Nr. UA. S6. Jahrg. Bbonnements-Bedingungen; H- ��«1» �jßkS� ül Die MertionS'GebQbr roonttcmcntä��Ri� prünunieranda z Hj|H lVSI gcU�od«� dMN�Rauin�M°Psg für wöchenlli� 28 Pfg/ tt�inz�'�Haus'. �KB, JgB Hj|B Qk Gfl BB WW BB Hjf jyj � politische und gcwcrlschasiliche Vereins. »ummer mit illustrierter Sonntoos- �ESk E�H H SH fiffl � 19 Hg OQ M» WM Hm Cb\ HB KÄ[ //' haä8 erste ssett- MW lfm II I III|||�| MLäL«fd��Wöü�Ps�ledÄ'U'iere Eingetragen die �Post�Zeitung-- I � SB �5 �ll��nAnzeigm�diS�/rst�Wo�wP�fg' Deutschland und Oesterreich�Unga»! WW I BB �SSy«W a/BB jedes weitere Wort e Pfg> Worte über « Mark, für das übrige Ausland WHlf �MV 1/ TA �HÄX // EH TS Buchstaben zahlen sür zwei Worte. v Mark pro Monat. Postabonnements �WS �_____~~S ▼/ �6S«r> //«A i Inserate für die nächste Stummer müssen S.Sih tMlrn ft�ünnr,! JS s-f r>.� W/ bis S Uhr nachmittags in der Expedition WSA'-«S'S»°'UN iei,,r,5?2«Ä""'" ««w, Berliner VolKslilcltt. ätä, Zcntralorgan der rozialdeiYiohratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68« Lindenstrasse 69* Fernsprechcr: Amt IT, Nr. 1983. Quittung. Im Monat April gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein:, Altona, 8. u. 10. schlesw.-holst. Wahlkreis 1. Quart. 09 1330,—. Grotz-Berlin a konto seiner acht Wahlkreise 12 000,—(darunter von der Polizei zur Agitation 120,—, freiwilliger Beitrag E. H. 5,—, Ueberschuß vom Karfreitag 2,—, Extrabeitrag Ostermatinee von Kr. 20,—. Frau K. 0,25, Ueberschuh März 7./8. Abt. bei Raabe 19,—, von den Schneidern der Werkstatt Benedict, Königgrätzer Strafe 30.—, Ueberschus; der Märzkranzspende von den Arbeitern der NileSwerke Ober-Schöneweide 48,03, Arbeiter der Firma Mechning 23,70,.Damit es besser werde" 30,—, 6. Kreis, Fichpartie, amerikanische Auktion 22,30, Harburger Sänger 10.—, Bleistegs Bierkasse 1,—, Monatsbeitrag Siaschke 10.—, Ueber- schuf; vom Märzkranz der Kollegen von Schwartzkovff 123,03, A. B. Mister 1,—, Märzkranzüberschus; von Arnheim 13,65, Kollegen der Firma A. M. Krause durch Paul Otto 14,30, Monatsbeitrag Bah-Karl 3,—, Arbeiter von Biling u. Lübke durch Blume 3,—, Märzkranziiberschuß der Kollegen von F. F. A. Schulze 3,33, Karl Berger 2,—, Kranziibcrschutz von den Kollegen der Fa. Mücke durch Schw. 4.30, desgl. v. d. Kollegen d. Waffen- u. Munitionsfabrik Wittenau 00,—, Former der Fa. Pardemann 32,80, Ueberschuß vom Märzkranz d. Mülllutscher, Schaffner u. Verlader d. Wirtschaftsgenossenschaft 12,03. Cbeiniegraphie H. S. Herniann 3,23, Ueberschuß v. Märzkranz der Sektion der Möbeltransportarbeiter des Transportarb.-Verb. d. L. 19,33, Märzkranz der freiorganisierten Arbeiter der Siemenswerke 170,—, Märzkranz v. d. Buchdruckerci-Hilfsarb. u. d. Botenpersonal von Ullstein u. Co. 17,73, Ueberschuß einer Kranzspende der Firma L. Löwe, Abt. Härterei 0,33). Berlin, diverse Beiträge: Gesammelt auf dem Maskenball des Gesangvereins»Lied hoch" 4.83. G., Additionsmaschine 83,—. Dr. K. R. 23,—. Jule, Nitterstr. 83 17,10. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 6,—. Gutenberg 33,60. Ueberschuß vom Märzkranz von den Arbeitern und Arbeiterinnen der optischen Anstalt C. P. Goerz, Friedenau 133,23. M. W. 2,—. Jahresbeitrag für 1900 von M. G. 33,—. Ein- scgnungSfeier i. d. Allerstr. durch H. 1,33. Ueberschuß v. Märzkrauz v. d. Ärb. v. Belter u. Schneev. 5,20. Desgl. v. d. Arbeitern der Englischen Gasanstalten 33,23.„Abt" 5,—. MacheteS 5,—. Finderlohn f. Portemonnaiesund Versammlungslokal im 3. Wahlkr. durch N. A. 2,—. A. B. 50,—. P. S. 50,-. Dr. L. A. 100,—. C. D.. Guhrau 3,— Knabe 5,—. Breslau, sozialdemokratischer Verein für Breslau-Ost und West, 1. Quartal 1909 780,—. Bremerhaven. 10. hannov. Wahlkreis n. Breinerhaven 1.— 3. Quart. 1003/00 1000,—. Bergheim-EuSkircheu, fozialdemokr. Wahlverein 1. Quart. 09 13,20. Brandenburg-Westhavelland, sozialdemokr. Zentralvcr. für I. Quart. 09 201,30. Bern 30,—. Baden-Baden, 8. badischer Wahlkr. 1. Quart. 09 32,95. Butzbach i. H., X. D. Z. 12,—. Crailsheim-Gerabronn, 12. württcmb. Wahlkr. 4. Quart. 08 9,60. Calw, 7. württemb. Wahlkreis 4. Quartal 03 60,96. Char- lottenburg, Ueberschuß einer Kranzspende von den Arb. der Firma Gebauer 2,40. Crefeld. sozialdemokr. Volksverein 1. Quartal 09 233,60(darunter von Frauen 56.—. v. Formstechern 1,—). Coburg, Wablkreisbeiir. a konto der Beiträge für 1908/09 30,—. Dresden- Land, 6. sächs. Wahlkr. a konto der Beiträge für 1908/09 1000,—. Düsseldorf, sozialdemokr. Verein des Wahlkreises für 1. Quartal 09 474,13(darunter v. d. Genossinnen 24,93). Duisburg, sozialdemokr. Verein de« Wahlkreises für 1. Quart. 09 376,93. Danzig, Beiträge der Provinz Westpreußen für 1. Quart. 00, Wahlkreise: Elbing- Marienbnrg 24,80; Danzig-Land(4. Quart. 08 u. 1. Quart. 09) 40,23; Danzig-Stadt 116,64; Neustadt-KarthauS 4,—; Stuhm- Maricnwerder 6,32; Graudenz» Strasburg(4. Quartal 08 und 1. Quartal 09) 33,36; Thorn- Cnlm 3,06; Schwetz 8.—; Deutsch-Krone 10,72; Summa 248,03. Essen a. Ruhr, sozialdemokrat. Verein d. Wahlkreises für 1. Quart. 09 723,—. Elberfeld-Barmen, sozialdemokr. Verein. 1. Quart. 09 900,—. Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück, 2. Rate für 1903/09 200,—. Eulen- bürg, sozialdemokr. Verein des Wahlkreises Delitzsch-Bitterfeld für 1. Quartal 1908'09 175,—/ Falkenberg(Oberschlesien) 3,—. Hemelingen, R. Z. 2,—. Hechingen, Wahlkreis Sigmaringen. 4. Quart. 03 8,30. Hagen-Schwelm, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 09 536,47(darunter v. Genossinnen 40,87). Hannover, 8. hannov. Wahlkr. Restbeitrag für 2. Halbjahr 1008 030,—. Hamburg, eingegangen in der Expedition des„Hamb. Echo' 87,—. Köln a. Rh.. Reg. W. 20,—. Kattowitz, Beitrag der P. P. S. für 1. Quart. 1900 133,61 (darunter Wahlkreis Kattowitz-Zabrze 50,44, Beuthen-Tarnowitz 18,64). Landsberg a. W., Beitrag des Wahlkreise? für 3. und 4. Quart. 1003 220,25. Lüneburg, soz. Ver. deS 16. hannov. Wahlkr. für 1. Quart. 1909 100,—. Laupheim, 13. württemb. Wahlkr. 1. Quart. 1909 2,04. Limmer, 9. hannov. Wahlkr. 1. Halbjahr 1908/09 320,—. Limmer, Rckzhl. 100,—. Lübeck, sozialdem. Verein 1. Quart. 09 630,—. Mülhausen i. E.. sozialdemokr. Kreisvercin, 3. Rate 98,74. Meerane, 17. sächs. Wahlkr., 1. Quart. 09 123,—. Metz. Arbeiter- Wahlverein, Beitrag für 2. Halbjahr 03 29,24. Mannheim, sozial- demokr. Ver. deS 11. badischen.Kreises, für 1. Quart. 09 700,—. München, sozialdemokr. Verein für München I u. H, 1. Quart. 09 779,68. Minden-Lübbecke, sozialdemokr. Verein, für 1. Halbj. 1908/09 96,93. Nordische Wasserkante 60000,—. Oberlangenbielauer Agitationsbezirk, Beitrag f. 1. Quart. 09, Wahlkreise: Hirschberg- Schönau 23,32; Landeshut-Bolkcnhain-Jauer 73,—; Reichcnbach- Neurode 274,05; Striegau-Schweidnitz 210,81; Waldenburg 217,—; Summa 800,38. Oberlangenbielau, Extrabeitrag über den Pflicht- teil hinaus au? dem Eulengebirge 100,—. Pankow, Ueberschuß v. Märzkranz VEN den Kollegen der Berliner Wagenachsenfabrik 10,30. Plauen i. V,. CS. 1,—. Recklinghauscn-Borken, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 1909 236,80. Rixdorf von O. H.. Bezirk 13a 1,—. Solingen. WahlkreiSbeitrag für 1. Quartal 1909 581,17. Stutt- gart. G. U. 10,—. Stettin, Beitrag der Provinz Pommern 4. Quartal 1908. Wahlkreise: Stettin 233,26; Randow-Greifen» Hagen 300,43; Ueckermünde- Usedom- Wollin 90,12; Greifs- wald- Grimmen 63.34; Stralsund- Rügen 73,72; Anklam- Demmin 16,60; Kolberg-KöSlin(3. Quartal 1908) 60.—; Stolp- Lauenburg 3,—; Naugard-Regenwalde 12,52; Pyritz-Saatzig 8,30; Greifcnberg- Kammin 3.—: Ncustettin 8,—; Dramburg- Belgard- Schivelbein 2,80; Bütow- Schlawe- Rummelsburg 6,40; Summa 919,54. Staßfurt, Wahlkreis Quedlinburg- Ascherslcben- Calbe, 1. Quartal 1909 438,30. Stendal- Osterburg, sozialdemokr. Verein 1. Quartal 1909 106,85. St. Johann, sozialdemokr. Verein 1. Quart. Sonnabend, den 1F. Mai 1909* 1909 48,—. Schramberg, 8. württemb. Wahlkr., 1. Quartal 1909 35,70. Schwenningen, 9. württemb. Wahlkr., 1. Quart. 1909 100,20. «Vorwärts", 1. Quart. 1909 10 343,35.„Wahrer Jacob",„Gleichheit", „Neue Zeit" 13 000,—. X. g). Z. 5000,—. Zwickau, 18. sächsischer Wahlkreis. 1. Rate für 1908/09 800,—. Berlin, den 12. Mai 1909. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch. Lindenstr. 69. Die„frankfurter Zeitung" und die Rei())$flnanzreforiu. Als im August 1906 die„Frankfurter Zeitung" ihren fünfzigsten Geburtstag feierte, bescheinigte sie sich selbst, daß sie zuni Weltblatt der deutschen Bourgeoisie geworden sei; und tatsächlich, wenn man die Bedeutung eines Blattes nicht nach der Qualität seiner Politik und nach seinem politischen Einfluß beurteilt, sondern nach seinem Ertrag und dem Um- fang seines Nachrichtendienstes, dann hat die„Frankfurter Zeitung" ein hohes Ziel erreicht: sie ist zum größten Nach- richtcnblatt der deutschen Presse geworden. Allerdings ist dieser Erfolg, wie schon damals von den Gegnern des großen Frankfurter Stachrichten- und Annoncen- blattes spöttisch hervorgehoben wurde, dadurch erreicht worden, daß unter der Wucht seiner kapitalistischen Gc- schäftstüchtigkeit sein politisches Rückgrat unheilbar der Rückenmarksdarre verfiel, die liberal-demokratische Opposition durch das Geschäft niedergeboxt wurde und die politischen Grundsätze jeweilig nach dem Barometer des Börsenteils reguliert wurden. Besonders forderte das bekannte Berliner „S t e i n"> L e i d e n des Frankfurter Weltblattes, seine auf den Hintertreppen der Berliner Ministerien, besonders aber des Reichskanzleramtes, zusammengelesene eigenartige Berliner Berichterstattung, die dem Blatt den Charakter eines Kehrichthaufens der aus Gründen äußerer Reinlichkeit zur Veröffentlichung in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" nicht geeigneten diplomatischen Küchenabfälle des Reichs- kanzlerpalais verlieh, zu mannigfachem Hohn heraus. Seitdem sind fast drei Jahre verflossen, und die„Franks. Ztg." hat seitdem bewiesen, daß sie an ihrem Jubiläumstage noch keineswegs die höchste Staffel ihrer Entwickelung er- reicht hatte. Im Kampf der„demokratischen" Prinzipien mit dem Geschäft hat das Geschäft ein noch weit größeres Ueber- gewicht erlangt, besonders seitdem Biilow die neue„liberale" Blockära begründete und die„Franks. Ztg." damit gewisser- maßen Regierungsblatt wurde. Die alle Morgen nach den großen Gesichtspunkten der Eschenheimerstraße— unter Würdigung der Marktlage— eingestellte offizielle Politik lenkte immer mehr ins Regierungsfahrwasser ein, bis die Sckiwierigkeiten der Finanzreform den Block zum Scheitern zu bringen drohten, und die schönen wohlgepflegten Illusionen von der neuen Aera schmählich zerrannen. Doch das Festhalten an albernen Illusionen wirkt oft nicht nur nach- teilig auf den Charakter, sondern auch auf den Verstand: eine alte Erfahrung, die längst der Volksmund in die Worte ge- kleidet hat: Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Am Charakter war bei der ehrsamen Frankfurterin nicht mehr viel zu verderben; um so mehr wurde ihr Verstand affiziert. Sie vermochte sich von ihren schönen Hofsnungen nicht zu trennen, und je nachdem ihre Hintertreppcn-Jnfor- mationen aus Berlin lauteten, vertraute sie in kindlicher Herzenseinfalt � bald darauf, daß die Wucht der liberalen Zähigkeit die Konservativen zur Nachgiebigkeit zwingen werde, bald flehte sie die Energie des großen Kanzlers an, doch die Konservativen Mores zu lehren. Dann wieder fühlte sie in jugendlichem Ungestüm ihre Pulse pochen und verlangte die NeichStagsauflösung, um einige Tage darauf melancholisch zu versichern, mit der Reichstagsauflösung sei es nichts. So pendelte sie von einem Tage zum andern hysterisch zwischen den Extremen hin und her zum Spott der konser- vativen Presse, bis sie schließlich, als alle ihre Erwartungen sich als naive Hirngespinste erwiesen, bei der tiefen Weisheit landete, die Lage sei gar nicht so schlimm; denn Bülow vermöge die Reichsfinanzreform bequem mit wechselnden Mehrheiten im Reichstage durchzusetzen. Für die indirekten Steuern hätte er eine aus den beiden konservativen Fraktionen, dem Zentrum und den Nationalliberalen bestehende Mehrheit; für die Erb- anfallsteuer eine aus der Reichspartei, den Mittelstands- Parteien, Liberalen und den Sozialdemokraten bestehende Mehrheit. Folglich sei bei einer einigermaßen geschickten Taktik Bülows das Zustande- kommen des sogenannten vaterländischen Reformwerks gesichert. In diese niedliche Berechnung riß die Erklärung des „Vorwärts" vom 3. Mai ein großes Loch, daß die Sozial- dcmokratie keineswegs geneigt sei, der Negierung aus ihrer Verlegenheit zu helfen und ihr ohne weiteres zu ermöglichen, ein Steuerprogramm durchzusetzen, das dem Volke zu im- Perialistischem Zwecke neue indirekte Steuern in Höhe von 490 Millionen Mark aufbürde. Doch das Blatt wußte sich zu trösten. Seine großen Redaktionspolitiker nahmen, wie es scheint, an, die Erklärung des„Vorwärts" sei weiter nichts als ein Schreckschuß, der nur den Zweck verfolge, die Regierung zn bewegen, den revoltierenden Konservativen keine Konzessionen zu machen, sondern an einer Be- Expedition: SM. 68, Lindenetrassc 69» Fernsprecher: Amt IT Nr. 1984» steucrung der Erbschaften festzuhalten, die mindestens dem Staatssäckel 90 bis 100 Millionen Mark jährlich einbringe. Es entdeckte also in der be- treffenden Aeußerung so etwas wie eine Wahlverwandtschast mit seinem eigenen politischen Geiste; und aus diesem Ge- danken heraus fand es zunächst die Erklärung des„Vor- wärts" ganz„begreiflich". Wörtlich heißt es z. B. in der Nummer 123 der„Franks. Ztg." vom 4. Mai: „Wenn sich die angekündigte Opposition auf eine solche denaturierte Erbanfall st euer beschränkt, so haben die Sozialdemokraten unseres Er- achtens ganz recht; darüber aber, wie sich die Sozialdemo- kraten verhalten werden, wenn es sich um eine verständige Erb- anfallsteuer mit mindestens 100 Millionen Mark Ertrag handelt, ist in der Erklärung nichts gesagt. Es wird das vermutlich von der ganzen Situation abhängen, wie sie im entscheidenden Augenblick gegeben sein wird. Die Regie» rung sollte unter diesen Umständen sich da- rüber klar werden, daß sie bei de? Ausarbei» tung der Erbanfall st euer nicht zu viel Rück- ficht auf die Wünsche der Agrarier nehmen darf; wichtiger für das Schicksal wird es sein, die Vorlage so zu gestalten, daß auch der entschiedenen Linken und den Sozial- dcmokraten eine zustimmende Haltung ermöglicht wird." i Aber als die„Franks. Ztg." aus den Kommentaren unserer Parteiblätter folgern zu können glaubte, daß, w i e sie noch am 1. Mai in ihrer Einfalt als selbstverständlich vorausgesetzt hatte, die Sozialdemokratie nicht geneigt sei, der Regierung unbedingt als willige Helfershelserin zu dienen, und als sie ferner gleich- zeitig sah, daß Bülow ihren weisen Rat nicht befolgte, sondern sich zu neuen Verhandlungen mit den Konservativen an- schickte, da wandelte sich schleunigst ihre Ansicht über den Wert unserer Aeußerung vom 3. Mai. Nun wurde diese, die e r st so„begreiflich" war, zu einer Riesendummheit. Nun schreib! das Frank- furter Geschäftsblatt in seiner Nr. 130: „Aber die Erklärung des„Vorwärts" ist, wie sich dann bald herausstellte, fast in der gesamten Presse und wohl auch von der Negierung anders aufgefaßt worden. Man las aus ihr eine all- gemeine Ablehnung des ganzen Erbschaftssteuerprojekts heraus, und die weitere Haltung der sozialdemokratischen Presie war geeignet, diese Interpretation zu stützen. Durch diese Haltung der Presse hat die Erklärung des„Vorwärts" eine ganz andere Tragweite erhalten, als ihr ursprünglich ihrem direkten Wort- laut nach innewohnte, und die Sozialdemokraten können sich nicht wundern, wenn die Wirkung dem entsprach. Bei allen Kalkulationen über die möglichen Steuermehrheiten befinden sich die Sozialdemokraten jetzt unter den Gegnern der Erbanfall» steuer; nur dadurch wurde es möglich, eine Mehrheit für die Erbanfallsteuer als ausgeschlossen hinzustellen und demgegenüber die konservativ-klerikale Mehrheit in den Vordergrund zu rücken. Man hat die Vermutung ausgesprochen, die Sozialdemokratie wolle durch ihre Haltung auf eine Reichstagsauflösung hin- wirken. Wenn das wirklich ihre Absicht ist, so war die Erklärung des„Vorwärts" das Dümmste, was sie unternehmen konnte. Denn wie soll die Regierung in etwaigen Auf» lösungsabsichten dadurch bestärkt werden, daß man die Chancen eines R eg i er un gs er fo l g es mindert? Und sie werden gemindert, wenn die Sozialdemo- kraten in der Frage, die den Angelpunkt eines solchen Wahl- kampfes bilden würde, entgegen ihrem eigenen Finanzprogramm sich auf den Standpunkt der reinen Negation stellen. Weit ent- fernt also, auf eine Auflösung des Reichstags hinzuwirken, hat die Erklärung des„Vorwärts" praktisch lediglich den Erfolg gehabt, die Regierung einzuschüchtern und den extremsten Agrariern eine neue Waffe zu geben." Es fällt uns nicht ein, der„Franks. Ztg." unsere Taktik darzulegen und ihr auseinanderzusetzen, welche Absichten wir mit unserer Aeußerung vom 3. Mai verfolgt haben. Es genügt uns, daß der größte Teil unserer Parteipresse die Absicht verstanden hat, und daß ferner der Zweck, zu dem jene Zeilen geschrieben wurden, bereits größtenteils erreicht ist. Ebenso wenig wollen wir ihr klar zu machen suchen, daß ihre Interpretation unserer Aeußerung vom 3. Min denn doch nicht so ganz richtig ist und von einer Ablehnung des„ganzen Erbschaftssteuerprojckts" in jedem Fall nicht die Rede ist. Nur darauf möchten wir hinweisen, daß die„Franks. Ztg." tatsächlich glaubt, unsere Aeußerung hätte die Negierung so„eingeschüchtert", daß diese dadurch veranlaßt worden sei, ihre„Auflösungsabsichtcn" fallen zu lassen. Das Blatt hält also wirklich fiir möglich, daß eine Regierung, wie die Bülowsche. den Kampf gegen die Konser- vativen aufnehmen könne, und daß Bülow noch immer bereit sei, mit allen Mitteln eine Erbschaftsbcsteucrung durchzusetzen, die dem Staat an 100 Millionen Mark einträgt. Solche Einfalt gedeiht nur in der Eschenheimerstraße und einigen anderen gleichwertigen liberalen Kulturstätten. Zum Schluß empfiehlt allen Ernstes die„Franks. Ztg." der sozialdemokratischen Presse, sie solle die Kritik deS Frei- sinns einstellen und der Blockpolitik der bürgerlichen Linken Beistand leisten: „Die sozialdemokratische Presie hat bisher für die ganzen unendlich mühseligen Anstrengungen der Linken in dem Kampfe um die Finanzreform nur Hohn und Spott gehabt. Als der Streit um die Erbschaftssteuer kritisch zu werden begann, prophezeite sie Tag für Tag den Umfall der Freisinnigen, und als bis Freisinnigen nicht umfielen und der Block zusammen- brach, jubelten diese tüchtigen Blätder, daß man die Freisinnigen mit Echimpf und Schande aus der lviehrheit entlassen habe,— gleich als ob ein Sieg der Agrarier zugleich den Triumph der Sozialdemokratie bedeuten würde. Sinnloser und stumpfsinniger kann man wirklich nicht Politik treiben. Der neueste Erfolg, den diese Politik zuwege gebracht hat, wird aber vielleicht doch einsichtigere Sozialdemokraten veranlassen, einmal darüber nach- zudenken, wessen Geschäfte die Sozialdemokratie mit ihrer jetzigen Taktik besorgt und wie anders die ganze finanzpolitische Situation wäre, wenn die Sozialdemokratie in diesen schweren und bedeutungsvollen Mo- naten einem ehrlichen Kampfe der bürgerlichen Linken Bei st and leistete, anstatt ihn skrupcl- los zu schwäche n." Mit anderen Worten: die Sozialdemokratie soll die dem eigenen E i s e n a ch e r Programm der Freisinnigen Volks Partei wider- sprechende Steuerpolitik des Freisinns akzeptieren! Man begreift, dast bei solcher Höhe der politischen Einsicht der politische Einfluß der„Franks. Ztg." im Schwabenlande ständig abnimint und konservative Blätter, wie die„Krcuzzeitung" und die„Deutsche Tageszeitung", mindestens das zehnfache politische Gewicht haben, wie das Wclt'Nachrichtcnblatt an» Main. Protest der drangsalierten Curner. Gestützt auf verstaubte Berordnungen aus den Jahren 1808, 1834 und 1830 will das Provinzial-Schulkollegium den Arbeiter- Turnvereinen die jugendlichen Mitglieder abspenstig machen. Wie alle Gewaltmaßregcln, so hat auch diese das Gegenteil von dem erreicht, was ihre Urheber beabsichtigten. Die jungen Leute, denen eine königliche Behörde die Zugehörigkeit zum Arbeiter- Turnverein unmöglich machen will, sind entrüstet über die gesetz- widrigen Schikanierungen und schließen sich der Sache, der sie durch Polizeimaßregeln entfremdet werden sollen, um so fester an. Daß dem so ist, dafür lieferte die am Donnerstag bei Freyer in der Koppenstraßle abgehaltene Protestversammlung einen unwider- leglichen BoweiS. ES herrschte ein ungewöhnlicher Andrang. Sämtliche Asche wurden aus dem Sale entfernt. Eine dicht- gedrängte Mange füllte das Parterre und die Galerien. Nachdem die Polizei dM Lokal abgesperrt hatte, sammelten sich in kurzer Zeit hunderte, die keinen Einlaß mehr fanden, vor dem Lokale an. Die zahlreich anwesende Polizei vertrieb sie aus der Koppen- straße und verhinderte jede Annäherung an das Versammlungs- lokal. ES ließ sich deshalb nicht feststellen, wie groß die Menge derer war, die außerhalb des Saales an dem Protest gegen die Schikanierung der Arbeiterturner teilnahmen. Tausende mögen es gewesen sein und zwar meist junge Leute, die durch da? gesetz- widrige Vorgehen des Provinzial-Schulkollegiums persönlich be- troffen werden. Nachdem der Vorsitzende des Arbeitcr-Turnvercins«Fichte" die Versammlung mit einem Hinweis auf ihren Zweck eröffnet hatte, gab der Referent Franz Gcntz eine historische Darstellung des Vorgehens gegen die jugendlichen Arbeiterturner. Im Jahre 1904 begann die Drangsalierung. Zuerst in Weißensee, dann in AdlerShof und bald darauf in Berlin erhielt der Turnverein „Fichte" eine Verfügung des Inhalts, daß seine Jugendabteilungen nicht mehr in den Turnhallen der Gemeindeschulen turnen dürfen. Ter Verein half sich damit, daß er Tanzsäle mietete, in denen er seine Jugendabteilungcn turnen ließ. Das ging so ziemlich ungestört bis 1S07. Dann kam das Provinzial-Schulkollegium auf die Idee: Die Leiter der Jugendabteilungcn des Vereins „Fichte" erteilen Turnunterricht an jugendliche Personen, dazu bedarf es auf Grund einer KabinettSorder von 1834 und einer Minifterial-Jnftruktion von 1839 eines Unterrichtserlaubnis- scheineS. DaS Provinzial-Schulkollegium verlangte demgemäß von den Leitern der Jugendabteilungen den Nachweis, daß sie einen solchen Schein besitzen" und bedrohte sie, gestützt auf eine Ver- Ordnung vom Jahre 1808, mit Strafe für den Fall, daß sie den „Turnunterricht" ohne Erlaubnisschein fortsetzen. Der Verein setzte dann, anstelle der mit Strafe bedrohten Turnwarte andere ein. Doch die Strafbefehle blieben nicht auS. Sie erreichten nach und nach die stattliche Zahl von 140. Der Versuch, für die Leiter der Jugendabteilungen des Vereins„Fichte" Unterrichtserlaubnis- scheine zu erhalten, erwicS sich als nutzlos. Den Leitern der Jugendabteilungen bürgerlicher Turnvereine wurden die Er- laubnisscheine ohne weiteres erteilt. Den Mitgliedern des Arbeiter-Turnvcreins aber wurden sie konsequent verweigert. Man sieht hieraus, worauf es einzig und allein abgesehen war. Es sollte dem Arbeiter-Turnverein unmöglich gemacht werden, Jugendabteilungen zu unterhalten.— Doch, allen Drang- salierungen zum Trotz, konnte der Verein„Fichte" seine Jugend- abteilungen halten. AIS sie nach Entziehung der Turnhallen in Sälen weiter turnten, wurde den Saalbesitzern eine polizeiliche Verfügung zugestellt, welche ihnen untersagt. Räume herzugeben für die Erteilung von„Turnunterricht" durch Personen ohne Er- laubnisschein. Gegen diese polizeiliche Verfügung ist am L0. Juni 1908 Beschwerde erhoben, aber bis heute ist die Beschwerde noch nicht beantwortet. Nun kam das neueste Vorgehen gegen die jugendlichen Ar- beiterturner. AIS jugendliche Personen, deren Vorturner einen IlnterrichtSerlaubnisschein haben soll, betrachtet das Provinzial- Schulkollegium Personen bis zum 21. Lebensjahres— Die städtische Schuldeputation forderte also auf Verlangen des Pro- vinzial-Schulkollegiums. die Leitung des Vereins„Fichte" solle eine Liste aller Vorturner von Jugendabteilungen einreichen.— Da diese natürlich keine Unterrichtserlaubnisscheine haben, weil sie keine bekommen, so sollte aufs neue gegen sie vorgegangen werden. — Die Vereinsleitung weigerte sich, dem unberechtigten Ver- langen der Schuldeputation nachzukommen. Die Aufforderung zur Einreichung der Liste wurde wiederholt, aber vom Verein mit einer Beschwerde beantwortet. Darauf verfügte die Schul- deputation: Wenn die Liste nicht eingereicht würde, dann müsse der Magistrat dem Arbeiter-Turnverein„Fichte" die Benutzung der städtischen Turnhallen entziehen. Somit steht also der Verein„Fichte" vor der Tatsache, daß er in allernächster Zeit gänzlich aus den städtischen Turnhallen ausgewiesen wird.— Wie der Referent weiter ausführte, sind die Drangsalierungen der Arbeiterturncr, die sich nicht nur auf Berlin beschränken, zurückzuführen auf das Treiben der„Deutschen Turnerschaft", die den Hurrapatriotismus Pflegt und mit Neid auf die Arbeiter-Turnvereine blickt.— Es ist ein sonderbarer ..Rechtszustand", daß eS gegen das Vorgehen des Provinzial- Schulkollegiums weder einen Beschwerde- noch einen Klagewcg gibt. Um aber doch eine gerichtliche Entscheidung hierüber zu erzwingen, ist öffentlich zum Ungehorsam gegen die betreffenden Verfügungen und Berordnungen aufgefordert worden. Infolge- dessen schwebt zurzeit ein Verfahren gegen den Redakteur der »Arbeitei-Tujnerzeitung". Tech weiß man nicht, ob es zu einer gerichtlichen Entscheidung kommen lvird, denn in früheren der- artigen Fällen ist das Verfahren ohne Gerichtsverhandlung ein- gestellt worden.— Der Referent schloß unter stürmischem Beifall mit der Versicherung, daß alle diese Drangsalierungen nicht ge- eignet sind, die Arbeiter-Turnvereine zu unterdrücken. Sie werden Mittel und Wege finden, auch mit der Jugend in Verbindung zu bleiben und ihre Bestrebungen trotz des Vorgehens der Behörden auch ferner zu betätigen. Der zweite Referent, Genosse Wolfgang Heine, beleuchtete die juristische Seite der Sache. Er bezeichnete das Vorgehe,« des Provinzial-Schulkollegiums gegen den Arbeiter-Turnverein als einen groben Rechtsbruch und weist das in eingehender Weise nach. In der Diskussion, die sich durchaus im Sinne der Referate bewegte, beteiligte sich auch Genosse Stadthagen, der als Stadt- verordneter mit anderen Mitgliedern der sozialdemokratischen Stadtvcrordnetenfraktion an der Versammlung teilnahm. Er sagte, die sozialdemokratischen Stadtverordneten würden selbst- verständlich alles was möglich ist, tun, um den Magistrat zu ver- anlasseli, daß er sich dem Rechtsbruch des Provinzial-Schul- kollegiums nicht füge, oder doch dem Verein„Fichte" andere Räume zur Verfügung stelle. Der Magistrat habe die Pflicht, zu prüfen, ob das Verlangen des Provinzial-Schulkollegiums gesetzlich sei. Einem ungesetzlichen Verlangen dürfe er sich nicht fügen. In scharfen Worten kennzeichnete der Redner das rechtswidrige Vorgehen gegen die Arbeiterturner und führte aus, daß diese Maßregel sehr gegen den Willen des für die Drangsalierung ver- antwortlichen Kultusministers geeignet sei, den Arbeiterturnern zu zeigen, daß es die Klassenherrschaft ist, welche ihnen ihr SkeHji streitig macht, die Klassenherrschaft, der die Sozialdemokratie ein Ende machen wird.(Lebhafter Beifall.) Schließlich wurde einstimmig die nachstehende Resolution an- genommen: „Die von etwa 3000 Personen besuchte Versammlung pro- testiert auf das entschiedenste gegen daS ungesctzmäßige Vorgehen der Behörden gegen die Arbeiter-Turnvereine. Wir fordern, daß das auf Willkür beruhende Verbot deS Jugendturnens auf Grund veralteter Verordnungen aus den Jahren 1808, 1834 und 1839 zurückgenommen werde.— Wir erwarten ferner, daß der Magistrat der Stadt Berlin das Verlangen des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums, dem Turnverein „Fichte" die Turnhallen zu entziehen, nicht ausführen wird, da hierdurch die Berliner Turner mit zweierlei Maß gemessen würden. Sollte der Berliner Magistrat nicht die Macht haben, die Ausweisung des Turnvereins„Fichte" aus den Gemeindeschul- Turnhallen zu verhindern, so erwarten wir von ihm. daß ex dem Berein andere geeignete Räume zur Verfügung stellt." ver pMtrelk. Die Streiklage ist unverändert. Die offiziösen Nachrichten verkünden am dritten Tage des Streiks ebenso daS„voll- ständige Scheitern" wie an den vorhergehenden, ohne daß man heute diesen Meldungen mehr Vertrauen entgegenbringen muß als gestern und vorgestern. Sicher ist, daß der Streik nicht in seinem vollen Umfang eingesetzt hat. Jedoch die Post- beamten selbst sind guten Mutes. Sie haben während der Nacht eine große Versammlung abgehalten, in der die Fortsetzung deL Streiks befürwortet und an der Hand von Ziffern erklärt wurde, daß der Streik an AuS d eh- nung gewinne. Der Sekretär des Verbandes der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter erklärte, das Komitee der Leitung habe beschlossen, im Notfalle einen General- streik der Staatsarbeitcr zur Unterstützung der Postbeamten zu organisieren und möglichst auch die Mit- gliederder Arbeitersyndikate der Priv a tin dustrie niit hineinzuziehen. Die Mitteilung, daß die sozialistischen Deputierten in der Kammer die Internationale gesungen hätten und die Sitzung deslvegen unterbrochen werden mußte, rief große Begeisterung hervor. Die Versammlung nahm eine Tagesordnung an, in der gegen die zur Beschränkung der Meinungsfreiheit getroffenen Maßnahmen und den Wort- bruch Clemenccaus Widerspruch erhoben und erklärt wird, der Streik solle bis zun« äußersten durchgeführt werden. Die Massenmaßregelungen der Beamten durch die Negierung haben im Proletariat große Erbitterung hervorgerufen. So nahm der Nationalkongreß der Gruben- a r b e i t e r in Lens nach einer geheimen Sitzung eine TageS- ordtiung an, Ivorin er erklärte, daß er nach der nunmehr erfolgten Absetzung von 228 Postbeamten von neuem die Frage prüfen werde, ob ein A u s st a n d zu verkünden sei. Der Kongreß erhebt energisch Einspruch gegen die Halwng des Staates als Arbeitgeber. Ebenso haben die Pariser Gas- a r b e i t e r die Gewerkschaftsleitung aufgefordert, ein Referendum über einen allgemeinen Gasarbeitcr- st r e i k einzuleiten. Der offiziöse Streikbericht. PariS, 14. Mai. 1 Uhr früh. Nach den letzten Feststelllmgen fehlten im Hauptpostamt von 660 männlichen Angestellten 67 und von 700 Damen 10; der Dienst wird in normaler Weise auS- geführt, ci wurden ungefähr 100 000 Depeschen expediert. Im Telephonbetriebe fehlten von 2500 Damen 70. Ferner waren 125 Arbeiter nicht erschienen, von denen aber 80 baten, wieder ein- gestellt zu werden. In den einzelnen Postämtern fehlten inS- gesamt 700 Angestellte. Nachrichten aus der Provinz zufolge ist der Ausstand dort im Abnehmen begriffen. Zerstörte Leitungen. Paris, 14. Mai. Aus der Provinz wird berichtet, daß die Telegraphen drähte bei DoullenS(Departement Sonune) durchschnitten wurden; auch auS anderen Orten werden viel- fache Unterbrechungen gemeldet, die mit dem Postbeamten- ausstand in Zusammenhang stehen. Der Appell an die Solidarität. PariS, 14. Mai.(Privatdcpesche deS„Vorwärts*.) Eine beute nachmittag von 8000 Postbeamten besuchte Versammlung beschloß den Appell an die Solidarität des Proletariats. G u er ar d sagte eine Aktion der Eisenbahner zu, während P a t a u d, der Vertreter der Elektriker, sowie der Vertreter der GaSarbeiter bekanntgaben, daß ihre Organisationen heute über den Streik beschließen. PoUtifcbe(leberfickt. Berlin, den 14. Mai 1209. Das Viehseuchengesetz. Aus dem Reichstage. 11. Mai. Schier unendlich erscheint die Zahl der Maßregeln zugunsten der Agrarier, mit denen der Reichstag sich zu befassen hat, denn jeder Vorlage, bei der es halbwegs möglich ist, wissen Regierung und Reichstagsmehrheit den Charakter einer Liebesgabe für die Agrarier zu verleihen. So geht es auch mit der Neufassung des Gesetzes zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, mit deren zweiter Lesung der Reichs- tag sich heute zu befassen hatte. Es handelt sich dabei um eine Erweiterung und Ver- schärfung der Bestimmungen, die zur Bekämpfung der Vieh- seuchen am 23. Juni 1880 getroffen wurden. Ueber ein Jahr lang hat die Kommission zur Durchbcratung der Vorlage gc- braucht. Sie enthält Bestimmungen zur Unterdrückung der Viehseuchen im Jnlande, die bis zur Absperrung verseuchter Gehöfte und Ortschaften sowie bis zur Vernichtung verseuchten Viehes gehen. Außerdem aber gibt das Gesetz der Regierung auch Befugnis zur Absperrung der Grenzen gegen die Einfuhr ausländischen Viehes und aller möglichen tierischen Produkte. Und diese Bestimmungen sind.es, die in ihrer Vieldeutigkeit und Dehnbarkeit einer agrarischen Regierung die Möglichkeit geben, auf bloße Ver- mutungen hin die Grenze überall gegen die Vieheinfuhr ab- zusperren. Man braucht gar nicht an die Möglichkeit zu denken, daß ein Podbiclski"die Klinke der Gesetzgebung und Verwaltungspraxts wieder in die Hand bekommt, die Beth- inann-Holltveg und Arnim-Criewen sind gerade agrarisch ver- feucht genug, um mit dem größten Mißtrauen der Zeit entgegenzusehen, in der sie sich daran machen werden, mit Hilfe eines solchen Gesetzes daS deutsche Schwein und den deutschen Ochsen vor der Konkurrenz deS verruchten Ans- landes zu bewahren. Diese Gefahr deutlich und unwiderleglich an der Hand der vorgeschlagenen Gesetzesbestimmungen und der Regierung-- bcgründung nachgewiesen zu haben, war daS Verdienst des Genossen Scheide mann. Konnte er doch anführen, daß nach dem Gesetz die Regierung jederzeit und überall zur Grenzsperre berechtigt sein würde, ohne tatsächlich nachgewiesene Verseuchung eines bestimmten Viehstandcs. Trotzdem unser Redner ausdrücklich erklärte, daß wir den wirklich berechtigten Bestimmungen des Gesetzes zur Unter- drückung der Viehseuchen beipflichten und nur gegen die Möglichkeit willkürlicher Grenzsperre uns erklären, wurde natürlich von den agrarischen Gegnern, dem Zentrumsmann Freiherr» V. P f e t t e n, dem Bundcsdtrektor Hahn uns vor- geworfen, wir wollen„dorLandwirtschaft keinen Schlitz angedcihen lassen". DerfrcisinnigeDr. Struve versuchte etncnmittlerenKnr- einzuschlagen zwischen den Agrariern und der Sozialdemokratie, wurde trotzdem aber höchst ungnädig behandelt von dem Vor- sitzenden des Bundes der Landwirte, Herrn R ö s i ck e. Aufgebläht von den agrarischen Triumphen in der Finanz- kommission schnarrte er mit seiner heiseren Fistelstimme den freisinnigen Borredner an. als ob er von der ganzen Sache gar nichts verstände. Dafür pries er aber in den höchsten Tönen den Herrn Erzbergec wefjen seines Eintretens für die volle Entschädigung der Landwirte, deren Vieh wegen Verseuchung getötet iverden muß. Die Minister v. Beth- mann-Hollweg und v. A r n i m- C r i e w e n bewiescii durch ihre Reden, daß sie sich im herzlichen Einvernehmen mit diesem neuen agrarischen Block befinden, so daß die gegen- wärtige politische Situation sich deutlich in der Debatte wiederspiegelte. Morgen»vird diese agrarische Verbrüdcrungsfeicr ihre Fortsetzung finden._ Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenhause ging die Ctatsveratlmg am Freitag etwas schneller vor sich, die Guillottine, durch die unter anderem auch einmal wieder unserem Fraktionsredner das Wort abgeschnitten wurde, funktionierte vorzüglich, und so war eS möglich, eine Reihe wichtiger Etats im Handumdrehen zu erledigen. Eine Nachlese zu früheren Ausführungen der ReglerungSverircicr hielt Genosse L e i n e r t beim Etat der Eisenbahnberwaltung. Mit aller Gründlichkeit zerpflückte unser Genosse daS von dem Finanz- minister dem Hause aufgetischte Märchen, daß die Erhöhung der Arbciterlöhne der Besoldungsaufbesserung der Beamten vorausgeeilt sei, schlagend wies er die Notwendigkeit einer Lohnaufbesserung der Staatsarbeiter nach; ebenso übte er scharfe Kritik an der Absicht, die Arbeiterwochenkarten einzuschränkeil und an dem jüngsten Erlaß des Ministers über die Annahme jugendlicher Arbeiter bei der Eisenbahn, einem Erlaß, den er treffend als sozial- Politisch rückständig bezeichnete. Seine Mahnung, endlich die Wünsche der Arbeiter zu erfüllen, machten, wie vorauszusehen. auf den Minister keinen Eindruck; Herr v. Breite nbach glaubt genau wie seine AmtSvorgänger, daß die staatlichen Arbeiter sich auf die Dauer mit WohlfahrtSeinrichtungen abspeisen lassen. Die Zukunft wird ja lehren, daß er im Unrecht ist; die Arbeiter verlangen den ihnen gebührenden Lohn, sie könne» und dürfen sich nicht damit begnügen, daß sie niedrigere Löhne erhalten als ihre Kollegen in der Privatindnstrie sich mit Hilfe ihrer Organisation erkäinpst haben. Für die Folgen, die auS der heute beliebten Behandlung der staatlichen Arbeiter entstehen, ist die Regierung verantwortlich uiid mir ihr die Mehrheit des DreiklassenparlamentS, die die sozial- politische Rückständigkeit des Ministers billigt. Eine treffliche Illustration preußisch-dcutscher Älasieiijustiz bot die zweite Siede L e i n e r t S, die er zum Etat der Justizverwaltung hielt. Mit gutem Geschick hatte er eS verslanden, eine Anzahl von Fällen auszuwählen und gegenüberzustellen, darunter auch den Fall Eulenburg. Mit dem, was Leinert über die Behaudlung fürstlicher Verbrecher ausführte, hat er nicht nur der sozialdemokratischen Partei, sondern zweifellos der weitaus größten Zahl der Anhänger auch anderer Parteien aus dem Herzen gesprochen. WaS Millionen und Abermillionen preußischer und deutscher Staatsbürger fühlen, dem hat er von der Tribüne des Landtages herab Ausdruck verliehen. Auch seine Anregungen über die Konkurrenz, die den Handwerkern und freien Arbeitern durch die Gefangnenarbeit bereitet wird, dürften der Zustimmung weitester Volkskreise sicher fein. Um so schwächer und nichtssagender war die Erwiderung des Justizministers B e s e l e r, der jede Kritik an gerichtlichen Urteilen als Verbrechen betrachtet, aber die Beeinflussung der Staatsanwälte als sein gutes Recht in Anspruch nimmt. Der letzte Etat, dessen Beratung allerdings noch nicht zu Ende geführt wurde, war der KultuZetat. Herr Schwartzkopff, der für den abwesenden Minister Dr. Holle daS Wort führt, ist ein tüchtiger Agitator für seine Ministerkandidatur, er entfesselt nach jedem Satz förmliche Beifallsstürme bei der konservativ-llerikalcu Reaktion und stößt die bürgerliche Linke fortgesetzt vor den Kopf. Selbst die zahmen Nationalliberalen, die doch sonst der Regierung auS der Hand zu fressen verstehen, stößt er durch die von ihm gegen Lehrer angewandte Gesinnungsschnüffelei vor den Kopf. Niemals hat es ein Ministerium gewagt, die Redefreiheit der Lehrer so zu unterbindell und ihnen in ihrem außerdienstlichen Verhalten solche Vorschriften zu machen, wie dieser Typus eines preußischen RealtionärS, der im Ministerium einen weit über die Bedeutung seiner Person hinausgehenden Einfluß besitzt. Am Sonnabend denkt man den KultuSetat und damit überhaupt den Etat in dritter Lesung zu verabschieden. Auf der Rednerliste steht u. a. Genosse H o f f m a n n. Der konservativ-klerikale Block? Der gestrige Vorgang in der Fiiimizkommission und die immer deutlicher hervortretende Tatsache, das; Fürst Bülow mit den Führern der Konservativen wieder über Aendernngen der Steuerpläne unter- handelt, haben die Liberalen teils in helle Wut, teils in eine resignierte elegische Stimmung versetzt. Die»National- Zeitung" veröffentlicht eine Kundgebung auS den Kreisen der nationalliberalen Reichstagsfraltion. Nach dem Hinweis darauf, daß der konservativ-klerikale Block wenn auch noch nicht fest gebildet, so doch in seinen Umrissen fichtbar sei, wird an den Reichskanzler die Frage gerichtet, was er denn eigentlich zu tun gedenke. Den Nationalliberalen ist offenbar nicht ganz ivohl in ihrer neuen Stellung als Oppofitionspartei. Das ergibt fich daraus, daß der Reichskanzler in folgender Weise angetvinselt wird: »Das Endurteil der Geschichte über die Bedeutung und die Charaktergrötze des Kanzlers wird mit davon abhängen, wie er die gestellten Fragen beantwortet, ob er mit seiner Vergangenheit und dem Bilde, in dem er jetzt im deutschen Volke lebt, es ver- einen kann, Zentrumskauzler zu Iverden, und ob er die Bewegung, die er in den letzten Monaten im Lande zugunsten einer Erb- schaftsbesteuerung zum mindesten stark gefördert hat, jetzt wieder mit einer lässigen Handbewegung abtun und feierliche Erllärmigen alS nicht gegeben behandeln kann." An diese Anbettclung schlicht sich bann die Versicherung, das; der Blockgedanko im Volke lebendiger sei, als der Reichskanzler an- scheinend annehme. Vor allen Dingen sei die Auffassung der Nationalliberalen, daß den 400 Millionen Mark indirekter Steuern 100 Millionen Mark Besitzsteuern gegenüberstehen müssen, identisch mit den Ansichten der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes. Der Artikel schließt mit der Frage, ob der Kanzler seine neue Politik ohne oder gegen diese Volkskreise machen wolle. Cr stehe am Scheidewege und möge sich nun entscheiden. Die nationalliberale Fraktion stehe fest und werde von ihrem, durch graktionsbeschluß festgelegten Standpunkt unter keinen Umständen abweichen. Die„Franks. Ztg.", die noch vor kurzem so große Hoffnung auf ihre» Bülow setzte, hält bereits die konssrvativ-klerikalc Koalition für gesichert. Resigniert schreibt der bekannte Berliner Vertreter des Frankfurter.Weltblattes" in der zweiten heutigen Morgenausgabe: »Die Hauptsache ist, wenn auch noch keine bindenden Ver- cinbarungen stattgefmiden haben, die Regierung oder sagen wir Fürst Bülow befindet sich auf dem Wege, die Finanzreform mit de» Komervativen, zu denen auch andere Teile der Rechten kommen werden, dein Zentrum und seine» Asfiliierten zu machen. Auf wirkliche Bcsitzsteuern, die alle Besitzenden und alle Arten dcS Bc- sitzes ungefähr gleichmäßig treffen würden, muß dabei natürlich — dein Willen der von Herr» v. Heydebrand geführten Konservativen gemäß— verzichtet werden, und man wird unter der falschen Bezeichnung von Bcsitzsteuern in der Hauptsache zu Umsatz- und Berk« hrsfteuern greifen, die das mobile Kapital treffe». Es ist kein Zweifel mehr, daß die Dinge so gehen sollen, und eS ist wahrscheinlich, daß sie so gehen werden, denn sobald erst einmal der Reichskanzler darauf verzichtet Habel» wird, eine wirklich gleichmäßige Besitzstcuer im Reiche einzuführen, uiid — ivaS nicht anSgefprochen zu iverden brauch«, aber eine selbst- verständliche Folge ist aus die leisen liberalen Anwandlimge» zu verzichten, gegen die sich der Widerstand der preußischen Kon- servativen gerichtet hat, dann wird die aus der Rechten und de», Zentrum bestehende agrarische Mehr» yeit dcS Reichstages sich Über 400 Millionen indirekter Steuern leicht einigen. Sie sind schon aus dem Wege dazu. Geschäftlich soll sich, wie man aunimmt, die Sache so voll- ziehen, daß das Plenum slch in der nächsten Woche vertagt, daß die F i n a n z k o Iii in i s s t o n inzwischen weiter a r- bettet, daß nach Pfingsten einig« neue und Ersotzsteuern vom Plenuin beraten und dann auch an die Konimission geschickt werden, und dann doS Plenum sich ivteder ver- tagtund dteKom in issio» allein beratenlaß t." Bus dem Reichstage. Die P r ä s i d e n t e n k r i s e in der g i n a n z k o m m i s s i o n hat die Herren im Reichstage sehr ausgelegt. Die Liberalen tliii sehr stolz, beglückwünschen sich zu ihrem ManueSmut, einen Hinaus- Wurf als HinauSlvurf und nicht alS freundliche Einladung zu registrieren, uud versichern hoch und heilig, daß Paasche nimmer- mehr den Vorsitz überuehmeii werde. Der Freisinn ist außerdem glücklich, daß vorläufig die Nationalliberalen noch nicht zu den Kon- servativen abgeschwenkt sind. Ja, sie wollen auch jetzt noch nicht alle Hoffnung fahren lassen, daß es Bülow gelingen werde» noch einmal den Block zu galvauistcren. Der Reichstag selbst wird demnächst vertagt werden, wenn auch Zeitpuult und Dauer der Vertagung nicht sicher ist. Gras S t o l b e r g, der heute mit Fürst Bülow eine Unterredung hatte, riet, jetzt eine Vertagung bis zum Herbst ein- treten zu lassen, dfe Finmizkommission aber weiter beraten zu lassen. Der Reichskanzler wünschte dagegen, daß auch das Plenum nach Pfingsten noch weiter tage.__ Zentrum und Brotwucher. Die Bäckeriiinuiigen von Köln und Bonn, deren Mitglieder meist ZentrumSanhänger sind, haben sich an die ReichZregierung und den Reichstag um Beseitigung der Einfuhrscheine für Getreide gewendet. Infolge besten bringt die»Kölnische VollSzeitung" jetzt einen Artikel, worin sie sich gegen die Entblößung Deutschlands von Brotgetreide wendet. Sie habe schon im Sommer vorigen JahreS sich dagegen gewendet, daß„infolge der Einfuhrscheine und billiger Ausfuhrtarife" unser gutes Getreide vom Herbst bis zum Frühjahr den Weg ins Ausland nehme, so daß man Im Frühjahr kaum noch von Borräten sprechen könne. Seitdem sei„nicht das mindeste geschehen, um den schweren w i r t- schaftlichen Gefahren zu begegnen, die ein solcher Zustand in sich birgt." Die Ausfuhr verteure das Getreide und bringe schwere Gefahren für die Sicherheit Deutschlands. Mühlen müßten tagelang feiern, weil ihnen das Material fehle. Es sei allerhöchste Zeit, diesen Dingen die verdient« Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Alarmruf des rheinischen Zentrumsorgans ist nichts als eine abscheuliche Heuchelei. Erst vor wenig Wochen, am 22. April, hat der Fraktionsredner des Zentrums, Herr Speck, das System der Einfuhrscheine verteidigt, und die Zentrumsabgeord- neten haben»Bravo" dazu gerufen. Herr Speck erklärte:»Die Eiusuhrscheine sind ein Regulator für die inländische Produktion und sollen überdies eiu Sinken der Preise verhindcni. Von einer Aushebung oder nur wesentlichen Ein- schränkung des Einfuhrschcinsystcms hätte unsere Landwirtschaft und unser Getreidehandel erheblichen Schaden. Sie haben Anspruch aus die Einfuhrscheiue.. Zu dieser Verteidigung der Einfuhrscheine hat die»Kölnische Volkszcitung" damals kein Wort gesagt. Sie denkt anscheinend, ihre Leser hätten die brotwucherischen Worte des zentrümlichen Fraktionsredners bereits vergessen, die sich so schön mit der gesamten Lebens- Mittelverteuerungspolitik des Zentrums decken. Unstimmigkeiten im Bundesrat. ES verlautet immer bestimmter, daß Bayern, Sachsen, Wilrttem- berg und Baden an der Erbschaftssteuer festhalten wollen. So weiß z. B. der„Berliner Börsen-Eomlsr' zu berichte», daß die Finanzininister der Einzelstaaten sich schlecht behandelt fühlen und daß«amentlich eine Versöhnung mit dem Zentrum auf energischen Widerstand der Einzelstaaten stoßen würde. Soweit Bayern in Frage kommt, würde letztere? auf keinen Fall zutreffen, denn in Bayern ist das Zentrum die regierende Partei._ Die neue Fahrkartcnsteuer. Der Entwurf der neuen Fahrkartensteuer ist Im Reichs- schatzamt fertiggestellt.' Wie die Scherlpresse zu melden weiß, ist ein Zuschlag von 3'/z Prozent zu den Fahrpreisen für alle vier Wagenklassen festgesetzt. Fahrkarten im Betrage von»venigcr als einer Mark sollen steuerftei bleiben. In der Praxis wäre die Wirkung dieser neuen Steuer folgende: Für eine Fahrkarte von Berlin nach Frankfurt a. M. ist jetzt zu zahlen an Fahrkartensteuer in I. Klasse 5,40, künftig 1,45 M.» in IL Klasse 1,20 M.. künstig 89 Pf., in m. Klasse 40 Pf., künftig 49 Pf., in lV. Klasse nichts. künftig 30 Pf. Die Reform besteht also darin, daß die Passagiere erster Klasse entlastet und dafür die Passagiere vierter Klasse belastet werden. Der„schwarze" Kultusiiiinisterkandidat. In München kursiert das Gerücht, baß der bekannte Zentrums- sührer Professor Freiherr v. Hertliug Nachfolger des Kultusministers v. Wehner werde» soll. Hertling ist neben Spahn der einflußreichste Führer des rechten Flügels im Zentrum, einer jener Diplomaten, denen die Erzbergerei von je ein Greuel war, und die von An- beginn der Blockära an beharrlich den Wisderanschlnß an die Regierung suchen._ Jirmenwechscl. In einer Versammluiig deS konservativen Vereins in Elbing stellte der Vorsitzende Justizrat Stroh fest, daß der Berein seit einiger Zeit langsam an MitgliederbestanS zurückgeh«. Es wurde die Ansicht ausgesprochen, daß dies an dem Namen des Vereins liege. Darauf beschloß die Versammlung nach längerer Debatte, die Finna zu ändern und sich nicht mehr konservativer Verein, sondern vaterländischer Arbeiterverein zu iieniien. Derselbe Beschluß wurde vor wenigen Tagen auch in der General- Versammlung des konservativen Vereins in einem großen Kirchdorfe des Kreises Tilsit gefaßt.—< Krise und Volkserurihrung. Der„Verein für Volks lvohl" in Köln, eine Gründung von Unternehmern und Kapitalisten, die der minderbemittelten Be- völkerung wohlfeiles Essen in ihren drei Anstalten bieten will, ver- weift in ihrem Jahresbericht auf die»im vergangenen Jahre herrschende Teuerung aller Lebensmittel". „Der Niedergang der ivirlschastlichen Verhältnisse hat," heißt es darin,»auch im Vorjahre eine Abflauung im Besuch der drei Anstalten und eine Einschränkung bei der Entnahme von Speisen und Getränken herbeigeführt, namentlich der vollen Mittag« essen von 35 und 25 Pf. Dagegen ist die Zahl der verabreichten Portionen a 10 Pf. gestiegen." Zahlreiche Arbeiter konnten sich also nicht mal mehr daS kümmerliche Mahl der VolkSlvohlanstalten leisten; an Stelle eineö Mittagessens mußten sie eine Suppe oder ein paar Kartoffeln mit„Gemüse" für zehn Pfennige essen._ ftankreid). Die russische» Polizeiverbrecher. Pari», 14. Mai. Interessante Mitteilungen machte bei seinem Berhör der Russe G r i p e, welcher wegen beb Attentates auf den Chef der Moskauer politischen Polizei, den Obersten v. Kotten, vor einigen Tagen in Parts ver- haftet worden war. Gripe erklärt, daß der Oberst den Auf- trag gehabt hätte, in Europa Propaganda gegen die Terroristen zu machen. Er habe gegen den P r ä s i- deuten F a l l i 5 r c ein Komplott vorbereitet, das während der Nizzarctse des Präsidenten zur Ausführung hatte kommen sollen. Auch in anderen Ländern hätte der Oberst terroristische Attentate geplant, um die europäischen Negicrungen zu ver- anlassen, alle Terroristen auszuweisen. Eine Gefäugnisrevolte. Paris, 14. Mai. Achtzehn Häftlinge deS hiesigen MilitärgefängnisseS, zumeist Deserteure, die in einem gemein- same» Zimmer untergebracht waren, versuchten mit den auS ihren Bettstellen eiitiiommcneli Elsenstangen die Tür zu sprengen und auS- zubrechen. Die Gefängniswächter drangen mit Revolvern in der Hand ein und zwangen die Häftlinge, welche die Internationale saugen, einzeln den Saal zu verlassen und sperrten sie dann in Linzclzellen. CUrbd. Die Eiitwasfiinng. Konstantinopel, 14. Mai. Eine neue Proklamation Mahmud Gchewket PafchaS verlängert den Termin zur Ablieferung der Waffen um eine Woche. Falls keine Waffen abgeliefert werden sollten, würden Haussuchungen vorgenommen und strenge Maßregeln ergriffen werden. perfien. Die Russen forder» die Entwasfuuug. TLbriS, 14. Mai. Auf Verlangen des Generals SnarSki ließ daS Endschumen in den Vazaren durch Ausrufer die Bevölke- rung zur Auslieferung der Waffen auffordern. Der russische und englische Konsul statteten dem Endschumen einen Be» such ab und sprachen ihre Glückwünsche zur Wiederherstellung der Verfassung aus. DaS Endschumen gab die Versicherung, die be- gonnene Entwaffnung werde in kurzer Zeit ohne Mithilfe der Konsuln beendet sein. Standrecht in Teheran. Köln, 14. Mai. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Teheran: DaS Standrecht ist verkündet. Ein neuer Anschlag droht strenge Strafen für Beleidigungen des Parlaments und seiner Anhänger an. Die Nationalisten, ausgenommen die Hauptführcr, verließen die türkische Botschaft. Die Reschter Nationalisten ginge» von Kewendasch nach Kaswin zurück» parlamentarifcbes. In der Finanzkomliiisfion des Reichstages führte am Freitag, den 14. Mai, der zweite Vorsitzende Spahn die Verhandlungen. Er gab zunächst bekannt, daß ihm vom Ab- geordneten Paasche ein Schreiben zugegangen sei, nach dem er den Vorsitz in der Kommission niederlege und bat, die Wahl eines anderen Vorsitzenden vorzunehmen. Abgeordneter Paasche erklärte. daß er die gestrigen Vorgänge in seiner Fraktion zur Kenntnis gebracht, und daß die Fraktion entschieden habe, daß sie einen Vorsitzenden für die Finanzkommission nicht mehr stellen werde. Darauf wird in die Beratung über den Gesetzentwurf zum Finanzwesen eingetreten, speziell über die Vorloge, die die Bc- seitiguna Lei Vorschüsse an die BerpfSgenossenschafien zum Zwecke hat. In der Beratung legte der Abgeordnete Stadthagen klar, daß die Faffung nach der Vorlage eine Liebesgabe für die Berufs- genossenschafteii von 100 Millionen Mark bedeute, die sich freilich auf 20 Jähre verteile. Gefährlich sei es, diese Vorlage jetzt zu beraten; da die Reichsversicherungsordnung demnächst beraten werde, sei es eine Zerreißung der Frage. Die Liebesgabe werde aus den Taschen der Arbeiter den Unternehmern gegeben, da die Arbeiter die Mittel für das Reich aus indirekten Steuern auf- bringen müssen. Die Berufsgenossenschaften kürzen den Arbeitern geflissentlich die Renten; mit viel mehr Recht müßten die Kranken- lassen unterstützt werden. Die Abgeordneten G a m p und Müller- Fulda teilen die Ansicht Stadthagens, daß die Berufsgenossenschaften selbst die Träger ihrer Kosten sein müssen. Der Abgeordnete Müller-Fulda legt außerdem klar, daß die Berufsgenossenschaften selbst imstande seien, die Kosten aufzubringen. Nach längerer Debatte wird ein Antrag Paasche, daß das Reich nicht die Hälfte, sondern nur zwei Fünftel, die Berufs- genossenschaften drei Fünftel der Tilgungs- und VerzinsungS- betrüge übernehmen, mit Mehrheit angenommen. Darauf entspann sich ein lange Geschäftsordnungsdebatte über die nächste Sitzung und deren Tagesordnung. Die Konscr- vaiive» gingen von ihrem früheren Standpunkt ab und wollen gestatten, daß über Artikel 4 der Tabakwertstcuervorlage ad- gestimmt wird. Man einigte sich endlich, daß die nächste Sitzung am DienStag stattfinden soll. Als erster Punkt steht: Wahl des Vorsitzenden auf der Tagesordnung, als zweiter Punkt: Ab- stimmung über Artikel 4 de» Tabakstcuergesetzentwurfes, wie er von der Kommission bisher durchberaten wurde, als Punkt 3: die Fahrkartensteuer. Dann wird noch die Frage aufgeworfen, ob die Kommisston, wenn das Plenum in die Pfingstferien geht, weiter beraten wird. — Die Frage bleibt unentschieden, bis morgen, Sonnabend, der Seniorenkonvent getagt hat. Das Zentrum hat es abgelehnt, den ersten Vorfitzenden zu stelle»; es kommen für diesen Posten nunmehr in Frage: der Fretkonservative von Gamp und der Antisemit Raab. Hausarbeit. Die Kommission zur Beratung der Gewerbe- Novelle hat in der Sitzung am Donnerstag nach dreitägiger Debatte die Erörterung über die Errichtung von Lohnämter« zum Abschluß gebracht. Die Abstimmung über eine ganze Anzahl von Anträgen wurde in der Sitzung am Freitag vorgenommen. Angenommen wurden gegen die Stimmen der National- liberalen. Freisinnigen und Konservativen folgende Anträge dcL Zentrums: ß I39y. ä. Durch den Reichskanzler oder die Landeszentral- behörden oder die höheren Verwaltungsbehörden können für de- stimmte Gewerbezweige, in denen Hausarbeiter in größerer Zahl zu einem im Vergleich zu anderen Arbeiten außergewöhnlich niedrigen Lohn beschäftigt werden, Lohnämter, die zu gleicher Zahl au» gewählten Vertretern der Gewerbetreibenden und der Arbeiter unter einem von der betreffenden Behörde ernannten Vorsitzenden zusammengesetzt sind, errichtet und die zur Durchführung dieser Bestimmung erforderlichen Anordnungen getroffen werden. Mit den Aufgaben des Lohnamtes können auch Gewerbegerichte ode? Ärbeitskammern betraut werden. Diese Lohnämter haben tunlichst für die in der Hausarbeit, in Werkstätten und Fabriken beschäftigten Arbeiter oeS Gewerbe- zwetges, für welche ste errichtet sind, auf Grund der von den Lohn- ämtern ermittelten orts» und berufsüblichen Löhne, Mindestzeit» oder Mindeststücklöhne für einen bestimmten Zeitraum festzusetzeu. Sobald die solcher Art festgesetzten Löhne die Zustimmung der Behörde, welche die Einsetzung de» Lohnamtes vorgeschrieben hat, gefunden haben, sind sie als Mindestlöhne rechtsverbindlich. Eni- gegenstehende Vereinbarungen zum Nachteile des Hausarbeiters sind nicht rechtsverbindlich. § 139?. Auf Antrag eines Gewerbegerichts oder einer Arbeits- kammer, oder beteiligter Organisationen von Hausarbeitern oder Arbeitgebern kann der Reichskanzler oder die Landcszentralbchördc oder die höhere Verwaltungsbehörde bestimmen, daß und inwieweit Tarifverträge, die zwischen HauSarbcitern und ihren Arbeitgebern oder bezüglichen Organisationen vereinbart oder durch Schieds- spruch festgesetzt sind, auch auf die sonstigen HauSarbeiter desselben Gewerbe» und ihre Arbeitgeber rechtsverbindliche Anwendung finden sollen. Die übrigen Anträge, darunter auch der unserer Parteigenossen, wurden abgelehnt. Unsere Genossen wollten, daß auf Antrag der Heimarbeiter in jedem Fall das Lohnamt(Gewerbegericht oder besondere Kommissionen) Mindestlöhnc für Heimarbeiter festzu- setzen hat. Diese Löhne sollten insbesondere nicht geringer sein als die in den Fabriken gezahlten. Für den Antrag unserer Gc° ncssen stimmten von den bürgerlichen Parteien nur die Ab- geordneten Naumann und Brejski(Pole). Danach ist in der für die Heimarbeiter wichtigsten Frage so gut wie nichts geschehen. Denn der Nahmen der ZentrumSantrage wird nach den Erklärungen der Regierung gar nicht oder nur ungenügend ausgefüllt werden. Die weiteren Verhandlungen drehten sich um die Festsetzungen der Strafbestimmungen. Es wird sodann übergegangen zu der Beratung des Gesetz- entwurfö betreffend die Herstellung von Zigarren in der Hausarbeit. Vom Zentrum wird der Standpunkt ver- trete», daß weiter wie bisher im Wege der Bnndeöratverordnung die Regelung der Heimarbeit in der Zigarrenfabrikation zu versuchen sei. Genosse M o l k e n b u h r befürwortete die Ausdehnung des Gesetzes auch aus die Zigarettenfabrilation und die Bearbeitung des Tabaks. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Eua der Partei. Quertreibereien im Ruhrrevier. Im Bergarbeiterdorf Brackel bei Dortmund haben einige mißvergnügte, durch lokale Ursachen und infolge Streites niit dem Vorstand des Bergarbeiterverbandes verärgerte Mitglieder der Parteiorganisation diese dazu mißbraucht, eine Bersamm- lung zu arrangieren, in der der Anarchosozialist Kater als Re- ferent auftrat. Der Vorstand des Äreisvereins geht gegen diese Wirrköpfe por— gegen einen der Betreffenden war das A u s- schlußverfahren schon eingeleitet. In der Versammlung wandten sich die Genossen Harnisch von der„Arbeiterzeitung" und P o k o r n y vom Vorstand des Bergarbeiterverbandes energisch gegen Kater und sein Brackeler Gefolge. poiireiUcbeg, CJcricbÜichca ultv» Hereingefallene NeichSverbändler. Wegen angeblicher Beleidigung der Reichsverbandler Rechts- aiiwalt Dr. Zscbweigert und Mintärbauinspektor Stegmann war der Redakteur des Braunschweiger„BolkSfreund", Genosse Brenner. zu 40 M. Strafe verurteilt worden. Er legte Berufung ein, die zu seiner Freisprechung führte, weil er damals nicht verantwort« l i ch e r Redakteur' deS„Volköfreuiid" war. Die ReichSvetßändler hatte» den Unrechten verklagt._ Der beleidigte„Christliche". In der Siegener Rcichstagswahl- kampagne hat der Landrat a. D. H c y d w e i l e r den antisemitischen Agitator Rafflenbeul geohrfeigt. Durch die Mitteilung dieses Vorganges in der Dortmunder„Arbeiterzeitung" fühlte sich Rafflenbeul beleidigt.— Genosse Nottebohm von der „Arbeiterzeittmg" wurde vorn Essener Schöffengericht Wege» formaler Beleidigung zu 30 M. Geldstrafe verurteilt.— Auf die Widerklage NottevohmS hin wurde Rafflenveul ebenfalls mit 3V M. bestraft, weil er unter der Spitzmarke:„Ein Ge- nosse als Soldatenschinder" eine Notiz in seinem Agitationsblatt „Die Arbeit" gebracht hatte, in der behauptet wurde, Genosse Nottebohm sei wegen Soldateninibhandlungen vorbestraft und die Sozialdemokratie könne deshalb auf diesen Genossen besonders stolz sent. Hua Induftrlc und Handel. Folgen der Krise. Eine von der Krcfelder Handelskammer veröffentlichte Statistik iZbs� die Samt- und Seidenindustrie in dem dortigen Bezirk gibt ein anschauliches Bild von der langanhaltenden Depression im Textilgewerbe. ES heißt in dem Bericht u. a.: „... Die ungünstige wirtschaftliche Lage des JahreS 1908 ist auch in der Statistik der hiesigen Samt- und Seidenindustrie erkennbar, indem der Gesamtumschlag gegenüber dem vorhergehenden Jahre eine Minderung um über 13 Millionen Mark erfahren hat. Im Jahre 1907 betrug der Uinschlag 90 157 582 M., im Berichtsjahre dagegen nur 76 961 968 M. In Samtwaren ist der Wert des Umschlage? von 30 584 643 M. im Jahre 1907 auf 23103 839 M. im Jahre 1903, also um 7 480 804 M. gesunken.... In ganz- und halbseidenen Stoffen ist der Umsatz von 59 572 939 M. im Jahre 1907 auf 53 853 129 M., im Berichtsjahre also um 5 714 810 M. zurückgegangen." Ein trübes Bild wird auch von der Hilfsindustrie, zum Beispiel der Färberei, in welcher durchschnittlich 3029 Arbeiter beschäftigt waren, entworfen. Im Bericht der Schweidnitzer Handelskammer liest man:„Von mehreren Fabriken, die Anfang 1903 zusammen 1466 Arbeiter be- schästigten, wurden am Jahresschlüsse nur noch 1234 beschäftigt, also 232 oder 16 Proz. weniger." Die Zahl der in den Betrieben der Schlesischen Textilberufsgenoffenschaft beschäftigten Personen sank von 60 288 im Jahre 1907 auf 53 544 im Vorjahre. Die an die Arbeiter gezahlte Lohnsumme fiel von 35 651 889 Mark auf 34 997 917 Mark. Somit stellt sich der durchschnittliche Verdisnst des Arbeiters auf 697 Mark pro Jahr. Der deutsche Wollwarenexport hat im laufenden Jahre eine Einbuße um nahezu 9 Millionen Mark erlitten. Allein Wollgewebe (Kleiderstoffe usw.) wurden im ersten Quartal für nur 55,85 Millionen Mark exportiert gegen 64,07 Millionen in der Vergleichszeit 1903. Die Ausfuhrmenge hat gar nicht einmal einen ganz so scharfen Rück- gang enfahren wie der Wert. Es wurden nämlich im ersten Ouanal 58 078 Doppelzentner ausgeführt gegen 63 812 Doppelzentner im Vorjahre. Während der Ausfuhrwert um 12,8 Prozent sank, hat die Menge der Ausfuhr nur um 9 Prozent abgenommen. Die Eni- lvertung ist zum Teil durch Preisermäßigungen, zum Teil dadurch Veranlaßt, daß geringwertige Waren ausgeführt wurden. Ein industrieller Krach als Blamage des schweizerischen Bundesrats. Vor mehreren Jahren gründeten deutsche Kapitalisten in Gemeinschaft mit Berner Großbauern und der Berner Staats- bank in Aarbcrg eine Zuckerfabrik. Aus Galizien und Rußland wurden billige Arbeitskräfte bezogen. Trotzdem rentierte das Un- ternehmen nicht. Vom Bundesrat wurde eine Subvention von einer halben Million Franken verlangt, die dieser auch sofort bewilligte, während er gleichzeitig wegen„Mangel an Mitteln" die Förderung der Arbeitslosensürsorge ablehnte. Nun ist die Gesellschaft ver- kracht, noch ehe die Bundesversammlung nach dem Antrag des Bundesrats das Geschenk von einer halben Million Franken be- willigen konnte und der Bundesrat steht als blamierter Europäer da. Ob jetzt die glücklicherweise wieder freigewordene halbe Million oder ein Teil davon für die Arbeitslosensürsorge verwendet wird? Soziales. Verhandlung im Reichsversicherungsamt. I'm Rötchsversicherungsamt fällt im wachsenden Maß auf. wie seit dem Fortgang des leider so früh aus dem Reichs- Versicherungsamt geschiedenen verdienstvollen ersten Präsiden- ten Dr. B ö d i ck e r ein antisozialer, den Arbeitern geradezu feindlicher Geist dort Verbreitung gefunden hat. Besonders die Art und der Ton, wie wir ihn wiederholt im neunten Rekurssenat Arbeitern gegenüber angewendet fanden, wäre unter Dr. Bödickers Präsidentschaft undenkbar gewesen. Re- gistriert seien zwei Fälle aus der letzten Zeit. Geheim rat Dr. Friede nsburg� der Vor- sitzende dieses Senats, fällt gegenüber anderen Präsidenten in keineswegs vorteilhafter Weise schon durch die nervösen Zwischenbemerkungen bei den Referaten auf. Zwischenrufe wie:„Das ist nicht nötig,"„Das brauchen wir ja nicht zu hören" und dergleichen sind gerade nicht geeignet, das An- sehen des Gerichts oder des Referenten zu erhöhen. In einer Verhandlung an: Dienstag erklärte der Präsident gleich zu Beginn der Verhandlung dem armen Verletzten:„Mann Gottes. S i e wollen Rente haben. 20Prozent, so ein junger Mann und nervöse Beschwerden: es i st nicht zu glaube n." Daß unter Vorsitz eines, wie diese Anrede zeigt, gegen die auf dem Schlachtfeld der Arbeit verletzten Arbeiter eingenommenen Vorsitzenden, auch der Senat, dessen Mitglieder gegen solche Verhandlungsleitung nicht protestier- ten, zuungunsten der Arbeiter entscheidet, ist nicht verwunder- lich. So wurden am Dienstag alle 16 anstehenden Ter- minssachen zuungunsten der Verletzten entschieden. Am Donnerstag spielte sich vor diesem Senat eine Szene ab, die geradezu die Frage auf die Lippe drängt, ob denn in der Tat das Reichsversicherungsamt eingerichtet ist, um Schwerverletzten zu helfen, oder um Vureaukraten hohe Gehälter zu zahlen? Der Arbeiter K. aus P. b. Berlin hatte eine schwere Kopfverletzung erlitten. Von der nordöstlichen Stahl- und Eisenberufsgenossenschaft waren ihm 73 Proz. der Vollrente bewilligt. Ter Verletzte legte Rekurs ein, weil er ein kranker, durch die infolge der Verletzung hervorgerufene Neigung zu Schwindelanfällen völlig arbeitsunfähiger Mann geworden sei. Der Rekurs wurde zurückgewiesen. Der Vorsitzende, Dr. Friedensburg, erklärte dabei, daß der Senat eine Rente von 75 Proz. f e l b st v e r- ständlich für sehr wohlwollend halte. Der kranke Arbeiter versteht offenbar den Vorsitzenden nicht und bleibt erwartungsvoll stehen. Der Vorsitzende ruft ihm darauf zu:„Was stehen Sie noch hier. Sie haben doch gehört, daß die Sache aus ist. GehenSienurund arbeiten Sie, dann werden Sie auch ge- f u n d werden." Der arme Verletzte bringt schleppend die Worte heraus:„Ich kann doch nicht arbeiten." Darauf der Vorsitzende:„Sie können schon, Sie wollen nur nicht arbeiten." Bei diesen Worten schlägt der Ver- letzte infolge eines wohl durch die Aufregung und den nichts weniger als milden Ton des Vorsitzenden ausgelösten Schwin- delanfall der Länge nach ohnmächtig zu Boden. Er wurde von den Boten und einigen anderen Personen ins Warte- zimmcr gebracht und auf ein Feldbett gelegt. Erst nach Verantw.Nedakt.: Carl Mermuth» Berlin-Rixdorf. Inserate vcrantw.: elwa einer Halden Stunde erholte er sich von seinem Ohn- machtsanfall. Wenn das Deutsche Reich sich wieder an einer Weltaus- stellung mit seiner sozialen Versicherung beteiligen will, so möchten wir ihm empfehlen, eine phonographisch getreue Wiedergabe eines Verhandlungstages, an dem der Senats- Präsident Dr. Friedensburg präsidiert, mit auf die Aus- stellung zu schicken.. Das Deutsche Reich kann gewiß sein, daß ihm dann die höchste Prämie für Mangel an sozialem Empfinden zuerkannt werden wird. Musikerelend. Düstere Bilder lvaren es, die in vergangener Nacht der Vize- borsitzende des Allgemeinen deutschen Musikerverbandes, Fritz Stempel, in einer öffentlichen Versammlung aus dem sozialen und wirtschaftlichen Leben der„Theater- und Konzertmusikmacher" entrollte. Von den 8000 deutschen Orchestermusikern befinden sich 2000 in 23 Hof- und 20 städtischen Orchestern in sogenannten Lebensstellungen, 6000 sind auf Saisonengagements angewiesen. Die Gage und die Vertragsverhältnisse liegen sehr im argen. Selbst die Berliner Hofbühne bietet ihren Hilfsmusikern Gagen von nur 100 Mark monatlich. In Darmstadt, Hannover usw. ist es nicht besser. Zu dieser schlechten Bezahlung kommt noch die schlechte Behandlung. Scharf ins Gericht ging der Referent mit dem Metropol-, dem Apollo- und dem Thaliatheater in Berlin. Die Verträge enthielten für die Musiker nur Pflichten und die wenigen Rechte stehen nur auf dem Papier. Die 6000 Saison- musiker nennt Stempel die„Aschenbrödel" in der Musik. Das Elend wird noch durch die Konkurrenz der Militär- und Beamtenmusiker verschärft. Als geringste Forderungen bezeichnete der Referent 1. Proben an Sonn- und Festtagen sind unzulässig, 2. Nachtproben müssen besonders bezahlt werden, 3. die Ruhezeit zwischen Probe und Vorstellung hat mindestens 6 Stunden zu betragen, 4. wöchentlich ist ein Ruhetag, vierzehn- tägig ein freier Sonntag zu gewähren.— Diese Forderungen wurden in einer Resolution noch erweitert. Es heißt in der- selben:„Die heutige Versammlung erklärt die Beseitigung der bei den Musikern und selbst bei den Behörden bestehende Ungewißheit. welche Gesetze auf den Musikerstand anzuwenden sind, für eine zwingende Ikotwcndigkeit. Da der Berufsmusiker die Musik zum Zwecke des Erwerbes ausübt, und da auch alle Unternehmungen, welche Musiker beschästigen, zu demselben Zweck betrieben werden, so erklärt die Versammlung, daß bei Ausschaltung des Begriffes „Höheres Kunstinteresse" die Reichsgewerbeordnung als das für eine Regelung der Rechtsverhältnisse des Musikerstandes geeignete Gesetz erstrebt werden muß. Die beabsichtigte Schaffung eines besonderen Theatergesetzes begrüßt die Versammlung mit Freuden deshalb, weil zu erwarten steht, daß dieses Gesetz mit den üblichen, den heutigen Rechtsnormen und dem sozialen Empfinden widersprechenden Vertragsbestimmungen. unter denen der Thcatermusiker jetzt noch zu arbeiten gezwungen ist, gründlichst aufräumen wird. Vor allem erwarten die Theatermusiker und mit ihnen alle Orchestermusiker eine gesetzliche Regelung der Ruhezeiten." In der Diskussion und im Referat trat die verständige An- schauung zutage, ein Zusammengehen des Musikerverbandcs und Chorsängerverbandes mit der Bühnengenossenschaft, nicht mit dem Bühnenverein(Direktorenverein) sei erforderlich. GeWerKfebaftUebes. ßcrlin und Umgegend. Ei» Heldenstück der Gewerkvereinker. Der Kistenfabrikant Drechsel in Berlin sperrte seine 9 Arbeiter am 3. Mai aus, weil sie den 1. Mai durch Arbeitsruhe begangen hatten. Dafür holte er sich Arbeitskräfte vom Hirsch-Dunckerschen Gewerkberein. Diese Arbeitswilligen erhielten einen Stundenlohn von 55 Pf., während die Ausgesperrten 72 bis 80 Pf., im Durch- schnitt 75 Pf. erhalten hatten. Wegen dieser Herabsetzung der Löhne und wegen der Aussperrung der Mitglieder des Holzarbeiterverbandes mußte der Betrieb vom Holzarbeiterverbande gesperrt werden. Das ivurde dem Bureau des Gewerkvereins sofort mitgeteilt und von diesem auch die Zusage gegeben, den Fall unverzüglich zu unter- suchen und zu verhindern, daß die Gewerkvereinsmitglieder billiger arbeiten als vordem die Mitglieder des Holzarbeiterverbandes. Nachdem die Gewerkvereinsleitung die Angelegenheit untersucht hatte, gab sie auf nochmalige Anfrage des Holzarbeiterverbandes den Bescheid, daß sie ihre Mitglieder nicht aus dem Betriebe herausziehen werde und auch damit einverstanden sei, daß sie für einen Stunden- lohn von 55 Pfennig arbeiten. Die Gewerkvereinsleitung lieferte also dem Fabrikanten die nötige Anzahl Streikbrecher, damit er eine Lohnreduktion von 20 Pfennig pro Stunde durchführen kann. Die Bewegung der Bauklempner. Die streikenden Bauklempner machen Fortschritte in ihrer Be- wegung. Regelmäßig mehrt sich die Zahl der Beitritte zum Tarif- vertrage. In der Streikversammlung vom Freitag morgen stellte Cohen fest, daß 94 Firmen unterschrieben haben, das ist ein Zu- wachs von 5 Firmen seit letzten Dienstag. Davon gehören 3 zur Innung. Eine Firma hat jetzt bewilligt, die zuerst gar nichts von den Forderungen der Arbeiter wissen wollte und mit zu den ersten gehörte, die ausgesperrt haben. Die Unternehmer setzen ihre Anstrengungen fort, Streikbrecher heranzuziehen, haben aber nur sehr geringe Erfolge aufzuweisen. Es liefen Gerüchte um, daß Trupps von Streikbrechern unterwegs sein sollten; die Streikenden verdoppelten ihre Wachsamkeit, aber die Gerüchte erwiesen sich als grundlos. Der Zuzug von außerhalb ist nicht mehr sehr zu fürchten. Von verschiedenen Orten ist Nachricht gekommen, daß die Baukonjunktur sich gehoben habe und daß Bauklemp- ner in Arbeit gestellt wurden. Auch die von Berlin Abgc- reisten haben Arbeit bekommen. Man hat Berliner Klempner sogar gern genommen, trotz der schwarzen Listen, welche die Unter- nchmer nach auswärts geschickt haben. Auf den Berliner Streik ist die Aufmerksamkeit in allen Orten, die hauptsächlich in Betracht kommen, gelenkt worden, und die Gewerkschaften jener Orte haben sich auch der Sache angenommen. Immerhin ist es aufgefallen, daß aus Sachsen, zum Beispiel aus Dresden, Chemnitz und Leipzig, mancherlei Zuzug abzuwehren war. Dagegen war Zuzug aus den östlichen Provinzen, der anfangs befiirchtet wurde, fast gar nicht zu bemerken. Cohen erklärte, daß auf Grund einer Besprechung mit den Vertrauensleuten am letzten Mittwoch gesagt werden könne: Die Situation liege durchaus nicht ungünstig für die Ar- beitcr. Die Unternehmer möchten gern den Glauben erwecken, als sei ihre Stellung die vorteilhaftere: aber der Eifer, mtt dem sie um jeden einzelnen Klempner sich bemühen, widerspricht allein schon dieser Behauptung. Eine Firma erläßt unter Chiffre eine Anzeige nach Klempnern auf„Schwarzblech". Diese Firma hat eine verberge im Hause eingerichtet und ist sehr bemüht, einige gute Bauklempner zu gewinnen. Einige Meister versuchen es mtt glatten Worten, um hier und da einen Klempner i»u betören, andere rufen immer lauter nach der Polizei. Die Streikposten beklagen sich auch, daß die Polizei in der letzten Zeit wieder schärfer auf- tritt und sich manche Rechte anmaßt, die sie nicht besitzt. Die Streikposten lassen sich aber nicht abschrecken. Der Vorsitzende Dietrich wünschte noch ausdrücklich fcstzu- stellen, daß verschiedenen anderen Behauptungen entgegen, Streikarbeit nicht gestattet werde. Die nächste Streikunterstützung wird des Feiertags wegen schon am Mtttwoch ausgezahlt.__ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Achtung, Friscurgehilfen? Tie Differenzen bei Leonhardk. Exerzicrstraße 21, sind beigelegt. Verband der Friseurgehilfen. Deutsches Reicb. Zur Beilegung des Bauarbciterstreiks in Rathenow fanden bereits am dritten Streiktage Verhandlungen zwischen der Unter- nehmerorganisation und dem Verbände der Bauhilfsarbeiter statt. Es kam zu folgendem Vergleichsvorschlag: Der Stundenlohn für Bauhilfsarbeiter wird im allgemeinen auf 40 Pf. erhöht. Eni- lohnung nicht mehr voll leistungsfähiger Arbeiter erfolgt nach Vereinbarung. Für Uebcrstunden wird ein Aufschlag von 6 Psi. für Nacht-, Sonntags- und Wasserarbeit ein Aufschlag von 10 Pf. bezahlt. Der Vertrag gilt bis zum 31. März 1910. Die Streikenden nahmen den Vergleichsvorschlag mit 103 gegen 16 Stimmen an. Die Arbeitsaufnahme erfolgt, sobald die Unternehmer den Vertrag durch Unterschrift bestätigt haben. Die Kürschner von Weißenfels und Umgebung haben ihre Kündigung eingereicht, weil ihnen eine Erhöhung des Lohnes von den Unternehmern abgeschlagen wurde. Zustand. Der holländische Gewerkschaftskongreß. Am Montag und Dienstag fand zu Amsterdam der 4. allgc« meine Kongreß des Niederländischen Verbandes der Gewerkschaften statt. Der Verband ist trotz der Wirtschaftskrise beständig ge» wachsen. Am 1. Januar 1903 waren ihm 24 Gewerkschaften mit 32 270 Mitgliedern angeschlossen, am selben Datum des Jahres 1909 waren es bereits 27 Gewerkschaften und 36 671 Mitglieder. Inzwischen ist die Mitgliederzahl auf ungefähr 40 000 gestiegen. Von den Gewerkschaften anderer Richtung wird erwähnt, daß das „Nationale Arbeitssekrctariat", die alte Zentrale der niederländi- fchen Gewerkschaften nach ihrem Kassenbericht zu urteilen, nur noch ungefähr 3000 Mitglieder zählt. Die christlichen Gcwcrk- schaften haben im Laufe des Jahres zwei Zentralen gegründet: den Christlich- nationalen Fachverband, der meist protestantische Ge- werkschaften umfaßt, jedoch interkonfessionell sein will und 6000 Mitglieder haben soll, und den Römisch-katholischen Fachverband mit 9000 Mitgliedern. Diese beiden Zahlen sind jedoch nicht ganz zuverlässig und wahrscheinlich zu hoch gegriffen. Der bisherige Vorsitzende des Verbandes der Gewerkschaften Henri Polak hatte bekanntlich infolge der Vorgänge aus dem außerordentlichen sozialdemokratischen Parteitag in Deventer, wegen des Ausschlusses der„Tribüne"-Nedakteure sein Amt nieder- gelegt. Hierüber sprachen in der Diskussion über den Jahresbericht verschiedene Redner ihr Bedauern und den Wunsch aus, Polak möge feine Amtsniederlegung rückgängig machen. Das lehnte ce ab; er erklärte jedoch, daß er im übrigen auch fernerhin für den Verband der Getverkschaften tätig sein werde, und weder gegen die Organisation noch gegen die Vorstandsmitglieder irgend welche Animosität habe. Uebcr die Tätigkeit der sozialdemokratischen Kammerfraktion sprach man sich in der Diskussion sehr aner- kennend aus. Es wurde beschlossen, die Beiträge der Organisationen pro Jahr nnd Mitglied auf 25 Cent, für Organisationen mit über 5000 Mitgliedern jedoch auf 30 Cent festzusetzen. Ferner wurde das Statut in der Weise abgeändert, das; neben dem ersten Sekre» tär auch der Vorsitzende mit Besoldung angestellt wird. Für dieses Amt wurde I. Ouedegeest gewählt, und als besoldeter Sekretär wurde I. van den Tempel wiedergewählt. Der Käscreiarbeiterverband hatte einen Antrag gestellt, wonach der Gewerkschaftsverband in eine Aftion für Sta a t s p e n s i o. n i e r u n g alter Arbeiter und Arbeiterinnen eintreten sollte. Jetzt eine besondere Aktion dafür zu beginnen, hielt der Kongreß nicht für angebracht. Eine Resolution, in der die Staatspensionic. rung in der Form, daß die Arbeiter in keiner Weise hierfür zn Beiträgen herangezogen werden, verlangt wird, wurde einstimmig angenommen. Eine lä.nger- Debatte rief die Frage der Orts. kartclle der Gewerkschaften hervor. Die jetzt in der holländischen Arbeiterbewegung bestehenden örtlichen„Vorstände. dünde" sind in den meisten Städten sowohl aus Gewerkschaften wte aus Parteiorganisationen zusammengesetzt, und selbst Arbeiter- genosfenschaften sowie auch Gesang- und Musikvereine sind ihnen angeschlossen. Man will nun statt dessen Ortskartelle haben, die, gleichsam als Filialen der Landeszentrale, wie diese selbst nur aus Gewerkschaften bestehen. Es wurde dabei betont, daß keineswegs die Absicht besteht, den Einslutz der Partei auf die Gewerkschafts. bewegung etwa auszuschalten oder zu beschränken. Es soll auch bei dieser Bestrebung an den einzelnen Orten schonend und ohne Zwangsmittel vorgegangen werden, so daß sich auch die Partei all- mählich den neuen Verhältnissen anpassen kann. Eine Resolution in diesem Sinne wurde fast einstimmig angenommen. Schließlich beschäftigte sich der Kongreß mit der Unfall« gesetzgebung und nahm nach einem Referat von Sp i e k. m a n einstimmig eine Resolution an, die sich gegen das in Unter- nehmerkreisen hervortretende Bestreben auf Verschlechterung des Gesetzes wendet und verschiedene Verbesserungen fordert, wie eine gesetzliche Regelung hinsichtlich der Berufskrankheiten, die Ausdeh- nung des Gesetzes auf die Handels, und Handwerksbetriebe, die Landwirtschaft, die Seefahrt sowie auf das Dienstpersonal. Zum Schluß des Kongresses sprach der Vorsitzende die Erwar- tung aus, daß der Verband übers Jahr mindestens 50 000 Mit- glieder zählen werde._ Allgemeine Schneideraussperrung in Schweden. Infolge der Schneiderstreiks in Norrköping und Visbh sowie dcv Aussperrung in Gäfle hat die Zentralleitung der Schneidermeistervereine Schwedens beschlossen, am 21. Mai eine allge- meine Schneideraussperrung über das ganze Land zu veranstalten, falls der Schneidereiarbeiterverband nicht bis zum 15. die von den Meistern für jene drei Städte borge» schlagene Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse anerkennt. ES handelt sich bei diesen Konflikten um die Maßschneiderei. — In der Konfektionsbranche sind zwischen Herrenkon- fektionsverband und dem Schneiderinarbeiterverband Schwedens langwierige Verhandlungen über die Schaffung eines Reichstarifes gefiihrt worden, jedoch am Dienstag endgültig gescheitert. Ob es auch in dieser Branche zu einem großen Kampf kommen wird, ist noch nicht vorauszusehen. Da bekanntlich auch im Baugewerbe und zudem in der Baumaterialindustrie allgemeine Aussperrungen angekündigt sind, das schwedische Unternehmertum überhaupt von einem Ausspcrrungsfieber befallen zu sein schein, muß die ganze Arbeiterschaft Schwedens auf schwere Kämpfe gefaßt sein. Letzte JVaebnebten und Depefeben. Bei den Schießübungen getötet. Wilhelmshaven, 14. Mai.(W. T. B.) Bei den Schießübungen der Artillerie ist heute nachmittag der Matrosenartillerist Stnhr durch frühzeitiges Losgehe» dcS Geschosses getötet und ein zweiter Einjähriger namens AcheliS schwer verwundet worden. Bier ander» Matrosen wurden leicht verletzt. Zum Eisenbahnunglück bei HcrliShcim. HerliShcim, 14. Mai. Amtliche Meldung. Der vorletzte Lokomotivführer Krantz, vom Güterzug 6040, befindet sich im Hasenrainspital Mülhausen. Art der Verletzung noch unbekannt. Bremser Eduard Lambert-Schiltigheim hat Bruch von zwei Rippen und Verletzung an der Schulter, und ist im Bürgerspital in Colmar. Weitere Verletzte sind nicht gemeldet, vermutlich, weil die Verletzungen unerheblich sind. Die Angehörigen sind benach» richtigt. jaul Singer& Co„ Berlin SW. Hierzu 3 Beilage«». UutcrhaltnngSbl.' Kr. 112. 26. Iahrgavg. t KcilM des Jotniärts" önliutt Zllvtlllbtlld, 15. Mai 1909. Reichstag. 857, Sitzung vom Freitag, de» 14. Mai, nachmittags 2 Uhr. «m BundeZratStisch: v. B ethmann°H ollw eg, Häven- stein. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der zweiten Beratung deS Gesetzentwurfes betr. Aenderung des Bank- gesetzes. Die Beratung beginnt mit den namentlichen Ab- stimmungen über die Anträge Raab(wirtsch. Vg.) Der erste An lrag will den Gewinn der Anteilseigner der Reichsbank zugunsten des Reservefonds beschränken. Dieser Antrag wird mit 177 gegen 142 Stimmen bei 1 Stimm enthaltung abgelehnt. � Der zweite Antrag will den Gewinn der Anteilseigner im Höchstfall auf 6 Proz. des GüindkapitalS beschränken; ein etwaiger höherer Gewinn soll in die Reichskasse fließen. Dieser Antrag wird mit 323 gegen 74 Stimmen ab> gelehnt. Artikel I wird unverändert angenommen. Artikel II setzt den Anteil der Reichsbank an dem Gesamt betrage des der Steuer nicht unterliegenden ungedeckten Noten Umlaufs auf SS0 Millionen Mark fest, unter gleichzeitiger Erhöhung des Gesamtbetrages auf 613 771 000 Mark. Für die ain letzten Tage sedes Quartals aufzustellenden Steuer berechnungen soll eine Erhöhung dieser Notenkontingente um je 20l> Millionen Mark eintreten. Abg. Dr. Arendt(Np.): Die im ersten Teil deS Artikels fest gesetzte Erhöhung des Notenkontingents entspricht dem gesteigerten Verkehr und ist daher zu billigen. Die Bestimmung im zweiten Absatz widerspricht aber dem Gedanken des Notenkontingents und stellt lediglich einen Steuererlaß für die Anteilseigner dar. der im Jahre etwa Vi Million Mark beträgt; dazu liegt gar keine Wer anlassung vor. Abg. Dr. Weber snatl.Z bittet, den gesamten Artikel II an- zunehmen; die Erhöhung des Notenkontingents an den letzten Tagen des Quartals sei notwendig, damit der Diskontsatz gleichmäßig ge- halten werden könne. Reichsbankpräsident Havenstein: Die verbündeten Regierungen wollen das Notenkontingent als Warnungssignal behalten. Dieses Signal würde unnötigerweise gezogen werden, wenn das Noten kontingent an den Ouartalsletztcn nur dieselbe Höhe hätte wie an normalen Tagen. Abg. Raab(wirtsch. Vg.): Die Erhöhung der notensteuerfreien Grenze mindert den Anteil des Reiches an dein Gewinn der Reichs- bank; wir werden daher dagegen stimmen. Damit schließt die Diskussion. Artikel II wird in beiden Teilen unverändert angenommen Artikel IH bestimmt:.Die Noten der Reichsbank sind gesetzliches Zahlungsmittel." Abg. v. Strombeck(Z.) beantragt hinzuzufügen, daß eine Verpflichtung zur Annahme von Banknoten bei Zahlungen, welche gesetzlich in gemünztem Gelde zu leisten find, nicht stattfindet, und daß Zahlungen der Neichshauptbank zu Berlin auf Verlangen der Empfangsberechtigten in deutschen Goldmünzen zu leisten sind. Abg. Dr. Arendt(Rp.) bittet, den Antrag Strombeck als überl flüssig und gefährlich abzulehnen. Abg. v. Strombeck(Z.) begründet seinen Antrag; S fe, nicht gerechtfertigt, die Reichsbank von der Verpflichtung, auf Verlangen in Gold zu zahlen, zu befreien. Da der Antrag aber keine Aussicht auf Annahme hat. ziehe ich ihn zurück.(Heiterkeit.) Der Artikel Di wird angenommen, desgleichen debatteloS der Rest der Borlage. Die Kommisston schlägt eine Resolution vor, worin der Reichskanzler zur Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur Bekämpfung der Gefahren aufgefordert wird, die dem Publikum durch Banken und Bankiers erwachsen, die zur Anlage von Depositen oder Spargeldern durch öffentliche oder schriftliche Aufforderungen oder durch Agenten anreizen. Die Resolution, vom Abg. Dr. Faßbender(Z.) befürwortet, wird einstimmig angenommen. Es folgt die zweite Lesung des Viehseuchengesetzes. Abg. Lehmann. Jena(natl.) gibt zu verstehen, daß er eigentlich alle Paragraphen des Gesetzes besser gefaßt hätte, wenn er das Gesetz gemacht hätte. Das Laienelement mußte mehr an der Kontrolle be- teiligt werden. Das Volk erwägt harte Maßregeln leichter, wenn sein eigen Fleisch und Blut daran beteiligt wird. (Stürmische Heiterkeit.) Auch die weiteren Ausführungen des Redners werden mit Ausbrüchen fröhlicher Heiterkeit begleitet Unter anderem sagt Redner: Wenn die Herren Sozialdemokraten kleines f euilleton. Der Louvre in FeuerSgefahr. Schon wiederholt ist darauf hin gewiesen worden, daß sich die unersetzlichen Kunstschätze, die der Pariser Louvre birgt, in steter Feuersgefahr befinden. In dem un- geheuren Gebäudekomplex sind nämlich Ministerialbureaus unter- gebracht, in denen riesige Aktenmassen aufgestapelt liegen. Besonders das im Pavillon de Flore hausende Kolonienministerium ist eine ständige Gefahr für die unmittelbar anstoßenden Museumssäle Diese Situation hat vor einiger Zeit eine Anzahl Brüsseler Literaten und Künstler veranlaßt, in der Erwägung, daß Werke wie die Mona Lisa und die Venu« von Milo der ganzen Kulturwelt zueigen sind, eine internationale Aklion zur Sicherung des Louvre anzuregen und auf diese Weise auf die verantwortlichen Faktoren moralisch einzu- wirken. Da aber die Belgier von den Parisern etwa so angesehen werden, wie einst die Böotter von den Athenern, so erwiderten einige Pariser Zeitungen mit einem hochmütigen Geschimpfe über diese Einmischung deS„Auslands", und so geschah erst rechts nichts, um die Gefahr zu beseitigen, trotzdem gerade in der jüngsten Zeit einige Kaminbrände die Notwendigkeit einer Aenderung zeigten. Am letzten Dienstag erst ist ein Brand nur durch einen glücklichen Zufall rechtzeitig gelöscht worden. Aber waS macht das— die Brüffeler sollen justament nicht Recht behalten..., Türkische Sklaverei. Die Haremsfrauen sind nicht die einzigen Sklaven in der Türkei; denn wenngleich die europäischen„Kultur"- Nationen sich einbilden, den türkischen Sklavenhandel völlig unter- drückt zu haben, so besteht diese verwerfliche Institution doch ruhig weiter und blüht überall im ottomanischen Reiche; männliche und iveibliche Sklaven, vom reinsten Abkömmling der kaukasischen Rasse bis zum amerikanischen„Wilden", werden noch täglich dem Meist- bietenden auf den geheimen Sklavenmärkten Konstantinopels und anderer Städte verkauft. Sklaverei besteht im Palast des Sultans noch ebenso fort wie in den Haushaltungen der anderer Großen im ganzen Reiche, obwohl die öffentlichen Sklavmverkäufe durch den Ein- ipruch der europäischen Mächte unterdrückt sind. Trotz der, Wachsamkeit der huitischen Kreuzer im Roten Meer und der russischen Kriegsschiffe im schwarzen Meer werden Ladungen von Sklave» fast wöchentlich nach Konstantinopel, Trapezunt und Smyrna gebracht, vom Kaukasus, aus dem Sudan und sogar von den Inseln des griechischen Archipels. Diese Herden von Meuschenware, diese Gruppen von Cirkassiern, Georgiern, Griechen und Abessiniern mit ihrer weißen, schwarzen und braunen Hautfarbe, die ehemals im Straßenbild von Konstan- tinopel so natürlich waren wie die stattlichen Kamelzüge, sind nur aus der Oeffentlichkeit verschwunden, um i m G e h e i m e n in desto dichteren Scharen und in noch unwürdigerem Zustande zum Berkauf getrieben zu werden. Die gebrechliche Fracht weiblicher Sklaven wird in elenden Schiffen, dw viel zu klein für diele» das Wort Landwirtschaft hören, dann verlieren sie den Verstand. (Schallende Heiterkeit links.) Man darf der Regierung Schlechtig- leiten zutrauen, aber keine Dummheiten.(Erneute Heiterkeit.) Wer außerhalb des Parlaments schon einmal eine wirkliche Kuh verkauft hat(Anhaltende Heiterkeit), der weiß, daß die sozialdemokratischen Anträge unannehmbar sind. Die Sozialdemokraten wollen alle landwirtschaftlichen Produkte billig haben, aber billig denken gegenüber der Landwirtschaft— das wollen sie nicht.(Laute Aul-Rufe.) Kaufen Sie(zu den Sozialdemokraten) für 200 000 M. ein Landgut und produzieren Sie landwirtschaftliche Produkte I(Heiterkeit.)— Redner empfiehlt die vorher von ihm arg krittsierte Kommissionsfassung zur Annahme.(Lebhafter Beifall rechts.) Staatssekretär des Innern v. Bethmann-Hollwcg verteidigt die verbündeten Regierungen gegen die Angriffe des Vorredners wegen Nichtzuziehung des Laienelements. Der Resolution der Kommission über diesen Gegenstand werde die Reichsregierung nach Möglichkeit nachkommen.— Redner verbreitet sich sodann über die Einfuhr- Verbote. Wenn z. B. in einem Hafenort Milzbrand herrscht, so ist es berechtigt, die Einfuhr aus diesem Hafen zu verbieten. Abg. Scheideman»(Soz.): Das Viehseuchengesetz hat zu meinem Bedauern auch in der Presse die Beachtung nicht gefunden, die es verdient. Das ist auf seinen ominösen Namen zurückzuführen, wonach viele Leute meinen, der Inhalt des Gesetzes ginge sie nichts an. Im Interesse der ganzen Angelegenheit wäre es zu wünschen gewesen, daß auch in der Ueberschrift angedeutet wäre, daß das Gesetz viel mehr enthält, als mit dem einen Wort„Viehseuchengcsetz" ge- sagt ist. Man hätte es z. B. nennen können„Gesetz betreffend die Bekämpfung der Viehseuchen und der den Agrariern un- bequemen ausländischen Konkurrenz".(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dann hätte man erreicht, daß man sich in der Oeffentlichkeit mit diesem außerordentlich schlimmen Gesetz mehr befaßt hätte. In der Kommission haben auch meine Freunde an dem Gesetz mit großem Interesse gearbeitet, weil man alles tun soll, um die Viehseuche zu bekämpfen, zumal es sich auch um ein Gesetz handelt, das darauf hinausläuft, die Ernährung des deutschen Volkes nach Möglichkeit sicher zu stellen.. Denn sicher ist die Er« nährung des Volkes schwieriger als sie jetzt schon ist, wenn unser Viehbestand dezimiert wird. Leider sind in das Gesetz Tendenzen hineingekommen, die ich als gemeingefährliche bezeichnen muß.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es sind Paragraphen in ihn» enthalten, deren Handhabung in agrarischem Sinne die Volksernährung nicht sichert, sondern gefährdet. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokr.) Bielleicht wird noch jetzt im letzten Augenblick in der Presse auf diese Dinge aufmerksam gemacht, von denen 99 Proz. der Bevölkerung bisher noch nichts gewußt haben. Das Gesetz interessiert nicht nur die Viehzüchter, sondern erstreckt sich auch auf alle Haustiere, interessiert also jeden, der auch nur einen Hund oder eine Katze besitzt. Nur denjenigen, die einen Vogel haben(Heiterkeit), kann man zum Trost sagen, daß Kanarien- Vögel unter das Gesetz nicht fallen. Das Gesetz enthält Be- stimmungen, die nach dem Stande der Veterinärwissenschaft wohl geeignet erscheinen, Seuchenverschleppungen hintan zu halten. Diesen Bestimmungen stimmen auch die Sozialdemokraten zu. Leider fehlen einige Vorschriften, die sehr wohl in das Gesetz hätten hineingearbeitet werden können und eine günstige Wirkung zur Seuchenverhinderung gehabt hätten. Beispielsweise hätte be- stimmt werden können, daß die Ställe einen bestimmten Mindest- räum für jedes Tier haben müffen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Derartigen Bestimmungen stimmen wir zu, denn wir haben gu unserer Veterinärwissenschaft ebenso sehr Vertrauen, wie wir das denkbar größte Mißtrauen gegen die Behörden haben, die später diese Bestimmungen ausführen sollen. Das ist nicht nur eine sozial- demokratische Eigenart, sondern auch eine Anzahl anderer Mitglieder der Kommission haben sich ähnlich geäußert, und aus diesem Miß- trauen ist die Laien- oder vielmehr Sachverständigenkommission ent- standen, welche die Viehhalter vor Belästigungen schützen soll. Der Staatssekretär ist über diese Kommission wohl nicht richtig in- formiert worden, sonst hätte er unmöglich sagen können, durch ihre Einrichtung würde die Schnelligkeit gehemmt, die gerade bei der Abwendung einer großen Viehseuchengefahr notwendig ist. In den§ 6 ist eine Bestimmung hineingekommen, daß nicht nur verdächtige Tiere, sondem auch die Erzeugnisse verdächtiger Tiere von der Einfuhr abgesperrt loerden können. Von der Regierung ist festgestellt worden, daß dies in keiner Weise veterinärtechmsch be- rechtigt ist und nicht in das Gesetz hineingehört. Trotzdem wollte sie aber das Gesetz nicht daran scheitern lassen. Die ZK 6 und 7 sind nicht nur für die Agrarier, sondern auch für uns die wichtigsten. Bevor ich darauf eingehe, Zweck sind, tief im Winter verladen und wie Vieh über das Schwarze Meer gebracht: in dieser Jahreszeit, in der man der Aufmerksamkeit der russischen Kanonenboote am ehesten zu entgehen hofft. Mädchen werden für wenige türkische Pfund auf den Dampfeni verkauft, die den Bosporus auf und nieder fahren, und ganze Schiffsladungen weißer Gefangener von Armenien, aus dem asiatischen Rußland, und von Negern aus Aequatorial-Afrika werden regelmäßig von Berufssklavenhändlern nach der Hauptstadt gebracht; die Plätze, an denen sie feilgehalten werden, sind jedem Käufer wohl- bekannt und leicht ist der Zutritt dazu zu erlangen. Ein türkischer Pascha sagte einmal:„Natürlich(I) haben wir noch unsere Sklaven, und wir wüßten auch nicht, wie wir ohne sie auskommen sollten." Die Brieftaube als Photograph. Nachdem die Brieftaube als Uebermittlerin von Nachrichten gute Dienste geleistet hat, versucht man neuerdings, sie als Trägerin einer kleinen Kamera auch zu Gelände- aufnähme zu benutzen I Ein Dr. Neubronner versah Tauben mit einem eigenartigen leichten Apparat, der durch selbsttätiges Oeffnen und Schließen des Momentverschlusses in kurzen Zwischenräumen mehrere brauchbare Aufnahmen von 4:4 Zentimeter Größe herstellt. Die nur 75 Gramm schwere Miniaturkamera enthält zwei nach vorn und unten gerichtete Linsen, sodaß auch bei veränderter Stellung des Vogels eine Bodenaufnahme zustande kommt. In welcher Weise die so ausgerüstete Taube für strate gische Zwecke benutzt werden kann, leuchtet ein: Belagerte Plätze können mit ihrer Hilfe die Stellung der Belagerer, diese dagegen die Einrichtungen der Festung genau aufnehmen.... In Ver- bindung mit dem lenkbaren Luftschiff könnte die photographierende Taube weiter vordringen, als es dem Luftschiff selbst aus Sicherheitsgründen gestattet ist, und so die Stellung der feindlichen Linien verraten. Die deutsche Heeresverwaltung hat denn auch Dr. Neu- bronner eingeladen, in Verbindung mit der Luftschifferabteilung zu Tegel Versuche anzustellen.— Außer dem Apparat für Moment- aufnahmen, deren bis zu dreißig hergestellt werden können, existiert noch eine andere Forin mit einer Linse und einem Film, auf dem mittels eines Gummiballes und Uhrwerkes in bestimmten Zwischen- räumen eine Serie von Aufnahmen hergestellt werden kann. Humor und Satire. Die Essener �-D-Schüler, Preußische Wissenschaft, du Vettel, hast dich wieder'mal blamiert, wieder nach dem Stcuerzettel deine Gunst verauktioniert. Und die deutschen Bürger lesen'S, und sie find— weiß Gott— empört. Macht doch nur nicht soviel Wesens I Ist der Fall denn unerhört?.- will ich feststellen, daß wir Sozialdemokraten es für selbstverständlich halten, daß dieselben strengen Maßnahmen, welche im Inland gegen Viehseuchen getroffen werden, auch gegen das Ausland beobachtet werden müffen. Wir verwahren uns aber entschieden dagegen, daß unter dem Vorgeben der Seuchenbekämpfung neue Einfuhrerschwerungen aus Gründen der agrarischen Konkurrenz eingeführt werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der§ 6 lautet: Die Einfuhr von Tieren, die an einer übertragbaren Seuche leiden, und von verdächtigen Tieren, sowie von Erzeugnissen solcher Tiere, ist verboten. Dasselbe gilt für die Kadaver und Teile von Tieren, die an einer übertragbaren Seuche gefallen sind, oder zur Zeit des Todes an einer solchen gelitten haben oder seuchenverdächtig gewesen sind, endlich für Gegenstände jeder Art, von denen nach den Umständen des Falles anzunehmen ist, daß sie Träger des Ansteckungsstoffes sind. Wenn man das so hört, könnte es leidlich scheinen. Es heißt, die Einfuhr verdächttger Tiere ist verboten. Was verdächtige Tiere sind, ist im§ 1 gesagt, nämlich„Tiere, an denen sich Erscheinungen zeigen, die den Ausbruch einer übertragbaren Seuche befürchten lassen, und Tiere, an denen sich Seuchenerscheinungen zwar nicht zeigen, rücksichtlich deren jedoch die Vermutung vorliegt, daß sie den Ansteckungsstosf aufgenommen haben". Ist wohl jemand hier antocsend, der jemals schon ein Tier gesehen hat. bei dem er bei einigern, atzen gutem Willen nicht hätte annehmen können, daß eS Ansteckungsstoff im Leibe hat?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das ist eine geradezu haarsträubende Bestimmung. Und nicht nur diese verdächtigen Tiere, denen man gar nichts ansieht, sollen den Bestimmungen dieses Gesetzes unterworfen werden, sondern auch die Erzeugnisse dieser Tiere. Unsere Regierung ist gewiß agrarisch bis zum tz. Das ist ihr aber doch zu weitgehend gewesen und sie hat sich energisch dagegen gelvehrt, daß auch die Erzeugnisse solcher Tiere in den 8 6 aufgenommen würden. Ein Rcgicrungs- Vertreter erklärte, die Regierung würde sich allenfalls damit abfinden können, wenn nur der Ausschluß von Milch die Folge der Bestimmung tväre, obwohl auch dann die Aenderung unbegründet sei. Sie sei aber viel weittragender und würde z. B. auch die Ein- fuhr von Eiern verhindern können, was vom veterinärtechnischcn Standpunkt aus vollkonrmen unnötig sei. Die Bestimmung ist also geradezu gemeingefährlich und eS ist sehr zu bedauern, daß die Regierung nicht erklärt hat, sie würde das Gesetz daran scheitern lasten. Als Graf Posadowsky hier als Staatssekretär stand und das Flcischbeschaugesetz durchbrachte, kamen die Agrarier auch fortgesetzt mit solchen Anträgen. Damals sagte er:„Vergessen Sie doch nicht, daß es sich hier um ein Gesetz hygienischer Art handelt, das uns vor krankem Vieh schützen soll, aber nicht um ein Gesetz, durch das auf Umwegen der Preis für bestimmte Gegenstände. die den Herren von der Landtvirtschaft unbequem sind, erhöht werden soll." Unsere Regierung ist seitdem immer mehr agrarisch geworden, der Bund der Landwirte hat immer mehr an Macht gewonnen, und die Regierung kann ihm gegenüber eben nicht, wie sie will.(Lebh. Zustimmung bei den Soziald., Unruhe rechts.) So ist denn auch diese veterinärtechnisch ganz ungerecht- fertigte Bessimmung mit großer Mehrheit in der Kommission an- genommen. Es wäre w ohl erwünscht festzustellen, wievielMitglieder dieser Kommission gleichzeitig Mitglieder des Bundes derLand Wirte waren. Wir hatten wenigstens oft den Eindruck, als ob wir in einer Kommission des Bundes der Landwirte waren.(Unruhe rechts.) Als ich fragte, ob da? Gesetz nicht etwa vom Bunde der Landwirte ausgearbeitet sei, wurde das von der Regierung zwar bestritten; aber anders hätte die Vorlage auch nicht ausfallen können, wenn sie wirklich vom Bund der Land- lvirte gemacht wäre. In einer authentischen Schrift des Bundes der Landwirte wird über die Eiereinfuhr gesagt, daß Millionen Mark dafür wie für Geflügel alljährlich ins Ausland gehen. Es wäre doch möglich, sie im Inland zu behalten, wenn erst der Bauer an den Eiern und dem Geflügel etwas verdiente. In der Stadt brauchte man dann nicht mehr Poularden, französische Hühner und schlechte Eier zu essen.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- lraten.) Alles, was aus dem Auslande kommt, gilt diesen Herren eben für schlecht. Ueber die Gänseeinfuhr aus Rußland heißt es, der B a u e r muß unter allen Umständen dahin streben, daß diese Ausfuhr unterbleibt, und ganz schüchtern in Parenthese wird dann hinzugesetzt, schon um der Seuchen« g e f a h r wegen. Selb st das ausländische Getreide gilt den Herren für schlecht. Und dann geht eS weiter: „ES ist amtlich festgestellt, daß das eingeführte Getteide nichts taugt, ein Getreidehändler selbst hat eS als Dreck bezeichnet". (Große Heiterkeit links.) Das schlimmste, waS ich in solchen Flugblättern gelesen habe, ist folgendes;„Man verweist die Land- Sind doch alle deutschen Knaben eingeteilt nach A und B: jene dürfen Bildung haben, diese nur das ABC. Außerdem: ob jetzt, ob später— Scheidung wird ja doch geübt: nach dem Portemonnaie der Väter wird gesondert und gesiebt. Und eS lüpft vor vollen Kaffen selbst der Richter den Popo... Warum soll's nicht Klassen-Klassen geben im Eymnasio? Franz. — Der besiegte Griesgram.«Ist der alte Herr wirklich solch'n verbissener Griesgram?" „Und ob I Der lacht jährlich immer nur zweimal: wenn die neuen Damenhüte kommen."(„Fliegende Blätter.") Notizen. — Vom B ü h n e n e l e n d. Die Theaterdirektoren haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die scharfe und be- rechtigte Kritik zu entkräften, die ihnen während der letzten Wochen in reichlicher Fülle zuteil wurde. Nach Meinung dieser Herren ist beim Theater heutzutage alles schönstens und'bestens eingerichtet und nur die„Begehrlichkeit" der Mimen ist schuld, wenn das berühmte„gute Verhältnis" zwischen den Direktoren und ihren An- gestellten getrübt wird.... Durch Berliner Blätter geht die Nachricht, eS sei dem Leiter deS Friedrich Wilhelmstädtischen Schauspielhauses, Oskar Wagner, vom Bezirksausschuß die Konzession zur Wetterführung des Theaters entzogen worden, weil er sich schwere Angriffe auf die Weibesehro einer seiner Schauspielerinnen erlaubt haben soll l WaS sagen Herrn Wagners Kollegen hierzu? Vielleicht: daß Herr Wagner doch auch nichts weiter gewollt habe, als ein„gute? Verhältnis" mit seinen weiblichen— Angestellten anzubändeln...? — Pferd und Auto. Eine neue Statistik über den Pferde- bestand in Paris gibt interessante Aufschlüsse über den Einfluß des Automobilwesens auf die Zahl der Pferde I Seit 139S, da Paris 87 181 Pferde zählte, wuchs die Zahl in raschem Steigen und zwar bis 1900 auf 98 284. Im Jahre 1899 traten die ersten Automobile im öffentlichen Verkehr auf. Seitdem ist die Pferdezahl imnier mehr gesunken und statt der 98 284 Pferde des Jahres 1900 verzeichnet das Jahr 1908 nur noch 79 460. Dagegen ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Automobile von 238 aus 7214 gestiegen. zugleich Milchproduzent, Wirte darauf, fle konnten Obst bauen, wenn sie erst besiere Preise für das Obst erzielten; um dies zu erreichen, müsse man die Obst» einfuhr verbieten.(Hört! hort l bei den Sozialdemokraten.) Dann wird an die famose Schildlaus erinnert und direkt ein Verbot der Einfuhr des Obstes resp. der Läuse gefordert.(Heiterkeit.) Aber die Freisinnigen, heißt es weiter, scheine« die Läuse sehr gern zu habe». (Große Heiterkeit.) Jetzt darf man ja die Freisinnigen Wohl an diese L i e v e n S w ii r d i g k e i t i h r e r B l o et b r ü d e r erinnern. Unsere Anträge im Z 0, die Worte„sowie von Erzeugnissen solcher Tiere" und die letzten Zeilen zu streichen, sollen eben die schlimmsten Giftzähne ausziehen. Noch schlimmer aber ist der§ 7, den wir ganz zu streichen beantragen. Der Staatssekretär freilich meinte, dieser§ 7 bestehe ja jetzt schon. Ein Blick in den � Bericht der Kommission zeigt Ihnen, daß da? nicht richtig ist, daß an Stelle deS§ 7 im bisherigen Gesetz ein weißer Fleck ist.(Redner zeigt den Kommissionsbericht vor.) Der§ 7 lautet:„Zum Schutze gegen die Gefahr der Einschleppung von übertragbaren Seuchen der Haustiere ans dem Auslände kann die Einfuhr lebender oder toter Tiere, tierischer Erzeugnisse oder Rohstoffe sowie von Gegenständen, die Träger von Ansteckungsstoffen sein können, allgemein oder für bestimmte Grenzsirecken verboten oder beschränkt werden." Es braucht demnach gar nicht eine solche im Aus- lande zu bestehen, und doch kann die Einfuhr verboten werden. Zur Begründung meinte die Regierung, die Veterinärpolizei muffe distriktionäre Befugnisie haben. Das heißt aber nichts anderes, als daß man jede Grenze sperren kann, wenn der Bund der Landwirte es zur Erzielung höherer Preise wünscht.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Als tierische Erzeugnisse gibt die Re- gierung an:„Fleisch, Knochen. Häute. Hörner. Hufe, Klauen. Haare. Wolle. Federn, Milch, Dünger", und als gistfangende Stoffe zum Beispiel Futtermittel(Raschsutter, Körner, Rüben. Kaff, Kleie, Mehl), Strcumaterialien, Geschirrteile. Stallgerüte, getragene Kleider, Lumpen und dergleichen. ES ist also nirgends eine Grenze für das gegeben, tvaS von der Einfuhr ausgeschlossen werden kann. Die Grenze kann sogar gesperrt werden, wenn man gar keine Ahnung davon hat, daß jenseits der Grenze ein KrankheitSvcrdacht besteht, wenn man eben nur befürchtet, daß irgend etwas bestehen könnte. DaS geht denn doch über die Hut- schnür und alle die Abgeordneten, die nicht geradezu auf den Bund der Landwirte eingeschworen sind, sollten dagegen auftreten.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Verdächtig ist jedes Tier, daS man von der Einfuhr ausschließen will, und Erzeugnis eines solchen TiereS und giflfangender Stoff ist alles, was man will. Räch diesen Bestimmungen der§§ 0 und 7 kann ohne jeden Anlaß jedwede Einfuhr verboten werden. Freilich hat die Regierung zum Trost gesagt, ein solches Einfuhrverbot werde ja nicht von untergeordneten Organen ausgesprochen, sondern der Landwirtschaftsminister habe darüber zu entscheiden, wodurch Gewähr gegeben ist für eine Abwägung der wirtschaftlichen Folgen eines Einfuhrverbots. Uns ist das keine Gewähr. Die Erfahrung hat gezeigt, daß man LandwirtschaftS- minister fein kann und Schweinezüchter und Teilhaber von Tippclskirch«. Co. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdem.)§ 58 handelt von den Bestimmungen über die Entschädigungen. Die sollen nach diesem Paragraphen von den Einzelstaaten getroffen werden. Dagegen be- antragen wir. zu sagen:„Sie werden durch ein Reichsgesetz getroffen. das d« obligatorische Viehversicherung einführt und gleichzeitig mit diesem Gesetz in Kraft tritt." Man sagte, dieser Antrag bedeute, das Gesetz aus den Sankt Nimmerleinstag zu verabschieden. Es kann doch aber im Reichstage ein einheitliches Gesetz viel eher gc- schaffen werden als in den zwei Dutzend Landtagen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt, daß wir auf deren Zu- fammenfetzung zum Beispiel in Preußen durch daS herrschende Wahl- recht nicht den genügenden Einfluß ausüben können, so daß dort Be- stimmungen getroffen werden können, die keineswegs unseren Beifall finden.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Deshalb ist unser Antrag der bessere. Also wir Sozialdemokraten wollen gern an dem Gesetz mitarbeiten und werden für alle technisch begründeten Vorschriften stimmen. Wir wollen auch die Landwirte vor schikanösen Bestimmungen schützen und verlangen deshalb die Sachverständigen- Kommission. Wir stimmen auch den Eni- schädigungen zu. obwohl die Frage, wer die Kosten aufbringen mutz, noch nicht geregelt ist. Wir lehnen aber alle Bestimmungen ab, die veterinärtechnisch nicht gerechtfertigt sind, und von denen die Regierung zum Teil selbst sagt, daß sie in das Gesetz nicht hinein- gehören. Unsere Gesamtabstimmung machen wir von Ihrer Haltung zu den S und 7 abhängig. Kein Abgeordneter, dem daS Volks- wohl höher steht als Junkerwünsche, kann für diese Paragraphen stimmen. Ich bitte Sie, unsere Anträge anzunehmen und es dadurch auch uns zu ermöglichen, für da» Gesetz zu stimmen.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Freiherr v. Pfetten(Z.): Der Vorredner hat sich in Ueber- treibungen ergangen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Er hat Tatfachen angeführt!) Am Schutz der Viehbestände ist der kleine und mittlere Besitz ebenso sehr oder noch niehr interessiert als der große. Abg. Dr. Hahn(B. d. S.): Abgeordneter Scheidemaim behauptet, daß bei dem Gesetze mehr Rücksicht auf Junkerwüusche als auf das Volkswohl genommen sei.(Abg. Scheidemann: Sehr richtig!) DaS nanonale Schwein hat bei den letzten Wahlen über die Sozial- demokratie gesiegt. Nur die Schafe haben abgenommen, dafür haben wir um so mehr Rinder.(Heiterkeit.) Die Schweinezucht hat Deutschland mit neuen Ansiedelungen übersät. Auf den Junker- giitern aber gibt es wenig Schweine.(Große Heiterkeit.) Was helfen uns die schönsten Schweine, wenn sie verseucht werden? In Ost und West, in Nord und Süd verlangt die ganze Landwirtschaft nach genügendem Seuchenschutz.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Königlich Preußischer Staats« und Landwirtschaftsminister v. Arnim-Crrewen bezeichnet erhöhten Seuchenschutz als notwendig für Vieh und Menschen. Wie die Maul- und Klauenseuche früher gewütet hat. weiß jeder praktische Landwirt.— Wir freuen uns, daß es in der Kommission zu einer Einigung gekommen ist. Namens der verbündeten Regierungen habe ich zu erklären, daß keine derselben beabsichtigt, auch da. wo eS sich um neue durch dies Gefetz geschaffene Kosten handelt, die bestehenden landesrechtlichen Bestimmungen über Kostenaufbringung zuungunsten der Interessenten zu ändern.(Hört I hört I und Beifall.) Das Mißtrauen, das der sozialdemokratische Redner gegen die Objektivität der Behörden aus- fprach, weise ich entschieden zurück.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Struve(freis. Bg.): Herr Lehmann hat bei der ersten Lesung daS Gefetz weit ungünstiger beurteilt, als heute. Auf der anderen Seite kann ich mich aber auch nicht der unbedingt ablehnenden Kritik anschließen, die der Abg. Scheidemann an dem Gesetze geübt hat. Wir haben im Gegensatz zur Sozialdemokratie das Vertrauen zur Regierung, daß sie die Bestimmungen dieses Gesetzes nicht im handelsfeindlichen Sinne mißbraucht. Landwirlschaftsminister v. Arnim- Criewen betont die Not- wendigkeit, mit den Absperrinaßregeln so streng wie möglich vor- zugehen. Die Aktionsfähigkeit der Behörde» darf nicht beschränkt werden: sonst würde die Landwirtschaft schweren Schaden davon haben. Abg. Erzherger Berufskleidung. Anfarflnunn nanh ÜoR unt. Garantie für tadellosen Sitz, haltbare AnicflfyUny lloU!! irlal) iztofke, la. Verarbeitung, elegante Faßform. Vom 13. dis 19. tVlZi 1909 verde ieh im Hotel Quoos, Dorsti,««»«t?. 86, _ anwesend sein, um 290/16' Z5 künstliche Augen direkt nach der Natur für Patienten anzufertigen und einzupassen. F- Ad, Müller, ÄÄÄ: FrOhjahrs-AnzOge Paletots Ulster :::::: Große Auswahl:::::: ::: Tadelloser Sitz:::::: Beste Roßhaar- Verarbeitung ::: Nur eigene Fabrikate::: :: Sehr billige, feste Preise:: 1045L* Feines Haß-Atelier Anzug nach Maß von M. 30 an PälfitOt Maß tob M. 27 an H0S6 nach HaB von M. 8 an Hiebt sitzende Sachen werden znrückgenommen. S. 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Line icbwcre eiiendahnlistZitrophe wobei vier Personen getötet, vier schwer und vier leicht verletzt wurden, hat sich in der gestrigen Nacht bei Herlisheim im Oberelsatz zugetragen. Der D-Zug Basel— Amsterdam sowohl wie auch ein Güterzug sind vollständig verbrannt. Ueber das Unglück wird amtlich aus Herlisheim gemeldet: vN der Nacht vom 13. zum 14. ist der V-Zug 1K1 infolge Ent- gleisung des Güterzuges K040 in der Nähe des südliche» EinfahrtS- signals Herlisheim sOberclsaß) auf diesen aufgefahren, entgleist und verbrannt. Beide Gleise sind voraussichtlich bis Mittag gc-� sperrt. Getötet sind Lokomotivführer Schoulat und Heizer Altewei vom D-Zug 161 und ein Postbeamter, sowie der Heizer vom Güterzug 6646. Vier Reisende sind mittelschwer und vier leicht verwundet. Reisende und Verwundete des D-Zuges 161 wurden mit Sonderzug nach Colmar gebracht. Aerztliche Hilfe war bald zur Stelle. Eine Meldung aus Stratzburg im Elsaß besagt: Nach den bis- herigcn Feststellungen war der Hergang bei dem Eisenbahnunglück von Herlisheim folgender: Zunächst explodierte aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache auf freier Strecke bei Kilometer 736 wäh- rcnd der Fahrt der Kessel der Lokomotive des Güterzuges 6040. Darauf cnglciste der vordere Teil des Güterzuges. Im gleichen Augenblicke passierte auf dem ersten Gleis Schnellzug 161, fuhr in die entgleisten Güterwagen hinein und entgleiste ebenfalls. Beide Züge gerieten in Brand. Infolge des herrschenden Nordwindes ist drr Schnellzug 161 vollständig ausgebrannt, von dem Güterzuge etwa der fünfte Teil. Aus dem Zentralbureau des Arbeitsministeriums liegt folgende Darstellung über das Unglück vor: In der vergangenen Nacht ex- plädierte aus noch nicht aufgeklärter Ursache bei der Station Herlisheim(Oberelsaß) der Linie Basel— Straßburg während der Fahrt der Kessel der Lokomotive des nach Basel fahrenden Güter- zuges 6040. Dies hatte die Entgleisung des vorderen Teiles dieses Zuges zur Folge. Im gleichen Augenblick traf auf i�em anderen Gleis der von Basel nach Köln bestimmte D-Zug 161 ein, fuhr in die entgleisten Güterzugwagcn und entgleiste ebenfalls. Beide Züge gerieten in Brand. Infolge des herrschenden Nordwindes ist Zug 161 vollständig verbrannt, vom Güterzug etwa der dritte Teil. Soweit bisher crinittelt, wurden ein Reisender, ein Postbeamter und drei Lokomotivbedienstete getötet, etwa zwölf Reisende und drei Zugbcamtc verletzt. Reisende und Verwundete des Zuges 101 wurden nach Kolmar gebracht. Hilfe war bald zur Stelle. Der Chef des Ncichsamts für die Verwaltung der Rcichseisenbahn hat einen Kommissar zur Untersuchung des Unfalles an Ort und Stelle entsandt. � Schilderung eines Mitreisenden. Ein Reisender, der von Mülhausen ab den Unglückszug be- nutzte, mit seinem Leben aber davonkam, gab nach Meldung des ,.B. T." folgenden Bericht über den Verlauf der Katastrophe: Wir fuhren gestern nacht um 10 Uhr 4 Minuten von Mülhausen ab. Als wir kaum 20 Minuten gefahren waren, wurden wir durch einen furchtbaren Schlag hin- und hergcworfen. Ich behielt meine Geistesgegenwart und riß die Tür auf, wobei die Schaffner und Beamten mir zuriefen:„Im Zuge bleiben! Es ist keine Gefahr! Nur Ruhe!" Wir übersahen aber sofort das furchtbare Unglück, das geschehen war, hörten die markerschütternden Rufe und stürzten nach den vorderen Waggons. Wir zogen Frauen und Kinder heraus, um sie wenigstens dem Tode des Erstickens und des Verbrennens zu entreißen. Wir liefen darauf zurück und hörten von der anderen Seite des Zuges Hilferufe. Wir bestiegen nochmals den hinteren Wagen, da klopfte von außen an das Fenster ein in Flammen ge- hüllter, mit Blut bespritzter Mann. Es war der Zugbegleiter des verunglückten Güterzuges, der bei der Explosion der Güterzug- Maschine an den Dainpfkcsscl geraten war und uns flehentlich bat, ihm beizustehen. Ich verließ sofort das Abteil, ließ das Fenster herunter und half dem unglücklichen Mann in den Wagen. Ich holte Wasser aus dem Waschraum und half ihm vorsichtig mit den vorhandenen Handtüchern daS Blut stillen. Als wir aber sahen, daß wir uns jetzt selbst retten mutzten— denn die Flammen schlugen schon ganz nahe von dem brennenden Wagen zu uns herüber— verließen wir ohne Gepäck den Wagen. Nun hieß es: Rette sich, wer kann? Auf der einen Seite lohten die Flammen des zertrümmerten Güterzuges, auf dem Bahndamm lag der D-Zug brennend in tiefer Nacht— so verließen wir die Wagen- trümmer und liefen die Böschung hinunter, um in Begleitung der Schwerverletzten, die wir, so gut es ging, stützen mußten, bis zur Station Herlisheim zu gelangen. Dort kamen uns die Stations- bcamten entgegen mit den Worten:„Gehen Sie ruhig in den Wartesaal, es sind dort Verbandzeug und Hilfsmittel vorhanden." — Aber was fanden wir da! Kaum 100 Gramm Watte und einige Meter Verband, kaum soviel, um einen einzigen schwer Ver- letzten notdürftig zu verbinden. Und wir hatten schon fünf Schwerverletzte bei uns! Wir versorgten die Verwundeten so gut es ging, holten Wasser usw. Wir sahen die kleine Stationsspritze von Herlisheim sich bemühen, das Feuer zu löschen. Ich gab den Leuten den Rat, sowohl in Herlisheim wie in Hattstatt Sturm zu läuten, und nach einigen Minuten hörten wir denn auch die Sturm- glockcn schaurig durch die Nacht schallen. Die Leute, die zu Hun- derten kamen, sammelten sich und trafen auf der Unglücksstclle ein, wo sie hilfreich eingriffen. Wir hatten unseren schwer verletzten Mitreisenden so lange beistehen müssen, bis schließlich ärztliche Hilfe kam. Das dauerte leider recht lange, da erst gegen 12� Uhr die ersten Aerzte eintrafen. Ein Hilfszug brachte mehrere Beamte und aus Kolmar Aerzte und einen großen Verbandskasten. Da kein Schlüssel zu dem Kasten vorhanden war, schlug ich den Kasten auf. Jetzt erschien auch der Bezirkspräsident v. Puttkamer, der ge- kommen war, um nach seiner Schwester und seine Schwägerin zu suchen, die er aber nicht vorfand. Wir versicherten ihm, daß wir die beiden Damen auf der Böschung nach Rufach hätten gehen sehen. Die Aerzte legten inzwischen den Verwundeten Notverbände an. Die Station Herlisheim hat das Aussehen einer Ambulanz. Ich werde in meinem ganzen Leben diese schwere Nacht nicht ver- gössen. Gegen zwei Uhr kam der Hilfszug, der uns nach Kolmar brachte. Dort standen die Sanitätskolonnen mit Krankenträgern und mehreren Militärärzten. Man holte die Kranken und Schwerver- wundctcn aus dem Zuge und trug sie in die Krankenhäuser der Stadt. Wie die Generaldirektion der Rcichseisenbahn mitteilt, sind auf der Unglücksstätte in Herlisheim weitere Leichenteile nicht auf- gefunden worden. Die Reisenden haben sich nach dem Unfall sofort nach allen Richtungen zerstreut, so daß es nicht möglich tvar, Zahl und Namen sämtlicher Verwundeter festzustellen. Hilfszüge mit allem erforderlichen Material wurden sofort abgesandt.. Der Hilfs- zug von Kolmar war bereits nach einer Stunde zur Stelle. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Ecschäst schleppend, Preise unverändert. Wild: Zusuhr knapp, Geschäft ruhig, Prciie gut. Geflügel: Zusuhr in Hühnern genügend, sonst knapp, Geschäft rege, Preise gut. Fische: Zusuhr etwas knapp, Gcichäjt zienilich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Ecschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und « ü d s r ü ch t e: Zujnhr genügend, Geschäst schleppend, Preise unwesentlich verändert._ Witterungsiibersicht vom 14. Mai 1009, morgens 8 Nvr. klatwnen swiliemde.!763W Hamburg! 764 33 HS Berlin i 764 33 Frnnts.a.M"60 N München"63 N Wien 1761 N Wetter 3 wolkig I wolkig 3 halb bd 2 beitcr 2 Regen 1 bedeckt -U! £tS> Stationen B3 a® Haparanda 1 742 NNW Petersburg 751 S Scivp-768 NNO Ülberdeeu 765 NNW Pari» 766 NNO Wetter s» t? h5> 6 Schnee 2 bedeckt 4 wolkig 3 Regen 3 wollenl Wetterprognose für Sonnabend, den IL. Mai 1900. Vielsach heiter, aber kühl und veränderlich mit leichten Siegen« oder Graupelschauern und ziemlich frischen nordivestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. 0 Pf. Cigarre t'orzüwlicher würziger Geschmack J. NEUMANN Cigarren-Fabriken- 103 Filialen. Cigarren■ Fabriken. Begründet 1850 In 160 Zweiggeschäften gleiche Nummern zu gleichen - Proisen.— [athan Mancl 129 Skalitzcr Str. 129. 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Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 5>/j Uhr, von der Leichenhalle dtS Georgen-KirchhoseS, Lands- ----- 12202 berger Allee, aus statt. 0eul5ejiel' Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klavier- arbeitcr Richard Frei am 13. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. Mat, nach- mittags 3'/, Uhr, von der.Halle des Rumnicisburger Gemeinde- sriedhoses in der Lücksttahe aus! statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/1 Die Ortsverwaltung. I fchniidn.iinik«nd gr-l >bmchtt.�S.?S�! Ui r Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptdureau: CharitSslraBe 3. Hos m. Amt 3, 1987 Montag, den 17. Mai, abends 6 Uhr: WF Versammlung"WZ aller in Zink-, Zinn- und BleigieHereien beschäftigten Kollegen in NUestnxs Psstsülon, Wassertorstraße 68. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwallungsstalle Berlin, Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Hemrich Klose am 12. d. MtS. an Bauchfell- entzllndung gestorben tft. Ehre feinem Andeute»! Die Beerdigung findet am' Sonntag, den 16. Mai, nachmittags! 4 Uhr, von der Leichenhalle des/ Michael- Kirchhofes in Rixdorf,| Hermannftrafze, aus statt. Rege Beteiligung erivartet 117/3 Cie ertavoretaltung. TageS-Ordnung: t. Bortrag de« Kollegen Waachlch:»Die Notwendigkeit der EinheitSorganisatio».- L. DiSkufsion. 3. VerbandSangelegenhetten. 4. Verschiedenes. Kclleaettf Wir ersuche« Euch, vollzählig-«s»» «•ÜUVgvN* und punktlich zu erscheinen. WWW 117/2 vto Crtavcrsvaltaaxx. vslllschör»nlMbeilsr- Verband. � Ovfsvenoaltnng SsrUn.■' Kantischler! Kezirk IV. Wedding«nd Moabit. Sonnta», den 13. Kai, renn. 10 Uhr, bei Baabe, llelbergee Sie. 23; Dflp Versammlung,'�g TageS-Ordnung: i. Fortsetzung der Diskussion der letzte» Versammlung. 2. Wahl der Kommisfionsmitglieder. Sämtliche Kollegen des Bezirks haben die Pflicht, zu dieser Versamm- ung zu erscheinen. j-lut-�rnolcl Dresdenerstr. 116 (kein Laden) am Oranleoplatx Hut und Mützen Engrosgeschäft. Einzelverkauf zu auffallend billigen aber festen Prelsenl StronhOta für Herren, Knaben. MSdchen u. garnierte DamenhOtö Ausserjewöhnllch reiche Auswahl In alten Preislagen! Todes-Anzcige. Am 13. d. MtS. starb mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Zimmerer lleinrick Eteier im 59. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Uinterdliedsnen. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 10. Mai, nachm. S Uhr, von der Leichenhalle de! Auf- erstcbungSkirchhoseS in Weißens cc aus statt. kettod der fabriftariieitep DeuManils. Zahlstelle Berlin. Am Dienstag, den 11. Mai, verstarb im Augusta-Hospital der Kollege Hermann Hilpert Kolbcrger Straste 10. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. Mai, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Halle des städtischen Kirchhofes, See- strasje(Charitu-Kirchhos) auS statt. Rege Beteiligung erwartet 03/17 Die Ortsverwaltuug. ZeDtral-Kranken-Qnterstiitziiiios- verein der Seiimiede um! verw. Gewerbe Deutschlands.. ---------- Berlin 5. l f TodeS- Anzeige. Am 12. Mai verstarb Mitglied, der Isolierer unser Hermann Hilpert Kolberger Str. 10. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung sindet heute Sonnabend, den 15. Mai, nach. mittags 8'/, Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes, Sccstraße, Ecke Müllerstraste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2S70b eis ertavenivallniig. für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Arnold Klein spreche ich hiermit allen Ver» wandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen und Kolle- /innen der A. E. G.. Brunnenstratze, ibt. Arlt, sowie den Sängern meinen herzlichsten Dank aus. Henriette Klein. Zwei neue Salamandep Verkaufsstellen Berlin: N. 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Diesem Ziel soll auch der vorliegende Antrag dienen, den er dringend ersuche, an- zunehmen. Wie wenig Neigung dazu vorhanden war, geht schon daran» hervor, daß die bürgerlichen Herren sich möglichst laut durch Zwie- gespräche unterhielten, ohne vom Vorsitzenden darin gestört zu loerden. Die Hälfte der Plätze war nur besetzt, der andere Teil fand es im„Bierstübl" gemütlicher. Die Herren verschmähten es, auf die wichtigen Anklagen des Genossen Thurow zu ant- Worten oder sich zu verteidigen. Stadtv. BöSke(Soz.), der nunmehr das Wort ergriff, geißelte dieses beredte Schweigen, das jedenfalls als Antwort auf die treffenden Ausführungen dienen sollte, in sarkastischer Weise. Die wenigen noch im Saale an. wesenden bürgerlichen Herren— es waren ganze acht— unter» hielten sich in ziemlich lauter Weise, so daß der Redner sich selbst Ruhe schaffen mußte, da der Vorsteher die Unterhaltung allem Anschein nach„überhörte". Nochmals ging der Redner auf die ganze Entwickelung und Geschichte de? Nixdorfer Wahlrechtsraube» ein. ES müsse festgehalten werden, daß trotz der für die Arbeiter» schaft ungunstigen Art der Aufstellung Skr Wählerlisten seitens des Magistrats dennoch in der zweiten Abteilung die Stimmen- zahl der Sozialdemokratie weiter gewachsen ist. während die Bürge�ichen einen bedeutenden Gtimmenrückgang zu verzeichnen hatten. Gründlich hielt der Redner mit der reaktionären Mehr- heit Abrechnung. Daß die Herren nicht prinzipiell gegen alle „Wahlreformen" sind, beweist der 17. Dezember 1808, wenn die Reformen sich auch in der Richtung bewegten, den ohnedies matzlos begünstigten Geldsacksvertretern noch weitere Rechte einzuräumen. Prinzipielle Bedenken sind es also nicht, die die Herren veranlassen könnten, gegen unseren Antrag zu sein. In erster Linie gelte es aber, den Kampf gegen das Hausbesitzerprivileg aufzunehmen. Von sämtlichen Mandaten sind nicht weniger wie 66 Proz. in Händen der Privilegierten. Wenn schon davon- die Sozialdemo- kraten, die auch Hausbesitzer sind, aber Allgemeininteressen im Gegensatz zu den Bürgerlichen vertreten, in Abzug zu bringen sind, so zeigt dies den kolossalen Einflutz dieser Kaste, die ihre Interessen mit großer Zähigkeit wahrnehmen. Der Hauptkampf. den wir zu führen haben, sei aber vom Volke nur im Landtage auszufechten: es ist die Erringung eines besseren Wahlrechts zum Landtage. Das alles sind Fragen von so eminent wichtiger Be- deutung für unser ganzes Volk, daß wir sie auch auf dem Städte- tag}'■: Verhandlung bringen müssen. Wir müssen den Vertretern der Städte Gelegenheit geben, ihre Forderungen zum Ausdruck bringen zu können. Der Gedanke der Demokratisierung des Wahlrechts muß alle Schichten der Bevölkerung durchdringen.— An namentlicher Abstimmung wurde der Antrag der sozialdemo- kratischen Fraktion gegen die gesamten Stimmen der Bürgerlichen abgelehnt. Eine lebhafte und ausgedehnte Debatte entwickelte sich— gewissermaßen als Illustration zu dem vorher von der sozial- demokratischen Fraktion Behaupteten— über einen Antrag des Magistrats, nach dem die Absteckung und Prüfung der Baufluchtlinien vor den im hiesigen Stadtgebiete auszuführenden Neubauten von dem städtischen Landmesser vor- genommen werden soll. Entsprechend dem Antrage legte der Magistrat eine Gebührenordnung zur Beschlutzfassung vor. Stadtv. S e r n o wandte sich gegen diese Vorlage im Interesse der privaten Landmesser— der Herr machte in Mittelstands- Politik—. da diese ihre Leute dann entlassen müßten, wenn die Vorlage angenommen würde. Außerdem arbeiten die Behörden auch nicht so schnell wie private Landmesser. Er stellte eine Be- rechnung auf, wonach der Gemeinde eine Ausgabe von 24 000 M. pro Jahr entstehen würde, wenn dem Antrage des Magistrats ent- sprechend beschlossen würde. Er bittet, die Borlage nochmals einer Kommission zu überweisen. Oberbürgermeister Kaiser ersucht, den Antrag abzulehnen. Die Aufrechnung deS Herrn Serno stimmt nur bezüglich der Addition; die Zahlen an sich sind einfach eine vage Behauptung. sind Gespenster.— Tie lange Debatte führte zu dem Resultat. daß der Magistrat alle die Punkte aus seiner Vorlage herausstrich. die den Vertretern der bürgerlichen Hausbesitzer anstößig waren. So fand denn dieses Stückwerk gegen die Stimmen der Sozial- demokratie Annahme.— Der Magistrat beantragte weiter, sechs Lehrer, eine wissenschaftliche Lehrerin und eine technische Lehrerin zum 1. Oktober für die Gemeindeschulen anzustellen. Zum April dieses JahrcZ sind IS nene Lehrstellen eingerichtet worden. Die Beschlußfassung über die Errichtung der zum 1. Oktober erforder- lichen Lehrstellen ist bei der Etatberatung vertagt worden, um das Ergebnis der Einschulung zum Apriltermin abzuwarten. Die Zunahme der Schüler hat einen noch höheren Rückgang wie im Vorjahre erfahren; die Zunahme betrug nur S31 Schüler. Gegen- wärtig beträgt die Durchschnittsklassenfrequenz 63.0 Schüler. gegen 55 im Vorjahre.— Stadtv. Gröpler will zwei Lehrstellen gestrichen haben. Es genügt nach seiner Ansicht, wenn die Durch- schnittsfrequenz 55 beträgt.— Gegen diese Auffassung wandte sich Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) mit aller Schärfe und trat mit Wärme für die Vorlage ein. die auch angenommen wurde.— Ohne Debatte wurden die Bestimmungen für die Anstellung städtischer Schwestern im Krankenpslegedienst angenommen.— Der Antrag auf Errichtung einer Gemeindeschule auf dem Grundstück Thomasstr. 20/21 wurde beschlossen; desgleichen wurdeü die Baukosten für das ISklassige Gebäude mit Zeichensaal und Turnhalle in Höhe von 250 000 M. genehmigt; ferner die Kosten zur Pflasterung der Canner Chaussee zwischen Britzer Allee und Heidekampgraben. Zu einer ausgedehnten Debatte gab ein Antrag deS Magistrats Veranlassung, den Betrieb der 13 bestehenden Trinkhallen der „Berolina". G. m. b. H., zu gestatten. Beschlossen wurde, die Vor- läge an die Verkehrsdeputation zurückzuweisen und die Pacht mög- lichst niedrig zu gestalten, dagegen dem Unternehmer aufzugeben, die Trinkhallen unverzüglich an die Wasserleitung anzuschließen. Auf dieser Basis soll ein neuer Vertrag abgeschlossen werden.— Zum Schluß wurden einige kleinere Vorlagen sowie Etatüber- schreitungen genehmigt. Schluß der öffentlichen Sitzung 9 Uhr. Schönederg. Durch die Uebernahme des Bestattungswesen» in städtische Regie werden den Angehörigen viel Kosten und Gänge erspart. Die seitens der Beerdigungsinstitute für die Besorgung des Leichenwagens bisher in Rechnung gestellte Provision von 16s/s Proz. bleibt dem Publikum erspart; auch der Gang zum Küster behufs Bestellung der Leichen- träger. Im Bureau werden nicht nur die Grabstellen angewiesen, eS werden auch gleich die Gebühren entgegengenommen sowie die Bestellungen auf Leichentvagen und Leichenträger. Für das Stellen von Leichenträgern und Tragen der Leichen werden bei Beerdigungen auf den städtischen Friedhöfen von der Stadtgemeinde erhoben: a) beim Transport zur Gruft oder zur Leichenhalle vom Trauer- Hause oder voin Bahnhofe au» mittels Leichenwagens 1. Klasse für jeden Träger 3,25 M.. mittels Leichenwagens 2. Klasse für jeden Träger 2,25 M-, mittels Leichenwagens 8. Klasse für jeden Träger 1,25 M.: b) beim Transport einer Leiche von einem autzerhalb Schöne- bergS belegenen Hause oder von bezw. nach einem auswärtigen Bahn- oder Friedhofe: mittels Leichenwagens 1. Klasse für jeden Träger 5,25 M., mittels Leichenwagens 2. Klasse für jeden Träger 4,25 M.. mittels Leichenwagens 3. Klasse für jeden Träger S M. Wünscht jemand besondere Ausführungen, so werden die Gebühren dementsprechend erhöht. Für das Tragen der Leichen von der Leichen» halle oder Kapelle zur Gruft: wenn die Ueberführung mittels Wagens 1. bezw- 2. bezw. 8. Klasse erfolgt ist: 1,75 M., 1,50 M.. 1,26 M. für jeden Träger. Die Beträge werden durch daS Bureau der Friedhofsverwaltung vom Publikum eingezogen. Die zum Transport der Leichen nach den Friedhöfen erforderlichen Leichenwagen sowie die zum Auf- und Abheben der Särge benötigten Leichenträger stellt die Stadt. Ausnahmen sind gestattet. Für die Benutzung der Leichenwagen find zu zahlen: für 3. Klasse 8.50 M.. 2. Klasse 11,50 M. und 1. Klasse 22 M.. die Sätze erhöhen sich, werden höhere Anforderungen gestellt. Bei Benutzung eines Kinder-Leichen Wagens 2. Klasse 10,50 M., bei 1. Klasse 15 M., werden jedoch mehr Führer gewünscht, dann sind für jeden Führer 2 M. mehr zu zahlen. Eine Vereinfachung der Geschäfte ist zweifellos damit verbunden, auch eine geringe Verbilligung. dagegen ist selbst im Tode der Klassenunterschied nicht beseitigt. An eme einheitliche Behandlung des gesamten Bestattungswesens ist man nicht herangegangen. Grost-Lichterfelde. Am Dienstag sprach Genossin Luise Zieh bor eht« auch von Frauen gut besuchten Versammlung über: Die Frau im politischeu Kampf. In temperamentvollen Ausführungen wies die Referentin auf die infolge der wirtschaftlichen Entwickelung völlig veränderte Stellung deS weiblichen Geschlechts hin und begründete unter leb- hafter Zustimmung der Versammlung die Forderung auf politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frauen. Zur Erreichung diese? Zweckes fei aber die politische Betätigung eine Notwendigkeit und der Eintritt der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse in die sozialdemokratischen Organisationen und Gewerkschaften eine unerläß- liche Pflicht. Eine Anzahl Frauen ließen sich im sozialdemokratischen Wahl- verein aufnehmen. Tempelhof. Aus dem Genieinderat. Zum 1. Oktober wird ein neuer Lehrer an der Gemeindeschule angestellt werden, da die Knabenklasse 6 öl wegen Ueberfüllung geteilt werden mutz. 74 Kinder in einer Klasse sind denn doch ein bißwen viel. Für zwei Lehrerinnen, die Jugend- spiele leiten sollen, wurden 240 M., für Anschaffung von Spiel- geräten 60 TO. bewilligt. Der Auflassung der Straße 33 am Hasen durch die Terraingesellschaft wurde stattgegeben. Die Baukommission verlangt Pflasterung 3. Klasse. In der Viktoriastraße, hinter „Tivoli", soll die Schmutzwasierleitung in Angriff genommen werden. da die einkommenden Beiträge höher sind als die Baukosten. Die Terraingesellichaft hat den Antrag gestellt, die Friedricb-Karlstraße von der Werderstratze bis zur Manteuffelstraße auszubauen. Dem wurde zugestimmt unter der Bedingung, daß eine Dammbreite von 12 Meter hergestellt und gleichzeitig der Ausbau der Strotzen 72—66 erfolgt. Wer weiß, in welchem schauderhaften Zustande bei Regenwetter fich die Germaniastraße befindet, der wird es be- grüßen, daß die Gemeinde sich endlich entschloffen hat, die Germania- straße von der Dorfstraße an mit Seitenpavillons zu versehen und die Straße selbst mit einem 9 Meter breiten, bei der Einmündung in die Ringbahnstraße 10 Meter breiten Damm auszubauen. Der Bau soll sofort in Angriff genommen werden, so daß im Spätsommer mit den Pflasterarbeiten begonnen werden kann. Leider müssen die Bäume zu beiden Seilen der Straße zum Opfer fallen. Der Erlaß einer neuen Umsatzsteuer wird nochmals die nächste Sitzung beschäftigen. ES handele fich nicht darum, eine neue Steuer- quelle ausfindig zu machen, sondern um die zahlreichen Umgehungen zu fassen, die die Gemeinde in der empfindlichsten Weise schädigen. Direktor Hartmann stellte den Antrag auf Kommissions- beratung, welcher nach langem Zögern angenommen wurhe. Als letzter Punkt der Tagesordnung waren Aenderungen im Bebauungsplan vorgesehen. Hier standen die Herren Vertreter um ven Plan herum und unterhielten sich unier einander. Daß schon während der Verhandlungen über die vorher gehenden Punkte zeitweilig zwei bezw. drei Vertreter gleichzeitig sprachen, obne sich vorher zum Wort zu melden, daß sogar einer derselben über den Geincinderatstisch himveg in Grundstücksvcrkänfen machen wollte und der Borsteher diesem Einhalt bot, wollen wir für diesmal nur nebenbei bemerken. Pankow. Doppelte Vorsorge, um aus dem Leben zu kommen, traf der 43 jährige Handelsniann Stern aus der Prinzenallee, der sich hinter der Hirschinannschen. Fabrik an der Nordbohn zunächst die Pulsadern aufschnitt und sich dann in die Panke stürzte. Er erreichte seinen Zweck. DaS Motiv des Selbstmordes ist nicht bekannt Tegel. Der JiigcndauSschuß teilt mit: Bezugnehmend auf den gestern angelündigren Masienausflug der Jugendlichen von Groß-Berli» ersuchen wir alle diejenigen, welche daran teilnehmen wollen, sich Sonntag früh 8'/s llht, bei Halses, Brunowslraße, einzufinden Für Nachzügler und für Teilnehmer aus Borsigwalde ist der Treff- puiikt Restaurant Waldkaier. Der Jugendansschuß bittet die Eltern, ihre schulentlassenen Kinder an diesem Ausflug recht zahlreich teil- nehmen zu lassen. Nieder-Tchöneweide. Mit dem Automobil gegen eine» Straßenba hmnafi gerast. Bei einem verhängnisvollen Autamobilunfall lam gestern nachmittag der Chauffeur Henkel aus Berlin, der bei einem bekannten Werk in Ober-Schöneweide angestellt ist. schwer zu Schaden. H» hatte mit einem neuen Automobil eine Probefahrt unternehmen wollen. Als er mit dem Kraftwagen durch Nieder-Schöneweide fuhr, sauste er beim Ausiveichen eines Lastwagens mit solcher Wucht gegen einen Straßenbahnmast, daß das Borderteil des AnloS zertrümmert wurde. H. wurde in großem Bogen auf den Fahrdamm geschleudert, wo er besinnungslos liegen blieb. Er hatte am Kopf und an der Brust schwere Verletzungen davongetragen. Stralau. Der Voranschlag deS Haushaltsplanes der Gemeinde Stralau für das Jahr 1909 balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 225 750 M. Laut Beschluß der Gemeindevertretung vom 20. April werden an Steuerznslblägen erhaben: Personal- und Betriebssteuer 100 Proz., Gewerbesteuer 150 Proz. und Grund- und Gebäude- steuer 342'/« Proz. Diese letztere Steuer wird in Form einer Grundwertsteuer erhoben und beträgt für bebaute Grundstücke 2,5. fiir unbebaute Grundstücke 5 pro Tausend des gemeinen Wertes. Bei Verkauf von Grundstücken erhebt die Gemeinde eine Umsatz- steuer von 1'/z Proz. des Verkaufspreises. Der Ertrag wird für>909 mit 7500 M., statt 16 000 M. im Vorjahre, veranschlagt. Es erklärt sich dieser Rückgang aus der allgemeinen ungünstigen Lage der Industrie und Bautätigkeit, wodurch die Rachfrage nach Grundstücken bedeutend nachgelassen hat. Der Vertrag mit den Berliner Elektrizitätswerken läuft am 2. November d. I. ab und soll von da ab an Stelle der elektrischen die Gasbeleuchtung eingeführt werden. Die laufenden Arnienunrerstützungen betragen wie im Borjahre 3600 M. Unter sogenannten WohlfahrlSeinrichlnngen finden sich für Unterhaltung einer Diakonissenstation 1450 M.. für Säuglingsfürsorge 1000 M. An Unbemittelte wird für Säuglinge unentgeltlich Milch aus unter ärztlicher Kontrolle stehenden Molkereien des OrteS ver- abfolgt. Für unentgeltliche Milchabgabe und Zubrot an bedürftige Schul- kinder sind 700 M.. für Unterbringung von schwächlichen Schul- lindern in Heilstätten 500 M. eingestellt. Da die Aufnahme in Heilstätten 50 M. erfordert, so können nur 10 Kinder für dieses Jahr in Betracht kommen. Es muß dieses Unternehmen daher als Ber- such betrachtet werden, welches später weiter auszubauen und zu vervollkommnen ist. Die Auswahl der Kinder erfolgt durch den Schularzt« Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Von den Stadtvv. Genossen Pieck, Schmidt I, Pieper und Köpenick ist der Antrag eingebracht ivorden, die Stadtverordnetenversammlung wolle auf ihrem Beschluß bestehen bleiben, daß die Wahlen zum Gewerbe- gericht an einem Sonntag stattfinden. Dieser Antrag wird auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt werden.— Für die Hafenanschlußbahn soll nun doch das östliche Projett, nämlich der Anschluß nach Ruhleben zur Durchführung gelangen. Die Anschlußbahn soll dann nach westlicher Seite weitergeführt werden, aber nicht als Hochbahn, sondern als Niveanbahn. Das Gleis soll dadurch gleichzeitig auch für die Straßenbahn nutzbar gemacht werden. Zur Ausarbeitung eines diesbezüglichen Projektes werden 6000 Mark bewilligt.— Für Anlegung einer Zu- fahrtsstraße nach dem Hasen, namentlich zu dem bereits ver- pachteten Ufer V werden 32 000 M. bewilligt. Ebenso bewilligt die Versammlung für die Verlängerung der Gasleitung in der Seeburger Straße bis an die letzten Häuser dortselbst 5600 M.— Zum zwertenmal abgelehnt wurde die Vorlage, der Firma H. Behrendt in Dortmund für Mehrlieferung und-Leistung bei Bau des Gasbehälters auf dem Nonnendamm 3000 M. zu bewilligen. Die Versammlung geht von dem Standpunkte auS, daß die Firma nur ihrer Verpflichtung nach- gekommenund daß mankeinen Präzedenzfall schaffen dürfe. Magistrat und Gasdeputation scheinen sich aber auf den Gedanken festgebissen zu haben, der Firma eine Entschädigung zu zahlen und so darf man sich denn auch nicht wundern, wenn dte Vorlage schließlich noch zum dritten Male kommt,— Die geforderte Genehmigung zu dem Berttage mit der elektrischen Straßenbahn Spandau— Nonnendamm G. m. v. H. über gemeinsame Benutzung der dem Personen- und Güterverkehr dienenden Strecken zeitigte eine längere Debatte. Man kann sich darüber noch nicht einigen und verweist die Vorlage nochmals an die Deputation.— Eine Firma Heckt hat hier in der Hamburger Straße Kanalarbeiten ausgeführt, die sich als nicht brauchbar er- wiesen haben und schwebt deshalb ein Prozeß zwischen der Stadt und diesem Unternehmer. Das Pflaster in die; er Straße ist mm aber total versackt und bedarf unbedingt einer Aufbesserung. Der Magistrat fordert hierfür 22 000 M., die dann auch von der Ver- sammlung bewilligt ivorden. Ob die Kanäle, welche die Firma Heckt gemacht, nun brauchbar sind, konnte der Stadtbaurot nicht verbürgen, da jetzt während des Prozesses niemand an die Kanäle heran kann. Interessant ist aber bei dieser Angelegenheit, daß der Magistrat dem Unternehmer Heckt ein.' Zeugnis aus- gestellt Hai, daß er tüchtig und leistungsfähig in solchen Kanal- bauten sei, woraus dieser eine größere Arbeit in einer anderen Stadt erhalten. Auf Grund welcher Erfahrungen der Magistrat ein solches Zeugnis ausgestellt, ist wirklich nicht verständlich. Ob dies Zeugnis nicht noch jungiinslig für die Stadt bei dem schwebenden Prozeß wirken kann, bleibt abzuwarten. Die übrigen Nummern der ziemlich reichhaltigen Tagesordnung sind für die„Vorwärts"leser von ge- ringerem Interesse. Ein Punkt, der noch von Wichtigkeit gewesen wäre. nämlich die Verpachtung von Gelände im Stadtwald zu Restaurationszwecken, wird in die geheime Sitzung verlegt. Die geheimen Verhandlungen scheinen sich hier immer mehr einzubürgern, schließlich erfahren die Steuerzahler gar nichts mehr über die Ver- Handlungen im Stadthause. Hus der frauenbenegung. Frauenwahlrechtsbeweguug in Schweden. Die schwedische Landesvereinigung für politisches Fraiienwahl» recht, die auf ihrem Gebiete eine recht rege Agitation entfaltet, war bisher bemüht, sich parteipolitisch neutral zu verhalten, um so wo- möglich alle Frauen, einschließlich die der Arbeiterklaffe, in dem einen Streben nach politischer Gleichberechtigung zu vereinen. Das war natürlich schon infolge der Klassengegensätze ein unerreichbare« Ziel. Gleichwohl wurde unter der Leitung der bisherigen Vor- sitzenden Anna Whitlock der Grundsatz der Neuttaliiät befolgt, so daß es auch einem Teil unserer Parteigenossinnen angebracht erschien, im Rahmen dieser bürgerlichen Frauenwahlrechtsorganisation mitzuwirken, namentlich auch darum, um hervortretenden Neigungen, ein Damenwahlrecht zu propagieren, entgegenarbeiten zu können. Seit dem Kongreß der Landesvereinigling im Januar dieses JahreS, wo die konservative Dr. Lydia Wahl ström zur Vorsitzenden der Vereinigung gewählt wurde, scheint es mit der Neutralität mehr und'mehr in die Brüche zu gehen. Schon daß man damals eine Frauenwahlrechisdeputation zum König sandte, was selbstverständlich gänzlich zwecklos war. mußten unsere Genossinnen unangenehm empfinden, daS erregte auch bei den demokratisch gesinnten Mitgliedern Anstoß. Die neue Borsitzende will die Veremigimg anscheinend auch in ein direkt anti- sozialistisches Fahrwasser treiben. Die Dame hat jüngst eine Broschüre über„Staatsinleresie und Frauenwahlrecht" herausgegeben. in der sie verächtlich von den.Sozialisteniranen" spricht. Sie zieht auch eifrig zu Felde gegen die.religionsfeindlichen und Vaterlands- verräterischen Scharen". Wer die Gepflogenheiten der Konservativen kennt, weiß, daß solche Schimpfereien auch gegen die Sozialdemo- ttaten gerichtet sind. Im übrigen ist man jetzt in der Landes- Vereinigung besonders eiftig bestrebt. Salonngilation zu betreiben. In Stockholm wurde eine Gräfin in den Vorstand gewählt zu dem ausgesprochenen Zweck, unter hochgestellten Damen und Herren Interesse für das Frauenwahlrecht zu erwecken. In der gleichen Richtung liegt auch der Beschluß des Kongresses im Junuar, vor allem die Konservativen und die Erste Kammer für die Sache zu ge- Winnen.— Diese konservative und antisozialistische Strömung in der Landesvereinigung hat natürlich unier den sozialdemokratischen Frauen scharfen Widerspruch hervorgerufen und die Erkenntnis ge» fordert, daß sie sich in keiner Hinsichl auf die bürgerlichen Frauen- rechtlerinnen verlassen können. Die Genossin Ruth Gustafsson schreibt darüber in„Socialdemokraten" u. a.:„Wir„Sozialisten- frauen" haben alle Ursache, der Wahlrechtsbewegung genau zu folgen und uns nur auf uns selbst und unsere Partei zu verlassen, die immer ihrem allen Grundsatz der politischen Gleichberechtigung von Mann und Frau getreu handeln wird." Briefhaften der Redaktion. tu(nrlfttl*. Svrcchfnind«(Inbei Sinbtnftcafte Skr. I».«teeitn Cef, dritter Stngang. vier Trevve», WM- Fabettuhl-Mig> wochentäglich abends da»?>/, bis»>/, Ubr statt. Geöüne,? Ilbr Sonnabends beginn» die Svrrchfliindr um 0 Ilde. Jledcr-Iliitrag» tft ein tiuchitab« nlld eme Jinbl als liirrtiitiifitn b»>z»sügc».•üricflirtie iliitmar» nitre nicht erteilt. BiS zur Beantwortung im Briefkasten können»4 Tag« vergebe». Eilige Zkragev trage vion>u der Svrrchniindc vor. A. 47. Der nachgeforderte Stempel muß gezahlt werden, wenn nicht auS der Vollmacht ausdrücklich hervorgeht, daß lediglich die Rechte an der Forderung von 400 M. wahrZunehinci» waren. Sollte die» der Fall ge» wefen sein, so reklamieren Sie bei der Steuerbehörde. Bei jährt ist die Slempelsorderung noch nicht.— O. Sa. 84. Die Zahlung der Summe kann verlangt werden; die nicht iosortige Zahlung stellt keineswegs eine strafbare Handlung dar. Es wüede die Firma nur aus Zahlung Nagen tonnen.— Alter Abonnent S08. Ein Darlehn verjährt in 30 Jahren. — A. R» Wenn mnerhalb der sechs Wochen das Schreiben an das zu» ständige Amtsgericht gelangt ist. so ist die Entsagung giltig, sonst nicht. Sie haben aber sür die Schulden nur nach Kräjlcn des Nachlasses eventuell . zu leisten.— E. L. 25. 1. Die Mietssorderung verjährt vier Jahren. 2. Nein. 3. New.— Mb. M. 1000. Nein. — O.®. 99. Wenn nichts weiter vereinbart, ist der wirtliche Wert(unter Berechnung der Abnutzung) zu ersetzen.— A. H. 10. Ja.— Zeichner. Ein besonderer Schutz ist nicht ersordcrlich.— F. T. jJZ. 1. Nein. 2. Nur wenn der Vater als Vertreter des Sohne» geladen ist.— B. S. 25. l. Liegt kein Testament vor. so erbt der Witwer>/,. die Kinder de« Nach- lafles der Verstorbenen. Die vom Mann angeschafften Wirlschaslsgegenstände gehören nicht zum Nachlaß, sondern zum Eigentum des Mannes. 2. Nein. — G.«. Die Verwalterin ist verpflichtet, die Wanne Ihnen heraus» zugeben.— F. H. 3. Dte Landesoersicher-ungSanstalt ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Kosten für ein Gebiß zu zahlen. Zur Stellung eines Antrages ist zu raten.— P. R. 1808. 1. Wenn der Arbeiter verlangt. daß über Führung ein Zeugnis ausgestellt wird, ja. 2. Nein. Heber Fährung und Leistung ist nur aus Verlangen des Arbeiters ein Zeugnis auszustellen.— R. St. 56. Die Fremdworter zu enträtseln, waren wir nicht in der Lage. Wir möchten Ihnen raten, sich an einen Arzt zu wenden, zu dem Sie Zutrauen haben. Dieser wird Sie über die Sache ausklären.— F. H. 50. 1. Die Wirkung einer Mahnung. 2. Der Absender könnte klagen. 3. In der Regel ist daS Gericht zuständig. in dessen Bezirk der Schuldner wohnt.— B. W. Z. Nein. lvZaflerstandS-Nachrlchte» tzsr Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Bertiner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit V r e g« l, Jniterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Strossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe., Leitmeritz # Dresden m Barby » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Svremberg'1 » Beeskow Weser, Münden , Nlnden Rhein, Maximilians au , Kaub , Köln Neckar, Heildronn Main. Wertheim Mosel, Trier 0+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unterpegel.—») Die Weichsel erreichte bei Thorn am 12. um 6 Uhr nachmitagS ewen Wasserstand von 566 cm und war am 13. um 12 Uhr mittag» jchon aus 528 am gesallen. Warenhaus Wilhelm Siein Berlin N*, Chausseestrasse 70-71. Von Sonnabend, den 15. Mai bis Mittwoch, den 19. Mai er. verabfolgen wir Doppelte Anzahl Sparmarken'' um unsere werte Kundschaft zu veranlassen, ihre Pfingsteinkäufe frühzeitig zu erledigen, da die gewohnte sachgemäße Bedienung vor dem Feste nicht immer durchführbar ist. Wir geben sonst bei einem Einkauf von 1 Mark 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch 8 Sparmarken. Fleischwaren Pfund 1.20 . Pfund DeiateB-NuB-Schinkefl-- Fetter und magerer Speck- Sctiinkenspeck...........«--- 1.00 Pr. Kasseler Rippespeer• 80»- 85« Mittwoch, den 10. Mal er., sind unsere Terkantsrttnme bis 10 Uhr abends gettiTnet. 5 C, Solange Vorrat Rotwurst............. Pfund 0.48 Zwiebelleberwurst....... Pfund 0.48 Berliner Mettwurst....... Pfund 0.58 Westfälische Mettwurst.... Pfund 0.85 Mettwurst, Brannsclmelger Art. Pfund 0.85 Fleischwurst........... Pfund 0.80 Filet und Zungenwurst..... Pfund 1.00 •) Ausgenommen sind einige Artikel. Wß Ä ß bringt allen Genossen, Freunden und»)»»»,£ ■® Bclannten zur Kenntnis, datz er w fr. OelbrQckstr. 44 ßixdorf Karlsgartenstr. Ä eine gemütliche Kneipe aufgemacht hat und ersucht um gütigen Zuspruch fr. lleldrliekste. 44 früher liansch »W W. BAR Der schönste Ausflugsort und Aufenthalt ist immer und gern gesehn sind wir beim plCksIsWssOIHtan 10192* Alien freund. „Segler-Schloß"- Hankels Ablage. Bahnstation Zeuthen. Besitzer! W. Heinrich. Zur bevorstehenden Sommersaison halte ich mich werten Bereinen, Fabriken, Schulen usw. bei Zusicherung ausmerlsamster Bedienung bestens empsohlen.— 3 neue Süle und Hallen.— Schöne Spielplätze.— Badeanstalt.— Boote und Belustigungen aller Art. 7372*_ Hochachtungsvoll_ W. Heinrich. 7. Ziehung 5. Kl. 220. Kgl. Prenss. Lotterte. Zlchunsr Tom 14. Mal Tormltlagi. Sur die Gewinne Uber}40 Mark«in<1 den betreffenden Kümmern in Slammern beieefüet. (Obne 0,ewflhr.i(Naehdrurk vP' boten.) S3 210 4SI 51 63[5001 754[S000] S20 69( 30001»50 89 10S9 141 60 290 617 2135 324 78 604 731 79 304 3l0« 83 89 203 569 672 63 759 4002 216[aOO] 307 463 CIO 83 ,41 5 204 37 325 801 10 17 6 038 194 812 906 28 70[3000] 7348 430 712 97 974 87 8270[500] 93 893 633 833 919 9150 275 329 50 477 834 69 10318 52 53 418 26 619 21 13000] 31 986 11029[lOOftl 121[500) 45 89 446 85 541 664 7.33 49 83 87 848.• 2010 25 75 162 387[500) 407 823[3000] 82 944 84 1 3059 122 211 34 860 952 1 4139 571 13194 13000) 463 537 694 982 16085 377 417 41 96 578 699 810 24 40 17413 34 39 79 liocu) 503 799 857 87 1 3 160 210 15 445 54 83 578 653 87 739 872 19002 61 643 714 912 20014 145 225 617 662 708 74 897 951 83 2 1 094 596 603 749 15 87 2 2314 523 666 986 2 3070 317 1500) 065 953 243 4 65 513 863 2 5112 79 208 71 92 676 857 942| 500l 71 2 6001 206 393 412 78 80[ 600] 90 874 927 86 2 7353 70 95 428 7 4 515[1000) 92 s 1000) 747 950 2 3081 Hl 650 2 9 329 702 881 909[500) 63 3O010[500) 171 204 450 570 80 687 799 3 X 057 72 659 3 2067 110 304 5» 67 477 623 656 143 92 3 3 234 441 641 940 34096[300] 031 767 835 3 5033 281 367 541 965 36119 204[lOOOl 68 162 870[1000] 87 911 21 54 3 7086 233 507 16 746 874 38073 550 61 613[lOOO] 713 99 804 3 9033 1300) 62 210 13000) 562[ 3000) 90 710 61 896 49021 31 61 289 378[300] 416[1000] 68 357 97 633 83 718 851 41042 117 263 369 419 62«3 672 42263 433 00 681 707 4 3 202 338 82 457 535 788 93 800 4 4 210 463 626 812 909 13 4 5044 227 34 369 422 29 44 574 734 803 80[500] 079 4 6052 380 697 4 7 038 370 868 929 4 8172 220 85[500] 480 573 993 4 9051 773 590-2 106 532 1)3[500] 630 958[500] 5 1 028 229 504 45 078 842 liooo] 52120 441 914 32 08 5 3 034 114 333 404 25 93 659 79 800 IG 5 4 244 403 22 515 608 775 853 901 61 55174 327 75 496[5000] 644 53 715 919 5 6136 452 515 060[500] 758 71 90 57233 452 92(500) 740 868 928 [1000] 29 64 5 8165 518 627 706 46 807 46 60 84[1000] 976 59341 638 913 85 69309 669 785 877 83 6 1 082 135 604 806 25 57 32 55 7 9 916 75 6 2075 98 178 239 313 609[500) 755 89 63065 327 60 584 667 812 6 4546 623 833 993 6 5020 492 556 705 813[1000] 6 8215 311 752[ 500] 920 24« 7077 314 670 93 6 8 443 537 79 650 746 999 6 9 246 143 562 878 7 0363 87 706 25[1000] 7 1 013 31 37 46 55 165 93 430 529 30 31 636 736 99 7 2 217 53 837 7 3 075 149 215 377 89 496 634 883 7 4197 235 557[500].'80 714[ 3000] 800 20 7 5018 40 53 172 93 218 7 6112 521 92 630 56 972[500] 77290 451[3000] 966[1000] 7 8039 45 58 164 244[509] 383 651 710 55 65[1000] 815 79112 383 595 754 925 8O046 203 81 648 71 8 1 253 6 25[1000] 631 74 8 2415 35 41 657 666 03[500] 854 939 8 3034 137 95 261 583 830 65 8 4079 88[500] 216[1000] 426 520 93 603 702 83 83593 COS 973 8 6291 685 801 5 8 7028 113 2 2 236 39»74 448 628 906 8 8122 300 437 578 ÖS 633 850»95 89146 586 674 85 130001 9 0079 196 250 343 Ol[500] 461 568 95 690 9 1 058 123 53 216 436 77 646 80 604 912 9 2079 231[500] 42 71 85 Sil 614 73 629 51 774 902 60 93091 373 528 61 629 [500] 877 954 59(1000} 92 95 9 4035 155 251 86 430 618 605 9 5077 232 432 516 59 98 755 833 63 67 9 6118 338 928 86 9 7337[1000] 9 80444 183 837 53 9 9070 21* 349 [500] 54 83 96 467[1000] 579. 19909?[500] 121 27 318 40 425 510 9» 922 10 1 632[3000] 69 852 957 76 1 02146 61 288 602 8* 863 57 61 10 3091 253 813 69 433 505 49 892 97 1 04096 353 435 105191[600] 228 482 024 722 90 807 1 06152 69 91 226 391 501 654 00 739 41 75 1 07003 68 262 481 [1000] 636 878 909 40 1 08135 440 628[1000] 710[600] 99[500] 876 82 67 1 99035 39 199 210 U 320 38*13 35 629[1000] 813 80 97 922 49„ 1101)90 243 87[3000] 327 683 890 929 68 111205 [5000] 66 70 889 422 508 72(600 708 49 112075 255 69 4D3 94 537 43 609 sa 013 113215 61 605 31 696 859 983 114140 279 96[30000] 418 725 62 808(500] 22 943 11524 1 63 08[3000] SO[3000] 490 91 878»31 118022 [3000] 360[3000] 4SI 117154 445 650 118174 88 327 1600) 064 94 768 833[3000] 41 956 110067[800] 10* 433 607[500] 720 63(500) 79 816(600] 997 120051.304 590 1 2 1 074 308 659 711 805 946 122007 85 103 6 22 98 790(10001 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SOU ß WA M»* 600, 7. Ziehung 5. Kl. 220. Kgl. Preuss. Lotterte. Ziehung vom 14. Mai nachmittags. Nur dl» Gewinne Uber 2*0 Mark sind den betrettenden Mummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Naebdmck verboten.) 128 47 388 92«2* 515 631[600] 69[500] 762 898 1028 [3000] 147 27» 3*8 628 67[500] 67* 758 2157«3 276 669 [500] 9« 627 736 3383 617 617 85 4 073 261[1000] 856 *90[500] 528 57 780 816 903 562* 73 793 926 600* 118 228 303 65 591 971 7074 178[ 3000] SU*57 66 789 95 8561 861 9*5 9 220 73*87 613 3t 739 1006*[1000] 92*61 511 824*7 50 909 81 11094*50 657 668 1 2028 8* 106[500] 59* 806 10 87 035 1 3109 67« 7*4 83* 95 1 4003 82 159[500] 343 62 606 69 749 1555« 69 702 1 6219 663[1000] 7*2 171*8 66 4*0 549 682 935[3000] 57 1 8063 239 55 580 717 53 895 1 9130 [1000] 37 319 718 59 907 88 92 20118 41 60 285 08 308 59 771 2 1060 91 158 250*71 6*6 705 2 2201 783 2 3091 119 47[500] 235 328*25 5*4 69 24101 70 239 367*33 572 693 2 5*15 82«Ol 6 155 91 26126 211 28 97 362 4*3 97«72 27 2* 691 28356 533 [3000] 665 799 832 79 913 29003 6* 128 279 323 62 512 680 791 93* 3 0216 392 31122*7 21* llOOO] 330 519 695 817 56 32008[ 8000] 120 61 381 4*7[1000] 79 701 875»63 33218 *0*39 67 699 631 82 802 57 89 3 4063 77 182 323[3000] 499 609 927[8000]*6 3503« 163*31*1 523 728 824 953 36005 138 252 865[3000] 489 578 3 7324 81 612 22 03 67 657 835 38l«2*22 5*8 666 67 807 9 21 39 9*4[500] 39126 51 98 222 426 38[3000] 53 823[1000] 8* 79 935 40015 193 280 309 168 88[3000] 525 4 1 599 1500] 949 60 4 2060 271 319[3000] 4*0[1000] 62 505 40 656 888 SO« 15 51 88 4 3033 125 88 219 826 53 533 66 630 4 42*3 737 901 9* 450*9[500] 182 8*1 907[3000] 46003 57 88 120 262 90*22 689 6*4 774 99 856 908 65 4 7091[3000] 128*83 610 63 6» 912[500] 40[500] 95 4S107[600] 87 326 4 900* 72 551[500] 667 5O105 97 2*5 81 66 780 887 51102*52 67* 86 787 »1*[500] 70 52111 61[8000] 892 461 67 602 67 778 990 5333* 578 665[1000] 707 11 857 5 4360 701 45[600] 55318 531[500] 73 777 5 6076 613 751 876 605 5 7055 79 141 239*56 691 826 936 66 5 801* 864[600] 83*** 59 6*4 832 82 908 59082 100 28« 867[1000] 495 5*1 68« 826 60011 688 972 61061 318 520 68[500] 709 922 62062 Ml 382 6*3 58 6 3016 208 33« 94*13(lOOO] 561 tlOOO] «15 811 640*5 69 473 553 73 796 998[1000] 65088[500] 182 203 87 74" 66008[500] 129*13 31 62 06 554 648 9*1 6« 63 93 6 7103 301 17*26 6 803* 296 31* 19 526[600] «1* 702 7 962 69>29 336 709 3* 39 82 672[500] 70188 348[1000] 468 520 750 7 1 019 122 23 2*6[600] #1» 15 90 869[1000] 921 28 79 7 212* 8*5 717 73169 376 653 788 836 56[5V0] 80[3000] 74711 8*2 926 69 75089 (500) 189 626 42 7 61*2 350 513 89 77* 914 18 77100 637 58 621 7* 829 933 33 95[3000] 78071 085 79013 37 178 836 8O0OS 52 137 24* 501 642 705 8 1009 81 108 97[3000] 3*5[1000]*04-519 62* 76««30 8 2229 30 70*51 630 3» 83051[500] 322[500]*00 592 789 959 84161*33 835 6» 92 8 506* 197 802 7*8 812 8 6085 131 36 90 221«7 80 3*8 613 55 819*7[500] 87008 36 9*[500] 142 03[3000] 2*8 897 662 8 818« 27* 317«1* 9*6 8 9058 230 669 603[1006] 927 9 0282*21 710*9 91*65 636 672 720 829 59 902 92157 69 96 257 69 326* 73 75 7?[3000] 683[1000] 61 «9 650 91 709*8 66 98 9 3021 9« 427[1000] 9* 573 638 700 51 951 94115 60 6* 215 861 655 9 5069 201 800*33 332 69 608 702 96729 802 27 83 939 57 9 7218 450 618 98»08 83 98001 25« 891 559[3000] 635 851 991*4 98 303 00*33[500] 631 866 100006 149 8*1 65 101091 167 293 426 612 25 78 «11 82 788 87 942 1 02031 10* 293 57« 720 75[600] 103171 219 91 307*72 76*[3000] 971 10411* 261 02 *97 579(500) 105046 85 241*2 802 4*4 68 70 649 6*6 997 1 06158 98*46 533 61 865 1O7045 231 359[500] 669[600} 77[1000] 010 1 08263*4 5*9 008 10 25 5* 7*6 68 820 906 1 0901* 292 565 754 7« 75 825 998 11029? 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