Ztr. 95. flbonntmcntS'Redingoflgch: lÄBmmcmcntä- Preis pränumsranda i Vicrtcljährl.»Po Ml., monatl. l.io Ml., wöchentlich 2S Pfg. frei inS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l.lv Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrWcInf tlglich außer montags. W f, Verlinev Volksblatt. Sie snIertlonz-Lebühr- kclrägt für die fechsgespaltenc Kolonel« zcile oder deren Raum EO Pfg., für Ziolitischc und gewerlschaftliche Vereins« und Bcrsainmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Uleine Anreigen", das erste(fett- kedruSie) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-SlNzeigen das erste Wort 10 Pfg< jedes weitere Wort 5 Pfg. 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So schnell geht die Steuerschacherei nicht— zumal es sich ja nicht nur um die Erbanfallsteuer und das Branntweinhandelsmonopol, sondern noch um einige andere Steuern handelt, wie z. B. die Erhöhung der Brau- und der Tabaksteuer. Hielte sich der Freisinn an sein Programm, müßte er jede weitere Besteuerung des Bieres und des Tabaks ab- lehnen, denn dieses Programm fordert nicht nur„Schonung der minderlei st un gsfähigen Schultern" und „E n t l a st u n g(nicht, wie Herr Mugdan herausliest:„B e- l a st u n g") der notwendigen Lebensmittel undunentbehrlichenVerbrauchsgegenstände von Steuern und Zölle n". sondern es ist obendrein auf dem 7. allgemeinen Parteitag des Freisinns, der im September 1907 in Berlin abgehalten wurde, noch folgender Beschluß gefaßt worden: „Der Parteitag hält nach wie vor die Entlastung der notwendigen Lebensmittel und un- entbehrlichen Verbrauchsgegenstände von Steuern und Zöllen für geboten. Falls zur Ordnung des Reichshaushalts weitere finanzielle Maßnahmen notwendig werden sollten, was bisher noch nicht nachgewiesen ist, verlangt er, daß jede neue Belastung der Lebensbedürfnisse und des Verkehrs vermieden, von einer Be- unruhigung des Erwerbslebens abgesehen und unter Erweiterung des Systems direkter Reichs- st e u e r n die schwachen Schultern geschont werden. Der Parteitag' fordert, daß diesen im Interesse des Gesamtwohls liegenden Grundsähen in der wirtschaftlichen und finanziellen Gesetzgebung des Reiches und der Bundes- staaten Rechnung getragen wird." Doch was gelten im Reich der Mugdancsen Programm- sähe und Beschlüsse. Sie haben für die freisinnigen Wort- führer nur Wert als Agitationsmittel, nicht als Richtschnur für ihre Politik. Deshalb haben sich die Freisinnigen denn auch bereits gegenüber ihren konservativen Blockgefährten verpflichtet, daß sie entgegen ihrer programmatischen Forde- rung, die Ordnung des Reichshaushalts müsse durch„E r- lveiterung des Systems direkter Reichs- steuern" wiederhergestellt werden, für die Aufbringung des größten Teiles der erforderlichen Geldsummen durch i n d i r e k t e S t e u e r n auf die Lebens- und Genußmittel der unbemittelten Volksmassc eintreten wollen. Und handelte es sich nur um die Konsumenten, der Freisinn wäre längst mit den geforderten Brau- und Tabaksteuererhöhungen fertig; aber die Durchführung der vorgeschlagenen Maß- nahmen schädigt auch den größten Teil der kleinen Brauer, Gastwirte, Tabak- und Zigarrenfabrikanten, der Zigarren- Händler usw., und manche der Betroffenen, die bislang bei den Wahlen freisinnig wählten und zu den freisinnigen Partei- lassen beisteuerten, drohen mit dem Abfall. Das ist der Hauptstein des Anstoßes für die freisinnigen Taktiker. Das Konsumenteninteresse kommt für sie kaum in Betracht, und noch weniger das Interesse der ungefähr 200090 in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter: denn von diesen Arbeitern gehören nur noch sehr wenige zur Gefolgschaft des Freisinns. Doch der Freisinn will im Block bleiben und die von ihm übernommene Rolle des Tartüffe weiterspielen. Die Mugdan und Wiemer werden deshalb unter Anwendung ihrer Aus- lcgungskunst schon zu gelegener Zeit entdecken, daß der frei- sinnige Programmsatz:„Erweiterung des Systems direkter Reichssteuern" eigentlich bedeutet:„möglichste Er- Weiterung des Systems indirekter Steuern" und gemäß dieser neugewonnenen Erkenntnis für möglichst hohe Belastung des Bieres und Tabaks stimmen. Auch die durch den Wegfall der Gas-, Elektrizitäts- und Inseratensteuern nötig gewordenen Ersatzsteuern werden die freisinnigen Reichstagsabgeordneten nicht in ihrem patrioti- fchcn Streben erschüttern, im Dienste des Vaterlandes ihre Programmsätze kunstgerecht zu interpretieren und den armen Volksmassen den Lebensunterhalt zu verteuern, zumal die wichtigste unter den geplanten Ersatzsteuern der Kaffeezoll sein wird, und es doch den freisinnigen Börseanern recht wenig verschlägt, ob sie iin Cafä nach Schluß der Börse für ihren Mokka 5 Pfennig mehr zahlen oder nicht.- Man kann deshalb in Anbetracht des Charakters der (Blockparteien mit Sicherheit darauf rechnen, daß das vor peinigen Tagen vom Reichskanzler vor den Levyschcn ' Deputationen aufgestellte Steuerprogramm schließlich im wesentlichen vom Block akzeptiert werden wird, wenn auch selbstverständlich erst nach langen patriotischen Verwahrungen und Räsonnements. Ein Siebentel oder ein Achtel der 'Steuersumme, die zur Deckung des durch die frivole Miß- Wirtschaft der herrschenden Klassen entstandenen Reichs- defizits nötig ist, wird man den Besitzenden auferlegen, sechs Siebentel oder sieben Achtel den Unbemittelten— und dann wird in feierlicher Reichstagssitzung der 51anzler den„staats- erhaltenden" Blockparteien den Dank aussprechen für die segensreiche Arbeit, die sie zum Nutzen des großen teuren Vaterlandes geleistet haben. Vielleicht wird er nach dem Muster seiner am 20. d. Mts. vor den zusammengetrommelten Professoren, Kommerzienräten und Bürgermeistern ge° haltenen Rede also sprechen: „Die große nationale Aufgabe der Reichsfinanzrcform ist durch Ihre hingebende, von dem Gedanken an die Sicherheil des Vaterlandes getragene Arbeit glücklich gelöst worden, da Sie und die staatserhaltenden Elemente des deutschen Volkes richtig erkannt haben, daß in dieser Reform eine Stärkung des Staates nach Innen und Außen und damit auch eine Förderung Wirt- schaftlicher Kraft liegt, ein Aufstreben zu höheren Zielen. Be- reitwillig hat die Landwirtschaft, haben Industrie und Handel die großen Opfer auf sich genommen, die ihnen dieses nationale Reformwerk auferlegt. Dadurch haben sie sich um das große Vaterland ein dauerndes Verdienst erworben und können seines Dankes sicher sein." Mit verschmitztem Lächeln werden die Vertreter der ge- prresenen diese Tartüfferie anhören, und die konservative Presse wird aufs neue die vaterländische Opferwilligkeit der „Landwirtschaft" preisen, die nicht davor zurückgeschreckt hat, von dem Siebentel oder Achtel schließlich auch eine Kleinig- keit zu übernehmen. Die schönsten Komödien werden doch noch immer auf der parlamentarischen Bühne gespielt.> Verbeilerungen und Verschlechterungen des Strafgesetzbuches. AuS dem Reichstag, 23. April. ES ist eine charakteristische Erscheinung bei den gesetzgeberischen Aktionen der Reichsregierung. daß sie es immer so einzurichten weiß, auch die bescheidensten Ver- besserungsvorschläge mit Verschlechterungsbestrebungen zu verkoppeln. Eine gründliche Reform des Strafgesetzbuchs hat sich seit Jahren notwendig gemacht. Ueber Erwägungen und Vor- arbeiten sind die„verbündeten Regierungen" aber nicht hinaus- gekommen. Auf eine spätere und günstigere Zeit wurden die Dränger beharrlich vertröstet. Plötzlich ist da dem Reichstage eine Vorlage unterbreitet worden, die einige Reformen des Strafgesetz- buches der gründlichen Erneuernng vorwegnimmt. Wenn man aber untersucht, wie sich diese Abschlagszahlung erklären läßt, so findet man, daß zwei sehr gefährliche reaktionäre Verschlechterungen des Strafgesetzbuches verbunden sind mit einigen Verbesserungen weit unbedeutenderer Art. Die geplanten Verbesserungen sind erstens die Milderung der Strafen für Hansfriedens- b r u ch sowie der Vereitelung der Zwangsvollstreckung und der Strafen für geringfügige Diebstähle aus Not, zweitens die V e r f ch ä r f u n g der Strafen für Tierquälerei und die Erweiterung der Möglichkeit, die Mißhandlung von Kindern zur Bestrafung zu bringen. Damit verkoppelt ist aber ein Vorschlag reaktionärsten Charakters, nämlich erstens eine Verschärf ling der Strafen für Be- leidigungen und sogar die Einschränkung des Wahr- heitSbeweiseS in Beleidigungsprozessen. Ferner handelt es sich noch um die Veränderung der Fassung deS Tatbestandes der Erpressung, eine Maßregel, die im Prinzip völlig gerechtfertigt erscheint, da die Rechtsprechung in ganz wider- finniger Weise seit Jahrensichgewöhnt hat.den Tatbestaud der Erpressung zu finden, wenn ein Kontrahent durch irgendwelche Ankündigungen einer bestimmten dem anderen Kontrahenten unbequemen Hand- lungen diesen anderen zum Abschluß irgend eines Vertrages zu be- wegen sucht; so z. B. wenn Arbeiter einen Streik ankündigen, wenn ihnen nicht eine bestimmte Lohnforderung bewilligt wird. Daß dieser Art Rechtsprechung ein Riegel vorgeschoben wird, ist durchaus gerecht- fertigt. Die Regierungsvorlage geht dabei in durchaus ungenügender Weise zu Werke. Anstatt die Anwendung des Begriffs der Erpressung auf alle Handlungen auszuschließen, die unter den§ 152 der Gewerbeordnung fallen, schlägt sie vor, eS als Erpressung auS- zulegen, wenn der infolge einer solchen Ankündigung(Streik- androhung z. B.) vereinbarte Lohn„im Mißverhältnis zu dem wahren Wert der Arbeitsleistung steht und die Täter sich dessen be- wüßt waren". Durch eine solche Kautschukbestimntung würde natürlich neuen Mißbräuchen Tür und Tor geöffnet, da eö schließlich in dem subjektiven Ermessen der häufig gegen die Arbeiter voreingenommenen Richter liegen würde, was sie für den„Ivahren Wert einer Arbeitsleistung" ansehen wollen. Doch ließe sich diese Be- stimmung ändern. Die Hauptgefahr des Entwurfs liegt in der Neu- faffung deS Bcleidigungsparagraphen. Der Staatssekretär Dr. Nieberding hielt es denn auch gegenüber der abfälligen Kritik in der Presse für notwendig, feierlich zu versichern, daß die RcgierungSvertretcr nicht im Traum daran gedacht hätten, diesen anstößigen Paragraphen in die anderen ein- zuWickeln, um ihn leichter verschluckbar zu machen. So ziemlich allgemein war darauf hingewiesen, der Fall Eulen bürg habe den Anstoß dazu gegeben, daß künftig auch wahrheitsgemäße Be- hauptungen unter Strafe zu stellen seien, sofern sie an sich„beleidigend" seien und daß man zu dem Zweck dem Beleidigten das Recht zu- erkennen wolle, selbst den Wahrheitsbeweis auszuschließen, wenn eS sich um Vorgänge aus dem Privatleben handle. Herr Nieberding suchte diesen Verdacht im voraus zu entkräften, indem er einen anderen Paten für das Gesetz vorführte, nämlich Fräulein Olga Molitor. Er vergaß nur zu erwähnen, daß die zweifellos durchaus ungerechtfertigte Verdächtigung dieser Dame, als ob sie mitschuldig sei an der Ermordung ihrer Mutter, schon unter bestehenden Gesetzen mit der harten Strafe von einem Jahr Gefängnis gesühnt wurde. Also der Ausnahmefall Molitor könnte nie und nimmer die Rechtfertigung zu einer Maßregel abgeben, die durch Einengung deS Wahrheitsbeweises die Presse noch mehr, als es leider jetzt schon der Fall ist, in ihrer Beleuchtung gesellschaftlicher Mißstände beschränken würde. Genosse Frohme wies denn auch in seiner eingehenden Kritik nach, daß die Bekämpfung der Revolverpresse zwar als Zweck dieser Maßregel hingestellt werde, daß aber gerade die anständige politische Presse in der Praxis zu leiden haben werde. Unter keinen Umständen dürfe eine solche Bestimmung Gesetz werden. Ebenso kehrte er sich scharf gegen den bedenklichen Versuch, den Erpressungs- Paragraphen unter gewissen Voraussetzungen anwendbar zu machen auf Streikandrohungcn. Aufgabe der Kommission werde eS sein, jede Möglichkeit dieser Art zu beseitigen. Auch bei anderen Parteien fand der Nieberdingsche Entwurf nur eine sehr bedingte Zustimmung. Morgen geht die Debatte iveiter. ver neue agrarische Vorstoß. Trotzdem die Regierung den Agrariern die äußerste Konzession schon dadurch gemacht hatte, da sie sich an Stelle der Nachlaßsteucr mit der viel weniger bringenden Erb- anfallsteuer begnügen wollte, haben die Agrarier absolut keine Lust, auch nur das Wenige zu zahlen, was in Gestalt der Erbanfallsteuer an Lasten auf sie gefallen wäre. Bülow glaubte schon, alles ins Lot gebracht und das Steuer- kompromiß durch die Einigung auf die Erbanfallsteuer in Sicherheit gebracht zu haben— als es den Agrariern über Nacht einfällt, das schöne Kompromiß urplötzlich wieder über den Haufen zu werfen. Die„Konservative K o'r- r e s p o n d e n z" erklärt partei-offiziös, daß die kon- servative Fraktion des Reichstags den Beschluß gefaßt habe, als Ersatz der nach lv i e vor abzulehnenden Nachlaß- oder Erbanfallsteuer' eine Wert- z u w a ch s st e u e r in Verbindung mit einer Umsatzsteuer zu beantragen. Dieser Entwurf, der von den Abgeordneten Dr. Rösicke und Grafen Westarp ausgearbeitet worden ist, war bereits gestern in der„Kreuz-Ztg." veröffentlicht worden. Durch die vorgeschlagene Wertzuwachs- resp. Umsatzsteuer sollten zirka 100 Millionen Mark aufgebracht werden. Natürlich hatten sich die Agrarier selbst dabei wiederum mit den bescheidensten Leistungen bedacht. Die Wertzuwachssteucr auf die Immobilien auf dem Lande sollte ganze sechs Millionen von den insgesamt 100 Millionen bringen! Um diese minimale Leistung des agrarischen Besitzes zu er- möglichen, hatte der am Donnerstag veröffentlichte Entwurf auf dem Lande einen Wertzuwachs von jährlich nur ein Fünftel vom Hundert angenommen. 24 Stunden später veröffentlichte die„Kreuz-Ztg." einen geänderten Ent- wurf, wobei die famosen Statistiker des Entwurfs den jähr- lichen Wertzuwachs auf dem Lande auf einhalb vom Hundert veranschlagten, so daß dadurch die Steucrleistung des ländlichen Grundbesitzes statt auf 0 auf 15 Millionen er- höht wurde. Man sieht, mit welcher ungeheuren Leichtfertigkeit der Entwurf fabriziert worden ist! Die Zcntrumspresse ist mit dem Projekt der Agrarier ganz einverstanden. Nur behauptet sie, daß durch eine solche Steuer weit mehr herausgeholt werden könne, nämlich ein Nettobetrag von 285 Millionen Mark! Die freisinnige Presse dagegen ist höchst indigniert über den agrarischen Gegenstoß gegen das unter Vlllows heißem Be- mühen zustande gekommene Bcsitzsteuerkom promiß in Gestalt der Erbanfallsteuer. Das ist sehr erklärlich, da ja die Herren Agrarier das Zahlen von 85 von den 1Ü0 Millionen der städtischen Bevölkerung, namentlich auch den Bör'fe» a n e r n überlassen wollen. So stöhnt die«Voss. Ztg.".; «Am DienZkag fjat Fürst BüloE geredet, woylöoe« bereitet, vor feierlichem Um st and. Er bittet seine guten Freunde, er ruft ihnen seine Liebesdienste in Erinnerung, er fleht förmlich; er will ihnen nichts ab- trotzen, gewiß nicht; wenn sie durchaus die Nachlaßsteuer ver- werfen, nun gut, er gibt nach, er begnügt sich mit der Erbanfall st euer, trotz der schriftlichen Erklärung dcS Reichsschatzsekretärs, daß die Nachlaßsteucr„eine conäitio sine gua non für das Zustandekommen der illeichsfinanzreform bildet". So weit werden sie ihm doch entgegenkommen, daß sie die g o l- d e n e Brücke, die er ihnen zum Rückzug gebaut hat, betreten werden, ihm nicht weitere Schwierigkeiten bereiten, nicht ein kaudinisches Joch vor ihm aufrichten? Eine Liebe ist der anderen wert. Er hat ihnen seine Liebe genugsam bewiesen, mehr als genugsam! Und drei Viertel der ganzen Landwirtschaft wären schon von der Nach- laßsteuer frei geblieben, noch weit mehr von der Erb- anfallsteuer. Kann man mehr für die Agrarier tun?" Die Agrarier sind eben keine Blockfreisinnigen! Sie vertreten ihre Interessen mit der äußer st en Rück- s i'ch t s l o s i g k e i t. Wenzr sie dabei den Freisinn ebenso' uichtachtend behandeln wie die Necfierung, so hat das der Freisinn durch sein Bauchratschen vor den Konservativen ehrlich verdient. Ueberhaupt ist es bezeichnend, daß der Freisinn, selb st das„Berliner Tageblat t", die ganze Finanzreform von dem Zustandebringen der Erb- anfallsteuer abhängig machen, als ob nicht die Llufbringung der 4l)l1Millionen indirekter Steuern er st recht für den Freist n'n ein Stein des Anstoßes und eine Blockgefahr !>ätte bilden müssen! Die von der Regierung der besitzlosen Masse zugedachte ungeheure Steuerausplünderung regt aber unseren Freisinn viel weniger auf als das liebens- würdige Ansinnen der Konservativen, beim Aufbringen des kleinen Bruchteils direkter Steuern dem mobilen Kapital .den Vortritt zu lassen!__ Zum 1. IM Wi-d-r naht der Maiiag, an dem ein Beschluß der roten Internationale die klassenbewioßten Proletarier aller Länder zu- sammenrust zu einer gemeinsamen Kundgebung für den Acht- stundentag. für den Völk-rfrieden. für alle großen Forderungen des proletarischen EmanzipatimiskampfeS. Ader hat sich die Feier nicht überlebt? Sind solche inter» nationale Demonstrationen noch zeitgemäß? Ist es nicht nützlicher, die dazu erforderliche Zeit und Kraft zu verwenden für praktische Arbeit im gewerkschaftlichen Leben oder im Getriebe der Politik? Es gibt Parteigenossen, die solche Ansichten vertreten, die der Maifeier den Garaus machen möchten, die die Pflege eines großen idealen Gedankens für eine höchst unpraktische Zeitvergeudung halten. Und doch war Wohl die Maifeier nie zeitgemäßer, tue im besten Sinne so sehr eine praktische Tat als gerade jetzt. Was ist denn der Zweck dieser Kundgebung? Sie soll alle Proletarier, Männer und Frauen, alle, die dem Weckruf der Sozialdemokratie zugänglich find, herausreißen, wenn auch nur ür einen Tag, aus dem Alltagsgetriebe, ihre Blicke lenken auf ie großen gemeinsamen Ziele der Menschheitsbefreiung, auf die Ausmerzung jeder Art von Knechtschaft und Ausbeutung, ans die Sozialisierung der gesamten Wirtschafts-, Staats- und Gesell- schastsordnung. Sie erstrebt diese Entflammung der kämpfenden Proletariermassen für ihre großen Ziele nicht zum wenigsten auch dazu, daß sie sie geschickter, frischer und tatkräftiger macht für die praktische Kleinarbeit, die Tag für Tag ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und die doch ihr Sehnen und Streben nicht voll befriedigen kann. Lohnt diese doch immer nur mit kleinen Borteilen, und auch mit diesen häufig nur vorübergehend. Da erleichtert der Hinblick auf das ideale Ziel die Ueberwindung der Hindernisse aus dem mühsamen Wege. Er belebt die Zuversicht auf den endgültigen Sieg. Und ist dies nicht in dieser Zeit gerade doppelt notwendig? In dieser Zeit, da eine weltumspannende Wirtschaftskrise mit allen ihren Folgeerscheinungen die kapitalistischen Länder verheert und schweres Ungemach über die Opfer des Kapitalismus, die ent- rechteten Proletarier, verhängt? Die Unternehmer schöpfen aus dem zeitweiligen Anschwellen der Arbeitslosenheere während der Krise den Mut zu Vorstößen gegen die Lebenshaltung der arbeitenden Proletarier. Ucberall hört man Klagen über Kürzung der Löhne und Verlängerung der Arbeitszeit. Ist es da nicht hervorragend zeitgemäß, allen Ar- beitern in Erinnerung zu rufen, daß der Achtstundentag die wichtigste GegenwartSsorderung ist, die von den proletarischen Klassenkämpfern erzwungen werden muß in allen kapitalistischen Ländern? Fast jede Woche bringt neue Offenbarungen über Zusammen- schlüsse der Ausbeuter zur wirksameren Knechtung der Arbeiter. Die Kraft der Unternehmerverbände gegenüber den Einzelorgani- sationen der Arbeiter steigt in vielfachem Maße von Tag zu Tag. Jüngst erst haben wir in den Enthüllungen über die Verschwörungen der Gruvenbarone einen neuen Beweis dafür erhalten, wie die kapitalkräftigen Ausbeuter es verstehen, die Staatsbeamten zu ihren Handlangern herabzuwürdigen. Die arbeiterfeindlichen Unternehmerorganisationen wachsen bereits über Stadt und Staat hmaus zu internationalen Verbänden. Und da sollte es nicht mehr zeitgemäß sein, die kämpfenden Proletarier wie mit weithin durch alle Lande schallendem Glocken- klang zusammenzurufen zum internationalen Zusammenschluß, zur gemeinsamen Weihe für den einen großen gemeinsamen Kampf gegen die vereinigten Scharen des gemeinsamen Feindes? Und sind etwa die Zeiten so friedensgewiß, daß es nicht mehr nötig ist, die Proletariermassen zu mahnen: ihr habt Hüter zu sein des Friedens, Herolde der Völkerverbrüderung? Jnteressenkämpfe gewaltigster Art entfesselt der Kapitalismus. je kräftiger er sich entfaltet, je mehr er alle Länder der Erde hinein- reißt in sein Getriebe. Nicht nur in den Formen friedlicher Handelskonkurrenz streiten sich die herrschenden Klassen der ver- schiedenen Nationen um die Beute. Die kriegerischen Adachtmittel der Staaten suchen sie sich dienstbar zu machen, um in blutigem Vülkerringen dem Gegner die Ausbeutungsgebiete zu entreißen, mag darüber Kultur und Menschlichkeit rettungslos in die Brüche gehen. Was ficht es die Kapitalistcnklasse an, wenn ihre Habgier Millionen in dauerndes Unglück stürzt, sofern nur augenblicklich iihre eigenen Profite steigen! Alle Zeichen der Zeit deuten auf neue kriegerische Erschütterungen in der Welt. Nur in der Macht und dem Einfluß der Prvletarierklasse beruht die Hoffnung auf Erhaltung des Welt- friedens. Jüngst erst haben die Verhandlungen im deutschen Reichstag bewiesen, daß auch in Deutschland Regierung und herrschende Klassen steuerlos hineintreiben in kriegerische Ver- Wickelungen. Nur die Sozialdemokratie hat sich eingesetzt für eine internationale Verständigung über Einschränkung der See- Rüstungen. � � Und wie in Deutschland, ist es überall in der kapitalistischen Nie war es notwendiger für das Proletariat, einmütig am U. Mai seine Stimme für den Völkerfrieden zu erheben, als jetzt itn der Periode der skrupeUosen Weltpolitik der gepanzerten Faust. So wird denn die zwanzigste Wiederkehr der Maiseier wiederum Zeugnis dafür ablegen, wie hochwichtig und bedeutsam sie ist: als ein Protest gegen die Rechtlosigkeit der Aokksmassen, deren Leben der Raubgier einer herrschenden Klasse preisgegeben ist. und als Demonstration für den Völkerfriedcn. der nur er- rungen werden kann durch die sozialistische Internationale. («Neue Zeit,") Die tiilMhe KooMtuaute. Kammer und Senat sind zu einer gemeinsamen Sitzung in San Stefano zusammengetreten und haben sich als? Nationalversammlung in Permanenz erklärt. Die Revolution im Juli hatte nur die Wiederherstellung der Verfassung zum Ziele, die von Abdul Hamid zwar suspendiert, aber nie aufgehoben war. Mit der Erfüllung dieser Forderung schien die Legalität für das erste her- gestellt und der lveiteren EntWickelung konstitutionelle Bahnen vorgezeichnet zu sein. Die Meuterei der Soldaten machte der konstitutionellen Illusion ein Plötz- liches Ende und zwang die Jungtürken zu neuem Kampf. Unter dem Schutze der Revolutionsarmee hat sich das privilegierte Zweikammersystem in eine revolutionäre Körperschaft verwandelt. Denn die Konstituierung ais permanente Nationalversammlung bedeutet, daß alle gesetzgebende und aus- führende Gewalt in die Hand dieser Versammlung gelegt ist. die das Revolutionsrecht für sich in Anspruch nimmt, über alle Fragen der Verfassung und damit über die Staatsform und die Person des Herrschers selbst aus eigener Macht- Vollkommenheit zu entscheiden. Sie ist der einzige Souverän und nur sie selbst kann das Recht der Souveränität von sich auf den Herrscher übertragen. Die türkische Nationalversammlung hat auch nicht ge- zögert, von ihrer Macht Gebrauch zu machen. Mit 150 gegen ö Stimmen hat sie die Absetzung des Sultans be- schlössen. Damit schien das Schicksal Abdul Hamids besiegelt. Zwar ist zur Absetzung des Herrschers, des Kalifen und „Beschützers des Glaubens" auch die Zustimmung des Scheich ul Islams, des obersten geistlichen Würdenträgers nötig; aber der Scheich gilt als Parteigänger der Jungtürken und wäre selbst dem nicht so, religiöse Zweifel hoher Geistlicher pflegen Argumenten die übennächtige weltliche Gewalt unter- stützt, selten standzuhalten. Aber ein Parlamentsbeschluß ist Papier und die Macht liegt bei der Armee und ihren Führern. Diese führen die Verhandlungen und das Parlament hat nur gutzuheißen, was jene beschließen. Es handelt sich ja nicht um eine Erhebung der breiten Volksmassen, deren Macht im Parlament in Er- scheinung träte, sondern um eine Erhebung der Offiziere, bei der die Massen bisher passiv geblieben sind. Für die Heer- führer ist aber die Hauptsorge, sich Konstantinopels ohne Schwertstreich zu bemächtigen, um eine Intervention zu ver- meiden. Noch aber sind gegen 5000 Iildizsoldaten dem Sultan treu und wenn diese auch nur ein Fünftel der Zahl der Belagerer bilden, so sind sie stark genug, um den Jung- türken ein gewaltsames Vorgehen bedenklich zu machen. Noch schwerer mag aber die Sorge die Jungtürken drücken, wie die Kunde von der Beseitigung des Sultans in den Gebieten Kleinasiens aufgenommen wird, wo der jungtürkische Ein- fluß gering ist und auch die Macht der Zentralgewalt von jeher versagt und die Wirren der letzten Wochen ohnehin alle Schrecken des Bürgerkrieges entfesselt haben und die fremden Kriegsschiffe schon bereit sind, Truppen zu landen. So erklärt sich das Zugeständnis der Jungtürken und die Unentschiedcnheit ihrer Haltung. Auch der Beschluß der Nationalversammlung, den Sultan abzusetzen, scheint, wenn er überhaupt wirklich gefaßt wurde, was durchaus nicht sicher ist, nur als Drohung gegen den Sultan ausgenützt zu werden. Zumindestens berichten die letzten Depeschen, daß ein neuer Umschwung eingetreten, neue Versuche der Verständigung mit dem Sultan unternommen werden. Sicher ist, daß der Einmarsch der Truppen in Konstantinopel noch nicht erfolgt ist und daher die Entscheidung wieder hinausgeschoben ist. Wie sie schließlich fallen wird, ob die Jungtürken einmal im Besitz von Konstantinopel, nicht doch der Regierung Abdul Hamids ein Ende machen werden, muß abgewartet werden. Die Nationalversammlung. Konstantinobel, 23. April. In der Sitzung der National- Versammlung, die mit ISN gegen 8 Stimmen die Absetzung des Sultans beschloß, waren etwa 220 Deputierte und 19 Senatoren anwesend. Die Hauptfrage ist jetzt, ob der Scheich ul Islam sein Fetwa erteilt-; die Nachrichten über seine Haltung lauten widersprechend. Wie es- heißt, war bis zum Er- scheinen der Kriegsflotte die Stimmung der Versammlung für den Sultan nicht ungünstig; sie schlug aber um auf die Nachricht, daß dieMarinederFreiheitsarmecsichanschließc. Ein großer Teil der Garnison von Konstantinopel verweigert den von der jnngtürkischen Armee geforderten Eid. Der Thron- folger Reschad soll sich an Bord eines Kriegsschiffes vor San Stefano befinden. Der Frertagsgottesdienst. Konstantinopcl, 23. April. Der heutige S e l a m l i k verlief normal und ohne Zwischenfall, nur waren bei demselben weniger Truppen als sonst anwesend. Es waren nämlich außer den Truppen der zweiten Division, welche die Dildizbesatzung bildet, ausgerückt noch Marinctruppen, Kavallerie und eine Kam- pagnie der Salonikier Jäger, letztere jedoch nicht mit ihren Offi- zieren. Der Sultan wurde, wie immer, mit Zurufen be- grüßt. Stimmungsumschwung. Konstantinopel. 23. April. Bei dem heutigen Selamlik teilte der G r o ß w e s i r den anwesenden Diplomaten mit, es sei ein Telegramm aus San Stefano von dem Präsident en der Nationalversammlung eingelaufen, das treue Ergeben- heit gegenüber dem Sultan versichert. Ferner teilte Marschall Kamphoevener Pascha den Anwesenden im Namen des Sultans mit, der Kommandeur des ersten Korps Mahmud Schewket habe telcgraphisch sein Erstaunen über die Gerüchte aus- gedrückt, die mazedonische Armee sei gekommen, um den Sultan abzusetzen. Der Zweck des Vorgehens der Armee sei nur die Wiederher st ellung der Ordnung und die B e- st ras un g der Anstifter der letzten Unruhen. Wie es zur Wendung kam. konstantinopel, 23. April, 4 Uhr nachmittags. Eine Pro- klamation an das Volk und eine Mitteilung an die Bot- schaften werden erwartet. Zur Aufrcchterhaltung der Ordnung soll hier das Standrecht proklamiert werden. Die Wendungzugun st en desSultans soll der hiesige Korps- kommandant Nazim Pascha, welcher heute früh nach San Stefano fuhr, dadurch herbeigeführt haben, daß er auf den Geist und die Disziplin eines Teiles der Truppen der hiesigen Garnison sowie auf die Stimmung des Volkes hinwies, welche noch für den Sultan sei, weshalb ein Blutver- gießen zu befürchten wäre. Die Diplomatie ist über diese Wendung sehr erstaunt. Die weitere EntWickelung bleibt abzuwarten. Neue Verhandlungen. Konstantinopel, 23. April. Im Hauptquartier der Jungtürken ertvartete man für heute den General Nazi« Pascha. Der Kommandeur von Konstantinopcl hatte bisher jede Mission für Unterhandlungen abgelehnt. Da er dieselbe jetzt annimmt, besteht die Hoffnung, daß die gestern abgebrochenen Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Die Stärke der Operationsarmee beträgt heute mit Sicherheit 25 009 Mann. Sie entwickelt vollste Tätigkeit. Ucber ihre Pläne bewahren die Offiziere da» strengste Geheimnis. Tie Forderungen an den Sultan. Konstantinopel, 23. April. Der Großwesir empfing heute mittag ein vom Präsidenten des Senats, dem Präsi- denten derKammer und Gazi Mugdar Pascha unter- zeichnctes Telegramm aus San Stefano, welches besagt: Die Nachricht von dem gestrigen geheimen Votum der Kammer ist falsch. Die Kammer und die Armee verlangen die Ent- waffnung der Garnison Konstantinopels, dringende B c- st rasung der Schuldigen, Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt und gewissenhafte Befolgung der Verfassung. Wenn der Sultan diese Bedingungen akzeptiert, seien sie bereit. ihm die Treue ferner zu bewahren. Dieses Telegramm sowie das Telegramm des Generalissimus der Jungtürken Mahmus Schewket Pascha an den Kabinettsches bilden das allgemeine Tages- gespräch. Sie sind wieder ein Beweis von unerwarteten Ereig- nisscn, worauf man hier immer vorbereitet sein muß. Inwieweit die gestellten Bedingungen angenommen und ausgeführt werden, muß sich bald erweisen. Die Proklamation. Konstantinopel, 23. April, 7% Uhr nachmittags. Soeben er- scheint eine Proklamation des Kommandeurs der mazedonischen Truppen. Die Proklamation dementiert kategorisch das Gerücht, daß die Armee gekommen sei, um den Sultan abzusehen und er- klärt, daß, wenn derartige Vorkommnisse sich unter den Truppen wiederholen, die Anstifter die volle Verantwortung werden tragen müssen. Die jungtürkische Taktik. Frankfurt a. M.» 23. April. Einer der Generäle im Hauptquartier zu San Stefano hat dem Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung" erklärt: Man zeigt Ungeduld, weil wir nicht schneller operieren, unsere Aufgabe verlangt aber, daß wir vorsichtig zu Werke gehen und jeden noch so kleinen Miß- erfolg vermeiden, der von unabsehbaren Rückwirkungen begleitet sein könnte. Wir wollen den Bruderkrieg nicht provo- zieren, sondern verhüten. Bei uns befmdet sich die ganze Intelligenz des Lande?; sie muß den Kampf gegen Unwissenheit und Roheit, die von Dunkelmännern ausgenützt werden, aufnehmen. Unser Sieg ist nicht zweifelhaft. Es wird dem Sultan nicht gelingen, die Räder der Weltgeschichte zurückzu- schrauben: es mag ein gewisser Heroismus und eine gewisse Tragik in seinen letzten Versuchen liegen, aber die Räder werden ihn zermalmen. Die heutige Sitzung. San Stefano, 23. April, 5 Uhr nachmittags. Um 10 Uhr vor- mittags trat die Nationalversammlung zu einer ge- Heimen Sitzung zusammen, welche noch fortdauert. Die Räumlichkeiten, in welchen die Versammlung tagt, werden in weitem Umkreis streng bewacht. Der Sultan angeblich geisteskrank. Konstantinopel, 23. April. Wie der„Courier d'Orient" angcb- lich auf Grund verläßlicher Jnforwationeu wissen will, habe die Gesundheit des Sultans unter dem Eindruck der letzten Ereignisse stark gelitten. Der Sultan leide an Gehirn st örungen, was die Aerzte sehr beunruhige. Diese Meldung scheint a b s i ch t° lich lanciert zu sein. Die Flucht der Prinzen. Konstantinopel, 23. April. Sämtliche Prinzen und Prinzessinnen haben bereits vorgestern in aller Heimlichkeit den Dildiz verlassen. Prinz B u r h a n E d d i n, der Lieblings- söhn des Sultans, der an den letzten Vorgängen nicht unbeteiligt sein soll, wurde in den Palast einer seiner Schwestern gebracht und soll von da M einem Schiff geflohen sein. ßalmnlu rcdivivus. Paris, 18. April.(Eig. Ber.) Mit seinem unverwüstlichen Optimismus hat Jan res in Saint-Etienne von H e r v e s„insurrektioncllen" Bestrebungen als von einer Kinderei gesprochen, die mit dem Wachstum der Partei verschwinden werde. Ob Parteitage wie der von Saint-Eticnnc, der nach ermüdenden, immer wieder ins persönliche Gezänk der-' fallenden Debatten wie das Hornberger Schießen ausgegangen ist, dem Wachstum der Partei und damit der Ueberwindung jener „Kindereien" nützen, scheint sehr fraglich. Vorläufig scheine» diesen noch EntwickelungLmöglichkeiten gewährt, die den Leuten, die schon in der bloßen formalen„Einigung" der sozialistischen Parteien eine Bürgschaft für ein ungestörtes Fortschreiten der Arbeiterbewegung sehen, Ueberraschungen unerfreulicher Art be- reiten werden. Um der„Einigkeit" willen— und auch aus Gründen einer Gleichgewichtspolitik innerhalb der Partei— hat man die Elemente geschont, die den Parteiboden, sei es von der bürgerlich-radikalen, sei es von der anarchistischen Seite her, unterminierten. Während aber der klägliche Zusammenbruch des Rcwikalismus die Bemühungen der Breton und Genossen vereitelte und diese darauf verwies, sich mit provokanten Kundgebungen ihrer Disziplinlosigkeit zu begnügen, wuchs die anarchistische Eiter- beule im Parteikörper immer mehr an. Auf dem Parteitag in Saint-Etienne war die Seincföderation durch eine„insurrektie- nclle" Mehrheit vertreten und der größere Teil der Minderheit gehörte den-Syndikalisten an, denen freilich vor den Geistern, die sie gerufen haben, schon recht bange geworden ist. Die„insur- rektionelle" Taktik aber, die auf die gemeinsame„Aktion aller Revolutionäre" hinarbeitet, führt notwendig zur Auflösung der Parteiorganisation. Syndikalismus und Neu-Blanquismus münden in den offenen AanarchismuS. Die geeinigte Partei ist nicht der einzige Organismus, den die Krankheit ergriffen hat. In der Arbeitskonföderation tritt sie nicht minder heftig auf. Die anarchistische Demagogie fühlt sich nun stark genug, die syndikalistische Maske abzuwerfen. Gegen die sozialistische Partei hatte man das Schlagwort aus- genützt, daß„die Gewerkschaft sich selbst genüge" und als reine Interessenvertretung keinen politischen Parteitendcnzen dienen dürfe. Das syndikalistische Programm wird am reinsten gerade durch die„Reformisten" vertreten, die die neuliche Wahl in den Vorstand gebracht hat. Soeben hat der Konföderationsvorstand ein Manifest über den Poststreik anschlagen lassen, das„den Generalstreik als entscheidendes Mittel in einer für die Wieder- ergreifung der Produktions- und Austauschmittcl günstigen Situation" bezeichnet. Aber schließlich betont er doch den Klassen- kämpf des organisierten Proletariats, und das ist den anarchisti- scheu Predigern der Desorglanisassion eine wider. wärtige Weise. Sie halten auch das Terrain für genügend be» arbeite� un; die heuHIxriM Urgse vss der �Vertretung der Interessen" aufgebett ztl können. Die Erregung in den Massen ist ja im Augenblick sehr bedeutend und noch größer ist die Ber- wirrung. Tie Erregung vom Poststrcik zittert noch in den Aus- ständigen von gestern nach und hat sich auch auf die anderen Beamtenschichten übertragen. Diese neuen Ankömmlinge in der revolutionären Bewegung bringen außer ihrem Temperament kaum nrehr mit als nebelhafte Wünsche einer besseren sozialen Ordnung. Da ihnen die auch dem ungeschulten Fabrikarbeiter gegebene An- schauung der Mehrwertproduktion in der Werkstatt fehlt, läßt sich ihr Trotz gegen die bureaukratische Hierarchie leicht von der an- orchistischen Phrase der.Zerstörung der Autorität" gefangen nehmen; und weil die großen, gefestigten Kadrcs einer gesunden. in sozialistischem Geist« erwachsenen Gewerkschaftsbewegung fehlen, die die neuen Elemente assimilieren könnte, geraten sie in die Gefahr, mit anderen, gleichfalls unaufgeklärten Arbeitergruppen den demagogischen Breittretern der anarchistischen Dekadenzphilo- sophie auf den Leim zu gehen. Diese günstigen Umstände haben die Anarchisten auch aus- genützt und innerhalb der Konföderation eine„revolutionäre Föderation" gegründet, die dort etwa dieselbe Rolle spielen soll, wie die„insurrektionelle" Organisation in der geeinigten Partei. Die heutigen Blätter— das heißt die bürgerlichen, nicht die..Humanitö"— geben die Prinzipien- e r I l ä r u n g des neuen Verbandes wieder, der sich in der nächsten Woche ein Organisationsstatut geben wird. Diese Erklärung ver- dient, im Wortlaut wiedergegeben zu werden. Sie lautet: „Die revolutionäre Föderation erblickt in der Ab- schaffung der Klassenherrschaft eine unbedingt not- wendige und wesentliche Etappe auf dem Wege zum Endziel: der Errichtung einer von jeder Autorität befreiten Gesellschaft. Sie widersetzt sich jedem Mittel, das mit ihrem Ziel in formellem Widerspruch steht, daher auch dem Parlamen- t a r i S m u s. der für die revolutionäre Aktion unheil« voll ist. Sie empfiehlt den Kameraden— Arbeitern und Beamten—, an der Gewerkschaftsbewegung teilzunehmen und dort nur solche Formen und Kundgebungen der� direkten Altion(Streik, Boykott, Antimilitarismus, AntiPatriotismus, Sabotage) zu unterstützen, die in sich selbst einen revolutionären Charakter haben. Sie erkennt im ökonomischen Generalstreik das Mittel, die bestehende Gesellschaft zu desorganisieren und das Proletariat zu befreien, indem er dieses instand setzt, die errungenen Vorteile auszunützen und dieProduktionzu organisieren. Feindin jeder in den Händen des Staates befindlichen Macht(Armee, Polizei. Gendarmerie, Gerichte), proklamiert sie das Recht der Revolte für die Individuen wie für die Gemeinschaften. Sie fordert alle ihre Mitglieder auf, nach den Umständen und nach ihrem Temperament und mit allen Mitteln(Straßenkundgebungen. Militärstreik, gewaltsame Expropriation) für die radikale Zerstörung der kapi- talistischen und autoritären Gesellschaft zu kämpfen. Sie wiederholt den emstigen Ruf der Juraföde- ration: Arbeiter, nimm die Maschine! Nimm das Land, Bauerl" Man sieht, wohin das Schiff steuert, und eS brauchte gar nicht des Namens der alten Juraföderation an seinem Bug, der freilich noch überdies anzeigt, daß es sich um eine Erneuerung des Kampfes handelt, den einst der Bakunismus gegen die alte Jnter- nationale geführt hat. Er richtet sich gegen die von der neuen Internationale übernommenen Anschauungen des wissenschaftlichen Sozialismus. Die geeinigte sozialistische Partei Frankreichs führt den Untertitel: Französische Sektion der Ar- beiterinternationale. Ihr ist jetzt eine Aufgabe gestellt, die nicht leicht, aber ehrenvoll ist. Mit der diplomatischen Vertuschung und mit der sanguinischen Hoffnung auf die natürlichen Heilkräfte d.'S proletarischen Organismus wird es nicht weitergehen. Als vor einiger Zeit an dieser Stelle ausgeführt wurde, daß die damals in der Seineföderation vorgetragene Auffassung über die Duldung der Gegner der politischen Aktion mit dem Londoner Beschluß nicht leicht in Einklang zu bringen sei, hat diese Feststellung bei einigen einflußreichen Parteigenossen Mißvergnügen hervorgerufen. Man wird jetzt Gelegenheit bekommen, zu sehen, wie sich die Partei zu denjenigen Parteimitgliedern verhalten wird, die dem Programm oder der Organisation der neuen Föderation angehören. Da es sich um keinen, auch nur in der Form gewerkschaftlichen, sondern um einen ausgesprochen politischen, anarchistischen Verband handelt, ist die Regel der Nichteinmischung hier nicht gültig und facai Entschluß der Partei, im Sturm der Demagogie ihre Grundsätze zu betonen und ihre Lebenskraft zu betätigen, keine Schranke gesetzt._ poUtifcbe Qcbcrficbt. Berlin, den 23. April 1909, Ein Prinzipienfester. Die»Deutsche Tagesztg." des Herrn Dr. Oertel ist mit der dokkswirtschaftlichen Größe der Reichspartei, dem Dr. Arendt, in Streit über die Erbschaftsbesteuerung geraten, und beide— Kämpen für Gott, König und Vaterland— suchen nun gegenseitig von ein- ander zu beweisen, chaß sie ihre Ueberzeugungen mit derselben Leichtigkeit wechseln, wie andere Sterbliche ihre schmutzigen Hemden. Bisher hat sich aus diesem Kampffeld Herr Arendt als der Stärkere erwiesen. Er weist dem prinzipienfesten Chefredakteur der„Dculschen TageSztg." nach, daß dieser am 17. März 1904 sich in seinem Blatte unter der bekannten Kognalmarke%• folgende Begründung der Erbschaftssteuer geleistet hat: „Eine Einkommensteuergesetzgebung, die den Zielen der Mittelstandspolitik gerecht werden will, muß die übergroßen, die nach Zehntausenden, Hunderttausenden und Millionen zählenden Einkommen weit höher besteuern, als eS jetzt in den meisten Staaten geschieht, nicht nur des Ertrages wegen, sondern weil da- durch auch einerseits die Mittelstände entlastet werden, andererseits die schnelle und übergroße lawinengleiche Vermehrung der großen Vermögen wenigstens einigermaßen gemindert wird. Auch die Erbschaftssteuer kann und muß imGeiste einer verständigenMittelstandspolitik weiter ausgestaltet werden, die Millionenerbschaften müssen höher besteuert werden als bisher, sie müssen auch dann der Erbschaftssteuer»nterliege», wenn sie unmittelbar auf die nächsten Verwandten, Kinder, Geschwister oder Eltern übergehen. Die Rechtsordnung des Staates sorgt allein dafür, daß der Erbe die Erbschaft, die sonst herrenlos würde, antreten kann; eS ist also recht und billig, daß er in Form einer entsprechenden Erbschaftssteuer eine Gegenleistung gewähre." Es ist doch etwas Erhebendes um die Gesinnungsfestigkeit unserer Hochanständigen._ Streber. Endlich haben die Wortführer des Zentrums entdeckt, weshalb dieses den Herzog von Arenberg als Reichötagskandidaten aufgestellt hat und weshalb der Herzog sich vornehmlich zum Abgeordneten eignet Nämlich deshalb, weil zu viele S t r e b e r im Reichstage sitzen, und dem reichen Herzog von Arenberg Kaiser und Regierung nichts zu .bieten" vermögen. Die„Köln. VolkSztg.", die diesen Grund anführt, schreibt darüber wörtlich: „Für jede Partei, die nicht eben gouvernemental sein will, ist es von großer Wichtigkeit, recht viele Reichs- und Landtags- abgeordnete zu haben, die nicht in der Lage sind, sich von der Regierung eine Gefälligkeit zu erbitten und deshalb die Ver- anlagung dazu haben, Streber zu werden. Man sieht doch manchmal, daß Abgeordnete— besonders konservative und freikonscrvative, aber auch national- liberale—, die Beamte sind, ein auffallend schnelles Avancement haben. Das wird natürlich nicht so gemacht, daß man dem Ab- geordneten X. sagt:„Stimmen Sie für diese oder jene Vorlage. dann werden Sie befördert." So plump darf man sich den„Kuh- Handel" nicht denken. Wenn die Regierung einen einflußreichen Abgeordneten umwirbt, so erweist sie ibm von vonihercin jede Gefälligkeit, die sie ihm an der„Nase" absehen kann, denn kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Dadurch wird auch da« Herz manches Parlamentariers weich, denn soviel Liebe und Güte will man nicht gern mit Undank lohnen. Das schlimmste ist nur, daß die Dankbarkeit auf Kosten der Wähler ihren Aus- druck findet. Aber ein Abgeordneter, der von der Regierung befördert ist, dessen Sohn und Neffe in Rücksicht auf den Vater und Oukel gute Stellungen bekommen haben, läßt sich natür- lich auch eher.breitschlagen", wenn die Regierung Wünsche an ihn richtet, z. B. ihn bringend ersucht, die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Ehegatte» und Deszendenten zu bewillige». Wer so die Macht in Händen hat, wie es bei der Regierung der Fall ist, der pflegt nicht umsonst„mit. der Wurst nach der Speck- feite zu werfen". Abgeordnete, die Beamte oder in ähnlichen Stellungen sind, wo die Gnadensonne der Regierung sehr förderlich für das Ge- deihen ihrer Ernte sein kann, müssen schon sehr charakterfeste Leute sein, wenn sie solchen Versuchungen nicht unterliegen sollen." So unrecht hat das klerikale Blatt nicht, nur kommen derartige Beeinflussungen oder Beeinflussungsversuche nicht nur bei den Konservativen oder Nationalliberalen vor, sondern auch bei gewissen anderen Parteien. Vielleicht erkundigt sich die„Köln. Bolksztg." darüber bei Herrn Peter Joseph Spahn, der vor einigen Jahren plötzlich vom NeichsgerichtSrat zum Oberlandesgerichtspräsidenten in Kiel auftückte, und bei dessen Sohn Martin Spahn, der eine Pro- fessur in Straßburg erhielt.—_ Ersparnisse an Diäten und Reisekosten der Beamten. Die allgemeine Kritik, die die PluSmacherei der höheren Be- amten bei ihren Dienstreisen gestinden hat, wird wohl im Reiche wie in Preußen einige kleine Reformversuche zeitigen. Für Preußen ist ein Erlaß in Vorbereitung, der Grundsätze für das notwendige Maß von Dienstreisen aufsetzen soll. Den Chefs der Provinzial» regierung und anderen Behörden soll in Zukunft eine vermehrte Kontrolle über die Zweckmäßigkeit einer Dienstreise eingeräumt werden. Zur Einschränkung der Reisekosten soll der Grundsatz streng durch- geführt-werden, daß die tatsächlichen Aufwendungen mit den Ent- schädigungen, die gefordert werden, genau in Einklang stehen. Eine Ermäßigung der Tagegelder wird nicht geplant; hingegen sollen Erstattungen für Nachtquartier nur dann geleistet werden, wenn der Beamte nicht in der Lage war, rechtzeitig an seinen Wohnort zurückzukehren. Die wesentliche Ersparnis dürfte aber durch eine Herabsetzung der Kilometergelder erzielt werden, deren Höhe erst nach endgültiger Neugestaltung der Fahrkartensteuer bemessen werden soll. Femer sollen die Kilometergelder nur für die Wagen- klaffe gezahlt werde, die der Beamte tatsächlich benutzt hat. ES würde sich daraus die Notwendigkeit ergeben, für jede Beamten- lategorie allgemein festzusetzen, in welcher Wagenklasse sie zu fahren hat. Es wird angenommen, daß die ganze Frage für Preußen und das Reich gemeinschaftlich geregelt wird, und daß dadurch Schwierig- leiten überwunden werden, die besonders in dem Rang- und Standes- dünlel liegen._ Die Erledigung der Reichsversicherungsordnung bildet den Gegenstand von Verhandlungen, die zwischen der Re- gierung und dem Reichstage zurzeit gepflogen werden. Wenn es möglich ist, dann soll der Entwurf so rechtzeitig fertiggestellt werden, daß die Witwen, und Waisenversorgung am 1. Januar löll) in Kraft treten kann. Dem stehen allerdings außerordent. liche Schwierigkeiten entgegen. Zunächst einmal die Geschäfts- läge des Reichstages und dann der Umfang der Materie. Es wäre nur ein Weg denkbar, nämlich die erste Lesung so rasch als möglich im Plenum des Reichstages vorzunehmen und dann das Gesetz an eine Kommission zu verweisen, die den ganzen Sommer hindurch tagen müßte. Der Reichstag könnte dann im Herbst sofort in die zweite Lesung eintreten und das Gesetz dann bis etwa Ende November fertigstellen. Legt man Wert auf eine rechtzeitige Fertigstellung— und das ist dringend zu wünschen— bleibt kaum ein anderer Weg übrig._ Blockzwist in der demokratischen Partei. Während der demokratische Abgeordnete Haußmann in und außerhalb des Reichstages scharfe Absagen an den Block ergehen läßt und erklärt, daß der Block überwunden sei, hat sein Fraktions- genösse Starz bewirkt, daß in Trossingcn, einem Orte in Hauß- manns Wahlkreis eine blockfreundliche Resolution gefaßt wurde. Die Abgeordneten der demokratischen Volkspartei werden darin aufgefordert,„die freundschaftlichen Beziehungen zur nationalliberalen Partei weiter zu entwickeln." Der Abge- ordnete Starz hatte in seiner vorausgehenden Rede bemerkt, der Block sei nur scheintot und werde wieder erwachen. Die Annahme dieser Resolution bedeutet für Haußmann ein direktes Mißtrauensvotum, das von seinem Parteifteund Storz provoziert wurde. Storz hat sich allerdings von je. besonders aber durch seine Haltung zur Kolonialpolitik mehr vationalliberal als demokratisch betätigt._ frankmeb. Eine Reservistendemonstratio». Paris, 23. April. Dem„Petit Journal" wird aus Lorient ge- gemeldet, daß fünfzehn Reservi st en der Kolonialartillerie gestern abend ihre Entlassung verlangten, obgleich ihre Dienst- NbungSzeit erst heute früh zu Ende geht. Da ihnen dies ver- weigert wurde, erhoben sie einen großen Lärm und stimmten die Internationale an. Der Oberst hielt eine An- spräche, in der er ihre antimilitaristische Gesinnung scharf tadelte. Er ließ ihnen jedoch ihre Dienstbücher aushändigen und erteilte den Befehl, sie freizulassen._ Die Postbeamten und der 1. Mai. PariS, 23. April. Die Telegraphenangestellten beschlossen in einer gestern abend abgehaltenen Versamm- lung, am 1. Mai nicht zu feiern, da die Unter- brechung des Post- und Telegraphenverkehrs eine zu große Schädigung des Publikums bedeuten würde. Doch will die all- gemeine Post- und Telegraphenvereinigung der Arbeiterklasse ihre Dankbarkeit dadurch bezeugen, daß sie die Mai-Versammlungen durch Entsendung von Rednern unterstützt. Schließlich wurde in einer Resolution abermals die Entlassung des Unter st aatssekretärs Simyan gefordert als„unerläßliche Bedingung für einen regelmäßigen Dienstbetrieb". Castros Rundreise. St. Nazaire, 23. April. Der Dampfer„Versailles", mit dem früheren Präsidenten Castro an Bord, ist hier angekommen. Castro ist nach Paris weitergereist.— �erllen. Der Einmarsch der Russen. Petersburg, 23. April. Angesichts der beunruhigenden neueren Meldungen hat die r u s s i s ch e R e g i e r u n g be- schlössen, die aufgeschobene Entsendung einer genügend starken Truppenabteilung nach Täbris nunmehr zu verwirklichen, um die Sicherheit der Ausländer, die Versorgung der Stadt mit Proviant und die Verbindung mit Dschulfa zu sichern. Der Statthalter des Kaukasus wurde angewiesen, die Abteilung in Eilmärschen nachTäbris rücken zu lassen. Ter Vorwand für die Intervention. Petersburg, 23. April. Die russischeRegierung hat sich an die fremden Regierungen mit einer Zirkulardepcsche folgenden Inhalts gewandt: Vom Generalkonsulat in Aserbaidschan waren Mitteilungen eingegangen, daß in dem von den Truppen des Schahs belagerten Täbris eine Hungersnot ausgebrochen sei und dem russischen und anderen Konsulaten ebenso wie russischen und fremden Bewohnern dieser Stadt seitens der Gegner deS Schahs, die den Kampf mit den Truppen der Regierung führen, wie auch seitens der durch Hunger zur Verzweiflung ge- brachten Ortsbevölkerung ernste Gefahr drohe. Des- halb war der russische Geschäftsträger in Teheran ange- wiesen worden, den Schah zu erkläre», daß die russische Regierung, falls die persische Regierung nicht unverzüglich Maß- regeln zur Sicherstellung der Proviantzufuhr für die Konsulate und die fremden Untertanen in Täbris wie auch für die friedliche Ortsbevölkerung ergreift, sich genötigt sehen werde, eine Militär- abteilung nach Täbris zu entsenden, um die Konsulate und die Ausländer zu schützen und um ihnen und der Bevölkerung die Proviantzufuhr zu sichern. Trotz des Versprechens des Schahs, dem Kommandeur der persischen Truppen, Prinzen Aain cd Dauteh, zu befehlen, Proviantzufuhr nach Täbris zuzulassen, hat der Prinz die Zufuhr nicht zugelassen, und Konsulate und Aus- länder verbleiben somit in ihrer gefährlichen Lage. Angesichts dieser Wendung der Dinge hat die russische Regierung beschlossen, die dem Schah angekündigte Mahregel auszuführen. Einer rufst- scheu Truppenabteilung ist nunmehr der Befehl gegeben worden, nach Täbris auszurücken. Die Ziele, die diese Abteilung verfolgt, sind eben erwähnt. Sobald in Täbris die Ordnung wieder eintritt und Leben und Eigentum der Konsularvertreter wie der russischen und fremden Untertanen außer Gefahr sind, wird die Abteilung abberufen werden. Auf die Einlösung dieses Versprechens darf man begierig sein. Tins der Partei. Ein alldeutsch-nationaler Sozialdemokrat. Die„Fränkische Tagespost" zu Nürnberg beschäftigt sich unter dieser Spitzmarke mit einem Artikel des österreichischen Genossen Karl L e u t h n e r in der neuesten Nummer der„Sozialistischen Monatshefte". Sie sagt dazu: „...Karl Leuthner, der einst in den Anfängen des japanisch-russischen Krieges rnssisch-national dachte und wie Wilhelm II. von der gelben Gefahr redete, ist allmählich deutsch oder richtiger ostelbisch-national geworden, verhöhnt die demokratische Junlerfeindschaft(mit geistvollen Argumenten wie: auch A. v. Hum- boldt war ein Junker I) und landet endlich als Begünstiger der Nehren- thalschen KriegSpolitik. In den«Sozialistischen Monatsheften" ist nämlich aus der Feder Karl Leuthners zu lesen: „Der feil st e Schmierfink eines panslawi st i- scheu BlatteS würde eS abweisen, dem Gegner zu dienen, ganze Scharen von deutschen Blättern dagegen machen auswärtige Politik, indem sie die„TimeS", den „Matin" und die„Nowoje Wremja" übersetzen. Auch der Chauvinismus ist eben mir ein Verbrechen, sofern er deutscher Chauvinismus ist. Und der AntimonarchiSmus? Laßt unS dankbar sein. In den schweren Stunden, die wir dachten und sannen, was wir mit unserer schwachen Feder doch vielleicht dazu beitragen könnten, das furchtbare Verhängnis des Krieges fern- zuhalten, boten uns den einzigen Trost und die einzige Er- heiterung gewisse reichsdeutsche Blätter— eS waren diesmal, zu ihrer Ehre sei eS gesagt, doch nur wenige—, die sich täglich stärker mühten, den Kronprinzen Georg ins Heldenmaß zu recken und seine Gassenbübereien als die Offenbarungen des serbischen Volkszornes zu interpretieren." WaS uns an diesem dentschnationalen ZorneSauSbruch nicht gefällt, ist der bemerkenswerte Mangel an Mut, der ihn der- stümmrlt. Wer so deutlich zu schimpfen weiß, sollte auch deut- lich zu schreiben wagen. Wer ist der„feilste Schmierfinl", was sind tzas für„ganze Scharm von deutschen Blättern"? K. L. redet von Demokraten, aber die gibt es in Deutschland nicht, am allerwenigsten in der auswärtigen Politik. Er spottet an anderer Stelle über den Simplicisstmus-KreiS; aber der hat mit der unflätigsten und stupidesten Roheit die Lcuthncrschcn deutsch- nationalen Ideale gegen die Serben verteidigt; alle Balkanvölkcr waren nur Läuse, und wenn sie nicht Läuse waren, zum mindesten Flöhe und Wanzen. Ja, der„SimPlicisstmuS" hat sogar, in Er- Wartung deS Krieges, um ja recht aktuell zu sein, schon im Voraus eine deutsch-nationale KriegSuummer herausgegeben. „Ganze Scharen von deutschen Blättern? Di» ge> samte bürgerliche Presse, durchweg Reptile des Berliner Auswärtigen Amtes, huldigt der nationalen Politil des Genossen Leuthner. keines hat insbesondere im öster- reich- serbischen Konflikt das Recht Serbiens anerkannt. Nur die reichsdeutsche sozialdemokratische Presse hat Anschauungen vertreten, deren sich der feilste Schmierfinl eines panslawistischen Blattes schämen würde. Nur die sozialdemokratische Presse, nur sozialdemo« kratische Schriftsteller können also gemeint sein. Und wenn Karl Lenthner nichts von Deutschland wissen sollte und ahnungslos gegen Scharen deutscher Blätter loSzieht, die eS gar nicht gibt, so lebt doch der Herausgeber der„Sozia- listischen Monatshefte" in Deutschland uUd er mußte erkennen, daß jene Beschimpfungen nur die sozialdemokratische Presse Deutsch- lands treffen, die stolz darauf ist, nicht aus dem Sumpf der Wiener, Berliner, Frankfurter und Kölner öieptilienpresse ihre Anschauungen zu beziehen. Warum so ängstlich— nur Mut, man nenne Namen und Blätter, und paradiere nicht in der Rolle eines einsamen Helden gegen«ganze Scharen deutscher Blätter", während man in Wahr- heit doch, harmlos und geistsprühend, mir mit dem großen Haufen der feilen Schmierfinken läuft." Auch das„Volksblatt für Bochum" geht gegen Leuthuer in schärfster Weise vor. Es sagt u. a.: „Der Artikel des Genossen Leuthuer hat bereits die verdiente Anerkennung der überalldeutschen Redaktion der„Rheinisch-West- fälischen Zeitung" gefunden, und der ReichSverband wird sich demnächst der zitierten Stelle mit inbrünstiger Liebe annehmen. Wir richten an die Rcdaltion der„Sozialistischen Monats- hefte" die Frage, wie sie diese Art„sozialdemokratischer" Politik rechtfertigen will. Mit der etwaigen Erklärung, die sozialdemokra- tische Peesse sei nicht geftieink, lveköen Ivl'r mS nfchf zu fr Wen geben; es müßte denn schon der Nachweis erbracht werden, aus welchen einzelnen Blättern die„ganzen Scharen von deutschen Blättern" bestehen, von denen Leuthner redet. Der ganze Leuthnersche Artikel ist— versteckt unter einer An- zahl scheinbar an andere Adresse gerichteter Wendungen— eine giftige Verspottung der sozialdemokratischen Auslandspolitik... Leuthner scheint auf dem Standpunkte zu stehen, daß man nach Art gewisser Friedensdeklamatoren zwar platonisch für den Frieden schwärmen kann, daheim aber inzwischen der Regierung Schiffe und Kanonen bewilligen muß, so viel sie fordert. Wir wissen nicht, ob die österreichische Sozialdemokratie geneigt sein möchte, nach dem Rezept Leuthners zu handeln; die reichsdeutsche wird es nicht tun. Sie ist aber der Ueberzeugung, daß sie mit dieser Politik keinem irgendwo befindlichen Gegner, sondern gerade so am besten den Interessen der deutschen Arbeiterklasse und damit den Jnteresien des deutschen Volkes dient. Sie muß es sich jedoch ganz entschieden verbitten, von einem Parteigenossen der Förderung der Interessen der Feinde Deutschlands beschuldigt zu werden. Wir sehen in dieser Behauptung Leuthners eine schwere Schädigung unserer gerade in Preußen-Deutschland wahrlich nicht leichten Arbeit." « Der Artikel Leuthners ist in der Tat in jeder Zeile nationalistisch und nicht sozialistisch. Wir sind indes bisher nicht darauf eingegangen, weil wir Grund hatten, abzu- warten, ob jene, die durch den Artikel in erster Linie an- gegriffen werden, selbst zur Abwehr schreiten würden. Nach- dem das geschehen ist, werden wir die nationalistischen Ent- gleisungen, die neuerdings in der internationlen Sozial- demokratie zu bemerken waren, des näheren behandeln. Verbotene Maisestumzllge. Der in E s s e n geplante Festzug wurde von der Polizei v e r° Koten. Das Verbot wurde damit begründet, daß bei der Eigenart der Veranstaltung und der großen Mitgliederzahl des sozialdemo- kratischen Vereins zu erwarten sei, daß eine große Anzahl Per- sonen an dem Ilmzuge teilnehmen, außerdem eine sehr große Menge ihn begleiten werde. Die ungünstigen Straßenverhältnisse in Essen eigneten sich nicht zu solchen Massenbewegungen; insbesondere lasse der überaus starke Personen-, Fuhrwerks- und Straßenbahn- verkehr bestimmt befürchten, daß durch den Umzug die öffent- liche Sicherheit und die des einzelnen in weitgehendstem Maße gefährdet werden würde.— Als 1907 der deutsche Katholikentag in Essen tagte, der einen Umzug veran- staltete, an dem zirka 30 009 Personen teilnahmen, kannte die Behörde anscheinend die Straßen- und Verkehrsverhältnisse nicht so genau! Sonst könnte sie doch jetzt den sozialdemokratischen Ar- beitern nicht verbieten, das zu tun, was vor zwei Jahren den Katholiken zu tun erlaubt war. Auch in Breslau wurde der M a i u m z u g von der Polizei verboten, angeblich weil dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdet werde. Es ist Beschwerde erhoben worden. Zur Maifeier. Aus Chemnitz wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" berichtet in seiner Mittwochnummer an der Spitze der Parteinachrichten über die Stellungnahme unserer Partei- Versammlung im 16. Kreise. Der Bericht ist zwar nicht falsch, aber ganz irreführend. Er enthält nicht die wichtigste Tatsache der De- batte, daß alle Redner smit Ausnahme eines Jugendlichen) den Nürnberger Beschluß zu Antrag 90 für verfehlt und übereilt er- klärten. Nur aus Parteidisziplin beschloß die Ver- sammlung nach einem Antrage Noske-Niemann-Heilmann fast ein- stimmig, den Beschluß, weil er besteht, zu befolgen. Allgemein wurde die bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß er auf dem Leipziger Parteitage geändert werde. Eine sonderbare„Bekehrung". �n Geislingen(Württemberg) ist am 20. April d. I. der Parteigenosse Prexel gestorben, der seit vier Jahren eifrig und treu für die Partei tätig gewesen ist. Er war zuletzt zweiter Vorsitzender der Geislinger Parteiorganisation, ferner Ausschußmit- glied des württembergischen Feuerbestattungswesens. Am 19. April hotte er noch den Besuch des Genossen Preßmar, des Vertrauens- niannes des Bezirks, empfangen. Nach dem Ableben des Genossen Prexel schickte sich Genosse Preßmar an, für den Verstorbenen ein würdiges Leichenbegängnis im Sinne seiner Anschauung zu be- stellen. Aber noch bevor er dazu kam. erhielt er einen Brief des katholischen Stadtpfarrers Fischer, in dem ihm dieser mitteilte, daß Prexel durch eigene Willenserklärung vom 16. April aus der Partei sowohl wie aus dem Feuerbestattungsverein aus- getreten sei. wobei er zugestanden habe, daß ein Katholik, der im Frieden mit seiner Kirche sterben wolle, diesen beiden Vereinen nicht angehören könne. Er habe sich mit der Kirche ausgesehnt und die Gnadenmittel empfangen. Die Versicherung des Briefes klingt etwas sehr sonderbar. Am 16. April soll Genosse Prexe„durch eigene Willenser- k l ä r u n g" aus der Partei ausgetreten, sein. Und am 19. April hatte er mit seinem Freunde und Parteigenossen Preßmar eine llnterredung, in der er nicht das geringste von eiUer Gesinnungs- änderung merken ließ! Der Herr Pfarrer darf sich nicht wundern, wenn sein Brief Kopfschütteln erregt. GewerkfcbaftUcbca. Strafbarer Terrorismus gegen Unternehmer. Der Verband der Baugeschäfte vonBerlin und den Vororten(E. V.) hat an seine Mitglieder angesichts des Kampfes im Klempnergewerbe ein zweites Rundschreiben gerichtet, in welchem es unter anderem heißt: „Die Arbeitgeber im Klempnergewerbe sind in einen schweren gewerblichen Kampf verwickelt... Sie find in diesem Kampf im vollsten Recht; unsere vornehmste Pflicht ist es. den kämpfenden Klempnermeistern mit allen uns zur Ver- sügung stehenden Mitteln zu helfen. Unter keinen Um- ständen darf ein Mitglied unseres Verbandes einen Klempner- meister, solange der Kampf dauert, zur Fortsetzung der Arbeit drängen. Vollständig ausgeschlossen muß es jedenfalls sein, daß einem Klempnermeister, der aus- gesperrt hat, die Arbeiten fortgenommen und an- derenübertragenwerden. die sich dem allgemeinen Vor- gehen nicht angeschlossen und diese dadurch in schlimmster Weise geschädigt haben... Sollte irgend ein Verstoß hiergegen dennoch vorgekommen sein, so erwarten wir mit größter Bestimmtheit, daß sofort Abhilfe geschaffen, daß jedes Drängen eingestellt wird und arbeitende Klempner überhaupt nicht ge- duldet werden... Deshalb fordern wir, daß jedes Baugeschäft unseres Verbandes seine Schuldigkeit tut. Bei irgend einer Schwierigkeit ist sofort das Geschäftsamt zu be- nachrichtigen und anzufragen. Allen Mitgliedern des Verbandes machen wir gemäß einem Beschlüsse des KartellauSschusseS diejenigen Klempnergeschäfte bekannt, welche sich nicht scheuen» ihren Kollegen jetzt in den Rücken zu fallen, und die nicht nur selbst weiterarbeiten lassen, sondern auch die Arbeiten anderer treu bleibender Meister aus- führen. Diese Klempnergeschäfte schädigen durch ihr Verhalten nicht nur ihre eigenen Kollegen, sondern auch uns alle, 'verantw. Redakteur: H-nS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Sa Sek Ausgang Scs Kallipfes der Klempner für uns von großer Bedeutung ist. Wir werden die Liste dieser Klempnermeister jedem Rund- schreiben dieses Sommers beilegen und erwarten, daß dieselbe in allen Bureaus ausgehängt wird." Sodann folgen die Namen von 14 Bauklempnerfirmen. Es sind acht Berliner, vier Lichterfelder und je eine Char- lottenburger und Wilmersdorfer. Inzwischen hat sich nun allerdings die Zahl der Firmen, die sich mit den Arbeitern einigten, auf mehr als das Doppelte vermehrt und die gute Absicht der Herren Heuer und Konsorten, diese durch ihre„schwarze Liste" zu schädigen, dürfte fehlschlagen. Noch charakteristischer ist folgender Vorgang: Die vereinigten Maurermeister in M ü n d e n(Hannover) richteten an einen dortigen Unternehmer folgendes Schreiben: „Herrn Heinrich Wenzel, hier. Seitens der hiesigen Unternehmer sind Sie verschiedentlich gebeten worden, um den Lohnkampf der Unternehmer zu unter- stützen, daß Ihr Bauausführender die an Ihrem Neubau auf der Blume arbeitenden Maurer entläßt. Leider haben Sie bisher dieser Bitte nicht entsprochen und damit zum Ausdruck gebracht, daß Sie nicht geneigt sind, für die Unternehmer einzutreten, sondern ihnen den Lohnkampf zu erschweren. Da wir ja nicht in der Lage sind, in diesem Falle Ihnen Vorschriften machen zu.können, so müssen wir aber doch die Folgerung ziehen, daß wir dann gezwungen sind, unseren Bedarf an Sand und Zementwaren anderweitig zu decken. Dem Einwände, daß Ihr Neubau infolge Streiks nicht bis zum 1. Oktober fertiggestellt werde, entgegnen wir, daß jeder von uns Ihnen gerne helfen bezw. Leute geben würde, um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Wir erwarten deshalb auf das bestimmteste, daß Sie Ihren Bauausführenden veranlassen, die beschäftigten Ni aurer zu entlassen. Hochachtungsvoll Die bereinigten Maurermeister. I. A.: Adolf Potts Nachfolger." Auf dem Bau des Adressaten wird zu den neuen Be- dingungen gearbeitet, und das ist ja so schändlich, daß die Herren„vereinigten Maurermeister" dagegen mit allen Mitteln einschreiten müssen. Half bisher gütliches Zureden nichts, so soll jetzt zu einem recht terroristischen Mittel ge- griffen werden. Der Widerstrebende soll durch Ent- ziehung der ihin bisher zugeflossenen Lieferungsaufträge gezwungen werden, nach- zugeben und die bisher beschäftigten Arbeiter, an denen er selber nichts auszusetzen hat, zu entlassen. Die Reichsverbandspresse, die immer über sozialdemo- kratische Schreckensherrschaft zetert, wird diesen Terrorismus gegen widerspenstige Unternehmer aanz in der Ordnung finden._ Berlin und Clin gebend. Der Kampf im Klcmpnergewerbe. Wir sind in der Lage, die Pläne der Scharfmacher im Klemp- nergewerbe für die nächste Zeit schon heute mitzuteilen. Man be- absichtigt, die allgemeine Aussperrung für den kommenden Montag aufzuheben. Eingestellt werden sollen alle Bauklempner, die durch Inserate usw.(d. h. also auch von Agenten!) von außerhalb Berlins angeworben werden können, jedoch nicht solche aus dem Hannoverschen Streikgebiet. Bauklempner aus Berlin sollen nur angeworben werden, wenn sie keiner Organisation angehören. Ausgesperrte Bauklempner aus Groß-Berlin können ein- gestellt werden, wenn deren Organisation den Lohntarif der Unternehmer anerkennt. Man scheint da also auf die Verräterci irgend welcher Auch-Organisationen zu spekulieren. Aus- drückliche Bedingung für die Einstellung soll in allen Fällen die schriftliche Anerkennung des Unternehmer-Lohntarifes sein! Es gilt also für die Klempner, den Zuzug nach dem Berliner Streikgebict nach Dtöglichkeit fernzuhalten. Die neuesten Maßnahmen der Unternehmer in ihrem Kampfe gegen die Berliner Bauklempner wurden in einer Versammlung, die am Freitagmorgen im..Gewerkschaftshaus" stattfand, lebhaft besprochen. Aus vielen Orten sind dem Streikbureau Zeitungs- ausschnitte zugesandt worden, die übereinstimmend so abgefaßt sind, daß jeder gleich erkennen kann, daß es sich um S t r e i t b r e ch e r handelt, die verlangt werden. Die Innung selbst oder auch ein- zclne Unternehmer suchen nach Bauklcmpnern, aber nur minder- wertige Arbeitskräfte bieten sich daraufhin an. Das wissen auch die Meister und viele versuchen, mit ihren allen Leuten wieder anzubinden. Sic schreiben Rohrpostkarten und Briefe und bitten um den Besuch der Leute. Mit Gönnermiene sprechen sie dann von ihrem„Wohlwollen" für die Arbeiter, die sie betören möchten, die Arbeit zu den Bedingungen der Innung wieder aufzunehmen. Cohen warnte davor, der Einladung eines Meisters überhaupt zu folgen. Wer einen Brief oder eine Rohrpostkarte erhält, solle zuerst die Streikleitung davon in Kenntnis setzen und nur nach den Rat- scWägen handeln, die ihm von dort gegeben werden. Kommen die Meister in die Wohnungen gelaufen, sollte man sich auf keine Dis- kussionen einlassen. Den Plänen der Meister, die darauf ausgehen, eine Anzahl ihrer Leute einzustellen, um die von Auswärts An- geworbenen anzulernen, müsse energisch entgegengetreten werden. Heiterkeit erregte es, als Cohen bekanntmachte, daß auch Herr Lebius im„Bund" nach Bauklempnern suche. Cohen fügte hinzu, daß zwischen Lebius und Dr. Miele ntz und Heuer Verhandlungen gepflogen werden zwecks Gründung gelber Vereine in der Bauindustrie. Nach der Bekanntmachung deS Verbandes, die am Donnerstag im„Vorwärts" erschien, haben die Unternehmer sogleich eine Ver- sammlung einberufen. Am selben Tage haben sechs Firmen den Tarifvertrag der Arbeitnehmer unterschrieben, so daß insgesamt seit 8 Tagen 33 Firmen schon unterschrieben haben. Und diese Firmen stellten— mit einer Ausnahme— nicht nur ihre alten Leute wieder ein, sie haben sogar eifrig nach neuen Arbeitskräften verlangt, denn sie haben zahlreiche Aufträge zu erledigen. Man wird vielleicht den Firmen, die ausgesperrt haben, zeigen können, daß sie selbst Gefahr laufen, ausgeschaltet zu werden. Wenn die Unternehmer jetzt einen verschärften Druck ausüben wollen, so wird damit nur ein verschärfter Gegendruck erzeugt werden. Die Arbeiter sind nicht müßig, wenn sie sehen, daß die Unternehmer zu neuen Maßnahmen greifen. Die Hilfskräfte, die von auswärts herangezogen werden, müssen über die Situation aufgeklärt und wieder abgeschoben werden. Die Streikposten müssen mehr als vorher noch ihre Pflicht tun. Die Ledigen dürften bei längerer Dauer des Kampfes von Berlin abreisen. Den jungen Leuten erscheint dies nicht nur als Pflicht, sondern es wird ihnen auch eine Freude sein, andere Orte und andere Verhältnisse kennen zu lernen. In der„Jll. Zeitung für die Blechindustrie" werden, wie Cohen daraus vorlas. Klempner für Berlin gesucht, und es wird dazu gesagt, daß die Meister die Sperre am 26. April aufheben, daß die Klempner aber weiterstreiken wollen. Das ist wieder eine falsche Meldung, die geeignet ist, die öffentliche Meinung irre- zuführen. Cohen stellte fest, daß man nur auf Umwegen von �dcr Aufhebung der Aussperrung etwas erfahren habe, daß dem Metallarbeiterverband nichts darüber mit- geteilt worden sei. Wenn die Klempner weiterstreiken, so hoben sie ihre triftigen Gründe dazu; sie sind gezwungen, den Uh. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwürtsBuchdr.u.VerIagSanstall Kaitlpf geMü die Unternehmer idurchzuführen, wenn sie nicht großen Schaden leiden wollen. Interessant ist noch die Mitteilung der erwähnten Zeitung, daß für Hannover 150 Arbeitswillige gebraucht werden. Dagegen wird nicht gesagt, wieviele man in Berlin nötig hat. Die Scharfmacher im Baugewerbe und die Maifeier. Der Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten hielt gestern unter Leitung des Baumeisters Heuer eine General- Versammlung ab und beschloß, daß die Arbeitnehmer, die am 1. Mai feiern, sofort entlassen werden. Vor Donnerstag, den 6. Mai, werden Gesellen oder Arbeiter in keinem Baugeschäft neu ein- gestellt. In der Zeit vom 1. bis einschl. mindestens ö. Mai bleibt der Arbeitsnachweis der Unternehmer geschlossen. Der Ersatz für die am 1. Mai Feiernden wird vom Arbeitsnachweis entnommen, so daß die Feiernden sich im Arbeitsnachweis neu eintragen lassen müssen. Weiter nahm die Generalversammlung Stellung zu der Aussperrung im Klempnergewerbc. Tarifbewegung der Stukkateure. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die der Zentralverbanb der Stulkatcure am Donnerstagabend im„Gewcrk- schaftshaus" abhielt, nahmen die Arbeiter zu dem Ergehnis der Tarifvcrhandlungcn in der Schlichtungskommission Stellung. Der Vorsitzende Dietrich erstattete Bericht über die Verhandlungen. Die Vertreter der Arbeiter hatten, gemäß den Beschlüssen der letzten Versammlung, dem Verlangen der Arbeitgeber in zwei Punkten nachgegeben, sie erklärten sich bereit mit der Verschiebung für den Ablauftermin des Tarifs vom 15. Mai auf den 31. März und ferner mit dem Ausschluß der Kündigungsfrist im einzelnen Arbeitsverhältnis. Die Unternehmer hatten erklärt, daß sie weitere Verschlechterungen des Tarifs nicht beabsichtigen. Durch das Ent- gegenkonimen der Kommission konnte man nun glauben, daß die Wege zu einer Einigung geebnet waren. Aber idie Unternehmer stellten Forderungen auf, die trotzdem weitere Verschlechterungcu für die Arbeiter brachten. Sie verlangen Zugeständnisse in der Bestimmung der Löhne für die Ausgelernten, in der Berechnung des Stundenlohnes und anderen Dingen. Die Kommission konnte sich auf nichts dergleichen einlassen und sie empfahl auch der Ver- sammlung, die Forderungen der Unternehmer abzulehnen. In der Diskussion, die dem Bericht folgte, gab sich viel Ent- rüstung kund darüber, daß die Arbeitgeber überhaupt noch mit Vcrschlcckiterungen des Tarifs kommen, und die Rodner sprachen sich übereinstimmend dahin aus, daß man auf die Wünsche der Unter- nehmer nicht eingehen dürfe. Der Schlichtungskommission wurde der Auftrag erteilt, die vorgelegten Forderungen der Arbeitgeber rundweg abzulehnen. Sic hat dafür Sorge zu tragen, daß in kürzester Zeit ein Tarifvertrag vorgelegt wird, der nur dann den Kündigungsausschluß und die Verlegung des Ablauftermins des Tarifvertrages enthalten darf, wenn demgegenüber eine Erhöhunx des Bau- und Werkstattlohnes eintritt. Die Neuwahlen des Ausschusses und der Gauleitung, die dann vorgenommen wurden, hatten folgendes Ergebnis: W e n g e l s, Scheck, Hanke, Gladigo, Giebler: in die Gauleitung wurden gewählt: Radtke, Hanke und Dietrich. Zum Schluß erstattete Radtke den Bericht vom VerbandStag. Arbeitslosenunterstützung für die Maler. � Der Verband der Maler, Lackierer und Anstreicher hatte für Berlin und Umgegend 14 Bezirksversammlungen veranstaltet, um die Frage der Einführung der Arbeitslosenunterstützung zu be- sprechen. Die Versammlungen, zu denen auch die Frauen der Mit- glicder eingeladen waren, fanden am Montag-, Dienstag-, Mitt- woch- und Donnerstagabend statt. Die Frage der Arbeitslosen- Unterstützung ist für die Verbandsmitglieder nicht mehr neu, denn schon in den Jahren 1903 und 1905 haben sie sich damit beschäftigt. Der Ausschuß hatte Vorlagen ausgearbeitet, entsprechend den ge- äußerten Wünschen eines Teiles der Mitgliedschaft, aber die Mehr- heit lehnte die Vorlagen beide Male in der Urabstimmung ab. Den meisten erschien die gebotene Unterstützung als gar zu gering, um großen Wert darauf zu legen. Man übersah, daß es sich zuerst darum handelte, eine sichere Unterlage für die neue Einrichtung zu gewinnen. Im Malerberuf liegen die Verhältnisse so, daß sich dieser Neuerung viel mehr Schwierigkeiten entgegentürmten als in anderen Gewerkschaften. Die Arbeitslosigkeit ist außerordentlich groß; es ist festgestellt worden, daß 70—75 Proz. der Mitglieder 40— 42 Tage im Jahre arbeitslos sind. Daher konnten zuerst nur niedrige Unterstützungssätze geboten werden; man hätte sonst die Beiträge erhöhen müssen. Einer Erhöhung der Beiträge stehen aber gewöhnlich Bedenken entgegen. In den letzten zwei Jahren ist die Frage einer Unterstützung der sich furchtbar mehrenden Ar- beitslosen aber brennend geworden. Die Mitglieder sollten nun über einen Vorschlag entscheiden, nach welchem die fakultative Ar- beitslosenunterstützung eingeführt wird. Jeder kann sich somit bei dem Verbände gegen Arbeitslosigkeit versichern, ohne dazu ge- zwungen zu sein. Das Regulativ darüber ist in dem Fachorgan veröffentlicht und erläutert worden. Es liegt in dem Interesse eines jeden, dieser Versicherungskaffe beizutreten. Dann erst wird eine sichere Unterlage geschaffen werden, auf welcher die nächste Generalversammlung des Verbandes, im Frühjahr 1911, weiter» bauen kann, um die Erwerbslosenunterstützung einzuführen. In den Versammlungen wurde die Wichtigkeit dieser Unter- stützung nach verschiedenen Richtungen hin erörtert. Die Versamm- lungen waren Lut besucht, eine rege Diskussion wurde geführt und in allen 14 Versammlungen wurde eine Resolution angenommen die sich für die gemachten Vorschläge erklärt, Nur eine ver- schwindende Minderheit stimmte dagegen. OcutrduB Reich. Der VerbandStag der Zimmerer in Stuttgart hat, wie telegraphisch von dort gemeldet wird, die Anträge, die auf Ver- schmelzung zu einem Bauarbeiterverbande gestellt waren, ab. gelehnt. Letzte JVachricbtcn und Depefchen« Vormarsch der Truppen. Kotistüntinopel, 23. April.(W. T. B.) Die Mazedonischem Truppen scheinen gegen die Stadt vorzurücken und haben Kar- kikoei, zwischen San Stefano und den Stadtmauern, besetzt. Auch gegen P e r a und den Bosporus scheinen die Truppen vorzurücken. Man glaubt, daß die Aktion gegen den Yildiz vielleicht heute nacht erfolgt. Lergarbelterstreik.. Lüttich, 23. April.'{SB. T. 83.) Außer auf der Grube MonS- Croteux ist heute auf der Grube Flemalle Grande an- geblich wegen Lohnkürzung ein Streik ausgebrochen. Ein Umsich» greifen der Streikbewegung wird befürchtet. FolgenschSere Explosion. Brüssel. 23. April.(W. T. B.) In 83aeSrode bei Gent ist de, Dampfkessel einer Zuckerfabrik explodiert. Die Fabrik ist in Brand geraten. Wie es heißt, sind zehn Menschen getötet und mehrere verwundet worden, '„Berlin LW. Hierzu 3 Beilage» u. UnterhaltungSbl,' |t95. 26. Jahrgang. 1. KeilM Scs Jmürtf Wim liibllitt. Sonnabend, 24.Aptt!lM. jsrm Reid�sta� 346. Sitzung vom Freitag, den 23. April, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung eines Gesetz/ cntwurfes betreffend die Aenderung des Strafgesetz- b u ch e s. Die Borlage enthält eine Milderung der Bestimmungen über die Verfolgung und Bestrafung des Hausfriedensbruches, der Bestrafung des Arrestbruches, des Siegelbruches und der Vereitelung der Zwangsvollstreckung, weiter eine Verschärfung der Strafen wegen Tierquälerei, der Mißhandlung von Kindern und anderen wehrlosen Personen. Ferner wird eine Verstärkung des Schutzes der Ehre beabsichtigt durch eine gewisse Einschränkung des Wahrheits- beweiseS und durch Erhöhung der angedrohten Geldstrafen und Bußen. Ferner wird durch den Entwurf die Verfolgung und Bestrafung geringfügiger Diebstähle, insbesondere soweit sie aus Not hervorgegangen sind, gemildert, und schließlich wird der Begriff der Erpressung enger gefaßt. Staatssekretär Dr. Nieberding begründet die Vorlage, bleibt aber bei der herrschenden Unruhe und seiner leisen Stimme auf der Tribüne im Zusammenhange unverständlich. Er betont, daß alle Bestimmungen des Entwurfs auf Anregungen des Reichstages be- ruhen: die Tendenz der Vorlage sei, den laut gewordenen Wünschen der Rücksicht auf den sozialen Frieden und auf die soziale Fürsorge mehr Rechnung zu tragen. Beim Eingehen auf die einzelnen Bestimmungen der Vorlage verweist der Redner darauf, daß in England, Franlreich, Holland, den Niederlanden für die Presse bei Beleidigungen die Möglichkeit des Wahrheitsbeweises erheblich ein- geschränkt sei, und doch haben diese Länder eine freie, große und mächtige Presse. Nichts hat der Regierung ferner gelegen bei diesen Bestimmungen, als etwa sittliche Mängel bei hervorragenden und in der Oeffentlichkeit stehenden Personen zu schützen, in solchen Fällen ivird ein öffentliches Interesse immer anerkannt werden. Llber den stärkeren Schutz des Privatlebens, den die Bestimmungen bringen, hat der Reichstag selbst verlangt. Die Tendenz dieser Bestimmungen >vie der Vorlage überhaupt wird der Reichstag daher billigen, Ab- änderungen im' einzelnen wird die Regierung gern entgegenkommen. (Bravo I rechts.) Abg.Engelen(Z.): Die in der Vorlage gebrachten Strafmilderungen haben wir lange gefordert, und sie hätten sehr wohl früher kommen können. Fragen muß ich auch, warum Milderungen nur im bürger- liche»! Strafrecht zugestanden werden, warum nicht auch eine Novelle uns vorgelegt wird, die Milderungen im Militärstrafgesetz- buch bringt.(Sehr richtig! iin Zentrum.) Der Euleuburg- Prozeß legt ferner die Erinnerung daran nahe, daß wir Verschärfungen der Strafbestimmungen bei Verfehlungen gegen den§ 175 verlangt haben, wenn sie gegen Kinder und Untergebene begangen sind. Warum bringt die Vorlage solche Verschärfungen nicht? Kinder iverden durch die Novelle stärker als bisher gegen Miß- Handlungen geschützt. Aber einen stärkeren Schutz der Kinder gegen Vernachlässigung und Ausbeutung vermissen wir: möge ihn wenigstens die allgemeine Revision des Strafgesetzbuches bringen, von der wir noch nicht wissen, wenn sie kommen wird. Bei dem Delikt des Diebstahls wünschen wir die Möglichkeit zu schaffen, daß in gewissen Fällen an die Stelle einer Freiheits- eine Geldstrafe treten kann.— Die Tierquälerei soll aus dem Gebiet der Uebcrtrctungen herausgehoben und in das Gebiet der Vergehen gebracht werden. Hierüber sowie über die dazu ge- gebene Begründung kann man sehr lvohl verschiedener Auffassung sei. Die Frage wird in der Kommission näher zu prüfen fein.— Die Herauffetzung der Maximalstrafen für Beleidigungen wird kaum Bedenken erregen, wohl aber die Beschränkung des Wahrheitsbeweises bei öffentlichen Beleidigungen. Die Begriffsbestimmung, daß es sich hiebet um Tatsachen handeln soll,„welche lediglich Verhältnisse des Privatlebens berühren, die das öffentliche Interesse nicht be- rühren." ist ganz dehnbar, so daß mit ihr gar nichts anzufangen ist — haben wir doch Prozesse gehabt, bei denen das Vorhandensein eines öffentlichen Interesses zunächst bestritten, dann anerkannt wurde. Die vorgeschlagene Bestimmung kann sich sehr leicht als ein Maulkorbgesetz für die anständige Presse erweisen. Hier muß die Kommission eine andere Fassung finden, die vorgeschlagene ist un- annehmbar.(Bravo I im Zentrum.) kleines feuilleton. Theater. Hebbel-Theater:„Arsöne Lupin", Dcteltivkomödie von Leblanc und de Croisset. Hebbel-Theater und Detektivkomödie, das reimt sich schlecht zusammen, aber auch die stolzesten Bllhnenprogramme helfen über die leidige Not- wendigkeit nicht hinweg, bei der Auswahl des täglichen NepertoirS ökonomischen Verwertungsmöglichkeiten, die init dem künstlerischen Werte nichts gemein haben, Rechnung zu tragen. Wenn so gewissenhast und naluraliffisch sauber gearbeitete Dramen wie SchönherrS„Erde", so schwungvoll leidenschaftliche wie SophuS Michaelis„Revolutions- Hochzeit" bei trefflicher Darstellung keine vollen Häuser machen und ein gediegener Ersatz, der zugleich Aussichten für die Heilung von Defizits bietet, nicht zu beschaffen ist was bleibt dann anderes übrig als der Versuch, den ganz banalen klingenden Erfolg gelegentlich auf anderen Wegen, und sei es auf recht kunst- verlassenen, einzuholen! Bei sonstigem Ernst des StrebenS wird man, wofern die Aushilfsware nur nicht ganz ins Plumpe, Rohe fällt und als Surrogat für das literarische Manko ein äußerlich geschicktes Arrangement gibt, der Leitung keinen Vorwurf machen können— eher dem Publikum, das sie zu einer solche» Taktik zwingt. Die Detektivkomödie der beiden französischen Autoren, so fkrupeh loS sie über Wahrscheinlichkeit und pshchologische Motivierung hin- wegsetzt, hält sich, nach billigen Ansprüchen gemessen, noch auf passablem Niveau und bringtS in ihrem Schlußakt bei dem lächelnd ansgefochtenen Wortlampf zwischen dem prominenten Gauner und dem ihm ebenbürtigen Detektiv sogar zu einigen Szenen von außer- ordentlich amüsanter Schlagkraft. Mit„RaffleS", dem Amateurcinbrecher, der spaßhaft abenteuerlichsten Schnurre dieser Art, die vor längerer Zeit im Neuen Schauspielhause über die Bretter ging, kann sich allerdings„Arsöne Lupin" nicht messen. Der Reiz, auf den das ganze Genre spekuliert, ist nicht das simple Gruseln, vielmehr die Lust an inenschlicher Verschlagenheit, die Neugier, die ein listiges Intrigenspiel hervorruft. In gewisser Hinsicht ein verwandtes Motiv, wie das, auf welches sich die fein ausgeführten Scribeschen Komödien — zum Beispiel das klassische„Glas Wasser" mit dem Wettstreit zivischen Bollingbroke und der Herzogin— aufbauen, nur daß die Spannung hier durch das Kriminalistische, die Waghalstgkeit des Spiels um Leib und Leben vergröbert und vergrößert werden soll. Das abstoßend Widerwärtige, das der Jagd nach einem Verbrecher anhaftet, wird in diesen Stücken zum großen Teil dadurch paralysiert, daß sie die oft so bewunderungswürdige Diebsintelligenz glorifizieren und die verschmitzten Gauner über ihre moralifch nicht höher stehenden Verfolger den Sieg davon tragen lassen. Darin liegt eine Art ausgleichender, poetischer Gerechtigkeit den brutalen Philister- instinkten gegenüber, die bei jeder Eigentumsverletzung in blindlings ausgepusteter Entrüstung ihr„Haltet ihn!" schreien. Etwas anders zugespitzt— und die Komödie„Arsöne Lupins", de» Königs der Einbrecher, der die eleganten Allüren der blau- blutigen Aristokratie so glänzend nachahmt, daß der Millionär. dessen Bildergalerie Arsöne zu plündern gedenkt, stolz ist, ihn als• Abg. Pernio(!.): Wir begrüßen die Vorlage mit Genug- tuung, wir halten sie für klein, aber für gut, wir sehen in ihr eine Beseitigung von Mißständen, die dein Richter fast alle Tage fühlbar .werden. Wir können sämtlichen sieben Punkten der Vorlage unsere Zustimmung geben, wenn ich auch zugebe, daß die vom Vorredner er- hobenen Bedenken gegen die vorgeschlagene Faffung des§ 186(Ein schränknng des Wahrheitsbeweises bei Beleidigungsprozesseni nicht unbeachtlich sind. Aber über diese und andere Einzelheiten können wir uns in der Konimission, an die meine Freunde die Vorlage zu verweisen beantragen, näher unterhalten. Abg. Dr. Barenhorst(Rp.): Mit den Strafniilderungen der Vorlage sind meine Freunde, ohne den Beratungen der Konimission natürlich vorgreifen zu wollen, im allgemeinen cinver- standen. Ebenso sind wir mit den Strafverschürfungen bei den Beleidigungen einverstanden und'mit der Einschränkung des Wahrheitsbeweises, aber er geht uns nicht weit genug, bei Be- leidiglingen durch die Presse verlangen wir absolute Ausschließung des Wahrheitsbeweises.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Nicht weit genug gehen uns auch die Strafverschärfungen bei Mißhand- lungen von Kindern, Kranken und sonstigen wehrlosen Personen. Wir behalten uns entsprechende Anträge in der Kommission vor Dasselbe ist der Fall bei den Bestiirtlnungen über Tierquälerei, bei der sich die ganze Rückständigkeit unseres Strafgesetzbuches zeigt. Für Prügelstrafe bin ich und meine Partei nicht zu haben: aber bei Tierquälerei wäre sie angebracht.(Große Heiterkeit.) Mein neun- jähriger Junge sagte mir:„Vater, wenn Du nach Berlin kommst, mußt Du zuerstGesetze zum Schutze der Tiere machen, denn die Menschen können sich selbst helfen", und das ist ein richtiges Empfinden. iGrotze Heiterkeit.) Auch die Mißbräuche und Auswüchse der Vivi- sektion müssen eingeschränkt werden. Hunde müssen dagegen geschützt werden, der Hund ist ein kluges Tier, er ist oft klüger wie ein Mensch.(Große Heiterkeit und Zustimmung links.) Ja wohl! es gibt Jagdhunde, die klüger sind als der Jäger.(Erneute Heiterkeit.) Anstatt festzustellen, wie lange ein Hund oder eine Katze hungern kann, sollte solch gelehrter Herr lieber einmal feststellen, wie lange ein Professor oder Dozent hungern kann.(Stürmische Heiterkeit.) Den Auswüchsen der Vivisektion sollten alle Parteien entgegentreten. Abg. Dr. Osann(natl.): Mit den Strasnnlderungen des Eni- Wurfes sind wohl alle Parteien des Reichstages einverstanden. Auch mit der Verschärfung der Maximalstrafe bei Beleidigungen kann man einverstanden sein: sie soll ja dem Richter nur einen erweiterten Rahmen bieten. Ebenso kann man mit den Strafverschärsungen für Tierquälereien und Mißhandlungen von Kindern einverstanden sein. Ob es praktisch gewesen ist, beim Diebstahl in der von der Vorlage gewählten Weise vorzugehen oder lieber bei mil- dernden Umständen Geldstrafen zuzulassen, mag in der Konimission erörtert werden. Ein Hauptteil der Vorlage ist die Ein- schränlung des Wahrheitsbeweises. Anlaß dazu hat wohl nicht der Fall Eulenburg gegeben, sondern der Fall Molitor. Aber schon damals bestand für den Gerichtspräsidenten die Möglichkeit, das Prozeßverfahren zu beschränken und nicht zur Sache gehörige Fragen der Anwälte abzuschneiden und entsprechende An- träge zurückzuweisen. Aber der Kernpunkt des Gedankens, den Wahrheitsbeweis auszuschließen, wenn es sich lediglich um Verhält- niffe des Privatlebens handelt, hat bei einem großen Teil meiner Freunde Anklang gefunden. Es wird sich fragen, ob man die Grenze des Privatlebens richtig lvird ziehen können. Daß es von der Zustimmung des Beleidigten abhängen soll, ob der Wahrheits- beweis geführt werden soll oder nicht, ist für den Beleidigten ein Danaergeschenk. Für die Abänderung des ErprcssungS- Paragraphen führt die Vegründung an, daß jetzt der Käufer strafbar ist. wenn er Abbruch der Geschäftsverbindung androht, falls er die Ware nicht billiger erhält, ebenso der Mieter, der mit Kündigung droht, falls der Mietszins nicht herabgesetzt wird. Sollte derartiges vorgekommen sein, so hat die Rechtsprechung den Erpressungsbcgriff unrichtig ausgelegt, wie sie es auch getan- hat, als Arbeiter, die von ihrem Koalitionsrecht Gebrauch machten und zur Erringung besserer Lohnbedingungen mit Arbeitsniederlegung drohten, wegen Erpressung bestraft wurden. Gegen eine solche falsche Auffassung des Begriffs der Erpressung kann auch die neu vor- geschlagene Fassung des Paragraphen nicht schützen, hiergegen kann nur ein besseres soziales Verständnis der Richter schützen.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Frohme(Soz.): Das aus den siebziger Jahren stammende Strafgesetzbuch beruht Sckiwiegersohn zu gewinnen, hätte eine stachliche Satire auf die feine Gesellschaft, elwa im Stile von MirbeauS„Dieb" werden können. So wie sie flüchtig ohne jeden Ehrgeiz hingeworfen ist, verschwindet dies ironische Moment fast völlig� hinter den sprunghaften, auf derbe Ueberraschung angelegten Bluffs, in denen sich die„Handlung" fort beivegt. Es dauerte geraume Zeit, bis sie in Zug kam. Die Trümpfe waren samt und sonders für den Schlußakt aufgespart. Das Publikum schien sich recht gut zu unterhalten. Die Herren Anton E d t h o f e r als Lupin, Paul Otto in der Rolle des gerissenen Detektivs, Richard Leopold in der des hoffnungslos bornierten Untersuchungsrichters spielten ausgezeichnet. ckt. Humor«»d Satire. --Türkische Anregung. Die Türken setzen ihren Sultan ab. Viele Zeitgenossen, die von Abdul Hamid eigentlich gar nichts wissen,� werden dieses Ereignis mit einem gewissen Behagen zur Kenntnis nehmen. Es ist schon lange her, daß irgendein Thron von seinem Besitzer gereinigt wurde! Das Monarchenrisiko ist im letzten Jahrzehnt ein viel niedrigeres geworden! Selbst die ärgsten Beschmutzer allerhöchster Throne sind unbehelligt geblieben, auch der serbische Peter blieb auf seinem Thrönchen haften. Es war kein republikanisches, kein antimonarchisches Animo(Erdreisten) in Europa. Man erinnere sich an den eigentlich kläglichen Ausgang der norwegischen Erhebung gegen die BernadotteS: Statt irgend einen blauäugig- blonden Fjordbauern zum Präsidenten zu erwählen, holten sich die Norweger am Ende ein dänisches Prinzlein und wandelten es zur Majestät. Ein kluger Spekulant wie die bulgarische Langnase setzte sich vor ein paar Monaten eine funkelnagelneue Königskrone auf. Wenn man's über- denkt, gewahrt man, daß in den letzten Jahren, statt daß die älteren Holzthrone wacklig und gebrechlich geworden wären, ein paar neue Sitzgelegenheiten für frische Majestäten dazu gekommen find I In den Ländern aber, wo alles beim alten blieb, kam erst recht kein antidynastisches Animo auf; das republikanische Geflunker der französi- "chen Brutalitätsregierungen tat ein übriges, um den europäischen Zu- tand der Wurstigkeit für diese Probleme der Staatsform zu begründen und zu vertiefen... Diese phlegmatische Stimmung wird nun durch die zwangsweise Entfernung Abdul Hamids einigermaßen unterbrochen. Alle Jugeudlieder tönen in der Erinnerung wider, und die Völker fühlen sich für ein paar Tage um eiuundsechzig Jahre jünger... Lang, lang ist's her, daß in Europa ein Thron wackelte oder ein Monarch davongejagt wurde. Mag der neue Sultan Reschad Efendi, der Bruder Abdul Hamids, dasselbe in Blau ein, was der Davongejagte in Rot, Blutmördcrrot, war, die drei- tägige Kündigung Seiner Majestät tut doch den, Sinn der euro- päischen Zuschauer herzlich wohl. Daß derlei plötzliche Wendungen doch noch geschehen, ivenn auch imr tief drunten in der Türkei, das tärkt die Geister und macht sie fröhlicher I („Wiener Arbeiter-Zeitung".) Boshaft.„Der Gendarmerielvachtineister hat ja zu seinem ünfundzwanzigjährigen Dienstjnbiläum eine Menge Gratulations- briefe bekommen. Das wird ihn aber freuen I"—'„Im Gegenteil. 'uchsteufelswild ist er, weil sie fast alle von Spitzbuben sind, die er während der fünfundzwanzig Jahre nicht erwischt hat." auf dem Rechtsbewußtsein des damaligen liberalen Bürgertums, ist also eine Schöpfung nicht sozialen, sondern recht reaktionären Geistes. Schon mit seinem Inkrafttreten setzt auch der Widerstand gegen manche Bestimmungen ein, der im Laufe der Jahre immer stärker geworden ist. In manchen Punkten hat aber sein reaktiv- närer Charakier noch eine Verstärkung erhalten. Ich erinnere nur an den berüchtigten K a n z e l p a r a g r a p h e n, der ein Aus- nahmegesetz war, an die Bestimmungen über Majestäisbelcidigungen, Hochverrat. Daß die Grundzüge unseres Strafgesetzbuches von In- Humanität gegen die Arbeiter zeugen, ist nicht eine hetzerische sozialdemokratische Behauptung, so empfindet vielmehr die Masse des Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Und unumwunden wird es auch von einer Reihe namhafter Juristen zugegeben. Der Entwurf bringt jetzt nicht eine Revision des ganzen Strafgesetzbuches, sondern nur eine Teilreform. Er ist eine Art Verlcgenheitsgcsktz, durch das nur ein paar Punkte herausgegriffen werden. Die Vor- läge ist wohl eine Frucht der Blockpolitik, in der Tat hat ja Fürst Bülow in einer feiner ersten Blockreden im Reichstag von dieser Reform gesprochen. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Vorlage beseitigt wirlliche Mißstände. Prinzipiell zustimmen können wir der Milderung der Verfolgung und Bestrafung des H a u S- friede nsbruches. Einigermaßen bedenklich erscheint allerding« der Wortlaut des K 123, wonach auch das unbefugte Eindring?» in abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verlehr bestimmt sind, sowie das unbefugte Verweilen darin als Hausfriedens- bruch bestraft werden. Unsere Zustimmung findet auch der Punkt. welcher die Milderung der Bestrafung für Arrestbruch. Siegelbruch und Vereitelung der Zwangsvollstreckung vorsieht. Ebenso sind wir prinzipiell einverstanden mit der Verschärfung der Strafen für Tierquälerei, und die Begründung dcS Entwurfes findet hier prinzipiell unsere Zustimmung. Wir habe» hier stets auf dein Standpunkt des Entwurfes gestanden und sind deshalb damit einverstanden, daß diese„Uebertretungen" in„Per- gehen" umgewandelt werden. Aber man soll über den Schutz der Tiere den Schutz der Menschen nicht vergessen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wenn man von dem Fuhrmann spricht, der ein abgetriebenes Pferd miß- handelt, soll inan auch an die lange Arbeitszeit denken, die der Mann oft hinter sich hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und wo es sich um wirkliche Roheit handelt, soll man nicht vergessen, daß auf dem Gebiete der Erziehung außerordentlich viel getan werden kann. Auch damit ist meine Partei einverstanden, daß Kindern und anderen wehrlosen Personen durch das Strafgesetz ein besonderer Schutz angedeiht. Allerdings wird die Fassung des Entwurfs, der von„grausamer BeHand- lung" spricht, einer Korrektur bedürfen. Unsere Zustimmung findet auch die Milderung der Verfolgung und Bestrafung ge- ringfügiger Diebstähle und Unterschlagungen, auch hier entspricht der Entwurf ebenfalls dem Rechtsbewußtsein weiter Kreise. Aber der Entwurf geht uns nicht weit genug. Vor allem, weil er die Strafmilderung der bestehenden Bestimmungen für den Ruckfall nicht vorsieht. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch die grausamen Mindeststrafen für den Rückfall abgeschafft werden. Sollte es im Rahmen dieser Vorlage nicht möglich sein, so wollen wir hoffen, daß das in die allgemeinere Form des Strafgesetzbuches hineingearbeitet wird. Wir wollen uns doch nicht verhehlen, daß in allen solchen Fällen einen großen Teil der Schuld die Gesellschaft selbst) trägt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemolraien.) Die ver- anlaßt mit ihren Einrichtungen am meisten derartige Rückfalls- diebstähle und ist jedenfalls mitschuldig. Mit Recht ruft der Dichter ihr zu:„Ihr laßt den Armen schuldig worden, dann übergebt Ihr ihn der Pein." WaS notwendig ist, ist die Schaffung eines sozialen Strafrechts. Aber immerhin handelt es sich hier um Konzessionen, denen man zustimmen muß und von denen wir hoffen wollen, daß sie demnächst zu noch weiteren führen werden. Was von uns so oft erklärt worden ist, daß es eine schwere Un- gerechtigkeit ist, wenn unglückliche Menschen, die, von äußerster Not getrieben, fremdes Eigentum angreifen, mit gemeinen Dieben auf eine Stufe gestellt werden— dazu bekennt sich jetzt auch die Begründung des Entwurfs, wenn äe sagt:„Der stärkste Antrieb, der einen sonst rechtschaffenen Menschen Stoßseufzer. Hausherr:„Wenn nur die Stiefelwichs oder die Zündhölzer teurer würden, daß ich wieder einen Grund hätt' zum Steigern I" Offenherzig. Gast(im Restaurant gegenüber dem Gerichtsgebäude):„Bringen Sie mir'mal noch eine Flasche Champagner, Herr Wirtt"— Wirt(vertraulich):„Freigesprochen worden?"— Gast:„Nein— Offenbarungseid geleistet". Im Jahre 2()t10... Wie, nachts zehn Uhr kommen Sie betteln?"—„Verzeihung, Madam, aber tagsüber sind die Herrschaften ja alle droben in der Luft!" (»Fliegende Blätter'.) Z e n t r u m s k a n d i d a t e n,„Und'ist eS wahr. Erlaucht, daß Majestät Sie schon einmal aus die Schulter geklopft und gesagt hat: Sollen ja ein famoser Skatspieler sein?"—„Allerdings, das ist ivahr I"—„Nun, dann sollen Sie das Mandat haben I" (»Ulk".) Notizen. --- Ein„Gesichtspunkt. Dem Mannheimer Grenadles» regiment ist letzter Tage der Besuch der im Hostheater(I) gemimten Komödie„Der König" verboten worden. Wir haben von dieser Staatsaktton nicht Notiz genommen, weil solche Schildbürgereien in deutschen Gamisonstädten alle Naselnng unterlaufen. Jetzt aber ist der Grund des Verbots' bekannt geworden und den müssen wir registrieren. Es Handels sich nicht um eine Staats-, sondern um eine Reichs- Aktion! Der Schauspieler, dem es obliegt, den Komödienkünig zu verlörpern, leidet— wie die Mannheimer Hoftheaterintendanz feststellte— unter dem fatalen Geschick, daß sein Gesichtsschnitt eine gewisse Aehnlich« keit mit der Physiognomie Wilhelms II. aufzuweisen hat. Das Publikum nahm mit teuflischem Schmunzeln als Absicht, ivaS doch bloß Spiel tückischen Zufalls war. Und so kam der militärische Boykott zustande... v — Sven H e d i n, der Harmlose. Wir haben der Ge- schäftStiichtistkeit Sven HedinS gelegentlich die ihr gebührende Achtung zukommen lassen. Wie sich jetzt aber herausstellt, ist der Mann doch besser als sein Ruf. und harmlos, harmlos bis zur— Unglaublichkeit. Da hat er, wie er selber kund und zu wissen tut, mit dem Agenten Jules Sachs einen Kontrakt abgeschlossen: Sachs machte den Manager und Hedin redete. Bei dem Geschäft ver» diente der Herr Weltreisende nach Abzug aller Unkosten in ganz kurzer Zeit allein mit seinen zwölf deutschen Vorträgen 29 729 Kronen I Wie viel Sachs verdiente, darüber schweigt des Sängers Höflichlcit. Jedenfalls hat der brave Agent doch auch Kosten gehabt, so baß man's schließlich verstehen kann, wenn er„seinen" Hedin nach Eschwege nicht unter viereinhaibtauscnd Mark ahgeben mochte. Das will Hedin nun gar nicht begreisen— der harmlose Nordeuropäer, der jetzt schon mit Brockhaus einen Kontrakt geschlossen hat, lautend auf bare 69 000 M. für die deutsche Auflage der Rcisebefchreibung. Wer d a S Buch'mal kaufen will, der sollte schon heute zu sparen anfange«. aus den gesetzlichen Bahnen reihen kann, ist die Not, und sie bedarf weitgehender Berücksichtigung." Das Maß von Berücksichtigung aber, dah der Entwurf ihr zuerkennt, ist unseres ErachtenS noch viel zu gering. Es soll immerhin noch mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft werden tonnen, wer aus Not geringwertige Gegenstände entwendet oder unterschlägt. Diese Be- schränkung auf geringwertige Gegenstände hat ihre Bedenken. Wer durch die Not, durch Hunger und Kälte zum Diebstahl getrieben tvird, pflegt daS ihm erreichbare fremde Eigentum nicht auf seinen Wert anzusehen. Die Not entschuldigt gleichermaßen den Diebstahl eines hoher Ivertigen wie eines geringwertigen Gegenstandes Ob eine arme Mutter, um ihr Kind vor der Kälte zu schützen, ein geringwertiges oder ei» höherwertiges Kleidungsstück, wie sie eS gerade erlangen kann, nimmt, sollte unmöglich für die Beurteilung des Falles maß- gebend sein. Wenn man hier schon bestraft, sollte man über aeringe und leichte Haft nicht hinausgehen. Grundsätzlich läßt sich sehr wohl die Forderung, daß ein solcher Diebstahl als ein Akt des NotrechtS straffrei bleiben muß.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Mindestens müßte der Richter in der Lage sein, unter Würdigung des Zwanges in der Not auf Freisprechung erkennen zu können. Leider ist das nach dem Vorschlage des Entwurfs ausgeschlossen. In der Schluß- nummer des Entwurfs erhält der Tatbestand der Erpressung eine veränderte Fassung, die insbesondere für die Arbeiterkoalition von größter Wichtigkeit ist. Nach dem geltenden Z 253 wird wegen Erpressung bestraft,„wer, um sich oder einem Dritten einen rechts- widrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, einen anderen durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unter- lassung zwingt". Die Begründung des Entwurfs sagt nun, diese ungemein weite Fassung des Begriffs der Erpressung hat ihm ein so ausgedehntes Anwendungsgebiet gegeben, daß in zahlreichen Fällen Handlungen als Erpressung bestraft werden, bei denen nach der allgemeinen Auffassung ein ehrenrühriges Vergehen nicht vor- liegt. Der Begriff der Erpressung ist von Staatsanwälten und Richtern aus die Androhung von Streiks, Sperren und Boykotts ausgedehnt worden. Zum wirklichen Wesen eines solchen Delikts gehört es aber auch, daß eS auf eine Vermögens- schftdigung gerichtet ist und eine solche zur Folge hat. Ganz u n- h a- t b a r ist der Zustand, daß die Rechtsprechung dazu gelangt ist, als rechtswidrigen Vermögensvorteil jeden Vermögensvorteil anzu- sehen, auf dessen Erlangung ein Rechtsanspruch nicht besteht. Bei solcher AttSlegung muß der Käufer bestraft werden, führt die Be- oründung aus, der mit der Entziehung der Kundschaft droht, falls ihm die angebotene Ware für einen von ihm angemessenen Preis nicht verkauft wirb, der Mieter, der mit Kündigung droht, der Arbeitgeber oder Arbeiter, der durch Drohung mit Entlassung bezw. mit Arbeitseinstellung Zugeständnisse hinsichtlich der Lohn, und Arbeitsbedingungen erreichen will. Die Begründung fügt hinzu, daß namentlich die letztgedachte Folgerung mit der Tendenz des K 162 der Gewerbeordnung im Widerspruch steht und beide Par- �-ien schädigt, indem sie sie veranlaßt, Ausgleichsverhandlungen zu vermeiden. Daß der Gesetzgeber eine solche Ausdehnung des Begriffs der Erpressung nicht beabsichtigt hat, steht ganz außer Zweifel. Düe im Entwurf vorgeschlagene Fassung des§ 253 will den Tatbestand der Erpressung dem Tatbestande deS Betruges in jeder Beziehung anpassen, insbesondere soll die Vollendung des Vergehen» erst dann eintreten, wenn das Vermögen eines anderen taisächlich ge schädigt worden ist. Beachtenswert ist die Schlußbe- merkung der Begründung, daß bei dem Zwange zum Abschluß eines gegenseitigen Vertrages für die Frage, ob eine Vermögens- beschädigung vorliegt, der Wert der beiderseitigen L e i st tl n g e n in Betracht zu ziehen sei. Eine durch Drohung mit Arbeitseinstellung erlangte Lohnerhöhung würde also nur dann als Erpressung strafbar sein können, wenn der ans die Drohungen hin vereinbarte Lohn im Mißverhältnis zu dem wahren Werte der Arbeitsleistung steht. ES muß das größte Bedenken erwecken. daß die Entscheidung der Frage nach dem wahren Wert der Arbeits- leistung für die Feststellung des Begriffs Erpressung bestimmend sein soll Welches ist dieser wahre Wert? Worin begreift er fich? Wie läßt er sich feststellen? Wer soll ihn feststellen? Man kann doch nicht eine st reitige nationalökonomische Frage mit einer strafrechtlichen verguicken. Dieser Fehler. der leicht die Handhabe zu schikanöser und ungerechter firaftechtlicher Behandltuig von Arbeitern abgeben kann, darf nicht in das Gesetz hinein.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer bürgt dafür, daß einzelne Gerichte nicht jede erhebliche Lohnerhöhung als im Miß- Verhältnis zur Arbeitsleistung stehend ansehen werden. WaS ist für den Arbeiter gewonnen, wenn er durch Drohung mit Arbeitsnieder- legung nur eine unbedeutende Lohnerhöhung durchsetzen darf, aber befürchten muß. bei Erlangung eines im Vergleich zu früher wesent- l i ch h ö h e r e n Lohnes der Bestrafung als Erpresser zu verfallen. zSehr wahrl b. d. Sozialdemokraten.) Unbedingt muß verlangt tvcrden, daß dem Z 253 eine Bestimmung zugefügt Zwird, lvonach eine Handlung aus Z 152 der Gewerbeordnung nicht als Erpressung zu erachten ist.(Zu- slimmuilg bei den Sozialdemokraten.) Die Erfahrung lehrt, daß eS notwendig ist, Dinge dieser Art im Gesetz zweifelsohne genau und ohne daß sie Mißverständnissen ausgesetzt sind, festzulegen. Der Er- pressungSparagraph darf nicht eine Waffe gegen die Arbeiter sein. Es darf nicht möglich sein, ehrenhafte Arbeiter, weil fie sich zur Er- reichung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen vereinigen, von Rechts wegen zu Erpessern zu stempeln.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit, das ist die denkbar ärgste Vergewaltigung, die Schändung eine? gesetzlich gewährten Rechts. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Schärfsten grundsätzlichen Widerspruch erheben loir gegen die Abänderung der 8Z 186 bis 188, die nach der offiziellen Erklärung eine„Verstärkung des Schutzes der Ehre durch eine gewisse Ein- schränkung des Wahrheitsbeweis es und durch Erhöhung der angedrohten Geldstrafen und der Buße" bezweckt. Das ist jedenfalls der Kern der vorgeschlagenen Reform, die für uns durchaus unannehmbar ist.(Sehr richtigl bei den So- gialdemokraten.) Die Begründung des Vorschlages, den Wahrheits- betoeis im Beleidigungsprozeß einzuschränken, enthält nichts Stich- haltiges. Die Begründung meint, daß daS Eindringen in die Ver- Hältnisse des privaten Familienlebens und ihre Erörterung in einer gerichtlichen Verhandlung selbst bei einem für den Beleidigten gün- stigen Ausgange des Prozesses unter Umständen zu einer empfind- lichen Schädigung seines Ansehens und zu einer Gefährdung seines Familienlebens führen. Ich bin gewiß dafür, daß die Privatver- Hältnisse des einzelnen einen möglichst weitgehenden Schutz gegen jede Störung und Schädigung genießen, aber es gibt doch Fälle, wo die Rücksicht auf private Interessen zurücktreten muß vor dem allgemeinen rechtlichen Interesse. Ich will auf den Eulenburgprozeß nicht näher eingehen; aber es ist wohl zu verstehen, daß die öffentliche Meinung der Ueberzeugung ist, daß der Eulenburgprozeß und der Moltke-Hardenprozeß den Anstoß zu diesem Vorschlage gegeben haben. Daß eine Beweisaufnahme nur mit Zustimmung des Beleidigten zulässig sein soll, kann zu geradezu u n g e h e u e r l i ch e n K o n s c q u e n z e n führen.(Lebhafte Zu. ftimmung bei den Sozialdemokraten.) Auf diese Weise kann der ärgste Schuft, der verworfenste Mensch, der keinerlei Schonung ver- dient, vor Gericht als ein unschuldiger, harmloser, guter Mensch sich aufspielen. Allerdings kann mit dem Eingehen auf Verhältnisse des privaten Familienlebens Mißbrauch getrieben werden; er wird auch gelegentlich getrieben. Das zeigen die Skandalpro- z e s s e, die von der Revolverpresse veranlaßt werden. Aber der Schaden, den diese Presse anrichtet, steht in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den da» öffentliche Recht erleiden würde, wenn der Borschlag der Regierung Gesetz würde. In sehr vielen Fällen kann die Verteidigung in Beleidigungsprozessen nicht erfolgreich oder überhaupt nicht geführt werden ohne Bezugnahme auf die- Verhältnisse des Privat- und Familienlebens des Beleidigten und Klägers« Der vornehme Beruf der anständigen Presse, öffentliche Mißstände aufzudecken, wird durch den Entwurf schiver gefährdet. Das hebt der Professor des Straftechts in Königsberg, Dr. Eduard Kohlrausch, in einer Kritik des neuen Beleidigungsparagraphen in der Strofgesetznovelle, der die oppositionelle Presse mundtot machen will, nachdrucklich hervor. Der Entwurf gewährt dem Kläger geradezu eine Prämie für unwürdiges und unsittliches Verhalten. Er läßt den Wahrheitsbeweis nicht zu und macht den Kläger damit gewissermaßen zum Richter in eigener Sache, der sogar noch eine hohe Buße vom Beklagten verlangen kann. Dieser Vorschlag schafft ein neues Stück Klassenrecht; denn in der Regel handelt es sich in solchen Fällen um Mitglieder der sogenannten besseren und besten Gesellschaft, deren sittliche Fäulnis in den letzten Tagen an das Licht der Oesfentlichkeit ge- langt ist.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Fürchtet etwa die Regierung, daß cs noch mehr Prozesse in der Art wie die Mottle- und die Eulenburgprozesse geben könnte?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie muß wohl Grund haben zu solcher Befürchtung. Aus ihr mag sich ihr Vorschlag erklären, der nicht eine Verstärkung des Schutzes der Ehre bedeutet, sondern eine Vergewaltigung des Rechtes der Wahr- heit auf ihre freie öffentliche Verkündung.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Meine Freunde halten es für un- möglich, daß sich im Reichstag eine Mehrheit für die Ein- schränkung des Wahrheitsbewei;cs findet. Der Vorschlag muß fallen und wird fallen, hoffentlich schon in der Kommissions- beratung, der wir zustimmen. Wir werden nicht aufhören, für eine gründliche Reform des Strafrechts und der Strafrechtspflege in ihrem vollen Um- fange zu wirken. Für eine Reform, die sich zu vollziehen hat im Geiste der Humanität aus geläutertem sozialen und ethischen Empfinden heraus. Diese gründliche Reform muß ausgehen von der Hebung der wirtschaftlichen Lage des arbeitenden Volkes.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dieser Hebung widerspricht Ihre Lebensmittelwucherpolitik, ihr widerspricht das System der indirekten Steuern, das jetzt eine weitere Ausgestaltung erfahren soll. Notwendig ist weiter eine Hebung der Volks- b i l d u n g, eine intellektuelle Hebung des ganzen Volkes, aber auch des R i ch t e r st a n d e s, der damit betraut ist, die Gesetze zu handhaben. Bielen unserer Richter mangelt noch das richtige soziale Empfinden. Auch hier mutz auf eine Besse- rung hingewirkt werden, und ich wünsche, daß die Regierungen das ihrige tun. damit diese Besserung eintritt. Die Klassenjustiz, die ihre Grundlage in der rücksichtslosen Klassenherrschaft hat, muß überwunden werden. Für die Erfüllung dieses Programms werden wir nach wie vor eintreten. Das ist nicht ein sozialdemokratisches Programm, das ist ein Programm. daS alle Menschen haben müssen, die human und gerecht empfinden. Tie bestehenden Zu- stände legen allen das Wort zur ernstesten Beherzigung nahe: „Lernt gerecht sein, ihr seid gewarnt."(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Roth(Wirtsch. Vg.): Wir stehen im allgemeinen dem Entwurf sympathisch gegenüber. Den Milderungen werden wir zustimmen. Den Abänderungen der Bestimmungen über die Tier. quälerei stimmen wir zu, wir wünschen nur, daß endlich auch aus- gesprochen werde, daß das sogenannte Schächten der Tiere auch eine Tterquälerci ist. Abg. Werner(Reformpartei): Wir sind stets für eine Ver- schärfung des Belcidigungsparagraphen eingetreten, aber gegen die jetzige Fassung muh man lebhafte Bedenken äußern. Die Grenzen des privaten Lebens müssen genau festgesetzt werden. Am besten wäre eS, die ganze Reform über die Beleidigungsparagraphen zurückzustellen bis zur allgemeinen Refonn des Strafgesetzbuches. Das HauS vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 2 Uhr. (Rechnungssachen. Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß ö Uhr, parlamentarilckes. Zur GeschSstsordnnng deS Reichstags. Der Seniorenkonvent hat gestern seinen früher ge- faßten Beschluß, wonach in Rücksicht auf die Arbeiten der Finanz- kommisfion am Dienitag und Donnerstag jeder Woche keine Plenar- sitzungen stattfinden sollten, einer Sievision unterzogen. Nach längerer Beratung einigte man sich dahin, daß zunächst der Freitag. Sonnabend und Montag jeder Woche für das Plenum sitzungsfrei bleibt und daß die Kommissionen Freitag und Sonnabend ihre Arbeiten fortsetzen, während der Montag auch für die Kommissionen sitzungssrei bleiben soll. Eine Anregung, da« Plenum bis nach Fertigstellung der Finanzkommissivnsarbelten zu vertagen, ist vor- laufig zurückgestellt worden. A»S der Budgetkommifsion des Reichstag». (51. Sitzung. 23. April.) Der Antrag Erzberger. die Vertretung des Rechnungshöfe» in der Rechnungskommission betreffend, wird, nachdem statt.Per- treter".Mitglied' und anstatt.staatswirtschaft« lichen".etatsrechtlichen Verwendung' gesetzt worden war, gegen eine Stimme angenommen. Hierauf trat die Kommission in die Beratung der B e» soldun gSvorlage ein. Auf Antrag des Berichterstatter« Dr. D r ö f ch e r wurde beschloffen, zwei Lesungen stattfinden zu lassen und die Beratungen in einem schriftlichen Bericht an den Reichstag niederzulegen. In der Generaldebatte beklagt sich Erzberger über die von den B e a m t e n in neuerer Zeit betriebene Agitation, wo man so weit gegangen sei, Parlamentarier, die sich gegen einige Beamtenforderungen im Parlament gewendet, mit Durchprügeln gedroht hätte. DaS schlimmste sei dabei, daß ein Beamter de» Reichsschatzamts der Hauptarrangeur dieser Versammlungen sei. Er verlange AuSlunft, weshalb das Reichsschatzamt hier gegen diesen Beamten nicht eingeschrltten sei. Staatssekretär S Y d o w erklärte, daß er der Beamtenagitation völlig fernstehe. Geheimrat Heller, der übrigens kein etatsmäßiaer Beamter sei, habe es übernommen, die Oeffentlichkeit über die Steuerreform aufzuklären, lind das Recht müsse die Regierung für sich in Anspruch nehmen. Verschiedene Abgeordnete sprachen sich gegen den Ton aus. der w den Beamte»Versammlungen geherrscht habe. So erklärt der konservative Abg. Dröscher. daß das Austreten der Beamten in seinen Kreisen helle Entrüstung hervorgerufen und eine Wirkung im entgegengesetzten Sinne als von den Beamten gewünscht werde, erzeugt habe. Genosse Singer hält die Kritik an den Beamtenversammlungen für u n g e r e ch t. Es gewinne den Anschein, al» wolle man den Beamten das Recht, in Versammlungen ihre Beschwerden in der von ihnen beliebten Form vorzutragen, beschränken. In die Spezialberatnng soll in der nächsten am kommenden Dienstag stattfindenden Sitzung eingetreten werden. Die Kontingentierung in der Fiilanzkommiision, Das Branntweinkontingent wird an die einzelnen Brennerei- guter nach Maßgabe der zum Kartoffelbau geeigneten Landflächen verteilt. Bei der Bemessung des Kontingents muß jene Boden- fläche abgezogen werden, me zum Bau von Kartoffeln ungeeignet ist oder die durch die Kultur anderer Produkte besser ausgenutzt werden kann. Nun gibt eS aber Güter, denen Kartoffelboden an- gerechnet ist und die deshalb ein, der Größe dieses Bodens cnt» ftirechendeS Kontingent haben, die aber in Wirklichkeit nur wenig Kartofsein zu. Brennzwecken bauen, vielmehr längst zum lukra- tiven Rübenbau übergegangen sind. Für ihre Brennerei kaufen sie die meisten Kartoffeln und unterscheiden sich sonach kaum noch von den gewerblichen Brennereien. Trotzdem beziehe» sie die Liebesgabe von 20 M. für ihr viel zu hohes Kontingent. Es Sandelt sich dgbei«m eine Anzahl von Gütern,, denen zvD Teil LaS Kontingent von der Koniingentierungskommission fierlbeigerk worden war, und die es dann auf ihre Beschwerde hin vom preußi- schen Landwirtschaftsminister wieder erhalten haben. Diese Aus- lcgung der Kontingcntierungsvorschriften ist nach Ansicht der Mehr- heit der Kommission falsch. Abg. Dr. Südekum beantragte des- halb, die Regierung möge eine Liste jener Brenner vorlegen, die auf diese Weise zu einem Kontingent gekommen sind. Der Antrag wurde von den Konservativen mit dem Argument bekämpft, daß man nicht einen Einblick in private Verhältnisse gestatten könne! Der Antrag wurde schließlich angenommen, sehr zum Aerger der Konservativen, von denen Dr. Dietrich wie besessen hin- und herrannte, um die einzelnen Mitglieder der Blockparteien zu veranlassen, gegen den Antrag zu stimmen. Der Liebe Mühe war umsonst. Und nun beschlossen die Agrarier, sich zu rächen, indem sie in der nächsten Sitzung beantragen werden, daß eine Liste aller Brenner von ganz Deutschland der Kommission unterbreitet wird. Der Zweck des Antrages ist der, zunächst einmal diesache zu verschleppen und dann das gesamte Bild der Korruption nach Möglichkeit zu verwischen. Bündlrrische Musterarbeit. Nach einer Arbeit von 15 Monaten ist die Viehseuchen- kommisfion des Reichstages am Freitag mit der Fertigstellung des Berichtes— beinahe fertig geworden. Mit der Ausarbeitung des Berichtes war, gleich zu Beginn der Sitzungen, der konservative Abgeordnete Siebenbürger beauftragt worden. Dieser Herr ist königlicher Oekonomierat, Mitglied der Landwirtschaftskammer, Mitglied des Bundes der Landwirte usw. Der von ihm verfaßte Bericht umfaßt eigentlich das runde Hundert der verarbeiteten Anträge— insgesamt 60 Seiten. Aber wie eigenartig dieser Bericht abgefaßt ist, daS beweist der Umstand, daß von 5 Mit- gliedern der Kommission insgesamt 0, von den Vertretern des ReichSgesundheitSamts 5, von den Regierungsvertretern 22, zum Teil seitenlange Korrekturen beantragt wurden! Hierdurch wurden von den 60 Berichtssciten 30 vollkommen umgeändert. Aber damit nicht genug? Abg. Scheide mann stellte fest, daß für die Herren, die sich zu Korrekturen veranlaßt sahen, es gewiß nicht angenehm gewesen sei, sich dieser Arbeit unterziehen zu müssen. Immerhin seien sie in einer beneidenswerten Lage ihm gegenüber. Er hätte mit seinen Freunden keine Korrekturen vornehmen können, weil sie für den Herrn Berichterstatter anscheinend über- Haupt nicht in der Kommission anwesend gewesen seien. Abgesehen von einigen mehr oder weniger schiefen Andeutungen, könne man den Eindruck gewinnen, als hätte niemals ein Sozialdemokrat für oder gegen einen Antrag oder Paragraphen gesprochen. Er wolle den Herrn Berichterstatter nicht kränken, sähe sich aber doch genötigt, zu beantragen, ihm seinen Bericht wieder zurückzugeben mit dem Ersuchen, einen neuen Bericht auszuarbeiten, in dem 1. die von verschiedenen Kommissionsmitgliedern sowie Ver- tretern und Kommissaren des Bundesrats und des Reichsgesund- heitsamts schriftlich beantragten Korrekturen»ind Neuformulie- rungen vorzunehmen sind; 2. die Ausführungen aller Kommissionsmitglieder, die sich an den Arbeiten der Kommission rednerisch beteiligt haben, in derselben verständlichen Weise zu skizzieren sind, wie daS in dem vorliegenden Entwurf mit den Ausführungen der den konscr- vativen Parteien angehörigen Mitglieder geschehen ist. Wäre der Bericht nicht noch mangelhafter gewesen, als er nach dem Ausgeführten dem Nichteingeweihten erscheinen muß, dann würde dieser Antrag in der agrarischen Kommission wie eine platzende Bombe gewirkt haben. Der Antrag wurde zwar abgelehnt, aber doch mit Verständnis gewürdigt. Ministerialdirektor von Jonquieres gab— natürlich verblümt— seine Berechtigung zu. Ein Freisinniger und ein Nationalliberaler befürworteten ihn! Man kam unseren Vertretern schließlich entgegen: man ak- zeptierte einen Antrag, demzufolge in einer weiteren Lesung die noch zu gewärtigenden Nachträge geprüft und aufgenommen werden sollen. Ein so einseitiger Tendenzbericht, wie ihn der Abg. Sieben- bürger verfaßt hat, dürfte kaum jemals einer Kommission vor- gelegt worden sein. Vermutlich wird nunmehr daS Viehseuchen- gesetz in etwa zwei oder drei Wochen in zweiter und dlittcr Be- ratung vom Plenum des Reichstages erledigt werden. Vmrnfcbtes. Zusammenstoß zweier Dampfer. Ein Telegramin aus Kristiania meldet: Der Wilson- Dampfer „Oxford" stieß bei der Ausfahrt auS Kristiania bei Droebak mit de», einlaufenden Dampfer„Edith" von Kristiansand zusammen. Die „Edith" sank binnen zwei Minuten. Von der Mannschaft sind der Kapitän und 1b Man» sowie die Frau deS Kapitän» umgekommen. ES wurden gerettet der erste Steuermann und vier Mann der Be- satzung sowie ein Passagier. Die„Oxford" wurde bei einer Insel in der Nähe von Kristiania auf Grund gesetzt. I« eine Kompagnie gefahren. AuS München wird gemeldet: Gestern abend 10 Uhr fuhr auf der Jngolstädter Chanffee eine Automobildroschke in eine von einer Nachtübung kommende Kom- pogni« deS JnsantertcletbreginientS hinein, wobei zwei Soldaten schwer verletzt wurden. DaS Automobil setzte die Fahrt mit äußerster Geschwindigkeit fort, wurde ober bei Schleißheim von der inzwischen verständigten Polizei angehalten. Der Chauffeur gab an, die Soldaten, obwohl diese sangen, weder gesehen noch gehört zu haben. Er sei au» Furcht vor einer Lynchjustiz weitergefahren. Au» de» Trümmern Messinaö. Au» den Trümmern der durch da» Erdbeben zerstörten Stadt Messina wurden, wie ein« Meldung au» Rom besagt, bisher 2S(Ivo Leichen geborgen. ES wird an- genommen, daß unter den schwer zugänglichen Schutthaufen noch tS Ovo Tote liegen._ Amtlicher Marktbericht der städtlsihen Markthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zcnwal.Marktballen. Marktlage, Fleisch: Zufuhr reichllch, Geschäft lebhaft, Presse unverändert. Wtld: Zusubr scbr knapp, Gelchäst rege, Presse lest. Geslügel: Zufuhr sehr knapp. Geschäft rege. Preis« hoch. Fischt! Zujuhr genügend, Geschalt ettvaz schleppend, Preis« wtnlg v«rä»dett. vutttr und Käs«! Geschäft ruhig, Preis« unverändert. Gemüs«, Obst und Südsrücht«! Zusuhr genügend, Gelchäst ansang« ruhig, später lebhafter, Preist tvenig verändert. sür Spinat und Salat gedrückt. evasserstandS.Nachrtchte« der LandrSanstalt für Gewässerkunde, mitgelew vom Berliner Wemrbureau. li+ bedeutet LuchS.— Fall.— Unterpeget—•) langsam steigend. Weitgehendste Garantie übernehmen wir für alle unsere Fabrikate, gekennzeichnet durch unsere neue Schutzmarke u ll—ll v � B Marke Cohdor. B I nicht nur 1250 für und 165° Luxus-Ausführung, sondern such für und 1Ö50 $50 liefern wir die elegantesten, formvollendetsten und modernsten Stiefel für Damen und Herren. Ein überaus schickes Stiefel- Modell, echt Chevreau, braun(modefarbig) für Damen haben wir— absolut konkurrenzlos— schon für M. � 50 herausgebracht. In jeder Preislage und in jedem Genre Frühjahrs-Kollektion---°'° �1*1.1 bietet allein unsere Neuester Katalog gratis und franko. &Cie Schuhtyarea-fabrik m Burg bei Magdeburg. 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Um pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht. 274/5 OIo zugesandte Einladung legitimiert, ohne dieselbe kein EinlaB. Der Vorstand. _ C. Fritze, Vorsitzender. Orts-Krankenkafse Pankow. Die stalutenntäjzige Keuerui'Versummiuug findet ain 3. Mai 190!». abends 8 Uhr. w» Restaurant Rozycti, Pankow» «renzstr. 3/4, statt. Tages-Ordnung: t. Protokoll. 2. Vortrag über die ReichsversicherungSordnung. Referent: Koblenzer. 3. Diskussion zu 2 und Wahl der Delegierten zum All- gemeinen Krattkeiikafsen« Kongreg. 4. Vorlegung der JahreSrechnung pro 1908 und Bericht der Revisoren. 5. Ergänzungswahl zweier Vorstands. Mitglieder(ein Arbeitgeber und ein Arbeitnehmer). 6. Anträge, welche spätestens fünf Tage vor der Ver- sammlnng bei dem Unterzeichneten schristiich einzureichen sind. 7. Ver- schiedenes. 274/4 Pankow, den IS. April IVOS. Der Borstand der Orts- Krankenkaise Pankow. Paul Seisert, Vorsitzender. NB. In dieser Versammlung sind nur die gewählten Delegierten ein» tritts- und stimmberechtigt._ ÜVoriääiget! Herrenanzüge, neu. nach Matz be. stellt, nicht abgeholt, verlause Hälfte KostenpreiZ. Prenzlauer Straße 23, II. Alexanclerplatz, Herrenschneider. 62,'li Pianinn erftcv Hoflieserantcufirma ridUIUU weit unter Wert sofort verkäuflich Französische Slr. 12, 1 r.* Parzellen(Vorort), Rufe v. 6 M. an. Brun nhojer, Berlin, Nollcndorsstr. 3. II.»MMÄi! 7 ' am Rosenthaler Tor ' Laden und I. Etage.-------------- Große Auswahl m MÖBELN Jeder Art. Gerlfigste Anzahlung— Bequeme Tellzahlnng. Extra-Abteilung für Anzahlung von Slllr fl UU wöchentliche InKi an, g Hin, Teilzahlung. Ferner; Teppiche □ Stepp- und Tischdecken □ Betten Gardinen □ Stores □ Gas- und Petroleumkronen Bilder □ Wand- und Taschenuhren etc. von 50 Pf- wöchentlich an. �J�erkau�nu�L�ta�e�jj Sonntags geöffnet von 8—10 und 12—2 Uhr. Nr. 95. 26. Jahrgang. 2. Knlm des Jorairls" Sttliuet Uslksdlsll Zsimbrid, 24. Jftil 1909. 16. Kongreß der Sozialdemokratie üngarns. (Schlutz). Auf dem Kongreß waren vertreten 83 Organisationen aus Budapest mit 42S Delegierten, der Gewerksckaftsrat mit 2. das Landeskomitee der Arbeiterinnen mit 2 Delegierten, aus der Pro- vinz 69 Organisationen mit 77 Delegierten, die Landeskomitces der deutschsprachigen, slowakischen und serbischen Sozialdemokraten mit zusammen 5 Delegierten. Zusammen aus 79 Städten und Ort- schaften(inklusive Budapest) 1S7 Organisationen mit 21S Delc- gierten. In der Nachmittagssitzung wurde der Kongreß von dem kroa- tischen Äandtagsabgeordneten Genossen K o r a c begrüßt, der die IHiderlichcn Grütze der kroatischen Sozialdemokratie überbrachte. Ueber Parteiagitation und Parteipresse rcfe- ricrte Genosse W e l t n e r. Das Wesentlichste darin waren die Ausführungen über das Verhältnis von Partei und Gewerkschaften. In Ungarn besteht nämlich keine geson- derte Parteiorganisation, sondern die Gewerkschaften bilden die Cadres der Partei. Deren selbständige Organe sind ledglich der Parteikongrcß, der von den Gewerkschaften nach Maßgabe der von ihnen gezahlten Parteibeträge beschickt wird, die vom Kongreß ge- wählte Parteileitung und die Parteipresie. Die Verfolgung der Gewerkschaftsorganisationen trifft also direkt auch die Partei. Ein Teil der Genossen befürwortet deshalb und weil die jetzige Organi, sation zu wenig demokratisch sei, indem sie allen Einfluß in Partei- angclegenhciten in den Gewcrkschaftövorständen konzentriert und die Masse der Arbeiter einflußlos macht, die Bildung einer ge- sonderten Parteiorganisation. Dazu sagte der Referent, daß die Scheidung, die von vielen gefordert wird, verhängnisvoll wäre. Allein der Gedanke der Separation verursache die größte Auf- rcgung und Unruhe. Der jetzigen Form der Organisation sei es zu verdanken, daß der sozialistlsche Geist in die Massen der Ar- beiterschaft eingedrungen sei. Jene Funktionen, die in Kultur. ländern einer Gewerkschaftsbewegung zukommen, seien in Ungarn noch möglich. Wenn die traurigen, unsicheren Verhältnisse, die jetzt in Ungarn bestehen, verschwinden, wird es möglich sein, die Gewerkschaften von ihren Verpflichtungen gegenüber der politischen Bewegung zu entlasten. Der Redner beantragte schließlich eine Resolution, die ei» Kompromiß zwischen den beiden verschiedenen Richtungen in der Frage darstellt, indem si« den stufenweisen Ausbau der Haus- und Straße n Organisation für notwendig er- klärt. Auch soll die Parteileitung den Versuch machen, eine poli- tische Sonderorganisation zu bilden, d. h. die Genehmigung der Negierung für das Statut einer solchen Organisation zu erlangen. Der»feste Rahmen" der politischen Bewegung soll allerdings nur dann auszugestalten möglich sein, wenn gesetzliche Garantien dafür vorhanden sind, daß behördliche Willtür die Organisationen der sozialdemokratischen Partei nicht zerstören kann. Endlich erklärt die Resolution jene Bestrebungen, welche vor dem vollkomme» nen Ausbau der Parteiorganisationen die Tren- nung der gewerkschaftlichen Freien Organi- sationen von der politischen Partei bezwecken, als geradezu verhängnisvoll für die Partei. Die Debatte über diesen Punkt nahm den größten Teil der Tagung, den Schluß des ersten und den ganzen zweiten Tag in Anspruch. Die eingehende Verhandlung zeigte, daß die Delegierten das Problem der Organisation als das zurzeit wichtigste betrachten, das die Partei zu lösen hat. Die Resolution fand schließlich An- nähme. Am dritten Tage referierte Genosse K u n f i über den K a m p f ums allgemeine Wahlrecht. Folgende Resolution wurde dazu angenommen: „Der Kongreß der sozialdemokratischen Partei Ungarn» vom Jahre 1909 konstatiert, daß die Koalitionsregierung ihr auch durch ein feierliches königliches Wort bekräftigtes und garantiertes Ver- sprechen, das allgemein«, geheime Wahlrecht zum Gesetze zu er- heben, selbst bis zum heutigen Tage nicht eingelöst hat. Der Kon- gretz konstatiert ferner, daß alle bisher in dieser Frage unter- nommenen Schritte der Regierung Versuche eine« gewöhnlichen Wortbruches sind, dessen Gelingen das arbeitende Volk des Landes mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln verhindern muß. Darum akzeptiert und bekräftigt der Kongreß in allem den auf die Pläne der koalitionistischen Regierung und auf den Kampf gegen dieselben bezüglichen Beschluß des am(5. Dezember 1908 stattgehabten außer- ordentlichen Kongresses der Partei. Indem der Kongreß schließlich feststellt, daß die Koalitionsregierung zur Erfüllung ihrer über- nommenen Verpflichtung nicht geneigt ist. fordert er die sofortige Demission dieser Regierung und die unverzögerte ehrliche Durch- führung des vermöge der Sanktion durch das königliche Wort zu- stände gekommenen Paktes durch Bildung einer solchen Regierung, deren allererste und einzige Aufgabe es sei, das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht zum Gesetze zu erheben." Außerdem wurden noch Referate über Lebensmittel- und WohnungS Wucher(Referent Genosse Tarczai), über die Verfolgung der Gewerkschaften(Referent Genosse G a r b a i) und über den Kampfgegen den Klerikalis- muS(Referent Genosse Bokanyi) gehalten, die zur Annahme entsprechender Resolutionen führten. In die Parteileitung wurden gewählt die Genossen Desider Bokanl,i, Emanuel Buchinger, Alexander Garbai, Ernst Garami. Sigmund Kunfi, Franz Kl�rik, Julius Peidl, Alexander Rady, Ludwig Tarczai. Karl TeSzärsz, Jakob Weltner. Aus der österreichischen GewerWehafts- Bewegung. Die Osterfeiertage wurden von einer Reihe österreichischer Gewerkschaften zu ihren Verhandlungen ausgenützt, wovon der des Holzarbciterverbandes Der wichtigste ist. Dieser Verband hat unter der Krise insofern seyr gelitten, als die Unterstützungen sehr in Anspruch genommen wurden. Es stellte sich dabei heraus, daß bei dcm� gegenwärtigen Ausmaß der Unterstützungen mit den alten Beiträgen das Aus« langen nicht mehr gefunden werden kann. Die Beitragsleistung wurde daher mit 66 Hellern wöchentlich in der 1. und 60 Hellern in der 2. Beitvagsklass«(diese entbehrt der in der 1. Klasse ge- währten Krsoikengeldzuschüsscs und mit 30 Hellern für die weiü- lichen Mitgt-eder festgesetzt. Der Verbandstag ging dabei gemäß dem Vorschlag der Antragsprüfungskommission noch um 2 Heller über den VorstandSantrag hinaus. In diesen Beiträgen ist nun auch der Delegationsfonds und was besonders wichtig ist, auch die jährlich beizutragenden 60 Heller für den nur für große Kämpfe gegen die Unternehmerorganisation vorbchaltencn Solidaritäts- sonds der ReichSgcwerkschaftslommission mit einbegriffen, wodurch die Heranziehung aller Mitglieder zum Solidaritätsfonds gesichert ist. Von den Unterstützungen wurde bloß die Reiseunterstützung und zwar in der Weise geändert, daß sie nach 62wöchiger Beitrags- leistung von 1,20 auf 1,40 Kronen pro Tag ohne Rücksicht auf die eventuell längere Dauer der Mitgliedschaft erhöht wurde. Zur Sanierung des Verbandes wurde beschlossen, ihm aus dem Vermögen des deutschen, tschechischen und polnischen Verbands- organ» insgesamt 60 000 Kronen zuzuweisen.— Mit stürmischem Beifall nahm der VcrbandStag, dem auch Genosse Th. Leipart, I Stuttgart beiwohnte, die Erklärung des Gcwerkschaftssckretärs Genossen Anton H ueber-Wien entgegen, daß erforderlichen- falles die gesamte organisierte Arbeitersclmft Oesterreichs den aus- gesperrten Tischlern Wiens beistehen werde. * Ueber den Stand der österreichischen Holzarbeiterorganisation wäre folgendes zu sagen: Der Mitgliederstand ist 31818, um 11,28 Proz. mehr als 1907. Die Fluktuation ist enorm. In den zwei Jahren gingen dem Verband nicht weniger als 26 101 Mitglieder wieder verloren! Der Verband hatte Lohnbewegungen: 1906: 160, 1907: 166 und 1908: 116, die insgesamt 26 000 Personen und 3600 Betriebe betrafen. Tie Kosten betrugen mehr als 450 000 Kronen. Für mehr als 19 000 Arbeiter wurden Verkürzungen der Arbeits- zeit von 10 bis 21 Stunden wöchentlich errungen, für 9800 Arbeiter Lohnerhöhungen von 6 bis 40 Proz. In den drei Jahren wurden 64 Kollektivverträge abgeschlossen. An Arbeitslosenunterstützung wurden 1907 und 1903 zusammen 348 0 00 Kronen ausgezahlt. Die Gesamteinnahmen stiegen in der Periode von 1902 bis 1908 von 47 706 auf 688 667 Kronen, die Gesamtausgaben von 36 999 auf 746 363 Kronen. Der Verband der Ziegeleiarbeiter, der ebenfalls zu Ostern seine Tagunq abhielt, hatte in den Jahren 1907 und 1908 an Einnahmen 72 000 Kronen zu verzeichnen und erzielte wesentliche Verbesscrungeii für diese geknechtete und ge- drückte Slrbeiterschicht. Ter Verbandstag brachte einen impo- nierenden Beweis proletarischer Solidarität: Die Brünner Ztegler erklärten, die Wiener in ihrem möglicherweise bald ausbrechenden Kampf pro Mann mit einer Krone wöchentlich zu unterstützen, Auch der sehr rührige Verband der Tabakarbciter und-Arbeiterinnen hielt Ostern seinen VcrbandStag ab. Bekannt- lich ist der Tabak in Oesterreich Monopol, aber es wird gerade von der staatlichen Verwaltung und Betriebsleitung der Organisierung der Arbeiterinnen kein besonderer Widerstand mehr geleistet. Dafür arbeiten aber die Pfaffen mit Hochdruck und allem Terrorismus, und da die Tabakfabriken großenteils in den rück- ständigsten, vcrelendetstcn und vcrdummtesten Gebieten liegen, hat der Verband ein sehr schweres Arbeiten. Immerhin ist der Mit- gliederstand seit 1904 von 3288 auf 6866 gestiegen, obgleich die Zahl der Beschäftigten infolge Einführung der Zigarettenmaschinen unausgesetzt sinkt. Von je 1000 Beschäftigten sind erst 172 or- ganisiert. Der Verband erkämpfte— auch dank der sozialdemo- kratischen Abgeordneten— 1906—1909 Lohnerhöhungen im Ge- samtbetrage von 4 966 262 Kronen. Seine Einnahmen stiegen von 1907—1908 von 76 876 auf 96 777 Kronen, seine Ausgaben im gleichen Zeitraum von 68 488 auf 88 186 Kronen. Der Steinarbeiterverband steigerte 1904— 1008 die Zahl seiner Ortsgruppen Von 43 auf 83, der Mitglieder von 2000 auf 4792. Die Einnahmen stiegen von 18337 auf 31621 Kronen, die Ausgaben von 14 483 auf 83 297 Kronen. Das Geschäftsjahr 1908 schloß infolge der Krise mit einem Fehlbetrag ab. Der Zentralverein kaufmännisch« Angestellter Oesterreichs hat ein Jahr des intensivsten Kampfes um die Sieben- uhrsperre, die er in Wien vielfach durchzusetzen vermochte, und gegen die in der Provinz noch vielfach gestattete mehrstündige eoonntagsarbeit hinter sich. 1903 stieg die Zahl der Ortsgruppen trotz fieberhafter Gegenagitation der Deutschnationalen(„Ham- burger Schwindel") auf 64. 2826 Neubeitritte erfolgten, die Ein» nahmen betrugen 137 686 Kronen, während sie 1906 noch nicht 96 000 Kronen erreicht hatten. Bei den Gehilfenvertretungswahlen der Handelsgremien in Wien. Aussig, Tcplitz, Olmütz, Lemberg usw. siegten die Kandidaten deS Zentralvereins. Die Tagungen aller dieser Verbände, zu denen noch die der jugendlichen Arbeiter kam, verliefen in größter Einmütigkeit und loerden durchwegs von günstigem Einfluß auf die Entwickelung dieser Organisationen sein. Erwähnt sei noch, daß auch der Niedcrösterreichisch« Forstarbeiterverband einen Verbmidstag abhielt, auf dem die Geneigtheit zu späterer Verschmelzung mit dem Neichsverband der land- und forstwirt- sckioftlichcn Arbeiter lTitz Gablonz a. Neiße, Nordböhmen) und dem alpenländischen Verband(Sitz Bruck a. Mur, Steiermark) zum Ausdruck kam. Dieser letztere Verband hat durch die zu seinen Gunsten erfolgte Auflösuiig des LandeSgewerkschaftSvereins für Kärnten einen ziemlichen Zuwachs zu erwarten. 18. Generalversammlung des Verbandes der Zimmerer Deutschlands. Ueber Stuttgart, 22. April 1909. vierter BerhandlungStag. Kranken- und ArbcitSlosenunterstüdung referiert Ecke- Hamburg. Zu diesem Punkt haben 46 Zahlstellen mit 10 863 Mitgiledcrn Anträge gestellt auf weiteren Ausbau der Arbeitslosenunterstützung, andere Zahlstellen befürworten die Ein- führung der Krankenuntcrstützung. Das Streben nach Einführung der Krankenunterstühung ist bereits aus dem Jahre 1903 vo» Händen. Die letzte Generalversammlung beauftragte den Vorstand mit der Ausarbeitung einer- Vorlage; nach gründlichen Er- Hebungen, au denen 66 Proz. der Zahlstellen und 84 Proz. der Mitglieder sich beteiligt haben, ergibt sich, daß die Krankenunter- stützung der Arbeitslosenunterstützung angepaßt sein müßte. Redner schildert ziffernmäßig die Ergebnisse der Erhebungen. Bei Ein. führung der Krankenunterstützung würde sich eine Beitrags- erhöhung notwendig machen. Dieselbe würde bei 60 Pf. Unter- stützung 6 Pf., bei 76 Pf. Unterstützung 10 Pf. betragen müssen. Unüberwindliche Hindernisse stehen der Einführung also keines- wegS entgegen. ES fragt sich nur, ob die Einführung praktisch ist. Da aber die Arbeitslosenunterstützung noch gar nicht ausgebaut werden konnte, so fei wohl von einer Neueinführung abzuraten. Seit Einführung ver Arbeitslosenunterstützung ist zum ersten Male die Gelegenheit geboten, daß sich eine Generalversammlung damit beschäftigen kann. Es kann ausgesprochen werden, daß die- selbe die Feuerprobe großartig bestanden hat. Es sind hohe An- spräche an dieselbe gestellt worden, sie hat mit dazu beigetragen. daß die Fluktuation nicht derartige Lücken in unseren Reihen ge« rissen hat wie früher. Die Einnahme der Beiträge für die Arbeitslosenunterstützung, die am 1. Mai 1906 begannen, brachten bis zum 31. Dezember 1908 die Summe von 920614 M. Es wurden in diesem Zeitraum ver- ausgabt 827 986 M.. am Jahresschluß 1908 war mithin ein Ueber. schuß ö?n 92628 M. vorhanden. In den Monaten Januar und Februar dieses Jahres sind bereits 352 894 M. für diesen Zweck verausgabt worden. Gesagt muß werden, daß ohne Schaffung einer Ussercn finanziellen Grundlage kein besserer Ausbau dieses Unterstützungszweiges möglich ist. Redner plädiert für Slblchnung aller Anträge, die auf Er- höhung der Unterstützungssummen und Aenderung der Karenzzeit hinauslaufen. Er bespricht sodann die gestellten Anträge und welche Wirkung die Annahme derselben auf die Organisation aus- zuüben vermag. Die Debatte eröffnet Dreh-München. Er gibt feiner Freude Ausdruck, daß das Krifenjahr 1903 die Leistungsfähigkeit der Arbeitslosenunterstützung bewiesen habe. Kein Mitglied möchte heute diese Ein- richtung im Verbände missen. Das geht wohl zur genüge aus den Anträgen auf lveiteren Ausbau derselben hervor. Die SVrankeu- Unterstützung ist nach seiner Meinung abzulehnen. Dafür seien die Sätze der Arbeitslosenunterstützung zu erhöhen resp. ist dieselbe so zu gestalten, wie sie die Holzarbeiter Häven, das Heißt, es ist eine Steigerung der Summe nach der Dauer der Mitgliedschaft einzuführen. S t o l t- Königsberg spricht in warmen Worten für dl- Em- führung der Stcrbeunterstützung. Er schildert das Wesen der Privatversicherungen, wie cL in der„Viktoria" und„Friedrich Wilhelm" zum Ausdruck kommt, die im letzten Jahre 46 Proz. Dividende zur Verteilung bringen konnten. Diese Volksvcrsichc- rungcn haben zumeist Eingang in Arbeiterkrciscn gefunden. Wenn es der Arbeiterbewegung gelingen würde, derartige oder ähnliche Einrichtungen zu treffen, dann dürften Millionen für die Ar- deitcrbewegung frei werden. Martens-Kiel: An dem Ausbau unserer Organisation haben die Mitglieder ein reges Interesse und daher werden sie allenthalben auch gerne Opfer dafür bringen. Die Einführung der Krankenunterstützung muß vorläufig noch unterbleiben, dafür ist jetzt nicht die passende Zeit.. Kube- Berlin spricht gegen eine Beitragserhöhung. Bis jetzt habe noch jede Beitragserhöhung eine Erschütterung des Mitglieder- standes zur Folge gehabt, deshalb warnt er vor Neuerungen irgend- welckier Art. Schmaus. München hält die Einführung der Krankenunter- stützung neben der Arbeitslosenunterstützung für unmöglich, man dürfe mit den Untcrstützungseinrichtungen eine gewisse Grenze nicht überschreiten, tvenn man den Kampfcharakter der Organ:- sation nicht verwischen wolle. Im selben Sinne spricht M a h n- Hannober und noch eine Anzahl anderer Redner. Z i c g« r° Berlin: Mit der Einführung der Krankenunter- stützung wirbt man keine neuen Mitglieder; sie hat keinen Zweck für die Organisation. Die Arbeitslosenunterstützung hat den Kampsescharakter nicht untergraben, vietmchr gestärkt. Da aber ein Ausbau derselben mit einer Beitragserhöhung verbunden sein mutz, so ist es besser, sie so zu lassen wie sie ist. Schröder-Berlin Will den Vorstand aufs neue mit Er- Hebungen über die Möglichkeit der Einführung der Krankenunter- stützung betraut wissen. Dreh- Nürnberg bestreitet, daß eine Beitragserhöhung böses Blut bei den Mitgliedern machen würde. Wenn dieselben sehen, daß ihnen mehr geboten wird, dann werden sie gern zahlen. F c i l e n s ch in i d t und Oswald- Stuttgart glauben, daß eine Beitragserhöhung die Agitation riesig crschiveren Würde, und aus diesem Grunde müßten alle Anträge, die aus Ausbau der Ar- beitslosenunterstützung gestellt sind und deren Annahme eine höhere Belastung der Kasse bedingt, abgelehnt werden. Römer(Vorstandsvertreter): Wenn der Vorstand sich zu dieser Frage reserviert verhält, so darf daraus nicht gefolgert werden, dag er gegen Verbcsserungen der UnterftützungSeinrich- tungen ist. Der Einführung der Krankenunterstützung steht der- selbe sehr sympathisch gegenüber; aber die Zeit scheint ihm nicht dafür geeignet. Auch stellen sich dem Vorgehen auf beiden Gc- bieten des UiiterstützungSwesens Schwierigkeiten kassentechnischcr Art entgegen. Nachdem 30 Redner gesprochen, wird die Debatte durch Schlußantrag beendet. Die Einführung der Krankenunterstützuug wird gegen 9 Stimmen, die der Sterbeunterstützung gegen 7 Stimmen abgelehnt. Der Ausbau der Arbeitslosenunterstützung wird mit 66 gegen 48 Stimmen beschlossen. Ueber die nun notwendig gewordene Bei- tragScrhöhung soll Freitag debattiert werden. Huö Induftm und Handel 800 Millionen-Anleihe. Unter Führung der Reichsbank und der königlichen Seehandlung (Preußische Staatsbank) gebildete Konsortien übernahmen von den ffinanzverwaltungen 820 Millionen Mark Deutsche Reichsanleihe und 480 Millionen Mark Preußische konsolidierte Staatsanleihe, je zur Hälfte mit 4 Proz. und ll'/z Proz. verzinslich, ckprozentige bis 1918 unkündbar. Die 4prozentigen Stücke sollen zum Kurse von 102,70, die 3>/zprozentigen zum Kurse von 96,60 begeben werden. Für die öffentliche Zeichnung ist der 3. Mai bestimmt. NahrungSniittelpreise und ErnährnngSkosten. Berechnet man für 68 deutsche Städte mit einer Einwohnerzahl von 10,5 Millionen Köpfen aus Grund der RahrungSmittelration des Marinesoldaten die durchschnittlichen Kosten der wöchentlichen Eniährung einer bierköpfigen Fainilie, so ergibt sich, daß aus den zahlreichen Preisveränderungen eine Steigerung des Nah- rungSmittelaufwandeS resultiert. Und zwar stellte sich der Anfloand im Februar durchschnittlich auf 22,38 M. wöchentlich, im März dagegen auf 22,47 M. In 26 von den 63 Städten haben die Lebensmittelpreise eine Steigerung erfahren, in 9 sind sie auf dem Stande des Februar gebliebei«, in 19 sind sie von Februar auf März gesunken._ Abschlüsse von Bau- und Terraingesellfchaften. Trotz der Depression, die 1908 im Baugewerbe herrschte, konnten die Bau- und Terrainaesellschasten das Geschäftsjahr 1008 über- wiegend günstiger abschließen als 1907. Bei 38 Aktiengesellschaften, die im März ihre Abschlüsse pro 1908 veröffentlicht haben und deren Aktienkapital sich zusammen aus 88,35 Millionen Mark beläuft, stellte sich die Dividendeusuinme auf 3.87 Millionen Mark gegen 2,09 Millionen im Jahre 1907. Durchschnittlich ergibt sich für 1903 eine Dividende von 4,6 Proz. gegen 3,7 Proz. iin Jahre zuvor. Von den Bau- und Terraingcscllschaften, die eine höhere Dividende zur Ausschüttung brachte», ist bor allem die Neue Boden- Aktiengesellschaft in Berlin zu»ennen, die auf ein Aktienkapital von 26 Millionen Mark 1908 8,5 Proz. verteilte gegen 7 Proz. im Jahre 1907. Ungewöhnlich gestiegen ist auch die Dividende bei der Terraingesellschaft Klosterland in Hamburg und zwar von 16,8 Proz. auf 54 Proz. Bei der Haderslebcner Bau-Aktiengesellschaft stieg sie von 7 auf 19 Proz. und bei der Lalat-Eiscnbeton-Akticn- gesellschaft von 3 auf 8 Proz. Gleichgeblieben ist die Dividende vornehmlich bei der Dresdener Baugesellschaft, die in beiden Jahren 6 Proz. verteilte, ferner bei dem Bauverein zu Homburg, bei der Fraiikfiirter gemeinnützigei» Baugesellschaft, bei der Terraingesellschaft Neu-BabelSberg. der Hannoverschen Jnimobiliengesellschaft und anderen. BemerleiiSwert ist, daß der Gewinnüverschuß relativ kräftiger gewachsen ist als die Dividende. Während letztere nämlich um 0.9 Proz. des Aktienkapitals erhöht worden ist, ist der Gewinn- iiberschnß um 1 Proz. hinaus gegangen; er stellte sich 1907 auf 8,43 Millionen Mark und ging 1008 auf 9,83 Millionen hinanf. In Prozent deS Aktienkapitals betrug er 19,6 gegen 9.6 Proz. im Vorjahre._ Elektrische Schnellbahn. Trotz der ablehnenden Haltung des MinisteriumD hat man buS Projekt einer elektrischen Schnellbahn, die das Rnhrrevier durchquert, nicht fallen gelassen. Wie die„Rss-Westf. Ztg." berichtet, hat die kommunale Vereinigung für den Bau einer rheinisch-westfälischen Städtebahn einstimmig beschlossen, an dem Bau der eleltrijchen Schnellbahrt bort Dortmund nach Düsseldorf durch das Jndustrt«- gebiet festzuhalten und die Ausarbeitung des Planes sofort in Auf- trag zu geben. Mit den Interessenten des nördlichen Teiles des IiiduslriebezirlS soll noch wegen gleichzeitigen Baues einer nördlichen üiitie— Herne— Duisburg— und auch wegen Aufbringung der Kosten für die Borarbeiten hierfür Verbindung gesucht werden. Folgen der Krise. Der Dortmunder Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate, dem 43 Gesellschaften mit 63 Oefen und 237 Millionen Steinen Produktionsmöglichkeit angehören, konnte im Jahre 1908 nicht einmal die um 30 Proz. eingeschränkte Erzeugung aus 1907 unter- bringen. ES blieben 8'/g Millionen Steine übrig. Zu Beginn des Jahres 1909 lagerten mit der Erzeugung aus 1903 92'/z Millionen Steine. Der Gesamtumsatz belief sich 1908 auf 60,8 Mill. Steine, 6'/z Proz. weniger als 1907. Nach der Meinung des Vorstandes sind die Aussichten etwaS günstiger geworden, der Absatz aber ist immer noch minimal.__ Industrielle Auswanderung. Nach einer Meldung aus Moskau, hat die Firma Krupp die Errichtung eines Werkes im russischen Zentralasien beschlossen. Es sollen hier Pressen für die Reinigung von Baumwolle hergestellt werden. Die Firma liefert bereits heute ihre Svezialpressen für diese Zwecke nach Russisch-Zentralasien, jedoch soll der Transport sich so teuer stellen, dast die Fabrikation am Absatzgebiet selbst sich lohnender zu gestalten verspricht. Verhandlungen mit Vertretern der Moskauer Baumwollindustrie, der Eigentümerin resp. Pächterin des grötzten Teils der zentralasiatischen Baumwollplantagen, sollen be- reitS zu einem befriedigenden Resultat geführt haben. Zurzeit ist der Vertreter der Firma Krupp auf dem Wege nach Zentralaften- Russische Handelsbilanz. Interessante Ziffern über die russische Handelsbilanz veröffent- licht der Rat des Kongresses der Fabrikanten und Kaufleute- Vertretung. Im Jahre 1908 betrug die russische Ausfuhr 938 Mill. Rubel 1907 991 Mill. Rubel. 1906 1001 Mill. Rubel. Die Einsuhr im Jahre 1908 hatte den Wert von 747 Mill. Rubel, für 1907 701 Mill. Rubel und für 1906 624 Mill. Rubel. Während die Ge- treideausfuhr im Jahre 1906 470,6 Mill. Rubel(1907 428 Mill. Rubel) betrug, hatte sie im Jahre 1908 den Wert von nur 376 Mill. Rubel. Gestiegen ist die Ausfuhr von Zucker. Dies alles aus der Ziffernsprache übersetzt bedeutet: Rußland bezahlte bisher seine Zinsen mit dem Getreide, welches dem russischen Bauern vom Munde weggenommen wurde. Jetzt darbt der Bauer noch mehr, aber eS gibt kein Korn, das man ihm nehmen kann. Die Vermehrung der Holzausfuhr bedeutet, datz die Vernichtung der Wälder fortschreitet. Soziales. Politischer Mistbrauch des PribatdcrsicherungsgesetzeS. Nach dem Privatversicherungsgesctz ist die Aufsichts- bchorde befugt,„diejenigen Aenderungen zu treffen, welche geeignet sind, den Geschäftsbetrieb mit den gesetzlichen Vor- schriften und dem Geschäftsplan in, Einklang zu erhalten . oder Mißstände zu beseitigen, durch welche die Interessen der Versicherten gefährdet werden oder der Geschäftsbetrieb mit den guten Sitten in Widerspruch gerät". Die Fassung dieser Vorschrift und der im ß 7 des Privatversicherungsgesctzcs („daß Tatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß ein den Gesetzen oder den guten Sitten entsprechender Geschäftsbetrieb nicht stattfinden wird") ist im Reichstage trotz der geltend gemachten Bedenken gewählt, daß der Kautschukbegriff„gute Sitten" Anlaß zu politischen Miß- bräuchen geben könne. Man hielt eine solche Besorgnis für unberechtigt, da durch den gewählten Ausdruck nur nach den allgemeinen Anschauungen wider die guten Sitten ver- stoßende Handlungen verhindert werden sollten, z. B. Ver- sicherungen gegen die aus Verurteilungen wegen strafbarer Haildlungen oder aus außerehelichem Beischlaf folgende Ver- mögensnachteile. Wie politische Eiitsichtlosigkeit und Fanatismus gegen die Sozialdeniokratie trotzdem dem Privatversicherungsgesetz eine andere Teutung gibt, zeigt das Vorgehen des Ober- bürgermeisters in Solingen gegen die Sterbekasse„Eintracht" in Solingen. Solingen hat kürzlich die Zahlstelle Wald dieser Kasse aus einem bürgerlichen Lokal in das dortige Gewerkschaftshaus verlegt. Auf Veranlassung des Bürger- Meisters in Wald, der das dortige Gcwerkschaftshaus mit seiner besonderen Abneigung verfolgt, hat nunmehr als Ver- treter der Aufsichtsbehörde der Oberbürgermeister in Solingen den Vorstand besagter. Kasse aufgefprdert, die Ver- Icgung der Zahlstelle ins Gewerkschaftshaus rückgängig zu macheit. Für den Fall der Nichtbefolgung der Anordnung wurde sämtlichen Vorstandsmitgliedern auf Grund des Privatversicherungsgesetzes ciiie Geldstrafe von 50 M. angedroht. Als Grund dieser Maßregel wurde angegeben, daß das Gewertschaftshaus von der sozialdeinokratischen Partei mit unterhalten würde, weshalb die Aufsichtsbehörde nicht dulden könne, daß eine Filiale der genannten Kasse in dasselbe verlegt würde. Gegen diese oberbürgermeisterlichc Ver- sügung ist selbstverständlich Beschwerde eingelegt. Eine für Krankenkaflenwal,len wichtige Entscheidung fällte am Mittwoch der Bezirksausschuß Erfurt unter Vorsitz des Regierungspräsidenten v. Fidler. Von der Ortskrankenkasse in Mülhausen i. Th. wurde am 29. November die Wahl von 216 Ver- tretern zur Generalversammlung vorgenommen. Im Wahllokal, einem Restaurant, waren Kandidatenlisten ausgelegt, die jeder Wähler nach Belieben, mit oder ohne Streichungen, benutzen konnte. Die Stimmzettel wurden dann gesammelt, versiegelt und am anderen Tage von zwei Beißtier» ausgezählt. Gegen dieses Wahlverfahren wurde von einem Mitglied« Protest erhoben, weil es gegen die Gc- Heimhaltung der Wahl verstoßen habe, die Wähler hätten sich gegen- seitig bei der Wahl kontrolliere» können. Ter Magistrat von Mühlhausen, als untere Aufsichtsbehörde, gab dem Antrage statt und erklärte die Wahl für ungültig. Gegen diesen Entscheid legte der Geschäftsführer der Krankenkasse Beschwerde beim BezirksauS- fchuß ein. Der Bezirksausschuß wieS die Beschwerde des Kranken- tassenvorstandes gegen die Ungültigkeitserklärung der Wahl zurück. Der Regierungspräsident hob in der Begründung hervor, das Wahl- geheimmS sei nicht verletzt worden, bei der großen Zahl der zu wählenden Vertreter sei ein anderer Wahlmodus, als das Auslegen van Listen, nicht möglich. Der Bezirksausschuß habe seine Prüfung aber auf das ganze Wahlverfahren erstreckt und sei dabei zu dem Ergebnis getommcn, daß ein Berstoß gegen das Statut vorliege, weil der Vorstand bei der Feststellung des Wahlergebnisses nicht mitgewirkt habe und sonach nicht genügend Sicherhsit für den ord- nungsmätzigen Verlaus der Wahl gegeben war. Tie Stimmenaus- zählung mußte unmittelbar nach der Wahl erfolgen. Mit der Ver- kündung des Wahlergebnisses finde der Wahltermin erst seinen ordnungsgemäßen Abschluß, denn man konnte nicht wissen, ob etwa Etichwahlen notwendig waren.__ WaS das Ausland der deutschen Volksschule nicht nachmacht. Deutschlands Volksschulen erfreuen sich nach den Versicherungen der offiziellen Vertreter des Kultus und öffentlichen Unterrichts im Auslände des denkbar besten Rufes: noch immer kehren Ausländer oft und gern zu Studienzweckcn in deutschen Schulhäuseru ein, und im Schulwesen fremder Staaten fehlt eS nicht an Einrichtungen, die Ilnzs.eifelhaft deulschcu llrsprgn-zcs sind. In cmm Muffte ist uns. das Ausland absr doch nicht gefolgt. Die Mehrzahl der freiftden. insbesondere fast alle benachbarten Kulturstaatcn, haben den deutschen Brauch, die Voltsschule nach der sozialen und materiellen Lage der Eltern zu gliedern, nicht musterhast finden können und darum auch nicht aus die heimischen Verhältnisse übertragen. Frankreich, die Schweiz, ße st erreich, die no r- bischen Länder und Amerika verzichten darauf, die Jugend nach Stand und Geldbeutel der Eltern zu trennen und in verschieden gcwerteten Grundschulen zu beschulen. Von der so gegliederten Elementarschule, einer Eigenart des deutschen, und zwar besonders des nord- und mitteldeutschen Volksschulwesens, wollen sie nichts wissen. Und sie tun recht daran, sich diese uncr- schöpfliche Quelle des Kastengeistes und Standes- dünkels. der sozialen Zerklüftung und Verbitte- r u n g fernzuhalten. Tie guten Ersahrungen, die man im AuS- lande und in vielen bayerischen Städten mit der gemeinsamen Schule in langen Jahren gemacht hat, sollten zur Beseitigung der unsozialen Standesschule endlich ermutigen. Auch nach anderen Richtungen hin könnte Deutschland recht viel von ausländischen Schulen lernen._ Eine neue genossenschaftliche Gründung. Mit den paar Mark Dividenden, die der einzelne am Jahres- schluß herausbezahlt erhält, kann er nicht viel ausrichten; legen aber die Taufende von Mitgliedern die anfallenden Dividenden zu- sammcn, so lassen sich große Werke schaffen zum Nutzen aller!— So hat der Bauerndoktor Heim zu seinen nach Tausenden in Ge- iwsscnschasteii organisierten bayerischen Bauern gesprochen, lind er gründete aus den von den Bauern nicht abgehobenen Dividenden die bekannte Bauernuniversität in Negensbnrg, die jährlich im Winterhalbjahr 109 Bauernsöhncn oder selbständigen Bauern Gc- lcgenheit gibt, sich Univcrsalbildung fürs prattische Leben anzueignen. Ter zweijährige Betrieb der Bauernuniversität hat t»ic an sie gcstelllcn Erwartungen vollauf befriedigt. Nun hat Tr. Heim wieder eine neue Gründung im Werk: Er baut ein AlterSversorgungSheim und Sanatorium für Dienstboten und Bauern in dem bayerischen Dörfchen Planlstettcn. lind wieder liefert die über ganz Bayern zentralisierte große Bauerngenossen- schaft durch Zurückhaltung der Dividenden dazu die Mittel. Die erste Rate zu 50 000 M. ist zum Bau bereits angewiesen. Mit dem Bau wird demnächst begonnen. Zunächst wird ein Teil der Anstalt fertiggestellt. Der weitere Ausbau erfolgt von Jahr zu Jahr, lind in zehn Jahren soll ein Unterkunftsheim fertig sein, das 100 Pfleg- linge aufzunehmen in der Lage ist. Aber nicht allein der � Bau selbst soll aus den genossenschaftlichen Ueberschüssen bestritten wenden, sondern auch der Unterhalt und der ganze Betrieb! Bor- läufig glaubt Heim neben den Baukosten jährlich 100 000 M. als Betriebskapital zuschießen zu können. Dieses Beispiel des wegen seiner„zu demokratischen" Gc- sinnung innerhalb des bayerischen Zentrums angefeindeten Bauern- doktors zeigt wieder aufs neue, daß man durch genossenschaftlichen Zusammenschluß Großes zu erreichen vermag. Und die Gründung und Finanzierung dieser Institute erfolgt doch erst wieder aus den Neberschüssen der Bauerngenossenschaftcn, deren Hauptzweck ist lunter Ausschaltung des Zimschenhändlertums): gemeinschaftlicher Einkauf von landwirtschaftlichen Maschinen, Düngemitteln. Roh- stosfcn usw. und gemeinsamer Verkauf aller landwirtschaftlichen Produkte._ Die Höhe der Unterschlagungen in der Nemscheider Krankenkasse beläuft sich nach den Feststellungen der Revisoren auf 8000 M. Die von dem verhafteten Rendanten Nötiger gestellte Kaution de- trägt 5000 M. Für die Raffiniertheit des R. ist bezeichnend, daß er im Jahre 1906, also während der Zeit, wo der Stadtrentmeister Hasenklever, der Stadtsekretär Wistors und der von der Regirrung entsandte Obersekretär Meyer die Bück�r revidierten, wie jetzt fest- gestellt ist, die Hauptfälschungen und Betrügereien verübte. Die gefälschten Konten ließ er zum Teil einfach verschwinden. Der Betrüger war ein besonderer Schützling des Oberbürgermeisters, auf dessen Veranlassung ihm seinerzeit auch der Rendantenposten übertragen wurde. Ohne die vom Abg. Eickhoff gar noch gepriesene rechtswidrige Enthebung des Kassenvorstandes durch den Oberbürgermeister wären die Unterschlagungen voraussichtlich nicht oder doch nicht in dieser Höhe erfolgt. Tie Rcichsverjicherungsordnung will solche rechts- widrigen Eingriffe in die Selbstverwaltung zur Regel machen. Obstruktion bei einer Neuwahl. Der gewiß seltene Fall einer Obstruktion bei Gemeinde- wählen spielte sich am 21. April in S a a l f e l d a. S. ab. Die Gemeinderatswahl kam nicht zustande, da als Protest gegen das reak- tionäre meiningische Zehnstimmenwahlrecht sich die meisten Bürger der Abstimmung enthielten. Bon 2669 Wählern machten nur 769 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die sozialdemokratische Partei hatte Wahlent- Haltung proklamiert. Da zur Gültigkeit der Wahl mindestens die Be- teiligung der Hälfte aller Wähler notwendig ist. findet am nächsten Dienstag ein zweiter Wahlgang statt, an dem jeder Wähler— bei Androhung von 3 M. Strafe— teilnehmen muß. Die Kosten der landwirtschaftlichen Arbeitervermittelung. Welche horrenden Beträge sich die landwirtschaftlichen Arbeiter- vermittler oder Agenten für ihre Besorgung der von den Agrariern benötigten Menschenware bezahlen lassen, kann man auS einer Zusammenstellung ersehen, die der Privatdozent Dr. Buer an der land- wirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf gemacht hat. Hiernach betragen die durchschnittlichen Aufwendungen an Provisionen und Reisekosten - einer Gesindeperson eines Saisonarbeiters M. M. Rheinprovinz.. 20—40 33—42.30 Westfalen.... 20-32 30-40 Hannover... 16—60 28,80—31 Schleswig. Holstein 26—40 32.70-46 Brandenburg.. 18—36 20—25 Pommern... 27— 38 25—32 Posen..... 18—27 22—30 Ostpreußen... 15—22 25-32 Westpreußen... 12,50—20 21,25—25 Schlesien.... 18,20-30 15,25-25 Hessen-Nassau.. 22—45 84—40 Oldenburg... 17,50—30— Braunschweig.. 22—37 23—32 Anhalt.... 22,75—37 24—30 Königreich Sachsen 21,60-30 23,50-35 „ Bayern 5— 9,50 32— 38 Der Agent verlangt für Vermittelung jeder Gesindeperson mit Ausnahme von Bayern mindestens 15 M., für Besorgung eines Saisonarbeiters wenigstens 20 M. Der übrige Teil der Kosten be- trifft die Eisenbahnfahrt und die Beköstigung der besorgten Arbeiter resp, Arbeiterinnen. Die Eisenbahnfahrt stellt sich dabei Verhältnis- mäßig sehr billig, obgleich die meisten der hierbei in Betracht kommenden Personen aus Rußland oder Galizien kommen, da die Eisenbahnverwaltung für diese ausländischen landwirtschaftlichen Arbeiter 50 Proz. Fahrpreisermäßigung gewährt. Den Gesamt- betrag zieht ja der Agent von dem Auftraggeber, dem Arbeitgeber. ein; aber dieser wälzt' ihn natürlich durch entsprechende Lohnkürzung und Einbehaltung ganz auf die Arbeiter ab. Diese Agenten- Provisionen könnten aber den Arbeitern sehr leicht erspart werden. wenn die Arbeitervennittelung den Arbeiterorganisationen und den Gemeinden übertragen würde. Die Regierung ist hiervon weit entfernt. Sie schröpft vielmehr noch die armen ausländischen Arbeiter entgegen den Staatsverträgen zugunsten des Agentur- geschäfts„Feldarbeiterzentrale" um 2—3 M für eine Arbeiter- ausenthaltskarte, richtiger Zwangsarbeiterkarte. Gegen diesen Bruch mit den Staatsverträgen hat sich bekanntlich kürzlich der Reichstag in Bersulg eines sozialdemokratischen Antrages ausgesprochen Em der f rauenbewegung* Ebenbilder Gottes. Nach der Lehre der katholischen Kirche sind alle Menschen, mit« hin also auch wohl die Frauen, nach dem Ebenbilde Gottes er«» schaffen. Trotzdem rangiert das weibliche Geschlecht noch nicht auf einer Stufe mit dem Manne— wenn der Papst recht hat. Wie der Preßtelegraph berichtet, hat der Stellvertreter Gottes auf Erden beim Empfange der Union der italienischen katholischen Damen eine Ansprache gehalten, in der er sich h e f t i g gegen d i e G l e i ch- berechtigung der Frau wendet. Der Papst erklärte, daß die Frau nie mit dem Mann ans gleicher Stufe stehen könne und daher auch nicht gleiche Rechte mit ihm genießen könne. Demnach steht der Mann noch höher als der Herrgott, denn dieser wird seine Ebenbilder doch neben sich dulden. Muttereleud. „Armes Mädchen tvünscht neugeborenes Kind zu vir- schenken oder in Pflege zu geben. Offerten unter A. F. Postamt 21." Das Inserat, einem hiesigen Lolalblatte entnommen, sieht äußerlich so gleichgültig aus wie alle die vielen anderen. Un doch welch' un- geheuere Tragik enthüllt eS! Eine junge Mutter, die kaum das Wochen- bett überstanden hat. sieht sich materieller Sorgen halber gc- zwungen, ihr eben erst geborenes Kind für immer an fremde Leute zu verschenken. Es mag ihr nicht leicht werden, sich von dem kleinen, hilflosen Wesen— ihr eigen Fleisch und Blut— für imnier zu trennen. Doch sie muß l Das Kind ist ihr unter den heutigen Umständen eine Fessel; sie selbst weiß ja vielleicht noch nicht, wie und wovon sie ihre Existenz fristen soll. Die Mutter- gefühle müssen zurücktreten vor der rauhe» Wirklichkeit. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung, in der ein»gefallenes" Mädchen als eine Verdammte gilt. und die die junge Mutter lauge vor dem Ende des gesetzlichen Wöchneriimenschutzes auS der Wochenstube heraus nach Brot jagt, will das so. Und seufzend und zitternd muß sie sich fügen, muß sie ihr Kind verkaufen, verschenken oder sich seiner sonstwie entledigen und ihre noch schwachen Glieder von neuem der Ausbeutung preisgeben. Das ist der Tragödie Lauf für so manches Dienstmädchen. Eine Entbindung bildet meist die traurigste Etappe im Leben einer Armen. Schwere Arbeit vorher, noch schwerere nachher. Alles im Dienste des Kapitalismus._ Verbot der industriellen Nachtarbeit der Fraue« i» Schweden. Schweden hatte sich bisher der Berner Konvention von 1906 über das internationale Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen nicht angeschlossen. Noch im vorigen Jahre wurde ein daraus gerichteter Regierungsvorschlag von beiden Kammern des schwedischen Reichstages verworfen, jetzt aber fand er in der ersten Kammer mit 63 gegen 62, in der zlveiten mit 166 gegen 24 Stimmen An- nähme. Die Nachtarbeit der Frauen ist mithin beseitigt. Unter den Gegnern des Vorschlages war merkwürdigerweise der jüngst zur sozialdemokratischen Fraktion übergetretene Bürgermeister Lindhagen, weil das Verbot der Frauennachtarbeit seiner Meinung nach eine ungerechte Benachteiligung der Frau im Kampfe rnnS Dasein in sich schließe und man vor allem erst für politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts sorgen müsse. Lindhagen hatte, seiner Ansicht eulsprechend, mit der er übrigens allein stand, in der sozialdemokra- tischen Fraktton einen Antrag aus Beschränkung der Nachtarbeit für Frauen und Männer eingebracht. Nachdem daS Nachtarbeitsverbot siir Frauen angenommen war, verlangte er eine Untersuchung über die Nachtarbeit der Männer, um in dieser Hinficht eine gesetzliche Beschränkung vorzubereiten. Dieser Antrag wurde jedoch mit 199 gegen 69 Stimmen abgelehnt. Versammlungen. Die HanSdiener, Kutscher usw. auS den Wäscheverleihinstituten nahmen in einer Brancheuversamnilung Stellung' zur Feier des 1. Mai. Nach einem Referat mit anschließender Diskussion wurde beschlossen, daß am Sonnabend, den 1. Mai, vormittags von 9 bis 11 Uhr, bei Sieber, Seydelstraße 3V, Kontrolle der Feiernden und Abstempelung der Komrollkarten stattfindet. Ferner soll eine Kontrolle betreffs Zugehörigkeit zur Partei sowie Presse vorgenommen werden. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, Wahl- Vereinsbuch und„Vorwärts"-Ouittung mitzubringen. Nachdem findet Teilnahme an der allgemeinen Malversammlung sämtlicher vier Verwaltungsstellen des Transportarbeiterverbandes im»Deutschen Hof", Luckauer Straße, statt. Die Generalversammlung des Verbandes der Bäcker und Kon- ditoren tagte am Sonntag im Gewerkschaftshause. Der Kassierer Barth konstatierte in seinem Bericht, daß der Verband auch im verflossenen Quartal wieder gute Fortschritte gemacht habe. Die Mitgliederzahl hat sich seit Jahresschluß um 46 gehoben und sind im Vergleich mit dem ersten Quartal des Vorjahres zirka 1000 Bei- träge mehr geleistet worden. Schneider erstattete den Vor- standsbericht und führte aus, daß auch das jüngst verflossene Quartal für den Verband eine Zeit deS Kampfes gewesen sei. Insbesondere galt es, für die Erringung des 36stündigcn Ruhetages einzutreten. Hier war die Versammlung vom 16. Februar, in der gegen 3000 Bäcker ihre Stimme für den Ruhetag abgaben, geradezu ein Mark- stein in der Geschichte der Berliner Bäckerbewegung. Auch einen anderen Schlag hat der Verband gegen seine Gegner geführt, indem er bei der Gcsellenwahl der Konditoreninnung die gelbe Garde mit einer Dreiviertelmehrheit gründlich abgeführt hat. Hetzschold begründet einen Antrag zum Verbandstag, der im nächsten Jahre in Verbindung mit der Feier des 25jährigen Bestehens der Organ,- sation in Berlin tagen wird, einen Fonds zu gründen, zu dem jedes Mitglied eine Mark beizusteuern hat. Der Antrag wird gegen neun Stimmen angenommen. Ein weiterer Antrag, welcher besagt, daß für Konsumvereine und Genossenschaften nur solche Kol. legen vermittelt werden, die drei Jahre Mitglied der Or- ganisation sind, wird von Schubert begründet und gegen sechs Stimmen angenommen. Ten Frauen von arbcits- losen Kollegen zu den Verbandsvergnügungeu freien Eintritt zu gewähren, verlangt ein anderer Antrag. Der Kai- siercr Barth wendet sich in sachlicher Weise dagegen und führt die Konseguenzen an, die dieser Antrag nach sich ziehen kann, der Antrag wird gegen drei Stimmen abgelehnt. Mit einem Hin- weis auf den 1. Mai und der Aufforderung, sich rege an der Ver- samnilung zu beteiligen, erfolgte Schluß der Versammlung. Freie Jugendorganisation Eharlottenburg. Heute abend 8'/, Uhr Im Volkshause, Rosmenstr. 3: Mitgliederversammlung nilt Bortrag. Allgemeine Kranken- und Sterbekassc der Metallarbeiter. (E. H. 29 Hamburg.) Filiale Baumschulenweg. Heute abend b'l3 Uhr im Vercinslokal, Baumschulenweg Str. 67. Deutscher Arbeiter-Abs«i»cnte>i-Bund. Ortsgruppe Berlin. Heute abend S'/z Uhr, Stralauerstr. 13/14 vorn 3 Tr.; Letzter Diskutier- abend. Allgemeine Familien-Sterbekasse. Heute Zahltag und Ausnahme Ackersir. 123 im Restaurant und Mariannenstr. 48 im Restaurant von 3 bis 6 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 25. Slpril er., vormittags 9 Uhr, in der Halle, Pappcl-Allee 15— 17: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags lO*/, Uhr in der Schule, Kleine Franksurtcr Str. 6: Vortrag von Frl. Ida Allmann über: Die Sittlichkeit der Gottlosen. Herren und Damen sind als Gäste sehr willkommen. ßriefkaften der Expedition. Patienten in Beelitz. Buch usw. Diejenigen unserer klbonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben. wollen uns wegen der Ucberwcisung von Fieiexcmplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten?!ummcrn des neuen Monats von d-r Post nicht geliesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. t 8flt de» Inhalt de« Inserate! übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keincrle Verantwortung. €beater. SoanaSend, 24. April. Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Joses in Aegypten. Ikönigl. Schauspielhaus. Ein Puppenheim. Neues königliches Opcrntheatcr. Geichlossen Leutscyr». Amlst. K a m m e r fp i e I c. Der Arzt am Scheidewege.(Ansang 8 Uhr.) Berliner. Ein Herbstmanöver. Neues Schauspielhaus. Alt-Hcidcl- berg. Ansang 8 Uhr. Lessing. Der König. Nachm. 3 Uhr: Weh' dem, der lügt. Westen. Der Jockeyklub. Rachin. 4 Uhr: Lpernaufführung des sternschen Konservatoriums. Neues. Renaissance. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Zaza. Residenz. Kümmere dich um Ameke. Lustspiclhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. f ebbel. Arsene Lupin. chilter 4». iWallner» Theater.) Doktor Klaus. Schiller Charlottenburg. Das Opferlamm. Ariedrich- Wilbelmstädt. Schauspielhaus. Husarenficber. Luisen. Marie, die Tochter dcS Regiments. Triano». Liebesgewittcr. Neues Operetten. Die Dollar. Prinzessin. Berliner Operctten-Tbeater SVI. Das Himmelbett.(Stuf. S'/j Uhr.) Bernhard Rose. Ehrliche Arbeit. lAastspicl-Theater. Der Hund von BaSkerville. Gebrüder Herrufeid. Meine- Deine Tochter. Der selige Nie- mann. Apollo. Die Geschwister Dicsenthal. Spezialitäten. Metrouoi. Die oberen Zehntausend. LLintergartcn. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Paiiage. Spezialitäten. RcichSliallen. slettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. tzolics Caprice. Das Lied vom braven iWarni. Ansang 81/« Uhr. Kasino. Stckernrann. Spezialitäten. Gustav Bohrens. Spezialitäten. Anfang 8'j, Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— AllcS fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Slnf. «'/, Uhr.) Urania./.. Uhr: Zum l. Male: Hin HV.rbsliunnovcr.V Mvrgen 8 Uhr: llin ttoeb»tmsiiöroe. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Nr« einstudiert: �enuissunce. Morgen, und folgende Tage: Theäterles Westens. _ Allabendlich 8 Uhr:_ DEM- Der Joekeyklnb."Vq Sonntag nachm 3>/, Uhr halbe Preise: siin plalroi-teaum. kNLijsiv!i-WiItiöIm8Mi8l:!tö8 Schauspielhaus. Sonnabend, 24. April, Ansang 8 Uhr: Husarenfieber. Sonntag nachm. 3 Uhr: Schlagende Weiler. 8 Uhr: Der Dorstyrann. Montag: Der Dorstyrann._ Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Uhr. jtömtnere Dich um Amelie. Schwank in 3'Akten(4 Bildern) von Feydcau. Morgen u. folg. Tage: Dies. Vorstellg. Sonntag, den 25. Slpril. 3 Uhr: Der Floh im Ohr läistspielhaiis. AbcndZ 8 Uhr: In» Klll?»««88vR. Weoe» Öperctten-Theater, Schifsbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. AbendS 8 Uhr: Die DollarprinzeBBtii. Operette in 3 Alten von Leo Fall. gn Borbereitung: 0er �igeunerliaron. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Arsene Lupin. Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Marie, die Mter des Repents. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Mädchen ans Irrwegen. Abends VlesenscKaWickes Theater. Taubenstraße.48/49. Nachmittags 4 Uhr: Delier den Brenner nach Venedig. Abends 8 TJhr: Aul den Trümmern Messinas. D »müBstimt B®t. Fratrksurter Str. 132. Chrliche Arbeit. Posse mit Gelang in drei Akten von Wille». Ansang 8 Ubr. Wochcntagspreise. Sonntag: Gras Essex. Nachmittags 3 Uhr: Kyritz-Pyritz._ 8 Uhr: Faust. Rftäaa: Das 2 Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 58. Täglich 8 Uhr: Die grogarlige Fortsetzung von Mherlock Holmen: Der Kund von Baskemile. Sonntag 3'/. Uhr: Sherlock Holmes. O1;, Uhr: Drei Schwester» WiesenlhA! O'l, Uhr: Amslie de L'Encios, Stimmphäv.omcn. 9 Uhr: F. A. Heinhaus, Rechenkunst!. Sonntag, 25. April, nachm. o'/, Uhr: CtnzigcsNachm.-Gastsp.d.Schweslcrn Wicscnthal. Kleine Preise! Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf.'1,8 Uhr. Rauchen gestattet. Saleruo Amaim De L.ile sowie das von Pahlifcum und Presse glänzend beurteilte April- Programm. Reservierter PI. 2 M. Entree 1 M. (einschl. Programm n. Garderobe). Arnold Scholz Hasenheide 108/114. 1 r « 4 Heute Sonnabend, 24. April: ' Beginn der SchiuOkämpfe „Das siiherne Horn von Berlin." i Vor den Kämpfen das große SpEzialität.-Pröpmni. Anfang 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr. Eintritt 0,30. 0,60, I, 2 M. 1 rwwwwwe Gebrüder Herrnfeld- Anfang ThoatOP 8 Uhr. lugaier. 11-2 Uhr. Schluß der Spiel-Saison; Freitag, 30. April. Bis dahin täglich die mit stürmischem Beifall aufgenommene Novität: Heine-Deine Tochter. Komödie in 2 Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfold in den Hauptrollen. Ferner; Der selige Niemann. spiel in 1 Akt von( Karl Tellheira. . Passage-Theater. J Die maurische Schlangentänzerin !tfaka'3shad Gastspiel der Garland« � Negeroperette: 18 Solokrälte' und das grandiose April-Programm. Der größte Varl6te=Erlo!g den je Berlin gehabt! ScMllei*- O.(Wallner-Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Daktov Klans. Lustspiel in 3 Akten v. Ad. L'Arrongc. Ende 10','2 Uhr. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Ein'Volks.feind. Sonntag, abends 8 Uhr: Doktor Klan«. Montag, abends 8Uhr: Doktor Klan«. Theater, Schwer- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Opforlnmm. Schwank in 3 Ausziige» von Oskar Walther und Leo stein. Ende 10 Uhr. Sonnlag. nachm. 3 Uhr: ltscbt« beruui. Sonntag. abendSvUhr: Macbeth. Montag, abends 8 Uhr: Macbeth. CASTAN's PAÄOPTICIIIÖ Friedrichstr. 165(PschorrpaJast). Täglich 7'/z Uhr abends.— Sonntag; 2 Vorstellungen: Humoristische Künstler- Abende. Bellaclimi5 Zauber weit J" Ausgeführt von Eugen Schröder und Marg. Fara. Nachmittagssoireen stündlich— Hauptsoiree: 8 Uhr abends. 99 Xcu! Anf dem Calvarienberge! Aeu! Brauerei Friedriehsliaiui Heute, Sonnabend: O« der großen internationalen— J.Ü | um die Weltmeisterschaft Heute ringen sechs Paare; Entscheidungskaropf —"' Ren.— Ferner: Roszack. Berlin gegen Pampnri, Itä Legonnec, Frankreich gegen Salige. Berlin. Annoni, Italien gegen Slolzenwaid. Rheinland. Gambier, Weltmeister, Frankreich geg. Borowski, Westpreußen Dittmann, Brandenburg gegen Sanders, Neger-Champion. Roberti Relcevich, Weltmeister gegen Pelrowitsch, Polen. RinekLnpfen: Das susgöMIts 8pöngijtZ!kNpf0gfWM. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf., res. PI. 1 M., numer. Tisch 2 M. Nur noch kurze Zelt! Zirkus Busch. I «onnab.. 24. April, abds.?'/. Uhr:| «Lroste«iala-Borstelluilg. Debüt! Die Kideros! Feiner: Mr. Charlestan? Möns. I Vansart! Math, Renz, Schulreitcrin.| Die Briatores. Herr Ernst Schumann, Neudressuren. Um'1,10 U.;[ Auswanderer! Strandung eines OzeandamPserZ.( Sonntag: Zwei graste Gala- Vorstellungen. In beiden Vor- stellimgeii, 4 Uhr und Vi, Uhr,| ungekürzt: Auswanderer! W.Koacks Theater Direktion: Rob. Olli. Brniiiienttr. 16. Graste Gxtra-Vorstcllung. Die Kacht des Boldss. Schauspiel in 5 Alten von Lenibert. Ansang S'l, Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung: Tanz. Sonntag: Dieselbe Porstelluug. fitast- Theater Burgstratze 24, 2 Älinuten vom Bahnhos Börse. Sonnabend, den 24. April: Neuaufnahme dcS Kampfes zwischen Karl Kornatzki, Meisterringer von Polen, und HHIIOfi, England. Ferner Entscheidungskampf Seholl, Köln, geg. I-anjr, Bayern. Außerdem SSZ WM-WM. Anfang 8 Uhr, Sonnlag 7'/, Uhr. l V/einbbegs«og 19-20, Kosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. { Die groSartig. April-Spezialitäten, 1 | Im Tunnel: Frelkonzcrt. Stadt-Tlieater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Alt-Moabit 48.(Tel. II 2492.) Sonntag, den 25. April: t Ansang der Vorstellung 7 Uhr, Kassenöffnung 6 Ubr. Nach der Vorstellung: Tanz. Vorverkauf von 10— 1 Uhr mittags im Thealer-Reslaurant. Montag, den 26. April: Soiree der Lustigen Sänger. Tolles Capricel Insolvent. i Posse von L. Xoufjicin. In lauschiger Nacht. Burleske von SB. Gericke. Anfang 8'/, Uhr. Damms Voikspark-Theater (früher DIctz) Landsberger Allee 76/77. Täglich: ffßisiiaEliSäe}islseb.lfoIks-TliEatßr zum erstenmal in Berlin— vollständig neu— alles lacht— mau amüsiert sich kösUich._ Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Täglich 8 Uhr. Bis zum 30. April: Ackermann. Ab 1. Mai auf vielfachen Wunsch: Das Opferlamm. Sonntag 4 Uhr: Rußland. Belchshallen-Tbeater Stattinar Sänger. Dßr Edpape-Ball. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ßiitilunna Theater. Schbnhnnscr Allee 148. Heute: WE BltTMlÄMg. Zur Ausführung gelangt: ver Von Juan. Posse in 4 Akten von Kneisel. Ansang 9 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. ?S58klge-?s»Dptikum.i prmieL Kassie die Amszonönkönigin mit ikrer wilden Garde. „Das blaue Weib" das Opfer unbarmherziger Tätowation. Alias ohne Extra- Entree! Gustav Behrens- Theater. Gott 9. Das jjtüupbf ffiifationrür April- Programm. 91/, Uhr: Aufstieg des lenkbaren Luftschiffes„Zäppelin II-. Der Frlsenr als Don Juaa. Operette. Ansang G Uhr. Steidl- Theater. Brücfccnstr. Anf. Vf, V Wochentags 8'/«. Riesenerfolg. ?Apa SrennekeS Pnrtex-ro-Saal: BerllnerSpatzen Prima Küche.— Entree frei. Berüner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Kestaurant WilSielmsliof Jeden Sonntag:«»II. MÄel ohne Geld.« K32* Euiplehle meinen herrlichen Garten an den vnnabmdcn iür Sonmierfcste. Inhaber: Fr. Forte. Ardeitsnachtvcis: BerwaltungSstelle Berlin. Hauptburea«: Hoj 1. Amt 3, 1239. Charitöstrafle 3. Hos III. Amt 3. 1987. Mnug! Mlempnet*. ZtW«g! Montag, den ÄK. April tSVN, abends 8 Uhr: AIIgcAtiiie Kleiiipiler- Jerlammllmz in Kellers„Nene Philharmonie�, Köpcnickcr Strotze 96/37. Tag e S- O r d uu ng: 1. Der Stand unserer Bewegung. 2. Diskussion. Pflicht eines jede» Klempners ist es, in dieser Versammlung zu er- scheinen. 116/2 Montag, den 20. April 1009, abends 8 Uhr: Branchen-Versammluttg der Werkzeugmacher(Zchlttttdauer, Leeren- nud Norrillitungsbltner, Schlleidrengmacher, Eiuriltiter sonne sämtl. in heu SdjUfllprelTfufflbrilifti lieschiistigt. Kollegen) in den Musiker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 18m. Tages-Ordnung: 1. Vorhag:„Elllwickclungstcndcnzen der modernen Technik." Resercrit: Kollege Wissell. Diskussion. 2. Branchenangelegenheiteii. 3. Neu- und Ersatzwahlen. 4. Verschiedenes. Kollegen! I In dieser Versammlung wird an alle Kollegen, well unsere VttlrauenSlcute nicht zu erreichen find, Material zu einer ausgegeben. Es ist daher Pjlicht, datz jeder Kollege erscheint. Dl« Octsvertvaltnnfir. ! durch talistif „Freier Bund" Einkaufs- and Froduktiirgeuosseiiscliaft freier Gast- und Schankwirte Berlins und Omgegend. Eingetragene Genossenschaft mit bcschräuktcr Haftpflicht. Zilanz am 31. Dezember 1908. Aktiva. Passiva. Mitzticderaulhaben- Kto. Reservesonds-Konto 979,— M. Hierzu 10 Prozent er. 1008. 82,01, Genoffenschaster-Kouto. Spar�tnlagc-Konto. M. 25 230,- 1 052,01 694,68 6 400.- Kassa-Konto..... Mobilien-Konto 167,31 M. lOProzentM- schreibung 16,73. Bank-Konto..... Darlchn-Konto.... Genoffenschaster-Konto. Genosscnschastsbrauerei. Konto...... Anteil-Konto Genossen» schastS-Braucrei... 34 376,69 Mitgliedcrbewegung. Zahl der Mitglieder am 1. Januar 1908: 173, Zugang: 3, Abgang: 9, mithin Mitglicderzahl am 31. Dezember 1908: 167. Im Lause dcS Geschäftsjahres haben sich die Mitgliederguthaben um 4720,— M. vermehrt und die vastsummen um 1800,— M. vermindert. Die Gesaint-Hastsmnme aller Mitglieder beträgt am Jahresschluß 50 400,— M. In der Generalversammlung.vom 25, Februar 1909 wurde aus Antrag deS Vorstandes und Aussichtsrates beschlossen,§ 5 Abs. 1 zu streichen und dafür zu setzen:„ein Geschäftsanteil.beträgt 20 M. und Ist mit einem Male zu entrichten'.§ 6 Abs. 4:»Die Hajtsumme beträgt für jeden über- nommenen Anteil 20 M.". Etwaige Gläubiger, welche gegen diese Abänderung Einspruch erbeben oder Forderungen an die Genossenschast haben, fordern wir hiermit aus, sich unverzüglich bei der Geschäftsstelle, schwelbeiner Straße 42, zu melden. Berlin, den 20. April 1909. 105/9 Der Vorstand. F. Matthe«. Emil Kcrfln. Paul flrenske Nachfolger Otto Berieft Hutfabrik Oramenftraße 172 empfiehlt sein großes Lager in[356L* töten. Jfätzen, Schinnen, pelzwaren. Sämtliche hervorragenden Erzeugnisse des In- und Auslandes stets am Lager. ■= Reparaturen schnell, sauber und billig.===== Iii. Schulmeister lltarfin Dresdener Straße 4, III Vi IUI WV«| am Kottbufer Cor. Nur eigene Konfektion! 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April, vormittags 10 Uhr, Sei Schulz, Alt- Jakobstr. 18/10. Dam Montag, den:iG. April, vormittags 10 Uhr, Sc) Unmmel, Kophlcnstr. S. Tages. Ordnung: 1. GeMstllcheS. 2. Vierteljährlicher Kasjenvericht pro 1. Quartal 190S. S. BerschiedeneS. Im Bczirl v findet ErgänzungStvahl des Vorstandes statt. 2Si/i Die Ortsverwaltungen. Berlin J: Si in Zwclffrerola Berlin and ümgeeend. Sonntag, den 25. April, vormittags 10 Uhr: General-¥ ersammlimg* Je« ParLetgenoflett der Bezirle«79 und«7« unseren besten Dank sür die Gratulatto»»um silbernen ikbejubiläum. 9722 Bnnnt ZlüIIvr und I'rnn. in Anton Bookers Festsälen, Weberstr. 17. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1909 und Bericht der Revisoren. 2. StcUangnahnie znr Baffcler. 3. VerdandSangelegenheiten. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dltser Versammlung zu erscheinen.— Mitgliedsbuch legitimtert, ohne dasselbe kesn Einlast. zg/7_____________ Svr Zwelgverelasvorvtand. £!. H. 3 Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der örtlichen Verwaltungsstellen! Berlin A: Am Montag, den 26. April, abends 8'/, Uhr, bei Woll- schläger, Adalbertstr. 21. Berlin B: Sun Sonntag, den 25. April, vormitiagS 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15(Saal 8). Berlin C: Am Montag, den 26. April, abends 81/, Uhr, Im Lokal von Sah, Hornstr. 2. Berlin B: Am Sonntag, de» 25. April, vormittag» 10 Uhr, in der Brauerei Ariedrichshilhe, Turmstr. 25/26(kl. Saal). Berlin Bt Am Sonntag, den 25. April, oormlltags 10 Uhr, bei Herrn Naabe, Kolberger Strasze 23. Berlin Fz Am Sonntag, den 25. April, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Obiglo, Schwedter Strajze 23. Berlin Q: Am Sonntag, den 2d. April, vormittags 10 Uhr, in Manns Foktunasiile«, Strausberger Strajze 3. Berlin Ht Am Sonntag, den 25. April, vormittags« 10 Uhr, Sei Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Sonntag, den 25. April, vormittags 10 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59(großer Saal): Kvnvrsl-lksrssmmliung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1909. 2. Beschlußfassung über den Antrag auS den Bezirken. die ArbeitSlosenmarle von der ersten Woche ad auS der Lokalkasse zu zahlen. 3. Stellungnahme zur Maifeier. 4. Verschiedenes_ 133/16 Die Kollegen werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen."Wsg Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne daöselbo kein Zutritt, m,.,-.-.'-■.3,,�� A.: E. Schulze. Blebtenberg,«tratuu B»n>ii>-jr: Am Sonntag, den 25. April, vormittag« 8'/, Uhr, bei Piekenhage», Lichtenberg, Schariiweberslr. 69. Sebvnebers am Montag, den 26. April, abends 8'/, Uhr, in Schdneberg, Melmnger Str. S im Tunnel. WelSenaee: Am Montag, den 26. April, abends 81/. Uhr, bei Rosttopf, KSnig.llhaussee SS. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1W8 und 1. Quartal 1909. 2. Neuwohl der gesamten Ortsverwaltung inll. Beitragsammler. S. Verschiedene Kassenangelegenheiteu. SWA Ultalieikrdued legllimlvrt."%SQ Um zahlreiches und pünktliche» Erscheinen ersuche» 184/2 nie OrtüTerwnltnngen. Zentriilmbliiid der Masihlmfle«°°d Heiser sowie Kerussgeoojscis Aevtslhloods Terwaltangaatelle Croß-llorUn. rt-m** Sonntag, den 25. April, nachm. 4 Uhr, im Englischen Garten, «l-xanderstr. 27a: General-Versammlung. Tag es« Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 8. Bericht der Gewerkschaftt kommission. 4. Btschluhsassuna über den KaAellvertrag aller w de Brauereien In Betracht kommenden Organisationen. 5. Anträge. SMF* Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig.'MM 145/6 I. A.: H. Scbwlttaa. Zentraltiaus moderner Horrenkleiilüni Neuo ITrledrlchstr. 85, neben der Zeulral. Markthalle, liefert an jedermann elegante Hekren-Meroben fertig und nach Mast unler Ka« raniie sttr tadellosen Sitz gegen «äadintl. toitrodtung von 1 M. an. Zuschiieiderel u.Werlstätten I.Hause. Aul Wunsch Besuch de« Reisenden mit neuesten Stoffmustern. Sonntags geöffnet. MUwM öeittr Briereiarftete ..... OHsvenoaUung Berlin.-.....--■■ Beschästsstelle Berlin C. 54, Mulackstr. 10, l.— Fernsprecher Amt in, 4518. Sonntag, den 25. April er., nachmittags S Uhr t Mitglieder- Vers ammlung SSSS aller Grttppen SS? im GewerkaohaftshanBe, Engeluser 15(groger Saal). TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« VerbandSvorsltzenden Bartla Qtrel über: �Krists und Braustruer". 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1909. 3. Vereins- angelegenheiten. 4. BerschiedeneS. WM- Die wichtig- TageS-Ordnung erfordert da« Erscheinen aller Kollege».— Zu dieser Versammlung haben alle Brauereiarbeilcr. auch wenn sie nicht Mitglieder de« vrauereiarbeiter.Verbandes sind, Zutritt. WW- Kollegen, dringt die Unorganisiert»» mit in diese Versammlung. 42/16 Die OrtsTerwaltiin Diese Grundsätze bürgen Ihnen für die Solidität und Reellltät der Firma Verwaltungsstelle Berlin II. Am Sonntag, brn 25. April 1000, vormittags von 10 Uhr vis nachmittags 2 Uhr, linden dt» Stichmahleu für« Delegierte Ar llsnerslvsrzammlllng in Mellen in folgenden Lokalen statt: Identram: W. Sieber(früher Engel», Scydelstr. 30. Hallesches Tor: Paul Scholz, Baruther Str. 22. Potsdamer-Tor-Bcairk: Herm. Roh, Bülowstr. 66. Nonblter Bealrk: Ernst Stark, Waldftr. 8, und Burschat. Spenerstr. 23. HVeddlng-Be-lrk: August Marsand, Sellerstr. 12. Vvsnndbrunnen und Belnlekendort-Ost: Ernst Globig. Koloniestr. 15. Bosentbaler-Tor-Benlrk: Gottlieb Hoffmann, Swinemllndec Stratz« 47. Seb«nba,iser-Tor-Be-lrk: Karl Uhlig, Lhchener Str. 2/3. KOnlgstor-Bezlrk: Friedrich Rausch. Winsftr. 12. I-audsberger-Tor-Bezlrk: Emil Pante», Heidenseldstr. 11. Prankrarter-Tor-Benlrk: Gustav Müller, Grost» Frankfurter Straße 137. Schleslscher-Tor-Bcsirfc: Paul Hoffmann, Oppelner Str. 47. Kottbuser-Tor-Uexlrk, Illxdopf-\ ord sowie Treptow: Gustav Schmidt, Nixdorf. Friedelstr. 44. BI»dort-»rltM: Ferdiuaud Henuig, Rixdorf, Zieienstr. 69. Ober» und STieder-ScbOneweide(omie Baumsehnlenweg: Friedrich Warneke, Ob»r>Schö»eweide, Wilhelminenhossir. 18. Bemuneisburg, Boabagen, I-iebtenberg, Prledrlobs» berg, Stralau: Georg Pieweg, Alt-Boxhag-n 54. Weißensee: Hermann Tröger,»Zum Prälaten-, König. chaussee 42, Ecke Lehderstrabe. Pankow, Sebdubausen und Fransöslsch-Bnchhols; Karl Abendroth, Pankow, Mühlenstr. 31. Borsigwalde, Tegel und Beiniekeudorf-Weat: August Bcndfch, Reiniekeudorf West, Aittonimstr. 61. vbarlotteudurg: BoltShanS Sharlottenbnrg. Rofinenftr. 3. Wlln» ersdork- Baiensee: Frist Kacseler, Wilmersdorf, Lauenburger Str. 20. Sekvneberg- Friedenau: Wilhelm Kuschte(früher Obst), Schöffeberg, Meininger Slr. 8. Temp elhof-Barlendorf: Marti» Müller, Sempelhof. Berliner Straße 41/42. Ten Mitgliedern ist eS freigestellt, in einem der vorbenannte« Lokale ihre Stimme abzugebe». ?ll« Wahllegiiimalion dient da« MilglicdZbuch, welches am Eingang zum Wahllokal vorzuzeigen ist. Wer mit feinen Beiträge» länger als 10 Wochen t« Rück. stände ist, ist utcht wahlberechtigt. Stimmzettel erhatten die Mitglieder am Eingang zum Wahlzimmer. 66/18«_ Die Verwaltung II.& A.; Albert Uthest Lerantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. •v> t> o < W � Leske & Isehrer «s>-y d' 78 Kottbuser Damm 78 Spezialbaas gater Herren- a. Knabcnbekleidang ----- fertig and nach Baß.----- ■w* >5. Denken Sie nur bestimmt daran, bevor Sie Ihre Einkäufe zum Sommer erledigen, unsere großen Läger zu besichtigen. Sie finden bei uns stets das Neueste vorrätig. Wir empfehlen Ihnen: 58. 33, Herren- Anzüge 15 Mk. 54, SO, 45, 40, 3«, 3«,»y,»4. 31, 18, Paletots 4«, 22, und Ulster ?S; 15 sa 86, ai, Knaben-Anzöge und Paletots »O, 18, 16, 14, 1», 16,» ». 8. y. 6. 5 4 Mk. Herren- Hosen «2. SO, 18. 16. 14. 12, 16,<275 o, s, y, 6, 5, 4, 3, Anzüge nach Ißaß»-«»<» 1 I faletotsnachKCaß»»oo von Mk.*»'* an|| von Mk. an Leske& Lehrer 78 Hottbnsev Lamm 78 ::: Spezialhaus guter Herren- und Knaben-Bekleidung::: ----------------- fertig und nach Maß. Spezial-Abteilung: :: Bekleidung für sämtliche Berufe. Bitte beachten Sie genau Firma und Haasnummer! Für den Inseratenteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlio. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht. dab unser Mitglied, der Schlosser IPriedrich Lux an Kopsverietzung gestorben tft. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 24. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Simeon-KirchhoseS ü»! Britz aus statt. Ferner starb am 19. April unser Mitglied, der Arbeiter August Laurent Ehre seinem Andenke« 1 Die Beerdigung findet am Soimlag, den 25. April, nach- mittags 6 Ilbr, von der Leichen- Halle des FranzSsischen Kirchhofes in der Wollankslrasje aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/1 Ole Ortsverwall ung. mW ittTMHiin.............. nein Perlillnd drr Zchllkider und Achuriderinueu. Kschi-uk! Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Klsx Tvhuoh am IS. April im Aller von 35 Fahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l 162/13 Oie Ortsverwaltung I. Zentral-lerbainl der Maurer Deutsehlands. Zweigverein Berlla. Sektion der Gips- u. Zementbranehe Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der gementierer Paul Klose (Bezirk Schönhauser Vorstadt) am 22. April im Alter von 4L Jahren verstorben Ist. Die Beerdigung findet am Sountag, den 25. April, nach- mittag» 12'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Friedens-Kirch- Hofe« in Nieder. Schönhausen (Nordend) au» statt. Rege veteillgung erwartet 137/5 Der Sektionsvorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Mbert Preppernau am 21. April verstorben ist. Ehre seinem Andenke» t Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. April, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Jerusalemer Kirchhofes in Rixdorf, Hermannstraße, au» statt. Um rege Beteiligung eriucht Oie Ortsverwaltung. Dunkoagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz« spenden bei der Beerdigung unsere» lieben Vater« und Schwiegervaters IPrledrleb Berg sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bclannlen unseren herzlichsten Dank. Karl Brauer und Frau. Abessimer- ich Sclbstaujstellen für artenbesitzer u. Lauben- kolonisten komplett von 8 M. an. Flügelpumve». Gartcnspripe» in großer Auswahl. Erdbohrer leihweise. Carl Köchlin&Co., _«erltn 8W., (IV 1679.) Alt» Jalobstr. 18/19. Sanssouci,\ttZuX Direktton Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag Donnerstag: Hoffmanos und Frühlingskränzchen. Einakter, Enesrnbleszenen. Aktuelle Vortrüge in Wort und Lied usw. Leg. Sonnt. 5, wochent. SU. Morgen Sonntag: Gr. Eiite-Solre«. Tanz. Jed. Dienstag: Theaterabeml. Dx. 95- 26. Zayrgavs. 3. KtilM des„Umäris" Knlim KIksM Zovnübelld. 3� April lW. flugblattverbreitung. Achtung! Am Sonntag, den 25. April, von 8 Uhr früh SN, findet in Berlin und allen Orten der Umgegend eine Flugblattverbreitung von den bekannten Lokale» aus statt. Wir bitten die Genossen und Genossinnen, vollzählig zur Stelle zu sein, damit die Verteilung prompt und schnell erledigt wird.. Auch für den Niederbarnimer Kreis findet, entgegen früheren Bestimmungen, die Verbreitung gleich- falls am Sonntag statt und zwar in allen Bezirken des Kreises. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Partei-?Zng6!egenKeiten. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint zum Himmelfahrtstage. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 2. Mai, an die nachvcrzeichnctcn Kam- »nissionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch, NW. 28, Lessingstrabe 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder. 3. 53. Bärtvaldstraste 47. Für den m. Wahlkreis an den Genossen Karl König, S. 59, Urbanstraste 93. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, 0. 34, Strastinannstrabe 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, C. 54, Auguststraße 51, Ouergeb. IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 58, Ueckermünder Straße 17, II. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Blumenthalstraße 24. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr. Rixdorf, Selchower Straße 15—16, IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen August Paris, Velten, Luisenstraße 17. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borsibenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungcn in Lokalangelegenheiten für Groß-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem B o r s i tz e n d e n des betreffenden Kreises zu übermitteln.>— Ferner Iveisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfcrenzen der Lokalkreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 2. Mai einlaufenden Meldungen rönnen ßticht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten 5tomi»issions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärt s". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist. wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: RichardHenschel, Berlin N. 58, Ueckermünder Straße 17, II. Rixdorf. Zu dem am Mittwoch, den 28. April in Hoppes Fest- sälen, Hermannstraße 49 stattfindenden Lichtbild er-Vortrag deS Genossen Geck über die badische Revolution sind noch Eintrittskarten zum Preise von 10 Pfg. bei den Bezirksführern und in der Spedition Neckarstraße 2 zu haben. Der Vorstand. Wilmerödorf-Halensee. Am Sonntag, den 25. April, morgens 8 Uhr, findet von allen Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Steglitz. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Lokalen aus Flugblattverbreitnng. , Friedenau. Am Sonntag früh Flugblattverbreitung von den Dezirkslokalen aus. Heute Sonnabendabend Materialausgabe bei Gustav Schönefeldt, Rheinstraße 31; dort ist heute auch die Bibliothek von 8 bis 10 Uhr abends geöffnet. Der Vorstand. Lichtenberg. Am Sonntag findet von den bekannten Lokalen auS eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Tempelhof. Morgen Sonntag Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Britz-Buck-w. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonntag früh findet im Ort eine Haus- agitatiou statt. Die Genossen werden ersucht, das Material hierzu um l/sß Uhr im Lokal„Lindenbaum" abzuholen. Der Vorstand. Ruuimclsburg. Am Sonntag ftüh 8 Uhr findet von den bekannten Lokalen auö über den ganzen Ort eine Flugblattverbreitung statt. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß am Dienstag, den 27. d. M-, abends 8 Uhr, im Saale der Wwe. Weiael eine Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins stattfindet. In dieser Versammlung referiert Genosse Müller über: Unser Gememdeprogramm und die Stellung der hiesigen sozialdemokratischen Gemeindevertreter zum Gemeinde- steucrzuschlag für 1909. Der Vorstand» Stralau. Am Sonntag, den 25. April, morgen? 8 Uhr von allen Bezirkslokalen Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Ober-Schöncwcide. Sonntag früh findet von den Bezirkslokalen auS Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Köpenick. Die morgen Sonntag stattfindende Flugblatt- Verbreitung erfolgt früh Va� Uhr von den bekannten Lokalen aus. Friedrichsfelde. Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Lokalen aus Flugblattverbreitung statt. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Heute Sonnabend, abends 8 Uhr, findet im Lokale von Otto Pätsch die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Die Tagesordnung enthält wichtige Beratungsgegenstände. Der Vorstand. Reinickcndorf-Ost. Morgen(Sonntag) früh 8 Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Reinickendorf-West. Sonntag früh 8 Uhr Flugblatwerbreitung von den bekannten Lokalen aus. Der Vorstand. Nieder-Schönhanscu-Nordcnd. Am Sonntag, den 23. April, findet die Besichtigung der Wohlfahrtsausstellung in Charlottenburg, > Fraunhoferstraße 11/12, statt. Treffpunkt um 11 Uhr vormittags bei Radseck, Kaiser-Wilhelm-Straße 10. Für Nachzügler um 1 Uhr vor der Ausstellung. Um 8 Uhr früh findet von den Bezirkslokalen aus eine Flugblatt- Verbreitung statt. Der Vorstand. Pankow. Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Tegel. Am Sonntag findet Flugblattverbreitung von den Bezirks- lokalen aus statt. Adlcrshof. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, vom Lokal Töpfer, Helbigstraße 31, aus Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Grünau. Sonntag. den 25. d. M., Flugblattverbreitung. Materialausgabe 71/a Uhr in der„Grünen Ecke", Köpenicker Stt. 83 NowawcS. Morgen, Sonntag findet eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt 8 lihr früh bei Gruhl, Priesterstraße 69. Des weiteren werden die Mitglieder des Wahlvereins darauf hingewiesen, daß vormittags von 9—12 Uhr in den bekannten Lokalen die Beiträge des Wahlvereins einkassiert werden. Die Bibliothek befindet sich vom Sonntag ab inc Lokal des Genossen Singer, Priesterstr. 31, 1 Treppe. Der Vorstand. Staaken. Am Dienstag, den 27. April, abends S'/a Uhr, findet in Gnädigs Gasthof eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Neue Volkslasten als Reichsfinanzreform. Referent: Genosse Gewerk- schaftssekretär Hetzschold- Berlin. Sonntag, den 23. April, früh 8 Uhr: Handzettelverteilung. _ Der Vorstand. Berliner JVaebriebten» Berliner Frühling. Die Rasenflächen auf den öffentlichen Plätzen erglänzen wieder wie smaragdener Samt, und das Spatzenvolk, das sich lärmend darauf hernmtummelt. hat alle Bande fromnicr Scheu von sich geworfen. Der Anblick des höchst unmoralischen Treibens, mit dem die Sperlinge den Frühling auf ihre Weise zu feiern sich nicht entblöden, peinigt die männlichen und weiblichen Betschwestern unter den Passanten. In vollem Flor steht der Berliner Straßenbaum, die Ulme, jene Holzart, die am besten noch dem Staub der Gaffen, den giftigen Dünsten der Großstadt, den Licht und Luft von ihren Wurzeln abschließenden Asphaltdecken zu widerstehen vermag. Es ist ein bescheidener Flor. Nur hier und da hebt einer den Kopf zu den dichten Büscheln, die gedrängt nebm den Aestchen sitzen und zahllose unscheinbare Blüten ver- einigen. Alle Aestchen sind harizontal ausgebreitet. Auf diese Weise wird das Licht von oben in der günstigsten Weise ausgenutzt, ohne daß die Knospen in den schatten geraten. Dasselbe Prinzip befolgen die später nachfolgenden Blätter. Auch sie breiten sich horizontal aus, denn sie lieben das Licht. Bei den Verkaufsständen der Blumenhändler. den fliegenden und festen, herrscht das leuchtende Gelb der Narzissen. Veilchen, Maiglöckchen, gefüllte Anemonen werden ansgcrufen. Gern sucht das Auge die bunten Auslagen der Blumenläden, denn unsere eigene freie Natur ist noch viel zu arm und nicht immer sind die Anemonen- Wälder hinter- Spandau erreichbar. Auch auf den hängenden Gärten, den Ballonen, wird es nun lebendig, denn ein sicherer Frühlingsbote, der Mann, der frische Blumen- erde zu verkaufen hat, geht schon lange um; ein eifriges Um- ackern der Blumentöpfe hat begonnen und sendet manchem Passanten Spuren davon auf den neuen Frühlingshut. So dürfen wir hoffen, daß das Berliner Straßenbild bald wieder einen angenehmeren Eindruck machen wird. Straßenbäume und Vorgärten werden ergrünen, Bohnen und spanische Kressen auf den Ballonen in die Höhe klettern, und auch die Sperlinge werden wieder in moralischere Bahnen einlenken._ Ucdcrmäßige Ausnutzung von Berliner Waisenkinder«. In den kürzlich erschienenen Jahresberichten preußischer Gewerbe- inspektoren wird aus dem Regierungsbezirk Arnsberg berichtet: „In gewissen Gegenden, wo die Kleineisenindustrie verbreitet ist, lassen sich die Fabrikbesitzer durch Vermittelung von Agenten jugendliche Arbeiter aus Berlin und aus den Provinzen Ost- und Westpreußen kommen. Diese jungen Leute, welche meist Waisen oder Halbwaisen sind, erhalten bei ihrem Arbeitgeber Kost und Logis und werden häufig bor oder nach ihrer Tätigkeit in der Fabrik oder Werkstätte zu häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen und übermäßig ausgenutzt. Der Besitzer einer Werkzeugfabrik, der schon zweimal wegen Vergehens gegen die Be- stimmungen der Gewerbeordnung über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter bestraft worden ist, und der sich auch in bezug auf die Be- schästigung dieser fremden jungen Leute an keine gesetzlichen Be- stimmungen kehrte, wurde wegen Vergehen gegen die Schutz- bestimmungen der§Z 135, 136 und 138 der Gewerbeordnung zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt." Es muß die Frage aufgeworfen werden, ob von der hiesigen Waisenverwaltung Waisen nach dieser Gegend gegeben worden sind, und wenn das der Fall ist, dürfte es angebracht sein, Vorsorge zu treffen, diese jungen Leute vor übermäßiger Ausnutzung zu schützen. Die Sprcc-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft„Stern" wird am kominenden Sonntag ihre Dampfer wie folgt Verkehren lassen: 1. Ab Jannowitzbrucke: 9 Uhr nach Woltersoorfer Schleuse(ein- fache Fahrt), von 2—5 Uhr stündlich bis Grünau, von 2—5.30 Uhr halbstündlich bis Loreley(Niederschöneweide). Alle Schiffe legen 15 Minuten später am Schlesischen Tor an. 2. Ab Grünau(Gesell- schaftshaus) von 10.23—5.23 Uhr erstmalig stündlich über Schmöckwitz nach Zeuthen, Hankeis Ablage. Rauchfqngswerder und Ziegenhals. 3. Ab Erkner(Bahnhofshotel) von 9—5 Uhr stünd- lichcr Motorbootsverkehr auf der Löcknitz bis Alt- Buchhorst. 4. Ab Bahnhof Scharmützelsee im Anschluß an die von Berlin- Königswusterhausen eintreffenden Züge, Verkehr über Schwarzhorn, Silberberg, Diensdorf, Pieskow nach Pechhütte und zurück. 5. Ueber- fahrten auf dem Müggel- und Wannsee. 6. Ab Spandau(Char- lottenbrücke) 2.15, 3.15, 5.15 Uhr über Wannsee nach Potsdam. 7. Ab Spandau(Hafenplatz) von 9.05 Uhr früh bis 9.05 Uhr abends stündlich nach Tegel und Heiligensce. 8. Ab Wannsee(Bahnhof) von 10.40—6.40 Uhr über Kladow bis Potsdam. 9. Ab Potsdam(Eisen- bahnhotel) 12.10, 2.10, 5.10 Uhr über Wannsee nach Spandau, ferner von 11.10—6.10 Uhr stündlich über Kladow bis Wannsee, um 10 und 5 Uhr nach Ferch(zurück 6.30 Uhr abends) und um 12, 2 und' 3 Uhr bis Werder(zurück 1.30, 3.30 und 5.30 Uhr), 2.43 und 4.45 Uhr über Nedlitz nach Krampnitz(zurück 3.45 und 5.45 Uhr). 10. Ab Tegel halbstündlich nach Tegelort und stündlich bis Heiligensee bezw. bis Spandau. Vielseitig. Bekanntlich hat der deutsche Kronprinz, um sich auf seine zukünflige RegierungStätigkeit vorzubereiten, in die ver» fchiedensten Verwaltungen Einblick genommen. Auch in die Ge- heimuisse der Technik ist der zukünftige deutsche Kaiser eingeweiht worden, nur haben ihm böse Menschen sein Erfindergenie, das er an Manschettenknöpfen probierte, streitig gemacht. Jetzt weiß die „Vossische Zeitung" zu melden, daß der Kronprinz kürzlich bei dem japanischen Professor Kichisaburo Saphi Unterricht im Jiu-Jitsu (Selbstverteidigungskampf) genommen habe und daß der Herr Pro- fessor in Anerkennung der guten Lehren mit dem Bildnis mit eigen- händiger Unterschrift des kronprinzlichen Schülers und mit einer Diamautnadel belohnt worden ist. Daß der Thronfolger sehr lern- begierig ist, werden unsere Bhzantiner nicht bestreiten. Die ramponierten Zigarren des Justizfiskns. In einem Aushang« kästen des Amtsgerichts Berlin-Tempelhof in Moabit ist neben der Ladung diverser' Herren, die ein Interesse daran haben, sich der näheren Bekanntschaft mit der Justiz zu entziehen, ein Zettel an- gehestet, auf dem eine Reihe im Gerichtsgebäude gefundener Gegen- stände verzeichnet stehen. Es paradieren darauf: 1 Mütze, 1 Paar Unterhosen, 1 schlvarzeS Jackett, 1 graue Joppe, 2 Pfund Kaffee, 1 Büchse Honig, 1 Flasche Stonsdorfer, 1 Flasche Rotwein, 1 Flasche Likör, 1 Taschenuhr und— 15 ramponierte Zigarren. Die unbe- kannten Verlierer werden aufgefordert usw.— Die Liste kann nach- denklich machen. Eine Flasche StonSdorser, eine Flasche Likör-- na ja„es ist ein Spruch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör", und freudig erregt pflegen die Besucher Moabits gcwöhulick, nicht zu sein. Aber warum so unbestimmt.„1 Flasche Likör"? Das ist leicht gesagt, aber welche Nummer, fragt der Berliner. Reicht die Sachkunde der vereinigten Gerichtsdienerschaft von Moabit nicht aus. um das Geheimnis der mysteriösen Flasche zu ergründen? Und wie, wenn der glückliche Erstcigerer der Flasche zu Hause entdeckt, daß sie gar keine„scharfe Sorte", sondern höchstens ein Ingredienz, geeignet zur matten Limonade, oder Himbeersaft enthalt, kann er dann den Justizfiskus wegen Vor» spiegelung falscher Tatsachen verklagen?— Die Perle der Samm- lung bilden aber unstreitig die 15 ramponierten Zigarren. Hoffentlich werden sie nicht im ganzen verschlendert, sondern„parzelliert", da- mit der Erlös ein größerer ist. Freilich, waS heißt ramponiert? Sind es nur noch Stummel oder widerspenstige Glimmstengel, die nicht ziehen wollten? Hat sie ein Verdonnerter voll Wut und Haß an die Wand geschleudert oder ein Freigesprochener dem Cerberus generös in die Hand gedrückt, der nach einigen Zügen mit Entsetzen verzichtete?— Vielleicht finden sich noch die rechtmäßigen Eigen- tümer wieder, und der Fiskus ist um den Ertrag der Pfundstücke inklusive der 15 ramponierten Zigarren geprellt. Die Erhöhung der Knrsätze in den städtischen Kraukenanstalten. Der Magistrat zu Berlin hat gestern vorbehaltlich der Zu- stimmung der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Kur- und Verpflegungssätze in den städtischen Krankenanstalten für ein- heimische Kranke zum 1. Juli d. I. von 2,50 M. auf 3 M. und für auswärtige von 3 auf 3,50 M. zu erhöhen. Sollte eine auswärtige Gemeinde Berliner Kranke mit einem höheren Satze als 3,50 M. bedenken, dann soll in Zukunft der dort berechnete höhere Satz auch in Berlin zur Anrechnung konnnen. Dieser Beschluß bedeutet für die hiefigen Krankenkassen eine sehr erhebliche finanzielle Belastung. Ein interessanter Konflikt. Zwischen dem Verein„Berliner Viehkommissionäre" und dem Verein der Berliner EngroS-Schlächter- meister ist, wie die„Deutsche Fleischerzeitung" meldet, ein Konflikt ausgebrochen. Der Verein der Schweine-Engros-Schlächtermeister hatte beschloffen, den Viehkommissionär Schelsky zu boykottieren, weil derselbe im Auftrage der Viehkommissionäre gegen den früheren Vorsitzenden des Engros-Schlächtervereins Kühne, der einen bösen Bankrott gemacht hatte, vorgegangen war. Der Verein der Berliner Viehkommissionäre droht nun, falls der Bohkottbeschluß nicht auf- gehoben wird, gerichtlich vorzugehen und Schadenersatz zu ver- langen._ Tragische Szene in der Handelskammerfitzung. In der gestrigen Sitzung der Berliner Handelskannner ist Kommerzienrat Emil Solomon auS der Tiergartenstr. 15 plötzlich einem Schlaganfall er- legen. Kommerzienrat Salomen hatte gerade ein Gutachten ab- gegeben, als ihm aus der Mitte der Versammlung nahegelegt wurde, den zweiten Teil seiner Ausführungen fallen zu lassen. Er erwiderte daraus:„Ich lege gerade auf diesen zweiten Teil meines Gutachtens großen Wert." Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da sank er auf seinen Sitz zurück. Das Mitglied der Handelskammer Dr. Frenze!, der von Hause aus Arzt ist, konnte nur noch feststellen, daß der Tod infolge Herzschlages eingetreten war. Die Sitzung wurde sofort geschlossen._ Ein Lausbub. Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Presse, daß die Berliner Feuerwehr mehrfach von einer Tclephonzelle des Reichs- tags aus böswillig alarnnert worden sei. Am Freitag ist endlich der Uebeltäter entdeckt worden. Es ist ein Laufbursche der Zentrumskorrespondenz(C. P. C), der das ReichstagStelephon zu allerhand Streichen gemißbraucht hat. So hat er jüngst bei einer renommierten Weinhandlung 200 Flaschen Sekt für den Reichstag bestellt, und die Firma hatte solches Vertrauen in den Durst unserer notleidenden Agrarier, daß sie die Bestellung ohne weitere Nachfrage ausgeführt hat. Natürlich mußte der Kutscher die Scktkörbe ungelcert zurücknehmen. Das letzte Opfer des Jungen war unserOberbürgerineister Kirschner. Er wurde vom Reichstag aus angeklingelt und als er am Telephon erschien und fragte, wer ihn zu sprechen wünschte, erhielt er zur Antwott: Fürst Bülow. Herr Kirschner erkundigte sich Pflicht- schuldigst nach den Wünschen des Reichskanzlers, erhielt aber nur die höfliche Antwort: Ich wollte mich nur erkundigen, wie es Ihnen geht. Dann wurde der Hssrer angehängt. Der hoffnungsvolle Jüngling hätte sein Spiel noch längere Zeit forttreiben können, wenn er sich allein mit innerer Freude begnügt hätte, aber er hatte einen Mitwisser und als er mit diesem Kameraden in Streit geriet, kam die Wahrheit an den Tag. Der HauSinspeltor kam hinzu, als die beiden Jungen sich prügelten und der eine dem anderen seine Schandtaten vorhielt. Die nächste Folge war die Entziehung der Reichstagskarte und die Entlassung des Boten durch die Zentrumskorrespondenz. Im Hintergrunde steht dräuend ein gerichtliches Verfahren. Vorläufig heult der falsche Bülow wie ein Schloßhund. Erpressungen und Heiratsschwindel in großem Umfange hat ein ehemaliger Stadtmissionar getrieben, der jetzt von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen wurde. Es ist ein 40 Jahre alker Gustav Weiße, der in Leipzig und Halle in der Stadtmission be- schäftigt war. bis er wegen Unterschlagung von 900 M. entlassen wurde. Weiße, der durch seine Tätigkeit mit Damen der besten Gesellschaft zusaminenkam, erlauschte von den Kammerzofen und Dienstmädchen gewisse harinlose Intimitäten. Diese benutzte er später zu Erpresslingsversuchen. Er schrieb den Danien Briese, in denen er ihnen dieses oder jenes andichtete und mit Veröffentlichimg in der Gesellschaft drohte, wenn sie nicht Geld schickten. Der Erpresset rechnete darauf, daß seine Kenntnis der harmlosen aber doch eigentlich verborgenen Dinge den Damen, auch wenn sie das beste Gewissen hatten, doch einen genügenden Schreck einjagen werde, um sie gefügig zu machen. Er täuschte sich aber, denn alle Empfänge- rinnen seiner Briefe übergaben diese der Kriminalpolizei. Nach dem- selben Muster wie in Halle und Leipzig ging Weiße auch in Berlin und Charlottenburg vor, als er hierher übergesiedelt war. Schon im Herbst vorigen JahreS begann hier dieses Treiben. Der Erpresser benutzte die verschiedensten Chiffrcadresten und Postämter, bis er jetzt nach lange» Beobachtungen festgenommen wurde. Bei den ErprcssungSversuchen erbeutete er nichts, Erfolg hatte er dagegen mit dem Heiratsschwindel. Einem Mädchen nahm er die ganzen Ersparnisse ab; es ist darüber krank und elend geworden und der Armendirektion zur Last gefallen. Ein anderes rettete wenigstens noch einen Teil des Vermögens. Wahrscheinlich hat der Schwindler, ein mittelgroßer Mann mit hellblondem, rötlich schimmerndem Spitz- bart und Kneifer, noch mehr Opfer gefunden, vermutlich auch unter falschem Namen. Geschädigte wollen sich bei der Kriminalpolizei im Zimmer LS des Polizeipräsidiums melden. Eine Rcvolverschießcrci rief am Donnerstagabend in derDircksen- straße große Aufregung hervor. Eine Hausbesitzerin im Westen Berlins erhielt einen Brief, in dem sie unter Drohungen aufgefordert wurde, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort in der Dircksenstraße zwischen Alexanderplatz und Januowitzbrücke ein Portemonnaie mit Geld aus dem Stadtbahnzug zu werfen. Die Bedrohte machte der Kriminalpolizei Anzeige und ging zum Schein auf das Verlangen ein. Drei Kriminalbeamte und eine Gehilfin, die sie annahmen, legten sich auf die Lauer und ließen den Erpresser kommen, Ilm lO'/z Uhr abends kam das Portemonnaie an der bestimmten Stelle aus einem Stadtbahnwagen herausgeflogen. Eine Dame und ein Herr, die in der einsamen Straße wie zufällig des WegeS gingen, hoben es auf, legten es aber gleich wieder hin. Plötzlich eilte ein junger Mann auf das Portemonnaie zu, hob es hastig auf und steckte eö ein. um weiter zu gehen, als einer der Beamten ihn fest- nahm. Der Bursche riß sich los und schoß aus einem Revolver, den er schußbereit in der Hand hatte, auf den Beamten. Als er sah, daß er gefehlt hatte. drehte er sich auf der Flucht um und gab noch drei Schüsse auf die Verfolger ab. Jetzt griff einer der Kriminalbeamten zur Browningpistole. Der erste Schuß traf den Flüchtling leicht am linken Fuße. die zweite Kugel traf ihn so schwer in den Oberschenkel, daß er umfiel. Der Verwundete wurde nach der Unfallstation am Grünen Weg gebracht, dort vorläufig verbunden und dann als Polizeigefangener der Charitö zugeführt. Er wurde fest- gestellt als ein IS Jahre alter Arbeiter Otto Schumann, der in der Müncheberger Straße Nr. 4 wohnte. Der Verhaftete behauptet, daß * er sich die Dame aufs Geratewohl aus dem Adreßbuch herausgesucht habe. Schumann ist der Sohn eines Nachtwächters und hat die Kammacherei erlernt. Nach der Behauptung der Eltern soll er immer fleißig gearbeitet haben, zuletzt aber in schlechte Gesellschaft ge- raten sein. Sch. ist bisher noch unbestraft. Der Brief, den er an die Frau schrieb lautet:„Werte Frau! Sie werden am Donnerstagabend um Punkt V3II Uhr ein mit SOS M. gefülltes Portemonnaie aus einem Coupsfenster nach der Dircksen-, Ecke Schicklerstraße, zu werfen. Stellen Sie uns keine Falle, Sie werden sonst ein entsetzliches Ende nehmen. Tom Briand, ein Mitglied der Schwarzen Hand." Die Empfängerin übergab den Brief sofort der Kriminalpolizei und er- möglichte«S dadurch, den Erpresser ohne Verzug unschädlich zu machen._ Mord und Selbstmord. Ein schreckliches Drama hat sich gestern abend in der sechsten Stunde in der Rigaer Straße abgespielt. In dem Restaurant von Patt, Rigaer Str. 27, erschoß der 28 Jahre alte Hausdiener Wilhelm Weiß, Schreinerstr. SS, die öS Jahre alte Gastwirtsfrau Marie Patt. Er brachte sich dann selbst einen Schuß bei und starb auf dem Transport nach der Charitö. Weiß, der in dem Pattschen Lokal als Hausdiener beschäftigt wurde, war der Frau Patt, als diese am Nachmittage das Schlaf- zimmer aufsuchte, gefolgt. Er verriegelte die Tür und schoß der Gastwirtssrau eine Kugel in das rechte Ohr. Der Schuß führte den sofortigen Tod der Frau Patt herbei. W. schoß sich dann selbst eine Kugel in die Schläfe und brach gleichfalls besinnungslos zusammen. Auf die Schüsse hin eilten mehrere im Lokal anwesende Gäste sofort nach dem Zimmer. Sie brachen die Tür auf und als sie das Zimmer betraten. bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick. In ihrem Blute lagen die beiden Personen am Fußboden. Frau P. war bereits tot. Dagegen konnte man bei W. noch Lebenszeichen beobachten. Auf Veranlassung eines hinzugerufenen Arztes wurde er in einem Krankenwagen nach der Charits gebracht, doch auf dem Transport erlag er bereits der Schußverlctzung. Die Leiche wurde gleich nach dem Schauhause gebracht. Ueber das Motiv zu der schaurigen Tat sind in der Nachbarschaft des Tatorte? die ver- schiedcnsten Gerüchte verbreitet. Mit Bestimmtheit konnte jedoch die Ursache dcS Dramas noch nicht festgestellt werden. DaS Opfer einer Gasvergiftung ist das ILjährige Dienstmädchen Johanna Urbat, daS in den«Prachtsälen des Ostens" bedienstet war, geworden. In dem Schlafzimmer des jungen Mädchens waren an an der Gasleitung zwei Stellen undicht geworden und während die U. nachts schlief, entströmten den Oeffnungen beträchtliche Mengen Gas. Morgens mußte die Tür gewaltsam geöffnet werden. Das junge Mädchen fand man in bewußtlosem Zustande im Bett auf. DaS Zimmer war vollständig mit Gas angefüllt. Ein Arzt und zwei Feuerivehrleute bemühten sich längere Zeit mit Hilfe des Sauerstoff- apparates mit Erfolg um die Leblose. Teures Schäferslündche». Einen empfindlichen Verlust hat der Student der Sprachenkunde Eugen W. aus der Keithstr. 16 erlitten. ES ist ihm eine Brieftasche abhanden gekommen, die 8000 M. in Papiergeld und 30 Schecks der amerikanischen Expreß Comp, enthielt. Es wird vermutet, daß ihm die Tasche von einer Frauensperson, deren Bekanntschaft er erst kurz vorher gemacht hatte, gestohlen worden ist. W. war mit der Unbekannten die ganze Nacht hindurch zusammengeblieben und am folgenden Morgen vermißte er das Geld. Das Papiergeld bestand aus sieben Tausend- und zehn Hundertmark- scheinen. Die Schecks lauteten auf eine recht hohe Summe. Sie sind Kreits gesperrt worden._ Sin ElcndSbild. Entbehrungen haben wahrscheinlich den Tod der 30 Jahre alten Schlosserfran Berta Brakopp die vorgestern in ihrer Wohnung in der Höchstestr. 20 als Leiche aufgefunden wurde, herbei- geführt. Die Frau lag mit ihrem Manne in Scheidungsklage und wohnte seit einem Monat für sich allein, nachdem sie eine Zeitlang im städtischen Obdach gewesen war. Die Miete bezahlte die Armen- Direktion. Seit dem zweiten Osterfeicrtage war Frau Brakopp, die keine Beschäftigung hatte, nicht mehr gesehen worden. Nachdem ein Bekannter, dn; sie besuchen wollte, dreimal keinen Einlaß gefunden hatte, ließ der Hauswirt die Wohnung öffnen und fand die Insassin tot auf. Die Leiche war schon stark verwest. Ein Arzt konnte die Todesursache zwar nicht ,nit Bestimmtheit feststellen, vermutet aber, daß es Herzschwäche infolge von Entbehrungen sei. I» der V. Wahlfortbildungsschule, L. Hagelbergerstraße 34 ist tm Sommerhalbjahr insbesondere für Erwachsene Gelegenheit zur Teilnahine an folgenden Kursen geboten: Elektrotechnik I, grundlegender Teil Montag?>/- Uhr; Elektrotechnikll. Jnstallationökursus mit praktischen Uebungen Donnerstag 7>/z Uhr; Chemie der Metalle und Säuren mit besonderer Be- rücksichtigung ihrer Verwendung in der Elektrotechnik Mittwoch VL Uhr. Die Teilnahme an jedem Kursus kostet für dasganze Halbjahr nur ö0 Pfennig Im Metropol-Thcater wird heute zum erstenmal die Novität „Die oberen Zehntausend" gegeben. Feuerwehrbericht. Ein sehr gefährlicher Brand kam gestern früh in der Neanderstraße 29 zum Ausbruch. Dort brannte unter einer Treppe eine Menge alter Hansrat und war bei Ankunft der Wehr der Treppenausgang schon total verqualmt. Die 1. Kompagnie sorgte für den Abzug des Qualmes und löschte den Brand durch kräftiges Wassergeben. Die Entstehung war nicht zu ermitteln. Der 13. Zug hatte längere Zeit in der Ruheplatzstratze 27 zu tun, wo Kellerverschläge mit altem HauSrat und die Treppe brannten. Auch hier mutzte kräftig gelöscht werden, um die Gefahr zu be- seitigen. Wegen eines Kücbenbrandes rückte der 8. Zug nach dem Lausitzer Platz 3 aus. Böswillig wurde die Feuerwehr nach dem Hochplatz alarmiert. Der Täter, Schneider August Pranke aus Stllpnitz, ein Mann von 57 Jahren, wurde von der Polizei ver- haftet. Ferner wurde die Wehr nach der Altonaer Straße 22, Stralaucr Straße 3/3, Motzstraße 92, Sebastianstraße 37 und anderen Stellen gerufen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Heute nachmittag 3 Uhr findet die Jahresgeneralversainmlung Dresdener Straße 45 statt. Unter anderem steht auf der Tagesordnung: Bericht von der ersten Konferenz der Samariter-Kolonne und Wahlen zum Bundesvorstand. Es ist Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Montag abend 9 Uhr in demselben Lokale: Schlußvortrag des Winterkursus. Es spricht Herr Augenarzt Dr. E. Cohn über: Geschlechtskrankheiten und Augenkrankheiten. Am Donnerstag MonatSsttzung der diensttuenden Abteilung. Vorort- stlackriebten. Charlotteuburg. In der Stadtverordnetenversammlung vom Mittwoch, den 24. März, war eine Vorlage des Magistrats, die den Bau einer Untergrundbahn von der Neuen Kantswaße bis zun, Nollendorfplatz verlangte, einstimmig angenommen worden. Bekanntlich hat der preußische Eisenbahiiminister hiergegen Einspruch erhoben; doch ist das Publikum hierüber nur durch Zeitungsnachrichten unterrichtet, die natürlich keinen Anspruch auf Authentizität machen können. Der Magistrat hat es noch nicht für nötig gehalten, den Stadtverordneten eine amtliche Mit- teilnng über die Hemmnisse, die sich der Ausführung ihres Beschlusses entgegenstellen, zugehen zu lassen. Die Stadtverordneten Z i e t s ch und Genossen(Soz.) richteten nun in der letzten Sitzung die Anflöge an ihn:„Ist dem Magistrat bekannt geworden, daß die Regierung die Äusführuiig einer Untergrundbahn Nollendorfplatz— Neue Kant- straße verboten oder eine andere Linienführuiig der Bahn empfohlen hat." Die Beantwortung der Anfrage soll in der nächsten Sitzung erfolgen. In einer weiteren Vorlage wurden für die öffentliche Schreibstube für Stellenlose, welche von der Ver- einigung für Wohlfahrtsbestrebungen unterhalten wird, 750 M. zur Beschaffung von Bureaumöbeln gefordert. Diese Vor- läge wurde debattelos angenommen.— Eine Vor- läge, ein zweites Wasserdruckrohr von dem Wasserwerk Jungfernheide bis zum Anschluß an das vorhandene Haupt- robr an. Spandauer Berg mit einem Kostenaufwand von 295 000 M. anzulegen, sowie eine Vorlage, welche Erweiterung»- bauten auf dem Wasserwerk Jungfernhnde mit einem Kosten- rrnfwande von 815 000 M. verlangte, wurden einem Ausschuß von 11 Mitgliedern überwiesen, dem unsere Genossen Klick und Will an» gehören. Darauf fand eine geheime Sitzung statt. Die Betriebseröffnung der zweigleisigen Hauptbahnstrecke Char- lottenburg— Bahnhof Rennbahn wird, wie nun feststeht, am Sonntag, den 23. Mai d. I. erfolgen. Die neue Bahnlinie beginnt bei Kilo- meter 14,50 der Charlottenbnrg-Spandauer Strecke bei der Station Bahnhof Heerstraße, der erst Ende 1909 dem Verkehr übergeben werden soll. Von hier bis Bahnhof Rennbahn beträgt die Ent- fernung 1,40 Kilometer. Die Strecke dient nur dem Personen- verkehr, doch werden auch besondere Ueberführungszüge für Pferde zwischen Bahnhof Rennbahn und Karlshorst bezw. Hoppegarten ver- kehren. Tchöneberg. Der hiesige Arbeiter-Turnverein feiert heute(Sonnabend) sein zweites Stiftungsfeist bestehend in Konzert, Tanz, turnerischen und humoristischen Aussührungen in den neuen Rathaussälen. Meininger Straße 8. Da genannter Verein bei Arbeiterfesten mitwirkt, so wird auf eine Unterstiitzung der Arbeiterschaft Schönebergs gerechnet. Der Ueberschuß des Festes soll für die Baukosten des Turnplatzes verwandt werden. Ober-Schönetveide. Gemeindevertretersihung. Auf die Errichtung SeS G e w e r b e° und KaufmannsgerichtS ist nach dem Stande der Sache zum 1. Juni nicht zu rechnen. Durch Einwendungen der beteiligten Gemeinde Nieder-Schöneweide an dem Ortsstatut sind diese Verzöge. rungen entstanden. Vom Gemeindevorsteher geht nun die Absicht aus, eventuell ohne diese Gemeinde vorzugehen. Dieser unliebsame Streit hätte sich vermeiden lassen, wenn man den Anregungen unserer Genossen gefolgt wäre und zu den Beratungen des Statuts in der dazu eingesetzten Kommission auch Vertreter der beteiligten Gemeinden hinzugezogen hätte. Die am 19. April der Benutzung übergeben« 4. Gemeinde- ch u l e, welche neben 20 Klassen noch 1 Zeichensaal, 1 Physiksaal, Kochklassen und diverse Räume wie Elternwartezimmer, Kon- ferenzzimmer, Lehrerzimmer enthält, soll nach Absicht der Verwal- tung nach der endgültigen äußerlichen Fertigstellung den Ein» wchnern zur Besichtigung übergeben werden. Stach der Zählung der Schulbehörde wirb die Volksschule von 3314 Kindern, die Höhere Mädchenschule von 294 und das Realgymnasium von 145 Kindern besucht. Die Vertretung stimmte dem Abschluß einer Versicherung gegen Unfall und Invalidität für die Arbeiter der Kläranlage zu. Die Arbeiten für die von der Aufsichtsbehörde gelegentlich einer Schul- rcvision verfügte Aenderung der Abortzu- und Abflußleitung wurde der Firma Grobe übertragen. Zur Deckung der restlichen Kosten für die 4. Schule und der Verbesserung der Schmutzwasserkanalffation im alten OrtSteil wurde die Aufnahme einer 4prozentigen Anleihe von 174 090 M. beschlossen. Arbeitslosigkeit und Elend haben vorgestern den Tischler Adolf Winter in den Tod getrieben. W. war schon längere Zeit be- schäftigungslos; in der Familie fehlte es am Nötigsten. Als vor- gestern morgen die Kinder zur Schule gingen und die Frau ab- wesend war, erhängte sich der bedauernswerte Mann am Fenster- kreuz. Der hinzugerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Lichtenberg. Eine Protepversammkung der städtischen Arbeiter Lichtenbergs gegen die Ablehnung ihrer bescheidenen Anträge auf Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse fand am Donnerstag im„Krön- Prinzengarten", Frankfurter Chaussee, statt. Es waren fast alle Gemeinoearbeiter erschienen, soweit sie nicht durch Nachtarbeit ver- hindert waren. Das Referat hielt Stadtverordneter Grauer, der einleitend bemerkte, daß die städtische Verwaltung Lichtenbergs im Einverständnis mit der bürgerlichen Stadtverordnetenmehrheit ehrlich bestrebt ist, die Lebenslage der Gemeindearbciter so niedrig wie möglich zu halten, nicht etwa aus Bosheit, sondern um die Privatindustrie davor zu bewahren, höhere Löhne zahlen zu müssen. Der Redner gab dann eine Uebersicht über die veranschlagten AuS- gaben und Einnahmen der Stadt, Die städtischen Unternehmungen werfen für den Stadtsäckel recht ansehnliche Ueberschüsse ab, die Gaswerke 197 700 M., die Wasserwerke 133 400 M. und das Elektrizitätswerk 33900 Mark. In den Betriebszweigen, wo überhaupt Ueberschüsse erzielt werden können, war also die Tätigkeit der Gemeindearbeiter recht gewinnbringend für die Stadt, so daß um so weniger Grund vorlag, ihre Anträge auf eine geringe Verbesserung ihrer Lebenslage abzulehnen, Nur den Parkarbeitern, und dann den Friedhofarbeitern, für die noch Löhne von 2,50 Mark den Tag bestanden, wurden die Stundenlöhne um 5 Pfennig erhöht. Nachdem der Redner noch weiter die soziale VerständniSIosigkeit der städtischen Verwaltung wie der bürgerlichen Stadtverordneten- Mehrheit treffend kritisiert hatte, schloß er seinen Vortrag mit dem Hinweis darauf, daß die politische wie gewerkschaftliche Organisation vor allem notwendig ist, um gegenüber der bürgerlichen Interessen- Vertretung die Interessen der Allgemeinheit zur Geltung zu bringen und auch den Gcmeindearbeitern ein erträgliches Dasein zu ver- schaffen.— In der Diskussion, in der verschiedene Gemeindearbciter sprachen, trat die Entrüstung über das Verhalten der bürgerlichen Stadtverordneten, des Magistrats und der Verwaltung sehr lebhaft zu tage. Im übrigen wies Polenske, der Vertreter des Gemeiudearbeiterverbandes, gestützt auf ein reiches statistisches Material, nach, daß eine Reihe von Städten, auch rheinische, im Gegensatz zu dem, was Herr Kiclblock behauptet, ihre Arbeiter ein gut Teil besser bezahlen als Lichtenberg,— Die Versammlung schloß mit einstimmiger Annahme dieser Resolution: „Die heute am 22. April im„Kronprinzengarten" zahlreich ver- sammelten Arbeiter und Arbeilcrinnen aller städtischen Betriebe Lichtenbergs bedanern auf das tiesste, daß bei der Ausstellung des Haushaltsplanes für 1909 die eingereichten Anträge auf Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, insonderheit die Anträge auf Zahlung von Wochenlöhnen keine Berücksichtigung gefunden haben. Auf das schärfste protestiere» die Beriammelten gegen die Be- hanpiung des Herrn Stadlrats Kielblock, daß Lichtenberg bezüglich der Arbeiterlöhne voran sei. Die Versammelten stellen fest, daß u. a. in Rixdorf, Charlotten- bürg, Köpenick die Lobnverhältnisse der städtischen Betriebe erheblich günstiger sind, und in puncto sozialer Fürsorge Lichtenberg zu den rückständigste» Gemeinden Deutschlands zählt. Angesichts der rücksichtslosen Ablehnung ihrer bescheidenen An- träge erklären die Versammelten es als heiligste Pflicht jedes Gemeindearbeiters, sich zu organisieren, um mit allen gewerkschaft- lichen Machtmitteln zu gegebener Zeit die Durchführung ihrer An- träge zu erzlvingen." Adlershof. Feuer brach gestern vormittag gegen 11 Uhr in der zweiten Gemeindcmädchenschule, Radeckestr. 3, aus. Das Feuer ist nach amt- lichen Feststellungen durch Kurzschluß in der elektrischen BekeuchtungS- anlage entstanden. Es hatte, ehe es bemerkt wurde, bereits einen großen Teil des Dachstuhlcs ergriffen, aus dem bald die hellen Flammen emporschlugen. Der in sämtlichen Klaffen zum Unterricht versammelten Mädchen, etwa 800 an der Zahl, bemächtigte sich an- fänglich eine Panik, doch gelang es dem energischen Eingreifen deS Lehrerpersonals bald. die Kinder zu beruhigen und sie mit Unter- stütznng von entschlossenen Anwohnern in voller Ordnung inS Freie zu führen. Schulmappen und Mäntel mußten zurllckgelaffen werden, blieben aber unversehrt. Zwei kleine Mädchen erlitten vorüber- gehende Ohnmächten, erholten sich aber bald wieder. Die frei- willigen Feuerwehren von Adlershof und Umgebung erschienen mangels rechtzeitiger Meldung erst ziemlich spät. Es gelang ihnen aber, den Brand trotz des großen UmfangeS, den er bereits genommen hatte, nach einer Stunde zu löschen. Köpenick. Ertrunken ist vorgestern nachmittag der 6 Jahre alte Sohn Ernst des Plättereibesitzers Möbius. Der Kleine spielte mit anderen Kindern an dem User der Spree und war über daS Gitter geklettert, um zu angeln. Hierbei beugte er sich zu weit hinüber, verlor das Gleichgewicht und stürzte in daS Wasser. Obwohl ein 12 Jahre alter Schüler sofort dem Ertrinkenden nachsprang, gelang es doch nicht mehr, diesen zu retten. Die Leiche des kleinen M. konnte bisher nicht geborgen werden. Lankwitz. Mit der diesjährigen Maifeier beschäftigte sich am Mittwoch eine außerordentliche Generalversammlung. Es wurde beschlossen. am Nachmittag nach 4 Uhr sich im Lokal von Ebel, Marienfclder Str. 9, zu versammeln und am Abend 6 Uhr eine Festrede stattfiilden zu lassen. Hierauf wählte die Versammlung die Genossen Otto Zack als ersten, Paul R a d i ck e als zweiten Vorsitzenden, Paul Kühl als Schriftführer und Hermann Richter als Beisitzer. Lübars-Waidmannslust. Daß die Grundstückseigentümer auf das Wohl der Gemeinde pfeifen, sobald es an ihren Geldbeutel geht, zeigte sich in der letzten Gemcindevertretersitzung bei Beratung des Punktes„Pflasterung der Tegeler Straße". Hier sind z. B. drei Anlieger, die sich weigern, den zum Straßenland erforderlichen Grund und Boden von ihrem Grundstück abzutreten. Einer verlangte sogar die Kleinigkeit von 189 M. pro Ouadratrute, trotzdem gleichwertiger Grund und Boden für 80 bis 100 M. pro Ouadratrute zu jeder Zeit zu kaufen ist. Zur Abgabe von Offerten zur Pflasterung der Tegeler Straße sind 7 Firmen aufgefordert worden. Die nievrigsts Forderung beträgt 132 942,25 M., die höchste dagegen 133 858,50 M. Den Zuschlag hat als billigste die Firma Dellos mit 132 942,25 M. erhalten. Zur Deckung dieser und anderer Ausgaben hat die Gemeindevertretung schon in einer der vorhergehenden Sitzungen im Prinzip beschlossen, eine Anleihe aufzunehmen. Recht eigenartig berührt es, daß der Herr Amts- und Gemeindevorsteher Müller einen der anwesenden Gemcindelchrer aufforderte, den Zuhörerraum zu verlassen, noch ehe die Sitzung ihren Anfang nahm. Herr Müller scheint in seiner Eigenschaft als Gemeindevorsteher sich noch im Stadium der Eni- Wickelung zu befinden. Hierbei kann ihm vielleicht die Oeffentlichkeit noch behilflich sein. Auch unsere Genossen werden, wenn c« not- wendig ist, ihr möglichstes dazu tun. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde eine Vor- läge, die eine längere Debatte gezeitigt hätte, vertagt. Diese Vor- läge betraf eine Vertragsgenehmigung mit der Eisenbahndirektion betreffs Uebernahme des Bahnhofsvorplatzes, die Herstellung einer Straßenunterführung sowie einen Entwurf zur Regulierung des Bahnhofsvorplatzes. Wie die meisten Vorlagen, welche vom Bau» amt kommen, war diese erst kurz vor der Festsetzung der Tages» ordnung eingegangen. Die Vertragsentwürfe waren den Stadt- verordneten erst einen Tag vor der Versammlung zugestellt, so daß niemand so recht informiert war, um was eS sich eigentlich handelte. Nach der Tagesordnung wurden für diese Vorlage 118 750 M. ge- fordert, im Vertrage selbst werden die Kosten aber auf 247 800 M. bemessen. Der Stadtbaurat Paul suchte zwar die Sache in seiner Weise klarzulegen, indem er meinte, die geforderte Summe von 118 750 M. wäre nur erst eine Teilforderung. Die Stadt- verordneten aber, gewitzigt durch die ganze verhauene Brücken- straßen-Angelegenheit, ließen sich von den Ausführungen de? Baurates nicht überzeugen, zumal auch die Stadt nach dem Ver» trage nur Pflichten, aber gar keine Rechte hat. und wies die Vor- läge zur weiteren Klarstellung zurück.— Eine zweite größere Vorlage, betreffend eine anderwcite Festsetzung der Stratzenflucht- linie zwischen dem Stresowplatz, der Charlottenbrücke und Fischer- straße, wurde nach einer kurzen Erklärung des Referenten in die geheime Sitzung vertagt, wo sie mit der Vorlage betreffend Ankauf des Grundstücks Hotel Friedrichshot zusammen weiterberatcn werden soll. Diese Vorlage fällt in die Brückenstraßen-Angclegen- heit, die jetzt so verfahren ist, daß man nur unter Aufwendung größerer Mittel erst etwas Klarheit wird schaffen können. Die Angelegenheit wird noch lange das Schmerzenskind für Spandau bleiben, und die damaligen Befürworter des Ankaufs und NiederreißenS der Häuser, u. a. namentlich der jetzige Stadtrat. damalige Stadtverordnete Dr. Engelhardt, werden heute sich wohl hinter die Ohren kratzen, Kenn sie sehen, tmeviel Geld dies bor. eilige Vorgehen der Stadt kostet. Am besten wäre es, man machte diese Herren regreßpflichtig.— Bemerkenswert ist noch ein An- trag des Ortsverbandes Spandau der Deutschen Gcwerkvereine (Hirsch-Duncker), die Wahlen zum Gewerbegericht in Zukunft nach dem System der Verhältniswahl stattfinden zu lassen. Der Antrag ist unter anderem damit begründet, daß es ungerecht sei, wenn man die Arbeiter, welche sich unabhängig von der Sozialdemokratie machen, von der Rechtsprechung beim Gewerbegericht ausschließe. Alan habe an anderen Orten mit den Verhältniswahlen so gute Erfolge gehabt und so gute Erfahrungen gemacht, daß man die Wahl bei den Kaufmannsgerichten zwangsweise eingeführt habe. Würden die Hirsche in den Gewerbegerichtcn so stark vertreten sein wie jetzt die freien Gewerkschaften, und letztere hätten einen An- trag um Verhältniswahlen gestellt, die Hirsche wären kaum dafür zu haben gewesen. Unsere Genossen sind darin anders. Stadt- verordneter Genosse Pieper erklärte namens der sozialdemo- kratischen Fraktion, daß sie mit dem Antrage im Prinzip einver- standen seien, stellten aber dann den Antrag, daß die Gewerbe- gcrichtswahlen an einem Sonntag stattfinden. Stadtverordneter Dr. Baumert erklärte, daß es nicht richtig sei, die Richter durch so allgemeine Wahlen zu wählen, er hoffe, man werde später dazu kommen, die Gewerbegerichtsbeisitzer in der Weise zu wählen, wie man jetzt die Schössen wählt. Die Versammlung stimmte sowohl der Magistratsvorlage wie auch dem Antrage des Genossen Pieper zu, so daß die Gewerbegerichtswahlen von jetzt ab an einem Sonntag stattfinden werden.— Die übrigen Vorlagen sind nicht von Bedeutung, Bernau. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich am Donnerstag beim Richten eines Neubaues in der Kurfürstenstraße. Der Tischler Paul Tietsch. welcher bei dem Ziminermeister Lusch hicrselbst beschäftigt ist, war mit Durchlangen von Brettern durch die Fenster beschäiligt; er stand zu diesem Zweck auf der Fensterbrüstung eines Feiisters in der dritten Etage. Plötzlich lösten sich einige Steine der Brüstung und Tietsch, welcher sich nicht halten konnte, stürzte aus der Höhe der dritten Etage kopfüber hinab. Nur dem glücklichen Umstände, daß er sich in der Luft überschlug, hat eS Tietsch zu verdanken, daß er sich nicht das Genick abstürzte. Der Verunglückte wurde in seine Wohnung gebracht, wo ein sofort hinzugerufener Arzt außer Haut- abschürfungen am Kopf usw. Verstauchungen beider Füße und Arme feststellte. Ein vollständig verkohlter Leichnam einer weiblichen Person wurde in einer bei dem benachbarten Dorfe Schwanebeck gelegenen, vor einigen Tagen abgebrannten Strohmiete entdeckt. Die sofort eingeleiteten Ermittelungen ergaben, daß eS sich jedenfalls um eine Person handelt, welche in einer Anstalt in dem benachbarten Buch untergebracht war und seit einiger Zeit als vermißt galt. Sericbts- Reitling. ' Aberglauben in Berlin. Wav in Berlin im Jahre des Heils 190S noch alles auf dem Gebiete deS krassesten Aberglaubens passieren kann, zeigte eine Verhandlung, mit der sich gestern unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Lieber die 3. Straftammer des Landgerichts I zu be. schäftigen hatte. Wegen gemeinschaftlichen vollendeten und ver- suchten Betruges mußten sich das Dienstmädchen Auguste Myszka, geh Schlicht, und deren Schwester, die Frau Anna Kordus, geborene �schlicht, vor dem Strafrichter verantworten. Die Verhandlung enthüllte verschiedene Dinge aus dem Reiche des Aberglaubens, die man vielleicht in dem dunkelsten Rußland, nicht aber als in der Großstadt Berlin geschehen vermuten könnte.— Die Angeklagte Myszka war in einem bekannten Bierrestaurant in der Friedrich- straße als Abwaschmädchen beschäftigt gewesen. Zwischen ihr und dem gleichfalls angestellten Dienstmädchen Steinbach entwickelte sich eine nähere Bekanntschaft, die einen gegensoitigen Austausch von allerlei Ansichten und Erlebnissen zur Folge hatte. Hierbei ver- traute ihr die St. an, daß sie schon ein uneheliches Kind habe und in steter Angst vor einem zweiten schwebe. Die Myszka wußte sofort Rat und erzählte, daß ihre Schwester im Besitz von ganz geheimnisvollen Zaubcrtropfcn sei, mit denen sie sich vor weiterem Kindersegen schützen könne. Es sei dies ein Sympathiemittel und sei sehr teuer. Die St. ließ sich auch dieses Mittel besorgen und bezahlte dafür 19 M. Die Tropfen versagten jedoch vollständig— es waren llrintropfen. Die Angeklagte versprach der St. ferner. ihr«m Mittel zu besorgen, bei dessen Anwendung ihr Kind langsam absterben würde. Hierfür bezahlte die St. Lv M., ohne jedoch das versprochene Mittel zu erhalten.— In derselben 5Äiche war ein altes Weiblein mit einem polnischen Namen angestellt, die außer einer erheblichen Schwerhörigkeit auch noch ein gewisses Manko an Intelligenz aufzuweisen hatte. Diese schien der Angeklagten Myszka. die als Schlepperin für ihre Schwester tätig war. ein recht geeignetes Objekt zu einem Schwindel zu sein. Als die alte Frau einmal über Koviichmerzen klagte, teilte ihr die M. mit, daß ihre Schwester alle Krantbeiten„besprechen" könne und außerdem im Besitze von allerlei Zaubertränkchen wäre, die sie von einem Zigeunerhauptmann, der ein mächtiger Zauberer fei, erhalten habe. Aus Zureden der M. konsultierte die Frau K. auch die jetzige Mit- angeklagte Kovdus, die bei der Besprechung allen möglichen Hokus- pokus machte, sie von allen Seiten anblies, betastete und bestrich. Für diese Prozedur mußte die K. 19 M. bezahlen. Die KorduS sagte dabei, daß sie deshalb nur„so wenig" nehme, weil die K. eine arme Frau sei. Bei einer zweiten Besprechung erklärte die An- geklagte, daß die K. den Krebs in der Kehle und Tiere, vermutlich Würmer, im Kopfe habe. Die mehr als naive Frau fiel bei dieser Diagnose vor Schreck bald um und bat die weise Frau himmelhoch, sie doch von ihrem schrecklichen Leiden zu befreien. Die Angeklagte erklärte jedoch, daß sie sich an eine so schwere Krankheit nicht allein heranwage, sondern ihren Freund, toen Zigeunerhauptmann und berühmten Zaubever, hinzuziehen müsse. Dieser mächtige Mann sei aber sehr teuer. Die Folge war, daß die Anpusterei von neuem losging und die K. das eine Mal 40 M. und das zwertemal 30 M. opferte. Erst als die Angeklagte dann mit einer Forderung von 300 M. an sie herantrat, schöpfte die K. Verdacht. Sie ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Einige Tage später erhielt sie von der Angeklagten Kordus 3S M. zurück. Von diesen schenkte sie der Schwindlerin noch 6 M. aus Furcht vor dem„bösen Blick" und weil ihr bielleicht noch eine schlimmere Krankheit„angehext" werden könne. Vor Gericht verlegten sich die Angeklagten auf ein ganz un- vernünftiges Leugnen. Di« Kordus behauptete u. a. auch nicht zurechnungsfähig zu sein. Medizinalrat Dr. Stocrmer begutachtete, daß die Augeklagte eine hysterische Person sei, der§ 51 bei ihr aber nicht in Anwendung kommen könne. Zur Charakterisierung der beiden Angeklagten waren Vorstrasakten herangezogen worden, nach welchen die Myszka zu ö Monaten, die jlordus zu 6 Monaten Ge- fängnis wegen eines ähnlichen Schwindels verurteilt worden waren. Die Verlesung dieses Urteils rief allerseits nur mühsam unterdrückte Heitcrkeisausbrüche hervor. In diesem Falle handelte es sich um einen Rentier Zimmermann in der Mariannenstraße, der die � Hilfe Iber Kordus wegen seiner schwer gickstleidenden Frau in Anspruch genommen hatte. Nachdem die Pustknr nichts geholfen hatte, wurden schärfere Mittel in Anwendung gebracht. Die Kordus, die behauptete, daß sie in einer Erdhöhle als Tochter eines Zigeuners geboren sei, erklärte als bestes Wtittel die Vorschrift des 6. und 7. Buches Moses, nach welchem bei Gicht abgeschnittene Fingernägel und Haare von bestimmten Stellen der Kranken ver- brannt werden mußten. Ferner wurde ein mehrfach verknotetes Handtuch verbrannt. Als auch dies nichts half, kam die Angeklagt� mit einem neuen Märchen. In Mecklenburg wohne ein uralter Schäfer, der im Besitze des goldenen Lebensradcs sei. Das Drehen dieses Rades sollte angeblich 100 M. kosten. Einige Tage später erzählte die Kordus dem Z., daß das Rad bei 100 M. noch nicht funktioniert habe, da es sich um eine zu schwere Kranke handele. Schließlich wurde für 100 M. einem alten Mann die Krankheit„an- gehext". Hierbei mußte das schwarze Rad gedreht werden, was wieder 100 M. kostete. Eines Nachts um 12 Uhr sollte dann der bös« Geist aus dem Körper der Kranken fahren. Die sämtlichen Familienmitglieder versammelten sich damals in ernster und feier- licher Stimmung um das Bett der Kranken, welches von allerlei geheimnisvollen mit Kreide auf den Fußboden gezeichneten Figuren umgeben war. Dieser Hokuspokus hatte nur den Erfolg, daß der Rentier Z. um insgesamt 500 M. ärmer wurde.— In der gestrigen Verhandlung beantragte Staatsanwalt Fuchs gegen die Myszka 9 Monate und gegen die Kordus 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Das Gericht ging jedoch mit Rücksicht darauf, daß die beiden An- geklagten in einer höchst gemeingefährlichen Weise die Dummheit anderer Leute systematisch ausgebeutet haben, erheblich über diesen Antrag hinaus und erkannte gegen die Myszka auf VA Jahre und gegen die Kordus auf 2 Jahre Gefängnis. Außerdem wurden die Angeklagten sofort verhaftet. Noch schuldiger als die Verurteilten sind die Reaktionäre, welche die Schule auf einem so niedrigen Niveau halten, anstelle der Erziehung zu klarer Erkenntnis Auioritätsduselei eiubläuen und die Schule nicht als eine Anstalt zur EntWickelung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen, sondern als ein Institut zur Vorbereitung der VolkSschulkinder zu willen- und geidanten» losen Ausbentungsobjekten betrachten. Schade, daß diese„Patrio- tismus" heuchelnden Verblöder der Volkssugend nicht auf die An» klagebanl gebracht weriden konnten. Landtagsabgeordneter Rahardt als Kläger. Ein Prozeß mit politischem Hintergrund wurde gestern bor dem Schöffengericht Schöneverg in Moabit verhandelt. Der kon- srrvative Landtagsabgeordnete Rahardt-Berlin hatte den Vorstand des Bundes der Handwerker wegen Beleidigung verklagt. Die Vor- geschichte dieses Prozesses ist folgende: Rahardt hatte in ein'm Brief an einen Handwerker in Güsten vor dem Bunde der Hand- werker gewarnt, indem er behauptete, der Vorsitzende des Bundes der Handwerker, VoigbFriedenau, sei früher vom Bunde der Landwirte wegen eigenmächtiger Handlungen entlassen. Der Ver- trauenSmann des Bundes der Handwerker in Güsten, dem dieses Schreiben zugestellt wurde, sandte die Abschrift an sämtliche 12 Mit. glieder des Borstandes des Bundes. Derselbe wies dann im Bundesblatt die Behauptungen Rahardts als wahrheitswidrig zurück. Die Mitglieder der Mittelstandsvereinigung in Torgau verlangten auf Grund dieses Zeitungsartikels eine Richtigstellung von Rahardt. Er schrieb hierauf denselben, daß er den Vorsitzenden Voigt verklagt habe. Nachdem 3 Monate verflossen waren, eine Klage dem Vorsitzenden Voigt nicht zugegangen war und wiederum ein Mitglied der Handwerkskammer Berlin in einem Schreiben an den Vertrauensmann des Bundes in Zehdenick be- hauptete, Rahardt habe in der Vollversammlung der Handwerks- tammer in Berlin gesagt, Voigt sei wegen ehrenrührigen Sachen von dem Bunde der Landwirte entlassen, beauftragte die General- Versammlung des Bundes den Bundesvorstand, geeignete Schritte zu unternehmen, um die UnWahrhaftigkeit dieser Angriffe fest- zustellen. Der Bundesvorstand richtete daher an die konservative LandtagSfraktion ein Schreiben, worin er mitteilte, daß Rahardt Unwahrheiten verbreite, und forderte Maßregeln hiergegen. Die konservative Fraktion veranlaßte nun den Abgeordneten Rahardt, gegen diess Beschuldigung gerichtlich vorzugehen. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts gab Rahardt zu, daß er sich in der Beschuldigung, Voigt sei von dem Bunde der Landwirte entlassen, geirrt habe, aber andere Behauptungen, die er in der Handwerkskammer über Voigt getan, nicht zurücknehme. Der Vorsitzende Richter regte einen Vergleich an. Namens der An- geklagten erklärte Rechtsanwalt Sonnenfeld, daß die Angeklagten nur dann vergleichsbereit seien, wenn der Kläger anerkenne, daß alle seine Behauptungen über den Bundesvorsitzenden unrichtig seien. Für den Kläger erklärt Rechtsanwalt Miethke, daß er im Augenblick seinen Klienten noch nicht beraten könne, weil er noch keine Möglichkeit hatte, den von den Gegnern angebotenen Wahr- heitsbeweis im einzelnen durchzusprechen. Richterlicherseits wurde daraus hingewiesen, daß doch die Angeklagten voraussichtlich Widerklage erheben würden; da Herr Rahardt aber schon zu- gegeben habe, in einem wesentlichen Punkte sich geirrt zu haben, so sei ja auf seiner Seite schon der Tatbestand des 8 188 des Straf- gesetzbnches erfüllt; das Ergebnis des Prozesses lasse sich deshalb gar nicht voraussehen, ein Vergleich vermindere ja auch die Kosten. Rechtsanwalt Miethke erwiderte demgegenüber, daß es auf die Kosten gar nicht ankäme. Da einige wichtige Zeugen nicht er- schienen waren, wurde schließlich die Sache vertagt. In den Tod getrieben. Im November v. I. nahm sich in Salzwebel(Altmark) der Schlofferlehrling Bernhard Rchfeld dadurch das Leben, daß er sich von einem Zuge überfahren ließ. Der Lebensüberdruß des armen Jungen war darauf zurückzuführen, daß er fortgesetzt von seinem Lehrherrn, dem Schlossermeister Lüdemann» mit Prügeln traktiert wurde. Dieser Tage hatte sich nun Lüdemann vor dem Schössen- gericht in Salzwedel wegen MißHandelns des Lehrlings mittels gefährlicher Werkzeuge zu verantworten. Aus der Zeugcnver- nehmung ging hervor, daß der bedauernswerte Lehrling täglich hatte Mißhandlungen mit dem Hammerstiel, dem Winkelmaß, einer Rohrschiene von seinem Lehrherrn erdulden müssen. Ein anderer Lehrling war wegen der fortgesetzten Prügeleien aus der Lehre gelaufen. Ihn hatte der Meister so am Ohr gerissen, daß es blutete. Ein dritter Lehrling sagte aus, daß Lüdemann öfters betrunken war und dann blind drauf losschlug. Den Selbstmord führte der Lehrling Rehfeld aus, als er wieder einmal heftig ge- züchtigt worden war. Der rohe Lehrmeister wurde zu— 300 M. Geldstrafe verurteilt. Aus welchem Grunde hat das Gericht gegenüber der unier gröblichstem Mißbrauch der Autoritätsgewalt verübten feigen Miß- Handlung auf eine der Art und Höhe nach so niedrige Strafe er- kannt? Würde es auf eine auch nur annähernd gleich niedrige Strafe erkannt haben, wenn ein Arbeiter gegenüber Streikbrechern sich zu ähnlichen Roheiten hätte hinreißen lassen? Drakonische Strafe. Wegen Aufforderung von Soldaten zur Meuterei ist am 1. Dezember v. I. vom Landgerichte Altona der Schlosser Fritz Bruhne zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte im anarchistischen Diskutierklubs vor 30— 40 Männern eine Rede über die Durchführbarkeit des Generalstreiks gehalten und darin gesagt, der Staat müsse vorher seiner stärksten Stützen, des Klerikalismus und des Militarismus beraubt werden. Dann soll er den Soldaten empfohlen haben, ime die Franzosen beim Winzerstreik«nd die Russen in der Revolution in die Luft zu schießen.— Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht am Donnerstag ver- worfen, da ausreichend„festgestellt" sei, daß zu einer bestimmten strafbaren Handlung aufgefordert worden ist. Die Verurteilung wie die Strafhöhe sind mit einem gesunden Rechtsempfinden, das Freiheit der Meinungsäußerung fordert und gegen juristische Auslegungskünstelei sich wehrt, unvereinbar. ßriefhaftcni der Rcdalttfon. DI« turlNilck« Sprechsti>,id>> fliid«, L i» d-» tt r a i- r Nr.», zweiter Hos, dritter Eingang, vier Trcvvc», Lsx- Fahrstuhl"vCtB wolbentiiglich abends von 7'lt bis O'/i Ulir statt. Geöffnet 7 Ilbr Sonnabend» beginnt die Svreihftiinde UNI L Ubr. Jeder Anfrage ist eilt ituchftabe»nd eine.'iabl als Wtertzeiaien bctzntiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieftasle» tömic» 14 Tage vergeben. Eilig« Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. W. W. 33. Die Klage hätte wenig Aussicht aus Erfolg, well die Erwerbsunsähigkeit nicht nachzuweisen ist.— C. R. 4. Die Unterstützuiig braucht nicht weiter gezahlt zu werden, wird aber weiter gezahlt, wenn eine Hilssbedürsttgteit der Kinder vorliegen sollte. Ein Vormund iit nicht zu ernennen. Die Mutter hat die Rechte eines solchen.— K. S.. Koppenftraste 04. Nein; darüber, welcher Teil des Kranken« aeides dem Betreffenden verbleibt, wird von Fall zu Fall ent- schieden. Wenden Sie sich an den Vorstand Ihrer Krankenkasse. Hu. Bo. 41. 1. Durch Erkundigung beim Schweizer Konsulat, Friedrich« Wilhelm-SIraße 10. 2. Wenn Sie aus Grund Ihres Einkommens ver- anlagt werden, ja. 3. Aber bitte, nehmen Sie doch den Kalender zur tand.— A. F. 17. Vielleicht erreichen Sie Ihren Zweck durch eine »nonce oder, wenn Sie die Bücher einer Bibliothek anbieten.— Ff.®. 109. Spielfragen beantworten wir nicht.— Briefkasten, setzen Sie sich zunächst mit dem Borsitzenden Ihres Wahlvereins in Verbindung. Bei Vakanzen mutzte» Sie durch Ihre Offerte Ihre Fähigkeiten dartuu. Th. G. Wir raten von dem Beitritt zu den drei ersten an, gesragtcn Kassen dringend ab. Wenden Sie sich an die Zentral« lommission der Krankenkassen, GewerkschastShaus, Engeluser 15. — 8». Z. Die Exemplare sind gegen Einsendung von 1 M. in der Er- pedition erhältlich.— R. H. 1ÄZ4 Das ist eine Frage, die Sie von einem Lederzurichter geWitz gern beantwortet erhalten. Der Platz des Brief- kgstenS reicht aber dazu nicht aus.— H. D. 40. Darüber entscheidet der ärztliche Befund bei der Ausmusterung.— A» W. 100. Ohne Einsendung der Abonnementsquittung werden in der Regel Fragen nicht beantivortet. R. T. 4. Der Hauswirt ist nicht verantwortlich.— Reichöversichernng. Nicht drei Millionen kommen als sürsorgeberechtigt, sondern lediglich als eventuell sürsorgeberechtigt in Betracht, also etwa kaum der sünjte Teil der drei Millionen.— Vorlz. Sie haben das Recht, bis zum 15. Miete zn verlangen.— U. B. 17. Die Kasse ist nicht zu emvsehlen.— F. M. 21. Wenden Sie sich an das BormundschastSgericht mit dem Antrage, die Herausgabe des Kindes zu erwirken, eventuell klagen Sie beim Amtsgericht aus Herausgabe des KindeS durch einen Anwalt.— C. N. 284. Stein. — O F. 43. Daraus bezügliche Anzeigen finden Sie Im Annoncenteil des„Vorwärts".— St. F. 137. Beide Ansichten treffen nicht zu. Dem Zentralvorftande von Grotz-Bertin gehört eine Kommission von Geineinde- Vertretern an, die in Fragen der Gemetndepolitil Stimmrecht haben. Die Orte leiten ihre Wahlen selbst. Wltternugsübersickit vom S3. April 1009, morgen« 8 Uhr. Stationen Lwlnemde. 7e3SO 5heiter 4 Havaranda!7<>7NO Shalbbd.'— 0 WW> WWWWIW.... WWW!«Haid bd.! 1 erlin 7S1SO 2 wolkig 9 Sctlly 754 SW 4 bedeckt! 9 xwanks.aM. 7gtSW 4bedeckt 11 Aberdeen 750S Iwolkenl 3 München!763SW 2 wolkig 11 Paris 7Ü1SSW 3 bedeckt> 12 Wien Wetterprognose für Sonnabend, den 24. April 1909. Ein wenig wärmer, zunächst ausklareud bei mätzigen südwestlichen Winden; später wieder zunehmende Bewöllung und etwas Regen. Berliner W e t t e r b u r e a». Wetter *gi c-* Wu „Segler-Schloß"- Hankeis Ablage. Bahnstation Zeuthen. Besitzer: W. Heinrich. Zur bevorstehenden Sommersaison halte ich mich wetten Vereinen. 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