Nr. 107. nbonnetnentS'Bcdingungen: NlbonnkmentS- Preis pränumerando! Sicrtcl-ährl. ZL0 Mr. monall. 1,10 Mk.. wächenllick 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummcr mit wuslrierlcr Sonntags- BeUagc.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisiislc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis, 36. Jahrg. CrfchdDt tZgll» auStr Olsntagi. Vevlinev Volksblntl. Di« Tniertions'Gcbüftr beträgt für die sechsgespaltene Kolon Sl- zeilc oder deren Raun, 50 Psg„ für politische und gewcrlschaslliche BerciuS- und VcrsammlungS-Anzeigen 80 Psg. „kleine Snrcigen", das erste sscii- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummcr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Stelegrainm. Adresse: „Sozlaldrmolirat RerlloM. Zentralorgan der rozialdemokratifchen partei Deutfchlande. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrasae 69» Fernsprecher: Amt I\, Nr. 1983. vor dem zweiten Foitltreik. Paris, 7. Mai.(Eig. Bcr.) Die unausgesetzten Repressivmaßregeln der Regierung. die jetzt, über eine Revanche für ihre Niederlage im ersten Streik hinaus, eine Bedrohung der Ver- bindungsfreiheit, ja der politischen Meinungsfreiheit der Beamten bedeuten, lassen diesen zur Verteidigung ihres Bürgerrechts und ihrer Würde keine andere Wahl als den Versuch eines neuen Kampfes. Die Vorbereitungen werden von beiden Seiten mit fieberhafter Eile und in größter Heimlichkeit getroffen. Beide Parteien sind dessen bewußt, daß das Ringen diesmal noch viel heftiger und folgenreicher sein wird und zu einem umfassenden, tiefgreifenden politischen und sozialen Konflikt, der die ganze Nation in Mitleidenschaft zieht, anwachsen kann. Die Schlagworte, der Gegenstand des neuen Streiks sind unvergleichlich bedeutender als die des ersten. Es handelt sich diesmal nicht um die Beseitigung eines verhaßten Vor- gesetzten und um materielle Sichersiellungen. Die Frage, ob Herr S i m y a n, dessen Rücktritt Clemenceau seinerzeit mit umschreibenden Worten zugesagt hat. auch weiter im Amt bleibt, spielt keine Rolle, wenn die Regierung den Beamten das Recht, sich in Jnteressenverbänden nach ihrer Wahl zu- sammenzuschließcn, verweigert und mit disziplinaren Mitteln gegen die außerhalb des Amtes geübte politische Kritik ein- schreitet. Dürfen Beamte Gewerkschaften bilden? Das ist die Frage, die der erste Streik lebendig gemacht hat. Jahrelang hat man den Beamten ein ihre Rechte schützendes „Statut" versprochen und— in den Ministerbureaus und Kommissionen herumliegen lassen. Nun aber wollen diese, da sie einmal mit den Kampfmethoden der organisierten Arbeiter-, schaft ein so erfolgreiches Experiment gemacht haben, kein Separatrecht mehr. Sie wollen Idas gemeine Recht der Arbeiterschaft, das Gewerkschaftsgesetz von 1884 auch auf sich anwenden. Die wichtigsten Ortsgruppen der großen Beamtenassoziation der Post haben sich für die Umwandlung dieses Vereins in eine Gewerkschaft erklärt und haben Regierung und Parlament vor die vollzogene Tat- fache gestellt, bevor der nunmehr zusammengestöppelte Ent- wurf des Statuts, der ein Gewcrkschafts- und ein Streik- verbot enthält, zur Beratung kommt. Ob Gewerkschaft oder Verein— der Unterschied scheint freilich trotz des namentlich die Vermögensrechte betreffenden Unterschiedes in der Rechtslage nicht gar so schwer ins Gewicht zu fallen. Es gibt sehr schläfrige, friedselige Gewerkschaften, andererseits kann auch schon ein bloßer Verein, wie die Assoziation selbst im letzten Streik bewiesen hat. sich als eine wehrhafte Kampfesorganisation bewähren. Es liegt auch auf der Haud, daß bei den Postbeamten gerade die wirtschaftlichen Rechte der Gewerkschaft weniger ent- scheidend sind als bei den Arbeitern der Industrie. Materielle Leistungen in normaler Zeit, Wie Kranken-, Arbeitslosigkeit-, Reiseunterstützung fallen hier fort. Bei einem Ausstand aber handelt es sich nicht wie dort um die physische Aushungerung des einen, die wirtschaftliche des anderen Teils. Ein Post- streik wird entweder durch moralische Mittel gebrochen oder er triumphiert dank dem Lebensbedürfnis der kapitalistischen Wirtschaft, die den Postvcrkchr braucht und nicht warten kann. So handelt es sich bei dem Streik um das Gewcrk- schaftsrecht mehr um ideelle Werte, die allerdings von sehr hoher Bedeutung sind. Nicht etwa, daß das aus dem Gewcrkschaftsrecht fließende Recht des Eintritts in die Arbeits- konföderation und die Arbcitsbörsen eine unmittelbare Stärkung der Beamtenorganisation zur Folge hätte. Die Solidarität der Arbeiterschaft kann sich auch ohne das äußere Band kund- geben. Aber eS ist unverkennbar, daß die dauernde Vcrbin- dung mit den Arbeiterorganisationen auf den Geist der Beamtenschaft zurückwirken und ihn von der ursprünglichen Idee der Revolte gegen die Ungerechtigkeiten der Hierarchie der Idee des Kampfs gegen die vom Staat beschützte kapitalistische Ausbeutung immer näher führen würde. Daß ein volles Koalitionsrecht der Beamten einer bürger- lichen Regierung nicht angenehm wäre, läßt sich begreifen und darum würde man der einen wie der anderen Seite nicht gerecht werden, wenn man in der Kritik der jetzigen Zustände die moralischen Motive in den Vordergrund stellte und sich darauf beschränkte, die Wortbrüchigkeit und das Renegatentum der Minister verantwortlich zu machen, die ja sicher nichts Weniger als Musterbilder von Treue und Biederkeit, aber bei dieser Gelegenheit Werkzeuge ihrer Klasse sind. Daran ändert nichts, daß die Aufhebung der hierarchischen Tyrannei und die rechtliche Gleichstellung der Beamten mit der Bürgerschaft ursprünglich in der Linie der demokratischen Politik gelegen haben mag. Das Auftreten des Proletariats auf dem Kampf- platz der Geschichte macht den politischen Verrat zu einer hi st arischen Klassenfunktion, die radikale Ideologen allerdings bekämpfen— so lange sie nicht selbst zur Macht berufen sind. Wogegen das Ministerium Clemenceau jetzt rüstet, das ist nicht eine bestimmte Form des korporativen Zusammen- schlusses und nicht die Forderung eines„Streikrechts", denn dieses hat der Unternehmer Staat seinen Angestellten ebenso wenig zu verbriefen wie der Fabrikant seinen Arbeitern. Und, alle gesetzlichen Streikverbote mit den strengsten Androhungen würden dem Staat nichts nützen, wenn die gute Organisation den Ausständigen die M a ch t zu siegen verliehe. Aber der Kampf gilt dem rebellischen Geist der Beamten- schaft überhaupt, der erwürgt werden soll, ehe er noch zu voller Reife und Klarheit gekomnien ist. Es ist ein Kampf gegen eine Gesinnung, und dazu stimmt es denn auch, wenn unter den vorbereitenden Akten die Suspeudierung von Beaniten ist, denen die Regierung nichts vorwerfen kann, als die Aeußerung oder auch nur das Anhören von unbeliebten Meinungen in Versammlungen. Unter dem Gesichtspunkt des formalen Disziplinarrechts und des Rechtlichkeitsprinzips sind Anklagen, wie sie gegen die sieben Beamten erhoben werden, deren Absetzung der Disziplinarrat am Sonnabend unter- fertigen soll, eine Ungeheuerlichkeit. Wenn sich z. B. die An- klage darauf beruft, daß irgend ein Blatt gesagt habe, der Beschuldigte habe sich für die Solidarität der Beamten mit den Arbeitern ausgesprochen oder er habe einer Versammlung beigewohnt, wo unter anderen auch ein antimilitaristischer Redner aufgetreten sei, so ist offenbar, daß nicht einmal auf den Schein eines korrekten Verfahrens viel gehalten wird. Es ist der b ü r g e r I i ch e T e r r 0 r, der proklamiert wird. Daß nicht die Beamtenschaft, sondern die Regierung die Verantwortung für den neuen Konflikt hat, ist unbestreitbar. Die Regierungspolitik gegen die Postbeaniten war, auch vom Standpunkt bürgerlicher Staatsintcressen betrachtet, eine Kette von Fehlern. Hätte Clemenceau nicht das Parlament zu einer demonstrativen Stellung gegen die Beamten gezwungen und hätte er Symian seiner Zusage gemäß zum Rücktritt veranlaßt, wäre die Frage des Gewerkschafts- rechts sicher nicht so dringlich geworden. So aber paukten die Ereignisse den Postbeamten die Erkenntnis ein, daß auch sie ihre Rechte nur vermittelst organisierter Selbsthilfe und nötigenfalls mit Appell an die Solidarität aller Ent- rechteteu erkämpfen können. Nun aber ist der Stein einmal im Rollen. Die Idee der gewerkschaftlichen Aktion ist in das Bewußtsein der Beamtenschaft eingedrungen. Eine auf den Bürgerfrieden bedachte, einsichtige Regierung hätte sich auch mit diesem Zustande abfinden können und durch Zugeständ- nisse in bezug auf die gewerkschaftliche Organisations f 0 r m das ja noch recht verworrene proletarische Solidaritätsgesühl der Beamten beschwichtigt. Clemenceau aber provozierte es. Vielleicht hat er dabei seiner Ranküne dienen wollen, weil er, der über die parlamentarischen Eunuchen stets Herr geworden war, vor den Männern der Beamtenschaft hatte den Kürzeren ziehen müssen. Jeden- falls aber tanzt er am Draht der großkapitalistischen Bourgeoisie, die von einem Ordnungsschrecken wirtschaftliche Profite— die Vertuschung der Marineskandale und die Sicherung neuer Gauncrgewinne— und die Rückkehr zur Regierung erhofft. Die Hetze gegen die Beamten ist geschickt inszeniert worden. Zuerst ließ man die sozialreaktionären Sippen der General- räte antreten, das verstockte Provinzspießcrtum, dessen De- putierte in Paris die erleuchteten Reformeiferer spielen. Jetzt aber bläst die Presse der Großfinanz mit vollen Backen in das Feuer. Eine so blutrünstige Wut, wie sie namentlich in den Artikeln des„Tcmps" tobt, hat man seit dem Siegesrausch der Versailler von 1871 nicht an den Tag treten sehen. Da wird täglich nach dem unverzüglichen Kampf für„Ordnung und Gesetz" gerufen, mit grenzenloser Frechheit der Wunsch der Großausbeuter in die„Zustimniung der öffentlichen Meinung" unigefälscht. Die aufreizende Taktik der Suspen- dierungen en masse findet hier Beifall und Ermunterung. So ist für eine friedliche Beilegung des Konflikts kaum mehr eine Hoffnung. Der aufftrebenden französischen Beamten- bewcgung droht ein furchtbarer Ansturm der Gewalten des Klassenstaates. Sie wird dabei die Sympathien, die Hilfe des ganzen Proletariats finden. Ob diese Solidarität die Form des Sympathie st reiks annehmen wird, hängt von den Mitteln ab, die die Regierung anivcnden wird. Folgt diese, .wie bisher, den Provokationen der Scharfmachcrpresse, so wird ein Kampf entbrennen, der die ganze ftanzösischc Gesellschaft erschüttern und ihre künftige politische und soziale Enttvickelung auf Jahrzehnte hinaus bestimmen wird. #•* Die Beamten entlasse«. Paris, 8. Mai.(Privatdepesche des„Porwärts".) Der«nt- scheidende Schlag gegen die Beamtenbewegung ist gefallen. In der Berbandlung gegen die sieben Postbeamten hat der Disziplinar- Hof sich für die Entlassung der Beamten ausgesprochen. Keiner der Angeklagten war erschienen. Da der Gerichtshof eS ablehnte, sich für inkompetent zu erklären, verließen zwei Postbeamte, die Beisitzer waren, den Saal des Tisziplinarhoss. Minister Barthou hat sofort die Amtsenthebung aller sieben Beamten verfügt. Da- mit hat die Regierung den Krieg offiziell erklärt und der Aus- bruch deS Kampfes ist wohl kaum mehr zu vermeiden. Streikbeschlüsse. Pari?, 8. Mai. Das neue Postbeamtensyndikat soll bereits dreitausend Mitglieder zählen. Die gestern abend in Paris und in der Provinz abgehaltenen P 0 st b e a m t e n» Versammlungen haben beschlossen, ihre Forderungen mit allen Mitteln, auch mit dem des Streiks, durchzusetzen. Das Syndikat der Eisenvahnarbeiter Frank- reich« und seiner Kolonien hat den GeneralauS st and an- gekündigt für den Fall, datz das Parlament die Alters» Expedition: SM. 68» I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Versorgungsgesetze ablehnt, und das Vorgehen der Postbeamten gebilligt. Dagegen hat der K 0 n g r e tz d e r Mechaniker und Heizer der Strecke Paris— Lyon— Medi- terranee, der in Marseille tagte, einen Anschluß a» den All- gemeinen Arbeiterverband abgelehnt. Die Haltung der Regierung. Paris, 8. Mai. Minister Barthou erllärte gestern einem Redakteur deS„Matin", daß die Regierung gegenüber den unbot- mäßigen Postbeamten unbeugsam bleibe» werde. Niemals noch hätten die Postbeamten gewagt, in öffentlichen Versainiiiluugeli so unverblümt revolutionäre Reden zu halten, wie jene neun Post- beamtcn, die heute vor dem Disziplinarrat erscheinen sollten. In diesen Versammlungen habe eine allerdings geringfügige Minderheit von Beamten sich verpflichtet, antimilitaristische und antipatriotische An- schauungen zu verbreiten. Solche Vorkommnisse könnten absolut nicht geduldet werden. Die Regierung habe für den Fall eines neuen Streiks bereits Maßregeln getroffen. Sie wisse, daß sie auf die öffentliche Meinung zählen könne und auf die ungeheure Menge von Kaufleuten. Gewerbetreibenden usw., die nicht gestatten würden, daß man sie ungestraft schädige. Ueber den Beschluß der Eisenbahner, ein S t r e i k r c f e r e n d u in zu veranstalten, sagte der Minister, er habe Vertrauen zu der Ver- nunft der großen Menge des Eiscnbahnpcrsonals, welche wisse, daß die Regierung alles getan habe, um die Beratung des Entlvnrfs über die Ruhegehälter im Senat zu beschleunigen. Aber, was sich auch ereignen möge, die Regierung sei fest entschlossen, kaltblütig und ruhig, aber auch tatkräftig die Pflicht zu erfüllen, die ihr das nationale Interesse auferlege. Sie IXsiiietung der vier ioÄsldemokrstilchen liiandate. Die Presse geht zum größten Teil über den Beschluß der Wahl- Prüfungskommission des Abgeordnetenhauses, vier sozialdemokratische Mandate für ungültig zu erklären, mit völligem Schweigen hinweg. Kaum, daß sie einen dürftigen Kommissionsbericht bringt. Dies Schlveigen ist überaus beredt. Es ist das Schlveigen der Verlegenheit, der Scham! Nur die„Voss. Ztg." macht einen Versuch, den unglaublichen Beschluß der WahlprüfungSkonimission zu rechtfertigen. Dabei ent- hüllt sie aber nur täppisch die wahren Motive der edlen Mandatsräuber. Sie schreibt nämlich: „Die Ungültigkeit der Wahlen wird in erster Reihe aus der unrichtigen Aufstellung der Wählerlisten und der darauf be- ruhenden unzutreffenden Abgrenzung der Abteilungen hergeleitet. Der Magistrat hat der Bildung der AbteilungSlisten bei den Wählern bis 3099 M. Einkommen die Steuerveranlagung für 1 908, bei denen über 3999 Vi. die Veranlagung für 1997 zu Grunde gelegt. Das ist unzulässig. Entweder mußte durchweg von demselben Orte die Veraiilagimg für 1997 oder die für 1998 als maßgebend behandelt werden. Durch das eingeschlagene Verfahren dagegen konnten eine Menge Personen unberechtigt in eine höhere Abteilung, andere ebenso unberechtigt in eine tiefere Abteilung gernät werden. Die fehlerhafte Listenaufstellung enthielt eine wesentliche Begünstigung der Sozialdcnio- kratie, tveil die Veranlagung für 1993 schon nach Einrcichnng der inzwischen eingeführten Lohimachweisungen erfolgte und da- durch viele Wähler, die nach der Veranlagung für 1997 in der dritten Abteilung gewählt hätten, in die zweite Abteilung brachte, während eine Reihe Beamte und Gewerbetreibende, die mit dem Steuersatz für 1907 herangezogen wurden, die in dritte Abteilung sanken. Daß diese Veranlagung der Sozialdemokratie besonders zugute gekommen ist, hat ihr Redner im Abgeordnctcnhalise nicht bestritten." Also die Wahlen find kassiert worden, weil man glaubte, daß durch die Listenaufstellung des Magistrats die Wähler mit einem Einkommen bis zu 3999 M. b e g ü n st i g t worden sind. Diese Wähler sind aber die ungeheure Mehrheit aller Berliner Wähler Überhaupt. Hätte man für sie ebenfalls die Steuern für das Jahr 1997 zugrunde gelegt, so hätte man sie benachteiligt. Und obendrein g es e tz w i d rig benachteiligt! Denn das Gesetz spricht ja von den„zu entrichtenden" Stenern. Für die Wähler mit weniger als 3999 M. Einkommen standen aber diese„zu ent- richtenden" Stenern in Gestalt der abgeschlossenen Veranlagung für das Jahr 1998 bereits fest! Wäre der Magistrat also so ver- fahren, wie eS die Kommission von ihm verlangte und die„Voss. Zeitung" für korrekt hält, so hätte er der ungeheuren Ucberzahl der Berliner Wähler ein schweres Unrecht zugefügt I Das will aber gerade die«Voss. Ztg.", das wollen diejenigen, die den Beschluß der Kommission billigen l Ihnen ist das Drciklasscnwahlsysteui noch nicht schlecht genug, es nmß noch verschlechtert werden I » Zu der Beanstandung der Berliner L i st e n- A u f» stell ung bemerkt das„Berk. Tagcbl."; „Das war vielleicht ein Formfehler, aber er war durch die Umstände bedingt. Wenn man ihn für wichtig genug hält, um daraufhin die Ungültigkeit von vier Mandaten auszusprechen, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß die gleiche Methode für sämtliche zwölf Berliner Wahlkreise angewandt worden ist. Wenn also die Herren Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann sich einer Neuwahl unterziehen sollen. so ver- steht man nicht, weshalb die Mandate der gleichfalls sozial- demokratischen Abgeorordneten Strubel und Liebknecht unangefochten bleiben sollen. Und ebenso ist doch den sechs freisinnigen Abgeordneten Berlins nur billig, was den vier sozialdemokratischen Abgeordnete» recht ist. Soweit eö sich deshalb um die Listenausstellung handelt, halten wir auch heute noch an «ns«rer schon früher ausgesprochenen Ansicht fest, daß entweder kein Mandat oder daß alle zwölf Mandate kassiert werden müßten." In der Frage des„Terrors" nimmt das„Verl. T a g e b l." den Standpunkt ein, daß ein Terror von unten nun einmal nicht geduldet werden dürfe, wenn es auch„klar" sei,„daß nicht bloß von unten, sondern noch mehr auch von oben Wahlbecinflussung ausgeübt wird." Das Blatt fährt dann fort: „Hätte deshalb die Wahlpriifungskommission des Abgeordneten- Hauses eine Enquete über den angeblichen sozialdemokratischen Boykott, der doch in den Wahlprotesten nur behauptet worden ist, veranstaltet, hätte sie die Regierung wenigstens zu Erhebungen aufgefordert, so wäre dieses Vorgehen von uns durchaus gebilligt worden. Aber in dem uns vorliegenden Berichte über die Sitzung der Wahlprüfungs- kommission heißt es:„Der Antrag, ohne besondere Beweiserhebungen das Vorliegen des Terrorismus als erwiesen anzunehmen, wurde mit acht gegen fünf Stimmen angenommen." Diesen Beschluß verstehen wir nicht. Wie kann denn eine Kommission etwas als„erwiesen" annehmen, wenn sie keine„Beweise" hat? Das ist doch zum mindesten die reine Willkür, wenn nichts Schlimmeres. Wollte ein Richterkollegill in eine strafbare Handlung des Angeklagten als„erlviescn" annehmen, dann würden die beteiligten Richter mit Schimpf und Schande ans dem Amte gejagt, und zwar von Rechts wegen." # Die„Berliner Volks-Zeitung" nennt die ttn- gültigkeitserklärung einen„Gewaltstreich" und ein„Denkmal des wüstesten politischen Fanatismus". Ihrer Kritik des„Ge- waltstrcichS" entnehmen wir das folgende: „Obwohl der Block für Preußen nicht existiert, hat er dennoch Rache genommen an den Sozialdemokraten. Und das Zentrum macht diesmal die Partie mit. Nur ein einziger Zentrumsmaün hat sich geweigert, sich der konservativ-nationalliberal-freisinnigen Rachepolitik anzuschließen. Im letzten Abendblatt haben wir ausführlich gemeldet, aus welchen doppelt fadenscheinigen „Gründen" die reaktionäre Mehrheit in der Kommission die vier sozialdemokratischen Landtagsmandate kassiert hat. Der Humbug mit den sogenannten falschen Wählerlisten ist von uns schon damals gebührend ge- kennzeichnet worden, als von der angeblichen Ungültigkeit der vier sozialdemokratischen Mandate zuerst die Rede war. Offenbar hat denn auch die Kommission herausgefühlt, daß sich durch diesen Humbug allein die Kassierung der Mandate nicht rechtfertigen lassen würde. Uud so hat man sich bemüßigt gesehen, noch ein anderes Argument herbeizuschleppen, damit das Werk der Rache vollendet werden könne. Nur schade, daß dieses Argument ein noch größerer Hnmbug ist als das andere: Man hat behauptet, der Wahlterrorismus wäre so groß gewesen, daß dadurch allein schon die Mandate ungültig werden müßten. Die Meinung einer Anzahl von Kommisions- Mitgliedern, man müsse so etwas nicht bloß behaupten, man müsse es auch beweisen, wurde von der strangulationslüsternen Mehrheit zu Boden gestimmt. Ge- walt ging wieder einmal vor Recht! Dabei ist nichts komischer und trauriger zugleich, als wenn die Konservativen von Terrorismus reden. Käme es wirklich auf den Terrorismus bei den Landtags- Wahlen an, der den Konservativen plötzlich einen so großen Abscheu erregt, so müßten mindestens 80 Prozent aller konservativen Mandate kassiert werden. Warum sind denn die Konservativen Anhänger der öffentlichen Stimmabgabe? Nur, weil sie diese benutzen, um ihren geradezu traditionellen Terrorismus auf die Wähler im schlimmster Weise aus- üben zu können I Und in Berlin muß ihnen und den Freisinnigen, damit ihr Rotkoller seine Befriedigung finde, der Terrorismus als B o r w a n d für einen Gcwaltstreich dienen. der selber ein Akt deS rücksichtslosesten parlamentarischen Terrorismus ist I Wir glauben, daß auf diesen Gewaltstreich die Wähler- schaft Berlins die einzig richtige Antwort gibt I Eine Antwort, die den vereinigten Blockreaktionären mit Einschluß der Freisinnigen die Lust an der Wiederholung eines solchen Streiches gründlich vergällen wird I" Line neue IMfentoitidgebung der Beamten. Um zu der Behandlung Stellung zu nehmen, die Beamten- besoldungSvorlage und Lehrerbesoldungsgesetz in, preußischen Herrenhause erfahren haben, hatten sich Freitagabend mehrere tausend Beamte und Lehrer Grotz- BerlinS in, großen Saale der Germaniasäle zusammen- gefunden. Als erster Redner sprach Lehrer P a u t s ch von, Berliner Lehrerverein: AuZ manchen Reden der Herren „Herren" klang heraus, als ob sie sich als unsere Herren Vorgesetzte fühlen.(Sehr gut!) Das lehnen wir aber als Glieder eines mündigen Volkes ab.(Stürmischer Beifall.) Im Herrenhaus hat kürzlich der König von Preußen eine Bataille der- loten(Sehr gut!), denn das Herrenhaus hat sich um die Thronrede nicht gekümmert. Aber die Fortsetzung des obigen Satzes von den, reaktionären Minister v. Schulenburg:„Ruhe ist die erste Bürger- Pflicht" gilt heute nicht mehr. Inzwischen sind wir um mehr als 100 Jahre alt geworden. Oberbürgermeister Körte, ein geborener Berliner(Zuruf: Leider!) sagte im Herrenhaus, es bestehe gar keine Unruhe in der Beamtenschaft.(Lachen.) Möge er einmal in seiner Königsbcrger Beamtenschaft Nachfrage halten. Dem Grafen Fink von F i n k e n st e i„ ist eS dagegen nicht übel zu nehmen, wenn er nicht weiß, welch großen Wert ein paar hundert Mark für eine arme Beamtenfamilie haben.(Zustimmung.)... Was ich zu den Beschlüssen dieser Kommission sagen soll, weiß ich nicht. Aber Gustav von Schmoller sagte einmal, den HerrenhauSmitgliedern fehle die poli» tische Bildung.(Sehr gut!) Da ich aber nicht Gustav von Schmoller bin, so sage ich eS nicht.(Heiterkeit.) In dem Kommissionsbericht heißt es, die von, Abgeordnetenhaus beschlossene Erhöhung des Grundgehalts gehe weit über die soziale Stellung des Lehrer st an deS hinaus.(Hörtl hört!) Nun, ich meine. neben den, Kopf eines HerrenhäuSlerS nimmt sich der Kopf eines preußischen VolksschullehrerS immer noch ganz respektabel auS. �Stürmischer Beifall.) Wir befinden uns heute in der angenehmen Lage, der Regierung den Rücken zu stärken gegen die Haltung des Herrenhauses. Vielleicht gibt sie aber zu einer Revision unserer Verfassung Anlaß, dahingehend, ob das Herrenhaus noch mit unserem moderne» Empfinde» in Einklang steht.(Stürmischer Beifall.) Für ein lonstitutionell regiertes Volk müßte eine so Prä- historische Institution unerträglich sein.(Großer Bei- fall.) Mit den, altpreußischen„Räsonier er nicht" kann heute ein Staat nicht mehr regiert werden.(Stürmischer Beifall.) Als zweiter Redner besprach Freiherr v. S t e i n e ck e r den letzten Beamtentag in der Hasenheide und die angedrohten Maß- regelungen mehrerer Beamten. Die Koalitionsfreiheit, die Grund- läge jeden Staates, gilt auch für die Beamten.(Großer Beifall.) Daß kein Geld vorhanden ist, ist noch lange kein Grund, ein Vor- sprechen nicht einzulösen, wie das„Berliner Tageblatt" zutreffend schrieb. Einigkeit macht stark, das sollten auch die Beamten beherzigen und die Grundlage zu einer gemeinsamen großen Beamtenorganisation legen. (Großer Beifall.)— Redakteur Coboeken- Berlin besprach gleich- falls die„verderblichen Beschlüsse des Herrenhauses". Herr v. Rhein- baben trat zwar mit anerkennenswertem Eifer für das Königswort ein, aber er konnte die Geister nicht loswerden, die er seinerzeit beschworen hatte.(Sehr richtig!) In Berlin steht ein neuer LandtagSwahlkampf bevor, da können die Beamten zeigen, was sie können. Sofort sollte sich ein Aus- schuß konstituieren und erklären: Wir Beamte sind bereit, zu helfen, daß der Sozialdemokratie die vier Berliner Mandate wieder entrissen werden; aber dafür verlangen wir. daß einer der Unseren als Kandidat aufgestellt wird. Geschieht da? nicht, so überlassen wir es euch, mit der Sozialdemokratie fertig zu werden.(Stünnischer Beifall.)— Praktischer Arzt Dr. E b e I i n g: Die Zeiten eines Posadowsky sind vorbei. Arbeiter- und Beamtenorganisationen sind nicht gut an- gesehen.(Sehr richtig!) Die Statistik der Beamtenkassen weist schon eine hohe Krankenziffer auf. Bei den bevorstehenden Landtags- Wahlen müssen Sie Ihre Macht zeigen und Ihre Bedingungen stellen. Besonders erfreulich ist, daß Sie sich mit den Lehrern zusammengetan haben. Schaffen Sie sich eine große Organisation.(Stürmisch. Beifall.) Postassistent K l i e m- Berlin: Wir weisen zurück, daß wir imFahrwasser der Sozialdemokratie segelten. DaS verbitten wir uns, denn wir haben unseren Treueid ge- leistet. Aber wir verlangen von den staatserhaltenden Parteien, daß sie uns nicht mehr bloß Sand in die Augen streuen.(Sehr richtig!) Dann werden wir ein Fels sein, an dem die Sozial- demokratie zerschelle» wird.(Großer Beifall.) Magistratssekretär Hoffmann: In infamer Weise ist die Beamtenschaft mit Schmutz beworfen worden.(Sehr richtig!) gegen unsere Führer geht man mit Disziplinarverfahren vor. Als aktiver Beamter lege ich Verwahrung dagegen ein. DaS ist eine Unterbindung unserer staatsbürgerlichen Rechte!(Lebhafte Zustimmung.) Gott fei danl stehen jetzt Landtagswahlen bevor. Bisher waren wir immer gut genug für die Kleinarbeit. Aber wenn wir etwas wollten, schob man uns beiseite. DaS muß anders werden.(Beifall.) Wir sind eine Macht und werden davon Gebrauch machen.(Großer Beifall.) Wir haben unsere Kanonen„och lange nicht verschossen! Die stärksten Böllerschüsse haben wir uns vorbehalten für den zweiten deutschen Beamtentag.(Stürmischer Beifall.) Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Tausende am 7. Mai 100S in den Germaniasälen zu Berlin versammelte Beamte und Lehrer von Grotz-Berlin bedauern gemeinsam die vom Herrenhause der preußischen Beamten- und Lehrerschaft gegenüber bei der Beratung der Besoldungsreform dauernd beobachtete wenig wohlwollende Haltung. Die Lehrer betrachten eS als eine unverdiente Zurücksetzung, daß das Herrenhaus bei den für sie vorgeschlagenen Dienst- bezügen wesentliche Kürzungen vorgenommen hat. obwohl die vorgesehene Erhöhung in ihrer jetzigen Form nur das äugen- blicklich Erreichbare, keinesfalls das Notwendige darstellt. Die Lehrer hoffen daher, daß die königliche Staatsregierung und das HauS der Abgeordneten eine Kürzung der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Gehaltssätze nicht zuläßt. Die unmittelbaren StaatSbeaniten beklagen aufs lebhafteste. daß das Herrenhaus den Besclilllssen des Abgeordnetenhauses bezüglich des WohmmgSgeldzuschusseS nicht beigetreten ist und inS» besondere seine rückwirkende Kraft vom 1. April 1V08 ab nicht anerkannt hat. Sie erkennen daraus, daß das Herrenhaus sich nicht klar geworden ist über die drückende Notlage, welche jetzt schon in weiten Kreisen deS Beamtenstandes herrscht und angesichts de» Be- schlusses des Herrenhauses außerordentlich gesteigert wird. Die Folgen, die bei Aufrechterhaltung dieses Beschlusses für viele Beamte eintrete» würden, sind nicht abzusehen, da ein großer Teil der Beamten durch die fortgesetzte Verschleppung der Besoldungsvorlagei, im Hinblick auf die zugesicherte rückwirkende Kraft Verbindlichkeiten ein» ! gegangen ist. Die Staatsbeamten erwarten daher auf das be- timmteste, daß die in der Thronrede feierlich versprochene, von dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums bestimmt zugesagte und vom Hause der Abgeordneten genehmigte rückivirkcnde Kraft deS Wohnungsgeldzuschusses vom 1. April 1908 ab auch vom Herrenhause anerkannt wird." Hierauf wurde sofort der vom Redakteur Coböken angeregte Ausschuß gebildet und sodann die Versammlung geschlossen. » Auch diese Demonstration der Beamten beweist mit er- freulicher Deutlichkeit, daß auch in Deutschland die Zeiten vorüber sind, wo die Beamten sich duckten und für die Almosen dienerten, die ihnen der Staat, d. h. die ihn beherrschende besitzende Klasse, gelegentlich zuzuwerfen so gnädig war. Die Beamten beanspruchen heute das Recht, zu fordern. Sie verlangen vor allen Dingen das Koalitionsrecht, das man ihnen so lange schnöde ver- weigert hat. Die Maßregelungen und Drohungen der Re- gierung und der bürgerlichen Parteien haben sie nicht ins Bockshorn gejagt, ihnen im Gegenteil den Wert und die Notwendigkeit starker Organisationen und u n- verbrüchlicher Solidarität bewiesen. Daß die Beamten dagegen protestierten, ohne weiteres als Sozialdeniokraten bezeichnet zu werden, ist ihr gutes Recht. Um so mehr, als sie zum großen Teil den sozialdemokratischen Anschauungen faktisch noch weltenfern stehen und zunächst nichts weiter vertreten als ihre engsten Berufsintercssen. Die Erkenntnis, daß sie ihre Bcrufsinteressen am besten und wirk- samsten vertreten können, wenn sie zugleich die Interessen aller Volksinteressen wahrnehmen, wie das die Sozialdemokratie tut, ist ihnen noch nicht aufgegangen. Wir freuen uns nichts- destoweniger des politischen �rivachcns der Beamtenschaft in der festen Zuversicht, daß durch die Beschäftigung mit den eigenen und den Volksinteresscn überhaupt gerade die regsten und besten der Beamtenschaft der Sozialdemokratie zugeführt werden dürften. Um so rückhaltloser müssen wir freilich unsere Verwunderung darüber aussprechen, daß man. sofern der obige Bericht zutreffend ist, die bevorstehenden Berliner Neuwahlen zu einem Schnchergeschäft mit dem Freisinn benutzen will. durch das den Beamten nicht das geringste genügt werden kann, wohl aber der Sozialdemokratie Schaden zugefügt werden soll. Man will dem Freisinn, dem Bundesgenossen der Junker, dem Mitglied des von den Beamten selbst so genannten„ A n t i» beamtenblocks" Hilfe gegen die Sozialdemokratie, die einzige, ehrliche Freundin und Helferin der Beamten. gewähren� wenn der Freisinn ein Mandat an einen Beamten oder Lehrer abtritt! Als ob es an Beamten und Lehrern unter den bürgerlichen Parteien fehlte! Oder als ob der eine neue Beamte, der von Frcisiunsgnaden ins Abgeordneten haus entsandt würde(vorausgesetzt, daß bei dem Handel nicht sowohl die Beamten wie der Freisinn die Geprellten wären!), die Interessen der Beamten wirksamer vertreten könnte als ein f o z i a l d e ni o k r a t i s ch e r Abgeordneter I Das Schachergeschäft wäre so infam und so selbst- mörderisch, daß es an der gesunden Einsicht der Beamten selbst scheitern würde, selbst wenn der Freisinn sich auf den mehr als zweifelhaften Handel ein- lassen sollte._ politische dcberlicbt Berlin, den 8. Mai 1909. Reform des höheren Mädchenschulwesens. Tie Reform des höheren Mädchenschulwesens bildete den letzten Abschnitt des Kultusetats, mit dem sich das Haus der Ab- geordneten am Sonnabend beschäftigte. Die Grundzüge der Reform, über die wir bereits früher eingehend berichtet haben, fanden den Beifall der Redner aller Parteien, wenn auch naturgemäß von diesem oder jenem weiter- gehender? Wünsche geäußert wurden. So beklagte sich Abg. Dr. Hackenberg(natl.) darüber, daß die Zahl der wahlfreien Stunden in den Frauenschulen, die zur Weiterbildung für die über 16 Jahre alten Mädchen errichtet werden sollen, zu gering ist, während Abg. Cassel(frs. Vp.) die Anregung gab. be- fähigten Mädchen aus der Vollsschule den Uebergang zur höheren Mädchenschule zu ermöglichen und an Orten, wo keine Studier- anstalten für Mädchen errichtet werden können, den Mädchen die Teilnahme am Ghmnasialunterricht zu gestatten. Das Zentrum legte, wie stets, das Hauptgewicht auf die Religion; sein Redner Dr. Heß bezeichnete den Religionsunterricht als die notwendige Ergänzung der wissenschaftlichen Ausbildung und erklärte pathetisch unter dem Jubelgeheul der Muckergesellschaft, daß eine wahrhaft deutsche Frau ohne ein warmes christliches Gemüt ein Wider- spruch an sich sei. Wie dem Ausspruch eines Höheren zufolge nur brave Christen tüchtige Soldaten sein können, so können nach Ansicht des Herrn Heß nur Frauen mit christlichem Gemüt gute Frauen sein. Andersgläubige oder gar Heiden sind ohne weiteres, wenn man sich auch nicht scheut, für„christliche" Zwecke ihr Geld zu nehmen, minderwertige Geschöpfe. Herrschte über die Grundzüge der Reform im allgemeinen Einigkeit, so gingen über die wichtige Frage der gemeinsamen Er- ziehung beider Geschlechter die Anschauungen weit auseinander. Vor allem will Herr Schwartzkopff nichts davon wissen, und man muß sagen, seine„Gründe" sind durchschlagend, wenigstens für ein Haus, das auf dem geistigen Boden des Dreiklassen- Parlaments steht. Der allgewaltige Ministerialdirektor fürchtet davon eine Zurückdrängung der Knaben durch die Mädchen. Mit anderen Worten, er fürchtet die Konkurrenz, die befähigte Mädchen den Knaben bereiten könnten. Hierin ist der wahre Grund für den Widerstand zu suchen, alles andere, was er vorbrachte, waren nur Mätzchen, die dazu dienen sollten, die wahren Gründe zu ver- hüllen. Was soll man dazu sagen, wenn ein Regierungsvertreter einen Uebelstand darin erblickt, daß die Mädchen der oberen Klassen mit„Fräulein" angeredet zu werden verlangen, während die Knaben doch nicht gut mit„Herr" tituliert werden können? WaS soll man dazu sagen, wenn der Regierungsvertreter die Tanzlust der jungen Mädchen oder gar die Gefahr, daß eine Primanerin sich verloben könnte, als Hinderungsgrund für die gemeinschaftliche Erziehung ins Feld führt? Glaubt der Herr Ministerialdirektor wirklich an diese„Gründe", dann ist er der Typus eine» Weißbierphilisters. Glaubt er, was wahrscheinlicher ist, nicht daran, so ist seine Rede nichts als eine Verhöhnung des Parlaments. Allerdings hat daS Parlament, das über solche „Witze" lachte und dem Redner Beifall zollte, den Hohn reichlich verdient. So hat denn die Kultusdebatte, die nicht weniger als neun lange Sitzungen und außerdem noch eine Abendsitzung in Anspruch nahm, ein dem Dreiklassenparlament würdiges Ende gefunden.— Eine Machtfrage. Offiziell begründen die konservativen Wortführer ihre- Opposition gegen die Erbanfallsteuer mit ihrer Besorgtheit um die Erhaltung des germanischen Familiensinnes und die Lebensfähigkeit der kleineren und mittleren Landwirtschasts- betriebe; in Wirklichkeit sind es jedoch neben dem Bestreben, der Landwirtschaft nicht neue Steuern aufladen zu lassen, wie Freiherr v. Zedlitz in seinem Aerger über die konservative Obstruktionspolitik neulich offen erklärt hat, ganz andere Motive, welche die Junker zu ihrem Widerstand gegen die Bülow-Sydowschen Reichsfinanzreformpläne bestimmen. Für das Junkertum handelt es sich einfach um eine Machtfrage. Ter Wille zur Macht ist in keiner der bürgerlichen Parteien schärfer ausgeprägt, als bei den Agrarkonservativen; und die Hauptstütze ihrer Macht erblicken sie, nicht nur soweit Preußen in Betracht kommt, sondern auch was das ganze Deutsche Reich anbelangt, in dem prcu- ßischen Landtag, in dem der Liberalismus zu völliger Ohn- macht verurteilt ist. Von diesem Trieb beherrscht, ihre Macht- stellung um jeden Preis aufrecht zu erhalten, haben sie sich von vornherein nur widerwillig in das Blockkonkubinat ge- fügt, entschlossen, dem liberalen Blockpartner keinerlei be- trächtliche Zugeständnisse zu machen und ihn bei erster passender Gelegenheit bei Seite zu schieben. Dennoch haben die Konservativen dem Freisinn, ge- zwungen durch die politische Konstellation, beim Reichsvereins- gesetz und dem Börsengesetz verschiedene kleine Konzessionen machen müssen: vor allem aber haben sie es erleben müssen, wie die Liberalen es durchsetzten, daß in der Thronrede bei der Eröffnung des preußischen Landtags eine gewisse Reform des preußischen Dreiklassenwahlrechts verheißen wurde. Soll zunächst auch erst eine gründliche, mehrere Jahre erfordernde Vorbereitung dieser Reform stattfinden, so begreifen die Konservativen doch, daß eine derartige verpflichtende Reform- Verheißung eine bestimmte Erfüllung heischt, und daß diese um so mehr den liberalen Anschauungen Rechnung tragen wird, je stärker sich der Einfluß und die Stellung der Liberalen im Block gestaltet. Irgend etwas von ihrer Macht- stellung aufzugeben, sind aber die Konservativen durchaus nicht bereit: und so ergab sich für sie die Aufgabe, die Position der Liberalen im Block mit allen Mitteln zu schwächen und zugleich der Regierung zu beweisen, daß sie sich als den Herrn der Situation betrachte und nicht gewillt sei, zugunsten des Blocks sich ihre Herrschaftsstellung im preußischen Staat irgendwie einschränken zu lassen. Die Gelegenheit, der Regierung diese Absicht nachdrück- lichst zu demonstrieren, bot der Sydowsche Finanzreform- Plan. Die Agrarkonservativcn legten sofort Protest gegen den Versuch ein, den ländlichen Grundbesitz zur Erbfchafts- steuer heranzuziehen, und als trotzdem die Regierung ihr Nachlaßsteuerprojekt nicht fallen ließ, begann eine wüste demagogische Agitation des Junkertums und seiner im Bund der Landwirte organisierten bäuerlichen Gefolgschaft gegen das„unfehlbar zum Ruin führende Witwen- und Waisenbesteuerungsgesetz." Der Regierung sollte gezeigt werden, daß noch der Wille des Junkertums in Preußen- Deutschland entscheidet und daß es nicht im geringsten ge- willt sei, sich Gesetze aufzwingen zu lassen, die seinem Macht- interesse widersprächen. Daß in diesem Willev zur Macht das eigentliche Motiv der Opposition der Agrarkonservativen gegen die Er- Weiterung der Erbschaftsbefteuerung zu suchen ist, beweist aufs neue ein vom Herrn Dr. Georg Oertel selbstverfaßter Leit- artikel der„Deutschen Tageszeitung". Deutlich wird darin verkündet, daß die Konservotiven kein Interesse mehr an der Erhaltung des Blocks hätten: „Wir haben immer hervorgehoben, daß der Block nichts anderes sein könne und sein solle als eine vorüber- gehende Erscheinung, nicht aber ein dauerndes politisches Gebilde, das den Zweck seines Daseins in sich selbst trage. Eine Zeitlang war der Block eine politische Notwendig- keit; die Zeit scheint aber jetzt ihrem Ende zuzuneigen. Wir haben nicht das geringste Interesse daran, den Block zu sprengen; aber ebensowenig kann uns daran liegen, ihn auf unsere Kosten und durch Opfer der Ueberzeugung zu erhalten, wenn er seinen Zweck erreicht oder vielleicht auch verfehlt ha t." Und nachdem dann Herr Oertel als Forderung der konser- dativen Politik den Satz aufgestellt hat, daß der„Zug nach links" aufhören müsse, sagt er weiter: „Unverkennbar ist auch ein solcher Zug in der preußischen Staatspolitik. Ehe der Block zusammengeschmiedet wurde, hat der Vertreter der preußischen Regierung im Abgeordnetenhause erklärt, daß eine Aenderung des Landtagswahl- rechtes nicht erfolgen solle. Diese Erklärung war auch so selbstverständlich wie nur möglich, weil erst vor kurzer Zeit eine Novelle zum Landtagswahlgesetze eingebracht und angc- nommen worden war. Nachdem der Block seine Tätigkeit be- gönnen hatte, wandelte sich das Bild. Es wurden in ver- schiedenen Tonarten zeitgemäße Reformen des Wahlrechtes zum Abgeordnetenhause in Aussicht gestellt. Die Versprechungen wurden immer greifbarer und stärker, bis sie schließlich ihren feierlichen Niederschlag in der Thron- rede fanden. Das geschah, obwohl die rechtsstehenden Poli- tiker in Uebereinstimmung mit der Regierung mehrfäch bekundet hatten, daß eine grundsätzliche Aenderung des Wahlrechtes weder nötig noch zweckmäßig sei. Nun sucht man uns ja damit zu trösten, daß erst gründliche Vorarbeiten gemacht werden sollen und daß man niemals Aenderungen vorschlagen werde, durch die der Bestand des Staates gefährdet werden könnte. Aber die Regierung kann sich und uns nicht darüber täuschen, daß sie eine bedauerli che und bedenkliche Wand lung in den Grundsätzen vorgenommen hat. Die Wahl- rechtSänderung, mag sie gestaltet werden wie sie will, wird doch einen Schritt zur Demokratisierung des pveußi- schen Staates bedeuten; und diesen Schritt den Konser- vativen dem Blocke zuliebe zuzumuten, war und ist ein starkes Stück." Deutlicher kann kaum zugegeben werden, daß es sich für Las Junkertum lediglich um eine Machtfrage handelt. verschiedene Ansichten im Zentrum über die Erbfchafts- sieuer. Während dl« Zentrumsfraktion aus taktiscken Rücksichten mit den Agrariern in der Verwerfung der Nachlaß- und Erbschaftssteuer einig ist und in der entfesselten Hetze gegen diese„Besitzsleuer" nnt den ärgsten konservativen Schreiern durch Dick und Dünn geht, spricht sich das Organ der Zentrumsarbeiter, die„West- deutsche Arbeiterzeitung", nochmals sehr entschieden für eine Er- Weiterung der Erbschaftssteuer aus. In einem Leitartikel der Nummer 19 vom 8. Mai beschäftigt sich das Blatt mit dem kon- fervativen Antrage auf Einführung der Wertzuwachssteuer. Es spricht sich gegen diese Steuer aus praktischen Erwägungen aus und fährt dann fort: .... Hat man wirklich noch eine andere Form der Besitz- besteuerung im Auge, die besser ist als die Erbanfallsteuer, die ferner keine verfassungsrechtlichen Bedenken zuläßt, die schließlich volkswirtschaftlich und sozialpolitisch ebenfalls unbedenklich ist? Dann, bitte, heraus damit in einer Zeit, wo es noch möglich ist und nicht erst, wenn's zu spät geworden I Solange aber ein Borschlag dieser Art nicht gemacht ist. solange darf man auch die Erbschaftssteuer nicht fallen lassen, die unter allen bisher gewiesenen Pfaden der Besitzbesteuerung immer noch am gangbarsten ist. Ju der nunmehrigen Situation kann unsere Forderung nur dahin gehen: Ausbau der Erbschaftssteuer und Wertzuwachs st euer. Und das deshalb, weil die Immobilien- Wertzuwachssteuer als Ersatz absolut unzureichend ist und bei einer zu geringen Berücksichtigung der Gemeinden in vielen Fällen nur eine scheinbare Heranziehung der leistungsfähigen Schultern bedeuten würde. Denn— behalten wir das scharf im Auge— wenn man diese Finanzquelle den Gemeinden ganz verschiaten würde, so müßten diese sich eben nach anderen Einnahmen umsehen und da würde in erster Linie in Frage kommen die Erhöhung der heute schon unerträglichen konimunalen Zuschläge aus Staats steuern. Darunter würde am empfindlichiten leiden das A r b e i s e i n k o m m e n." Freie Männer oder Schulbuben? Die.. N o r d d. A I l g e m. Ztg." schreibt: Unter den preußischen Zollaufsehern hat seit längerer Zeit, namentlich unter dem Eliifluß der FachpreAe, durch Verbreitung irriger Anschauungen und un- wahrer Gerüchte, Unzufriedenheit und Mißstimmung in ebenso hohem wie unberechtigtem Umfange Platz gegriffen. Der Finanz- minister hat sich daher veranlaßt gesehen, in einer Rund- Verfügung an die Präsidenten der sämtlichen Oberzolldirektionen die Beamten der preußischen Zollverwaltung zur Besonnenheit zu mahnen und ein energisches Einschreiten gegen alle Beaviten in Aussicht zu stellen, die es bei der Verfolgung ihrer Standes- interessen, namentlich in den Fachblättern, an der nötigen Mäßigung fehlen lassen sollten. Die Beamten dürfen sich über solche Behandlung nicht wundern, hat doch sogar der Freisinn nicht die Courage gesunden, für die Beamten das Recht der freien Organisation und der freien Meinungsäußerung zu fordern! Ein Radbod-Prozetz in Sicht? Nach einer Mitteilung der„Dortmunder Zeitung" vom Sonnabend- morgen(8. Mai> haben die Direktoren der ZecheRadbod gegen den Genosien Nottebohm von der„Arbeiterzeitung" zu Dortmund Strafantrag gestellt wegen der wiederholten Behauptungen der„Arbeiterzeitung", daß die Verwaltung der Zecke Radbod an der Radbod-Katastrophe am 12. November v. I. m i t s ch u l d i g sei. Die Herren haben sich sehr, sehr lange nötigen lassen! Wiederholt hat unser Dortmunder Bruderblatt sie auf- gefordert, Strafantrag zu stellen, damit im Strafverfahren die Wahrheit über die Katastrophe festgestellt werden könne. Die Herren Direktoren rührten und regten sich nicht, obgleich sie, wie Strafanträge aus anderen Anläßen erkennen ließen, die Arbeiter- zeitung aufmerksam lesen. Jetzt, nachdem mehr als sechs Monate nach der Katastrophe verflossen sind, stellen sie Strafantrag. Sind die Artikel der Arbeiterzeitung inzwischen vielleicht verjährt? Oder kommt es nun wirklich zur aufklärenden Verhandlung. Im Wandel der Zeiten. Die„Tägliche Rundschau" hat sich dieser Tage entrüstet über jene Blätter aufgehalten, die den sechzigsten Geburtstag des jetzigen genialen Reichskanzlers nicht durch byzantinische Lobhudeleien gefeiert haben. Die„Köln. Volkszeitung" antwortet darauf mit folgender Feststellung: Wenn ein Blatt auf diesem Gebiete Zurückhaltung üben sollte, so ist es gerade das genannte. In der ersten Hälfte der Bülowschen Kanzlerschaft hat die„Tägliche Rundschau" besonders an der auswärtigen, aber auch an der inneren Politik Bülows kein gutes.Haar gelassen; sie gehörte zu den schlimmsten Nörglern in jener Epoche. Plötzlich trat ein Wandel ein, und zwar gleich- zeitig mit der Zurücknahme einer Anklage, die das Ministerium der Rcichslande gegen das Blatt wegen Verläumdung— es hatte verschiedene elsaß-lothringische Beamte unlauterer Machenschaften beschuldigt— gestellt hatte. Diese Anklage wurde, obwohl eine Verurteilung zu schwerer Freiheitsstrafe so gut wie sicher war, plötzlich zurückgezogen, wie es damals allgemein hieß, auf Ver- mittelung der Wilhelmstraße. Daß diese Liebenswürdigkeit mit dem Umfall der„Täglichen Rundschau" in kausalem Zusammen- hange steht, wer wollte das beweisen!? Aber umgefallen ist sie, und darum soll das gesinnungstüchtige Blatt nicht Splitter bei anderen suchen, wo Balken im eigenen Auge liegen! Eine Berichtigung des Herrn Dr. Paul Lima«. Der bekannte Journalist Dr. Paul Lim an schickt uns durch seinen Rechtsanwalt, Herrn Hans Krüger, folgende Berichtigung. Das Schriftstück entspricht keineswegs den Anforderungen des§ 11 des Preßgesetzes. denn wie Herr Liman als Journalist und Redakteur eigent- lich wissen sollte, fordert dieser Paragraph nur die Aufnahme solcher Berichtigungen, die sich auf„ m i t g e t e i l t e T a t s a ch e n" beziehen; doch wollen wir Herrn Liman diese Unzulänglichkeit nicht entgelten lassen und geben deshalb sein Opus wortgetreu wieder: Auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes ersuche ich die Redaktion deS„Vorwärts" um Aufnahme folgender Berichtigung: In Nr. 195 des„Vorwärts" vom 7. Mai wird unter der Ueberschrift:„Ein auffälliges Verbot" berichtet daß den Reichstags- journalisten der Aufenthalt in der großen Rotunde des Reichs. tags untersagt worden sei, daß man annehmen dürfe, der„all- deutsche Journalist Dr. Liman habe wesentlich zum Erlaß des Verbots beigetragen," es hätten„vermutlich" bürgerliche Abge- grdnete, die er angesprochen habe,„sich diese Belästigung" verbeten, und es sei bedauerlich, daß„die Journalisten in ihrer Gesamtheit für die Unart eines einzelnen büßen müssen". Jede der hier aufgestellten Behauptungen ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß nach amtlicher Angabe ein Sonder- verbot für Journalisten, sich in der Rotunde der Wandelhalle auf- zuhalten, überhaupt nicht besteht. Wahr ist ferner, daß zwar ein generelles Verbot der Benutzung der für die Abgeordneten bestimmten Sessel existiert und neuer- dings in Erinnerung gebracht wurde, daß dieses Verbot jedoch in keiner Weise mit mir zusammenhängt, sondern nach amtlicher Angabe auf die Ueberflutung des Reichstages durch Interessenten während der letzten Wochen zurückzuführen ist. Wahr ist, daß sich niemals ein bürgerlicher Mgeordneter durch mich belästigt fühlte und dem irgendwie Ausdruck verlieh. Wahr ist endlich, daß selbst die„Vermutung", daS Verbot hänge mit mir zusammen, nicht entstehen konnte, da ich in den letzten Wochen beurlaubt gewesen und nicht MN Reichstag er- schienen bin. Ganz crgebenst _ Dr. Paul Liman. Die Ereignisse in der Türkei. Wieder eine Meuterei. Konstantinopel, g. Mai. Der noch in der Selimliehkaserne be- findliche Rest der früheren hauptstädtischen Garnison, aus SOO Mann bestehend, verweigerte gestern den Offizieren den Gehorsam. Ein Teil der Mannschaften wurde ins Kriegsministerium übergeführt. Die Notlage im Wilajet A d a n a ist groß. Man befürchtet den Ausbruch von Krankheiten und eine Hungersnot. Abdul Hamids Schätze. Konstantinopel, 8. Mai. Nach dem Berichte der Kommission der Deputiertenkammer, die derJnventuraufnahme im Fildiz beiwohnte, hoben die am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag angestellten Nachforschungen im Aildiz zur Auffindung von von 122009 Pfund geführt, die nach dem Kriegs- Ministerium gebracht wurden. Vorbereitung für die Krönung. Konstantinopel, 3. Mai. Wie verlautet, trifft die Regierung zur Feier der Schwertumgürtung besondere Sicherheits- maßregeln. Ein großer Teil der hauptstädtischen Kurden soll während der Feierlichkeit in Gewahrsam gebracht werden.— Der Sultan hat eine Deputation aus Bruffa empfangen und ihr ver- sprachen, das Proteltorat über die im Sommer in Bruffa statt- findende Ausstellung zu übernehmen und die dortigen Gräber ieiner Vorfahren und Eroberer RumelienS sowie auch daS Grab Ghazi Suleiman Paschas m Gallipoli zu besuchen. Die Militärdiktatur. Konstantinopel, 8. Mai. Mohammedanische Geistliche und S o f t a s. die sich hier in verschiedenen Verstecken verborgen ge- halten haben, sind verhaftet worden. In einer offizielle» Bekanntmachung verlängert der Generalissimus Mahmud Schewket den Termin für die Ablieferung der Waffen seitens der Bevölkerung um weitere fünf Tage. Gleichzeitig droht er für den Fall der Nichtablieferung mit strengen Strafen. Die Lage in Kleinasien. K-nstantinopel, 7. Mai. Der Großwestr und die Minister des Innern und des Aeußern haben gestern allen Diplomaten versichert. daß die innere Lage Kleinasiens ruhiger geworden fei und daß alle Mahnahmen zur gänzlichen Beruhigung und Wieder- Herstellung der Ordnung ergriffen worden seien. Nach Angaben der Pforte werden in jedem Wilajet militärische Zentren gebildet, welche das Innere derselben gründlich pazifizieren sollen. Octtcwnd). Sozialdemokratische Wahlsiege. Graz, 8. Mai. Bei den L a n d t a g s w a h l e n wurden in der allgemeinen Wählerklasse gewählt: vier Sozialdemokraten, cm Christlichsozialer, zwei Katholisch-Konservative, zwei Slovenisch-Klerikale. Eine Stichwahl hat zwischen einem deutschfreiheitlichen und einem sozialdemokratischen Kandidaten stattzufinden. Zweijährige Dienstzeit. Wien, 8. Mai. Im BudgetauSschuß kündigte der Landes- Verteidigungsminister für den kommenden Herbst die Einbringung deS neuen Wehrgesetzes auf der Grundlage der z w e i« jährigen Dienstzeit sowie die Einbringung einer neuen Militär st rafprozeßordnung an. ScKwei?. Kommunale WohnnngSpolitik. Zürich, 6. Mai. sEig. Ber.) Der zürcherische Stadtrat unterbreitet dem Großen Stadtrat neuerdings eine Vorlage zur Fortführung der Wohnungspolitik, wofür er einen Kredit von S 151 OOO Fr. verlangt. Auf einem Terrain von 39 600 Quadratmetern soll eine richtige Garten st adt in 28 Gruppen mit inZgesaint 73 Wohnhäusern von 288 Wohnungen von je 2, 3, 4 und 5 Zimmern zum Preise von 583 bis 1175 Fr. erstellt werden. Die von der Stadt bereits ge- bauten Wohnungen erfreuen sich lebhafter Nachfrage, so daß zahl- reiche Bewerber abgewiesen werden mußten. Das Vorgehen des zürcherischen Stadtrates zeigt, daß mit gutem Willen eine großzügige Wohnungspolitik möglich ist. fpanhrdeb. Die verurteilte» Legionäre. Paris, 8. Mai. Die von den fünfzehn desertierten Fremden» regionären gegen ihre Verurteilung durch das Kriegsgericht in Oran eingelegte Berufung ist vom Kaffationshof verworfen worden. Italien. Ein Freispruch. Rom, 8. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute fand die Verhandlung gegen die Arbeiter statt, die während des großen Landarbeiter st reiks in der Provinz Parma verhaftet und dann angeklagt wurden. Der Monstreprozeß endete mit der Freisprechung sämtlicher 59 Angeklagten. Der Staatsanwalt selbst mußte schließlich die Anklage fallen lassen. Die Angc- klagten haben unschuldig 19 Monate Untersuchungshaft er- litten. Der Wahrspruch wurde von einer großen Arbeiter- menge mit Enthusiasmus begrüßt. R-iißlaiicl. Ein General getötet. Petersburg, 8. Mai. Heute früh wurde in Jfhcwsk, Gouvernc- ment Wjatka, der Gehilfe des Chefs der dortigen kaiserlichen Ge- Wehrfabriken, General Wassiliew. auf einer Brücke von einem Unbekannten erschlagen. Der Mörder sprang ins Wasser, wurde aber herausgezogen und verhaftet. Das Prestige der Regierung. Man schreibt uns aus Petersburg: Die russische Regierung schleift alle Festungen in Russisch- Polen mit Ausnahme der Warschauer Zitadelle. Diese Maßnahme wurde dadurch verursacht, daß die Festungen miserabel gebaut und ihre strategische Bedeutung nach dem Urteil von Fachmännern ge- ring ist. Der Regierung ist mehr daran gelegen in dem sogenannten „nördlich-östlichen Lande" sLitauen usw.) Festungen zu bauen; da- bei haben die nutzlosen Festungen in Russisch-Polcn jahraus jähr- ein eine Menge Geld gekostet, auf das es der Regierung jetzt bei ihrem„Reformwerk" sehr ankommt. Die Schleifung dieser Festungen— die nebenbei gesagt ohne"Befragung der Duma von der Regierung beschlossen worden ist— hat in der russischen Presse viele Kommentare hervorgerufen. In dem offiziellen Organ Stolh- pins, in der„R o s s i j a", wurde die Meinung ausgesprochen, daß Russisch-Polen für Rußland überhaupt kein Wertobjekt sei, da seine Bedeutung für Ruhland zu klein und Russisch-Polen während eines Krieges für die russische Regierung wegen der Gesinnung der polnischen Bevölkerung keine gute Operationsbasis wäre. Ob- wohl die Redaktion der„Russija" erklärte, daß es sich bei dieser Aeußerung nur um die private Meinung eines Mitarbeiters handle, lenkte der Aufsatz die Aufmerksamkeit der ganzen Presse auf sich. In der„N o w o j e W r c m j a" wurde der Brief eines Ingenieurs, also eines gebildeten Mannes, veröffentlicht, der die blödsinnige Behauptung aufstellt, die russische Regierung ver» kaufe Russisch-Polen an Deutschland für die Tilgung der russischen Schulden. Trotz des offenkundigen Blödsinns einer solchen Annahme, wird jedoch in der russischen Presse viel über die Angelegenheit gesprochen. In Russisch-Polen bildet sie das Thema täglicher Gespräche. Es wird darüber in der polnischen Presse, in Privatgesprächen und selbst in bürgerlichen Vereinen gesprochen. Und— dies ist das Pikanteste an der Geschichte— der Unsinn findet wirklich Glauben. Es>uird schon die Frage bcsprockxn, ob dabei die Posnische Bour- gcoisie gewinnt oder verliert. Die Möglichkeit, daß man an eine solche Transaktion glauben kann, spricht Bände darüber, wie die Macht des Staates in den Augen der Bürger aussieht. Nur weil die Negierung der Konterrevolution trotz Galgen und„Reformen" als eine Regierung der Bankrotteure betrachtet wird, weil selbst die loyalsten Schichten nicht an ihre Zukunft glauben, ist der Glaube an solche Möglichkeiten verständlich. pertten. Der Marsch gegen die Hauptstadt. Teheran, 7. Mai. Der Petersburger Telegraphenagentur zufolge gewinnen die Revolutionäre von K a s w i n täglich an Stärke und nähern sich Teheran. Der Telegraphendraht zwischen KaSwin und Reicht ist abgeschnitten. Die Vorposten der Revo» lutionäre sind schon in Tadirisch angelangt. Die Lage in Urmia. Dschulfa, 8. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Wie aus Urmia brieflich gemeldet wird, ist dw Stadt seit dem 26. März d. I. vom Verkehr abgeschnitten. Nur mit Choi und Salmas besteht noch Post- und Drahtverkehr. Die russische Konsularpost und auch die Korrespondenz der ausländischen Privatpersonen wurde sowohl um Urmia wie in Choi und Salmas von Revolutionären aufgegriffen und gelesen. Der Handel stockt. Der Karawanenverkehr mit russischen Waren ist ganz eingestellt. Die Verbindung zwiscken Urmia und Soudj- Bulat ist durch Kurden unterbrochen. Die Mehrzahl der Bevölkerung in Urmia steht den Revolutionären feindlich gegenüber, verhält sich jedoch passiv._ Gewerhlcbaftlicbej). Unternehmerverbände und Maifeier. Der Zufall ließ uns einen Blick in die gedruckten Be- richte zweier Versammlungen der Vereinigung Schleswiger Arbeitgebcrverbände tun, die insofern größeres Allgenlein- interesse haben, weil daraus auf hie Stimmung der Unter» nehmer zur Maifeier im allgemeinen geschlossen werden kann. Die Versammlungen haben vor der diesjährigen Maifeier stattgefunden, um eine einheitliche Stellungnahme der Unternehmer zu vereinbaren. In der ersten Versammlung begründete ein Redner die Notwendigkeit eines einheitlichen Vorgehens. Verschiedentlich sei eine Aussperrung der Mai- feiernden angedroht, aber nicht ausgeführt, das dürfe nicht vorkommen, da die Androhung dann mehr schade als nütze. Freiherr v. Reiswitz. Generalsekretär des Hamburger Arbeitgeberverbandes, meinte: Die Frage könne seines Er» achtens vorläufig nur lokal geordnet werden. Was aber einmal beschlossen sei, das müsse auf jeden Fall durchgeführt toetben. Die lokalen Verhältnisse seien zu verschieden, als daß schon jetzt genau alle Bestimmungen für den ganzen Bezirk durchführbar seien. Die Maifeier soll nach den Be- schlüssen der Sozialdemokratie in 25 Jahren den Kapitalisten sogen, dasj das Proletariat den Kapitalismus niedergerungen habe. Die Maifeierfrage fei sehr ernst und müsse demgemäß ernst behandelt werden. Alle Verbände müßten zu dieser Frage Stellung nehmen.— Ein anderer Redner meinte, die Maifeier sei ein überwundener Standpunkt. Selbst einige sozialdemokratische Organisationen gäben ihren Angestellten den Tag nicht frei. Ein Hauptmann a. D. erklärte: Als überwunden könne die Maifeier noch nicht bezeichnet werden, aber nachdem Nunmehr die Gewerkschaften schwankend ge- worden seien und den Feiernden keine Entschädigung mehr bezahlen, hätten die Arbeitgeber das Heft in Händen und müßten die Gelegenheit ausnutzen. Ein Redner erklärte es für verkehrt, den Arbeitern den 1. Mai freizugeben, wenn nicht ganz zwingende Gründe dies veranlaßten. Jeder, der mitfeiere, müsse ausgesperrt werden. Er stelle deshalb den Antrag, alle Maifeiernden auf drei Tage auszusperren. Die Durchführbarkeit dieses Antrages wurde bezweifelt und dann beschlossen, daß alle Verbände sich zunächst zu dieser Frage äußern und bestimmt Stellung nehmen sollen. In der zweiten Versammlung wurde dann mitgeteilt, daß die Sache im Vorstande beraten worden sei, eine einheitliche Aus- sperrung der Maifeiernden für alle Branchen aber nicht für durchführbar gehalten wurde. Freiherr v. Reiswitz wies darauf hin, daß der Zeitpunkt für die Durchführung solcher Beschlüsse günstig sei, einmal, weil die Gewerkschaften keine Unterstützung der Maifeisrnden mehr bezahlen und dann wegen der allgemeinen schlechten Geschäftslage. Die Metall- und Holzarbeiter feiern nicht mehr, und das Baugewerbe feiert nur noch zum Teil, liegt aber so flau, daß die Androhung einer Aussperrung zweifellos jede Maifeier verhindern würde. Von anderer Seite wurde die Durchführbarkeit einer allgemeinen Aus- sperrung bezweifelt. Einem derartigen Beschlüsse würden nicht alle Mitglieder Folge geben können und deshalb würde er mehr schaden als nützen. Es müsse der dringende Wunsch an die Mitglieder gerichtet werden, möglichst eine dreitägige Mindestaussperrung der Maifeiernden durchzuführen. Herr v. Reiswitz meinte, in vielen Orten sei die Aussperrung be- schlössen, so in Hamburg, Harburg, Lübeck, Kiel, Neumünster, Itzehoe, Kellinghusen und anderen. Es müßte dieses gerade so gut in den Städten der Vereinigung möglich sein. Bei der Abstimmung für den Beschluß einer einheit- lichen Aussperrung stimmte nur ein Verband dafür: die übrigen Verbände stimmten für die Empfehlung einer Aus- sperrung. Der Generalsekretär des Arbeitgeberverbandes der Landwirtschast bedauerte lebhaft diesen Beschluß und trat nochmals warm für die Aussperrung ein. Weiter wurde der Vorschlag gemacht zu empsehlen, im kommenden Jahre nach dem 1. Mai(jetzt) eine Rundfrage bei den Mitgliedern zu halten, ob der 1. Mai gefeiert worden sei, und ob Aus- Sperrungen vorgekommen seien, um auf Grund dieses Materials im nächsten Jahre evtl. einen definitiven Beschluß über diese Frage zu fassen. Lerlin und dmgcgend. Die Polizei in Wahrnehmung von Unternehmerinteressen. Gesperrt für einen Teil des Publikums ist die Weberstraße. lind warum? In der Pianofabrik von Marquardt, Weberstr. 13, waren Lohndifferenzen ausgebrochen wegen einer weiteren Teilung der Arbeit und der damit verbundenen Re- duzierung der Akkordpreise, gegen welch letztere sich die Arbeiter sträubten. Eine Einigung konnte deshalb nicht erzielt werden, doch war es noch nicht zu einer Arbeitseinstellung gekommen. Die Arbeiter hatten nun die Absicht, so wie in vielen anderen Betrieben den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Als dies dem Unternehmer bekannt wurde, entließ er bis zum 30. April samt- liche Arbeiter, ohne sich in weitere Verhandlungen einzulassen, und bemüht sich nun, Ersatz für die Ausgesperrten heranzuziehen. Um nun die Arbeitswilligen über den Sachverhalt aufzuklären, haben die ausgesperrten Arbeiter, wie üblich, Streikposten aus- gestellt. Dieser Umstand genügt nun der Polizei, den Aus- gesperrten auf Verlangen des Unternehmers den Aufenthalt in der Weberstraße einfach zu verbieten. Wer bei den dort patrouillierenden Schutzleuten den Eindruck erweckt, als ob er zu den ausgesperrten Arbeitern gehöre, wird aufgefordert, sich schleunigst zu entfernen. Geschieht dies nicht in dem schnellen Tempo, wie einzelne Schutzleute dies wünschen, so wird der Be- treffende nach der Wache gebracht. Man geht noch weiter und sagt demselben, wenn er sich noch einmal in der Weber st raße blicken lasse, würde er sofort wieder fe st genommen und 24 Stunden ein- gesperrt werden. Von wem die Schutzleute derartige In- struktionen haben und auf welche Gesetzesbestimmungen sich die Polizei dabei stützt, geht natürlich den Passanten nichts an, der in solcher Weise behandelt wird.„Das Streikpastenstehen ist hier verboten! Merken Sie sich das!" Das ist das einzige, was die Schutzleute zur Aufklärung sagen. Es geht offenbar die Polizei nichts an, wenn zum wiederholten Male das Reichsgericht ent- schieden hat, daß ein Verbot des Streikpostenstehens u n- gesetzlich ist. Dem humanen Arbeitgeber Marquardt genügt aber das Vorgehen der Polizei noch nicht. Im Hause Weberstraße 13 liegt das Schanklokal von Erdner, wo die Ausgesperrten bisher verkehrt haben. In seiner Menschenfreundlichkeit hat sich Herr Marquardt die größte Mühe gegeben, den Inhaber dieses Lokals dahin zu bestimmen, keinen seiner ausgesperrten Arbeiter in seinen Räumen weiter zu dulden. Hier fand er allerdings nicht ein solches Entgegenkommen wie bei der Berliner Polizei. Leider haben sich schon verschiedene jener Elemente ein- gefunden, die dem Unternehmertum in seinem Kampfe gegen die Arbeiter Helferdienste leisten. Zuzug ist deshalb fernzuhalten. Kein Arbeiter, der auf Ehre hält, darf den aufs Pflaster ge- worfenen Arbeitern in den Rücken fallen. Kostümschneiderbewegung. Der Tarif der Kostümschneider ist endgültig abgeschlossen und auf dem Gewerbegericht durch die beiderseitigen Vorstände nieder- gelegt worden. Bei der Firma August L ü d er s, Friedrichstraße, wurde vorige Woche am Dienstag nochmals wegen Anerkennung des Tarifs gestreikt. Gegenwärtig befinden sich die Damenschneider und Schnei- derinnen der Firma Anna Bohn, Friedrichstraße 205, die nicht dem Arbeitgeberverband angehört, im Streik und ist dieses Geschäft für Kostümfchneider gesperrt. In der Linienstraße 201z hat ein Herr V o ß eine Werkstatt errichtet, lediglich zu dem Zweck, um Streikarbeit für auswärts anfertigen zu lassen. Auch diese Werkstatt ist gesperrt._ Die Firma Berliner Wurst- und Fleischwarenfabrik(Karl Leske), Petersburger Platz 8, erklärt in Nr. 106 des„Vorwärts", Verantw. Redakt.: LarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw. daß sie keine Ahnung gehabt habe, daß der entlassene Geselle Vertrauensmann des Verbandes gewesen sei. Demgegenüber bemerken wir, daß der Entlassene über 13 Monate bei der Firma als Vertrauensmann fungierte; eigentümlich, daß davon die Firma nie etwas erfahren hat; zumal dort des öfteren„Gelbe" beschäftigt waren, die sich bemühten, die Organisierten direkt herauszuekeln. Ferner sei bemerkt, daß der Entlassene die Stelle vom Nachweis des Verbandes erhalten hat. Anfangs des vorigen Jahres gab die Firma auf wiederholtes Drängen der Organisa- tion im Beisein eines Vertreters der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine das Versprechen ab, den Nachweis der Organisation möglichst zu berücksichtigen, was leider schnell wieder vergessen wurde. Die Erklärung der Firma, die Entlassung sei ordnungsgemäß erfolgt, ist nicht sehr geistreich. Dem Organi- sationsvertreter Bergmann sagte Herr Leske seinerzeit, daß der Entlassene seine Arbeit zur Zufriedenheit der Firma gemacht habe, ja man habe ihm sogar freiwillig Lohnzulage gegeben. Auf die Frage, warum dennoch die Entlassung erfolgt sei, erklärte Herr Leske, man könne doch nicht ewig zusammenbleiben. Weiter erklärte Herr Leske, lieber wolle er zugrunde gehen als nachgeben, so etwas gebe es aus keinen Fall. Er sei Chef und lasse sich keine Vorschriften machen. Unangenehm ist der Firma das immer stärkere Eindringen der Organisation, wenn auch die Firma das Gegenteil behauptet. Organisierte Gesellen verlangen geregelte Verhältnisse. Die Arbeitszeit ist bei der Firma Leske eine sehr ausgedehnte, es ist keine Seltenheit, wenn abends um 11 Uhr und später noch ge- arbeitet wird. Auch über die Logisverhältnisse wird Klage geführt. Daß die Gesellen keinen Hausschlüssel erhalten und der Portier auch noch gern etwas fürs Schließen haben will, sei nur nebenbei bemerkt. Die Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Fleischer. Einen schönen Erfolg erzielten die organisierten Bäcker- gesellen von Henningsdorf bei Berlin mit ihrer am 1. Mai abgeschlossenen Tarifbewegung. Bei den Verhandlungen gelang es, die bisherige wöchentliche Arbeitszeit von 77 Stunden um 7 Stunden zu verkürzen sowie den Minimal- Wochenlohn um 2M. pro Arbeiter zu erhöhen. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt nunmehr 70 statt früher. 77 Stunden, während der Mindestlohn 2o M. statt früher 23 M. beträgt. Gleichzeitig aber wurde der wöchentliche 36 stündige Ruhetag in der Weise festgelegt, daß in der Woche nur sechs Arbeitsschichten gearbeitet werden soll, während früher in 14 Tagen 13 Arbeitsschichten verlangt wurden. Nur in etwaigen, plötzlich eintretenden Notfällen kann ausnahmsweise sieben Schichten in der Woche gearbeitet werden, wenn in der darauffolgenden Woche ein Ausgleich stattfindet.— Diesen schönen Erfolg verdanken die organisierten Bäcker von Hennigs- dorf wiederum ihrer guten, straffen Organisation. Doch soll nicht unerwähnt bleiben, daß die soziale Einsicht der Bäckermeister von Hennigsdorf, die allerdings der Mehrzahl unserer Berliner Bäcker- meister, besonders aber unseren Bäckerinnungen als Muster vor Augen geführt werden kann, die Verhandlungen sowie den schnellen Abschluß des Tarifvertrages, der bis 1912 währt, ge- fördert hat. DeutWies Rcfch. Die vereinigten Strickwarenfabrikanten in Mühlhausen i. Th. haben offenbar nur Schreckschüsse abfeuern wollen, als sie allen Mitgliedern des Textilarbeiterverbandcs zum 15. Mai kündigten, weil die Arbeiter der Firma Louis Hirsch die Maifeier durch Arbeitsruhe begingen. Die Unternehmer geben bekannt, daß sie die Mndigung nur„zwecks Ueberlegung weiterer Maßnahmen" allgemein gehalten haben. Sie wollen es jetzt bei einer Aus- sperrung bewenden lassen, indem alle pem Textilarbeiter- verbände angehörigen Arbeiter und Arbeiterinnen vom 15. bis 21. Mai nicht zur Arbeit zugelassen werden sollen. Vielleicht überlegen sich die Unternehmer auch Viesen Schritt noch einmal. Diese Maifeier-Aussperrung würde doch sehr post lestum kommen. Streikbrecher als Revolverhelden. Aus Anlaß eines Streiks in Mühlheim schoß der Arbeits- willige Kretzschmar, der von einer Herberge in Frankfurt a. M. geholt war, in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend ohne jede Veranlassung mehrere Male auf einen Streikposten, traf aber einen Unbeteiligten und verletzte ihn schwer am Oberschenkel und Arm. Der Revolverheld wurde verhaftet, die Waffe beschlag- nahmt. Beim Verhör gestand er ein, daß er nicht die geringste Veranlassung zum Schießen gehabt habe. Zwei Streikende desselben Werkes waren wegen Belästigung Arbeitswilliger am Freitag, den 7. Mai, vor Gericht geführt, sie wurden aber freigesprochen, weil ihre Schuldlosigkeit feststand. Die Bewegung der Mainzer Brauereiarbeiter. Am 4. Mai legten die Arbeiter in der Brauerei G r.-G e r a u und am 7. Mai 70 Arbeiter der Mainzer Aktienbrauerei die Arbeit nieder. Der Kampf in Mainz wird voraus- sichtlich einer der schwersten Kämpfe in der Brauindustrie, soweit die Mittel in Betracht zu ziehen sind, die von der Brauerei- arbeiterorganisation aufgewendet werden, um dieses Scharf- machertum zur Einsicht zu bringen. Seit Oktober 1905 besteht ein Tarifvertrag für die Mainzer Brauereiarbeiter. Er brachte gegen früher wohl Verbesserungen, aber entsprechend dem Orga- nisationsverhältnis der Arbeiter keine durchgreifenden. Weit steht Mainz mit seinen tariflichen Verhältnissen noch hinter Städten gleicher Größe, ja noch hinter kleinen Orten zurück. Wie sehr, zeigt eine Gegenüberstellung der tariflichen Löhne in Mainz mit den in der Nachbargroßstadt Frankfurt a. M., nach dem dort im März 1905 zwischen der Brauereivereinigung und dem Brauereiarbeiterverband abgeschlossenen Tarif. Danach sind die Löhne in Frankfurt a. M. für Brauer, Böttcher, Bierfahrer. Maschinisten, Heizer und Handwerker gleichmäßlig 27 bis 30 M. pro Woche, für Hilfsarbeiter 22,50 bis 25 M., für Flaschen- kellerarbeiter über 18 Jahre 22 bis 25 M., unter 18 Jahren 18 bis 20 M., und in Mainz für Brauer, Mälzer und Küfer 25 bis 26,50 M., für Bierfahrer, Maschinisten und Heizer 22 bis 23,50 M.. für Handwerker 21 bis 22.50 M.. für Hilfsarbeiter über 21 Jahre 19,50 bis 21 M. Für Hilfsarbeiter unter 21 Jahren und Flaschenkellerarbeiter behielt sich das Unternehmertum die „freie Vereinbarung" vor. Angesichts dieser Verhältnisse ist es erklärlich, daß die Brauerei- arbeiter bei Ablauf des Tarifes, am 1. Oktober 1908, denselben am 1. Juli 1908 kündigten, um Verbesserungen zu erstreben. Auf die eingereichten Forderungen beschränkten sich die Unternehmer darauf, daß sie durch ihren Syndikus erklären ließen: Es gibt nichts, solange nicht die Brausteuerfrage erledigt ist. Die Ver- treter des Brauereiarbeiterverbandes beantragten dann, wenigstens die meistens auf den ganzen Sonntag ausgedehnte Sonntagsarbeit zu regeln und die allergröbsten Mißstände zu beseitigen, dann sollte die Tariffrage und Regelung der übrigen Punkte verschoben werden. Auch hierauf hatten die Unternehmer ein glattes Nein! Der Vorsitzende der Mainzer Brauereivereinigung, Direktor der Aktienbrauerei Dr. Jung, hat sich in der Versammlung der Mainzer Handelskammer für die Brausteuererhöhung aus- gesprochen: jetzt spielt man sie gegen die Forderung der Arbeiter ausl Dabei sind die Brauereien sich längst darüber einig, die Mehrbelastung auf die Konsumenten abzuwälzen. Mit der Vorschiebung der Brausteuererhöhung will man dem Publikum nur Sand in die Augen streuen. Die Unternehmer haben die Dinge auf die Spitze getrieben, gestützt auf den Boyhottschutzverband deutscher Brauereien, der ja durch seine Unterstützung jede Aus- beutung und Scharfmacherei deckt. Zuzug von Brauereiarbeitern ist von Mainz fernzuhalten! th. Glocke» Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr-u. Verlagsanstall Der Ausstand der Kölner Kostümschneider ist zugunsten der Arbeiter beenbet. Die von der Firma Hirsch u. Co. gemaßregelten Schneiderinnen werden wieder eingestellt, und zwar zunächst in erstklassigen Geschäften, bis das Schiedsgericht darüber befunden hat, ob die Schneiderinnen von jener Firma wieder eingestellt werden müssen oder in den Geschäften bleiben, die sie jetzt ein- gestellt haben. Achtung, Linolcumarbeiter! Durch Inserate in Berliner Blättern sucht das Bremer Linoleumwerk„S ch! ü s s e l m aj; k e", Delmenhorst, 60 bis 70 Arbeiter heranzulocken. Lasse sich niemand nach hier anwerben, denn die Arbeiter dieser Firma befinden sich seit sechs Wochen im Streik. Zudem sind die Arbeits- Verhältnisse in dieser Fabrik äußerst miserabel. Der Zuzug ist nach wie vor streng fernzuhalten. Arbeitswilligkeit und Arbeitsfähigkeit. Daß diese beiden sich selten zusammenfinden, muß jetzt auch die Firma Saalfeld in Helmstedt lernen. Ein Glück nur für die beiden Firmeninhaber, daß sie sich in einem Alter befinden, welches sie die bei dem jetzigen Streik erhaltene Lehre später noch nutzbringend verwerten läßt. Bis jetzt ist nämlich zu konstatieren, daß die von den aus Berlin importierten gelben Streikbrechern ge- lieferten wenigen Arbeiten fast durchweg von der Kundschaft als unbrauchbar wieder zurückgeschickt worden sind. Und das ist auch gar nicht anders möglich. Haben wir doch neulich erst berichtet, daß sich bei den Helmstedter Streikbrechern die Mehrzahl derer befindet, die erst vor 6 Wochen als Streikbrecher bei der Firma Aschbacher in Zürich fungiert haben. Dort arbeiten von der ganzen Gesell- schaft von 60 Mann zurzeit noch ganze acht und auch unter diesen hat sich noch die dortige Polizei veranlaßt sehen müssen. Auslese zu halten, weil diese mit den bürgerlichen Rechts- und Eigentumsverhältnissen in Kollision geraten waren. Dasselbe ist jetzt auch schon in Helmstedt zu verzeichnen, indem einer der kecksten dieser Burschen polizeiliches Gewahrsam dafür beziehen mußte, daß er sich in Stendal ein Fahrrad unrechtmäßigerweise zugeeignet hat. Und diese Gesellschaft ist selbst dem Bürgermeister von Helm- stedt, Herrn Schönemann, nicht zu schlecht, den Streikenden ihre Gemeinschaft anzubieten. Am 1. Mai machte er nämlich 6 der Streikenden, die er hatte laden lassen, den Vorschlag, daß er Unter- Handlungen einleiten wolle, führte aber aus, daß Bedingung der Firma S a a l f e l d datür wäre, daß nur 70 von den Streiken- den wieder eingestellt würden, diese sich aber auch noch verpflichten müßten, dem gelben Handwerkerschutzverband beizutreten. Das Anerhieten wurde natürlich lachend zurückgewiesen. Aber daß sich der oberste Beamte der Stadt getraut hat, dies überhaupt zu ver- suchen, erklärt zugleich den im Interesse der Firma Saalfeld über Helmstedt verhängten Belagerungszustand und das absolut unbc- gründete rigorose Vorgehen der Polizei gegen die ausständigen Holz- arbeiter. An eine Einschüchterung derselben ist jedoch nicht zu denken. Nur das Ersuchen wird von ihnen wiederholt, den Zuzug von Holzarbeitern aller Branchen nach Helmstedt strengstens fernzu. halten._ Die streikenden Steinarbcitcr von Sriegau hielten Tonners- tag mittag eine Versammlung ab, uni über den Stand der in Aus- ficht gestellten Verhandlungen von der Lohnkommission den Be- richt entgegen zu nehmen. Der Vorsitzende führte aus: Die lln- ternchmer hätten vorige Woche geschrieben, daß sie geneigt wären, in Verhandlungen einzutreten. Er habe sofort geantwortet, daß die Arbeiter ebenfalls jederzeit zu verhandeln bereit seien. Hierauf sei am Mittwoch ein Schreiben der Unternehmer eingegangen, das die Arbeiter aufs höchste erbittern mutz. Die Unternehmer ver- langen nämlich, daß die Arbeiter eines jeden Betriebes 6 Mann wählen sollen, aus diesen 6 will sich jeder Unternehmer 2 heraus- fuchen, mit denen er dann verhandeln will. Die schamlose Zu- mutung wurde aufs ichärfite zurückgewiesen. Einmütig kam zum Ausdruck, entweder Verhandlungen mit der L ohn k om ni: s- s i o n oder gar keine. Es muß hierbei in Betracht gezogen werden, daß es Bctnebe gibt, wo sämtlichen Arbeitern die Entlassung aus- gestellt ist. Wenn nun 6 solcher Entlassenen gewählt würden und sie wären Km Unternehmer nicht genehm, dann lvürdc er sagen: diese Leute arbeiten ja nicht mehr bei mir, wählt sechs andere. Es gehört die ganze Unverfrorenheit eines Geldprotzen da« zu, eine solche Bedingung zu stellen. Selbstverständlich stellt auch Me Behörde, die in anderen Städten vermittelnd eingreift, sich auf Seiten der Unternehmer. Wegen der acht Stcinbruckbesitzer wird der Beginn der Kanalisation fortwährend hinausgeschoben, damit dieSchachtmei st erkeineStreikendenbe schäftigen können. Der Streik dauert unverändert fort. Sein Ende ist durch das Vorgehen der Unternehmer in weite Ferne gerückt. Folgende„Berichtigung" erhalten wir unter Hinweis auf den Paragraph 11 des Preßgesetzes: „Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Firma Richard Saalfeld zu Helmstedt einen zehnprozentigcn Abzug auf alle Tarifpreise machen wollte resp. gemacht hat. Es wurden nur in einigen Zweigen des Betriebes bei Vorgabe von meh- reren Stücken auf einmal, im Gegensatz zu früherer Einzel- Anfertigung, einige Preise entsprechend ermäßigt, woraus beiden Teilen ein Nachteil nicht erwachsen ist. Unrichtig ist auch, daß sich die Firma Richard Saalfeld eines Kontraktbrucheö schuldig gemacht habe, vielmehr ist durch Urteil des Helmstedter Gewcrbegerichts 51ontraktbruch auf feiten der Arbeiter festgestellt worden. Hochachtend Richard Saalfeld.". In dieser„Berichtigung" gibt die Firma selbst zu, daß sie in„einigen Zweigen des Betriebes... einige Preise entsprechend ermäßigt" hat. Wenn dies einseitig, ohne Zustimmung des anderen Kontrahenten, geschieht, ist es Tarifbruch. Und wenn das Gewerbegericht in Helmstedt anders entschied, kam es zu einem Fehlspruch._ Letzte INfachrichtcn und Depefeben. Vom Sturmwind in den Bach geschleudert. Göttingen, 8. Mai.(B. H.) Im Dorfe Scheren schleuderte ein Sturmwind einen Kinderwagen mit zwei Kindern in eine» tiefen Bach. Bride Kinder sind ertrunken. Nnwctterschädc» in Ungarn. Budapest, 8. Mai.(W. T. B.) Der Witterungsumschlag hat dem ganzen Lande heftige Schneefälle und kalten Regen gebracht. Aus den südlichen Landesteilen treffen Berichte über große Hagel- schläge ein. Frost und Reis haben in vielen Gegenden die Früh- sommcrsaaten und das Obst vernichtet und in den Mais- und Rübcn- pflanzungen Schaden angerichtet. 300 Seeleute in den Ausstand getrete». Paris, 8. Mai.(W. T. B.) Aus St. Nazaire wird ge- meldet, daß 309 Leute der Bemannung von 4 Postdampfern der Company Transatlantique in den Ausstand getreten find. Sie verlangen unter anderem Lohnerhöhung und einen wöchentlichen Ruhetag auch zu Lande._ Aus dem Erdbrbengebiete. Mesfiua, 8. Mai.(B. H.) Heute morgen gegen lIS Uhr wurden mehrere starke Erdstöße in Rcggio und anderen Orten Kalabricns und Siziliens wahrgenommen. Die Bevölkerung flüchtete in großer Er- regung aus den Hänsern, da man weitere Erdstöße besürchtet. Mehrere Gebäude sind eingestürzt, Verluste an Menschenleben find indessen nicht zu beklagen.____ Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen. i,.»7. R. mm i AeilU des JoiroMs" Kerlim JolksWiitt. � 9»« M». Die Verkürzung der Hrbeltszeit durch die Gewerklchafteu. In unserem Artikel in der Nummer vom 1. AZai haben wir untersucht, welche Erfolge die einzelnen Arbeiterorganisationen in dem schweren Kampf um die am meisten umstrittene Bestimmung des Arbeitsvertrages errungen haben. Wir koimien nachweisen, dag im Verlauf der letzten 20 Jahre die Gewerkschaften eine Reihe bedeutender Erfolge errungen haben. Im folgenden soll dieser Nachweis noch für eine Reihe weiterer Berufe geführt werden, ohne daß auch mit dieser Untersuchung Vollständigkeit erreicht werden kann. Wir beginnen mit der Organisation der Müller. Die längsten Arbeitszeiten in Deutschland wurden anfangs der ISSver Jahre sowohl durch die gewerkschaftliche Organisation. so durch Gen. K ö p p l e r, wie durch eine Erhebung der Reichs- kommission für Arbeiterstatistik in den Mühlen festgestellt. In einem großen Teile herrschen die 18stündige und auch noch längere Arbeitszeiten. Die Organisation ist ununterbrochen bemüht, die Arbeitszeit hinunterzudrücken. Nach einer im Jahre 1306 heraus- gegebenen Statistik A. Remmeles über„Die Lage der Mühlenarbeiter Deutschlands" war eine Arbeitszeit von 12 und weniger Stunden für 5148 Arbeiter durchgesetzt. 12 bis 14 Stunden mußten noch immer 1394 Müller arbeiten, längere Arbeitszeiten wurden für 385 festgestellt, darunter für 57 Arbeits- zeiten von 24 und niehr Stunden. Der Kampf der Müller um den Zehnstundentag ist jetzt nur infolge der schlechten Konjunktur zcitwerse unterbrochen worden. Brauereiarbeiter. Vor 23 Jahren gehörten die Brauer zu denjenigen, die die längsten Arbeitszeiten aufzuweisen hatten. 13— 14stündige Arbeitszeit nach Abrechnung aller Pausen, aber auch noch längere Ar- bcitszeiten blieben bis zur Mitte der 1893er Jahre in Deutsch- land die Regel. In langjährigen, eigenartig geführten Kämpfen setzte die Organisation die Arbeitszeit auf 11 Stunden, zum Teil auf 13 Stunden herunter. Heute ist die 13stündige Arbeitszeit das nächste Ziel dieser Gewerkschaft,„ohne allerdings die weitere Verkürzung der Arbeitszeit auf 8 Stunden im Tage oder 48 Stunden in der Woche für alle in den Brauereien und verwandten Betrieben beschäftigten Arbeiter aus dem Auge zu lassen". Seit 1898 wurde für 51 346(zum Teil freilich bei mehreren Lohn- bewegungen doppelt gezählten) Personen eine Verkürzung der Ar- beitszeit durchgesetzt von 12 189 364 Stunden. Das ist eine Vcr- türzung von rund 143 Stunden im Jahre für den einzelnen Ar- beiter, wobei zu beachten ist, daß diese Organisation neben anderen mannigfachen Vorteilen auch den aufzuweisen hat, daß sie für eine ganz erhebliche Zahl von Arbeitern auch Urlaubszeiten er- reicht hat. Daneben auch noch die Bezahlung der Arbeiter, die auf kürzere Zeit zum Militärdienst eingezogen sind. Maler. »Der Einfluß unserer Organisation auf die. Regelung des Lohn- und Arbeitsverhältnisses durch Tarifverträge" ist ein im Jahre 1937 erschienenes Buch der Vereinigung der Maler, Lackierer, Tüncher. Weißbinder und Anstreicher Deutschlands überschrieben. Das für unsere Darstellung bc- deutungsvollste Ergebnis ist, daß die stärkste Gruppe der Maler usw., nämlich 18832, den 9-Stundentag, die zweitftärkste Gruppe, 11125, den 13-Stundentag, die drittstärkste Gruppe, 8871, den 9�- Stundentag. weitere 163 den 9-Stundentag errungen haben, während bloß noch 323 eine längere Arbeitszeit als 13 Stunden hatten. Als Ergebnis der im Jahre 1938 abgeschlossenen Tarif- Verträge ist festzustellen: bei einem Tarife 52 Stunden, bei 6 Tarifen 53 Stunden, bei einem Tarif b3'/b Stunden, bei zwei 54 Stunden, bei drei 55 Stunden, bei einem 55� Stunden, bei acht 56 Stunden, bei einem 56Vb Stunden, bei fünfzehn 57 Stun- kleines feuilleton. Der Erdbebenmelder des Pater Maccioni. Die Erfindung des Pater Maccioni. Direktors des Observatoriums von Siena, mit der wir uns schon beschäftigt haben, wird in einem Interview der.Tribuna" vom 6. Mai in ihren Einzelheiten dargelegt. Pater Maccioni er- Hart, daß er seit Jahren durch das„Vorgefühl" des Erdbebens, das bei verschiedenen Tieren beobachtet wird und durch das plötzliche Erwachen der Menschen vor dem Erdbeben aus den Gedanken ge- kommen sei, daß den mechanischen Wellen Wellen anderer Natur voraufgehen müßten, die im Nervensystem eine Reaktion auslösen. Bestärkt wurde seine Ansicht durch eine persönliche Er- fahrung, die ihn am 26. Juni 1333 jäh aus dem Schlaf er- wachen ließ, wenige Minuten vor dem Eintreten eines Erdbebens in Siena. Er kam zu der Hypothese, daß die voraufgehenden Wellen elektromagnetischer Natur seien und versuchte, sie durch einen Kohärer zu registrieren. In diesem Instrument werden unter dem Einfluß schwachen Stromes die zur Stromuntcrbrcchung eingeschalteten Substanzen elektrizitälleitend. Der Pater konnte keins der be- stehenden Instrumente benutzen, da keins empfindlich genug war. Jetzt hat er sich selbst einen Apparat konstruiert, der schon zweimal vier Minuten vor der Registrierung der mechanischen Wellen durch die Seismographen die elektromagnetischen Wellen anzeigte I Theoretische Erwägungen bestimmen Maccioni, die Existenz elektromagnetischer Wellen nur für Erdbeben vulkanischen Ursprungs anzunehmen. Dies würde der praktischen Bedeutung des Apparates bedeutenden Abbruch tun. Wenn man aber bedenkt, daß doch auch bei Erdbeben tektonischen Ursprungs dasselbe Vorgefühl bei Tieren beobachtet wurde, so erscheint als wahrscheinlich, daß auch hier den mechanischen Wellen andere voraufgehen. Von großer praktischer Bedeutung ist dagegen der Umstand, daß Maccionis Apparat nur bei Erdbeben in Funktion tritt, deren Epizentrum in geringer Entfemung liegt. Um die Bedeutung deS zu erwartenden Stoßes messen zu können, bedient sich Maccioni einer Reihe von Kohärer von verschiedener Empfindlichkeit. Musik. Neues königl. Opern-Theater. Russisches Ballett. Seit Donnerstag tritt— wie schon im Vorjahre— im Neuen königl. Opern-Theater(Kroll) das kaiserlich russische Ballett vom St. Petersburger Marien- Theater auf. Ueber die erste am Mittwoch in einer Art Generalprobe vorweggenommene Anffübrung von«Harlekins Millionen", über die zweite Aufführung von„ S ch w a n e n s e e" und über das jedesmal zum Schlüsse gegebene„Divertissement" könnten wir manches erzählen: nicht zugunsten dessen, der das erstgenannte— um so mehr zugunsten dessen, der das zwcitgcnannte Ballett komponiert hat. Es ist G. Tschakkowski, den seit langem auch die deutsche Musikwelt verehrt. In welchen Dienst hat er hier sein reiches Können gestellt! Aber das russische Theater beschäftigt nun einmal eine ganze Armee von Künstlerkrästen und begründet ihre Bildung durch ein vielleicht in der Welt nicht wieder zu findendes System liinstlerischer' den, bei zwei 58 Stunden, bei acht 59 Stunden, bei fünf 59'/� Stunden und bei 45 63 Stunden. Steinsetzer. Der Verband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgenosscn Deutschlands schließt seine letzte Darstellung über die Entwickc- lung des Verbandes mit den Worten: Wir werden also nicht eher rasten und ruhen können, als bis wir das uns gesteckte Ziel: die achtstündige Arbeitszeit und 1 M. Stundenlohn— unser vorläufiges Existenzminimum— erreicht haben. In einer ausführ- lichen Tabelle gibt dieser Bericht ein Bild von der EntWickelung der täglichen Arbeitszeit von der Gründung der betreffenden ZaWelle für jedes folgende Jahr bis 1936. Da sehen wir viel- fach 11— Ästündige Arbeitszeiten, auch 12stündige—- ja selbst 13stündige in den Gründungsjahrcn. Aber wir sehen, wie am Ende der Periode die Arbeitszeiten über 13 Stunden nur noch ausnahmsweise in Erscheinung treten und wie ebenso häufig Ar- beitszeiten unter 13 Stunden, ziemlich stark verbreitet die neun- stündige zu finden sind. Für das Jahr 1937 wird der Bericht er- gänzt durch die Feststellung, daß für 945 Beteiligte eine wöchent- liche Arbeitszeitverkürzung von 3643 Stunden erzielt wurde. Steinarbeiter. Bei der Erörterung der Verhältnisse der Holzarbeiter und der Glaser haben wir schon das baugewerbliche Gebiet berührt. Unter den Bauarbeitern haben die S a n d st e i n m e tz e n den gesetzlichen Neunstundentag errungen, der ihnen sicherlich ohne die unermüd- liche Arbeit der Arbeiterorganisation niemals gekommen wäre. Freilich stellt die Organisation fest, daß noch in kleinen Geschäften über den Neunstundentag gearbeitet wird. Abgesehen von den Sandsteinmetzen herrscht die zehnstündige Arbeitszeit für die übrigen Steinarbeiter vor. Von den 19 962 organisierten Steinarbeitern arbeiteten im Jahre 1937 9,26 Proz. 8 Stunden, 3,9 Proz. 8� Stunden, 36,28 Proz. 9 Stunden, 2,24 Proz. 9sb Stunden, 45 Proz. 13 Stunden und 3,53 Proz. mehr wie 13 Stunden. Es arbeiteten also 51,38 Proz. weniger wie 13 Stun- den und nur ein ganz geringer Bruchteil über 13 Stunden. Auch hier ist die Verkürzung der Arbeitszeit die Konsequenz des ge- werkschaftlichen Kampfes und der gewerkschaftlichen Organisation. Von den Sandsteinarbeitern, die den gesetzlichen Neunstundcntag haben, haben 1243 den achtstündigen Arbeitstag durch die Gewerkschaft errungen, 272 haben den 8(.bstündigen, 631 den neunstündigen Arbeitstag, so daß man auch hier feststellen kann, daß über sieben Zehntel der Arbeiter durch ihren Zusammen- schluß zu einer Kampfesorganisation eine kürzere Arbeitszeit den Unternehmern abgetrotzt haben als sie von der Gesetzgebung als zulässig bezeichnet wurde. Wir sehen also auch hier, daß die ge- setzliche Feststellung des Arbeitstages den Kampf um die Ver- kürzung der Arbeitszeit in keiner Weise zum Stillstande kommen läßt. Selbst im Jahre 1338, das ein überaus schweres Kriscnjahr für die Steinarbritcr war, wurden doch für 268 Arbeiter Arbeits- zeitverkürzungen von einer halben bis drei Stunden wöchentlich durchgesetzt. Für drei- bis viermal mehr Arbeiter konnten in diesem ungünstigen Jahre Lohnerhöhungen erzielt werden, ein deutlicher Beweis dafür, daß Verkürzungen der Arbeitszeit viel schwerep abzuringen sind als Erhöhungen der Löhne. Aiegeleiarbeiter. Im Anschlüsse an die Steinarbeiter hätten wir die Verhält- nisse der Ziegeleiarbeiter einer Betrachtung zu unterziehen. Diese Arbeiter waren bisher außerordentlich schwer zu organisieren. Aus allen Berichten der Gcwerbeaufsichtsbeamten kann man feststellen, daß es um die Arbeitszeiten der Ziegeleiarbeitcr, auch um die der Arbeiterinnen und der jugendlichen Arbeiter, trotz des gesetzlichen Schutzes sehr schlecht bestellt ist. Auch das ist uns ein Beweis für den Zusammenhang der gewerkschaftlichen Aktion und der Ver- kürzung der Arbeitszeit. Im Jahre 1937 wurde in 83 Ziegeleien für 3592 Arbeiter und Arbeiterinnen eine Arbeitszeitverkürzung von zusammen 4554 oder von wöchentlich 4 Stunden im Durch- Schulen. Ganz besonders kommt dies der Erziehung fürs Ballett zugute. So sehen wir denn Tänzer und Tänzerinnen, in denen die Fertigkeit der Leibesbewegungen— speziell als eine„Jllustrierung" der Musik— zu einer einzigartigen Höhe durchgebildet ist. Wie verstehen sie es. ohne Pomp und Uebennaß mit den kleinsten Bewegungen das Schönste zu geben, ohne geometrische oder militärische Regelmäßig- keil das Künstlichste natürlich zu machen l Man ist entzückt, man wiederholt seine Anerkennung, und doch kann man's bald gründlich satt haben, wenn immer wieder die gleiche BeivegungSzier vor- gemacht wird. Hier stehen wir eben an der Grenze zweier Welten. Wir kennen jetzt die Fortschritte der Oper und zum Teil selbst der Operette zu dramatischer Kraft über vergangenen Singsang und Klingklang hinaus. Dürfen wir uns ein kurzes Aehnlichkeitswort erlauben, so können wir daneben beim Ballett von einem„Springsprang" sprechen. Nur ist das Ballett über ihn noch lange nicht so hinaus, wie die Oper über ihre Vergangenheit: und unsere russischen Gäste haben auch nicht die geringste Absicht, über's Alte hinaus- zukommen. Wir könnten nun historisch weit auSgreifen und schildern, wie die Tanzover ihren fürstlichen Ursprung und Fortgang hat, wie sie seit dem 16. Jahrhundert am französischen Hofe großgclvorden ist, � wie selbst Könige mittanzten, aber auch: wie längst schon selbst dort das echt menschliche Bedürfnis nach Sinn und Vernunft im Bewegungsspiele zu dramatischem Fortschritt gedrängt hat— wie man dann der„mythologischen" und der„historischen" Stoffe müde wird, wie England ein naturalistisches Gegenwarts-(„up to äste"-) Ballett versucht, wie man in Wien ähnliche Anläufe nimmt, und wie man in Berlin derlei eigentlich möchte und könnte und eigentlich doch nicht mag und kann. Daß sich endlich gerade die„Berliner Sezession" für daS Russenspiel interessiert, würde uns weiterhin Gelegenheit geben, über Optik und Lyrik auszuholen und ein wenig auch nach Geist und Drama zu fragen. Wir brechen ab; denn die Sache wird schließlich allzu ernst. Also: wer sehen will, was eine konzentrierte Schulung an kon- zentrierter Kunstfertigkeit auf der Oberfläche der künstlerischen' Welt erreichen kann, der mag seine soundsoviel Mark nehmen und mag schauen, wie die berühmte Anna P a w l o iv a als Colombine oder als Schwancnkönigin oder als sonst'was— darauf kommt's am wenigsten an— mit ihren Kollegen aus der Bühne herumkreist. Er wird vielleicht so fröhlich gestimmt, daß er nicht einmal mehr dem Orchester grollen kann. se. Humor und Satire. Bädeker für Hannover. Falle niemals auf das Pflaster in der Stadt Hannover hin, denn sonst naht in wilder Hast der Schutzmann mit entbranntem Sinn. Suche schleunigst zu entweichen, liege ja nicht frech im Sand. denn mit wohlgezielten Streichen straft man solchen Widerstand. schnitt errungen. So wenig Material uns über die Ziegelei- arbeiter vorliegt, so reichlich und weit zurückgehend sind die Fest> stellungen der Arbeitszeiten für die Maurer und für die Zimmerer, Gastwirtsgehilfen. Soweit sich die Gewerbeaufsichtsbeamten über- Haupt um die Durchführung per Gastwirtsgehilfenordnung küm, mern, was ja leider nur in höchst unzulänglicher Weise geschieht, klagen sie über die mangelhafte Durchführung dieser Gesetzes- bcstimmungcn und auch vielfach über das Unverständnis der Gast- Wirtsgehilfen selbst, die Durchführung dieser geringen Einschrän- kungen der Ausbeutung zu fördern. Doch zeigt sich auch das große Verdienst, das unsere Organisationen aufzuweisen haben, indem sie die auf Trinkgeld angewiesenen Gehilfen über die Bedeutung der Arbeitszeitverkürzung unterrichten. Die Zahl der Angestellten im Gastwirtsgewerbe, die auf einen regelmäßigen Ruhe- t a g nicht mehr verzichten mögen, mehrt sich von Jahr zu Jahr. Der Widerstand gegen allzu große Ausnützung der Arbeitskräfte nimmt zu, viele, und zwar die besten Mitglieder dieses Berufes bleiben nicht mehr in Stellungen, welche nicht wenigstens die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt haben. All das wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht gegen die für die Unternehmerinteressen wirkenden und von ihnen geförderten gelben und christlichen Organisationen die unseren schrittweise immer mehr an Terrain gewonnen und die Gegner zurückgedrängt hätten. Was man früher für un- möglich gehalten hat, das ist, wenn auch erst in vereinzelten Fällen geschehen, die Angestellten sind in den Streik getreten und haben die Unternehmer zur Nachgiebigkeit gezwungen. Ununterbrochen ha� die Organisation die Gastwirtsgchilfen über die Wichtigkeit uns die Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung aufgeklärt. Man hat die Betriebe systematisch überwacht, man hat die Gewerbe- inspektoren aus die Uebcrtreter der Bundesratsvcrordnung aus- merksam gemacht, man hat die Kenntnis des Gesetzes verbreitet und hat mit den gewerkschaftlichen Aktionsmitteln mehr zur Durchführung des ArbeiterschutzeS im Gast wirtsgehilfengewerbe beigetragen als sämtliche deutsche Polizeibehörden und Ge- wcrbcinspektoren. Und das trotz des Widerstandes in den Kreisen der Gehilfen selbst, trotz der großen Schwierigkeit, diese aufzuklären und die starken Einflüsse des Genfer Verbandes und der anderen gelben Organisationen zu überwinden. Es gibt Berufe, in denen die Voraussetzungen für die An- Wendung der gewerkschaftlichen Kampfmittel noch fehlen, weil die Arbeiter sich noch nicht zur selbstverständlichen Zugehörigkeit der Klassenkampforganisation durchgerungen haben, weil noch ein großer Teil der Berufsangehörigen unorganffiert ist und ein anderer erheblicher Teil noch Organisationen angehört, die unter dem Einflüsse des Unternehmertums stehen, und die abgehalten werden, die Arbeiterinteressen in richtiger Weise zu vertreten. Zu diesen Organisationen gehören in erster Linie die Gastwirts- gehilfen und in zweiter Linie die Handlungsgehilfen. Aber auch in diesen Berufszweigen merkt man Verkürzungen der Arbeits- zeit, die auf die Tätigkeit der Minoritäten von Berufsangestelltcn zurückzuführen sind, die unseren Organisationen angehören. Handlungsgehilfen. Was auf gesetzlichem Wege im Interesse der Ladenschluß- stunde der kaufmännischen Angestellten und im Interesse der Ruhezeiten der Gastwirtsgehilfen durchgesetzt wurde, wäre niemals zustande gekommen, wenn nicht die sozialdemokratischen Vertreter im Parlamente, die sozialdemokratische Presse un- ausgesetzt diese Forderungen erhoben hätten, die ein gesetzliches Einschreiten für dringend notwendig erscheinen ließen. Das Streben, den Neunuhr-Ladenschluß durch den Achtuhr-Laden- s ch l u ß zu ersetzen, der Kampf um die Sonntagsruhe im Handels- gelverbe ist vor allem auf die Angehörigen unserer Partei zurück- zuführen. Die Anwendung gewerkschaftlicher Kampfmittel ist im Handclsgewerbe wegen der zahlreichen kleinen Betriebe sehr er» Und man zieht dich aus dem Lehme, schleift dich nach der Wache hin, daß ein Strafbefehl bezähme deinen Rädelsführersinu. Und du mußt ins Kittchen steigen: Fünfzig Zeugen sind wie Mist gegen den Belastungszeugen, wenn derselbe Schutzmann ist. Ach, als Bürger lebt man power, was man innner treibt und ist—, unbehelligt in Hannover bleibt allein der Polizist. Franz. Wahre Geschichtchen. I» einer kleinen Stadt Westfalen?, in der vier Geistliche amtieren, sagte der Pastor am Schlüsse einer Predigt: „Und dann, meine Lieben, habe ich Euch noch was mitzuteilen: ich mag es nicht sagen, das Herz will mir brechen, ich kann es nicht sagen und doch, ich muß es sagen: Wiederum im letzten Jahre wurden hier 28 uneheliche Kinder geboren. Und das ist die Folge unserer seelsorgerischen Tätigkeit!" * ES war ökonomische Musterung vor dem Herrn Brigade- kommandeur, der sich eines kleinen Zungenfehlers erfreute. Zum Schluß hatte er die vorschriftsmäßige Frage zu stellen:„Hat jemand noch eine Forderung?... der trete vor I"— und begann diese freundliche Frage mit:„Hat je— Hat je—". Der Truppe war nun Tag für Tag cingeschäft worden, den eventuellen Gruß des hohen Vorgesetzten mit einem strammen und klappenden Gcgengruß zu er« widern. Eingedenk dieser Instruktion schallte a ternpo dem Fragenden die donnernde Gegenkundgebung entgegen:„Adje, Herr Generali" » „Ihr sollt doch den Feiertag in Frömnngkeit verbringen, nicht in Unterhaltung I" »Wir haben auch nur von Kirchendiebstählen gesprochen, Herr Pfarrer I" Exsultan Abdul Hamid.„Jetzt Hab' ich nur noch acht Frauen— ich komm' mir vor wie ein Witwer!" Dekorierung.(Königin von Holland, ihrem Gatten einen Orden unihängend):„Hier. lieber Heinrich, hast Du das neugestiftete Verdienstkreuz sür Prinzgemahle! Ich mache Dich übrigens darauf aufmerksam: es gibt noch eine höhere Klasse dieses Ordens!" („Jugend".) Galgenhumor. Der Zuchthansdirektor:„Sie sollen hier entsprechend Ihrem Beruf beschäftigt werden. WaS sind Sie denn im bürgerlichen Leben?" »Landstreicher, Herr Direktor."(„Lomio Out».") schwert. Wo der Großbetrieb sich durchgesetzt hat. so in den Warenhäusern, finden wir nicht selten Verkürzungen der Arbeitszeit, die auf unsere Organisation, auf den Zentral- verband der Handlungsgehilfen und°Ge hilfinnen Deutschlands zurückzuführen sind. Außer dem ist in einer Anzahl von Konsumvereinen durch Ver- trag mit unserer Organisation eine Verkürzung der Arbeitszeit erzielt worden. Hafenarbeiter. Die eigenartigen Verhältnisse des Verkehrsgewerbes et schweren den Hafenarbeitern den Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit, aber trotzdem sind sie ununterbrochen in dieser Richtung bemüht, wie die nachstehenden Angaben beweisen. Es wurden von dieser Organisation erreicht Arbeitszeitverkürzungen in den Jahren 1906—1908 für 9575 Beschäftigte und 37 027 Stunden pro Woche. Friseure. Die längsten Arbeitszeiten bestanden zur Zeit des Intet* nationalen Kongresses in Paris bei den Müllern, Bäckern. Friseuren und in einigen Transportgewerben. Noch in der ersten Hälfte der 1890er Jahre betrug die Zahl der wöchentlichen Arbeits- stunden der Friseure in Norddeutschland 100—105, in Süd- deutschland 94— 98. Sie begann um 6 Uhr morgens und währte an den fünf ersten Wochentagen bis 10 Uhr, an Sonnabenden bis 12 und 1 Uhr, ja noch länger nach Mitternacht, und am Sonntag bis 9 Uhr abends. Ein halber Nachmittag zweimal im Monat war die Ruhezeit. Noch im Jahre 1896 war in Berlin nach den Untersuchungen über die Lage des Handwerks, die der Verein für Sozialpolitik veranstaltete, die Arbeitszeit in den Barbier- geschäften Berlins 16 Stunden, oft wurde sie noch weiter aus- gedehnt. Aehnliche Verhältnisse wurden von einem bürgerlichen Gelehrten für München festgestellt. Auch heute ist noch die Ar- beitszeit sehr lang, aber die Sonntagsarbeit ist. stark ein- geschränkt worden. In einigen Orten wurde der Achtuhr- Schluß am Abend durchgesetzt. Vereinzelt wurde auch voll- ständige Feiertagsruhe errungen. Die Eroberung der ein- stündigen Mittagspause für die organisierten Gehilfen war schon ein großer Erfolg. Die durch Tarifverträge festgesetzten Arbeitszeiten sind für die Sommermonate 75—84, in einem Fall sogar 83 Stunden, für die Wintermonate 71�—84 Stunden. Bon dieser Zeit sind die freien Wochentagsnachmittage, nicht aber die zumeist einstündige Mittagspause, in Abzug gebracht. Wir sehen somit, daß auch hier, wo wir noch überaus lange Arbeits- zeiten haben, diese noch als beachtenswerte Fortschritte, die zu- meist der Organisation zu danken sind, anzusehen sind. Hutartzeitcr. Die Organisation der Hutarbeiter stellte im Jahre 1891 fest, daß Arbeitszeiten von 11 und 12 Stunden sehr häufig vorkamen und daß die Arbeitszeiten von 10 Stunden nur noch selten fest- zustellen sind. Einer Zusammenstellung des Zentral- Verbandes für alle in der Hut- und Filz- Warenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen für das Jahr 1908 ist zu entnehmen, daß in der Seiden- und Klapphutbranche die 8- bis 9stündige Arbeitszeit durchgesetzt wurde und daß fünf Sechstel der da Beschäftigten den Achtstundentag schon er- r u n g e n haben. In der H a a r h u t b r a n ch e hat die Halste die üstündige, ein Viertel die Ivstündigc Arbeitszeit. In der Strohhut- und Damen filz Hutbranche schwankt die Arbeitszeit zwischen 9— 10 Stunden; ein Fortschritt ist hier in der Beschränkung der Ueberstunden erreicht worden. In der Filzbranche hat die Hälfte der Beschäftigten die Sstündige Arbeitszeit. Seit 1890 ist in der gesamten Industrie, dank aus- schließlicher Organisation, eine Verkürzung der Arbeitszeit um täglich 1—2 Stunden erzielt worden. Lederarbeiter. Die Lederarbeiter erzielten in zähen und schweren Kämpfen vielfache Verkürzungen ihrer zur Zeit des Internationalen Kon- gresses zu Paris noch sehr ausgedehnten Arbeitszeiten. Nach ihrem letzten Bericht haben sie in den Jahren 1905— 1907 4624 Arbeitszeitverkürzungen von 22 905 Stunden in der Woche errungen. Schuhmacher. Sehr bedeutsame Erfolge unter oft sehr schwierigen Verhältnissen, die bestimmt waren durch den llebergang vom Handwerks- mäßigen Betriebe zur Fabrikindustrie und charakterisiert waren durch das Ueberhandneymen der ungelernten Arbeiter, haben die Schuhmacher erreich�. Für Ende 1907 wurde festgestellt, daß vereinzelt schon der Achtstundentag erzielt wurde, daß für 12 844 Arbeiter die Beschäftigungsdauer 8',h bis 9 Stunden, für 38 367 9sh bis 10 Stunden, für 11986 10— 11 Stunden und für 256 über 11 Stunden betrug. Wer die überaus langen Ar- beitszeiten kannte, die im Schuhmachergewerbe üblich waren, der wird schon in diesen Zahlen bedeutsame Erfolge feststellen. In den Jahren 1906 und 1907 wurden für 12 573 Schuhmacher und Arbeiterinnen Arbeitszeitverkürzungen von wöchentlich 45 996 Stunden erzielt. Im Jahre 1906 wurde pro Woche eine Arbeits- zeitverkürzung von 4 Stunden, im Jahre 1907 von 3 Stunden durchgesetzt. Im Jahre 1908 wurde ohne Streik für 1089 Organi- sierte die Arbeitszeit um 3567 Stunden und durch Streik für 976 Personen um 2207 Stunden wöchentlich erzielt. In den fünf Jahren 1905— 1908 wurden für 16 966 Schuhmacher 64 244 Stunden wöchentlich Arbeitszeitverkürzungen durchgesetzt. parlamentarisches. Die Weinsteuer in der Kommission abgelehnt. Abermals ist eine Steuervorlage der Regierung den Bach hinabgeschwommen. Mit 14 gegen 10 Stimmen svier Abgeordnete fehlten) ist die Weinsteuer nach langer eingehender Debatte ab- gelehnt worden.— Die früher eingesetzte Subkommission hat einen schriftlichen Bericht erstattet, in dem sie in erster Linie die Ablehnung der Steuer fordert. Aber sie hat doch mit der Möglichkeit einer Annahme gerechnet und für diesen Fall be- antragt, daß dann auch die alkoholfreien Getränke einer Steuer unterworfen werden. Für den Antrag der Subkommission, also für Ablehnung der Steuer, sprach zuerst der Zentrumsabgeordnete Dr. P i ch l e r. Er bezweifelt, daß zurzeit eine Möglich- keit, die Steuer auf die Konsunienten abzuwälzen, bestehe. Genosse Dr. David verweist auf die in Winzerkreisen herrschende ungeheuere Erregung. Die schwankende Haltung des Dr. P i ch l e r sei bezeichnend für die Zentrumspolitik. Der Schwächere würde immer die Steuer zu tragen haben. Und das sei, wie P i ch l e r sehr gut wisse, der Winzer und nicht der Händler. Die Abwälzung sei nur möglich, wenn der Winzer der wirtschaftlich Stärkere sei. Vom Zentrum sprachen noch Gröber und Speck gegen die Steuer. Letzterer bemerkt, daß es ihm unverständlich sei, wie der nationalliberalc Abgeordnete Sieg hier für die Weinsteuer habe eintreten können, während der Vertreter der national- liberalen Partei(Fuhrmann. D. B.) in der Subkommission dagegen gestimmt habe. Abg. Dr. R ö s i ck e. der bekanntlich in der Rheinpfalz ge- wählt ist, polemisierte gleichfalls gegen die Weinsteuer, während der ihm nahestehende Abgeordnete Raab von der Wirtschaftlichen Vereinigung dafüir plädierte und die Einführung als eine politische Notwendigkeit bezeichnete. Abg. Mommsen erklärt, daß die große Mehrzahl seiner Freunde für eine Weinsteuer zu haben sei, wenn ein Weg dafür zu finden sei. Den Weg, den die Regierung zu gehen wünsche, halte er nicht für gangbar, er werde deshalb, so leid es ihm auch tue, dagegen stimmen. Am Schlüsse der Debatte erklärten die Bundesratsvertrcter von Württemberg und Baden, daß ihre Regierungen dem Wein- stcuergesetz, wenn auch schweren Herzens, zugestimmt hätten. Bei der Abstimmung stimmten Zentrum, Sozialdemokraten, von den Freisinnigen die Abgeordneten Mommsen und Ahl- Horn, von den Nationalliberalen Paasch e, von den Bauern- bündlern R ö s i ck e gegen die Steuer. Auch der Abschnitt 5 der Regierungsvorlage, der von der Schaumweinsteuer handelt, wurde abgelehnt und dafür folgender Antrag Speck-Müller(Fulda) angenommen: I.§ 2 unter b des Schaumweinsteuergesetzes vom 9. Mai 1902 erhält folgende Fassung: b) für anderen Schaumwein und schaumweinähnliche Ge- tränke bei einem Preise der Flasche von nicht mehr als 2 M.: 0,50 M., mehr als 2 M. und nicht mehr als 4 M.: 1 M., mehr als 4 M. und nicht mehr als 6 M.: 1,50 M.» mehr als 6 M.: 2,50 M. für jede Flasche. II. Nach z 3 des Schaumweinsteuergesetzes wird folgende Bestimmung eingefügt: § 3a. Für die Höhe der Steuer(Z 2) maßgebend ist der Preis, zu dem der Schaumwein nach Einreckmmtg der Steuer vom Hersteller abgegeben wird; wird der Schaumwein unent- geltlich abgegeben, so beträgt die Steuer 1 M. für jede Flasche. III. Der Eingangszoll für Schaumwein beträgt 200 M. für 1 Doppelzentner. Dieses Gesetz tritt am 1. Oktober 1909 in Kraft. Tie Regierung hatte Satze von 20, 30, 50 Pf., 1, 2 und 3 M. vorgeschlagen. Tie Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion hatten sich bei dieser Frage der Abstimmung enthalten. Genosse David hatte erklärt, daß wesentliche Bedenken gegen die Schaum- weinsteuer nicht bestünden, weil hiervon die Winzer nicht be- troffen würden. Steuertechnisch müßten aber erhebliche Aus- stellungen gemacht werden. Mit Rücksicht darauf und weiter, daß unserseits ein Vorschlag auf eine allgemeine Vermögens- und Luxus- steuer gemacht worden sei, behalten sich die Mitglieder der Kom- Mission ihre endgültige Stellung im Plenum vor. Nächste Sitzung: Dienstag(Tabaksteuer). Hus der Partei. Hetzer das Verhältnis der Parteipresse zur Reichstagsfraktion finden wir im letzten Leitartikel der„Leipziger Volks- z e i t u n g", der an das bekannte Wort des„Berliner Tage- blatt" von der ,,P r i v a t l e i st n n g des Vorwärts" (anläßlich unserer Erklärung über die Stellung der Partei zur Erbanfallsteuer) anknüpft, die folgenden treffenden Aus- führuugen: Die bürgerliche Presse ist bekanntlich ein Geldgeschäft. Ein Verleger..macht" in Politik, wie ein anderer Unternehmer in Büchsenfleisch. Die Zeitung ist sein Privatbesitz, die Redakteure, die er engagiert, sind seine Kommis, die die Haltung des Blattes streng nach den Geschästsbedürfniffen des Unternehmers einzu- richten haben... Derartige Zeitungen haben mit den bürgerlichen Reichstags- fraktionen zunächst gar nichts zu tun, und was in diesen Blättern über die Haltung der parlamentarischen Vertretungen zu lesen ist, ist in der Tat lediglich die völlig gleichgültige..Privatarbeit" irgendeines völlig gleichgültigen Kulis, der morgen schon eiitlaffen wird, wenn er vielleicht durch derartige„Privatarbeit" die Ge- schäfisinteressen des ZeitungSfabrikanten verletzt hat. Man sehe sich beispielsweise selbst so„einflußreiche Weltblätter", wie das Berliner Tageblatt oder die Frankfurter Zeitung an. Ihr Ein- flutz auf die freisinnige Fraktio'nsgemeinschaft oder auch— um ein anderes Beispiel zu nehmen— der Einfluß der Kölnischen Zeitung auf die nationalliberale Reichstagsfraktion ist gleich Null. Aus der Not dieser totalen Einfluhlosigkeit versteht die bürgerliche Presse sogar eine Tugend zu machen, indem sie diese klägliche Ein- flußlosigkeit auf jede Fraktion in eine strahlende Unabhängigkeit von jeder Fraktion umlügt.... Anders ist es in der sozialdemokratischen Presse. Sie hat nicht die Aufgabe, einen Privatmann zu bereichern, sondern politische Aufklärungsarbeit zu leisten. Fast durchweg ist sie im Besitz der Arbeiterorganisationen, die ihre prinzipielle Haltung kontrollieren und an die ein etwaiger Ueberschuß abfließt. Die Redakteure sind nicht„Angestellte" im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches, sondern Vertrauensleute der Partei, an Rechten wie an Pflichten gleich» gestellt mit jedem anderen Vertrauensmann. Was sie in der Zeitung vertreten, ist nicht ihre„Privatarbeit", sondern Partei- arbeit, und, solange nicht dementiert, auch Parteiansicht. Daraus geht hervor, daß die Stellung der Parteipresse der Reichstags- fraktion gegenüber völlig anders ist, wie im bürgerlichen Lager. Die Reichstagsfraktion ist ebenso ein Organ der Partei, wie die Parteipresse oder die Partewereine, sie steht nicht über, sie steht nur neben ihnen, ihrer Kontrolle unterworfen. Sie kann ihre Aufgabe, die Interessen des Proletariats im Parlament zu ver- treten, nur lösen, wenn sie im mnigsten Zusammenhang mit den beiden anderen Elementen der Parteiorganisation lebt. Daher erklärt es sich auch, daß Differenzen zwischen der Partcipresse und den Parteiorganisationen auf der einen Seite, der Fraktion auf der anderen Seite io gut wie unbekannt sind in der Sozial- demokratie. In der Partei ist eben nicht wie bei den bürgerlichen Gruppen die Parlamentsfraktion eine über den Wolken schwebende, von allen irdischen Mängeln losgelöste Gottheit, sondern ein im engsten Kontakt mit den Parteigenossen stehendes und ihrer stetigen Kontrolle unterworfenes Organ der Partei, das sich die Richtschnur seiner Entschlüsse nicht, wie Politiker vom Schlage Junck und Mllller-Meiningen, aus den Zimmern der Minister oder auf Hintertreppen holt, sondern aus dem Willen der Gesamt- Partei. Das Organ aber, diesen Willen zum Ausdruck zu bringen, ist neben dem Parteitag die Parteipresse. Danach bemesse man, was es mit der„Privatarbeit" der sozialdemokratischen Presse auf sich hat. noch dazu wenn, wie der Vorwärts dem Berliner Tageblatt gegenüber konstatieren konnte, alle größeren Blätter der Partei einig sind in der vorliegenden Frage, welche Taktik die Sozialdemokratie gegenüber der Erbanfall- steuer anzuwenden hat._ Die Krönung. Aus Leuthners Artikeln in den beiden letzten Heften der „Sozialistischen Monatshefte" werden in der— „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom Sonn. tag lange Passagen abgedruckt und gegen die Sozialdemokratie verwendet.— Ehemniher Beweglichkeit. Die„Chemnitzer V o l k s st i m m e" schrieb in der Diens- tagsnummer: „Die Stellung der Sozialdemokratie zur Reichserbschafts- steuer stellt der„Vorwärts" treffend so dar:"(folgt die bekannte Stelle, worin erklärt wird, dag die Sozialdemokratie nicht für die Erbanfallsteuer stimmen kann, worauf die Volksstimme fortfährt):„Unsere Haltung ist aber bestimmt durch unser Ziel, möglichst viel direkte Steuern von den Besitzenden für das Reich zu nehmen und wenn irgend möglich, den Wählern Gelegenheit zu einem Votum über die Reichsftnanzreform zu geben." In ihrer Donnerstagsnummer gibt die„Chemnitzer Volks- stimme" in einem„Eigentelegramm" nochmals dieselbe Stelle aus dem„Vorwärts" wieder und bemerkt dazu: „Sowohl in der bürgerlichen als in der Parteipresse ist durch diese Auslassung der Eindruck hervorgerufen worden, als wenn die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages sich derartig entschieden habe. Das ist durchaus irrigl Es handelt sich bei dem Artikel lediglich um die Aeutzerung einer Ansicht des „Vorwärts", von der keineswegs feststeht, daß sie sich mit der Anschauung der parlamentarischen Vertretung der Partei deckt, die über ihre etwaige Stellung in der fraglichen Angelegenheit noch keinen Beschluß gefaßt hat." Am Dienstag war die Erklärung des„Vorwärts" „treffend" und die„Volksstimme" fand gute Gründe für sie, am Donnerstag hat die„VolkSstimme', konsterniert vom Eigen- telegramm, ihre Stellung vom Dienstag völlig preisgegeben.— Liebknecht sagte einmal, er würde die Taktik innerhalb 24 Stunden ändern, wenn die Verhältnisse sich in dieser Zeit änderten. Für den Leiter der„Voltsstimme" zu Chemnitz bedarf es einer Aenderung der Verhältnisse nicht. Ihm genügt ein Wechsel der Information._ Von der englischen Arbeiterpreffe. Der Genosse Bruce Glasier teilt in der letzten Nummer deS„L a b o u r L e a d e r" mit, daß er von seinem Posten als Redakteur des Blattes zurück- tritt. Die Nummer vom 7. Mai ist die letzte Ausgabe, die Bruce Glasier redigierte, nachdem er das Blatt vier Jahre und vier Monate geleitet hat. Sein Rücktritt steht ebenfalls in einigem Zusammenhange mit der allgemeinen Krisis, in der sich zurzeit die unabhängige Arbeilerpartei befindet. Als Glasier das Blatt übernahm, zählte cs 13 000 Abonnenten. Im vorigen Jahre erreichte es eine Auflage von 43 000. Dann ging es etwas zurück und fiel bis zu einer Auflage von 37 000.(Jetzt ist die Auflage wieder auf 38 000 gestiegen.) Innerhalb des letzten Jahres hat ei» Teil der Parteimitglieder seine Unzufriedenheit mit der politischen Haltung des„Labour Leader" zum Ausdruck gebracht. Der Parteivorstand hat sich zwar für Glasier erklärt, ebenso hat der Kongreß in Edinburg mit großer Mehrheit sein Einverständnis mit der Haltung des Blattes ausgesprochen, aber immerhin ist in der Diskussion viel Kritik geübt worden. Glasier hat deswegen die Konsequenzen gezogen und scheidet aus seiner Stellung. Eue Industrie und Kandel. Die Straßenbahnen im Deutschen Reiche. Die Anzahl der selbständigen Straßenbahnunternehmungen betrug am 31. März 1903 in Preußen 165, in den anderen deutschen Bundesstaaten 72, im ganzen Deutschen Reiche 237 oder zwei mehr als im Jahre vorher. Die Streckenlänge der Straßenbahnen belief sich aus 3850,52 Kilometer. Die Ziffer übersteigt die de« Vorjahres um 104,89 Kilometer. Seit dem 1. Oktober 1892, also während eines 15>/, jährigen Zeitraumes ist die Länge der Straßenbahnen Preußens um 1846,30 Kilometer oder rund 211 Proz. gestiegen. Die größte Längenausdehnung innerhalb des preußischen Straßenbahn- netzcS zeigte Ende März 1908 die Rheinprovinz mit 863,26 Kilo- meter, während die Provinz Posen mit 27,10 Kilometer nach wie vor die letzte Stelle einnimmt. Als Betriebsinittel verwendeten unter den Bahnen: Bahnen in den Dampflokomotiven., Elektrische Motoren.. Pferde....... Dampflokomotiven und elektrische Motoren. Elektrische Motoren und Pferde...... Drahtseile Bahnen in Preußen 1»<7.9 Proz.) 129(78.2 15(9.1 1(0.6 anderen Bundesstaaten 60(88.3 Proz.) ?(9.7.) ) 1(M.) (1,8 (2,4 4(6,6 ) Der elektrische Betrieb ist immer weiter auf Kosten de» Pferde- und Dampfbetriebes in der Ausdehnung begriffen. Von größeren Betrieben verwenden nur noch Brandenburg und Herzfelde Pferde. Bahnen in Bahnen in den Preußen 96(58.2 Proz.) 4(2.4.) ES dienten zur Personenbeförderung Giiterveförderuiig.. Befürd. beider Arten anderen Bundesstaaten 55(76,4 Proz.) 17(23,6 ) 65(39.4 Im Betriebe der preußischen Straßenbahuen waren bei Abschluß der Statistik 25 924(22 752) Beamte und 12 937(11 704) ständige Arbeiter beschäftigt, bei den außerpreußischen Betrieben insgesamt 13 929(13 211) Personen. Die Bctriebseinnabmen betrugen 193 570 410(182 967 691) M. Die Ausgaben beliefen sich auf 126 569 782(113186 086) M. Das Anlagekapital aller deutschen Straßenbahnen betrug 904 630 453(359 901 489) M. Segen der Arbeit— anderer. Die A. G. Vereinigte Glanzstoffabriken in Elberfeld gehört zu den Gesellschaften, auf denen Gottes Segen sichtbar ruht, konnte sie doch an ihre Aktionäre für das letzte Jahr 40 Proz. Dividende ver» teilen. Und neue Freude bringt die Jahresabrechnung einer ihrer beiden Tochtergesellschaften, der ersten österreichischen Glanzstoff- fabrik. Sie ergibt für die Aktionäre eine Dividende von 10 Proz. Hohe Tantiemen für den Aufsichtsrat, wie solche bei der Mutter- aesellschaft üblich sind, gibt die österreichische Gesellschaft als gute Tochter ihrer Mutter selbstverständlich auch. Die Tantiemen be- tragen mehr als 10 Proz. des gesamten Reingewinnes! Die Aktionäre der Elberfelder Gesellschaft machen zu alledem jetzt noch ein besonderes Geschüft. Die Generalversammlung hat nämlich beschlossen, das Betriebskapital zu erhöhen, und jeder Besitzer einer alten Aktie erhält eine neue ol pari, also zum Nennwert. Der Kurs der Aktien stand in der letzten Zeit immer auf vierundein- halbhundert und stieg in den letzten Tagen bis auf 535! Ein nettes Geschäft, für hundert Mark 535 Mark zu bekommen. Und nachher erzählen uns„Schlaumeier", mau müsse die Dividende nach den Kursen der Papiere berechnen. So— dumml Die Zollmauer ein Hemmschuh für die Industrie.. Das„Berliner Tageblatt" läßt sich— Slbendausgabe vom 6. Mai— durch eine„maßgebende Stelle der deutschen Elektrizi» tätsindustrie darüber informieren, inwieweit die Kurssteigerungen der Elektrizitätsaktien, die in den letzten Wochen erfoloten. ihr» tatsächlichen Ursachen in den Auftragsbeständen der Elektrogcsell- schaften haben. Die maßgebende Stelle, die man nicht allzuweit von der Allgemeinen Elektriziläts-Gesellschast zu suchen braucht, kommt dabei auch auf das Ausfuhrgeschäft in elektrotechnisch«: Artikeln zu sprechen. Diese Aeußerung gibt das„Verl. Tagebl." mit den folgenden Worten wieder: „Außer den großen Aufträgen für Südafrika(Viktoriafalls Power Gesellschaft) liegen zurzeit besonders bemerkenswerte aus- ländische Orders nicht vor. Em Hemmschuh für das ausländische Geschäft liege in dem Chauvinismus, der sich überall unter der Parole:„Schutz der nationalen Arbeit" breitmache, und der überall zur Errichtung refp. Erhöhung von Zollmauern geführt habe und noch führe." Von Interesse ist noch der Hinweis, daß der frühere Land. wirtschaftsministcr Podbielski als Vermittler zwischen der Elektri- zitätsindustrie und der Landwirtschaft„viele unschätzbare Dienste" leiste. Auf Vermittlertätigkeit versteht sich der Mann, aber wenn er zwischen seiner Frau und Tippelskirch vermittelte, war das wohl nicht so lukrativ, als nun die Vermittelung zwischen Elektroindustrie und Landwirtschaft. Die Rkkomiilntoren- und Elektrizitätswerke A.-G. vormals Boele ii. Co. erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Fabrikationsgcwürn in Höhe von 735 772 M, gegen 876 699 M. im Vorjahre. Die Ab» schreibungen beanspruchen 231915 M. Aus dem Reingewinn von 252 659 SU sollen 206 034 M. für eine Sonderrücklage verwendet und pro Gewinnanteilschein 8 M. ausgeschüttet werden. Sozialed« Deutscher Biihnenvcrei». Gestern hielt der Deutsche Bühnenvercin(Verein der Direk- toren) seine Generalversammlung in Düsseldorf ab. Bon den 107 aktiven Mitgliedern waren gegen 100 erschienen. Bei Beratung über die Theatergesetzkommission wurde vom Intendanten Graf Putlitz- Stuttgart und anderen Rednern betont, der Verein stehe hinter seinein Präsidenten, nicht die Bühnengenossenschaft, sondern deren Leitung und Vorgehen bekämpfe der Verein. Baron Putlitz be- antragte, die Vorlage nochmals an die Kommission zurückzuver- weisen. Dem wird ebenso wie einem Unterantrag Dr. Zickel- Berlin zugestimmt, in dem den Mitgliedern ans Herz gelegt wird, schon jetzt die Bestimmungen der Vorlage zur Anwendung zu bringen.> Eine längere Debatte entspann sich bei der Beratung des Statuts der Unterstützungskasse. Der Vorstand schlug vor. jeden Bühnenleiter zu verpflichten, im Spieljahr eine Bencfizvorstcllung für die Wohltätigkeitskasse des Bühnenvereins zu geben; unter be- stimmten Bedingungen soll der Präsident ermächtigt sein, Aus- nahmen zuzulassen. Bisher war das in das Ermessen gestellt. Hierzu stellte Direktor Otto Brahin-Berlin ein Amendement, dah die Bühnen auch andere Benefizvorstellungcn für humanitäre Zwecke veranstalten können, und daß den Bühnenmitgliedcrn die Mitwirkung an anderen Wohltätigkeitsvorstellungen gestattet werde, wenn die obligatorischen Vorstellungen des Bühnenvereins stattgefunden haben. Ter Antragsteller will zwischen der Bühnen- genossenschaft und der Pensionsanstalt derselben geschieden wissen. Sein Amendement wird mit Lg gegen 35 Stimmen abgelehnt. Die Mehrzahl ging von der Ansicht aus, wenn sie die Pcnsionsanstalt unterstützen, so stärken sie die Bühnengenossenschaft, die den Di- rcktoren als ein Verein zur Verfechtung der Interessen der Schau- spieler nicht genehm ist. Aus den weiteren Beratungen ist die Ueberweisung eines An- träges an die Kommission für Aufführungsangelegenheiten hervor- zuHeben. Nach diesem vom Direktor Martersteig-Köln befürworte- tcn Antrag sollen die Mitglieder des Bühnenvcreins erklären, daß sie auch nach 1913 das Bühnenfestspiel„Parsifal", solange das Weltfestspielhaus unter der Leitung der nächsten Angehörigen Wagners und der jetzigen Verwaltung stehe, nicht zur Aufführung bringen würden. Außerdem beipflichten sich die Mitglieder, von anderer Seite geplanten Aufführungen nicht die Genehmigung zu erteilen. Divcktor Dr. Martin Zickel-Berlin stellt den Antrag auf Schaffung einer ZentralauskunftSstelle, die jetzt besonders not- wendig sei, um den in die Oeffentlichkeit gebrachten„unrichtigen Mitteilungen und Sagen über grausame Bühnenverträge" des Deutschen Bühnenvereins entgegenzutreten. Ter Antrag wird der Kommission überwiesen, die Kommission soll aber schon jetzt als Auskunftsstelle tätig sein. Wenn die Auskunftsstclle ihre Schuldigkeit tut, so wird ihr leider nichts weiter übrig bleiben, als die„Sagen über grausame Bühncnverträge" für Wahrheit zu erklären. Wichtiger Grund im Sinne de? Handelsgesetzbuchs. Mit der Frage, was unter einem„wichtigen Grund", der zur sofortigen Entlassung eines Handlungsgehilfen ohne Einhaltung der Kündigungsfrist berechtigt, hatte sich dieser Tage das Reichs- gcricht aus Anlaß des Rechtsstreits einer Dresdener Kunstgetverbe- sirma mit einem Kaufmann L. in Dresden zu beschäftigen. Der Kläger war als Reisender bei der jetzt beklagten Firma in Stellung und ist am 23. Oktober 1900 ohne Kündigung entlassen worden. Er hatte während seines Anstellungsvertrages von der Beklagten die Zusage erhalten, für seinen eigenen Bedarf zur Verwendung zu Hochzeitsgeschenkeir, die er öfters machen müsse, Waren von ihr unter besonders günstigen Bedingungen mit etwa 50 Proz. Rabatt zu entnehmen. Die Beklagte behauptet nun, daß er Waren zum Zwecke von Hochzeitsgeschenken entnommen, diese Sachen in Wirklichkeit aber mit Borteil für sich verkauft habe. Landgericht und Oberlandcsgericht Dresden entschieden auf Verurteilung des Beklagten nach dem Klagebegehren des Klägers. Das Oberlandesgericht findet in den dem Kläger vorgeworfenen Handlungen keinen die Entlassung rechtfertigenden Grund. ES legt dar. daß eigensüchtige Ausnützungen persönlicher Vergünsti- gungen bei Personen des Handelsgewerbes keineswegs selten seien und daß derartigen Ausnutzungen nach den Anschauungen der Handelswelt nur dann Wichtigkeit beigelegt werde, wenn sie sich oft wiederholen oder auf größere Wertbeträge erstrecken. Diesen Erwägungen tritt das Reichsgericht anläßlich der Re- Vision der beklagten Firma entgegen. Es führt aus, daß die Er- wägungen des Obcrlandesgerichts den§ 72 Nr. 1 des Handels- gesetzbuchcs verletzten, lvonach es. sofern nicht besondere Umstände eine andere Verurteilung rechtfertigen, als ein wichtiger Grund zur sofortigen Entlassung anzusehen ist. wenn der Handlungsgehilfe im Dienste untreu sei oder das Vertraue» mißbrauche. Ter Ge- sichtspunkt einer Schädigung des Vermögens sei nicht ausschließlich wie auch nicht vorwiegend maßgebend, vielmehr kommt wesentlich in Betracht, daß das behauptete Verhalten des Klägers geeignet gewesen sei, väs in ihn gesetzte Vertrauen zu erschüttern und dl» Besorgnis zu begründen, daß die Tätigkeit des Klägers die Jnter- essen der Beklagten gefährde. Die vom Berufungsgericht er- wähnten Anschauungen in der Handelswelt seien unrichtig und konnten dem Gesetz gegenüber keine Beachtung finden. Auch das Ableugnen der dem Kläger vorgehaltenen Pflichtwidrigkeiten könne gegen§ 72 Nr. 1 des Handelsgesetzbuchs verstoßen. Das Urteil des Oberlandesgerichts wurde aus diesen Gründen aufgehoben und die Sache, die zur Entscheidung noch nicht reif war, noch einmal an das Oberlandcsgericht zurückverwiesen. „Wilde" Gcsindcvermicter. Nach§ 31 der Gewerbeordnung bedarf, wer das Geschäft eines Gesindcvermieters oder Stellenvermittlers betreiben will, hierzu der Erlaubnis. Diese ist zu versagen, Ivenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit des Nachsuchenden in bezug auf den beabsichtigten Gewerbebetrieb dartun. Eine Jnvalidenrentncrin Kruschwitz war wegen Uebertretung des§ 147 der Gewerbeordnung zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie durch mehrfache Vcr- Mittelungen von Gesinde das Gewerbe der Gesindevermieterin aus- geübt hatte, obwohl sie die vorgeschrieben« Erlaubnis nicht erhalten hatte. Zugleich würbe sie aber auch auf Grund des§ 143 der Ge- lverbeordnung verurteilt, weil sie nicht die gemäß§ 38 erlassenen Ministerialvorschriften über die Buchführung der Gesindevermieter befolgt halte. Das Kammergericht hob am Montag das Urteil des Landgerichts Sora« auf und verwies die Sache zu anderweitcr Entscheidung in die Vorinstanz zurück: Auf die„wilden" Gesinde- Vermieterinnen könnten die Ministerialvorschriften keine Anwen- dung finden. Wenn sie diese befolgen und ein Buch anlegen, �owie die vorgeschriebenen Eintragungen machen würden, dann wurden sie ja den Bcbörden das Material liefern zu einem Vorgehen wegen der nichtgenehmigten Ausübung des Gewerbes. Daß jemand zu seiner eigenen strafrechtlichen Verfolgung Material beibringe, könne aber nicht verlangt werden. Die Angeklagte könnte deshalb nur nach§ 147 der Gewerbeordnung wegen unbefugter Ausübung des Geioerbes der Gesindevermieterin bestraft werden. Hus der Frauenbewegung. Mutter- und Säuglingsschutz in der Krankenversicherung der Reichsvcrsicherungsordnung. Die deutsche Sozialdemokratie— und innerhalb dieser die deutschen Genossinnen— haben seit Jahrzehnten der Frage des Mutter- und Säuglingsschutzes ihre Aufmerksamkeit gewidmet. Neben durchgreifenden ge- setzlichen Schutzbestimmungen für die lohnarbeitenden Frauen und Mädchen haben sie weitgehende Schwangeren- und Wöchnerinnen- fürsorge durch die Krankenkassen im Interesse aller proletarischen und kleinbürgerlichen Frauen gefordert. Durch unsere Abgeordneten im Parlament, auf den sozialdemokratischen Parteitagen und den sozialdemokratischen Frauenkonferenzen, so zuletzt in Mannheim 1006, sind die Mindestforderungen an die Gesetzgebung formuliert und eingehend begründet worden. Die„Gleichheit" und die sozial- demokratische Tagespresse haben sie wieder und wieder propa- giert und in immer größerem Umfange sind die proletarischen Frauen die Träger dieser Forderungen geworden, deren Durch- führung sie im Interesse ihrer Gesundheit, sowie im Interesse einer gesunden Entwickclung des proletarischen Nachwuchses drin- gend verlangen. Seit einigen Jähren haben sich auch bürgerliche Frauen und bürgerliche Sozialreformer der Frage des Mutter- schutzeS bemächtigt. Angesichts der erschreckend hohen Säuglings- sterblichkeit in Deutschland werden Aerzte uno ernste Sozial- reformer zudem immer aufs neue veranlaßt, Forderungen zu er- heben, deren Durchführung hier Wandel schaffen soll. Die deutsche Regierung, die kürzlich dem Bundesrat den Eni- wurf der Reichsversicherungsordnung zugchen ließ, hat darin auf diese Forderungen, die den Willensausdruck weiter interessierter Kreise bilden, absolut keine Rücksicht genommen. Nur eine einzige Bestimmung bedeutet einen Fortschritt gegenüber dem geltenden Rechte. ES ist die Einbeziehung der Landarbeiter, der Dien st- boten, der unständigen und der Heimarbeiter und einiger anderer Arbeiterkategorien mehr in die Krankcnversiche- rungspflicht. Damit ist zahlreichen Arbeiterinnen und Arbeiter. fraucn die Wöchnerinnen, und Schwangeren-Unterstützung zugäng- tich gemacht. Leider enthält der 8 197 des Entwurfes, nachdem er im ein- zelnen die versicherungspflichtigen Personenkreise aufgezählt hat, als Schlußsatz wieder die alte Bestimmung, dah die Vcrsicherungs- Pflicht nur, äußer bei Arbeitern und Dienstboten, dann besteht, wenn die Tätigkeit dieser Personen gegen Entgelt geübt loird, und— wenn der regelmäßige Jahrcsarbcitsverdienst 2 000 M. nicht übersteigt. Zahlreiche Frauen des Klein- und Mittelbürgertums sowie der Intelligenz bedürfen zur Zeit der Schwangerschaft und als Wöchnerinnen dringend der sozialen Fürsorge, während sie jetzt, sowie nach dieser übernommenen Bestimmung wiederum davoir ausge- Ohue|uittljlnn0!sÄerQn.v. dinon, Steppdecken, Teppiche, Uhren, 8Äl.:,r Sltist liattn! 1-. IVatznep, Auguststr. 50. _ Nur Pestkurte erbeten.* schlössen sind. Mit Rücksicht auf die soziale Fürsorgcbedürftigke» auch dieser Frauen hatten die Genossinnen in Mannheim die Forderung vertreten, daß die Versicherungspslicht auf alle Frauen auszudehnen sei, deren Familieneinkomme�n 30 00 M. nicht übersteigt. Hinter dieser Forderung bleiot der Entwurf weit zurück. Dasselbe trifft leider gleichfalls zu auf alle übrigen Forde- rungen, weil hier der Enttourf lediglich geltendes Recht erhalten. aber nicht erweitern will. So besagt ß 232: Ter Betrag des Krankengeldes ist als Wöchncrinneiiunterstützung auf die Dauer von im ganzen 3 Wochen(bisher 0 Wochen) vor und nach der Niederkunft an Wöchnerinnen zu gewähren, die innerhalb des letzten Jahres, vom Tage der Entbindung an gerechnet, mindestens 0 Monate hindurch auf Grund der Reichsversicherung gegen Krankheit versichert gewesen sind. Von diesen 8 Wochen müssen mindestens 0 auf die Zeit nach der Niederkunft fallen. Die Forderungen der Genossinnen dagegen lauten:„Aus- dehnung der Wöchnerinnenunterstützuitg von 0 auf 8 Wochen nach der Niederkunft, und falls daS Kind lebt und die Mutter willens und fähig ist, es zu stillen, auf 13 Wochen. Hervorragende Aerzte gehen sogar, gedrängt von dem Ergebnis ihrer medizinischen Forschungen— nach viel weiter. Sie er- klären, daß noch 9 Monate nach der Geburt Mutter und Kind eine physiologische Einheit bilden sollten. Durch Ertiährung des Säuglings mittels Kuhmilch, die noch dazu durch Abkochung in ihrer ursprünglichen chemischen Zusammen- sctzung erfahren hat, erfolgt die Asstmilieutttg nicht gut und leicht. da die Tiermilch ganz andere Etgenschaften und Eigentümlichkeiten ihrer Eiweißverbindungen aufweist als die Muttermilch, deren Verdauung eine weniger große Kraftanstrengung des lind- liehen Organismus erfordert. Soll ein gesunder, kräftiger Nachwuchs erzielt werden, ist das Minimum eine? Wöchnerinnenscbutzes 13 Wochen, um durch Zahlung der Unterstützung während dieser Zeit die Mütter in den Stand zu setzen, ihren Kindern die natürliche Nahrung der Mutter- brüst zu reichen. Der§ 234 des Entwurfes gestattet, ähnlich wie 8 21 Abs. 1 Nr. 4 des bisherigen Krankenversicherungsgesetzes, statutarisch zu bestimmen, daß bei einer durch Schwangerschaft verursachten Arbeitsunfähigkeit den weiblichen Mitgliedern bis zur Dauer von 6 Wochen das Krankengeld als Schwangerschasts- Unterstützung zu gewähren fei. Ferner kann bestimmt werden, daß die erforderlichen Heb- ammendienste und die ärztlichen Behandlungen der SchwangerschaftSbeschw erden kostenlos erfolgen sollen. Desgleichen kann das Statut den nichtversicherungs- Pflichtigen Ehefrauen der Kasseitmitglieder die Schwange- ren- und Wöchiterimtenunterstützung sowie die Hebammendienfte und ärztliche Behandlung frei gewähren. Demgegenüber fordern die Genossinnen: Erhöhung der Schwangerschaftsunterstützung auf die Dauer von acht Wochen und an Stelle der fakultativen Gewährung durch Statut, zwingendes Recht. Die Unterstützung der Schwangeren auf die Dauer von acht Wochen fordern ste, weil die Erfahrungen gelehrt und ärztliche Autoritäten es bestätigt haben, daß anstrengendc Arbeit— ob Haus- oder ErlverbSarbcit— bis kurz zur Entbindung oft genug Unterleibsleiden im Gefolge hatte, genau so wie die zu frühe Wiederaufnahme der Arbeit nach der Entbindung ferner äußerst schädigende Wirkungen auf die Nachkommenschaft auslöste. Die geforderten Leistungen könnten ohne große Mehrbelastung durchgeführt werden. Nach einer Berechnung des Genossen Molken- buhr kommen 18 Beitragszahler für einen Geburtsfall. Außerdem würden die 5lrankenkassen auch wieder viel Kranken- geld sparen, welches jetzt an unterleibsleidende Kranke und für die Behandlung siecher Kinder zu zahlen ist. Schlichlich aber hat dxr Staat die Pflicht, falls es sich not- wendig macht, Zuschüsse zu zahlen, um damit die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Volkes zu steigern. Der Entwurf sieht als Krankengeld die Hälfte des Grund- beitrages(durchschnittlicher Tagelohn) vor; die Leistung kann auf % erhöht werden. Als Schwangeren- und Wöchnerinnenunter- st ü tz u n g müßte das Krankengeld aber unbedingt auf die volle Höhe deS durchschnittlichen Ta�elohnes festgelegt werden, damit den Frauen ein voller Ersatz für verlorenen Verdienst gewährt wird. Nicht zum Vergnügen, sondern aus Not haben sie die Erwerbsarbeit aufgenommen, und sie würden entbehren müssen, erhielten sie weniger an Unterstützung als der durch- schnittliche Lohn betrug. Die genannten Forderungen sind das Minimum dessen, was an Mutter- und Säuglingsschutz gefordert werden muß. Darum fordern wir die proletarischen Frauen aus: Beschäftigt Euch mit dem, was Ihr als dringend nötige Reformen auf dem GebietedcrKra n keu versicherungbetrachtet, was aber die Reichsversicherung Euch nicht bietet! Was wir fordern, werden wir nur kämpfend erringen, freiwillig bietet man uns nichts. GewertschaftSlokal in Pommern, grobe Zukunjt, gutes Geschäft, weit unter Preis zu verkaufen, Offerten unter I».«5�4 befördern Dauhs& Co., Jerusalemer Straße 53/54. Dr. med. Adolf Schlesinger, Ä Keiimagnelisinus «.» Naturheilverfahren besonders bei chrcnifch üt raiithiiten nach eigener auf Grund 18 jähriger Ersah- rungen ausgcarbeit.Heirmelbode ohne Medikamente und ohne Operation, wohnt jetzt HiWI. 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Um fast 30 Prozent ist der Versand im April hinter dem des Vormonats zurückgeblieben. Immerhin hält er dem im April des Vorjahres noch die Wage. Aber trotzdem bedeutet das eine weitere Verschlechterung am Ar- beitsmarkt, denn die Ausfuhr von Halbzeug ist nicht unbeträchtlich gestiegen. Unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr stellt sich die Jnlandsversorgung an Produkten A auf rund 287 000 Tonnen im April dieses Jahres, gegen 208 000 Tonnen im Parallelmonat 1008. DaS Bild würde sich wohl noch ungünstiger gestalten, wenn Angaben über Lagerungen vorlägen. Einen ziemlich genauen Maststab für die allgemeine Wirtschaftslage wie auch für die Ver- Hältnisse in der Eisenindustrie geben vergleichende Zusammen. stellungen über den Versand des Stahlwerksverbandes. Die folgende Tabelle veranschaulicht die Bewegungen für ganze Ge» schäftsjahre, die am 30. März schliehen, sowie für die vier Monate Januar-Aprih und für den Monat April allein. Versand an Produkten A in 1000 Tonnen: ganzes Jahr Monate Januar-April Monat April 1906/07... 5757 1929 482 1907/08... 5227 1662 372 1908/00... 4799 1700. 376 Ganz unverkennbar haben sich die Verhältnisse im letzten Jahre wesentlich verschlechtert. Es könnte aber scheinen, als ob sowohl die Ausweise für die Monate Januar-April, wie auch das Versandergebnis des April, ein Ansteigen des Beschäftigungs- grades anzeigten. Da aber kommt der Austenhandel mit in Be- tracht. Es kann nicht von einer Steigerung des Arbeitsquantums für den Inlandsmarkt gesprochen werden, wenn bei minimaler Zunahme der Erzeugung von Rohmaterial die für die inländische Weiterverarbeitung verbleibende Menge weitere Verminderung erfahren hat. und dazu vielleicht mehr als früher auf Lager ge- arbeitet wurde. Wie sich unter Berücksichtigung des Außen- Handels das Ergebnis für den Monat April stellt, ist bereits ziffernmäßig dargestellt. Für die Monate Januar-April ergeben sich diese Zahlen: 1906 190« 1907 1908 1909 3220 4035 4217 4082 4002 Die Jnlandsversorgung ist noch nicht gewachsen; dazu hat in Formeisen die Erzeugung abgenommen. Der gesteigerten Ausfuhr ist obendrein die unangenehme Wirkung zuzuschreiben, daß durch sie die Absatzmöglichkeit der heimischen Weiterverarbeitung auf dem In- und Auslandsmarkt wesentliche Verschlechterungen erfährt. Auf Kosten der deutschen Verbraucher erhöht man die Konkurrenzfähig- keit der ausländischen Fabrikanten von Fertigerzeugnissen. Für die heimischen Abnehmer werden mit Hilfe der„Schutzzölle die Preise auf einem Stande gehalten, der für den Auslandsmarkt nicht gilt. Bekannt sind die Klagen über die rigorose Preispolitik der Halbzeugverkäufer. Da muß auffallen, daß nach der amtlichen Statistik die Durchschnittspreise für Halbzeug schon im Jahre 1008 bedeutend unter den Satz von 1007 hinabsanken. Der Erlös aus verkauften Rohblöcken ist nach den erwähnten Angaben von 06,04 M. pro Tonne auf 85,15 M. pro Tonne gesunken, und für Halbfabri- kate von 96,57 M. auf 85,15 M. Den deutschen Verbrauchern ist von solchen enormen Preisabschlägen im Jahre 1008 nichts be- kannt geworden; daher dürfte der Schluß zulässig sein, daß ganz austerordentlich niedrige Auslandspreise die starke Verminderung des Durchschnittserlöses herbeigeführt haben. Die Roheisenerzeugung der deutschen Hochofcnwerke hat im April ebenfalls nicht die Menge des Vormonats erreicht; sie ist aber gröster als in der Verglcichszeit des Vorjahres. Für Januar bis April ergeben sich folgende Produktionsmengen in 1000 To.: Jnlandsversorgung in Halbzeug in 1000 Tonnen 1007 1003 1900 512 335 340 Nach diesen Ziffern hat die Roheisenerzeugung weniger unter der Krise gelitten, als die Weiterverarbeitung. Aber die Erzeugung spiegelt nicht die wirkliche Marktlage. Die Werke haben große Posten Roheisen gelagert, und die Einfuhr an Roheisen ist bei gleichzeitiger /Zunahme der Ausfuhr zurückgegangen. Es ergibt sich beispielsweise für das erste Drittel des laufenden Jahres eine Jnlandsversorgung von nur 3 838 142 To., gegen 4 153 040 To. für die gleiche Zeit 1008. Demnach liegen auch hier die Verhältnisse ungünstiger als nach den Erzeugungsmengen angenommen werden könnte. Als ein wesentliches Moment für die schlechte Lage am Eisenmarkt wird das Ausbleiben einer lebhaften Bautätigkeit an- gesprochen. Der Formeisenverbrauch ist ganz bedeutend zurückge- gangen.Das hat zweifache Ursache: einmal die Stille am Bau- markt, dann auch die steigende Verwendung von Betonträgern usw., was jedoch den Verbrauch von Stabeisen günstig beeinflußt. Auch in der Klcineisenindustrie lassen die Verhältnisse nach wie vor zu wünschen übrig. Für einzelne Branchen kann man wohl eine kleine Besserung feststellen, im großen und ganzen aber ist die Lage noch unbefriedigend. Das Exportgeschäft hat etwas an Belebung gewonnen. Von Amerika her laufen die Anfragen in größerem Umfange ein. Man erivartet von dem neuen ameri- konischen Tarif eine Steigerung der Einfuhrsätze, ebenso wie dem Anschein nach auch die portugiesische Tarifrevision die Möglichkeit eines ausgedehnten Exports dorthin erheblich beeinträchtigen wird. Aus diesem Grunde holen die Exporteure noch schnell größere Posten herein. Die jetzige Belebung eröffnet daher recht trübe Aussichten. Der Begehr nach Baueisen hat sich nur ganz minimal gehoben, während sonst um diese Zeit gerade in den in Betracht kommenden Artikeln die Nachfrage am lebhaftesten war. Der Handel besitzt noch große Vorräte und hält mit neuen Bestellungen zurück. Infolgedessen ist der Wettbewerb um die an den Markt kommenden Aufträge sehr scharf. Die seit zwei Jahren darnieder- liegende Bautätigkeit hatte großes Anhäufen der Lager zur Folge, so daß selbst bei stärkerer Nachfrage eine Hebung der Erzeugung nicht zu erivarten ist. Die Werkzeugfabriken leiden unter den schlechten Verbältnissen im Eisengrotzgewerbe. Der Geschäftsgang des Kleineisengewerbes des Bergischen Landes(Messer, Gabel, Scheren und vcrlvandte Artikel) dagegen erfuhr leichte Besserung. In der Herstellung von Waffen ist nach der Lösung der orien- talischen Wirren wieder ein Rückschlag eingetreten. In der Her- stcllung von Nieten und Schrauben macht sich seit dem Beginn des Frühjahres Kauflust bemerkbar. Metallwaren und landwirt- schaftliche Bedarfsartikel werden stärker begehrt. Das Gesamtbild ist zweifellos wenig erfreulich. Daß für das laufende Jahr auf bemerkenswerte Besserung der Lage am Arbeitsmarkt nicht mehr zu rechnen sei, diese Ansicht erweist sich leider als nur zu berechtigt und wird auch von den Industriellen geteilt. Die mit dieser Stimmung in Widerspruch stehende Haltung der Börse, die augenblicklich den Montanhimmel voller Geigen sieht, kann sich noch als schädlich wirkender Faktor erweisen. Wenn die künstlich angefachte Haussebewegung vor den Tatsachen kapitulieren mutz, dann bleibt das nicht ohne Wirkung auf die Unternehmungslust. Diese wird weiter abgeschreckt. Für die Arbeiterschaft liegt in den Börsentreibereien noch eine be« sondere Gefahr. Den jetzt provozierten Kurssteigerungen sollen natürlich nachher, wenn wieder Hochkonjunktur ist, möglichst die Gewinne angepaßt werden. So zahlt man jetzt schon Vorschüsse auf spätere erhöhte Ausbeutung der Arbeiter zugunsten des Kapitals. Die Kurssteigerungen bedeuten demnach die Gefahr gesteigerten Lohndrucks und rücksichtsloserer Scharfmacherei. Uebrigens wird schärfer noch als in Deutschland in Amerika versucht, durch allerhand Stimmungsberichte, deren tatsächliche Angaben sich oft widersprechen oder der Kontrolle entzogen bleiben, künstlich eine Haussestimmung hervorzurufen. Ein ganzes Bündel der verschiedensten Nachrichten von„drüben" läßt ganz plötzlich die Verhältnisse am amerikanischen Arbeitsmarkt in rosigstem Lichte erscheinen. Bis vor wenigen Tagen berichteten die Fachblätter über großen Arbeitsmangel in allen amerikanischen Industrien, über Beschäftigungslosigkeit von Eisenbahnwagen, über Betriebseinschränkungen, Preisreduktionen usw. Nun, wie aus ein Kommando, sollen bei steigenden Preisen große Aufträge er- teilt werden Fast sollte man glauben, die Eisenbahnen usw., die bisher bei stark gesunkenen Preisen mit Bestellungen zurückhielten, hätten nur auf Preiserhöhungen gewartet, um dringende Offerten abzugeben. Der Umschwung kommt zu unvermittelt, ist zu wenig motiviert, steht zu sehr mit der bisherigen Entwicklung in Wider- spruch, als daß man der Wendung über Nacht nicht sehr skeptisch gegenüberstehen müßte. n Versammlungen. Die Freie Bollsbühne hörte in ihrer letzten General» Versammlung im Gewerkschaftshause einen Vortrag von Dr. Anselm Ruest über den Naturalismus im modernen Drama. Den Geschäftsbericht gab der Vorsitzende K o n r a d Schmidt: Im abgelaufenen Vierteljahr wickellen sich die Ge- schäfte ohne Störung ab. Gorkis„Nachtasyl" und AnzengruberS „Fleck auf der Ehr'" wurden an den Sonntagnachmittagen auf« geführt. In den Abendvorstellungen des Vereins im Neuen Schauspielhause gab es Hebbels„Diamant" zusammen mit Kleists „Zerbrochener Krug" und SalingreS Posse„Pcchschulze", die in Rücksicht auf die Repertoireverhältnisse des Theaters an Stelle von Sardvus„Letztem Brief" akzeptiert werden mußte. Statt der angekündigten Vorstellung von SchönthanS»Herr Senator" wurde als dritte Abendvorstellung das an den Nachmittagen gespielte„Nachtasyl" eingeschoben. Im Thalia« Theater wird als Sommervorstellung„HanS Huckebein" von Oskar Blumenthal vorbereitet. Großen Zulauf hatte der Marcel Salzer- Abend. Es herrschte eine unvorher« gesehene Ueberfüllung, da die Kartenausgabe nach den irreführenden Angaben des Wirtes über die Größe seines Saales vorgenommen war. In Zukunft wird Vorsorge getroffen werden, daß sich der» artiges nicht mehr wiederholen kann. Der Verein muß sich bis zum Herbst nach den abgeschlossenen Verträgen um zirka 2000 Mitglieder vergrößern. Der Vorstand hat in den„Mitteilungen des Verbandes der Berliner Wahlvercine" auf das Vereinsprogramm nachdrücklich hingewiesen und ein Flugblatt herausgegeben. Unsere Mitglieder müssen das Ihrige tun, um in persönlicher Agitation dem Verein nach Möglichkeit neue Kräfte zuzuführen. Der Kassierer Winkler erstattete den Kassenbericht; danach betrugen die Einnahmen im ersten Quartal 38 051,50 M., die Ausgaben 36 320,30 M.. so daß ein Bestand von 2622.20 M. verblieb. Eine Diskussion fand nicht statt. £ flldn neuer Pracht- Katalog •athalfnU MllÜllllgell 650 allerletzter Neuheiten für n IMi Ist erschiene«!-M> ZoseodiBg gratis franko! 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Schauspielhaus: Schlagende Wetter; im Schiller- Theater Charlottenburg: Rechts herum. L-essinjr-l'Keater. Sonntag 8 Uhr letzte Nachmittagsvorstellung: Roseumontag. 8 Uhr: Der König. Montag 8 Uhr: Klein Eyolf. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Ein Herbstmanöver. Nachm. 3 Uhr: Minna»an Barniielm. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Renaissance. Montag bis Mittwoch: siooaleeanvo. Donnerstag neu einstudiert: Trieoche und Cacolet. Theater des Westens. Nachm. 31/, Uhr halbe Preise: Ein Walzertraum. AbendS 8 Uhr: Die Instlge Witwe. friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sowttag. den 9. Mai, nachm. 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends 8 Uhr: Montag: Die Siebzehnjährigen. Dienstag zum erstenmal: Der KUometersresser. Residenz-Tlieater. ---- Direktion: iilodard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Xfimmere Lieh um Amelie. Schwank in 3 Alten(4 Bilden») von Feydeau. Morgen u. folg. Tage: Dies. Borstellg. _ Sommerpreise._ Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Im Klubsessel. AbendS 8 Uhr: Im Klubsessel. 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Der Selbstmordversuch einer Sechzehnjährigen rief in der Richardstraße Aufsehen hervor. In dem HauSeingang des Grund- stücks Richardstr. 45 vergiftete sich ein unbekanntes etwa 16 Jahre altes Mädcheir mit Lysol. Die Lebensmüde leerte eine ganze Flasche von dem Gift umd brach besinnungslos zusammen. Sie wurde nach dem städtischen Kcankenhause gebracht, wo sie in hoffnungslosem Zustand daniederliegt. Ueber die Persönlichkeit deS jungen Mädchens konnte nichts ermittelt werden. AuS der Magistratssitzung. Der Magistrat ist mit der Auf« stellung von drei Adreßbuchautomatcn in Rixdorf seitens der Deut- schen Adreßbttchautomatengesellschaft in Göttingen unter Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufes der Genehmigung einverstanden.— Es soll beim kaiserlichen Postamt auf fünf Wetterkarten abonniert werden— Eine Wetterkarte soll im Eingange deS Rat- Hause» angebracht werden.— Es wurde mitgeteilt. daß dje Minister deS Innern und der Finanzen unterm 23. April und der Bezirksausschuß zu Potsdam unterm 13. April die Genehmigung zu dein städtischen Steuerplan für da? Jahr 1969 erteilt haben, nach welchem 166 Proz. Zuschläge zur Staatseinlommenstener. 235 Proz. der vom Staate veranlagten'Grund- und Gebäudesteuer, 165 Proz. der vom Staate veranlagten Gewerbesteuer in Klasse 1 und 2, 156 Proz. der vom Staate veranlagten Gewerbesteuer in Klasse 3 und 4 erhoben werden sollen. Tchöneberg. In der neuen Bcsoldungsvorlage der Beamten, Bediensteten, Arbeiter und Arbeiterinnen sind auch die Grundsätze für die Besetzung der Be amtenstellen und die Einstellung von Bediensteten ohne Beamtem eigenschaft, ferner die Anstellung. Pensionierung und Hinterbliebenen� Versorgung der Beamten, Bediensteten und der Bcrnfsfeuerwehr ge- regelt. Die Grundsätze betreffend die Dienstverhältnisse der Arbeiter, die Bewilligung von Ruhegeld und Hintcrbliebenenversorgung er- hielten manche Verbesserungen. Dem Beispiele anderer Städte folgend sollen auch Arbeits b u r s ch e n eingestellt werden, welche das 14. Lebensjahr vollendet haben. Nach vollendetem 18. Lebensjahre sind die Arbeitsburschen zu den nicht ständigen Arbeitern zu überführen. Arbeiter, die mindestens das 26. und höchstens das 45. Lebensjahr vollendet haben, auch mindestens 3 Monate in städtischen Diensten stehen, können zu den ständigen Arbeitern überführt werden, müssen jedoch ein Gesundheitsattest beibringen; die Kosten des Attestes trägt die Stadtgemeinde. Die Arveiter erhalten Tagclohn. An gesetz lichen Feiertagen, die nicht auf Sonntage fallen, erhalten alle Arbeiter eine besondere Zuwendung in Höhe ihres vollen Tagelohnes. Dem Lohntarif wird eine neunstündige Arbeitszeit zu- gründe gelegt. Für Ueberftunden wird ein Zuschlag gezahlt, der für Sonntagöarbeit und Arbeil an gesetzlichen Feiertagen 166 Prozent ür jede der ersten drei Stunden und von 66 Proz. für jede weüere Stunde beträgt. Die Differenz zwischen Krankengeld und Lohn wird den Arbeitern, die noch nicht ein Jahr bei der Sladt beschäftigt ind auf eine Woche gewährt, während ständigen Arbeitern und denjenigen, die länger als ein Jahr beschäftigt sind, der Lohn auf acht Wochen gezahlt wird. Im Laufe eines Kalenderjahres darf die Zahlung den Zeitraum von insgesamt sechzehn Wochen nicht übersteigen; der Magistrat ist befugt, hiervon Ans' nahmen zugunsten der Arbeiter zuzulassen.— Bei Todes allen in der engere» Familie, militärischen Gestellungen und Uebungen, Beteiligung an öffentlichen Wahlen und Wahlen zu ArbeiterauSschiissen, Teilnahme an Sitzungen der Brbciterausschüsse, ärztlich« Untersuchungen, Vorladungen vor Gericht, ist der reget mäßige Arbeitsverdienst unverkürzt zu zahlen. Urlaub wird gewährt unter Fortzahlung des Lohnes im Laufe eines jeden Jahres und zwar: Nach einer Dienstzeit von. über 1 Jahr 3 Tage 3—5 Jahren 4. 5—16 Jahren 7„ 16 Jahren 16, Ein Arbeiter-Unter st ützungSfondS wird in der Weife gebildet, daß jährlich 866 M. zu diesem Zweck in den Etat einzusetzen sind. Durch Magistratsbeschluß können Arbeitern oder ihren Hinterbliebenen in Fällen dringender, unverschuldeter Notlage Beihilfen gewährt werden. Auch ei» Familien-Zulage- o n d S wird gebildet, für den jährlich 6666 M. in den Etat einzusetzen sind. Au« diesen Fonds können den Arbeitern mit mehr als drei Kindern Mietszuschüsse gewährt werden. D i e Grundsätze über Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgungen haben Abänderungen erfahren. Das Ruhegeld beträgt, wenn Dienstunfähigkeit nach vollendetem ehnten, jedoch vor vollendetem elften Dienstjahre eintritt, und teigt mit jedem weiter zurückgelegten Dienstjahr bis zum vollendeten dreißigsten Dienstjahre um Vso und von da ab um Vis» bis höchstens auf 4%o des festgesetzten EinlommenS. In der Hiiiterbliebeiwnversorgung ist neu die Zahlung des GnadenvierteljahrcS. Dasselbe besteht in der Auszahlung der vollen Besoldung des tarifmäßigen TagelohneS oder des Ruhegeldes des Verstorbenen noch für die auf den Sterbcmonat folgenden drei Monate. Als Witwengeld werden gezahlt 46 Proz. des Ruhegeldes, mindestens jedoch 366 M. Das Waiiengeld beträgt für jedes Kind ein Fünftel des Witwengeldes; für jedes Kind, dessen Mutter nicht mehr lebt, ein Drittel des Witwengeldes und zwar mindestens 186 M.; für jedes Kind einer alleinstehenden Bediensteten oder Arbeiterin nach dem Tode der Mutter zwei Fünf- zehntel des bezogenen Ruhegeldes, welches die Verstorbene bezogen hätte, wenn sie am Todestage in den Ruhestand getreten wäre. Diese Grundsätze finden in gleicher Weise Anwendung auf die Arbeiterinnen. Pankow. Die Generalversammlung deS Wahlvereins, die am 7. Mai ab- gehalten wurde, erfreute sich eines zahlreichen Besuches. Der zweite Vorsitzende Genosse Otto Schmidt erstattete den S i t u a t i o n s- b e r i ch t. Er schilderte die Verhältnisse, unter welchen die hiesigen Genossen zu arbeiten haben, und ging dann des näheren auf die Pankower Gemeindewahl und den 1. Mai ein, die immensen Schwierigkeiten deS eingehenden darlegend. Der Referent gab im Namen des Vorstandes die Erklärung ab, daß von nun- an den Parteigenossen am Orte wirklich etwas geboten werden soll in Gestalt von belehrenden Vorträgen und in der Pflege deSZusammengeböriakeitsgefühls durch gesellige Zusammen- künfte usw. Es folgten Wahlen. Gewählt wurden folgende Genossen: Agitationskommission: Karl Völler und Otto Schmidt, Brehmestraße; Lokalkomnüssion: Rabenow und Artur Nenmann; Zeitungskommission: Förster und Spiekermann. In die Bezirks- leitung wurde für die Genossinnen Pankows die Genossin Frau Stiller gewählt. Revisoren sind Brall, Rißmann und Beinroth. In der DiStussion teilte Genosse Lesser der Versammlung den Beschluß der Wahlprüfungskommission des Landtages mit. wonach die vier uns gehörenden Mandate ungültig erklärt werden sollen. Diese Mtteilung rief eine ungeheure Erregung hervor. Steglitz. Steglitzer Gemeindevcrordnetensitzung. In der Gemeindeverord- netensitzung, die am Freitag tagte, wurde die neue Umsatzsteuer- ordnung in zweiter Lesung angenommen. Die zweistündige Debatte über diesen Punkt der Tagesordnung drehte sich wesentlich um die beiden Fragen: Ist eine Umsatzsteuer zu erheben, auch wenn die mehrmalige hintereinander erfolgende Abtretung der Anrechte auf ein Grundstück zum Schluß nicht zum Abschluß kommt oder ist hier ein- Verminderung der Steuer um die Hälfte gerechtfertigt? und: Ist eine Umsatzsteuer zu erheben, wenn jemand ein Grund- tück erwirbt, der Not gehorchend, um zum Beispiel ssine Forderung als Handwerker nicht zu verlieren? Punkt 8 betreffend Regelung der Schulgeldsrage wurde dahingehend beschlossen, daß bei der Festsetzung von Ermäßigungen des Schulgeldes für die höheren Schulen die Staatseinkommensteuer maßgebend fein soll und zwar derart, daß bei einer Einkommensteuer bis zu 36 M. des tarifmäßigen Schulgeldes, bei einer Einkommensteuer bis zu 66 M. bei dem zweiten Kinde 7/8 deS Schulgeldes erhoben werden soll und daß bei einer Steuer zu 146 M. das dritte Kind frei ist, vorausgesetzt die Würdigkeit und Bedürftigkeit der Kinder. Ein Antrag auf Streichung des Ausdruckes.Bedürftigkeit" wurde abgelehnt. Punkt 16: Bewilligung der Mittel für einen Schularzt und eine Schulärztin an den höheren Schulen wurde vertagt und die Komnnsfion gebeten. zwecks Anbahnung einer grundlegenden Organisation der Einrichtung von Schulärzten Er- kundigungen bei den Nachbargemeinden einzuziehen. In der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß mit demselben Rechte, wie eine Aerztin für die höheren Mädchenschulen gefordert wird, eine solche Forderung auch für die Mädchen der Volksschulen zu stellen sei. ES wird die Gründung einer neuen Oberlehrerstelle am Realgymnasium zum 1. April 1916 beschlossen. Endlich tritt die Ge- meinde Steglitz dem Verkehrsverband Groß« Berlin und den Statuten de�eluen bei, trotz einiger Bedenken...... Hohen-Schönhauset». Die Gemeindevertretung hat sich nochmals mit der Friedhof»« ordnung beschäftigt. Es haiidelt sich um Abänderung des Para« graphen, welcher von Laienreden bei Beerdigungen spricht. Es wurde beschlossen, daß Laienreden 24 Stunden vorher bei der Polizei- behörde anzumelden sind. Die Bescheinigung hierüber ist dem Ge- meindevorstehcr mindestens eine Stunde vor der angesetzten Be- erdigung vorzulegen. Ferner hatte die Gemeindevertretung Beschluß zu fassen über einen Antrag des Unternehmers Herrn Schreiber, wonach derselbe für gelieferte Zeichnungen zum Bau des neuen Per« waltungsgebäudes, nachdem er die Ausführung des Baues nicht erhalten hat, statt 356 Mark jetzt 565.35 Mark fordert. weil er anderer Meinung über die Ansschreibungsbedingungen ist. Auf Antrag unserer Genossen wurde beschlossen, den Herrn Schreiber mit seiner Mehrforderung abzuweisen. Die Vertretung hatte dann nochmals Beschluß zu fassen über den Ankauf von 2 Morgen Land, und zwar deshalb, weil aus dem hierüber angefertigten Protokoll nicht hervorgeht, ob der Besitzer des betreffenden Grunditücks, welcher Gemeindevertreter ist, bei dem vorher gefaßten Beschluß mitgestimmt hat. Unter Stimmenthaltung des betreffenden Herrn wird nochmals einstimmig beschlossen, das in Frage kommende Grundstück anzu- kaufen. Beschlossen wurde, dem Herrn Hermann Neumann für den abgetretenen Weg an der Industriebahn zur Schaffung eines ZufahrtS- Weges 171,75 M. zu zahlen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Zustimmung zu einem Abkommen mit Berlin über die Ge- wähnmg von Feuerlöschhitfe. Nachdem sich einige Herren dagegen gewandt hatten, wurde mit Rücksicht auf die etwa entstehenden großen Kosten beschlossen, die Zustimmung zu versagen. Unter Verschiedenen fragte der bürgerliche Vertreter Herr Tita an, welche Maßnahmen getroffen worden sind, betreffs besserer Passier- barkett des SteindammeS. Der Gemeindevorsteber erklärte, daß er mit der Gutsgemeinde zwecks Auslastung dieser Straße an die Gemeinde verhandeln werde. Potsdam. AuS der Stndtverordnetcnsitzung. Neben der Tückschen Bade- anstalt soll eine Fraucnflußbadeanstalt errichtet werden und bewilligte die Versammlung hierzu die Summe von 23 666 M. Mit dem Bau soll jedoch erst im nächsten Jahre begonnen werden, da eS zum An- fangen in diesem Jahre zu spät sei und die Fertigstellung vor August kaum zu erwarten wäre.— Auf den ehemals Rohdeschen Wiesen will man eine Doppelturnhalle errichten, für die der Stadt- verordnetensitzung nächstens eine Vorlage zugehen soll. Hier- bei ist auch die Anlage eines Spielplatzes von 86 Meter Länge und 66 Meter Breite vorgesehen, für welchen man 6666 M. bewilligte. Außerdem erfordert dieser Spielplatz eine teilweise Drainage, wofür man 1266 M. auSivarf. Hier kam eS zu einer lebhaften Debatte, weil nach der Vorlage dieser Spielplatz nur für Kinder höherer Schulen in Aussicht genommen ist. Stadtv. Zappe bedauerte dies und wünscht, daß man hier keinen Unterschied machen solle, da die ärmeren Kinder in weit höherem Maße als die reicheren daS Bedürfnis nach einem solchen Spielplatz hätten. Seitens des Magistrats wurde betont, daß dieser Spielplatz nur für die Kinder ge- schaffen werde, die in der betreffenden Turnhalle Unterricht erhalten. Der Bürgermeister Rodig bemerkte, daß schon seit langem vom Magistrat das Bcdürsiiis nach einem öffentlichen Spielplatz an- erkannt sei. AuS diesem Grunde solle auch am 25. Mat eine öffentliche Versammlung statlfinden zu dem Zweck, einen Verein zu gründen, dessen Aufgabe die Förderung der Spielplätze sei. Auch die Regierung stehe diesem Plane wohlwollend gegenüber und habe die Zeichnung eines Beitrages hierfür in Aussicht gestellt.— Mit der Regulierung der einen Seite der Kajser-Wilhelm-Straße und der Hohenzollernstraße soll sich erst eine Kommission be- fasten. Man empfindet hier wieder einmal schmerzlich, daß in Potsdam zu viel Behörden mitzubestimmen haben. Bei der Regulierung dieser Straßen sollen nämlick gleich die Schienen der elektrischen Straßenbahn, welche eventuell nach Bornstedt gehen soll, mitgelegt werden. Nun bezweifelt man aber, daß die Strecke nach Bornstedt freigegeben wird, da sie an Sanssouci vorbeigeführt werden muß.— Potsdam soll, wie dies in letzter Zeit sehr oft ge- schehen ist. Besuch erhalten, und zwar sind es diesmal englische Geistliche, die am 14. Juni sich hier einfinden werden. Damit sie nun aber nicht hungrig wieder fortgehen, soll ihnen für 1660 M. ein Frühstück bereitet werden. Gerichts-Zeitung Abweisung von Ersatzansprüchen wegen eigenen Verschuldens bei« Ueberschrritcn eines Bahngeleises. Das Reichsgericht fällte dieser Tage eine für daS Publikum wichtige Entscheidung über die Haftpflicht der Eisenbahn für Un- glücksfälle, die beim Ueberschreiten von Bahngeleisen entstehen. Der Ehemann der Klägerin wollte mit seinem Fahrrade auf der von Schildow nach Miihlcnbeck führenden Landstraße einen Bahnübergang der Nebenbahn Neinickendorf— Groß-Schönebcck» die von der Rciliickcndorf— Liebenwalde— Grotz-Schöncbecker Eisenbahn, Aktiengesellschaft zu Berlin, betrieben wird, kreuzen. Als er dem Bahngeleise nahe gekommen war, stieg er ab, um das Rad zu führen. Bei den nächsten Schritten wurde er von dem schräg von hinten kommenden Zuge erfaßt und getötet. Die Ansprüche der Klägerin sind vom Landgericht Berlin abgewiesen worden. Auf die Berufung erkannte das Kammer- gcricht zwar auf Verurteilung der Beklagten zur Hälfte. DaS Reichsgericht trat jedoch dem Landgericht bei und wieS die Klage- anspräche im vollen Umfange ab. Aus den Entscheidungsgründen deS ReichSgcrichtS ist folgende» hervorzuheben:„Das Ueberschreiten von Bahngleisen, ohne vorher gehörige Umschau zu halten, ob nicht ein Zug sich nahe, stellt stets ein grobes Verschulden dar. das der bei diesem Ueberschreiten durch den Eiscnbahnzug beschädigten Person 3 R. H. Pfl. G.) oder im Falle der Tötung ihren unterhaltsberechtigten Hinter- bliebenen bei der Abwägung dieses Verschuldens gegen die Be- triebsgefahr nach 8 254 B. G. B. regelmäßig jeden Anspruch auf Schadensersatz aus dem Unfälle benimmt. Es ist festgestellt, daß der Getötete den Weg, den er durchfuhr, und den Eisenbahnüber» gang, den er zu passieren hatte, ganz genau kannte, da er ihn werktäglich zweimal zurücklegte. DaS Akaziengebüsch und das be- waldete Grundstück der Villa Hohenstaufen in der Nähe deS Eisen- bahnübcrganges mögen bei dem regnerischen Wetter die Wahr- nehmbarkeit deS Geräusches des heranfahrenden Zuges abgc- chwächt, und daS Akaziengebüsch auch den Uebcrblick der Bahn» trecke beschränkt haben: für den des Weges kundigen Getöteten mußten aber diese beiden Erscheinungen in der Umgebung der traße das deutliche Kennzeichen bilden, daß er sich in unmittel» barer Nähe deS Eisenbahnüberganges befand. Hatte er, als er vom Rade stieg, und das Geleise zu überschreiten sich anschickte, nur die allergeringste Aufmerksamkeit angewandt, so hätte ihm das Herannahen des Cisenbahnzuges, dessen Lokomotive mit den üblichen hellen Schein gebenden Laternen versehen war, in diesem Augenblick unmöglich entgehen können, und der Unfall wäre ver- mieden worden."_ Gegen daS Fürforge-Erziehungsgrsetz sollte sich Frau v. Chamier-Gliczszynski in Berlin vergangen haben. Ihr Sohn war auf dem Wege zur Fürsorgeerziehung dem Trans- porteur entsprungen und wurde dann in der Wohnung der Mutter aufgefunden. Sie erklärte dem recherchierenden Beamten mehrmals, das sei gar nicht ihr Sohn, sondern ein gewisser Walter Cuxt, der ihr beim Umzüge helfen wolle. Der Beamte ließ sich jedoch nicht beirren. Die Gesetzcsverletzung wurde in den falschen Angaben, daß es sich hier garnicht um den Sohn handele, gesehen. Das Landgc- richt Berlin h verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe und das Kammergericht verwarf dieser Tage ihre Rcviston: Die Be- stimmungen des Gesetzes über die Fürsorgeerziehung seien richtig angeordnet. ES stehe fest, daß die Angeklagte daS Bestreben dcS Sohnes, sich der Fürsorgeerziehung zu entziehen, dadurch unter» stützt habe, daß sie sagte, cZ sei garnicht ihr Sohn. Damit sei sie ihm behilflich gewesen._ Schwere dienstliche Verfehlungen wurden dem Gerichtsasststcnten Karl Mann ans Mittcnwalde zur Last gelegt, der sich gestern unter der Anklage der Urkundcnunter- drückung in 14 Fällen und der Verletzung des Briefgeheimnisses in fünf Fällen vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten hatte.— Der Angeklagte war nach einer 13jäh- rigen Militärzeit zu der Justizbehörde übergetreten und wurde im Jahre 1904 bei dem Amtsgericht Mittenlvalde als Assistent angc- stellt. Schon nach kurzer Zeit wurden ihm auch die Geschäfte eines Gcfängnisinspektors übertragen. In dieser Tätigkeit, der er wohl nicht recht gewachsen war, passierte ihm da» Malheur, daß er bei einer Abrechnung über die von den Strafgefangenen geleisteten Arbeiten einen zu hohen Betrag in Ansatz brachte, den er aber tat- sächlich ausgezahlt hatte. Wegen dieses Irrtums entstand nun eine langwierige Korrespondenz zwischen dem Ersten Staatsanwalt beim Landgericht II und dem aufsichtsführenden Richter in Mittenwaldc. AuS Furcht vor einer Bestrafung auf dem Disziplinwcge, ließ sich der Angeklagte verleiten, eine Anfrage des Ersten Staatsanwalts dem Amtsrichter in Mittenlvalde nicht vorzulegen, sondern zu unter- drücken. Ein zweites an den Amtsrichter persönlich gerichtetes Schreiben, in welchem um schleunige Erledigung ersucht wurde, wurde von dem Angeklagten ebenfalls beiseite geschafft. Zlehnlich erging es einer Anzahl anderer Schriftstücke, bis endlich dchObcrstaatsanwalt ankündigte, daß die Angelegenheit dem Kammergcrichtspräsidcntcn unterbreitet würde. Der Angeklagte verfaßte nun selbst ein Ant- wortschreiben, in welchem er mitteilte, daß die betreffende Ministe- malverfüyung übdr die Höhe der an die Strafgefangenen zu zah- lendcn Lohne nicht auch an daS Amtsgericht in Mittcnwalde ge- langt sei. Aus diesem Grunde habe sich auch nur der Irrtum in die erste Abrechnung eingeschlichen. Dieses Schriftstück wurde dann von dem Angeklagten in geschickter Weis« einem Gcrichtsassessor, der während der GerichtSfcrien die Vertretung führte, unter den zur Unterschrift vorgelegten Schriftstücke eingeschmuggelt und auch unterschrieben. Dieser Trick des Angeklagten, sich auf diese Weise aus allen Kalamitäten herauszubringen, mißglückte jedoch, da die vorgesetzte Behörde die vorgebrachten Tatsachen als für eine nicht ausreichende Entschuldigung ansah und den Amtsrichter mit der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Angeklagten bc- auftragte. Auch dieses Schriftstück öffnete Mann widerrechtlich und ließ es verschwinden. Außerdem gingen noch«ine Reihe anderer Schriftstücke diesen Weg, che das Treiben des Angeklagten zur Entdeckung kam. Vor Gericht war M. geständig. Die Strafkammer erkannte auf«ine Gefängnisstrafe von zwei Monaten dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß._ Der überbürdete Beamte. Das Landgericht Schneidemühl hat am 8. Januar den Amts- gerichtsfekretär Otto Makroski von der Anklage der Beseitigung und Beschädigung amtlich ihm anvertrautcr Urkunden frei- gesprochen. M. war erster Gerichtsschreiber am Amtsgericht Schlappe. Da ihm die Arbeit über den Kopf wuchs, bat er um Beihilfe, die abgelehnt wurde. Er half sich nun so, daß er die eiligen Sachen erledigte und die anderen zurücklegte. Er legte sie in ein Gewölbe, wo andere Beamte verkehrten. Es handelte sich um 32 Aktenstücke. Als eines Tages der Gerichtspräsident bei ihm revidieren wollte, schaffte er die Akten mit Hilfe eines Dieners aus dem Gewölbe auf den Boden des Amtsgerichte». Ein Kanzlist entdeckte sie dort, erstattete Anzeige und bewirkte dadurch, daß der Angeklagte seines Amtes entsetzt wurde. Das Gericht hat eine Schuld deS Angeklagten nicht als erwiesen an- gesehen. Auf die Revision des Staatsanwalts hob am Freitag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Die subjektive Seite ist nicht ausreichend geprüft worden. Festgestellt ist, daß die ordnungsmäßige Ver- wahrung der Urkunden aufgehoben war und daß der Angeklagte dies wollte. Ter Vorsatz ist mit dem Endzweck verwechselt worden._ Unterschlagungen bei der Hamiurg-Anicrika-Linie. Die umfangreichen Unterschlagungen, die der 21jährige Hand- lungsgehilfe Paul Zühlsdorfs zum Schaden des hier in Berlin do- mizilierten Neisebureans der Hamburg-Amerika-Linie, G. m. b. H., begangen haben soll, beschäftigten gestern die sechste Strafkammer des Landgerichts l unter Vorsitz des LandgcrichtSdirektors Dr. Gocbel. Ter Angeklagte ist des Diebstahls und der Urkunden» fälschung beschuldigt. Er soll in den Jahren 1000 bis 1908» in zahl- reichen Fällen Fahrscheine im Werte von mindestens 32 000 M., dem genannten Reiseburcau gehörig, gestohlen und Bestellscheine von Agenten der Hapag gefälscht haben. Der Angeklagte hat bis- her jede Schuld bestritten. Es ist für das Jahr 1906 ein"Gesamt- Fehlbetrag von 8Z 000 M. berechnet worden. Inwieweit dieser Fehlbetrag allein auf Veruntreuungen zurückzuführen ist, hat nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden können. DaS Reiseburcau ist das früher Stangcnsche Reiseburcau und ist am 1. Januar 1905 durch die Hamburg-Amcrika-Linie übernommen und von dieser als G. m. b. H. neu gegründet worden. In diesem ganz selbständig arbeitenden Reisobureau waren die ehemaligen Stangenschen An» gestellten auch fernerhin tätig geblieben, darunter' auch der Auge- klagte, der im Jahre 1904 als Lehrling bei dem Stangenschen Reise« burcau eingetreten war und in der Billctabtcilung eine ziemlich selbständige Stellung einnahm. Dies» damals von dem Prolu- eisten geleitete Abteilung verausgabt auf Grund besonderen Ab- lommenS mit verschiedenen europäischen EisenbahngeseUschaftcn teils in dem eigenen Bureau in Berlin, Unter den Linden 8. teils in den Bureaus der Eisenbahngesellschaften an den größeren Plätzen deS Auslandes zusammenstellbare Fahrscheine mit dem Aufdruck„Hamburg-Amerika-Linie" an die Reisenden. Diese Fahrscheine»verde« von den meistcn Eisestbahnverwaltungen in grögercn Mengen, teils gegen Vorausbezahlung, teils geyen monat- licher Abrechnung geliefert und sobald sie eingegangen stnd, in die Gcneralkontrollbüchcr der Reihe nach eingetragen und in eiserne Schvänte cinacfächerk, wo sie serienweise geordnet bis zur Veraus- gabung an die Agenten oder das Publikum lagern. Der Geschäfts- gang war etwa folgender: Wenn ein Reisender am ExpeditionS- schalter einen Fahrschein bestellt, schreibt der Expedient die betref- sende Route auf«inen Slip oder Block. Sodann nimmt er einen sogenannten Bestellschein, der mit einer Nummer versehen ist und schreibt auf diesen die Reihenzahl der benötigten einzelnen Hapag. Fohrscheine auf. Diese so ausgefüllten Bestellscheine gibt er dann an die sogenannte Sapag-Abteilung, in der Zühlsdorfs und noch zwei bi« drei Angestellte beschäftigt waren. Hier werden die ein« zelnen Fahrscheine den Schränken entnommen.- zusammengeheftet und nach Preisberechnung mit einem Abriß des Bestellscheines an den Expedienten zurückgegeben. Der Bestellschein selbst, der von der Hapag-Abreilung noch mit den Ordnungsnummern der Fahrscheine vervollständigt wird, wird unter einer blauen neueren laufenden Rümmer in das sogenannte Annahmebuch eingetragen, wo noch entsprechende Zusätze über die Herkunft der Bestellscheine bezw. den Verbleib der betr. Fahrscheine gemacht werden. Es ist dann s. Z. festgestellt worden, daß in dem riesigen Billetvorrat, der in der Billetabteilung des ReiscbureauS lagerten, Billets im Gesamtwerte von SS 000 M. fehlten. Nach den Ergebnissen einer später gezogenen Bilanz war der Gesamtfehlbctrag auf 82 000 M. berechnet worden. Ter Angeklagte soll nun seine Vcrtrauensstelluna dazu benutzt haben, um nach einer sehr raffiniert ausgeklügelten Methode und mit Hilfe gefälschter Agenten-Bestcllscheine sich die fehlenden Billets angeeignet zu haben. Er bestreitet dies und behauptet, daß der Fehlbetrag auf.andere Weise, durch ungenügende Kontrolle über die Buchfiidrung usw. entstanden sein kann. Zu den persön- licken Verhältnissen deS Angeklagten stellt der Vorsitzende fest, daß Zühlsdorfs geborener Berliner ist. das Einjährigenzeugnis erlangt hat und sein Abgangszeugnis gefälscht hat. Er hat aus den auf dem Zeugnis angegebenen Prädikaten lauter„Sehr gut".„Recht gut" und„gut" gemacht— wie er jetzt behauptet, hat er dies erst im Laufe des vergangenen Jahre» getan, ohne einen rechten Zweck dafür angeben zu können. Er meint, er habe es wohl nur getan, weil er geglaubt habe, damit besser durch die Welt zu kommen. Im Oktober v. I. hat er gekündigt und wollte nach Amerika gehen, Ivo sich ein Freund von ihm, namens Artur Schulz, aufhält. Eckt- samcrwcise hat cr sich Visitenkarten mit dein Namen Artur Schulz drucken lassen. Er meint, daß dies nur ein„Symbol der Freundschaft" sein sollte.— Da 35 Zeugen vernommen iverden, wird die Verhandlung wahrscheinliK erst am Montag beendet wer- den. Wir Iverden uns auf die Mitteilung des Urteils beschränken, da die umfangreiche Zcugenvernebmung sich im wesentlichen auf die Einzelheiten der technischen Behandlung der BillctS erstreckt und ohne allgemeines Interesse ist. Ein Schulmäbchen 45 Stunden lang im Karzer. Der..Münchener Post" entnehmen wir folgenden für die Ge- wiffenlosiakeit bayrischen Volksschulkindern gegenüber bezeichnen- de» unerhörten Vorfall: Ein kaum glaubliche» Vorkommnis bildet zurzeit daö Tagesgespräch in Haidhausen. Ein Mädchen, daS im SchulhauS an der Kirchenstraße die 7. Klasse besucht, sollte am Camstag. den 1. Mai, nachmittags eine Karzerstrafe abbüßen. Daö Kind lief wiederholt schon von der Schule und der elterlichen Wohnung fort, um eine auswärts wohnende Großmutter zu be- suchen. Bisher waren diese Vergehen mit je 2 Stunden Karzer geahndet worden. Nun aber sollte eine„angemessene" Verschärfung der Strafe eintreten; der Hausmeister erhielt den Auftrag, dafür zu sorgen, daß das Kind sein Mittagessen bekommt, um eS dann einzusperren. Die kleine Büßerin stellte sich dem gestrengen Maniie, der dann seines Amtes waltete. Das heißt, er führte daS Mädchen nach dem unfreundlichen Orte, sperrte die Tür gehörig ab und ging seiner Arbeit nach. Die vier langen Stunden loaren längst verstriche», aber niemand kam, der den Karzer geöffnet und der sehnsüchtig harrenden Kleinen die Freiheit wiedergegeben hätte. Allmählich brach die Nacht herein, eine schrecklich lange, kalte Nacht. Niemand kam. Bei Tagesanbruch saß das Kind immer noch im Karzer. Und den ganzen Sonntag über mußte das Kind noch ohne Speise, ohne Trank ebenfalls in der Gefangenschaft zubringen. Zum zweiten Male nahte die Nacht, die daS unglückliche Geschöpf in dem Gelaß zubringen mußte, dessen ganzes Müblement in einer kurzen Bank besteht. Vergebens flössen seine Tränen und ungehört verklangen seine Klagerufe an den kahlen Wänden. Auch als am Montag früh der Unterricht begann, schmachtete die Schülerin noch immer unbeachtet in ihrem Kerker. Die Mutter hatte sich am Sonntag be« dem Oberlehrer nach dem Kinde er- kündigt; dieser glaubte aber, daß das Mädchen wieder davon- gelaufen und nirgend» zu finden sei; die Mutter war der gleichen Ansicht. Da, im Laufe des Vormittag», gegen%10 Uhr, vernahm man im Hause ein ausfallendes Geräusch; daS eingesperrte Kind hatte seine letzten Kräfie zusammengenommen, um sich bemerkbar zu machen. Dann endlich öffnete sich ihm die Tür, hinter der eS 45 Stunden unsagbar gelitten hatte." wietropol- Theater. Allabendlich- Dte oberen zehntausend. Metchoyallen- Theacer. Allabendlich: Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. � ««u„av Belirrns- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. learl Haverland-Theater. Mabendlich; Spezialitäten. tlÄintergarte». Allabendlich: Spezialiläten. Apollo, Tlleatcr. Allabendlich: Spezialitäten. Passnge-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich? Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten Palast. Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania. Theater. Taubenstrage 48/43. Allabendlich: Bon Mbazio bis Korsu. Sternwarte, Jnvalldenslr. 57—62. dochen-Spielplan der Berliner Cbeater. floiiigf. Opernhaus. Sonntag: Die Fledermau«. Montag: Lohengri». (Anlang 7 Uhr.) Dienstag: Dte lustigen Weiber von WIndsvr. Mittwoch: illcktra.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Di» Hugenotten. Freitag: Mianon. Sonnabend: Die Fledermaus. Sonntag: Tristan und Isolde.(Ans. 7Uhr.) Montag: Ein Wiiiirrinärchen. «ünigl. SchausplelhauS. Sonntag, Die Jimgsrau von Orleans. Montag: Die Nabenstcinerln. Dienstag: Der Schlaabaum. Mittwoch: Dte Karolinger. Donnerstag: Mr«. Dot. Frrttag: Die Karolinger. Sonn. abend: Zopi und Schwert. Sonntag: Die Karolinger. Montag! Die Ouitzows. Neues königl. Oper»- Theater. Sonntag: Schwanensee. Montag und Mittwoch: Pnchtta. Dienstag: Das schlecht bewachte Mädchen. Die Rast der Kavallerie. Donnerstag:(Melle. Frrttag: Schwanensee. Sonnabend: Di- Zanbcrsläte. Die Rast d-r Kavallerie. Sonntag: Slselle. Montag: Die Zaubcrflite. Dte Rast der Kavallerie. Deutsches Theater. Sonntag: Faust. Montag: Was Ihr wollt. Dienstag und Donnerstag: Faust. Mtmvoch: Der Kaiismann von Venedig. Frettag: Roolnlion in Krähwinkel. Sonnabend: Eln SommernachtStraum. Sonn lag und Montag: Faust. Deutsches Theater.(Kamm erspiele). Sonntag. Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: Der unverstanden« Mann. Montag, Mittwoch und nächsten Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Freitag: Der Gras von Gleichen. Montag: Frühlings Erwachen. Lessina-TIienter. Sonntag: Nachmittags Z Uhr: Rosenmontag. Slbends: Der König. Monlag: Klei» Epolf. Dienstag: Der König. Mittwoch: John Gabriel Borlman. Donnerstag: Wen» wir Toten erwachen. Freitaa: Die Verhüllt». Sonnabend, Sonntag und Montag: Die Dollar» Prinzessin._ Berltner Theatee. Sonntag Nachmittag» 3 Uhr: Minna von Bnrnhelm. Allabendlich: Ein Herbstmanöver. Nächsten Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnheim. NeueS Tchnuspielhaus. Sonntag: Mahö. Montag: Nachtasyl. Von Dienstag bt» nächsten Montag allabendlich: Mahj. Kleines Theater. Allabendlich: Moral. Neues Theater. Von Sonnlag bis Mittwoch: Renaissance. Von Donnerstag bis nächsten Montag allabendlich: Tricoch« und Eacolet. ReiidriivThearer. Allabendlich: Kümmere dich um Amelie. Komische Oper. Sonniaa: Nachniiitag» 3 Uhr: Die verlauste Braut. Abends: Tosca. Montag: Hossmann» Erziiblungrn. Dienstag r Ticstand. Mittwoch: Zaza. Donnerstag: Tosca. Freitag: Emmen. Sonnabend: HoffmannS Erzählungen. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: HossmaimS Er- zählungen. Abends: Tiefland. Montag: Carmen. Hebbel-Theater. Sonntag: Revoluttonshochzelt. Montag: Arsöne Lupin. Dienstag und Freiiag: Der Liebhaber. Mittwoch.: Frau Warrens Gewerbe. Donnerstag, Sonnabend und nächsten Sonntag: Zicbolutions- Hochzeit. Trianon- Theater. Allabendlich: LicbeSgcwitter Neues OperetieU< Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: DaS verwunschene Schiotz. Abends und bis DienStag: Der Zigeuncrbm on. Mittwoch: Die Dsllarprtnzesstn. Von DonnerSIag bis Soniiabend: Der Zigennerbaron. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: DaS verwunschene Schloß. Abends: Der Zigeuncrbaron. Montag: Unbestiiiinit. Laftspirthauo. Sonntag! Nachmittag» 3 Uhr und allabendllch: Im Klubiessel. Theater de» Westen». Sonntag: Rachmittag» 3'/, Uhr: Ein Walzer- tranm. Abends: Die lustig« Witwe, von Montag bis Mittwoch, Ein Walzerlraum. DoiinerSIag und Freitag: Der tapiere Soldat. Sonnabend: Dte insltge Witwe. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Ei» Walzertraum. Abend«: Di» lustige Witwe. Montag: Unbestimmt. SN,tUer.Tl»»a»»r O. Sonniag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volks- felnd. AbenbS. Montag und Donnerstag,: Narziß. Dienstag und Mittwoch: Doktor Klaus. Freitag und Sonnabend: Jungser Obrigkeit. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Voikssetnd. Abends: Jungfer Obrigkeit. Montag: Narziß. Schill cr-Theater tkharlottrnburg. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Rechts herum. Abend» und Montag: Die Welt, tn der man sich langweilt. Dienstag und Mittwoch: Narziß. Donnerstag: Doltor Klau». Freiiag upd Sonnabend: Narziß. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Rechts herum. Abend«: Narziß. Montag: Doktor Klau». Friedrich- Wilhelmstädiisches Schauspielhaus. Sonntag:.Nach». mittag» 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abend»: Lumpazloagabundu». Montag: Di, Siebzehnjährigen. Dlensiag: Der Kilometeftresser. Mittwoch: Im weißen Röhl. Donnerstag. Frettag und Sonnabend: Der Kilometcftresser. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abend»: Husarensteder. Montag: Der Ktiometeftresser. Thalia- Theater. Allabendlich: Hanne Nüst'» Abschied, Möller Boß und Jochen Päsel Lniien-Thcater. Sonnlag: Nachmittag» 3 Uhr: Da» Käthchen von von Heilbronn. Abend» und solgende Tage Krone und Fessel. Berliner Operetten, Theater stlHV. Sonntag: Nachmittag» 3>/, Uhr: Friedenskämpfe. Abend»: Berlin wie e» weint und lacht. Von Montag bi» Mittwoch: Der Prozeß Hnnsel. Von Donnerstag bi» nächsten Sonntag: Der Dorspsarrer. iAnsang S'i, Uhr, Sonntag« 8 Uhr.) Gastspiel-Theater, von Sonntag bi« Mittwoch: Gefallene Mädchen. Donnerstag und Freitag: Die Frau Gräfin. Bon Sonnabend bis nächsten Montag: Unbestimmt. Bernhard»kose> Theater. Sonntag: Nachmittag« 3 Uhr: Gras Essex Abends. Montag,'Mittwoch und Freitag: Sprecwald- Kate. Von Dicuslag bis nächsten Montag: Der Leiermann und sein Kind. 8'/ Sh"'** �brice. Täglich: Allein— endlich. Ungerade Tage.(Ausaug ' tkasuio-Theater. Sonntag i Nachmittag» 4 Uhr: Ackermann. All- abendlich: Da» Opserlamm. Vermiscktes. Uebcr einen Grubcnbrand auf Zeche„Graf Schwerin" be- richteten wir in unserer Nummer vom 23. April. Unter anderem war auch der Tod eines Steigers erwähnt, der nach uns gemachter Meldung darauf zurückzuführen war, daß die Rauchapparate nicht in Ordnung gewesen sein sollten. Hierzu schreibt uns die Leitung der Zeche„Graf Schwerin":„Es ist unwahr, daß der Erstickungstod deS Steigers P. von Zeche„Graf Schwerin" darauf zurückzuführen ist, daß die bei den Abdämmuiigsarbeiten benutzten Rauchapparate nicht in Ordnung waren. Üiichtig ist, daß die Apparate sich als in jeder Weise in Ordnung befindlich und gebrauchsfähig erwiesen haben. Es ist unwahr, daß 3 Steigcrrevicre infolge des Brandes außer Betrieb gesetzt werden mußten. Richtig ist dagegen, daß ein Teil eines Reviers gefeiert hat."— Wir müssen es unserem Gewährsmann überlassen, sich zu dieser Richtigstellung zu äußern. LicbeSbrama in einem Wiener Hotel. Einer Wiener Meldung zufolge hat sich in einem dortigen Hotel ein Liebesdrama ab- gespielt. Ein gewisser Alfred Davidsohn auS llharloitenburg erschoß die aus Pankow stammende Charlotte Maschka und machte darauf einen Selbstmordversuch. Anscheinend ist er lebensgefährlich verletzt. Die vomve im Straßeniahnwagrn. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, wurde dort gestern in einem Straßenbahnwagen eine Bombe gefunden, die, als man sie entfernte, explodierte. 20 Per- sonen wurden dabei verletzt. Nach einer weiteren Meldung explodierte auf offener Straße eine Bombe, wodurch ein Polizeibeamter und ein junges Mädchen schwer verletzt wurden. Großer Waldbrand. Dem seit gestern an der Strecke Dorsten —Schermbeck wütenden Waldbrand sind, wie aus Bottrop ge- meldet wird, bisher schon etwa 2000 Morgen zum Opfer gefallen und noch 80 000 Morgen sind gefährdet. Große Mengen Wild kommen in den Flammen um. Die Feuerwehren und Be- wohner der umliegenden Ortschaften arbeiten angestrengt an der Eindämmung deS Feuers. Freie Jugendoraanifation Eharlottenburg. Heut« nachmittag 3 Uhr im Voltshause, Rofinenstraße 3: Mitgliederversammlung mit V o r t r a g.— Nachdem Spiel- und UnterhaltmiaSabend. Allgemeine Aamilien-Sterdekasse. Heute Zahltag und Aufnahme Ackcrstr. 128 Im Restaurant von 3— S Uhr. Kaufmännische Krauke»- und Sterbekassc von 1885(E. H. 71). Dienstag, den ll. Mal, abends 0 Uhr, im Restaurant A. Landre, Stralauer Straße 38/37: Sitzung. Aeetreiigtble Genieinde. Sonntag, den 9. Mai cr., vormittag» S Uhr, in der Halle, Pappel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung.— Vor- mittag» lO'ft Uhr in d-r Schule, Kleine Frankfurter Str. 0: Vortrag von Herrn Pros. Dr. A. Gchrte: Mittel und Ziele der alten Kirche. Herren und Damen sind als Gäste sehr willkommen. Briekkatten der Redaktion. Tt« lutinitAt Svrechstiiuve ttnde« Lindenttraste fit. 5, zweiter Hot, dritter Ei»aa»a. vier Treppe«, WM- Fahrstuhl 489 wi-che»t adcnve von?>/, bis O'/i Mir statt.(Otöftnct 7»dr E«»»abend» b«a>»»t dir»vrrihftiindc»I» O Uhr. Jeder«>, frage ist ein Äuchftab» und etnr Zahl al» tvlertzriihrn brunftige».-vrtrfliNi, Vutluort wirb ntrfu r teilt. Bis zur Beantwortung im Bei-stastcu können 14 Tag» vrrg clicn. wllig» Kragrn»rag» man tu der«vrrckifiuudr vor. M. 55. Lohnbeschlagnahme wäre nicht zulässig. Im Fall einer Klane würden Sie aus Grund Ihres Aneikernttnisses voraussichtlich verurteilt werden. Sollte Ihr Gesuch vom Magistrat abgelehnt werden, so kömiicn Sie sich mit einer Petition an die Stndlverordnctcnversammiung wenden, die Ihr Gesuch wohl dem Magistrat zur Berücksichtigung überweisen wird. — A. lttv. Ein Z i v i I rcchtöurtcil wird iuncryalb eine« Monat» nach der Zustellung(nicht Vcrkündnng oder Aushang) icchtsstäslia. Nach Rechts- kraft eines aus Eidetleistung lautenden Urteil« kann zur Eidesleistung ge- laden und nach Rechtskrnit oder Vollstreckbarkeitserklärung beS dann ergehenden Urteils Kostenerstattung beantragt werden. Ein Straf gerichtS- urteil wird rechlskrästig. wenn gegen dasselbe nicht innerhalb einer Woche nach seiner Bei kündung Berusuiig einaeieat ist.— Ä.«s. 88. Leider wäre ein Antrag aussichtslos.— O. P.>00. Eine Reklamation kann Ersvla haben. — G. Ä. Da« ist nicht anzunehmen.— Kir. 42. Da lediglich vierzchn- tägige Kündigung vereinbart ist, nicht aber vierzehntäglge Kündigung nur zum Ersten, würde Ihre'Nichte mit einer Klage nicht» erreichen.— M, W. 14. Sollte Psanduiig ersolgeii, so mutz der Eigentümer der Sachen Jntcrvenlioiistlage erheben. In dieser hat er sein Eigentum selbst zu.beweisen. Was unpsandbar ist, ist im Gesetz de» einzelnen nicht aus- geführt; e» werden nur die uiienlbehiiichen Sachen sür unpsändbar erklärt. In Ihrem Fall wstrde-Ine Uhr unpsändbar sein.— I. H. 43. Wenn Sic dewcise» können, daß die Scheidt bereit« zerbrochen war, haben Sie dieselbe nicht zu ersetzen.— R. K. 33. Bcaittragcn Sie bei der Polizei, dem Meister die Karte abzunehmen und sie Ihnen zu übergeben. Und beantragen Sie dann bei der BersicherimgSanstall, den Mann zu veranlassen nachziikleben.— Nieder-Scyiinewcide. 1. Ja. 2. Nein. — Etvincer 118. Dte fragliche Sominerblunie war die wohlftcchende Wicke, dte»süße Erbte' der Engländer, eine etwa 2 Meter hoch rankende, an Spalieren oder Reisern zu ziehende Pflanze, deren wissenschasiiicher Name Lathyrusodoratue ist. Für 20 Pf. erhalten Sie in jeder Samenhandliing reichlich Samen guter Sorten, Die Schmetlerllngsblüten sind weiß, gelb, rot und blau bi» zum tiefsten Schwarzrot und Schwarz- blau. Polle Sonne und Bewässernna sind zum guten Gedeihen erforderlich. Zur Aussaat ist es jetzt höchste Zeit. Briefkasten der Expedition. »Gera— Rens,.-- Inserat kostet 3,20 M. Amtlicticr Marktbericht der itädlilchen Markiballen-Dtrektton flbn den Großhandel in den geiiwai-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geichäst still. Preise unverändert. Wild: Zufuhr sehr knapp, Geschäft ziemlich rege, Preise behauptet. Geflügel: Zusubr mäßig. Gelchäst rege, Presse gut. Fische: Zufuhr knapp, Geichäsl etwas belebter, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd- l r ü ch t e: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend. Preise fast unverändert. «vasserftandS-Nachrtchten der LandeSanstatt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Kross«, �,- grankturt Warthe, Schrinm» , Landsberg Rehe. Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Bardo » Magdeburg Wasserstand Saal», Grochlttz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Soremberg'Z , Beeskow Weser, Münden , Rinden Rhein, RarimilianSaii , Kaub , Kötti Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 7. b. om 123 103 145 92 132 -23 60 44S 232 2GS 79 151 84 seit 6. 5. cm l) —9 0 —3 +8 0 —6 —8 —9 —7 -13 — 1 —5 —14 O-f bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unierpegel. . 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Jacketts und Cape« S-äTs Mraparie KimONOS, Kein Ladeo Kr. 107. 26. Jahrgang. 4. Keilmt des Jorniittü" ßrrlinec Mdsdlslt. Sonntag. 9. Mai 1909. Sand werteburtc�en• Crlebnlffe. Nach langer Fuhwanderung in Pommern entschloß ich mich. nach Berlin zu fahren. Das Fahrgeld vierter Klasse hatte ich mir zusamemngefochten und so traf ich gegen 2 Uhr morgens auf dem Stettiner Bahnhof ein. Ich ging in den Warteraum, wurde aber von dem kontrollierenden Beamten hinausgewiesen. Müde schien- derte ich der Friedrichstratze zu, das Nachtleben beobachtend. Ein unreifer Bursche in dufter Schale(guter Kleidung) hänselte einen Schutzmann. Nur der Langmut des Uniformierten hatte er es zu danken, daß er nicht notiert wurde.„Ich erschieße Sie," rief er, dabei zog er eine Seltersflasche mit Schnaps aus der Tasche und richtete diese gegen den Beamten, um dann in der Tür einer Nachhkaschemme zu verschwinden. Dann sah ich Prostituierte, die hier in guter Kleidung ihrem Gewerbe nachgehen und ihren Körper jedem, der gut zahlt, feilbieten. Wie ich in die Potsdamer Straße gekommen bin. weiß ich selbst nicht, ich schlief im Gehen. Laufeil mußte ich, um nicht zu frieren. Zwei halbwüchsige, gut- gekleidete Bengels uzten ein alleingehendes Mädchen:„Fräulein. kommen Sie mit. wir geben Ihnen ein warmes Frühstück!" Weiter unten in der Potsdamer Straße traf ich einen Be° kannten von der Schöneberger Volksküche. Vor zwei Jahren lernte ich ihn da kennen. Er war Schlosser. Die verfluchte Ärbeitslosig- keit machte ,hn zum Pflastertreter feineren Genres. Er gab mir einen Puppen(lv Pf.).„Ich gäbe Dir gern mehr, aber leider ist bei mir der Pleitegeier auch zu Hause." Sein Weib kam dazu. Gern hätte sie mir etwas gegeben, sie hatte aber selbst nichts. Die Müdigkeit übermannte mich. An einer Ecke sah ich einen Blanken stehen. Ich ging auf den Mann zu.„Herr, können Sie mir keinen Platz sagen, wo ich bis Tagesanbruch zubringen kann. Bin die Nacht nach 2 Uhr von Stettin in Berlin per Bahn ein- getroffen!" Der Mann wußte auch keinen Rat für mich. Ich ging wieder zurück, nach dem Potsdamer Bahnhof zu. Hier waren die Warteräume noch geschlossen und ich trottete die Königgrätzer Straße entlang. In einer offenen Wirtschaft tranken zwei Kutscher ihren Frühkaffee. Die kleine dicke Besitzerin der Destillation gab mir für meine It> Pf. für Kaffee noch mitleidig eine Schrippe zu. Eine Stunde hielt ich mich in dieser Lokalität auf, um später die Wärmehalle in Schöneberg aufzusuchen. Hier mußte ich warten bis Tag war und die Halle geöffnet wurde. Dann fanden sich noch andere Arbeitslose ein, welche kein Heim hatten oder nur nachts in ihrer armseligen Schlafstelle geduldet wurden. Ein alter Mann mit eisgrauem Kopf und Barthaar führte die Aufsicht in dem Raum. Wünschte jemand etwas zu Essen oder Trinken, so wechselte er die Reichsmünze in Metallmarken ein zur Kontrolle über das am Tage Verabreichte. Ich nahm den neuesten„Vor- wärts", welcher in einem Zeitungshalter eingespannt an der Wand neben anderen Zeitungen hing und gab dem alten Aufseher gegen- über meiner Verwunderung Ausdruck, daß diese Zeitung auch hier hing.„Es ist die reinlichst gehaltene Zeitung; sie wird von den Besuchern der Wärmehalle am wenigsten gelesen." war seine Antwort, die mir zu denken gab. Lange hielt es mich hier nicht, der Hunger trieb mich hinaus. Ich ging nach der Charitestraße und holte mein Lokalgeschenk vom Deutschen Metallarbeiterverband, Zahlstelle Berlin, das aus einer Schlafmarke bestand und für eine Nacht Schlafen und Kaffee Geltung hatte. In der Herberge des Gewerkschaftshauses am Engelufer blieb ich zunächst, und da ich wußte, daß meinem Körper infolge der Anstrengungen und Unter- ernährung eine Katastrophe bevorstand, blieb ich in Berlin und Urhlte jeden Abend das auf 30 Pf. ermäßigte Schlafgeld. Der Ausbruch einer Krankheit ließ nicht lange auf sich warten. Auf einem Gange durch die Lindcnstraße hatte ich mir in einem Hause zwei Glas Wasser geben lassen und schnell getrunken, obwohl es draußen eisig kalt war. Am Abend stellte sich Fieber ein, das mich böse mitnahm. Starker Hustenreiz mit Auswurf peinigte mich sowie Appetitlosigkeit. Vier Tage schleppte ich mich so in der Herberge herum. Schließlich ging eS nicht mehr. Ich ordnete meine Papiere und steckte das Notwendigste in die Seitentasche meines Jacketts. Das andere packte ich in Zeitungspapier zu einem kleinen Paket mit Bindfadenkreuzband und gab es gegen einen Papierscheck in der Herbergsoffice ab. Dann ging ich nach dem nächsten Polizeirevier. Es war das am Michaelkirchplatz. Hier meldete ich, daß ich krank sei, mittellos und momentan keine Rechte an irgend eine Krankenkasse habe. Man wies mich ab, obwohl ich bekannte, seit meinem Aufenthalt in Berlin ständig gebettelt zu haben, um leben zu können. Es blieb mir weiter nichts übrig, mich an einer Straße auf den kalten Bürgersteig zu legen, bis ein Polizist mich wegen Vcr- kehrshinderung von der Straße bringen mußte. Laufen konnte ich kaum mehr, meine Füße waren schwer wie Blei. In der Adalbert- straße. Ecke Engelufer, legte ich mich auf die Straße. Es sammelten sich Leute um mich, Proletarier, Männer und Frauen. Mitleidig fragte man, was mir fehle.„Ich bin krank, war schon bei der Polizei. Diese will mich, weil ich keiner Kasse angehöre, in kein Krankenhaus bringen," antwortete ich. Ein Arbeitsloser gab mir 25 Pf.„Kauf Dir etwas zu essen," waren seine Worte. Eine Frau in ärmlicher Kleidung gab mir eine halbe Mark, eine zweite ebensoviel. Endlich kam ein Schutzmann.„WaS ist mit Ihnen los?" „Ich bin krank," war meine Antwort. „Kommen Sie mit." Ich klagte, daß ich schlecht gehen könnte, es half nichts, ich mußte zu Fuß mit. Wir gingen das Engel-Ufer entlang über die schmale Melchiorbrücke in eine Klinik, wo mich ein Arzt untersuchte. „Sie sind nicht krank, Herz und die anderen Organe sind bei Ihnen gesund. Sie haben nur gehungert," war sein Bescheid. Eine große Frau in Schwesternkleidung gab mir mitleidig eine Tasse beiße Milch und zwei belegte Schrippen. Ich trank die Milch und zwang mich, eine halbe Schrippe zu essen. Dann folgte ich dem Schutzmann nach dem Polizeirevier am Michael-Kirchplatz. Hier mußte ich warten, bis ich von einem Beamten aufgefordert wurde, mit nach dem Hof zu gehen. Hier wartete schon der Kutscher, welcher mich in der„grünen Minne" weitertransportierte. Erst toar ich allein im Wagen. Doch der Wagen hielt an mehreren Polizeirevieren, so daß wir neun Personen waren, als wir nach dem Alexanderplatz kamen. Unterwegs waren auch eine Frau und ein Mann zugekommen. Das Weib jammerte und gab ihrem Ge- sponst die Schuld, daß sie in die Hände der Hermandat geraten sei. Die anderen Insassen des Wagens waren ärmlich gekleidet und hatten sicher aus Not sich Vergehen zuschulden kommen lassen. Am Alexanderplatz angekommen, wurde ich eine Treppe hoch in ein ge- räumiges Zimmer geführt, wo ich mich auf eine Bank setzte. Ein Beamter in Zivil trat ein und warf krachend die Türe ins Schloß, dabei mich scharf ansehend, ohne mich zu fragen, um bald darauf das Zimmer wieder zu verlassen. Wie lange ich hier wartete, weiß ich nicht. Endlich forderte mich ein Schutzmann auf, ihm zu folgen. Wir gingen die Treppe abwärts. Wieder mußte ich die„grüne Minne" besteigen. Neben Mädchen, junge Dinger, teilten den Platz im Wagen mit mir. Sie waren von der„Sitte"(Sittenpolizei) gekapert(erwischt) worden. Der Wagen hielt im Hofe des Polizei-Asylcs. Im Aufnahmeraum mußte ich warten, bis ich in ein Zimmer gerufen wurde, wo mir ein Beamter schimpfend folgenden rosafarbigen Schein ausstellte: Form. 18. St. O. Nr. 3773—08. D Ernst Sch...... kann noch bis einschließlich 26./3. 09 nächtigen. Berlin, den 10./3. 1909. Inspektion des städtischen Obdachs. I. A.: (Nicht zu entziffernde Unterschrift des Beamten.) Nach Empfang des Scheines kam ich in einen Raum zu noch vier Mann, mit denen ich nächtigte. Baden brauchte ich nicht.(Auf alle Fälle hätte ich mich auch geweigert, weil ich vorher nicht in einer Schmutzherberge nächtigte.) Später mußte ich wieder in einen Raum Nr. 17; weil die Türe aber noch geschlossen war, tonnte ich nicht hinein. „Rindvieh!" titulierte mich ein Wärter. Ich antwortete nicht darauf. Die Fischbeckschen Gummiknüppel fielen mir ein. End- lich schloß der Wärter auf. Eng aneinander standen dauerhafte Trahtpritschen. Vier Mann und ich erhielten ciuc kleisternde Mchlsuppc, pappend wie Gummi arabicum, und ein Stück grau» schwarzes Brot. Das Brot verschenkte kch, weil mein Magen nichts mehr annahm. Nur einige Löffel der heißen, klevcndcn Brühe aß ich, dann gab ich den Rest meinem später neben mir liegenden Partner. Der zwanzigjährige junge Mensch battc einen bereits ausgeschworcnen Karbunkel am Bein. Ich sah es, als er den Ver» band löste. Es ivar schrecklich anzusehen. Am Abend wurden sämtliche Trahtpritschen belegt. Eine NN- heimlich trockene, penetrante Hitze herrschte in dem Raum. Ich litt stark am Fiebcrdelirium. Schlaf fand ich nicht. Durst und Hustcnauswurf peinigten mich die ganze Nacht. Endlich graute der Morgen. Hundsmüdc und krank verließ ich den Drahtrost, worauf ich die Nacht dämpfte. Das Frühstück, die Mehlsuppc, nur einige Löffel aß ich. Das Brot gab ich weiter. Endlich kam ich vor dem Arzt, einem» alten, militärischen Herrn. Dieser ordnete eme Ueberführung nach dem Krankenhaus an. Man packte niich in einen Korb mit wollener Decke und schaffte mich nach dem städtischen Krankenhaus am Friedrichshain. Da lag ich zwei Tage im Fieberdelirium, renitent gegen Arzt, Wärter und Krankenschivestern. Patienten erzählten niir später, sie hätten befürchtet, ich ginge über den Jordan oder in die Gefilde der vielen namenlosen Seelen. Nur kurze Zeit litt es mich im Krankenhaus. Ich liebe das sich bewegende, immer pulsierende Leben. Am Donnerstag vor Ostern wurde ich auf meinen Wunsch entlassen, um wenigstens etwas freier cxistenzlose Ostern zu feiern. «SUtenmgSnberftcht vom 8. Mai 1909, morgen« 8 Uhr. Gtottofien swinemde Hamburg »erlin Frankfa M München|766D Wien 7ÜKWNW LS el Ii ts 7663 768 WSW 767 SW 768 NO Setter 2 bedeckt 3 wolkig L bedeckt 2 heiter 6 wölken! 2 halb bd e-Ä c* t* «2, -1 1 10 10 11 Wetterprognose für Sonntag, den 9. Mai 1909. Ziemlich kühl, zunächst meist trübe und regnerisch bei frischen nord- westlichen Winden; spater langsam ausklarend. Berliner Wetterburean. i r CONRAD TACK& Cli: ÄSo. Damen- braun Chevreau-Schnürstiefel mit und ohne Lackkappen in neuesteh Formen und Farben 10.50, 8.50 Damen-Schnfirstiefel schwarz Chevreau, leicht und elegant...... Damen-Chromleder-Schnürstiefel mit Lackzierkappeg� besonders preiswert..... 750 850 590 Herren- braun Chevreau-Schnürstiefel mit und ohne OgQ Lackkappen, in neuesten Formen und Farben.„ 10.50 O Herren-Schnürstiefel schwarz Chevreau oder fein Boxleder, vorzügl. 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Eltern, wahret Euer Erziehungsrecht! Arbeiterturner, wahret Euer Bereinsrecht! Alle Arbeiterturner bis zum St. Lebensjahre will das Königl. Provinzial- Schulkollegium auf Verordnungen aus den Jahre» 1808, 1834 und 1839 als Kinder behandeln, das heißt, ihnen das Bereinsrecht nehmen. Und das alles trotz des liberalen Neichsvercinsgesetzes Kein Freund der edlen tarnlache darf fehlen! 284/10* Der Klnbernfer: Herrn. Xanncr, Fürstinstr. 19. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands. •Filiale BerUn 1. Achtung S Achtung! Musterkonfektion! Am Montag, den 10. Mai er., abends 8 Uhr, findet bei Grunze, Schönhauser Allee 1S7, für die Schönhauser Borftadt eine Bezirks- Versammlung statt. 182/16 TageS-Ordnung:. 1. Welche Ausgaben entstehen für die Musterkonfettion durch den ab- geschlossenen Kostümlchneider-Taris? Referent: Kollege Knopp« 2. Wcrkstattaiigclcgenheilen und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Die Kommisston. 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Bin täglich aus dem Terrain. Devtscher Holzarbeiter-Verband. Ortsverwaltung: Berlin. Montagf den 10. Mai 1909, abends 5% Uhr (gleich nach Feierabend): IMitglieder-11 ersammlungen Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme z« der am 19. Mai stattfindenden Generalversammlung(Anträge: a) Umwandlung der freiwilligen Extrabeiträge tn obligatorische für die Dauer von 13 Wochen; b) Neuerungen in der Verbandsbibliothey. 2. Bericht von der Maifeier und Maiaussperrung. 3. Verbandsangelegenheiteu. Die Versammlungslokale sind folgende: 83/16 Bilderpahmenmacher im Gewerkschaftshaaue, Engelufer 13, Saal 5. Perlmutt-, Horn- II. Sleinnußarbeiter im Bewerkacbaftohanae, Engelufer 15, Part., ArbeitSIosensaal. Tischler. Süd' WßStCO bei Habel, Bergmanustr. 5/7. Süden tm Mttrklschen Hof, Rdmiralstr. 18c. Cililnefan I(»wische« Sldmiralstrafte und Mauteuffelstrahe) sUllvslell I bei BvbnR. Nauilyustr.«. eilrlaeian II(von Mauteuffelstraffe ofttvärt») im Belebea- SlluuSieu ll berxer Hot, Reichenbrrgerstr. 147. nelan I(»wischen Zentrum und Fruchtstrafie) bei Borxmaiui, Ublvll 1 Andrenssir. 21. Osten II Oestllche Vororte � snÄi?ÄW',,,,w Nordosten&el Boeker, Weberstr. 17. Hntiilan(Rosenthalrr und Schönhauser Vorstadt» bei WHke, HDraen Bruuuenstr. 188. Gesundbrunnen, Wedding a. Moabit Bautischler. Bez. 1: Südwesten, Süden, Südosten,»dmKV. (Diese Versammlung beginnt um 8'/, Uhr.) Bez. 2: Osten, � Zlet«, Warschauer Straffe 61. Bez. 3: Norden u. nördl. Yororte,«o�tfflVÄ.74. Bez. 4: Gesundbrunnen, Wedding und Moabit, bei Rabe, Kolberger Str.»3. Vergolder. in bm Armin-Hallen, Kommandantenftr. 68—59. sammlung beginnt im» 8 Uhr.) (Diese Ver> Hreedsler, sreppengeläniler- und tuiusmödeldrallede bei Boeker, Weberstr. 17.(Um 8'/, Uhr.) Klavierarheiter UM 8 Uhr abends im«everksebaltubanse, Engelufer 15, Saal 8. Jflöbelpolierer, Seizer und Msgszinsrdeitsr. BeZ. NOrden bei Cramer, Hufiitenstr. 40. Bez. Osten bei rre�er,«oppenftr. LS. Bez. Süden. Südosten n. Südwesten �K?.7nst?.�' In diesen Bersammlnngen werden die Delegiertenkarten ausgegeben. Mitgliedsbuch legitimiert.= Die OrtBvorwaltnng. Zentral- Verband der Stnkhateure Oeutschlands.— Filiale Serlitt. MM" Freitag, den 14. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Außerordentliche Klitgliederuersammhmg. TageS-Ordnung: i. Unsere Lohnbewegung. 2. Verschiedene?. its/is* Alle Kollegen, die im Kiindignngsverhältnis stehen, haben sofort die Kündigung einzureichen, sofern dasselbe noch nicht geschehen ist. StrbrttSnachweiS: Hos 1. Amt 3, 1239. Berwaltungsftelle Berlin. Hauptbureau: Charitästraßo 3. Hos in. Amt 3, 1987, Da am Sonnabend, den Mai, der Tarif abläuft, ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. JgQT Das Einignngsamt tagt am Donnerstag, den 13. Mai, vormittags S Uhr, im Gewerbegericht. Die Sitzung ist öffentlich. Die Ortsverwattung. Montag, den 10. Mai IVOS Bezirks- Veriammlungen für die gesamte Oerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: 1. Weißensee: RoSkopr, Königchaussee 38, abend»«'/, Uhr. Vortrag deS Kollegen W ü ck« über:.Die ReichSfinanzreform'. 2. oslen-LlchleDberg: Vortrag des Benossen E. Brückner. 3. Slralau-Bummeisburg: Vortrag des Aollegen W u s ch i ck über:.Oliver Cromwell und die englische Revolution�. a Cfldan* OeiforkuchattKihana, Engelufer 15. Saal 1, 4. dllUCD. abends 8'/, Uhr. Vortrag des Genoffen Koblenzer über:.Die neue Reichs- oersicherungsordnung''. ö Rixdorf* Uoi>pea reutsttle, Hermannstr. 49, ab. 8'/, Uhr. 6. Westen und Sehöneberg: Vortrag des Koll. Thielicke über:.Die ReichSversicherungsordnmig-. ?. Gdariollenburg:«ÄS1,3, a6M,8,',n� o ClarflilT- Schellhaue,»hornstr. 15a, abend» 8V, Uhr- ö- dlCyillk. Vortrag de» Kollegen Hilpert über:»ThomaS Moore-- a Mnohif* Prachtuttle Kordwest, Wiclefstr. 24, abends o. InüdUlt. s»/, Uhr. Bortrag de» Genossen Warnst über:.Der Gesetzenlwurs über die ReichSversichcrungSordnung-. ll) Norden' Kolberger Strafte L3, abends kaminern" 8'/, Uhr. Vorwog des Genossen Ritter über:.Arbeits- n Ha reimt■ Frankes FcstslUe, Badstr. 19, abend» 81/, Uhr. • HUIUtU. Vortrag de» Kol Beamtin in der Jnduswie- io HnrHon* Obiglos FestsHIe, 1�- 11U1 UBD. 81/, Uhr. Vortrag des Genossen Hasselwerder, abends Vortrag des Kall. Grog er lrt..... Schwedter Str. 23, abends enoffen Giebel über:.Die neue RetchSversicherungSordnüng-. tK Tonol• ülcbbornsaie, Reinickendorf-West, Etchdornstr. S9, 1»- I C�Cl» abends s Uhr. Vorwag de« Kollegen H a r t m a» n. 1A Cnaniloil* Btfble, Havelstr. 20, abends 8'/, Uhr. Vorwag Über: 14-»stnllUdU..Konsumgenoffenschast und Arbeiterbewegung'. i5. übersebüneweide: N" über:»Die Grundlage der tapllalistischen Wirtschast'. Röpeilleit' Ritter, Bahnhofstr. 44, abend» 8 Uhr. Außer den Vorträgen ficht in allen Versammlung« auf der Tage». ordnung: Stellungnahme zu der am 24. Mai stattfindenden Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin. UM- Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt!-WW Imchfttfl werden zu diesen Versumminugen nicht verschlldt. .Zahlreich« Besuch erwartet Die Ortöverwaltung. Verdand der Sattler. Orts-verrvaltung Berlin. Donnerstag, de« 13. Mai 1999, abendS 8'/, Uhr: AuBerordentl. Generalversammlung in den.Arminhallen«, Kommandantenftraffe Nr. 58/59. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht und Abrechnung vom 1. Quartal 1909. 3. Beschlußfassung Über die vom Kölner BerbandStage empfohlene Regelung der Lotalkassen. 4. Wahl einer llgliedrigen Kommission zur Revidiernng de« OrtSstatuts. S. Anöfchlußantrag gegen den Täschner Richard Büttner. S. Berfchiedenes. Ohne JültgUedsbach kein Zatritt{ wv Die Wichtigteit derTageSordnung erfordert zahlreiches Erscheinen derMIlglteder. 156/20 Hie Qrtsverwaltnng. iwiMra- id Eleelfitiiälsicrte-Sclicijesellstliall vormals W. A. Boese& Co. 12. ordentliche Generaloerlammlung. Wir beehr« uns hiermit, uiffere Aktionäre zu der I'reitax,«len 28. IHlai er., vorm. 11 Uhr im Sitzungssaal der Gesellschaft hier. Köpenicker Str. 154. stattfindenden IM. ordentlichen Oeneralversammlang ergebenst einzuladen. Gegenständ« der Tagesordnung: 1. Borlage des GeschästsberichteS des Vorstandes nebst Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz pro 1908 sowie de? PrüsungSberichteS des AussichtSraie«, 2. Beichluhsaffmig über die Bilanz und Gewinnverteilung, 3. Erteilung der Entlastung an ÄusfichtSrat und Vorstand, 4. Zuwahl zum Aussichtsrat. Die Altionäre, welch« m der Generalversammlung daS Stimmrecht ausüben wollen, Hab« ihre Attt« ohne Dividendenbogen spätestens am sechsten Tage vor dem Versammlimgstage in Hcrlin bei der Kasse der Gesellschaft oder bei einer der nach- benannten Stellen: in Herlin bei ber Commerz- und Tiseonto-Bank, bei den Herren A. W. Krause«. Co., Bankgeschäft, in Franktnrt a». M. bei den Herren I. DrepfuS«. Co.» in Fibcrteld bei der Bergisch- Märkischen Bant, in Stettin bei dem Bankhause Wm. Schiutow, in Haonbnrg bei der Commerz- und DtSeouto-Bant zu hwterlegen. ES genügt auch die Hinterlegung bei ewem deutschen Notar und der Nachweis dieser Hinterlegung bei einer der Hinterlegungsstellen innerhalb der angegeben« Frist. Die Zulassung zur Generalversammlung erfolgt nur gegen Eintritts- karten, welche von obig« stellen auf Grund der bei dies« oder beim Notar ersolgt« Hinterlegung verabfolgt werden. Berlin, den 1. Mai 1909. Direktton der Aeeumulatoren- und Electrieitätstoerke-Aettengesellschaft vorm. W. A. Boese u. Co. H. Hartzfeld.' K. Knnze. Sophien-Säle Sophienstraße 17/18 Querstraße der Rosenthalor Straße— am Hackeschen Markt• Inhaber: Paal Itaatz== empfiehlt seine von 60—2000 Person« saffenden Säle zu Versammlung« VorwagS- u.«unstabendm usw. Lorzügl. Akustik. Kulant. Sntgeamtommen Statt besonderer Anzeige! Ein strammer Junge. Egon, Kurt, wurde uns am 7. Llpril 1909, abends V«10 Uhr, glücklich geboren, Gera-Reuß, pelix prsenkel und Frau Ida geb. Diebitsch. ZoÄMeiilliln'MiierValiivellin i. kür ckou Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 39S, Teil IN. Den Mtgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin IS» Sehnlz Straßmannstr. 3 gestorben ist. Ehre ihrem Sndeuken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 10. Mai, nachmittag» 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- iclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/11 Der Borttaud. ir teportartelter-Fertanfl. Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Leiter- gerüstbauer Paul Fricke am Mittwoch, den S. Mai im Alter von 30 Jahren an Lungenschwind- sucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet morgen Montag, den 10. Mai, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des ErnmauS. Kirchhofes in Rirdors, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 67/6 Ole Verwaltung 2. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 7. Den verussgenossen zur Nach- richt, dafi unser langjähriges und treues Mitglied 264/8 Fritz Heidrich am Donnerstag, den 6. Mai, plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Mai. nachmittag» 3 Uhr, vom Trauerhause Reichen- berger Straße 124 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand am ,a Beerdigangsverein I Berliner Zimmerleute. Am 6. d. MtS. starb plötzlich am Herzschlag im Alter von 51 Jahre» unser Mitglied, der Zimmerer ktteclridi Heidrich. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. d. MtS., nach- mittags 2'/, Uhr, vom Trauer. hause, Reichenbergerstr. 124, auS statt. Um rege Betelligung ersucht Z47Sb Der Borstand. |ZeDtral-1feM der Maurer Deutseblands. Zweigverein Berlin. , Am 6. Mai verstarb unser lang. j jährtgeS Mitglied Gustav Löchelt (Bezirk Norden II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Mai, nach- mittags'/,5 Uhr, von der Halle Charit«- Kirchhofs, Müllerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/11 Die Berbandsleitnng. Fertand der Fahrftarbeitep Deutseblands. Zahlstelle dürofi-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am S. Mai unser Kollege Ihomas Eckert 1 an Lungenentzündung verstorben ist. 64/14 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 9. Mai, nachmittag» 1 3 Uhr. aus dem Britzer Gemeinde- Friedhose statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Ür. Schünemann Sveztal-Arzt sür 5432» Hunt- und Harnleiden, Franenkrankheitcn. Friedrichstr, 203, Ecke«chiitzenstr. Wochentags tO—�5—7. 'Verleih-Institut: Friedrichst.l IS/I, a.Orabg. 'Tor. Eleg. Frack, Gehrock l.bO�osel.OV, Weste SOPs. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maschinist Paul Kurtzrock am 6. d. MtS. an Gehirnblutung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. Mai, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Dantes-Kirchhofes in Reinicken- dorf-West, Blankestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/18 Bio Ortsverwaltung. Am Freitag, den 7. d. M., ent- schlief nach langen schweren Leiden der Staaler 1187L �uxust Bliesenick. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 10. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Gethsemane-Gemeinde, Nordend, aus statt. Oie trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die überaus große Teilnahme und reichen Kranzsvenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeß- lichen Manne» sage ich hierdurch allen Verwandten, Freunden und Belann- ten, insbesondere dem Köpenicker Wahlverein, dem Deutschen Textil- arbetterverband, dem Gesangverein Männerchor Köpenick, dem Theater- verein Köpenick und dem Theater- verein Edelweiß, Köpenick, meinen ...... Dank. 24716 Kobersteln. Dr. Simmel Spezial-Arzt 62'9* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41. SpTu 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 "Tted Reinerz. 67/14» Dr. Stern. D/e Harnleiden tbre Oelahrcn, Verb&tung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ ttes tausend■ ftrlsgl« Riete Billigste Bezugsquelle I gedieg-Trauerganlerobe IVestmannsl Traner-Magazin j Berlin W., Mohrenstr. 37a| NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung I meiner Firma u. H aus- 1 nummer geboten!*' Teilzahlung monatlich 10 M. liefere Herren-Garderobe nach Maß(billigste Preise). J. Tomporowski, 8ir,&c"0' Nähe Belleallianeeplatz. Kasse 10°/« dilliger. in esriiniÄrssas kostgeschäft gegen bar zu verkaufen. Offerten unter bl. F. 50 postl. Görlitz� II Uli tot Strafe bei der Deutschen Bank deponiert, verpflichten wir uns an die Armen Berlins zu zahlen, wenn dieses Angebot nicht streng reell ist und auf Wahrheit beruht. Wer sich billig und gnt kleiden will, der kaufe uns die von unserer Kundschaft nicht abgeholten, eleganten HaU» Auziige nnd Paletots ab, welche wir 33'/a bis SO0/© unter Preis abgeben, damit unsere guten Sachen nicht den Ratnschern zum Opfer fallen. Infolge unseres ausgedehnten Versandgoschäftes hat sich wieder ein großer Posten angesammelt, so daß jeder etwas nach seinem Geschmacke findet. Andere Waren kommen mit zum Verkauf. Kein Hanfzwang, unbehelligtes Aussuchen. Gebr.HeiBeinann)ÄÄiS:!iSi!!!i!!2 Sonn- und Feiertage während der Verkaufszeit geöffnet. Die Kennerprobe! Sopaeli selbst zu bereiten (Methode der Charente, Frankreich.) ReieWs Cngnac-Extrakl Sä„Lichtta"«%,*£• TU Llr. Cognao 5 t-uSS"Ä>«. Markan, wie von keiner Nachachmung erreichbar! Größter Import aus Frankreich I In Deutschland unerreicht I Originalflaschen k 75 Pf., fine Champagne � 1,25 M. Q Eiercopae-Eitrakt zur Herstellung von nach holländ. Manier ff. Eior-Cogna()A — Fl. 75 Pf. 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CM S eo t— § m 4L KLCINC KIÜS Beliebteste Pfs-Cigarette q5 Z Cigaretten-Pabrlk„Klos" o E. Robert Böhme, Dresden. S Gesellschaft für elektrische in Berlin. Bilanz am 31. Dezember 1908. Aktiva. Noch nicht eingeford. Einzahimig V. 75°/, a. d. Aktien Nr.40001 bis 50000.... Kasse...... Saldo der Konten bei der Deutschen Bank Bau-u.Grunderw.-Kto> der Bahnanlage. Bau-u.Grunderw.-Kto der Erweiterung»- tinien..... Kto. Kraftwerk u. Betriebsstätten... Kto. Betriebsmittel. Vorrät. Betriebs» Material.... Grundstücke u.Gebäude Wertpapiere... Bureauinventar. Verschied. Debitoren M. 7 500 000 54 766 8 365 838j 54 127 4415 6 647 702 8 413 305 6 748 758 129 059 19 5 143 348; 45 1 408 297 05 2 469 075' 47 &> 007 596107 Passiva. Aktienkapital..., Gesetz!. Reservefonds. 4°[0 Schulduerschretb. Ausgabe 1899.. 3>/,°/«SchuIdverfchreil». Ausgabe 1906.. 4°/« Schuldverschreib. Ausgabe 1907.. i'L Schuldverschreib. Ausgabe 1909., Hypotheken 0. erworbenen Grundstücken Bahnanlage-TilgungS- sond».... ErneueruirgssondS. Fond» für außergew. Ausgaben i. Betriebe Zsn.d.Schuldverschreib. s. d. Zeit v. 1. Okt. bezw. 1. Novbr. bis 31. Dezbr. 1903.. Noch nicht vorgel. au»- gelosteSchuidverschr. Noch nicht erhob.Divtd. u. Zinsen a. Schuld- verichreibungen.. Verschied. Kreditoren Saldo.... M. 50 000000 1 626 427 7777 000 7 160 500 10 000 000 10000 000 385 650 634 700 2 103 624 318 868 207 091 4 200 29 613 6 908 667 1851256! 28 99 007 599' 0? 26 Gewinn- u. Verlust-Rechnung. Debet. Zsn. der 4°/, Schuld. verschreibung. Ausgabe 1899... Zsn. d. 3'/, Schuld. verschreibung. Aus- gäbe 1906.... Zsn. der 4°U Schuld. verschreibung. Ausgabe 1907.... davon a. Bau- und Grundeerw.-Kont. der Erweiterung». linim übertragen Rücklage f. d. Babnan- lage-TilgungSsondS Rücklage für din Er- neuerungssonds. Rücklage für außer- gewöhn!, Ausgaben im Betriebe... Vertragmäß. Slbaaben a.d.Stadtgemetnden Abschreib. a. Gebäude , a.Bureauinvent. Saldo: z. Verteilung verbleib. Ueberschuß Kredit. Vortrag au» 1907. Betriebseinnahmen M. 6 020 157,21 abzgl. Betriebskosten M.3 193114,72 Verschied. Einnahmen SR. 311 545 251155 400000 962 700 232 998 729 702 131000 625 000 160000 148 358 56 955 15 492 1 851 256 3 607 764 SR. 159 386 2 827 042 621 336 3 607 764 PI 60 Gö 49 Krank« wie Oesund«»Ilten din tSglich Kemnsen. E« bildet geiande« Blut u. Sslw, Mangel«nNShmli. bringt Krankh. u. Siechtum. Aufkl. Broachtlre Ober die hohe Bedeutung de« NShrulies in«Uen Drogengrach. etc. nnd Silz, Dreeden-Rtdebeul, zu haben, Blls Snnstorluin. 3 Aerzte. Proip. frei. «itortiollbucS 2 MIIIIobm verkseft „Dodel")„Keller" auf rein. Seid.' Kostüm auf Kostüm reine Seide Mk. 45.—. Mk. 36,—. „Wallenberg" Kostüm Mk. 24.—. Sonntag geöffnet 3— 10, 12— 2 Uhr! Man beachte gell, genau meine Firma u. Hausnummer. »Sockel",„Wallenberg",„Keller". = Diese 3 Fassons machen das Rennen!= Ansehen kostet nichts! Gediegene Eleganz! Neueste Moderlchtung! Eigene Fabrikation! 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INachdruck verboten.) 17» 37«[3000]«37«0 9« 523 80«IT 50 M9 1057 71 118 299 331 9««57 887 909[500] 2037 101 231 SCO«3« 633 73 619 86 969 3059 105 272 301 877[1000] 4200«5 «39 79 513 713«3 67 867 97 915 5183 2«5«4« 800 23 B23 6338 407 641 811 53 7146 634 701 30 53 75 886 (30001 921 55 57 8151 511 80 98 804 0601 IO'jOO 82 67 9 718[1000] 11221 405[500] 37 600 71S 65 851 12036[500] 283 662 912 38 69 1 3112 89 351 14047 76[3000] 176 717 1 5148 242 73 431 93 677 791 99 8E2 81[3000] 16000 39 8» 144 361 63 499 510 87 17369 «88 739 77 1 8018 163 442 508 10 77 712 822 1 0116 247 «2t 756 89« 943 k 20173 227 357 61 80 85«17 55« 706 10 72 867 929 2 1635 667[-500] 22032 71 156 330 30-2 36 37 93 600 23 424 643 87 701 814 968 2 4003 127 11 46? 76 80 604 730 65 887[500] 984 2 5043 7 8 204 79 44ö 811 54 613 88{500] 759 826 2 6073 137 43 248 626 763 868 901[500] 27246 493 602 91[500] 734 911 28043 155 371 95 694 {500] 770 88«[6000] 913 78 2 0033 92 249 393 453 024 62 30337 471 734 3 1080 505[3000] 662 98 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Z Ziehung S.K!. 220. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. Mai nachmittags. gor die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffende» Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.)' 105 204 495 801 1074 81 166[500] 343 422 860[lOOO] »95 2002 16 22 236 38[600] 460 85 3118 342 516 618 31 758[1000] 4111 34 458 892 94 928 5068 191 299 45«[1000] 6110 284 650 869 7046 69 778[lOOO] 79 818[500] 8203 312 81 452 70« 91«[500] 0054 660 68 628 773 74 853 10068 115 405 46 522 601[3000] 935 34 39 11047 433 MS 626 760 828 1 2517 897 982 1 3085 128[lOOO] 74 337 55[500] 587 89 818 63[10000] 14116 91 205 36 463 623 70«[500] 810 1 5287 304«23 709 942 1 6013 222 494 778 851 17063 94 192 451[500] 792 960 1 0101 30 65 75 587 «03[500] 26[500] 854 1 0667[ 75000] 713 842 964 6«[3000] 20172 250 337 87«7«»78 21107 278 338 432[3000] »3 518 815[1000] 32 914 40 2 2214 454 68 96«05 45 704 «4 952 2 3028 31 173 476 605 61 78 756 2 4077 86 15! 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Nxdokt««]?: Carl MrrmiiH. Lsrlin-NiidcrI. Mx benflnfetoteiikilpeiantBi: Tb.M»ckt. Berlin, Druck u.Verlaa:.BorwartsBuchdruckerei m. Setls�gnftslt-ßaul ginnst& Ce» Berlin SWT Ar. 107. 26. Jahrgang. 5. KkilM des Joraitlf Sellin« Sollislilnlt. , 9. Der 45. Verbandstag deS NevisionSverbandeS der Konsum- dereine für die Provinz Brandenburg und die angrenzenden Staaten tagte dieser Tage in Potsdam. 61 85Z genossenschaftlich organisierte Konsumenten, darunter 12 027 weibliche Mitglieder, waren durch 115 Delegierte aus 52 Vereinen vertreten. Unter den Gästen be. fanden sich einige Vertreter deS Zentralverbandes und der Groß- einkaufsgesellschaft. Die Gewerkschaften der Bäcker, Transport- arbeiter und Lagerhalter waren gleichfalls vertreten. Der vom Vor. stand herausgegebene Jahresbericht lag gedruckt vor und wurde vom Verbandsdirektor Müller in verschiedenen Punkten ergänzt. Von 91 Vereinen, welche im Jahre 1908 dem Verbände angehörten, waren nur 6 Produktivgenossenschaften gegen 4 im Vorjahre; die Konsum- dereine sind von 78 auf 85 gestiegen. Sie hatten einen Gesamt. Umsatz von 18167 023 M. gegen 15 471533 M. im Jahre 1907; eS ist dies eine Zunahme von 17,07 Proz. Auch der Vermögensbestand der Vereine erfuhr eine Steigerung, betrugen doch die gesamten Aktiven 7 112 314 M. gegen 5 893 445 M. im Vorjahre. Ter Wert deS Grundbesitzes betrug 2 957 113 M. gegen 2 513 748 M. i. V. B Vereine sind im letzten Jahre unter die„Grundbesitzer" ge° gangen, so daß deren Zahl jetzt auf 30 angewachsen ist. Die Ge- schäftsgut haben der Mitglieder haben eine Steigerung von 1 218 870 aus 1 340 901 M. erfahren, die Reservefonds von 478 251 M. auf 543288 M. Die Erübrigung der Vereine betrug 1 130 292 M.; parallel mit dem Umsatz ist ihre Steigerung etwas höher, sie beträgt 17,47 Proz. Es zeigt sich hier wiederum die Tatsache, daß der größere Umsatz die Unkosten verringert und den Gewinn erhöht. Mit eigener Produkten, hauptsächlich Bäckerei, beschäftigten sich 10 Konsumvereine. Der Wert der von ihnen hergestellten Waren belief sich auf 1 399 254 M. gegen 974 925 M. im Vorjahre. In der Eigenproduktion ständig beschäftigt waren 90 männliche und zwölf »weibliche Personen; die Frühstücksträgerinnen sind hier aber nicht eftrbegriffen. DaS vom Zentralverband herausgegebene„Konsum- geirossenschaftliche Volksblatt" wurde von 67 Vereinen für ihre Mit- glied er in 19 392 Exemplaren bezogen. Im Interesse der genossen. schaft.'ichen Durchbildung der Mitglieder könnte diese Zahl noch sehr rvohl eine Steigerung vertragen. Im ganzen genommen ist unverk.'.nnbar ein Fortschritt zu verzeichnen, der gewiß noch größer wäre, wenn nicht die furchtbare Krise die Kaufkraft geschwächt hätte. Nach der Berufsstatistik der Vereine zählte man unter den Mitgliedern: 3723 selbständige Gewerbetreibende, 756 selbständige Landwirte, 1361 Angehörige der freien Berufe, Staats- und Ge° meindebeamten, 47 084 gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Per- sonen in gewerblichen Betrieben, 1787 gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Personen in landwirtschaftlichen Betrieben, 7146 ohne bestimmten Beruf. Von letzteren wird wohl die größte Anzahl Frauen sein, die nur in der Häuslichkeit beschäftigt sind; die über- große Mehrzahl der Mitglieder gehört dem Proletariat an. Mit großem Interesse nahm der VerbandStag den Vortrag deS Generalsekretärs Kaufmann entgegen, der von der Benutzung der konsumgenossenschaftlichen Zentralinstitutionen seitens der Ver- bandsvereine handelte. Von den Tarifverhandlungen mit den Verbänden der Bäcker und Transportarbeiter wird berichtet, daß eine 5jährige Tarif. dauer vereinbart ist; über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse ist es zu einem Abkommen zwischen Gewerkschaften und Zentralverband gekommen, welches zwar nicht alle Wünsche erfüllt, aber doch beide Teile befriedigen kann. S ch u l tz k i(Transportarbeiter) und A l l m a n n(Bäcker) erklärten ihr Einverständnis mit den ge- troffenen Vereinbarungen. Letzterer betont, daß die Organisation der Bäcker mit Hilfe der übrigen Arbeiterschaft und besonders durch das gute Beispiel in den Konsumvereinen festen Fuß gefaßt und da- durch für die Angehörigen dieses Berufes bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen imstande war. Nach Entlastung deS Vorstandes wurden Mülle r-Berlin und B u ch.Brandenburg wieder, und H ü b n e r neu als Vorstand gewählt. Der nächstjährige Verbandstag findet in Sarau statt._ Vermilcktes. Klerikale Schwindeleien. In katholischen Blättern, so auch in»Die Arbeiterin" liest man diese gruselige Geschichte: Als der altehrwürdige Papst PiuS IX. noch lebte, saßen in einem Städtchen Westfalens eines Tages ein Wirt, ein Doktor und ein Holzhändler bei einem Glase Wein beisammen. Die beiden crsteren waren getaufte Katholiken, der letztere war Protestant, alle drei aber ohne Glauben. Von Politik kam das Gespräch auf Religion und der eine von ihnen erwähnte eine Meldung der katholikenfeindlichen„Kölnischen Zeitung", wonach der Papst an einem gefährlichen Karbunkelgeschwür leiden sollte. In ange- heiterter Stimmung, wie er war, erhob er alsdann sein GlaS und sagte:„Laßt unS anstoßen auf den Karbunkel deS Alten in Rom!" Schallendes Gelächter und lustiger Gläserklang war die Antwort. Ein Aufwärter hörte den Spott. Nicht lange dauerte es, da wurde der Holzhändler krank und starb, obwohl sonst ungewöhnlich kräftig und in den besten Jahren stehend, eines raschen Todes. WaS hatte ihm gefehlt? Ein Karbunkelgeschwür im Nacken war sein Tod. ES dauerte wieder vielleicht ein halbe? Jahr, da bekam auch der Wirt ein solches Geschwür. Seine kräftige LcibeS- konstitution konnte ihn nicht retten, auch er mußte an der näm- lichen Ursache sterben. Dann kam der Doktor an die Reihe. Was mag er wohl gedacht haben, als sich auch bei ihm das schreckliche Geschwür im Nacken einstellte? Wohl ist er noch mit den heiligen Sakramenten versehen worden und wir hoffen, daß cS ihm damit ernst gewesen ist, aber ein abschreckendes Beispiel hat Gott quch an ihm aufgestellt. Alle drei Spötter ruhten schon lange im Grabe, aber der Alte in Rom überlebte sie viele Jahre. Vorsichtigerweise werden bei solchen Wundergeschichten keine der Nachprüfung unterliegenden Angaben gemacht damit der plumpe Schwindel nicht entlarvt werden kann. Erdbeben wurden in Kamerun verspürt. Amtlich wird hierüber gemeldet: Auf telegraphische Anfrage deS Reichskolonialamts ist eine von Buea abgesandte Depesche eingegangen, der zufolge die Plantagen am Kamerunberg außer Gefahr sind. Ein Teil des Gouvernements hat in Buea, das gleichfalls nicht mehr gefährdet erscheint, die Geschäfte wieder aufgenommen. Die Frauen befinden sich noch in Duala. Der stellvertretende Gouverneur hält die einstweilige Rückverlegung deS Gouvernements nach Buea für voraussichtlich möglich, sobald der zur Durchforschung deS Gebietes oberhalb Buea entsandte Dr. Mann seine Expedition beendet hat. Große Vorteile bieten Jleunion• Zigaretten mit aliivtalew Kolzmundstück Zu haben in allen Zigarren-Spezial-Geschaften. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen B Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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