Nr. 106. HbonncmentS'Bcdingungcn: atonnemmtö• Preis pränumerando: Biericljährl. 3P0 Mk, moiiatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, SonniagS- miminer mit illustrierter SonntngS- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posi-ZcitungS- PrelSIisto. Unter Kreuzband für Temfchland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luremburg. Portugal. Rumänien. Schweben und die Schweiz. 36. Itthrg. Critoint tZgllch außer lücntass. Vevlinev Volksvlnkl. DU Insertion!-Lebilh» Betrügt für die fechsgespaltcne Kolonel» geile oder deren Ziaum 50 Pfg., für polltischc und gewerkschaftliche Vereins- und Verfammlungs-Rnzeigen 30 Pfg. „Aleir!« Anreigen", das erste ssctt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schtas- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die ExpedUio» ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozlaldemeKrat Berlin", Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Rcdahtion; SM. 68, Ltndcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 8. Mai 1009. Expedition: SM. 68» Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. vier Beiilner Candtaasmandate ungültig! Die Wahlprüfungskommission des preußischen Ab- geordnetenhauses beschloß am Freitag, dem Plenum die Kassierung der vier beanstandeten Berliner Landtags- Mandate zu empfehlen, die zurzeit von den Genossen Borg- mann. Heimann, Hirsch und Hoffmann ausgeübt werden. Bekanntlich hatte seinerzeit das Abgeordnetenhaus bc- schlössen, den Berliner Magistrat um Auskunft darüber zu er- suchen, ob es richtig sei, daß für die Bildung der Wähler- listen verschiedene Steuerjahre zugrunde gelegt worden seien, und ob dies Verfahren gleickfmäßig in allen Wahlbezirken geübt worden sei. Der Magistrat hatte unter dem 13. März diese Fragen bejaht. In seiner Antwort heißt es: »Für die Berücksichtigung verschiedener Steuerjahre bei den Einkommen« und Ergänzungsstcuern sind folgende Gründe maßgebend gewesen: 1. Nach Z 19 des Wahlgesetzes sollen die Wähler nach Maßgabe der«zu enlrichtenden" Stenern in drei Abteilungen geteilt werden. Wenn das Gesetz die Worte„zu e n t- richtende' Steuern gebraucht, ohne eine Zeit- b e st i m ni u n g hinzuzufügen, so kann die Bestimmung unseres Erachtens schon sprachlich nur auf die Gegenwart bezogen und daher nur auf diejenigen Steuern gedeutet werden, welche der Wahlberechtigte zur Zeit der Ausstellung bczw. Auslegung der Wählerliste zu entrichten verpflichtet ist. Diese Auslegung dürfte an sich wohl u n b e- stritten sein; sie wird hinsichtlich der Gemeinde- wählen auch vom OberverwalungSgericht ver- treten. Daraus folgt aber nach unserer Ansicht, daß jeder Wähler auch ein Recht hat, mit dem zur Zeit der Auslegung der Listen von ihm zu entrichtenden Steuersätze in Ansatz gebracht zu werden. 2. Bei Aufstellung bezw. Auslegung der UrWählerlisten (29. bis 28. April 1893) war die Veranlagung der Wähler mit einem Einkommen bis zu 8999 Mark für das Jahr 1893 völlig durchgeführt und zwar sowohl zur Staats- und Gemeindeeinkonnneii- wie auch zur Ergänzungssteuer; die Steuersätze waren auf unsere Perionenblätter, welche die Grundlage für die Aufstellung der Listen bilden, übertragen. Tagegen war die Veranlagung derjenigen Steuer- Pflichtigen, welche für das Steuerjahr 1898 voraussichtlich nach einem Einkommen von mehr als 3999 Mark zu besteuern waren, noch nicht durchgeführt. Diese Steuersätze sind uns erst Anfang Mai zwecks Veranlagung zur Gemeindecinkomniensteuer zugegangen, also zu einem Zeitpunkte, an welchem die A u s l e g u n g der Urwählerliste bereits stattgefunden hatte. In gleicher Weise war auch die Veranlagung der übrigen in Betracht kommenden Steuern für 1993 noch nicht durckigeführt bezw. noch nicht bekannt. ES mutzte somit bei Aufstellung der Listen überall auf die Steuersätze von 1897 zurückgegriffen werden nutzer bei der Einkommensteuer der nach einem Einkommen bis zu 8999 M. veranlagten Personen. 3. Am 26. März v. I. erhielten wir von dem Erlasse des Herrn Ministers des Innern vom 24. des- selben Monats— O. Rio 667— Kenntnis. In demselben befand sich der Satz:„Wo mit der Eintragung der Steuerbeträge in das Urmaterial oder in die Listen begonnen werden mutz, bevor die Steuersätze sämtlicher Stcuerarten, besonders der Gemeinde-, Kreis-, Bezirks- und Provinzial- abgaben für 1998 feststehen, ist der Gleichmätzigkeit wegen in allen Stenerspalten die Steuerveranlagung für 1897 zugrunde zu legen.' Wir wären dieser Antveisung ungeachtet unserer unter 1 wieder- gegebenen Rechtsauffasjung ohne weiteres nachgekommen, wenn es praktisch möglich gewesen wäre. Um die Unmöglichkeit, dies zu tun, darzulegen, bedarf es einer Schilderung der damaligen Ge- schäftslage. Jmallgcmeinen bemerken wir, daß wir zur Erledigung der Vorarbeiten zu allgemeinen LandtagSwahlen(Urwahlen) eines Zeitraumes von etwa drei Monaten, auf das kürzeste Matz berechnet: von 76 Tagen, bedürfen, wenn anders die Wählerlisten auch nur einiger motzen zu- v e r l ä s s i g sein und die Anordnungen zur Vornahme der Wahl sachgemäß durchgeführt werden sollen. Wir hatten, nachdem unser Wahldezernent von zuständiger Seite vertraulich eine vorläufige Mitteilung über die in Ausficht genommenen Wahltermine erhalten hatte, mit den Vorbereitungen sofort in vollem Umfange begonnen- Bei Empfang des erwähnten Erlasses war das Wahlbureau feit vier Tagen an der Arbeit für die LandtagSwahl, und zwar nach einer von uns bereits Mitte März erlassenen, die unter 1 und 2 dargelegten rechtlichen und praktischen Ver- hältnisie berücksichtigenden Anweisung. Sollte nun die er- wähnte Anordnung des Erlasses, gegebenen Falles einheitlich das Jahr 1897 zugrunde zu legen, ausgeführt werden, so hätte die Arbeit von neuem begonnen werden müssen. ES wären nicht nur die vier Arbeitstage, sondern weitere zwei bis drei Tage verloren gegangen, welche die Einziehung deS ans- gegebenen Materials, Einrichtung neuer Kontrollen, Anweisung der 178 Schreiber und NeuuuSgabe des Materials erfordert hätte, so daß uns nur noch 66 bis 66 Tage zur Verfügung gestanden hätten. So waren wir vor die Frage gestellt, entweder nach den bereits gegebenen Anordnungen weiter arbeiten oder die Arbeiten so mangelhaft erledigen zulassen, daß daraus eine Anfechtung der Wahlen aus den verschiedensten Gründen herzuleiten gewesen wäre. Nebenbei gestatten wir uns zu bemerken, daß der erwähnte Erlaß nach unserer Ansicht eine absolut zwingende Vor- schrift nicht darstellte, eine Auffasiung, der nach dem Be- richte der Wahlprüfungskommission auch von dem Herrn Regieruugsvertreter Ausdruck gegeben worden ist.' Diese Antwort des Magistrats hatte also zunächst die Grundlage der Verhandlungen der WahlPrüfungSkoinmission zu bilden. Handelte es sich doch in e r st e r L i n i e für die Kommission darum, ob sie das vom Berliner Magistrat geübte und so eingehend begründete Verfahren für zulässig erachtete oder nicht. Herr F i s ch b e ck machte jedoch als Berichterstatter den Vorschlag, die Frage der Listenaufstellung nicht streng gesondert für sich zu behandeln, sondern in die Würdigung dieses Moments auch gleich die anderen Protestpuukte(die für das Plenum seinerzeit noch gar nicht existierten!)„mit einzubeziehen", der- gestalt also die Frage der Listenaufstellung mit der des „Terrors" und sonstiger Unregelmäßigkeiten zu verquicken. Auf diese Weise glaubte Herr Fischbeck, wie er selbst aus- führte, eine Kumulierung, eine Anhäufung von Gründen zustande bringen zu können, die auch diejenigen zu einer Ungültigkeitserklärung bestinunen könnte, die in der vom Berliner Magistrat geübten Art der Aufstellung der Wähler- listen keinen ausreichenden Grund für eine Ungültigkeits- erklärung erblickten. Gegen ein solch verwirrendes Verfahren erhoben jedoch mehrere Mitglieder der Kommission Widerspruch, darunter auch der Vertreter der Sozialdemokratie, der entschieden gegen die Kumulierungstaktik, aus einem halben Bedenken hier und einem halben Bedenken dort einen ganzen Protestgrund zu summieren, protestierte. Es wurde denn auch getrennt über die verschiedenen Protest- gründe verhandelt. Die beiden Referenten F i s ch b e ck und S t r 0 s s e r so- wohl als auch(mit einer Ausnahnie) alle Redner samt- l i ch e r bürgerlichen Parteien vertraten den Standpunkt, daß die Listcnaufstellung des Berliner Magistrats ungesetzlich sei. Dadurch, daß der Berliner Magistrat in denselben Bc» zirken die Wähler mit weniger als 3900 M. Einkommen nach der Veranlagung für 1908, die übrigen Wähler nach ihrer Steuerleistung für 1907 in die Listen eingestellt habe, sei eine Ungleich Mäßigkeit der Steuerbcwertung eingetreten, die auf die Klasseneinteilung und damit auf das Resultat der Wahlen zweifeUoS von erheblichem Einfluß gewesen sei. Nach der Bestimmung vom Jahre 1893, wonach die Steuerdrittelung in den U r iv a h l b e z i r k e n erfolge, handle es sich um so kleine Steuereinheiten, daß schon ein geringfügiges Mehr oder Weniger eine Verschiebung der Klassen zur Folge haben könne. Liege für einen Wahlbezirk nicht das Veranlagungsresultat fiir alle Wähler vor, so müsse einfach die Veranlagung des vorhergehenden Jahres der Listenaufstellung zu Grunde gelegt werden. Vergebens bekämpfte der Zentrumsabgeordnete Dinslage diese hinter haltlosen Formalismus sich verkriechende Auf- fasstmg: Nach dem Wortlaiit des Gesetzes sst die„zu e n t- richtende" Steuer zur Grundlage der Listenaufstellung zu machen, d. h. die Steuer, zu der der Wähler für das laufende Jahr veranlagt ist. Der Wortlaut kehrt in allen späteren Gesetzen wieder, sein Sinn ist also nicht im geringsten zweifelhaft. Das Gesetz von: Jahre 1849 hat nie daran gedacht, daß etwa auf das vorhergehende Steuerjahr zurückgegriffen werden solle. Damals waren die Steuerverhältnisse so einfache und übersichtliche, daß eine solche Möglichkeit ausgeschlossen war. Damals gab es namentlich auch noch keine Selbsteinschätzung. Erst im Laufe der Zeit, infolge der Kompliziertheit der Steuern, infolge deS riesenhaften Anwachsens der Groß- städte, haben sich Schwierigkeiten ergeben können, wie sie in Berlin nach der Auskunft des Magistrats vorlagen. So ist man jetzt erst vor die völlig neue Frage gestellt: wie soll man handeln? Das Gesetz selbst gibt darüber keine Auskunft. Auch die An- ficht des M i n i st e r i u m s ist für uns belanglos. Man entspricht offenbar dann am meisten der Billigkeit und zugleich den Intentionen des Gesetzes, wenn man die Steuern, die fiir die Majorität feststehen, auch bei der Ltstenaufftellung berücksichtigt. Herr Dinslage predigte mit seinem Appell an Logik und Billigkeit tauben Ohren. Nicht eiumal seinen den Stand- Punkt der Fischbeck und Strosier unterstützende» Fraktions- kottegen Reinhard vermochte er zu überzeugen! Herr Strosser vollends malte die furchtbaren„Konsequenzen" aus, wenn man das Verfahren des Berliner Magistrats billige. Die Magistrate der großen Städte hätten es dann ja in der Hand, aus p q r t e ip 0 l i t i sch e n Gründen eS je nach Bedarf so einzurichten, daß die Veranlagung noch nicht beendigt sei! Der Vertreter derSozialdemokratie belehrte Herrn Strosser darüber, daß diese Gefahr gerade jetzt vor- liege, wie die Vorgänge in Rixdorf- Schöneberg bewiesen. Man beschwere sich über die U n g l e i ch m ä tz i g k e t t bei der Berliner Listenaufftellung. Viel schlimmer noch fei die Ungleichmäßigkeit, die in der Willkür liege, innerhalb eines Wahlkreises in jedem Urwahlbezirk und jedem einzelnen Orte ein anderes Steuerjahr zugrunde zu legen. So habe man im Wahlkreise Rixdorf- Sch öneberg für die Bourgeois- Stadt Schöneberg die Vernunft Schlüsse der Resultat wir das Steuerjahr 1908, für die Arbeiter- Stadt Rixdorf das Steuerjahr 1907 gewählt. Den von Strosser befürchteten parteipolitischen Schiebungen zum Nachteil der Arbeiter sei so Tür und Tor geöffnet I Diese Ungleich- Mäßigkeit wolle man ruhig in Kauf nehmen I Trete dagegen, wie in Berlin, der Fall ein, daß zwar für die große Masse der Wähler mit einem Einkommen bis zu 3000 M. die Ver- anlagung beendet sei, für sie also die zu entrichtende Steuer fe st st cht, nicht aber auch für die Wähler mit mehr als 3000 M. Einkommen, so wolle man einfach der „Gleichmäßigkeit" wegen die große Masse der Wühler nach ihren Stenern vom V 0 r j a h r e einstellen, also unter Um- ständen schwer benachteiligen! Herr Dinslage habe überzeugend nachgewiesen, daß das Gesetz selbst das nicht verlange, eher das Gegenteil; es handele sich also hier um Schaffung einer nenen Bestimmung, durch die das Drciklaffcnwahlsystem noch über sein jetziges Maß hinaus zum Schaden der Nichtbesitzendcn verschlechtert werden solle! Wie schon gesagt: weder der Appell an noch an die Billigkeit verfing I Bei der am Debatte vorgenommenen Abstimmung, deren schon hier vorwegnehmen wollen, stimmten sämtliche bürgerliche Mitglieder der Kommission mit einziger Ansnahme des Abg. Dinslage für die Ungültigkeit der vier sozialdemokratischen Wahlen, Weil die„Ungleichmäßigkeit" der Berliner Listen- aufstellung gesetzwidrig sei! Dann kam, der Sicherheit wegen, auch noch die Terror- Frage aufs Tapet. Herr F i s ch b c ck kramte als Bericht- erstatter weitläufig sein bekanntes Material aus und plädierte, gleich Herrn Strosscr, auf Ungültigkeitserklärung der vier Wahlen wegen ungesetzlicher Vecinflussung der Wahlen durch den sozialdemokratischen TerrorismuS. Dieser Terrorismus sei nicht nur durch Material in Gc/talt von Zeitungsartikeln, Instruktionen und Plakaten, sondern auch durch das Ein- geständnis sozialdemokratischer Führer selbst derartig erwiesen. daß sich eine Beweiserhebung über den Umfang und die Wirkung des Terrors erübrige. Der Vertreter der Sozialdemokratie brandmarkte dem- gegenüber die jämmerliche Heuchelei, die in einer Entrüstung über sozialdemokratischen Terror liege, während man den skandalösen Terror des Staates gegenüber seinen Beamten und Arbeitern nicht nur nicht zum Gegenstand der Wahlbeanstandung mache, sondern sogar ganz offen gutheiße! Auch solle man doch nicht vergessen, daß die ganze öffentliche Abstimmung doch nur der Absicht des Terrors diene. Klammere man sich aber gleichwohl an den sozialdemokratischen Terror fest, so verlange er wenigstens Beweiserhebung über die behaupteten Einzelfälle und den Nachweis, daß dieser Terror das Wahlresnltat derart beeinflußt habe, daß sich eine Ungültigkeitserklärung recht- fertige. Der Forderung der Beweiserhebung schlössen sich auch mehrere Vertreter der bürgerlichen Parteien an. Dem- gemäß wurden für die Abstimmung folgende drei Fragen formuliert: 1. Sind die behaupteten Tatsachen als eine für den Ausfall der Wahl erhebliche Beeinflussung anzu- sehen? 2. Sind die behaupteten Tatsachen als erwiesen anzusehen? 3. Soll Beweiserhebung stattfinden? Die Frage 1 winde mit allen gegen die Stimme des sozialdemokratischen KoinmissionSmitgliedes angenom m e n, desgleichen die Frage 2 bei einer Stimmenthaltung mit sieben gegen fünf Stimmen, so daß sich die Abstimmung über die 3. Frage erübrigte! So beantragt denn die Wahlprüfungskommission— von dem Grundsatz ausgehend, daß doppelt genäht besser hält— aus zwei Gründen, von denen aber jeder einzelne für sich als ausreichend erachtet wird, die Ungültigkeits- erklärung der vier sozialdemokratischen Mandate! Ob das Plenum dem Ansinnen der Wahlprüfunas- kommission willfahren wird? Wir können das uiit aller Ge- lassenheit abwarten. Denn die Sozialdemokratie ist es auf keinen Fall, die den Schaden davon besehen wird. Was über die Sache noch zu sagen ist, wird mit dem nötigen Nachdruck bei der Beratung des Kommissionsantrages selbst gesagt werden und eventuell nach dieser Beratung. Gelüstet es die Herren nach einem Tänzche? — wir wollen ihnen aufspielen! Menrntive Kanzleiwdädstipngcn. Die konservative Presse greift in ihrem Bestreben, die Einführung der Erbanfallstcuer abzuwehren und den Reichs- kanzlcr den konservativen Steuerprojekten gefügig zu machen, zu den perfidesten Mitteln. So sucht z. B. in ihrer letzten Nummer die„Kreuzztg." in einem„K a n z l e r k r i s i s" über- schriebcnen Artikel den Kanzler dadurch beim Kaiser zu bis- kreditieren, daß sie unter geschickter Ausnutzung gewisser Ver- stimmungen Wilhelms II. Bülow der versteckten Förderung und Begünstigung parlamcn- tarischer Regier ungssormen, das heißt der Verminderung der verfassungsmäßigen Macht- und Rechts st cllung des Kaisers ver- dächtigt. Natürlich geht das ehrsame Blatt, das durch seine guten Beziehungen zum Hof und zur Umgehung des Kaisers sicherlich über dessen Stimmungen und Verstim- mungen genau unterrichtet ist, nicht direkt auf sein Ziel los: sondern es macht nach gewandter Diplomatentaktik die Sache auf einem Umwege. Es wirft zunächst die Frage auf, ob es denn richtig sei, daß Fürst Vülow nach seinen� Erklärungen verpflichtet sei, die Erbanfallsteuer durchzusetzen und die Neichsfinanzreform mit dem Block, d. h. mit der Hilfe der liberalen Parteien, zu machen: eine Erörterung, bei der das Blatt der Hainmerstcin-Epigonen mit der ihm eigenen Ehrlichkeit versichert, daß„ein Wechsel i n d e r Person des Kanzlers weder in den Absichten, noch auch nur in den Wünschen der Konservativen liege." Erst nachdem die„Kreuzztg." diese Frage unter Zuhilfenahme von allerlei kuriosen Sophismen dahin be- antwortet hat, daß der Kanzler durch keine öffentlichen Er- klärungen gebunden sei, kommt sie zu ihrem eigentlichen Zweck, Bülow als Förderer des parlamentarischen Regimes hinzustellen: „Fm übrigen müssen wir uns aber fragen, ob denn ent- gegen unserer Verfassung das parlamentarische Regi- ment schon vollständig bei uns durchgeführt ist. In einem parlamentarischen Staate wäre es richtig, daß der Reichskanzler seit der Wahl von Anfang 1907 als Mandatar der Blockmehrheit anzusehen wäre und daß er seine Entlassung beantragen müßte, falls in wichtigen Fragen diese Mehrheit für ihn versagt. Dann wäre es auch zutreffend, daß nunmehr ein Reichskanzler nach dem Willen der sich etwa neu bildenden Mehr- heit ernannt werden müßte, Muß man wirklich immer wieder daran erinnern, daß bei uns derartige Grundsätze nicht dem bestehenden Rechte und den Tatsachen entsprechen? Fürst Bülow war längst vor Anfang 15)07 Reichskanzler. E r hat seinen Auftrag vom Kaiser, und er hat die Verpflichtung, die durch das staatliche Bedürfnis erforderten Maßnahmen mit denjenigen Parteien durchzusetzen, die dafür zu haben sind. Das staatliche Bedürfnis erfordert aber nicht die Besteuerung deS Erbteils der Ehegatten und Kinder, sondern nur die Sicher- stellung der Reichsfinanzen. Wenn Fürst Bülow sich jetzt tat- sächlich mit dem Block identifizieren, wenn er also eine Finanz- reform ablehnen würde, bloß weil er sie nicht mit den Block- Parteien durchsetzen kann, sondern weil er dazu die Zustimmung des Zentrums in Anspruch nehmen muß, so würde er -unseres Erachtens nicht nach den Grundsätzen unseres V e r fas su n g s r ech t es. sondern nach denen des parlamentarischen Regiments han» dein. Die Geschichte wird ihm einst gewiß nicht daö von ihm gewünschte Zeugnis versagen, daß er die Bedeutung der land- wirtschaftlichen Interessen für die EntWickelung des Deutschen Reiches richtig gewürdigt und mit Energie und Erfolg vertreten hat. Wir fürchten aber, daß dieselbe Geschichte ihm, wenn er es jetzt für nötig hielte, mit dem Block zu stehen und zu fallen. den Vorwurf nicht würde ersparen können, daß er Grund» sätze des parlamentarischen Regiments im Deutschen Reich zur Durchführung gebracht hat, die der geschichtlichen EntWickelung und dem rechtlichen Aufbau des Reiches nicht entsprechen und geeignet sind, geradezu die Grundlagen einer weiteren gedeihlichen EntWicke- lung zu erschüttern. Ein solcher Schritt des Fürsten Bülow würde nach der Richtung der Durchführung rein parla- mentarischer Regierungsgrundsätze viel weitertragende und wichtigere Folgen haben, als sie irgendein ausgeklügelter Ge- setzesparagraph über die Min ist erver antwort- l i ch k e i t jemals haben kann." Die„Kreuzztg." plädiert darauf für die Durchführung der.Finanzreform mit Hilfe des Zentrums nach Abschiebung der Liberalen und kommt dann zum Schluß nochmals auf die Gefährdung der heutigen verfassungsmäßigen Stellung des Kaisers durch die Einführung parlamentarischer Re- gierungsmarimen zurück, indem es ausführt, daß der, der annähme, Bülow hätte nicht freie Hand, die Finanzreform „außerhalb des Blocks" zu machen, nicht auf dem Boden der Verfassung stände, sondern die Einführung parla- mentarischer Regierungsgrundsätze fördere, ,.d e r e n D u r ch- führung der geschichtlichen EntWickelung und dem Aufbau des Deutschen Reiches nicht entspricht und nach konservativen Grund- säßen auf das lebhafte st e zu bekämpfen i st." Für die Skrupellosigkeit und brutale Rücksichtslosigkeit, mit der die Junker ihre Machtinteressen verfechten, liefert der Artikel aufs neue einen schlagenden Beweis. Vor dem ikoMtreitz. Die Verhältnisse spitzen sich immer mehr zu. Die Re- gierung provoziert in der aufreizendsten Weise durch Maß- regelung aller im Vordergrund der Beamtenbewegung stehenden Personen. Sie scheint absichtlich den Streik hervornifen zu wollen, für dessen Niederzwingung sie alle Vorbereitungen ge- troffen zu haben wähnt. Auf der anderen Seite steigert das brutale Vorgehen der Regierung die Erbitterung der Beamten und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Beamten und der Arbeiterklasse. Ein demonstrativer Aus- druck dieses Solidaritätsgefühls ist die Umwandlung des Vereins der Beamten in eine Gewerkschaft gewesen, wodurch auch die Möglichkeit zum Anschluß an die Allgemeine Konföderation der Arbeit gegeben ist. Eben diese Vereinigung sucht die Regierung zu hindern und nimmt die Gründung der Gewerkschaft zum Anlaß für neue Provokationen. Der famose S i m y a n erklärte bereits einem Berichterstatter, daß die Regierung das neugcbildete Syndikat der Postbeamten niemals anerkennen und nnt ihm niemals in Verbindung treten werde. Damit ist also die Frage nach dem Koalitionsrecht der Beamten gestellt und diese Frage beriihrt natürlich zugleich das Interesse aller Arbeiter. Die Regierung hat auch sofort die Antwort erhalten. Ein Vertreter der Strecken- arbeiter der Telegraphenverwaltung erschien gestern in einer Konferenz der Eisenbahnarbeiter und sprach die Hoffnung aus, daß im Falle des A u s st a n d e s die gesamten Arbeitskräfte, namentlich die Eisenbahner ihre Pflicht erfüllen. Die Worte wurden von den Eisenbahnern mit stürmischem Beifall und den Zurufen aufgenommen:„Wir halten alle mit Euch fest zusammen". Sodann nahm der Kongreß einen in diesem Sinne abgefaßten Antrag ein- stimmig an. Ebenso sind auch die Pariser Syndikalisten zur Unter- stütznng des Beamtenstreiks mit allen Mitteln entschlossen und P a t a u d, der Führer der Pariser Elektcizitätsarbeiter, hat bereits angekündigt, daß Paris, wenn es ohne Post und Tele- graphen sein, auch gleichzeitig ohne Licht sein werde. So hat der Bruch des Regierungsversprechens, den unfähigen Simyan zu entlassen, in Verbindung mit der Scharfmacher- Politik der Regierung Frankreich an den Rand einer der schwersten sozialen Konflikte gebracht. Für den Streik. Paris, V. Mai. Die E i s e n b a h n- P o st f H a f s n e r sind im Prinzip für einen neuen Generalstreik der Post- bcaintcn. Pari?» 7. Mai. Die Beamten beZ Haupttelegraphcnamteö haben sich in einer gestern nacht abgehaltenen Versammlnng im Prinzip ebenfalls für den Generalstreik erklärt und überlassen es dem BerbandSauSschuß, den Zeitpunkt für die Erklärung des Streiks festzusetzen. Paris, 7. Mai. In einer gestern abend abgehaltenen V e r- s am m l u ng. in der gegen 400 Post- und Telegraphen- Beamte sowie zahlreiche Telephonist innen ihren Bei- tritt zu dem neugebil beten Syndikat anmeldeten, wurde ein Antrag angenommen, in dem erklärt wird, daß sie in dem Streik das einzige Mittel zur Erlangung ihrer Rechte er- blicken. Die Eisenbahner. Paris, 7. April. Die Eisenbahner hielten heute vormittag eine Versauiuilnng ab, die vier Stunden dauerte. Eine Mitteilung an die Presse besagt, daß der Rationale GcwcrkschaftSverein der Eifenbahnarbcitcr beschlossen hat, seine Fordeningen durchzusetzen. Ferner wurde beschlossen, ans dem Wege eineS sofortigen Referendums die Frage des Generalansstandes der Eisenbahn- arbeiter zn erledigen. Außerdem wurde sofort nach der Ab- stimmung ei» Streikkomitee ernannt. Vorbereituugeu der Regierung. Paris, 7. Mai. Dem„Mali n" zufolge hat sich Minister- Präsident Clemenceau an den Verein der Brieftauben- züchte r gewendet und ihn ersucht, sich für den Fall eines Streiks der Postbeamten bereit zu halten. Ter Präsident des Vereins, der ungefähr 105 000 Brieftauben besitzt, hat der Re- gierung seine Unterstützung bereitwilligst zugesagt. Weitere Abwehrmafiregeln. Paris, 7. Mai. Die Regierung trifft weitere Maßregeln. »m bei einem eventuellen Generalausstand der Post- und Tele- graphenbeamten gerüstet z» sein. Die Regierung hat bei der Pariser Handelskammer angefragt, welche Maßregeln sie zu treffen geneigt wäre, um den Transport der Korrespondenzen ihrer Mitglieder nach der Provinz und dem Auslände zn sichern. Die Besprechungen hierüber dauern noch fort. Der Sekretär der Handelskammer erklärte, in zwei bis drei Tagen könne er weitere Einzelheiten über die Angelegenheit bekanntgeben. * 0'* Bürgerlicher Klasseninstinkt. Die Wesensgleichheit alles dessen, was bürgerlich denkt, kommt immer schlagend zmn Ausdruck, wenn eS sich um wichtige Entscheidungen im sozialen Kampfe handelt. Dann schwinden die Nuancen zwischen den bürgerlichen Parteien und sie gruppieren sich einig um ihre Regierung zur Abwehr des Kampfes um die soziale Befreiung. DieS beweist die einmütige Hetze der französischen bürgerlichen Presse gegen die Beamten, dies demonstriert auch das„Verl. Tagebl." durch die Veröffentlichung eines Artikels ihres französischen Korrespondenten, der folgende charakteristische Stelle enthält: „Mag man noch so sehr die schwankende und' zweifelhafte Haltung der Negierung gegenüber den Beamten miß- billigen, man muh, wie die Sache nun einmal liegt, mit allen Mitteln die Regierung unter- stützen, um weitere Versuche, den Betrieb öffentlicher Arbeit zu stören, ein für allemal unmöglich zu machen. Dazu scheinen auch alle bürgerlichen Parteien, unter Vorbehalt ihrer sonstigen Empfindungen gegenüber dem Kabinett Clemenceau, entschlossen. Auch das Großkapital und die Großindustrie werden nicht zurückbleiben, wenn es die Organisation einer Tätigkeit gilt, die das streikende 23 e» amtentum ersetzen kann." Ist hier das gemeinsame Interesse der Bourgeoisie als einziger Maßstab der bürgerlichen Politik in den Vordergrund ge- rückt, so enthält der Schluß dann die liberale Nuance: So bedenklich die Lage zurzeit auch scheint: dielleicht wird doch vorläufig nur soviel gcichrien und gedroht, um wenigstens etwas Positives zu erreichen. Hat die Regierung ihre Pflicht getan, so braucht sie sich nicht e i n s ch ü-ch t e r n zu lassen. Sie wird der Bewegung, je schärfer sie einsetzt, wohl um so eher Herr werden, dann aber die weitere sehr ernste Pflicht haben, die berechtigten Forderungen der Beamten, die sie sich nicht abtrotzen ließ, auS freien Stücken s o schnell wie möglich zu erfüllen. lieber die Berechtigung der Forderungen entscheidet natürlich die Bourgeoisie; denn die Arbeiter und Beamtenproletarier haben nur einen Anspruch auf Gnade. Verlangen sie aber ihr Recht und wagen sie es, hinter ihr Recht ihre Macht zu setzen. dann ist der Liberale mit dem Scharfmacher einig, daß ei die Unterwerfung der Trotzigen gilt, koste es, wgS es wolle, poUtifche OcbcrHcht. Berlin, den 7. Mai 1909 Der Zitatenkünstler Schwartzkopff. 5|n einem Angriff, den der preußische Ministerialdirektor Schwartz- kopsi im preußischen Abgeordnctenhause gegen unsere Parteigenossen richtete, kam auch die Behauptung vor, doß im Liederbuch eines ArbeiterturnvereinS folgende Strophe vorkomme: Das tren'fte Vieh ist doch der Hund, Man lenkt ihn ohne Zügel, Und schlägt man ihm den Rücken wund, So leckt er ab den Prügel. Zuweilen wird er freilich wild, Doch kriecht er stets aufs neue: O Hund, Du prächtig Titelbild, Zum Lied von der deutschen Treue. Ohne Zweifel wird dieses Zitot dem Material des Reichs- verbände» einverleibt werden, um in sattsam bekannter Eut- rüstung bei kommenden Wahlen gegen die Sozialdemokratie Verwendung zu finden.— Die.Berliner Volks-Zeitung" stellt nun fest, daß dieses Lied, das den Zorn des preußischen MinisterialdireltorS erregte, nicht von einem Sozialdemokraten stammt, sondern eine Satire ist, die von dem bekannten württem- bergischen Dichter Ludwig Pfau verfaßt wurde und die einen Protest darstellen sollte gegen die Verhunzung der echten deutschen Treue durch die feilen verlogenen Byzantiner. Man kann allerdings von Herrn Schwartz- iopff, und zwar gerade von ihm, dem Förderer aller Rückwärts- bestrebmigen, nicht verlangen, daß er hinreichend informiert ist über jene Literatur, die der Sturm- und Drangzeit des Bürgertums entsprossen ist!_ Die Budgetkommisfio« beriet am Freitag über die BesoldungSordmmg und nahm im wesentlichen die Sätze der Regierungsvorlage an. Die Einteilung der WohnungSgeldklassen führte zu längeren Debatten. Die Vororte Berlin» wurden alle in die erste Klasse eingereiht, außer Berlin sonst noch Charloltenburg, Franlfnrt und auf Antrag der Kam- Mission auch Köln, Düsseldorf und Wiesbaden,--- Zur mecklenburgischen Verfassungsfrage. Tie drei liberalen ReichStagSabgeordneten Mecklenburgs, Pach- nicke, Linck und Graf Bothmer, haben mit Unterstützung von 93 freisinnigen und nationalliberalcn Abgeordneten folgende Interpellation im Reichstage eingebracht: „1. WuS gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, nachdem die in dem Bundcsratsboschluß vom 26. Oktober 1875 aus- gesprochene„Erwartung, es werde den großherzoglich mecklen- durgischen Regierungen gelingen, eine Aenderung der bestehen- den Verfassung mit dem mecklenburgischen Landtag zu verein- baren"— nicht in Erfüllung gegangen ist, und 2. die von dem Stellvertreter des Herren Reichskanzlers am 24. Januar 1905 zum Ausdruck gebrachte Annahme, eS fei„ganz ausgeschlossen, daß die mecklenburgischen Regierungen es auf- gegeben haben sollten und die mecklenburgischen Landstände es' auf die Dauer ablehnen könnten, eine den modernen Anforde- rungen der Zeit entsprechende Verfassung in ihrem Lande her- zustellen"— sich, wenigstens soweit die Mehrheit der mecklen- burgischcn Ritterschaft in Frage kommt, als irrtümlich erwiesen hat?" Die Demokratische Vereinigung und die Reichs- finanzreform. Der Zentralvorstand der Demokratischen Ver- e i n i g n n g hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig fol- gende Entschließung gefaßt: Wir erblicken in der Behandlung der sogenannten Reichs- finanzreforni eine das Ansehen und den Kredit Deutschlands aufs schwerste schädigende Komödie wider Willen. Der Block und der leitende Staatsmann haben bei der Bebandlung dieser Frage gleich- mäßig ihre Unfähigkeit zur Lösung dieser großen Aufgabe erwiesen. Niemals konnte eine so große Reform gelingen, wenn sie burcau- kratisch vom grünen Tisch, statt durch eine parlainentarische Re- gierung gemacht werden sollte. Die Demokratie hält eine wirk- liche Finanzreform für eine Staatsnotwendigkeit. Sie erblickt jedoch keine Reform in der bloßen Bewilligung neuer Steuern, sondern erachtet es für notwendig, daß eine grundsätzliche Re- gelang des Verhältnisses der Finanzen deS Reiche- zu denen der Einzelstaaten und Garantien für eine dauernde sparsame Wirt- schaft hinzutreten. Sie fordert deshalb Einschränkiing der militä- rischen Ausgaben, insbesondere durch Verständigung mit den anderen Nationen über eine Minderung derRüstungen. DieGrundloge jeder zur Gesundung der Finanzen führenden Refonn muß eine bewegliche, progressive, direkte Reichssteuer sEinkommensteuer. Veriilögensstener) sein. Neben sie mutz eine progressive Steuer auf die größeren Erbschaften und eine Wertzuwachssteuer ans Immobilien treten. Abzulehnen ist jede Erhöhung der indirekten Steuerlast, solange die Lebens- Notwendigkeiten nicht von Steuern und Zöllen frei find. Unerläßlich ist es, bei der gewaltigen Mehr- belastung des Volkes mit neuen Steuern, ihm Kompensationen durch Erweiterung seiner Rechte sReichstogswahlrecht für Preußen, Stärkung der Macht des Reichstags) zu gewähren. Der Aufschrei der Interessenten. Im ReichSamt deS Innern werden gegenwärtig Wahlurnen erprobt, die das Schichten der Wahlkuverts ver- hindern und also die gemeine Durchlöcherung deS Wahlgeheimnisses verhindern, die in vielen ländlichen — namentlich ostelbischen— Wahlkreisen epidemisch ist. Die grund- 'ätzliche Frage, ob solche Urnen von Reichs wegen eingeführt werden sollen, ist noch nicht entschieden. ES würde sich um 60 000 Urnen handeln, die einen Kostenaufwaild von etwa einer halben Million Mark verursachen würden. Die.Deutsche Tageszeitung" findet, daß die Anschaffung der- artiger Wahlurnen„eine nicht zu entschuldigende Verschwendung" sein würde. DaZ ist der Aufschrei der Interessenten an der Ver- gewaltigung abhängiger Wähler. Wenn die Land- arbeiter und kleinen Häusler nicht mehr zu fürchten brauchen, daß die Suppenschüssel oder Zigarrenkiste die Reihenfolge der Wahlkuvcrts genau bewahrt und ihre Abstimmung den ländlichen Machthaber enthüllt, dann beginnt die konservative Herrlichkeit bei den Reichs- tagswahlen zu wackeln. Deshalb wäre der Zeitung Oertels und ihren Lesern auch ein zehnfach kleinerer Betrag, ja schon ein Pfennig für anständige Wahlurnen»eine nicht zu entschuldigende Ver- schwendung" l_ Die Abstimmung über die Branntweinstcuervorlage vertagt. Die Finanzkommission des Reichstags erledigte Freitagabend die erste Lesung der Branntweinsteuervorlage und vertagte die Abstimmung bis zur zweiten Lesung. Damit wird der Zustand der Ungewißheit noch auf einige Wochen hinaus aufrecksterhaltcn. Die Zollsätze für Branntwein wurden ganz enorm erhöht: Es sollen künftig erhoben werden für Liköre, Arac, Rum und Kognak in Fässern 400 M. pro Doppclzentner, für andere Branniweine in Fässern 300 M., für Branntweine in anderen Behältnissen als in Fässern 500 M. imd für ätherische Ocle. die in der Parsümerie- industrie Verwendung finden. 600 M. pro Doppelzentner. In einem Paragraphen wird verlangt, daß der Alkoholgehalt bei Trinkbranntwein auf den Gesäßen deklariert werden müsse. Die Kon- servaiiven erklärten, das sei nötig, damit das Boll vor Betrug geschützt werde und nicht einen Schnaps bekomme, der geringen Alkoholgehalt habe. Wenn die Konservativen für die Interessen des Volkes eintreten, dann darf man getrost volksfeindliche Hinter- gcdauken vermuten. So auch in diesem Falle. Der Antrag be- zweckte einen höheren Verbrauch a» reinem Alkohol, weil die Konservativen damit reckmen, daß die den Schnaps konsumierenden Bevölkerungskreise bestrebt sein lverden, möglichst starken Schnaps zu erhalten. Unter der Bezeichnung„5lvvnbranntwein" darf künftig mir solcher Branntwein vertaust werden, der aus Roggen, Weizen, Buchweizen, Gerste und Hafer hergestellt ist. Wird dieser Branntwein mit Kartofsclschnaps vermengt, so muß er unter der Bezeichnung.Getreidebranntwcin" verkaust werden. DaS Schicksal der Branntweinstcuervorlage ist nach wie vor vollkommen un. gewiß und vermutlich bloß, um einer Entscheidung aus dem W.'ge zu gehen und die Situation noch mehr zu verwirren, ist die All- stimmung über das ganze Gesetz bis auf die zweite Lesung vertagt worden. Das Ende der„Lentenot" in der Landwirtschaft Ostpreußens. Ein ziemlich großes Ueberangebot von Arbeitskräften macht sich zurzeit in fast allen ostpreußischen Landkreisen auf den Gütern und Domänen bemerkbar. Und täglich kommen noch nach Hunderten zählende Scharen ausländischer Arbeiter über die Grenze. Ge- wohnlich werden diese männlichen und weiblichen Arbeiter schon jenseits der Grenzen von Agenten als Saisonarbeiter angeworben; in diesem Frühjahr ist aber das Angebot so starl, daß eine große Zahl Arbeiter erst auf deutschen, Baden sich Arbeit siichen muß. So sieht man denn diese russischen, polnischen und galizischen Arbeiter durch die Straßen der Städte in Trupps von IL bis 20 Personen ziehen oder die Wohnungen der Agenten und Stellenvermittler belagern. Bürgerliche Zeitungen melden denn auch, daß fast alle Güter bereits mit Arbeitskräften, sogar für die Ernte versorgt sind. Bus den Kreisen Angerburg, Jnsterburg. Königsberg, Allenstein, Oletzko, Lyck wird sogar mitgeteilt, daß fremdländische Landarbeiter nicht mehr eingestellt werden können, da genügend beimische Arbeits- kräste vorhanden wären. Nicht unbedeutend ist übrigens die Zahl der aus den Industriegebieten des Westens zurückgewanderten Ar- beiter, die hier in der Landwirtschaft Beschäftigung gefunden haben. Dresdener Polizei und Wahlrechtskampf. Bei der letzten Wahlrechtslnndgebung der Dresdener Arbeiterschaft am 17. Jannar. wobei das sächsische Plural- wahlunrecht die Bluttaufe erhielt, war auch Genosse Stadt- verordneter Kühn in dem Augenblick verhaftet worden, als er von einer Droschke aus eine Ansprache au die demonstrierenden Masien richtete. Er legitimierte sich durch seine vom Stadt- vcrordnetenvorsteher ausgestellte Legitimationskarte als Stadtverordneter. Die Gendarmen erklärten jedoch, so ein Ding könne jeder vorweisen, man wisse doch nicht ob es echt sei und führten den Festgenommenen, an beiden Armen packend, trotz seines Protestes zur Wache. Diesen Vorgang brachte an« Donnerstagabend in der Sitzung der Stadtverordneten in Dresden Genosse F l e i tz n e r zur Erörterung. Die Dresdener Sicherheitspolizei ist staatlich. Es ist daher auch schwer, im Stadtparlament polizeiliche Ncbergriffe einer Kritik zu unterziehen, diesmal aber gelang es in beschränktem Matze. Das Vorgehen der Gendarmen gegen den Stadt- verordneten K ü h n hatte auch bei dem Stadtverordneten- Vorsteher und der bürgerlichen Mehrheit Verstimmung hervorgerufen, zumal die Polizeidirektion auf eine Beschwerde Kühns hin entschieden hatte, es habe nichts gegen das Vorgehen der beiden Gendarmen einzuwenden. Als daher Genosse Fleitzner das Vorgehen der Polizeibeamten und die Entscheidung der Polizeidircktion geitzelte, fand er auch auf bürgerlicher Seite Zustimmung. Insbesondere wies der konservative Oberlehrer Dr. Thümmlcr darauf hin, datz sonst jede Stu- dentenkarte als vollgültiger Ausweis ange- seben werde. Einen Schritt weiter ging der Rechtsanwalt Höckel(Reformer), der betonte, dieser Fall zeige, datz die Stadt an st reden müsse, eigene Polizer zu erhalten. Nachdem noch Genosse Kühn selbst den Vorgang geschildert und dabei auch betont hatte, datz ein Gendarm in der späteren Gerichtsverhandlung beeidet habe, er habe nach seiner Instruktion die Legitimationskarte des Stadtverordneten nicht anerkennen dürfen, der andere aber das Gegenteil ausgesagt hatte, kam es zur Ab- stimmung, wobei die 13 sozialdemokratischen Vertreter die dreiviertel Million Mark für die Sicherheitspolizei geschlossen ablehnten. DaS war zugleich ein Protest gegen die Säbelattacke der Polizei wie gegen die jetzige Ordnung der Dresdener Polizeizustände.— Der Wahlrechtsdemonstrations-Prozes? in Remscheid. Am Freitag ging in Remscheid die Gerichtsverhandlung gegen 22 Genossen vor sich, die bei der W a h l r e ch t s d e m o n st r a- tion an Kaisers Geburtstag sich strafbar gemacht haben sollten. Wir haben die Vorgeschichte des Prozesses bereits gebracht. Das Urteil lautete gegen den Genossen Koch als angeblichen Leiter des Zuges auf 1S0 M. Strafe, während die Genossen Bratz und Gohr, denen ebenfalls zur Last gelegt wurde, den Tamon- strationszug veranstaltet bezw. geleitet zu haben, frei- a e s p r o che n wurden. Ein Angeklagter erhielt einen Monat Gefängnis wegen fahrlässiger Körperverletzung; ihm war zur Last gelegt, einen Polizeibeamten mittelst gefährlicher Werkzeuge(nämlich Nadeln) körperlich mihhandelt zu haben. Acht Angeklagte wurden wegen Auflaufs zu je zwei Wochen Ge- fängnis verurteilt, ein Angeklagter wegen Auflaufs zu einem Monat, ein Angeklagter wegen des gleichen Deliktes zu einer Woche Gefängnis. Die meisten der Angeklagten erhielten noch Zusatzstrafen von 9 bis 18 M. wegen Vergehens gegen den Groben Unfug-Par» graphen bezw. wegen Uebertretung der Stratzenpolizeiverordnung. Einer der Angeklagten soll einen Polizeibeamten als„Kerl" be- zeichnet haben, was ihm 59 M. Geldstrafe einbringt. Drei An- p-klagte wurden freigesprochen. Gegen die Urteile ivird Berufung eingelegt werden. Kein Tropenkoller. Der wegen Soldatenschindereien in vielen F-achT e n vorbestrafte Unteroffizier O. vom 84. Infanterieregiment in Schleslvig wollte bor einigen Monaten, von einem Tanz- vergnügen kommend, seiner Begleiterin gewaltig imponieren. Er schimpfte auf„die verdammten Zivilisten", die er Mores Ichren wolle. Von den Worten ging er auch sofort zur Tat über, denn dem ersten ihm in den Wurf kommenden Passanten. einem jungen Mann, versetzte er mehrere Säbelhiebe. Er zielte nach dem Kopf des„verdammten Zivilisten", der aber drei Säbcchicbc mit dem Arm parierte. Der Verletzte ist 3 Wochen lang arbeitsunfähig gewesen und leidet noch heute an den Folgen der rohen und feigen Tat. Als ein Schutzmann hinzukam, lief der wie rasend mit seinem Säbel um- herfuchtelpde Unteroffizier nach der anderen Seite der Straße, wo er einen Zivilisten also anbrüllte:„Du verfluchter Schweinehund, ich steche dich nieder wie einen räudigen Hund!" Als er zum Schlage ausholte, wurde er von dem Schutzmann beim Kragen genommen und unschädlich gc- macht. Das Kriegsgericht der 18� Division ahndete diese Heldentat mit ganzen 15 Tagen Gefängnis, welche Strafe dem Ge- richtsherrn zu niedrig erschien. Vor dem Oberkriegsgericht des 9. Armeekorps (Altona) behauptete O., er sei total betrunken gewesen, so daß er sich an nichts zu erinnern vermöge. Er sei bei der Schutztruppe in Südwestafrika von einem schweren nervösen Leiden befallen worden und wenn er trinke, wisse er nicht, was er tue. Die Zeugen erklärten, daß der Angeklagte nur leicht angetrunken gewesen sei. Der Oberstabsarzt, der O. auf seine physische Vcr- fassung untersucht hat, sagt aus, daß dieser von seinem tropischen Leiden wieder völlig hergestellt sei. und da von einer sinnlosen Trunkenheit nicht die Rede sein könne, müsse er auch die Verantwortung für sein Tun tragen. Au« den zur Verlesung gelangten Urteilen gegen O. geht hervor, daß er seine Leute bis aufs Blut gepeinigt hat und sehr zu Gcwalttätigkeitcn neigt— a la Exstellvertretcr Breitenbach ließ er die Untergebenen bis zur Be- wußtlosigkeit Knicbcuge machen, schlug sie mit dem Seitengewehr über Rücken und Gesäß, trieb ihnen die Helme auf. versetzte ihnen Nasenstüber und trieb sonsttge„Scherze" mit ihnen. Trotzdem durfte er weiter als militärischer Erzieher fungieren. DaS OberkricgSgericht hob das Urteil erster Instanz auf und verurteilte den rohen Patron zu 4S Tagen Gefängnis und sprach dem beleidigten Zivilisten die Befugnis der Urteils- Publikation zu._ Wahre Patrioten. Vor dem Schöffengericht zu Barmen, so berichtet die „Freie Presse", Elberfeld, spielte sich vergangene Woche eine Ge- richtSverhandluiig ab, die einen tiefen Blick in das fromme Gemüt einiger guter Christen und Patrioten tun ließ. Der Oberpost- schaffner Albert P. in Essen war von seiner vorgesetzten Behörde genötigt worden, gegen seinen Sohn, den Handlungsgehilfen Hermann P., Beleidigungsklage anzustrengen. Der edle Sohn batte nämlich seinen Vater bei dessen vorgesetzter Behörde denunziert, daß er vor zwei Jahren(I) anläßlich der Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens eine MojeslätZv?lridii»nn,, begangen ti»h,'. Ter Vater stellte das entschieden in Abrede, der Sohn erbot sich zum Wahrheitsbeweise. Als Zeugen bot er feine Brüder und seinen Schwager an. Der Richter machte die Zeugen darauf aufmerksam, daß sie berechtigt seien, ihr Zeug- niS z u verweigern. Die braven Söhne brannten jedoch so darauf, vor Gericht ihren Pater moralisch zu mißhandeln, daß sie ohne Ausnahme auf das, Recht der Zeugnisoerweige« rung verzichteten. Sie beschworen sämtlich, daß die iDeouwtiation des BrudwZ Herwon-i der Äiobrkeit eotivreöbk, S?em Gericht blieb unier diesen Umständen nichts weiter übrig als den beklagten Sohn freizusprechen mit der Begründung, daß der Wahrheitsbeweis erbracht sei. Der Vater weinte vor Gericht über seine 5dinderl Ter wahre Patriot wird diese Geschichte mit Entzücken lesen. Diese Söhne sind Männer, deren gute Gesinnung über alle schwäch- lichen Familienrücksichten triumphiert. Die würden gewißlich auch auf Vater und Mutter schießen, wenn's verlangt wird. Die Ereignisse in der Türkei. Abdul Hamids Schuld. Konstantinopel, 9. Mai. Bei Portiers und Hauswächtern von Pcra fanden heute Haussuchungen statt, wobei zahlreiche Waffen, angeblich auch Bomben gefunden wurden. Wie verlautet, hat der Sekretär des früheren Sultans Dievad vor dein Kriegsgericht zu- gegeben, daß die Unruhen in den Provinzen auf die Initiative von Abdul Hamid zurückzuführen feien. Die Führer des Militäraufstandes in Erzerum werden hierher gebracht, um sich vor dem hiesigen Kriegsgericht zu verantworten. Kiamil Pascha liegt schwer krank darnieder.— Truppen nach Kleinafien. Konstantinopel, 7. Mai.„Turquie" zufolge hat das KriegS- minifterium die Mobilisierung Von 49 Bataillonen für die Erhaltung der Ruhe und Ordnung in eiuigen Gebieten Klein« a s i e n S vorbereitet. In M e r f i n a ist alles ruhig.-» Oeftemicb. Dringlichkeitsanträge. Wien, 7. Mai. Abgeordnetenhaus. Im Einlaufe be- rinden sich vier Dringlichkeitsanträge. nämlich zwei von den Sozialdemokraten und Deutschfreiheitlichen ein- gebrachte betreffend die tunlichst schnelle Versetzung der in Bosnien zurückgehaltenen Sieservisten in das nicht- aktive Verhältnis, einer der tschechischen Agrarier betreffend Ein- setzung einer Kommission zum Studium der Verhältnisse der Rübcnbauer, endlich ein Antrag M a s a r y k. Dieser verlangt lliiter Hinweis darauf, daß in publizistischen Organen behauptet wird, daß an der angeblich hochverräterischen Bewegung im Süden der Monarchie auch österreichische Nationali- t ä t e n, ja sogar Abgeordnete, beteiligt gewesen seien, der An- nexionsausschuß möge die Beweise, die für die Existenz einer weitverzweigten hochverräterischen Abfallbewcgung angeführt werden, genau prüfen und das Ergebnis dieser Prüfung so- bald wie möglich dem Hause bekannt geben. Das Haus verhandelte unter Unterbrechung der ersten Lesung der Steuervorlagen die beiden zuerst erwähnten Dringlichkeitsanträge gemeinsam. Landes- Verteidigungsminister Freiherr v. Georgi erklärte, die Rückkehr zum normalen Truppenbcstande sei in Bosnien nicht möglich. Die Kriegsverwaltung werde aber bestrebt sein, diesen Zustand sobald wie möglich herbeizuführen. Die Regierung stimme dem deutsch- freiheitlichen Dringlichkeitsantrage zu. Durch die Zurückberufung der Reservisten sowie die Unterstützung der Familien der Ein- berufenen erscheine der sozialdemokratische Antrag größtenteils gegenstandslos. Das HauS nahm sodann den freisinnigen Antrag mit einem Zusatz der Sozialdemokraten an, der die Handhabung des Unterstützungsgesetzes für die Familien der Einberufenen wirkungsvoller gestalten soll. frankreick. Klassenjustiz. Rouen, 6. Mai. Der Schatzmeister der Arbeite rvereini» g u n g Marck und der Sekretär der Arbeitsbörse in Rouen Torten wurden wegen„aufreizender" Reden, die sie am 1. Mai gehalten hatten, zu 4 bezw. zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Cnglancl. Der Wahlsieg der Arbeiterpartei. London, 5. Mai.(Eig. Ber.) Der Wahlsieg der Arbeiterpartei bei der Nachwahl in Attercliffe(Sheffield) war vor allem der Spaltung der konservativen Organisation geschuldet. DaS neue Mitglied der Arbeiterpartei, Pointer, ist Sozialist; er ist Metallarbeiter(Former) und Gemeinderat. Seine Gewerkschaft, die der Arbeiterpartei angeschlossen ist, war sich darüber nicht einig, ob sie— angesichts des Uteils des Appellhofes, daß Gewerk- schaftsgelder nicht für politische Zwecke verwendet werden dürfen — Pointer unterstützen soll. Allein der Vorstand der Arbeiter- Partei und der der unabhängigen Arbeiterpartei übernahmen das Risiko, und die Gewerkschaft der Former trat finanziell für Pointer ein. Der sozialistische Sieg ist auch dadurch bemerkenswert, daß die Metallarbeiter von Attercliffe zum größten Teil an Panzerplatten für die Flotte beschäftigt sind und die Sozialisten und die Ar- beiterpartei gegen die Flottenrüstungen auftraten. Was daS neue Parlamentsmitglied betrifft, so kannte jeder Wähler seinen a ujs g e splr och e n e n sozialistischen.Standpunkt. Der Wahlkampf wurde hauptsächlich auf Grund des Arbeits- losenproblems und seiner Lösungsmittel ausgefochten, wobei der Sozialismus zu seinem Rechte kam. Der Sieg kam zur rechten Zeit, um das Vertrauen der So- zialisten zum Proletariat zu stärken. Und das ist jetzt in England die Hauptsache. Huklatid. Die Todesstrafe in Russisch-Polen. Felix Kon, ein Mitglied des früheren„Proletariat", der 18 Jahre in der sibirischen„Katorga" weilte, schildert in der juristischen Wochenschrift„Prawa", wie die Kriegsgerichte in Russisch- Polen„arbeiten": „DaS Zarentum Polen war auch in dieser Beziehung ein Lahoratoriinn. eine Versuchsstation für Rußland, in welcher die„Be- ruhignngSexperimente" ausgeführt wurden, welche hiernach auf das ganze Reich ausgedehnt wurden. In der ganzen Welt wird die Anklage auf Grund des gesamten Anklagematerials formuliert, und das Urteil des Gerichtes umfaßt sämtliche Vergehen des Angeklagten. In Polen besteht eine vollkommen andere Ordnung. Hier wird jede Person für jede Anklage besonders abgeurteilt, und wer in einem Prozeß zum Tode verurteilt tvorden ist, kann in einen« anderen Prozeß zur Katorga verurteilt oder gar freigesprochen werden. Ernst Cheilo, am 1. Juni 1994 zum Tode ver- urteilt, wurde am 5. Juni in einem anderen Prozeß zu 12 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Stanislaus Tschubaschek, an, 1. Jlmi zum Tode verurteilt, wurde am 3. Juni zum zweiten Male zum Tode verurteilt, und nur die Vollstrockilng des Urteils befreite ihn davor, am 9., 19., 11. und 15. als Angeklagter in anderen Prozessen zu figurieren. Andrei CzervinSkY wurde an, 3. Juni zum Tode verurteilt, am 5. freigesprochen. am 19. nochmals zum Tode verurteilt usw. usw. Im Prozeß der Siedlezer Organisation wurden von 32 Angeklagten gegen 23... 44 Todesurteile gefällt! In Lodz wurden während der Julisession des Kriegsgerichts gegen 22 Personen... 33 Todesurteile gefällt I" Dieses System bringt manche Vorteile mit sich. Man kann in einem oder zwei Fällen das Todesurteil gegen eine und dieselbe Person aufheben, um eS im dritten Falle zu bestätigen. Dank diesem System finden Begiiadigungen zwar ziemlich oft statt, aber Begnadigte gibt es fast gar keine. Der„Humanität" wird Genüae aeleistet. wäbrend der Henker keines keiner Ovker verliert finnlanä. Der 1. Mai und die Wahlen. Helsitigfors, 3. Mai.(Eig. 25er.) Der 1. Mai wurde auch dieses Jahr überall in Finnland ivürdig gefeiert. Das Wetter war äußerst unfreundlich, aber trotz Regengüsse und Schneegestöber ließ die Arbeiterschaft ihre Feststimmung sich nicht nehmen. In H e l s i n g f o r s stellten sich etwa 60 Arbeitervereine und Verbände mit ihren Fahnen auf dem Eisenbahnplatz auf und zogen dann init klingender Musik nach dein Volkshause, wo in den überfüllten Sälen Reden über die Bedeutung des 1. Mai und über den bevorstehenden Wahlkampf gehalten wurden. Unter brausenden Klängen der„Internationale" wurden die Versammlungen geschlossen.— Imposante Arbciterdemonstrationen fanden außerdem in allen größeren Städten Finnlands statt(so zum Beispiel in Tammerfors, Wiborg, Abo, Ulea» borg, W a s a und anderen) und auch überall auf dem flachen Lande wurde der Weltfeicrtag festlich begangen. Die Wahlen am 1. und 3. Mai sind jetzt abgeschlossen. Soweit Nachrichten vorliegen, war die Beteiligung an den Wahlen diesmal ziemlich rege. In Hclsingfors stimmten von 59 336 Wahlberechtigten 36 640 oder 58.2 Proz.(im vorigen Jahre 33 693 oder 55,8 Proz.); in Wasa stieg die Wahlbeteiligung etwa auf 70 Proz., ebenso auch in Abo: Das Schlußresultat der Wahlen wird nach ettva zehn Tagen endgültig bekannt sein, doch das ist schon im voraus bekannt, daß der Landtag keine größeren Ver- änderungen aufweisen und im übrigen dasselbe o p p o- sitionelle Gepräge tragen wird wie die im Februar aufgelöste Volksvertretung. ßuigamn. Eine Titelfrage. Sofia, 7. Mai. Wie verlautet, haben di« T ä r k e i und einzelne Großmächte von der bulgarischen Regierung Aufklärung darüber verlangt, mit welchem Rechte König Ferdinand den Titel„König der A u l g a r e rt annehmen könne. Die» mache in der Türkei mit Rücksicht auf die B u l g a r e n i n M a z e- d o n i e n böses Blut. Die bulgarische Regierung beabsichtigt, in einem an alle Mächte zu richtenden Memorandum die Rechtmäßig- keit dieses Titels historisch zu begründen. Bus der Partei. Nachklänge zur Maifeier in Schwede». Am Mittwoch antwortete der Staatsininister Liiidmann in der zlveiten Kammer des schwedischen Reichstages auf die Interpellation des Genossen B r a n t i n g wegen des Verbots der Fahne mit der Inschrift„Kein Mann— keiiie Oere dem Militarismus!" bei dem Umzug der Stockhoüncr Genossen. Dieses Polizeiverbot war indirekt durch die Regierung selbst hervorgerufen worden; im Mai vorigen Jahres'forderte sie alle Polizeibehörden auf, gegen öffentliches Tragen oder Aufstellei, von Fahnen und Standarten mit AergerniS erregenden oder gesetz- widrigen Inschriften einzuschreiten. Branting fragte, ob die Regierung es billigt, wenn die staatsbürgerliche Freiheit unter Be- rufuna auf dieses Nundschreiben der», aßen eingeschränkt wird, wie eS u. a. durch das Verbot jener Inschrift geschah. Was der Staatsininister antwortete, war keine Antwort auf die Frage. Er redete davon, daß der Name der Freiheit oft zur Verteidigung von allerlei Gewalttatei; mißbraucht werde, und gegen solche Gewalttaten müsse die Negierung kräftig reagieren. Die mit den in Frage stehenden Matznahmeii Unzufriedenen könnten ja den Rechtsweg beschreiten. Darum scheine' es der Regierung nicht angebracht, sich über den vorliegenden Fall zu äußern. Unsere Genossen versäumten selbstverständlich nicht, diese erbärmliche Haltung der Regierung ins rechte Licht zu stellen. UebrigenS sind bei der diesjährigen Maidemonstration in Schweden verschiedene Fahnen und Standarten der Polizeiwillkiir zum Opfer gefallen. In Oskarshamn wurde sogar eine Standarte mit der Inschrift:„Du sollst nicht töten" verboten, so daß also dort nach Ansicht der Polizei das fünfte Gebot öffent- liches AergerniS erregt oder gesetzwidrig zu sein scheint._ LaudtagSwahlfiege in Oesterreich. In Salzburg und Oberösterreich haben dieser Tage Landtagswahlcii staltgefunden. Die Sozialdemokratie hat dabei neues Terrain gewonnen. In Salzburg wurde» die beiden städti- scheu Mandate erobert. In der Stadt Salzburg erhielten der Ge- nosse Proksch 1438, der deutschsoziale Kandidat 736. der christlich- soziale 599, in dem anderen Wahlkreis, der aus den übrigen Städten und Märkten des Landes gebildet wird, der Genosse Preußler 2629, der Dentschnationale 1186 und der Christlichsoziake 1952 Stinunei«. Die Wahl der beiden Sozialdemokraten ist Umso erfreulicher. sagt die„Wiener Arbeiterzeitung",„als nicht nur die Wahl- Pflicht alle indifferenten Schichten zur Wahl brachte, sondern auch durch den Zensus von 8 Kronen eine große Zahl von organisierten Arbeitern nicht in dieser Kurie wahlberechtigt ist, sondern in der privilegierten Kurie, wo ihre Stimmen nicht ms Gewicht fallen." Aus Oberösterreich ist bisher nur die Zahl'der Stimmen bekannt, die die verschiedenen Parteien erhielten. Von 49 388 Stimmen hat die christlichsoziale Liste 17 191, die deutschnationale 11 879, die sozialdemokratische 11498 Stimmen erhalten. Danach bekommen die Christlichsozialen zwei Mandate, die Deutsch- nationalen und die Sozialdemokraten je ein Mandat. Die Personen der Gewählten werden erst von der Hauptwahl» komniisston festgestellt werden._ BcrsiimmlimgSreform. Die Kölner VolkshauSverwaltung hat den Vorständen der Ar- beiterorganisationen eine Aufstellung der Mietpreise zugehen lassen, die für die einzelnen Zimmer und Säle bezahlt werden müssen, wenn nicht serviert wird. Die Mietsätze schwanken zwischen 1 M. und 49 M.(großer Saal einschließlich Heizung und Beleuchtung) und sind verhältnismäßig so niedrig, daß sofort in die Augen springt, wie sehr sich— abgesehen von der erhöhte» Anfmerksanikeit— das Ver- sammlungSleben verbilligen ließe, wenn die Organisationen dazu übergingen, Miete zu zahlen und daS Serbieren auszuschalten. Die Aufstellung des Kölner Volkshauses zeigt, daß der Beitrag für die Miete auf das einzelne Mitglied im ganzen Jahre nur soviel be« rrageu würde, wie jetzt jeder in 3—4 Versammlungen ausgibt. Selbstverständlich würde das neue System auch die finanzielle Seite der Vollshäuser günstig beeinflussen, die nur zu häufig— man denke an die Krise und Arbeitslosigkeit— bei schlechtem Versammlungs- besuch die Kosten für Beleuchtung und Heizung der Räume nicht herausschlagen können. Es wäre zu begrüßen, wenn die Arbeiter- orgaiiisalionen diese Frage erörtern würden. Bürgerliche Riinbergeschichte. Wie die„BreZlaner Volksmacht" meldet, fabelt die„Ka i r o w i tz e r H e i t un g" von ciirer„blutigen Messerstecherei der maifeiernden Sozialdemokraten in Oppeln". Wie nun der Vertrau«, sma,,» der Partei in Oppeln festgestellt hat, haben in Oppeln weder die Arbeiter den 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert, „och hat dort eine Maiversammlung stattgefunden. Also stellte sich herans, daß die ganze Geschichte von dem ehrsamen Blatt von A bis Z erlogen war. In Augsburg kam dieser Tage vor dem Schöffengericht die öffentliche Klaye gegen de» Maler Alfons G o t t s ck> l i n g wegen vorsätzlicher leichter Körperverletzung, verübt an dem Genossen Land- taaSavaeordneten Rollwaaen zur Verbandluna DaS Urteil a ch lv e i s u n g über die im 4. Quartal bitten um Beachtung Vautete auf 35 Dft. Geldstrafe eventuell sieben Tage Gefängnis. In der Begründung der Anklage wie des Urteils wird die Tat Gottschlings als eine äichersi rohe bezeichnet, die nahe an Ueberfall grenze. Eine AugSburger Parteiversammlung hat kürzlich aus anderen Anlässen das Ausschlichverfahren gegen Gottschliug beim Parteivorstande be antragt. OewerK fcbaftUcbe�. Wie Sperre und schwarze Listen wirken. Die Grubcnhcrren im Ruhrrevier haben die Verhängung der Sperre zu begründen versucht mit dem außerordentlichen starken BclegschaftSwechsel. Die schwarzen Listen wurden für notwendige Maßregel gegen den Kontraktbruch erklärt. Es laßt sich nunmehr ziffernmäßig nachweisen, wie die von den Grubcnhcrren angewandten Zwangsmaßregeln wirken; die soeben erschienene„Nachl Belegschafts Veränderungen 1908" gibt Auskunft darüber. Wir folgender Zahlen: Zugang Abgang Oktober... 24 336 19 364 November.. 20 059 14 263 Dezember... II 680 1 1 202 Die unglaublich rapide Abnahme des Belegschaftswechsels in der kurzen Frist von drei Monaten wirkt geradezu ver- bluffend. Sonst gilt der Belegschastswechscl als sehr guter Maß st ab für die auf cinerGrube herrschenden Mißstände. Je schlimmer die Ausbeutung und schlechte Behandlung, desto stärker der Belegschaftswechsel. Nun sehen wir, daß trotz der außerordentlich starken Lohnkürzungen in den letzten Monaten und trotz der sklavischen Behandlung, die man den Arbeitern wieder zu teil werden läßt, der Belegschaftswechsel außerordentlich eingeschränkt erscheint. Wie gesagt, ist diese Erscheinung lediglich auf die von den Grubenherren ver- hängten ZwangSinaßrcgeln der Sperre und der schwarzen Listen zurückzuführen. Richtig ist schon, daß ein starker Belegschafts- Wechsel keineswegs im Interesse der Sicher- heit der Bergleute liegt. Wenn ein Arbeiter lange an einer Arbeitsstelle aushält, desto besser wird er mit den ihr eigentümlichen Verhältnissen und Gefahren ver- traut. Er kann den letzteren besser aus dem Wege gehen oder Vorbeugungsmatzregeln treffen. Auf einer neuen Arbeitsstelle muß der Arbeiter sich immer wieder einlernen. Das Interesse der Grubenherren an einer ständigen Beleg- schaff ist ein anderes. Der Unternehmer weiß, daß eine ständige mit den Verhältnissen vertraute Belegschaft ra- tioneller arbeitet, die Leistung also größer wird, die Produktion und zuletzt der Profit sich steigern. Darunk das Streben der Grubenherren, den starken Be- legschastswechsel einzuschränken. Der einfachste und natürlichste Weg wäre, die Arbeiter anständig zu be- handeln und ihnen Löhne zu zahlen, die ihnen eine menschen- würdige Existenz garantieren würden. Diesen Weg zu be- schreiten verschmähen aber die Grubenprotzen, weil ihnen das ihre Herrcnnioral nicht gestattet. Sie beschreiten den Weg der Gewalt, setzen durch ihre Maßregel daS Gesetz der Freizü gigkeit außer Kraft, sie fesseln den Arbeiter, machen ihn zum Sklaven, um die Aus- beutung intensiver zu gestalten und die Löhne möglichst tief drücken zu können. Das Verhalten der Grubenherren spricht zivar Gesetz und Recht Hohn, aber sie sind ja die Herren im Staat, denen sich die Regierung willig beugt und denen kein Staatsanwalt etwas anhaben kann. Freilich wird sich das Treiben der Grubenherren einmal bitter rächen. Tie Herren häufen Zündstoff auf Zündstoff, bis es einst wieder zur Explosion konimen muß, die von ver- beerender Wirkung sein wird. Lerlin und Umgegend« Die streikenden Bauklempner kamen am Freitagmorgen zu einer Besprechung der Lage wieder im Gewerkschaftshause zusammen. In dem letzten Rundschreiben der Unternehmer. Nr. 8, datiert vom 5. Mai, und unterzeichnet„Die Tarifkommission", wird eine Auslassung des bekannten Herrn Wiesenthal gegen die streikenden Bauklempner ausgebeutet. Wiesenthal spuckt Gift und Galle in seiner Zeitung, weil in einer Versammlung der Streikenden behauptet wurde, daß im Arbeitsnachweis von W i e s e n t h a l Streikbrecher vermittelt wurden; Rohrleger sollten unter dem Vorwand, daß eS sich um Rohrlegerarbeiten handelt, Streikarbeit übernommen haben. Wiesenthal griff Cohen in sehr gehässiger Weise an, weil er ohne weiteres an- nahm, daß Cohen diese Behauptung aufgestellt habe. Cohen hatte aber nichts damit zu tun. Der Vorsitzende der Versamm. lung, Dietrich, informiert von den Vertrauensleuten, stellte fest, daß Rohrleger von Wiesenthals Arbeitsnachweis gesandt, Streikarbeit leisteten. Unterstützt wurde diese Behauptung durch Mitteilungen aus der Mitte der Versammlung. Und in der letzten Streikversammlung wurden fünf Betriebe namentlich angeführt, wo„Wiesenthaler" die Plätze von Streikenden eingenommen haben. Wiesenthals grimmige Entrüstung ist also nicht am Platze, aber den Unternehmern bietet sie willkommenes Material, und sie nützen eS in ihrem Rundschreiben nach Kräften aus. Groß und fett steht da gedruckt:„Den Klempnerstreik gibt Cohen verloren. Aber Cohen erklärte dazu, daß er gar nicht daran denke, und daß bis Freitag früh 83 Firmen den Tarifvertrag schon anerkannt hätten. Davon gehörten ein Drittel zur Innung und zur Freien Vereinigung der Klempnermeister.— Wenn es in dem Rundschreiben heißt, daß die Leitung deS Deutschen Metallarbeiterverbandes Unterhandlungen anzuknüpfen versucht habe, so ist dies nur insoweit richtig, als die Streikleitung auf Drängen einzelner Meister erklärt bat, daß sie Vorsckckäoen zum Frieden immer geneigt sei, wenn die M ei st er die Forderung der Akkordarbeit endgültig fallen lassen. Auf diejenigen Firmen, die den Tarif anerkannt haben, wird ein starker Druck ausgeübt, um sie zu bewegen, die Unterschrift zurückzuziehen. Man schreckt die Jnnungsmeister damit, sie aus der Innung auszuschließen, obgleich man dazu nicht berechtigt ist. Bis jetzt hat erst eine Firma ihrer Anerkennung deS Tarifs rück- gängig gemacht. Mancher Meister wird damit getröstet, daß der Kampf nicht mehr lange dauern könne. Die Arbeiter könnten nicht inehr lange aushalten, so wird den Ungeduldigen gesagt, aber daS ist eine Täuschung. Unter großem Beifall der Versammelten er- erklärte Cohen, daß die Arbeiter fest und unentwegt den Kampf weiterführen werden und wenn er noch Monate dauern sollte. DenvteKes Reich- Massenproduktion schwarzer Listen. Eine ganze Serie von schwarzen Listen des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller können wir wieder veröffentlichen. In einigen Listen wird nur Mitteilung von bestehenden Streiks ge- macht, so vom Schreinerstreik in Westfalen. Auch vom Bauhaud- werkerstreik in Coswig in Anhalt wird berichtet. Für die betref- senden Streikenden ist es jedenfalls von Interesse, zu wissen, daß die Arbeitgeber befürchten, bei der beginnenden Bausaison würden auswärtige Arbeitgeber die Streikenden engagieren. Liste Nr 49 enthält die Namen, Geburtstage und Wohnorte von 16 Personen, die auf der Lünerhütte Ferd. Schultz u. Co., Lünen a. Lippe gekündigt haben, angeblich weil seitens der Firma einem Former wegen ungebürlichen Benehmens ge- kündigt war. Die Liste Nr. 50 enthält die Mitteilung, daß bei der Ma- schinenfabrik Buckau, A.-G. zu Magdeburg-Buckau die Gußputzer sich den streikenden Formern angeschlossen haben und die Kernmacher wegen des Streiks zum Aussetzen genötigt sind. Daß die 13 Gutzputzer durch Angabe ihrer Personalien in Ver- ruf gebracht werden, nimmt uns bei der Praxis des Metallindu- striellenverbandes nicht Wunder. Die 12 Kernmacher, die nach eigener Angabe des Metallindu st riellen- Verbandes zum Aussetzen genötigt sind, durch Veröffentlichung ihrer Personalien an ihrem weiteren Fortkommen zu hindern, ist wohl der Gipfel der Verrufungspolitik. Weil die 14 Former der Abteilung Sudenburg vorstehend ge- nannter Firma die Anfertigung von Streikarbeiten für das Haupt- werk ablehnten und deshalb am 23. April die Arbeit niederlegten, iverden sie unter genauer Angabe ihrer Personalien in Liste Nr. 51 in Verruf erklärt. Die Liste Nr. 52 enthält die Personalien von sechs Arbeitern, die in der Norddeutschen Chemischen Fabrik in Harburg die Arbeit niederlegten. Elf Arbeiter der Firma F. W. Billing, G. m. b. H. in Hagen-Delstern weigerten sich, Streikarbeit zu machen. Eni- lassung und Verrufserklärung in Liste Nr. 55 war die Folge. Die Firma Tittel u. Co., Glasfabrik, Geiers- thal bei Wallen darf(S.-M.) hat dem gesamten Arbeiter- personal gegen Ausschreitungen zwischen den organisierten und Nichtorganisierten Arbeitern ihres Betriebes zum 8. Mai d. Js. ge- kündigt. Worin bestehen wohl die Ausschreitungen? Neue Tarifverträge im Baugewerbe. 33 Tarifverträge im Baugewerbe sind wieder vom Vorstand des Aübeitgebcrbundes für das Baugewerbe sowie den Vorsitzenden der in Frage kommenden Zentralverbande der Maurer, der Zimmerer, der Bauhilfsarbeiter und der christlichen Bauhandwerker genehmigt und unter- zeichnet worden. Sie betreffen Erlangen(Zimmerer), Kiel (Maurer und Zimmerer), Kiel(Bauhilfsarbeiter), L i e g n i tz (Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter), Merseburg (Maurer und Bauhilfsarbeiter), Potsdam(Zimmerer), T h o r n (Maurer), Waltershausen(Maurer), Waltershausen (Zimmerer), Winsen-Aller(Maurer und Zimmerer), W i t- tenberge(Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter), Wit- t i n g e n(Zimmerer), Z e h d e n i ck(Maurer), Z e h d e n i ck(Jim- merer); ferner sind noch genehmigt und unterzeichnet für Maurer und Zimmerer in den mecklenburgischen Städten Äützow, C r i» v i tz, Feldberg, Friedland i. M., Gnoien, Lüb- theen, Ludwigslust, Akarlow, Mirow, Neubukow, Pa r ch i m, P e n z l i n, Rhena, Schönberg, Staven- Hagen und Sülze, für Maurer in Malchin, sowie für Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter in Doberan und Gadebusch._ Mit Säbel und Revolver. In Dortmund, wo die Holzarbeiter ausgesperrt sind, ge- nießen die nützlichen Elemente, welche den Unternehmern Raus- reißerdienste leisten, wie üblich den weitgehendsten Schutz der Polizei. Am Mittwoch abend kam es zu aufsehenerregenden Ereig- nissen. Das Massenaufgebot von Polizei in der Nähe einer Ar- beitsstelle war zunächst die Ursache eines großen Menschenauflaufs. Als dann die Arbeitswilligen Feierabend machten und auf die Straße traten, nahm alsbald einer dieser Herren Arbeitswilligen, mit Gummi schlauch und Revolver bewaffnet, die Verfolgung eines Streikenden auf. Als dieser flüchtete, wurde die Polizei aufmerksam, ein Beamter zog blank, trat aber nicht dem wütigen Arbeitswilligen entgegen, sondern nahm die Verfolgung des bedrohten Streikenden auf, der auch schließlich verhaftet und abgeführt wurde. Bald darauf verrichtete ein Arbeitswilliger auf offener Straße ein neues Heldenstückchen, indem er hier blindlings mit seinem Revolver zu schießen begann. Kinder und Frauen waren in hohem Maße bedroht. Einen Waffenschein besitzt der Revolverheld nicht. Die Polizei beschlagnahmte den Revolver. Verhaftet hat die Polizei den Helden nicht. Wir wagen nicht zu denken, was einem Streikenden passiert wäre, wenn er in ähnlicher Weise Menschenleben bedroht hätte. Die Arbeiter der Mainzer Attienbrauerei traten gestern in den Streik. Zuzug ist fernzuhalten. Ein Terrorismusschwindel. Im Anschluß an die Gewerbcgerichtswahlcn in Heidel- b e r g, bei denen die Christlichen und Hirsch-Dunkerschen GeWerk- vereine eine Niederlage erlüten, hat der christliche Gewerkschafts- sekretär Nack in der gegnerischen Presse einen längeren Artikel veröffentlicht, in dem eine Reihe von schweren Anschuldigungen Segen die freien Gewerkschaften und gegen das Wahlkomiiee entalten waren. U. a. hieß es in dem Artikel: „Alles, was als„rot" bekannt war, durfte anstandslos wählen, auch ohne Ausweis. Dagegen wurden nicht„waschechte" oder christliche Wähler streng behandelt und geprüft. Es kamen mehr wie zehn Fälle vor, wo Wählende von sozialdemokratischen Vertrauensleuten unterzeichnete Ausweise erhielten und diese direkt vor dem Wahllokal erst ausfüllten. Weiter wählten Arbeiter, die nicht das gesetzlich vorgeschrie- bene Alter hatten. Vor der Tür zum Wahllokale, das zeitweise bis zum Erdrücken mit Personen angefüllt war, nahmen sozialdemokratische Stimmzettelverteiler vielen die christlich-nati- onalen Stimmzettel tmedcr ab und steckten ihnen den„Genossen- zettel" zu. Die Wahlbeeinflussung und Verstöße gegen die Wahl- Vorschriften wurden von den Genossen überhaupt im Großen betrieben bezw. begangen.... Die halbe Wahlkommission be- stand aus„Genossen", ein Christlichnationaler befand sich nicht darunter; als Kontrolleure standen links und rechts von den fünf aufgestellten Urnen— in einem Lokal— der sozialdemokratische Kartcllvorsitzende und drei, bezw. zeitweise jechs andere führende Genossen." Die bürgerliche Presse tat sehr entrüstet über solchen Terra- rismus, und es wird nicht lauge dauern, so wird dieser neueste Schwindel fleißig weiterkolportiert werden. Der Schtvindel ist aber so plump angelegt, daß der Heidelberger Bürgermeister sich gegen ihn erklärte. Er bekundete in der Presse, datz die Angaben des christlichen Sekretärs von A bis Z unwahr sind. Der Bürgermeister stellt fest, daß die Mehrheit des WahlkomitceS aus bürgerlichen Elementen bestand. Als unwahr wird die Behauptung bezeichnet, daß die Kontrolleure des Gewerkschaftskartells um die Wahlurne Aufstellung genommen hätten, ebenso, daß die Wahlzettel und Legitimationen durch die Hände der„Genossen" gehen mußten. Völlig unbewiesen seien die Anschuldigungen über Verstöße gegen das Wahlgesetz. Auf diese Erklärung gaben die Christlichen nicht einen Ton von sich. Dagegen soll ein Hirsch-Dunkerscher Genera?- sekretär den Versuch gemacht haben, einen Stimmzettel abzugeben, obgleich cr nicht wahlberechtigt war. Ob das aus Dummheit geschah oder in der Absicht, einen Wahlanfechtungsgrund zu bekommen, ist nicht untersucht worden. Von der Generalversammlung der polnischen Gewerkschaften ist noch nachzutragen, daß eine Resolution angenommen wurde, in der ausgesprochen wird, daß aus vereinsgesetzlichen und aus tak- tischen Gründen sowie im Interesse der polnischen Gewerkschafts- bewegung überhaupt jede Verquickung mit Politik für die neue Or- ganisation ausgeschlossen bleiben soll. Darauf wurden die Wahlen vorgenommen. In den Zentralvorstand wurde nach lebhaftem Streit gewählt: Sosinski-Bochum als Vorsitzender, Rymer-Bochum als Schriftführer, Wieczoreck-Beuthen O.-S. als Kassierer. Die Wahl Sosinskis bedeutet eine Niederlage der Brejskischen Neben- regierung in aller Form.— Darauf wurde die Generalversamm- lung geschlossen, ohne die Referate über das Berggesetz und die Lage der Hüttenarbeiter erledigt zu haben. Die polnische Tageszeitung„Cgoda", die der polnischen Be- rufsvereinigung geschenkt, von dieser aber wegen zu großer Schul- denlast zurückgegeben worden ist. hat ihr Erscheinen eingestellt. n Die Firma Berliner Wurst- und Fleischwarenfabrik, Peters- burger Platz 8, sendet uns eine Erklärung, nach der sie keine Kenntnis davon gehabt habe, daß der von ihr entlassene Geselle Vertrauensmann des Verbandes war. Die Entlassung sei durch- aus ordnungsmäßig erfolgt und die Firma sich keiner Matzregelung bewußt. Ausland. Drohende Aussperrung der Tischler z» Lodz i» Rußland. Nach einem der internationalen Union der Holzarbeiter zuge« gangenen Bericht steht den Tischlern in Lodz eine allgemeine Aus- sperrung zum 8. Mai bevor. Das Unternehmertum, gestärkt durch die herrschende Reaktion, stellt den Arbeitern Bedingungen, welche diese unmöglich akzeptieren können. Im Jahre 1905 haben die Tischler durch Arbeitsniederlegung die vollständige Abschaffung deS Akkordsystems sowie Verkürzung der Arbeitszeit von UM auf 9 Stunden, Sonnabends 8 Stunden erreicht. Der jetzige flaue Ge» schäftsgang sowie die in anderen Industrien, wo die Gewerkschaften wieder unterdrückt werden, durchgeführten Lohnreduzicrungen er- mutigen jetzt auch die Unternehmer im Tischlergewerbe zu einer Aktion. Und zwar verlangen sie die Wiedereinführung der Akkord- arbeit und des Zehnstundentages. Am 8. Mai ist die Kündigungs- ftist abgelaufen, so daß die Aussperrung an diesem Tage beginnen wird. Die Firma Schulz, vorm. Thiede hat schon geäußert, sie wolle Tischler aus Berlin beziehen. Um� Fernhaltung des Zuzuges wird dringend gebeten. Versammlungen. Die Sektion der Maurer des Zentralverbandes der Maurer hielt am Mittwoch im Gewerkschaftshause eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der als erster Punkt ein Vortrag des Arbeitersekretärs Link über den Bauarbeiterschutz auf der Tages- ordnung stand. Die lehrreichen und anregenden Ausführungen des Referenten fanden lebhasten Beifall. Dann beschäftigte die Ver- sammlung sich mit der Maiaussperrung. Wie der zweite Vorsitzende M e tz k e ausführte, hat, gerade so wie im vorigen Jahre» ein großer Teil der Unternehmer sich nicht um den Aussperrungs- beschluß gekümmert. Es hatten sich denn auch bis Mittwoch abend nur 172 ausgesperrte Maurer gemeldet, während die Zahl der am selben Abend als arbeitslos gemeldeten Maurer 370 betrug.— Die Versammlung beschloß, einem Vorschlage des Vor. standes entsprechend, daß die wegen der Maifeier ausgesperrten Mitglieder vom 3. Mai an gerechnet die Gematzregeltenunterftützung erhalten, und daß den arbeitslosen Mitgliedern, die an der Mai- feier teilnahmen und sich zur Kontrolle meldeten, ebenfalls die übliche Unterstützung für den 3., 4. und 5. Mai zuteil werden soll. Etwaige Beitragsschulden werden abgezogen. Gegen die drohende Brausteuer wandten sich die im TranS« Portarbeiterverband organisierten Bierfahrer am Donnerstag- abend in einer Versammlung im Gewerkschaftshause. Karl Schulz, der Redakteur des Verbandsorgans der„Freien Gast- und Schankwirte", hielt das Referat. Der Vortrag wurde sehr bei- fällig aufgenommen. Die Zahl der in den Brauereien be- schäftigten Arbeiter, die im Deutschen Transportarbeiterverband organisiert sind, ist jetzt auf 2700 angewachsen. Letzte JVacbncbtcn und Dcpcfcbcn« Im Betriebe den Tod gefunden. Dortmund, 7. Mai.(B. H.) Auf dem Eisenwerk„Union" wurden heute Zwei Arbeiter durch Einatmen giftiger Gase getötet._ In den Flammen umgekommen. Thann(Elrck, 7. Mai.(B. H.) In Geishausen, einem GebirgS« ort am Fuße des Gebweiler BelchenS, wurden in der vergangenen Nacht mehrere Wohnhäuser eingeäschert. Bei den Rettungsarbeiten fanden drei Familienväter, die zusammen 29 Kinder hinterlassen, dcu Tod._ Zwei Kinder verbrannt. Wien, 10. Mai.(B. H.) Beim Spielen mit Feuerwerkskörpem sind heute vormittag die beiden drei und fünf Jahre alten Töchterchen des in der Winzerstraße wohnhaften Schlossermeisters Pasels ver- branut, sie wurden als verkohlte Leichen aufgefunden. Französisch-englische Intervention. Paris» 7. Dtai.(W T. B.)„Libertö" will wissen, daß die französische und englische Regierung entschlossen seien, in Kon- stantinopel Vorstellungen wegen der den Christen Kleinasicns infolge des muselmanischen Fanatismus drohenden Gefahren in cindring- lichster Form zu erheben und die türkische Regieruna aufmerksam zu machen, daß jede Verzögerung einer befriedigenden Lösung der Angelegenheit die Mächte zu schleunigen direkten Maßnahmen ver- anlassen würde. Ein Beschluß zum Ausstand. Paris, 7. Mai.(W. T. B.) Aus Ajaccio wird gemeldet, daß die Beamten des korsischen Eisenbahnnetzes einstimmig für den Ge- samtausstand gestimmt haben. Die Arbeitseinstellung soll Sonntag oder Montag deginnen. Eine öffentliche Erklärung. Paris, 7. Mai.(W. T. B.) Der Verband der Post-, Tele- graphen- und Telephonbeamten wird heute nacht eine Er- klärung anschlagen lassen, die dartun soll, daß die Negierung den Beamten gegenüber daS zur Zeit des ersten AuSstandes gegebene Versprechen nicht gehalten habe. Sie seien entschlossen, ihr Recht und ihre Freiheit zu verteidigen. Die Oeffentlichkeit solle ent- scheiden, auf wessen Seite das Recht sei. Sie finden keine Schuld an ihm. Konstantinopel, 7. Mai.(W. T. B.) Maßgebende Stellen der Pforte bestreiten die Gerüchte, daß die Massakers im Wilajet Adana von Abdul Hamid inszeniert worden seien. Der zunehmenden groben Verunglimpfung Abdul Hamids in Wort und Schrift, die unter dcr mohammedanischen, Geistlichkeit und den alttürkichen Kreisen sowie in einzelnen albanesischen, kurdischen und anderen Gebieten Nn- willen erregt, wird sowohl von der Pforte als auch von der Armee- leitung im Interesse des Ansehens des csultanatS, des KalifalS sowie der staatlichen Autorität entgegengetreten. Verantw. Redakt.: SarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw,: Zih. Glocke» Berlin. Druck u.VerIag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstaU Paul Singer Lc Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbi. Nr. 106. 26. Jahrgang. 1. Kkilize Ks Jotiairts" Itiiintt Sonnabend, 8. Mai 190S. parlamentarifcbes. Die Berggesetznovelle. In der vorhergehenden Sijjimg war eine Subkommission ein- gesetzt, die Vorschläge machen lallte über die nochmalige Befahrung der Grubenbaue durch die Sicherheitsmänner. Nach den Beschlüssen erster Lesung konnte die Mehrheit des Arbeiterausschusses oder der Sewählten Mitglieder eine nochmalige Befahrung be- hlietzen, ohne daß die Werksverwaltung irgend- welche Einreden machen konnte. Die Subkommission hat dieses Recht wesentlich verschlechtert und vorgeschlagen, dem Absatz i des§ 60 folgende Fassung zu geben: Erachtet die Mehrheit des Ärbeiterausschusses oder der Sicher- heiiSmänner aus besonderen, auf bestimmte Tatsachen oder Wahr- nehmungen gestützt, der Werksverwaltung mitzuteilenden Gründen außer der regelmäßigen Befahrung weitere Befahrungen für not- wendig, so ist der SicherheitSmann der betreffenden Abteilung berechtigt und verpflichtet, diese Befahrung vor- zunehmen, fosern nicht die Werksverwaltung alsbald nach Kenntnis des Beschlusses gegen die beabsichtigte Befahrung Einspruch erhebt. In diesem Falle hat die Werks- Verwaltung unverzüglich dem Bergrevierbeamten von der Sachlage Mitteilung zu machen. Das Zentrum beantragte, eine Befahrung vom Einspruch der Werksverwaltung freizulassen. Der M i n i st e r meinte jedoch, man könnte nicht wiffen, aus welchen Gründen die Arbeiter solche Be- fahrungen beschließen, sie könnten es aus Schikane tun und des- halb sei eine Bestimmung zugunsten der Werksverwaltung in allen Fällen unbedingt nötig. Dre Mehrheit der Kommission, die natür- lich den Arbeitern immer alles Schlechte zutraut, lehnte den Zentrunisantrag ab und nahm die Fassung der Kom- Mission an. Nach Absatz 8 des§ 80fg sollte der Sicherheitsmann verpflichtet sein, die zu seiner Kenntnis gelangenden Zustände und Vorgänge. die geeignet sind, das Leben oder die Gesundheit der Arbeiter zu gefährden, einem seiner Vorgesetzten zu melden. In der ersten Lesung war nun auf Antrag der Nationatliberalen hinzugefügt worden, daß er auch alle von ihm bemerkten, die Sicherheit der Grube gefährdenden Uebertretungen der berg- polizeilichen Vorschriften anzuzeigen habe. Die Freikonservativen beantragten sodann, daß diese Bemerkungen in das Fahrbuch ein- getragen werden sollten. Das Zentrum wollte die Streichung dieser Bestimmungen herbeiführen, weil der Sicherheitsmann dann als Denunziant seiner Mitarbeiter und seiner Vor- gesetzten auftrete. Diesen Zentrumsantrag unterstützte auch der Minister; er hielt diese Streichung nicht für notwendig im Interesse der Arbeiter, sondern im Interesse der Arbeitgeber, denn, wenn a lle Kleinigkeiten angezeigt würden, käme der polizeiliche Revierbeamte überhaupt nicht mehr vom Werke weg. Obgleich die Mehrheit der Konimission einen Spion gegen die Arbeiter haben wollte, sah sie doch ein. daß der Schaden für die Arbeitgeber doch größer sein könnte und beschloß deshalb, vorbehaltlich einer verbesserten Auflage dieser Anträge im Plenum, dem Antrage des Zentrums statt- zugeben. Eine lebhaste Debatte entstand, wie bei der ersten Lesung, auch diesmal wieder bei der Festsetzung der Befugnisse des Arbeiterausschusses. Die Mehrheit will auf keinen Fall, daß der Arbeiterausschuß sich mit Lohnfragen beschäftige. Ein Regierungsvertreter wies aber nach, daß bei Schaffung der Bergarbeiterausschüsse im Jahre 1906 in keiner Weise ein Verbot mit der Beschäftigung von Lohnfragen beschlossen oder nur diskutiert worden sei. Das war den Nationalliberalen allerdings sehr un- angenehm, sie erklärten aber, e« stehe auch nirgends, daß dem ArbeiterauSschuß eine Beschäftigung mit Lohnfragen erlaubt sei. ES könne vorkommen, daß der Bergarbeilerverband beschließe, daß auf die Tagesordnung aller Arbeilerausschüsse die Lohnfragcn ge- setzt werden sollten und dann entständen Verhältnisse, die entsetzliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Von s o z i a l d e m o- kratischer Seite wurde ihnen erwidert, daß die Aus- s ch e i d u n g der Lohnfrage völlig unmöglich wäre, denn die Verhältnisse würden schon dazu zwingen, daß die Lohnfrage in recht ergiebiger Weise besprochen werde. Die Stellung der Nationalliberalen könne aber den Arbeitern schon recht sein, denn wenn die Besprechung der Lohnfragen in den Arbeiterausschüssen verboten werden sollte, dann würden die Arbeiter um so eher einsehen, daß nur eine starke Organisation ihrer Wünsche erfüllen kann und daß die Arbeiterausschüsse nur eine Formalität, aber keine Einrichtung seien, die ein Verhandeln zwischen Arbeitern und Arbeitgebern möglich mache. Nachdem der Minister aber dargelegt hatte, daß ein kleines feuilleton. Die Ideale der Kinder. Die Erhebung, die bei Genter Schul- kindern im Alter von 7— IS Jahren angestellt wurde, liefert einen interessanten Beitrag zur Psychologie des Kindesalters. Man legte den Kindern die Frage vor. welcher Person, die sie von ihren Studien oder ihrem Unigange her kennen gelernt hatten, sie gleichen wollten. Es ergab sich, daß das Kind im Alter von sieben Jahren im allgemeinen ,m Vater oder in der Mutter sein Ideal erblickte. Aber schon früh vollzieht sich ein Umschwung; der Gesichtskreis des Kindes erweitert sich, es beginnt an den Eltern Kritik zu üben, so daß sich unter den neunjährigen Kindern bloß noch 20 Proz. befinden, die in Vater oder Mutter ihr Ideal erblicken; unter den lSjährigen befand sich nur noch e i n Kind, das an dem alicn Ideal festhielt.— Neben den Eltern werden Personen aus der näheren Umgebung der Kinder: Lehrer, ältere Genossen von den jüngeren Kindern alS Ideale ge- wählt. Helden der Geschichte oder Legende treten in diesem Alter noch nicht auf. Bei den älteren Knaben werden jene Ideale bald durch Gestalten auS der Geschichte und durch berühmte Zeitgenossen ersetzt. Ueberraschend ist die Tatsache, daß die Mädchen von 7 bis 13 Jahren nur mit wenigen Schwankungen ihr Ideal im anderen Geschlecht suchen, während bei Knaben die Zahl der Verehrer des Weib- lichen Geschlechts nur im 8. bis 9. Jahre noch 10 Prozent beträgt, um vom 12. Jahre an auf Null zu sinken. Geistige oder künstlerische Vorzüge ihrer Helden beeinflussen die Wahl von Mädchen und Knaben fast in gleichem Maße, dagegen spielen körperliche Eigenschaften bei den Mädchen eine bedeutsame Rolle, von den Knaben werden solche nicht ein einziges Mal angeführt. Charakter- cigenschaften werden von den Mädchen viel höher eingeschätzt, als von den Knaben; die Mädchen rühmen die Güte, Freundlichkeit, Barmherzigkeit ihrer Jdealgestalt. Interessant ist schließlich, daß die Wertschätzung von Besitz und Reichtum bei den Knaben im 12. und 13. Jahre fast verschwindet, bei den Mädchen aber sich vom neunten Jahre ab dauernd auf gleicher Höhe hält. Offene Eßwaren in Cafös und Restaurants. In Caföhäusern und Restaurants greift immer niehr die Sitte un, sich, reich- besetzte Büfetts nnt Delikatessen und Backwaren aufzustellen, um daniit den Appetit der Gäste anzureizen..Die Blätter für Volks- gesundheitSpflege" machen nun mit Recht darauf aufmerksam, daß diese Einrichtung mit den Anforderungen der Hygiene und Reinlich- keit nicht im Einklang steht. Durch den Verkehr der Gäste wird un- unterbrochen eine Bewegung des StaubeS erzeugt, der beim Nieder� sinken die Speisen bedecken mnß, auch der Zigaretten- und Zigarren- rauch wird von den Speisen begierig aufgenommen, und es können auch auS der Luft Krankheitskeime sich auf die offenstehenden Speisen niedersetzen. Kommt dazu»wch. daß das offenstehende Gebäck von den Gästen sehr hälifig mit den Händen ausgesucht wird, die nicht Kollektivvertrag nicht zu den Aufgaben des Ausschusses gehöre, lehnte die Mehrheit der Kommission auch den Antrag des Zentrums, daß der Arbeiterausschuß Wünsche und B e- sch werden eines Teils der Belegschaft zu der- treten habe, ab. Nach einigen bedenwngslosen Aenderungen der Beschlüsse erster Lesung kam folgender freisinniger Antrag zur Beratung: Den Werksbesitzern ist untersagt, die Anwendung der Be- stimmmigen über den Arbeiterausschuß und die Sicherheitsmänner zum Nachteil der Arbeiter durch Verträge(mittels Reglement, Arbeitsordnung oder besondere Uebereinkunft) auszuschließen oder die Arbeiter in der Uebernahme oder Ausübung eines in Gemäß- heit dieser Bestimmungen ihnen übertragenen Ehrenamtes zu be- schränken. Vertragsbestimmungen, welche diesem Verbot zuwiderlaufen, haben keine rechtliche Wirkung. Werksbesitzer oder deren Angestellte, die gegen die vor- stehende Bestimmung verstoßen, werden, sofern nicht nach anderen gesetzlichen Bestimmungen eine härtere Bestrafung eintritt, mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Haft bestraft. Gegen diesen Antrag wandten sich die Regierung und die Ver treter der Mchrheitsparteien, sie hielten den' Antrag, was ja der ganzen Auffassung dieser Herren entspricht, für vollständig über- flüssig. Sie haben aber nicht fiir überflüssig gehalten und in der ersten Lesung des langen m,d breiten darüber diskutiert, Strafbestimmungen gegen den Sicherheitsmann zu schaffen. Wenn diese Strafbestimmungen nicht zu stände gekommen sind, so ist das nicht dem guten Willen der Herren zu danken, sondern der Unmöglichkeit, diese Absicht in klare Fassung zu bringen. Bei dem vorstehenden Antrag jedoch handelte eS sich lediglich um eine Abschrift der im Jnvalidenversicherungs- gesetze und im Knappschaftsgesetze enthaltenen Bestimmungen. Es würde, wie auch der Antragsteller bemerkte, weder eine Erweiterung� der Verantwortlichkeit der Unternehmer noch ein besonderer Schutz der Arbeiter herbeigeführt werden. Aber die Anträge wurden natürlich abgelehnt. Dabei verfiel man auf die kuriose Begründung, daß ja sogar dem Arbeit- geber das Recht gegeben sei, die Befugnisse der Sicherheits- männer zu erweitern. Darin liege schon, daß er sie nicht beschränken dürfe. Wenn der Arbeitgeber nicht bestraft wird, sobald er die Be- fugnisse des Ärbeiterausschusses erweitere, sei es doch unbillig, an- zunehme», daß er sie beschränken würde. Das ist dieselbe Auf- fassung, die die Kommission seit Beginn der Beratung immer geteilt hat. Gegen die etwaigen sogenannten Schikanen der Arbeiter sollten hohe Schranken aufgerichtet werden; den Arbeitern traute man immer alles Schlechte zu. dagegen waren die Arbeitgeber immer als die besten und unschuldigsten Menschen hingestellt worden. Es ist sehr bezeichnend und hebt den Geist der Kommission hervor, daß diese Anschauung bis zum Ende der Beratung konsequente Förderung erhalten habe. Der Antrag wurde nun abgelehnt. Zum Schluß wurde noch ein Antrag der Konservativen an- genommen, der für diejenigen Bergwerke, für die Sicherheits- männer nicht ernannt werden, die Wahl eines Ärbeiterausschusses vorsieht. Die Gesamtabstimmung über das Gesetz soll am nächsten Donnerstag bei Feststellung des Berichts erfolgen. HauSarbeit. Die Kommission zur Beratung der Gewerbenovelle beriet in ihren letzten Sitzungen zunächst den§ 139 x, der die A u s st e l l u n g eines Verzeichnisses der Hausarbeiter und die Inspektion der Arbeiterräume fordert. Die Regierungs- vorläge will nur für die Gewerbezweige, für die der Bundesrat besondere Vorschriften erlassen hat. den Gewerbetreibenden die Pflicht auferlegen: 1. Ein Verzeichnis der Personen unter Angabe der Werkstätte zu führen, denen Hausarbeit über- tragen ist, 2. sich mindestens halbjährlich persönlich oder durch Beauftragte davon zu unterrichten, daß die Einrichtung und der Betrieb der Werkstätten den gesetzlichen Anforderungen ent- spricht, 8. Hausarbeit nur für solche Werkstätten auszugeben, deren Räume den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Unsere Parleigcnosien beantragten, diese Verpflichtung allgemein auszusprechen. Nach lebhafter Debatte wird dieser Antrag soweit er sich auf die Ziffer 1 und 3 bezieht, angenommen, die unter Ziffer 2 vorgeschlagene Verpflichtung soll nach dem Beschluß der Kommission aber nur für die Gewerbezweige gelten, die der Her- stellung, Verarbeitung oder Verpackung von Nahrungsmitteln dienen. Die Gewerbeinspektion will ein weiterer Antrag unserer Parteigenossen auf die Heimarbeit in der Weise angewendet wissen, daß auch in unmittelbarer und immer ganz sauber gehalten sind, so sind Momente genug vor- Händen, um die neue Sitte eigentlich als eine recht unappetttliche erscheinen zu lasten. Es ist also dringend zu fordern, daß die dar- gebotenen Speisen unter einer Glasglocke gehalten werden. Fische mit vier Augen. Ein Mitarbeiter von„HarperS Magazine", William Beebe, hat von einer Exkursion an die Ufer des Orinoco interessante Notizen über die Fische mit vier Augen heimgebracht. Es sei sofort bemerkt, daß diese Fische, deren Seh- apparat den Gesetzen der Schöpfung Hohn zu sprechen scheint, in Wirklichkeit nur zwei Augen haben. Jedes Auge ist jedoch mit zwei Pupillen versehen; die eine dieser Pupillen befindet sich am oberen Teile des Kopfes und hat einige Aehnlichkeit mit einem Froschauge, während die zweite, die von der ersten durch ein enges Häutchen getrennt ist, sich dort befindet, wo auch bei den anderen Fischen die Augen zu suchen sind. Wenn der Fisch mit vier Augen in normaler Weise schwimmt, so zeigen ihm die beiden oberen Pupillen, die geschaffen sind, die Sehfunktionen in freier Luft auszuüben, die Gefahren, die ihn vom Lande h e r be- drohen können, während die beiden unteren Pupillen unter der Wasserfläche bleiben und die im Wasser lebenden Feinde überwachen. Trotz der Vorsichtsmaßregeln, die die Natur ergriffen hat, um eine ihrer merkwürdigsten Schöpfungen zu schützen, fällt es den Fischen mit vier Augen sehr schwer, den Kamps umS Dasein durchzuführen. Beebe war Zeuge eines jener kleinen Dramen, die an den Ufern des Orinoco und seiner Nebenflüsse nicht selten sind.„Plötzlich," so schreibt er,„er- hebt sich ein kleines Krokodil, dessen Farbe der deS Schlammes, in welchem es bis dahin ganz unbeweglich lag, vollständig gleich war. und stürzt sich in eine Wasserpflltze. Sofort erscheinen auf der Wasserfläche wohl zwei Dutzend Fische mit vier Augen und schnellen nach allen Richtungen hin; einer von ihnen aber, der nicht so rasch fliehen kann lvie die anderen, läßt sich fasten und wird sofort verschlungen. Ein anderer fällt auf den Rücken und hat dasselbe Schicksal." Der von Beebe erforschte Fisch zeigte ein ganz besonderes Interesse für den Menschen und wurde nicht müde, die Barke, die die Forscher trug, auS allernächster Nähe zu betrachten. Die Fische schwammen in dem schlammigen Wasser, so gut es ging. mit dem Nacken mit. Den Forschern gelang es. einige zu fangen; sie setzten sie in ein Aquarium, brachtm aber nur wenige lebend nach Hause. Das Nilstauwcrk von Esneh, das etwa 160 Kilometer nördlich von Astuan liegt, ist, wie wir der neuesten Nummer des„GlobuS" entnehmen, am 9. Februar d. I. dem Betrieb übergeben worden, 18 Monate vor der festgesetzten Zeit, nachdem der Bau nach der Nilschwelle deS Jahres 1906 begonnen worden war. Die Kosten belaufen sich auf eine Million ägypt. Pfund. Die Länge beträgt 990 Meter, die Höhe über dem niedrigsten Wasserstand 9,5 Meter und die obere Breite 6 Meter, so daß das Stauwerk zugleich als verbmdungbrucke geheimer Wahl durch die Mitglieder der gewerblichen Berufs- organisationen der Unternehmer und Arbeiter gewählte Vertreter die Inspektion ausüben sollen. Der Antrag fand jedoch lebhafte Bekämpfung und wurde abgelehnt. Nngenoinmen wurde ein Antrag des Zentrums, daß zur Gewerbeaufsicht tunlichst mit den be- sonderen Verhältnissen der Hausarbeiter vertraute Beamte heran- gezogen werden sollen. Eine Strasvorschrift beantragten unsere Genossen gegen die Unternehmer oder Hausgewerbetreibenden, die Haus- oder Heimarbeiter zwingen oder zu zwingen suchen, freien Hilfskasscn oder Privatversicherungen beizutreten oder sich als selb- ständige G e lo e r b e t r e i b e n d e anzumelden, um sich da- durch ihrer gesetzlicher Verpflichtung zu entziehen. Für den Antrag stimmte von den bürgerlichen Vertreten! indessen nur der Abg. Naumann DaS Zentrum bekämpfte diesen, sowie einen ferneren Antrag, für die Entscheidung von gewerblichen Streitigkeiten zwischen Heim- und Hausarbeitern und Hausgewerbetreibenden auf der einen und ihren Arbeitgebern auf der anderen Seite obligatorisch die Ge w e r b e- gerichte zuständig zu machen, durch den Hinweis, es ließe sich diese Materie besser in anderen Gesetzen aufnehmen. Eine sehr eingehende Debatte entfesselte die Frage der Einsetzung von Lohnämtern zur Festsetzung von Miuimalliihnen. Während unsere Parteigenosten das Einigungsamt des Gewerbe« gerichts und an den Orten, wo ein Gewerbegericht nicht besteht, Kommissionen das Recht zugestehen wollen. Mindestlöhne festzusetzen, die nicht niedriger sein dürfen als wie die in Fabriken und Werk- stätten für entsprechende Arbeit gezahlten, will ein Antrag deS Zentrums nur dem Bundesrat die Berechtigung geben für bestimmte Gewerbezweige Lohnämter einzurichten. Seitens unserer Genossen Molkenbuhr, Schmidt und Stadthagen wird dargelegt daß der Gesetzentwurf ohne Errichtung von Lohnämtern und Minimallöhnen für die Heimarbeiter wertlos sei. Löhne von 3 und 6 Pf. pro Stunde seien schon auf grund des Z 138 des Bürgerlichen Gesetzbuchs unzulässig und durch angemessene Löhne zu ersetzen. Indessen könne man den Hausarbeiter nicht allein auf den Rechtsweg verweisen und müste ihm, der so schwer organisierbar ist, gesetzlichen Schutz gegen Wucherlöhne durch paritätisch gebildete Einigungs- und Lohnämter schaffen, für deren Einsetzung doch auch die anständigen Unternehmer seien. Australien und England wiesen die richtigen Wege auf diesem Gebiete der Gesetzgebung. Die Debatte wurde auf Mittwoch vertagt. Soziales. Aufrechnung gegen den Loh«. Der Zeichner und Schlosser Hofer war von der Deutschen Kolonial-Eisenbahnbau-Gcsellschaft für das Schutzgebiet Kamerun gegen ein Jahresgehalt von 4090 Mk. engagiert worden. Nach kurzer Beschäftigung erkrankte er am 18. Dezember und fand in einem Krankenhause Aufnahme. Anl 7. Januar erhielt die Ge- sellschaft vom Krankenhause die Kostenrechnung dafür zugestellt. Da bis dabin dem Erkrankten das Gehalt in voller Höhe fort» gezahlt worden ist, rechnete nun die Gesellschaft die Kur- und Verpflegungskosten in Höhe von 110 Mk. gegen die für die Zeit vom 1. bis 8. Januar bereits fällig gewordene Gehaltsforderung, die sich auf 88 Mk. belief, auf, so daß H. nichts mehr erhielt, sondern die Gesellschaft noch ein Guthaben hatte. H. klagte deshalb gegen die Gesellschaft beim hiesigen Gewcrbegericht und erzielte deren Verurteilung zur Zahlung von 32,89 Mk. Das Gericht nahm an. daß nur der 125 Mk. monatlich überschießende Teil des Lohnes pfändbar ist. Es hätte aber bei zutreffender Anwendung des Ge- sctzes der Klage in vollem Umfange stattgeben und die Unzulässig- keit der Aufrechnung allgemein anerkennen müssen. Die Lohn» beschlagnahme(und nach§ 394 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Aufrechnung) ist nur zuzulassen, insoweit der Gesamtbetrag der Vergütung die Summe von 1590 Mk. für das Jahr übersteigt. Wortlaut und Entstehungsgeschichte des Lohnbeschlagnahmegesetzes lassen darüber keinen Zweifel, daß die in den letzten Jahren übk'.iye Auslegung des Gesetzes, als ob es lautet:„insoioeit der Monats» betrag 125 Mk." übersteigt, eine durchaus unzulässige, erhebliche Einschränkung des LohnbeschlagnahmcverboteS darstellt. Erst wenn 1500 Mk. jährlich verdient find, ist der Rest, und zwar in un, begrenztem Umfang, pfändbar und unterliegt der Aufrechnung., § 616 des Bürgerliche« Gesetzbuchs.) Wie wenig einheitlich heute noch die Rechtsprechung des GS» Werbegerichts ist. zeigen wieder einmal die beiden nachstehend ge- schilderten Fälle aus der Berliner Rechtsprechung. Bei beiden Fällen handelt es sich um die Anwendung des Z 616 des Bürger- lichen Gesetzbuches.§ 616 bestimmt: zwischen den beiden Nilufern dient. Der Damm wird von 120 Torrn von je 5 Meter Weite durchbrochen, hat außerdem am Westeude eine der Schiffahrt dienende Schleilse. Der Zweck dieses neuen Stauwerks ist die wirtschaftliche Hebmrg der Provinz Keuch, die für ihre Bewässerung aus der Nilschwelle bisher nur in sehr günstigen Jahren Nutzen zog. Während andere Stauwerke, wie das von Afsiut, während der Trockenzeit die Wasiermassen auffpeichern sollen, soll das von Esneh für die Nilschwelle als Regulator dienen, den Wasserstand des Flusses erhöhen und eine ausgiebigere Berieselung der Landstriche in» Norden bewirken; eS wird insgesamt einer Fläche von 147 000 Hektar zugute kommen. Sonnenschein und Langlebigkeit. Nach Untersuchungen, die von den Behörden des Kantons Tessin migcstellt sind, stehen Sonnen- schein und Lebensdauer in beachtenswertem Zusammenhange. Ein umfangreiches, auf mehrere hundert Ortschaften sich erstreckendes meteorologisches Material ließ erkennen, daß sich der Kanton an wenigstens 300 Tagen des Jahres des Anblicks der Sonne auf längere oder kürzere Zeit erfreut; die Ortschaften Carabietta und Pentilino genießen sogar 327 beziehungsweise 331 Sonnenschein- tage, und auch die Städte Lugano und Locarno sind ivegen der Häufigkeit des Sonnenscheins berühmt. Man nimmt an, daß auf dieser Begünstigung durch die Sonne wenigstens teilweise die ungewöhnliche Langlebigkeit der Bewohner des Kantons Tessin beruht, unter denen im Jahre 1906 von etwa 160000 Menschen beinahe 6500 im Alter von mehr als 70 Jahren(4,4 Proz.) standen; zehn Bewohner unter 1000 waren sogar über 80 Jahre alt. Die Erklärung für die wohltätige Wirkung deS Sonnenscheins liegt teils auf körperlichem, teils auf seelischem Gebiete. Die Wärme und die chemische Strahlung der Sonne wirkt nicht nur auf den Stoffwechsel des Körpers, sondern bewirkt auch eine Abtötung der Krankheitö- keime, während das Licht zugleich eine Erhöhung der GemütSstimmuna mit sich bringt. Humor und Satire. Lange Feier.„Wann feiert denn Ihr Mann seinen Ge- burtStag?"—»Na, gewöhnlich so vom fünften bis zum achten Januar." AuS demBriefe einer Gattin an ihren auf Reisen be« findlichen Mann: „Elender Heuchler! Die augeblichen Sehnsuchtstränen, mit welchen Dein letzter Brief beschmutzt war, ließ ich chemisch unter« suchen; sie haben sich als Champagnerflecken herausgestellt." Hauptsache.„Die Errichtung einer Sommerfrische, Herr Bürgermeister, hat doch wohl der Gemeinde ein schönes Stück Geld gekostet?"—„Ei freilfl I Wenigstens zwanz'g Taferln mit.Ver» votener Weg" haben wir, nachen lnfj'n l" „Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs Suf Vergütung nicht, dadurch verlustig, daß er für eine der- Kältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er mutz sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallver- sicherung zukommt." Vor wenigen Wochen klagte vor der Kammer 8 der Kutscher P. hegen die Lacke- und Farbenfabrik Leupold u. Wildner. Der Kläger war über acht Jahre bei der Beklagten gegen einen Wochen- lohn von zuletzt 30 M. beschäftigt. Er hatte einen Betriebsunfall erlitten, der ihn auf mehrere Wochen erwerbsunfähig machte. Er wurde etwa sechs Wochen nach dem Unfall gekündigt. Das der- anlatzte ihn, gegen die Firma die Forderung auf Lohnzahlung für die Zeit von acht Wochen, die vom Unfall bis zur Lösung des Arbeitsverhältnisses verstrichen waren, geltend zu machen. Die Forderung belief sich unter Anrechnung des erhaltenen Kranken- geldes auf 100 M. Das Gewerbcgericht,»nter Vorsitz des Ma- gistratSasscssors Schultz verurteilte die Beklagte, dem Kläger für die ersten vier Wochen der Krankheitszeit 50 M. Lohn zu zahlen. Das Gericht ging von der zutreffenden Ansicht aus, datz bei einem Arbeitsverhältnis von so langer Dauer, unter gerechter Würdigung des Umflandes, datz Kläger"durch einen Betriebsunfall erkrankte, ihm der Lohn für die ersten vier Wochen zu zahlen ist: denn diese Frist stelle eine verhältnismätzig unerhebliche Zeit der Behinderung an der Dienstleistung dar. Am letzten Dienstag kam nun vor derselben Kammer— allerdings bei gänzlich anderer Zusammensetzung— eine Klagcsache zur Verhandlung, bei der die Rechtslage die gleiche war. Der Steindruckmaschinenmeister G.. der seit September v. I. gegen Wochenlohn von 31,50 M. bei dem Buch- und Steindruckereibesitzer Barella tätig war, ist am 6. April das Opfer eines Betriebs- Unfalles geworden. Am 8. April wurde ihm die Kündigung ins Haus geschickt. Er klagte deshalb auf Lohnzahlung in Höhe von 39,00 M. für die Kündigungsfrist. Diesmal zeigte sich aber das Gericht, dem vertretungsweise Magistratsrat Dr. von Schulz Prä- sidierte, in sozialer Hinsicht noch weit rückständiger als der be- klagte Arbeitgeber, der inzwischen zu einer besseren Erkenntnis gekommen war und dem Kläger nach Ablauf der Kündigungsfrist mitgeteilt hatte, datz seinem Wiedereintritt nichts im Wege stände. Der Kläger hatte dies Anerbieten abgelehnt, weil das neue Ar- beitsverhältnis nicht auf mindestens ein Jahr festgelegt werden sollte. Darauf wurde die Klage eingereicht. Bei der VerHand- lung wiesen die Arbeitgebcrbeisitzer den Beklagten darauf hin, datz er. statt zu kündigen, den Kläger ohne Einhaltung der Kündigungs- srist aus Grund des§ 123 Ziffer 8 der Gewerbeordnung hätte entlassen können. Auch der Vorsitzende sprach dieselbe Ansicht aus. Das Gericht erklärte, der Anspruch des Klägers sei vollständig un- begründet. Damit kam es zu einem Vergleich, indem sich der Be- klagte verpflichtete, den Kläger nach Beendigung des Heilder- sahrens auf vier Wochen zu beschäftigen. Die Ansicht des Gerichts über die Tragweite des§ 123 Ziff. 8 der Gewerbeordnung ist eine irrige. Nach der Ziffer 8 kann zwar der Arbeiter ohne Einhaltung der Kündigungsfrist entlassen werden, wenn er zur Fortsetzung der Arbeit unfähig ist. Absatz 3 desselben Paragraphen bestimmt aber ausdrücklich:„Inwiefern in den unter Nr. 8 gedachten Fällen dem Entlassenen ein An- spruch auf Entschädigung zusteht, ist nach dem Inhalt des Ver- träges und nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften zu be- urteilen." Nach§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs stand demnach dem Arbeiter ein Recht auf Lohnzahlung zu. Das übersah in diesem Fall das Gericht._ „Guter Glaube" beim TerroriSmuS, Wie wir seinerzeit mitteilten, haben das Landgericht und Kammergericht einer Schadenersatzklage des Gürtlers Schröder gegen die Vereinigung der Berliner Metallwaren- fabrikanten stattgegeben. Schröder war ausgesperrt, weil er während eines Streiks bei der Firma Kvpin mit Streikposten verkehrt haben sollte. Das Kammergericht hatte angenommen, die Aussperrenden hätten sich in gutem Glauben befunden. Es widerspreche aber den Slnschauungen aller billig denkenden Menschen, wegen solchen Fehltritts eineni jungen Menschen die Arbeitsmöglichkeit durch Sperre abzuschneiden. Die Beklagten seien deshalb nach§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches schaden- ersatzpflichtig. Auf die R e v i s i o n der Beklagten kam das Reichsgericht zur AbweisungdesKlägers. Es könne von einem Verstotz gegen die guten Sitten keine Rede sein, solange die Mitglieder der Ver- einigung im guten Glauben gehandelt haben. Es könne vielleicht in Frage gezogen werden, ob die Feststellungen des Be- rufungSgerichts richtig sind; das sei hier in der Revisionsinstanz aber nicht zu erörtern. Wenn Kläger mit den Streikposten auch wirklich nicht unter einer Decke gesteckt habe, so sei doch nicht dar- getan, datz K. und die Vereinigung Veranlassung gehabt hätten, dies zu bezweifeln. Wenn die tatsächliche Feststellung des Kammer- gerichts jedoch zuträfe, dann sei auch das Verhalten des Verbandes gerechtfertigt. Das Urteil ist ein ungeheuerliches und legt von yeuem die Notwendigkeit nahe, die Arbeitskraft des Arbeiters und die Mög- lichkeit ihrer Verwertung gegen den Terrorismus von Arbeitgebern durch gesetzliche Borschriften zu schützen. Referate auf dem allgemeinen Kongreß der Krankenkassen. Auf dem fünften allgemeinen Kongreß der Krankenkassen Deutschlands, der in Berlin in Happoldts Brauerei vom 17. bis 19. Mai abgehalten werden soll, werden das Referat über Krankenversicherung: Rechtsanwalt Dr. Mayer < Frankenthal), Julius Frätzdorf, Albert Kohn und Julius Zoffke halten. Gustav Bauer, stellvertretender Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften, und Gustav Hart- mann, Generalsekretär des Generalrats der Gewerkvereine Deutschlands, sollen über die Unfallversicherung und Jnstanzenzug(Spruch- und Beschlutzverfahren) referieren. Als Referent über die Beziehungen derVersicherungs- träger zueinander und zu anderen Ver- pflichteten ist Amtsgerichtsrat I. Hahn(Zehlendorf) und über Invaliden- und Hinterbliebene nversiche- r u n g Abgeordneter G i e s b e r t S und Ed. G r ä f in Aussicht genommen._ Ein Kongreß der Angestellten der Krankenkassen und der Be- rufsgenossenschaften tagt am Donnerstag, den 20. Mai 1909, vor- mittags 9 Uhr, in Berlin. Grand-Hotel, Alexanderstratze 48 (Alexanderplatz). Er ist aus Anlatz des Erscheinens der Reichs- Versicherungsordnung und mit Rücksicht auf die darin vorgesehene gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse dieser Angestellten von dem„Verband der Bureauangestellten und � der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften Deutsch- lands" einberufen. Die Tagesordnung ist:„Stellungnahme der Ange st eilten der Krankenkassen und Be- rufsgenossenschaften zur Reich sversicherungs- ordnung." Referent: Verbandsvorsitzender Karl Giebel-Berlin. Zu diesem Kongreß sind alle in der Kranken- und Uufallversiche- rung tätigen Angestellten eingeladen. Berechtigt zur Teilnahme an dem Kongreß ist jeder in der Kranken- oder Unfallversicherung tätige Angestellte, gleichviel ob und welcher Organisation zu- gehörig oder nicht. Ebenso sind Delegationen einzelner Ver- waltungen oder Orte zulässig. Die Kosten der Delegationen sind von den Mandatgebcrn aufzubringen. Die Teilnehmer am Kongreß wollen sich unverzüglich bei der Kongretzleitung, Berlin !d!(). 43. Linienstr. 8 II, anmelden, damit ihnen die Legitimations- karten, die zur Kongretzteilnahme berechtigen, und Kongretzdruck- Lachen rechtzeitig zugesandi werden könne, k Hus der frauenbewegung* Die Kampfestaktik der Sufftagettes. Der linke Flügel der Frauenrechtlerinnen führt seit geraumer Zeit bittere Klage über die feindliche, absolut verständnislose Haltung der Bourgeoispresse gegenüber der Frauenbewegung. Spott, Hohn und Frivolität— das ist alles, was man für die moderne Frauenemanzipation bis weit nach links hin in der Presse übrig hat. Dieser Tiefstand der bürgerlichen Journalistik offen- barte sich in letzter Zeit am drastischsten in der schäbigen Art, wie durch falsche oder gröblich entstellte Berichte über die Kampsesweise der Snffragettes geflissentlich Stimmung gegen die Frauen- stimmrechtsbewegung überhaupt gemacht wurde. Um der von dieser Presse auf das Publikum ausgehenden Suggestion entgegen- zuwirken, hatte der Preußische Landesverein für Frauenftimm- recht eine wirkliche Suffragette, Miß Seymour, nach Berlin kommen lassen. Sie sollte beweisen, daß die Suffragettes durch- aus nicht die„wilden Weiber", die„Megären" sind, als die sie die bürgerliche Presse immer hinstellt, und sie sollte ferner er- klären, wie die Suffragettes zu ihrer Kampfestaktik gekommen waren. Dies geschah in einer für Mittwochabend nach dem großen Saale der..Arminhallen" einberufenen Volksversammlung. Miß Seymour gab eine Schilderung des Kampfes, den die englischen Frauen seit sechzig Jahren um das Fraucnstimmrecht führen, das ihrer wirtschaftlichen und familienrechtlichen Un- Mündigkeit ein Ende machen soll. Männer wie Stuart Mlll hätten zu den wärmsten Verteidigern des vollen Bürgerrechtes der Frau gehört. 32 Anträge auf Verleihung des Frauenwahlrechtes wären im Laufe der Jahre dem Parlament eingereicht worden, ohne datz etwas erreicht wurde. Das Frauenwahlrecht wurde immer nur als akademische Frage behandelt, die nur wenige inter- essierte. Da setzte 1905 auf Anregung von Mrs. Pankhurst in Manchester eine neue Bewegung ein, die unter dem Motto:„Taten, nicht Worte!" die Anwendung politischer Mittel gegenüber der frauenfeindlichen Regierung forderte. Von Manchester wurde die Bewegung nach London verpflanzt, wohin man als erste Agitatorin für das Frauenstimmrecht eine einfache Fabrikarbeiterin, Miß Killey, mit 40 M. entsandte. Der Erfolg war groß: ganz London kennt jetzt die Suffragettes und spricht von ihnen. Die Frauenrechtlerinnen gingen weiter und forderten die englischen Kabinettsminister in den Versammlungen, wo sie dem Lande Be- richt über ihre Tätigkeit erstatten müssen, auf, auch über ihre Stellung zum Frauenwahlrecht Auskunft zu geben. Gewöhnlich wurden die unbequemen Fragerinnen hinausgeworfen. Als die Regierung hartnäckig blieb, versagten die Suffragettes den liberalen Regierungskandidaten bei Nachwahlen die Unterstützung, die diesen bisher immer sehr erwünscht gewesen war, und dem Einfluß der Frauenrechtlerinnen gelang es, die Wiederwahl einer ganzen Anzahl von Liberalen zu verhindern.„So opponieren wir ganz logisch einer Regierung, die gegen uns ist," rief Miß Seymour. Dann entschlossen sich die Suffragettes zu dem in der bürgerlichen Presse am meisten verlachten und verspotteten Schritte, zu der bekannten Entsendung von Gesandtschaften in das Unterhaus. Das war ein althergebrachtes Recht, das die Männer von jeher angewendet hatten, wenn sie vom Parlament etwas erreichen wollten. Die Behandlung, die den Kämpfen der Frauen zuteil wurde, war immer die gleiche. Der Zugang zum Unterhause wurde ihnen verboten. Mr. Asquith, der Premierminister, ver- steckte sich hinter der Polizei und ließ die Führerlnnen der Frauen verhaften. 19 Jahre Gefängnis kommen bis jetzt auf das Straf- konto der Suffragettes. Alle diese Dinge wußten sie indes zu neuen Demonstrationen auszunutzen, mit denen sie bezweckten,„sich so unausstehlich wie möglich zu machen", um so die Regierung zu zwingen, dem Verlangen der Frauen nachzugeben. Diese Taktik der Suffragettes hätte guten Erfolg gehabt; die Zahl ihrer An- Hänger sei innerhalb dreier Jahre auf 80 000 gestiegen. Ihr Kampffonds in Höhe von 400 000 M. tvürde in diesem Jahre vor- aussichtlich auf eine Million anwachsen. Harte und oft auch Pein- liche Arbeit sei dazu nötig gewesen, denn die Suffragettes seien Frauen wie andere Frauen auch, und die lärmende Agitation, zu der„die Feigheit und Brutalität der Männer" sie schlietzlich ge- zwungen habe, widerstrebe eigentlich ihrer Natur. Rühmend hob die Rednerin die hingebende Unterstützung hervor, welche die berufstätigen Frauen, insbesonderedie Arbeiterinnen, dem Kampfe der Suffragettes zuteil werden lassen. Der baldige Sieg ihrer Sache, der den Frauen Pollen Anteil am Fortschritt der Menschheit sichern solle, sei geWitz. An den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lange Diskussion. Es war Miß Seymour gelungen, die große agitatorische Be- deutung von Demonstrationen aller Art überzeugend darzulegen. Von der im Vergleich mit preußischen Zuständen ziemlich weit- gehenden Freiheit, die ihnen die Verfassung ihres Landes in dieser Hinsicht läßt, haben die Suffragettes, wie wir stets anerkannt haben, zweifellos sehr wirksamen Gebrauch gemacht. Was wir aber scharf verurteilen mutzten, das war der a n t i- demokratische Charakter des an den Besitz ge- bundenen Wahlrechts, dem ihr Kampf gilt. Wenn englische Arbeiterinnen den Suffragettes in diesem Kampfe Hilfe leisten, vielleicht weil ihnen eingeredet wird, datz das Damen- Wahlrecht die erste Etappe auf dem Wege zur Erringung politischer Gleichberechtigung für alle Frauen fein werde, so befinden sie sich damit in einer verhängnisvollen Selbsttäuschung und beweisen gleichzeitig einen bedauerlichen.Mangel an Klasseninstinkt. Die herrschenden Klassen werden den Machtzuwachs, den ihnen das be- schränkte Frauenwahlrecht schlietzlich bringt, nun erst recht zur Niederhaltung der Arbeiterklasse ausnützen. Mit leeren Händen würden die Arbeiterinnen dastehen, nachdem sie den Damen der Bourgeoisie die Kastanien aus dem Feuer geholt. Gerichts-Leitung. Eine jugendliche Vrandstifterin, die das Gehöft ihres Dienstherrn in Brand gesetzt hatte, mutzte sich gestern in der Person der erst 18jährigen Dienstmagd Marie Markowski vor dem»Schwurgericht des Landgerichts II berant- Worten. Die Angeklagte ist unter sehr traurigen Verhältnissen auf- gewachsen, die nicht ganz ohne Einfluß auf ihr Gcmütsleben ge- blieben sind. Die Mutter starb schon vor mehreren Jahren und ließ die damals 13jährige Angeklagte mit fünf kleineren Ge- schwistern zurück. Der Bater, ein Gewohnheitstrinker, bekümmerte sich nicht um die Kinder, sondern ging auf und von bannen. Die letzte Nachricht von ihm erhielt die Angeklagte aus dem Straf- gefänguis Tegel. Die Kinder fielen der öffentlichen Armenpflege zu, die Angeklagte wurde von dem Landarmenverband zu dem Rittergutsbesitzer Spiekermann in Rangsdorf in Dienst gebracht. Hier soll sie von Anfang an faul und schmutzig gewesen und trotz Verbotes oft spät nachts nach Hause gekommen sein. Im Mai v. I. wurde den auf dem Rittergut angestellten Bediensteten untersagt, des Sonntags auszugehen. Die Angeklagte ärgerte sich über diese Bestimmung derartig, datz sie den Entschlutz faßte, sich an ihrem Dienstherrn zu rächen und ihm irgendwie Schaden zuzufügen. Am 11. Mai in aller Frühe ging die Angeklagte in den Stall und ent- zündete hier mit einem Streichholz die aufgestapelten Heu- und Futtervorräte. Sodann ging sie, als ob nichts geschehen fei, in die Küche zurück. Der Brand wurde erst bemerkt, als das ziemlich umfangreiche Stallgebäude in hellen Flammen stand. Nur mit vieler Mühe gelang es dem Gutspersonal, die in dem Stall stehen- den 50 Kühe und daS übrige Vieh zu retten. Der angerichtete Schaden betrug etwa 10 000— 12 000 M.. da das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern niederbrannte. Die Ermittelungen blieben seinerzeit erfolglos, und die Brandstifterin wurde ruhig in ihrem Dienst belassen. Am 1. Dezember v. I. kam die M. zu dem Bäckermeister Thieme in Klein-Beeren als Magd in Dienst. Im Februar d. I. entwendete sie eine Schlackwurst, die später in ihrem Bett versteckt aufgefunden wurde. Als ihr der Diebstahl auf den Kopf zugesagt wurde, erwiderte sie nichts, ging alsbald darauf in das Stallgebäude und zündete hier wiederum das Haus an. Auch hier brannte das Gebäude völlig nieder. Zufällig hatte ein 14jäh- riges Mädchen die Angeklagte bei der VerÜbung der verbrecherischen Tat beobachtet. Die Brandstifterin wurde daraufhin von dem Gendarmeriewachtmeister Höppner verhaftet. Vorher hatte die An- geklagte einmal geäußert, sie sehe es immer gern, wenn die Feuer- wehr anrücke. Kurz vor ihrer Verhaftung versuchte die Angeklagte noch, jenes junge Mädchen zu bestimmen, daß sie bei einer Ver- nehmung aussagen solle, sie habe kurz vor dem Brande einen un- bekannten Mann auf dem Hofe umherschleichen sehen. Vor Gericht war die Angeklagte in vollem Umfange geständig. Die Geschworenen bejahten die Schuldftage unter Zubilligung mil- dernder Umstände. Das Gericht erkannte dem Antrag des Staats- anwalts gemäß auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Wären wohl die Taten des jugendlichen Geschöpfes bei sorg- fältiger Erziehung möglich gewesen? Wegen Falschmünzerei verhandelte gestern das Schwurgericht des Landgerichts II gegen den Gürtler Fritz Grunert. Am 10. November v. I. kamen zwei Leute in das Lokal des Schankwirts Fischer in Rixdorf, tranken zwei Glas Bier und bezahlten dann mit einem Zweimarkstück. Der Wirt erkannte sofort, daß das Geldstück falsch war. Er hielt die Leute in einer unauffälligen Weise noch einige Zeit fest und schickte unterdessen zur Polizei. Bei der Festnahme ergab es sich, daß die Verhafteten der jetzige Angeklagte Grunert und ein Kellner Bach- mann war. Letzterer behauptete, das Zweimarkstück, welches bei ihm gefunden wurde und ebenfalls falsch war, von Grunert für eine Schuld erhalten zu haben. Da gegen ihn weiter keine Ver- dachtsgründe vorlagen, wurde er bald wieder auf freien Fuß gesetzt und das Verfahren gegen ihn eingestellt. Dagegen konnte festgestelli werden, datz Grunert kurze Zeit vor seiner Festnahme in der Schankwirtschaft von Schönfisch gewesen war und hier ebenfalls ein falsches Zweimarkstück in Zahlung gegeben hatte. Die Folge war die jetzige Anklage. Die Geschworenen bejahten die auf Münz- verbrechen lautende Schuldfrage unter Versagung mildernder Um- stände. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehr- Verlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Hochbahnunglück. Wie uns ein Telegramm meldet, verwarf gestern das Reichs- gericht die Revision des Zugführers Karl Schreiber, der am 6. Februar vom Landgericht II Berlin wegen fahrlässiger Gefähr- dung eines Eisenbahntransports, fahrlässiger Tötung und Körper- Verletzung zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Es handelt sich um das Hochbahnunglück vom 21. Sep- tember vorigen Jahres, Haben die Berufsgeuosseuschaften die Militärpcnsionen zu erhalten? Die Frage, ob Militärpensionen, besonders Kriegszulagen, bei Zahlungen von Invalidenrenten in Abzug gebracht werden dürfen, hat unlängst das Reichsgericht bejaht, nachdem auch Land- gericht Halberstadt und Lberlandesgericht Raumburg in bejahen- dem Sinne entschieden hatten. Der Kläger, der die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit- gemacht hat, bezieht als Berginvalide von dem Halberftädter Knapp- schaftsverein in Halberstadt Jnvalidenunterstützung. Vor dem 1. Vlai 1907, mit welchem Tage er in die Reihe der Berginvaliden eintrat, bezog er aber schon 13 M. monatliche Kriegsinvalide»- Unterstützung und eine Kriegszulage von 15 M. monatlich. Diese 33 M. bringt der genannte Knappschaftsverein bei seinen Renten- Zahlungen in Zlbzug, und zwar auf Grund des Z 56 seines Statuts, der lautet:„Etwaige Militärpensionen werden auf die Invaliden-, Witwen- und Waisen-Unterstützungen angerechnet." Infolge dieses Abzugs hatte der Kläger gerichtliche Entschei- dung beantragt mit dem Begehren, den beklagten Knappschafts- verein zur Zahlung der Abzüge zu verurteilen. Seine Klage wurde aber in allen drei Instanzen abgewiesen. Der erkennende V. Zivilsenat des Reichsgerichts legt in seinen Entscheidungsgrllnden unter anderem folgendes dar:„In dem Militärpensionsgesetz vom 27. Juni 1871 war neben der eigentlichen Pension(§[} 2ff., 65ff.) für Äriegsinvalide eine„Pensions� erhöhung"(§s 12. 71) vorgesehen, die in dem Kriegsinpaliden- gesetz vom 21. Mai 1901(Z§ 3, 7) als„Kriegszulage" bezeichnet wird und dort ebenso wie die„Pension" der Unteroffiziere und Gemeinen eine Erhöhung erfahren hat. Nach dem Gesetz vom 27. Juni 1871 war die„Pension", nicht aber auch die„Pensions- erhöbung", unter bestimmten Voraussetzungen anrechnungsfähig bei Anstellungen im„Zivildienst" und bei„Zivilpensionen"(ZZ 33, 34 Abs. 2, 35f., 102, 107); in dem Gesetz vom 31. Mai 1901(§ 20, wurde bestimmt, datz die Zuschüsse, d. h. die in diesem Gesetze bc- willigten Erhöhungen, bei Anstellung und Beschäftigung im Zivil- dienst und bei Bewilligung von Zivilpensionen nicht in Anrech- nung gebracht werden dürften. Unter„Zivildienst" aber ist nach den§|i 33 ff., 106 des Militär-Pensionsgesetzes, das im übrigen auch für die Bezüge des Gesetzes vom 31. Mai 1901 matzgebend ist(§§ 12, 20 a. a. O.), nur eine Beschäftigung im Staats- und Geinemdedienst oder in städtischen bezw. vom Staate oder den Gemeinden unterhaltenen Instituten zu verstehen(vgl. des näheren die Entsch. d. RG. Bd. 36, S. 142, Bd. 44, S. 85, Bd. 45, S. 123) und dementsprechend als Zivilpension auch nur eine in solchem Dienst erworbene Pension zu betrachten. Für die An- rechnung der Militärversorgungen auf die von den Knappschafts- vereinen an Bergleute zu zahlenden Jnvalidenunterstützungen enthalten auch die Militär-Pensionsgesetze keine Bestimmung. ES kommen daher lediglich die Vorschriften des agf Grund des Mgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865(§§ 185ff, 166ff.) erlassenen Statuts des Beklagten zur Anwendung, das die.An- rechnung„etwaiger Militärpensionen" festsetzt." Daran, datz die Berufsgcnossenschaften durch die Militär- pensionsgesetze Vorteile erlangen sollen, hat wohl trotz der Ent- scheidung des Reichsgerichts der Gesetzgeber schwerlich gedacht Kriekkaften der Redahtion. »le snristltcki-«PreHifmnB« flnb« Siitbf nftrntje Wt.». zwelttt Hos, dritter Einaang. vtrr Treppe», DM- Fabrftnhl-MD wocheutägli» ab«»»? von?>/, dt» O1/« Nlir statt.«rötsaet 7 Ulir Sonnabend» beginn« die evreitiftnnde nm ff Ubr. Jeder Ausrage ist ein Buchstabe und eine stahl als Vier», eiche» beUuiiigc». Brieilich« Antwort wird nicht erteilt. Bi» zur Beantwortnng im Brieskafte» können 14 Tage vergehen. VUiat Kragen trage man in der Svr-chstnnde vor. St. SV. Das sogenannte.Gedicht' haben wir Ihrer Anregung gemäh sosort vernichtet..Dichten' Sie nie wieder I— G. L. 59. 1. und 2 Nein.— W. St. II, Ihr Schwager hat Einkommensteuer zu zahlen. In Berlin sind die Stusen bis 900 M. steuerfrei.— B. 32. Die von Ihnen geschilderte Sachlage bietet keine Unterlage für eine Ehescheidungs- klage. Es könnte nur aus Herstellung des ehelichen Lebens geklagt werden. — E. aa. 33. 1. und 2. Etnbchaltene Sachen werden durch noch so langen Zeitlauf nicht Eigentum des EinbehalterS. ES könnte nur auf Zahlung der Schuld geklagt und dann Psändung in die einbehaltenen Sachen vorgenommen werden. 3. Durch die Buchhandlung Vorwärts erhalten Sie alle Bücher.— Martha I. 2. Legen Sie Beschwerde bei dem ZUrchhosS- vorstand ein und verlangen Stückzahlung.— M. D. 200. Rein.— D. St. 100. 1. Die Mutier ist nicht verpflichtet. 2. Rein. —<£. B. Hierzu ist der Lehrherr keineswegs berechtigt.— Ei. S. 28. Die Regierung hat dem Beschlug noch nicht zugestimmt.— Zampa 23. Die Hundesteuer wäre tn beiden Fällen zu zahlen. Die Gewerbesteuer richtet sich nach der Höhe des Anlage- und Betriebskapitals sowie des JabreScinkommenS.— R. H. 100. Dle Wirtin ist im Recht.— G. N. 32. 1. Nach der herrschender» Ansicht ja. 2. Ja.—(?. 20. Wegen des ersten Quartals 1309 würde die NeNamalion Erfolg haben.— P. 0». Aus Antrag ja.— M. tg. Zur Unterschrist des neuen Vertrages sind Sic nicht verpflichtet. Bei einem Besitzwechsel geht der alte Vertrag mir Rechten und Pflichte» aus de» neuen Eigentümer über. Dieser hat nur dann das Recht, vorzeitig den allen Vertrag zu kündigen, wenn« da» Haus in der Eubhastation«worden hat. Mr de« Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantivortnug. �Kearer. Sonnabend, den 8, Mai. Ansang 7'/, Uhr. tkönigl. Schauspielhaus. Der Mennonit. Deutsches. Faust. Kammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.(Ans. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Königs. Opernhaus. Elellra. Neues königliches Operntheater. Kgl. russisches Hosballett: Pachita. Lcssing. Hedda Gabler. Berliner. Ein Hcrbstmanövcr. Schiller O.(Wallner» Lhealer.) Narziß. Schlier Charlottenburg. Die Welt, in der uian sich langweilt. Nachm. 3 Uhr: Die Karolinger. Friedrich- iivilbelmstadt. Schau- spielhans. Husarensieber. Neues Seimuipielliaus. MahS. Komische Oper. Tiesland. Westen. Die lustige Witwe. Nachm. 3 Uhr: Opernaufsührung des Sternschen Konserbatorimns Neues. Renaissance. Thalia. Was Reuter erzählt. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Lustspielhans. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. Frau Warrens Gewerbe. Luisen. Krone und Fessel. Triano». Liebesgewitter. Neues Obercttcu. Die Dollar- Prinzessin. Berliner OPeretten-Theater 8 Vi. Berlin, wie es weint und lacht. (Ansang 8'/, Uhr.) Bernhard Roie. Spreewald-Käte. Gastspiel- Theater. Gesallene Mädchen. Apollo. Hartstein. Er oder Er. Spezialitäten. Metronot. 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Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Friedrich-Wilhslrnstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 8, Mal, Ansang 8 Uhr: Hnsarenfieber. Sonntag 3 Uhr: Schlagende Weitest 8 Uhr: LumPacioagabunduS. ksiiilelif-IIiostös. — Direltion: lliebarä /Uoxtlaösr.-- Slnfaiig 8 Uhr. Mmmere Lied um Amelie. Schwank i» 3 Akten(1 BUdern) von Feydcau. Morgen u. folg. Tage: Dies. Vorstellg. Sominerpreise._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Xenes Opercttcn-Thcater, Echissbauerdumm 25, a. d. Luiscnstr Ansang 8 Uhr. VI« I>«li»i'ppln»!«»»ln. Operette in 3 Akten von Leo Fall Hehhel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Ars�ne Lupin. Sanssouci, ST Tireltion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: hokkmsnns und krlihiingshrznrviien Rinskter, Rnsemdieeienea. Aktuell« Borträge in Wort und Lied usw. Leg. Sonnt. 5. wochent. 8 U. Worg. Sonntag: Sr. siljle-Lolree.Tsni. Eintritt lk Zl., von abends 6 Ubr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. 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Da er aber aus Erfahrung wußte, daß ein derartig schmutziges Gewerbe eine ehrliche Berichterstattung selbst bei Bezahlung nicht aufkommen läßt, versuchte er noch nebenbei auf eigene Faust zu operieren. Anfang März hatte er an seinen Vertrauensmann Haberkern geschrieben: „Die Quittung habe ich erhalten. Wenn es Dir möglich ist, so ziehe mal Erkundigung ein über das Resultat betreffs Fest- fetzung eines Tarifs zwischen der Partei und den Partei- genösstschen Rechtsanwälten. Es ist eine Kommission gebildet worden, von deren Wels der Vorsitzende ist. Diese Kommission soll einen Tarif mit den Rechtsanwälten der Partei ausarbeiten. Ich möchte hierüber bis zum IS. März Bescheid haben. Vielleicht ist es Dir möglich, nach dieser Richtung hin etwas in Erfahrung zu bringen." ,.Talent".Malick hatte wieder, wie so oft, etwaS läuten hören, wußte aber nicht recht was. Nun sollte ihm sein„lieber Georg" helfen. Der aber war selbswerständlich dieser Riesenaufgabe nicht gewachsen. Er mußte trotz der ihm in Aussicht gestellten Extra- gratifikationen erklären, daß er darüber keine Auskunft geben könne. Aber, so sagte sich wieder der ruhmbekleckerte Malick, wozu ist die Fähigkeit da, Namen zu fälschen, wenn man sie nicht an- wenden soll. So schrieb er denn unter dem unauffälligen Namen Schulz folgenden Brief an den Genossen Wels: „Werter Parteigenossel Ich habe im Mitteilungsblatt des Monats März gelesen, daß mit den Rechtsanwälten ein Tarif ausgearbeitet wird. Da Tu der Leiter dieser Arbeit bist, so möchte ich Dich bitten den Tarif im Mitteilungsblatt resp. im Vorwärts zu veröffentlichen. Es ist dies doch eine Sache, die für die Allgemeinheit von der größten Jntresse ist.... Außer- dem wäre eS sehr erwünscht, wer alles als Rechtsanwalt für die Partei fungiert.... Ich bitte Dich zu veranlassen, damit eine solche wichtige Sache auch uns zur Kenntnis und Jnforma- tion gelangen wird. Mit Parteigruß Schulz, Schlosser, Mitglied vom IV. Kreis.' Wie pfiffig, nicht? Ganz bezeichnend für die Art, wie preußische Polizeibeamte ihre sogenannten Geistesgaben anwenden Es mutz„U n s" zur Kenntnis gelangen, wer alles als Rechts anwalt für die Partei fungiert.„W i r" müssen auch den Tarif kennen; gibt das doch einen so wunderbaren Stoff zu den ver- schiedensteu Verdächtigungen, unter anderem zu dem Kapitel von der„Vergeudung von Arbeitergroschen". Talent-Malick-Mischke. Schulz wurde aber im Briefkasten des„Vorwärts" vom 25. April folgendermaßen abgeführt: „Schulz, Schlosser, Mitglied vom 4. Kreis. Warum unterschreiben Sie Ihre Anfrage an die Preßkommission mit Schulz? ' Schreiben Sie doch Spitzel. Das ist zwar auch nicht der richtige Name, aber doch wenigstens die zutreffende Berufsbczeichnung." Der Schlaumeier war also abgeblitzt. Doch strebsam, wie er war, ließ ihn sein Geschäftssinn keine Ruhe. Er hatte wahrschein� lich einmal etwas vom Brandenburger Provinzialsekretariat ge hört. Die Bedeutung desselben war ihm trotz seiner Parteitätigkeit wohl nicht recht klar geworden. Sein früherer Schlummervatcr und Freund, der Schneidermeister Heymann, Lette st r. 7, mit dem Malick noch in Verbindung stand, richtete also am 30. April folgenden Brief an die„Kommunale Praxis „Wir haben im Lokal am Stammtisch gewettet, und zwar wurde von einer Seite behauptet, daß zur gleichmäßigen Hand- habung für die Gemcindewahlen von Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg eine Agitationskommission besteht. Tie andere Seite behauptet, daß eine derartige Kommission in früheren Jahren bestanden hat, in neuester Zeit aber die Ge meindcwahlen für Groß-Berlin vom Zcntralvorstand der Wahl- vereine Berlins und Umgegend und für die Provinz Branden- bürg vom Sekretariat für die Provinz Brandenburg geleitet würden. Welche Ansicht ist zutreffend? Einem gütigen Bescheid im Briefkasten Ihrer werten„Kommunalen Praxis" unter der Bezeichnung„Stammtisch Fröhlichkeit" entgegensehend und mit Parteigruß Heymann, Schneider, Lettestr. 1." Es gibt Leute, die behaupten, dieselben Schriftzeichen deuten auf denselben Charakter hin. Die Briefe von Malick und vom Schneider Heymann. Lettestr. I, weisen genau dieselben Schrifi zeichen auf; selbst ihr„Parteigruß" ist von derselben Qualität. Doch auch dieser Wissensdrang wurde nicht befriedigt. Auf die für seine Vorgesetzten bestimmte Antwort wartet Talent-Malick heute noch. Ja. ja, cS wäre so schön gewesen, die ausnahmsweise richtigen Nachrichten auf so bequeme Art zu erhalten. Der mutige Malick hätte dann nicht einmal nötig gehabt, mit Blechmarke und Revolver bewaffnet, in Genoffenkreisen umherzuschnüffeln, wie es früher seine Gewohnheit war. Bei näherer Betrachtung zeigte sich nun aber, daß die Hand» schrift aller drei Briefe genau übereinstimmte. Und da müssen wir doch sagen, blöder konnte nun wirklich nicht der Versuch ge macht werden, eine Nachricht zu ergattern, für die gewiß eine Extragratifikation von 3 M. oder doch wenigstens ein Orden herauszuschlagen war. Doch nun genug über Malick. Er mag wieder in die Senk- grübe verschwinden, aus der er aufgetaucht. Schon folgt ein anderer. Partei-?Zngelegenkeiten. Erster Wahlkreis. Der dritte Vortrag des Genossen Dr. Oskar Cohn über das Erfurter Programm findet am Montag, den 10. Mai, abends 8>/° Uhr. in Dräfels Feftsälen, Neue Friedrichstr. 8S. statt. Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Lorstand. SchSneierg. Die Genossen des vierten Bezirks veran- stalten am Sonntag, den 0. d. M., eine Besichtigung der Muster- erziehungSanstalt„Am U r b a n" in Zehlendorf. Die Teilnehmer treffen sich nacbmittags 2 Uhr am Bahnhof Friedenau, Spanholz- straße, und wollen pünktlich zur Stelle sein. Es ist erwünscht, daß die Frauen sich zahlreich beteiligen wollen. Nähere Auskunft erteilt Genosse E. Winkel, Apoftel-PauluS-Straße 7. Der Borstand. Bcrlmcr JVachricbtcn* Werder im Blntenschmnck. Eine Perle im Sande der Diark ist das kleine Havel- Zädtchen Werder. Wem es Zeit und Mfttel erlauben, sich Werder zurzeit der Baumblüte anzusehen, wird überrascht sein ob des wundervollen Anblicks, den er da erhält. Von den beiden höchsten Punkten Werders, der Wachtelburg und der Vismarckshöhe genießt man eine reizende Fernsicht. Vor uns dehnt sich ein einziger Blütengarten aus, umrahmt von den blauen Fluten der Havel. Zwischen den schneeweißen Blüten der Kirsche schimmert hier und dort das Rot der Aprikosenblüte. Man kann sich nicht sattsehen an diesem schönen Bild, das die Allmuttcr Natur vor uns hingezaubert hat. Vor langen, grauen Jahren haben im Weinbau er- fahrene Mönche aus Lehnin an dieser Stelle insofern Kultur- arbeit geleistet, als sie den Grund zu diesen Naturschönheiten gelegt haben. Ein großer Teil der Bevölkerung Werders zieht aus den Erträgnissen der Obstplantagen seine Existenz. Die zahlreichen Fruchtsaftpressereien beweisen, daß das gewonnene Obst in der verschiedensten Weise seine Verwertung findet und wer gerade jetzt nach Werder hinausfährt, kann gar nicht anders, als diese Fruchtweine zu kosten; natürlich muß das mit der nötigen Vorsicht geschehen. Obstwein ist ein sehr tückischer Geselle. Wer bereits in der Frühe den Johannisbeer-, Stachelbeer- oder Erdbeerwein probiert, für den ist am Abend nicht mehr gut zu sagen. Und so sieht man oft schon sehr zeitig manche schwankende Gestalt— Männlein und Weiblcin — in recht bedenklichem Zustande des Weges daher kommen, in manchen Fällen sogar den— glücklicherweise mit Sand gepolsterten— Abhang der Bismarckshöhe heruntertrudeln. Ueberall werden Blütcnzweige feilgeboten. Und wenige „Auswärtige" sind es, die ohne ein solches Beweismittel eines Werder-Besuches nach Hause fahren wollen. Mancher Naturfreund jammert ob dieser großen Vaumberaubung; tachleute aber versichern, daß dieses Vlütenabschneiden den äumen nicht schade, in vielen Fällen sogar notlvcndig sei, um volle und gute Früchte zu erzielen. Dann werden diese Blütenzweige mit Vorliebe von ganz besonders hohen Bäumen abgeschnitten, weil bei einer guten Ernte in diesem Falle die Kosten fürs Pflücken sich höher stellen, als der gewonnene Ertrag. Umfangreich ist der Fnichtweinverkauf. Kaum ein Haus, wo wir nicht einen Verkaufsstand erblicken. Und praktisch sind unsere Werdcrschen, das muß man ihnen nachsagen. Um das Mitnehmen der Obstweinflaschen zu erleichtern, halten sie gleich Flaschcnnetze parat und aniniicren gerade dadurch zum Kauf. Aber in mehr wie einem Falle passiert es, daß die Käufer ihre erstandenen Werderweine gar nicht erst nach Hause bringen, sondern den Flaschen schon unterwegs den Hals brechen. Nur kurz ist der Blütenzauber in Werder. Bald ent- wickelt sich aus den Blüten die Frucht und nach etwa sechs Wochen prangen an den Bäumen rotbäckige Kirschen, zur Freude von Groß und Klein. Noch ein guter Freund. übiv veeichteten kürzlich, wie ein guter Freund der„Neuen Freien Volksbühne" in einem ausländischen Blatte den„un- politischen Charakter" dieses Vereins als einen großen Vorzug vor der(alten)„Freien Volksbühne" pries und fügten hinzu, daß dieses recht ungeschickte Lob wohl kaum in einem Flugblatt Verwendung finden dürfte, welches die„Neue Freie" unter die Berliner Arbeiterschaft verteilt. Die guten Freunde der„Neuen Freien" sind nun nach Berlin eingewandert und scheinen sich unsere Warnung zu Herzen ge nommen zu haben. Sie werfen es dem alten Verein vorerst nicht mehr vor, daß er sich der politischen Gesinnung seiner Mitglieder niemals geschämt hat. Sie haben das Kritisieren und Charakteri siercn aufgegeben und bringen jetzt, um für die„Neue Freie" auf Kosten der(alten) Freien Volksbühne Stimmung zu machen, viel- mehr sogenannte„Tatsachen" ins Treffen. Allerdings zunächst solche„Tatsachen", die nichts als Unwahrheiten und bösartig tendenziöse Entstellungen sind. Ein ganz besonders guter Freund der„Neuen Freien" hält den,---„Berliner Börsen-Courier" für das geeignetste Blatt, der proletarischen alten Organisation zugunsten der„unpolitischen"„Neuen Freien" einen Hieb zu ver setzen. Er behauptet dort frei aus dem Handgelenk:„Die seiner- zeit durch Zubeil und Adolf Hoffmann befürwortete Erhöhung der Beiträge hat es mit sich gebracht, daß viele Mitglieder ihren Aus- tritt erklärten und sich dem Verein der Neuen Freien Volksbühne anschlössen." Hier läßt der gute Freund der„Neuen Freien"— im„Berliner Börsen-Courier"— die Maske des harmlosen Rc- porters fallen. Die Absicht seiner angeblich einem Geschäftsbericht der„Freien Volksbühne" entstammenden, in Wirklichkeit aber von A bis Z erfundenen Mitteilung ist nicht zu verkennen. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Es liegen schon zahlreiche neue Meldungen für die beiden neueröffneten Abteilungen vor, und es unterliegt nach dem Bisherigen keinem Zweifel, daß diese beiden Abteilungen der Freien Volksbühne, welche nunmehr in fünf Berliner Theatern spielt, zum Herbst gefüllt sein werden. Die Gewcrbcdcputation des Magistrats nahm in ihrer Sitzung am 4. Mai zunächst Kenntnis von dem Vorgehen des Ministers für Handel und Gewerbe gegen die Wohnungsenquete der Ortskasse der Kaufleute und von dem Rcinfall des Ministers in dieser Sache vor dem Bezirksausschuß. DcS weiteren wurde mitgeteilt, daß der Polizeipräsident es ab. gelehnt habe, die Verordnung betreffs Verhängung der Schaufenster an den Sonntagen aufzuheben. Einmal wegen der Differenzen, die in den Interessentenkreisen über diese Frage beständen und dann weil die Angelegenheit nur für die ganze Provinz Branden- bürg gemeinsam geregelt werden könnte. Ein Wunsch der Ver einigung der Berliner Kleinhändler, auch ihrerseits in der Gewerbe. dcputation vertreten zu sein, wird dem Ausschuß für unbesoldete Gemeindebeamte der Stadtverordnetenversammlung überwiesen. Ein Protest gegen die Gültigkeit der am 12. November 1908 erfolgten Wahlen der Mitglieder zum Gcsellenausschuß der Bäckerinnung wird zurückgewiesen, weil, selbst wenn alle Protestgründe wahr seien, die überwältigende zehnfache Majorität vorhanden bleibe. Dem Protest des Gesellenausschusfes der Steinsetzerinnung wird stattgegeben, weil die Einladung an den Ausschuß nicht m i n d e- stens 48 Stunden vorher in den Händen des Ausschusses ge- Wesen ist. Die Entscheidung bezüglich des Antrages der Bäcker- innung, die Zustimmung des Gesellenausschusses zur neuen Sprech- nieisterordnung zu ergänzen, wurde vertagt. Die Innung soll auf- gefordert werden, mitzuteilen, warum sie gestaffelte Gebühren für Benutzung des Arbeitsnachweises erhebt, und zwar 25, 50, 75 Pf. und 1 M., ferner wie hoch die Einnahmen aus diesen Gebühren sind, was die Unterhaltung des Arbeitsnachweises kostet und wie hcch der Beitrag der Innung hierzu ist. In der Dcvutation wurde verschiedentlich die Ansicht laut, daß sich weder eine Staffelung rechtfertige, die schon keine Gebühr mehr sei, sondern eine Be° steuerung darstelle, sowie daß für Aushjlfsarbeiter, die in der Woche vier- bis fünfmal den Platz wechseln, jedesmal 25 Pf. er- hoben werden, ein Verfahren, das hine schwere finanzielle Last für die Arbeiter darstelle. Jugcndausschuß in Groß-Berlin. Fortsetzung des national- ökonomischen Kursus heute abend Ls-b Uhr in der Aröeiterbildungs- schule, Grenadierstraße 37, 1 Füchse in der Umgebung Berlins. Wie wir vor einiger Zeit mitteilten, ist in der unmittelbaren Umgebung Berlins das Auf- treten von Füchsen in diesem Winter beobachtet worden. Die Räuber drangen mit ungewöhnlicher Frechheit mitten in bewohnte Ortschaften hinein und vernichteten ganze Geflügelbestände. Jetzt ist es deni königlichen Förster Krüger gelungen, in der Rudower Forstmark einen Bau mit sieben Jungen und der Füchsin auszu- nehmen. Ein zweiter Bau mit sechs Jungen und der Füchsin wurde fast gleichzeitig bei Ober-Schöneweide entdeckt und die Räuber ausgegraben und getötet. Die„Väter" der beiden Räuberfamilien konnten jedoch bisher nicht abgeschossen werden. Die zahlreichen Waldbrände in den letzten vierzehn Tagen, welche auch zum Teil durch Funkenauswurf der Lokomotiven herbeigeführt worden sind, haben die Eisenbahnverwaltungen dazu veranlaßt, die Schutzstreifen, wo erforderlich, zu erneuern, und vor allen Dingen dieselben von Waldstreu und anderen brenn- baren Stoffen zu säubern, um das Uebertreten eines Brandes über den Schutzstreifen hinaus zu verhindern. In der weiteren Umgebung Berlins sind jetzt sämtliche Bahnstrecken, soweit sie Waldungen durchschneiden, mit breiten Schutzstreifen versehen Raubmordversuch in der Körnerstraße. Ein Verbrechen rief gestern morgen in der Körnerstraße un- geheures Aufsehen hervor. In ihrer Wohnung, Körnerstraße 20, wurde die 43 Jahre alte Witwe Ernstine Röschke von einem Schlafburschen mit einem Hammer niedergeschlagen und durch Messerstiche schwer verletzt. Der Versuch, die Ueberfallene zu bc- rauben, mißlang dem Täter. Der Urheber des Verbrechens ist entkommen. Im dritten Stockwerk des Ouergebäudes des Hauses Körner- straße 20 wohnt die Witwe Röschke mit ihren fünf Kindern im Alter von 7 bis 16 Jahren. Der Ehemann, der vor einigen Jahren starb, war Maurer gewesen und hatte seine Familie in nicht gerade glänzenden Verhältnissen hinterlassen. Frau R. mußte sich redlich abquälen, um für sich und ihre Kinder den Lebens- unterhalt herbeizuschaffen. In der letzten Zeit ging es etwas besser, da die ältesten Kinder, die sich in der Lehre befinden, etwas, wenn auch nicht viel verdienen. Durch Näharbeiten verdiente sich die Witwe ihr Geld. Oft saß sie Tag und Nacht an der Näh- Maschine. Um ihren Erwerb etwas zu vergrößern, vermietete sie ein Zimmer an Schlafburschen. Vor etwa vierzehn Tagen mietete sich nun ein Schlafbursche ein, der bisher noch nicht polizeilich an- gemeldet worden ist. Man konnte daher seine Personalien nicht feststellen. Er schuldete die Miete und schien stets in der größten Geldverlegenheit zu sein. Vorgestern erfuhr er, daß Frau R. von einem Kunden, für den sie Näharbeiten geliefert hatte, Geld zu erwarten hatte. Gestern morgen, als die Kinder zur Schule und die älteren zur Arbeitsstelle gegangen waren, klingelte es und ein Mann unterhielt sich auf dem Flur mit Frau R. Der Schlaf- bursche war der Meinung, daß es der Geldbinefträger gewesen sei und nun sann er sich einen verbrecherischen Plan aus. Er wartete, bis seine Wirtin in seinem Zimmer erschien und ihm den Kaffee brachte. Kaum hatte Frau R. das Tablett auf den Tisch gestellt, so stürzte sich der Schlafbursche über sie her. Einen Hammer, den er unter dem Tisch hervorgeholt hatte, benutzte er zur Ausübung seines Verbrechens. Er schlug mit dem Instrument so heftig auf die wehrlose Frau ein, daß eine klaffende Wunde am Kopf ent- stand. Die Ueberfallene versuchte sich nun zur Wehr zu setzen, vermochte aber dem kräftigen jungen Menschen gegenüber nichts auszurichten. Der Täter zog nun auch noch ein Messer hervor und versetzte seinem Opfer mehrere Stiche in den Hals und ins Gesicht. DaS linke Ohr wurde durch einen Stich fast in zwei Hälften geteilt. Mit welcher Wucht der rohe Bursche den Hammer. schlag ausgeführt hat, geht daraus hervor, daß der Stiel brach. Nachdem Frau R. mehrere Hilferufe ausgestoßen hatte, brach sie besinnungslos zusammen. Der Täter durchsuchte dann die Kleidung seines Opfers, fand aber nichts darin vor, was irgend- welchen Wert für ihn gehabt hätte. Er ergriff dann schleunigst die Flucht und entkam auch. Erst nach mehreren Minuten kamen Nachbarsleute, die die Hilferufe nur undeutlich vernommen hatten, in die R.sche Wohnung. Sie fanden die Frau in einer beklagenswerten Situation auf und holten einen Arzt herbei, der sich der Schwerverletzten annahm. Ob die Verletzungen tödlich sind, muß abgewartet werden. Augenblicklich ist der Zustand der R. sehr bedenklich. Beim Mieten der Schlafstelle gab der Schlafbursche an, er heiße Winkler. Es ist aber kaum anzunehmen, daß dies sein wahrer Name ist. Sobald Frau R. darauf drang, ihn polizeilich anzumelden, erwiderte der junge Bursche, sie solle noch ein paar Tage damit warten. Es sei ja immer noch Zeit genug. Er behauptete, in einem hiesigen Warenhaus als Haus- diener angestellt zu sein. Auch dies dürfte wohl kaum stimmen. Frau R. erhielt auch für ihre Kinder Armenunterstützung, und cS ist nicht ausgeschlossen, daß es der Täter auch auf dieS Geld ab- gesehen hat. Seitens des königlichen Polizeipräsidiums ist auf die Ermittelung des Buben eine Belohnung von tausend Mark ausgesetzt worden. Der Flüchtling wird als ein breitschultriger Mensch geschildert. Er hat dunkelblondes Haar und trägt es im Scheitel. Seine Kleidung besteht aus einem dunklen Mantel, unter dem er ein gestricktes Jackett trägt. Er ist ferner mit schwarzer, abgetragener Hose und schwarzen Schnürstiefeln be- kleidet. Die Kriminalpolizei hat die Nachforschungen nach dem Täter sofort mit allem Eifer aufgenommen. Ein tödlicher Banunfall ereignete sich gestern abend in der Köpenicker Straße 39a. Dort sind seit einiger Zeit Arbeiter mit Abrißarbeiten beschäftigt. In der siebenten Abendstunde brach nun der Maurer Karl Teschendorf aus der Frankfurter Allee durch eine Deckenschalung und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Trotz- dem ärztliche Hilfe bald zur Stelle war, starb der Verunglückte nach kurzer Zeit. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Eine Razzia fand gestern im Treptower Park statt, wobei 50 Personen von der Polizei sistiert wurden. Ein Teil der Sistierten wurde auf der Polizeiwache zurückgehalten. Unter ihnen befand sich ein Deserteur vom 20. Jnfanterie-Regiment, der vor einigen Tagen die Kantinenkasse erbrach und mit dem erbeuteten Gelde entfloh. TodeSsturz aus der dritte» Etage. Ein entsetzlicher Unglücks- fall hat sich am gestrigen Freitag nachmittag gegen 3 Uhr in dem Hause Alte Jakobstraße 118 zugetragen. In der dritten Etage des genannten Hauses wohnte schon seit längerer Zeit bei einer Frau Schniidt das 54 Jahre alte Fräulein Henriette Gierod. Die Dame, welche von ihrem Gelde lebte, litt schon seit einer Reihe von Jahren an Krampfanfällen. Gegen Mittag äußerte die G., daß sie wiederum einen solchen Anfall befürchte und von einer furchtbaren Unruhe be- fallen sei. Die Wirtin redete ihrer Mieterin gut zu und versuchte sie nach Möglichkeit zu trösten, worauf die Rentiere erwiderte: .Wenn ich diesmal Krämpfe bekomme, so bin ich heute abend eine Leiche." Sic erklärte dann ruhen zu wollen und legte sich auch auf das Sofa. Als die Wirtin gegen 3 Uhr nachmittags in der nebenan belegenen Küche Kaffee kochte« vernahm sie ans dem Zimmer bei FrSulein G. einen markerschütternden Schrei. Vereintretend sah die Frau, wie ihre Mieterin mit den Armen um sich schlagend zum Fenster taumelte, sich über die Brüstung beugte und, das Gleich- gewicht verlierend, in die Tiefe stürzte. Leider hatte dieser Todes- stürz noch einen zweiten bedauerlichen Unfall zur Folge. In dem Augenblick, als der schwere Körper auf die Stratze stürzte, ging der 19jährige, in einer Notenstecherei in der Charlottenstratze beschäftigte Karl Scholz vorüber. Dicht vor ihm fiel die Unglückliche zu Boden. Der junge Mann erschrak derartig, daß er sofort jn Schreikrämpfe verfiel und in bewußtlosem Zustande nach der Unfallstation in der Kommandantenstraße geschafft werden mutzte, wo er sich erst nach längerem ärztlichen Eingreisen erholte. Sch., der außerdem einen schweren Nervenchok erlitten hatte, wurde dann nach seiner Wohnung übergeführt. Fräulein Gierod war sofort tot, die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Gesperrt. Der vor dem Grundstück Grünthalerstratze 11 liegende Straßenteil(etwa 3V Meter Streckenlänge) wird behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwehrnachrichten. Jn der Liebenwalder Straße 33 der- Ursachte gestern ein Geisteskranker durch eine Brandstiftung unter den Hausbewohnern große Beunruhigung. Der Mann hatte Kleidungsstücke, Wäsche, Möbel u. a. mit Petroleum begossen und dann angezündet. Als die Polizei und Feuerwehr erschien, stand eine Küche schon in Flammen. Um weitere Gefahren abzuwenden, nahm die Polizei den kranken Mann in Haft. Jn der Charlotten- straße L9 brannten nachts Gardinen, Betten, Matratzen, Möbel und anderes in einer Wohnung. Weitere Alarmierungen erfolgten aus der Görlitzer Straße 74, Buchholzer Straße 1 und anderen Stellen. Vorort- JVacbnchten. Rixdorf.; Verbrüht. Einen entsetzlichen Tod fand das zweijährige Töchtcrchen des Arbeiters Gereing aus der Siegfriedstr. 39 in Nix- dorf. Frau G. hatte in der Küche gewaschen und während sie für einige Minuten das Nebenzimmer aufsuchte, machte sich das Kind an den auf dem Fußboden stehenden mit siedender Lauge angefüllten Waschkessel heran und stürzte hinein. Auf das Ge- schrei des bedauernswerten Geschöpfes eilte die Mutter sofort her- bei und holte es aus der brühenden Flüssigkeit heraus. Inzwischen hatte die Kleine aber bereits am ganzen Körper so schwere Brand- wunden erlitten, daß sie bald darauf unter qualvollen Schmerzen starb. Schöneberg. Die Besoldungsvorlage der Beamten und Bediensteten, Arbeiter nud Arbeiterinneu ist fertiggestellt und den städtischen Körperschaften zur Beschlußfasiung unterbreitet worden. Soweit es sich um die Lohnsätze der Arbeiter handelt, sind folgende Skalen vorgesehen: A. Ständige Arbeiter(Anfangslohn): Arbeiter 4 M. Gärtner und Meßgehilsen 4,25 M., Wächter 3,75 M., Arbeiterinnen 2,75 M. Die Zahl und Höhe der MerSzulagen beträgt bei der Kategorie der Arbeiter 4,25 M., bei den Gärtnern und Meßgehilfen 5,25 M. Der Lohn der Arbeiter steigt von zwei zu zwei Jahren um 25 Pf. bis zur Höhe von 5 M. nach acht Jahren. der der Gärtner und Meßgehilfen steigt um den gleichen Betrag bis 5.59 M. Höchstlohn. B. Nichtständige Arbeiter: Gärtner und Meßgehilfen 4 M., Arbeiter nnd Wächter 3,75 M, Arbeiterinnen 2,50 M., Arbeitsburschen 1,50, 2, 2,50, 3 M.(Alterszulage 3,50 M.), Reinmachefrauen, die im Monatslohn. 59 M. monatlich, Reinmachefrauen, die im Stundenlohn, 9,39 M die Stunde. C. LluShilfsarbeiter(Notstandsarbeiter) erhalten einen Tagelohn in Höhe von 3,50 M. und Handwerker erhalten die tarifniäßigen Lohnsätze ihres Berufs oder— falls ein Tarif nicht besteht— die für ihren Beruf üblichen Lohnsätze. Die Borarbeiter erhalten zu dem tarifmäßigen Tagelohn als Arbeiter einen Lohnaufschlag von 59 Pf., desgleichen die DeS« infektoren und Kraftwagenführer einen Lohnaufschlag von 1 M. Die Gehälter und Löhne haben rückwirkende Kraft bis 1. April 1998. Die Beträge werden aus dem Ueberschußfond« und im übrigen aus den Erträgen der Wertzuwachssteuer entnommen. Groß-Lichterfelde. Berkehrsrückständiges. Die Errichtung des neuen, an der Schönower Grenze gelegenen Gemeindefriedhofes, der in nächster Zeit seiner Bestimmung übergeben wird, hat die Frage der weiteren EntWickelung des Verkehrswesens aufs neue in den Vordergrund gerückt. Leider ist auf diesem Gebiete seit einer ganzen Reihe von Jahren schwer gesündigt worden; weder ein Fortschritt im allgemeinen noch eine wesentliche Besserung be- züglich der bestehenden lokalen Verkehrseinrichtungen ist zu ver- zeichnen. Der weit ausgedehnte Ort verfügt nur über einige Straßenbahnlinien, die kaum dem Verkehrsbedürfnis innerhalb der örtlichen Grenzen genügen, von der Kommunikation mit den Nachbarorten ganz zu. schweigen. Nur die Linie Ostbahnhof— Steglitz wagt sich etwa einen Kilometer auf das Gebiet dieser Nachbargemeinde. Für den südlichen Teil von Groß-Lichterfelde fehlt nach dem Westen, dem Zentrum und dem Norden jede direkte Verbindung. Der Grunewald ist von den Lichterfeldern nur per peäes zu er- reichen, und auch bezüglich der benachbarten westlichen Gemeinden stehen wir nicht ini Zeichen des Verkehrs. Die Gründe für diese rückständigen Verkehrsverhältnisse sind zu suchen einmal in der ralativ dünne» Besiedelung des Ortes, die wesentlich mit auf das Konto der Grundstücksspekulanten zu setzen ist, die das Bauland einfach liegen lassen, um später höhere Profite herauszuschlagen; dann darin, daß die Verkehrsinstitutionen Eigentum von Privat- gesellschaften waren, die erst in den letzten Jahren auf den KreiS übergingen, der allerdings finanziell an der Entwickelung der Gemeinde ein besonderes Jntersse haben und sie durch Schaffung besserer Verkehrsverhältnisse fördern müßte. Endlich aber bildet ein schweres Hemmnis für den weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes die bei den bestehenden Linien vorhandenen verschiedenen Spurweiten der Gleise. Während die Linien nach Teltow— Stahnsdorf und nach Lankwitz— Tempelhof— letztere der Berliner Großen gehörig— normalspurig sind, find die übrigen beiden Linien schmalspurig, so daß sich naturgemäß aus diesem Dualismus für eine weitere Entwickelung des Verkehrs besonders mit den Nachbargemeinden erhebliche Schwierigkeiten ergeben. Gegenwärtig beschäftigt sich der Gemeindeborstand mit dem Straßenbahnprozekt: Station Botanischer Garten nach dem neuen Gemeindefriedhof bezw. Lichterfelde-Süd, das dem eingangs er- wähnten Mangel einer Nord-Süd-Linie abzuhelfen geeignet ist. Der Zuschuß der Gemeinde zu den Betriebskosten wird vorerst ein ziemlich hoher sein; die Terraingesellschaft, deren Bauland die gedachte Linie durchschneidet, hat trotz vielfacher Verhandlungen mit dem Gemeindevorstand sich nur zur Leistung eines recht ge- ringfügigen Beitrages bereit finden lassen. Von ihrem Stand- Punkt aus allerdings mit Recht. S i e braucht gar nichts zu leisten und wird doch den Profit nach Errichtung dieser neuen Straßen. bahn einheimsen. Will nämlich die Gemeinde nicht auf jede Verbindung mit dem neuen Friedhof verzichten, so m u ß eben die Trace der Bahn das Gelände der Gesellschaft schneiden. Es führt lein anderer Weg nach Küßnacht. Der bekannte Weitblick der führenden Männer auf dem Rat- Hause ist doch von außerordentlichem Wert und Vorteil für die— Bodenspekulanten. Als man der Terraingesellschaft das Land für den Friedhof abkaufte, mußte man doch ungefähr eine Ahnung hoben, daß— bei der Größe des Ortes— eine Verbindung dahin notwendig werden würde. Damals hätte man der Terraingesell- ■ schüft die Bedingungen diktieren können, heute ist öS« wie Figura zeigt, aus damit. Unsere Gcmeinderäte haben mit dem Neinsall bei der „Terraingesellschaft am Neuen botanischen Garten" noch nicht genug; wenn sie auch nichts vergessen haben, so haben sie sicher auch nichts gelernt. Jn der Frage der Verbindung mit dem Grunewald spielt der Fiskus als Besitzer der Domäne Dahlem ebenfalls eine Rolle. Will man die so notwendige Straßenbahn nach dem Grunewald erreichen, so muß man über Dahlemer Gebiet. Groß-Lichterfelde hat dem Fiskus den Anschluß an die Kanalisation ohne weiteres gestattet und auch die Abführung der Regenwässer in die Lichterfelder Leitung soll demnächst vertraglich genehmigt werden. Wir haben bis jetzt nichts davon gehört, daß die berufenen Hüter der Gemeindeinteresson diese Gelegenheit benützt hätten, üm von dem Fiskus bezüglich der Grunewald-Bahnfrage Kam- pensationen zu erlangen. All diese Verkehrsfragen sind von einer fundamentalen Bedeutung für einen aufstrebenden Ort und müssen mit Geschick und Nachdruck behandelt werden. Vor allem sind alle künftigen Bahnen normalspurig zu gestalten, um einen direkten, ungehinderten Verkehr zu ermöglichen. Die erwähnte projektierte Linie könnte eventuell im Westen mit der Steglitz— Grunewald- und im Osten mit der Teltow— Stahns- dorfer Linie verbunden werden. Es ist aber auch möglich, daß die Gemeindevertretung schlauer ist, diese Bahn ebenfalls schmalspurig bauen und an den jeweiligen Gemeindegrenzen Prellböcke errichten läßt, damit's„Zügle" nicht über den engen Lichterfelder Horizont hinausfahren kann. Friedenau. Aus dem Wahlverein. Da der Arbeiterschaft am hiesigen Orte kein Lokal zur Verfügung steht, so mußte die letzte Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins in Steglitz bei Schellhase, Ahorn- straße, abgehalten werden. Die Versammelten hörten zunächst einen Vortrag des Genossen Ulm über:„Die Reichsfinanzreform". Hierauf erstattete Genosse Okonski Bericht von der Kreisaeneral- Versammlung Groß-Berlins. Nach dem Kassenbericht des Genossen Klemann betrugen die Einnahmen im 1. Quartal 125 M., die Ausgaben 140 M. Die Abrechnung der Gemeindevertreterwahl ergab eine Einnahme von 48,99 M. und eine Ausgabe von 131,79 Mark. An Stelle des Genossen Richard Hagen wurde Genosse Oskar Hagen in den Vorstand gewählt. Nachklänge von der Gemeinbewahl. Vor mehreren Wochen machten wir von einem Vorgang Mit- teilung, der sich unmittelbar nach der letzten Gemeindevertreter- wähl abgespielt hat. Bekanntlich wurde in der Stichwahl der Kandidat der Lehrer und Beamten, Herr Oberlehrer Weber, gegen unseren Genossen gewählt. Nach einigen Tagen erschien plötzlich ein bürgerlicher Gemeindevertreter bei einem Mitglieds des sozial- demokratischen Wahlkomitees und ersuchte unseren Genossen, dafür Sorge zu tragen, daß die Wahl Webers beanstandet werde, da am Ort zwei Oberlehrer gleichen Namens wohnen, aber bei der Wahl sowohl wie auch bei der amtlichen Bekanntmachung des Resultats kein Vorname angegeben worden sei. Zugleich stellte der Herr in Aussicht, daß die Gemeindevertretung aller Voraussicht nach dem Protest zustimmen würde. Unsere Genossen lehnten natürlich ein solches Ansinnen rund ab. Der„Friedenauer Lokalanzeiger" druckte die Notiz ab und verlangte von uns, daß wir den Namen des betreffenden bürger- lichen Gemeindevertretcrs bekanntgeben sollten, wenn anders unsere Mitteilung nicht als erfunden betrachtet werden solle und nur den Zweck habe, die Gemeindevertreter in ein trübes Licht zu stellen. Wir kamen dem Ersuchen dieses Blättchens nicht nach, sondern warteten erst ab, was die Gemeindevertreter für eine Haltung gegenüber dem nach Meinung eines ihrer Kollegen nicht ganz einwandsfrei gewählten Oberlehrers Weber einnehmen würden. Man hätte erwarten sollen, daß einer der Herren gegen den Neu- gewählten Protest einlegen würde. Doch das ist nicht geschehen; Herr Weber ist bereits in sein Amt eingeführt. Der„Friedenauer Lokalanzeiger" hat auch nicht lange gezögert, unsere Notiz für Schwindel zu erklären, eine Behauptung, die uns natürlich ganz kalt läßt. Es liegt für uns indessen jetzt kein Grund mehr vor, den Namen des betreffenden Gemeindevertreters zu verschweigen, der— ob im Auftrage seiner Kollegen oder nicht— im Trüben zu fischen glaubte. ES ist Herr Ruhemann, von dem unsere Genossen behaupten, daß er dem genannten Blättchen sehr nahe steht. Damit glauben wir wohl die Neugierde des Blättchens zu- friedengestellt zu haben. Wir überlassen es ihm, sich nunmehr mit den angeblich von uns„in ein trübes Licht" gestellten Ge- meindevertretern selbst abzufinden. Adlershof. Ein gewaltiges Schadenfeuer entstand in der Donnerstag Nacht in Adlershof, durch welches ein großer Teil der Lager- bestände des Lutzeschen Dampfsägewerks und Leistenfabrik ein- geäschert wurde. Der Brand wurde gegen%1 Uhr nachts entdeckt. um welche Zeit bereits mehrere Stapel Bretter von dem Element ergriffen waren. Das Feuer griff mit so großer Geschwindigkeit um sich, daß die aus den gesamten Nachbarorten nach und nach eintreffenden Feuerwehren ihr Hauptaugenmerk darauf richten muhten, die Maschinengebäude zu schützen. Gegen 2 Uhr nachts bildete fast der ganze ausgedehnte Bretterstapelplatz ein einziges, ungeheueres Flammenmeer, dessen gewaltiger Lichtschein selbst in Berlin wahrgenommen wurde. Obwohl mit mehr als sechzehn Schlauchleitungen gewaltige Wassermassen in die Gluten hinein- geschleudert wurden, konnte von den brennenden Lagerbeständen nichts gerettet werden. Dagegen gelang es den angestrengten Be- mühungen der freiwilligen Löschmannschaften, ein Uebergreifen des Brandes auf das Schneidewerk und die Tischlereiwerrstätten zu verhindern. Nachdem die Gefahr für die umliegenden Ge- oäude beseitigt war, konnte das Gros der Löschzüge gestern morgen gegen 8 Uhr wieder nach den Heimatsorten abrücken. Dagegen dürfte die Adlershofer Wehr noch mehrere Tage mit den Auf- räumungsarbeiten zu tun haben. Wie uns mitgeteilt wird, liegt zweifellos Brandstiftung vor. Als das Feuer entdeckt wurde, waren vier selbständige, räumlich voneinander getrennt liegende Brand- Herde vorhanden. Der angerichtete Schaden dürste sich auf 49 bis 59 999 M. beziffern. Erfreulicherweise ist weder der Betrieb der Schneidemühle, noch der Nebenabteilungen gestört. Nieder-Schöneweide. Ein großer Dachstuhlvrand kam gestern abend gegen 6 Uhr im Eckhouse Fenn- und Hasielwerdcr Straße zum Ausbruch. Die Orts- feuerwebr hatte im Verein mir mehreren Nachbarwehren stundenlang Wasser zu geben, um den Brand zu lokalisieren und auf den Dach- stuhl zu beichränken. Die EntstehungSursache des Brandes ist im- bekannt. Nikolassee. Rohrbruch. Gestern vormittag platzte hier in der Nähe der Rehwiese am Uebergang der Wannseebahn das Hauptdruckrohr der Wasserleitung, das einen Durchmesser von zirka 35 Zentimeter hat. Die Wannseeftraße wurde durch die plötzlich gcysirariig hervor- brechende Wassermasse zum teil, die Straße an der Rehwiese auf zirka 59 Meter vollständig bis in eine Tiefe von 4—5 Meter fort- gerissen; auch der Damm der Wannseebahn war gefährdet, zumal es erst nach längerer Zeit gelang, das Wasser abzustellen. Die Reh- wiese ist in ihrer ganzen Länge überschwemmt und mit Sand und Schutt bedeckt. Ein Schlächterfuhrwerk, dem Schlächtermeister Höft gehörig, das im Augenblick der Katastrophe die Stelle passierte, wurde von dem Schlammstronr mit fortgerissen. Der Kutscher konnte sich noch rechtzeitig durch Abspringen retten, der Wagen ging in Trümmer, das Pferd konnte, wenn auch nicht unerheblich verletzt, geborgen werden. Die Wiederherstellungsarbeiten werden wohl längere Zeit in Anspruch nehmen. Weiftensee. Der Achtuhrlabenschluß tritt nunmehr mit dem 19. Mai i« Kraft. Die erste wohl nicht einheitlich organisierte Abstimmung wurde beanstandet, weil einige Geschäftsleute doppelt gestimmt hatten, so daß eine zweite Abstimmung vorgenommen werden mußte. Bei der letzteren wurde die Zweidrittel-Majorität bedeutend überschritten. Die Geschäftsleute machen bereits durch Plakate dem Publikum bekannt, daß vom Montag ab die verkürzte Ge- schäftszeit eintritt. Köpenick. Eine öffentliche Jugendversammlung findet am Sonntag, den 9. Mai, nachmittags 3 Uhr, im„Kaiserhof", Grünftraße, statt. Ge- nosse Schütz spricht über:„Das Recht der Jugend". Die Ge- nosfinnen und Genossen werden ersucht, für den Besuch dieser Ver- sammlung rege zu agitieren. Der Jugendausschuß. Potsdam. Schlimmer als der Reichsverband gebärdet sich das hiesige „Tageblatt" mit der schönen Bezeichnung:„Liberale Volkszeitung"» wenn es glaubt, der Sozialdemokratie eins auswischen zu können. Vor einigen Tagen wurde hier der frühere Ortskassierer der Zahl- stelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes wegen Unterschlagung verurteilt. Diese Angelegenheit benutzt die„liberale Volkszeitung" nun dazu, ihren Lesern unter der Stichmarke„Unterschlagene Parteigelder" folgendes zu berichten: „Die sozialdemokratische Parteikasse ist durch den Arbeiter(Schlosser) Otto Mathies aus Potsdam, der sich als Verbandskassierer jahrelange Unterschlagungen zuschulden kommen lieh, schwer geschädigt worden. M. bekleidete als Mitglied des hiesigen Metallarbeiterverbandes die Kassiererstelle für oen Ver- band und die örtliche Parteiorganisation." Es ist unwahr, daß M. Parteigelder verwaltet hat. Aber was tuts. Wenn es gilt, die sozialdemokratische Partei zu verdächtigen, sind alle Mitel gut genug.— Der entstellte Bericht macht jetzt natürlich die Runde durch alle Organe des Reichsverbandes. Die WahlverrinSverfammlung beschäftigte sich vor allem mit lokalen Angelegenheiten. Anknüpfend an die letzten Vorkommnisse im Stadtverordnetenparlament, in welchem der Stadtverordnete Pauli rücksichtslos ausschließlich die Interessen der Unternehmer vertreten hat, schilderte Genosse Staad die Bestrebungen der Stadt, bessersituierte Personen nach Potsdam zu ziehen, die dann allerdings ihren Verpflichtungen gegenüber der Stadt nicht nachkommen, wie letzthin beim Tode einer Millionärin festgestellt wurde, die noch nicht den dritten Teil ihres Vermögens versteuerte. Durch die städtische Spekulation wird dann die Arbeiterschaft immer mehr in die Nachbarorte gedrängt, was allerdings dem konservativen„In- telligenzblatt" zu wahren Lobeshymnen Veranlassung gegeben hat. Die Arbeiterschaft selbst ist im Stadtparlament nicht vertreten, sie existiert überhaupt nicht für die Stadtväter. Trotzdem Milchküchen für Säuglinge, Erholungsheime, Tuberkulosenfürsorgestellen usw. geschassen werden, baut die Stadt eine Badeanstalt und verpachtet sie dann für 499 M. an einen Unternehmer, statt sie kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Eine rege Aussprache ließ erkennen, daß nicht früher eine Besserung hierin eintreten wird, bis es erst der Arbeiterschaft einmal gelingt, in das Potsdamer Stadtparlament einzudringen. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Von der ziemlich reichhaltigen Tagesordnung wurden nur 4 Punkte erledigt und diese erforderten einen Zeitaufwand von vier Stunden. Vor Eintritt in die Tages- ordnung gelangte ein Schreiben des Magistrats zur Kenntnis der Versammlung, welches auch für unsere Parteigenossen am Orte, ja für die ganze Arbeiterschaft Spanoaus ein großes Interesse hat. Bekanntlich beschloß die Versammlung in einer der letzten Sitzun- gen, und zwar auf einen Antrag der Hirsch-Dunckerschen Gewerk» vereine, für die Wahlen zum Gcwerbcgericht das System der Ver- hältniswahlen einzuführen. Gleichzeitig gelangte ein Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten zur Annahme, daß diese Wahlen an einem Sonntage vorgenommen werden. In dem vor- benannten Schreiben erklärt nun der Magistrat, daß er mit Ein. führung der Verhältniswahlen einverstanden sei, daß eresaber abgelehnt habe, die Wahlen an einem Sonntage stattfinden zu lassen. Stadtv. Genosse Pieck sprach mit Recht seine Verwunderung darüber aus, daß der Magistrat, der die Wahlen zum KaufmannSgericht an einem Sonntag anberaumt hatte, jetzt bei den Gewerbegerichtswahlen einen ablehnenden Standpunkt einnehme. Der Oberbürgermeister K o e l tz e gab auf die Ausführungen des Genossen Pieck folgende nichtssagende Er- klärung ab: Die Wahlen zum KaufmannSgericht seien von dem Dezernenten versehentlich(?) auf einen Sonntag anberaumt worden. Das werde künftig nicht mehr geschehen. Der Magistrat stelle sich auf den Standpunkt, daß man jetzt überall bestrebt sei, die Sonntagsruhe einzuführen, und da sei es nicht angängig, wenn in Spandau die Wahlen auf einen Sonntag verlegt würden. Schließ- lich verlange man noch, daß auch die Stadtverordneten» und andere Wahlen an einem Sonntag stattfinden. Stadtverordneter Genosse Schmidt I erwiderte auf diese Magistratsweisheit, daß eine ganze Reihe von Gemeinden die Gewerbegcrichtswahlen auf den Sonntag verlegt haben, um sowohl die Arbeiter wie auch die Unternehmer pekuniär nicht zu schädigen. Manchem Arbeiter werde es unmöglich gemacht, an der Wahl teilzunehmen, wenn diesexan einem Wochen- tage stattfindet. Zumal in Spandau, wo viele Arbeiter, die für die Gewerbegcrichtswahlen hauptsächlich in Frage kommen, in Berlin arbeiten. Die Arbeiter der Staatswerkstätten haben ja mit den Wahlen zum Gewerbegericht leider nichts zu tun. Nicht ein einziger bürgerlicher Stadtverordneter wendete sich gegen das ganz unverständliche Verhalten des Magistrats. Es wird nunmehr Sache der Arbeiter, und zwar aller Arbeiter Spandaus sein, dem Magi- strat klarzumachen, daß er sich durch sein ablehnendes Verhalten mit den Interessen der Arbeiter in Widerspruch gesetzt hat. Man hegt wohl im stillen die Hoffnung, durch diese Maßnahme die Listen der freien Gewerkschaften zurückzudrängen. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften werden schon dafür Sorge tragen, daß diese stille Hoffnung zuschanden wird. Die Versammlung stimmte sodann nach einer sehr langen Debatte grundsätzlich einem Vertrage mit der Eisenbahnverwaltung zu, betreffend den Vorplatz zum Bahnhof nnd Unterführung der Grenadierstraße. Die hierfür aufzuwenden- den Mittel betragen vorläufig nur 151 559 M. Das andere kommt noch.— ES wurde dann noch einer Regulierung der Potsdamer Straße vor dem neu zu erbauenden Rathause, zu welcher 97 399 Mk. gebraucht werden, zugestimmt und die Fluchtlinie für einen Teil der Breitenstraße festgesetzt. All gemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter r Filiale 6). Am Sonnabend, den 8. Mal, abends 8'/, Uhr Versammlung bei Erlelt, Glcini- und Graunstratzen-Scke. Berein der Buchdrucker und Schriftgtefier von Mixdorf-BriN. Versammlung am Sonnabend, den 8. Mai, abends>/»g Uhr bei Hoppe, Herrnaniistrabe 4g. Tagesordnung: 1. Vorwag des Kollegen Ebert:„Die wirtschaftlich« Krifi« und Ihre Wirkung aus die Arbeiterklasl«'. 2. Verein?- Mitteilungen, ö. Verschiedenes. Witter, ingsüderstcht vom 7. Mai 1909. morgens 8 Uhr. Wctterprognvie für Sonnabend, den 8. Mai 1999. Trocken und vorwiegend heiter bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden; außer in den Mittagsstunden kühl. ttr Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos I. Amt 3. l2SS. ChariwstraS« 3. Ho, lll. Amt S. 1387. Montag, den 10. Mai 1009 KeÄrks- Versammlungen Kr Sie gesamte Verwaltungsstelle kerlin in folgenden Lokalen: t Weißensee:««vk»?», Königchaussee 38, abends 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen W ü ck e über:.Die Reichssinanzreform'. 2. Osten-Liehtenberg: Iiitfln' 67' o6en" Vortrag deZ Genossen E. Brückner. s. 5lt!>lAi-Ii«miiieIsd»rg: Vortrag des Kollegen W u f ch i ck über-:.Oliver Cromwell und die englische Revolution'. j Ciidon* ttewerkschaltshan«, Engelufer 15, Saal 1, 4. dUUefl. abend» 81/, Uhr. Vortrag des Genossen Koblenzer über:.Die neue Reichs» versicherungSordnung'. 5 RlXdOrf* Hoppe8 Feststtle, Hermaunftr. 49, ab. 8'/, Uhr. e. Westen und Sehöneberg: Vortrag des Koll. Thie ticke über:.Di« ReichSverstcherungSordnung'. 7. lMottenburg: VolhBb*u'' 8' a CtonlifT* Schellhase, Ahornftr. 15a, abends 8*/. Uhr. o- GlcyillA. Vortrag des Kollegen Hilpert über:.Thomas Moore'. 9. KVachtsttle Kordwest, Wtclefstr. 24, abends 8'/, Uhr. Vortrag des Genossen Warnst über:.Der Gesetzentwurf über die Reichsversicherungsordnung'. ir\ Unrrlan* Raabes Festsäle, Kolberger Strafte 23, abends lw. HUI UCli. gi/j Uhr. Bortrag des Genossen Ritter über:»Arbeits» kammcrn'. ei HnpHori* Franke» Festsäle, Badftr. 19, abends 8'/, Uhr. tt- nUfllClI. Vortrag des Kollegen Eggert über:»Die Stellung der Beamten in der 12. Norden: ndustrie' los Festsäle, Schwedter Str. 23, abend» Schi hr. Vortrag bei Genossen Giebel über:»Die neue Reichsversicherungsordnung'. »o Tpif a|. Elchbornsäle, Retnickendorf-West, Eichbornstr. 60. lö. 1 CJJC1. abends 6 Uhr. Vortrag de» Kollegen H a r t m a n n. UCnanifon* Bohle, Havelftr. 20. abend» 8-/, Uhr. Bortrag über: lAjIftllilaU» �konsumgenossenschast und Arbeiterbewegung'. is. Ohersdiöneweide: Ä über:„Die Grundlag« der kapttalisttschen Wirtschast'. 16 Rögenieb' Ritter, Bahnhofstr. 44, abends 8 Uhr. Außer dm BortrZgm steht in allen Berfammlungm auf der Tage»' ordnung: Stellungnahme zu der am 24. Mai stattfindende« Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin. DW** Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt!«MM FaufMel loerdtn diestu AersWMluugen nicht verschickt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortövcrioaltung. Orts- Krankentafse Imivklvnbvng. Bekanntmachung. Laut Beschluft der Generalversamm- lung vom 28. April ct. sind die Herren: Zahnarzt L,. Cohn, Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 144, und Zahnarzt I>. Krebs, Berlin, Thaerstr. 57, angestellt worden. Die Herren sind verpflichtet, soweit wie irgend möglich da» Zahnziehen durch örtlich« Betäubung vorzunehmen. Dasselbe gilt auch für Familien» angehörige. Dieselben können sich bei genannten Herren, soweit sich die Konsultation in der Sprechstunde des Arztes vollzieht, unentgeltlich be- handeln lassen. In Betracht kommt dabei Zahnziehen, Zahnreintgen sowie jede Mundbehandlung; für Plomben haben die Familienangehörigen pro Plombe 1,50 M. zu zahlen. Die Koste» für Juanspruch. »ahme anderer Zahnärzte usw. werde» abgelehnt. 274/18 vor Vorstand. I. A.: Paul>(»»«, Vorsitzender. 2aklsteUe kerlin. MS" Einsetzer. Sonntag, den 9. d. MtS., vormittags 9 Uhr. finde» die Bezirks-Bersantmlungen in de« derannten Lokalen statt. Die Branchenkomnilsslon. 83/15 Franz Ziegelmann& Co. Kaufhaus guter Herren- u. Knaben-Bekleidung 31 C*r ei fs walder Straße 31 an der Huselandstratze. 11882' Gegenüber der Marienburger Straße. Freunden und Genossen die traurige Mitteilung, daß unser lieber Sohn ULM krrte im Mter von 22 Jahren ver- starben ist. Im Namen der Hinterbliebenen .lacob Oötting. Die Beerdigung findet Sonntag, den g. Mai, mittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Ltebenwalder Str. 5, nach dem Razareth- Kirchhof, Reinickendorf-Wcst, statt. Sctuhgn ' ti. Dar Umbau PO tSÖd/Tl Qt S tt. 5'st baandet. AigtHt tau*» M Uta Stltmtitdtr-SI'BMJ«/* rormhmn Htlm gntMha. Wir»« Sfirndm, Bre/Ietlr. 10 Fordern Sie Musterbuch V Todes•Anzeige. Am Donnerstag, den g. Mai, entschlief nach kurzem aber schwerem Leiden unfere imltgst- geliebte Tante .Jiilmrie Jäger geb. Sommerfeld im Wer von 85 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wilh. und Herm. Sommerfeld. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. Mai, nach- mittag 4 Uhr, von der Leichen- balle des Treptower Friedhofes, Neue Krug-Allce au» statt. 11692 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Sohne», des Restaurateurs Paul Ldteer sagen wir allen Kollegen, Bekannten und Parteigenossen, insbesondere dem Stadtverordneten st. stütor sür leine trostreichen Worte am Grabe unseren herzlichsten Dank. 2480b Wwe. dteheer nebst Eltern. Danksagung. chr die vielen Beweise inniger Teil nähme und Kranzlvcnden bei dem BegrckbniS meiner lieben,»nvergeß, lichen Frau, sage ich allen Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. 3 allus Marquardt, Putzer. Für FeftMet, Wchrrfttunde! AntiquariaiS-VorzelchniS Nr. 44. Schöne Literatur. Reisen, Memoiren, Musik und Kunst. Deutsche Sprache wid Literatur Numismatik u. a. J. Franks Antiquariat Indwlf X/azarns, WUreburg. Tbeaterstr. 17. vor Katilog wird euf Wunsch gratis 67/8_ augesamlt._ Ausnahme-> Preise. Abnahme: Mai, Juni, Juli. iWX Kohlengrofihandluug Gcerllndet 1803. Haupt-Kontor Berlin 0. 34. J'ctersbnrgrcr Straße 1 («is-l-vls Warschauer StraSe). Jernspr. Amt 7 Nr. 3M0 u. 3096. Lagerplaft 1: Berlin v. 34. Brom» berger Str. 10 sam Ostbahnhos). Lagerpla« II: Berltn0.17, Fsrucht- strafte 13 /Güterbahnhof Ostbahn). Lagerplaftlll: Giiterbhf.Weifte«, fer. Greifswalder Strafte«0a. Amt VII. 7824. 8962» Preise lür nur la Marken ab Platz von 10 Ztr. an: Prima Halbfteine Ferdinand Ztr. 78 Pf. _ Halbste»»« Lauch» Hammer Ztr. 81 Pf. .. Halbsteine Slkw. Ztr. 86 Ps. .. Ferdinand. Brik. Ztr. 80 Pf. . Anna und Waid- mannsheil Ztr. 87 Ps. „ Pfännerschaft Ztr. 89 Ps. . laDiamant-Salou fpr. Ztr.11V.l20It.) Ztr. 9» Ps. » In Anh. Kohlen- werke Ztr. 96 Pf. . In Ilse Salon Ztr. 06 Pf. , ia Anthrazit-Eadb Ztr. 2,15 Kok», Steinkohlen usw. zu den billigsten Tages- und Konventicns* preisen. Anlieserung frei Keller je nach Quantum pr. 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Pa. grosse Suppenhühner stock 1.90 bis 2.25 Ein DtpMson EmaiBL Gastiniire Ein Doppelensson EcMes zu heiwuragend hilligen Preisen des Todes- Aiiixelge. Am 6. Mai verstarb mifer Mitglied, der Maairer (lllstsv l.Sclieit Putbufer Strafte 15. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Mai, nachmittags 4°/, Uhr, von der' Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Müller- strafte, Ecke Seestraftc emi statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/2 Der Borstand. Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daft unser Genosse Tliomas Eckert Radickestrafte 33, plötzlich ver- storben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Britzer Gemcindcsriedhoses, Ehaussee. strafte 145, aus statt. Rege Beteiligung erlvartct 202/13 Der Vorstand. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. Wäsche- arbeiter Deutschlands. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daft der Kollege Eeopold Müller am Mittwoch, den 5. Mai, im Alter von 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. Mai, mittags 12 Uhr, auf dem jüdischen Fried- hos in Wetßensee statt. 162/15 Ol» Ortsverwaltung. Freie Turnerselait Rixdorl- Britz. Mitg. d. Ard.-Turuerbundes. Todesanzeige. Allen Mitgliedern die be- ttübcnd« Nachricht, daß am Dienstag, den 4. Mai er.» unser lieber Turngenosse Sruuo Reißberg (1. Lehrlingsabteilung) im Alter von 15 Jahren an der Lungenschwindsucht verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Mai, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» neuen Rixdorscr grtcd- hoss am Mariendorser Weg aus statt. 284/9 Um recht rege Beteiligung bittet ver Voentaad. NB. Die Mitglieder versammeln (ich um 21/, Uhr bei Felsch, Kne- scbeckstrafti 43— 49._ Zentral-Ueriilmd der Verwaltungsstelle Berlin. �iaclrnik! Den Mitgliedern zur Nachricht. daft unser Kollege Edirnrd Weighardt (Bezirk Charlottenburg) am 4. d. Mts. im Alter von 43 Jahren an Lungenentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand bereits am gestrigen Tag« statt. 176/8 vis Ortsverwaltung. KS Nach langem, schwerem Leiden verstarb am Donnerstag, 6. Mai, unser allverehrtcr Freund und Kollege, der Schrisisetzer Karl Hassel im 57. Lebensjahre. Durch seine Tätigkeit als Ver- trauenSniann wie durch fein liebenswürdiges Wesen hat er sich die Sympathie aller Kollegen errungen. Wir werden sein Andenken stets In Ehre» halten. Die Kollege» des«Berliner Tageblatt". Die Beerdigung findet Montag. 10. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Hcilig-Kreuz- Kirchhofes, Mariendorf, Essenachcr Straftc, aus statt. vankssxunx. Für die überaus grosse Teilnahme. Gejolgschast und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, un- vergetzlichen Mannes sage ich allen Freunden, Verwandten und Be- kannten, insbesondere dem Meister nebst Kollegen der A. E.-G., Brunne»:- strafte, Abteilung W. F., melneir herz» lichsten Dank. 2159b 1.j- AUOTfeL 9 Arbeiter finde« m ihre« 3eruf flute unb billiflc Kleidung in grosser Nnswahl Srunnenstr. ISS, Gelber Saöen. wöchentliche Teilzahlungen liefere elegante, fertige Hcrr0ll=QardCrObCll« Ersatz für Maß. flnfirtlgUDg NSth fflaß. TadeElose Ausführung. Julius Fabian, Seteidermelsler,! Liiif Arnnlrl Dresdenerstr* 116 n U l"MI I IUIU(kein Laden) am Oraoieoplatz Hut und Mützen Engrosgeschäft. Einzelverkauf zu auffallend billigen aber festen Preisen I StronhOte fOr Herren, Knaben. Mädchen u..garnierte DamenhQt® Aussergewöhnllch reiche Auswahl In allen Preislagen! K Kwnerol-General-Depot: Berlin SW. Fricdflchstr. 831. Tel.- Amt 6, 371S. Cliarlottenbnrg. Allen Genossen. Freunden und Bekannten zur gcfl. Kenntnisnahme, daß ich hier Saiierstrafie LS ein Zigarren-, Tabak- und Zigarctten-Geschäst eröffnet babe und bitte bei Bedars um gütigen Zuspruch. — Produkte der Tobakarbeiter-Genossenschaft Hamburg.— Zigaretten, Rauch-,.«in»-u. 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Druck u. Verlag: Äi wärtS Bnchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Ar. 106. 26. Iahrgaug. 3. Keilm des Joniiirts" Sonnabend. 8. Mai lOOS. Euq Induftrie und Handel Dividenden in der deutschen und der englische» Eisenindustrie. Die Rentabilität, gemessen an den Dividendenausschüttungen, stellt sich für die Eisenindustrie in Deutschland günstiger als in England. In der folgenden Tabelle bringen wir die Ergebnisse mehrerer englischer Eisen- und Stahlwerke verschiedener Zweige der Eisenindustrie in Vergleich mit bekannten Unternehmen in Deutsch- land. Die Angaben für die englischen Werke sind der„Jron and Coal Review" entnommen. Gesellschaften Deutsche Unternehmen Gesellschaften Annener Gußstahl. Bochumer Bismarckhütte.. Hösch Stahlwerk. Bösperde Walzwerk Lauchhammer.. König-Laurahütte. Eichwede-Köln Eisenw. 10 Eisenwerk Rote Erde. 12 Witiener Stahlröhren. 25 Hasper Eisenwerk.. 12 Sächs. Gußst. Döhlen. 20 Dividende in Prozent 1906/7 1907/8 6 .16% .25 .18 . 9 .14 .12 Englische Unternehmen Dividende in Prozent 1907 1908 BarrowHematite Steel 2 0 Bell Brothers... 10 5% Bessemer, H. u. Co.. 12% 10 Brown. Bayley's Steel Works..... 17% 17% Cammel Laird u. Co. 2% 0 Hadfields Steel Foundry.... 17% 17% Harvey United Steel. 15 15 Iessop sWm.) u. SonS. 7% 5 Lanarkshire Steel.. 5 0 Leeds Forge.... 15% 32% Stewarts u. Lloyds.10 10 Talbot Continuous Sleel Proceß... 0 0 Bieters Sons and Maxim..... 15 10 Wilsons and Union Tube..... 0 0 Die Zusammenstellung der deutschen Unternehmen enthält, wie die der Verglcichsgruppe, Werke der verschiedensten Zweige der Eisenindustrie. Ganz unverkennbar hatten die Dividendenausschüttungen in Deutschland einen höheren Stand, als die der englischen Unter- nehmen. Man mag einwenden, daß die Ausweise für Deutschland günstiger sein müssen, weil in den Abschlüssen pro 1907, 03 das letzte Semester des Kalenderjahres 1908 mit seinen schlechten Ergebnissen nicht zur Geltung kommt. Das ist schon richtig, dafür tritt in den Abscblüssen pro 1906/07 schon der im Fahre 1907 einsetzende Rück- Mannstädt Rhein. Stahlwerke< .20 .15 6 15 18 14 0 10 10 8 10 26 7% 12 11 11 schlag in Erscheinung. Sodann bewegen sich die Ausschüttungen für das Jahr 1908 ziemlich auf derselben Höhe wie die für 1907/08. Einige Angaben von Werken, die nnt dem Kalenderjahr schließen, mögen das wahr halten. Es verteilten in den letzten 3 Jahren Dividenden: Budweis Eisenwerke 8, 8 und 6 Proz., Donnersmarck- hütte 14, 14 und 17 Proz., Eisenwerk Kraft 11, 11 und Ii Proz., Greppiner Werke 10, 10 und 19 Proz., Milowicer Eisenwerke 5, 0 und 0 Proz., Oberschlesische Eisenbahnbedarf 7, 6 und 11% Proz., Oberschlesische Eisenindustrie 6, 6 und 11% Proz. Die letzteren Angaben können das Bild nur noch zugunsten Deutschlands verschieben. Glaubt man jedoch der Unternehmerpresse, dann befindet sich unsere Eisen- und Stahlindustrie in einer bejammernswerten Lage, und sie bedarf dringend des Schutzes gegen Auslandskonkurrenz und gegen die— Begehrlichkeit der Arbeiter Die obige Zusammenstellung gibt eine treffliche Illustration zu den von dem kommandierenden General im Zentralverband der In- dustriellen, Herrn Bucck, angekündigten, angeblich im Interesse der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Werke notwendigen Lohnkürzungen. Durchschuittspreise von Bergwerks- und Hüttenerzcugnissen. Nach Zusammenstellungen im kaiserlichen Statistischen Amt über Mengen und Durchschnittspreise der Erzeugnisse deutscher Bergwerke und Hütten ergeben sich folgende Zahlen: Menge in Wert in Durchschnittswert 1000 Tonnen Millionen Mark f. d. To. in Mark Die angegebenen Erlöse haben für uns in der Hauptsache nur Vergleichswcrt. Und als solche zeigen sie folgendes: Die Preise für Brennmaterialien sind gestiegen, für alle Erzeugnisse der Eisen- induftrie dagegen gefallen. Auswanderung. Die überseeische Auswanderung hat im laufenden Jahre wieder zugenommen. Ueber Hamburg und Bremen wanderten in den vier ersten Monaten aus: 1905 1906 1907 1903 1909 Personen.. 135 465 133 498 153100 32 528 103 864 davon Deutsche 9 243 8 004 11138 11152 9195 Die Zusainmenstellung läßt erkennen, daß in den: ersten Drittel des laufenden Jahres über die beiden großen deutschen Seehäfen 71336 Personen mehr ins Ausland befördert wurden, als in dem entsprechenden Zeitraum des vorigen Jahres. Weiter zeigt sie, daß der Anteil der Deutschen an der Gesamtzahl absolut immer ziemlich gleich groß war._ Amtlicher Marktbericht der städtilchen Marktballen-Dircktion über den Großbandel in den Zcnlral-Marktballen. Marktlage: Fleische Zufuhr genügend,(Scschüst rege, Preise unverändert Wild: Zufuhr tu�pp, Geschäft lebhast, Preise gut. G e s l ü g e I: Zufuhr nicht genügend, Ecschäst rege, Preise gut. Fische: Zusuhr mäßig, Kclchäst schleppend, Preise für Flußfische und Scejische besricdigend. Kleine Hechte stark gefragt, Aale, speziell große, schlocr verkäuflich. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, O b n und« ü d s r ü ch t c: Zufuhr genügend, Geschäft etwas lebhafter, jedoch nicht besriedigend, Preise wenig verändert._ Wasserstands Nachrichten der LandeSanftalt sür Kewäfferlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureou. ff-j- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unierpegel. Nach telegraphifchen Meldungen ist im galizischen Weichselgebiet Hochwasser eingetreten und besonders stark am D u n a j e c; die preußische Weichsel wird vermutlich am 9. Mpi zu steigen beginnen. Die Oder erreichte bei Ratibor heute um 7 Ilhr früh mit 606 ern ihren höchsten Stand. Ar AuZjliigler 10« AllBiillk um öcrliii mit 12 Illustrationen und 29 Karten von Georg Siegerist. Preis kartonniert 1,50 Mark. Mt 38 Karten.. Preis 2.50 M. 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