloff, Weinberg- straffe 33, statt. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins findet beute, Mittwoch, den 21. April, abends Z'/z Uhr, im Lokal von G. Borchardt, Seeburger Straffe, statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes sowie Bericht von der am 28. Februar in Staaken stattgefundenen Kreisgeneralversammlung. Ohne Mitglieds- buch lein Zutritt._ Der Vorstand. Berliner J�acbricbtem Ei» Frühlingsmahl im Kaiserhof. Während Hunderttausende in Verlin nicht wissen, wo sie für sich und die Ihren ein Stück Brot hernehmen sollen, um ihren Hunger zu stillen, und mancher in seiner Verzweiflung seinem Hungerleben ein Ende macht, indem er zum Strick greift oder sich ins Wasser stürzt, zerbrechen sich andere Leute die Köpfe, wie sie die verwöhnten Gaumen der Angehörigen der besitzenden Klasse befriedigen. Das„Berliner Tageblatt" hat sich das zweifelhafte Vergnügen gestattet, einen Mit- arbeiter zu Vertretern renommierter Hotels zu schicken, um erkunden zu lassen, in welcher Weise in jetziger Jahreszeit die Ansprüche der Magen der Leute mit dem großen Portemonnaie befriedigt werden. Wie so ein Frühlingsmahl aussieht, das der Hautevolee im Hotel Kaiserhof vorgesetzt wird, das besagt nachstehende Schilderung: „Zu den nie versagenden natürlickien Delikatesten gehören im Frühling auch für den verwöhntesten Epikureer das Kiebitzei und das frische bayrische Radieschen, das sich zu dem gewöhnlichen französischen verhält wie die Salondame zur Bäuerin. Das Radieschen ist schon da; die Kiebitzeier dagegen find unentschuldigt ausgeblieben, vermutlich, weil man sie infolge der Kälte noch nicht gelegt hat. An Fleischgenüssen beherrscht jetzt das Lüne- burger Oslerlamm die Situation, eS steht dem französischen ?rö-Lals oder?auillae-Lamm im Geschmack und in der Zart- heit kaum nach. Eine„Heidschnuckenfchulter vom Rost" ist das typische Frühlingsfrühstück für den Feinschmecker. Nun zu den Krebsen, die nach dem übereinstimmenden Urteil aller Globetrotter .und-esser nirgends in der Welt so schmackhaft zubereitet werden, nirgends so zart im Fleisch sind als bei uns in Deutschland. Eine FrühlingskrebSspezialität ist die Eorevisse ä ramericaine. Der Krebs, der in feinem Olivenöl und Butter geröstet lvird, wird hierbei mit frischem Estragon und Petersilienkraut zu Tisch gebracht und nnt einer Sauce aus Karotten, Lauch, Sellerie Tomaten und Schalotten serviert, einer sogenannten„Brünnaise", nach der Stadt Brünn benannt, die mit Kognak begossen und wie Pudding abgebrannt wird, was dieser Tunke einen äufferst pikanten Geschmack und Dust verleiht. Wer ferner den ganzen Winter über immer Poularde vorgesetzt bekommen hat. ersteut sich jetzt der echten Frühlingsvögel Schnepfe und junge Ente, insbesondere der Hamburger Ente, die der Gourmet der Nanteser im all- gemeinen vorzieht. Frische Erdbeeren und französische Kirschen werden dazu„geknaupelt". � An Nachspeisen gibt's im Kaiserhof zwei besonders raffinierte Sachen: die Dulbesfebirne ä la Salomö, so benannt, weil die kulinarische Schöpfung gleichzeitig mit der musikalischen Meister Strauff' erfolgte, und den Ealvills glace au Bordeaux. Ducheste- birne und Calvilleapfel sind bekanntlich die edelsten stanzösischen Baumobstsorten. Die erste wird auf einer Unterlage aus Haselnuff» eis geschält und roh serviert, mit Likör Grand Mamier-Cusenier getränkt und mit Schokoladenfance begossen. Das gibt einen Geschmack und«in Aroma, dem nur noch der Galville glace au Bordeaux gleich zu kommen vermag, der geschält, in Rotivein gedünstet, mit Mandarinette-Likör übergössen und in Vanillesauce mit Schlag- sahne gereicht wird. Ein„Chestersoufflet" ans dem geriebenen gleichnamigen Käse mit Paprika oder geröstete Camembertkügelchen mögen die Skizzierung unseres FrühIingSmahles beschließen." Wie viel Arbeiterfamilien könnten sich sattessen, wenn sie das Geld hätten, das ein solches Mahl kostet? DaS Lied vour Sparen wurde in der letzten Stadtverordnetenversammlung anläßlich der Debatten über die Arbeitslosigkeit und der von sozialdemo- kratischer Seite verlangten Maßnahmen zur Mlderung der- selben durch die Kommune wieder einmal gesungen. Die enipfohlene Spartheorie unserer bürgerlichen Gegner muß uns allemal verdächtig sein. Sie läuft darauf hinaus, die Arbeiter- klaffe nur weiter in der„verdammten Bedürfnislosigkeit" zu erhalten, worauf in derselben Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung von der Seite unserer Genossen schon treffend hingewiesen wurde. Was sind denn das meistens für Arbeiter, die da „sparen", und zwar im Sinne unserer Sparapostel sparen? Wer schon in Dresden war, kennt die südländischen Typen, die an schönen Sonn- und Feiertagen im Sommer zahlreich in der Nähe der Hofkirche an der Brühlschen Terrasse sich aufhalten. Italienische Erdarbeiter sind es. die„nüchtern und bedürfnislos" hier als billige und willige Arbeitskräfte vom Unternehmer sehr gesucht sind und dabei sparen, um die Wintermonate in der Heimat verbringen zu können. Alljährlich zum Frühjahr kommen aus dem fernen Osten, aus Schlesien und dem schönen Thüringen dort seßhafte Leute, um hier während der Sommermonate als Dachdecker oder Bauhilfsarbeiter, Maurer, Erdarbeiter u. dgl. ihr Brot zu verdienen. Sie leben zusammengepfercht in elenden Mietsräumen, ihre Nahrung besteht überwiegend aus Hering und Kartoffeln, von geistigen Bedürfnissen schon gar nicht zu reden, eher noch von geist- lichen, denn der Kirchenbesuch ist ihre einzige Erholung. Auch sie sparen, währenddem Frau und Kinder zu Hause das Stück Land bestellen oder Heimarbeit verrichten. Auch jene sind willige Arbeitskräfte für die Unternehmer. Der klassenbewußte Arbeiter ist ein weniger ausbeutungs- fähiges Objekt, weil er zugleich der qualifizierteste Bekämpser der„verdanimten Bedürfnislosigkeit" ist. Das ist natürlich für den kommunalen Durchschnittsfreisinnsmann unverständlich. Für ihn gflt: Spare in der Zeit, so hast du in der Not l Das bedeutet zugleich für ihn: Einsacken des Unternehmer- gewinnes, des Mehrwertes eines Teiles des unausgezahlt ge- bliebenen Arbeitslohnes. „Und eine der wichtigsten Ursachen der Vermehrung dieses Mehrwertes ist die Enthaltsamkeit des Arbeiters"(Marx). Die zu erstrebende Sparsamkeit für den Arbeiter ist die seiner Arbeitskraft,„was natürlich die moralische Entrüstung des I Kapitals und seiner Anwälte über den„Luxus" des den l Volkswohlstand untergrabenden Arbeiters zur Folge hat" (Marx). Daher denn alle die Mittel der Wohltätigkeit, um die Entsagung des Arbeiters zu fördern. Und dasselbe Mittel will man nun auch unseren Arbeitslosen gegenüber anwenden. Damit aber die Summe nicht gar zu hoch anschwillt, dient das Rezept der Sparsamkeit. Auf diesen„Bettel" gehen aber unsere Arbeitslosen nicht. Wer als Arbeiter von der„Freiheit des Sparens" den weitesten Gebrauch macht, läuft Gefahr, dem Zwange der Ausdeutung ganz und gar zu erliegen. Bnrgerkunde für Fortbildungsschüler. Ueber die Grundlagen unseres Wirtschaftslebens und unserer Rechtsordnung schon die heranwachsende Jugend zu belehren, wird mehr und mehr als notwendig erkannt. In immer weiteren Kreisen wird die Frage erörtert, ob und wie die Lehrpläne der Schulen durch Unterweisung in sogenannter Bürgerkunde zu er- weitern seien. Die besitzende und darum herrschende Klasse hat selbstverständ- lich den lebhaften Wunsch, daß ihre eigenen Interessen auch durch diesen neuen Lehrgegenstand wieder nur gefördert werden. Darum liegt ihr besonders das am Herzen, daß die Bürgerkunde in der rechten Weife verwertet werde für diejenigen Unterrichtsanstalten, die hauptsächlich dem Nachwuchs der Arbeiterklasse bestimmt sind: für die Fortbildungsschulen. Eine Bürgerkunde für Fort- bildungsschüler wird nur dann den Beifall der besitzenden Klasse finden, wenn sie den jugendlichen Arbeiter erzieht zu einem„guten" Bürger, der sich willig einfügt in das Getriebe der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und der zu ihrem Schutze vorhandenen Staats- einrichtungen. Einer Aussprache über diese Frage sollte eine Versammlung dienen, die von der„Gesellschaft für soziale Reform" (Ortsgruppe Berlin) veranstaltet worden war. Die„Stellung der Bürgerkunde i>n Lehrplan der Fortbildungs- schule" wurde in zwei Referaten erörtert, durch den Züricher Professor Fried r. Förster vorwiegend vom Standpunkte des EthikerS und durch den Berliner Stadtschulrat Michaelis vorwiegend vom Standpunkte des Schulmannes. Professor Förster versteht unter Bürgerkunde nicht das, was gemeinhin darunter verstanden wird. In seinem Vortrage ging er davon aus, daß alle Kulturfragen auch Erziehungsftagen seien. Auch in der internationalen Arbeiterbewegung sei immer Mehr er- kannt worden, welche Bedeutimg der Pädagogik als Fundament des Fortschritts zukomme. In der deutschen Sozialdemokratie sei neuestens im Zusammenhang mit den Erörterungen über die Jugendorganisation die Notwendigkeit einer erziehlichen Be- einflustung und sittlichen Förderung der Jugend hervorgehoben worden. Herrn Prof. Förster ist der Hauptgrund für die Aufnahme der Bürgerkunde in den Lehrplan der Fortbildungsschule der, daß die Forlbildung der jungen Leute zu verbinden sei mit ihrer Selbst- e r z i e h u n g, die EntWickelung des Intellekts zu ergänzen sei durch die des Charakters. Darum wünscht er, daß die Bürgerkunde ein- geordnet werde in eine allgemeine ethische Unterweisung. Doch solle diese immer in Verbindung stehen mit der Berufsbildung, die durch die Fortbildungsschule gegeben wird. Die ethische Seite der Berufsbildung müsse in der Bürgerkunde betont werden. Eni- scheidend für den Berufserfolg sei die Willensfestigung, die aber nicht zu brutalem Egoismus' führen dürfe. Viel zu sehr unter- schätze man die Bedeutung der sittlichen Kraft fiir das wirtschaftliche Leben. Eine Kultur des Charakters erleichtere auch den Produktionsprozeß, sie steigere die kooperativen Fähigkeiten des Menschen, zum Beispiel sei ohne rechtes Befehlen und rechtes Gehorchen kein Zusammen- arbeiten möglich. Man solle den jungen Leuten in der Bürgerkunde auch Betrachtungen über die Vertragstreue bieten,|bie heute im Klassenkampf unten und oben stark vernachlässigt werde. Der Fort- bildungsschullehrer müsse seine Schüler für ihren besonderen Beruf und ihre persönliche Arbeitsleistung zu interessieren suchen, den großen Gedanken der Arbeitsehre müsse er sie verstehen lehren. Man sieht, F ö r st e r verknüpft mit dem Wort„Bürgerkunde" eine nicht gewöhnliche Vorstellung. Seine Bürgerkunde für Fort- bildungsschüler soll den jungen Leuten die sittlichen Gesetze der Arbeit und des Berufslebens darlegen, um dadurch die EntWickelung ihres Charakters zu beeinflussen. Dabei denkt er an eine Unterweisung weniger über die Rechte als über die Pflichten, die der Arbeiter hat. Die Lauterkeit der Absichten dieses Ethikers ist gewiß über allem t weifel erhaben. Aber die bürgerliche Klasse würde, wenn sie seine heorien in die Praxis umsetzen wollte, für sich selber den Teufel 'was nach der Ethik fragen. Das Unternehmertum würde sich nicht lange besinnen, Försters Gedanken als schätzenswerte„Anregungen" zu benutzen. Da würde es dann schon dafür sorgen, daß im Bürgerkundeunterricht der Fortbildungsschule dem Nachwuchs der Arbeiter- klaffe als oberstes S i t t e n g e s e tz des Berufslebens eingepaukt wird, jeder Arbeiter müsse es als Ehre ansehen, seinem„Brot- Herrn" den Wohlstand mehren zu dürfen. Das Referat des Stadtschulrats Michaelis führte die Zuhörer wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Auch er betonte, daß ihm das letzte Ziel der Bürgerkunde für Fortbildungsschüler ein ethisches sei. Aber er hob daneben hervor, daß die Bürger- künde als ein Teil der Berufskunde den Zweck habe, den Schüler über die Beziehungen zum öffentlichen Leben zu belehren, in vaS er einmal eintreten solle. Vom Standpunkt der Sozialpädagogik aus sei Bürgerkunde in der Fortbildungsschule nicht mehr zu entbehren. Noch fehle eS freilich sehr an Lehrern, die mit sicherer Hand die hier ihnen gestellte Aufgabe lösen können. Bei der Parteizerrissenheit unserer Zeit seien Mißgriffe leicht möglich. Der Ver- suchung, parteipolitische Gesichtspunkte hineinzutragen, könne nicht jeder widerstehen. Doch gebe es an unseren Fort- bildungsschulen auch Lehrer, die ihre Aufgabe ernst und richtig auf- zufassen Ivissen. Aus diesen Ausführungen klang deutlich heraus eine Anspielung auf die Vorkommnisse, die letzthin in der Stadt- verordnetenversammlung von sozialdemokratischer Seite öffentlich festgenagelt worden sind. Michaelis will die Bürgerkunde nicht zu einem besonderen Unterrichtsgegenstand machen lassen, er denkt nur an eine besondere Art der Behandlung und Gestaltung der Be- rufsknnde. Vorsicht sei aber auch hier nötig. Einst habe die Staats- regierung die Volksschule gezwungen, im Naturkundeunterricht stets die Kinder darauf hinzuweisen, wie weise der Schöpfer alles ge- macht habe. Nun solle man nicht etwa ähnlich im Bürgerkunde- Unterricht den jungen Leuten zeigen wollen, wie weise der Staat alles mache. In der Diskussion wurde hauptsächlich die Frage der Aus- bildung der Fortbildungsschullehrer erörtert, die für die kauf- männischen Fortbildungsschulen bisher am besten gelöst sei. Försters Ausführungen wurden einem Schlvärmer für Deutschlands Heer zum Anlaß, den Militärdienst qls beste Schule der Selbsterziehung und Charakterbildung zu preisen. Warum schlug er nicht vor, die Fortbildungsschüler durch Unteroffiziere in der Bürgerkunde unter- richten zu lassen?_ Die Rcklamevelcuchtung in den Straßen der Reichshauptstadt hat nach Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses erheblich zu- genommen; die Ladeninhaber beginnen miteinander darin zu weit- eifern, daß sie nach Geschäftsschluß die Schaufenster, Schaulüsten usw. erleuchten oder besondere Lichtrellameichriften usw. in Tätigkeit treten laffen. Sie rechnen damit, daß das Publikum gerade in den Abendstunden besonders zahlreich in den Geschäftsstraßen promeniert und zugleich auch„beschaulicher" gestimmt ist als bei Tage, während der Arbeitszeit. Die«B. E. W." haben für die abendliche Reklame- beleuchtung einen besonderen Tarif aufgestellt, der von ö Uhr abends ab den Interessenten weitere Vorteile bietet. Unter gewissen Voraussetzungen wird für Nachtbeleuchtung der Neklamelampen die Kilowattstunde nur mit 16 Pf. berechnet. Ein neues Abfnhrsignal? Nach Abschasstmg des Rufes„Ab- fahren" gibt der StattonSbeamte dem Lokomotivführer bei Dunkel- heit das Abfahrsignal durch Emporheben einer wcißlenchtenden Laterne. Dies Verfahren hat sich im allgemeinen gut bewährt, nur behaupten einige Lokomotivführer, daß das weiße Licht auf hell er- leuchteten Bahnsteigen mit Rücksicht auf andere gleichfarbene Lampen und Laternen zuweilen nicht deutlich genug als Abfahrsignal in die Erscheinung trete, zumal wenn die Bahnsteige von zu- und ab- strömenden Fahrgästen überflutet werden. Es sind daher Versuche mit grün abgeblendeten Signallaterncn angeordnet und mit den letzteren die Stationsbeamten der Nordring- Bahnhöfe Frankfurter, Landsberger, Prenzlauer, Schönhauser Allee, Gesund- bruncn usw. bis Jungfernheide ausgerüstet worden. Vom Ausfalle dieser aus mehrere Wochen bemessenen Versuche wird es abhängen, ob in der Farbe der Signallaternen eine Aenderung eintritt oder nicht._ Die nächste Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag hat �ine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. U. a. stehen folgende Angelegenheiten zur Beratung und Beschluß- fassung: Abordnung der Mitglieder der Versammlung in die De- putation zum Besuch der Stadt London infolge Einladung der Kor- poration der City of London.— Berichterstattung über die Anträge von Mitgliedern der Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, mit der StaatSregierung in Verhandlung zwecks Uebernahme der Sicherheitspolizei zu treten— und den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, ob und welche Maßnahmen von ihm in den letzten Jahren ergriffen sind, um die Uebertragung aller Zweige der Polizei- Verwaltung, die nach Lage der Gesetzgebung den Gemeinde» über- tragen werden können, auf die Stadtgemeinde Berlin zu erlangen. — Vorlagen betreffend: die Abgabe von Gas an den Berliner Verein für Luftschiffahrt für die internationale Ballonwettfahrt 1309,— den Abschluß eines Vergleichs nnt der Stadtgemeinde Fürsten- Wälde über Schädigungen durch den Müllabladeplatz in Spreenhagen,— den speziellen Entwurf zum Erweiterungsbau der 6. FortbildungS- schule Langestr. 31,— den Etat des Seilermeister Fehdelcrschen Fonds für das Etatsjahr 1909,— den Vorentwurf zum Um- und Erweiterungsbau der pathologifch-anatomifchen Anstalt des Kranken- Hauses Moabit,— den Verkauf einer am Fürstenbrunner Weg bei Fürstenbrunn zu Charlottenburg belegenen Grundstücksparzelle,— die Annahme einer durch Frau Anna Moslcr, geb. Moslcr, der Stadtgemeinde gemachten Schenkung,— und den Austausch einer 100 Quadratmeter großen Fläche des GaSwerksgrundstücks in Tegel- Wittenau.— Berichterstattung über die Vorlagen betreffend die Auf- nähme einer neuen Straße 19b zwischen Prenzlauer Allee und Dunckerstraße in Abteilung XU des Bebauungsplanes— und die Geschäftsanweisungen der Hoch- und der Tiefbaudeputation für die Vorsteher der Hochbau- und Tiefbauämter, sowie die allgemeinen Vertragsbedingungen und die Bietungsbedingungen,— sowie über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung be- treffend die Neuregelung der Vorschriften über das stadtische Submissionswesen.— Vorlagen betreffend: den Austausch einer Parzelle des GaSwerksgrundstücks am Stralauer Platz gegen eine vor diesem Grundstück gelegene Spreefläche,— die Vermehrung der Mitgliederzahl des Kuratoriums für das Bestattnngswesen,— die SpezialVerwaltung 36 für Erwerbung von Straßeuland oder Bau- beschränkungen auf Grund von Entschädigungsbeschlüssen oder richterlichen Entscheidungen in der Zeit vom i. Oktober bis 31. Dezember 1908 gezahlten Beträge,— die Neufestsetzung der Be- loldungsordnungen der städtischen Beamten und Bediensteten(mit Ausnahme der Lehrpersonen),— Bildhauerarbeit am neuen Stadt- hause,— die kostenlose Ueberlassung von 3 Schulräumen zur Er- richtung einer Zahnklinik,— den Verlauf des Schmiedegrundstücks in Schenlendorf._ Eine überraschende Entdeckung machte ein Schornsteinfeger auf dem Grundstück Kösliner Str. 2. Beim Reinigen einer der Schorn- steine fand er darin eine Gipsform, die zur Anfertigung falschen Geldes gedient hat. Drei verschiedene Münzen konnten mit Hilfe der Form geprägt werden, und zwar Einmarkstücke, Einhalbmark- stücke und Zehnpfennigstücke. Auf dem Turnplatz schwer verunglückt ist gestern nachmittag der 16 Jahre alte Bruno HirtenS aus der Ackerstraße 133. H. hatte mit mehreren anderen jungen Leuten auf dem Spielplatz an der Behmstraße Fußball gespielt. Dabei kam er zu Fall und unglück- licherweise wurde er von einem hinter ihm berjagenden Mitspieler mit solcher Gewalt getreten, daß ihm das Hüftgelenk ausgerenkt und der linke Oberarm gebrochen wurde. Der Schwerverletzte wurde in bedenklichem Zustande nach dem LazaruS-Krankenhause gebracht. Zwei Räuber vom Schlefischen Bahnhof wurden in der ver- gangenen Nacht festgenommen, die 25 Jahre alten Galizier Stanislaus Nickel und Kasimir WlodinSki. Diese waren früher Landarbeiter, lebten aber zuletzt ausschließlich von Räubereien gegen Landslcute, denen sie bei ihrer Durchreise durch Berlin auf dem Schlefischen Bahnhof auflauerten. Erst vor kurzem aus dem Gefängnis ent- lassen, verschleppten sie gleich wieber einen Landsmann unter der Vorspiegelung, daß sie ihm Arbeit verschaffen könnten, nach einer abgelegenen Gegend, sprangen ihm dort plötzlich an die Kehle, würgten und schlugen ihn und raubten ihm Koffer, Uhr und Porte- monnaie. Der Beraubte, der lange Zeit brauchte, bis er sich wieder nach dem Bahnhofe zurecht fand, konnte die Räuber gut beschreiben. In der vergangenen Nacht tauchten beide Wieder im Wartesaal vierter Klasse auf, um sich an Durchreisende heranzumachen, wurden aber von Beamten der Kriminalpatrouille alsbald ergriffen und gestern vormittag dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ans dem Polizcibericht. Am Montagnachmittag wurde der 43 Jahre alte Arbeiter August L. in seiner Wohnung in der Zechlincr Straße an einer Türklinke erhängt aufgefunden und von einem herbei- gerufenen Heilgehilfen abgeschnitten. Sofort angestellte Wieder- belebungSversuche waren erfolglos.— Der 45 Jahre alte Arbeiter Willibald E. hat sich abends vor der WohnungStür seiner Tante in der Zwinglistratze durch einen Revolverschuß getötet. Die Leiche brachte man nach dem Schauhause.— Montag früh wurde das 26 Jahre alte Dienstmädchen Johanna M., das bei einem Kaufmann in der Kreuz- bergstraße beschäftigt ist, in seinem Schlafraum besinnungslos und röchelnd im Bette aufgefunden. Der Schlafraum und die durch eine offene Tür mit ihm verbundene Küche waren mit Leuchtgas stark angefüllt und die Gashähne in der letzteren geöffnet. Ein Arzt ließ die Lebensmüde nach dem Krankenhause am Urban bringen. Be- weggrund zum Selbstmordversuch: Verletztes Ehrgefühl.— Das dreijährige Söhnchen Erwin des Schlossers Karl Leisler stürzte nach- mittags aus einem Fenster des vierten Stockwerks in der Wattstr. 21 auf den Bürgersteig hinab und blieb mit zerschmettertem Schädel be- sinnungslos liegen. Man trug den Knaben nach der elterlichen Wohnung, wo er nach wenigen Minuten seinen Verletzungen erlag. — Auf dem Abrißgrundstück der 1. Gemcindeschule, Liiiieustr. 162, fiel nachmittags der dort beschäftigte, 50 Jahre alte Zimmermann Hermann Hädrich aus Rixdorf beim Anbringen des Schutzdnckies am Bauzaun rücklings innerhalb des Bauzaunes aus einer Höhe von drei Metern auf den Bürgersteig. In einer Droschke schaffte man dm Bewußtlosen nach dem Hedlvigs-Krankenhause. wo er mit einem Schädelbruch und einem Bruch des linken Schlüssel- beinS Aufnahme fand. Sein Zustand ist besorgniserregend.— Aus unbekannter Ursache scheute Montag vormittag daß Pferd einer Droschke und lief die Holzmarktstraße entlang. Vor dem Hause Breslauer Straße t prallte der Hinterwagen gegen die Bordschwelle, wodurch der 7g Jahre alte Kutscher Kart Rerlich vom Bock ge- schleudert wurde und bewußtlos liegen blieb. Passanten trans- portierten N. in einer Droschke nach dem Krankenhause Am Friedrichshain, wo man eine schwere Kopfverletzung feststellte und ihn auf- Nahm. Die Droschke ist stark beschädigt und mußte vom Besitzer abgeholt werden. Ausgesetztes Kind. Am 3. d. MiS. hat ein unbekannt gebliebenes etwa zehnjähriges Mädchen auf der Treppe des SettenfliiaelS deS Hauses Grünpr Weg 17 einen zirka vier Wochen alten Knaben aus- gesetzt, nachdem eS vergeblich versucht hatte, denselben bei einer dortselbst wohnhaften Fron abzugeben. PersoUen, welche fach- dienliche Angaben machen können, werden ersucht, sich im Polizei- Präsidium oder in jedem Polizeitevier ju 1481 17/43 09 zu melden. Fcuerwehrvcricht. Zweimal wurde die Berliner Feuerwehr in der letzten Nacht nach dem Grundstück Kleine Markusstr. 4 alarmiert. Um Mitternvcht stand dort der Dachstuht des rechten Sritenflligels in Flamme Diese sollen in den BodenverschlägeN ausgekommen sein und an oem Inhalt derselben reiche Nahrung gefunden haben. Bald brannte auch der Dachstuhl des Vorderhauses, so daß die Feuer- wehr unter Leitung des Brandinspektors T e U b U e r tüchtig löschen imißte. Die Entstehung konnte nicht mehr ermittelt wetden. Die Feuerwehr war schon längere Zeit abgerückt, als ein zweiter Alarm erfolgte. Um 3 Uhr nachts stand der Dachstuhl des OuergebäudeS in Flammen. Durch kräftiges Wassergeben gelang es aber, den Brand auf den Dachstuhl deS OuergebäudeS zu beschränken. Auch diesmal konnte die Entstehung nicht festgestellt werden. Fast gleich- zeitig wurde die Feuerwehr nach der Köpenickcr Straße 133 gerufen, wo mdeS nur ein Schornstein brannte. Durch Ueberkvchen von Fett kam Zorndorfer Straße 41 Feuer auZ. Der 11. Zug hatte in der Urbanstr. 87 zu tun, wo Stroh in Brand geraten war, und in der Fürbtickger Str. 33. wo KohlenorydgaS sich bemerkbar gemacht hatte. Ferner rückte die Feuerwehr nach der Mockerustr. 09, Eberthstr. 12, Lützowstr. 73 u. a. Stellen aus. Vorort- jVadmchten. Schöneberg. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung stand die neue Schularztordnung zur Beratung. Dieselbe war bor Stadtverordnetenversammlung bereits vor anderthalb Jahren zu- gegangen und wurde damals einem Ausschuß überwiesen, der erst jetzt seine Beratungen beendet hatte. Nachdem der Berichterstatter eine Erläuterung der voM Ausschuß vorgenommenen Aenberungen gegeben hatte, debattierte man darüber, ob ein Schutarzt im Haupt- cnnt anzustellen sei oder ob es bei dem bisherigen System bleiben soll. Es wurde beschlossen, die weitere Beratung der Schularzt- ordnung zu vertagen, bis der Magistrat sich über die angeregte Anstellung eines Schularztes im Hauptberuf schlüssig geworben ist. Eine Vorlage des Magistrdts verlangt die Subventionterung einer privaten höheren Mädchenschule in Schöneberg durch lieber- Weisung von Freischülerinnen auf städtische Kosten. Stadtv. Weise (Lib. Frakt.) wünschte, daß diese Subventionierung auch noch anderen privaten Schulen zuteil werde. Unsere Genossen Kütet und D ä u m i g wandten sich Namens der sozialdemokratischen Fraktion entschieden gegen diese Subventionierung z man sorge lieber dafür, daß diese privaten Schulen abgeschafft werden. Die Vorlage des Magistrats wurde darauf angenommen, ein Teil der liberalen Fraktion stimmte mit dafür. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit einer Reihe von Nachbewilligungett für Etatsüberschreitungen. Sharlottenvurg. Freie B-lkSbühne Charlottendurg. Die Aprllborflellung findet für die I.«btrilnng am Donnerstag, 22. April, für die Ii. Abteilung an, Freitag, 23. April im Schiller-Theater Charlotten- bürg statt. Gespielt wird Shakespeares„Macbeth". Die Marken müssen in beiden Abteilungen amTags vor derVor- stellung geklebt sein. Elternverein für freie Erziehung.(Verein Freier Kindergarten.) Auf den heute abend im Volkshause, Rosinenstr. 3, stattfindenden Märchenabend mit Lichtbildern wird noch einmal hin- gewiesen. Anfang 9 Uhr. Eintritt für Kinder 10 Pf., für Er- Wachsens 20 Pf. Wilmersdorf-Halensee-Schmargendorf. Auf die Ergänzungswahl von Delegierten zur hiesigen OrtS- krankenkasse, die heute abend von Ö>/„ Uhr ab im Lutsenpark, Wilhelmsane 112, stattfindet, sei an dieser Stelle nochmals auf- merksam gemacht. Wir ersuchen nur für die Liste der Gewerkschafts- kommission, beginnend mit dem Namen Albrecht Richard, die Stimme abzugeben. Legitimation oder Arbeitsbescheinigung ist erforderlich. Dir Gewerkschafts-Unterkommission. Pankow. Die Gemeindevertreterwahl am Montag hat mit einer Nieder- läge für die Sozialdemokratie geendet. Wie ist dieser Ausgang zu erklären? Daß auf einen Sieg unserer Kandidaten nur dann zu rechnen war, wenn die Parteigenossen im weitesten Maße ihre Schuldigkeit taten, war für jeden Eingeweihten ohne weiteres klar. Die Wahlbeteiligung auf beiden Seiten war denn auch eine recht rege zn nennen. Es wurden im ganzen 1374 Stimmen abgegeben, davon erhielten unsere Kandidaten 901 Stimmen. Bei der Hauptwahl am lö. Januar dieses JahreS erhielt unser Kandidat nur SSO Stimmen. Ziehen wir in Betracht, daß durch den leidigen Bruderstreit in unseren Reihen und durch die hierdurch notwendigen Einigungsbestrebungen viel Zeit absorbiert wurde, so blieb für die eigentliche Wahlarbeit rund eine Woche übrig. Daß trotzdem diese Stimmenzahl abgegeben wurde, ist jedenfalls ein Zeichen, baß die alte Schlagfähigkeit der Partei am Orte noch vorhanden ist und es nur noch geringerer Zeit bedarf, um jeden Kamps mit den Gegnern wieder aufzunehmen.- Die vereinigten bürgerlichen Parteien unter der Führung des Retchsverbandes hatten dagegen vollauf Muße, ihren Apparat spielen zu lassen. Ihnen war bekannt, daß die Arbeiter sich im eigenen Kampfe gegenseitig zerfleischten, sie spürten deshalb Morgenlust und brachten die verschiedenen Beamtenkategorien in Bewegung. In einem vertraulichen Zirkular wies Herr Gemeindevertreter Ganse im Namen des Wahlausschusses darauf hin, daß die Sozialdemokratie die größten Anstrengungen mache, die verlorenen Mandate wieder zurück- zuerobern. Ein Sieg der„nationalen Sache" sei deshalb nur möglich, wenn die bürgerlichen Vertreter gewählt werden. Und alle, alle kamen, um natürlich, lediglich aus eigenster Ueberzeugung, die nationalen Kandidaten zu wählen. Die Schaffner und Fahrer der Siemensbahn wählten ihren Borgesetzten Ingenieur Schreiber genau so wie die Eisenbahnveamten vom Streckenwärter aufwärts, ledig- lich aus„Ueberzeugung", den Interessen der Gemeinde Pankow zu dienen. Hier darf natürlich nicht von TerrorlSmuS gesprochen werden. Nur wenn Arbeiter einmal von ihrer wirtschaftlichen Macht Gebrauch machen wollen, dann wird getcr und Mordio geschrien. Jedenfalls sind noch bei keiner Wahl so viel verschiedene Beamtenuniformen gesehen worden, wie diesmal. Was nicht lausen konnte oder wollte, wurde mit dem Automobil herangeholt. Lei der Schlepparbeit verspätete sich dann der Führer des ReichSverbastdes derart, daß er nach 8 Uhr, nach der Absperrung des Saales, noch von den Gendarmen durchgelassen wUrde, um am Schluß seine Stimme abgeben zu können. Wie werden nun die neugewählten nationalen Vertreter die Interessen Pankows wahren? Herr Schreiber ist den Einwohnern Pankows kein Unbekannter. Als bei der UM gestaltung der Wagenfolge, Haltestellen usw. der Siemensbahn die Einwohner Pankows durch die Gemeindevertreter bescheidene Wünsche äußerten, wurden von Herrn Schreiber alle Anregungen abgelehnt. Als bei der Verlängerung der Bahn nach Nieber-SchönHaufen die beiden Gemeinden in Konflikt gerieten, vertrat wieder Herr Schreiber rücksichtslos die Interessen der anderen Partei. Bei dem anderen nationalen Vertreter, einem Berliner Magistratsbeamien, kann man nur gespannt sein auf den Augenblick, wo die Jnterefien Pankows mit denen der Stadt Berlin kollidieren— ein Zustand, der bei den heute noch herrschenden Verhältnissen der Nachbargemeinden zueinander leider immer noch vorkommt—, wie bann der Angestellte der Stadt Berlin zu den Streitftagen Stellnng nehmen wird. Jedenfalls ist es an der Zeit, daß die Arbeiterschaft sich wieder auf sich selbst besinnt und Maßnahmen ergreift, um endlich wieder die achtunggebietende Stellung einzunehmen, die ihr im Orte zu- kommt. Oder wollen wir auch noch weiter den Gegnem das Kanipf- seid überlasse»? ES ist notwendig, die alte Einheit wiederherzu- stellen, den alten Streit zn begraben. Wollt ihr weiter den Ver- rätern an der Partei Gefolgschaft leisten, die hvhntächelnd im Hinter- gründe der Wahlhandlung standen, ohne doch selbst ihre Stimme abzugeben? Fort mit dem Streit. Hinein in die Organisation. Jeder lege selbst mit Hand an, um neue Kämpfe vorzubereiten. Bei deck gestern stnttgefundenen Wahlen zur Oriskrankenkasse vereinigte die Liste der Gewetkschaftsunierkommission 39V Stimmen auf sich. Eine Gegenliste war nicht aufgestellt. ES sind svntit die Kandidaten der Gcwerkschaftsuntetkommisston gewählt. Treptow-Baumschulenweg. Schwer verletzt wurde gestern nachmittag ein Rohrleger beim Ableuchten einer GaSaNlage bei Franke in der Karpsenteichstraße. Infolge einer Explosion wurde dem Arbeiter der linke Arm zer- schmettert. Ein Krankenwagen schaffte den Verunglückten«ach dem Krankenhause am Urban. Adlershof. Alt-Glienicke. Die elektrische Straßenbahn AblerShof- Alt-Glienicke, an deren Herstellung gearbeitet wird, soll zu Pfingsten in Betrieb genommen werden. Strausberg. Das Auge auSgeschossen. In die königl. Klinik zu'Berlin wurde vorgestern der dreizehnjährige Schüler Richard Heller von hier ein- geliefert. H. wurde vorgestern morgen von dem Lehrling Artur Lange beim Revolverschietzen so unglücklich WS rechte Auge ge- troffen, daß eS nicht mehr zu rettest war. Spandau. Ein auSlündisch-polnischcr Arbeiter, so berichtet ein htrstges Lokalblatt, der schön wiederholt den Ausweisungsbefehl erhalten hat und, tveil er Das Staatsgebiet trötzdem nicht verließ, bereits mit Gefängnis bestraft worden ist, wurde am Sonntag hier wieder angetroffen. Da er keine Beschäftigung hat, wurde er in Haft genommen. Es ist wirklich unglaublich, erst werde» diese armen Arbeiter vom Auslände hierher_ gezogen, um für die Unternehmer die Rausreißer zu spielen, und wenn man sie dann nicht mehr braucht, schiebt man sie als lästige Ausländer wieder ab, steckt sie sogar ins Gefängnis, wenn sie dem AuSweisungsLefehi nicht Folge leisten. Staat und Gemeinde sehen solchen Maßregeln stillschweigend zu, ja der Staat geht Noch mit gutem Beispiel voran, indem er sogar auS- ländische Frauen beim Eisenbahnbau beschäftigt. Will man aber solche armen irregeführten Menschen w ihrer Muttersprache auf- klären, so kollidiert man wieder mit dem Vereinsgesctz. So etwas kann auch nur in einem Staate vorkommen, wo die Regierung die Geschäfte der Unternehmer besorgt, während die Arbeiter in jeder Weise unterdrückt werden. Und da faseln die Hirsch-Dunckcrschen und christlichen Gewerkvereine noch Von Harmonie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Snbmisfionsblüten. Für das Gelände des Hafenvaues und zwar zur Anschüttimg der östlichen Hafenbrllckenrampe sind sechs Angebote eingegangen. Die höchste Forderung betrug 14S3S M., die niedrigste 7076 M.— Für die Legung der Gtabfußböden in der Jubtläumsturnhalle sind 16 Angebote eingegangen. Die Preise differieren zwischen 14 113 M. und 11 369 M. Für die Fenster dieser Turnhalle sind acht Angebote eingereicht. Die Höchstforverung beträgt 11238 M.. die niedrigste S049.S0 M. Da zweifellos die Mindestfordernden den Zuschlag erhalte», so werden am letzten Ende wieder die Arbeiter diejenigen lein, die dem Unternehmer den Ver- dienst bringen müssen, denn eine Bestimmung, wonach die Unter- nehmer gehalten sind, mindestens die ortsüblichen Tngelöhne zu zahlen, ist bei den Ausschreibungen noch nicht eingeführt. Smehts- Leitung. Die Geheimnisse einer Potsdamer Wurstfavrik. Skandalöse Zustände wurden in der letzten Sitzung der PotS- damer Strafkammer erörtert, die im Mai vorigen Jahres im Be- triebe des Schlächtermeisters und Hoflieferanten Otto Nock, Brandenburger Straße, herrschten. Auf Anzeige seines Gesellen Müller erfolgte eine Untersuchung und Beschlagnahme von mehreren Zentnern Wurst, die teils verschleimt, teils schimmelig unter den VerkanfSbeständeN hing.— Bereits einmal wurde vor dem hiesigen Schöffengericht gegen Nock wegen NahrungSmittelverfälschung am 18. Februar d. I. verhandelt. Da- mals kam der Angeklagte mit dem milden Urteil von 20 M. Geld- strafe weg. Merkwürdigerweise legteer dagegen Berufung ein. Auch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. In dem BerufungS- verfahren wurde erwiesen, daß im Keller ans Spießen mit guter Ware auch schlcchtgeivordene Wurst hing, daß verdorbene, mit Schimmel behaftete Leberwurst abgezogen, mit frischem Fleisch, Schwarte und Speck vermengt, durch den Wolf getrieben wurde und dann für„angeblich" 20 Pf. das Pfund verkauft ivurde. Hinsichtlich des geringen Preises versuchte der Angeklagte ein eigenes Rechen- exempel aufzumachen, das angesichts der verschiedenen Vorhalttingen des Vorsitzenden zu dem Geständnis zusammenschrumpfte:„Aus Gut- miitigkeit habe ich das gemacht, weil mir die 20 Pf.-Wurst gefeblt hat. Ich habe sie direkt verschenkt." Mit der Großmut fand der Angeklagte beim Vorsitzenden wenig Verständnis, so daß er schließlich erklärte, er habe die Sbfallwurst als Hundewurst verkauft. St. fügte hinzu: „Wenn st» die Leute selbst essen, kann ich nicht» dafür."— vors.: „Sie geben also für die Hunde noch Pfeffer in die Wurst?" Diesem Zweifel begegnete der Angeklagte mit der Erklärung:„Kommt einer und will Abfallwurst, kriegt er diese, will er Hundewurst oder Ordinäre oder„Granit", kriegt er auch diese." t— Vors.:„Na ja! Und dies« Wurst haben Sie auf die Menschen los- aelassenl" Da sich der Angeklagte darauf bernfrn hatte, daß„sein" Verfahren Verbesserung fauler Leverlourst—in Potsdam allgemein üblich fei. wurde Schlächter- meister Bartling als S a ch v erstän big er vernommen. B. bekundete:„Das rst doch ein bißchen anders, als Herr N. das erzählt. Wenn die Leberwurst schwarz geworden ist, dam, nehmen sie uns die Frauen nicht mehr ab, dann zieht man neue Häute um, die Wurst ist aber minderwertig. Der Vorsitzende befragte dann den Sachverständigen, ob er sich erklären könne, welchen Vorteil N. habe, wenn e» zu schlecht geworden« Wurst, die früher 80 Pf. gekostet habe. noch frisches Fleisch, Gewürz nehme, fich die Arbeit mache, um dann das neue Fabrikat für 20 Pfennig zu ver- kaufen. Sachverständiger:„Das kann ich mir nicht erklären. Die alte Leberwurst ist ja unverläuflich und der Hund frißt die schwarz gewordene ebensv gern wie anvere." Der Sachverständige schloß mit den Worten:„Wenn ich frei und offen reden darf, Herr N. ist sehr beschränkt, ich verantworte das!" Das Gericht legte der An- gäbe N., er habe die„reproduzierte" Wurst für 2V Pfennig verkauft, trotz seiner Berrchnnng keinen Glquben bei. lieber seinen Befund bei der Beschlagnahme bekundete Geheimrat Klebba, die beschlagnahmte Wärst zeigte FäulniSspuren, teilweise hing im Keller total verschleimte Wurst neben gesunder Ware. Im Lagerraum standen Fettseiten mit fingerdicker Schimniellage.„Es war wüst im Keller", versicherte der Sachverständige. Er be- zweifelte auch die Richtigkeit des Verkaufspreises von 20 Pf. für das Pfund„Hmidewurst". Auch gab er seiner Vermutung Ausdruck, daß zu anderen Leberwürsten schlechtes Material genommen sei.„In der berühmten„Leberwurst" lvar natürlich keine Spur von Leber, sondern nur Kälbermagen", Geselle Gatzke gab zu, mit dem Meister schleimige Wärst abgepellt, mit Kopsfleisch, Speck und Schwarte vermengt und in die Därme gefüllt zu haben. Geheimrat Klebba:„Beim Abpellen kommen große Mengen Schiinmelpilze in die Mischung I" Der Staatsanwalt, Assessor Giorgi, beantragte ISO M. Geldstrafe. Das Gericht hob das erstinstanzliche Urteil ans, verwarf die Be- rufung des Angeklagten und verurteilte ihn aus§ 10 Abs. 1 des Nahrungsmittelgesetzes wegen Verfälschung und Verkaufs verdorbener Waren zu 100 Mark Geldstrafe. Kleine Klageovjekte hohe Kosten. Ein Kaufmann in Hannover verklagte vor einiger Zeit einen böswilligen Schuldner auf Zahläng von 2, SO M. und erlangte auch einen rechtSktästigen Schuldtitel über diesen Betrag. Der Schuldner war inzwischen von Hannover nach Kiel verzogen, weshalb der Rechtsbeistand des Gläubigers den Schuldtitel einem Gerichts- vollziehet in Kiel zur Vollstreckung einsandte. Der Gerichts- Vollzieher waltete vorschriftsmäßig seines Amtes und erzielte aus dem Erlös gepfändeter Sachen beim Zwangsverkauf den Betrag von 6 M. Er teilte dieses dem Rechtsbeistand des Gläubigers mit, gleichzeitig aber auch, daß er sie 6 M. zur teil- weife» Deckung seiner, der VöllstreckungSunkosten, die im Betrage von 9,07 M. entstanden seien, verivendet, und daß er den Restbetrag von 7 Pf. per Nachnahme von ihm erhoben habe. Der Gläubiger Mußte Ivegen dieser 7 Pf., die er oberdrein noch zu bezahlen hatte, noch 52 Pf. Portounkosten bezahlen. Der Gerichtsvollzieher konnte natürlich die 7 Pf. auch niederschlagen oder die Einsendung per Post- karte verlangen, aber er handelte auch so vorschriftsmäßig. Nebenbei sei bemerkt, daß der Schuldner sich im übrigen als psandlos heraus- stellte und daß der Gläubiger außer rund 20 M. GerichtSkoste« auch noch die Kosten seines ProzehvertreterS zu tragen hat. Vermischtes. Schiiorrrrei. Im„RcichSboten" finden wir folgendes Inserat: „Bitte!" Ich beabsichtige in dem ncuerbautcn Krankenhause zu Riesenburg, welches dcni Vaterländischen Frauenverein gehört, von Diakonissen geleitet wird, ein Fretbett zu stiften, bedarf aber noch dazu der Mithilfe guter Freunde der guten Sache.— Jeden der diese meine Bitte liest, bitte ich, mir SO Pf. zu schenken. Faulen bei Roseäberg. Westpr. Magdalcne von Auerswald, geb. Freiin v. Schönaich. Da läßt sich leicht ein Freibett stiften, wenn man die hlerzn nötigen Mittel erst bei anderen Leuten zusaminenschnorrt. Wenn die adelige Dame als Wohltäterin austreten will, sollte sie in die eigene Tasche greifen ünd eine Summe zu diesem Zwecke hergeben. Strandung eines deutschen DamPfcrS. Einer Lloydmeldung zu- folge ist der Dampfer„Asia", von Havanna nach Bremen und Aal- borg unterwegs, an der Südseite von Goodwinsand auf Grund ge- raten. Ein verhängnisvoller Neberfall auf einen OmnivuS wird aus Kiew gemeldet: In der Nähe der Stadt wurde ein OmnivuS von fünf Räubern überfallen. Bei der Verfolgung der Räuber, an der auch auf dem Felde beschäftigte Landleäte teilnahmen, wurden sechs Personen, unter ihnen zwei Räuber, getötet und vier Personen verletzt._ Sozialdemokratischer Lese- und Dlökutierklub„Heinrich Heine-. Heute abend 9 Uhr bei Bolze, Rodenbergstr. 8: Sitzung. Sozialdemokratischer Lese- und DISkuticrkltib„Karl Marx-. Heute abend S'/, Uhr bei Hummel, Sophienstr. S: Ettzung. Gäste will- kommen. Lese- und Diskntierklub„Südost-. Heule abend 8'/, Uhr bei Neithardt, Görlitzer Straße 68: Sitzung. Gäste willkommen. Verein ehemaliger Berltlier»Abteilung L). Heute abend 8'/, Uhr im„RojentHaler Hoj", Rojcnthaler Str. 10(11: Milgliederverjammlung. Gäste haben Zutritt._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dtrektton über den Großhandel tn den Zentral-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr aeniigend, Geschäsi still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft rege, Preise steigend. G e s I ü g e I: gusuhr knapp, Geichäst rege, Preise gut. Fische: Znsuhr reichlicher, Geschäft ziemlich lebhast, Preise wenig derändert. Butter und Kas«: Geschäsi ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zujlchr ausreichend, Geschäsi etwas lebhafter, Preise unwesrntUch verändert. Wttternngsüberftcht vom SV. April ISVg. morgen» S Uhr. «tattonen Haniburg 8ertin Franks.«.!» Müncheu Wien Wetterprognose kür Mittwoch, de» S1. April tvvv. Zunächst ziemlich trübe und regnerisch, aber mlld bei lebhaften West lichen Winden: später wieder ausllarend, etlvaS kühler. Berliner Wetterboreau. «e«er ** c* 2 bedeckt 1 Schnee 4 wolkig Regen 4 halb bd. i « 7 10 rSasterftandS-Rachrichte« her LandeSanstalt für Gewässerkunde, mttgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r« g e l, Jnfterburg Weichsel, Thor« Oder, Nattbor , Krosjen Frankfurt Warth«, Schrimm . Landsberg Netz«. Vordamm (J l b e, Leitmcritz , Dresden , Barby . Magdeburg 0+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. G«S�SSSSSSSKSSSSSSSS� ft/ Unserem Parteigenossen\il Ernst Müller, Stromstrahe 35,

des ?»ckes-�l nxclge. Am 19. April verstarb unser Mitglied, der Tischler Wimvlm Boy Antonstraße 2. Ehre seinem«nbenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. April, nach» mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS städtischen FriedhoseS, Müllerstrahe(Ecke der Eeestragei aus statt. Um rege Beteiligung ersncht Ter Vorstand. SoziaitakratiscberWalilYerelii des Nachruf. Den Genossen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schneider Ernst Schwarz Hochmeisterstr. 19 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 225,14 Ter Vorstand. Qeutscbsr iMetallarbeitsr-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anecljrc. Den Kollegen zur Nachricht, ( daß unser Mitglied, der Drücker Oskar Voixt jam 18. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den LI. April, nach- > mittags 2',. Uhr, von der Leichen- hall« deS Urankenhauses Bethanien I auS nach dem alten Thomas- rchhosc in Rixdorf, Hermann- j strasie, statt. Rege Betessigung erwartet 1 115,18 Die Ortsverwaltung. Deutseber Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Rixdorf. | Den Mitgliedern zur Nachricht, j dah unser Kollege, der Tischler Wkelm Rothe J am 17. April verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! . Die Beerdigung sindet heute j Mittwoch, den 21. April, nach- l mittags 4',, Uhr. von der Leichen- 1 halle deS neuen Rixdorser Kirch- ] hoses, Mariendorser Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 82/19 Dia Ortsverwaltung. Zeutrat-Uttlmd der Schmiede. Verwaltnngsstelle Berlin. Den Mitgliedeni zur Nachricht, daß unser Kollege Ruclolk Rohrdeck am 16. April sreiwillig auS dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 21. Slpril, nach« mittags iU/z Uhr, von der Leichen- Halle des'Rirdorscr gricdhosrS, Mariendorfer Weg, auS statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 176,7 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- o. Slerbekasse der deutschen Wagenbauer. (E. H.) Ortsvcrein Rixdorf. Todes» Anxclite. Den Mstgiiedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Hndolt Rohrbeck am 16. April sreiwillig auS dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. April, nach- nuttags 5',, Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Fried- hoses, Mackendörser Weg, aus statt. 259,7 Die DrieverwAltung. Uerlchtlgong. Die Beerdigung unseres Kollegen Hennann Weiner findet Nicht heute Mittwoch, sondern morge» Donnerstag, abends tthr, aus dem Hcilig-Kreuz- Kirchhos in Martendorf statt. Die Kalle x-en der Nordd. Bachdruckerei. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unser lieber Bater und Schwiegervater, der PutzersKvhlcn- Händler) ft'ieclrZekiterK Eisenbahnstr. 88a, nach schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet DonncrS- tag. nachmittags 8 Uhr, von der Halle deS Zeniral-FricdhoseS in svricdrichSfcidc aus jlntt. Die liefbetrUbten Hinterbiiehsnen. Am Montng, verstarb noch >WWMM TI den 19. April, langem Leiden unsere älteste Tochter 2tb3b huiäa im Alter von 22 Jahre», waS betrübt anzeigen Gustav Wollschläger und Frau, «dalbertstr. 2!. Die Beerdigung sindet Freitag, den 23., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS St. Thomas- KtrchhoteS aus statt. HgWKCT« . Danksagung;. Allen Freunden und Bekannten, Vorgesetzten und Kollegen der GaS- anstali II Tharloltenburg sowie dem Rauchllub„Tadetlos" sur die grosse Beteiligung und die vielen Kranz- spende» bei der Beerdigung meiner lieben, unvergeßlichen grau EiuUle Hprockhoil' geb. Handle sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Der trauernde Gatte Aug. Sprockhoff nebst Kindern. Wichtig für Eheleute! Wie schütze ich mich vor vielem Kindersegen? Verlag vom Versasser Wilhelm sieiSner, 4V.-Jena(Thüringen), Steinborn 5. Preis 50 Ps. in Briesmarken oder bar. 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Quartal 1909. 3. Vortrag über Konsumgenossenschasien. 4. Maiseier. 5. GewerkschastlicheS und Verschiedenes. 62,12 Die Ortsverwaltang. Arbeiter-Bildungsscbule Berlin. DvnnerStag» de«£8. April, abends'/,9 Uhr. im Schnllokak, Grenadierftr. 37: 6,10' General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, deS Lehrkollegiums und der Revisoren. 2. Wahl eines SchristsühreS. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Tahahllrhclter-Gtiiosskllsihast, Hambarg Generalvertrieb und Fabriklager Berlin 80., Köpenicker Strafte Sva Vertreter: Udo Staufenberg*£e*v* Niederlage der Nordhänser Kantabakarvetter-Genossenschaft Xlgarren—»ilgaretteM— Knntnbake zu Fabrikpreisen. 7efierstr. Ob Barzahlung oder Teilzahlung iteh dleatlba reelle Qnelltltl 1 Orfs-Krankenkssse fir iasUewerliE derMei- imd Piasoforte-lrlieiter zd Berlin. General-Versammlung der Vertreter der Kassen- Mitglieder und der Arbeitgeber amllvnnerGtajr, d.£9. Ajvril, abends 8 Uhr: im„Gewerkschaftshanse«, Engel» uscr 15, Saal 7. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1308 nebst Bericht der Revisoren. 2. Antrag deS Vorstandes. 3. Vor- trag des Herrn Koblenver über die „NcichSoersichcrungsordnimg«. 21SSb Der Borstand. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Adlershos u. Umg. Wir laden hiermit die Vcrtrrlcr der Kassenmitglicder nnd Arbeitgeder zu der am Freitag, den 30. April- abrndS 7 tthr, im Restaurant Kühne zu Adlershof am Buhnhof stattfindenden 273,20 Ordenttii GeneralTerswIiißti ein. TageS-Ordnung: 1. Beschinfisassung über die Abnahme der Rechnung deS Vorjahres. 2. Nicht ans der Tagesordnung stehend« Angelegenheiten. ». tianseii, Vorsitzender. HH9H Billigste Betttgsqnelle j ijedieg.Trauergariierolie' iWestmannsl Trauer-Magazin I Berlin W.. Mobrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. IIS. Genaue Beachtung I meiner Firma u. Hausnummer geboten!• Reste Daaicnlaeke, eohwa» und (ublg.Coetumos-Stotfe, neueste Muster. 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Harsch, Engeluser 15. .Adilersbol. Karl Schwarzlose, Hoffmannftt. 9. BnnniselmlenHvezr. H. Hornig, Marienthalerstr. 13, L Borsigwalde. Paul Kicnnft. Ztäuschstr. 10. Charlottenbnrg. Gustav Scharnberg, Sesenheimer Stt. 1. Vrledrlebsttage». Ernst Werkmann, Friedrichstt. 67. «rttnan. Kranz Klein. Bahnhosstt. 6. IQ. Johannisthal, Pielicke, Kaiser- Wilhelm-Platz 4, ILarlshorst. Richard Küter. Rödelstr. 9, ll. ltitpenlolr. Emil Wistler, Kietzerstr. 6, Laden. Uehtenherg. Otto Seilet, Kronprinzenstr. 4, I. ZVIeder-Sohiiaewelde. Paul Bengsch. Grünauer Str. S. Slowawes. Wilhelm Jappe, Priesterstr. 46. Qher-8ehi)newelde. August HenjcS. Lausmer Stt. 2, I. Pankow. Otto Riftmann. MüHIenstr. 30. Belnlekendort. P. Gnrsch, Kamclestt. 12. Ulxdorf. M. Heinrich. Neckarstt. 7. Conrad, Hermannstt. 50. Bnnsnielshnrg. A. Rosenkranz. Att-Boxhagen 56. biehniargendork. Gustav Kamiusky, Cuiiowftr. 2. tSchiineberg, Wilhelm Bäumler, MarUn-Luther-Stt. 51 im Laden. Sipandan. Koppen, Jagowstt. 9. Steglitz. H. 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