BtonnemenfS'Bedingungen: Jfcwx Die Tnlertions-Gebübr WonnemenlZ- Preis pränumerando: W W ÜB! M? � � v-KSgt sür die sechsg-N-°I'-n° K-Ion-k. Bicrleljöhrl. ZP0 BU, monall. 1,10 Mk.. WV ßW■■ f GW 7/ H H HH BS RHf t m® f«eile oder deren Raum 50 P,g.. für wöchenilich 28 Pfi!. frei ins Haus. BB|, HR WM fA SSM BB H| MB MB IBaf ps politische und gewerkschaftliche Vereins- Einzelne stummer 5 Pfg. Eomitags- rtSK KW HM HS V) BB WD BS BB HO HB(Y OB MW--- Y/ und Versammlungs-Ai�cigen 30 Psg. nnmnier mit illusiricrlcr Sonntags. MAB i-MA AZW � W W M MM M V) M«S! //..Meine»nrelgen". das erste fselt- SKBN55S W sl I> I AJU II I I MG-/ SÄ?&rÄSS5; Preislisten Unter Kreuzband für H| DD M v iffiwt iMMli mI\ M ����M( slellen-Anzeigen da» erste Wort 10 Pfg., Deutschland und Oesterreich. Ungarn EHE � MU s Z' BB I jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 2 Mark, für das übrige Ausland MWA �W/ Zj A' BH| 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Z Mark pro Monat. PoslabonnementS BVBH>•*~S ▼/ BU V Inserate sür die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien. Dänemark,<�HRHB�'� � f pis S Uhr nachmittags in der Expedition EÄ'SaÄWSa£ «»«-«-«»» Verlinev Volltsblakt. �entralorgan äer fo2ialäLmokrati scken Partei veuttcklanäs. KeäakNon: SM. 68» I-mäenstrÄSse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983» Offizierseftre und Offizimdisziplin. Diede'r ist einer da unten wild geworden. Mcrdings ist es kein Wittelsbacher Prinz, sondern nur ein königlich bayerischer Rittmeister, der seinem Groll in einer Broschüre energisch Luft macht*).-Wir finden allerhand Interessantes darin: Ein ehrengerichtliches Verfahren, dessen Anlaß höchst komisch ist, ein Amüsement mit Kellnerinnen in einer Offiziers speisean st alt und eine eingehende Dar- stcllung des„Budenzauber s".' Viele Leser werden vielleicht erstaunt fragen, was denn eigentlich ein Budenzauber ist, worauf wir antworten, daß es sich hier unr ein äußerst feines und nobles Vergnügen handelt, das nicht wenige junge und jüngere Offiziere der deutschen Armee sich des Nachts gestatteten, wenn sie init ihren Abteilungen aus einen Truppenübungsplatz kom- mandiert sind. Es ist ein Vergnügen, das, wenn Arbeiter ihm huldigen würden, von preußischen Staatsanwälten zweifellos als Landfriedensbruch charakterisiert weroen würde. Wie es beschaffen ist, mag die Beschreibung lehren, die Rittmeister Negrioli von dem„Budenzauber" gibt, den Offiziere ini Sommer 19lM auf dem Truppenübungsplatz Hagenau inszenierten. Negrioli schreibt darüber: „Diese Belästigungen, welche sich oft bis 1 Uhr und 2 Uhr nachts ausdehnten, denn sie begannen erst gegen 12 Uhr, arteten schließlich so weit aus, daß Türen eingetreten und Fenster eingeschlagen wurden und die Insassen aus den Betten gerissen und in Gebüsche ge° warfen wurden, mit Wasser im Bett überschüttet wurde n." Als das in Tieuze garnisoniereude 3. bayerische Chevau-leger-Regiment, dem Herr Negrioli zu- letzt als Rittmeister angehörte, ini Jahre 1905 wieder auf dem Truppeniibungsplatz Hagenau angekommen war, ging der Budenzauber natürlich von neuem los, und Zwar be- teiligten sich Offiziere von drei Regimentern, nämlich das schon genaunie 3. bayerische Chevau-leger-Regiment und die p r e u i.' s ch e n Feldartillerie-Regimenter Nr. 51 und Nr. 15. daran. Aus dieser Tatsache, die am 26. Juli 1305 vor dem Kriegsgericht Landau festgestellt wurde, geht hervor, daß der Budenzauber keine rein bajuvarische Institution, sondern eine deutsche ist. Der Rittmeister Negrioli war nun— es muß auch solche Käuze geben— der-Meinung, daß der Budenzauber ein der Offizierswürde nicht entsprechendes Amüsement sei. Daher gab er für die Nacht vom 20. zum 21. Juni 1905, in der er als O f f i z i e r v 0 ni L a g e r d i e n st kommandiert, also ex officio zu der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung auf dem Truppenübungsplatz verpflichtet war, dem Kom- Mandanten der neben der Offiziersbaracke des 3. Chevau- leger-Regiments etablierten Wache den strikten Befehl, daß er nächtliche Ruhestörungen auch dann hintanzuhalten habe, wenn sie von Offizieren ausgehen sollten. Bemerkt sei hier, daß nach{5 III des Militärstrafgesetzbuches Wachen, Posten und Patrouillen, sobald sie im Dienst handeln, auch Vorgesetzte der Offiziere sind, also jede von einem Offizier gegen sie begangene Renitenz ebenso zu bestrafen ist, wie wenn der Offizier sie gegen einen Vorgesetzten begangen hätte. In dem Glauben, daß seine dem Wachkommandanten gegebene Instruktion wenigstens in dieser Nacht für Ruhe sorgen würde, legte Negrioli sich um 10 Uhr zu Bett. Aber sein Glaube war bald zerstört: denn für Offiziere, die einen Budenzauber arrangieren wollen, existieren trotz des§ III des Militärstrafgesetzbuches weder Posten noch Patrouillen. Und so wurde denn auch in der Nacht vom 20. auf 21. Juni auf dem Truppenübungsplatz Hagenau ein kräftiger Buden- zauber abgehalten. Besonders bemerkenswert und charakte- ristisch für die Disziplin, die im deutschen Offizierkorps steckt, ist die Tatsache, daß dieses Mal der Budenzauber sich just gegen den Offizier vom Lagerdienst, den Rittmeister Negrioli, richtete! Gegen ihn als den zum militärischen Ordnungsdienst kommandierten Offizier wurde eine Art Haberfeldtreiben inszeniert. Kaum war Rittmeister Negrioli im Bett, da begann auch schon der Radau. Lassen wir ihn selbst erzählen: „Gegen 1411 Uhr wurde gegen mein Fenster gepocht, zehn Minuten darauf wurde mit einer Signalhuppe vor meiner Tür und auf dem Gange geblasen; dann war Ruhe bis 12 Uhr. Um 12 Uhr erwachte ich, weil vor meinem Fenster gemiaut und gepfiffen wurde. worauf ich mich ans Fenster begab, um zu sehen, ob der Posten meiner Instruktion gemäß handle. Ich sah diesen auf die Offiziere zugehen und bemerkte gleichzeitig, daß das Fliegengitter an meinem Fenster zunächst des Fenstergriffs durchschnitten war über Hand- spanne lang. Daraus schloß ich, daß gegen mich etwas be- absichtigt sei. „Militärische Rcchtsanschauungcn im 29. Jahrhundert." Von Dr. Albrecht Stegrioli. Rittmeister a, D,. �Verlag Loset Küber, Diesten bei München.),'' Sonntag, den 23. Mai 1909. Ich legte mich wieder nieder; zirka b Minuten darauf explo- dierten vor meinem Fenster Frösche, so daß die Funken gegen das Fliegengitter sprühten. Von meinem Bette aus konnte ich nun sehen, daß jetzt auch die Patrouille in Tätigkeit getreten war und fort- gesetzt auf und ab ging; trotzdem hörte ich ein Stimmengemurmel und Lachen und schloß daraus, daß die Ruhestörer noch anwesend waren, und zirka 19 Minuten nach dem Zlbbrennen der Frösche vor dem Fenster explodierten 3 Frösche vor meiner Tür, so daß das Feuer durch die Spalte zwischen Tür und Fuß- boden in mein Zimmer fuhr und dieses mit Rauch erfüllt wurde. Bei der Verhandlung in Landau gestand dann Leutnant Vog, daß diese drei Frösche sein eigener Eskadronschef, Rittmeister W i l l m e r, gelegt hatte.... Etwa 19 Minuten später hörte ich auf dem Gange Schritte; ich wußte vom vorigen Jahre her, daß das Finale dieser nächtlichen Belustigungen, das Abbrennen von Kanonenschlägen(I) im Barackengang bildete," Rittmeister Negrioli eilte nun rasch zur Tür auf den Gang, wo ihm von dein schon genannten Leutnant Vogl ein explodierender Frosch vor die Füße geworfen wurde. Der Rittmeister gab daraufhin einen Schreckschuß mit einer Platzpatrone ab, der ganz gegen die Absicht des kurzsichtigen Negrioli— Negrioli hatte in der Eile übersehen, feine Gläser aufzusetzen— den Leutnant ungefährlich am Gesäß verletzte. Da sowohl der Rittmeister als auch der Leutnant Meldung erstatteten, konnte die Angelegenheit nicht mehr vertuscht werden und kam vor das Kriegsgericht Landau. Damit ist bewiesen, daß d i e höheren und höchsten Vorgefetzten von ihr dienstlich Kenntnis erhalten haben. Der Rittmeister Negrioli wurde in Anbetracht seiner vorzüglichen Führ u n g und des Umstandes, daß er schwer gereizt ivorden war, zur Mindcststrase von einem Tag Stuben- arrest verurteilt. Was geschah nun den Offizieren, die trotz Ein- schrcitens eines Postens und einer Pa- t r o u i l l c den Budenzauber noch dazu gegen einen s e l b st zum Ordnungsdienst auf dem Truppenübungsplatz kommandierten Offizier fortsetzten? Was geschah den dabei beteiligten Oberleutnants und Leutnants, die außerdem einen Vorgesetzten mit einem nächtlichen Haberfeld- treiben bedacht hatten? Wurden sie vor Gericht gestellt? Es lagen doch Ausruhr, begangen gegen einen P o st e n und eine Patrouille, und zum m i n d c st e n eine grobe A ch t u n g s v e r letz u n g vor. Nein, es kam keiner der Herren vor Gericht. Selbst disziplinarisch wurden n u r der Rittmeister Willmcr und der Leutnant Vogl mit drei Tagen Stubenarrest bestraft. Doch erhielt später der Rittmeister Willnier ein angenehmes Pflaster auf diese drei Tage, denn er, der in Gegenwart seines Leutnants sich selbst eifrig am Budenzauber beteiligt hatte(siehe oben), wurde als Reitlehrer an die Equitations- anstalt in München versetzt— wahrscheinlich mit Rücksicht auf sein pädagogisches Talent, meint Negrioli spöttisch. Setzen wir den Fall, daß gemeine Soldaten einem zum militärischen Ordnungsdienst kommandierten Unter- ofsizier, zum Beispiel dem jourhabenden Unteroffizier, so mitspielen, wie die„B u d e n z a u b e r e r" in Hagenau dem Rittmeister Negrioli mitgespielt haben. Kämen diese Soldaten mit drei Tagen mittleren Arrest- davon? Sie würden erbarmungslos vor Gericht verwiesen und wegen Aufruhrs(Gehorsamsverweigerung zweier oder mehrerer) nach§106 des Militär st rafgesetzbuches mit mindestens fünf Jahren Gefängnis bestraft. Dazu käme noch die Strafe wegen Achtungsverletzung. Würde das Ge- richt das Abbrennen der Frösche als eine Gewalttätigkeit ansehen, so läge gar gewalttätiger Aufruhr vor, der nach § 107 des Militärstrafgesetzbuches mit mindestens fünf Jahren Zuchthaus zu bestrafen ist. Zudem würde wahrscheinlich auf das eingehendste untersucht werden, ob der gegen den Unteroffizier verübte nächtliche Radau vor- her verabredet wurde? Wenn ja— im Falle Negrioli war der Budenzauber verabredet—. würde eine Verurteilung wegen Meuterei erfolgen, d. h. es würden die für den Aufruhr festgesetzten Strafen noch wesentlich er- höht werden. Aber die„Budenzauberer" aus dem Offiziers- stände gingen, abgesehen von den zwei mit lächerlich geringen Disziplinarstrafen belegten Offizieren, vollkommen leer aus. Ein wohltuender Gegensatz zu den militärischen Schreckcnsurtcile», die fortwährend gegen Gemeine gefällt werden! Es dürfte sich für unsere Reichstagsfraktion verlohnen, gelegentlich diese Sache im Reichstage aufzugreifen und sie zur Kritik der Militärgerichtspraxis wie zur Unterstützung der Forderung zu verwenden, daß die barbarischen Strafen des Militärstrafgesetzbuches für Verstöße gegen die Disziplin wesentlich gemildert werden. Da am Hagenaucr Buden- zauber, wie oben erwähnt, auch preußische Offiziere be- teiligt waren, kann die Ausrede, es handle sich hier um eine Angelegenheit der bayerischen Armee, die vor den bayerischen Landtag gehöre, nicht gebraucht werden. Negrioli erzählt auch eine reizende Episode aus einer „kleinen Garnison", weil ex vermutet, sie sei daran schuld. Cxpeclitlon: SM. SS» Lindenstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. daß er in den unteren und auch in den höheren Regionen unbeliebt wurde. Als der Rittmeister an einem schönen Juniabend 1904 die Chevau-Ieger-Kaserne in Dieuze der- ließ, kamen ihm nämlich hilfeflehend zwei Kellnerinnen des Restaurants„Hohenzollern" auf dem Truppenübungsplatz Hagenau entgegen und erzählten ihm, zwei Leutnants hätten sie hierherkommen lassen, seien gestern sehr nett gewesen und hätten sie ins Offizierskasino mitgenommen, wo auch andere Offiziere waren. Nun sei d i e R e g i m e n t s- musik geholt und nach ihren Klängen getanzt worden. Dabei hätten ihnen die Offiziere die Kleider zer- rissen. Die Nacht über wären sie bei den zwei Leutnants gewesen und von ihnen jetzt ohne Geld hinaus- geschmissen worden. Der Rittmeister gab den Mädchen aus seiner eigenen Tasche Geld zur Heimfahrt und meldete das Vorkommnis dem Regimentskommandeur. Das wurde ihm sehr verübelt, obwohl die Recherchen ergaben, daß ihm die Kellnerinnen nur die Wahrheit erzählt hatten. Im nächsten Jahre, im Oktober 1905, bat der Rittmeister, der vorher eine Blinddarmentzündung überstanden hattgs, um einen einjährigen Erholungsurlaub ohne Gehalt. Der Urlaub hätte also dem Staate gar nichts gekostet. Trotz- dem wurde das Gesuch abschlägig beschieden und dem Rittmeister der blaue Brief ins Haus ge- schickt. So wird abgesägt, wer sich in die Ehrbegriffe des Offizicrkorps nicht zn schicken weiß. Später erklärte der Personalreferent des bayerischen Kriegsministeriums Herrn Negrioli, er fei wegen großer Nervosität pensioniert worden. In diesem Falle wäre aber ein längerer Urlaub erst recht notwendig gewesen. Uebrigens kann die„Nervosität" Negriolis nicht so sehr schwer gewesen sein, denn der Ritt- meister erwarb sich nach seiner Verabschiedung an der München er Universität noch den Doktor« t i t e l._ Die Crbfchaftsitener in der Finanz- Kommiiiion. Den Vorwurf der Faulheit kann man der Finanz-Kom- Mission nicht machen. Am gestrigen Sonnabend begann die Sitzung bereits früh neun Uhr, nachdem man am Freitag bis abends 7 Uhr getagt hatte. Daß die Arbeit unfruchtbar ist, ist die Schuld der konscrvativ-klerikalen Koalition. Man durfte annehmen, daß das Erbschaftssteuergesetz zu einer lebhaften Debatte führen werde. ES kam aber anders. Zu dem grundlegenden§ 1 meldete sich niemand zum Wort. Die Ablehnung erfolgte gegen 10 Stimmen. Ge- nosse Geyer fragte, welchen Zweck denn diese Art der Beratung haben solle. Schatzsekretär S y d 0 w schaffte Klarheit. Die Regierung, erklärte er, lege keinen Wert mehr auf die weitere Behandlung des Erbschafts st euergesetzes. Sie werde dem Reichstag nach Pfingsten ein Erbanfällsteuergesetz vorlegen. Auf keinem Fall wird aber der sozialdemokratische Antrag Berücksichtigung finden, der eine Besteuerung des Nachlasses der Landesfürsten verlangt. Schleunigst erhob sich Abg. Gröber und be- antragte das Gesetz en bloc abzulehnen, ein Wunsch, den die Kommission � sofort erfüllte. Damit war die Erb- s ch a f t s st e n e r a b g c t a n. Die Konservativen haben vor- erst gesiegt. Im Automobiltempo wurde dann noch das Gesetz betr. das Erbrecht des Staates abgelehnt. Das Gesetz will das Erbrecht entfernter Verwandter beseitigen und diese Erbschaften dem Staat überweisen. Das genügt, um den Abscheu der Konservativen auszulösen. Genosse David hielt den Herr- schaften vor, daß sie aus nacktem Profitinteresse handeln. Die Schaumweinsteuer führte zu einer Debatte, weil eine andere Staffelung vorgeschlagen war. Mit unwesentlichen Aendenmgcn fand das Gesetz Annahme. Vor der Abstimmung §abcn die Abgg. Paaschs und W i e m e r namens ihrer staktionen fast gleichlautende Erklärungen ab, daß sie den indirekten Steuern nur zu- stimmen, tv e n n 100 Millionen Mark solcher B e s i tz st e u e r n geschaffen werden, mit denen sie einverstanden sein können. Die Beschlüsse betreffs der Bcsitzstcucrn in zweiter Lesung seien nicht genügend.— Besonderen Eindruck machten diese Erklärungen nicht, denn man weiß, daß der Liberalismus, wenn er getreten wird, auch anders kann. In längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde darauf über die Weiterführung der Beratung verhandelt. Charakte- risüsch ist, daß das Zentrum, das im Senioren- konvent die zweite Lesung der direkten Steuern nicht vor Einbringung der Ersatzvorlagen der Regierung beginnen lassen wollte, jetzt auf die Fortberatung hindrängt. Diese Umstimmung scheint auf die Wen- dung, die nach dem Ausfluge Büloivs nach Wiesbaden eingetreten ist, zurückzuführen sein. Zentrum, Polen und Konservative setzten es auch durch„ daß die Kommission Dienstag, 25. Mai. weiter tagt. Ebenso wurde mit 14 gegen 13 Stimmen beschlossen, sofort in die Beratung der Brau- steucrvorlage einzutreten. Das Zentrum und die Agrarier haben es jetzt sehr eilig. die indirekten Steuern, soweit sie von der Kommission schon in erster Lesilng beschlossen wurden, unter Dach und Fach zu bringen. Sitzungsbericht. Zur Beratung steht der Entwurf des Erbschaftssteuergesetzes. Eine Generaldebatte wird nicht gewünscht. Der grundlegende§ 1 wird gegen 7 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmen Sozialdcmo- k raten. Nätionalliberale, Reichspartei und Freisinnige. Abgeordneter Geyer bedauert, das; die Regierung noch kein Erbanfallsteuergesetz eingebracht hat. Jetzt ist die ganze Arbeit wertlos.— In kurzer Debatte schlichen sich die Vertreter der Freisinnigen dieser Ansicht an und betonen, dah die Regierung zweifellos berechtigt ist, auch die von der Kommission abgelehnten Verbesserungen in den neuen Entwurf aufzunehmen. Schatzsekretär Sydow: Das Gesetz in der Konimissionsfassung kann nur den Rahmen bilden für ein neues Gesetz. Mit diesem Gesetz, der Erbanfallstcuer, kommt die Regierung nach Pfingsten an den Reichstag. Der sozialdemokratisch Antrag auf Besteuerung des Nachlasses der Landesfürsten ist absolut unannehmbar. Abg. Geyer weist darauf hin, daß unter diesen Umständen die Weiterberatung absolut keinen Zweck habe. Abg. Dr. Weber ist derselben Ansicht. Abg. Gröber vertritt dagegen die Auffassung, dah die Vorlage formell erledigt werden müsse. Nach kurzer Geschäftsordnuvgsdebatte wird entschieden, die Weiterberatung fortzusetzen. Abg. Gröber beantragt, die ganze Vorlage abzulehnen. Der Antrag wird angenommen und damit ist die Erbschafts- peucr gefallen. Zur Beratung steht darauf eine Resolution Dr. Weber, in der die Vorlage einer Novelle zum Erbschaftssteuergesetz verlangt und, soweit eine solche Steuer den Betrag von 10t) Millionen nicht er- bringen sollte, der Vorschlag einer andcrwciten Besitzsteuer gefordert wird. Doch soll vermieden werden, daß die Steuerbehörde bei Erb- anfallen unnötig in das Familienleben eindringt�— Dazu liegt ein Antrag Gröber vor, der die Vorlage der Geschäftsbücher, sofern daL verlangt wird, fordert. Abg. Dr. Weber begründet seine Resolution, die der Regierung Richtlinien geben soll, zieht aber schliehlich seine Resolution zurück. Es folgt die Beratung des Gesetzes betr. daS Erbrecht des Staates. Abg. Dietrich erblickt in diesem Gesetz eine grosse Ungerechtigkeit. Abg. Dr. David hält den Konservativen vor, dah sie gar keinen Anlass zu sittlicher Entrüstung haben. Wieder sei es das grosse Portemonnaie der Besitzenden, das geschützt werden soll. Weil das Erbrecht weit entfernter Verlvandter beseitigt werden soll, damit solche Erbschaften dem Reich zufallen, deshalb wandten sich die Kon- servatircn gegen das Gesetz unter dem fadenscheinigen Vorwand. dass die Testierunfähigkeit ausgenutzt werden soll. Nach kurzer Debatte wird das ganze Gesetz gegen zehn Stinimen �Sozialdemokraten. Freisinnige und N a t i o n a l l i b e r a l e) abgelehnt. «Es folgt die zweite Lefung des Gesetzes betr. Erhöhung der Schaumweinsteuer. Dazu haben fast alle Parteien folgende neue Skala beantragt: „Für anderen Schaumwein und schaumweinähnliche Getränle bei einem Preise der Flasche von nicht mehr als 2 M....... 0,75 M. Steuer nicht mehr als 5 M....... 1<— M. Steuer nickt mehr als 7 M....... 2,— M. Steuer ' über 7 M.......... 2,50 M. Steuer. ■ Der Zoll soll erhöht werden auf 150 M. pro Doppelzentner. Abg. Speck lZ.) findet diese Staffel für höchst ungerecht. Die Progression dürfe nickt gleich um 1 M. steigen, sondern höchstens um 50 Pf. Die.Herabsetzung der Steuersätze führe zu einer unter Umständen recht erheblichen Mindereinnahme. Bei der Versteue- rung sei darauf zu achten, dass alles versteuert wird, was sich in einem Raum befindet. In gewissen Kasinos habe man von dem im Keller liegenden Wein jedem Mitglied ein steuerfreies Quantum zugeteilt und sich damit um die Steuer gedrückt. Schavsekrctnr Sydow empfiehlt die Annahme der oben ange- führten Staffel. Von der höheren Steuer würden nur 10 Proz. der Schaumweine betröffen..et-». Abg. Paasch- erklärt vor der Abstrmmung, dass seine Freund« zwar mitarbeiten wollten, sie mühten aber daran festhalten, dass neben den 400 Millionen Mark indirekter Steuern 100 Millionen Ääark Besitzsteuern geschaffen würden. Mit den fetzt ins Auge gc» fassten Beschlüssen seien die Nationallibcralen nicht einverstanden. Ihre Abstimmung sei deshalb nur eine provisorische. Abg. Dr. Wiemer gibt eine fast gleichlautende Erklärung ab. Das Schanmweinsteuergesetz wird schliesslich Mit unwesentlichen Aenderungen angenommen. Die obige Staffel findet Annahme mit der Aendcrung, dass Schaumweine zum Preise von mehr als 7 M. eine Steuer von 2 M. zu tragen haben..„., m Nach einer kurzen Pause sollte die zweite Lesung der Brau. st e u e r beginnen. Vorher entspann sich eine lange Debatte dar- über, wie der Arbeitsplan festgesetzt werden solle. Man einigte sich dahin, dass die nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr statt- finden soll.„ �, Abg. Dr. David beantragt Vertagung. Ter Antrag wird mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Danach tritt die Kommission in die Beratung der Brau- ft C II€ X D 0 r I Ö$ c. Zu§ 1 liegen Anträge von Zehnter(Z.) und Raab(Antis.) vor. die eure andere Deklaration über das. was unter untergärigem Bier zu bezeichnen sei, vornebmen. Die Anträge werde» ange- nommen: ebenso ein Antrag Weber u. Gen., dem 8 1 folgenden Zusatz zu geben:..Der Zusatz von Wasser zu gewerblichen Zwecken nach Abschluss des Brauvcrfahrens ausserhalb der Brauerei ist unlcrsagt.' � �. Zu§ 2 beantragen die Abgg. Weber u. Gen. dre Wieder- Herstellung der Regierungsvorlage. �» Abg. Zehnter beantragt eine Aenderung der Besteuerung des Zuckers zu Brauzwecken.. � Der Regierungökommissar Neinbvth will eure Streichung des Schlutzsatzes in ZehnterS Antrag. Dieser Echlusssatz lautet:..Ter dem obcrgärigen Bicre nach Abschluss des Brauvcrfahrens und ausserhalb der Brauerei zugesetzte Zucker unterliegt nicht der Brau. ftcucr." Abg. Wiemer hält den Antrag Zehnter ohne jenen Schlusssatz für eine Verhsserung. Zehnter zieht darauf diesen echlusssatz zurück. Der Antrag Weber wird abgelehnt und der Antrag Zehnter mit einem Zusatz angenommen. Danach lautet 8 2: Die Brausteuer wird von dem zur Bicrbereitung verwendeten Malz und Zucker erhoben., Unter Malz wird alles künstlich zum Keimen gebrachte Ge. treibe verstanden. Als Zucker im Sinne dieses Gesetzes sind die im 8 1 Abs. 1 bezeichneten Zuckerstoffe einschliesslich der daraus hergestellten Farbmittel zu verstehen. Zucker, der in Brauereien mit einer zahrlichen Malzver. Wendung zu obergärigem Bier von nicht mehr als 250 Doppel- zentnern verwendet wird, bleibt steuerfrei. Auch zu§ 3 beantragt Zehnter eine Aenderung. Der Antrag, der angenommen wird, lautet: An die Stelle des 8 2 Abf. 2 des geltenden Gesetzes sind folgende Vorschriften zu setzen:.... Zur Herstellung von Bier oder bierähnlichen Getränken -bestimmte Zubereitungen, mit Ausnahme der am Schlüsse des 8 1 Abs. 1 bezeichneten, aus Zucker hergestellten Farbmittel und der nur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellten Farbe- bicre, dürfen nicht in den Verkehr gebracht wcroen. Die Verwendung der in Absatz 2 bezeichneten Farbebiere zur Bereitung von Bier oder bierähnlichen Getränken ist ge. stattet, unterliegt jedoch den vom Bundesrat anzuordnenden Ueberwachungsmassnahlnen. Mit einigen Aenderungen wurden darauf auch die ßI 4 und 5 angenommen. Dann wurde die Sitzung bis Dienstag, den 25. Mai, vertagt, Tagesordnung: 1. Brausteuervorlage z L. Tabaksteucrvor» läge. oeitemichische Steuerreform. Aus Wien wird uns geschrieben: Der„Dalles" ist nun international geworden, und so hat auch Oesterreich seine Steuerreform, die die Leere der aus- gepumpten Kassen füllen soll. Schon heute ist das Budget unier- Höhlt und das formelle Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben im Staatsvoranschlag für 1009 ist nur durch allerlei Künste aufrecht erhalten worden. Da aber dazu seither eine Un- menge besonderer und grosser Ausgaben gekommen sind, so dürfte die Bilanz nunmehr mit einem ganz gewaltigen Defizit ab- schließen. Aber die Großmacht hat, wie man weiss, jetzt auch grosse Rosinen im Kopf und trägt sich, durch den Annexionserfolg auf- gestachelt, mit der ernstesten Absicht, ihre militärischen Rüstungen auf dem größten Fuße auszugestalten. Das Rekrutenkontingent soll beträchtlich erhöht, das Neueste in den technischen Behelfen des Mordes soll angeschafft werden; die Mode der Dreadnoughts will man auch mitmachen, kurz, der Militarismus reckt und streckt sich zu neuen und grossen Forderungen aus, und da der öfter- rcichischc Patriotismus, der bereits im Verenden schien, nun eine unfrohe Auferstehung feiert, so ist von den bürgerlichen Parteien kein Widerstand gegen das wahnwitzige Wettrüsten zu erwarten. Aber alles das und vieles andere noch kostet Geld, und daran fehlt es in den Kassen der österreichischen Finanzverwaltung ganz ge- waltig. Also ist eine Steuerreform unerläßlich, und was man Reform der Steuer nennt, heißt praktisch rmmer ihre Erhöhung. Wie gross das Defizit in der Staatswirtschaft ist, weiss man noch nicht; schon deshalb nicht, weil Herr v. Aehrenthal angeordnet hat, daß die Rechnung über sein glorreiches Abenteuer erst im Herbst serviert werden wird; wohl aus der nicht unweisen Er- wägung, dass die Begeisterung für seine Heldentat ansonsten nicht lange vorhalten würde. Aber das weiss man, dass mit der Finanz- not des Staates die Sorge nicht erschöpft ist. Nicht minder drückend ist die Not der Länder, von denen die meisten schon seit Jahren mit Defiziten behaftet sind, welche in der ordentlichen Gebarung auf 40 Millionen Kronen geschätzt werden, und also mit Schulden wirtschaften müssen. Ein selbständiges Steuerrecht besitzen die österreichischen Kronländer nicht; sie bestreiten ihren Haushalt mit Zuschlägen auf die staatlichen direkten Steuern, die dadurch all- mählich eine exorbitante Höhe— bis zu drei Viertel der staat- lichen Steuern— erreicht haben. Die Regierung hat nun einen Finanzplan ausgeheckt, der als die Sanierung der Landcsfinanzen auftritt, dabei aber auch ihr einen Mehrertrag liefern soll. Ter Plan besteht im wesentlichen aus einer starten Erhöhung der Branntwein- und Bicrsteuer. Tie Branntweinsteuer soll für das Kontingent— die berüchtigte Liebesgabe an die Agrarier fehlt natürlich auch in Oesterreich nicht— von 00 auf 140 Heller, für die Mehrerzeugung von 110 auf 164 Heller erhöht werden. WaS die Biersteuer betrifft, sollen zwar die Landesumlagen ab- geschafft, dafür aber die staatliche Steuer auf das Doppelte er- höht werden; für 1 Hektoliter lOgradiger Bierwürze, für das bisher 3 Kronen 40 Heller bezahlt wurden, soll fortan an Steuer 7 Kronen entrichtet werden. Aus diesen zwei Erhöhungen er- wartet der Finanzminister, die unausweichliche Verminderung des Konsums in Rechnung gezogen, eine Mehreinnahme von mehr als hundert Millionen Kronen, von denen den Ländern etwa zwei Drittel gegeben werden sollen, dem Staate ein Drittel verbleiben würde. Dann plant der Finanzminister die Erhöhung der Pro- gression bei der Erbschaftssteuer, die den bis- herigen Ertrag dieser Steuer� der, von der Jmmobilsteuer ab- gesehen, 18 Millionen ist, um etwa 11 Millionen Kronen erhöhen will. Zu diesen zwei Steuererhöhungcn soll noch eine ganz erhebliche Erhöhung der Fahrpreise für den Personenverkehr und den Frachtverkehr auf den Staatsbahnen treten, deren Er- trag etwa auf 80 Millionen taxiert wird. Aber all das würde noch lange nicht hinreichen, das Loch im Haushalte des Staates und der Länder zu stopfen. Schon die nicht mehr aufzuschiebende Einführung der zweijährigen Dienstzeit, die der Militarismus mit einer starken Vermehrung des Rekruten- kontingents kompensieren will, wird alle Berechnungen über den Haufen werfen. Auch gewisse, auf gar lange Sicht berechnete Jnvestionen, darunter zum Beispiel der so oft beschlossene, der- langte und zugesicherte Bau des Donau-Oder-KanalS, werden zur Erhaltung des Gleichgewichtes in der Staatswirtschaft sicherlich nicht beitragen. Am wenigsten verträgt aber das an Bevölkerung zwar reiche, aber sonst sehr arme Habsburgerreich den neu- modischen, kostspieligen Imperialismus, der seine Anforderungen über alle Staats- und Volksnotwendigkeiten setzt. Ein Fünfzig- Millionenreich, wie es Herr v. Aehrenthal nennt, klingt zwar sehr nett, aber man vergesse nicht, dass der weitaus grössere Teil dieser Bevölkerung ökonomisch sehr rückständig ist und kaum so viel zu steuern vermag, als er vom Staate selber heischt. Die Furchen, die der„Aufschwung" der Grossmacht dem wirtschaftlichen Leben eingräbt, werden ihn lang verwüsten. Vorläufig sind die Aussichten der Steuererhöhung noch die denkbar schlechtesten, und bei aller Willfährigkeit, die die Rc- gierungsparteien entwickeln, ist es nicht gerade wahrscheinlich, dass BilinSkiS Finanzplan realisiert wird. So viel Anziehungskraft übt die Großmacht denn doch nicht aus, daß die Parteien die Last einer unpopulären Steuererhühung auf sich nehmen könnten und sie vor den Wählern mit de»„unabweisbaren Bedürfnissen" des teueren Vaterlandes verteidigen wollten. Selbst den bürgerlichen Parteien scheint es eine sehr unsaubere und vor allem gefährliche Sache, die GrossmachtSpolitik auf die grossen Massen abzuwälzen und die Steuerreform auf die Erhöhung der Bier, und Brannt. weinsteuer zu reduzieren.— Die Verhandlung der Vorlagen ist auch bereits in den parlamentarischen Sumpf gelangt und eS ist nicht abzusehen, wie sie auch nur in den Ausschuss gebracht werden könnten. Das HauS hat die erste Lesung am 4. Mai begonnen und sie, der Verhandlung von Dringlichkeitsanträgen natürlich zu Liebe, seither unterbrochen. Da aber die Plenarsitzungen bis zweiten Juni sistiert worden sind und dann alle Kraft auf die Erledigung des Etats konzentriert werden soll, so wird die Beratung der Steuer- vorlagen auch formell nicht weitergeführt werden können. Die Rechnung für den GrossmachtSaufschwung stimmt eben alle nüchtern. politische(leberkicht. Berlin, den 22. Mai 1909. Aus dem prenstischen Landtage. Im Abgeordiieteiihause wurde am Sonnabend die Stempel- stcuernovelle in zweiter Lesung beraten. Die Kommission hat zwar die Erhöhung des Mietstenipels für die niedrigen Miets- betrüge gemildert, dafür aber den Fahrradstempel in das Gesetz hineingebracht. Gegen diese Belastung der breiten Schichten, die sich des Fahrrads als eines Verkehrsmittels bedienen, erklärte sich sogar der Redner der Nationallibcralen. Lebhafter gestritten wurde über die Erhöhung des Jagd- stempels, den die Agrarier als eine Belastung des kleinen Mannes hinstellten, während von anderer Seite die Jagd als ein Luxus bezeichnet wurde, der die Mehrbelastung sehr wohl ertragen könne, Das Herrenhaus erledigte die gesamten Beamten- besoldungs- und Deckungsvorlagen. Es ließ eS auf keinen Konflikt mit dem Abgeordnetenhause ankommen, steckte seine Verschlechtcrungsbeschlüsie, die so viel böses Blut unter den Lehrern erregt hatten, in die Tasche und nahm die Gesetze in der Fassung des Abgeordnetenhauses endgültig an.° Die Beamten haben in der Wahrung ihrer Interessen keine Rücksicht auf die Hühneraugen der geborenen Gesetzgeber Preußens genommen, und in der bekannten Berliner Versammlung höchst despektierlich vom Herrenhause als einer prähistorischen Einrichtung gesprochen. Das ist einigen Herren in die Nase gestiegen. Der Oberbürgermeister Rive aus Halle a. S. fühlte sich als Scharfmacher und wollte sogar den Strafrichter g�egen die bis- ziplinlosen Beamten, die eine iLtaatseinrichtung— als eine solche betrachtet er das Herrenhaus— verächtlich gemacht hätten, in Bewegung gesetzt sehen. Er fand begeisterte Zustimmung bei Herrn Schwartzkopff, dem Herr v. Rheinbaben es willig überließ, als geistiges Haupt das gesamte Staats- Ministerium zu repräsentieren.' Herr Schwartzkopff jammerte bei dieser Gelegenheit höchst komisch darüber, dass ihm in der vorigen Woche im Abgeordnetenhause einige unangenehme Dinge wegen der Massregelung der Lehrer- Brandau und Kinipel gesagt worden sind. Sonst war noch bemerkenswert eine Rede des Herrn v. Wedel-Piesdwrf, der gegen die Beschlüsse der Budgetkommission des Reichstages über die Besoldung der Rcichsbeamten Sturm lief, und die preußische Regierung dringend bat, doch ja im Bundesrat bei ihrem Nein zu verharren._ Zu den Landtagsersatzwahlen. Die bürgerlichen Parteien beginnnen sich bereits um daS vermeintliche Erbe der durch den brutalen Gewaltstreich aus dem Landtag herausgeworfenen vier Sozialdemokraten zu streiten. Die „Bossische Zeitung" meldet, dass im zwölften Berliner Landtagswahlkreis der nationalliberale Wahlausschuß bereits ein« stimmig beschlossen habe,„ein gemeinsames Borgehen aller bürger- lichen Parteien in die Wege zu leiten und„als alleinigen und gemein- samen Kandidaten der geeinigten Parteien den Regierungsrat Dr. Leidig aufzustellen". Die„Tante Voss" zetert über diese Anmaßung der Nationalliberalen. Selbst wenn eS den Nationalliberalen gelänge, den freisinnigen Kandidaten zu überflügeln und aus der Stichwahl zu verdrängen, fei es doch ganz ausgeschlossen, daß Leidig in der Stichivahl gewählt werde. Eine Kandidatur Leidig könne daher nur den Sozialdemokraten nützen. Die National- liberalen sollten doch Vernunft annehmen, da der Wahlkampf um die vier Laudtagsmandate diesmal noch schwerer sein werde als im vorigen Sommer. Der Meinung, dass es nicht ganz leicht sein werde, die Sozial- demokraten zu verdrängen, ist auch die„Deutsche TageS- Zeitung". Sie hält es für keineswegs ausgeschlossen. dass die Sozialdemokraten einige oder auch sämtliche Mandate wiedererobern, wenngleich die Lage für sie etwas weniger g ü n st i g sei als bei den Hanptwahlen, denn einerseits würden die Freisinnigen jetzt schärfer agitieren können, da sie jetzt alle Agitationskräfte für die Berliner Wahlen verwenden könnten, und andererseits werde man„den roten Herren bezüglich des TerroriSmuS etwas schärfer auf die Finger sehen". Mindestens werde Adolf Hosfmann einen sehr schweren Stand haben. Es wäre auch wahrhaftig kein Schade,„wenn dieser verzweifelt wenig sympathische Herr aus dem Landtag verschwände". Die Hauptsache sei. geeignete Kompromiss- kandidaten auszustellen, für die auch politisch Andersdenkende stimmen können. Die Parole müsse zuletzt lauten: Gegen die Sozialdemokratie! Selbst die„Germania" ist bereits dabei, das Fell des Bären zu verteilen. Mindestens Hoff mann müsse aus der Strecke bleiben! Sein Auftreten im Abgeordnetenhaus- habe in allen christlich gesinnten Kreisen so grosse Entrüstung hervor- gerufen, dass diese alles daran setzen würden, eine Wiederwahl Hoffmanns zu verhindern. Freilich sei es nun nicht ausgemacht, dass in Moabit unbedingt ein freisinniger Kandidat aufgestellt werden müsse. Ein populärer konservativer Kandidat würde mindestens ebenso viele Aussichten auf den Wahlsieg haben. Der Streit um die Nachfolgerschaft Hosimanns und der ander» Genossen erscheint uns ein wenig verfrüht. Immerhin sehen die Genossen aus dem Eifer, womit man sich schon jetzt um die Kandidaturen streitet, dass die bürgerlichen Parteien alle Kraft aufbieten werden, um der Berliner Arbeiterschaft den voriges Jahr erkämpften Erfolg wieder streitig zu machen. Kein Zweifel, der Kampf wird mit ausser st er Heftigkeit entbrennen! Es ist eine Ehrensache für das Berliner Proletariat, die gewonnene Position zu behaupten! Dienstreisen der Staatsbeamten. Die„Franks. Ztg." stellt aus Anlass der ministeriellen Verfügung, dass die Dienstreisen der Beamten möglichst eingeschränkt werden sollen, die auf diese Reisen bezüglichen geltenden Vorschriften zu- samme». Danach erhalten an Tagegeldern bei Dienstreisen: aktive StaatSminister 35, Beamte der ersten Rangklasje 28, der zweiten und dritten 22, der vierten und fünten 15, Beamte. die nicht zu diesen Klassen gehören, 12 Mark, ausser den unteren Beamten der Provinzial-, Kreis- und Ortsbehörden und anderen gleichen Ranges, die 8 M. erhalten, anderen Beamten, die nicht zu den unteren zu zählen sind mit 6, untere Beamte mit i M. Die Sätze sind, speziell für die höheren Beamten, gewiss reichlich, und es ist ja bekannt genug, dass viele Beamte im Lause de? Jahres davon ziemlich viel erübrigen, dies ist besonders dann der Fall, wenn die Dienstreise an einem und demselben Tage an- getreten und beendet wird, unter Umständen also nur«in paar Stunden dauert, wenn auch in dem Falle die Tagegelder auf 27, 21. 17, 12, 9, 3, 4,50 und 3 M.«rmässigt werden. Erstreckt sich eine Dienstreise auf zwei Tage und wird sie innerhalb 24 Stunden beendet, so wird iminerhin noch das IVzfache der erste« Sätze vergütet. An Reisekosten werden vergütet bei Reisen auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen für die vier ersten Beamtrnklassen für das Kilo- nieter 9 Pf. und für jeden Zu- und Abgang 3 Mark Diese Sätze entsprechen nicht den wirklichen Kosten. Selbst in der ersten Fahrklasse kostet daS Kilometer nur 7 Pf., in der zweiten, die sicherlich die meisten Beamten benutzen, nur 4Vz Pf, also die Hälfte des tatsächlich vergüteten Preises. ES ist nicht einzusehen, weshalb daS Doppelte der eigentlichen Fahrkosten beivilligt wird. Luch der berühmte „Zu- und Abgang" hat schon viel Kopfschütteln hervorgerufen. Wenn ein Beamter zum oder vom Bahnhose zu Fuss geht oder die Strassen- bahn oder selbst auch eine Droschke benutzt, so kann er mit Recht doch kaum drei Mark dafür ansetzen, am wenigsten in den beiden ersten Fällen einer sehr billigen Besörderungsweise. Für Dienstreisen, die nicht auf Eisenbahnen, Kleinbahnen oder Dampfschiffen zurückgelegt werden kömlen, werden gewährt je nach den Beamtenklassen 60. 40, 80 Pf. für das Kilometer. In die Vergütungen find allerdings die Kosten der Gepäckbeförderung eingeschlossen, aber in sehr dielen Fassen wird eine solche überhaupt nicht in Betracht kommen. Haben nachweislich höhere Reisekosten als die festgesetzten aufgewendet werden müssen, so werden diese erstattet. Da der Tag der Abreise und der Tag der Ankunft als Reisetage gelten, ergeben sich für den Beamten gelegentlich recht finanzielle Annehmlichkeiten, zum Beispiel dann, wenn ein günstiger Zug zufällig 12,01 nachts an- kommt. Diese Minute kann dem Staat viel Geld kosten, wenn nicht etwa Beamte, wie es allerdings bisweilen geschieht, auf die „Tage'gelder für die eine Minute verzichten. Die drohende Vernichtung der Selbstverwaltung der Krankenkassen. Tie„Westdeutsche Arbeiterzeitung", das Organ des Verbandes katholischer Arbeiter- und Änappenvcreine, beschäftigt sich in Nr. 21 vom 22. Mai mit der Reichsversicherungsordnung und insbesondere mit der beabsichtigten Teilung des Verwaltungsrechtes bei den Krankenkassen. Es heißt in dem Artikel: „Entschiedene Ablehnung erfährt aber, und muß es, die vorgeschlagene gleichmäßige Teilung des Verwaltungsrechtes wischen Arbeitgebern und Versicherten. Ueberzeugende Beweise ür die Notwendigkeit der Hälftelung bringt auch die Begründung zur Reichsversicherungsordnung nicht bei..... Wollte man an eine Reform der inneren Verwaltung der Krankenkassen herantreten, so wäre doch als wichtigster Punkt zuerst zu untersuchen, ob bei der gegenwärtigen bewährten Verteilung des Verwaltungsrechtes angesetzt werden mutz. Denn die Zuweisung des überwiegenden Einflusses der Ver- sicherten auf die Krankenkassenverwaltung hat sich in der Praxis durchaus bewährt, man darf sogar sagen, als absolut unentbehrlich erwiesen. Um dies richtig ermessen und werten zu können, muß man allerdings in die Praxis des Krankenkassenwcsens eingedrungen sein, und die Tausende von Schwierigkeiten bei der Versorgung der Erkrankten. bei der Kontrolle derselben usw. kennen, die heute nur deshalb ohne Konflikte überwunden werden können, weil die Vertrauens- Personen der Versicherten, die eigenen Standesgenossen, die ent- sprechenden Maßregeln für notwendig befunden haben und auch die Verantwortung tragen..... Richtig ist allerdings-, daß einigen extremen aber einfluß- reichen Unternehmern die Vorherrschaft der Versicherten ein Dorn im Auge ist, und daß aus diesen Kreisen heraus der Ruf nach Hälftelung laut wurde. Die große Masse der Arbeitgeber hält es aber für durchaus richtig, daß die Verwaltung der Kranken- lasse den Versicherten verbleibt, weil die Krankenversicherung nur den Arbeitern(nicht auch den Arbeitgebern) ärztliche Behand- lung, Heilmittel und Krankenlohn sichern soll, und für die höchst persönlichen Interessen der Versicherten geschaffen worden ist. Die Unternehmer haben nur ein finanzielles Interesse an der Versicherung, weil sie ein Drittel der Lasten zu tragen haben, und erklärt sich damit auch die Tatsache, daß mancherorts die Arbeitgeber sich nicht viel um die Verwaltung bekümmern. Den finanziellen Interessen der Arbeilgeber ist aber durch das gegenwärtige Krankenversicherungsgesetz schon ausreichend Rechnung getragen, weil eine Erweiterung der gesetzlichen Unterstützungs- grenzen von der Zustimmung der Mehrheit der Arbeitgeber ab- hängig ist.... Was will der Arbeitgeber mehr?" Die„Westdeutsche Arbeiterzeitung" erörtert schließlich noch die Frage, inwieweit das allgemeine Staatsinteresse eine solche „Hälftelung" notwendig macht. DaS Blatt bestreitet mit Recht, daß die Krankenkassen bisher zu politischen Zwecken mißbraucht worden sind, hält aber doch den Gedanken für diskutabel, ob für Kassenangestellte Prüfungsordnungen möglich seien, und das Auf- fichtsrecht der Behörden über die Kassen weiter ausgebaut werden könne. Ter Schiedsspruch in der Casablanca-Angelegenheit. Die Affäre der Deserteure von Casablanca, die einen Moment lang durch das provokatorische Auftreten der Bülow-Offiziösen zu einem Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland zu führen drohte und schließlich einem Schiedsgericht überwiesen würde, ist nun endgültig erledigt. Heute wurde der Schiedsspruch gefällt, der erklärt: „Zu Unrecht sowie mittels eines schweren und offentsicht- lichen Versehens hat der Sekretär des deutschen Kon- sulats in. Casablanca den Versuch gemacht. Deserteure der französischen Fremdenlegion, die nicht die deutsche Reichs« angchörigkeit besaßen, auf einem deutschen Dampfer einzu- schiffen. Der deutsche Konsul und die anderen Angestellten des Konsulats sind hierfür nicht verantwortlich: doch hat der Konsul durch Unterzeichnung deS ihm vorgelegten Gelcit- fcheines ein nicht beabsichtigtes«ersehen begangen. Das deutsche Konsulat hat unter den vorliegenden Umständen nicht das Recht, den Deserteuren deutscher Reichsangchörig- leit seinen Schutz zu gewähren, doch kann der in dieser Hinsicht von den deutschen Konsularbeamten begangene Rcchtsirrtum ihnen weder als beabsichtigtes, noch als unbeabsichtigtes Ver- sehen zugerechnet werden. Zu Unrecht haben die franzo- fischen Militärbehörden den im Namen des deutschen Konsulats über die Deserteure ausgeübten tatsächlichen Schutz nicht soweit irgend möglich respektiert. Selbst abgesehen von der Verpflichtung, den konsularischen Schutz zu respektieren, bc- rcchtlgcn die Umstände französische Militärpersoncn weder zur Bedrohung mit einem Revolver, noch zur Fortsetzung der dem marokkanischen Konsulatssoldaten zugefügten Schläge. Den weiteren in den Anträgen der beiden Parteien erhobenen Au- sprächen kann nicht stattgegeben werden." Danach war das Vorgehen des deutschen Konsulats- beamten, das den Anstoß zu der geflissentlich aufgebauschten Affäre gegeben hat, nicht einmal formell berechtigt, und man kann daher die Erregung der französischen Regierung immer- hin verstehen, als ihr das Ansinnen gestellt wurde, sich bei der deutschen Regierung zu entschuldigen. Der Schiedsspruch wird so zu einer vernichtenden Verurteilung jener häßlichen Phase der deutschen von H o l st e i n angezettelten und von B ü l o w durchgeführten Marokkopolitik, der schließlich das von Schoen und Cambon abgeschlossene Abkommen ein .Ende setzte.—_ Freisinnige Mannesseelen. Genosse Dr..Q uarck war in Frankfurt a. M. als Ver- kreier der Stadtverordnetenversammlung in die Volksschuldepu- tation gewählt worden. Die Regierung hatte diese Wahl nicht bestätigt. Der Wahlvorschlagsausschutz hat aber trotzdem ein- stimmig den Stadtverordneten empfohlen, den Genossen Ouarck wiederzuwählen. In der Stodwerordnetenvcrsammlung vom Dienstag stand dieser Antrag zur Debatte. Der freisinnige Landtagscrbgeordnete Kunck polemisierte dagegen und schlug einen Nationalliberalen zur Wahl vox. Es habe keinen Zlvcck, Ouarck noch einmal zu wählen. Das sei eine politische Demonstration, für die bei den Freisinnigen kein Verständnis vorhanden sei. Die Re- gierung werde auch die zweite Wahl nicht bestätigen und dann sei die Gefahr gegeben, daß auf Grund des§ 44 des Dchulunier- haltungsgcsetzcK die Regierung ein Mitglied der Schuldeputation ernenne. Nach längerer Geschäftsorbnungsdebatte wurde zur Abstimmung geschritten; hierbei erhielt Genosse Ouarck 1ö, der Nationalliberale 3ö Stimmen, 4 Stimmen tvaren ungültig. Die Disziplin über alles! Low Kriegsgericht der SO. Division in Straßbnrg wurde vor einiger Zeit der Soldat Echäffer zu K Jahren Gefängnis, der Soldat Schmitz zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. In. beiden Fällen wegen tätlichen Angriffes auf einen Vorgesetzten und Be-- leidigung. Die beiden Soldaten hatten am 14. März in angetrunkenem Zu- stände ein Rekontre mit einem Sergeanten, wobei Schaffet denSergeanten, der den Soldaten das Betreten einer Wirtschaft verboten hatte, be- leidigte. Als der Sergeant den Soldaten verhaften wollte, drohte ihm dieser mit Niederschlagen, worauf der Sergeant ihm das Seitengewehr wegnahm. Nun soll der Soldat Schmitz init anderen, die nicht er- mittelt werden konnten, den Sergeanten von hinten gepackt und ihm das Seitengewehr wieder entrissen haben. Sonst passierte dem Sergeanten außer einigen Püffen, die er erhielt, nichts. Gegen da? Urteil des Kriegsgerichts legten der Gerichtsherr sowie die Angeklagten Berufung ein. Das Oberkriegsgericht in Straßburg erkannte nunmehr gegen Schäffer wiederum auf fünf Jahre Gefängnis, gegen Schmitz aber auf drei Jahre Gefängnis. Man vergleiche mit diesem Urteil die in dem Leitartikel der heutigen Nummer geschilderten schweren Disziplinverletzungen bayrischer Offiziere und die darauf erfolgte Bestrafung. Zentrum und Koalitionsrecht. Die Deutsche Vereinigung, die es darauf anlegt, dem Zentrum unter den Agrariern. Beamten und anderen„besseren" Mitgliedern Abbruch zu tun, macht sich mit Vorliebe die christliche Gewerkschaftsbewegung und die von ultramontanen Arbeiter- führern geforderte Verleihung des Koalitionsrechtes an dieLandarbeitcr zunutze. Die„Kölnische Volkszeitung" bemerkt diesen Versuchen gegenüber: „Die Deutsche Vereinigung hat so gute Gelegenheit, ihren Zuhörern mit dem schrecklichen Zentrum graulich zu machen. das dafür sorgen wolle, daß die Landarbeiter zur Zeit der Ernte streiken und das Getreide auf dem Felde verfault. Nun weiß die Deutsche Vereinigung noch gar nicht, wie das Zentrum im einzelnen das Koalitionsrecht der Land- arbeitet ausgestattet z u sehen lvünscht, und lvelche Kanteten gegen Mißbrauch vorgesehen werden sollen. Auch ist die Frage gar nicht aktuell, da die Regierung auf einem scharf ablehnenden Standpunkte steht und die Stel- lungnghme des Zentrums daher eine praktische Bedeutung nicht hat." Die Frage ist allerdings nicht„aktuell", da mächtige Parteien, darunter das Zentrum, alles mögliche tun, um die Landarbeiter in ihrer Rechtlosigkeit zu erhalten. Und die Frage ist auch nicht so schrecklich, da dieselben Parteien schon dafür sorgen werden, daß das Koalitionsrecht, wenn es den Landarbeitern verliehen wird, die nötigen„Kautelen gegen den Mißbrauch" enthalten, d. h. dem Messer ohne Heft gleichen wird, dem die Klinge fehlt. Der Berliner Anwaltverein und die Strafprozessordnung. Eine zahlreich besuchte Versammlung des Berliner Anwaltvereins nahm am Freitag Stellung zu dem Entwurf einer Strafprozeß- ordnung nebst GerichtSverfassungSgesetz. Der Anwaltverein hatte eine Kommission eingesetzt, die verschiedene AenderungSvorschläge entworfen hatte, welche nun zur Beschlußfassung vorlagen. Die Rc- ferenten begründeten eingehend die gemachten Aenderungen. R.-A. H e i n e m a n n schloß seinen Vortrag mit folgenden Ausführungen: Ein Gesetz, daS sich die Aufgabe stellt, das erschütterte Ver- trauen des Volkes in die Strafrechtspflege wieder herzustellen, jedoch die Strafkammer in ihrer bisherigen Gestalt fortbestehen lassen will, dem Angeklagten den Einfluß auf den Umfang der Beweisaufnahme raubt und die unzulässige Ablehnung von Beweis- antrügen der Nachprüfung durch das Revisionsgericht entzieht, hat die sich gesetzte Aufgabe verkannt. Einem solchen NechtSzustaud gegen- über bietet selbst das bisherige Gesetz ungleich bessereGarantiefür den Angeklagten. Der mit großer Sorgfalt ausgearbeitete Entwurf kann jedoch die Grundlage bilden, auf der vom deutschen Reichstage das Gebäude � einer, volkstümlichen Strasrechtspflege aufgebaut werden kann, zumal die Motive den Sitz LeS Nebels richtig er- kannt haben. In der Diskussion mahnte der Strafrechtslehrer Professor Dr. v. L i s z t, mit aller Energie für die Forderungen deS Anwalt- Vereines einzutreten, oder aber iu corporo den RegierungScntwurf als unannehmbar zu bezeichnen. Die Radbod-Kolonie vor Gericht. Dortmund, 21. Mai.(Eig. Ber.) Die Verhandlung gegen den Genossen Rottebohm von der .Dortmunder„Arbeiterzeitung" wurde heute mittag 1 Uhr im Schwurgerichtssaal des Dortmunder Landgerichts eröffnet. Zeugen sind für heute noch nicht geladen, doch sind die vier von der Verteidigung geladenen Sachverständigen anwesend. Zu Be- ginn der Verhandlung lehnt Rottebohm den als Bei- fitzer fungierenden Landgerichtörat Richter ab. Die„Arbeiterzeitung" hat sich wiederholt mit Herrn Richter beschäf- tigt und an seiner Prozeßleitung scharfe Kritik geübt. Schon im sog. Schinderknecht- Prozeß lehnte Rottebohm Herrn Richter, der damals den Vorsitz führte, ab. Obschon sich Richter selbst für unbe- fangen erklarte, gab eine neugcbildete Beschlußkammer dem Ver- langen NottebohmS statt und erklärte. Herr Nichter müsse für befangen an« gesehen werden. Diesmal wurde keine neue Beschlußkammer gebildet, sondern nur ein anderer Richter zur Beschlußfassung hinzu- gezogen. Herr Richter erklärt« sich wiederum für unbefangen. Und das Gericht, obschon ein Mitglied der früheren Bcschlußkannner Beisitzer desselben ist, erkannte d a h i n, d a ß H'e r r R i ch t e r unbefangen sei. Dann stellte Rechtsanwalt Frank, der Verteidiger NottebohmS. den Antrag, die Verhandlung zu vertage», bis über die Ursache der Katastrophe gerichtliche Klarheit geschaffen sei. Beim gegenwärtige» Prozeß komme eS viel auf daS Strafmaß an. und bei. der Strafabmessung sei doch der Wert der Verletzten (der angeblich Beleidigten) zu erwägen. Fortwährend und mit aller Bestimmtheit habe die„Arbeiterzeitung" gegen die Ver- waltung den Vorwurf erhoben, sie sei initschuld ig an der Katastrophe, die vielen Hundert Menschen da« Leben gekostet habe. Die Verwaltung habe nicht» gegen die Vorwürfe unternommen, sondern Verjährung eintreten lassen. Erst nachdem am 28. April im G er i ch tö s a a l e die Vorwürfe in aller Form aufrecht- erhalten worden seien und die.Arbeiterzeitung" ausdrücklich auf die Geltend n» ach ring der Verjährungsfrist verzichtet habe, habe sich die Verwaltung endlich veranlaßt gesehen. Strafautrag zu stellen. Der Vertagungsantrag gehe nun dahin, den gegenwärtigen Prozeß solange zu vertagen, bis jene Sache erledigt fei. um sich zu vergewissern, ob die Kläger auch eines besonderen gerichtlichen Schutzes würdig seien. Der Vertagungsautrag wurde aber abgelehnt, weil es sich um zwei Sachen handele, die nichts gen, ein hätten, zudem sei der jetzt unter Anklage stehende Artikel schon«in halbes Jahr vor der Katastrophe erschienen. Schließlich wurde nur noch darüber verhandelt, ob eine Besichtigung der Wohnungsverhältnisse der Kolonie an Ort und Stell« vorgenommen werden soll. Diese Besichtigung wurde von allen Seiten als wünschenswert erachtet. Der Sonnabend wurde für ein« solche Besichtigung aber als ungeeignet bezeichnet und- darauf beschlossen, die B e s i ch- tigung Montag früh vorzunehmen. Die Sach- verständigen sollen an der Besichtigung teilnehmen, ebenfalls die Parteien..........• Sonnabend findet feine Verhandlung statt. Witwenfiirsorg« auf Radbod. Zu unserer gestrigen Notiz wird uns noch aus Hamm geschrieben: Tie bürgerliche Presse behauptet, daß bei der Frau Tora für 400 M. mehr au machen(?) gefunden worden seien als sie an- gegeben habe. Ihre Kinder sollen nach derselben Quelle deshalb ins Waisenhaus gebracht worden sein, weil sie sie während einer dreitägigen Abwesenheit unter der Obhut eines Fünfzehnjährigen zurückgelassen habe. Diese Nabenmutter, die, wenn sie eine Reise macht, um sich und ihren Kindern eine neue Existenz zu suchen, ihnen nicht einmal eine Gouvernante zur Aufsicht bestellte! Natürlich mußte da die Behörde schnell und energisch zugreifen. Zumal ja die Frau die Mittel hat, um sich eine Gouvernante leisten zu können— wenn die wohlwollende Schätzung ihrer Sachen durch die Behörde stimmt I— Steuerreform in Württemberg. Die württembergische Regierung hat dem Landtage eine ein» gehende Denkschrift über die Fortführung der Steuerreform in Württemberg vorgelegt. Es werden darin drei Wege für die Fortbildung des Steuerwesens als möglich bezeichnet. In erster Linie kommt die Frage der Ergänzung der Einkommen- steuer durch eine allgemeine Vermögenssteuer in Betracht, für die im wesentlichen die preußische Vermögenssteuer zum Vorbild dienen würde. Die Ertragssteuern würden dabei den Gemeinden zur ausschließlichen oder doch vorwiegenden Benutzung überlassen bleiben. Die Verschiebung der Steuerlasten soll vor Inangriffnahme werterer Reformen durch Probeveranlagungen festgestellt werden. Ein Wahlrechtsdemonstrationsprozess in Königsberg. Vor dem Schöffengericht zu Königsberg hatten sich am Freitag der Arbeitersekretär Genosse S t o l t und ein 17jähriger Laufbursche zu verantworten. Der Junge soll am 31. Januar d. I. bei Äe- cndigung der Königsberger Wahlrechtsdemonstration Schutzleute durch Schimpfworte beleidigt haben, und Genosse Stolt soll diesen Jungen den Schutzleuten zu entreißen versucht und bei seiner eigenen Festnahme Widerstand geleistet haben. Der Junge gab zu, Hurra gerufen zu haben. Nach dein Gutachten des Gerichts- arztes ist er indes als unzurechnungsfähig anzusehen. Genosse Stolt bestritt energisch, den Jungen festgehalten zu haben. Die Schutzleute aber behaupteten das, entgegen den Aussagen der Ent- lastungszeugen. Der Amtsanwalt beantragte gegen Genossen Stolt einen Monat Gefängnis. Das Urteil lautete auf 14 Tage G e- fängnis. Die Anklage wegen Widerstandes mußte fallen ge- lassen werden._, Krach im Rheinischen Bauernverein. Im Rheinischen Bauern berein geht es seit einiger Zeit recht ungemütlich zu. Es ist eine recht kräftige Opposition gegen die gegenwärtige Leitung(Präsident Freiherr v. Loe) im Werke, und gegen die Geschäftsführung werden, namentlich vom finanziellen Standpunkte aus, heftige Vorwürfe erhoben. Jetzt hat sich in Koblenz ein Komitee gebildet, bestehend auS drei Geistlichen und sieben Landwirten, alles bisherige Mitglieder des Rheinischen Bäuernvereins, mit der Absicht,„einer besseren Organisation des Bauern st andes am Oberrhein auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage zur sozialen und idealen Hebung des Bauernstandes am Oberrhein näher zu treten." Tie„Rheinische Volksstimme", die es mit dem Bauernverein hält, erblickt in dem neuen Unternehmen nichts als den Versuch, dem Strebertum ehrgeiziger Kirchtur ms pol i t i k e r ein Betätigungsfeld zu eröffnen. Das Blatt gibt dem Bauern- verein' zur Erwägung anheim, für gewisse Öeu fe"41 N e Kaltwasserheilanstalt zu errichten. Militärjustiz. Ein bemerkenswerter Fall von Gehorsamsverweigerung be- schäftigte das Dresdner Kriegsgericht, vor dem sich wegen ausdrücklicher Gr h o r s am s v ev w e igcir u n g u?,d A ch t u n g s v e r l c tz u n g der 19 Jahöc alte H u s ä r Mit t i g vom' Husarenregiment Nr. 19 in Grimma veräntwört'en mußte. Am 0. Mai mußten die Mäinischasteü' des genannten Regiments mit Pferden exerzieren, daran mußte auch der Angekl»gte JtiU nehmen. Letzterer ist Rekrut, dem der Dienst, insbesondere das Reiten sehr schwer fällt; er hat sich schon des öfteren aufge- ritten und mußte deshalb mehrfach vom Dienst dispensiert werden. Durch seine Krankheiten war Mttig sehr in den Reit. Übungen zurückgeblieben, weshalb er an oben genanntem Tage sehr schwere Ucbungen mitmachen mußte; dabei mußte er ohne Bügel reiten. Nachdem Wittig zwei Stunden geritten hatte, konnte er es v o r Schmerzen am Gesäß(er war auch wund), nicht mehr aushalten und stieg ab. Ein Sergeant, der dies be- merkte, befahl dem Angeklagten w i c d c r„a u f z u s i tz c n".„Ich reite nicht mehr mit, ich kann nicht mehr" erwiderte Wittig, befolgte aber einen zweiten Befehl. Darin, und weil er bei der Aeußerung eine unmilitärische Haltung eingenommen hat, wurde nun eine Gchorsamsveriveigcrung erblickt. Man nahm ihn damals gleich in Haft!! Vor Gericht gibt W. die Aeußerung zu, will aber damit eine Bitte ausgesprochen haben, nicht mehr mit- reiten zu brauchen. Er habe sicb vor Schmerzen nicht mehr halten können. Eine bessere Haltung habe er nicht einnehmen können, weil er mit einer Hand das Pferd halten mußte. Die Beweisaufnahme ergab, daß Wittig bald nach seinem Eintritt einen Selbstmordversuch verübt hat, weil ihm der Dien st sehr schwer gefallen war, insbeson- dcre das Reiten. Der Anklagevertreter folgert aber aus dem Selbstmordversuch, daß der Angeklagte keine L u st zum Dienst habe und deshalb zu Widersetzlichkeiten neige. Es wurde noch festgestellt, daß Wittig am fraglichen Tage tatsächlich sehr wund war und sich deshalb kaum noch auf dcm Pferde halten konnte. Ungeachtet dieser Umstände hielt der Anklage- vertretet der ihm beigemessenen Straftaten für überführt und bc- antragte Bestrafung im Sinne der Anklage!(M i n d c st st r a f c 0 Wochen ein Tag Grfängnisklj Das Gericht' hielt Gc- horfamsverweigerung nicht voll für erwiesen und verurteilte aber den Angeklagten wegen Achtungsverletzin: g zu—— 3 Wochen strengen Arrest!! O welche Lust, Soldat zu sein! Die Streikbewegung in Frankreich. Das Ende des Poststreiks. Paris, 21. Mai. Der Zentralverband der Arbeitervereinigungen ließ ein Manifest anschlagen, in dem der Nichterfolg des an die Postbeamten gerichteten Appells, sich vor Wiederaufnahme der Arbeit ihrer Pflicht zu erinnern, festgestellt, aber versichert wird, daß das Aufgeben ihrer Pläne nicht von Dauer sein werde. Da die Post- beamten indes an das Proletariat die Aufforderung gerichtet hätten. von unnützen Opfern Abstand zu nehmen, sei der Zentralverband zu dem Schluß gekommen, daß es unangebracht wäre, den Protest zu ihren Gunsten fortzusetzen. Er werde ihnen aber von neuem bei- springen, sobald sie Revanche nehmen würden. Das Beamtcnstatut. Paris, 22. Mai. Der Mini st errat im Elysee hat den Gesetz- entwurf über das VereinSrecht der Beamten und das Beamtenstatut angenommen. Die in dem Statut vorgesehenen Tisziplinarräte, die in jedem einzelnen Ministerium eingerichtet werden sollen, tragen den Charakter wirklicher Gerichts- Höfe und haben über alle Disziplinarvergehen zu entscheiden. Als oberste Instanz wird eine Art Appellationsgerichtshof errichtet werden, der aus je zwei Mitgliedern deS KassationShofeS, deS Staatsrats und des Rechnungshofes bestehen soll. Im Falle eines Aus st andeS der Staatsbediensteien werden'die'den Be» amten zugesicherten Bürgschaften zeitweilig zurückge» Nammen Merden. In parlamenkarischen Kreisen ist man der Ansicht, daß dieser Entwurf sowohl den Beamten wie der Re- gierungsautorität alle erforderlichen Bürgschaften gewährleiste. Der Streik der Seeleute. Toitlon, 22. Mai. Die hiesigen in die Marinelisten einge- schriebenen Seeleute sind in den A u s st a n d getreten. Dünkirchen, 22. Mai. Die streikenden Seeleute der Nordischen Dampfschiffahrtsgesellschaft griffen die Seeleute anderer französischer Gesellschaften, die sich dem Ausstande nicht ange- schlössen hatten, an. Die Gendarmen schritten ein und vertrieben die Ausständigen nach einem hartnäckigen Handgemenge, in dem auf beiden Seiten mehrere Personen verletzt wurden. Abflauen des Streiks. Paris, 22. Mai. Der Aufruf zum Streik blieb unter den in die Marinelisten eingeschriebenen Seeleuten heute früh ohne Wirkung. Alle Dampfer fuhren ohne Zwischenfall ab. In H a v r e gingen die Ozeandampfer„Lorraine" und„Chicago" mit nur 24 fehlenden Mannschaften ab. In S t. N a z a i r e sind die Seeleute noch im Ausstand; da sie sich jedoch in ihrer Hoffnung auf die Unterstützung anderer Häfen getäuscht sehen, werden sie Wehl bald ihre Haltung ändern. Oeftemieb. Die neuen Steuer». Wien, 2t. Mai. Der Budgetausschuß nahm das Budget des Finanzministeriums an. Der Finanzminister kündigte eine Reihe neuer Steuergesetze an, darunter eine Hausklassen- steuer, eine progressive Erb st euer, die sogenannte Jung- gesellen st euer und eine progressive Erhöhung derEin- kommen st euer von Einkomnien über 20 000 Kronen. Dagegen soll das Arbeitseinkommen von Familienmitgliedern, das außerhalb des Hauses erworben wird, bis zu 4000 Kronen in das Einkommen des Haushaltungsvorstandes nicht eingerechnet, sondern einzeln versteuert werden. Auch eine Tantiemen- steuer sowie eine neue Stufe der Dividenden st euer sind in Aussicht genommen. Die Frage einer Zündhölzchen st euer bezw. eines Zündhölzchen monoPols wird erwogen. Die Wertzuwachs st euer sollte nach Ansicht des Ministers den Gemeinden überlassen werden. Das Erträgnis der geplanten Steuern beziffert der Minister auf 20 Millionen, die zur Deckung der Mehrerforderniffe des nächsten Budgets ausreichen dürften. EugUmä. Die Reichsflotte. London, 22. Mai. Admiral Lord CharlesVereSford hielt Sei einem Bankett eine Rede, in der er ausführte, eS sei u n n ü tz. daß die Kolonien Geld sendeten zum Bau von DreadnoughtS, Tor- pcdobooten oder Unterseebooten zu Verteidigungszwecken; sie sollten Kreuzer oder eventuell eigene Flotten bauen, welche mit dem Mutterlande eine Reichsmarine bilden würden, die einen Krieg mit England zur Unmöglichkeit machen würde. Im Hinblick auf den Wetteifer in den Rüstungen anderer Nationen sei es durchaus wesentlich, daß England in diesem Jahre acht DreadnoughtS auf Stapel lege; aber auch diese seien nicht ausreichend, um die Versäumnis im Schiffsbau der letzten vier Jahre gut zu machen. Lord Beresford schilderte sodann den gegenwärtigen Stand der Marine als sehr e r n st, da es an einer geeigneten Organisation für die Vorbereitung auf den Krieg mangele. Cürhei. An der bulgarischen Grenze. � Sofia, 22. Mai. Von amtlicher Seite wird bestätigt, daß bor- gestern türkische Truppen die bulgarischen Grenz- Posten Kowanlik und Hassantepe mit Uebermacht angegriffen und Hassantepe besetzt haben. Nach Heranziehung von Verstär- kungen sei es dem bulgarischen Posten gelungen, Hassantepe zurück- zuerobern. Auf bulgarischer Seite ist niemand verletzt. Die Ur- fache des Zwischenfalls ist noch nicht aufgeklärt; in politischen Streifen wird ihm nur lokale Bedeutung beigemessen. Gegenwärtig herrscht wieder vollkommene Ruhe. Griechische Banden. -- Saloniki, 22. Mai. Angesichts der Vorbereitungen, die von griechischer Seite für eine neue Bandenbewegung ge- troffen worden sind, haben die Behörden die strengsten Maßregeln ergriffen, um die Banden zu vernichten und den Waffenschmuggel hintanzuhalten, perften. Gegenrevolution in Urmia. Täbris, 22. Man Ein aus Urmia eingetroffener Depeschen- böte meldet, die Bevölkerung habe sich gegen den Führer der Revolutionäre Said ul Mulk erhoben. Er sei geflohen und habe dgs ganze Archiv der Grenzkommission mitgenommen. Venezuela. Freisprechung Castros. � Caracas, 21. Mai. Auf Ersuchen des Generalanwalts, der auf den kürzlich erfolgten Amnestieerlaß hinwies, sprach das Kriminalgericht den ehemaligen Präsidenten Castro von der An- klage der Teilnahme an einem Komplott zur Ermordung des Präsidenten Gomez frei. GewerhlcbaftUcheg* „Ermäßigung der Selbstkosten". In der letzten Generalversammlung der Gelsen- kirchener Bergwerks- Aktiengesellschaft de- richtete Geheimrat Kirdorf: „Es ist der Gesellschaft gelungen, große Ermäßigungen der Selbstkosten zu erzielen, so daß die Resultate zurzeit befriedigende sind. Man ist namentlich damit vorgegangen, die Zahl der Arbeiter dem Beschäftigungsgrad anzupassen, so daß die Feierschichten nach und nach verschwinden werden." Wie diese„Ermäßigung der Selbstkosten" auf dem der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft gehörenden Hütten- werk Note Erde bei Aachen erzielt wird, darüber wird in Aachener Blättern wie folgt berichtet: „Manchen noch rü st igen Arbeiter hat man im Laufe des Winters pensioniert. Die Pensionen, welche diese Leute er- halten, sind imn nicht so reich bemessen, daß die Pensionierten da- von sorglos leben können. Pensionen von 70 und 80 Pf., hoch- siens von 1 M. pro Tag. reichen nicht zum Lebensunterhalt aus. Dazu kommt noch, daß den Pensionären die etwaigen staatlichen Pensionen, wie Unfall-Jnvalidenrente usw., von der Pension ab- gezogen werden. Weiter ist man überall bestrebt, die Ermäßigung der Selbst- kosten durch Reduzierung der Löhne zu erreichen. Hauptsächlich hat man es auf die S o n n t a g s a r b e i t abgesehen. Die Sonntagsarbeit wurde früher, wie sich dieses auch gehört, mit Zu- Lerantw. Redalt,: CarlWermulh, Berlin-Rixdors. Inserate verantsu schlagen zu»! Lohn entschädigt. Diese soll in Zukunft zum Teil fortfallen. Man will nämlich den Leuten, die Sonntags abends auf Schicht müssen, keine Zuschläge mehr bezahlen. Dieserhalb macht sich in der Arbeiterschaft eine starke Erregung bemerkbar. Diese Erregung wird weiter noch gesteigert dadurch, daß man ein sogenanntes Prämiensystem eingeführt hat. Hierdurch ist eine starke Anspannung und Ausnützung der Arbeitskräfte möglich. Die Prämie ivird stufenweise an die ersten, zweiten und dritten Männer bezahlt. Die Produktion ist auf Rote Erde trotz der großen Verringerung an Arbeitskräften hierdurch noch ge- stiegen." Die Resultate dieser Art Ermäßigung der Selbstkosten mögen für die Aktionäre„befriedigend" sein, wie sie für die Arbeiter sind, danach fragt das Kapital nicht. Berlin und Qmgegend. Der Bauklempncrstrcik. Die erwarteten Verhandlungen, die am Freitagnachmittag zwischen Vertretern der Streikenden und der Unternehmer statt- finden sollten, sind abgesagt worden. Die Gründe sind aus der telephonischcn Nachricht, die der Streikleitung zuging, nicht klar ersichtlich gewesen. Unterdessen haben die Streikenden weitere Fortschritte gemacht. Wie Cohen in der Versammlung am Sonnabendmorgen im Gewerkschaftshause bekanntgab, sind bereits 100 Verträge unterschrieben worden; unter den letzten fünf Ver- trägen sind einige von bedeutenden Firmen im Klempnergewerbe. Cohen verlas den Brief eines Klempnermeisters an seinen Auf- traggeber, in welchem der Meister bittere Klage darüber führt, daß er keine Arbeitskräfte oder doch nur ganz untüchtige erhalten könne und daß daran allein der Streik schuld sei. Die Zahl der Streiken- den hat um 20 abgenommen und beträgt jetzt noch 340. Diese lassen sich durch die abgesagten Verhandlungen in keiner Weise irritieren und werden mit der bisherigen Energie ihre Schuldigkeit in dem Kampfe um ihre Rechte auch fernerhin tun. Die Zwischcnmeister im Flicsenlegergewerbe. Schon seit längerer Zeit fühlen sich die organisiertet} Fliesenleger in ihren wirtschaftlichen Interessen geschädigt durch eine An- zahl von Subunternehmern, welche von den großen Fliesengeschäften Arbeiten übernehmen und diese durch Fliesenleger ausführen lassen. Die Zwischenunternehmer sind aus den Reihen der Fliesenleger hervorgegangen und deshalb meist noch Mitglieder der Organi- sation. Sie übernehmen die Arbeiten zu Preisen, die oft niedriger sind wie die Akkordsätze des Tarifs, der zwischen den Unternehmern und der Arbeiterorganisation besteht. Trotzdem können die Sub- Unternehmer ein Geschäft machen, denn sie zahlen den von ihnen beschäftigten Fliesenlegern zwar den tarifmäßigen Stundenlohn, beschäftigen aber nur solche Fliesenleger, die durch äußerste An- spannung ihre Arbeitskraft so viel leisten, daß sie, wenn ihre Arbeit nach den tarifmäßigen Akkordsätzen berechnet würde, viel mehr, ja manchmal doppelt so viel erhalten müßten als ihnen der Zwischen- meister in Gestalt des Stundenlohnes zahlt. Auch das Fahrgeld, welches den Fliesenlegern nach dem Tarif zusteht, wird von den Zwischenmeistern nicht immer bezahlt. Schon öfter haben die organisierten Fliesenleger sich mit der Frage beschäftigt, wie die durch das Zwischenmeistertum verursachten Mißstände beseitigt werden könnten, doch war ihnen bisher nicht beizukommen. In einer am Freitag abgehaltenen Versammlung der Fliesenleger- sektion des Maurerverbandes stand diese Angelegenheit wieder auf der Tagesordnung. Es wurde beschlossen, beim Zweigvereins- vorstände zu beantragen, daß neun dem Verbände angehörende Zwischenmeister ausgeschlossen werden.— Ein weiterer Beschluß ging dahin: Wenn die bei einem Subunternehmer arbeitenden Kollegen sich einig sind, dann sollen sie auf der Grundlage des Tarifs gegen die Mißstände vorgehen. Ueber die gegenwärtige Lage im Buchgewerbe. sprach der Buchbindervorsitzende Kloth in einer Versammlung der Buchbinderbranche, die am Mittwoch in den Arminhallen stattfand. Der Redner schilderte zunächst die wirtschaftliche Krise im allge- meinen und ging dann auf die Verhältnisse im Buchgewerbe ein. Welche Opfer hier die Krise erfordert, zeigt sich am deutlichsten darin, daß der Buchbindcrverband im Jahre 1008 an 3821 Mit- glieder für 121 364 Tage 130 368,17 Mi. Arbeitslosenunterstützung zahlte, wogegen 1907 2809 Mitglieder für 78 828 Tage mit 82 508 Mark und 1906 nur 2417 Mitglieder für 67 947 Tage mit 69 913 Mark zu unterstützen waren. Auch die Ausgaben für Kranken- Unterstützung sind sehr gestiegen und erreichen in manchen Zahl- stellen die Höhe der Arbeitslosenunterstützung. Trotz der schlechten Wirtschaftslage hat der Buchbindcrverband auch im letzten Jahre seinen Einfluß aus die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhält- nisse geltend gemacht und eine Reihe neuer Tarifverträge ab- geschlossen. Ende des Jahres 1907 bestanden im Berufe 60 Tarif- Verträge für 1476 Betriebe mit 17 924 beschäftigten Personen, Ende 1998 aber waren es 67 Tarifverträge für 1496 Betriebe mit 18 187 Beschäftigten. Bon diesen Tarifen kommen 40 auf die Buchbinder- brauche, die übrigen auf die anderen Branchen des Verbandes. Eine Uebersicht über die Leistungen des Verbandes für die Ver- befferung der wirtschaftlichen Lage der Berufsangehörigen ergibt, daß an Arbeitszeitverkürzung und an Lohner- höhung erreicht wurden im Jahre 1905: 339 300 Stunden und 235 820 Mk., 1906: 350 844 Stunden und 234 000 Mk.. 1907: 160 680 Stunden und 210 496 Mk. und 1908: 28 444 Stunden und 53 248 Mark.— Nachdem der Redner noch die Organisationsverhältnisse im Buchgewerbe geschildert hatte, betonte er, daß, wenn auch die gegenwärtige.Wirtschaftslage keineswegs rosig ist, doch kein Grund vorliegt, trübe oder hoffnungslos in die Zukunft zu blicken. Der rund 22 500 Mitglieder starke Buchbindervcrband, der sich in der Zeit der Krise vor allein als ein sicherer Schutz gegen die Berschlcch- terung der errungenen Lohn- und Arbeitsbedingungen bewährt, wird in Zukunft sich immer mehr seinen Aufgaben gewachsen zeigen.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Die Firma Herrmann Hoffmann sendet uns unter Bezug- nähme auf§ 11 des Preßgesctzes nachstehende Berichtigung zu dem Artikel„Die Herrenschneider der Firma H. Hoffmann" in der Nr. 114 unserer Zeitung: „Der in Frage kommende Marine-Uniformrock wurde genau nach dem bestehenden Uniformtarif bezahlt und ist erst dtKch die Entscheidung der Arbestgeber- und Arbeitnehmer- organisation dieser Uniformrock alsdann nach dem Zivilschneidcr-. tarif, mithin bedeutend höher als nach dem Uniformtaris be- zahlt worden, so daß irgendwelcher Vorwurf einer Lohnherab- drückung zurückgewiesen werden muß. Ferner ist durch Prüfung der Arbcitgcber-Organisaiion festgestellt worden, daß die in dem Artikel ausgesprochene Will- kür bei Bezahlung von Stücken als Knabensachcn jeder Be- gründung entbehrt. Hochachtungsvoll Hcrrmann Hoffmann." Der in Frage kommende Artikel war das Referat über eine Betriebsversammlung der bei der Firma Hoffmann beschäftigten Arbeiter. Wir müssen es deswegen den Beteiligten überlassen, zu der Berichtigung der Firma Hofsmann Stellung zu nehmen. Achtung, Mützenmacher! Was bei der Firma S. Gärtner u. Co., Markusstr. 50, vorauszusehen war, ist eingetroffen! Der Entlassung der Zuschneider vom Freitag folgte am Sonnabend die Aussperrung sämtlicher Arbeiter und Arbeiterinnen. Es kommen 21 männliche und 65 weibliche— insgesamt 86 Personen— in Betracht. Am Freitag erklärte Herr Gärtner:„Mein Wort ist hier Gesetz", und nun wird er die nötige Ruhe gewinnen, um zu überlegen, ob er der Gesetzlichkeit in seinem Sinne Geltung verschaffen kann, oder ob ihm die Ucberzeugung aufdämmern LH, Glocke, Berlin. Druck u. Berlar: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstglt' wird, daß die Arbeiter mitzubestimmen haben. Die Werkstatt ist jetzt für Arbeiter und Arbeiterinnen der Mützcnbranchc gesperrt. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck des Vorstehenden ge- beten. Deutscher Kürschnervcrband, Ortsverwaltung Berlin. Deutfcbes Reich. Die Sperre über die Hamburger Straßenreinigung ist auf- gehoben. Die bor acht Tagen über diesen Hamburger Staatsbetrieb verhängte Sperre ist aufgehoben und die Kündigung seitens der Straßenrcinigcr zurückgezogen worden, nachdem einige Bcauf- kragte der Arbeiter mit den maßgebenden Verwaltungsstellen Rück- spräche genommen hatten, die zu einem befriedigenden Ergebnis ge- führt hat. Die Arbcitervertreter unterbreiteten der Verbands- leitllng das Resultat der Aussprache, worauf die Maßnahmen zwecks Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen zurückgezogen wurden. Die Behörde will demnächst mit dem Arbeiterausschuß verhandeln. Am Freitagabend sind die Arbeitervertreter auch vom Senator Holthusen empfangen worden, der sie auf die VerHand» lungen zwischen Verwaltungsbehörde und Ausschuß verwies. Die Vsrmittelung ist von dritter Seite angebahnt worden. Dieses Eni- gegenkommen hätte man schon vorher dem Arbeiterausschuß ent- gegenbringen können, zumal die Forderungen äußerst bescheiden sind: Neunstundentag und Erhöhung des TagelohneS von 4,20 auf 4,60 und des Nacht lohnes von 4,40 auf 4,80 Mk. Die düpierten Gelben. Eine eigenartige Ueberraschung ist den gelben Mitgliedern des Wcrkvereins der Maschinenfabrik in Augsburg zuteil ge- worden. Als Köder wurde seinerzeit bei der Gründung der gelben Gewerkschaft in Aussicht gestellt, daß die Mitglieder einen drei- tägigcn Urlaub erhalten und dazu 12 M k. Entschädigung. Zu gleicher Zeit wurde auch eine Art Konsumverein er» richtet uitf> verlangt, daß die Mitglieder aus dem„sozialdemo- kratischen" Konsumverein austreten sollten. Nachdem sich nun die gelbe Verkaufsstelle nicht rentierte, hat der Vorstand des Werwereins den Beschluß gefaßt, den Urlaubszuschuß nicht in Bar, sondern in Blechmarken auszuzahlen, die in der gelben Verkaufsstelle für verabfolgte Waren in Zahlung genommen werden. Ist die Entrüswng der hineingelegten „Gelben" schon darüber groß, so wird sie noch deshalb eine größere, weil die Direktion auch noch in rigorosester Weise die Akkordpreise reduziert und eifrig bestrebt ist, auch jede noch so ge- ringe Vergünstigung der Arbeiter im Betriebe zu beseitigen. Christlicher Terrorismus gerichtlich liestätigt. Unser Nürnberger Parteiblatt hatte sich mit mehreren Führern der Christlichen in Neumarkt i. O. kritisch beschäftigt. Einer der Christlichen hatte gegen den verantwortlichen Redakteur Genossen Barth Beleidigungsklage angestrengt. Weil nicht jedes Wort in dem Artikel bewiesen werden konnte, wurde der Redakteur zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung sagte der Richter, daß durch die Verhandlung bewiesen worden ist, daß der Kläger ein roher Mensch und daß dic Agitations- weise der Christlichen äußerst terroristisch ist; denn Arbeiter unter Androhung von Schlägen zum Beitritt in die christliche Organisation zu zwingen sei verwerflich. Umso ärger werden die Christlichen nun über angeblichen sozialdemokratischen Terrorismns schwindeln! Von Interesse ist noch, daß die Roheiten der Christen in der dortigen schwarzen Domäne auch dem betreffenden Unternehmer zu stark geworden waren und daß er sie deshalb entlassen hatte. Achtung, Töpfer! Wegen Nichtzahlung des TarifeS verhängen wir hiermit über den Töpfermeister Paul Opitz, Steglitz, M-ommsen- stratzc 11, die Sperre. In Betracht kommen die Bauten Treptow, Moosdorfstraße, Pankow. Berlinerstraße 42. Desgleichen der Töpfermeister Gustav Z i p p e r t. In Betracht kommt der Bau Wilmersdorf, Gieselcrstraße 11. Diese Bauten sind durch die Hirschen besetzt und arbeiten dieselben 10 Proz. unter sind durch die Hirsche besetzt und arbeiten dieselben 10 Proz. unter dem Tarif._ Die Verbandsleitung. Bauarbeiterstreik in Bautzen. Am Freitag wurde infolge Verweigerung einer geringen Lohnforderung sofortige Einstellung der Arbeit aller im Baugewerbe beschäftigten Arbeiter beschlossen. Zuzug ist fernzuhalten. Ausland. Der französische Bergarbeiterkongres?, der dieser Tacke in Lcns stattfand, hat mehrere bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Nach längeren vertraulichen Unterhandlungen wurde im Prinzip die Verschmelzung mit dem Verband der Schieserbrucharbeiter beschlossen. Dieser Verband hat in allernächster Zeit seinen Kongreß in Paris und dürfte voraussichtlich denselben Beschluß fassen. Der französische Bergarbeiterverband gehört mit zu denjenigen wenigen französische/t Gewerkschaften, welche ein gutfundiertes Kassenwesen besitzen und die mehr der Taktik der deutschen Gewerkschaften zuneigen. Das Zentralbureau, das seinen Sitz in Lens hat, wird durch mehrere fest angestellte Beamte verwaltet. In einer einstimmig an- genommenen Resolution wird der gesetzliche Achtstundentag für alle Bergwerte(Kohlen, Metall usw.). Stein- und Schieferbrüche ge- fordert. Wiederholt werden die Beschlüsse, durch welche die volle Sonntagsruhe und die Alterspensionen für Bergleute(2 Fr. pro Tag nach erreichtem 50. Lebensjahre und nach 25 DienssiaHren) gefordert wird. Eine Delegation wird beauftragt, den Minister um schleunige Erledigung der Wünsche des Kongresses zu ersuchen. (Diese ist mittlerweile vom Minister empfangen worden.) Zum internationalen Bergarbeiterkongreß in Berlin wurden 2 Delegierte gewählt. Letzte JSfacbnchtcn und Vepescden. Eisenbahnunglück. Anklam, 22. Mai.(B. H.) Ans der mecklenburgischen Kleinbahn ist heute durch Umspringen einer Weiche ein Zug vcrniigliickt. Vier Wagen wurden zertrümmert, die Lokomotive ist umgestürzt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Verkehr wird durch Umsteigen anstecht erhalten._ Folgenschwere Pulverexplosion. Grenoble, 22. Mai.(W. T. B.) Bei Sappey wurden in einem Steinbruch durch eine Pulverexplosion vier Menschen getötet und vier verwundet. Ein neuer Schiffsrckord. New Jork, 22. Mai.(B. H.) Der hier eingetroffene transatlantische Dampfer„Maurrtania" hat einen neuen Rekord auf- gestellt, indem er den Ozean in vier Tagen 16 Stunden und 53 Minuten durchquert hat. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 25,62 Knoten(annähernd 47>/z Kilometer) pro Stunde. Flottcnvermehrung in Amerika. Washington, 22. Mai.(W. T. B.) Der Siaatssekrctär der Marine lündigl an, daß die Flotte während des Fiskaljahres 1911 um zwei Trcadnoughts und fünf Torpedoboote vermehrt werden soll, ungeachtet dessen, daß ein Abstrich von zehn Millionen Dollar im Flottenvoranschlag vom Präsidenten Taft verfügt worden ist. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. »■m suatow i geihp des Ismarts" Kerlilltt NolksdlM s.Mg.zz WilW. /Zbgeoränetendaus. S3. Sitzung, Sonnabend, den 22. Wai,' mittags 12 Uhr.>. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetz- entwurfs, betreffend die Abänderung des Stempelsteuer- g e s e tz e s. Die Kommission hoT eine Verstempelung der Erlaubniskarten für Automaten und Musikwerke und für Radfahrkarten eingefügt. Besonders erhöht sind die Stempel für die Titel der Kommerzicn- röte und Kommissionsräte: auch die Stempelgebühren für letzt- willige Verfügungen sind wesentlich erhöht. Abg. v. Richthofena*i\ait zeigen, die ihm viel besser pfijzt. Dann kann er ja mit Bloch und Leuthner zusammen die„Nationalsozialiftrschen n a t s h e s t e' sogar wöchentlich herausgeben, unbeschwert durch Rücksichten auf eine Parteizugehöriglkit. die sa bei solchen Ansichten doch nur eine Aeutzerlichkeit ist." Zum Organisationsfiatuk. Der sozialdemokratische Verein Stuttgart beschästigte sich in einer Mitgliederversammlung am Dienstag, den IS. Ma., mit dem Entwurf des Organisationsftatuts �der Partei. Parteisekretär Genosse Wasner hatte das einleitenac Referat übernommen. Ausführlich erörterte er die zum Teil tief einschneidenden Aendcrungsanträge der � Statutenberatungs- kommission. Die Versammlung beschloß, beim Parteitag �etliche Aenderungen des Entwurfs zu beantragen. So wurde zur«yesi- s e tz u n g der Mitgliederbeiträge 5 des Entwurfs) ausgeführt, daß man"der Festsetzung eines monatlichen Mindesi- bcitrages von M Pf. für männliche Genossen ohne weiteres zu-- stimmen könne, nicht zu billigen sei aber, daß Organisationen, die zur Bestreitung örtlicher Bedürfnisse einen Lokalzuschlag erheben, auch von dieser freiwilligen Mehr- lcistung zur Förderung der Organisation und Agitation am Ort 20 Proz. an den Parteivorstand abliefern sollten. Zugestimmt wurde der Nominierung des Mindestbeitrags der weiblichen Mit- glieder aus 20 Pf. monatlich; auch mit der Gratisabgabe der ..Gleichheit erklärte sich die Versammlung einverstanden. Die Agitation unter den Frauen und die Ausgabe für die..Gleichheit" verzehrt aber den 20 Pf.-Beitraa vollständig. Wahrscheinlich werde er nicht einmal reichen zur Bestreitung der Ausgaben. So wäre es nicht mehr als recht und billig, daß der P a r t e i v o r sta n d auf die 20 Proz. der Mitgliedsbeiträge der Genossinnen verzichte. Z 7(Parteitag) bestimmt, daß die Wahl der Delegierten erfolgt nach der Maßgabe, daß in Wahl- kreisen... bis zu 0 Delegierte„zu wählen sind". Diese Fassung wurde beanstandet ihrer zwingenden Form wegen, die zu Miß- Verständnissen Anlaß geben könne. Es möge gesagt werden„gewählt werden können". Die Form der Delegiertenwahl, ob U r w ah l, Wahl durch Vertreter usw., möge den Wahlkreisen selbst überlassen bleiben. Die im t. Württcnibergischen Reichstagswahlkreis ein« geführte Urwahl hat sich gut bewährt. Weiter soll beim Parteitag beantragt werden, daß nur gewählte Delegierten Stimmrecht auf dem Parteitag haben sollen. Demgemäß . wären die einzelnen Bestimmungen zu ändern.§!0 Absatz 1 des Entwurfs sagt:„Der Partcivorstand besorgt die Parteigeschäfte und kontrolliert die prinzipielle Haltung der Parteiorgane". Die Versammlung hält cS für selbstverständlich, daß der Parteivorstand auch die prinzipielle Haltung der Parteifunktionäre, der Inhaber von Partei- Vertrauensämtern usw. zu k o n t r o l l i e r e n h a t. Diese Selbstverständlichkeit statutarisch festzulegen sei überflüssig. Mit diesen Aenderungen und Feststellungen wurde der Entwarf ein- stimmig gutgeheißen._ Dezentralisiitlon der Partcipresse. Eine beachtciiswerte Entwickelniig der Parteipresse hat sich im östlichen Teile des Königreichs Sachsen vollzogen. Dort war bis vor etwa Jahresfrist die damalige»Sächsische Arbeiter- zeitiing", die jetzige„Dresdener Volkszeitung" und deren Kopfblatt, der„Volksfreuud" verbreiiet. In der Hauptsache wurde erstere, wie noch heute, in den drei Dresdener Wahlkreisen gelesen, während in der Lausitz und den drei Wahlkreisen Riesa- Meißen, Pirna und Frciberg der„ V o l k s f r e u il d" als Parteiblatt ein- geführt war. Dieses Kopfblatt versuchte von 1803 ab, die lokalen Verhältnisse der Wahlkreise mehr berücksichtigen. Es wurde den Genossen in den Wahlkreisen für lokale Angelegenheiten erst eine Seite pro Nummer, dann auch mehr zur Verfügung gc- stellt und dieser Teil einem besondereil Lokalrcdakteur übertragen. Der„Volksfreuiid" nahin nun einen raschen Aufschwung. In wenigen Jahren hatte er seinen erst 3ö00 betragenden Abonneiltensiand verdoppelt. Da« Blatt konnte aus einer dreimal wöchemlich erscheiuenden in eine Tageszeitung umgewandelt werden und später auch in ver- siärktem Umfange erscheinen. Mit dem Aufschwung der Partei- bewegung in Ostsachsen wuchs die Abounentenzahl des„BolkSfreundS", die sich schließlich auf gegen U 000 bezifferte. I n dem Maße aber wie Parteibewegung und Abonnenten st and wuchsen, vergrößerte sich auch das Bedürfnis nach Berücksichtigung der lokalen Agitation und der anderweitigen örtlichen Verhältnisse, dem schließlich der über sieben Wahlkreise verbreitete„BolkSfteund" nicht mehr ge- nügen konnte. Um dem Mangel abzuhelfen, Ivurde in Zittau siir die Ober- Lausitz eine Druckerei vom Verlage der„Dresdener VolkSzeituug" und gleichzeitig auch eine Lokalredaktio» eingerichtet. Dort wurde unter dem Titel„Volkszeitung für Zittau" anstatt des in Dresden hergestellten„VolkSfreundeS" eine besondere Parteizeitung herausgegeben, die noch insofern mit dem Dresdener Parteiblatt verknüpft war, als diese ihr den politischen Text in Platten lieferte. Diese eingreifende Aenderung, die vor allein eine bessere Berücksichtigung des lokale»Kampfes ermöglichte, bewährte sich, die Abonnentenziffer der Lausitz hob sich nach kurzer Zeit und stieg von 6000 ans IlOOO. Vor allem war eine größere Schlagfertigkeit im Kampfe mit den Gegnern erreicht. Aehnlich gingen auch die Genossen im Wahlkreise Meißen-Riesa vor. Sie richteten aber eine eigene Lokalredaktion ein und nahmen den in ihrem Kreise verbreiteten„Volksfreuiid" unter dem Namen „Volkszeitung" für Meißen. Riesa usw. in eigene Regie, ließen aber noch den Druck des Blattes in Dresden her- stellen. Auch diese Dezentralisation hat sich vorzüglich bewährt. Infolge der besseren Pflege des lokalen Kampfes ging es rasch vor- wärts mit dem Abonneiitenstande, der sich fast verdoppelte. Auch finanziell kommen die Meißener Genossen gut mit ihrem Blatte durch. Genau so wie in Meißcn-Riesa wollen mit Zustimniung des Ver- lageS der„Dresdener Volkszeitung" die Genossen im W a h l k r e i s e Pirna vorgehen. In einer Parteiversammlung des Kreises wurde nach einem Referate des Genossen F r ä ß d o r f beschlossen, die Parteizeitung nach Meißener Muster in eigene Regie zu nehmen und eine eigene Lokalredaktion wie Expedition in Pirna emzurichten. Sowohl in Pirna wie in Meißen wird der politische Teil der „Dresdener Volkszeitung" von den neuen lokalen Parteiblättern über- nommen. ES wird durch die Dezentralisation eine schlagfertigere Be- kämpfung der lokalen Machthaber und intensivere Agitation auf Grund lokaler Vorkommnisse erreicht. Die Gewinnung neuer Abonnenten ist leichter, wenn die Zeitung auch die lokalen Verhält- nisse eingehend berücksichtigen kann. Bisher ist mit diesem System der Dezentralisation in der Parteipresse Ost- sachsens die beste Erfahrung gemacht worden. Die Geistlichen der anglikanischen Kirche und der Sozialismus. London, 20. Mai. Der neueste Bekehrte zum Sozialismus ist der Kanonikus Hicks von der Diözese Lincoln, wo er in der inneren Mission tätig war. Vor wenigen Tagen war er Vorsitzender einer vom Lincolner Gewerkschaftskartell einberufenen Versammlung, in der der sozialistische Arbciierabgeordnctc Snowden sprach. Gestern legte Hicks sein sozialistisches Bekenntnis in folgenden Worten ab: „Ich bin zum Schlüsse gelangt, daß die Produktions- und Distributionsmittel nicht nur dieses Landes, sondern der ganzen zivilisierten Welt in die Hände des Volkes übergehen sollen, um für das Volk und durch das Volk verwaltet zu werden." Kanonikus Hicks legte sein Amt in der inneren Misston nieder, das er während 1ö Jahre inne hatte. In diesem Amte hat er 1 30 000 M. zu wohltätigen Zwecken ausgegeben, wovon 80 000 M.. aus seinem eigenen B e r in ö g e n kommen. Befragt über, die Ursache seines Rücktritts, gab er unter großem Wider- streben folgende Erklärung ab; y „In«tciner Misstonstätigkeit kam ich in Berührung mit dem Le&en der Arbeiterm«ssen. Ich sah, unter welchen Bedingungen die Arbeiter lebten, und die große Not, die durch Beschäftigungs- losigkcit veranlaßt wurde. Ich bin deshalb zum Schlüsse gelangt. daß ich kein Recht habe, die mir aus unverdientem Wertzuwachs zuslirßenden Einnahmen zu meinem Wohlergehen zu benutzen. Ich werde sie nunmehr zum Wohle der Armen verwenden, und ich werde versuchen, von dem zu leben, was ich durch eigene Arbeit verdiene." potizeiUcheSi Gmchtlkhcs ulw. Der„Vorwärts" vor der Rcvisionsinstanz. Wegen Beleidigung eines früheren Kriminalschutz- manneS, der jetzt geheimer Kanzleidiätar ist, wurde am 16. Februar vom Landgerichte l in Berlin Genosse Georg Davidsohn vom „Vorwärts" zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Der„Vorwärts" hatte behauptet, der Braut eines Kellners seien bei einer Ver- uehmung auf dem Polizeipräsidium von dem betreffenden Beamten unsittliche Zumutungen gemacht worden. Das Gericht hat bekannt- lich„festgestellt", daß der gegen den Beamten erhobene Vorwurf un- begründet sei, obgleich das Mädchen beschwor, daß die Darstellung i3«3„Vorwärts" stimme. Der Eid des Beamten, der die Verfehlung in Abrede stellte, genügte für die„Feststellung".— Die Revision Tavidsohns wurde am Freitag vom Reichsgericht als unbegründet verworfen._ Kein Sozialdemokrat Bürgermeister. Nach dreimonatlicher Ueberlegung hat das Ministerium des Herzogtums Gotha die Berufung des Genossen Eberhardt gegen seine Nrchtbcstätigung durch das Landratsamt zurückgewiesen. Ge- nosse Eberhardt war mit ziemlicher Mehrheit als Bürger. meister von Ichtershausen gewählt worden. Die Gründe, die das Ministerium vorschützt, sind die alten: sozialdemo. kratische Gesinnung, also Mangel an besonderer Befähigung, die Staatsautorität zu wahren. Die Presse vor dem Reichsgericht. Wegen Beleidigung eines Fabrikbesitzers ist am 10. Marz vom Landgerichte Görlitz Genosse Paul Tau- badel von der„Görlitz er Volkszeitung" zu einer Geld- strafe von 10 0 M. verurteilt worden. In der„Volkszeitung" war ein Bericht aus Weißwaffer über„eine Weihnachtsbescherung aus Arbeitergroschcn" erschienen. Es wurde darin behauptet, der bc- treffende Fabrikant habe die Weihnachtsbescherung nicht auS eigenen Mitteln veranstaltet, sondern auS der Pfcnnigkasse der Arbeiter. TaS Gericht hat festgestellt, daß allerdings 1907 eine Bescherung auS der Pfennigkasse veranstaltet worden ist, nicht aber 1908. In diesem Jahre haben der Fabrikant und seine Frau die Arbeiter und Ar- beiterinnen aus eigenen Mitteln beschenkt. Der Angeklagte hatte sich auf seinen sonst zuverlässigen Berichterstatter verlassen.— Die Revision wurde am Freitag vom Reichsgerichte verworfen. Wegen Beleidigung des Amtsgerichts zu Festenberg ist am 2. März vom Landgerichte Breslau Genosse Gustav Wolfs von der„V olkswach t" zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte einen Artikel veröffentlicht, in welchem ein Urteil des Schöffengerichts Festenberg kritisiert wurde. Straf. antvag hat der Landgerichtspräsident in OelZ gestellt. Publikations- bcfugnis ist dem Vorsitzenden Amtsrichter und den beiden Schöffen zuerkannt worden.— Die Revision Wolffs wurde vom Reichs- gericht in der Hauptsache verworfen. Die Publikations- bcfugnis für die drei genannten Personen wurde dagegen in Weg. fall gebracht, weil die Beleidigung nicht gegen dies« persönlich, sondern gegen das Schöffengericht als solches begangen ist. )Zus IticUiFtm und bandet Schlechte Lage— gute Lage. Die Gelverkenversammlung der Zeche Ewald nahm einen Bericht über die Lage am Kohlenmarkt entgegen. Danach sind die Absatz- Verhältnisse als außerordentlich ungünstig zu bezeichnen. Bemerkt wurde, eS sei kein Anhaltspunkt dafür vorhanden, daß die Misere am Kohlenmarkt bald aufhören werde.— Aber die Kuxenbesitzer braucken nicht zu verzweifeln. Wenn auch die enorme Ausbeute von 250 M. pro Kux nicht beibehalten werden könne, unter 200 M. brauche man sicher nicht hinabzugehen. So wurde ihnen tröstlich versichert._ Vom Eisenmarkt. Nach dem Situationsbericht der„Nheinisch-Westf. Ztg." hat sich i» den letzten Wochen das Lagergeschäft der Händler etwas lebhafter gestaltet. Dagegen hat sich ,m EngroSgeschäft keinerlei Besserung bemerkbar gemacht. Dabei nimmt die Verwendung von Bauträgern ab, da immer mehr Eisenbeton Verwendung findet.„Die Lage läßt sich," sagt daS Blatt,„kurz dahin zusammenfassen, daß das in- dustrielle Marktgepräae im rheinisch-westfälische» Jndustriebezirk in der Hauptsache unbefriedigend bleibt. Es fehlt an Neuausträgen und Abschlüssen, die über die schwierige Sommerzeit hinweghelfen könnten."_ Billige Milch— in Amerika. Der landwirtschaftliche Sachverständige bei dem deutschen Konsulat in Chikago berichtet über:„Die Milchversorauna der Stadt Chikago." Die Einwohnerzahl beläust sich auf über 2 225 000. Der tägliche Verbrauch an Vollmilch beträgt zirka 2 270 000 Liter, oas heißt, mehr als 1 Liter pro Kopf. In Deutschland ist der Milchverbrauch viel geringer. Er stellt sich zum Beispiel: in Hamburg auf etwa 0,85 Liter, in Dresden auf etwa 0,38 Liter pro Kopf. Der Berichterstatter bringt auch die Erklärung für diese kolossale Differenz zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Verbranch dieses wichtigsten Nahrungsmittels. Er schreibt: „Der verhältnismäßig große Milchverbrauch stützt sich aller- dings auf Preise, die gegenüber denen in Deutschland niedrig« zu nennen sind." Bei uns denkt man nur an Preiserhöhungen, anstatt durch rasionelle Kultur und entsprechende Einrichtungen die Unkosten herab- zudrücken und gesteigertem Konsum die Wege zu ebnen. Hus der frauenben>egung. Frauensclbstinorde. Außerordentliche Widerstandsfähigkeit gegen körperliche Leiden ist eine in der Natur der Frau liegende Eigenschaft, die jeder Arzr, jeder Operateur in seiner Praxis hundert- und tausendfach zu be- obachten Gelegenheit hat. Wenn es gilt, Schmerzen zu ertragen, erweist sich das sogenannte schwache Geschlecht gewöhnlich als das stärkere und umgekehrr das starke Geschlecht als das schwache. So kam eine medizinische Autorität wie der durch seine Gallenstein- operationcn bekannte Professor Dr. Hans Kehr zu dem Urteil:„Ich operiere lieber fünf Frauen als einen Mann." Aber auch seelischer Pein und schweren Schicksalsschlägen gegen- über zeigt die Frau einen Duldemut, der den des Mannes oft be- schämt. Diese weiblichen Eigenschaften kommen auch in der Statistik der Selb st morde zum Ausdruck. Das König- liche Statistische Landesamt Berlin veröffentlicht in seinem Statistischen Jahrbuch für den preußischen Staat«ine Selbstmord- statistik, die nachweist, daß im Jahre 1907 in Preußen 5844 Männer und nur 1799 Frauen Selbstmord begingen; in anderen Zahlen ausgedrückt: auf 100 000 Lebende kamen 1907 81 männliche und 9 weibliche Selbstmorde. In früheren Jahren war dgs Zahlen» berhaltn!?«och günstiger für die Frauen. So kamen km Jahres- durchschnitt von 1898 bis 1900 auf 100 000 weibliche Eiwvohner nur 8, auf 100 000 Männer aber 32 Selbstmorde. Folgende Zahlen ergeben interessante Vergleichspunkte: Auf 100 000 weibliche Ein- Wohner entfielen Selbstmörderinnen in den Jahren Diese Zahlen dürfen als typisch gelten. Das deutlich wahrnehmbare Anschwellen der Selbstnwrdzifser haben wir unzweifelhaft mit auf das Konto der in den letzren Jahren so verheerend wirkenden Krise zu setzen, von der auch die riesenhaft gewachsene gewerbliche Frauenarbeit nicht verschont bleiben konnte. Es waren gewiß nicht die schlechtesten Elemente unter den Frauen, die in der äußersten Not dem langsamen Selbst- mord in der Prostitution den raschen, gewaltsamen Freitod vor- zogen. Damit kommen wir auf die Gründe zu sprechen, welche Frauen zum Selbstmord treiben. Unter diesen Gründen gibt cS einen, der für den Mann niemals in Frage kommt: das ist der der verlebten Geschlechtsebrel Die verheuchrlte bürgerlich« Gesellschaft mit ihrer doppelten Moral häuft alle Schmach und Schande auf die Weib- liehen Wesen, die das entsetzliche Verbrechen begehen, ein Kind zu gebären, ohne daß es einen legitimen Vater hat. So gewiß die Mutterschaft im allgemeinen das Pflichtgefühl der Frau erhöht, ihren Selbsterhaltungstrieb stärkt und ste vor Selbstmordgedanken bewahrt, so gewiß haben wir in der unehelichen Mutterschaft eines der hauptsächlichsten Motive für Frauenselbstmorde zu suchen. Bei der Betrogenen, von der honetten Gesellschaft Verfemten findet die Verzweiflung leichte Beute. ES ist erwiesen, daß eine sehr große Zahl von Selbstmörderinnen heimlich schwanger war. Die Statistik zeigt überdies, daß fast durchweg einer Steige- rung des Prozentsatzes unehelicher Geburten eine Steigerung der Zahl der Selbstmöroerinneu entspricht. Am höchsten ist diese Steigerung in den großen Städten, was sich ohne weiteres daraus erklärt, daß eine große Zahl von jungen Mädchen aus kleinen Städten und vom Lande hier Arbeit sucht und— losgelöst von Heimat und Familie, wurzellos gcivordcn— leicht der Verführung und später auch leicht der Verzweiflung anheimfällt. Neben unseren fluchivürdigen sozialen Zuständen tragen fast immer wirtschaftliche Verhältnisse, Not, Sorge und Arbeitslosigkeit unmittelbar die Schuld au solchen Verzweiflungstaten. Aber mittelbar läßt sich ihr Einfluß außerordentlich häufig nachweisen. Schwere Krank- hett allein treibt beispielsweise selten zum letzten Schritt, aber im Verein mit Armut und Not wird sie oft das treibende Motiv. Wie' die rücksichtslose Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, die der Kern unserer heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist, zum Lebensüberdruß führt, zeigt treffend folgendes Beispiel: Eine junge Ehicagoerin, die Selbstmord verübte, gab in einem hinterlassenen Schreiben Lebensüberdruß an. Sie liebt« bei Leben, schrieb sie; sie liebte es zu sehr, um durch die bloße Befriedigung ihrer materiellen Bedürfnisse zufriedengestellt zu sein. Sie war eine geistig gut ver- anlagte junge Frau, die in einer Bibliothek arbeitete. Aber sie hatte so hart zu arbeiten, um die Kosten für Nahrung, Wohnung und Kleidung bestreiten zu können, daß sie weder Zeit noch Geld für etwas anderes übrig behielt. Wohl gab es manches, Ivos sie auch ohne Geld genießen konnte, aber sie war zu müde und er» schöpft, um irgend etwas anderes tun zu können, als auszuruhen, wenn sie nicht in der Bibliothek war, und so blieben ihre Sehnsucht nach Schönheit und ihr Wissensdurst ungestillt. Nicht damit zu- frieden, daß für ihren Körper gesorgt war, wollte sie auch etwas für ihr Innenleben, für Seele und Gemüt haben. Bei all dem hatte sie den merkwürdigen angelsächsischen Respekt für die Bedürf- nisse des Körpers, der es ihr unmöglick machte, sich durch man- gelnde Pflege, unzureichende Ernährung, Entziehung von Ruhe und Schlaf zu vernachlässigen.„Ich lebe nicht," sagte sie in dem hinterlassenen Briefe,„ich existiere nur. Wenn ich dies nicht wüßte, würde ich nickt nach der vollen Entfaltung meiner Person- lichkeit verlange». Aber ich weiß eS und verlveigere eine Existenz, bei der Geist und Seele darben und verkümmern." Ach, diese Lebensüberdrüssige hat Leidensgefährtinnen in un- endlicher Zahl. Hat doch der Kapitalismus— nach einem Worte von Karl Marx—«gerade die eigentümlichen Tugenden des lvcib- liehen Charakters zu seinem Schaden verkehrt,— alles Sittliche und Zarte ihrer Natur zum Mittel ihrer Stlaverei und ihres Leidens gemacht." Was ist zu tun? „Arbeiten und nicht verzweifeln," sagt Carlyle. DaS heißt für unS: Arbeiten wir unermüdlich an der Beseitigung der alten Gc- sellschaft mit ihren sozialen Ungerechtigkeiten und Vorurteilen, ihrer Ausbeutung der Vielen durch die Wenigen, dieser Gesellschaft, die so viel Blutschuld auf ihr Haupt geladen hat, daß sie den Unter- gang längst verdiente. Schaffen wir daran, daß, ivaS unS versagt tvar, wenigstens unseren Kindern und Kindeskindern zuteil werde. Wenn wir das tun, dann war unser Leben--> trotz alledem!— wert, gelebt zu werden. Leseabende. 2. Kreis. Weste». Montag, den 24. Mai, abxndS 8'L Uhr. km Lokale„Anhalter Ressource", Möckernstr. 114, bei Lehmann. 2. Kreis. Süden. Im Lokal von Hemp, Urban st raße 170. 6. Wahlkreis. Montag, den 24. Mar, in folgenden Lokalen: 1. Ab- teilung bei Obiglo, Schwedter Straße 23/24. 2. Abteilung bei Kranz, Duiickerstraße 8. 3. Abteilung bei Gliesche, Kopen» Hagener Straße 74. 4. Abteilung bei Leppin, Brunnenstraße 30. 5. Abteilung bei Hübner, Wanstr. 7. 6. Abteilung bei Heys«. Boyenstraße 19. 7. Abteilung bei Lamprecht, Putlitzstraße 10. 8. Abteilung bei Stark. Waldstraße 3. 9. Abteilung bei Funke, Triftstraße 63. 10. Abteilung bei Kant, Brüsseler Straße 9 11. Abteilung bei Fritsch, Drontheimer Straße 4. 12. Abteilung bei Franke, Badstrohe 19. 13. Abteilung bei Lerche, Gleim- straße 70. Oder- Schöneweide. Montag, den 24. Mai, abends 8 Uhr. im Lokal von Meinholz, Wilhelminenhofftraße 4. Vortrag des Gen. Jakobsen: DaS Nervensystem und Erkrankung desselben. Tegel. Montag, den 24. Mai, abends 8'/3 Uhr, bei Halses, Brnnow- straße 23. Vortrag: Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung. Besprechung über die Ferienkinderspiele. FrirdrichSseld«. Ausnahmsweise am DrenStag, den 25. Mai, abends SV, Uhr. im Lokal der Genossin Bartholain. Prinzen-Allee 59. Lorsigwaldc-Wittenau. Montag, den 24. Mai, beim Genossen Scheibe!, Ecke Emst« und Schubartstraße. IvltternngSüberNckt vom 22. Mal 1900. morgen« 8 Uhr. Wetterprognose für Sonntag, dr« 33. Mai KVVS. Ziemlich warm, teilweise heiter aber veränderlich, bei mäßigen südlichen Winden, etwas Regen mit Gcivstterneigung. Berliner Wetterbureau. Scliuhwarenfalirik Burg d. Magdebg. 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ZÜZC xkC xfOC Rtad gesetzl. geschüttt.| W-rantwcrll. Redakteur: Carl WermulH, Zerlin-Rirdork. Für deyJnseratentxilvcrantw�: Zh. Glocke, Berlin, Aruck u, Verlag: LoMärtA Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, 2. Keilllge des Jormirts" itelinet WldsdlM.--«wR SDrtIcbaftllcfyer Nochenbericht. Berlin. 23. Mai 1909. �»rtsehung der Hausse am Getreldemarkt.— Preistreiberei an der Baumwollbörse.— Die Lage am Zuckermarkt. Die Lage am Arbeitsmarkt enttäuscht immer noch alle auf entschiedene Besserung gerichteten Wünsche und Erwartungen. Das ist für die Arbeiter rechi betrübsam. Um so mehr, als die Hausse am Getreidemarkt nicht zum Stillstand«kommt und damit die Hoffnung, bald wieder zu normalen Preisen zu gelangen, mehr und mehr schitnüden mutz. Der fortgesetzte PreiSaufsu'eg hat nicht nur Erschwerung der Lebenshaltung jetz: zur Folge, sondern bedeutet auch Schädigung für später. WaS ine Arbeiter von der nächsten Hochkonjunktur an Mehreinnahmen erwarten dürfen, das wird ihnen schon vorweg durch weitere Verteuerung der Lebenshaltung genommen. Dank unlerer unsinnigen Zollpolitik, deren Wucherwirkung noch verschärft wird durch unser famose» Ein- fuhrscheinsystem, haben sich Verhältnisse entwickelt, die fast als Notzustände angesprochen werden können. Datz früher selbst bei ergiebiger Welternte. in Ländern und Distrikten mit schwachem Erträgnis, Getreidemangel zu Kalamitäten, ja zu Hungersnöten und Revolten führen tonnte, findet seine Er- klärung in den damaligen rückständigen, völlig unzureichenden Transportmitteln und der mangelhaften Organisierung des Marktes. In Amerika konnte Getreide verfaulen, wahrend in Europa Leute Hungers starben. Dort hatte man keine Wissenschast von dem Mangel hier, und hier ahnte man nichts von dem Ueberflutz dort: und schlietzlich hätte auch die Kenntnis von den verschiedenen Verhältnissen nichts genutzt, fehlten doch die Verkehrsmittel, um den Austausch in einem dem Zweck entsprechenden ZeitauSmatz herbeiführen zu können. Heute sind wir in dieser Beziehung glück- licher daran: Jede Tonne Getreide kann unter die Konttolle aller Börsen der Welt gebracht werden: nur nach Stunden rechnet die Benachrichtigung über Angebot und Nachfrage an den einzelnen Plätzen über die ganze Erde? Riesendampfcr und Eisenbahnen können in kürzester Frist den Ausgleich zwischen Mangel und Ueberflutz herbeiführen. DaS könnte geschehen, aber eS geschieht doch nicht! Kapitalistische Interessen lassen sehr oft den Fort- fall äutzerer Hindernisse nicht wirksam werden. Ebensowenig wie die Güterproduktion, dient die kapitalistisch organisierte Güter- Verteilung der Bedürfnisbefriedigung als Selbstzweck, sondern nur als Mittel der Profitmacheret. Daher die Börsenmanöver der Spekulanten, die möglichst grotze Mengen Getreide aufkaufen, dann mit dem Angebot zurückhalten, um die Preise in die Höhe zu treiben. Und die Schützer der„nationalen Arbeit" errichten zu demselben Zweck territoriale gollmauen«. ES gilt, dem ausländischen Getreide den Eingang zu erschweren, es künstlich zu verteuern, damit daS „nationale" Brotkorn Wucherpreise erziett! Und zweischneidig mutz daS Schwert der Brotwucherer sein. Um zu verhindern, datz bei guten JnlandSernten die Preise auf ein erträgliches Matz fallen, hat sich das Junkertum in dem Einfuhrscheinwesen ein System der Ausfuhrprämie geschaffen. Eingeführtes Getreide wird durch Zölle verteuert, und auf ausgeführtes Korn lätzt man sich aus der ReichSkasse Prämien zahlen. So wurde der jetzige. Zu- stand möglich I Trotz der guten Ernte im Vorjahr ist in Deutschland Mangel an Getreide, und die Konsumenten müssen Hungerpreise bezahlen. Zu den erwähnten Ursachen, die den im vorigen Bericht geschilderten hohen Preisstand verschuldeten, ist mittlerweile noch ein weiterer preisireibender Umstand hinzugetrettn t ein ungünstiger Saatenstandbericht. Der letzte, vom Statistischen Landesamt veröffentlichte Bericht über den Stand der Saaten in Preuhen lätzt für 1909 auf ein nicht unwesentlich schlechteres Ernte- ergebnis als das vorjährige schlietzen. Günstige Witterung kann da allerdings noch viel korrigieren, aber unter den obwaltenden Um- ständen mutzte«ine auch nur bedingte Minderbewertung der Ernte der Preishausse neuen, scharfen Anstotz geben. Bewucherung der Konsumenten auf jeden Fall! Bei schlechten Ernten gehen die Preise ganz selbstverständlich hinauf, und bei guten Ernten sorgt die indirekte Exportprämie für Entblötzung de» Inlands- Marktes, und die Preise steigen dann eben auch. Seit Anfang Mai sind die Notierungeu siir Roggen um 21 M., sttr Weizen um IS M. hinaufgegangen. Es ist nicht ausgeschlossen, datz die Roggenpreise wieder die exorbitante Höhe erklettern, die sie im Jahre 1907 erreicht hatten: und mit den Weizenpreisen sind wir über den damaligen Höchststand schon weit hinaus. Nach den höchsten Notierungen an der Berliner Börse ergibt sich folgendes Zahlenbild: Weizen Roggen pro Tonne in Mark 1905....... 185,5 175,5 1907....... 236,5 217,25 22. Mai 1909.... 266,0 199,75 Da mutz den Junkern das Herz im Leibe lachen, was nicht aus- schlietzr, datz sie immerfort noch das Lied von der Not der Land- Wirtschaft ableiern und mit raffgierigen Fäusten nach neuen Liebes- gaben langen. Auch der Baumwollmarkt steht im Zeichen der Hausse. Hier ist Spekulation tteibendeS Motiv. Selbst dann, wenn man mit einer gegen das Vorjahr reduzierten Ernte rechnen mühte, fehlte der jetzigen Bewegung die durch das Gesetz von Angebot und Nach- frage bedingte Berechtigung. Gerade am Baumwollmarkte kann die Spekulation ein wenig gehrnderttS Spiel treiben. ES fehlt hier an einer ausschlaggebenden Konkurrenz. Amerika stellt zirka vier Fünftel der gesamten Baumwollproduktion der Welt. Die Bc- Herrscher der Baumwollbörse in New Aork können daher die Preise ziemlich willkürlich diktieren. Nun hat daS Jahr 1908 in Amerika eine ganz autzergewöhnlich gute Ernte erbracht. ES wurden Millionen Ballen geernlet: 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 9.7 10,8 10,0. 13,7 10.7 13.3 11,3 13,4 Seit 1904 bracht« das letzte Jahr die höchsten Erträge. Da auch die beiden Vorjahre relativ gute Ernten erzielen liehen, sanken die Preise. Die niedrigste Lokononz in New Dork erfolgte im März 1909 mit 9,65 Cent. Seitdem geht eS wieder bergauf: im April 9,95 Cent, bis Mitte Mai 11,0 Cent. Die Höchstnotierungen stellen sich wie folgt: März April 21. Mai 1905 1906 1907 1903 1909 12,60 12,25 13,55 12.25 9.85 10,90 11,75 Cent Für die jetzt eingesetzt« Preishausse will man zu erwartende Rückgänge in der Ernte verantwortlich haben. Angeblich soll das bestellte Areal um rund 2000 Acker hinter dem vorjährigen zurückbleiben und nur 3 005 500 Acker bettagen. Ob bei diesen Angaben die Spekulanten die Hände im Spiele haben, kann man nicht wissen: sollten die Ziffern jedoch wirklich den Tatsachen entsprechen, wäre damit sür da» Ernteergebnis noch aar nichts bewiesen, denn die Rekordernte von 1904 ist auf einem Areal erzielt worden, daS noch etwas kleiner war al« das für 1909 angegebene. Die Zuckermärkte standen in den letzten Zeiten im Zeichen grotzer Beweglichkeit, die sich jedoch in engen Grenzen hielt. Der am stärksten wirkende Faktor waren die Schätzungen der Ernte in Kuba. Von dieser ist eS abhängig, ob Amerika als Käufer europäischen ZuckerS auftritt oder nicht. Da die diesjährige Ernt Kubas als sehr günstig taxiert wird, ist den Haussiers am Zucker« markt die Suppe stark versalzen. Umsomehr, als die europäische Zuckerrübencrnte ein gutes Erträgnis verspricht. Nach Berechnungen de» Statistikers O. Licht würde, bei Zugrundelegung des Zucker« erttageS deö letzten Jahres, für den europäischen Zuckerrübenbau-pro 1909/10 mit einem ProdukrionSertrag von 6 515 000 bis 6 800 000 Tonnen zu rechnen sein, gegen einen Ertrag von 6 502 000 Tonnen pro lOOfyOG, Unter Berücksichtigung der Rohrzuckerernten würde die diesjährige Erzeugung die vorjährige nichr unbedeutend über« ragen. Das mutz bei der starken Konkurrenz die Preise beeinflussen. Dw folgende Aufstellung dringt eine Vergleichung zwischen den jetzigen Tenninpreisen und denen im Mai in den letzten vier Jahren nach Magdeburger Notiz, lob Hamburg. ES notierten Geldkurse pro 60 Kilogramm in Mark: 1905 1906 1907 1908 1909 » 12,10 8,15 10,15 11,60 10,75 Skach dem bisherigen Verlauf der Preisgestaltung am Zucker- markt bleibt uns der Trost, datz wenigstens vieseS fütze NahrungS- mittel, daS leider infolge unserer imsiiinigen Steuerpolitik für die meisten Arbeiter ein reines Genutzmittel ist, nicht wieder in derselben Weise wie das Brot verteuert werden wird. DaS ändert aber wenig an der für die Arbeiter im allgemeinen unerfreulichen Entwickelung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse. Cins?egsn?ene Drudtrcbpiftm. Im Kampf umS Dasein k Praktische Bibliothek. Band IX: Der deutsche Postüberweifungs- und Scheckverkehr. Von S. Moeder. 1 Mark. H. Schneider Nchfl., Pößneck t. Th. Au» Natur»»d Gcifteswelt. IS. Band.— Eruähruug nnd Volks Nahrungsmittel. Sechs Vorträge von Pros. Dr. I. Fientzel. Neu- bearbeitet von Pros. Dr. N. Zuntz.— Bd. 3S. Die Seele des Mensche». Von Prof. Dr. Rehmke.— Bd. 45. Deutsche» Fraueulebc» im Wandel der Jahrhundertc. Von S. Otto.— Bd. ö3. Dampf und Dampf. maschlnen. Bon R. Vater. Einzelband geh. 1 M., geb. 1,25 M. B. Ä. Teubner, Leipzig. Fünfter tnternattonalcr Bericht übrr die Gewerkschaft»- bewcgung 1907. 172 Seiten. Generalkommislion der Gewerkschajlen (E. Legien) Berlin, Engel-User 15. Deutsche Alpen-Zeitung. Herausgeber E. LankeS. Monatlich zwei Hest«. Vierteljährlich 4 Stark. Expedition: München, Finkenstr. 8. »...... St WafferstandS-Nochrichte» der LandeSamtalt für Aewäsicrümde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M« m e l. Tllstt P r e g c l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder. Ratibor , kirosien , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby » Magdeburg am 2t. 5. cm 197 _ 2 292») 198 229 211 76 90 36 —2 -112 131 118 seit 20.6. cro') -3 -11 +42 -20 +6 — 1 —4 —6 —5 —2 —2 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau») . Ztatheno«») Spree, Spremberg») , vecskow Weser, Münden Minden Rhein, MaxiinilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am LI. 6. cm 84 68 124 70 95 —82 4 393 156 143 40 103 31 leit 20. 5. cm1) +8 +3 -14 0 —3 -12 -4 +1 —1 —3 +10 —2 0 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unlerpegel.—•) am 81. 12 Uhr mittags 800 cm. Für REISE und SPORT Cebirgs-Kof?üme«....... wnM, 35� JägcUKopümc........... vonM. 45ÜJ Leinen-Kopümc......... vonM. 16� Bd(?-Ko[?üme.......... ivonM. ÖOIS Sport- RöAe........... von m. 5� Prinzeß-Röcke.......... vonM. 17� Leinen-Kleider.......... vonM, 28� Bdti[?-Kleider........... vonM. 7� Mou([eIine-Kleider........ vonM. 24� Walch-Bluren--- Wafch-Unterröcke Unerreichte Auiwahl Mädchen-Kleidung Knaben-Kleidung- ErftlclnfTiflei Fabrikat R. M. MAASSEN CLatka BERLIN S Deutfchlands größtes Spezial-Haus für Damen-, Kinder-, Sport- u. 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Siedakteur: Carl Wermuih, Bcrlin-Rixdorf, Für den Jnseratenteilverantw.: TH.Glvcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer öc iio., Berlin 8W. h zib! deine KonKurrenz in meiner neuesten Herren-Bekleidung Fertig und nach Maass I. Qualltat— feinste Verarbeitung— billigste Preise gegen Bar und auf Teilzahlaog Woohonrate von 1 e-' ÄÄfcC# an Kein Waren-Kredithaus J. 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Wir sehen in der kapitalistischen Manufaktur die Zusammenfassung vieler Arbeitskräfte, die auf der einen Seite die weitgehendste Arbeitsteilung und auf der anderen Seite das Zusammenfassen vieler Handwerke zu einem Ergebnis ermöglicht. Beides dient der grösseren Ergiebigkeit der Arbeit. Durch die Teilung der Arbeit wird aber auch vorbereitet, daß der mechanische Arbeiter, die Maschine, an Stelle des menschlichen, treten kann. Die Technik erweist sich auch hier als bielleicht der größte Revo- lutionär aller Zeiten. Ihre revolutionäre Rolle hat sich ganz be- sonders auch mit Bezug auf die Arbeitsbedingungen und die soziale Stellung der Frau erwiesen. Die Entwickelung der Werkzeug- und Kraftmaschinerie war es, die die Frau in die gesellschaftliche Güter- erzeugung ganz besonders wieder einführte, nachdem zunächst das handwerksmäßige Arbeitsinstrument mit dazu beigetragen hatte, die Frau aus der gesellschaftlichen Gütererzeugung hinauszudrän- gen. Die Zahl der beschäftigten Frauen in der kapitalistischen Manufaktur schwoll riesig an, als in der Textilindusttie die Spinn- Maschine und die Webmaschine Eingang fanden. Daneben wurde in größtem Matze Kinderausbeutung betrieben. Das kolossale Anschwellen der Frauenarbeit erfolgte, nachdem der Dampf seinen Siegeszug angetteten hatte. Die bürgerlichen Revolutionen rissen die Schranken nieder, die der vollen Entfaltung der kapitalistischen Produktion noch hinderlich waren. Schon zu jener Zeit erklärten Frauen, die Frau sei als Persönlichkeit dem Manne gleich und sie haben auf Grund des allgemeinen Menschenrechts Anspruch auf Gleichstellung mit dem Manne. Viel nachhaltiger als die englische Revolution hat die französische Revolution auf das Erwachen der Frauen zurückgewirkt. In Frankreich haben ja die Frauen regen Anteil an der Revolutton genommen; allerdings haben auf der anderen Seite auch Frauen die Sache der Reaktion verfochten. Ausflüsse der Klassenscheidung machten sich so geltend. Wichtig ist, daß arbeitende Frauen sich in Eingaben an die Nationalversammlung sofort bestrebt zeigten, ihre Lage zu verbessern. Unter den Stürmen der französischen Revo- lution ertönt auch zum erstenmal der Ruf nach der vollen polittschen Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts. Er blieb erfolglos. Vom Standpunkt des philosophischen Naturrechts aus wurde er be- gründet und so mit rein gefühlsmäßigen Gründen gerechtfertigt. Mit gleichwerttgen Deklarationen trat man ihm entgegen. Der Konvent verfügte sogar die Auflösung aller Frauenvereine. Aus dem politischen Leben der Revolution wurden die Frauen mit Ge- Walt vertrieben. Von der bürgerlichen Revolution konnte man nicht verlangen, daß sie den Frauen politische Rechte gab. Der Zweck der bürgerlichen Revolution lvar der, die Zunftschranken zu zer- trümmern, die Hindernisse wegzuräumen, die der kapitalisttschen Entwickelung entgegenstanden. Damit wurden die Grundlagen für die gesellschaftliche Tätigkeit der Frauen befestigt, auf denen der Kampf um die soziale und politische Gleichberechtigung erwächst. Moralische Einwirkung, die Hebung des Persönlichkeitsbewußtseins der Unterdrückten, machten sich auch beim Weibe bemerkbar. In der modernen kapitalistischen Gesellschaft ist die gewaltige Berufstätigkeit der Frau zu einer sozialen Masscnerscheinung ge- worden. Millionen von Frauen arbeiten gewerblich, namentlich auf dem Gebiete proletarischer Berufstätigkeit. Die Frau in der großen Industrie hat bewiesen, daß sie eine selbständige wirtschaftliche Existenz zu führen vermag.— Den Charakter und die Konse- qucnzen der proletarischen Frauenarbeit wird der nächste Vortrag behandeln, weshalb Rednerin auf die Frage nicht näher einging.— Sie verwies darauf, daß die nach und nach infolge der technischen Entwickelung durchgeführte Befreiung der Frau von der alten umfangreichen hauswirtschaftlichen Tätigkeit den Frauen der Besitzenden zugute gekommen sei. Dann legte sie die Gründe für die Erwerbstätigkeit der bürgerlichen Frau dar. Im Gegensatz zu der im zweiten Vortrag erwähnten Groß- familie, ist jetzt die Familie zu einer kleinen Einheit zusammen- geschrumpft, die nur zusammen verzehrt, nicht aber zusammen erzeugt. Es ist unmöglich, in dieser kleinen, nichts mehr erzeugen- den Einheit eine größere Anzahl weiblicher Familienmitglieder zu haben, die unselbständig sind. Das ist die Ursache für den Ruf nach Francncrwerb in den Kreisen der bürgerlichen Frau. Aber auch andere Kräfte machen sich geltend. Das Großkapital trium- phiert auf der ganzen Linie über das kleine. Die bürgerliche Existenz wird vielfach immer unsicherer und abhängiger. Die Zahl der Ehen nimmt ab. Das Alter für die Eheschließung wird immer mehr hinausgeschoben. Kein ökonomischer Zwang nötigt heute den bürgerlichen Mann, sich zu verehelichen, und auch geschlechtlich findet er, was er wünscht, dafür sorgt schon die Ausbeutung des Prole- tariats. So ist das Bedürfnis nach Erwerbsarbcit für das weibliche Geschlecht in bürgerlichen Kreisen gegeben. Dazu komnit, daß die ganze geistige Entwickelung an der Frau, auch an der bürgerlichen, nicht spurlos vorübergegangen ist. Sie fühlt sich mehr als Persön- lichkeit. So wächst auch in der bürgerlichen Welt das Verlangen nach selbständiger Berufstättgkeit der Frau.— Zum Schluß würdigte die Vortragende die hohe Bedeutung der Frauenarbeit in der kapitalistischen Gesellschaft. Die Berufstätigkeit der Frau, gleich, auf welchem Gebiet sie sich vollzieht, hat den Nachweis für die wiri- schaftliche Selbständigkeit der Frau von der Familie erbracht und bewiesen, daß die Frau als gleichwertige produktive Kraft neben dem Manne auf dem Gebiete der gesellschaftlichen Gütcrcrzcugung und der gesellschaftlichen Kultur steht. Daraus erwächst die For- dcrung der sozialen und politischen Gleichberechtigung der-Frau. Es ist aber auch damit das alte Märchen zerstört, als ob die Frau innerhalb der Familie von der Gnade und den Almosen des Mannes existiert. Denn es ist die Aufmerksamkeit auf die sozialen Ver- pflichtungen gelenkt worden, welche die Frau auch in der Familie erfüllt. Die Legende, als ob die Frau in der Familie die Wirt- schaftlichc Brotgängerin, die wirtschaftliche Ausgehaltene des Mannes sei, ist zerstört, der soziale Wert der Frauenbetätigung im Hause ist erwiesen.(Lebhafter Beifall.) Der nächste Vortrag, der„Charakter und Konsequenzen der proletarischen Frauenarbeit" behandelt, findet wieder bei Keller (Freher), in der Koppensttaße 29, statt, und zwar am Dienstag, den 25. Mai. Es sind Karten für den Einzelvortrag zu haben, Hoffent- lich wird davon ergibiger Gebrauch gemacht, So2ia!es. Ländliche Wohnungen. Erschreckende Zustände über die ländlichen Wohnungen deckt auch der soeben erschienene Beri cht über das Gesundheitswesen des preußischen Staates vom Jahre 1907 auf. Im Kreise L a b i a u hat der Kreisarzt in 40 ländlichen Ortschaften 922 Wohnungen besucht und noch Häuser gefunden, die keine S ch o r n st e i n e hatten und bei denen der Rauch sich einen Ausweg durch das Stroh- und Schilf- dach suchen muß. Die kleinen Wohnungen in Darkehmen „gewährten meist einen bedauerlichen Anblick", sie lagen meist in Hinterhäusern ohne genügende Licht- und Luftzufuhr, mit feuchtem und schlecht verputztem Mauerwerk und schadhaften Fußböden. Im Regierungsbezirk D a n z i g gibt es noch Wohnungen,„in denen das Klosett frei, ohne Verschlag in der Küche untergebracht war"! Eine Wohnung, ans zwei fast dunklen Räumen bestehend, erklärte der Kreis- arzt im Landkreise G ö t t i n g e n für untauglich. Als schlecht werden besonders viele Wohnungen auf den Gütern im Kreise Königsberg bezeichnet. In den Wohnungen der Jnstleute und Knechte findet man„noch viel- fach Fußböden aus Lehmschlag oder Ziegelsteinen und kleine Fenster, die Schießscharten ähneln." Im Kreise Anger- bürg, wo 63 Prozent der Häuser teils Lehm-, teils Holz- Häuser mit Stroh- oder Rohrbedachungen sind, waren in 15 Fällen die Fenster nicht zum Oeffnen ein- gerichtet. Dasselbe wird berichtet aus dem Kreise K ö s l i n, wo man noch„vielfach alte, mit Stroh gedeckte Lehm- fachwcrkhäuser mit niedrigen, nicht zu öffnenden Fenstern" antrifft. Die Wohnungen der ländlichen Gutsarbeiter befinden sich im Reg.-Bcz. Brom b er g oft in einem„besonders elenden Zustande". Meist haben die einzelnen Familien nur einen Raum zur Verfügung, der durch einen eisernen Ofen heizbar ist.„Bei strenger Kälte muß der Ofen oft spät abends noch einmal angeheizt werden. Bei dem schlechten Zustande der Oefen dringen oft Heizgase in das Zimmer. Auf diese Weise kam in Groß-Slonsk, Kreis Strelno, in einer Arbeiterfamilie eine Kohlenoxydgasvergiftung zustande, von der fünf Personen betroffen wurden und der ein achtjähriger Knabe erlag!" Zahlreiche Oefen mit Ofenklappen fanden sich im Kreise Angerburg vor. Im Regierungsbezirk All enstein sind auf dem Lande „noch häufig alte, dem Einsturz anscheinend nahe Arbeiter- und auch Besitzerwohnungen mit defektem Strohdach, morschen und undichten Wänden aus Lehm oder Holz, niedrigen, schlecht belichteten Stuben und unebenen Lehmfußböden" zu finden. Im Kreise Darkehmen waren 12 Häuser in„derartigem Zustande, daß sie nicht den not- wendigen Schutz gegen Witterungseinslüsse gewähren konnten." Nicht einmal die Baupolizeivcrordnungen finden genügende Beachtung. So sind im Kreise Schweinitz, Reg.-Bcz. Merseburg, selbst in Neubauten Räume mit nur 2 Meter lichter Höhe als Wohn- und Schlafräume be- nutzt. Im Kreise Schleusingen hat der Kreisarzt„w i e d e r- holt Schlafkammern gefunden von 1,95 Meter lichter Höhe und 22 Kubikmeter Raumgehalt, worin eine IVköpfige Familie in drei Bettstellen schlief". Im Kreise Bitterfeld wurden Neubauten auf zu- geschütteten Teichen errichtet mit so hohem Grundwasserstand, daß die Kellersohlen ständig unter Wasser stehen. Aus dem Regierungsbezirk Hannover, den Kreisen Hoya, Syke, Sulingen und Diepholz wird be richtet, daß die Wohnungen vielfach mit den Stallungen für Pferde und Rindvieh unter einem Dache vereint sind; ebenso im Regierungsbezirk H i l d e 3 h e i m, wo sich noch außerdem in den minderbegüterten Gemeinden häufig enge Wohnungen vorfinden,„besonders lassen die Schlafräume noch viel zu wünschen übrig". In schlechtem Zustande sind meist die Mietshäuser der Häuslinge, die Tagelöhnerhäuscr auf den größeren Gütern und die Schlafräume des ländlichen Gesindes im Kreise Isenhagen, Regierungsbezirk Lüne bürg. In den Kreisen Aschendorf, Bentheim, Hümmling, Lingen und Meppen, Regierungsbezirk Osnabrück, finden sich noch häufig S ch l a f b u tz e n. Die schlechte Beschaffenheit der Wohnungen wird noch vermehrt durch andauernde Feuchtigkeit der Wände, derart, „daßdasWasserandenWändenherunterlief" (Hildesheim). Hinzu kommt, daß sehr häufig Aborte fehlen. „Im Kreise Hofgeismar gibt es Orte, wo nur die Wohnungen des Pfarrers und Lehrers mit Aborten versehen sind In Schlüchtern, Regierungsbezirk Kassel, wurden vom Kreisarzt zwei Wohnungen für unbewohnbar erklärt, einmal, weil die Räume derart niedrig waren, daß ein Mensch darin nicht aufrecht stehen konnte, einmal wegen Hausschwamm. Alles in allem: Die ländlichen Arbeiter hausen in größtenteils menschenunwürdigen Wohnungen. Sie bringen den dritten Teil ihres Lebens in aller Sittlichkeit und Hygiene hohnsprechenden Schlafräumen zu, und da wundern sich die tunker über die Leutenot. Sie sollten lieber die auf diesem ebiete liegende Not der Leute beseitigen. Tuvcrkuloscbckämpfnng. Gestern wurde die 13. Generalversammlung des deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose abgeljalten. Staatsminiftcr v. Bcthmann-Hollwcg wies in seiner Eröffnungs- rede auf die große Bedeutung der Auskunfts- mid Fiirforgestellcn als vorbeugender Maßregeln gegen die Tuberkulose hin. Besonders wertvoll würden diese Stellen werden, wenn cS ihnen gelingt, die Desinfektion der Wohnungen zu fördern, in denen sich Schwindsüchtige befinden oder befunden haben. Die Volks- belehrung über das Wesen der Tuberkulose suche das Komitee durch Tuberkulose-Wandermckseen zu ergänzen, in dcjnen dem Publikum der Anschauungsstoff unter belehrenden Vorträgen vor- geführt wird. Ein solches Museum sei zuerst auf dem vorjährigen internationalen Tuberkulose-Kongreß in Washington, auf dem das Zentralkomitee vertreten war, gezeigt worden. Gegenwärtig wandere es durch Teile der Rheinprovinz und der Pfalz und er- freue sich eines so regen Besuches und so lebhafter Nachfrage aus anderen Landesteilen, daß die Zusammenstellung zunächst eines zweiten Museums beschlossen sei. Das ständige Museum in der Ausstellung iär Arbeiterwohlfahrt bleibt daneben bestehen. Der unter die Aufgaben des Zentralkomitees aufgenommenen Be- kämpfung des Lupus diene eine besondere Kommission. Nach einer zunächst angestellten Enquete befinden sich in Deutschland etwa 11000 Lupuskranke in ärztlicher Behandlung, doch dürfte die Zahl der Lupösen überhaupt wohl auf das Dreifache zu schätzen sein. Prof. Dr. Kirchner bezeichnete als feststehend, daß die Ränder- tuberkulöse nur in ganz seltenen Fällen der Erreger der Lumgen- tuberkulöse sei. Die Hauptquelle der Tuberkulose sei der Mensch selbst, nicht der Staub und nicht die Rinder. Wer da weiß, wie groß die Zabl der Bevölkerung ist, die nur ein Zimmer hat, uno wer weiß, wie vielfach die arme Bevölkerung nicht einmal in der Lage ist, für jedes Mitglied der Familie ein eigenes Bett zu haben, sei sich klar darüber, daß der Tote in' der Wohnung den Hänter- bliebcncn ein trauriges Erbe hinterlasse. Die DeSinfektian müsse auch am Krankenbette stattfinden. Wenn die Aerzie die dankens- werte Aufgabe erfüllen, die Angehörigen der Tuberkulösen zur Desinfektion zu erziehen, so werde der Kamps gegen die Tuber- kulose kein aussichtsvoller sein. Deutschland habe in der Be- kämpfung der Tuberkulose viel erzielt. Vor 30 Jahren bamen auf 100 050 Eintpohyiw 330 Luv�enlrsnle in.Preußen, im letzten Jahre nur noch 170, also die Hälfte;-aber auch diese Zahl mahne, die Hände nicht in den Schoß zu lege/n. Regierungsrat Dr. Hamel hielt noch einen Vortrag über di: Tuberkulosebekämpfung in den Vereinigten Staaten, insbesondere in New Uork. Er wies darauf hin, daß dort die Anzeigepflicht besteht und die Desinfektion aufs Kosten der Gemeinde durch- geführt wird. So notwendig Desinfektionen und insbesondere Aufklärung über die Gefahren der Tuberkulose ist, so wenig darf man sich der Tatsache verschließen, daß in der übergroßen Zahl von Fällen der Keim der Schwindsucht durch unzureichende Ernährung und schlechte Wohnungsberhältniffe gelegt wird. Die auf Verteuerung der uotwendigsten Lebensirrittel gerichtete Gesetzgebung und die Hinderung der Arbeiterkleffsc bei ihrem Kampf um Besserung ihrer Lebenshaltung trag-en die wesentlichste Mitschuld an der Verbreitung der Tuberkulose. Bei allen schönen Reden über Not- wendigkeit der Auftlärung und Desinfektion sollten die Herren, die solche Gesetzgebung� Verwaltung und Justiz billigen, nicht vergesse», daß sie selbst eine Hauptschuld an der Ausbreitung der Tuberkulose tragen. �_ Hungcrkiinstler gesucht. Der Magistrat von Landeshut in Schlesien veröffentlichte dieser Tage nachfolgendes Inserat: „In unserer Stadtverwaltung können zwei Bureaueleven mit guter Schulbildung eingestellt werden. Bevorzugt werden solche, die die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst nachweisen können. Im ersten Dienstjahre wird eine monatliche Eni- schädigung von 10 Mark, im zweiten eine von 20 M. und im dritten eine solche von 30 M. gezahlt. Dann erfolgt bei guter Führung Weilerbeschäftigung als Gehilfe mit einem Gehalt von monatlich 50 M., also jährlich 900 M. Dieses steigt pro Jahr um 100 M. bis zun? Höchstbctrage von 1000 M. jährlich." Um nach dreijähriger Elebenzeit ein monatliches Gehalt von 50 M. in Aussicht zu haben, vorausgesetzt noch gute Führung, dazu braucht man also in Landeshut höhere Schulbildung. Auch ein Bei- trag zur Lage des Stehkragenproletariats. Gerichts-Leitung. Schutz gegen Schutzleute. Wegen Körperverletzung im Amte und unberechtigter Festnahme ist am 23. Januar voin Landgericht Dortmund der Polizeiwachtmeister Friedrich M e r t i n zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt Ivorden. Sein Kollege Henning hat vier Monate erhalten. Außerdem ist jeder noch zu einer Geldstrafe von 250 M. verurteilt worden. Der Bergmann B. war mit einem anderen Vergmannc in einer Wirtschaft gewesen und hatte heimlich eine Flasche Schnaps mitgenommen, die ihm wieder abgenommen wurde. Später kamen die beiden wieder und stellten sich vor das Fenster. Der Wirt ließ die Polizei rufen. Henning kam, warf B. zu Boden und schlug ihn mit dem Säbel. Mertin kam hinzu und schlug ebenfalls mit dem Säbel auf B. los. Dann ließen beide den B. laufen. Dieser ging mit seinem Freunde nach Kaiserau zu. Er setzte sich unter- wegs erschöpft auf einen Stein. Die Angeklagten kamen hinzu und Vertrieben ihn. B. konnte aber nicht gehen und setzte sich aber- mals. Mertin wies nun Henning an, den B. zu k n e b c l n. Beide schleppten dann den B. fort. Als dieser hinsiel, zerrten ihn die Angeklagten eine Strecke weit hin. Dann holten sie einen Wagen und brachten B. auf demselben in die A r r e st z e l l e in Kaiserau. In dieser befand sich schon ein anderer Gast. Mertin ging zu diesem hinein und versetzte ihm einige S ch l ä g e i n s G e s i ch t. B. bat um Herbei- holung eines Arztes; dieser Wunsch wurde aber erst am anderen Morgen erfüllt. Vier Wochen war B. arbeitsunfähig. Die Revision des Hennings ist schon vor einiger Zeit ver- worfen worden. Die des Mertin gegen das milde Urteil kam ani Freitag vor dem Reichsgerichte zur Verhandluug. Das Reichsgericht verwarf die Revision. Zu bedauern ist, daß die Höhe der Strafe für die feigen Handlungen der„Schutz"lente nicht nach Jahren be- messen ist._ Schmerzloses Zahnziehen. Der Kampf der Zahnärzte gegen die Zahnkünstlcr, Dentisten, Zahnkliniker, oder wie die Herren sonst heißen mögen, die des Menschen Kauwerkzeuge tu Behandlung nehmen, ohne dazu ap- probiert zu sein, spiegelt sich jetzt in zahlreichen Anklagen wegen Uebertretungen mancherlei Art wider. Gestern hatten sich nicht weniger als 12 Dentisten und Zahntechniker wegen unlauteren Wettbewerbes bezw. wegen Beilegung eines ärztliche» Titels vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Die Strafanträge waren durchweg vom zahnärztlichen Standesverein gestellt. In erster Instanz haben verschiedene Schöffengerichte über die Angeklagten zu Gericht gesessen, und so ist es gekommen. daß ein Teil von ihnen freigesprochen wurde— teilweise sogar auf Antrag des Staatsanwalts selbst—, ein anderer Teil verurteilt wurde. Gegen die Freisprechung hatte der Staatsanwalt, gegen die Verurteilung hatten die davon betroffenen Angeklagten Bc- rufung eingelegt. Der unlautere Wettbewerb wurde darin ge- funden. daß die Angeklagten auf ihren Hausschildern„Schmerz- loses Zahnziehen" allen den Personen in Aussicht stellten, die„der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" billig, danerhaft und elegant von einem Störenfriede in ihrem Munde sich befreien lassen wollten. Da es nach Ansicht der Zahnärzte ein völlig schmerzloses Zahnziehen ohne jede Einschränkung nicht gibt, so wird in jener Ankündigung der Versuch erblickt, durch unwahre Behaup- tungen den Anschein eines ganz besonders günstigen Angebots zu erwecken.— Die Angeklagten verwiesen demgegenüber darauf, daß Schilder mit dieser Inschrift seit 25 Jahren unbeanstandet geführt würden, und in Berlin jeder ängstliche Patient genau wisse, daß es sich bei solchem„schmerzlosen Zahnziehen" im wesentlichen um eine starke Herabminderung des Schmerzes handle. Im übrigen werde bei einer kunstgerecht ausgeführten Narkose, die unter ärzt- licher Assistenz stattfinde, auch örtliche Schmcrzlosigkeit erzielt. Die Angeklagten behaupteten, daß die jetzigen Verfolgungen auf„Brot- ncid" der Zahnärzte zurückzuführen seien, die angesichts des in Aussicht stehenden Kurpsuschergesetzcs mit Maffendenunziationcn geschickt operierten, um recht viele Bestrafungen zu erzielen, und dann den gesetzgebenden Faktoren auf Grund dieser vielen, nicht näher bezeichneten Strafen unterbreiten zu können, wie unzuver- lässige Leute diese Deittisten seien.— Diese Behauptung bezeichnete der gerichtliche Sachverständige, Zahnarzt Dr. Ritter, als ganz un- zutreffend. Er meinte, daß generell ein„schmerzloses Zahnziehen" nicht versprochen werden könne, und in den Bezeichnungen„Zahn- klinik",„praktischer Dentist" und dergleichen die Benutzung eines arztähnlichen Titels zu erblicken sei.— Der gerichtliche Sachverständige für Zahntechnik. Dentist Imming bestätigte, daß solche Schilder seit vielen Jahre» unbeanstandet geführt werden. Wenn man schon vor 25 Jahren das Wort„schmerzlos" anwenden konnte, so könne man doch angesichts der Tatsache, daß die Betäubungs- mittel seitdem sich wesentlich entwickelt haben, den Angeklagten den guten Glauben nicht absprechen. Er selbst ais praktischer Dentist, der nicht„schmerzloses Za'hnzichen" anpreise, habe nicht die Empfindung, als o.b er durch jene Schilder beeinträchtigt werde. — Assessor Neimaim beantragte die Verurteilung der Angeklagten bezlv. Verwerfung der von einigen eingelegten Berufung.— Rechtsanwalt Heine beantragte dagegen auf Grund tatsächlicher und rechtlicher Erwägungen die Freisprechung.— Das Gericht hielt unlauteren WetibeioerV' für vorliegend, da durch die betreffende Ankündigung auf den Schildern im Publikum der Glaube erweckt lvcrde, daß es sich um ein duirch ganz besondere Kunstfertigkeit be- wirktes schmerzloses Zahnzi�en handle. Tie Angeklagten wurden zu je S M. Geldstrafe verurttvlt bezw. ihre Berufung verworfen. Der Streit im SchöAeberger Stabtparlament. beschäftigt jetzt wiederholt das.Gericht. Gestern wurde vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberfa eine Privatklage verhandelt, die der Schriftsteller Louis Levp(LuVwig Efchtocge) gegen die Schöne- bcrger Stadtverordneten Lulan, �andmaun und de» früheren Stadtverordnetenvorsteher, Stadtbau. rat a. D. Lohausen, angestrengt hatte. Der Privatkläger hatte gegen die Mitglieder der sogenannten »Fraktion Haberland" in Artikeln tV-r.Bank" und der„Boden- reform" Artikel gerichtet, in loelche» er sie beschuldigte, nur Draht- puppen in der Hand des Kommerzien�ats Haberland zu sein und für dessen Interessen zu wirken. In meiner hiergegen gerichteten Erklärung hatten die drei Angeklagten diese Beschuldigung als „Verdächtigung gemeinster Art" zuaickgctuiesen. Diese Beleidigung bildet den Gegenstand der Privatklage. �?ür die Angeklagten, die Widerklage erhoben haben, wiesen die Rechtsanwälte Dr. Flatau und Dr. Marwitz darauf hin, daß man cynem Stadtverordneten keinen schlimmeren Vorwurf machet könne., als wenn man ihn beschuldige, nicht die Interessen der Stadt, sondern die Interessen eines Privatmannes wahrzunehmen. Dies sei.der denkbar schwerste Angriff gegen die Mannesehre eines Vertretet"« der Bürgerschaft. und zu einem solchen Angriff habe nicht der geringste Anlaß vor- gelegen.— Rechtsanwalt Eschcnbach überreichte»namens des Privat- klägers zahlreiche Bcweisanträge. Er beantragtse u. a. zu laden: den Oberbürgermeister Wilde, den Kämmerer Machowicz, den Stadtbaurat Gerlach, die Stadtverordneten Rechtsavnwalt Gottschalk, Architekt Kraaz und Justizrat Reinbacher.— Dii' Rechtsanwälte Dr. Flatau und Dr. Marwitz beantragten dagegen ive Vernehmung mehrerer Zeugen, um zu beweisen, daß der Privatklaner die Artikel nur geschrieben, um damit Aufsehen zu erregen und feinen eigenen Namen in die Oeffcntlichkcit zu bringen. Ferner wuride beantragt, den Kommcrzienrat Haberland zu laden, außerdem mehrere Per- sonen, die Vorkommnisse aus der Zeit bekunden sollen, als der Privatkläger Handelsredakteur der„Nationalzeitung" war.— Rechtsanwalt Eschenbach erklärte sich mit der Erhebung sämtlicher Beweise durchaus einverstanden. Die Beweise sollew erhoben werden; die Verhandlung wurde zu diesem Zweck vertagt. Eine jugendliche Mörderin. DaS am 2. September 18L2 in Waldheim geborene Dienst- madchen Krompos, das am 20. April im Cafe Humboldt in Franken- berg die Kellnerin Menzel mit dem Beil erschlug und beraubte. wurde vom Chemnitzer Jugendbericht gestern, wie un» telegraplhisch mitgeteilt wird, zu 12 Jahre» 1 Woche Gefängnis verurteilt. Unzüchtig? Bekanntlich hat daS Reichsgericht das Landgerichtsurteil be- stätigt, das den Redakteur der„Welt am Montag" und den Schrift- steller Oswald wegen der Skizze„Als Berta verliebt war", zu Gelb- strafen verurteilt. In dem Urteil findet sich nach der Darlegung, daß die Skizze den Betrieb eines Kupplerquartiers in Klein- Malerei wiedergab, folgender für die Auslegung des Begriffs »unzüchtige Schrift" charakteristischer Passus:„Diese Kleinmalerei sei unter gewissen Umständen(gemeint ist wohl eine Buchpublika- tion) nicht unzüchtig, hier verletze sie aber das Scham- und Sitt- lichkeitsgefühl des normalen Lesers in geschlechtlicher Beziehung, da sie in einer Tageszeitung veröffentlicht sei." Bis aus wcUercS täglich: Faust.(Ansang (Kammersplele). Sonntag: Der Arzt Frühlings Erwachen. Dienstag, Mittwoch am Scheidewege. Freilag: Frühlings Er- Der Arzt am Scheidewege. Die Dollarprlnzcssin. QClochcii-8pielptan der ßerUncr Cheater. ftänigl. Opernhaus. Sonnlag: Nienzi.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Elektro.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Der fiiegende Holländer. Mittwoch: Versiegelt. Marie, die Tochter des Regiments. Donnerstag: Ein Winter- Märchen. Freitag: Tannbäuser. Sonnabend: Colberg. Sonntag: Lohen- grw.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Margarete. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Rabcnsteinerlii. Montag: Die Karolinger. Dienstag: WaS ihr wollt. Mittwoch: MrS. Dot. Donners- lag: Die Braut von Mefsina. Freitag: Die Karolinger. Sonnabend: "igaroS Hochzelt. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Die Karolinger. 'nsang 7'/„ Uhr.) Neues konigl. Overn-Theater. Sonntag: Doktor KlauS. Montag bis Sonnabend geschlossen. Sonntag, 30. Mai: Faust. Montag: Mignon. (Ansang 7'/, Uhr.) Tcutschcs Theater. 7 Uhr.) Deutsches Theater. am Scheidewege. SRonIag: und Donnerstag: Der Arzt.MW wachen. Sonnabend, Sonntag und Montag: Der Arz! (Anfang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Bis ans weiteres täglich: (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends bis auf weiteres täglich: Ein Herbstmanöver. Nächsten Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelin. AbendS: Ein Herbst- Manöver.(Anfang 8 Uhr.) Neues Schauspielhans. Bis aus weiteres täglich: Mahö.(Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 2X2— 3. Wends bis aus weiteres täglich: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag: NachmiiiagS 3 Uhr: 2X2= 5. Neues Theater. Bis auf weiteres täglich: Tricoche und Cacolet. Anfang 8 Uhr) Ncsidriiz, Theater. Bis auf weiteres täglich: Kümmere dich um Amelis.(Zlnfang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Fledermaus. Abends: Carmen. Montag: Die verkaufte Braut. Diensiag: HosimannS Erzählungen. Mittwoch: Tiefland. Doiiiierstag! Carmen. Freitag: Tiefland. Sonn- abend: HostmnnnS Erzählungen. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ties- land. Abends: ToSca. Montag: Tiefland.(Anfang 8 Uhr.) debbel-Thcater. Sonntag: Iran Warrens Gewerbe. Montag: Revolutionshochzeit. Dienstag: Frau WarrenS Gewerbe. Mittwoch: RevolutionShochzeit. Donnerstag: Frau WarrenS Gewerbe. Freitag: Hohes Spiel. Sonnabend: Frau Marrens Gewerbe. Sonntag i HoheS spiel. Montag: RevolutionShochzeit.(Anfang 8 Uhr.) Trio noii- Theater. Bis auf weiteres täglich: LieveSgewItter(An- fang 8 Uhr.) Neues Operette»> Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr! DaS verwunschene Schlotz. Abends bis auf weiteres täglich: Der Zigeuner- baron.(Anfang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Das verwunschene Schloß. Lilstspielllaua. Sonntag: Nachmittags g Uhr: Im Klubsessel. Abends bis Mittwoch: Im Klubsessel. Ab Donnerstag: Der Liebling der Damen. Ein FreundschastSdienst.(Ansang 8 Uhr.) Theater deS Westens. Sonntag: Nachmittags 3'L Uhr: Ein Walzcrtramn. Abends:• Die lustig« Witwe. Montag: Ein Walzertraum. Dienstag: Der tapiere Soldat. Mittwoch: Ein Walzertrau«. Donners- tag: Die lustige Witwe. Freitag: EM Walzertraum. Sonnabend: Die lustige Witwe. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Die lustige Witwe. Abends: Ein Walzertraum. Montag: Die liistige Witwe.(Ans. 8 Uhr.) SchiUer-Tbeater O. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr? Ein Volksfeind. Abends: Das Erbe. Montag: Vater und Sohn. Dienstag und Mittwoch: Jungser Obrigkeit. Donnerstag und Freitag: Vater und Sohn. Sonn- abend: Die Karolinger. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: EharleyS Tante. Abends: Doktor KlauS. Montag: Jungfer Obrigleit.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Theater Chnrlottenburg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Rechts herum. Abends: Doltor Klaus. Montag: Narziß. DienSlag und Mittwoch: Bresters Millionen. Donnerstag: Narziß. Freitag: BrestcrS Millionen. Sonnabend: Doktor Klaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: TSUHclm Tell. Abend»: BresterS Millionen. Montag: Narziß.(Ans. 3 Uyr.) Stettiner Sänger. Der Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Nach- mittags 3 Uhr: Schlagende Weiler. Abends und Montag: Der Kilometer- sresser. Dienstag: Die Stebzehnjährlgen. Mittwoch: Die beiden Leonoren. Donnerstag: Der Dorsthrann. Freitag und Soimabcnd: Die beiden Leonoren. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Husarensieber. AbendS: Ter KiloMelersresser. Montag: Die beiden Leonoren.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Bis aus weiteres täglich: Hans Huckebein.(8 Uhr.) Luiscii-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends läglich: Krone und Fessel.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Operetten-Theater iSW. Sonntag: Cyprienne. Von Montag bis Freitag geschlossen. Sonnabend und Sonntag: DaS Teufel-- weib.(Ansang 8>/z Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Gastspiel-Theater. Bis aus weiteres täglich: Lord Lister, Der große Unbekannte.(Anfang 8'/. Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Bernhard Rose- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Leiermami und fein Pflegekind. Abends bis auf weiteres täglich: Das Mädchen ohne Ehre.(Ansang 8 Uhr.) FolieS Eaprice. Allabendlich: Allein endlich. Ungerade Tage. (Anfang 8'/. Uhr.) Kasino. Sonntag: Nachmittags 4 Uhr: Ackermann. Allabendlich: Das Opferlamm.(Anfang 8 Uhr.) Mctropol, Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend. An- sang 3 Uhr. Reiehshallen- Theater. Zlllabcndlich: Kompaanicvall.-Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Apollo-Tbeatrr. Allabendlich: Spezialitäten. Paffag«. Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Palast-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania> Tbeaeer. Taubcnstraße 48/43. Sonntag: Don der Zn�- spitze zum Watzmann. Montag: Der Montblanc. Dienstag: Durch Dänemarl und Sndschwcden. Mittwoch: Bon Abbazia bis Korsu. Bon Donnerstag bis Sonntag: Rom und die Campagna. Montag: Un. bestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. ßnefharten der Redaktion. SU(nriBtfrti« Svrcchftlinde flnbel Lindenftrahe Nr. 9, zweiter Bot. dritter Elngnni), vier Treppen, W~ F a h r st u h l-»cg •.«orfinltnnlirt, adcndS von?>/, did v'f, NI>r ftatt. Geässnet? Nlir Sonnabend? begiuui die evrechstund« in» ft Übe. Jeder älnfroa' ist ein Buchstabe n»d ein».-Zahl alS vlrrtzeichen beiziisüaen. Brieslichc Autwort wird nicht erieili. Bis zur Beautwortung im Brieskaften könueu 44 Tage veraeben. Siliae Jraae»«rase man iu der Lvrechstuude vor. F. W. Sl. Leider sind Sie zum Ersatz des vollen Schadens ver- pflichtet.- K. 91. M. 09. 1. und 3. Ja. 2, Nein.— Alter Abonnent 4. Eine Klage hätte Aussicht aus Erfolg.— W. B. 15. Nicht gegen den Gutsbesitzer, sondern lediglich gegen den Unterstüzungs- verband(Gemeinde) hätte der Betreffende einen Anspruch.— Albert Hoch. Keineswegs.— R. Drescher 10. Gegen das Zeugnis wird sich im Klage- wege nichts ausrichten lassen. Hingegen erscheint eine Klage aus Zahlung deS dreimonatlichen Gehalts nicht aussichtslos, wenn nicht elwa der Vertrag für den Vater ungüiistige Vorschristen enthält.— O. I. 50. 1. Die Ein- willigung des ValerS gebrauchen Sie nicht. 2. Km zsichligkeit, die die Ein- stellung zum Dienst nicht ausschließt.— W. H. 99. 1. LangheincrSdorf. 2 Der berechtigte Einspruch der NlchltranSporlsähigkeit greift durch. Die Gemeinde hätte weiter zu zahlen. Der Einspruch geht an de» KreiS- auSschuß.— W. K. 94. Ja.— A. E. 7. 1. Ja: Sie müßten das dem Anwalt mitteilen und ferner dem Gericht, daß Sie auf daS Armen- recht verzichten. 2. Chaussecstraße 123.— M. Z. 100. t. Sie lönnteu tn unserer Expedition die früheren Nummern einsehen. 2. Eine Prioalklage hätte Aussicht aus Erfolg, vielleicht auch eine Mitteilung an den Tierschutzverein. — H. K. 44. Polizeiliche Beglaubigung ist erforderlich.— Ernst Wrud 100. Der Ehebruch Ist nur strasbar, wenn wegen desselben die Ehe geschieden ist und der beleidigte Ehegatte Strasanlrag stellt. Der Strasanlrag ist unteilbar, deshalb richtet sich das Versahren gegen beide. Die Hingabe oder Annahme von Geld ist für bie Schuldsraae unerheblich. — Polizcn 120. Ja.— A. K. 29. 1. Nein. 2. Jede Gemeinde setzt durch Beschluß fest, wieviel Prozent Steuerznschlag zur Staaltsleuer als Gemeindestruer erhoben werden soll. 3. und 4. Reihen Sie die Re- klamation an den Vorsitzenden der VeranlagungSkommission ein. 5. Ja. — F. 909. 1 und 2. Nein. 3. Die Kinder können Erbteilunz ver- langen.— O. G. 100. Nur wenn daS Gericht annimmt, daß bei ordnungsmäßiger Aussicht der Schade» nicht entstanden wäre. A Hodimodeme Sacco- flnjüge Nur eigene Erzeugnisse HSckiste Leistungsfähigkeit VieJe Tausende Exemplare auserlesenster Neuheiten votjüglichster Passformen 60.-, 55.-., 50.-, 45.-, 40.-,36,-, 1(TOO 33.—, 30.— ,?7.— ,24.—»21,— ,18.—, I«Jh. Panama- Hüte 30.-, 21.--, 15.-, 10.-, 8.- 4.50£ h. Stroh-Hüte ät OK 6.-, 4,-, 3 j—, 2,25, 1.50, 75,£ Brunnenstraße 198 BERLIN N. am Rosenthaler Tor. Sonntag, den SS. Hai, ge&ffnct von 8—10 n. 12—6 Uhr. SoziaWeraokpaüsclierWaWyerEiD für den i Berliner Reielistapalilkreis frankfurter Viertel. Bezirk Sir. 319. Den Mit gliedern zur Nachricht, dag unlcr Genosse, der Arbeiter Ködert t.auterbacd AndreaSstr. 25 geflorbm ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Mai, nach- mittags i Uhr von der Leichen- Halle des Zlndreas-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. 217/20 Der Borttand. Deutscher [Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, I dag unser Mitglied, der Arbeiter I ködert l.suterbscd am 29. d. Mts. an Lungen- schwindsucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Andreas-Kirchhojes in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung-erwartet 117/12 Die Ortsverwaltung. Am 20. Mai. abends 10 Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Pater, Grotzoater.Schwieger. oater, Bruder und Schwager, der Schlosser �.uxust KaKne [im 48. Lebensjahre. Dies zeigen mit der Bitte um s stille Teilnahme an Witwe Angn«te Bahne ! 2737b nebst Kindern. Die Beerdigung findet am l Montagnachmittag 4 Uhr vom > Trauerhause,- Gropiusstraße S, laus statt. ZliMlleWlD'Mh.NMei'ein! See 8. Berl. ReiehstapaMreisesJ Todes- Anzeige. Am 20. Mai verstarb unser Mit« glied, der Schlosser �.uxust Bahne Gropiusstrahe 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 24. Mai, nach« mittags 4 Uhr, vom Trauerhause I aus statt. 227/9 Um rege Beteiligung ersucht . Ter Norstand. Deutschet Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode« Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Schlosser /�uxust Bahne gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Mai, nach» mittags 4 Uhr. vom Trauerhause, Gropiusstraste 3 aus, nach dem neuen VaulS-Kirchhos. Seestraße, statt. ferner starb daS Mitglied, der I Arbeiter Andreas Bludau. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. Mai. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen« Halle der Jmmmstalt Buch bei Berlin auS statt. Rege Betelligung erwartet 117/10 Oio Ortsverwaltung Deutsciier TransporlarbBiter-ferlaiil Ortsverwaltung Berlin 2. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Kollege Karl /Nsjuntke am Freitag, den 21. d. M., im Alter von 39 Fahren an der Lungenschtvindsucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Mai, nach- mittags 4'/. Uhr, von der Leichen Halle des> Simeons- Kirchhofes, !g, aus statt. Verwaltung II. .Nariendorser We 67,13 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten Baters, des KürschnermeisterS Biidolf Mahler sprechen allen Verwandten, Freunden und Bekannten des teuren Eutjchla- senen unseren herzlichsten Dank auS. Mathilde Mahler und Kinder. Am 21. d. MtZ. verstarb plötzlich am Herzschlage unser Chef. der Buchdruckereibesitzer Herr LieZmulill Hermann im 59. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen humanen Prinzipal,! der bei trefflichsten Charaktereigenschaste» stets bestrebt war, den Wünschen des Personals entgegen zu kommen. Sein Andenken wird uns«nvergestlich bleiben! U Personal der Buelidmckerei H. S. Hernm Am 19. Mai verstarb unser Kollege Albert Butry, Durch seine jahrelange, un- ermüdliche Tätigkeit, sein ehrliches, offenes Austreten hat er sich ein Denkmal im Herzen aller Kollegen erworben. Wir empfinden sein Hinscheiden um so schmerzlicher, indem>vir in ihm einen braven Freund und Kollegen verlieren l . Ehre seinem Andenken! Oie Kollegen der OrtskrankenKasse der Stadt Sohöneberg. Die Beerdigung findet heute Sonntag. ngchmittags 4 Uhr, vom Schöneberger Kinnkenhause, Rubenitraße, aus nach dem neuen Schöneberger Friedhos am Sachsen- dämm statt. 275/5 Köpenick. Sozialie!nokralischErWali!?erein.| Den Mitgliedern zur Nachricht,| daß der Genosse, Gastwirt kriedrich Jonas im Wer von 57 Fahren ge- starben ist. 202,15 s Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Montag, den 24. Mai. nachmittags I 4 Uhr, vom Trauerhause Grünauer I Straße 70» aus statt. Die Genoffeu und Genossinnen! werden ersucht, sich recht zahlreich j zu beteiligen. Der Vorstand. Boiialdemokral. Waiteeiü für Schöneberg. Bezirk 4. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß iniser langjähriges Mitglied, der Kaffenbeamte Albert Butry im Alter von 41 Jahren nach kurzen, schweren Leiden plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, de» 23. JWai, nachmittag» 4 Uhr, vom Schöneberger Krankenhause. Rnbefistraße, auS nach dem neuen Schöneberger Friedhos(Blanke Hölle) statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht IS/U Der Voritand. Deutscher Transportarbeiter-Verband-! Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Kollege, der Keller- arbetter Karl Hesse am Montag, den 17. d. M., im I Atter von 57 Jahren an Blut- verg Istung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am> Sonntag, de» 23. Mat, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle de» alten ThomaSkirchhose».| Rixdorf, Hermannstruße, aus statt. Um rege Beleiliaung ersucht 67/13 Die Verwaltung 2. Am Himmeffahrtstage, dem i 20. d. M. verschied plichüch mein herzensguter Mann,»nier tteu- sorgender, unvergeßlicher Pater Mus Sonnenberger im 59. Lebensjahre, DieS zeigt liefbett-übt 13532 an im Namen der Hinterbliebenen Jda(Sonnen berger nebst Kindern. Die Beerdigung findet Montag, den 24. d, M., nachm. 2ll, Uhr, vom Trauerhause Swinemunder- straße 82 I aus statt. Veriiand des fteien Last- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Kttiicnick. Den Kol-egen zur Nachricht, daß unser treues, langjährige» Mitglied triedsich Jonas im Alter von 57 Jahren am 21. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet am Moniagnachmittag 4 Uhr vom Trauerhause(Grünauer Straße Nr. 70a) aui statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/16 Der Aorstaud. Deulseher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Otto Krehnt am 20. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle de» AuserstebungS-KirchboseS am Weißenfeer Weg aus statt. 84/9 Die Ortsverwnltung. Verband der Schneider, 8 Schneiderinnen u. Wäschearbeiter Deutschlands. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Näherin Bora keikwek (Finna SBolff u. Glaserseld) am 20. Mai. im? Itter von 30 Jahren gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdlaung findet am Sonntag, den 23. Mai, mittag» 12 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Zion«- Gemeinde in Nordend auS statt. 252/5 Oio Orlsverwaitung. Berlin III. Von der Reise znrüS Freischmidt, prait. Arzt, Wundarzt u. Geburtshelfer Ohavltbg.Berllnerstr.Sll.E.Lohmelierstr. Sprechstunden 9-10, 5-'l,7.[* Acliiong! Zweiter Nachtrag zur großen Aehtnng! Der erste Nachtrag erschien am 18. April 1909! Seitdem hinzugekommene Tarifbäckcrelen oder solche, die durchbrochen hatten und dann wieder neu bewilligen, werden in den laufenden Nachträgen nur noch je einmal vcrösfcntltcht, also bitten wir dieselben sorgfältig aufzubetvahre».— Nur die tarisbrüchigeu Bäckereien werden dauernd bis zum Erscheinen d?r nächsten großen Liste gesührt. Lerexeltv Betriebe: Allensteinerstr. 15, Ullrich. Cadinerstr. 4, Ponzet. Dänenstr. 5, Kynast. Dunckerstr. 28, Werner. EraSmuSstr. 12, Hennig. Göbenstr. 18, Jonttchir. Auineastr 36, Hante. Hesfischestr. 12, Relnccke. Hochstädterstr. 14. Voigt. Jasmunderslr. 15, Below. Kuglerstr. 8, Adler. Liebenwalderstr. 34a, Gleich. Lübeckerstr. 7, Maiec. Lüdcritzstr. 4, Hanke. Panlstr. 74. Frankenstein. Pappelallee 7, Lüloff. Rosiockcrstr. 5l, Hering. Schönhauser Allee 136. Lüloff. Schuistr. 25, Hanke. Slolpischeslr. 3, Bergler. Strelitzerftr. 4, Naese. Utrcchlcrstr. 15, Hanke. Wieiierstr. 8, Wald. Togostr. 7, Hanke. Trijlstr. 67, Hanke. Lvnarltr. 14, Fiedler. Memclerstr. 12, Heiser. Köpenick. Parifiusstr. 14, Klünner(übersehen gewesen). Lichtenberg. Sophienstr. 8, Zborowstl. Rixdorf. Bodestr. 11, Uzarewitz. Erlstr. 4, Raasch. Falkstr. 12. Notzoll. Jnnstr. 9. Weiser. jlnescbcckstr. 96, Kunert. Münchenerstr, 18, Kegel. Weserstr, 206. Wolff. Wcistensee. HeimrSdorserstr. 56, Boy. Eberlystr, 23. Nachtigall(Nachfolger). Stettinersir. 17, Kleiner!. Eibingerstr, 27, Fiedler(Nachsolger). Strelitzerstr. lö.�Grabowsly. Fihrbcllincrstr, 78, Hösselbarth. Hochstr, 3t, Maue. Boxhagen. Neue Bahnhossir' 9. Fritsche. Schillerstr. 8, Fritsche(gittale). Adlershof. Hoffmamtstr. 15, Deniger. Boxhagen. Alt-Boxhagen 10, Friedrich. Als zurückgezogen geltende Betriebe: Birkensir, 32, Frank. SPanfftr. 13, Hauke. Lichtenberg. .........." Welchselftr. 35, Haa». Elbingerstr, 27. Fiedler(Nachsolger). Strelitzerstr. 15, Grab> . j Hösselbarth. Trcskowstr. 57. Wecke. Hochstr, 31, Mane. Jahnstr. 21, Köhler. KoperniknSstr. 25, Thulke. Langestr, 13. Mnskaucrstr. 6, Czinian. Charlottenburg....... Wilmersdorf. Ramlerstr. 24, Herberg. Wiegandslr. 4, Krälky(Nachsolger). Ringbahnstr, 246, E. Hanke(Nchffgr.). Parteigenossen! Hausfrauen! Arbeiter! Unterstüht nach wie vor die nm ihre Menschen- rechte känipscnden Bäckergesellen._ Der Vertrauensmann der Bäcker Berlins and l/mgCEcnd. Danksngunff. Dr. W. FackelmauuR �pcziai- Institut für Für die vielen Beweise herzlicher Tcilnabme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Klara Wehrendt sage hiermit allen Genossen, Kollegen, Bekannten, dem Gesangoerein»Zaget nicht" sowie dem Konsumverein .Friedenau u. Umg." besten Dank. Karl Wehrendt Rixdorf. Pannlerstr. 13, Früchkemuth. Pslügerstr. 13, Frischkemllth. Schöneberg. Eifenacherstr. 81, Mahler(zu). Kyffhäuserstr, 27(z u). WU öde Steglitz, Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und VateiS sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, insbesondere dem Meister und den Mitarbeitern von der Firnia L. Grünauer u. Co. unseren herzlichen Dank. 13522 Witwe lÄna Schöbel nebst Tochter zurück. I»r. Lioowy, Arzt, 293/13 Etendaler Straße 11. Beinkranke. Beingeachn-ilre, Kmmpfadern, Flechten, Salzünh, FlatttnQ- u. Gelenklcidcn, Vicht, Rhcama, Schwclßfuli. Ximmcrntr. 78. 9—12, 3—6, Mittwoch u. Sonntag 0—12,• Auf Wunsch Behandlung in der Wohnung des Kranken. Prosp. frei. 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Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahldereins findet am Dienstag, den 25. d. M., abends 8 Uhr. in den Neuen Rathaussälen. Meininger Straße 3 statt. Auf der Tages- ordnung steht:„Der ViermandatSraub."' Referent: Landtagsabgeordneter Genosse H. S t r ö b e l. Arbeiter! Parteigenossen! Der schärfste Protest gegen diesen Raub besteht darin, in Massen in der Versammlung zu erscheinen. Obwohl wir noch nicht wissen, wie das Ergebnis unseres Protestes in unserem LaudtagswahlkreiS ausfallen wird, niüssen wir jetzt schon vorarbeiten. Der Vorstand. Charlottenburg. Der Leseabend für die 3. Gruppe findet am Dienstag, den 25., d. M., abends*/$ Uhr, bei Kirschkowsky, Beussel- straße 9 statt. Der Vorstand. Reiuickcndorf-Ost. Der Diskutier- und Leseabend findet am Montag, abends 8 Uhr, bei Gründer, Hoppestr. 24, statt. Es beginnt ein neuer Kursus. Referent: Schriftsteller Schütte. Wir empfehlen recht zahlreiche Beteiligung. Am Dienstag, abends 8 Uhr, findet bei Falk, HauSotter- firaße 43, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung:„Der Soldatenhandel deutscher Fürsten im Auslande'. Referentin: Genossin Friedländer. Bezirk Französisch-Buchholz und Umgegend. Heute nachmittag 4 Uhr findet bei Kähne, Berliner Str. 39, eine Mitgliederversamm- lnng statt. Tagesordnung: Vortrag über K. P. Reinders. Referent: Schriftsteller Max Schütte. Diskussion. Vereiusangelegeiiheilen. Gäste sind freundlichst eingeladen. Nieder-Schönhausen- Nordend. Am Dienstag, den 25. Mai. abends 8l!i Uhr, findet bei Schühler, Nordend, Blankenfelder Str. 19, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Schriftführers. 2. Vortrag:„Jugendorganisation und Arbeiterbewegung'. Referent: Genosse Böttcher. Mittcnwalde und Umgegend. Arn Sonntag, den 23. Mai. nach- mittags 4 Uhr. findet eine öffentliche Versammlung im W. Kranich- schen Lokale statt. Friedenau. Am Mittwoch, den 26. er., abends 8Va Uhr: Mitgliederversammlung bei Schellhase, Steglitz, Ahornstr. 15s. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder, Vortrag, Berichte, An- träge und Verschiedeues. Keiner darf fehlen. Der Vorstand. Groß-Lichtcrfclde. Die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 25. Mai, abends 8 Uhr, im «Kaiserhof' statt. Spandau. Den Mitgliedern des Wahlvereins, welche sich am Sonntag, den 23. Mai, an der Tour nach Cladow beteiligen, zur Kenntnisnahme, daß die Abfahrt des Motorbootes nachmittags Punkt IVa Uhr von Pichelsdorf(Scharfe Lanke) erfolgt. Zehlendorf. Dienstag, den 25. d. M., abends S'/a Uhr, im Lokal von B. Mickley, Potsdamerstr. 25: Mitgliederversammlung deS Wahlvereins. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Engelbert Graf: Wanderungen durch die Mark. Berliner JVacbrlcbten. Die Treptower Sternwarte im neuen Gewände. Die inneren Einrichtungen der Archenholdschen Stern- warte in.Treptow präsentieren sich nach dem Umbau völlig verändert. Alles ist luftiger, freier, übersichtlicher geworden. Die astronomischen Ausstellungsgegenstände, die bisher ist einem halben Dutzend winkeliger, lichtloser Zimmerchen der- streut waren, füllen jetzt einen einzigen hellen Saal. Den Laien fesseln hier besonders riesige, in Afrika gefallene Meteorsteine, eine astronomisch-technische Darstellung der Eni- stehung von Ebbe und Flut, ein Relief von der Mondoberstäche, vulkanische Gesteine vom Vesuv, eine Nachbildung der Erd- kugelbewegung mit sämtlichen Planeten, ein Zentrifugal- opparat, der die durch ihre schnelle Unidrehung ver- anlaßte Abplattung der Erde beweist. Fernrohrlinsen in allen Dimensionen und Schliffen, bewegliche Sternkarten, Bilder alter Astronomen, als Kuriosität auch ein echtes Stück vom Sarge des berühmten Himniclskundigcn Tycho de Brahe und vieles andere, das durchaus gemeinverständlich angeordnet ist. Allen modernen wissenschaftlichen und volksbildnerischcn An- sorderungen entspricht der neue große Vortragssaal.� In seinem unteren Räume können auf ansteigenden Sitzen 4M Personen, aus einer Galerie noch weitere 100 bequem Platz finden. Letztere ist besonders für Nachzügler bestimmt, damit das untere Audito- rium nicht gestört wird. Die Lichtbilder werden direkt auf die etwas vertiefte Mauerwand geworfen. Der Projektionsapparat ist nach einer ganz neuen Methode so konstruiert, daß er bcispiels- weise eine in den Reflektor eingelegte Taschenuhr auf der Wand mit beweglichem Zifferblatt zeigt. In einer Alinute kann der Saal auch bei hellstem Tageslicht auf elektrischem Wege durch geräuschlose Rollfenster völlig verdunkelt werden. Der Stolz des Gelehrten ist die 1000 Bände umfassende astronomische Bibliothek, die Schätze enthält, welche nicht mal im königlichen Institut zu finden sind. Besonders wertvoll sind die aus dem 13. Jahrhundert stammenden ersten Planetentafeln imd Zeichnungen Fontanas von der Mars- beobachtung im 17. Jahrhundert. Archenhold verleiht grund- sätzlich kein Buch nach Hause, stellt aber solchen Personen, die sich genügend legitimieren und ein besonderes Interesse für Weiterbildung bekunden, ob sie nun Astronomen, Studierende. Schriftsteller, Techniker oder wissensdursttge Arbeiter sind, alles innerhalb der Räume für unbeschränkte Zeit zur Verfügung. Mit diesem Prinzip will man vermeiden, daß Bücher, die zu Demonstrationen und Vorträgen nötig gebraucht werden, nicht zur Hand sind. Die Benutzung wird erleichtert durch einen Lesesaal, der bis 12 Uhr nachts und unter besonderen Umständen noch länger geöffnet ist. Das Interessanteste des ganzen Baues ist die umfang- reiche, einem Dachgarten ähnelnde, mit Tischen und Stühlen besetzte und abends elektrisch erleuchtete Plattform mit dem" Femrohr. Mit diesem Riesenteleskop, das nach Archenholds Plan nur 2M 000 Mark ge- kostet hat. während es nach der alten Methode 4 Millionen gekostet hätte, ist es möglich, in zwei Minuten von einem Punkte des Himmels zum anderen zu gelangen, ohne daß der Beobachter seinen Platz zu verlassen hat und erst eine Kuppel in horizontaler Richtung mitbewegt werden muß. Da liegt der Riese, der„Löcher in den Himmel sieht", einem Kruppschen Festungsgeschütz vergleichbar, nur in den Größenverhältuisseu noch mächtiger— 21 Meter lang, 70 Zentimeter Linsendmch- messer, bei den allerbesten Luftverhältnissen sechstausendfach vergrößernd. Drehpunkt, Sehpunkt und auch der Schiner- Punkt, letzterer durch Anbringung von entsprechenden Gegen- gewichten zu beiden Seiten, sind zusammengelegt— ein astronomisches Ei des Kolumbus! Bei der bis- herigcn Aufstellung großer Fernrohre ist das Rohr von einem Dome umgeben, der natürlich im Innern andere Temperatur hat als außen. Durch verschiedene Temperaturen werden indes Wallungen hervorgerufen, die ein Hin- und Herspriugcn des Sternes verursachen. Zum besseren und billigeren Ersatz der Kuppel ist daher hier in Treptow das Fernrohr mit einem Schutzzylinder aus dünnem Eisen- blech umgeben, der alle Unruhe der Luft im Fernrohr und vor dem Objektiv ausgleicht. Der Beobachter wird geschützt durch den sogenannten Wagen, welcher nichts weiter ist als ein mit Linoleum überspanntes, auf Rädern laufendes Ge- rüst. Die Linse des Refraktors kostete fünfzigtausend Mark. Die Eisenteile des Teleskops haben ein Gewicht von 2iM) Zentnern. Es steht auf einem Zcmeutblock, der alle Erschütterungen abhält. Der Hauptbewegungsmechanismus liegt imJnuern des Fundaments, hat daher auch immer eine gleiche Temperatur. Die Feinbewegung des Fernrohrs besorgt ein elektrischer Motor von V« Pferdckraft, das Heben des mächtigen Rohres ein solcher von 6V3 Pferdekraft. Wohl ein Dutzend kleinerer Fernrohre, die leicht transportabel sind, können beliebig be- nutzt werden. Auf den Treppen, Podien und Rundbühnen sind für das Publikum alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Selbst für Kinder ist die Besichtigung ohne jede Gefahr. Von der Plattform, die reichlich 500 Personen faßt, hat man einen hübschen Ausblick auf Treptower Land und Leute. Ob mal von hier aus der rastlos denkende Menschen- geist mit den vermuteten Bewohnern anderer Planeten Fühlung nehmen wird? Die Hoffnung ist zu schön, als daß man an ihre Erfüllung glauben könnte. » Um der Treptower Sternwarte materiell zu nützen und zugleich den Arbeitern und Parteigenoffen zu berhältnißmäßig billigen Preisen die Einrichtungen des genannten Instituts sowie die von Herrn Archenhold gehaltenen populären Vorträge zugänglich zu machen, haben Gewertschaftcn und Partei eine größere Anzahl Billetts übernommen. Wir möchten bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, daß Doppelbilletts, die zu den Vorträgen wie zur Be- sichtigung des Riesenfernrohrs berechtigen, zum Preise von 89 Pf. bei den Bezirks sühreru zu haben sind. Für den Wcitcrbau der Untergrundbahn Spittelmarkt- Alexanderplatz sind die Vorarbeiten in vollem Gange. Die Pläne für Verlegung der Kanäle und Rohrleitungen, welche dem Bahn- tunnel weichen müssen, sind nahezu vollendet. Gegenwärtig werden noch die schwierigsten Projekte dieser Strecke bearbeitet, das sind die sehr tief liegende Bähuhofsanlage in der Jnselstraße, woselbst sich die Bahn zur Spreeunterfahrung senkt, und der Spreetunnel selbst. Die Spree ist hier, westlich der Waisenbrücke, in schräger Linie zu unterfahren; das unter dein Flußbett liegende Tunnel- stück wird daher über hundert Meter lang sein müssen. Es liegen nun verschiedene Vorschläge vor, in welcher Weise der Tunnel unter die Spreesohle einzubringen wäre; er muß mit seiner Oberkante mindestens einen Meter unter dem Flußbett liegen, gut mit Eisen armiert und mit einem Steinwall umgeben sein, damit schleifende Schiffsanker usw. ihm keinen Schaden zufügen können. Das Ideal einfacher und praktischer Ausführung wäre der Tagesbau, d. h. wenn es gelänge, die Spree in zwei oder drei Abteilungen durch Fang- dämme abzudämmen, die abgedichteten Baugruben auszu- heben und den Tunnel, wie in den Straßen, einzubauen. Tief- bohrungen haben ergeben, daß der Untergrund der Spree� unterhalb des schlammigen Bettes aus gutem Sandboden besteht, wenigstens ist man auf gefährliche, wasserführende Tonschichten nicht gestoßen. Sollte dies sich nicht als ausführbar erweisen, so würde man zur Druckluft- Fundierung greifen müssen, bei welcher der Wasserspiegel künstlich durch Preßluft gesenkt wird, damit die Tunnelarbeiten im Trockenen ausgeführt werden können. Aeußersten Falles müßte endlich zum Caissonbau gegriffen werden, wie man ihn neuerdings z. B. beim Bau des Pariser Metropolitains mit Erfolg angewendet hat. Dies würde hier etwa in der Weise geschehen, daß man drei Tunnelstücke von zirka 30 Meter Länge auf Prahmen fertig aus Eisen montiert, das wasserdicht abgeschlossene Eisengerippe zwischen eingerammten Pfählen, welche die Gradführung ermöglichen, in die Bahnlinie befördert und durch entsprechende Belastung zum Sinken bringt. Die Belastung kann dadurch geschehen, daß man die hohlen Wände des Caissons mit Beton ausfüllt, daß man ihn oben mit Erde oder Steinen belastet oder den Jnnenraum voll Wasser laufen läßt, das später wieder ausgepumpt wird. Haben die scharfen Kanten des Eisenkastens sich genügend tief in das Spreebett gebohrt, so können die Arbeiter, die sich von 4 zu 4 Stunden ablösen muffen, durch eine Druckluftschleuse hinabsteigen und den Boden, der infolge des Luftdruckes(bezw. Auspumpens des Hohlraumes unterhalb des Caissons) trocken gemacht ist, an den scharfen Außenkanten des eisernen Kastens ausheilen, so daß dieser allmählich bis auf die gewünschte Tiefe sinkt. Diese Bauart ist natürlich sehr schwierig, zeitraubend und teuer und man wird sie daher vermeiden, wenn, wie zu hoffen steht, der Tag es bau sich irgendwie wird ermög- lichen lassen. Voraussichtlich wird mit der Bauausführung noch in diesem Jahre begonnen werden können. Die Verpachtung der städtischen Grundstücke an Schausteller und Karussrllbesitzer führte in einer Versammlung der Haus- und Grund- besitzer der Wedding- und Oranienburger Vorstadt zu einer längeren Besprechung. Ein Redner bezeichnete eS als beschämend, daß die Flächen von der Stadt zu„Rummelplätzen" hergegeben werden, wo die guten Sitten untergraben würden. Die Stadt solle, so wurde verlangt, diese Plätze der Schuljugend überlassen. Bänke aufstellen und durch Anfahre» größerer Sandhaufen auch den ganz Kleinen ein billiges Spielvergniigen schaffen. Diese Verwendung der städtischen Grundstücke wiege den geringen Vorteil der Verpachtung tausendmal auf. ES wurde einstimmig beschloffen, in diesem Sinne eine Petition an die Grundstücksdeputation des Magistrats zu richten. Wir können im vorliegenden Falle den obigen Darlegungen nur zustimmen. Gegen baS Verhängen der Schaufenster an den Sonntagen hat am Freitagabend eine Delegiertenversammlung der kaufmännischen Verbände,"der gewerblichen Vereinigungen und Innungen Protest eingelegt. Als Vertreter der Regierung wohnten den Verhand- lungen Oberpräsidialrat von Bitterfeld und Regierungsrat Felch bei. Das Mitglied der Handelskammer, Kaufmann Grünfeld, referierte über die Notwendigkeit, das Verhängen der Schaufenster an den Sonntagen zu beseitigen. Er verwies dabei auf das Bei- spiel anderer Städte, wo diese Maßregel längst durchgeführt sei. Ter Rcgierungsvertrctcr erklärte, daß die Regierung sich der Trag- weite der Frage wohlbewußt sei. Es seien aber große Jnterepen- kreise, besonders die Handlungsgehilfenverbände. die das Ber- hängen des Schavfenstes on tun Spnntagen wünschten. In eines einstimmig angenommenen Resolution wird von den zustandigen Behörden mit Entschiedenheit die Gewährung der Schaufenster- freiheit verlangt. Die Versammlung, so heißt es in der Resolution, rechnet um so bestimmter darauf, als in einer großen Anzahl deutscher Bundesstaaten und preußischen Provinzen die den Ber- linern vorenthaltene Schaufensterfreiheit längst gewährt worden ist. Die Behauptung des Regierungsvertreters, die Handlungs- gehilfenverbäade wünschten die Verhängung der Schaufenster an Sonntagen, ist nur teilweise richtig und bezieht sich im wesentlichen auf den Deutschnationalen Verband. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen ist dagegen der Meinung, daß keinerlei Nachteile für die Gehilfenschaft bei der Nichtverhängung der Schaufenster an Sonntagen ersichtlich sind. Aus der Irrenanstalt Herzbcrge wird uns wieder ein sehr sonderbares Vorkommnis bekannt. Dort befand sich ein 18jähriges Mädchen Luise P., das nervenkrank war. Am Besuchstag 6. Mai wurde die Mutier nicht vorgelassen, weil der Zustand ungünstiger geworden sei. Am 9. Mai früh wurde sie durch einen Brief der Direktion vom 8. Mai benachrichtigt, es sei„eine plötzliche Ver- schlechterung eingetreten". Der Zusatz:„Besuch auch außerhalb der Besuchsstunde wird anheimgestellt," ließ Schlimmstes befürchten. Frau P. fuhr sofort nach Herzberge und erfuhr dort zu ihrem Schrecken, daß Luise inzwischen schon gestorben sei. Man konnte sie nur noch an die Leiche der Tochter führen. Die Mutter wurde im Bureau sogleich gefragt, ob sie die Tote auf Kosten der Stadt be- erdigen lassen werde. Sie mußte das bejahen, weil sie in dürftigen Verhältnissen lebt. Von einem Beamten wurde der Zeitpunkt der Beerdigung mit ihr verabredet und ihr ein Zettel eingehändigt mit dem Vermerk:„12. 5., Wz vorm., vom Zentralfriedhof in Friedrichs- felde aus."(Diesen Zettel und die übrigen Schriftstücke hat Frau P. uns übergeben.) Frau P. bereitete sich vor, die Tochter zu Grabe zu geleiten, da traf am 11. Mai früh ein Schreiben der Direktion bei ihr ein:„Sie wollen die zu einer eventuellen Eni- laffung der Kranken Luise P.... fehlenden Kleidungsstücke hier niederlegen, und zwar: 1 Kleid, 1 Paar Schuhe und 1 Umhang." Frau P. war fassungslos als sie das las. Ihr erster Gedanke war, daß Luise' nur scheintot gewesen sei. Offenbar hatte man noch am 5. Mai baldige Genesung erwartet, doch schon am 6. Mai war eine Wendung zum Schlechteren eingetreten. Warum aber war dieser vor der Verschlimmerung geschriebene Brief hinterher— so fragte sich die Mutter— doch noch abgeschickt worden? Denn die Außenseite zeigte einen Stempel vom Zentralbureau des Magistrats mit deni Datum„10. Mai 09" und einen vom Postamt Berlin C. 2 mit dem Datum„10. 5. 09". Die Nachricht war. das geht hieraus hervor, erst am 10. Mai durch das Zentralbureau zur Post gegeben worden. Hatte man— diese Frage stieg jetzt der Frau P. auf>— den beiseite gelegten Brief nachträglich abgeschickt, weil das Mädchen ins Leben zurückgerufen worden war? Das Unmöglichste erscheint möglich einer Mutter, die so jäh die Tochter verlor! Zwischen Hoffnung und Zweifel hin. und hergeriffen, eilte Frau P. nach Herz- berge hinaus, aber nur zu rasch wurde ihr Gewißheit, daß die Hoff- nung getrogen hatte. Die Bureaubeamten sahen verlegen einander an und suchten dann der Mutter klarzumachen, wie es gekommen war, daß sie noch nach dem Tode der Tochter diesen Brief erhielt. Uns ist es nicht möglich gewesen, mit Sicherheit festzustellen, was man der Frau P. als Ursache angegeben hat. Sie selber ist aus den Reden der Beamten nicht klug geworden. Ist ihr gesagt worden, man habe sich in der Person geirrt? Wahrscheinlich nicht. Hat man ihr erzählt, daß solche Briefe zunächst nach Berlin an das Zentralbureau gehen, hier noch einige Tage liegen und dann erst zur Post gegeben werden? Möglich; aber Frau P. begriff eS nicht. Mit ihr wird noch mancher andere solche Art der Be forde- rung wichtigerBriefe nicht recht begreiflich finden. Als sie nicht einsehen wollte, daß die Sache„sehr einfach" sei, riß einem der Beamten die Geduld. In eineni Ton. den sie als sehr verletzend empfand, sagte er ihr» das Geld für die Fahrt hätte sie sich sparen können, im Brief stehe doch„5. Mai", sie habe wohl— so verstand Frau P.— eine schwache Auffassungsgabe. Weinend ver- ließ sie die Anstalt. Am anderen Tage, dem für die Beerdigung fest- gesetzten, fuhr sie zu Wz Uhr nach dem Friedhof bei Friedrichsfelde. Aber hier gab es eine neue Bestürzung: niemand wußte etwas von einer Luise P., eine Leiche unter diesem Namen war nicht ein- geliefert worden. Der Inspektor telephonierte nach Herzberge, wo die Leiche bleibe. Frau P. und die in ihrer Begleitung befindlichen Frauen liefen selber noch nach Herzberge hinüber. Im Bureau wurden sie unfreundlich empfangen, die Begleiterinnen wurden schroff hinausgewiesen, Frau P. bekam die kurze Antwort» die Leiche sei jetzt schon unterwegs. In der Leichenhalle der Anstalt wurde ihr das bestätigt und ihr eine Anweisung gezeigt, die den„13. Mai als Beerdigungstag nannte. Frau P. eilte nach FriedrichSfelde zurück, wo inzwischen die Leiche eingetroffen war. Auch hier zeigte man ihr jetzt einen beigcgebenen Zettel, der die Beerdigung erst zum „13. Mai" anordnete. Das Friedhofspersonal war aber einsichtig genug, die hin- und hergehetzte Mutter nicht nochmals nach Hause zu schicken. Ohne Verzug wurde die Tote in ihrem schlichten Sarg zu Grabe getragen und der Erde übergeben. Mancher wird diese Kette von Irrungen als skandalöse Bummelei bezeichnen wollen. Wir raten, das nicht zu tun, sondern sie in geziemender Demut hinzunehmen als eine anscheinend unabänderliche Eigentümlichkeit unserer Gemeindeverwaltung. Die Beamten der freisinnig verwalteten Stadt Berlin, die besoldeten wie die unbesoldeten, fühlen sich sehr rasch beleidigt. An den leiten- den Stellen ist man auch schnell bereit, dafür zu sorgen, daß ihnen in solchen Fällen der besondere Schutz zuteil wird, den das Gesetz den Beamten gewährt. Einem gewöhnlichen Sterblichen aber, der sich einmal durch einen dieser Beamten beleidigt fühlt, kann es passieren, daß er lange warten mutz, bis ihm Genugtuung wird. Auch Frau P. braucht nicht darauf zu rechnen, daß im Rathaus irgend jemand so bald das Bedürfnis verspüren wird, ihr ein Wort der Entschuldigung zu schicken. Die Aufklärung deS UeberfallS auf de« Gelddrieftriger Eulen- bürg schreitet weiter vorwärts. Der Kriminalpolizei kommt dabei zu statten, daß der wegen einer anderen Tat verhaftete Schneider Drechsler sich selbst angegeben hat und nun die Tat in allen Einzel- heiten schildert. Es hat auch bereits eine Gegenüberstellung mit dem noch schwer leidenden Briefträger stattgefunden, auch sind bei der Geliebten des Drechsler, einer Prostituierten, Ulster und Sport- mütze, wovon soviel die Rede war, gesunden worden. Auch daS Beil, mit dem die Tat nach Angaben des D. verübt worden sein soll, ist bei dem ebenfalls verhafteten Handlungsgehilfen Kayser, der in der Fruchtstratze in einem Buttergeschäft angestellt war, gefunden worden, lieber seine Festnahme schien sich Kayser gar nicht zu wundern. Er fragte auch mit keinem Wort nach der Veranlassung. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß Kayser gern die Rennbahn besuchte und viel mit leichtsinnigen Mädchen verkehrte. Sein Einkommen entsprach keineswegs seiner Lebens- weise. Drechsler zu kennen, bestreitet er immer noch. Dieser da- gegen behauptet, daß er viermal niit ihm unterhandelt habe, einmal haben auch Zeugen ein derartiges Beisammensein der beiden beobachtet. Die erste Begegnung geschah zufällig im Tiergarten, wo Kayser mit einem Mädchen dein Drechsler begegnete. Nach einer flüchtigen Bekanntschast nahm Kayser den Drechsler auf die Seite und lud ihn dann nach seiner Wohnstube hinter dem Laden in der Fruchtstr. 66 ein. Dort entwickelte er ihm seinen Ltaubplan. für den er ihn dann in den weitere» Unter- redungen auch gewann. Kayser ist noch nicht bestraft. Es wäre erwünscht, über das erste Zusammentreffen der beiden im Tiergarten noch näheres zu erfahren. DaS war etwa acht Tage vor dem Ueberfall auf Eulenburg, also gegen Ende März. Damals ging Drechsler mit mehreren anderen im Tier- garten in der Nähe des Goldfischteiches umher und klagte über schlechte Zeiten und schlechte Arbeitsverhältnisse. Das hörte Kayser, der mit einem Mädchen des Weges kam. Er nahm Drechsler etwas bei Seite und sagte: Was, Du klagst über schlechte Zeiten I Das mufi man nur verstehen, komme nur einmal zu mir! Das war die erste Verbindung, die dann zu allerhand Verabredungen führte. Es wäre nun sehr erwünscht, daß sich jenes Mädchen, das mit Kayser spazieren ging, und die Begleiter Drechslers, die sich des Vorganges jetzt sicher wieder erinnern werden, un- verzüglich bei der Kriminalpolizei meldeten. Kayser bestreitet, Drechsler zu kennen. Durch die Unsitte der Kinder, sich an fahrende Fuhrwerke anzuhängen, sind wieder zwei bedauerliche Unfälle herbeigeführt worden. In der Müllerstraße hatte sich Sonnabend vormittag der neun Jahre alte Schüler Gebhardt an einen Steinwagen an- gehängt und geriet, als er abspringen wollte, unter eine vorbeifahrende Droschke. Er wurde überfahren und so schwer ver- letzt, daß er nach dem Paul-Gerhardt-Stift gebracht werden mußte. — In ähnlicher Weise verunglückte gegen 11 Uhr vormittags der elfjährige Paul Schlcy in der Röder-Allee in Reinickendorf. Er war aus einen vorbeifahrenden Nollwagen geklettert und wurde, als er abspringen wollte, von einem nachfolgenden Steinwagen überfahren. Der Knabe erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er in fast hoffnungslosem Zustande nach dem LazaruS-Krankenhause übergeführt werden mußte. Zweitklassige Hiihenmenschen. Von einem Leser unseres Blattes wird uns geschrieben: „Ich benutze auf dem Wege zu und von meiner Arbeitsstelle in der Regel die dritte Klaffe der Stadt- und Ringbahn. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe— ich habe mir die Knie- scheide verletzt, und kann das Stehen in den vollgepfropften Wagen der dritten Klaffe nicht aushalten— fahre ich seit einigen Tagen stolz wie ein Grande auf den Polstern der zweiten klaffe. Voraus- schicken möchte ich, daß ich selbstverständlich keine Tailor-made-Röcke und-Hosen trage, sondern daß ich meine Kluft in der Gr. Frank- furter Straße„von der Stange" kaufe, daß ich mich aber redlich bemühe, meinen äußeren Menschen durch fleißiges Bürsten Präsentabel zu halten. Am Montagmorgen stieg ich in- Stralau- Rummelsburg in den einige Minuten nach 7 Uhr fahrenden Süd- ringzug. In dem Abteil saßen eine bezopfte höhere Tochter mit einer Musikmappe, ein kleines Warenhaussräulein mit einem rot- gebundenen Emporleseroman, und drei„bessere" Herren, an- scheinend Verwaltungsbeamte, wie ich aus ihrem Gespräch über „Aufbesserung",„Reisediäten" und sonstige angenehme, dem Ar- beiter fernliegende Themata entnehmen konnte. Hinter der Station Treptow zog ich meinen„Vorwärts" aus der Tasche und begann zu lesen. Hatte nun vielleicht das Er- scheinen eines statt mit handhohem Stehumfall- mit einem simplen Umlegekragen versehenen Proletariers in den vornehmen Räumen eines königlich preußischen Zweiter Klasse-Wagens unangenehme Gefühle bei den drei privilegierten Zweitklassigen erweckt, oder wirkte der Anblick des„Vorwärts" so niederschmetternd— kurz, das Gespräch verstummte. Wie auf Kommando wurde das Lese- futter aller Denkfaulen— der„Lokalanzeiger"—hervorgezogen, und die drei indignierten Gesichter verschwanden hinter den Ab- lagerungen der Scherlschen Meinungsdestillation. Solange war die Sache noch erheiternd für mich. Da wandte sich kurz vor der Station Rixdorf der eine der drei„Lokalanzeiger"männer, ein beleibter Herr, an seine Kollegen und sagte ganz laut und unver- mittelt:«Es läge wirklich im Interesse der Eisenbahnverwaltung, wenn sie öfter eine Fahrkartenkontrolle in der zweiten Wagenklasse vornähme. Sicherlich würden in jedem Zuge so und so viele Leute abgefaßt, die mit einem Billett dritter Klasse die zweite Klasse benutzen." Ich faltete meine Zeitung zusammen, faßte den Sprecher ins Auge und fragte ihn, ob sich seine Bemerkung viel- leicht auf mich beziehen solle. Er antwortete, das könne ich halten wie ich wolle. In Rücksicht auf die beiden jungen Mädchen im Abteil bezwang ich mich, dem Burschen die einzig richtige Antwort auf seine Unverschämtheit zu geben, die er verdient hätte. Ich sagte zu ihm, wenn er sich zu jener Sorte Lebewesen rechne, die die rote Farbe nicht besehen können, dann möge er sich gefälligst auch des für diese Vierfüßler üblichen Beförderungsmittels bedienen, nämlich des Viehwagens. Meine Antwort brachte das Trio ganz aus deni Häuschen.„Sozialdemokratische Erziehung".„Frechheit". „WaS kann man von einem„Vorwärts"leser mehr verlangen" fchallte mir entgegen, und der Hauptschreier, der Wohlbeleibte, drohte, mich auf der nächsten Station feststellen und meine Fahr- karte prüfen zu lassen. Ich erwiderte ihm:„Wenn er das Talent zu einem freiwilligen Spitzel in sich fühle, dann möge er sich auf dem Alexanderplatz melden, dort herrsche zurzeit eine rege Nach- frage nach jenen Gentlemen. Im übrigen steige ich in Schöneberg aus. Wenn er also etwas von mir wolle, dann möge er mit zum Stationsvorsteher kommen. Ich würde ja dann erfahren, wer die „gebildeten" Herren seien, die auf der Eisenbahn einen Mitreisen- den lediglich deshalb beleidigen und verdächtigen, weil er nicht wie ein Modeaffe gekleidet ist." Das zog. Der Dicke schnappte zwar noch ein paarmal wie ein Karpfen auf trockenem Sande, dann aber hüllte sich die Gesellschaft in verachtungsvolles Schweigen, und ich konnte meine Fahrt, ohne weiter belästigt zu werden, beenden."— Das sind dieselben Leute, die sich über Ungehörigkeiten, die einmal ein Arbeiter begeht, nicht genug entrüsten können. Die Kindesleiche auf dem Treppenflur. Einen schaurigen Fund machte ein Bewohner des Hauses Gneisenaustraße 71. In einer Ecke des Treppenflurs entdeckte er ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen Mädchens enthielt. Der Leichnam war in dunkel- braunes Packpapier eingehüllt und ist jedenfalls kurz vor der Auf- findung von einer sreniden Frauensperson am Fundort niedergelegt worden. Ob hier ein KindeSmord vorliegt, wird die weitere gericht- liche Untersuchung ergeben. Die Leiche wurde zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. In der Schicßaffäre, die sich vor 14 Tagen vor dem Kriminal- gerichtSgebäude abspielte und den Tod der beiden angeschossenen Bahnbeamten zur Folge hatte, ist jetzt gegen den Täter Maurer Kieselbach die Voruntersuchung eröffnet worden. Diese wird durch den Untersuchungsrichter Dr. Dreist geführt. Es finden täglich Zeugenvernehmungen statt. Der Beschuldigte bestreitet, vorsätzlich gehandelt zu haben. Er weist nach, daß er in seinen Jünglings- jähren und namentlich vor noch nicht zu langer Zeit durch mehrere Unfälle schwere Kopfverletzungen erlitten habe, deren Folgen sich bei ihm mit wenig Unterbrechungen bemerkbar machen.— Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t. dem der Beschuldigte seine Verteidigung übertragen, hat daher die Vernehmung von Acrzten, insbesondere aber von Bekannten und Kollegen des Beschuldigten beantragt, die den letzteren seit vielen Jahren kennen und in der Lage sind, über sein Benehmen Auskunft zu geben. Sie sollen be- künden, daß er sonst ein ganz ruhiger und friedlicher Arbeiter war. aber durch ganz nichtige Begebenheitigen häufig in überaus große Aufregung geriet und dann schwer zu benihigen war. Nach Ber- nehmüng der Aerzte wird wohl dem Gefängnisarzt Gelegenheit ge- aeben werden, Kieselbach im Untersuchungsgefängnis auf seinen Geisteszustand zu untersuchen. DaS Gerücht von einem Morde war gestern vonmtiag im Westen der Stadt verbreitet. In dem Hause Potsdamer Straße 44 wurde die Ziinmervermieterin Witwe Lenz gestern morgen in ihrer Wohnung von ihrer erwachsenen Tochter tot aufgefunden. Die Umstände ließen ein Verbrechen nicht ausgeschlossen erscheinen. Deshalb wnrde die Kriminalpolizei geruien, die vorläufig folgendes feststellte. Frau Lenz war vorgestern abend ausgegangen. Ihre Tochter dagegen begab sich zeitig zu Bett und sah die Mutter nicht wieder. Als sie gestern morgen ausstand und die Küche betrat, lag dort Frau Lenz tot auf dem Fußboden mit dem Gesicht nach unten. Die Frau war vollständig bekleidet. An der linken Kopfseite und an der Stirn über dem linken Auge zeigten sich zwei blaue Flecke, die die Frau vorher nicht gehabt hatte. Die Schädeldecke ist nach vorläufiger Untersuchung nicht verletzt. Aus Mund und Nase war Blut gelaufen. Die Flecke scheinen von einem Falle der Frau herzurühren, die vielleicht in einem Unwohlsein zusammengebrochen ist und auf einen in der Nähe befindlichen Schrubber gefallen sein mag. Nach dem Gutachten des hingezogenen Gerichtsarztes Dr. Störmer ist die Frau eines natürlichen Todes gestorben, wahrscheinlich an Gehirnschlag. Berliner Bahnhofsprojekte. Amtlich wird gemeldet: Seit längerer Zeit schweben Erwägungen über eine Aenderung in den Berliner Bahnhöfen, die zu einem greifbaren Ergebnis noch nicht geführt haben. Insbesondere sind Entschließungen der maßgebenden Be- Hörden noch nicht gefaßt. Die vor einigen Tagen durch die Presse gegangene Notiz, daß ein Umbau des Anhalter Bahnhofs mit einem Kostenaufwand von 43 Millionen Mark in nächster Zeit bevorstehe, ist hiernach gänzlich unzutreffend. Der JngendauSschuß erinnert die Teilnehmer am Kursus in Nationalökonomie daran, daß die letzte Zusammenkunft am Sonntag, den 23. d. M., stattfindet und zwar, wie besprochen, im Grunewald. Streffpunkt: Station Grunewald, Bahn- Hof, vormittags 10 Uhr. Vermißte Person. Am 24. April er. hat sich daS Dienstmädchen Else Fernerling, 10. Mai 1834 Weißensee geboren, aus ihrer Wohnung, Tresckowstraße 48 bei Kriegel, entfernt und wird seitdem vermißt. Es ist 1.40 Meter groß, hat blondes Haar, blaue Augen, gesunde Gesichtsfarbe, vollständige Zähne und rundes Kinn. Bekleidet war es mit blauem Jackett und dito Rock, weißer Achselschürze und Leder- schuhen. Personen, die über den Verbleib der Vermißten Angaben machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminal- Polizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 1743. IV. 6. 09. nntzuteilen. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, den 30. Mai sl. P f i n g st f e i e r t a g), veranstaltet die Schule einen Ausflug nach Wilhelmshagen— Rüdersdorfer Kalkberge. Abfahrt des Zuges nach WilhelmShagen vom Alexanderplatz 7.46, von Jannowitzbrücke 7.49 und vom Schlesischen Bahnhof 7.53. Treffpunkt für Nachzügler bis 9s/4 Uhr„ R e st a u r a n t Wilhelms- garten"(Jnh. Karl Möhl), dicht am Bahnhof Wilhelmshagen gelegen. Von mittags 12'/z Uhr ab„Gasthaus zur Linde" (Jnh. Greve), Rii dersdorfer K a l k b e r g e. MittagSkarten a 1 M. bitten wir bis spätestens Freitagabend zu entnehmen. Die- selben sind an den Unterrichtsabenden sowie bei P. ElSner, 17. 68. Eberswalder Str. 19, zu haben. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder mit ihren Angehörigen, sowie von Freunden der Schule wird gebeten. Im Luisentheater gastierte am Freitagabend das Belowsche Opernensemble. Für verhältnismäßig geringe Eintrittspreise wurde den Besuchern eine den Umständen nach immerhin annehm- bare Aufführung der Oper:„Die Zauberflöte" geboten. Der Arbeiter-Schwimmerbund teilt uns mit, daß die Swimm- vereine„Spreehort" und„Vorwärts", beides bekannte Vereine, dem obigen Bund nicht mehr angehören. Da genannte Vereine der Ansicht sind, nur durch Preishascherei das Schwimmen unter der arbeitenden Bevölkerung verbreiten zu können, ein Stand- punkt, den alle Arbeiter-Sportvereine bereits aufgegeben haben, ersuchte der Bund die Parteigenossen, ihre Angehörigen von oben- genannten Vereinen zurückzuziehen.— Diejenigen Vereine der Berliner Arbeiterschaft, welche zu den bevorstehenden Sommer- vergnügen, die am Wasser oder in der Nähe des Wassers abgehalten werden, Rettungswachen wünschen, wollen sich gefälligst an den Genossen Emil Bratke-Nixdorf, Teupitzer Straße 12, wenden, Vorort- j�acbncbtcm Eharlotteuburg. Eine Neneinteilung ber Wahlbezirke hat der Magistrat für die im Herbst stattfindenden Stadtverord- netenwahlen vorgenommen. Auch hierin folgte die Verwaltung einem Antrage, den unsere Genossen am 6. Januar 1903 in der Stadtverordnetenversammlung stellten. Am 12. Februar wurde der Antrag verhandelt. Derselbe forderte in seinem ersten Teil die Erhöhung der Zahl der Stadtverordneten von 72 auf 73— entsprechend der gestiegenen Bevölkerungsziffer— und zweitens eine der Einwohnerzahl der Wahlkreise gerechter werdende Ein- teilung der Wahlbezirke. Den ersten Teil des Antrages lehnte die Stadtverordnetenmehrheit ab. und nach einer Ausschußberatung überwies sie dem Magistrat diese Frage zur weiteren Erwägung. Diese Erwägungen im Magistrat führten dann zu dem Ergebnis, oaß der Stadtverordneten-Versammlung am 21. April 1900 eine Vorlage unterbreitet wurde, nach der an eine Erhöhung der Zahl der Stadtverordneten auf 90 erst dann gedacht werden sollte, wenn nach dem Ergebnis der Volkszählung die Einwohnerzahl auf 400 000 gestiegen sei. Dieser Magistratsantrag fand auf keiner Seite in der Stadtverordnetenversammlung Zustimmung; er ruht vorderhand in einem Ausschuß. Dem zweiten Teil des sozialdemokratischen Antrages vom 6. Januar 1908 stimmte aber die Mehrheit der Stadtverordneten zu. Der Magistrat nahm auch die Neueinteilung vor. Der Regierungspräsident gab seine Zustimmung dazu und in ihrer letzten Sitzung, am 19. Mai, nahm die Stadtverordnetenversamm- lung von der Neugestaltung der Wahlkreise Kenntnis. Wie bisher zerfällt auch nach dieser Neueinteilung das Stadt- gebiet in acht Bezirke. Nur sind die Grenzen der einzelnen Be- zirke teilweise sehr erheblich verschoben worden. Nur auf einer Karte werden die Verschiebungen klar sichtbar, während die Aus- zählung der einzelnen Straßenteile nach Bezirken nur schwer ein deutliches Bild der Einteilung ergeben würde. Wenig verändert wurden der bisherige 1., 7. und 8. Bezirk. Der 3. Bezirk wurde um den zwischen den Straßenzügen Rosinen-, Röntgen-, Berliner Straße und dem am Salzufer liegenden Teil gekürzt. Dadurch erfährt der 6. Bezirk, der aus diesem Teil des bisherigen 3. Be- zirks und dem größten Teil des alten 4. Bezirks gebildet wurde, eine ganz neue Gestalt. Der 4. Bezirk besteht zum größten Teil aus dem ehemals 6. Bezirk, während dieser aus den Hauptbeständen des bisherigen 6. Bezirks gebildet wurde. Der 2. Bezirk ist gegen früher bedeutend zusammengedrückt. Seine Grenzen bilden die Ringbahn, die Berliner Straße, Kaiser-Friedrich-Straße, der Louisenplatz, die Schloß- und Potsdamer Straße. Durch diese Einteilung sind die starke» Unterschiede, die bisher zwischen den Wählerzahlen der einzelnen Bezirke bestanden, zum großen Teil beseitigt. Nach der Neueinteilung beträgt die Zahl der Wahlberechtigten der dritten Wählerabteilung im 1. Bezirk 6072, im 2. Bezirk 6161, im 3. Bezirk 6159, im 4. Bezirk 4962, im 6. Bezirk 6393, im 6. Bezirk 6206, im 7. Bezirk 4607 und im 8. Be- zirk 4627. Insgesamt kämen für die dritte Wählerabteilung 40 177 Wähler in Frage, während die zweite Abteilung nur 6926 Wähler zählt. In der erstell Weilung waeaev babc» gar aus 268 Pex- sonen dasselbe Recht, wie in der dritten Abteilung 40 177. In anderer Berechnung gezeigt, verteilt sich das„Wahlrecht" so, daß in der dritten Abteilung auf 1674 Gemeindewähler ein Stadtver- ordneter entfällt, während in der zweiten Abteilung 243 Wähler bereits einen Vertreter haben können und in der ersten Abteilung gar 32 Personen genügen, um einen Stadtverordneten bestimmen zu können. Die Herren in der zweiten Abteilung haben also ein fünfmal größeres Recht beim Wählen wie die Wähler„dritter Klasse", während die Geldbeutel in der ersten Abteilung das 52fache „Recht" für sich in Anspruch nehmen, was den„Proleten" in der dritten Abteilung gnädigst gewährt ist. Sich heute schon in irgendwelche Betrachtungen zu ergehen, wie sich die Wahlaussichten für uns auf Grund dieser Neuein- teilung gestalten werden, dürfte wenig Nutzen haben. Die Haupt- fache ist, daß die Genossen und Genossinnen schon jetzt mit den vorbereitenden Arbeiten für die Stadtverordnetenwahlen beginnen. Dazu gehört aber vor allen Dingen, daß sich unsere Organisation den neugeschaffenen Verhältnissen in den einzelnen Bezirken mög- lichst schnell anpaßt und daß sich die tätigen Genossen bemühen, mit ihren neuen Bezirken recht bald vertraut zu werden. Tchöneberg. Ein Zeltzirkus(Charles) hat sich Salzburger Straße, gegenüber den Beamtenhäusern, niedergelassen und wird vom 26. Mai ab täglich Vorstellungen geben. Sein Aufenthalt ist auf 8 Tage be- messen. Wilmersdorf. Der Magistrat von Wilmersdorf hat zwei Fürsorgestellen ein- gerichtet, auf die wir unsere Leserschaft hinweisen. Zur Be- kämpfung der Lungentuberkulose besteht im Hause Wil- helmsaue 21 eine Fürsorgestelle für Lungenkranke, die von dem Spezialarzt Dr. med Walter Wolfs geleitet wird. Daneben ist eine Diakonissin in der Anstalt tätig. Sprechstunden werden durch den Arzt jeden Donnerstag von 12 bis 2 Uhr(für Frauen und Kinder) und auch Sonnabends von 10 bis 11 Uhr abgehalten. Ferner hat die Schwester jeden Werktag von 9 bis 10 Uhr vor- mittags Sprechstunde. Es werden in der Fürsorgestelle am Ort wohnende Personen, die sich lungenkrank fühlen, auf das Vor- handensein von Tuberkulose unentgeltlich untersucht. Auch werden ihnen dort zweckentsprechende Verhaltungsmaßregeln gegeben. Aerztliche Behandlung übernimmt die Fürsorgeftelle nicht.— Ferner besteht im Hause Wilhelmsaue 23, parterre rechts, eine vom Vater- ländischen Frauenverein Wilmersdorf gegründete und vom Mo- gistrat unterstützte Mutterberatung s- und Säuglings- fürsorge stelle. Hier halten die Aerzte Dr. S o l d i n und Dr. B e n s e y Montags und Donnerstags von VA bis 3 Uhr nachmittags unentgeltlich Sprechstunde ab. Auch wird an bedürftige Mütter Milch abgegeben. Auf einen bedenklichen Misistand im städtischen Rettung s- Wesen macht der vor kurzein erschienene Geschäftsbericht der gemeinsamen Ortskrankenkaffe für Deutsch-Wilmersdorf aufmcrk- sam. Der von der Stadt angeschaffte Krankenwagen darf nach einer Bestimmung der Behörde nämlich nur bei Unfällen oder solchen Krankheitsfällen benutzt werden, welche auf keinen Fall Ansteckungsgefahr bergen. Das ist ein Uebelstand, der gerade die Gefahr vermehrt, die der Magistrat offenbar mit der genannten Bestimmung verhüten will. Denn jetzt verwendet man zum Trans- port von Personen mit ansteckenden Krankheiten einfach Droschken. an deren Desinfektion nach erfolgter Benutzung selbstverständlich kein Mensch denkt. Die Ortskrankenkasse wünscht daher, daß der Magistrat entweder den leicht zu desinfizierenden Krankenwagen für alle Krankheiten freigibt, oder einen zweiten Wagen zum Transport von Personen mit ansteckenden Krankheiten anschafft. Bemerkt sei noch, daß an anderen Orten keine einschränkendn Bestimmungen bestehen, und der Krankenwagen allen Bedürftigen zur Verfügung steht. Zu de» Stadtvcrordnetenersatzwahlen, woran auch die dritie Wählerklasse beteiligt ist. wird berichtet, daß der Magistrat die Ein- ricktung der Bezirkswahlen schon jetzt plant, so daß die wahrscheinlich erst im Herbst stattfindenden Ersatzwahlen bereits nach diesem System erfolgen werden. Räch Lage der Dinge gibt der Modus der Bezirks- wählen, der an Stelle des jetzt bestehenden Listenwahlsystems ein- geführt werden soll, unseren Parteigenossen die einzige Möglichkeit, m die konservativ-liberale Mebrheit der Stadtverordnetenversamm- lung Bresche zu legen und für Wahrnehmung der Arbeiterinteressen im Stadtparlament zu sorgen. Einen sehr günstigen Stand der Finanzen hat in dieser Zeit der Krise unsere Stadt auszuweisen. Nach dem vorläufigen Abschluß be- trägt der Verwaltungsuberschub des Jahres 1903 fast eine Million, nämlich 943 329,48 M., die dem Ausgleichfonds zugeführt werden. Bei solcher glücklichen Finanzlage ist es umso merkwürdiger, daß die Stadt Wilmersdorf für sozialpolitische Zwecke außerordentlich geringe Summen ausgibt und sich in dieser Hinficht von weniger günstig gestellten Nachbarorten beschämen lassen muß. Köpenick. Die Frage der Genossenschaftsbewegung war in der letzten kombinierten Kartellsitzung Gegenstand eingehender Erörterungen. Eine längere Resolution, wonach die Delegierten und Funktionäre der hiesigen Gewerkschaften die genossenschaftliche Bestrebung als eine Ergänzung der Gewerkschaftsarbeit betrachten und sich ver- pflichten, in ihren Organisationen für den Beitritt zum hiesigen Konsumverein„Eonstantia" zu agitieren, fand einstimmige An- nähme. Die jugendliche» Arbeiter und Arbeiterinnen treffen sich heute (Sonntag) zu einem Ausflug in die Müggelberge um 2 Uhr im kleinen Saal des„Stadttheater", Abmarsch 2% Uhr. Bei ungünstiger Witterung findet daselbst eine Versammlung ohne Trinkzwang statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Jugendausschuß. Adlershof. Eine von 456 Personen besuchte Protestversammlung gegen die geplante Reichsfinanzreform nahm vor einigen Tagen ein ausführliches Referat des Genossen Fritz Zubeil über: „600 Millionen Mark neue indirekte Steuern" entgegen. Hierauf nahm die Versammlung eine Resolution an, in der sie u. a. die Forderung auf Einführung einer bei einem Einkommen von über 3000 M. zu entrichtenden direkten Besteuerung erheben. Zum Schluß versprachen die Versammelten, ihre ganze Kraft in den Dienst der sozialdemokratischen Partei zu stellen. Brist-Buckow. Die politische Situation beleuchtete in einer Volksversammlung am Montag Genosse W i l h e l m U l m. An der dem fesselnden Referat folgenden Diskussion beteiligte sich Genosse Beuthmann. Alsdann forderten die Genossen Prenzlow und Reese die Ver- sammelten agf, dem„Käuferverein Britz" beizutreten. Pankow. Die gegeuwiirtige politische Lage beleuchtete in der letzten gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Reichstags- abgeordneter Emil Eichhorn. Am Schlüsse seines Referats forderte der Redner zum Anschluß an die Organisation ans. Der Vorsitzende teUte noch mit, daß die ordentlichen Mitgliederversammlungen deö Wahlvereins Pankow jetzt wieder jeden dritten Diens» tag im Monat bei Groß kurt, Berliner Str. 27, stattfinden. Zossen. Wege» vierfachen Mordes und Brandstiftung ist der Land- arbeiter Gustav Raurock aus Selchow bei Teltow verhaftet worden. Der 35 Jahre alte Mann hat seine Ehefrau und seine drei Kinder im Alter von 3=2 Jahren Migebracht und dann sein Anwesen in Brand gesteckt. Raurock soll seine Frau, die cisersüchiig war, und die Kinder wiederholt mißhandelt haben, so daß sich die Frau bei den Nachbarn öfter beklagte. Freitag morgen vergiftete er seiner Familie den Kaffee. Um die Leichen zu verbrennen, und so die Spuren seines Verbrechens zu verwischen, legte er in seinem Häuschen an mehreren Stellen Feuer an. das nach längerem Schwelen zum Ausbruch kommen mußte. Unterdessen ging er ioeg, um sich ein Alibi zu schaffen. Nach Entdeckung und Aufklärung des Verbrechens wurden sofort die Polizeibehörden der Nachbarorte und auch die Berliner Kriminalpolizei benachrichtigt. Gestern sollte sich ein hiesiger Kommissar nach Selchow begeben. Vor seiner Abfahrt traf aber die Nachricht ein, daß Raurock in Zossen bereits festgenommen sei. Der Mörder hatte sich auf die Zille seines Stiefvaters begeben, die nach Zossen unterwegs war, und wurde dort bei der Ankunft an Bord festgenommen, um nach dem Verhör durch den Amtsvorsteher Rittergutsbesitzer Neuhaus dem zuständigen Amtsgerichte vorgeführt zu werden. VeirniscKtes» Eine Bestie in Menschengestalt. Das Schwurgericht Freiberg in Sachsen verurteilte am Freitag in später Abendstunde den 7Sjährigen Gutsauszügler Kemter aus Klein-Hartmannsdorf wegen Totschlags, begangen an seinem 47jährigen schwachsinnigen Sohne, zu 10 Jahren Zuchthaus. Kemter hatte seinen Sohn seit Jahren versteckt gehalten und ihn systematisch verhungern lassen, um sich der Unterhaltspflicht zu entledigen. Eine furchtbare HdStlientragödie wird aus Wien gemeldet: Gestern abend erschoß der vierzigjährige Agent Jakob Puster seine drei kleinen Kinder und verletzte sich tödlich. Der Beweg- grund ist N o t. Gallcriccinsturz in der Kirche. Der„Petit Parisien* meldet aus Lissabon, in der Kirche des Klosters Del gil stürzte während des Gottesdienstes eine Galerie, auf der sich 200 Sänger befanden, ein. ES heißt, daß 2 Personen getötet und über SO verwundet worden sind. Durch eine Feuersbnmst sind einer Meldung aus Paris zufolge gestern abend in Thoiry 32 Wohnhäuser zerstört worden. Ein Feuerwehrmann ist bei den Rettungsarbeiten unis Leben gekommen. In Chambery sind 5 Wohnhäuser ebenfalls durch eine Feucrsbrunst zerstört worden. Auch der größte Teil der Ortschaft St. Diol wurde durch Feuer zerstört._ Kaufmännische Kranken- und Sterbckafse von 1888.(E. H. 71.) S. 42, Wassertoistr. 26 III. Dienstag, den 25. d. M., abends 9 Uhr, im Restaurant A. Landro, Stralauerstr. 36/37: Sitzung. Sozialdemokrattscher Zentralwahlvercin für den ReichStagS- Wahlkreis Ziillicha«-Schwielms« Krassen- Sommerfeld(Ortsverein Berlin). Dienstag, den 25. Mai, abends 3'/« Uhr, bei Eichhorn, Koppen- stratze 47: Mitgliederversammlung. Allgemeine Familten-Sterbekasse. Heute Zahltag und Ausnahme Ackerstr. 123 und Alarianncnstr. 43 im Restaurant von 3—6 Uhr. Eingegangene Drudircbnftai. Ueberslchtcn aus der Berliner öerausgegebe» vom Statistischen Amt Zeriin. Statistik für daS Jahr 1906/1907. der Stadt Berlin. P. Slanliewicz, Richiza. Roman von A. Sperl. Geh. 4,00 M., geb. 5,50 M.(2t litt» gart, Deutsche Berlagsanstalt.) Kirche und Schule im Kampfe um Gott. Von E. Pauli. 80 Pf. B. Voiger, Leipzig-Gohlis. Geschäftsbericht 1907—1909 des Arbeiter- Turuerbnndes. 128 Seiten. Verlag in Leipzig. Katharina Kauz, das Mädchen von SpingeS. Von H. Heiden-Har- degen. 1,25 M.— Liebe in Natur und Unnatur. Von W. Burg« hauser. 23. Gustavsson. Zweiter Teil. 1,50 Mark. E. Konegen, Wien. HaeckelS(Lmbryonenbilder. Von Dr. H. Schmidt. 1 M. Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt a. M. Der Kampf ums Lnftineer. Von K. Solsf. Illustrationen von F�Koch �HcSpcrus-Verlag, E. m. b. H. in Berlin w. 30. Preis geh. 2 M-, Britische Berfassung und Verwaltung. Von F. Micks. Denlsch von N.(S. Dinding. Gebunden 4,60 M. I. B. Hirschseid. Leipzig. Jahresbericht 1908 der Ortskrankeukasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe Berlin. 32 Seiten. Krankheiten und Ehe. Liejenuig 3. Herausgeber Professor Dr. H. Senator und Dr. S. Konuiner. Bearbeitet von Dr. R. Fischer. 25 Lieferungen a 50 Psg. S. Schottländer, Berlin XV. 35. Die Gründnua der„Sociaaldemokratischen Partij in Neder« land«. Adresse an die Internationale. Herausgegeben voni Vorstand der S. D. P. 43 Seiten. Dr. A. Pannckoek, Zehlendors, Gertraudstr. 10. Amtlicher Marktbericht der stadtilchen Markthallen-Dircktian über den Großhandel in den Zentrai-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geichäst rege, Preise unverändert. Wild: Zusubr etwas nachlassend, Geschäft Icbhajt, Preiie wenig verändert. Geflügel: Zusubr genügend, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr reichlicher. Geichäst ziemlich lebhast, Preise befriedigend, in See- fischen gedrückt. B u r t e r und Käse: Geschäft ruhig, Preise un- verändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr ge- rnlgend, Geschäft rege, Preise wenig verändert, Gurken schwer verkäuflich. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Montag, den£4. Mai. abends 8 llhr, im„Englischen Garten*. Alexanderstrafte 27c: NttslinilnIllW der KiilheiliilSbcl-Krliilihe. Weiftensee und Rixdorf sind hierzu eingeladen. 84(6* Die Brancheii-Kommissio«. Mssvkinensrdeiter. Montag, den 24. Mai. abends 81/, Uhr, in den Mariannen- Festsaien, Mariannen-Ufer 2(Eingang vom Garten): Sraneken- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht a) von der Geueral-Bersammlung, b) von der Mai- frier. 2. Branchenangelegenhetten. nitglledsbncli legitimiert.■ Die Brailcheukommissio». MgUeüvr-Versammlungen TageS«Ordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. S. Brauchen» angestgenheiten. 3. Verbandsangelegenhciten. Bürstenmacher am Mittwoch, den 26. Mai, abends 8'/, Uhr, bei Prenft» Holzmarktstr. 63. Bodenleger am Mittwoch, den 26. Mai. abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse. Engelufer 14/13, Saal VII. Binsetzer am Mittwoch, den 26. Mai, abends 6'/, Uhr(gleich nach Feierabend), im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/ 13, Saal IV(Arbeitslosenraum). MP- Zu dieser Versammlung find die Kollegen Kurl in Rixdorf, Sauer in Steglitz und sämtliche Kollegen der Firma Heinrich Mittag eingeladen._ Modelltischler am Donnerstag, den 27. Mai. abends 8 Uhr, im Berbandshause der GaftwirtSgehilfen, Gräfte Hamburger Strafte 18/19. Stellmacher am Donnerstag, den 27. Mai, abends 8'/2 Uhr. im Roseuthaler Hos, Rosenthaler Strafte 11/12. Erster Punkt der Tagesordnung: Vortrag deS Kollegen Waldmann über„Die neue Reichsversicherungsordnung". Korbmacher am Montag, den>24.Mai, abendS 8'/, Uhr. im GewerkschaftShanse, Engelufer 14/13. Saal V. Jalonslearhelter am Donnerstag, den 27. Mai, abends S'h Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/13, Saal IV(Arbeitslosenfaal). Masehlnenarhetter am Montag, den 24. Mai, abends 8 Uhr, in Meyers Festsäle, Mariannen-Ufer 2. Kammacher am Montag, den 24. Mai, abendS 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/13, Saal VIII. Zahlreichen Besuch erwartet_ Ple Ortsverwaltnng. Schöneherg! Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 25* Mai er., abends 8 Uhr: MitsHeNei'- VersammZtms in den„Neuen R a t h a u s s ä l e n", Meininger Straße 8. Tages-Ordnung: 15/12 i.„Der zhelissindatsranb im preußischeu Fandtage." �°�Genolle"ll�Gtr»stei."�" 2. VerelnSangilegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitglieder erscheint in Massen! Werbt Genossen! Oer Vorstana. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 53. ZwelKverela Berlin, Telephon: Amt IV, 4003- Mittwoch, den 26* Mai, abends 8V2 Uhr: Ksnsml- Vorsammlnng aller Sektionen und Zahlstellen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Kassenbericht vom 1. Quartal 1009. 3. Gewerkschaftliches. — Mitgliedsbuch legitimiert» ohne dasselbe kein Eintritt.—— 137/18 DaS Erscheinen aller Kollegen erlvartet Der ZweigvereinSvorstand. Arbeitsnachweis: BerwaltuiigSitelle Berlin. Hauptdnrean: Hoj I. Amt 3. 1239. CharitistraBe 3. Hos III. Start 3, 1987. Dienstag, den 25* Mai 1909, abends« Uhr: VereiaiiMnlmlAf für alle in den Ketrieben mr hersteltung von gelochten Klechen beschöstigten Arbeiter Im„ünzUneden varten", Alexanderftrafte 27c. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Kündigung deS Tarifs. 2. Branchenangklegenhetten. AM» Kollegen I Die Wichtigkeit der Tages-Ordnung bedingt, daß eder Kollege zur Stelle ist.__ «üüM! Vertrauensleute.«*11 Die Kollegen werden ersucht, diese Woche mit den Zeitungen auch eine entsprechende Zahl neu heraus- gegebener Atltgbtütter sich aushändigen zu lassen. 117/11 Die Ortsvorwaltnng. teeiihäieris?ÄÄMW.1ieÄM$: billig Nestauration verkäusl. lZrsnrstr. 4(lVoi 294/1 (lVeckillng). Lege-Ihühner, junge. beste Leger, 2'/, Mark, Brolpulen, Bruteier hochedelster Rassen, empflehlt unk. Garantie fürReelliiätlVexnvr, Berlin 30., Mariannenstr. 34.* Ich habe mich in Berlin als IlvontManvalt 70/13 niedergelassen. Mein Bureau befindet sich Kattbuserdamm24, naheHermanu- platz. Vlilhclm lllösca. Orts-Krankenkasse der tUseliiibmaeber ood verw. za Bekanntmachung. Die 16. Abänderung des Statuts ist vom Bezirks- Slnsschutz genehmigt worden und tritt mit dem heutige» Inge ln llraii.— Druckexewpiare werden vom Rendanlen Herrn Franz Werner, Mulackftr. 20/30, abgegeben. Berlin, den 23. Mai 1000. Vrr Vnrstanell. I. Sl.: H. Hinz, Vorsitzender, 257/4) Prinzeuallee 83. UödelMsili»«fflililig Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. Berichtigung. In der Bilanz am 31. Dezember 1908 muß eZ unter Aktiva heisien: Konto Dubio.... 900,00 M. Gewinn- und Verlust- Konto....... 25,50 M. Möbelfabrik Hoffnung zu Berlin Eingetragene Genassenschast mit beschränkter Hastpflicht. vvr'Vorstand. H. Fenglcr. K. Schmidt. Joh. Sunda!. ie UmM Ofibahn, Bahnhos Strausberg, links, Förfterweg tv Minuten. Waldparzellev s�Rute 10 M. vertaust Besitzer 70/17 Ludwig Viel«, Berlin, Emdener Straße 33. Sonntags aus dem Terrain bei Braohinann. Verleih-Instttnt: Friedrichst.llB/l.a.Orabi) 'Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1.50H ose 1,00, Weile 50Ps SloInarksilorZ Donnerstag, den 27. Mai, abends 8 Uhr: �OmhmZvrKo Mitglieder- Versammlung in den Armlnhallcn, Koinmandantenstr. 58/59. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Granwald über:»Der Prodnktions- prozeft des Knpitals*. 2. Gewerkschastliches. 171/17* Im Anschluß hieran wird der Jahresbericht der ehemaligen Filiale gegeben. Kollegen aller Branchen! Erscheint zahlreich und Pünktlich in der Versammlung. '___ Die Ortsvcrwaliung. Sophien-Säle SophienstraOe 17/18 QuerctruBe der Rosenthaler StraSe am Hackeschon Markt* Inhaber: I'anl Itaatz-'.-- empflehlt seine von 60—2000 Personen snssendeil Säle zu Versammlungen- Vortrags- u. Kunstabendcn usw. Vorzllgl. Akustik. Kulant. Entgegenkoinmen. KioKe Veiteile bieten Zlenmon- Lgsrette« Zu haben in allen Zigarren-Spezial-Geschäften. Staatspreise. Goldene Medaillen. Ehrenpreise. BERLIN SO. CARL ZOBEL BERLIN SO. Köpenickerstr. 121, Eckhaus. � äbWbmp»«»« Kopenickerstr. 121, Eckhaus. 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Kör die Gewinno über 240 Mark sinn den belrettonden Nummern in Klammern beiscelügt. (Ohno Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 8 207 75 78 372 85 145 550 BW 707 862 838 1070 688 Sl 853 2026(3000] 67 285 368 710 858 60 3120 87 643 708 5000 231[500] 438 70[1000] 581 792 96[3000] 874 014 16 6029[8000] 288 829 97 459 94 504 65 655 883 7061[590] 125 37[1000] 58 469 555 84 8053 57 449 526 745[8009] 829 934 9115[ 500] 71 649 70 748[500] 50 867 916 10099 170[300] 489 601 684 770 858 902[500] 11168 66 398 407 540 611 57 735 1 2018 179 269 75 384 564 764 863 955 13329 43 54J 60« 53 1 4234 47 349 483[1000] 741 824 900 IS 058[1000] 94 SOS 64 581[1000]«15 864 116024 119 221 602 719 1 7037[1000] 204 46 79[1000] 609 810[500] 18123 226 37? 408 621 772 861 85>19408 893 459 617[590] 793 938 29632 91 135 607 769 812 16 977 2 1 023 166 288 337 1300] 484[600] 520 28 70 77 653 708 804 31[3000] 22273 327[1900] 97 751 827 973 2 3005 62 171 4SI 561 715 19 24468 711 96 804 943 2 5841 89 95[1060] 837[1006] 960 26250 300 544[1000] 817 40[8000] 27155 380 89 719 <3000] 2 8211 303 91 843 2 9088 338 91 405 47[3000] 508 44 019 3 0099 128 81 228 675[1000] 826 926 3 1005 466 683 8t 623[600] 58 793 98 980 3 2238[3000] 420 542 654 67 782 878 913 57 SO 33068 141 88[1600] 227 39[500] 30t 30 646 86[3000] 691 567[500] 75 86[ 500] 872 918 3 4317 30 620 790 911[3000] 46 3 5022 241 389 404 782 845 933 36113 375 555 658[500] 762 868 991 37114 20 467 664 78 80 98 753 3 8313 25 408 11 854[3909] 39063[500] I 90 122[500] 320 52[500] 644 40053 575 615 840 88 4 1 242 421 23[1600] 583 824 83 987 4 2000 116[500] 67 70 308[1000] so 428 608[3000] 73 43403 15[1000] 74 75 563[500] 4 6 4 4019 75 431 53[509] 813 23 85[1000] 45034 125[1060] 390 579 769 Sil[3000] 48186 316 83 505[1000] 850 47199 330 48 403[30000] 015 67 92 003 41 781[500] 944 49 48026 43 231 333 817 043 4 9009 120 232[500] 533 926 5O006 86 113 280 397 444[1000] 557 685 69S 51128 400 749 808 916 5 2285 309 557 616[500] 785 910 5 3095 [500] 147 50 609 893[1000] 914 54153 55[1000] 360 65 99 410 45 57 76 99 697 838 72 928 33 5 5141 70 234 530 47» 662 661 871 922 5 6440[500] 85 795 835 74 912 [3000] 57107 274 307 9 33 86 579 716 819 5 8952 71 4-12 6£ö 770 98 59136 56 87 371 498 748 61 70 60113 85 74 TO[500] 307 445 851 011 6 1 212 33 57 414 657 765 920 29 6 2265 312 573 687 796 896 6 3057 225 95 309 28 428 614 IS 903 98 6 4294[500] 316 63 455 836 [1000] 65305 30 472[3000] 806 56 6 6019 68 207 307 19 1500] 409 898 67084 105 41 640 921 68227 307[3000] 44 62 451 60 542 6 9 245 342 473 510 61? 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Ii 09 4 1090, 26it 4 500 Ziehung vom 22. Mai nachmittags. $iilT die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt., (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.). 423 601 58[1000] 88 92 620 713 68 667 1 093 385[1000] 671 609 958[1000] 2353 743 3156 226[1000] 420 625 30 59 761 4010 75 285 451 609 95 732[500] 938 88 5085 107 221 391 418[500] 533 50 59 611 94 720 6011 182 281 97 673 839 97« 7134 252 471 72 510 43 61» 97 817[3000] 905 (500] 8035 307 96 435 525 669 953 9 224 399 655 10157 275 312[3000] 83[1000] 519 794 833 11043 23 604 50 93 779 1600] 804 56[500] 917 93 1 2-18 90 828 33 1 3173 280 460 508 52 766 1 4063 834 73 495 730 1500] 935 45 68 1 5250 408[1000] 689 627 30 71 894 16238[1000] 65«56[1000] 790[500] 17178 260 397 493 504 620 41 716 67(lOOOOl 71 874 915 18197 277[3000] eis 511 19052[500] 189 232[3000] 68 20194 268 451[1000] 918 2 1 029 33 104 218 351 80 458[1000].97[600] 790[500] 836[3000] 79 2 2049 239 BIS 549 693 881[3000] 85 907 47 2 3078 123 248 374 451 635 631[1000] 751 984 2 4241 333 425 656[500] 83 667 742 953 93 2 5020 251 325 422 080 2 6118 40 200 466 694 624 866 85 941 75 2 7079 97 119 33 317 471 630[1000] 63 744 2 8061 443 591 97 619 88 636 69 76 996 2 9330 82 492 607 708 31 68 894 30192 270 359 407 550 765[lOOO] 960 31014 35 121 SO? 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Berlm. Druck IS, Lerlgg[Vorwärts L, VttlagsanMt Tsul Einger 3c Co.j Berlin SMf«> Ar. 118. 26. Jahrgang. 5. Keil« ks Jotmärts" Sttlititt AUiMM Zouatag, 23. Mai 1909. 18. Generalversammlung des Deutschen Kergarbeiter- Derbandes. Sisenach, 21. Mai. Fünfter Lerhandlungstag. Der Kongreß beschäftigte sich heute zunächst mit der Reichsverficherungsordnung und dem Arbeitskammergesetz. DaS Referat hierzu hatte U m b r e i t- Berlin übernommen. Er unterbreitete der Generalversammlung zu diesen Punkten folgende beiden Resolutionen: 1..Die Generalversammlung des Deutschen Bergarbeiterverbandes kann in dem Entwurf einer Reichsoersicherungsordnung die Erfüllung der auf Vereinheitlichung, Erweiterung und Ver- besserung der Arbeiterversicherung gerichteten Bestrebung der Ar- beiterklasse nicht erblicken. Die Bergarbeiterschaft erwartet von einer Reform der Arbeiterversicherung die Beseitigung der die Bergarbeiter schädigenden rechtlichen Sonderstellung der Knapp- schaftskassen auf dem Gebiete der Kranken- und Jnvalidenver- sicherung. Sie verlangt die Unterstellung der Bergarbeiter unter das gleiche reichsgesetzliche Recht, wie es für alle Arbeiter gilt, insbesondere durch verwaltungsrcchtliche Reformen unter Sicher- stellung der Selbstverwaltung der Versicherten. Der Entwurf er- füllt diese Erwartungen nicht, Wohl aber bringt er schwere Ein. griffe in die Selbstverwaltung der Krankenkassen und den Aus- schlutz der Selbstverwaltung der Versicherten in den neugeplanten Landeskrankenkassen. Die Bergarbeiterschaft protestiert gegen diese Entrechtungsversuche und weist dieselben mit größter Eni« schiedenheit zurück. Auch für die Unfallversicherung bringt der Entwurf, von geringfügigen Erweiterungen abgesehen, nur Ver- schlechterungen, so hinsichtlich der Gestaltung des Rechtsweges durch Beseitigung der Berufung an das Reichsversicherungsamt, des Begriffs der Erwerbsunfähigkeit, der Einführung von Renten auf Zeit, der Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes, des Ruhens der Renten und anderes mehr. Für die Invalidenversicherung läßt der Entwurf zeitgemäße Reformen und Erleichterungen des Rentenbezuges vermissen, vor allem die Angliederung der Pen- sionsversicherung der Privatangestellten. Die vom Entwurf vor- geschlagene Lösung der Frage der Wttwen- und Waisenversiche- rung hält der Verbandstag nicht den Anforderungen des vom Reichstag erledigten Gesetzes entsprechend. Er fordert eine Ver- sicherung aller Arbeiterwitwen ohne Rücksicht auf das Maß der Erwerbsfähigkeit der letzteren. Insbesondere protestiert der Ver- bandstag gegen die vom Entwurf geplante Belastung der Arbeiter- Versicherung mit einem kostspieligen Beamtenapparat, der eine stete Gefahr für die ohnehin geringen Selbstverwaltungsrechte der Versicherten bedeutet. Ter Verbandstag fordert die deutsche Bergarbeiterschaft auf, einmütig gegen diesen Entwurf Stellung zu nehmen. Nicht Entrechtung der Versicherten, sondern Siche- rung der Selbstverwaltung, nicht Verschlechterungen der Leistun- gen, sondern Erweiterung derselben soll das Leitmotiv einer ge- sunden Reform sein." 2.„Die 18. Generalversammlung des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes kann den Entwurf eines Arbeitskammergesetzes, wie er von den verbündeten Regierungen dem Reichstag vorgelegt wurde, als eine Einlösung der Versprechungen auf Schaffung einer ge- setzlichen Interessenvertretung für die Arbeiter nicht anerkennen. Die berufliche Gliederung zersplittert die Arbeiterschaft und die paritätische Zusammensetzung verhindert, daß bei Arbeiterfragen in den Beschlüssen und Gutachten der Kammern die Mllens- Meinung der Arbeiter zum Ausdruck kommt. Die Beschlüsse der Reichstagskommission auf Herabsetzung der Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht und auf Wählbarkeit der Angestellten der beruflichen Organisationen erachtet die Generalversammlung als das Mindestmaß der Aufgaben, die der Reichstag zu erfüllen hat, um der Arbeiterschaft eine wirksame Mitarbeit der Arbeiter in den Arbeitskammern zu ermöglichen. Ohne Uebertragung der Wählbarkeit auf die Organisationsangestellten sind die Arbeits- kaminern für die Arbeiterschaft wertlos und nicht geeignet, ihre Zweckbestimmung, den gewerblichen und wirtschaftlichen Frieden zu fördern, zu erfüllen. Die Generalversammlung steht nach wie vor auf dem Standpunkt des Kölner Gewerkschaftskongresses und fordert den Reichstag auf, das Gesetz so zu gestalten, daß es den Bedürfnissen und Wünschen der Arbeiterschaft aus eine wirksame, wirtschaftlich unabhängige Vertretung in den Arbeitskammern Rechnung trägt." Nachdem Sachse die Ausführungen Umbreits noch aus seinen Erfahrungen im Knappschaftswesen ergänzt hatte und für eine reichsgesetzliche Regelung des Knappschaftswesens lebhaft ein- getreten war, wurden beide Resolutionen debattelos einstimmig an- genommen. Bezirksleiter K r a u ß- Lugau referierte hierauf über den Stand der Bergarbeitergesetzgebung in Deutschland. Redner unterbreitete der Versammlung folgende Resolution: „Die Generalversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des im Februar d. I. in Berlin abgehaltenen Deutschen Berg- arbeiterkongresses völlig einverstanden. Die einzig richtige Lösung des Bergarbeiterschutzes und der Bergarbeitergesetzacbung erblickt die Generalversammlung in der Schaffung eines Reichs- gesetzes. Die von den Einzellandtagen(Bayern, Sachsen) kürz- lich erledigten oder noch in der Beratung sich befindenden Berg- gesctznovcllen(Preußen, Lothringen) müssen in bezug auf Berg. arbeiterschutz und Grubentontrolle als völlig unzureichend be- zeichnet werden. Die Generalversammlung fordert nach wie vor die gesetzliche Achtstundenschicht für alle Reviere, sechsstündige Schicht vor zu heißen oder zu nassen Orten; sie fordert, Gruben- kontrolleure einzuführen, welche von den Belegschaften gewählt und vom Staate bezahlt werden und völlig unabhängig die Arbeiterschutzbestimmungen überwachen sollen. Desgleichen fordert sie für die Arbeiterausschüsse mehr Rechte und bessere Sicherung gegen Matzregelungen. Auch eine reichsgesetzliche Reform des Knappschaftswescns ist unabweisbar. Schließlich protestiert die Generalversammlung noch gegen die reaktionären Bestimmungen der noch nicht erledigten, im Schöße des preußischen Landtags ruhenden Berggesetznovelle. Sie erklärt es für eine Schmach, daß ein Parlament die Regierungsvorlagen verschlechtert, statt ver- bessert. Diese Vorgänge beweisen, daß die Arbeiter nicht eher ruhen würden, bis das gleiche geheime Wahlrecht auch für den preußischen Landtag gilt." In der kurzen Diskussion brachte eine Reihe von Rednern, vor allem aus Schlesien, Mißstände auf den Gruben zur Sprache. Die Resolution wurde sodann einstimmig angenommen. Das letzte Referat hielt sodann H u e über den Hamburger Gewerkschaftskongreß. Er erläuterte die einzelnen Beschlüsse des Kongresses und die Hal- tung, die die Bergarbeiterdelegation zu ihnen eingenommen hat. Ausführlich beschäftigte er sich mit der Stellung des Gcwerkschasts- kongresses zur Maifeier, eine Stellung, die durch den Be- schlutz des Nürnberger Parteitags! zwar hinfällig geworden sei, so- daß die ganze Kostenfrage der Maifeier jetzt in der Luft schwebe. Wir in unserem Verband haben schon lange den Beschluß gefaßt, aus der Verbandskasse heraus die Opfer der Maifeier nicht zu unterstützen. Es ist gesagt worden, daß dieser Beschluß nur gefaßt worden sei, um die Maiseier zu begraben und daß dies wiederum die Folge des unaufhaltsam vordringenden Revisionismus sei. Dem gegenüber habe ich im Namen des Vorstands die Erklärung abzu- geben, daß ein Zusammenhang zwischen der Maifeier und der Gewerkschaftstaktik in keiner Weise besteht. Ich möchte es auch aussprechen, daß es durchaus unsinnig ist, so zu argumentieren, daß man sagt: Wer die Maifeier durch Arbeitsruhe begeht, ist ein tüchtiger Gewerkschaftler, und iver es nicht tut, ist ein Leisetreter. Dann werden alle die Leisetreter, die aus irgend welchen Gründen die Maifeier durch Arbeitsruhe nicht begehen können. Es muß auch abgelehnt werden, daß die Maifeier als Prüfstein für gewerkschaft- liche Gesinnung dienen soll. Es gab Gewerkschaftskämpfe vor der Maifeier, deshalb mutz die Maifcierfrage betrachtet werden als Frage von untergeordneter Bedeutung für die Gewerkschaftstaktik an sich. Es ist auch gesagt worden, der Beschluß unseres Verbandes sei diktiert worden von der mehr und mehr um sich greifenden Sucht die Gewerkschaften zu neutralisieren. Die Neutralität hat mit der Maifeier garnichts zu tun. Wir fassen die Neutralität in dein Sinne auf, daß wir tolerant sind gegen jede politische oder religiöse Anschauung, daß wir niemand, wenn er aufgenommen wird, fragen, wie er politisch oder religiös denkt. Aus diesen Gründen heraus nehme ich auch. keinen Anstand, die im Ruhrrcvier in letzter Zeit von freidenkerischer Seite getriebene Agitation für durchaus un- geeignet zu erklären.(Sehr richtig.) Wir verlangen, daß unsere Kameraden in der Organisation ihre Pflicht tun. Was sie darüber hinaus tun, geht uns als Verband nichts an. Natürlich sind die Führer unseres Verbandes durchweg Sozialdemokraten. Wenn>vir uns nämlich die Frage vorlegen, ivelche Partei unsere Interessen unterstützt, wenn es zu kritischen Momenten kommt, welche Partei die einzig zuverlässige und unerschütterliche in Arbeiterfragen ist, dann müssen wir alle einstimmig zu der Ueberzeugung kommen, daß es nur die Sozialdeinorkratie ist.(Sehr richtig.) Gewiß gibt es auch in anderen Parteien sozialpolitisch sehr achtenswerte Leute, ich erinnere nur an Bergrat Gothein. Aber das sind nur einzeln« Leute, keine Partei. Wenn es sich um Parteien handelt, dann kommt für die Vertretung unserer Interessen im Parlament einzig und allein die Sozialdemokratie in Betracht. Deshalb wünschen wir persönlich, daß möglichst viele unserer Mitglieder sich politisch zur Sozialdemokratie bekennen; aber als Verband können wir dazu keine Stellung nehmen. Im übrigen wünsche ich, daß der Verband weiter stark werden möge, um die Interessen der Bergarbeiterschast im besonderen und die Interessen der deutschen Arbeiterschaft im allgemeinen zu fördern. Lebhafter Beifall.) Einstimmig erklärte sich die Generalversammlung mit der Hal- tung ihrer Delegierten auf dem Hamburger Gewerkschaftskongreß einverstanden. Es wurden hierauf die bisherigen Vorstandsmitglieder ein- stimmig wiedergewählt, ebenso die Redaktion der„Bergarbeiter- Zeitung".(Lebhafte Beifallskundgebungen.) Damit war die Tagesordnung des Kongresses erledigt. Sachse schloß die Verhandlungen, indem er die wichtigen Beschlüsse passieren ließ und die Einmütigkeit in der Stellungnahme zu allen wichtigen Fragen hervorhob. Mit einem Hoch auf den Verband und dem Gesang des alten KnaPpenliedcS gingen die Delegierten dann auseinander. SW jcnisalemer Straße 38-39 W Friedrichstraße 75 W Potsdamer Straße 2 W Tauen tzicnstraße 19 a Z— trafc und Vwaand: SW jerusalemer Straße 38-39 Zentrale für Herstelintig von indivldnellem Mass-Schuhwerk und individuellen Plattfuss- Einlagen unter spezialSrzt- Ii eher Ueberwachung des Hrn. Dr. Karl Lengfellner. Herr Dr. med,Dengfe!lncr(frOhe- rer Assistent von Prof. Hoffa) ist wochentags von 6—7 Uhr in den Geschäftsräumen jerusalemer Strasse 38-39 zur änt- ächen Beratung anwesend. Man verlange Broschüre über den„Senkfuß". Preiswerte Sommer- Schuhwaren Nur erstklassige Fabrikate □□□ Konkurrenzlos in Qualität und Passform Für Damen; Braun und schwarz Chevreau-Schnür- u. 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