Ar. 101. Bbonncmcnts-Bcdlngnngen: ÄtonncmcntS. �reiä pränumerando! Bicrleljährl. 330 Ml, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Kummer 5 Pfg. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Nene Welt' 10 Psa. Polt- ?lbonncnient: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zcitungs- Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweis vlchM Sgilid aaStr monta». 26. Jahrg. Vevlinev Volksblnkt. �entralorgan äer rozialdemohratifchcn partci Dcutfcblands. Me TnfcrtionS' Gebühr telrägt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pkg., für politische und gcwerlschaslliche Bercins- und Versanunluiigs-Slnzeigeil M Psg. „Uleine Mn-elgen", das erste lielt- gedruckte) Wort 20 Psg» jedes weitere Wort 10 Psg. Slcllengeinchc und Schlaf« flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über 1- Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste llluiinner müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcditioi» ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SbÄsIllllilsürat Kkrlio". Redaktion: 8Al. 68. Lindenstrassc 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 1. Mai 1909. Expedition: SA. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Maictibotfcbaft Ick bin der erste ITIaicntag, der Freiheit Ulorgcnfonne. Ick lache€ud) ins Fjerz hinein, wie eitel fühlingswonne. Ick reiße Keck das Graugewölk am Firmament in Fetzen, Arn Zukunftsgoldglanz einen Cag im Jahr Guck zu ergetzen. Vergrabt der ülerkeltage Last! mit Crüblinn fort und Cdchmut! Fort mit dem zagen Kncchtesblick und mit der Sklavendemut. Rebt kühn das Raupt und(ckart Guck stolz zum Siegeszug des Maien; Ick leuchte blütenhell voran den proletarierreihen. Ihr leid die Kraft, die alles schafft, was Menlckenhand gestaltet. Ihr leid die Kraft, die alles stürzt, was rnorlck, faul und veraltet, stier will Guck trotzen, Guck, dem Dampf, der die Malckine treibet ünd ohne den der ganze Staat ein stehend ührwerk bleibet? Ihr seid der Dampf, dock wie erst dann die trägen Räder ralen, Ülenn' man zum Schwall zusammenballt des Dunstes winzige Blasen, So leid auch Ihr erst Kraft und macht, wenn einig und gcScklollcn Ihr zielbewußt zusammensteht zum Bunde der Genollen. 0 wendet nickt das Rngcficht, durchfurcht von Leid und Nöten! Laßt Guck die stlangen, fahl und schmal, von meinem Glutblick röten. Ihr leid die Kraft, mag Guck auch schwer die Gegenwart bedrücken, Ihr bleibt die Kraft, drum beuget nickt der Gagesnot den Rücken. Stockt auch das Werk, Ihr bleibt der Dampf; nickt weil der Dampf erstorben, Gs stockt nur, weil das Röhrennetz verrostet und verdorben. Nickt, daß Ihr machtlos, lagt die Hot; nein, ihr fjyänenlachcn Verrät nur, daß im Ordnungsbau schon alle Balken krachen. Ihr leid der Dampf, doch nicht, wie er, ein Blinder, der den Kesseln Als. Griebkraft nur entströmt, wenn man ihn spannt in fremde Felleln. Ihr leid die Kraft, nickt tote Kraft, geengt in starre Normen— Ccbcnd'gc Kraft, die selbst lieh gießt die ihr genehmen Formen. Ihr bleibt die Kraft, was schiert Guck der malckine altes Gifen, Wenns knarrend birst und die geflickten Riemen platzend reißen? Nur blinde Kräfte lallen lieh in Knecktcsjocke sperren, Ihr schmiedet Guck ein neues Werk, in dem Ihr freie Rcrren. 0 wendet nickt das Rngclicht, durchfurcht von Leid und Nöten! Laßt Guck die Wangen, fahl und schmal, von meinem Glutblick röten. Statt blind zu fronden lernet nur, mit klaren flugen leben; Dann leid Ihr die lebend'gc Kraft, der nichts kann widerstehen. Schaut Guck nur um: sie alle, die in Ketten Guck geschlagen, Sie können nickt mein weißes Licht, das IKaienlickt, ertragen. Sie zittern, daß lein warmer Glanz den engen Blick Guck weite ünd Guck, bewußt der eignen Kraft, zum Ziel der Freiheit leite. Ick bin der erste lllaientag, der Freiheit morgensonne. Ich lacke Guck ins Fjerz hinein wie eitel Frühlingswonne. Wacht auf und Ihr habt Rielenkraft; vorbei find Not und Kummer, Sobald Ihr aus den flugen nur Guck reibt den alten Schlummer. Rtcbard CQagiur. Zum Crften filai! Wie die Londoner Industrieausstellung von 1862 die ersten geschlossenen und bewußten proletarischen Organi» sationen auslöste, so war die Pariser Weltausstellung von 1889 die Geburtshelferin der ersten selbstgewollten proletari« schen Demon st ratio n. Aus den konzentrierten Mächten kapitalistischer Kräfte selbst emporgewachsen, sind Organisation und Demonstration des klassenbewußten Proletariats nichts weiter als ihr eigener revolutionärer, über das Gegenwärtige hinauszielender Wille. Aber während die Organisationen ein Feld un> geheurer. Schritt für Schritt nur vorwärtsdringender Arbeit sind, ist die D e m 0 n st r a t i 0 n des E r st e n Mai ein Tag der Ruhe und der Freude: ein Tag der Ruhe durch Kampf und selbstbewußten Willen, ein Tag der Freude durch die Früchte eigener Arbeit, eine frohe Heerschau nach Kampf und Arbeit wie vor neuen Kämpfen. Niemals eine Ruhe ohne Gedanken an weiteren Kampf bis zum letzten Ziele. Niemals auch ein Schwanken in schweren Zeiten, sondern immer fest und sicher im Willen über alle Sorgen und Nöte der Zeit hinweg, .Denn der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist, Der vermehret das Uebel und breitet es weiter und weiter; Aber werfe st auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich." Jnimer waren diese Worte des Dichters, bewußt oder unbewußt, Grundsatz revolutionärer Klassen, die im Kampfe Sieger blieben; das moderne klassenbewußte Proletariat aber ist so tief von ihnen durchdrungen und handelt so streng nach ihnen, daß nur Menschen,„die zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt", ihm Starrheit und Dogmengläubigkeit vorwerfen können, nicht wissend oder wissen wollend, daß fester Sinn nur der wirklichen Notwendigkeit, niemals aber dem holden trügerischen Scheine weicht. Die wirkliche Notwendigkeit unserer harten Zeit aber ge- bietet mehr denn je auf festen Sinn bedacht zu sein. Und es gibt keinen besseren Prüfstein dafür, als das Verhältnis der beiden Hauptforderungen des Ersten Mai: Sozial- reform und Frieden zur gegenwärtigen Lage der bürger- lichen Gesellschaft. Die Sozialreform hängt längst nicht mehr vom guten oder bösen Willen der Kapitalisten ab, sie ist ein Zwang fortgeschrittener Technik und gesteigerter Anforderungen an Intelligenz und Geschicklichkeit der Arbeitskräste. In dieseni Sinne und in diesen Grenzen dient sie mindestens ebenso dem kapitalistischen Profit wie dem proletarischen Lohnarbeiter. Aber die Sozialreform, soweit sie mehr als leerer Schein ist und wirklich die Arbeitszeit verkürzt, die menschliche Kraft schützt und die Löhne erhöht, wirkt zugleich über den kapitalistischen Nutzen hinaus revolutionär: sie bringt in gesteigertem Maße die Arbeiter zum S eck b st bewußtsei n. Mit diesem proletarischen Selbstbewußtsein weitet sich der Proletarier Blick, wächst ihre Einsicht in die ökonomischen Gegensätze, wächst ihr Verständnis dafür, über den individuellen Vorteil hinaus Forderungen für ihre Klasse zu stellen.— wachsen bei prinzipieller Aufklärung und Festigkeit die gewerkschaft- lichen und politischen proletarischen Organisationen. In diesen Zeiten kommen bann aber auch die besitzenden Klassen mehr denn früher zum Bewußtsein ihrer eigenen Klassenstellung und ihrer eigenen Klassenforderungen, und über alle eigenen kleinen Spaltungen hinweg bilden sie jetzt eine geschlossene Mauer: — die Klassengegensätze wachsen, die Sozialreform stagniert, und es bedarf erst gigantischer Ausbrüche proletarisch- revolutio- närer Kräfte, um wieder vorwärts zu kommen. So war es gerade auch um die Zeit, als die Maifeier ihre Geburt erlebte: es bedurfte des Riesenstreiks der Bergarbeiter im Jahre 1889, um die kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar 1890, die Internationale Arbeiterschutzkonferenz vom März und die Berlepschsche Gewerbe- ordnungsnovelle vom Mai 1890 auszulösen, um Bismarck zu isolieren und seine Entlassung zu einer politischen Not- wendigkeit zu machen. Das waren die Anfänge deutscher Sozialreform. Jetzt sind wir zwanzig Jahre weiter. In diesen zwanzig Jahren ist sicherlich manches für die Arbeiter geschehen, vieles gegen sie versucht, mehr aus eigener Kraft erkämpft; was letztlich bleibt, scheint der herrschenden Kapitalistenklasse viel zu viel, um noch weiter zu gehen. Die letzten Tage gerade zeigen, wie alles sich wieder in der Sozial- reform zuspitzt, wie die organisierten Preisfechter des Kapi- talismus den Kampf geradezu provozieren. Sie bauen auf die Krisis, auf die Schwäche ihrer Gegner. Aber sie täuschen sich; die Arbeiterklasse hat in diesen zwanzig Jahren nicht bloß an Stärke nach Kopf und Zahl zugenommen, ihr Geist und ihre Schulung sind nicht minder gewachsen. Wollen die herrschenden Klassen wieder eine das eigene Land und die Welt erschütternde Katastrophe— sie werden sie haben. Aber die Folgen auf ihre Häupter l Diese Folgen ahnt der maßgebende Teil der kapitalistischen Klassen. Und wenn die Furcht vor ihnen sie auch nicht von einem Kampfe im Innern abhalten zu wollen scheint, das kann man* sagen; vor einem Kampfe nach außen, vor einem Kriege schützt jedes kapitalistisch entwickelte Land die kapitalistische Furcht vor der erwachten Arbeiterklasse. Der Friede ist je gesicherter, je stärker das klassenbewußte Proletariat ist. Aber mit dem Frieden geht es ähnlich wie mit der Sozialreform: auf einer gewissen Höhe schlagen seine Wirkungen revolutionär nach innen, und schon manche ver- blendete herrschende Klasse in der Geschichte hat versucht, die Herrschast im Innern zu erhalten durch einen ftivolen Krieg nach außen. Indessen: das moderne Proletariat ist nicht nur ein nationaler Hort des Friedens, sondern durch seine inter- nationale brüderliche Vereinigung auch über alle Landesgrenzen hinweg das unerschütterliche Fundament des Friedens, der Gesittung und der Kultur. So benutzt auch das deutsche klassenbewußte Proletariat gerade in diesen ernsten Zeiten wirtschaftlicher Krisen und internationaler Nn- sicherheiten das Maifest zu einer besonders herzlichen und aufrichtigen Demonstration für den Weltfrieden. Sozialreform und Friedenl Das sind die Hauptforderungen am Ersten Mai. Aufrufen sollen sie die Schwerhörigen, mahnen die Mächtigen, stärken die Gleich- gesinnten l Sozialreform und Friedenl Sie sind nicht Selbstzweck des Ersten Mai. Antreiben sollen sie im Kampfe, hinzeigen zum Ziele, schärfen den Willen l S 0 laßt uns feiern den Ersten Mai l Die Krlfe. Eine Reihe Rekordzahlen liegen bor uns, wenn wir die Pro- öuktions- und Handelsftatistik der Jahre 1903 bis 1907 betrachten. Die Weltkrise von 1900 bis 1901 war mit dem Jahre 1903 über- wunden und rasch ging es nun vorwärts. Die Steinkohlenproduktion Deutschlands hatte im Jahre 1900 mit 109 Millionen Tonnen den Höhepunkt erreicht, sie ging dann zurück auf 107 Millionen Tonnen im Jahre 1902, aber schon 1903 war die Ziffer des vorhergehenden Hochkonjunkturjahres weit überschritten— 116 Millionen Tonnen, und nun ging es sprungweise vorwärts: 143 Millionen Tonnen war das Ergebnis für 1907. Das gleiche bei der Roheisenproduktion: 1900 der höchste Punkt mit 8,5 Millionen Tonnen, dann ein scharfer Rückschlag auf 7,8 Millionen Tonnen und dann von 1903 ein schnelles Steigen bis auf 13 Millionen Tonnen im Jahre 1907. Der gesamte Außenhandel(Ein- und Ausfuhr) Deutschlands hatte im Jahre 1900 mit 11089 Millionen Mark den Höhepunkt er- reicht, ging im Jahre 1901 auf 10 471 Millionen zurück, im Jahre 1902 kam eine kleine Steigerung auf 10913 Millionen, aber schon 1903 war die Ziffer von 1900 überholt— 11693 Millionen, und von da geht es in Sprüngen vorwärts auf 17006 Millionen im Jahre 1907.— Und nicht nur Deutschland, sämtliche kapitalistische Staaten außer Rußland hatten die gleiche EntWickelung aufzuweisen. Der englische Außenhandel schnellte von 18 420 im Jahre 1903 au 23 747 Millionen Mar! im Jahre 1907 empor, der Handel der Vereinigten Staaten erfuhr in der gleichen Zeit eine Steigerung von 10 272 auf 13 913 Millionen Mark. Es waren glänzende Zeiten, und die kapitalistische Welt schwelgte in Wonne: der angeeignete Mehrwert war riesengroß, der Profit stieg ins schwindelhaste. Da kam der Umschwung im Herbst 1907, „unerwartet und überraschend", wie immer, für die„Herren und Leiter der Produktion", die es noch nicht einmal so weit gebracht haben, die Sturmzeichen der kapitalistischen Wirtschaft zu deuten. Im Lande der„unbegrenzten Möglichkeiten" hatte es begonnen. Ueberproduktion, Bankkrach, Geldkrise, plötzliche Stockung des Waren« Umlaufes, gewaltsame Einschränkung der Produktion. Und alsbald war es klar— wenn auch die Kapitalisten eS noch nicht wahr haben wollten— daß der Zusammenbruch in Amerika die Weltkrise an- meldete. Schlag auf Schlag stellten sich die Stockungen auf dem europäischen Martte ein, Schlag auf Schlag mußte die Produktion eingeschränkt werden, von einem Gewerbe zum anderen pflanzte sich die Krise fort. Man hat uns glauben machen wollen, daß in den Kartellen, Shn- dikaten und Trusts die kapitalistische Welt ein Mittel gefunden hat, die Krisengefahr zu mildern. In den Jahren 1900 und 1907 konnte man das Exempcl auf die Rechnung machen: die mächtigen ameri« konischen Trusts und die deutschen Syndikate haben die Krise nicht aufgehalten und nicht einmal gemildert, im Gegenteil, sie haben sie verschärft. Indem diese Verbände den Versuch machten, die Preise ihrer Erzeugnisse trotz der Krise zu halten, verschlimmerten sie die Lage. Sie beherrschen die Produktjon der Rohstoffe und Halbfabrikate! indem sie die Preise dieser Waren künstlich auf der Höhe hielten, die während der Hochkonjunktur erreicht war, verteuerten sie die Produktionskosten der Industrien, die„Fertigware", Gebrauchsgegenstände des Massen- konsums und fertige Produktionsmittel, wie Maschinen, Geräte usw. herstellen. Es entstand in diesen Industrien ein schreiendes Miß- Verhältnis zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis. Die „Regulierung der Produktion" erfolgte bei den Sydikaten und Trusts einfach durch eine gewaltsame Reduktion, durch Stilllegung von ' Werken, durch Einschränkung der Arbeitszeit, durch Einlegung von Feierschichten, durch massenhafte Entlassung von Arbeitem. Und oft war diese Einschränkung größer als es notwendig war: man ent- bläßte den Markt von Ware, um den Preis gewaltsam zu halten. " Aber auch dieses Ziel wurde nicht erreicht: die Preise mutzten schlietzlich weichen. Für die Arbeiter ist-S ziemlich gleich, ob sie von jedem einzelnen Unternehmer aufs Pflaster geworfen werden, oder ob dies auf Be- schlutz der Syndikate oder Trusts geschieht. Für die Arbeiter der nichtsyndizierten Industrien hat die Preispolitik der Syndikate zur Folge, daß bei dem Mißverhältnis zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis der Druck auf die Löhne um so schärfer wird.— So stellen sich die Unternchmerverbände als das heraus, als was die sozialistische Kritik sie schon vorher erkannt hat: ein Mittel, um von dem Mehrwerte, den die Arbeiter der ganzen Welt produzieren, einen möglichst großen Teil in die Taschen der Verbündeten zu leiten. Als Mittel, die Krisen zu mildern, haben sie versagt. Werfen wir den Blick auf die wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter, so können wir mit Stolz sagen, datz sie in der letzten Krise die Feuerprobe bestanden haben. Wenn früher eine jede Krise die Zahl der Organisierten in den Gewerkschaften gewaltsam reduzierte, so haben jetzt die Gewerkschaften in Deutschland nur ganz geringe Rückgänge an Mitgliedern zu verzeichnen. Die Er- ziehung der Arbeiter zur Solidarität hat gute Früchte gezeitigt. Kein Zweifel auch, datz die Gewerkschaften großartiges zur Linderung der Not ihrer arbeitslosen Mitglieder geleistet haben. Wenn die deutschen Gewerkschaften im Krisenjahre 1908 über 8 Millionen Mark an Arbeitslosenunterstützung zahlen konnten, >so ist das eine glänzende Leistung. Noch wichtiger als das Unter- ftützungswesen der Gewerkschaften zeigt sich jedoch auch im Krisen- jähre ihre Bedeutung als Kampfesorganisationen. Schon das Bestehen festgefügter GewerkschaftSorganisationen hindert in vielen Fällen die Unternehmer, die Situation während derKrise zur Lohndrückerci in einem ' solchen Maße auszunutzen, wie es früher geschah; und wo es notwendig war, da haben die Gewerkschaften auch im Krisenjahre durch Abwehr- streiks dem kapitalistischen Gelüste, die Folgen der Krise nach Mög- lichkeit auf die Arbeiter abzuwälzen, Widerstand geleistet. Die � gewaltigen Kämpfe der englischen SchifiSbauer am Clyde und der Spinner in Lancashire sind Beispiele, daß selbst während der schwersten Krise die Gewerkschaften ihre Position zu behaupten wissen, wenn es sein muß. durch Lohnkämpfe allergrößten Stiles, und in Deutschland, wo zum Glück bisher solche Kämpfe während der gegenwärtigen Krise ausgeblieben sind, haben die Gewerk- jchaften im unermüdlichen Kleinkampfe ihren Mann gestanden. Indessen zeigen die Vorgänge dieser Krise abermals, wie töricht der Wahn ist, den die Befürworter der alleinseligmachenden Selbst- Hilfe verbreiten, denn sie beweisen, daß die Gewerkschaften selbst bei vorzüglichster Organisatton nicht imstande sind, die verheerenden Wirkungen der Krise abzuwenden. Trotz aller Aufopferung und allem KampfeSmute der Arbeiterschaft ist daS Lohnniveau im all- gemeinen gesunken. Noch viel stärker aber ist das Einkommen der Arbeiter infolge der verringerten Arbeitsgelegenheit, der Beschränkung der Arbeitszeit, der Einlegung von Feierschichten gesunken. Die Selbstversicherung der Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit, wie sie die Einführung der Arbeitslosenunterstützung der Gewerkschaften dar- stellt, kann wohl die Folgen der Krise milder», niemals aufheben. Wenn die Gewerkschaften die ganze Arbeiterschaft umfassen würden und allen ihren arbeitslosen Mitgliedern genügende Unter- stützung bieten sollten, würden ihre Kassen unfehlbar gesprengt werden. Es genügt zu erlvägen. datz m Berlin im Januar 101000 Arbeitslose gezählt wurden, die vor Not zu schützen«inen Aufwand von 6 Millionen Mark im. Monat erfordem würde. Als Bollwerk gegen die Uebermacht des Kapitals sind unS die Gewerkschaften unschätzbar, die Uebel des Kapitalismus, zu deren schlimmsten die Krisen gehören, können sie nicht beseitigen. In Deutschland wurden die Wunden, die die Krise schlug, ver- tieft durch die wahnwitzige Handelspolitik. Während daS Einkommen der Massen, sank, während Tausende und Abertausende von Familien Wochen- und monatelang mit einem stark reduzierten Verdienst rechnen mußten, blieben die Lebensmittelpreise hoch. Das Jahr 1908 brachte Preise für Brot und Fleisch, die weit über dem Durch- schnitt des letzten Jahrzehnts standen. Hatten die Arbeiter während der Hochkonjunktur der Jahre 1906 und 1907 die Löhne durch unab- lässige Kämpfe kaum entsprechend der Verteuerung des Lebensunter- Haltes steigern können, s» mußte im Jahre 1903 bei sinkendem Lohnniveau die Lage selbst der vollbeschäftigten Arbeiter sich verschlechtern, während für alle Arbeiterfamilien, die unter Arbeitslosigkeit und vermindertem Einkommen zu leiden hatten, sich geradezu verzweifelt gestalten mußte. Deshalb bedeutet die gegenwärtige Krise einen gewaltigen Rückschlag in der Lebenshaltung der deutschen Arbeiter- klaffe. Ein Ende der Krise ist nicht abzusehen. Wohl macht schon seit ein paar Monaten die Börse krampfhafte Anstrengungen, um die Spekulationslust von neuem anzufeuern und hin und wieder zeigten sich kleine Anläufe zu einer Besserung der Marktlage, die aber stets wieder mit einem Rückschläge endeten. Die Behauptungen, daß nach vollzogener Präsidentenwahl eine Wendung der Konjunktur in den Vereinigten Staaten eintreten würde, hat sich als falsch er- wiesen. Die starke Herabsetzung der Diskontsätze, die Verbilligung des Kredites hat keine merkliche Wirkung auf die Warenumsätze ausgeübt. Die Hoffnung auf eine starke Bautätigkeit ist gleichfalls fehlgeschlagen. Augenblicklich macht sich ein etwas besserer Absatz in der Eisenindustrie bemerkbar, der eine Folge der Herabsetzung der Preise ist, die Anfang April von den Ab- nehmern erzwungen wurde; ob aber diese Belebung andauern wird, ist noch ftaglich. Der Geldmarkt zeigt insofern eine Belebung, als die niedrigen Zinssätze zur Emission neuer Wertpapiere seitens der Aktiengesellschaften anreizen. Da es sich aber bei diesen Emissionen nur zum Teil um Deckung des Kapitalbedarfes für Neuinvestitionen handelt, zum anderen Teil um reine Kreditoperationen sAbstoßung von Bankschulden, Fusionen bestehender Uebernehmungen usw.), so bedeutet diese Zunahme des Kapitalbedarfes keineswegs ein sicheres Zeichen der Zunahme produktiver Tätigkeit. Eines aber ist sicher: die Krise bereitet auch diesmal eine neue kolossalle Ausdehnung und Konzentration der Produktion vor. Mitten in der Krise vollzieht sich in der deutschen und amerikanischen Eisenindustrie die Ausdehnung der Riesenwerke. Der amerikanische Stahltrust wirft Tausende von Arbeitern aufs Pflaster und lätzt gleichzeitig neue gewaltige Stahlwerke er- bauen. Krupp, Gclsenkirchen, Laurahütte usw. nehmen gewaltige Kapitalien auf um die Produktivität ihrer Anlagen zu erhöhen, um die Werke zu erweitern und mit den letzten technischen Neuerungen aus- zustatten. DaS gleiche Bild, in der chemischen Industrie, in der elektrotechnischen Industrie. Die Folge muß sein, daß sobald durch die allmähliche EntWickelung, nachdem eine Entwertung der Waren und eine Abstotzung der Vorräte erfolgt ist, der Markt wieder normale Zustände zeigt, die Ueberfüllung, die Ueberproduktion im raschen Tempo sich einstellen wird und einen abermaligen noch heftigeren Krach zeitigen wird. Die Krisen sind eine unabänderliche Begleiterscheinung der kapitalistischen Wirtschaft und ihre verheerende Wirkung wächst in dem Maße, in dem die kapitalistische Wirtschast über die ganze Erde ausgedehnt wird, je gewaltiger die Produktivkräfte werden, die diese Wirtschaftsform schafft. ES gibt kein Mittel für die kapi- talistische Gesellschaft, den Krisen zu entrinnen. Aber«S gibt ein Mittel, das die Wirkung der Krisen für die Arbeiterklasse abschwächen kann und gleichzeittg die Macht der Arbeiterklasse zum Sturz des Kapitalismus mit all seinen Schäden erhöhen kann. Dieses Mittel ist der gesetzliche Achtstundentag. Dessen seien wir eingedenk am 1. Mai._ Der Steuerichscher in der Flnanzftommifnon. Die SK Donnerstag' abgebrochene Sitzung der Finanz- kommission wurde am Freitagvormittag 10 Uhr fortgesetzt. Der Kommission hatte sich sichtlich eine gewisse Gleichgültigkeit be- mächtigt— man redet, weil die Bedeutung der Sache es erfordert; man weitz aber auch, datz am Resultat nichts mehr zu ändern ist. Das baldige Zustandekommen der Reichsfinanzreform ist wieder in die Ferne gerückt. Die Regierung besteht auf der Erbschafts- steuer; Konservative und Zentrum wollen nichts davon wissen. Die Wirtschaftliche Vereinigung hat einen neuen Antrag ein- gebracht, der die Besteuerung des Wertzuwachses auf Immobilien verlangt und die Regierung ersucht, Erwägungen darüber an- zustellen, wie auch der Wertzuwachs beim mobilen Kapital von einer Sondersteuer getroffen werden könne. Datz mit einem solchen Antrag etwas zu machen ist, glauben natürlich die Antisemiten selbst nicht. Die Verhandlungen be- gannen mit einem kleinen Intermezzo. Genosse Abg. Dr. Südekum wies in seiner Rede darauf hin, datz die bürgerlichen Kommissions. nlitglieder sich eigentlich schon in der zweiten Lesung des Antrages befinden; die erste Lesung hätte ja schon in der am Dienstag ab- gehaltenen Geheimsitzung stattgefunden, von der man die Sozial- demokraten ausgeschlossen hatte. Ein solcher Vorgang stehe einzig da in der parlamentarischen Geschichte. Gegen solches Verfahren lege er Verwahrung ein. So wenig der Sozialdemokratie per- s ö n l i ch an der Einladung zu solchen Besprechungen liege, so wenig fei sie geneigt, sich ausschalten zu lassen. Schatzsckretär Sydow bittet, ihm sofort eine Bemerkung zu gestatten. Er meint, die Regierung hätte nur eine Vorbesprechung mit den konservativen Antragstellern herbeiführen wollen. Den Antragstellern blieb eS vorbehalten, noch Mitglieder anderer Parteien einzuladen. Abg. Dr. Südekum: Der Staatssekretär hätte sich von der Zusammensetzung der Gesellschaft, mit der er unterhandelte, erst überzeugen sollen, ehe er teilnahm; er könne daher die Verantwortung nicht ablehnen. ES sei den Sozialdemokraten recht sympathisch, datz der Abg. Dr. Roesicke die Besteuerung des unverdienten VermögenszuwachscS ver- lange. Er findet es offenbar auch nicht berechtigt, daß eS möglich fei, datz Menschen ihre Existenz lediglich auf ihren Kapitalbesitz gründen, und daß sie dann vermöge dieses Kapitals andere Menschen für sich arbeiten lassen. Der ganze Wertzuwachs könne aber durch den konservativen Antrag nicht getroffen werden. Wenn z. B. für 500 Millionen Mark Dreadnoughts bestellt werden, dann steigt durch den enormen Gewinn der Wert des Besitzes der Firma Krupp, der Dillinger Hütte usw. Die Aktien dieser Werke aber seien fester Familienbesitz und kämen nicht in den Handel. Dieser enorme Wertzuwachs würde also von keiner Wertzuwachssteuer betroffen werden. Die Besteuerung des Grund und BodenS müsse nach anderen Grundsätzen erfolgen, als die des mobilen Kapitals, denn der Grund und Boden stelle einen Monopolwert dar. Wenn der agrarische Besitz so gut wie völlig unerfatzt von der Wert- zuwachssteuer bleibe, dann bringe diese Wertzuwachssteuer nicht viel ein. Man denke nur daran, datz die Uebertragung deS Be- sitzes vom Vater auf den Sohn steuerfrei bleiben soll! Es sei eine Unterlassungssünde gewesen, datz man mit dem Zolltarif- gesetz nicht gleichzeitig ein Wertzuwachssteuergesetz geschaffen habe. Bei gutem Willen könnte das noch nachgeholt werden. Nie und nimmer könne aber ein solches Steuergesetz eine Erbschafts st euer ersetzen. Die Sozialdemo- traten verlangten eine Nachlatz st euer und eine quotisierbare Vermögenssteuer, die nach Be- darf erhöht werden könne. Ehe aber in der Be- ratung des konservativen Antrages weiter fortgefahren werde, wünsche er dringend, datz die Erbschafts st euer in der Kommission in zweiter Lesung weiterberaten und zum Ab- schlutz gebracht werde. Abg. Müller-Meiningen tfrs. Bp.)I kann es nicht billigen, datz die Sozialdemokraten von den Bc- ratungen am Dienstag gar nicht verständigt wurden. Die Er- klärung des Staatssekretärs habe nach jeder Richtung hin Klar- heit geschaffen. Der Plan der Regierung, bei der Finanzreform mit wechselnden Mehrheiten zu arbeiten, scheine ja aufgegeben zu sein. Das Volk erwartet, datz der Bundesrat aus den Erklärungen des Schatzsekretärs Sydow, wonach auf die Erbschafts st euer nicht verzichtet werden kann, die verfasiungsmähigen Konsequenzen zöge. Weshalb sei die Erbanfallsteuer dem Reichstage noch nicht zu- gegangen? DaS Zentrum wolle die Wertzuwachssteuer für das Reich einführen, das Zentrum in Bayern habe aber die Wertzuwachs st euer für Bayern abgelehnt. Hoffentlich komme die Regierung selbst noch dazu, eine Reichs- Vermögenssteuer vorzuschlagen., Abg. Raab(Antis.)1 begründet den bereits erwähnten Antrag der Wirtschaftlichen Ver- einigung. An der Erbschaftssteuer würden die Antisemiten fe st halten. Schatzsekretär Sydow legt noch einmal die Stellung der Regierung zu den einzelnen Anträgen dar. Abg. Spahn(Zentrum): Die Regierung hätte mit ihren kategorischen Erklärungen warten und nach anderen Mitteln und Wegen suchen sollen. Die geäußerten Bedenken gegen die Wertzuwachssteuer seien absolut nicht stichhaltig. Diese Steuer macht nur dann Fiasko, wenn sie auf einige Städte beschränkt bleibe. Anders, wenn sie für daS Reich obligatorisch eingeführt werde. Wir seien eine vermögende Nation geworden und dieser Vermögenszuwachs müsse besteuert werden. Der hauptsächliche Vermögenszuwachs liegt aber nicht beim Grund und Boden, sondern beim mobilen Kapital. Für direkte Vermögens st euern sei das Zentrum nicht zu haben. Bekäme das Reich sein Geld auf andere Weise, dann sei doch kein Anlaß vorhanden, an der Erbschaftssteuer festzuhalten. Finanzminister v. Rheinbaben fei von der Berechtigung der Erb- fchaftssteuer keineswegs überzeugt; er wisse bloß keinen anderen Weg. Die Gerechtigkeit erfordere es. den mobilen Besitz zu treffen, am besten durch eine Wertzuwachssteuer, nicht aber durch eine Erbschaftssteuer. Schatzsekretär Sydow: Die Erbschaftssteuer trifft das Vermögen, die Wertzuwachs- steuer auf Wertpapiere das Geschäft. Die Regierung ist überzeugt. datz ein gangbarer Weg für dies« Steuer nicht gefunden werden kann. Abg. Mommsen(frs. Bg.)«* erklärt, datz eine Finanzreform ohne Erbschaftssteuer einfach un- denkbar sei. Das sei der Standpunkt der Mehrheit des Volkes. Der Widerstand gegen die Reform liegt bei den Konservativen. Für eine Erbschaftssteuer, die bestimmte Klassen freiläßt, würden dieFreisinnigenniez uhabense in. Der konservative Antrag steht im Widerspruch mit dem Besitzsteuertompromitz. Statt dessen wolle man jetzt den Besitz bc- stimmter Erwerbskreise besteuern. Gerade die sehr reichen Leute, die ihre Papiere nicht verkaufen, würden von dieser Wertzuwachssteuer nicht betroffen. Redner geht im einzelnen auf den Inhalt deS konservativen Antrags ein, den er als eine Er- bärmlichkeit bezeichnet: ein Ausspruch, der lebhaften Wider- spruch beim Grafen Westarp auslöst. Die Freisinnigen müßten sich's überlegen, ob sie für eine Erbschaftssteuer stimmen könnien, die erheblich weniger als 100 Millionen Mark einbringt. Damit schließt um 1 Uhr die VormittagSsitzung. Di« Verhandlungen werden um 3 Uhr fortgesetzt. In der Nachmittagssitzung ergriff als erster Abg. Graf Westarp das Wort. Die konservativen Antragsteller hätten, meinte er, nicht die Aufgabe gehabt, einen fertigen Gesetzentwurf vorzulegen. Deshalb wäre die Kritik an dem Antrag nicht berechtigt. Die Wertzuwachssteucr solle neben Wertpapieren auch die Anteilscheine der Gesellschaften mit beschränkter Haftung treffen. Redner geht in längeren Ausführungen auf die technische Seite d?S konservativen Antrages ein und beweist dabei, datz die Konservativen selbst nicht wissen, wie ihre Vorschläge in GesetzeSform gebracht werden könnten. Der konservative Antrag, meint der Redner, sei sehr gut, die Kommission habe ihn bloß nicht recht verstanden. Deshalb wolle er versuchen, diesen Unverstand zu beseitigen. Und nun hält er eine Rede, die sich von der des Abg. Roesick« nur durch noih grötzere Unklarheit unterscheidet. Abg. Miiller-Fulba meinte, die Regierungen hätten den konservativen Antrag mit Freuden begrüßen müssen. Die Zuwachssteuer werde mehr bringen, als man erwarte. Jetzt sei die geeignetfte Zeit, diese Steuer ein- zuführen, ehe noch die Gemeinden in höherem Matze sich ihrer bemächtigen. Das Zentrum wolle den Besitz heranziehen. Wenn man aber die Wahl hat zwischen Erbschaftssteuer und mühelosem Gewinn, dann könne die Wahl nicht schwer fallen. Er belegt durch eine Menge von Einzelfällen, datz die Wertzuwachssteuer sehr er- giebig sei. Die Wertzuwachssteuer aus Wertpapiere werde nicht so viel einbringen, als wie die. Konservativen erhoffen, vielleicht ließen sich diese Papiere fassen bei der Zulassung zur Börse. Ein solcher Vorschlag sei dem ReichSschatzamt schon einmal unterbreitet. von diesem aber nicht beachtet worden. Schatzsekretär Sydow: Nicht darum drehe sich der Streit, ob eine WertzuwachSsteuer eingeführt werden soll, sondern darum, ob diese Steuer als Ersatz für die Erbschafts st euer di enxn fo l l � RclchSbankpräsidcnt Havenstel» dertridigt nochmals die von ihm vorgetragenen Argumente. Wenn man das Börsenspiel fassen lönntc, die Regierung würde kcin-n Moment zaudern. «bg. Dr. Wiemer sfrs. BP.) polemisiert gegen den Abg. Müller-Fulda. Der konservative An- trag habe die ohnehin bereits verfahrene Situation noch vcr- worrener gemacht. Die Ausarbeitung des von den Konservativen verlangten Gesetzentwurfes würde lange Zeit in Anspruch nehmen, und darin liege eine Verschleppung der Finanzreform. Redner hofft, das) sich im Plenum doch noch eine Mehrheit für die Erb- schaftssteuer findet. Er tritt nochmals für die Vermögenssteuer ein, die im Entwurf leichter festgestellt werden könne als wie die Reichseinkommensteuer. Es sei zweifelhaft, ob es überhaupt einen Sinn habe, noch weiter in der Kommission zu verhandeln. Schlietzlich gelangt ein Antrag auf Vertagung zur Annahme, da noch ö Redner eingezeichnet sind. Die Verhandlungen werden heute, Sonnabend vormittag g Uhr, fortgesetzt. Ein so widerliches Schachergeschäft, wie eS gegenwärtig in der Finanzkommission des Reichstages getrieben wird, dürfte so ziem- lich ohne Beispiel in der parlamentarischen Geschichte dastehen. Gerade die konservative Presse hat der Finanzkommission Ver- schleppung der Steuervorlagen vorgeworfen, und nun wird bereits seit 2 Tagen über einen konservativen Verschleppungsantrag ver- handelt. Des Mai-Feiertages wegen erscheint die nächste Nummer des„Vorwärts" Montag früh zu gewohnter Shmde. poUtifcbc GeberHebt Berlin, den 30. April 1909. Abgeordnetenhaus. Am Freitag verlor sich die Beratung des Kultusetats mehr und mehr in Einzelheiten. Das Haus war ungewöhn- lich schwach, das Interesse an den Verhandlungen blaßt von Tag zu Tag ab. Nur einmal wäre es beinahe zu prinzipiellen Auseinandersetzungen zwischen Zentrum und Nationalliberalen gekommen, zu Auseinandersetzungen, die leicht einen Kultur kämpf herbeigeführt hätten. Eigentlich wäre das nur in Ordnung gewesen, denn alljährlich gab es sonst bei der Generaldebatte zum Kultusetat kulturkämpferische Zänkereien. Das preußische Volk hat ein wohl erworbenes Recht, daß das Programm strikte innegehalten wird, und da dieser Pro grammpunkt in diesem Jahre ausgefallen ist, so kann man verlangen, daß er nachgeholt wird. Diesmal waren es die Nationalliberalen, die anfingen. Ihr Redner. Abgeordneter Dr. v. Campe, beschwerte sich darüber, daß mit der Prüfung der Schülerinnen der Hildes heimer höheren Mädchenschule und des Lehrerinnenseminars in Deutsch, Pädagogik und Geschichte drei katholische Exami natoren betraut sind. Natürlich ließen sich die Herren vom Zentrum die Gelegenheit nicht entgehen, dieser national liberalen Provokation ihrerseits die Forderung entgegen zustellen, daß nicht nur der gesamte Schulunterricht, sondern auch die Prüfungen konfessionell gestaltet werden müßten. So sehr wir sachlich �ie Forderung des Zentrums bekämpfen, so müssen wir doch eingestehen, daß sie nur die Antwort auf die nationalliberale Rede gewesen ist. In vorgerückter Stunde begann dann noch die Be ratung des Kapitels:„Universitäten", die durch eine Rede des Nationalliberalen Dr. Friedberg eingeleitet wurde, worin er die Cliquenwirtschaft bei der Anstellung von Privat- dozenten in der Berliner medizinischen Fakultät kritisierte und den Fall Kuhlenbeck zur Sprache brachte. Die Regierung äußerte sich noch nicht. Die weitere Beratung erfolgt am Sonnabend; vorher stehen einige Wahlprüfungen auf der Tagesordnung. Steuerdebatten im Herrenhause. Nachdem da? Herrenhaus in den letzten Tagen die Beamten-, Pfarrer- und Lehrerbesoldungsgesetze angenommen, sowie die Ab- änderung deS Einkommen- und ErgänzungSgese'tzeS genehmigt hat, hatte eS sich am Freitag mit dem sogenannten Mantelgesetz zu befassen. Entgegen den Beschlüsien deS Abgeordnetenhauses, wonach der Wohnungsgeldzuschuß durch ein besonderes Gesetz geregelt werden sollte, hat die Kommission deS Herrenhauses die Wohnungs geldzuschüsse in daS Mantelgesetz hineingearbeitet; außerdem bc antragt sie. dem Wohnungsgeldzüschuß eine rückwirkende Kraft erst vom 1. April dieses Jahres ab zu verleihen, und schließlich will sie die Steuerzuschläge, die das Abgeordnetenhaus nur auf drei Jahre bewilligt hat, dauemd festlegen. Die Generaldebatte gestaltete sich insofern interessant, als Graf Mirbach die Gelegenheit ergriff, die Reichsfinanzreform in die Debatte zu ziehen. Neu war daS. was der lonservativ-agrarische Führer sagte, freilich nicht, aber die Mirbachschen Reden haben stets Anspruch auf Beachtung, weil er sehr häufig mit dem, was feine GesinnungS- freunde im Innern ihres HerzenS verbergen, offen herausplatzt. ES sei nur an seinen fortgesetzten Kampf gegen daS Reichstagswahlrecht erinnert; es fei daran erinnert, daß er einmal direkt zum Staats- streich aufgefordert hat, um dem ihm verhaßten allgemeinen, gleichen, direlten und geheimen Wahlrecht ein Ende zu machen. Diesmal war er etwas vorsichtiger, er begnügte sich damit, die schon tote Reichserbschaftssteuer nochmals totzuschlagen, er sprach des langen und breiten von den großen Opfern, die die Konservativen bringen, tobte gegen die, die ohne cttvaS von Steuerfragcn zu ver- stehen, im ganzen Lande Lärm schlagen und dadurch die Steuerreform gefährden und wetterte gegen Herrn Professor Delbrück— kurz und gut. er hielt eine konservative Agitationsrede, so voller Unrichtigleiten, wie sie eigentlich nur im Herrenhause gehalten werden kann. Wer kann einen Mann ernst nehmen, der davon spricht, daß die Konser- vativen in bezug auf die ReichSfinauzreform Opfer bringen? Wirkt das aufgeblasene und gespreizte Wesen, mit dem der Graf sich als den Pächter steuerlicher Weisheit, all« anderen Sterblichen aber als Idioten hinstellt, nicht geradezu lächerlich? Vollends aber spielte er die Rolle de» Clowns, als er davon sprach, daß die Agrarier nicht nur keine Steuern hinterziehen, wie es Professor Delbrück behailptet hat. sondern daß sie sogar viel zu viel versteuern. Herr Graf Mir- bach sucht den Anschein zu erwecken, als ob der ganze Kampf um die Reichserbschaftssteuer nichts weiter sei als eine Hetze gegen die Konservativen, und er geniert sich nicht, unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität denr von ihm, so lange er mit ihm zusammenging, so hochgeschätzten Professor Adolf Wagner, einige wohlgezielte Hiebe zu versetzen. Mit dem Beratungsgegenstande hatte die Mirbachsche Rede auch nicht da» geringste zu tun. aber waZ kommt e» darauf an? Es war eben eine Rede zum Fenster hinaus, die nicht an das Herrenhaus, sondern«m eine ganz andere Adreffe gerichtet war. Ihm wider- sprach, wenn auch nur zaghaft, der Oberbürgermeister WilmS aus Posen sowie der Nationalökonom Professor v. S ch m o l l e r, der die Reichserbschaftssteuer warm empfahl und die ReichswertzuwachS- steuer bekämpfte. Nach dieser Einleiwng wandte sich da? HauS endlich dem Thema zu, das auf der Tagesordnung stand. Die Debatte nahm, genau so wie beim Lchrerbesoldungsgesetz, eine gereizte Stimmung an. Die Regierungsvertreter operierten wieder so ungeschickt wie nur möglich, sie beriefen sich darauf, daß die Thronrede bereits im Jahre 1V08 die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses angekündigt habe und daß er deshalb rückwirkend vom 1. April 1903 ab bewilligt werden müßte. Natürlich sagten die hohen Herren:„Nun erst recht nicht!" Und man kann ihnen nur darin beipflichten, daß kein Parlament verpflichtet ist, nur weil die Thronrede es ankündigt, ein Gesetz zu verabschieden. Komisch, daß mitunter die Herren- Häusler parlamentarischere Gepflogenheiten an den Tag legen als unsere übrigen deutschen Parlamente! Daß sich dieser Paria- mentarismus an falscher Stelle äußert, ist eine Sache für sich. Jedenfalls bleiben die»Herren" fest und bereiten der Regierung eine neue Niederlage._ Ein demokratisches Budget. Die Art und Weise, wie die liberale englische Regierung das Defizit von über 15 Millionen Pfund Sterling(300 Millionen Mark) aus der Welt schaffen will, unterscheidet sich sehr vorteilhaft von der Finanzreform der Bülow und Sydow. Der englische Finanzminister Lloyd George darf es doch nicht wagen, die Besitzlosen noch ärmer zu machen, uni neue Schiffe bauen zu können. Er holt das Geld von denen, die es haben. Neben einer Automobil st euer, die besonders die Luxusfahrzeuge trifft, soll die Einkommensteuer auf einen Schilling und zwei Pence auf je ein Pfund nicht- erworbenen Einkommens erhöht werden. Bei Ein- kommen über 5000 Pfund wird ein A u f s ch l ag von fechs Pence pro Pfund gemacht werden für die Summe» die 3000 Pfund übersteigt. Die augenblicklich in Kraft befindliche Skala für erworbene Einkommen bleibt u n v e r- ändert, doch wird bei Einkommen von über 3000 Pfund ein Schilling und zwei Pence pro Pfund erhoben werden, während bei Einkommen unter 500 Pfund ein Abzug von zehn Pfund für jedes Kind unter sechzehn Jahren gestattet ist. Diese Erhöhungen werden ein Mehr von 3� Millionen Pfund ergeben. Auch die Grundsteuer soll erhöht werden und ein Mehr von 2 850 000 Pfund ergeben. Ferner sollen die Steuern auf Schankstätten sowie andere ähn- liche Lizenz steuern erhöht und eine Klub st euer ein- geführt werden, die sich nach dem Betrage richten soll, für den in den Klubs Getränke verkauft werden; diese Steuern sollen zusammen ein Mehr von 2 600 000 Pfund ergeben. Die Steuer auf S p i r i t u o s e n soll um 3 Schilling 9 Pence pro Gallone erhöht werden und ein Mehr von 1600000 Pfund ergeben. Die Steuer auf unbearbeiteten Tabak soll von 3 Schilling auf 3 Schilling 8 Pence und die Steuer auf Zigarren, Zigaretten und bearbeiteten Tabak dementsprechend erhöht werden, was ein Mehr von 1 900 000 Pfund ergeben wird. Verschiedene Aenderungen der Stempelsteuer sollen ein Mehr von 650 000 Pfund ergeben. Besonders interessant ist aber, daß die Besteuerung der Nachlässe beträchtlich erhöht werden soll. Schon jetzt bezieht der englische Staat aus der Besteuerung der Erbschaften einen jährlichen Betrag von beinahe 400 Millionen Mark. Trotzdem sollen die Nachlässe noch weit schärfer zur Steuer herangezogen werden, und zwar soll die Nachlaßsteuer ungefähr 6� Millionen Pfund Sterling, also 130 Millionen Mark mehr einbringen. Schon in diesem Jahr denkt man 4 Millionen Pfund Sterling mehr aus der Erbschaftssteuer herauszuholen. Zu diesem Zweck sind künftig bei einem Nachlaß von 200000 Pfund 10 Prozen Steuer zu zahlen und das Maximum von 15 Prozent beginnt bei einer Million Pfund. Der Unterschied zwischen der deutschen Klassenherrschaft und der englischen kann nicht schärfer charakterisiert werden, als durch die Tatsache, daß die englische Regierung es unter- nehmen kann, den wohlhabenden Schichten Englands z u d e n 400 Millionen Mark Erbschaftssteuern noch weitere 120 bis 130 Millionen Mark aufzubürden, während in Deutschland sich die herrschenden Klassen, allen voran der ländliche Großgrundbesitz, mit Händen und Füßen dagegen sträuben, auch nur eine Nachlaßbesteuerung von 90 oder nur von 50 bis 60 Millionen Mark zu übernehmen— und doch erhält der englische Grotzgrund- besitz nicht in Gestalt von Liebesgaben und künstlichen Preisverteuerungen landwirt- schaftlicher Produkte durch die Agrarzölle alljährlich Milliardensummen auf Bolkskosten znerteilt. Selbst unsere Reichsrcgierung scheint erkannt zu haben, wie weit die herrschende Junkerschicht Teutschlands an Patriotismus. Opferwilligkeit und Pflichtgefühl hinter den oberen Tausenden Englanids zurücksteht: denn das Wolffsche Telegraphenbureau schweigt in seinen Mitteilungen über die geplanten englischen Steuererhöhungen vollständig über die Erhöhung der Nachlaßsteuer. Schämt man sich in der Wilhelmstraße?_ Die neue Reichsversicherungsordnung und die Jnvalidenverficherungsanstalte«. Kassel, 30. April. (Privatdepesche des„Vorwärt s".) Die heute hier versammelten Vertreter sämtlicher deutscher Jnvalidenversicherungsan st alten beschäftigten sich in Gegenwart von zahlreichen Ministerial- und Regierungsvertretern in nahezu achtstündiger Verhandlung mit dem Gesetzentwurf der Reichsversicherung. Sie kamen nach lebhafter Auseinandersetzung zu der Ansicht, daß der Gesetzentwurf nur dann die Grundlage für eine wesentliche Förderung der gesamten Arbeiterversicherungs- schutzgesctzgcbung begrüßt werden könne, wenn in einer großen An» zahl wichtiger Punkte eine Aenderung und Ergänzung getroffen würde und der Charakter als öffentliche Behörde den VersicherungS- anstalten unter allen Umständen erhalten bliebe. Alle Bestrebungen, die dahin abzielen, die VersicherungS- anstalten in eine Parteirolle zu bringen, seien abzulehnen. Den VersicherungSämtcrn dürfe ein AufsichtSrccht über die Geschäfts- führung der Versicherungsanstalten nicht zustehen; die Beaufsichti- gung der Heilanstalten dürfe keine Erlveiterung des in dem 29 des Gesetzentwurfes vorgesehenen Aufsichtsrechts der Reichs- und Landesversicherungsanstalten darstellen. Weiter müsse bei der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung der ärztliche Dienst unter allen Umständen durch ausreichende Bestimmungen soweit als möglich sichergestellt werden. Der Vorschlag, mindestens ein ganzes Viertel des Vermögens der Versicherungsanstalten in An- leihen des Reiches oder der Bundesstaate» anzulegen, würde in, hohem Maße die bisherige gemeinnützige Tätigkeit der Versiche» rungsanstalten beeinträchtigen. Schließlich wurde ein Elferausschuß gewählt, der eine weitere Prüfung des Gesetzentwurfes vorzunehmen hat. Ihr Ergebnis soll einer neuen Konferenz vorgelegt werden Die Opferwillige«. Die sächsischen Konservativen machen bekanntlich die Ob- struktion des ostelbischcn Junkertums gegen die Erweiterung der Erbschaftsbcsteuerung nicht mit; doch möchten sie anderer- seils ihren preußischen Gesinnungs- und Seelenverwandten auch nicht gerade in den Rücken fallen. Das Organ der sächsischen Konservativen„Das Vaterland" macht deshalb allerlei possierliche Versuche, unter scharfen Angriffen aus den Liberalismus die verschiedenartige Haltung der sächsischen und preußischen Konservativen zu erklären und zu entschuldigen. Was darüber das Blatt zu sagen weiß, ist ziemlich albern; um so interessanter sind aber zwei allerliebste Geständnisse, die ihm dabei entschlüpfen: erstens, daß in Sachsen nur etwa ein Zwan- zigstel der Landwirte durch die Nachlaß- steuer betroffen würde; zweitens, daß die Landwirte deshalb gegen die Nachlaß- steuer opponieren, weil sie nicht einzusehen ver- möchten, daß„sie zu den bereits vorhan- denen Lasten noch neue auf sich nehmen" sollten. Wörtlich schreibt das ehrsame Agrarierblatt: „Den Bund der Landwirte und seine Anhänger hat man der eigennützigsten Motive, der vcrdammungswürdigsien Interessen- Politik geziehem Und doch hat der Bund nicht? anderes getan, als was sonst alle jene Kreise versucht haben, die durch rie Sydowschen Steuerpläne berührt werden sollten. Ist wohl eine einzige von den vorgeschlagenen Steuern mit Beifall auf- genommen worden? Haben nicht die Tabakinteressenten, die Brauereien, die an elektrischer Kraft und elektrischem Licht interessierten Bevölkerungskreise, und nicht zuletzt die durch ein: Reklamesteuer getroffene Presse alle ihre Kräfte mobil gemacht, um eine oft geradezu unerhörte Gegenagitation zu treiben? Warum muß denn da gerade wieder der Landmann derjenige sein, der stillschweigend und ohne Murren zu den vielen bereits schon vorhandenen Lasten neue auf sich nehmen soll? Denn das steht unzweifelhaft fest, daß auch eine mildere Form der Nachlaßsteuer, eine Erbanfall- steuer, den immobilen(Grund- und Haus-) Besitz entschieden härter trifft als den Kapitalbesitz. Wenn trotzdem ein Teil der Konservativen, und zwar vor allen Dingen die sächsischen Kon- servativen, sich neuerdings für eine Erbanfallsteuer erklärt haben, so ist dieS eben geschehen, weil bei den gegenwärtigen Partei- Verhältnissen ein Zustandekommen der Reform kaum anders möglich erscheint und weil immerhin doch nur ein verschwindender Teil der Landwirtschaft, in SachsenetwaeinZwanzigstel.dieUngerechtig- keiten einer solchen Steuer empfinden wird." Die Zugeständnisse sind recht wertvoll. Also nicht die Sorge um den„germanischen Familiensinn", auch nicht um den„Bestand der Landwirtschaft" bestimmt die Konservativen zu ihrer Obstruktion, sondern weil das zahlungsfähige „Zwanzigstel" nicht gerne noch»neue Lasten auf sich nehmen" möchte._ Terror gegen Postbeamte. _ AuS Elberfeld wird gemeldet: Die Postbehörde zwang ihre Beamten, die Mit- glieder der sozialdemokratischen Tendenzen huldigenden Konsumgenossenschaft„Befreiung" sind, unverzüglich aus derselben auszuscheiden. Sozialdemokratische oder sozialdemokratischen Tendenzen huldigende Konsumvereine gibt es bekanntlich nicht. Auch wenn Sozialdemokraten Konsumvereine leiten und nach Kräften zur sozialen Hebung der Arbeiterklasse benutzen, so werden dadurch die Konsumvereine noch nicht zu sozialdemokratischen. Der Terror der Elberfclder Postbehörde ist also nicht nur eine Vergewaltigung der Postbeamten, sondern obendrein un- sinnig. Wie lange die Staatsbeamten sich diese Degradierung zu Staatsbürgern zweiter Klasse noch gefallen lassen werden?! Krise und Steuererträge in Baden. Im neuesten Heft des Statistischen LandcSamteS wird nach- gewiesen, daß die Steuererträgnisse für das Jahr 1908 wesen t- lich zurückgegangen sind. Vor allem sind eS die in- direkten Stenern, die sogenannten Kopfsteuern, die die verminderte Konsumtionsfähigkeit der unteren Bevölkerungs- schichten schlagend dartun. So ergab die Biersteuer einen Rückgang von 301 01l M., die Weinsteuer einen von 239 455 M. Der Mindererlös für sämtliche Steuern beträgt genau 15 9 59 3 2 M. Dagegen hat die Vermögenssteuer— eine neue Einschätzung deS erst vor zwei Jahren abgeänderten Gesetzes— ein Mehr von 330 480 M., die Elnkommensteuer von 836 575 M. gebracht. Die Steuerabgänge waren wiederum derart, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse den Gradmesser bildeten; sie betrugen 88 875 M.. also erheblich mehr als in früheren Jahren. ES kann also festgestellt werden, daß trotz Erhöhung der Er- träge aus der Einkommen» und der Vermögenssteuer auch in Baden die Krisis den Minderbemittelten schwere Wunden schlägt. Die Ereignisse in der Türkei. Konstautinopel, 30. April. Das Amtsblatt veröffentlicht Depeschen aus den Wilajets Smyrna, Adrianopol, Damaskus, Aleppo, Adana sowie eine Depesche des interimistischen Eniirs von Mekka, in welchen die g ü n st i g e Aufnahme gemeldet wird, welche der Thronwechsel gefunden habe. Türkischen Blättern zufolge wird der Sultan morgen in der K a m m e r der Verlesung deS Hattihumajuns, durch das die Thronbesteigung angezeigt wird, beiwohnen. Die„Turquie" erfährt aus autoritativer Quelle, Abdul Hamid werde nur einige Tage in Saloniki bleiben und dann nach Monastir geschickt werden. Die gesamte Korre- spoudcnz Abdul Hamids soll im Jildiz beschlagnahmt worden sein. Dasselbe Blatt veröffentlicht nach den Angaben»ines Gencralstabsoffizicrs folgende Verlustliste: Die mazedo- nische Armee 97 Tote, 160 Verwundete; die Wider- stand leistenden Truppen 297 Tote. 585 Verwundete. „Jkdam" meldet, Htlmi Pascha habe die Uebernahme des Ministeriums des Innern abgelehnt.„Sabah" veröffentlicht Briefe des ernannt gewesenen Finanzministers D s ch a w i d und des Justizministers Hairi, welche das Portefeuille ablehnen und ansführen, daß kein Mitglied der jung- türkischen Partei ohne einen Majoritätsbeschlutz der Partei Minister werden können. Der„Osmanische Lloyd" meldet: Das Kriegsgericht beauftragte das Polizeiministerium, den Prinzen Burhan Eddin zu verhasten. Der verhaftete frühere Großwesir Kiamil soll bereits freigelassen worden sein. Das jungtürkische Programm. Konstantinopel, 30. April. Gelegentlich des Selamliks hatte ber Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" eine Unterredung mit Schefket Pascha. Dieser sagte unter anderem folgendes: Das Ministerium wird nicht eine Parteiregierung sein, sondern soll sich aus neutralen Staatsmännern zusammensetzen. Der Hauptzweck sei. eine geordnete Ver- w a l t u n g zu schaffen. Der neue Sultan sei sicherlich ein kon- ftitutioneller Monarch, man besitze Garantien dafür. Die ganze Umgebung des Sultans sei mit zuverlässigen neuen Beamten besetzt. Es sei auch erwogen worden, in verschiedenen Bilajets Offiziere des Generalstabes als Malis einzusetzen. Der Aufruhr in Arabien sei nicht von Bedeutung. Die Ge- rächte seien übertrieben. Die Jungtürken hätten die Herrschaft fest in den Händen. Abdul Hamid bleibe solange un- a n g e t a st e t, als er in Saloniki bleibe und nichts gegen das Staatswohl unternehme. Das Standrecht in Konstantinopel würde nur noch kurze Zeit notwendig sein.' Erschießung von Offizieren. Saloniki, 30. April. Bei einer in Valona vorgenommenen Revision der Waffenmagazine durch drei Offiziere ergaben sich Unregelmäßigkeiten. Als die Offiziere die Magazine verließen, schoß ein auf Posten stehender albanesischer Soldat auf sie und tötete einen Major und einen Haupt- mann. Der dritte Offizier blieb unverletzt. Die Lage in den Provinzen. Konstantinopel, 30. April. Konsulardepeschen bezeichnen die Lage in den Wilajets Bagdad und B a s s o r a als u n g ü n st i g. Es werden blutige Zusammenstöße mit verschiedenen Stämmen gemeldet, wodurch die Mobilmachung einiger Rebif- bataillone veranlaßt wurde. Die letzten Depeschen lauten b e- ruhigende r. Aus verschiedenen Konsularmeldungen ist zu ent- nehmen, daß die Militärrevolte vom 13. April auch in einigen kleinasiatischen Orten nachgeahmt wurde. In E r z e r u m zerstörten Soldaten das Klublokal der Jungtürken. von denen sich einige in das französische Konsulat flüchteten. Die Nachrichten über den Einmarsch der mazedonischen Armee in Konstantinopel scheinen einen Umschwung hervorgerufen zu haben.' franfemcb. Die Postbeamtcu. Poris, 30. April. Ueber 6000 P o st- und T el e g r a p h e n- Angestellte hielten letzte Nacht eine Versammlung ab. Nach überaus heftigenAngriffen gegen das Ministerium, insbesondere gegen den Unterstaatssekretär Simyan, wurde ein- stimmig ein Beschlußantrag angenommen, in welchem u. a. die Handlungsweise der von der Regierung mit Maßregelung bedrohten sieben Po st beamten rückhaltlos gebilligt und als Ursache der tiefgehenden Unzufriedenheit der Postbeamten das Vorgehen der Regierung bezeichnet wird, die ihre Ver sprechungen nicht gehalten habe. Schließlich wurde eine Abordnung beauftragt, sich zu Clemenceau zu begeben, um ihn auf die Bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen die Arbeit letzthin wieder aufgenommen wurde, und um ihn wiederholt an die gegebenen Versprechungen zu erinnern. Der Ministerrat beschloß, gegen diejenigen Postbeamten eine Disziplinaruntersuchung einzuleiten, die sich geweigert haben, über ihre in Versammlungen gegen die Regierung gehaltenen Reden Erklärungen abzugeben. Rußland. Der Zar und seiue Leute. Petersburg, 30. April. Der Duma-Abgeordnete Markow, welcher der äußersten Rechten angehört, wurde gestern nach.� Zarskoje Sselo zu einer Sonderaudienz beim Kaiser befohlen. Die Audienz dauerte eine halbe Stunde. Der Kaiser beauftragte Markow, der Fraktion der äußersten Rechten seinen kaiserlichen Gruß zu entbieten. Die Audienz wird in den Kreisen der Duma besonders von den Parteien des Zentrums und der ge mäßigten Rechten lebhaft besprochen. Gerassimow nicht angeklagt. Petersburg, 29. April. Die auswärts verbreitete Meldung, daß der Chef der Petersburger politischen Polizei Generalmajor Gerassimow unter Anklage gestellt werden soll, ist unrichtig. Nach amtlicher Feststellung wird gegen Gerassimow keinerlei An- klage erhoben werden. Er ist aus privaten Gründen ver- abschiedet worden. perNen. Die Russen in TäbriS. TäbrlS, 3t). April. Heute vormittag um 9 Uhr ist die Vorhut der russischen Truppen in Stärke von 110 Kosaken und 69 Infanteristen, von einer großen Volks- menge und von der europäischen Kolonie freudig begrüßt, mit Gesang in Täbris eingerückt. Die Revolutionäre riefen feindselige Zwischenfälle nicht hervor. Nach dem Einmarsch der russischen Vorhut verließen der Direktor des persischen Zollamtes und sein Gehilfe das russische Konsulat, in dem sie sich zwei Wochen lang verborgen ge- halten hatten. Ihnen folgten die in das Konsulat geflüchteten Russen.—__ Ein Protest. Brüssel.(Pribatdepesche des„Vorwärts M Das Internationale sozialistische Bureau erhielt auS TäbriS vom Komitee der sozialdemokratischen Partei eine Depesche, die aus Anlaß deS Einmarsches der Vorhut der russischen Truppen in TäbriS gegen die Vergewaltigung der Freiheitsbewegung P r o t e st erhebt. Die Genossen erbitten die Hilfe aller sozial- demokratischen Parteien, damit der russische Zarismus nicht die konstitutionelle Bewegung PersienS erwürge.— JMarohho. FeS belagert. London, 30. April. Einer.Meldung des„Daily Telegraph� zufolge haben die Mulah Hafid feindlichen Stämme FeS ein- geschlossen und bereits die Zufuhr nach der Hauptstadt ab- geschnitten. Die kürzlich nach Fes zurückgekehrten Gesandschaften Englands und Spaniens sollen gefährdet sein. (3e werk FcbaftUcbc�. An die Arbeiter Deutschlands! Vor einigen Wochen erschien ein Artikel in allen Arbeiter- blättern, in welchem die Aufmerksamkeit auf einen Kampf ge- lenkt wurde, welcher sich zwischen der Buchdrucker-Organisation der Ver. Staaten von Amerika und der Butterick Publishing Co. abspielt. Dieser Kampf ist insofern eigenartig, als hierbei, soweit bekannt, das erstemal versucht wurde, einen Boykott von internationalem Charakter zu inszenieren. Die Butterick Publishing Co.(in Amerika als Schnitt- muster-Trust) versendet ihre Produkte nach allen Teilen der Welt. In Deutschland sind ihre Magazine unter folgenden Nametr bekannt:„Moden-Revue",„Buttericks Moden-Album" und„Buttericks Moden der Hauptstädte". Diese Zeitschriften werden in der Haupt- fache verbreitet, um die K l e i d e r- S ch n i t t m u st e r an- zuzeigen. Ganz besonders werden diese Schnittmuster von Arbeiterfrauen und von Kleidermacherinnen, welche für die Arbeiterfrauen und deren Töchter arbeiten, gekaust. Die Buchdrucker der Vereinigten Staaten von Amerika kämpfen seit drei Jahren für die Einführung des achtstündigen Arbeitstages im Buchdruckgewerbe und die Butterick Publishing Co. zeigte sich bei dieser Gelegenheit als die größte Gegnerin der organisierten Arbeiterschaft. Solange sie im Auslande ungestört ihre Profite einheimsen konnte, war sie imstande, alle Versuche, welche auf Anerkennung der Organisation hin- zielten, mit Hohnlachen zurückzuweisen. Im Juli vorigen Jahres leitete die Firma gerichtliche Klagen gegen die Local 6, New Jork, der Typographia Union, ein und werden alle Anstrengungen gemacht, um die Beamten dieser Organisation ins Gefängnis zu senden, und wenn man die Entscheidungen der vom Trust kontrollierten Richter in Amerika in Betracht zieht, so ist zu erwarten, daß die Arbeiter den Kürzeren ziehen werden. "rbeiter. Freunde! Die Gelegenheit ist da, bei welcher sich die internationale Solidarität der Arbeiterschaft bekunden sollte. Wenn Ihr Euch für unseren Kampf, der gleichzeitig der Kampf der gesamten organisierten Arbeiter von Nordamerika ist, interessiert, wenn Ihr dazu beitragen wollt, einen Sieg der gerechten Sache herbeizuführen, dann sagt Euren Frauen, daß es noch andere Schnittmuster gibt, und zwar von Firmen hergestellt, welche mit den organisierten Arbeitern nicht auf dem Kriegsfuße stehen. Bei Bedarf sollten sie die Butterick- Schnittmuster ignorieren und sollten ihre Freundinnen und Nachbarinnen darauf aufmerksam machen, daß durch Kauf der Produkte der Butterick Publishing Co.(in Deutschland: Aktiengesellschaft für Buttericks Verlag) sie gegen ihre eigene Klasse sündigen l_ Berlin und Qmgegend. Ein Stück Klassenkampf spielt sich gegenwärtig anläßlich des A b w e h r st r e i k s der Holz- a r b e i t e r bei der Firma Saalfeld in Helmstedt ab. Die Stadtpolizeibehörde hat den kleinen Belagerungszu- stand über Helmstedt verhängt. Ein ganzer Stadtteil ist unter ein Ausnahmegesetz gestellt worden, d. h. für die Ar- beiter. Der Erlaß der Polizeibehörde lautet: „Auf Grund des§ 100 Absatz 2 der Städteordnung verbiete ich hiermit zur Aufrechtcrhaltung der öffentlichen Sicherheit und � Ordnung bis auf weiteres auf folgenden Straßen: Streplinge- rode, Rosmarinstraße, Benk, Edelhöfe, Khbitzstraße, Fechtboden, Dunkles Tor und Stolzengasse sowie auf dem Bahnhofe jede Ansammlung von Menschen und jedes Stehen oder Gehen in Gruppen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 15 M., im Falle des Unvermögens mit einer Haftstrafe bis zu 5 Tagen bestraft." Eine zusammengelaufene Gesellschaft arbeitswilliger Lohn- drückcr aus allen Weltgegenden hat in Helmstedt ihren Einzug ge halten zu dem Zwecke, die ortsansässigen, ehrlichen, aber auf einen auskömmlichen Lohn Anspruch erhebenden Arbeiter im Dienste der Kapitalisten niederzuringen. Die Mehrheit der dortigen Bevölke- rung äußerte nun öffentlich ihren Abscheu� vor der Handlungsweise der Arbeitswilligen und, wie das im Klassenstaate nicht anders zu erwarten ist, flugs wird nicht gegen die zusammengelaufenen Ele- mente borgegangen, sondern gegen die einheimische Bevölkerung, die nur ihren Unwillen gegen das volksschädigende Treiben der Zu- gereisten zum Ausdruck bringt. Die polizeiliche Verfügung bleibt nach§ 100 der Städteord- nung 14 Tage lang in Kraft. Mit Hilf« der ganzen Helmstedter und der ehrlichen auswärtigen Arbeiterschaft wird, so steht zu hoffen, auch dieser Kampf mit einem Siege der Arbeiter beendet werden._ Die Bauklempnev". führen ihren Kampf mit ungeschwächten Kräften fort. Sie haben weitere Erfolge zu verzeichnen. Bis Freitag früh waren 68 Ber- träge unterschrieben worden, wie Cohen in einer Versammlung der Ausständigen, die gestern im Gewerkschaftshause stattfand, be° kanntmachte. Wenn in bürgerlichen Zeitungen, offenbar inspiriert vom Unternehmerkartell im Baugewerbe, gesagt wird, daß die Be- w-illigungen einen anderen Charakter angenommen haben durch die Aufhebung der Aussperrung, so ist das nur eine schlechte Verdeckung der verfehlten Taktik der Unternehmer. Man wagt nicht einmal, die Zahl der Arbeitswilligen anzugeben. Wo solche vorhanden sind, da sind auch die Streikenden auf dem Posten und es gelingt ihnen meistens, die Streikbrecher herauszuziehen. Nach Mitteilungen, die der Streikleiwng zugingen, ist anzunehmen, daß die Mehrzahl der Unternehmer bereits damit einverstanden ist, die Forderung der Akkordarbeit fallen zu lassen. Von namhaften Firmen wurde der Streikleiwng nahegelegt, Verhandlungen anzubahnen, aber die Leitung ist der Ansicht, daß dazu gegenwärtig noch keine Veran- lassung vorliegt. Die Arbeiter sind übrigens stets zu Friedens- Verhandlungen geneigt, wenn die Unternehmer entsprechende Vor- schlage machen wollen. Diesmal wäre allerdings der Verzicht auf die Akkordarbeit die notwendige Voraussetzung zur Einleitung von Verhandlungen. Vom christlichen Metallarbeiterverband lag der Versammlung ein Schreiben vor. daß die Christlichen sich zu einem solidarischen Verhalten verpflichten und vor dem Zuzug von Bauklempnern nach Berlin entschieden warnen. Auch eine dahin- gehende mündliche Erklärung wurde abgegeben. Wie die Christ- lichen, stehen auch die Hirsch-Dunckerschen in diesem Kampfe zum Deutschen Metallarbeiterverband und die Unternehmer können daraus ersehen, daß sie von der Uneinigkeit der Arbeiter diesmal nichts zu hoffen haben. Die Anstrengungen, die mit Hilfe von L e b i u s gemacht werden, gelbe Bauklempner zu züchten und heranzuziehen, werden nicht im mindesten gefürchtet; man hat noch keinen Erfolg dieser Anstrengungen sehen können. Am 1. Mai müssen die Streikposten doppelte Aufmerksamkeit entfalten, weil auf den meisten Bauten die Bauarbeiter fehlen werden, wodurch die Unternehmer sich versucht fühlen können, mit arbeitswilligen Bauklempnern nach den Bauten zu gehen. Das Streikbureau wird ebenfalls am 1. Mai offen sein. ■ Der Verband der Baügeschäfte von Berlin und d e n V o r o r t e n(E. V.) hat ein weiteres langes Rund- schreiben unter dem 24. April an seine Mitglieder gerichtet, in welchem es unter anderem über die Aufhebung der Aus- sperrung im Klempnergewerbe heißt: „Erfahrungsgemäß pflegt mit der Wiedereinstellung von Arbeitswilligen der Kampf den Höhepunkt zu erreichen, indem die Organisation der Arbeiwehmer naturgemäß alles aufbietet, um die Beschäftigung der Arbeits- willigen zu hintertreiben. Schon sind die Angehörigen der übrigen Bauhandwerke aufgefordert worden, ihr Augenmerk auf die BauklemMer zu richten, welche mit der kam- wenden Woche auf den Bauten erscheinen werden. Uns liegt es nun ob, den Klempnereigeschäften auch unter diesen Umständen die größte Unterstützung zu- teil werden zu lassen und soweit als möglich dahin zu wirken, daß die arbeitswilligen Klempner nicht belästigt werden. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß in unserem Maurer- und Zimmerhandwerk sogenannte Sympathie- streiks zur Unterstützung streikender oder ausgesperrter Arbeiter anderer Gewerbe nicht zu- lässig sind und als Verstoß gegen d i e T a r i f v e r, träge gelten. Ebenso bestimmen die Tarifverträge, daß anders- oder Nichtorganisierte Arbeitnehmer weder in den Pansen, noch während oder vor und nach der Arbeitszeit belästigt werden dürfen. Wir bitten dringend, das Geschäftsamt des Verbandes sofort von jeder etwaigen Arbeits- niederlegung oder sonstigem Konflikt auf den Arbeitsstellen zu benachrichtigen. Falls die Klempnereigeschäfte in der ersten Zeit nach Auf- Hebung der Aussperrung noch nicht allen an sie gerichteten An- forderungen nachkommen können, oder zuerst nichts so leistungsfähige Arbeitnehmer stellen können, wie sie e? selbst gern möchten, bitten wir um Nachsicht und Geduld usw." In diesem Rundschreiben fehlt aus leicht erklärlichen Grüivden die angedrohte schwarze Liste derjenigen Bauklempnercien, welche ihre Klempner nicht ausgesperrt haben. Streikbrecher (Möbeltischler, Tischmacher, Furnierer. Maschinenarbeiter) werden durch die„V o l k s- Z e i t u n g" und„M o r g e n p o st" gesucht. Bisher sollten die Meldungen Blankenfelde Straße 4, d. i. im Bureau des gelben Handioerker- Schutzverbandes, angebracht werden. Die von dieser Stelle gelieferten Elemente haben aber so wenig das Wohlgefallen der hinter diesem Gesuch stehenden Firma erregt, daß sie jetzt hofft, durch persönliche Auslese bessere Resultate zu erreichen. Ist doch unter den bisher gekaperten die Mehrzahl derer zu zählen, die erst vor sechs Wochen die ver- schiedenen'Streikbrechertransporte nach Zürich mitgemacht haben. Deswegen werden fortan die Meldungen etwaiger Streikbruchs- williger Ansbacher Straße 16 entgegengenommen. Dort hat die Firma Richard Saatfeld ihr Kontor. Die Streikbrecher sucht sie für ihre Möbelfabrik in Helmstedt, in der seit dem 15. April sämtliche Holzarbeiter ausständig sind, weil sie sich einen zehnprozentigen Abzug auf alle tarifvertraglich festgelegten Preise nicht gefallen lassen wollten. Die Firma ist also zudem auch noch vertragsbrüchig. Deswegen wird vor Zuzug von Holzarbeitern aller Branchen nach Helm- stedt dringend gewarnt. Die Lokalverwaltung Helmstedt des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Braucreiarbeitcr! Der Verein der Brauereien Verlins und der Umgegend hat auf das von uns an ihn gerichtete Ersuchen, denjenigen Arbeitnehmern. welche um Freigabe des 1. Mai nachsuchen, den 1. Mai freizugeben, geantwortet, daß die Vereinsbrauereien aus den gleichen Gründen wie im Vorjahre nicht in der Lage wären, diesem Ansuchen nach- zukommen. Von den ringfreien Brauereien und Weißbierbrauereien haben die Gencsssenschaflsbrauerei in Friedrichshagen, Berliner Stadt- brauerei. Pilsener Brauhaus, Norddeutsches Brauhaus dahingehend geantwortet, daß den darum nachsuchenden Arbeitnehmern der erste Mai wie in den früheren Jahren freigegeben wird. Brauereiarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Steinarbeiter! Wegen Maßregelung und Nicht- anerkennung des Tarifes ist das Grabsteingeschäft A. Neu- mann u. Co., Lichtenberg, Alfrodstraße, nebst seinen Filialen am Zentralfriedhof Friodrichsfelde und am RummelSburger Friedhof gesperrt. Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands. Die Differenzen mit Herrn Pawel in Bernau haben ihre Er. ledigung gefunden. Herr Pawel hat sich unterschriftlich bereit erklärt, einen Lohn von 70 Pf. pro Stunde und Fahrgeld zu be- zahlen. Die Sperre ist somit aufgehoben. Zentralverbend der Dachdecker. Deutfcheo Reich. Der Kohlenarbeiterstreik in Kiel ist beendet. Es wurde ein Tarif auf die Dauer von vier Jahren vereinbart, nach dem für das Löschen der Tonne Kohlen in den nächsten vier Jahren 68, 68, 70 und 72 Pf. gezahlt werden sollen. Der Stundenlohn soll 48, 48, 50 und 52 Pf. betragen. In den ersten Jahren bedeutet diese Fest- setzung eine kleine Verschlechterung gegen die jetzigen Arbeits- Verhältnisse, da für die Tonne Kohlen 70 Pf. und ein Stundenlohn von 50 Pf. gezahlt wurden. Gegenüber den von den Unternehmern beabsichtigten Verschlechterungen, die 60 Pf. für die Tonne Kohlen und 40 Pf. Stundenlohn bezahlen wollten, ist es jedoch ein Erfolg. Dieser Erfolg war nur möglich durch die geschlossene Einheit der Kohlenarbeiter, trotzdem die Unternehmer bei der schlechten Ge- schäftskonjunktur Hunderte von Streikbrechern herbeigeholt hatten und ein ganzes Schiff als Streikbrecherlogis eingerichtet war. Ein neuer Kohlenarbeiterstrcik ist in Bremerhafen aus- gebrochen. Betroffen sind davon sämtliche Kohlenfirmen außer den Kohlenbunkern des Norddeutschen Lloyd. Schwarze Listen und kein Ende. Ganz ungeniert um Gesetz und Recht treiben die llnterneymer ihr Unwesen mit den schwarzen Listen. So versandten auch die Bauunternehmer in Coswig(Anhalt) an ihre Kol- legen eine Liste streikender Bauhandwerker mit der Bitte, diese Gesellen nicht in Arbeit zu stellen. Die Liste enthält 89 Namen. Letzte JVachnchten und Dcpcfchcn. Staatsgefährliche Maifestzüge. Hamburg, 39. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der polizeilich genehmigte Maifestzug der Hamburger Ar- beiter wurde heute auf Grund einer höheren Weisung der- boten. Damit auch der Humor zu seinem Rechte komme, hat auch die Altonaer Polizei den von ihr genehmigten, aber von den Parteigenossen wegen der auferlegten Beschränkungen ab- gelehnten Festzug nachträglich verboten. Diese Verbote sind ein Beweis für ein generelles Eingreifen seitens der Re- gierung.„_• Gerüsteinsturz. Frankfurt B. M., 30. April.(23. H.) Wie aus Worms gemeldet wird, stürzte heute nachmittag dort während eines heftigen Gewittersturmes ein schweres Gerüst an den neu errichteten Walz- werke» am Nothafen zusammen. Drei Zimmerleute, die sich in der Nähe des Gerüstes aufhielten, wurden durch herabfallende Balken und Eiscnteile verletzt, davon einer schwer. Der Unfall ereignete sich während der Vesperpause, nur dadurch konnte ein größeres Unglück verhütet werden. Schwarze Pocken. Duisburg, 30. April.(B. H.) Im benachbarten Homberg erkrankten im Krankenhause an schwarzen Pocken eine Kranken- schwester, der Anstaltsgeistliche und ein Knecht. Letzterer ist bereits gestorben. verantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil verantv.: Th, Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtsBuchdr.u.Berlag»anstallPaul SingerL-Co., Berlin LVk, Hierzu 6 Beilage»«.vuterhaltungSbl, aw« i. AtilM dkg Jotroirb" Kttlim WslilÄ>»« Die Gewerhf(l)aften und der Achtstundentag. _' Wenn fmt nun, wo das Maisest zum zwanzigsten Mal gefeiert wird, zurückblicken in die Zeit vor 20 Jahren, so erfüllt uns ein stolzes Gefühl. Vergleichen wir die sozialdemokratische Partei Deutschlands und die Bruderparteien aller Länder mit ihrem Stande vor 20 Jahren, so finden wir eine gewaltige EntWickelung, eine machtvolle Verbreitung sozialistischer Ueberzeugungen, eine grobartige Ausbreitung sozialistischer Organisationen, die Erobe- rung ganzer Länder und Erdteile durch den Kapitalismus und damit für seinen Erben, den Sozialismus. Im Jahre 1880 war die deutsche Sozialdemokratie noch eingeengt durch das Schand- gesetz vom Oktober 1878, und niemand ahnte, daß ein so gewaltiger Erfolg wie der bei den Reichstagswahlen vom März 1890 möglich sein könnte. Die sozialdemokratischen Parteien aller anderen Länder waren kleine Truppen, die für die Politik und für die Vertretung der Arbeiterinteresien in ihren Ländern kaum irgend- wie in Betracht kamen. Wer damals gesagt hätte, daß im Jahre 1900 große sozialdemokratische Fraktionen oder spezielle Ver- tretungen von Arbeiterparteien im englischen, im österreichischen. im italienischen, belgischen und so vielen anderen Parlamentär großen Einfluß ausüben werden, der wäre als ein gar zu ver- trauensselig Hoffender betrachtet worden. Auch die Arbeiter- organisationen des Landes, das im Jahre 1889 den weitesten Vor- sprung vor denen aller anderen Länder hatten, die des Deutschen Reiches, waren damals, an den heutigen Verhältnissen gemessen, klein und schwächlich. Ein einziger Vergleich wird dies am deut- lichsten lehren. Das heute noch halbfeudale und industriearmc, die Arbeiter bedrückende Ungarn hat heute fast ebensoviele geWerk- schaftlich organisierte Arbeiter, als das Deutsche Reich vor 20 Jahren besaß. Mit Bewunderung, in die sich ein Gefühl der Rührung mischt, denken wir heute an die Begründer und Mitglieder der GeWerk- schaftsorganjsationen jener Jahre, die der Ueberwindung des Sozialistengesetzes vorangingen, die, mochten die Beiträge damals auch noch so gering sein, doch ihrer Sache große Opfer brachten, obgleich die Organisationen ihnen, heute dürfen wir es ja sagen, wenig Nutzen in Aussicht stellten. Eine starke, sich dann von Jahr zu Jahr steigernde Einwirkung der Arbeiterorgan i- sationen auf unser Wirtschaftsleben, Einwirkun- gen. die leider noch viel zu wenig studiert und dargestellt sind, beginnt erst vom Jahre 1895. Ein späterer Wirtschaftshistöriker, der nicht so wie die heutigen amtlich gestempelten bei Behandlung der Arbeiterfragen Scheuklappen trägt, wird Zusammenhänge zwischen der machtvollen wirtschaftlichen EntWickelung des Deut- schen Reiches und den Lohnkämpfen der Arbeiter finden. Die Konsumkraft der Massen konnte durch die agrarische Politik nicht hinuntergedrückt, die Absatzfähigkeit der Industrie und auch der Landwirtschaft auf dem heimischen Markte erhalten werden in« folge der Lohnpolitik der Gewerkschaften. Das Ideal unserer Scharfmacher, die Ausrottung der Gewerkschaften, die Vernichtung des Koalitionsrechtes, die„Zufriedenheit" der Arbeiter, hätte uns die tatsächliche Verelendung der Arbeiterklasse, sinkende Kaufkraft und damit in Deutschland eine hinter der heutigen ungeheuer zurückbleibende Absatzfähigkeit der auf Massenproduktion gerich- tete» modernen Großindustrien gebracht. Es kann nicht geleugnet werden, daß wenigstens in den Zeiten des guten Geschäftsganges die II n t e r n e h m e r sich gegen Lohn- erhöhungen nicht so entschieden und energisch wehren, wie gegen die Forderungen der Verkürzung der Arbeitszeit. Aus diesem Gebiete bleiben sie hartnäckig und sind zumeist nur in offener Feldschlacht zu besiegen. Auf der einen Seite wollen sie die Intensität der menschlichen Arbeitskraft ununterbrochen steigern, und auf der anderen Seite hindern sie die Schonung dieser Arbeitskraft. Weit mehr als in dem Zugeständnisse einer Lohnerhöhung empfinden die Unternehmer in der ihnen ab- gerungenen Verkürzung der Arbeitszeit eine schwere und empfind- liche Niederlage, einen offenkundigen und nur zähneknirschend ge- gönnten Erfolg der gewerkschaftlichen Organisation. So sind die Kämpfe um die Verkürzung der Arbeitszeit die schwersten und langwierigsten, sie stellen die höchsten Anforderungen an die Arbeiter und an die Leiter der Gewerk- schaften, an die Führer bei den Arbeitseinstellungen wie an die Unterhändler bei den Waffenstillständen. Die Gewerkschaften sehen auch immer in der Verkürzung der Arbeitszeit den größeren Er- folg und die bedeutendere Errungenschaft als in der natürlich auch immer sehr wichtigen Erhöhung der Löhne. Die Gewerkschaften wissen, daß das ganze Niveau der Arbeiterschaft gehoben, diese körperlich, geistig und moralisch gefördert werden kann, wenn die Arbeitszeit verkürzt wird. Eine langjährige Erfahrung hat die Arbeiter belehrt, daß kurze Arbeitszeiten und hohe Löhne, ebenso wie lange Arbeitszeiten und niedrige Löhne im engsten und deshalb quch ursächlichen Zusammenhange stehen. Die Gesetzgebung und die Arbeitszeit. Wenn wir nun heute auf die verflossenen zwei Jahrzehnte zurücksehen, so finden wir, daß trotz der machtvollen Entwickelung der sozialdemokratischen Parteien aller Länder für die erwachsenen männlichen Arbeiter durch die Gesetzgebung, abgesehen von Frank- reich, keine Fortschritte hinsichtlich der Einengung der Ausbeutung durch die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit erzielt werden konnten. Mainffgfache Erfolge haben die parlamentarischen Ver- tretungen der Sozialdemokratie in den letzten 20 Jahren auch auf dem Gebiete des Arbeiterschutzgesetzcs erzielt, aber so ziemlich jeder größere Erfolg blieb ihnen versagt in ihrem ununterbrochenen Streben, staatlich gesetzte Grenzen für die Ausbeutung der Arbeits- kraft der erwachsenen männlichen Arbeiter aufzurichten. Da zeigte sich der schärfste Widerstand, die kräftigste Solidarität aller hürger- lichen Parteien gegen die Sozialdemokratie. Die Gewerkschaften und die Arbeitszeit. Und doch haben wir in Deutschland ganz bedeutungsvolle Ver- kürzungen der Arbeitszeit für die Arbeiter und Arbriterinnen in den meisten Berufen durchgesetzt. Die gesetzliche Höchstarbeitszeit für die Arbeiterinnen beträgt 11 Stunden, aber der weitaus größte Teil der Arbeiterinnen in der Industrie hat erheblich kürzere Ar- beitszeitcn. Eine gesetzliche Höchstarbeitszeit für die erwachsenen männlichen Arbeiter gibt es. abgesehen von einigen wenigen, be- sonders gefährlichen Industrien, in Deutschland nicht. Der Hunger der Unternehmer nach Mehrarbeit, dieser Wolfshunger, der niemals genug haben kann, dem jede Stunde freier Verfügung der Arbeiter eine Sünde am heiligen Profit ist, dieser Hunger kann nicht mehr wie chedM völlig gestillt werden. Nicht mehr in der körperlichen Unfähigkeit des Arbeiters, mehr zu leisten, nicht mehr ausschließlich in der Notwendigkeit der Wiederherstellung der Kräfte des Arbeiters ist Umfang der Ruhe und Dauer der Arbeitszeit zu suchen! Nein, auch die Arbeiter, die einen kollektiven Willen, eine kollektive Vertretung ihrer Interessen gegen das Unternehmertum geschaffen haben,' die Arbeiter, die nicht mehr isoliert und vereinzelt über Form und Inhalt des Arbeitsvertrages mit dem Unternehmer„verhandeln", sondern in Gewerkschaften zusammengeschlossen und als eine Gemeinschaft die Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen abwehren und für deren Ver- besserung kämpfen, diese in ihren Gewerkschaften organisierten Arbeiter sind heute in Deutschland der bedeutungsvollste Faktor bei der Festsetzung der Arbeitsverträge, bei der Bestimmung der Dauer der Arbeitszeit. Die Gewerkschaften haben in ununter- brochenem Wirken weit mehr als die Gesetzgebung, weit mehr als irgendein anderer Faktor dahin gewirkt, daß heute die Arbeits- zeiten in Deutschland erheblich kürzer sind als vor 20 Jahren. Freilich dort, wo die Gewerkschaften sich nicht entfalten konnten, so in den meisten Zweigen der Heimarbeit, hat die Ver- kürzung der Arbeitszeit nicht oder nur ganz wenig Plötz gegriffen. In der großen Industrie und im Handwerke, wo die Gewerkschaften ihre 2 Millionen Kämpfer rekrutiert haben, wo sie im Kampfe die Arbeiter erzogen und gestählt haben, sind ganz erheblicheVer- kürzungen der Arbeitszeit durchgesetzt worden, zum Teil durch Streiks, in den letzten Jahren in erheblichem Umfange auch auf dem Wege der Verhandlungen. Tarifverträge Wenn wir zurückblicken auf die Zeit bor 20 Jahren, finden wir stanz außerordentlich wenige Tarifverträge. Diese waren damals den meisten Arbeitern etwas durchaus Fremdes und lln- verständliches. Heute aber sind die Tarifverträge eine fast allge- mein eingebürgerte Einrichtung in der deutschen Industrie. Frei- lich dürfen wir uns nicht verhehlen, daß die Tarifverträge ihre ei- heblichste Verbreitung im Kleingewerbe haben, daß sie in d-.r Großindustrie noch lange nicht kräftig durchgedrungen sind, daß sie dort vielfach nur im Gefolge von Abmachungen für das Klein- gewerbe eingeführt sind oder doch nur in verhältnismäßig geringere Umfange Boden fassen konnten. Aber vieles spricht dafür, daß diese merkwürdige Scheidung von Klein- und Großbetrieb heute nicht mehr so stark in die Augen fallen würde, wenn wir nicht vm IZh Jahren von einer Wirtschaftskrise heimgesucht worden wären. Es sprechen viele Anzeichen dafür, daß die strenge Tarif- feindschaft in manchen großen Unternehmerkreisen einer besseren Erkenntnis zu weichen begann, als man wegen des Eintritts der WirtschaMkrise die Angriffskraft der Arbeiterorganisationen ge- schwächt glaubte und deshalb die beabsichtigten Verhandlungen nicht mehr für notwendig, jedenfalls nicht für dringlich hielt, Gewerkschaftliche Literatur. Eigenartige Beweise der Entwickelung unserer Gewerkschaften bilden auch die reichen Ergebnisse ihrer literarischen Produktion. Klein und unbedeutend, in überschlichtem Gewände stellten sich die Berichte der gewerkschaftlichen Organisationen vor zwei Jahr- zehnten dar. Von den meisten Organisationen wurde auf Ver- öffenllichungen fast vollkommen verzichtet, während heute von unseren Gewerkschaften alljährlich ganze Sammlungen von B'° richten, Statistiken, Enqueten, Jahrbüchern usw. veröffentlicht werden? So besitzen wir eine reiche Fülle von Material, ja so vieles, daß wir gar nicht daran denken können, erschöpfend dar- zustellen, was unsere Gewerkschaften auf dem Gebiete der Arbeits- zeitverkürzung in den letzten 20 Jahren geleistet haben. Aber selbst wenn wir durchaus auf eine vollständige Darstellung ver- zichten, so wird doch das, lvaS wir beizubringen in der Lage sind, eindrucksvoll lehren, daß die Gewerkschaften heute die wichtigsten Faktoren sind, die in unserem- Wirtschaftsgebiets für die Ver- kürzung der Arbeitszeit tätig sind.*) *) Aus dem überaus umfangreichen Materials über die Er- rungenschaften deutscher Gewerkschaften hinsichtlich der Arbeitszeit können wir in diesein Artikel nur Beispiele anführen. Es war uns schon aus Raumrücksichten nicht möglich, mehr als eine beschränkte Auswahl anzuführen. Selbstverständlich werden manche Leser bc- dauern, daß gerade die großen Erfolge ihrer Organisation in dieser Hinsicht übergangen wurden. Wir hatten aber bloß die Wahl, entweder auf diese Darstellung überhaupt zu verzichten, oder bloß einen Teil der Organisationen hinsichtlich ihrer Erfolge be- züglich der Verkürzung ihrer Arbeitszeit darzustellen. In einer wohl in Kürze erscheinenden Neuausgabe der Schrift zum„Acht- stundentag" wird der Verfasser bemüht sein, alle gewerkschaftlichen Organisationen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz hinsichtlich der Erfolge ihrer Kämpfe um die Verkürzung der Arbeits- zeit darzustellen. Buchdrucker. Sicherlich nicht unbeeinflußt durch die große Bewegung für die Verkürzung der Arbeitszeit, die wir als Folge der Pariser Bc- schlüsse zu beobachten hatten, erlebten wir am Schlüsse des Jahres 1891 eine der mächtigsten Streikbewegungen, weit hinübergreifend in das Jahr 1892. Vor uns liegt die Resolution, die die Stntt- garter Buchdrucker am 1. Mai 1890 gefaßt hatten. Wir entnehmen ihr den nachstehenden Satz: ,T®ie heutige allgemeine Buchdruckerversammlung, welche sich mit den Ausführungen des Referenten betreffend die acht- stündigc Arbeitszeit in voller Uebcreinstimmung befindet, erklärt: 1. für die Verkürzung der Arbeitszeit mit allen gesetzlich zu- lässigen Mitteln einzutreten; 2. da in dieser Angelegenheit nur etwas Ersprießliches er- reicht werden kann, wenn möglichst alle Buchdruckcrgehilfen sich einig wissen, so ergeht an die den: Unterstützungsverein deutscher Buchdrucker noch fernstehenden Kollegen die Aufforderung, sich demselben anzuschließen." Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten wurden ähn- liche Resolutionen gefaßt. Die Kämpfe um die Verkürzung der Arbeitszeit von 1891 und 1892 waren vergeblich. Aber 1898 mußte man bewilligen, was man trotz schwerer Opfer 5 Jahre vorher nicht bewilligen zu können erklärte. Es galt dem Kampf um die Ver- kürzung der bis dahin Ivstündigcn Arbeitszeit. Nach der neuesten Statistik des Tarifämtes der deutschen Buchdrucker für das Jahr 1907 arbeiteten 8881 Gehilfen weniger wie 9 Stunden, und zwar 1356 8 und weniger Stunden, die übrigen SM bis 8% Stunden, 35013 arbeiteten 9 Stunden, mehr wie 9 bis 9Zh Stunden arbeiteten 2595, 715 arbeiteten über 9!4 bis 19 Stunden, endlich 76 19% bis 11 Stunden. In diesen Zahlen ist deutlich auseinander- gesetzt, wie stArk die Verkürzung der Arbeitszeit in dg, BuK> druckereien gewesen sein muß. Im Jahre 1900 atbeitefeft von 38 682 Gehilfen 32 332 9 Stunden und kürzer, im Jahre 1907 von 48516 45 074. Metallarbeiter. Der deutsche Metallarbeiterverband hat im Jahre 1907 Ar- beitszeitverkürzungen für 81 372 Personen insgesamt pro Woche 231 197 Stunden oder für den einzelnen 2,9 Stunden pro Woche er- zielt. Im Jahre 1906 wurde eine wöchentliche Arbeitszeit- Verkürzung von 304 348 Stunden erreicht. Rechnet man das Jahr bloß mit 4ß Arbeitswochen, wie es vorsichtig der deutsche Metall- arbeiterveroand in seinem Jahr- und Handbuche für Verbands- Mitglieder für das Jahr 1907 tut, so erhält man eine Arbeitszeit- Verkürzung für das Jahr 1907 von 9 366 760 und für das Jahr 1906 von 12 173 920 Stunden. Für die größte Zahl der Arbeiter wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit von 3 Stunden, für eine nächst größere Gruppe von 4 Stunden erzielt; eine noch immer ansehn- liche Zahl erreichte eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung von 6 Stunden, kleinere Gruppen noch längere Arbeitszeitverkürzungen bis zu 12 Stunden. Wenn man die Leistungen der Gewerkschaft in bezug auf die Arbeitszeit genau würdigen will, darf man nicht, wie das so häufig geschieht, vergessen, was die Gewerkschaften Großes und Bedeutungsvolles, wenn auch häufig von ihnen gar nicht Feststellbares leisten hinsichtlich der Abwehr von Ver- län gerungen der Arbeitszeit. Wenn der deutsche Metallarbeiterverband für das Jahr 1907 als abgewehrte Verlänge- rungen der Arbeitszeit 5532 Stunden für 1636 Beteiligte angibt, so ist dies sicherlich nur ein ganz geringer Bruchteil der tatsäch- lichen Leistung auf diesem Gebiete. Schon der Bestand der Orga- nisation, ihre Kraft der Abwehr und ihre Kampfbereitschaft hindern tausende Unternehmer, die Arbeitszeit tatsächlich zu verlängern, ja nur öffentlich dies zu planen oder ein Wort hierüber fallen zu lassen. Eine ganz außerordentliche Leistung der gewerkschaftlichen Organisation im allgemeinen, des Metallarbeitervcrbandcs im be- sonderen, ist die Tatsache, daß so ziemlich alle Aussper- rungen ohne eine Verlängerung der Arbeitszeit zum Abschluß gebracht werden konnten. Bis zum Ende des Jahres 1907 hat der deutsche Metallarbeitcrvcrband 13 289110 M. für Kampfzwccke ausgegeben. Es ist sicherlich kaum jemals so nützlich innerhalb des Deutschen Reiches Geld für K u l t u r z w e ck e, für die Verbesserung der Lage der Arbeiter, für die Hebung breiter Schichten unserer Volksgenossen ausgegeben worden, wie bei den Leistungen unserer Gewerkschaftsorganisa- tionen, die wir mit den Zahlen des MetallarbeitervcrbandeS nur illustrieren wollten. Die Unternehmer und die ihnen willig dienenden Federn jammern so häufig über die unerhörte Aus- beutung der armen Arbeiter durch die Gewerkschaftsorganisationcn. Wie gut könnte es den Arbeitern gehen, wenn sie nicht durch den unerhörten Terrorismus ihrer Führer gezwungen würden, für die Streiks— im übrigen auch für die Abwehr von Aussperrungen— so viel Geld auszugeben. Nun lehrt der Rechenschaftsbericht des deutschen Mctallarbeiterverbandes, daß im Jahre 1907, sicherlich einem großen Kampfesjahr, 5.073 M. auf den Kopf des Mitgliedes fiir Streikunterstützung verwendet wurden. Bei aller hohen Ein- schätzung der Gewinne unserer Unternehmer dürfen wir doch stolz sagen, daß im ganzen Deutschen Reich kaum irgendwo Geld so vor- teilhaft angelegt wurde, als wie diese 5 M. und einige Pfennige, die das Mitglied des deutschen Metallarbcitcrverbandes der Streik- Unterstützung widmet. Heizet und Maschinisten. Den schwersten Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit haben die Heizer und Maschinisten zu führen, weil sie lange vor Beginn der Arbeit in den Betrieben erscheinen müssen und, wenn alle anderen Arbeiter Feierabend machen, den Betrieb noch nicht verlassen dürfen. Die Betriebe mit kontinuierlicher Arbeitszeit, mit 24stündigen Wechselschichten, kommen für diesen Beruf sehr stark in Betracht. Trotz aller Schwierigkeiten kämpft diese Orga- nisation für die Verkürzung der Arbeitszeit; sie hat im Jahre 1907 für 2431 Berufsgenossen eine Arbeitszeitverkürzung von 28 606 Stunden durchgesetzt.■ Holzarbeiter. � Seit langer Zeit wird in dem Deutschen Holzarbciterverbande die Statistik der Arbeitszeit in gründlicher Weise gepflegt. Für sämtliche Beschäftigte wies die durchschnittliche wöchentliche Ar» beitszeit in den Verbandsstatistiken folgende Entwickelung auf: jg 1996 1902 1897 1893 57,9 Stunden 58,3 Stunden 59,3 Stunden 61,5 Stunden Wir finden somit eine wöchentliche Verkürzung der Arbeitszeit um 3% Stunden, das sind pro Jahr 182 Stunden, oder mehr wie eine dreiwöchentliche Arbeitszeit. Bei den Tischlern.ging die wöchentliche Arbeitszeit von 1893— 1996 zurück von 61,4 auf 56,7 Stunden, bei den Drechslern von 62,5 auf 57,3 Stunden, bei den Stellmachern von 63,1 auf 58,6 Stunden, bei den B ü r st e n- und Pinsel machern von 62,1 auf 59,0 Stunden. Bei den Korbmachern war der Rück- gang von 1897— 1906 von 61,4 auf 59,7 Stunden. Abgesehen von den Spielwarenarbeitern hatte im Jahre 1906 keine Gruppe der organisierten deutschen Holzarbeiter eine durchschnitt- lich 10stündige Arbeitszeit. Vielfach war schon derNeunstunden» tag erzielt, und das Streben der Holzarbeiter ist auf seine Er» ringung und auf die Durchsetzung noch kürzerer Arbeitszeiten ge- richtet.- Nach der Statistik vom Jahre 1906 hatten 875 Arbeiter, bar» unter 220 Tischler, 290 Parkettbodenleger, 155 Stockarbeitcr- 105 Kammacher und 195 andere Holzarbeiter Arbeitszeiten von 48 und weniger Stunden. 8591 Arbeiter hatten Arbeitszeiten über 43— 51 Stunden, also 8%stündige oder kürzere Arbeitszeit. Dann kamen 67 892 Arbeiter mit 52— 54stündiger Arbeitszeit, so daß über 77 000 Arbeiter eine Arbeitszeit von weniger wie 9 Stunden hatten. Arbeitszeiten von über 11 Stunden waren nur noch ganz seltene Ausnahmen. Während also mehr als 77 000 Arbeiter weniger wie 9 Stunden arbeiten, arbeiteten mehr als 40 000 über 9 und weniger als 10 Stunden, über 76 000 10 Stunden, noch nicht 19 000 10— 11 Stunden und nur rund 2600 über 11 Stunden. So sehen wir, daß die langen Arbeitszeiten immer mehr in Wegfall kommen. Auf 1000 Tischler kamen noch im Jahre 1893 253, im Jahre 1906 aber nur noch 62, die mehr wie 64 Stunden arbeiteten. 61—63 Stunden in der Woche arbeiteten im Jahre 1893 124, im Jahre 1906 nur noch 39. 53—60 Stunden arbeiteten im Jahre 1893 480. im Jahre 1906 nur noch 375. Dafür grhxitxtko iW Lahrs IM 10& Stundsn in der Wsche. int Jahre 1006 aber 167. Im Jahre 1B93 arbetteien 52 bis 54 Stunden 84, im Jahre 1906 aber 341. Auf 1000 Arbeiter kamen im Jahre 1893 bloß 4 mit einer Arbeitszeit unter 51 Stunden, im Jahre 1906 aber 45. In dieser Darstellung zeigt sich die starke EntWickelung in der Abnahme der Arbeitszeit in einer kürzeren Spanne Zeit als in den 20 Jahren, die uns von der ersten Maifeier trennen. Vom Jahre 1906 ab finden wir noch eine ganze Anzahl weiterer Verkürzungen der Arbeitszeit, so z. B. im Jahre 1907 als Folge der Lohnbewegungen für 15 345 Per- sonen eine durchschnittliche wöchentliche Verkürzung der Arbeits- zeit um 2,6 Stunden, ohne daß Streiks hierzu notwendig waren, außerdem als Ergebnis von Streiks für 4952 Personen eine Ver- kürzung der Arbeitszeit um wöchentlich 3 Stunden, endlich als Folge von Aussperrungen eine sofortige Verkürzung der Arbeits- zeit um 1,2 Stunden für 780 Arbeiter und um 1 Stunde bei späterem Inkrafttreten für 18 252 Holzarbeiter. Diese Ergebnisse zeigen deutlich und eindringlich die Bedeutung der gewerkschaft- lichen Organisation in der Richtung der Arbeitszeitverkürzung. Es muß aber festgehalten werden, daß diese Verkürzung der Arbeitszeit st eis mit Lohnerhöhungen und mit mancherlei anderen Vorteilen für die Organisation und für die an den Kämpfen beteiligten Arbeiter, ja auch für zaIreiche Ar- beiter, die den Kämpfen fernstanden, verbunden waren. Glaser. DaS vor kurzem erschienene Buch„Lohn- und ArbeitSverhält- nisse im deutschen Glasergewerbe, statistisch aufgenommen im Jahre 1908", stellt fest, daß von den Glasern, von denen An- gaben über die Arbeitszeit zu erhalten waren, täglich arbeiteten: 8Va Stunden 25, 0 Stunden 888, 9% Stunden 775, 10 Stunden 750, 101h Stunden 72, 11 Stunden 48, 12 Stunden 4. Wir sehen somit schon, daß die stärkste Gruppe nur 9 Stunden arbeitet, daß auch kürzere Arbeitszeiten festgestellt werden konnten, und daß die ganz langen Arbeitszeiten nur noch zu den Ausnahmen gehören. Wer weiß, daß die Glasergehilfen zu den sehr lange beschäftigten Ar- beitern gehörten, der wird auch aus den Feststellungen des Jahres 1908 auf eine ganz erhebliche Verbesserung der Lage dieser Arbeiter schließen können. Auch er wird zu dem Urteile gelangen müsien, daß die gewerkschaftliche Organisation eine der hauptsächlichsten Ursachen für die Verkürzung der Arbeitszeit war. Maurer. Der Kampf um die Arbeitszeit spielt im Maurergewerbe eine sehr große Rolle. Eine Statistik PaeplowS und Bömel- b u r g s aus dem Jahre 1902„Das Maurergewerbe, in der Statistik" erstreckte sich auf 1442 Orte. In 842 dieser wurde in den Jahren 1835—1900 eine Arbeitszeitverkürzung für 10l ß59 Maurer durchgesetzt. Im Jahre 1903 wurde in 191 Orten für 14 783 Maurer eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht für -4 derselben von einer halben Stunde im Tag, für'4 von einer -Stunde im Tag. Im Jahre 1904 erreichten 8952 Maurer eine Ver» kürzung der Arbeitszeit von einer halben Stunde im Tag und 11 105 eine Verkürzung von 1 Stunde im Tag. Im Jahre 1905 wurde die Verkürzung der Arbeitszeit in 975 Orten durchgesetzt, und zwar für 16 300 Maurer eine halbe Stunde im Tage und für 16 271 Maurer eine Stunde im Tage. Im Jahre 1906 gelang eine Verkürzung der Arbeitszeit für 2431 Orte, und zwar für 809 Maurer mit einer Viertelstunde im Tag, für 20 854 Maurer für eine halbe Stunde im Tage, für 12764 für eine Stunde im Tag, für 210 l'Vt Stunden im Tag, und endlich für 127 für 2 Stunden im Tage. Im Jahre 1907 erzielten die Maurer für 23 829 Berufsgenossen eine wöchentliche Reduktion der Arbeitszeit von 87481 Stunden. Zimmerer. Eine der vielen statistischen Arbeiten des Zentralverbandes der Zimmerer behandelt die„Organisationsverhältnisse, Arbeitszeit und Stundenlöhne im deutschen Zimmerergewerbo". Hier zeigt sich, daß im Jahre 1907 die 12stündlge Arbeitszeit nur noch an einem Orte mit 33 Mitgliedern, die llstündige nur noch an 83 Orten mit 2270 Mitgliedern, 10%. und 10%stündige Arbeitszeit an 48 Orten mit 2290 Mit- gliedern festzustellen war. Die häufigste Arbeitszeit war die lOstündige in 492 Orten mit 28 594 Mitgliedern, die zunächst ver- breitete ist die Ostündige Arbeitszeit in 23 meist großstädtischen Zahlstellen mit 11 393 Mitgliedern. Hierauf kommt an dritter Stelle die Arbeitszeit von weniger wie 10, aber mehr wie 9 Stunden in 43 Orten mit 8500 Mitgliedern. Bei den Zimmerern finden wir als Ergebnis der Tarif- bewegung bis einschließlich des Jahres 1908 im Sommer die zehn- stündige Arbeitszeit für 30 441, längere Arbeitszeiten für 2099, kürzere Arbeitszeiten aber für 13 676 Zimmerer. Bäcker. Am deutlichsten läßt sich die Wirkung der Arbeiterbewegung auf die Arbeitszeit in den Bäckereien feststellen. Die fleißige, ein- drucksvolle, auch auf den Gegner erschütternd wirkende Arbeit von August Bebel über die Lage der Bäckereiarbeiter hat amtliche Untersuchungen, wissenschaftliche Feststellungen und auch bekanntlich eine Bundesratsvewrdnung und zahlreiche Polizei- Verordnungen zur Folge gehabt. Das wichtigste Verdienst Bebels war aber, daß die Bäckereiarbeiter aufgerüttelt wurden, daß sie selbst durch ihre von Jahr zu Jahr sich mehr kräftigende Organi- satwn erhebliche Verkürzungen der Arbeitszeit durchsetzten. Schon die statistischen Erhebungen des Bäckerverbandes vom Jahre 1904, „Die Lage der Bäckereiarbeiter Deutschlands", lehren uns, daß zwar noch immer zur Schande unserer Gewerbe. aufsicht und Gewerbepolizei sehr viele Betriebe noch über den zu- lässigen 12stündigen Arbeitstag die Arbeitskraft von Gehilfen, viel- fach auch von Lehrlingen ausbeuten, andererseits muß festgestellt werden, daß eine noch viel größere Anzahl von Betrieben schon im Jahre 1904 kürzere Arbeitszeiten aufweisen konnten, daß schon vor 5 Jahren in 129 Betrieben der Achtstundentag» in 236 Betrieben der 8% bis Neunstundentag und in 254 Betrieben der Zehnstundcntag und in weiteren über 900 Betrieben kürzere Arbeitszeiten als die gesetzlich zulässigen festzustellen waren. Die Bäcker und die mit ihnen verbundenen Konditoren müssen ihre Kämpfe noch vielfach führen für die Abschaffung von Kost und Logis bei Unternehmern, für die Anerkennung ihrer Organisation usw. Trotzdem wurden im Jahre 1903 alS in einem sicherlich nicht günstigen Jahre für 1507 Beteiligte 4462 Stunden wöchentliche Arbeitszeitverkürzung erreicht. In den vier Jahren 1905— 1908 wurden für 16 941 Bäckereiarbeiter wöchentliche Arbeitszeitverkürzungen von 66 687 Stunden erzielt. Mit Stolz schließt eine Betrachtung im Jahr- buche 1908 des Verbandes der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufsgenossen, daß sie mit Eintritt eines wirtschaftlichen Auf- schwunges in der Lage sein werden, die tieftraurigen Lohn- und Ar- beitsbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Fabrik- betrieben der Schokoladen-, Zuckerwaren-, Kakes- und Honigkuchen- industrie wesentlich zu verbessern. Textilarbeiter. Ueberaus zähen Widerstand setzt daS Unternehmertum der Textilindustrie allen Bestrebungen entgegen, die auf die Ver- kürzung der Arbeitszeit gerichtet sind. ES tut nur not, atuC r i m- m i t scha u zu erinnern, um die Schwierigkeit eimS zew?rkfchaft- lichen Erfolges in dieser hochentwickelten Großindustrie zu wür- digen. Gerade vom Verbände deutscher Textilarbeiter müssen de- sonders viele Kämpfe geführt werden, um die Verschlechte- rung der Arbeitsbedingungen abzuwehren. ES ist charakteristisch, daß in den Jahren 1906 und 1907 wohl der- einzelte Verschlechterungen des Lohnes, aber keine Verlängerung der Arbeitszeit von den Unternehmern durchgesetzt wurde. In diesen beiden Jahren erzielte der Verband der Textilarbeiter für 52 647 an den Bewegungen Beteiligte Arbeitszeitverkürzungen, meistens von 3, aber auch von 4, 5, 6, vereinzelt von 9 Stunden, in nicht wenigen Fällen fteilich auch nur von Weniger wie 3 Stunden. Im Jahre 1908 erreichte der Verband eine Verkürzung der Arbeitszeit für 1406 Personen mn 4249 Stunden in der Wockie. Dabei wurde eine Verlängerung für 373 Arbeiter und 1329 Stunden abgewehrt. In den Jahren 1904 und 1905 wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit für 71 741 Arbeiter erzielt. In ver-» einzelten Fällen erreichte diese Verkürzung der wöchentlichen Ar- beitszeit 7 Shindett, einmal sogar 9 Stunden, sonst zumeist 3 und mehr Stunden, nur in wenigen Fällen weniger wie 3 Stunden. Gemeindearbciter. Eine Schicht von Arbeitern, die lange Zeit von der Arbeiter- bewegung unberührt geblieben war, die nach schweren Anfängen zu immer größeren Erfolgen auch hinsichtlich ihrer Einwirkungen auf die Arbeitszeit sich entwickelte, ist der Verband der Ge- meinde- und Staatsarbeiter. Für die kontinuier- lichen Betriebe haben sie vielfach den Achtstundentag errungen. Die Jnnenbetriebsarbeiter der Gasanstalten haben ihn jetzt in 47 Städten mit etwa 65 Gaswerken. Das Bc- triebspersonal der Elektrizitätswerke hat in 7 Städien den Achtstundentag durchgesetzt. Für die Nachtschichten der Arbeiter in der Straßenreinigung besteht der Achtstundentag bereits in 16 Städten, zur Sommerzeit auch bei Tage in Fürth, auch in Berlin waren Versuche nach dieser Richtung im Gange. Die Kanalisationsarbeiter haben für die Nachtschicht in 4 Städten den Achtstundentag errungen. Eine neunstündige Ar- beitszeit für alle städtischen Arbeiter besteht in Ludwigs- Hafen, in Schöneberg und Osfenbach, endlich auch vor kurzem eingeführt in Frankfurt a. M. Für einen Teil der städtischen Arbeiter ist der Neunstundentag durchgeführt!n Berlin, in Leipzig, Köln, Magdeburg, Königs- berg und Stuttgart. Ist auch vieles für diese Arbeiter noch zu erringen, so weifen sie doch große und wichtige Fortschritte auf. Erzieltes und Ziel. In außerordentlich opferreichen, zähen Kämpfen, die zahlreiche Maßregelungen, schwarze Listen, monatelange Entbehrungen der einzelnen, ungeheure Geldopfer der Organisation zur Folge hatten, wurden von fast allen Gewerkschaftsorganisationen Verkürzungen der Arbeitszeit errungen. Noch sind die Arbeiter fast aller Berufe weit entfernt von der Erringung des Achtstundentages, aber sie haben sich auch stark entfernt von der Arbeitszeit, die zu der Zeit herrschte, als man zum ersten Male zur Maifeier rüstete. Damals waren die Gewerkschaften ein kleines, unscheinbares, den Unter- nehmern nicht imponierendes Häuflein ohne große Kampfes- erfahrung, ohne ausgebildete Methoden für den Lohnstreit, ohne erhebliche Schulung der Führer und mit noch geringerer Schulung der Masse. Heute steht aber trotz der wirtschaftlichen Krise eine große und gerüstete schlagfertige Armee mit guter Disziplin, kräf- tiger Solidarität und ansehnlichen Finanzen da, um jede günstige Gelegenheit für die Verbesserung der Lohn- unc Arbcils- bedinguitgen auszunützen, und stets in erster Reihe daran denkend, die Arbeitszeit zu verkürzen. Was die deutschen Arbeiter an Verkürzung der Arbeitszeit erreicht haben, dai verdanken sie zum weitaus größten Teil ihrer eigenen Kraft, ihren von Jahr zu Jahr sich kräftiger ent- wickelnden, nach innen und außen besser ausgebaute» gewerkschaft- lichen Organisationen. Jede? Iahe von neuem betonen die Ar- b»iter am 1. Mai, daß die Verkürzung der Arbeitszeit für sie einer der dringendsten Wünsche ist. Dieses Betonen der ersten Maiforderung stärkt immer wieder von neuem die Gewerkschaften und ihren Kampfeswillen, zu ringen um die Verkürzung der Arbeitszeit und in diesen Verkürzungen viel be- deutungsvollere, wichtigere und zuletzt auch auf die Lohnhöhe wirkende Erfolge zu sehen als in der Durchsetzung aller anderen gewerkschaftlichen Forderungen. So erscheint die Maifeier uns wichtig und bedeutungsvoll wie für die gesamte Arbeiterbewegung, so auch für die Gewerkschaftsbewegung. Die Maifeierndcn ver- danken große Erfolge den Gewerkschaften, die Gewerkschaften mannigfache Anregungen der Maifeier. * velttmlM- kauf. Zlrl» 100 Kr»w«tteil- nadaln mit echten Ferien nod Diamanten ron M. 15 bi« M, 75. Brillant-Ohrring ca. M. 240 BrfflifttokrrtBg* von U. 18.— an. RrflUntbroMbra von M. 18.— an. BrdUaMagt ichou v. M. 8.— an. GdegeobaitskanL Brlllnntrlnc U 8400. Brillaatrlnc M. 128. Orillatitrlng M. ISO. Bdmonte S Co., ibritation Detail- ».n gros_., Export Verkauf WM Sil. 35. 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April bis 8. Mai Man decke rechtzeitig«einen Bedarf Während der Frühjahrs-Woche verabfolgen wir ein P. K. Porträt schon, wenn die Gesamtheit der Einkäufe 80 Mark erreicht; angefangene Markierkarten rechnen mit. Man verlange M arki e rkarten für kostenlose P. K. Porträts;; ca 4 ooo Paar Schwarze Damenstrümpfe 18 5 ooo paar Schwarze Damenstrümpfe HrE 25 e ooo paar Ringeldamen strümpfe"'"LTTeC 46 33 2 ooo stck. Tändelschürzen �'C.8p'b.w.md 95 6 000 Mtr. Q h I n eband 12—tö SM brsit. vsrt» osmin,........ ustvr 5 000 mit. Reinseid. T affetbänder!"4s35 2 000 Stck. Gürtel �stsll unc Esmml, mit spart«, SstmsNes.......... 9F{ 1 000 Stck. Blusen«Sks Satkt, ktraZsn, I�anssksttan s. VonIsrtsII mk SStrsrlsmc 2 500 stck. Blusen T..TT. 1.65 3 000 stck. DreIl-TischtOcher«ok«o,«Mtp,8«cki.50j.«95«•. 2 000 Dtzd. Drell-Servietten....... d*. 5.00 j,« 3.25 1 000 Paar Kinderstiefel GrSsso 21/24 Pf. Pf. Pfi Pt Pf. Pt Pt braun Ziegenied sr, breite Form 26/26, 27/30 31/35 3.25 3.90 4.90 5.90 1 000 stck. 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Ueberall im Lande sind massenhafte Verhaftungen an der Tagesordnung. Besonders aber in Lodz, dem polnischen Manchester, übersteigt das Wüten der zarischen Schergen alle Grenzen. Die Warschauer bürger- lichen Zeitungen teilen mit: .Der Generalgouverneur von Lodz, Generalmajor Kaznako, hat folgende Verfügung erlassen: Am 1., 2. und 3. Mai d. I. werden alle Versammlungen und öffentlichen Lustbarkeiten verboten. Das Publikum hat auf die erste Ausforderung auseinanderzugehen, widrigenfalls wird die be- waffnete Macht angewendet. Diese Bestimmung-gilt für Lodz und Gouvernement Petrikau(wo der Kriegszustand bis jetzt noch besteht). Außerdem hat die Polizei alle Fabriken besucht und den Ar- beitern mitgeteilt, daß im Falle der Arbeitsnieder- legung am ersten Mai oder am dritten Mai in allen größeren industriellen Etablissements jeder zehnte, in kleineren dagegen jeder fünfte Arbeiter verhaftet wird." Rechts von der bürgerlichen Demokratie. Ein Artikel des bürgerlich-demokratischen Blaubuchs", der sich mit dem nationalistischen Fieber Leuthners beschäftigt, gibt zum Schluß folgendes erbauliche Urteil über die konsequentesten deutschen Revisionisten und eifrigsten Mitarbeiter der„Sozialisti- schen Monatshefte" ab: ..... Die Gelegenheit muß zu der Feststellung benutzt werden, daß dieses revisionistische Organ schon des öfteren einen Stand- Punkt eingenommen hat, der von dem der Demokraten, nicht nur der Sozialdemokraten, recht erheblich abweicht. Wenn jüngsthin in einem Zeitpunkt, wo die Ablehnung des englischen Vorschlags zur Einschränkung der Rüstungen nicht nur auf der Linken Be- fremden erregte, Herr Schippe! die„ruhige zielbewußte Ent- schlosfenheit und die glückliche Hand" des Kanzlers preisen konnte, die in den letzten Monaten endlich wieder einmal zu ein paar unverkennbaren Erfolgen der deutschen auswärtigen Politik ge- führt habe; wenn derselbe Schippe! im Bunde mit seinem Freunde Calwer im gleichen Blatte ihre schutzzöllnerischen Sprünge machen, so muß das und ähnliches nicht nur den Sozialdemokraten sondern den Demokraten überhaupt un- angenehm auffallen. Denn die Gegner auf der Rechten pflegen für diese Auslassungen der„Revisionisten" ein sehr feines Ohr zu haben, und die Frage scheint mir noch offen zu sein, ob die Katastrophentheorie Kautskys oder die oft etwas merkwürdigen Auffassungen der Leuthner. Calwer und Schippe! über die beste Art, wie man in den Sozialismus hineinwächst, die Sozialdemo- kratie und diejenigen, die in einem Zusammengehen mit ihr die selbstverständliche Vorbedingung der Demokratisierung Deutsch- lands sehen, mehr schädigen." Daß ein Sozialdemokrat wie Kautsky den bürgerlichen Demo- kraten zu revolutionär ist, das ist selbstverständlich. Aber wenn Sozialdemokraten wie Schippe! und C a l w e r de» bürgerlichen Demokraten zu reaktionär sind, so ist das äusterst bezeichnend(um uns parlamentarisch auszudrücken) für die Verdünnung des Sozialismus, zu dem es diese Sozialdemo- kraten gebracht haben._ Die eigentümliche Polemik, die Genosse Heilm-n», der neue Redakteur der„Chemnitzer Volksstimme", in diesem Parteiblatt pflegt, begießt die„Leipziger Volkszeitung" verdientermaßen mit scharfer Lauge. Sie sagt unter anderem: kleines feiiiUeton. Albert Langen ist gestern in München gestorben. Den rüstigen Mann, der im Jahre 1896 den„Simplicissimus", im Jahre 1907 den „März" und dazwischen den Langenschen Verlag ins Leben rief, hat der Tod auf der Schwelle des vierzigsten Lebensjahres" abgerufen. In Köln war er geboren, in Paris, wo er sich der Malerei zu er« geben gedachte, hat er seine Sturm- und Drang-, in München seine Mannesjahre durchlebt. Am bekanntesten ward er alS Verleger des „SimplirissimuS", für den er die Besten— Zeichner und Maler wie Schriftsteller und Dichter— heranzuziehen verstand. Daß er die Erträge aus dem üppig florierenden Witzblatt schließlich nicht ganz nach Art kapitalistischer Verleger genoß, sondern sie quasi- kommunistisch mit seinen Hauptmitarbeitern„teilte", das sei nur nebenher erwähnt— da Albert Langen diese Ordnung der Dinge vermutlich nicht ganz freiwillig geschaffen hat. Sonst aber muß ihm rühmend ins Grab nachgesagt werden, daß er dem Typus deS bürgerlichen Verlegers durchaus nicht glich, sondem einen Kompromiß- kerl repräsentierte, der mit einem Fuße im Gleise der ererbten Bürgertradition, mit dem anderen auf der Böschung stand, die zu neuen Lebens- und Gesellschaftsformen emporführt. Die Weise, wie er seinen Buchverlag leitete, läßt das am besten erkennen. Da gab nicht immer und nicht nur der Erfolg den Ausschlag, der nach kauf- männischem Ermessen von diesem, von jenem Buche zu erwarten stand, nein: der großzügige Unternehmer ließ auch— und meist nicht in letzter Linie— den literarischen, den künstlerischen, den artistischen Wert gelten und entscheiden. Daß dabei, zumal in den Anfangsjahrcn, deutsche Dichter hinter skandinavischen zurücktreten mußten, das sei hier nur registriert, nicht getadelt; denn es waren die besten nordischen Poeten, mit denen wir auf diese Weise bekannt wurden, und dann: Albert Langen war deS alten Björnson Schwiegersohn, und solche Verwandtschaft ver- pflichtet I Wir haben dieser Tage dem Heinrich Conried den Nekrolog gesprochen. Diesem Manne mußten wir in die Anerkennung für sein Wirken ein paar Bemerkungen einflechten über ein Geschäfts- gebaren, das ihn nicht voll ehrte. Bei Albert Langen entfällt d,e Notwendigkeit solcher Einschränkung. Sein Andenken wird nicht ent- stellt durch häßliche Züge, die in der Richtung modern-kapitalistischer Mammonanbetung verlaufen. Und das will viel besagen bei einem Manne, der schließlich doch auch nichts anderes gewesen ist alS ein bürgerlicher Verleger des zwatzzigsten Jahrhunderts. Allerdings einer, der nicht nur sein Geld arbeiten ließ, sondern der ailck' seinen Verstand, sein Gemüt, sein Temperament ins Geschäft hineinsteckte und der sicherlich den Künstlern des„Siniplicissimus"- Kreises mehr Anregungen gegeben hat, als sich ahnen läßt für uns, die wir ja nur das Gewordene vorgelegt bekommen, unS aber mit Mutmaßungen begnügen müssen, insoweit als die künstlerische Konzeption, das Empfangen und Werden gerade dieser dichterischen und zeichnerischen Gebilde in Frage kommt. Theater. Friedrich WilhelmstädtischeS Theater:.Die Siebzehnjährigen". Schauspiel von Max Dreher. Das „... Das(die Polemik der„Fränkischen Tagespost" kontra Leuthner) war aber nicht nach dem Plane des Genossen Heilmann. Im neuesten Leitartikel der„Volksstimme" bricht er los. Unter den eifrigsten Komplimenten für den„trefflichen" Genossen Eisner — Eisner ist nämlich Redakteur unseres Nürnberger Parteiblattes —, den er„unser glänzendes, unerreichtes Vorbild parteigenössischer Journalistik" nennt, macht er ihm gleichzeitig den Vorwurf, eine „unsinnige Parteihetze" inszeniert zu haben, und zwar ans„Rache". Nach dem Nürnberger Parteitag hatte nämlich Leuthner sehr scharf gegen die Süddeutschen geschrieben und die bekannte Schreibart Eisners blutig verhöhnt. Deshalb hat nun Eisner» wie sein be- wundernder Freund ihm ausdrücklich attestiert, zum„Racheschwert" gegriffen, und es in bewußter— Eisner will ungerecht sein, heißt es ausdrücklich— Ungxrechligkeit gegen Leuthner gezückt. Hätte Eisner nicht gewußt, so versichert Heilmann, daß der Artikel in den„Monatsheften" von seinem nuten Freund Lcuthner stammt, er wäre sicherlich nicht so über den Artikel hergefallen. Wir müssen gestehen, daß wir einen gleich unsauberen Angriff auf einen Par- teigenossen, eine gleich skrupellose Unterschiebung persönlicher Mo- tive noch nicht erlebt haben, mit der einzigen Ausnahme vielleicht des bekannten Ruberrimus-Skandals nach dem Bremer Parteitag. Ueber die Tatsache, daß der Redakteur der„Monatshefte" den natio- nalistischen Artikel Leuthners überhaupt aufgenommen hat, ist Heilmann höchst entzückt; denn so sagt er: Der internationale Sozialdemokrat hat die Pflicht, die Ge- fühle aller seiner Brüder jenseits der Grenzen kennen zu lernen, und ich kann dem Genossen Dr. Bloch keinen Vorwurf daraus machen, daß er uns an Leuthner gezeigt hat, wie emp- findlich die nationale Seele unserer Genossen in Oesterreich ist. Doppelt groß erscheint wir seitdem unsere österreichische Brüder- Partei, die mit solchem Menschenmaterial die Einheit der Ar- beiterbewegung durch milde Duldsamkeit wahrt. In der Tat: eine bLzaubernde Logik! Vor wenigen Tagen höhnte Heilmann mitleidig über den armseligen Tropf Kautsky, der in seiner Broschüre geschrieben hatte: man fühlt, daß wir in eine Periode allgemeiner Unsicherheit geraten sind.„Wir können nichts für Kautskys Gefühle", hieß es da,„aber die Arbeiterklasse sucht den Weg zur Macht nicht mit„man fühlt", sondern mit dem Per- stand." Das war vor einer Woche. Jetzt hat die Parteipresse wieder umgekehrt die Pflicht, alle„Gefühle" irgendwelcher„nationaler Seelen", und seien sie noch so antisozialistisch, noch so hurrapatrio- tisch, zum AuÄruck zu bringen. Der„Verstand" kann sich schlafen legen. Wenn aber nun gar der Genosse Heilmann aus der Konfusion Leuthners einen Ruhmestitel für die österreichische Sozialdemo- kratie zu machen sucht, so kann man mit demselben Recht dieselbe Lorbeerkrone auch unfern Chemnitzer Genossen widmen, die uns allerdings ebenfalls doppelt groß erscheinen, seitdem sie„mit solchem Menschcnmatcrial" jetzt die Arbeiterbewegung innerhalb des Chemnitzer Agitationsbezirkes durch milde Duldung zu teilen sich bemühen." polieeUiches, Gmchtlichco ukw. Strafkonto der Presse.. Genosse Nottebohm von der Dortmunder„Arbeiterzeitung" wurde wegen angeb- licher Beleidigung eines FabrildireltorS zu einer Geldstrafe von 10 0 Mark verurteilt. Em der f rauenbewegung. Der Charakter der Frauen. Mit den ökonomischen Veränderungen verschob sich auch die soziale Stellung der Frau. Aus primitiver Grundlage gab es eine Vorzugsstellung des Weibes, und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Tann wurden die Frauen völlig rechtlos, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Familie. Die gänzliche Ab- hängigkeit der Frau war der Ausfluß des Besitztitels des Mannes am Familieneigentum und seiner Stellung als Ernährer der Frau und Kinder. Die Tätigkeit der Frau im Haushalt, mit ihren tausend Mühen und Sorgen wurde, weil dafür keine Bezahlung erfolgte, als minderwertig übersehen. Ohne die Frau müßte die Menschheit aufhören zu leben. Das war vielleicht der einzige Grund, warum sie wenigstens als Weib respektiert wurde. Vor- urteile und Erziehung bannten jahrhundertelang die Frau in ihren engen Kreis, ließen, sie geistig nicht darüber hinauswachsen. Seltenist eine Frau mit anderen als den herkömmlichen Fähig- leiten oder Neigungen an die Oeffentlichkeit getreten. Die es aber wagte, wurde als abnormes Wesen, oder gar als unsittlich be- trachtet. Wohl unterhielten, silb gelehrte Griechen mit geistig hocb- stehenden Frauen, dafür haben diew aber auch bisweilen maß- losen Haß der noch in den gewohnheitsmäßigen Schranken lebenden Frauen auf sich geladen. Wie auch heute noch, urteilte schon damals das Weib härter über seine Geschlechtsgenossinnen als der Mann. Jahrhundertelang hat die Frau in ihrer untertänigen Stellung verharrt. Aeutzere Uinstände zwangen sie in andere Ver- Hältnisse und zu veränderten Auffassungen. Aber das war eine Entwickelung mit Schneckentempo. Die Mutter blieb noch lange das Aschenbrödel, Nur immer bemüht für das Wohl des Haus- Herrn, für das Fortkommen der Söhne und— das war gewiß eine„angenehme" Abwechslung in dem ewigen Einerlei— die Hauptsorge war, die Töchter unter die Haube zu bringen. Eine Epoche der wirtschaftlichen Umwälzung jagte die andere und revolutionierte auch die Verhältnisse der Menschen zueinander. Allmählich machte sich im Leben der Frau eine Veränderung be- merkbar. Sie reifte zum Menschen heran. Frauen kraten in das Erwerbsleben ein. Bereits das mittelalterliche Zunsthandwerk sah Frauen als selbständig Erwerbende. Anfangs stark von den Männern bekämpft, behaupteten sie sich. Schließlich dringen Frauen auch in bürgerliche Berufe ein; langsam zwar, doch unauf- haltsam. Frauen werden Lehrerinnen, ergreifen den kaufmänni- schen Beruf und besetzen Beamtenstellen. Die Männer der Bour- geoisie wehren sich gegen das immer weiter fortschreitende Ein- dringen der Frauen in ihre Domänen. Die Herren der Schöpfung werden schließlich den Kampf gegen die Konkurrenz der Frauen aufgeben, wie ihn die Proletarier längst aufgegeben haben. Vergleichen wir die Frauen von heute mit ihren Geschlechts» genossinnen früherer Jahrhunderte, so macht sich ein gewaltiger Unterschied bemerkbar. An Stelle des Willensschwächen und unselbständigen Weibes, das nur Unterordnung kannte, tritt die selbst- bewußte Persönlichkeit aüf, die ihr Lebensschiff, wenn es sein muß, allein zu lenken versteht. Im kapitalistischen Zeitalter ist' die Frau ihres ideologischen, romantischen, sentimental-verlogenen Mantels entkleidet; sie ist nicht mehr nur Weibchen oder nur Last- tier, das nur des Mannes Lust dient, der geduldig des Lebens Bürde als seine Dienerin trägt. Der Spießer allerdings, spricht von Mannweibern oder Emanzipierten. Gewiß, als Produkt des Extremen gab es bürgerliche Frauenrechtlerinnen, die sich be- mühten, äußerlich männlich zu erscheinen. Diese Zeit ist vorüber, das Gegenteil ist nun der Fall. Gerade aus jenen Kreisen ertönt heute„der Schrei nach dem Kinde". Die proletarischen Frauen waren vor solchen Extremen bewahrt. Für die Arbeiterin bietet sich, heute noch, gegenüber den bürgerlichen Mädchen, die größere Ehemöglichkeit; sie blieb Weib, obwohl sie Klassenkämpferin wurde. Und so ist es gut! Unsere tgeit braucht nicht nur kämpfende Männer, sie braucht auch Frauen, die von Persönlichkeitsbewußtscin getragene Menschen geworden sind, die nicht versagen im Kampfe um die Eroberung der Menschenrechte für beide Geschlechter. Die Hausangestellten gehören noch zu den unfteiesten aller Ar- bettenden. Für sie ist es fast unmöglich, sich den Versammlungen anzuschließen, die heute— 1. Mai— von der Partei und den Ge- werkschaften abgehalten werden, um den Forderungen der Arbeiter- schast an die Gesetzgebung Nachdruck zu verleihen. Und doch ist gerade für diese Arbeitergruppe die Aufklärung über die Bedeutung der Maifeier von großer Wichtigkeit. Sind sie nicht unterrichtet, ist ihnen die Ursache und der Zweck der Maifeier der Arbeiterschaft un- bekannt, so lassen sie sich leicht in dem falschen Urteil der Dienst- geber beeinflussen und beurteilen die Mittel, die helfen sollen, auch sie aus der Knechtschaft zu befreien. Um allen Hausangestellten Gelegenheit zu geben, Aufklärung zu erlangen, beruft der Verband der Hausangestellten zu Sonntag, den 2. Mai, abends 6 Uhr. in„Zemters Festsälen" eine Versamm- lung, Luise Zietz referiert über:„Die Bedeutung der Mai- f e i e r für die Hausangestellten".(Siehe Annonce). Es wird zahl- reicher Besuch erwartet. Genossinnen und Genossen werden ersticht, für die Teilnahme der Hausangestellten an dieser Versammlung zu wirken._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dlrektioi» über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr sehr knapp, Geschäst ruhig, Preise sest. G e s I ü g e l: Zufuhr ziemlich ge- nügend, Geschäft rege, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft sehr schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t e: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Stück, das vor mehreren Jahren noch unter BrahmS Direktion im Deutschen Theater gespielt wurde, verlohnte in der Tat die Neu- aufführung. Man wird in der naturalisttschen Dramatik deS letzten Jahrzehnts nicht viel finden, was sich der intimen und dabei Humor- durchwirkten Seelenmalerei der bdidcn ersten Aste gleichwertig an die Seite stellen ließ. Die zu dem verhängnisvollen Ausgang führende Situation wird in der einfachsten und überzeugendsten Weise aus der Art der Charaktere entwickelt. Cousine Erika, das junge Mädel, daS nach dem älteren verheirateten Manne, dem Guts- besitzer und ehemaligen Major v. Schlettow, in skrupelloser sieges« sicherer Liebesleidenschaft die Netze auswirst, hat manches geniein mit Ibsens Hilde, die auszieht, das versprochene Königreich von ihrem vergötterten Baumeister Solneß einzufordern, steht aber darum dennoch fest auf eigenen Füßen, redet mit felbstgewachsenem Schnabel. Vollends aus einem Guß ist die Gestalt des grundliebenswürdigen, grundehrlichen, unzuverlässigen Schlettow, der dieser Glut, die er durch Spott zu dämpfen sucht, am Ende doch erliegt, und sein weich- herzig auter Junge, der in dem Vater den besten aller Männer, in Erika sein jugendliches Liebesideal verehrte und nun die furchtbare Enttäuschung nicht verwinden kann, als er ein ehebrecherisches Ein- Verständnis zwischen beiden sich knüpfen sieht. Sein Tod, obwohl nicht alle näheren Umstände desselben, ist psychologisch wohl be- gründet. Wenn die beiden letzten Akte auf der Bühne trotz vieler Feinheiten nicht in dem gleichen Maße wirken, so hat das seine Ursache wohl darin, daß die Phantasie daS tragische Ende vorweg nimmt und aus der Ausmalung deS seelischen Leidens nicht mehr ein hinreichende? Maß von Spannung zu schöpfen vermag. Die von Lettinger inszenierte Vorstellung bot überraschend Gutes. M a r i e I nr m i s ch, die in der Rolle der Gattin und Mutter anfangs etwas farblos blieb, fand später Töne von er- greifender Innigkeit. Elfrie.de HeiSler als Erika brachte das Gemisch von drolliger Backfischkeckheit, jugendlich radikalem Egoismus und verzehrender Sehnsucht in höchst natürlicher Verschmelzung zum Ausdruck. In der Nebenfigur des Großvaters interessierte I u l r u S E y b e n durch charakteristisches Detail. Vorttefflich waren Rudolf Werners temperamentvoll humoristischer Schlettow und Heinz S a r n o w S weltfremd-spröder Junge. DaS Publikum ging mit; man hätte daS auch ohne den lauten, langanhaltenden Applaus empfunden. ckt. Pariser Theater. Endlich( I) ist die„L u st i g e Witwe" auch in Paris eingezogen, nachdem sie ihren Schatten längst in alle Cafös, wo man abends Musik macht, vorausgeworfen hatte. Das Apollo-Theater. eine frühere Variöts-Bühne. hat die Operette mit viel Glanz und mit einer in Paris nicht gewöhnlichen Sorgfalt für die musikalische Ausführung in Szene gesetzt. Für die Hauptrolle war eine englische Soubrette, zur Leitung deS Orchesters ein tschechischer Kapellmeister herangezogen worden. Zwei bekannte Pariser Autoren, FlerS und Caillavet, hatten daran gearbeitet. den Dialog auszufeilen. Trotzdem hat das Publikum die Schwer- fälligkeit und Interesselosigkeit der Handlung hier stärker empfunden. als dort, wo das„Parisertum" des Textes willigen Kredit findet. Dagegen schlug die Musik offenbar ein, und trotz der übermäßigen Dauer der Generalprobe— sie endete um halb zwei!— wurden mehrere Nummern zur Wiederholung verlangt. Da dem Pariser Publikum der Operettenstil ganz fremd geworden ist, taten die kosmopolitischen Einschläge der Aufführung, die die dem Werk selbst anhaftende Stillosigkeit noch verstärkten, der Wirkung keinen Eintrag, zumal da der Kapellmeister die Walzer nach französischer Art stark ins Sirupfadenmäßige dehnte und die recht kühle Miß sehr graziös tanzte. Ob die„Lustige Witwe" auch hier zur Pest werden wird, läßt sich bei der Sprödigkeit des Pariser Publikums gegen aus- ländische Werke schwer voraussagen. v. P. Humor und Satire. Der Patriot. O Vaterland, o Vaterland, Für dich allein bin ich entbrannt (Doch heischst du Geld— ich sag eS stet•• Da ist es mit der Lieb' vorbei!) O Monarchie, o Monarchie, Dir beug' ich willig Herz und Knie (Das heißt, so lang' du mir was nützt Und mir das Portemonnaie beschützt!) O Deutsche? Reich, o Deutsches Reich, Gedenk' ich dein, so werd' ich weich; Wie lieb' ich dich, du Land des Licht? I (Nur kosten, kosten darf es nichts!) („Kladderadatsch.") Neues Vergehen. Richter:.... Auß'rdem haben Sie sich der B e a m te n be st e ch u n g schuldig gemacht."— Dieb:«Aber, Herr Richter, wieso denn?"— Richter:„Sie haben dem Polizeihund, der sie aufspürte, eine Wurst angeboten." >(„Fliegende Blätter.") Notizen. — Schmöckchen. Wir haben gestern hier erzählt, wie Schmock vor dem Sultan bauchrutscht. Wir müssen heute nach» tragen, daß— wie ein Berliner Blatt in einer Anwandlung ehr- licher Entrüstung und grämlichen Konkurrenzneids meldet— sowohl das englische wie das Scherl-Schmock-Jnterview glatt erfunden sein soll! Desto schöner. — Humboldt-Briefe. Die Stadtbibliothek von Frank- furt a. M. hat eine wertvolle Erwerbung gemacht. Diese besteht in 38 bisher ganz unbekannten Briefen Wilhelm v. Humboldts. 36 davon sind an Schiller gerichtet, 2 an Goethe. Die Briefe, die sich jähr- zehntelang im Privatbesitz befanden, stammen aus den Jahren 1796 bis 1803 und sollen von größter literarischer Bedeutung sein. — Berichtigung. Im gestrigen NnterhaltungSblatt(Artikel: Guy de Maupassant) muß es heißen(Seite 332, Zeile 6 ff): Von einem Zeitalter der Mediei und Ludwigs XIV. spricht man, nicht aber von einem solchen Karls des Großen oder— Bismarcks,.. Für den Lnhalt de« Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. €beater. Mreie Volksbühne. Sonntag, den 2. Mai, Nach» mittags 3 Uhr- 8. Abteilung im Neuen Echauspielhaul«! Nachtasyl. Nachmittag? 3Uhr: 3. Ab- teilung i mT h a I t a-Theater: Der Fleck aus der Ehr'. Montag, den 3. Mai, aiendS 8 Uhr:(IV.) 14. Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus«: Nachtasyl. Neue Freie Volksbühne. Am Sonntag, 2. Mai, nachmittags 2'/, Uhr: im Deutschen Theater: WaS ihr wollt; in den Kammer» spielen: Der Gras von Gleichen; im NeuenTheater: Der Schwarz- lllnstler.— SUbersischchcn! im Neuen Operetten- Theater: Das verwunschene Schlosj: im Berliner Theater: Minna von Barnhelm; im Hebbel-Theater: Chprienne— Die Slärler«; im Schiller, Theater 0: Ein BollSseind; im Fr.- Wllhelmst. Schauspielhaus: Schlagende Wetter; im Schiller» Theater Charlottenburg: Rechts herum. Sonnabend, 1. Mai. Ansang?'/, Uhr. ftdnlgl. Opernhaus. Madame Buttcrsly. Sonntag: Margaret«. Montag: Götterdämmerung. An- sang 6'U Uhr. «önigl. Schauspielhaus. Titz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Der Mennomt. Montag: Der Schlagbaum. Neues königliches Operntheater. Geschlossen. Sonntag: Fra Dlavolo. Deutsches. Faust. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Montag: Ein SommernachtStraum. Nammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.(Ans. 3 Uhr.) Sonntag: Dleselbe Borstellung. Montag: Der Gras von Dlelchm. Ansang 8 Uhr. Lesstng. Der König. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Nachmittags 3 Uhr: Der Biberpelz Montag: RoSmerSholm.(Ansang VI, Uhr.) Berliner. Ein Serbstmanöver. Sonntag: Di-selve Vorstellung. Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Montag: Ein Hcrbstmanöver. Schiller O.(Wallner- Thealer.) Doltor KlauS. Sonntag: Tie. West, tn der man sich langwellt. Nachmittag» 3 Uhr: Ein BoUSseWd. Montag: Doktor KlauS. OchtUer Eharlottenburg. Macbeth Sonntag! DaS Erbe. Nachmittags 3 Uhr: Rech» hemm. Montag: Die Karolinger. Friedrich» Wilhelmstädt. Schau» sPielhauS. Die Siebzehnjährigen Sonntag: Husarensieber. Nachm. 3 Uhr:(Schlagende Wetter. Montag: Die Siebzehnjährigen. Neue» Schauspielhaus. Mahü. Sonntag: Dleselbe Vorstellung. Montag: Nachtasyl. «»mische Oper. Manon L-Scau». Sonntag: Fräulein von Belle-JSIe. Nachmittags 3 Uhr: Di- Fledermaus. Montag: Hoftmann» Erzählungen. Westen. Die lustige Witwe. Nachm. 3 Uhr: Opernaulsllbrung de« Sternschen Konservatoriums. Sonntag: Di« lustige Witwe. Nachm. 3 Uhr: Ein Walzertram». Montag: Die lustige Wtlwe. Neues. Renaissance. Sonntag und Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Wa» Reuter erzählt. Sonntag und Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Kümmere dich um Amclte. Sonntag und Montag: Dteselbe Wakhalla. SbezlaMäten. Sonntag, nachmittags, abend» Md Montag: Spezialitäten. Folies Gaprice. Die Brautschau. Ein lediger Ehemann.(Ansang 8',. Uhr!) Sonntag und Montag: Dieselbe Vorstellung. Retchshnllen. Stettlner Sänger. Der Kompagnteball. Sonntag und Montag: Dteselbe Vorstellung. Kasino. Ackermann. Spezlalttäten. Sonntag und Montag: Dieselbe Vorstellung. Parodie. Siegel flegelt alles.— Alles sürS Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. 8-/, Ubr.) Gustav Behrens. Spezialitäten. Ansang 3>/« Uhr. Urania. Ta»ve»sirah« SA/SV. Nachmittags 4 Uhr: Ucber den Brenner nach Venedig. Abends S Uhr: Von Abbazla bis Korsu. Sonntag und Montag, abends 8 Uhr: Von Abbazla bis Korsu, Sternwarte, Iiivalidenftr, S7/, Uhr zirla: Auswanderer! Morgen letzter Sonntag. 2 gr. Vorstellg. Um 4 Uhr und 7>/, U. In beid. Vorst, ungelürzt: A-nswanderer. m alhalia- Variete-Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor.| Ansang 8 Uhr. DaS groste Mai-Programm. I Grete Galt»«, die beliebte Soubrette, u. die übrigen Spez.| Im Garten: Frctkonzcrt. Clalast- Theater M Burgstraße 24, 2 Minuten von • Bahnhos Börse. Heute Sonnabend, den 1. Mal: Wiederausiiahme deS KampseS zwischen itrlllon und Felgen- hancr-Rixdors. Ferner ringen: Porto» V. Deyk- Holland gegen Dehte, Meister- ring« von Rheinland-Westsaleu. Außerdem: ??? Der Mann mit d« MaSIe und Gran»n,er, d. bahr. Herkules. Borher:_ MS" Das gänzlich neue-Mg SptMlitiitku-Nrogramin. Ans. 8 Uhr. Ans, der Ringt. 9'/, Uhr. Briumen-Thesler Badstraße 68. Direktion: Willi Voigt. Sonntag, den 2. Mai 1909, abends 7 Uhr: Um Nancy oder: Was Gott zusammenfügt, daS soll der lviensch nickt scheiden. Historisches Schauspiel m süns Alten von Koberstein. Nach der Vorstellung: Dali. Bei günstiger Witterung Vorstellung im Garten, Ansang 4 Uhr._ IV.Koacks Theater Direktion: Rod. Olli. Srmmenftr. ie. Letzte Extravorstcllung vor Pfingsten! Ein lliigestlMter Liedhlilier. Heiteres Lebensbild von A. Elz. Ansang S1/, Uhr. Entree SO Ps. Nach der Vorstellung: Tanz. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Montag: Letzte Borstellung vor Pfingsten: Vorführt uud entehrt. Benefiz de« HauSpersonalS. Damms Volkspark-Theater Landsberger Allee 74/77. Heute Sonnabend, den 1. Mal: Zur Maifeier: Großes Konzert �enaiiMeu-Norsttilung und sonstige Belustigungen sür Kinder. Entree nur 19 Pf."9® Morgen Sonntag: Qrovs Vorstellung des Sdchsichen Volks-Theaters nebst Auftreten erftkl. Spezialitäten. Zum ersten Male in Berlin« Man amüsiert sich köstlich. Der schönste AuSstugSort lEb■ t« A B g% m und Aufenthalt ist immer �>CnS>S«?CCUSC und gern gesehn find wir beim Alten Freunä. Sl Seeslr. ClÄt»«»««« Seesir. 81 — lnsel-liestaurant Straßenbahnlinien ll, 12, 20. Inh.: A. Gleshoit Straßenbahnlinien 11,12,20. & S& Baumblüte&&& . 9. Mai: Eröffnung der Sommer-Saison.:.. Sonntags; gf. Konzert o. Spezialitäten-Theater. Auftreten nur erstklassiger Kräfte. j Im Saal und Ball champetre: Tanz. 1 ---------------------- Kaffeekllche. X 2 verdeckte Kegelbahnen. X Volksbeluellgungen. Entree 10 Pt. 10402* Eutroe 10 PO Moabiter Sehfilzenhaus Plützensee Inh. Max Engelhardt Joden Sonntag Word• Vlor Großes GartensKonzert. Im Blosennanlo: 1 Großer Ball.---------- Die KaffoekUche ist von 9 Ihr an gehlftiet. Zwei Kegelbahnen. 1053L* Entree 10 Pfennig. Mawersammlnng mit Tanz für Hausangestellte Reinwaschfranen, Anfwärterinnen, Dienstmädchen, Diener und häusliche Angestellte jeder Art T»»« tag, den S. Mai, abends S Uhr, im Zcmtera Festsälen, Kommandantenstrage 62: Vortrag Luise Zietz: Tie Bedeutung der Maifeier für die Hausangestellten! Wir erwarten zahlreichen Besuch. 234/6 _ Verband der Hausangestellten. Ortsgruppe Berlin. Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, daß ich im Hause ZKsmeler Str. 1b-w Zigarrengeschäft eröffnet habe. Um gütigen Zulpruch biitet_ Ott« Ächtung! Stukkateure! Ächtung! Montag, den 3. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerbschastshause, Gngelnfer 15: Oeffentliche Versammlung aller Stukkateure Berlins und der Umgebunga TageS-Ordnung: „Unsere Lohnbewegung." � Jeder Kollege hat die Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die organisierten Arbeiter aller Berufe werden ersucht, die Stukkateure auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. 173/16 Der Einberufer. Restaurant Wilhelmshof garten 9632* Jeden Sonntag: Großer Ball. Empfehle meinen herrlichen Garten an den Sonnabenden filr Sommerfcste. Inhaber: Er. Eorte. Landesausstellungspark am Lehrter Bahnhof Neuerbaut: Featoflle Gartenrestaurant Konditorei und Ca» Mllttir« Konaert tlgl. v. 4 Uhr ab Oejsunsrs von 3.B0 an bis 2 Uhr nachm. Diners und Soupers v. 4,00 an Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater saal Moabits. iUt-Aoubit 48.(Sei II 2492.) Sonntag, den 2. Mai: Die Tochter der Ple. Ansang der Vorstellung 7 Uhr, Nassenössnung 6 Uhr. Vorverlaus von 10—1 Uhr mittags im Thealer-Restaurant. Nach der Vorstellung: Tanz. Montag, den 3. Mal: Soiree der Lufttgen Tanger. Reichshallen-Theater. Stettiner Sanger. Z. Schlug(nur noch kurze Zeit) zum 171. Male: Der Kompagnie-Ball € Anfang wochentags « Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sanssnuvl, Kottbussr ■9 Strafis>. Direltion Wilhelm Reimsr. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Neues Programm. Elite-Soiree WÄ-n von Leg. Sonnt, s, wochenl. 8 U. Morgen Sonntag: tiottm.ttord6.8Sng. Isar. Kerliner prater- Theater Kastanicnallee 7—9. Norgen: ErSttnung der Vorsaison. Große Spezialitälen- u. Theater- Vorstellung.— Im Saale ------- PtrvNvr D»ll.------ Ansang 4'/, Uhr. Entrce 30 Ps. lZustee Oohsona- Theater. Jas gliimende sellsatiollelle Programm. B'l, Uhr: Zlufstieg des lenkbaren Luftschisses„Zäppelin 11-. vor llfrlavur«In Don Juan. Operette. Ansang 6 Uhr. ffflarkgrafen-Säle Markgrafendamm34.Slntt VII 4277 ' Jnh. Hermann Schölt». Sonntag: Br» Bslla Säle ttir 100—1000 Personen zu Festlichkeiten und Versammlungen. 4 S Kegelbahnen.* Alhambra Vallner-Theaterstratze 15. xz Großer Ball Großes Orchester. Anfang Sonntagt 5 Uhr. A. Znptcitnt. I IrßntnwtaEiM$ G■■ ü|J I U 11 Inhaber: R. Müller, g Jeden Sonntag u. Mittwoch! Konzert.§ —- Großer schattiger Garten. Volkswiesc.-Mg ng KaffeebUche. Große Tanz-Reunio n. Rixdorf. Sophienstraße 17/18 Querstraße der Rosenthaler StraSe— am Hackeschen Markt Inhaber; Panl Baatz■'----- empfiehlt feine von 60—2000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen. Vortrags- u. Kunstabenden usw. Vorzügl. Akustik. Kulant. Entgegenkommen Sophien-Säle —»aaf—«»ec——• iBlUtenzauber in Werder! ------------ Extrazuge und Dampfer ab I. Mai.----------- Nerbnnh dtrMnlcr.Fnitiiercr, Anstreicher-c. Meichiorstraße 23, Part. Filiale Berlin. Fcrnspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, den ti. Mai 19VS, abends 8'1, Uhr: Sektions-Versammlung der Lackierer im Geiverklchafishause, Eugelufer IS. TageS-Ordnung: 1. Die Einsllhrung der Arbeitslosenversicherung in unserer Organisatton. Reserent: Kollege On. Klotz. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Vcrlainmlung zu erscheinen. 127)5' Die TekttouSleitung. HS. Gleichzeitig machen wir aus unser am Sonnabend, den 8. Mai im„Grand Hotel Sllexaneerplafi' stattfindendes SS. Stiftungsfest aufmerksam. Ansang 9 Uhr. Bill-tts find bei den Vertrauensleute» und in der Zahlstelle bei Weihnacht, Grünstr. 21, erhältlich._ D. C. freier Buder-Bund Berlin. An die organisierte Arbeiterschaft Berlins. Um weiteren Kreisen der hiesigen Arbeiterschaft den so gesundbeit- sdrdernden Rudersport belanntcr und zugänglicher zu machen und ms- besondere denen, die insolge ihrer wirtschastlichen itage sich einer so schönen Leibcsstbung biS jetzt nicht widmen tonnten, dt« Betätigung derselben zu ermöglichen, hat sich seit kurzem eine Bereinigung der hier bestehenden Arbciter-Rudervereine gebildet unter dem Namen:„Freier Ruder-Buud Berlin'. Die Einrichtungen der dem Bunde angehürigen Vereine stehen auf der Höhe und entsprechen allen billigen Anforderungen. EinkittSgeld und Beiträge find so bemessen, daß jeder' organisierte Arbeiter sowohl wie jede Arbeiterin dieselben sär einen so schönen Sport erübrigen kann. Wer die Woche über in Arbeitsstube, Werkstatt oder Fabriksaal gesrondet hat, der wird es begrüßen, wenn er sich im jetzt beginnenden Fnihling an den Sonntagen in der jreicn Natur auf unseren herrlichen Seen und Wasser- lausen austumnicln kann. Durch Beitritt zu einem der angeschlossenen Vereine ist hierzu die Gelegenheit geboten. Alle eventuellen Anfragen beantworten gern der Vorfitzende M. Thiele, 0. 112, ProSkauer Straße 15 I oder der Schriftführer W. Dolle, Berlin- Westend, Ahorn-Allee 16/17. Dem.Freien Ruder-Bund" gehören die folgende Vereine an: Ruder-Vcrein„CoUegia«. Bootshaus: Ttejwerder bei Spandau. Sitzung jeden Freitag, abends 9 Uhr, im Restaurant Lettner(.Zur Eisen- bahn"), Charlottenburg. Wtndscheidstr. 24/25. Rudrr-Bcrein.Freiheit". Bootshaus: Stralau, Tunnelstr. 23/29. Sitzung daselbst jeden Donnerstag, abends 9 Uhr 234/4 Ruder-Berei».Vorwärts". Bootshaus: Stralau, Tunnelstr. 1?. Sitzung daselbst jeden Donnerstag, abend» 9 Uhr._ 99 Freier Bund" Sinkaufs- und froduktiugenossenschaft freier dastund Schankwirte Berlins und Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. In der Generalv crsammlung vom 25. Februar 1909 wurde aus Antrag des Vorstandes und Aulsichtsrats beschlossen,§ 5 Abs 1 zu streichen und dafür zu setzen:.Ein Gcschästsanlell beträgt 20 M. und ist mit einem Male zu entrichten".§ 6 Abs. 4:»Die Haftsumme beträgt sür jeden über- nommenen Anteil 20 M." Etwaige Gläubiger, welche gegen diese Abänderimg Einspruch erheben oder Forderungen an die Gcnossenjchast haben, sorvcrn wir hiermit auf. sich unverzüglich bei der Geschästsstelle, Schivelbeiner Straße 42, zu melden. Berlin, den 20. April 1909. 105/12' Der Vorstand. F. lflatthes. Emil Korfln. »oeesseseeeesoaeascceseeepeeeeeefseeeee Zur Maifeier! empfehle ich Ihnen, wenn Sie eich einen Genuß verschaffen wollen = Lenkester'Zigaretten in allen Preislagen. 1060L F" In allen Zlgarrcngeachtinen zn haben."SM ItMf twew»— e——ofMeMeMW# Sozialdcmokratlfchcr =«Klahlvcrein= Dienstag, den 4 Mai 1909, abends 8 Uhr: Qeneral'Versammlung: in Hoppcs Festsälen, Hermannstraße 49. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Die letzten Vorgänge im Stadtparlament. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 235/2 Mitgliedsbuch legitimiert. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand._ Deutscher Jtobarbeiler-Verbani. Montag, den 8. Wal, abends SV- Uhr: Gemiilsime Wnhstatttitrtrailtiigioiiooer- öcrfiiititiiliino für Berlin, Charlottenburg, Rixdorf, Schdneberg und Weißensee in Freyers Pestsälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: Bericht über die Mai-Aussperrung und Beschlustfassung über die Unterstützung der Ausgesperrten. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch und BertrauenSmSnncrkarte legitimiert. Die Enteexennahme der Beitrage in den Zahlstellen obiger süns Orte findet Montag, den 3. Mai, von 6 bis 8 llhr abcudS,"" Ii statt. Die Ausgefperrlen melden sich am 3. Mai in den Betrieben zur Arbeit. Bleibt es bei der Aussperrung, so stellt der Werkstattvertrauensmann die Zahl der Ausgesperrten fest und meldet sich in der Zeit von 9 bis 12 Uhr in dem Verbandsburcau seiner Zahlstelle. Für Berlin ersoigt die Meldung durch die Werkstatlvcrtrauensleute im Gelvcrkschafts- Hause, Saal I. nie Ortsverwaltung. 83/7 i Achtuoo! Bauanschläger! Achtooo! Pontag, den 3. Mai, abends 8 Uhr, in den Andreas-Festfalen, Anhreasstr. 21: Seffentllche Versammlung HZ der Bananschläger Berlins und Umgegend. TageS-Ordnuog: i. Bericht über die letzte« Verhandlungen mit den Arbeitgebern und unsere weitere Stellungnahme. 2. Diskusston. 116/7» Kollegen! Seit unserer letzten Versammlung haben die Verhandlungen mit den Ver- trctern der Arbeitgeber stattgefunden. Das Resultat dieser Verhandlungen wird Ihnen in dieser Versammlung mitgeteilt. Außerdem müssen Sie aber auch zu den Vorschlägen, welche die Arbeitgeberrommission unserer Kommission gemacht hat, Stellung nehmen, das heißt durch einen Bcschlust Ihre Meinung kundgeben, ob diese Vorschläge annehmbar sind oder nicht. Deshalb ist eS notwendig, daß ein jeder Kollege dafür sorgt, daß in dieser Ver- sammlung kein Bauanschläger fehlt. Es ist daher Pflicht aller Kollegen, für diese Ver- sammlung zu agitieren. Ortsverwaltung Berlin des Deutsche» Metallarbeiter-Verbandes. Verein der Bauanschläger zu Berlin. 2>veixvere!n Berlin. Sektion der Maurer. Am Sonnabend, den 1» Mai, bleibt das Bnrean den ganzen Tag über der Maifeier wegen geschloffen. Vom Montag, den 3. Mai, an melden sich die wegen der Maifeier ausgesperrten sowie die arbcits- losen Kollegen, die ihre Teilnahme an der Matfeter durch Malstcmpel im Mttgllcdsbuch nachweisen können, vormittags von v bis 1 Uhr zur Kontrolle. Und zwar die Kollegen von: Reinickendorf-Ost in Berlin, Pasewalker Str. 3 bei Hoffmann. Reinickendorf-West in Tegel, Schlieperstr. öv, bei Kienzler. Pankow in Berlin, Schwedter Str. 23/24, bei Obiglo. ?sriedrichsfelde in Lichtenderg, Scharnwebcrstr. ßß, bei Pickenhagen. Mariendorf, Marienfclde u. Tcmpelhof in Mariendorf, Chausseestr. 27, Löwenhagen. Friedenau in Steglitz, Ahornstr. loa, bei Schcllhase. Adlershof, Alt-Glienicke und Grünau in Adlershof. Metzer Str. t, bei Baschin. Alle übrigen Kollege» in ihren Berkehrslokalen. H* Die Tcrbandälcitang. Verbaod mrbaugewerbl. Hilfearbeiter Deufechl. Zwcigvcrcin Berlin und Umgegend. Achtung! Töpferträger! Achtung! Die Mitgliederversammlung der Töpferlräger findet nicht bei Hahn, Rosenthaler Straße 57, wie irrtümlich tm.Bauhilfsarbeiter' angegeben ist, ondern an: Montag, den 10. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Gngelnfer IS, Saal 7 statt. Um recht rege Beteiligung ersucht zg/g Mter ZwelgrereiatToratand. Berliner Iflk-Trio. Ui Felix Scheuer Stralsunderslr. 1 Im pfllfrirr! Treptow. In 10592 Baylera Gosellscl-.afls- > haus. Jnh.: F. Droge. ....f. V.J.. Denken Sie nur bestimmt daran, bevor Sie Ihre Einkäufe zum Sommer erledigen, unsere großen Läger zu besichtigen. Sie finden bei uns stets das Neueste vorrätig. Wir empfehlen Ihnen: Herren- Anzüge 58, 54, 50, 45, 40, 36,-fl K 33, 30, 37, 34, 31, 18, A«* Mk. 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Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, dah 1 mein ZlgMtllgeslW L°n d». Spandauer Strasse nach der j Eonradstraftc 6 verlege. Um gütigen Zuspruch bittet Ale». Keim. Verleih-Instttot; Verantwortlicher Redakteur: feem* Meber, Berlin. Für deu Inseratenteil veraotw.: Tch. Glocke, Berlin, Krück u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, BerlagSqnftalt Paul Singer 6, 9iom Berlq, SW, 50Bi. Nr. 101. 26. Zahrglmz. 3. Sfilnat Ks Joimätts" Kerlim WllisM Stmabend. 1. Mai l909. Au die gewerkschaftlich und politisch organisierte Artieiterseha|t von Berlin und Umgegend I Zwanzig Jahre sind verstrichen. seitdem der internationale Kongreß in Paris beschloß, in jedem Jahre am 1. Mai eine intemationale Demonstration zur Völker- Verbrüderung zu veranstalten. Zum zwanzigsten Male feiert die klassenbewnßte Arbeiterschaft aller Kulturländer den Weltfeiertag deS ersten Mai? Wiederum gilt es. Protest zu erheben gegen die WeltmachtSpolitik, die dahin führen muß, die Völker in blutigem Kampf aufeinander zu Hetzen und die dem Volke immerwährend neue Gut- und Blutsteuern auferlegt. Neue Fesseln, neue Stenern, weniger Rechte ist die Parole dieses KlassenstaateS. 500 Millionen neue Steuern sollen von"neuem zum größten Teil der arbeitenden Bevölkerung auferlegt werden, um den Moloch Militarismus mit seiner immerwährenden Kriegsrüstung zu füttern. Die Befürworter dieser Politik drücken sich vor der Steuer, die zur Deckung der dazu erforderlichen Millionen verlangt wird. Sie benutzen ihre ihnen vom Staat eingeräumten bevorzugten Stellen und streuen dem Volke Sand in die Augen, damit dieses sein Elend und seine Knechtschaft nicht kennen lernen solle. Sie lassen die Hunderttausende der Arbeitslosen in Not und Elend verkümmern, ehe sie ihnen auch nur die geringfügigste Hilfe von Notstandsarbeiten, �Arbeitslosenversicherungen oder Unterstützungen zuteil werden lassen. Alle Maßnahmen zur Milderung der Krisis, die von der organisierten Arbeiterschaft unternommen worden sind, wurden von der kapitalistischen Gesellschaft als staatsumstürzlerisch angesehen und bekämpft. Angesichts einer solchen Politik empfiehlt der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts- /onlmission der Arbeiterschaft zur Annahme die folgende Resolution. „In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der internationalen Kongresse'der Arbeiter aller Länder und mit den Beschlüssen der Parteitage der sozialdemokratischen Partei Deutschlands bekunden die Versammelten, daß sie mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft eintreten für die Verwirklichung der Gedanken, die durch die Maifeier zum Ausdruck gebracht werden. Die Versammelten betrachten die klassenbewußten Proletarier aller Länder als Kampf- genossen, mit denen sie gemeinsam für die Völkerverbrüderung, den Völkerfrieden und Förderung des Kulturfortschrittes kämpfen. Die Versammelten erklären, einzutreten für die Befreiung der Arbeiter von jeglicher Ausbeutung und jeglicher Unterdrückung. Die Versammelten fordern eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebung, in der mindestens bewilligt werden muß: Ein höchstens acht Stunden dauernder Normalarbeitstag. Eine mindestens 36 Stunden dauernde Ruhepause für jeden Arbeiter in jeder Woche. Verbot jeder Erwerbsarbeit für Kinder im Alter unter 14 Jahren. Die Versammelten fordern die rechtliche Gleichstellung aller Arbeiter ohne Unterschied des Geschlechts, ganz gleich, ob sie in der Industrie, Landwirtschaft, Handel und Verkehr oder in öffentlichen oder Gesindedienst ihre Arbeitskraft verkaufen. Die Versammelten fordern die Erweiterung der politischen und wirtschaftlichen Rechte für die Arbeiter. Vor allem Einführung des allgemeinen, gleichen und direkte» Wahlrechts mit ge- heimer Stimmabgabe für alle über zwanzig Jahre alten Personen ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen, Sicherstellung des Koalitionsrechics, volle Vereins-, Ver- sammlungs- uud Preßfreiheit und Erweiterung der Rechte der Arbeiter bei der Arbeiter- Versicherung. Zur Wahrung der politischen Rechte schließen sich die klassenbewußten Arbeiter in der sozialdemokratischen Partei zusammen; zur Erkämpfung wirtschaftlicher Vorteile ver- einigen sich die Arbeiter in den freien Gewerkschaften. Diese Organisationen sind ein dauernder Protest gegen die bestehende Nnterdrückuug und das Machtmittel zur Erringung weiterer Rechte. Der vereinigte Kampf des Proletariats aller Länder ist das wirksamste Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse. In dieser Erkennwis werden die Versammelten mit aller Kraft für den Ausbau der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse Wirken." parlamentanfcbcs. Die Wahlprüsungskommission des preußischen Abgeordneten- Hauses sollte sich heute mit den Wahlen unserer Genossen beschäftigen. Doch mußte dieser Punkt von der Tages- ordnung abgesetzt werden, weil der Referent Fisch- back erkrankt ist. Die Sache soll in der nächsten Sitzung zur Verhandlung kommen._ Tie Gemcindckommisiion bcS preußischen Abgeordnetenhauses hat gestern abend die Anträge der Sozialdemokratie und des Zen- trums, betr. Armenuntcrstützung und Wahlrecht, bc- raten und einen Antrag angenommen, der dem Prinzip der ur- sprünglichen Anträge Rechnung trägt. Der Antrag geht dahin, einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach nicht jede Unterstützung aus öffentlichen Mitteln den Verlust des Wahlrechtes zur Folge hat. Hus Induftnc und Dandcl. Revolutionäre Tendenzen. Als der kapitalistischen Entwickelung gesetzmäßigen Gang er- iinmte Karl Marx unaufhaltsame industrielle Konzentration. Erkenntniötheoretisch hat er die Tendenz nachgewiesen, nicht prophetisch bestimmte. Formen als die letzte Stufe der Fortbildung bezeichnet. Das wäre auch ein Fehler gewesen, denn die höchste kapitalistische Organisation von heute, kann morgen schon wieder überholt sein. Bielfach hat man geglaubt, in den modernen Syndikaten und Kartellen habe die industrielle Entwickelung ihre schärfste Form, die Konzentration ihre Grenze erreicht, es sei ein Znstand eingetreten, mit dem man auf wer weiß wie lange Zeit sich abfinden müsse. Solche Anschauungen werden durch Vorgänge, die sich gerade jetzt in der Großindustrie abspielen, als irrig abgetan. Das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat und der Stahlwerksverband galten bisher als die festgefügtesten und mächtigsten ProduktionSorganisationen. Aber sie trugen doch ihren TodeSkeim in sich. So sehr sie im allgemeinen der kapitalistischen Tendenz entsprechen, so sind sie doch noch mit konservierendem Ballast belastet, an dem sie schließlich zugrunde gehen müssen. Der Expansionstrieb der gemischten Betriebe fand in den reinen Werken, deren Weiterexistenz durch festgelegte Preise und abgegrenzte Beteiligungen gesichert war. ein unbequemes Hindernis. In den Hüttenzechen erstand jenen ein Mittel, womit sie die Gesetze uud Fesseln des Syndikats für sich, wenigstens teilweise, unwirksam machen konnten. Damit war der Anstoß zu Fusionen zwischen großen Bergwerksunternehmen und Stahlwerken gegeben. Aehnliche Kräfte sind auch im Stahlvcrband wirksam und drohen seiner jungen Herrlichkeit schon bald ein Ende zu machen. Um die durch die Produktionsbegrenzung und Preisfestlegung möglichen Borteile restlos ausnutzen zu können, um ferner der Fesselung deS AusdehuungStriebeS zu entgehen, streben die großen Unternehmen der Kohlen- und Stahlindustrie Vereinigungen zu, die alle Produktionsphasen umfassen. Mit der Kohlen- und Erzgewinnung beginnend, enden sie mit der Ans- walzung gebrauchsfertiger Erzeugnisse, oder sie umschließen gar noch den Waggon- und Maschinenbau. Diesem Zuge der Zeit folgend, beschloß die Gelsenkirchener Bcrgwerksgesellschaft kürzlich eine Erweiterung ihrer Anlagen, die damit zu einem völlig gc- mischten Werk herauswachsen sollen, das£te Brennmaterialienproduktion von zirka 9 Millionen Tonnen Kohlen und 2 Millionen Tonnen Koks im Selbstverbrauch verschleißt. Zu dem Montanlruft „Phönix" gesellt sich als ebenbürtig Gelsenkirchen. Nun werden sicher auch Thyssen und StinneS, die von jeher keine begeisterten Freunde des Syndikats und des Stahlverbandes waren, schleunigst ihre Monopolpläne ausreifen lassen. Jedenfalls dürfte durch Fusio- nierung mit dem Luxemburger Bergwerks- und Hüttenverein ein neuer Montantrust erstehen. Auch das Hösch-Werk in Dortmund trifft Anstalten, um ein Großer unter den Großen zu werden. Daß mit dieser Entwickelung sowohl der Bestand des Syndikats als auch des Stahlwerksverbandes gefährdet ist, das wird in Fach- kreisen gar nicht mehr bestritten. Mögen schließlich Syndikat und Stahlvcrband formell noch zusammenhalten, sie sind dann nicht niehr die Herrscher im Jndustricreich, sondern nur noch Instrumente der gemischten Riesenwerke, mit welchen diese die nicht von ihnen bc- herrschte Produktion und deren Preisgestaltung bestimmen. Welche Bedeutung die fünf Unternehmen: Phönix, Gelsenkirchen, Thyssen, Krupp und Hösch haben, lassen die nachfolgenden Angaben ahnen. Unter Berücksichtigung der geplanten Produktionsmöglichkeiten würden diese Unternehmen, bei einem Arbeiterstamm von zirka 209 000 Personen, Vo- Vs der gesamten deutschen Steinkohlen- Produktion, über die Hälfte der zurzeit im Stahlverband organisierten Produkte A und B, ferner V«— Vs der Kokserzeugung in Deutschland umfassen. Wie riesenhaft die Entwickelung war, zeigt die folgende Ansstellnng, die die augenblickliche Leistung der erwähnten fünf Gesellschaften mit» der Produktion Deutschlands in früheren Jahren in Vergleich bringt. Es wurde produziert in 1000 Tonnen: in Deutschland zusammen"""nehmen�"' 1800 1880 1894 1903 1908 Steinkohle 230 22 500 40 500 148 621 20 000 Koks..— 1 291 4 300 21 175 4 300 Roheisen.— 2 729 5 380 14 000 4 400 allein a. Produkten �.u.B Vor der Gründung des KohlcnsyndikatS war die Großeisen- industrie der stärkere Teil, der den Kohlengruben die Bedingungen diktierte. Das Kohlensyndikat ließ einen Rollentausch eintreten; es wuchs sich für das unbestrittene Gebiet zu einem Monopol aus, das selbstherrlich die Preise festsetzte. Damit gab man Anteiz zu den Bestrebungen auf. Schaffung kombinierter Betriebe, die sich nun zu gigantischer Größe ausgewachsen haben. So gab der Widerstreit der Interessen die treibenden Kräfte ab für industrielle Konzentrationen, die des Rahmens der Kartelle und Ringe enttvachsen sind. Das nächste Glied dieser EntwickelnngSkette dürste irgend eine ganz gleich wie konstruierte Interessengemeinschaft sein, die die über- ragenden gemischten Betriebe auf der Basis des Ausschlusses der Konkurrenzkämpfe vereinigt.— Nicht die äußeren Formen, sondern die vorwärts treibende Tendenz ist das Wesentliche der von Marx entwickelten KonzentrationStheorie. Plündernug der Reichskasse. Im März d. I. sind wieder enorme Mengen zollpflichtiger Waren auf Grund des Einfuhrscheinsystcms zollfrei eingeführt worden. Die Zollbeträge dafür machen 8,64 Mill. Mark aus, gegen nur 4,12 Mill. Mark im Vergleichsmonat 1907. Für das ganze Rechnungsjahr 1968/09 ergibt sich eine Gesamtsumme von 99,26 Mill. Mark. Im Jahre 1907 wurden mittels Einfuhrschein 53,96 Mill. Mark Eingangszölle beglichen. DaS System der Einfuhrscheine, das als Förderin des Veredelungsverkehrs gedacht war, hat sich zu einer lukrativen Ausfuhrprämie für die Junker und zu einer angenehmen Ergänzung der LcbensmittelverteuerungSzölle entwickelt. Vom amerikanischen Eisenmarkt. Nach einem Bericht deS„JronmongerS" hat sich am ameri- kanischen Eisen- und Stahlmarkt wohl eine schwache Belebung ein- gestellt, aber es sei fraglich, ob es sich dabei um mehr als eine vorübergehende Erscheinung handle. Die Preise der letzten Woche seien noch um 25 Cents pro Tonne nnter die Vorwoche hinab- gegangen.__ Die GoldanSbcnte der Bereinigten Staaten. Die Goldausbeute der Vereinigten Staaten hat sich im Jahre 1908 sehr im Gegensatz zu der NiedergangSperiode, die daS Land auf wirtschaftlichem Gebiete durchzumachen hatte, sehr günstig gestaltet. Die Geologische Landes- anstatt der Union hat jetzt einen von Waldemar Lindgren aus- gearbeiteten Bericht über den Ertrag an Gold veröffentlicht. Der Direktor der Münze schätzt darin die gesamte Produktion des Jahres 1908 aus heimischen Quellen auf 385252824 M. gegen 361742800 M. im Jahre 1907. Süd-Dakota, Alaska, Kalifornien und Kolorado zeigen einen starken Zuwachs, der zwischen 8 und 14,4 Millionen Mark geschätzt wird. Die Schätzungen für den Staat Utah ergeben eine Abnahme um etwa 4,8 Millionen Mark. Die Produktion von Montana, Arizona, Idaho, Oregon uud andern Silber liefernden Staaten ist ungefähr auf der gleichen Höhe geblieben wie im Vor- jähr. Die Philippinen haben einen Mehrertrag aufzuweisen; die Schätzung der Münze gibt 1 226 832 gegen 314 800 Mark im Vor- jähre an. Sehr lvahrscheinlich ist aber die Produktion der Philippine» noch eine erheblich höhere, als sie in diesen Ziffern zum Ausdruck ge- laugt, da nur ein Teil des dort gewonnenen Goldes in die amerikanischen Münzen gelangt. Der größte Teil des dortigen Goldes entstammt den Ouarzschichten in Benguet, wo es im Wege des Bergbaues gewonnen wird, und den Lagerstätten von Paracale, wo das Gold gewaschen wird. Weit weniger günstig als um die Goldgewinnung war es im verflossenen Jahre um den Silberbergbau bestellt, da die Preise für Silber, Blei, Kupfer und Zink sehr niedrig waren. Die großen Schmelzwerke in Utah und Colorado standen während des Betriebs- jahres 1903 entweder ganz still oder waren gezwungen, ihre Arbeit wesentlich einzuschränken._ Soziales. v Das Unterkommen der Fürsorgezöglinge. Nach einem Erlasse des Ministers des Innern ist eS zur Sprache gebracht worden, daß Fürsorgezöglinge nach ihrer Eni- lassung und Rückkehr in die Heimat zuweilen wochenlang ohne Ar- beit und feste Unterkunft geblieben und dadurch in kürzester Frist wieder gänzlicher Verwahrlosung anheimgefallen sind. Nach dem Fürsorgeerzichungsgcsetz liegt es den jioniinunalvcrbänden ob, auch soweit nötig für ein angemessenes Unterkommen der Zöglinge nach Beendigung der Fürsorgeerziehung zu sorgen. Diese Fürsorge ist unbedingt erforderlich, wenn nicht unter Umständen das ganze Erziehungswerk in Frage gestellt werden soll. Der Zögling, der jahrelang unter Aufsicht gestanden hat, kann mit dem Zeitpunkte des Eintritts in das freie Leben sich nicht selbst überlassen bleiben. Es muh, da es sich meist um unerfahrene junge Menschen handelt, insbesondere in der ersten Zeit nach der Entlassung für sie weiter gesorgt werden. Der'Minister hält es daher für geboten, daß die Kommunalvcrbände vor der Entlassimg eines Fürsorgezöglings sich mit der Heimatbehörde und dem Fürsorger ins Benehmen setzen. um eine ordentliche Unterkunft nach beendeter Erziehung herbei- zuführen. Auch empfehle es sich, private Fürsorgevcrcinc zu er- suchen, sich der Zöglinge nach der Entlassung besonders anzunehmen und ihr Weiterkommen zu fördern. Vermifdrtes. Zusammenbruch der internationalen LuftschiffahriSauSflellungd- Halle. Aus Frankfurt a. M. wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute mittag stürzte infolge eines plötzlich einsetzenden schweren Sturmes auf dem Ausstellungsgelände der internationalen Luft- schifsahrtsgesellschaft die zur Aufnahme des Parseval-Ballons be- stimmte Halle in sich zusammen. Eine größere Anzahl Arbeiter wurden leicht verletzt, drei schwer.„ Zum Grubenunglück in Freisenbruch. Steele, 30. April. Von den auf der Zeche„Eintracht-Tiefbau� in Freisenbruch am 26. April durch Kohlenfall verunglückten vier Bergleuten wurde gestern abend einer tot zutage gefördert. Er stand aufrecht, die Grubenlampe im Munde, als ob er im Begriff stände, der Gefahr zu enteilen. Mit den drei anderen Bergleuten ist heute mittag eine Verständigung erzielt worden, wobei es sich herausstellte, daß sie u n v e r- s e h r t sind. Man hofft, sie in einigen Stunden be- f r e i e n zu kö n n e n.> Erdbeben in Kamerun. Nach einer am vorgestrigen Tage in Duala aufgegebenen Meldung an das Neichskolonialamt wurde um 7 Uhr eine starke Eruption des großen Kamerunberges beobachtet. Am Berg fiel feiner Steinschlag. Der Ausbruch erfolgte auf der nordwestlichen Seite mit großem Feuerschein. Der Lavastrom nimmt, von Duala gesehen, die Richtung von Nord 58 Grad 8 Min. West. In Buea war die Lage bis zum 28. April abends unverändert. Die dort befindlichen Steinhäuser, namentlich das Gouvernementsgebäude, zeigen durchgehende Nisse. Der Sicherheitsdienst in Buea wird aufrechterhalten und bleibt alarmbereit. Schwache Stöße werden andauernd bemerkt. Aex AusbrpA des Vulkans dauert fort, Aehtong, iewerkscbaften! Oeffentl Mai-Versammlungen am Vormittag des 1. Mai. ■ i 1 1 1 11 i Samtliche Versammlungen finden mit Hilfsarbeitern und Frauen statt* m � Die TagesviSnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Vis Veckeutung äss 1. Mai. Llszsrdeiler. Gtoer. Glasschleifer.®onn 10 � ln&' n*ar!tannuttn:®tT' 71 Tresspunkte v Uhr: Glaser: GewerIIchasl5hauS,�EngeIuler IS.— GlaZardeiter und GlaSschleiser: Welkisch, Gruppenversammlung- Bockbrauer»«(kleiner Saal), Uzel. Ijrts IT CZ*M5e am Tempelyoser Berg, vormittags 10 Uhr. Reserent: Otto Sillier. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Bnchdruckerei.HIIsSarbeiter und.Arbeiterinnen, Schristgießer, Photographeu, Stcrcotypeure, Lithographen und SIeindruckcr, Xhiographen, Formftecher und Tapetendrucker kommen in der Gruppenversammlung zusammen. lAlHels., Transport- nnö Terkehrsgewerbe.•TÄSKÄÄ.*''' Referent: Paul Singer. Handlungsgehilfen und Gehilfinnen. Bureauangestellte, Kaufleute. Lagerhalter. Hausdiener, Handelshilfsarbeiter. Geschäfts-, Arbeits- und Droschkenkutscher kommen im Versammlungslokal zu. sammen.— Die Leitergerüstbauer treffen sich von 10'/, Uhr ab bei Goldmann, Engeluser 12, die Handtuchsahrer um 11 Uhr bei Sicber, Seydelstr. 30. Lohgerber, Weiffgerber, Lederzurichter, Ledersärber geben direkt in die Gruppenversammlung.— Handschuhmacher treffen sich bis früh 3 Uhr im Vereinslokal, Rosenthaler Str. 57. Nahrnngs- u. fjrenzißmlttel- Gewerbe.|0Ä8VÄr. Weberstr. 17. Referent Adolf Hoffmann. Treffpunkt«: Gastwirtsgehilsen und Casö-Angestellten: vormittags 9 Uhr im Verbandslokal, Große Ham- burger Str. 18/tg. Schlächter: Verkehrslokal, Dragonerstr. 13. Barbiere: Rosenthaler Str. 37. Musiker: Wille, Brunnenstr. 133.— Bäcker, Konditoren, Brauer, HUssarbeiter, Bierabzieher, Müller, Tabakarbeiter, Gärtner gehen direkt in die Gruppenversammlung. SclMöilles und Schneiderinnen, Wäsche- und Krawattenarbeiterinnen und Zuschneider. Vormittags 10 Uhr: Kellers Neue Philharmonie. Köpenickcr Str. 93/97. Ref.: Frau Klara Wehl. > Treffpunkt der Wäsche-, Krawatten-, Blusen-, Negligä-, Korsett- und Schürzenbranche, solvle der Plätte- rinnen und Wäscherinnen vormittags 9 Uhr bei Riedel, Neue Königstr. 7. VvxtUarbvM«,' u. Hutmacher. SoÄa0®r!OgSn�e®"lte85O#' Referent: Hermann Jäckel. Treffpunkt vormittags 9 Uhr: der Texttlarvetter bei Robert Manschke, Blumenstr. 33: der Hutmacher tm BerkehrSlokal, Große Hamburger Str. 18/19. Asphallcure und Pappdachdecker.'"äiÄÄT � Hauarheiter sß0nnttta8810U�r: Eei m«cm, Hasenhett>e�1d/is(Großer Saal). Reserent: Soli-, Stein- null Gips-Silllhsner nnü»vilellenre. Reserent: Emil KlotH. av* Vormittags 9 Uhr: im Arbettsnachivetslokal, Stralauer Allee 17o. Reserent: M»CCZ»ll»ZTUZCU'. Ja„„y Hinrichse». TOtffeZZ.nl« a-m treffen sich vormittags 3 Uhr im Restaurant des GewerkschastShauseS und gehen w die MAUIWZllvZRll?*. Versammlung der Holzarbeiter nach«Neue Welt-. Buchbinder u. Buchbinderei-Arbeiterinnen, Etui- u. Ledergalanterie-Arbeiter u. Arbeiterinnen. VonniltagS 10 Uhr im Restaurant„Sanssouci-, Kottbuser Straße S. Reserentin: Frl. Ida Altmaun. Haclideckei*. Vormittags 10 Uhr bei Lutter, Weinstr. 11. Referent: P. Hammacher. Wadrill- n. Hilfsarbeiter. R"Ä «emelndearbeiter. 21 6a"0- Hafenarbeiter(BrellerlrSger).•"SS�0ra%S?*ÄlS!tt£'*' Holzarbeiter. 10 uit 10'S" t?®«,!?''1*'' m'1� Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen fich um 8 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Bürstenmacher bei Pro» st, Holzmarkistr. 65. Bodenleger im GewerkschafishauS, Engeluser 14/13. EinseNer im GemcrksciiaftShauS, Engeluser 14/15. Jalousiearbeiter bei Walter, Adalbertstr. 32. Kammacher im Gewrrkschaftshans, Engeluser 14/15. Kifteumacher bei Baudach, Breslauer Str. 23. Klavierarbeiter im Märkischen Hof, Sldmiralstr. 18o. Korbmacher bei Krause, MuSkauer Str. 20. Modelltischler im Berbandshause der Gastwirts- gehilfen. Große Hamburger Str. 18/19. Perlmuttarbeiter bei Thomas, Melchtorstr. 5. Rahmeninacher bei Stramm. Ritterstr. 123. Stellmacher Rosenthaler Str. 37. Stockarbeiter bei Lehmann, Reu» Friedrtchstr. 1. Bcraolder bei MerkowSki, AndreaSftr. 26. Moichinenarbeiter bei MerkowSki, AndreaSstr. LS. Die Tischler, Polierer und Drechsler treffen fich in den Lokalen, in denen sie ihre Werlstattjihungeu abhalten. und gehen von dort nach der„Neuen Welt". svnIioAop n �ioinIiNlTionoi» Nachmittags 3 Uhr bei Böker, Weberstr. 17. Reserent:«. Ritschke. laUilCi Ci U. dlClullUlblcycr. Tieffpunlt in den Zahlstellen vormittags 10 Uhr. VorunttagS 10 Uhr im Alten Schüstenh�ufi:, Linienstraße 3. Reserent: Adolf Maler u. Itackierer. SBonn,Uflaä 10®Äef!;�ette******* 85- Vormittags 10 Uhr in der Berliner Bockbrauerei. Tempelhofer Berg. Referent: Eugen » Brückner. Treffpunkt der Plieoonlogor bis 9 bei Habel, Bergmannstraße, dann Abmarsch. Vormittags 10 Uhr in Freyers Feftsälen(früher ffellor), Koppenstr. 29. -B�lZ.ävZ'« Referent: Nobert Bahn. «lps- u. Serneutarhelter. Ker�W'�P� Hascliliiisten u. Heizer 6eßeBcn �erW H. Sonnenburg. g�raUaWxöuehhul??» Vormittags 11 Uhr bei Kähne, Berlinerstr. 39. Reserent! Schumann. kpisdriohsifolds. Bormittags 11 Uhr bei Bube, Prinzen-Allee 30. Referent: Ucko. frlsdrlehshagon. 10 U5r fitl Ä ia Groß-Lichtorfelde. 2!ormntßaS 10 n5r Ät'Äib"*aifcrt"f' Grünau/Bohnsdorf- Vormittags 10 Uhr tm Restaurant„Gravelotte-, Köpenickerstr. 79. Reserent: Kaulsdorf.®ormi"aäJ 10 u�r Hamanns Vttkllschaftshaus. frankfurter Chauffee. Reserentin: Königs-Wustephausen. ii' Köpenick. Vormittags 10 Uhr, Restaurant„Katserhof-, Grünstr. 10. Reserent! Retnhold Küter. hichf ender g-friedrichsderg. �«shauff-esM Kieder Gber-Scköneusseide»�okannisf Kol. Restaurant Haffelwerder. Reserent: Kail Wücke. Ko warnes. Vormittag» 9 Uhr bei Schmidt. Wilhelmstr. 41—42. Reserent! FuchS. Vormittags 10 Uhr im Oranienburg. Vormittag» 10 Uhr, Waldhaus Saudhausen, Schgtzenstraßi. Ref.: Wennuth. ?ankO«?. Vormittags 10 Uhr, Roezicky» GesellschaftShauS, Kreuzstr. 3—4. Reserent: A. Domnick. !??«!»SLHff«I�S»»«tkVckllir»sk Vormittags 10 Uhr hei Sadau, Reinickendorf- Ost. Restdenzffraße 124. EnthZSEa!Ii.if»5£iia>0»-B. Reserent! Adam Drunsel. WZvoUsblvs-k Drei Versammlungen vormittags l0 Uhr. Für Maurer, Puher, Gip», nnd Zement. aaEZZwälZa z. nt6ejtee bei Oskar Wolf, früh Wollbrandt, Kirchhossir. 41. Für alle anderen Gewerk. schatten: 1. bei Frih Hoppe, Hermannstr. 49. 2. bei Richard FeSich, Knesebeckstr. 48—49. Resereuten: Emil Dittmer. Richard Leopold. Frl. Auguste Kadett. Schmargendorf. a3ormUta3ä 10 Uhr. CafS Pei«,�u6criuä[tro6e. Referent: Heinrich Stpalau-Rummelsbupg. LS, SobSnsbspg.«i- w w> m».» �f egiif ZL. Vormittag» 10 Uhr im„Btrkenwäldchrn-. Reserent:«roger. fsgei. Vormittags 10 Uhr w KliPpenstrinS Seeschlöftche«. Reserent: Bloch» T eStOW. Vormittags 11 Uhr bei Preuff, Berliner Straße. Referent: BaSner. f reddin. Bormittag» II Uhr Plantage Kliestow. Reserent! Ewald ju». Mannsee. Vormittags 10 Uhr im Fürstenhof. Reserent: Buhl. Meißensee. 53ormitlaaä 10 mt�elf„1�§,o��fteFt.Ve(!5nifl�aufIe t'1 Wilmersdorf. Vormittags 10 Uhr im Luisenpark, Wilhelmstr. US. Reserent:«lbt» VtdhS. 2edlend0rf. Vormittag» 10 Uhr bei Miek, Karlstraße 12. Reserent: Obst. 4£eUÜHen/ EiChstUidU, Vormittags 10 Uhr Restaurant Lindemaun. Reserent: Ul». Tie Anmeldung der Versammlungen der V o r o r t e haben die Funktionäre der einzelneu Orte in der o r t s ü b l i ch e u Weise zu bewirke«. Die Bureaus der Versammlungen werden beauftragt, über die Zahl der Versammlungsbesucher der Redaktion des„Vorwärts". Lindenstr. 69, schriftliche Mitteilung zu machen Der Ausschuh der Berliner Gewerkschaftskommisfio«. gez.: A. Kbreten, Engeluser 13, L Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umaeaend. Z-. lilepmann, Lindenstr. 69, IV. Sonnabend, den f. Mai 1909 s der sozialdemokratischen Nahlvereine. Nachmittags- und Abend- Veranstaltungen. Tagesordnung der Versammlungen: Die Bedeutung: des I. Mai* Derlin. l. Kreis: Brauerei Happoldt, s« wetbc 32 38. Ref: Seinr.«ekni-!. II. Kreis: Book Brauerei, T-mp-lhof» Berg. Ref.- urnnwaid. KUemS'leSfSäle, Hnfenheibe 13/15. Ref.: Rieh. Fischer. III. Kreis: Zlteue Weit, Hasenheide 108/111. Ref.: Wollgans Heine. Qewerkschaftshaus, engtluf« 15. Ref.: Wollg. Heine. IV. Kreis: Kellers Testsäle, K-ppenstr. 29. Ref.: Rodert Schmidt. Brauerei Triedriekskain. SatlSSOUCi, ftottbuf« Straße 6. Ref.: Paul Singer. Sudwig, Viktoriagarten, Köpenicker Landstraße. Slgsinm, Landsberger Allee 10, Ref.: Davidsohn. V. Kreis: Schweizergarten, Am Ki-nigstar. VI. Kreis: �rater'�heafer, Kastanien-Allee 7/0. Ref.: Sassendach. bhiglos Testsäle, Schwedter Str. 23/21. Ref.- 0. Raader. Brunnen-Theater, Badstr. 58. Ref.: ucko. Ballsehmieders Stablissemenf, Badstr. 10. Ref.: Kioth. Trankes Testsäle, Badstr. 19. Ref.: Leid. Blarienbad, Badstr. 35/30. Ref.: Schnmann. Berliner Boekbranerei» Chausseestr. 01. Ref.:«rempe. ?harUS-Säle, Mallerpr. 112. Ref.: Ad. Hollmann. Ilioabiter Schfitzenhaus, Wenftt. Ref.: Fr. Schneider. Kronenbrauerei, Alt-M-abit 17/19. Ref.: Wermnth. Brauerei JKoabit, Turmstr. 25/20. Ref.: vr. Wezri. ?raohtsäle Kordwest, Wiclefstr. 21. Ref.: Lnise Zietz. M ahlkreis Teltow Keeskom Storkow Ckarwttenknrg. Von 5 Uhr nachmittags an in Wöllsteins Lnstgarten. A.It-C>rlleilick.©. Abends bei Bahn, Grünauer Str. bL. Referent! vtttniec. Abends in Speers AestslUcn, Baumschulenstraße 7S. R»iTUnK»vnni.vIllW«K. Referent! vi-. Urnn««orodardt. ÜIldliliSlIlDPl'» Von 8 Uhr abends an Im Restaurant galteuruh. Ref.: Slerlng. Britz. Charlottenburg. Friedenau. Oroß-Besten. Klein-Besten. Orüuan. Von 8 Uhr abends an im Jägerhaus, Bahnhosstr. 1. «ffehannisthai. Von 1 Uhr nachmittags an bei Hesse, Parkstr. 12/lZ. •mjr itnA-n-l aIt- Von 3 Uhr nachmittags an im Stadt> Theater, Friedrich' Straße. .Ih.(»pei»ien. Rcjerent: Wels. Failkwltz. Von 8 Uhr abends an bei Ebel, Marienselder Str. Referent: Tlnger. Isiehtenrade. Abends bei Deter, Bahnhosstraß«. ATarieiideri» Von 4 Uhr nachmittags an bei Zierot, Kursürstensir. u. Bon 4 Uhr nachmittags an bei Raddast, Chausseestr. 39. Von 4 Uhr nachm. an im AolkshauS, Rostnenstr. 3. „ 4.,. bei Schult, Kaiscr-Friedrich-Straße. T&VtäZTt Steglitz, Ahornstrab. Hartenfelde. Von 4 Uhr nachmittags an bei Berger, Berliner Straße 114. Xleder-�ehänewelde. Zo°».k.."�rlwe?S'M"" Waurfl,rt Von 3 Uhr nachmittags an bei Singer. Priesterslr. 3t. IhOWawe».. 3,„.. Schmidt, Wilhelmstr. llt/llZ. Bauen. Von 8 Uhr abends an bei Heinze. Nachmittags bei Hoppe, Hermannstr. 48/19, ZlaKATRSsK K., w der BereinSbrauerei, Hermannstraße. H Uhr abends an im Schiipenhau», Hundelehle«». �enmargeimvri. sttaße 20. Rejercnt. Uartmann. ScliÖBieberg. Abends in der Schloftbrauerei, Hauptstraße. GteglltZ. Von v Uhr nachmittags an im Birkenwäldchen. TeltUW. Von 4 Uhr nachmittags an bei Prcusi, Berliner Straße IS. Von 4 Uhr nachmittags an im Wilhelmsgarten, J. empeilttPl. Referent i Sonnenbarg. Trebbin. Von S Uhr nachmittags an im GesellschaftShauS. WS.**«**** w Von 3 Uhr nachmittags an im Restaurant Concordia(Karpfenteich), JLrepmw, Köpenilker Landstraße. W Ilmer S dor f. Abends im Luifenpark, WllhelmSaue IIS. ISUGAen. 8 Uhr abends bei Kurzner, Baruther Str. 10. Referent t Gtoger, Berliner Str. b. Mohlkreis Mederkarniw. «UM Bon 6 Uhr abends an im Elnsinm. Festrede. Rcserent: KnUpfer, von aBeK SRSTSä. dort nach Schluß der Versammlung: Feftzug zum Tchiitiruhaus. Birkenwerder» Abends. Referent: Picgasch. Borsigwalde. Abends in den Borsigwalder Festsälen. Ref.: vr. O. Cohn. Boxliagen-Bummel�biirg. N«.«Wd.°Ww1.'U�nort! Erkner. Abends in Degebrodts Feftsälen. Referent: Theodor Fischer. Flehtenau-Seliönelebe. atc"w|cÄi;i�!UWflf�au6, Frauz.-Bucllliolz. Abends bei Kähne, Berliner Strafte 39. Fredersd orf-Nenenhagen. at6enM rÄ BeiBu1w.€ilrbe" Frledriehsfelde. 3,f,ettM Frledrlchshagen. 06enM«Ä®BKiar.",äUM' mttttbttiu d�« I.S..li 1«i Nachmittags von v ühr an in Wnrendorls Gefell- schaftShans, Bäteftr. 22. und ttaiferhof am ttranoldplatz. Ifohen-Schönhansen. Herzfelde. Von« Uhr abends an bei Renne, Hauptstr. 57. Referent: vloek. Elebtenberg. Von s Uhr nachmittags an bei«chvars, Dorfstrafte 25/26. Hablsdorf. Abends 7'/, Uhr bei Linke, Grunowstrafte. Referent; Dttwcll. s an in Wilhelminenhof. endel. Nleder-Schönhansen. Abends im Neu-Carlsho». Qber-SebSnewelde. �°»h-«Km«. Oranienburg,«».»ds 34. Nachmittags von 3 Uhr an bei Ebersbach»Zum Kurfürsten-, anUOW. Berliner Strafte 102. Belnlckendorf-Ost. Abends Im Schönhauser Tivoli, Provtuzftr. 69. Belnlekendor f-HV est. M w ��.chb«n.Sä.-n. E.chb-rn. Bddersdorf. Abends bei«reve, Heinihstrafte 19. Referent: Harth. ttATia-n-nrnia« Abends 8 Uhr im Lolal von biehnl,. «enei»W»K«I.«. Referent: Rernrann Rttller. Stolpe-Hobenneuendorf. Ä&ml wfmZSdtZ Stralau. Abends 7 Uhr in der Alten Taverne. Referent: PagelA. Tegel. Von S Uhr nachmittags an in Trapps Festsälen, Bahnhofstrafte 1. W aldmannslnst(Hermsdorf-Glienicke). Nft�R-f�schhtt� Weißensee. Nachmittag» im Schl-ft.Restaura«t. W llbelmsrub. �-nv» 8'��°-°�.h�n. Ha»ptsw.ft� Die Abendfeiern sind zusammengesetzt aus KonzertauPkrungen, Gesangsvorfrägen des Arbeiter-Säugerbundes, Darbietungen des Turnvereins Tichie, des Arbeiter-Kadfahrerbnndes sowie Testreden und Spezialvorstelhmgen. Tür Anmeldung der Versammlungen sowie alle nötigen polizeilich verlangten Sinreichungen haben die BCaUest-Komitees resp. die Leitungen der einzelnen Wahlvereine in Berlin und Vororten selbst Sorge zu tragen. Verband iozlaldemohratifcder Nahlvereine Berlins und vmgegend. Goldschmidt Pa�f!il:2- Danziger Straße 98, Hayn A an der Schönhauser Allee. H H W■ ä AM- Extra-V erkanf W A*W> P�nllMinrn Sfaoh, echt lederfarbig Größe 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7, 8, 9. 10. 11. 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Druck u. Verlag: Vorwärt«»uchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW. |f.lOL 2S. Iahkgavs. 4. KtilNk des Joriitlf KÄiükr WsdlM Zollmbtttd, l. Mai IM. Soziales. Aus der Gewerbeaufsicht in Bayern. AuS dem soeben erschienenen Jahresbericht der Gewerbeaus- fichtsbeamtm in Bayern für das Jahr 1S0S seien einige Punkte hervorgehoben. In Bayern sind zwei aus dem Arbeiterstande hervorgegangene Hilfskräfte der Gewerbeaufsichtsbeamten vorhanden, auch sind einige Assistentinnen angestellt. Im Berichtsjahre(1908) waren der Gewerbeaufsicht 194 921 (im Vorjahre 195 444) Betriebe mit 682 938(im Vorjahre 676 353) Arbeitern unterstellt. Von diesen Betrieben sind 8323(819l) Fabriken mit 498 751(498 994) Arbeitern. 96 598(97 343) Hand- Werksbetriebe mit 274 187(267 449) Arbeitern, lieber fünf Arbeiter beschäftigten 6985(6815) Fabriken und 7762(7577) Handwerks- betriebe. Unter den 28 946(27 389) der Aufsicht unterstellten Betrieben, den sogenannten Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen, waren 15 191(14 644) handwerksmäßige Motorbetriebe, 4499(4589) Konfektionswerkstätten und 53(55) handwerksmäßige Werkstätten der Tabakindustrie. Es wurden von der Gesamtzahl der vorhandenen Fabriken und Handwerksbetriebe 19 826(18 299) oder 19,32 Proz. mit 379 497 (366 266) oder 55,5 Proz. Arbeiter besichtigt. Im Durchschnitt treffen auf einen revidierten Betrieb 19(29) Arbeiter. Zur Stellung der Gewerbeauffichtsbeamten zu den Organisa- tionen der Unternehmer und der Arbeiter wird hervorgehoben, daß zwischen den guten Beziehungen der Beamten zu den Organisa. tionen der Unternehmer und Arbeiter keine Aenderung eingetreten ist.„Der schriftlich« Verkehr mit den Gewerkschaftssekretären war ein ziemlich lebhafter," wie es im Bericht für Oberfranken heißt. „Beschwerden sind aus Arbeiterkreisen im ganzen 38 eingelaufen, davon 23 schriftlich. Bei der Prüfung erwiesen sich 29 als teil- weise oder voll begründet, so daß Abhilfe herbeigeführt werden konnte. Auch den in der Arbeiterpresse erhobenen Klagen wurde nachgegangen. Diese erwiesen sich ebenfalls größtenteils als be- gründet." Ueber die Erwerbsverhältnisse der Arbeiter heißt eS: ..In den Erwerbsverhältnissen der Arbeiterschaft ist bei dem Rückgange der Geschäftslage im allgemeinen keine erhebliche Verbesserung eingetreten. Wo es durch Lohnbewegungen und Ausstande gelang, Lohnerhöhungen zu erreichen, hat die an- haltende Teuerung aller für die Arbeiter in Betracht kommenden Konsumartikel und namentlich der Wohnungen einer besseren Lebenshaltung der Arbeiterschaft entgegengewirkt," An einer anderen Stelle heißt es im Bericht, in bezug auf die Verhältnisse der Arbeiter im allgemeinen, der Verkürzung der Arbeitszeit uird die guten Erfahrungen, die mit dem Acht- stundcntag gemacht worden sind, weiter: „Die Verhältnisse der Arbeiter im allgemeinen haben wegen des Rückganges der Geschäftslage im ganzen keine wesentliche Besserung erfahren können. In Mittelfranken, der Pfalz und Unterfranken ist die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeiter teil- Iveise ziemlich bedeutend gesunken, in den übrigen Bezirken ist sie gegen das Vorjahr nur wenig gestiegen. Die Abnahme betraf die Eisen-, Metall- und Maschinenindustric und die Industrie der Steine und Erden. Nennenswerte Zunahmen sind nur im Baugewerbe, der Bckleidungs- und der Nahrungs- mittelindustrie eingetreten. Der schlechte Geschäftsgang brachte in der Textil-, Stein- und Glasindustrie Betriebsreduktionen und Feierschichten: auch in manchen anderen Betriebszweigen, z. B. Eisen- und Metall- industrie, waren vorübergehende Verkürzungen der Arbeitszeit noUvendig. Ueber dauernde Verkürzungen der Arbeitszeit, die als Folge von Ausständen, Lohn- und Tarifbewegungen er- schienen, wird aus Oberbayern, Mittelfranken, Unterfranken und Schwaben berichtet. Besondere Erwähnung verdienen hier die guten Erfahrungen, welche die Stadt Würzburg mit der Ein- fiihrung der achtstündigeu Schichten an Stelle der zwölfstündigen für die Retortcnarbeiter ihrer Gasfabrik und mit de»- Be- seitigung der 24 stündigen Wechselschichten für diese Arbeiter an den Sonntagen machte. Es zeigte sich dabei der günstige Einfluß der verkürzten Arbeitszeit auf den Gesundheitszustand, ohne daß Nachteile für den Betrieb im ganzen hervortraten." Das ist wertvolles Material und zeigt, daß auch in Privat- betrieben der Achtstundentag, ohne Verluste irgenwelcher Art für den Unternehmer, eingeführt werden kann. Ueber die Zahl der Zuwiderhandlungen gegen Schutzgesebe und Verordnungen, betreffend die Beschäftigung erwachsener Ar- beiterinnen, heißt es, daß sie zugenommen hat. Es sind die Ver- fehlungen um 445 und die beteiligten Anlagen um 314 gestiegen. Es wird rühmend hervorgehoben, daß sich mehr und mehr„die Wichtigkeit der weiblichen Gewerbeaufsicht bei der Ueberwachung der 5konfektionsbctriebc, der Gast- und Schankwirtschaften, der Hausindustrie und beim Vollzuge des Kinderschützgesetzes, zeigt." „Die Verkürzung der Arbeitszeit für Arbeiterinnen von 11 auf 19 Stunden und weniger, macht langsame Fortschritte. Ebenso die Verlängerung der?Nittagspause auf und IVo Stunden." Ueber Lohnbewegungen und Streiks im Jahre 1998 heißt es im Bericht, daß diese in Anbetracht des Rückganges der Geschäfts- läge weniger hervorgetreten seien, als in den Vorjahren. Im ganzen seien 164(i. V. 286) Arbeiterausstände und 28(29) Aus- sperrungcn amtlich gemeldet worden. Hieran ist zu sehen, daß die Unternehmer zu Zeiten ungünstiger Konjunktur sich weit kühner mit Aussperrungen hervorwagen, als in guter. Die Gewerbe- gcrichte dienten als Einigungsämter in 121(127) Fällen. 1993 waren 57 vorhanden. Was das Gebiet der Unfallverhütung betrifft, so wird die Auf- klärungsarbeit der Arbeiterorganisationen anerkannt. Die Zahl der Unfälle ist um 1599 zurückgegangen. Es sind im Berichtsjahre 14 797 Unfälle amtlich gemeldet worden. Die Todesfälle sanken um 8, die schweren Unfälle um 155, die leichten um 1926 und die unbestimmter Art um 3ll. Bezüglich der Unfallursachcn ist be- merkenswert, daß die meisten Unfälle wieder auf Transportarbcitcn entfallen, nämlich: 3219 oder 21,8 Proz., darunter allein 854 oder 26,6 Proz. inr Baugewerbe. An zweiter Stelle kommen die Unfälle, welche mit dem Maschinenbetriebe im Zusammenhange stehen, mit 3997 oder 29,5 Proz. aller gemeldeten Unfälle, alsdann die Unfälle speziell an Arbeitsmaschinen mit 2539 oder 17,2 Proz.(im Vor- jähre 19,8 Proz.), an letzteren sind in erster Linie die Holzindustrie mit 567, die Maschinenindustrie mit 558 und die Metallindustrie mit 499 Unfällen beteiligt. Von den Gewerbeaufsichtsbcamten wurden im Interesse der Unfallverhütung im Berichtsjahre 12251(im Vorjahre 19914) Anordnungen getroffen. DieBeriinerPresse über das neu eröffnete 4. Geschäftshaus der Firma Baer Sohn, Schoneberg, Haupt-Straße 10, Eche Vorberg-Straße. We„Berliner Morgenpost" schreibt; Neben ihren drei bekannten Niederlailungen in der ehauis-estratze, der«rückenstrape und der Braben aranl. turter Strubs hat die Firma Baer Sohn in diesen �agcu «in viertes Haus. Hauvtstrabe lä in Schoncbcrg, an der iCcfc der Borbcrgslrabe, eröffnet. Imposant vrasenNert »ch die breite Aronl des groben Eckhauses, defsen Raums rm Parterre und ersten Stock den Zwecken des Unter- nehmens dienen. Zu ebener Erde hat vor allem die arobe KonfcltionSabteilung Raum gefunden: der fertigen Herren, und Knabengarderobe stehen hier ausgedehnte cktäger su Gebote, während im hinteren Teile de- Ladens ■die ilbteilung für BerufSkl-iduna untergebracht ist. Be. queme iinprobierrällme stehen der Kundschaft in a»ts- reichender Anzahl zur Verfügung. Auch die Abteilung ckü- Herrenwüsche ist im Erdgeschod pi-ci-rt. DaS erste Stockwert bes für die Zwecke der Firma döMa neu ein- gerichteten Lolales dient der bebeutenden Waßabteilung, der wie in den Siteren Filialen, so auch in der neuen «icderlassung besonderes Intcrelle zugewandt wird. Hier »den haben auch die Abteilungen sik AmiStrachien und Talare. für Sport- und Jagdllcidung, Livreen siir Innen- und Aubendienlt sowie für AutomobiMeidung ■Unterkunft gefunden, und die zahlreichen Schausenstcr der ersten Etage geben ein umfassendes Bild von den fieiswngen des Hauses auf diesem befonterS gepflegien Svezialgebiete. Neben den dem Verlauf dienenden «äumllchleiten finden sich noch Arbeiissiütten für An» ..fertigung und Aenderung«». Di« grob« Reihe don Schaufenstern im Erdgeschob, die nach«inH«tMcher Idee mit feinem vicschmack anSgesiattet find, bieten «ine dauernd« Ausstellung aus dem weiten Bereiche »er so vielgestaltigen Herrengarderob«. und auch der ■in Modesachen Unerfahrene wird daraus stets ,u er- sehen vermögen, was die Saison an aparten und ge- fchmackvollen Neuheiten bringt. Abends erstrahlt das Geschäftshaus, das zu den grSszten und elegantesten SchönedergS gehört, im hellen Scheine des elektrischen Lichts und weift den KSusern schon don weitem den Weg zu einer Firma, deren wirklich bedeutende Laifwn. gen auf alle« Gebieten der Herrenkleidung sich auch an dieser neuen Niederlassung tui Westen Berlins sicherlich wieder in bekannter Weis« bewähren werden. � j Der„Berliner Lokal•Anzeiger" schreibt; Die bekannt« HerrenkonfektionSstrma Baer Sohn. deren Ruf weit über Berlin hinaus verbreitet ist, er- öffnet am heutigen Tag« in der HaupMrabe 10 zu Cchöneberg eine Filiale. Die Lage des neuen Geschäfts. iokals ist ganz ausgezeichnet. Fasi an der Grenze zwischen dem alten Westen Berlins und Schöneberg gelegen, wird die neue Geschäftsstelle zweifellos dem Haufe Baer Sohn viel« neue Freunde gewinnen. Ter Grund. sah, nur in eigener Regie mit Ausschaltung jedes Zwischenhandels zu arbeiten, die Herstellung und die Zutaten sorgfältig bis zum lehien Nadelstich zu überwachen, haben der Firma zu ihrem heutigen groben Renommee verhoifen. Tatsächlich sind die Preise der besten Stoffen und sorgfältiger Herstellung auberortenilich billig, so daß das Vorurteil gegen fertige Herrengarderobe auch in eleganten Kreisen immer mehr im Schwinden be- griffen ist. Selbswerständlich hat die Firma auch ibre eigene Matzadieilung, in der nur allererste Kräfi« all Zuschneider tätig sind. Das Geschästslokal Hauptstr, 10 wird im Parterre die Abteilung für fertige Waren, für Wäsche und Hüte, für Berufs- und Jndustriekleidung aufnehmen. Im ersten Stockwerk befindet sich die Ad- teilung für Matzware, für TropenIIeidung, die Jüng- liiigsabieilung sowie die Anllcideräume und Werkstäiien: im Uniergeschotz find die Dienst, und Erfrischungsräume für das Personal untergebracht. ES ist don vornherein darauf Bedacht genommen, durch Durchbruch nach dem Nebenhaus- die stattli-h«, FKime spsttfr auszubauen «ih zu vergrößern.- � Das„Berliner Tageblatt" schreibt: Gestern nachmittag wurde in SchoneSerg Haupv strotze 10(Ecke Borbergstratze) das vierte G-schäsMcuis der Firma Baer Sahn-eröffnet.. �«./rchll-h-nde. imposante Fassade des Hauses Mlt den geschmackvollen Schildern der Firma und dt- ouss k�Ue tekorierteii Schaufenster parterre und I. Etage zogen die Aus mcrlsamk-ir aller Vorübergehenden au, sich, �em großen Lager fertiger Herren, und Knab-ngard-rode rethen sich die Spezialabteilungen für Berusslieidung und Livreen an. In der l, Etage befinden sich die Ankleid-. räume und die Mahaüteiiung soivie daZ reichhaltige Ewssiagcr, welches auch den verwöhntesten Ansprüchen Rechnung trägt. Vervollständigt wird die Einrichtung dieses modernen Geschäftshauses durch rn den Keller- räumen befindliche Frühstücks- und Garderohenräums sur das Personal. Die„Vossiscbe Leitung" schreibt: Die bekannte Herrcnkonseltionsfirma Baer Sohn, deren Ruf weit üver Berlin hinaus verbreitet ist, hat in der Hauptstratze 10 zu Schöneberg eine Filiale er- öffnet. Die Lag« deS neuen GeschästslolalS ist ganz ausgezeichnet. Fast an der Grenze zwischen dem alten Westen Berlins und Schöneberg gelegen, wird dl« neue Geschäfisstslle zweifellos dem Haufe Baer Sohu diele neue Freund- gewinnen. Der Grundsah, nur in eigener Regie, mit Ausschaltung jedes Zwischenhandels zu ar- heilen, die Herstellung und die Zutaten sorgfältig di-. zum lehien Nadelstich zu überwachen, haben der Firma zu ihrem heutigen groben Renommee verhoifen. Tat- sächlich sind die Preise de, besten Stoffen und sorgfältiger Herstellung autzerordenilich dillig, so datz das Vorurteil gegen fertige.Herrengarderobe auch in eleganten Kreisen immer mehr im Schwinden begrisfen ist. Selbswerständ. lich hat die Firma auch ihre eigene Matzadieilung, in der nur allererste Kräfte alz Zuschneider tätig sind. Die„Berliner Allgemeine Zeitung" schreibt: Reue« Geschäftshaus der Firma Beer Sohn. Die bekannte Spezialfirma für Herren- und Knabenbelleibung sowie Uniformen- und Lidreelieferung Baer Sobn er- öffnete gestern nachmittag in Schöneberg, Hauptstr, 10, ihr viertes Geschäftshaus, Die hohen und lustigen Ge. schästsräume verteilen(ich aus das Souterrain, das Erd- ?elchvtz und das erst« Stockwerk. Neben den Abteilungen ür die einzelnen Artikel der Herren, und Knaben- konsekiion befinden sich darin Arbeits- und Ankleide- räume, die sowohl in hygienischer Beziehung olS indeireif der Beguemlichkeii den modernsten Ansorderungen erst- sprechen. Besonderer Erwähnung wert sind auch die grotzen und ciegant ausgestatteten Schaufenster, denen die geschickte Hand des Dekorateurs am Eröffnungstage ein besonders elegantes und dieldersprechendcs Aussehen verliehen hatte. Im übrigen bürgt das langjährige' Be- sieben der Firma dafür, datz das dort kaufende Pudli- kum nach jeder Richtung hin reell und zuvorkommend bedient wird. Das Fachblatt:„Der Confectionär" schreibt: Eröffnung des vierten Geschäftshauses der Firma Baer Sohn. Sonnabend nachmittag hat das SpszialhauZ für Herren, und Knadendekieidung Baer Sobn di- vierte Filiale in Schönederg. Haupistratze 10(Ecke Vorberg- ftratze), eröffnet. Die neuen Lokalitäten find hell und freundlich auSgestaiiet und zweckmätzig eingerichtet. Jin Parterre sind die Adieilungen für konfektionieri- Waren, Berufs- und Jndustriekleidung, sowie Wäsche und Hül» untergebracht, während sich im ersten Stock die RayonS für Matzbeftellungen, Tropenklcidung und Jünglings- Sarderobe, desgleichen die Anprobierräume sowie die ieliers befinden. DaS Souterrain hingegen enthält die Garderoben- und FrühftückSräume für das Personal. (Athallcb beriditea uden T»yrtjoitans«*.) BaerSohn Spezialhaus größten Maßstabes für Herren- und Knabenkleidung fertig und nach Maß. Chausseestr. 29/3» 1 1 Brückensfraße 1 1 Gr. Frankfurfersfr. 20 Schöneberg, Hanptitr. 10 N&S/jfr 4sf LfafefKofalog No, 56 wird auf Wu/xsch kostenlos n. portofrei zugesandt» Manufakturwaren- Sortiments- Geschäft R.& S. Moses „yl Relnickeiidorfer Str. OjlO � s Ecke Dalldorfer Straße, an der Markthalle Wedding. gehören zu den gröBlen ond ältesten Lieleranten des„Rabatt-Spar-Vereins Norden6«! 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Sg8Sb Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann« SozialdeißokratiseliJalilvereiD des 6. BerL Reieöstipaliüa'eises. Todes- Anzeige. Am 29. April verstarb unser langjähriger BezirkSsiihrer und ehemalige» Vorstandsmitglied, der Schristsetzer Friedrieh Wuthenow Weifienburgerstr. 56. Ehre seinem Nndenken!, Die Beerdigung findet am Dienstag, de» 4. Mai, nach-! mittags 4'/, Uhr, von der Leichen-' alle des stadtischen Friedhoses in sriedrichSselde auS statt. 227/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorltand. Am Donnerstag, den 29. April, abends g'/< Uhr, verstarb nach schweren Leiden unser Kollege und Vorstandsmitglied Fritz Wuthenow im Aller von 39 Jahren. Wir verlieren in dem Der- storbenen einen treuen Kollegen und tüchtigen Mitarbeiter, welcher stets bereit war. seine Krast in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und dessen persönliche Eigenschasten ihn besonders zu seinem Posten bcsähigten. Möge ihm die Erde leicht sein t 27/5»er Vorstand. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Mai, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsseide auS statt. Allen Freunden und Bekannten die ticftraurige Nachricht, dafi mein lieber Mann und guter Vater, Sohn und Bruder, der Gastwirt tteinrieli ßlümel Rixdorf, Münchcner Strahe 10, am 29. April nach langen, schweren Leiden sonst entschlasen ist. Ehre seinem Rndenkeu! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Städtischen Kirchhojes, Wariendorser Weg, aus statt. Um stilles Beileid bittet 2372b I-iitso Blttmel. SozialdeniokratiseliJalilTereiD Rixdorf. Todes• Ansclge. Am Donnerstag früh verstarb nach kurzem schweren Leiden unser langjähriges Mitglied, der Schankwirt Heinrich Blümel (17. Bezirk). Wir verlieren in dem Dahin- zegangcnen einen unserer Besten, mmcr war er bereit, sein ganzes Können einzusetzen, Ivo eö galt, Arbeiten sür die Partei zu leisten. Sein lauterer Charakter sichert ihm«in dauerndes Andenken innerhalb der Partei. Die Beerdigimg findet am Sonntag nachmittags 3 Uhr von der Halle des neuen Nixdorser FriedhoseS, Wariendorser Weg. aus statt. L3S/3 Die Parteigenossen versammeln sich um 2 Uhr beim Genossen Hoppe, Hermannstr. 49. Um rege Bewligu.� ersuch� Verband der freien Gast- unil Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Donnerstag, den 29. d. Mts., unser Kolleg« Heinrich klümel an Gehirnentzündung verstorben ist. Ehre seinem«»denken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der LetchenhalleMariendorser Weg auS statt. Um rege und zahlreiche Beteili- gung ersucht 74/14 Die Ortsvcrwaltung. Hiermit zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater Karl Rylski nach langem schweren Leiden am Donnerstag verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten Alcxoixdi-tae Rylski nebst Kindern. 2377b Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4>/, Uhr von der Halle de» städtischen Fried- hos es, FriedrichSseldc, aus statt. ZezIMllolci'atiseiiei'Valiivei'eill kür den 3. Berliner Reiehstags-Waidkrels. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse 213/9 RSter Rylski am Donnerstag, den 29. April im Alier von 66 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Mai, nachmittags 41/, Uhr, von der Leichenhalle des lädtischcn Friedhoses Friedrichs- elde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Box? Vorstand. ßeutseiier Transportarlieiter-Ferliaiiil. Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht. ! daß unser langjähriges Mitglied, der Packer von der Buchhandlung 1.Courier" Peter Rylski am Donnerstag, den 29. April, in, Alter von 66 Jahren an Kehl- kopsleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bcerdigmig findet am Montag, den 3. Mai, nach- mittags 4>/. Uhr. von der Leichen- halle des Städtischen Friedhoses, FriedrichSseldc. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 67/2 Oie Verwaltung 2. Zentral-Yerbani!!!. Lederarbeiter, Filiale Berlin I. Todes• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Theodor Lehmann am Montag, den 26. April, Plötz- lich verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet heute am 1. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Salle des Sophicn-Ktrch- Hofes in der Freimwalder Straße aus statt. 144/7 Ola Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Uhr- macher Walter Hentschel am 26. AprlI gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den I. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des ZionS-KtrchhoseS auS statt. Rege Beteiligung erwartet 11619 Oie Ortsverwaltung. s Verband der Maler, Lackierer, Anstrttlherustu.j Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht,! daß unser Mitglied, der Maler �twin Kollmann am 25. d. Mts. plötzlich ver-I ftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute an» 1. Mai, nachmittag« 6.3 Uhr, aus dem Zentral- Frledhos in FriedrichSseldc statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 128/15 Oia Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin S. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mehl- kutschcr Karl Rosenkefd am Mittwoch, den 29. April, im Alter von 46 Jahren an Magen- leide:» gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de« Getbsemane- KirchhoseS, Nieder- Schönhauscn-Nordend, aus statt. 67/3 Oie Verwaltung 2. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler ESrnst Werner am 27. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Mai, nachmittags 4>/, Uhr, von der Halle des Siineons-Kirchhoses am Marien- dorser Weg aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Paui Danneberg am 28. April verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Mai, nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle de» neuen Jakob»- KirchhoseS in Rixdorf, Hermannstraße. anS statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/8 Die Ortsverwaltung. WM Splntimii! Allgemeine Orts- Krankenkasse Montag, den 10. Mai, abends 8 Uhr, bei Goni-ad, Schönwalderstr. 2; General-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bericht der RechnungsprüsungS Kommission. 2. Ersatzwahl des BorstandeS(zwei Arbcilnchmer). S. Statutenänderung(§ 13, Absatz 1, Zister 3 und§ 30). 4. Verschiedenes. 274/11 Delegiertenkarte legitimiert. Der Vorstand. R. Appoldt, Vorsitzender. Soiiuilbe«d,.»t.M«i »r geschlosse»! Dar Arbeits- Anzüge. WI16. Pahr,„SSI-ffi. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten VateiS Wilhelm Hauser sagen wir hierdurch allen Freunden und Bekannten, besonders dem Wahl« verein des 4. Wahlkreises, Abt. 27, Bezirke 3S1 und 3Slb, dem Deutschen Holzarbeiter-Verband, Zahlstelle Ber» Im, den Rollegen der Firma L. Lüdtke sowie den Angestellten derselben, den Kollegen der Firma I. C. Psasf, Saal 3, den Mitgliedern des neuen Grundbesitzer-Vereins Alt- Glienicke und den Bauern der grünen Wiese, ganz besonders dem Genossen Nitschte sür seine trostreichen Worte am Sarge des Entschlasencn unseren innigsten Dank. 1664L Die trauernde Witwe Panllne Haaser nebst Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Begräbnis meines lieben Mannes und guten Vaters sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Witwe ILalse Schmidt nebst Kindern. Dr. Simmel Speziat-Arzt 62i0' für Haut- und Harnleiden. Priozenstr. 41, 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 29 GardineuhauS Bernhard Schwach Berlin Wallstr. 29 Flur-Eingang. Drahtadresse: Gardinenhaus. Gardinen, Store«, Tüllbetideckcn, Rouleauz Portteren?c. Gros und Detail. Reste «. 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Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 2. Mai, an die nachverzeichneten Kam- missiousmitgtieder gelangen zu lassen: Für den l. Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch. NW. 23, Lessingstrage 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, L. 33, Bärwaldstraße 47. Für den Hl. Wahlkreis an den Genossen Karl König, 8. 39, Urbanstraße 93. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, 0. 34, Straßmannstrnße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, C. 54, Augusislraße 51, Ouergeb. IV. Für den VL Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 58, Ucckcrmünder Straße 17, II. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Blunienthalstraße 24. Für Teltolv-Bceskow an den Genossen Karl Rohr. Rixdorf, Selchower Straße 15—16, IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen August Paris. Velten, Luiseiistraße 17. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borstbenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kominission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- tcilungen in Lokalangelegenheiten für Groß-Berlin dem zu- siändigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.>— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonserenzen der Lokalkrcise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissions Mitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben, Alle nach dem 2. Mai einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir'wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärt§". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt lVergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Richard Henschel, Berlin N. 58, Ueckcrmünder Straße 17, II. Zur Lokalliste. Anläßlich der jetzt begonnenen Baumblüte in Werder a. H. teilen wir auf Wunsch der dortigen Parteigenossen mit, daß in Werder nur das Lokal„Schwarzer Adler", Fich. Koch, Fischerstr. 98, der Arbeiterschaft zur Verfügung steht. Wir ersuchen dies beachten zu wollen. Die Lokalkommission. Schvnebcrg. Eine Besichtigung der Arbeiter» wohlfahrts-Ausstellung in Charlottenburg veranstalten die Genossen des 5. Bezirks am Sonntag, den 2. Mai. Die Teil- nehmer treffen sich mittags 12Vz Uhr bei dem Genossen Schubert, Belziger Straße 60. Es wäre erwüuscht, wenn die Genossen der anderen Bezirke mit ihren Frauen sich ebenfalls an der Besichtigung beteiligen würden. Karlshorst. Parteigenossen! Heute nachmittag 4 Uhr zur Mai- frier bei Fr. Bartels im Restaurant»Zum Fürstenbad". Der Vorstand. Königs-Wusterhauscn und Umgegend. Die Partei» und Gewerk- schaftsgenossen werden hiermit auf die am Mittwoch, den 5. Mai, im Wedhornschen Lokal stattfindende Volksversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten F r i tz Z u b e i l über:„Die Finanzreform". Am morgigen Sonntag, früh 8 Uhr, findet eine Flugblattver- breitung statt. � Der Vorstand. WilhelmSruh-Niedrr-Schönhausen-West. Am Dienstag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Barth. Viktoriastraße 7. die Mitgliederversamnilung des Wahlvereins statt. Gäste haben Zuttitt. Bernau. Versamnilung 6 Uhr abends im E l h s i u m. Referent: Knüpfer.— Nach Schluß der Versammlung von dort, Festzug »ach dem Schützenhause zur Feier. berliner jyacbncbten. Ter Bebauungsplan für das Tempelhofer Feld. beschäftigte die letzte Gemeindevertretersitzung von Tempel- Hof. Dieser Plan ist im Auftrage des Kriegsministeriums von dem Ober-Baurat Stubben und dem Stadtbaurat Gerlach in Schöneberg entworfen und soll, wie es heißt, erkennen lassen, daß den hygienischen und sanitären Anforderungen durch reichliche Gewährung von Luft und Licht und Anlegung breiter Straßen und großer Plätze im weitesten Maße entsprochen wurde. Die Gemeindevertretung Tempelhofs hat diesem Plan ihre grundsätzliche Zustimmung erteilt unter der Bedingung, daß für ausreichende Verbindungen zwischen Tempelhof, Berlin und Schöneberg, Bahnhof Papestraße Sorge getr.agen wird. Die Frage der Eingemeindung des Tempelhofer Feldes in Berlin ist damit natürlich nicht aus der Welt ge- schafft. Arbeiter-Bildungsschule Verlin. Die Kurse haben in der vergangenen Woche ihren Anfang genommen, doch ist zu wünschen, daß auch in der kommenden Woche recht viel neue Teilnehmer hinzukommen. Da der erste Vortrag jeden Kursus nur eine summarische EinleituM gibt, so haben die neu eintretenden Teilnehmer auch nochTn dieser Woche die Möglichkeit, ohne Einbuße den Unterricht zu besuchen. Am Mittwoch b e g i n n t der Unterricht in G e- schichte. Das interessante Thema:„Wesen und Entwicke- lung der politischen Anschauungen Deutschlands", wird hoffentlich recht vielen höchst willkommen sein, und es ist zu wünschen, daß die Vorträge einen starken Besuch aufweisen. Genossen und Genossinnen, tretet ein in die Arbeiter- Bildungsschule. Jeder denkende Arbeiter muß das Bestreben haben, seine Kenntnisse zu erweitern, und deshalb muß die Losung sein: Hinein in die Arbeiter-Bildungsschule. Die Personenschiffnhrt des Kreises Teltow nach dem neuen Tarif wird heute eröffnet werden. Es ist mit Sicherheit zu er- warten, daß die projektierten Sommerfahrten auch im östlichen Teile des Kanals gute Frequenz zeigen werden. Die Dampferfahrten zur Baumblüte nach Werder haben be- gönnen. Die„Stern"-Gesellschaft läßt vom 1. Mai ab von der Kaiser Wilhelm-Brücke zu Potsdam(Eisenbahnhotel) täglich um 19, 12, 2, 3, 4, 5 und 6 Uhr Schiffe nach Werder verkehren. Die- selben fahren um 11.39, 1.39, 4.39, 5.39, 6.39 und 7.39 Uhr von der Anlegestelle unterhalb der Bismarckshöhe und 19 Minuten später von dem Restaurant„Zur Ueberfahrt" zurück. Am kommenden Sonntag sollen die ersten Schiffe von der Weidendammer Brücke zwischen 8 und 9 Uhr früh direkt nach Werder laufen. Außerdem fährt von Spandau noch um 9.45 Uhr ein Schiff zur Baumblüte. Außer Extradampferfahrten werden auch zahlreiche Extrazüge nach Werder eingelegt.» Regelmäßige Dampferfahrten. Vom 2. Mai ab verkehren die „Stern"-Dampfer auf der Oberspree und Dahme, sowie auf dem Müggelsee, ebenso auf der Havel zwischen Wannsee und Potsdam wieder regelmäßig nach dem Frühjahrsfahrplan. Die Schiffe laufen ab Jannowitzbrücke täglich um 2, 3, 4, 5 Uhr bis Grünan, um 6 Uhr bis Loreley und zurück, ferner ab Grünau(Gesellschafts- haus) von 2.23 bis 7.23 Uhr stündlich über Marienlust, Carolinen- Hof, Krampenburg, Schmöckwitz in diesem Jahre erstmalig nach Zeuthen, Hankels Ablage, Rauchfangwerder und Ziegenhals. Von Wannsee verkehren die Dampfer um 11.49, 2.49, bis 6.49 Uhr stündlich über Pfaueninsel nach Potsdam zurück. Auf der Oberhavel und dem Tegeler See tritt am 2. Mai bereits der Sommerfahrplan in Kraft.. Hundcrtfünfzig in vier Monaten! Wieder haben nach der neuesten Ordcnsliste vier Berliner Kriminalschutzmänner und elf gewöhnliche Schutzmänner die allgemeine Ehre durch eine metallene Brustzicrde ausdrücklich vom preußischen Staate bestätigt erhalten. Nach vier Wochen dürften wir in der Lage sein, zu berichten, daß das zweite Hundert Polizeiorden voll ist. Da werden die anderen staatlichen Ressorts bald neidisch werden! Abholung von Postpaketen. Die Post holt auch Pakete ab. Diese Einrichtung ist immer noch verhältnismäßig so wenig be- kannt, daß die Postverwaltung jetzt wieder darauf hierdurch hin- weisen läßt. Zur bequemen Einlieferung von Paketen ist in Berlin, abgesehen von den Stadtpostanstalten, auch durch die Paketbestellcinrichtnngen der Post Gelegenheit geboten. Sämtliche im Dienste befindliche Paketbesteller sind zur Entgegennahme gc- wöhnlicher Pakete und zur Einlieferung bei der nächsten Post- anstalt verpflichtet. Sie nehmen die Pakete innerhalb der Häuser, die sie zum Zwecke der Bestellung oder Ablieferung betreten, und an den Postwagen entgegen. Auf schriftliche Bestellung durch Be- stellschreiben oder Bestellkarte an das Kaiserliche Paketpostamt in Berlin N. 24 in der Oranienburger Straße 79 findet die Ab- holung von Paketen auch aus den Wohnungen statt. Die Bestell- schreiben und Bestellkarten werden unentgeltlich befördert. Für die von den Paketbestellern auf ihren Bestellfahrten einge- sammelten Pakete wird außer dem Porto eine Gebühr von 19 Pf. erhoben. Spielplätze und Bewegungsspiele für unsere Jugend. Nach einer Verfügung der städtischen Schuldcputation vom 29. 4. 1999 werden am 1. Mai Spielplätze 1. Auf dem Exerzierplatz des 3. Garde-Regiments vor den Schlesischen Tor, 2. im Friedrichs- Hain, 3. iin Treptower Park auf dem Spielplatz 4(am Karpfen- teich), 4. im Humboldthain, 5. am Fuße des Kreuzberges, 6. auf denT Exerzierplatz an der Schönhauser Allee an der sogenannten einsamen Pappel, 7. auf dem zwischen Urbanstraße. Platz am Urban, Wilmstr. 14a gelegenen Grundstück, 8, auf dem Grundstück in der Wiesenstr. 49/54 und Pankstr. 11/12, 9. auf dem Grundstück in der Brunnenstraße 22/32 eröffnet und daselbst unter der Leitung von städtischen Lehrern von 4—6 Uhr nachmittags, im Friedrichs- Hain von 3lh— 5lh nachmittags, Bewegungsspiele für Knaben ab- gehalten werden. Die Rektoren werden ersucht, die Knaben der von ihnen geleiteten Schulen hiervon in Kenntnis zu setzen und sie zum Besuch dieser der Jugend unserer Stadt sehr zu empfehlenden Spiele vor ihrem Beginn und wiederholt während des Sommers, namentlich aber auch beim Beginn des Unterrichts nach den Sommerferien anzuregen. . Schulzahnkliniken. Das Komitee für Zahnpflege in den Schulen beabsichtigt in den von der Stadt Berlin in der Branden- burgstraße 78/79 unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumen am 1. Juli dieses. Jahres die erste Schulzahnklinik zu eröffnen. Ein Teil der(operativen) Einrichtungen ist von ersten Firmen unentgeltlich zur Verfügung gestellt, und auch von privater Seite sind Geldmittel für die erste Einrichtung gezeichnet. Aus der Armenarztpraxis. Eine Witwe M., die im Südosten der Stadt wohnt, hat mit einem Arzt für Arme folgende Er- fahrungen gemacht. Der ärztlichen Hilfe bedurfte Frau M. für ihren zwölfjährigen Sohn, der schon seit etwa zwei Wochen kränkelte und anscheinend an einer Halsentzündung litt. Schließ- lich ließ sie sich vom Armenvorsteher des Bezirks einen Kranken- schein ausfertigen und begab sich hiermit noch an demselben Nach- mittag nach der Wohnung des Armenarztes Dr. Lorenz(Reichen- berger Straße). Dort wurde sie von einem Herrn empfangen, der— wie sie zu wissen meint— nicht Dr. Lorenz selber, sondern ein Vertreter für ihn war. Der Name dieses Herrn scheint unS nicht mit voller Sicherheit festgestellt zu sein, nennen wir ihn daher einen Dr. X. Der Armenvorsteher hatte die Frau M. angewiesen, den Arzt erst für den anderen Tag um Beistand zu bitten. Er hatte aber hinzugefügt, inimerhin möge sie versuchen, ob sie nicht den Arzt veranlassen könne, noch an demselben Tage zu kommen. Frau M. war in Sorge um den Jungen und hätte sofortige Hilfe gewünscht, da aber Herr Dr. X. kurz erklärte, er lverde morgen kommen, so gab sie sich zufrieden. Am andern Tage kam Dr. X. in der Mittagsstunde. Er sah dem Jungen in den Mund, brummte dann ein paar Wort vor sich hin, etwa wie„des- halb einen Arzt!?", sagte der ängstlich fragenden Mutter, Gefahr sei nicht vorhanden, und empfahl, mit Salzwasser gurgeln zu lassen. Die Mutter war beruhigt, aber noch im Lause des Tages der- schlimmerte sich der Zustund, und in der Nacht wurde er so be- denklich, daß am andren Morgen Frau M. auf eigene Kosten einen gndxen Arzt, einen Di,§3., herbeirief. Der kam LYverzüglich, ypch vor seiner Vormittagssprechstunde, aber er konnte nicht mehr helfen. Als er eintrat, starb der Junge in den Armen seiner Mutter, so daß den: Arzt nur übrig blieb, den Tod festzustellen. Dr. B. hielt es nicht für zulässig, daß er die Todesursache er- mittele und bescheinige. Cr erklärte, das sei Sache des Arztes, der den Kranken behandelt habe. Frau M. ließ durch ihren Nach- bar, einen Herrn S., dem Herrn Dr. X. melden, ihr Sohn sei ge- starben, der Herr Doktor möge die Todesursache feststellen. Dr. T. antwortete, das überlasse er dem Dr. B., der könne— so verstand S.— für sein Geld noch'was tun. Als dem Dr. B. das gemeldet wurde, setzte der sich per Telephon mit Dr. X. auseinander. S. ging dann erneut zu Dr. X., und schließlich bescheinigte der, daß der Junge nn einer Mandelentzündung gelitten habe und einer Herzlähmung erlegen sei. Frau M. wie Herr S. versichern aufs bestimmteste, Herr Dr. X. sei nicht noch einmal gekommen, um den Verstorbenen zu besichtigen, er habe die Leiche überhaupt nicht gesehen. Wir enthalten uns jedes Urteils über die Leistung, die Herr Dr. X. als Arzt für Arme geboten hat. Was aber sagt dazu die Armenverwaltung? Bon der stäbtischc» Straßenbahn überfahren wurde am Mitt- woch abend gegen 8 Uhr der 19 jährige Knabe Erwin Ost aus der Ebertystraße 19. Beim Ballspielen achtete der Knabe nicht auf die Geleise der Straßenbahn und als er einem Wagen auswich, lief er in den anderen Wagen hinein und kam so unglücklich unter die Räder, daß er, nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebend, hervorgezogen wurde. Auf dem Wege zum Arzt verstarb der Knabe. Augenzeugen berichten uns, daß dem Führer des Wagens keinerlei Schuld beizumessen ist. Da sich in letzter Zeit die Fälle häufen, wo auf der Straße spielende Kinder überfahren wurden, möchten wir die Eltern bitten, ihre Kinder auf die Gefahren der Straße aufmerksam zu machen und sie zu besonderer Vorsicht mahnen, wenn es nicht möglich ist, daß die Kinder einen in der Nähe der Wohnung liegenden Platz zum Spielen aufsuchen können. Wie notwendig obige Mahnung ist, beweist auch folgende Iln- glücksnotiz: Von einem Geschäftswagen überfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag gegen 5 Uhr der 8 Jahre alte Sohn Otto des Arbeiters Balk aus der Schererstraße 7. Der Kleine hatte mit anderen Kindern in der Reinickendorfer Straße gespielt, als plötzlich aus der Adolfstraße ein Lastfuhrwerk in schnellem Trabe herannahte. Während die anderen Kinder sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, vermochte Otto B. nicht mehr auszuweichen. Er wurde von den Pferden niedergerissen und geriet unter den Wagen, dessen Räder über ihn hinweggingen. In bewußtlosem Zustande wurde der Verunglückte nach der Unfall- station in der Lindower Straße gebracht, wo ein komplizierter Bruch des rechten Oberschenkels und eine klaffende Kopfwunde festgestellt wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Schwerverletzte nach dem Rudolf Virchow-Krankenhause gebracht. Das Sturmwetter, daß Donnerstag abend in der siebenten und achten Stunde herrschte, hat in der Umgebung Berlins ganz bedeutende Schäden verursacht. Durch den niedergegangenen starken Hagelschlag hat die Saat ganz besonders zu leiden gehabt. Strichweise sind die jungen Pflanzen durch die Hagelkörner voll- ständig vernichtet worden. Den Laubenkolonisten find ebenfalls nicht unerhebliche Verluste beigebracht worden. Durch den orkan- artigen Sturm wurden in den Forsten der Umgebung beträchtliche Baumschäden herbeigeführt. Nicht allein armstarke Aeste wurden losgerissen, sondern auch ganze Bäume fielen bcin_ verheerenden Element zum Opfer. Durch Blitzschlag sind.in einigen Fällen mächtige Bäume vernichtet worden. So wurde an der Cöpenicker Chausseee ein großer Eichbaum durch den Blitz gespalten. Aber auch Gebäude sind von dem Unwetter nicht verschont geblieben. In den Vororten schlug der Blitz wiederholt ein und zündete. Glücklicherweise konnte aber in allen Fällen durch schnelles Ein- greifen der Wehren größeres Unglück verhütet werden.— Auf den Seen in der Umgebung der Rc'ichshauptstadt, auf denen trotz der vorgerückten Stunde noch ein recht reger Ruder- und Segelverkehr herrschte, wurden infolge des plötzlich ausbrechenden Sturmes eine ganze Reihe von Booten zum Kentern gebracht. Auf dem Müggelsee schwebten in drei Fällen die Insassen in der größten Lebensgefahr. Auf der Havel bei Gatow kenterte ein mit vier Personen besetztes Ruderboot, dessen Insassen in die Fluten stürzten. Auf dem Wannsee wurden die Boote wie Nußschalen auf den hochgehenden Wellen gepeitscht. Aufsehen erregte in der vergangenen Nacht ein Selbstmord im Cafö Opera, Unter den Linden 21. Ein junger Gast, der dort eine Zeitlang gesessen hatte, trat plötzlich aus und schoß sich aus einer Browiungpistole zwei Kugeln in die rechte Schläfe. Gäste und An- gestellte liefen hinzu und fanden ihn tot daliegen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhanse gebracht. Der unbekannte Selbstmörder hat alle Zeichen aus der Wäsche und den Taschentüchern entfernt. Er ist ein junger Mann von 29 bis 23 Jahren, 1,76 Meter. groß, hat einen dunklen Schnurrbart, gutgepflegte Hände und Zähm und trug einen hellbraunen Jackettanzug und einen weichen braunei. Filzhut. Der Fesselballon der Luftschifferabteilung, der gestern früh vom Tegeler Uebungsplatze aufstieg, geriet, wie uns berichtet wird, in eine Gewitterwolke, die ihn in ständige Regenbös führte und ihn von seiner Fahrt abbrachte. Bei Bahnhof Schönholz fand die Fahrt ihr Ende. Der Ballon explodierte bei der Landung und verbrannte. Der Führer des Ballons ist dabei leicht verletzt worden. Dazu wird noch von anderer Seite' gemeldet: Leutnant Ldube, der mit dem Ballon aufgestiegen war, zog das Ventil, um schnell abzusteigen, der Wind trieb aber den Ballon ab, nach Reinickendorf zu. Neben der Ortschaft sahen Leute ihn brennen. Wahrscheinlich hatte eine elektrische Entladung in der Luft ihn entzündet. Er fiel nun ziemlich schnell auf das Gelände der Nordbahn zwischen dieser und dem Bahnhof Schönholz herab. nachdem er Telegraphenstangen und Drähte umgerissen und mehr- mals auf das Bähngelände aufgeschlagen war. Leute, die ihn sinken sahen, eilten hinzu, ergriffen endlich das Seil und hielten den Ballon fest. Der Offizier, der ihm entstieg, hatte einige Kopf- wunden erlitten, wahrscheinlich durch Tlnschlagen an Telegraphenstangen. Ein Arzt aus Wilhelmsruh verband ihn. Das Luft- schisferbataillon hatte sofort einige Gespanne nachgesandt. Sie kamen kurz nach dem Ballon auf der Landungsstelle an, luden die Trümmer des halbverbrannten Ballons auf und brachten sie mit dem Offizier nach der 5wserne des Bataillons zurück. Eine Poliklinik für Francnleiden hat der Privatdozent für Geburtshilfe und Frauenheilkunde an der Universität, Dr. W. Liepmann, bisher Oberarzt an der Charite, im Hause Karl- straße 29» eröffnet, in der auch die modernen BehandlungS- Methoden, wie Lichtbäder, Heißluftbehandlung und Roentgen- strahlen zur Anwendung kommen sollen. Sprechstunden wöchent- lich von 19—11 Uhr vormittags. Wegen eines Blitzschläge? wurde am Donnerstag nachmittag? um 7 Uhr die Feuerwehr mehrere Male nach der Andreasstraße alarmiert. Der Blitz war vermutlich dort in einen Blitzableiter am Hause herabgefahrcn, hatte dann den Ausschalter der Straßenbahn- lcitung erfaßt und diese beschädigt. Durch den heftigen Schlag und die Entladung sowie die Flammen erschreckt, hatte das Publikum in der Annahme, daß Gefahr vorhanden sei und der Blitz im Hause gezündet habe, viermal die Wehr alarmiert. Diese rückte deshalb m großer Stärke aus. konnte aber bald wieder abfahren, da keinerlei Gefahr mehr zu entdecken war. Eine stürmische Serfentmhtng ftwt gestern zum ersten Male dem„Abonnementsverein von Dienst- Herrschaften für kranke Dienstboten" beschieden. Die Herren von der Vpitze dieses Vereins waren bisher gewohnt, ihre Generalver- sammlung in friedlicher Beschaulichkeit abzuhalten. Im vorigen Jahre aber waren endlich Mitteilungen an die Oeffentlichkcit gc- drungen über die ungeheuer hohen Verwaltungskostcn. die Vor- stand und Aussichtsrat dieses Vereins(dem Vorsitzenden, Landtags- abgeordneten Rosenow als„Direktor" werden iMWV M. jährlich gezahlt usw.) für angemessen halten- Das hat offenbar mehr Mit- glieder als sonst veranlaßt, die gestrige Generalversammlung zu besuchen. Natürlich bekamen die Leiter der Organisation keine Schmeicheleien zu hören, aber sie wußten sich schlau zu helfen. Als nämlich die Opposition die Mißwirtschaft gar zu scharf rügte und als die Herren Rosenow, Oberbürgermeister a. D. Thcsing usw. mit der Möglichkeit rechnen zu müssen glaubten, daß ein ihnen nicht genehmer Aufsichtsrat gewählt werden könnte, da erklärten die Ver- sammlungsleiter plötzlich, daß ihre Kräfte nicht ausreichten, dieses stürmische Parlament zu dirigieren. In der Aufregung, die dieser Trick auslöste, wurde die Versammlung plötzlich für geschlossen er- klärt. Hoffentlich lassen sich die Mitglieder deS Vereins durch diesen schlauen Schachzug nicht verblüffen, sondern erscheinen in der dem- nächst abzuhaltenden Jortsetzungsversammlung in großer Zahl und sorgen dafür, daß dieser Verein endlich zu einer Organisation ge- macht wixd, die den Versicherungsnehmern und den Dienstboten, nicht aber irgend welchen Kliquen annehmbare Vorteile gewährt. Radrennen finden am Sonntag in Zehlendorf statt. Die zwischen den Radrennbahnbesitzern und einem Teil der Radrenn- fahrer ausgebrochenen Differenzen sind noch nicht beigelegt: sie sind vielmehr durch Verfügung neuer Strafen gegen die Rennfahrer Ryser, Stol, Hell und Daragon verschärft worden. Die Sport» Parkbetriebsgesellschaft hat sich jetzt die Zehlendorfer Bahn gesichert und läßt auf dieser Bahn die von dem Verbände Deutscher Renn- bahnen disqualifizierten Fahrer starten. Ein Arbeiter-Schachklnb hat sich am 1. April am hiesigen Orte gebildet, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das.Schachspiel in Arbeiterkreisen zu Pflegen und zu fördern. Der„Berliner Arbeiter- Schachklub", so W sein Name, tagt Dienstags im Restaurant„Metall- arbeiterbörse, Maxstr. 13b sWedding) und hat Sonnabends seinen Schachverkehr. Aufgefundene Leichen. Am 2S. 4. 00 Kurde an der Köpenicker Brücke die Leiche eines Kindes weiblichen Geschlechts ange- chwemmt. An dem Kinde, welches scheinbar kurze Zeit gelebt hat, iiid Spuren äußerer Gewalt nicht wahrnehmbar: es war in einem braunroten Sofaüberzug aus Rips, eine blaugeblumte stark ge- flickte Küchenschürze und in ein weißes Taschentuch mit kleinen roten Streifen eingewickelt. Die Leiche befindet sich im Leichen- schauhause, Hannoversche Straße ö. Personen, welche zur Er- Mittelung der Mutter des Kindes nähere Angaben machen können. wollen sich in den Vormittagsstunden im Polizeipräsidium, Zimmer 249 melden, oder zu 1S10. IV. B9. 09 hierher Mitteilung machen. Am 27. 4. 09 wurde an der Waisenbrücke aus der Spree die Leiche eines zirka öS— 40 Jahre alten Mannes gelandet. Der Tote. der zirka 3—4 Wochen im Wasser gelegen hat, war etwa 4,65 Meter groß, hat rötlichen Voll- und Schnurrbart und war bekleidet mit braunkariertem Jackettanzug. Trikothemd, Stehkragen und schwarzen Schnürstiefeln. Die Leiche, an welcher keine Spuren äußerer Verletzungen wahrnehmbar sind, befindet sich im Leichen- schauhause, Hannoversche Straße 6. Personen, welche über die unbekannte Person nähere Angaben machen können, wollen sich dorthin wenden, oder zu 1S12. IV, 59, 09 nach dem Polizei- Präsidium Mitteilung machen. Vorort- JVacfmcbten. Der Stock in der Volksschule. Noch immer treibt im Zeitalter der„Humanität" der Stock in unseren Volksschulen sein Unwesen. Er gehört gewissermaßen zum ständigen Inventar der VolkscrziehungSanstalten. Unsere Pada» gogen halten die Prügel immer noch als ein unentbehrliche» Er- ziehungsmittel, und das von Gesetze» wegen. Denn noch besteht in keinem der deutschen Bundesstaaten ein Gesetz, welches die körperliche Züchtigung in unseren Volksschulen generell verbietet. Nur eine geringe Anzahl der Pädagogen dürfte vorhanden sein, die die Prügelstrafe im Innersten ihres Herzens als das ungeeignetste Erziehungsmittel verabscheuen. Der größte Teil unserer Lehrer macht leider noch von dem ihm gesetzlich gewährleisteten Züchti- gungsrecht in ausgiebigstem Maße Gebrauch. Nur allzu oft wird dadurch das Band zwischen Schule und Haus zerrissen. Groll und Empörung erregt es bei den Eltern eines Kindes, wenn dasselbe wegen mitunter ganz harmloser Dinge von seinem Lehrer in allzu reichlichem Matze gezüchtigt worden ist. Ueber einen solchen Vorfall wird uns aus Alt-Glienicke de- richtet. Der Vater eines Kindes teilt uns mit, daß'sein etwa 12 Jahre alter Sohn am Dienstag von seinem Klassenlehrer Herrn Schröder in Gemeinschaft mit dem Rektor Herrn G o l z e wegen eines Kinderklatsches 9 heftige Hiebe auf das Gefäß erhalten habe. so daß sich auf beiden Seiten starke blutunterlaufene rot und blau gefärbte Stelle» bildeten, wodurch dem Knaben das Sitzen fast un- möglich wurde. Bei den Eltern des Knaben hat dieses Vor- kommnis natürlich eine große Erbitterung hervorgerufen, weil sie zunächst eine derartige Züchtigung als mit einer vernünftigen Er- ziehungsmethode im Widerspruch stehend erachten, außerdem aber eine geistige und körperliche Schädigung des Kindes befürchten. Wohl betonte uns gegenüber der Vater, daß der Knabe manchmal etwas rüdig sei, aber die Strafe erscheine ihm so hart, daß er gegen den Lehrer sowohl wie auch gegen den Rektor Beschwerde er- heben und gerichtlich vorgehen müsse. Er hat sich deshalb ein ärzt. lichcs Attest ausstellen lassen. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: Heute wurde mir der 12 Jahre alte Schulknabe Gustav Stengel aus Alt-Glienicke zur ärztlichen Untersuchung vorgestellt. Auf beiden Seiten des Gefäßes fand sich je eine zirka Hand- tellergroße, hart geschwollene Stelle, dieselbe war blutunterlaufen und rot und blau verfärbt. Diese Verletzungen rühren nach Angabe des Knaben von Stock- schlügen her. Berlin. 28. April 1909. Dr. med. Schaper, Berlin IV., Königgrätzer Straße 23. Ob das Gericht in diesem Falle eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechts feststellen wird, erscheint uns nach den vielen Er- fahrungen aus ähnlichen Fällen fraglich. Wie dem ober auch sei: in dem Knaben wird durch solche Stockschläge nicht Liebe, sondern Haß. und Erbitterung gegenüber seinem Lehrer wachgerufen. Durch die Prügelstrafe werden zwar Schmerzgefühle verursacht, nicht aber der Willen des Kindes beeinträchtigt. Die Kinder unserer Be- sitzenden auf den höheren Lehranstalten bekommen den Stock nicht zu kosten, nur in die Kinder der ärmeren Volksschichten glaubt man noch immer durch Prügel das bißchen Wissen eintreiben zu müssen. Daß sich durch eine solche Lehr- und Erziehungsmethode unsere Lehrer mit den Anschauungen der hervorragendsten Pädagogen in Widerspruch setzen, kümmert sie nicht im geringsten- Die Sozial». demokratie betrachtet, im Gegensatz zu den Vertretern der Prügel- strafe, die körperliche Züchtigung als eine kulturwidrige Bildung»- Methode, als eine der Humanität Hohn sprechende tztrafart. Sie zu beseitigen ist eine unabweisbare Notwendigleit. Sträuben sich unsere Herrschenden auch noch mit aller Zähigkeit gegen diese Forde- rung, so wird sie sich doch mit der Zeit durchsetzen. Spätere Gene, rationen werden nur noch mit Abscheu aus die Prügelstrafe in unseren Volksschulen zurückblicken. Charlotteubnrg. Der Wahlverein hielt am Dienstag eine gut besuchte Ver» sammlung ab, in der die D i s k u s s i'o n über den in der porigen Versammlung gehaltenen Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über das Programm stattfand. Vor Eintritt in die Tagesordnung trug der Vorsitzende, Genosse Zietsch, im Auftrage deS Vorstandes eine Beschwerde darüber vyr, daß der „Vorwärts" über den Vortrag Bernsteins nur eine Notiz und keinen Bericht sowie auch im Gegensatz zur übrigen Parteipresse die Thesen Bernsteins nicht gebracht habe. So sei den Berliner Genossen die Grundlage für eine ersprießliche Diskussion über Revisionismus und Radikalismus vorenthalten worden. Die Preß- kommission habe das Verhalten des„Vorwärts" verurteilt und die große Mehrheit der Berliner Genossen werde ihr zustimmen. Ge- nosse Bernstein beschuldigte im Anschluß an diese Ausführungen den„Vorwärts", daß er in dieser Angelegenheit nicht aus sachlichen, sondern aus persönlichen Gründen gehandelt habe. Schon seit Jahren verfahre er gegen ihn— Bernstein— mit der größten Parteilichkeit, Ungerechtigkeit und Unanständigkeit. Zur Sache selbst übergehend, faßte Bernstein die wesent- lichsten Gesichtspunkte seiner Thesen zusammen und hob hervor, inwiefern sie dem jetzigen Programm widersprechen. Im Gegensatz zu ihm enthalten die Thesen nichts vom Ver- sinken des Bauernstandes, nichts vom Verschwinden des Mittel- standes, nichts davon, daß die wirtschaftlichen Krisen immer um- fangreicher und verheerender werden, nichts davon, daß das Elend und die Knechtschaft der Arbeiterklasse in steigendem Maße zu- nehme, Dagegen sagen sie: Bauern, Handwerker. Kleingewerbe- treibende treten an Zahl und Bedeutung schrittweife zurück. Die Klasse der Lohnarbeiter wächst schneller als diese Schichten, der Unterschied zwischen Reichen und Armen wird größer, das un- persönliche 5iapital nimmt zu, ebenso die Macht und die Schädlich- keit der Kartelle und Unternehinerverbände, der gesellschaftliche Charakter der Produktion ist im Zunehmen begriffen.— Bernstein betonte, seine Thesen sollten kein Programmentwurf, sondern nur Leitsätze für einen Programmentwurf sein. Schobert wendete sich gegen Bernstein» Theorien, ebenso G o e tz e, der erklärte, daß Bernsteins Ansichten keine Stütze an den tatsächlichen Verhältnissen finden und keine Veranlassung zur Aenderung des Programms sei. Zietsch führte au«, daß er keinen fundmnentalen Gegensatz zwischen dem Programm und Bernsteins Theorien finden kann. (Rufe: Sehr richtigl) Er ging die Thesen einzeln durch und kam zu dem Schluß, daß sie an den wesentlichsten Grundanschau- ungen der Partei nichts änderten. Erfreulich sei es indes, daß sie die gewerkschaftliche und genossenschaftliche Bewegung als not. wendige Kampfmittel erklären, während das Erfurter Programm nur vom politischen Kampf spricht. So berechtigt auch die Theorie sei, viel notwendiger sei die praktische Arbeit, für die der zweite Teil des Erfurter Programms die Grundlage bilde, an der ja Bern- steins Vorschläge überhaupt nichts ändern. � der praktischen Betätigung sei auch noch kein Unterschied zwischen Revisionisten und Radikalen zutage getreten. Wenn sich wohlbegründete durch- greifende Aenderungen des Programms notwendig machen sollten, sei er dereit, dafür einzutreten. Die von Bernstein aufgestellten Sätze brächten aber so unwesentliche, für die Praxis unerhebliche Aenderungen, daß sie nicht den Anlaß geben könnten, das Pro- gramm zu ändern.(Beifall.) Gehrke vertrat im allgemeinen denselben Standpunkt wie der Vorredner. Bernstein führte in längeren Darlegungen aus, daß seine Vorschläge nicht so unwesentlich seien, wie Zietsch, der ihn miß. verstanden habe, annehme. Seine, Bcrnstems, Vorschläge seien um deswillen wichtig, weil unser Programm, wenn es für die Praxis brauchbar sein solle, in seinem theoretischen Teil den Tat« lachen Rechnung tragen müsse. Rosenberg hält Bernsteins Vorschläge für wichtig und eingehende Beschäftigung damit geboten. Zietsch polemisierte hierauf nochmals gegen Bernstein und dieser verteidigte im Schlußwort seine Anschauungen. *.* Auf die Unterstellung Bernsteins, daß unser Verhalten gegen ihn von persönlichen anstatt von sachlichen Gründen bestimmt sei, gehen wir nicht ein. Zur Beschwerde des Wahlvereins- Vorstandes, die Genosse Zietsch vorbrachte, haben wir folgendes zu sagen: Wir haben über die erste Versammlung nur kurz berichtet und die Thesen nicht gebracht, weil wir in diesem Falle eine Polemik daran hätten knüpfen müssen. Und zwar eine lange und eingehende Polemik, wenn Klarheit verbreitet werden sollte, dä die Thesen Bernsteins der scharfen Präzisierung der Begriffe er- mangeln, so daß sie, wie ja auch die Diskussion in der Dienstags» Versammlung gezeigt hat, leicht mißverstanden werden können. Wir haben indes angenommen, daß zurzeit, da so viele wichtige Fragen der aktuellen Politik das ganze Interesse der Partei in Anspruch nehmen und sie alle Kraft gesammelt halten mutz für Vorstöße, die plötzlich notwendig werden können, in der Partei keine Neigung zu einer Programmdebatte besteht. Und wir haben uns darin nicht getäuscht. Eine Programmdebatte hat sich in der Parteipresse nicht entsponnen. Nur sehr wenige Partciblätter haben die Bern. steinschen Vorschläge eingehender besprochen, die meisten haben sich mit dem einfachen Abdruck der Thesen oder allenfalls mit wenigen Sätzen der Ablehnung begnügt. In den Organisationen blkeb vollends alles stumm und seit Wochen ist auch in der Presse von den Bernsteinschen Vorschlägen nicht mehr die Rede. Womit unseres Erachtens die Haltung des„Vorwärts" gerechtfertigt ist. Die Freie Jugendorganisation veranstaltet, um der arbeitenden Jugend Gelegenheit zu aeben, sich Sonntags im Freien mit Gleich- gesinnten einige frohe Stunden zu verschaffen, Spielpartien und Ausflüge. Am morgigen Sonntag findet eine solche Spiclpartie nach dem Spielplatz am Königsdamm in der Jungfernhcide statt. Treff- Punkt 2 Uhr am Wilhelmplatz. Jeder Jugendliche willkommen. Steglitz. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Genosse Kubig einen Vortrag über:„Die neuen Steuerforderungen". In der Diskussion ermahnte Genosse Heinrich Schulz die Anwesenden. ihr Augenmerk auf die Vorgänge im Reichstag zu richten und falls es zu einer Reichstagsauflösung komme, gerüstet zu sein. Dem Ouartalsbcricht des Kassierers ist zu entnehmen, daß einer Einnahme von 149,78 M. eine Ausgabe von 250,29 M. gegen- übersteht, somit ein Defizit von 100,51 M. am Orte vorhanden ist. Die Mitgliederzahl des WahlvcreinS beträgt jetzt rund 500. Die Versammlung nahm zur Maifeier einstimmig folgende Resolution an: „Die Versammlung erklärt, daß die beste Demonstration am I. Mai die vollständige ArbeitSruhe ist. Die Anwesenden ver- pflichten sich, überall und immer, auch in den harten Zeiten der Krise, für eine derartige Demonstration zu agitieren und für ihre Durchführung Sorge zu tragen, trotz allem Machtkitzcl und trotz aller Brutalität einer übermütigen Ausbeutersippc." Ferner gelangte nach längerer Debatte folgender Antrag zur Annahme: „Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß alle die Genossen, welche am 1, Mai nicht feiern können, den Tages- verdienst für den t Mai an die Partei oder Gewerkschaft a». führen." Zum Schluß verwies der Vorsitzende auf den am 20. Mai statt- findenden Familienausflug nach Machnoiver Schleuse. Treptow-Bnumschulentveg. Mit der Einrichtung von Wochenmärkten hat sich die von der Gemeindevertretung eingesetzte Kommission beschäftigt; sie emp- fichlt der am Freitag stattfindenden Gemeindevcrtretersitzung, einen öffentlichen Wochenmarkt im Berliner Ortsteil und zwar in der Jordanstratze und einen in Baumschulenweg und zwar in der Stormstraße-inzurichten. Die Bedingungen, unter denen die Märkte errichtet werden� sollen, sind jetzt vom Gemeindevorsteher vcröffent- licht worden. Sie lauten: „Das Recht zur Erhebung des Stättegeldes auf diesen Mark» ten soll für ein Jahr meistbietend verpachtet werden. Die Wochenmärkte sollen wöchentlich dreimal stattfinden. Vor Erteilung des Zuschlages ist eine Sicherheit von 1000 M. zu bestellen. Die Pachtbedingungen können im Gemeindchause, Neue Krug-Allce 5, Zimmer 14, eingesehen werden. Schriftliche Angebote, die sowohl auf beide Wochcnmärkte als auch auf einen von ihnen abgegeben werden können, sind ver- schlössen und mit der Aufschrift„Marktstättegeld-Verpachtung" ver- sehen, bis zum 6. Mai d. I. dem unterzeichneten Gcmeindcvorstand einzureichen." Ein Beschluß der Gemeindevertretung auf Einführung der Wochcnmärkte dürfte von der Bevölkerung sicher mit Freuden be- grüßt werden. Schmargendorf. AuS dem Borstandsbericht, der in der am Dienstag statt- gefundenen Generalversammlung des Wahlvereins über das der- gangene Quartal gegeben wurde, geht hervor, daß sich die Mit- aliederzahl von 82 auf 84 erhöht hat. Die Zahl der..Vorwärts"- Leser rst dieselbe geblieben. Die von unseren Genossen vorge- nommene Abstimmung über den 8 Uhr-Ladenschluh hatte das Er- gcbnis, daß von 71 Geschäftsleuten 52 dafür stimmten. Seit dem 26. d. M. ist denn auch der 8 Uhr-Ladenschluß in Schmargendorf eingeführt. Die Einnahmen betrugen 103,50 M., die Ausgaben 01,70 M. Nachdem der Vorstand noch auf die am 1. Mai, abends 8 Uhr, im Schützenhaus stattfindende Maifeier aufmerksam gemacht atte, zu der auch der hiesige Arbeiter-Theaterverein sowie der Ar- eitcr-Radfahrerverein die Mitwirkung zugesagt haben, schloß die gutbesuchte Versammlung. Weihensee. In der öffentlichen Versammlung am Mittwoch, den 28. April, im Schloß-Etablissement ist ein Damenschirm gefunden worden. Derselbe ist abzuholen vom Genossen Roßkopf, König-Chaussee 33. Zernsdorf. Hier fand vor einigen Togen eine Gemeindevertreter-Ersatzwahl in der zweiten Abteilung stakt. ES beteiligten sich daran zwölf Wähler, davon stimmten sechs für den sozialdemokratischen Kandidaten. Unter diesen befand sich aber ein Wähler, der wohl in der Wähler- liste verzeichnet stand, aber aus dem Orte bereits verzogen war. Der Genieindevorsteher erklärte nun diese Stimme kurzerhand für ungültig und proklamierte den bürgerlichen Kandidaten als gewählt. Unsere Genossen erhoben bei der Gemeindevertretung Einspruch, wobei sie auf Eittscheidungen des Oberverwaltungsgerichts hinwiesen. Den Gemeindevertretern schienen nun die vorgebrachten Gründe unserer Genossen elnzuleuchten, sie konnten sich dem Vorgehen des Gemeindevorstehers nicht anschließen. Es mußte daher nachträglich zu einer Stichwahl geschritten werden. Leider unterlagen unsere Genossen bei der Stichwahl, denn von bürgerlicher Seite wurde alles herangeschleppt, um den sozialdemokratischen Sieg zu vereiteln. Bernau. Ein dreister Einbrnchsdiebstahl wurde vorgestern früh in dem benachbarten Zepernick verübt. Die Diebe hatten sich Eingang in die Wohnräume des Landwirtes Schröder verschafft. Sie waren auch bereits in den Besitz größerer Geldsummen gelangt, als sie be- merkt wurden. Die Burschen ergriffen nunmehr die Flucht in der Richtung nach Bernau. Der Bernauer Polizei, welcher man tele- phonischen Bescheid hatte zukommen lassen, gelang es denn auch, die Diebe in einem kleinen Gehölz unweit Bernau festzunehmen. Sie wurden dem Bernauer Amtsgericht zuqeführt. Die Untersuchung ergab, daß die Diebe beträchtuche Geldsuntmen sowie Schußwassen und verschiedenes Einbrecherwerkzeug bei sich trugen. Eine VcrsnchSstation für Flugmaschinen ist hier bereits auf dem Gelände des Herrn Adolf Hinrichsen an der Börnicker Chaussee, un- weit Bernau, errichtet worden. Die Halle soll zur Unterbringung der Aeroplane dienen. Ein Berliner Verein der Fliigtcchniker will in nächster Zeit auf einem von demselben für günstig anerkannten Gelände mit den Flugversuchen beginnen. Gerichtd-Zeitung. Ein spaßhaftes nächtliche» Erlebnis. lag einer Anklage wegen Körperverletzung zugrunde, mit der sich gestern das Schöffengericht zu beschäftigen hatte. Der im Süd- ivesten der Stadt wohnhafte Kaufmann Erwin Sch. hatte am Abend des 6. Februar dieses Jahres an einer Geburtstagsfeier eines Ge- schäftskollegen teilgenommen, bei der es sehr fidel zugegangen Ivar. Während verschiedene Teilnehmer an dieser Festivität in dem be- treffenden Lokal ihr Nachtlager aufschlagen mußten, da sie einfach nicht fähig) waren, sich von der Stelle, an der sie gerade lagen, zu erhelxm, hatte der jetzig« Angeklagte den Mut gefunden, seinen heimischen Penaten zuzuwandern, obwohl er ebenfalls gehörig unter „Alkoholdruck" stand. Dieses waghalsige Unternehmen sollte für ihn recht üble Folgen haben. Nachdem er auf dem Heimwege mit verschiedenen Laternenpfählen und Litfaßsäulen karamboliert war, hatte er schließlich, wohl zu seinem eigenen Erstaunen, sein« Woh- nung gefunden. Vor der Haustür war es jedoch mit seiner Kraft zu Ende. Als er die Treppen hinaufsteigen sollte, wurde er Plötz- lich von einem eigenartigen wohligen Gefühl erfaßt, welches in seiner alkoholisierten Phantasie die Ucberzeugung hervorbrachte. daß er sich schon vor seinem Bett befinde. Auf dem Treppenabsatz entledigte er sich unter vieler Mühe serner Kleidung und legte sich schließlich, nur mit dem notdürftigsten Kleidungsstück bekleidet. quer vor dem Treppenaufgang nieder. Dieses improvisierte Nacht- lagcr gab etlva eine Stunde später die Veranlassung zu einem höchsttragikomischen Intermezzo. Ein in demselben Hause wohn- hafter junger Mann war, nach wiederholtem vorsichtigem Umsehen vor der Haustür mit einer netten jungen Dame in das Haus ge- schlüpft und wollte recht behutsam die Treppen zu seiner Behau- sung emporsteigen. Plötzlich ertönte ein gellender Schrei aus dem Munde der Schönen. Sie war in der Dunkelheit auf ein undefi- nierbarcs weiches„Etwas" getreten und darüber gestolpert. Das „Etwas" entpuppte sich gleich darauf als die wohlgerundete Leibes- stille de» jetzigen Angellagten Sch. Als dieser den Tritt auf seine Leibcsrundung verspürte, glaubte er in seinem Dusel und in der Schlaftrunkenheit nichts anderes, als daß Einbrecher in setner „Wohnung" wären. Unter andauernden Hilferufen schlug er im Dunkeln mit seinem Schirm um sich, bis aus allen Korridortüren höchst erschreckt die Hausbewohner auf der Bildfläche erschienen. Diesen bot sich«in unbeschreiblicher Anblick, da bei dem Kampfe da» einzige Kleidungsstück, das Sch. auf dem Leibe trug, in Fetzen gegangen war. Der als Einbrecher behandelte junge Mann hatte ziemlich erhebliche Verletzungen im Gesicht davongetragen. Vor Gericht machte der Angeklagte geltend, daß er sich, wie die ganze Sachlage erkennen lasse, in einem Zustand sinnloser Trunkenheit befunden habe. Das Gericht nahm dies auch an und erkannte auf Freisprechung._ Ein kleiner„Klub der Harmlosen" mußte sich gestern vor dem Moabiter Strafrichter verantworten. Wegen Duldens von Glückspielcn bezw. wegen gewerbsmäßigen Glückspiels verhandelte die 3. Strafkammer deZ Landgeri�rs III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Liebenow gegen die folgen- den Personen: den Cafeticr Hermann Eurich, den Kellner Theodor Trenner, den Schneider Karl Piivold, den 5?aufmann Kasimir PajzderSti, den Kellner Georg Eteinkrauß, den Sclilcichter und Rentier Joseph Sikora und den Kaufmann Max Gliiscr.— Der Angeklagte Eurich ist Inhaber des Cafes„Leibniz" in der Kantstraße. Das Geschäft rentierte sich in dieser Gegend von Anfang an nicht, zumal er einen monatlichen Spesenaufwand von über 1200 M. hatte. Cr drückte wiederholt beide Augen zu, als seine Stammgäste fast täglich ein kleines Spielchen cntrierten, welches alles andere nur nicht harmlos war. Dieser Geschäftsbetrieb nahm mit der Zeit einen kolossalen Umfang an. Durch die sechs Mit- angeklagten und ihre Schlepper wurden alle möglichen Leute heran- gezogcm die dann beim Jeu gehörig gerupft wurden. Gespielt wurde hauptsächlich:„Meine Tante, deine Tante,"„Mauscheln," „goldene Sechs,"„lustige Sieben" und andere„harmlose" Spielchen, bis schlichlich die Kriminalpolizei dem schon fast gemeingefährlich gewordenen Treiben ein Ende bereitete.— Das Gericht verurteilte den Inhaber des Spielercafes zu 100 Mark Geldstrafe. Dagegen wurden wegen gewerbsmäßigen Spieles Päpold, Steinkrauß und Sikora zu je 2 Monaten und Trenner zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Gläser wurde freigesprochen. Gegen den nicht- erschienenen Pajzderski wurde die Verhandlung vertagt. Korsetts find keine Erzeugnisse der Leinen- und Wäschefabrikation. Die Bekanntmachung des Bundesrats vom 27. November IbSiZ läßt unter anderem für den Handel mit Erzeugnissen der Leinen- und Wäschefabrikation zu, daß die Händler auf Grund der nach 8 44a der Gewerbeordnung erteilten Legitiwationskarte auch außerhalb des Gemeindebezirls ihrer gewerblichen Niederlassung persönlich oder durch in ihrem Dienst stehende Reisende ohne vor- gängige ausdrückliche Aufforderung Bestellungen auf die Erzeug- iiisse der Leinen- und Wäschefabrikation auch bei anderen Per- sonen aufsuchen als bei Kaufleuten oder solchen Personen, in deren Geschäftsbetrieb Waren der angebotenen Art Verwendung finden, sowie bei Kaufleuten an anderen Orten, als in deren Geschäfts- räumen. Die Angeklagte Wittenbriug hatte im Umherziehen im Auf- trage einer Firma Bestellungen auf Korsetts auch bei Privatleuten aufgesucht, ohne einen Gewerbeschein einzulösen. Sie wurde auf Grund des Hausiersteuergesetzes von 1876 angeklagt. Das Land- gericht Duisburg sprach sie frei, weil sie eine Legitimationskarte hatte. Es nahm an, sie sei durch obige Bekanntmachung gedeckt und hätte demnach einen Gewerbeschein gemäß dem Gesetz von 1876 nicht einlösen brauchen. Das Kammcrgericht hob aber am Montag des Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. Es ist dkr Meinung, daß Korsetts nicht zu den Erzeugnissen der Leinen- und Wäsche- fabrikation gehörten. Die Herstellung der Korsetts sei ein selb- ständiger Fabrikationszweig. Wenn auch die fraglichen Korsetts mit Leinen überzogen seien, so bildeten doch Fischbein oder Stahl nicht bloß ein Zubehörstück, sondern einen selbständigen, an Wich- tigkeit dem Leincnbezug mindestens gleichstehenden Bestandteil des Ganzen. Die Bekanntmachung von 1896 scheide hier aus.- Vermiscktes. F**" Di» Familienangelegenheiten der Königin von Holland lverden von der Berliner bürgerlichen Presse in der byzantinischsten Weise den Lesern unterbreitet. Weil die Königin Wilhelmine nach langem Hangen und Bangen endlich ein Kind zur Welt gebracht hat, sind unsere höfischen Speichellecker ganz aus dem Häuschen. Der Berliner Lokalanzeiger schießt wieder den Vogel ab, indAn er die Geburt in einer besonderen Ausgabe der Berliner Bevölkerung mitteilt. In ganz Holland soll über dieses Ereignis großer Jubel herrschen. Bei der ganzen Geschichte hat übrigens der April noch einen Streich gespielt, indem er nur eine Tochter nicht aber einen Knaben zur Welt kommen ließ. Aver das ist egal, Holland hat, wenn auch erst nach achtjähriger Ehe der Königin— nun seine Tronerbin, wenn nichts dazwischen kommt. Natürlich hat der Byzantinismus auch in Holland seine Stätte, ganz wie bei uns in Deutschland. Man lese nur folgende Depesche. die sich der Lokalanzeiger aus Rotterdam bestellt hat:„Cs brach eine wilde Begeisterung los, welche die Spannung vieler Wochen löste. Sogar die würdevollsten, maßvollsten und zugeknöpften Leute gerieten ganz außer sich, riefen einander die frohe Kunde zu und vergossen Tränen der Rührung. Die Kinder auf der Straße formierten Aufzüge mit orangefarbigen Schärpen, Holz- säbeln und SoldateniMitzen, singen begeistert patriotische Lieder und rufen immer Wieoer„Oranje bopen" und schüren das große Begeisterungsfeuer, welches turmhoch auflodert. In allen Städten und Dörfern wiederholen sich die Begeisterungsausbrüche. Es werden Anstalten für Beleuchtung der Städte, Fackelaufzüge, musikalische Aufführungen getroffen. Im Metropolgebäude im Haag ist ein mit orangefarbigem Tuch ausgeschlagener Saal her- gerichtet worden, wo zehntausend mit Butter beschmierte und mit den bei Kindesgehurtstagsfeiern traditionellen„Muisjes"(Anis- zuckerkörner) bestreute Zwiebäcke zur Bescherung der Kinder der Armen in Bereitschaft liegen. Jene Zwiebäcke sind in orange- farbene Papiertüten gehüllt, mit orangefarbenen Bändern ge- schmückt und tragend ie Aufschrift:„Hoch das Känigskind!" Vier bis fünf Damen hatten fünf Tage lang den Inhalt unzähliger Butterdosen verschmiert und dabei ein Hektoliter..Muisjes" auf- gebraucht." Wenn nächstens Nachrichten über den Ausbruch einer Wahn- sinnsepidemie in Holland kommen, soll es uns nicht wundern. Elende Skribenten arbeiten seit Wochen daran. Ein Ehedrama. Offenbach, 36. April. Der Schutzmann Zimmermann erschoß gestern abend seine totkrake im Bett liegende Frau und verübte dann Selbstmord. Das Motiv der Tat ist UN- bekannt._ Ein österreichischer Lenkballon. Wie aus Wien gemeldet wird, soll die österreich-ungarische Kriegsverwaltung den Ankauf eines Lenkballons des Systems Parseval beabsichtigen. Im Herbst des laufenden Jahres werden die ersten Fahrten mit dem Lenkballon, der in erster Linie den Anforderungen der Kriegsbrauchbarkeit zu entsprechen hätte, unter- nonnnen werden.___ Stürme in Nordamerika. Nach einer Meldung aus New Fork haben heftige Stürme den Westen und den Südwesten Nord- amerikas heimgesucht und zahlreiche Gebäude zerstört. In Chicago wurden sechs, in Memphis sieben Personen getötet und viele ver- letzt. Der Schaden an Besitztümern ist bedeutend. Hornlake im Staate Mississippi und Locke in Tennessee sind völlig zerstört. In den Flammen umgekommen. Wie uns aus Neu Aork berichtet wird, wurde ein von Italienern bewohntes Mietshaus von der Bande der Schwarzen Hand in Brand gesteckt, da die Bewohner sich geweigert hatten, 1000 Dollars zu zahlen. Acht Personen, darunter fünf Kinder, kamen in den Flammen um. Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag, den 2. Mai er., vormittags 9 Uhr, in der Halle, Pappel-Allee IS— 17: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 10'/. Uhr in der Schule. Kleine Franksurter Str. 6: Vortrag von Hern, Dr. Bruno Wille: Die Wunder im Neuen Testament. Herren und Damen sind als Gäste sehr willlommcn. Lnekkaften der Redaktion. Dt«(BtiftÜrfi» Evrcchftnude swde» Liudenttcaste?ir. 3, rwciter Hof, dritter Eiligan-,. vier Trepvc», NM" F ah r4t« h l"NW wocheutiiglich abend? den 7llt bt» Ilvr statt.(»cufhict 7 Uhr Sonnabend» d«„>»»r die Svrcitistiind- um«»Hr. Jeder Aiisraa- ist ein Änchstabc nnd eine ituhl ol? soicrk�ciihen beizniiiaeli. Vricilichc ülutwbrt wird»ich» erteile, süts zur Bcantwortnng INI Brieikasteu konueu 44 Tage vergebet:. Eilige Kragen trage niau in der Evrechstuuvc vor. I. J. Boraussichtlich würde eine Anklage nicht erhoben werden, weil augenommen werden würde, das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit habe nicht vorgelegen.— M. Tft. 70. 1. Sie müßten sich nach dem sür die Gcsindeoermicter erlassenen Verordnungen richten, insbesondere die vor- geschriebene» Bücher sühren. Ueber die Einzelheiten unterrichtet Sie die Revierpolizei aus Ansragc. 2. Um Hebamme zu lverden, müßten>Lie sich bei dem Porizcipräsidüun anmelden. Es crsolgt dann eine Vorprüsung beim Arzt(über Sehen, Höre». Rechnen, Schreibe» und dergleichen): dann werden Sic i» die Liste der Bewerberinnen eingetragen und später zum Kursus berufen. Der sechsmouatliche Kursus wird in der Charit« abgc- halten. Hieraus crsolgt die Hebammcnprüsung. Da die Zahl der Belverbe- rinnen sehr groß ist und Hebaninien über 30 Jahre nicht angestellt werden sollen, so würde eiue Aussicht nur für die vorliegen, die zur Zeit der Meldung nicht älter als 27 Jahre sind.— Eis 510. Mit solchen Rezepten können wir nicht diene».— F. Z. 30. Offenbacher Fraucnkaffe, Prinzen- straße 00 bei Hinz. K. L. 100. Städtische Fleischbeschau, 0.>07, Eldenaer Straße, Schlachthos.—®. B. 1896. 1. und 2. Nein. — C. Ich. 53. 1. Wenn sich aus dem Vertrag nicht das Gegenteil er- gibt, ist der Wirt leider im Recht. In der Regel ist ausdrmtlich im Ver- trage vorgesehen, daß eine Uebertragung des Vertrages nur mit Zu- slimmung des Wirtes vorgenommen werden kann. Wiederholen Sic also die Frage unter Mileiusendung dcS Mietvertrages, oder sprechen Sic mit demselben in der juristischen Sprechstunde vor. 2. Zivischen 15 und 30 M. — dt, P. 4. Der Beamte ist leider im Recht.— C. S. 75. Nein.— «StttcrungSübcrstcht vom 80. April 1909. morgen» 8 Uhr. Stationen Iwmemdi'753 SSO Hamburg 17520 Berlin 752 SO Franks.« M'750 SW München j 758 SA Wien!7S7O Wetter 3 bedeckt 1 Regen 3 Regen 0 Regen 5 Regen 1 bedeckt Wetterprognose ftir Sonnabend, den 1. Mai 1909. Zunächst vielsach heiter, nachts etwas lühler, am Tage wieder etwas wärmer bei ziemlich srischen westlichen Winden: später neue Trübung und leichte Regenschauer. Berliner Wetterbureau. WasserstaudS-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, miigelcUl vom Berliner Wetterbureau. Walserstand ... emel, Tilsit V r e g e l, Jnsterbmg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen . Franksurt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elb«, Letttneritz , Dresden » varby , Magdeburg am 29. 4. om 861 137 220 253 235 240 176 217 122 08 —5 287 243 seit 28. 4. cro') —3 +4 —16 +2 —8 —1 —8 —4 —1 +1 —3 —10 —5 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau") , Rathenow"> Spree, Evremberg") , Bccskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaxitnilianSau . Kaub Köln Neckar, tzeilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier ") 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unierpsgel. Volkstage! Sonnabend und Sonntag morgens 10 Uhr bis lOUHr abends. Eintritt 25 Pj., Kinder 10 Ps. Nie wir fliegen werden, zeigt die Ausstellung sür Flugschissahrt,.Jndustricpalast", JohanniSslraße 20/21(an der Friedrlchstraße).— Sonntag, vormittags 11 u. nachmittags 5 Uhr: populäre Vortrage des Flugiechnikers Jngemeur Bischoff, mit Vorsührungen von Modellen usw. _ Dr. StraKl's' Ambulatorium O.■m.b.H. 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Doppelte Vorteile. verantwortlicher Redakteur: KanS Weber. Berlin. Jür den Lnferatentcilverantw.: Th. Glocke, Berlin, K.rLSll.Berlag: BorsärtsVvchdruckcrei». BerlagSgn�alt.Paul Singer& Zo.. Berlin SW. Nr. 101. 26. Jahrgang. 6. fifilap Ks Jotmiirts" Strlinrt WsM Zonnabend, 1. Mai 1909. 6end)t9- Zeitung» -o. Ein staatsgefährliches Hoch.______ ES ivar am Tage unserer Wahlrechtsdemonstration, am Tonn- kag, den 24. Januar, als eine kleine Schar von Parteigenosse». 40— SV an der Zahl, aus einer Versammlung kommend, am Hause des Abgeordneten Fischbeck in der Burggrafenstratze borüberzog, hier ein Hoch auf das freie Wahlrecht ausbrachte und sich dann zerstreute. Einige Polizeibeamte, die den Hochruf von ferne gc- hört hatten, eilten herbei. Es gelang ihnen, gerade noch einen der Hochrufer, den Tapezierer Dittmann» zu erwischen und seine Persönlichkeit festzustellen. Schwer sollte die Missetat des Frevlers gerochen werden, der es gewagt hatte, in der Hauptstadt Preußens und des Reiches— man denke!— ein Hoch auf das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht auszubringen.— Grober Unfug! sagte der Amtsanwalt und erwirkte gegen Dittmann einen amtsrichtrrlichcn Strafbefehl, welcher auf die ungeheuerliche Strafe von vier Wochen Haft lautete. Natürlich nahm Dittmann diese drakonische Strafe nicht hin, sondern wandte sich an das Schöffengericht Berlin-Schöneberg, welches am Freitag über den Fall verhandelte.— Während der Amtsanwalt seinen Antrag auf vier Wochen Haft aufrechterhielt, legte der Verteidiger, Dr. Kurt Rosenfeld, dar. daß durch die Ausbringung des Hochs weder das Publikum belästigt, noch die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit gestört worden sei, grober Unfug demnach nicht vorliege und der Angeklagte deshalb freigesprochen werden müsse. Das Gericht schloß sich diesem Standpunkt vollkommen an und sprach den Angeklagten frei. Die unverständliche Auffassung, der ein auf Haftstrafe von vier Wochen lautender Strafbefehl entspringen konnte, ist also durch das auf Grund mündlicher Verhandlung gewonnene Urteil des Gerichts als vollkommen haltlos dargetan worden. Unterschlagungen in Höhe von rund 403000 M. Der ehemalige Filialleiter Kluge der Firma Artur Koppel A.-G. stand gestern vor der 3. Strafkammer unter der Anklage der Unter- schlagung und Urkundenfälschung. Die veruntreuten Beträge be- laufen sich auf gegen 403 000 M. Der aus der Untersuchungshast vorgeführte 32 Jahre alte Angeklagte erklärt auf Befragen des Vorsitzenden, daß er auf der ersten Realschule das Einjährigen- zeugnis erlangt hat und dann bei der Firma Artur Koppel als Lehrling eingetreten ist. Er hat es dort bis zum Filialleiter ge- bracht und diese Stellung seit 1905 inne gehabt. Neben ihm waren «och zwei andere Angestellte als Filialleiter tätig. Die Filiale lVerlin erstreckte ihren Wirkungskreis über die Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern. Posen, Brandenburg, Schlesien, Sachsen und einen Teil der TIstiringischcn Staaten. Für die anderen Teile Deutschlands sowie für das Ausland find besondere Filiallciter angestellt. Seit 1900 hatten die Filialleitcr das sogenannte Miets- geschäft in die Höhe gebracht. Der Firma Koppel wurde von Tief- dauunternehmern, die mit ihrer Arbeit fertig waren, das benutzte Kleinbahnmaterial zum Kauf angeboten. Das gekaufte Material wurde dann weiter vermietet. Ging eine Kaufofserte ein, so sollte sie nach der Vorschrift nur akzeptiert Werden können, wenn zwei Filialleitcr sie annahmen. Dieser Vorschrift soll aber nicht immer entsprochen worden sein. Kluge hatte sich auf dem Gebiete dieser Vermietungen besonders hervorgetan und genoß ein sehr großes Vertrauen. Er hat dieses Vertrauen arg gemißbraucht. Er gibt auf Vorhalt des Vorsitzenden zu, daß er es verstanden hat. fingierte Kauf- und fingierte Mietsgeschäfte abzuschließen. Er hat sich irgend einen Namen erdichtet und auf diesen Namen hin eine Offerte wegen eines Berkaufs von Material eingeschickt. Er Wurde dann von der Firma beauftragt, dort das Material anzu- sehen und wenn er einen Ankauf für günstig hielt, diesen abzu- schließen. Die Kaufsumme, die daraus entstand, hat er eingesteckt und für sich verbraucht. Auf der anderen Seite hat er dieses an- geblich gekaufte Material wieder an eine fingierte Firma weiter vermietet, und zwar auf Grund fingierter Mietsverträge. Bis- weilen hat er auch noch andere Firmen in die Mietsverträge hin- eingebracht, für die angeblichen Verpflichtungen aus diesen Ver- trägen mit fingierten SSechseln operiert, um die Sache hinzuziehen, mitunter auch die Mietszahlung aus seiner Tasche geleistet und so ist ein Rattenkönig von gefälschten Offerten, Empfangsbestäti- gungen, Mietsverträgen, Quittungen usw. entstanden. Die Eni- deckung des Klugeschen Treibens ist dem Zufall zu verdanken. Nach den Gcschäftsbestimmungen sollten über die einzelnen Firmen, die von der Firma Koppel Materialien gemietet hatten, im Archiv der Firma Auskünfte vorhanden sein. Nun blieben in letzter Zeit von einzelnen Firmen, die von Koppel angeblich Materialien ge- mietet hatten, aber durch Kluge nur fingiert waren, fällige Miets- Zahlungen aus und dies veranlaßte den zweiten Leiter der Ber- liner Filiale, die Auskünfte über die betreffenden Firmen einzu- sehen, konnte solche ober überhaupt nicht finden. Dies erregte großes Mißtrauen, es wurden insgeheim neue Auskünfte über die betreffenden Firmen eingezogen und dabei ergab sich dann das erstaunliche Resultat, daß die angeblichen Mietsfirmen überhaupt nicht existierten. Kluge wurde nach dieser Entdeckung ins Direk- tionszimmer entboten und dort einem scharfen Verhör unter- warfen, er stellte zunächst alles in Abrede, bequemte sich aber dann, als er jeden Ausweg versperrt sah, zu einem Geständnis. Als in der gestrigen Verhandlung der Angeklagte vom Vor- sitzenden aufgefordert wurde, im Zusammenhange zu erzählen, wie die Betrügereien schließlich herausgekommen sind, vermocht« der Angeklagte eine ganze Zeit nicht zu antworten. Er ringt ver- geblich nach Worten und unterliegt dann einem heftigen hysteri- schon Anfall, der ihn zur Verhandlung unfähig macht. Der An- geklagte fängt an zu schluchzen, geht in Weinkrämpfe über und sinkt willenlos und laut stöhnend im Anklageraum nieder. Land- gerichtsdirektor Lieber unterbricht die Verhandlung auf eine Stunde. Der Angeklagte wird aus dem Anklageraum in den zum Untersuchungsgefängnis führenden Gang gebracht, wo sich Medi- zinalrat Dr. Hoffmann und Dr. Abraham eifrig bemühen, durch Beruhigungsmittel den Angeklagten wieder verhandlungsfähig zu machen. In das Gerichtszimmer dringt fortgesetztes lautes Stöhnen des Angeklagten. Nach Wiederaufnahme der Sitzung er- klärt auf Befragen des Vorsitzenden der Sachverständige Medizinal- rat Dr. Stürmer: Der Angeklagte zittere am ganzen Körper, sein Pulsschlag sei 130— 140 und es seien alle Merkmale vorhanden, daß er sich in einem Zustand befindet, in dem er der Verhandlung nicht folgen könne. Er bedürfe zunächst der Bettruhe. Medizinal- rat Dr. Hoffmann hat gleichfalls erhebliche Zweifel an der Ver- Handlungsfähigkeit des Angeklagten; es liege auch die Gefahr vor, daß der Anfall sich wiederholen werde. Auf Antrag des Staats- anwalts beschließt hierauf der Gerichtshof die Verhandlung zu vertagen, da der Angeklagte vcrhandlungsunfähig sei. Die Ber- teidiger wollen nunmehr schriftliche Anträge auf Grund des ß 81 Strafprozeßordnung stellen, um eine Untersuchung des Geistes« zuftandes des Angeklagten in einer öffentlichen Anstalt herbeizu- führen._ Als„Wahrsagerin wunderbar" hatte sich gestern die Witwe Wolzciechowski vor der Strafkammer dcS Landgerichts II zu verantworten. Das Schöffengericht Berlin- Schöneberg hatte sie wegen Betruges zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt und sie hatte hiergegen Berufung eingelegt. Frau W. hat einer Reihe von Dienstmädchen, die sich in Licbesnöten und an- deren Dingen an sie gelveirdet, Geld abgenommen und dafür ihren Firlefanz als„Zaubereien" ausgegeben. Der einzige Erfolg der „Zaubereien" tlwr, daß die armen Betrogenen ihr Geld verloren. Die Berufung wurde verworfen. Leider konnte die rückständige preußische Schulverwaltung, die den Boden für solche Ausbeutung der Dummheit ebnet, aus prozessualen Gründen nicht wegen Bei- Hilfe mit auf die Anklagebank gesetzt werden. Ist die elektrische Beleuchtungsanlage„wesentlicher Bestandteil" eines Grundstückes? Bekanntlich sind nach unserer Rechtsprechung wesentliche Be- standtcile einer Sache von dieser nicht zu trennen. Sie gehen daher trotz Vorbehalt oder anderweitiger Eigentumsübcrtragung immer aus den jeweiligen Besitzer des Grundstücks über, in dem sie sich befinden, ganz gleich, durch welchen Vertrag sie anderweitig abge- geben werden. Eine oft zu Streitfällen Anlaß gebende Frage ist aber die, was unter„wesentlichen Bestandteilen" im Sinne des Gesetzes zu verstehen ist. Der Z 04 des Bürgerlichen Gesetz- buches bestimmt:„Zu den wesentlichen Bestandteilen eines Grund- stückes gehören die mit dem Grund und Böden fest verbundenen Sachen, insbesondere Gebäude, sowie die Erzeugnisse des Grund- stückes, solavige sie mit dem Boden zusmnmenhängen. Samen wird mit dem Aussäen, eine Pflanze wird mit dem Einpflanzen wesent- licher Bestandteil des Grundstücks. Zu den wesentlichen Bestand» teilen eines Gebäudes gehören die zur Herstellung des Gebäuides eingefügten Sachen. In dem jetzt vom Reichsgericht entschiedenen Rechtsstreit der Bereinigten Werderschen Brauereien, Aktiengesellschaft zu Werder, gegen den Architekten I. zu Charlottenburg handelt es sich um Herausgabe der elektrischen Anlage eines mit d'em übrigen Haus- grurwstück im Zusammenhang stehenden Anbaues. Diese Anlage ist Eigentum der klagenden Aktiengesellschaft, welche sie gekauft und dem früheren Eigentümer des Anbaues mietsweise überlassen hatte. Das Grundstück war im Jahre 1904 zur Zwangsversteigerung gc- kommen und von dem nun beklagten Architekten I. erstanden worden. Trotzdem die elektrische Lichtanlage von der Zwangs. Versteigerung ausgeschlossen worden war, verweigerte der Beklagte als Ersteher die Herausgabe der Anlage, Ida dieselbe zu den wesent- lichen Bestandteilen des Grundstücks gehöre. iaaS Reichsgericht verneint in diesem Falle jedoch die Eigenschaft ber elektrischen Licht- anlage als wesentlichen Grundstücksbestandteil." Das Landgericht Berlin hatte auf Abweisung der Klägerin er» kannt. Auf die Berufung der Klägerin verwarf zunächst das Kammergericht zu Berlin durch Zwischenurteil den Einwand des Beklagten, daß der Motor mit der elektrischen Anlage wesentlicher Bestandteil des Grundstücks sei und verurteilte sodann den Be- klagten durch Endurteil zur Herausgabe des Motors, der Aus- rücker, Schalter, Bogenlampen, Glühlampen usw. usw. Gegen dieser Urteil hatte der Beklagte Revision beim Reichs- gericht eingelegt. Der VII. Zivilsenat erkannte auf Zurückweisung der Revision. «««rllnaot chulmeister Herren- � Knaben-Konfektions-Haus 4 Dresdener Straße BERLIN SO., Dresdener Straße 4 Hochbahnstation Kott bnscr Tor. Fertig am Lager: Frfihjahrs-Paletots M. 21.50 Kleiderstoffe Neueste Dessins in haltbaren Qualitäten, elegante Paß- lonnen, M. 40.50, 36.50, 33.—, 30.60, 35.60 bis Schwarz, n. färb. Kaschmirs u. Serges hocbmodera'�! &>4«. in schwär« und neuesten Salsonfarben. Glans- Saim-UireCTOire reiche Gewebe In bewährten Qualitäten.•«« t Schwarze und farbige Eoliennes und Orenadines Satin Liberty und Crepe de chine&n.NÄ»e.w'?e. Engl. Kostümstoffe, Tailor made in feinen atreito.Ker«« EngL Planelle geetreltt and kariert ftlr Binsen ,»>>»>.>, C. in Sarin, Kaschmir, Batist, Eollenne, Ort je. weme-atone Bedeutende Anawahll. ...___.» In Streifen- und Punktmastern, apnrte Kelnseid. ronlaras PeeelJH. 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