nbonnementS'Redlnpngen: «donnementS> Preis pränumerando i Viertcljährl. L.ZS Mk., monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pffl. frei inS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sountaqs- nummer mit illustrierter EmintagS. Beilage„Die Neue Welt' 10 Pjg. Post- »Ibonnenlcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen i» die Post-ZeitungS- PretSliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterrelch. Ungarn 2 Marl, für da- übrige Ausland 8 Marl pro Monat, PostabonnenientS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrltScInt tZzl!» snScr GJontagj. Verlinev Volksblatt. 26. 1-ihrg. vis Inkertions-eMh?- vcträgt für die fechsgespalienc Kolonel« zeile oder deren Raum 50 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins» und VersammlungS-Anzeigen 80 Psg. „Aleine Snieigen", das erste isclt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« ftellen-Auzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm- Adresse: „Sozialilcniobrat RtrliD**. Zentralorgan der fozialdem ohrati fcben partei Deutfchlanda. Redahtton: SRI. 68» Lindcnstrasac 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. llngarische Krife. Aus Wien wird uns vom 24. April peschriebeft:**■. Die ungarische Koalitionsregierung, die vor wenigen Tagen ihren dritten Geburtstag hätte feiern können, steht vor ihrer Demission. Mehr als dies: Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß es neuerlich zu einem jener Konflikte zwischen Krone und Parlamentsmehrheit kommen wird, die in der letzten Geschichte des ungarischen Staates eine so große Bedeutung gewonnen haben, und in deren Entfachung und Abwickelung der politische Fortschritt in Ungarn besteht. Die Ursache der neuesten ungarischen Krise ist die Bankfrage. Die Ordnung der finanziellen Dinge ist kein Bestandteil des staatsrechtlichen Dualismus, ist ein Produkt von Verträgen. Durch Verträge ist also die Einheit des Münzwesens bestimmt, und durch ein Uebereinkommen die Gemeinsamkeit der Notenbank gesichert, die schon im Namen dieser Bank(Oesterreichisch-Ungarische Bank) ausgedrückt wird. Dieses Uebereinkommen läuft nun Ende des nächsten Jahres ab und bis zum Schluß dieses Jahres müssen, sich die Negierungen darüber klar sein, ob sie das Privilegium der Notenbank aufrecht erhalten, die Gemeinsamkeit des Noten- institutes verlängern werden, oder ob diese Gemeinschaft enden soll. Nun gehört die selbständige Bank zu den ererbten Forde- rungcn der Unabhängigkcitspartei, die jetzt als Regierungs- Mehrheit erfüllen sollte, ivas sie als Opposition immer an- gestrebt und gefordert hat. Aber diese eigene Bank wäre, zu- mal in dem gegenwärtigen Augenblick, ein so gewagtes Experiment, daß die ungarische Regierung selbst schwankt, die Forderung zu erheben, wobei freilich mitwirkt, daß für eine selbständige Bank, auch bloß dem Programm nach, innerhalb der Koalition nur die Unabhängigkeitspartei ist, wogegen die Verfassungspartei und die Volkspartei, die der dualistischen Basiv des Staates mit Ueberzeugnng anhängen, die Bank- qemcinschaft fortdauern sehen wollen: insbesondere sind innerhalb der Koalitionsregierung Ministerpräsident Weckerle, gleichzeitig Finanzminister und ein genauer Kenner der staats- finanziellen Bedürfnisse, sowie Andrassy, der Minister des Innern und der eigentliche Vertrauensmann des Kaisers in der Regierung, entschiedene Anhänger der gemeinsamen Bank. Ti�se Gegensätze haben zu einer halbschlächtigen Forderung geführt: die ungarische Regierung hat der österreichischen die Errichtung von Karte h.l danken vorgeschlagen, also die Errichtung einer eigenen und selbständigen Bank in jedem Staate, die aber über die leitenden Grundsätze eine Art Kartellverhältnis eingehen sollen. Der unreife und uninüg- liche Plan ist von der österreichischen Regierung natürlich glatt abgelehnt worden. Aber über ein anderes Programm kann sich die ungarische Regierung nicht einigen: weder die Fort- dauer der Bankgemeinschaft, noch ihre Auflösung vermag sie als ihre Forderung zu formulieren. Schon deshalb müßte die Sache zu einer Regierungskrise führen. Tatsächlich haben heute die Führer der Unabhängigkeitspartei, die Minister Kossuth und Apponyi, der Krone für ihre Partei, die im Hause die ziffernmäßige Mehrheit allein besitzt, den Vorschlag auf Errichtung der selbständigen Bank unterbreitet. Die Krone hat nun aber, wie nicht anders zu erwarten, die Genehmigung versagt, und Sonntag wird die Regierung ihre Demission beschließen und einreichen. Die Krise ist da, und wie sie gelöst werden kann, ist vorläufig nicht zu erkennen. Gegen die Auflösung der Bankgemeinschaft streiten nämlich die stärksten ökonomischen Bedenken, streitet vor allem das Gewicht des abgeschlossenen lvirtschastlichen Ausgleiches, der die Einheit des Zollgebietes bis Ende 1917 festgesetzt, die fast selbswerständlich auch die Einheit des Zahlungsmittels bedingt. Es ist also nicht unbegreiflich, daß sich die Krone weigert, auf das törichte Experiment einzugehen— die Oesterreicher könnten es' natürlich nicht verhindern, weil Ungarn mit Ablauf des Uebercinkommens staatsrechtlich die volle Frei- heit der Entschließung erlangt—; aber trotzdem stecken in der schroffen Ablehnung auch andere als wirtschaftliche Gründe. Die Wahrheit ist, daß die Stiminung in der Wiener Hofburg heute alles andere denn für eine Lockerung und Schwächung der Oesterreich und Ungarn verbindenden, also die„Mon- archie" begründenden Elemente ist, und nicht minder wahr ist, daß sich die Furcht vor der ungarischen Parlamentsmehr- heit, die so lange wirkend tvar, seit dem gelungenen Fejer- varysckien Exempel recht gründlich verflüchtigt hat. Zumal jetzt, wo sich die„Großnmcht" durch den bosnischen Sieg ein ganz beträchtliches Selbstbewußtsein zugelegt hat, das auch im Innern Oesterreichs deutlich fühlbar wird und sich in Zu- kunft noch deutlicher fühlbar machen wird. Die Seele des Widerstandes gegen Ungarn ist freilich nicht der alte Kaiser, obwohl auch- dieser für Konzessionen an die berühmte ungarische Staatlichkeit heute nicht leicht zu haben sein dürfte, sondern der Thronfolger, dessen Schatten hinter vielen Er- scheinungen merkbar hervortritt. Franz Ferdinands Einfluß ist um so größer, als er mit den Christlichsozialen auch das österreichische Parlament beherrscht— ebenso ihr Lenker wie ihr Werkzeug. Die Koalitionshclden würden sich ja nicht gerade auf Eroberungen in der Bankfrage steifen: sie würden alles nehmen, was nach einer Erweiterung ihrer Selbständig- kcit und Unabhängigkeit ausschaut. Vor allem natürlich nationale Konzessionen innerhalb der Armee: aber gerade hier, wo durch Jahrzehnte Geschäfte geinacht wurden, ist heute S Dienstag, den 27. April 1909.' und auf lange hinaus nichts zu haben. Selbst die Wahl- reform, auf die die Hofburg wohl den geringsten Wert legt und die sie mit der vorläufigen Zustimmung zu der Andrassy- schen Pluralität schon halb verraten hat, will sie nicht und kann sie nicht ganz preisgeben. Mit der„Eroberung", daß sie sich die Wahlreform vom Halse geschaffen hat. könnte die Koalitionsregierung, obwohl sie ihr vielleicht die liebste wäre, freilich nicht viel Staat machen. Aber etwas braucht die Un- abhängigkeitspartei, um die ständigen Verzichte auf ihre programmatischen Forderungen zu bemänteln, und von Wien ist jetzt nichts zu holen. Das nun ist die eigentliche Krise: der„Ausbau der ungarischen Staates", wie die Koalitions- leute ihren staatsrechtlichen Firlefanz benennen, den fort- zusetzen und zu vollenden die Koalition schon durch Geburt be- stimmt schien, ist an einen toten Punkt und damit die Koalitionsregierung an das Ende ihrer Weisheit gelangt. Wäre es nicht so, so würde.der Unabhängigkeitspartei ihr Unfall nicht gar zu schwer werden. Zumal auch in ihrem Schöße die Begeisterung für das Experiment, wenigstens an- sänglich, nicht groß war, die ganze Bewegung nur einer kleinen, vom Abgeordnetenhauspräsidenten Justh geführten Gruppe entsprang, und namentlich Kossnth längst zum schlechten Spiel gute Miene machen wollte. Aber das Ver- sagen der selbständigen Bank ist auch das Versiegen aller Quellen, die früher zur Mehrung der ungarischen Staatlichkeit flössen, und das macht es, daß die Bewegung für die selb- ständige Bank nun immer weiter und tiefer greift, und leicht- hin so stark werden kann, daß sie die Führer und die Partei bindet. Aber dann kann die Parlamentsmehrhcit nicht zurück, und wenn- ihr die Krone nicht entgegenkommt, was aber nackigerade ausgeschlossen scheint, so ist der Konflikt ge- geben. Die Parlamentsmehrheit hat nicht die Zustimmung der Krone, der Wille der Krone findet keine Mehrheit: da hört das Regieren normalerweise auf. Freilich ist diest Mehr- heit durch ihre niederträchtige Vereitelung der Wahlreform so schwach geworden, daß sie zum Kriegführen nimmer taiwüch ist, weshalb es geraten sein wird, den Konflikt nicht früher tragisch zu nehmen, bis er sich sichtbar gemacht hat. Die Demission. Budapest, 26. April. Abgeordnetenhaus. Die Galerien sind dicht gefüllt, die Abgeordneten nahezu vollzählig versammelt. Unter großer Spannung ergriff Ministerpräsident Dr. Weierle das Wort und teilte mit, daß die Demission des Kabinetts erfolgt sei, weil die Verhandlungen mit der österreichischen Re- gierung ergebnislos gewesen seien und die Mitglieder des Kabinetts bezüglich der weiteren Schritte in der Bankstage zu keinem Einverständnis gelangen konnten. Der Ministerpräsident ersuchte das Abgeordnetenhaus, sich bis zur Klärung der Lage zu vertagen. Hoitsy von der Kosiuth-Partei erklärte hierauf, daß die Kossuth-Partei nicht durch Starrsinn die Lösung der Krise verhindern wolle, aber ihre Nachgiebigkeit habe gewisse Grenzen, über die hinaus sie nicht gehen werde. Handelsminister K o s s u t h erklärte sodann. daß der Nückwitt des Kabinetts herbeigeführt worden sei, weil die Solidarität der Mitglieder in der Bankstage aufgehört habe. (Zwischenruf: Die Koalition hat aufgehört lj Redner verwahrte sich dagegen, daß die Kossuth-Partei mürbe werde. Die Partei und ihre Führer seien vor dem Lande und vor der Krone für ihre Uebcrzeugung mannhaft eingetreten.— ver Lteuerhsiler. Reichstagsauflösung? Die konservative und agrarische Presse beteuert ihre Unbeug- samkeit in der Ablehnung der E r b s ch a f t S st e u e r. Nicht nur die„Deutsche TageSztg.", sondern auch die„Kreuz-Ztg." wenden sich höhnisch gegen den Freisinn, der noch immer hoffe, daß sich die konservative Fraktion doch noch für die Erb- anfallstener gewinnen lassen werde. Daran sei gar nicht zu denken. Die Zahl der Freunde der Erbanfallsteuer unter den Konservativen sei in der letzten Zeit nicht größer, sondern geringer geworden. Wenn die„Freisinnige Ztg." meine, daß die Erklärung des Ausschusses der konservativen Gesamtpartei eine Hintertür offen lasse, so müffe ihr diese letzte Hoffnung z e r st ö r t werden- Es hat also den Anschein, als ob die Konservativen, von denen nur 12—15 für die Erbanfallsteuer zu haben sein sollen, eS wirklich auf den Konflikt ankommen lafseii wollen. Sollten sich die Konservativen tatsächlich nicht durch die Vorstellungen BülowS er- weichen lasten, so wäre es nicht ausgeschlossen, daß eS»och noch zu einer solchen Verwirrung der ganzen politischen Lage kommen könnte, daß dem Fürsten Bülow die Reichstags- auflösung als die beste Art der Entwirrung erschiene. Die Konservativen erklären denn auch bereits, daß sie einer Reichstags- auflösung mit aller Gelastenheit entgegensehen. Selbst wenn die Konservativen geschlvächt aus dem Kampfe hervorgingen, dagegen Zentrum und Sozialdemokratie an Stärke gewinnen, so könne der Konservatismus das ruhig ertragen, sei er doch schon aus schwereren Kämpfen siegreich hervorgegangen. Millionen indirekte Stenern« In einem Börsenblatte findet sich der Gedankengang, daß zwar die Idee, daß die Vermögenszuwachssteuer die Erbansallsieuer ersetzen solle, entschieden zurückgewiesen werden niüsse, dagegen fände man es wohl der Erwägung wert, ob die Steuer auf den Vermögens- Expedition t SM. 68» Undenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. znwachs von Grundbesitz nicht als Ersatz für die aufgegebenen Steuern auf Elektrizität. Gas, Petroleum und Inserate dienen könne. Die„DeutscheTageSztg." hält diese Auslassung für offiziös, erklärt ahpr, daß ihr Eintreten für die Wert- zuwachssteuer so natürlich nicht gemeint sei. Die Konservativen wollten auf keinen Fall mehr alS 100 Millionen direkter Stenern auf den Besitz mifbringen. Ein Ersatz für die fallengelassene Gas-, Elektrizitäts- und Anzeigensteuer müßte in anderen indirekten Steuern gestmden werden. Die ReichSwcrtzuwachs» steulst käme nur als Ersatz für die N a ch l a ß st e u e r in Betracht. Dieser Erklärung gegenüber stellt sich der Vorschlag, der von zwei Konservativen gemacht worden war. eine einmalige Besitzsteuer von nicht weniger als zwei Milliarden aufzubringen, vollends als ein fauler Witz dar. Der Vorschlag war nichts als ein grotesker Versuch, dem um das Portemonnaie der Kapitalisten bangenden Liberalismus einen solchen Schrecken einzujagen, daß er sich zu jedem Kompromiß mit den Konservativen bereit erklärte. Der Liberalismus wäre ja auch sofort willens, sich mit 100 Millionen Besitzsteuern zu be- gnügen, dafür 400 Millionen indirekter Steuern der großen nicht- besitzenden Masse des Volkes aufzuerlegen, wenn es ivenigstens bei der Erbanfallsteuer geblieben wäre und an deren Stelle nicht eine Wertzuwachssteuer treten sollte, die den großen Grundbesitz fast völlig schont, dagegen das industrielle und Handelskapital unver- hältnismäßig stärker heranziehen würde. Sie Maifeier der liooiumvereins-IIngeitelltelt. Der 1. Mai fällt diesmal auf einen Sonnabend. ES ist leider— für viele Betriebe noch der Lohntag und daher für die Ladengeschäste, namentlich für die deS Nahrungsmittelhandels, ein Tag lebhafteren Geschäftsganges und größerer Einnahmen. Das gilt auch für die Konsumvereine.. Die Angestellten der Konsumvereine, die von klassenbewußten Arbeitern geleitet werden, sind fast ausnahmslos Mitglieder der freien Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Orgaui» sationen. Als Gewerkschaftler wie als Parteigenossen haben sie das Bedürfnis und auch die ihnen durch Parteitagsbeschlüsse auferlegte Pflicht, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Alljährlich pflegen sie an die Leitungen der Konsumvereine die Forderung zu stellen, ihnen den 1. Mai freizugeben, und als an- ständige Unternehmer bewilligen die Leitungen der meisten Konsum« vereine, d. h. jener, die in der Hauptsache von klaffen- bewußten Arbeitern gebildet werden, diese berechtigte Forde- rung. Da daS Personal an diesem Tage nicht arbeiten will, müssen die Läden dieser Vereine am 1. Mai geschlossen werden. Es versteht sich von selbst, daß die in den Konsumvereinen organi- sierte klassenbewußte Arbeiterschaft ihren Angestellten nicht verweigern wird, was sie selbst von den Unternehmern fordert und er- kämpfen will. Daran kann natürlich der Umstand auch nichts ändern, daß der 1. Mai diesmal auf einen Sonnabend, auf den Haupt- geschäftStag der Konsumvereine fällt. Es ist zweifellos, daß die Konsumvereine diesmal durch den Schluß der Läden eine erheblichere Einbuße haben werden, als in anderen Jahren. Aber daS entbindet die in den Konsumvereinen organisierten Arbeiter nicht von der Pflicht, als Unternehmer daS zu gewähren, was sie als Arbeiter selbst ohne Rücksicht auf die besondere Situation deS Unternehmers fordern und fordern müssen. Der Schluß der KonsnmvereinSläden bedeutet freilich auch eine Unannehmlichkeit für die Frauen der Mitglieder. Aber dieser Uu- annehmlichkeit läßt sich durch Vorsorge aus dem Wege gehen und eS ist durchaus erwünscht, daß die Frauen deS Proletariats sich daran gewöhnen, den 1. Mai als einen Feiertag zu betrachtest, an dem ebensowenig wie am Sonntag der Einkauf gestattet ist. Wenn die Leitungen der Konsumvereine rechtzeitig ihre Mitglieder auf die Schließung der Läden am 1. Mai aufmerksam machen, wird sich diese Vorsorge um so eher einstellen und damit wird auch die Ein- büße, die die Vereine erleiden, um so geringfügiger. Aber tvie es mit diesem letzten Punkte auch stehen mag, eZ ist selbstverständlich, daß die Arbeiterschaft ihren Angestellten die Arbeitsruhe am 1. Mai nicht verweigern kann. Es berührt daher sehr seltsam, daß in Bremen die Angestellten des Konsumvereins Vorwärts beschlossen haben, von einer völligen ArbeitSruhe ab- zusehen. Nur das Kontorpcrsonal will feiern, das Ladenpersonal dagegen sieben Stunden arbeiten. Wir sind überzeugt, daß dieser Beschluß keine Nachfolge finden wird und würden es sehr begrüßen, wenn in Bremen eine Revision der bedenklichen Entschließung stattfände. Hier darf eS kein Abmarkten geben. Der Parteibeschluß macht die ArbeitSruhe zur Pflicht, wo hieraus kein Nachteil für den Feiernden entsteht und es ist doch selbstverständlich, daß die Angestellten des Konsumvereins zu Bremen keine Nachteile zu befürchten brauchen! Die ArbeitSruhe der KonsumvereinSangcstellten am 1. Mai ist durchführbar und deshalb muß sie auch durchgeführt werden! Schon um deswillen, damit nicht den Unternehmern in ihrcin Kampfe gegen die Maifeier Waffen geliefert werden durch die Arbeiter selbst! Sie Diftlalur der Zungtürke». Der Macht, die er mit keinem Parlamente teilen wollte, ist Sultan Abdul Hamid nun völlig entkleidet, lieber Äon- stan�nopel ist der Belagerungszustand verhängt und alle Ge- walt liegt in den Händen Mahmud Schewkets Pascha, des Obcrstkommandicrcndeu der iunatürkischcn Armee. Unter deren Schutz ist die Nationalversamnilung bon San Stefano nach Konstantinopel zurückgekehrt, wo sie in streng geheimer Sitzung über das Schicksal des Sultans beschließen wird. Die Stimmung der Armee und der Bevölkerung ist dem Be- siegten ungünstig. Trägt er doch die Schuld an dem harten Kampfe, der fast zweitausend Opfer gefordert hat. Es hat den Anschein, daß die Jungtürken zur Entthronung des Sultans entschlossen sind und nur darüber keine Einigkeit herrscht, ob diese Maßregel ausreiche oder ob Abdul Hamid wie Ludwig XIV. vor das Revolntionstribunal der National- Versammlung gestellt werden soll. Jedenfalls ist schnelle Entscheidung geboten, und jedes Zögern bedeutet für die Jungtürken neue Gefahren. Die Wirren in Konstantinopel waren nicht zum wenigsten des- halb so verhängnisvoll, weil die Schwächung der Zentral- gcwalt in Kleinasien sofort den Kampf der Konfessionen und Nationen entzündet hat, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Noch schlimmeres aber künden den Jungtürken die Nachrichten, die besagen, daß das Konstantinopeler Beispiel in Armenien getreue Nachahmung gefunden hat. In E r z e r u m, der Hauptstadt Armeniens, hat eine reaktionäre Militärerhebung stattgesunden. Die Mannschaften knebelten die Offiziere und verlangten die Wiederherstellung des Scheriarechts, genau so wie die Meuterer der Hauptstadt. Das Ereignis zeigt auss neue, daß die jungtürkische Macht in den asiatischen Provinzen nichts weniger als gefestigt ist und daß die Niederlage der Reaktion mit der Einnahme Konstantinopels noch lange nicht vollendet ist. Die letzten Kämpfe. »•' Konstantinopel."25. April. Aus der Menge der sich häufig widersprechenden Nachrichten läßt sid) über den Verlauf des gestrigen TageS folgendes Bild gewinnen: Um 4Vi Uhr früh griffen die mazedonischen Truppen die auf der Ostseite des goldenen Horns gelegenen Pulvermagazine in Kassim-Pascha, Okmeidan und Kiathane an, drangen sodann ostwärts in der Richtung auf den Uildiz vor und besetzten die Kriegsschule in Pankaldi. Die Artillerie-Kaserne im Taximgarten eröffnete darauf gegen die Kriegsschule ein heftiges Feuer und zugleich entspann sich der Kampf um die Tasch- kischla» und Matschka-Kaserne. Um 11 Uhr ergaben sich die Taxim- und die Matschka-Kaserne, während der Kampf um die Taschkischla-Kaserne mit äußerster Heftigkeit fortgeführt wurde, da dort S Bataillone Infanterie lagen, unter ihnen das vierte Salonikier Jäger-Bataillon, von dem der letzte Aufstand ausgegangen war und dessen Auslieferung die Be° lagerungsarmee gefordert hatte. Mehr als die Hälfte der Kasernenbesatzung soll gefallen sein, aber auch die Verluste der mazedonischen Armee waren hier sehr bedeutend. Jn Stambul wurden die Pforte und das Kriegsministerium nach leichtem Kampfe besetzt, das Marinearsenal in Terfhane, dessen Besatzung für stark sultanfreundlich galt, ergab sich kampflos, ebenso die zwei in nächster Nähe des Uildiz gelegenen Kasernen, die 17 Geschütze übergaben. Abends befanden sich somit sämtliche Kasernen mit Ausnahme der gildizbesatzung in den Händen der Belagerungsarmee. Die Zahl der Toten und Verwundeten wird auf zweitausend geschätzt. Die mazedonischen Truppen haben be- sonders dadurch große Verluste erlitten, daß die Gegner mehrmals die weiße Fahne hißten, die Truppen so heran- lockten, dann aber feuerten. Alle Aerzte, Apotheker und Hospitäler in Pera haben sich der Armee zur Verfügung gestellt. In Skutari. Konstantinopel, 26. April. Gestern vormittag begann die Aus- schiffung von S a l o n i k i e r Truppen in Skutari. die sich ordnungsmäßig vollzog. Die Truppen wurden nur ver- einzelt von Personen angegriffen, die von Reaktionären aufgehetzt waren. Auf beiden Seiten gab eS einige Tote. Sämtliche Geschäfts- läden in Skutari sind geschlossen; die Straßen sind von Salonikiern besetzt. Die große Selimlieh-Kaserne wurde nunmehr ohne Widerstand eingenommen. Der größte Teil der Soldaten ist gestern geflüchtet, der Rest lieferte heute die Waffen aus. Die besserest muselmanischen Elemente sympathisieren mit den Salo- nikiern. Bis 7 Uhr abends war der Iildiz von den Salonikiern noch nicht besetzt. Es werden nur in der nächsten Umgebung strenge Patrouillenritte unterhalten. Im Aildiz-Kiosk. Köln, 26. April. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Konstantinopel gemeldet: Als die Umgebung des Sultans merkte, daß die Lage ernst würde, und als die Besatzung des Palastes sich auslöste, ergriff der gesamteHofstaatpanik- artig die Flucht, so daß der Sultan bald von seinen Adjutanten, Sekretären und der Dienerschaft verlassen war; der Sultan blieb ganz allein mit einigen wenigen Dienern zurück. Der Uildizpalast, der bis jetzt wie eine Festung bewacht und ganz unzugänglich war. ist nun so preisgegeben, daß Privatpersönlichkeiten bis in die inneren Gemächer vordringen könnten.... Die Besetzung des Aildiz. K-nstantinopel. 26. April. Nach Angabe des Minister« des Aeußeren hat gestern abend ein mazedonisches Bataillon den Aildiz besetzt. Der Belagerungszustand. Konstantinopel, 26. April. Die Nationalversammlung genehmigte nach stürmischer Debatte einen Antrag des Marschalls Schewket Pascha auf Verhängung des Belage rungs. z u st a n d e s. In der offiziellen Ankündigung deS Belagerungszustandes wird zunächst darauf hingewiesen, daß alles vermieden werden müsse, was die Bevölkerung in Erregung versetzen könne, auf- rührerische Rufe und Reden sowie das Läufen in den Straßen seien zu unterlassen. Da die Aufrechterhaltung der Ordnung den Salonikier Truppen, der Gendarmerie und der Polizei anvertraut ist. haben sich alle ihren Befehlen zu fügen. Untersagt ist es. nach 8 Uhr abends sich ohne Laterne auf der Straße auszuhalten. Das Waffentragen ist verboten. Die an den Unruhen beteiligten Sol- daten haben die Waffen abzugeben. Die Geschäfte dürfen offen- gehalten werden und jedermann kann seinem Berufe nachgehen. Die Dauer des Belagerungszustandes. Konstantinopel, 26. April. Die Nacht ist ohne Störung verlaufen. Die Situation im Di l d i z ist noch immer ungeklärt. Die Palasttruppen find in der Kaserne Daud Pascha untergebracht. Die Stadt ist ruhig. Der Geschäfts- verkehr beginnt von neuem. Es verlautet, daß der Belage- rungSzustand andauern werde, bis das P r e ß g e s e tz, das Landstreichergesetz und das Verfammlungs. gesetz vom Parlament erledigt sind, was in zwei bis vre» Wochen der Fall fein dürfte. Die Demission des Ministeriums. Konstantinopel, 26. April. Das Kabinett überreichte gestern sowohl dem Sultan wie auch dem Parlament seine Gesamtdemission. Die Abdankung. Frankfurt a. M., 26. April. Die„Frankfurter Zeitung� meldet aus Konstantinopel: Enver Bay und Niasi Bay sollten sich heute nachmittag zum Sultan begeben, um ihm im Namen der Armee und des Volkes seine Abdankiiitg n a h e z u l e g e n. Kein Minister wolle mehr sein Portefeuille aus de» Händen des jetzige» Sultans entgegennehme». Die Bestrafung der Schuldigen. Köln, 26. April. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Kon- stantinopel von heute vormittag 16 Uhr 65 Minuten ge- meldet: Eine Anzahl höherer Beamter, darunter der Staats- fekretär der Finanzen, ist als der Mitschuld an der Meuterei vom 18. d. M. verdächtig verhaftet worden. Man beabsichtigt nicht, die Untersuchung zu übereilen, sondern eingehend und klar in aller Form festzustellen, wie die Meuterei entstanden und wer der Hauptschuldige ist. Die Kasernen um den Uildiz- Palast sind von mazedonischen Truppen bezogen und der Palast ist abgesperrt. Mit der Abschiebung der entwaffneten Gar- n i s o n hat man heute schon begonnen. 1666 Mann sind nach den Kasematten von Hadcmkoei geschickt worden. Die Gefangenen vom 4. Salonikicr Bataillon, das die Meuterei vom 13. April angestiftet hat, sind bereits dem Gericht übergeben worden, welches in kürzester Zeit seinen Spruch fällen und vollstrecken wird. Die Arbeit der Kriegsgerichte. Konstantinopel, 26. April, nachmittags 3 Uhr. Die Lage ist gegenwärtig gekennzeichnet durch die Bestrafung der an dem Militäraufstand schuldigen. ES sind mehrere Kriegs- g e r i ch t e mit der Untersuchung befaßt. Die Füsilierungen sollen zahlreich sein, doch ist die Zahl von mehreren Hundert über- trieben. Unter den Füsilierten befinden sich auch viele H o d s ch a s; auch einige Zivilisten werden standrechtlich abgeurteilt. Einer strengen Bestrafung geht insbesondere das vierte Bataillon der Salonikier Jäger entgegen, dessen Mannschaften truppweise gebunden unter scharfer Bewachung abgeführt werden. General Schewket erklärt allen Fragen bezüglich des Sultans gegenüber, die Aufgabe der Armee sei erfüllt, wenn die Ordnung und Ruhe wiederhergestellt und die Schuldigen bestraft sein werden. Sache des Parla- m e n t s werde es sein, zu beurteilen, ob auch den Sultan an den letzten Vorgängen Schuld treffe. Solange dies nicht erwiesen, seien alle hierauf bezüglichen Gerüchte haltlos., Die Metzeleien in Kleinasien. Konstantinopel, 26. April. Einer Bciruter Konsulardepesche zufolge wird aus L a t a k i e h telegraphiert, daß die armenische Ortschaft Kessab seit gestern in Flammen stehe. Die Einwohner seien zum Teil massakriert. Für die Um- gebung von Latakieh bestehe große Gefahr. Französische und englische Kriegsschiffe sind in Beirut eingetroffen. Rom, 2o. April. Nach einer Meldung des Kommandanten des italienischen Kriegsschiffes„Fcrruccio" aus Alexandrette herrscht dort zurzeit Ruhe, wohl auch infolge der A u S- schiffung der Matrosen frenider Kriegsschiffe, dagegen dauert das Morden in der Umgegend noch fort. In dem Orte Dortyol, 15 Kilometer von Alexandrette, werden die Armenier von den Aufrührern belagert, sollen aber jetzt auf Veranlassung der Kommandanten der fremden Kriegs- schiffe durch ottomanische Truppen, die zur Verstärkung in Alexan- drette eingetroffen sind, entsetzt werden. Diese Truppen sollen auch dazu benutzt werden, durch Streifen in der Umgegend dort das Rauben und Morden zu verhindern. Eine Gratulation. Konstantinopel, 26. April. Der österreichisch-unga- r i s ch e Militärattache, begleitet vom deutschen Militärattache, beglückwünschte gestern nachmittag Mahmud S ch e w- ket, Hussein Husni und die übrigen leitenden Generale zu der glänzenden Durchführung der militärischen Operationen, der Wiederherstellung dex Ordnung und der ausgezeichneten Manneszucht. poUtifcbc üeberficbt. Berlin, den 26. April 1909. Juristische Flickarbeit. Aus dem Reichstage, 26. April. An die erste Lesung der Strafrechtsnovelle schloß sich heute ein anderes Ergebnis juristischer Flickarbeit: die zweite Lesung einer Bor- läge, die sich mit Teilreforinen gleich vier verschiedener Gesetze befaßt, nämlich des Gerichtsverfassungsgesetzes, der Zivilprozeßordnung, des Gerichtskosten- g e s e tz e s und der Gebührenordnung für Rechts- a n w ä l t e. Der organisatorische Kern der Vorlagen ist die Ausdehnung der Zuständigkeit der Anitsgerichte in Zivil- Prozessen, die versucht wird durch die Höherschraubung der Summe, bis zu welcher eine bürgerliche Streitsache vor ein Amtsgericht zu bringen ist. Gegenwärtig ist diese Grenze bei 300 Mark gezogen, die Regierung hatte die Erhöhung auf 800 Mark vorgeschlagen, die Kommission hatte diese Sumnie auf 600 Mark zurückgeschraubt. Durch eine solche Erhöhung der Prozeßsumme wird der Geschäftsbereich der Amtsgerichte bedeutend erweitert, der der Landgerichte entsprechend ein- geschränkt. Das hat wieder die Folge, daß die Praxis der Rechtsanwälte eingeengt wird, da für Verhandlungen vor dem Amtsgericht kein Anwaltszwang besteht. Während so die An- wälte durch die Neuerung eine Einbuße erleiden werden, hat die Regierung es verstanden, bei der Aenderung der Gebühren- ordnung für den Fiskus wieder Mehreinnahmen heraus- zuschlagen. Diese und andere Neuerungen hatten anfänglich auch bei den bürgerlichen Parteien starke Oppositionsgelüste erweckt. In der Kommission haben sich diese aber beruhigt. Eine regere Debatte entwickelte sich zunächst nur über die Frage, ob die freie Advokatur weiter eingeschränkt werden solle. Der Kon- scrvative Abg. Wagner hatte nämlich darauf hingewiesen, einige Rechtsanwälte hätten den Gedanken begünstigt, daß der Regierung wieder baß Recht verliehen werden solle, Rechtsanwälte nur in beschränkter Zahl zuzulassen. Dagegen erklärten sich entschieden Mitglieder aller übrigen Parteien. Auch Genosse Frank wies den Gedanken zurück, indem er betonte, daß ja die Beschränkung für das Reichsgericht bestehe, aber keineswegs zur Nachahmung ermutige. Für die Sozial- demokratie komme es hauptsächlich darauf an, darauf hinzu- wirken, daß die Interessen der zahlreichen Angestellten der Rechtsanwälte möglichst geschont würden. Wir seien nicht für die Ausdehnung der Amtsgerichtsbefugnisse. Bei der Ab- stimmung wurde indes gegen die Sozialdemokratie die Empor- schraubung der Grenzsumme auf 600 M. angenommen. Eine eingehende Debatte rief auch noch der sozialdemo- kratische Antrag hervor, die Arbeitersekretäre generell zur Vertretung vor Gericht zuzulassen. Genosse Schmidt- Berlin begründete diese Forderung mit dem Hinweise darauf, daß die Arbeitersekretäre nicht geschäftsmäßig wie die Rechts- konsulenten die Vertretung vor Gericht übernehmen, sondern als Angestellte von Organisationen ohne Entgelt im einzelnen Falle. In Süddeutschland würden sie denn auch durchweg anstandslos zur Vertretung vor Gericht zugelassen; leider aber nicht durchweg in Preußen. Deshalb sei eine gesetzliche Bestimmung nötig. Der Staatssekretär Dr. Nieberding memke den Reichsbehorden und der preußischen Justizverwaltung sei davon nichts bekannt, und der nationalliberale Abgeordnete Dr. Hcinze wandte sich gegen den Antrag, weil er ein Vorrecht für Arbeiter- sekretäre schaffe. Er fand es unzulässig, daß Arbeiter- organisationen auf diese Weise darüber entscheiden könnten, wer vor Gericht eine Vertretung auszuüben habe. Aehnlich ab- lehnend verhielten sich auch die Freisinnigen und Mitglieder anderer bürgerlicher Parteien. Bei der Abstimmung erhoben sich außer den Sozialdemokraten nur einige wenige Zentrums- leute und die Polen dafür. Der Antisemit S ch a ck glänzte durch Abwesenheit, trotzdem der von ihm vertretene Handlungs- gehilfenverband ein großes Interesse an dem sozialdemokrati- schen Antrage gehabt hätte. Dann wurde die Weiterberatung auf Dienstag vertagt. Ter Kultusetat im Abgeordnetenhause. In Abwesenheit des Kultusministers, dessen Stelle noch immer nicht besetzt ist, obwohl kein Zweifel darüber herrscht, daß Herr Holle nicht ins Amt zurücklehrt, begann das Abgeordnetenhaus am Montag die Beratung des KultuSetats. Auf dem Platze des Ressort- Ministers saß sein Kollege vom Finanzministerium Frhr. von Rhein- baben und neben ihm die Schwartzkopff und andere Dunkelmänner — ein herrliches Bild, wert der Nachwelt überliefert zu werden. Der Finanznliilister, der jeden Pfennig für Kulturaufgaben dreimal herumdreht, die Geheimräte, die die eigentlichen Tröger der konservativ-klerikalen Politik, die dem Block zum Trotz, ja gewisser- maßen als eine Verhöhnung deS BlockgedanlenS, in Preußen be- trieben wird. Wozu brauchen wir überhaupt einen Kultusminister im heutigen Preußen?„Schwartzkopff macht alles!" So rief Genosse Hoffmann unter großer Heiterkeit in den Saal hinein, und tatsächlich ist Herr Schwartzkopff nicht nur unter Studt, sondern auch unter Holle allmächtig. Nur, daß er seine Politik im geheimen betreiben kann und dem Parlament nicht verantwortlich ist, während ein Minister selbst im Dreillassenparlament einmal in die unangenehme Lage kommen könnte, den„Volksvertretern" Rede und Antwort zu stehen. Wesentlich auf den Einfluß Schwartzkopffs ist es zurück- zuführen, daß alle Wünsche der konservativ- klerikalen Landtags- Majorität erfüllt werden und daß alle das VolkSschul- Wesen betreffenden Gesetze und Verordnungen den Junkern und Pfaffen auf den Leib geschnitten sind. Das ist vor- nehmlich der Grund. aus dem heraus sowohl daS Zentrum als auch die Konservativen der von der Linken angeregten Trennung der Unterrichtsverwaltung vom Ministerium der geistlichen Angelegenheiten so heftigen Widerstand leisten. Die Redner dieser Parteien, Abg. Marx sZ.) und Abg. Graf Clairon(l.) erklärten aufs entschiedenste, daß sie nichts davon wissen wollen, daß ein besonderes, von dem Ministerium der geist- lichen Angelegenheiten losgelöstes Unterrichtsministerium gebildet Ivird. Die Schule ist eben in Preußen nicht Selbstzweck, sie ist nur Nebensache, die Hauptsache bleibt die unter der MaSte der Frömmigkeit sich breit machende Muckerei. Aber nicht nur in der Volksschule, sondern'auch in den höheren Schulen. ja selbst auf den Universitäten wird die heuchlerische Frömmigkeit gezüchtet, und ein solches Vorgehen findet im Landtag die Billigung der großen Mehrheit, wie die Erörterung deS Falles Mahling beweist, des gegen den Willen der Fakultät nach Berlin berufenen Theologie-ProfessorS. Neben der Diskussion über den Fall Mahling und über die Trennung des Ministeriums wurden die bekannten Beschwerden des Zentrums über ungerechte Behandlung der Katholiken sowie polnische Klagen vorgebracht. Die Sozialdemokraten werden ihre Anschauungen am DienStag durch den Genossen Hoffmann vertreten lassen. Der 500 Millionen-Prinz als Volksvertreter. Der Herzog Urenberg hat sich nunmehr seinen Wählcnt im Wahlkreise Lüdinghausen- Beckum- Warendorf durch eine Kandidatenrcde vorgestellt. Wie die Zentrumspresse meldet, hat er bei der Zuhörerschaft„lebhaften Anklang" gefunden. Seine Aufstellung motivierte der Herzog damit, daß das Zentrum eben das getreue Abbild eines geordneten Staats- wesens sei, das alle seine Glieder, gleichviel welcher Stände und Berufe, mit gleicher Fürsorge umschließe. Da man offenbar glaubte, daß es unter den Versammelten Leute geben könnte, die das einem Herzoge, der nebenbei auch noch SOOfacher Millionär ist, nicht so ohne weiteres glauben würden, hatte man sich den Abgeordneten Wiedeberg als zweiten Redner verschrieben, der gleichfalls die„ausgezeichnete Vertretung aller Berufsstände" durch das Zentrum feierte. Wie die Vertreter des Adels seine Kandidatur, die Kandidatur eines Arbeiters, unterstützt hätten, so möchten jetzt auch die Arbeiter für den Herzog eintreten. Wie das Zentrum und wie selbst solche Kandidaten, die das Zentrum für Arbciterkandidaten ausgibt, die Arbeiter- interessen vertreten, das beweist klassisch die Rede des Ab- geordneten Brust im preußischen Abgeordnctenhause, in der er die Forderungen des sozialdemokratischen Redners bekämpfte. ein erGruppe von besondersschlecht gestellten Staatsbergarbeitern einen Lohnzuschlag von 30 Pf. zu gewähren! Für die 12Vs Millionenzulage für die Herren Geistlichen hat das Zentrum natürlich e i n st i m m i g gestimnit l Ein weiterer Beweis, wie das Zentrum für die Interessen der Arbeiter eintritt, war seine Ablehnung des Antrages auf Neu- einteilung der Landtagswahlkreise. Selbst den 5„Arbeitervertretern" des Zentrums war die Haltung des Zentrums, das durch seine Abstimmung die skandalöse Entrechtung der städtischen und industriellen A r- beiter konservieren half, so schmachvoll, daß s i e wenigstens für den Antrag auf Neueinteilung stimmten. Dieselben Leute aber, die durch ihre eigene von der Haltung der Fraktion abweichenden Abstimmung bewiesen, wie wenig das Zentrum die Interessen deS Proletariats wahrnimmt, besitzen dann in Volksversammlungen die Stirn, die„Arbeiter- sreundlichkeit" des Zentrums zu preisen! Disziplinarisches Vorgehen gegen die Beamten. Die„N o r d d. A l l g. Z t g." erklärt der„Konservativen Korrespondenz" gegenüber, daß die Organe der Regierung das Recht für sich in Anspruch nähmen, in der Oeffentlichkeit ihre Vorlagen zu vertreten und die Bevölkerung in ihrem Sinne aufzuklären. Die Regierung verteidigt also die von Herrn Levy von Halle inszenierte mittelständlerische Be- wcgung für die Erbschaftssteuer. Tagegen lehnt die Regie- rung jede Verantwortung für Zeitungsartikel und Versamm- lungsreden ab, die sich nicht in„einwandsfreien Bahnen" hielten. Die B e a m t e n v e r s a m m l u n g in der Hasen» Heide sei der Negierung durchaus unerwünscht gc- Wesen. Sie habe den« auch ausdrücklich vor ihrem Besuch geiBarnt�„Uchcr.die Vorgänge an diesem Tage sind Feststellungen angeordnet worden, bon deren Ergeb- ms es abhängen werde, ob Anlaß zu disziplina- rischem Vorgehen geboten i st." Es fragt sich nur, ob die Beamten sich diese etwaige Maßregelung so ohne weiteres gefallen lassen werden. Wenn die Beamten auch nur einiges Solidaritätsgefühl beweisen, kann die Regierung gar nicht wagen, etwas gegen unbequeme Wortführer zu unternehmen. Freisinnige(Srundsatzlofigkeit. Es wurde seinerzeit berichtet, daß wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung über die Wahlrechtsfrage im Kieler Rathause acht von den zwölf bürgerlichen Stadtverordneten, die Mitglieder des liberalen Vereins— der Organisation des Kieler Freisinns— waren, aus dem Verein ausgetreten sind, um für den Wahlrechtsraub freie Hand zu haben.— Jetzt hat in einer Versammlung des liberalen Vereins der Vor- sitzende erklärt, daß nie im liberalen Verein ein Antrag zur Abstimmung gekommen, ja nicht einmal gestellt worden sei, da die Stadtverordneten, die für den Wahlrechtsantrag des Magistrats gestimmt haben, aus dem Verein ausge- schlössen werden sollen. Den Wahlrcchtsräubern ist also die Tür des Vereins wieder geöffnet.—_ Bauern und Arbeiter im Zentrum. Bei der Reichstagsersatzwahl in Düren-Jülich hatte ein Teil der katholischen Arbeiter, denen die fürstliche Zentrums- kandidatur nicht behagtc, einen Kandidaten aus ihrer Mite aufgestellt. Die„Rheinische Volks st imme" hatte diesen Vorfall benutzt, den christlichen Arbeitern eins aus- zuwischen, indem sie einer Zuschrift Raum gewährte, in der es hieß: „Bei diesem Wahlvorgange möchte ich meinen BernfSgenossen und Freunde» bezüglich ihrer politischen Tätigkeit zurufen: ab bosto ciiscs(lerne vom Feinde)! Denn ob diese Arbeiter sich christlichsozial oder meinetwegen auch rot nennen, im Hätz gegen andere Stände und namentlich gegen den Bauern st and gibt einer dem anderen wenig nach. Das beweisen auch wieder die Artikel in der letzten Nummer der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" über die Nachlatzsteuer und die sogenannte Liebesgabe bei der Branntweinsteuer." Hierzu schreibt die„Westdeutsche Arbeiter- Zeitung" tM.-Gladbach): „Den ersten Teil dieser Auslassung wird man am besten als eine geradezu unverschämte Verdächtigung niedriger ängen. Was den Hinweis auf unsere„Westd. Arb.-Ztg." an- etrifft, so haben wir zu bemerken: Wir wetten 10 gegen 1, der Mann, der diese unerhörten Verdächtigungen in„christlich-sozialer" Liebe ausspricht, hat keinen einzigen von unseren Artikeln über die Nachlatzsteuer gelesen.... Nur darum geht er so sträflich leichtsinnig vor. Nur darilm ist ihm zu verzeihen, weil er nicht weiß, was er tutl Damit bleibt allerdings die V e r- bitternde Wirkung seiner Hetzarbeit bestehe»»." ReichsvereinsgesctzlicheS. Aus Halle a./S. berichtet man uns: Das Hallesche Landgericht hat bekanntlich das Gartenkonzert des hiesigen Radfahrer- vergnüguugsvereins„Stern" als eine öffentliche Bcranstal- tung im Sinne des§ 7 des Vereinsgesetzes vom 19. April 1998 an- gesehen und den Wirt des Lokals, sowie auch drei Vorstands- Mitglieder zu je 19 Mark Geldstrafe verurteilt. Man hatte die Bil- düng eines Radfahrervereins für ein Dorf angeregt und diese durch- aus unpolitische Handlung der Konzertteilnehmer genügte, auf Grund des ReichSvereinSgesetzeS vorzugehen. Keineswegs hatte eine Versannnlung stattgefunden: denn selbst der Gemeindevorsteher hatte an den, Konzert teilgenomnien. Jetzt liegt nun die schriftliche Be- grllndung des Urteils vor. in der es wörtlich heißt: Wenn vielleicht auch nicht alle Besucher den Zweck des Kon- zerts gekannt haben, so ist er doch sicherlich einer großen Mehr- heit bekannt gewesen, so daß das veranstaltete Konzert zweifellos als eine Versammlung angesehen werden muß. Eine Versamm- lung liegt laut Entscheidungen des Reichsgerichts vor, wenn es sich um eilte Personenmehrheit oder Menschenmenge handle und zu dem oft nur zufälligen oder scheinbaren durch daS örtliche Zusammensein bedingten äußeren Bande eine aus gemeinsanten Wollen beruhende innere Vereinigung hinzutritt. Hiernach kann man alles als Versammlung ansehen. Ein großer Wahlrechtsdemonstrations-Prozeß wird am 6. Mai das Schöffengericht Remscheid be« schästigen. Es handelt sich um nicht weniger wie 22 Angeklagte, gegen die 4 Polizeikom missare, 3 Polizeiwacht- m« i st e r und 19 Polizeisergeanten als Zeugen aufgeboten worden sind. Die Patrioten Remscheids wünschten am 27. Januar, also an Kaisers Geburtstag, eine richtige Volks- seier zu arrangieren und glaubten, auch die Arbeiterschaft vor ihren Wagen spannen zu können. Auf Veranlassung einflußreicher Personen wurden die größeren Fabriken an Kaiser» Geburtstag um 6 Uhr abends geschlossen, um auch der Arbeiterschaft Gelegenheit zu geben, sich an den Hurrafeiern zu beteiligen. Die Patrioten Ren»« scheids hatten sich aber bös verrechnet. Wie aus der Erde gestampft, tauchten am 27. Januar(Kaisers Geburtstag) kurz nach 7 Uhr abends Tausende von Proletariern auf, die zunächst den Kaiserplatz besetzt hielten und die erschienen waren,»»m gegen die Art und Weste, wie kurz vorher im Junkerparlament die Wahlrechts- frage behandelt worden war, zu protestieren und für das allgemeine Wahlrecht zu demonstrieren. Wie inimer in solchen Fällen, fehlte die Polizei nicht und statt die Wahrechtsdemonstraiiten ihrer Wege ziehen zu lassen, mischte sie sich dazwischen, um die „Ordnung" wieder herzustellen, die erst gestört wurde, als sich die behelmten Hüter der heiligen Ordnung unliebsam bemerkbar machten. Ganz nach Dresdener mid Berliner Muster wurde blankgezogen und darauf losgeschlagen. Gegen eine Anzahl Demonstranten Ivurde dann Anklage „wegen Auslaufs" erhoben. Einige der Angeklagten sollen sich außerdem SpezialVerbrechen haben zuschulden- kommen lasten. So sollen die Genossen Braß, Koch und Gohr einen Aufzug auf öffentlicher Straße ohne die vorschrtftSmäßige Genehmigung der Polizeibehörde geleitet haben. Der Genosse Braß soll obendrein den Polizeisergenannten Neuenhöfer durch die Bezeichnung „Kerl" beleidigt haben. Ein weiterer Angeklagter soll„ W i d e r- stand" geleistet, ein anderer einen ihm nicht zukommenden Namen angegeben haben und einer gar soll emen Polizeibeamten m i t t e l s gefährlicher Werkzeuge, nämlich---Radeln körper- lich mißhandelt haben. Milde Militarjustiz. In den letzten Tagen hatten sich die Militärgerichte des 9. Armeekorps(Altona)»nit niehreren Soldatenmißhandlungen bczw. vorschriftswidrigen Behandlungen Untergebener zu be- schäftigen. Da als Angeklagte nur Vorgesetzte in Frage kamen, fanden diese milde Richter. Der Leutnant v. G. vom 9. Feld- cWjllerie-Regiment(Itzehoe) hat beim Turnen„Korrekture»»' vorgenommen, indem er einem Soldaten, der beim Springen den Fuß nicht vorschriftsmäßig gehalten haben soll, mit dem Fuß einen Stoß gegen den Fußknöchel versetzte, so daß der Soldat heftige Schmerzen verspürte. Der Offizier will nllr im Interesse des Dienstes gehandelt haben. Der Ankläger führt»nit Recht aus, daß hier nicht eine vorschriftswidrige Behandlung, sondern eine M i ß Handlung eines Untergebenen in Frage komme. Da aber ein„minder schwerer Fall" vorliege, beantrage er acht Tage Stuben- arrest. Das Gericht erkannte aber nur wegen vorschriftswidriger Behandlung auf— 2 Tage Stubenarrest! Das geplatzte Troininefell. Ain 24. März d. I. forderte der Wachtmeister der 1. Eskadron des Wandsbecker Husaren-Regiments den Gefreiten und Berittführer I. auf, die Pferde besser putzen zu lassen, widrigenfalls er ihm den Urlaub streichen lassen würde. In ärgerlicher Stimmung ging I. auf den Kasernenhof, wo ein Husar auf Befehl des Wachtmeisters für dessen Frau Holz zerkleinerte. Er gab dem Soldaten einen Fuß- tritt, der andeutete, daß er mit ihm sprechen wolle, und eine Ohr- feige mit den Worten:„Ich habe keine Lust, mir um Euch den Urlaub streichen zu lassen." Die Ohrfeige fiel so wuchtig aus, daß des Mißhandelten Trommelfell platzte. Das Urteile lautete auf 7Tage gelinden Arrest! Mißhandlungen und vorschriftswidrige Be- Handlungen in mindestens 79 Fällen, deren sich der Unteroffizier V. von der 9. Kompagnie des Regiments„Ham- bürg" schuldig gemackit hat, ahndete vor einigen Wochen das Kriegsgericht mit 6 Wochen Mittelarrest. Bon beiden Seiten wurde Berufung eingelegt. Der Angeklagte tvill im Diensteifer gehandelt haben,„um gute Resultate" zu erzielen. Das Ober- kriegsgericht verlvarf beide Berufungen. Der Unteroffizier bleibt mithin„diensteifriger" Vorgesetzter. Die Namen der drei Soldatenquäler sind: Leutnant v. GlierAki, GetreiterJütgens und Unteroffizier B i to r._ i Vom Balkan. Anerkennung der bulgarischen Unabhängigkeit. Wien, 25. April. An den Vertreter Oesterreich-UngarnS in Sofia sind heute Weisungen über die Anerkennung der Unab- hängigkeit Bulgariens ergangen, da durch das türkisch-bulgarische Uebereinkommen,' in welchem die Türlei die neugeschaffene Lage an- erkennt und welches offiziell zur Kenntnis der ö st erreicht fch-ungarifchen Regierung gebracht worden ist, die Interessen der Orientbahnen voll- kommen gewahrt erscheinen._ franhmcb. Noch ein sozialdemokratischer Wahlsieg. Paris, 26. April. Bei der gestrigen Kammerersatz- tv a h l im Bezirk M o u l i n s im Departement Lille wurde der Kandidat der vereinigten Soziali st en Mille mit 4977 Stimmen gewählt. Auf den sozialistisch-radikalen Gegenkandidaten Dammir entfielen 3622 Stimmen. Das Mandat hatten bisher die Radikalen inne. Gegen die Beamtcnmaßregeluugen. Paris, 26. April. Gestern abend wurde hier eine Versamm- lung der Postbeamten abgehalten, die sich in einer Resolution für ihre Kameraden erklärten, gegen welche die Regierung Maß- regeln zu ergreifen beabsichtigt, und versprachen, sie mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. In H a v r e und Lyon hielten die Postbeamten ebenfalls Versammlungen ab, in denen die baldige Umivandlung der Allgemeinen Vereinigung der Postbeamten in ein S y n d i k a t verlangt wurde. Der nationalistische Deputierte Berry teilte dem Ministerpräsidei»ten mit, daß er ihn bei Beginn der Kammertagung befragen werde, welche Maßnahmen die Regierung zu ergreifen gedenke, um den Treibereien einzelner Beamtenvereinigungen ein Ende zu machen, die ein offenes Bündnis mit dem revolutionären Allgemeinen Arbeitsverbande abgeschlossen hätten. Die Mißbräuche in der Marine. Paris, 25. April. Bezüglich des Gerüchtes, daß der Ministerrat auf Antrag de? Marineminifters beschlossen habe, die Gesellschaft Crseuz ot wegen fehlerhafter»md minderer Lieferungen zuchtpolizeigerichtlich zu verfolgen, meldet der „Wiiiiin": Eine vom Marineministerium eingeleitete Untersuchung habe in der Tat ergeben, daß die von C r e u z o t gelieferten Be- standteile von Geschütztürmen schlecht gearbeitet seien. und daß der Justizminister beauftragt worden sei, gegen die Gesellschaft strafrechtlich vorzugehen. Auch bezüglich anderer Lieferungen von Crcuzot, namentlich der von Geschossen und Unterseebooten seien sehr ernste Beanstandungen erhoben und Untersuchungen eingeleitet worden. Im Marine- Ministerium werde betreffs dieses Gerüchts Stillschweigen beobachtet; die Direktion der Creuzotgesellschaft erkläre gleichfalls, von der an- geblichen zuchtpolizeigerichtlichen Verfolgung keinerlei Kenntnis zu haben. Italien. Ein Prozeß wegen der Hilfsaktion im Erdbebengebiet. Rom, 23. April.(Eig. Ber.) Unser Neapolitaner Parteivlatt, die„Propaganda", hatte gleich nach dem Erdbeben schwere Anklagen gegen die zur Hilfsaktion beorderten Militärbehörden veröffentlicht. Die Folge war ein Be- leidigungsprozeß, dessen Voruntersuchung soeben ihren Abschluß fand, mit dem Beschluß, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen. »vegen mangelnden Schuldbeweises. Wie cS scheint, ist dieser Be- schluß der Voruntersuchung darmlf zurückzuführen, daß die„Pro- paganda" eine Unzahl von Zeugen zur Erbringung deS Wahrheits- beweises der beleidigenden Tatsachen angegeben hatte, unter»velchen Zeugen sich zahllose Offiziere»md sogar der Herzog von Aosta, der Onkel des Königs, befand. Die Einstellung deS Verfahrens gegen die„Propaganda" erregt in allen Kreisen große Ver- »vunderung._ Ei» Monsterprozeß gegen die Syndikalisten von Parma. Ron», 28. April.(Eig. Ber.) Vor den Assisen von L u c c a hat am 19. d. MtS. deö Prozeß gegen 59 Syndikalisten von Panna be- gönnen, der sich an den berühmten Agrarstreik und die drei Tage allgemeinen Ausstandes im Juni vorigen Jahres in der Stadt Parma anschließt. Die Anklage lautet auf Bildung einer ver- brecherischen Verbindung, Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates und Mitfchrild an verschiedenen Mordversuchen. Natürlich läßt sich in dem Anklageakt die reaktionäre Phantasie ganz die Zügel schießen, sogar das Schleudern eines Steines aus einem Fenster wird als Mordversuch angesehen. Bon den 59 Angeklagten befindet sich die Mehrzahl seit dem Juni vorigen Jahres in Untersuchungshaft. Der Organisator des Streiks, der damalige Sekretär der Arbeitskammer von Parma und bekannte Syndikalist Alceste De A m b r i S, hat sich in Sicherheit gebracht. KulZlanä. Der Prozeß Herzeustein. Petersburg, 25. April. In dem Prozeß wegen der Ermordung des Kadettenführers Herzen st ein trat eine sensationelle Wendung ein. Der Zeuge Prussakow, ehemaliger Privatsekretär deS Präsidenten des Verbandes des russischen Volkes, erklärte. Dubrowin habe ihn beauftragt, für 15999 Rubel einen Mörder Herzen st eins zu dingen; er habe eS aber abgelehnt und seine Entlastung aus dem Dienste gefordert. Nach der Ermordung Herzensteins habe der Teilnehmer an dem Morde JuSkewitsch von dem Volksverbands 4999 Rubel er» halten. Dubrowin habe bei sich Bomben der Kampforganisation deS Volksverbandes aufbewahrt. AlS JuSkewitsch von dem BoltS- verbände weitere Summen erpreffen wollte, habe der verstorbene Priester Johann von Kronstadt 19999 Rubel für den Volksverband gestiftet. Als Führer des geheimen Prä- sidinms des Volksverbandes»laimte Prussakow Dubrowin, Bul a z e l und den Fürsten W o l k o n s k i. Das Gericht beschloß. die russischen Behörden um sofortige Verhaftung Dubrowin s wegen Verdachtes der Anstiftung zum Morde zu ersuchen. Der nächste Termin ist auf den 18. Mai festgesetzt. perften. Die russische Intervention. Teheran, 25. April. Der Schah hat in eine Verlängerung des W a f f e n st i l l st a n d e S ohne Zeitbestimmung gewilligt sowie die unbegrenzte Zufuhr von Lebensmitteln nach Täbris gestattet. Dieses Zugeständnis wird allgemein der Furcht vor einer bewaffneten russischen Intervention zugeschrieben, die. wie der Schah fürchtet, nicht zu seinen Gunsten ausfallen dürfte. Die Nachricht von dem Anmarsch russischer Truppen hat auch bei den Nationalisten große Unruhe hervorgerufen. Petersburg, 25. April. Nachrichten aus Dschulfa z»lfolge sind dort zwei Sotnien Kosaken und eine Schützenkompagnie von der Grenze eingetroffen. Die Kosaken haben den Marsch nach Täbris fortgesetzt. Hmeriba. Gegen die Einwanderer. Washington, 25. April. Senator O v e r m a n hat ein Amende« ment zum Tarifentwurf eingebracht, das eine Kopfsteuer Von zwölf Dollar für Einwanderer vorsieht. Hii9 der parte!» Gemeindewahlsicge. Bei der Bürgerausschußwahl in Schopfheim (Baden) errang die Sozialdemokratie am Sonnabend einen glänzenden Sieg. Auf ihre Liste entfielen 167 Stimmen, auf die der Gegner 129. Vor drei Jahren betrug die sozialdemokratische Stnnmenzahl 76. Bisher war ein Vertreter der Sozialdemokratie iin Bürgerausschuß, jetzt sind eS zwölf l In Bövinghausen im Landkreise Dortmund siegte bei der GemeinderatSlvahl die Sozialdemokratie. In allen vier Ersatz- Wahlen, die in den letzten drei Wochen im Wahlkreise Dortmund stattfanden, wurden die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Zur Maifeier. Ein Maifeie r-Umzug ist auch unseren Parteigenossen in Solingen genehmigt worden. Nachmittags 5 Uhr wird sich der Zug mit Fahnen und Musikbegleitung vom Gewerkschaftshaus durch die Hauptstraßen der Stadt zum„Kaisersaal" bewegen, wo die Abend- feier stattfindet. Im gleichen Lokale fiitdet vormittags 19 Uhr eine Maifeier-Versammlung statt.. Die Steinarbeiter in Dresden haben beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Zur Affäre Leuthne? schreibt das„ H a»n b u r g e r E ch o": „Soweit die„Fränkische Tagespost", deren Urteil über den Leuthnerschen Artikel nur zuzustimmen ist. Aber— war es denn von den„Sozialistischen Monatsheften" nicht zu erwarten, daß sie über kurz oder lang mit einem alldeutsch-natio- nalen„Sozialdemokraten" aufwarten würden? Wir halten die Aufnahme des Leuthnerschen Elaborats in das Blatt des Herrn Bloch kcinesivcgs für auffallend. Seit Jahren ist man gewohnt. in der bürgerlichen Presse die„Sozialistischen Monatshefte" gegen die sozialdemokratische Partei zitiert zu sehen. Und»vahrlich, die Soldschreiber des Kapitalismus wären gar zu dumm, lvenn sie nicht diese„Qllelle" ausschöpften. Jeder„Sozialist", der an den Gr»»ndsätzeil oder an der Taktik der deutschen Sozialdemokratie herumzunörgelu hat, findet Uilterschlupf bei Bloch. Da geben sie sich alle, alle Stelldichein, die„Unverstandenen", für deren»velt. bewegende Reformsozialismus-Jdeen die Partei nicht das»»ötige Verständnis hat, die Männer der alleinseligmachenden Praxis, die mit kühnem.,Ketzer"inut die„Kirchenväter" der jämmerlichsten Unwissenheit und der falschen Lehre zeihen, die Leichen-Galvani- satore, die den„toiedererweckten" Liberalismus mit der sozial- demokratischen Partei verkuppeln möchten, und die tiefen Denker aller Art, die statistisch oder sonstwie„wissenschaftlich" nachweisen, daß die Arbeiter getäuscht worden, lvenn man�lUien Vormacht, es ginge ihnen schlecht. Zu diesen trefflichen Mitarbeitern mußte sich schließlich auch ein alldeutsch-nationaler Sozialdemokrat ge- seilen— das ist eigentlich selbstverständlich. Verwunderlich ist nur, daß jemand, der die EntWickelung und die Leistungen der„So- zialistischen Monatshefte" kennen muß, sich über die Aufnahme dieses einen Artikels wundert." Eine Landeskonferenz der Sozialdemokraten in Sachfen-Weimar tagte am Sonntag in Weimar. Aus 37 Orten»varcu 74 Teil- nehmer erschienen. Eine lebhafte Debatte schloß sich an die Refc- rate der Genossen Leber und Buk über:„Die Tätigkeit des Landtages und die Haltung der drei sozial- demokratischen Abgeordnete n." Eingehend wurde über die Wahlrechtsfrage verhandelt. Einstimmig erklärte sich die Konferenz»nit der Haltung der sozialdemokratischen Abge- ordneten einverstanden. Der wichtigste Punkt betraf die S te I lu n g zu den nächsten Landtagswahlen, über die der Ge- nosse B a u d e r t referierte.— Nach einer längeren Debatte, aus der ein erfreulicher Kampfcsmut herausklang, wurde beschlossen, in allen 23 Wahlkreisen selbständig vorzugehen. Von Doppel- kandidaturen soll in den Kreisen abgesehen werden, in denen einigermaßen auf einen Erfolg zu rechnen ist. Die Entscheidung über die Stellung bei den Stichwahlen tvurde den Leitungen der Reichstagswahlkreise in Verbindung mit den Sekretären über- lassen._ Die Beisetzung Emil Fischers. An, Sonntag wurde auf dem Friedhofe zu H a ,n b u r g- Ohls« dorf die Urne beigesetzt, die die Asche Emil Fischers birgt. Die Ein- äscherung hatte im Krematorium zu San Remo stattgesunden. Die Redakteure deS„Hamburger Echo", die Geschäftsleitung des Ham- burger Parteiunternehmens und viele Freunde des Berstorbeuen »vohntcn dem Akte bei. B ä r a r d widmete dem Freunde und Ge- nassen einen»vannen, tief empfundenen Nachruf,»vorauf die Urne in einem schlichten Granitblock vermauert»vurde. Auf einer kleinen Marmortafel stehen die beide» Worte E n» i l Fischer. Eine große Anzahl Kränze, gewidmet von den Parteigenossen Hamburgs und anderen Korporationen wurden ain Granitblock niedergelegt. Personalien. Zum leitenden Redakteur der„Bergi- schen Arbeiter st imme" in Solingen wurde in einer am Sonntag, den 25. April, tagenden geineinsamen Sitzung des Vor- standes und AufsichtSrateS der Genosienschaftsbuchdruckerei sowie der Preßkommission der.Bergischen Arbeiterstimme" Genosse Wilhelm Dittmann, zurzeit Parteisekretär in Frankfurt a. M., ein- st im m ig gewählt. Genosse Dittmann war schon in den Jahren 1992 bis 1994 an unsere»» Solinger Brilderblatt als Redakteur tätig und ist seit dieser Zeit Parteisekretär in Frankfurt a. M. Er hat kürzlich einem Rufe der Genossen des ReichStagSwahlkreiseS Remscheid- Lennep- Mettmann Folge geleistet»md die erledigte Reichstags- kandidatur an Stelle des verstorbenen Genossen Meist angenommeu. Genosse Hildessrand, Jet jetzige Leiter der.Arkeiterstimme', scheidet am 1. Juli aus der Redaltion. Der Eintritt des Genossen D i t t m a n n erfolgt am selben Termin. Zum Parteisekretär im Wahlkreise Mannheim wurde am Tonntag von der Wahlkreiskonferenz Genosse S t r o b e l, bisher Angestellter des Bäckerverbandes in Mannheim, gewählt. Eine Auflage von 5 Millionen, vird das bekannte nordamerikanische sozialistische Wochenblatt „Appeal to Bssson" in seiner Ausgabe vom I.Mai erhalten. Die Nummer ist eine Sonderausgabe, die auf Angriffe Roosevelds antlvortet, die dieser bei seinem Abgange, gegen die Sozialisten schleuderte. Das von Engen Debs geleitete Blatt hat aber auch sonst die höchste Auflage oller sozialistischen Zeitungen: in der ersten Woche des April wurden 500 Exemplare gedruckt und die Zahl der Abonnenten beträgt 231 518. Die große Armee der Leser wird auch die Verbreitung der ö Millionen übernehmen. Huö Induftnc und FtandeL Rentabilität im Braunkohlenbergbau. Die durchschnittliche Dividende im Braunkohlenbergbau 1903 stellte sich bei 19 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von zu- sammen 40,32 Millionen Mark im Jahre 1907 insgesamt auf 5,16 Millionen Mark und ging 1908 auf 5,72 Millionen Mark hinauf. Im Durchschnitt bezifferte sie sich 1907 a u f 12,6. 1908 aber auf 14 Proz.! Roch stärker als die Dividende ist der Reingewinn hinaufgegangen: er stellte sich im Jahre 1908 auf 8,65 Millionen Mark, gegen 7,76 Millionen Mark im Jahre 1907. Auf das Aktien- kapital berechnet, ergibt sich für 1907 ein Reingewinn von 19, für 1903 ein solcher von 21,2 Proz. Der höhere Gelvinn wurde aus- gewiesen trotz beträchtlich höherer Abschreibungen. Diese beliefen sich 1903 insgesamt auf 5 696 555 M., gegen nur 5 295 587 M. im Jahre 1907. Von den Brannkohlenwerken, deren Dividende eine Steigerung erfahren hat, seien folgende besonders hervorgehoben. ES betrug das Aktien- die Dividende kapital in Proz. in 1000 M. 1907 1903 flse, Bergbau-A.-G..... 8000 20 22 intracht, Braunk.-Werke... 5000 24 27 Nordd. Braunk.-Werke Helmstedt 3500 0 Z Kraft, Bergbau-A.-G., Leipzig. 2700 0 S Konsol. Brallnk.-Werk Karoliue. 1360 23 ZV Bei einer Reihe größerer Brannkohlenwerke ist die Dividende gleich geblieben: die Braunschweigischen Kohlenbergwerke ver- teilten wieder 13,9 Proz., die Creppincr Werke 10 Proz., die Leipziger Braunkohlcnwerke 9 Proz., die Bitterfelder Luisengrube 16 und endlich die Prehlitzer Braunkohlen-Akt.-Ges. in Menseltvitz 24>/z Proz. Aber das Lohnniveau der Brau» kohle narbeiter hat im Jahre 1908 keine Erhöhung erfahren. Ein Arbeiter verdiente nämlich im preußischen Braunkohlenbergbau pro Schicht durchschnitt- lich 3,66 M. Wie im Jahre 1907. Arbeitslohn und Unternchmergewinn. Nach Ausweis des Jahresberichtes der Ludwigshafener Walz« mllhle erzielte das Unternehmen im'letzten Jahre einen Warengcwinn von 2 004 480 M. Wie sich Produktionskosten und Gewinn ver- teilen, zeigt diese Aufstellung. Es beanspruchten: Allgemeine Handlungskosten... 261 655 M. Reparaturen........ 36 184„ Provisionen und Bersichernngen. 216 053„ Abschreibungen...... 287 087„ Zinsen.......... 318 419„ Tantieme und Gratifikationen.. 50 945 ,. Dividende......... 200 000„ Arbeitslöhne........ 323 644, Demnach machen allein Tantieme, Gratifikationen und Divi- denden e/4 der gesamten Arbeiterlöhne aus. Rechnet man die beide» Posten, die zweifellos als nackter Kapitalprofit angesprochen werden müssen, Dividende und Zinsen, zusainnren, ergibt sich eine Summe — 647 063 M.— die 158 Proz. der Arbeitslöhne ausmacht. Nach dieser Rechnung ist der Anteil des Kapitals am Arbeitsertrage schon um die Hälfte größer als der der produktiv Tätigen, Arbeiter, Beamten, Direktoren, Aufsichtsräte usw. Eine schöne Harmonie der Interessen I_ Thyssen gegen das Kohlensyndikat? In den Kreisen des Montan- großgcwerbes, so schreibt die„Köln. Volksztg.", hält man an der Ueberzeugung fest, daß, wenn auch nicht eine vollständige Ver- schmelznng, so doch die Herstellung einer engen Interessengemeinschaft zwischen der Deutsch-Luxembnrgischen Bergwerks- und Hnttcn-A.-G., an deren Spitze bekanntlich Herr Hugo StinneS steht, und der Ge- werkschaft Deutscher Kaiser lThysscns geplant ist und wohl auch dem- nächst zustande kommen werde. Dabei soll eS der Gewerkschaft Deutscher Kaiser darum zu tun sein, nicht nur in Gemeinschaft mit der Deutsib-Lnxembnrgischen Gesellschaft ans dem Eisen- und Stahl- markt selbständig auftreten zu können, sondern auch vom Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat wieder ganz unabhängig zu werden, um ihre ausgedehnten Kohlenfelder nach Belieben weiter aufschließen und ausbeuten zu können'_ Die deutschen Kreditbanken. Einen Neberblick über 44 Kreditbanken veröffentlicht die„Franks. Ztg." Diese Banken haben rund 2265 Millionen Mark Aktienkapital und sie verfügen über 563 Millionen Mark Reserven. Der im Jahre 1908 erzielte Bruttogewinn stellt sich aus 361 Millionen Mark. Der Reingewinn ist mit 225� Millionen Mark— im Vorjahre 225'/« Millionen Mark— ausgewiesen. Die Dividendenausschüttung beanspruchte 171>/g Millionen Mark gleich 7,61 Proz. Dazu wurden SÖ'/io Millionen Mark an Tantiemen verteilt. GewcHtfcbaftlicbc� Städtische Arbeitslosciifürsorge und Gewerkschaften. Die Stadt Mainz hat während vier Wochen eine Bar- Unterstützung an Arbeitslose gewährt. Die Unterstützung betrug wöchentlich: 3 M. für Ledige, 4 M. für Verheiratete ohne Kinder oder mit Kindern über 14 Jahre, 5 M. für Ver- heiratete mit Kindern unter 14 Jahren. Die Arbeitslosen- Unterstützung wurde an männliche Arbeiter und Privat- angestellte(Handlungsgehilfen, Techniker, Zeichner usw.) ge- währt, die das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben, sofern sie a) mindestens ein Jahr in Mainz wohnlen, b> seit mindestens 14 Tagen arbeits- oder beschäftigungS- loS waren; c) seit dem 1. März 1908 bis zum Eintritt ihrer Arbeits- losigkeit das ganze Jahr hindurch regelmäßig beschäftigt waren. Die tägliche Kontrolle wurde für die organisierten Arbeiter durch die Gewerkschaften, für die unorganisierten durch die Polizeibureaus vorgenommen. Für jeden Tag, an dem der Arbeitslose sich nicht zur Kontrolle meldete, wurde ein Abzug gemacht, für Ledige von 50 Pf. pro Tag, für Ver- heiratete ohne Kinder oder mit Kindern über 14 Jahre von K5 Pf. pro Tag, für Verheiratete mit Kindern unter 14 Jahren von 80 Pf. pro Tag. Die Auszahlung der Arbeitslosen-Untcrstützung erfolgte durch das städtische Arbeitsamt.___ . Ssanttv. Sedgkieuki SätitTt Sellin. Snlssateateil besaataui Nuttmehr hat die städtische Verwaltung einen gedruckten Bericht erscheinen lassen, in dem sie ihre Erfahrungen nieder- legt. Die Unterstützung wurde an 337 Personen gewährt. Insgesamt wurden 3428,63 M. ausbezahlt. Von der Stadt- verordnetenversammlung waren 10000 M. zur Verfügung gestellt worden. Die Bürgermeisterei stellt ihr Urteil wie folgt zusammen: _„Die zur Durchführung der Arbeitslosen-Unterstützung ge- troffenen Bestimmungen haben sich im großen und ganzen b e- währt. Insbesondere vollzog sich die Kontrollierung der Arbeitslosigkeit durch die Gewerkschaften(für Organisierte) und die Polizeibezirke(für Nichtorganisierte) glatt und fast ohne Anstand. Durch die Mitwirkung der Gewerkschaften bei der Kontrolle erfuhr die städtische Verwaltung, wie hier ausdrücklich festgestellt sei, eine willkommene und dankenswerte Unterstützung. Daß in den Bestimmungen nicht für alle vorkommenden Fälle Borsorge getroffen werden konnte, ist klar. Es galt deshalb bei ihrer Durchführung als oberster Grundsatz, daß im Zweifel stets zugunsten der Bewerber zu entscheiden sei. So wurde die Unter- stützung einem ledigen Arbeitslosen gewährt, dessen Vater nur ein Ein- kommen von 19,44 M. und damit 9 Köpfe zu ernähren hatte. Ueberhaupt mußte die Frage der Bedürftigkeit wiederholt den Ausschlag geben. Verweigert wurde die Unterstützung z. B. einem arbeitslosen Schreiner, dessen Kinder ein Monatseinkommen von 230 M. hatten; desgleichen dem ledigen Sohne eines städtischen Maschinisten und mehreren anderen jungen Leuten, deren Väter auskömmliches Einkommen hatten. Weiter wurde ein Bewerber ausgeschlossen, der eine Erbschaft von 4000 M. ge- macht hatte und ein anderer Bewerber, der neben seinem Hand- werk eine Schankwirtschaft betreibt. Versuche, durch u n- wahre Angaben die Arbeitslosenunterstützung zu er- schleichen, kamen nicht zur Kenntnis der Verwaltung. Kann man nach diesem Ergebnisse auch behaupten, daß die Arbeitslosenunterstützung sich als eine recht zweckmäßige Ein- richtung erwiesen hat und von den Arbeitslosen als eine Wohltat empfunden worden ist, so ist doch damit das Problem der Arbeitslosenversicherung keineswegs gelöst. Von einer Ver- sicherungseinrichtung kann, da die Gegenleistung fehlt, überhaupt nicht gesprochen werden. Unter den deutschen Städten hat Köln allein eine solche; doch steht der Nachahmung dieses Beispiels das Bedenken entgegen, daß die Einrichtung auf f a I u l t a- t i v e r Grundlage beruht und deshalb den Nachteil hat, daß sich der Kasse nur die schlechtesten Risiken— Leute, die mit ziemlicher Bestimmtheit während einer gewissen Jahreszeit arbeitslos werden— zuwenden. Arbeiter mit regel- mäßiger Beschäftigung dagegen bleiben der Kasse fern, weil sie eine Gegenleistung der Kasse nicht zu erwarten haben, und so kommt es, daß die städtischen Aufwendungen recht erhebliche sind. Die einzig vollkommene Lösung ist und bleibt die obligatorische Ein- führung der Arbeitslosenversicherung von Reichs wegen. Ob eine solche in absehbarer Zeit zu erwarten ist, möchten wir bei der übergroßen Schwierigkeit des Problems bezweifeln; durch die Städte können aber der Reichsgesetzgebung die Wege wohl kaum erfolgreich geebnet werden, so lange es ihnen an gesetzlichen Mitieln zur obligatorischen Einführung dieses Versicherungs- zweiges gebricht." Berlin und illmgegend. Werkstattstreiks zur Durchführung des Tarifvertrags der Kostüm- brauche. Die allgemeine Durchführung des Tarifvertrags der Kostüm- brauche konnte, wie es übrigens von der Organisationsleitung vor» ausgesehen wurde, in einer Reihe von Geschäften nicht ohne An- Wendung von Streik erreicht werden. Für verschiedene Firmen genügte es offenbar nicht, daß nach dem allgemeinen Streik der Arbeitgcbcrvcrband den Tarifvertrag anerkannte; sie wollten erst einmal ganz genau erfahren, ob auch ihre Arbeiterinnen und Ar- heiter dauernd kampfbereit seien. Infolgedessen mußten auch noch in der verflossenen Woche mehrere Wcrkstättenstrciks geführt iverden. Merkwürdigerweise war auch die Firma M a n n h e i- m e r, Oberwallstraßc, davon betroffen, die, cbwohl der Chef Vor- standsmitglicd des Arbeitgeberverbandcs ist, an 25 Kostüm-, also Tamenmaßschneiderinnen. den tariftnätzigen Lohn nicht zahlte. Da das Ziel auf gütlichem Wege nicht zu erreichen war, mußte am Sonnabend die Arbeit eingestellt werden. Dem Streik schloffen sich die Konfektionssihlieidcr und-Schneiderinnen an. Sie hatten um eine bcschcidenne Lohnerhöhung ersucht, tvaren aber abgewiesen worden. Der Streik wurde noch am selben Tage- mit dem ge- wünschten Erfolg beendet. Die Firma sah sich genötigt, den Tarif der Kostümbranche nun endlich unbedingt anzuerkennen, und ver- pflichtete sich auch, den Schneiderinnen das bisher an Lohn zu wenige gezahlte nachzuzahlen. Den zirka 50 Konfektionsschneidc- rinnen wurden Lohnzulagen von 1—3 M., den Büglern solche von 2— 4 M. bewilligt. Außerdem wurde die Arbeitszeit um eine halbe Stunde verkürzt. Im Hause G e r s o n ist über das Atelier des Zwischeumeisters Grünbaum die Sperre verhängt. Weil hier die Anerkennung des Tarifvertrags hartnäckig verweigert wird, haben sämtliche Kostümschneider und-Schneiderinnen am Montag voriger Woche die Arbeit niedergelegt, nur nicht diejenigen, die Mitglieder der katholischen Gewerkschaft der Heimarbeite- rinnen sind. Diese wenigen Arbeitswilligen, die hier wieder ein- mal ihre„christliche" Gesinnung durch Streikbruch bekunden, iverden jedoch nicht verhindern können, daß der Kampf mit vollem Erfolg beendet werden wird. Bei der Firma Lösch, Landsberger Straße, ist es am Dienstag zum Streik gekommen, der jedoch noch am selben Tage mit Erfolg beendet wurde. Die Firma hatte Streikarbeit aus Hain- bürg angenommen; die Arbeit wurde noch am selben Tage dorthin zurückgeschickt.— Bei der Firma Grafs, Liitzowplatz, stellten die 18 Kostümschneiderinnen die Arbeit ein, weil auf anderem Wege die Anerkennung des Tarifvertrages nicht zu erreichen war. Der Streit dauerte einen halben Tag, da war der Tarif anerkannt und die Firma verpflichtete sich außerdem, den für zwei Wochen zu wenig gezahlten Lohn— für jede Arbeiterin 6 M.— nachzuzahlen. — Daß die Sperre bei Her pich Söhne aufgehoben ist, wurde bereits im„Vorwärts" mitgeteilt. Auch diese Firma, die auf ihrer Werkstatt den Stücktarif eingeführt wissen wollte, sah sich veran- laßt, den Tarifvertrag und damit die Wochenlöhne für die Werk- stattarbeiter und-Arbeiterinnen anzuerkennen. Bei der Firma Lüders, Friedrichstr. 66, bestehen noch Diffe- renzen über den Tarif der Kostümbranche. Nachdem die Firma nun weiß, in ioelche Tarifklasse sie gebracht ist, wird es sich bei der nächsten Lohnzahlung zeigen, ob sie freiwillig den Tarif durch- führen will, oder ob auch hier noch ein starker Nachdruck notwendig ist. Die Schneidcrorgamsation ist selbstverständlich nach wie bor bestrebt, die vorliegenden Differenzen so viel wie nur irgend mög- lich in Güte zu regeln, muß aber natürlich überall unbedingt auf Anerkennung des Tarifvertrages bestehen. Es hat sich auch deutlich genug gezeigt, daß dort, wo ein Arbeitgeber sich hartnäckig weigert, die Tariflöhne zu zahlen, die Schneiderinnen sich dermaßen er- regen, daß es gar nicht mehr des Rufes der Organisationsleitung zur Arbeitsniederlegung bedarf. Daß einzelne Firmen der Durch- führung des Tarifes Schwierigkeiten bereiten, dafür kann der Schnciderverband ihnen gewissermaßen noch dankbar sein, denn dadurch eben werden die Schneiderinnen, welche es bisher noch nicht für nötig gehalten hatten, sich zu organisieren, dem Verband in die Arme getrieben, so daß jetzt ein ganz besonders starker Zustrom von neuen Mitgliedern stattfindet._ Achtung, Maschinisten und Heizer! In den Betrieben der Hotelbetriebsaktiengesellschast Bristol- Zentralhotel bestand für das Maschinen- und Heizerpersonal, wozu die Elektriker mit einbezogen waren, bis Oktober vorigen Jahres ein mit dem Zentralverband abgeschlossener Tarifvertrag, welcher bei einer Arbeilszeit von acht Stunden pro Schicht einen Minimallohn von 34 M. festlegte. Wegen Direktionswechsel konnte dieser Taris Sit&lsiftiSeilin. Druck u. BÄlgg i.LvrwaM Buchpr-v. B«lSLSg?ttgu nach Ablauf nicht erneuert werden und ging die Direktion mit einer Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen systematisch vor. Allerdings fühlte sich der Herr Direktor S ch m i d i bei der Weihnachts- feier veranlaßt, eine Rede zu schwingen, worin er das Maschinen« personal als„verehrte Arbeitsbrüder" bezeichnete; wie jedoch diese verehrten Arbeitsbrüder eingeschätzt wurden, zeigte die am 11. Januar erlassene Arbeitsordnung. Der Lohn und die Kündigung waren darin wohl festgelegt, jedoch hatte man die Arbeitszeit„vergessen". Diese wurde als Ostergeschenk im Bristol-Hotel in Gestalt einer lOstündigen Arbeitszeit und zwar von morgens 5>/z— 3 Uhr und von 3—1 Uhr nachts präsentiert. Die Sonntagsschicht beträgt 20 Stunden, von morgens 5'/z— 1 Uhr nachts. Leider ist dieser Schlag wegen der Rückständigkeit unserer Kollegen gelungen. Zwei Kollegen, welche die Unterschrist verweigerten, wurden entlassen. Nun versuchte man denselben Trick am 25. d. M. auch im Betriebe des ZentralhotclS, jedoch mit dem Erfolge, daß hier die Kollegen fast einmütig die Unterschrift verweigerten, was allerdings zur Folge hatte, daß die Direktion den Kollegen am Sonntagnachmittag per Rohrpostbrief die Kündigung ins Haus sandte. Man denke sich eine Arbeilszeit von 20 Stunden bei einem Kohlenverbrauch von 250 Zentner pro Tag in einem derartig engen Kesselraum, wie er speziell im Zentral« hotcl in der Georgcnstraße vorhanden ist. Wir möchten nur empfehlen, daß die Herrn Direktoren diese Arbeitszeit unter den dortigen Arbeits- und hygienischen Verhältnissen am eigenen Leibe probieren mögen, um auch einmal zu wissen, wie den„verehrten Ärbeitsbrüdern" unter derartigen ostelbischen Zuständen zu Mute ist. Allerdings hat ja der neue Betriebsleiter, ein pensionierter Deck- offizier der Marine, welcher am Sonntag seine Kraft als Heizer in den Dienst des Kapitals stellen mußte, eine kleine Probe erhalten. Die Betriebe des Z e n t r a l h ot e l, Georgenstraße, und Bristolhotel, Behren st raße, sind für organi- sierte Maschinisten und Heizer bis auf weiter es gesperrt. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Verwaltungsstelle Groß-Berlin. Achtung, Kutscher und Lagerarbeiter! Die Differenzen bei der Firma F. O. Rauch, Zündwaren und Haushaltungsartikel, Andreasstr. 40, sind durch Verhandlung beigelegt. Die Firma hat den Kutschern und Arbeitern zufrieden- stellende Lohnaufbesserungen und sonstige Vergünstigungen gewährt und ist die Arbeit von einem Teil der Beteiligten am Montag dieser Woche bereits aufgenommen worden. Zwei weitere noch aus- ständige Arbeiter sollen in den nächsten Tagen wieder eingestellt werden. Deutscher Transportarbeiterverband, Verwaltung II. Dcutlchca Reich. Ein Arbeitswilliger als Messerstecher. Der Streikbrecher Ernst S t r ä tz in Nürnberg hafte sich wegen Unterschlagung, Zechprellereien und Messerstcchens vor dem Straf- richter zu verantworten. Er stahl ein armlanges Messer und Pro- dozierte dann, jedenfalls um das gestohlene Messer gleich anwenden zu können, einen Streikposten. Dieser erhielt von ihm einen Stich in die Hand. Später verübte der Messerheld dann noch in einer Wirtschaft eine größere Zechprellerei. Vom Schöffengericht war der stechende Streikbrecher freigesprochen worden. In der Bc- rufungsinstanz wurde er jedoch wegen Körperverletzung zu einer Woche Gefängnis verurteilt; außerdem erhielt die Stütze des Va- terlandes wegen Diebstahls und Zechprellereien 5 und 3 M. Strafe. Die Innung als Streikbrcchcr-BermittelnngSbnreau. In Hannover befinden sich gegenwärtig die Klempner und Installateure im Ausstand und dadurch die bezopften, in der Innung vereinigten Meister in arger Verlegenheit. FlugS kommt nun der Vorstand jener„Zunft" herbei und versendet mit der Adresse an den „HauSvater der Herberge zur Heimat' gedruckte Post« karten, durch die Klempner und Installateure nach Hannover ge« lock werden sollen. Der Inhalt der Postkarte ist folgender: Unterzeichneter ersucht Sie höflichst, da hier zirka 10V(I) Klempner und Installateure lohnende Beschäftigung finden können, dieses längere Zeit jeden Tag dort bekannt zu machen. Im hpraus für Ihre Bemühungen bestem» dankend, zeichnet Der Vorstand der Klempner- und Jnstallateur-Jnnung zu Hannover. Dieser JnnungStrick, der nicht ersichtlich macht, daß eS sich um Ersatz für Streikende handelt, könnte dazu angetan sein, Leichtgläubige zu Streikbrechern werden zu lassen. Er verdient daher, in der breiten Oeffentlichkeit bekannt zu werden. UebrigenS sei noch be- merkt, daß die hannoverschen Klempner und Installateure noch mit Stundenlöhnen von 37 Pfl abgespeist wurden. Das nennen natürlich die bezopften Zunftmenschen„lohnende Beschäftigung". Zum Streik auf dem Farbwerk in Mühlhcim(Main) der« breitet die bürgerliche Presse eine Nachricht, wonach eine große Menschenmenge das Fabrikgebäude mit Steinen bombardiert habe. Einer der Streikenden habe aufgefordert, die Fabrik zu stürmen, ein Revolverschuß sei abgefeuert worden. Die Nachricht ist ein Märchen, das irgend jemand erfunden hat, um gegen die Strei» kenden Stimmung zu machen. � HusUnd* Die Beseitigung der Nachtarbeit und der Sonntagsarbelt in den Bäckereien. Auch die Bäckereiarbeiter von Brüssel sind in eine Be- wegung eingetreten, um das gesetzliche Verbot der Nachtarbeit und der Sonntagsarbeit in den Bäckereien zu erreichen. Der sozialisti- scheu Gewerkschaft hat sich auch die christlich-demokratische ange- schlössen. In einer gemeinsamen, stark besuchten Versammlung waren sowohl sozialistische, als auch christliche Abgeordnete zu- gegen, welche versprachen, die Forderungen der Bäckergehilfcn zu unterstützen._ Letzte JVacbncbtcn und Depereben. Grubenunglück. Steele, 25. April.(28. T. B.) Auf der Zeche Eintracht- Tiefbau in Freisenbruch wurden heute nachmittag durch Kohlenfall vier Bergleute verschüttet. An der Befreiung der Ver- schütteten wird eifrig gearbeitet. AsewS Opfer. Köln, 26. April,(W. T.-B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Petersburg: Der Chef der Petersburger politischen Po- l i z e i, Generalmajor Gerassimow, wird im Zusammenhang mit der Affäre Lopuchin unter Anklage gestellt. Die ungarische Krifis. Budapest, 26. April.(28. T.-B.) Die IlnabhängigkeitSpartei drückte in ihrer heutigen Parteikonferenz ihren Führern Franz Kossuth und Graf A p p o n y i in einer feierlichen Kundgebung ihr unerschütterliches Vertrauen aus. Gleichzeitig wurden die Führer damit betraut, einen Vorschlag zur Lösung der Krise zu machen, der den Interessen des Landes und den Prinzipien der Partei entspricht._ Explosion auf einem Unterseeboot. Neapel, 26. April.(23. T.-B.) Eine heftige Explosion ereignete sich heute nachmittag an Bord des Unterseeboots Fora, während man mit Verladen von Benzin beschäftigt war. Wie verlautet wurden sieben Personen getötet, von denen drei bereits aufgefunden find. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht ermittelt. Um weitere Explosionen zu verhindern, versenkte man das Boot im Hafen. bassin. Daul Singer& Co-tBerliy SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltung»»!, Nr. 97. 26. Iahrgavg. i KcilU des Amiirls" Kerlim AcksM Dienstllg. 27. Aptt! 1909. Reichstag. 8 48. Sitzung vom Montag, den 26. Aprik. nach- mittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetz- entwurfs betreffend Aenderungen des Gerichtsder- fassungsgesetzes, der Zivilprozeßordnung, des Gcrichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Die Beratung beginnt mit Artikel 1, welcher die Kompetenz der Amtsgerichte als Gerichte erster Instanz in Prozessen bis zu sechshundert Mark, statt bisher dreihundert Mark festsetzt. Abg. Dr. Wagner(kons.) erklärt sich mit dieser Festsetzung ein- verstanden, wenn sie auch nicht so weit geht, als die Vorlage der Regierung, welche die Grenze auf 800 M. normieren wollte; die Rechtsanwälte würden dadurch den von ihnen befürchteten Schaden nicht erleiden. Abg. de Witt(Z.): Die Entlastung der höheren Gerichte ist nur durch eine Erhöhung der Kompetenz der Amtsgerichte mög- lich. Freilich befürchten die Anwälte hiervon eine Schädigung ihrer Interessen; doch wird dies kaum der Fall sein, zumal auch die Gebühren für Rechtsanwälte erhöht werden sollen. Allerdings ist eine durchgreifende Revision der Gebührenordnung und der Rechts- anwaltsordnung eine dringende Notwendigkeit. Abg. Dove(freis. Vg.): Ich habe von Anfang an der Erhöhung der Kompetenz der Amtsgerichte auf 600 M. das Wort geredet; aber ein Teil meiner Freunde hat sich von der Nützlichkeit dieser Er- höhung nicht überzeugen können und wird dagegen stimmen. Abg. Dr. Ablast(freis. Vp.): Das Gesetz ist nicht ein von großen Gesichtspunkten aus durchgearbeitetes Gesetz, sondern ein Notgesetz, das von dem Geiste der Halbheit getragen ist. Der Kernpunkt der Vorlage ist die Frage der Kompetenzerhöhung der Amtsgerichte. Diese ist von der Kommission von 800 auf 600 M. heruntergesetzt; aber auch hierfür ist eine Notwendigkeit nicht dargetan. Ich bleibe dabei, daß jede Erhöhung der amtsgerichtlichen Kompetenz schädlich ist. Herr Wagner hat angedeutet, man könnte vielleicht, um den Schädigungen für den Anwaltsstand zu begegnen, an die Beseiti- gung der freien Advokatur denken. Wir werden aber die Errungen- schaft der fteien Advokatur unter keinen Umständen preisgeben. (Bravo! bei den Freisinnigen.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Wo durch die Erhöhung der amtsgerichtlichen Kompetenz eine Ueberlastung der Amtsgerichte emtritt, wird für eine Vermehrung der Amtsrichterstellen Sorge getragen werden. Die Verhältnisse des Anwaltsstandes zu schädigen, hat der Regierung ganz fern gelegen; ihr liegt vielmehr an einem tüchtigen Anwaltsstand. Die notwendige Aenderung von Gesetzen darf aber nicht deshalb unterbleiben, weil dadurch eventuell eine Reihe von Anwälten geschädigt wird; das ist auch bei der Einfüh- rung der freien Advokatur der Fall gewesen, ohne daß die Anwälte dagegen remonstriert haben. Abg. Dr. Frank-Mannheim(Soz.): Anstatt dankbar zu sein, daß der Sturm, der bei der ersten Le- sung der Vorlage sich erhob, sich jetzt in ein leichtes Säuseln ver» wandelt hat, macht der Staatssekretär den Herren Vorwürfe, die bei der ersten Lesung ihr Temperament nicht ganz im Zügel ge- halten haben./ Daß ein Grund zu besonderer Erregung vorgelegen hat, glaube ich nicht, sie kann als ein Beweis für die Nervosität der Zeit angesehen werden, der zufolge in jeder Regierungsvorlage eine Steuervorlage erblickt wird. Und nicht ganz unbegründet. Denn es ist mit Recht vorgerechnet worden, daß nach dieser Vorlage für die Einzelstaaten mehr Einnahmen herauskommen werden als bis- her. Die Bedenken, welche meine Freunde bei der ersten Lesung gegen die Vorlage erhoben haben, waren zweierlei Art. Erstens wünschen wir nicht, daß der Schwerpunkt der Rechtsprechung nach Seiten der Amtsgerichte hin verschoben wird. Wir er- blicken darin keine Garantie, daß die Rechtsprechung nicht vornehmlich durch abhängige Leute, durch Assessoren. ausgeübt wird. Und zweitens waren unsere Bedenken diktiert von der Rücksicht auf die mehr als 20 000 Anwälte, welche durch die Vorlage geschädigt werden. Nun ist es richtig, daß die Kommission einige Milderungen und Verbesserungen an der Vorlage vorgenom- Kleines feuilleton. DaS Denkmal SardiuS. Einige Monate vor feinem Tode m Sardou in Gesellschaft eines Freundes über den Platz vor der eleine-Kirche. An den der Kirche gegenüberliegenden Ecken des Platzes befinden sich zwei von kleinen Bäumen umgebene Rondelle; auf einem dieser Rondelle steht das Denkmal des Philosophen und Staatsmannes JuleS Simon. Sardou machte den Freund auf das vor wenigen Jahren errichtete Denkmal aufmerksam und sagte:„Sie wissen wirklich nicht mehr, was sie ersinnen sollen, um unser schönes Paris sohäßlich wie möglich zu machen. Kann man sich wohl eine abscheulichere Statue des guten JuleS Simon denken? Und um dieses entsetzliche Denkmal errichten zu können, haben sie einen reizenden kleinen Springbrunnen, genau so einen wie der dort drüben an der anderen Ecke des Platzes, vom Erdboden vertilgen müssen. Sie können sich darauf verlassen: früher oder später wird auch daS andere Brünnlein dran glauben müssen; sie werden es sicher gleichfalls durch irgend ein scheußliches Bildnis einer zeitgenössischen Berühmtheit ersetzen. Armes Paris!"— Der Stadtrat von Paris hat in den letzten Tagen beschlossen, Sardou, dem Dichter des. Rabagas", ein Denkmal zu setzen, und es ist eine Ironie des Zufalls, daß gerade Sardous Bildnis den anderen anmutigen Springbrunnen auf dem Madeleine-Platze ersetzen soll.... Theater. Kammerspiele.„Wolkenkuckucksheim". Komödie in drei Akten von I o s e f R u e d e r e r. Die für Freitag angekündigte Aufführung fand, da die Polizei im letzten Augenblick wegen angeb- licher Feuergefährlichkeit— nicht etwa des unschuldigen Stückes, sondern des mit großen Massenaufzügen arbeitenden Bühnen arrangements— ihr Velo eingelegt hatte, erst am Sonntag und da auch nur unter Streichung der Chöre statt. Tafeln mit der Auf- schrift„Chor der Jünglinge", von ein paar friedlich dreinschauenden Statisten getragen, markierten zur allgemeinen Heiterkeit die behörd- liche Verstümmelung. Im übrigen gabs nicht gar viel zu lachen. Die Komödie erschien noch trister, als die Be- richte über ihren Münchener Premierendurchfall hatten ver- muten lassen. Keine Spur in den breiten. prätentiös auf- gebauschten Szenen erinnerte an den Dichter der kemigen, cpigrammatisch-witzigen„Fahnenweihe". Die drei Akte sind mit weit- gereckten Jambemedcn angefüllt, die, ziellos durcheinander stolpernd, offenbar selbst nicht wissen, wovon denn eigentlich die Rede ist, als säße man vor einem mißglückten Kinematographenbilde: Hier und da tauchen in dem surrenden Geflimmer Umrisse und Fetzen auf, die die Erwartung erregen, doch uur um sofort wieder chaotisch zu zer- flattern. Die Augen schmerzen einem von dem Hinsehen, der Kopf von dem vergeblichen Bemühen, etwas festzuhalten. WenN nicht etwa die Fopperei des Publikums der mit geheimer Schaden- sreude verfolgte Endzweck ist, so muß wohl irgend eine Ab- ficht der Satire dem Werk zugrunde liegen. Fragt sich nur: Satire gegen wen und. was.— Es kommt da ein Verleger: Milliardär Banausios benamset, vor. der am Schlüsse Gott Vater Zeus die Weltregierung abkauft und damit den Schwärmerpoeten EuelpideS, der im„Wölkenkuckucksheim" die Vögel zum Angriff auf den Olymp organisiert hat, aus dem Felde schlägt. Vielleicht ging also die «atire gegen die Dichter, die der Weisheit Schillers, daß sie men hat, das erkennen auch wir an. Gegen eine mäßige Erhöhung der cnntsgerichtlichcn Zuständigkeit haben wir nichts einzuwenden. Wer die wenigen Verbesserungen, welche die Vorlage bringt, ändert nichts daran, daß ihre Charakterisierung als Stückarbeit richtig ist. Run gibt es freilich Situationen, in denen auch kleine Verbesse- rungen notwendig sind. Aber wir vermögen nicht zu erkennen, daß in dieser Vorlage ausreichende Verbesserungen gebracht sind, und wir haben uns auch nicht überzeugt, daß durchschlagende Be- denken gegen eine durchgreifende Reform der Zivilprozeßordnung vorhanden sind. Ter Herr Staatssekretär hat ja Bedenken gegen großzügige grundlegende Reformen. Aber wir meinen, der Ge- danke der Heranziehung des Laienelemcnts ist in der Theorie und Praxis so anerkannt, daß nichts im Wege gestanden hätte, mit einer solchen Reform vorzugehen, die unsere Zivilrecht- sprechung aus eine breitere Grundlage gestellt hätte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben uns unsere Stellungnahme zunächst natürlich durch die Rücksicht auf die Rechtsprechung im allgemeinen leiten lassen. Dann aber auch dadurch, daß ein erhebliches öffentliches Interesse an der Erhaltung der freien Advokatur besteht. Es liegt im Interesse des politischen Lebens, daß nicht ein numerus clausus der Anwälte(beschränkte Zahl von an jedem Gericht zuge- lassenen Anwälten) herrscht. Die Unabhängigkeit der Anwälte ist mit der freien Advokatur verbunden.(Zustimmung links.) Aber nicht nur politische, sondern auch rein juristische Gründe sprechen für die freie Advokatur. Wir haben ja in Deutschland ein Gericht. an welchem Anwälte nur in beschränkter Zahl zugelassen sind, das Reichsgericht. Und ich glaube es aussprechen zu können» daß dieser numerus clausus am Reichsgericht erhebliche Mißstände gezeitigt hat. Jeder, der in der Praxis steht, wird zugwen, daß es zuweilen schwer ist, überhaupt einen Anwalt für eine Revision ani Reichsgericht zu finden. Es ist das geradezu ein Krebsschaden.(Zustimmung bei den Soz.) Unsere endgültige Stellung der Vorlage gegenüber behalten wir uns bis zur dritten Lesung vor, namentlich auch nach der Entscheidung über unsere An- träge zur zweiten Lesung.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Baffcrmann(natl.): Weder das Publikum, noch der An- waltstand wünscht den gegenwärtigen Zustand der freien Advokatur mit dem früheren des numerus clausus(beschränkte Zahl der zuge- lassenen Anwälte) zu vertauschen. Einer guten Rechtspflege ent- spricht auch am besten die freie Advokatur. Der Erhöhung der Amtsgerichtskompetenz stimmen wir zu. Aber nun sollte die Rc- gierung auch dafür sorgen, daß dem Hilfsrichtertum das Genick ge- brachen und daß diese erhöhte Verantwortlichkeit nur erfahrenen Männern übertragen wird. Abg. Sturz(D. Vp.): An die Unabhängigkeit der Anwälte darf nicht gerührt werden. Die Frage der Heranziehung des Laien- clementS halte ich im Gegensatz zu Herrn Frank noch nicht für spruchreif. Der Kompetenzerhöhung der Amtsgerichte stimmen meine Freunde zu. Abg. Gyßling(freis. Vp.): Die gegen die Vorlage schon früher vorgebrachten Gründe bestehen in voller Kraft weiter. Nötig wäre statt dieser Stückarbeit eine ganze Reform gewesen. Abg. Dr. v. Dziembowski(Pole): Von dem Vorwurf der Fis- kalität, ganz gleich, ob beabsichtigt oder nicht, kann die Vorlage nicht freigesprochen werden. Wir erblicken in der Vorlage weder eine Verbesserung noch' eine Verbilligung der Rechtsprechung(Bravo! bei den Polen.), Die Erhöhung der amtsgerichtlichen Kompetenz auf 600 M wird mit großer Mehrheit angenommen. Abg. Dr. Wagner(kons.) verwahrt sich in einer persönlichen Bemerkung dagegen, daß er sich für die Wiedereinführung des numerus clausus ausgesprochen habe; er habe nur erwähnt, daß dieser Gedanke aufgetaucht sei. Durch eine folgende Ziffer will die Regierung die Kammer für Handelssachen zur Berufungsinstanz in Sachen bis zu 600 M machen. Die Kommission hat diese Bestimmung gestrichen. Die Abg. Bassermann(natl.)» Dr. Brun st ermann (kons.), Dr. Frank-Mannheim(Soz.), Dr. Heinze(natl.), Schultz(Rp.), Dr. S e m l e r(natl.), Starz(D. Vp.) bean- tragen, die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Abg. Frank-Mannheim(Soz.): In diesem Falle sind wir für die Wiederherstellung der Regierungsvorlage, weil die Landgerichte als Berufungsinstanz am unbeliebtesten sind; wir halten es für bei Teilung der Erde ein für allemal zu spät gekommen sind, nicht glauben wollen? Vielleicht auch gegen den stärksten aller Welt eroberer, das banausische Milliardenkapital? Oder wider die Götter. oder auch wider den feisten Herkules, der hier und da im Ton des Zentrums peroriert, oder wider Mikelos, den Münchener Bierphilister M i ch e l. oder wider den vom Chorführer repräsentierten Professoren Klassizismus, oder wider Gott weiß was sonst noch? Die Auswahl für geduldige Interpreten ist unbegrenzt, doch nirgends trifft ein Pfeil ins Schwarze, nirgends stößt man auf eine Karikatur, die, einheitlich durchgeführt, sich dem Sinn mit anschaulicher Komik ein- prägt. Fortwährend kreuzen und ändern sich die Intentionen. Die geistvoll spielende Phantastik des Aristophanes, dem Ruederer die Idee des Wolkenkuckucksheimer Vogelreiches entlehnt, verwandelt sich im Nachbilde zu zügelloser, leerer Gedankenflcicht. Schade um die ausgezeichnete Darstellungskunst, die an das totgeborene Werk verschwendet wurde. Sie ließ ahnen, welche Wirkungen ein Poet, der etwas von der freien Kraft des Aristophanes besäße, heut von der Bühne her erzielen könnte. Herr Moissi, der sich in letzter Zeit überraschend glücklich entwickelt hat, gab mit seinem prachtvollen, im Pathos hell aufschmetternden Organ dem farblosen Poetengerede des Euelpides Glanz und Klang. Fräulein Durieux war eine anmutig lockende, von duftigem Märchew schimmer umflossene Psyche. Viktor Arnold frischte die Er läuterungen des professoralen Chorführers reichlich aus eigenem mit drollig erfundenen Nüancen auf und Waßmann als deutscher Michel eiferte ihm nach. Auch D i e g e l m a n n als Zeus, W egener als Banausios, Winterstein als Herkules kolorierten die vagen Schattenrisse ihrer Rollen nach Möglichkeit. Die Gesellschaft der Vögel, die der Poet im zweiten Akte auffucht, wies sehr charakteristische Gattungstypen auf. Der schwächliche Applaus am Schluffe begegnete ziemlich energischem Zischen. � dt Mufik. Berliner Theater:„Ein Herbstmanöver", die Operette, die am Sonnabend die Erstaufführung für unsere Stadt gefunden hat, geht abseits von gewöhnlichen Operettenwegen. Während sonst häufig in den Wirbelwind einer Posse etwas sentimentaler Ernst hineingeflickt wird, sozusagen anstandshalber, ist hieffdaS Ganze vonvorn herein auf etwa wie ein Trauerspiel angelegt, daS hinwieder von Späßen umrankt wird. Auf einem ungarischen Schlosse hat der Großknecht LajoS schon drei Generationen treu gedient und mußte zusehen, wie dem Jüngsten der Besitz durch finanzielle Machenschaften entwunden wurde. Jetzt haust dort Baronin Risa. Sie ivar einst dem Vertriebenen, dem jetzigen Husarenoffizier v. Börentv, in Liebesglück nahe und wurde ihm dann untreu.' Em Manöver im Herbst führt den Offizier'zum Schloß. Aber während seine Kameraden dort festliche Gastfreundschaft genießen, bleibt er auch durch ein mondscheinhelles Duett mit Risa ungerührt und erklärt auf Ehrenwort, nicht hineinzugehen— oder wenn, dann wolle er sich zu tollen, Tanz und waS noch allem verpflichten. Aber der Manöverfeind macht eine nächtliche Attacke; der Offizier eilt mit dem einzigen Gedanken an seine Soldatenpflicht hinein, die Ka- meraden zusammenzurufen, wird jedoch von Risa festgehalten, ver- säumt bei Champagner und Czardas sein Kommando und bietet seine Liebe dem Gencralstöchterchen an, das dann, wie'S zum Krachen kommt, jämmerlich heult und mit einem Säbel herlkmfuchtelt. De.n eine ivesentliche Verbesserung, wenn in der Berufungsinstanz zwei Laien mit herangezogen werden. Abg. Dr. Barcnhorst(Rp.): Wenn wir dem Antrag auf die Wiederherstellung der Regierungsvorlage� zustimmen, soll dies kein Präjudiz sein für unsere Stellung zur Frage der Heranziehung der Laien zur Rechtsprechung. Abg. Dr. Wagner(kons.) und Wg. Gyßling(freis. Vp.) treten für den Beschluß der Kommission ein. Nach Ivciterer unerheblicher Debatte wird der Antrag Basser- mann angenommen. In einer weiteren Ziffer beantragt die Kommission, Ansprüche auS dem außerehelichen Beischlaf als Feriensachen zu behandeln. Abg. Kirsch(Z.) bekämpft dies; es sei unangebracht, gerade solchen Ansprüchen eine Vorzugsbehandlung zuteil werden zu lassen. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Abg. Graes(wirtsch. Vg.) begründet eine Resolution, warin ver- langt wird, die Bezeichnung„Gerichtsschreiber, Gerichtsschreiberei" durch„Gerichtssekretär, Gcrichtssekretariat" oder durch einen anderen entsprechenden Ausdruck ersetzt wird. Der gegenwärtige Titel„Gcrichtsschreiber" wirke abschreckend. Abg. Dr. Frank-Mannheim(Soz.): Ich bin berivundert, daß gerade von jener Seite ein solcher Antrag kommt. Wir sind viel- mehr der Meinung, daß auch für andere Amtsbezeichnungen deutsche Worte gewählt werden sollten, und würden nichts dagegen haben. wenn der Staatssekretär Staatsschreibcr genannt würde(Heiter- keit), freilich scheint mir zweifefliaft, ob der Staatssekretär im Reichsjustizamt mit„Staatsschreibe.r der Gerechtigkeit" zu be» zeichnen wäre.(Große Heiterkeit.) Im allgemeinen ist es besser, wenn die Amtsbezeichnungen deutsch sind. Ich bin überzeugt, daß ein großer Teil des Voltes nicht weiß, was ein Staatssekretär ist; ist es doch einem Unterstaatssekretär des Reichspostamts passiert, daß er sein Zimmer im Hotel räumen sollte, weil ein Postsekretär es haben wollte. Was aber ein Gerichtsschreiber ist und zu tun hat, weiß jedermann. Abg. Dr. Varenhorst(Rp.) schließt sich dem Mg. Graes, Mg. Storz(D. Vp.) dem Abg. Frank an. Die Resolution wird abgelehnt. Zum Artikel II liegt ein Antrag Albrecht und Genossen (Soz.) vor, in§ 115 Ziffer 3 der Zivilprozeßordnung hinter„ge- botenen" einzufügen:„oder wenn der Streitwert höher als 300 M. ist." Ferner liegt ein Antrag Storz(D. Vp.), Dr. Ablaß(freis. Vp.), Dr. Frank-Mannheim(Soz.) vor, demselben Paragraphen den Absatz einzufügen:„für die dem Armenanwalt zustehende Pauschalgcbühr haftet der Fiskus." Abg. Heine(Soz.): Der Antrag Albrecht und Genossen soll ver. hindern, daß die Parteien, deren Prozesse jetzt nach der Erhöhung der amtsgerichtlichen Kompetenz vor das Amtsgericht kommen, schlechter gestellt sind, als früher vor dem Landgericht, wenn sie unter dem Armenrecht klagen. Wir bitten deshalb, diesem Antrag zuzustimmen. Gleichzeitig bitte ich auch, den Antrag Storz-Wlaß- Frank anzunehmen: denn es ist gut, noch besonders auszusprechen, daß der Fiskus für diese dem Armenanwalt zustehende Pauschal- gebühr haftet. Mir scheint der Antrag sogar noch nicht einmal weit genug zu gehen. Ich sehe nicht ein, warum der Fiskus nicht auch dem Armenanwalt seine baren Auslagen ersetzen soll. Wg. Storz(D. Vp.) schließt sich den letzten Ausführungen des Vorredners an. Präsident Graf Stolberg teilt mit, daß ein Zusatzantrag de Witt(Z.) zu dem Antrag Storz-Ablaß-Frank eingegangen ist, wonach der Fiskus dem Armenanwalt auch seine sämtlichen baren Auslagen zu ersetzen hat. Staatssekretär Dr. Nieberding wendet sich gegen den sozial. demokratischen Antrag. Der Antrag Albrecht und Genossen(Soz.) wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Zentrumsmitglieder abgelehnt. Der Antrag Storz, Ablaß-Frank wird mit dem Zu» satz de Witt mit großer Mehrheit angenommen. Weiter liegt ein Antrag Alb recht und Genossen(Soz.) vor, dem§ 157 der Zivilprozeßordnung hinzuzufügen:„die Vorschrift des 8 157 Absatz 1 findet keine Anwendung auf Arbeitersekretäre und Gewerkschaftsbcamte, die in dieser Eigenschaft fremde Rechts- angelegenheiten besorgen." Krach führt der sonst nur immer fluchende General zu dem nahe- liegenden guten Ende, das auch der Generalstochter ihren flotten kleinen Husarenfreiwilligen verschafft. So haben Karl v. Bakony den Text und Robert Bodawsky die deutsche Bearbeitung gemacht. E m e r i ch K�lm A.n. der sonst noch unbekannte Komponist, taugt ersichtlich zum Ernst besser als zum Spaß. Ouvertüre, Duett und einiger- maßen auch die Tanzstücke sowie die unvermeidlichen„schwer- mütigen Weisen" zeigen ihn als einen nahezu selbständigen Tondichter, der das Recht hat, dem Orchester und den Sängern gewichtige Aufgaben zu stellen und sie zu semer Kunst der Steigerungen mitzureißen. Was der Text an eigentlich Operettenhaftem bringt, ist beim Komponisten fast ebenso wertlos als beim Librettisten. Und die ärmliche Verknüpfung des Possenhaften mit dem Ernsten im Texte bleibt von der Musik so völlig fern, daß auch der auf eine neue Kunst wartende Kritiker über den matten Gesamteindruck des Ganzen kaum hinauskommt und nur noch dem Komponisten eine aufmerksame Erinnerung mit der Hoff- nung auf Zukünftiges bewahrt. Die Gastspieltruppe, welche das Stück spielt, ist da? bereits durch Operettenleistungen bekannte Hamburger Ensemble unter Josef B e n d i n e r. Den Ansprüchen des hier hervorragend wichtigen ge- sprochenen Dialogs ist es begreiflicherweise am wenigsten gewachsen. Vielleicht fehlte auch eine genügende Vorbereitung; jedenfalls ent- faltete sich erst im Laufe des AbendS einigermaßen das, waS diese Künstler können, einschließlich des trefflichen Spieles und guten Gesanges von G r e t e H o l m, die in Rollen wie der Baronin Risa schon bewährt ist. Wichtiger als die Aufzählung dessen, was sonst noch rühmenswert war, ist uns der Wunsch nach günstigeren Gelegenheiten zur Entfaltung des vorhandenen Könnens. su. Humor und Satire. Unklare Revolution. Die Truppen schössen in die Menge Auf Pascha und auf Bey, Die Truppen kamen ins Gedränge Und sind verfassungstreu; . Die Truppen waren sehr verwegen Und hatten sehr viel Glück, Sie sind indessen unterlegen Und zogen sich zurück; Es gab ein großes Blutvergießen Am Tage des Gerichts, Dabei war's bloß ein Freudenschießen Und weiter war es nichts; Sie schössen auf die Offiziere. Es war ein Vkuster-Korpö, Und wenn ich sag', daß ich'S kapiere, Dann lüg' ich euch was vor. m. Diplomaten.„Wissen Sie noch, Herr Kollege, damals, als in der Türkei der Liberalismus siegte, haben allein die deutschen Schiffe nicht geflaggt." „„Na, das können die ja jetzt nachholen, wenn die Reaktion ans Ruder kommt I"" (.Lustige vlRter."» Abg. Schinibt-Betlin(Soz.)i Unser Antrag hat in der Kommission kein« Annahme ge- funden. Die Mehrheit der Kommission war der Meinung, datz Arbeitersekretäre nicht anders behandelt werden sollen, wie Winkel- konsulenten. Nach unserer Meinung ist diese Gleichstellung schon deshalb ungerecht, weil die Tätigkeit der Arbeitersekretäre vor bricht keine Erwerbstätigkeit ist. Es gibt ja eine große Anzahl verstandiger Richter, welche diese Tätigkeit der Arbeitersekretäre nicht unterbinden, sondern eine wohlwollende Stellung zu ihr einnehmen. Wenn ich z. B. an die Tätigkeit, unserer Arbeiter- sekretäre in München und Stuttgart denke, so kann ich konstatieren, daß sie dort uneingeschränkt zu den Amts- ge richten zugelassen werden. In Preußen ist das anders. Hier werden die Arbeitersekretäre in vielen Städten nicht zugelassen, und wir haben auch hier im Reichstage wieder» holt davon gesprochen, daß eine Bestimmung der Gewerbeordnung auf die Arbeitersekretariate angewendet wird, wonach sie als In- stitute zur berufsmäßigen Berfolgung von Rechtssachen angesehen werden. Die vielfachen Beschwerden haben auch Anlaß dazu ge- geben, daß der preußisch» Justizniinister daraus hingewiesen hat, daß dies nicht im Sinne des Gesetzgebers ist. Trotzdem sind aber von Gerichten wieder Entscheidungen gekommen, welche die Tätig- keit der Arbeitersekretariate zu erschweren suchen, z. B. von dem Oberlandcsgericht in Breslau. Diese Voreingenommenheit der Gerichte gegen unsere Arbeitersekretariate gibt uns den Anlaß zu unserem Antrag, und wir bitten Sie, ihm zuzustimmen, um der Tätigkeit der Arbeitersekretäre kein Hindernis entgegenzustellen, eine Tätigkeit, die von jedem, � der sie beobachten konnte, für außerordentlich zweckmäßig gehalten wird.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich weise nur darauf hin, wie außer- ordentlich notwendig für die Arbeiter es ist, eine Vertretung vor dem Amtsgericht zu haben in Gegenden, wo wir es mit fremd» ländischen Arbeitern zu tun haben. Diese sind in ihren Verhält- nissen so beschränkt, daß sie die Hilfe eines Rechtsanwalts nicht in Anspruch nehmen können. Aehnlich ist es bei Personen, die An» fprüche auS Dienstverträgen zu verfolgen haben. Auch diese können sich einen Rechtsbeistand in der Regel nicht verschaffen und sind darauf angewiesen, sich der unentgeltlichen Hilfe eines Gewerk- schaftssekretariats zu bedienen, gleichgültig, ob von den freien oder christlichen oder Hirsch-Dunckerscyen Gewerkschaften. Andern- falls müßten die Betreffenden geraoezu auf die Verfolgung ihres Rechtsanspruchs verzichten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Wer je Gelegenheit hatte, zu sehen, wie bei einem Amts- gericht die Sachen erledigt werden, wenn ein Amtsrichter bü bis Kü Sachen an einem Tage zu erledigen hat, der weiß, wie flüchtig dabei verfahren wird, wie unheholfen die Arbeiter da oft sind, wie sie gar nicht wissen, was geschehen ist, wenn die Entscheidung bereits gefällt ist, und der wird zugeben müssen, daß eine sachgemäße Vertretung dieser Personen außer- ordentlich notwendig ist. Die Tätigkeit der Arbeitersekretäre ist sehr umfangreich. In anderen Staaten wird sie viel besser ge- würdigt als in Deutschland und speziell in Preußen. In der Schweiz wird dem nationalen Arbeitersekretariat eine Subvention von 30 000 M. gegeben. Die Beamten werden nicht von der Regierung angestellt, sondern von Arbeitern gewählt. Besondere Rücksicht wird dort auf die fremdsprachigen Arbeiter dadurch ge- nommen, daß Sekretäre angestellt werden, die die verschiedenen Sprachen verstehen. Für Landwirtschaftskammern, Handwerks- lammern, Handelskammern werden in Deutschland Subventionen gegeben, aber den Arbeitersekretariaten wird nicht die geringste Unterstützung zuteil. Es handelt sich bei unserem Antrag nicht nur um die Sekretariate der freien Gewerkschaften, sondern um eine Frage, an der auch die Sekretariate der übrigen uns ent- gegcnstehenden Organisationen, wie der christlichen, interessiert sind. Jch'bedaure es außerordentlich, daß unser Antrag nicht auch vom Zentrum im Interesse der christlichen Gewerkschaften unter- stützt ist. Ich bitte Sie, unserem Antrag zuzustimmen, um den Arbeitersekretariaten eine bessere rechtliche Grundlage zu geben wie bisher.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Heinze(natl.) wendet sich gegen den Antrag. In der Kommission wurde von den Vertretern der Sozialdemokratie selbst zugegeben, daß er eine besonders große Bedeutung nicht habe. Wie soll es übrigens mit den Angestellten von Handlungsgehilfen- organisationen gehalten werden?(Abg. Dr. Frank: Das sind doch Gewerkschaften!) Darüber kann man sehr zweifelhaft sein, ob z. B. der Leipziger Verband, der 58et Verband der Handlungsgehilfen Gewerkschaften sind. Abg. Dr. Bahrenhorst(Rpt.) schließt sich dem Vorredner an. Abg. Dr. Frank(Soz.): Richtig ist, daß die\zroße Mehrzahl ter Prozesse von Arbeitern vor dem Gewerbegericht und der Kauf- leute vor dem Kaufmannsgericht geführt werden. Aber für die Fälle, daß Arbeiter vor Amtsgerichten Vertretung brauchen, ist unser Antrag doch sehr wichtig. Wir wollen den Zustand, der praktisch im Süden und Westen des Reiches besteht, auf ganz Deutschland übertragen. Das Hindernis ist hier wieder die preußische Verwaltung. Bei fast allen preußischen Amtsgerichten werden Arbeitersekretäre und Gewerkschaftsbcamte zurückgewiesen, während sie in Süddeutschland fast ausnahmslos zugelassen werden. Die Sache liegt doch so, daß die Arbeitersekretäre nicht etwa für jeden einzelnen Fall bezahlt werden, sondern ausnahmslos feste Jahresgehältcr beziehen. Sie haben daher gar kein Interesse, oft vor das Amtsgericht zu kommen. Nur wenn ein dringendes Be- dürfnis vorliegt, meist in solchen Fällen, wo ausländische Arbeiter rn Frage kommen, kommen die Arbeitersekretäre vor das Amts- gericht. Die Regierung sollte doch froh sein, daß die Arbeiter und die Kaufleute sich aus eigener Kraft eine solche Vertretung geschaffen haben. Hier Schwierigkeiten zu machen, hat doch gar keinen auch nur dem Scheine nach gerechten Sinn.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Nieberbing: Die Rechtslage der Arbeiter. sekretäre in Süd- und Norddeutschland ist dieselbe. Was der Herr Vorredner erreichen will,�ist also, daß die Gerichte in Preußen die- selbe Praxis befolgen wie die süddeutschen. Ich glaube, die preußischen Richter würden dem Herrn Abgeordneten dankbar sein, wenn er die Fälle, in denen nach seiner oder anderer Beteiligter Meinung zu Unrecht Arbeitersekretäre zurückgewiesen sind, mit- teilen wollte.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ist geschehen!) Darüber bin ich nicht orientiert. Es mag ja in einigen Fällen vor- .gekommen sein, aber da kann es auch gerechtfertigt gewesen sein. 'Denn der Herr Abgeordnete wird doch nicht verlangen, daß in Preußen Arbeitersekretäre unbesehen unter allen Umstäckden zu- gelassen werden sollen. Wo nach Ihrer Ansicht kein Grund vor- liegt, wird es sich empfehlen, Beschwerde einzulegen. Abg. Dr. Hahn(k.) tritt für die Zulassung der Rechtskonsulenten bei den Amtsgerichten ein. Abg. Dr. Heinze(natl.) wendet sich gegen diese Anregung; das geltende Recht reicht aus, qualifizierten Rechtskonsulenten die Zu- lassung zu ermöglichen, wo ein Bedürfnis dazu vorliegt. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Der Staatssekretär erteilte unS den Rat, in Fällen, wo prinzipiell die Zulassung von Arbeiter- sekretären von Amtsgerichten ahgelehnt werden, beim preußischen Justizminister Beschwerde zu führen. Das ist wiederholt geschehen. Immer aber kommt die Antwort zurück, er könne nichts machen, die Amtsgerichte entscheiden hierüher selbständig. Deshalb haben wir eben oen> Antrag gestellt. Wir haben Beamte, die ihre Haupt- aufgäbe in der Beschränkung der Arbeiterbewegung erblicken; diese können solche Dinge, die im Interesse der gesamten Arbeiterbevölke- aung liegen, eben gar nicht verstehen, fondern zeigen gegenüber allen Institutionen der Arbeiter die gleiche Voreingenommenheit. Derartige Beamte sind auch vollkommen unbelehrbar, wie ja die Erfahrung mit dem Hinweis des preußischen Justizministers, daß Arbeitersekretariate solchen Einrichtungen, welche gewerbsmäßig Rechtssachen vertreten, nicht gleichzustellen sind, beweist. Trotz dieses Hinweises und trotzdem auch der Reichstag sich in gleichem Sinne ausgesprochen hat, geschieht es doch. Deshalb eben ist unser Antrag notwendig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemskxateii Md einiger Mitglieder des Zen- feSÜBl ghgk.lsZllt. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberafuilg auf Dienstag 2 Uhr.(Außerdem Gesetzentwurf zur Sicherung der Bau- forderungen.) Schluß Vi! Uhr,__ Hbgcordmtcnbaue. 7f. Sitzung, Montag, den 26. April, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff, Frhr. v. Rhei nbaben. Das Haus ehrt zunächst das Andenken des verunglückten Abg. Grafen Ballcstrem(Z.) durch Erheben von den Plätzen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Kultusetats. Beim Titel Ministergehalt" findet eine allgemeine Be- sprechung statt. Abg. Marx(Z.) bedauert, daß der Kultusminister den Ver- Handlungen nicht beiwohnen könne. Den infolge seiner Erkrankung aufgetauchten Erwägungen, die Schulangelegenheiten von denen der Kirche zu trennen, werden wir uns stets aufs energischste widersetzen.(Bravo! im Zentrum.) Auch die Notwendigkeit der weiter angeregten Trennung der Medizinalangelcgenheiten von dem Kultusetat wird sehr ernst zu prüfen sein. Redner bringt des weiteren die alljährlichen Klagen über unparitätische Behandlung der kahtolischen Niederlassungen gegenüber den evangelischen zur Sprache. Das Kultusministerium hat wohl in dieser Frage in letzter Zeit etwas Wohlwollen gegenüber dem Zentrum bewiesen, aber wir verlangen nicht Wohlwollen, fondern Gerechtigkeit.(Bravo! im Zentrum.) Auch das Volksschulunterhaltungsgefetz wird zu un- gunsten der Katholiken ausgelegt. Die Schuldeputation sollte es sich zu einer ihrer Hauptaufgaben machen, gegen die Verbreitung der Schundliteratur, der Kolportageromane, unter der Schuljugend vorzugehen. Dieser Literatur muß rücksichtslos zu Leibe gegangen werden. Die Schüler müssen aufgefordert werden, in Geschäften, die diese Hefte führen, überhaupt nichts mehr für ihren Schul- bedarf zu kaufen. Redner beschwert sich schließlich darüber, daß in Bütow in Pommern, entgegen dem Volksschulunterhaltungsgefetz, keine katholische Schule eingerichtet werde. Ganz gesetzwidrig sei die anstatt dessen erfolgte Anstellung von drei katholischen Lehrern an der evangelischen Schule.(Bravo!) Ein Rrgierungskommissar verteidigt die Haltung der Regie- rung gegenüber den. katholischen Ordensniederlassungen. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff geht auf einzelne Be- schwerden des Vorredners über die Handhabung des Volksschul- unterhaltungsgesetzes in der Rheinprovinz ein. In Bütow sei vom Minister bereits den Beschwerden des Abg. Marx Rechnung ge- tragen worden. Die Regierung ist angewiesen, auf die Durch- führung der ministeriellen Entscheidung mit größter Beschleunigung hinzuwirken.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Die Erörterung konfessioneller Streitig- keiten will ich anderen überlassen, die mehr Geschmack daran finden.(Unruhe im Zentrum.) Für die Konsequenzen des Volks- schulunterhaltungsgesetzes, an dessen Zustandekommen wir un- schuldig sind, sind wir nicht verantwortlich. Wir verlangen die völlige Trennung von Kultus und Unterricht, ein reines Kultus- Ministerium. Aber eine Mehrheit dafür ist ja nicht vorhanden. (Sehr richtig! rechts.) Viel wichtiger erscheint uns die Neubesetzung des Kultusministeriums. Ich spreche den dringenden Wunsch aus, daß wir bald wieder zu normalen Zuständen im Kultusministerium kommen. Redner erörtert dann den Fall Mahling. Ueber das Vorschlagsrecht der Fakultäten hat sich das Ministerium in diesem Falle rücksichtslos hinweggesetzt; dagegen hat es ein Separatvotum berücksichtigt. Es wäre interessant, darüber näheres zu erfahren. Weiter wird gesagt, man müsse den verschiedenen Richtungen Rech- nung tragen. Gewiß, aber das mühte dann überall geschehen. In Greifswald ist bisher immer nur die orthodoxe Richtung in der theologischen Fakultät herrschend gewesen. Man hebt die Leistungen des Herrn Mahling aus dem Gebiete d»r inneren Mission hervor. Ich will das. akzeptieren. Aber gebührt ihm darum em Lehrstuhl an der ersten Universität? Einem Manne, hei dem man von wissen- schaftlichen Leistungen im Ernste gar nicht sprechen kann. Oder ist die theologische Wissenschaft heute so genügsam geworden, daß sie einen Vortrag über innere Mission als hervorragende Wissenschaft- liche Leistung anerkennt? Ist die positive Richtung in der theolo- gischen Wissenschaft so arm an Talenten? Ich kann es nur im Namen meiner Freunde lebhaft bedauern, daß man an die erste Universität des Reiches einen Mann berufen hat sei es aus per- fönlichen oder Parteirücksichten, der seine wissenschaftliche Be- fähigung durch nichts bewiesen hat. Weiter möchte ich um Auf- klärung bitten, ob für Professor Bernhardt, gegen dessen Berufung aus wissenschaftlichen Gründen nichts einzuwenden ist, ein neues Ordinariat geschaffen ist. AuS dem Etat geht darüber nichts hervor. Redner tritt des weiteren fiir die Schaffung von Lehrstühlen für Sozialreform ein und für Zulassung der Ingenieure nach Besuch der Technischen Hochschule zur Ausbildung an den staatlichen Be- trieben. Abg. Dr. Hackenbcrg(natl.) bedauert ebenfalls die Vakanz im Kultusministerium. Wir erwarten, daß aus den gegenwärtigen Verhältnissen kein Präzedenzfall für die Zukunft geschaffen werde. Für eine Trennung der Unterrichts- und Kultusangelegenherten wären wir durchaus zu haben. Gerade die unpolitische Ver- waltung der Schulangelegenheiten wäre bei einer selbständigen Verwaltung mehr gesichert. Ueber die Frage der Behandlung der katholischen Ordensniederlassungen werden wir uns mit den Herren vom Zentrum doch nie einigen. Den neu vorgesehenen Stellen für Kreisschulinspektoren im Hauptamt stimmen wir zu. Wenn aher wirklich die Absicht besteht, die ftreisschulaufsicht pädagogisch und nicht burcaukratisch zu gestalten, so liegt in der-Bei- beHaltung der Ortsschulinspektoren eine große Gefahr. Auch ein tüchtiger Fachmann mit seminaristischer Bildung wird, wie die Ver- Hältnisse heute einmal liegen, schweren Stand haben gegenüber Ortsschulinspektoren mit akademischer Bildung. Sehr erwünscht wäre uns die endliche Vorlegung der Statistik über die Ergebnisse des Volksschulunterrichts. In der Volksschule sollte auf die Ge- schichte bis zum Mittelalter zurück mindestens ebenso großer Wert gelegt werden wie auf die Geschichte der Neuzeit. Besonders die Kulturgeschichte muß mehr in den Vordergrund gerückt werden. Wir müssen davon absehen, die Geschichte in der Volksschule nur als eine Geschichte von Dynastien zu lehren.(Sehr wahr! links.) Es müssen ven Kindern anregende und begeisternde Lebensbilder von hervorragenden Menschen vorgeführt werden, die aus dem Volke hervorgegangen sind. Sehr wichtig ist dann daß Selbständig- machen der Volksschulkinder und der gesonderte Unterricht für Schwachbegabte. Die Lust an gesunder Lektüre wird in dem Maße bei den Kindern steigen, als man bei ihnen die Freude am Eigen- besitz guter Bücher fördert. Endlich darf auch nicht die Körper- kultur vergessen werden. Man darf ein Kind von 8, 10, 12 Jahren nicht vier Stunden hintereinander geistig behandeln, ich möchte sagen mißhandeln.(Sehr richtig! links.) Zwischen die Unter- richtsstunden sollten nicht allzu selten körperliche Uebungcn ein- geschoben werden. Weiter sollten auch Einrichtungen getroffen werden, durch welche die Lehrer befähigt werden, in dem Kampfe gegen die Verseuchung des Volkes durch Geschlechtskrankheiten mit- zuwirken.(Sehr gut! links.) Redner schließt sich des weiteren der Kritik des Abg. Eickhoff an der Berufung des Professors Mahling an. DaS Separatvotum geht offenbar von der einen einzigen Stimme aus. die sich in der Berliner Fakultät für die Berufung Mahlings ausgesprochen hat. Es ist ganz klar, daß hier Parteirücksichten maßgebend gewesen sind.(Lebhaftes Hört! hört! links.) Man sagt, der letzte war ein Liberaler, jetzt muß ein Posi- tiver folgen. Gewiß, aber jener Liberale wurde als Positiver gegenüber einem noch mehr Liberalen vorgezogen.(Hört! hört! links. Lachen rechts.) Ein solches schematischcs Vorgehen ist über- Haupt bei der Berufung von wissenschaftlichen Professoren ganz un- angebracht.(Sehr richtig! links.) Der an erster Stelle von der Fakultät vorgeschlagene Professor Simons hat nach achtjährigem prgktischeL» Djjyist r- gegyiuto«Up 5 Lahrm des Kettü MMUss — 15 Jahre akademischer Lehrtätigkeit hinter sich. Und waS soll die Berufung auf die Missionstätigkeit Mahlings bedeuten? Ins- besondere einem Simons gegenüber, der seine Schüler stets nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch in die Aufgaben der inneren Mission eingeführt hat. Die führenden positiven Kreise meiner Heimatsprovinz haben mich beauftragt, ihr Bedauern und ihr Be- fremden darüber auszudrücken, daß ein Mann von der Bedeutung Simons nicht für würdig der Professur befunden worden ist.(Leb- Haftes Hört! hört! links.) Im Interesse der evangelischen Kirche hat diese Berufung des Professor Mahling sicher nicht gelegen. (Lebhaftes Bravo! links.) Finanzminister Freiherr v. Rhcinbaben: Man hat gefragt, wer die Verantwortung für den nicht anwesenden Kultusminister übernehme. Ich hoffe, Sie werden mit mir darin übereinstimmen, daß eine endgültige Regelung der Besetzung des Kultusministc- riums erst dann erfolgen kann, wenn die Hoffnung ausgeschlossen ist, daß Minister Holle in sein Amt zurückkehren kann. Bis dahin werden die Einzelheiten des Kultusetats von den Vertretern des Kultusministeriums und, soweit finanzielle Fragen in Betracht kommen, von mir beantwortet werden. Soweit es sich um die ministerielle Verantwortung handelt, kann ich erklären, daß das StaatSministerium bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Unterstaatssekretär Wcver: Professor Bernhardt ist in ein er- ledigtes etatsmäßiges Extraordinariat berufen worden. Daher ist aus dem Etat darüber nichts zu ersehen. Was den Fall Mahling anlangt, so liegt es dem Herrn Minister durchaus fern, die Be- fugnisse der Fakultäten zu verkürzen. Auf das erwähnte Separat- Votum und die Gründe, weshalb Professor Simons nicht berufen worden ist, bin ich nicht in der Lage, einzugehen. Solche Dinge können doch unmöglich hier in breitester Oeffentlichkeit erörtert werden.(Sehr richtig! rechts.) Die Unkerrichtsverwaltung schätzt Professor Simons durchaus in persönlicher und wissenschaftlicher Beziehung, aber sie muß sich die freie Entschließung darüber vor- behalten, ob sie den Vorschlägen einer Fakultät Folge leistet, oder Seiner Majestät eine andere Persönlichkeit glaubt vorschlagen zu müssen.(Sehr richtig! rechts.) Konsistorialrat Mahling ist erst nach außerordentlich eingehenden Ermittelungen in erster Linie vorgeschlagen worden. Daß die Unterrichtsverwaltung nicht ein» seitige Parteiinteressen verfolgt, geht daraus hervor, daß ihre Maßnahmen heute von rechts und morgen von links bekämpf5 resp. anerkannt werden. Die außerordentliche Tätigkeit des Herrn Mahling auf dem Gebiete der inneren Mission wird allseitig an- erkannt. Daß er daneben nicht eben so umfangreich sich wissen- schaftlich betätigen konnte wie Privatdozenten der Theologie, die Muße genug haben, ihren wissenschaftlichen Bestrebungen nachzu- gehen, ist verständlich. Trotzdem hat er mehrere vielbeachtete Schriften veröffentlicht und damit die Aufmerksamkeit weiter wissenschaftlich interessierter theologischer Kreise auf sich gezogen, z. B. durch eine Geschichte der inneren Mission in Hamburg. (Beifall rechts.) Abg. v. Jazdzcwski(Pole) kritisiert die lange Nichtbesetzung des Bistums Gnesen-Posen und verlangt Unterricht in der pol- nischen Sprache in den Volksschulen der polnischen Provinzen.> Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff erwidert, daß aus tech- nischen Gründen ein zweisprachiger Unterricht in der Volksschule nicht möglich sei. Im übrigen werde für die Volksschule in den polnischen Provinzen besonders viel getan, was� zur Folge gehabt habe, daß keine Analphabeten mehr aus diesen Provinzen in die Armee kämen. Das Problem, woran die Volksschulverwaltung zu arbeiten habe, sei, die Kinder möglichst alle bis zum Ende der Volksschule zu bringen. Es werde vor allem darauf ankommen, die Klassenfrequenz möglichst herabzusetzen und die tüchtigsten Lehrer zu gewinnen. Dann werde trotz der Schwierigkeiten, die sich aus der Fluktuation der Bevölkerung ergeben, das Ziel zu erreichen fein. Abg. Graf Clairon b'Haussonville(!.): Auch meine politischen Freunde bedauern die Abwesenheit des Herrn Kultusministers, wollen aber auf die verfassungsrechtliche Seite der Frage nicht eingehen.(Abg. Hoffmann(Soz.): Schwartzkopff macht's.)(Heiterkeit.) Den neu geschaffenen Kreisschulinspek- toren werden wir zustimmen, wünschen aber für spätere Fälle eine bessere Begründung solcher Forderungen. Im Falle Mahling stehen wir durchaus auf dem Standpunkt des Herrn Unterstaats- sekretärs. Die Gegenüberstellung der Verdienste beider Männer hier in der Oeffentlichkeit halte ich nicht für richtig.(Sehr richtig! rechts.) Ich weiß nicht, wie die Herren der Linken befürchten können, die Freiheit der Wissenschaft werde gefährdet dadurch, daß ein positiver Professor an die Berliner Universität berufen wird. (Lachen links.) Wenn man auf mangelhafte Parität in Greifs- wald hinweist, so verweisen wir demgegenüber auf Marburg. (Bravo! rechts.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag, 11 Uhr. Schluß 4 Uhr._ parlamentarisches. Finanzkommission. Ueber den Verlauf der Sonnabendsitzung der Finanzkommission geht uns folgender Bericht zu: Die preisverteuernde Gesetzgebung für Verbrauchsartikel bringt natürlich erschwerende Bedingungen für die Produktion, so auch die Steuer auf Branntwein. Die Steuererhöhung für Trink- branntwein bleibt nicht ohne Wirkung auf die Herstellung von denaturiertem Spiritus. Darum mühte sich am Sonnabend die Finanzkommission ab, die Kosten für die Produktionsverschieden- heiten auszugleichen. Selbstverständlich ist ihr das nicht gelungen. weil die Preisverteuerung durch Steuern Verschiebungen in der Produktion herbeiführt, die nicht ausgeglichen werden können. Im Branntweinsteuergesetz will man in dem Abschnitt „Betriebsauflage", die man neben der.Verbrauchsabgabe erheben will, angeblich eine Einrichtung schaffen, die den gewerblichen Zwecken dienenden denaturierten Spiritus wohlseil machen soll. Aber das ist eine Zwickmühle: Je höher die Betriebsauflage— die vorliegenden Anträge differieren zwischen 2 M. und 4 M. pro Hektoliter bei Mengen bis zu 50 Hektoliter, und steigern sich bei Mengen bis 7000 Hektoliter auf 17 M. vom Hektoliter Alkohol—, um so mehr wird der Trinkbranntwein verteuert, ohne daß eine Verteuerung des denaturierten Spiritus ausgeschieden würde. Der Spiritusverbrauch wird überhaupt sehr viel mehr als bisher be- lastet; das bleibt der springende Punkt. Als die preisverteuernde Wirkung der Betriebsauflage auf den Trinkbranntwein den Schnapssteuermachern vorgehalten würde, spreizten sie sich mit dem Einwand„ethischer Momente", die den Branntweintrunk mit hohen Steuern bekämpfen wollen— ein Manöver, das die Ausbeutung der Massen durch hohe Steuern nicht vertuschen kann. Die Spiegel- fechterei erstreckte sich bei dieser Gelegenheit in der Finanz- kommission auch auf die angebliche Schonung der kleinen gegenüber den großen Brennereien, und doch steht fest, daß der unausbleibliche Konsumrückgang das ganze Gewerbe treffen wird. Die Betriebs- aufläge, die auch zur Vergütungs- und Ausfuhrprämie für ver- gällten und ausgeführten Branntwein dienen soll, ist eine jener Verlegenheitsmittel, die schädigende Wirkung der Steuererhöhung in milderem Lichte erscheinen zu lassen. Aber der angebliche Schutz der„Kleinen" ist eben nztr Spiegelfechterei und raffinierte Demagogie. Am Schluß der Sitzung beantragte der Abgeordnete Roe- s i ck e zur Geschäftsordnung eine konservative Resolution, in der eine Wertzuwachssteuer gefordert wird, nach dem bekannten konservativen Vorschlage des Grafen Westarp, sokort in der nächsten Sitzung in Beratung zu nehmen, und die Beratung über die Äranntweinsteuervorlage zu unterbrechen. Dagegen kehrten sich besonders die Freisinnigen und die Jreikottservativcn, während das Zentrum für den Vorschlag des Abgeordneten Roesicke eintrat. Dann tauchte noch der Vorschlag auf, zunächst den jetzt zur Beratung stehenden Abschnitt des Brantweinsteuergesetzes zu Ende zu führen Md dann in die Beratung über die WeetöllMchsftcuer einzutreten. Nach längerer Debalke, bei der die Blockbrüder best ig aneinander- gerieten, wurde dieser letzte Antrag mit den Stimmen des Zentrums, der KMervativen und der Wirtschaftlichen Bereinigung angenommen._ Sozialem --- Der Ausschuß des Kaufmannsgerichts zu Berlin beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit einer Reihe von An- trägen, welche Verbesserunge» für die in Engrosgeschäfteu und Kontoren beschäftigten Angestellten bezwecken. Bei Beginn der Sitzung beantragte der Vertreter des ZcntralverbandeS der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutsch- lands, zunächst zwei von genannteni Verbände eingereichte An- träge zu erledigen, welche zu dem Gesetz über den unlauteren Wettbewerb Stellung nehmen. Ter Antragsteller führte be° gründend aus, datz die Reichstagskommission, welcher der Ent- wurf vorgelegen hat, ihre Arbeiten beendet hat, und der Gesetz- entwurf nunmehr an das Plenum des Reichstags gelangt. Da das Gesetz noch im Frühjahr verabschiedet werden soll, müsse schleunigst Stellung genommen werden. Dem wurde zugestimmt und in die materielle Beratung der Anträge eingetreten. Der erste Antrag des Zentralverbandes verlangt, daß eine Steigerung des HSchstbctragcs der Geldstrafe in dem 8 9 des Entwurfes eines Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb abzulehnen fei, viel- mehr die in diesem Paragraphen enthaltenen Bestimmungen völlig zu beseitigen seien. Der zweite Antrag verlangt, daß davon ab- zusehen sei, in den Entwurf eines Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb Bestimmungen aufzunehmen, durch welche An- gestellte oder Beauftragte wegen Bestechung mit Geldstrafe und Gefängnis bedroht werden. Beide Anträge wurden vom Vertreter des Verbandes ein- gehend begründet. In der Diskussion wurde von der Mehrheit der Kaufleutebeisitzer ausgeführt, datz der Entwurf des Gesetzes allerdings Bestimmungen enthalte, die am besten beseitigt würden; der deutsche Kaufmann würde durch den Bestechungsparagraphen gegenüber dem Auslände benachteiligt; im Auslande ist das Schmiergeldgeben nicht strafbar. Es wurde von dieser Seite aus- geführt, datz es leider ganze Branchen gebe, wo nur durch den Unfug des Schmiergeldersystems Geschäfte zu machen seien; der reelle Kaufmann könne da nicht konkurrieren. Wirkliche Be- stechung sei unlauterer Wettbewerb, der bestraft werden mutz. Die Beisitzer der Kaufleute regten an, die Anträge einer Sub- kommission zu überweisen. Diese Anregung wurde abgelehnt, nachdem darauf hingewiesen war, datz sonst eine Verschleppung einträte. Darauf beantragte ein Beisitzer der Kaufleute, den § g des Gesetzes in seiner zurzeit geltenden Fassung in das neue Gesetz wieder aufzunehmen.— Für diesen Antrag stimmten 7 Bei. sitzer des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, dagegen der Beisitzer der sozialdemokratischen Kaufleute und 5 Gehilfenbeisitzer. Der Antrag ist sonnt angenommen und damit der An- trag des Zentralverbandes gefallen. Ter zweite Antrag betreffend die Bestrafung des Schmier- gcldcrgcbcns wurde mit S Stimmen gegen 6 Stimmen an- genommen. Hierauf gelangten die bisher nicht erledigten Anträge be- treffend die Arbeitszeit in den Kontoren und solchen kauf- männischen Betriebe», die nicht mit offenen Verkaufsstellen ver- bunden sind, zur Beratung und Abstimmung. Für den Antrag des Zentralverbandes: „Für das in Kontoren und in den nicht mit offenen Ver- kaufsstellen verbundenen handelsgewerblichen Lagerräumen be- schäftigte Personal die regclmätzige tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden zu beschränken", stimmte der Beisitzer der sozialdemokratischen Kaufleute und der Vertreter des Zentralvcrbandes. Die Vertreter des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes enthielten sich der Ab- stimmung, alle übrigen Beisitzer stimmten dagegen. Der Antrag der Freien Bereinigung der Kaufmannsgerichts- bcisitzer(Gehilfen) verlangt: 1. Dreizehnstündige ununterbrochene Ruhezeit bei einem Höchstarbeitstage von neun Stunden und zweistündige Ruhe- pause. •J. Bei ungeteilter(englischer) Arbeitszeit ist die Dauer der Beschäftigung auf acht Stunden, einschlietzlich einer halb- stündige Ruhepause, festzulegen. Hierzu waren von den Beisitzern des Deutschnationalen Ver- Landes Unteranträge eingebracht, nach denen die Schlußzeit zu 1 spätestens 7 Uhr, zu 2 spätestens um 5 Uhr nachmittags eintreten solle. Der Unterantrag wurde abgelehnt. Für denselben stimmten 3� Deutschnationale Handlungsgehilfen, der Beisitzer der sozial- demokratischen Kaufleute und der Vertreter des Zentralverbandes. Alle übrigen Beisitzer stimmten dagegen. Sodann wurden noch die Anträge 1 und 2 abgelehnt. Für die Anträge stimmten die- Beisitzer der sozialdemokratischen Kaufleüle, 2 Vertreter des Ortsvereins der Deutschen Kaufleute, der Vertreter des Zentralverbandes und der Vertreter des Verbandes der Handlungskommis von 1858; die deutschnationalen Vertreter enthielte» sich »wiederum der Abstimmung. Ein weiterer Antrag: „Festlegung eines ununterbrochenen Erholungsurlaubes von " mindestens 14 Tagen in jedem Dienstjahre ohne Gehaltsabzug" wurde mit 9 Stimmen gegen 7 Stimmen angenommen, dagegen ein Antrag, welcher die Anstellungsverträge mit Kost und Wohnung verbieten will, mit 4 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Der Stimme erhielten sich der Vertreter der Bankbeamten und die deutschnationalen Gehilfenvertreter. Bon der Haftpflicht des Arbeitgebers. Dem Bäcker Warner ist während seiner Beschäftigung beim Bäckermeister Blümel ein Ueberzieher sowie ein Portemonnaie mit 8 M. Inhalt gestohlen worden. DaS führte zu einer Schaden- ersatzklage gegen B. die gestern vor der Kammer 6 des Gewerbe- gerichts unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Gerth verhandelt wurde. Der Kläger schätzt den Wert des Ueberziehers, der neu 40 M. kostete, auf 3S M., und verlangt einschlietzlich des ge- siohlenen Portemonnaies mit Inhalt vom Beklagten 49 M. Zur Begründung seiner Forderung gibt Kläger an, datz die Kammer, die Beklagter den Gesellen zur Verfügung stellte, ohne Verschluß war und der Beklagte trotz wiederholter Aufforderung ein Schloß nicht anbringen ließ. Neben der Höhe der Forderung bestreitet Beklagter auch, datz er zur Anbringung eines SchlosieS aufgefordert worden fei, gibt aber zu, datz wiederholt bei ihm gestohlen worden sei. Das Gericht sieht in dem Umstände, datz Beklagter, obwohl bei ihm schon öfter gestohlen wurde, die Anbringung eines Schlosses an die den Gesellen zur Benutzung Lberlafsene Kammer unter- ließ, ein Verschulden desselben, durch welche? er haftpflichtig werde, und verurteilte ihn, dem Kläger 25 M. zu zahlen. Mit der Mehr- Forderung wird der Kläger abgewiesen, weil der Ueberzieher, der vor Jahresfrist 40 M. kostete, den Wert in Höhe der geforderten Summe nicht mehr hat._ Kontraktbrüche der Landarbeiter. Die Grotzlandwirtschaft kann sich immer noch nicht daran ge- wöhnen, nicht mehr im 15. Jahrhundert zu sein, nicht mehr in jener schönen Zeit zu leben, wo die Arbeiter nur zum Arbeiten und nicht zum Leben da waren. Der Legitimationskartenzwang für ausländische Arbeiter ist ja längst als ein Mittel bekannt geworden, wenigstens den ausländischen Arbeiter wieder völlig in die Hand zu bekommen. Es scheint aber auch für die einheimischen landwirtschaftlich tätigen Arbeiter etwas Avhnlich'es geplant zu sein. Im Frühjahr 1908 regte das preußische Landcsökonomiekollegium an, eine Feststellung über die Häufigkeit der Kontraktbrüche länd- lichcp Aidejfxx und Arbeiterinnen d�chzufühM. �Kls AuZ- führende wurden die preußischen Landwirtschaftskammern be- zeichnet. Die eigentliche Enquete sollte entweder durch eine Um- frage bei der Polizei(!) oder bei einer größeren Anzahl Guts- besitzer erfolgen. Es war ohne weiteres klar, datz die Landwirt- schaftskammern mit Freude für diese„wichtige und brennende Frage" Material sammelten. Die Mitteilungen der Zentralstelle der preußischen Landwirtschaftskammern bringen jetzt zunächst das Material, welches in der Provinz Westfalen gesammelt worden ist. Es kommen bei dieser Enquete 150 beftagte Betriebe in Be- tracht. Die Zahl der einheimischen und fremden Arbeiter betrug 1907 1488, 1903 1672. Charakteristisch ist die Steigerung für 1008. Von den genannten Arbeitern waren 1907 178, 1903 280 „kontraktbrüchig". Die Zahlen muffen mit der allergrößten Vor- ficht aufgenommen werden, es sind ja dabei nur die Herren Grund- besitzer resp. die lieben Polizeibehörden beftagt worden. Und ebenso wie die Agrarier in jeder direkten Steuer die Vernichtung ihrer nützlichen Existenz sehen, so sieht die Polizei in jedem Ar- beiter, der sich nicht schlechter wie das Vieh behandeln lasten will und davonläuft— meist unter Hinterlaffung eines erheblichen Teiles, oder womöglich gar des gesamten Verdienstes— einen Staatsverbrecher. Diese Einschränkungen, die den Zahlen für den objektiv Denkenden nur einen relativen Wert geben, müssen vor- ausgesetzt werden. Es bleibt trotzdem, oder bielmehr gerade des- wegen, diesen Zahlen ein großer Wert, denn es sind offizielle! Und die tauchen sicher bei der nächsten Gelegenheit als statistische Unterlagen bei der Begründung irgendeiner Gesetzesvorlage wieder auf. Es sind im Durchschnitt der zwei Jahre nach der„Statistik" 14,5 Proz. Kontraktbrüche erfolgt. 1908 waren von sämtlichen Kontraktbrüchigen 24,1 Proz. ausländische Saisonarbeiter, darunter zu einem reichlichen Drittel galizische Polen. Und dies bleibt be- sonders zu beachten. Diese Leute werden ohne jede Kenntnis der deutschen Sprache durch Agenten wie Vieh vermittelt, müssen Kon- trakte unterschreiben, die sie nicht verstehen, und bekommen neben einem jämmerlichen Lohn eine Behandlung, und Verpflegung, die eines Menschen unwürdig ist. Wenn solche Leute, die doch sicher nicht an einer Ueberlastung von Kulturbedürfnissen leiden, so oft „kontraktbrüchig" werden, so ist dies nur eine recht deutliche Charakterisierung der Grotzgrundbcsitzer, die sich diese auslän- dischen Arbeiter heranholen lassen. Dies zu beachten ist auch aus dem Grunde notwendig, weil ja. mit dem Zahlenmaterial Schritte gegen die einheimischen Landarbeiter vorbereitet werden. Die ein- heimischen Arbeiter, soweit sie kontraktbrüchig wurden, zählten aber in den beiden Jahren nur je 12 Proz. aller Kontraktbrüche, dies sind also rund IVi Dutzend Fälle!! Am wichtigsten ist aber, datz es des weiteren heißt, datz die Zahlen der Strafanzeigen wegen Kontraktbruch bewiesen,„wie fast völlig unwirksam" die heutigen Strafbestimmungen seien! Von den ausländischen Arbeitern, die dem Paradies ihres Arbeitsherrn entlaufen, seien 1993 überhaupt nur 55,8 Proz. angezeigt und, welch Schmerz, gar nur 4,4 Proz. bestraft worden. Die auf die Legitimationskarten gesetzten Hoff- nungen hätten sich auch nicht erfüllt. Des weiteren wird noch be- tont, datz die polizeiliche Zurückzuführung keinen Wert mehr habe, denn die Arbeiter entliefen doch über kurz oder lang wieder. Der Bericht wird dann dahin zusammengefaßt, datz die bestehenden Strafbestimmungen durchaus ungenügend seien, es müßten an ihre Stelle bedeutend höhere Geldstrafen und, das fei das allerbeste, strenge Freiheitsstrafen treten! Dies ist der Bericht von nur einer Landwirtschaftskammer, wenn alle übrigen so oder nur so ähnlich aussehen, ist sicher für die Landarbeiter in Bälde eine „Sicherstellung" ihrer Bcrufslage zu erwarten. Die Landwirt- schaftskammern sind überdies auch Mitglieder des Deutschen Forst. Vereins, dessen Waldarbeiterenqueten der„Vorwärts" kürzlich be- sprach. Die Provinz Westfalen gehört mit zu den industriellsten und modernsten des preußischen Staates, zudem existiert dort ein eigentlicher Großgrundbesitz überhaupt nicht, es ist in erster Linie Großbauerntum; wie da die Berichte der Landwirtschafts- kammern aus Posen, Ostpreußen, Schlesien usw. aussehen werden. ist leicht vorzustellen. Auf jeden Fall heißt«s für die landwirt- schaftlich tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen, gründlich aufpassen. Die Ortskrankenkasscilwahl in Straßburg i. E. vom Sonntag endigte nach heftigem Kampfe mit einem Siege der freien Gewerkschaften. Ihre Liste erhielt 2963 Stimmen, die Liste der christlichen Gewerkschaften und eines sogenannten Aus- schusses für soziale Wahlen, der alle reaktionären Arbeitervereine umfaßt, erhielt 742 Stimmen. Von 22 179 Wahlberechtigten gingen nur 3769 zur Wahl. Etos der frauenbewegun� Mutterschastsprobleme. Mitte April fand die zweite Generalversammlung des „Bundes für Mutterschutz" in Hamburg statt. Aus der Tagesordnung standen neben internen Bundesangelegenheiten, die in geschlossenen Sitzungen erörtert wurden, Referate über: „Mutterschutz und Volksgesundheit" und„ethische undsozialeMutterschaftsprobleme". Das Hauptreferat zum ersten Thema hielt Professor Flesch, der vor allem für die Weckung des Verantwortlichkeitsgefühls gegenüber der Uebertragung von Geschlechtskrankheiten eintrat. Um der großen Verbreitung der Geschlechtskrankheiten entgegenzuwirken, forderte Professor Flesch namens des Bundes Ausdehnung des Reichsseuchengesetzes auf die venerischen Krankheiten, insbesondere eine gesundheitliche Ueberwachung der Prostitution als ärztliche Einrichtung, getrennt von den zur Aufrcchterhaltung der Sittlichkeit erforder- lichen Matznahmen. Daneben verlangte man Ausdehnung der ärztlichen Schweigepflicht auf alle amtlich oder beruflich zur Kennt- nis von geschlechtlichen Erkrankungen gelangende Personen, als: Amts- und Krankenkassengehilfcn usw., um eine Ausdehnung der Meldepflicht bezüglich dieser Krankheiten durchführen zu können. Schließlich wünscht man auch eine schärfere Handhabung der Ge- setze gegenüber den Kurpfuschern, die sich gerade in bezug auf die Behandlung von Geschlechtskrankheiten so viele nicht wieder gut zumachende Versäumnisse zuschulden kommen lassen. Alles in allem: sehr billige Forderungen, die an dem Bestehen der Prosti- tution, diesem unerschöpflichen Reservoir der geschlechtlichen Krank» heilen, in keiner Weise rütteln. Eine lebhafte Debatte entfesselte die Forderung von Dr. Helene Stäcker- Berlin: Aufhebung der AbtreibungS» Paragraphen im Strafgesetzbuch. Sie forderte das im Jnter- esse der Rassenverbesserung und der vollen Freiheit der Persönlich» keit der Frauen. Zu diesem Radikalismus vermochte sich der Korreferent Dr. BorgiuS-Berlin nicht aufzuschwingen. Er wünschte nur eine Umwandlung der Strafandrohung von Zuchthaus bis zu fünf Jahren in eine Gefängnisstrafe bis zu einigen Monaten und Straflosigkeit der Vernichtung des keimenden Lebens in solchen Fällen, wo eine Geburt von schweren Nachteilen für Mutter und Kind begleitet sein würde. In der Diskussion bertrat Fräulein Maria Lischnewska mit dem bei ihr unvermeidlichen Pathos den von ihr bereits bei früheren Gelegenheiten verfochtenen Standpunkt, datz die Streichung des Abtreibungsparagraphen„aus nationalen Gründen" zu verwerfen und statt dessen eine„Erziehung zur Pflicht der Fortpflanzung"(!) anzustreben sei. Dieser„radikalen" Frauen- rechtlerin sekundierte eine Vertreterin des crzrcaktionären deutsch- evangelischen Frauenbundes, die in der Straflosigkeit der Ab- trcibung einen Eingriff in die Heiligkeit der Ehe, der Zügel- und Sittenlosigkxft zur Folge hMn Würde, erblickte. Die Bcrsamm- lung einigte sich dann mit knapper Mehrheit auf den Standpunkt des Dr. Borgius. Ueber die„sittlichen Grundlagen der Ehe" sprach Dr. Meyer- Benfeh(Göttingen), der für volle Gleichberechtigung der Ehe- genossen eintrat, die ihre Grundlage in der Selbständigkeit und wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Frau haben müsse. Wie alle Versammlungen der bürgerlichen Mutterschützler, so war auch dieser Kongreß von uferlosen Debatten ausgefüllt, die nach dem Vortrage des Dr. Mcyer-Benfcy den höchsten Pegelstand erreichten. Schuld daran ist hauptsächlich die Zusammensetzung des Bundes. Neben radikalen Elementen der Bourgeoisie, die so vorurteilslos, wie es ihre bürgerliche Weltanschauung erlaubt, an die Erörterung der brennenden Sexualprobleme herangehen, ge- hören dem Bunde auch evangelische Pastoren, höhere Offiziere und Beamte an, die auf dem Boden christlich-konservativer Anschauung stehend— an der Arbeit des Bundes für Mutterschutz teilnehmen. DaS Bedürfnis, sich auszusprechen und für den eigenen Stand- Punkt zu werben, ist unter allen diesen heterogenen Elementen sehr groß, und so kommt man in den Debatten oft aus dem Hun- dertsten ins Tausendste, was der Klärung der Ansichten meistens gerade nicht förderlich ist. Nach dem Äkeyer-Benfeyschen Vortrage traten die Verteidiger der christlichen Ethik besonders aufdringlich hervor. Die Mehrheit der Versammlung schloß sich indes den Leitsätzen des Referenten an. Adele Schreiber-Berlin sprach noch über die wirtschaftliche und soziale Lage der unehelichen Mütter und die praktische Tätigkeit, die der„Bund" zugunsten derselben entfaltet. In mehreren öffentlichen Versammlungen wurden dann auch andere Seiten des Mutterschutzproblems erörtert. Die Absichten der im„Bunde für Mutterschutz" vertretenen bürgerlichen Reformer sind gewiß die besten. Doch auch von ihnen gilt das Schillersche Wort: Leicht beieinander wohnen die Ge- danken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen. So unzu- länglich wie ihre praktischen Versuche, das Elend der armen Mütter zu lindern, so aussichtslos sind durchweg ihre Bestrebungen, innerhalb der vom Kapitalismus demoralisierten Gesellschaft eine neue, von bourgeoisen Vorurteilen freie Ethik— und zwar als Anhänger der bestehenden Gesellschaftsordnung— zu begründen. Auch die Hamburger Tagung stand unter dem Zeichen dieser ideologischen Halbheit.— Versammlungen. Die Arbciterbildungsschule hielt am Donnerstag iin Scyul- lokal, Grenadierstr. 37, ihre ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Vorstandsbericht für das 2. Quartal, den der Vorsitzende G e i t h n e r gab, ist das folgende hervorzuheben. Im allgemeinen war das verflossene Quartal recht günstig. Von de» 1050 eim geschriebenen Mitgliedern(967 männlichen und 83 weiblichen) beteiligten sich insgesamt 775 an einem oder an mehreren Kursen. Die Kurse waren, wenn man die Natur der zu behandelnden Stoffe berücksichtigt, durchweg recht gut besucht. Auch läßt das Verhältnis zwischen den in den einzelnen Kursen eingeschriebenen Mitgliedern und den dann tatsächlich erschienenen auf eine intensive Lernarbeit schließen, da durchschnittlich 89 Proz. der eingeschriebenen Mit- glieder anwesend waren. Insgesamt veranstaltete die Schule im letzten Quartal neun Ilnterrichtskurse, die sich, wie stets, über je 10 Abende erstreckten. Von diesen neun Kursen fanden sieben im Berliner Schullokal, Grenadierstr. 37, einer in Lichtenberg und einer in Rummelsburg statt. Das Stiftungsfest, das am 17. Januar stattfand und in die Form eines KammermusikabendZ gekleidet war, erfreute sich eiags sehr regen Besuches; ebenso die am 14. Februar veranstaltetet a r w i n f e i e r, bei der Genosse E. Wurm das Referat übernommen hatte. An sonstigen Veran- staltungen hatte die Schule zwei Sonntagsversammlungen und eine geschlossene Mitgliederversammlung. Den Kassenbericht gab Königs, den für die Bibliothekare ihr Obmann Balz er. Letzterer teilte mit, datz auch im letzten Quartal die Bibliothek eifrig benutzt worden sei und wiederum recht erhebliche Neuanschaf- fungen gemacht werden konnten. Die notwendig gewordenen Ersatz. wählen ergaben, datz an Stelle des wegen Verzuges ausscheidenden 1. Schriftführers A tz m a n n Fritz Krüger und zu Revisoren die Genossen Gehlhaar und Bernau gewählt wurden. An- träge wurden von keiner Seite gestellt, so daß die Generalver- sammlung, nachdem bei Punkt Schulangel'egenheiten und Verschic- denes noch einige interne Angelegenheiten erörtert worden waren, die Versammlung bereits um%11 Uhr geschlossen werden konnte. Die Steinarbeiter Berlins beschlossen in äußerst zahlreich be- suchtor Versammlung, den 1. Mai nach Möglichkeit durch Arbeits- ruhe zu feiern. Die Entscheidung hierüber soll den Kollegenschaften der einzelnen Geschäfte obliegen und spätestens am 28. d. M. er- folgen. Vorausgesetzt wurde, datz alle Kollegen, welche nur die Einbuße des Tagesverdienstes zu erwarten haben, moralisch ver- pflichtet seien, die Arbeit ruhen zu lassen. Des weiteren wurde be- schloffen, für die sofortige größtmöglichste Einschränkung der Ar- bcitszeit zu wirken, Ueberschreitungen der tariflich vorgesehenen Arbeitszeit jedoch mit Entschiedenheit entgegenzutreten.(Der Tarif sieht auf den Werkplätzen eine achtstündige Arbeitszeit vor.) An die auswärtigen und reisenden Kollegen wurde das Ersuchen gerichtet, so lange von der Arbeitsuche am Orte Abstand zu nehmen, bis wieder normale Arbeitsverhältnisse an die Stelle des gegen- wältigen Notstandes im Berliner Steinarbeiterberufe getreten sind. Obigen Beschlüssen ging ein Vortrag des Genoffen Fritz K u n e r t voraus, dessen Darlegungen über die Stellung des Staates zur Schule und Kirche unter eingehendster Berücksichtigung der Krise mit starkem Beifall entgegengenommen wurden,. Briefkasten 6er Redaktion. Di« ftrlftlsche Svr-chftnnde Nnde« Linde»flray, Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, DW- Fahrstuhl Mi» tuixfientägtld) abend» von?>/, vi» O'l, Übe statt,««össnet 7 Ilfir Eonnabeuds beginn, die Sprea, stunde um fl Übe- Jeder itnsvag- ist ein Buchstabe und eine Kahl al? Merkzeichen beizusiigen. Briesliche glutwort loirb nicht erteil». Bis zur Beantwortiuig im Briefkasten könne» 14 Tage vergedcn. Eilige Fragen trage niau in der Svrechminde vor. Potsdam 199. NnS ist von einem solchen Brics nichts bekannt.— Weberstraße. Die Urlauvszeit muß nachgeholt werden; Entlassung er- solgt voraussichtlich am 1. Juni.— O. S. 2S. 1325 Meter.— Hoff- nnng. Es dürste sich empfehlen, wenn Sie Ihr Gesuch an die Deputation filr die städtische Blindenpslege, Oranienstr. 26, richten. Auch der Bloonsche Blindenverein, Vereinsdircktor Diakon Menke, Sndost, Crwrystr. 33, Sprech- zeit von 3—4 Uhr, dürste Ihren Zwecken entsprechen.— Zukunft 14. Ihr Gesuch wäre an die Verwaltung der Rclchsdruckeret, Orantenflraße, zu richten.— H. L. 82. Ihre beiden Frauen dürfen Sie sich von einem Laien nicht beantworten lassen. Legen Sie diese einem Arzt oder einer Hebamme vor.— Camminerstraße 199. Wenn Sie die Stücke nicht einem Münzensammler vorlegen mollen, deren Adressen Sie aus dem Adrcß- buch ersehen, wenden Sic sich an die königliche Münze.— 31. H. Nein. — Schläbitz. Wenn nicht besondere Verhältnisse vorliegen, die einen zrößcrn Abzug rechtserügen, z. B. das Vorhandensein von Kindern: 1500 Iis 1650 M.— W. P. 199. Die Zahlung der Forderung kann sosort verlangt werden.— Rentenempfänger. Leider sieht tbrem Vater ein Recht nicht zu, da sein cvent. Anspruch längst verjährt ist.—(£.elkonuert� ITrühSls Allerlei-Theater. Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 27. April 1909: Um Nancy oder: Was Gott zusammenfügt, das soll der Mensch nicht scheide». Historisches Schauspiel in süns Alten von Koberstein. Kaffeneröffnung 7 Uhr, Ans. 8-/, Uhr. Zeriiiw Lis-ftalsöl- Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konxert und Knnstlanfen. Passage-Theater. ..Die maurische SchlangenUnzerin jiSlaka-Sshad * Gastspiel der Garland- Negeroperette 18 Solokrälte und das grandiose April-Programm. Der größte Variete=Erlo!g den je Berlin gehabt! W.Koaeks Theater Direttw»: Roh. Hill, vrunnemtr. IS. vis JKacht des Holdes. Schauspiel in 5 Asten von Lembert. Ansang 8-/, Ubr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Gr. Extra-Vorstellung I Ein ungeschickter Liebhaber. Moni., 3. Mai, Schluß d. Winterspielzelt. Folles Capriee. Insolvent. Posse von L. Tausstein. In lansehixer Nacht. Burleske von W. Gericke. Antang 8-/. Uhr. Dr. Simmel Spezial-Arzt 62'9* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—4 Dr. Schunemann Sp-zial-Arzt sür 543L» Bant- and Harnleiden, Eranenkrankhelten. Frledrichstr. 203, Ecke Sckützenstr. Wochentags 10—3. 5—7. Für Kranke und Schwache wichtig ist die Tatsache, daß„Deutschland im Lamschetder Stahlbrmmen einen Heilschatz ersten Ranges besitzt, der verdient, dauernd der leidenden Menschheit zugängig gemacht zu werden.(Professor Dr. L i e b r e i ch.)" lausende wurden gesund. Danlesworte nach erfolgreichen Kuren:„Ich litt schon einige Jahre an furchtbar quälenden Magen- und Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, großer Schwäche des ganzen Körpers und Abmagerung, so daß es mit meinen Kräften immer mehr zu Ende ging. Durch den nur kurzen Gebrauch des Lamscheider Stahlbrunnens bin ich von allen Beschwerden befreit worden."—„Hierdurch sage ich herzlichen Dank sür den ausgezeichneten Heilhrunnen. Infolge einer schweren Kranlheit mit großem Vlutverlust war meine Frau so heruntergekommen, daß ich glaubte, sie zu verlieren. Sie konnte nicht mehr schlafen, nicht essen, vor Schwäche nicht mehr aus den Füßen stehen und wurde ost ohnmächtig. Meine Frau ist nur durch diesen Brunnen mir und meinem Kinde erhalten." Trinkkuren im Hause warm empfohlen bei Blutarmut, Bleichsucht, versch. Arten von Frauenkrankheiten, Magen- und Darmleiden, Nervenlrankheiten, blutarme» Zuständen, bei denen eine Mehrung der Blutmenge und Besserung der Blulbeschaffenheit notwendig ist, z. B. nach großen Blut- Verlusten infolge schwerer Operationen, Wochenbetten usw., nach über- standenen erschöpfenden Jnsektiouskrankheiten, wie Influenza usw.— Bro- schüren kostenlos durch: Lamscheider Stahlbrunnen in Düsseldorf LG. 164. Nur«och kurze Zettl dZinhus Busch. Dienstag, den 27. April 1909, abends 7-/, Uhr: Gr. Vorstellung. Um 8 Uhr: Honn. Vansart! Um 9 Uhr: Hr. Charleettan? Ferner: Herr Burckhardt- Foottit, Schulreiter. Math. Renz, Schulreiterin. Herr Ernst Schumann, Neudress. Die Briatores. Schwestern Truzzi. Um 9-/, U.: Auswanderer! Achtung! Am Sonntag, 2. Mai: Um 4 Uhr u. 7'/, Uhr, ungekürzt: Auswanderer! Damms Volkspark-Theater (früher Dletz) Landsberger Allee 76/77. Taglich:' MsedMizeb.M-Mlet' zum erstenmal in Berlin— vollständig neu— alles lacht— man amüsiert sich köstlich._ Passage-Panoptikum. Prinzeß Fassie die Amazonenkönigin mit ihrer wilden Garde. „Das blaue VeilT das Opfer unbarmherziger Tätowation. Alles ohne Extra-Entree! Qa y* last Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Heute Dienstag ringen: Kornatzki, gegen Debic, Meifterr.von Polen Rheinland-Westfalen. Schibilski, gegen Hans Lang, Berlin Bayern. Scholl. Leicht« gegen Van der Born, gewichtmeister Köln Holland. Ludwig Grammer geg. Pierre de Hauen der bahr. Hertules. Franlreich. Außerdem dag Monsttr-Programm. 20 Spezialitäten 20 Anfang 8 Uhr, Sonntags 7-/, Uhr. Gustav Behrens- Theater. Gebrüder Herrnfeld- Anfang ThonfOP Vorwerk. 8 Uhr. IllCalCr. 11-2 Uhr. Schluß der Spiel-Saison: Freitag, 30. April. Bis dahin täglich die mit stürmischem Beifall auf- genommene Novität: Meine-Deine Tochter. Komödie in 2 Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ferner: Der selige Nieraann. Lustspiel in 1 Akt von Karl Tellheim. Sanssouci, IZTe. Duetlion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag Donnerstag: Hoffmatms und Frühlings-Kränzchen. Leg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Stets neues hochaktuelles Programm? Reichshallen-Tlieater Stettiner Sanger. Der Kupagtue-BaD. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntag? 7 Uhr. Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Täglich 8 Uhr, Bis zum 30. April: Ackermann. Ab 1. Mai auf vielfachen Wunsch: DaS Opferlamm. Sonntag 4 Uhr: Ackermann. Aas glänzende sensationelle April- Programm. 9-/, Uhr: Aufftteg des lenkbaren Luftschiffes„Zäppelin II*. Der Friseur als Don Juan. Operette. Ansang 6 Uhr. Steidl-Theater Brückenstraße. Ansang 8 Uhr. Letzte Woche! Donnerstag, den 29. April: Abschieds-Vorstellung! aizettuilg 1900 soeben erschienen. Reichhaltiger Inhalt. 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Man könnte den Entwurf der neuen ReichsversicherungS- vrdnung auch.Entwurf eines Gesetzes zur Erdrosselung der freien Hilfskassen" nennen. Ganz offen sprechen sich auch die Macher in den Motiven aus. daß sich die Hilfskassen überlebt hätten und deren Existenz ohne grosie Bedeutung für die Versicherten sei.„Ersatz- kassen" will man sie künftig heißen; denn sogar das Wort„freie" Hilfskasse hat in Berlin Anstoß erregt. Man spricht auch in der ganzen Begründung immer nur von den„freien" Hilfskassen, die man jetzt auf zweifache Art zu beseitigen sucht. Ausdrücklich wird bemerkt, daß die organische Reform des gesamten Krankenkassen- Wesens nicht vor den eingeschriebenen Hilfskassen Halt machen könne. Es komme aber dabei nicht deren innere und äußere Ver- faffung an sich, auch nicht ihre Stellung zur staatlichen Aufsicht in Frage. Dies bleibt dem bereits vorliegenden Entwurf des Gesetzes über die Hilfskassen als Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit noch vorbehalten. Den durch und durch reaktionären, arbeiter- feindlichen Charakter des noch unerledigten Hilfskassengesetzent- Wurfs haben wir seinerzeit gewürdigt. Durch die Reichsver- sicherungsordnung sind wohl nun auch denen die Augen über die gegen die Hilfskassen verfolgte Absicht geöffnet, die durch allerlei sich bisher einlullen ließen. Man will die Hilfskassen doppelt beschneiden. Erstens im Aufsichtswege und Aufbürdung von möglichst unerfüllbaren Mehr- lcistungen und dann durch„Annäherung an die gesamte Kranken» Versicherung". Ausgeführt wird, daß die Hilfskassen ja zahlreiche Berührungspunkte mit der reichsgesetzlichen Krankenversicherung baben und daher auch mit„reformiert" werden müßten. Auch die Zahl der in Hilfskassen versicherten Personen sei nicht belanglos, denn es kämen immer noch 893 OVO Personen, gleich 7,6 Prozent der Versicherten, in Betracht. Man macht auch den schüchternen Versuch, sich gegen den Vorwurf zu wehren, daß die Regierung den Hilfskassen„mit sehr geringem Wohlwollen gegenüber stehe und gern die Gelegenheit er- greife, ihnen die Lebensbedingungen zu verkümmern". Es wird nur versichert, daß dies„unzutreffend" sei, man ja auch in Berlin die„ersprießliche Tätigkert h�r Vorläufer der reichsgesetzlichen Organisationen" zu würdigen wisse. Trotz dem vielen Wohlwollen dürften aber die Schattenseiten nicht übersehen werden, keine„Be- vorzugung" stattfinden. Dem stets Geprügelten will man auch noch weisniachen. daß aus lauter„Vorzug" verhauten worden sei.... Das Privileg der Hilfskassen, welche dem§ 75 des Gesetzes genügen, richte sich aber gegen die Bctriebskassen. schädige diese. „Der Einwand, den man gegen die Betriebskassen erhebt, daß sie sich auf Kosten der Ortskrankenkaffen die günstigsten Risiken aus- suchten, gilt mit weit größerem Rechte gegenüber den freien Hilfs- kassen." Auch das ist nicht wahr und unlogisch. Vergessen darf man doch nicht, daß die Mitglieder der Hilfskasse freiwillig in diese ein- treten und auch jeder Zeit das Recht haben, ihren Austritt wieder zu erklären oder auf die Befreiung der Zwangskasse gegenüber zu verzichten. Durch die Zwangsversicherung ist aber den Hilfskassen an sich schon der Lebensfaden unterbunden und gar kein großer Andrang„günstiger Risiken" mehr vorhanden. Die Mitglieder der meisten Hilfsiaffeu werden älter, neuer Zuzug unterbleibt fast und daher die Risiken immer ungünstiger. Anders ist es bei der Be- triebskrankenkasse. Hier hat es der Unternehmer in der Hand, nur gesunde und kräftige Personen auszuwählen. Da auch junge Ar- beiter mit Vorliebe die Großindustrie aufsuchen, welche ja nur die Betriebstran tcnkassen besitzt und nach dem neuen Entwurf künftig auch nur besitzen kann, so ist die Auswahl des Unternehmers noch erleichtert. Außerdem muß jeder Neueiutrctende der ärztlichen Untersuchung sich unterwerfen, ob er auch für den„Betrieb taug- lich erscheint". ES ist also unrichtig, daß die Betriebskrankenkassen, Ortskrankenkassen gefährlicher wären, als die Betrieskrankcnkassen, die sich doch erfahrungsgemäß auf Kosten der Ortskrankenkassen nur erhalten. Sind die Hilfskassen mal beseitigt, dann können überhaupt kränkliche Personen in den Großbetrieben nicht mehr aufgenommen werden, weil sie doch nicht mehr vom Beitritt zur Betriebskrankenkasse sich befreien lassen können. Sie werden also dann ganz den Ortskrankenkassen, dem„Mädchen für alles",, er- halten bleiben.„ Rücksicht will man aber auf die kaufmännischen Hilfs- kassen nehmen, � weil deren Vertreter in der famosen Reichs- konferenz erklärt haben, daß die Angestellten aus dem Kaufmanns- stände am Fortbcstehen der Hilfskassen als Ersatzkassen,„nament- lich wegen ihres häufigen Wohnsitzwechsels und des damit jedesmal verbundenen Kassenwechsels ein dringendes Interesse hätten". Ja, wechseln denn die Arbeiter ihren Wohnsitz nicht noch mehr, als die jungen Kaufleute? Der Entwurf betont ferner, daß die Hilfskassen den Betriebs- vnd Jnnungskassen deshalb nicht gleichgestellt werden könnten, weil sie auf anderer Grundlage aufgebaut seien, nicht„auf dem Grundsatze des Zusammenwirkens der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer". Das sind doch nur Scheingründe und haben mit der Hauptsache gar nichts zu tun, zumal in den Hilfskassen die Ver- sicherten alles, in den Betriebs- und Jnnungskassen doch gar nichts zu sagen haben. Etwas mehr Wert hat der andere Einwand, daß die Hilfs- kassen nur die Mindestleistungen der Krankenversicherung zu er- füllen haben, wie dies in den zu beseitigenden Gemeindekranken- kassen ja bereits vorhanden ist. Das ist aber Sache der Versicherten selbst, die doch freiwillig den Hilfskassen beitreten und nicht auf Grund eines Zwanges durch das Arbeitsverhältnis, wie bei den Betriebskassen usw. Den Hauptschlag sucht man aber gegen die verhaßten Hilfskassen durch die neue Beitragsform zu führen. Ganz harmlos, ja voller„Wohlwollen" gegen die Ortskranken- kassen, sucht man die Absicht zu begründen. Nichtig wird angeführt, daß es die Versicherten mit sich auszumachen hätten, daß sie in die Hilfskasse die vollen Beiträge, ohne Mithilfe des Unternehmers zu zahlen haben.—„Indessen beruht erfahrungsgemäß die Zu- geHörigkeit zur Hilfskasse durchaus nicht immer auf der freien Entschließung des Versicherten. Nicht selten, in gewissen Bezirken sogar recht häufig, stellen Arbeitgeber, um sich die ihnen bei den Hilfskassen gegebene Beitragsfreiheit zunutze zu machen, nur Mit- glieder freier Hilfskassen in Arbeit. Damit wird mittelbar auf die Arbeiter ein starker Druck ausgeübt und der Bcitragsanteil des Ilrbeitgebers auf sie übergewälzt." Das stimmt. Aber wie besorgt sür die Arbeiter, denen man doch ständig den„starken Druck" spüren läßt. Machen sich aber nicht auch die Besitzer der Betriebs- kassen dies heute zunutze? Wenn man dem sparsamen Unter- nehmer die Beiträge nicht schenken will, so könnte man doch ein- fach auch bestimmen, daß derselbe entweder die Beitragsanteile an die Hilfskassen zu zahlen habe oder, wenn dies technisch un- möglich erscheint, an die Arbeiter direkt auszahlt, weil diese ja die vollen Mitgliederbeiträge zur Hilfskasse zu zahlen haben. Doch das will man aber nicht. Die Hilfskasse soll ja nicht finanziell gebessert, sondern doch beseitigt werden. Dies erreicht man mit den ganz einfachen und„harmlosen" Mitteln wie sie der Entwurf vorschreibt.„Deshalb werden die Arbeitgeber ver- pflichtet, auch diejenigen von ihnen beschäftig- ten Arbeiter bei der zuständigen Pflichtkasse an» und abzumelden, welche bei einer Ersatzkasse versichert sind." Dafür hat dann auch der Unternehmer die Beiträge an die Zwangskasse für diese Mitglieder zu zahlen. Je- doch soll es den Hilfskassenmitgliedcrn freigestellt werden, sich mit einem Antrag an die Zivangskasse zu wenden, daß sie trotz der erfolgten Anmeldung„weder Leistungen an die Pflichtkasse machen. noch Unterstützungen von ihr zu empfangen oder an ihrer Selbst- Verwaltung teilnehmen wollen". Dann brauchen sie keine Beiträge für die Zwangskasse zu zahlen, sondern der Unternehmer nur die auf ihm entfallende Hälfte des Beitrages, wenn dies Gesetz werden sollte. Die Folge wird also sein, daß sehr selten diese Anträge bei den Zwangskassen von feiten der Arbeiter eingehen und die Flucht aus' den Hilfskassen noch größer werden wird, neue Mit- glieder aus Arbeiterkrcisen so leicht nicht mehr eintreten werden. Daß aber der Unternehmer der Zwangskasse den Beitrag zu zahlen hat. ohne daß diese irgendwelche Leistungen zu erfüllen hat, fühlt der Entwurf selbst. Es soll dies aber ein Ausgleich sein sür den Verlust durch die Entziehung der Arbeitnehmerbeiträge. Das ist nichts logisch, weil ja keine Gegenleistungen den Einnahmen gegen- überstehen. Diese Beitragsleistung soll aber den Versicherten zu- gute kommen, welche„sich der Regel des Gesetzes fügen". Das heißt mit anderen Worten: Arbeiter, welche den Befreiungsantrag künftig bei der Zwangskasse einreichen, sind die„Unfügsamen". Den zweiten Schlag versetzt man den Hilfskassen noch mit der Bestimmung, daß„die Ersatzkassen weiterhin innerhalb des Rahmens ihres satzungsmäßigen Mitgliederkreises den Kranken- lassen hinsichtlich der.A u f n a h m e p f l i ch t gleichzustellen. Deshalb darf der Beitritt weder vom Lebensalter oder vom Ge- schlecht, noch von dem Gesundheitszustand ab- h ä n g i g gemacht werden. Die Leistungen müssen den Regel- leistungen der Krankenkassen mindestens gleichkommen." Die Ersatzkassen sollen also auch den Betriebskrankenkassen gleichgestellt werden, die aber ungestört jeden kränklichen Arbeiter ablehnen können. Natürlich hat man hier die faule Ausrede, daß ja nicht die Krankenkasse als solche, sondern der Botriebsunter- nehmer als Arbeitgeber den Kranken abweist, der sich sür den schönen Betrieb nicht„eignet". Können aber die Ersatzkassen all diesen Auflagen nicht nach- koinmen, so mögen sie eben eingehen, wie der Entwurf kalt- blütig bemerkt, weil damit ihre eigene„Schwäche der Leistungs- kählgteit" bewiesen wird—»ihr Eingehen auch weder vom ver- sicherungstechnischen noch vom wirtschaftlichen Standpunkt ags zu beklage.« ist". Ags ist natürlich auch es««Standpunkt",�--" Zuvor wird aber noch eine große Razzia unter den Hilfs» lassen vorgenommen, und nur größere Kassen weiter zugelassen, deren Mitgliederzahl 1006 übersteigt. Die Jnnungszwergkassen dürfe» aber weiter ihr Dasein fristen und die Bctriebskassen mit 599 Mitgliedern weiter bestehen. Die Absichten der Regierung gegen die Hilfskassen sind klar. Die in dem Zusammenschluß in Hilfskassen betätigte Ausübung des Vereinsrechts der Arbeiter, ihre Selbstverwaltung ist es, die der Regierung den Anlaß zu ihrer Vernichtung gibt. Die Hilfs- kassen werden alles aufzubieten haben, nicht unter die Räder zu kommen. 18. GeneralversWmlung des Verbmides der Zimmertr Deutschlands. Siuttgart. 24. April 1999, Sechster Berhandlungstag. Die weitere Beratung des Statutenentwurfs ergibt die unber- änderte Anliahme desselben. Zum Streikrcglement werden foi- gende Einleitungssätze angenommen: „Jedes Verbandsmitglied übt sein gesetzlich gewährleistetes Koalitionsrecht(Z 152 der Reichsgewerbeordnung) im eigenen Namen, auf eigene Verantwortung und Gefahr aus, nicht im Namen des Zentralverbandes der Zimmerer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands, nicht auf dessen Verantwortung und Gefahr. Ebenso sind die Verbandszahlstellen nicht befugt, im Namen des Gesamtverbandes und unter dessen Verant- Wartung Sperren zu verhängen, Streiks zu erklären oder auf andere Weise das Koalitionsrecht anzuwenden. Sie tun dies vielmehr im eigenen Namen und unter eigener Verantwortung. Der Zentralverband der Zimmerer und verwandter Berufs- genossen Deutschlands unternimmt und führt nicht selbst Arbeitskämpfe: er kann seine Mitglieder in solchen unterstützen. Falls diese Unterstützung gewährt wird, hängt sie davon ab, daß von den zu Unterstützenden die Regeln und Vorschriften beachtet und innegehalten werden." Die allgemeinen Regeln des Streikreglements werden keiner Aenderung unterzogen. Auf Antrag Ecke- Hamburg wird dem Reglement der Arbeitslosenunterstützung ein neuer Absatz angefügt, der besagt, daß Mitglieder, die länger als ein Jahr im Auslande waren,'erst wieder nach einjähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 49 Wochenbeiträgen bezugs- berechtigt sind. Die Anträge auf irgendwelche Aenderung der Karenzzeit werden nach längerer Diskussion zum Teil abgelehnt, zum Teil zurückgezogen, und bleiben die jetzt geltenden Bestimmungen be- stehen. Die Festlegungen über den Ort der Unterstützungsaus- zahlung werden insofern geändert, als das Wort„jeden Abend" in„wöchentlich" abgeändert wird. Es wird nun zunächst über den Sitz des Verbandes entschieden und wird Hamburg einstimmig dazu bestimmt. Ebenfalls werden die Personen, die bisher die Leitung in Händen hatten, wieder- gewählt. Der Sitz des Ausschusses bleibt Berlin und wird K u b e- Berlin wiederum als Vorsitzender gewählt. Als Redakteur wird Bringmann einstimmig gewählt, die Prcßkommission behält ihren Sitz in Hamburg. Als Delegierte auf den nächsten Gcwerk- schaftskongrcß werden gewählt Schräder und Bring mann- Hamburg. Kube-Berlin. F e i l en s ch m i d t» Stuttgart. Knüpfer und Witt-Berlin, Jen z e�n-Düsseldorf. Kem- m er- München, R o s e- Leipzig, K r e m s e r° Frankfurt a. M.. Neffen. Bremen und P r a m m- Nürnberg. Das Neisrreglement wird abgeändert. Die Reiseunterslützung beträgt nach dieser Aenderung im Höchstfalle pro Tag 1.25 Ml Dieselbe wird derartig verrechnet, daß die empfangene Reiseunterstutzung der zu be- ziehenden Arbeitslosenunterstützung gleichkommt.' Das so geänderte Statut gelangt dann einstimmig zur An» nähme und soll am 1. Juli in Kraft treten. Gegen fünf Stimmen angenommen wird folgender Antrag: „Sollte sich bei der Tarifbewegung im Jahre 1919 die Not- wendigteit einer außerordentlichen Generalversammlung not- wendig machen, so sollen, wenn die Zeit nicht reicht um Neu- Wahlen vorzunehmen, die Delegierten der 18. Gencralversamm- lung eingeladen werden." Ten Ort für die Tagung der nächsten Generalversammlung festzusetzen wird dem Vorstand überlassen. In letzter Stunde wird noch angeregt, den Arbeitsnachweisen der Unternehmer mehr Be- achtung zu schenken, da sich dieselben zum Schaden der Arbeiter- schaft entwickeln. Ter Vorstand wird beauftragt, sich mit dieser Materie eingehend zu beschäftigen und der nächsten Generalver- sammlung Bericht zu erstatten. n.- v Mit einem Hoch auf die Bewegung schließt der Vorsitzende Schräder den Verbandstag. Darauf singen, die Delegierten stehend die Arbeitermarseillaise., �- Vcrmircbtcs. TodeSsturz auS dein Automobil. Ein tragisches Automobilunglück wird aus Breslau gemeldet. Der dritte Sohn Gustav des früheren RcichstagSpräsidenten Graf Ballestrem kam mit Frau Baronin Fiirstenberg-Kopanina und deren Kindern mit seinem Automobil von Friedrichswille, als kurz vor Neu-Repten in voller Fahrt anscheinend die Steuerung versagte. Der Wagen fuhr auf einen Chaussccbaum. Die Insassen wurden herausgeschleudert. Der Graf ist tot, wäh- rend die Baronin und ihre Kinder unverletzt blieben, ebenso der Chauffeur. Da« Erdbeben in Portugal. AuS den Trümmern von Vena- vente sind, wie auS Lissabon gemeldet wird, vorgestern bereits 4 0 Leichen geborgen»vorden. In Santarem und Aviz wurden neue Erderfchüttcrnngen verspürt. Das Parlament hat einen Kredit in der Höhe von 199 ContoS bewilligt. Vermißt werden 120 Personen» etwa 109 erlitten Verletzungen. Die Orte Bena- vente und Samara sind zerstört, Salvaterra und San Stefano sehr beschädigt. Der Ministerrat beschloß, für die Opfer der Erdbeben- katastrophe einen Hilfsdienst ins Leben zu rufen.— In Benavente und Samara de Eorrcia wurden neue Erdstöße verspürt. Damp ferzus ammcnstoß. Nach einer Meldung aus London ist der englische Dampfer„Lord Gwalia", mit einer Ladung Kohlen nach St. Nazaire unterwegs, nachts in der Nähe von Narnioilth mit einem norwegischen Dampfer, mit Erzen an Pord, zusamineiigcstoßcn. Der Dampfer„Lord Gwalia" sanl nach wenigen Minuten, zwei Mann der Besatzung ertranken, vier der Geretteten sind verletzt worden._ Deutscher Arveiter-Abstiiientcn-Bund. Ortsgruppe Berlin. Die Bezirksversammlung sür Rixdors fällt deö Lichtbildcr-VortrageS am MitNvoch wegen aus._, Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DIrektion über den Großhandel in den Zenwal-Marklballeii. V.ttarktlage: Fleisch: Ausiibr stark, Geschäst rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr sehr kiiapp, Gcichäst ruhig, Preise unverändert. G c j l ü g e l: Zussibr knapp, Ge» schäst rege, Preise gut. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise teilweise nachgebend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise un- verändert. Gemüse, Obst urfd Südfrüchte: Zufuhr zum Teil mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert.' Sennabcnd, den i.)lal 1909: der$ozlaldemokrati$(l)en Aahlvereine. liachmittaBS« und Abend■ If er anstaitungen. Tagesordnung der Versammlungen: Die Bedeutung des I. Mai. Kerlin. l. Kreis: Zrüuüröl Kappoldl, H-s-n�eidt 32,38. Res: II. Kreis: Sook-Jrsusrel» Timpklhoftt Berg. Ref:«iekarS riseksr. KUSMS-FvStsAS, Has«»heide 13/15. Ref.:«nmwald. III. Kreis: Kette Weif. Hasenheide 108/114. Ref.: Sei»«-. klewerKSeltSltSltAUS» E«gel«fer 15. Ref.: Wolfg. Heine. IV. Kreis: Kellers Tesfsäle, K-ppe»pr. LS. Ref.: Bober« scJunid«. Brauerei 7dedrichshain. Sanssouci. K-ttbufer Straße 6. Ref.: Faul Singer. Ludwig, ViUioriagarfen.«spenicker Landstraße. Slysium. Landsberger Allee 40. Ref.: Davidsohn. V. Kreis: Schweizergarten. Am Sönigstor. VI. Kreis: 5raier-?heaier, Sastanien-Alltt 7/g. Ref.: Sasaenbaek. vhigles FesisAe» Schwrdter Str. 23/24. Ref.: v. Baader. Bruuusu-Theater, Vadstr. 58. R-f.: ucko. Bailsehmieders Etablissement, sab�ie. Ref.: tedeboar. Fraukes Festsäte. Badstr. i». Ref.: i�eid. Zkarienbad» Badstr. 35/3S. Ref.: Sebmnann. Berliner Soekbrauerei, Ch-usseeftr. 64. Ref.: or. zadek. ?harUS'Säle, Müllerstr. 142. Ref.: Ad. Holtmann. Üfloabiter Schfitzenhaus. Pl-tzrnsee. Ref.: Fr. Schneider. Kronenbrauerei, Ait-M-abit 47/49. Ref.: weramth. Brauerei Bloabit, Turmstr. 25/26. Ref.: Dr. Weyl. ?raChtSäle KordtVeSt, Mclefstr. 24. m- Luise Ztetz. Wahlkreis Teltow Keeskaw Klarkam Charlottenvnrg. Adlersliof. Von 5 Uhr nachmittags an in Wöllsteins Lustgarten. AJ.t-€rli.©Ill.diL©# Abends bei Bahn. Grünauer Str. SS. Referent: Dlttn»«». »«n'm.ajkla'nltffcn-nrfkcr Wbenbö In Speers FestsSle». Bamnschulenstratze 78. Referent: K»r.«rnn»»«rchardt. Tt ftll H Sdorf. Von 8 Uhr abends an im Restaurant Falkcnruh. Ref.: Siering. Von 4 Uhr nachmittags an bei Raddatz, Thauffeestr. SS. grU-m Von 4 Uhr nachm. an im BolkShauS. Roflnenstr. g. �Irai'KOrrvaDlKFA.. 4..„ bei Schulz. Kai!cr�ri-drIch.Skaße. W�K'RSdSZKAa» st° tz �Uhr nachmittags an bei Schellhaafe w Steglit«, Ahorn- SrFQÜ-NvStiva. Bon s Uhr nachmittags an bei Schmidt in Mein. Besten. CaFÄIKtlll« Von 8 Uhr abends an im Jägerhaus, Bahnhofstr. 1. Johaimlsthfll. Von 4 Uhr nachmittags an bei Heffe. Paristr. 12/1» Von 5 Uhr nachmittags an im Stadt- Theater, Friedrich» Straße. ZA.QpvlAK«Za. Referent: Zndell. liftDltWltZ« Von 8 Uhr abends an bei Ebel, Marienfelber Str. Referent: vager. Sdchteiirade. Abends bei Deter, Bahnhosstraße. AlaräSItdDI��» Bon 4 Uhr nachmittags an bei Zlerok, Kurfürstenstr. 44 maVl.SIR�Sl.dS« Von 4 Uhr nachmittags an bei Berger, Berliner Straße 114. meder-SeliöneTveide. 9ltftamflnl wÄta Von 3 Uhr nachmittags an bei Tinaer. Priefterilr. 3t. ,»..,. Schmidt, Wiihelmstr. 141/143. Ikanvlt. Von 8 Uhr abends an bei Heiuze. gas Nachmittags bei Hoppe, Hermannstr. 48/49, AAKATUVK M.»„ in der BeretnSbranerei, Hermannstraße. Von 8 Uhr abends an im Schützenhans, Hunbekehlen- »«I»lHAFAvIZ.Sll VFK. straße 20. Referent: Hartmoni». �Vll.ÜIRSl?�FA» AbendS in der Tchlostbrauerei, Hauptstraße. 8�SKl.I�Z- ä�FlSdSIiÄLR» Von S Uhr nachmittags an im BirkenwSldche». Bon 4 Uhr nachmittags an bei Preust, Berliner Straße 16. ,»�»3 4,�4? Von 4 Uhr nachmittags an im Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9, Referent: Sonnenbarg. TrellSbill. Von s Uhr nachmittags an im GesellschaftShauS. Von 3 Uhr nachmittags an im Restaurant Concordia(Karpfenteich), Köpenickcr Landstraße. Abends im Luifenpark, WilhelmSaue 112. 8 Uhr avendS Bei Knrzner, Baruther Str. 19. Referent: Groger. Wahlkreis Uiederkaruim. SidfÜSlt« Von 6 Uhr abends an. Referent: KnOpfer. llirkenwei'der, Abends. Referent: Plegaacb. BiOFSigWftldC» AbendS in den Borstgwalder Festfälen. Ref.- Or. O. vodn. Abends in Oegebrodt« Festfälen. Referent: Theodor Flacher. Fleliteiian-Scliöiielclie. Franz.-isncliliolz. Abends bei Kahne, Berliner Straft- 30. Fredersdorf-Neuenliageii. at6e,,M�"?m Friedrichsfelde. so. Friedrichshagen.«6ettM tn{RunMeU- Hohen-Schönhansen. Kfc|t�eU668/6o.vÄt?flÄ Herzfelde« Von« Uhr abends an bei Henao, Hauptstr. 57. Referent:»loch. Itlehlenherg. Don s Uhr nachmittags an bei Schwan, Dorfstrafte 25/26. Mahlsdorf. Abends?'/, Uhr bei Linke, Grunowstraftc. Referent: OUweU. �leder-�ehöahaaseD. Abends im Neu�arwvof. Oher-8ehSae�elde.° gh,,»,„ äo�nl.n'r.rr AbendS im Waldhaus. Tandhausen, Schüftenstrafte 64. RUL aSZillstZFifiSarg. Referent: Frau Or. Weyl. Relalekendorf-Ost. Abends>T»»CRSIsCavF» vV Reserent: Johannes Hast. R3'«r*lMn'f Drei Versammlungen vormittags 10 Uhr. Für Maurer. Puster. Gips-«nd Zement, »»l�kTSOPla arbeiter bei OStar Wolf, früh. Wollbrandt, Kirchhofstr. 4l. Für alle anderen Gewerk- schatten: 1. bei Frist Hoppe. Hermannstr. 43, 2. bei Richard Felsch, Kne ebeckstr. 48—43. Reserenten: Emil Dtttmer, Richard Leopold, Frl. Auguste Kadett. Scbnaapgendopf* S3onnittaS!S 10 Uhr.«afS Pci�.�ubertuSstraße. Reserent: Heinrich Stpaßau-Nummvisbupg. Ä�5Wü!�Dt!wkL''"''- Sobänsbspg. � � D6ft' Mei,,in9ev!h:' 8 StegÜtZa Vormittags 10 Uhr im»Blrkenwäldche««. Referent: Groger. f Ogvia Vormittags 13 Uhr in Klippenstein» SeefchlSstche«. Referent: Block. ? 0it0«Ua Vormittags 11 Uhr bei Preust, Berliner Straße. Referent: Basner. 1 POfobsna Vormittags 11 Uhr Plantage Kliestow. Reserent: Ewald jn«. NannSSSu Vormittags 13 Uhr im Fürstenhof. Reserent: Buhl. Weißensee. a3onnmaß8 10 U��ÄlSÄk5rtß,,I5attffe 1~t WilmOPSdOPfa Vormittag» 10 Uhr im Luisenpark. Wilhelmstr. 112. Reserent:«lvin Mohs. Die Versammlungen der Bororte haben die FnnktionSre der einzelnen Orte in der ortsüblichen Weise zn bewirken. Die Bureaus der Versammlungen werden beauftragt, über die Zahl der Versammlungsbesucher der Redaktion des»Vorwärts", Lindenstr. 69, schriftliche Mitteilung zu machen' Der SlnSschuh der Berliner GewerkschastSkommisston. gez. i A. Hörsten, Engeluser 15, L Der Verband der sozialdemokratische« Wahlvereine Berlins und Umgegend. Li. lilcpmann, Lindenstr. 69, tV. »»«NM Dienstag, den 37. April, abends 8V2 Wr, im Alten Schiitzenhaufe, Linien-Stratze Nr. T: lMtglieller-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Industrie und Fandwirtschaft. R°s°«nt- Genosse Wls x Ausschluftantrage gegen zwei 2. Diskussion� 3. Ersatt- resp. Neuwahl zweier Vorstandsmitglieder. Mitglieder des Wahlvcreins. S. Verschiedenes. = Mitgliedsbu�tegitilniert. Das Erscheinen aller Mitglieder ist psticht. 223/3* Der Vorstand. SlrbettSnachweiS: tzoj I. Amt 3. 1233. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnrea«: Charitestrafle 3. Hos III. Amt 3, 1987. Mitttvoch. den 38. April ISO», abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Drahtarbeiter Berlins«nd Umgegend im GcwerkschaftshauS, Engelnscr IS, Saal 8. Sageä. Ordnung: 1.»Ursachen der Krise«. Rcserent: Kollege tAIdert DiSlusjion. 3. Vcrbandsangelegenhciten und Verschiedenes. L. Mittwoch, de««8. April 1909, abends 8'/, Uhr: Versammlung der Graveure und Ziseleure im Dresdener Garte«. Dresdener Straße 45. TageS-Ordnung: t. Vortrag des ArdeitcrsekretärS über:„Grundzuge der Modernen Technik«. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß folgende Zahlstellen neu errichtet sind: KrUhn, Rcstaurateur, Bernaner Strafte 81. Schmidt,. Besselstrafte 18. Ol»»cn,, Köpenicker Strafte 148. Nemnann,„ Nieder- Schöneweide, Grünauer Str. 8. RUckbeim,„ Rixdorf, Bcrgstrafte 97/98. Volkmann,. Priuz-Eugen-Strafte 128. Zimmermann, Zigarrengeschäst, Schönhauser Allee 141». 1IK/S_ Pie Ortwverwaltnng. Verwaltung Berlin. Mitglieder Nersammlungen ItantiscMer, Bezirk 2, Osten. avendS S'/« Uhr(gleich nach Feierabend), . Kronprinzenftr. 47. Reserent: Kollege Dienstag, den 27. April, bei Wilhelm Scholz. Lichtenberg Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Maifeier. Reiche. 2. Branchenangelegenheiten. sämtliche Bezirke. Die für Dienstag in Aussicht genommeuen KommisstonS- sittungcn falle» au». NsiRSII»«!»«!'. DienStag, den 27. April, abends 8'/, Uhr. Im Gewerkschaftshausc. Engelnfcr 15(Saal 7). Tagesordnung: 1. Die Tätigkeit der Zentralkoinmlsfion der Kammacher Deutschlands. 2. Die Maiseier. 3. Brnnchenangclegenheiten. Bodenlegei*. Mittwoch, den 28. April, abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Engelnfcr 15(Saal 7). Tagesordnung: 1. Die Maiseier. 2. Branchcnangelegenheiten. SMusetzei*. Mittwoch, 28. April, abends«'/. Uhr(gleich nach Feierabend) im Gewerkschaftshause, Engelnfer 14(Saal 4, Arbcitsloscnsaal). Tagesordnung: 1. Bericht de? Obmannes. 2. Die Maifeier. 3. Branchen- angelegenheiten._ Modell- und Fabriktischler. Donnerstag, de» 29. April, abends 8 Uhr. im'Verbandshause der Gastwirtsgehilfe». Gräfte Hamburger Str. 18/19. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Ko dl über: Die verschiedenen Lohnsysteme. 2. Maiseier. 3. Branchenangelegenheiieit. 82/20 Siellmachep. Donnerstag, den 29. April, abends 8'/,«Hr. im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11/12... Tagesordnung: 1. Vorwag des Kollegen R.Leopold über: Die Bedeutung des erste» Aiai. 2. Branchenang-legenheiten._ L Orts- Krankenkasse der SeUer. MM» und verwandter Gewerbe zu Berlin. Die Vertreter werden hierdurch zu der am 4. Mai ds. IS., abends 8'/, Uhr, im„Neuen KlubhanS«, Kommandantenstr. 72 statisindciideii Fortsetzung der 274/7 1- SekannhMehuitg. Orts- Krankenkasse Britz bei Berlin. Am Freitag, den 39. April 1909, abends 8 Uhr, findet die Ordentliche General-Versammlung im Rcitaurani von A. Raddatz, Britz, Lhaussecstr. 39 statt. Tages-Ordnung: Beschlußsassung über die Ab- nähme der Rechnung des Vorjahres. Aenderung der Statuten betr. die Hz 12 und andere. Belanntgabe und Genehmigung von Verträgen. Die Herren Delegierten der Arbeit« geber und Arbeitnehmer werden hierdurch eingeladen. 274/3 Britz, den 2S. April 1309. Per Verstand. Lehrend, Vorsitzender. 1. 3. vom 20. April d. I. eingeladen. Aus der Tagesordnung sieht noch die Entgegcmiabnlc des Jahresberichtes sür 1908 und Dechargcertcilung. Berlin, den 24. April 1903. Ciostav Hahtow, Vorsitzender. Paul Poritz, Schriftführer. ü Bruch-Pollmann empftchlt sein Lager in Brnob- bandagen, Leihbinden, Ge- radehaltern. Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigens Werkstatt. Lieferant für Orts- und Hilss-Krankeulassen. Rerllii K.,* jetzt Ijothringer Straße OO. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe« loten, angenehm n, weich am Körper. �Hygienische Neuest. Iv.italog Bxnpfehl.viel.Aerzte u.Prof. grat. uJs H. Ungar, Gumxr.iwtrenlabrik Gsrllo NW.. 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GeschäjtsjahreS 1080 M.. am Schlust desselben 1320 M.. Zunahme 240 M. Per Verstand. M a x Schönberg. O t t o K l e i n. 105/11 990,11 M. Anfang beS Geschästsjahres"43 Mitglieder, Zugang 3, Ilbgang 5, Schills! Geschäslsjahres 46 Mitglieder. Die Hastsumme betrog am Ansang des GerceitoiMteih Vereine, Fabriken! iVoiglsKranipnburg.Xr ist das passendste Ausflugslokal I Ausführliche Prospekte und Führer gratis == Vermietung von Dampfern und Motorbooten!---------- Freies Telephon: Amt Köpenick 227.— Hochachtungsvolll Bob. Voigt. "tt r& P. Uder" Tabak-Cirolihandlnng und Tabakfabrik« Kancb-, Kau-, Scbnapitabake, Zigarren, Zigaretten.*VS Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer.• ■ Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. k�n Marken �3��« ßeslbewährte gesunde und 4 magen-� darmKranke l�uteK® -KrantentasP Nahrung fürs sowie- ► schwächlich� In der Entwicklung �urDckgebliehoß Kinder. Würzburger Hühneraugenmittel von Pp. H. Vngcv.— Gegen 30 Pfennig ans 10 Pf. Anweisung frei. 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D» Bureaus des Verbandes«nd der Zeutralkraukeukasse � L�in. Lür den Atw- ViWÄÄMMMlLs li� mm& Cs,. Berli» SW. uarmen s ßWKM Cigareften Beste Qualitäten SozialiieinokraüseiierWaiilvereiQi für den 4. Berliner He!elistapwalill[reisj Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 351b. Den Mitgliedern zur Nachricht, I das; unser Genosse, der Tischlers Wilhelm hauser Simon-Dach-Str. 13 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Dienstag. den 27. April, nach- mittags l'/j Uhr, von der Leichen- Halle des Zeutrai-Friedhvjes Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/9 Der Borstand. ventseiier Holzarbeiter-Verband| Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß unser Kollege, der Tischler Wilhelm Hauser am 23. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet h e u t e I Dinstag, den 27. April, nach- mittags Vi, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in 8 Friedrichsseide aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, j daß unser Kollege, der Möbel- 1 Polierer Hermann Herzog am 25. AprU verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am 8 Mittwoch, den 28. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des HimmelfahrtZ-Kirchhoses j| in Nieder-Schönhausen-Nordend| aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/15 via Ortsverwaltung. MdWöMfcedei' Mereui des Oerl.Beieiistags-Wali'K Todes- Anzeige. Am 25. April verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Ferdinand Lehmann Bernauer Straße 23. Ehre seinem Andenken! Diei Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. April, nach- mittags 5 Uhr, vom Trauerhansc aus nach dem städtischen Friedhof, Müllerslraße, Ecke Seeslraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/19_ Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kern- mach« �äolk Kasimiczak am 23. d. M. an Nervenkranleit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 27. AprU, nach. mittags 5 Uhr, von der Leiche». Halle des Eharits-Kirchhoscs in der Müllerstratze aus statt. Rege BeteUigimg wird«wartet. tfachrnf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Elektromonteur Otto Krelle am 23. d. M. an Lungenschwindsucht gestorben ist. 115/4 Oie Ortsverwaltung. Nachruf. Am 24. April er. verschied plötzlich und unerwartet unser lang- jähriger Kassen- und Rechmmgs- sührer, Herr Wilhelm l(oni?. Wir verlieren in dem Dahin- geschiedenen einen unserer tüchtig- stet: Beamten, der in seiner drei- zehnjährigen, segensreichen Tätig- keit mit unermüdlicher Schaffens- krcst, in regem Eiser und treuer Pfiichtersüllimg an der Spitze der Verwaltung stand und sich das Wohl und Wehe der Kaffe w selten weitgehendster Weise an- gelegen sein ließ. Seine Werke sprechen sür sich selbst, und werden wir dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. '»Ijdorf, den 26. April 1909. Per Vorstand der Allgem. OrtS-Krankenkassr für Rixdorf. 274/9 Todos-Aazclgc. Allen Verwandten und Bekannten| die traurige Nachricht, daß mein\ lieber Mann und guter Vater ktenlinanä Lehmann! am 25. ds. Mts. nach langem,! schwerem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 28. April, nachmittags| 5 Uhr vom Trauerhnufe Bernnuer- s straße 23 aus nach dem städtischen! Friedhos Müllerstraße, Ecke See-! straße statt. 5912 j Dies zeigen in tiefer Trauer an\ Witwe Rinna l.chniunn nebst Sohn Aisred. USSSSSrafflBF Darnun-Konfskiion s [direkt s» Fabrik. Kein Laden. | Nach boon detcr Engros-Saisov such Einzelverkauf enorm billig S Damen-Palelote Ml 'Bädeiien-Pälelols jBöberlgaumgarten� 1 Hausvogteiplatz 11, 1. Etg. schrägüber Untergrund-Bahnhof. Bei Vorzeigung dieses In-' serates au der Kasse werden 5»/„ Rabatt vergütet. Auch Sonntags geöffnet. Wanzen tötet unfehlbar mit Brut 3 ei eh eis Wanzenfluid„Radikal" gl. 50 Pf., t-, 2-, 3—, ßttcvfl. 5.—. Absolut fleckfrei, nicht seuergesährlich. «ein üb!. 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Kreuzbergstrafie 48, eine öffentliche Versammlung statt. Genofie Richard Fischer spricht über:.Die politischen Parteien im Reichstage". Männer und Frauen erscheint in Massen zu dieser Versammlung. Der Vorstand. Fünfter Wahlkreis. Auf die heutige Versammlung des Wahlvereins im Alten Schützenhause, Linien st rafieö, machen wir besonders aufmerksam. Neben einem Vortrage des Genossen Grunwald stehen Wahlen und Ausschlufianträge auf der Tagesordnung. Mitgliedsbuch legitimiert. Wir erwarten das Er- scheinen aller Mitglieder. DerVorstand. Charlotteniurg. Am heutigen Dienstag, abends S'/s Uhr, findet im»VolkShauS", Rosinenstrahe 3, eine Parteiversammlung statt, zu welcher alle Parteigenossen, die sich durch Mitgliedsbuch legitimieren, Zutritt habe». Tagesordnung: Diskussion über Eduard Bernsteins Programmrevision. Der Vorstand. Schöneverg. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr, findet die Wahl- bereinLversammlung in den.Neuen Ralhaussälen", Meininger Straße 3, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Reichs- tagsabgeordneten E. Eichhorn über:.Zwei Jahre Block« Politik". 2. Maifeier. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. WilmerZdorf-Halcnsce. Heute Dienstag, abends 8>/z Uhr, im „Luisenpark". WilhclmSaue 112: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Bauer über „Die Reichsversicherungsreform". 2. Kassenbericht. 3. Vereins- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Steglitz. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet beute, Dienstag, abends S'/z Uhr, bei Schellhase, Ahornstr. IS», statt. Tagesordnung: 1.„Die neuen Steuerforderungen.' Referent: Genosse Kubig. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom ersten Luartal. 4. Sonstige Angelegenheiten. Der Vorstand. Zehlcndorf. Heute Dienstag, abends 6>/z Uhr: Versammlung deS Wahlvereins bei B. Mickley, Potsdamer Str. 25. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag über„Die Finanzreform" vom Stadt- verordneten Emil BvSke. Der Vorstand. Treptow-Baumschulcnweg. Heute Dienstag, abends 8Vz Uhr. finden zwei öffentliche Parteiversammlungen statt; für den OrtSteil Baumschulenweg in Speers Festsälen, für Treptow im Restaurant „Zur Rennbahn". Tagesordnung: Neue Volkslasten als Neichsfinanzreform. Referenten sind die Genossen Karl Gehrmann und Redakteur HanS Block.— Freie Aussprache. Der Vorstand. Nummelsburg. Heute Dienstag, abends 8 Uhr. findet bei Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 41, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung; 1. Unier Gcmeindeprogramm und die Stellung der hiesigen sozialdemokratischen Gemeindevertreter zum Gemeindesleucrgesetz für IVOS. Referent: Hermann Müller. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur KreiSgeneralversammlung am 6, Mai. 4. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Köpenick. Heute abend SVa Uhr Versammlung des Wahlvereins im Lokale des Genoffen Otto(Stadttheater), kleiner Saal. Referent: Genosse Ulm. Der Vorstand. Eichwalde. Die Mitgliederversammlung des WahlvereinS fällt diesmal wegen der Maiversammlung auS. Biesdorf. Parteigenossen! Der Zahlabend findet nicht Dienstag. den 27.. sondern erst' Donnerstag, den 29. April bei Gust. Berlin. Marzahner Str. statt. Sonntag, den 2. Mai, morgens 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. KönigS-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die am Mittwoch, den 28. April, abend« 8 Uhr, im Lokal deS Herrn Wedhom stattfindende Wahlvereinsversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre und Partei- angelegenheiten. Der Vorstand. Pankow. Die Maifeier der Pankower Genoffen wird wieder im Lokale von EberSbach„Zum Kurfürsten", Berliner Straße 102. abgehalten. Es werden zu dieser Feier Eintritts- karten ausgegeben, die bei deni Obmann des Vergnügungskomitees, Genossen R. D a nzi g er. Brehmestr. 25, noch zu haben sind. Weißensee. Morgen Mittwoch, den 28. April, abends S'/a Uhr. findet im Schloß-Etablifsement. Königchaussce 1/3, eine Bolls- Versammlung statt, in welcher Landtagsabgeordneter Genosse Adolf Hoffmann über:„Die Pfarrerbesoldrmg und daS preußische Abgeordnetenhaus" sprechen wird. HermSdorf. Morgen Mittwoch, 7 Uhr abends, findet vom Forsthaus aus eine Flugblattvcrbreitung statt. Der Abteilungsführer. berliner]Nbcbricbtcn* Micterfreuden. "' Wer nicht zu der kleinen Klasse privilegierter Haus- besitze r gehört, ist genötigt, als Mieter sich vielfach den Launen des Hausbesitzers oder seines Verwalters aus- zusetzen. Was da Mietern gegenüber oft verübt wird, ist kaum zu sagen und wollten wir alle die Klagen, die uns im Laufe deS Jahres über Hauswirte zugehen, veröffentlichen, so würde sicher eine ganz ansehnliche Liste nicht empfehlenswerter Vermieter herauskommen. Von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, nehmen sich unsere Hausagrarier in Punkts Mieterbehandlung nicht allzu viel. Wie es aber Mietern ergehen kann, die nicht genau wissen, wer eigentlich„Herr im Hause" ist. das lehrt eine Schilderung der Leiden eines Mieters, der das„Glück" hatte, Mieter des Hauses Ebertystr. 5 zu sein. Dieses Haus gehörte einem Herrn Hermann Schönmann. An diesen Schönmann bezahlten die Mieter auch pflichtgemäß ihren Monatszins, bis es eines TageS hieß, daß das Haus in andere Hände übergegangen sei und zwar in den Besitz einer Frau Martha Schönborn. Da die nunmehrige Besitzerin sich den Mietern gegenüber entsprechend auswies, zahlten letztere nunmehr an Frau Schönborn die Monatsmiete. Das ging guch drei Monate ganz gut. Da- am 1. Februar dieses Jahres ! erhalten die Mieter des Hauses Ebertystr. 5 eine am 29. Januar j ausgefertigte gerichtliche einstweilige Verfügung, nach der der Frau " Schönborn untersagt wird, die am 1. Februar fälligen Mieten deS Hauses Ebertystr. 5 einzuziehen oder für sich einziehen zu lassen. Die Mieter wissen nun nicht, was sie machen sollen. Frau Sch. sagt ihnen, sie sollen nur weiter die Miete an sie zahlen, sie hafte für alles, während die Zustellung den Mietern das verbietet. Die meisten Mieter warteten die Sache ab. um zu sehen, was wird und um nicht etwa doppelt zahlen zu müssen. Am 26. Februar bekamen nunmehr sämtliche im Hause Ebertystr. 5 wohnenden Mieter wieder eine gerichtliche Zustellung, in der die gesamte Miete— die vom Februar noch rückständige wie die am 1. März fällig werdende— gepfändet wurde von einem Kaufmann LesinSki, Kaiferstr. 3b wohnhaft. Dieser LesinSki hatte an den Eigentümer Schönmann eine Forderung von 2599 M. Weil aber die Mieter nicht wissen konnten, ob überhaupt Lesinski ein rechtskräftiges Urteil besitze, so verlangten sie die Vorlegung desselben, bevor sie zahlten. Und als verschiedene Mieter infolge dieser verworrenen Bcsitzverhältnisje nicht sofort an Lesinski zahlten, klagte letzterer. Der Erfolg war, daß die Verklagten verurteilt wurden, gleich- zeitig auch wurde in einigen Fällen die Exmission ausgesprochen Und nun ging das Elend los. L. setzte zur Einziehung seiner Forderungen, die sofort vollstreckbar waren, den Gerichtsvollzieher in Bewegung. Ein Mieter, namens Z., kam besonders in große Bedrängnis und große Not. Zunächst wurde er zur Mietszahlung und soforttger Räumung der Wohnung verurteilt. Letzteres tat Z. auch, er zog aus. An Lesinski zahlte Z.. der im vorigen Jahre lange arbeitslos war und auch jetzt nur tageweise Arbeit hatte, einen Teil der Miete. Trotzdem erschien bald darauf der Gerichts- Vollzieher, um Gerichtskosten in Höhe von etwa 69 M. zu pfänden, wodurch die Not Z.'s noch größer wurde. Damit war aber der Leidenskelch des Mieters noch nicht geleert. Weil der Kontrakt bis Oktober läuft, soll er auch bis dahin die laufende Miete zahlen. LesinSki klagt und beruft sich aus den Mietskontrakt, der zwar mit Schönmann geschlossen ist. Dieser vielgewandte Lesinski hat sich erst am 19. Februar 1999 das Nießbrauchrecht des Grund. stückes in das Grundbuch eintragen lassen. Damit aber der Mieter nicht zu üppig werde, ist von Schönmann gegen Z. und Frau eine Anzeige ergangen wegen strafbaren Eigennutzes, weil Z. ge- maß dem Gerichtsbeschluß ausgezogen ist. Es ist das ein vollgerüttelt und geschüttelt Maß von bitteren Erlebnissen eines Mieters. Wir möchten Personen, die in eine ähnliche Lage kommen sollten, wie die Miter des HauseS Eberty- stratze 5, in Zweifelsfällen empfehlen, die fällige Miete an gericht- lichen Hinterlegungsstellen— in Berlijr Jnvalidenstr. 52— zu deponieren. Dann entgehen sie wenigstens allen Schwierigkeiten und Anfechtungen._ An den Hauptmann von Köpenick erinnert eine gestern im Restaurant Mirbachstr. 16 am hellen lichten Tage vorgenommene Entwendung' und das spätere Zuziehen polizeilicher Hilfe seitens des— EntwenderS. Kommt gestern vormittag der Bureauschreiber M i s ch k e. früher Lettestr. 1 bei Heimann, jetzt Mirbachstr. 72, 4 Treppen wohnhaft, in daS Lokal von Beck, richtet an einen Gast einige Worte, stürmt plötzlich in das Nebenzimmer, nimmt einen dem Wirt zur Aufbewahrung übergebenen photographischen Apparat fort und läuft spornstreichs damit von bannen. Soweit hat ja der Vorfall bei den infolge der Uebermenge von Polizei herrschenden Unsicherheitsverhältnissen Berlins nichts besonderes Auffallendes. Das Eigenartige liegt in der von dem Entwcnder fremden Eigentums bald darauf erfolgreich versuchten Requisition einer polizeilichen Hilfstruppe. Etwa 19 Minuten nach der Fortnahme deS photographischen Apparates erschien nämlich der Bureauschreiber Mischke abermals in dem Lokal, diesmal von zwei uniformierten Schutzleuten begleitet. Von diesen verlangte er, sie sollten einen dort anwesenden Gast, den Zigarrenarbeiter Adolf Buhl, feststellen. Buhl konnte vom Wirt und dem zufällig als Gast dort verkehrenden Gastwirt" Paul Dobrohlaw rekognosziert werden. Der Schreiber Mischke bestand aber auf der Sistierung Buhls, weil dieser kein Legitimationspapier bei sich hatte. Die Schutzleute verhafteten hierauf Buhl und erklärten diesem als Grund der Sistierung, er habe versucht den Mischke zu Photo graphieren. Diese Beschuldigung entsprach nicht der Wahrheit, hätte auch nach dem Gesetz keineswegs als Grund zur Sistierung ausgereicht. Der bewaffneten Gewalt mußte Buhl aber weichen. Ihn begleitete der Zeuge Dobrohlaw. Wie notwendig daS war, zeigte sich auf dem Polizeibureau in der Zellestraße. Hier nämlich ver- langte der eigenartige Entwender des photographischen Apparats nach Feststellung der Personalien. Buhl und Dobrohlaw sollten alles, was sie bei sich hätten, herausgeben. Diesem Verlangen widersetzten sich natürlich beide, verlangten ihre soforttge Freilassung und, als diese abgelehnt wurde, den Revierleutnant zu sprechen. Erwidert wurde, der sei nicht anwesend. Als dann auf Antrag Mischke? Miene gemacht wurde, die beiden zu visitieren und ihr Eigentum fortzunehmen, widersetzten sich die so bedrohten und verlangten zum Präsidium geführt zu werden. Dem Verlangen wurde stattgegeben: beide sollten mittels Droschke nach dem Präsidium gefahren werden. Mittlerweile erschien der Revierpolizei- leutnant. Diesem trugen Buhl und Dobrohlaw ihr Verlangen auf Freilassung vor. Der Leutnant erwiderte, er sei dazu jetzt nicht mehr inistande, da vom Alcxanderplatz die Weisung zur Festnahme erfolgt sei. Auf dem Bureau des AlexanderplatzeS wurden die beiden ge- trennt vernommen. Mischke erklärte, Buhl habe einen Zettel, der als Beweismaterial(wofür denn eigentlich? für daS angebliche Photographieren?) dienen könne, auf der Wache in der Zellestraße in den— Hosenschlitz versteckt. Er verlange die Durchsuchung. Buhl legte gegen daS durchaus gesetzwidrige Ansinnen lebhaften Protest ein. Es half ihm nichts: er tourde bis auf dieFuß läppen entkleidet; hierbei ihm auch das Hemd zer- rissen und Knöpfe abgerissen. Gefunden wurde natür lich nichts. Als Grund der Verhaftung und Durchsuchung wurde dem Buhl angegeben— er habe den Schreiber Mischke photographiert. Buhl legte vergebens dar, daß er noch nie photographiert hat. Er wurde dann ohne eine Entschuldigung oder Aufklärung entlassen. Dobrohlaw wurde dann gleichfalls vernommen. Auch ihm wurde zur Last gelegt, den Bureauschreiber Mischke photographiert zu haben. Er konnte gleichfalls erklären, noch nie photographiert zu haben, der entwendete Apparat gehöre feines Wissens dem Restaurateur; er kenne Iben Bureauschreiber Mischke persönlich, da dieser Mitglied eines Sparvereins ivar, der bei ihn»(Dobrohlaw) tagte. Eine Durchsuchung DobrohlawS fand nicht statt. Mischke wurde im Polizeipräsidium zurück- gehalten. Selbstverständlich haben die Beteiligten gegen da? geschilderte Verfahren Beschwerde eingelegt und Strafantrag gestellt. Eigen- artig ist es, daß die Polizei dem offensichtlich ungesetzlichen Ansinnen entsprach. Denn abgesehen von der falschen Beschuldigung ist es nach dem Photographiegesetz vom 9. Januar 1997 bekanntlich niemand verwehrt, Photographien anzufertigen. Nur zur Ver- breitung ist die Einwilligung des Photographierten erforderlich. Was hätte ferner wohl Mischke getan, wenn sein Verlangen erfüllt worden wäre, alles, insbesondere also auch die Wertsachen, den widerrechtlich Sistierten abzunehmen? Die Tat MischkeS übertrifft die des Hauptmanns von Köpenick. Ist das Polizeipräsidium bereit. öffentlich die Gründe anzugeben, die dem Bureauschreiber Mischke die Gewalt über seine Beamten gab? Ist das Polizeipräsidium in der Lage mitzuteilen, ob und welche Vorkehrungen von ihm getroffen sind, um ein ähnliches Eingreifen in das Eigentum und in die persönliche Freiheit für die Zukunft unmöglich zu machen? »' Sommerliche Wanderungen durch die Mark. Bald naht wieder der herrliche Mai und mit ihm die Zeit des Auferstehens der Natur. Nach� der langen Winterszeit schmückt sich Feld und Flur und Wald mit frischem Grün und ladet auch die wochentags fronenden Arbeiter ein, hinauSzuwandern und die in dumpfer Fabrikluft und dem Fabrikstaub geschwächten Lungen aufs neue zu stärken. Ja, ein weiteres fordert von uns die Natur: Wir sollen begehrlich werden, wir sollen bei dem An- blick all der neu erstandenen Pracht auch für unS ein Stück von dem Reichtum an Schönheit, Lebensfreude und Gesundheit verlangen, das einem kleinen Kreis von Besitzenden so mühelos u> den Schoß fällt. Die herrschenden Klassen haben eS nur verstanden, für sich alle Kulturgüter zu reservieren, während allein die Besichtigung der Naturschönheiten für uns Arbeiter mit großen finanziellen Schwierigketten verknüpft ist. Der Arbeiter kann nicht bei einein Reisebureau große Summen anlegen, um dann unter fachmännischer Führung die meist abseits von den Verkehrs- wegen versteckten Naturschönheiten zu bewundern. Besonders für die G r o ß st a d t j u g e n d ist aber die Erholung in Licht. Luft und Sonne notwendig. So schwierig es scheint, diese Aufgabe zu lösen, so wäre doch ein Weg gegeben, lvenn die Arbeiterschaft diese selbst in die Hand nimmt. Versuche in dieser Beziehung sind schon vielfach unter- nommen worden, besonders von dem Berliner Arbeitern wohl- bekannten Turnverein„Ficht e", der in diesem Jahre wiederum durch sämtliche 34 Abteilungen fast an jedem Sonntag billige Touren unternehmen läßt. Auch Gäste sind hier gern gesehen. Außerdem finden für bessersituierte Arbeiter zu Pfingsten Partien nach dem Harz. Riesengebirge, Thüringer Wald, Insel Rügen usw. statt. Wer die von den Berliner Arbeitern selbst veranstalteten AuS- flüge und die sonstigen turnerischen und sportlichen Veranstaltungen unterstützen will, der kann sich in einer der im I n s e r a t e n t e i l der Sonntagsnummer veröffentlichten Abteilungen oder in der Gc- schästSstelle des Turnvereins„Fichte", Koppenstr. 24, nähere Aus- kunft holen. Auch die heute noch in der Deutschen Turnerschaft oder in sogenannten wilden Vereinen befindlichen organisierten Ar- heiter könnten an diesem gemeinnützigen Werke mithelfen. Be- sonders ist aber die arbeitende Jugend herzlich willkommen. Gerade zur jetzigen Zeit versuchen die preußischen Behörden wieder mit erneuter Kraft, die eigenen Bestrebungen der Ar- beiterschaft mit Gewalt zu unterdrücken und nur der Zähigkeit der beteiligten Kreise ist es zu danken, wenn der Erfolg bisher aus- geblieben ist. Der Turnverein„Fichte" wird aber auch in Zukunft seine Devise hochhalten:„Dem Volke giltS, wenn wir zu spielen scheinenl"_ Katholische Kirchcnbauwut. Die katholische Geistlichkeit in Berlin und Umgegend jammert jahraus jahrein über angeblichen Mangel an katholischen Kirchen in der Provinz Brandenburg. Um diesen Mangel zu beheben, wird bekanntlich seit Jahren und namentlich in neuerer Zeit eine Bettelei betrieben, die den jesuitischen Grundsatz. daß der Zweck auch die schlechtesten Mittel heiligt, zur schönsten Gel- tung kommen läßt. Dabei ist es ein beliebter Trick, gegen gewisse politische Parteien, die daS Scheinwesen der Kirche längst erkannt haben, maßlos zu hetzen und glauben zu machen, daß Kirchen nötiger seien als Brot zum Leben. Wer arbeitet, betet, fastet und der Kirche von seinem Vermögen so viel wie irgend möglich in den unersättlichen Schlund wirft, der verdient den Himmel schon aus Erden. Tatsächlich haben die ou gros und organisatorisch betriebenen Kirchbaubetteleien der brande:, burgischen katho- tischen Geistlichkeit wieder Erfolg gehabt. Man ersieht näheres aus einer kleinen Schrift„Die katholische Kirche in Berlin". Nach dieser Zusammen« stellung sind bloß innerhalb der sieben Jahre von 1897 bis 1994 in Berlin und Umgegend vier Pfarreien und neun Kuratien neu er- richtet, ferner acht Kirchen, zwölf Kapellen erbaut und neun Grund- stücke für provisorischen Gottesdienst erworben worden. Räch dem Jahre 1994 wurden ebenfalls in Berlin und den Vororten elf katholische Kirchen und Kapellen errichtet. DaS sind also insgesamt in nur zwölf Jahren nicht weniger als 49 Kirchen und Kapellen, zu deren Bau mehrere Millionen durch Großbettelei aufgebracht wurden. Wenn die katholischen Schäflein und manchmal auch Nichtkatholische sich so weiter schröpfen lassen, wird der katholische Himmel über Berlin und Umgegend bald so voll sein, daß Freund Petrus mit all den„Frommen", die sich auf ihr Eintrittsgeld berufen, feine liebe Not haben muß. Geräuschvolle Arbeiten und Schutz der Anwohner. Auf einem tose in der Liebenivalderstraße ließ der Schmiedemeifter Sch. chmiedearbetten verrichten. Der Polizeipräsident machte ihm im Sommer 1996 durch eine Verfügung bestimmte Auflagen, ine zun: Zweck hatten. Anwohner vor einer gesundheitsschädlichen Einwirkung von Schmiedegeräuschen zu schützen. Nachdem der Bezirksausschuß seine Klage abgewiesen hatte, hob das Ober-VerwaltuiigSgericht dies Urteil auf und setzte die polizeiliche Verfügung außer Kraft. In dem Urteil wird u. a. ausgeführt: Entscheidend wäre, ob das durch den Betrieb verursachte Geräusch zu der Zeit, als die Verfügung er- lassen wurde, die Gesundheit der Anwohner zu stören geeignet ge- Wesen sei. Nur dann wäre die Verfügung rechtlich begründet im§ 19 II 17 Allgemeinen Landrechts. Eine Gesundheitsgefahr sei jedoch nicht als festgestellt anzunehmen. Nach den, vorliegenden Gut- achten deS Kreisarztes solle der von den Schmiedearbeiten her- rührende Lärm deshalb gesundheitsschädlich sein, weil besonders nervöse Personen aus der Nachbarschaft im Schlaf(in der Nacht- ruhe) gestört werden könnten. ZeugeuauSgaben ergäben jedoch, daß in der Regel erst um 7 Uhr früh oder kurz zuvor»nit de» Schmiede- arbeiten angefangen worden sei. DaS sei eine Tageszeit, für die der Schutz, auf den die Nachtruhe Anspruch habe, nicht mehr in Be- tracht komme. Zu dieser Zeit könne bei Vornahme geräuschvoller Arbeiten nicht mehr von einer Störung der Nachtruhe gesprochen werden. Die tatsächlichen Voraussetzungen für die polizeiliche Ver» fügung seien somit nicht gegeben. Der Zentralverein für Arbeitsnachweis, weibliche Abteilung, teilt den verehrlichen Hausfrauen und den Herren Arbeitgebern mit. daß seine Bureaus für Aushilfe-Hauspersonal sowie für gewerbliche Arbeiterinnen jeder Branche in den Sommermonaten bereits um 7 Uhr geöffnet werden. Bestellungen werden von 7—1 Uhr entgegen genommen. Amt HI, 3791—3797, oder durch Postkarte: 6. 54, Rückerstr. 0. Wege» SittlichkeitSvergehen verhaftet worden ist eine 28jShrige KutscherSfrau Berta H, die von ihren, Manne getrennt lebt und in der Pappelallee wohnte. Zu ihren Bekannten zählt auch eine Familie, in der im März ein Sohn eingesegnet wurde. Der Knabe besuchte nach der Einsegnung auch Frau H., um sich ihr vorzustellen. Diese Gelegenheit benutzte sie. ihn zu verführen. Und nicht da« allein, der Knabe wurde auch noch angesteckt und erkrankte. Diese Dinge kamen zur Kenntnis der Kriminalpolizei und zwei Beamte nahmen Frau H. am Sonnabendabend in ihrer Wohnung, die sie erst in der vergangenen Woche in der Schliemannstr. v bezogen hatte, fest. Die Verhaftete ist geständig. Gegen die durch die SchZiihauser Allee geplante Hochbahn ist Sei den städtischen Behörden eine mit zahlreichen Unterschristen bedeckte Petition von dortigen Anwohnern eingegangen. Es wird darauf verwiesen, daß eine Hochbahn die Schönhauser Allee verunziere und Luft und Licht nehme, und eS wird verlangt, daß die Bahn als Untergrundbahn gebaut werden soll. Der Unsitte, sich von den Wellen eines großen Dampfers schauleln zu lassen, wären am Sonntagabend auf der Spree bei Treptow,.Schwarzer Adler", beinahe ein zirka W jähriger Mann rmd ein 16 jähriges Mädchen zun, Opfer gefallen. Sie gerieten direkt unter den Dampfer, wurden aber durch schnelle Hilfe gerettet. Der Vertreter des Wirtes des Lokals.Schwarzer Adler" wollte erst die Aufnahme verweigern, gab aber dann auf Borhalt des Publikums nach und sorgte auch schließlich für Pflege und Transport des geretteten Mädchens. Eine gefährliche Schieber- und Fälscherbande ist von der Lichten- Lerger Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Sie bestand aus den Kaufleuten Alfred Grabow, Paul Floegel und Franz Armanier, den Häuptern einer„Schweren Bande", die unzählige Geschäftsleute schwer geschädigt hat. Schon vor Jahren beschäftigte diese Gesell- fchasl die Kriminalpolizei und das Strafgericht. Sie trieb damals besonders einen schwindelhaften Handel mit Kognak, den sie in Fässern an Gastwirte verkaufte. Die Fässer waren so eingerichtet, daß sie in einem besonderen Einsatz für die Proben einen Liter Kognak enthielten. Der war gut, die Füllung um diesen Einsatz herum aber bestand aus reinem Wasser. Hatten die Wirte, die lausten, den einen Liter abgezapft, so war ihre Quelle versiegt. Untersuchten sie dann genauer, so fanden sie, was sie für ihr gutes Geld erhalten hatten. Die Schwindler wurden endlich erwischt. Nach Berbüßung ihrer Strafen wohnten sie, zum Teil unter falschen Namen oder unangemeldet, zunächst un Westen der Stadt, dann im Norden. in der Müller- und See- straße. Ueberall prellten sie Geschäftsleute mit Wechsel- und anderen Schiebungen. Dann wußte sich Armanier in den Besitz eines Scheckbuches zu setzen, dessen Eigentümer sein Bankguthaben bereits abgehoben hatte. Das Buch emhielt noch zwanzig Schecks. Diese stellte nun Floegel auf den Namen des Bucheigentlliners aus und Grabow besorgte darauf Waren aller Art, die alle drei dann sofort wieder verschoben. Die Bande hatte es namentlich auf Schuh- Warenfabrikanten oder Großhändler abgesehen. Von diesen ließ sie sich angeblich zur Einrichtung von Geschäften Waren liefern, um sie zu lombardieren oder zu verkaufen. Auch mit photographischen Apparaten, Operngläsern, goldenen Schmucksachen usw. trieben sie einen Handel dieser Art. Für die Schmucksachen fanden sie auch unter den Damen der Halbwelt Absatz. Bei den Fälschungen nanilte sich Floegel auch stuck. inZ. Curtius oder Dr. Curtius. Nachdem scfion viele Anzeigen eingegangen waren, auch von Filialen großer Banken, führte das Auftauchen der Schieber auf der Nenn- bahn endlich auf ihre Spur. Auch in Karlshorst wollten sie Brillanten und Schmucksachen verkaufen, nachdem sie den Automobil- kutscher, der sie hingefahren hatte, ebenfalls mit einem Scheck bezahlt hatten. Die Lichtenberger Kriminalpolizei verfolgte die Spur, nahm die Schwindler fest und führte sie gestern der Staatsanwalt- schaft vor. AuS der Stadt der Intelligenz. Ein neues Wahrfageberfahren findet bei den Danien im Westen der Stadt großen Anklang. Es ist mal etwas anderes. Seine Erfinderin, eine nicht mehr ganz junge Frau, die ebenfalls im Westen wohnt, führt den anmutigen Spitznamen die„Siebenfingerige". Sie übt ihr Verfahren mit großem Erfolge, wenigstens für ihre Kasse. Die Kundschaft ist zahlungsfähig. Zu Fuß kommt wohl niemand. Auch Droschken sieht man selten vor der Tür. Uinso mehr herrschaftliche Wagen und Automobile. Die Kundinnen, die diese doppelt kluge Frau in ihrer großen Wohnung empfängt, müssen die. Fragen, auf deren Beantwortung es ihnen ankommt, selbst auf ein Blatt Papier schreiben, während die„Siebenfingerige" mit einer schwarzen Blende vor den Augen am Tische sitzt. Indem sie dann mit den Fingern über die Schriftzeicheu hinwegfährt, beantwortet die Wahrsagerin die gestellten Fragen und enthüllt so die Zukunft der Fragestellerinnen. Früher scheint sie ihre Kunst noch nicht verstanden zu haben, sonst hätte sie vielleicht doch dasür gesorgt, daß die Vergangenheit, auf die sie jetzt zurückblickt, etwas besser geworden wäre. Das blinde Pferd vor dem Lastwagen. In unserer Sonntags- Nummer berichteten wir von erregten Szenen, die sich am Sonn- abend am Schiffbauerdamm zugetragen hatten anläßlich des Wer- sagens der Pferde, einen mit Eilenteile» beladenen Rollwagen über die Anhöhe der Marschallbrücke zu ziehen. In der Notiz war mit- geteilt, daß ein blindes Pferd vor dem Wagen gespannt gewesen sei und daß das Fuhrloerk dem Unternehmer Horn in der Waldstraße gehört habe. Hierzu teilt uns Herr Horn mit, daß dieser Wagen nur von ihm geborgt gewesen sei, die Pferde aber nicht ihm gehört hätten, er auch kein blindes Pferd besitze. Wir kommen dem Wunsche des Herrn Horn, dies mitzuteilen, gern nach, und bemerken, daß natürlich niemand den» Gespann das ansehen konnte. DaS Metropol-Theatcr in der Behrenstraße hat am Sonnabend seinem Publikum eine FrühlingSpremiere beschert. Sie betitelt sich „Die oberen Zehntausend" und soll eine amerikanische Tanzoperette sein. Verfasser ist der HauSdichter des Metropol- Theaters. JuliuS Freund, während in dem amerikanischen Komponisten Gustav Kerber der geeignete Bertoner gefunden wurde. Ueber den Inhalt der Novität läßt sich nicht viel sagen. Der Schauplatz ist nach Frankreich verlegt und zwar spielt der erste Akt in, Seebad Dieppe, der zweite auf dein Turfplatz Longchamps und der dritte in Chantilly bei Paris, Ivo sich das obere Zehntausend Rendezvous gibt. In diese Gesellschaft schneit eine ehemalige Soubrette hinein, die sich als Prinzessin-zFifi" aufspielt und den Männern die Köpfe verdreht. Ein tolles Durcheinander von Couplets, Duetts und Terzetts wechselt mit einer ganzen Reihe von Tänzen ab. deren Hauptkosten von dem englischen Groteskkünstler Fred Wright und Frl. Madge Lessing als vollwertige Partnerin Wrights getragen wurden und deren Leistungen auf diesem Gebiete als erstklassige angesprochen werden können. Ueberhaupt sah man auf der Bühne zeitweise nichts als Beine, während ihre Besitzerinnen sich mit dem Rücken am Boden wälzten. Neben den englischen Tanzgästen sorgten vor allem die hiesigen Kräfte deS Metropol- Theaters, Herr Kettner und Guido Tielscher dafür, daß auch der Humor zu seinem Rechte kam. Das Ganze mutete mehr wie eine KostümauSstellung an, über die nur ein Sachverständiger aus der Kostümbranche schreiben kann. DaS gilt nicht nur von der Pracht, die auf der Bühne entfaltet wurde, sondern bezieht sich auch auf das Premierenpublikum. Und die Hüte, vor allem die Topfhüte, die von den Damen der Logen und des Balkons zur Schau gestellt wurden, überstiegen alles Dagewesene. Ueder„Weltanschauung und Himmelskunde" spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold am Dienstag, den 27. April, abends 9 Uhr, im großen Vortragssaale der Treptow-Sternwarte. Der Vortrag ist gemeinverständlich und mit vielen Lichtbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr ist jetzt täglich der Mond in günstiger Phase von S Uhr ab zu beobachten; vorher wird der Planet Jupiter und am Tage die Sonne gezeigt. Radrennen in Treptow. Ueber die Rennen am Sonntag waltete ein Unstern, da verschiedene Unfälle den regulären Verlauf und das Können der betreffenden Fahrer stark beeinträchtigte. Der schwere Unfall ereignete sich kurz vor dem Schluß des 80 Kilometer- Rennens. PongS-Krefeld, der an zweiter Stelle hinter dem gut fahrenden Hugo Przyrembel lag und gut aufgehalten hatte, kam in der drittletzte» Runde durch Platzen des Reifens feiner Schritt- machermaschine samt seinem Führer Jnnggeburth zu Fall. Während Pongs mit leichteren Verletzungen davonkam, wurde der Schrittmacher von seiner Maschine erheblich ver- wundet und erlitt einen Schädelbruch. Durch diesen Zwischen- fall kam Pongs im 40 Kilometer- Rennen ins Hinter- treffen und Rosenlöcher hatte leichtes Spiel und gewann über- legen. Gegen den Schluß holte sogar Pongs den an zweiter Stelle liegenden Przyrembel ein und überrundete diesen.— Im Endlauf des Hauptfahrens kam es ebenfalls zu einem Sturz, dessen Leid- tragender Hoffmann war. Dieser kam durch das rücksichtslose Fahren von Vierck zu Fall und erlitt ebenfalls Kopfverletzungen. Vierck hat fein Vergehen mit 50 M. Geldstrafe und Disqualifikation an drei Renntagen zu büßen. Besonderes Jntereffe bot noch das Match Kurzmeier-Jacquelin-Hoffmann, das den ersteren als end- gültigen Sieger sah, doch war Hoffmann hier schon durch den Swrz behindert. Änrzmeier belegte zwei erste Plätze und errang dadurch den Sieg. Das Prämienfahren wurde von 42 Fahrern besttitten und bot ein belebtes, farbenfrohes Bild. Der Besuch war gut.— Die Ergebnisse sind folgende: 30 Kilo meter-Ren neu 800, 600, 400 M. 1. Hugo Przyrembel 26 Min. N/z Sek.; 2. Rosenlöcher 120 Meter; 3. P o n g s 920 Meter zurück. 40Kilometer-Rennen. 1. Rosenlöcher 34 Min. 12 Sek. i 2. Przyrembel 2400 Meter: 3. Pongs 4500 Meter zurück. Hauptfabren. 1. Bogt, 2. Schmittchen, 3. Sterba. Prämienfahren. 1. Ganzevoort, 2. Müller, 3. Schmittchen. Match. Kurzmeier- Jacquelin- Hoffmann. 1. Lauf: 1. Kurz- meier, 2. Jacquelin, 3. Hoffmann. 2. Lauf: 1. Jacquelin. 2. Hoffmann, 3. Kurzmeier. 3. Lauf: 1. Kurzmeier, 2. Jacquelin, 3. Hoff- mann. Der Verband der Steinarbeiter schreibt uns: Verloren ging das Mitgliedsbuch Nr. 790 des Zentralverbandes der Stein- arbeiter Deutschlands, ausgestellt auf den Namen Robert Ohst. Der Finder des Buches wird gebeten, dasselbe dem Verbandsbureau der Steinarbeiter, C. 19, Seydelstr. 30 part., zu übermitteln. Verloren hat der Bildhauer F. Drake in der Stadtbahn am Montag, den 19. April vormittags(Zug Halensee— Lichtenberg) ein Beitragskopierbuch mit 25 Beitragsmarken(des Zentralvereius der Bildhauer Deutschlands), einen Stempel„Berlin I", ein Stempel- kissen, ein Mitgliedsbuch auf den Namen Rich. Michel Nr. 126 eingetr. Juli 1902, zwei Briefe mit Adresse Otto Misbach, Engelufer 15, und einen Schreibblock. Da die Sachen für den Finder gar keinen Wert haben, wird gebeten, dieselben bei F. Drake, Berlin 0. 98, Beyme- straße 9, abzugeben. Das WahlvereinSbuch Nr. 35 634 ist in einem Ueberzieher steckend, mit dem letzteren von der Mohrenstraße bis zur Hannover- scheu Straße verloren gegangen und abzugeben bei Paul Benoit, Reinickendorfer Straße 83 bei Stopf. Fenernachrichten. Wegen eines großen Brandes wurde am Sonntcgvormittag um Ii Uhr die Berliner Feuerwehr nach der Proskauer Str. 27 an der Rigaer Straße nahe dem Viehhof ge- rufen. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als die Flammen schon ver- mischt mit dichtem Qualm aus dem Dache des vierstöckigen, von vielen Parteien bewohnten Hauses mächtig emporschlugen. Die Feuerwehr war in kurzer Zeit mit dem neuen Automobilzug 4 sowie den Zügen 7 und 1 zur Stelle. Ueber mechanische Leitern und die Treppen wurden sofort mehrere Schlauchleitungen vor- genommen und damit von Dampfspritzen Wasser gegeben. Trotzdem dauerte es noch geraume Zeit, bis die Flammen gelöscht werden konnten. Diese hatten nicht nur an dem Inhalt der Bodenverschläge reiche Nahrung gefunden, sondern auch an dem Gebälk, dazu kam. daß ein heftiger Wind die Flammen immer wieder von neuein anfachte, so daß viele Hausbewohner ängstlich den Löscharbeiten zuschauten. Der Dachstuhl war schließlich nicht mehr zu retten, auch hat das 4. Stockwerk etwas gelitten. An einigen Stellen ist die Decke durchgebrannt. Die Entstehung wird auf Brandstiftung zurückgeführt. In der Nacht zum Sonntag um 1 Uhr wurde der Automobilzug nach dem städtischen Familienobdach in der Fröbelstraße gerufen. Dort brannten unter anderem Kleider sowie die Dachkonstruktton der Werkstätte an, Kesselhause. Hier konnten die Flammen schnell aus ihren Herd beschränkt werden. Gleichzeittg erfolgte ein Alarm nach der Boyenstt. 39, wo Regenwasser von dem starken Gewitter, das abends Berlin traf, in den Keller gedrungen war. Zweimal wurde die Wehr nach der Königin-Augusta-Straße alarmiert; nach Nr. 42 und 49, wo Gardinen in Brand geraten waren. Ferner wurden noch Brände aus der Liebenwalder Str. 45 sTeer), Uorkstr. 7, Wilhelmstraße, Hausvogteiplatz, Müncheberger Straße usw. gemeldet. An, Montag wurde die Feuerwehr wegen einer Explosion nach der Kaserne des dritten Garderegiments in der Wrangelstratze alarmiert. Ein leeres Oelfarbenfaß, in dem vermutlich eine feuer- gefährliche Flüssigkeit aufbewahrt worden war. war explodiert. Wegen eines WafferrohrbrucheS erfolgte ein Alarm nach der Lieben- walder Straße 22. Auf dem Moabiter Güterbahnhof brannte eine Lore Preßkohlen und Neue Königstr. 31 Lumpen, Müll usw. In der Lehrter Str. 40 war in einer Küche Feuer ausgekommen, das Mobilien und Immobilien erfaßt hatte. Vorort-]Vadmd)teth Rixdorf. Eine alte Forderung. Wiederholt beantragten unsere Vertreter auf dem Rathause die Einrichtung eines Volkskindergartens. Zuletzt im vergangenen Jahre bei der Etatberatung gemeinsam mit dem Magistrat. Wie immer wurden die Anregungen der sozial- demokratischen Fraktion von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Kleinliche, engherzige Vorwände mußten als Gründe dienen, um das Verhalten des herrschenden Klüngels zu beschönigen. Wenn irgendwo, so ist in Rixdorf eine derartige Einrichtung eine zwingende Notwendigkeit. Tausende von Müttern sind gezwungen, für den Unterhalt der Familie mit beizuttagen, so daß eS ihnen unmöglich ist, sich der vornehmen Aufgabe der Erziehung der jungen Generation widmen zu können. Wenn ein Kindergarten in Rixdorf diesem Miß- stand abhelfe,; soll, so müßte vor allem darauf Bedacht genommen sein, daß er zum mindesten im Zentrum der Stadt liegt, damit er von allen Seiten leicht erreichbar ist. Ein Grundstück, das diesen Anforderungen entspricht, war im vergangenen Etatjahre in Aussicht genommen und zwar das Straubsche Grundstück in der Berliner-, EckeMünchenerStraße. Dieser Plan fand aber keine Gnade vor den Augen der bürgerlichen Herren, weil erstens das Grundstück an einer verkehrsreichen Sttaße liegt und damit dem Vorübergehenden Einblick in das proletarische Rirdorf gegeben werde, die so notdürftig modern sein wollenden Fassaden verdeckt würden. Zweitens war ein Teil der Herren prinzipiell dagegen, weil für sie jede soziale Einrichtung als HumanitätSduselei gilt. In diesem Jahre hat sich nun die Stadt entschlossen, einen Zuschuß zur Errichtung eines VolkSgartenS zu gewähren und dem„Freiwilligen Erziehungsbeirat" die Ausführung überlassen. Diesem ist es nun möglich geworden, ein ihm geeignet erscheinendes Grundstück für diese Zwecke zu bekommen. Neben seinen Vorzügen hat es nur den sehr großen Nachteil, daß eS ganz am Ende Rixdorfs, im alten böhmischen Dorf liegt. DaS alte SchulhauS der böhmischen Brüdergemeinde, das jetzt leer steht, soll den Kindergarten in sich aufnehmen und unter Leitung einer ge- prüpften Kindergärtnerin am 15. Mai dem Bettieb übergeben werden. Durch die ungünstige geographische Lage ist zu befürchten. daß diese neue Einrichtung nur zum Teil ihren geplanten Zwecken entsprechen wird. Der Arbeitsnachweis in der Stcinmeystraße soll einer Reorganisation unterzogen werden. Zu diesem Zweck ist eine Unterkommission von sieben Mitgliedern aus der Gewerbe- deputation beauftragt worden, einen Plan auszuarbeiten, wo- nach auch die Bermittelung von Dienstboten in den Wirkungskreis des Nachweises einbezogen werden soll. Die Kommission soll nun- mehr die bereits bestehenden Nachweise wie den städtischen Nachweis Schöneberg, Zentralarbeitsnachweis Berlin. Gormannstraße, sowie die Spezialnachweise der größeren Gewerkschaften besichtigen. Die Besetzung des leitenden Postens wird ausgeschrieben. Bewerber sollen Erfahrung auf dem Gebiete der Arbeitsvermittelung besitzen.— Die Zentrale für Volkswirtschaft hat angeregt, eine Mädchen« Fortbildungsschule, mit„wahlfreien Kursen' für Gewerbe und Hauswirtschaft einzurichten. Die Deputation beschließt, den Dezer« nenten für das Fortbildungsschulwesen zu beaufttagen, eine ent- sprechende Vorlage einer späteren Sitzung zu unterbreiten.— DaS Ortsstatut für die Pflichtfortbildungsschule soll dahin ergänzt werden, daß bei Zuwiderhandlungen der Schüler auf Strafe erkannt werde. Der Handelsminister hat ein« Anordnung getroffen, Karzer« strafen zu verhängen. Beschloffen wurde, von Karzerstrafe» Abstand zu nehmen, dagegen sind die renitenten Schüler mit Nachsitzen in den freien Stunden am Sonntag- nachmittag bis zu drei Stunden von dem Leiter der Fortbildungsschule zu bestrafen. Die ungelernten Arbeiter versäumen bei Arbeitslosigkeit öfter die Schule, weil ein gesetzlicher Zwang zum Besuch nicht vorliegt. Um diesem Uebelstande ab- zuhelfen, wurde beschlossen, das OrtSstatut dahin zu ändern, daß die ungelernten Arbeiter bei Aussetzen oder Arbeitslosigkeft dennoch die Schule zu besuchen haben. Die Eltern werden für pünktlichen Besuch verantwortlich gemacht. Ein Antrag der Schornsteinfegerinnung, die Kehrlohntaxe zu erhöhen, wirft ein bezeichnendes Licht auf das Einkommen, welches dieses monopolisierte Gewerbe den Jnnungsbrüdern verschafft. Der Magisttat wollte in die Bücher der Herren Schornsteinfeger- meister Einsicht nehmen, um die Erhöhung der Taxe begründen zu können. Dieses Verlangen wurde jedoch von der Innung rundweg abgelehnt. Gründe haben die Herren für die Ablehnung nicht an« gegeben. Es wurde mitgeteilt, daß das Mindesteinkommen der Kamin-Herren 6000 M. pro Jahr beträgt; diese Einnahme wird bei Beschäftigung eines einzigen Lehrburschen erzielt. Der Antrag der Schornsteinfegermeister wurde abgelehnt. In der Generalversammlung der hiesigen Zahlstelle deS Deutsche» Holzarbeiter-Berbandes berichtete der Kassierer, daß zurzeit von zirka 1000 Mitgliedern, die der Zahlstelle angehören, noch 95 arbeitslos sind. Die Ausgaben für dir Arbeitslosenunterstützung betrugen inS- gesamt in: letzten Vierteljahr 6522,55 M.. die Krankenunterstützung 2394.05 M. An Stteikunterstützung wurden nur 217,85 M. aus- gegeben. Zur Maifeier wurde folgende Resolution gegen 3 Stimineir angenommen: Die Versammlung erklärt, daß nur durch strikte Arbeits- ruhe die Feier des 1. Mai würdig begangen werden kann. Sie macht es deshalb den Kollegen zur Pflicht, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lasten.— Dann wurde noch bekanntgegeben, daß in der Bau- tischlerei von Richter durch das Vorgehen des Arbeitgebers Differenzen ausgebrochen sind, so daß die Kollegen in den Stteik treten mußten. Die VerttauenSmännerversaminlungen für April finden für die Möbeltischler am 28. April und für die Bautischler am 29. April, abends 8 Uhr. bei Preil, Rosenstr. 24, statt. Schöneberg. Ihre« Arbeitsverdienst in Höhe von 15,85 M. verloren hat die Plätterin Kathi Albanus am Sonnabend, den 24. d. Bits., abend? gegen ü'/ü Uhr. als sie von der Arbeitsstätte die Neue Winterfeldt« und Potsdamer Straße entlang, nach ihrer Wohnung in der Haupt- straße 2V ging. Die Verliererin enipfindet den Verlust um so schmerzlicher, als es nach langer BeschäftigungSlosigkeit ihr erster Verdienst war. Der Finder wird gebeten, den Bettag in der Neue» Winterfeldtstraße 36 bei Bönisch abzugeben. Charlottcubnrg. Die hiesige Zahlstelle deS Deutsche« Holzarieiter-BerSandtS nahm in ihrer letzten Generalversammlung den Kastenbericht vom ersten Quartal 1909 entgegen. Danach haben Haupt- und Lokalkasse zu- sammen 2770,50 M. für Arbeitslosenunterstützung. 1304.65 M. für Kranken- und 108 M. für Gemaßregeltenunterstützung ausgegeben. Nach Anhörung eines Vortrages über Konsumgenossenschaften be« schäftigte sich die Versammlung mit der Maifeier. Sämtliche Redner gaben ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß die würdigste Feier de? 1. Mai in der Arbettsruhe besteht; dieselbe soll überall, wo eine Mehrheit dafür vorhanden ist, strikte durchgeführt werden. Jedoch ist jeder feiernde Kollege auch verpflichtet, eine Vormittagsversamm- lung zu besuchen. Nur wer in einer Versammlung anwesend war, hat Anrecht auf eventuelle Gemaßregeltenunterstützung. Zu diesem Zweck hat jeder Versammlungsbesucher sein Verbandsbuch rnitzu- bringen, in welches am Saaleingang ein Stempel gedrückt wird. Maimarke allein genügt nicht. Friedrichshagen. AuS der Gemeindevertretung. In bei am 23. April öb« gehaltenen Sitzung wurde einstimmig beschlossen, die Bedürf, ni sanft alt auf dem Marktplatz nicht aus Wellblech, sondern aus Backstein zu errichten. Die Anstalt soll einen Raum mit sechs Ständen und einem Klosett für Männer, einen Raum mit zwei Klosetts für Frauen, einen Vorraum und mehrere Neben- räume enthalten. Die Herstellungskosten betragen 5200 M., dia jährlichen Unterhaltungskosten einschließlich einer anzustellenden Wärterin 1150 M., Nach einer Vorlage der Wegebaukommission soll auf den von dem ForstfiSkus gepachteten Parzellen, zwischen Hirschgarten, Kamerun und Westend gelegen, UnterkunftS räume füv Turn- und Sportvereine, zwei Brunnen und eine B e« dürfnisanstalt errichtet werden. In der Debatte traten die Vertreter Sonnenburg(Soz.). Gloede, Axnick, Geselbracht und Conrad für die Vorlage ein, während dieselbe von dem Schöffen Dr. Wallburg scharf bekämpft wurde. Durch die Wallburgschcn Ausführungen entspann sich eine heftige Polemik zwischen Dr. Wallburg und dem Vertreter Sonnenbura. die auch auf das poli- tische Gebiet hinüberspielte. Im Gegensatz zu dem von Dr. Wall- bürg betonten Sparsamkeitsprinzip trat Genosse Sonnenburg ent- schieden für die Vorlage ein, da die Gemeinde die Pflicht habe. Spiel- und Sportplätze zu beschaffen und selbstverständlich auf denselben Unterkunftsraume(für Geräte usw.), Brunnen und Be- dürfnisanstalten zu errichten. Diese Einrichtungen kommen der Allgemeinheit zugute, ohne Rücksicht auf Stand, Alter oder Ge- schlecht. Nach Schluß der Debatte wurde gegen fünf Stimmen beschlossen. 1500 M. für die Errichtung der beantragten Baulich- leiten zu bewilligen. Der Antrag des Gcmeindeborstandes, vom 1. Mai ab das Schulgeld für auswärtige Schüler der Gemeindeschule von 24 M. auf 36 M. pro Jahr zu erhöhen, da die Ausgaben von Jahr zu Jahr wachsen und jetzt schon die Höhe von 84,75 M. pro Jahr und Kopf der Schüler erreicht haben, wurde angenommen. Zu dem Grundstückszusammenlegungsverfahren im östliche» Gemeindegebiet leilte der Gemeindevorsteher mit, daß von de» in Betracht kommenden 93 Besitzern 63 bedingungslos der Zu- sammenlegung zugestimmt haben. DaS eigennützige, dem All, gemeinwohl zuwiderlaufende Verhalten der übrigen 35 Besitzer sei tief zu bedauern. Weiter teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die Pflasterung der 5tastanienallee und des MyliusgartenS infolge zahlreicher Einsprüche der Stratzenanlieger leider voraussichtlich aus längere Zeit hinausgeschoben wird. Trebbin(Kreis Teltow). Lei der gestrige« Grmeindevertreterwahl siegten die sozial- demokratischen Kandidaten mit 85 Stimmen über ihre bürgerlichen Gegner, auf welche 62 Stimmen entfielen. 9 Stimmen waren zer- splittert. ES sitzen also jetzt fünf unserer Genossen im Stadt« Parlament. Adlershof. Gegenüber den Beschlüssen der letzten Gemcindcvertreter» sitzung betreffend die Vergebung von Arbeiten für die Kanalisa- tions- und RegenrohrleitungS-Hausanschlüsse, nach welchen eine Neuausschreibung der Arbeiten ohne Hinzuziehung von Unter- nehmern, welche gleichzeitig G'emeindevertreter sind, erfolgen soll, hat der Gemeindevorsteher von seinem Rechte der Beanstandung Gebrauch gemacht. Der Erfolg dieser Beanstandung konnte aber auch nur fern, daß nunmehr bei Auswahl des Unternehmers der Eemeindevertretex Noejicke. welcher für die KanalisationshauS, anschlüsse daS liMrtgfte Gebot abgegeben fiafte, unberücksichtigt blieb und für beide Arbeiten dem zweitniedrigsten Gebot des Unter' nehmers Ackermann der Zuschlag erteilt wurde.— Entsprechend dem Antrage unserer Genossen aus Verabreichung einer ein- maligen Unterstützung an die Arbeitslosen sowie von warmem frühstück und Mittagbrot an die schulpflichtigen Kinder der Ar-- beitslosen waren ISO» M. durch die Gemeindevertretung bewilligt worden. Nach dem Bericht des Gemeindevorstehers sind aber 1544 Mark an die Arbeitslosen zur Auszahlung gelangt und für die Speisung der Schulkinder 1734 M. verausgabt worden. Ein kleiner Teil Rechnungen steht noch aus. Im ganzen wurden über 3303 Mark verausgabt, der Rest wurde nachbewilligt. In der letzten Sitzung war beschlossen worden, die Verabfolgung von warmem Mittagbrot am 1. April einzustellen; über die Verabfolgung von warmem Frühstück sollte diese Sitzung erst Beschlust fassen. Eni- gegen diesem Beschlust ist aber aus Veranlassung des Gemeinde- Vorstehers die Verabreichung des Frühstücks mit Beginn der Oster- ferien eingestellt worden. Hiergegen wandte sich entschieden Ge- nosse Hildebrandt sowie Herr D-irektor Lindenberg. Es wurde ein Antrag unserer Genossen angenommen, nach welchem die eingesetzte Kommission erst die Bedürfnisfrage genau untersuchen und der nächsten Gcmeindevertretersitzung Bericht erstatten soll. Die Ent- würfe für den Anbau der 2. Gemeindeschule, welche in der Ver- teilung der Räume noch Aenderungen erfahren haben, wurden endgültig genehmigt; die Kommission kann nunmehr mit der Ver- gebung der Lieferungen und Arbeiten beginnen. Die Anlegung der Gas- und Wasserleitung auf dem Treitelschen Terrain wurde ohne Diskussion genehmigt. An Stelle des bisherigen Waisenrats Ratmede wurde Herr Richter, Arndtstr. 7, gewählt. Bei Beratung über die Desinfektion im Falle des Wohnungswechsels von tjjer- sonen, welche an Lungen- und Kehlkopftuberkulose erkrankt sind, wurde der Anregung unserer Genossen zugestimmt, nach welcher der Gemeindevorsteher der nächsten Sitzung eine Vorlage unter breiten soll, wodurch die durch die Polizei angeordneten Dcsinfek- tionen für Personen, deren Einkommen LAW M. nicht übersteigt, unentgeltlich ausgeführt werden sollen. Der Antrag der Polizeibehörde wurde wegen Unausführbarkeit abgelehnt. Durch den Magistrat der Stadt Berlin wurde die Gemeindebehörde auf- gefordert, sich an der Statistik der Bevölkerungsvorgänge, des Wohnungsmarktes, der Bautätigkeit und sonstiger für die Borort- gemeinden bedeutsamer Verhältnisse zu beteiligen. Die Auf- nähme der Statistik will Berlin in den Vororten, welche bis zu 15 Kilometer vom Berliner Rathause entfernt liegen, vornehmen. An Unkosten werden der Gemeindekasse zirka 50 M. entstehen. Der Beteiligung wurde mit der Bedingung zugestimmt, dast Berlin der Gemeinde 1 Exemplar ihrer Statistik unentgeltlich zur Verfügung stellt, und dast den Gemeindevertretern durch den Gemeindevor- sicher monatlich die an Berlin einzureichenden Angaben zugäng- lich gemacht werden. Bis jetzt fehlte betr. der Bevölkerungszu- und-Abgänge jedes Material. Friedrichsfelde. lieber Blockpolitik und Reichsfinaazen referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Kahser. Genosse Schwenk gab hierauf den Bericht aus der Kreissitzung. Hierauf be- richtete Schwenk, dast in der Agitation für den Achtuhr-Ladenschlust noch 8 Stimmen an der erforderlichen Zweidrittel-Majorität fehlen, dieselben dürften jedoch noch gewonnen werden. Für die Maifeier er- sucht Redner recht intensiv zu agitieren, da für gute Unterhaltung gesorgt ist. Die Bibliothek hat eine Vermehrung erhalten. Dieselbe befindet sich bei dem Genossen Hutter, Prinzen-Allee 47 I, sie ist geöffnet Wochentags von ö'/a— SVs Uhr abends. Sonntags von 10—12 Uhr vormittags. Der Jugendorganisation und der Freien Turnerschast steht dieselbe mit zur Verfügung. Mit der Aufforderung, recht zahlreich sür die Partei zu agitteren, schloß der Vorfitzende die Versammlung. Tegel. zur Gemeindevertreterwahl i Heute Dienstag von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends findet im Lokal von Hamusek, Haupt st raste S, die Gemeindevertreterwahl statt. Der Kandidat i st Genosse Rudolf Arendsee. Nochmals ersuchen wir die Wähler, daß sie recht frühzeitig zur Wahl erscheinen. Am Wahltisch muß die von der Behörde zu- gesandte Legitimationskarte vorgezeigt werden. Wer eine solche nicht belomnien hat, hole sich dieselbe im Gemeindebureau Zimmer 24 bis 3 Uhr nachmittag ab. Arbeiter, Parteigenossen! Auf zur Wahl! Potsdam. Eine blamable Niederlage zog sich der als„schlichter Mann aus der Werkstatt" bekannte Reichstagsabgeordnete Pauli in der Stadtverordnetenversammluug zu. Seme Interpellation an den Magistrat, betreffend die Vergebung städtischer Arbeiten an aus- wärtige Unternehmer sollte dazu dienen, neue Erfolge seiner „Mittelstands- und Arbeiterpolitik" zu bringen. ES sind nun aber taisächltch nur 1S06 eine. 1307 drei und 1908 vier städtische Arbeiten von durchschnittlich pro Jahr 50 M. an auSwärttge Unternehmer ver- geben worden. Hauptsächlich aber brachte Herr Pauli seine Jnter- pellation ein wegen der Ausschaltung der Potsdamer Steinsetznieister in den letzten beiden Jahreu. Letztere gehören dem Ringe des ArbeitgeberverbandeS für die Provinz Brandenburg an. Fast alle auswärtigen Firmen waren bedeutend billiger als die hiesigen Steinsetzmeister. Da nun aber feststand, daß die Potsdamer Steinsetzmeister bereits für diejenigen, die den Zuschlag nicht er- hielten, einen gewissen Prozentsatz als Abschlag zur Verteilung festgesetzt hatten, wurde ihnen der Zu- schlag nicht erteilt. Der Stadtverordnete Pauli hatte sich nun Lei der Begründung der Petition jedenfalls i» seinem Gegner geirrt. Er wetterte mit der bekannten„Logik gegen den Magistrat los. Seine Ausführungen gipfelten in dem Schlußsatz:„die Unternehmer werden bei diesem System ihre Arbeiter entlassen müssen, die Arbeiter werden nach außerhalb ziehen und es wird eine Entvölkerung eintreten. Die Armenlasten der Stadt werden sich erhöhen, die städtischen gewerblichen Anlagen aber zurückgehen". Der Stadtbaurat Nigmann führte aus, daß eine Arbeit lediglich deshalb nach dem benachbarten NowaweS gegeben wurde, weil nach Wunsch des Stadtv. Pauli in allererster Linie nur gelernte Meister berücksichtigt werden sollten. Die übrigen waren aber bis zu 100 Proz. teurer. Das Material sei vom Arbeitgeberverband in ihm genehmer Weise zusammen- gestellt, entspreche aber nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Ober- bürgermeister Vosberg betonte unter stürmischer Zustimmung der Veriommlung: Glauben Sie nicht, daß der Stadtv. Pauli erst dazu gehört, dem Magistrat die Binsenweisheit beizubringen, daß die Arbeiten in Potsdam gemacht werden müssen. Wir können aber nicht ein Monopol für die Potsdamer Meister schaffen und uns die hohen Preise diktieren lassen. Herr P. habe sich nicht entblödet zu behaupten, der Oberbürgermeister desavouiere das ganze Steinsetzer- gewerbe durch Ausschaltung von den Potsdamer Jnnungsarbeiten. Wenn sich Herr P. nur ein klein wenig darüber klar ge- worden wäre, wie sehr er die Ehre des ganzen Magistrats und das Ansehen des Handwerkerstandes schädige, so hätte er diese ganz unzulässige Tonart sicher vermieden. Wie Ihnen der Stadt- baurat mitgeteilt habe, ist der Magistrat doch schon weiter gegangen im Entgegenkommen als eigentlich zulässig ist.(Bei den Steinsctz- arbeiten ist nämlich den Potsdamer Meistern vor Erteilung des Zu- schlage« von den Geboten der Auswärtigen Mitteilung gemacht, um so eventl. niedrigere Angebote von den Potsdamern zu erlangen.) Waren nach diesen Ausführungen die„Beweise" deS Interpellanten zusammengebrochen, so suchte' Pauli nun den Beleidigten zu niarkieren. Bei seinem Appell an die Versammlung hatte er aber wenig Glück. Es entstand eine für das sonst so ruhige Potsdamer Stadtparlament ungewohnte stürmische Szene, als Pauli sich gegen die Angriffe seiner Vorredner zur Wehr setzte. � Die etwa dreistündige Debatte endigte mit einer kläglichen Niederlage des Mittel- standsretterS. Gmcbtö- Zeitung, Bier Fälle von Milchpantfchereie» unterlagen am Freitag der Beurteilung des Spandauer Schöffen- gerichts. Angeklagt dieserhalb waren: 1. der Milchhändler Gustav Berger, Breitestraste 30; 2. Frau Ackerbürger Mathilde Marzahn, Falkenhagener Straße 19; 3. die Vorkosthändlerin Frau Marie Liedke, Plantage 17; 4. der Ackerbürger und Stadtverordnete Wilhelm Marzahn und dessen Ehefrau Ida Marzahn, Falken- Hagener Straße 47. In den ersten drei Fällen wurde auf Frei- sprechung erkannt, weil eine Schuld nicht genau nachweisbar sei. Diese Fälle waren auch nicht so erheblich schwer. Im vierten Falle aber, bei dem Ackerbürger und Stadtverordneten Wilhelm Marzahn und dessen Frau, hatte eine am 20. Januar d. I. durch das Nah- rungsmitteluntersuchungSamt vorgenommene Untersuchung er- geben, daß die von diesen Angeklagten entnommene Milch einen Wasserzusatz von 20—25 Proz. hatte. Die Angeklagten wollen natürlich von nichts wissen, sie meinen, es müsse wohl eines von ihren Dienstmädchen das Wasser in die Milch gegossen haben. Der Amtsanwalt beantragte eine Geldstrafe von je 20V M. und Publi- kation des Urteils. Aber die Angeklagten fanden milde Richter; unter den Schöffen befand sich, wie der Schöffenrichter bekanntgab, in der Person des Bauerngutsbesitzers und Gemeindevorstehers Karl Wolter aus Gatow ein Sachverständiger; dieser konnte wohl am besten beurteilen, daß mitunter von den Dienstboten solche Taten verübt werden. Das Gericht nahm deshalb nur Fahrlässigkeit an und erkannte auf je 50 M. Geldstrafe. Von einer Publikation wurde abgesehen. Die Spandauer Lokalzeitungen verschweigen natürlich in dem gebrachten Bericht den Namen des verurteilten Stadtverordneten, der ja ein recht reicher Mann und Besitzer von verschiedenen Grundstücken ist. Freilich, solch hochstehender Herr könnte ja kompromittiert werden und er ist doch ganz unschuldig, die bösen Dienstboten haben es getan, sie haben ja so sehr großes Interesse für ihren Herrn, daß sie ihm sogar die Milch um 20 bis 25 Proz. verlängern. Was scherts, wenn die Konsumenten und vielleicht manch krankes Kind eines Arbeiters statt der nährenden Milch solch verdünntes Zeug erhält. Ein eigentümliches Sittenbild, welches für Psychologen recht bemerkenswerte Momente enthält, entrollte eine Verhandlung, mit der sich gestern unter Borsitz des Landgerichtsrats Hart das Schwurgericht des Landgerichts I zu beschäftigen hatte. Wegen versuchten Mordes war die erst 19jährige Arbeiterin Emma Grieper angeklagt.— Im Jahre 1903, als Ikjähriges Mädchen, lernte die Angeklagte auf einem Tanz- boden den Schraubendreher Anton Lupert kennen. Zwischen beiden entstand ein Liebesverhältnis. Es kam zu einem intimen Verkehr. der nicht ohne Folgen blieb. Kurz vor ihrer Niederkunft erfuhr die Angeklagte erst, daß L. schon verheiratet war. Sie kaufte sich ein größeres Quantum Salpetersäure und suchte ihren Verführer und Geliebten in dessen Wohnung auf. Als dieser öffnete, goß ihm die G. die ätzende Säure ins Gesicht. Lupert erlitt schmerz- hafte Verbrennungen, kam aber noch ohne schwereren Schaden davon. Die Angeklagte wurde seinerzeit wegen dieses Attentates zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. An dem Tage, an welchem sie aus der Strafanstalt entlassen wurde, holte sie Lupert ab. An demselben Abend kam es wiederum zu einem intimen Verkehr, der ebenfalls nicht ohne Folgen blieb. Lupert zog sich auch bald wieder zurück, als er dies bemerkte. Wie die Angeklagte vor Gericht be« bauptetc, habe sie L. trotz ihres Zustandes später wiederholt ge- schlagen und sich geweigert, für das zu erwartende zweite Kind zu sorgen. Als dieses geboren war, suchte die Angeklagte den L. auf und legte ihm das kleine Wesen buchstäblich vor die Füße. Das Kind kam auf Veranlassung des Vaters in das Waisenhaus, wurde aber bald wieder der Mutter übergeben. Die G. bemühte sich nun, von L. wenigstens den Unterhalt für ihr Kind zu erlangen. Da sich L. weigerte, verübte die Angeklagte ein zweites Attentat mit Salpetersäure. Wegen dieser Tat wurde sie wiederum unter An- klage gestellt und zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat ver- urteilt, die aber durch die erlittene Untersuchungshaft als ver» büßt erachtet wurde. Es trat nun der fast unglaubliche Fall ein, daß die beiden Leute sich an demselben Tage wieder aussöhnten und sofort wieder in intime Beziehungen zu einander traten, die nunmehr zum dritten Male— nicht ohne Folgen blieben. Lupert zog sich nach einiger Zeit wieder von der Angeklagten zurück und imipfte mit einem anderen Mädchen Beziehungen an. Die G. wurde, als sie dies erfuhr, von einer matzlosen Eifersucht gepackt. Sie kaufte sich einen Revolver und äußerte zu verschiedenen Leuten, daß sie den L. wie einen Hund niederschießen werde. Von nun an verfolgte sie den Zeugen L. auf Schritt und Tritt. Sie erfuhr, daß L. gewöhnlich in einer Schaniwirtschaft in der Revaler Straße ver- kehrte. Am Abend des 27. Dezember v. I. erschien die Angeklagte hier und versteckte sich in dem Vorgarten, bis Lupert erschien. Als dieser aus dem Lokal heraustrat, gab sie einen Schuß auf ihn ab. der aber nur den Anzug durchlöcherte. Jetzt schoß sie sich selbst eine Kugel in die Brust. Lupert schlug das Mädchen mit eineni Faustschlage zu Boden, nahm ihr die Waffe ab und ging zur Polizei. Die Schwerverletzte wurde dann von Beamten deS 4. Lichtenberger Polizeireviers als Polizeigefangene nach der könig- lichcn Charite geschafft, wo sie nach längerem Krankenlager wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Bald darauf kam es nochmals zu einer neuen Revolverschießerei. Dieses Mal schoß Lupert auf die Angeklagte, als sie plötzlich auf der Straße an ihn herantrat. Das gegen ihn anhängig gemachte Strafverfahren wurde jedoch wieder eingestellt, nachdem er sich 3 Wochen in Untersuchungshaft befunden hatte.— Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach versuchtem Totschlag unter Bersagung mildernder Umstände. Das harte Urteil lautete auf 1 Jahr und 3 Monate Zuchthaus unter Anrechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Ungültige B-rschrift einer Gebührenordnung. In WilhelmSbruck wurden von den Beteiligten Gebühren er» hoben für Reinigung, Sprengung und Desinfektion der Gemeinde- wege, welche die Geslügeltransporte aus Rußland passieren. Durch jene Maßnahme soll der Einschleppung der Geflügelcholera vor- gebeugt werden. Der Gänsehändler Lewin sollte die Straf- Bestimmung der Gebührenordnung dadurch übertreten haben, daß er, ohne die Gebühr vorher zu zahlen, auf Wegen der Gemeinde babe Gänse treiben lassen. Das Kammergericht als Revisions- instanz sprach dieser Tage den Angeklagten frei: Die Straf- bestimmung der Gebührenordnung sei ungültig. Nach dem Koni- munaladgabengesetz sei zwar in Steuerordnungen, nicht aber in Gebührenordnungen die Androhung krimineller Strafen zulässig. Ein etwas mysteriöses Revolverattentat beschäftigte gestern den Straftichter. Aus der Untersuchungshaft wurde der Mechaniker Adolf OrmuS vorgeführt, um sich wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges zu verantworten. — Der Angeklagte ist in Rußland geboren und noch russischer StaatSuntertan. In seiner Heimat hatte er das Gymnasium be- sucht, war aber dann durch die schlechte Vermögenslage seiner Eltern gezwungen, sich selbst sein Brot zu verdienen. Er kam nach Berlin und fand hier bei dem Gietzermeister Sch. Aufnahme. Schon nach einiger Zeit glaubte Sch. bemerken zu müssen, daß Ormus in einem etwas auffälligen Verhältnis zu seiner Ehefrau stand. Irgendwelche Beweise für eine Untreue seiner Frau konnte er jedoch nicht erbringen. Es entwickelte sich jedoch zwischen Sch. und seinen, Mieter ein sehr gespanntes Verhältnis, welches wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Im Februar kaufte sich Ormus einen Revolver, den er von da ab ständig bei sich trug. Am 21. Februar kam es wieder zu einem Streit, bei welchem O. Plötz- lich zwei Schüsse auf Sch. abgab, die diesen in den Kopf trafen.� Welches Motiv dieser Tat zugrunde lag. konnte bisher nicht out» reichend festgestellt werden, da die hierüber gemachten Angaben weit auseinandergehen.— In der gestrigen Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, hielt Staatsanwalts- Assessor Dr. Marcfch den Angeklagten des versuchten Mordes für dringend verdächtig und beantragte die Ueberweisung der Sache an das Schwurgericht. Außerdem stellte Medizinalrat Dr. Hoff- mann den Antrag aus§ 81, den Angeklagten vorher noch in einer Irrenanstalt auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Das Gericht schloß sich der Auffassung des Vertreters der Anklage» behörde an und verwies die Sache an das Schwurgericht. „Carmen" vor dem Reichsgericht. In den letzten Tagen lag dem Reichsgericht die Frage vor, ob die deutsche Uebersetzung des Textes der Oper Carmen zurzeit noch schutzberechtigt ist oder ob sie mit dem Ablauf des Jahres 1905— 30 Jahre nach der Veröffentlichung dieser Uebersetzung durch die Hofoper in Wien— nachdruckfrei gedruckt und den Musikauszügen beigefügt werden kann. Hierzu interessieren folgende Details: Die von Georges Bizet komponierte Oper Carmen war zu Anfang des Jahres 1875 in dem Pariser Verlage Choudons pere et fils erschienen, und zwar nach dem gemeinschaftlichen Texte von Henry Meilhac und Loudvic Halevy. Am 22. Okiober 1875 kam„Carmen" in Wien zur deutschen Erstausführung unter Benutzung einer von dem Oester- reicher Julius Hopp auf Anregung des Autors und der k. k. Hof- aper angefertigten deutschen Uebersetzung. Diese Uebersetzung er- schien anonym und wurde von der Hofoper verbreitet. Infolgedessen soll sie nach der jetzigen Klagebehauptung mit dem Jahre 1300 nachdruckfrei geworden sein. Klägerin ist die Firma Umversal-Ebition, Aktiengesellschaft in Wien. Sie behauptet, daß der Hoppsche Text in Oesterreich nicht mehr geschützt sei und deshalb auch nicht mehr in Deutschland. Denn der zirka 5 Wochen vor dem 22. Oktober von der Hofoper vor- genommene Verkauf der Textbücher sei eine Veröffentlichung der Uebersetzung. Ihr Klageantrag ging dahin, festzustellen, daß der Firma G. F. PeterS in Leipzig, der Nachfolgerin des Pariser Ver- lages Choudons pere et fils, nicht mehr oas Recht zustehe, ihr bei gewerbsmäßiger Verbreitung von Musikausgaben das Recht der Vervielfältigung des von Julius Hopp ins Deutsche übersetzten Carmen-Textes zu verbieten. Die beklagte Firma begehrte, daß der Klägerin bei Vermeidung einer Geldstrafe für jeden Zuwider-. Handlungsfall zu verbieten sei, die Musik zur Oper Carmen mit deutschem Text, insbesondere in Form der Partitur und des Klavierauszuges, in Deutschland zu vervielfältigen. Das Landgericht Leipzig als erste Instanz wies die Anträge der Klägerin ab; auf die Widerklage der beklagten Firma Peters erkannte eS nach deren Anträgen dahin, daß der Klägerin bei Ber- meidung einer Geldstrafe von böchstcns 500 M. für jeden Zuwider- Handlungsfall verboten wird, die Musik der Ausgaben der Oper Carmen, insbesondere die Partitur und den KlavierauSzug, mit deutschem Texte in Deutschland zu vervielfältigen oder zu ver- breiten. Diese Entscheidung ist mit dem jetzigen Erkenntnis deS Reichsgerichts trotz vorhergehenden widersprechenden Urteils des Oberlandesgerichts Dresden rechtskräftig geworden. Es wurde das Urteil des Oberlandcsgerichts Dresden auf die von der beklagten Firma Peters beim Reichsgericht eingelegte Revision hin vom 1. Zivilsenat aufgehoben und die Berufung der Klägerin gegen das landgerichtliche Urteil zurückgewiesen. Der er- kennende Senat begründete hierzu kurz: Vom OberlandeSgericht ist festgestellt worden, daß die Pariser Firma das bestrittene Recht gehabt hat und noch hat. Ferner ist festgestellt, daß die beklagte Firma G. F. Peters in Leipzig in legaler Weise das Verlagsrecht für den französischen Urtext hat. Diese Feststellungen genügen, uin die Entscheidung zu treffen, und zwar im Gegensatz zu der Ent- scheidung des Oberlandesgerichts Dresden. Damit ist festgestellt. daß die beklagte Firma Peters das Verlagsrecht an dem Texte hat und deshalb auch das Verbietungsrecht. Das Werk ist in Wien übersetzt in deutscher Sprache, und ist jetzt festgestellt, daß Hopp die Uebersetzung geliefert hat und daß. lvenn Hopp überhaupt ein Verlagsrecht gehabt hatte, dieses erloschen wäre. Darauf braucht aber nicht eingegangen zu werden, den» das Verbietungsrecht ist in Kraft gewesen und immer in Kraft geblieben. ES kann also die Finna PetrrS verbieten, daß der Carmen-Text irgendwie hu nutzt wird. Eingegangene vruckfckrikten. Vom„Kampf«, der beutsch-österreichlschen sozial» demokratischen Wochenschrist erscheint soeben Heft 8(Mai. best). ES hat solgenden Inhalt: Otto Bauer: Der Weq zur Macht Michael Schacherl: Lehren der Kriegsgefahr. Robert Preußler: Der erste Arbcitersciertag. Jakob Reu mann: Unser erster Mai, Alexander T a u b I e r: Von der Konkordatsschule zur Neuschule. Hugo Schulz: Friedrich Engels über den österreichischen Feldzug im Jahre 1859. Peter Mahlow: Der Einfluß der wirtschastltchen Eniwiikelung auf den Kamps der Klassen w Rußland. Otto Pohl: Der Strell der Beamten. Engelbett Pernerstorser: Eine ungebaltene Rede.— Bllcherschau: Marx-Literawr: Deutsch-österreichische Patteililerawr; Slowenische Partei- literatur; Politik; Steuergesetzgebung.— Llrbeiterbibltothek: Die Gemeinde. Zwischen zwei Städten. Gedicht- von A. Wegner. Z M.— Sehn- sucht. Plaudereien von G. Hermann. SM.— Deutschkloster. Roman von F. Pourrmann. SM.— Das letzte Glück. Bühnenwerk von Klara Viebig.— Der Weg tnS Leben. Roman von S. Ermattnger. S SO M — Lieder und Ballade« von L. L. Schütting. 2 W— Liviana Saltera. Santos. Em chllenischer Roman von Helene v. Mühlau. b M.— Geheimnisbund. Novelle» von H. Müller. 3 M.— Egon Fleische! a. Co. Berlin. Linkstr. 16. a" � AuS dem Tagebuch eines Einsamen. Roman von H. Berger. Geb. 4M.— Gottfried Wunderlich. Roma» von M. Burckhard 395 Seiten.- S. Fischer, Berlin. Bülowstr. 90. � WttterungSsibersicht vom 80.«pr» 1909, morgens 8 Uhr. Ii " B L« 2= 55 Swtnemde. erlin Frantf.a.M. München Wien || it 762®® 761©D 762 SSO 761 D 761 D 763 NW Wetter halb bd. 1 heiter 1 wolkig 1 bedeckt 3 heiter 2 wölken! am ä* til *2. Stationen Haparanda Petersburg Sctllh Aberdeen Patt» SS 757 D 760 SO 750® 75531320 758 SO Setter 4 bedeckt 2 wolkig 3bedeiÜ 1 Regen Iwolkenl ** «l-» »II -3 2 10 6 11 Wetterprognose für Dienstag, den 37. April 1909. Ziemlich warm, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich bei lebhastev südwestlichen Winden, etwas Rege» und Gewitterneigung. Berliner Wetterbure«» wafferstandS-Nachrtchten der LiMdeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vo« Berliner Witterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit Pregel, Jnfterburg Weichsel. Thor» Oder, Rattbor , Krassen , Frankfurt Wa r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Larby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau») » Rathenow') Spree, Spremberg») , Becskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximtlianSan , Kaub Köln Neckar. Heilbronn Main, Weriheim Mosel, Ttter am 25. 4. am 164 116 142 96 156 6 102 438 220 246 79 177 63 seit 24. 4. onj') -13 —7 -1 0 —2 —2 —6 0 —6 —9 —6 —3 -7 + bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unierpegel. Slumn- nnb Krakzbiuderei von Robert Meyer,. vur Müllounkil-Straße 3. Lcdui!m»rKs Vetere echten Blere tlnd übereil tu beben, In Flescben ö 10 PI. I In Kennen u. Syphons Ltr. 35 Pf.! NO. 13. Tel. 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