Nr. 113. flbonnementS'Redinguflgeft: toonnemeniä> Preis pränumerando i Bierteijährl. 330 SDcf., wonaH. 1,10 Ml, wöchciiliich 28 ißig. frei ins Hau«. Einzelne Nummer L Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. PvstabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, tolland, Italien, Luxemburg, Portugal, umänien. Schweden und die Schweiz. CrfAtlDt täglich«iDtr lilcntas». 26. Iahrg« Berliner Volksblnlt. Die Tnlertlons-Gebüljr Keirägt für die sechsgcspaltene Kolone'- geile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versamntlungs-Anzeigen W Psg. „Kleine Hnieigcn", das erste(fett- gedruckte» Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stclloii-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse! „S«i!ial(t!m?arat Rtrlln1*. Zentralorgan der rozialdemokratirchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS83. Expedition: SM. 68, Lindcnetrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981-. InduftricihlavcD. Die Zusammenfassung des industriellen Kapitals in wenigen Händen, die technische und wirtschaftliche Kon- zentration, ist in der deutschen Großindustrie tatsächlich schon viel weiter fortgeschritten, als die äußere Produktionsorgani- sation und die Besitztitel vermuten lassen. In Wirklichkeit sind die in den Syndikaten der Rohproduzenten organisierten wenigen gemischten Werke die Beherrscher"der ge- samten E i s e n i n d u st r i e. Und als solche geben sie das gefährlichste Scharfmachertum ab, wie ja kürzlich noch Dr. Buek mit der Ankündigung großer Kämpfe gegen die Arbeiter bewiesen hat. Die starke Ausnutzung der Arbeitskraft bildet eine der Stufen, auf der die Eiseukönige zur Macht emporsteigen. Verschiedene Umstände halfen dem Kapital bei Erziehung einer willfährigen, bedürfnislosen, sklavisch gehorchenden Arbeiterschaft, Mit dem schnellen Anwachsen der groß- industriellen Betriebe in Rheinland-Westfalen und in Ober- schlesien, den beiden bisherigen Domänen der kombinierten Betriebe, hielt nicht gleichen Schritt der Bau von Arbeiter- Wohnungen. Notgedrungen mußten die Unternehmer selbst die Errichtung von Wohnhäusern in die Hand nehmen. Es entstanden die Werkskolonien. Das Mietsverhältnis wurde mit dem Arbeitsverhältnis verkuppelt. Wer sein Arbeits- Verhältnis löste, wen die Kündigung beglückte, hatte auch sofort die Wohnung zu verlassen! Nachdem das Unternehmertum erst einmal erkannt, in welcher Weise die Wohlfahrtseinrichtungen die Abhängigkeit der Arbeiter steigerten, fand man Geschmack an der Wohltätcreis man schuf Konsume, Unterstützungskasscn usw. Alle diese Einrichtungen Haben zur Grundlage die Bestimmung, den Arbeitern, die sich durch Wohlverhalten die Zufriedenheit der Unternenhmcr erwerben und erhalten, unter bestimmten Voraussetzungen ge- wisse Vorteile zukommen zu lassen. Die Erfüllung der Vor- aussetzung ist in letzter Linie nur von dem Willen des Unternehmers abhängig: er kann jeden Arbeiter von der Erlangung der Vorteile ausschließen. Aber Pflichten hat der Arbeiter zu erfüllen: er muß zu den Kosten der Ein- richtungcn zwangsweise beitragen. Ein solches System, wobei die Arbeiter aus die Gnade der Vorgesetzten vollständig an- gewiesen sind, mußt? demoralisieren, die Selbstachtung, das Bewußtsein der Menschenwürde untergraben, die Lohnarbeiter zu willenlosen Sklaven, zu Arbeitstieren herabdrücken. Das Ziel wurde leider nur zu gut erreicht! Vis vor wenigen Jahren war es der modernen Arbeiterbewegung nicht mög- lich, in den großindustriellen Bezirken festen Fuß zu ge- Winnen. Verständnis- und hilflos standen die Hundert- tausende Eisen- und Stahlarbeiter der Arbeiter- bcwegung dem Evangelium des Sozialismus gegen- über. Und was nicht vergessen werden darf: Der 5llerus hat erfolgreich mitgewirkt, dem Unter- nehmertum eine willenlose Arbeiterschaft zu erziehen und zu erhalten. In Oberschlesien dominiert unbeschränkt der Katholizis- mus. Die Werksbesitzcr sind Ultramontane, und die Kapläne setzen hier ihren ganzen Einfluß— als„Stellvertreter Gottes" dazu ein, den Ebenbildern Gottes, den Proletariern, klarzumachen, daß die Lohnknechtschaft, die bedingungslose Unterordnung unter die Herrschaft der Kapitalisten dem Willen Gottes, seinem Gebote entspreche. Mit der Androhung des Verlustes der himmlischen Seligkeit, mit Ankündigung ewiger Höllenstrafe als Entgelt für Unbotmäßigkeit gegen den Kapitalisten hielt man die Arbeiterschaft von jedem Versuche ab, die skandalöse, himmelschreiende Aus- Nutzung ihrer Arbeitskraft etwas zu mildern. Das muß ausdrücklich betont werden: nirgends in Deutschland sind in der gleichen Industrie so nidrige Löhne und so lange Arbeitszeiten zu finden als in Oberschlesien unter der Herrschaft der Kapläne und klerikalen Unter- nchmer? Eine andere Taktik befolgte der Klerus im konfessionell gemischten rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Hier sind die Werke fast ausschließlich im Besitz von Liberalen. Und siehe da, der Klerus, der in Oberschlesien ganz und gar kapi- talistisch ist, donnert in Rheinland-Westfalen gegen das gottlose— liberale Kapital! Aber man hütete sich wohl, den Kampf gegen das Kapital auf wirtschaftlichem Gebiet auszufcchten. Die pfäffischen Demagogen machten den 5iämpf zu einer rein religiösen, rein kirchlichen Angelegen- heit. Und die religiöse Pflicht im Kampfe wider das Kapital sollte die Arbeiterschaft erfüllen durch politischeUntcr- stützung der ultramontanen Partei! Daß die Arbeiter skrupellos ausgebeutet wurden, darum konnte man sich nicht kümmern. Die Machtstärkung der Kirche, das war der Demagogen Zweck und Ziel. Ein katholischer Arbeiter- führer. Fournelle ist sein Name, erklärte in einer Ar- beitcrversammlung: Es sei besser und wichtiger, daß die katholische Kirche an Macht gelvinne, als daß die Arbeiter etwas mehr Lohn er- zielten! Und der ultramontane Abgeordnete Gies- berts, das geistige Haupt der christlichen Gewerkschafts- bcwegung, verteidigte mit religiösen Argumenten höhere B r 0 t z ö l l c zugunsten der Großgrundbesitzer. Der Miß- brauch der Religion in der Oeffentlichkeit, im politischen Kampfe, bei Parlaments- und Kommunalwahlen rief natür- lich die katholischen Antipoden, die Protestanten, auf den Plan. Die Folge war eine wüste konfessionelle Hetze, deren demoralisierende Wirkungen bis in die Schule ihre Kreise zogen. Aus religiöser Ueberzeuguug lieferten Schulbuben auf offener Straße Massenschlachten, wobei mit Steinen und Holzknüppeln„katholisch" und„evangelisch" argumentiert wurde. Die Arbeiterschaft, sonst dem öffentlichen Leben ziemlich apathisch gegenüberstehend, war in zwei Gruppen ge- teilt. In bitterböser Feindschaft und stetem 5kampfe ihre Solidaritätsinteressen mit Füßen tretend, blieben sie als Lohnsklaven ein Spielball in den Händew der Unternehmer. Aus den angefiihrten Gründen wird erklärlich, weshalb bis in die jüngste Zeit hinein die Eisen- und Stahlarbeiter in der Großindustrie sich in ihrer Mehrheit willenlos aus- beuten ließen. Ursache zum Aufbäumen gegen Ausplünderung und Knechtung ist wahrlich sattsam vorhanden. In den Feuerwerken mit kontinuierlichem Betrieb— z. B. in Hoch- öfen, Walz- und Hammerwerken, Puddelöfen,. Bessemer- und Martinwerken—• beträgt die reguläre Arbeitszeit 12Stunden. Heute noch! Vielfach, besonders bei einfacher Schicht, wird 14, 16, 18, ja 24 Stunden im Tage, oft sogar 36 Stunden hintereinander, ohne Unterbrechung, gearbeitet. Die Folge davon ist: schlechter Gesundheitszustand, hohe Unfallzifferl Die Fabrikkrankenkassen der Eisengroßindustrie weisen eine um 76 bis 86 Proz. über den allgemeinen Durchschnitt stehende Krankenziffer auf. Bei sämtlichen gewerblichen Be- rufsgenossenschaften in Deutschland entfallen pro Jahr auf 1666 Personen zirka 8,36 schwere Unfälle, in der Eisengroß- industrie aber über 16. In den rheinisch-westfälischen Hütten- und Walzwerken kommt pro Jahr schon auf jeden fünften Arbeiter ein Unfall. Das sind die Chancen für den Lohnsklaven I Und die Löhne? In den Feuerbetrieben werden Stundenlöhne von 36 Pf. und weniger gezahlt. Die sogenannten erster. Leute erhalten bis 1 M. und mehr und müssen dafür die Antreiber spielen. Schlosser, Dreher usw. be- ziehen vielfach Stundenlöhne von 25 Pfennig. Seit einiger Zeit gärt es in der Tiefe! Trotz aller Schranken, die das Unternehmertum aufbaute, hat die Er- kenntnis von dem Zusammenhang der wirtschaftlichen Dinge, der Nichtigkeit der sozialistischen Lehre und von der Not- wendigkeit und Nützlichkeit der gewerkschaftlichen Organi- sation.auch in dieser Domäne der Großindustrie Einzug gehalten. Die Organisationen wachsen. Weit über den ziffernmäßigen Zustrom hinaus reicht die Jdecnverbindung, das instinktive Gefühl der Zu- sammengehörigkeit, die Erbitterung über das Sklaven- los. Das Solidaritätsgefühl erstarkt, das Bewußt- sein der Menschenwürde und der Gleichberechtigung tvird lebendig. Man erkennt die Ursachen der eigenen Ohnmacht, aber auch die Mittel, die der Lohnarbeiter Kampffähigkeit der Macht des Kapitals ebenbürtig macht. Die verschiedenen kleinen Konflikte, die aus der Großindustrie von Zeit zu Zeit gemeldet werden, stellen nur Vorpostengefechte dar. Eines Tages aber werden hunderttausende Eisen- und Stahlarbeiter als eine willenseinige Schar auf den Plan treten. Dann kommt es zu einem gigantischen Ringen zwischen den Eisen- königen und ihren Lohnsklaven. Mrmsrr! Die politische Situation gestaltet sich immer seltsamer. Die Meldung der einen Stunde tviderruft die der anderen, und wie die Bilder in einem Kaleidoskop wechselt alle Augen- blicke das Spiegelbild der politischen Lage. Nach den neuesten Berichten der aus der Wilhelmstraßc Vordertreppen- und Hintertreppen- Informationen beziehenden staatserhaltendcn Blätter soll es total unrichtig sein, daß Fürst Bülow gewillt sei, die Finanzrcform mit einer klerikal- konservativen Koalition zu machen. Er soll vielmehr mit jener Gewissenhaftigkeit, die ihn angeblich auszeichnet, an seinem Wort festhalten, daß er die Finanzreform nicht gegen die Liberalen, sondern nur mit den Liberalen durchführen»volle. Die Liebäugelei mit dem Zentrum»vie auch der Versuch, die Nationalliberalen dem klcrikal-konser- vativen Block anzugliedern, soll von Herrn v. Sydotv aus- gegangen sein, der denn auch schon von einigen Blättern als eine gefallene Größe betrachtet lvird. Sogar ein Nachfolger soll schon für ihn gefunden sein: Herr D e r n b u r g, der wieder in seinem Amte durch Herrn v. Lindcquist ersetzt werden soll. Wieweit sich diese Mittcilmtgen nur auf bloße Kombi- Nationen stützen, läßt sich nicht entscheiden; nur soviel scheint sicher, daß Bülow sich noch nicht entschieden hat, welchen Weg er einschlagen soll: ob es klüger ist, noch- mals eine Einigung zwischen den alten Blockliberalen unter Ausscheidung der Erbanfallsteucr aus dem Stcuerbukett zu versuchen, oder die Durchführung des„nationalen" Rcforin- Werkes einer konservativ-klerikalen Koalition zu überlassen. Für die erste Annahme spricht, daß die„Köln. Ztg." von „einer Seite, die in der Lage ist, die An- sichten des Fürsten Bülow zu kennen", die Nachricht bringt, daß bisher der Kanzler noch gar keine Entschließungen irgend welcher Art gefaßt habe, und daß das offiziöse Wölfische Telegraphen-Bureau diese Meldung hinaustelegraphiert. In dieser Meldung heißt es i „Alles, was in der Kommisston geschehen ist, kann einen maßgebenden Einfluß aus die Entschließungen des Fürsten in keiner Weise ausüben, Die Kommission ist noch nicht der Reichstag, und erst wenn Be- schlüsse des Reichstages vorliegen sollten, würde der Reichs- kanzler zu ertvägen haben, welche Stellung er ihnen gegen- über einzunehmen hat. Es wird aufs bestinimteste in Ab- rede gestellt, daß der Reichskanzler mit dem Zentrum loegen Bildung einer neuen Mehrheit verhandelt habe, und es lvird hinzugefügt, daß der Kanzler auch in Zu- kunft nicht die Absicht habe, mittels eines konservativ- klerikalen Bündnisses auf die Durchsetzung des Reform progranimS hinzuarbeiten. Der Kanzler sei nach wie vor der Ansicht, daß die Finanzreform nicht gegen die Liberalen gemacht werden dürfe, und er hielte an den Grund- zügen des Programms fest, so wie er es in seinen früheren Reden entioickelt habe. Es sei auch nicht die Rede davon, jetzt ettva zu- nächst die indirekten Steuern vom Reichstage annehmen zu lassen, um dann die Besteuerung des Besitzes der Herbstsession vorzubehalten, vielmehr werde die ganze Reform als ein einheitliches Ganzes be- trachtet. ES müsse zunächst festgestellt werden, welche indirekten Steuern vom Reichstage zu erhalten seien und in welcher Höhe sie bcivilligt würden. Sei hierüber Klarheit geschaffen, so werde man dann an die zweite Frage, nämlich die Heranziehung des Besitzes, herantreten können. Nach dieser Richtschnur gedenke der Kaiizler die Neformpolitik»veiter zu betreiben." In ähnlicher Weise berichtet auch halbosfiziöS der „Berliner Lokal- Anzeiger": „Einige Blätter kolportieren ein Gespräch zwischen dem Reichs- kanzler Fürsten v. Bülow und einem konservativen Reichstags- Mitglied, wonach sich der Kanzler über die Verhandlungen der Finanzkommission in wegwerfendem Tone geäußert haben sollte. Wir können diese ganze Erzählung als erfunden bezeichnen. Wie wir erfahren, wird Fürst v. Bülow in diesen Tagen mit den Führern der freisinnigen Fraktion sgemein- schaft und der Nationalliberalen, unter anderem dem Abg. Basser mann, Unterredungen haben- Die Vermutung, als sei der Kanzler entschlossen, die RcichSfinanz- reforni mit Ausschluß der liberalen Parteien durchzuführen, e n t- behrt der Begründung." Auch die„Voss. Z t g." kündigt an, daß neue Kompro- missclei-Vcrhandlungcn zlvischen Bülolv und den Wortführern der Blockliberalen im Gange sind. Sie schreibt: „Gutem Vernehmen nach beabsichtigt Fürst Bülow, heute und morgen mit führenden Persönlichkeiten der liberalen F rakti 0 ns geme inscha ft Besprechungen über die Lage zu pflegen; auch mit den Führern der nationalliberalen Partei ist der Reichskanzler fortdauernd in Füh- lung. Von einer Neigung des Fürsten Bülow auf die Mitarbeit der liberalen Parteien an der Finanzrcform zu verzichten und sich die Hilfe des Zentrums aufdrängen zu lassen, ist, wie versichert wird, nichts zu bemerken, eS fei dies nach der ganzen Denk iv eise des Fürsten geradezu aus- geschlossen. Die Gerüchte von einer Vertagung dcS Reichs- tags bis zum Herbst seien völlig grundlos; der Reichskanzler wünsche— und habe sich auch in diesem Sinne in einer gestrigen Unterredung mit dem Grafen Stolberg geäußert—, daß die Finanzkommission die Pfingstferien nicht ungenützt lasse und ihre Arbeiten so energisch fördere, daß der Reichstag bei seinem Wieder- zusammentritt nach Pfingsten ein fertiges Material borfinde." Am Montag tvird Fürst von Bülow in Wiesbaden ein- treffen, um dem Kaiser dort Vortrag zu halten. Vielleicht tvird er dann dazu gelangen, so etwas wie einen Entschluß zu fassen. Die konservative Presse verhält sich diesen Meldungen gegenüber kühl bis ans Herz hinan. Sie fühlt sich vorläufig noch als Herrin der Situation. So erklärt knapp und deutlich die„Deutsche Tageszeitung": „Wir wiederholen: der Reichskanzler kann eine gute, zweck- mäßige, einwandsfreie Finanzreform ohne Schwicrigkoitcu und ohne Verzögerung haben, wenn er nur will. Besteht er wirklich darauf, daß die Finanzrcform nicht gegen die Libc- ralen gemacht werden darf, dann trägt er die volle Verantwortung für das Scheitern der Reform, dann hat er sich aber auch den Liberalen in einer Weise verschrieben, die im höchsten Grade bedenklich ist und die die Konservativen vor dcn Kopf stoßen müßte. Deshalb glauben wir nicht, daß die In- formationen der„Kölnischen Zeitung" von dem Kanzler selbst oder von einer Seite herrühren, die seine Ansichten kennt. Der Artikel des genannten Blattes war wohl nur bestimmt, die nervös überreizten und aufgeregten Nationalliberalcn ein wenig zu k>e- ruhigen."__ Die Streikbewegung in Frankreich. Paris, 14. Mai.(Eig. 33er.) Die Beamten sollen keine politische Freiheit haben. Eine „unzulässige Verdoppelung" ihrer Persönlichkeit— so nennt die Amtssprache der radikalen Republik die einfache demo- kratische Forderung, daß der Staatsangestellte, sobald er die Tür seines Bureaus von außen schließt, ein Bürger sein soll wie alle anderen, mit politischen Meinungen und dem Recht, sie auszusprechen. Gehorsam gegen die Vorgesetzten auch außer dem Amt— bis zur Bereitschaft, Wahlagcnt für offizielle Kandidaten zu sein— das ist das oberste Gesetz, das ihm mit der Strafdrohung des Hungertodes der- kündet ist. Als Beamter aber gilt jeder, der vom Staat für die geleistete Tätigkeit Lohn oder Gehalt aus einem dauernden Arbeitsverhältnis bezieht. Vergeblich haben S e ni b a t und I a u r e s gestern die Absurdität dieses Grundsatzes nachgewiesen. Vermutlich fanden es die Radikalen sogar als eine erfreuliche'Wirkung ihres Verstcmtlichungs- Programms, daß mit dessen fortschreitender Verwirklichung die politische Versklavung immer neue Schichten von Bürgern erfassen soll. Das Jakobinertum der dritten Republik findet sich hierin mit dem regierenden Junkertum Preußen-Deutsch- lands zusammen. Das Erstarken des Proletariats, sein mächtig anschivellendes Fordern macht dem demokratischen friedseligcn Entwickelungs- glauben ein Ende. Und es ist. wahrhaftig nicht das regierende Renegatentum, das den Kampf des- Bourgeois- staatss gegen die Arbeiterklasse verschuldet. Die gestrige Kammersitzung hat die radikale Mehrheit noch unter ihren Ministcrn stehend gezeigt. In der furchtbar ernsten Situation, worin sich daS Land befindet, in in einer Debatte, die sich um das Schicksal Hunderter Familien- Väter bewegte, gefiel sie sich in einem gemeinen, höhnischen Ulktrciben, bis das Dröhnen der von den Sozialisten an- gestimmten„Internationale" sie in die Wirklichkeit des drohenden sozialen Sturms zurückrief und in ihnen bebende Wut erweckte. Bürgerliche Regierung und bürgerliches Parlament— diese beiden Faktoren haben nun den Beamten gezeigt, wessen sie fähig sind. Sie haben aber auch, besser und schneller als die gewaltigsten Propagandisten, die Beamten gelehrt, wohin sie gehören, wo sie Geineinschaftsgefühl, Hilfsbereitschaft, Kampfgenossenschaft finden. In wenig Wochen hat die Be- amtenschaft in ihreni sozialen Verständnis ungeheure Fort- schritte gemacht, �ur Notwehr gegen einen gehässigen, brutalen Chef gedrängt, sah sie hinter diesem die ganze Staatsgewalt sich aufrichten und hinter ihr die groß- kapitalistischen Interessen. Und erst zögernd und schüchtern. dann immer lauter, selbstbewußter und klarer traten in ihrer Mitte die Ideen der Zusammengehörigkeit aller Arbeitenden hervor. Von Versammlung zu Versammlung konnte man diese wachsende Reife verfolgen und die Ereignisse selbst waren bessere Lehrmeister, als cS die paar fortgeschrittenen. in insnrrektionellem Syndikalismus verrannten Beamten hätten sein können. Diese Erziehung der Beamtenschaft zum Klassenbewußt- sein wird bleiben, mag auch das gegenwärtige Ringen wie immer ausfallen. Daß der Regierung der Sieg nicht so leicht fallen wird, wie sie ihn erhofft hat, steht außer Frage, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß der zweite Poststreik nicht die Ausbreitung gefunden hat, die zur Lahmlegung des Ver- kehrs notwendig wäre, und daß die Beamten ohne aktive Hilfeleistung des Proletariats ihre Sache nicht durchsetzen können. «.' Mit Zuckerbrot und Peitsche behandelt Clemenceau die die Beamten. Die Regierung hat sich über das Verbands- recht der Beamten geeinigt und Clemenceau, Viviani und Briand werden heute den Text des neuen Bcamtenstatuts feststellen, das aus zwei Teilen bestehen soll. Der erste Teil betrifft die Stellung der einzelnen Beamten, der zweite die Vereinigung der Staatsbeamten. In dem Entwurf sind die Bürgschaften für die Rechte und Pflichten der Beamten, ebenso wie ihre Ein- schränk u n g möglichst genau bestimmt. Andererseits dauern die Massen Maßregelungen an. Ter heutige Ministerrat beschloß, 313 Postbcamte z» entlassen, unter ihnen 5l) Beamte, 84 Unterbeanite, 17 Damen, 17 Arbeiter aus dem Departement Seine, 102 Fahrpost- beamte, 34 Angestellte aus den übrigen Departements. Ob diese Brutalität nicht erst recht den Kamps verschärfen wird, tverdcu die Beschlüsse der Arbeitcrsyndikate beweisen, die Sonntag und Montag über die Frage eines Sympathie- ftreiks entscheiden werden. In: Nachsteheiiden die wichtigsten Telegramme: Der Stand des Streiks. Paris, IL. Mai. Der DiSziplinarrat hat zwei Nnter- beatme wegen Ausbleibens am I.Mai vom Dienst suspendiert und zwei andere wegen nngeblihrlicher Acußeriingcn entlassen. Die entlassenen Beamte» sind ohne Zwischenfall ersetzt worden. Die B r i e f v e r t c i l n n g in Paris ist normal, der Telegraph funktioniert, die Telephon verbin dun gen mit der Provinz und dem Auslände sind infolge d e s s ch l e ch t e n Z u st a n d c S d e r L i ir i c n sehr mangel- Haft. In Lyon und Marseille ist das Veamteiipersonal vollzählig, in Bordeaux fehlen vier Beamte, in allen anderen Städten bitten zahlreiche Ausständige um ihre Wieder- ein stell ung. In Dole sind zwei Individuen in dem Augenblick ergriffen worden, als sie eine Bombe an einen Telegraphenpfahl legen wollten. Im Departement Oise sind viele Telegraphen» drähte zerschnitten worden. Die Versammlung der Eiseubahner. Paris, IS. Mai. Der VcrwaltungSauSschuh deS Eisen» b a h n e r- S Y n d i k a t e S hat für Montag abend eine Aersamm- lung der Gruppen des Seinedepartements einberufe», die über das Verhalten gegenüber dein Poststreik berate» soll. Line IkSt'SIIele. Zwei Urteile über Abdul Hamid, bis vor kurzem Sultan der Türkei, stellen wir nebeneinander: „Abdul Hamid war. aus seine Weise, ein �uter Sultan, nicht groß. nicht genialisch: auch nicht das pompöse Scheusal, das Feuilletonschmay- sucht aus ihm machen will. Her echte Sohn des in heißen Haremsnächten nervös zerriitteteten Abdul Medschid und einer listigen Armenierin. Fleißig, schlau, eigensinnig, fromm, betriebsam, skrupellos, furchtsam. Jugen'deindrücke hasten. Abdul Hamid wollte von der Macht, der Herrscherarbeit lebend, nicht scheiden. Lieber töten als getötet werden. Furcht gebar ihm den Mut der Grau- iamkeit. So nennt's der Europäer; im Orient gilt ein Menschenleben nicht viel und keiner tadelt den Sultan, der die Majestät hinter getürmten Leichenmauern zu sichern suckt. Er hat unermüdlich gearbeitet und manches für fein Land Nützliche geleistet. Den Zerfall des Reiches, so gut es nach dem Krimkrieg und San Stefano ging, aufgehalten; das Heer reorganisiert und den völligen Staats- bankrott vermieden; durch die Niederzwingung der Griechen das OSmanenprestige wiederhergestellt; mit nie ver- sagender Pilotenkunst zwischen Britannien und Rutzland laviert und die Großmächte au derbem Zugriff gehindert; dem Eisen- sträng und dem Draht Wege gebahnt und die Wirtschaft, wo er'» vermochte, gefördert. Auf seine besondere Weise also ein guter Sultan. Daß er nicht glaubte, das alte islamische Weh und Ach sei, nach dem Rezept der Rousseau und RobeSpierre. mit Freiheit. Gleichheit und Brüderlichkeit zu kurieren, ans einer Theokratie im Orient Mohammeds bis übermorgen einen modernen Verfassungsstaat„mit allem Komfort der Neuzeit" zu macheu, setzt den mit allen Salben Geschmiertcn nur vor dem Auge politisch und psychologisch unkundiger Zeitungsschreiber herab. Die haben ihn in den Meerkäfig geflucht und geschleppt. Die sind seine Erben. Unzufriedene Offiziere sind die Faust, Journalisten das Hirn des neuen TllrkcnsystemS. Journalisten, dir jahrelang i» London, Paris, Brüssel gelungert»der Aufrührerblätter redigiert haben und froh ivaren, wenn ein reicher Mann aus Albaner- oder Syrerland sie an seiner Tafel sättigte...." „Vergebens würde ma» aus dem weiten Rund der Erde einen feigere» Wicht suche». Die Memme läßt ihren Palast beinahe in jedem Jahre mit neuen Mauern umwallen.... Niemand darf wissen, wo der Grotzherr aller Gläubigen die Nacht verbringt; erst abends wird daher das Schlafgemach ausgewählt.... Er s e I b st nimmt sich die Freiheit, jeden niederzuknallen, dessen Anblick ihn ärgert oder schreckt; den eigenen Bruder wie einen Gefangenen zu halten und wenn's ihn Zeit dünkt, wie andere liebe Verwändle vor ihm, sacht oder schnell sterben zu lasse»; ganze Slän>me auszuroden, weil sie ihm imbequem sind. Das alle? weif; die tugendiame Jungfer Europa. Weiss, dnss neben diesem Abdul Hamid ein Massenmörder wie riu schneeweisseö Lämmlcin aus- sieht: daß im Dildispalast noch immer Knaben kastriert, Jünglinge und halbwüchsige Mädchen geschändet, Menschen ohne den Schein, eines Gerichtsverfahrens gedrosselt, ertränlt, zu Tode gemartert werden. Weiß es und behandelt den Sultan dennoch wie eine prächtige Wunderbliite am Baume der Menschheit. Nie liest man in unscreu Zeitungen ei» Wort über die Türkcnschmnch. Die Jung- türken geben sich alle erdenkliche Mühe, die Welt über das Wirken des Großschlächters vom Bosporus aufzuklären. In Paris erscheint das Blatt „Pro Armenia", das alle Taten des halbirrrn Scheusals verzeichnet und in wirksamen Artikeln dir Christenheit aufruft, die Christen be- reileten Greuel zu rächen. Alles umsonst. WaS Abdul Hamid tut, ist wohlgetan und gerecht bleibt sein Wille." Das Urteil rechts und das Urteil links divergieren, wie man sieht, sehr bedenklich. Das rechts wurde freilich ge- schrieben zu einer Zeit, da Abdul Hamid noch an der Macht war, das links, als ihn die Revolution vom Thron gestoßen hatte. Aber diese zeitliche Differenz begründet nicht die innere Differenz, denn neue Tatsachen, die das Urteil über den Exsultan berichtigen konnten, waren seit der Fällung jenes, das rechter Hand steht, nicht bekannt geworden.� So haben also zwei Schriftsteller von ganz verschiedener Weltanschauung und Betrachtungsweise die beiden Urteile niedergeschrieben? Keineswegs. Beide haben denselben Verfasser: Herrn Maximilian H a r d e n. Das Urteil rechter Hand(die„Wiener Arbeiterzeitung" hat's aus- gegraben) schrieb er im August des Jahres 1305 nieder, daS linker Hand im Mai des Jahres 1909! Im Jahre 1905 war ihm-Abdul Hamid eine Memme und beutegierige Bestie, im Jahre 1909 ist er„nicht das Scheusal, zu dem ihn F c u i l l e t o n s ch w a tz s u ch t ge- macht haben". Im Jahre 1905 lobt Herr Horden die Arbeit der jungtürkischen und armenischen Flüchtlinge, die Auf- klärung durch ihre im Ausland erscheinenden Blätter Europa bringen, im Jahre 1909 sind ihm dieselben Flüchtlinge ver- ächtliche, schmarotzende Lungerer und Herausgeber von„Auf- rührerblätteru". Herr Horden hat sich auch im Gerichtssaale mit Hutten verglichen, kürzlich sogar mit Zola. Aber er schätzt sich mit solchen Vergleichen zweifellos zu niedrig ein. Hutten und Zola sind Waisenknaben gegen ihn, steife, unbehilfliche Kerle, die nur ein Urteil über eine Sache oder Person hatten. Herr Harden ist viel reicher und vielseitiger— er hat zwei Urteile, ja wir sind überzeugt, auch drei oder vier, wenn es ihm nötig erscheint. Nicht dein Hutten noch dem Zola, jenem anderen Schriftsteller, den Gustav Freytag unsterblich gemacht, jenem vielseitigen Main:, der da kann sch reiben rechts und kann schreiben links, ist Herr Harden geistig ver» wandt. Und auch der schrieb„Brillanten". politilcde(leberlickt. Berlin, den 15. Mai 1909. Das unterbrochene Zlgrarierfest. AuS dem Reichstag, 15. Mal. Die agrarischen Parteien dachten das Viehseuchengesctz niit allen seinen Schikanen heute in zweiter Lesung unter Dach und Fach zu bringen. Ihrer eigenen Saumseligkeit in Wahrung ihrer Interessen haben sie es aber zuzuschreiben, daß nichts daraus lvurdc. Und das kam so: Zunächst spann sich die Generaldebatte noch drei Stunden lang fort. Der liberale Abg. Kabelt, als Fleischermcister unzweifelhaft fachmännisch mit den Viehseuchen vertraut, unter- stützte die sozialdemokratische Kritik in weit schärferer Weise als der Freisinnige Dr. Struve es am Tage vorher getan. Er zog sich den tobenden Unwillen der Konservativen zu, alS er aus das Dclbrücksche Urteil über die Steuermoral der Junker hinwies. Genosse Stolle geißelte scharf die auch hier zutage tretende Einseitigkeit der Regierung, die sich fachmäniiischen Rat nur bei den Agrarier» eingeholt, aber die in- dustriellen Interessentenkreise unberücksichtigt gelassen habe. Den agrarischen Klagen über die Kosten der Vieh- seuchenbekämpfung stellte Stolle die Tatsache entgegen, daß die Agrarier in der Kommission den sozialdemokratischen Antrag auf eine obligatorische Viehversicherung nicdergestimmt hatten. Der freisinnige Bauer Jan Fegter aus Ostfries- laud geriet mit den Bundesleitern Rösicke und Hahn in eine Privatfehde darüber, ob sie wirklich das Recht hätten, sich Vaucriifreunde zu nennen. Er warf ihnen vor, daß sie nur etile Großgrundbesitzerpolitik treibeil, die allerdings in der unbescheidensten Weise. Der Direktor Hahn er- iveckte allgemeines Gelächter, als er daraufhin die Bescheidenheit der Zirkus- Busch- Patrioten pries. Dabei benutzte er die Gelegenheit, um den Nationalliberalen einmal wieder zu Gemüte zu führen, daß ein gut Teil von ihnen nur der Wahlunterstützmig durch den Bund der Land- Wirte ihre Mandate verdanke. Nachdem nun der Generaldebatte durch eineu Schlußantrag ein Ende gemacht>var, erörterte Genosse S t ü ck l e n beim § G eingehend die schweren Nachteile, die der gesamten Lederindustrie. aber auch den Wollspinnereien und Hasplereien aus der schikanösen Bestimmung erwachsen, die der Regierung es freistellen, überall die Einfuhr tierischer Produkte wegen Seuchen- aefahr zu verbieten. Gegenüber der kompakten agrarischen Mehr- heit war das aber in den Wind gesprochen. Die sozialdemo» kratischen Anträge ans Verbesserung des§ 6 und Streichung deS 8 7 wurden gegen die Sozialdemokratie und vereinzelte freisinnige und polnische Stimmen abgelehnt. Ebenso ging es mit einigen freisinnigen und polnischen Mildernngs- antragen. Somit war das Gesetz für die Sozialdemokratie überhaupt unannehmbar gemacht. Eine eingehende Debatte entspann sich noch über die Frage, ob Laienbeiräte eingerichtet werden sollten, die gegenüber den Maßregeln der Verwaltungsbehörden von den Interessenten angerufen werden könnten. Ein freisinniger Antrag ans Einführung solcher Kommissionen lag vor. Die Regierung hatte' ihn für unannehmbar erklärt. Daraufhin traten auch die Agrarier aller Richtungen dagegen aus. Der Antisemit und Kirchcumaler Bindewald benutzte diese Gelegenheit, um die Mär von der Bauernfeindlichkeit der Sozialdemokratie herzuleiern. Genosse S ch e i d e m a n n stellte fest, daß der kunstmalende Antisemit in jeder seiner Agitationsreden ganz automatisch dieses Sprüchlein abhaspelt, wie ein Phonograph, dessen Scheiben man durch ein hinein» gestecktes Zehnpfennigstück zum Rotieren bringt. Als eS zur Abstimmung kommen sollte, hielt es Genosse Singer für angebracht, die Aussetzung der Abstimmung hierüber zu beantragen, da es nicht anginge, bei der mittlerweile recht schwach gewordenen Besetzung des Hauses über eine so wichtige Sache zu entscheiden. Die Mehrheit verstand den Wink indes nicht. Sie lehnte die Aussetzung ab und nunmehr bezweifelte Singer die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Vizepräsident Kaempf und seine Schriftführer zählten und zählten, aber es wollten nicht die erforderlichen 199 Namen zusammenkommen. Somit mußte die Sitzung aufgehoben werden. Am Montag Fortsetzung. Das Ende der Etatsberatung. Am Sonnabend hat das preußische Abgeordnetenhaus endlich die dritte Lesung des Etats beendet, nachdem es vorher noch zu stürmischen Szenen gekommen war. Die Konservativen v. Arnim und Strosser befinden sich, seitdem sie der Zitatenfälschung über- führt sind, in einem Zustand nervöser Ueberreizung, sie fürchten an- scheinend, daß auch ihre sonstigen Heldentaten, die das Licht zu scheuen haben, an die Oeffentlickikeit gezogen werden könnten. In diesem Zustande geistiger Unzurechnungsfähigkeit hätte Herr v. Arnim heute beinahe unseren Genossen H o f f m a n n vor die Pistole gc- fordert; nur der Umstand, daß Hoffmann nicht satisfaktionLsähig ist und zudemauch noch derSozialdemokraue angehört. bewahrte ihn davor, der Kugel dieses Nachkommen der Jtzenplitze und Köckeritze zum Opfer zu fallen. Im geistigen Kampfe trug der Junker Arnim dafür um so tiefere Wunden davon. Hoffmann hatte in seiner Rede zum KultuSetat, in der er mit den Dunkelmännern abrechnete, zu wuchtigen Schlägen ausgeholt; bald teilte er nach rechts, bald nach der Mille, vor allen: aber nach der RcgierungSseite hin Hiebe aus. und daß die Hiebe ge- sessen haben, beweist das Wutgeheul, das die konservativ-klerikale Mehrheit ausstieß. Ganz besonders batte sich der sozialdemokratische Redner Herrn Ministerialdirektor Schwartzkopff vorgeknöpft, der auf die Hoffmannsche Rede zur zweiten Lesung nicht erwidern wollte, weil ihm der Ton nicht gefallen hatte. Aber diesmal mußte Herr Schwartzkopff antreten, ob er wollte oder nicht. Sein Versuch freilich, sich von den gegen seine Schulpolitik erhobenen Oorwürscn zu reinigen, scheiterte kläglich. Je öfter der Ministerkandidat Schwartzkopff da? Wort ergreift, desto deutlicher offenbart sich die Reaktion in unserer Schulverwaltung. Verfolgungen von Lehrern sind an der Tages- ordnung, ja sie haben bereits einen solchen Umfang angenommen. daß es selbst den Nationalliberalen zu weit geht. Nicht nur das öffentliche Eintreten für die Sozialdemokratie wird den Lehrern ver- boten, sondern auch etwaige Stimmenthaltung, die den Sieg eines sozialdemokratischen Kandidaten herbeiführen könnte. Um es mit den Freisinnigen nicht zu verderben, suchte Herr Schwartzkopff den Eindruck zu erwecken, als handle eS sich bei den gegen einige Lehrer wegen ihres politischen Verhaltens eingeleiteten Disziplinarverfahren nicht um sreisinnige, sondern um„nalionalsoziale" Männer. Schlimmer konnte sich der RegierungSvertreter allerdings kaum noch hinein- reden. Den Schluß der Etatsberatung bildete eine Auseinander- setzung zwischen den Abgg. Dr. Maurer(natl.) und Dr. Heß über die bekannten Vorkommnisse auf dem Gymnasium in Essen. Wer Recht hat, wagen wir im Augenblick nicht zu entscheiden; wichtiger erscheint uns die Konstatierung der Tatsache, daß zwei Schulmänner sich von der Tribüne des Parlaments herab in gc- häjsig-persönlicher Weise bekämpften. Für die Jugend ist daS von ganz besonderem erzieherischen Wert, wenn sie solche Vorbilder hat. Der Etat ivurde schließlich im ganzen gegen die Stimmen der Sozialdeinokraten angenommen. ES ist das erste Mal, abgesehen vielleicht von der KonfliktSzeit, wo eine Partei im preußischen Abgeordnetenhause der Regierung die Mittel verweigert hat. Daß die stärkste, wenn auch iin Parlament zahlenmäßig am schwächsten vertretene Partei zu dieser Maßnahme greift, fällt doppelt schwer ins Gewicht. Nachdem daS HauS dann noch in zweiter Lesung den sogen. Köhlbrandvertrag beraten hatte, vertagte eS sich ans nächsten Montag. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung der Novelle zum Berggesetz. Reichstagsvertagung. Der Scniorenlonvent des Reichstages hat sich heute bormtttag mit der parlamentarischen Geschäftslage beschäftigt. Da die Finanz- kommission in die zweite Lesung der Steuervorlagen nicht eher em- treten kann, bis die Regierung die Ersatzsteuern für die au'- gefallenen Steuern vorgelegt hat, so ersucht der Seniorenkonveut den Präsidenten, in die Regierung zu dringen, daß sie sobald als möglich die Ersatzsteuern vorlegen möge. Nach der Antwort des Reichskanzlers will dann der Senioreukonvent vor Pfingsten noch einmal zusammeutreten, um weiter über die Geschäftslage zu beraten. Ferner wurde beschlossen, daß die dem Hause noch vorliegenden dringenden Arbeiten bis Dienstag, längstens aber bis Mittwoch erledigt werden müssen, so daß dann der Reichstag in die Pfingst- ferien gehen kann. Die Finaiizkomnrlssion soll dagegen über diese Zeit hinaus, soweit noch Arbeiten der erste» Lesung vorliegen, tagen. Dem Präsidenten wurde zugleich die Ermächtigung gegeben, dem Stand der Dinge entsprechend das Plenum nach Pfingsten nach seinem Ermessen zu berufen. Bor den Pfingstferien sollen im Plenum des Reichstages noch erledigt werden: die erste Lesung des Schutzgebietetatsgesetzes, die erste Lesung des Gesetzes über die Verwaltung des Juvalidenfouds, die zweite und dritte Lesung deS Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb, ferner die dritte Lesung deS Berner Ucbcreinkom:nenS, des RechtSschutzabkommens zwischen Deutschland und Amerika, deS MünzgesetzeS, des BankgesetzeS und des Viehseuchcirgesetzes. Außerdem gedenkt man noch die Interpellation der Freisinnigen über Aenderung der Verfassung in Mecklenburg zu erledigen. Das Stenerprogramm des Zentrums. Die„Köln. Bolksztg." hat sich endlich dazu verstanden, das Steuerprograinm zu skizzieren, auf dessen Grundlage sich nach ihrer Ansicht die ReichSsinanzrefornr durchführen läßt unter Mitarbeit des Zentrums. Danach sollen Bier, Branvt- wein und Tabak 240 Millionen Mark ergeben. Weitere 60 Millionen Mark will man durch eine Reform der Fahrkarteusteuer und Ausrechterhaltnng der Zuckersteuer in bisheriger Höhe erlangen. Der Rest von 200 Millionen Mark soll durch Belastung des Besitzes auf folgender Grundlage aufgebracht werden: 50 Millionen Mark durch eine Umsatzsteuer auf den Bcsitzwcchsel von Immobilien, 50 Millionen Mark durch Einführung der Onotisicrungs- ausgaben auf alle zum Börsenhandcl zugelassenen Wert- Papiere, 100 Millionen Mark durch Wiedereinführung der Bcrgwerksabgaben. Die Nachlaßsteucr und ebenso die Erbanfallsteuer sollen endgültig aufgegeben werden, teils wegen deS Widerspruchs maßgebender Parteien, teils wegen der hohen Erhebungs- kosten, die in gar keinem Verhältnis zu ihrem Ertrage ständen.—__ Ein leuchtendes Vorbild für Beamte. Wieder ist ein früherer Kanalrebell eine Stufe hoher geklettert. Der Polizeipräsident von Hannover, Graf von Berg, ist zum Negierungspräsidenten in Stade ernannt worden. In, Jahre 1003 wurde er zum Mitgliede des prcutzischen Abgeordnetenhauses gewählt. Das wurde ihm nicht schwer, denn Graf von Berg war in der damals noch nationalliberalen Provinz Hannover konservativer Landrat in Gifhorn. Mit dem üblichen konservativen TerroriSmuö kam er in den Landtag und st i m m t e gegen den Mittellandkanal. Jetzt siel er dem Terror der Regierung zum Opfer, die ihn aus dem Landratsamt hinausjagte. Als dann die konservative Richtung in der Provinz Hannover durch das Oberpräsidium gefördert wurde, fand der Kanalrebell dort Aufnahme und löüö wurde er Polizeipräsident von Han- nover. Nachdem im Vorjahre bereits der Posten deS Regierungs- Präsidenten in Lüneburg von einem Macher der Konservativen ein« genommen worden ist, nimmt es nicht wunder, datz nun auch die politische Windrichtung für den Regierungsbezirk Stade auf konssr- vativ gestellt wurde. Die Provinz Hannoder galt früher als Hochburg der National- liberalen infolge amtlicher Beeinflussung. Jetzt macht sich das konservative Beamtentum die nationalliberalen Wahlpraktiken zunutze und die Zeit ist nicht mehr fern/ wo die Nationalliberalen gar nicht mehr ür Betracht kommen._ Neichstagsersatztvahl in Lüdinghansen-Bcckum- Warendorf. In der gestrigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Lüding- Hansen- Beckum- Warendorf wurden insgesamt abgegeben 19 874 Stimmen, davon entfielen auf den Herzog von Arcnberg tZentrum) ISOOl, auf den Justizrat Westhoff fZentrum) 8553, auf den Stadtverordneten Eilerö(Sozialdemokrat) ,1195 Stimmen. Zersplittert waren 120 Stimmen.— Sc. Durchlaucht, der Herzog v. Arenberg ist demnach gewählt und wird baldigst als ZenirumSabgeordneter in den Reichstag ein- ziehen. Dieses Resultat war vorauszusehen; denn der Wahlkreis Lüdingbansen-Beckum gilt dem Zentrum als„bombensicher". Bei den Reichstagswahlen im Jahre 1907 wurde der Zentrumskandidat mit 22 879 Slimnien gewählt, während auf den Sozialdemokraten 924, auf den Nationalliberalen 511, auf einen Kandidaten der Frei- sinnigen Bolkspartei 28 Stimmen entfielen. Mittelständler am Narrcnseil! Das Amtsblatt der Handwerkskammer in Münster bringt in seiner Mainummer einen Artikel, betitelt„Am Narrenseil", worin eS sich mit der Mittelstandsvereiuignng in Handel und Gewerbe, namentlich mit deren Düsseldorfer Ortsgruppe, die in der Vereinigung eine führende Molle spielt, beschäftigt. Die Düffel- dorfer Handwerksmeister seien wie„vernarrt" in ihre Mittelstands- Vereinigung; die maßgebenden Personen der Vereinigung beständen aus Leuten, die mehr oder weniger über den Mittel- stand hinaus seien, wie Inhaber großer Spezialgeschäfte, Grossisten, Finanzleute, oder solche, die überhaupt keine Geschäfts- leute feien, wie Rechtsanwälte, Doktoren usw. Allein wenn die Düsseldorfer Handwerker am Narrenseil herumgeführt sein wollten, brauchten sich doch nicht die Handwerker anderswo auch dazu herzu- geben. Das Handwerkskammerblatt tritt dann der Anschauung ent- gegen, daß die Düsseldorfer Mittelstandsvereinigung die Geschäfte des Zentrums besorge: „Allerdings— so heißt cS dann— besteht das Gros der Düsseldorfer Mittelstandsvereinigung selbst aus Zentrumsleuten. Allein das sind alles Leute, von denen man sagen kann, daß sie es fertig bringen lvürden, sich am selben Abend in der Zentrumsversammlung hoch und heilig als Gegner der Nachlaß st euer zu bekennen und in der Mittclstandsversammlung sich ebenso feierlich für die Nachlaß- st e u e r zu erklären. Mit solchen Hanswursten, die die Düsseldorfer Mittelstandspolitik schafft, kann keine Partei Geschäfte machen."_ Kaiserliche Arbeitsleistung. Durch die staaiserhaltende Presse läuft jetzt mitten in der politischen Krise und der Sorge um die Finanzreform eine wabr- scheinlich aus dem Hofmarichallamt stammende Notiz, die zeigt, welche Arbeitslast der Beruf eines Monarchen mit sich bringt. Die Notiz lautet: „Nach der Rückkehr von Wien begibt sich nach den bisher an- gesetzten Dispositionen der Kaiser nach Karlsruhe in Baden und von dort zur Beiwohnung der Festspiele nach Wiesbaden. Von hier fährt der Kaiser an einigen Tagen nach Frankfurt a. M.. um dem Süngerwctlstreit beizuwohnen. Nach der Rückkehr nach Potsdam findet am 23. Mai die Frühjahrsparade in Potsdam, am 29. Mai in Berlin statt. Die Juniiage lvird der Kaiser zu kurzen Jagd- ansflügen benutze» und die Kavallerieregimenter aus dem Doberitzer Truppenübungsplatz besichtigen, wo am 17. Juni die gesamte Garde- Kavallerie-Division zur Uebnng zusammengezogen werden wird. ES folgt dann Ende Juni die Kieler Woche und hieran anschließend die Nordlandsreise. Nack Rückkunft von der NordlandSreise wird Aufenihalt auf Wilhelmshöhe genommen. Bon hier auS wird der Kaiser ein beziehungsweise zwei Kavalleriedivisionen besichtigen, bei der E i n w e i h u n g deS OssiziergeneiungSheimS in Ävnigstein im Taunus anwesend sein, der Dreihundertjahrfeier der Zugehörig- leit der Grafschaft Mark zu Preußen aus der Hohensyburg in der ersten Hälfte August beiwohnen, eine Parade auf dem Sande bei Mainz abhalten und am 1. September die Herbstparade des Gardekorps abnehmen. Dieser Herbswarade kolgen die Paraden des 14. und 13. Armeekorps, die großen Manöver dieser und der bayerischen Korps und die Manöver der beiden sächsischen Korps." Rechnet man zu diesen Leistungen die Ausarbeitung der zahl- reichen Ansprachen, die eigentlichen Regiernngsgeschäfte und die Familienangelegenheiten, dann kommt ein ganz anschnlicheS Arbeits- venfum heraus_ Ein tenerer Herr. Unter dieser Ueberschrift schreibt unser Münchener Parteiblatt: Im Petersprozeß der. München er Post" beschäftigt sich gegenwärtig das Gericht mit der Kostenfestsetzung. Nach der Liguidalion, die Dr� Peters durch seinen Anwalt hat einreichen lassen, rechtfertigt sich der Verdacht, daß Dr. PeterS die Kosten der üppigen Gelage, die er in München gehalten hat, auf uns abzuwälzen sucht. Neben den Fahrtspese» e r st e r Klasse rechnet Dr. PeterS nicht nur tägliche AufenthaltSspesen mit 20 M., sondern auch noch 30 M. im Tag für angeblichen Verdiensientgaiig auf. Wir haben bisher nicht gewußt, daß die„literarische" Tätigkeit deS kaiier- lichen ExreichskomniissarS so lohnend ist. Ja, er hat«s vor Ein- reichung" seines Kostenfestsetzungsantrages offettbar selbst nicht ge- wüßt. Wenigstens hat Dr. Peters bar einem Jahre in einem! Leipziger Prozeffe seinen Tagesverdienst noch niit 10 M. angegeben. Offenbar waren die Leipziger Lolalspesen nicht so groß. Militärjustiz, Im Sommer 1907 wurde der Husar H. als zeitig dienst- untauglich aus seinem Truppenteil in Stolp entlassen. Kurz nach seiner Entlassung schrieb er an seinen ESkadronschef, daß er von einem Sergeanten und mehreren Kameraden schwer mißhandelt worden sei, und er erhob deshalb Anspruch auf Rente. Gegen den Vorgesetzten und die beschuldigten Soldaten wurde Anklage erhoben. aber sämtliche Angeklagten wurden freigesprochen. Der inzwischen nach Hamburg übergesiedelte H. wurde dann auf seinen Geistes- zustand untersucht und als dauernd dienstuntauglich befunden. Da er mehrere raffinierte Betrügereien ausgeführt hat, die man einem Geisteskranken nicht zutraut, wurde er aber- mals auf seinen Geisteszustand unlersucht, und diesmal zwar psychisch für minderwertig erklärt, aber nicht in dem Maße, daß er straflos ausgehen könne. Auf Grund dieses Gutachtens wurde H. tvcgett seiner militärischen Vergehen vor das Kriegsgericht gestellt und wegen Simulation und falscher Anschuldigung und Beleidigung eines Vorgesetzten zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Auf die von beiden Seiten eingelegte Berufung verurteilte ihn das Oberkriegsgericht des 9. Armeekorps zu 3>/z Jahren Gefängnis, obwohl nur eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten beantragt war._ Die Ereignisse in der Türkei. Die Militärpflicht der Christen. Konstantinopcl, 15. Mai. Bei einem Besuche, den Mahmud S ch e w k e t Pascha gestern dem ökumenischen Patriarchen abstattete, erklärte er, daß noch vor Genehmigung des Gesetzes über den Militärdienst der Christen diese als Freiwillige aufgenommen werden könnten; auch christliche Gendarmen und Polizeileute werde man aufnehmen. Die Eintragungen der Christen für den Militärdienst haben bereits an verschiedenen Orten begonnen. Eine Verhaftung. Frankfurt a. M., 15. Mai. Nach einer Meldung der„Frank- ftlrter Zeitung" aus Konstantinopel ist der Soh» Abdul Hamids Prinz Burhan-eddin auf Anordnung des Kriegsgerichles verhaftet und in das K r i e g S m i n i sie r i u m eingeliefert worden. Die Verhaftung erfolgte, weil der Verdacht der Flucht vorlag. Beweise ergaben, daß der Prinz gemeinsam mit dem Sohn des einstigen Großivesicrs Kiamil Pascha, Vizeadmiral Seid- Pascha, sowie Ismail Kemal als die aktiven Ver- mittler der Pläne des ExfultanS bei der letzten Gegenrevolution gedient haben. Außerdem glaubt man, daß der Prinz über das Stichwort verfügt, ohne das die Geheimnisse der verschiedenen ausländischen Gelddepots nicht gelichtet werden können. Der Prinz wird im Kricgöministerium streng bewacht. Der Prinz ist heute dem ersten Verhör unterzogen worden. Es ist dies der bisher einzige Fall in der Geschichte der Türkei, daß einem Sultanssohn gegenüber daö bürgerliche Recht zur Anwendung gelangt. Die Lage in Armeuieu. Konstantinopel, 15. Mai. In Erzerum ist die Lage andauernd bedrohlich. Die Garnison weigert sich. 200 jungtürkische Offiziere wieder aufzunehmen, die verbannt gewesen waren. Der Kommandant des vierten Armeekorps hat bereits 45 Agitatoren deswegen ins Ge- fängnis gesteckt._ franhrcich. Korruption im Justizuiiuisterium. Paris, 14. Mai. Ein großer Skandal, wodurch hoch ft ehe n de Beamte kompromittiert find, wird in den heutigen Mvrgenblättern angekündigt. Infolge von Beschiverden, die beim Justizministerium eingetroffen sind, soll eine Agentur entdeckt worden sein, die gegen Zahlung von Geldbeträgen gerichtliche Begnadigungen und Nachlaß von Geldstrafen zu erwirken wußte. Bei einem Offizier der Pariser Garnison und einem Pariser Geschäfts- agenten ist in dieser Angelegenheit eine Haussuchung vor- genommen worden. Italien. Ein netter Abgeordneter. Rom, 13. Mai.(Eig. Ber.) Gegen den ministeriellen Ab- geordneten Romano von A v e r s a hat ein Neapolitaner Gerichts- Hof die Eröffnung des Hanplverfabrens beschlossen wegen Unter- Ichleife im Amte. Der gute Mann hat sich als Verwalter einer WohltäligkeilSanftalt eine größere Summe angeeignet. Gegen ihn schwebt eine Reihe anderer Prozesse wegen anderer Unterschlcife, Benutzung falscher Oltroiquittungen, Urlundenfälschung usw. Die Unredlichkeit Romanos, der sich gleichzeitig auf die Regierung und auf die verbrecherischen Elemente der„mala vita" von Aversa stützt, war seit Jahren bekannt. Es hat der ganzen Energie des „ A v a n t i" und der„Propaganda" bedurft, um den Herrn vor den Richter zu bringen. Jedenfalls wird der Prozeß wegen Verdachts der Vesangenheit an einen norditalienischen Gerichtshof verwiesen werden.— england. Der Etat und die LordS. London, 13. Mai.(Eig. Ber.) Wie„Daily Chronicle" offendar auS gut unterrichteter Quelle berichtet, wird daS Haus der Lords dein Etat keine Schwierigkeiten bereiten. Die Stimmung im Lande ist dem Etat günstig. Der Finanz- minister hat sich bereit erklärt, in manchen Fällen, wo der Etat zu offenbaren Härten führen könnte, Konzessionen zu machen._ Die AnSnahmegeseke gegen die Katholiken. London, 14. Mai. Unterhaus. W. R e d m o n d regte die zweite Lesung der Bill an, welche den für die römischen Katholiken gegenwärtig bestehenden Ausschluß von den Aemiern eine? VizekönigS von Irland und Lordkanzlers von Großbritannien aufhebt, eine Aenderung des T h r o n b e st e i g u n g s e i d e s des Königs vorsieht und verschiedene veraltete Gesetze, die sich gegen die Karholiken richien, abschafft. Premierminister A S q u i t h erwiderte, er persönlich sei für die Aushebung deS Ans- schluffeS der Katholiken von den beiden Aemtern. Bezüglich des EideS begünstige er eine Abschaffung der Erklärung, die keine Bürgschaft für die schon durch die Gesetzgebung gewährleistete protestantische Thronfolge sei. Asquith beulete an, daß eine Lösung der Schwierigkeiten gefunden werden könnte, wenn man eine Kommission einsetzte, die eine in ihrer Form sowohl den Katholiken und den Protestanten genügende Erklärung ausarbeiten sollte. Die zweite Lesung der Bill wurde schließlich mit 133 gegen 123 Stimmen angenommen, doch ist keine Aussicht vorhanden, daß die Bill noch m dieser Session Gesetz wird. Vanemark. Die Sozialdemokratie vor der FolkehingSwahl. Die sozialdeinolratische Fraktion deS dänischen Reichstags hat sogleich nach Sessionöschlutz einen Aufruf an die Wähler veröffent- licht, in dem zunächst hervorgehoben wird, daß die auf den 25. Mai anberaumten FolkethingSwahlm wiederum auf Grund der ver- fassungSimdrigen. berakteten und uiigerechien Wahlkreisordnung stattfinden werden, die den Wählern in einzelnen Kreisen sechs bis siebenmal soviel Einfluß gibt als in andern. Die seit Jahren von der Sozialdemokratie wiederholt eingebrachten Anträge auf eine gerechte WahlkreiSeinteilung sind auch in der nun verflossenen Session wieder gegheitert an dem Widerstand des Landsthingö und der schwächlichen Haltung der Regierung. Die Sozialdemokratie hat überdies die Ans- dehnung des politischen Wahlrechts auf die Frauen, die Dienst- leute und die jungen Leute gefordert, und auch die Ausführung dieser Reform ist von der Regierungspartei samt den Konservativen hintertrieben worden. Daß nicht einmal eine gerechte Wahlkreis- einteiluirg zustande kam, ist um so schlimmer, als daö Volk durch die bevorstehenden Wahlen vor allem über die vorgeschlagenen neuen Militärlasten entscheiden soll. Die S o z i a l d e m o l r a t i e stellt in über 70 Kreisen Kandidaten auf und hofft 100 000 Stimmen zu erreichen— eine gewaltige Demonstration für den Frieden und gegen den Kriegswahnsinn, die nicht ohne Wirkung auf den kommenden Reichs- tag bleiben wird. In den Kreisen, wo keine Sozialdemokraten auf- gestellt werden, werden unsere Parteigenossen in Uebereinstimmung mit dem Beschluß dcö Parteitags alles ausbieten, um den An« hängern der Erhöhung der Militärlasten eine Niederlage bcizu- bringen. pcrftcti. Die Lage i« Teheran. Teheran, 14. Mai. Im RcichSrat wurde eine Kommission von 21 Mitgliedern gewählt, um ein neues Wahlgesetz ans- zuarbeiten. Der Ministerrat forderte in einem Ausruf die Be- völkcrung auf. sich zu beruhigen. DaS Tragen von Waffen wurde verboten. Zur unverzüglichen Bestrafung von Ordnungs- siörungen wurden Militärgerichte eingesetzt. Eue der partei* Agitationömatcrial. Christentum, Zentrum und Sozialdemokratie. Unter diesem Titel ist eine neue Flugschrift erschienen, die im Kampfe gegen die Müncheii-Gladbacher Zitatenkünstler der sozial- demokratischen Agitation gute Dienste leisten wird. Die 16 Seiten starke Broschüre wird in der Druckerei unserer Dortmunder Genossen hergestellt. Das Einzelexemplar kostet mit Umschlag 10 Pf. Zur Massenverbreitung kann die Broschüre ohne Umschlag das Tausend zu zehn Mark bezogen werden. DiSziplinbrecher. In der Debatte über den MaifcierfondS in der Brandenburger Parteiversammlung haben die wegen Bruches der Parteidisziplin getadelten Buchdrucker des Parteigeschäfts, wie berichtigend mitgeteilt wird, nur eventuell sich bereit erklärt» den Tagesverdienst am 1. Mai an den Wahl- fonds abzuführen. Hätten sie diese Erklärung in bindender Form abgegeben, so wäre der Beschluß, der ihnen die Fähigkeit zur Bekleidung von Parteiämtern abspricht, wahrscheinlich unter- blieben. Es wurde aber von dem Wortführer der Genössen, die sich dem Parteitagsbcschuß nicht fügen wollten, ausdrücklich gesagt, daß sie durch ihr Verhalten eine prinzipielle Entscheidung über die Streitfrage herbeiführen jvollten. Die Erklärung der Buchdrucker ist so bezeichnend, daß wir sie nachträglich noch bringen wollen. Die Gründe lauteten nach der«Brandenburger Zeitung": 1. Die gewerkschaftliche Disziplin verbietet unS, Beiträge ?u einem Fonds zu leisten, der eventuell einmal dazu dienen önnte, gewerkschaftliche Direktiven in bezug auf die Arbeits- ruhe am 1. Mai zu durchkreuzen. Die Erfahrung hat bewiesen, daß sehr wohl einmal ein Parteitag dazu kommen kann, durch die wirtschaftliche Lage gebotene Beschlüsse der Gewerkschafts- kongresse in bezug auf die Arbeitsruhe durch gegenteilige er- setzen zu wollen. Man hat hierfür die Formel: Vereinbarungen bestehen nicht!(Siehe Nürnberger Protokoll.) 2. Selbst für den Fall, daß wir geneigt wären, einen frei- willigen Beitrag an die Partei- oder Gewerkschafts-(nicht an eine dritte) Kasse zu zahlen, könnten wir uns doch die Höhe dieses freiwilligen Beitrages nicht vorschreiben lasten. Eine Verpflichtung zur Zahlung eines solchen Beitrages erkennen wir selbst einem Parteitagsbcschluß gegenüber nicht an. Die Erklärung zu 1 ist geradezu bezaubernd schön. Weil einmal ein Parteitag kommen— könnte, der Beschlüsse über die Maifeier faßt, die den Gewerkschaften nicht passen, deshalb erklären die Parteigenossen, daß sie schon jetzt gültige Parteiiagsbeschlüste nicht beachten werden. Für selbst- verständlich halten sie es anscheinend auch, daß bei einer etwaigen künftigen Differenz der Partei mit den Gewerkschaften die Partei unbedingt unrecht haben wird. Famose Genosten. ... Im Bochum er„Volksblatt" lesen wir: „Einer ähnlichen Auffassung wie die Parteigenossen unter dem technischen Personal der Brandenburger Parteidruckerei sind u. a. auch die der Essener, der Dortmunder und der Bochumer Parteioffizin. Desgleichen auch die der„Bergarbeiter- Zeitung". Die Parteigenossen unter den zwei letztgenannten Druckereien gehen von der Ansicht aus, daß ein legaler Mai- fonds nicht bestände, nachdem der Nürnberger Parteitag die Vereinbarung zwischen Parteivorstand und Gencralkommissiou kassiert hat und anderweite Vereinbarungen bisher nicht zu- stände gekommen seien. Der Antrag Nr. 90 sei deshalb ein Nonsens und könne keine praktische Bedeutung beanspruchen. In formeller Hinsicht ist dieser Standpunkt kaum an- fechtbar. Es wird eben, soweit nicht bereits geschehen, wenn nötig, jede WahlkreiSorganisation einen Beschluß herbeiführen müssen, in welcher Form die Gelder abzuführen resp. zu deponieren sind, waS mdeS auch wieder zu neuen Streitigkeiten führen wird, die dem Ansehen der Maifeier kaum förderlich sein dürften." In formeller Hinsicht läßt sich unseres Erachten? dieser Standpunkt sehr wohl anfechten. Der Beschluß des Parteitags sagt, daß der Beitrag„an die Partei- und Gewerkschafts- käste" gezahlt werden soll. Wenn ein gemeinsamer Fonds nicht zustande kommt, so können die Genosten zwischen der Kasse der Partei und Gewerkschaft wählen, oder, wenn sie sich besonders genau an den Buchstaben des Beschlusses halten wollen, den Bei- trag zur Hälfte an die Partei-, zur Hälfte an die Gewerkschafts, käste zahlen. Aber eine Handhabe, den Beschluß für ungültig zu erklären, bildet die Tatsache, daß der Parteitag die Vereinbarung mit den Gewerkschaften nicht genehmigt hat, absolut nicht. ' In der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Frankfurt a. M. wurde mitgeteilt, daß die Genossen unter den Buchdruckern der„VolkSstiinme" nur ein Fünftel ihres Verdienstes abführen wollen. Alle Redner wandten sich mit kräftigem Tadel gegen dies Verhalten._ Aus den Organisationen. Im 1. Ouartal dieses Johres stieg die Mitgliederzahl des sozialdemokratischen Vereins Frankfurt a. M. auf 5170, davon waren 365 Frauen._ Unsere Toten. In Halber st adt starb der Genosse KarlKuenue im Mer von 71 Jahre». Unterm Sozialistengesetz hat er eifrig für die Partei gewirkt und später stand er an der Spitze der Lokalorgani- saiion und eine Zeitlang übernahm er mulig trotz mangelhaften Gesmidheitsstondes die Zeichnung des damals in Halbcrstadt er- scheinenden Parteiorgans. Viele Prozesse und lange Gefängnishaft mutzte er in dieser Stellung über sich ergehen lassen. Vor einigen Monaten hatte der Tapfere mit seiner Frau das Hospital aufsuchen müssen, ans dem ihn jetzt der Tod entführt hat. Personalien. Zum Parteisekretär für Frankfurt a. M. wurde in der Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins an Stelle des ausscheidenden, zum leitenden Redakteur der .Bergischen Arbeiterstimme" zu Solingen berufenen Genossen Dittmarm mit 170 Stimmen der Genosse W i t t i ch gewählt. Internationale sozialistische Konferenz gegen die MilitäranSgaSe». Rom, 13. Mai. Der italienische Parteivorstand ist von der Mailänder Parteisektion aufgefordert worden, eine internationale Zusammenkunft unter den Sozialisten der verschiedenen Länder zu organisieren, um ein Einverständnis über die Opposition gegen die stets wachsenden Militärausgaben z» provozieren. Die Konferenz soll auf erweiterter Grundlage eine Wiederholung der Triestiner Zu- sammenkunft vom Jahre IVOI darstellen. polizeiliches, gerichtliches ufw. Der„Vorwärts" vorm Reichsgericht. Eine ungesetzliche Strafe hat am 16. Februar das Landgericht I in Berlin gegen den Genossen Georg Davidsohn vom„V o r w ä r t S" ausgesprochen. Es hat ihn auf Grund des bekannten Schinderknechtsartitels wegen angeblicher B e- leidigung der dem preutzischen Heereskontingente angehörenden Offiziere und Unteroffiere, soweit sie keine Mitzhand- kungcn Untergebener begangen haben, auf Grund des Z 183 Str.- @.»B. zu 900 M. Geldstrafe verurteilt. Die höchste nach diesem Paragraphen zulässige Geldstrafe ist indes 600 M.!— Gegen das Urteil mit seiner ungesetzlichen Strafe hatte Genosse Davidsohn und W seinen g u n st e n auch der Staatsanwalt Revision eingelegt. — Das Reichsgericht hob am Freitag das Urteil unter Auf- rechterhaltung der tatsächlichen Feststellungen auf und v e r Iv i e S die Sache an das Landgericht zurück. Em Jahr GcfäugniShaft hatte am 13. Mai Genosse M a r ck w a l d von der„Königsberger Volkszeitung", der Verurteilte im Memeler Schandsäulenprozch, das Opfer freisinniger Denunziation und preutzischer, speziell Schubcrtscher Justiz, zu Ällenstein hinter sich. Auf 13 Monate lautete das Blntnrteil. Soziales. Die Feiertagsruhe der Bäcker. In Nürnberg bestand bisher die Anordnung, datz in den Bäckereien an den drei hohen Festen vorn ersten Feiertag früh 10 Uhr bis zweiien Feiertag abends 8 Uhr das Backen gänzlich verboten war, um den Gehilfen einen freien Feiertag zu verschaffen. Das Backverbot wurde aber teilweise dadurch umgangen, daß Hoteliers, Restaurateure. zuweilen auch Bäcker selber sich frisches Brot von den benachbarten Orten bringen lietzen, wo das Back- verbot nicht bestand. Aus diesem Grunde bat die Handelskammer bei der Kreisregicrung Schritte getan, damit das Verbot auf ganz Mittelfranken ausgedehnt werde. Dafür hat sich auch der Stadt- Magistrat Nürnberg nebst den anderen in Betracht kommenden Stadt- Verwaltungen entschieden, so datz die Regierung nunmehr eine dahin- gehende Verfügung erlassen wird. Suvmissionsbtüte. Ein wunderbares Resultat ergab, wie lützlich in der Stadtver- ordnetensitzung zu Kiistrin zur Verlesung kam, die Ausschieibnng auf Herstellung der verschiedenen in der Neustadt> rgesehenen Kanali« sationsarbeitcn. Bei dem einen Lose war das Mindestgebot 787,30 M.. das Höchstgebot aber 7848 M.! I Bei den übrigen Losen beträgt der Unterschied zwar nicht gerade 1000 Proz., bewegt sich aber inmierhin zwischen 223 und 300 Proz., nämlich 3630 und 8321 M., 778 und 1930 37?., 792,20 M. und 2503 M.. 1203,60 und 2762 M. Gewerhfcbaftlkbc� Die deutschen GewerkschaftStartclle im Jahre 1908. In der soeben im.Korrespondenzblatt der Generalkommission" veröffentlichten Statistik über die Gewerkschaftskartelle im Jahre 1908 spiegelt sich die Wirkung der Krise ebenfalls wieder und zwar in- sofern, als auch die Kartelle eine verringerte Zahl der dort ver- einigten Gewerkschaftsmitglieder aufweisen. Sonst aber bietet die Statistik ein Bild regen gewerkschaftlichen Lebens in den Kartellen. Zum ersten Male sind die den Kartellen angeschlossenen Lokalorgani- sationen aus der Statistik verschwunden, weil solche Organisationen nach dem Beschlutz des Gewerkschaftskongresses dem Kartell nicht mehr angehören können. Die Zahl der Kartelle betrug im Berichts- jähre 623, das sind 36 Kartelle mehr als im Jahre 1907. Auch die Zahl der den Kartellen angeschlossenen Zweigvereine hat sich ver- mehrt und zwar um 680. Von den 623 Kartellen beteiligten sich an der Statistik 606=- 97,27 Proz. Diesen waren 8437 Gewerk» schaften mit 1 360 896 Mitgliedern angeschlossen. Der Mitgliederstand sank um beinahe 33 090 gegenüber den: Vorjahre. Bedauerlich ist es, datz— der Beschlüsse der Gewerkschafts- kongresse ungeachtet— einzelne Zweigvereine der Zentral- verbände ihren Anschluß an die Kartelle nicht vollziehen. Mit wenigen Ausnahmen sind an dieser Nichtbeachtung von Kongretzbcschlüssen Zweigvercine aller Verbände beteiligt. 86 Kartelle vereinigten bis zu fünf Gewerkschaften in sich, 222 Kartelle 6—10, III Kartelle 11—13, 70 Kartelle 16-20, 71 Kartelle 21-30, 26 Kartelle 31—40, 13 Kartelle 41—30 und 7 Kartelle über 30.— Die Hauptaufgabe der Kartelle, die Betreibung der gewerkschaftlichen Organisation am Orte, wurde äutzerst rege ausgeführt: 2663 all- gemeine und 1474 berufliche Versammlungen wurden abgehalten, 290 mehr als im Vorjahre. Unangenehm berührt es dagegen, datz dieZahl der weiblichen Vertrauenspersonen und Arbeiterinnenkommissioncn zurück- gegangen ist. In 30 Orten bestanden nur noch weibliche Vertrauens- Personen und in 18 Orten Arbeiterinnenkommissionen, gegenüber in 48 bezw. 23 Orten im Vorjahre. Besondere Aufmerksamkeit wendeten die Kartelle einer zahlenmätzigen Feststellung der Arbeitslosigkeit zu. Es muh anerkennend bemerkt werden, datz 144 Arbeitslosen- Zählungen vorgenommen wurden. Dem Gebiete des ArbeiterschutzcS widmeten sich 126 Beschwerdekommissioncn für Gewcrbeinspektions- fachen und 233 für den Bauarbeiterschutz. Zum Zwecke der Be- seitigung des Kost- und Logiswescns beim Arbeitgeber bestanden S3 Kommissionen. Ebenso entfalteten die Kartelle auf dem Gebiete der BildungS- vestrebungen eine erfreuliche Tätigkeit. In 233 Karteven bestanden BildungSauSfchüsse, in 234 Jugendkommissionen, 59 Kartelle unter« hielten Referentennachweise. Neben dem Halten guter Vorträge und dem Abholten von Vortragszyklen wurde durch 430 gemein- same Bibliotheken(1907: 374) für die Fortbildung der Mitglieder gesorgt; 70 Kartelle unterhielten Lesezimmer gegenüber 36 im Jahre 1907. Eigene VersammlungSrüume unter« hielten 130 Kartelle. Die Zahl der Gewerkschaftshäuser ist seit dem Jahre 1907 von 33 auf 51 gestiegen. Unter Würdigung deS oft am Orte bestandenen Lokalmangels wird doch sehr zur Borsicht beim Slnkauf von Grundstücken oder beim Bau solcher Häuser gewarnt, besonders auch vor langjährigen Pacht- Perantw.Redatt�: CarlWermuth. Berlin-Rixdorf. Inserate verantw» Verträgen, denn so nützlich und notwendig auch die Schaffung solcher Einrichtungen erscheinen mag, so mutz doch immer wieder davor gewarnt werden, an kostspieligen Unternehmungen dieser Art heranzutreten, ohne'datz eine genügende solide finanzielle Grundlage dafür vorhanden ist. Die anf diesem Gebiete bereits ge- machten unliebsamen Erfahrungen sollte» zur grötzten Vorsicht mahnen. Zentralherbergen bestanden in 48 Orten, Herbergen bei Gast- Wirten 233.— Die Einnahmen betrugen 896 291 M., darunter 9987 M. für Streiksammlungen. Unter den 883 138 M. Gesamtausgaben befinden sich u. a. 13600 M. für Streiks, 239 403 M. für Bibliotheken, 29 322 M. für Vertreterwahlen, 84427 M. für Agitation, 14739 M. für Herbergen und Arbeitsnachweise. Die Einnahmen und Ausgaben für Streiks und Aussperrungen sind stark zurückgegangen, um rund 100000, wobei beachtet werden mutz, datz allein für auswärtige Streiks im Jahre 1907 rund 82000 M. abgeführt wurden. Streik- Unterstützungen brauchen heute schon nicht mehr von den Kartellen aufgebracht werden, vielmehr werden solche von den Zentral- verbänden beziehungsweise Zweigvereinen gezahlt, was im Bericht als ein erfreulicher EntwickelungSgang der deutschen Gewerkschaften bezeichnet wird. Lerlin und Umgegend. Die Stukkateure nahmen am Freitag in einer außerordent- lichen Mitgliederversammlung Stellung zu dem Vorschlage des Einigungsamtes über die Bedingungen, unter denen ein neuer Tarif abgeschlossen werden soll. W e n g e l s berichtete eingehend über die Verhandlungen mit den Unternehmern und trat für die Annahme des Einigungsvorschlages ein, der am Freitag im „Vorwärts" mitgeteilt worden ist. Der Redner legte dar, datz man nach Lage der Verhältnisse nicht mehr erreichen könne, als den Stukkateuren durch den Vorschlag des Einigungsamtes geboten werde.— Nach reger Diskussion beschlotz die Versammlung, der Kommission freie Hand zu lassen über Annahme oder Ablehnung des Einigungsvorschlages.— Im allgemeinen war die Stimmung für Annahme des Vorschlages, aber für den Fall, datz die Unter- nehmer eine den Arbeitern ungünstige Taktik einschlagen, soll der Kommission die Freiheit der Entschlietzung gewahrt bleiben. Hinsichtlich der Maiaussperrung beschlotz die Versammlung, datz den Ausgesperrten vom ersten Tage der Aussperrung an Unterstützung gewährt wird._ Berliner Polizei und Koalitionsrecht. Durch das Eingreifen der Polizei hat sich der Kampf wesentlich verschärft. Morgens und abends sieht es aus, als sei über den Schlachthof der Belagerungszustand verhängt. Die Polizei nimmt sich der Arbeitswilligen in der liebenswürdigsten Weise an. Bis Lichtenberg und Fricdrichsfelde begleitet sie die einzelnen. Gegen die Streikposten geht sie jedoch sehr schneidig vor. Im Laufe deS gestrigen TageS wurden verschiedene verhaftet, ja sogar ge- schlössen zur Wache gesiihrt. Dort wurde ihnen nach Pein- licher Untersuchung und Abnahme der F l u g b l�i t t e r(!) mitgeteilt, datz— wenn sie sich wieder im Schlachthof oder in der Nähe blicken lietzen— sie nach dem Alexander- platz in Hast genommen würden. Den Organisationsvertreter Bergmann verhastete man, als er einigemal die Eldenaer Stratze entlang ging. Auf der Wache nahm man ihm alles ab und sperrte ihn eine Zeitlang ein. Vom Leutnant der Polizeiwache Zellestratze wurde ihm dann mitgeteilt, datz er sofort verhaftet würde, wenn er sich auf dem Schlachthofe oder in der Nähe des Schlachthofes sehen lasse und auf 24 Stunden nach dem Alexanderplatz in ü s s e I Nach der Ansicht de? Leutnants ist Streikpostenstehen verboten(!1), und er will jeden Streikposten verhasten lassen und für 24 Stunden in Arrest bringen. Das sei die Taktik der Polizei; erklärte er Bergmann gegenüber. Auch die Schlachthofdirektion bemüht sich, den Streikenden Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Zunächst versucht man, allen Streikenden die Legitimationskarten zu entziehen und ihnen den Zutritt zum Schlachthof zu verwehre». Die Portiers haben eine Liste der Streikende», damit sie dieselben besser am Zutritt hindern können. Ferner darf nicht unerwähnt bleiben, datz die Schlachthosdirektion der Darmverwerümg weitgehendste Vorrechte gegenüber den kleinen Schleimereibesitzern einräumt. Nach einer Verordnung des Herrn Direktor Goltz dürfen Därme nur eine Nacht gewässert und müssen am anderen Tage geputzt und gesalzen werden. Bei der Gesellschaft für Darmverwertung liegen dieselben schon über 10 Tage ungereinigt, aber die Direktion sieht und weitz nichts davon. Den kleinen Schleimereibesitzsrn hat man bei Uebertrewngen schon mit Entziehung der Halle gedroht; hier geschehen die gröbsten Ver- stütze unter Aufsicht der Polizei und Verwaltung. Eine Beschwerde der Organisation zu beantivorten, findet Herr Direktor Goltz als Mann anscheinend unter seiner Würde. Ein Beispiel, wie man Leute zum Streikbrechen zwingen will, liefert die Berliner Häuteverwertung. Diese Firma schickte eine Anzahl Arbeiter als Streikbrecher ab. Als sich drei derselben dessen weigerten, wurden sie entlassen, obgleich einer davon fünf Jahre im Betrieb tätig war. Bemerkt sei noch, datz der in Nr. 110 deS»Vorwärts'' bezeichnete ArbeitSwilligenzutreiber. Gastwirt Plocke, ProSkauer Stratze 19. am Tage der Veröffentlichung sofort die Firma in Maria Plocke umändern lietz. Der Inhaber des Milch- und Backwarengeschäftes(M. Rasche) Voigtstratze 14, A. Lorenz hat sich ebenfalls gemützigt gesehen, streikenden Arbeitern in den Rücken zu fallen. Auch der Arbeitsnachweis der Berliner Fleischerinnung sucht in der»Allg. Fleischer-Ztg." 100 ältere Schlächtergesellen, verschweigt aber dabei, datz es sich um Arbeitswillige handelt. Die Streikenden find fest entschloffen, den Kampf weiterzuführen trotz Polizei und Schlachthofverwaltung. An der Einmütigkeit und der Solidarität wird der Plan der Scharf« macher. die junge Organisation auf dem Schlachthof zu vernichten. zuschandcn werden. Deutsches Keich, Ein mißlicher Streit aus der Welt geschafft. Der Beleidigungsprozetz des MetallarbeiterverbandeS gegen den Solinger Jndustriearbeiterverband aus Anlatz der Zwistig- leiten mit den Solinger Lokalorganisationen sollte am Sonnabend abermals vor der Strafkammer in Elberfeld verhandelt werden, nachdem das Oberlandesgericht das den Beklagten freisprechende Urteil aufgehoben hatte. Es kam aber nicht zur sachlichen Ver- Handlung, da die Parteien sich zu einem Vergleich auf folgender Grundlage entschlossen: 1. Es wird von beiden Seiten zugegeben, datz hinsichtlich der Vorgänge während des Streiks Mitzverständnisse vorliegen. 2. Der beklagte Vertreter des Jndustriearbeiterverbandes hält seine gegen den früheren Angestellten des Metallarbeiter. Verbandes Sendler gemachten Angaben aufrecht und der Vor- stand des MetallarbeiterverbandeS erkannte an, datz Sendler damals nicht korrekt gehandelt habe. 3. Der Angeklagte nimmt die dem Vorstande deS Metall- arbeiterverbandes gegenüber gemachten Vorwürfe zurück. 4. Letzterer zieht die Klage gegen die bürgerlichen Zeitungen. die den Artikel des Jndustriearbeiterverbandes nachgedruckt haben, zurück, soweit diese die Kosten übernehmen. 5. Die Kosten des jetzigen Prozesses werden von beiden Seiten gemeinschaftlich getragen. Zur Schuhmacheraussperrung in Magdeburg. In Magdeburg wurden am 1. Mai, wie mitgeteilt, sämtliche Arbeiter und Arbeite- rinnen der Schuhfabrik von Bühring n. Co. wegen der Maifeier LH, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstal» ausgesperrt, obwohl die Leute in früheren Jahren sich anstandslos an der Maifeier beteiligen konnten. Die veränderte Stellungnahme der Betriebsinhaber war darauf zurückzuführen, datz die Arbeiter wenige Tage vor dem 1. Mai ihre Kündigung eingereicht hatten, weil ihre Wünsche auf bessere Behandlung und Entlohnung bei der Firma kein Entgegenkommen fanden. So wurde also von den Unternehmern dem drohenden Streik mit einer Aussperrung„vor- gebeugt", die immer noch nicht beendet ist. Die Arbeiter fordern neben einer besseren Behandlung in der Hauptsache: neunstündige Arbeitszeit, Wiederherstellung des alten Lohnes(es wurden in letzter Zeit allerlei Abzüge gemacht), zehnprozentige Lohnerhöhung für alle Lohnarbeiter und Zwicker, sowie 20 Pf. Zuschlag für Neberstunden. Die Unternehmer zeigen absolut kein Entgegen- kommen. Verhandlungen werden von ihnen mit barschen Worten abgelehnt. Statt dessen werden die Arbeiter durch Anschlag am Faöriktor zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert unter— noch mehr verschlechterten Arbeitsbedingungen. Außer« dem versucht die Firma, in die Reihen der Arbeiter Zersplitterung hineinzutragen, indem sie durch Vermittelung von Meistern an einzelne persönlich herantritt und sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen sucht. Die Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg. Die Ausgesperrten sind voller Einmütigkeit. Die Situation ist für sie sehr günstig. Die Firma gibt sich große Mühe, durch verlockende Arbeitsangebote in auswärtigen Blättern Ersatz für die Ausgesperrten zu finden. Bisher hatte sie damit so gut wie gar keinen Erfolg. Vor Zuzug sei gewarnt! In den Breitenburger und Holsteinischen Zementfabriken zu Lägerdorf sind die Arbeiter seit einigen Wochen ausgesperrt, weil eine Abteilung, von der fortgesetzt 24stündige Schichten ge- fordert wurden, eine Erhöhung ihrer Lohnsätze verlangte. Tie Fabriken suchen nun in allen Orten Deutschlands Streikbrecher, denen ein Vertrag zur Unterschrift vorgelegt wird, in dem es u. a. heißt: „Ich bin beim Engagement davon in Kenntnis gesetzt worden. datz auf den Fabriken gestreikt wird, bezw. ausgesperrt ist. Ich verpflichte mich, bei obigen Firmen für die Dauer des Streiks bezw. der Aussperrung zu arbeiten. Ich erkläre, datz ich während meiner Tätigkeit bei obigen Fabriken weder einem Verbände noch einer sozialdemokratischen Organisation angehören werde." Bemerkt ist in dem Vertrage, der anscheinend von einem Streik- brecheragenten Walter Müller aus Hamburg den Arbeitern vor- gelegt wird, datz die durch das Engagement entstehenden Unkosten in Höhe von 10 M. pro Mann von dem verdienten Lohn bei der ersten Lohnzahlung gekürzt werden. Bei einem Lohn von 3,60 M. pro Tag wird selbst für Arbeits. willige dieses Angebot nicht besonders verlockend sein. Die Klempner sind in Magdeburg in eine Tarifbewegung eingetreten. Sie verlangen den Abschluß eines Tarifvertrages, der ihnen im Jahre 1907 bei Beendigung des damaligen Klempner- streiks von der Lilempnerzwangsinnung zugesichert worden war. Der Streik der Maurer und Bauarbeiter in Halber st adt ist noch nicht beendet. Während mehrere Unternehmer die Forde- rungen der Streikenden bewilligten, lehnten die übrigen sie mit dem Bemerken ab, datz die angefangenen Bauten bereits früher vergeben worden seien und dabei mit einer Lohnerhöhung nicht gerechnet worden wäre. Ein Teil der Streikenden ist abgereist. Etwa 100 Mann arbeiten bereits zu den neuen Bedingungen. Die bürgerliche Presse schreibt in bezug auf diese Leute von„arbeits- willigen Arbeitern", deren Zahl sich noch vergrößern würde, wenn ihnen ein besserer Schutz gewährleistet würde, der den jetzt vielfach vorkommenden B e l ä st i g u n g e n ein Ende mache. Von solchen Belästigungen kann schon um deswillen keine Rede sein. weil wirkliche Streikbrecher so gut wie gar nicht vorhanden sind. Ein ungetreuer Gewerkschaftsbeamter. Ter Geschäftsführer der Mannheimer Zahlstelle des Hafenarbeiterverbandes, Karl Grassinger, ist nach einer Unterschlagung, die längere Zeit zurück- liegt, flüchtig geworden. Grassinger will beim letztjährigen Kampf im Hafengebiet größere Mankos in seiner Verbandskasse gehabt und diese mit von Geschäftsleuten entliehenen Darlehen gedeckt haben. 1. April dieses Jahres war er zur Rückzahlung der Dar- lehen an die Privatpersonen verpflichtet; dazu benutzte er die Kassengelder des Verbandes. Bei der ordentlichen Revision stellte sich ein Defizit von 1100 M. heraus. Die Aufregung über den Vorfall ist bei der Mannheimer Arbeiterschaft groß. Gelbe Ar- beitervereinler und Lokalisten beuten den Vorfall weidlich aus. Tie Aussperrung in der Lackwarenfabrik zu BischofSgrün in Oberfranken, die erfolgte, weil die Arbeiter eine bis zu 30 Proz. betragende Herabsetzung der Löhne nicht willig hinnehmen wollten, ist dank der Tätigkeit von Streik- blechern, die sich trotz der elenden Löhne den Unternehmern in genügender Zahl zur Verfügung stellten, zuungunsten der Arbeiter beendet.— Mit einem K e s s e l t r e i b e n auf die in der Arbeiterbewegung des Ortes tätigen Personen versuchen jetzt die„Sieger", die Organisation der Arbeiter von Grund auf zu zerstören. Die Bewegung der Schoßschuhmacher in Würzburg ist soweit gediehen, daß es zum Streik kommt. In drei Sitzungen mit den Unternehmern konnte keine Einigung erzielt werden, weil die Herren zu hartköpfig sind. Eine Versammlung der Schuhmacher beschlotz daher, die Kündigung einzureichen, was am Donnerstag allgemein geschah. Nach Ablauf der Kündigungsfrist beginnt der Streit. Die Maurer, Steinhauer und Bauhilfsarbeiter von Ansbach sind in den Streik getreten. Sie fordern Stundenlöhne von 50 Pf. für Steinhauer. 45 Pf. für Maurer und 35 Pf. für Hilfsarbeiter, für Ueberstunden 10 Pf. und für Nacht- und Sonntagsarbeit 20 Pf. pro Stunde Zuschlag. Zwei Unternehmer haben bewilligt mit dem Vorbehalt, datz nach Beendigung des Streiks für sie dieselben Be- dingungen gelten, wie sie mit den übrigen Unternehmern verein« bart werden._ Letzte ISacbncbten und Depcfcben. Der Handel für die Reichsfinanzreform. Hannover. 15. Mai.(W. T. B.) Wie dem„Hannoverschen Courier" aus Berlin gemeldet wird, haben heute im Reichstag Verhandlungen zwischen Vertretern der Freisinnigen, der National- liberalen und der Reichspartei begonnen, welche eine Einigung dieser drei Parteien über ein Steuerprogramm zum Ziele haben. Es sollen die Konzessionen festgestellt werden, welche die Liberalen bei den indirekten Steuern für den Fall zu machen bereit sind, datz gleichzeitig ein Erbanfallsteuergesetz in Kraft tritt. Man hofft durch den Nachweis, daß die Linke zu einer ausreichenden Belastung des Konsums entschlossen ist, die Konservativen zum Nachgeben in der Erbschaftssteuerfrage zu bewegen. Eisenbahnunfav. Chemnitz, den 15. Mai.(W. T. B.) Bei Flöha fuhr heute abend TVi Uhr eine Lokomotive auf einen Personenzug, wobei ein Wagen entgleiste und einige andere Wagen beschädigt wurden. Mehrere Passagiere haben leichte Verletzungen davongetragen. Der reguläre Betrieb konnte nach einer Unterbrechung von 1� Stunden wieder aufgenommen werden. Ein Raub der Flammen. Nilriiberg. 15. Mai.. Auf der letzten Tagung im ZirkuS Busch war von Bescheidenheit nichts zu spüren; da herrschte die Unbescheidenheit von Leuten, die durch die Gesetz- gebung arg verwöhnt sind(Sehr wahr! links).— Was gut am Gesetze' ist, beruht zum großen Teil auf fteisinniger Anregung, z. B. auf Anregungen meines Freundes Mugdan. Freisinnige Gc- danken sind immer gut.(llngläub. Lachen bei sämtlichen nicht zur fteisinnige» Fraktionsgemeinschaft gehörenden Parteien.)— Wir wollen ein wirkiames Gesetz zum Schutz des heimischen BiehbestandeS, aber kein Gesetz, das die schntzzöllnerlsche Tendenz des Zolltarifs fortsetzt. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Doerkscn(Rp.) wendet sich gegen die Ausführungen der Vorredner, bedauert die Regelung der Äostenfrage, die zu ungünstig für die Viehzüchter fei, erklärt aber namens seiner Fraktion, daß sie trotz ihrer Bedenken gegen einzelne Bcstinmmngen für das Gesetz stimmen werde.(Bravo! rechls.) Abg. Wachhorst de Wente(natl.): Ohne die 6 und 7 würde das Gesetz für unsere Fraktion unannehmbar sein.(Leb- hafte» Bravo! rechts.) Gerade diese beiden Paragraphen sind es, die uns das Gesetz schmackhaft machen, das sonst mannigfacycn Bedenken bei uns begegnet. Die Belästigungen, die das Gesetz für die Landwirte mit sich dringt, machen es vielen meiner Fraktionsgenossen schwer, für dasselbe zu sinmuen. Dazu kommt die den Landwirten ungünstige Regelung der Kosten- und der Entschädigungsfrage und die Ablehnung obligatorischer Sach- verständigenkommissionen seitens der Regierung. Aber trotz aller dieser Bedenken akzeptieren wir das Gesetz.(Bravo! bei den Aationalliberalen und rechts.) ?lbg. Siebenbürger(k.): Die Ansichten des Kollegen Fegter werden von 99 Proz. der deutschen Landwirte nicht geteilt. Die Angriffe des Herrn Scheidemann auf die Agrarier waren gar nicht schön.— Nur die§8 6 und 7 machen uns die Annahme deS Gesetzes möglich, das der Landwirtschaft neue schwere Opfer auf- erlegt.— Ich bitte im Jnteresie des Zustandekommens der Vor- läge, alle Abänderungsanträge unterschiedslos ablehnen zu wollen, auch meinen eigenen ziemlich minderwertigen Antrag (Große Heiterkeit), der ja bloß redaktioneller Sdatnr ist. Nur meine Resolution über das Abdeckereiwcsen bitte ich anzunehmen. (Beifall rechts.) Abg. Bogt-Erailsheim(Wirt. Ver.) spricht sich im Sinne der drei letzten Vorredner aus. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird gegen Freisinnige und Sozialdemokraten angenommen. § 1 wird angenommen. § 2 überträgt die Anordnung und Durchführung der Ver« hütungsmaßregeln den Einzelstaatcn. Abg. Fegter(frs. Vg.) begründet einen freisinnigen Antrag, wonach die von den Landesregierungen getroffenen Maßnahmen dem Reichstage zur Kenntnisnahme unterbreitet werden sollen. Geheimrat Jonquiercs und Abg. Köbler(Ant.i bitten um Ablehnung des Antrages, der alsdann gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen und einiger Nationalliberalcn abgelehnt wird. 8 3 wird angenommen, desgleichen die§8 4 und 5. Es folgt 8 O. Abg. Stückle»(Soz.): Wenn die von uns zu den 88 6 und 7 gestellten Abänderungs- miträge abgelehnt werden, ist das Gesetz für uns unannehm- bar. Die Erklärungen der Nationalliberalen und der Parteien der Rechten und des Zentrums lassen keinen Zweifel über die barem Material, an seltenen Hölzern, an Samt und Seide, au geschnitzten Ornamenten, komplizierten Intarsien, Bronze- und Perl- mutlerverzierungen usw. aufweisen. Jedes Stück ruft dem Bc- schauer auf Berlinisch entgegen:„Wir haben eS dazu I Das ist hier nicht wie bei armen Leuten"— aber zwischen den stofflichen und den lünstlerischen Werten besteht eine allzu gc- waltige Kluft. Natürlich fehlt es nicht an einzelnen erfreulichen Ausnahmen, der charakteristische Gesamteindruck jedoch, den man beim Besuch der sehr umfangreichen Ausstellung erhält, ist: philiströse Beschränktheit, die Sinn und Ziel der modernen Stilbewegung noch nicht kapiert hat, und banausisches Protzenwm, das sich durch materiellen Luxus vergebens zu ersetze» sucht, was ihm au Geist, Phantasie und ästhetischer Kultur mangelt. J. S. Humor und Satire. L o u r d e S. Fürstin Wrrde:„Mumpitz! Bin hierhergepilgert, um für meine Kleptomanie Heilung zu finden,— und habe schon wieder drei Hcrrenuhren erwischt!" Schauerliche Zeremonien bei der Ernennung von Kultus min istern in Preußen. Durch eine Posaune, die von einer schwarzvermummten Gestalt geblasen wird, erfährt der Erwählte seine Benffung. Dann werden ihm, während ein Chor(von Predigern) das „lntvAsr vitae" singt, mit einem Exemplar der.Kreuz-Zeikmg" die Augen verbunden. Hierauf wird der Novize in eine Jsolierkammer geführt, wo man ihm, genau um die Mittcrnachtsftunde, die Binde abnimmt. Er erblickt in dem Raum nichts weiter als Gottfried Lebcrecht Müllers„Diätetik der Seele", einen Ochsenkopf und ein zwischen den Hörnern befestigtes T a l g l i ch t. Sobald die Uhr den Ablauf der Geisterstimde in Preußen ver- kündet, erhält er von einem Prediger mit einem hölzernen Hammer. der aus den Dachsparren der alten Gannsonlirche geschnitten ist. drei kurze, aber sehr kräftige Schläge über den Schädel und muß dann bei aufgehender Sonne vor dem Ministerpräsidenten und den Oberhofpredigern sein„Programm" entwickeln. Wahres Geschichtchen. Graf T.(Antomobil-Sport- anzng):„Kommen Sie heute abend wieder in'n Klub, Herr... äh Baron?" Baron Veilchenblüth(ebenso):„Nu jewiß werd' ich kommen, Herr Jraf, wird mir sein eine Ehre!" Graf X.:„Hm, na ja... Aber was ich sagen wollte, lieber... äh Baron, Ihren Freund da, den Jroßfürschten von jenseits der östlichen Kulturgrenze, den lassen Sie doch mal gütigst zu Hause, oder jcben Sie ihn unten in der Jarage ab; dieser Freiluftsprößliiig hat sich ja jcstern abend benommen, wie... na io i e'n Auto- mobil."_(„Jugend".) Notizen. — Walter Leistikow. der geniale Landschaftsmaler, den im vorigen Jahre der Tod frühzeitig dahinraffte, wird von der Stadt Charlotlenburg posthum geehrt werden: eine neue Strotze im Westen der Stadt soll seinen Namen tragen. Hofequipagen werden diese Straße wohl meiden; denn Leistikow hielt'S mit dm Leuten von der—»Rinnsteinkunst". »grarischc T e n ö e n z Lei: EjZ 6 und 7.(Oho! rechts, lebhafte Zustimmung links.) Wohl sind uns in der inommission von der Regierung leidlich befriedigende Versicherungen gegeben worden; aber wer bürgt uns für die Ausführung?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir wissen, wie schmerzlich die Agrarier einen Zoll auf Rahm und Milch vermissen. Jetzt soll das vor- liegende Gesetz einen solchen Zoll ersetzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdeurokraten.) Wir können nun und nimmermehr einer unter falscher Flagge segchiden Verteuerung der Lebeusmittel zustimmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wie man versteht, Gesetze auszulegen, dafür ein in jeder Hinsicht wichtiges Beispiel. Im Jahre lW4 mußte der Reichskanzler in einer besonderen Verfügung erklären, daß gesalzene usw. H äute kein Nahrungsmittel sind.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Also es bedurfte einer besonderen Verfügung, um festzustellen, was die gesunden fünf Sinne jedem normalen Menschen sagen, daß Häute kein Nahrungsmittel sind. Und nun bedenke man die Wichtigkeit des Bezuges von Häuten für die Lederindustrie! K0 Proz. der Häute, die sie bedarf, bezieht die Lederindustrie aus dem Auslande. Es handelt sich um eine Industrie, die nach der letzten Feststellung 79 Millionen Mark Jahrrslöhne zahlte.(Hört, hört!) Man hätte doch bei einem so in die Interessen der Industrie eingreifenden Gesetze erwarten sollen, daß man die Vertreter der betreffenden Industrien gehört hätte. Aber man hat nur die Vertreter der Landwirtschaft gehört. Daß man die Arbeiter nicht hört, das find wir ja gewöhnt.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Jetzt scheint inan aber auch die industriellen Unternehmer mit derselben Mißachtung behandeln zu wollen-. (Sehr wahr! links.) Aller Schikane, aller Böswilligkeit der Kon» kurrenz werden durch die tztz ö und 7 Tor und Tür geöffnet.(Sehr wahr!) Eine beträchtliche Erhöhung derLederpreise wird die Folge sein.— In Mitleidenschaft gezogen werden die H a n d s ch u h i n d u st r i e. die H u t i n d u st r i e, die K a m m» i n d u st r i e, die Textilindustrie, die alle tierische Pro- dukte des Auslandes nicht entbehren können.— Ich resümiere mich dahin', wir wollen ein h y g i e n i s ch e s, aber wir wollen kein agrarisches Gesetz. Die Nichtannahme unserer Anträge macht uns das ganze Gesetz unannehmbar.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Alhrecht und Genossen(Soz.), im§ 6 die Ein- fuhrbeschränkung von„Erzeugnissen von Tieren" zu streichen, wird abgelehnt, der K 0 in der Fassung der Kommission wird angenommen, den tz � beantragen die Abgeordneten Albrecht und Genosse»(Soz.) zu streichen. Die Abgeordneten Dr. v. TrzeinSki und Genossen(Polen) beantragen Bestimmungen zu Erleichterungen im Grenzverkehr dem 7 anzufügmi. Ebenso die Abgeordneten Jegter und Dr. S t r» v e(fi> Bg.). Abg. v. Pfetten(Z.) meint, daß die für die Jrrdustrie geäckßerten Bedenken übertrieben sind. Abg. Dr..Hahn(k.): Gerade in den Grenzgebieten ist der Seua'enschutz g.rnz besonders notwendig. Gegenüber den Angriffen des Herrn Fegst« hebe ich die Bescheidenheit des Bundes der Landwirte hervmr.(Lebh.Lachen links.) Wir machen es aber auch bei den Wahlen«icht wie unsere liberalen Konkurrenten, die sich bald für die Schttoeine, bald für das Rindvieh ins Zeug legen und überall den Leutzea nach dem Munde reden.— Herrn Stolle be» merke ich, datz bcu der Ausarbeitung der Vorlage nicht nur Land» Wirte, sondern auch Fleischermeister und Viehhändler gehört sind. Abg. Scheidemann(Soz.) Auöh heute ist voi? den Abgeordneten Pfetten und Vogt gesagt worden, ich wünscht- die Streichung des 8 7. weil ich die Grenzen unter allen Snrstä'chen offen zu halten wünsche, selbst bei den arökten Gefahren fi\r unsere Viehzucht und Landwirtschaft. Das ist absolut www- eihr. Ich habe bereits bei der ersten Lesung unsere Stellung pväzvsiert und gezeigt, wie scharf wir die Vieh- scuchen brfrtopfeu wi.»llen und auch gestern erklärt, daß wir die» selben scharfen st&rßnaHmen. die im Inland gegen Viehseuchen ergriffen werden, auch gV«en das Ausland gewahrt wissen wollen. QtxOt wird trotzdem da, selbe Vorwurf wiederholt; danach scheint es daß unter Umständen Viehseuchen leichter auszurotten sind. als gewisse fixe Ideen, b«. i gewisse» Leuten, die uns unter allen Umständen zu Feinden der Landwirtschaft stempeln wollen.(Sehr gut! b. d. Soz.) Abg. Fegter(frs. Vfl.): Herrn Hahn erwidere ich. daß der Bund der Landwirte nicht Hie Interessen der Landwirtschaft ver- trstt. sondern einseitig die der Großgrundbesitzer; das beweist auch die Behandlung, die er dem Prof. Wagner hat zuteil werden lassen. (Unruhe rechts.) Abg Biudewald(Antisemit): Daß die Sozialdemokratie eine Feindin der Landwirtschast ist. beweist ihre ganze Geschichte. (Lachen b. d. Soz.) Abg. Dr. Hahn(kons.): Prof. Wagner trat in der bekannten Versammlung im Zirkus Busch etwas burschikos auf;« sagte: „Ihr wollt nicht bezahlen."(Sehr richtig! links.) Dadurch tvucde die Unruhe in der Versammlung hervorgerufen.(Lackten links.) Abg. Scheidcniann iSoz.): Herrn Bindewalds Behauptung habe ich heute etiva zum bvo. Mal« gehört. Einer Debatte über d,e Stellung der Sozialdemokratie zur Landwirtschaft geh« ich nicht aus dem Wege, doch würde ich mir dafür einen anderen Gegner suchen, als Herrn Bindewald, der mir aus seiner Agitation i» Obcrhessen aenügend bekannt ist. Sobald eine Versammlung er» öffnet war. ging seine Rede jedesmal in derselben Weise los. ganz wie bei einem Automaten, in den 10 Pf. hineingeworfen sind. Abg. Fegt«(freist Vg.): Der Bund der Landwirte hat Herrn Pros. Wagner unwürdig behandelt.(Großer Lärm rechts, Zu- �""'Äbg� Bindewalb(Antist): Herr Scheidemann will wohl deshalb nicht mit mir deslutieren. weil er fürchtet ad absurdum geführt zu werden.(Schallende.Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Kommission. Unter Ablehnung aller Ab- änderungsanträge wird§ 7 in der Fassung der Kommisston an- genommen... Die nächsten Paragraphen werden debattelos angenommen. § 17a enthält eine Reih« von Maßnahmen, welche„zum Schutze gegen die ständige Gefährdung der Viehbestände durch Viehseuchen" angeordnet werden können. Abg. Dr. Struve(freist Bg.) befürwortet einen Antrag, hinter „Viehseuchen" cinzusckinltcn:„bei Ausbruch einer Seuche für den durch die Seuche gefährdeten Bezirk." Dadurch würde die Bc- fugnis der Regierung in wünschenswerter Weise beschränkt werden. Ter Antrag wird gegen die Stimmen der Freisinn, gen und Sozialdemokraten abgelehnt. Z 17a in der Fassung der Kom. Mission angenommen, ebenso der Nest des Gesetzes. Zu den Säylußbcstimmungen liegt ein Antrag Fegter vor, aus Ein- setzung einer Sachverständigenkommission. Die Abgeordneten Fegter(freist Vg.) und Stolle(Soz.) sprechen sich für den Antrag miS. Bor der Abstimmung über den Antrag beantragt Abg. Singer iSoz.) Vertagung, da eine so wichtige Materie nicht vor leeren Bänken verhandelt werden dürfe. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Linken abge- lehnt. Abg. Singer(Soz.): Dann bezweifle ich vor der Abstimmung über den Antrag die Beschlußfähigkeit des Hauses.(Unruhe rechlZ uiU> im Zentrum.) Vizepräsident Kaempf: Das Bureau ist sich einig, daß eine bc- sckilußfähige Zahl von Abgeordneten nicht anwesend ist.(Laute Ohorufe rcchls und im Zentrum.) Wir müssen daher unsere Bc- ratungcn abbrechen. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr(Fortsetzung, dritte Lesungen von Bankgesetz und Berner Konvention, kleinere Vorlagen.) Schluß 4 Uhr. Abgeordnetenhaus. SS. Sitzung vom Sonnabend, den IS. Mas, vor» mittags 11 Uhr. Die dritte Beratung des Kultusetats wird fort» gesetzt. Abg. Hoffmann(Soz.)i Wenn bei der ersten Lesung des KultusetatS allgemein von unseren Gegnern bemerkt worden ist. daß ihnen meine Rede»icht gefallen hat, so ist das für mich ein gutes Zeichen, denn wir sind nicht hergeschickt, um Reden zu halten, die Ihnen gefallen, sondern um die Ansichten zu vertreten, die unsere Wähler über die Zustände i» Preußen haben. Wenn Herr Dr. Heß fragte, warum man nicht stall meiner einen so geistvollen und gebildeten Mann, wie den Kollegen Heimann, als Redner zum Kulmsetai bestellt hat, so möchi« ich ihn dringend warnen, solch unbedachte Aeußcrungen hier zu toi. Nach der gestrigen Rede des Herr» Schwartz- tZZ p f f könnte das leicht aufgefaßt werden als Hinneigen zur Sozialdemokratie. �(Große Heiterkeit.) Und das könnt- Herrn Heß als Krcisschulinspcktor übel vermerkt werden. Wcirer hat Herr Heß sich gewundert, daß ich für die Schule Gesetzcskundc empfohlen habe. Natürlich habe ich damit nicht das Auswendig- lernen von Paragraphen gemeint, das war« auch schwer möglich bei der Fixigkeit, mit der bei uns die Gesetze verändert werden.(Hei- terkcit.) Ich habe Bürg-erkunde, vaterländische Geschichte, können Sie es auch nennen, damit gemeint. Denn darin liegen ja die Grundlagen für Gesetz und Recht, und die halte ich allerdings für notwendiger, als den Religionsunterricht und das Auswendiglernen von Bibelsprüchen. Weiter sagte der Abg. Heß, den von mir zi- ticrtcn Kirchsteiger überlasse er uns gern. Derselbe wäre wegen Tittlichkcitsvcrbrechen mit den Gerichten in Konflikt gekommen. Das mag sein, aber als er den B e i ch t s p i e g e l herausgab. war er jedenfalls katholischer Geistlicher. Wenn Herr Heß im übrigen von dem «miserablen moralischen Niveau" des französischen Volkes sprach, so ist das ja schon von bürgerlicher Seite zurückgewiesen worden. Wir haben wirklich keine Ursach,- zu einer solchen Heber- Hebung einem Kulturvolk wie dem französischen gegenüber.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch sein« Behauptung, daß ich «in fanatischer Bekämpf« des Christentums sei, ist nicht richtig. Wir bekämpfen lediglich dasjenige Christcntu»,. das m i ß b r a»cht wird zur Politischen und Wirtschaft- lichen Macht von gewissen Parteien.(Sehr ridstig! bei den Sozialdemokraten.) Die„Krcuzzeitung" hat mir sogar vorgeworfen, ich sei deshalb ein Gegner des Christentums, weil ich vou einem Juden abstamme.(Heiterkeit.) Zur Beruhigung des Zentrums kann ich Ihnen mitteilen, daß ich von mütterlicher Seite her von einer streng katholischen Familie stamme. Nach dem Vater — ich bin ein uneheliches Kind— habe ich nicht geforscht, aber nicht aus Furcht, daß er ein Jude sein könnte, sondern ich habe die Be- sorgniS gehabt, daß er vielleicht eine Tonsur tragen könnte.(Heiter. kcit. Pfui-Rufe im Zentrum.) Herr Dr. Schcpp hat dann mir gegenüber gesagt, die preußischen Volksschullehrcr verlangten in ihrer großen Mehrzahl ebenfalls, daß der Religionsunterricht in Einklang mit den gesicherten Ergebnissen der Geschichte gebracht werde. Sobald das aber geschieht, hört der Rcligionsunterricht auf, dogmatisch zu sein und wird zur Religionsgeschichte. Und gegen die Rcligions g esch i ch t e in der Volksschule haben auch wir iiickits einzuwenden. Als ich aber 18S7 meine Kinder in Rc- ligionsgeschichte auf meine Kosten unterrichien lassen wollte, hat man dem Lehrer die Erteilung dieses Unterrichtes uirtersagt.(Hört! hört! bei den Sozialdcnwkraten.) Wenn Herr Schepp weiter sagie. er protestiere im Namen aller Lehrer gegen den Vorwurf der Heu» chclci. daß sie etwas anderes sagen, als sie denken, so— glaube ich — wird er diesen Satz zurücknehmen nach der gestrigen Rede des Ministerialdire'ltors Dr. S chwartzkopff, aus der klar hervorging, daß dir Lehrer nicht das sagen dürfen, ivas sie denken. Nach meiner ersten Rede zum Pfarrerbesoldungs. gesttz ist mir der Brief eines Volksschullehrcrs aus dem preußischen Schnapscldorado zugegangen, worin er betont, daß ich seinen Kol. legen aus der Seele gesprochen hätte und weiter sagt:„Ich bin Persönlich ein Feind der Religion, der Kirche, aber eS wäre ver- rückt, wenn ich das öffentlich aussprechen würde. So denken die meisten Lehrer, und auch ich, der ich alle Brücken hinter mir abge- krochen habe, muß weiter lügen und heucheln. Mir ist ein Junge geboren: ich möchte heulen darüber, daß ich den Beiigel lausen lassen muß. Aber was hilft es, soll ich meine Familie hungern lassen?" Dieser Lehrer bestätigt also durchaus,»oaS ich gejagt habe. Gehr es doch jetzt sogar soweit, daß Eltern durch die Police: gezwungen werden, wie es im Kreise Dortmund vorgekommen ist, auf ihre Kosten ein Gebetbuch für den Konsirmationsunterricht zu �beschaffen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere auch an den Fall L e i p a ch« r, der gcmaßrcgelt wurde, nur weil er Religion nach seiner Art lehrte. Wir verlangen Unabhängigkeit der Lehrer und wünschen vor allem, daß sie nicht gezwungen sein sollen, Reli« gionsunterricht zu erteilen, wenn das ihrer Ucberzeugung wider- spricht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich will dann noch mit ein paar Worten eingehen auf den Kultusminister Herrn Dr. Schwartzkopff(Heiterkeit) pardon— in spe.(Zuruf rechts: Hoffentlich!) Dies„hoffentlich" ist mindestens ehrlich, aber Sie müssen sich schon gedulden, bis die Finanzreform unter Dach und Fach ist, dann wird Ihre Hoffnung m Erfüllung gehen. Herr Schlvartzkopff beschwerte sich über nieincn Ton. Ich erinnere daran, daß erst vor kurzem ein Mitglied der Rechten. Herr Dr. Arendt, sehr energisch Verwahrung eingelegt hat gegen den Ton, der vom RegicrungStisch aus den, Hause gegenüber be- liebt wurde.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Also die Herren vom Regicrungstisch mögen uns mit gutem Beispiel voran- gehen! Freilich war es für Herrn Schwartzkopff bequemer, lich über meinen Ton zu beklagen, als auf meine Ausführungen zu er» widern. So ist es ja stets: entweder man macht uns mundcot, oder man schweigt uns tot!(Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.i Zum mindesten hätte eine Antwort auf den Fall Behren d, das Opfer des Matthcs, erfolgen müssen, liegt doch dieser Fall so überaus kratz, daß gerade einer Ihrer Kollegen(nach rechts), der früher unter dem Namen des„roten Gustav" bekannt war(Heircr- keit), energisch für Behrend eintritt. Seit zwei Jahren ist das Ver- fahren nun in der Schwebe, ohne daß eine Entscheidung fällt. Es ist geradezu ein öffentlicher Skandal» daß es in Preußen möglich ist, das Kultusministerium solange ohne Oberhaupt zu lassen._ lVizcpräs. Dr. Porsch ersucht den Redner, sich in seinen Ausdrücken zu mäßigen.) Der Herr Ministerial- direktor Dr. Schwartzkopff hat dann das Vorgehen der Regierung gegen die Arbeiterturnvereine durch Vorlesung einiger Lieder aus dem Liederbuch der Jugendabteilung der Arbeiterturnvereine zu rechtfertigen gesucht. Es sind ihm dabei einige Malheurs unter- laufen. So zitierte it:„Das alte Lied, daS oumme Lied, das Lied von der deutschen Treue." In Wirklichkeit heißt eS in dem Liebe, das übrigens von keinem Sozialdemokraten, sondern von dem bekannten deutschen Literaten L. Pfau stammt:„Das alte Lied, das schöne Lied usw."(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten.) Im übrigen hat Pfau dieses Lied als Parodie auf die Hundedemut und den Byzantinismus gc- schrieben. DaS beste ist aber, daß dieses Lied in dem erwähnten Turnliederbuch überhaupt nicht drin steht!(Lebhaftes fort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es finden sich in diesem iederbuch der Jugendabteilung lediglich solche Lieder wie die bekannten:„Das Wandern ist des Müllers Lust",„Nun ade Du mein lieb Heimatland" usw. Die einzige Ueberschrift, die die Vermutung auskoinmen lasse» könnte, als handle es sich uni ein sozialdemokratisches Lied, heißt:„Zum 1. Mai". Aber auch in diesem Liede findet sich nichts als eine Verherrlichung dcS Frühlings in der Natur.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich lege das Buch auf den Tisch des Hauses zur Einsicht nieder. Da- gegen befindet sich in diesem Buche ein ernstes Lied aus das treue Seutsche Herz. Das Buch, aus dem Herr Schwartzkopff zitier! ksadk ist ihm offenbar zugeschickt worden von einem der Spitzel, wie sie mein Freund Hirsch neulich geschildert hat. die hineingeschickt werden in unsere Vereine und vielleicht das Liederbuch schon mitbringen. das sie nachher einsenden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiterturnvereine verfolgt man wegen angeblicher politischer Betätigung, aber den deutschen Turnerbund, wo in der Tat Politik — freilich in Ihrem Sinne— getrieben wird, fördert man mit allen Mitteln. Ferner zitierte Herr Dr. Schwartzkopff ein Lied mit dem Titel:„Stille Nacht, heilige Nacht". Auch dieses findet sich n i ch t in dem Liederbuch der Jugendabieilung der Arbeiter- turnvereine.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn übrigens Herr Schwartzkopff bei der Gelegenheit sagte:„Ja, meine Herren, das ist die Gesinnung, die Sie den Kindern in ihren Gesang vereinen beibringen", so freut es mich, daß er uns damit auf den guten Gedanken gebracht hat. auch Kindergesang- vereine zu gründen; bisher hatten wir solche noch nicht. Ein Lied„Stille Nacht, heilige Nacht" findet sich allerdings in dem Turnliederbuch des Arbeiterturnvereins„Fichte", das aber für Erwachsene bestimmt ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Und außerdem lautet das Lied g a n z a n d e r s. als Herr Schwartzkopff es zitiert hat. Das von Herrn Schwartzkopff zitierie Lied ist auch in einem weiteren Liederbuch„Freier Turner" nicht enthalten. Ich überlasse es danach der Oessentlichkeit. über die Art, wie von jener Seite zitiert wird, zu urteilen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Zedlitz meinte dann bei der ersten Lesung, ich hätte durch meine Ausführungen den Beweis erbracht, daß Sozialdemokraten nicht in Schulvorstände ge- hörten. Wir sind der Meinung, daß die große Mehrheit des ar- beitenden Volkes einen Anspruch darauf hat. in den Schuldepntationen vertreten zu sein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie sollten schon in Ihrem Interesse so klug sein, die Vertreter der Arbeiter nicht aus der Schulverwal- tung fernzuhalten, damit Eltern und Lehrer gemeinsam arbeiten. Tann hat Herr v. Zedlitz gesagt:„Wenn Herr Hoffmann bisher die V o r t e i l c des W ahlterrorismus der Sozialdemokratie genossen hat, so steht ihm ja auch wohl in naher Aussicht, daß er auch die Rehrseite demnächst zu genießen haben wird." Mit den „Vorteilen" wollte Herr b. Zedlitz osscnbar auf die Diäten bc- zugnehmen, deren Vorteile wir allerdings zu genießen uns er- lauben, schon weil wir sie nach der Verfassung gar nicht zurück- weise» dürfen. Herr v. Zedlitz und seine Freunde aber sollten sich ain wenigsten hüten, aus die Vorteile von Diäten hinzuweisen; wir sind nicht so gestellt, daß wir uns als Aktionäre, wie z. B. der„L a u r a h ü t t e", unsere Diäten holen. Wir sind nicht in der Lage, 100 M. für eine» Artikel, für jedes Wort 1 M.. zu er- halten, und erhalten nicht als Schiedsrichter für eine Sitzung 100000 M.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten. Unruhe rechts.) Die Herren sollten also nicht mit Steinen werfen, wenn sie im Glashause sitzen. Freiherr v. Zedlitz ist noch weiter gegangen und hat gesagt, die Forderung meiner Freunde. in der �chuldeputation vertreten zu sein, wäre dasselbe, als wen» ein Einbrecher über Verletzung der bürgerliche» Gleichberechtigung ilagt. wenn man ihn nicht zum Äassenbeamtcn macht. Damit ist er auf das Niveau des Herrn Fischbeck gesunken, der von Strolchen»nd Wegelagerern sprack'. Wenn er aber eine solche Parallele zieht, so möchte ich ihn doch warnen, uns zu geschichtlichen Nachforschungen anzureizen. Ii: doch gerade er ein Vertreter der Klasse, deren Vorfahren vor Jahrhunderten das Volt aussaugten und ausplünderten als Raubritter und Buschklepper, und gegenüber der Art, wie Sie heute selbst das Volk durch Ihre Steuer-, Liebesgaben- und Zollpolitik lirandschnheu und ausräubern, sind die Einbrecher die reine» Waisenknaben.(Unruhe rechts. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Strosser(k.): Herr Hoffmann hat der Rechten neulich den schweren Borwurf gemacht, er habe in unserer Presse die Aus- drücke„Arbeiterlümmel" und„Bauernbengel" gesunden. l5he Herr Hoffmann uns nicht das Blatt nennt, in dem er solche Ausdrücke gefunden hat. muß ich diese Behauptung entschieden zurückweisen. (Bravo! rechts.) Wenn Herr Hoffmann sagte, er sei kein Feind des Christentums, so möchte ich nur fragen, wie denn daS Christen- tum aussieht, dessen Freund Herr Hoffmann ist. lAbg. Hoffmann: DaS Christentum deS NazarenersI) Aus diesem Christentum haben Sie ein Zerrbild gemacht.(Abg. Hoffmann: Wir halten Ihnen den Spiegel vor!) Gegen die Auffassung, die in dem von Herrn Hoffmann zitierten Brief eines Lehrers enthalten war. wird sicher der überwiegende Teil der Lehrer protestieren.(Sehr richtig! rechts.) Herr Hoffmann hat sich dann herausgenommen. uns eine Vorlesung über guten Ton zu halten. Dazu ist er wirklich der Unberufenste.(Abg. Hoffmann: Ten Kammerherrnton habe ich nicht!) Ein Beweis, wie der Ton de« Herrn Hoffmann ist, liegt schon darin, daß er nie ohne Ordnungsruf wegkommt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Behauptung, wir ließen die Sozial« demokraten hier nicht zum Worte kommen, verstehe ich nicht. Sie sind nicht einmal eine Fraktion und werden doch bei jeder Frage zum Worte zugelassen. Statt dafür dankbar zu sein, kommen Sie mit solcher Unverfrorenheit. Vizepräs. Barsch: Ich muh Sie bitten, derartige Ausdrücke zu unterlassen.(Abg. Hoffmann: Beinahe hätte es einen Ordnung?- ruf gegeben. Heiterkeit.) Abg. Dr. Schepp(frs. Vp.) bringt erneut Fälle von Maßrege- lungen liberaler Lehrer zur Sprache. Gegenüber Herrn Hoffmann muß ich dabei bleiben, daß der Standpunkt, der auf dem deutschen Lehrertag in bezug auf den Religionsunterricht in der Schule an- genommenen Resolution von der übergroßen Mehrzahl der deutschen Lehrerschaft geteilt wird.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.), Abg. v. Arnim(k.): Herr Hofsmann hat neulich behauptet, ich hätte eine Lüge ausgesprochen. Wenn es nicht Herr Hoffmann wäre, würde ich auf eine in anderen Felde Genug- tuung von ih», fordern: ihm gegenüber lehne ich einen solchen Versuch als aussichtslos ab.(Lachen bei den Sozialdemokraten.)l Redner verliest das neulich als authentisch angezloeifelte Zitat an? der„Bremer Bürgerzeitung". Abg. Dr. Friedberg(natl.) kommt auf den Essener Fall zurück und protestiert entschieden dagegen, daß der Abgeordnete Heß seinem Parteigenossen Dr. Maurer vorgeworfen habe, den Direktor deS Essener Gymnasiums wider besseres Wissen verteidigt zu haben. Als Ersatz für Herrn v. Tschudi sollte ein Man» mit künstlerischer Qualität gewonnen werden. Die Haltung de« Ministerialdirektors Dr. Schwartzkopff im Falle dcS Lehrers Kimpel verstehe ich nicht. Wenn die Kritik von Vorlagen des Nessortminifters einem Bcamien verboten sein soll, so hätte ich während meiner amtlichen Laufbahn mindestens L0mal diszipliniert werden müssen.(Heiterkeit.) Gegen den Oberpräsidenten von Tanzig, der an einer konservativen Ver» sammlung zwecks Demonstration gegen den höchsten ReichSbeamtcn teilnahm, ist man nicht im Disziplinarverfahren vorgegangen. (Sehr gut! links.) Auch die Maßregelung des LehrerS Brandau. der einen Sozialdemokraten gegenüber einem Antisemiten als das kleinere Nebel bezeichnete, ist nicht gerechtfertigt. Ich Erinnere an das Telegramm:„Fürst wünscht Sabor!" Der Ministerialdirektor sollte diese Maßregelungen zurücknehmen.(Bravo! links.) Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Nicht das Austreten gegen eine Vorlage des vorgesetzten Ministers wird dem Lehrer Kimpcl vorgeworfen, sondern die Form ,in welcher er dies getan bat. und das gemeinsame Auftreten mit einem sozialdemokratischen Referenten. Der Lehrer Brandau hat die Frage, ob er für einen Sozialdemokraten stimme, offen gelassen. Von einem preußischen Beamten müssen wir verlangen, daß er die Wahl des Sozialdemo- traten unter allen Umständen ablehnt.(Hört! hört! links.) Den von dem Abgeordneten Schepp vorgebrachten Fall werden wir unter- suchen.— Dem Abgeordneten Hoffmann halte ich hier ein Buch vor, überschrieben: Der freie Turner. Liederbuch der freien Turner, herausgegeben vom Arbeiter-Turnerbund, Leipzig 1808. In diesem Buche finden sich die von mir zitierten Lieder.(Hört! hört! rechts.) Wenn solcher Geist in den sozialdemokratischen Turnvereinen gepflegt wird, so müssen wir mit ollen Mitteln dagegen cinsqreiten. baR solche VercinigUNgeK auch stach die Jugend unseres Lölkes zu sich heranziehen wollen. Ilach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten Dr. Maurer !snatl.) und Dr. 5kauimann(Z.) wird ein Schlußantr. ag an- genommen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg.«trosser(k.): Der Herr Präsident hat vorhin den Aus, druck„Unverfrorenheit" gegenüber dem Abgeordneten Hoffmann gerügt. Ich möchte dazu benierken, daß ich dazu kam, weil während meiner Rede von Herrn Hoffmann und seinen Freunden, die nahe der Tribüne standen, Zwischenrufe wie„Frechheit",„Unver- schäm th ei t" usw. ertönten.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Vizepräs. Dr. Krause: Weder der Präsident noch das Bureau hat derartige. Lleuherungen gehört; sonst wären sie nicht ungerügt geblieben. Abg. Hoffmann(Soz.): Ich rufe die bürgerlichen Abgeord- neten, die neben uns gestanden haben, zu Zeugen auf, daß solche Ausdrücke nicht gefallen sind.— Durch den Schluß der Debatte bin ich verhindert, Herrn Ministerialdirektor Schwartz- kopff zu erwidern. Ich stelle nur fest, daß es sich bei meinen Aus- führungcn um das Liederbuch der I u g e n d a b t e i l u n g des Arbeiterturnvereins handelte. Gegen diese Jugendabteilung richten sich die Angriffe des Ministeriums, und in d i e fem Lieder- buche sind die kritisierten Lieder nicht enthalten. Herr v. Arnim. der so liebenswürdig war, zu erklären, daß ich nicht bereit sein würde, mich gegen die Gesehe unseres Staates auf einen Zwei- kämpf einzulassen, behauptet, er hätte die»Bremer Bürgerzeitung" richtig zitiert. Tatsächlich aber hat er den Hauptsatz ausgelassen. Er heißt:„Es ist richtig, daß wir die friedliche Der- wirklichung unserer Ideale wünschen."(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Mein Zuruf, gegen den er sich wandte, hat sich im übrigen nicht auf das eine Zitat bezogen. sondern auf seine ganze Zitatensammlung, in der nach seinen eigenen Worten nur enthalten ist, was für seine Zwecke paßt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herrn Strosser gegenüber bemerke ich noch: wenn ich alle Beschimpfungen, die in der konservativen Presse gegen uns erscheinen, sammeln wollte, müßte ich eine besondere Wohnung dazu mieten.(Heiterkeit.) Die Worte„Arbeiterlümmcl" und„Bauernbengel" habe ich übrigens bereits 188? dem Professor der Nationalökonomie Conrad entgegengehalten, der sie ebenfalls scharf verurteilte. Daß ich ein Feind des Christentums bin. wird Herr Strosser trotz seiner Zitaten- kunst nicht beweisen können.— Was den guten Ton anlangt, so möge sich Herr Strosser an den K a m m c r h e r r n v. P a p p e n- heim und Herrn Fischbeck wenden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Arnim(k.): Die von Herrn Hoffmann erwähnten paar Worte habe ich allerdings ausgelassen, und zwar, weil der folgende Satz weitaus wichtiger ist.(Widerspruch hei den Sozial- demokraten.) Abg. Strosser(!.): Die erwähnten Zurufe von sozialdemo- kratischer Seite sind von einigen meiner Freunde gehört worden. i(Zvruf bei den Sozialdemokraten: Von wem?) Der Kultusetat wird hierauf bewilligt, ebenso das Etatsgesetz und darauf der Etat in der Gesamt ab- stijnmung gegen die Stimme der Sozialdemo, traten. Hierauf wird der Staatsvcrtrag zwischen Preußen und Hamburg, betreffend die Verbesserung des Fahr- Wassers der Elbe und andere Maßnahmen zur Förderung der Seeschiffahrt nach Hamburg, Altona und Harburg. jn zweiter Lesung nach längerer Debatte angenommen. Das Haus vertagt sich.— Nächste Sitzung: Montag, 11 Uhr. !(Zweite Lesung dex Bcrggesetznovellc.), Schluß 5 Uhr._ Soziales» Krankenkasscnkougreß. Am Montag um 10 Uhr beginnt in Happoldts Brauerei, Hasenheids 32—33. der fünfte allgemeine Kongreß der Krankenkassen Deutschlands. Auf der Tagesordnung steht der Entwurf einer Reichsversichcrungsordnung. Die einzelnen Themata und die Referenten haben wir bereits bekannt ge- geben. Möge es dem Kongreß gelingen, sich über die Grundzüge einer der Arbeiterklasse gedeihlichen Gesetzgebung anstelle des die Rechte der Arbeiter aufs einschneidendste verletzenden Ent- Wurfes zu einigen.__ Gerichts-Zeitung» Zum§ 153 der Gewerbeordnung. Die Frage, ob es sich um die Erstrebung einer günstigen Ar. beittbedingurig oder um di« Verteidigung eines Rechts handelie, war abermals in dem Prozeß gegen den Eisendreher Westlaud zu entscheiden, der bekanntlich in dem Streik in den Siemens- Schuckertwerken zu Charlottenburg im Herbst 1908 seinen Anlaß halte. Während d-s Streits hatten Griebert und Sternberg durch Vermittelung des Arbeitsnachweises in der Gartenstraße bei dem Werk Arbeit erhalten. Westlaud rodete ihnen aus der Straße zu, dort nicht anzufangen, weil gestreikt würde, und gebrauchte schließ- liche einige scharfe Ausdrücke, unter anderem auch das Wort Streik» brccher. Er wurde auf Grund des ß 1ö3 der Gewerbeordnung an- geklagt und zu einer Gesänonisstrafe von 5 Tagen verurteilt. Nachdem die Sachs vom Kamiuergericht an das Landgericht zurück- verwiesen worden war. verurteilte das Landgericht den Angeklagten wieder in gleicher Höhe. Es nahm an, daß Westland den Griebert und Sternberg durch Ehrvcrletzung zu bestimmen versucht habe, Verabredungen behufs Erlangung günstiger Arbeitsbedingungen Folge zu leisten. Begründend wurde ausgeführt: Die erneute Hauptverhandlung habe folgendes ergeben. Am 8. Oktober sei in den SiemenS-Schuckcrtivelken die am 94. September erlassene neue Arbeitsordnung in Kraft getreten. Jn der Lutomobilabteikung der Werk« sei vis zum Inkrafttreten der neuen Ordnung 9 Sinn- den täglich gearbeitet worden. Nach der neuen Ordnung sollte auch hier, wie in den anderen Abteilungen, die 8s4stündige Arbeitszeit eingeführt werden. Unter II 5 enthielt die neue Ordnung fol- gendo Bestimmung:„Eine etwa notwendig werdende Verschiebung, Verlängerung oder Verkürzung der Arbeitszeit für den ganzen Betrieb oder für Teile desselben oder für einzelne Arbeitnehmer wird durch Aushang in der Regel am Tage vor Beginn der A-r. änderung mitgeteilt." Bei der Beratung der neuen ArbeitSord» nung habe nun hierzu der Arbeiterausschuß den Zusatz gewünscht/ daß die gedachten Verschiebungen. Verlängerungen oder Verkür- zungen der Arbeitszeit nur nach Vereinbarung mit dem Arbeiter- ausschuß angcordnc- werden dürften. Ein solcher Zusatz sei aber nicht aufgenommen worden. Somit habe nach der neuen Ordnung, ebenso wie früher, den Arbeitern ein Mitbestimmungsrecht über die Ansetzung der Ueberstundrn nicht zugestanden. Kurz vor dem Jn- krafttrcten der neuen Ordnung habe nun die Leitung der Werke durch Anschlag bekannt gemacht, daß für die nächsten Wochen die Arbeitszeit in der Aukomobilableilung durch Ueberstunden aus neun Stunden gebracht werden solle. Darauf hätten sich die Metall- arbeiter beschwert gefühlt. Statt Ueberstunden zu machen, wollten sie Arbeitskräfte für nach unbesetzte Schraubstöcke beschaffen. Als dies abgelehnt wurde, sei ein großer Teil der Arbeiter nach Be- cndigung der jetzt fabrikordnungsmäßigen KVistündigen Arbeitszeit nach Hause gegangen. Das habe die Direktion veranlaßt, durch Anschlag bekannt zu N.ache». daß die Arbeiter, die die einst- Iveilzn angeordnete Arbeitszeit nicht inne hielten, sich als ent- lassen anzusehen hätten. Die damit ausgesprochene Aussperrung dave dazu geführt, daß die anderen Arbeiter sich solidarisch er- klärten und in den Ausstand traten. öS könne nach den getroffenen Feststellungen nicht die Rede dabo» sein, daß damit die Erhaltung eines bestehenden Rechts bezweckt wurde. Vielmehr hätten die Ar- oeiter durch den Streik die Arbeitsbedingungen erlangen wollen, die gunstigcr waren, als die nach der alten wie her neuen Arbeits- orduung gegebenen, indem sie nämlich das ihnen nicht zuaek-�n- den« Recht beanspruchten, bei der Entscheidung über die Notwendig- keit von Ueberstunden mitzuwirken. Somit habe Angeklagter im Sinne des§ 153 der Gewerdeordnung durch Ehrverletzung auf G. und St, zugunsten einer Verabredung zur Erlaiigung günstiger Arbeitsbedingungen einzuwirken gesucht. Was nun das subjektive Verschulden des Angeklagten angehe, so sei seine Behauptung nicht zu ividerlegen, daß er damals Ursache und Ziel des AusstandcS nicht gekannt habe. Da dem Angeklagten nach seiner eigenen An- gäbe von der behaupteten Verteidigung eines Vertragsrechtes nichts bekannt war, so habe er auch mit der entgegengesetzten Möglichkeit gerechnet. Indem er sich um das Ziel des Streiks gar nicht kümmerte, habe er zu erkennen gegeben, daß er die Einwirkung auf andere auch für den Fall versuchte, daß eine Vevabredung de- huss Erlangung günstigerer Arbeitsbedingungen in Frage stand. Das subjektive Verschulden liege demnach vor. Auch gegen dieses Urteil legte Westland Revision ein, zu deren Begründiiiig Rechtsanwalt Dr. Heinemann unter anderem geltend machte: Verkannt sei der subjcltive Tatbestand des§ 153 der Gewerbeordnung. Nach der tatsächlichen Feststellung würde der An- geklagte, dadurch, daß er sich um die Ursache des Streiks nicht ge- kümmert habe, allenfalls sahrlässig. nicht aber mit dem zum§ 153 erforderlichen Vorsatz gehandelt haben. Jn objektiver m-.jxhung komme zunächst folgendes in Betracht. Der Vorberrichter stelle fest, daß die alte Arbeitsordnung ausgehoben und durch eine neue er- setzt worden sei. Es werde jedoch nicht festgestellt, daß die neue Arbeitsordnung durch den in den HK 134» und l34e letzter Absatz der Gewerbeordnung vorgeschriebenen Aushang und unter Wah- rung der Vorschrift des§ t34e erster Absah publiziert worden sei. Wären aber diese Vorschriften nicht innegehalten, so sei die neue Arbeitsordnung überhaupt nicht jn Kraft getreten und die Firma hätte Ueberstunden weder auf Grund der alten ausgebobenen, noch auf Grund der neuen nicht ip Kraft getretenen Arbeitsordnung verlangen dürfen. Dann läge nur die Gegenwehr gegen eine Rechtsverschlechtcrung vor. Der Vorderrichter habe weiter fest- gestellt, daß nach der Arbsitsordnnng die Drrekrion allein zu ent- scheiden habe, ob Ueberstunden nötig seien. Eine Vorschrift aber, die es in das Belieben des Arbeitgebers stelle, Ueberstunden nach seiner Wabl anzuordnen, verstoße gegen§ l34b der Gewerbevrd- nung, wonach die Arbeitsordnung Bestimmungen über Anfang und Ende der regelmäßigen Arbeitszeit enthalten müsse. Würde die Bestimmung der Arbeitsordnung so auszulegen seilt, wie es der Vorderrichter tu«, so wäre sie als gegen die guten Sitten und die zwingende Vorschrift des ß l34d verstoßend nichtig, und die Ar- veite« wären dann berechtigt gewesen, Ueberstunden zu verweigern, Ferner widerspreche eine Festsetzung der Ueberstunden„für die nächsten Wochen" dem Wesen der Ueberstunden. Diese von der Firma vorgenommene Art der Festsetzung widerspreche der Ar- beitsordnung und es würde auch chjer deshalb die Airwendung des ß 153 in Verbindung mit 8 159 der Gewerbeordnung ausscheider Auch sei nicht festgestellt, ob die Ueberstunden bezahlt werden sollten. Im Hinblick auf§ 812 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach Ar- betten nicht unentgeltlich geleistet werden brauchten, würden Arbeiter einen ihnen gesetzmäßig zustehenden Anspruch geltend machen. Wenn sie unbezahlte Ueberstunden ablehnten. DaS Kammergericht verwarf jedoch am Donnerstag die Nevi, sion mit folgender Begründung: Diejenige Verabredung, zu deren Folgeleistung der Angeklagte die Arbeitswilligen bewegen wollte, sei nach den unangreifbaren Feststellungen nicht dahingegangen, die Ueberstunden zu verweigern, sondern vielmehr dahin, ein nicht vor- handenes Mitbestimmungsrecht zu erzwingen. Aus diesem Grunde komme es nicht darauf an, tvelchen Inhalt die Arbeitsordnung hatte und ob verstoßen sei gegen K 1345 der Gewerbeordnung, wonach Anfang und Ende der taglichen Arbeitszeit festgesetzt werden müsse. Erwähnt werden möge aber, daß die Bestimmung von der reget- massigen Arbeitszeit spreche. Es sei also keinesfalls notwendig, in der Arbeitsordliuna Bestimmungen übe« die Ueberstunden zu treffen. Es feien also Bestimmungen zulässig, die die Ueberstunden- festsetzuiig dem Ermessen der Direktion überließen. Wegen des erwähnte» Zwecks der Verabredung der Arbeiter, ein Mitbestim- mungsrecht zu erzwingen, habe es auch keiner Feststellung bedurft, ob die Ueberstunden bezahlt werden sollten. Und ob die Arbeits- orduung im weiteren den Bestimmungen der Gewerbeordnung ent- spreche, daraus könne es auch nicht ankommen. Daß die Ucber- stunden„für die nächsten Wochen" angesetzt waren, sei kein Wider- sprach zum Gesetz. Im übrigeu sei die Arbeitsordnung keine Rechtsnorm und unterlieg« nicht der Auslegung des Revisions- gcrichts. Die Ausführungen der Verteidigung hinsichtlich des sub- jcktiven Verschuldens gingen fehl, da das Landgericht ausdrücklich den Dolus eventualis feststelle. ■*• * Die Entscheidung des Kammergerichts beruht, abgesehen von der durchaus verfehlten Auslegung des§ 134 der Gewerbeordnung, aus dem klaren Verstoß gegen die Grundregel des§ 195 der G.-O. über die Freiheit des Arbeitsvertrages. Das Kammergericht anerkennt in auffälliger Weise den Fundamentalgrundsatz des Ber- tragsrechts, auch des Arbeitsvertragsrechts, daß nicht einseitige Festsetzungen einer Partei, sondern nur Vereinbarungen beider Parteien rccktSgültig sind. Wir behalten uns vor, aus das Urteil, sobald sein Wortlaut yeröffentlicht werden wird, zurückzukommen. Kollidiebe. Zwei Hyänen der Straße wurden gestern von der 19. Straf- kämme« des Landgericht» I auf mehrere Jahre unschädlich ge- macht. Unter der Anklage des RücksalldiebstahlS mußten sich der Küfer Rudolf Schmirler und der Händler Max Fellcnberg vor dem Dtrafrichter verantworten. Anfang dieses Jahres wurden im Zentrum der Stadt und ferner in der Nahe des HafenplatzeS in der Schöneberger Straße zahlreiche Kollidiebstähle verübt. Die Kutscher der Nollfuhrwerke hatten mitunter kaum den Rücken gewendet, um ein Kolli abzuliefern, als ein Mann blitzschnell auf de» Wagen zusprang, ein kleines Kolli auf die Schulter nahm und damit davonging. Jn einem Falle begnügten sich die Diebe nicht nur damit, sondern sie stahlen gleich einen ganzen Wagen, der mit Kaffee beladen war. Schließlich wurde, um dem immer mehr um sich greifenden Treiben, dem gegenüber die Polizei völlig versagte, ein Ende zu bereiten, ein Angestellter des Spediteur- Vereins beauftragt, die Fuhrwerke an den Hauptladeplätzen zu beobachten. Auf diese Weise gelang es festzustellen, daß die beiden Angeklagten als Diebe i» Frage kamen. Beide lebten nur vom Kollioiebstahl. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Vorstrafen der Angeklagten auf je vier Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrperlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Indizienbeweis. Wie leicht auf Grund unzureichender Indizien eine schlver- wiegende Anklage erhoben werden kann, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, mit der sich die 4. Strafkammer des Landgerichts I zu beschäftigen hatte. Wegen schweren Diebstahls war die völlig unbescholtene Näherin Anna Weyde angeklagt. Am 19. November vorigen Jahres, nachmittags, wurde der ii» Südwesten ioohnhaften Frau Winkel von einem Angestellten eines naheliegenden Kolonial- Warengeschäfts mitgeteilt, daß ihre Schwiegertochter im Ge- schäst antelephoniert habe und ihr sagen lasse, daß ihr in Kottbus als Soldat dienender Sohn um 4 Uhr durcy Berlin hindurchkomme und sie auf dem Bahnhof Alexandorplatz zu sprechen wünsche. Frau W. fuhr sofort nach dem Bahnhof, jedoch stellten sich die Angaben betreffs deS Sohnes als unrichtig heraus. Als sie wieder in ihre Wohnung kam, erkannte sie sofort, daß sie einem raffinierten Gaunerstreich zum Opfer gefallen>oar. Während ihrer Abwesen- Veit war in ihrer Wohnung ein Diebstahl verübt worden. Gc- stöhlen waren 992 M. und zwei Ringe. Der Diebstahl war mit den Duplikatschlüsseln der Bestohlenen. die sanft auf dem Flu« .singen, verübt worden. Die Anklage nimmt an, daß nur die in demselben Haus« tvossnhasie Angeklagt«, die auch mit der Be« stohlenen freundschaftlich verkehrte, als Täterin in Frage komme und das auf Grund folgender polizeilicher Ermittelungen: An dem Tage des Diebstahls hatte die Angeklagte vor dem Hause der Lestohlenen auf der Straße spielende Kinder gefragt, ob die Frau W. schon das Haus verlassen habe. Am Nachmittage war die Angeklagte zu einer Frau Bchilisch gegangen und hatte diese gebeten, nnt ihr zu gehen und ein Kostüm zu kaufen. Einige Tage später, nachdem ihr die Frau W. den Diebstahl auf den Kopf zu- gesagt hatte, bemerkte die Frau Behnisch bei der Angeklagten eine größere Geldsumme. Auf ihre Frage soll die Angeklagte geantwortet haben:„Sehen Sie, das ist vielleicht das gestohlene Geld!" Außerdem soll sich die W. mehrmals teures Konfekt ge- kauft haben. Ans Grund dieser Indizien wurde die vorliegende Anklage erhoben! Vor Gericht wurde der Nachweis geführt, daß die Mutter der Angeklagten erst kurz vorher von der Stralauer Genossenschaftsbank 399 M. abgehoben hatte. Der Vertreter der Anklage hielt trotzdem die Angeklagte für überführt und be- antragte acht Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf Freisprechung der Angeklagten. Ueberschreitnng de? ZüchtigungörechteS. Am Freitag hob das Neichsgericht ein Urteil des Koblenzer Landgerichts auf, das einen Lehrer, der einem Knaben das Trommelfell zerschlagen hatte, nicht wegen Mißbrauchs der Amts- gewalt durch Körperverletzung, sondern nur wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt hatte. Der Lehrer Joseph Capell in Oberwintcr hatte den Schüler S. zur Strafe vor die Klasse gestellt und mit dem Stock geschlagen. Da der Knabe, der sein Gesicht der Klasse zugewendet hatte, lachte, gab ihm der Lehrer eine Ohrfeige. Der Knabe schrie laut auf. Am Nachmittag merkte er, daß er die Luft durch das Ohr blasen könne. Eine ärztliche Untersuchung ergab, daß das Trommelfell durchlöchert war. Gegen den Lehrer wurde Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amte erhoben, das Land- geeicht Koblenz hat ihn aber am 19. Dezember v. I. wegen fahr- lässiger Körperverlevung zu 19 M. Geldstrafe verurteilt.— Auf die vom Staatsanwalt eingelegte Revision hob am Freitag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Land- gericht zurück. Zu Unrecht hat das Landgericht keine Gründe dafür angegeben, warum der Tatbestand des 8 349 nicht vorliegen soll. Es scheint den Begriff der Körperverletzung im Amte verkannt zu haben, denn alleS, was festgestellt ist, nötigt dazu, daß vorsätzliche Körperverletzung anzunehmen ist.— Die vom Angeklagten selbst eingelegte Revision wurde vor- worfen. BriefhafUn der Redaktion. Dt« jntiftlfdie evrcchftunv,«»de,«in»,««rast» Nr. S.»Welte, Hos, dritter Eingaug, vier Treppe». 0tf Fabrstuh l IM wxchentiig««»beud» von?»/, dt«»'/, Uhr statt,«t-öisnet? Ubr eannab-»dS beginn, die SpriNistund« u»,<1 Uhr, Jeder Slnsrag? ist et» «nchftab- und ein- ttahl al»«i-rkteich-n beiznfUgen. vrieslt»«•Hittluor, wird nicht erteilt. Bis»nr Beantwortung im Briefkasten können 14 Tag« vergeben. Eilige Jrageu trage man in der Sprechstunde bor. Sl. G. 10. Jawohl.— 100. W. P. Die Heilstättcnbchandlung kann in solchem Fall allerdings abgelehnt werden.— H. B. 23. Im Fall einer Klage würden Sie leider verurteilt werden müssen.— P. S. 1. Nur Ivos kommt in Betracht. 2. Der ganze JahreSverdienst ist anzusetzen. — M. 30. Sie würden für den Fall der Klage den Einwand der Zahlung erbebe» müssen und, falls Ihne» leine anderen Bcweismltlel zu Gebote stehen, dem Gegner über die Taisach« der Zahlung einen Eid zuschieben müssen.—(?. 3. 100. Leider ist die Vereinbarung nach dem Gesetz zu- lässig, r» A. W. 100. Der Slrasantrag ist a» die StaatSanwastschast zu richten.— Aetrsebsbeamte, Werlmeister, Techniter. Handlunasgehilsen und sonstige Angestellte mit ciiicm Gehalt über LCioO—!Vi; ferner Gewerbelrelbende und sonstige BetriebSunlernehmer, welche nicht rsgelmäjiig mehr als zwei versicherungs- pslichiige Lohnarbeiter beschäsligen, sowie Hausgewerbetreibende und eudlich auch solche Personen, die ohn« Lohn nur gegen sreien Unterbalt beschäsligt werden.— P. 3. 38. Sie müssen Rückgabe dcS Scheines beantragen und Ausgabe neuer MonatSguiltuiigcn. — Krummestr. 46. Sie können sich selbst versichern. Zu diesem Zwecke müßten Sie mindestens je 49 Marken in irgend einer Klasse in je zwei Jahren kleben.— Steuer, Jn Berlin ist bei 4999 bis 99 999 Marl Jahresertrag oder 39 000 bis 159 909 Mark Anlage oder Be- lrtebStapital eine Gewerbesteuer mit dem Mittelsatz von 89 Marl zu zahlen. — P. H. 11. Beslimmie Anwalt«, Aerzte, Firmen usw. zu empseblen lehnen wir grundsätzlich ab. Wenden Sie sich an einen der Herren, zu dem Sie Vertrauen haben.— R. 18. Nsin. Die Frau kann erklären, daß sie nach dem Rechte des bürgerlichen Gesetze« erbt, dann verbleibt ihr eigenes Eigeiiium ihr vollständig. Von dem Nachlaß ihre« Ehemannes erhält sie die Halste, die Verwandten de» Ehemannes di« andere Halste. Ueberdi?s erhält die Witwe als Voraus bei der Teilung die HauShaltSgcgenstände und die HochzeitSgcfchenke.— Pessa 4. 1. ES könnte nur im Wege der Adoption daS Kind als eigen übernommen werden. Hierzu ist die Zu- sliimnung der Eltern deS Kindes und des PonnundeS sowie die Ge- nebmigung des VormundschasisacrichiS ersorderlich. Jn der Regel soll der Adoptierende mindestens 59 Jahre alt sein, indessen wird von diesem Er- sordernis seitens des Amtsgerichts Dispens erteilt. Der Adoptions- »ortrag ist gerichUich oder notariell zu schließen. Die Kosten hier- sür betragen 59 Mark. 2. DaS ist unerheblich.— Th. Bl. Stein. — B. P. 1880. Nach dem Gesetz ja.— P. 100. Wenn eine Schadens- ersatzpslicht vorliegt, so ist der volle Wert der Scheibe zu ersetzen. Eine Schadensersatzpflicht liegt sür den Fall der Annahme vor, der Schaden wäre bei hinreichender Aussicht vermieden worden. Ob dies« Frage in Ihrem Fall der Richler velahr» wird, erscheint uns zweiselhast,— ffl.®. 5. Wir könnten lediglich raten, a»Z der von Ihnen genannten Kasse auszutreten. —- Bl. 63. 1. Ihre Frau müßte und sollte llcben. 2. In diesem Fall würde iveder die Versicherung noch der Arbeitgeber, falls ihn nicht etwa eine Schuld trifft, anszutomnien baden.— W. R. R. 134, 1. Die niedrigste Marke genügt durchaus. 2. Eine Zulntzmarke besteht heute nicht. 9. Durch 1. erledigt. 4. Den Nach- schub bei sogenannten Ausvcrtäusen halten wir sür strafbar, schon heute. — F. S. 80. Wir habe» vor der Kasse wiederholt gewarnt. Wenden Sie sich an die Offenbacher Frauenkasse, Prlnzenstr, öS.--- A. Schn. 88. 1. und 3, DaS Schulgeld ist verschieden. Vielleicht wenden Sie sich gleich an d«n Direktor der von Ihnen«rivähnten Anstalt, Dort erfahren Sie gewiß auch alles Nähere.— Bank. Die Englische Bant zahlt ivie die Deutsche Neichsbank sür solches Geld die Zinsen, die jeweilig sür tägliches Geld gezahlt werden.—<8. B. Nein.— P. 10. Wiederholen Sie Ihre Frage.— I. B. I. Wenden Sic sich an das Gewerlschastsorgan„De« eseeniann", Hamburg, Besenbinderhos 57.— Zllter nponneiit 100. Am 19. September 1808 in Gens.— Briefkasten. 1873 wurden beide wegen Hochverrats zu je zwei Jahren Festungshast verurteilt. Wegen der weiteren Frag« müßten Sie bei dem Betreffenden selber anstageil. — P. P. 38. Gehalt 34 999 Mt., Repräseiilalionsloste» 19 999 M.— H. III. Fragen Sie einen Arzt.— B. St. 60. Wir haben vor der Kasse wiederholt gewarnt. Wenden St« sich an Henn Simanowstt, Gewerk. schastshauS.— Holland. Wir wissen nicht, ob Sie die Landessprache sprechen. Vielleicht ioenden Sie sich einmal an den Genossen Völker, Johanniterstr. 11. Ausgang 9, abends gegen 7 Uhr.— A. 2>., Sitendaler» ftraffe. Fragen Tie in einem AuSwandercrbureau. etwa Unter den Linden bei der Hamdurg-Amerita-Linie an.— O. G. 88. Die Ansrage ist an de» Gemeindevorstand des Ortes zu richten.— 000. Ä. H. 1. Im .Vorwärts» vom 98. März. Beilage, ist daS Abzugsjähig« dargelegt. L. Jn der Jägerstraße. 3. Die Reichsbant verzinst das Geld zu dem jewestigen Satz, der sür lägtichcS Geld bezahlt wird. Ihrem Zweck dürste wohl die Städtische Sparlalse am Mühlendamm entspreche».— G. Bb. Nein. — E. K. B. H. 140. Genosse Liebknecht wird nach seiner Enilassnng, die voraussichtlich am 1. Juni erfolgt, sein Mandat ausüben. Ueber die Wahl in Rixdors ist noch nicht entschieden,— A. V. 100. Wenden Sie sich doch oti Herrn Dr. Stieger, Endende, Berliner Straße«. Vielleicht erreichen Sie dort ihren Zweck. Aachen 800. Si« sollten mit dem edelste» Organ, dem Auge, doch nur den besten Arzt lonsullieren, nicht aber ein Mittel in Abwendung bringen, daS zwoistlios dem Verkäufer, aber nicht den, Patienten Hilst.— Brieftasten. Eine Vvllsbibtiothet ist in der Adalbertstr. 44. Der nngcsragte Ueberfall ist UNS nicht bckaiinl. Karl Hirsch, Ravensstraffe. Wie Sie sich ans dem Adreßbuch überzeugen koimten, gehört die Katzbachstraße zu Berlin. Die drei Grenzen stoge» in der dortigen Gegend zusammen.— ÄNandola 88. Wo ist die Quittung? —«. R. 3V. Di» Miwrnig müssen Sie schrWch an di» Direllion der königlichen Münz« richte». AJANDORF&C 0 Spittelmarkt Seile Alliancestrassa Grosse Frankfurterstrassa Brunnenstrasso Kottbuser Damm Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch 1 50000 Damen n Kinder Paar Herren Strümpfe zu ganz hervorragend billigen Preisen, nur soweit Vorrat Damenstrümpfe schwarz oder lederfarbig... Herrensocken............................... Kinderstrü m pfe schwarz 0. lederkard., Grösse 1-5 28 Pf. 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Verlag: VorwartSBuchdruckerei u. Verlagsansialt Paul Singer Si Co., Berlin SW. SM«. 26. ww 2. Keilllge iltS Lomilts" Ktllim Wlksdllltt. Sl" liw. nimmmBaamBBmammmmBBmmmmmBmamBBmmmmmmmammmmmmBBmmMaaaasa Die geschichtliche Stellung der Frau. Genossin Klara Zetkin begann am Freitagabend in FreyerS Festsaal in der Koppenstrahe den Vortragszyklus, der in fünf Abschnitten das obengenannte Thema bebandeln soll. Vor einer aufmerksamen Zuhörerschasr. zum überwiegenden Teile aus Frauen und Mädchen bestehend, hielt sie den ersten Bortrag: „Arbeit und Stellung der Frau im Altertum". Im Rahmen eines beschränkten Zeltnngsreferats können wir natürlich nur andeuten, was Genossin Zetkin in ihrem mehr als zweistündigen, sehr interessanten und durch ein reiches Material illustrierten Ausführungen bot: Auch die Familie ist wie jede andere Institution einem Werden und vergehen unterworfen. Falsch ist eS, den moralischen Maststob anzulegen, wie es manche Soziologen mit Bezug ans die auch von ihnen anerkannte Enlwickclnng der Familie tun. Richtig ist auch hier nur die historische Wertung im Sinne der geschichts- materialistischen Methode. Dieser erscheinen Form und Wesen der Familie in engster Abhängigkeit von der gesamten wirtschaftlichen Struktur. Die Entwickebmg der Familie zu verschiedenen Formen mit verschiedenem Inhalt erscheine ebenso als Folge der Pro- duktionSverbältnisse wie andere Erscheinungen deS sozialen Lebens auch. Ein grostcS Verdienst hat sich Altmeister Friedrich Engels mit seiner Studie über den Ursprung der Familie. deS Privateigentums und deS Staates in der Richtung erworben. Wenn auch verschiedene Annahmen Engels sich als urtümlich erwiesen, wobei sich namentlich der befruchtende Einstutz der revidierenden Arbeiten deS Marxisten Genossen Cunow Geltung verschaffte, so haben die Hypothesen Engels' doch zu einer glänzenden Bekräftigung des Wertes der materialistiichen GeschichtSausfasiung als Methode der geschichtlichen Forschung ge- führt. Unter Zugrundelegung der neuere» Forschungen ergibt sich: Treten unS � auch als die beiden grasten Motive die Sicherung des Lebens der einzelnen Individuen sder Hunger als Triebfeder) und die Erhaltung der Gattung fdie Geschlechtsliebe) entgegen, fo kommt doch der Hunger zunächst. So sehen wir, dost die ersten Verwandtschaflsorganisationen nicht herauswachsen aus den Beziehungen, die zwischen den Menschen als Geichlechtswesen bestanden, sondern vielmehr aus den Beziehungen zwischen Mensch und NahrungSmittelbeschaffung. also zwischen Mensch und Arbeits- bedingungen. Das wirft die Annahme über den Haufen, dast alle soziale Gesittung und alle Kultur vom Verhältnis zwischen Mutler und Kind ihren Ausgangspunkt genommen habe. Die ersten gesell- fchastlichen Beziehungen sind nicht die zwischen Mutter und Kind. fondern die zwtfchen den Mitgliedern einer Horde, in der uns zum erstenmal die zielbewustte Solidarität entgegentritt, die eine so groste Bedeutung in der EntWickelung des Menschen hatte. In der Horde bestand wahrscheinlich zuerst eine regellose Vermischung der Geschlechter auch ohne Unterschied der Blutsverwandtschaft. Es trat jedoch bald eine gewisse Schichtung in Altersklassen ein. Die Ausschliestung der Vermischung der Blutsverwandten erfolgte erst später nach und nach. Sind die ersten gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau abhängig von den Bedingungen deS NahrungSerwcrbS, so hängen diefe wieder ab von dem natürlichen und geographischen Milieu, worin die Horde, der einzelne kleine Gesellschaftskörper. lebt. Daher ist zuzugestehen, dast die Gestaltung der Einzel« beziehungen äusterst verschiedenartig vor sich geht, je nach den HilfS-. Mitteln, welche die Nawr so oder so den Menschen in die Hand gibt. Welches Verhältnis die Frau dem Manne gegenüber ein- nimmt, welche« Verhältnis die Kinder einnehmen, hängt davon ab. welcher Zweig deS NahrungSerwerbS die gröstere Bedeutung hat. Wo Jagd und Fischfang im Vordergründe stehen und somit die gröstere Bedeutung aus der ManneSlätigkcil liegt, drückt sich das auch aus in der gröheren Macht des Mannes. Dahingegen wo das Suchen von Wurzein, Knollen, Früchten(später der Landbau) die Hauptrolle spielt, die Frau alfo a'.S Erwerberin von Nahrungsmitteln in de» Vordergrund tritt, hebt sich auch die Bedeutung der F r a u. Sie wird als Arbeitskraft und nicht als Gefchlechtswesen in erster Linie gewürdigt. Es ist dabei ganz gleich, ob die Horde endogam oder exogam rst. In der Horde wird vor der Ehe keine Keuschheit verlangt. Dazu kommt, dast der ältere Bruder gegen eine Vcrgütigung seine Frau vorübergehend dem jüngeren übcrlätzt usw. DaS Geschlechtliche ist deshalb kein Grund, sich noch der Ehe umzusehen. Weil die Fron für den Menschen auf geringer Kulturstufe als Arbeitskraft die ausschlaggebende Bedeutung hat, so bekommt er sie gewöhnlich auch nicht umsonst, sondern durch Tausch oder Kauf. Sie wird dann sein Eigentum, und sein wird, was sie bietet an Erwerb und Nachkommenschast. Wenn der Mann stirbt. bleibt sie in der Horde und wird Eigentum seines Bruders oder eines andern in der Horde. Auf solcher sehr tiefen Stufe der Entwickelung kann von Mutterrecht, wie eS Engels angenommen hat, noch keine Rede fein. Anders gestalten sich die Verhältniffe auf einer höheren Stuf», Wo der Ackerbau eine gröstere Rolle spielt und haiwtsächlich Aufgabe der Frau ist. Die Frau gewinnt gröstere Bedeutung, auch sozial. und gleich ihr die Madchen, weil sie neben der Mutter die wichtigste Arbeitskraft sind, nicht nur für den Land- und Gartenbau, sondern auch für die Hausindustrie, die sich daneben entwickelt.(Aus Konto der Frau entfällt sicher die Erfindung der Töpferei und Weberei in ihren Aujängen.) Die Selbständigleit und Unabhängigkeit der Frau in der Familie nimmt zu. Es entwickelt sich das Mutter- recht. Die VcrtvaudtschaftSorganifationcn. die auf niutterrechtlicher Basis beruhen, zeichnen sich aus einmal dadurch, dast sie.verfaffungS- rechtlich" die weiteste Ausdehnung der Teinokratie zeigen und„ver- tnögeuSrechllich* durchaus kommunistisch sind. Die mutterrechtliche Verwandtschaftsorganisation dieser Art, wie sie unS die höheren Jägervölker Amerikas»sw. zeigten, hat zweifellos bei einer Reihe alter und moderner Völker bestanden, wofür AnhaltSpuicke aus der Zeit, wo sie in die Geschichte eintraten, in Fülle vorhanden sind. Die weitere Entwickelung führte zum Vaterrecht als Folge der Veränderung der wirtschaftlichen Bedeutung der Frau, indem die Entwickelung dem Manne eine hervorragendere Beteiligung am Wirtschaftsleben zuschob. Hinzukam die Entwickelung deS Handels, des Krieges, zum Teil der Sklaverei. Wie verschieden sich auch die Verhältniffe im einzelnen zeigten, überall machte sich das eine treibende Gesetz bemerkbar, dast die Form der Familie und die Stellung der Frau>m höchsten Mäste von der Gestaltung deS Wirt« schaftlichen Levens abhängt und dast eS die produktive Arbeit der Frau ist. die die Höhe ihrer sozialen Wertung und der Achtung, die sie als Gefchlechtswesen geniestt, bedingt. Der letzte Teil deS Vortrages bot in sehr iniereffanter Dar- siellung eine geschichtSmaterialistische Würdigung der Zustände im alten Griechenland und Rom und der Rolle deS Christentums.— Die Versammelten spendeten lebhaften Beifall. Am Montag folgt im selben Lokal der Vortrag:.Arbeit und Stellung der Frau im Mittelalter." Pünktliches Erscheinen der Hörer ist notwendig.____ Klus der Frauenbewegung. Der weibliche Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- dcmokratie. Wie wir kürzlich berichteten, wurde bor wenigen Monaten in den Räumen des Reichstages eine neue bürgerliche Fraueuorgani- fation auS der Taufe gehoben. Als Taufzeugen fungierten u. a. auch der Häuptling des ReichSverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. General v. Liebert, ferner Dr. Mugdan und Dr. Arendt. Diese Namen lasien schon erkennen, wes Geistes Kind der Täufling ist. Als Hauptziel deS.Deutschen Frauenbundes'— wie die Orga- nisation sich nennt— ward denn auch die Bekämpfung der»Um- sturzpartei' bezeichnet. Genau wie fein männlicher Kollege, versucht der weibliche Neichsverband in proletarische Kreise einzudringen, die Arbeiterfrauen zu kapern, analog dem Streben der Liebert, LebiuS u. Co.,.natio- nale' und.gelbe'.Arbeitervereine' zu gründen. Das Vorgehen dieser Damen deS weiblichen Reichsverbandes ist umso gefährlicher, weil ste sich öffentlich als politisch neutral bezeichnen, fich den harmlos klingenden Namen.Deutscher Frauen- bund' beigelegt haben und so Uneingeweihte um so leichter zu täuschen vermögen. Die.Frau', daS Organ der gemäßigten Richtung unter den bürgerlichen Frauen, wandte sich in feiner Aprilnummer bereits scharf gegen die Tendenz und daS Ziel der neuen Frauenorganisation. In der Nummer vom 1. Mai nimmt auch die.Frauenbewegung', daS Organ der.radikalen' Frauenrcöhlierinnen, gegen die Be- strebungen der neuen Organisation scharf Stellung. Diese Angrisse aus dem Lager bürgerlicher Frauen ist dem Weib- lichen ReichSverband natürlich sehr unangenehm. Wird doch dadurch der Charakter und das Ziel ihrer Organisation gar zu offenkundig und außerdem wird ihnen die Werbung von Proselhten aus bürger- lichem Lager erschwert. Die Borsitzende leugnet in einer in der Mainummer der.Frau' veröffentlichten.Erklärung', dast der.Deutsche Frauenbund' fich die Bekämpfung der Sozialdemokratie als Hauptziel gesteckt habe, vielmehr wolle er politisches Wissen verbreiten unter den bürgerlichen Frauen, damit ste nicht nur dasselbe, sondern mehr da- von lenien als die Arbeiterin. Die Redaktion der.Frau' verweist in einer Nachschrift mit Recht nicht nur aus die Veröffentlichung des BundeSprogrammes in bürgerlichen Blättern, sondern auch aus den bekannten Vülow- Brief, der etwaS ganz anderes als Ziel des BundeS anspricht, als daS der Verbreitung politischen Wissens. Und sie fügt hinzu:.Ob eS dazu einer neuen Organisation bedurfte, müssen frei- lich die Erfolge des Bundes erst lehren.' Wir möchten »och hinzufügen: Muß aber die Vorsitzende des.Bundes' einen konfulen Brief an den Reichskanzler geschrieben haben, aus dem dieser herauSlaS,»die Frauen wollten an der Bekämpfung der Umsturzpartei mitarbeiten', während sie lediglich lernen, sich politisch bilden wollen I Die armen, verkannten Damen I In all' ihrer Bescheidenheit, die diktiert ist von ihrer politischen Unwissenheit, machen ste dem Reichskanzler die Mit- teilung: Siehe her, wir wollen lernen, wollen Wissende werden im politischen und sozialen Leben, darum haben wir einen neuen Bund gegründet aus Frauen aller Stände. Der Reichskanzler versteht den Brief nicht, faßt ihn falsch aus und antwortet daher auch etwas ganz Unangebrachtes und Unzutreffendes. Aber die BundeSdainen in all ihrer Bcscheidenhett wagen nicht zu protestieren und richtigzustellen. AIS gute Untertanen, die politisches Wohlverhalten kennen— wenn sie auch sonst nichts von Politik verstehen— ersterben in Ehrfurcht vor dem Kanzler des gleiches, drucken ohne Kommentar den Brief ab. der jetzt zur Stig- matisierung des Bundes dient. Ist das aber Pech I Doch Scherz beiseite. Wir haben die Angelegenheit nochmals erwähnt, un, überall draußen unsere Arbeiterfrauen zu warnen. daniit sie wiffen, was zu tun ist, wenn die Damen zu ihnen kommen, um sie für ihre.Bildung verbreitende Organisation' zu kapern. Vielleicht wird man auch noch versuchen, durch irgend- welche Wohltätigkeit die Proletarierinnen zu gewüinen, um sie zu korrumpieren. Es lann nicht genug betont werden, dast unsere Arbeiterinnen und Arbeiterftauen nur tn die sozialdemokratischen Vereine und. falls ste erwerbstätig find, außerdem in die freien Gewerkschaften gehören. Gerade das Vorgehen der Damen des.Bundes' muß unsere Proletarierinnen dazu anspornen, mit doppeltem Eifer zu agitieren unter ihren Arbeitsschwestern, diese aufzufordern. sich der modernen Arbeiterbewegung anzuschließen. Klassen bewusttsein und Klassen- stolz lehren uns: Aus eigener Kraft müssen wir emporsteigen und unsere Befreiung erringen! Dazu bedarf es der Hilfe aller Lrbeitendeni Arbeiterinneuschutzgeschgebung in der Schweiz. Im Züricher KantonSrat ist das revidierte Arbeiterinnenschutz- gesctz in der Schlustabstimmung mit nur 110 gegen 104 Stimmen an» genommen worden. Die Mittclstandsleut« und Agrarier stimmten dagegen, weil ohne Unterschied von Stadt und Land der Laden- schlust auf 0 Uhr abends festgesetzt worden ist. Natürlich wollen die städtischen Krämer fo wenig alS die ländlichen in ihrer AuS- beutungsfrciheit beschrankt sein. Die Konsumvereine haben durchweg den Achtuhr-Ladenschlust und können dabei bestehen. Bei jenem Stimmenverhältnis erscheinen die Aussichten für die Annahme des Gesetzes in der kommenden Volksabstimmung als recht ungünstig._ DaS Frauenstimmrecht im Staate Wisconsin ist vor einigen Wochen vom Senat an« erkannt worden. Eine entsprechende Vorlage fand die Zustimmung der Senatoren. Im Unterhause ist dieselbe Vorlage jüngst mit S3 gegen 84 Stimmen abgelehnt worden.— Im Staate Illinois wird gegenwärtig eine lebhafte Agitation entfaltet, um das Frauen» stimmrecht in den Kommunen durchzusetzen. Besonders eifrig sind die Frauen in Chicago. Aeustercn Anlast dazu gibt die bevor- stehende Revision der städtischen Verfassung Chicagos. AIS in der Hauptstadt des Staates, in Springfield, das Parlament über Vor- lagen zum Frauenstimmrecht in allen Kommunen deS Staates zu beraten hatte, gingen Extrazüge � von Chicago nach Springfield, um Massen von Frauen zu befördern, die für ihr Stimmrecht Propaganda machen wollten. Im Senat zeigte man den Frauen Entgegenkommen. Dem Abgeordnetenhause wurde empfohlen, sich für das kommunale Frauenwahlrecht zu entscheiden. Die vom Senat eingesetzte Kommission war einstimmig für die Vorlage. Ob aber das Parlament sich ebenfalls in diesem Sinne entscheidet» ist noch sehr fraglich.__ Mocken Spielplan der ßertiner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Tristan und Isolde.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Ein Wintermärchen. DicnStag: Tannhäufer. Millwoch: Die Fledermaus. Doiinerstaa: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Ein Wintermärchen. Sonnabend: Fidclto. Sonntag: RIenzi.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Elektro.(Anfang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag i Die Karolinger. Montag: Die Oulhows. Dienstag: Mrs. Dot. Mittwoch: Die Karolinger. Donners- tag: Biel Lärm um Nlchis. Freitag: Zopf und Schwert. Sonnabend: Klein Dorrit. Sonntag: Die Rabensteinertn. Montag: Die Karolinger. (Ansang 7'/, Uhr.) ReueS tiinigl. Opern> Theater. Sonntag: Glsell«. Montag: Da» schlecht bewachte Mädchen. DicnStag: Pachita. Mittwoch: DaS schlecht bewachte Mädchen. Donnerstag: Gifelle. Freitag und Sonnabend: Ge- schlössen. Sonntag: Doktor KläuS. Montag: Geschlossen. Deutsches Theater. BIS aus weiteres täglich: Faust.(Ansang 7 Uhr.) Deutsches Theater.(Kamm erspiele). Sonntag: ver Arzt am Scheidewege. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Der Gras von Gleichen. MUiwoch: Der Arzt au: Scheidewege. Donnerstag: GvgeS und fein Ring. Freitag:»Frühling« Erwachen. Sonnabend und Sonntag: Der Arzt am Echcideivege. Montag: GhgeS und fei» Ring.(An- sang S Uhr.) Lefsiiig-Theater. Bis auf weiteres täglich: Die Dollarprmzesßn. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhclm. Bis aus weiteres täglich: Ein Hcrbstmanöver. Donnerstag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barn Helm. Nächsten Sonnlag: Nach- mittags 3 Uhr: Minna von Barnhclm.. Neues Schauspielhaus. Bis aus weiteres täglich: Mahö.(Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Bis aus weiteres täglich: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Bis aus weiteres taguch: Tricoche und Cacolet. (Ansang 8 Uhr» Stesidcnz-Theater. BIS aus weiteres täglich: Kümmere dich um Amelie.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag? Nachmittags 3 Uhr: Hofsmanns Er» Zählungen. AbendS: Tiestand. Montag: Carinen. Dicnsrag: Tiefland. Mittwoch: tzosfmann» Erzählungen. Donnerstag: Tiefland. Freitag: Carmen. Sonnabend: Tosca. Sonntag: Nachmittag? 3 Uhr: Fledermaus. AbendS: Carmen. Montag: Hossmanns Erzählungen.(Ansang 8 Uhr.) Hebbel-Thcater. Sonntag und Montag: RcvowtionShochzeit. Diens- tag: Frau WarrenS Gewerbe. Mittwoch: Nenolutionshochzeit. Donners- tag: Frau Marrens Gewerbe. Freitag: Revolutionshochzeit. Sonnabend, Sonntag und Montag: Frau Marrens Gewerbe.(Ansang 8 Uhr.) Triano»- Theater. Bis aus weiteres täglich: LiebeSgewttter(An- sang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das verwunschen« Schlotz. Bis auf weiteres täglich: Der Zigeunerbaron. Nächsten Sonnwg: Nachmittags 3 Uhr: Das verwunschene Schiog. Lustspielhaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Im Klubsessel. Bon Sonntag bis Freitag: Im Klubtessel. Sonnabend: Der Liebling der Damen. Ein Freundschaftsdienst. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Im Klubkessel. Abends: Der Liebling der Damen. Ein Freundschaftsdienst. (Anfang 8 Uhr.) Theater deS Westen?. Sonntag: Nachmittags 3»/, Uhr: Ein Walzer» ttaum. Abends: Der Jockeyklub. Montag: Die lustige Witwe. Dienstag z Der tapfere Soldat. Mittwoch: Der Jockeyklub. Donnerstag: Der lapsere Soldat. Freitag: Ein Walzcrtraum. So:mabcnd: Die lustige Wilwe. Sonntag: Nachmittags 3'/. Uhr: Ein Walzerttaum. Abends: Der tapfere Soldat. Montag: Unbestimmt. Schillcr-Tlieater<». Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volksfeind. Abends: Jmlgscr Obrigleii. Montag: Narziß. Dienstag: Jungser Obttg- kcit. Mittwoch: Doltor Klaus. Donnerstag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volkssebid. Abends: Jungfer Obttgkcit. Freitag: Die Karolinger. Sonn- abend: Jungser Obrigkeit. Sonnlag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volks- sewd. Abends: Das Erbe. Montag: Vater und Sohn.(Anfang 3 Uhr.) Schtller-Theater Charlottenpurg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Rechts herum. AbendS: Narziß. Montag: Narziß. Dienstag: Doktor Klaus. Mittwoch: Narziß. Donnerstag: Nachmittags 3 Uhr: Rechts herum. AbendS: Narziß. Freitag: Die Welt, in der man stch langweilt. Sonnabend: Narziß. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Rechts herum. AbendS Der tapfere Soldat. Montag: Unbestimmt. Friedrich- Wilhelinstadrisches Schauspielhaus. Sonntag: Nach- mittags 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends: Husarcnsieber. Montag: Der Kilometersresscr. Dienstag und Mittwoch: Die siebzehnjährigen. Donners- tag: Nachmittags 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends: Der Kilometer- sresser. Freitag und Sonnabend: Der Kilometerfresser. Sonntag: Nach- mittag» 8 Uhr: Schlagend« Wetter. Abends und Montag: Der Kilometer- sresser.(Ansang 8 Uhr.) Thalia. Theater. Bis aus weiteres täglich: Gastspiel August Junker- mann. Mittwoch ab: Geschlossen. Luiien-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. AbendS: Das Kälbchcn von von Hcilbronn. Montag und DicnStag: Krone und Fessel Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Der Stolz de» HauscS. Freitag: Zauberflöte. Sonnabend: Der Freischütz. Der fliegende Holländer. Somnag und Montag: Der Stolz des Hauses.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Operctten-Theater SW. Sonntag: Almcnrausch und Edelweiß. Montag: Opcrnaussllhrung.(Ansang 7'/. Uhr). DicnStag und Mittwoch: Der Dorspsarrer. Donnerstag und Freitag: Der Geigen- macher von Mtttenwald. Sonnabend und Sonntag: S'Lenerl von Obcrammergau. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8'/, Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Gastspiel-Theater. Bis auf weiteres täglich: Die Frau Grästn. An- fang 8'/, Uhr, Sonntag 8 Uhr. BernKard Rose> Theater. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Die Sprecwald-Käte. Abends, Montag, Dienstag und Mittwoch: Der Leier- mann und sein Kind. DomnrStag, Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Das Mädchen ohne Ehre.(Ansang 8 Uhr.) Wlmopot- Theater. Allabendlich: Die obere» Zehntausend. An- sang 8 Uhr. Retchsballen. Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Der Kompagnicball.«Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Apollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Pastage-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr Mtd allabendlich» Spezialitäten. Walhalla-Theatcr. Allabendlich: Spczlallläten. Palast-Thratrr. Allabendlich: Spezialitäten. Urania> Theater. Tanbeniieatze 48/49. Sonntag: Von Abbazka nis Korsu. Montag: Der Montblanc. Dienstag: Bon der Zugspitze zum Watzmann. Mittwoch: Von Llbbozia bis Korsu. Donnerstag: Der Moni» blanc. Freitag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sonnabend: Der Montblanc. Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: Un- bestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Steruwarte, Jnoalidenstr. 57—62. Vermifcktes. Zur Gisenbahnkatastrophc bei Herlisheim. Nach den amtlichen Feststellungen sind bei dem Eisenbahnunglück folgende Personen getötet worden: 1. Lokomotivführer Choulat- Straßburg, 2. Lokomotivführer Sttack-Sttaßburg. 8. Lokomotivführer Krantz-Straßburg(in Mülhausen gestorben), 4. Lokomotivheizer Alte- wetn-Sttaßburg, 6. Oberpostschaffner Ludwig Roll-Straßburg, 0. Re- gierungSrcferendar v. Bötticher-Düsieldorf. Verletzt sind: 1. Bremser Lambert, Schiltigheim(Schulterkontusion und Bruch breier Rippen). im Bürgerhospital zu Colmar; 2. Zugführer Lange, Kroncnburg, Brandwunden und leichte Quetschungen; 3. HilfSbrcmser Rappold, HanSbergen, Nervenchok; 4. Fabrikant Karl Buchholz, Krefeld, Beckenbruch und Quetschung; S. Seidenfabrikant Wilhelm Schmitz, Zürich, Bruch des rechten Oberarmes. Außerdem sind wahr- scheinlich mehrere Personen leicht verletzt, die sich aber nicht ge- meldet haben. Eine weitere Meldung besagt: Der durch daS Eisenbahnunglück bei Herlisheim verursachte Materialschaden wird auf 2 Millionen Mark geschätzt. Von den 38 Postsäcken, die der Schnellzug mit sich führte, sollen nur 4 gerettet sein; verbrannt sind auch viele Wert- fachen für Holland, ebenso ein Postbeutel mit 0000 Mark Inhalt. Die Post deS GüteSzugeS wurde von dem Postschaffner sofort auS dem brennenden Wagen hinausgeworfen und so gerettet. Mit den durch die Sturmglocke herbeigerufenen Einwohnern der Nachbarorte nahmen auch zwei Schwadronen Dragoner au» Colmar an den Rettungsarbeiten teil. Wie die Gencraldirektion der ReichSeifenvahnen mitteilt, wurde der zweigleisige Betrieb bei Herlisheim heute nachmittag 2 Uhr wieder aufgenommen._ Sei dem Unglück bei der Schießübung der Matrosenartillerie in Wilhelmshaven, worüber wir gestern berichteten, sind, wie eine Meldung aus Wilhelmshaven besagt, noch verletzt worden: der Matrosenartillorist Stengel schwer, die Matrosenartilleristen Leichle und Weinberger mittelschwer, die Matrosenartilleristen Spangenberg, Dannenberg, Timplon, Netzhammer, Mohr und Meyer leicht. Die Verletzungen befinden sich meist am Kopf und Oberkörper. DaS Unglück ist bei einer 28 Zcntimcter-Haubitze durch vorzeitige? Ziehen der AbzugSleine entstanden. Die Granate ging in eine nahe Mauer, und durch die umherfliegenden Stücke wurde die Bedienung?- Mannschaft des Geschützes getroffen. Durch Wirbelsiürme sind in den Staaten Kansas, Miffourh und Oklahoma zwölf Personen getötet und gegen hundert verletzt Word«, Für den Inhalt der Jnserare »ibernimmt die Redaktion dem Publik««« gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbcuter. (Siehe Wochen• Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, den IS. Mai, nach mittags 3 Uhr: 10, Abteilung im Neuen S ch au sp i e Ihaule: Nachtasyl. Nachmittags 3 Uhr:(5. M tcilung imT h a li a-Theater Der Fleck aus der Ehr'. Montag, den 17. Mai, abends 8 Uhr:(I.) 12. Abendabteilung im Neuen Schauspielhause: M a HS. Neue Freie Volksbühne. Am Sonntag, 16. Mai, nachmittags 2ll, Uhr: im Deutschen Theater: WaS ihr wollt; w den Kammer- spielen: Frühlings Erwachen. un NeuenTheater: Der Schwarz- künstler.— Silberfischchen! im Neuen Operetten- Theater: Das verwunschene Schloß; im Berliner Theater: Minna von Barnhelm; im Hcbbel-Theater: Cyprienne— Die Stärkere z im Schiller- Theater O: Ein Volksseini); im Fr.- Wilhelmst. Schauspielhaus: Schlagende Wetter; im Schiller- Theater Eharlottenburg: Rechts herum.__ Lessing-Theater. Sastspicl d. Neuen Operetten-TheaterS. Morgen und solgende Tage 8 Uhr: vi« Dollarprinaeiwlir. Hebbel=Theater Königgrätzer Str. 57/68. Ans. 8 Uhr. Ke?o!lllioll8doe!iieil. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Ein HerbNtmanSTep. Nachm. 3 Udr: Minna»on Barnhelm. Neues Theater. AbendS 3 Uhr neu einstudiert: Tricoche und Cacolet. Morgen und solgende Tag«: Tneocve und Cacolel. Theater des Westens. Heute nachm. 31/« Uhr halbe Wretse: El« Walzertraum. Abends 8 Uhr: Per Jockey klnb. IVencB Operetten-Theater. Schifibauerdamm 25. a. d. Luisenftr. 0 Uhr: va,»orBuneodeno Lodiol. Abends 8 Uhr: Per Zlgcwnerbaron. Residenz-Theater. --» Direktion: kiodant»lsxaooer.— Ansang 8 Uhr. Mmmere Vieh um Amelie. Schwank in 3 Alten(4 BUdernj Morgen Borftellg. Abend» 8 Uhr: Ii» frislIsleit-WilttslmRtSlttiRliiies Schauspieltiaus. Sonntag, den 16. Mai, nachm. 8 Uhr: Schlagende Wetter. Abends 8 Uhr: Hnsarenfieber. Montag: Der Kilonieterfresser. Dienstag: Die Siebzehnjährigen. t.lii88R-IItka!as. Nachmittag» 3 Uhr: Ausgewiesen. LlbendS 8 Uhr: Kathchen von Kkilbronn. Montag: Krone und Fessel. Dienstag: Krone und Fessel. Mittwoch: Krone und Fessel. Donnerstag nach««. 3 Uhr: Käthchen von Hcilbronn. Abends: Krone und Fessel. Freitag: Aasispiel deS Berliner Opern Ensembles: Zauberstöle. WWW WIM (flt. Frantiiirler Str. 132. Abends 8 Uhr: lDer Leiermann u. fei» Pflegekind. Sonntagspreise."PW) Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Die Sprerwald-Käte Ssnssouoiz TulTl Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: Neues Programm. Elile-Soirte ÄV.: von Holtmanns Nordd. Sängern Zum erstenmal: Der Mann mit den drei Frauen. Lustspiel in t Akt. Leg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Morgen Montag: Hoffm. Nordd. Säng. Tanz. Himmelfahrt: Gr. Extra- Elite- Solree. Tang. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Montag 8 Uhr: Der Dontblanc. OOiOCISCHER Hente Sonntag Rfl... Eintritt p'* Kinder unter 10 Jahren die Haifte. Ab nachtn. 4 Uhr: Militär-Doppel-Konzert. Morgen, sowie tägl.: Gr.Konzert Passage-Panoptikum. Eebend t Die letzten weiblielien Wesen vom Stamme der Azteken! Ohne Extra- Entree! Experimente der IV. Dimension. Neapel. Briganten. Alles ohne Extra-Entree i Passage-Theater. Walter der eigenartige Schneider ist Bruns-Lebrun der fahrende Sänger Jaka Jshad Maur. Schlangantänzerin. 2ter Monat. Das neue Slai-Prograinm ein voller Erfolgt Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gfust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anl 8 Uhr. Rauchen gestattet. Debüt Mac Walten der Hann mit dem geheimni»- voUen Rock. Ferner: Das ungelöste Rätsel: „Darga" das fliegende Piano. liiane cTJKve Excentrique frantjais. Kioj»okii japanische Hofkünstler und eine Kette hervorragonder Kunstkrätte. Taglich Kartsfein in seiner Burleske oder Ec* Ab 8 Mr: Die glSnzenden DpezialitSten. lZaskuiuI-Theaisk Köpenicker Strotze 68. Heute 8 Uhr: Die Frau Gräfin. Schauspiel in 6 Akten v. Br. Wagner. Montag 8'/, Uhr: Die Frau Gräfin. Palast-Mer Heute Sonntag, den 16 Mai: 3 grof/e EntscheidnngSkämPfe zwischen iisekensohmid t und??? ßrillon und Solar. Jacob Koch und Kornatzkl. Montag, den 17. Mai ringen: Jacob Koch gegen Solar. Kornatzkl gegen Porlos*. Dejrk HerauSsorderungskamps zwischen ??? und Pslgonhauor. Ansang 8 Uhr. Anfang der Nivgkänipse g>/, Uhr. (Sämtliche Kämpse müssen hss zur absoluten Entscheidung aus- gefochlcn werden.) t&ikmflitifir I Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. DaS grofie Mai>P> ogramm. I Grete Gallus, die beliebte! Soubrette, u. die übrigen Spez. I Im Garten: Ereihonaert.| Schiller-Theater. Schlller-Tlioaler 0.(Wallner-Theater.) Sonntag, n a ch m. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 6 Ausz. von H. Ibsen. Deutsch von W. Lange. MW- Ende 5'/. Uhr.-99 Sonntag, abend? V Ufttl Jungfer Obrigkeit. Komödie in 3 Akten v Gustav DaviZ. Ende KP/j Uhr. Moutog. abendS S llhr: Hnrsia. DitnStag, obendS 8 Uhr: Jungfer Obrigkeit. Schiner-Tbeater eharlottenburg. Sonnlag. nachm. Sllhr» Hechts hernrn. Schwank in 3 Akten v. HanS KauS. WM" Ende 6'/. Uhr.-M> Gouutag. abendS 3 Uhr: IVarnlS. Trauersp. w bAkt. o. A. E. Brachvogel. Ende lO'u Uhr. Montag, abendS 3 Uhr: Poktor Klans. Dttuttag. abendS 3 Uhr NarxlB. CASTAN's I* A V O P T 1 c u n Friedrlehstr. ISS(Pschorrpalatt). Neol WM" Ohne Extra-Entree. IUI Sensationell i Mariedl, Riesin der Welt „Beilachinls Zauberweit!66 Täglich: Nachm.: Soireen.— Abends 8 Uhr: Haupt- Solree. 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Belohnung der Brenehe alt du n einige nenb | f � a U f h«( H i Phänomen |r m Nr. 113. 26. Jahrgang. 3. KilM des LmSrts" Snlimr KlksM. Airtichsktlicher Vochenbericht. Berlin, IS. Mai IVOS. Preistreiberei am Getrcidcmarkt.— Folgen des Einfuhrscheinsystems. — Weizen- und Noggcnprcise.— Mehlpreise.— Zölle und Teuerung. — Kleinhandelspreise.— Neues Attentat gegen die Konsumenten. In scharfem Widerspruch mit der Lage am Arbeitsmarlt steht die Preisentwickelung für Brotgetreide. Zwei Faktoren haben der Hausse in den letzten Wochen Stütze gegeben: ungünstige Saatenstaudsberichte und die Koustatierung, dast in Deutsch- land sich Maugel an Ware bemerkbar mache. So wird die Eiufuhrschein- LiebeSgabenpolitik auch nach dieser Richtung unangenehm fühlbar. Der Reichskasse entgehen enorme Beträge, und infolge der Eutblöstung deS einheimischen Marktes von Getreide schnellen die Preise hinauf. Wie sich unter der Wirkung der erhöhten Zölle der Außenhandel Deutschlands in Getreide und Mehl entwickelt hat, veranschaulicht folgende Zu- sammenstellung. Sie gibt aus den letzten beiden Perioden— 1. August bis 30. April— das Plus der Einfuhr resp. Ausfuhr an, sowie die aus der Veränderung resultierende Verschlechterung der Jnlandsversorgung. Es betrug in Doppelzentner: Vermehrung-f- Vermindernng— Einfuhrüberschuß Ausfuhrüberschuß der Inlands- 1807/08 1908/09 1907/03 1908/09 Versorgung in 1908/1909 gegen 1907/1908 — 5 799 784— 6 985 602 5 357 528 204 229 2186 212 3211087 1 185 818— 15 956 610 10709 082 16 368 729 16 572 958 — 160 729 7 524 259 4 313 172 1975 483 --t 439 668 681 908 242 240 575 544 1 144 625— 569 081 Roggen Weizen Gerste Hafer Mais Roggow inehl Weizen- mchl Insgesamt hat sich demnach die Jnlandsversorgung mit Ge- treibe und Mehl durch die Verschiebung im Außenhandel um rund 14 Millionen Doppelzentner vermindert. Nur bei Gerste und Hafer ergibt sich eine Zunahme der Versorgung. Berücksichtigt man nur das Brotgetreide, so stellt sich die Abnahme auf rund 13 Millionen Doppel- zentner. Die Ausfuhrsteigernng verursachte in der Provinz an einzelnen Stellen bereits akute» Mangel an greifbarer Ware. Diese Umstände, verschärft durch die ungünstige Bewertung der Witterung inbezug auf die Saatenentwickeluug in Deutschland, dazu ein un- freundlicher SaatenstandSbericht aus den Vereinigten Staaten, gaben, wie bemerkt, der Hausse am Getreidemarkt neuen Anstoß.� Konnte man im vergangenen Jahre von exorbitanten Preisen reden, so dienen die vor- jährigen Notierungen für Weizen heute als Maßstab der weiteren Er- höhunaen. Nach den Notierungen der Berliner Börse ergeben sich folgende Sätze pro Tonne in Mark: Weizen Roggen Durchschnitt im 2. Bierteljahr 1901 170.4 142.7 .„„ 1902 168,0 147,1 1903 163,3 134,0 1904 174,5 131,5 I'' 1905 173.6 148.6 1906 183,2 160,6 " 1 1907 201,1 192.8 1908 213,8 192,8 Anfang Maiebür-{ ranUei-leidoii und.HenntrnnilonsbeHehwcrdcn leiden, unverMlich unser ärztlich geleitetes Institut per. söultch aufzusuchen, wo wir gerne die iiiitigen Zlufllarimgei, kostenlos erteilen. Sollte Ihnen dies jedoch nicht möglich sein, so genügt es, dieses Inserat einzusenden, worauf Sic unver- züglich unsere obenerwähnte Broschüre unter gefchlosfciiem' O'ouvert gratis und franko zugeschickt erhalten, Institut Elektro-Tlierapie Berlin W.»5. 12 E,lUz«wstrafli«e 74 hochp. I i- prechstnuden i 10-1 und 8—8, Sann- und stelertaas 10-1?. S. Kallski fU.___________... v*.___ I. KleUtstr. 21, am Witlenhergpl«! 2. Brnniiens/z Uhr, im Oevrerkseliafts- liaase, Engelus« 15(gr. Saal): General-Bersammluug. TageS-Ordnung! 1. VerwaltungS- und Kassenbericht. 2. Anträge. 9, GeschästlicheS. KMBT Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang der Bcr- fammlung vorzuzeigen. Wer mit seinen Beiträgen über 10 Wochen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. 67/S Die Ortsvenvaltnng. g. A.l Fritz Wappler. Qnnhipn.Qälfl Sophienstralie 17/18 UyililiCil mAIv 0uerstraBo 6er Rosenthalar StraBe— £. am Hackeschen Markt• ===== Inhaber: Panl Daatz empfiehlt seine vcn 60—8000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen Vortrags- u. KunstaSenden usw. Vorzügl. Akusttt. Kulant. Entgegenkommen. Avlltsedsr Eolzarbeiter-Terband. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 19. Mai 1999, abends SV»(IVips UP GeneraB-lfersammlung in Freyer" Festsälen, Koppenstr. 29. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 3. Anträge. 2. Bericht der OrtSverwaltung. 4. Verbandsangelegenhetten. Delegiertenkarte und Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltang. Senfseber Kürschner-Verband Filiale Kcrlfn. Bureau u. Arbeitsnachweis: Barnimstrabe 21, vorn Part. Tel.: Amt VN 6780- Ditttvoch. den 19. 31 ai 1©00, abends 8 Uhr, im Alten SchUtzcnhaus, Linienstr. 5: Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: 1.»Die Etnfübrung der Grmsrbsloseu-Ilnterstützung.- Referent: Kollege Fritze. 2. Diskussion. 3. Gewerkschästliches. 4. Verschiedenes. Zahlreiche Beteiligung erwartet 102/S_ Die Ortsverwaltnng. Deutscher firbeiter-Sarngertd.| Bau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 23. Mai 1909, vormittags 11 Uhr, im Saale der Brauerei Friedricbsbaia: Uebungs« Stunde.!» Geübt werden; 1. Festgesang. 2. Nicht verzagt. 3. Weihe des* Gesanges. 4. 0, wie herbe ist das Scheiden. 5. Wanderschaft, b [ 6. Sturm. 7. Empor zum Ucht. � '�lteTÄK�AusschußrSItzung. p Tages-Ordnung: 1. Aufnaime von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. 17/4--.- Der Vorstand. Achtung! Bewilligte Bäckerei. Die Disserenzen zwischen unlerzeichuetcm Meister und dem Beiband der Bäcker sind zur Zusriedenheit erledigt; somit gilt diese Bäckerei wieder alS geregelt. 262Ö6 Memeler Str. 12. 0er Vertrauensmann der Bloker. geregelt. 0. Helfer, Korbmacher. Montag, den 17. Mai, abends 8l/s Uhr, im GcwerlschaftShausc (Saal S), Gnaelufer IS i Mitglieder-Versammlttng Tage S.Ordnung: 1. Vortrag de» Kollegen Freud enthal- Hamburg über: Die Ursachen der Löhnredicktion in der Veschoßkorbbranche. 2. Branchenangelegcnheiten. 84/3 Kisten- und Koffermacher. Montag, den 17. Mai, abend« 8% Uhr, in den AndreaS-Festsälen. Andreasstr.«1: Mitglieder-Versammlnng TageS-Ordnung: 1. Dortrag de« Genossen Schlemminger üb«: Die deutsche Steuerpoliut. 2. Die Aussperrung bei Drechsel. 3. Verbandsangelegenheiten. rH Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittwoch, den 19. Mat, abeudv 8 Uhr, finden tn den bekannten Lokalen für Berlin und Umgegend die Bezirks- Sitzungen statt. TageS-Ordnung: s4Z3/lS 1. Unsere Agitation. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen erwarten Dl« Oblonte. W" Fußpartie am Donnerstag, den SO. Mai(HimmelsahrtStag). Treffpunkt vormittags S Uhr am Bahnhof Grünau. Früh. stück UM 9'/, Uhr im Lokal„Marienlust-.(Nachzügler werden dort erwartet.) Zielpuntt.Müggelheim'.— Der Gesangverein der Putzer schlieft sich der Partie an. DV Abfahrt der Züge vom Bahnhos„Börse" 7 Uhr 49 Minuten und 8 Uhr 19 Minuten.-WM Alle Mitglieder und deren Bekannten ladet freundlichst ein Der SekttonSvorstand. fMÜsie Berlin. Mittwoch, den 19. Mai, abends 8 Uhr: Außerordentl. Mitglieder Versammlung bei vieler, Sebastianstraße 39. = Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung.■ Es ist Pflicht aller Kollegen, zu erscheine».(174/1") Die Ortsvorwnltang. Verband der Kaier, SaeMerer, Unstveieher Melchiorstrasze 28. filiale Serlin. m. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Mittwoch, den 19. Mai, abends 8Va Uhr, in Tregers Tesfsäletl (früher Keller), Koppenstr. 29: ZM- Uerfammlung der Muler und An �reicher Berlins und der. Vororte. TageS-Ordnuugi 123/17" Die Aufstellung des neuen Lohntarifs. SS ift Pflicht eine» jeden Kollegen, tn der Versammlung zu erscheinen. Die OrtSverwaltNNg. Orts- Krankentasse der Manibsf, Optiker u. verw. Gewerbe zu Berlin. Dienstag, den SS. Mai IVOS. abends präzise 8 Uhr: Ordentliche General-Versammlung sämtlicher Bertrete« in den �Arminhallen«, Kommandaiitenstrage 58/SS. TageS-Ordnung: In getrennter Wahlversammlung: Für die Vertreter der Kassen. Mitglieder: Wahl von einem Mit- gtiede zum Vorstand an Stelle de» ausgeschiedenen Herrn Bader. In aemeinschastlicher Versammlung: 1. Abrechnung der JahreSrechnung für 1908, Bericht der Revisoren. Dechargeerteilung. 2. Antrag aus tlbändmmg deS h 30 des StawtS. 274,18 3. Bericht und Reuwahl der Be- tchwerdekommtsston. 4. Antrag aus desinitive Anstellung von 2 Hilfsarbeitern. S. Bericht vom V. Allgem. Kranken- kassen-Kongretz. Berlin, den lv. Mai 1909. De? Voctand. I. A.: Max Gutsche, Vorfitzender. Beschwerden, zu deren Erledigung die Einsicht der Kasseriaktsn ersordcr- lich ist. sind bis zum 22 Mai schrist- tich in» Kassenlokal einzureichen. Tic Generalversammlung wird pünktlich eröffnet. ssnnshmeitellest kür„kleine ssnxeigen" Dczlln C. 91. Hahnisch. Auguststr. 60. W.®. Schmidt, Kirchbachitr. 14. O. TS. Mau», Petersburger Platz 4. Gustav Bogel. Koppenstr. SS. R. Wengcls. AndrcaSstr. 17. ?kO. S. Zucht. Jmmanueltirchitr. 12. F. Reul. Barntmstr. 42. Zl. H.»Hascht«, Ackerftr. 36. F. Trapp, Stettiner Str. 10. Karl. Mars, Lychener Str. 128. Karl Weis-e, Nazaretbttrchstr. 49. H. Bogel. Lortzingstr. 37. A. Ttctz, Jnvalidenstr. 124. L. Dechand, Nuliepintzstr. 24. VW. Kart Anders, Salzwedcierstr. 8. Weckert, GotzkowStuttr. 29. SW. H. Zveruer. ffineifenauitr. 72. Daehn. Hagelberger Str. 27. Si. St. Fritz. Prillzentlr. 31. Rich. Schmidt. Koltbuler Damm � SO. Paul Böhm. Lausitzer Platz 14,16. P. Horsch, Engcluser 16. �.dlcnub«!. Karl Dchwarzlase, Hoffmannstr. 9. Ht»nniocI,nicn«'Cg. H. Hornig. Marienthalerstr. 13, I. lto»>»lg«'aid«. Paul.«ienast. Räuschstr.. 10. Charlottenburg. Gustav Schnriitierg, Sescnbcimer(äte.|„ FriedpIchMhngcn. Ernst Werkman». griebrichstr. 67, GrUnuu. Franz Klein, Babnbosstr. 6, III. •loiinnnlstbal. Pielicke, Kaiser-Wilhelin-Platz 4. KarlHhorüt. Richard Küter, Rödelsir. 9. II. Uiipcnicb. Emii Wiflier, Kietzerilr. 6, Läden. Ldciitf nberg. Otto Settel. SUomnr.rzcintr. 4, I. Kiedcr-SchOncMcIdc. Paut Bengsch, Grünauer Str: 9. Kowuweti. Wilhelm Jappe. Friedrichstr. 7. Obcn-KcbOncncitl«. Auguit Hrnsrö. Laufener Str. T L Pankow. Otto Nisiliiauu, Muhlenslr. 30. Ncinickclidoi'f. P. Gurich, Kauleteilr. IL. Kialdoi-r. M. Heinrich. Neckarslr. 7. tkourad. Hermannstr. SO. ik»n,n>Qi»b»i'g. 31. Roiriikranz, Att-Boxbageii 6b. Schmargendorf. Gustav Kamiusky. Eunowstr. 2. tScbitiieherg. iLildelm Bäumter, Marlui-Lulher-Str. 61 im Laden. Spandan. Köppe», Jagowstr. 9. 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Nachdem- Gemütliches Bei�antmensem mit Tanz. 217 Iii*___ Der Einberufcr: Ernst 80 der, Große Frankfurter Straße 34. Zta berliner Üenossenschafts-Säckerei. » Eingetragene Oenossenscbaft mit beschrankter Haitpilicht.— Metnickendorf.Ost. Wilkestr. 62. Bilanz am 81. Dezember 1008. Aktiva. Waren-Konto.................. Betriebs. Unkosten-Konto............... «vespann-Unkostm-Konlo.............. tlalsa-Konto................... Bank-Konto................... rtsf, tten-Konto.................. st.uthaben-Konto Bei der A.-E.-A........... i�rundstück-Konto................. Gebäude-Konto............. 178 850,— Wschr. 3 580,- Eespaim-Konto............ 16 7u4,— Maschinen-Konto Lnventar-Konto Debitoren... Abschr. gtiöl.— Abschr i 460.— 450,— Abschr. 1 704,05 444,05 Fazslva. Konto der Genossenschafter..... H>>potbeken-Konto........ Hypolycken-TilgungZfondS-Konto UnIerstützungStondS-! Üleservcsvnds-Konto 5kredi!oren.». ronto 4«00,45 WO.— 1 106,85 410,45 20,49 879,40 126,25 88 000,— 175 270,- 13 350,- 8 950,— 1850,— 5 066,20 238 905,09 1000,— 196 000,— 14 395,— 8 203,09 8 430,— 11 967.— 238 995,09 Im Lause deS Gefch«st«ZahreS 1908 hat sich die Mitgliederzahl nicht verändert und beträgt 20 Genossen. DaS Geschäslsguthaben der Mitglieder sowie die Gesamthastsumme be- tragen am 31. Dezember 1908: luOO M. Die GeschästSguthaben und die Haslsumme haben stch um 50 M. der» Mindert. Reinickendorf, den 14. Mai 1909. 105/15 Der Borstand. Robert Engel. Karl Marschel. O 3 (Ji CJ M d u KS u Jt S4, Anklanierntr. 84, Arkona=Baa-t,sÄ''iiiÄiS" SSi Elsktrlsch. Lichlbad. Sai ÄS'SaSiÄSSi. Vertobtel Komplette KUcIieQ-Einriclitungen: 130 Teile.,. Mk. 35.- 200 n•.. ff V 5.— 300„... ff 130.— Aufstellung a. Wunsch gratis u. franko. Alle Artikel, auch einüeln. sehr billig. L. Katz& Coz SpandauerStr. 45, a. Molkenmarkt Filialen: Rixdorf, BergsiraSe 6S,a Bahnh. Brandenburg a. 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Bezirk deS WahlvereinS Steglitz. m SozialiieniokratisctierWa!ii?erein| für den i Berliner ReiehstapaliM Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 357. Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Arbeiter LmH Kattner Tilsit er Straße 78 gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet Montag, den 17. Mai, nachmittags 20, Uhr, vom Trauerhause aus nirs dem Zentral-Friedhoj in FriedrichSielde statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/16 Der Porftand. I Gesangverein �ängeskranz'., ?iermit die traurige Nachricht. unser langjähriges Mitglied] Emil Kattner I am Freitag srsih 2 Uhr ver- i I starben ist. 25921' j Ehre feinem Andenken!' Der Vorztand. 1 Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstetls Berlin. Todcs-Anzelgon. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Arbeiter Emil Kattner am 14. d. M. am Herzschlag ge» starben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den t7. Mai, nach- mittag» 2'/, Uhr, vom Trauerhause. Weidenweg 73 aus, nach dem städtischen Friedhose in Friedrich». leide statt. Ferner starb da» Mitglied, der Schlosser Atax Wöllner am 14. d. M. an Bauchfell- entzündung. Die Beerdigung findet am Montag, den 17. Mai. nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des Dreisnlligkeils-Kirchhoses in der Barutherstraße aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 117/5 Die Ortsverwaltung Zentralverband der Schubmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Hollege Jeusius Petersen nach langem Leiden am 14. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Montag, den 17. Mai. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannis- Kirchhofs» m Plötzensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 169/12 Tie Drtöverwaltnng. Für dt» Teilnabme und die Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Fritz Waldmannn sagen wir allen Freunden und Be° kannten, insbesondere dem Wahlverein ö. Kretse» dem Versande Blätterarbeiter de» S. Kreises sowie der Bliimen- und unseren besten Dank. Frau A. Waldiuann 26146 nebst Geschwistern. Dauksagmig. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Bruders sage allen Beteiligten aus diesem Weg« meinen besten Dank. Peter Cassan. Dr. Sctiünemasin Spezial-Arzl sür 543L' Unat- nitd liarnleidun, Frau cn ti ranktiritcn. Friedrlchstr. 203, Ecke Schützensir. Wochentag» 4i>—!S. 5—7. Die Harnleiden Ihre Oefahren, VerhQtung und Beseitigung von JDr. med. tiehoper, BERLIN- Preis I Mark-, ■ Sie« tausend SJ ?ekk»'i»i Bicbtcr kranhlurt f —~ Buacümulxl.'' t | Biltigsto BecuS(lneHe I ieg. IracerÄßbe ifeslnannsl T/aur-Magazin i Be f|jn ii Mohrenstp. 37a! M ö., 0 rrankt. Str. HS. f QpJUG Beachtung j | me'er b'inna u, Haus- f -rauier geboten! Am Freitag früh 3 Uhr starb J nach langen schweren Leiden mein'' lieber Mann, unser guter VateN Schwieger« und Großvater, d�l Zlgarrenmacher l27 Eouis tterrman� Um stilles Beileid bittet Witwe Karoline Herrin� nebst Kindern. Die Beerdigung fint.,, Montag, den l7.Mai, nae""9gs 4>/, Uhr. von der Leicher'� des neuen Rixdorser Fried's�»ui Mariendorser Weg au�"' arlo�enburo r. Hunsrmann Wallslrl odeme Uhren uMwaren Sozlaldetnokratis�ahlTereiii «IxiDrf. Tode«-/"®,e* ST©• Am 14. illtul-'st'ub nach Inn- gen schweren unser lang- jährige« Mitg�-«er Zigarren- Händler 235/7 Eonk�errmaim . Bezirk.) Der Veorbene gehörte zu der alten Ga�- die schon unter dem Soz>alist9°sctz ihren Mann ge. standen'den: er war immer in den er" Reihen zu finden, so lange'cin körperlicher Zustand erlauf- Die Parteigenossen wer- den ein ehrendes Andenken bewein. - Beerdigung findet am M/ag, nachm. 4>/, Uhr. von der Ae deS neuen Rixdorfer Fried- h-S(Mariendoner Weg) aus Ilm rege ÄzIlddemcd'Mchei'Vntilvet'etn Spaudaii. \achrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse, Barbier Karl poxze Seeburgerstr. 84 am Freitag, den 7. Mal, in, Aller von 32 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Nndenkenl 284/15 Der Vorstand. SwUrlMrtlkcl. Neu«.». Katalos m-biupiahl viel Aerite u Prof. grat.e des Jonuitls" Kerliin Zomckg, 16. Mai 1909. Partei-?Znge!egenkeiten. ?« die Parteigenoiscn Berlins und der Provinz Brandenburg! Der heutigen Nummer des.Vorwärts' liegt wiederum eine neue Lokalliste bei, welche wir der Arbeiterschaft dringend zur Beachtung empfehlen. Gerade bei den jetzt beginnenden Partien der verschiedenen Vereine bietet sich die denkbar günstigste Gelegen- heit, unsere Parteigenossen in den Landorten in ihrem schwierigen Lokalkanipfe wirksam unterstützen zu können. Wir richten deshalb an die Arbeitervereine das dringende Ersuchen, sich bei allen ihren Ausflügen und Partien streng nach der Lokalliste zu richten. Jeder muß dessen eingedenk sein, daß der Kampf um die Er- ringung von Versammlungsräumen ein Kampf um daS Versammlungsrecht ist; wo uns Säle zu Ver- sammlungen zur Verfügung stehen, dort können wir unser Versammlungsrecht erst wirklich aus- nützen. Deshalb: Beachtet die Lokalliste! Des weiteren ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei ollen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Ver- bandes deutscher Gastwirtsgehülfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin, Gr. Hamburger Straße 18/19. Tel. Amt III 1813.) Außerdem ist es im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungcn verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitglieder an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlins und der Kreise Nieder-Barnim, Teltow-Beeskow und Potsdam-Ost- Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des„Vorwärts"; dies bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aendc- rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. Die Lokalkommission. Der zweite Bortrag der Genossin Zetkin findet am Montag, den 17. Mai, 8 Uhr abends, in FreycrS Fcftsälen(früher Keller), Koppenstr. 29 statt. Eintrittskarten- sind noch in den Kreisbureaus und bei den Bezirksführern vor dem Vortrage zu haben. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Dritter Wahlkreis. Am Dienstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, findet im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18 c, eine ö f f e n t- I i ch e Versammlung statt. Reichstagsabgeordneter Genosse Dr. David spricht über:„Das Reichsregiment auf der Anklagebank. Der Vorstand. Fünfter Wahlkreis. Donnerstag, den 20. Mai, Himmelfahrtstag: Ausflug nach Bergfelde. Abfahrt 8*- Uhr vom Vorortbawchof der Stettiner Bahn nach Hermsdorf. Treff- Punkt dortselbst für Nachzügler im Restaurant„Forsthaus", H. Heidenreich, Auguste-Viktoria-Straße 18. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Rixdors. Dienstag, den 18. Mai, abends SVs Uhr, findet in Hoppes Festsälen, Hermannstraße 49, eine öffentliche'Frauen- Versammlung statt. Die Genossin Mathilde Wurm spricht über: (.Die Frau und der Sozialismus". Massenbesuch wird erwartet. Schäncberg. Am Donnerstag, den 20. d. M.— Himmelfahrts- kag— veranstalten die Mitglieder des Wahlvereins einen gemein- samen Ausflug. Treffpunkt 7 Uhr am Schöneberger Bahnhof. Abfahrt 7.23 Uhr nach Grünau, von dort zu Fuß nach Bohnsdorf, dann weiter nach E i ch w a l d e und Schmück- Witz, von hier aus Rückfahrt. Die Teilnehmer wollen sich zahlreich und rechtzeitig an bestimmter Stelle einfinden. Der Vorstand. Charlottenburg. Am Dienstag, den 18. d. M., abends 8 Uhr, findet im großen Saale des Volkshauses, Rostnenstrahe 3. eine öffentliche Versammlung statt, in der die Stadtverordneten Land- tagsabgeordneter Hirsch und Dr. Borchardt über die durch die letzten skandalösen Ereignisse brennend gewordene Friedhofsfrage sprechen werden. Ober-Schöneweide. Am Dienstag, den 18., findet in Wil- helminenhof die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Genosse Grunow wird den in voriger Versammlung vertagten Bericht der Gemeindevertreter geben. Teltow. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 18. d. M., abends 8� Uhr, im Lokale des Gc- nossen W. Bonow statt. Mariendorf. Am Dienstag, den 18., abends pünktlich 8% Uhr, Mitgliederversammlung bei Zierock, Kurfürstenstraße. Die wichtige Tagesordnung macht das Erscheinen aller Genossen zur Pflicht. Bezirk Pankow. Am Dienstag, den 18. d. Mts. abends pünktlich um 8 Uhr, findet eine Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins im Saale von Großkurt. Berliner Straße 27, statt. Es spricht der Reichstagsabgeorduete Emil Eichhorn über das Thema:„Die politische Lage." Parteigenossen und Parteigenossinnen Pankows! Erscheint alle in dieser Versammlung und macht auf das eifrigste Propaganda für guten Besuch. Die Bezirksführer werden ersucht, die Mit- glieder ihrer Bezirke auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Der Vorstand. ' Borsigwalde-Wittenau. Am Dienstag, den 13. Mai, abends 8� Uhr. findet in den Borsigwalder Festsälen. Jnh. Jerschinsky, die erste Generalversammlung des Bezirkes statt. Tagesordnung: I. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 2. Reuwahl der Bezirksleitung und sämtlicher Funktionäre. 3. Verschiedenes. Britz-Buckow. Morgen Abend, �9 Uhr. findet im Lokal des Herrn K. Gruhn(Lindenpark), Chausieestr. 18, eine öffentliche Volksversammlung statt. Tagesordnung:»Die politische Situation." Referent Genosse W. Ulm. Ober-Schöneweide. Die Parteigenossen, welche sich an der am Himmelsfahrtstage stattfindenden Hcrrenpartie nach Mahls- dorf beteiligen, wollen sich früh ö Uhr im S. Bezirkslokal bei Raabe treffen. Tempelhof. Am Dienstag, den 18. Mai, abends 81Ü Uhr, findet im Lokal des Genossen Müller, Berlinerstr. 40— 41, die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Lichtenberg. Am Dienstag, den 18. Mai, abends 8!6 Uhr, findet im Lokal von Gürsch, Frankfurter Chaussee 128, eine Mit- xliederversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genoffen Reichstagsabgeordneten Lehmann- Wiesbaden:_ C2)ic politische Sftpatiou." Wilmersdorf-Halensee. Heute, Sonntag, findet für alle Ge- nossen und Genossinnen eine gemeinschaftliche Besichtigung der Treptower Sternwarte statt. Die Teilnehmer kommen entweder in den Bezirkslokalen zusammen oder treffen sich um 4i4 Uhr vor der Treptower Sternwarte. Rege Beteiligung dringend erwünscht. Vorzugskartcn sind bei den Bczirksführern zu entnehmen. Der Vorstand. Tegel. Am Dienstag, den 18. Mai, abends pünktlich 8!� Uhr, findet im Lokal Jul. Klippenstein, Tegeler Seeschlößchen, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag über:„Der erste Teil des Erfurter Programms". Die letzte Gemeindevertreterwahl. Lankwitz. Mittwoch, den 19. Mai 1909, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Prochazka, Viktoriastraße 41, eine öffentliche Ver- sammlung statt, in der Genosse Reichstagsabgeordncter Fritz Zubeil über:„Die neuen Steuerforderungen" sprechen wird. Potsdam. Mittwoch, den 19. Mai, abends pünktlich 8 Uhr, in allen Bezirken: Zah labend. LerUner I�acKmdtm Maikäfer. In diesen kalten Tagen, da das Thermometer sich eine märzliche Zurückhaftung auferlegt, wollen auch die Maikäfer, deren Saison doch jetzt eigentlich für unsere Jugend gekommen sein müßte, nicht recht in die Erscheinung treten. Nur ganz vereinzelt trifft man in den baumbepflanzten Straßenzügen der Proletariervicrtel einen Blondkopf mit der ominösen Zigarrenkiste unterm Arm. aus der ein paar halbwelke Blatt- rippen wehmütig als„Maikäferfuttcr" herausschauen und somit den Inhalt der Schachtel verraten. Diese Seltenheit macht es, daß die für den Wonnemond typischen Krabbeltiere leider ziemlich hoch im Preise stehen. Ein kleiner Händler, den ich am Zionskirchplatz danach fragte, wollte fünf Pfennig für den Käfer haben, schließlich einigten wir uns auf zehn Pfennig für drei Stück.„Aber einen König kann ick dafor nich jeben. Die wcr'n jetzt imma selt'ner," meinte der kleine Händler, über das ganze Gesicht lachend, beim Abschluß des Geschäftes. Früher war das anders. Als wir Jungens waren, ver- kauften wir auch Maikäfer. Aber nicht für Geld. Damals galt die Stecknadel, namentlich wenn sie den seltenen, dicken, schivarzen Kopf besaß, als Tauschmittel. Wir hatten sogar einen kleinen Reim, der die Kundschaft anlocken sollte. Der lautete: „Käber-Mai, Käber-Mai, for'ne Nadel jiebt es zwei!" Doch das ist nun schon eine geraume Zeit her. Damals pflückten wir noch die Kornblumen aus den Aeckern dicht hinter dem Schönhauser Tor. Und unsere Maikäfer holten wir uns zu Hunderten von den alten Kastanienbäumen, die in den Biergärten der Landsberger Allee schatteten, too wir des Sonntags nach- mittags immer fünfmal die Karussels herumdrehen halfen, um dafür das sechste Mal umsonst mitfahren zu dürfen. Niemand störte uns bei unseren Maikäferjagden. Die waren nach altem Brauch ein ungehindertes Recht der Berliner Jugend, an das zu rütteln keiner versuchte. Heute ist das alles anders geworden. Wovoreinem Menschen- alter in ländlichen Biergärtcn uralte Bäume Schatten spendeten, stehen vierstöckige Mietskasernen mit Hinterhäusern und Seiten- flügeln. Ein Berliner Junge, der Maikäfer fangen ivill, muß schon ein ganzes Stück über das Weichbild der Riesenstadt hinauspilgern, um ein armseliges, halbes Dutzend der braun- geflügelten- Scchsfüßler zu erwischen. An die Bäume in den Straßenzügen der inneren Stadt verirrt sich nur selten ein Maikäfer. Und nun gar erst in diesem Jahre, wo alles in der Pflanzenwelt noch so wenig entivickclt ist und es selbst dem„Ungeziefer", zu dem so viele den Maikäfer rechnen, an Nahrung gebricht. Seine Zeit ist erst gekommen, wenn die Kastanien ihre Kerzen aufgesteckt haben und der Flieder seine Blüten öffnet. Das bedarf aber noch tüchtig der belebenden Kraft der Sonne. Bevor nicht ein paar laue Abende und linde Nächte ins Land gezogen sind, wird daher auch der Ntaikäfer, als typisches Insekt für unseren Monat, noch auf sich warten lassen._ Erbauungsschriften für Eisenvahnreisende. Zu unseren Mit- teilungen über die sonntägliche Traktätchenverleilerei, die auf dem Görlitzer Bahnhof vor den Augen der Bahnbeamten betrieben worden ist, hat die Eisenbahndirektion Berlin sich noch immer nicht geäußert. Sie ist wohl sehr rasch bereit, aus Zeitungsnotizen zu antworten, sobald sie meint, etwas berichtigen zu können. Inzwischen ist uns ein Fall gemeldet worden, aus dem wir den Schluß ziehen müssen, daß gelegentlich sogar ein Bahnbeamter in eigener Person die Rolle eines Traktätchen- Verteilers übernehmen zu dürfen glaubt. Das soll vorgekommen sein auf dem Bahnhof Grunewald, und zwar merk- würdigerweise nicht an einem Sonntag, sondern an einem Sonn- abend, zufällig am— 1. Mai. Eine Leserin unseres Blattes be° richtet uns jetzt, daß dort am Abend des 1. Mai, als sie mit einer Begleiterin den Bahnsteig betrat, ihr an der Kontrollschranke von dem Beamten, der die Fahrkarten durchlochte, ein Traktätchen überreicht worden sei mit der freundlichen Bitte, es mitzunehmen und durchzulesen. Ihre Begleiterin habe begonnen, es durch- zulesen, bis ihr ein Licht darüber aufging, was für ein Geistes- Produkt es war. Daraus habe auch sie selber das Blättchen näher besehen und schließlich habe sie es dem Beamten zurückgegeben mit dem Bemerken, daß er an die unrichtige Adresse geraten sei. Sie versichert uns, der Beamte habe noch mehr Exemplare dieses Traktätchens bei sich gehabt. Es ist sehr wohl möglich, daß an- gesichts des Entgegenkommen", das die Eisenbahnverwaltung den gewerbsmäßigen Traktätchenverteilern erweist, ein Beamter zu der Annahme gelangen kann, er dürfe— zum Besten der Kirche, deren Einfluß auf die Massen immer mehr schwindet— selber sich an der Traktätchenvcrteilerei beteiligen. Wenn das so weiter geht, so wird vielleicht bei manchen Beamten mit der Zeit sich die Meinung bilden, es werde„oben" sogar gern gesehen und direkt gewünscht, daß am Sonntag womöglich jeder von ihnen sich mit einem Paket Erbauungsschriften ausrüstet, um den kirchenscheuen Ausflüglern das Gotteswort mit auf den Weg geben zu können. Unentgcltlichkcit der Benutzung der Flusibadeanstaltcn für die Berliner Gemeindeschüler. Zur unentgeltlichen Benutzung der städtischen Flußbade- anstalten werden, wie in den Vorjahren, in den Berliner Ge- meindeschulen Freikarten auf Veranlassung der Deputation für das städtische Turn- und Badewesen verteilt. Sie berechtigen die Kinder zum Besuche der Flußbadeanstaltcn. mit Ausnahme der Bassins 1. Klasse der Anstalten an der Lessing- und Moabiter Brücke sowie der Schwimmanstalten an der Ebertsbrücke, im Werderschcn Mühlengraben und an der Waiscnbrücke, an den Wochentagen von vormittags 9 bis nachmittags bVi Uhr und Sonntag. soweit Platz vorhanden ist. So erfreulich diese Gewährung von Freikarten im Interesse der Volksgesundheit ist, so bedauerlich ist es, daß sie sich nicht auf alle städtischen Flußbadeanstalten erstreckt, sondern nur auf solche 2. Klasse. Es gibt gewiß viele Kinder in Berlin, die des Schwimmens kundig sind und lieber die größeren Bassins bc- nutzen würden, lieber die Grundsätze, die bei der Verteilung maß- gebend sein sollen, ist man sich auch nicht an allen Schulen einig. Während in manchen Schulen alle Kinder Karte» erhalte», werden die Karten in anderen Schulen nur nach der Bedürftigkeit verteilt. Es ist sehr leicht möglich, daß bei diesem Modus der Ver- teilung der beabsichtigte Zweck der Freikarten bei vielen Kindern in Frage gestellt wird. Wo fängt bei Gewährung von Freikarten die Bedürftigkeit an und wo hört sie auf? Auch die Würdigkeit sollte nicht ausschlaggebend sein, wo es sich um Kräftigung der Volksgesundheit handelt._ Für die arbeitende Jugend! Der Jugendausschuß veranstaltet heute einen Ausflug für die arbeitende Jugend nach Pichelswcrder zum„alten Freund". Die einzelnen Gruppen treffen sich an folgenden Punkten um TVa Uhr: Görlitzer Bahnhof, Ecke Wendenstraße; S ch l e s i s ch e r B a h n h o f, vor der Billett- ausgäbe in der Madaistraße; Landsberger Tor: Vineta-Platz; Nettelbeck-Platz; am Bahnhof Beussel st ratze; Alexanderplatz, an der Berolina; Potsdamer Bahnhof. Die Attentate auf Gcldbricfträger haben, wie wir schon mit« teilten, verschiedene Vorschläge gezeitigt über Maßnahmen,� welche zum Schutze der Geldbriefträger gegen räuberische Ueberfälle gc- rroffen werden könnten. Doch hat man bisher noch nicht gehört, wie die Geldbriefträger selber über diese Vorschläge denken und was sie selbst zu ihrem Schutz für notwendig halten. Uns liegt eine Aeußerung von Geldbriefträgern vor. Sie besagt in der Hauptsache: Die Ausrüstung der GcldbrieftrSger mit Waffen, ihre Begleitung durch Hunde und was sonst noch an Schutzmaßregeln vor- geschlagen wird, dient lediglich der Verteidigung gegen Räuber, die bereits in Ausübung ihres Verbrechens begriffen sind. Wichtiger ist es aber, solche Verbrechen nach Möglichkeit zu verhüten. Der uniformierte Gcldbriefträger, der mit der sichtbar ge- tragenen Geldtasche von Haus zu Haus geht, bildet für verbrecherische Naturen geradezu einen Anreiz zum Verbrechen. Mancher Plan zu Raubanfällen auf Geldbriefträgcr würde jedenfalls gar nicht entstehen, wenn nicht der Geldbriesträger als solcher ans den ersten Blick für jedermann kenntlich wäre. Matt möge deshalb die Geldbriesträger nicht in Uniform stecken, sondern sie in Zivilkleidern und einer unter dem Rock ge- tragenen Geldtasche ihres Amtes walten lassen, wie es ja auch die städtischen Steuereinnehmer tun. Natürlich würden räuberische Ueber- fälle dadurch nicht gänzlich aus der Welt geschafft, aber doch der Anreiz zu solchen genommen werden. Ein gefahrvolles und verantwortungsreiches Amt bleibt daS des Geldbriefirägers aber in jedem Falle. Doch dem entspricht— so sagt die unS zugegangene Aeußerung aus Geldbriefträgerkreisen— die Eni- lohnung des Geldbricfträgers keineswegs. Er wird nicht besser be- soldet wie seine anderen Berufskollegen auf loeniger verantwortungS- vollem Posten, nur daß der Geldbriesträger ein monatliches Manko- geld von 5 M. erhält. Die Geldbriesträger halten es für recht und billig, daß ihrer verantwortungs- und gefahrvollen Stellung dadurch Rechnung getragen werde, daß sie den sogenannten„gehobene» Unterbeamten" zugezählt werden, die mit Rücksicht darauf, daß sie verantwortungsvolle Stellen bekleiden, eine Gehaltszulage von 200 bis 300 M. jährlich beziehen. Neuer Hochbahnfahrplan. Die Elektrische Hoch- und Unter- grundbahn in Berlin führt am nächsten Dienstag, den 18. Mai. einen neuen Fahrplan ein. Auf der Linie Warschauer Brücke— Leipziger Platz— Spittelmarkt geht der erste Zug Werktags von der Warschauer Brücke 5.26, der letzte 12.56, vom Spitcelmarkt 5.32 bis 1.07. Von der Warschauer Brücke direkt nach dem Zoologischen Garten geht der erste Zug 5.13, der letzte erst 12,53, wesentlich später als bisher. Vom Zoologischen Garten direkt nach der Warschauer Brücke gehen die Züge von 5.20 bis 1.20. Auf der Strecke Wil- helmplatz— Zoologischer Garten— Spittelmarkt geht der erste Zug ab Wilhclmplatz 5.32, ab Zoologischer Garten 5.38, Spittelmarkt 5.29, der letzte vom Wikhelmplatz 12.52, Zoologischer Garten 1.05, Spittel- markt 1.09. Von der Bisinarckstraße zum Reichskanzlcrplatz geht der erste Zug 5.32, der letzte 12.32, vom Reichskanzlerplatz 5.17 bis 12.47. An Sonn- und Feierlagen beginnt der Betrieb überall ebenso früh, dauert aber länger, mit Ausnahme der Strecke Bis marckplatz— Reichskanzlerplatz. Die letzten Züge gehen dann von der Warschauer Brücke zuni Spittelmarkt 1.06, vom Spittelmarkt 1.22, von der Warschauer Brücke direkt zum Zoologischen Garten 1.10, auf der Linie Wilhelmplatz— Zoologischer Garten— Spittelmarkt ab Wilhelmplatz 1.12. � �-•------ markt 1.19._ Ausstellung von Schiilerzeichnungen der Berliner Gemcindeschulcn. Im Juni dieses Jahres wird die städtische Schuldeputation eine Ausstellung von Schülerzeichnungen aus sämtlichen Ge- meindeschulen Berlins in der Westhalle am Lehrter Bahnhof ver- anstalten, um die Erfolge der neuen Zeichenmethode vorzuführen. 1. Für jede Schule wird in der Ausstellung eme gleich große Wandfläche reserviert.werden, an der die Zeichnungen gesondert' von denen der anderen Schulen befestigt werden. Es sollen hier- für 50 Arbeiten bereit gehalten werden. Die Auswahl der Zeich- nungcn nach gegebenen Gesichtspunkten ist den Schulen überlassen worden. 2. sind zur Bildung eines allgemeinen Lehrganges aus jeder Klasse je drei Zeichnungen auszuwählen. 3. soll ein Bild von den Leistungen aller Schüler einer Klasse geboten werden, natürlich nur einzelner Klassen, und nicht von sämtlichen Zeichnungen. Es sollen hierbei die nach einem Motiv entstandenen Schülerzeichnungen zur Ausstellung gelangen. Diese Zeichnungen sollen zu Blockheften vereinigt werden, und es sind mindestens drei solcher Vlockhefte bezw. das Material hierfür einzusenden. Ob der beabsichtigte Zweck einwandfrei durch die mit Rücksicht auf die ungeheuer große Zahl der bis jetzt angesammelten Zeichnungen bedingte Beschränkung und Auswahl wird erreicht werden, ist sehr fraglich, denn sicher wird doch nur das Beste geleistet werden, also Kulminationslcistungcn, die für die Beurteilung der Güte einer Methode von geringer Bedeutung sind. Ueber den Wert der neuen Methode, die auch erhebliche Anforderungen an den Geldbeutel der Eltern stellt, ist man in Lehrer-, beonderS Zeichenlehrerlreisen, geteilter Meinung,(sie wcnvet sich nach An- ficht vieler Fachleute viel zu sehr an die für das Zeichnen begabten Schüler.'_ Katholischer Kirchcnbettcl. Im Vetteln haben unsere katholischen Pfarrer etwas loS; sie schwingen dreist und gottesfürchtig den Bettelsack in einer Weise, daß der routinierteste Bettler daran seine Freude Huben kann. Besonders wenn es sich um Kirchenbauten handelt, wird die Bettelei in der offensten Weise betrieben. Der An- fang wird zunächst bei Privatleuten oder bei Gemeinden gemacht, die um unentgeltliche oder sehr billige Hergabe von 5lirchengrundstücken angegangen werden. Ist dies gelungen, so beginnt die Geldsammlung zum Kirchendau. Seit einiger Zeit sind verschiedene katholische Pfarrer darauf aus, die l Vsrpxtgemeinden Friedeugy und Lankwitz mit katholischen Kirchen Zoologischer Garten 1.18, Spittel- zu beglücken. Grundstücke haben die frommen Herren bereits er- gattert, jetzt fehlt nur das nötige bare Geld. Und um das zu bekommen, verschicken sie Flugschriften, in denen in beweglichsten Tönen um Geldspenden gebeten wird. Der Pfarrer Deitmer. Steglitz, der sein Flugblatt katholischen Zeitungen beilegen lätzt, schreibt unter anderem: „Gezwungen— nicht freiwillig— jedoch ausgestattet mit behördlichem Gewerbeschein und ausdrücklicher hoher Genehim- gung Sr. Eminenz des hochwst. Herrn Fürstbischofs von Breslau, Kardinals Georg Kopp, lade ich mir zum dritten Male den Bettelsack auf die Schultern, um ihn durch die deutschen Lande zu tragen. Dieses Mal gilt es für Berlin-Friedenau..... Nach langen Bemühungen ist uns endlich ein Kirchengrundstück zugesichert, aber mit der schweren drückenden Bedingung, dah innerhalb drei Jahren mit deni Bau der Kirche begonnen werden mutz. Woher die Mittel nehmen? Die Mnttergemeinde Steglitz hat bereits zwei Kirchen und Pfarrhäuser bauen mü>sen (Steglitz und Zehlendorf) und hat infolgedessen eine Schulden- last von rund einer halben Million zu verzinsen. Wenn ich es trotzdem wage, die dritte Kirche in Angriff zu nehmen, so tue ich es im Vertrauen auf Gott und auf die fürbittende Macht der lieben Mutter Gottes: ihr zu Ehren, die die Königin des Friedens ist, soll die Friedenauer Kirche gebaut werden.... Gewih ist die Zahl der Bettler Legion— aber ein kleiner Brocken ist wohl noch übrig— für dich, lieber Leser, ist der Brocken klein, für mich ist er groß und in den Augen Gottes sehr grotz, weil du ihn gibst zu seiner Ehre.".... Noch unverfrorener wie der obige Aufruf ist der von dem Pfarrer Beyer zugunsten eines Kirchenbaues in Lankwitz ver- schickte. In diesem fleht er also: Herzliche Bitte! In größter Bedrängnis wage ich eS, mit dieser herzlichen Bitte mich an Sie zu wenden. Ach, wenn ich Sie doch damit verschonen könnte! Wie gern würde ich es tun, Ihnen und auch nur zuliebe! Ich weiß, daß Sie die ständige Bettelei satt haben, mir geht es genau so! Zeh» Jahre Bettelei zu treiben, ist wahrlich kein Spaß, und noch sehe ich zurzeit keine Rettung! Denn es geht langsam vorwärts, die Bausteine werden immer seltener. Im nächsten Jahre muß ich laut Kanfkontrakt mit dem Kirchenbau beginnen, denn nur unter dieser Bedingung konnte ich das Grundstück zu einem sehr niedrigen Preise (35 000 M. für 2 Vi Morgen) erwerben. Soll ich verzweifeln? Nein, ich will's nicht. Ich will viel- mehr noch einmal Mut fassen, im Vertrauen auf Maria, die glorreiche Himmelskönigin! Im Mai, im schönen Monat Mai, wo zahlreiche Menschenherzen sich von neuem mit Liebe zu ihrer Himmelsmutter erfüllen lassen und gern Maria zuliebe ein £)pfer bringen, bitte ich dringend, herzlich, flehentlich um ein Almosen für die Maienkönigin! Sieh, mein Christ, Du bist vielleicht gewöhnt, im Maienmonat hin und wieder einen Blumenstrauß vor das Bild der Maienkönigin zu stellen, o schenke doch ein solches Sträußchen in Form eines kleinen Almosens an die Schmerzensmutter in Berlin-Lankwitz. Zu Ehren der schmerzhaften Mutter, der Mater Dolorosa, muß ich in diesem Berliner Vorort eine Kirche bauen» willst Du Maria eine Freude machen? Dann höre-gütigst mein Flehen für Maria und sende mir mit beiliegender Postanweisung einen kleinen Beitrag zur Marienkirche. Zürne nicht, daß ich Dich, womöglich schon wiederholt, anbettele, eine» Preis von 3000 M. zahle ich dem- jenigen, der mir nachweist, wie ich anders als durch Betteln in kurzer Zeit zum dringend notwendigen Kirchenbau kommen tan»! Meines dankbaren Fürbittgebets kann jeder gütige Wohltäter versichert sein! Maria, die Schmerzensmutter, wird jedes Opfer lohnen! In christlicher Liebe ergebenst M. Beyer, Pfarrer. Wer wagt es in puncto Bettelei es mit diesen frommen Leuten aufzunehmen? Dieser Bettel dürfte kaum noch zu über- treffen sein._ Ein Ordensschwindlcr. Ein junger Mann mit hochfeudalem Namen, aber doch sehr zweifelhafter Herkunft wurde gestern von der Kriminalpolizei in einem Pensionat in der Jägerstraße festgenommen. Er nennt(ich Marquis Alain Royer de Fantou-Haraucourt und läßt sich„Erlaucht" anreden. Dieser angebliche Marquis führt einen ganzen Koffer voll Ordenszeichen mit sich und hatte sich, wie der beschlagnahmte Brief- Wechsel zeigt, mit vielen Geschäftsleuten in Verbindung gesetzt, von denen er annahm, daß sie an OrdcnS- und Titelschmerzen leiden könnten. Seiner Behauptung nach verfügte er über allerhand ausländische Orden, auch japanische und chinesische, über Johanniter- und Maltheser- kreuze usw. Die Verleihung koste ihn nur ein Wort und den Ausgezeichneten nur wenig Geld. So versprach er einem hiesigen Geschäftsmann den baherifchen Hoslieferantentitel und nod) einen Orden dazu für 400 M. Der Geschäftsmann aber erkundigte sich doch erst bei der Polizei und nun ergaben die Ermittelungen, daß der Herr Marquis sich bis vor etwa zwei Monaten in München auf- gehalten hatte und seitdem in Berlin bald in diesem, bald in jenem Pensionat wohnte. Endlich ermittelte man ihn in der Jäger- straße, wohin er auS der benachbarteil Taubenstraße gezogen war. Al« gestern früh Kriminalbeamte nach ihn, fragte», versicherte die Pensionatsinhaberin, er wohne nicht bei ihr. Die Frau hatte einigen Grund, ihn zu verleugnen. Denn eS war ihr sehr un- angenehm, als man bald entdeckte, daß der Herr MarquiS sich Be- gleitimg mitgebracht hatte. Der Verhaftete behauptet, seinen Namen und Titel mit Recht zu führen. Er sei in Turin am 10. De- zember 1880 geboren. Seine Mutter sei eine Gräfin Wals. So- fortige Nachfrogen in Turin ergaben, daß dort weder die StandesamtSreglstcr noch die Kirchenbücher etwas von der Geburt des Herrn MarquiS enthalten. Der Verhaftete wurde unter dem dringenden Verdacht des versuchten Betruges dem UntersuchungS- richter vorgeführt. Er spricht östcrreichisch-ungarische Mmidart. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern abend gegen 7 Uhr fn der Gcrichtstraße nahe der Grenzstraßc zugetragen. Der in der Krautstraße 37 wohnende Bierbrauer Fritz Riedel versuchte dort den Motorwagen eines in der Fahrt befindlichen StvaßcnbahnzugeS der Linie 31(Tegel-Schlcsifcher Bahnhof) zu besteigen, glitt fedoch von dem Trittbrett ab und fiel so unglücklich, daß er mit dem linken Arm unter den Anhängewagen geriet, dessen Räder über ihn hinweggingen. Riedel wurden die Knochen des Unterarmes völlig zermalmt. Ter Verunglückte wurde zunächst nach der Unfallstation in der Lindowcr Straße und von dort nach dem Rudolf Virchow- Krankenhause übergeführt, wo das verletzte Glied abgenommen werden mußte. I» eine Abteilung Soldaten hineingefahren. Tin folgenschwerer Unglücksfall hat sich am Sonnabendvorniitlag gegen 11 Uhr am Sachsendamm hinter der Eisenbahnliberstihrmig zugetragen. Die Pserde eines Rollwagens der Firma Morbach waren durch einen vorbeirollenden Eiseiibahnzug scbcu geworden und jagten den Straßenzug entlang, als eine Abteilung des ziveiten Eisenbahn- regimentS herannahte. Der Kutscher bemühte sich vergeblich, die Pferde zum Stehen zu bringen, die direkt in die marschierende Militärtruppe hineinrasten. De» meisten Soldaten gelang es. rechtzeitig zur Seite zu springen, nur der Eisenbahner Lahr ver- mochte sich nicht mehr zu retten. Er wurde durch die Pserde um- gestoßen und gegen einen tu demselben Augenblick vorüberfahrendcn Straßenbahnwagen der Südlichen Berliner LorortZbahn geschleudert. L. fiel so unglücklich zu Boden, daß er unter den Rollivagen zu liegen kam, dessen Rüder ihnt über den Kopf nnd rechten Ann hin- lveggingen. Dem Soldaten wurde der Oberarm zermalmt und der Schädel gespalten. Er wurde in befinmingSlosem Zustande nach dem Garnisonlazarett in Tempelhof überführt, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb. Turch einen Sturzvoin Wagen ist vorgestern abend der 88 Jahre alte Arbeiter Hermann Latt aus der Müllerstr. 83 tödlich verunglückt. Er begleitete einen Kutscher als Mitfahrer, war vorgestern abend etwaS angetrunken, fiel vor dem Hause Müllerstr. 77 vom Wagen, wurde überfahren und auf der Stelle getötet. Arbciter-Bildungsschnle Berlin. Wie in den Vorjahren, so der- anstaltet die Arbeiter-Bildungsschule auch in diesem Jahre eine Reihe von Ausflügen, die als eine notwendige Ergänzung des in den Sommermonaten ausfallenden Unterrichts gedacht sind. Diese AuS- flüge sollen aber neben dem persönlichen Znsammenschluß und der zwanglosen Unterhaltung, vor allem durch Aufenthalt in frischer Lust und den körperlichen Uebunge» durch Bewegungsspiele dazu dienen. dem Geiste die notwendige Elastizilät und Siegsamkeit zu neuem Arbeiten zu geben. Heute findet zunächst ein Familienausflug nach Zehlendorf statt. Abfahrt deS Zuges: Wannseebahnhof 1.S2 nachmittags. Treffpunkt für Nachzügler von 2l/z Uhr ab: Wilh. Miels Gesellschaftshaus, Karlstr. 12 in Zehlendorf. Um zahl- reiche Beteiligung der Mitglieder nebst Angehörigen und Freunden der Schule wird gebeten. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche der Vortrag„Abbazta bis Korfu" nur noch am Sonntag und Mittwoch zur Tarstellung. Am Montag, Donnerstag und Sonn- abend wird der Vortrag„Der Montblanc, Tal- und Höhenwande- rungen im Gebiet des Königs der Alpen" wiederholt und am Dienstag und Freitag der Vortrag„Von der Zugspitze zum Watz- mann" gehalten werden. Feuerwehrvericht. Der erste Zug hatte in der Landsberger Straße 3 zu tun, wo in einer Apotheke Terpentin in Brand ge- raten war. Auf dem Hofe Liebigstr. 33 brannte ein Gartenzaun und in der Posener Straße 23 ein Schornstein. Ferner wurde die Wehr nach der Brandenburgstr. ö, Nostizstr. 13 und anderen Stellen gerufen. Arbeiter-Samariterk-lonne. Montag abend 0 Uhr: 2. Mtek- lnng bei Das«, Brunnenstr. 154. Rezitation und praktische Ucbungcn. Mitttvoch Vortragsabend in der 5. Abteilung.,-. Vorort- JVacb richten* Eharlottenbnrg. Das neu gegründete Lehrlingsheim in Charlotteuburg. Der An- klang, den die Bemühungen der Arbeiter für die Bildung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen auch in Eharlotlenburg fanden, ließen die hiesigen Fronimen nickt untätig bleiben und so hat der Pfarrer Dr. Luther in Gemeinschaft mit dem Stadtrat Samter der aus Arbeiterkreisen selbst hervor- gegangenen Jugendbewegung ein Gegenstück gegenüberstellen wollen, das sie Lehrlingsheim„Jugendklub Charlotten- bürg" tauften, von dem laut Programm oder Statut jede politische und religiöse' Tendenz völlig ausgeschlossen" sein sollte und zu dessen Leiter die Gründer deshalb den Kandidaten der Theologie Grothe nnt einem Jahresgehalt von 1000 M. nebst freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung einsetzten, wozu sie auch vom HandelZminister daher eine Beihilfe von 1000 M. erhielten. Einige Gesinmingsaenossen des Herrn Pfarrer Luther steuerten noch einige hundert Mark bei zur Bestreitung der Miete, Heizung, Beleuchtung und Reinigung der Klubräume— acht zwei- fenstrige Stuben—, die man in der Christstraße 9 fand. Es stellten sich auch bei der Eröffnung am 23. November 1907 eine Anzahl junger Leute ein, teils aus Neugierde, teils von ihren Eltern, Lehrhcrrn oder Predigern geschickt nnd liehen sich als Mitglieder einschreiben; eS kostete ja nur 10 Pf. Wochenbeitrag, die zudem bei gen, einschaftliche» Ausflügen, Festen usw. Verwendung finden sollten. Die Sache ließ sich ja auch ganz hübsch an. eine Tumabteilung, ein Schachklub, eine dramatische Abteilung, Schwimm- und Gesangs- abteilnngen sollten eingerichtet werden und alle? unentgeltlich, Ltckt- bildervorträge über Rom, Pompeji, das Mittelmcer, eine Reise nach Südafrika. ferner über Turnvater Jahn, über Kaiser Wilhelm und das Reich usw. fanden statt, wobei natürlich der Herr Pfarrer und der Herr Kandidat der Theologie jede politische Tendenz völlig ausschlössen, auch wurden Rezitationsabonde und Familien- abende sowie Theater- und MuseumSbesuche veranstaltet und im Sommer Ausflüge arrangiert und alles umsonst. Eine Bibliothek war da namentlich über die Herrlichkeit des Deutschen Reiches. Die Mitglieder verloren sich wohl etwas, aber es wurden neue zugetrommelt; nur das Geld wurde dabei knapp oder viel», ehr eS reichte gar nicht. Deshalb kamen die Begründer beim Magistrat um eine jährliche Beihilfe von 3000 M. ein. Dieser beantragt bei der Stadtverordnetenversammlung auch 2S00 M. und obwohl die sozialdemokratische Fraktion unter Darlegung deS Zweckes der ganzen Gründung dagegen protestierte, wurde diese Summe doch von der Majorität beivilligt. So kam, alles wunderschön weiter- gehen, so lange die paar guten Schäfchen sich willig leiten lassen imd kein räudiges Schaf dazwischen gerät. Trotzdem dürste diese Treibhauspflanze mit ihrer völligen Ausschließung jeder politischen und religiösen Tendenz der steieu Jligeiidorganisation in Charlottcn- burg, die bekanntlich im Volkshnufe in der Rostnenstraße ihre Sttzunge» abhält, keinen großen Schaden und Abbruch machen. Elternverein für freie Erziehung.(Verein Freier K indergarte n.) Nachdem der erste W a l d a u s f l u g in die Jungfernheide unter über Erwarten großer Beteiligung zur Zu- friedenheit verlaufen ist, werden nun regelmäßig an jedem Mittwoch durch die ganze warme Jahreszeit bei gutem Wetter Ausflüge stattfinden. Besondere Ankündigungen werden deshalb, abgesehen von dem Hinweis auf den nächsten Ausflug am Mitt- woch, den 19. Mai, unterbleiben. Treffpunkt jedesmal Kaiser Friedrich-Dcnkmal um 2VH Uhr nachmittags. Um hilfreiche Bc- teiligung von Erwachsenen wird gebeten. Tchöneberg. Au die arbeitende Jugend SchönebergS. Heute, Sonntag, den 10. Mai, nachmittags 3 Uhr, große Jugendfeier für Schöneberg und Umgegend im„Schwarzen Adler", Hauptstr. 144. Die Festrede wird vom Genossen Kurt Heinig abgehalten, dem schließt sich die Rezitation des Genossen Bormann und Gesangsausführungen der Jugendlichen an. Nachher gemüt- liches Beisammensein. Der Jugend-BildungSauSschuß richtet die dringende Bitte an die Eltern, ihre schulentlassenen Kinder an dieser Jugendfeier teilnehmen zu lassen.__ Dem Arbeiter-Turnverein wurde bekanntlich am 31. Dezember 1908 ein Schreiben von der Regierung zu Potsdam, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, zugestellt, in dem mitgeteilt war: daß die dem Verein erteilte Genehmigung zur Benutzung der Turnhalle in der Berchtesgadenerstraße hiermit zurückgezogen wird. Die städtische Verwaltung hatte gegen diese Anordnung Beschwerde erhoben. Der Bescheid darauf ist nunmehr eingegangen und lautet dahin: daß der Minister durch Entscheidung vom 27. April d. I. die Verfügung der Königlichen Regierung aufrecht erhält. Damit ist der Eingriff in die Selbstverwaltung auch von oben gutgeheißen. Derartigen unbefugten Eingriffen kann nur entgegengetreten werden, indem die städtischen Körperschaften Sorge tragen, daß die zu erbauenden Turnhallen unabhängig von den Schulanstalten errichtet Iverden. Aufgabe der sozialdemo- kratischeu Fraktion wird eS sein, dazu Stellung zu nehmen und den Magistrat aufzufordern, schleunigst eine Vorlage zu bringen zur Errichtung einer städtischen Turnhalle, um den Arbeiter- turnern fernerhin Gelegenheit zu geben, ihr« Leibesübungen ausführen zu können.—- Rixdors. Bim Aruieuwestll. In der letzten Sitzung der Armendeputation teilte der Vorsitzende mit, daß unheilbar Lungenkranke, welche auf Kosten der Stadt nach Heimstätten entsandt werden, zum Preise von 2,50 M. bi§ 3,50 M. pro Tag in„Burg-Dabern" bei Wittstock Anf- »ahme finden. Die Kinderheilstätte„Lhchen" in der Mark erhält pro Kind und Tag 2,50 M., die Erholungsstätte„Königsheids" pro Frau 55 Pf., pro Kknd 50 Pf. für jeden Tag. Die Genehmigung zur Verschickung nach den Heim-, Heil- und Erholungsstätten ge- schieht durch den Dezernenten und durch zwei DeputationSmitglieder. aber nur in dringenden Fällen, sonst durch die Deputation selbst. In die Kinderheilstätten Schreiberhau im Riesengebirge, Kolberg in Pommern und der Bandenburger Anstalt sind für 130 Kinder in diesem Sommer Plätze gesichert. Infolge der erhöhten Sätze der Kurkosten in den Krankenhäusern Berlins und den angrenzenden Vororten wird der Armenetat ganz erheblich höher belastet, so daß derselbe überschritten werden muß, doch wird der AnSfall, nach Zusicherung des Landesdirektors, auS dem Anteil der Dotationsrente gedeckt werden. Der Dienstvertrag mit den Armenärzten wurde genehmigt und auch eine Geschäfts- anweisung für die Herren Armenärzte eingehend durchberaten. Der Kraukenschein für die Armenkranken wird vom Bezirksvorsteher aus- gestellt. Dieser hat auch festzustellen, ob die Kosten der ärztlichen Behandlung nicht von anderer Seite zu tragen sind. wie beispielsweise von Kassen, Arbeitgebern usw. Im weiteren sollen die Bewerber um den Ehrensold vom Armenarzt untersucht werden. Den Armenärzten liegt ob die Beaufsichtigung der in Armen- und Waisenpflege befindlichen Kinder bezw. deren Pflegrstellen und zwar soll dieselbe bei Kindern im Alter von 1—6 Jahren vierteljährlich einmal, bei solchen im Alter von 0—14 Jahren jährlich zweimal vorgenommen werden, außerdem ist der Armenarzt verpflichtet, Gut- achten, Zeugnisse und Berichte an die Armenvcrwaltung zu erstatten. Eine Hauspflege soll, da für diesen Zweck im Etat 1000 M. eingestellt sind, organisiert werden, und sind geeignete Pflegerinnen an- zustellen, welche am 1. Oktober in Funktion treten sollen. Wie all- jährlich sollen auch in diesem Jahre die Waisenkolonien behufs Kontrolle der Waisenkinder bereist werden. Zu diesen, Zweck werden vier Gruppen zu zlvei und drei Mitgliedern aus der Deputation gebildet. Der Vorsitzende teilte weiter mit, daß bei Armenentbin düngen fortan alle Hebammen in Rixdorf zur Verfügung stehen, somit niemand an seinen Wohnbezirk gebunden ist. Das Waisenhaus soll nach Verlegung des Krankenhauses von der Canner Chaussee nach Buckow im Verwaltungsgebäude unter- gebracht werden. Um bei Neuaufnahmen von Kindern der An- fteckungsgefahr vorzubeugen, wird eine Ouarantänestation eingerichtet werde». Das Datum der Eröffnung ist nach Ansicht des Vorsitzenden noch nicht zu bestimmen. Weihensee. Steuerzahler werden die Steuern nicht los. Nach einem Beschlüsse ist da« Steuerbringverfahren eingeführt und sollen die Steuern mindestens vierteljährlich am 10. Mai, 10. August, 10. Nv- vember und 10. Februar an die Steuerkasse entrichtet sein. Leute, die sich diesen Betchluß gemerkt haben und pünktlich Steuern bc- zahlen wollen, müssen zu ihrem Leidwesen wieder umkehren, weil die Aufforderung zum Zahlen noch nicht erfolgt ist und die Be- rechnungen, wieviel jeder zu zahlen hat. noch nicht fertig sind. Erst wenn das alle« in Ordnung ist, wird die Steuerkasse so freundlich sein, die Gelder in Empfang zu nehmen, ja man kann sich sogar auch dann noch 14 Tage Zeit lassen. Nieder-Schönhausen. Aus der Gemeindevertretung. Die Einwohnerzahl deS Ortes beträgt jetzt 13 558. Bezüglich der Bauordnungspetition brachte der Bürgermeister ein Schreiben des Regierungsoräsidenten zur Kenntnis, auS welchem hervorgeht, daß derselbe seinen früheren schroffen Standpunkt in letzter Zeit aufgegeben hat, sein Ver- treter ist von ihm beauftragt worden, eine Mordnung der Gemeindevertretung zu empfangen. Eine lange Debatte zeitigte der Punkt: Umpflasterung der Lindenstratze und Vergebung der Ar- besten. Die Asphaliieruitg kostet einschließlich der Unterhaltung auf 15 Jahre 80 400 M., dagegen würde die Pflasterung der Straße mit Reihensteinen 3. Klasse 40 089 M. betragen. Die Unterhaltung des Asphalts würde 2500 M., die des Reihenstcin- pflasterS 800 M. jährlich kosten. Da die Vertretung sich nicht einig wurde, ob Asphalt oder Reihensteinpflaster das zweckmäßigste sei, so wurde die Sache vertagt. ES sollen nochmals Offerten ein- gefordert werden für Reiyenstetnpflaster 3. Klasse auf Packung und Schütte, ferner soll ein Gutachten über die Erfahrungen mit dem Asphaltpflaster von der Stadt Berlin eingeholt werden. Mit den Eigentümern HennS und Schneider wurde ein Vertrag ab- geschlossen, betreffs Anlegung einer neuen Straße zwischen der Blücher- und Platanenstraßc von der Kaiser Wilhelmjtraße bis zur Waldstraße. Die Kosten werden von den beiden Aisiiegern getragen, die Mittel werden jedoch von der Gemeinde beschafft und gegen alljährliche Verzinsung auf 5 Jahre gestundet. Die Straße soll bis zum 1. Juli hergestellt sein. In einer früheren«itzung erhielt die Straße 23 den Namen Barfusstraße, gegen diese Bezeichnung hat der Polizeipräsident von Berlin Einspruch erhoben, da diese Straße in Berlin bereits vorhanden ist. Die Straße 23 ist nunmehr in Mollwitzstraße um- geändert worden. Die Gemeinde Rosenthal ersuchte um Stellungnahme zu einem von ihr angeregten Straßenbahnprojekt Steinicken- dorf(Restdenzstraßc) über Rosenthal nach Nieder-Schönhausen (Kaiser Wilhelmstraße). Von einer Besprechung wurde Abstand genommen, da in einigen Jahren von der Großen Berliner Straßenbahn durch Vertragsverpflichtung eine bessere Verbindung durch die BiSmarckstratzc nach Reinickendorf geschaffen wird. Hierauf folgte eine nicht öffentliche Sitzung. Trebbin(Kreis Teltow). Stadtverordnctensihnng. Infolge Verhandlungen der Beleuck- tungSkommission und des Magistrats mit dem Direktor E. L. G. hat die E. L. G. der Stadt in einem Schreiben folgende Vcrgünsti» gungen zugestanden. 1. Ohne Genehmigung des AusschließlichkeitsvertrageS will die E. L. G. den Preis für Licht von öS Pf. pro Kilowattstunde auf 50 Pf. widerruflich herabsetzen. 2. Gegen Gcnehmignng des AuSschließlichkeitSvertrageS auf 10 Jahre will die E. L. G. außerdem die Beleuchtungsanlage der Beelitzer Straße auf tbre Kosten anlegen, die jetzigen Straßen, lampen gegen 50kerzige Metall fadenlampen auswechseln, die Zähler- miete ermäßigen, die gewöhnlichen Kohlenfadcnglühlampen bei Rückgabe der alten Lampen gegen Erstattung von 30 Pf. gegen neue Lampen umtauschen. 3. Gegen Genehmigung des AuSschließlichkeitSvertraaeS auf 15 Jahre will die E. L. G. außerdem den Preis für Licht nach 5 Jahren auf 4b Pf. pro Kilowattstunde ermäßigen. Die Versammlung ist gegen jede Genehmigung eines Aus- schließlichkcitSvertragcs und erklärt sich mit dem ersten Passus ein- verstanden mit dem Hinzufügen, daß der Preis von 50 Pf. pro Kilowattstunde allen angeschlossenen und noch anzuschließenden Konsumenten der Stadt vom 1. Mai d. I. gewährt wird. Potsdam. Bakantr Stabtverorbnetensitze. Der Stadtverordnete Fröhlich hat aus geschäftlichen Rücksichten fein Mandat niedergelegt. F. war früher Reichstagsabgeordneter für Ost- und Wesisternberg und lahrelang am Ort die Stütze deS hier einst blühenden Anti- semitismus.— Damit sind nun fünf Mandate erledigt. Zwei durch Wahl der Betreffenden als Stadtrat und zwei durch Tod der Inhaber. Bei den hier üblichen Gepflogenheiten findet aber eine Ersatzwahl nicht eher statt, als bis die regelmäßigen Ergänzungswahlen vorgenommen werden. Ein Recht der Bürger- fchaft auf eine volle Vertretung und eine Pflicht des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, für eine Ergänzung zu sorgen, scheint nicht zu existieren.. Schuhwaren-Fabrik ♦ Burg bei Magdeb. das lästige Schnüren der Stiefel gern vermeiden möchte, durch das elegante Aussehen der modernen, formvollendeten Schnürstiefel aber immer wieder zum Kauf derselben angereizt wurde, wird nur noch unseren............. 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Ziebung 5. Kl. 220. Kgl, Preuss. Lotterie, Ziehung vom 15. Mai nachroittagi. Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den beirettenden Nummern In Klammern beigelURl. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.)1 93 874 937 1122 518»6 50 659 848 806 2096 773 826 3380 536 637 025 81 4055 93[1000] 149 69 276 579(1000) «8t[500] 783 817 951 81 5184 387 758 6079 319 73 13. 862 88 983 7009 163 208 51 881 458 88 812 8091 189 306 402 600[ 3000] 800 48 80 980 0037[3000] 90[500] 433 663 92 818 10151 213 896 553 11004 8« 41»[500] 81«»»» 77 (12061 299 475 506 67 81 88 662 819 913 1 3233 92 370 462 639 635 66 860 14370[30001 48« 652 HO 651 15108 «59[3000] 609 76 701 13 985 1 6127 4!» 629 06 773 07 604[500] 9.1 1709« 1.7 38. 489 354 1800« 80[500] 116 93 258[500] 92 309 788 1 901! 144 8.5 90 716 952[5000] 20103 224 352 2 1008 11 96 142 607 783 2 2078 252 418 73 659 829 82 2 3036 42 76 145!75 505 650[9000] 609 24.34 601[3000] 47 828 7 7 967 2 5 202 444[1000] 678 605 734 984[lOOO] 2 6003 34 106 42[500] 45 51« »29 83 2 7 007 243 98 497 629 69 718[3000] 37 2817» 91 «20 61 69 70 821 2 9055[500] 252 37» 627 90 TU 80 1 961 __ 30168 239 578 666 3 1 015 173 216 379 618 65 91 3 2206 66 65 489 600 13 714 821 979[500] 33087 197 13000] 736 813 909 24 87 3 4045 152[1000] 8« 518 89 710 6« 70[500] 877[1000] 3 5207 25 26 346 403 554 768[3000] 605 40 922 3 6217 61 315 610 743 979 83 3 7103[lOOO] 293 518 669 87 88 3 8146[ 3000] 226 351 021[1000] 25 8« 39018 197 841[500] 62 915 57[600] 40198 274 835 59 598[500] 604 84 763 92! 08 41009 151 201 304 19 67[3990] 438 48 50 634 69 714 4 2003 «1«[1000] 456 650 684 706[500] 60 844 911 43155 285 870 461 673 60 724»24 SO 44063 62[590] 290 349[500] 653 800 34 4 5025 02 277 60« 83« 920 46015 287 720 950 [500] 47005 87 168 213[,000] 523 703 832 4 8016»2 HO *06 m w[mo1] 443 49 603" 40139 299 999[6001 69 ,7,73. 933 l500] 96 51107 18 55 49![1000]«80 «08[1000] 46 69 63 962 5 202« 883 5 3294 ,94[500] 634 (500] 77«»12 54190 ,16 418«7, 78»[500] 865»M 55181 ,48 63»5«il 869 74 97,[600] 5Sl«l[500] 57,«89&7001 50 181 184 683 88,[500] 58183 ,60 445 584 789 020[50ol 65 5 8023 77 486[600] 60! 650 60113 60» 97 31« 37 694«1« 37 730 81« ,6 917 74 0106! 79 163[1000] 7! 403 5 869[500] 707 668 917 6�121 ,07 llOOoj 558 890 915 6 3 2M 336 45, 659 788 67 887 911 64051 7« 152 94[lOOO] 493[500] 627 693 712 48 65040 131 3.« 75 663 799»87 6 6238 91 473 563 617 [500] S3[500] 964 67017 104[600] Ml[3000] 537 639 891 68081 116 57 202 437 ,28 856 93, 6 9085 14« 60 ,4» 418 68 76 601 ,6«45[1000]«91 7O029 61 ISO 357 717 823 91« 7 1 034 118 98 287 551 «42 774 88 901 72,11«3« 713 947 68 7 3051 883»57 74066 279 305 75 435 40«43 50 712 920 31 64 75473 202 52 426 687«11 17»5 ,5,««1 ,1« 7,[7000]-7SZ57 SO 612 5,[500]«74 823«1 7 7 26. 811 00 583«10 55 73« [SOO]»2[500] 78064 365 452 7 9078[1009] 9»[500] 719 32«[509] 427[590] 39«39 715«0 855 SO 80041 SO 103»0««1 8 1 023[500] 98 169 255 5« ,00 [500] 10 19 568«70[lOOO] 79 732 87 82163 72 658 730 853 977 98 83139 207 47 401 63 563 896 998 8 4029[590] ,02 631[1000] 72 818 942 87 8 5001 26 228 40. 53« 54 734 8 6063 560«46 834 50 962 8 7229 325 763 8 8083 «31 95[1000] 482 633[1000] 70« 1» 863 905 89144 94 299 813 85<35 83 713 902 7 59 7 90935[8000]»83[3000] 759«06 93[500] 91024 33 13« 77 252 662[500] 79« 809 905 9 2125 212 330(500) 414 699 732 5« 870 912 93145 61 71 84 227[ 3000] 80 330 [500] 52» 86 890 912 38 9 41.6 8.3 48 91 8.2 0 5.1» 71 «17 87 747 835[600] 928 9 6077 269 549 612 69 781 836 [500] 99 913[1900] 9 7 238 353 5. 412 669«27 88 859 97 9 8047 126 45[lOOO] 74 243 491 553« 47 70 785 993 9 9006 267 81 42. 26 668 834 1OO099 202 25 364 572 783 855 85 1 9 1 032[lOOO] ' 161[500] 217 322«1 438 85 531 797 809 1 02133 267 329 45[1000] 542 883 952 1 03 909 10 84« 655[lOOO] 104164 708 44[1000] 74 1 0 5037 255 327 558 61 Ol«19 780 683 88 92 1 06077 244[1000] 344 646 91[3000] 765 81 899 107 373 420 724 30 68, 972 1 08711 848 925 1 09047 271 59« 687 881 110228 874 437 70[1000] 732 916 111135 377[500] 411 762 112125 64 229 317 90 484 718(500J 951 113002 72 270 423[500] 27«29 72 114208 805 115.34 920 116004 40 78[500] 241 571 687 9.0 117026 187 94 228[500] 54 82 105[3000] 50 77 617 71» 1181.3 488 817[1000] 928[500] 62 89 119005 70[500] 101 633 43 ,45 916 12O050 092 127 206 403 780 837 915 1 2 1 047 67 494 609 710[ 500] 920 1 2 2010 597 99 905[ 500] 52 1 23112 674[1900] 663 1 24278 633[1000) 65 710 64 95 864 94! 97 1 25.07 746 03 802 65 1 2 60.6 23? 340[500] 46, 811[1000] 913 127J11 4M»5 685 807 993 1 2 0246 61 350 487[3000] 607 10«15 1 29039 84 121 29 31 575 78 130080 190 391 131130 231 78 485 70. 13 2201 r 411 18 682 713 853 33 1 3 3076 85 517 88 800 904 71 134200 13 ,83 591 704 54[ 500] 923 1 3 5818[lOOO] 13 6009 208 56[ 500]«1[600] 331 652 888 137427 613 [1000] 73[1000] 73« 41 921 138030[,000] 76 190 210 43 308 464 560 668[1000] 837 1 30293 515[5000] 19 35 18000] 62« 140197 94 29Z 483[SOOO] 570 1 4 1 541[1000] 808 142,10 406 87 640 721 93 922 55 1 43113 278 433 591 887 901 144038 154 57! Sit 9» 007 1 4 5090 192 248 50 «23[500] 72[500] 404 504[1000]«95[500] 801 89 14 6257 366 1 47062 114 22. SOO 41 612 55 85 84! 148983 831 464 567[3000] 834 53 69 88[500] 149289 332 536[3000] 91 633 707 616 61 150.66 677 718 1 5 1 020 31[500] 245 65 651 66 88 80« 152162 81 492 508 820 66 1 5 3028 7 6 277 ,73 572 664 1 54.86 615 608[500] 84 733 1 55191 832 So [500] 77 419 22 569 696 708 959 68 1 5 6685 36 41 932 157 423 587 656 718 889 992 1 5 8278 343[500] 407 570 [500] 983 159028 370 588 681 83 725 963 160957 381 08 442 63 98 624 767 802 981 4» 50 161290 412[3009] 55. 680 820 49 1 6 2007 626 718 893 163 004 38 142 259 433 53 624 48 49 667 701 SO» 57 164097 381 594 779 1 65164 790 1 6 6204 335 92 90 4.1 73 559[1000] 90[500] 652 72» 87[500] 816 8 7 90« 167156 238[1000 366 545 81,[500] 962 1 6 8009 67 120 452 516 32«1 7« 107 959 1 6V069 726 975 91[1000] 170076[500] 179 222 84 50« 109[1009] 888[300! 171117 31 83 95 247[500] 05 360 02 651 617 751 6i 172904 357 905 173031[500] 64 289 521 707 1 7407« 183 213 469 540 42 723 877 913 93 1 7 3215[500] 394 402 680 727 1 7 6008 202[500] 23 733 1 7 7 069 178 280 749 017 29 38[30000] Ol 17 8280 614 957 1 7 9060[600] 18O02S 127 630 81 817 1 8 1 01» 67 164 99 436 69 519 633 52 1 82341 68 4M 94 757 821 991 183151[1000] 446 53, 76 635 762 846 60 952 1 84281[1900] 565 163 602 7«»4 999 1 85106[8000] TO 832[500] 46 427 1 86071 120[1000] 206[500] 18 33 35[500] ,79 5,7 1 87151 773 20.[500] 72 90[3000] 123 ISSlM 48»7 72, 80 44,[lOo! 509 36 755»11 M 180299 4, 64 M4 79 408 60«4, 67 ,17 81 70 19 0009 74 76 316[500] 69[3000] 71, 191050 99 264 4.« 537 84 89 609 810 6 6 94 1 9 2038 61 75 19,».« 707 928 1 93107[500] ,96 401 23 37[3000] 97 537 610 [3000] 194182 213 342 433 575 857 195015 50[500. £74.86 014 692 719 1 96165 294 451 624 934 1 9 720« [1990] 99 857 913 78 1 9 8 006 181 25» 90 5,2 760[300« 841 69 915 199043 423 522 677 932 2 00147 90 215 415 918[IDOOO] 201138 9,».9[50; 70 40« 67 569 79 663[500] 712[500] 8» 825 929 2 0 2073 157 268 375 87 494 732 9.8 293080 ,91[600] 497 5,2 568 706 SOO 28 976 2 0 4058 193 245 7 9 844 5,2«69 669 2053U, 41, 774 959 2 0 6573 161 870[1000] 40! 5 5,1 «58 941 2 O7053 468[1000] 90 527»4 994 206362 4,7 632 41 52 849 2 09123 8» 517[8000] 91 861 71 210018 197[500] 387 407 697«17 78 704[600] 815 89 965 92[500] 211184 ,83 4.2 69 565 636 2 1 2325 500 213030[SOOCj 112 784 921 2 1 4042 190 800 11 40 68[50o| 452 571 652 66 713 2 1 5007 442 94 544 66 635 54[500] 70 858 2 1 6060 70 167 71 7» 415 754 59 2 1 7885[1000] 401 SO 87 533 44 792 2 1 8&46[1000] 295 304 405 601„ ,3 617 95[1099] 794 21905« 111 295 382 577 22O022 75 85 708 890 221164 475[500] 510 670 09 [500] 722 31 802 88 936 2 22195. 51 6.9 6, 83 837.5 UOÜO] 223030 40 119 241 317[3000] 431 079 731 73 80 2 24119 240 341 40. 510.5 54 675 700 965 2 2 3.77 528 672[600] 868 915 2 2 6070 204 400 38 621 83 721 [1000] 76 86[1000] 857 2 2 7309 81 400[lOOOj 52» 81. 59 89 2 2 8 208 15 87 579 971 2 2 9 665 761 904(3 230080 192[3000] 309 75.62 2 3 1 015 Seb 463 6.1 659 89 721[1000] 28»03 232066 125 M.09 45 M3 9.1 43 2 3 3 078 105.34 52» 51 69 676[500] 718 976[1900] 23 41.0 70 216 393 461 77 614 40[500] 978 236044 93 229 91 353 450 507 18 91 608 00 73« 907[10000] 236007 209 53[1000] 431 515 775[lOOOj 99 2 371.7 20, 6.3 238312 521 88[500] 239290 ,33 5» ,32 810 17 44 tj 70»17 79 240048 550«9 606[lOOO] 93 705 811 24 1 0M 126 408 52 62 95[lOOO] 514 804 2 4 2055 222.02 639[1000] 65 876 91 2 4 3026 41 179[500] 273 342 558 24407.0 844»90 2 4 3173 369«90»59 2 4 6502 22 669 823 2 4 7 059 858»43 2 4 8244 815 41[lOuu] 50t ,7[500] St 632?8t 86« 66 249196 20! 501 SO 81 49 608[500] 129 43 802 2 5 0039 1(2 48 538 660 536 41 70 841[500] 75»03 25 1 051 388 710 34 56 97 89 988 2 5 2299 315 423 4» 77 [500] 93 534 714 llÜOO] 817 52 98 2 5 3073 75 556 755 [SOOO] 815[600] 955 2 5 4 002 245 591 97 927 64 2 5 51 5 205 42[1000] 3,8[ 500].61[800] 786 854 933 50 2 5 653! 928 2 5 7015 54 350 483 93 514[lOOO]«07 798 25802« 173 205 395 527 006 2 5 9017[iOOOJ 44 133 530 794 8.9 93 009[1000] 2600,1 SSO 957 261013[1000] 55 208« ,10 U«2 507 622 54 751 834 2 6 2081 185 281 482[1000] 825 263003 113 37 358 654 90 702 2 6 4049[lOOO] 161 509[lOOO] 43 85t[509] OOS[500] 20 265158[ 500] 78[500] 291 896 443 7 7 621 7.8 2 66.22 2.9 79 339 61 69 8.5 2 6 7042 149 05 78 520«99 831 999[ 500] 268004 134 452[1000] 875 26vor,0 91 198[590] 39[3090] 215[1000] 9» 484 526 714 II 270151«3 380[1000] 402[1000] 87(21 600 81 271.02 231 61 4.2 2 7 2135 201 413 541 861 903 62[500] «8 2 7 3075 252 309 419 613 709 33. 27 469.»6, 275.69 596 870 97 2 7 6082 331 73(1000) 78[8000] 425 670 630 277022{lOOOj 156 206 801 2 7 8133[3000] 281 399 469 513 629 7» 279054 6» 172 63 254 406 535 631 52 796 97 852 65 280758[500] 511 50«71 882 064 28 1532[590] 8, 731.0 9-8[ 3000] 282016 5.[500] 036 711 2 8 3 299 519 57 UOOOJ 733 2 84175 224 383.0,[000] 14 6.1 730 800 22 3.[500] 959 2 8 5007 95 193 421 90 570 823»60 7, 2 8 6183 517 066 70 712 99 931 46 2 87155 896 11 46.' 540 979 Pctonürortl. Redakteur: Carl Wermuth, Bcrlin-Rixdorf. Für denJnseratenleil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u. VerlagiVoriiärts Buchdruckern u. Vcrlagdanstalt Paul Singer& Co,, Berlin SW," |t. 113. 26. lüjjnpjj. 5. KkilM des Joraitts" Kerlim DolKsdlÄ. Soavtag, 16. Mai 1909. Hus Induftric und Handel Die Lage am NrbntSmarkt. Einzelne Stimmungsbenchte, die sich auf lokale oder andere sekundäre Erscheinungen ftiitzen. lassen die wirtschaftliche Depresfion al« ziemlich überwunden erscheinen. Es soll schon wieder unver- kennbar bergan gehen. UnS erscheint das als übertriebener Optimismus, der leicht zu falschen Maßnahmen Anreiz geben könnte. Nach der durch das Kaiserliche Statistische Amt vorgenommenen ArbeitSlosenzählung hat sich im ersten Quartal dieses Jahres gegen- über der Vergleichszeit IVOS die Arbeitslosenzahl um 1 Proz. vermehrt. Während die berichtenden Verbände in der erwähnten Periode 1007 281«80 arbeitslose Tage verzeichneten, stieg diese Zahl pro 1908 auf 531 73S und schnellte im laufenden Jahre auf 1 227 2S3 hinaus. Demnach haben sich die Verhältnisse so wesentlich verschlechtert, daß selbst eine kleine Zunahme der Rachfrage am «rbe»tSmarkt noch nicht auf den vorjährigen Stand zurückbringen könnte. Kennzeichnend für die Lage ist die Absatzmöglichkeit für Brennmaterialien und die Stimmung im Ruhrrevier. Eine Darstellung der ersteren, einen Reflex der letzteren finden wir in einem Markt« bericht de».B. T.' aus Essen. Dort heißt eS u. a.:»Sine wirk- liche Belebung des Geschäftes hat auch die Ermäßigung der Kohlen- preise am 1. April keineswegs im Gefolg« gehabt. Dabei find kaum Aussichten vorhanden, daß in der schlechten Lage deS Ruhrkohlenmarkte« in absehbarer' Zeit eine Senderung eintritt. Maßgebende Zechenkreise denken über die Zukunft sehr pessimistisch. Selbst wenn im Herbst in der Eisenindustrie eine Besserung eintreten würde, ist doch nicht zu erwarten, daß ste auf den Kohlenmarkt in nach- haltiger Weise zurückwirken wird, da die Läger einen der- artigen Umfang angenommen haben, daß selbst bei einigem Mehr- bedarf an eine Herabsetzung der Fördereinschränkung so leicht nicht gedacht werden kann. Werden doch allein die Koksvorräte von sachverständiger Seite aus fünf bis sechs Millionen Tonnen ge- schätzt, dazu kommen noch die sehr erheblichen Mengen von ge- lagerten Kohlen und Briketts. Die Zahl der Feierschichten nimmt eher zu als ab, obwohl auf manchen Zechen eine Verringerung der Belegschaft in der Weise vorgenommen wird, daß zwar keine direkten Arbeiterentlassungen erfolgen, aber für die fteiwillig ausscheidenden Bergleute keine neuen angelegt werden. Unter diesen Umstände» bieten die außergewöhnlich ungünstigen Ausweise der Ruhrkohlen- zechen keine Ueberraschung." Diese Angaben werden unterstrichen durch die Nachricht, das Kohlensqndikat habe sich genötigt gesehen, den Zechen mitzuteilen. daß, infolge schwachen Absatzes von selten der Verbraucher, per April nur bS Prozent der Beteiligung abgenommen werden könnten. Dazu wird berichtet, den Zechen komme die weitere Absatz- einschränkung sehr ungelegen und eS herrsche besonders unter den reinen Zechen nicht geringe Mißstimmung darüber, daß der KokSabsatz weiter zurückgehe, während die Roheisen- erzeugnisse fortgesetzt eine gewisse Höhe aufweise. Weitere große Mengen Kohlen mußten auf Lager genommen werden.— von der Lbsatzbelebung von der nach Ostern vielfach gesprochen wurde, kann keinesfalls mehr die Rede fein. Dies« Lage kennzeichnet sich als nach jeder Richtung hin ungünstig.— Und über die Lage am Eisen- markt läßt sich der.B. E." auS Düsseldorf schreiben: Mit dem Fortschreiten der Jahreszeit hat sich die Marttlage weiter ber- schlechtert. Im Inland bewegt sich daS Geschält in engen Grenzen und aus dem Auslandsmarkt« herrscht in den meisten Produkten eine derartige Zurückhaltung, daß nur sehr wenig Abschlüsse zustande kommen. Die Verbraucher decken auf der ganzen Linie nur den alletnotwendigsten Bedarf und die Händler sind nicht geneigt, ihre Lagerbestände zu vergrößern. An eine Besserung ist vor dem Ein- tritt de« Wintergeschäftes nicht zu denken, und eS gibt industrielle Kreise, die ihre Hossnung erst aus da« Frühjahr nächste» Jahres setzen._ Steinsalzfunde. In Bremen ist in einer Teufe von 798 Meter ein Steinsalzlager gefunden worden. Man nimmt an. daß dieses Salz« vorkommen das ganze bremische Gebiet unterlagert und stellenweise schon in Teufen von ,200 bis 300 Meter salzsündig werden zu können. Im übrigen rechnet man natürlich damit, auch in der ersten salziündigen Bohrung noch bi» zu einem Kaliaufschluß kommen zu können, und will zu diesem Zweck die Bohrung bis zu 1100 Meter Teufe fortsetzen. Thyssen rüstet. Die Gewerkschaft»Deutscher Kaiser� hat, wie berichtet wird, eine bedeutende Erweiterung ihrer Koksofenonlagen in Angriss genommen. Die Anlage in Meiderich, die durch eine Schwebebahn mit der Aktien-Gejellschast für Hültenbettieb in Ber- bindung steht, soll um 100 Oesen bereichert werden. Städtebahn im Nuhrrevier. Eine Versammlung der kommunalen Bereinigimg für den Bau der Rheinisch-Westsälilchen Städtebahn beichloß, die Hauptlinie Essen— Bochum nicht im Zuge der Bergisch-Märkischen Bahn, sondern über Geilenkirchen zu führen. In das Projekt soll eine zweite Linie über Hern«. Castrop und Dortmund einbezogen werden. Die an dem Projekt interessierten Koinmunalverbände stellten Beiträge zu den Kosten der Vorarbeiten in Aussicht. Vcrrarninluncjen* Eine Debatte mit den Christlichen entwickelte sich in einer öffentlichen Versammlung der Dachdecker, in der Reichstag». abgeordneter Genosse G. Hoch über:.Die Ursachen der Krisen" referierte. Den Anlaß zu den Auseinandersetzungen gab eine Bemerkung deS Referenten, daß angesichts der zunehmenden Macht des Unternehmertums die gegenwartige Zersplitterung der Ar- beiter in verschiedene Organisationen äußerst bedauerlich sei. Zu- nächst ergriff Herr Mayer als Vertreter der Christlichen das Wort. Auch er bedauerte, daß die Arbeiter in verschiedene Lager gespalten seien, daS sei aber nicht Schuld der Christlichen, sondern derjenigen, welche zuerst die Politik in die Gewerkschaften hlneingetragen hätten. Auch in Unternehmerkreisen würden die verschiedensten Richtungen geltend gemacht, wenn dort dieselben parteipolitischen Tendenzen aufträten. Würden die Gewerkschaften eS nur bei den wirtschaftlichen Zielen lassen, dann wäre die notwendige Einigkeit vorhanden. Hierzu komme noch, daß alles da«, was den Christen hoch und heilig sei, mit Schmutz und Kot beworfen würde. ES gebe aber noch einen großen Teil von Arbeitern, die sich mit Stolz al» Christen bezeichnen. Die christ- ltchen Gewerkschaften seien nicht au» der Welt zu schaffen und eS sei deshalb Unsinn, wenn sich die verschiedenen Richtungen in den Haaren liegen. Die Hauptsache sei doch die Aufklärung der in- differenten Arbeiter. K i n z e l. ebenfalls ein Vertreter der Christlichen, betonte, daS Schlimmste sei nicht die Zersplitterung der Arbeiterorganisationen, sondern da? große Heer der In- differenten. Wo die Arbeiter gut organisiert seien, hätten sie auch Erfolge auf dem Gebiete der Lohnbewegungen aufzuweisen, trotz des Vorhandenseins verschiedener Richtungen. Auch er bedauere die Zersplitterung, aber wenn man in die Gewerkschaften die Parteisache hineintrage, so sei sie eben da. In der Presse der freien Gewerkschaften würde z. B. bei Wahlen immer für die Sozialdemokratie eingetreten. Sind verschiedene Richtungen vor- handen, so herrsche zwischen ihnen ein Wettbewerb in dem Ge- Winnen von Mitgliedern und daS sei ja auch gut. W e i S k e (Zentral-Verb.) wieS darauf hin, daß die Lohn- und Arbeits- bcdingungen im Berliner Dachdeckergewerbe bedeutend schlechter wären, hatten bei der letzten Lohnbewegung die Christlichen die Macht gehabt. Wenn die freien Gewerkschaften für die Sozial- bemokratte eintreten, so mit Recht. Denn diese sei die wahrste Vertreterin der Interessen der Arbeiterklasse. Höppner(Z. V.) vertrat in längeren Ausführungen den Standpunkt, daß im Laufe der Entwicklung die christlichen Organisationen in die freien Gewerkschaften aufgehen werden. Genosse Hoch griff mehrere Male in die Debatte ein. Er betonte besonders die Notwendigkeit der Einheitlichkeit der Arbeiterbewegung, das Wort vom getrennt marschieren und vereint schlagen, passe nicht für den Wirt« schaft ltchen Kampf. Solange die Arbeiter sich gegenseitig zer- fleischen, würde ihre Macht gelähmt. Besonders würde die Agitation erschwert. Mit Recht sagen die Indifferenten: Ihr seid euch ja selbst nicht einigl Seien auch Interessengegensätze bei den Unternehmern vorhanden, gegen die Arbeiter ständen sie geschlossen da. Deshalb müßten auch wir vereint den Unter- nehmern gegenüberstehen. Wenn behauptet würde, die Christ- lichen würden mit Schmutz bekämpft, so sei demgegenüber fest- gestellt, daß die Presse der Christlichen von Schmutz und Kot gegen die freien Gewerkschaften und Sozialdemokratie wimmele. Redner fordert auf, energisch für den Zentral-Berband zu agi- tieren, man möge aber ander? denkende, besonders religiös empfindende Kollegen nicht mit Hohn und Spott behandeln. Wer andere aufklären und für uns gelvinnen will, müsse vorbildlich wirken durch anständiges und vernünftiges Auftreten. Gör icke schloß die Versammlung mit der Aufforderung, den Kampf gegen die Lauheit und den JndifferentiSmuS der Kollegen aufzunehmen. Dienstag, den IS. Mal, abend» S vbr, lm.Tlhfimn', Landsberger Allee 40/11- Groß« Ssseniliche Berfammlung aller auf dem Schlacht- Hofe bcschäsiigtrn EngroSichlächtee und Darmarbeiter. Tages. Ordnung: 1. Die NoNoeiidigkett einer geweitichasilichen Organisation und weiche Lehren ziehen wir au« dem Streik der bei der Darmverwertung be- schSsiigten Kollegen? Referent: Kollege P. Bergmann. 2. Frei« AuS- spräche. Stebensche Kranken-«nd Sterbekasse Nr. S(gegr. 1792). Heute Zahl- und Aulnahmetag(5—7 Uhr) bei Roewer, Slisabethtirchstr. 11 Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion ilber den Sirohbandel in den Zcnwal-Marktballen. Marktlage: Fletsch: Zniiibr schwach, GeschSst still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geichäst lebbast, Preise gut. G e s t ü g e l: Zufuhr nicht genügend, Geichäjt lebhast, Preist gul. Fische: Zufuhr in lebenden Fischen etwas reichlich, Geschält ziemlich. lebhast. Preise im allgemeinen befriediaend. Bult er und kas«: Geschält ruhig, Preise unverändert. 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Sldow& Co., Brandenburg a. H. Modenzeichner, tüchtiger, für Tusch- und Federmanier bei höchsten Mord preisen per sofort gesucht. Offerten unter J. 1 an die Exped. d. Bl. 2549b Schlafstelle, gut möbliert, grast eS Zimmer, sür ein oder zwei Herren, Bärwaldshaste 40, Hoj parterre, Tietze�_+131 "Freundliche schlosstelle zu oermieten. Wittig. Christburgerfh.41 IV. Möblierte Schlafstelle, separat. Klemmt, Michaelkirchstraste 18._ Schlasstelle. Witwe Rügen, Swine- müssdershaste 55, 2. Hos f.+96 Arbeiter findet Heim bei Partei- genoffen..Vorderhaus" Postamt 65. Rentenempfänger kann ein- wohnen, 10 Mark. Necker, Wiesen. fhastejjß,__+87 Möblierte Schlafstelle sür Herrn. Wilwe Hwtze, Swwemünderstraste 27. vorn L_+61 Möblierte Schlasstelle vermietet Fräulew Zahn, Madaistraste 1, vorn IIL_+3 "Möblierte Schlafstelle losort oder später. Seidler, Ruppwerstraste 27. vorn�L_+60 "Für einen Herrn möblierte Schlasstelle. 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Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- industrte die vermillelungsbiueauS Blankenfeldeftr. 4 u. AnSdacher- strafte 1« lheng zu mcidcw Diese Bureaus bemühen sich, Arbeitswillig« nach Helmstedt anzuwerben. Für Klavterarbeitrr gesperrt: Otto Marquardt n. Co., Berlin, Webersh, 13, sür alle in Frage kommenden Branchen. Für Möbeltischler und Poliere: Kiesltng, Brunnensir. 122. Für Kistenmacher: Kistenfabrik Drechsel» HeinerS- dorscr Straste l5. Für Kordmacher: Noesemann. Schreinerstraste 22; Hiitvc, Friedrich» Kari-Shaste 3. Für Rnhmenmncher und Po- lierer: Otto Mache», Ritter str. 75. 83/4* Die Ortsvertvaltiiiig. Achknnq! Fliesenleger! Wegen Nichtinnehalwng deS Tarifs sowie refticrenden LohncS sind die Bauten de« Baumeisters HfltPl» Potsdamer STvrNLr, Strafte IIS. gesperrt! Die Baustellen liegen Düffrldorferstrafte, Ecke Dürttem« bcrgiiche Shaste, WUmerSdors. Nikotödurger Ptaft. 137/13» HoHcnzollerudawm, Ecke Sächsische Shage. Um weitgehendste Bekanntgabe ersucht Ter Borttand der Sektion der Fliesenleger Berlins. Ä-rantwoitl. N.'dakteur: Carl Wcrmulh. Berlin-Rixdorf. Für lsenJnseratenteilverantw.: Tft.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanitalt Paul Singer& Co.» Berlin S\V« •pWsfcTj tnntiqui�Q h- o- j 'Z�azunuvquzLuvg'piufüj® HZIW •T£'�jzSuvg'iaWig'Olga *8-'X'sqivaiuZsjinL uq 93183 tdjTMS}( j 8]£ •fll 2,j«UIP,g 'imiQ, Jioqre jh-vzx'tQUEtpjiaqgf "Of'HIUoce'Mß�fp Ttuag •j-'X'apxojudij«|{[ 'Is sSdiiJ 'Wjjnnqg'uzßvhusmoz Bjos®-joy; ■l8''6i ifju3J39®-a®'suuvuiazH fUDÖ) gnvhuipzmhiZ inng ijzzx poaaig tzug quft �-uluatUn} -«M'„uzixgoMjlz,zZ mng"-jjzyz g-'X-jJopuaiaBur ■mtpagifpiqiD®-,azqnzzL >->•aajaiogoa®-g«ibjc ■-ftäir swJ" >'II-asjuagw® g Aioi{.t|8(£ ■(Mßpi® qug) ßnazzqizH WiL Ütusisis) P!>S-»t"PS|'£«54: ■Ba® a,jaoqs«vsH mo'uzch�gzkpjzqvg; -z�oaijaiouna® siuoi -»L'uZavgK»oh,viL uzq ng qjzzx 'S'»•J.10ps|q«lfi 'iSisH SpoM (LgulZ2c>J- gpoZ)«»ipBZL 'Z�vaijSuvjiZöoK'HvA »ix uaqa.L�i gaasajzg Zivpog zipiiMvA -rraqg.iz q ura? us«i q n 'a,ggo!L-ö'nix-yug'mpzg iqviT aziösiß'§ inDijsyj VauhZW hug'Bmy; aauagjo® •UBuaqqifTi -lZaj'sivioz»HB •0pi84inaq,ni'i ■fpiima ijnBttB inggaiz g|.io|>ii,»»io'| fl a,jz,>z�g'gpcj® ijnBnis 'M*1 Aiopu|'| •mattjaB z'ivioz ,M 'B-'U'S�aquapuif •(Jod®) ggawiouih!® pvz Bjaqapsijj-asiijy-fjopuadai'! ■juartjaB ajojog a'nu B-D•apiM.uuaqai'i »«quzqmz'yi,® 'fl-'O•apfapiaiqaj�i johuhvs mo'mjjcj(jogigg ■fl-'X'apBanajqan gaii aiojog an» B'B*9jaqua|qai'| •»laadjaB a> v z o g z i zz 'vazuai ■apqtqi•« 'SStJ3''q3[|gz'|u;alT hug'Stuy uapo mng B-B-SJnqopBi •mioma;® S«iqs8z.in?B gaij IDJOS U13JS g-'i gjop -liaiHiaqos'q aasuaiutana� gaBg lUDjnoiJaiß: 1 3 a ö ■puaqjaB Hiouc-T qun jajo� g.qaij •(ßaagiuat®» gg n-q) �qssazizU -h,aaT- g,,oJ> •moquoag MI'„qmlpjapzmn' •BiqnK uoiijpiqz, -gmazckZ-'gpaz!3«p8q»«AI •1331 aiojoa quo 31115 gnaqjaö loquqoe mo qpqpnfp® gjsjg •fl-N 3pi3z33,8«i7B gsa} jojog u)3® *8-'X-asnaiqas ja.uou -qavjc• Aiouq38iB-'(}| gqimhi® aojjn® IX«3,83» ss� •uuomnoa guoH-qug 'UJia$13lB3® qoih)®:lDJOt53g3J33a 'B-O-'d Iviog saqiia«?tiuquaqn$i® •(nopng.noiDg) uisqq�Ji» ■juD3UDijaiG gmmajy H- O-'d N'P*««!«»»« ■131915 u353oajq)J 5 hijo®'pooiß® •(loo®) uuomsqiB®[oquo® ipaK ■g-'X*, ■»Bita«"tjaio" utzntZ ging •gnium®'tjajfi■Bm.ig® gj3iß B-B*®PlaJ"JSP •uuominoaj qM hug gg'3,jhllqzi.ig'jaquäquß "Ol«jfpuqaug '.3H11® usuijoB mg"'tintp®-ag Sl/Zl agoaij .jmjfc'ajjay hug'luoanoijaiggaDjfe -3pZ)-3�03lj «aapmaqgy qun-huqaug'usqa; »}}U3®'gaoBsuo® aaio'qiginuuqcrg laöajff 3Djg3 gj3{£ •ajao® ftni®"$ug gohißiunohog• U3)3D®- asBan® "S a!jo«j •uoou;'uiqo®-qm gojoig.iqsj.is® "fl-'X*I«q,8iU8Bq«!» •atjuapoi®'aßuoB|oq}Jo® ■{BqgsiniqaBop ■aafpouuammg z 'aaJioy nagijjnaq mn5 loquo® ( amapnF- K-gznvg) laupusqjiupr uuoW'uaqiia, mng '(■�S�iPS) ua,4B33ddo|j •ujaj® B-'O-'d ■SajddpqsBUoqoH gaa) aiojoB ani? 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I.-B. Fürstcnhos, Jnh. Philipp, König. stratze 40. Balrischer Hof, Jnh.: Wollenzlen, Glirnlckerslr. 10. W ein m ei« terhorn. P.-O.-B. Benlhin. Wei««iagk, Soran-Forsl. M. Kanter. Weiaiiensee. I.-B. Alle Lokale frei. Welze w. Collb.-Sprög. G. Model, Gaslh. zur Grube Clara. H. Pseister, Zum deutschen Kaiser. August Pötschik. Werder a. d. Havel. Schwarzer Adler,(Jnh. Koch), Fischerstr. 93. Wemeneben. Carl Schlottke(sr.Wittenberg). Wem«dort. T.-fl. Rest, am Crojstnsee, Jnh. Wllh. Schramm.(Kanal". Schioedler,„Zum Od«r-Spree> We«kow. (Cottbus-Sprembera.) Restaurant Franz Winncnoerg. Wildan. T.-fl. Otto Schuhmann, Wildauer Hos. Otto Heiser.„Zur Dahme". Wilbelm«ber£. B.-B. Alle Lokale jrct Wilhelm«hagen. fl.-fl. Alle Lokale stei. WillielmsriilK. fl.-fl. Alle Lokale fret. WUbeini«rnI»(Oberhav.). Juh. Kieker gesperrt._ Wilmersdorf. T.-B. Louisenpark.WilhelmSaue 112, Jnh. Dafe.[114-115. Vlklvrla-Gartm, Wllhelmsaue Spich ein. Säle, Spich ernstratze 8, Jnh. Stecher! Zur Klause, Hltdegardstr. 6/6. 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Jiggels Fests., Ale�andrinenf«. 32 „Zum Alexandriner", Alexan» drinenstr. 37 a. Lokal-KommissionS-MItglled: Carl König, Urbans«. 93. 4. Wahlkreis. Süd-Ost. Behrends Feslsäle, Ma»teussels«.9S. Borchardt, Kvpenickerf«. 158. Cafö Alfen, Vor dem Schlestsche» Tor 2. Cen«al-Festsäle, Oraniens«. 180. Gleve,„Süd-Ost", Waldcmars«.7S. Graumann, Blaunvns«. 27. Jndilstrie-Festsäle,Mariannenstr.31 Mariannen- Festsäle, Mariannen» User 2. Max Nowack. Manteuffels«. 9. Naunynsestsäle(Böhm), NaunyN» stratze 6. Oranien-Salon, Oraniens«atzel70. Reichenberger Hos, Reichenberger» stratze 147. Sanssouci. Kottbuscrs«. 6. Schocke(Drachenburg), Vor dew Schiefischen Tor. Schuhmacher, Skalitzerstr. 126. Waller(Urania), Wrangels«. 9/10, G. Wolljchlägcr, Adalberts«. 21. Ost. Bllhambra, Wallnerthcaters«. 15. Albrecht, Gesellschaslsh.,Langest.l0S. AndreaS-Feslsäle, Andreasj«. 21. 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Dietrichs Festsäle, Brunenftr. 34. Elsasser Ball-Salon, Elsallerstr. 15. Fey, Brunnenstr. t84. Jos. FrankeS F-ftsäle,«adstr. 1». FrischS Btctorta-Garten. Badstr.12. Gramotte, O.. Bergstr. 12. Harmonie, Jnoalidenstr. 1», Klubhaus Sanges lost. Usedomstr. 7. Welch ert, Bergstr. 63. NoackS Festsäle, Brunnenstr. 15. Olböter, Usedomstr. 33. Restaurant u. Festsäle, Elsasterstr.25. RoewerSFestsme,ElIsabethrlrchstr.l4 Swinemündcr GcsellichaslShauS, Swinemünderstr. 42. F. Schuster. Ackerstr. 144. F. Wilkes Festsäle, Brunnenstr.!«. ZumSängcrhcim, Veteranenstr. 18 Ballschmtedcr, Badstr. 16. Bernhard Rose-Thealer, Badstr. 58, M. Gradhandt, Bellcrinannstr. 70. Gregory-Brauerei, Badstr. 67 Max Hahn, Koloniestr. 124. Leonhardt, Koloniestr. 147. Marienbad, Badstr. 85/35(Jnh. Siagel). Schmidt, Herm., Prtnzen-Mee 33. Volttgarten-Theater, Badstr. S (Behm- und Bellermannstraße). Schönhauser Vorstadt. Arndt? Festsäle. Belsorteistr. 15. Aniim-FestlSIe, Schönflteßerstr. 22 Berolina- Festsäle, Schönhaustr Allee 28. Bier. Sprudel. Gaodhstr. 10. Brauerei Bötzow, Prenz lauer Allee. Brauerei Grotersan, Schönhauser Allee!30(Jnh. Stein). Brauerei Psesserberg, Schönhauser Allee 116. Brauerei Gabriel u. Jäger, Celan, Mendorf, Zehdenickerstr. 10. Brauerei Köniasiadt, Dtfon. Rob. Lieblng, Schönhauser Alle« 10. D. Hossmann, Kastanien-Allee 83, Forper, Prenzlauer Allee 155 (Ringba hn-Station). FräbeiS Allerlei-Theater, Schön» hauser Allee 148. sgarderstr.3. GenolsenschastZ- Wirtshaus, Star« Ketsch Schönhauser Allee 134». Kopenhagener Klubhaus, Hube, Kopenbagenerstr. 74. MaerttnS Festsäle, Pappel-AlleeSb. ObigloS Festsäle, Schwedterft.S3/24. Praier-Theater.Kastanieo Allee7/S. Sänger-Heim, C. Grunze, Schön» hauser Allee 156. SleuerhauS, Prenzlauer!llle» 1«- Lokal-KommisfionS-Mitgliedr R. Henschel, Ueckermiwderitr.17. t. Ladau. Refidenzstr. 154. ogust Feind,„Zur Wartburg*, Kopenhagenerstr. 71. .BolkSgarlen'. Rag«!. Haupt. straße bl. Schaller,.Schbnholz« Tivoli', Prodinzstr. 69—72. J. Weber, Restaurant zur«seu- bahn. Nordbahnstr. 22. R. Schmidt,„Zum Starchnest". Prooinzstr. 79. SchüvcnhouS, Inhaber L. Zelwel, Restdenzstr. l/2. F.Giricke, Wirtshaus„ZurTamie', Nordbahnstr. 1 1. Otto Brückner, Prooinzstr. 51. f ermann Glese, Hausotterstr. 55. . Großmann,„Schönholz. Flora", Prooinzstr. 76. Herm. Fall, FamUten-Nestaurant, Hausotterstr. 43. Westen. Tegeler Chaussee. Ernst Muster, Berlinerstr. 29. Dimke, Cichbornstroß» 18, Ecke Augusta Viltoria-Allee. I. GördeS. Waldschlößchen. Said- straße 50/51. W. Otto, Berlinerstr. 113/114. Engel, Eichbornstr. 72/73. H. Schiller,.Eichbornsäle', Sich- bornstr. 60. Moritz„AiwShof', Beriwerstr. 73. Bree, Berlinerstr. a.d.Jrrenanstall. kspp«»(O. u.W.-Sternberg). VerlehrSlokal:„Hotel Karl'. Alle übrigen Lokale gesperrt. Itixdorf. T.'B. Alle Lokale frei. Rdnte/cnthal» l.-B- »reilopsS Rest. Räntgenthal. Herm. Marx'« WaidhauS. ItvMvnthal. S. Kabelitz, GastHo).Lur Mühle", Hauptstr. 33. Hüdersdorl(Dorf). i.-B. R. Marx. Luisenstr. 31. Biidersdorf(Kalkb.). 1.-1 Grewe, Wasch.». Linde. Hewitzer- straße 19. Deutsches HauS, am Kalks«, Jnh. Edwin SchwederSky. »ndvia bei loliiiiiiltltzal 7.-1. verkehrslokal! Aug. Palm, Küpe. Nickerstratze. Me anderen Lokale gesperrt. Bnhlsdort. I.-B, Me Lotale gesperrt. Knhlsdorf 6. Seltolu. 7.-1. Me Lokale gesperrt. »BinrMvIahnr».>.-1. Alle Lokale frei. Saarn, and(Luckenwalde). Hildebrandt. fitaatiTinkel* P.-O.-B- Me Lokale frei Vachaendorf* (TottbuS-Spremberg.) Aug. Dobring u Paul Sachs. Äiacr«. iSorou-Isrst.) Oto. Ziegler, Brauerei. Sadowa. T.-l. Pflug» Rest. a. d. Oberspree. Zur Waldschänke, Jnh. Tildte. l�andherK-Itelzig-. Fr. Thiele. Zur grünen Tanne. Standhansen. 1,-1. Waldschloß. SSelienkendorti 7.-1. Otto Bätsch(Saal). 8cl»eaa«(Sorau-Forst). G. Schneider u. S. Gebhardt, '»Mctiildham. P.-8.-B- »HanS Nitzhoupt. •Schmidt, Wirtshaus Schildhorn. •Schröder. Schildow. I.-I. All« Lokal« gesperrt. «Schlaehtenuee. 7.-V. Beclitzhos, WUdelmShöh« und KnstanienwSldchen.Jnh. Krüger, frei: alle anderen Lokale gesperrt. Schuiai'giendort. 7.-1. Kübler'S Wirtshaus, Tchmargen» dors, Warnemünderltr. 6. „Lindenbaiim", Spondauerstr. 40, Job. Ad. Pöttscher. SchützenhauS, Houdekehlenftr. 20, Jnh. H Meißner. 8ch melitvltr(Cottb.-Sprnnbg.). Richard Lucian. Herm. Hossmann. iSehmcrtzIte Bei Brandenburg a. d. H. Restaurant Gericke. dtciiniiicknitz. 7.-1. Gasthos„Zur Palme", mn Seddw- see, Herm. Peter. Noack, Restaurant Zum Seddinsee. Muxseldt,„Seglerlchloß". .Wald-Jdyll", Witwe Loren». Ts-B« Alle Säle frei. Scliöneichc-Schöne- bock# N'B* Emil Süßmilch. Waldschioß. 8ohi»nerUnd«. öi.-v. SperrlieSki. SchdaNleGS.>.-1. Restaurant Schirmer. «chvnflteaa ß. FOrslenterg. Rest. Aug.«rüger. Schiiaholz. I.-B. Schloß Schönholz gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Vcliffnovr. H.-B. Schulz. ttzchönwalde i. d. 71. I.-B. H. Schulz.— L. Ltebenhagen.— H. Borowski, Internat.«Ports. haus a. Gorinsee. SHehLpfarth. O.-B. SchützenhauS(F. Müller). ISchBlzendorr. I.-B- Rest.„Hubertus", Triller. Siehalzeadorf b. Cich- v.nldc. 7.1. Kein Lokal frei. Schaan eheck. 1.-1. Me Lokal« gesperrt. sSehn-edf a. O. Deutsches Haus, HeinerSdorserstr. Sehirtehn». .. z. deutsch. Eich«. Croffmrrsd'. Gustav Gondolatsch, Mühleostr. Wilh. Pansch, Herrenstraß«. Weißer Schwan, Kukschlauerstr. Z. weißen Lamm, R. Weber, Poststr. 'pieeKoteld. P.-O.-B. Alle Lolale frei Scidiitz, UodbeiM Seldln. Zum Spitzkrug. seiferadorf bei Sarau. Schober, Doisstraß«. tztzenftenber» II galau-Lockau). asthol in Sau». Senzig. 7.-8. All- Lokal, frei. itziamen(Cottb.-Sprembg.I. E. Fischer: Rest. F. Lemke( Adols Juri, Belleoue. Siamen Ziegelei: Otto Hosstnmm. 04«ain«erteid(SchwiebuS). Zum Kiiisürsten. Babnhosstraße. pi«n»n»erfeld d.ikillsez�.ll.st. Brauerei Weber frei. Sonnenbarg (O.< u. W.-Siernberg). Wilh. Greiser und Hotel Markgraf. Sorna. Flora, Sagaiierslratz».— Gasthos zur Elle, Eilplatz.— Rumbaiier. Psärttierstraße.— Golden« Aul«, Priebiiserstraße. Spandan. P.-B.-B. Verkehrslokaler Carl Gotiwald. Schönwolderstr.80. E. KöpnickS Ball-Salon, Picheis- dorierstr. 39. Gust. Borchardt, Seeburgerstr. 26. .Voiksheim''. Fr. Böhl«. Havel- straße 20. Spindlersieide* 7.-B. Rest. Rohwald. Spreenbagen. T.-B. Gasthof zum deutschen Kaiser, Jnh. Wilh Bau«. reu® bcp�a Paul Heinze, Gesellschailsb-'.ut. Paul«obett, KonzerthauS. Ludwig Krüger, Berglchlößche». Bruno Rückert, Bürgerhaus. Springeiberg. N.-B. Restauram Fathke. Sprncke bei Gaben« Rest. Schulz. Spntcndorf b. Gr.-Besrei! T.-B. GotU Vogel. Dorsstr. 9. Stanken. P.-O.-B. Gasthof„Zum braunen Hirsch", Hamborg« Chmissee. Stahnsdorf- Klein-Tlnchnow. 7.-B. Alle Lolale gesperrt. Steglitz. 7.-1. Frei: Echellhase, Saal o. Garten Ahornstr. 15», u. Birlenwäldchen Saat und Garten, Schützenstr. Stci-rtnrt. V.L. Wilh. Schleusen«. Stolpbrlick. I.-B. Wilhelm Lehmann.