Nr. loa. Bbonnements-Ikdlngaftgaij stkönnk'ments- PreiÄ pränumerandai Vicrlcljahrl. 3£0 SDJf., monatl. 1,10 Mk,. wvchentli» 28 Pfg, frei ins Hau«. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags- nun>mer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Ztbonneinent: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiiungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, PorNigal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, so. Jahrg. vlSlililt täglich außer niontaai. Vevlinev Volksblakk. Die!nIerfions-Gel)iI!)P kelrSgl für die scchSgespaltenc Kolonel» geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gcwcrlschastliche Perclns» und PeisammIiingS-Anzeigen M Pfg. „Kleine anieigen". das erste(fett. gedruiktcl Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ficllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmiilagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SczialtUiriOkrat Rtrlin". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 4. Mai XOOIK Expedition t GM. 68, Lindenstrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. NoWahrttplage. „Die Veranlassung, Wohnungen für die Werls- angehörigen zu bauen, war erst dann gegeben, als mit der immer größeren Ausdehnung der Fabrik und der damit zusammenhängenden rasch wachsenden Ein- wohnerzahl ein empfindlicher Wohnungsmangel sich geltend machte." , So charakterisiert die Firma Krupp selbst die Motive, die ,le zu ihren wichtigsten„Wohlfahrtseinrichtungen" bestimmt haben. Das vorstehende Zitat entstammt der Festschrist, die von der genannten Firma zur Ausstellung in Düsseldorf im Jahre 1902 herausgegeben worden ist. Und der Königliche Berginspektor R. Hundt schreibt in dem vom„Verein für die bergbaulichen Jntessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund" herausgegebenen Buche„Bergarbeiterwohnungen im Ruhr- revicr": Andrerseits(falls die Werke nicht Arbeiterwohmmgen gebaut hätten) würde aber auch der Rheinisch-Westfälische Steinkohlen- bcrgbau nicht die erforderliche Anzahl von Arbeitskräften hin- reichend schnell haben heranziehen und nicht den großartigen Auf- fchwnng der letzten Jahre haben nehmen können." Hier wie dort ist deutlich gesagt, daß die Erbauung von Werkswohnungen nicht etwa humanitären Erwägungen ent- sprungcn ist, sondern dem Kalkül des Eigcninteresscs. Was kostet die Geschichte, was bringt sie ein? Das war die Frage I Mau fand, daß die Anlage von„Wohlfahrtseinrichtungen" ganz rentabel sei, daß diese sich gut verzinsen. Gewöhnlich handelt es sich dabei um indirekte Vorteile für die Unternehmer. Sie lassen sich die„Wohlfahrt" etwas kosten, ohne bare Einnahmen daraus zu ziehen. Dafür werden sie dann als„Wohltäter" der Mensch- heit gepriesen. Tatsächlich mag in einzelnen Fällen den Unternehmer ein gewisses Humanitätsgefühl zur Hergabe von Geldmitteln für Wohlfahrtseinrichtungen bewegen, ge- wohnlich jedoch entscheidet das Geschäftsinteresse. Die„Wohl- fahrtseinrichtungen" werden dergestalt mit dem Arbeitsverhält- nis verkoppelt, daß dessen Lösung für den Arbeiter zugleich den Verlust allen Anspruchs auf die Wohlfahrtseinrichtungen im Gefolge hat. Wenn z. B. einem Werkswohnungsinhaber plötzlich die Arbeitsstelle gekündigt wird, weil er eine Lohn- redüktion oder eine unwürdige Behandlung durch einen Vor- gesetzten nicht willig hinnehmen wollte, dann muß er auch plötzlich die Wohlfahrtswohnung verlassen. Er steht also vor der Gefahr, zeitweilig obdachlos zu sein. Das- selbe trifft zu. wenn der Inhaber einer Werks- Wohnung der erwähnten Umstände wegen, oder weil er eine bessere Arbeitsstelle annehmen will, selbst das Arbeits- Verhältnis kündigt. Das schreckt von der Opposition gegen des Unternehmers Gebot ab. umsomehr, wenn auch noch mit der Möglichkeit einer längeren oder kürzeren Arbeitslosigkeit gerechnet werden muß. Fast alle für Werkswohnungen be- stehenden Verträge enthalten aber den angeführten Klauseln entsprechende Bestimmungen. Aus der bunten Reihe seien hier nur zwei angeführt. Der Bezieher einer der von der Harpener Bergbau-Ge- sellschaft erbauten Wahlfahrtswohnungen muß folgende Ver- vflichtung eingehen: .. der Vertrag erlischt sofort, wenn der Mieter seine Arbeit auf der Zeche freiwillig verläßt oder unsteiwillig aufgeben muß." Die Firma Krupp läßt von ihren Arbeitern(Zeche Hannover) folgende Bestimmung unterschreiben: .. die Bedingung, obige Wohnung mit demTage zu räumen, an welchem ich aus der Arbeit oder dem Dienst der Zeche Hannover ausscheide, nehme ich ebenfalls an." Manche dieser Verträge enthalten außerdem noch die Bestimmung, daß die Söhne der Wohnungsinhaber verpflichtet sind, bei deni„Brotherrn" des Vaters zu arbeiten! So werden die Wohlfahrtseinrichtungen.zu einer Fessel für die Arbeiter, die nicht leicht gesprengt werden kann. In noch viel wirkungsvollerer Weise dienen als Mttel der Lohndrückerei die sogenannten Pensionskassen. In nur wenigen Fällen beschränken sich diese darauf, den Arbeitern Belohnung für Wohlverhaltcn und Ausschluß von Vorteilen in Aussicht zu stellen, falls sie die Unzufriedenheit des Wohl- täters erregen, ohne die Arbeiter zu Beiträgen heranzuziehen. Die meisten solcher Kassen sind vielmehr derart organisiert. daß die Arbeiter zwangsweise Beiträge leisten müssen, ohne bestimmte verbürgte Rechte zu erlangen. Der Unter- nehmcr hat gewöhnlich die Befugnis, aus den Kassen ganz nach Willkür, einzelnen Arbeitern für ihr Wohl- verhalten Pensionen zu gewähren; andere aber, die sein Mißfallen erregten, die gegen Lohndrückerei oder gegen sonstige Bedrückung murrten, kann er trotz der von ihnen geleisteten Beiträge von jeder Gegenleistung der Kasse ausschließen. Die angeblichen Rechte der Mitglieder, paragraphiert in den Statuten der Kasse, sind nur dekorativ, weil der Unternehmer in der Lage ist, jedem Arbeiter zu jeder Zeit zu kündigen. flnd fast alle solche Statuten enthalten eine Bestimmung, wonach mit der Lösung des Arbeitsverhältnisses zugleich alle Ansprüche an die Kasse erlöschen. Auch findet eine Rückzahlung der Zwanqsbeiträge nicht statt. So erhält der Unternehmer die Macht, die Lieblinge, die in allem unterwürfig sind, aus der Tasche der anderen, die nicht gefügig, nicht willenlos sind, zu belohnen. Niemand kann verkennen, daß damit die Wohlfahrtseinrichtungen nicht nur ein Mittel für jede Art Beeinflussung, sondern auch eine Quelle der Demoralisation iverden. Nicht einmal die Behauptung, die Unternehmer brächten aus ihrem Vermögen immerhin Opfer für solche Wohlfahrts- einrichtungen, ist richtig. Zum Beweise für jene Behauptung muß gewöhnlich die„weltberühmte" Kruppsche Pensionskasse als Deinonstrationsobjekt dienen. Es wird auf die Beiträge der Finna verwiesen, auf ihre Zuwendungen an die Kasse und auf die vielen Millionen, die daraus angeblich als Pensionen gezahlt worden sind. Die Sache hat jedoch einen Haken. Bisher ist für Pensionen noch nicht ein Pfennig aus den Beiträgen und Schenkungen der Firma verwendet worden. Die Kassenleistungen wurden ausschließlich aus den Zwangs- beitrügen der Arbeiter bestritten. Für diese charakteristische Tatsache können wir uns auf Materialien berufen, die die Firma Krupp selbst geliefert hat. Bei Ge- lcgenheit eines Prozesses, den mehrere ehemalige Kruppsche Arbeiter gegen die Firma wegen Rückerstattung der eingezahlten Pensionskassenbeiträge angestrengt hatten, unterbreitete der Anwalt der Beklagten dem Gericht einen Schriftsatz, der u. a. folgende Angaben enthielt: „Vom 1. Januar 188ö bis 1. Oktober 1907 haben Pensionen bezogen 6424 Personen... 17 763 503,54 M. Diese großen Kafienleistungen... konnten nur dadurch er- möglicht werden, daß die Beklagte(Firma Krupp) zur finanziellen Stärkung der Pensionskasse dauernd sehr erheblich beitrug. Vom 1. Januar 1885 bis 30. September 1907 hat sie der Pensionskasse zugeführt... zusammen 16 533 165 M." Man könnte nun annehmen, zu den gezahlten Pensionen hätten die Beiträge der Firma beitragen müssen. Das ist jedoch nicht der Fall. Bereits Ende 1906 verfligte nämlich die Kasse über ein Kapitalvermögen von 18 370 000 M. Demnach waren nicht nur die gesamten Leistungen der Firma, sondern auch noch erhebliche Summen aus den Arbeiterbeiträgen zu der Vermögensansammlung verwendet worden. Und von diesem Vermögen benutzt die Firma einen großen Teil als Betriebskapital, auf das sie 4 Proz. Zinsen zahlt, während es ihr vielleicht doppelt so viel einbringt. Das ist alles— Wohlfahrt! Die Sache steht so, daß die vielen tausende Arbeiter, die alljährlich aufhören, bei Krupp zu arbeiten und damit aus der Kassenmitgliedschaft ausscheiden, die Hauptträger der Wohlfahrtskosten sind. Sie müssen bezahlen und bekommen unter keinen Umständen etwas zurück. In dem erwähnten Schriftsatze wird, um die moralische Wirkung solcher unbestreit- barer Tatsachen abzuschwächen, der Versuch unternommen, den Anschein zu erwecken, als ob die Mehrzahl der Abgekehrten freilvillig der Wohlfahrt entflöhe. Von 14 340 in einem Jahre Ausscheidenden, von denen jeder zirka 6 M. Einschrcibegeld und pro Monat zirka 3 M. Beittäge zahlen mußte, hätten 10 187 selbst gekündigt und 1442 ohne Kündigung die Arbeit eingestellt. Das beweist jedoch nichts für die Güte und die Einwandfreiheit der Kasse, sondern spricht nur gegen die Arbeits- Verhältnisse. Unbeliebte Arbeiter kann man derart zwacken, daß sie„freiwillig" auf Wohlfahrtssegen verzichten. Hinzu kommt aber noch, daß man zwecks Konstruttion des nichts- sagenden Beweises das Jahr— 1906 aussuchte, ein Jahr, in dem bekanntlich der Begehr nach Arbeitskrästen größer war als das Angebot, und die Arbeitsstelle leicht gewechselt werden konnte. Aus diesem Grunde war auch bei Krupp in diesem Jahre das Hinauswerfen der Wohlfahrtsanwärter naturgemäß sehr gering. Die Unternehmer wissen, was sie tun. wenn sie ihre Wohlfahrtseinrichtungen, die ihnen angeblich materielle Opfer auferlegen, hartnäckig verteidigen. Sie wissen: ihre Wohl- fahrtsinstituttonen sind Ketten, die ihnen willenlose Arbeiter sichern l englische und deutsche Steuerpolitik. In einer„Ein demokratisches Budget" betitelten Notiz unserer SonntagSnummer wie im Leitattikel unserer gestrigen Montagsnummer haben wir bereits darauf hingewiesen, daß auch England sich zurzeit in einer Finanznotlage befindet, da sich ein Budgetdifizit von ungefähr 16Vz Millionen Pfund Sterling herausgestellt hat. Zur Deckung dieses Betrages und einiger notwendiger neuer Ausgaben sollen nach dem Vorschlage des Schatz- sekretärS Lloyd George ungefähr 400 Millionen Mark neue Reichseinnahmcn beschafft werden. Während aber die deutsche Re- gierung eine Rcichsfinanzreform durchzuführen sucht, die nur ungefähr ein Fünftel der geplanten neuen Steuern den besitzenden Klassen, vier Fünftel aber den unbemittelten Volks» schichten aufbürdet; verfolgt die englische Regierung die Absicht, nur etwas mehr als ein Siebentel der erforderlichen Steuersummen aus Tabak und Spirituosen herauszuholen; die übrigen sechs Siebentel sollen dagegen durch Besitz st euern und Verminderung der Schulden- tilgung gedeckt werden. Und was im Vergleich zu unseren deutschen Zuständen höchst charakteristisch für die Auffassung der englischen Bourgeoisie von ihren sozialen Verpflichtungen ist— d i e Mehrheit des englischen Unterhauses hat diesem Finanzreformplane sofort nach seiner Per- lündigung im wesentlichen zugestimmt. � Der von Lloyd George aufgestellte Resormplan schlägt folgende Vermehrung der Staatseinnahmen vor: Erhöhung der Einkommensteuer... 3 Pfd. Stell. Steuerzuschlag für Einkonnnen über 5000 Pfund im ersten Jahr..... 0,5„„ (später 2,3 Mtll.) Aenderung u. Erhöhung der Nachlaßsteuer (Estate duty)im ersten Jahr... 2,55„„ (im nächsten Jahr 4,2, schließl. 4,4) Erhöhung der Erbschaftssteucr auf bewegl. u. unbewegl. Vermögen im ersten Jahr 1,37„„ (später 2,15 Mill.) Erhöhung des Stempels f. Uebertragung von Immobilien und Wertpapieren. 0,65„„ Erhöhung der Schankkonzessionsabgaben 2,6„„ Erhöhung der Zölle und der Akzise auf Spirituosen......... 1,0„„ Erhöhung des Zolls auf Tabak.... 1.9„ Wertzuwachssteuer auf Grundbesitz.. 0,5„ Kürzung des Schuldentilgungsfonds.. 3„ Automobilsteuer......... 0,60„„ Hinzu kommen noch verschiedene kleine Nebensteuern. Besonders fordert zum Vergleich mit der deutschen Neichsfinanz» reform die geplante Erhöhung der Erbschaftssteuer heraus. England bezieht schon jetzt aus der Erbschaftssteuer eine Jahreseinnahme von fast 400 Millionen Mark; trotzdem sollen die Erbschaftssteuersätze dermaßen erhöht werden, daß zunächst noch 80, später aber über 130 Millionen Mark aus der Erbschaftssteuer herausgeholt werden. Und dieses Resultat gedenkt die englische Regierung nicht dadurch zu erreichen, daß sie die kleinen Erbschaften schärfer zur Steuer heran- zieht, sondern dadurch, daß sie die Abgabe von den großen Nach- lässen über 100 000 M. bcträchilich erhöht. Nach dem Vorschlage des Schatzsekretärs soll für die Erbschaften unter 100 000 M. die bisherige Steuerabstnsung bestehen bleiben. Erst von Erbschaften über 100000 M. beginnt die Erhöhung, und zwar sollen zahlen: Nachlässe von 6 000 bis 10 000 Psd. Stcrl.-- 4 Proz. .. 10 000. 20 000„„ 6„ „ 20 000„ 40000„ 6„ „ 40000„ 70 000„„ 7„ „ 70 000„ 100 000„„--- 8„ „ 100 000 ,. 150 000„„ 9„ „ 150 000„ 200 000„„---- 10„ „ 200 000„ 400 000„„---- 11„ . 400 000„ 600 000„„--- 12„ „ 600 000„ 800 000,„----- 13„ „ 800000„ 1000 000.,„= 14„ „ über 1000000 Pfd. Stcrl...= 15„ Selbst die„Nordd. Allgem. Ztg." vermag sich nicht zu enthalten, die sich in diesen Ziffern offenbarende„Opfcrwilligkeit" der eng- lischen herrschenden Klassen mit der Zugeknöpftheit unserer »Edelsten und Besten" zu vergleichen. Sie schreibt: „Im Hinblick auf die Haltung der Reichsfinanzkommission gegenüber den Vorschlägen der deutschen Regierung ist die Forde- rung des britischen Schatzkanzlers von besonderem Interesse. Wie die„Frankfurter Zeitung" hervorhebt, hat R. E. May im Finanzarchiv festgestellt, daß eine Nachlaßsteuer mit den bis» herigen englischen Sätzen in Deutschland etwa 220 Millionen Mark einbringen würde; unter Berücksichtigung der jetzt für Eng- land geplanten Erhöhung würden also in Deutschland ver» mutlich annähernd 300 Millionen Mark herauskommen. Hiernach kann wohl schwerlich mit Recht behauptet werden, daß es be- denklich sei, die Erbanfälle auf Kinder und Ehegatten in Deutsch« land mit 100 Millionen Mark zu belasten. Niemand wird auch die Auffassung zu vertreten in der Lage sein, in England habe die Nachlaßsteuer den Fannliensinn beeinträchtigt. WaS in Eng- land auf diesem Gebiete längst Wirklichkeit ist, wird doch bei uns nicht unmöglich sein, wenn cS gilt, der unerträglichen Finanznot des Reiches abzuhelfen." Im„perfiden" Albion entscheidet eben nicht nur das Profit- intereffe der Junker und Schlotmagnaten über die Steuerpolitik des Reiches._ politifcbe dcbcrHcbt» Berlin, den 3. Mai 1809. Abgeordnetenhaus. Der große Sitzungssaal des Hauses in der Prinz-Albrecht- Straße lvies auch am Montag lvieder eine gähnende Leere auf, und die paar„Volksvertreter", die ihrer Pflicht nach- kamen, kümmerten sich weniger um die Verhandlungen, die sich noch immer um den Kultusetat drehen, als um die Vor- gänge in der Steuerkommission des Reichstages, über die sie ihre Meinungen lebhaft austauschten. Durch besonderen Eifer tat sich der unvermeidliche Freikonservativc Dr. Arendt hervor, der einer Gruppe Abgeordneten der Linken so laute Vorlesungen über die beste Art der Bekämpfung der Sozial- demokratie hielt, daß seine Worte auf der Tribüne besser zu verstehen waren als die der Redner. Die lebhaften Privatgespräche wurden durch unseren Ge- Nossen Borgmann unterbrochen, der die Erhöhung der Ver- pflegungssätze in der Charits zur Sprache brachte, die schlechten Zustände in dieser staatlichen Anstalt schilderte und an der Hand eines Spezialfalles die mangelnde Fürsorge der Verwalttmg für im Dienst der Menschheit verunglückte Krankenpfleger geißelte. Obwohl der Vertreter der Regierung, Ministerial- direktor A l t m a n n, ihm in allen Punkten recht gab, bekam es doch der Konservative v. Arnim fertig, zu behaupten, daß alles, was Borgmann vorgebracht habe, widerlegt sei. Entweder hat Herr v. Arnim während der Rede des RegierungsvertretcrS geschlafen oder aber ihm fehlt dasf llntcrscheidungsvermögen und er glaubt, mit einer nichts- sagenden Phrase davon kommen zu können. In dem Spczial- fall fand Borgmann sogar die Unterstützung des Abg. Cassel (frs. Vp.). Es dürfte ziemlich sicher sein, daß die Kritik des sozialdemokratischen Redners diesmal auf ftuchtbaren Boden fallen wird. Nach Erledigung des Kapitels„Universitäten und Charitö- krankenhaus" wandte sich die Debatte zum Kapitel„Höhere Lehranstalten". Da zuerst hintereinander drei Schulmänner zu Worte kamen, wurde natürlich nach Kräften fachgesimpelt. Man unterhielt sich im wesentlichen darüber, ob das huma- nistische Gymnasium den Vorzug vor den Neformanstalten verdient, ob das Englische zum Schaden des Französischen in den Vordergrund gerückt werden solle, und über ähnliche Fragen, deren Wichtigkeit gewiß nicht zu bestreiten ist, die aber im Plenum eines Parlaments kaum gelöst werden können. Von Wichtigkeit waren die Anregungen des Abg. Dr. Hintzmann(natl.) über die Aufklärung der Jugend über die sexuellen Gefahren und über die Gefahren des Alka- Holismus. Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Für unsere Fraktion wird Ströbel sprechen.— Die Beratung des Kultusetats dürfte, wie eine parlam. Korresp. meldet, im Abgeordnetenhause mehr Zeit in Anspruch nehmen, als man ursprünglich angenom- men hatte, und vor Ende der Woche kaum beendet werden können, günstigenfalls am Freitag. Die Debatten über die Re- form des höheren Mädchenschulwesens werden nach der Anzahl der gemeldeten Redner allein zwei Tage beanspruchen. Im Anschluß an den Kultusetat sind noch einige Etatsveste auf- zuarbeiten, u. a. auch der Etat des Abgeordnetenhauses. Bei diesem Etat wird die Frage der Gewährung von Eisenbahn- freikarten für die Landtagsabgeordneten er- örtert werden. Man nimmt an, daß die zweite Etatsle- sung erst am Mittwoch nächster Woche beendet sein wird. Zwischen der zweiten und dritten Etatslesung werden die Abänderungen des Herrenhauses an den Besoldungsgesetzen beraten. Das Abgeordnetenhaus will vor Pfingsten noch die zweiten Lesungen der Berggesetznovclle und der Stempelsteuernovelle beraten, die dritten Lesungen dieser Entwürfe und die Verabschiedung des Sekundäribahngesetzes aber erst im Juni' vornehmen. Diese Vorlagen dürften dem Herrenhause erst gegen Mitte Juni zugchen, so daß der Schluß der Session nicht viel vor Ende Juni zu erwarten ist. Die Session würde also eine achtmonatliche Dauer haben. Die Kulisienfchieber des Schnapsmonopols. Der Monopolentwurf ist bekanntlich, ohne daß den spiritusver- brauchenden Industrien auch nur in irgend einem Stadium der Vorberatungen Gelegenheit zur Mitarbeit gegeben wurde, das fast selbständige Erzeugnis des Spiritussyndikats. Vornehm- lich sind an der Mitarbeit folgende Herren beteiligt gewesen: 1. Herr Untucht, Direktor der Spirituszentrale, ein Schwager des Vorsitzenden der FinanzkoMmis- sion, des Herrn Paaschs! Die Familie Untucht besitzt ," auch eine Spiritusbrennerei und Welafsebrennerei in Magde- burgl ' 2. Geheimrat Professor Dr. Delbrücks Beamter der Sp.i- rituszentrale. 3. Gans Edler Herr zu Puttliß. Direktor der Spirituszentrale. Dieses Drei-Männer-Kollegium hat, wie das nicht nur ihr Recht, sondern vom Standpunkt ihrer Arbeitgeber aus auch ihre Pflicht war, natürlich tatkräftig die Interessen der Spi- rituszentrale in den Entwurf hineingearbeitet. Besonders offenbarte sich das: 1. in der Bevorzugung der Zentralleiter bei den in Aussicht gestellten pekuniären Abfindungen[(§ 153 u. ff, des Entwurfes); 2. in einer Bevorzugung der Zentralebreninereien vor denjenigen, die sich den einzelnen Maßnahmen der Zentrale, u. a. den Produktionsbindungen, nicht angeschlossen haben.'' Auf die ad 1 genannte Tatsache fällt aber noch dadurch ein ganz besonderes Licht, daß ganz kurz vor der Publikation des. Monopolentwurfs die Gehälter der Direk- toren der Zentrale um je 20 000 M. erhöht wurden! Da die Abfindungssumme nach dem Entwurf das Fünffache des Jahresgehalts betragen soll, so heißt das nichts anderes, als eine Extrazulage von je 100 000 M. auf Kosten der Steuer- zahlerl Man kann danach das positive Interesse der Zentraleleute an dem Monopolentwurf und den Schmerz über den vorläufigen Fall begreifen, wie auch das emsige Bemühen, ihn wieder zu neuem Leben zu erwecken. Zu dem gleichen Zwecke hat das Syndikat übrigens unter der Firma„Freie Vereinigung von Branntwein- Industriellen" aus einem Teil seiner Gesellschafter, fast durchweg kleinen, unrentabel arbeitenden Spiritusfabriken, eine Vereinigung gebildet, die als Spiritusverbraucher auftreten, weil sie zum großen Teil neben ihrer Spritfabrik auch Großdestillationen usw. betreiben. Diese Gruppe ist vollständig von dem Syndikat nach jeder Richtung hin abhängig. Man sieht aus all diesen Tatsachen! wie die Monopolinteressenten sich aufs Geschäft verstehen. Koloniale Bilanzverschleiernng. Schon gleich als Dernburg sein Amt als Kolonialsekretär an- .rat, vertrat er die Auffassung, daß es wünschenswert fei, nach französischem Muster das System der Kolonialanleihen einzuführen. Nach diesem Rezept ist man denn auch bereits verfahren. Schon sind Kolonialanleihen gemacht worden. Nunmehr liegt auch der Entwurf eines Schutzgebietsetatsgesetzes vor, das in das Etatsgesetz vom 30. März 1802 hineingearbeitet Verden soll. Die wesentlichsten Bestimmungen des Entwurfes lauten: „Die Deckung der in den Etats der Schutzgebiete als außer- ordentliche gekennzeichneten Bedürfnisse erfolgt, soweit darüber nicht anderweit Bestimmung getroffen ist, bis zur Höhe der be- willigten Summen in den erforderlichen Nennbeträgen im Wege der Anleihe zu Lasten dieser Schutzgebiete. Die Anleihe kann zu Lasten eines einzelnen oder mehrerer dieser Schutzgebiete aufgenommen werden. Ueber die Ausführung hat der Reichskanzler dem Reichstage bei dessen nächster Zusammenkunst Rechenschaft abzulegen. Werden zur Deckung solcher Bedürfnisse Darlehen zur Wer- fügung gestellt, so ist der Reichskanzler ermächtigt, die dazu erforderlichen Mittel im Wege des Kredits flüssig zu machen. Die Darlehen find vom Tage der Auszahlung ab mit S'/z Prozent jährlich zu verzinsen, soweit darüber nicht eine andere gesetzliche Bestimmung getroffen wird. Die Anleihen und die Darlehen sind vom sechsten auf daS Jahr der Anleihebegebung oder der DarlehnSgewnhrung folgenden Rechnungsjahr ab jährlich mit mindestens°/z Proz. der Anleihe oder der Darlehnsbeträge unter Hinzurechnung der ersparten Zinsen nach einem vom Reichskanzler aufzustellenden Tilgungsplane zu tilgen. Erfordern die finanziellen Verhältnisse emeS Schutzgebietes die Aussetzung der Tilgung eines Darlehens, so erfolgt die Be- stimmung darüber im Wege der Gesetzgebung. Der Reichskanzler wird ermächtigt, vom fünfzehnten auf daS Jahr der Anleihebegebung oder der Darlchnsgewährung folgenden Rechnungsjahre ab die Tilgung zu verstärken sowie die iii, Umlaufe befindlichen Schuldverschreibungen zwecks Einlösung zum Nennbeträge binnen dreimonatiger Frist zu kündigen. Den In- habern der Schuldverschreibungen steht ein Kündigungsrecht nicht zu. Die zur Verzinsung nnd Tilgung der Anleihen oder der Dar- lehcn erforderlichen Summen sind nach Matzgabe der den einzelnen Schutzgebieten überwiesenen Beträge alljährlich in die Etats dieser Schutzgebiete aufzunehmen und zur Verfallzeit aus deren bereitesten Mitteln zu zahlen. Für die Verzinsung und Tilgung der Anleihen haftet jedes der daran beteiligten Schutzgebiete dem Gläubiger gegenüber als Gesamtschuldner; im Verhältnis der beteiligten Schutzgebiete zu- einander find die einzelnen Schutzgebiete nur nach Maßgabe der ihnen überwiesenen Anleihebeträge haftbar. Für die Verzinsung und Tilgung der An- leihen übernimmt das Reich die Bürgschaft. Soweit die Anleihen oder die Darlehen zum Bau, zur Er- Weiterung oder zur Erwerbimg von Eisenbahnen oder Eisenbahn- anteilen, zu Stratzenbauten, Hafenanlagen, Strombauten und Stau- dämmen oder zu ähnlichen Anlagen werbender Art Verwendung finden, sind die Grundeigentümer im Wirtschastsbereiche dieser An- lagen zu einer ihrem Interesse an der Anlage entsprechenden Leistung zugunsten des Schutzgebietes heranzuziehen. Es kann verlangt werden, daß die Leistung in Form von Landabtretung erfolgt, sofern das Grundstück durch die Abtretung nicht derart zerstückelt wird, daß das Restgrundstück nach seiner bisherigen Be- stimmung nicht mehr zweckinäßig benutzt werden kann." Daß man besondere Kolonialanleihen aufnimmt, statt die Kolonialschulden einfach wie bisher den Reichsschulden einzu- verleiben, das soll der weltpolitischen Schuldenmacherei nur ein Mäntelchcn umhängen. Man hat das System der besonderen Kolonial- anleihen damit verteidigt, datz nian behauptete, wenn die Kolonien selbst für ihre Schulden aufzukommen hätten, würden sie mit den: Kontrahieren der Schulden vorsichtiger sein, als wenn sie einfach dem Reich angekreidet würden. Das würde aber nur dann der Fall fein, wenn auch wirklich die Kolonien für die von ihnen gemachten Schulden selbst aufzukommen hätten. Davon ist aber gar keine Rede. Heißt es doch in dem Entwurf selbst, datz das Reich für die Verzinsung und Tilgung der Anleihen die Bürgschaft übernehme. Was also die Kolonien nicht bezahlen können, dafür muß das Reich aufkommen. ES bleibt also alles beim alten. Auch datz die Anleihen mit mindestens'/5 Proz. jährlich getilgt werden sollen, ist nichts als eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Es wird mit den Kolonialschulden genau so wie mit den Reicks- schulden gehen: für jede Million getilgter Schulden wird man 100 Millionen neuer Schulden machen. Und das Reich hat für diese Schulden aufzukommen. Daran, datz unsere Kolonien jemals dauernd aus ihren eigenen Einnahmen die Ausgaben zu decken der- möchten, ist ja trotz der Dernburg-Diamanten und anderer kolonialer Utopien nicht zu beulen._ Ein konservatives Wahlmanöver. Die sächsischen Konservativen haben sich für die Erbanfallsteuer erklärt und auch im konservativen Fünfzrger-Ausschuß haben die sächsischen Führer Mehnert, Opitz, Wagner und Hähnel sich der be- kannten Vertrauenskundgebung für die konservative Fraktion nicht angeschlossen. Eine Zuschrift an die„Nationalzeitung" gibt nun eine Erklärung für die Haltung der sächsischen Konservativen. In Sachsen finden in diesem Herbst die Landtagswahlen statt und es stehen sich da Konservative und Nationalliberale schroff gegen- über. Die Konservativen befürchteten, wenn sie eine ablehnende Stellung der Erbanfallstcuer gegenüber einnehmen, eine schwere Niederlage bei den Landtagswahlen. Deshalb die Erklärung, die mit„besonderen sächsischen Verhältnissen" begründet wurde! Nach der Zuschrift an die„Nationalzeitung" hat man es sonach mit einem ziemlich plumpen Wahlmanöver zu tun. Aufruf der freisinnigen Vereinigung. Der Gesamtvorstand des Wahlvereins der Liberalen'(Frei- sinnige Vereinigung), verstärkt durch die Abgeordneten der Partei im Reichstage und im Preußischen Landtage, hielt am Sonnabend und Sonntag im Reichstagsgebäude eine Sitzung ab, in der zur gegenwärtigen politischen Lage Stellung genommen wurde. Die Konferenz nahm— nach lebhaften und eingehenden Besprechungen — einstimmig die folgende Resolution Gothein-Pachnicke an: „Der Vorstand des Wahlvereins der Liberalen hält in Ueber- cinstimmung mit der parlamentarischen Vertretung der Partei das Zustandekommen einer gründlichen Reichsfinanzreform im nationalen Interesse für notwendig. Eine Mitarbeit des Frei- sinns ist indes nur möglich, wenn eine ausreichende Besteuerung der Erbschaften erfolgt. Lehnt die konservative Partei diese all- gemeine Belastung des Besitzes ab. dann trifft sie die Schuld am Scheitern der Reform. Eine Wertzuwachssteuer auf Immobilien kann als Ersatz für in Wegfall kommende indirekte Steuern dienen, nicht aber als Ersatz für die Erbschaftssteuer. Eine endgültige und dauernde Regelung der Finanzver- Hältnisse des Reiches ist nur durch eine Abkehr von der agrarisch- Hochschutzzöllnerischen Wirtschaftspolitik und durch Einführung quotisierbarer direkter Reichssteuern zu erreichen. Bei dem Ernst der politischen Lage ist mit der Möglichkeit einer Reichstagsauflösung zu rechnen. Unsere Organisationen werden deshalb aufgefordert, in die Vorbereitungen zum Wahl- kämpf schleunigst einzutreten." Die sächsischen Antisemiten gaben sich gestern in Leipzig ein Stelldichein. Sie nannten es stolz ihre„L a n d e S v e r s a m m l u n g". Etwa hundert Männlein waren in der durch Plakatanschlag eingeladenen öffentlichen Ber- sammlung anwesend, und selbst der Name des Herrn Liebermann von Sonnenberg, der anstelle des ursprünglich in Aussicht genom- menen Reichstagsabgeordneten Graes referierte, vermochte nur ganz wenige Leipziger Anhänger zu einem Gang nach dem Versamm- lungslokal im Lehrervcreinshause zu begeistern. Zuerst sprach Rcichstagsabgeordneter Dr. Böhme über die Reichssinanzreform. Er jammerte über die Verschuldung des Reichs, wies aber den Gedanken, am Militarismus zu sparen, weit von sich. Eine Beschränkung der Ausgaben sei nicht zu er- warten; aber gespart müsse werden. Wie gespart werden solle, verriet er nicht. Er sprach zwar einmal davon, daß die arbeits- fähigen pensionierten Offiziere beschäftigt werden könnten, doch meinte er zugleich, daß nicht viel dabei herauskommen würde. Andere Sparvorschlägc machte Herr Böhme nicht. Er begeisterte sich für die höhere Besteuerung des Branntweins und des Bieres. Auch die höhere Besteuerung des Kaffees und der Zigaretten könne erwogen werden. Den Tabak hingegen will er gnädig freilassen wegen der vielen elenden Existenzen, die es in der Branche gibt. Eine vleichstagsauflösung wäre töricht, denn sie würde den So- zialdemokraten außerordentliche Gewinne bringen. Aehnliche Er« folge, wie sie die bürgerlichen Paricien bei den letzten Wahlen er- rangen, seien ausgeschlossen. Es könne niemand verdacht werden, wenn er sich vom Block abwende, denn bei den ReichStagSwahlen habe niemand vorhersehen können, daß eine solch große Steuer» Vorlage kommen würde. Bei Neuwahlen aber könne leicht eine sazialistisch-radikale Mehrheit kommen, und dann würde es dem Mittelstande schlecht ergehen; er würde schärfer zu den Abgaben .herangezogen wxrden, Diese Gefghr müßten die Konservativen! dadurch abwenden, daß sie die großen Vermögen besser erfassen Helsen. Lieber niann von Sonnenberg, der recht alt ge- wordene Kämpe gegen die rote und goldene Internationale, Plau- derte melancholisch von der Leipziger Glanzzeit des Antisemitismus vor 20 Jahren. Die Saat, die einstmals in Leipzig gesät worden. habe keine Früchte getragen, aber das dürfe niemand die Hoff- nung rauben. Die Saat sei untergepflügt ivorden, sie habe dem Boden Stickstoff zugeführt und sei darum nicht verloren gegangen. Jetzt reiften die Früchte. Es habe sich eine zwar kleine, aber leistungsfähige Fraktion im Reichstage gebildet. Im Lande sei es die christliche und nationale Arbeiterbewegung, die die Ausbreitung der internationalen Sturmflut verhindere. Die nationale Arbeiter- bewegung verheiße Großes. Die Sozialdemokratie übertreibe ihre Bedeutung, indem sie sich als die Vertreterin der Arbeiter aus- spiele. Den Ehrentitel Arbeiter solle sich aber niemand von der Sozialdemokratie rauben lassen. Die christliche nationale Ar- beiterbewegvng sei die Hoffnung, datz wieder einmal Frieden im Volke einzieht. Der wüste Kamps der Sozialdemokratie werde aufhören. Der Besprechung interner Angelegenheiten ließ man die Ver- trcter der Presse nicht beiwohnen, so daß wir über die großen Kricgspläne der Antisemiten nichts verraten können. Die Ereignisse in der Türkei. Barbarische Justizsitten. Konstantinopel, 3. Mai. Bei Tagesanbruch sind fünfzehn vom Kriegsgericht zum Tode verurteilte Soldaten gehenkt worden, und zwar drei auf der Brücke nach Stambul, fünf vor dem Kriegsministerium und fünf auf dem Platz vor der Hagia Sofia. Unter den Gerichteten befinden sich der Mörder des vor dem Uildiz erstochenen Kapitäns des Kreuzers Assar-i-Tewfik, der Mörder des auf dem Platze vor der Hagia Sofia ermordeten Justizministers sowie Angehörige des vierten Bataillons der Salonikier Jäger, von dem der Aufstand ausgegangen ist. Die Gerichteten bleiben bis Mittag hängen. Auf den Richtstätten be- wegt sich eine ungeheure Menschenmenge= Die Meuterei der Matrosen. Konstantinopcl, 3. Mai. Es ist festgestellt, daß die M e u t e r e i im Marineministerium von der Mannschaft des Marine- bataillons und militärischen Marinearsenalarbeitern ausging, daß sie auch gegen den Marineminister gerichtet war, und daß an ihr sich einige Marinepolizeibeamte beteiligten.-?? Suspcndierung des„Jkdam". Konstantinopel, 3. Mai. Auf kriegsgerichtliche Verfügung ist daS Erscheinen des„Jkdam". dessen Besitzer und Chefredakteur geflüchtet sind, suspendiert.— Bcrfassungsrevision. Konstantinopel» 3. Mai. Die Deputierten kammcr heutige Sitzung der Kammer wurde der Entwurf zur Ver- fassungsrevision gesetzt, dessen Beratung und Annahme man möglichst beschleunigen will. Kanstantinopel, 3. Mai. Die Deputiertenkammer überwies die Vorlage betreffend einer sechLprozentigen Anleihe in Höhe von 300 000 Pfund der Finanzkommission und trat so- dann in die allgemeine Vorbesprechung über die Verfassungs. änderung ein. Von den Bulgaren und Griechen wurde gegen Artikel 1 der Verfassung protestiert, der als Staatsreligion des Ottomanischen Reiches den Islam angibt. Ter Bulgare Daltscheff wandte sich gegen den Senat, der in seiner jetzigen Form einen Rest des absolutistischen Staates darstelle, und verlangte Abschaffung des Senats oder die Wahl seiner Mitglieder durch die Bcvölke» rung. Der Präsident teilte hierauf mit, es sei ein Tele- gramm des persischen Botschafters in Kon- stantinopel eingegangen, in dem mitgeteilt wird, der Botschafter habe selber telegraphische Nachricht vom Schah er- halten, daß der Schah die Einberufung des Parlaments anbefohlen habe. Die Verlesung des Telegramms wurde von großem Beifall begleitet. Von mehreren Seiten wurde ge- rufen:„DaS hat unser Beispiel bewirkt!" Das HauS trat sodann in die Besprechung der einzelnen Artikel dcS Verfassungsentwurfes ein. Die Lage in Kleinasien. Konstantinopel, 3. Mai. Wie von wohlunterrichteter Seite verlautet, beschloß der Ministerrat in seiner gestrigen Sitzung, dem östlichen Teil des Wilajets Jemen die Autonomie zu verleihen, um den ständigen Unruhen unter den Arabern ein Ende zu machen. Mit Rücksicht auf die eingegangene Meldung, daß in den Wilajets Erzerum, Diabekir und Ersingian ähn- liche Metzeleien wie in Adana vorbereeitet würden, wurde an die dortigen Behörden der Befehl erlassen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Ausbruch von Unruhen zu verhindern. Ferner beschloß der Ministerrat zur Wieder- Herstellung der Ordnung und zur Bestrafung der Schuldigen siebentausend Mann mazedonischer Truppen nach Adana zu entsenden.— Für die Armenier. Konstantinopel, 3. Mai. Um die durch die Metzeleien in den Wilajets Adana und A l e p p 0 erregten Armenier zu bc- ruhigen, nahmen an einer gestern hier abgehaltenen armenischen Versammlung der erste Adjutant des Sultans, Major R e m z i, ferner N i a z i und E n v e r Bei sowie der Deputierte Riza Tewfik teil, der eine beruhigende Rede hielt. Türkischen Blättern zufolge bewilligte der gestrige Ministerrat für Adana und M a r r a s ch eine Unter st ützung von 30 000 Pfund und beschloß die Entsendung von hier gebildeten Kriegs- g e r i ch t e n. Nach einer Depesche des Mali von Adana bessert sich die Lage.■=_ öcbwcfcr. Die Verstaatlichung der Gotthardbahn. Zürich, 23. April.(Eig. Ber.) Mit dem 1. Mai geht die Verwaltung der Gotthardbahn in die Hände der schweizerischen Bundes- bahnen über, obschon die finanzielle Seite noch nicht definitiv er- ledigt ist. Dagegen ist die Verständigung mit den beiden Subventionsstaaten Deutschland und Italien in einer zirka 14tägigen internationalen Konferenz in Bern erfolgt. Teutschland leistete seinerzeit einen Staatsbeitrag von 30, Italien von 55 und die Schweiz selbst von 28 Millionen Franken an den Bau der Gotthardbahn und in den letzten Jahren haben sie aus dem die Dividen'oensumme von 7 Proz. übersteigenden Reingewinn je einige hunderttausende Franken erhalten. Die beiden au§- ländischen Staaten fordern nun sumnien nicht wieder zurück, Mäßigung der Bergzuschläge für gangsverkehr, die in der Form wurde, daß die Strecke für die Berechnung dieser Zuschläge vom 1. Mai 1910 ab um 35 Proz. und vom 1. Mai 1020 ab um weitere 15 Proz., also insgesamt um 50 Proz. reduziert werde. Daraus ihre geleisteten Subveutions- dagegen verlangten sie Er- den internationalen Durch- von der Schweiz zugestanden ergibt sich ein EinnahmeauZfall von'/i in der ersten und 2� Mill. Franken in der zweiten Periode, total 3Vs Millionen. Dazu kommen noch weitere Frachtbegünstigungen an Italien für Süd- flüchte usw., so daß die 4 Millionen voll werden dürsten. Da die Aktionäre einen möglichst hohen Preis erzwingen wollen, Wird die verstaatlichte Gotthardbahn schlechter als die bisherige private rentieren, und darunter wird dann das Bahnpersonal zu leiden haben, dessen gegenwärtige, bis 1912 garantierte Vesoldungs- Verhältnisse erheblich iverden dürften; wenigstens wird man es der- suchen. Das Personal wird aber jeden derartigen Versuch mit Streik oder passiver Resi st enz beantwortet franltreicb. Die Masiregeluugeu der Postbeamte«. Paris, 3. Mai. Die Zahl der zurzeit abgesetzten Post- b e a m t e n beträgt 10, die der P o st a r b e i t e r 39. Erstere sind gemahregelt worden, weil sie in öffentlichen Versammlungen das Wort ergriffen, letztere, weil sie den 1. Mai gefeiert hatten. Die Regierung ist entschlossen, keinerlei„Disziplinlosigkeit" auf- kommen zu lassen und alle, die sich einer solchen schuldig machen, sofort ihres Postens zu entheben. In den Kreisen des General- Verbandes der Postbeamten scheint man über diese Strenge der Be- Hörden überrascht zu sein. Vorläufig haben weitere Zwischenfälle nicht stattgefunden.—_ Eine Nachwahl. Paris, 8. Mai. Bei den Kammerersatzwahlen im Bezirk St. Affrique sDep. Aveyron) wurde der Radikale Fournob mit 7179 Stimmen gegen den Konservativ-Liberalen Paul Leroy- Beaulicu, der 6889 Stimmen erhielt, gewählt. Das Mairdat hatten bisher die Konservativen inne.— Italien. Ein blutiger Zusauimenstoß. Rom, 3. Mai. Während einer Bauernkungebung in Samnichandra kam es gestern zu einem Zusammen st oß mit Truppen, wobei ein Offizier und fünf Soldaten verletzt worden sind.— Englanä. Die Kolonien und die Rüstungen. London, 3. Mai. Im Unterhause erklärte Premierminister A s qu ith auf eine Anfrage, die Regierung habe Schritte getan, um sich über die Ansichten der Kolonien mit Selbstverwaltung zu ver- gewissern über die baldige Abhaltung einer Konferenz, die die Besprechung der Verteidigung des Reiches zu Wasser und zu Lande zum Gegenstand haben solle. Dabei sollten besonders die Vorschläge berülkstchtigt werden, die jüngst von Kanada, Australien und Neu-Seeland zur Verteidigung zur See eingegangen sind. finnlanck. Vor den Wahlen. � Helfingfors, den 25. April.(Gig. Ber.) Am 1. und S. Mai gehen die Landtags wählen vor sich, wie es im Februar bei der Auflösung der finnischen Volksvertretung der zarische Ukas be- stimmt hat. Wir stehen also am Vorabend der Wahlen, aber von einer Wahlbegeisterung ist hier im Lande sehr wenig zu merken. Die Wahlen von 1907 und 1908 haben schon die Stärke der einzelnen Parteien klargelegt und man ist von vorne herein überzeugt, datz die jetzigen Wahlen keine nennenswerten Ver- fchiebungen mit sich bringen werden. Auch muff man konstatieren, dass weite Bevolkerungskreise den» neu zu wählenden Landtage gegen- über sich mitzmuttg verhalten: die Erlebnisse der zwei letzten Jahre haben gezeigt, wie die Existenz der finnischen Volksvertretung voll und ganz von den despotischen Launen des Zaren Nikolaus ab- hängig ist und wie über die begonnene Reformarbeit der russische Ministerrat jederzett einen Strich ziehen kann. Man erwartet keine praktischen Resultate vom neuen Landtage, man zweifelt an seiner Lebensdauer überhaupt— und das alles wirkt deprimierend auf die Wählermassen. Die finnische Sozialdemokratie betont bor allem in ihren Wahlaufrufen, daß die Beteiligung an den Wahlen jetzt mehr denn je die Pflicht eines jeden ist. Der Ausfall der Wahlen soll eine wuchtige Antwort auf die Anmaßungen der nffsischen Reaktion werden. Nur die Sozialdemokratie ist entschlossen einen konsequenten, unerschrockenen Kampf für die Wahrung der finnischen Autonomie und für die demokratische Entwickelung des Landes weiter zu führen. Gleichzeitig wendet sie sich aber auch gegen das einheimische Kapital, welches die jetzige Krisis ausnutzen will, um der Arbeiterschaft ihre früheren Eroberungen zu entreißen und ihre solidarische Macht zu brechen(das Lockout in der Metallindustrie, die Verlängerung der Arbeitszeit in der Papierindustrie usw.) Sie geißelt die falsche, zweideutige Politik der bürgerlichen Parteien, welche ihren Wählern die großartigsten Versprechungen abgeben, um dann später das begonnene Reformwerk zu Fall zu bringen oder wenigstens den Interessen der herrschenden Klassen gemäß umzumodeln. Das trat besonders in der Session des vorigen Landtages zum Vorschein, wo der bürgerliche Koalitionssenat die Einführung des Alkoholverbotsgesetzes vereitelte und wo das Pachtgesetz der Kleinbauern und Häusler, sowie auch das kommunale Wahlgesetz durch die bürgerlichen Parteien bedenklich verschlimmert wurde. Nach wie vor wird die sozialdemokratische Fraktion die Interessen der proletarischen Bevölkerungsmassen un- entwegt vertreten und sie wird alles daransetzen, um im neuen Land- tage die begonnenen Reformen zu Ende zu führen und vor allem ein Arbeiterschutz gesetz durchzubringen. DaS neue Gesetz- Projekt ist von der sozialdemokrattschen Partei ausgearbeitet worden und enthält die wichtigsten Forderungen des sozialdemokratischen Minimalprogranims �Achtstundentag, Abschaffung der Nachtarbeit, Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit usw.). Die Sozialdemokratie hat bei den vorigen Wahlen so ziemlich das unter den jetzigen ökonomischen und polittschen Verhältnissen mögliche Maximum erreicht(83 Sitze von 200 im ganzen). Sie hofft jetzt auf keine größeren Eroberungen, aber sie wird unzweifelhaft die errungene Position mit Erfolg verteidigen.— perNen. Ei« blutiger Zwischenfall. Täbris, 3. Mai. Gestern morgen feuerten 15 Reiter Rakim Khans. 10 Werst von hier, auf eine 15 Mann starke russische Kosakenabteilung. Die Kosaken erwiderten das Feuer. Ein Perser ist gefallen, die übrigen sind entflohen.— Serbien. Der Mörderprinz am Pranger. Belgrad, 3. Mai. Ministerpräsident Novakowitsch antwortete heute in der letzten Skuptschinasitzung dieser Session auf die Interpellation des Sozialisten Kassler ovic über den geheimnisvollen Tod des Dieners des früheren Kronprinzen Georg. Novakowitsch erklärte, die Regierung habe im amtlichen Communiqus bekannt gegeben. .wie es sich mit diesem Todesfall verhalte. Der Interpellant gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden, indem er betonte, daß der Prinz Georg, obgleich er die Konsequenzen gezogen hätte. sich einer st rafrechtlichen Verfolgung durch e.ineVer- t u s ch u n g der Sache nicht entziehen könne. Dann mischte sich auch der Minister des Innern ein und verwies scharf den Interpellanten, der kein Recht zu einer Verdächtigung des Prinzen auf Grund von haltlosem Geschwätz habe. Teilnahmslos verfolgte die Skuptschina diesen Auseinandersetzungen.(„Frkf. Ztg.") Hmcnha. Kündignug von Handelsverträgen. _ Washington, 2. Mai. DaS Staatsdepartement gab formell die Absicht kund, die Handelsverträge mit einer Reihe von Ländern im Hinblick auf die neue Tarifgesetzgebung zu kündigen. Soziales»' Die ReichSvcrsichcrungsordnung wurde in der sehr gut besuchten Generalversammlung der Ortskranken- kasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker am Donnerstagabend in Meiers Festsälen besprochen. Der Geschäfts- führer der Kasse Albert Kohn halte das Referat. Er hob her- vor, wie geringe Fortschritte und welch' enorme Verschlechterungen der Entwurf bringt. Die Selbstverwaltung soll völlig schwinden, alles in die Befugnisse des VersichcrungSamtes oder vielmehr des„Versicherungsamtmannes" gelegt werden. Wie abgeneigt Staats- und Kommunalbehörden einer Zentralisierung der Kassen sind, beleuchtete er an den Schwierigkeiten, die der durchaus durch- führbarcn und notwendigen Zentralisation der Krankenkassen in Groß-Berlin gemacht sind. Die Landkrankenkassen, der die Land- arbeitcr, Dienstboten, Hausgewerbetreibenden, die nicht ständigen Arbeiter und das Wandergewerbe unterstellt werden sollen, würden in ihren„Leistungen" und„Selbstverwaltung" noch weit hinter der heutigen allseitig verurteilten Genieindekrankenversicherung zurück- stehen. Er empfahl folgende Resolution zur Annahme: „Der Entwurf zur Reichsversicherungsordnung steht für die Krankenversicherung ganz tvenige und geringfügige Verbesserungen der Leistungen an die Versicherten vor, deren Kosten lediglich durch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gedeckt werden sollen, während alle anderen Wege hierfür, zum Beispiel Zentrali- sation, Beseitigung der Lasten der Unfall- Versicherung, Erhöh ting des der Bersicherungs- Pflicht unterliegenden Einkommens usw. u n- berücksichtigt bleiben. � Die Wünsche für eine ausreichende und zweckentsprechende Versicherung deS Gesindes, der Land- und Forst- arbeiter, der unständig Beschäftigten, des Wandergewerbes wie der Hausgewerbetreibenden fanden so wenig Erfüllung, wie der größte Teil der dring- lichen und berechtigten Forderungen, welche die Krankenkassen Deutschlands seit Jahren gestellt haben und welche auch bei den im ReichSamte des Innern im Herbste 1903 tagenden Konfererrzen Unterstützung fanden. Den geringen Vcbesscrungen steht eine so wesentliche Beschränkung und Einschränkung der Selb st- Verwaltung gegenüber, daß die am 29. April d. I. tagende ordentliche Generalversammlung der Ortskrankenkasse für den Ge- Werbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker die Reichs- versicherungsordnung in der gegenwärtig vorlegten Fassung als unannehmbar erklärt." In der Diskussion bedauerte Herr Bloch, daß man die viel- leicht vor 25 Jahren angemessene Höchstgrenze der Bersicherungs- Pflicht der Handlungsgehilfen auf 2000 M. Jahreseinkommen belasse. Diese könne heute bei den ungeheuren Steigerungen der Lebens- miltelpreise, der Wohnungsmieten und anderer Bedürfnisse des täg- lichen Lebens nicht mehr als zeitgemäß bettachtet werden. Man müsse verlangen, die Höchstgrenze auf 4000 M. hinauszusetzen. Der Vorsitzende der Kasse Nürnberg wies auf die im Oktober v. I. stattgehabte Konferenz im Reichsamt des Innern hin. Zu dieser hatte man 60 Kassenvertreter aus allen Teilen Deutfch- lands geladen. Bei deren Eröffnung wies der Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg auf Artikel in der Presse hin, welche die Konferenz als eine Komödie darstellten. Er verwahrte sich ?anz entschieden gegen diese Ansicht und beteuerte, daß noch nichts ertig fei, man wolle erst die Meinung der Beteiligten hören. Heute, nachdem die Gesetzesvorlage erschienen, sei bewiesen, daß man im Oktober vorigen Jahres Komödie mit den Kassen- Vertretern gespielt habe. Nicht einer der dort geäußerten Wünsche in bezug auf Zentralisation, Erhaltung der Selbstverwaltung in bisheriger Form, Beibehaltung der BeitragSdrittelung sei berück- sichtigt worden; dagegen sei den Wünschen der Scharf- macher o. lu. Gitgenheimcr, Menk usw. in Iveitestem Maße entgegen- gekommen. Das Vorstandsmitglied.KommerzienratSimon, der gleichsfalls an der Konferenz im Reichsamt des Innern teilgenommen hatte, erklärte sich in allen Punkten mit den Ausführungen Nürnbergs einverstanden und ist empört, daß man eine derartige Gesetzesänderung als im Interesse der Versicherten wie Arbeitgeber liegend und den Wünschen der Arbeitgeber entsprechend bezeichnet. Wir hätten gar keine Ursache, von dem bisherigen Selbstverwaltungs- recht das geringste uns nehmen zu lassen, sollten vielmehr alleS daran setzen, um im Sinne der Ausführungen des Referenten Albert Kohn in jeder Weise für die Versicherten zu wirken. Nach einem Schlußwort des Referenten, in welchem er jedem Anwesenden ans Herz legte, jeder möge in seinem Kreise ein Agitator sein für die heilig st e» Rechte der versicherten Arbeiter und für eine weitere Aus- gestaltung der Selb st Verwaltung und Leistungen der Krankenkassen, wurde die vorgelegte Resolution er n- stimmig angenommen._ Bom Kontraktbruch. Die Inhaberin einer Arbeits st übe für Damen- konfektion, Frau Watrin, klagte am Montag vor dem Gewerbegericht gegen die Näherin Kühncl auf Zahlung von 30 M. für den Schaden, der aus angeblichem Konttaktbruch der Beklagten erwachsen sei. Die Beklagte erklärte, am 31. März der Arbeit fern- geblieben zu sein, weil sie ihren Lohn erst am 30. anstatt am 27. März erhalten hat. Einen Grund habe sie nicht angegeben. Da sie aber durch die Klägerin schon am 31. März iowie durch deren Tochter, die im Betriebe die Aufsicht zu führen hat, einige Tage später und zwar in ihrer Abwesenheit gröblich beleidigt worden ist, sei der Klageanspruch unberechtigt. Denn es könne ihr nicht zugemutet werden, nach der erfolgten Beleidigung das Arbeitsverhältnis wieder fortzusetzen. Zeugen bestätigten, daß die Beklagte von der Klägerin und deren Tochter in grober Weise beleidigt worden ist. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsassessors Dr. Maguhn wies die Klägerin mit ihrem Anspruch a b. Es trat der Ausführung der Beklagten bei, daß nach der Beleidigung ihr nicht zugemutet werden konnte,' das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Da die Beklagte zur Fertigstellung der fraglichen beiden Kleider, durch deren Liegenbleiben der Schaden entstanden ist, etwa 14 Tage benötigt hätte, so hat sich die Klägerm den erwachsenen Schaden selbst zugefügt._ Der Deutsche Verein für Schulgesundheitspflege hält feine diesjährige zehnte Versammlung in D e s s a u am 1. und 2. Juni ab, zu der jedermann Zutritt hat. Nach dem soeben ver- öffentlichtcn Programm wird sich die Versammlung mit dem Thema Schutz der Augen in Schule und HauS beschäftigen. Referenten sind: Professor Dr. Beft-DreSden als medizinischer, Volks- schullchrer Graupner-Dresden als pädagogischer und Haupt- mann a. D. v. Ziegler-RuimnelSburg als militärischer Referent. Den zweiten Punkt der Tggesordnung bildet das Thema Prophylaxe und Bekämpfung der Lehrerkrank- heilen mit besonderer Berücksichtigung der Volksschule. Sanitätsrat Dr. Thicrsch-Leipzig wird diese Frage vom medizinischen Standpunkt behandeln; pädagogische Referenten sind: Rektor Endriö-Rüdesheim und Lehrerin Fräulein A. DörneS« Hannover. Mit der Jahresversammlung ist die Tagung der Vereinigung der Schulärzte Derrtschlands ver- bunden. Hierfür sind Vorträge über die einheitliche Orga- nisation des schulärztlichen Dien st es von Santiaisrat Dr. Cuntz-Wiesbaden und Stadtarzt Dr. Oebbecke-Breslau vor- gesehen. Die Teilnehmer an der Jahresversammlung sind auch zuni Besuch dieser Vorträge berechtigt. Zur inneren Kolonisation und Scßhaftmachung von Landarbeitern. Um die Ansiedelung von Landarbeitern zu fördern und in ein- heitliche Bahnen zu leiten, sind, wie die amtliche konservative Presse mitteilt, zunächst von den zuständigen Ministern für Ostpreußen geltende Grundsätze aufgestellt worden. Es heißt da im Punkt 1: „Der anzusiedelnde Landarbeiter darf nicht in ein derartiges Abhängigkeitsverhältnis zu einzelnen Arbeitgebern gebracht werden. daß er sich persönlich oder wirtschaftlich unfrei fühlt, vielmehr darf die freie Verwertung der Arbeitskraft des Ansiedlers auf dem Ar- beitsmarkte nicht beschränkt werden." Das klingt sehr sozial und loyal. Wie aber diese persönliche und wirtschaftliche Freiheit der an Zwerg-Rentengüter gclöderten Landarbeiter gedacht ist. lehrt deutlich Punkt 7 der aufgestellten Grundsätze. Es heißt da: „Zur Sicherung nationalpolitischer Interessen und zur Erhaltung der Landarbeiterstelle als solcher sind Sicherungs- maßregeln durch Eintragung des dringlichen Wiederkaufsrechts vor- zusehen." Mit einem in diesem Sinne abgefaßten Paragraphen im An- siedelungSvertrage können zweifellos Ansiedler, die den Junker» politisch unbequem werden oder den konservativen Stimmzettel nicht genügend respektieren, von Haus und Hof gejagt und um die Früchte jahrelanger Arbeit betrogen werden, welches Schicksal jetzt schon zahlreiche Zeitpächter in den fiskalischen Moosbrüchen und Waldarbeiterkolonien Ostpreußens erdulden mußten. Hua Induftrlc und Fjandd. Massengütcrvahnen. Wir leben in der Zeit der multiplizierten Größen. Die Grenzen von Zeit und Raum sind auf ein Minimum beschränkt. Dampfkraft und elektrische Energie ersetzen, ins Vielfache über- tragen, die menschliche Arbeitsleistung. Die modernen Compound- lolomotiven sind Riesen mechanischer Lastenbewegung, und die neuesten Schiffskolosse lassen jene als Zwerge der Kraftentwickelung erscheinen. Im Wirtschaftsleben sinkt das Jndivibuum zu einer Rull herab; es ist nur noch ein Objekt der Kräftekonzentratlon, wlrd zur Dienerin der Maschinen. Und nach immer noch mehr ge- steigerten Leistungen ist des sinnenden Menschengeistes Ziel ge- richtet. Steigerung der Massenerzeugung und des Massentrans- Portes, in Riesenbetrieben und Giganten der Bewegungsmittel, ist spekulativer Köpfe rastlose Arbeit. Der letzteren Aufgabe dienen soll eine Industriebahn, die das Ruhrbecken mit der Reichshaupt- stadt verbindet. Geheimrat Rathenau, der Generaldirektor der ,A. E. G.", und Professor Wilh. Cauer sind die Väter des Pro- jcktes. Nicht nur der Idee, sondern auch des ausgcdachten, bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Planes. Diesen unterbreiten sie der öffentlichen Begutachtung und Kritik in einer stattlichen Broschüre. Man weiß, eS sprechen da Interessenten zu uns. Rathenau ist des schöpferischen Gedankens Vater. Professor Cauer gab das liierarische Gewand. Selbstverständlich verfolgt der General- dlrektor der„A. E. G." mit der Propagierung seiner Idee indu- siriclle, wenn nicht gar nur direkte Interessen seiner Gesellschaft Ein berechtigtes Unterfangen. Aber die Tatsache berechtigt dazu, mit einem gewissen Mißtrauen an die Lektüre des Buches heran« zugehen. Man mag es tun und wird doch zugeben müssen: Die Darlegungen, Argumente, Tatsachenmaterialien, Berechnungen usw. haben etwas Bestechendes, Skeptizismus UebcrwindendcS an sich! Man fühlt: Ucberzeugte und im Prinzip Ueberzeugende sprechen zu uns! Der Rhein-Hannover-Kanal soll gctvaltige Güter- bcwegungcn bewältigen. Noch ist die Inbetriebsetzung des Kanals in ziemlich weite Ferne gerückt, da wird uns in nüchternen Be- rechnungen gezeigt, daß für die Ansprüche der Zukunft des Kanals Leistungsfähigkeit nicht genüge. Und kühn gegen bisherige An- sihauungen anstürmend, berechnen die Verfasser, daß eine Bahn nach ihrem Plan billiger arbeite als der Kanalbetrieb. Sie kämpfen gegen„Isisser faire, laisser aller" auf diesem Gebiet. Man soll nicht, gettieben von des Tages Muß, daS Notwendige für heute schaffen, sondern planmäßig zur Tat werden lassen, was von Realitäten getragene Berechnungen und Kalkulationen als der Zukunft Erfordernis erkennen lassen. Rathenau schreibt: „Setzt man den Fall, daß Deutschland trotz schlechter Lage und mittelmäßigen Materialreichtums ein Produktionsgebict ersten Ranges, in ost-westlicher oder nord-südlicher Richtung Plötz- lich in praktischem Sinne frachtfrei gemacht werden könnte, so wäre die wirtschaftliche Wirkung dieses Ereignisses nicht abzu- sehen. Nicht allein, daß alle bestehenden Industrien sofort unter weit verbesserten Bedingungen arbeiteten und ihren Absatz auf ein Vielfaches des gegenwärtigen Areals im In- und Auslande ausgebreitet sähen, daß somit auch ihre Konkurrenzfähigkeit dem - Weltmarkt gegenüber sich gewaltig, und auf den Produkt ions- umfang rückwirkend steigerte: es wären vielinchr auch die Exiftenzmöglichkeiten für zahlreiche neue Industrien gegeben, die jetzt aus geographischen Gründen versagen; und gleichzeitig wäre die Industrialisierung derjenigen gut bevölkerten Landes- teile wie etwa des preußischen Ostens gewonnen, die gegenwärtig aus Kargheit der Rohmaterialien und des Konsums unterbleibt. ES scheint phantastisch und ist dennoch nicht überttieben, wenn erste Industrielle die Produktionsfähigkeit in einem praktisch frachtfreien Lande auf ein Vielfaches der gcgeirtvärtigen veran- schlagen.. �«Die Tarife lassen sich unter nüchternen Voraussetzungen auf die Hälfte bis ein Viertel der billigsten besichcndcn Sätze reduzieren, und zwar durch den Bau besonderer Güterbahnen, die billiger, leistungsfähiger und rentabler sind als Kanäle." Gegen iünstliche Wasserstraßen führt Professor Cauer ins Feld die Kostspieligkeit der Anlage und starke Abhängigkeit der Betriebe von den Witterungsvcrhältnissen. Er schreibt: „In dem Kampf um die Bewilligung von Mitteln zum Aus- bau der preußischen Wasserstraßen ist behauptet worden, man müsse die überlasteten Eisenbahnen durch den Bau von Kanälen entlasten und hierdurch eine leistungsfähigere und billigere Be- förderungsgelegenheit bieten. Die vorstehenden Untersuchungen lyaben gezeigt, fraß ein Kanal in der Anlage erheblich teuerer ist als eine Güterbahn und dabei nur einen kleinen Bruchteil dessen leisten kann, was eine Güterbahn zu leisten imstande ist. Eisen- bahnen durch Kanäle entlasten zu wollen, ist daher ein verkehrtes Unterfangen. In der Billigkeit der Transportkosten aber haben die Kanäle, wenn man wirtschaftlich richtig rechnet, schon vor den Eisenbahnen gewöhnlicher Art nicht viel voraus; dagegen werden sie von besonderen Masscngüterbahncn in den Tarifen oini ein Bedeutendes unterboten." Die Kosten der befürworteten Anlage, die nur für den Güter- transport bestimmt ist, werden auf 200 bis 300 Millionen Mar! veranschlagt. Die zweigleisig ausgebaute Bahn soll, bei elek- irischem Antriebe und 30 Kilometer Zuggeschwindigkeit, mit Trans» pcrtge säßen StBeifeft, tic die Nalltnsassung der heutigen Normal- Magen um das Vierfache übersteigen. Ein Normalzug von Wagen würde zirka 2000 Tonnen Nutzlast bewegen. Die Züge können, je nach Bedürfnis, in ganz kurzen Abständen abgelassen werden. Die vorläufige Leistung soll nach fünfjährigem Betrieb 10 Millionen Tonnen betragen, die Höchstleistung 100 bis 120 Millionen Tonnen. Die Bewegungskosten berechnet Professor Cauer wie folgt: Transport einschließlich Abfertigung pro Tonnenkilo- meier bei 170 Kilometer Entfernung 1,15 Pf. und bei 500 Kilometer nur noch 0,75 Pf. Nach den jetzigen Gütertarifen sind die Trans- portkosten um das Zwei- bis Vierfache höher. Erweisen sich die Berechnungen als nicht zu sehr von Phan- tasten beeinflußt, dann wird die Regierung dem Plane wohl näher- treten müssen, schon aus dem Grunde, weil die Elektrifizierung des Eisenbahnwesens doch nur eine Frage der Zeit ist und bei I'mwandlung der Betriebe darauf Rücksicht genommen werden muß. ob eine Trennung des Güterverkehrs vom Personenverkehr s ch durchführen läßt. Für die Betriebssicherheit und Erzielung größerer Fahrgeschwindigkeiten wäre eine Separierung jeden Ver- kehrS sicherlich von Vorteil. W. Märkisches Elektrizitätswerk Akt.-Ges. In Gemeinschaft mit der Bank für elektrische Unternehmungen hat die A. E. G. eine Aktien- gesellschaft mit einem Aktienkapital von 2 000000 M. errichtet zu dem Zwecke, eine Ueberlandzentrale für die Kreise Oberbarniin, Niederbarnim, Templin, Angermünde und angrenzende Gebiete zu errichten._ GewerhrebaftUebeg. Mai- Aussperrungen. Der Maifeier folgen Aussperrungen. Das ist eine alte Erfahrung. Anfangs glaubten die Unternehmer, durch der- artige Maßregeln der Maifeier den Garaus machen zu können. Nachdem sie im Laufe der Jahre gesehen haben, daß dies ein vergebliches Bemühen ist, gingen die Aussperrungen an Zahl und Umfang mehr zurück. Zwar haben die verschiedenen Untcrnebmerorganisationen auch in diesem Jahre Beschlüsse gefaßt, wonach jeder Arbeiter, der am 1. Mai feiert, auf mehrere Tage ausgesperrt werden soll. Besonders waren es die Scharfmacher im Baugewerbe, welche durch Aussperrungs- beschlüsse die Arbeiter einzuschüchtern suchten, doch mit der Ausführung dieser Beschlüsse ist es nichts geworden. Die Zahl der Aussperrungen im Baugewerbe ist im Verhältnis zu den stark besuchten Vormittagsversammlungen am 1. Mai nur sehr gering. An der Spitze der aussperrungswütigen Unternehmer marschieren die Berliner Tischlermeister und Holzindustriellen. Sie allein können den„Ruhm" für sich in Anspruch nehmen, die zahlreichsten Aussperrungen, meist auf drei Tage, vor- genommen zu haben.— Nach den Feststellungen, welche die Gewerkschaftsleitungen bis Montagabend gemacht hatten, zeigt die Aussperrung in Berlin folgendes Bild: Holzarbeiter: In Berlin sind in 233 Betrieben mit 5147 Beschäftigten 3729 Arbeiter ausgesperrt. In Weißen- see haben 5 Betriebe 82, in Rirdorf 19 Betriebe 125, in Schöneberg 14 Betriebe 68, in Charlottenburg 1 Betrieb 24 Arbeiter ausgesperrt. In Luckenwalde feierten zirka 490 Holzarbeiter, davon wurden 249 ausgesperrt. � Die Metallarbeiter zählen 364 Ausgesperrte. Im Baugewerbe in Groß-Berlin sind ausgesperrt: Maurer 149, Zementierer 59, Putzer 23, Bauhilfsarbeiter 69, Zimmerer 150. In anderen Berufen sind die Ziffern der Ausgesperrten noch geringfügiger. Einige Tausend Holzarbeiter sind auch in Nürnberg ausgesperrt. 172 Mann in 43 Werkstätten, die gefeiert hatten, konnten am Montag die Arbeit wieder beginnen. Da die Holzarbeiter sich zurzeit in einer Lohnbewegung befinden, fand am Sonntag eine Versammlung statt, um den Bericht über den Stand der Bewegung entgegenzunehmen. In der Tis- kussion wurde auch die Aussperrungsfrage wiederholt berührt. Die Unternehmer haben die Verhandlungen hingezogen, um erst die Maifeier vorübergehen zu lassen, weil sie anscheinend glauben, daß die Aussperrung dämpfend wirken werde. Das Gegenteil davon ist aber eingetreten. Die Versammlung er- klärte, an den Forderungen— Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde, Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 53 Stunden wöchentlich und Freigabe des 1. Mai— festzuhalten. Die Aussperrungsziffern beweisen deutlich, daß nament- lich die Unternehmer im Baugewerbe den Kampf gegen die Maifeier aufgegeben haben und daß der Kampf auch im Holz- gewerbe nicht mit der von den Scharfmachern gewünschten Energie geführt wird. Wenn auch die Holzindustrie stärker als andere Berufe ausgesperrt hat, so sind die Zahlen der Ausgesperrten im Verhältnis zur Zahl der an der Maifeier beteiligt gewesenen Arbeiter keineswegs sehr groß. Berlin und Umgegend. Brauereiarveiter. Unter Hinweis auf die Notiz im„Vor- wärts" vom 20. April, die Prozentsatzeinstellung in der Brauerei Gregory betreffend, teilen wir mit, daß diese Angelegenheit mit der Direktion der genannten Brauerei befriedigend erledigt ist. Da der Direktor Schiller, auf dessen Konto die Streitigkeiten zwischen der Direktion der Brauerei Gregory und dem Brauerei- arbeiterverband einzig und allein zu setzen sind, am 1. Mai die Stätte seines Wirkens verlassen hat, und nachdem der Brau- meister Knappe die schriftliche Erklärung abgegeben hat, für die Folgezeit das ArbeitSnachweiSstatut im Sinne der Einigungs- amtsbeschlüffe zu handhaben, steht zu erwarten, daß die organi- sierten Brauereiarbeiter in der Brauerei Gregory eine gerechtere Behandlung erfahren, als dies bisher der Fall war. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Achtung! Steindrucker, Lithographen, Hilfsarbeiter«nd-Arbeiterinnen! Die Firma Hugo S e n s ch hat das Personal der Stein- druckerei wegen der Maifeier ausgesperrt. Arbeitsangebote dieser Firma sind zurückzuweisen. Alle Kollegen in Lohndruckereien werden angewiesen, streng darauf zu achten, daß keine Arbeiten für diese Firma angefertigt werden. Die Vorstände der Organisationen. Musikschallplattenpresser» Achtung! Im Beka Rekord, Heidelbergerstraße, sind die Presser wegen Maifeier ausgesperrt. Die Organisationsvertreter versuchten zu verhandeln. Der Direktor erklärte aber rund heraus, daß er keinen der Maifeiernden wieder einstellt. Der Betrieb ist somit gesperrt. Deutscher Retallarbeiterverband. Fabrikarbeiterverbgnv. Deutfebea Reich. Der Kampf in Helmstedk. S Gendarmen, 5 Polizisten und 1 Wacht m ei st er Haren behördlicherseits aufgeboten, um in Helmstedt 8 Streikbrecher ' verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnjeratenteil verantw, auf dem Bahnhof zu empfangen und zli„schützen", um diese nutz- lichen Elemente, die wieder von dem bekannten Oesterreich, Borhagen- Rummelsburg, dirigiert wurden, sicher ihrer„ehrenvollen" Tätigkeit in der Saalfeldschen Möbelfabrik zuzuführen. Darüber wird aus Helmstedt folgendes berichtet: Dieser Transport Streikbrecher war schon 5.50 Uhr früh in Berlin auf der Bahn verpackt worden und traf 10.41 Uhr vormittags hier ein. Hier waren zu ihrem besonders erhebenden Empfange 8 Gendarmen unter Führung des Wachtmeisters Oppermann und außerdem noch 5Poli- zistcn kommandiert. Oppermann ordnete den Zug und kommandierte den Streikbrechern, weder auszuweichen, noch nach der Seite zu blicken. Der zivile Kommandant der Streikbrechergarde, Oester- reich, reiste nachmittags wieder nach Berlin zurück, wahrscheinlich, um zu neuen Taten zu rüsten.— Von anderer Seite wird dazu noch berichtet:„Ein Streikposten sowie eine an dem Streik völlig unbeteiligte Person traten in Arbeiterkleidung in den Wartesaal des Bahnhofs und verlangten ein Glas Bier, was ihnen auch anstandslos verabreicht wurde. Da trat„Kraft seines Amtes der Wachtmeister hervor und befahl, daß der Kollege austrinken und sofort das Bahnhofsgebäude ver- lassen sollte!„Der Kollege tat das, um Weiterungen zu vermeiden. Aber damit nicht genug, der Unbeteiligte gab auf die Frage des Beamten die Aufklärung, daß er Schmied sei und ihn die Sache in keiner Weise berühre. Darauf die Antwort:„Die Sache kenne ich, Sie stecken auch mit unter der Decke, sofort verlassen SiedasBahnhofsgebäud e!" Diese Handlungsweise hatte auch den Bahnhofswirt empört, der sich darüber beim Ober- Wachtmeister beschwerte. So werden die von der Allgemeinheit bezahlten SicherheitS- organe in den Dienst des Kapitals gestellt. Die Arbeiter und Steuerzahler dürfen sich in der eigenen Heimat nicht einmal mehr frei bewegen, sie müssen die Uebergriffe der Beamten ruhig ein- stecken, wenn sie nicht schwere Strafen riskieren wollen. Eine bessere Lektion über das Thema Kapitalherrschaft und Klassen- staat konnte dem bisher unaufgeklärten Teile der Arbeiterschaft gar nicht gegeben werden._ Holzarbciterbewegung in Nürnberg. Ein allgemeiner Streik der in der Holzverarbeitung beschäf- tigten Arbeiter steht in Nürnberg dicht vor der Türe. Schon vor einiger Zeit wurden den Unternehmern Forderungen unterbreitet auf Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde, Verkürzung der Arbeits- zeit von 54 auf 53 Stunden wöchentlich und Freigabe des 1. Mai. Es fanden schon zweimal Unterhandlungen statt, in denen die Unter- nehmer die Taktik der Verschleppung beobachteten. Sie wollten einen Tarifentwurf ausarbeiten und vorlegen, aber bei den Holz- arbeitern Nürnbergs besteht keine Neigung zu einem Tarif- abschlusse; dann boten sie lediglich eine Lohnerhöhung von 2 Pf., das Gebot wurde aber in der zweiten Verhandlung zurück- genommen, so daß die Sache wieder auf dem toten Punkt an- gelangt ist. Aus den Verhandlungen gewann man den Eindruck, daß die Großindustriellen gerne nachgeben würden, daß sie aber von der Masse der kleinen Meister, die gar keine oder nur wenige Arbeiter beschäftigen, majorisiert werden. Der Widerstand gegen jedes Zugeständnis wird von der Rahardschen Scharfmacherklique in Berlin geschürt. Inzwischen ist die Mehrzahl der Holzarbeiter tvcgen der Maifeier bis 0. Mai ausgesperrt worden, wodurch sich die Lage verschärft hat. In einer von 2000 Mann besuchten Ver- sommlung am Sonntag wurde das Festhalten an den Forderungen erklärt. Ein großer Teil der Arbeiter verlangte den sofortigen Eintritt in den Streik, doch kam es noch zu keinem Beschluß; die Entscheidung wird in den nächsten Tagen noch vor Ablauf der Aussperrung fallen, wenn die Zentralvorstände der Arbeiter und Unternehmer unterhandelt haben. Ein Brauerstreik ist in Schwabach bei Nürnberg ausgebrochen. Die Unternehmer wollten den Tarifablauf am 1. Mai dazu be- nützen, den Arbeitern unannehmbare Bedingungen zu diktieren. Sämtliche Brauer und Maschinisten haben die Arbeit niedergelegt. Ein Kongreß der polnischen Gewerkschaften. Am Sonntag begann in Bochum die Generalversammlung der mit der„Polnischen Berufsvereinigung" verschmolzenen 3 polnischen Gewerkschaften: Polnische Berufsvereinigung(Sitz Bochums, Ver- band zur gegenseitigen Hilfe(Sitz Beuthen O.-S.) und Posener Berufsverband(Sitz Posen). Es sind 124 Delegierte, unter ihnen zirka 15 mandatlose Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder er- schienen, und zwar 85 aus dem Rheinland und Westfalen, 4 aus der Nicdertausitz, 4 aus Norddeutschland, 4 aus Westpreußen von der Polnischen Berufsvereinigung, 11 vom Posener Verbände aus der Provinz Posen und 15 aus Oberschlesien von der„Gegenseitigen Hilfe". Letzteres ist ganz besonders auffällig, da das Vcrbändchen nur 2000 vollzahlende Mitglieder(a 30 u. 40 Pf. pro Woche) und zirka 3000 Invaliden(a 10 Pf. pro Woche) im ganzen hat, wobei 0 Beamte angestellt sind, die die Rückwärtsentwickelung des Ver- bandes leiten, der 1300 noch 15 000 Mitglieder hatte. In den letzten beiden Jahren hat die Organisation mehr ausgegeben als eingenommen. Erwähnenswert waren die Ausführungen des Vorsitzenden Wieczorek, Königshütte O.-S., welcher schon in der Geschäftsordnungsdebatte hervorhob,„daß einzelne"(An- gestellte) bei der Verschmelzung um ihre Existenz mit Recht be- sorgt sind, da man sie doch jetzt nicht brotlos auf das Pflaster wrefen darf, wie das die Kapitalisten tun". Die Tagesordnung, welche 11 Punkte umfaßt, enthält als wichtigsten Punkt die Bildung von Fachabteilungen für die einzelnen Berufe. Ueber den Vorständen der einzelnen Berufe soll als führende Instanz der ganzen polnischen Gewerkschaftsbewegung ein Zentralvorstand gebildet werden, ungefähr nach Art der Generalkommission der freien Gewerkschaften. Die polnische Presse ist ziemlich stark vertreten. Unter anderem der„Postemp" und„Goniec Wielkopolski" aus Posen, der Berliner „Dziennik Berlinski", der„Wiarus Polski" aus Bochum, die „Zgoda" aus Wanne i. Westfalen und als Vertreter der Berg- arbeiterzeitung der Genosse Adamek. Von den geladenen Reichs- tagsabgeordneten war am ersten Tage niemand erschienen; Johann B r e j s k i und K u l e r s k i haben sich mit Krankheit bezw. anderen wichtigen Geschäften entschuldigt. Die Stellung des Vorstandes ganz besonders aber des Vorsitzenden S o s i n s k i, ist eine äußerst kritische, da sich der„geistige Vater" der„Poln. Berufs-Verein." in der letzten Zeit sehr große Mühe gegeben hat, das Vertrauen der Mitglieder zum Vorstand mit allen Mitteln zu untergraben, um seinen schwindenden Einfluß auf den Verband durch einen ihm sympathischen Vorstand wiederzugewinnen. Es handelt sich um den Reichstagsabgeordneten Johann BrejSki, der durch seine Zeitung„Wiarus Polski" einen ziemlich großen Einfluß unter den im Rheinland-Westfalen wohnenden Polen besitzt. Dadurch sind auch in der Poln. B. V. zwei Richtungen entstanden, die scharf aufeinander geraten dürften. Ein Scharfmacherbund der Handelsherren soll für Bayern ge- gründet werden, nachdem die organisierten Handlungsgehilfen immer frecher nach Sonntagsruhe und anderem Luxus schreien. Der gehetzte Oberhirsch. Sieben Kläger hatten am Mittwoch den Sekretär Meuthen von den H.-D. Gewerkvereinen in Nürnberg vor das dortige Schöffengericht zitiert: Vier Vorstandsmitglieder vom Deutschen Metallarbeiterverband, S ch e r m von der„Metall- arbeiter-Zeitung" und die Verbandsbeamten Sendler- Solingen und B e h r e nd- Berlin. Der Grund: Meuthen hat in den Fa- briken Nürnbergs zwei Flugblätter verbreiten lassen: Tretet ein in den Gewerkverein der Maschinenbauer und tretet aus aus dem Deutschen Metallarbeiterverkand, denn die Schlicke, Scher m, Sendler, Behrend usw. sind Dummköpfe, Krea- turen, Lügner, Betrüger, Lumpen, die das Geld der Arbeiter ver» pulvern, absichtlich Streikbrecher liefern, von den Unternehmern � IH.Glvcke, Berlin, Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstgll Provisionen verlangen und die Arbeiter gegen Geld an die Unlct* nehmcr verraten usw. Der Beleidigungsprozcß bedurfte einer langwierigen und kost« spicligen Vorbereitung. Denn Meuthen wollte alles beweisen. Auf seinen Antrag mußten deshalb in den verschiedensten Städten Deutschlands Zeugen kommissarisch vernommen und 6 bis 8 aus- wärtige Anwälte hinzugezogen werden. Die Zeugenvernehmung fiel aber für den Meuthen sehr ungünstig aus. Meuthen hatte deshalb eine nicht geringe Strafe zu erwarten, um so mehr, als er das zweite Flugblatt verbreiten ließ, nachdem schon wegen des ersten Klage erhoben war. Er ging deshalb auf den Rat des Richters auf folgenden Vergleich ein: Meuthen erNärt, daß er auf Grund der Beweiserhebung die Ucberzeugung gewonnen hat, daß die in den beiden Flugblättern gegen die sieben Kläger erhobenen Vorwürfe unbegründet sind und vdn ihm nicht mehr aufrecht erhalten tverdcn können. Er nimmt deshalb die Vorwürfe und Beleidigungen als unbegründet mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Er trägt die Kosten für die Publikation des Vergleichs in der„Fränkischen Tagespost" und in der„Metallarbeiterzeitung" und übernimmt sämtliche Prozeßkosten, auch die Kosten für die im Vorverfahren tätig gewesenen auswärtigen Rechts- anwälte(zusammen 500—600 M.). Nackdem Meuthen während seiner segcnsreick'en Tätigkeit in Nürnberg durch zahlreiche Bcleidigungsprozesse mehr Geld ver- pulvert hat als Mitgliederbeiträge eingingen, versetzt ihn der „Gcneralrat" nun nach Hamburg. Bustand. Allgemeine Aussperrung im Baugewerbe Schwedens. Zwischen den Arbeiter- und Arbeitgeberorganisationen im Baugewerbe Schwedens sind unter Mitwirkung des Landes- sekretariats der Gewerkschaften und des Zentral-Arbeitgeber- Verbandes langwierige Verhandlungen über den Abschluß einer Reichstarifgemeinschaft für die Bauindustrie Schwedens geführt worden. Obwohl es sich hierbei nur um allgemeine Bestimmungen zur Regelung der Arbeitsverhältnisse und nicht um die Festsetzung der Löhne handelt, suchen die Arbeitgeber eine Bestimmung hinein- zubringen, die irgend welchen Lohnerhöhungen an den verschiedenen Orten vorbeugen soll. Außerdem suchen sie die 57stündige Normal- arbeitswoche selbst dort einzuführen, wo vertraglich bereits eine kürzere Arbeitszeit besteht. Die Verhandlungen sind gescheitert, und der Nrbeitgeberverband hat nun eine allgemeine Aussperrung der bauindustriellen Arbeiter beschlossen, die am 22. Mai in den westlichen und südlichen Distrikte beginnen und am 23. Juni über das ganze Land ausgedehnt werden soll. Klassenjustiz in Frankreich. Drakonische Urteile gegen die streikenden Knopfmacher und Knopfmacherinnen von Meru bat das Gericht von B e a u v a i s gefällt. Die Streikenden sollen Ausschreitungen begangen haben, die, wenn sie wirklich vorgefallen, durch geradezu brutale Provokationen seitens der Unternehmer, wenn nicht gerechtfertigt, so doch entschuldigt werden. Als Zeugen traten fast ausschließlich Gendarmen auf. denen das Gericht natürlich ohne weiteres glaubte. Der Staatsanivalt, wenn er auch Verurteilung beantragte, stimmte seine Rede auf einen ziemlich gemäßigten Ton. Die Verteidiger beschworen das Gericht, durch einen milden Urteilsspruch Ruhe in die erregte Bevölkerung zu schaffen. Es war vergebens, die Stimme des KlassenhasseS über- tönte die der Gerechtigkeit. Von 28 Angeklagten wurden nur zwei freigesprochen; 2 Jugendliche und 4 Frauen wurden zu je 15 Tagen Gefängnis, die übrigen Angeklagten zu je 2—8 Monat Ge. fängnis verurteilt..Ein verabscheuungswürdiges Urteil I" ruft die „Humanitö" auS I_ Letzte I�acbricbten und Depefeben. Mai-Aussperrung. München, 3. Mai.(B. H.) Die Arbeitgeber des Holz- Verbandes haben auf die Maifeier mit einer Aussperrung geant- wortet, welche sich auf 5V Werkstätten mit rund 800 Arbeitern er- streckt. Unter den aussperrenden Firmen sind alle größeren Geschäfte der Holzbearbeitungsbranche vertreten. Von Seiten des Holzarbeiterverbandes ist das Einigungsamt angerufen worden. Die Aussperrung soll bis Donnerstag währen. Die revidierte Verfassung. Konstantinopel, 3. Mai.(W. T. B.) Die heute in der Kammer zur Beratung gelangte Vcrfassungsrevision umfaßte in ihren Hauptpunkten folgende Bestimmungen: Dtr Sultan leistet un, mittelbar nach der Thronbesteigung vor dem Parlament den Eid auf die Verfassung und das Scheria. Er ernennt nur den Groß- wesir und den Scheik ul Islam. Der Großwesir bildet das Kabinett, das zurücktreten muß, wenn die Kammer ihm ihr Mißtrauen auS- spricht. Wird die Kammer aufgelöst, so haben innerhalb dreier Monate Neuwahlen stattzufinden. Die Präventivzensur wird auf- gehoben, gegen die Verfassung oder die Einheit des Staates ge- richtete Vereinigungen sind untersagt. Wenn die Kammer eine Regierungsvorlage zweimal ablehnt, wird sie aufgelöst, wenn jedoch die neue Kammer die Regierungsvorlage abermals ablehnt, so ist deren Entscheidung bindend. Die Session dauert sechs Monate. Der Senat besteht aus 45 Mitgliedern, von denen ein Drittel vom Sultan ernannt, die übrigen von der Kammer gewählt werden, und zwar sämtlich für neun Jahre. Die Senatssitzungen sind öffentlich. Das Recht des Sultans, staatSgefährliche Personen in die Verbannung zu schicken, wird aufgehoben. Zwei Menschen verbrannt. Leipzig, 3. Mai.(W. T. B.) Eine schwere Explosion ereignete sich heute abend 7 Uhr in dem Atelier der Malermeister Brückner und Schoenitz zu Leipzig-Lindenau. Die beiden Inhaber der Firma wurden von der Feuerwehr mit schweren Brandwunden be- deckt tot aufgefunden. Der Lustomnlbns. Stuttgart, 3. Mai. Im erweiterten Ausschuß des Württem« bergischen Luftflottenvercins wurde heute von dem Vertreter des Grafen Zeppelin mitgeteilt, daß die Betriebsgesellschaft, der auch die Gesellschaft„Luftschiffbau Zeppelin" nahesteht, die Ein. richtung eineS fahrplanmäßigen Luftschiffverkehrs von Luzern oder Friedrichshafen über Frankfurt a. M. nach Norden in die Hand genommen hat. Es werde von den Bewerbungen der Städte, ihren Angeboten von Landungsplätzen abhängen, welche Linie im ein- zelnen gewählt werden wird. Die Luftschifflinien sollen bereits im nächsten Jahre in Betrieb genommen werden. Schreckenstat eines Wahnsinnigen. Innsbruck, 3. Mai.(B. H.) In Fügen im Zillertal ist gestern der Klempnermeister Opbacher, Vater von sechs Kindern, gestorben. Sein Bruder, der bekannte Nationalsänger gleichen Namens, erregte sich darüber derart, daß er die Frau des Ver- storbenen durch Messerstiche tötete und dann sich selbst erschoß. Im sonnigen Süden. Venedig, 3. Mai.(B. H.) Hier ist seit gestern Wettersturz eingetreten. Die Temperatur ist auf den Nullpunkt gesunken. In B e l l u n o wütet starkes Schneegestöber. Mqül S ingcrLcCo., Berlin SW,"Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltungsbÜ it. 102. 26. Jahrgang. kilsze des JmiMs" Kcrlim Joiyiiilt. Dienstag, 4. Mai 1909. Hbcfcordnetenbaus* 7 8. Sitzung, Montag, den 3. Mai, vormittags 11 Uhr. Die zweite Beratung des 5iultuSetats wird fort- gesetzt beim Titel„Universitäten und Charit-- K r a ii I e n h a u s Berlin". Abg. Dr. Hackenberg Dortniunder Gewerkschaftshause noch eine große Festversammlung statt, in der der Genosse Peters sprach. In den Kreisen Bochum und N e ck l i n g h a u s e n litt die Tagesfeier unter der allgemeinen Ungunst der Verhältnisse und der schlechten Witterung. Die Abendversammlungcn waren trotz an- haltenden Regens meist überfüllt. Im Wahlkreis Hagen- Schwelm sind die Bor- und Nachmittagskundgebungcn der ungünstigen Witterung zum Opfer gefallen. Wegen der sortgesetzten Regenschauer und Schneegestöber sielen manche ganz auS, die anderen wiesen eine nur geringe Be- tciligung auf. Dagegen verlief in Hagen-Stadt die Abend- feier glänzend, die beiden Säle waren überfüllt, über 1500 Personen waren anwesend. In Schwelm hatten sich zu der Abendfeier 800 Personen ein- gesunden. Rheinland. In Düsseldorf herrschte ein arges Unwetter. Trotzdem strömte am Bormittag das Proletariat in stärkerem Maße als im Vorjahre zur Versammlung. 900 Personen waren im GewcrkschaftS- bauS versammelt, wo die Genossen Berten und Ouitzau sprachen. Am Nachmittag fanden sich die Feiernden wieder zu einen, zwanglosen Masie'nspaziergang am Rhein entlang zun, Restaurant„Kaiserburg" zusammen. Trotz der Ungunst der Witterung war starke Beteiligung. Am Abend verteilten sich die Teilnehmer auf die Parteilokale aller Bezirke.— Die Veranstaltungen in den Landorten beschränkten sich auf den Abend; eS wurden Festreden gehalten und Unterhaltungen aller Art geboten. Di« Beteiligung war auch hier eine gute. I», Kreise Duisburg hatte die Maifeier ebenfalls sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden. In Anbetracht dieses ungünstigen Uinstandes war die Zahl der Feiernden eine zufrieden- stellende. Es zeugt von ernstem Willen, wenn z. B.. aus der Bürgermeisterei Hamborn etwa 1200 Personen trotz Hagel und Regen einen vierstündigen Spaziergang unternahmen. In D u i s- bürg beteiligten sich etwa 500 Personen an dem AuSfluge, in M ü l h e i m 250. Die Zahl der Feiernden in den einzelnen Orten läßt sich schlecht schätzen, da Hunderte Nichtarbeitender infolge des schlechten Wetters im Hause blieben. In Duisburg und Mülheim waren die Versammlungslokale derart besetzt, daß Hunderte keinen Einlaß bekamen. Wie gewöhnlich im Königreiche der Stinnes und Thyssen fehlte es auch diesmal nicht an allerhand polizeilichen Aufmerksamkeiten. Sah doch der in der Arbeiterpresse schon mehrfach erwähnte Polizeikommissar Bunse auS A l st a d e n schon das als einen„geschlossenen Zug" an, wen» sich hundert Personen auf eine Strecke von etwa 400 Meter verteilen I Sieben Polizisten, vier Gendarmen und ein Hund unter Führung eines Kommissars bildete die Bewachungstruppe von etwa 120 Spaziergängern. Allerhand kleine„Maßnahmen" und Notienmgen blieben den Feiernden nicht erspart. Grostherzogtum Höffen. Die Arbeitsruhe war in den Jndustrieorten des Kreises Offen bach-Dieburg im allgemeinen schwächer als in den früheren Jahren. Die Morgenspaziergänge, litte» unter der kalten regnerischen Aprilwitterung. Unter den, Drucke des Unternehmer- tumS litt die Arbeitsruhe der Holz- und Metallarbeiter sowie der Schuhmacher in O f f e n b a ch. Die Vormittagsversamm- lung war von gut 1000 Personen besucht, der Festzug war von imposanter Stärke<2500 Personen; wie in früheren Jahren). Die Bevölkerung bildete Spalier, die Polizei verhielt sich passiv. Abends fanden im ganzen Kreise 42 Versammlungen statt, die teilweise mit Umzügen und Festlichkeiten verbunden waren. Der Besuch war durchweg gut, in den größeren Orten Sprendlingen, Isenburg, Langen usw. vorzüglich. Bayer«. In Augsburg war die Zahl der durch Arbeitsruhe Feiernden größer als in den Vorjahren. In zwei sehr gut besuchten Vormittags Versammlungen fanden sie sich zusammen. Trotz der ungünsttgen Witterung— es schneite und regnete in kurzen Abständen durch einander— belief sich die Zahl der Teilnehmer an dem Ausfluge nach S i e b e n b r u n n, der am Nachmittag unternommen wurde, auf mehrere Hunderte. Am Abend fanden im Saalbau Herrle in Augsburg und in Lechhausen zwei große Demonstrationsversammlungen statt, die beide außerordentlich guten Besuch aufwiesen. Die Unternehmer zeigten sich ivieder als Scharf- macher, besonders zeichneten sich die Unternehmer im Holz- g e w e r b e aus, die durch Anschlag erklärten, durch Beschluß des Arbeitgeber-Schutzverbandes für das Holzgewerbe in Bayern samt liche Maifeiernden bis Donnerstag auszusperren. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß die in den kleineren Orten im Kreise Schwaben tagenden Versammlungen sich sämtlich eines sehr guten Besuches ersteuten. Von den in Hoch- zoll, Ger st Hofen, Schwabmünchen, Rordendorf und Böbingen abgehaltenen Versammlungen wird durchweg ein guter, teilweise sehr guter Besuch gemeldet. Baden. In Karlsruhe war die AcbeitSruhe gering. Eine Tages- Veranstaltung fand nicht statt. An der Abendfeier nahmen 4000 Per- sonen teil. Redner war der Genosse Abg. Frank. In Konstanz fand ein Festzug statt. Im übrigen Baden haben die Abend- Veranstaltungen großen Zuspruch gefunden. Die feier im IZuslsnäe. Oesterreich. Wie», 1. Mai. tEig. Ber.) Die Feier des 1. Mai, in Wien immer ein Höhepunkt deS proletarischen Lebens, hat hier, am Tage der zwanzigsten Wiederkunft der großen Demonstration, einen noch prächtigeren, einen noch gewaltigeren Verlauf genommen als je zuvor. Zum ersten Male wurden in dem riesigen Zuge, der nachmittags die Arbeitermassen in den Prater führte, Standarten und Fahnen getragen, und so fehlte am grandiosen Aufmarsch, der bisher nur durch die Größe und Geschlossenheit wirkte, diesmal auch Glanz und Farbe nicht. Das Wetter, das vormittags noch recht bedrohlich aussah, war am Nachmittage frisch und heiter, und in der Wärme des jungen Frühlings lebte jene frohe Stimmung auf, die rückschauend die zwanzig Maifeiern als zwanzig Etappen geschichtlicher Kämpfe und unvergänglicher Erfolge ins Bewußtsein rückt. Am Vormittag fanden in Wien 72 Versammlungen statt, worunter auch solche in tschechischer, in polnischer und in ruthenischer Sprache; in Niederösterreich 50, so daß selbst in die kleinsten Industriezentren die Feier drang. Die Arbeitsruhe wird, soweit die Industrie in Bettacht kommt, fast allgemein gewesen sein; daß sie umfassender war als früher, zeigte die Riesen- hafttgkeit des nachmittägigen Zuges, der länger als zwei Stunden währte. Im Prater herrschte dann in den unzähligen Wirtschaften, die die Arbeiter aufnahmen, das fröhlichste Treiben. Die Stadt hatte heute wichtiges FeiertagSgepräge, das sich schon darin zeigte, daß kein einziges Abendblatt erschien; auch morgen Sonntag erscheinen in ganz Oesterreich keine Zeitungen. Daß der österreichischen Maifeier dieses äußerliche Merkmal nicht fehlt, ist das Verdienst der treuen und geschlossenen Buchdrucker- organisation. Auch in den Ländern verlief die Maifeier äußerst eindrucksvoll und wuchtiger als je zuvor. Insbesondere in Nordböhmen, wo die Behörden der Feier auf Geheiß der deutsch- nationalen Arbeiterfeinde Schwierigkeiten in den Weg legen wollten, hat der Widerstand die Bewegung nur noch mächtiger entflammt. Besonders imposant war die Feier der Bergarbeiter; an dem Meeting in Mährisch-Ostrau, dem Zentrum des mährisch-schlefischen Bergbaues, nahmen mehr als 36 000 Personen teil. So war überall die fruchtbare Wirkung dieser zwanzig Jahre proletarischer Aussaat lebendig und sichtbar. Schweiz. Zürich, 1. Mai.t«(Btiftlftfif evr-chstiilid« findet Lindenftraße S!r. S, ftoeliet Hol, dritter Eingang, vier Treppen, MF- Fahrstuhl MB wochetltn glich abends von?«/, di«»'/, Ubr statt. Geöffnet 7 Ulir Sonnabends beginnt die Evrechftunde um V Nhr. Jeder Jlnfrag- ist ein Buchstabe und eine Kahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Zlntwort wird nicht ereeilt. BiS zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tag« vergehen. Eilige Fragen trage mau in der Evrcchimnde vor. B. R. 3. Wenden Sie sich an den Stadtverordneten Borgmann, Lychcner Straße 133.— W. I. 40. 1. bis 3. Nein; es sei denn, daß im Vertrage ausdrücklich das Zerkleinern deS Hölzes aus dem Hose vorge- schrieben ist. 4. Nein.— Selbsthilfe R. 1. bis 3. Eine Anzeige an die Staatsanwaltschast kann erfolgen. Dieselbe ist koitenlos. Ob sie Erfolg haben wird, läßt sich nicht voraussagen. 4. Der Austraggeber hat die Gerichts- und Slnwaltslosten zu tragen. Der unterliegende Teil hat sie zu erstatten. Von den 25 Mark werden kaum mehr als 5 Mark als erstattungssähig erachtet werden.— Xh. Kl. 77. Ja. — I. S. 10. Leider hätte eine Klage aus Schadenersatz wenig Aussicht aus Erfolg.— Wildau 10. Datiert der Versalltag länger als 2 Jahre zurück, so ist die Wechselsorderung verjährt und Sie könnten nur auf Grund des dem Wechsel zugrunde liegenden Rechtsgeschästes klagen.— Doktor Otto L. In einem solchen Fall gilt der Austritt als nicht erfolgt, und es müßte die ganze Prozedur wiederholt werden.— I. 98. 1. Wir können nur wiederholt vor dem Beitritt in diese Kasse warnen. 2. Eine bestimmte Anzahl van Beitragswochen ist zur Ausnahme in eine Erholungsstätte nicht notwendig. Der Versicherte hat nicht ein Recht, sondern nur eine Möglichkeit der Ausnahme. Die Landcsversicherungsanstalt kann die illusnahme nach ihrem Ermessen anordnen oder ablehnen. L. Ja. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marllhallen-Dtrektian über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Gekchäst ruhig, Preise für Rind- und Hammelfleisch an- ziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr sehr schwach, Geschäft ruhig, Preise fest. Geflügel: Zufuhr ziemlich genügend, Geschäft lebhast, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr gering, Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. WaflerstandS-Nachrtchteu der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mttgeleM vom Berliner Wetterbureau. + bedeutet WuchS,— Fall.—•) Unterpegel. LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ Oless Woche— soweit Vorrati FRANKFURTER ALLEE Grosse Posten Strümpfe für Damen, Herren und Kinder Damenstrümpfe'Ä" Herrensocken s � Kinderstrümpfe Ä» alle Grössen 28 Pf. farble u. geringelt farbig und Damenstrümpfe Herrensocken Kinderstrümpfe alle Grössen Jacquard- Dessins.. 35 Damenstrümpfeef;Ä Herrensocken Schweisssock. i MoHno 48 Pf. Fll d'Ecosse, halb u. ganz durchbrochen ca. 50000 Paar Damenstrflmpfe CS, 50000 Paar Kindorsöckchsn Sinfarblx uno xerinßsit, alls Grrössn 48, 65, 78, 90 25, 35 Pf. Pf. Damenstrümpfe maco und nor einfarbig.... Damenstrümpfe geringelt, neueste Deeslns... Herrensocken nor geringe».............. Jj75 J25 65* Dam0n8trUmpfe Jaequard-Dessint........ Damenstrümpfe Fior bestrickt........... 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Zunahme der Zluswanderung.— Zolltarifrevision in den Bereinigten Staaten.— Alderich-Bill.— Teutschlands Handelsverkehr mit Amerika.— Schutzzöllncrei und Kvlonialpolitik gegen Arbeiter- intereffc. In der lZWreralversammlung des Norddeutschen Lloyd gab die Verwaltung den Aktionären die tröstliche Versicherung, daß das laufende Jahr für die Gesellschaft ein wesentlich günstigeres finan- ziclles Ergebnis bringen werde, als das verflossene. Die materielle llntcrlage für dieses Urteil ergab die Tatsache, daß die Einnahme aus dem Auswanderervcrkehr im ersten Viertel 1839 beinahe die Wage hält mit dem Resultat des ganzen Jahres 1938 aus dem gleichen Zweige des Geschäftsbetriebes. Es erscheint uns gewagt, dem gesteigerten Auswandcrerverkehr eine mehr als sekundäre Be- teutung beizumessen. Ein einwandsfreier Beweis für entschiedene Besserung der Verhältnisse am Arbeitsmarkt in Amerika ist er sicher nicht. Bei der Zunahme der Abwanderung können verschie- denc Ursachen mitbestimmend wirken. Zunächst die Ungunst der Verhältnisse in den europäischen Industriestaaten. Blanche von denen, die erfüllt von der Hoffnung, vielleicht in der alten Heimat zusagende Beschäftigung und gesicherte, wenn auch bescheidene Exi- stcnz zu finden, wandern wieder zurück. An Erfahrungen sind sie reicher geworden, aber nicht an solchen erfreulicher Natur. Die Erbitterung über die politischen Zustände wird erhöht durch die Wahrnehmung, daß des Volkes Wohl in Deutschland in gesteigertem Biaße dem Junkertum ausgeliefert wurde. Und rückwärts wenden die Enttäuschten ihre Schritte, wenn auch, infolge der Ungewißheit über die wirtschaftlichen Verhältnisse drüben, noch kein freundliches Zukunftsbild das gesstige Auge bezaubert. Daß nach der langen Depression und der starken Einschränkung der Gütererzeugung nun eine leichte Belebung in der Industrie sich bemerkbar macht, bietet keine Garantie für einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung. Schließlich hat die Ausnahme der landwirtschaftlichen Arbeiten und die dadurch ausgelösten Bedürfnisse nach verschiedenen Gebrauchs- gegenständen sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten eine Zunahme der Nachfrage am Arbeitsmarkt hervor- gerufen, die als regelmäßig wiederkehrende Erscheinung gewertet werden muß. Als Merkmal einer beginnenden neuen Hochkonjunk- tur kann man sie nicht ansprechen. Soweit man jedoch in der Gewißheit, daß, wie dem Regen der Sonnenschein, der Krise auch wieder Hochkonjunktur folge, Hoff- nungen und Erwartungen sich hingeben kann, scheinen die smarten Amerikaner Europa, speziell Deutschland, von dem zu erwartenden industriellen Segen fiir lange Zeit gänzlich ausschließen zu wollen. Das Instrument dazu ist der Zolltarif, dessen Revision auf der Tagesordnung steht. Leider bot der bisherige amerikaniscke Tarif unseren Hochschutzzöllnern bei den letzten Tarifkämpfen in Deutsch- land eine gute Waffe zur Verteidigung extremer„Schutzzoll"-For- derungen. Manche Ausschivcifungen unseres Tarifs sind dem amerikanischen Hochschutzzollsystem aufs Schuldkonto zu setzen. Das rechtfertigt nicht die deutschen Zölle. Sie würden aber jedenfalls die erlangte Höhe nicht erreicht haben, hätte ihren Befürwortern der amerikanische Tarif als Demonstrationsobjekt gefehlt. Mit d�'m dabei benutzten Schlagwort von der Wahrnehniung nationaler Interessen segelten unsere Zollpatrioten unter falscher Flagge. Drüben geschieht das nun auch. Hier wie dort dient das„nationale Schild" lediglich als Deckung für kraß eigensüchtige Zwecke. Die Hochschutzzöllner wollen sich gegenseitig die Auslandskonkurrenz vom Halse halten, um in der Ausbeutung der eigenen Volksgenossen nicht behindert zu werden. Und wenn sie dabei dem Konkurrenten �auch sonst noch Schaden zufügen können, zu eigenem Vorteil, so ist fdas eine angenehme Zugabe zum Hauptzweck. Die Zollpatrioten in Amerika machen es genau so wie die in Deutschland und anderen Vaterländern. Das Zollinstrument ist das erprobte Mittel, mit dem man im eigenen Lande Wucherprofite erpressen kann, die teil- weise dazu benutzt werden, um dieselben Artikel tief unter dem Inlandspreis auf dem Auslandsmarkte abzusetzen. Naturgemäß spielen bei der Zollpolitik die Produktionsbedingungen eines Landes eine große Rolle. Ist schon einmal das Prinzip des skrupellosen Jchintcrcsses proklamiert, wird das Land mit der größten Unab- hängigkeit vom Auslandsmarkt auch am rücksichtslosesten sein in der Zollpolitik, denn in den kapitalistischen Staaten ist, ganz unabhängig von der Staatsform, das Interesse der Kapitalisten in der Wirtschaftspolitik der bestimmende Faktor. So kann es eigent- lich kauni verwundern, daß in Amerika das Ueberzöllnertum die tollsten Orgien feiert zum Schaden auch der eigenen Volks- genossen. Diejenigen, die von der jetzigen Tarifrevision eine, wenn auch nur geringe Abtragung der Zollmauern erwarteten, werden bitter enttäuscht, wenn es bei den bisher vorliegenden Entwürfen für die Neuordnung bleibt. Anscheinend haben die amerikanischen Hochschutzzöllner von unseren Agrariern gelernt, indem sie bei Auf- stcllung der Forderungen über'das Maß dessen, was sie erlangen wollen, zunächst weit hinausgehen, um dann unter Protest sich etwas abstreichen zu lassen, womit der Eindruck erweckt werden soll, als müßten die Fordernden bedeutende Zugeständnisse machen, enorme Opfer bringen. Erst diente die sogenannte Payne-Bill als Grundlage der Verhandlungen. Dieser Tarif ging nicht nur bei einer Reihe Positionen noch weit über die bestehenden Zollsätze hinaus, er enthielt auch Bestimmungen grotesker Maßlosigkeit, die man als Objekt sachlicher Kritik überhaupt nicht gelten lassen kann. Um nur ein Beispiel anzuführen: die Bill verlangte, es sollten Spielwaren genau so behandelt werden wie ihre Vorbilder. Dem- nach hätte ein Holzpferdchen wie ein lebendiges Pferd, ein aufge- zogener Autobus, mit dem unsere Kleinen spielen, genau so toie ein Zlutomobil im vieltausendfachen Werte verzollt werden müssen! Im Finanzausschuß sind solche Tollheiten natürlich ausgemerzt worden, aber auch ohne diese bleibt die Payne-Bill eine Aus- schweifung, die eigentlich nur den vorerwähnten Zweck haben konnte, Stimmung zu machen für das, was man tatsächlich herausschlagen will. Und das scheint von einer Bill, die ein Hochschutzzöllner, Senator Aldcrich, ausgearbeitet hat, umgrenzt zu sein. Dieser Tarif, der die Unterstützung des Bundesrats hat, dürfte die Grundlage für die dritte, entscheidende Lesung bilden. Die Alderich-Bill kann aber nicht als Fortschritt gegenüber dem bestehenden Zustande bezeichnet werden; in der Hauptsache enthält sie unvermrdert die Sätze des Dingley-Tarifs. Neben einigen Erleichterungen„zieren" ihn auch Erhöhungen der Dinglehsätze.. Für die deutsche Spielwaren- industrie, für die Textilindustrie und andere Zweige der deutschen Exportindustrie eröffnet der neue Tarif durchaus unerfreuliche Perspektiven. Ein charakteristisches Urteil über die Tendenz der „Reform" liefert die„New Herker Handelszeitung" in folgender Auslassung: „Die in dieser Woche bekannt gewordene Tarifvorlage des Senats-Finanzkomitees hat insbesondere dem Textilimporthandcl neue Bestätigung der höchst bedauerlichen Tatsadhe gebracht, daß die für die Geschäftsinteressen des Landes so hochwichtige Gesetz- gebung sich in Händen von Leuten befindet, die nicht in der Lage sind, die Tragweite der Bestimmungen beurteilen zu können, zu deren Aufnahme in die Vorlage sie von höchst selbstsüchtiger Seite veranlaßt worden sind." Um ein Urteil über die in Betracht kommenden Interessen zu erlauben, geben wir nachfolgend eine Zusammenstellung über einige wichtige Positionen aus unserem Handelsverkehr nüt den Ver- einigten Staaten. In der Einfuhr figurieren, dem Werte nach in Millionen Mark: 1935 1936 1937 Bauniwolle, rohe.... 234 322 383 Kupfer, rohes..... 134 198 202 Schweineschmalz.... 85 104 91 Weizen....... 8 81 86 Mais........ 53 60 39 Oelkuchen....... 26 29 38 Oleomargarine..... 20 25 28 Kleie........ 5 9 18 Für einige andere Artikel ergeben sich pro 1907 folgende Ziffern(Millionen Marks: phosphorsaurcr Kalk 18,3, Tabakblätter 7,6, Brennerdöl 66, Baumwollsamenöl 23, Nadelholz 13,7, Ter- Pentin und Hartharze 19, diverse Oclc 35, Mähmaschinen 15, Aepfclschnitten 10, Därme 9,3, Baumwollabfälle 7,6, diverse Maschinen 7,3.— In der Ausfuhr stehen diese Positionen an erster Stelle(für 1907 in Millionen Mark): Baumwollene Strümpfe und Socken 44,4, Kinderspiclzeug 31,6, Tafelgeschirr aus Porzellan 29,1, Anilin- und andere Farben 26,1, Glacehandschuhe 21,7, Handschuhe und Haarnetze aus Baumwolle 20,4, Kleiderstoffe aus Wolle 19,2, seidene und halbseidene Gewebe 16,9, Ansichtskarten 13,2, diverse Waren aus Baumwolle 22,3, Abraumsalze 8,4, Glaceleder 7,0, Erzeugnisse der Klcineisenindustrie, Messer, Scheren usw. 7,0, Farben. druckbilder 6,7, Chlorkalium 15,2, Kalbfelle 10,7, Kautschuk und Guttapercha 13. Soweit durch die Zollrevision in Amerika die deutsche Einfuhr nach dort noch weiter beeinträchtigt werden sollte, sind die Arbeiter hier, und die Konsumenten dort, die Hauptleidtragenden. Die hei- mischen Fabrikanten werden durch erhöhten Lohndruck die Scharte soweit als möglich auszumerzen versuchen, und die amerikanischen Industriellen benutzen die Schutzzölle sicher zu verschärfter Plünde- rung ihrer Volksgenossen. Noch eine andere Wirkung zeitigen die zöllnerischen Ausschweifungen in Amerika:«ine Stärkung des Imperialismus in Deutschland. Unsere Kolonialpolitiker werden sicher nicht säumen, aus den Vorgängen für ihre Pläne Kapital zu schlagen. Emanzipation von der amerikanischen Baumwolle durch Forcierung eigener Kultur in unseren Kolonien! Mit diesem Schlagwort wird man nicht erfolglos an die chauvinistischen Ge- fühle appellieren. Für die Gesamtheit der produktiv Tätigen kommt bei all den national etikettierten Machenschaften nichts Ersprießliches heraus. Die Arbeiter, die sich für Hochschutzzöllnerei und kapitalistische Kv- lonialpolitik einsangen lassen, sind Schleppenträger ihrer Ausbeuter; sie fördern Bestrebungen, die den Interessen ihrer Klasse schroff entgegenstehen. D. Witterunqsnbersickt vom 3. Mai IV09. morgen« 8 Udr. Etattonen Zwmemde. Hamburg Lerlw FranchnM. 774N München 773 NW Wien! 768 NW te— c 5 if 773 SW 774 WSW 773 NW Setter 1 wollen! 2 halb bd. 2 woltenl 2 wolkenl 4 wolkig 3 Regen c�1 t* WkO Stationen ß- 2« »— is Bf Haparanda 1 765 S Petersburg 770 W Scilly Werdee» Pari» 763 SO 769 SSW 774 NNO Setter äII ff-o wS> 2 wolkenl 0 1 wolkenl 2 4 wolkig 9 1 bedeckt 6 2 wölken! 5 Wetterprognose für Dienstag, den 4. Mai I»«g. Trocken und vielfach heiter bei schwachen Winden aus nördlichen Richtungen, nachts wieder sehr kühl, am Tage etwas wärmer. Berliner Wetterbureau. 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Ansang der Ringkämpfe 9'/, Uhr. VLZWoackLTKsafer DtreMo»: Rob. Olli, vrunnenstr. 16. Wegen vollständiger Renovierung der Gesamträume geschlossen! Wiedererissmmg: h Pfingstfeiertog. Schiiler-TIieatep. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) DienStag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Ndexlß. Trauersp. in 5 Akt. v. W. A. Brachvogel. Ende 10'/, Uhr. Mittwoch, abendS8Uhr: Rechts herum. Donnerstag. abendS8Uhr: KarzlB. Schiller-Theater Charloltenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Doktor Klans. Lustspiel in 5 Akten v. Ad. L'Arronge. Ende 10"/, Uhr. Mittwoch, abendS 8 Uhr: Maeheth. Donnerstag, abendS8Ubr: Die Weif, in der man sich langweilt. oo—— og— ä 8 Baumblüte in Verder 1 in herrlichster Pracht! Brauerei Friedrichshain Heute. Dienstag; 18. Tag; der großen internationalen Ringkämpfe � die Weltmeisterschaft. Heute ringen: Robertl Ralcevlch, Weltmeistor, gegen Sallge, Berlin. Sanders, Neger-Ohampion, gegen Annoni, Italien. Beide Ringer haben bei dem Schiedsgericht gebeten, wieder den Kampf aufnehmen zu dürfen und haben sich verpflichtet, in Zukunft nur nach den vorgeschriebenen Regeln zu ringen. Entschcldnngskampf: Hansen, Meisterringer, Dänemark, gegen Eassartesse, Weltmeister, Frankreich. Vor Das voliständig neue Spezialitaten-Progranun. Ringkämpfen; Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf., res. PI. 1 M., numer. Tisch 2 M. Zirkus Busch. DienStag, den 4. Mai 1909, abends VI, Uhr präzise: (iroLe Vorsteüuax. Um 9 Uhr: Mr. Oharieston? ferner: Die Sriateres. Fräulein ruzzls Reitkünstlerinnen. Math. Renz, Schulreiterin. Um 9'/, Uhr: �us�anäerer! DieRiesenwasscrkaSkaden a«S der Höhe der Zirkuskuppel! und daS große Programml Reiehshallen-Theater. Stettiner Sanger. Z. Schluß(nur noch kurze Zeit) zum 171. Male: Der Kompagnie-Ball Ansang wochentags « Uhr. Sonntags 7 Uhr. ftmigsiadi-kasiiio. Holzmarltstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Bellermanns Brantscha«. Schwank in 1 Alt. Neues Spezialitäten-Programm. The Merrcws, Hee& Shee, Marco d Tatjana, Paulsen, Loree, etc. etc. Ansang Sonntags 5'/, Uhr, Wochentags 7'/, Uhr._ Casino-Theaiep Lothrmger Str. 37.— Täglich 8 Uhr. Stürmischer Lachersolg I Ueber 100 mal vor auSvert. Häusern gegeben der tolle, lustige Schwank Das Opferlamm. Schlußvorstellung den 24. Mai. Sonntag 4 Uhr: Ackermann. Sanssouci, Ä'«' Direktion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: StetS neues Programm. Llite-Loiree Frühliugs-Kränzcheu von HotlniannsRoriilSjiiigern Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Sraeht-Säle„AU-Ierlin" ® Blnmenstr. 10(neben dem Residenz-Theater). Dem verehrl. Publikum uud Bereinen zur Nachricht, daß ich die Bewirtschaftung meines Lokals selbst übernommen habe. Indem ich meine neu erbauten sieben Säle für Vergniigvngkn, Konftrelljkn, Versammlungk« vsw. bestens empsehte und gleichzeitig aus mein 7sge5'Zle5isursut und BteMrikMe aufmerksam mache, bitte ich alle Diejenige», die mit meinem bisherigen Pächter wegen Reservierung von Säle» ab- geschlosten hatte», bis spätestens den 13. Mai bei mir vor- zusprechen. Hochachtungsvoll Berlin, 2. Mai 1909. Otto Baatz, Koch. f—f Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater« saal Moabits. Alt-Moabit 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 6. Mai: Lebte Abonnements- Borstellung: Aas Opfer der Intrige. Schauspiel in 5 Akten. Ansang der Vorstellung 8 Uhr, Kassenöstnung 7 Ubr. Nach der Vorstellung: Tanz. Donnerstag, den 13. Mai: Do» Carlos. Benefiz- Borstellung sür Herrn Reib. AIIerlei-TIieRter. SchUnhanser Allee 148. Dienstag, den 4. Mai: Die relegierten Studenten. Lustspiel in fünf Alten von Roderich Lenedix. Kasieneröffnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr Dantina Voikspark-Theater Landsberger Allee 74/77. Große Vorstellung des Sächsichen Volks-Theaters nebst Austreten erftfL Spezialitäten. Zum ersten Male in Berlin. Man amüsiert sich löstlich. Die eittfachfte Zlrt Ihr Geschäft zu verkaufen, ist und bleibt, wenn Sie den Verkauf Paul Finger, Berlin, Aiexmiderstr. 51/52 (am Alexanderplatz), sofort über. tragen. Stets Käufer aus allen Gegenden Deutschlands. 2423b Zier Herr, der am S. Ostertag bei V«lesholt, Jnselrcstauraut, seinen Tvmmcrpaletot vertauscht hat, wird ersucht, denselben dort wieder umzutauschen..Der Wirt. Oamen-Konfektion direkt«- 6» Fabrik. Kein Laden. NochbeendeterEngros-Saison uch Einzelverkauf 1/ enorm billig! Iteii-Paletots iätlchen-Falelüls Robert Baumoarten Hausvogteiplatz II, 1. Etg. schrägüber Untergrund-Bahnhof. Bei Vorzeigung dieses Inserates an der Kasse werden 5'I, Rabatt vergütet Auch Sonntags geSffnet. > da« bautiudnisc Verzweiflung bringt, der gebrauche |Zu(Her'$ IPatent'iMzinal-Scife, und 1000 fach bewährt, auch k,(beginnenden! Furunleln. Wikiln. Räten, sowie allen sonfligea Echöu. und Hau« nn reinheilen,» Stück « i bei_. 1 Mitestern, I beittfedler»._.____ Ifso Pfennig(16*ig) und Marl 1.60(355619, stärkste iÄ" Zuchoon- Creme ÄÄ s und kostbarsten aller Hautcrime», Prei» 75 Pf. und HL 2.—. Man frage den Arzll Ueberall erhällstch, Herr U. O., 35 Jahre alt, erkrankte auf der Reise au einem Ausschlag der Arme und des Rumpfes, welcher wegen geradezu unerträglichen Juckreizes zunächst kür Krätze gehalten wurde. Es wurden daher verschiedene Krätzesalben von peruviamschem Balsam, Styrax und Schwefel ohne allen Erfolg angewendet. Nach vierzehn Tagen wurde ich konsultiert, stellte eine erhebliche Verdauungsstörung mit Eiweißzerfall, Indikan und erhöhte Harnsäurebildung fest, so daß ich annehmen konnte, es handle sich bei vorliegendem Hantleiden nicht um Krätze, sondern mn sogenannten Prurigo, der durch Selbstgift in den Säfton hervorgerufen wurde. Ich verbot Fleischgenuß, ließ Zucker« Seife vorschrifs- niäClg einreiben und schon nach fünf Tagen war der Ansachlag vollHtttndig verschwunden. Bemerken will ich hier noch, daß auch der Bruder des Hautkranken früher einen ähnlichen plötzlich auftretenden stark juckenden Ausschlag hatte, der ebenfalls für Krätze gehalten wurde, so daß man auch um so leichter im vorliegenden I alle eine Uebortragung annehmen konnte. Aber auch der Bruder litt nach meinen Konstatierungen an Harn- Säureüberschuß und gichtischen Erscheinungen, somit war auch bei ihm das Hautleiden auf eine allgemeine Säftevemnreinigung zurückzuführen. (Aus einem längeren Qutachlen dos Herrn Dr. med. W. in 0.) In allen Apotheken, Drogerien, Parfttnicrlen usw. zu haben, wo nicht, direkt durch: L Zaeker& Co., Berlin§01, Potsdamer Str. 73. jtesfaurant Wilhelmshof xirSten 9632* Jeden Sonntag: Großer Bali. Empfehle meinen herrlichen Garten an den Sonnabenden sür Sommersefte. _ Inhaber: Fr. Forte. Dr. Schünemann Spezial-Arzt sür 543U* Bant* und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Sckützenstr. Wochentags 1»—», S-7. verursacht der Genuß des coffemfteien„Kaffee Sag-. Man kann ihn selbst spät abends in starkem Aufguß und in beliebiger Menge trinken, ohne eine Beeinträchtigung der Nachtruhe befürchten zu müssen.„Kaffee 5)ag", der in den meisten besseren Caffs und Restaurants zu haben ist und den vollen Kaffee» geschmack zeigt, ist in allen besseren Geschäften der Branche in V,'Pfund-Paketen von 60 Psg. an erhältlich. Die alljährlich wiederkehrende Anhäufung der Bestellungen von iSrennmaterisHen für den Winterbedarl in dem begrenzten Zeitraum von Mitte August bis Ende September hat Veranlassung gegeben, für Lieferungen in den Monaten Mai, Juni, Juli besondere Ausnahmepreise festzusetzen. Wir erlauben uns sowohl im Interesse einer geregelten Erledigung der Aufträge, als auoh mit Rücksicht auf die in diesen drei Monaten bei allen Kohlenhandlungen bestehenden-— Ausnahmepreise—-------- auf diese Einrichtung empfehlend hinzuweisen. Verband der Berliner Kohlengroßhändler. Eingetragener Verein. 211/8* fi.Plau, »«f Direksenstraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt VH, 13799. Für Damen weiblic'ne Bedienung.* Lieferant für alle Kraukenfasseu. Leilrimus (Gelegenheitskäufe verfall. Gold- und Silborsachen, Brillanten eis. 81 liVSÄStmeastril' J Derbliiid d» Miilcr,ZlilIliner,AnstrciHcr Melchwrstratze 2S, Part. Filiale Berlin. Fernspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, den S. Mai 190S, abends 8'/, Uhr: Sekte•Versammlung der Lackierer im Gewerkichafrshause. Eugelufer 13. TageS- Ordnung: 1. Die Einsührung der Arbeitslosenversicherung in unserer Organisation. Keserent: Kollege k'i>. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegcnheitcn. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist cS Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 12715* Tic Sektiouslcitung. NB. Gleichzeitig machen wir aus unser am Sonnabend, den 8. Mai, im»Grand Hotel Alexanverplai," stattfindendes 23. Stiftungsfest ausmerksam. Ansang 9 Uhr. Billetts sind bei den Vertrauensleuten und in der Zahlstelle bei Weihnacht, Grünstr. 21, erhältlich._ T. O. Orlskrankenkasse für das Maurergewerbe aa Berlin. Donnerstag, 6. Mai, abends 8 Uhr, tu den»Arminhalle»«, Kommandantcnstr. 38/39: XuLeroräeatlicde üeliera!- V ersammlunx der Vertreter der Kaffenmitglieder und der Arbeitgeber. TageS-Ordnung: Beratung und Beschluhsassung über die Abänderung der|§ 12, 13, 20, 29 und 30 deS Kassenstatuts betreffend anderweitige Klasseneinteilung der Mitglieder und dcmentiprechende Festsetzung der Beiträge. Berlin, 29. April 1909. Bor V«r»tnn«l._ 274/10* A. Daehne, Vorfitzender. E. Simanowski, Schriftführer.__ Dienstag, den 4. Mai, Präzise 7Vs Uhr abends: Oeffenttiehe Versammlung in de«„Armlnhallen", Kommandantenstr. 58/59. TageS-Ordnung: 1. Vortrag von Frau Zlota über;»Frauenpflichte« und Fsrauen- rechte«. 2. Bericht über die letzten Vorgänge in der Koslümbranche. Referent: Kollege fiinoep. AM" Kollegen und Kolleginnen! In Anbetracht der wichtigen TageS- ordnung ist zahlreiches Erscheinen erforderlich, und bitten wir, an diesem Abend Ueberstunden nach Möglichkeit zu vermeiden 162/14 Die Konimlnslon. Dachdecker Berlins u. Umgegend I Donnerstag, den 6. Mai 1909, abends S'/a Uhr, bei Wilke, Brunncnstr. 188: Oeffentliehe Versammlung aller im Daehdcckergemerbe beschäftigten Kollegen und Kilfsarbeiter. TaaeS- Ordnung: Vortrag deS ReichStagSabgeordncten Hoch über:„Die Ursachen der wirtschaftlichen Krisis«. 54/3 Der Einberufcr. I. A.: Karl GSmitz, Ripdorf, Libcrdastr. 15. Zahlstelle Berlin. yureau: Engelufer 14/15. Tel. IV Nr. 3578 u. 10623. Achtung! Bautischler! Mittwoch, den 5. Mai, abends 81/« Uhr, bei Boeker, Wcberftr. 17 . für Berlin Bororte. Ta geS-Ordnung: 1. Bericht über den Stand der Tarisberatung und Stellungnahme über die von den Unternehmern zugestandenen Positionen. 2. Diskusston. 63/9_ Tie Branchentommisfio«. NtrlmWmmtt-DersWillllW� Zentralverband der Xaver.'S? Sektion der Maurer. Mittwoch, S. Mai. abends S'/a Uhr, im gr. Saale des Berliner Gcwerkschaftshauses, Engel-Ufer 13: Außerordentliche Generalversummlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. S. Die Maiaussperrung. S. Berfchiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Die VerhomlaleltiinN. Verein für f rauen u. pädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 5. Mai, abends 81;, Uhr, im„BTeaen Klnb- Iiaasc", Kommandantenstr. 7'Z: 53/9 Vorlesung äerSchriMellerin Klara Oiebig aus eigenen Werken. Gäste willkommen. Der-"VorstiailS. Zentralkrankenkasse der Maurer , Grundstein zur Einigkeit". Donnerstag, den 0. Mai, abends 8�/, Uhr: Mitglieder«Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 13. TageS-Ordnung: 1. Kassen- und RevifionSbericht. 2. Verschiedenes. 149/7 MilgliedSbuch legitimiert. Die örtliche Verwaltung. Leessjelä 1. Station hinter Spandau. Hochwald u. Landparzellen, GaSanst. u. Güterbhs. vorhd. Ab Etat. Iungfernheide 2D Pt.-Tonr. Unweit Döberitzer Heerstraße. nn Ii. von K) M. an. VcrkausSkont. vis-a-vis Bhs. jMsbalbezMebej Berlin, Neue Königsw. l6. Tssl mit Bühue� und Nebenräumcn, G yroße Uerkisszimmer ß Gunter liilanten Bedingungen zu � Z vergeben. 10S1L*Z ' Sonnabende u. Sonntage frei!»» Paul ß Heineier Stralle SS.Ä Fernspr. Amt 7, W75. g Händler Speise-Eis-Essenzenj unerreicht feines Fruchtaroma! sowio zugehör. Substanzen am j billigsten u. besten zu kaufen L bei Otto Reichel, SO., Eisonbahnstr. Ortsvcrwaltnng Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Wille. Amt Hla, 4835. ~ Achtung!~ 50/1* Wir empfehlen bei Veranstallung von Vergnügen usw. den geehrten Vorständen, Komitees und Saalinhabern unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Brunnenstratze 188. Geschäftszeit täglich von IE/,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Ter Borstaud. NB. Unsere Mitglieder find im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für das 2. Quartal rot und muß mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimatton ist ungültig und ist sofort anzubasten. eakokolArmes, aiäöschcs Spßcialbmu ÄrzflicK empfohlen, nasche 10 kkg. üebcrall käuflich.' ©raasases EsmlEagfeStofik üadiE. AU.O«s. .Bcrtrn-Panl Kadowa tan der Straße nach Biesdorf,! ! 7 Mwuten ab Bahnhos beginnend,; □-R. von 10 Mk.i Günstigste Zahlungsbedingungen Gas. und Wasserleitung. An ji' i. Rest. Döring in Neu-Sad u. Rcstaur. Götze. Kaul '........ Ii* BEHI-IF,>«»., Slene K»ni�8truße 10. , 1cin' Vorzeißen dieses ' Insynos Rabatt. nach beendeter W-Saison. Hochelegante franen-Paielofs mit StlcTercicu und Jenstelmm 10— 3 O M. Cng�i.Fsletots ünst&ijoSoDds Tmli-Pslofots V1Z-ZM Taltor mado Kostßme. Äomnigom- u.Tuchstoff- iü— som. 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Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlirn Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 102. 26. Jahrgang. 3. Ktilaze Its Joneiilf Kerlim WksdlM Zienstag. 4. Mai l90S. Partei- Angelegenheiten. Berband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die im Februar projektiert gewesenen fünf Vorträge der Genossin Klara Zetkin über„Die geschichtliche Stellung der Frau" finden nunmehr wie folgt statt: Freitag, den 14. Mai, Montag, den 17. Mai, Freitag, den 21. Mai, Dienstag, den 25. Mai, Freitag, den 28. Mai. Anfang: pünktlich 8 Uhr abends. Lokal: Kellers Festsäle(Inhaber Freyer). Koppenstr. 29. » Die bereits ausgegebenen Eintritts- karten behalten Gültigkeit. Soweit noch Billetts vorhanden, sind solche durch die Wahlvereine resp. die Kreis- wahlvereins-Burcaus zu beziehen. Wir bitten, von den obigen Daten genaue Notiz zu nehmen. DerZentralvorstand. Zur Lokalliste. In Lankwitz lTeltolv-BeeSkow) sieht das Lokal „GesellschaitshauS", Jnh. Nuton Prochazka. Viltoriastr. 41/43, der Arbeiterschaft zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Di? Lokalkonunisston. Rixdorf. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet heute abend 8 Uhr in Hoppes Festsgle, Hermannstr. 4g statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2- Die letzten Vorgänge im Stadtparlamenl. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Wnidinannslust. Heute Dienstag, 4. Mai: Flugblattverbreitung. Treffpunkt: Nimrodstr. 94 bei Ludwig. Bei der Maiseier am Sonn- abend ist ein Herrenregenschirm vertauscht worden. Da derselbe reklamiert wird, ersuchen wir uin Mitteilung in dieser Sache an den Genossen Luscher. Waidmannslust, Waldstr. ö. berliner Nachrichten. „Maikflhle." Nun ist der Frühling gekommen und hat an Baum und Strauch seine grünen Blättorwimpel gehißt. Sogar Blüten hat er bereits gebracht und die Aprikosenspaliere und Früh- kirschen mit zartem, weißem Blust übergössen. Nur die Sonne hat er vergessen. Und ließen sich auch ein paar Tage schon recht mild und warm an. seit ausgangs April kämpfen kalte Nordost- inid Nordweststürme um die Herrschaft, jagen finstere Hagellvolkcn über den Himmel, die mit EiSkörnern und Schnee- flocken schütten und die Frostigen zu neuen Kohlenausgaben für die bereits erkalteten Stubenöfen veranlassen. Ist es nun schon an und für sich inl Mai nicht angenehm, frühmorgens vom Thermometer zwei oder drei Grad Reaumur abzulesen, so schmerzt es den Naturfreund doppelt, jetzt an den zarten lichtgrünen Blättern— so weit man dies in der Großstadt beobachten kann— immer häufiger schwärzliche oder dunkel- braune, oft die halbe Blattfläche einnehmende Stellen zu beobachten. Fast sieht es aus, als stände man Brandwirkrmgen gegenüber. Aber nicht dem Feuer, sondern dem Frost ist diese Erscheinung aufs Konto zu setzen. Obwohl um diese Jahres- zeit das Thermometer selten unter Null Grad zu fallen pflegt, so sind doch einzelne Windstöße oft von einer geradezu schneidenden Kälte. Sie sind es, die die jungen Blätter frühzeitig verunstalten, an deren schwarzen Flecken Aus dem Berliner Folizeiiiimpf. Opfer des Korruptionsfonds. Wir schlössen den vorigen Artikel:«Der Polizei eine Lehre zu geben, hieße selbstverständlich, ein untaugliches Objekt bearbeiten. So lange die politische Geheimpolizei besteht, wird sie derartige Blüten treiben. Wir sind in Preußen-Deutschland schon bald so weit gekommen, daß die Borbereitungen und Beschlösse zu„un- vorhergesehenen' Putschen und Gesetzesübertretungen nur die Polizei kennen kann.' Und das war wahrlich nicht zuviel gesagt: Ein Pesthauch der Korruption verbreitet sich von der Stätte der Tätigkeit unserer politischen Polizei. Selbst bürgerliche Kreise können sich eines gelinden Abicheues gegen diese Institution nicht erwehren und mit süßsaurer Miene wird der Korruptionsfonds(der sogenannte Geheim- sonds), von den bürgerlichen Elementen des preußischen Landtages bewilligt. Die politische Polizei aber will leben inld deshalb muß sie Berichte bringen und zwar solche Berichte, die ihre Notwendigkeit erweisen sollen. Selbst aber Beobachtungen des politischen Lebens anzustellen, dazu fehlt den nach dort verschlagenen Elementen die Fähigkeit und so suchen sie irgend jemand zu gewinnen, der ehrlos genug ist, zum Verräter an seiner Klasse zu werden. Die Folgen unserer„göttlichen Weltordnung' treiben ihnen leider die Opfer zu. So gewann der Kriminalbeamte Wilhelm Schlaf, »er erst Mitglied des 6. Wahlkreises war und später seine Tätig« keit bei den Jugendlichen entfaltete, bis er auch hier schlechte Er- fahrungen machte, den Hutmacher Otto Streich und so machte sich der kürzlich von uns gekennzeichnete Kriminalbeamte August Malick, Mirbachstr. 72 dm Lithographen Georg Haberkern, Rodenbergstr. 40 dienstbar. Mit teuflischer Bosheit werden Leute schwachen TharakterS, die in schlechten, wirtschaftlichen Verhältnissen leben, zu verlocken ge- sucht. Und immer ist eS dasselbe schuftige Mittel. Voll kalt- berechnender Tücke wie die biblische Schlange, nähert man sich dem ausgesuchten Opfer, um ihm daS Gift der moralischen Verlotterung einträufeln zu können... �. i,1, Immer wieder wird versichert, daß man ja keine eigentlichen Denunziationen will, sondern daß die Berichte nur zur Information dienen sollen. Hat sich der Schwächling kaufen lassen, so beweist man ihm bald grinsend, daß er seine Seele dem Teufel vermacht hat. Dann hilft kein Wehklagen, kein reumütiges Aufbäumen gegen die ihm zugemutete Schmach, er muß berichten, auch wenn er damit feine Klaffengenossen WS Gefängnis liefert. So war's und so wird es sein, solange eine politische Geheim- Polizei existiert. Wir haben heute ein Beispiel zu erzählen, nicht besser, nicht schlechter, wie es immer war. Nachdem der Kriminalbeamte August Malick seine Rolle als Bezirksführer des sechsten KreiseS ausgespielt hatte, versuchte er im Januar dieses Jahres mit dem man die oft linealgerade Bahn eines ganz besonders kalten Windstoßes vorzüglich beobachten und vorfolgen kann. Der- artige erfrorene Stellen heilen um Pfingsten herum gewöhn- lich wieder aus. Etwas Krüppelhaftes bleibt freilich den heim- gesuchten Blättern zeitlebens eigen; namentlich Fliederblätter, die sich schon frühzeitig ans Licht gewagt haben, zeigen die gewellten, krausgezogenen Narben, d. h. diejenigen Stellen. wo der erfrorene Teil des Blattes ansetzte, recht deutlich. Auch die gegenwärtigen kalten Tage, die hoffentlich nicht mehr allzu lange andauern werden, haben am jungen Blattgrün arg ge, frevelt. Wäre die Natur bereits weiter entwickelt, wäre sie kräftiger und widerstandsfähiger, dann könnte ihr derartiges so leicht nichts anhaben. Allein die späte Ankunft des heurigen Frühlings läßt die alljährliche Kinderkrankheit der„Maikühle" intensiver austreten und im erhöhten Maße schädigend wirken als in anderen in den Witterungserscheinungen normaler ver- laufenden Jahren._ Die Errichtung einer Nnfallstation auf dem Schweineschlachthof forderte om Freitag eine vom Zentralverbande der Fleischer ein- berufene Versammlung der Engros-Schlächtergesellen, Mit Rücksicht darauf, daß diese Forderung, die vor wenigen Wochen in der Presse vertreten wurde, von der Stadtverordnetenversammlung abschlägig beschieden worden ist, wurde folgende Resolution angc- no mmen: „Die Versammlung protestiert gegen den Beschlütz der Stadt- verordnetenversammlung am 1. April d. L-, auf dem hiesigen Schweineschlachthofe keine Rettungswache einzurichten. Die Ver- sammelten erklären, daß die sich zurzeit auf dem Schweineschlacht- Hofe befindende Verbandsstelle keineswegs den geringsten An- sprächen genügt, die an eine solche gestellt werden können. Auch tsi es etil großer Uebelstand, daß keine ärztliche Hilfe vorhanden. ferner, daß die beauftragte Person nicht ständig anwesend ist, so daß es sehr leicht vorkommen kann, daß Schwerverletzte längere Zeit ohne Hilfe bleiben. Mit Rücksicht auf die schwere und ge- fährliche Arbeit fordern die Anwesenden die maßgebende Behörde auf, baldigst dahin zu wirken, daß auf dem Schweineschlachthofe eine Unfallstation mit einem ständig anwesenden Arzt oder einem sachverständigen Heilgehilfen eingerichtet wird. Die Anzahl der täglichen Verletzungen jotvie die Kosten dürfen hier nicht aus- schlaggebend sein. Die Versammelten erwarten, daß auch für sie, als Bürger der Stadt Berlin, in Unglücksfällen für ausreichende Hilfe gesorgt wird." Der Berliner Lehrerverein nahm am Freitag in einer gut besuchten Versammlung Stellung zu den Aenderungcn, die vaS Herrenhaus am Lehrer-Besoldungsgesetze vorgenommen hat. Die Versammlung sprach in einer Resolution die Erwartung aus, daß StaatSregierung und Abgeordnetenhaus eine Kürzung der vom Abgeordnctenhause beschlossenen Gehaltssätze nicht zulassen werden. Herr Lehrer Pantsch hielt dann einen Vortrag über „Die Zurücksetzung des Lehrers in Vorbildung und Laufbahn gegenüber der Lehrerin." Dem Vortrage lagen folgende Leitsätze zugrunde: Der Berliner Lehrerberein begrüßt es als einen Fort- schritt, daß durch die Mädchenschulreform vom Jahre 1998 das sogenannte höhere Lehrerinnenseminar auf einer höheren Lehr- anstatt, der höheren Mädchenschule, aufgebaut ist. Der Verein hält eS im Interesse eines einheitlichen Lehrerinnenstandes, der allgemeinen Volksbildung und der Sozialerziehung unseres Volkes für bedenklich, gemäß der Ministcrialverfügung vom 15. März d. I., die Bildung der zukünftigen Volksschullehrerinnen von dem Bildungsgange der Lehrerinnen für das höhere Lehramt zu trennen und besonderen Seminaren zuzuweisen. Aus ähnlichen Gründen erscheint auch dem Berliner Lehrerverein eine organische Verbindung der Lehrerbildung mit den höheren IlnterrichtSanstalten für die männliche Jugend dringend geboten. Endlich fordert der Berliner Lehrerverein bei dieser Ge- legenheit wiederum die Zulassung der Seminarabiturienten zum Universitätsstudium, wie sie in anderen deutschen Bundes- Bezirksfiihrer Georg Haberker» Fühlung zu erlangen. Er begann, wie alle seine Klimpane: Erst ein das Gewissen einschläferndes Zureden, dann Freibier und Zigarren, dann einige Mark Entschädtgung. Und nur sachliche Be- richte wollte er haben, keine schuftigen Denunziationen der anderen Parteifunktionäre. Es wäre ja auch nicht schlimm; niemand erfahre etwas davon und es gäbe viele, die dieses hundsföttische Gewerbe schon jahrelang übten. 49 bis 59 M. Entschädigung zahle er monatlich als Judaslohn, und wenn etwas Besondere« sich ereigne, zahle er einen besonderen.Ehrensold'. So erhielt Haberkern auch einmal ein. Paar alte Stiefel als Extragralifikation. Haberkern war längere Zeit arbeitslos. Er gab den Lockungen des Versuchers nach und verlor damit leichtstiinigerweise seine Ehre als rechtschaffener Arbeiter. 5 M. erhielt er sofort. Dann aber mußte er Berichte liefern. Beim zweiten Bericht erhielt er wieder 4 M. und 1 M. Fahrgeld. Aber pronipt wurden diese 19 M. bei der ersten Monatsrate des Judaslohnes abgezogen. Bei der Entlarvung des Kriminalbeamten R e h b e r g ersah Haberkern. daß die Polizei bereit ist, ihren Subjekten 69 M. pro Monat zu zahlen. Seine Habgier erwachte und daS Geiviffen, eingeschläfert durch seinen Umgang, belastete ihn nicht mehr, so wollte er aus seiner Schande herausschlagen, was möglich war. Er einpörte sich gegen biete«jüdischen Maximen' der preußischen Polizeibeamten. wie er seinem Freunde Malick gegenüber sich milde ausdrückte und verlangte ebenfalls 69 M. monatlich. Er sollte auch den be- treffenden Kriminalkonimissar kennen lernen, indes nach dieser Mah- ilung nahm Malick hiervon Abstand, Haberkern aber erhielt seine 29 M. monatlichen Zuschuß. Beutegierig verlangte der Kriminalschlitzmann Malick nun Be- richte, namentlich über alle Zahlabende, Abteilungs- sitz u'n gen. Kreiskonferenzen und Generalversa», m- l un gen. Unter dem Pseudonym„Talent' äußerte er brieflich seine Wünsche. So wollte er die Flugblätter, das Material zur Arbeitslosenzähluug usw. vor der Verbreitung haben. Am 19. Februar schrieb er an H a b e r k e r n: „Brief erhalten, Kommiffar mit dem Kreiskonferenzbericht sehr zufrieden, bitte weiter' so, bitte Mitteilungsblatt nicht vergessen. Ein Brief wird aus Steglitz folgen als Beweismittel. Besten Dank. A. B." Dann erkundigte er sich, was die 6 Versammlungen bedeuten sollen, von denen Haberkern in seinem vorigen Bericht sprach. (Gemeint sind die 6 Frauenversammlungen am 16. Februar.) Und namentlich interessiert ihn die für den Bestand des preußischen Staates sehr wichtige Frage:„Ueber welches Thema soll referiert werden? Hat das niit dem IS. März zu tun?' Dann aber wandte.T a l e n t'- M a l i ck seine«ufmerlsamkeit der Generalversammlung deS 6. Kreises zu. Nach den Gepflogen- heiten deS Alexanderplatzes sandte er seinem Komplizen am 17. Februar per Rohrpost ein Schema folgenden Inhalts: „Beim VorstandSbericht angeben die Zahl der z. Z. besteh. Mitglieder. Wieviel gestrichen wegen Nichtzahlung von Beiträgen? Wieviel restieren noch länger als 3 Monate und nicht gestrichen sind? Wieviel sind bei den Frauen usw. Beim Kassenbericht angeben: Einnahme, Ausgabe, Bestand. Liegen gedruckte Berichte vor, dann einen besorgen. Wie ist die Angelegen- heit von Kiehr verlaufen? Ist mein Raine genannt? Die Redner mit Namen aufführen. Sind Ausschlüsse ertolgt? staaten besteht und für die Abiturientinnen des höheren Lehrerinnenseminars in Preußen aller Wahrscheinlichkeit nach demnächst zu erwarten ist. In der Debatte erklärte sich Frl. Mendt, die Vorsitzende des Vereins Berliner Volksschullehrerinnen, mit den Aus- führungen des Referenten und den Leitsätzen einverstanden. Wege» einer Gasexplosion wurde am Moutag die Feuerwehr nach der Georgenkirchstr. 2 alarmiert. Dort, in der 161. Gemeinde- schule, war in einer kleinen Kabuse die sogenannte Kugelbeweglmg an einer Gaslhra undicht geworden. Statt die Gasleitung zu schließen und zu lÜsten, betrat der Schuldiener Wilhelm Heide die Kabuse mit Licht. Beim Ableuchten entzündete sich das ausgeströmte Gas, wobei Heide Brandwunden an den Händen und in: Gesicht erlitt, die ihm dann aus der Unfallstation in der Keibelstcahe ver- bunden wurden. Holzkohlen und Papier, die in Brand geraten waren, konnten schnell gelöscht werden. Durch Absperren der Gas- leitnng wurde dann jede weitere Gefahr beseitigt. Der Unterricht erlitt keine Unterbrechung. Der Wasserfall im Biktoriapark am Kreuzberg hat am 1. Mai seine Tätigkeit, die bis zum 15. Oktober währt, wieder aufge- nommen.(Im 9 Uhr vormittags begannen die rauschenden Fluten von der Höhe durch die mit grünen Sträuchern bewachsene Felsen- rinne in das Sammelbassin an der Kreuzbergstraße im Zuge der Großbecrenstraße sich zu ergießen. An jedem Mittwoch und Sonn- abend abend findet fortan buntfarbige Beleuchtung des Wasserfalles durch zahlreiche elektrische Scheinwerfer statt. Der Stadtverordnetenversammlung Berlin ist die schon an- gekündigte Magistratsvorlage über die Erhöhung der Kur- und Berpflegungskostcu in den Berliner Krankenaiistalteu zum 1. Juli d. I. zugegangen. Einheimische Kranke sollen von diesem Zeitpunkt ab 3 M. und auswärtige 3>/z M. zahlen. Für Kranke, die nicht in Berlin wohnen und deren Wohn- gemeinde für Berliner Kranke höhere Sätze, als die vor- stehenden, berechnet, soll ein gleich hoher Betrag erhoben werden. Ein eifriger Genosse ist in der Person des Schriftsetzers Fritz W u t h e n o w verstorben. Genosse Wuthenow gehörte zu jenen Genossen, die still und emsig sich der so müh- seligen, aber doch notwendigen, die Erfolge der Partei ver- bürgenden Kleinarbeit widmeten. Nicht aus äußere Anerkennung hoffend, war der Verstorbene immer auf dem Posten, wenn die Partei rief. Seit dem Jahre 1999 bekleidete W. in der Schönhauser Vorstadt den Posten eines Bezirksführers und war als Obmann der Schiedskommission Mitglied des Vorstandes im Wahlverein für den sechsten Wahlkreis. Auch in seiner Gewerkschaft, dem Verbände deutscher Buchdrucker, tat W. seine Schuldigkeit. Lange Jahre ver- trat er als Obmann des ArbeiterauSschuffeS der Buchdruckcrei Hermann die Interessen seiner Kollegen und gehörte seit einiger Zeit auch dem Vorstände des GaueS Berlin an. Alle seine Kollegen, wie die Ge- nossen, die den Verstorbenen kannten, werden ihm sicher ein gutes Andenken bewahren. Die Beerdigung erfolgt heute nachmittag 4>/z Uhr auf dem Genieindefticdhofe in Friedrichsfelde. Unfall des MilitärluftschiffrS„Groß ll.' Das Militärluftschiff „Groß II' unternahm gestern vormittag um 1/otO Ubr seinen vierten Probeaufstieg. Die Führung hatte Major Sperling und Ober- ingenieur Vaienach. Ferner nahm an der Fahrt ei» Marineobersignal- maat teil, der die Leinen des Luftschiffes zu bedienen hatte. Der Wind hatte anfangs eine Stärke von 3—4 Metern und frischte später etwas auf. DaS Luftschiff fuhr gegen den Wind in der Richtung nach Brandenburg und erzielte eine ansehnliche Schnelligkeit. Nach einer Stunde kehrte eS zum Tegeler Schießplatz zurück, machte einige Drehungen und trat dann noch eine zweite Fahrt an. Es fuhr wieder gegen deir�Wind und kehrte gegen'/,12 Uhr zurück. Als es in einer großen Spirale mit Hilfe der Höhensteuerung landen wollte, stieß eS, ehe die Haltetaue erfaßt werden konnten, gegen den hohen Signalmastkorb, der auf dem Tegeler Schießplatz wegen deS Scharfschießens hochgezogen war. Der Mast brach entzwei und der Mast- Ha st ganz leidlich auf- mich über D.(Dobrohlaw) ge- Sei so freundlich und schicke Ich erwarte morgen den Brief. Besten Gruß Talent. Nur Die Namen und Wohnung derselben und den Grund. Sonst alles der Reihe nach anführen und etwa? erläutern. Vorstandsbericht, Kassenbericht. Bericht der Revisoren, die neuen Vorstandsmitglieder, neue Abteilungs- führcr und-Führerinnen, wenn möglich, auch die Wohnung angeben. Eingehenden Bericht über die Entschädigung der Funktionäre ünd die Deckung der Entschädigung. Ob sämtlsche Funktionäre und die Vorstandsmitglieder gleichmäßig für jede Sitzung entschädigt werden, oder erhalten letztere eine höhere Entjchädigung? Eingehenderen Bericht über die Fiedlersche Ausschlnßangelegenheit. Fiedler hat D o- brohlaw verllagt, ist hierüber etwa? bekannt geg eben?' Merkwürdig, daß Malick am 17. Februar schon den Prozeß kannte. Für den 19. Februar setzte er eine Zusammenkunst nach dem„Cafä Norden' an. verlangte die Ausführung S- b e st i m m u n g e n des VI. Kreises und bestätigte den Empfang des Berichts der Abteilungs sitzung vom 16. Februar. Und so geht es fort in altgewohnter Weise. Ueber denVerichtvon der Generalversammlung schreibt er: „L. G. Habe Ber. erhalten. gepaßt in der Vers. Ich habe tvundert. Besten Danl vorläufig. mir eine Ouittuilg über 15 Mark. Sonst alles in bester Ordnung. Schubert unterschreiben, gewöhnlicher Brief." Und was alle Welt weiß, für ihn bedarf es erst eines Berichts, daß die Sozialdemokratie stets schlagfertig dasteht. So fragt er an: „Ich habe in einer Zeitungsnotiz gelesen, daß die Partei voll- ständig vorbereitet ist auf eventuelle LandtagSwahl, der eventuell zu kassierenden vier Mandate. Ist Dir hierüber etwas bekannt? Sei so gut und schicke mir mal Bericht über die an; vorigen Mittwoch stattgefundene Schiedsgerichtssitzung. Gruß Talent.' Diese SchiedSgerichtSsitzung betrifft die Anschuldigimgen gegen den Genossen Dobrohlaw. Und Haberkern hat gewiß ganz im Sinne seines Auftraggebers die gehässigsten Anwürfe gegen D. er- hoben. Ob er auch dafür eine Extragratisikation erhielt f Sehr anerkennend sprach sich Malick- Talent über unser Mit- teilungsblatt aus, indem er an seinen Untergebenen schrieb:„Ueber- sende Dir das Mitteilungsblatt zurück. Sei aber so freundlich und schicke mir e« nach dem Zahlabend wieder zu. stehen ganz inter- essante Mitteilungen drin.' Nachdem Haberkern Beweise für seine Oualifikation als polizeilicher Zuträger geliefert hatte, wurde er für fähig erachtet, die Rolle emeS preußischen Polizeibeamten zu übernehmen. Er wurde zur g e h e i m e n U e b e r w a ch u ng der Versammlung am 16. März auSersehen, waS auS folgendem Brief hervorgeht: „L. G l Du sollst so freundlich sein und heute abend bei Arndt, Bclforter Str. 15. zur Versammlung gehen und Bericht er- statten. ES kommt daraus an: Beginn der Versammlung, Zahl der Besucher(Männer, Frauen). Referent, Leiter der Versammlung. korb stürzte herunter. DaZ Luftschiff kam Lei dem Renkonter ohne Verletzung davon und konnte eine Viertelstunde später glücklich landen. Selbstmord eines Arztes. Durch das Oeffnen der Pulsadern hat sich gestern in seiner Wohnung in der Grimmstr. 19 der 30jährige Arzt Dr. Heusner den Tod gegeben. Dr. Heusner war unverheiratet. Reben seiner Privatpraxis war er im Urbankrankenhause tätig und wurde oft zu Obduktionen von Leichen hinzugezogen. In letzter Zeit zeigte er ein etwa? gedrücktes Wesen, ohne daß seine Bekannten eine Erklärung dafür zu geben wußten. AIS er gegen seine sonstige Ge- wohnheit gestern unsichtbar blieb und auch nicht im Krankenhause erschien, schöpfte man Verdacht. Da trotz allen Klingelns die Wohnung nicht geöffnet wurde, holte man einen Schlosser, der die Tür gewaltsam öffnete. Dr. Heusner wurde in seinem Schlafzimmer in einer großen Blutlache aufgefunden. Mehrere Aerzte aus dem Urbankrankenhause konnten nur noch den Tod ihres Kollegen fest- stellen. Die Leiche wurde nach dem Urbankrankenhause gebracht."Das Motiv der Tat ist unbekannt. Dr. Heusner hat mehrere Briefe an Verwandte hinterlassen, die inzwischen der Post zur Beförderung übergeben wurden. Kaffenraub in Pichelsberge. Ein Hausdiener, der am letzten Freitagabend unter dem Namen Wilhelm Donnig eine Stelle im Restaurant Kaisergarten in Pichelsberge antrat und am Tage darauf nach einem Einbruch in die Geschäftskasse auf der Flucht den Büffettier Glademann von der„Neuen Welt" in Spandau schwer verletzte, ist verhaftet worden. Es ist ein 13 Jahre alter Buchhalter Walter Schwarz aus Gröben bei Weißenfels in Sachsen. Fahrradmarder treiben in Berlin und Vororten fortgesetzt ihr Unwesen. Am 1. Mai mittags wurde aus dem Hausflur des Hauses Hirtenstraße 22 ein Fahrrad aus dem Fahrradhaus„Frisch Auf" ge- stöhlen. An der Lenkstange ist die Firma„Produktiv- u. Einkaufs- Genossenschaft der Berl. Arb.-Radf.-V. II Voran II" angebracht. Lenkstange nach oben gebogen, Guinmipedale, 1>/zzöllige Felgen und Mäntel. Nr. SSS9(nicht 2659). Im Apollo-Theater ist wieder der Komiker Hartstein eingekehrt, der bereits vor zwei Jahren an dieser Stelle durch seinen goldigen Humor das Publikum hinritz. Auch diesmal verfehlt Harlstein, der in einem von ihm selbst geschriebenen Stück:„Er oder Er" auf- tritt, seine Wirkung nicht. Das Easino-Thcater hat in sein Maiprogramm Oskar Walters und Leo Steins zugkräftigen Schwank„Das Opferlamm" aufgenommen. Das an komischen Verwirrungen überreiche Stück gefiel ungemein, was bei dem vorzüglichen Zusammenspiel des Ensembles auch gar nicht verwundern konnte. Von den Dar- stellern glänzten besonders Direktor Hans Berg(Professor Griebenow), Adolf Zimmermann(Holzhändler Lehmann), Gertrud Hinzer(Frau Griebenow) und Emilie Lübke (Kunstreiterin Wanda Vilinski).— Dem Theaterstück ging ein „Bunter Teil" voraus. Auch von diesem läßt sich nur das beste sagen. Robert Nesemann brachte als beliebter Humorist wieder ein paar prächtige Schlager; in der Soubrette Lina Goltz besitzt das Theater eine Kraft, die man als vollwertiges weibliches Gegenstück zu Nesemann bezeichnen kann. The Ehamptinis „Alte Weibermühle" und Brocks u. Cocksis komischer Modelleur- Akt fanden reichen Beifall. Auch die Geschmeidigkeit und Ge- wandtheit, mit der Ellen Ella die schwierigen Piecen ihres akrobatischen Aktes produzierte, verdienen eine anerkennende Erwähnung. Radrennen in Zehlendorf.„Hie Zehlendorf"—„hie Steglitz" lautete die Parole des Berliner Publikums in seiner Stellungnahme zum„Kampf ums Recht", den die Rennfahrer führen, gegen den „Kampf um die Macht", den Herrenstandpunkt der Rennbahnbesttzer. Der weitaus größte Teil der Besucher von Radrennen steht auf feiten der„ausgesperrten" Fahrer und erteilte durch ihr Fernbleiben von den gleichfalls in Steglitz stattfindenden Rennen Herrn Knorr eine neue, derbe Lektion. Der Besuch in Zehlendorf war ein sehr guter, leider wurde die Geduld des Publikums durch die Ungunst des Wetters auf eine harte Probe gestellt und Thema. wichtigsten Ausführungen. Diskuffionsredner und kurze Ausführungen, Schluß der Versammlung. Ob Ruhestörungen stattgefunden, Was für Broschüren und Photographien dort verkaust durch Händler. Und sonst Bemerkenswertes. Bericht durch Rohrpost". Haberkern konnte an der Versammlung nicht teilnehmen, tNtschuldigte sich und erhielt darauf folgenden Brief: „Deinen Brief erhalten, ich habe eS mir schon gedacht und auch schon beizeiten vorgebeugt, indem ich sagte, daß Du Ge- werkschaftsvers. hast. Es hat auch weiter nichts geschadet. Es waren nur Beamte knapp und so solltest Du einspringen. Die Hauptsache ist, daß ich mich auf den Generalvers.- Bericht genau verlassen darf. Ich habe nächste Woche Umzug. Jedenfalls werdet Ihr wohl diese Woche nochmal Sitzung haben, so sei so freundlich und besorge die Ga st karte. Besten Gruß Talent." Durch einen„Zufall" war der Polizei bekannt geworden, daß etliche Gastkarten zur Generalversammlung von Groß- Berlin ge- kennzeichnet waren. Man befürchtete auf dem Alexanderplatz die Feststellung, von wem jeder Besucher die Karte erhalten hat. AuS naheliegenden Gründen war infolgedessen den Beamten verboten, dorthin zu gehen. Doch, kann der Satan nicht gehen, so schickt er seinen Hausknecht. Und so wurden die Ausgehaltenen des Berliner Polizeisumpfes in die Generalversammlung zur Bericht- erstattung dirigiert und sie wisperten und zischelten in den Gängen und Galerien; galts doch, den Bericht lohnend zu gestalten. Leider entging ihnen der so sehnsüchtig erwartete fette Bissen. Aus ähnlichen Gründen, wie bei der Verbandsgeneralversamm- lung, sollten an der Versammlung am 4. April, in welcher Genosse Rosenfeld der politischen Geheimpolizei ihr getreues Konterfe» ent- geaenhielt, Beamte nicht teilnehmen. Man befürchtete offenbar, daß diesen die Röte ins Geficht steigen würde und sie sich dadurch kenntlich machen würden. Nach unseren Erfahrungen eine unniitze Sorge. Und so schrieb Malick an H a b e r ke r n(und Malicks Kollegen an ihre Untergebenen im ähnlichen Sinne): „L. G. Brief erhalten. Sei so freundlich und gehe morgen mittag 12 Uhr nach der Versammlung. Du mutzt darüber be- richten. Du wolltest ja so wie so hingehen. Merke Dir nur die Ausführungen des Referenten und der Diskussionsredner. Aber ich glaube, Diskussion wird wohl nicht stattfinden.... Geld werde ich Dir auch in meiner Wohnung geben.... Besten Gruß Talent." Hier genügt also nicht mehr ein sachlicher Bericht. Malick glaubte sich seines Opfers bereits so sicher, daß er ihm die schuftige Denunziation der Redner anbefiehlt. Hatte er doch Haberkern eine Extragratifikation versprochen, wenn er bei seinem Verkehr mit den Parteigenossen herausschnllffeln könnte. Auf eine„Lage" dürfe eS dabei nicht ankommen, diese Auslagen werden wieder ersetzt. Am 19. April schrieb Talent-Malick: ,L. G. Vielleicht bist Du so freundlich und kommst morgen, den ersten Feiertag, im Laufe des Vormittags mal nach meiner Wohnung. Sollte es Dir nicht möglich fein, denn nachm. um 5 Uhr. Ich habe Geld für Dich. Solltest Du schon i m Besitz von Material sein, so bringe ein Mitteilungsblatt und eine Zehnpfennig- sowie eine 0,30 Mk.-Marke mit. Besten Gruß Tal." Nach dem Geständnis des H a b e r k e r n hat eS mit den ge- wünschten Marken folgende Bewandtnis:„Talent"«Malick, der sich im sechsten Kreise August Mischke nannte, belaß noch das reichhaltige Programm erlitt bedeutende Abstriche. Ein um 4>/z Uhr herniedergehender heftiger Regen zwang zur Unter brechung der Rennen und erst nach 6'/z Uhr konnten dieselben fort gesetzt werden. Die Hauptnummer, der„Preis des Deutschen Siennfahrer-Verbandes", wurde von 75 Kilometer auf 59 Kilometer-abgekürzt Das Renneu verlief äußerst spannend und zeitigte schöne Kämpfe der einzelner Teilnehmer untereinander und endete mit einem überlegenen Siege des Schweizer Fr. R h s e r vor Stol, Hall und Robl.— Stol, der von Beginn die Führung hatte, holt bald Robl, und Ryser folgt diesem Beispiel. Alle vier Fahrer liegen nun dicht hintereinander, in der 24. Runde schwimmt Stol und Ryser über nimmt die Spitze, die er siegreich bis zum Schluß behauptet. Alle Versuche von Stol und später von Hall, den Führenden zu passieren, sind erfolglos. Auch Robl setzt lange Zeit den Angriffen Widerstand entgegen, doch nach der 95. Runde war es mit ihm vor- bei. Stol und Hall liefern sich harte Kämpfe und erleidet Hall kurz vor Schluß Radschaden und auch Stol fällt zwei Runden zurück.— Die Fliegerrennen waren sehr interessant und boten schöne Kämpfe. Im Hauptfahren errang W. A r e n d einen ganz knappen Sieg vor Süßmilch, Peter und Kurzmeier, während Stabe und Carapezzi un- placiert endeten. Auch im Tandemrennen wurde der Endkampf heiß bestritteit von Kudela-Peter gegen Techner-Kurzmeier und Hitzler-Müller. Das Steglitzer Rennen wurde des schlechten Wetters wegen nicht abgehalten. Das Publikum bekam sein Geld zurück. Die Streitigkeiten zwischen den Rennfahrern und dem Verband der Radrennbahnen sind in einer am Sonnabend stattgehabten Generalversammlung des letzteren zu beiderseitiger Zufriedenheit beigelegt worden. Der Verband hat von der D i's- gualifikation der Fahrer Arend, Theile, Kudela, Peter, Stabe und S t e I l b r i n k sowie Robl abgesehen; dagegen zahlen diese insgesamt eine einmalige Buße von 599 M., die der UnterstützungSkasse des Verbandes deutscher Radrennbahnen überwiesen wird. Robl. dem die Erlaubnis zum Fahren verweigert war, zahlt 299 M. Strafe und erhält die Lizenz. In Sachen Baders, dessen Disqualifikation auf drei Monate die Ursache des Streites war, wird ein Schiedsgericht entscheiden. Bei der Maifeier am Sonnabend sind in einigen Lokalen ver- schiedene Gegenstände teils verloren, teils gefunden worden. Im dritten Kreise, der seine Feier in der Neuen Welt abhielt, sind die gefundenen Sachen bei A. Pohl, Naunynstr. 39, abzugeben, während je ein Schirm abzuholen ist vom Bureau Stralauerplatz 1/2(Mai- feier SanssouP), und bei Rietz, Fehmarnstr. 3. Eine bei der Mai- feier in der Krönenbrauerei gefundene Damenuhr wolle die Verliererin bei Fröhlich, Witlstocker Str. 23, in Empfang nehmen. Berliner Adreßbuch. Der zweite Nachtrag zum Jahrgang 1999 ist soeben erschienen und gelangt von heute ab zur Ausgabe. Der- selbe enthält alle seit Erscheinen der Hauptausgabe angemeldete» Wohnungsveränderungen, Geschäftseröffnnngen und Geschäfts- Verlegungen, Zuzüge, Berichtigungen usw. Außer dem vollständigen Inhalt des ersten Nachlrags sind insbesondere die Ergebnisse des April-Umzuges und die jetzt schon feststehenden, im Laufe des Jahres stattfindenden Wohnungs- und sonstigen Veränderungen eingehend berücksichtigt. Auch dieser zweite Nachtrag wird allen Abnehmern des diesjährigen Adreßbuchs in der Hauptexpedition des„Berliner Lokal-Anzeigers", SW., Zimmerstr. 36—41, und in dessen sämtlichen Filialexpeditionen bis Ende Mai d. I. unentgeltlich verabfolgt. Vorort- JVacbricbtcn. Ueber die Maifeier liegen noch eine Anzahl erst am gestrigen Tage eingelaufene Be- richte aus den Vororten vor, aus denen hervorgeht, daß die Feier einen ungestörten und würdigen Verlauf genommen hat. Nur in Spandau schien es die Polizei für nötig zu halten, um- fassende Matznahmen gegen die demonstrierenden Arbeiter zu treffen. auf einen anderen Namen ein Mitgliedsbuch des vierten Wahl- kreiseS. Solange er nun Bezirksführer war. klebte er aus seinem Markenbestande dieses Buch. Da dasselbe im vierten Kreise längst verfallen war(in der Abficht, so jede Nachforschung nach dem Inhaber deS Buches unmöglich zu machen), verschaffte er sich auf diesem, bei seinen Kollegen nicht mehr ungewöhnlichen Wege, die Marken und zum Abstempeln der Marken soll er, oder seine Kollegen, einen Stempel des vierten Kreises besitzen. Den Namen, auf den das Buch ausgestellt war, zeigte er selbstverständlich nicht, da er naturgemäß Leute seines Umganges jedes Verrates für fähig hielt. Zu welchen Mitteln Malick in Uebereinstiinmung mit Haberkern griff, um seine Entlarvung möglichst zu erschweren, zeigt, daß er m seinem Bezirksführer-Buch eine falsche Mitglieds- »ummer eintrug. Seine Nummer ist 33 337, er gab aber an die Nummer 36 587. Diese Nummer führ! der Reisende Guse, Beussel- straße 57. Bei Haberkern(nicht etwa bei Talent-Malick) regte sich nun das, was von seinem Gewissen noch übrig war. Er befürchtete, seines ehrlosen Gewerbes überführt zu werden, und schrieb in diesem Sinne auch an seinen Verführer Malick. Dieser aber beruhigte den Furchtsamen. Er hätte alles so talentvoll eingerichtet, daß ihnen niemand etwas anhaben könne. Da Malick aber durch seinen früheren Schlafkollegen(einen Postkekretär) er- fahren hatte, daß man sich in seinen früheren Schlaf- stellen in der Lette- und Rodeubergstraße nach ihm erkundigt hatte, riet er selbst zur größten Vorsicht. Jedes persönliche Zu- sammentreffen sollte vorläufig aufhören und der Verkehr nur noch auf schriftlichem Wege aufrechterhalten werden. Trotzdem er das Damoklesschwert der Entlarvung schon über sich schweben sah, er- suchte er noch dringend um Berichte und MaiseierbillettS. Er wollte eben doch noch herausschlagen, waS möglich war. Dann aber kam der Zusammenbruch. Bei der Entlarvung des Polizeibeamte» August Malick wurde eS dem Genossen zur Gewißheit, daß sich der Lithograph Georg Haberkern von ihm habe kaufen lassen. Einige Parteigenossen stellten Haber- kern und sagten ihm seine Tat auf den Kopf zu. Er gestand. Damit ist er aus den Reihen derjenigen gestrichen, die sich als klaffen- bewußte Arbeiter fühlen und ihre Ehre als das höchste Gut be- trachten. Nachstehend führen wir in Originalschrift unseren Lesern einige mit falscher Unterschrist versehene Quittungen vor, wie sie Talent- Malick als Muster vorschrieb. 3 £ An manchen Stellen konnten richtige Schutzmannsketten beobachtet werden. Namentlich als sich ein Zug von etwa 499 Teilnehmern um 8'/« Uhr vom Böhleschen Lokal nach der Breitestraße zu bewegte. Hier versperrte die Polizei den Zugang zum Rathause beziehungs- weise Marktplatz. Dann teilte sich der Demonstrationszug noch ein- mal an der Ecke der Breite- und Charlottenstraße. Am Lindenufer fanden sich jedoch die Teilnehmer wieder zusammen, um zu ihrem Ziele nach dem„Alten Freund" in Picheiswerder zu gelangen. Rixdorf. Die Geprellten. Wie kurzsichtig die Vertreter der Mittelstands- Parteien am 17. Dezember 1993 gehandelt haben, als sie sich vor den Karren der Wahlrechtsräuber spannen ließen, muß auch für sie jetzt klar zutage liegen. Das von den Bürgerlichen einstimmig beschlossene Ortsstatut, wonach für die Zugehörigkeit zur zweiten Wählerklasse ein den Durchschnittssteuer- satz um die Hälfte desselben übersteigender Betrag festgesetzt wurde. hatte zur Folge, daß sich die unterste Grenze der zweiten Wähler- abteilung von zirka 78 M. gegenwärtig auf rund 129 M. ver- schob. Wie sich jetzt herausstellt, ist diese Rechnung noch viel zu „volksfreundlich". In Wirklichkeit gestalten sich die Dinge noch weit ungünstiger, wenn das Ortsstatut vom Bezirksausschuß genehmigt wird. Aus dem eben beschlossenen Etat geht nach er- folgter amtlicher Drucklegung hervor, daß die Gesamtsumme der Einkommensteuer sich um etwa 259 999 M. erhöht, während dagegen die Gemeindegrundsteuer infolge der Erhöhung des Steuersatzes von 2,99 pro Tausend auf 6 pro Tausend für unbebaute Grundstücke einen Mehrbetrag von rund 699 999 M. erbringt. Hierdurch er- langen die besitzenden Klaffen— dank deS DreiklaffenwahlrechtS— ein noch größeres Uebergewicht wie sie es bisher ohnehin schon hatten. Denn jetzt tritt eine weitere Erhöhung der untersten Steuer- grenze der zweiten Wählerabteilüng ein, so daß man nunmehr unter Zugrundelegung des beschlossenen Ortsstatuts mindestens 159 Mark Steuern wird bezahlen müssen, um in der zweiten Klaffe wählen zu können. Daß das bei den Beamten. Handwerkern und Kaufleuten eine außerordentliche Seltenheit ist, wissen diese wohl am besten. Soweit diese Mittelschichten noch nicht erkannt haben. daß sie ihrer wirtschaftlichen Stellung nach zur Sozialdemokratie ge- hören und in dieser ihre Vertretung erblicken, werden sie jetzt bei Kommunalwahlen geradezu bedeutungslos; sie gehen in der dritten Abteilung unter. Ihre eigenen bürgerlichen Vertreter haben sie völlig rechtlos gemacht. Das sind besonders jene Leute, die sich zu der„Neuen bürgerlichen Vereinigung" als be- sondere Fraktion zusammengeschloffen haben, deren Grundsatz ist: Jedem Stande widerfahre Gerechtigkeit, jedoch ordne man Standes- intereffen dem Interesse des Ganzen unter". Wenn die Herren nun behaupten, daß sie nach diesem Grundsatze immer verfahren sind und weiter danach handeln werden, so beweist das in der Wahlrechts- frage, daß sie bewußt die Interessen der Grundstücksspekulanten ge- fördert, die Interessen ihrer Wähler jedoch schnöde verraten haben. Wir lasten es dahingestellt— das mögen die Herren gefälligst selbst beantworten—. ob die Förderung der Interessen des selbstischen Grundbesitzes identisch ist mit den All- gemeininteressen. Eine FrühlingSfeier veranstaltet für die arbeitende Jugend der JugendauSschuß der Arbeiterschaft RixdorfS am Sonntag, den 9. Mai, nachmittags 4 Uhr, in Felschs GesellschastS- Haus, Knesebeckstr. 48/49. Das Programm besteht aus Fest- vorwog, Kammermusik(Klavier, Violine, Cello), Rezitationen und Sologesang; ein Tanzkränzchen bildet den Abschluß. Die Genossen und Genossinnen tun gut, wenn sie die ihren Familien zugehörigen jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen auf die künstlerische und stimmungsvolle Feier aufmerksam" machen. Eintrittskarten werden umsonst ausgegeben, jedoch nur -a/ Pfi+Sod* J. rfOf- jfytvfarf Wir haben uns häufig in bitterer Ironie mit der Spitzel- Wirtschaft des AlexanderplatzeS beschäftigt und über ihre Erfolge ebenso häufig gespottet. Wir können aber die Macher dieses Systems von einer schweren Verantwortung nicht freisprechen. Dieses schmach- volle Spitzeltreiben hat in Deutschland eine Korruption gezeitigt, die das ganze politische Leben Deutschlands zu vergiften droht. Nur der eisernen Disziplin der Sozialdemokratie ist eS zu danken, daß die K�onts provocateurs nicht recht Fuß fassen können. Man fragt sich aber: wohin soll es führen, Ivenn der Verrat in seiner scheußlichsten Form, das heißt zwischen Gleichgesinnten, in tückischer Weise großgezogen wird? Will man denn Akte der Notwehr provozieren? Ist man sich denn nicht klar darüber, wie furchtbar verbitternd eS auf diejenigen wirken muß. die begeistert für ihre Ideale einweten und sehen, daß zwischen ihnen die Drachensaat deS Verrats gesät wird, daß die Käuflichkeit um jeden Preis versucht wird? In Gedichten und Fesweden preist man die Treue und Ehrlich. keit des deutschen Gemüts, in der Praxis aber fördert man den Betrug und Verrat. Noch eine andere bedenkliche Seite zeigt dieses System, und hier sollten unsere bürgerlichen Parlamentarier doch einmal die Sonde der Kritik ansetzen: Wer bürgt dafür, daß die mit falscher Unter- schrist versehenen Quittungen wirklich ausgestellt sind? Hat sich doch im Leckert- Lützow- Prozeß gezeigt, daß Kriminalkommissar Tausch mit gefälschten Quittungen operierte. Wir fragen die Ver- treter dieses zum Himmel stuckenden Korruptionsshstems: Bildet man sich denn wirklich ein, mit derarttgen Mitteln die Sozialdemo- kratie bekämpfen zu können? ES wäre zum Lachen, wenn eS nicht zu empörend wäre! Wir glauben, daß sich unsere herrschenden Kreise gar nicht schlimmer kompromittieren können, als durch die Existenz einer Einrichtung, die Parteischwächlinge kauft und sie zu Schurken macht. Mit der Zeit muß dieses System in weiten Kreisen eine solche Fülle von Haß und Abscheu erwecken, daß selbst den bürger- lichen Verteidigern vor ihren Schützlingen graust und ihnen die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Wem nicht jeder Funke für Reinlichkeit, Ehrlichkctt und Treue in Rad und Tat erstorben ist, der wird mit uns übereinstimmen in dem Wunsche: Fort mit der politischen Geheimpolizei, diesem schmachbeladene» Herd und Hort der schlimmsten Korruption! (Fortsetzung folgt.) vorher und zwar vei: JulwS Rummel, Kaifer-Friedrich-Strahe 86; Frieda Schulte, Niemetzstr. 17. IH: Wilhelm Schulz Sander- stratze 12. vorn Hl; Emtl Wutzlh, Niemetzstr. IS. HI. Lankwitz. Ein Baunnfall ereignete sich gestern auf dem Bau von Kagelitz in der Marienfelder Strohe. Dort stüzte eine Mittelwand ein. wo- durch ein Wasserträger schwer und ein Maurer leicht verletzt wurde. Wilmersdorf. Die Stadwerordnetcnversammlunz hält am Mittwoch abend 6 Uhr in der Aula der Viktoria-Luise-Schule in der Uhlandstrahe eine Sitzung ab. In der acht Punkte umfassenden Tagesordnung ist vor allem die Beratung einer Eingabe des Grundbesitzervereins Halense«. die Einführung der Wertzuwachs st euer betreffend, der öffentlichen Beachtung wert. Ferner kommt die vielerörterte Frage der Unterhaltung der B ü r g e r st e i g e zur Verhandlung. Nieder-Schönhausen. Die letzte Gcmeindevertretersitzung hatte sich nochmals mit der .Unterstellung der höheren Mädchenschule unter das Provinzial- schulkollegium und Annahme der für höhere Mädchenschulen er- lassenen allgemeinen Bestimmungen" zu beschästigen. In einer früheren Sitzung hatte die Vertretung beschlossen, die Schuldeputation solle zunächst feststellen, welche Mehrkosten dadurch entstehen. Die Schuldeputation hat nun erklärt, dah sie nicht wisse, wie die Schule sich in den nächsten Jahren gestalten werde. Stimme die Ver- tretung ihrem Antrag auf Unterstellung der höheren Mädchenschule unter das Provinzialschulkollegium aber nicht zu, so dürfe die Schule nur als.gehobene Mädchenschule" bezeichnet werden; es sei daher nicht ausgeschlosien, daß dann die Schule eingehen werde, außerdem sei eS äußerst schwierig, die disponiblen Lehrkräfte unterzubringen. Nach längerer Debatte wurde der Anttag der Schuldeputation an- genommen. Reinickendorf. In der am Freitag stattgefundenen Gemeindebertretersitzung teilte der Bürgermeister zunächst mit, daß der gegen die Stadt Berlin wegen der UnterhaltungSpflicht der Oranienburger Chaussee angestrengte Prozeß auch in der letzten Instanz zuungunsten der Gemeinde Reinickendorf entschieden worden sei. Die ge- samten Prozeßkosten betragen 13 813,7S M., die von der Gemeinde zu zahlen sind. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete die Beschlußfassung über den evenwellen Beitritt zu dem zu grün- denden V e r k e h r s z w e ck v e rba n d Groß-Berlin". Die Verhandlungen hierüber schweben bereits über 2 Jahre. Endlich wurde in der am 25. März d. I. im Nioder-Barnimer-KreiShause tagenden Versammlung von Vertretern der beteiligten Gemeinden eine Vereinbarung getroffen, die nur noch der Zustimmung der beteiligten Gemeindekörperschaften bedarf. In der Diskussion über daS Statut wurde von den verschiedensten Seiten auf diverse Punkte der Statuten hingewiesen, die, zumal für kleinere Gemein. �den, recht bedenklicher Natur sind. Von Herrn Schröder wurde daher beantragt, die Beschlußfassung vorläufig auszusetzen, bis Eni schlietzungen anderer Gemeinden vorliegen. Dieser Antrag wurde von unserem Genossen Köhn und von dem Beisitzer Rcichhelm lebhaft bekämpft. Beide betonten die Vorzüge der in Aussicht stehenden einheitlichen Regelung deS Groß-Berliner Verkehrs und der voraussichtlichen Uebernahme der jetzt vom Privatkapital ausgebeuteten Verkehrsmittel. Ter Bürgermeister ersuchte ebenfalls nach Würdigung der Einwände den Vertrag möglichst einstimmig gutzuheißen. Die einstimmige Annahme der Statuten auch seitens der anderen Gemeinden wäre ein einmütiger Protest gegen die Machenschaften der„Großen Berliner Straßenbahn", aber auch ein Appell an die Berliner Stadwerordneten, nicht klein- lich wegen einzelner Bestimmungen der Stawtcn den Vertrag scheitern zu lassen. Wenn auch die Stadt Berlin sich einer ge- hörigen Portion Rechte begebe, so dürfe doch auch nicht verkannt werden, daß die erst in der Entwickelung begriffenen Vororte für alle Zukunft ihr Wohl und Wehe in Verkehrsfragen dem neuen Zweckverbande ausliefern. Die Statuten fanden darauf einstimmige Zustimmung. Die übrigen Punkte beanspruchten weniger Interesse. Wie der Fiskus bei jeder Gelegenheit die Gemeinden zu schröpfen versucht, mußte unsere Gemeinde wieder erleben gelegentlich der Verlegung eines Äanalisationsdruckrohrcs unter der lieber- führung der Eisenbahn im Zuge der Provinzstraße. Die Eisen- bahn ist die Eigentümerin des entsprechenden Straßenteils und hat hierfür die Unterhaltungspflicht. Da das Straßenniveau sich hier erheblich senkt, sammelt sich an dieser Stelle bei Nieder- schlügen das Wasser, so daß ein Ableitungsrohr in die Straße verlegt werden mußte. Jeder wird es als selbstverständlich ansehen, daß dies vom Wegeunterhaltungspflichtigen Eigentümer der Straße, also hier vom Eisenbahnfiskus zu geschehen hat, aber weit gefehlt. Die Gemeinde, die bei dem Zustande ja die Not- leidende ist, wollte die Arbeiten vornehmen und verlangte die Ueber- tragung des Eigentumsrechtes an der Straße. Das scheiterte je- doch an der außerordentlich hohen Forderung von 9000 M. Schließlich einigte Man sich auf eine jährliche Anerkcnnungsgcbühr von S M. Ob der Staat dabei besser fährt? Zum Vorsitzenden des Gewerbegerichts wurde wiedergewählt der Beisitzer Reichhelm, zum Stellvertreter der Bürgermeister Wieke. Für die Beteiligung an der geplanten Statistik für Groß-Berlin wurden die Mittel be- willigt. Für die am 1. Juli zu errichtende Sparkasse soll ein erfahrener Sekretär eingestellt werden. Schwere Kämpfe mit der bürgerlichen Majorität der Gemeindevertretung stehen unseren Genossen bevor. Die Gemeinde besitzt glücklicherweise ausgedehnte Ländereien, die allmählich zur Bebauung reif werden. Diese sollen nun, weniges nach dem Willen einiger Heißhungeriger geht, der wildesten Spekulation ausgeliefert werden. Eine vernünftige Ge- meindeverwaltung, die das Wohl der Gesamtheit will und einen offenen Blick für die sozialen Aufgaben der Zukunft hat, wird sich dem energisch widersetzen. DaS haben unsere Genossen des öfteren schon, zuletzt gelegentlich der Etatsberatung, zum Ausdruck gebracht, doch vergebens! Sie haben tauben Ohren gepredigt. Zur Be ratung stand der Antrag des Gemeindevorstandes, betr. Bildung einer sicbengliederigen Kommission zur Verwaltung des Gemeinde grundbcsitzes. Vertreten sind rn dieser der Gemeindevorstand durch 3, die Gemeindevertretung durch 4 Mitglieder. Da die von unseren Genossen vorgeschlagenen Kandidaten keine Gnade vor den Augen der bürgerlichen Herren fanden, werden sich diese die Arbeit der Kommission im Plenum um so genauer und gründlicher ansehen müssen. Stowawes. In der letzten Gemeindevertretersitzung erfolgte die Einführung des als Vertreter der 2. Abteilung gewählten Schuldirektors Röhl; für den ebenfalls als Vertreter der 2. Abteilung gewählten Vor- schullehrer Reiff ist merkwürdigerweise die Erlaubnis zur AuS- Übung dieses Amtes von der Schnlbehörde noch nicht eingegangen, so daß dieser Platz noch unbesetzt ist. Die hierauf vorgenommene Ergänzungswahl zu den Kom- Missionen hatte das Resultat, daß unsere Genossen in allen Kom- Missionen durch ein resp. zwei Mitglieder bertrelen sind mit Au?« nähme der Gemeindeschuldcputation, der Kuratorien der höheres Schulen und des Elektrizitäts-Verwaltungsausschusses. Einem Antrage auf Pflasterung folgender Straßen gab di< Vertretung ihre Zustimmung: der Kirchstraße für 6100 M., Kreuzstraße für 9000 M., Verbindung zwischen Luisen- und Mühlenstraße für 3400 M., Havelstraße für 7000 M., des Fußweges in der Groß. beerenstraße für 13 200 M., von den Gesamtkosten hat die Gemeinde 19 350 M. zu tragen, der Rest wird von den Anliegern erhoben. Beschlossen wurde der Ankauf des Grundstücks von Hellers Erben. Wilhelmstraße 100, zum Preise von 32 000 M., um durch den Ausbau des Hcllcrschcn Weges zu einer 10 Meter breiten Straße eine bessere Verbindung zwischen Mühlen- und Luiscnstraße mit der Wilhelmstraße, die zurzeit nur durch die Neue Straße vor- Händen ist, zu schaffen: Das zum Ausbau der Straße nicht ge- brauchte Restgrundstück soll parzelliert und eventuell später der» äußert werden. Der Antrag auf Ankauf des dem Straßen- und Friedhofs» inspektor Rank gehörigen Gärtnereigrundstücks Goethestraße 35—37 zum Preise von 30 000 M. inklusive allem darauf befindlichen lebenden und toten Inventar zeitigte eine längere Debatte. Herr Rank war früher Friedhofsgärtncr, er hat sich bei seiner Anstellung als Kommunalbeamter verpflichtet, seine Gärtnerei� aufzugeben, jedoch bis jetzt angeblich keinen zahlungsfähigen Käufer gefunden. so daß er das Grundstück nunmehr der Gemeinde anbietet. Genosse Gruhl empfiehlt namens der Friedhofs- und Wegekommission den Anlauf, da der Preis ein angemessener sei und sich das Grundstück sehr gut für eine Friedhofs- und Gemcindcgärtneroi eigne. Die Kosten für das Grundstück könnten dadurch aufgebracht werden, daß die Gemeinde die Dekorationen bei Leichenfeiern und ähnliche Ver» richtungen auf dem Friedhof in eigener Regie übernähme; auch die Anlegung von Schmuckplätzcn und Schulgärten mache die Errichtung einer eigenen Gärtnerei notwendig. Von den Herren Schneider, Quappe und Biethke werden Zweifel über die Notwendigkeit der Erwerbung des Grundstücks und dessen Rentabilität geäußert. Herr Schneider stellt« den Antrag, die Angelegenheit zu vertagen und erst die Ansicht eines Fachmannes über den Wert des Objektes zu hören. Dem wurde von verschiedenen Seiten widersprochen. Nach- dem noch Genosse Ncumann für den Ankauf des Grundstücks ein» getreten, wurde der Antrag Schneider abgelehnt und der Ankauf des Grundstückes mit geringer Mehrheit beschlossen. Hierauf erstattete der Bürgermeister den Bericht der Kom- Mission für die Vorbereitung eines Schulhausncubaues. Er de- tonte: Die Kommission habe sich davon überzeugt, daß der Bau einer 21klassigen Gemeindcschule sich nicht billiger stellen würde als der Neubau eines Gymnasialgebäudes, sie empfehle daher Aus- führung des letztgenannten Projektes. Beim Neubau des letzteren an der Ecke Dorck- und der neu anzulegenden Straße 0 würde daS Doppelschulhaus als Gemeindeschule mit 24 Klassen erhalten bleiben. Die Kommission sei damit einverstanden, daß von Besich- tigung fremder Schulhäuser einstweilen abgesehen wird, daß der im Gemeindcbauamt nach den bestehenden Vorschriften ausgearbeitete Entwurf, der die erforderlichen Nebenräume, Aula und Turnhalle vorsieht, mit einer Aenderung dahin, daß letztere im Obergeschoß und darunter zwei weitere Reserveklassen vorgesehen werden, nach Zustimmung durch die Gemeindevertretung der Regierung bezw. dem Provinzialschulkollegium zur Begutachtung vorgelegt wird. Die Vertretung erklärte sich mit den Vorschlägen einverstanden und beauftragte die Kommission, die weiteren Arbeiten zum Schul» Hausbau in die Wege zu leiten. llnferem Genossen Erleb Fiedler(Benjamin) »u seinem Geburtstage die herz- ltchsten Glückwünsche. Einige Genossen des 679. Bezirkes. SozIaldemokFatiseherWabivereiii für den 2. Berliner ReiElislags-Walilkrels. Bezirk 27. Nachruf! Am 22. April verstarb Miser Mitglied, der Schneider Henri Jeite. Ehre feinem Andenken: 210/16 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltiingeatelle Berlin. Todes- Anne igen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Alfred Ebert am 30. April a» Bliuddarmleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- .Halle des Wittenauer KirchhoseS n Wittenau aus statt. Rege Beteiligung erwünscht. Den Sollegen zur daß unser Mstglied, der Fr Wilhelm Adler am 1. Mai an Skorbutleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 4. Mai, nachmittags b Uhr, von der Leichenballe des neuen Johannes- KirchhoseS in Plöhensee, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Nactii-uf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Paul Lüiltke gestorben ist. Ehre seinem Andenken: 116/10 liie OrUir«n>al«un||. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes undgutcn LaterS sagen wir allen Ver- ivandtcr., Freunden und Bekannten, insbesondere der Firma und dem Personal derBrauereiv. Berliner sowie de» Genossen unseren herzlichsten Dank. Wwe. I-ehmuni, und Eohu 21125 Alfred. Am 1. Mai verschied nach I langen, schweren Leiden mein I lieber Mann Hernrann Beerwald. DieS zeigt tiesbetrübt an Ww. Paallne Beerwald. Die Beerdigung findet am 4. Mai. nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Rix- dorser FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. 8iimIiIeiiioItfM!!.?!l!!lsM!lli| Uixdorf. Todea- Anneise. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mit- glied, der Maurer Hermaim Bärwald (15. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute, nachmittags bst, Ubr, von der Halle de« neuen Rixdorser Fried- boseS(Mariendorser Weg) aus statt. 235/4 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Nachruf. GEsatpreiii Jute Nelke" (HchOneberg). Am 29. April oerstarb unser langjähriges Mitglied 2413b S Barl Rylski. Wir werden demselben ein treueS Andenken bewahren. �enlral-VeM der Maurer Deutsehlauds. Zahlstelle Rixdorf. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied Bennaim Beerwald im Aller von 35 Jahren an Lungenleiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Mai, nach- mittags 6 Ubr. von der Leichen- ball« d«S Rixdorser FriedhoseS, Mariendorser Weg, auS sialt. Rege Beteiligung erwartet 137/9 via Verbandaleitung. Sozialdemokratisch Jalilverein für Waidmannslust und Omgepti. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag unser AbteilungSführer für Wittenau, der Genosse Alfred Ebert im Alter von 33 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle deS Witte- nauer Friedhofes auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/12 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne» und guten Vaters sagen wir allen unseren innigsten Dank. 2411b Ww. l-nlne liehmann _ nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und herrlichen Kranz- spenden beim Begräbnis meines lieben Mannes und guten Baters sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, Genossinnen und Genossen, Vereinen und Verbänden unseren herzlichsten Dank. Witw Luise BlOmel kÄ,. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Begräbnis meines lieben ManneS und unsere? guten VatcrS sagen wir allen unseren innigsten Dank. Frau Anlla Theuergarten nebst Döchtern. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß meine Frau, unsere gute Tochter Eerta Fahl geb. RelBner in Lankwitz insolge einer ichweren Entbindung verstorben ist. DieS zeigen ttesbctrübt an Kart Fahl. Familie l�eikner. Die Bcerdiailiig findet Heute DIenStaa nachmittags 4 Ubr aus dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde, Berlin, Pappel-Allee, statt. 2402b Sozialdemokrat. Nahlvereio für WM Osterhausen o. Dmg. (Bezirk Wildau.) Den Parteigenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglied >Villielm Adler am 1. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle de« neuen Jobannis-KirchhoseS, Plötzensee, aus statt. Um zahlreiche Betcillgung ersucht 202/11 Der Borstand. Am 2. Mai früh 9 Uhr verschied nach kurzem aber schwerem Leiden meine liebe Frau Msnäv Blank geb. Kothe. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Mariendorser Friedboss, aus statt. 2420b Der trauernde Gatte. Nach langem, schwerem Leiden erlöst, entschlief Sonntag nachm. 3'/, Uhr mein innigst geliebter Mann, der Gastwirt fmi Beseke im 55. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Frau Pauline Beseke. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmiitagS 4 Uhr, vom Trauerhause Jagowslrnße 1 aus statt. lfr Hygienische. BediruirtUcol. N.uut Katalog BtErnpfohl viol Aerzto u Prot. graKockC npfebl nol Aorzle u B. Dnc«, Sornrnlva lila NW- Fnadncbai iina*« ui/sa Scbnamtrke Unsere echten Blere(lad übereil zu hsben. In Flaschen» 10 Pf. to Kennen u. Sjrphons Ltr. 35 Pf. NO. 18. Tel. VII, 1670, 3088, 3138.|e Ibühhesi BRAUHAUS 4- Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruoli- bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und HilsS-Krankenlassen. Bcriin AL,* jetzt lothringer StraBe 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe. Wim, angenehm u, weich am Körper. GewerkatMlen. Vereine, Fabriken! ! Voigts Krampenbnrg, ist das passendlle Ausflugslokal I Ausführliche Prospekte und Führer gratis ' Vermietung von Dampfern und Motorbooten k> Freies Telephon: Anit Köpenick 227.— Hochachtungsvoll! Boh. Voigt. jjH.&P. 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