Dr. 108. UbeniMWirts-Bedlngimgoi! Abonnements. Preis pränumerando: Biertcljährl. SL0 mt., monatl. 1,10 Mt, wöchentNch 28 Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt- 10 Pso. Post. Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiMngs. Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemark, ' olland, Italien, Luxemburg. Portugal, umänien, Schweden und die Schweiz, t 36. Iichrg. ert sammlungen darüber gesprochen. Ich werde einer Biersteuer nur zustimmen, wenn ich der lieber- zeugt, ng bin, daß durch sie das Braugewerbe und der Wirteftand nicht getroffen wird. Zweifellos ist, daß wir nach Lage der Verhältnisse nicht um eine Biersteuer hcrunckommen. ES ist im Reichstage eine sichere Mehrheit dafür. Es ist deshalb zweckmäßig, wenn die Interessenten, ich meine die Brauereien und Wirte, danach trachten, die„AbwälzungS- Notwendigkeit" sicher zu stellen. Wenn Sie mir in dieser Beziehung mit gutem Rat und Vor- schlügen dienen können, so bin ich Ihnen sehr herzlich dankbar.... Ich bitte Sie, geehrter Herr R. N.. ihren Herren Berufs- kollegen, soweit sie den Brief vom 10. März mitunterzcichnet haben, von diesem Schreiben Kenntnis zu geben. Hochachtungsvoll gez. Franz Behrens, Mitglied des Reichstages So schreibt der„christliche" Generalsekretär einer Arbeiterorganisation, nicht etwa eines Industriellen- Verbandes I Der von den Arbcitergroschen besoldete General sckretär Abg. Behrens will einer Biersteuer nur zustimmen, wenn er die Ucbcrzeugung hat, daß sie ans die ärmsten Volksschichten, ans die Arbeiter, abgewälzt werde» kann! Wie ist es möglich, daß ein solcher Generalsekretär sich auch nur einen Tag als Beamter einer Arbeitergelverkschaft halten kann!? Vor den Gewerkvereinsmitgliedern wird betont, die Steuern nmßteii auf die starken Schultern gewälzt werden. Den Brauereibesitzern versichert der„christliche" Generalsekretär, er würde nur für eine Biersteuer stimmen, die sich von den stärkeren Schultern auf die schwächsten Schultern abwälzen ließe! Den christlichen Berg lenten ist wirklich zu gratulieren wegen ihres Generalsekretärs Er hat auf seinen Brief eine Antwort ans Wetzlar von Handwerkern und kleinen Geschäftsleuten erhalten. In diesem Briefe wird Herrn Behrens ins Stamm- buch geschrieben: „Eine gerechte Belastung aller Volksschichten ist nur möglich wenn jeder einzelne Staatsbürger nach feinem Einkommen, nach seinem Bermögcn, kurzum nach seinem Besitze zur Stcnerleistung herangezogen wird! Der größte Teil der Handel- und Gewerbe treibenden steht daher auf dem Standpunlt, daß eine Reichs rrbfchaftSstcuer— bez«. Nachlaßsteuer und eine NcichSvermögenZ- struer die gerechtesten Steucrarte» wären! Sie lassen sich nicht willkürlich abwälzen und belasten je nach ihrer Gestaltung nur wirklich tragfähige Schultern. Wir bitten Sie, für Einführung dieser Steuern zu wirken und uns gefl. Nachricht geben zu wollen, welches Ihre geschätzte Meinung zu diesen unseren Vorschlägen ist. Wir erwarten in unseren Ansichten von Ihnen schon deswegen bestärkt zu werden, weil diese vorgeschlagenen Steuern dochjewiß auch für die Arbeiter den gangbarsten Ausweg darstellen. Als spezieller Vertreter der Arbeiterschaft werden Sie gewiß mit Frritden begrüßen, daß auch in unseren Kreisen Ansichten vorhanden find, die sich mtt den Wünschen der Arbeiter in Steuerfragcn decken. In der Hoffnung, besonders bei Ihnen hinsichtlich der Jnter- effen des sogenannten„kleinen Mannes" Verständnis und Ver- tretung zu finden, zeichnen Mit aller Hochachtung (Folgen Namen.)" Der„christliche" Generalsekretär muß sich von nicht dem Lohnarbeiterstande angehörenden Bürgern belehren lassen, daß er als Angestellter einer Arbeiterorgani- sation die Interessen der Arbeiter zu ver- treten habe! Diese Belehrung wird von Herrn Behrens abprallen: er hat„höhere Interessen" zu schützen. Wie wir schon in der Nummer 96 mitteilten, hat ein zentrumschristlicher Jesuit fromm und frech den Genossen Ludwig Schröder, zweiten Vorsitzenden des Berg- arbeiterverbandes, verleumdet, wissentlich unwahr einen„Christ- lichen" als Verfasser des gegen den würdigen Zentrums- abgeordneten Brust gerichteten 39(XX) Mark-Flugblattes be- zeichnet zu haben. Ein Brief, den Schröder am 9. August 1994 schrieb, ist in der ZentrumSpresse(„Germania" vom 23. April 1999,„Kölnische Volkszcitung" voin selben Datum) abgedruckt und mit folgendem Zusatz verschen: „Also auch Schröder redet dreist von einem„Schurkenstreich der Christlichen", obwohl dem Verbandsvorstande die sozialdemo- kratische Herkunft des Flugblattes bekannt war." Der gleiche Wortlaut der Anmerkung in den beiden Zentrumsblättcrn beweist, daß der Artikel vervielfältigt von einer Person. die höchstwahrscheinlich im Zentral- bureau des„christlichen Gewerkvereins" sehr gut bekannt ist. verfaßt wurde. Wir teilten schon in Nr. 96 mit, der Brief Schröders seieinenganzen Monat vor dem Er- scheinen des Flugblattes geschrieben, kann sich also gar nicht darauf beziehen. Noch hat, soweit wir übersehen, kein Zentrumsblatt die infame Verdächtigung gegen Schröder zurückgenommen! Nun macht die„Bergarbeiter-Zeitung" darauf aufmerksam, der„christliche Bergknappe" veröffentlicht zwar auch den Brief, aber nicht den verleumderischen Zusatz I Das ist wieder sehr bezeichnend: Die Bergarbeiterlcser des„Bergknappen" wissen, daß die Knappschastswahl einen Monat später stattfand,' als Schröder den Brief schrieb, er sich deshalb gar nicht auf die Flug- blattgeschichte beziehen konnte. Vor kundigen Lesern wagt man den Brief nicht in der Weise auszuschlachten, aber man hält es auch nicht stir notwendig, vor unkundigen Lesern die Wahrheit zu bekennen. Diese Gesellschaft hat dann die Dreistigkeit, über„unehrliche Kampfesweise der Sozial- demokraten" zu lärmen. Expedition: 8Ai. 68» Lindenstraeee 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ein drittes Stückchen reiht sich würdig an. Der Berg- arbeitervcrband wollte nach der Radbodkatastrophe in der Nähe der Zeche eine Versammlung abhalten. Der Inhaber des Saales, in dem auch der katholische Arbeiter- verein tagt, sagte den Verbändlern den Saal zu, zog die Zusage aber Plötzlich zurück. Gestützt auf glaubwürdige Mitteilungen kennzeichnete die„Bergarbeiter-Zeitung" den „christlichen" Sekretär Terbrügge der Saalabtreiberei und schüttelte ihn derb, getreu einen: Ausspruch des Gewerk- Vereinsführers und Abgeordneten Giesberts:„Eines der schmachvollsten und e r b ä r m l i ch st e n M i t t e l, d)en Gegner zu bekämpfen, ist, ihm die Lokale abzutreiben". Terbrügge verklagte den Redakteur Wagner von der„Bergarbeiter-Zeitung". Das Schöffen- gericht verurteilte den Genossen Wagner zu 59 M. Geldstrafe. Ücber diesen Prozeß verbreitete die Zentrumsgewerkvereins- presse einen Bericht, worin es hieß:„Wagner konnte als Beweis für seine Behauptungen nichts vorbringen!" Wagner legte Berufung gegen das Urteil ein und nun geht aus dem Prozeß- bericht hervor, daß das Schöffengericht jeden angetretenen Wahrheitsbeweis ab- gelehnt hat!!! Wagner hatte eine Reihe. Zeugen vorgeschlagen, aber keinen hat das Gericht vernommen. Die Strafkammer erklärte das zwar für rechtsirrtümlich, lehnte aber ebenfalls, weil der Kläger keine Berufung ein- gelegt habe, die Zeugenvernehmung abl DaS Gericht unterstellte zugunsten des Angeklagten, daß der Wahrheitsbeweis völlig erbracht sei, verurteilte ihn nur wegen fornialer Beleidigung I Endlich ein Kabinettstückchen, das gerade jetzt, wo die „fromme" Presse widerhallt von dem Geschrei über das fälsch« lich dem Vorstande des BergarbciterverbandcS zugeschriebene 39999 Mark-Flugblatt, aktuell ist. Seit Wochen— die„Bergarbeiter-Zeitung" stellt fest, schon vor der„Enthüllung" des 39 999 Mark-Flugblattes— wird insgeheim in den Ruhr- bergarbeiterkreisen ein auf einem Hektographcnnpparat ver- vielfältigtes Schriftstück verbreitet, das infame Ver- dächtigunaen gegen den Redakteur der„Berg- arbeiter-Zeitung", Genossen Pokorny, ent- hält! Das schmutzige Machwerk trägt die Unter- schrift:„Ein Altverbändler", soll also bannt als- aus den Reihen der Verbandsgcnossen Pokornys kommend avisiert werden. Es wird unter der Hand verbreitet, zirkuliert vor- nehmlich im Kreise Recklinghausen, wo Pokorny als Reichstags- kandidat aufgestellt ist. Als endlich ein Exemplar des Mach- Werkes in die Hände des Verleimideten geriet und er es veröffentlichte, wandte sich in einem Zeitungsartikel der„General- sekretär des christlichen Gewerkvereins", Effert,„mit Abschen" dagegen! Der„Bergknappe" schrieb dazu: „Die von uns angestellten Ermittelungen baben ergeben, daß das Blatt>0 0 h I nur aus Verbandskreisen stammt. Im alten Verbände scheint eine ganz gewaltige Mißstiinmimg gegen Pokorny zu herrschen." Die„Bergarbeiter-Zeitung" ist nun aber in der Lage, den Schleier zu lüften. Sie schreibt in ihrer nettesten Nummer: Wir„stelleit fest, daß dcr Verbreiter des Zirkulars für Buer und Umgegend der christliche Bezirksleiter Peter Spürkcl aus Beck» Hansen bei Buer ist". Das durfte gerade jetzt nicht kommen, wo die sittlich ent- rüsteten Zcntrumsjesuiten sich die Finger wund schreiben über die angebliche„Verleumdungssucht und Unehrlichkeit der Sozialdemokraten". Wenn man so anS einer einzigen ZeitungSnnmmer eine ganze Clique von„Christen" zusammenstellen kann, die den christlichen Geboten der Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe mit vereinten Kräften ins Gesicht schlägt, dann muß man die Arbeiter bedauern, die sich durch solche„Arbeitervertreter" gegen die Klassengcnossen fanatisieren lassen. Sie Komödie der ßeamtenbeloldung. Als im preußischen Landtag die Besoldung von 272 000 Be- amten geregelt wurde, war es bekanntlich gerade die sozial. demokr.a tische Fraktion, die mit äußerster Energie für eine Besserstellung namentlich der unteren und mittleren Beamten eintrat. Die Sozialdemokratie forderte nicht nur ein erhebliches Hinausgehen über die Gehaltsansätze der Regierung?- Vorlage, sondern übte auch an den von den bürgerlichen Parteien schließlich einmütig festgelegten Gehalts- sätzen die schärfste Kritik. Leider vergebens I Trotzdem von dem sozialdemokratischen Redner an Hand der erbärmlichen Gehälter einerseits, der hohen Mieten sowie der sonstigen Lebenshaltung andererseits nachgc- wiesen wurde, daß namentlich die Unterbcamten, aber auch weite Schichten der mittleren Beamten mit den ihnen von den bürgerlichen Parteien bewilligten Gehaltssätzen ein menschenwürdiges Dasein nicht führen könnten, erklärten die Vertreter samt- l i ch e r bürgerlicher Parteien, Zentrum, Konservative, Nationalliberale und Freisinnige, daß höhere Ge- haltSsätzc unter keinen Umständen bewilligt werden könnten, da die nötigen Mittel dafür nicht vorhanden seien. Ver- gebens war der Nachweis der sozialdemokratischen Redner, daß der Mangel an Mitteln nichts als eine jämmerlich verlogene Ausrede sei, könnten doch allein die 13 Millionen, die man ohne Not für die Geistlichkeit mehr bewilligt habe, zu- gunsten der Beamten gespart werden. Auch sei es eine Kleivig, te i t. durch eine winzige Erhöhung der Einkommensteuer bei den höheren Einkommen stufen oder der Vermögens-- st euer so viel Geld aufzubringen, wie zur Befriedigung der berechtigten und unabweisbaren Forderungen der unteren und mittleren Beamten notwendig sei. Doch war alles vergebens! Was aber erleben wir nun im Reichstage? Hier legen sich auf einmal dieselben bürgerlichen Parteien, deren Vertreter im Landtage die Forderungen der Sozialdemokratie einmütig als viel zu weitgehend und absolut unerfüllbar abwiesen, für eine über die Landtagsbeschlüsse hinausgehende Be- soldungserhöhung der unteren und mittleren Beamtenschichten ins Zeug. Alle bürgerlichen Parteien erklären die Regierungsbe- denken— es sei nicht das nötige Geld vorhanden, um die 26 Mil- lionen aufzubringen» die durch die Mehrforderungen notwendig würden— für belanglos. Das Geld müsse eben beschafft werden. Ilnd als sich der Regierungsvertreter auf das preußische Beamten- besoldungögesetz berief und erklärte, man könne den Beamten im Reiche doch nicht mehr zahlen, als man den preußischen Beamten bei der Besoldungsreform zugebilligt habe, erklärte ausgerechnet der Vertreter der Konservativen, daß dann einfach Preußen die Konsequenzen ziehen, d. h. doch wohl in seinen Gehaltssätzen ebenfalls weiter gehen müsse! So bestätigt das Verhalten der bürgerlichen Parteien in der Budgetkommission des Reichstags vollauf die sozial- demokratische Kritik, die im preußischen Landtage an der preußischen Beamtenbesoldungsvorlage geübt, dort aber mit Entrüstung von den Vertretern aller bürgerlichen Parteien zurückgewiesen wurde! Run könnten wir uns zwar dieser späten Bekehrung der bürgerlichen Parteien ja von Herzen freuen, wenn wir nur überzeugt wären, daß diese bewilligungsfreudige Stimmung anbaqerte und sich nicht wieder verflüchtigen würde» falls di� drohende Gefahr der ReichstagsauflSsnng verschwunden sein sollte! Denn offenbar ist die Einsicht der bürgerlichen Parteien nur die Furcht vor den Konsequenzen, die die Beamten bei einer ReichStagswahl unter dem Schutze des geheimen Wahl- rechts an den bürgerlichen Parteien üben könnten. Bei der Be- kehrung mag auch besonders die scharfe Kritik mitgewirkt haben, die die Beamten auf dem ersten Beamtentag in Berlin an dem„Sintibeamtenblock" des preußischen Drei» klassenparlamentS geübt haben. Vor wenigen Tagen noch zeterten die bürgertichen Organe über die Nichtberechtigung dieser Kritik der Beamten— und jetzt legen sie durch ihre eigene Handlung, durch ihre Anträge in der SSudgetkommissiön selbst das Geständnis ab, daß die bürgerlichen Parteien des preußischen Landtages ihre Pflicht gegenüber den schlechtgeftellten Beamten nicht getan und schwer gefehlt haben, als sie sich den Forderungen der Sozialdemokratie nicht anschlössen! » Nun. Aufgabe der Beamten wird es sein, nicht locker zu lassen und die bürgerlichen Parteien zu zwingen, aus alle Fälle bei ihren augenblicklichen SSeschlüssen zu verharren. Wenn tte Be. amten ihre Schuldigkeit tun und sich durch das Geschrei der bürger- lichen Scharfmacher nicht ins Bockshorn jagen lassen, werden die bürgerlichen Parteien von ihren Beschlüssen nicht zurücktreten können, da sich ihr Verhalten sonst als eine so schamlose Komödie herausstellen würde, daß sie es mit der Beamtenscfiaft völlig verdorben hätten! AuS der Sitzung vom 4. Mai wird uns gemeldet: Zu einer recht scharfen Auseinandersetzung kam es heute in der Budgetkommission beim Eintritt in die Beratung über die Ge- Haltsaufbesserung. Die Parteien hatten sich auf eine geringe Er- höhung der GeHalter gegenüber den Sätzen der Regierungsvorlage geeinigt und einen entsprechenden Antrag eingebracht. So sollen nach der Regierungsvorlage in der Klasse la die Nachtwächter beim Kanalamt, Bahnwärter ein Gehalt von 1666 bis 1206 M. erhalten, während der gemeinsame Borschlag der Parteien 1100 bis 1306 M. vorsieht. Für die Klasse 2a, Schaffner, Bremser der Reichseisen- bahn, verlangt die Regierung 1606 bis 1500 M., während der Kom- missionsvorschlag das Anfangsgchalt mit 1100 M. beginnen und auch die Portiers, Svahnsteigschasfner darunter rubrizieren will. 5Sei den Einzelgehältern sind einige geringe Ermäßigungen vor- geschlagen, dafür sind aber auch bei verschiedenen Stellen der mittleren und Oberbeamten seitens der Parteien Erhöhungen vor- geschlagen. Staatssekretär Shdow erklärt, daß er habe Berechnungen an- stellen lassen, wie hoch die Mehrbelastung sich nach den gemachten Vorschlägen belaufen würde. Es habe sich ergeben, daß diese Mehr- ausgäbe nicht weniger als 2ßVa Millionen Mark betragen würde. Und zwar tvürden hier auf die Kategorie der Unterbeamten 16 und auf die der mittleren Beamten 10zh Millionen Mark entfallen. Die Erhöhungen würden danach insgesamt bei der Klasse der Bahn- Wärter 32,5, bei den Landbriefträgern 47. bei den Schaffnern 55 und bei den Ministerialsekretären hingegen nur 6 Proz. gegenüber dem bisherigen Einkommen betragen. Auf diesen Weg könne die Regierung nicht treten; sie könne sich unter keinen Umständen darauf einlassen, daß man im Reich darüber hinausgehe, was in Preußen bewilligt worden ist. Durch die Annahme der Kompro- mißanträge würden bei den Beamten Hoffnungen erweckt, die sich nicht erfüllen lassen. Weitere Unzufriedenheit unter den Be- amten würde die Folge sein. Erzberger. Nach dieser Erklärung scheint es, daß nach Auf- fassung des Staatssekretärs der Reichstag nur eine Filiale des preußischen Abgeordnetenhauses sei. Unter diesen Umständen wäre es besser, wenn die Budgetkommission ihre Debatten spare und einfach zustimme oder ablehne, was in Preußen beschlossen worden sei. In den süddeutschen Staaten seien die Unterbeamten vielfach besser gestellt als in Preußen und im Reich. Staatssekretär Shdow entgegnet, daß in den süddeutschen Staaten die Gehälter der mitt- leren und oberen Beamten dafür aber auch niedriger seien. Eine solche Aenderung sei jetzt aber nicht mehr durchzuführen. Genosse Singer führt aus: Es gewinne den Anschein, daß der Staatssekretär sich viel mehr als preußischer denn als Reichs- beamter fühle. Der von ihm vertretene Standpunkt, daß sich das Reich in bezug auf die Beamtenbesoldung nach Preußen richten solle, sei ganz unhaltbar. Das Gegenteil könne man mit viel größerem Siechte verlangen. Wenn aber das Besoldungsgesetz an dem Wider- spruch des Bundesrates scheitern sollte, so trage er dafür auch die Verantwortung. DaS würde man allgemein auch in den Be- amtenkreifen richtig begreifen. Der Staatssekretär sollte anstatt sich auf einen so schroffen ablehnenden Standpunkt zu stellen, die Zurückhaltung, welche sich die Parteien bei ihrem Kompromiß. Vorschlag auferlegt hätten, zum Beispiel nehmen. Die Frage, wo das Geld herkommen solle, um die Erhöhung der Gehälter durchzu- führen, sei leicht zu lösen, wenn die Regierung sich das englische Beispiel als Muster nehmen wolle. Wenn man allerdings nur den fünften oder gar nur den sechsten Teil des gesamten Mehrbedarfs an Steuern durch Belastung des Besitzes, die übrigen vier Fünftel ober durch Erhöhung der Steuern quf Maffenkonsumartikel auf- bringen wolle, so komme sie allerdings aus den Schwierigkeiten nicht leicht heraus. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß die Budget- kommission sich durch die Drohungen des Staatssekretärs nicht be- einflussen lassen werde und daß deren Beschlüsse vom Plenum des Reichstages ratifiziert werden würden. Die Aufbesserung der Ge- hältcr sei namentlich für die Unterbeainten eine zwingende Not- wendigkeit, deren Regelung nicht mehr aufgeschoben werden dürfe. Die vereinbarte Erhöhung sei für die schlecht besoldeten Beamten sehr gering, waS die Kommission unbedingt hindern müsse, den Wünschen des Staatssekretärs auch nur im geringsten entgegen» zukommen, Nach den Beschlüssen der Budgetkommission betragen die Ge- hälter in: Klasse 1, dazu gehören: Nachtwächter beim Kanalamt, Bahnwärter und Nachtwächter bei der Reichseisenbahnverwaltung 1100, 1140, 1180, 1210, 1270, 1300 M. Klasse 2: Unterbeamte der Landbriesträgerklasse bei der Reichspost- und Telegraphenvcrwaltung; Schaffner, Bremser, Schirrmänner, Portiers, Bahnsteigschaffner der Reichseisenbahn- Verwaltung: 1100, 1200, 1300, 1350, 1400, 1450, 1500 M. Klasse 3: Botenmeister, Kastellane, Kanzleidiener usw.; Rottenführer, Weichensteller, Eisenbahngehilfen, Wagenwärter usw.; Unterbeamte der Heeresverwaltung und der Marinever- waltung, soweit sie nicht anderweit aufgeführt sind; Unter- beamte der Schaffnerklasse der Reichspost- und Telegraphen- Verwaltung: 1200, 1300, 1400, 1500, 1600, 1700, 1800 M. Klasse 4: Post- und Telegraphengehilfinnen: 1300, 1430, 1560, 1680, 1800 M. Klasse 5: Kanzleidiener und Hausdiener bei der Reichs- kanzlei; Botenmeister; Maschinisten, Heizer und Maschinen- Wärter bei der Heeres-, Marine- und Reichseisenbahnverwaltung; Untermaschinisten bei den Garnisonverwaltungen, bei den Laza. retten, beim Bildungswesen, beim Waffenwesen, bei den Leucht- feueranlagen der Marineverwaltung: Werkmeister und Maschinen- aufseher bei den technischen Instituten der Heeresverwaltung usw.; Stellwerksweichensteller der Reichseisenbahnverwaltung; Steuermänner, Maschinenassistenten, Materialienverwalter (Unterbeamte) Telegraphisten, Weichenwärter beim Kanalamte; Materialienverwalter(Unterbeamte), Lotsen 2. Klasse, Unter- steuerleute, Untermaschinisten beim Lotsenwesen usw.: 1400, 1500, 1600, 1680, 1760, 1840, 1920, 2000 M. Klasse 6: Zugführer und Oberpackmeister der Reichs- cisenbahnverwaltung: 1500, 1620, 1740, 1860, 1980, 2100, 2200 M. Klasse 7: Telegraphisten, Lademeister, Schirrmeister, Wagenmeister. Bahnhofscrufseher, Weichensteller 1. Klasse, Werk- führer(darunter Telegraphenmechaniker) der Reichseisenbahn- Verwaltung; Waffenmeister, Büchsenmacher, Regimentssattler der Heeresverwaltung; Sattler der Kolonialverwaltung: Back- meister bei den Proviantämtern; Unterbeamte der Reichspost- und Telegraphenverwaltung in gehobenen Dienststellungen: 1600, 1700, 1800, 1900, 2000, 2100, 2200 M. Klaffe 8: Werkführer beim Kanalamt, Schiffsführer, Zeughausbüchsenmacher usw. K l a s s e 9: Lokomotivführer der Reichseisenbahnverwaltung: Maschinisten bei den Werften, beim Waffenwesen, beim Torpedo- wesen, bei den Leuchtfeueranlagen der Marineverwaltung; Schiffsführer bei den Werften, beim Waffenwesen der Marine. Verwaltung(die Funktionszulage von 300 M. fällt fort); Lotsen beim Kanalamte: Steuerleute, Maschinisten, Vorsteher des Brief- taubenwesens beim Küsten, und Vermcssungswesen usw.: 1400, 1650, 1900, 2100, 2300, 2500 M. Klasse 10: Förster bei der Heeresverwaltung, Garnison- bau-Kanzlisten. Klasse 11: Mechaniker, Maschinisten bei der Reichspost- Verwaltung: 1500, 1750, 2000, 2200, 2400. 2600, 2800 M. Klasse 12: Kanalschreiber, Materialienverwalter beim Kanalamt usw.: 1650, 1850, 2050, 2250, 2450, 2850, 3000 M. Klasse 13: Kanzleisekretäre bei den Gencralstäben, beim Admiralstabe usw.: 1800, 2000, 2200, 2400, 2600, 2800. 3000, 3200 M. Die Beratung wurde hier abgebrochen und auf Mittwoch vertagt._ Die Vertagung des„Reformwerks". Die Finanzkommission des Reichstages hat heute ihre Beratung des Branntweinsteuergesetzes wieder aufgenommen und die Frage des Brennrechts und des sogen.„Durchschnitts- brandes" mit einem Pflichtgefühl diskutiert, als ob die Ab- stimmungen des letzten Sonnabend von größter Nebensächlich- keit für das Zustandekommen der Reichsfinanzreform seien. Bülow spielt den Phlegmatischen, den mit undurchdringlicher Rhinozeroshaut Ausgestatteten, der unbeirrt seine eigenen Wege geht. Allem Anschein nach denkt er„Zeit gewonnen. alles gewonnen", und hofft darauf, daß sich schließlich durch eine entsprechende Bearbeitung der Konservativen, besonders les in Staatsdiensten stehenden Teils, doch noch eine Mehr- heit für eine verhunzte Abschwächung des Sydowschen Nach- laßsteuerentwurfs werde zusammenbringen lassen, zumal wenn )en Konservativen auf anderen Gebieten reichliche Entschädi- gungen geboten würden. An eine Demission denkt Fürst Bülow, wie es scheint, nicht im entferntesten, und ebenso- wenig an die Anwendung der ihm von den nationalliberalen Blättern empfohlenen„st arken Mitte l", das heißt an die Reichstagsauflösung. Er versucht es lieber nach altem Rezept wieder mit dem Lavieren. Kommt Zeit, kommt Rat. Deshalb gilt es zunächst Zeit zu gewinnen. Hat Bülow mit dem Gefühl der Wurschtigkeit seit zwei Jahren der grauen- haften Defizitwirtschaft im Reich ruhig zugesehen, nur um die feindlichen Blockpartikel friedlich zusammen zu halten, warum follfe er denn nun auch nicht noch etwas länger warten können. Gut Ding will Weile haben. Tatsächlich scheint man denn auch, wie wir schon im Leitartikel unserer Montagsnummer als wahrscheinlich annahmen, sich in den sogen, maßgebenden Kreisen mit der Absicht zu tragen, wenn es nicht anders geht, das„großenationaleNeform- werk" vorläufig zu vertagen und die aller- notwendigsten Ausgaben durch eine Anleihe zu decken. Der„Berl. Lokalanzeiger, der in letzter Zeit öfters aus der Wilhelmstraße inspiriert und als Sondierungs- instrument benutzt wurde, macht bereits für diese Absicht Stimmung: „Die Parteien der Rechten wie der Linken teilen die all- gemeine Empfindung, daß weder der Rücktritt des Kanzlers noch die Auflösung des Reichstages die Schwierigkeiten der inner- politischen Situation beseitigen könnte. Die Verwirrung würde nur noch größer, die Sanierung der Reichsfinanzen nur noch weiter hinausgeschoben werden. WaS hat es also für einen Sinn, mit Möglichkeiten ernsthaft zu rechnen, die der Sache, um die es allen zu tun ist, nicht förderlich sein kann? Sollte es wirklich nicht angehen, die eine oder andere Steuervorlage mit einer nicht lediglich aus Blockparteien zusammengesetzten Mehr- heit durchzubringen, wenn um diesen Preis das Reformwerk als Ganzes zum Siege geführt und die Annäherungspolitik der beiden letzten Jahre auch für die Zukunft gesichert werden kann? Oder sollte man im äußersten Falle sich wenigstens nicht so weit ver- ständigen können, daß vorläufig gewisse Grundlinien als allgemeiner Rahmen für die Steuerreform festgelegt werden. dessen Ausfüllung im einzelnen während des Sommers im Einvernehmen mit a?len maß- gebenden Faktoren betrieben werden könnte? Dem Reiche müßten natürlich für die Zwischenzeit die nötigen Betriebsmittel zur Verfügung gestellt werden, viel- leicht in der Weise, daß zunächst derjenige Teil der Steuer- vorlagen, denen eine Mehrheit im Reichstage gesichert erscheint, verabschiedet und in Kraft gesetzt wird. Jedenfalls sollte man sich allenthalben darüber im klaren sein, daß nur bei ruhiger und geduldiger Behandlung dieses schwierigen Problems der konservative Widerstand gegen eine Erweiterung der Erb- schaftssteuer noch überwunden, der Liberalismus zum Entgegen« kommen gegenüber des Wünfchen der Stechten bewogen werden kann. Noch gilt es nicht als völlig ausgeschlossen, daß die Recht- sich mit der Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten befieundet, wenn die Wertzuwachssteuer in das Rc- gierungsprogramm mit aufgenommen wird, und der Freisinn seinetheoretischeBereitschaftzurBewilligun.z von 400 Millionen indirekter Steuern in die Tat umsetzt. Niemand, dem das Gedeihen der Finanzreform ernstlich am Herzen liegt, sollte jetzt zu überstürzten E n t- schließungen greifen." Das ist für den, der die offiziöse Sprache versteht, deutlich genug. Die Regierung möchte im Gefühl ihrer Schtoäche in keinem Fall die Gegensätze zum äußersten treiben und einen Wahlkampf gegen die Junker und die Landratsbureaukratie führen; und die beiden konservativen Parteien wollen noch weniger von einer Reichstagsauflösung wissen, da sie ein- sehen, daß das Resultat lediglich eine Stärkung der Sozial- denwkratie und wahrscheinlich auch des Zentrums, aber seines linken Flügels, sein würde. Herr Dr. Arendt erklärt denn auch im„Tag", es könne schon deshalb die Auflösung dc-l Reichstages„nicht in Frage komme n," da dann„d i? Sozialdemokraten zum mindesten vier Dutzend Mandate zurückgewinnen und viel- leicht zu Istll Mann im Reichstage erscheine n" würden.n_ politische Qcberficbt Berlin, den 4. Mai 1909. Wohltat oder Rechtsanspruch? Aus dem Reichstag, 4. Mai. Nur recht wenig Interesse brachten die Vertreter der bürgerlichen Parteien der Weitererörterung der sozialdemokatischen Interpellation entgegen, die die Uebelstände der Betriebs-Wohlfahrtsein- richtungen für die Arbeiter zur Sprache bringen sollte. Schärfer noch als am Donnerstag spitzte sich die Auseinander- setzung zu der Frage zu, ob es Mittel und Wege gebe, das, was zum Nachteil der Arbeiter jetzt als Wohlfahrtseinrichtung der Unternehmer organisiert, den Arbeitern als ein unver- wirkbares Recht zuganglich zu machen. Der freikonservative Abgeordnete Arendt wußte zu der Sache weiter nichts, als die abgedroschenen Redensarten über sozialdemokratische Hetzarbeit vorzubringen. Die Unternehmer, die diese Kraft informiert haben, hätten wirklich besser getan, ein etwas sachverständigeres Medium zu bemühen. Genosse Hengs- dach brachte neues Material vor. So teilte er mit, daß die Versicherungsgesellschaft„Viktoria" für ihre 3900 Angestellten Einrichtungen getroffen hat, auf Grund deren sie sogar den Anspruch auf verdiente Tantiemen verwirken, wenn sie aus dem Dienst der Gesellschaft scheiden. Aus diesem wie aus anderen Beispielen führte er den Nachweis, daß es dringend notwendig sei. durch gesetzliche Regelung des Be- triebskassenwesens den Arbeitern einen vollen Rechtsanspruch auf die Kassenbezüge auch über die Zeit ihrer Zugehörigkeit zum Betriebe hinaus oder die Rückzahlung der gezahlten Beträge zu sichern. Genosse H u e stellte aus Veröffentlichungen christlichsozialer Arbeiter fest, daß auch von diesen viele grundsätzlich mit der sozialdemokratischen Forderung ein- verstanden seien, daß die Betriebskassen entweder reformiert werden oder eingehen müßten. Er warf dann die Frage auf, wie Herr v. Bethmann-Hollweg seine Erklärung, es sei nicht gut getan, in das freiwillige Hilfskassen- Wesen zwangsweise einzugreifen, vereinbaren könne mit dem Reichsversicherungsgesetz, das auf die Erdrosselung der freien Hilfskassen abziele. Der Staatssekretär erwiderte zwar lang und breit auf alle möglichen anderen kritischen Bemerkungen, vermied es aber sorgfältig, sich über diese heikle Frage zu äußern. Das Ergebnis seiner Darlegungen war, daß an ein gesetzliches Eingreifen nicht zu denken sei, da eine große Fülle anderer sozialpolitischer Aufgaben der Erlcdi- gung harren, daß eher im Verwaltungswege auf eine Milde- rung der zutage getretenen Uebelstände hingewirkt werden könne. Mit diesem mageren Trost schloß die Besprechung der Interpellation._ Höheres Schultveseu in Preußen. Am Dienstag beendete das Abgeordnetenhaus die allgemeine Besprechung des Kapitels des Kultusetats„Höhere Lehranstalten". Wie kürzlich H o f f m a n n drastisch den Klassencharakter der Volks- schule nachgewiesen hat, so zeigte jetzt S t r ö b e l, daß auch den höheren Schulen der Klassencharakter aufgedrückt ist, und daß die höheren Schulen nichts weiter sind als Anstalten für die besitzenden Klassen. Aber der sozialdemokratische Redner begnügte sich nicht mit einer bloß negativen Kritik der inneren Organisation, des LehrplaneL und der Lehrmethoden, sondem er gab auch eine Fülle positiver Anregungen. In erster Linie propagierte er unsere gruud- sätzliche Forderung der einheitlichen Volksschule als Unterbau nnd des Zutritts aller Befähigten zu den höheren Schulen. Hand in Hand damit gehe die Forderung der Beseitigung der Vorschulen, deren Aufrechterhaltung eine Ursache für die Mängel unserer Volksschulen sei. Recht unangenehm war es den Vertretern der Mehrheitspartcien, als S t r ö b e l mit der Kritik des heutigen Geschichtsunterrichts einsetzte und an der Hand von Beispielen nachwies, daß der Geschichtsunterricht vielfach nichts weiter ist als eine Geschichtsfälschung zu dem Zweck, einen Hurrapatriotismus zu züchten. Die gleiche Absicht tritt auch deutlich in zahlreichen Aufsatzthemen zutage, von denen der Redner unter Heiterkeit der Sozialdemokraten und Entrüstung der Bourgeoisie einige Proben zum besten gab. Die Rede StröbelS, die eine Fülle von Material enthält, liefert einen neuen Beweis für die Richtigkeit der von uns stets vertretenen Anschauung, daß unser ganzes Er- ziehungSwesen darauf zugespitzt ist, die Interessen der herrschenden Klassen und deS kapitalistischen Staates zu fördern und daß die Schule den Bedürfnissen der jeweiligen Machthaber angepaßt ist. Nach Ströbel kam der„Freisinnige" Cassel zu Wort, der wohl das Empfinden hatte, daß es angebracht sei, wieder eiimral seine konservativen Blockbrüder um gut Wetter anzubetteln, und von diesem Gefühl aus eine Rede hielt, die fast nach jedem Satz leb- haften Beifall auf der Rechten hervorrief. Herr Cassel scheute vor den abgesibmacktesten Advokatenkniffen nicht zurück, er klammerte sich an einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Sätze Ströbels. um gegen die Sozialdemokratie loszuziehen, und bekam e» sogar fertig, zwischen unseren Genossen auf den Rathäusern und im Land- tage einen Gegensatz zu konstruieren. Allerdings mußte er zu diesem Zivecke die Geschichte der Stadt Berlin ein wenig— korrigieren. Vielleicht wollte er damit die systematisch auf den Schulen betriebene GeschichtSsälschung entschuldigen. Am Mittwoch wird die Beratung deS KultuSetatS fortgesetzt. Am Freitag soll die Plenarsitzung ausfallen, damit die Kommissionen ihre Arbeiten fördern können._ GeschäftSdispofitionen des Reichstages. Im Seniorenkonvent des Reichstages wurde gestern angeregt. zunächst die Plenarsitzungen völlig ausfallen zu lassen, um der Finanzkommisfion mehr Zeit zu lassen. Nach sehr eingehender NuZ- spräche wurde diese Anregung abgelehnt. Es bleibt bei der früheren Disposition, am Freitag. Sonnabend mid Montag keine Plenar- sitzungen abzuhalten, um den Kommissionen Gelegenheit zu noch ausgedehnterer Arbeit zu geben. Luftschiffahrt und Finanzkommisfion. Die Finanzkommission deS Reichstags, die beim Senioren- konvent beantragt hatte, daß während einer ganzen Woche das Plenum seine Sitzungen sollte ausfallen lassen, damit die Kommission in ihren Arbeiten nicht gehindert werde, hat beschlossen, heute Mitt- woch keine Sitzung abzuhalten, weil dieMitglieder dem Aufstieg der Luftballons aufdemTempelhoferFelde beiwohnen wollen. Und da sage noch einer, dah die Finanzkommission ihre Auf- gäbe nicht erst nimmt und ihr Bedürfnis nach Schaulust nicht hinter dem Staatswohl zurückzustellen vermöge. Liberale Arbeiter über die Reichsfinauzreform. Der rheinisch-westfälische Ausbreitungs- verband der deutschen Gewerkschaften hat kürzlich in Düsseldorf seinen Delegiertcntag abgehalten. In der Resolution, die zur Reichsfinanzreform angenommen wurde, wird ge- fordert, daß die Bewilligung neuer Steuern nur erfolgen darf, wenn ausreichende Gegenleistungen der Regierung durch Erweiterung der Rechte der Volksver- tretungen garantiert sind, die es insbesondere ermöglichen, daß die Durchführung der erforderlichen Ersparnisse in den Staats- ausgaben in wirksamer Weise kontrolliert werden kann. Die Reso- lution lehnt es ferner ab, daß vier Fünftel der geforderten Mittel durch indirekte den Konsum belastende Steuern aufgebracht werden, fordert vielmehr, daß nur ein Drittel höchstens die Hälfte des Bedarfs auf mittelst indirekter Steuern erhoben wird, und daß Vorsorge zu treffen ist, daß nicht den Bundesstaaten die einen bestimmten Betrag überschießenden Erträgnisse der indirekten Steuern zufließen. Zum Schluß wird gefordert, daß eine eventuelle Erhöhung der Steuern auf Genuß- mittel gleichzeitig eine entsprechende Herabsetzung der indi- rekten Steuern auf die notwendigsten Lebens- mittel nach sich zieht. Man darf an die Gewerkvereinler wohl die Frage richten, wo die bürgerliche Partei zu finden ist. von der sie die Erfüllung dieser Forderungen erhoffen. Kongreh der Tabakinduftrielle«. Im großen Saale des Berliner Architektenhauses fand heute eine allgemeine Konferenz von Vertretern tabakindustrieller Vereinigungen aller Gegenden Deutschlands statt. Das einleitende Re- ferat hielt der Syndikus des Deutschen TabakvereinS, der einen Rückblick auf die EntWickelung der Tabakbesteuerung in Deutschland warf und darauf die heutige steuerpolittsche Lage schilderte. Zum Schluß empfahl er folgende Resolution zur Annahme: .Die außerordentliche Mitgliederversammlung des D. T.-B. Vom 4. Mai 1Ü09 im Architekienhause verleiht erneut der Ucber- zeugung Ausdruck, daß jede Mehrbelastung deS Tabaks entsprechende schwere wirtschaftlich und sozialpolittsch schädliche Folgen ,nit sich bringen muß. Sie beschließt im vollen Einverständnis mit allen dem D. T.-V. angegliederten Fachverbänden des Roh- tabakhandels, der Rauch-, Kau- und Schnupftabakfabrikation und den Bezirksvereinigungen der Tabakinduftrie zu erklären: Ein gedeihlicher Fortbestand des deutschen Tabakgewerbes ist nur möglich, wenn das jetzige System der Besteuerung des deutschen Tabaks lediglich nach dem Gewicht unter schonendster Berücksichtigung der gesamten Rauch-, Kau- und Schnupf- tabakfabrikatton beibehalten wird. Dabei müßte sich jedoch, falls der Reichstag bei der erforderlichen Wiederherstellung einer ge- sunden Finanzgebarung des Reiches, entgegen den ernsten Be- denken des Deutschen TabakvereinS auf eme Heranziehung deS Tabaks nicht verzichten will, die Höhr der Mehrbelastung im an- gemessenen Verhältnis zum Gesamtumsatz des ErwerbSzweigeS halten, damit nicht durch einen allzu großen Verbrauchsrückgang dauernde Schäden und Verschiebungen eintreten, deren Folgen für Arbeiter und Angestellte, Händler und Fabrikanten, bleibende Rachteile in sich schließen würden." In der Diskussion erklärten sich viele Redner für diese Resolutton. Stallen Beifall erhielten die Vertreter der niederrheinischen Fabri- kanten mit ihrer Erklärung, daß sie nicht für die Re- solution stimmen könnten, sondern gegen jede Mehr« belastung des Tabaks entschieden protestieren müßten. Die Stimmung, die zuerst vermuten ließ, daß eine ziemlich starke Minorität gegen die Resolution vorhanden sei, schlug jedoch nach wiederholten Ermahnungen und Reden um, und so wurde die Resolution schließlich einstimmig angenommen. Die niederrheinischen Vertreter enthielten sich der Abstimmung. Ihr Redner erklärte aber zum Schluß, daß auch sie im Prinzip für die Beibehaltung deS Gewichts st euerfh st e n, s seien. Nationalliberales Heldentum. Die nationalliberale ReichstagSfraktion hielt am Dienstagmittag eine Fraktionssitzung ab. um Stellung zu nehmen zu der momentanen Situation. Der nationalliberale Abgeordnete Dr. Weber hatte am Sonnabend nach der Abstimmung in der Finanzkommission erklärt, daß seine Freunde sich zunächst noch an den Arbeiten der Kommission beteiligen würden, eine endgültige Stellungnahme sei ihnen aber erst nach der Beratung innerhalb der Fraktion möglich. Diese Stellung- nähme ist nun erfolgt und sie ist echt nattonalliberal: Die nationalliberale ReichstagSfraktion will zu- nächst abwarten, was Fürst Bülow zu tun ge« denkt.—_' Bauern und Arbeiter im Zentrum. Jüngst hatte die zentrumsagrarische„Rheinische Volks- st i m m e" aus Anlaß der Vorkommnisse bei der RcichStagSersatz- wähl in Düren-Jülich, wo ein Teil der katholischen Arbeiter eine Sonderkandidatur aufgestellt hatte, geschrieben: Ob diese Arbeiter sich christlich- sozial oder rot nennen, sei egal, im Haß gegen andere Stände, namentlich gegen den Bauernstand, gaben sich beide nichts nach. Das hatte die„W e st d e u t s ch e A r b e i t e r- Zeitung" als„unverschämte Verdächttgung" und„gemeine Ver- hetzung" bezeichnet, worauf jetzt die„Rheinische VoltSstimme" erwidert: „Jene Ausführungen find in Anbetracht verschiedener Vor- kommnisse im Kreise Düren leicht verständlich. Oder ist es etwa christlich-sozial, wenn die sämtlichen Mitglieder cineS katholischen Arbeiterverein? mit Ausnahme von 3 bis 4, einen Sozialdemo- kraten in den Gemeinderat wählten, und wenn einer der Führer erklärte, als man ihn auf die politische Richtung de? Kandidaten aufmerksam machte:„Der Zweck heiligt die Mittel." Der Ziveck, Mittelstand und Bauern cinS zu versetze»? Ist es christlich- sozial, wenn der Gewerkschaftssekretär Koch auf der Dürener Radauversammlung erklärte:„Wir haben der Kandidatur deS ~ Fürsten Salm zustimmen müssen, weil sonst ein Agrarier aufgc- stellt»oorden wäre?"(gemeint war Gutsbesitzer Frantzen-Ameln). Das heißt mit anderen Worten, ein Landwirt kann die Jnter- essen eines Wahlkreises und auch der Arbeiter nicht vertreten, das kann nur ein Arbeiter. Die �Westdeutsche Arbeiter-Zeitung" hat keinen Anlaß, sich aufs hohe Roß zu setzen und von er- dittcrnder Hetzarbeit zu reden." Dr. Arendt als parlamentarischer Agent der�rirmattotpp. Der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt hielt heute nach- mittag im Reichstage eine Rede»ur Verteidigung der sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen, die reichlich mit boshaften Ausfällen gegen die Sozialdemokratie gespickt war. Wie wir soeben erfahren, ist diese Rede dem Herrn Dr. Arendt gestern abend im Hotel de Russie von zwei Vertretern der Firma Krupp diktiert wordenl Oeffentliche Aufzüge find in Preschen stenerftei. Aus Anlaß eines besonderen Falles haben der Finanz- minister und der Minister des Innern darauf aufmerksam gemacht, daß die gemäß§ 7 Absatz 1 des RcichsvereinsgesetzeS vom 19. April 1908 erteilten polizeilickien Genehmigungen öffentlicher Aufzüge mtt Rücksicht darauf, daß ihre Er- teilung ausschließlich im öffentlichen Interesse erfolgt, in stempel- steuerlicher Hinsicht ebenso zu behandeln sind, wie die nach derselben Bestimmung ausgestellten Genehmigungen von öffentlichen Versamm- lungen unter freiem Himmel, deren Steuerfreiheit bereits anerkannt ist._ Die Ereigniffe in der Türkei. Die Verfassungsrevision. Die Jungtürken gehen daran, jene konstitutionellen Garantien, die dem deutschen Reichstag in dem Kampf gegen das persönliche Reginient bisher versagt geblieben sind, nach der revolutionären Niederwerfung des Absolutismus auch verfassungsmäßig festzulegen. Wie so oft in der Geschichte, folgt erst der Tat das Gesetz, ist dieses nichts weiter als das durch die Tat Gesetzte. Die bereits mitgeteilten Grundzüge der neuen türkischen Verfassung bedeuten nicht nur die kon- stitutionelle, sondern auch die rein parlamentarische Regierung. Der Monarch erhält nur das Recht, den Ministerpräsidenten, den Großwesir, zu ernennen, dieser erst ernennt die Minister. Das Kabinett muß zurücktreten, wenn die Kammer ihm ihr Mißtrauen ausspricht, eine Bestimmung, die in dem Entwurf unserer Fraktion über die Ministerverantwortlichkeit enthalten ist, ohne bei der Majorität des deutschen Reichstages auf jenes Verständnis rechnen zu können, welches das Parlament- der Jungtllrken beweist. Vollends aufgerichtet wird die Oberhoheit des Parlanients durch die Bestimmung, daß auch das Vetorecht des Sultans erlischt, wenn nach zweimaliger Annahme durch eine Kammer eine neu gewählte Kammer zum drittenmal ein Gesetz beschließt. Damit erhält das Veto des Herrschers nur mehr aufschiebende, nicht mehr aufhebende Kraft. Ebenso wird der Kammer unter formeller Bei» beHaltung des Zweikammersystems der entscheidende Einfluß durch die Bestimmung gewahrt, daß der Sultan nur ein Drittel der Senatsmitglieder ernennen kann, die übrigen zwei Drittel aber von der Kammer zu wählen sind. Tritt diese Verfassung ins Leben, dann wird die Türkei sich rühmen können, eine der besten Verfassungen in Europa zu besitzen. Aber so gut die Beziehungen zwischen Parlament und Krone danach geordnet erscheinen, so fehlen bisher alle Nachrichten, wie die wichtigste Verfassungsfrage gelöst werden soll. Das türkische Parlament ist aus einem reaktionären Privilegien- Wahlrechts hervorgegangen, dessen Abänderung die wesentliche Verfassungsreform wäre. Gerade da aber werden die Jung- türken Bedenken hegen. Sind sie doch selbst die Nutznießer dieses Pivilegienwahlrechts, und eine starke Volksbewegung, die ein besseres Wahlrecht sich zum Ziele setzt, ist vorläufig wenigstens nicht im Gange. Ein billiger Herrscher. Konstantinopel. 4. Mai. Türkischen Blättern zufolge hat der Sultan die von der Finanzkommission auf 25 000 Pfund herab- gesetzte Z i v i l l i st e auf 20 000 Pfund ermäßigt. Hier und in der Provinz dauern die Verhaftuftgen flüchtiger Soldaten und Reaktionäre fort.> Im Fildiz-Kiosk wurden gestern eine Anzahl von Säcken m i t G o l d und Fünfpfundscheinen gefunden. Diese wurden heute zugunsten deS Staatsschatzes konfisziert. Auch heute wurden Kisten mit Schmuck und Goldstücken aufgesunden. Bis jetzt wurden bereits über 10 Millionen Mark dem Staatsschatz einverleibt. Der Kabinettswechsel. Konstantinopel. 4. Mai. Großwesir Tewfik Pascha über- reichte heute vormittag im Palais dem Sultan die Demission des Kabinetts. Die Ernennung Hilmi Paschas zum Groß- wesir steht bevor. Die Armee treibt keine Politik. Konstantinopel, 4. Mai. Eine amtliche Mitteilung deS Genera- lissimus Mahmud Schewket Pascha erklärt kategorisch, daß die Armee bei den letzten Vorgängen kein Instrument irgend einer Partei oder des Komitees gewesen sei. Die Armee verfolge nur die Kräftigung und Konsolidierung der Verfassung. Sie habe seit der Juli-Umwälzung jede Verbindung mit dem Komitee abgebrochen, sei eine nationale Armee und da» Exekutivmittel jeder Regierung ohne An- sehen der Partei, sofern sie verfassungsmäßig sei und das Vertrauen der Nation besitze. Verbindungen und Sympathien mit politischen Parteien seien den Angehörigen der Armee bei Strafe der Entfernung aus dem Armeeverbande verboten. Abdul Hamid muß bluten. Koustautiuopel, 4. Mai. Die Deputierteukammer beschloß, die Regierung aufzufordern, daS bei türkische» und auswärtigen Banken deponierte Vermögen Atdnl Hamids festznstelle» und sperr«» zu lassen. DaS Massaker i« Adana. Konstauttuopel, 4. Mai. Räch englischen Konsularmeldimgen sind in A d a n a, der gleichnamigen Hauptstadt der Provinz 1600 Ehristen und 600 Muselmanen, die bei den Massakers umgebracht wurden, beerdigt worden. Der abgesetzte Mali Djevad Pascha, welcher auf Befehl des AildizkioSkS die Massaker anordnete, ist verhaftet worden. DaS dorthin delegierte Kriegsgericht wird ihn aburteilen und ihn in Adana selbst hängen lassen. Oetomieb. Di« unten Steuern. Wien, 4. Mai. DaS Abgeordnetenhaus erledigte heute in allen Lesungen die Borlage betreffend Regelung der Arbeitszeit im Handelsgewerbe und begann sodann die erste Lesung der Vorlage betreffend E r h ö Huna der Bier- und Branntwein- st e u e r sowie Sanierung der Landesfinanzen. Im Namen der Sozialdemokraten sprach sich Genosse Freundlich auf das entschiedenste gegen diese Steuervorlagen aus, m denen er einen rücksichtslosen Beutezug auf dt« Taschen der arbeitenden Bevölkerung erblickte. Schweiz. Staatliche ArbcitSlosenfürsorge in der Schtveiz. Im großen Rate des Kantons Basel-Stadt wurden hie beiden Vorlagen über die Arbeitslosenfürsorge ver- bandelt und bis zur zweiten Lesung erledigt. In der ersten Bor» läge über die staatliche ArbeitSlosenkaffe wurde der bestimmte Bei- tragSsatz der Mitglieder gestrichen: er soll von der Regierung— wir denken nach Beschluß der versicherten Mitglieder— festgesetzt werden. Statt der vorgeschlagenen täglichen Arbeitslosenunter- stützung von 2,50 Fr. wurden zwei Drittel des üblichen Tagelohncs festgesetzt und ferner die Untcrstützungsdauer von 48 auf 75 Tage verlängert. Die Unterstützung kommt in Wegsall bei freiwilligem Austritt des Versicherten, mit Ausnahme der Fälle, die zum Aus- tritt berechtigen; ferner bei Streiks, Krankheit und Unfall sowie bei Ablehnung von Arbeit ohne gewichtigen Grund und bei wisscnt- lich falschen Angaben. Nach langer lebhafter Diskussion wurde beschlossen, die Unterstützung bei Aussperrungen auszusetzen. Ein Antrag der Scharfmacher, die Versicherten zur Annahme von Strcikarbeit zu verpflichten, wurde mit 54 gegen 24 Stimmen abgelehnt. In der zweiten Vorlage über die Unter st ützung der gewerkschaftlichen Arbeitslose, n Versicherung wurde beschlossen, die Leistungen der staatlichen ArbeitSlosenkaffe als Minimalleistungen zu verlangen und staatlicherseits zu den Kosten beizutragen, und zwar 20 bis 40 Proz. der ein- gezahlten Mitgliedsbeiträge und 25 bis 50 Proz. der bezahlten Unterstützungen. D« elftere Staatsbcitrag soll als Reservefonds angelegt werden. Der nötige Kredit soll erst in der nächster Sitzung beschlossen werden. franhrdeb. Die Maßregelungen und ihre Abwehr. Paris, 4. Mai. Infolge der angekündigten Regie- rungs maßnahmen gegen 52 Po st- und Tele-, graphenange st eilte sollen zwischen der allgemeinen Vereinigung der letzteren und dein revolutionären Arbeitsverbande gegenwärtig eifrige V c r h a n d- lungen stattfinden. Tie Führer des Allgemeinen Ar- beiterverbandcs wollen die Post- und Telegraphenangestelltcn zu einem neuen Streik drängen, indem sie ihnen die Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft versprechen und insbesondere darauf hinweisen, daß Ans- stände einzelner Arbciterkategorien, so z. B. der Berg- l e u t e, vorbereitet werden. Der Ausschuß der Postbeamten- Vereinigung zögert jedoch, diesen Einflüssen Folge zu leisten, da einerseits eine beträchtliche Anzahl von Post- und Telegraphenangestellten sich dem Streik nicht anschließen würden, und andererseits die öffentliche Meinung im Falle eines neuen Postbeamtenstreiks unzweifelhaft geschlossen auf feiten der Regierung stände. Weitere Maßregelungen. Paris, 4. Mai. Gestern sind mehrere Postbeamte vom Dienst suspendiert worden wegen antimilitaristi- scher Kundgebungen und wegen ihrer Erklärung, daß sie Anhänger einer Vereinigung mit der Allgemeinen Arbeiterkonföderation seien. Heute sind zwei w e i- tere Postbeamte wegen aufrührerischer Reden am 1. Mai vom Amte suspendiert worden. Die Agitation unter den Postbeamten dauert an. Die Postbeamten von Bor- deaux haben telegraphisch die schleunige Mitteilung ihrer Be- fördcrungslisten verlangt. Italien. Vermehrte Heeresausgaben. Rom» 4. Mai.(W. T. 58.) Der Deputiertenkammer ist heute eine Vorlage des KrieaSministerS zugegangen, die nach Meldungen der Blätter eine Erhöhung der ordentlichen Ausgaben des Heeresbudgets für 1903-09 um zehn und des Heeresbudgcts für 1909-10 um 16 Millionen, sowie 125 Millionen für außerordentliche Aus- gaben fordert, die auf die fünf nächsten Budgets von dem dies- jährigen ab verteilt werden sollen. Cngiand. Die Budgetdebatte. London, 3. Mai. Die Generaldebatte über daS Budget wurde heute bei vollbesetztem Hause wieder aufgenommen und wird die ganze Woche hindurch fortgesetzt werden. Balfour kritisierte scharf die verschiedenen Finanzvorschläge der Regierung, besonders die Grund st euerprojekte und die hohen Li z e n z- gebühren. Er erklärte, die Vorschläge betreffend den Handel mit Spirituosen bezweckten die Vernichtung der politischen Feinde und seien ein Alt politischer Rache. Höhere Kvnzessionsgebühren seien im Wesen gleichbedeutend mit einer Verbrauchssteuer auf Bier, zumal keine entsprechenden Einfuhrzölle für aus- ländisches Bier vorgesehen seien. Buxton antwortete im Namen der Regierung und bestritt. tOß die Behandlung deS Spiri- tuosenhandels von politischer Rachsucht oder Ungerechtigkeit diktiert sei. Ausländisches Bier werde nur in sehr geringem Maße ein- geführt, wenn die Regierung aber von der Opposition gedrängt werde, so würde sich diese Frage regeln lassen. Handelsminister Churchill verteidigte mit Nachdruck die Vorschläge der Regie- rung. Er wies darauf hin. daß die von der Regierung gewünschten Maßnahmen nicht nur die Gesundheit der Wirtschaft- lichen und fiskalischen Politik Englands dartun, sondern auch die fiskalische und finanzielle Kraft Englands beweisen würden, was nicht ohne Wirkung auf die d i p l o m a t i s ch e n und vielleicht auch auf dieFlottenverhältnisseEuropa? sein werde.,(Beifall bei den Ministeriellen.); Die Biersteuer. London, 4. Mai. Unterhaus. Auf die Beschwerde der Opposition, daß, während eine höhere Steuerbelastung für die Brauereilizenzen gleichbedeutend sei mit einer erhöhten Besteuerung des Bieres, für das ausländische Bier keine entsprechende Erhöhung der Abgaben vorgesehen sei, erklärte Premierminister Asquith sich bereit, eine Resolution einzubringen, durch welche dem fremden Bier hier die nötigen erhöhten Abgaben auferlegt werden, fügte aber unter der Heiterkeit des Hauses hinzu, die Abgabe werde fünfhundert Pfund jährlich bringen. Perfien. Parlamentswahlen. Teheran, 4. Mai. Der Schah hat die Wahlen für em neueinzuberufendes Parlament angeordnet. Marokko. Verschiedene Gefechte. Tanger, 4. Mai. Nach der Meldung eines an» 30. April auS ?' e S abgegangenen Boten hat der Kaid Alka Hämo» den a u f st ä n d i. chen Teil der Beni Mter entscheidend geschlagen, während zwischen einer hafidischen Mahalla und den Truppen El RoghiS ein unentschiedenes Gefecht stattgosimden hat. Der Sultan hatte gestern mit den Konsuln Deutschlands. Frankreichs und Englands eine Besprechung Wer die finanziellen Forderungen der Europäer. Gewcrkrcbaftlicbc� Maifeier-Aussperrungen. In einer gemeinsamen Werkstattvertrauensmänner-Versammlung für Berlin, Charlottenburg, Rixdorf, Schöneberg und Weißensee, die der Deutsche Holzarveiterbervand nach FreherS FestsSlen zum Montag abend einberufen hatte, erstattete Leopold den Bericht über die Mai- Aussperrung in Groh-Berlin. Man hat damit gerechnet, so führte er aus, daß die Maifeier dieSmal nicht in einem solchen Umfange gefeiert werden könnte wie im letzten Jahre. Immerhin war die Beteiligung nicht schlecht. Außer den 16 000 Feiernden, die sich in der.Neuen Welt" versammelt hatten, besuchten viele Arbeiter die Versammlungen in den Vororten. Eine Anzahl hat allerdings gearbeitet, entgegen den gefaßten Beschlüssen. Viele entschuldigten sich damit, daß sie wegen der Lohnzahlung am Sonnabend nicht feiern konnten. Bei anderen drückt die wirtschaftliche Krise zu schwer. Viele ließen sich ein- schüchtern. Ueber die erfolgte Aussperrung gab Leopold folgende Dahlen bekannt: Am 3. Mai wurden als ausgesperrt gemeldet in: Betriebe mit Es arbeiteten Beschäftigten Personen Verlin...... 233 5147 8729 1418 Rixdorf..... 10 169 125 44 Weißensee..... 5 98 82 16 Schöneberg.... 14 63 63— Charlottenburg... 1 24 24— Insgesamt.... 263 55Ö6 4028 1478 Nach der Meldung vom ersten Tage<3. Mai) wurden in Berlin — ohne Vororte—- ausgesperrt auf: Betriebe mit nj.rfnn.m®8 arbeiteten Beschäftigten P"'0"6« weiter 1 Tag..... 8 35 34 1 2 Tage..... 2 51 23 23 3 Tage..... 200 4618 3568 1050 6 Tage..... 4 34 27 7 14 Tage.... Entlassen.... Insgesamt... 233 5147 3729 1418 Die Aussperrung verteilt sich auf folgende Branchen: In Möbeltischlereien...mit 208 Betrieben 3474 Ausgesperrte . Bautischlereien...... 28, 384 1 23 90 319 12 60 78 259 Pianofabriken Drechslereien u. Treppen- geländerfabriken... Vergoldereien.... Fräsereien...... Kistcnfabriken..... Bodenlegergeschäften.. Stellmachereien.... 11 2 3 2 1 1 53 66 21 11 10 2 2 Insgesamt... in 263 Betrieben 4023 Ausgesperrte Glocke erklärte, daß man mit der Beteiligung der Holzarbeiter an der Maifeier im allgemeinen zufrieden sein könne, wenn auch die Krise einen Rückschlag gebracht und die Art der Diskussion über die Maifeier zuweilen nicht förderlich gewirkt habe. Ueber die Unterstützungsfrage entspann sich eine längere Dis« kussion. Im vorigen Jahre hat die Unterstützung den Verband 62 000 M. gekostet und in diesem Jahre werden die Kosten nicht geringer sein, da noch manche Differenzen zu erwarten sind. Der Antrag der Verwaltung, diejenigen, die bis zu drei Tage aus« gesperrt sind, von Montag ab zu unterstützen, wurde angenommen. Bei längerer Aussperrung treten dann die Bestimmungen des Statuts in Kraft. Die rückständigen Beiträge werden natürlich in Abzug gebracht. Ein Antrag, der Generalversammlung zu empfehlen, auf ein Bierteljahr obligatorisch den Extrabeitrag von 25 Pf. pro Woche einzuführen, mit der Maßgabe, daß die Hälfte des Ertrages den Ausgesteuerten, die andere Hälfte den Ausgesperrten zukommen solle, wurde ebenfalls von der Versammlung angenommen. L- Auch die von dem Verband der Berliner Schuh- Warenfabrikanten den Arbeitern angedrohte Aussperrung von 3 Tagen ist ausgeführt worden. Große Befriedigung über diese ungerechtfertigte Maßnahme dürften aber ihre Urheber nicht empfinden. Es ist durch die Aussperrung offenbar geworden, daß die Verbandsfabrikanten nur den kleineren Teil der Schuhindustrie- arbeiter beschäftigen und dieser Verband tatsächlich nicht die Be. deutung hat, die ihm bisher beigemessen wurde. Die Zahl der Verbandsfabrikanten ist im Laufe der Zeit stark dezimiert worden. Ausgesperrt haben 11 Betriebe zusammen 269 Arbeiter. Aller- dings haben es in einigen Fabriken die Arbeiter unterlassen, am 1. Mai zu feiern. Doch ist die Zahl dieser Arbeiter nicht er- heblich. Wie bedeutungslos der Fabrikantenverband erscheint, kann man daraus ersehen, daß der Verband der Schuhmacher zirka 2300 Mit- glieder zählt, die in Schuhfabriken arbeiten. Außer den Verbands- fabrikantcn hat noch die Füuna Mohr u. Speyer ihre 23 Ar- beiter auf 6 Tage ausgesperrt. Eine am Montag abgehaltene stark besuchte Versammlung des Verbandes der Schuhmacher hat einstimmig beschlossen, etwaige von Verbandsfabrikanten beabsichtigte Maßregelungen, bei der Wieder- aufnähme der Arbeit am Donnerstag, ganz entschieden, evtl. mit dem Mittel der weiteren Arbeitsniederlegung, zurückzuweisen. » Stettin. Die chemische Fabrik„Union" sperrte 40 Mann ihrer Arbeiterschaft wegen Teilnahme an der Maifeier auf 2 Tage aus. Die Direktion hatte erst auf Ansuchen den 1. Mai frei- gegeben, dann aber ihre Bewilligung wieder zurückgezogen. -» In der Wolgaster Holzindustrie sollten wegen Be- teiligung an der Maifeier 132 Arbeiter ausgesperrt werden. Der erste Direktor der Fabrik hatte erst die Erlaubnis zur Maifeier gegeben, nachdem entschied der zweite Direktor im entgegengesetzten Sinne. 81 Arbeiter des Betriebes gehören dem Fabrikarbeiter- verbände an, 51 dem Holzarbeiterverbande. Nach dreimaligem Verhandeln gelang es, die Direktion dahin zu bewegen, die ange- drohte Aussperrung auf 3 Tage zurückzunehmen. » «eipzig. Die Unternehmer im Holzgewerbe haben 660 Holzarbeiter wegen Beteiligung an der Maifeier ausgesperrt, ein- zelne davon nur 3 Tage, die meisten jedoch auf 10 Tage. O Offenbach a. M. In der Schuhfabrik„Union" wurden sämtliche Schuhmacher, etwa 80 Mann, wegen Teilnahme an der Maifeier auf unbeschränkte Zeit ausgesperrt. » München. Der Arbeitgeberverband hat 770 Tischler und 70 Tapezierer wegen Teilnahme an der Maifeier ausgesperrt. ES handelt sich hier um einen Tarifbruch von feiten der Unternehmer, da, bei den letzten Tarifverhandlungen ausdrücklich ausgemacht wurde, daß die Maifeier in der gewohnten Weise begangen werde. Berlin und Umgegend« Die Bewegung der Bauklempnee. Die Zahl der unterzeichneten Tarifverträge ist auf 73 ange- wachsen, wie in der Versammlung der Ausständigen, die am Diens- tag früh im Gewerlschaftshause stattfand, bekanntgegeben wurde. TrotzSeltt behaupken die Unternehmer, daß die Situation für sie günstig liege. In dem Rundschreiben Nr. 7, datiert vom 30. April, welches die „Arbeitgeberverbände im Berliner Klempnergewerbe" verbreiteten, heißt es: „In den meisten größeren Betrieben sind bereits Arbeits- willige zu dem von uns aufgestellten Lohntarif eingestellt worden. und einzelne Firmen hatten bereits ein derartig großes Angebot von Arbeitnehmern, daß sie diese an andere Firmen abgeben mußten. Ohne Zweifel übersteigt d'e Zahl der Leute, die zu unserem Tarif zu arbeiten bereit sind, die Zahl der aus- gesperrten Klempner ganz erheblich." Unter großer Heiterkeit der Versammlung wurde dieser Passus des Rundschreibens verlesen. Weiter heißt es darin: „Wenn es trotzdem noch nicht möglich war, die Betriebe voll zu besetzen, so liegt dies in der Hauptsache an dem rigorosen, vielfach ungesetzlichen Vorgehen der Streikposten, wodurch die be- reits angeworbenen, mit unserem Tarife einverstandenen Leute verhindert wurden, an der Arbeitsstelle zu erscheinen." Gegen die Behauptung eines ungesetzlichen Vorgehens der Streikposten wurde in der Versammlung Protest erhoben. Die Streikposten haben sich noch nichts zu schulden kommen lassen, sie haben nur das ihnen gesetzlich gewährleistete Recht in Anspruch ge- nommen und werden dies auch weiter tun. In der„Volkszeitung" suchen größere Firmen eifrig nach Bau- klempnern und doch verbreiten die Meister die Nachricht, daß sie ein großes Angebot von Arbeitswilligen erhielten. In der bürger- lichen Presse ist vielfach zu lesen, wie günstig die Sache der Klempnermeister stände und doch werden täglich Unterhandlungen nachgesucht und neue Verträge unterschrieben, damit die Meister endlich wieder tüchtige Arbeitskräfte erhalten. Die Berichte der Streikposten waren manchmal ergötzlich zu hören. In einem Falle hielt man es für das Vorteilhafteste, dem Meister ein paar Streik- brecher nicht abspenstig zu machen, weil diese wie Strolche aus- sahen und man dem Meister solche Klempnergesellen gern gönnen wollte. Ein Meister holte sich einen Arbeitswilligen in einer Droschke herbei; aber die Fürsorge war umsonst, der Neugeworbene wurde abgefangen. Eine Firma hat in ihrem Kontor 6 Betten auf- gestellt, um die Arbeitswilligen zu beherbergen.— Es ist eine offenbare Täuschung, wenn die Meister behaupten, daß die Situation für sie günstig liege. Das Gegenteil ist der Fall. Die Bauanschläger sind nach Beendigung des Streiks mit den Unternehmern in Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Tarifs eingetreten. Wie von Anfang an. so bestanden die Unter- nehmer auch bei den Verhandlungen zunächst noch auf ihrer Absicht, gewisse Verschlechterungen des Tarifs durchzusetzen, wogegen sich die Vertreter der Arbeiter nicht nur entschieden wehrten, sondern das Verlangen nach Verbesserung des Tarifs stellten. Nachdem sich dann herausgestellt hatte, daß auf diese Weise eine Verständigung nicht zu erzielen war, schlugen die Unternehmer vor, den alten Tarif unverändert auf fünf Jahre zu verlängern. Die Arbeiter waren zwar mit der Verlängerung einverstanden, doch wollten sie eine solche nur für zwei Jahre abschließen. Zuletzt kam eine Ver- einbarung dahingehend zustande, daß der alte Tarif unverändert auf drei Jahre, also bis zum 1. April 1912 weiterbestehen soll und daß die Parteien am 1. Oktober 1911 in Verhandlungen über die Erneuerung beziehungsweise Aenderung des Tarifs eintreten sollen. Dies Ergebnis der Kommisswnsverhandlungen wurde am Montag einer Versammlung der Bauanschläger unterbreitet. Der Referent Handle empfahl das Abkommen zur Annahme, da sich unter den gegebenen Verhältnissen nicht mehr erreichen ließe und angesichts des auf erhebliche Verschlechterung des Tarifs ge- richteten Vorgehens der Unternehmer die vorliegende Vereinbarung immerhin als ein Erfolg der Arbeiter angesehen werden könne. Diesen Standpunkt vertraten auch verschiedene Diskussions- redner, während einige andere Redner mit der Vereinbarung un- zufrieden waren und eine während der Dauer des Tarifs ein- tretende Lohnerhöhung verlangten.— Schließlich stimmte die Ver- sammlung der Verlängerung des Tarifs auf drei Jahre zu und beauftragte die Kommission, die Unternehmer zu veranlassen, daß die von ihnen schon zu Anfang der Bewegung zugestandene Er- höhung des Stundenlohnes von 65 auf 70 Pf. als einzige Aenderung des alten Tarifs in Kraft treten soll. Wie uns in später Stunde noch gemeldet wird, haben die Ver- Handlungen mit den Unternehmer inzwischen stattgefunden und ein günstiges Ergebnis gehabt. Die gewünschte Stundenlohn- erhöhung von 65 auf 70 Pf. wurde zugestanden. Streik auf dem Städtischen Schlachtviehhilf. Bei der Gesellschaft für Darmverwertung haben 41 Schlächtergesellen und Darm- arbeiter die Arbeit niedergelegt. Sie wollen die Maßregelung von 2 Vertrauensmännern abwehren. Nur 2 Mann blieben stehen. Man glaubt aber, daß auch sie sich der Bewegung anschließen werden. Zuzug von Schlächtergesellen und Darmarbeitern ist fernzuhalten. Ursache der Maßregelung ist offenbar, daß den Unternehmern das immer stärkere Eindringen dckr Organisation auf dem Schlachthof ungelegen ist und sie diesem Widerstand entgegen- setzen wollten. Die Graveure der Firmen R. Auerbach, Heinrich Thiele u. Comp., Bernhard Köhler und H. B e r n e r t befinden sich seit zwei Wochen im Streik. Die Organisation hatte, da die Preise bei diesen Firmen sehr ungleich festgesetzt sind, einen Einheitstarif ausgearbeitet und diesen den in Betracht kommenden Firmen zur Einsicht und Anerkennung zugestellt. Während nun eine Firma dem Tarif zustimmte, haben die hier genannten Arbeit- geber die Anerkennung dieses Tarifes strikte abgelehnt mit der schon ziemlich abgedroschenen Begründung, daß sie sich jeie Einmischung in die internen Angelegenheiten ihrer Betriebe verbäten und sie„ihren" Arbeitern mit dem„größten Wohlwollen" gegen- überständen. Da aber die Organisation sich aus einem verhältnismäßig geringfügigen Anlaß nicht auf einen Prinzipienkampf einlassen wollte, so versuchte eine aus den streikenden Kollegen gewählte Kommission mit den„wohlwollenden" Unternehmern zu ver- bandeln, was eine hübsche Illustration zu den hochtrabenden Worten der betreffenden Herren bildet. In ihrer Bedrängnis. in die die genannten Firmen durch die Arbeitsniederlegung geraten sind, wandten sie sich hilfesuchend an die Kleinmeister des Berufs, damit diese ihre Aufträge fertigstellen sollten. Hier kamen die Herren jedoch schlecht an und ein Teil der Angerufenen erklärte sogar rund heraus, daß sie keine Lust hätten, sich als Rotnagel benutzen zu lassen, um dann nach beendigtem Streik die Macht ihrer großen Konkurrenten doppelt schwer zu fühlen. Als die Seele des Widerstandes gegen den gewünschten Tarif gilt Herr Köhler, dessen Betrieb in einer Versammlung der Streikenden am Montag einer besonder? kritischen Würdigung unterzogen wurde. Der Streik dauert unverändert fort. Die Lohnbewegung der Stukkateure. Eine öffentliche Stukkateurversammlung, die am Montag den großen Saal des Gewerkschaftshauses füllte, beschäftigte sich mit der Lohnbewegung. Der Vorsitzende August Dietrich gab in seinem Referat zunächst bekannt, daß infolge der Maifeier 5 Firmen ihre Stukkateure ausgesperrt oder entlassen haben. ES sind im ganzen nur 50 Mann davon betroffen. Von der mit so großen Worten vom Unternehmertum angekündigten allgemeinen Aussperrung der Maifeiernden kann also im Swkkateurbcruf nicht die Rede sein. Ueber die Firmen, die töricht genug waren, dem AussperrungSbefehl der Scharfmacher Folge zu leisten, ist selbst- verständlich die Sperre verhängt. Sie sind bereits im Annoncen. teil des„Vorwärts" bekanntgegeben. Der Redner berichtete dann über das Ergebnis der am 23. April ausgeführten Bautenkontrolle. Sie erstreckte sich auf 529 Bauten, von denen 78 fertig und zum Teil schon bezogen waren. Auf 173 Bauten oder 180 Arbeits- Plätzen waren die Stukkateure tätig; 93 Bauten waren geputzt, so daß mit der Stukkateurarbeit begonnen tverden sollte; km Rohbad fertig, jedoch noch nicht geputzt, waren 141 Bauten. Außerdem wurden 34 Bauten gezählt, die bis zur Decken- und Dacharbeit gediehen waren. Auf jenen 173 Bauten waren 481 Personen vom Stukkateurberuf tätig, nämlich 424 Gehilfen. 38 Lehrlinge und 19 Meister. 221 Gehilfen arbeiteten in Akkord, 203 in Lohn. Aus den Feststellungen über die Löhne ist zu entnehmen, daß ein Stuk- kateur— es soll sich hier um einen Ausgelernten handeln, der jedoch tüchtig in seiner Arbeit ist— noch für 3,50 Mk. den Tag arbeitete; ein anderer erhielt 5,75 Mk., und der höchste Tagelohn, den einer verdient, war 9,50 M. Die übrigen Gehilfen arbeiteten teils für 7 M.. 7.50 M.. 8 M.. 8.50 M. und 9 M. den Tag. und der Durchschnittsverdienst der Lohnarbeiter betrug an jenem Tage 7,97 M. Die Kontrolle über die Werkstattarbeit ergab, daß 29 Firmen vorhanden waren, die weder Gehilfen noch Lehrlinge be- fchäftigten, und 35, die keine Gehilfen, wohl aber 57 Lehrlinge hatten. Im übrigen wurden 72 Betriebe mit 124 Gehilfen und 142 Lehrlingen festgestellt, wogegen um dieselbe Zeit bei der Werk- stättenkontrolle von 1908 169 Gehilfen und 217 Lehrlinge gezählt wurden, aber auch 33 Firmen mehr als diesmal vorhanden waren, die also infolge der Wirtschaftskrise verschwunden sind. Die Löhne sind in den Werkstätten ein gut Teil niedriger als auf den Bauten; der festgestellte Durchschnittslohn beträgt in den Werkstätten nur 5,94 M. Ueber das Organisationsverhältnis der auf Bauten und in Werkstätten beschäftigten Stukkateure wurde ermittelt, daß 66 Proz. dem Stukkateurverband angehören, ein kleinerer Teil ist in anderen Zentralverbänden organisiert, und 11 gaben an, lokal- organisiert zu sein.— Der Redner betonte, daß die Lohnstatistik den Beweis dafür bringt, daß es Schwindel ist, wenn, wie es wiederholt in bürgerlichen Blättern geschehen ist, die Lohnverhält- nisse der Stukkateure als die allergünstigsten hingestellt werden, um so mehr, als ja auch in diesem Beruf mit einer alljährlich wiederkehrenden Zeit der Arbeitslosigkeit gerechnet werden muß. Der Redner gab sodann eine Uebersicht über den bisherigen Verlauf der Lohnbewegung. Veränderungen sind in dieser Hinsicht seit der letzten Versammlung nicht eingetreten. Es ist jetzt im Einver- ständnis beider Parteien das Einigungsamt des GewcrbegerichtS angerufen; wenn die Sitzung stattfinden soll, ist jedoch noch nicht bekannt gegeben.— Die Versammlung nahm nach kurzer Dis- kussion einstimmig eine Resolution an, in der sie sich mit dem Verhalten der Arbeitnehmervertreter in der Schlichtungskommission � einverstanden erklärt, es bedauert, daß ein neuer Tarifvertrag noch nicht zustande gekommen ist, und im übrigen betont, daß der Jen- tralverband der Stukkateure die einzige zuständige Organisation des Berufes ist, der jeder Stukkateur angehören muß. Achtung» Kunststeinarbeiter! Bei der Firma C z a r n i k o w u. Co.. WaidmannSIust. Oranienburger Chaussee, ist es anläßlich der Tarifbewegung nach voraufgegangenen resultatlosen Verhandlungen zur Arbeits- einjtellung gekommen. Zuzug von Mischern. Stampfern. Schleifern usw. ist unter allen Umständen fern zu halten. Verband der Fabrikarbeiter.(Verwaltung BerltN.) Oeutkchea Reich. Die Abstimmung. Die Arbeiter der Seifenfabrik Miller in Regensburg halten durch ihre Organisation eine Lohnforderung gestellt. Der Fabrikant ließ sämtliche Arbeiter zu einer Versammlung zusammenrufen und hielt, ohne auf die Forderungen selbst einzugehen, eine halbstündige Rede über die Verderblichkeit der Sozialdemokratie, die nicht ein- mal einen einzigen Kaiser und König zum Freund habe. Dagegen könne er die christliche Organisation sehr empfehlen. Dann lieg der Fabrikant durch Händecrheben abstimmen, wer den Christlichen beitreten wolle. Keine einzige Hand rührte sich. Und nun sagte der Fabrikant, er glaube nicht, daß ein einziger Arbeiter mit den von der freien Organisation eingereichten Forderungen einver- standen sei. Wer wirklich so sozialistisch sei, der möge eine Hand erheben. Und siehe da: Sämtliche Hände fuhren in die Höhe! Das hat den Fabrikanten so schwer getroffen, daß er kein Wort mehr zu sagen wußte. Aber auch die Forderungen bewilligte er nicht. Die Arbeiter traten deshalb am 1. Mai in den Ausstand. Die Dachdecker in Hof sind am 1. Mai in den Ausstand ge- treten. Der bisher bestandene Tarif war am genannten Tage abgelaufen, die Arbeiter verlangten beim Neuabschluß eine Lohn- erhöhung von 3 Pf. pro Stunde, die Unternehmer lehnten aber kurzweg jede Verhandlung hierüber ab. Letzte J�acbncbtcn und DcpcFcben. Sin neuer Streik? Pari», 4. Mai.(W. T. B.) Einer Blättermeldung zufolge hat der Verbandsausschuß der Post, und Telegraphenangestellten beschlossen, daß die übermorgen zum Ministerpräsidenten Clemen- ceau zu entsendende Abordnung sich auf irgend eine Erörterung der verfügten Maßnahmen nicht einlassen, sondern der Regierung eine Art Ultimatum stellen soll. Einige hundert Post- und Tele- graphenbeamten hielten heute nachmittag eine Versammlung ab, in welcher ri» neuer Ausstand im Prinzip einstimmig beschlossen wurde. Mehrere Redner verlangten unter stürmischem Beifall» daß der Verbandsausschuß die Postbeamten zwei Tage vor Aus- bruch des Streiks verständigen möge, damit diese Zeit hätten, alle Dienstbetriebe in Unordnung zu bringen. Ein Riesenausstand. Buenos Aires, 4. Mai.(W.T.B.) Infolge de? allgemeinen Aus. standeS ist der Wagenverkehr eingestellt, die Straßenbahnen ver- kehren teilweise, und zwar unter dem Schutze bewaffneter Sol- baten, die Eisenbahnen können ihren Betrieb aufrechterhalten, Die Zahl der Ausständigen wird auf übrr 266 666 geschätzt. Typhus in ehtr« Infanterieregiment. Mühlhel» o. d. 9t, 4. Mai.(B. H) In dem hier garnifo- nierenden Infanterieregiment ist der Typhus ausgebrochen. Fünf Soldaten find bereits erkrankt._ 18 Angeklagte vor Gericht. Memel, 4. Mai.(28. T. B.) Vor der hiesigen Strafkammer standen, laut„Memeler Dampfboot", heute 18 Personen, meist Holzarbeiter, unter der Beschuldigung, am 10. September v. I. in Schmelz in einer von nationalliberaler Seite einberufenen Wahlversammlung ruheftörenden Lärm verursacht und gegen die überwachenoen Beamten tätlich vorgegangen zu sein. ES waren 65 Zeugen geladen. Am späten Abend wurde daS Urteil verkündet, nach welchem 7 Angeklagte wegen Hausfriedensbruchs bezw. Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zu Gefängnis- strafen von zwei Wochen bis zu drei Monate» verurteilt«urdca. Die übrigen 11 Angeklagten wurden freigesprochen. Eine Papierfabrik vom Feuer zerstört. Paris, 4. Mai.(B. H.) Eine FeuerSbrunst zerstörte die Papier» fabrik der Firma Deluz in der Nähe von Beanme. Der Schade« übersteigt 1 Million Frank. Man vermutet Brandstiftung. verschüttet. Charleroi, 4. Mai.(B. H.) Sechs Arbeiter der Grube»Mi Courzelle» find infolge eines vergnitfches verschüttet worden. Es gelang, vier der Berschütteten mit geringen Verletzungen hervor- zuholen, die beiden anderen waren bereits tot. Die Opfer find Familienviter._,_ Lerantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw.: JH. Glocke. Berlin. Druck u. Verla«,: Vorwärt» Buchdr. u. VerlagSanstal» Maul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.vnterbaltungSbi, Kr.w3. 26. Jahrgang. t Sfilioe des JoniiBits" Kalim WsdlÄ Mitwoch, k U«i 1909. Reid�stag. 252. Sitzung vom Dienstag, den 4. Mai, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bethmann-Hollweg. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Besprechung der Interpellation Albrccht u. Gen.(Soz.), welche eme gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnifle der Einvichwngen der PcnsionS-, Witwen- und Waisenkassen verlangt, die von Arbeitgebern für die Arbeiter ihrer Betriebe er- richtet sind. , Abg. Dr. Arendt sNp.): In einer so ernsten Zeit, in der das ganze Volk auf den Reichstag blickt und praktische Arbeit von ihm erwartet, beschästigen wir uns schon den zweiten Tag mit einer Interpellation, von der auch ihre Urheber ein praktisches Ergebnis nicht erwarten, die vielmehr aus agitatorischen Gründen gestellt ist. Sie hätte daher nicht eine so gründliche und sachliche Beantwortung, wie ihr von der Regierung zuteil ge- worden ist, verdient. Mir Recht hat der Staatssekretär den sozialen Geist der deutschen Unternehmer gerühmt; aber die Sozialdemokratie scheint den Unternehmern das Errichten von Wohlfahrtseinrichtungen verekeln zu wollen. Zeigen Sie mir doch im Auslande eine Finna, die so viel für die Arbeiter leistet wie die Firma Krupp. Mein Freund Dirksen hat im vorigen Jahre nicht behauptet, dah alle bei Krupp entlassenen Arbeiter wegen Diebstahl und anderer Ver- gehen entlassen sind, sondern bei den zwei von Herrn Severing an- gesührten Fällen verhielt es sich so. Gewisse Härten liegen bei den Kassen ja vor; die lassen sich aber leicht wohl auch ohne gesetzliches Eingreifen ver- meiden. Achtzig Prozent der Arbeiter scheiden schon im ersten Jahre wieder aus dem Betriebe aus. Man soll daher den Beitritt erst im zweiten Jahre obligatorisch machen. Die Rück- zahlung der Beiträge für die Ausgeschiedenen dagegen lväre sehr be- denllich und eigentlich dem Geist unserer ganzen Sozialgesetzgebung widersprechend. Es würde das nur dazu führen, daß die In- dustriellen allein Wohlfahrtseinrichtungen treffen, auf deren Ver- waltung die Arbeiter überhaupt gar keinen Einfluß haben. Die soziale Fürsorge gerade der Firma Krupp rühmte mir in den Ver- einigten Staaten ein Arbeiter, der stüher bei Krupp gearbeitet hatte, aber durch die hohen Löhne sich hatte verleiten lassen, nach Amerika zu gehen, wo er die sozialen Einrichtungen schmerzlich vermißte.— lieber Entlassung sozialdemokratischer Arbeiter sich zu be- schweren haben gerade die Sozialdemostaten kein Recht; wo sie an der Macht sind, werfen sie rücksichtslos andersgesinnte Arbeiter aufs Pflaster. Die Sozialdemokratie will auch mit dieser Interpellation nur Unfrieden zwischen Arbeiter und llnternehmer stiften, hoffentlich ohne Erfolg.(Bravo! rechts.) Abg. Brejski(Pole): Trotz der Ausführungen des Herrn Arendt bleibt es richtig, daß die Wohlfahrtskaffen der Werke nicht aus Humanität gegründet find, sondern daß sie zum Borteil des Werks gereichen; das haben auch der Staatssekretär sowie die Herren Osann und Cuno zugegeben. Diese Kassen sind nicht gemeinnützige, sondern eigennützige Kassen. Ich habe die Statuten vieler dieser Kassen von oberschlesischen Werken gesehen und weiß, daß die Rechte der Arbeiter an der Verwaltung der Kassen illusorisch sind und daß die Er- langung der Rente außerordentlich schwierig ist, der Arbeiter sinkt eher ins Grab, ehe er die Pension bekonnnt, so vstl Umstände werden ihm gemacht, wenn er die Pension beansprucht. Herr Arendt stellte die Kruppsche Kasse als mustergülttg hin; aber gerade diese hat eine ganze Reihe sehr rigoroser Bestimmungen. So geht der Pension derjenige verlussig, der ohne Genehmigung der Kasse eine Arbeit annimmt, die ihm 1 M. täglich oder mehr einbringt. Auch die Arbeitsordnung sieht eine Reihe rigoroser Entlassungsgründe vor, mit der zugleich jeder Anspruch an die Kasse verloren geht. Aber auch die gezahlten Beiträge gehen den entlassenen Arbeitern verloren. Wenn die Behörden keine Möglichkeit habe», gegen einen solchen Unfug einzuschreiten, so muß die gesetzliche Handhabe dazu geschaffen werden. Die Zurückbehaltung der Beiträge ist vollkommen rechts- widrig; leider stellen die Gerichte sich nicht durchweg auf diesen Standpunkt. Wenn die Kassen von den Unternehmern als Wohl- kleines feuilleton. Ei» Menschenfrefierbund in Deutsch- Ost- Afrika. Der ?kr. 15 des„Globus" entnehmen wir folgenden interessanten Bericht: Bon Kannibalismus ist aus Deutsch- Ostafrika bisher nichts bekannt gewesen; um so mehr überrascht die Kunde von einem in Jringa im Dezember v. I. verhandelten umfang- reichen Mordprozeß gegen einen Menschenfrejserbund, dessen Mit- glieder, Männer und Weiber, seit Jahr und Tag ihre Stammes- genossen, in erster Linie ihre Verwandten, sogar ihre eigenen Kinder vergiftet hatten, um sie zu verzehren. Die Uebeltäter, die sämtlich geständig waren, und von denen zehn in Jringa zum Tode verurteilt wurden, stammten aus dem Süden de» Jringabezirkes, aus Ubcna. Der im„Kolonialblatt" vom 15. März 1009 mitgeteilte Bericht besagt folgendes: Ein„Zauberer", also ein mannigfacher ?!aturgiste kundiger Mbena, namens Malukansi, war mit seiner Familie— Weib und zwei erwachsenen Söhnen— seit langem dem Genuß des Menschenfleisches ergeben. Um sich in den Besitz von solchem zu setzen, warb er Weiber mit dem Versprechen, ihnen von.seinen Zauberkünsten mitzuteilen, wofür sie ihni ein Menschen- opfer zu liefern hatten. Zu diesem Zlvecke brachten die Weiber einen ihrer Verwandten, zumeist ihre leiblichen Kinder, um. Die Leiche wurde den Genossen des Menschenfresserbundes, der sich, wenn wieder ein Schmaus fällig war, bereits vorher in der Nähe zum Schmause zu versammeln Pflegte, ausgehändigt; sie wurde von den Teilnehmen zerrissen, und das Fleisch wurde sofort roh verschlungen. Alles nahm an diesem Mahle teil, gleichgültig, ob das Opfer das eigene Kind, der Enkel, der Bruder, ein anderer Blutsverwandter oder sonst wer war. Den Kopf bekam der Täter, um in dem Schädel das Gift für künftige Opfer zu bereiten. Be- vorzugt wurde das Fleisch kleiner Kinder; die Weiber gaben an, es sei so schön und zart, während ihnen das Fleisch Erwachsener wenig zusagte. Diesem Bunde gehörten außer Malukansi und seiner Familie acht Weiber, also insgesamt zwölf Personen an, die alle mehrere Giftmorde auf dem Gewissen hatten; jedes Mit- glied gab auch zu, daß es an mehreren kannibalischen Mahlen beteiligt gewesen sei. Auch einige Kinder von L bis 12 Jahren, die bei den Giftmorden Handlangerdienste hatten leisten müssen, hatten vom Fleische der Opfer erhalten. Die Verhandlung, in der selbst die Mütter, die ihre Kinder getötet und verzehrt hatten, mit er- schreckender Gemütsruhe alle Einzelheiten wiedergaben, stellte selbst an abgehärtete Nerven starke Anforderungen. Dieser Bericht läßt manche Frage offen, so auch die, ob es sich nur um eine vereinzelte Erscheinung, eine lokale Verirrung handelt. Dessen, daß sie ein Verbrechen begingen, scheinen sich die Teil- nehmer nicht bewußt gewesen zu sein. Das Motiv für die Morde und Mahle wird zu flüchtig gestreift. Es muß doch ein ausführ- licher Prozeßbericht vorhanden sein, und es wäre zu wünschen, wenn der an geeigneter Stelle mit„all den ekelerregenden Einzel- heiten" veröffentlicht würde— d. h. an einer Stelle, wo die schwachen Nerven der anspruchslosen Leser des„Deutschen Kolonial dlattes" nicht ig Gefahr geraten. fahrtseinrichtungen ausgegeben werden, so sollten andere Unter- nehmer gegen diese wegen unlauteren Wettbewerbs vorgehen.(Sehr gut! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Das Anlocken von Arbeitern durch solch schwindelhafte Pensionskassen ist auch ein un- lauterer Wettbewerb gegen die Landwirte, denen die Arbeiter fortgelockt werden.(Sehr richtig! b. d. Polen.) Die Pensionskassen müßten gesetzlich nach dem Muster der Knappschaftskassen eingerichtet werden, das ist eine alte Forderung der beruslichen Vereinigung der Arbeiter in Oberschlesien, des Vereins für gegenseitige Hilfe. Die Arbeiter zahlen gern Beiträge für Kassen, von denen sie etwas haben. Diese Kassen aber sind für sie wertlos. Ganz ebenso steht es mit den sogenannten patriotische» Arbeitervereinen, die keinen anderen Zweck haben, als die Bekämpfung der Gewerkschaften; diese„Arbeiter- vereine" sind also den Interessen der Arbeiter schädlich. Der Arbeiter will nicht Almosen; er kann aber das- selbe Recht auf Pension verlangen wie der Beamte. Geben Sie ihm das und Sie werden den sozialen Frieden fördern.(Bravo I bei den Polen.) Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.): Wenn man die Kruppschen Wohlfahrtsei nrichtu ngen sieht, mutz man geradezu begeistert sein und man muß zugeben, daß die Firma viel für die Arbeiter tut. Der Arbeiterschaft sind solche Einrichtungen auch keineswegs gleichgültig; aber sie verlangt einen gesetzlichen Unterbau für diese Wohlfahrtseinrichtungen. Die Befürchtung, daß dann diese Werkskassen eingehen werden, teile ich nicht; denn wenn es auch Wohlfahrtseinrichtungen sind, so ist doch ihr Hauptzweck, dem Werk einen fe st en Stamm von Arbeitern zu verschaffen. Die Gründe, weshalb die Arbeiter diese Werkspensionskassen p e s s i m i st i s ch betrachten, sind ja bekannt. Man sagt, ein gesetzliches Eingreifen in solche Wohl- fahrtseinrichtungen sei nicht möglich. Nun, das Trucksystem wurde von seinen Urhebern auch als Wohlfahrt für die Arbeiter ausgegeben, und doch hat der Gesetzgeber eingegriffen. Ebenso hat unsere GcwerbeordnungSkommission schon im vorigen Herbst beschlossen, daß die Kündigung von Werkswohnungen nur zu bestimnttcn Temiinen geschehen darf. Hoffentlich wird das Plenum dem beitreten, und es wird darum keine Werkswohnung weniger ge- baut werden. Auch die Werkspensionskassen können sehr wohl eine gesetzliche Grundlage erhalten, durch welche die Ansprüche der Arbeiter sicher gestellt werden, und kein sozial gesinnter Arbeitgeber wird deshalb eine solche Kasse eingehen lassen. Daß der gegen- wärtige Zustand der Kassen unbefriedigend ist, daß ihre Grundlage un- sicher ist, mußte sogar Prof. Ehrenberg, ein Gutachter der Firma Krupp, zugeben. ES handelt sich bei dem Problem dieser Kassen nur um eine Nebenerscheinung des großen Problems des Auffteigens deS vierten Standes, des Vorwärtsdrängens des vierten Standes nach Gleichberechtigung. Wir werden deshalb auch nicht um die gesetzliche Regelung dieser Einrichtungen herumkommen.(Bravo! bei der Wirtsch. Vg.) Abg. Hengsbach(Soz.): Für die offene und versteckte Arbeiterfeindlichkeit der Pensions fassen und sonstigen Wohlfahrtseinrichtungen besonders bei der Firma Krupp sind im vorigen Jahre von meinem Kollegen Severing und von mir und ebenso wieder am vorigen Donnerstag von Severing soviel Beweise erbracht, daß eS Nachlaßsteuerbedenken nach Ostelbien tragen hieße, wenn ich diese Beweise noch häufen wollte.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich muß aber aus einige Darlegungen des Vorredner» und des Staatssekretärs ein- gehen. Auf die historischen Darstellungen des Staatssekretärs über das Entstehe» der WerkspensionSkassen wird mein Freund Hue ant- Worten. Wenn aber der Staatssekretär am Schluß seiner Darlegungen meinte, unsere Interpellation sei nicht gerechtfertigt, weil in der letzten Zeit kein besondere» Vorkommnis sich ereignet habe, so weise ich ihn auf die Eingangsworte meines Freundes Severing bei der Begründung der Interpellation hin. Severing führte ans, daß vor einem Jahre bei der Beratung des Ver- sicherungsvertrages die Frage der Pensionskaffen hier behandelt wurde und daß damals der Staatssekretär im Reichsjustizamt er- klärte, der Staatssekretär im Reichsamt des Innern habe die Sache bereits in die Hand genommen und sich mit Preußen bereits in Verbindung gesetzt. Man dürfe wohl abwarten, was aus diesen Beratungen herauskommen werde. Wir haben nun ein Jahr gewartet, aber außer der Erklärung Geheimzeichen auf Pässen. Vor 1859 waren in Italien und auch in anderen Ländern Europas die Pässe ein wahres polizeiliches Marterinstrument für die unglücklichen Menschenkinder, die aus irgend einem Grunde auf Reisen gehen mußten. Die Tatsache, daß man einen Patz erhalten hatte mit der üblichen Aufforderung an die Behörden, den Inhaber des Paffes„passieren zu lassen und ihm Beistand zu gewähren", hatte so gut wie gar nichts zu bedeuten, da die Pässe und die Beglaubigungen der Pässe mit geheimen Zeichen versehen wurden; durch solche Geheimzeichen wurden Personen, die liberaler Gesinnung oder gar revolutionärer Umtriebe verdächtig waren, genau gekennzeichnet, und der naive Paßbesitzer, der frei durch die Lande ziehen zu können vermeinte, mußte plötzlich zu seiner nicht geringen Ueberraschung konstatieren, daß er überall scharf beobachtet und anfS ärgste schikaniert wurde.— Alberto Dallolio gibt im„Risorgimento Jtäliano" einen Ueberblick über die Geheimzeichen, die die päpstliche Polizei für die Pässe zweier Arten von verdächtigen Personen ersonnen hatte; diese verdächtigen Personen waren die Männer, die im Gerüche des Libe- ralismus standen, und die— Spitzbuben! Diese wurden jedoch nicht ganz so schlecht behandelt wie die erstgenmlnten. Durch die Ge- heimzeichen wurden die Paßinhaber in drei 5kategoricn eingeordnet: Unverdächtige, Verdächttge, Schwerverdächtige. Die Zeichen, eine Erfindung der Oberleitung der römischen Polizei, wurden gewöhnlich jedes Halbjahr, manchmal aber auch jedes Vierteljahr, geändert. Die Aenderung erfolgte unbedingt, wenn man vermutete, daß die Bedeutung der Zeichen eindeckt war. Wie die päpstlichen Polizei- behörden, so hatten auch die anderen Polizeibehörden ihre geheimen Angaben, was, da Italien in zahllose Kleinstaaten zerfiel, nicht selten zu großen Irrungen und Wirrungcn führte. So kam es, daß die offizielle Geheimschrift schließlich die Erreichung de» Zweckes, den man in, Auge halte, geradezu verhinderte. Der Kirchenstaat und die österreichische Regierung in der Lombardei und in Venetien machten einen Versuch, die geheimen Zeichen ein- h e i t I i ch zu gestalten! Dallolio hat aus verschiedenen Dokumenten, die sich im Staatsarchiv zu Bologna befinden, festgestellt, welcher Geheimzeichen sich die päpstliche Polizei bediente: Bald setzte man hinter die Nummer des Passes zwei oder drei Punkte, bald schrieb man den Monat ganz oder abgekürzt, bald setzte man hinter die Paßnummer oder hinler die Jahreszahl einen kleinen Strich und dergleichen mehr.— In Deutschland haben wir heut- zutage(auf dem Papier) Bestimmungen,■ die es verbieten, Ausweis- Papiere zu zeichnen. Wie Behörden und Unternehmer sich aber doch zu helfen wissen, wie vornehmlich den Militärpflichtigen auf den Weg„gepaßt" wird, das ist ein traurige» Kapitel für sich. Eine Umwälzung in der Geflügelzucht glaubt die Zeitschrift «Nutzgeflügelzucht" voraussagen zu können, sobald ein neues, ein- saches, aus Amerika stammende» Instrument, ein„Nährstoff- Prüfer für Eier", allgemeine Verbreitung gefunden haben wird. Mit diesem Instrument kann man auf leichte Weise feststellen, ob ein Ei normale Eiweißmengen enthält oder zu wässerig ist, was häufig der Fall ist, wenn die Hühner durch allerlei Reizmittel zum Legen vieler Eier gezwungen werden. Da solche Eier zu viel Wasser enthalten, so ist ihr Nährwert gering, auch sind sie zur Brut untauglich, weil sie nur schwächliche Kücken liefern können oder die ihnen entstammen- den Kücken schon in den Eierschalen absterben. Da normale Eier bestimmte Mengen Eiweiß. Mineralien. Fett und Wasser enthalten, so des Vertreters der verbündeten Regierungen in der Petitionskonimission absolut nichts erfahren. Weiter wies auch Severing darauf hin, daß wir schon im vorigen Jahre betont haben, baß auf die Pensionen bei den Werkspensionskassen die Renten in Anrechnung gebracht würden, und daß nach der Einführung der Witwen- und Waisenversicherung zu befürchten sei, daß dies auch bei den Renten für die Witwen und Waisenge« schehen werd.e. Das sei aber ohne Aenderung der Statuten in der Pensionskasie nicht möglich und__ es sei daher nach Einführung der Mitwelt- und Waisen» Versicherung eine allgemeine Aenderung der Statuten zu er- warten, und da wäre es doch gut, zu wissen, welche Vorkehrungen die Regierung treffen wolle, um den schweren Mißständen bei diesen Pensionskassen entgegenzutreten. Diese Gründe rechtfertigen wohl das Einbringen der Interpellation. Ebenso hat' ja Severing auch daran erinnert, daß der Staats- sekretär in« Reichsjustizamt bei den Verhandlungen des vorigen Jahres erklärte, noch kein ausreichendes Material für die Be- urteilung in dieser Frage zu haben. Da ivar es also für uns wohl an der Zeit, aus unserer abwartenden Reserve herauszutreten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Verhandlung im vorigen Mai hat nun auch Herr v. Dirksen unsere Darlegungen bestritten und uns für den Herbst eine große Abrechnung in Aussicht gestellt. Aber der Redefluß des Herrn v. Dirksen ist nicht in die Erfcheinung getreten, nicht einmal ein murmelndes Bächlein haben wir vernommen, trotzdem die Frühjahrssonne doch alles aufgetaut hat.— Der Redestrom des Herrn v. Dirksen ist bis jetzt wenigstens eingefroren, ge- blieben. Herr Arendt bedauerte, daß der Reichstag sich gegen- wärtig mit einer solche» Interpellation befaßt, währewd das ganze Volk auf ihn blickt und die Erledigung der Reichsfinanz- reform von ihm erwartet. Da möchte ich ihm entgegnen, daß wir. wie es scheint, noch allzuviel Zeit haben, denn das HauS soll ja, wie neuerdings verlautet, auf volle acht Tage vertagt we-'cden. Ich meine allerdings, daß wichtige und dringende Arbeiten genug vorliege«. (Sehr richtig! hei den Sozialdemokraten.) Herr Arendt hat auch in etwas gesuchter Weise daraus hingewiesen, daß die Arbeiter- schaft nicht mehr an den Zukunstsstaat glaubt. Wenn er das wenn er das wirklich glaubt, so verstehe ich nicht, warum er gerade im heuligen„Tag" noch wie ein Schloßhund heult, der Reichskanzler möge nur ja den Reichstag nicht auflösen, damit nicht die Sozialdemokraten in verstärkter Zahl hier einziehen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Mit seiner Zuversicht stimmt das schlecht zu- sammen: Man hat uns mit unserer Kritik auf analoge Einrichtungen im Ausland verwiesen. Wir kritisieren aber die Einrichtungen auf deutschen Werken, vor allem auch die der Firma Krupp, weil wir hier durch unsere Kritik einen Einfluß ausüben können,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär meinte, lvir hätten keinen Grund so abfällig über diese Einrichtungen zu sprechen, die Arbeiter wünschen diese Einrichtungen beizubehalten. Nun, die Arbeiter draußen reden eine andere Sprache. Tausende und Tausende stehen hinter unS, die der Meinung sind, daß die Werks- pensionskassen in ihrer heutigen Verfassung nichts anderes sind als eine Wohlfahrtsplage, und die Arbeiter verlangen die Aushebung der Bestimmungen, die ihnen das Geld zugunsten dieser Kassen geradezu erpressen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Und das sind nicht nur sozialdemokratische Arbeiter, sondern Arbeiter der allerverschieden st en Partei r ich- tun gen. Das sollte sich gerade auch Herr Arendt merken. Wenn* er oder die übrigen Herren in Jndustriegegenden gingen, etwa nach Essen, und dort eine Arbeiterversammlung einberiefen, etwa mit der Tagesordnung: Ist die Pensionskasse der Firma Krupp eine Wohlfahrtseinrichtung?, so möge der Herr Staatssekretär einen Verrreter dorthin senden. Die Arbeiter lverden Ihnen dann mit einer solchenMasse von Material aufwarten, daß dem Staatssekretär es wohl ausreichend erscheinen wird, um eine Aenderung in den Verhältnissen dieser Kasten herbeizuführen. Der Staatssekretär müßte aber sehr schlecht informiert sein, wenn ihm diese Einrichtungen nicht schon längst geschildert wären. Seine Rede klang ja teilweise auch so aus, als seien doch Mängel vorhanden, die aber auf gesetzlichem Wege, wenigstens in ist ihr spezifisches Gewicht stets gleich. Der„Nährstoffprüfer" zeigt nun das spezifische Gewicht der Eier an. Ist dieses niedriger als normal, so enthält das Ei viel Wasser. Das ganz einfache Instrument besteht aus einem röhrenförmigen Hohlkörper, auf den eine Skala eingraviert ist, und einer Anhängevorrichtung für das Ei. Wird das Instrument ins Wasser gebracht, so zieht das Ei den Hohlkörper bis zu einem gewissen Teilstrich herab. Je tiefer der Hohlkörper heruntergezogen wird, desto nahrhafter ist das Ei und desto mehr Eiweiß und Mineralien enthält es. Man ist numnehr in der Lage, zur Brut nur die nährkräftigsten Eier auswählen zu können, wodurch man kräftige, lebensfähige Kücken erhält. Auch für den Konsum ist das kleine billige Instrument von Wichtigkeit, da man sofort ent. decken kann, ob Eier alt oder zu wässerig, also minderwertig sind. ' Notizen. — Herr v. T s ch u d i, der Direktor der Nationalgalerie, ver- handelt mit dem bayerischen Kultusministerium, das ihn als Leiter der MUnchener Alten Pinakothek gewinnen will. So bedauerlich es wäre, wenn der mit Recht hochgeschätzte Mann die ihm gewiß lieb- gewordene Stätte seiner verdienstlichen Wirksamkeit verließe, so würde dieser empfindlichesDenkzettel der banausischen Preußenregierung doch wenigstens eine Lehre für die Zukunft sein. Sie wird endlich be- greifen müssen, daß man die paar ausrichttgen und aufrechten Künstler und Gelehrten, die wir haben, nicht so leicht parieren und kuschen lassen kann wie Unteroffiziere und preußische Durchschnittsminister. — Arbeits st reitigkeiten im alten Aegypten. Der französische Forscher Bauchs Leclerc entzifferte jüngst einen Papyrus, der vor einigen Jahren im Sarkophag einer bei Fayum in Aegypten ausgegrabenen Mumie gefunden worden ist. Man erfährt aus dieseni Paphrus allerlei Interessantes über die Beziehungen, die im alten Aegypten zwischen Arbeitgebern. Bauunternehmern und Arbeitern herrschten: er enthält nämlich die Korrespondenz eines Ingenieurs aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. mit Baulieferanten. Polieren und Arbeitern, ferner die Briefe, die dieser Herr mit den Arbeitgebern wechselte. Klean— so hieß der Ingenieur— war von der Regie- rung beauftragt worden. Abflußkanäle zu bauen: eS sollte ein großes überschwemmtes Gebiet ausgetrocknet werden, und man stellte dem Ingenieur ein ganzes Heer von Erdarbeitern, Steinträgern. Maurern, Kalkbrennern, Zimmerleuten usw. zur Verfügung. Der Tagelohn betrug für die beim Kanalbau beschäftigten Arbeiter etwa 16 Pf. unserer Währung; sie waren verpflichtet, täglich mindestens 2 Icbm Erde auszuschachten. Die Arbeiter drohten, wenn sie mit der Bouleittmg nicht znftied-n waren, mit Streik! Gewöhnlich taten sie das, wenn sie sich strenger oder ungerechter Vorarbeiter entledigen wollten, und es steht fest, daß sie das. was sie forderten. sehr oft auch durchsetzten. Genau wie jetzt klagte man schon damals darüber, daß c\t Burean- beamten bei der Prüfung der Rechnungen und Zahlungsanweisungen mit schneckenartigcr Langsamkeit zu Werke gingen. ES kam vor. daß sich Untergebene gegen ihre Vorgesetzten empörten und sie sogar durchprügelten. Schon damals gab es einen ganz respektabelen B a u s ch w i n d e l! Ingenieure und Bauleiter ließen sich bei der Zuweisung der Arbeiten und der Lieferungen„anständige" Prozente zahlen, und Baunnternehmer verübten bei der Ausführung der Kontrakte die größten Betrügereien. WaS den erwähnten Klean betrifft, so beschloß er seine wenig rühmliche Laufbahn als An» geklagter: er wurde wegen bedenklicher„Schiebungen" ein« gesperrt und verurteilt! absehbarer Zeit nicht abgeändert werden könnten. Vielleicht meinte er, luimc daZ im Znlunftsstaat geschehen. Im übrigen aber nieinte er. seien die Unternehmer doch recht brave Leute. Der Staatssekretär sagte damals, als die Kassen gegründet wurden, seien sie in der Oeffcntlichkeit ganz allgemein, auch von den Arbeitern als erfreulich bezeichnet worden. Dieses.damals" ist aber schon lange her. ES feiert jetzt schon das fünfzigste Jubeljahr. Mit denr Jubel ist es freilich nicht mehr weit her. Schon seit vielen Jahren urteilen die Arbeiter wesentlich anders über diese Kassen. Der Staatssekretär gab das zu, obwohl, wie er meinte, die Statuten der Kassen seit ihrer Gründung keine wesentlichen Aenderunge» erfahren haben. Dabei steht in der amtlichen Denk- schrist, daß das Statut der Kruppschen Kasse seit dem Oktober 1388 durch fünf Nachträge„bedeutsame" Aendenmgen erfahren habe. Auch der Beitrag von zwei Prozent des Arbeits- Verdienstes ist erst durck den letzten Nachtrag eingeführt. Anfangs betrug er 1, später 1,3 Prozent. Das scheint mir doch eine be- deutsame und recht wesentliche Aenderung zu sein. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vom 1. Januar 138ö bis zum 1. Oktober 1907, also in 22°/� Jahren, haben nach der bereits erwähnten Denk- schrift rund 4000 Arbeiter Pensionsbezüge erhalten. Das ist ein außerordentlich geringer Prozentsatz der überhaupt beschäftigten Arbeiter. Es stehen diesen 4000 Arbeitern gegenüber zirka 200 000 Arbeiter, so daß also nur 2 Proz. in den Genuß der Pension gekommen sind. sHörtl hört l bei den Sozialdemokraten.) Ich kann auch nicht verstehen, wie der Staatssekrietär von freiwilligen Pensionskassen sprechen konnte. Für die Arbeiter sind es meist im wahrsten Sinne des Wortes Z w a n g S k a s s e o.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Diese Auffassung finden Sie nicht nur in unseren Kreisen, sondern sogar deutsche Gerichte haben bereits von dem geradezu unsittlichen Zwang gejprochen, mit dem die Unternehmer die Notlage der Arbeiter ausnuchen.(Hörtl hörtl bei den Sozial- denwkraven.) Daß nicht nur Arbeiter unter diesen Ver« Hältnissen zu leiden haben, sondern auch andere An- oestellte, beweisen die Zustand« bei der L e b e n s v e r s iche rungS- Äktiengesellschast„Viktoria". Gegen die zirka 3000 Angestellte dieses Betriebes wird in einer Art vorgegangen, die aller Gerechtigkeit Hohn spricht.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur werden die Beiträge einbehalten, wenn jemand den Betrieb verläßt, sondern neuerdings fließen auch die Tantiemen, die früher an die Angestellten ausgezahlt wurden, in diese» sogenannten Wohlfahrtsfonds.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich spreche es offen ans, daß von Wohl- fahrt hier nicht die Rede sein kann, waS in die Kassen fließt, ist lediglich zu wenig ausgezahlter Lohn.(Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Ob es sich dabei handelt um die Beiträge, die von den Arbeitern ihrerseits als Bei- träge geleistet werden, oder um den Teil, der von den Unternehmern aus ihrer eigenen Tasche gezahlt wurde, ist gleichgültig. Dazu kommt, daß meist diese Wohlfahrtseinrichtungen erhebliche Ueberschüsse abwerfen und ein gutes Geschäft darstellen. Trotzdem erhebt man hohe Eintrittsgelder und behält die Beiträge zurück. Man tut das, um die Arbeiter an den Betrieb zu fesseln und sich gefügig zu machen. In einer Denlschrift des Vereins der Eisen- und Hüttenmänner wird offen ausgesprochen, daß infolge dieser Wohlsahrtseinrichtungen es gelmrgen ist. den Lohn niedriger zu halten. Es ist ja auch klar, daß man auf feiten der Arbeiter den Forderungen der Unternehmer nicht energisch Widerstand entgegen- setzen kann, weil man befürchtet, entlassen zu werden, und damit der großen für die Kassen geleisteten Summen verlustig zu gehen. Man kann mit diesen Einrichtungen bis zn einem gewissen Grade auch den Streikgelüsten entgegentreten. Man kann aber auch die Arbeiter künstlich in einen Streik hineintreiben, um nachher sür die PensionSkasse einen Profit herauszuschlagen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat gemeint, das System der Rückzahlung der Beiträge empfehle sich auch deshalb nicht, weil sonst eine Be- reicherung der Streikkassen eintreten würde. Ich nehme diese Aeußerung nicht sehr tragisch, weil ich nicht glaube, daß solche Fälle wirklich eintreten werden. Wenn aber der Staatssekretär weiter ausführte. daß unsere gesamte sozialpolitische Gesetz- gcbung angeknüpft habe an Einrichtungen sozialpolitisch fort- geschrittener Unternehmer, so muß dem entschieden widersprochen werden. Schon lange vorher hatten die Arbeiter sich selbst Einrichtungen geschaffen. Der Staatssekretär sprach von dem hohen sozialen Sinn des deutschen Unternehmertunts. Nun, ich verweise nur auf die geheime Besprechung der Bergherren, die hier in Berlin im Palasthotel statt- gefunden hat.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Dort hat man gegen soziale Maßnahmen der Regierung ge« wettert und die Veröffentlichung dieses geheimen Protokolls hat den sozialen Sinn der deutschen Arbeitgeber in das richtige Licht gesetzt.(Sehr richtig I bei den Sozialisten.) Und was antwortete der Staatssekretär, als mein Freund Hue diese geheime Besprechung hier vorbrachte: er habe keine Veranlassung, sich mit diesen Ver- Handlungen zu befassen. Den gleichen Standpunkt hat in voriger Woche der preußische Handelsminister eingenommen. Man wagtgar nicht, diesen Herren entgegenzutreten. und spricht trotzdem noch weiter von dem sozralen Sinn und dem Wohlwollen des Unternehmertums. Was wäre wohl mit Ar- b e i t e r n oder mit Beamten gemacht worden, die in so offener Weise Ministerstürzerei getrieben hätten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Beamten werden jetzt schon entlassen, wenn sie sich nur mit der Besoldungsvorlage befassen. Hier würden sie wohl gleich schockweise fliegen und die Arbeiter würde man mit Hilfe der Gerichte zu fassen suchen. Aber auf jener Seite sehen wir bor dem gewaltige» Kopitalgötzen die devotesten Ehrenbezeugungen. In Essen tagte kürzlich der Zechcnverband und es erschienen als Ehrengäste der Oberberghauptmann. der NegierungSprSsident und sonstige Regierimgsvertreter.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Es ist ja auch etwas anderes, wenn man bei diesen Pharmazeuten der weißen Salbe zu tun hat, als wenn es sich lediglich um Arbeiterinteressen handelt. D,e Regrerungs- Vertreter fühlen sich eben nur noch als Handlanger des Unternehmertums» sie lvagcn eS gar nicht, den Angriffen aus diesen Kreisen entgegenzutreten. Bezeichnend waren auch die Beschlüsse der letzten Delegiertenversammlung des Zcutralverbandes Deutscher Industrieller. Man hat auf rhr ganz offen ausgesprochen, daß die Konjunktur sich so günstig gestaltet habe, daß eine Herabsetzung der Arbeitslöhne durchgeführt werden könne, und auf den rheinischen Stahlwerken hat man bereits damit begonnen und eine Lohnreduktion von IV Proz. vorgenommen. (Hört I hörtl bei den Sozialdemokraten.) Begründet hat man diese Lohnrednktion mit der neuen Bundesratsverordnung, die zu hohe Ansprüche an die Werke stelle. Und schließlich hat man ge,agt, daß diese BunveSratsverordnung zurückzuführen sei auf die Agnation oer Sozialdemokratie und des Deutschen MetallarbeiterverbandeS. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bei diesen sollten sich die Arbeiter für die Lohnherabsetzung bedanken. Nun, die Arbeiter wissen, woran sie sind, und sie wissen auch, daß ihnen schwere Kämpfe bevorstehen. Die Regierung aber trägt ihrerseits durch ihr Verhalten dazu bei. den Unternehmern das Rückgrat zu stärken, sie unterstützt die wirtschaftlich Stärkeren gegen die wirtschaftlich Schwächeren. Die Re- qierung trägt mit die Verantwortung dafür, wenn der Arbeiterschaft schwere Kämpfe bevorstehen. Möge sie aber nicht vergessen, daß darmiter nicht nur die Arbeiter zu leiden haben, londern die gesamte deutsche Industrie, der gesamte deutsche Handel!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Abg. Osann einen besonderen Trumpf glaubte ausspielen zu können, als er sagte: die Gewerkschaften behielten doch auch die Beiträge ausgeschlossener Mitglieder zurück, so muß ich sagen, daß Herr Osann das Wesen der Gewerkschaften ent- weder nicht kennt oder nicht kennen will. In den Ge- werkschaften werden nicht mir nichts dir nichts Mitglieder ans- geschloffen. Aber ganz abgesehen davon, haben die meisten Gewerk- schaften Reise-, Streik-, ArbeitSloffgkeits- und Krankheitsunter- stützungcn eingeführt. Sie haben es getan, um den angeb- lich' sozial gesinnten Arbeitgebern nicht auf Gnade und Un- gnade ausgeliefert zu sein. Sie wollen den Zustand incht aufrechterhalten, daß die Unternehmer willkürlich den Lohn herabsetzen können. Deshalb sind die Beiträge an die Gewerkschaften nichts anderes als eine Versicherun gs» Prämie, die für die Gewerkschaften aufgebracht wird. Der Ab- geordnete Giesberts hat mit Recht darauf hingewiesen, daß ein ge- wisser Mut dazu gehöre, die Kruppschen Kassen zu kritisieren. Nur möchteich feststellen, daß es gerade meine politischen Freunde gewesen sind, die schon seit einer langen Reihe von Jahren diesen Kampf führen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Und gerade die poli- tische» Freunde des Herrn Giesberts waren es, die uns deswegen bekämpften.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Heute sind glücklicherweise auch diese zu der Ansicht gekommen, daß diese Wohlsahrtseinrichtungen weiter nichts sind als eine Wohlfahrtsplage. Die Frage zn regeln im Rahmen der G e w e r b e o r d n u n g. wie es der Abg. Behrens wollte, geht nicht an, denn eS handelt sich hier nicht nur um Arbeiter, sondern auch um Techniker, Schisfsoffiziere und andere Kategorien, die unter dem gegenwärtigen Drucke leiden. Im Interesse der Tausende und Abertausende von Angestellten, die die gegenwärtigen Verhältnisse bitter empfinden, deren sauer verdientes Geld in diesen Werkskassen zurückbehalten wird, muß etwas Grundlegende» hier geschehen. Geschieht nichts, so ist ein weiterer Grund für die Arbeiterschaft vorhanden, der Regierung mit Mißtrauen entgegenzu- treten. Warten wir ab, was die Regierung tun wird, un, die Arbeiterschaft endlich zufriedenzustellen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Werner(Ant.): Wie können die Sozialdemokraten leugnen, daß in den letzten Jahrzehnten außerordentlich viel kür die Arbeiter getan worden ist. Andererseits bestreite ich nicht, daß auf dem Gebiete der Betriebskassen gewisse Mißstände sich herausgestellt haben, die gesetzlich geregelt werden müssen. Abg. Hue(Soz.): Am Donnerstag und heute ist von verschiedenen Seiten nach den Gründen unserer Interpellation gefragt worden. Aber jede Partei hat das Recht, eine Interpellation zu stellen, wenn sie eS für richtig hält, die sozialdemokratische Partei wird sich dies Recht jedenfalls nicht nehmen lassen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Osann meinte, wir hätten sie vielleicht als Konkurrenz gegen die Petition der christlichen Metallarbeiter eingebracht. Er täuscht sich. Wir haben keine Veranlassung, irgend eine Konkurrenz in solchen Dingen zu treiben oder zu fürchten. Im Gegenteil sind derartige Petitionen und Anträge eine glänzende Begründung der Forderungen auf Regelung dieser Pensionskaffen, der Werk- pensionskasien und auf Huttenarbeiterschutz. die von unserer Partei, und zwar von unserer Partei allein, schon seit Jahren erhoben werden. Die Partei, der Herr Osann angehört, und ebenso die des Borredners, haben sich in den Jahren 1902, 1904 und 1908 lebhaft gegen eine gesetzliche Regelung der Werk- pensionskaffen gewendet. Aber Sie finden diese Forderungen heute auch in der Petition der christlichen Metall» arbeite r. Wir haben die Frage der WerkpensionSkassen in, Jahre 1903 hier angeregt. Dann haben wir die Prozesse gehabt, welche Severing angeführt hat. WaS aber ist seitens der Reichsregierung in dieser Sache geschehen? Gar nichts I Sechs Jahre sind ins Land gegangen, seit wir hier die Frage angeregt haben. Sogar schon im Jahre 1883 bei der Krankenversicherung sind ver- schiedene Formen für diese Pensionskaffen von uns angeregt und vorgeschlagen worden, leider ohne Erfolg. Nun haben wir geglaubt, daß wenigstens bei der Reichsversicherungsordnung die Regierung die Frage in Angriff nehmen werde. Aber nichts davon ist geschehen. So häufig ist hier die Anrechnung der reichsgesetzlicven Ver- sicherungsleistungen auf die Pensionen besprochen, da hätte man doch glauben sollen, daß in der Reichsversicherungsordnung die zu befürchtende Anrechnung der Witwen- und Waisenversicherung auf diese Pensionen den Anlaß geboten hätte, auf diese Frage ein« zugehen. Aber nichts enthält die ReichSversicherungS- ordnung von dieser seit Jahren besprochenen Materie. DaS find wohl hinreichende Gründe für unsere Interpellation.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nach- dein zu befürchten war. daß die Reichsversicherungsordnung gleichfalls angenommen wird, ohne daß das alle Unrecht beseitigt wird, haben wir es für nötig gehalten, noch vor Toresschluß des Reichstages an diese seit Jahren von uns verlangte Reform zu erinnern.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Ueber die Entstehung der Pensionskaffen führte der Staatssekretär aus: als die ersten Kassen entstanden, habe eS noch keine reichsgesetzliche Versicherung für die Arbeiter gegeben, und die größeren Werke, die sie einrichteten, hätten mit einen, festen Stamm von Arbeitern rechnen können. Luch die Arbeiter hätten damals diese Einrichtung als erfreuliche Veranstaltungen sozialer Fürsorge gepriesen. Werter führte er aus, daß unsere gesamte sozialpolitische Gesetzgebung auf freiwilligen Einrichtungen sozialgesinnter fortgeschrittener Unternehmer basiere. Das iverde und müsse auch in Zukunft so bleiben. Diese Darstellung der Entstehung unserer Versicherungsgesetzgebung ist falsch. Das Studium eines einzigen Werkes hierüber hätte ihn lehren kömren, daß die ersten Ansänge einer Versicherung gegen Krankheit und Invalidität sowie der Witwen und Waisen nicht von sozial gesinnten Unternehmern ausgegangen sind. sondern von genossenschaftlich gesinnten Arbeitern. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Darüber find soviel Arbeiten geschrieben, daß auch der Vertreter der Regierung hier nicht eine so falsche Darstellung von der ersten Entstehung unserer Ver- sicherungsgesetzgebmig hätte geben sollen. Schon vor 300 bis 400 Jahren haben die Hüttenarbeiter ihre privaten Hilsskasien ge- gründet. Erst viel später ist die landesherrliche Gesetzgebung dazu über- gegangen, gewisse Regeln für sie für ihre Beitrage und Leistungen aufzustellen und dann sind auch für die Beiträge der Unternehmer gewisse Bestimmungen getroffen. Gerade umgekehrt also war der Weg. als lvie ihn der Vertreter der Regierung hier dargestellt hat. Geflissentlich hat man sich bemüht, auch den Charakter der Unternehmerbeiträge zu verwischen. Auch die ersten Anfänge unserer sozialen UnterstützungSkassen enthielten die Bei- träge der Unternehmer nicht. Als die Bersicherungskassen in ihre zweite Periode eingetreten waren, als die landesherrlichen Behörden die Ordnung der Kasten regelten, waren die Werks- besitzer in den Kassenverwaltungen noch nicht vertreten. Damals durste auch der Versicherungsbeitrag mit dem Arbeitsvertrag noch nicht vermengt werden, und deshalb kamen damals nicht jene bitteren Klagen vor wie heute. Erst als durch das Gesetz von 1834 die Unternehmer mit der Verwaltung der Kassen betraut wurden, erst von da an beginnen die schweren Klagen, die auch heute im wesentlichen noch nicht abgestellt sind. Es ist notwendig, daran zu erinnern, welches denn der Grund der Klagen ist. nämlich die Verquickung der Versicherung mit dem Arbeitsverträge. DaS ist um so notwendiger, daran zu erinnern, weil durch die Reichsversicherungsordnung wiederum ein Schlag geführt werden soll gegen die Selbstverwaltung eines Versicherungszweiges. Wenn dieser Schlag geführt wird, werden dieselben Klagen auch aus den durch die Rcichsversicherungsordnung vergewaltigten OrtSkrankenkaffen ertönen. Diese Ordnung ist nichts anderes als die Reform, die 1834 bei den KnappschaftSkaffen vor» genommen wurde, zufolge deren die Unternehmer das Heft in die Hände bekommen haben. Wenn jetzt jemand sagt, die Klagen seien neu, so erinnere ich daran, daß schon in, Jahre 18S8 die Arbeiter gegen diese Neuordnung protestierten. Mir allem Nachdruck betone ich, daß es freie Schöpfungen der Ardeiter waren, die durch die Verquickung von Versicherungs- und Arbeits- vertrag umgeivandelt wurden. Weiter hat der Regier, mgsvertretcr sich dahin ausgesprochen, daß eine zwangsweise gesetzliche Regelung bei den WerkspensionSkaffen ganz unmöglich ist. Es sei auch ganz unmöglich, die Entwickelung zur Assoziation auf gesetzlichem oder administrative», Wege.herbeizusühre». Würde dieser Zwang ausgeübt werden, so würden die Unternehmer, welche der Assoziation abgeneigt seien, die Kassen eingehen lassen. Ich habe dazwischen- gerufen, bei den Knappschaftskassen ist es dasselbe gewesen. Herr Arendt bestritt dies. Aber tatsächlich ist es genau dasselbe wie bei den K n a p p s ch a f t s k a s s e n. ES handelt sich auch da um die Erhaltung des Anrechtes für die ge- zahlten Beiträge. Was der Herr Staatssekretär am Donners-, lag ausführte, erinnerte lebhast an das, was die Unternehmer. vor allem Herr v. Stumm, zur Verteidigung der herrlichen KnappschaftSkaffen sagten. Und nun lesen Sie demgegenüber die Denkschrift der preußischen Regierung über die Notwendigkeit der Reform der Knappschafts- lassen. Punkt für Punkt, Wort sür Wort finden Sie dort wider- legt, was der Staatssekretär am Donnerstag sagte. Alles, was wir heute verlangen, das Recht der Arbeiter auf freiwillige Weiterversicherung, die V e r p f l i ch t u n g der Kassen zur Ruck- z a h l u n g der Beiträge, die Zusammenlegung der Kassen, alles das ist auch seit Jahrzehnten zur Reform der KnappschaftSkaffen gefordert. Die Regierung verhielt sich auch da genau so ablehnend wie heute der Staatssekretär bei den Forderungen für die WerkspensionSkaffen. Und was war die Folge? Viele Kassen sind zusammengebrochen und viele Tauscnde von Arbeitern sind um ihre sauer ersparten Groschen gekommen. Lesen Sie nur die über diese Sache herausgegebene Denkschrift der preußischen Regierung, wo mit dürren Worten gesagt ist, daß diese Zustände in der bisherigen Weise nicht weitergehen können. Auch da hat man jahrzehntelang der freien Entwickelung das Wort geredet. Wohin aber dieser Weg führt, das hat die Erfahrung gezeigt: zu einem Zusammenbruch der Kassen, so daß die Regierung schließ- lich einen sehr harten Stab in die Misere deS Knappschaftswesens hineintreiben mußte. Wie der Staatssekretär nach solchen Er- fahrungen der freien Entwickelung das Wort reden kann, verstehe ich nicht. Der freien Entwickelung alles überlassen, heißt hier, die Rechte der Arbeiter preisgeben. Es heißt solange warten, bis der Zusammenbruch der Kasten vor der Türe steht, und wer weiß, was lür ein Staatssekretär dann dort oben sitzt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Ich gebe zu. daß die Gründer der Werkspensionskassen sich nicht unter allen Umständen von egoistischen Geschäftsinteressen haben leiten lassen, aber es fragt sich, was inzwischen aus diesen Kassen unter ganz anderen wirtschaftlichen Verhältnissen geworden ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch bürgerliche Sozialpolitiker geben zu, daß wir aus den Zeiten des PatriarchalismuS, wo diese Kassen gegründet worden sind, längst heraus sind und daß von einer ethischen Seite der Pensionskassen nur in sehr beschränktem Maße gesprochen werden kann. DaS Wesentliche, ich muß daS immer wieder betonen. ist die Berkvppelung des PenfionSvertrages mit dem ArieitSvertragr. Das ist es, was den guten Gedanken, der in diesen PcnfionS- kasien der Invaliden. Witwen und Waisen steckt, in daS Gegenteil verkehrt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Ardeiter- schaft hat«den heute den lebhaften Wunsch nach einem neuen sozialen Recht, sie will von Wohlwollen, patriarchalischer Behandlung nichts mehr wissen. Wie die Untertanen Staatsbürger geworden find, so wollen die Arbeiter aus wohlwollend« behandelten, mit Gnadengroschen beschenkten Menschen gleichberechtigte, freie Männer fem. und als solche ge- achtet fem.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Selbst ein Unternehmerorgan wie die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" schrieb vor zwei Jahren, diese großen Werke würden nicht mehr nach sozialen, sondern nach dividenoenrechtlichen Gesichtspunkten geleitet. Da sollte die Regierung einsehen, daß man den Dingen nicht mehr ihren Lauf lassen kann. Der Herr Staatssekretär sagte neulich, in die freiwilligen Einrichtungen der Unternehmer dürfe nur soweit eingegriffen werden, als unbedingt notwendig sei, man dürfe sie nicht in ein enges gesetzliches Joch zwingen. DaS sagte derselbe Staatssekretär, der nnS die Reichsversicherungsordnung vorlegt, durch welche die freien Hilsskasien, Schöpfungen der Arbeiter, einem solchen Zwang unterworfen werden sollen, daß diejenigen unter ihnen, die nicht besonders gut fundiert sind, in wenig Jahren bankrott machen müssen. Und wo liegt ein Bedürfnis vor. in der Reichsversicherungsordnung die Verwaltung der OrtSkrankenkasscn so zu gestalten, wie man 1854 die Verwaltung der Knappschafts- lassen gestaltet hat, woraus nun eine furchtbare Erregung der Arbeiter gegen diese Verwaltung entspningen ist. Wo liegt ein Grund vor, die Selbstverwaltung der OrtSkrankcn- kaflen so zu zerstören?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In der Konferenz, die vom Staatssekretär über diese Frage einbe- rufen war. haben auch die Unternehmer erNärt, sie wünschten an der bisherigen Form der Ortskrankenkassenverwaltung nichts ge- ändert und derselbe Herr Staatssekretär, der uns so schön von den freiwilligen Schöpfungen der Unternehmer zu erzählen wußte, auf die kein Zwang ausgeübt werden dürste, hat die ReichSversicherungS- ordnung uns übergeben, die zweifellos nichts anderes bedeutet, als eine Vernichtung der OrtSkrankenkaffen. Wo bleibt denn da die Konseauenz? Schon allein dadurch ist unsere Interpellation hin- reichend begründet, wenn wir dadurch einmal Gelegenheit erhalten, auf diese Widersprüche hinzuweisen. Bon verschiedenen Borrednern ist aus die Stimmung der christlich»sozialen Arbeiter hingewiesen. SS sah so auS, als wenn diele geduldig warten würden, bis die Regierung so gütig ist, mit einer Reform zu kommen. Aber draußen klingt es ganz ander«. In der Nummer der„Germania" vom 23. April stand ein Artikel, der ausdrücklich als aus christlich-fozialen Arbeiter- kreisen stammend bezeichnet wurde. Er beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Rrichssinanzrcfonn und ReichSsoziatpolitik. Die Herren von der Regierung und von den bürgerlichen Parteien, die jetzt daran find, eine Finanzreform in einer vom Volke nicht gewünschten Weise zu machen, sollten diesen Artikel zur Kenntnis nehmen. SS wird dort verlangt. man solle dm Reichstag auflösen und a« das Volk appcllierm und es werden dann eine Reihe von Fragen genannt, die man dem Volke zur Beantwortung vorlegen soll. Unter anderem die Frage: warum die schon vor Weihnachten vom Reichstag angenommene sogenannte kleine Gewerbenovelle vom Bundesrat noch nicht ge- nehmigt worden ist! ferner warum über 700 000 Berg- leute weiße Salbe als Grubentontrolle haben sollen: weiter, warum die Versicherungögesetze zum Teil sogar rückwärts revidiert werden sollen, und endlich, warum die schwarzen Listen der Arbeiter und Angestellten geduldet werde». Sie sehen, draußen klingt es ganz anders, und wir, die wir mittendrin stehe», haben die Pflicht, dies« Stimmung hier wieder- zugeben. Wir sind verpflichtet zu sagen, daß bei Reformen, die die Großindustrie treffen, die größte Rücksicht von der Regierung ge- nommen wird, während sie diese Rücksicht nicht kennt, wo eS sich um Forderungen der Arbeiter oder de« Mittelstandes handelt. Wie steht eS mit dem Hüttenarbeiterschutz auS? Es ist jetzt eine Bundesrats- Verordnung herausgekommen, die geradezu eine Verhöhnung deS RcichStagSveschlusseS ist. Präsident Graf Stolberg: Sie haben gesagt, der BundeSra' habe den Reichstag verhöhnt. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung! (Bravo l rechts.) Abg. Hue: Ich habe gesagt, die BundesratZverordnung sei eine Verhöhnung des Reichstages. �Präsident Graf Stolberg: Das ist dasselbe.) �Heiterkeit.) Fest steht jedenfalls, daß diese Bundes- ratsverordnung nicht im entferntesten dem entspricht, was der Reichs- tag seinerzeit beschlossen hat. Wir müssen das um so mehr feststellen, da die Unternehmer sie so schikanös ausführen, daß die Arbeiter darüber empört sind. Also so behandelt man Arbeiterforderungen, wenn man auf die Unternehmer stets Rücksicht nimmt.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Auf das, was der Abg. Hue über die Finanzreform, die Reichs- bersicherungsordnung, den Block und die Auflösung des Reichstages gesagt hat, gehe ich nicht ein.(Heiterkeit rechts.) In großer Breite hat er mit einer Sicherheit, um die ich ihn beinahe beneide, betont, es sei alles grundfalsch, was ich über die Entstehung der sozial- politischen Gesetzgebung gesagt habe. Wozu diese Uebertreibung? Ich habe nie bestritten, daß auch Arbeiter mit zu den ersten Trägern unserer Sozialgesetzgebung gehört haben. Der Abgeordnete Hue fragte mich, weshalb ich diese Pensions- lassen nicht gesetzlich regeln will, wo es doch bei den Knapp- schaftskassen geschähe. Vergißt denn Herr Hue ganz, daß die Knappschaftskassen Zwangs institute sind, während es sich bei den Pensionskassen um freiwillige Einrichtungen handelt? Freiwillige Institute aber kann man nicht dem Zivange der Gesetzgebung unterwerfen. lZuruf bei den Sozialdemokraten: Es sind keine freiwilligen Institute?) Wenn Sie diesen Unterschied immer wieder verwischen, dann ist keine Verständigung möglich. Für die Verwaltung der Kassen nach der gesetzlichen Regelung verlangte der Abg. Severing, daß den Arbeitern der ausschlaggebende Einfluß eingeräumt wird.(Hört! hörtl rechts.) Gewiß, man kann das ver- langen. Aber man glaube dann nicht, daß die Arbeit- geber besonders freudig an die Gründung solcher Kassen herangehen werden. Man sollte sich streng davor hüten, in einem Moment, wo Reichsfinanzreform und Reichsversicherungsordnung der Industrie neue Lasten auferlegen, dürfen wir nicht dazu übergehen, durch die Ankündigung der Errichtung von Zwangskassen nicht realisierbare Hoffnungen wecken, die in Forderungen auswachsen. und auf der anderen Seite neue berechtigte Unruhe erregen. A u f diesen Weg wird die Reichsregierung nie treten. Man soll nicht alles auf den bösen Bundesrat schieben. Der Bundesrat muß mit Vorsicht vorgehen. Hätte er das nicht getan, wohin wären wir gekommen!(Sehr wahr! rechts.) Andererseits sollte auch Herr Hue nicht verkennen, daß wir nicht bei der Negasion stehen geblieben find, sondern eminent positiv gearbeitet haben.(Sehr richtig! rechts.) Vergesse man auch nicht, daß die Penstonskaffen heute schon einen großen Teil der Verbeffe- rungsvorschläge aus sich durchgeführt haben. Freiwillig ge- schieht das viel besser als auf dem Wege des Zwanges.(Sehr richtig l rechts.) Man sollte sich davor hüten, an die Arbeitgeber unmögliche Forderungen zu stellen.(Bravo! rechts.) Abg. Severing(Soz.): Ich habe niemals gefordert, daß den Arbeitern das ausschließliche Recht auf die Kassen übertragen werden soll. Ich habe nur gefordert möglichste Selbstverwaltung der Kassen und gleiche Vertretung von Arbeitgebern und Arbeitern in den Ver- waltungsorganen. Allerdings habe ich als Voraussetzung gefordert, daß die Aroeitgeber auch die gleichen Leistungen zu den Kassen bei' tragei«. Damit schließt die Besprechung.— Nächste Sitzung: Mittwoch 3 Uhr.(Viehseuchengesetz, Zivilprozeßordnung, Beamteuhaftung, kleinere Vorlagen.) Schluß 0'/« Uhr._ Hbgcordmtenbaud* 79. Sitzung, Dienstag, den 4. Mai, mittags 12 Uhr. V Die zweite Beratung des KultuSetatS wird fortgesetzt beim Kapitel„Höhere Lehranstalten". Abg. Eickhoff(fr. Vp.): Die deutsche Romreise wird den de- treffenden Schülern zweifellos für ihm ganzes Leben eine der- wertvollsten Erinnerungen sein. Der Resolution des Herrenhauses auf Aufhebung der Pflichtstunden der Lehrer an den höheren Lehr- anstalten wird die Unterrichtsverwaltung hoffentlich nicht statt- geben. Bei der Reifeprüfung sollten mehr Kompensationen schlecht ter Fächer durch gute zugelassen werden. Die Erfahrungen mit den Kurzstunden von 45 oder 40 Minuten lauten erfreulicherweise sehr günstig. Auch in den kleinen und mittleren Städten würden sie zum mindesten in den Oberklassen den Schülern ein intensiveres Studium zu Hause ermöglichen. DaS Reformrealgymnasium hat sich durchaus bewährt, die EntWickelung der Reformgymnasien ist weniger rasch gewesen. Ihre pädagogischen Erfolge sind aber nicht zu verkennen. Uebrigens ist auch das Reformgymnasium ein humanistisches Gymnasium. Redner bespricht weiter die zahlreichen Schülerselbstmorde: die Schule und die Lehrer sind gewiß nicht unfehlbar. Aber eS wäre verkehrt, für die bestehenden Miß» stände ausschließlich die Lehrer verantwortlich zu machen. Er» freulich ist der Appell der Gesellschaft für deutsche Erziehung an die Oeffentlichkeit, der kürzlich jn einer großen Versammlung in Berlin ein Echo gefunden hat. Dadurch wird das Interesse weitester Kreise für Schulfragen geweckt. StrSbel richtig ist, ein Kind, das noch nicht einmal die Muttersprache b/, Uhr bei Neidhardt, Görlitzer Straße 58: Sitzung. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub»Heinrich Heine«. Heute abend bei Bolze, Rodenbergstr. 8: Sitzung. Lese- und Disknttertlnb Baumschulenweg. Heule abend 3 Uhr: Sitzung im Lokal von Goergens, Baumschulenstt. 27. Gäste, durch Mit- glieder eingesührl, haben Zutritt. Sozialdemokratischer Lese- und Diskuticrklud»Karl Marx«. Heute abend 8-/, Uhr bei Hummel, Sophienslr. 5: Quartals-(Mitglieder-) Versammlung._ eingegangene Druchfchnften. „In Freien Stunden«. Romanbibliothck in Wochcnhcstcn. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Die Hest 16 und 17 sind erschienen. Jede Woche erscheint ei» Heji zum Preise von 10 Ps. Kommunale Praxis. Wochenschnjt jür GemeindesoziallsmuS. Buchhandlung BorwärtS, Berlin. Hest 17 ist soeben erschienen. AuS dem Inhalt erwähnen wir: Die Arbeitslosenversicherung in Bayern.— Das württembcrgische Gemeinde- Programm. Gemeindeversasiuag.— Finanz- und Steuerwesen.— Gesund- hcitswesen.— Biidungswcsen.— Wohnungswesen.— Kommunale Sozialpolitik.— Armen« und Waisenpflege.— Wirtschastswesen.— VerichrS- wesen usw. Preis der wöchentlich einmal erscheinenden Zeitschrist Z M. pro Quartal Str. 19 dcS„Süddeutschen Postillon«(Verlag M. Ernst, München) ist soeben erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Friedens- pseife(Bild), Tortius gaudens(Bild), Die neue Situation(Bild), Aus der Suche(Bild), Deutsch-cnglisches Wettrüsten(Bild), Alleruntcrtänigstc Steuer- bitte(Leitgedicht), Stimmen sür die Finanzresorm, Därdsche Freed'nschissc, Lebende Photographien, Was in der Welt vorgeht, Beamtenrebellion, und viele kleinere gute Beiträge. Liebe, Scham und Sünde. Von R. Heymann. 61 Seiten. Handels- Druckerei in Bamberg. Der Mond. Unsere Nachbarwelt. Von Dr. M. W. Meyer. 1 M Franckhsche Verlagsbuchhandlmig, Stuttgart. Wasser, Luft und Wärme, die drei hauptsächlichsten Heilsaktoren der Naturbeilmethodc, finden in den Lieserungen 27—32 von.Plate», Die Neue Heilmethode"(Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57, Preis der Lieferung 40 Ps.) Behandlung. Der Mensch und die Erde. Herausgegeben von H. Kraemer. Liesernngm 71—75. Pro Lieferung 60 Ps." Bong u. Co., Berlin IV. 57. WasserstandS-Rachrichten der Landesanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Verlag Wasserstand M e m e l. Tilfi« P r e g e l, Jnsterbmg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor . Zirossen , Franksurt Warthe, Schrimn» . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden „ Barbv , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Sprcmberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Wercheim Mosel, Trier am 3. 5. am 154 115 145 92 133 21 85 252 292 98 168 131 feit 2. 5. cm1) +3 0 + 1 — 1 +13 — 1 +3 +7 _ 2 +13 ')■+■ bedeutet Wuchs,— Fall,—') UMerpegel. Nach telegraphischer Meldung ist die Oder bei Ratibo» bis heute s r ü h aus 408 cm gestiegen. vom 4. Mai ISO». morgeuS 8 Uhr. Stationen Slotuemde. ßs— SZ Wetter w« *3- all i» wS- 777 NNO l wolkenl 8 778 SO 2 wolkenl L erliu' 776 NNO 1 wolkenl 8 Franki.a.M. 771 NO 4 wolkenl 8 München I772NW Ibedeckt 4 Wien s765 NW 4Regen 8 Wetterprognose für Mittwoch, de» 5. Mai Trocken aber vielsach wolkig, nachts kühler, am Mittag bei frischen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Ptationen t E fl HZ «— n= K« Havaranda 762 SW Petersburg 775 SW Sctlly! 766 OSO Werde« 772 SSW Paris 772 O Wetter i* c* §* W3> 4 heiter'—O 1 wolkenl i 5 4 wolkig j 9 1 wollig| 10 2 wolkenl, 8 i I 1909. ziemlich warm Äerantwortl, Redakteur: Carl Mermuth» AMitl-Rixdorf, Für den Inseratenteil veragtw.t Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsgnstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW, Nr. 103. 26. Jahrgang. 2. mm des Joriiiiirts" Inlinn AIKM. Mitwch, 5. W(909. Die liialfeier im Dnsiande. Frankreich. Paris, 2. Mai.(Eig. Ber.) Die Nachrichten aus der Provinz lassen erkennen, dah die Maiseier in diesem Jahre in den meisten industriellen Zentren eine ziemlich starke Beteiligung des Prole- tariats gefunden hat. Die Arbeitsruhe hatte indes nicht überall den gleichen Umfang und die Feier nicht überall dieselben Formen Die Arbeitskonföderation hatte aufgefordert, den Tag nicht als ein Fest, sondern lediglich als Demonstration und Vorübung zum Gene- -raistreik zu begehen; doch hat sich in vielen Orten die festliche Be- gehung des Tages eingebürgert. Versammlungen wurden überall abgehalten, wo Ansätze zu Organisationen vorhanden sind, und es war natürlich, dah die von der Arbeitskonföderation entsandten Redner ihr Referat von ihren besonderen Meinungen beinflussen ließen. In Paris trat, wie zu erwarten war, in den vom GeWerk- schaftsverband des>seincdepartements veranstalteten Versamm- lungen die„insurreltionelle" Färbung um so stärker hervor, als die Konföderation ihre besten Kräfte in die Provinz geschickt und in der Hauptstadt weniger geschulte Redner zurückgelassen hatte. In der im ganzen Departement angenommenen Resolution wird eigens des„AntiPatriotismus" gedacht. Die reinen Syndikalisten können eben gegen den von ihnen so lange begünstigten Herveismus nicht auskommen. Eine Versammlung der sozialistischen Partei ist in Paris nicht abgehalten worden. Die Partei hat nur in einem Manifest zur Arbeitsruhe aufgefordert. Die deutschen Arbeiter feierten wie gewöhnlich den Maitag gemeinsam mit an- deren ausländischen Arbeiterverbindungen— Tschechen, Magharen, Skandinaviern— mit einem Konzert, bei dem Ansprachen gehalten wurden. Der Umfang der Arbeitsruhe war in Paris nicht so groß als mau ihn nach der Lebhaftigkeit der von der Konsöderafton betriebenen Agitation hätte erwarten sollen. Gleichwohl stehen die von der Polizei angegebenen Ziffern, wonach im ganzen 20 000 Arbeiter, darunter gegen 12 000 Bau- und Erdarbeiter und 5000 Metallarbeiter gefeiert haben sollen, jedenfalls hinter der Wirklich- keit zurück. Das Straßenbild war gestern ruhiger als in den vergangenen Jahren, woran jedenfalls das kalte Wetter, das den Aufenthalt im Freien unangenehm machte und die Neugierigen von der Place de la Republique bald wegtrieb, einen Anteil hatte. So ist auch die Zahl der Verhafteten äußerst gering. Der Polizei- und Militär- apparat war gestern nicht so provozierend wie sonst zur Schau gestellt. Um so gehässiger hat sich die Provokation auf einem anderen Gebiete betätigt. Die Regierung arbeitet ganz offenbar darauf hin, an den Postbeamten Rache für ihre Niederlage im Poststreik zu nehmen. Als Vorwand dienen ihr die Organisationsbestre- Hungen, die durch den Streik natürlich einen mächtigen Antrieb bekommen haben. Was die Beamten jetzt wollen, ist nicht ein be- sonderes„Statut", das ihnen mit ein paar Schutzbestimmungcn gegen die Willkür der Vorgesetzten die Isolierung von der übrigen Arbeiterschaft aufzwingen will, sondern die Koalitionsfrei. h e i t in den der Arbeiterschaft gewährten Formen. Und ihre „Assoziation" wollen sie in eine Gewerkschaft der. wandeln. Der Unterschied in der Praxis wäre für den Verein selbst nicht allzu groß, aber eine Gewerkschaft hätte das Recht, in die Arbeitsbörsen und die Konföderation einzutreten. Der Streit um das„Streikrecht" hat weniger Bedeutung, da der Streik ja nicht als die Ausübung eines Rechts, sondern als einer Macht anzusehen ist und kein Verbot etwas gegen ihn nützen kann, wenn die Beamten solidarisch bleiben. Die Regierung und die Schars- macherpresse berufen sich darauf, daß vor zwei Jahren von der Kammer beschlossen wurde, in der Frage der Beamtengewerkschaften den Status quo aufrechtzuerhalten, also bis zur gesetzlichen Rege. lung deS Staats keine neuen Gewerkschaften zuzulassen. Sie wollen eben nicht sehen, daß die tatsächliche Entwickelung jenen Beschluß wiederholt hat. Die gewerkschaftliche Agitation hat der Regierung den ge. suchten Vorwand gegeben, die Maßregelungen einzuleiten, zu denen sie die reaktionären Generalräte aufgemuntert haban. Der erste Schritt war die Eröffnung des Entlassungsverfahrens gegen sieben Bamte, denen verschiedene Aeußerungen in Persammlungen zur Last gelegt werden. Die Anklage baut sich auf Zeitungsberichte auf, und unter den inkriminierten Aeußerungen sind solche, die auf nicht? als die Solidarität zwischen Beamten und Arbeitern Bezug haben. Die Herausforderung der Regierung führte gestern im Zentral- telegraphenamt zu großen Demonstrationen. Die Beamten sangen wiederholt die„Internationale" und liehen die verfolgten Lieben hochleben. Daraufhin erfolgte die sofortige Suspendierung von S Demonstranten und heute kam die des Postbeamten C Hastenet dazu, der gestern als Delegierter der Beamtenschaft in der Versammlung auf der'Arbeitsbörse gesprochen hat. Unter solchen Umständen ist ein neuer schwerer Konflikt zu er- warten. Die Regierung läßt jetzt täglich von der Installierung drahtloser Telegraphie berichten, aber diese Meldungen sind mehr geeignet zu provozieren als einzuschüchtern. Man fragt sich nur, wo Clemenceau hinauswill. Denn wäre es selbst möglich, einen neuen Streik der Postbeamten niederzuwerfen, so würde eine das ganze Land erfassende soziale Krise die Folge sein, da sich die Arbeiterschaft unbedingt mit den Beamten, die sich jetzt so mutig in ihre Reihen gestellt haben, solidarisch erklären würde. Skandinavien. Obwohl am 1. Mai in Stockholm und vielen anderen Orten Schwedens die Witterung sehr ungünstig war, beteiligten sich an den Maidemonstrationen größere Menschenmassen als je zuvor. In der Hauptstadt, wo aus dem wolkenschweren Himmel ab und zu ein Platzregen hervorbrach, marschierten am Nachmittag zwei lange Demonstrationszüge nach dem nördlich vor der Stadt liegenden Sammelplatz Ladugardsgärdet, wo sich um die fünf Rednertribünen 40 000 Menschen scharten. Man demonstrierte international für Völkerverbrüderung und Achtstundentag und forderte ferner eine demokratische Verfassungsrcvision, die das schwedische Volk endlich zum Herrn im eigenen Hause macht. Im Demonstrationszuge wurde unter anderem auch eine weiße Fahne getragen, die ur- sprünglich die Inschrift: „K einMann— keinOerefür den Militarismus" aufweisen sollte. Die Inschrift war jedoch von vornherein polizeilich verboten worden. Der Genosse Br an t ina hat bereits am Sonn» abend in der Zweiten Kammer am Schluß der Sitzung eine Jnter. pellation eingebracht, um zu erfahren, ob die Regierung jene Ein- fchränkung der Demonstrationsfreiheit billigt. Auch in Norwegen war die Beteiligung an den Maidemon- ftrationen den Verhältnissen entsprechend außerordentlich stark. In Kristiania nahmen 10 000 Menschen am Demonstra- tionszuge teil. Eine Fahne mit der Inschrift: „vi ieder mit Thron, Altar und Geldsack" wurde von der Polizei beschlagnahmt, und als man sie durch ein Pappschild mit der Inschrift: „Die Polizei hat unsere Fahne gestohlen" ersetzte, verfiel dies Demonstrationszeichen demselben Schicksal. Die Arbeiterschaft Kopenhagens hatte diesmal von dem sonst üblichen Demonstrationszug Abstand genommen; sie wollte Ivcgen der ungeheuren Arbeitslosigkeit jeden unnötigen Kostenauf- loand vermeiden. Die Demonstration fand im Rosenborg-Schloß- garten statt, lvo sich um die zwei Rednertribünen trotz Regen, Schnee und Hagel große Menschenmassen versammelt hatten. Am Abend wurde die Feier in den verschiedenen Persammlungshänsern der Arbeiterschaft fortgesetzt, i llnterbeamte und Sozialdemokratie. Ein Heer von Unterbeamten und Arbeitern ist in staatlichen Betrieben beschäftigt. Nur ein kleiner Teil von ihnen befindet sich in solchen Stellungen, die als eine Art politisches Vertrauens- amt bezeichnet werden könnte und von deren Inhabern die Regierung deshalb mit einem Schein von Recht erwarten könnte, daß sie auch politisch auf dem Standpunkt der Regierung stehen oder doch keiner Oppositionspartei angehören. Von einem Vertrauens- Verhältnis dieser Art kann aber bei dem weitaus größten Teil der Unrcrbeamten gar keine Rede sein. Ein Post-, Telegraphen- oder Eisenbahnbeamter steht zu der ihn beschäftigenden Behörde in keinem anderen Verhältnis, als der im Betriebe einer Aktien- gesellschaft Angestellte zur Direktion und zum Aufsichtsrat dieser Gesellschaft. Die Unterbeamten in den staatlichen Betrieben und Verkehrsinstituten stehen in einem Arbeitsverhältnis, aber nicht in dem Verhältnis eines Staatsdieners. So wenig ein Privat- Unternehmer das Recht hat, den von ihm beschäftigten Arbeitern und Angestellten eine bestimmte politische Gesinnung vorzuschreiben oder ihnen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Partei zu verbieten, ebensowenig ist die Regierung berechtigt, ein solches Ansinnen an die in staatlichen Betrieben tätigen Beamten und Arbeiter zu stellen. Gleichwohl hält es die Regierung im Gegen- satz zu der von den Beamten beschworenen Verfassung für selbst- verständlich, daß jeder in einem staatlichen Betriebe Beschäftigte politisch auf ihrem Standpunkt stehen müsse und deshalb Sozial- demokraten in solchen Betrieben nicht geduldet werden. Es ist nicht einzusehen, weshalb ein sozialdemokratischer Post- oder Eisenbahnbeamter, dessen Berufsarbeit mit Politik doch nicht das mindeste zu tun hat, seine Arbeit nicht ebensogut sollte ver- richten können, wie ein konservativer Beamter. Nach Vernunft und Gesetz sollte nur die berufliche Tüchtigkeit, aber nicht die politische Gesinnung für die Beschäftigung und die Anstellung in staatlichen Betrieben maßgebend sein. Wenn die Regierung die sozialdemokratische Gesinnung bei den Beamten und in staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeitern nicht duldet, so verstößt sie damit gegen die elementarsten Grundsätze der freien Meinungs- äußerung und der persönlichen Freiheit und zieht ein verächtliches Heuchler- und Strebertum groß. Der Sozialdemokratie wird aber dadurch keineswegs der Eingang in die Kreise der Unterbeamteu versperrt. Denn das Klassengefühl bringt auch diese Schicht des Proletariats ganz von selbst zu der Einsicht, daß ihr Verhältnis zu der sie beschäftigenden Behörde kein anderes ist, wie das Ver- hältnis des Arbeiters zum Unternehmer. Ein großer Teil der Unterbeamten in den Verkehrsinstituten geht ja aus der Arbeiter- klaffe hervor. Viele von ihnen sind als gelernte Arbeiter be- stimmter Berufszwcige in staatliche Betriebe eingetreten und haben nach einer Reihe von Jahren Beamtenstellungen erhalten. Als gewerkschaftlich organisierte Arbeiter ihres Berufes sind sie mit den Ideen und Bestrebungen der modernen Arbeiterbewegung be- kannt geworden. Sie bleiben auch als Beamte ihrer Gesinnung treu, wenn sie dieselbe mit Rücksicht auf ihre Existenz auch nicht betätigen dürfen. Die Sozialdemokratie hat also in den Reihen der Unterbeamten zahlreiche Anhänger, welche die Verfolgung ihrer politischen Gesinnung als einen unerträglichen Druck empfinden und nichts sehnlicher wünschen, als von diesem Druck befreit zu werden und ihre Ueberzeugung frei und offen bekennen zu dürfen, wie es jedem Staatsbürger von Rechts wegen zusteht. Das sind, kurz skizziert, die Gedanken, welche ein sozial- demokratischer Unterbeamter in einer längeren, an uns gesandten Abhandlung darlegt. Der Verfasser hat natürlich das lebhafte Verlangen, daß auch diejenigen Beamten, welche ihre Klassen- läge noch nicht begriffen haben, sondern in allerhand Klimbim- vereinen die sozialistenfeindlichen Bestrebungen der Regierung unterstützen, für unsere Partei gewonnen werden. Er wünscht, daß die sozialdemokratische Partei nach dieser Richtung hin eine agitatorische Tätigkeit entfalte. In dem Wunsche, die Unterbeamten, die ja tatsächlich zum Proletariat gehören und deshalb mit den klassenbewußten Arbeitern gemeinsame Interessen haben, für uns zu gewinnen, ist wohl jeder Parteigenosse mit unserem Gewährsmann einverstanden. Was die Partei in dieser Hinsicht tun kann, hat sie ja auch stets getan. Unsere Agitation in Wort und Schrift wendet sich an das ge- s a m t e. Proletariat, aw alle, welche unter der heutigen Klassen- Herrschaft leiden, ob sie nun Arbeiter bei privaten Unternehmern oder Arbeiter und Beamte in staatlichen Betrieben sind. Alle Forderungen, welche wir im Interesse des Proletariats erheben und vertreten, beziehen sich ja doch auch auf die Proletarier in Beamtenstellungen. Es sei auch daraus hingewiesen, daß im Reichstage sowohl wie in den Landtagen der Bundesstaaten keine Partei mit solcher Energie für die Besserstellung der Unter- beamten und Staatsarbeiter eintritt, wie die Sozialdemokratie. Was die Sozialdemokratie von außen her für diese Schicht des Proletariats tun kann, das hat sie in vollem Maße getan. Die Agitationnach innen, das heißt in den Reihen der Beamten selbst zu entfalten, muß in erster Linie Aufgabe der- zenigen Beamten sein, die sich als Sozial- demokraten fühlen, und die ja, wie unser Gewährsmann sagt, sehr zahlreich sind. Die Partei als solche hat kaum die Mög- lichkeit, an die einzelnen Beamten heranzukommen. Die Haus- agitation, welche unsere Parteigenossen für Verbreitung des „Vorwärts" und Gewinnung von Wahlvereinsmitgliedern be- trieben haben, hat gezeigt, daß gerade die kleinen Beamten jede Berührung mit unseren Parteigenossen ängstlich vermeiden, wohl nicht deshalb, weil sie uns feindlich gegenüberstehen, sondern aus Furcht, sich einer Matzregelung auszusetzen. Da wir also von außen nur schwer an unsere Klassengenossen im Beamtenrock herankommen können, so müssen es sich die sozialdemokratisch ge- sinnten Beamten zur Aufgabe machen, in ihren Kreisen in ge- eigneter Weise ihre Ideen zu verarbeiten, die Saat deS Sozialismus auszustreuen, wo sie geeigneten Boden dafür finden. Je stärker die Zahl unserer Anhänger in jenen Kreisen wird, desto weniger Maßregelungen werden sie zu befürchten haben. Hus Induftrie und Rande!. „Chemische" Profitmacherei. In dem Geschäftsbericht der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. nimmt die Klage über die sozialpolitischen Lasten einen breiten Raum ein. Es ist das alte Lied, daS da nach altem Text und bekannter Melodie abgeleiert wird. In dem Bericht heißt es unter anderm: „So gern wir bereit sind, die sozialen Lasten auf uns zu nehmen und, wie wir es seit Jahren getan haben, über die gesetz- lichen Leistungen weit hinaus noch ganz bedeutende Summen für die Wohlfahrt unserer Beamten und Arbeiter zu verwenden, so sehr nuissen wir eS bedauern, daß der Staat mit seiner Gesetz- gebung immer einschneidender und schablonenhafter, rein mechanisch in die Verhältnisse zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern eingreift. Es wird damit durchaus nicht dem Frieden gedient, sondern im Gegenteil das gute Verhältnis. das zwischen uns und unseren Werksangehörigen besteht, gefährdet und dem Arbeitgeber seine nicht beneidenswerte Lage so erschwert, daß er die Freudigkeit an der Arbeit und am Beruf verliert. Endlich muß einmal dieses fortwährende Heritmdoktorn an der Gewerbe- ordnung aufhören und mit der Einführung neuer sozialpolitischer Gesetze so lange Halt gemacht werden, bis das Ausland einigermaßen' nachgefolgt ist. Insbesondere kann die auf den Export angewiesene Industrie ein derartiges Experimentieren auf dem Gewerbegebiet nicht vertragen und bedarf dringend der Ruhe, um einen Rückgang oder gar ein Auswandern dieses für Deutschland so bedeutungsvollen Zweiges der Industrie zu verhindern." Da ergießt der Unternehmer Unzufriedenheit sich in einer Klage über sozialpolitische Lasten und gleichzeitig wird ruhmredig verkündet, daß man freiwillig noch viel mehr leiste in warmherziger Arbeiter- fürsorge, als das Gesetz gebiete. Was soll denn die Klage über Belastung, wenn man ungezwungen weit darüber hinausgeht? Die gesetzlichen Leistungen kann man nicht als Wohlfahrtsknebel benutzen, daher wohl die Animosität dagegen. Und bringt man die„Lasten" mit dem Gewinn in Vergleich, wird die Klage über jene ohne weiteres als jeder Grundlage entbehrend charakterisiert. Die gesetz- lichen Kassenbeiträge beanspruchten nämlich 208 742 M., bei einem Gewinn von 18 443 160 M. Demnach machen die„drückenden Lasten" sage und schreibe 1,13 Proz. des Ueberschusscs aus. Wunder- bar schön zu der Klage paßt die Tatsache, daß die Arvciterlöhne nicht einmal die Hälfte des erzielten Ueberschusses ausmachen; den rund 18>/z Millionen Mark Gewinn stehen nur rund 7 Millionen Mark Arbciterlöhne gegenüber. Aber der Lohnanteil ist den Mehr- wert-Chemikerir anscheinend noch viel zu hoch. ES wird im Bericht ausgeführt, daß die agrarische Zollpolitik die deutsche Industrie zu Abwanderungen zwinge: „Die Beteiligungen der Gesellschaft an auswärtigen Gesell- schaften haben dabei von Jahr zu Jahr zugenommen. Speziell in Rußland mußten die Fabrikanlagen bedeutend vergrößert werden. Die Hauptschuld daran tragen die gesetzgebenden Faktoren, denen es nicht gelungen ist, geeignete Verträge mit dem Auslande ab- zuschließen, um die deutsche Industrie der Notwendigkeit zu ent- heben, die Fabrikation ihrer Produkte im Auslande aufzunehmen." Vergnügt wird dann aber weiter mitgeteilt, daß der Schutz der— ausländischen Arbeit sich noch besonders darum rentiere, weil an Arbeiterlöhnen gespart werden könne. Die Löhne in den meisten AuSlandSfabriken der Gesellschaft seien erheblich uiedriger und zum Teil nur halb so hoch wie in den deutschen Fabriken. So kündet der Bericht! Keine sozialen„Lasten", halbe Löhne: das ist Unternehmerlnsi! Man salbadert über Schutz der nationalen Arbeit und— Wandertaus! Saatcnstand. Der Saatenstandsbcricht vom 1. Mai, erstattet vom deutschet.' Landwirtschaftsrat, enthält folgende Angaben: Der starke Kälte» rückfall im April hat die empfindlichen Spätsaaten, vor allem den schwach in den Winter gekommenen Weizen nicht zur EntWickelung kommen lassen und Umpflügungen größerer Flächen besonders in Norddcutfchland erforderlich gemacht. Noch mehr als Weizen ist fast die gesamte Rapssaat und Wintergerste vernichtet, und auch dieKlcc- felder haben vielfach durch Mäusefraß und Eisschmelzwasser derartig gelitten, daß sie umgepflügt werden mußten. Die sommerliche Wärme und die milden Niederschläge haben in wenigen Tagen wie mit einem Zauberschlage die gesamte Vegetation vorwärts getrieben. Der frühe Winterroggen steht teilweise so üppig, daß ein Lagern be- fürchtet wird. Die Frühjahrsbestellung hat sich allgemein um vier- zehn Tage verzögert. Die Sommer-faat ist bis Ende April zum größten Teil eingebracht, in bevorzugten Lagen war sie bereits ans- gegangen, während mit der Bestellung der Rüben- und Kartoffel-' felder vielfach erst im Mai begonnen werden kann. Die Wiesen und Weiden sind erst in der letzten Aprilwoche grün geworden. Höhere BerkanfSpreise— niedrigere Löhne. Der Durchschnittsverkaufspreis für Kohlen stieg von 10,80 M. im Jahre 1907 auf 10,94 M. im Jahre 1903; gleichzeitig sank der Durchschnittstagelohn pro Arbeiter von 3,07 auf 4,93 lvk. Diese Angaben enthält der Geschäftsbericht der Zeche Heinrich-Ucberruhr. Die Löhne werden reduziert und das Hinaufschrauben der Preise wird als zwingende Folge gestiegener Löhne gerechtfertigt. Roheisenproduktio«. � In den drei vorwiegend in Betracht kommenden Ländern: Ver- einigte Staaten, Großbritannien und Deutschland wurden im ver- gangene» Jahre rund 37 Millionen Tonnen Roheisen produziert, gegen 49V2 Millionen im Jahre vorher. Die Entwickelung der Er» zeugung in den einzelnen Staaten zeigt die folgende Tabelle: Bereinigte Groß- Deutschland und Staaten britannien Luxemburg 1900... 14 011 000 9 103 000 8 ö21 000 To. 1901... 16133 000 3 056 000 7 880000„ 1902... 18 107 000 8 819 000 8 530 000„ 1903... 18 298 000 9 078 000 10 018 000„ 1904... 16 762 000 8 833 000 10 068 000" 1905... 23 361000 9 762 000 10 876 000„ 1906... 25 712 000 10 312 000 12 293 000„ 1907,.. 26 194 000 10 083 000 13 046 000„ 1908.., 15 740 000 9 439 000 11814 000„ Am meisten hat demnach die Erzeugung in den Bereinigten Staaten unter der Weltkrise gelitten. Hus der Frauenbewegung. Maifeier und Franenwahlrecht in Oesterreich. Die Maifeier in Oesterreich erhielt diesmal ein besonderes Ge- präge dadurch, daß die Forderung nach dem Frauenwahlrecht stärker betont wurde als in den früheren Jahren. Schon die FrauenreichZ- konferenz zu Ostern 1909 hatte beschlossen, nunmehr, nachdem für die Arbeiter das Wahlrecht errungen ist, die Maifeier zu einer be- sonderen Kundgebung für das Frauenwahlrecht zu gestalten. Das Arrangement glückte vor einen, Jahre noch nicht. Dies- mal aber erließ auch die Landesparteivertretung in Niederosterreich einen Aufruf, am 1. Mai für das Franenwahlrecht zu demonstrieren. Da zum erstenmal von der Wiener Arbeiterschaft Fahnen und Standarten im Zuge getragen wurden, sorgten auch die Genossinnen dafür, daß die speziellen Arbeitcrinnenforderungen wirksam zum Ausdruck kamen. Sieben Standarten, die auf einer Seite die Aufschrift trugen: Wir fordern das Frauen Wahlrecht Die sozialdemokratischen Arbeiterinnen und drei Standarten mit der Forderung nach Witwen» und Waisenversicherung und Mutterschutz wurden von Frauen im Zuge getragen. Außerdem hatten Genossen breite rote Papierplakate anfertigen lassen, die weithin sichtbar auf Stangen getragen wurden. Der Text lautete: Heraus mit d e m F r a u e n w a h l r e ch t I Die Arbeiterinnen beteiligten sich zahlreich an der Demonstration; auch viele Kinder, die mit breiten roten Schärpen geschmückt waren, wurden mitgeführt. Auch die Genossinnen in den Provinzorten beteiligten sich zahl- reich, und wo schon politische Frauenorganisationen bestehen, machlen sie sich bei der Maifeier bemerkbar. Leseabende. Tegel. Donnerstag, de» 6. Mai. 8V4 Uhr bei Halses, Brunow- straße 23. Spandau. Heute abend 8'/, Uhr bei Fritz Bohle, Havelstr. 20. Gerichts-Zeitung. Detettivschule. Mit den Geschäftspraktiken einer„Detektivschule" hatte sich gestern der Strafrichter zu beschäftigen. Wegen Betruges waren der Kaufmann Julius Grimmer, dessen Sohn, der Kaufmann Zllfred Grimmer, und der Kaufmann Otto Oehmchen vor der ß. Strafkammer des Landgerichts I angeklagt.— Im November 1907 existierte in Berlin ein Auskunftsbureau, welches die Firma „Blitz", Internationales Detektivbureau und WeltauSkunftei M. Grimmer u. Co., trug. Inhaber waren die Ehefrau G. und der Mitangeklagte 28jährige Alfred G., während der Vater die Stellung eines Prokuristen bekleidete. In dem Geschäft war ferner auch der Angeklagte Oehmchen tätig. Anfang vorigen Jahres machte die Firma durch Inserate bekannt, daß sie eine „Detektivschule" gegründet habe. Denjenigen Personen, die sich gemeldet hatten, übersandte Julius G. Prospekte, in denen es unter anderem hiess:„Um einem großen Uebelstande abzuhelfen, hat sich tnS oben firmierte erstklassige Institut dazu hergegeben, eine Detektivschule zu leiten." In dem Prospekt hieß es weiter, daß eS die Firma als ihre vornehmste Pflicht halte, den„leider oft mit Recht" diskreditierten Namen„Detektiv" wieder zu Ehren zu bringen. Teilnehmer mit gutem AuffassungSgeiste, die das Prädikat„Sehr gut" erhalten haben, sollten die weitgehendste Empfehlung und eventuell eine Anstellung in dem Institut„Blitz" erhalten. In einem vierwöchigen Kursus, für den 30 M. zu ent. richten waren, sollte Unterricht in einer Reihe von Gegenständen gegeben werden, die mit dem Detektivwesen zusammenhängen, so unter anderem RechtSbelehruna, Vorlesungen über das Strafrecht, gerichtliche Chemie(Untersuchungen von Tier- und Menschen» blut), gerichtliche Photographie, Phrenologie, Physiognomik, Bertillonsches Meßsystem, ferner sollten Vorträge eines Dr. Forlitz und eines Dr. med. Reupen von dem Institut für Phrenologie und Physiognomik in St. Petersburg stattfinden. Der An- geklagte Oehmchen, ein früherer Reisender, sollte die Vorlesungen über gerichtliche Chemie und Photographie halten.— Durch diese hochtrabenden Ankündigungen ließen sich eine Anzahl Personen, darunter sogar ein Dr. med. H., verleiten, sich für den Unterricht anzumelden und das Honorar zu bezahlen. Schon nach kurzer Zeit mußten sie jedoch zu ihrem Leidwesen erkennen, daß sie gründlich hereingefallen waren. Die sogenannten Vorlesungen strotzten zum Teil von blühendem Unsinn oder waren so lücken- Haft und oberflächlich, daß die Teilnehmer keinesfalls schlauer nach Hause gingen. Die angekündigten Vorträge und Demon- strationen wissenschaftlicher Art blieben völlig aus. Das einzige, was unternommen wurde, war der Besuch von Berbrecherkneipe» und„Kaffeeklappcn", wo den„werten Teilnehmern" natürlich das Recht vorbehalten blieb, die Zeche zu bezahlen, ferner wurde mit Hilfe einiger Stangen Fettschminke Unterricht in der Schminkkunst gegeben, auch wurde ein kleiner„Ehebruch" in- t, bei welchem die Teilnehmer den ungetreuen Gatten dann observieren durften.— Als die Teilnehmer schließlich merkten, daß es sich um einen faulen Zauber handelte, erstatteten sie Strafanzeige wegen Betruges. Julius und Alfred Grimmer wurden vom Schöffengericht zu je 50 M., der schon wegen Be- truges vorbestrafte Oehmchen zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses milde Urteil legten die Angeklagten auch noch Be- rufung ein. Oehmchen war nicht erschienen. Die Berufung wurde deshalb verworfen. Das Gericht hielt nach dem Ergebnis der erneuten Beweisaufnahme eine Schuld des Alfred G. nicht für hinreichend nachgewiesen und erkannte gegen ihn auf Frei- sprechung. Dagegen wurde die Berufung des Baters Julius G- verworfen,_ AuS einer SchutzmannSche. In das traurige Eheleben eines Schutzmannes leuchtete eine Anklage wegen Totschlages hinein, mit der gestern das Schwur. gericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors JuliuSberg eine neue Sitzungsperiode eröffnete. Unter der schweren Anklage, ihr fünfjähriges Söhnchen Waldemar Vorsatz- lich, jedoch ohne Ueberlegung, getötet zu haben, mußte sich die 28jährige Säjutzmannsfrau Margarete Oede geb. Schmidt vor den Geschworenen verantworten. Die Verhandlung entrollte wieder einmal das Bild einer überaus trüben Ehe, in der schließlich die nervös überreizte und hysterische Frau in einem Schwermutsanfalle den Entschluß faßt, mit ihrem Kinde aus dem Leben zu scheiden. Wie die tiefschwarz gekleidete junge Frau vor Gericht mit leiser Stimme erzählte, habe sie ihren Mann im Jahre 1903 geheiratet. Die Ehe sei von Anfang an eine unglückliche gewesen. Ihr Mann habe sie stets mit Eifersüchteleien geplagt, sie schikaniert und sogar dem Portier erzählt, daß sie zu ihrem Schwager in unerlaubte Beziehungen getreten sei. Wie die Angeklagte weiter vor Gericht behauptete, was der Zeuge später entschieden in Abrede stellte, habe sich ihr Mann auch öfter betrunken und sie dann geschlagen. Die? habe schon einmal im Juli v. I. dazu geführt, daß sie sich und ihr Kind mit Leuchtgas vergiften wollte. Sie sei damals von ihrem Manne überrascht worden. Das Verhältnis habe sich nachdem auf kurze Zeit gebessert, dann aber wäre es noch schlimmer ge- worden. Er habe mehr als einmal geäußert, daß es ihm schon leid tue, daß er bei dem ersten Selbstmordversuch dazu gekommen sei. Er habe sie dann auch direkt aufgefordert, dasselbe noch ein- mal zu machen. Am 19. November v. I. habe es wieder einmal Streit gegegeben, bei dem ihr Mann geäußert habe, sie solle machen, daß sie unter die Erde komme. Sie habe darauf nur ge« antwortet:„Du, das mache ich auch!" Nachdem ihr Mann dann weggegangen war, habe sie in der Verzweiflung den Entschluß gefaßt, mit ihrem Kinde aus dem Leben zu scheiden. Sie wäre mit ihrem kleinen 5jährigen Waldemar erst noch spazieren ge- gangen und sei dann in ihre in der Joachim-Friedrich-Straße ge. legenen Wohnung zurückgekehrt. Hier habe sie einen Brief an ihre Schwester und einen zweiten Abschiedsbrief an ihre Eltern ge- schrieben. Dann habe sie dem Knaben noch Schokolade gegeben, mit ihm ein Gebet gesprochen und dann die drei Gashähne ge- öffnet. Mit dem Kinde auf dem Schoß wollte sie hineinschlummern in die Ewigkeit, da sie das Leben nicht mehr habe ertragen können. Was dann geschehen sei, wisse sie nicht mehr; sie habe erst im Krankenhause das Bewußtsein wiedererlangt.— In der Nacht gegen 2 Uhr kehrte der Ehemann Oede in etwas animierter Stimmung heim. Er fand die Küchcntür verschlossen, dachte aber an nichts Arge?, sondern glaubte, daß seine Frau sich wieder ein- mal in der Küche eingeschlossen habe, wie sie dies schon öfter ge- tan hatte, wenn er vorher in Unfrieden von ihr geschieden war. Er legte sich ruhio schlafen, erwachte dann aber gegen Morgen mit heftigen Kopfschmerzen auf. Erst jetzt nahm er den Gas- gcruch wahr. Nichts Gutes ahnend, schlug er sofort die Küchentür ein. Er kam jedoch zu spät. In der Nähe der Tür lag der kleine Waldemar, während seine Frau am Fenster lag. Es wurde sofort ärztliche Hilfe requiriert; die sofort vorgenommenen Wieder- belcbungsversuche mit Sauerstoffinhalationen waren jedoch nur bei der Frau von Erfolg begleitet. Der unschuldige kleine Knabe war bereits durch das giftige Gas getötet worden. Vor Gericht schob die Angeklagte alle Schuld ihrem Ehemann zu, der sie angeblich zu der Verzweiflungstat getrieben habe. Tie Beweisaufnahme erbrachte jedoch ein wesentlich anderes Bild. Es wurde von verschiedenen Zeugen bekundet, daß die Angeklagte eine überaus rechthaberische und launische Frau sei, die überall als zänkisch bekannt sei und oft ohne jeden Anlaß Streit gesucht habe. Ein Teil der Beweisaufnahme mußte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt werden. Der Ehemann Oede mutzte zugeben, daß er zu einer anderen Frau in ehebrecherischen Ver- kehr getreten sei. Ties sei aber erst der Fall gewesen, als sich seine Frau, die völlig unter dem Einfluß ihrer Mutter stand, von ihm abwendete, lieblos und unfreundlich gewesen sei, so daß jede eheliche Gemeinschaft ausgeschlossen war.— Staatsanwalt-Assessor Dr. Döring trat für Bejahung der Schuldfragen im Sinne der Anklage und auch für Zubilligung mildernder Umstände ein, da nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme beide Teile Schuld au den zerrütteten Verhältnissen in der Ehe trügen. Rechtsanwalt Krieger plädierte auf Freisprechung der Angeklagten. Wenn auch die Sachverständigen Medizinalrat Dr. Hoffmann und Ge- richtSarzt Dr. Marx sich gutachtlich dahin geäußert hätten, daß der ß 51 bei der sehr nervösen und leicht erregbaren Frau nicht in Anwendung zu bringen sei, so müsse man doch unterscheiden zwischen einer medizinischen Unzurechnungsfähigkeit und einer psychologischen Unzurechnungsfähigkeit, die offenbar hier als vor- liegend anzunehmen sei. Die Geschworenen kamen mit Recht zur Ueberraschung des Staatsanwalts zu einer Freisprechung der Angeklagten._ 8 175. Der frühere Rechtsanwalt Dr. Magnu» Haase und der Stein. sehgehilfe Fritz Schmidt standen gestern unter der Anklage, gegen wurde zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Dr. HaaseS Zurcch. nungSfähigkeit wurde ärztlicherseits in Abrede gestellt. Wiewohl der § 175 des Strafgesetzbuches gefehlt zu haben. Der geständige Sch. Staatsanwalt daraufhin seine Freisprechung beantragte, kam das Gericht auf Grund eingehender Selbstprüfung zu der Ueber- zeugung, daß, wenn der Angeklagte auch ein schwacher Mensch und von den Eltern und Voreltern ein krankhaftes Erbteil auf ihn überkommen sei, doch der§ 51 nicht angewendet werden könne. Dr. H. wurde zu drei Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der Untersuchungshaft verurteilt und ihm auch das Recht der Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren aberkannt._ Für dem Publikum gegenüber keiuerlei Verantwortung. Lnhalt der Inserate übernimmt die Redaktion Theater. Mittwoch, den S. SRai Ansang VI, Uhr. KSnigl. Opernhaus. Der fliegende Holländer. «önigl. Schauspielhaus. Der Mennonit. Deutsche». Faust. Kammerl viele. Der unver- standene Mann.(Ans. S Uhr.) Ansang S Uhr. Neues königliches Operntheater. Geschlossen. Scsstng. Die Frau vom Meere. Berliner. An Herbstmanöver. Schiller O.(SÜallnet» Thealer.) Rechts herum. Schill«, Eharlottenburg. Macbeth. Friedrich Wtlb-lmftädt. Schau- spielhaus. Othello. Neues TchaufPielbauS. Mahö. Komische Oper. Tiefland. Westen. Die lustige Witwe. Neues. Renatssance. Thalia. WaS Reuter erzählt. Rcfidenz. Kümmere dich um Amclie. Luftspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. Arsöne Lupin. Luisen. Krone und Fessel. Triano». LiebeSgewitter. Neues Operetten. Der Zigeuner« baron. Berliner Operetten-Theater»dt. Berlin, wie es weint und lacht. (Ansang 8',, Uhr.) Bernhard Rofe. Gras Alex. Gastlpiel-Theater. Die Tochter deS Herrn FabriciuS. Apollo. Hartstein. Er und Er. Spezialitäten. Metrovol. Die oberen Zehntausend. Wintergarten. Spezialstäten. Carl Havrrland. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Eaprice. Allein— endlich. Ungerade Tag«.(Ans. SV« Uhr.) Rcichsliallen. Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. Kasino. Das Opseriamm. Spezia- litäten. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles für» Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Aus. SV, Uhr.) Gustav Behrens. Spezialitäten. Ansang 8V, Uhr. Urania. Tauvenstrafte Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Korsu. Sternwarte» Invaliden str. 61162, Lessing-Theater. Mittwoch 8 Uhr: Ibsen, ZhNu»: Die Frau vom Meere. Donnerstag 8 Uhr: Grtfelda. tteftiner Theater. Heut« 8 Uhr: Ein HerbatmanOver. Morgen 8 Uhr: Ein HerbstmanSver. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Renaissance. Morgen und folgende Tage: «ennluaiwo. Urania. Wiseenschaftlichea Theater. Taubenstraßa 48149. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. nomciscHEH C ART EN Täglich ab 4 Uhr: Eintritt 1 51., von abends 6 Uhr ab SO Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Heclit« herum. Schwank in 3 Akten v. HauS GauS. Ende 10'/« Uhr. Donnerstag, abendSSUhr: HaralA. Freitag, abend» 8 Uhr: IVarslB. Theater. Schiller-Theater Charioltenbarg. Mittwoch, abendSSUHr: Hacbeth. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Ende 11 Uhr. Donnerstag, ab« ndSSUbr: Die Welt, in der man sich langweilt. Freitag, abend» 8 Uhr: Hohtor Klan«. Theater des Vestens. Allabendlich 8 Uhr: Die Inutice Witwe. Sonnabend 3 Uhr: Opern aussührung des Sternfchcn Konservatoriums. hioikiob-ViiiboimsMiscbos Schauspielhaus. Mittwoch, den 5. Mai, Anfang 8 Uhr: Othello. Donneritag: Der Dorftyrann. Freitag: Die Siebzehnjährigen. Sonnabend: Husarcnfieber. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Ars�ne Lupin. Nene« Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 3 Uhr. ver Xixeunerbsroa. Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 58. Heut» 8'/, Uhr: vie Tochter lies Beim Fahrieiiis. Donnerstag: Die Tochter de» Herrn FabriciuS. Freitag zum ersten Male: Gefallene Mädchen._ Residenz-Theater. — Direltion: Riehard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Kümmere Dich nm teile. Schwank in 3 Akten(4 Bildern) von Feydeau. Morgen lt. folg. Tage: Dies. Borstellg. Sommerpreise. Lustspielhaus, Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Tfi OP. I 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenth.' Ansang 8 Uhr. DaS grosse Mat-Programm «rote Oalla», die beliebte | Soubrette, u. die übrigen Spez Im Garten: Epelhen�ert. Brauerei Friedrichshain Hente Hlttwoeh ringen: Gambier, ÄS' Petitjean, LofSen. Pampuri, Mailand, gegen»ansen, MDäSLer' Kntseheidungskampf Rob. Raicevich, Wegege3n' Sanders, cbSfön Ringkämpfen: DSS VCilSMiiig RCUC 8�13»�-�«. Anfang 8 Ohr. Entree 50 Pf., res. PI. 1 M.. ntuner. Tisch 2 M. «XDitOSIITHMIE Gr. Fcunfhirtec Str. 132. Orat Essex. Schauspiel in situs Akten von H. Laube. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise, Donnerstag: Die Spreewaid-Käte. tuisen-Mos. Abends 8 Uhr: Krone und Schauspiel in 6 Bildern. Helropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Cfust. Kerker. In Szene gesetzt von Pix. Bich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet Heute»>/, Uhr- Gastspiel Hartsteiu i» seiner BurleSkc El* oder EP. Ab 8 Uhr: Die neuen Ssiezialstätm. Don Juans Heirat. Kinematograpbischer Schwank, arrangiert von Bolten-Bäckers. dargestellt von Berl. Bühnenkünstlern. Hauptrolle: Josef Giampietro. Stadt-Theater Moahit, Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Alt-Hoablt 48.(Tel. II 2493.) Donnerstag, den 6. Mai: Letzt« Abonnements-Vorstellung: Das Opfer der Intrige. Schauspiel in 5 Akten. Ansang der Vorstellung 8 Uhr, Kassenössnung 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Donnerstag, den 13. Mai: Do» Carlos. Benefiz- Vorstellung für Herrn Reitz. Borletzte Borstelluiigi Zirkus Busch. I Mittwoch, den 6. Mai 1909, abends VI, Uhr präzise: C*»l»-.AübeiKÄ. Um9U.cn.: Hr.Charlcston? Ferner: Nlvns. Peplno! Die Briatore». Die jugendlichen Reittünstlerlnnen Schwest.TriirzI». Herr Ernst Schumann, Meisterdressuren. Herr Burckhardt-Foottit, Schulreiter. Um V.IO Uhr; Auswanderer! Die Riefenwasserkaskadeu ic. und das grosse Gala-Programnil Celles Programm! lilane cl'Eve. Feiice Lorraines, leb. Kunstwerke. Rlogoku Family, jap. Hofkünatler. Olympia Oesvall, Sportakt. Durga, das fliegende Pianino. Conway u. Island, am er. Exzentriks. „Kinemaoolor", leb. Photographien in natürl. Farben. Neue Büder- serie! Tenxa Truppe, Jap. Zauberer. Vetta Rianza, Pnma-Ballerins. Baggeren, der Urkomische. Manola Gadtiana, Zigeunerleben. Amann, Mimiker." Biograph, neueste Aufnahmen. Reichshallen-Tbeater. Stettiner Sänger. Z. Schluh(nur noch kurze Zeit) zum 178. ÜKflle: Der Kompagnie-Ball Anfang wochentags 8 Uhr. LonnlagS 7 Uhr. ZentralveM nei Glasarbeiter mm AMerinnen Deutschlands. --------- OrtsTerwaltang Berlin.=== Donnerstag. de» S. Mai 1S0S, abends 8 Uhr» � General- Versammlung � In BoekerS Feftsäle«, Weberstrasse 17. Tage». Ordnung: Fortsetzung der Statutenberatung; zur Verbands* Generalversammlung._ IMT Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig. 73/6 Die Ortsverwaltunff. NB. Heute, abends 8 Uhr: BertraueuSmänaer- Versammlung sämtlicher' Branchen, bei Welflsch, MarluSftrasse 47t ! Passage-Theater.> Heute 8 Uhr: Bruns- Lebrun, der fahrende Singer Jaka Jshait Maurische Schlangentänzerin. Stor Monat de* enormen Erfolges! ' und das neue Mtti-Programm.® | 12erBtkl.Vari6tä-Spezialitäten. f Passage-Panoptikum. liebend! Die letzten veiblicben Wesen vom Stamme der Azteken! Ohne Extra- Entree! Experimente der IV. Dimension. Neapol. Bri(|anten. Alles ohne Extra-Entree i W.SWoaoks Theater Vireltton' Rob. Olli. Srunnenstr. 16. Wegen vollständiger Renovierung der Gesamträume geschlosseu! Wiedereröffnung: 1. Pstngftfeiertag. Casino-Thesiier Lothringer Str. 37.— Täglich 8 Uhr. 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Ansang der Ringkämpse O'l, Uhr. namfirc Volkspark-Theater Udimno Landsberger Allee 74,77. Große Vorstellung de» Sächsichen Volks-Theaters nebit Austreten erst kl. Spezialitäten. Zum ersten Male in Berlin. Man amüsiert sich köstlich. Sanssouci, Ä7 Direltion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Stets neues Programm. TEIite-Loiree FrühlingS-Kränzchcn von Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Gustav Behrens- Thealer. Donnerstag, den 0. Mai: Großes Gala-Benefiz für den Direktor Gustav Behrens. Gustav Behrens und Frau als Bierländer und Vierländerin sowie St» Eiite-Mammorn Ansang 8 Uhr präzis«. Verleih.Inutltnt: Friedriehst.l 15/1, aOrabg. -Tor. Eleg. Frad. Äehrock l�oselM Wefte oOPs. Zetriralverband der Maurer.'Ä? Sektion der Maurer. Mittwoch, S. Mai. abends 8'/, Uhr, im gr. Saale des Berliner Gewerkschaftshanses. Engel-Ufer IS: Außerordentliche Generalversammlung. Tages-Ordnung: l. Bortrag. S. Die Maiaussperrung. Mitgliedsbuch legitimiert!___ 8. Verschiedene?. Die Terbandsleltnng. Gemeinsame Ortskrankenkasse für Deutsch-Wilmersdorf umSeg Die Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglicder werden hiermit zu der am Tonnerstag. den 13. Mai 1009, abends 8 Uhr, im Luiscupark, Dilhelmsaue 112, stattsindenden Fortsetzung der OrNeirtHcIiei» General-Versammlung vom 30. April 1909 ergcbenst eingeladen, 273/12 TageS. Ordnung: 1.— 1. Erledigt, S. Anstellung von Beamten durch Verträge und Rege- lung der Gehälter. K, Beschlnhsassung über die event, Errichtung eines Ge- iicsungsheimeS. 7, Statutenänderung der KZ 13. 14. 23. 3S. 42. 44. 50. 58. 86 und 67. 8. Sonstige Kassen- angclcgenbeiten. Barlin-Wilmersdorf, 4. Mai 1909. Der Vorstand. Gustav Wegener, Hugo Freundt, Vorsitzender. Schristsührer. Naturfreunde! Ardeiter- W anderer! Verein zur Förderung Ariieitersehafl. Freitag, den 7. Mai. abends 8'/« Uhr, in den Festsälen de« Grand Hotel Alexanderplatz: OeffenlLVersammlüng. Zusammeuschluft aller Urbeiter- Wanderer. Reserent: Genosse Lngelb. Gral. 24255 Das Agitationskomitee. j Billigste Bezngsqnelle idieg. Trauerganlerfllie IWeslmannsj Trauer-Magazin j Berlin W.. Mohrenstr. 37a I | NO., Gr. Frankf. Str. IIS.( Genane Beachtung | meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Or. Simmei Spezial-Arzt 62/9* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,»TXZz 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 gu bedeutend herabgeseNtem Preise geben wir an unsere Leser ab: Ferdinand Lassalles Tagebuch. Mit einem Jugondbildnis Lassalles. Herausgegeben von Paul Lindau. Statt 3,- M. not 50 Hf. Da wir nur eine geringe An- zahl Exemvlare am Lager haben, empsiehlt sich baldige Bestellung resp. Anschasfung. SxpeilitionilesVonDärts BERLIN SW. Lindenstr. 69, Laden. Kur noch kurze Zeit vertaiiscn wir zu den ! äuliersl hilligen preisen GR 20Mk.an ' Biesdorf, Stadtbahn, iGR 12 Mk.«n, j Kaulsdorf, am Bahnhof, GR MMknani i Seegefeld, am Bahnhof, GR 10 Mk.°n Bahnhof Sadowa. »Biesdorf, Kaulsdorf-Süd. IGR 4KSk.an, in PeterShagen, Ostbahn. Bertaufsstcllen an den Bahnhöfen.* Siasebalke£Iiitsehe Berlin, Neue Königft. 16 ■ Schönebers. Donnerstag, den 6. Mai, abends S'/a Uhr, im großen Saale von A. Großer, früher Obst, Meininger Straße 8, Ecke Martin-Luther-Straße: Gffeutl. Nolitsversammlnug TageS-Ordnung: Vortrag über: Die Ktdeiitung der Konsiiingtnosstnschasten s== fül dik(Bfmrrhfdjflftrn. ios/l3 Gewerkschafter und Frauen sind hierzu ganz besonders eingeladen. Zentralverlland der Lederarbeiter. -------- Filiale Berlin 1.--------- Donnerstag, den 6. Mai 1009, abends 8 Uhr, bei Schmidt, Prinzenallee 33: Mitglieder-Bersammlung TageS-Ordnung: 1. vefchlußfassung über die obligatorische Einführung der Lokalbeiträge. 2. VorstandSbertcht. 3. BcreinSangelegmheiten und Verschiedenes. 144/— Die Ortuvcrwaltunc. PrenWier Faiidesverein für Franeustillimredit. . Drtngrnppe Berlin.——— Öffentliche Bolksversaunnlung am Mittwoch, den S. Mai. abends 8'/, Uhr, im großen Saale der„Annlnhallen", Kommandantcnftraß« 68—59. Thema- Die Kampfestaktik der Suffragettes. Riferentin: MIß Isabel Seymour ans London. (Miß Seymour spricht deulfch.)—»» 284/8 FreietluSfprache.— Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Arbeitsnachweis: Hof 1. Am» 3. 1239. BerwaltungSftelle Berlin. Hnuptdureau: edaritbstrade 3. Hof III. Amt 3. 1987. Donnerstag, den S. Mai Ivo», abends S'/i Uhr: V ersammlnng/ der Mechaniker, Uhrmacher, Optiker sowie aller in den mechanischen Betrieben beschäftigten Kolleginnen und Kollegen in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Ad. Wuschick über: Olivler Tromwell und die englische Revolution«. 2. Dislussion. 3. VerbandSangelegen- heilen. 4. Verschiedene». 116/12 Zahlreiche» Besuch erwartet vi« Ortsverwaltang. Zahlstelle Berlin. Bureau: Engeluser 14/15. Tel. IV Nr. 3578 u. 10623. Achtung S Bautischler! Mittwoch, den 5, Mai, abendS 8'/,«hr. bei Bocker. Weberstr. 17: Dtrlrnuknsninnncr-Rtrsnmmlunz 1. Bericht über den Stand der Tarifberatung und Stellungnahme über die von den Unternehmern zugestandenen Positionen. 2. Diskussion. UM- Sämtliche Wcrkstellen sind verpflichtet, die ihnen zustehenden Vertrauensleute zu entsenden. Auch die arbeitslosen Kollegen werden ersucht, dem nachzukommen... 83/10_ Die Branchenkommtssion. Köpenick Sozialdemokratischer Wahlvereln Koberstein von 37 Jahren Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Paul im Atter von 3? Jahren ver- starben isL «hre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerSrag. den 6. Mai.»mch- mittags 5'/, Uhr, vom Trauer- Hause, Pari/mSstr. 10, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 202/12 Der Torntond. Köpeniek. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser sangesbruder Paul Koberslein am Montag, den 3. Mai. ver- starben ist. Ehre seinem Andenke« t Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Mai. nach- mittags 5>/, Uhr, vom Trauer. Hause Parrisiusstr. 16 auS statt. Der Torstand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Ortsverwaltung verlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß uns« Mitglied. der Zu- schneid« Hermann Paul plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Mi«. woch, den 5. Mai, nachmittag» 4 Uhr. von der Halle de» Georgen-KirchhoseS in Weißens« aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 169/11 Der Vorstand. Am Montag, den 3. Mai, ver- schied nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Tante, Coufine und Schwägerin Emilie Marquardt im 62. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbettübt an da Uns Marquardt, Putzer. Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Petri-KirchhoseS in der Friedenstraße aus statt. Für Teilnahme Danksagung. die vielen Beweise inniger .ne beim Begräbnis meines lieben Mannes sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie der Firma Mummert unseren herzlichen Dank Wwe. Magdalena Hollmann nebst Kindern. Für die mir erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne» sage ich allen Freunden, dem Hoizarbeiteiverband und den Kollegen meinen tiesgcsühlten Dank. dertmd Danneberg. ür die so überaus große Teil- nähme. Gesolgschaft und Kranzspenden bei der Beerdigung meines unver- geßlichen Manne». nnscre» guten Daters danken wir herzlich, besonder» dem Verband der freien Gastwirte, Zahlstell« Berlin, Bez. I, dem Wahl- verein für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis, der GenossenschastSbrauerel Friedrichshagcn sowie der Ersten B«lincr Weißbierbraueret. Witwe Martha Labs, geb. Packe, 24246 nebst Kindern. Zentral-Yerband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 2. Mai, verstarb nach langem Leiden der Kollege Paul Hübchen (Bezirk Rixdorf) im Alter von 33 Jahren. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. d. M., nach- mittags 3 Uhr, aus dem Kirch- Hofe in Oderin bei Halbe(Gör- litzer Bahn) statt 192/13_ Der Borftand. Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der slühcre Kutscher, jetzt gewesener Gastwirt pranz Beseke am 2. Mai im Alter von 54 Jahren an Rückenmarksleidcn gestorben Ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am 5. d. M., nachmittags 4 Ubr, vom Trauerhause, Wiillenwcbcrstr. 10, nach dem Friedhof der Heiland»- gemeinde, Plötzensce, stal Um rege Beteiligung«sucht nie Verwaltung 2. 67/5 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Dm Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, d« Rohrleger hermaim Schinkel am 28. Slpril gestorben ist Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 6. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle de» Friedhos III, Gemeinde Pankow, (Schönholzcr Heide) aus statt Rege Beteiligung erwartet 116/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin». Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Noll- kutsch« Max Winzei> am Sonnabend, den 1. d. Mi»., im Alter von 49 Jahren ge. starben ist. Ehre seinem Andenke«: Dl« Beerdigung findet am Mittwoch, den ö. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Dom-KirchhoseS, Müller- straße, auS statt. 67/4 Die Verwaltung 2. Statt besonderer Ülelänagl Am 3. d. M., morgen» 8 Uhr, entschlief noch langem schwerem Leiden mein lieber Mann, unser gut« Bat«, der Schrislsetz« Max Börner im 59. Lebensjahre. Die» zeigt, um stille Teilnahme bittend, an im Namen der trauernden Hinterbliebenen Minna Börner g�. Bernd« und Kinder, Markusstr. 44. Die Beerdigung erfolgt morgen 66/16 Besuch mögllodst vormittags dringend orbeton I I Dame! Nur noch 4 Tage! Schloß der Voche für Reisemodelle: Sonnabend, den 8. Mai! Mmise billige Preise! Konkurrenzlose Auswahl! „AriJne" M. 18.-. gesamte Lager � hocheleganter, luttiger, leichter Sommerkonfektion, 3. Teil des Originalwertes. Seiden-. 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WWWWWWWWWWWWWWWW €€€€€««» Unserem Genossen U Hermann Römer zu seinem & 25j9hrlgen Gescltäfisjublläum H die beste« Glückwünsche! N Die Genoasen Berlin I. 12—16. SozialdemokratiscIierWahlifereli!! Charlottenburg. Todes- Anzeige. Am Montag, den 26. tzlpril 09, verstarb unser langjähriger Partei- genösse und Milbcgründ« des' WahivereinS, der Genosse August Röttgen (Gruppe 3). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute,! nachmittags 2 Uhr, von der i Leichenhalle des Stahnsdorser l Kirch Hose» auS statt. Die Genossen! treffen sich um 11 Uhr im Volks- l Hause. 250/1 1 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden I und Bekanuten die traurige Nach- j richt, daß mein lieber Mann, J uns« Sohn, der Gastwirt Raul Scheei* am Freitag, den 30. April, wi s 30. Lebensjahre plötzlich v«- starben ist. Dies zeigen ticsbettübt an Frau Scheer„.ÄSrn. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Schönebergcr Friedhoses, Maxstraße, auS statt. 2430b MM Sszialiieinokrat. WahlvereiD für Schoiteberg. Bezirk Bd. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Mitglied, der Gastwirt> Paul Scheer am Freitag, den 30. April, fni s Aller von 30 Jahren plötzlich I verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sindet heute I nachmittag 5 Uhr, von der Leichen- Halle dcS Schöneberger Fried» Hose«, Maxsttaße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 15/10_ Der Boritand. Klxdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mtglied, der Tischler Leopold Silwar (3. Bczittl) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachm. 4'/. Uhr, von der Salle des neuen Rixdorser Fried- hoseS(Mariendorser Weg) au» statt. 235/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Boritaud. Deutscher Bolzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß uns« Kollege, d« Ver- golder Wilhelm ÖVehlherg am 2. Mai verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 6. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Salle dcS Lichtenberg« Kemeiiidesried- HoseS in der Barnitz straße aus statt._ Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Keopoltl Silvar am 2. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet mni Mittwoch, den 6. Mai, nach- E mittags 6'/, Uhr, von der Salle f deS neuen Rixdors« Gemeinde. I sriedhosc« am Mariendorser Weg auS statt. Um rege Beteiligung«sticht 83/11 liie Ortsverwaltung. Zentral-Kraiikoii-itiiil Sterhe- kassederfiscbler fE.B.8). Zahlstelle Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß daS Mitglied Vergolder Wilhelm Mehlberg am 2. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am DonuerStagnaaimittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde- FriedhoscS zu Lichtenberg, Bornitz- straße, aus statt. 184/3 Die Ortsverwaltung. Abschrift. 148. B. 755/08. In der Privatklagesache des Gastwirts Karl Witjcnthal, hier, Privatklägers, gegen den Redakteur Otto Handle, hier, geboren am V. August 1873 zu Berlin, Dissident. Metallarbeiter, Angeklagten, wegen Beleidigung, hat das kgl. Schöffen- gericht Berlin- Mitte, Abt. 148 in Berlin, am 28. Oktober 1308 sür Recht erkannt: Der Angeklagte ist der öffentlichen Beleidigung schuldig und wird daher zu 100— einhundert— Mark Geldstrafe, im Nichtbcitreibungssalle zu 10— zehn— Tagen Gesängnis und in die Kosten des Verfahrens oer- urteilt. PP- Pp. pp. Dem Privatklager wird die Be- sugnis zugesprochen, den entscheiden- den Teil des Ilrteils binnen vier Wochen nach Zustellung des rechts- kräsligen Urteils durch einmalige Einrückung in den„Vorwärts" aus Kosten des Angeklagten zu vcr- öffentlichen. Die Richtigkeit der extraktweisen Abschrist der Urteilssonncl wird bc- glaubigt und die Rechtskraft des Urteils bescheinigt. Berlin NW. 52, SM- Moabit 11, den 23. April 1909. CL. S.) gez. Unterschrift. Gerichtsschrciber des tgl. Amtsgerichts Berlin-Milte. Abt. 148. In sllen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften erhältlich. 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Für Kistcnmacher: ttstt-■ Kiftensabrik DrechfleS, Heiners» dorfer Weg, 83/4' Tic Ortsverioalfnng. Lerantwortl. Redakteur: Carl Wermnth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:VorlvSrt«Buchdruckerc> u. BerlagSanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin SW. Nr. 108. 26. Iahrgaug. 3. KilM des JutHiirtü" Kerlim MÄR Wtwch. 5. U»i 1909. partei- Hngelegenbeiten. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 9. Mai, findet für die Inhaber mit grünen Karten die U r a n i a v o r st e l l un g statt. Die Phhsiksäle lverden um 1 Uhr geöffnet: die Verlosung der Plätze beginnt ebenfalls um 1 Uhr. der Vortrag pünktlich um 2 Uhr. Es muß noch einmal ganz besonders darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Mitglieder pünktlich zur Stelle sind. Nicht- verkaufte Karten sind sofort an den Abteilungs- oder Bezirks- führet oder an den Kassierer Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, zurück- zugeben. Der Vorstand. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet heute Mitt- woch bei Witwe Glaser, Kaiser-Wilhelm-Stratze, statt. Wichtige Tagesordnung. Berliner JVacbrlcbtem Eine neue Engrosmarkthalle für Obst- und Gcmüsehandel. Die Verhandlungen wegen des Ankaufs des großen Geländes an der Paulstraffe zwischen Magistrat und Eisenbahnsiskus sind jetzt zum Abschluh gekommen. Der Magistrat beabsichtigt, dort eine Engrosmarkthalle für den Obst- und Gemüsehandel zu errichten. Für diesen Zweck war ursprünglich ein großes Gelände an der Landsberger Allee erworben worden, das auch dem Fleischengros- markte dienen soll. Diese Absicht scheiterte aber an dun Widerstande der beteiligten Standinhaber, die sich weigerten, eine so weit hinausverlegte Halle zu beziehen. Ter Magistrat nahm deshalb von diesem Plane Abstand. Das Gelände an der Landsberger Allee soll nur dem Fleischhandel und ähnlichen Zwecken nutzbar ge macht werden. Das nunmehr für den Gemüse- und Obsthanoel erworbene fiskalische Gelände an der Paulstraße in Moabit wird in einer Länge von etwa 400 Metern von der Spree begrenzt, es ist Lo 200 Quadratmeter groß und hat Eisenbahnanschluß. Voraussetzung für das Zustandekommen des Kaufes ist, daß der Magistrat dem Eisenbahnsiskus Ersatz für die Abtretung des Geländes schafft.— Der Fiskus verlangt die Einziehung der Heide und der Döberitzer Straffe an der Lehrter Eisenbahn und die Ucbereignung dieser Straffen samt den an diesen liegenden Häusern an den Eisenbahnsiskus. Der Preis für das Gelände an der Paulstraße ist auf 84,15 M. für das Quadratmeter festgesetzt, also auf rund 6 Millionen Mark für etwa 26 Morgen. Dazu kommen dann die Kosten für die beiden Straßen und der Erwerb der an- grenzenden Grundstücke, wodurch sich die Gcsamtkosten auf etwa 6% Millionen Mark erhöhen werden. Die neue Markthalle wird nur einen Zugang von der Paul- stratze erhalten. Der Fiskus hat einen etwa 25 Meter breiten Gcländcstreifen längs der Stadtbahn an der Lüneburger Straße nicht mitverkauft, weil er diesen Streifen für eine Erweiterung der Stadtbahn zurückbehalten will. Dadurch ist die neue Halle in der Lüneburger Straße abgeschnitten. Um aber eine Verbindung zu ermöglichen, hat der Magistrat die Stadtbahnbögen in der Lüne- burger Straße vom Fiskus gemietet. Da die Pankstraße keinen Platz bietet für die Aufstellung von Wagen, sollen diese auf dem Gelände selbst auffahren und dort aufgestellt werden. Die Zen- tralmarkthalle 1a an der Rochstratze, die mit einem Kostenaufwande von rund 5 Millionen Mark erbaut worden ist, wird eingehen, die Zentralmarkthalle 1 bleibt dagegen bestehen. Die Schließung der Zentralmarkthalle 1a würde mit der Eröffnung der neuen Groß- Markthalle in Moabit erfolgen. Die Mittel für den Ankauf dcS Geländes sollen auS einer Anleihe gedeckt werden. '„Das Borkommen von Hungerrevolten in„Waldfrieden", der bekannten Trinkerheilstätte bei Fürstenwalde, wird aus Anlaß der von uns mitgeteilten jüngsten Skandalereignisse in dieser Anstalt von dem früheren Charlottenburger Stadtrat Dr. med. Waldschmidt, dem führenden Mann in dem Vcrwaltungsausschuß, in Abrede ge- stellt. Hiernach scheint der Herr Verwaltungsdirektor über wich- tigstc Vorkommnisse in seiner Anstalt sehr schlecht unterrichtet zu sein. Wie uns von absolut zuverlässig informierter Seite mit aller Bestimmtheit versichert wirk», haben schon vor der Tätigkeit des jetzt gemaffrcgelten Direktors Dr. Kapff, nämlich im Jahre 1905 unter der Leitung seines Vorgängers Dr. Dankert, sehr ernste Revolten stattgefunden. Damals hatte die Stadt Berlin aus ihren Irrenanstalten Dalldorf und Herzberge etwa hundert alkoholkranke Patienten für längere Zeit zur Behandlung nach Waldfrieden überführen lasien. Der mit großen Kosten unternonimene Versuch fiel völlig ins Wasser, weil fast sämtliche Kommunalpatienten und auch zahlreiche aus Provinzialanstalten entliefen. Die damalige ärztliche Leitung stand allerdings nicht, wie später die ärztlich ge- diegene des Herrn Dr. Kapff, auf der Höhe ihrer Aufgabe. Die Revolten im Jahre 1905 nahmen solchen Umfang an. daß Dr. Dankert tätlich angegriffen und wiederholt beträchtlicher Material- schaden verursacht wurde. Die Veranlassung bot neben drakonischer Behandlung hauptsächlich die teils schlechte, teils unzureichende Be- köstigung, gegen welche die Patienten, übrigens auch solche der Krankenkassen, mit um so größerer Berechtigung protestierten, als sie während der Erntezeit im landwirtschaftlichen Betriebe de! Anstalt Waldfrieden stramm arbeiten mußten. Bei den fortgesetzten Beschwerden über das Essen wurde auf die Vorschriften des Brandenburgischen Provmzial-Reglements hingewiesen, das auch für Waldfricden maßgebend sei. In diesem Reglement kann aber schwerlich gestanden haben, daß das vom vorigen Tage in den Kesseln übrig gebliebene Essen mit dem Menu des nächsten Tages zusammengekocht werden dürfe. Auf diese Weise gab es beispiels- weise Mohrrüben mit grünen Bohnen oder Graupen mit Weißkohl. eine Kost, die selbst der ausgepichte Magen eines Mkoholikers zurückweist. Allgemein hieß es schon damals, daß der bei den Patienten äußerst unbeliebte Dr. Waldschmidt hinter der Sache stecke und eine nicht im Interesse der Patientenbehandlung liegende Sparwirtschaft treibt. Sollte von alledem der Herr Verwaltungs- direktor wirklich nichts gewußt haben? Es wird ihm doch wohl be- kannt sein, daß auch die Oekonomieverwalter, gegen die sich der Aerger der Patienten namentlich dann richtete, wenn ihnen zu Pellkartoffeln ein halber Hering gereicht wurde, häufiger wechselten. Der Herr Dr. Dankert behauptete damals, daß es ihm verboten sei, einen ganzen Hering zu bewilligen. In charakteristischem Gegen- satz dazu stand es, daß für das religiöse Wohlbefinden der Patienten durch Gottesdienst mit Harmoniumbegleitung und Singsang mehr als ausreichend gesorgt wurde. Opfer der Straße. Ein tödlicher Straßenbahnunfall ereignete sich vorgestern abend in der Kaiserin Augusta-Allee. Dort spielte gegen 5/£8 Uhr abends der 4 Jahre alte«söhn Walter des in der Reuchlinstraße 4 wohnhaften Arbeiters Koff mit anderen Kindern auf dem Fahrdamm. Als ein Straßenbahnwagen der Linie 18 (Richtung Jungfernhaide) herannahte, versuchte der kleine K. un- mittelbar vor dem Motorwagen über das Gleis zu laufen. Der Führer des Straßenbahnwagens konnte das Unglück nicht mehr ver- hüten. Der Knabe wurde von dem Vorderperron erfaßt, um- gestoßen und geriet unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Straßenpassanten ivurde der Wagen angehoben, doch konnte der Verunglückte, obwohl die Befreiungsarbeitcn nur kurze Zeit dauerten, nur noch als Leiche hervorgezogen werden. Die Leiche wurde zunächst nach der Unfallstation in der Huttenstraße ge- bracht, wo festgestellt wurde, daß der Tod des Kindes infolge Zer- trümmerung des Brustkorbes eingetreten war, und dann nach dem Schauhause überführt.— Gegen 6 Uhr nachmittags wurden vorgestern in der Rumnielsburgerstraße die 7 resp. 8 Jahre alten Schüler Hans Hemke und Wilhelm.Ahrens von einem Geschäftsfuhüverk über- fahren. H. erlitt eine klaffende Wunde am linken Oberschenkel, Ahrens eine Quetschung des Brustkastens und Hautabschürfungen im Gesicht. Die Verletzten wurden nach der Rettungswache ge- bracht und nach Anlegung eines Verbandes nach den elterlichen Wohnungen überführt.— Beim Aufspringen auf einen fahrenden Straßenbahnwagen kam vorgestern abend der Arbeiter Julius Gloske aus der Gartenstraße 48 schwer zu Schaden. Er wollte in der Berlinerstraße in Rixdorf auf einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 22 springen, glitt jedoch von dem Trittbrett ab. stürzte und kam unter den Vorderperron des An Hängewagens zu liegen. G. wurde eine Strecke mitgeschleift und mutzte mit Hilfe von Straßenpassanten aus seiner gefährlichen Lage befreit werden. Der Verunglückte hatte einen mehrfachen Bruch des linken Armes erlitten und wurde nach dem Krankenhause gebracht. Ein schwerer Unglücksfall hat sich vorgestern abend in der Leipzigerstraße zugetragen. Der Produktenhändler Thomas Starczmski, Ackerstratze 22. war mit seinem Fuhrwerk durch die Leipzigerstraße gefahren. Als er in die Wilhelmstraße einbiegen wollte, stürzte er bei der scharfen Wendung vom Bock und fiel un- glücklicherweise unter den Wagen, dessen Räder ihm über die Brust hinweggingen. In besinnungslosem Zustande wurde St. nach der Unfallstation in der Kronenstraße geschafft und nach Anlegung von Notverbänden in das Krankenhaus am Urban eingeliefert. Verkehrsstimmg. Vor dem Kammergericht in der Lindenstratze entgleiste gestern vormittag ein Straßenbahnwagen der Siemens- bahn an der Weiche, die jetzt ausgebessert wird. Der Wagen ver- ursachte eine längere Verkehrsstörung auf allen die Linden- und Markgrafenftraße passierenden Straßenbahnlinien. Erst nach vielem Mühen und mit Hilfe vieler Personen gelang es, den Wagen aus dem aufgerissenen Pflaster tvieder in das Geleise zu bringen. Tödlicher Automobilunfall. Auf der Döberitzer Heerstraße, unweit der neuen Grunewaldrennbahn, hat sich gestern nachmittag ein schtoerer Automobilnnfall zugetragen, bei denk der Bruder des Billardmeisters Hugo Kerkau tödlich verletzt Ivurde. Kerrau fuhr auf seinem Motorzweirade durch den Grunewald und wollte nach PichelSberge, wo er mehrere Billardschüler zu unterrichten hat. Kurz vor der neuen Rennbahn nahte hinter ihm daS Luxus privatautomobil I.A. 4142 in rasender Fahrt. Ehe Kerkau ausbiegen konnte, war er auch schon von dem Automobil erfaßt und zu BMen geschleudert worden. Er fiel so unglücklich, daß ihm die Räder über den Kopf hinweggingen. Wenige Minuten nach dem Unfall starb der Unglückliche. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle des Selbst- mörderfriedhofes in Schildhorn gebracht. Paul Kerkau stand im 27. Lebensjahre und ist schon mehrmals in Billardturnieren hervor- getreten. Er legte sich besonders ans Kunstbälle und war allgemein beliebt und geschätzt. Der Chauffeur des Privatautomobils suchte anfangs zu entfliehen, kehrte aber später an die Unfallstelle zu- rück, da die Nummer seines Wagens doch von Zeugen festgestellt worden war. Die Kinbesleiche im Frauenhemd. Einen schaurigen Fund machten gestern spielende Kinder auf einem unbebauten Gelände an der Beusselstraße. Sie stießen beim Buddeln auf einen Gegen- stand, in dem die Leiche eines neugeborenen Knaben erkannt wurde. Der tote Körper war in ein langes Frauenhemd eingehüllt. Die Leiche wurde zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Ob hier ein Kindcsmord vorliegt, wird die Untersuchung ergeben. '„Bodenreformer." Unangenehm überrascht wurde eine Frau B. in der Lankwitz- straffe 14, als sie auf ihren Boden kam und diesen ausgeräumt fand. Einbrecher hatten, da ihnen das schwere, sehr solid gearbeitete Vor- Hängeschloß erfolgreich Widerstand bot. die Kramme herausgerissen und alles, was sie fanden, mitgenommen, darunter auch eine Anzahl neuer Kisten, die sich ein Herr, der bei Frau B. wohnt, eigens zum Transport hatte anfertigen lasse». Es kann den Mietern nur immer wieder geraten werden, den Böden eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken und Dinge, die ihnen lieb sind, möglichst nicht in diese zu stellen, um sich so einigerniaßen gegen das Treiben verwegener Langfinger zu schützen._ Das Skelett des Selbstmörders. In einer Schonung im Jagen 58 des Forstes bei Erkner wurde gestern die Leiche eines Selbstmörders aufgefunden, die mindestens ein halbes Jahr bereits dort gelegen hat. Sie war fast vollständig in Verwesung über- gegangen und teilweise schon stelettartig. Der Rumpf lag auf dem Erdboden, während der Kopf noch in einer Schlinge am Baum hing. Uebcr den Toten konnte nichts ermittelt werden. Ein„Leinewand- und Tuchreisender" treibt gegenwärtig in Außenstadtteilen und in den Vororten sein Unwesen. Der Reisende, ein etwa 25 bis LOjähriger Mann, bietet den Hausfrauen Taschen- tücher nach vorgelegtem Muster zu auffällig niedrigem Preise an und läßt sich auf die Lieferung eine Anzahlung leisten. Wenn er das Geschäft zum Abschluß gebracht hat, bietet er der Kundin einen Rest Tuchstoff an, der eigentlich für einen anderen Kunden bestimmt war. Er habe aber angeblich den Stoff wieder mit- genommen, weil jener nicht zahlen könne. Geht die Kundin auf den Kauf ein, so läßt sich der Reisende den Stoff gleich bezahlen und erst zu spät erkennt die Käuferin, daß der Stoff nicht nur minderwertig, sondern auch kürzer ist, wie angegeben. Natürlich werden auch die Taschentücher nicht geliefert, auf welche die An- zahlung geleistet ist. So plump auch der Schwindel ist, scheint der Gauner, wie aus der großen Zahl der bei der Polizei einge- laufenen Anzeigen zu entnehmen ist, doch zahlreiche Opfer zu finden. In einer Badeanstalt erhängt hat sich der 25 Jahre alte Schlosser Karl Nitschke aus Groß-Kammin, der zuletzt am Grünen Weg 46 wohnte. Der junge Mann kam gestern nach der städtischen Bade» anstatt an der Schillingsbrücke und bestellte ein Wannenbad. Als er nicht mehr zum Vorschein kam, öffnete man seine Zelle und fand ihn am Kleiderhaken hängen. Wiederbelebungsversuche, die ein Arzt von der nächsten Unfallstation anstellte, blieben erfolglos. Der Brand eineS'Möbclspeichers alarmierte in d erplacht zum DienS- tag die Berliner Feuerwehr nach dem Kleinen Tiergarten. D«rt, Alt- Moabit 91/92, auf einem Grundstück der Schutt scheu Erben, be- findet sich ein Mchlspeicher, der einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung gehört. Das Feuer wurde erst bemerkt, als es gegen 12>/z Uhr nachts aus der Nachbarschaft gesehen wurde. Der 15. Zug unter Leitung deS Brandmeisters Hammer war schnell zur Stelle. Die Flammen hatte» aber bereits eine so große Ausdehnung erlangt, deß eS mehrstündiger Löscharbeit bedurfte, unr den Brand zu löschen. 3ttcht nur das Erdgeschoß, sondern auch das erste Stock- werk, der Dachstuhl mit dem Fußboden usw. standen in Flammen. Durch kräftiges Wassergeben mit inehreren Schlauch- leitungen von Dampfspritzen gelang es schließlich, den Brand zu löschen. Gegen 4 Uhr konnte die Feuerwehr unter Zurücklassnng einer Brandioache wieder abrücke». Der Schaden ist durch Ver- sicherung gedeckt. Ferner hatte die Feuerwehr in der Veteranen- straffe 22. Skalitzer Str. 76, Brunne nstr. 89 und RüderSdorser Straffe 3 zu tun, wo Gardinen, Möbel, Schaldecken, Schorn- steine usw. brannten. Im Schlesische» Busch erschossen hat sich gestern nachmittag der Schuhmacher Ernst Stolzer. Ans dem Wege nach dem Urban, wohin man den Schwerverletzten schaffte, starb er. Gelandete Leiche. Am 1. Mai wurde aus de« Luisenstädtische» Kanal an der Adalbertbrücke die Leiche eines zirka 50 Jahre alten Mannes gelandet. Der Tote war etwa 1.60 Reter groß, hat zirka 14 Tage im Wasser gelegen; er hatte dunkelbraunes Haar, etwas Glatze, rötlichen Schnurrbart, braune Augen, und war bekleidet mit schwarzem Wintcrüberzieher, schwarzer Kammgarnhose und Weste. ebensolchem Jackett mit hellen Streifen, weißen, Hemd, weißem Um- legelragen, blauem Schlips und schwarzen Schnürschuhen. Die Leiche, an welcher sich Spuren äußerer Verletzungen nicht befanden, ist im Leichenschauhause, Hannoversche Straffe 6. Personen, welche über den Toten nähere Angaben machen können, wollen sich dorthin wenden oder zu 1566 IV. 59. 09 dem Polizeipräsidium Mitteilung machen. Vorort- IHadmdrteih Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der Sitzung erfolgte die Einführung des Stadt- verordneten Dr. Graf v. Matuschka(lib. Frakt.); sodann machte der Vorsteher davon Mitteilung, dah der Stadtverordnete Dr. Voff- berg(lib. Frakt.) sein. Mandat aus Gesundheitsrücksichten nieder- gelegt hat. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion hatte die Stadt- verordnetenversammlung im Februar eine Anfrage an den Magi- strat gerichtet, wie es mit der Beschaffung von Notstands- arbeiten in Schönebcrg steht und ob der Magistrat die Ein- führung einer kommunalen Arbeitslosenversiche- r u n g plant. Die Antwort des Magistrats lag der Versammlung zur Kenntnisnahme in dieser Sitzung vor. Was die Beschaffung von Notstandsarb'eiken betrifft, so sind in der Kanalverwaltung durchschnittlich 95 Mann beschäftigt war- den. In der Hochbau- und Tiefbauverwaltung konnte ebenfalls nur eine geringe Anzahl von Arbeitslosen Beschäftigung finden, da die Arbeiten mit Rücksicht auf die andauernde Frostperiode des verflossenen Winters nicht in dem Umfange aufgenommen werden konnten, wie dies ursprünglich beabsichtigt war.— Die Einführung einer Arbeitslosen,'ersicherung hat der Magistrat abgelehnt. Bei dem Straffburger System(Gewährung von Zuschüssen an die Ar- beiterorganisaiionen) kommt der Nutzen der Einrichtung nur den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern zugute. Es erfüllt daher nicht seinen Zweck und kann deshalb nicht eingeführt werden. Die Schaffung eines neuen Versicherungsträgers und damit einer neuen Organisation(z. B. im Anschluß an unseren städtischen Arbeitsnachweis) wäre zwar ein an sich verdienstliches Werk, weil es zu neuen Erfahrungen führen würde. Aber auch dieser Weg wäre ebenso, wie die Einführung des Siraffburger Systems, nur ein Experiment und würde nur einem kleinen Teile der Arbeiter» schaft zugute kommen, denn für die Arbeitslosenversicherung muß Groß-Berlin als wirtschaftliche Einheit detrachtet werden und cö kann kein praktischer Erfolg erzielt werden, wenn man in neuen wirtschaftlichen Grenzen eine solche Einrichtung nur für einen Teil einführt, während die von der Einrichtung Betroffenen sich über das ganze Gebiet verstreuen. Der Magistrat hält somit die Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung für Schöneberg nicht möglich. Stadtv. Küter(Soz.) erklärt, daß es Befremden erregen müsse, wenn gegenüber der herrschenden Arbeitslosigkeit so wenig Arbeit vergeben worden ist. Das, was in dieser Beziehung gc- schehen ist, sei so gut wie garnichts. Die meisten Arbeiten sind auch nicht einmal von der Stadt in eigener Regie, fondern von Privatunternehmern ausgeführt ivorde». Die ganze Situation hat gezeigt, daß gegenüber der Arbeitslosigkeit in erster Linie mit der Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung vorge- gangen lverden muß. Aber hier versagt der Magistrat vollständig. Die ablehnende Begründung der Arbeitslosenversicherung hätte gar- nicht erst gedruckt werden brauchen. Ein Schuhmacher oder ein Schneider hätte eine bessere Begründung geben können. Im Reiche sagt man, die Kommunen müssen erst mit der Arbeitslosenver» sicherung den Anfang machen, hier will man sich nun ganz auf das Reich verlassen. Redner gibß einige Beispiele von anderen Städten, ivo die Arbeitslosenversicherung eingeführt ist und wo man gute Erfahrungen damit gemacht lzat. Es wäre richtiger gewesen, der Magistrat hätte sich erst mit der Stadtverordnetenversammlung in Verbindung gesetzt, che er zu seinem ablehnenden Beschluß gc- kommen ist. Redner stellt namens der sozialdemokratischen Frak- tion folgenden Antrag: «Der Magistrat wird ersucht, mit der Stadtverordnctenver- sammlung in gemischter Deputation erneut Erwägungen anzu- stellen, ob und in welcher Weise eiyc kommunale Arbeitslosen» Versicherung für Schvncberg zur Einführung kommen kann." Stadtv. Meyer(lib. Frakt.) hält die Angelegenheit ebenfalls für wichtig, die man nicht ohne weiteres fallen lassen soll. Die liberale Fraktion kann sich dem Standpunkt des Magistrats nicht anschließen. Schöneberg kann ganz gut allein eine Arbeitslosen- Versicherung einführe», es braucht nur eine gewisse Karrcnzzeit für das Wohnen in Schöneberg vorgesehen werden. Die Ersah- rungen anderer Städte müsse man sich zu Nutze machen. Stadtv. Zobel(lib. Frakt.) wünscht, daß noch untersucht werde, wie viel von den Arbeitslosen, die bei den Notstandsarbeiten Beschäftigung gefunden haben, gelernte und ungelernte Arbeiter sind und wieviele Familienväter sind. Nicht der erste beste ist bei den Rotstandsarbeiten zu beschäftigen, sondern vor allem der, wo die Not am größte» ist. Was die Arbeitslosenversicherung betrifft, so schließt sich Redner den Ausführungen des Stadtverordneten Küter a», wenn seine Kritik auch etwas zu scharf ausgefallen ist, Stadtrat W a l g c r erklärt, daß sich Schöneberg unmöglich da- rauf einlassen kann, ein Experiment zu machen, von dem man von vornherein weiß, daß es mißlingen wird. Es kann nur gemeinsam mit anderen Kommunen etwas geschaffen werden und vor allem gehören dazu gut organisierte Arbeitsnachweise. In Berlin ist aber nicht einmal ein städtischer Arbeitsnachweis vorhanden. Der MagistraHst jederzeit bereit, die Frage der Arbeitslosenversicherung mit der Stadtverordnetenversammlung weiter zu erörtern. Redner bezweifelt aber, daß die Deputation fruchtbringende Arbeit leisten wird. Stadtv. Heyne(Unabh. Vereinig.) meint, daß auS dem Schlveigcn seiner Fraktion nicht etwa geschlossen werden soll, daß sie der Frage kein Interesse entgegenbringen. Im Gegenteil werden auch sie sich mit Interesse an den weiteren Erörterungen über die Arbeitslosenversicherung beteiligen. Da nach der Geschäftsordnung eine sofortige Abstimmung über den sozialdemokratischen Antrag nicht möglich ist, so wird derselbe und mit ihm auch ein ähnlicher Antrag der liberalen Fraktion auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt. Die Versammlung wandte sich darauf dem vorgelegten Ent- wurf für den Neubau des Rathauses zu. Die Bau» kosten belaufen sich auf's 200 000 Mark. Stadtv. Bast er(lib. Frakt.) tritt für Ilbkchnung der Magi. stratsvorlage ein und verlangt eine öffentliche Ausschreibung. Das Hochbauamt ist zu überlastet, um die Arbeiten richiig fördern zu können. Die Stadtverordneten Heyne(Unabh. Bereinig.) und Fritzsch iSoz.) können sich dem geinachten Vorschlage nicht an» schließen. Die bisherigen Arbeiten und der einstimmige Beschluß der Rathausdeputation können unmöglich über den Hänfen gc- worfln lverden. Es wird darauf beschlossen, die ganze Angelegenheit einem Ausschuß zu überweisen. Eine Petition wegen Errichtung einer Schwimm» halle wird dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Sodann nimmt die Versammlung den Bericht des Ausschusses, dem der sozialdemokratische Antrag betr. Mißstände im Kran» k e n h a u s e überwiesen worden ist. entgegen. Die Versammlung beschließt, an den Magistrat das Ersuchen zu richten, sich damit einverstanden zu erklären, dast für sämtliche Mitglieder der Orks- krankenkass« die bisherigen Kur- und Verpflegungssatze der Orts- krankenkafse gegenüber vis zum 1. Oktober dieses Jahres Geltung haben und die Erhöhung dieser Sätze der Krankenkasse gegenüber erst vom 1. Oktober dieses Jahres in Kraft tritt. Für diejenigen Kranken, welche vor dem t. Oktober im Krankenhause aufge- nommen und nach dem 1. Oktober im Krankenhause noch zu ver- pflegen sind, sollen auch vom 1. Oktober ab die erhöhten Sätze gezahlt werden. Die Ferien der Städtverordneten-Versammlung werden wieder in die Monate Juli und August gelegt. Rixdorf. Aus der Magistratssitzung. Der Beschluß der Tiefbaudeputation, die Pflasterung der Eanner Chaussee auf die Strecke der Britzer Allee und der Heidekampgrabcnbrücke auszudehnen und den Fahr- dämm in einer Breite von 6 Metern mit Kopfsteinen zu pflastern, wird genehmigt.— Der Entwurf für den Bau einer Ge- m e i n d e s ch u l e in der Thomasstraße und der vorgelegte Kosten- anschlag werden genehmigt. Der Magistrat ist damit einver- standen, daß die Richardstraße in der Strecke zwischen Richard- platz und Kirchgasse durch Acnderung der östlichen Fluchtlinie auf eine Breite von 19 Metern gebracht wird, und daß mit dem Rentier Karl Daedrich, dem Rendanten Artur Daedrich, dem Kaufmann Paul Daedrich und dem Fabrikanten Otto Wöltinger Vereinbarungen wegen der Straßenverbreiterung auf der Grund- läge der urkundlichen Angebote getroffen werden. Der auf die Stadtgemeinde entfallende Kostenbeitrag zu der Straßenver- breiterung in Höhe von 42!509 M. soll nebst den Kosten der Straßenpflasterung aus einer neu aufzunehmenden Anleihe ent- nommen werden.— Der Königlichen Eisenbahndirektion soll mit- geteilt werden, daß der Magistrat bereit ist, die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes an der Bergstraße auf städtische Kosten vorzu- nehmen und die schon bestehende ZeitungsverkausShalle sowie die neu zu errichtende Zigarrenverkaufshalle des Kaufmanns Köhler in die herzustellenden Anlagen einzubeziehen. Hinsichtlich der Aus- gestaltung des Vorplatzes im einzelnen wird zunächst dem Bor- schlage der Gartendeputation entgegengesehen. Bakteriologische Untersuchungen. Der hiesige Magistrat weist erneut darauf hin, daß zur Feststellung der ärztlichen Diagnose die Hilfe des bakteriologischen UntersnchungSamtes in Schöneberg (Äuguste-Viktoria-Krankenhaus) kostenfrei zur Verfügung steht. Auch zur Feststellung von Tuberkulose, Typhus, Genickstarre und Ruhr kann das UntersuchungSamt in Anspruch genommen werden. Jeder Arzt erhält kostenlos in den hiesigen Apotheken die zur Aufnahme der bakteriologischen Untersuchungsobjekte erforderlichen Versand- gefäße mit allen zur Verpackung und Uebersendung notwendigen Hilfsmitteln. Die Beförderung der Präparate durch die Post erfolgt portofrei. Wilmersdorf. Die Angelegenheit der Leichensammelstelle, die in der Nähe des Bahnhofes Halensee errichtet werden soll, erhitzte bekanntlich vor einigen Monaten auf das lebhafteste die Gemüter der Grund- stücksspekulanten von W. Nur wenig trug es zur Be- ruhigung dieser Staatsstützen bei, daß eine Erklärung abgegeben wurde, wonach der Leichentransport nach Halensee nur zur Nacht- zeit bor sich gehen solle. Aber selbst aus diesem Versprechen scheint nichts zu werden. Denn jetzt wird bekannt, daß die Berliner Stadtspnode, der bekanntlich die Bescherung am Bahnhof Halensee zu danken ist, kein Mittel unversucht lassen will, um die G ü l t i g- k e i t einer in dem erwähnten Sinne erlassenen Polizei- o r d n u n g aufzuheben. Es soll sofort nach der Veröffentlichung einer solchen Verordnung ein Verwaltungsstreitver. fahren eingeleitet werden, und die Kirchenbehörde rechnet be- stimmt mit dem Erfolg ihrer Anfechtungsklage. Wir haben be- kanntlich uns seinerzeit über die törichten Uebertreibungen jener Spekulantenklique lustig gemacht, der daS Dasein erst dann be haglich dünkt, wenn die Quadratrute Baugrund auf einen Mindest preis von 2909 M. hinaufgetrieben ist. Aber so wenig Sympathie wir für die Grundstückswucherer übrig haben, denen der Bau der Leichenhalle einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, so sehr erscheint uns das Verlangen verständlich, daß der Massentransport der Leichen nach Möglichkeit zur Nachtzeit erfolgen soll. Wir würden uns nur dann mit einem Erfolg der Stadtsynode abfinden können, wenn die Prophezeiung der Spekulanten sich verwirklichen und die mit allem Raffinement der Neuzeit eingerichteten Paläste am Kurfürstendamm schließlich doch an Proletarier vermietet werden müßten. Ueber die Reform der Arbeiterversicherung referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Bauer. Hierauf erstattete Genosse Goddäus den Kassenbericht vom 1. Quartal d. I. Einer Einnahme von 403,91 M. steht eine Aus- gäbe von 373,16 M. gegenüber. Unter Vereinsangelegenheiten machte der Vorsitzende auf eine Notiz im„Vorwärts" aufmerksam, wonach sich der Wilmersdorfer Arbeitergesangverein beim Bundes- vorstand beschwert habe, weil seine Mitwirkung bei der Maifeier vom Wahlverein abgelehnt worden sei. Der Vorsitzende stellte fest, daß dieses nicht der Fall sei. Als Aezirksführer für den 1. Bezirk wurde der Genosse Klein bestätigt. Am Sonntag, den 16. Mai, soll eine Besichtigung der Treptower Sternwarte vorgenommen werden; die Billetts hierzu gelangen am Zahlabend zur Ausgabe. Der Bor- sitzende sowohl wie auch die Genossin Härder ersuchten noch um recht zahlreichen Besuch der Frauenleseabende. Zugleich forderten sie die Genossen auf, ihre Frauen dem Wahlverein zuzuführen. Gleich. zeitig machte der Vorsitzeilde bekannt, daß von jetzt ab der Ver- sammlungs- und Zahlabendbesuch im Mitgliedsbuch abgestempelt wird, um einen besseren Besuch derselben zu erwirken. Rummelsbnrg. Von der Verlosung, welche bei der Maifeier des foziakdemo- kratischen Wahlvereins Nnnimelsburg im Lokale Neu-Seeland bei Witwe Schonert stattgefunden hat. sind noch folgende Gewinne von der„VorwärtS"-Speditioll, Alt-Boxhagen 56, Laden, abzuholen: Nrn. 30, 96. 0S. 113, 149, 16S, 196, 223, 396, 456, 495, Mariendorf Siidende. In der Gemeindcvertretersitzung wurde die Errichtung einer zweiten Polizeiwache beschlossen, und zwar soll hierfür ein Raum im Rathause ohne Mietscntschädigung, nur gegen Erstattung der Beleuchtungskosten zur Verfügung gestellt werden.— Weiter standen verschiedene BaudispenS« und Straßeubausachen, u. a. die Fest- stellung der Abrechnung und des KostenverteilungSPlanes über die Neupflasterung eines Teiles der Wilhelmstraße in Siidende zur Beratung. Die bereits vor fünf Jahren erfolgte Asphaltterung hatte 37 909 M. Kosten verursacht. Nach dem Ortsstatut können die Anlieger zum Beitrag bis zu 90 Proz. der Gesamtkosten herangezogen werden. Dem Kommissionsvorschlage entsprechend wurde die Belastung der Anlieger mit 69 Proz. der ent- standenen Kosten beschlossen. Moniert wurde von ver- schiedenen Rednern, daß der Beschluß der früheren Ver- tretung den Interessenten damals nicht bekannt gegeben worden sei, vielmehr mit der Ausführung der Arbeit sogleich begonnen wurde. Jetzt erst, nachdem die Straße längst ausgebessert und sogar bald wieder mit der Erneuerung des Asphalts begonnen werden muß, soll der Plan öffentlich ausgehängt und die Kostenrechnung prä- sentiert werden. Die Genossen Reichardt und Weber vertraten die Ansicht, daß die Schuld an der verspäteten Belastung der Anlieger wohl den Gemeindevorstand treffe, daß die Südender aber auch durch ihre Vertreter hätten informiert werden müssen; indes solle der Versuch zur Wiedererlangung eines Teiles der Kosten gemacht werden. Dem Antrage auf Einstellung zweier neuen Lehrkräfte für die Volksschule, eines Lehrers und einer Lehrerin, wurde zugestimmt, da durch die letzte Einschulung die untereil Klassen überfüllt sind. Genosse Weber fragte an. ob denn bald halb jährliche Einschulung au Stelle der bisherigen einjährigen eingeführt wird. Der Gemeinde- Vorsteher erividerte, daß wegen einheitlicher Einschulung mit der. Verantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Regierung Verhandlungen schweben, die noch nicht abgeschlossen sind. Von unseren Genossen wurden noch verschiedene Mängel zur Sprache gebracht, die sich bei der Benutzung des Schulbrausebades bemerkbar machen. Abhilfe wurde in Aussicht gestellt.— In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Ankauf von 43 Morgen Land zur Errichtung eines Volksparkes beschloffen. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Die Wcrtzuwachssteuer ist nun auch in unserem Ort, dessen aus gedehnte Gemarkung vor den Toren Berlins ein willkommenes Objekt für Grundstücksspekulanten bietet, eingeführt worden. Bereits in der Gemeindevertretersitzung vom 14. April stand diese Frage au der Tagesordnung. Die Behandlung wurde jedoch dadurch verhindert, daß die der sogenannten Bauernpartei angehörenden Vertreter sowie die derselben Partei angehörenden Schöffen nicht er- schienen und dadurch die Beschlußunfähigkeit der Sitzunc herbeiführten. In der darauf folgenden. ohne Rücksicht au die Zahl der Teilnehmer beschlußfähigen Sitzung vom 23. April waren jene Herren aber geschlossen zugegen und stimmten auch— ohne sich an der Diskusston zu beteiligen— geschlossen gegen die von einer Kommission unterbreitete Wertzuioachssteuervorlage Dies geschah, trotzdem bei früheren Verhandlungen auch von Mitgliedern der Bauernpartei die eventuelle Ein- führung der fraglichen Steuerart befürwortet worden war. Trotz dieses geschlossenen Widerstandes der Hauptinteressenten gelangte die Steuervorlage mit acht gegen acht Stimmen, mit der den Ausschlag gebenden Stimme des Gemeindevorstehers zur Annahme. Nach dieser Vorlage bleibt zunächst der Wertzuwachs bis zu 10 Proz. unbesteuert. Von 10 bis 20 Proz. Werlzuwachs werden mit 6 Proz. und so weiter je 10 Proz. mehr Wert zuwachS mit je 1 Proz. Erhöhung besteuert, so daß bei einer Wertsteigerung von mehr als 150 Proz. 20 Proz. Steuer erhoben werden. Diese Sätze kommen bei bebauten Grundstücken jedoch nur zur Erhebung, wenn seit der letzten Veräußerung höchstens zehn Jahre verflossen sind. Beträgt der Zeitraum mehr als zehn Jahre, dann wird nur die Hälfte der vorgenannten Sätze erhoben. Dosselbe geschieht auch bei unbebauten Grundstücken, wenn seit der letzten Veräußerung mehr als 20 Jahre verflossen sind. Als bebaut gilt nur der Teil des Gesamtgrundstückes. dessen Fläche gleich der 7'/» fachen der bebauten Fläche ist. Eine weitere Bestimmung besagt, daß in den Fällen, m welchen der frühere Erwerbspreis oder Wert nicht zu ermitteln ist, an Stelle der Wertzuwachssteuer Zu schlage zum gegenwärtigen Erwerbspreise treten, welche bei einer Besitzzeit bis zu 20 Jahren 3 Proz., bei mehr als 20 Jahren 4 Proz betragen. Bei unbebauten Grundstücken kommt auch hier der doppelte Steuersatz zur Erhebung. Die Borlage enthält ferner Be- stimmungen, daß auch in den Fällen, wo Grundstücksgesellschaften gebildet werden zu dem Zwecke, bei Veräußerung von Grundstücken sich.um die Steuerzahlung herumzudrücken, diese Absicht verhindert wird. Die Ein- und Ausbringung von Grund. stücken in solche Gesellschaften wird als Veräußerung deklariert und entsprechend besteuert. Das gleiche ist der Fall mit dein Erwerb von Anteilen solcher Gesellschaften. Alles in allem dürste die zur Einführung gelangte Wertzuwachssteuer doch dazu beitragen, die unverdiente Wertsteigerung erheblich zur Deckung der allgemeinen Kosten für Erhaltung der Gemeindeeinrichtungen heranzuziehen. Teltow. Tödlich venmglückt sind in der Nacht vom Montag zum Dienstag drei Arbeiter in Seehof bei Teltow. Sie waren mit der Kabel- legung auf der Strecke Groß-Lichterfelde— Teltow beschäftigt, hatten die Nacht in der üblichen transportablen Bauhütte zugebracht und zum Schutze gegen die Kälte die Kokskörbe gefeuert. Infolge der sich entwickelnden giftigen Gase, die in dem geschlossenen Räume nicht entweichen konnten, sind alle drei erstickt. Die bei den Ver- unglückten sofort aufgenommenen Wiederbelebungsversuche sind leider erfolglos geblieben. Lankwitz. Ueber de» Dauunfall i» der Marienfelder Straße wird uns in Ergänzung unserer gestrigen Meldung noch mitgeteilt: Der Teil der eingestürzien Mttelwand des bis zur zweiten Etage gediehenen Baues ist bis auf das Fundament niedergebrochen. Die Ursache des Einsturzes scheint eine nicht facbmäninsch ausgeführte Aenderung an den Fundamenten zu sein. Bor einigen Wochen wurde der Bau von einer Baukommission untersucht, dabei wurde festgestellt, daß das aus Zementbeton bestehende Fundament nicht die nöttge Trag fähigkeit hatte. Die Kommission verlangte deshalb, daß die Fundamente unterfangen werden sollten. Bei dieser Arbeit ist nun nicht mit der nöttgen Vorsicht verfahren worden. Denn während unten das Fundament freigelegt wurde, arbeitete man oben ruhig weiter, ohne die auf der Wand ruhenden Balken genügend abzu- steifen. Bei dem Unglück sind die beim Unterfangen beschäftigten Arbeiter am besten weggekommen, weil sie sich rechtzeitig in Sicher- heit bringen konnten, während die vier Verletzten alle auf der Rüstung beschäftigt gewesen find. Der Unternehmer heißt nicht Kagelitz, sondern Kabelitz. Zossen. In der Stadwerordnetenversammlung am t. Mai wurde nach warmer Befürwortung des Bürgermeisters der Bau der Gasanstalt für die Stadt an die Berlin-Anhalter Maschinenfabrik endgültig vergeben. Zugleich schloß die Versammlung einen auf 25 Jahre lautenden Pachtvertrag über den Betrieb der Gasanstalt mit dieser Firma. Die Stadt hat eine Gewini � jährlich. Bei genügender Rentabilität das Recht zu, den Vertrag nach einjähriger Kündigungsfrist zu lösen, jedoch nicht vor Ablauf der ersten 4'A, Jahre. Die Baufirma hat das Monopol auf sämtliche Hausanschlüsse und Installationen. Die Inbetriebsetzung der Anstalt soll am 1. Oktober dieses Jahres er- folgen. Zu dem Bau der Gasanstalt hat die Stadt eine Anleihe von 200000 M. aufgenommen. Die gegenwärttge mangelhaste Bo leuchtung unserer Stadt liegt bekanntlich in den Händen der Allge> meinen Elektrizitätsgesellschaft, die zweifellos mit der neuen Gas- anstalt in einen schweren Konkurrenzkamps treten dürfte.— Der Unterricht in der Fortbildungsschule wurde im Rechnen, Deutsch und Zeichnen obligatorisch eingeführt, wobei sich die Herren Stadtväter wieder recht rückständig zeigten, indem die Zeichenstunden auf Sonntag vormittag festgesetzt sind. Mit dem Verhalte» des früheren Rendanten der Allgemeinen Ortskrankenkasse„Aeökulap", Herrn Stadtverordneten F. Bartels. beschäftigten sich zwei Generalversammlungen obengenannter Kasse. Wie man unS meldet, bat die Revisionskommission der Kasse schon im vergangenen Jahre dem Borstande die Mitteilung gemacht, daß ich die Bücher des Rendanten nicht in Ordnung befänden. Spätere Revisionen bestätigten diese Angaben; ste führten dazu, daß der Vorstand dem Rendanten die Bücher abnahm und dieselben der Auf- sichtsbehörde(Magistrat) übergab. Einige Tage später übergab Herr Bartels auch die Kasse dem Magistrat. Auch dieser soll, wie in der Generalversamnilung mitgeteilt wurde, eine Unordnung der Bücher festgestellt haben. Einstimmige Annahme fand ein Antrag, wodurch Herr Bartels ersucht wird, sein Stadtverordnetenmandat sowie seine 'onstigen öffentlichen Aemter niederzulegen. Diesem Wunsche ist Herr B. nicht nachgekommen. Die Stadt- verordnetenversammlung hat ihn sogar vor kurzem noch in die Finanzkommission gewählt. In der Generalversammlung der Kasse am vorigen Donnerstag wurde daS Verhalten des Herrn B. von Arbeitnehmern sowohl wie auch von Arbeitgebern einer scharfen Krittk unterzogen. Zugleich beschloß die Versammlung, die Kassen- bücher auf Kosten des früheren Rendanten Bartels von einem ver- eidigten Kassenrevisor prüfen zu lassen, um hierauf weitere Schritte gegen B. unternehmen zu können. Paukow. Daß daS Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den hiesigen Genossen wieder im Zunehmen begriffen ist, bewies der überaus harmonische und würdige Verlauf der letzten Maifeier im Ebersbach schen Lokal. Trotzdem eine kleine Clique die größten Anstrengungen gemacht hatte, die von unseren Genossen veranstaltete Feier zu stören, füllten an 400 Personen den Saal des Lokals. Die Feier, die durch tatkräftiges Mitwirken der„Bereinigten Arbeitersänger Pankows", des hiesigen Arbeiter-Radfahrervereins sowie des Arbeiter- Turnvereins verschönt wurde, erreichte ihren Höhepunkt, als Genosse Albert Jakob in seiner feurigen Rede die Versammelten auf die Notioendigkeit des Zusammenschlusses der Arbeiterklasse verwies. Mehr denn alles andere hat dieses Fest bewiesen, daß die hiesige Arbeiterschaft wieder fest entschlossen ist, mit der alten Hingebung für den Befreiungskampf des Proletariats tätig zu sein. Potsdam. Die»cucrfmutc städtische Flußbadeanstalt in der Leipziger Straße soll wieder an einen Unternehiner und zwar an den Hoflieferanten und Kohlenhändler Bley für 400 M. verpachtet werden. Dieser Beschluß steht im Gegensatz zu dem in letzter Zeit geübten Brauch, alle Be- triebe in eigene Regie zu übernehmen: lediglich Rücksichten auf den Pächter der alten Badeanstalt dürsten hierbei den Ausschlag gegeben haben. Dafür zahlt die Stadt jetzt 1400 M.(inkl. Beaufsichtigung) für daS Baden der städtischen Gemeindeschüler an einen anderen Privatunternehmer, während die städtische Badeanstalt hierzu viel praktischer wäre. Spandau. Ein schweres Eisendahnunglück hat sich, wie die„Spand. Ztg.* meldet, am Sonnabend vormittag bei den Bahnumbauten an der Klosterstraße ereignet. Bei diesen Arbeiten werden, wie im«Vor- wärts" schon berichtet, auch weibliche polnische Arbeite» rinnen beschäftigt. Am Sonnabend fuhr mm ein Zug in eine solche Arbeiterinnenkolonne und richtete schweres Unheil an. Einer Ar- beiterin wurde ein Arm abgefahren und ihr sonst noch schwere Ver- lctzungen an den Unterschenkeln beigebracht. Sie wurde in hossnungs- losem' Zustand in das hiesige Krankenhaus gebracht. Mehrere andere Arbeiterinnen wurden von dem Zuge bei Seite geschleudert und mehr oder minder verletzt. Eine Arbeiterin wußte sich dadurch zu retten, daß sie sich platt zwischen die Schienen warf und den Zug über sich hinwegrollen ließ. Die Entrüstung ist bei allen, welche die Verwendung von weiblichen Arbeiterinnen zu solchen Arbeiten ge- sehen, eine große, aber Abhilfe wird nicht geschehen. Die Haupt- fache ist. daß der EiseubahnstskuZ spart und der Unternehmer doch sein Geschäftchen macht. Die Abkühlung. In einem Bericht über die Maifeier erlaubt sich daS konservative.Spandauer Tageblatt" die Bemerkung: DaS schlechte Wetter dürfte sich zu einer gründlichen Abkühlung der Ge- müter vortrefflich eignen. Diese Bemerkung hätte weit besser für den Bericht über die kürzlich erfolgte DenlmalSeinweihung gepaßt. Hier hat daS schlechte Wetter wirklich bedeutend abkühlend gewirkt, denn die mit ziemlichen Kosten erbauten Tribünen wiesen ganz hübsche Lücken auf. Bedeutend abkühlend wird auch folgendes Vor- komninis auf einige patriotische Kriegervereinler von der Munitionsfabrik gewirkt haben: Diesen Leuten war zur Teilnahme an der Denkmalsenthllllung von der Direktion ein dreistündiger Urlaub erteilt.(ES geht hier auch das Gerücht, daß die Versäumnis den Leuten aus der Kasse des Denkmalsfonds erstattet werden soll.) Nachdem nun die patriotischen Krieyer- vereinler stramm bei strömendem Regen Spalier gebildet und ihre HochS ausgebracht, waren sie derart abgekühlt, daß sie ihren Patriotismus durch diverse alkoholische Getränke wieder aufzuwärmen genötigt waren. Dazu reichte natürlich der dreistündige Urlaub nicht aus, es wurde der ganze Nachmittag noch zu Hilfe genommen. Der Direktion hatte man telephomsch Nachricht von diesem not- wendigen Aufwärmungsakt gegeben. Am anderen Tage winden die Patrioten von der Direktion mit je 2 M. wegen unbereckitigter Ueberschreitung des Urlaubs bestraft. Diese Maßnahme hat jeden- falls bei den Beteiligten den größten Grad der Abkühlung hervor- gerufen._ Bnefhaften der Redaktion. au snrlftis», svrechftuiid««Inde» LiavenNrah« Nr.», zweiter Hos, dritter Eiugang. vier Trepve», mgr Fahrstuhl Ivochenlagli» abend? von?'/, bi?»>/, Uhr statt. iAeösfiiet 7 Nlir Sonnabends besinn» die Gvrechstnnd« um 0 Uhr. Jeder Rilirage ist ei» Buchstabe und«in« Kahl als wiertzeiche» beizniiiaen. Briefliche illutwort wirb nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten tönue« 14 Tag» vergehen, valige Fragen trage man in der Evrcchmmde vor. F. B. SV. Nur wenn Sie nachweisen können, daß durch den von Ihnen hervorgehobenen Mtzstand eine Gesundheitsgejäbrdung statljindet, würde nach dem Gesetze ein Grund zur Aushebung des MictSvertragcS und zu einer Schadcnersatzsordcrung vorliegen.— N. Z. 10. Die Mutter würde einen Unterstützungsanspruch evciituell durch Klage gegen den ver- mögenden Sohn geltend machen lünnen, wenn sie nachweist, daß Unter- stützungsbedürstigkeit vorliegt. Ein Auspruch aus Invalidenrente besteht, wenn mindestens 200 Marlen geklebt sind und nachgewiesen wird, daß Invalidität im Sinne des VersicherungSgcsetzeS vorliegt.— G. Z. 36. Leider würde eine Klage Aussicht aus Erfolg in Ihrem Falle nicht Haben. — H. W. 20. Sie könnten lediglich aus Zahlung des von Ihne» Ver» auilagten beim Amtsgericht klagen oder bei dein Amtsgericht den Erlaß «mcS Zahlungsbefehl« beantragen.— P. V. 00. 1. Leider nein. 2. Aus Antrag werden in der Regel die Steuern für diese Zeit erlassen.— G. Z. 101. Die Frau muß sich an ihren Anwalt oder an da« Gericht wenden, um eine Ausfertigung de« Urteils zu erballen. Innerhalb eincS MonatS nach Zustellung beS Urteil« ist Berufung möglich. Ist diese Frist abgelausen, ohne daß Berufung eingelegt ist, so wird das Urteil rechtskräftig. Die Rechtskraft muß durch die GerichiSschrelberci bescheinigt werden. 2, Zweck« Wiederverheiratimg ist die Vorlegung d-S mit dem Rechtskrast. attest versehenen Urteils«rsordcrllch. Die geschiedene Frau muß serner zehn Monat bis zur zweiten Heirat warten. Auf Antrag erhält sie aber vom Amtsgericht in der Reget Dispens von dieser Wartezeit. Zweckmäßig ist, dem Antrage das Attest einer Hebamme darüber beifügen, daß andere Unistände nicht vorlleaen. 3. Dem ersten Manne bleibe» die väterlichen Rechte. ~». W- 74 1. Nein. DaS Attest über daS Unvermögen zur Tragung der Kosten wird von der Gemeinde erstattet, worin die Bewessendc wohnt. Zweckmäßig ist eS daher, sowohl in Charjottenburg wie später in Berlin die erforderlichen Schritte zu tun. Ist daö Attest da, so beantragt die Be- tressende unter Ueberreichung des Atteste« beim Amtsgericht die Bewilligung des Armenrechts. 2. Keineswegs. 8. Schon jetzt kann die Betressende aus Hinterlegung der EiilbindungSkosten und der Alioientenkostcn sür ein Quartal klagen.— M. 100. Ja. Damit allein der Witwer oder dl« Witwe erbt, ist eS erforderlich, ein gegenseiiigeS Testament zu machen.— »intus 15. 1. Gelegenheit, die Räume zwecks Weitervermietung be- fichtigen zu lassen, müssen Sie du» Wirt geben eventuell ihm die Schlüssel abliesern. 2. Die Besichtigung hat in angemessener Zeit stattzufinden. Kommt-ine Ueberelnkunst darüber, was angemessen ist. nicht zustande, so hat da« Gericht aus Anruse» zu eiltscheiden. Berliner Gerichte haben an» erkannt, daß die Zeit vvn g bis S Uhr als angemessen zu erachten ist.— I. L. 34» Voraussichtlich würde im Fall der Klage das Gewerbegericht annehmen, daß durch die Unterschnst die KündigmigSsrist ausgeschlossen ist. Amtlicher Marktbericht der städtischen MarNhallen-Dtrektlon über den Groghandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend. Geschäft schleppend, Preise miverändert. Wild: Zu. fuhr sehr knapp, G-Ichäst rege, Preise fest. G e s l ü a- I: Zusubr knapp, Geschäft lebhaft, Preise gut. Fische: Zufuhr mäßig. Geschäft ruhig, Preis« wenig verändert. Butter und Kaie: Geschäft ruhig. Preise un. verändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zujuhr zum Till ungenügend. Geschäst wenig befriedigend, Preise behauptet. Cbarlottenburg. Den Genossen zur Kenntnis, daß unser altes frühere« Mitglied i�uxust �öttxer verstorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag statt. Treffpuntt mittags im Volks- Hause. Rofinenstr. 3. Mehrere Parteigenossen. Klnnit»- nnd Kransbinderri «im Roben Meyer,' nut MalllUluett-Maße 2. H.Pfau, ®c"w Dlrcksenslraße 20 zwischen Bahnhos Alcrandcrplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 1379». FOr Damen weibliche Bedienung.• Lieserant für alle Krankenkasse». gnierateuteil verantw.,: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalj Paul Singer L- Co.. Bertm SW.'""