N». 119. BbflnnementS'Befllmjiingen: fIBotmemeiUS- Preis ttänumeronbo; »tcrteljShrl. 330 2Rf, monatl. 1,10 SSIf., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer S Pfg. Sanntag«. nummer mit illultrierler Eonnlags. Beilage.Die Nene Welt" 10 Pfg. Post. »Ibomiemenl: l.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemarl. Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Liumällien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Crföclnt tlaiifi anOer Kontitgs. Verlinev Volksblskt. Die TnfertlonS'GebQür Betrügt für die fechsgcspaltcne Kolons. zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewcrlschastliche Vereiits- Und BersammlungS-Anzeigen S0 Psg. „Uleine Tinzeigen", das erste fselt» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist Bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozlaldtinollrat RcrllD1*. Zentralorgan der foztaldetnokrattfchen parte! Oeutfchlandd. Redaktion: SRI. 68, Ltndenstraooe 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. so Jaljre vreMaslenschwach. 1. An: 80. Mai werden es 60 Jahre seit Einführung des Drciklassenregiments in Preußen. Das Drciklassenwahlrecht wurde dem Volke durch den Staatsstreich der Krone auf- gezwungen, nachdem die konstituierende National- Versammlung, die auf Grund des allgemeinen uild gleichen Wahlrechts gclvählt worden war und mit der Krone die Verfassung vereinbaren sollte, durch die Bajonette auseinander getrieben worden »v a r I Als die Völker durch die sogenannten Befreiungskriege in den Jahren 1813 und 1815 die napoleonische Macht gebrochen und damit den angestammten Machthabern wiederum Ellbogen- räum verschafft hatten, hatte auch der König von Preußen dem Volke� eine Verfassung versprochen. Aber Friedrich Wilhelm III. vergaß bald dies feierliche Versprechen, er versuchte vielmehr durch die Deniagogcnverfolgungcn die politisch regen Elemente des Bürgertums gewaltsam zu unterdrücken. Trotzdem wuchs die liberale Opposition im Lande. Namentlich in der Rhein- Provinz, die durch die französische Herrschaft von dem feudalen Wust gesäubert worden war, begann frisches politisches Leben zu Visieren. Die industrielle Ent- wickelung war dort am weitesten vorgeschritten und trieb die Bourgeoisie, die größere Absatzgebiete, Bc- seitigung der Zollschranken, also ein einheitliches Deutsches Reich brauchte, zu freiheitlichen Forderungen. Aber auch im Osten des Landes begann es sich zu regen. Eine Schrift des preußischen Finanzministcrs v. S ch 0 e n begründete die Forderung der Einberufung der Gencralstände mit den Worten:„Die Zeit der sogenannten väterlichen oder patriarchalischen Regierung, für welche das Volk aus einer Masse Unmündiger bestehen und sich w i l lig leiten und führen lassen soll, läßt sich nicht zurückführen". Und im Jahre 1841 erschien die Schrift des Königsbergcr Arztes Johann I a c 0 b y„Vier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen", worin energisch konstitutionelle Forderungen er- hoben wurden. Im Jahre 1840 hatte Friedrich Wilhelm IV. den Thron bestiegen,„der Romantiker auf dem Thron",»vie ihn David Friedrich Strauß nannte. Als die finanziellen Schwierig- leiten, die durch militärische Ausgaben hervorgerufen worden waren, zur Errichtung einer Art von Landesvcrtretnng, des Vereinigten Landtags, zwangen, dachte der König gleichwohl nicht daran, diesem Landtage ein wirkliches Mitbestiinmungs- recht einzuräumen. Der Landtag erhielt nur das Petitions- recht, das Mitberatungsrecht und das Steuer- und Anleihe- bewilligungsrecht, und bestand aus zwei Kurien, die rein ständisch waren und dem Adel die Majorität sicherten. Bei der Eröffnung des Landtages am 1. April 1847 erklärte der König ausdrücklich, er werde niemals zugeben, daß sich„zwischen den Herrgott im Himmel und das Land ein geschriebenes istück Papier dränge." Ein parlamentarisches Mitbestimmungsrecht sei„undeutsch" und führe zu„unlösbaren Konflikten mit der Krone, welche nach eigenem freiem Willen herrschen" solle,„aber nicht nach dem Willen von Majoritäten regieren kann und darf." Obendrein sollte der Landtag nicht ständig einberufen, sondern durch die von ihm zu bildenden ständigen Ausschüsse vertreten werden. Da fegte in die Stickluft der preußischen Reaktion der revolutionäre Sturmwind hinein, der sich in Frankreich so un- gestüm erhoben hatte. Am 24. Februar krachte der Thron Louis Philipps schmählich zusammen, desselben Herrschers, dem Friedrich Wilhelm IV. von Preußen noch wenige Wochen vorher geschrieben hatte:„Sire, Sie sind der Schild der europäischen Monarchien, der von derVor- schung erhobeneArm.um das Werk van Jahrhunderten zu retten und die Gesellschaft auf ihrer alten erschütterten Grundlage zu befestigen". Der von der französischen Revo- lution ausgehende Lustdruckwirbel ivälzte sich über ganz Deutsch- land hinweg und riß alles in seine Kreise. Das Rheinland geriet in ungeheuere Aufregung; in Köln debattierte man über Monarchie und Republik, sogar die Drohung mit dem An- schluß an Frankreich wurde laut. Aber auch in Berlin begann es mehr und mehr zu gären. Die Berliner Bevölkerung, aufgeregt und enthusiasmiert durch die Nachrichten aus Paris und aus �üd- und Mitteldeutschland, sammelte sich fast täglich in Volksversammlungen in den„Zelten", wo die politische Lage besprochen wurde. Auch die Arbeiter, die gerade schwer unter ArbeitLmangcl zu leiden hatten, zeigten sich ungclvöhn- lich erregt, wozu die Pariser Vorgänge, der Eintritt eines Arbeiters in die Regierung, und die Verstcherung der Regierung, das Recht auf Arbeit anzuerkennen, beitrugen. Bald kam es auch zwischen den ans den Versammlungen zurückströmenden und auf den Straßen demonstrierenden Volksmasscn und den Truppen zu Zusammenstößen. So machte das Militär am 18. März einen Bajonettangriff auf die Menschenmenge. Schon damals wurde der Versuch gemacht, eine Barrikade zu er- richten. Am 14. März kam eS gleichfalls zit heftigen Zu- sammenstößen. In der engen Vrüderstraße hieben die Garde- türassiere mit ihren schweren Palaschen in die wehrlose Menge. Auch am 15. März wurde das Volk mit Bajonetten und Kolben angegriffen. Auch an diesen Tagen versuchte man wiederum Barrikaden aufzuwerfen, so daß das Militär von der Feuerwaffe Gebrauch machte. Es gab Tote und Ver- wundete. Am 16. März wurden durch eine Gewehrsalve 15 bis 18 Menschen getötet und gegen 100 schwer verwundet. Jetzt endlich und unter dem Eindruck, den der Empfang einer rheinischen Deputation auf den König machte, entschloß sich Friedrich Wichelm IV. zu Zugeständnissen. Am 18. März, mittags 1 Uhr erschien ein Extrablatt der„Allgemeinen Preußischen Zeitung", das zwei Patente des Königs enthielt: die Verheißung der beschleunigten Einberufung des Ver- einigten Landtags, der Neugestaltung des Deutschen Bundes und der konstitutionellen Verfassung der deutschen Länder und die Aufhebung der Zensur. Das Bürgertum schwamm ob dieser Erfolge in einem Taumel des Entzückens. Es veranstaltete vor dem Schlosse Freudcndemonstrationcn. Da kam es nachmittags 2 Uhr zu der berüchtigten Attacke auf die friedliche Menge. Das Volk stob auseinander. Aber im Nu wuchsen allenthalben die Barrikaden aus dem Boden. Und am Morgen des 19. März waren die Truppen derartig erschöpft, daß der König den Befehl zur Räumung der Stadt geben mußte. Das Volk hatte gesiegt! Der König entblößte vor den Leichen der Barrikadenkämpfer das Haupt. Der Prinz von Preußen, der sich besonders verhaßt gemacht hatte, floh nach England, und bereits am 22. Mai wurde die Nationalversammlung zur Verfassungsberatung einberufen. Die Nationalversammlung aber, die am 22. Mai 1848 in Berlin zusammentrat, ging hervor aus allgemeinen und gleichen Wahlen. Alle unbescholtenen Preußen, die 24 Jahre alt waren, besaßen das Wahlrecht. So hatte sich das Berliner Volk auf den Barrikaden das allgemeine und gleiche Wahlrecht er- kämpft! Für den Augenblick hatte das Bürgertum den vollen Sieg über den preußischen Militärstaat davongetragen. Friedrich Wilhelm IV. schien sich mil dem neuen Zustande vollkommen abzufinden. Am 21. März erließ er eine Pro- klamation, worin es zum Schluß hieß:„Heil und Segen dem konstitutionellen Fürsten, dem Führer des gesamten deutschen Volkes, dem neuen König der freien wieder- geborenen Nation." Und an demselben Tage, bei einem Umritt durch die Stadt, erklärte er:„Ich weiß es wohl, daß ich nicht stark bin durch die Waffen meines Heeres, nicht stark durch meinen gefüllten Schatz, sondern allein durch die Herzen und die Treue meines Volkes." Und am 25. März hielt der 5tönig im Schloß zu Potsdam eine Ansprache an die Offiziere der Garde, in der er sagte, daß in der Berliner Bürgerschaft ein so ausgezeichneter Geist herrsche, wie er in der Weltgeschichte ohne gleichen sei.„Ich wünsche daher," fuhr der König fort,„daß das Ofsizierkorps den Geist der Zeit ebenso erfassen möge, wie ich ihn erfaßt habe, und daß Sie sich alle von nun an ebenso als treue Staatsbürger bewähren mögen, wie Sie sich als treue Soldaten bewährt haben."- Nie Sie bosnische» Kauern befreit werden. Aus Wien wird uns geschrieben: Auf die Qualität der Kulturtat. die Oesterreich-Ungarn in Bosnien geleistet zu haben sich rühmt und die eS als den eigent- lichen Nechtstitel für die Annexion ausgeben möchte, wirft der Streit um die Privilegierung der Agrarbank für Bosnien ein grelles Licht. Durch diese Bank soll nämlich die sogenannte freiwillige Grundablösung durchgeführt werden und der Streit der beiden Regierungen dreht sich im Grunde um die er- bauliche Frage, ob die Exploitierung des bosnischen Bauern von dem ungarischen Kapital allein besorgt oder ob auch der öfter- rcichische Geldwucher daran beteiligt werden soll. Aber dabei erinnert man sich, daß die zwei Länder von der Großmacht schon ein Menschenalter verwaltet werden, daß es also längst an der Zeit gewesen wäre, die Befreiung der Bauern vom Joch der Leib- eigenschaft durchzusetzen und die Agrarfrage zu lösen, mit der Serbien und Bulgarien, die kleinen Länder, auf die man in Oesterreich so hochmütig hinabsieht, schon lange fertig geworden sind. Und auch jetzt, wo die zwei Länder österreichisches„Vater- land" geworden sind, fehlt die Energie, das Problem radikal an- zugreifen und zu bewältigen! Weitaus die meisten bosnischen Bauern sitzen nicht als freie Eigentümer auf ihrem Grunde, sondern stehen im Erbpacht- Verhältnis zu einem mohammedanischen Grundherrn. Dieses Grundherrentum ist nicht durch Kauf entstanden, sondern Haupt- sächlich auf der Grundlage der politischen Machtverhältnisse. Die türkischen Eroberer bemächtigten sich einst gewaltsam des Bodens und überließen ibn ihren Anhängern als Beute. Dieses aller- dings schon 500 Jähre alte Aeuterecht hat die Okkupation als Be- sitzrecht anerkennen müssen im Gegensatz zum benachbarten Serbien, wo nach dem Jahre 1876 die türkischen Grundherren, die„SpahiS", schonungslos expropriiert wurden. Das mag allerdings in Bosnien, wo die Mohammedaner ein volles Drittel der Bevölkerung bilden und wo jede schroffe Aktion gegen die grundbesitzenden Agas von der Gesamtheit der Mohammedaner als eine islamfeindliche empfunden worden wäre, von vornherein nicht möglich gewesen sein. Natürlich auch nicht im entferntesten beabsichtigt, denn die Regierung hoffte während der ganzen Okkupationsepoche, in den Türken ein konservatives Be- völkergngseleMnt zu gewinnen, So blixb depn dgz uralt« Expedition: SM. 68, Lindcnetvasöc 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1084» Kmetenband bestehen und der bosnische Bauer muß noch heute ein volles Drittel seines Ertrages als„Tretina" oder „Hak" dem Grundherrn entrichten, der nicht sät, nicht erntet, sich auch um das Gedeihen der Frucht nicht im mindesten be- kümmert, sondern nur alljährlich einmal mit zwei oder drei Maul- tieren daherkommt, um dem Bauern ein Drittel seiner Ernte wegzunehmen. Die Befreiung des Bauern aus diesem Knechts- Verhältnis ist bis nun in Bosnien nicht, wie es noch 1348 in Oesterreich der Fall war, in der Weise geschehen, daß der Staat selbst einen Teil der Lasten auf sich nimmt, sondern der Bauer muß sich selbst freilaufen; der Staat vermittelt ihm bloß Hypo- theken, und zwar sehr teure Hypotheken. Der Bock wird zum Gärtner gemacht und die Banken befreien dem Kmeten aus der Hand des Aga. indem sie die orientalische Form der Hörigkeit durch die europäische ersetzen, wobei es ja natürlich nicht so sehr auf die Hörigkeit als auf das Geschäft ankommt. Bei dieser sonderbaren Art der Bauernbefreiung gerät der Kmet buchstäblich vom Regen in die Traufe, denn wenn auch die hohen Prozente an irgendeine Agrarbank relativ nicht so viel ausmachen wie die Tretina an den Grundherrn, so ist der Betrag absolut genommen häufig noch höher, denn bei dem heißen Drange der Kmeten, freien Bauernbesitz zu erwerben, sind die Grund» preise allenthalben rasend in die Höhe gegangen. Daß der frei- willige Loskauf trotzdem nicht geeignet ist, das Hörigkeits- Verhältnis zu beseitigen, zeigen ein paar Zahlen. Bei der letzten Zählung(1885) wurden neben 86 867 Freibauern 88 970 Nur-Kmeten und 22 655 solche Kmeten, die nebenbei Frei- gut besitzen, also insgesamt III 625 Kmetenansässigkeiten gezählt. Sich selbst haben freigekauft in den Jahren 1879 bis 1906 im ganzen 22116 Kmeten um den Ablösungsbetrag von 15133 000 Kronen, also in 27 Jahren kaum der fünfte Teil. Der freiwillige Loskauf würde also etwa in 130 Jahren beendet sein! Nun setzt aber die sogenannte bosnische Landesregierung, als welche bekanntlich der gemeinsame Finanzminister fungiert, der das Uebet an der Wurzel fassenden staatlichen Ablösung den schroffsten Widerstand entgegen. Dieser gemeinsame Finanz- minister war seit der Okkupation immer ein Magyare; zuerst der seither verstorbene Kallay, jetzt Freiherr v. B u r i a n. Herr v. Burian will nun die Grundablösung zu einem ertragreichen Geschäft für das ungarische Kapital ausbeuten. Er hat der Pester Kommerzialbank die Konzession für eine Agrarbank ver- schafft, die die Kmetenablösung im größten Stil betreiben soll und mit ganz ungewöhnlichen Privilegien ausgestattet wird. Das gemeinsame Finanzministerium— was hier heißt: beide Staaten der Monarchie— übernimmt die Garantie, daß der Bank aus dem Kmetenablösungsgeschäft keinerlei Verlust ent- stehen wird; die Forderungen der Bank werden von den Behörden, ohne Klage und gerichtliches Erkenntnis, gleich öffentlichen Steuern eingetrieben und sie besitzen gegenüber allen Gläubigern ein absolutes Vorzugsrecht; die Organe des Staates wirken als ihre Agenten; die Zinsenerträgnisse ihrer Schuldverschreibungen können niemals mit einer Steuer belegt werden— kurz, einem privaten Geldinstitut werden staatliche Hoheitsrechte verliehen, die geradezu seine Allmacht begründen müssen. Gegen die Privi- legierung dieser Bank hat nun das österreichische Abgeordneten- hauS den schärfsten Protest eingelegt und, seinem europäischeren Zuschnitt gemäß, die ernste Forderung erhoben, daß die Ablösung in Bosnien fortan von Staats wegen erfolgen soll. Anfänglich hatte die österreichische Regierung auch Widerstand gezeigt und ihre Zustimmung zu der Gründung verweigert. Aber zum Schluß hat sie die„vollzogene Tatsache", nämlich die Erteilung der Vorkonzession an die Ungarische Kommerzialbank, auch für sich akzeptiert und unter gewissen mehr oder minder bcdeutungs- losen Kautelen der Erteilung des Privilegiums zugestimmt. Die Kautelen bestehen darin, daß bis zum Ablauf der ersten Session des zu wählenden bosnischen Landtages(der freilich noch nicht einmal auf dem Papier existiert) mit dem Ablösungsgeschäft ge- wartet wird, und daß sich der gemeinsame Finanzminister ver- pflichtet, in dieser ersten Tagung des Landtages eine„Aeuße- rung" desselben über die Grundablösung herbeizuführen. Da aber dieser Landtag zum Teil in den Händen der Agas, die natürlich der staatlichen Grundablösung nicht hold sind, und zur Gänze in den Händen des gemeinsamen Finanzministers sein würde, der das gemeinsame Ablösungsgeschäft so favorisiert, so hat die Verweisung auf seine Aeußerung wenig Wert. Die Fahnenflucht der Regierung Vienerth hat im österreichischen Ab- geordnctenhause starke Aufregung erzeugt, und dem schneidigen Mißtrauensvotum, das der Abgeordnete Daszynski beantragt hat, ist Vienerth im Annexionsausschuß nur unter Aufbietung aller Mittel mit der kläglichen Mehrheit von fünf Stimmen ent- rönnen. Dafür hat er den Burian preisgegeben und diesem ist die Mißbilligung rückhaltlos ausgesprochen worden, so daß seine Stellung heute ernstlich gefährdet erscheint. Eine Kolonisierung. die die Bauernbefreiung zu einem profitablen Geschäft des gefräßigen Kapitalismus ummünzt, kann sich aber in der Welt doch sehen lassen! ein gelbe; Schelmenstück. Vor länger als einem Jahre veröffentlichte L e b i u S in seinem Blatte„Der Bund" einen Artikel, in dem er die Behauptung auf- stellte, Cohen, der Borsitzende des Metallarbeiterverbandcs, habe — Meuchelniärder gedungen und sie beaufwagt, die Gelben, welche im Februar 1903 als Arbeitswillige in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik in Wittenau tätig waren, zu überfallen, solche Uebersälle seien auch wirklich ausgeführt worden.~ Und die Nummer seine? VlatteS, welche diesen an ein Kapitel aus einem Schauerroman erinnernden Artikel enthält, reichte LebiuS der Staatsanwaltschaft als Grundlage einer Strafanzeige gegen Cohen ein.— Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin auch talsächlich ein Verfahren ein und Lebius ist bis in die allerneucsie Zeit im„Bund" immer wieder auf diese Angelegenheit zurückgekommen. Wer weih wie oft hat er seine Behauptung, der Metallarbeiterverband habe Meuchelmörder gegen die Gelben gedungen, wiederholt. Zwar ist es dem Denunzianten nicht gelungen, den ihm verhahten Genossen Cohen auf die Anklagebank zu bringen. Denn selbst den eifrigsten Ermittelungen der Staatsanwaltschaft gelang eS nicht, meuchelmörderische Absichten beim Genossen Cohen zu entdecken. Aber soweit erfüllte die Staatsanwaltschaft den Wunsch des LebiuS, das; sie einen anderen Angestellten des MetallarbeiterderbandcS, den Genossen Maus, auf die Anklagebank setzte und ihn beschuldigte, er habe andere Personen an- gestiftet, arbeitswillige Gelbe zu überfallen und zu verprügeln. Die Anklage wurde gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Milte verhandelt. Mit Maus gemeinsam waren die Metallarbeiter Heinz, Lapöhn und Wille angeklagt. Sie waren der Körpervcrletznng, Bedrohung usw. beschuldigt und sollen die Werkzeuge der schwarzen Pläne des Angeklagten Maus gewesen sein. Die eingehende Beweisaufnahme ergab, wie gleich vorweg bemerkt sein mag, auch nicht den geringsten Anhalt für die Behauptungen, welche der Denunziation des Lebius zugrunde liegen.— Festgestellt wurde, das; allerdings bei den: Streik in Wittenau die Arbeitswilligen durch Streikposten beobachtet wurden und das; aus den Reihen der Streikenden manchmal, Aeuszerungcn fielen, die von den Arbeitswilligen als Bedrohungen aufgefaßt wurden. Aber keiner der da- mals Arbeitswilligen, die jetzt als Zeugen vernommen wurden, konnte einen der Angeklagten belasten. Keiner konnte auch nur daS geringste dafür angeben, daß Maus irgendwelche Ausschreitungen gegen Arbeitswillige veranlagt habe.— Der Arbeitswillige Alfred Plock war der einzige, der etwa? von einem Ucberfall zu erzählen wußte. Er gab an, er sei einmal beim Verlassen der Fabrik von Hinte» zu Boden geschlagen worden; doch wußte er bestimmt, daß keiner der Angeklagten an dem Angriff beteiligt war. Der Vater dieses Zeugen, Franz Plock, der ebenfalls als Arbeits- williger in Wittenau tätig war, trug, wie er angab, ivährend des Streiks stets einen Revolver bei sich und legte ihn auf Streikende an, die er auf sich zukommen sah. Das Verhalten dieses Revolver- Helden mag die Streikenden besonders erbittert haben, woraus sich erklärt, daß die beiden Plock von den Streikenden be° sonders scharf beobachtet und auch gelegentlich mit Schimpsworten bedacht wurden. Von Gewalttätigkeiten der Streikenden konnte dieser Zeuge nichts bekunden, insbesondere wußte auch er nichts zur Belastung der Angeklagten anzuführen.—- Ein Zeuge B c i e r S« darf, der ehemals eine führende Rolle bei den Gelben gespielt. sich aber von ihnen getrennt hat. dem Mctallarbeiterverband jedoch nicht angehört, war ebenfalls als Zeuge geladen. Er wußte von den; unter Anklage stehenden Fall gar nichts. Auf Befragen sagte er, er sei in; März 1303, als er aus einer Versammlung der Gelben kam, in der Gleimstraße von einigen Unbekannten angefallen worden, doch bezeichnet er eS als völlig unzutreffend, daß dies auf Veranlaffung des Angeklagten Maus geschehen sein könne. Fünf Zeugen, die zur fraglichen Zeit alle der gelben Organi- sation angehörten und mit Ausnahme von Beiersdorf Arbeitswillige in Wittenau waren, konnten also nicht daS mindeste anführen, was geeignet gewesen wäre, auch nur eine schwache Stütze für die An- klage zu bieten.— Nur der sechste Zeug«. Werkzeugmacher Ernst Schmidt, war der einzige, der den Angeklagten Maus bc- lastete. Augenscheinlich stützt fich auf diesen Zeugen die ganze An- klage. Dieser Zeuge Schmidt gehörte zur Zeit deS Streiks dem Deutschen Mctallarbeiterverbande an und fungierte in Wittenau als Streikleiter. Er hat bei dieser Gelegenheit— wie der Angeklagte Mauö sagte— 15 M. von ihm(Maus) erhalten, um den Arbeits- willigen, die der Arbeitsnachweis der Gelben nach Wittenau sandte, die aber auf Ersuchen der Streikenden nicht anfingen, ihre Auslagen an Fahrgeld zu erstatten. Schmidt habe nicht nur dies Geld, sondern noch 40 M.. die er auf den Namen des Angeklagten Maus von dem Gastwirt des Streiklokals borgte, für sich verwandt. Als dies entdecktwurde und Schmidt fe i n en A uS f ch lu ß aus dem Metallarbeiterverband zu erwarten hatte, kam er dem durch seinen Austritt zuvor. Dann ging er zu den Gelben. A n ch h i e r hat er— wie der Zeuge Beiersdorf sagte— sich Unregelmäßigkeiten in Geldangelegen- h e i t e n zuschulden kommen lassen. Schmidt mußte deshalb auch aus der gelben Organisation austreten, weil sonst sein Ausschluß erfolgt wäre. Gegenwärtig gehört er keiner Organisation an. Als Zeuge in dem Verfahren gegen Maus hat dieser Schmidt bei seiner polizeilichen Bernchmung ausgesagt: Mauß habe zu ihm gesagt, die beiden Plock müßten ordentlich verhauen werden. Man müsse dazn Leute aus den Kaschemmen holen, die dafür entschädigt würden. Eines Tages seien zu ihm— Schmidt— zwei unbekannte Leute gekommen und hätten gesagt, sie seien hergeschickt,«um eine Sache zu machend Er habe angenommen, diese Leute seien von Maus gedungen, um die beiden Plock zu verhauen. Er— Schmidt— habe den beiden Unbekannten Bier und Zigarren gegeben und ihnen die beiden Plock gezeigt. Maus best reitet ganz entschieden, etwas Der« artiges veranlaßt zu haben. Dagegen gab einer der anderen Angeklagten an. daß Schmidt auch ihn auf- gefordert habe, gegen Bezahlung von Lv Mark die beiden Plock zu verhauen. Doch habe er dies Anerbieten nicht angenommen. Als S ch m i d t bor Gericht als Zeuge vernommen wurde, machte ihn der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß er die Antwort auf Fragen, durch deren Beantwortung er sich selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen würde, ablehnen könne.— Hiernach ver- »oeigcrteSchmtdtdennauch nach kurzem Besinnen die Antwort auf die Frage, ob er Personen Geld oder sonstige Zuwendungen gemacht oder ver- sprochen habe, damit sie Arbeitswillige, ins- besondere die beiden Plock, überfallen sollten. Im übrigen behauptete der Zeuge, Man? habe gesagt, es käme nicht aus 20 Mark an, wenn man Leute fände, welche die Arbeitswilligen verhauen. Das Gericht hielt den Zeugen Schmidt— die einzige Stütze der Anklage— der Mittäterschaft verdächtig und beeidete ihn deS- halb nicht, während alle übrigen Zeugen beeidet wurden. Der Amtsanwalt gab unumwunden zu, daß die Zeugen- Vernehmung gar nichts zuungunsten der Angeklagten festgestellt habe. Wenn man von der Aussage des Zeugen Schmidt, die ja, weil un- beeidigt, nicht in Betracht komme, absehe, so bleibe von der Anklage nichts übrig, die Angeklagten müßten deshalb freigesprochen werden. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Heinemann, schloß sich dem Antrage an und bemerkte: Er verstehe qicht, wie es möglich gewesen sei, daß die Staatsanwaltschaft die Anklage erheben konnte, ohne den Zeugen Schmidt, den einzigen Schuldigen, auf die Anklagebank zu bringen. DaS Gericht erkannte nach sehr kurzer Beratung ans Frei- sprcchung sämtlicher Angeklagten. Wie der Vorsitzende in der Urteilsbegründung sagte, hält das Gericht den Zeugen Schmidt für so befangen, daß auf seine Aussage kein Gelvicht gelegt werden könne. Der Verteidiger habe ganz recht: der Zeuge Schmidt komme als Alleinschuldiger in Frage und hätte als Einziger auf der Anklagebank sitzen müssen. Die bodenlos nichtswürdige Beschuldigung, welche Lebius seit Jahr und Tag gegen die Leitung des MetallacbeitcrverbandeS er- hebt, ist durch dieses Gerichtsverfahren als jeder tatsächlichen Be- gründung entbehrend gekennzeichnet worden. Wenn selbst die Zeugen, welche die Opfer der Mordanschläge deS Metallarbeiter- verdaudeS gewesen sein sollen, nichts, aber auch rein gar nichts an- führen können, was auch nur als ein Schein von Wahrscheinlichkeit für die von LebiuS verbreiteten Unwahrheiten angesehen werden könnte, dann muß mau doch fragen, ob dieser Mann selbst an die Wahrheit seiner Behauptungen glauben konnte, und ob eS n'cht mehr wie leichtfertig ist, wenn er, allein aus der trüben Quelle der Angaben des Zeugen Schmidt schöpfend, einer GewertschaftSleitUng die schwersten Schandtaten nachsagt.— Lebius und Schmidt, der sich durch Unregelmäßigkeiten in Geldangelegenheiten überall»in- möglich macht— LebiuS und Schmidt gehen als die moralisch schwer Verurteilten aus denr Verleun:- dungsfeldzug gegen den Metallarbeitcrverband hervor. Auch die StaaiSanwaltschaft, die auf Grund einer vagen Denunziation eine völlig haltlose Anklage einleitete, denjenigen aber, der als einzig Schuldiger angesehen werden muß, als Zeugen gegen die schuldlosen Angeklagten ins Feld führt, hat sich in diesem Falle abermals keineswegs als»die objektivste Behörde" betätigt. politiscde Oeberfkbt. Berlin, den 24. Mai 1909. Jagdstempel und Fahrradsteuer. Die Montagssitzling dcS Abgeordnetenhanses zeigte wiederum die Steuerdrllckcbergerci unserer Konservativen in bengalischer Beleuchtrtng. Die Herren hatten mit Hilfe des Zentrums und der Nationallibcralen in der Koinmission den von der Regierung vorgeschlagenen Stempel auf I a g d- Verpachtungen bedeutend herabgesetzt, dagegen einen in der Regierungsvorlage gar nicht vorgesehenen Stempel auf Fahrräder durchgesetzt. Für jedes Fahrrad soll künftig eine jährliche Stempelsteuer von 50 Pf. gezahlt werden! Besonders der Redner der Sozialdemokratie, Genosse Leinert, geißelte mit schneidender Schärfe diese schreiende unsoziale Art der Gesetzesmacherei. Weil die Herren Agrarier sich ihren Jagdsport nicht allzuviel kosten lassen wollen, soll die Masse wieder einmal bluten! Und auch die zahlreichen Arbeiter, für die das Radfahren kein Sport, kein SonntagSvergnügcn, sondern lediglich ein notwendiges V e r k e h r s m i t t e l ist, um zur Arbeitsstätte zu gelangen, sollen jährlich die 50 Pf. zahlen und bei dem Lösen des Stempels womöglich noch Arbeitszeit versäumen l Und diese Chtkanierrrng der Arbeitermassen soll lediglich deshalb eintreten, damit die Besitzenden etwas weniger LuxuS- steuer in Gestalt des Jagdstcmpels zu zahlen haben I Die Herren L ü d i ck e und K r e t h verteidigten die skandalöse Steuer. Der freikonservativo Herr L ü d i ck e stellte dabei die unglaubliche Behauptung auf, daß der Arbeiter, der sich em Fahrrad leiste, bereits eine ge- wisse Wohlhabenheit verrate I Und Herr K r c t h machte die höhnische Bemerkung, daß das normale Verkehrs- mittel der Arbeiterschaft doch deren Beine seien I Die Fahrradsteuer wurde denn auch schließlich angenommen. Die Mehrheit des Dreiklasscnparlaments hat damit der sozial- demokratischen.Verhetzung" wieder einmal trefflich vor- gearbeitet l_ Mumienhaftes aus dem Herrenhause. Während das DreiklaffenhauS gesetzgeberische Pfusch- und Flick- arbeit trieb, unterhielten sich die geborenen und.berufenen" Gesetz- geber, die erlauchten, edlen und bloß geehrten Herren des Herren- hauseS über den Etat. An putzigen Momenten fehlte eS nicht. Die tropische Sonnenglut hat so belebend auf die Phantasie des Herrn v. Buch gewirlt, daß er das Dreiklassenhans mit dem französischen Nationalkouvcnt verwechselt und rote Jakobinermützen auf den Köpfen der Kröchergardisten sieht. Der alte Graf Häseler hielt, wie jedes Jahr, auch diesmal seinen unentwegten Monolog über Fortbildungsschulwesen. Es ist ja nett von dem greisen Herrn, daß er sich so für die Fortbildungsschule interessiert. Es scheint aber, daß der Lehrplan seiner Jdealschule auf daS Motto.Steuerzahlen, Maulhalten und Soldat werden" zugeschnitten sein soll. Die Hochfinanz und die Wertpapierstener. Im Reichsschatzamt tagte am Montag eine Konferenz, zu der die Direktoren einer Anzahl großer Banken eingeladen waren, um ihre Ansicht über die von der Finaiizkominisfion des Reichstages be- schloffene Einführung einer Besteuerung der Wertpapiere zu äußern. Von Vertretern der Hochfinanz waren anwesend d. Mendelssohn, Geheimrat Rießer, Paul Mankiewitz, Ludwig Delbrück, Direkror Nathan und andere. Außerdem waren auch Vertreter der Groß- industrie hinzugezogen. Von vornherein wurde beschlossen, über den Gang der Verhandlungen strengstes Stillschweigen zu bewahren. Zu einer weitere» Konferenz waren lediglich Vertreter der Be- Hörden zugezogen; Gegenstand der Verhandlungen durste die Umsatz- und die Wertzuwachssteuer gewesen sein. Die Scherlprcsse behauptet, daß von den Bertreteru der Banken eine Dividenden- steuer vorgeschlagen worden sei. Zum Viermandatsraub schreibt Herr v. Ger lach in der„Welt am Mcmtat�: .Zwei Richtungen haben geschlossen für die Ungültigkeit der vier Berliner sozialdemokratischen Laudtagsmandate gestimmt, der Konservatismus und der Freisinn: ein würdiges Seitenstück zu der Nicderbarnimer Wahl, wo der konservative Herr v. TreSkotv und der freisinnige Herr Schepp Arm in Arm Wahlrechts- steunde und Wahlrechtsfeinde in die Schranken forderten. Bei einem großen Teil des Zentrums und selbst bei einzelnen Nationalliberalen regten sich Gewissensbedcnken. Bei Äonservativeu und Freisinnigen natürlich nicht. Wenn eS gegen die.Roten" gehtzt da kann»nan ein so zartes Ding, wie eS das Gewissen ist, nicht brauchen. Da braucht man nur eins: eine eiserne Stirn. Aus zwei Gründen sind die Wahlen für ungültig erklärt worden. Doppelt hält besser. Wenn ein Richter keinen durchschlagende»» Grund zur Verurteilung eines Angeklagten hat, so sucht er möglichst viele Gründe zusammen. Qualität Nebensache, Quantität Hauptsache. Er denkt: wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen. Macht auf den einen der eine Grund keine» Eindruck, so vielleicht der andere. Zunächst hat man einen formellen Grund: der Magisttat hat für die Wähler, die weniger als 3000 M. versteuern, die Listen von 1903, für die anderen die Listen 1907— weil die für 1903 noch nicht vorhanden waren k--- zugrunde gelegt. Ob da? genügt, um Wahlen für ungültig zu erklären, darüber kann man verschick euer Meinung sein. Jedenfalls haben alle Berliner Wahlen nach den- selben Listen stattgefunden. Von den 12 nur 4 herausgreifen, gegen die Eingeweihte rechtzeitig Protest erhoben haben, und diese vier kassieren, die anderen acht aber ruhig zu Recht bestehen lassen. daS mag formelles Recht fem. Sicher ist es materielles II n« recht, und wir'en»nuß es wie politische Unmoral. Der»natcrielle Grund zur Ungültigkeitserklärung»st der an- gebliche Terrorismus der Sozialdemokratie. Ihn hat man als bewiesen angenommen ohne Beweiserhebung. Er gilt den Herren deS Dreiklassenparlaments als notorisch. Die Kinder, kein Engel ist so rein, kassieren wegen„TerroriSmnS" die Wahlen der Partei, die unter allen am meisten unter dein TerroriSmnS der Dreiklassenwahl leidet I Die öffentliche Abstimmung ist an sich schon der empörendste TerrorismuS. Millionen von Beamten, Arbeitern, Gewerbetreibenden und irgendwie abhängigen Menschen — und wer kann sich völlig unabhängig nennen I— werden durch die öffentliche Abstimmung in ihrem Gewissen vergewaltigt, und zwar vergewaltigt zugunsten der herrschenden Mächte, der Regienuig und der sozial ausschlaggebenden Parteien und Berufsstände. D i e Geschichte des preußischen Wahlrechts ist eine einzige Chronik der Vergewaltigungen von oben her... Wenn jetzt die Sozialdemokraten versuchen, ihren Wirtschaft- lichen Einfluß bei den preußischen Wahlen hie und da in die Wagschale zu werfen, so kompensieren sie damit nur ei»» Tausend st el dks Unrechts, das ihnen die öffentliche Abstimmung allenthalben zufügt. Sie begehen einen Akt der N o t w e h r. Niemals ist Notwehr an sici, etwas Schönes. Wenn ich jemand töten muß, um mein eigenes Leben zu schützen, so werde ich das immer nur als eine peinlich: Zwangslage enipfinden. Aber die Schuld liegt beim Angreifer. nicht bcün Verteidiger. Die Not gebiert die Notwehr, der TerrorismuS der öffentlichen Wahl die Abwehr von unten her mit ähnlichen Waffen.... Saäie der Berliner Bevölkerung wird eS sein, den terro- ristischen Akt deS Dreiklassen ha useS wieder gut zu machen. Wem eS fein Gewissen oder seine amtliche Stelllmg verbietet, einen Sozialdcmolraien zu wählen, der möge bei den kommenden Ersatzwahlen zu Hause bleiben. Sonst aber ist CS Pflicht aller anständigen Leute, gegen die Gewalttat der vereinigten Reaktionäre durch die Wiederwahl der vier Sozial« deinokraten zu protestieren... Snnm cniqnc. Preußen ist halbfeudaler Ständestaat und e8 ist deshalb nur in der Ordnung, daß seine Minister in erster Lmie ihr Augenmerk darauf richten, daß die Standesunterschiede respektiert werden— auch auf der königlich preußischen Eisenbahn. Die Eisenbahn- Verwaltung hat deshalb folgende weise und fürsorgliche Verfügung erlassen: Bei der Benutzung der Speisewagen sind für die Reisenden. die weite Entfernungen zurückzulegen haben, die bekannten, oft beklagten Schwierigkeiten eingetretei», mSbesondcre die, daß ihnei» der Platz weggenommen wird durch andere, die nur kurze Rcisen ausführen und daher erst in zweiter Linie berücksichtigt werden können. Die Sisenbahnverwaltung sieht sich aus diesen Grüirden gezwungen, in der Benutzung der Speisewagen Beschränkungen eintreten zu lassen, deren Ziveckmäßigkeit jedenfalls überall anerkannt werden wird. Der Speisewagen wird erst 20 Minuten»»ach der Abfahrt von der Abgangstalion geöffnet. Er darf nur von Reisenden benutzt werden. die schon in» Besitz von Platzkarten sino. Inhaber von Monatskarten werden nicht mehr zum Speiselvagen zugclasfen. In D-Züge,», die die 3. Wagenklasse führen, wird der eine Raum des Speisewagens für die Reifenden 1. und 2. Klaffe freigehalten. Die Tischplötze werden zunächst diesen Reisenden angeboten. Nach den Haupt- Mahlzeiten ist der Speisewagen zu räumen, damit er gereinigt und gelüstet werden kann. Während der gemeinsamen Mahlzeiten werden Speisen nach der Karte nicht verabreicht. Die Durch- führung dieser Maßnahmen wird noch vor dem 30. Juni erfolge»;. Der Fall Holzmcier. Die bremische Senatskommisston für daS Unterrichtswesen hat gegen den Lehrer H o l z m e i e r, der schon im Jahre 1907 anläß- lich deS Kampfes der bremischen Lehrer gegen den orthodoxen Schul- inspcktor Köppe aus disziplinarischem Wege zu 300 M. verurteilt worden ist, das förmliche Disziplinarverfahren beantragt. Holz- meier soll sich.schwerer Verletzung seiner Beamtenpsticht" schuldig gemacht haben, weil er sich erkühnte, in einer Versammlung des Lehrervereiiis eine von seinem damals erkrankten Kollegen Sonne- mann verfaßte Resolution zu begründen, die sich energisch gegen die Mißachtung richtet, die die breiirische Schulbehörde den Beschlüffcn des brcinischen LehrervcreinS in wichtigen Schulfragen entgegen- brachte. In dem Anklageakt wird dem Angeklagten außerdem zur Last gelegt, daß er.als Ordinarius der Klasse IV der Voltsschule in der Vorstadt Walle seit»nehr als Jahresfrist entgegen der Vor- schrift der Schulordnung eS bewußtermaßen unterlasse, die 1. Unter- richtsstunde mit Gesang und Gebet zu beginnen". Erledigtes RcichStagsmandat. Der nationalliberale ReichStagSabgeordnete Schellhorn in Forst fP f a l z) ist am Sonntag einer Lungeiientzündung erlegen. Schell- Horn ist öl Jahre alt geworden. Er vertrat den zweiten pfälzischen ReichsragSwahlkreiS Landau-Neustadt seit 1303. Bei der letzten Wahl erhielt er im ersten Wahlgange 14ö0v gegen 8700 Zentrums« und 6300 sozialdemokratische Stimmen. In der Stich- wähl siegte er mit zirka 17 400 Stimmen gegen das Zentrum, das sich der Stimmabgabe bei der Aussichtslosigkeit der Wahl enthielt. Staatlicher TerrorismuS. Die Lorbeeren, die die Herren v. Rhcinvaben»md Krätke in ihrem Kampfe gegen das BercinignngSrccht der Beamten sich er- worden haben, haben offenbar den Eisenbahnminister v. Breitenbach nicht ruhen lassen. Er hat an die Präsidenten der Eise>»bah:i- direktionen unterm 7. Ma» er. einen Erlaß hinauögegeben, in den» er ausdrücklich betont, daß das Bestreben, Forderungen zur Ver- befferung der wirtschaftlichen Lage der Staatsbeamten durch Bildung von Beamtenvereinigungen durchzusetzen, die politische Macht uuc> dadurch Einfluß aus Regierung und Landtag gewinnen wollen, mit den Pflichten des StoalsamteS unvereinbar ist. Uebcr wichtige Vor- kommniffe»n der Tätigkeit der Bcamtenveremigunge», soll sofort an den Minister berichtet werde». Terrorismus in der schärfsten Form! Nicht bloß, daß den Be- amten daS Recht bestritten wird, durch ihre Vereinig, mg mif eine Vcsserimg ihrer Lage hinzuarbeiten, sollen die Vereine der Beamte»'. auch noch unter eine möglichst scharfe Aussicht gestellt werden, damit dem Minister jede Aeußerung hinterbracht werden kann, die da oher dort gefallen ist._ Börsenliberale Geschäftspraktiken. In der.Welt am Montag' veröffentlicht der Dörsenkritikec dieses Blattes, Bruno Buchwald, eine interessante Mitteilung über die Geschäftspraktiken des.Verl. Börsen-CourierS' und seines Chef- redakteurs Solomon, die, wenn sie in den schönen ethischen Ruhmes- kränz dieses Blattes auch nur ein ganz bescheidenes»reueö Blümleiu flicht, doch immerhin als Beitrag zur Charakteristik einer gewissen Börsenpresse Beachtung verdient. Buchwald schreibt: „®m 18. Mai erschien im„Berliner Börsen-Courier'(5ir. 230) ein Artikel, der sich mit den Berhaltnissen der Warschau- W i euer Eisen bah nges ellschaft befaiztc. Von„best- informierter Seite" wollte das Vlatt gehört haben, daß mit dem 1. Jnli erhöhte Kohlentarife in Kraft treten werden. Und nun wurde in völlig einseitiger Weise der Anteil deS ÄohlenverkehrS an dem gesamten Güterverkehr der Bahn dargestellt sowie die Zunahme der Personen- und Güterbeförderung seit dem Jahre 1898. Damit wollte das Blatt den Beweis erbringen, daß die Warschau- Wiener Eisenbahn„im Zeichen einer konsequent aufwärtsstrebenden Verkehrsentwickelung stehe". Das ist natürlftb richtig, kann aber fast von jeder Eisenbahn behauptet werden. Vollkommcn verschwiegen hat der„Bürsen-Courier" jedoch, das; während dieser 1» Jähre der Ertrag pro Passagier von 82,26 ans 74,36 Kopeken zurückgegangen ist, dag ferner das Aktienkapital sich während diese« Dezenniums verdoppelt hat, die Obligationen von SS, 47 auf 109,73 Millionen Rubel gestiegen sind. Trotz dieser günstigen VerkehrSentwickelung hat nämlich die Warschau-Wiener Eisenbahn noch im Jahre 1907 463 700 Rubel zur Tilgung von Aktien aus dem Reservefonds nehmen müssen. ESsoll durchaus nicht geleugnet werden, dag nach einer Reihe von Jahren die Verhältnisse der Warschau-Wiener Bahn sich bessern können; vorläufig erwarten selbst Optimisten keine Dividende, selbst wenn die Wünsche der Gesellschaft auf eine Erhöhung der Tarife in Erfüllung gehen sollten. Davon ist aber bis jetzt noch nicht einmal die Rede; wohlweislich gibt das Blatt den Umfang der Tarif- erhöhung nicht an. Das; der„Berliner Börsen-Courier" so einseitigen Informationen Raum geioährt, ist aber namentlich deshalb »nterefiant, weil die Banlfirma Samuel Zielenziger einige Tage vor dem Erscheinen dieses Artikels Käufe in den Aktien der Warschau-Wiener Eisenbahn vornahm, und kurz nachher von derselben Seite Verkäufe erfolgten. Ich behaupte nun(und bin gern bereit, hierfür den Wahrheitsbeweis zu führen), daß einige H a n d e l s r e d a kt e u r e des„Berliner Börsen- Eouriers"(vor allem wieder Herr Salon, o n), mit derselben Firma in geschäftlichen Be- Ziehungen stehen, in Beziehungen, die schon nr ehrfach dahin?g es nhrt haben, daß die Firma Gläubigerin der Redakteure gewesen ist." Haussuchung. Die Polizei zeigt wieder einen großen Eifer in russischen Angelegenheiten. An» Freitagnachmittag hat sie dem Bureau- Vorsteher Wilhelm O., Prinzenallee 74.«Treppen, einen stunden- langen Besuch abgestattet und großes Interesse für seine Korrespondenzen bewiesen. Angeblich soll diese HanSsuchimg mit einer in Bremen stattgefundenen Verhaftung eines Letten in Verbindung stehen. Des Königs Rock in der Pfütze. Bei einer Exerzierübung der 4. Kompagnie des Pionierbataillons zu Magdeburg ließ der Unteroffizier Eduard Richter den Pionier Friedrich Kiesche, der angeblich die Fußspitzen nicht genug nach unten drückte, auf dem schmutzigen Hof durch die von auftauendem Schnee gebildeten Pfützen kriechen, befahl ihm, sich mehrmals nieder- zuwerfen und wieder aufzustehen und dergleichen niehr, so daß Kiesche über und ülier beschmutzt und vollständig durchnäßt war. Er er- krankte infolgedessen und mußte eine Zeitlang d> S Bett hüten. I» der Erregung über das Vorgehen des Unteroffiziers ließ (ich Kiesche zu der Bemerkung hinreißen:„Gott verdamm' mich! Solche Schweinerei I' Weil Kiesche, der sein Gewehr in der Hand hielt, sich dabei schüttelte und da» Wasser aus den Rockärmeln laufen ließ, zeigte ihn der Unteroffizier obendrein noch wegen Bedrohung anl Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu 21 Tagen Mittel- arrest, während der Unteroffizier wegen vorschriftswidriger Be- Handlung— eine Woche Mittelarrest bekam. Der Gerichtshcrr und der Unteroffizier legten gegen daS Urteil Berufung ein. Das OberkricgSgcricht des 4. Armeekorps zu Magde- bürg erkannte am Sonnabend gegen deu Unteroffizier wieder auf eine Woche Mittelarrest, gegen Kiesche aber auf 21 Tage st r e n g e n Arrest. .Die Disziplin ist also gerettet. Ein Duelluiord fand vor dem Kriegsgericht Erfurt seine„Sühne'. Am 29. April schoß der Oberleutnant der Reserve, Generalagent Stier aus Erfurt, den Referendar Kuhn, Sohn de? Geheimen Finanzrates Kuhn a. D. in Weimar, in den dortigen.Ratttannen' nieder. Kuhn war noch nicht zum Schuß gekommen, als er von seinem Gegner die tödliche Kugel erhielt. Die Ursacke soll, so verlautete damals, darin bestanden haben, daß sich beide Duellanten beim Kartenspiel geohrfeigt haben. Das Kriegsgericht per- urteilte den Stier zu 2 Jahren 1 Monat Festungshaft; es ging also un, eine Wenigkeit über das Strafmindestmaß hinaus. Den Verurteilten der„Gnade des Königs zu empfehlen", wie es der Verteidiger wünschte, lehnte der Gerichtshof ab. franfcrdeb. Der Gedenktag der Kommune. Paris, 23. Mai. Bei der heute, wie alljährlich, von den Sozialisten auf den, Kirchhofe Pöre Lachaise zum An- denken an die 1371 erschossenen Kommunarden veranstalteten Kundgebung kain es zu einem Z u- sammen stoße mit der Polizei, wobei mehrere Polizeibeamte verletzt wurden. Dazu meldet mts ein Privattelegramm unseres Korrespondenten: Die heutige!lnndgebung an der Mauer der Föderierten nahm infolge der polizeilichen Schikanen einen recht heftigen Charakter an. Offenbar im Vollgefühl ihres jüngsten über das Proletariat errungenen Sieges hatte die Regierung das im vorigen Jahre aufgehobene Rede- verbot wiederhergestellt. Als Genosse Vaillant an der Maner eine Ansprache halten wollte, untersagte ihm ein Kom- niissar dies. Die Manifestanten, die etwa in der Zahl von Zehntausend dem Ruf der Seine-Föderation gefolgt, wurden auch durch die Manöver gereizt, womit die in ungeheuren Massen aufgebotene Polizei alle geschlossen marschierenden Trupps auseinander sprengte. Am Ausgang des Friedhofes kam eS zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei und die republikanische Garde rücksichtslos cinhieb. Sie„eroberte" auch die roten Fahnen zweier Parteiscktionen. Die werden wohl in ein vaterländisches Museum kommen. Eine Anklage gegen die Regierung. Paris, 24. Mai. Der Verband der Post- und Tele- graphenangestellten ließ heute nacht Anschlagzettel ver« breiten, in denen die Regiermig beschuldigt wird, ihr Versprechen nicht gehalten zu haben in der Abficht, einen neuen Aus- stand hervorzurufen, um massenhafte Entlassungen vornehmen zu können.«Wir sind besiegt,' heißt eS dann weiter; „durch die Schuld derjenigen, die ihre Solidaritätspflicht nicht er- füllt haben, sind 600 der Uusrigen abgesetzt und an 2000 Menschen ins Elend gestürzt worden. Wir sind besiegt, aber nicht entmutigt." Der Verband hat eine Hilfsaktion für die abgesetzten Postbeamten eingeleitet. Die streikenden Seeleute. Paris, 23. Mai. In M a r f e i l l e hat das Syndikat der S e e le ut e und F is ch e r beschlossen, sich mit den Ausständigen in Dilukirchen, St. Nazaire und Algier solidarisch zu erklären. In D ü n k i r ch e n haben die eingeschriebenen Seeleute Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen. Der Generalstreik beschlossen. Marseille, 24. Mai. Die eingeschriebenen Seeleute hielten beute die angekündigte Versammlung in der Arbeitöbörse ab, um über den Generalstreik zu beschließen. Der SyndikatSselretär R e s u, welcher als Delegierter nach dem Pariser Kongreß entsandt worden war. befürwortete den sofortigen Ausstand im Zu- sanimenhang mit der Solidarität der übrigen Häfen. Der Sekretär der Matrosen. ebenfalls ein Delegierter des Pariser Kongresses, erklärte, der Ausstand in diesem Augenblicke stehe im Widerspruch mit den Beschlüssen des Pariser Kongresses. Nach längerer Debatte wurde schließlich der Generalstreik verfügt. Der Ausstand soll solange dauern, bis die SchiffahrtSgesellschasten die Forderungen der See- leute betr. die Regelung der Arbeitszeit an Bord der Schiffe gc- währt haben werden. Die Mannschaften der Dampfer„Jsly" und „Bugesud", welche heute naiibmitiag abdampfen sollen, erklärten, daß sie sich nicht an Bord der Schiffe begeben würden. Ein perma- neittes Streikkomitee ist in der Arbeitsbörse versammelt. Nachwahlen. Paris, 23. Mai. Bei der heute hier im 12. Arrondissement stattgehabten Wahl zur Devutiertenkammer wurde L e f o y e r(s o z.« radikal) gewählt an Stelle de? verstorbenen„unabhängigen" Sozialisten Paschal Gronsset. Nach Bekanntwerden des Wahl- ergebnisics kam eS zu Kundgebungen. Der gewählte Ab- geordnete mußte unter polizeilicher Bedeckung nach seinem Hause begleitet werden, gefolgt von einer 200köpfigeii Menge, die Pereatrufe gegen ihn ausstieß. Die Polizei wurde ebenfalls ausgepfiffen. Es kam dabei zu Zusammen st ößen, wobei drei Verhaftungen vorgenommen wurden. Auch in A v i I l o n im Departement Donne siegte der Sozialistischradikale G a l o t. Durch diese Wahl gewinnen die Sozialistisch- radikalen einen neuen Kammcrsitz. Bürgerliche Hetzereien. Paris, 23. Mai. Aus B r e st wird mehreren Blättern gerüchlweise gemeldet, daß der Mißerfolg des Stapel« laufs deS Panzerschiffes„Danton' einem bös- willigen Anschlag zuzuschreiben sei. Da«„Journal de» DebatS' weist darauf hin, daß das sozialistische Blatt„Eaalitaire" bereits gestern nachmittag in einem Artikel hämisch gefragt habe, ob das Panzerschiff„Danton", welches zum Mordwerkzeuge bestimmt sei. sich wohl auch entschließen werde, den Stapel zu verlassen. Ferner erfährt das Blatt, daß die Arbeiter, die mit der Einführung der Stützen beschästigt waren, die Internationale und ein anarchistisches Lied(wie daß dumme Blatt die Carmagnole nennt) sangen, sowie daß der Generalsekretär der Arbeitsbörse, welcher un- besugterweise dem Stapellauf beiwohnte, von den Gendarmen fort- gewiesen werden mutzte. Man habe den Eindruck, daß ein wohl vorbereiteter revolutionärer Plans!) vorliege. Demgegenüber meldet die„Agence Havas" aus Brest, daß von zuständiger Seite wiederholt erklärt wird, der Mißerfolg des Stapellaufes deS„Danton" sei darauf zurückzuführen, daß die Matzregeln für den Stapellauf schlecht getroffen gewesen seien. Italien. Kugeln statt Brot. Sinopoli(Reggio di Calabria), 24. Mai. Etwa 2600 Personen versammelten sich gestern abend auf der Piazza, verlangten die Verteilung von Lebensmitteln seitens der Stadtbehörden und bewarfen drei Karabiniere, welche die Ruhe wiederherstellen wollten, mit Steinen. Ein Karabiniere, der von einem Steinwurf getroffen war, gab Feuer, sodann entwaffneten ihn die Mani- festanten und feuerten ihrerseits auf die Karabinieri. Nunmehr gaben sämtliche Karabinieri Feuer, töteten vier und verwundeten sechs Manifestanten. Später stellte Militär die Ordnung wieder her. Englancl. Gegen die Flottenpanik. London, 22. Mai. Handelsminister Churchill Hielt in Manchester eine Rede über die Panik, die man durch Gerüchte über Kriegsschiffe, Luftfahrzeuge und andere Popanze mehr her« vorrufen wolle. Je mehr die Panikmacher Geschrei machten, um so größer seü die Ruhe und Verachtung, womit die Masse der Nation ihre Enthüllungen aufnehme. Was die Flotte anlange, so könne er ein Anwachsen des Flottenbudgets um drei Millionen rechtfertigen, aber er sei kein Betvunderer jener Poli- tiker, die die Muße fänden, eine prahlerische und sensa- tionelle Politik der Rüstungsausgaben zu befür- Worte«. Die Regierung sei zu VerteidigungSmaßnahmen entschlossen. DaS Land solle sich von seinen verantwortlichen Mi- nistern Vorschriften geben lassen, nicht aber durch eine Gesellschaft von derartigen Politikern und sensationslüsternen Journalisten. Die Regierung gegen die Alarmisten. London, 24. Mai. Im Unterhause stellte heute L o w n e. d a l e(kons.) die Frage, ob die Rmierung entschlossen sei, im lau. senden Finanzjahr acht Schlachtschiffe ersten Ranges auf Stapel zu legen. Premierminister Asquith antwortete: Ich habe den früheren Erklärungen zurzeit nichts hinzuzufü- gen. Vor einigen Tagen hatte Sir John Bar low(liberal) an Kriegsminister öaldane eine Anfrage über die von Provinzblättern gebrachte Nachricht, daß sich 66 000 ausgebildete deutsche Soldaten in England befinden und daß in einem Keller unweit des Sharing croh-Bahnhofes Mausergewehre und eine halbe Million dazu ge- hörige Patronen lagern. In einer schriftlichen Antwort hatte der Kriegsminister diese Nachricht als eine außerordentlich törichte gekennzeichnet. Nun stellte B a r l o w in der heutigen Sitzung dieselbe Frage, die Haldane folgendermaßen beantwortete: Sir John Barlow hat recht daran getan, dieses Beispiel einer Sorte von A l a r m n a ch r i ch t e n, denen von gedankcn- losen Personen allzu häufig Glauben geschenkt wird, dem Hause zu unterbreiten. Für jedweden, der auch nur eine blasse Ahnung von den Erfordernissen einer Mobilmachung hat. ist diese Unterstellung lächerlich(Beifall und Heiterkeit). Diese Nachrichten sind dazu angetan, den Ruf unseres gesunden Men- schenvcrstandes im Auslände zu schädigen. Barlow hat sich daher ein Verdienst erworben, wenn er die Unterstellung der gc- bührenden Lächerlichkeit preisgibt. finnlanci. Die Wahlen. Aus HelsingforS wird uns geschrieben: Nach dem schon kurz telegraphisch gemeldeten Nesultak der LandtagSwahlen sind gewählt: 84 Sozialdemokraten, 48 Alifinnen, 28 Jungfinuen, 25 Svekomanen(Schweden), 13 Agrarverbändler und 2 christliche Arbeiter. Stimmen er- hielten: Sozialdemokraten 336671, Altfinnen 193688, Jungfinncn 121 004, Svekomanen 104 010, Agrarverbändler 66 649, christliche Arbeiter 23 619. Das Fazit der Wahlen: ein großer S i e g d e r Sozialdemokratie, Stärkung der 'Opposition gegen Rußland und Zurückdrängen der Altfinttcn. Vor allem fesselt das allgemeine Interesse der großartige Wahlerfolg der finnischen Sozialdemokratie. 336 671 Stimmen(gegen 310 043 voriges Jahr) von 841 784 im ganzen— das sind rund 49 Proz. aller im Lande abgegebenen Stimmen! Einen so hohen Prozentsatz sozialdemokratischer Stimmen kann kein anderes Land in Europa aufweisen. Man würde aber fehl- gehen, wollte man das kolossale Wachstum der finnischen Sozial- dcmokratie als momentanen Zufallssieg erklären. In Finnland gehen Parteiveränderungen überhaupt äußerst langsam vor sich. Wenn man die bei den vorigen Wahlen(1907 und 1903) ab- gegebenen Stimmenziffern aller Parteien bergleicht, so sieht man, daß hier keine jähen, unerwarteten Sprünge vorkommen, sondern ein normales Vordringen oder Zurückgehen der einzelnen Parteien stattfindet. Der Entwickelungsgang der finnischen Sozialdemo- kratie ist durch folgende Zahlen gekennzeichnet: Bei den Wahlen zum ersten Landtage erhielten die Sozialdemokraten 329 946 oder 37 Proz. aller Stimmen, darauf im Jahre 1903(beim allgemeinen Rückgange aller Stimmen) 310 048 oder 33,4 Proz. und jetzt 336 671 oder 40 Proz. aller Stimmen. Der Kapitalismus in Finnland ist noch recht schwach ent-' wickelt. Es gibt nur einzelne größere Industriestädte(HelsingforS, Tammerfors, Abo); die Zahl der in den verschiedenen Fabriken und Etablissements beschäftigten Arbeiter beträgt über 100 000 und von diesen hat die Sozialdemokratie etwa 80 Proz. für sich gewonnen. Das Gros der sozialdemokratischen Wähler bilden die ländlichen proletarischen und halbproletarischen Massen, die gerade unter der ungenügenden EntWickelung des Kapitalismus leiden, größtenteils als Landarbeiter für den Sommer und als Wald- arbeiter für den Winter sich verdingen und ihren Arbeitslohn hauptsächlich in natura empfangen. DaS RevolutionLjahr 1906 und die Wahlen von 1903 führten diese«T o r p p a r i"(Häusler) der Sozialdemokratie zu und seitdem ergchen sich die bürgerlichen Blätter in Prophezeiungen, daß sie nur zu bald von der Partei abschwenken werden. Die folgenden Wahlen haben aber nur be- wiesen, daß die Sozialdemokratie es verstanden hat, diese Be» Völkerungsschichten bleibend an ihre Fahne zu fesseln. Vor allem hat die finnische Sozialdemokratie in den letzten vier Jahren eine kolossale OrganisationS- und Agitationsarbeit entwickelt: das Netz der Parteiorganisation umspinnt daS ganze Land, jede Provinz besitzt ihre Preßorgane, in jeder Stadt und fast in jedem Flecken hat die Arbeiterschaft ihre eigenen Volkshäuser. In der Agitation hat die Sozialdemokratie beständig den entschiedenen Klassenkampf betont und hat es verschmäht, durch allerlei Vor- spicgelungen und Ausreden Stimmenfang zu treiben. Und gerade darum haben die ländlichen Bevölkerungsmassen die Vertretung ihrer Interessen der Sozialdemokratie übertragen, weil sie zu der Ueberzeugung gekommen find, daß hier im Lande keine andere Partei imstande ist, radikale Reformen durchzuführen und sie aus ihrem Elend zu befreien. Und so kommt eS, daß die Sozialdemokratie hier in Stadt und Land so feste Wurzeln gefaßt hat.— Am 1. Juni tritt der finnische Landtag zusammen. Ein Konflikt mit der zaristischen Regierung erscheint unausbleiblich und wahrscheinlich schmiedet man schon in Petersburg Pläne, wie die demokratische Verfassung Finnlands umzustoßen ist. Doch was auch die Zukunft bringen mag, in den vergangenen Wahlen hat das finnische Volk seinen festen und unerschütterlichen Willen bekundet. Cörhd. Ein Vertrauensvotum. Konftantinopel, 24. Mai. Die Kammer sprach nach er. regier Debatte mit 191 gegen 6 Stimmen dem Kabinett daS Vertrauen aus. Im Senat Verla» der Minister deS Innern, Ferid Pascha, das Programm der Regierung. Der Senat sprach der Regierung einstimmig das Vertrauen aus.— Nebcrbürdcte KrieaSaerichte. Sonstantinopel, 24. Mai. Mit Rücksicht auf die Ueber» bürdung der beiden Kriegsgerichte ist ein drittes eingesetzt worden.—_ Die Metzeleien in Adana. Koustautinopel, 24. Mai. Der Gouverneur von Kerkuk, welcher die Metzeleien in Adana, Marosch und Umgegend an- gestiftet hatte, sowie der Militär, und Gendarmerie- kommandant von Kaissarieh wurden verhaftet. PerHen. DaS englische Blaubuch, London, 26. Mai. I(Eig. Ber.)! Auf Verlangen des Unter- hauseS veröffentlichte die Regierung vor wenigen Tagen ein ziem- lich umfangreiches Blaubuch, das einen Teil der diplomatischen Korrespondenz über die persischen Angelegenheiten vom Dezember 1966 bis November 1968 enthält(Lorresponckence rsspecting tfte .Akkairs of Persia. No. 1. 1909). ES bringt 326 Depeschen. Berichte und Einlagen, die zwischen den britischen Vertretern in Teheran und Petersburg und den britischen, persischen und russischen Staatssekretären und Ministern gewechselt wurden. Es bringt ebenfalls Abschriften der persischen Verfassung, deS Standrechts- erlasses und anderer Manifeste und Verträge. Das Blaubuch ist lehrreich und wird stets als eine der Quellen der Verfassungs- kämpfe Persiens der letzten Jahre benutzt werden. Wir können hier nur auf einige wichtige Punkte hiniveisen: die Tätigkeit der britischen und russischen Vertreter in Teheran und auf einige Vor» gänge der persischen VerfassungSkämpfc.> Die Haltung der britischen Vertreter und der britischen Regie, rung war im ganzen eine liberale. Sie war stets vom Gedanken geleitet, dem persischen Volke einen Anteil an der Regierung des Landes zu sichern. Dagegen war die Haltung des russischen Ge- sandten Herrn v. Hartwig darauf gerichtet, den neuen Schah zu schützen. Die britische Regierung, getrieben von der öffentlichen Meinung Großbritanniens, bemühte sich, ihren Einfluß in Peters- bürg gegen jedes militärische Eingreifen Rußlands geltend zu machen, und es ist sicher, daß Persicn nur diesem Einflüsse zu danken hat, daß cL bor dem Schlimmsten bewahrt worden ist. Sir Edward Grey stellte der russischen Regierung den Antrag, die Revolutionäre in der Provinz Aserbaidschan(mit der Haupt- stadt Töbris) als die e i g e n t l i che Behörde anzuerkennen und ihnen die Aufrechterhaltung der Ordnung in jener Gegend anzuvertrauen. Die englischen GcsandtschaftS- und Konsulats- gebäude haben einer großen Zahl von persischen Reformern das Leben gerettet. Nach der Zerstörung des MedschliS im Juni 1998 fand auch u. a. der Redakteur des„Habl-ul-Matin", einer der heftigsten Feinde Englands, seine Zuflucht in der britischen Gc- sandtschaft in Teheran. Der Präsident des MedschliS flüchtete sich ins französische Gcsandtschaftsgebäude. Zu Ende deS Jahres 1996, unmittelbar vor der Einführung der Konstitution, befanden sich iin Garten der englischen Gesandtschast in Teheran nicht weniger als 14 000 Perser, die dort unter englischem Schutze lebten. Die Lage der Reformer war im ersten Halbjahre 1903 eine günstige. Nur fehlte ihnen die Entschlossenheit und die Einsicht, sie auszunutzen. Der Schah war verzweifelt und seine Wilitär, kräfte tvaten keineSNegS iiifct entschlösse?! geführten Volkserhebung gewachsen. Während deS kritischen Kampfes um das Medschlis '(Juni 1908) hätten die Anhänger der Konstitution leicht siegen können, wenn sie nicht aus Furcht vor einer russischen Intervention ihre besten Karten weggeworfen hätten. Die im Stratzenkampfe engagierten Reformer hatten es nur nötig, die russischen Offiziere wegzuschießen, um die Militärkräfte des Schah auf ihre Seite zu bringen. Und die russischen Offiziere haben sich dem Feuer derart ausgesetzt, daß irgend ein Perser sie niedermachen konnte. Mein die Reformer waren vom Gedanken besessen, eine derartige Tat würde unvermeidlich ein militärisches Eingreifen nach sich ziehen. Sie kämpften also mit halbem Mute. Und das war ihr Verderben. Der Gesamteindruck des BlaubucheS läßt sich am besten in den Worten Matthew Arnolds zusammenfassen:„Eine Welt liegt im Sterben und die andere hat nicht die Kraft, geboren zu werden." Das Schicksal PersienS hängt vom Kräfteverhältnis der Fak- koren ab, die im britisch-russischen Zusammengehen wirken.— Hus der Partei. Abgelehnte Einladung. DieGesellschaft für sozialeReform ladet in einem Zirkular auf Dienstag, den 25. Mai zu einer Besprechung über den Empfang einer Deputation englischer Parka- mentarier, zumeist liberaler Arbeiter-Abgeordneter, ein. In dem Komitee, das die Einladungen ergehen läßt, sitzen die Abgeordneten Wiemer und Schräder, die im Reichstag kürzlich erst den sozialdemokratischen Abrüstungsantrag abgelehnt haben, neben den Herren Goldschmidt, Cassel usw. Der Parteivorstand und die Generalkommission der Gewerkschaften sind übereingekommen, sich an diesen Veranstaltungen nicht zu beteiligen. Nationalistisches Sonderlingswesen. Also überschreibt die„Fränkische T a g e s p o st", das Nürnberger Parteiorgan einen Artikel, der sich mit der national- sozialistischen Leistung deS für die Nürnberger Sozialdemokratie bestellten Vollsbildners Maure nbrecher befaßt. ES heißt darin u. a.: „.... Maurenbrecher tritt nicht nur auf LcuthnerS Seite, sondern er übertrunipft ihn sogar noch in der Aufstellung von unrichtigen Behauptungen und in der Erhebung von Forderungen an die Partei, die diese nicht erfüllen kann, wenn sie sich nicht aus den Reihen der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung streichen lassen will... ... Da muß man doch der deutschen Diplomatie, der deutschen Marineverwaltung und den bürgerlichen Parteien das Zeugnis ausstellen, daß sie bedeutend einsichtiger sind als Mauren- brccher. Sie haben stets versichert, daß es Deutschland gar nicht einfalle, an Flottenkraft mit England konkurrieren zu wollen, das als Insel fast ohne eigene Broterzeugung und als Kolonialreich ersten Ranges ans seine Marine in weit höherem Maße ange- Wiesen ist, als irgend ein europäischer Kontinentalstaat." Der Schlußsatz lautet: „Maurenbrechers Talent hat der Partei manche? zu geben. aber seine Lehren über die auswärtige Politik kann sie gar nicht entschieden genug zurückweisen." Uns will scheinen, daß die Lehren, die Maurenbrecher über die innere Politik verlauten ließ, denen über die äußere Politik durchaus entsprechend und gleichwertig sind. Zahlreiche Parteiblätter haben sich zu dem Ergebnis Mauren- brccherischen UmlernenS geäußert— ohne Ausnahme haben sie die „proletarische Politik" des neuesten nationalistischen Mitarbeiters der „S. M." entschieden abgelehnt. Mit einer gewissen Berechtigung sagt die„Fränkische Tagespost": „Die„Sozialistischen Monatshefte" entwickeln sich, seitdem ihr Herausgeber die schwarz-weiße Fahne aufgezogen hat. erfreulicher Weise immer mehr zu einem einigenden Element innerhalb' der deutschen Sozialdemokratie...." Das„Volksblatt" für Bochum bringt einen Leitartikel „Klassenpolitik oder Nationalismus", worin eS u. a. heißt: „Maurenbrccher spinnt mit Hilfe Blochs daS Garn weiter, das Lcuthner angesponnen hat; in seinem kouscgucnten Nationalsozia- liSmus zeigt sich erst rechl deutlich die Hilflosigkeit dieser Art Politik, die durcki Bezeichnung als proletarisch keinen Pfifferling gescheiter wird. Maiircnbrecher will auch den Frieden, er will auch die Einschränkung der Rüstungen, er will auch proletarische Politik, aber das einzige Mittel dazu, daß nämlich die sozialdemokratische Partei jedes Landes ihren Einfluß auf ihre Regierung geltend zu machen sucht, um ihre Regierung zu praktischen Schritten in der Richtung der Abrüstung vorwärts zu treiben, lehnt er ab. Er handelt noch der Methode der Unternehmer in der Frage de» Arbeiterschutzes, die auch stets sagen: wir sind bereit zu Schutzgesetzen, wenn— das Ausland anfangt. Wir wären nie zu einer Spur Arbeiter- schütz gekommen, wenn wir dieses Argument hätten gelten lassen." Unsere Tote». In Königsberg i. Pr. starb Genosse Karl Schwarz, der Führer der ostdeutschen Maurerbewcgung im Alter von 47 Jahren. Als Vierundzwanzigjähriger schloß er sich im Jahre 1886 zu Ham- bürg der Sozialdemokratie und seiner Gewerkichaft an, für die er seitdem eifrig und pflichtgetreu gearbeitet hat. In der Maurer- bewegung hat er mehrfach wichtige Vertrauensposten bekleidet; im Jahre 1902 wurde er zum Leiter des Gaues Osten gewählt. In Ost- und Wesiprcußcn hat er die gewerkschaftliche Organisation nuter den Maurern kräftig gefördert. Im vorigen Jahre mußte er wegen des Lmigenleidens von der Arbeit zurücktreten, da? ihn ietzt dahingerafft hat._ Hus Industrie und Kandel. International. Wie gemeldet wird, ist kürzlich ein internationaler Verband der Eisenwarenhändler gegründet worden, dessen konstituierende Ver- tretcrversammlung demnächst in Brüssel stattfindet. Alle solche Gründungen und Organisationen verfolgen den Zweck, den Konsumenten bequemer die Preise diktieren zu können. Es wird international organisiert, damit die„nationale" Profitmacherei un- gestört bleibt. Wenn aber Arbeiter internationale Abmachungen treffen, um sich gegen unlauteren Wettbewerb, gegen schrankenlose Ausbeutung ihrer Arbeitskraft etwas zu schützen, dann geifern die international verbündeten Profitmacher über— vaterlandslose Gesellen.__ Der Arbeitsmarkt im April. Ueber die Lage des Arbeitsmarktes im April d. I. berichtet das „Reichsarbeitsblatt": Der Arbeitsmarkt zeigte im Monat April kein einheitliches Bild. Für einige Großindustrien ist eine Verbesserung gegenüber dem Vor- inonat noch nicht oder doch nur in geringem' Umfange eingetreten. So belebte sich zwar der Geschäftsgang auf dem Ruhrkohlenmarkte etwas, jedoch wird das zum Teil darauf zurückgeführt, daß mit dem Inkrafttreten der Sommerpreise eine Reihe von Lieferungen er- folgten, die im Vormonat in Erwartung der niedrigeren Preise nicht mehr aufgegeben waren. Auf der anderen Seite brachte die mildere Witterung einen Rückgang des Absatzes in Hausbrandkohle und Briketts. Die Maschinenindustrie war im allgemeinen besser als im Vormonat beschäftigt, allerdings nicht allenthalben: So war die Lage in der oberschlesischen Schwerindustrie nach wie vor ungünstig. In der elektrischen Industrie trat teilweise ein Rückgang ein, der vor allem die Herstellung von Akkumulatoren und Dynamo- Maschinen betraf. Besser beschäftigt waren die Kabelwerke. Die Textilindustrie hatte für einzelne Zweige eine vermehrte Beschäfti- gung aufzuweisen; die Spinnereien waren aber noch immer unzu- reichend beschäftigt. Wie üblich, wurde das Gesamtbild des Arbeits- Marktes im April durch die Belebung der Tätigkeit in einigen Saison- gewerben beeinflußt. Zu ihnen gehört zunächst das Baugewerbe, das jedoch noch immer nicht zur vollen Entfaltung gelangt ist, dann die Bekleidungsindustrie mit ihren vielen Zweigen. Der Geschäftsgang der Brauereien wurde durch die wärmere Witterung günstig be- eiuflußt. Im Buchdruckgewerbe dagegen begann die stille Geschäfts- zeit bereits einzusetzen._ Die Wirtschaftslage i« den Vereinigten Staaten. New Jork, Anfang Mai 1909. Grundverschieden von den Meldungen über die wiedergekehrte Prosperität in den Vereinigten Staaten lautet der soeben veröffent- lichte Bericht des Lizeuz-Kommissars der Stadt New Jork, dem sämtliche privaten Stellenvermittelungsbureaus unterstellt sind, über die Periode vom 1. Mai 1908 bis 30. April 1909. Heißt es doch in der Einleitung des Berichts:„Die Arbeitsverhältnisse sind zurzeit noch ebenso schlecht, wie im Frühjahr 1903 nach der Finanzpanik". Der Kommissar führt alsdann den ziffernmäßigen Nachweis, daß die Zahl der vermittelten Stellen ganz bedeutend zurückging, und bannt parallel lief ein Sinken der Löhne. Der Durchschnittslohn der bei Eisenbahn- und Straßenbauten oder Kanalisationsarbeiten beschäftigten Leute ist von l.öO auf 1,25 Dollar gesunken. Das gleiche läßt sich bei den Löhnen der ungelernten Arbeiter un allgemeinen konstatieren. In andern Branchen, so z. B. in der kaufmännischen, liegen nur noch Stellenangebote für Personen mit Miuimalansprüchen vor. Auch die Verhältnisse der Dienstboten haben während des ab- gelaufenen Jahres eine Verschlechterung erfahren. Beachtenswert ist der in dem Bericht berührte Punkt über die Landarbeiter, die, da sie zumeist Eingewanderte oder Neueinwandcrer sind, von New Jork aus nach allen Teilen der Vereinigten Staaten geschickt werden. Der Bericht besagt hierüber:„Die Zahl der Landarbeiter, denen Stellungen vermittelt worden sind, hat keine wesentliche Aenderung erfahren. Die heuer angebotenen Löhne sind um ein geringes höher als im letzten Jahre. Die Männer sind indessen nicht geneigt, auf den Farmen zu arbeiten, weil sie nur für die ge- schäftige Saison geheuert werden, die Arbeit auf denr Lande sehr schwer i st und die Arbeitszeit von Sonnenausgang bis Sonnenuntergang währt. Die Farmer erfreuen sich größeren Wohlstandes als im borigen Jahre, aber in den Industriezentren spiegelt sich diese Prosperität nicht wieder." Von Interesse ist auch der Abschnitt über die Behandlung der Einwanderer.„Tag für Tag gehen dem Lizenzkoimnissar Klagen über grausame Behandlung von Einwanderern zu," konstatiert der Bericht und fährt dann fort:„Vollständige Gleichgültigkeit der Arbeitgeber wie der Subkontraktoren gegenüber dem körperlichen Wohlergehen der Arbeiter, und häufig brutale Ausbeutung, sind die Ursachen obwaltender Mißstände. So lange die Einzelstaoten nicht eine strenge Aufsicht über die Arbeiterlager—(in denen die Leute wie Sklaven behandelt werden. D. B.)— einführen, werde» die Uebelstände bestehen bleiben/'_ GewerhrebaftUebeg. ßerltn und Qmgeg-end. Achtung, Metallarbeiter? In dem Emaillierwcrk Schöning u. C o. in Bergedorf bei Hamburg haben die Brenner und Auf- träger die Arbeit niedergelegt. Da die Firma versucht, in Berlin Ersatz für die streikenden Arbeiter zu bekommen, so machen wir die Kollegen darauf aufmerksam, daß die Firma Schöning in Berge- dorf für die Arbeiter, ganz gleich welcher Branche, gesperrt ist. Deutscher Mctallarbeitcrverband, Ortsverwaltung Berlin. Die Streitfrage über be» Kartellvertrag der in den Brauereien beschäftigten Arbeiter kam in einer Versamlung, die der Zentralverband der Brauerei» arbeiter zum Sonntag nach dem Gewerkschaftshause einberufen hatte, wieder zur Erörterung. T r ö g e r referierte über„Die Ablehnung der Abänderungsvorschläge zu dem Kartellvertrag durch die übrigen in den Brauereien vertretenen Organisationen". Die letzteren haben einen solchen Vertrag abgeschloffen, dem die Brauer nicht beigetreten sind. Die Brauer verwahren sich aber dagegen, daß sie einen Kartellvertrag nicht wünschten; sie be- haupten, daß man es ihnen durch die Ablehnung ihrer Vorschläge auf Abänderung unmöglich gemacht habe, dem Vertrag beizutreten. Tröger klagte besonders die Verbände der Böttcher, der Transport- arbeiter und der Maschinisten und Heizer an, daß sie die Rechte des Brauereiarbeiterverbandes nicht achten und die Organisations- bestrebungen in den Brauereien stören. Er empfahl die An- nähme einer Resolution, in der es heißt: „In der Erwägung, daß nur eine starke, geschlossene Ein- heitsorganisation in der Lage ist. die Interessen der in den Brauerei- und Mälzereibetrieben beschäftigten Arbeitnehmer nachhaltig zu vertreten, halten die Versammelten an dem auf dem Verbandstage im Jahre 1893 gefaßten Beschluß, wonach alle in Brauerei- und Mälzereibetrieben beschäftigten Arbeit- nehmcr dem Brauereiarbeitcrverband zuzuführen sind, grund- s ä tz l i ch fest." Mit diesem Verlangen der völligen Agitationsfreiheit in den Brauereien konnten sich die übrigen Verbände bisher nicht be- freunden und sie schlössen einen Kartellvertrag ohne den Brauer- verband. In der Resolution wird dann bedauert, daß der Kartellvertrag nicht zustande gekommen sei und es wird gesagt, daß der Vertrag auch ohne die von den übrigen Organisationen verlangte Ab- grenzung des Organisationsgebietes von nicht zu unterschätzender Bedeutung bei Lohnbewegungen gewesen wäre. Die Schuld liege aber nicht bei den Brauern, denn man könne ihnen nicht zumuten, Anträgen zuzustimmen, die eine völlige Zerreißung des Brauerei- arbeiterverbandes darstellen. Gegen diesen Passus von der„Zerreißung" des Brauer- Verbandes wurde in der Diskussion von einem anwesenden Braucreihandwerker energisch Protest erhoben. Die Resolution schließt mit folgenden Worten: „Die Versammelten stellen weiter fest, daß die von dem Brauereiarbeiterverband zu dem beabsichtigten Kartellvertrag gestellten Abänderungsvorschläge, welche in den Gcwerkschafts- kongretz-Beschlüssen eine Stütze finden, und auch schon in anderen Städten, z. B. Stettin, zum Beschluß erhoben wurden. von den übrigen beteiligten Organisationen einstimmig ab- gelehnt worden sind. Die Versammelten verpflichten sich, im Sinne deS Verbands- tagsbeschlusses vom Jähre 1393, nämlich alle in den Brauereien und Mälzereibetrieben beschäftigten Arbeitnehmer dem Brauerei- arbeiterverband zuzuführen, unablässig zu wirken." Nach einer längeren Diskussion, in der die meisten Redner sich für die Resolution erklärten, wurde diese von der Ber- sammlung angenommen. Den Beratungen über die Stellungnahme zum Kartellvertrag ging ein Vortrag von Karl Legten voraus, der das Thema „Aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" behandelte. Die Herrenschneider der Firma H. Hoffmann. Zu dem unter dieser Ueberschrift in Nr. 114 erschienenen Versammlungsbericht bringt die Firma Hoffmann in Nr. 118 eine Berichtigung. " Zur Berichtigung bemerken wir:' 1. Daß die Firma mit uns keinen Uniformtarif ab- geschlossen hat und auch keine Wilitärschneider als solche eliistellt und beschäftigt. Mithin muß sie auch die im Uniformtarif aufgeführten Sachen, wenn sie von Zivilschneidern angefertigt werden, mit den Löhnen für gleichartige Stücke des Zivil- tarifs bezahlen. Im vorliegenden Falle handelt es sich allerdings um einen früheren Militärschneider, der bei Hoffmann auf Sport- und Livreesachen arbeitete. Der zu wenig gezahlte Betrag spielt eine ganz nebensächliche Rolle, vielmehr kam es daraus an, festzustellen, daß der Vertreter der Firma erklärte, bc- rechtigt zu sein, diese Arbeit nach dem Livreetarif— in demsieebenfallSnichtaufgeführtist— zu zahlen. Den Vorwurf einer„Lohnherabdrückung" haben wir gar nicht gemacht, es erübrigt sich daher die Zurückweisung desselben. 2. Was wegen der Willkür bei der Bezahlung von Knaben- fachen festgestellt wurde, wollen wir nicht erörtern, da wir sonst das Vertrauen, welches den Vorständen in solchen Dingen entgegen- gebracht wird, mißbrauchen würden. Die Rechtslage ist folgende: Im Tarif heißt es auf Seite 44 Position 11:„Jünglingskleidungen stehen 15 Proz. niedriger als die Tarifpreise." Nun haben einige Firmen die Berechtigung, für vorkommende billige Sachen eine bestimmte Anzahl Arbeiter zu einem anderen Tarif zu beschäftigen. Unter diesen befindet sich H. Hoffmann. Unter Bezugnahme auf die hierfür getroffene Vereinbarung heißt es dann auf Seite 46: „IV. Für die oben angeführten Firmen findet die Position 11 auf Seite 44,..Jünglingskleidungen", keine Anwendung." Um diese Vereinbarung zu umgehen, wendet man im Hause Hoffmann den Begriff Knabensachen an. Knabensachen müssen im Hause Hoffmann wie Jünglingskleidungen nach dem Iis.- Tarif bezahlt werden. Wird aber einem Arbeiter, der zu dem la-Tarif eingestellt ist, derartige Arbeit in Auftrag gegeben, so muß er dieselbe nach dem la-Tarif bezahlt erhalten. Da über diese Frage wiederholt verhandelt worden ist, gleich- viel aber immer wieder unter der Bezeichnung Knabensachen niedrigere Löhne gezahlt wurden, so halten wir uns sehr wohl berechtigt, von Willkür zu reden. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Graveure! Seit mehreren Wochen befinden sich die Schwarzdruckgravenre von verschiedenen Berliner Firmen im Streik. Die betreffenden Arbeitgeber versuchen durch Inserate in hiesigen loie in auswärtigen Zeitungen Ersatz für die streikenden Kollegen zu bekommen. Deshalb ersuchen wir die Graveure an allen Orten, bevor sie bei einer Berliner Firma Arbeit annehmen, sich zuerst an die unterzeichnete Ortsverwaltung zu wenden. Folgende Firmen sind für die Graveure gesperrt: R. Auerbach, Heinrich Thiele u. Co., Bernhard Köhler(sämtlich in Berlin) und H. B e r n e r t in Charlottenburg bei Berlin. Die Arbeiter- freundliche Presse wird um Abdruck ersucht. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. In unserem Bericht über die Sitzung ber Berliner Gewerk- schaftskommission wurde der Vertreter der Unterkommission Ober-Schöneweide als fehlend aufgeführt. Wir werden um die Mitteilung ersucht, daß derselbe anwesend war. Deutsches Reich. Lohndifferenzen im graphischen Gewerbe. In der Verlags- buchhandlung, Dampfbuchbinderei, Buch- und Kunstdruckerei von A Riffarth in M.-Gladbach sind Differenzen ausgebrochen. Sämt- liche Polychromeure sind wegen Lohndifferenzcn gekündigt worden. Die beteiligten Organisationen bitten dringend um Vermeidung des Zuzuges. Der Düsseldorfer Schuhmacherstreik ist nach 14täyiger Dauer durch einen Tarifabschluß beendet worden. In dem auf drei Jahre abgeschlossenen Vertrage wird die Anerkennung der Gehilfenorgani. sation ausgesprochen; nach 2 Jahren tritt eine bprozentige Er» höhung der Tariflöhne ein. Montag wurde die Arbeit wieder aufgenommen. In Betracht kommen 200 Gehilsen. Die Friscurgchilfen in Freiburg i. B. stehen in einer Be» wegung zur Einführung des 12 Uhr-LadenschlusseS an Sonntagen. Die Innung hat diese Forderung Abgelehnt. worauf etwa 60— 70 Gehilfen, fast alle in Fmlmrg beschäftigte, zu Freitag von Pfingsten gekündigt haben. Kein Fnseurgehilfe darf deshalb in Freiburg Stellung annehmen. Verband der Friseurgehilfen, Letzte JVaebnebten und Depefchca Die Berliner Stadtverordneten in London. London, 24. Mai.(W. T. B.) Die Berliner Gäste Häven heute Tower Bridge und den Tower besucht, wo sie von General Stewart und Lord Ditton empfangen wurden. Nach dem Lunch im Great Eastern Hotel begaben sie sich mit Ausnahme der vier So- zialdemokraten, die schon am Lunch nicht teil» genommen hatten, in den Buckingham-Palast. Eine MandatSniederlegung.' Wiesbaden, 24. Mai.(W. T. B.) Der Landtagsabgeordnete für den Unierlahnkreis. La n d r a t Dr. Hehdtweiler, erklärte nach der„Wiesbadener Zeitung" gestern in Diez in einer Landes- Versammlung der Abteilung des Nassauer Bundes der Landwirte, daß er wegen entgegengesetzter Meinung in der Frage der Erb- schaftsfteuer den Austritt aus der nationallibernlen Partei an- gemeldet und das Landtagömandat niedergelegt habe. Zell(Mosel), 24. Mai.(B. H.) Gestern nachmittag wurden in Löffelscheid auf dem Hundsrück bei einem Gewitter zehn Per- sonen vom Blitz getroffen. Ein 14jährigcr Junge blieb tot, sein Bruder wurde schwer, zwei andere Personen wurden leicht ver- letzt. Die übrigen erholten sich bald wieder. Der Streik der Seeleute. Marseille, 24. Mai.(W. T. B.) Infolge des AusstandeS der eingeschriebenen Seeleute konnten sechs nach Algier und Tunis be- stimmte Postdampfer nicht auslaufen. Erdbeben. Genua, 24. Mai.(B. H.) Nach hier aus Buenos Aires ein. getroffenen Meldungen haben in Peru, Chile und Bolivia heftige Erdstöße stattgefunden. Mehrere Ortschaften, besonders in Peru und Bolivia, wurden von der furchtbaren Bewegung verwüstet» die in manchen Städten eine Dauer von mehr als 20 Sekunden hatte. Man befürchtet, daß auch zahlreiche Verluste an Menschen- leben zu beklagen sind, doch fehlen darüber authentische Nach- richten. Ein Streik der Lokomotivführer. New Jork, 24. Mai.(B. H.) Infolge des Streiks der weißen Lokomotivführer, der sich gegen die Anstellung von Negern als Heizer richtet» ist der Betrieb der Georgia Railroad auf 800 Kilo- meter Streckenlänge lahmgelegt. Das Publikum sympathisiert mit den Streikenden, weswegen der Gouverneur die Aufbietung von Truppen zum Schutze des Bahncigentums verweigerte, Flehende in der Kirche vom Blitz getötet. Lissabon, 24. Mai.(B. H.) In der Kirche von Ovolo, in welcher zahlreiche Gläubige versammelt waren, uin von dem Himmel Regen zu erflehen, schlug der Blitz ein und tötete den Priester und drei Frauen. 27 Personen wurden bei dem hierauf entstandenen Gedränge verletzt, darunter mehrere schwer. PauISingerLcCo.,BerIinLW, LierzuL Beilagen u.tioterhaltungshl. Berautw. Redakt,: SarlWcrmuth. Berlik-Rixdors. Inserate verantwü Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Nr. 119. 26. Jahrgang. 1. KnlM des Jimitts" Kttlimr UsllislilM Sitü-W. 25. W-i 1909. Abgeordnetenhaus. 94. Sifeuno. Montag, den 24. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Kommissare. Ter erste Gegenstand der Tagesordnung ist der Gesetzentwurf, betr. die Landwege im Regierungsbezi rt Kassel, welcher die Wegebaulast der Landwege von den Gemeinden auf die Kreise übertragen will. Er wird nach kurzer Beratung an eine Kommisiion von 14 Mitgliedern verwiesen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten. Nach dem Eni- wurf soll ein weiterer Betrag von 16 Millionen Mark für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden. In der Begründung wird angeführt, daß die Staatsregierung sich bei der Bemessung dieses Betrages in Rücksicht auf die finanzielle Lage die größtmöglichste Beschränkung auferlegt hat. Abg. Dr. Grunenberg(Z.) weist auf die sittliche Pflicht des Staates hin, dafür zu sorgen, daß seine Arbeiter gesund erhalten werden. Abg. Dr. Gvßling(frs. Vp.) stimmt der Tendenz deS Gesetzentwurfs zu, doch sollten die Mittel nur da verwendet werden, wo wirklich ein Bedürfnis nach kleineren Wohnungen vorliegt. Damit schließt die Diskussion. Da Kommissionsantrag nicht beantragt ist, wird sofort in die zweite Lesung eingetreten, und die einzelnen Bestimmungen des Entwurfs werden debattelos angenommen. Es folgt die Beratung des Entwurfs eines Kirchen- g e s e tz e s, betreffend die Umzugskosten der evangelischen Geist- lichen. Die Vergütung soll sür Geistliche mit Familie an allge- meinen Kosten 360 M. betragen und an Transportkosten für je 10 Kilometer 8 M. Geistliche ohne Familie erhalten die Hälfte der eben genannten Vergütung, doch wird ihnen, wenn sie sich inner- halb Jahresfrist nach Antritt des Pfarramtes verheiraten, die andere Hälfte nachträglich bezahlt. Ein Verzicht auf die gesetzliche Vergütung der Umzugskosten ist unzulässig. Ein Regierungskommissar empfiehlt den Entwurf zur An- «ahme. Abg. Graf v. Wartensleben-Rogäsen(k.) erkennt an, daß der Entwurf einem Bedürfnis entspricht. Abg. Dippe(natl.l bemängelt die Bestimmung der Nachzahlung an unverheiratete Geistliche, wenn sie sich innerhalb eines Jahres nach Antritt des Pfarramtes verheiraten. Auch sei es ungerecht. daß mit den Lasten zufolge des Gesetzes nur die Kirchengemeinden belegt werden, nicht auch der Patron. Er beantragt, den Entwurf an eine Kommission von 14 Mitgliedern zu verweisen. Abg. Dr. Jderhoff sfreik.) hält die vorgebrachten Bedenken für nicht gerechtfertigt und bittet den Vorredner, den Antrag auf Kommissionsberatung zurückzuziehen. Ein Regierungskommissar sucht die vom Abg. Dippe geltend- gemachten Bedenken zu zerstreuen. Abg. Dippe(natl.) zieht hierauf seinen Antrag auf Kom- missionsberatung zurück, bittet jedoch, die zweite Lesung nicht heute torzunedmen. Diesem Wunsche wird stattgegeben. Damit ist die erste Be° ratung erledigt. Nach debatteloser Annahme einiger Gesetzentwürfe, welche die Aenderung einiger Amtsgerichtsbezirke und die Errichtung einiger neuer Amtsgerichte betreffen, folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abände- rung des Stempel st euergesetzes. Die Beratung wird bei der von der Kommission eingefügten Tarisstelle„Automaten und Musikwerke" fortgesetzt. Nach dem Beschlüsse der Kommission sollen Erlaubniskarten für jeden in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften und an anderen öffentlichen Orten und Plätzen zur Aufstellung gelangenden Musik-, Verkaufs- und Warenautomaten, sowie für jeden Automaten, der zur Unter- Haltung des Publikums dient, einschließlich der Stereoskope mit drehbaren Bildern, sowie für Kraftmesser mit einer Gebühr von 10 M. sür das Kalenderjahr belegt werden. Abg. v. Tilly sk.) begründet einen Antrag, der von den Kon. servativen, dem Zentrum und den Nationalliberalen gestellt ist, kleines feuilleton. Der Komponist der„Internationale". In der französischen Kammer hat der Automobilfabrikant Maquis de Dion einen neuen Paragraphen für die Hausordnung beantragt, wonach„antipatrio- tische und revolutionäre Rufe und Gesänge" mit der ganzen «strenge des Reglements geahndet werden sollen. Die Kammer hat den dummen Antrag des reklamesüchtigen Mord- und Sport- Patrioten für dringlich erkannt und der Kommission überwiesen. Den Anlaß zu dieser Hanswurstiade bot die Kammerszene der letzten Woche, als unsere Genossen auf die fortgesetzte Büberei der Radikalen, die ganz grundlos den Genossen Compere-Morel durch Gejohle verhinderten, eine tatsächliche Berichtigung vorzubringen, mit dem Gesang der„Internationale" antworteten. So war das Kampflied unserer französischen Genossen in den Vordergrund der Diskussion gerückt, und da es sich in den letzten Jahren in Ueber- setzungen auch in den anderen Ländern der internationalen Ar- beiterbewegung mehr und mehr eingebürgert hat, so dürfte es von Interesse sein, daran zu erinnern, daß es seltsamerweise mit der Marseillaise das Schicksal teilt, daß die Herkunft seiner Melodie umstritten ist. Allerdings ist der Kreis der Vermutungen bei der „Internationale" nicht so weit gezogen wie bei der Marseillaise. Man kennt von jener das Entstehungsjahr, den Entstehungsort und vom Komponisten— den Zunamen, aber nicht den Vornamen, und just um den dreht sich ein Streit, der auch schon vor den Ge- richten verfochten worden ist! Auf der ersten Ausgabe steht: Text von P o t t i e r(der berühmte französische Arbeiterdichter und Kommunekämpfer), Musik- von de Geyter. Aber es handelt sich darum: welcher von den zwei Brüdern de Gehter ist der Komponist: Pierre oder Adolphe? Beide haben Anspruch darauf erhoben und wichtige Zeugen namhaft gemacht. Eine OieiHe von äußeren und inneren Momenten scheint für Pierre zu spreche». Als Sohn eines aus Gent stammenden Fabrikarbeiters in Lille 1848 geboren, besuchte er als Knabe das Konservatorium und lernte Gesang. Nach seiner Militärzeit wurde er Holzbildhauer, aber er huldigte auch weiter seinen musikalische» Neigungen. Er dirigierte Arbeitergesangvereine und Orchester und besuchte einen Kursus für Kompositionslehre. Er komponierte leichte Tonftücke und besorgte die Justrumentation von Brabanter Volksweisen. Nach seiner Angabe war es im Juni 1888, daß ihn Genosse Delory, der Deputierte und frühere Bürgermeister von Lille, zur Komposition des Pottierschen Gedichtes anregte. Zum ersten Male wurde die Hymne bei einem Fest der Gewerkschaft der Zeitungsvertäufer unter Leitung de Gevters vorgetragen. Der Erfolg war bestritten, aber das Lied machte doch seinen Weg, zu- nächst in Nordsrankreich und in Belgien. In Gent empfing A n s e e l e im Vooruit Pierre de Geyter als den Schöpfer der „Internationale".— Aber Pierres Darstellung stehen die Be- hauptungen Adolphes entgegen. Adolphe de Geyter, von Beruf Schmied, ist freilich kein geschulter Musiker, aber er hat musika- lisches Gehör und Erfindungsgabe. Er erklärt, die Internationale im April 1888 komponiert zu habe», und nennt einen Zeugen Bergot, der ihm damals Pottiers Gedichte lieh. Als er die Noten statt dessen eine nach dem Ertrag gestaffelte Steuer einzuführen von 1 Mk. bei nicht mehr als 20 Mk. Jahresertrag bis zu 20 Mk bei mehr als 500 Mk. Jahresertrag. Abg. Waldstein(frs. Vg.) wendet sich gegen den ganzen Ge danken der Automatenbesteuerung; sie stellt eine Doppelbesteuerung eines durchaus zulässigen Gewerbes dar, das in gewisser Form den Verkehr erleichtert. Zuzugeben ist, daß auch manche unerfreuliche Erscheinung bei den Automaten mit unterläuft. Aber ein Ge werbe deshalb schärfer zu besteuern, weil es sür unsittlich erachtet wird, ist ein höchst bedenklicher. Grundsatz. Formell mag diese neue «Steuer eine Stempelabgabe sein, materiell aber keineswegs Materiell ist sie eine neue Belastung eines bestimmten Gewerbes eine Gewerbesteuer von recht beträchtlicher Höhe. Als meine Partei dem Kompromiß über die Lehrerbesoldung zustimmte, daß der fehlende Restbetrag aus Erhöhung der Stempelabgaben gewonnen werden solle, war aber an eine wirkliche Stempelabgabe gedacht. Dieser Steuer sind wir nicht in der Lage zuzustimmen.(Bravo I bei den Freisinnigen.) Abg. Dr. Lohmann(natl.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zu dem vom Abg. v. Tilly begründeten Kompromihantrag. Ein Regierungskommissar: Die Regierung ist nicht in der Lage. auf die Automatensteuer zu verzichten. Sie muß einen Ersatz bilden für den Aussall, der dadurch herbeigeführt wird, daß daS Abgeordnetenhaus die Besteuerung von Mietsverträgen erst bei 400 M. beginnen läßt, während der Regierungsentwurf sie bereits bei einem Mindestbetrag von 300 M. vorgesehen hatte. In der Kommission ist auch die Frage aufgeworfen worden, wie es mit den von den Untergrundbahnen aufgestellten Automaten zu halten ist. Es ist gar kein Grund einzusehen, warum die Untergrund- bahnen für diese Automaten die Steuer nicht bezahlen sollen. Sie werden daran nicht zugrunde gehen. Hierauf wird ein von der Rechten eingebrachter Schlußantrag gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen, und ebenso der Antrag v. Tilly und Genossen. Bei Fideikommißstiftungen setzt die Regierungsvorlage eine Besteuerung von 3 Prozent fest., Die Abgg. Wolff-Lissa(frs. Vg.) und Reinbacher(frs. Vp.) beantragen, statt dessen 5 Prozent zu setzen. Abg. Waldstein(frs. Vg.): Durch Annahme dieses Antrages könnte ohne weiteres der vom Regierungskommissar beklagte Aus fall in vollkommen einwandsfreier Weise gedeckt werden. Abg. v. Richthofen(k.) verwahrt sich dagegen, daß die Kom servativen einseitige Beschützer der Familiengüter seien. Aber im Rahmen des Stempelgesetzes läßt sich die Frage der Familien. fideikommisse nicht regeln, das muß durch ein besonderes Gesetz ge- schehen. Abg. Lüdicke(sk.) schließt sich dem Vorredner an. Abg. Dippe(natl.): Auch wir meinen, wie die Freisinnigen, daß manche Fideikommisse einen höheren Stempel tragen könnten, werden aber trotzdem gegen den Antrag stimmen, weil ein be. sonderes Fideikommißgesetz zu erwarten ist. Abg. Dr. König-Krefeld(Z.) erklärt, daß auch seine Partei aus demselben Grunde gegen den Antrag stimmen werde. Der Antrag Wolff-Lissa wird abgelehnt, der Steuersatz von 3 Prozent angenommen. Eine Reihe weiterer Bestimmungen wird nach unwesentlicher Debatte nach dem Antrage der Kommission angenommen. Bei der Tarifstelle„Pacht, und Mietverträge" beantragt die Kommission, bei Pacht, und Mietzinsen von mehr als 400 M. eine Abgabe von'/>» Proz., die mit der Höhe der Pacht- und Miets- zinsen steigt, bis zu"/u Proz. bei Verträgen vom mehr als 12 000 Mark. Ein von den beiden konservativen Parteien, dem Zentrum und den Nationalliberalen eingebrachter Kompromihantrag will die Staffelung bis zu 2 Proz. bei Verträgen von über 12 000 M Weiter beantragt die Kommission, bei Mietsverträgen über Räume zu gewerblichen und beruflichen Zwecken, bei Verträgen bis zu 3000 M. nur 50 Proz., bei Verträgen bis zu 6000 M. nur 30 Prozent, bei Verträgen über 6000 M. nur 20 Proz. der Steuer zu erheben. Hierzu beantragen die Abgg. Wolff-Lissa(frs. Vg.) und Rein bacher(frs. Vp.) durchweg 50 Proz. zu setzen. Das gleiche wird im Kompromißantrag gefordert. Ferner beantragen die Abgg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vg.) und Dietrich(frs. Vp.), den Steuersatz bei Mietsverträgen über Räume zu gewerblichen und beruflichen Zwecken bis zu 3000 M. auf Vi« niedergeschrieben hatte, suchte er einen Schwager auf, der Har- monium spielte, und ließ die Melodie begutachten. Drei Tage später übergab er Bergot eine Kopie der Komposition.— Welche von diesen einander diametral entgegengesetzten Darstellungen richtig ist, das dürfte wohl nie mehr festgestellt werden. Zeugen gibt es für die eine wie sür die andere Darstellung. Derjenige aber, der wohl das entscheidende Wort sprechen könnte— der Lithograph, der das Manuskript übernommen hat, ist nicht mehr aufzufinden, Musik. Der Richard- Wagner-ZykluS des königlichen Opernhauses, der am Sonntag mit„Rienzi" eröffnet wurde, ist nicht etwa eine eigene Veranstaltung von Muster aufführungen, ist kein Klein- Bayreuth, nicht einmal eine Neu einstudierung, bielmehr vor allem eine Gelegenheit zu einem Sonder- abonnement. Aber daß das Opernhaus ab und zu sämtliche Bühnenwerke Wagners vorführt(ausgenommen die belanglosen Erst lingsopern und den„Parsifal"), das hat doch das Gute, daß einige den chronologischen Zug von Wagners Schaffen durchmachen und manche sich dieses oder jenes ihnen entgangene Werk anhören können. Wer sich mit einer solchen Stichprobe begnügen muß, dem sei geraten, sich nicht aus einen der vier Abende des„Ringes" einzulassen— eine .Wagnerwidrigkeit" sondergleichen— sondern ein selbständiges Stück zu wähle».(„Der fliegende Holländer",„Tannhäuser",„Lohengrin". „Tristan und Isolde",„Die Meistersinger".) Unddann bewaffne er sichmit einem richtigen Textbuch— beispielsweise nicht mit einem aus dem Dresdener Verlage C. C. Meinhold u. Söhne— sowie mit einer der guten Erläuterungen auS der Reelamschen. Universalbibliothek", die auch den, der auf den kostspieligen Eintritt verzichten muß, trösten mögen. Wer mit„Rienzi" beginnt, der kommt auf seine Rechnung, so- wohl wenn er eine„schöne Oper" haben wie auch wenn er die erste» Spuren des Musildramatikers Wagner finden will. Welche Geschicklichkeit läßt schon hier die Chöre und das Orchester, zumal die Blechbläser, gleich einer Armee zum Angriffe vorrücken! Wie deutlich zeigt sich hier des Wort- und Tondichters Neigung zu Pracht und Prunk, zum Großen und Lauten— und hiermit sein Absehen von intimeren Wirkungen, das nun einmal die dramatische und über- Haupt die Musik bei ihm und seit ihm einseitig gemacht hat! Aber schon hier inmitten aller pompösen Aufzüge und„Finales": welches «Streben, etwas zu sagen und nicht bloß zu reden— die Musik vernünftig zu machen und doch nicht bloß Verstandessache zu geben I Wie würde das alles erst zur Geltung kommen, wenn einmal eine wirklich dramatische Aufführung unternommen würde I So wie Berlin hat wohl keine in Betracht kommende Stadt seiner- zeit Wagner vernachlässigt. Jetzt holt die Theaterkasse nach, was sie nicht verdient hat. Und mögen die Leiter des Orchesters und der Regie sowie die Sänger, angefangen von Herrn G r ü n i n g, dessen künstlerischer Ernst seine Mittel günstig ergänzt— mögen sie alle, wie diesmal viel Treffliches geben: keinem icheint doch beizukommen, daß beispielsweise auch die Stärkeverhälwisse der Singstimmen unter einander sowie mit dem Orchester ausgeglichen sein müssen, wenn das„Gesamtkunstwerk" auch in dieser Beziehung gelten soll! Noch liegen drei bis vier Jahre vor der Zeit, da Wagners Werke„tantiemefrei" werden. Wer sich inzwischen mit einem privaten Prozent, bei Verträgen bis zu 30 000 M. auf%> Proz. und bei Verträgen über 30 000 M. auf Vi- Proz. festzusetzen. Die Abgaben bei Jagdpachtverträgen betragen nach dem Be- schlusse der Kommission Ih Proz. bis 5 Proz., bei Verträgen von 300 Mk. an bis zu Verträgen von mehr als 5000 Mk. Der Kom- promißantrag erhöht die Staffelung bis auf 6 Proz. bei Verträgen von mehr als 5000 Mk. Verträge über gemeinschaftliche Jagd- bezirke sollen ohne Rücksicht auf die Höhe des Pachtzinses nur einem Stempel von Vi» Proz. unterliegen, wenn als Pächter In- länder auftreten, die im Gemeindebezirk ihren Wohnsitz haben. Dies ändert der Kompromihantrag dahin ab, daß nur bei Pacht- Verträgen, bei welchen der Pachtzins den Betrag von 1500 Mk. nicht übersteigt, der ermäßigte Stempel erhoben wird. In der Debatte beklagt sich ?lbg. Wolff-Lissa(frs."Vg.) über unhöfliche Behandlung seitens der Kompromißparteien, von denen die Freisinnigen nicht genügend über die Verhandlungen informiert wurden. Die Abgeordeten Dr. v. K r i e s(kons.) und Dr. Loh mann (natl.) bestreiten, daß die Kompromitzparteien unhöflich oder gar illoyal gehandelt hätten. Die Kompromißanträge werden angenommen; die anderen Abänderungsanträge werden abgelehnt. Die Kommission beantragt, die Radfahrkarten mit einer Steuer von 50 Pf. für das Kalenderjahr zu belegen. Die Abgeordneten Frhr. v. Richthofen(kons.) und Dr. v. KrieS (kons.) beantragen, hinzuzufügen:„der Antrag aus Erteilung der Steuerkarte ist im Januar jedes Jahres bei der Gemeinde- oder Zollbehörde unter Einzahlung des Stempels zu stellen." Die Abgeordneten Wolff-Lissa(frs. Vg.) und Reinbacher(frs. Vp.) beantragen, diese Tarifftelle zu streichen. Abg. Waldstein(frs. Vg.): Diese Steuer ist eine ganz un- soziale. Wenn man einen Preis auf die Erhebung einer anti- sozialen Steuer ausgeschrieben hätte, so wäre man wohl auf diese Steuer verfallen. Abg. Dr. v. Krics(kons.): Die Steuer ist keineswegs antisozial. Eine Abgabe von 50 Pf. pro Jahr ist auch sür den kleinsten Mann keine schwere Belastung. Bei der Finanznot des Vaterlandes muß auch der Kleinste sein Scherflein auf dem Mar des Vaterlandes niederlegen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Lohmann(natl.): Meine Freunde verharren dieser Steuer gegenüber auf dem ablehnenden Standpunkt, den sie schon in der Kommission eingenommen haben. Abg. Leinert(Soz.): Auch unser Standpunkt ist es, daß auch der Kleinste sein Scherflein beitragen mutz, die Not des Staates zu mildern. Wir meinen aber, daß der Größte das ebenfalls tun muß. Wie«ois die Kleinsten heranziehen, haben Sie bewiesen, indem Sie die Abgaben für Pässe für Handwerksburschen von 50 Pf. auf 1 Mk. erhöhten. Das ist ein ganz sinnloser Beschluß, dem Staate wird er nur wenig einbringen, die Handwerksburschen aber schwer belasten. Die Radfahrsteuer soll jährlich er- hoben werden. Ein sozial denkender Mann darf derartiges nicht mitmachen. Der Antragsteller meinte in der Kommission, die Karten dienten zur Kontrolle über die Zahl der Räder, als Aus- weis über das Eigentum bei einem bestimmten Rade, und zur polizeilichen Beausichtigung des Radfahrers. Wahrscheinlich hat der Herr noch nie eine Radfahrkarte in der Hand gehabt.(«Sehr richtig! links.) Das Ausstellen der Radfahr- karten durch die in den Großstädten dezentralisierte Polizeibehörde geht jetzt sehr glatt von statten; nach dem konservativen Antrage foll die Steuerkarte von der Gemeindebehörde ausgestellt werden. Das wird längere Zeit in Anspruch nehmen und in» zwischen darf das Rad nicht benutzt werden.(Zuruf recht: Das wollen wir nicht!) Dann müssen«Sie eben in den Antrag hinein- schreiben, was Sie wollen. Neben der Steuerkarte wird vielfach auch die polizeiliche Karte beibehalten werden. Wird nun ein Radfahrer von einem Polizeibeamten angehalten, was jedem paffieren kann, und hat er eine der beiden Karten nicht bei sich, so wird er bestraft. Das Erträgnis der Steuer wird auf 90 000 Mk. berechnet. Bei einem Etat von 3 500 Millionen würde ich mich schämen, durch eine so antisoziale und erbitternde Steuer 90 000 Mark dem«Staat zur Verfügung zu stellen. Bei dem Beamten- besoldungsgesetz hat man ohne weiteres bei der Besoldung der Geistlichen 600 000 M. mehr ausgegeben. Jetzt suchen«Sie sich durch Belastung der Arbeiter Genuß an Wagner begnügen kann, der verliert doch wohl weniger als es scheint. Oder er hofft jetzt auf die bevorstehende und voraus- sichtlich ehrenwerte Gura-Oper bei Kroll. s». Humor und Satire. T o n f e st. Zahlreich hat man sich versammelt in der juten Stadt am Main, das gewohnte Blech gestammelt— und dann Hub man an zu schrein. " Daß man nicht den Ton verfehle, darauf ist man sehr erpicht. Ferner: ob man noch fo gröhle, schtvanken darf man niemals nicht. Hoffentlich bleibt nicht vergeblich» dieses Beispiel der Musik: derlei war' nicht minder löblich in der hohen Politik! Franz. Die Versicherungsplage im Dildiz-KioSk.(Ver- sichenmgsagent beim neuen«Sultan:)„Ja, Majestät, die besseren Monarchen versichern sich jetzt alle gegen Thronverlust." 4. Garderegiment. Ein Vormund berichtet dem Vor- mundschaftsrichter über das Befinden seiner Mündel. Unter anderem enthält der Bericht die Stelle:„Sämtliche Mündel sind schwanger bis auf Heinrich, der beim 4. Garderegiment zu Fuß dient." Armenfürsorge auf dem Lande.„Zwölf Jahr hat d' Gmeinde für den alten Depp'» g'sorgt, jetzt kuunt' er si a amal dankbar zoag'n— mit an kloan Meineid oder sonst was, damit'n der Staat a Zeitlang in Logis nimmt." _(„Simplieisfimus".) Notizen. — In Pompeji sind, wie uns ein Telegramm aus Rom meldet, Entdeckungeit von großem knnsthistorischen Interesse gemacht worden. Bei den Ausgrabungen ist man nämlich auf eine Villa gestoßen, die sich in vorzüglichem Zustande befindet. Die Innen- wände sind mit prachtvo�en Malereien bedeckt, in den Kellern be- finden sich zahlreiche Vasen, im Trielinium(Speisesaal) fand man eine für 30 Personen gedeckte Tafel. —„Nachweislich Sozialdemokraten". Das zweite Maiheft des„Kunstwart" bringt in seiner Rundschau eine Notiz mit der Ueberschrift:„Unser Kleinchen von Wilhelminchen". Da wird von dem holländischen„Familienfest" geschwärmt, von dem „Herzensverhältnis" zwischen dem holländischen Volle und seiner Dynastie:„Und dabei geht die Freiheit bei den Holländern so weit. daß die meisten dieserJubler nachweislich«sozial- demokraten sind."— Nachweislich? Hat der Einsender die Mitgliedsbücher geprüft? Oder sieht er den Leuten an der Nase an, wo sie politisch stehen? Solch leichtfertiges Geschreibsel, das ganz nach Reichsverband aussieht, sollte ein anständiges Blatt wie der.Kunstwart", doch lieber vermeiden. zu ttiHoffctt Man spricht Skr von einer L u x u S st e u e r. Die Arbeiter, welche ein Rad besitzen, wissen, was das für ein Luxus ist. Sie benutzen die Räder, um schnell nach ihrer Ar- Seitsstelle zu kommen. Grohe Zeitverluste eitstehen Tausenden von Arbeitern, wenn die Witterung die Benutzung des Rades Unmöglich macht. Weiter kommt hinzu, daß in den Groß- städten ieder kleine Geschäftsmann ein Rad zur Verfügung des Hausdieners haben muß, und wahrscheinlich wird er dem Haus- diener die Steuer aufbürden. Bei der Abholung der Karten, die ja im Januar ganz allgemein geschehen soll, werden die Arbeiter stundenlang zu warten haben und dadurch einen Ausfall an Ar- l'eitsverdienst erleiden, der in die Millionen geht. Aber auch SO Pf. bedeuten für den Arbeiter eine Stunde Mehr- arbeit, die er dem Staat umsonst zur Ver- fügung stellen soll. Im Herrenhause hat man darauf bi.rgewlesen, daß man die Arbeiter mit 1200 M. Einkommen höher besteuern will, um die Lehrer mit 1400 M. Mindestein- kommen besserzustellen! hier sollen die Arbeiter wieder die Steuer bezahlen, weil Sie bei den Jagdpachtverträgen eine Million Mark nicht bezahlen wollen. Der Stempel von Aktiengesellschaften und von Fideikommissen soll nur einmal bezahlt werden, obwohl er im Jahre hundertfach verdient wird. Der Arbeiter dagegen soll für sein Rad jedes Jahr neu bezahlen, obwohl eS sich beständig abnutzt. Haben Sie denn gar kein Gefühl dafür, wie erbitternd und verletzend eine solche Steuer wirken muß? Sind Sie sich nicht klar, daß das die größte Ungerechtigkeit ist, die je in einem Parlament verübt wurde?(Unruhe und Lachen rechts.) Ihr Lachen zeigt nur, daß Sie gar kein Verständnis dafür haben, was in der Familie eines Arbeiters 50 Pf. bedeuten. Warum haben Sie die Jagdpachtsteuer herabgesetzt?(Zuruf rechts: Sie wird neu geschaffen!) Aber nicht in der Höbe der Regierungsvorlage. Aber die Radfahr- kartensteuer hat die Regierung gar nicht verlangt, sondern sie ist von Ihnen geschaffen. Sie nehmen dem Arbeiter 50 Pf., für die er sich ein halbes Pfund Fleisch kaufen kann, und erlassen die Jagdpacht st euer den Leuten, die mit dem er- sparten Geld mehr Sekt trinken können.(Große Unruhe rechts.) Sie handeln nach dem Grundsatz: Nimm, was du kriegen kannst.(Zuruf rechts: Wir haben ein gutes Gewissen.) Das zeigt Ihre angeborene und eingefleischte Arbeiterfeinblichkeit. Sonst würde Ihnen das soziale Gewissen schlagen. Aber Sie wollen mit dieser Steuer den Ihnen unsympathischen Zustand beseitigen, daß die Landarbeiter leicht nach der Stadt, und die städtischen Arbeiter leicht auf das Land kommen können. Die Kulturentwickelung halten Sie aber doch nicht auf. Wohl aber fördern Sie damit unsere Interessen und die Agitation gegen Ihr Auftreten.(Unruhe rechts.) Wenn nur ein Funke von Gerechtigkeitsgefühl in Ihnen wäre. müßten Sie mit uns diese Steuer ablehnen. (Bravo! links; Unruhe rechts.) Abg. Litdicke(freik.): Vom Rad des armen Mannes zu .sprechen, wie Abg. Leinert es getan, ist doch geradezu töricht Präsident v. Kröcher: Ter Auedruck„töricht" ist doch ein bißchen st a r k. Abg. Llldicke(fortfahrend): Wer sich ein Rad kaufen kann, hat auch das Geld für die geringe Steuer. Abg. Kreth(k.): Der arme Mann benutzt nicht ein Rad zur Fortbewegung, sondern seine Füße und empfindet den von den Rädern verursachten Staub sehr unangenehm.(Beifall rechts.) Damit schließt die Diskussion. Die Steuer von 50 Pf. aus Radfahrkarten wird angenommen. Die übrigen Bestimmungen des Tarifs werden nach unwesent- licher Debatte nach den Beschlüssen der Kommission ange- n o m in e n. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag, 11 Uhr.(Fort- setzung der zweiten Beratung der Stempelsteuernovelle, dritte Be- ratung der Berggesetznovelle. Zweite Beratung der Sekundär- bahnvorlage, Antrag v. Zedlitz auf Anschluß der Lehrpersonen an Privatschulen an die Penswnskasse der Volksschullehrer.) Schluß 4% Uhr.' Soziales* Tuberkulosekongreß. Auf dem Tuberkulosekongreß, über dessen Sitzung wir bereits am Sonntag berichteten, referierte Kreisarzt Dr. Kirstein-Stettin über die Durchführung der Desinfektion bei Tuberkulose mit be- sonderer Berücksichtigung der Wohnungsdesinfektion. Dieses ist eines der wichtigsten Mittel zur Bekämpfung der übertragbaren Krankheiten. Die Vorbedingung sei eine gesetzlich festgelegte An- zeigepflicht. In den meisten Bundesstaaten bestehe sie aber noch nicht, oder sei, wie in Preußen, auf eine Anzeige der Todesfälle beschränkt. Es müsse mindestens der Wohnungswechsel bei vor- geschrittener Lungentuberkulose und bei den Kranken, die in die Heilstätten kommen, zur Anzeige gelangen. Noch wichtiger sei die Anzeigepflicht der Fälle von offener Tuberkulose. Alle diese Fälle sollten der polizeilichen Anzeigepflicht unterliegen. Daß eine er- wetterte Anzcigepflicht nicht nur notwendig, sondern auch leicht durchführbar ist, zeigen Norwegen, Dänemark, Schweiz, Oesterreich und einige amerikanische Großstädte. Auch in Deutschland sei man nicht ganz zurückgeblieben; so haben Sachsen und Baden schon die Anzeigepflicht. So lange aber die Anzeigepflicht nicht durchgeführt ist, müsse man auf gütlichem Wege sehen, die Wöhnungsdesinfek- tion durchzuführen. Auf dem Lande seien dazu besonders die Für- sorgestellen berufen. Am ehesten werde die freiwillige Desinfektion beim Wohnungswechsel durchgeführt werden können. Aber dem tvcrden Schwierigkeiten von feiten der Haus- und Quartierwirte bereitet. Es sei jedoch dem neuen Mieter auf Grund des§ 544 B. G.-B. möglich, den Hauswirt zur Desinfektion zu-aoingen. Es sollten sich daher auch die Vermieter nicht gegen die Desinfektion sträuben, im Gegenteil, sie selbst herbeizuführen suchen. Da es sich um eine im öffentlichen Interesse liegende sanitäre Maßnähme handelt, wäre darauf hinzuwirken, daß die Desinfektion m allen Fällen unentgeltlich geschieht. Sehr wichtig sei die fortgesetzte Desinfektion am Krankenbett zur Unschädlichmachung des Auswurfs. Leider fehle es hier noch an geeigneten wirksamen Mitteln. Vortragender behandelte dann die einzelnen Desinfek- tionsmittel und Maßnahmen._ Dritte Konferenz der Zentralstelle für Volkswirtschaft. Gestern tagt- in Darmstadt die dritte Konferenz der Jen- tralstelle für Volkswohlfahrt. Universitätsdirektor Bauer (Herrenhut) führte zu dem Thema Fürsorge für die schulentlassene männliche Jugend äuS: Die Aufgabe, für die schulentlassene Jugend zu sorgen, werde vielfach unter den Gesichtspunkt des Kampfes gegen tue Sozialdemokratie gestellt. Aber so gewiß uns grundsätzliche Verschieden- heiten der Welt, und Geschichtsanschauung von der Sozialdemo- Iratie trennen, so hat doch das Politische und der Klassenkampf, de,- auch einsichtige Sozialisten nicht in die Reihen der Jugendlichen trageil wollen, aus unserer Jugendfürsorge auszuscheiden... Gewiß erzeugen die Verbältnisse der Großstadt und der Industriezentren eine Fülle abnormer, ja verbrecherischer Erscheinungen. Aber einm-l sieht man leicht die früheren Zustände in zu rosigem Licht. Di- Meisterstube war oft auch eine wenig ideale Erziehungsstätte. Ferner urteilen gerade die Männer, die sich am ernstlichsten um dw Jugend bemühen, günstiger und entdecken, ohne sich über die Schäden zu täuschen, an der gewerblichen Jugend auch mancherlei Vorzüge. Und endlich hilft ein Vergleich mit früher wenig. Die Uebelstände sind einmal da. Aber es ist auch viel Gutes da, das es zu retten und zu stärken gilt, wobei wohl zu beachten ist, daß Roheit nicht ohne weiteres Gemeinheit und daß das Unsittliche in anderen Gesell- schaftskreisen um der feineren Form willen noch nicht besser ist. Wesentlich ist die vorliegende Aufgabe aus dem Umschwung der Verhältnisse abzuleiten. Auf dem Nürnberger Parteitag hat na- Nkätlich Klgra Zefki», MN vo.y hiß AMMW des Klassen. hasseS ähsieht. die Erziehungshedürftigkeit des jungen ArSeiterZ in seiner eigentümlichen Lage gut entwickelt. Sie hat besonders auf die Verminderung der Familienautorität und die verfrühte Selbständigkeit hingewiesen und die Verbindung von Zucht und Freiheit, sowie den Schutz vor Verführung so gefordert, wie wir -s ähnlich ja schon längst tun und noch kräftiger tun müssen. Sehr zu beobachten ist überdies, daß das moderne Leben in der Ar- beiterjagend geistige Bedürfnisse anregt, die in ungeordneter, meist verhängnisvoller Weise befriedigt werden, wenn es an Anleitung fehlt. Dazu kommt, daß die Maschine vielfach das ehedem mehr an die Arbeit geknüpfte geistige Leben freimacht, so daß es nach anderer Befriedigung sucht, chie ihm aber so gewährt werden mutz, daß die Jugend der Arbeit nicht abgeneigter, sondern für sie tüchtiger wird. Auf Verdummung des Arbeiters, damit die In- dustrie„Hände" habe, wollen wir es gewiß nicht anlegen. Ein scharfer Stachel der Notwendigkeit ist aber auch die Schuld der heutigen Gesellschaft. Die Volksjugend sieht nicht nur viel Luxus und Sittenlosigkeit, sondern auch Kritik bis zur Zersetzung vor sich, statt einer geschlossenen Weltanschauung, Zerrissenheit aus reli- g-ösem, Unsicherheit auf sittlichem und Skepsis auf dem Erkenntnis- gebiet sind an der Tagesordnung. Die Wirkungen können nicht ausbleiben. Von den einzelnen Notwendigkeiten ist die Fort- bildungöschule jetzt allgemein anerkannt. Sie mutz eine Er- zichungsstätte für Geist, Charakter und Gemüt fein und es mutz sich viel an sie anschließen, ein freieres Vereinsleben, bei dem die Selbsttätigkeit und auch die Körperübung Pflege finden muß. Dabei müssen wir zwei elementare Mächte als Bundesgenossen haben: Religion und Vaterlandsliebe. Die bahnbrechenden Ver- dienste der konfessionellen Vereine, als deren warmer und über- zeuAter Anhänger ich mich bekenne, dürfen nicht vergessen werden. Mag man unmittelbare relegiöse Einwirkung für richtig halten oder nicht, es bedarf jener Konzentration der sittlichen unv Gemütskräfte, wie sie ijur in der Religion und nur im positiven Christentum zu finden ist. Von einem Einfangen für kirchliche Parteien darf dabei ebensowenig�wie für politische die Rede sein.— Und die Vaterlandsliebe muß der höchst verderblichen Verbrüdc- rung m-t der roten Internationale kräftig entgegengesetzt werden. Ist etwas von Byzantinismus in unserem Patriotismus hinein- gekommen, so läutern wir ihn zu einer schlichten und treuen Liebe zu Kaiser und Reich. Es gilt eine gleichsam unpolitische Vaterlandsliebe zu pflegen, den Sinn für das Land, die Sitte, die Lieder und die Helden der Heimat. In ähnlicher Weise sprachen die Diskussionsredner, von denen mehrere die Notwendigkeit der Leibesübungen hervorhoben. Pfarrer Rieber(M.-Gladbach) verwahrte sich dagegen, daß der christlich-nationale Arbeiterkongreß„schwarze Polizisten" sein wollen, sie wollten die„Religion nicht als Mittel zum Zweck", son- dein„zur Erziehung des Volkes zum Glauben und zur Zucht". * Die Konferenz bleibt eine muckerische Vereinigung zur Be» kämpfung der Arbeiterklasse trotz aller schönrednerischen Verläum- düngen. Ihr Ziel ist nicht Ausbildung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten unserer Jugend, sondern möglichste Erziehung der Arbeiter zur Unselbständigkeit, zur Demut, zum Gehorchen und Sichausbeutenlassen._ Prämien für Kassenbetrüger. Der Maurerpolier KollekowSkt und der Eigentümer und Kauf- mann Emil Gabbert in Wilmersdorf sind Inhaber der Baufirma Gabbert u. Co. und führten im Jahre 1907 auf dem Grundstück Witzlebener Straße 18/19 einen Neubau auf. Sie Ivaren angeklagt, in der Zeit vom 1. Juni 1907 bis 28. Dezember 1907 die Kranken- kassenbeiträge für die auf dem Bau beschäftigten Arbeiter im Ge» samtbetrage von 719,13 M. nicht an die berechtigte Ortskranken- kasse zu Wilmersdorf abgeführt zu haben, obwohl sie den Arbei- tern auf die von diesen zu zahlende Zweidrittelquote Lohnadzüge gemäß§ 53 des Krankenversicherungsgesetzcs gemacht haben. Die Angrtlagtcn haben zugegeben, die Lohnabzuge bei den wöchentlichen Lohnauszahlungen gemacht und die Beiträge an die Krankenkasse nicht gezahlt zu haben, sowie daß die Exekution gegen sie fruchtlos ausfiel. Sie bestritten, daß sie in der Absicht vorgegangen seien, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Sie seien stets darauf bedacht gewesen, die Krankenkasse zu befriedigen. Die Baugelder, die sie von einer Bank in einer sich nach dem Fortschreiten des Baues richtenden Höhe erhielten, hätten kaum zur Auszahlung der um zwei Drittel der Versicherungsbeiträge gekürzten Löhne gereicht. Im Oktober oder November 1907 seien die Baugelder an den Rentier Ludwig Fanther abgetreten mit der ausdrücklichen Vereinbarung, daß Fancher die Bezahlung der rück- ständigen Kassenbeiträge übernehmen solle. Für die Zeit nach der Zession sei Fanther auch für die laufenden Beiträge in erster Reihe zahlungspflichtig gewesen. Der Angeklagte KollekowSki macht noch geltend, daß Gabbert allein auf seinen Namen die Arbeiter zur Krankenkasse angemeldet habe und er, Kollekowski, mit der Lohn- zahlung überhaupt nichts zu tun habe. Kollekowski wurde frei- gesprochen, weil er auf die Verwendung der Baugelder und das Ab- zugsverfahren keinen Einfluß gehabt habe. Gabbert wurde zu ganzen 75 M. Strafe von der ersten Strafkammer des Land- gerichtS III verurteilt. Besonders auffällig sind die..Milderungs- gründe". Es heißt da:„Mit Rücksicht auf die Unbcscholtenheit d-S Angeklagten Gabbert und fein allerdings vergebliches Bemühen, der Krankenkasse die ihr vorenthaltenen Beiträge zu erstatten, andererseits in Anbetracht des erheblichen Betrages der vorent- haltenen Beiträge erschien eine Geldstrafe von 75 M. angemessen und ausreichend." Ein eigenartiges„vergebliche? Bemühen"! Der Mann zieht den Arbeitern die Krankenkassenbeiträge ab, zahlt sie aber nicht ein, weil er die Beträge für sich verbraucht und dann attestiert ihm das Gericht„sein allerdings vergebliches Bemühen, der Kranken- kasse die ihr vorenthaltenen Beiträge zu entrichten". 719 Mark unterschlagen, Zwangsvollstreckung fruchtlos— 75 M. Geldstrafe: das ist in der Tat ein„feines Geschäft". So niedrige Strafen müssen geradezu als Anreiz zu Unterschlagungen und als Prä- mien für Kassenbctrug wirken. Sicher gehört aber Gabbert zu denen, die über Terrorismus der Krankenkassen mit Mugdan ge- meinsam zetern und ihnen eine Verwaltung wünscht, die absolute Nachficht Krankenkassenbetrügern gegenüber übt. Aus dem JnnungSschiedsgericht. Gestern klagte der Bäcker S. gegen die Bäckermeister Gebr. Mahlow auf Zahlung von 10,80 M. rückständigen Lohn. Bis zum 13. Mai stand er zu den Beklagten im Arbeitsverhältnis, das an diesem Tage ein eigentümliches Ende erreichte. Die Herren Meister hatten nämlich um eine Stunde und 20 Minuten die Zeit verschlafen. Diese Zeit, in der der Kläger also nicht durch feine Schuld an der Arbeit behindert worden ist, sollte dieser am Schlüsse der Arbeitszeit ohne Vergütigung nachholen. Das tat Kläger nicht. In einem darüber entbrannten Wortstreit sagte er zu einem der Beklagten, wenn es ihm nicht passe, soll er die Papiere zurechtmachen. Das geschah auch. Doch wurde dem Kläger der Lohn nicht ausbezahlt, weil sich die Beklagten durch den Weggang des Klägers geschädigt wähnten. Im Termin erhoben nun die Beklagten auf eine Frage des Borsitzenden Hagemann Widerklage auf Zahlung von 2,50 M. als Schadens- erfatz. Wodurch solche Widerklage auch nur den Schein einer Berechtigung erlangt— das Arbeitsverhältnis war mit Kündi- gnngsausschluß eingegangen— verriet der Vorsitzende leider nicht. Es gelang ihm aber nach vieler Mühe, die Parteien auf 10 M., die an Kläger zu zahlen sind, zu einigen. Preußische Schulverhältnisse. In der zur Gemeinde Steckelsdorf im Jerichower Kreise ge- hörigen Kolonie Neue Schleuse werden 250 Schulkinder von 2 Lehrern unterrichtet. Trotz dieser himmelschreienden Vernach- lässigung der Schulverhältnisse verlangt der Gemeindevorstand noch obendrein von der Nachbarstadt Rathenow auf Grund Z 53 des Kommunalabgabengesetzes einen Schullastenbeitrag von zirka 1.QQ0 M. Ais Gemeindejteuerzuschläge hetragey in Steckelsdori- Neue Schleuse 150 Proz.(früher 147 Proz.). in Rathenokv dagegen 207 Proz._ Submissionsblüten. Um die Erd- und Böschungsarbeiten bei einer Veränderung an der Bahnstraße Hannvver-Lehrte bewarben sich achtzehn Firmen. Mindestfordernde blieb Plinke-Hannover mit 9018 M, während die Firma Harting-Braunschweig mit 20137 M. als höchstforderndes Angebot anzusehen ist. Bei der Vergebung der Maurerarbeiten(Arbeitslohn) zum Erweiterungsbau des Bahnhofsgebäudes am Raschplatz in Hannover forderte die Firma Graßtorf-Hannover 38 939 M.« während Schäfer in Hünfeld 73 758 M. forderte. Bei beiden Ergebnissen schwankt die Differenz zwischen Höchst- und Mindestfordernden um zirka 50 Proz. Tins der frauenbewegung. Nachklänge vom internationalen Stimmrechtskongreß. Dle in bürgerlichen Zeitungen aus der Feder bekannter Frauenrechtlerinnen erschienenen Berichte und Stimmungsbilder von ocr Londoner Tagung des Weltbundes für Frauenstimmrecht enthielten sich in merkwürdiger Uebereinstimmung jedes näheren Eingehens auf die skandalöse Behandlung der Frage des allgc- meinen Wahlrechts auf diesem Kongreß.(Siehe Nr. 103 und III des„Vorwärts".) Bei der offiziellen Berichterstattung über die Tagung des Weltbundes, die am Freitag abend in einer vom preußischen Landesverein für Frauenstimmrecht sowie vom Verein Frauenwohl nach dem Architektenhause einberufenen Versammlung stattfand, wolljte man diese Taktik des Vertuscheiis und Totschweigens kompromittierender Tatsachen und schwerwiegender Differenzen in der Stimmrechtsbewegung beibehalten. Die Bericht- erstatterinnen, die wiederholt emphatisch versicherten, als Mit- glieder des Deutschen Frauenstimmrechtsverbandcs voll und ganz und unentwegt auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts zu stehen, hatten trotzdem kein Wort der Kritik für die von der Konqreßmehrheit für die Zukunft eingeführte Praxis des Aus- schlusses der ein wirklich demokratisches Wahlrecht forderiiden Frauenverbände. Wohl erwähnte Frau Dr. Breitscheid einmal beiläufig, wie man mit Hilfe der nach angloamerikanischem Muster zugeschnittenen Geschäftsordnung unserer Genossin Mrs. Montefiore einfach das Wort abgeschnitten, sie mundtot ge- macht, weil sie als Vertreterin der Minorität für das allgemeine Wahlrecht sprechen wollte. Frau Breitschpid benutzte die Er- wähnung dieser Tatsache aber nur, um hieran ganz naiv di: Ermahnung zu knüpfen, die deutschen Delegiertinncn müßten es lernen, die englisch-amerikanische Geschäftsordnung auf inter- nationalen Kongressen so zu handhaben, daß man sie gegebenen- falls durch Schlußanträge zur Ausschließung widerstrebender Ele- mente von der Debatte benützen könne. Damit empfahl Frau Dr. Breitscheid jene Taktik des„Valentinisierens". wie sie unter dem Sozialistengesetz im Reichstage unter wohlwollender Zu- ttimmung der Regierung von der Mehrheit der bürgerlichen Par- teien unter Führung des Nationalliberalen Valentin der kleinen sozialdemokratischen Fraktion gegenüber ausgeübt wurde. Eine nette Demokratin, diese Frau Breitscheid! „Stille, stille, kein Geräusch gemacht," war die Parole der Damen vom Frauenwohl und preußischen Landesverband. Kein Wort darüber, daß die Adult Suffrage Society im Verein mit der Delegation des internationalen sozialistischen Komitees durch demonstratives Verlassen des Kongresses den reaktionären Damen die einzig richtige Antwort gegeben. Ja, nicht einmal die für die deutschen Stimmrechtlerinnen zweifellos sehr interessante Tat- fache, daß ihre Führcrin, Anita Ausgspurg, sich veranlaßt sah, eine Wiederwahl als Vizepräsidentin des Weltbundes wegen seiner Haltung in der Wahlrechtsfrage mit aller Bestimmtheit a b z u- lehnen, wurde mit einem Sterbenswörtchen erwähnt!!! Viel- leicht schämt man sich ein wenig dieses nicht gerade sehr impo- nierenden Protestes. Jedenfalls aber wären Fräulein von Wcl- zceck, Frau Breitscheid, Frau Dzialozchnski und Fräulein Lüderö als ehrliche Berichterstatterinnen verpflichtet gewe,en, ihren Man- datgeberinnen über diese Dinge reinen Wein einzuschenken und 'hnen zu erklären, daß der Deutsche Stimmrechtsverband auf künftigen Kongressen des Weltbundes nur aus Gnade gelitten sein werde, so lange er auf dem Boden des allgemeinen Wahl- rechts stehe.... Da unternahm Frau Rüben es in der Diskussion, der Katze die Schellen anzuhängen. Mit kurzen treffenden Worten stellte sie den wirklichen Tatbestand fest und verwies auf die Gefahr einer VerWässerung des Gedankens des allgemeinen Wahlrechts dadurcki, daß der Deutsche Frauenstlmmrechtsverband im Weltbund« ver- bleibe, dessen reaktionäre Mehrheit ihrer Absicht, die Arbeiterinnen vom Wahlrecht auszuschließen, si> unumwunden Ausdruck gegeben. Auch nagelte sie Frau Breitscheid auf ihre sonderbaren Ratschläge zur Niederbüttelung mißliebiger Minoritäten nach Gebühr fest, fand damit jedoch nur sehr vereinzelten Beifall. Fräulein Schreiber, Fräulein Lüders und Frau Breitscheid befürworteten ein Verbleiben der deutschen Frauenstimmrechts- organisation im Weltbunde. Fräulein Lüders hatte vorher schon in ihrem Referat ihrem bekannten unmotivierten Optimismus die Zügel schießen lassen, indem sie von der Mission schwärmte. die der„radikale" Flügel der Frauenbewegung auch im Weltbunde zu erfüllen habe. Zum Schluß bestritt sie noch mit einem durch keinerlei Sachkenntnis getrübten— Mut die unanfechtbare Be- hauptung von Frau Rüben, daß das von den englischen Suffra- gists und Suffragettes geforderte Wahlrecht ein Damen-Wahlrecht sei. Es sei zwar kein allgemeines Wahlrecht, meinte Fräulein Lüders, aber doch recht weitgehend. Das ist stark! Wenn das zurzeit in England geltende Herrenwahlrecht durch den Nachweis von 17 verschiedenen Eigentums- oder Besitzquali- fikationen von 12� Millionen erwachsener Männer rund 5 Milli- cnen oder 40 Proz. der unteren Bevölkerungsschichten von der Stimmabgabe ausschließt, so würde es— auf die Frauenwelt aus- gedehnt— von 13% Millionen erwachsener Fragen nur 1% Milli- onen zugute kommen. 11% Millionen Frauen, die nach Lage der Dinge nur den Besitzlosen angehören können, blieben nach wie vor rechtlos. Und das soll kein Damen-Wahlrecht sein? Widersprüche und Halbheiten sind uns bei den padikalen Frauenrechtlerinnen längst nichts Neues mehr. Ihre VertuschungS- inanöver anläßlich des Londoner WeltbunLskongresses zeigen, daß sie auch in bezug auf politische Ehrlichkeit die einfachsten Voraus- setzungen unerfüllt lassen. Serickts- Leitung. Gelbe bei der Arbeit. Bei Gelegenheit des Streiks bei der Firma Härtung drang eine Anzahl Gelber in das Schanklokal von Pflaum- bäum ein, woselbst die Streikenden verkehrten. Sie suchten Händel und wurden von Pflaumdaum hinausgedrängt. Draußen fanden sie sich wieder zusammen und versuchten von neuem in das Lokal einzudringen. Sie waren zum Teil mit Revolvern und Gummischläuchen bewaffnet. Als Pflaunibaum die ihm drohende Gefahr erkannte, gab er eincil Alarmschuß in die Luft ab. Hierauf schoß der Dreher Kaczmarek. einer der Führer der Gelben, seinen Revolver auf Pflaumbaum ab, und zwar so, daß die Kugel ihn in den linken Arm traf und Pflaumbanni längere Zeit an der Wunde behandelt werden mußte. Ein anderer Gelber, der Former Dummer, schlug den Pflaumbaum mit einem Gummischlauch über den rechten Arm. Der Staatsanwalt lehnte das Einschreiten gegen die Gelben ab. Auf Beschwerde PflaumVaumS wurde das Verfahren qegen diese eröffnet. Pflaumbaum schloß sich dem Verfahren als Nebenkläger an. In der mündlichen Vcrhand- lung stand ihm Rechtsanwalt Dr. Heinemann zur Seite. Dummer wurde zu nur 50 Mark Geldstrafe der- urteilt. Gegen Kaczmarek wurde, wiewohl er bereits wegen gefährlicher Körperverletzung mit 4 Monaten Gefängnis vor- bestraft ist, auf einen Monat Gefängnis erkannt. Wären die rohen Revolver- und Gummischlauchhelden nicht gegen das Interesse ihrer Klassengenossen arbeitende Gelbe, sondern chrliebende für ihre Klasseninteressen ein- tretende Arbeiter gewesen, so wäre schwerlich eine Verurteilung wegen Landfriedensbruch und eine weit höhere Strafe unterblieben. Es gibt ja aber keine Klassenjustiz. Halt die Schnauze! Der königlich preußische Kammerherr Baron Philipp v. Gustedt, AmtZvorsteher in Derrsheim, Kreis Halberstadt, stand am Freitag vor der Strafkammer in H a l b e r st a d t, um sich wegen Beleidigung und Körperverletzung eines„Unter- gebenen" zu verantworten. Am S. September 1908 brannte es in Derrsheim und der Kammerherr fungierte bei den Löschungs- arbeiten als Brandmeister. Als Hornist war ihm der Ackerknecht B i« n r o d t beigegeben, der Mitglied der Pflichtfeuerwehr war. Dieier Bienrodt erhielt von Herrn v. Gustedt die Weisung, sich dicht an ihn zu halten. Als Bienrodt mit„Jawohl" antwortete, rief der Kammerherr: Halt die Schnauze und blase: „Wasser marschl' Und damit vermutlich der Mann besser zum Blasen präpariert werde, erhielt er einen F a u st s ch I a g an die linke Wange. In dem Gedränge wurde bann[der geschlagene Trompeter von seinem„Herrn" getrennt. Der Kammerherr rief ihn mit den Worten: Bienrodt! Wo steckt denn der dumme B e n g e l? Auf die Entgegnung des Landsllaven: Aber, Herr Baron, ich war doch dal antwortete der Herr Baron prompt:„Halt die Schnauze, Du ha st hier gar nichts zu sagen! Hier hat nur der Amtsvorsteher zu reden I' Weiter sagte der Amtsvorstchcr bann:„Ich nehme Dir das Horn weg, solchen traurigen Hund kann ich nicht gebrauchen I" Dazu erhielt Bienrodt einen Schlag ins Gesicht, daß der Helm vom Kopfe fiel. Als der Geschlagene den Helm aufhob, bekam er noch einen Schlag, daß ihm die Nase blutete. Hierauf nahm von Gustedt dem Mann das Horn weg und gab ihm einen Tritt ins Gesäß.— Man glaube nicht, daß dieser Edelste und Beste der Nation etwa ein junger Mensch sei. Er rühmte sich vor Gericht, auf den Schlachtfeldern von Böhmen und Frankreich Gehorsam gelernt zu haben und den habe er bei dem Trompeter, der erst vom Militär entlassen sei, vermißt. Im übrigen bestritt der Herr Baron tapfer, geschlagen zu haben, nur daß er geschimpft habe, gab er bedingungsweise zu. Der Staatsanwalt KaSper erkundigte sich überall danach, ob der Knecht nicht etwa von dritten Personen aufgereizt sei, die Klage zu erheben. Seine Mühe war umsonst. Dann beantragte er ganze bv Mark Geldstrafe. Der Angeklagte, meinte er, habe zwar gefehlt, auch sei das Schlagen und Treten unverzeihlich (wirklich?), aber er habe sich in starker Erregung befunden. Diese Begründung und das Strafmaß machte sich das Gericht nicht völlig zu eigen. Es versechsfachte die Strafe und erkannte auf die außerordentlich milde Strafe von 300 Mark.— Für den Angeklagten eine Lappalie. Würde der Knecht auch mit einer Geldstrafe davon gekommen sein, wenn er den Kammerherrn, Baron und Amtsvorsteher mit„Halt die Schnauze" angefahren, „dummer Bengel" tituliert, mit Faustschlägen und Tritten ins Gesäß traktiert hätte? Zu bedauern ist. daß der Knecht dem Amtsvorstehcr demutsvoll gehorchte, fstatt ihn so zuzurichten, daß ihm die Mög- lichkeit zu ähnlichen Flegeleien und Rohheiten für längere Zeit ge- nommen war. Dazu wäre der Knecht in Notwehr durchaus be« rechtigt gewesen. WasserstandS.Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt dorn Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unlerpegel. Für den Inhalt der Inserate «ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. 'Chcztcr. Dienstag, den 25. Mai. Ansang 71/, Uhr. Lönigl. Opernhaus. Der fliegend« Holländer. Köulgt. Schauspielhaus. Was ihr wollt. Deutsches. Faust. jkammerspiele. Der Arzt am Scheidewege. Ansang 8 Uhr. Ansang 8 Ubr. Neues königliches Operntheater. Geschlossen. Lefsing. Die DollarprinzesstN. Berliner. Ein Herbstmanöver. Schiller O.«Wallner- Theater.) Jungser Obrigkeit. Schiller Charlottenburg. Bresters Millionen. Friedrich■ TÄilhelmstädt. Schauspielhaus. Die Siebzehnjährigen. Neues Schauspielhaus. Mahö. Komische Oper. Hosstnanns Er- Zählungen. Westen. Die lustige Witwe. Neues. Tricoche und Eacolet. Thalia. Hans Huckebein. Residenz. Kümmere dich um Amelie. LustspiclhauS. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. Frau Marrens Gewerbe. Luisen. 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OKT* Täglich 8 Uhr:"9� Ein Herbstmanttver. Operette in 3 Ausz. c. Ewerich Kaiman. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Tricoche und Gacolet. Morgen und folgende Tage: srleoede und Caeolet. Tbeater des Westens. Abends 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Mittwoch: Ein Walzerlraum._ Friedrich-Wiliielmstädtisches Schauspielhaus. DIenStag, den 25. Mai, Anfang 8 Uhr: Die Siebzehnjährigen. Mittwoch zum erstenmal: Die beiden Leonoren. Donnerstag: Der Dorfthrann._ LustspieEhaus. Abends 8 Uhr: Im KlulUjseisjsel. Urania. Wißsenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: UmMeMllMdMM Kenes Oporetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Der �IxeKinerbaron. Eintritt 1!H., von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Kümmere Vieh um Amelie. Schwank in 3 Akten(4 Bildern) von Feydeau. Morgen u. folg. Tage: Dies. Vorstellg. Sommerpreise. Bebbet-Tkeater Königgrätz-r Str. 67/58. Ans. 8 Uhr. 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SusIIeiidpeiMtW: Gaftspiel deS Possen-EufembleS: AitUttteubummler mit ihrem Koloffal-Programm! Nammo VoUlSpSstl-Ihögtsr UUIIIIIIO Landsberger Allee 74/77. Qroke Vorstellung des LSchsischön Volks-Theafers nebst Anstreien erstll. Spezialitäten. Zum erste» Male in Berlin. Man amüsiert sjch köstlick- Ein Wink für Kranke. Deutschland besitzt im Lamscheider Stahlbrunnen einen Heilschatz ersten Range«, der verdient, der leidenden Menschheit dauernd zugängig gemacht zu werden.(Geheimer Medizinalrat Professor Dr. med. Liebreich.) Anwendungsgebiet: Blutarmut, Bleichsucht, verschiedene Arten von Frauenttankheilcu, Magen- und Darmleiden, Nervenkrankheiten, blutarme Zustände, bei denen eine Mehrung der Blutmenge und Besserung der Blut- beschaffenheit notwendig ist, z. B. nach großen Bwwerlusten insolge schwerer Operalionen, Wochenbetten usw., nach überstandenen erschöpfenden Jnselttons- leanlheiten wie Influenza, zur Hebung deS Ernährungszustandes bei aus- heilender Lunzentubertulose. 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Und doch, wie schnell kam meine Gesundheit wieder.-—„Ich bin entzückt über den raschen, auS- gezeichneten Ersolg, den ich erzielt; habe ich doch nach kurzer Zeit einen herrlichen Appetit erhalten, alle lästigen Magenbeschwerden sind vor» schwunden, und die alle Tatkrast lähmende Schwäche nimmt immer mehr ab.-—„Der Lamscheider Stahlbrunnen hat mir meine Kraft und meinen Mut wiedergegeben.-—— Broschüren kostenlos durch Lamscheider Stahlbrunncn, Düsseldorf S. 164. 296/20« kLtettsttaHeti-'rtiealei'. Stettiner Sänger. Ken! Ken I „Mein Freund Hugo." Burleske von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Ilstx Rlierns Söinmer- Theater und Festsäle Rudolf KrUger� Hasenheide 13/15, Großes Konzert Theater und SpezialitäteD-iforsteltoiig. Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elltetag. Während und nach der Vorstellung Dansk rUnzchen. Fahrräder! Billig! o.l?. 39, 45, 52, 60, 85 bis 120 M. p. St. 'Freilauf SM.mehr 5 Jahre Garantie. 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Vergleich: Der jetzige Tarifvertrag wird mit soigenden Abänderungen bis zum 3t, März 1912 verlängert: 1. Vom 16, Mai 1910 ab beträgt der Minimallohn bei Lohnarbeiten aus dem Bau pro Tag 7,50 M,, die Wcrlstattlöhne 5.75 M. bczw. 6.25 M. 2. Eine gegenseitige Kündigung zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer findet nicht statt, die Lösung des Arbeitsverhältnisses ist jedoch nur zum Abend, zulässig. 3. Die Löhne sür den Ausgelernten im 1. Jahre, sofern er in dem Lehr- betriebe verbleibt, unterliegen der freien Vereinbarung. 4. Vom Tarisvertrage abweichende oder gegen ihn verstoßende Be- stimmungen oder Abmachungen im ArbeitsverbäitniS oder durch Arbeit»- ordnung dürfen nicht getroffen werden, Vorgelesen und genehmigt mit der Maßgabe, daß die Zustimmung der beiderseitigen Genermversammlungen vorbehallen bleibt, welche bis spätestens Dienstag, den 18. Mai 1909, mittag« dem Gcwerbegericht erklärt werden muß, und mit der scrncren Maßgabe, daß der alte Tarifvertrag bis Mit- woch, 19. Mai, abends weiter gill. Für die Arbeitgeber: gez. E. EaSpary. Jos. JunkerSdorj. M. Krüger. Paul Franke. A. Schaffer. Für die Arbeitnehmer: gez. Fr. Gtebler. Mar Fuchs. W. Wcngcls. Aug. Dieterich. Karl Scheck. Das EinigungSamt» gez. Dr. Schalhont. gez. Ernst Herrmann. Dr. Mielenz. Alwin Körsten. Adolf Cohen. Diesen Vergleich haben aus Grund der Beschlüsse Ihrer Generalverjamm- lungcn die Parteien genehmigt, sür die Arbeitgeber: die Freie Vereinigung der Inhaber von Bildhauer- und Stuckgeschästen Berlins und Um- legend: für die Arbeitnehmer: der tentralverband der Stukkateure Deutschlands, Flliale Berlin. Berlin, den 19. Mai 1909. _ gez. Dr. Schalhorn._ Billiges Vorortland. □ Rute 6 Mk. an. Große Zukunft. Wohnungen Stube K. 10 Mk.. 2 Stuben, K. 16 Mk. Projp. grat. Bruimhoser, Berlin, Rollendorfst.Z \ erlelh-Institut: Friedrichs!. 115/1, a.Oiabg "Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1.50�olel.00. Weste 50Ps. Bon der Reise zurück 27601 Nn. Levy, Swinemünder Strasse Iii«. m WM Arbeitsnachweis: Hoj I. Amt 3. 123Q. BerwaltuiigSstelle Berlin. Hauptbureau- ciiseitSstesös Z. Hos III. Amt 3. 1337. Oravenre, Ziseleure. Mittwoch, den 26. Mai. abends S'/� Uhr. im Dresdener Garten, DrcSdcnerstraize 45: 15sessiumlung. Vortrag des Kollegen Sicivert:„Die neue ReichsversicherungS Ordnung." 117/13 Ziege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung LMtzeder ÜSrzekler-VerlMl! Filiale Berlin. Bureau a. Arbeitsnachweis: Barnimstratze 21, vorn Part. Tel.: Amt VII 6782. BHttwoch, den 26. Mai 1909, abends 8 Ulir, im Alten 8clititzenliaus, Linienstr. 5: Aisßcrordcntl. Mitslicder-NtrsaiWliliig. T a g e S- O r d n-u n g: 1. Die Aussperrung in der Mützenfabrik von 8.<-itirtner & Co. 2. Verjchiedencs. Zahlreiche Beteiligung erwartet 102/7 Die OrtsverHvaltnns. IT ttr ISttgUeder'Versammlungen Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. 2. Branchen- angelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. iBürsleuiimeliei' am Mittwoch, den 26. Mai, abends 81/» Uhr. bei$ teuft, Holzmarktstr. 65.* Bodenleger am Mittwoch, den 26. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Saal VII. Einsetzer am Mittwoch, den 26. Mai, abends 6°/« Uhr(gleich nach Feierabend), im Gcwcrkschaftshause» Engelufer 14/15, Vnal lV(Arbeitslosenraum). Zu dieser Versammlung sind die Kollegen Kurt in Rirdorf, Sauer in Steglitz und sämtliche Kollegen der Firma tielnriek Mittag eingeladen_ Modelltischler am Donnerstag, den 27. Mai. abends 8 Uhr. im BerbandShause der GasiwirtSgehilfen, Gräfte Hamburger Strafte 48/19. Stellmacher am Donnerstag, den 27. Mai, abends 8'/, Uhr, im Rosenthaler Hof» Rosenthaler Strafte 11/12. Erster Punkt der Tagesordnung: Vortrag deS Kollegen«lalilmaan über.Die neue ReichSoersicherungsordnung'. Jalousiearheiter am Donnerstag, den 27. Mai, abends 8'/, Uhr, im GewerkschaftS- Hanse, Engclnfer 14/ IS, Saal IV(Arbeitslosensaal). Zahlreichen Besuch erwartet Hie Ortsverwaltang. Charl Ottenburg. Ausverkauf! AuS den Konkursmassen stammende Waren von 13572* S. Hoffmann, Wilmersdorfer Strafte 12, Ecke Schulstrafte. Moderne Herren- und Knaben. Anzüge, Berufskleidung«n« am. Wäsche usw. Die enorm billigen Preise sind in den 5 Schaufenstern ersichtlich. »»M» OUM-MMMMMMU.M V&rKhderhsi\ verlange Kalabg vor» Arnold Myller s 2 Keulbous für KinderbekleiduQQ• K 95-Lejpz]ogr5lraße-95: »»««»»»»»OD»»0»»0«0 P? UdeK Tabak-GroChamdlnng und Tabakiabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."VE Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer.* Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. ifinten Marken TigSrettEN �_Or»g»nalpreUen.| Amt IV, 3014. G, Klnmen- nnd Kranzbinderei von ködert»eier.' nur Mariaunen-Ziraße 2. Ohne Anzahlung l sto?��. Sinen, Slepptzecken, leppiobs, Uiu-en, "SAT filtiiK liattn! 1,. Matzner, Anguststr. 50. Siur Poftlarte erbeten.* mm. 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Mittwoch, den Äd. Mai, abends 8V2 Uhr: im Berliner Gcwerkschaftshaus, Engelufer IS, Saal 4: Ksusrsrä» Vsrssmisdimg aller Sektionen und Zahlstellen. TageS-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Kassenbericht vom 1. Quartal Ivos. 3. Bericht der Delegierten zu« Berliner Gewerkschaftö-Kommifstou und Reuwahl derscldeu. 4. Gewerkschaftliches. 137/18' Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Das Erscheinen aller Kollegen erwartet Der Zweigvereiusvorstaud. wdksteWttet gegen Motten ist Reichel'« Aroinat. Mottenpulver»Total«, denn es treibt jede Motte aus, tötet die Maden ab, das einzige, daS selbst schon ver- mottete Sachen noch retten kann. Einsachsle Anwendung. In Kartons ä 50 Pf., 1.00, 2.00, Psund 3.00. Einzig echt und garantiert wirksam nur in Originalpackungen mit Marke „Tod u. Tenfel- in den Drogerie» und bei 1353L llttliMelHi'IiiiiJKMMU Lieferant für Armee und Marine. Telephonanschlüsse IV 046, 3190, 4502. Leihhaus. Gelegenheitskäufe verfall. Gold und Silbersachen, Brillanten etc. iäeBitterrPrinzeBStr.281 j Steinarbeiter I Donnerstag, den 27. Mai, abends 8 Uhr: Kombinierte Mitglied er- Versammlung in den Annlnballen, Kommandanlenstr. 58/59. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Grnmvald über:.Der Produktions- prozeft des Kapitals'. 2. Gewerkschastliches. 171/17' ' Im Anschluß hieran wird der Jahresbericht der ehemalige» Filiale II gegeben. Kollegen aller Branchen k Erscheint zahlreich und pünktlich in der Versammlung. Die Ortsverwaltung. 9 Gewerksehaflen, Vereine, Fabriken! ! Voigts Kraragenhurg, aY""" ist daS passnidlle Ausflugslokal I Slussührliche Prospckie und Führer gratis I � Bermtetnng von Dampfer»»nd Motorbooten! � Freies Telephon: Amt Köpenick 227.— Hochachiungsooll! Rob. Voigt SomlflemoWscIierWaMvereiii des lierLHeielistass-ffalilkreises. Landsberger Viertel. Bezirk 370, Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der«chaiik- Wirt Uiilieim Hannemann (Frankfurter Allee 38) gestorben ist. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. Mai, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FricdhoseS in Friedrichsseide aus statt. 217/20 Der Vorstand. HMSlSM»! E. H. Xo. 89. hierdurch die traurige Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler Hennaim Grunow Köpnickerstr. 103 wohnhatt am 23. Mai im Alter von 00 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Aildcukeul Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmauskirchhoss, Her- mannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Uei- Vorstand. TodcMunseigc. Am 21. Mai er. verstarb Plötz. lich am Herzschlag auf einer Be- suchsreise in Hamburg meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwiegec« und Groß- mutier Marie Schneider Qcb Cxrcwe« DieS zeigt tiesbetrübt, um stilles Belleid bittend, im Namen der trauernden Hinterbliebenen an August Schneider, Wiesenslr. 55. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 20. Mai, nachmittags 3 Uhr, aus dem Friedhos der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel- allce 15, statt._ Allen Verwandten, Freunde» und Belanntcn die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Hausdiener �uzust Wemicke am Sonnabend nach langem, schwerem Leiden im 41. Lebens- jähre verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Marie Womicke nebst Tochter. Die Berdignng findet am Mitt- Wochnachmittag 51/, Uhr von der Halle des neuen Jakobikirchhoses, yermannstraße, aus statt. 2757b Für die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines ManucS, des MöbelpoliererS Panl Schmidt sage ich allen Beteiligten meinen innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinter- blicbenen Martha Schmidt. Danhiiagnng. Für die Beweise herzlichster Test- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, meines guten Vater». des MaurerS August Rosenbaum sagen wir allen Verwandten und Bekannten, sowie dem Zenttalver» band der Maurer Deutschlands (Zweigverein Berlin) unseren herz- lichslen Dank. 2758b Frau Rosenbaum nebst Tochter. Für die herzliche Slntciwahme, welche uns anläßlich des Todes und der Beerdigung unseres teuren Berftor- denen von Nah und Fern zu teil wurden, sagen wir allen, ins- besondere dem Herrn Stadtverord- nelen Obst für seine ergreiscnde Grab- rede, dem Herrn Armenarzt Dr. Richter, den Mitgliedern der 4. Armcnkommission SchöncbergS, dem Vorstand und den Beamten der Ortskrankenlaise der Stadt Schöne- berg, den Bureauangcstellten und Vcrwaltungsbeamtcn der Kranken- kästen Deutschlands(Ortsgruppe Groß- Berlin), sowie dem Vorstand und den Mitgliedern deS sozialdemokralische» Wahlocreins von Schöncberg unseren tiesgesühltesten Dank. 1300b In» Namen der trauernd« Hinter- bltebcnen: Karl und Marie Butry geb. Mantz. Danksagung. Für die sreundschaftliche Beteiligung bei der Beerdigung unserer lieben Mutter und Schwiegermutter, der Witwe Lmestme Behnisch sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Ge- sangvcrein.Nordwacht" unseren herz- lichsten Dank. 2759b Die trauernden Hinterbliebenen. Op. Simmel Spezial-Arzt 62/9* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,„SÄ 10—2, 5— 7, Sonntags 10— 12, 2— 4 Kerantwortl. RcdafteurtSarl Wirmutj, Berlln-Rizdorf, Für denLnftratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. B.rlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, parte!- Hngclegcnbeiten» Schöncierg. Heute Dienstag, den 25. b. MtS., abends S'/o Uhr, findet die Wahlvereinsversammlung in den Neuen RathauZiälen, Meininger Strafe 8 statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des Landtagsabgeordncten Genossen H. Slröbel über: Der Vier- mandatsraub im'preußischen Abgeordnetenhause. 2. VereinZangelegen- heiten. 3. Verschiedenes. FriedrichShagen. Dienstag, den 26. Mai, abends S'/s Uhr: Mitgliederversammlung des WahlvereinS im Restaurant Lerche, Fricdrichstr. 102. Lanlwitz. Am Mittwoch, den 2S. Mai, abends 8'/g Uhr, findet die ordentliche Mitgliederversammlung bei Ebel, Marienfelder Straße 9 statt. KönigS-Wusterhauscn. Eine Wahlvereinsversammlung findet am Mittwoch, den 28. Mai, abends 8 Uhr, im Lokale von Wedhorn (Altes Schützenhaus) statt, in der Arbeitersekretär Lehmann über .Das Genossenschaftswesen" referieren wird. Wilmcrsdorf-Halensce. Heute Dienstag'/3d Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im„Luisenpark". Genosse Schumann referiert über:„Die wirtschaftliche Krisis". Zahlreicher Besuch wird erwartet. Berlimv JVacbncbtcn. Das erste Pferderennen im Grunewald. Just im Grunewald mußte es sein, um eine neue Rennbahn zu errichten. Ein ganz ansehnlicher Waldbestand ist dem feudalen Sport zum Opfer gefallen, gefördert durch den ehemaligen Land- wirtschaftsminister von Podbielski. Und als ob er noch stolz darauf sei, spazierte Pod am Sonntag in seiner roten Husarenuniform auf dem Festplatze der neuen Bahn einher, auf der an diesem Tage zum ersten Male Pferderennen stattfinden sollten. Um diesen Tag zu einem besonderen zu gestalten, war auch das Kaiserpaar geladen und erschienen und mit ihm Hof, Minister und alles, was in der Berliner Gesellschaft einen Namen hat. Ein unglaublicher Luxus wurde besonders von den Damen entwickelt, von Not merkte man hier nichts. Der Besuch soll ein gewaltiger gewesen sein, man spricht von 49(XX) Personen. Kaum ein Auto war in der Stadt aufzutreiben, um alle.Renninteressenten" an Ort und Stelle zu schaffen. Der Wett- und Spielleidenschaft ist ein neues— staat- lich anerkanntes— Feld eröffnet worden. Am Sonntag allein wurden an den 99 Schaltern der Rennbahn im Grunewald um- gesetzt: 243 369 M. auf Sieg, 133 979 M. auf Platz, zusammen 376 929 M. Der Kassenrapport für die Entreeeinnahme inklusive Programme betrug 192 999 M. Hiervon entfielen 39 999 M. auf den Vorverkauf, 72 999 M. wurden auf der Bahn kassiert. Nicht inbegriffen sind die Wettumsätze, die bei anderen privaten, wenn auch" nicht polizeilich konzessionierten Wettbureaus gemacht wurden. Die Oeffnung der Geschäfte an bestimmten Tagen vir de» großen Kesten bis abends 19 Uhr beziehungsweise am Sonntag bis 6 Uhr entspricht in keiner Weise den Bedürfniffen des Publikums. Durch den Achtuhr-Ladenschlutz hat sich die Bevölkerung immer mehr daran gewöhnt, innerhalb der Verkaufszeit seine Bedürfnisse zu decken und denkt gar nicht mehr daran, die vor den Festen ausgedehntere Zeit in Anspruch zu nehmen. So kommt es. daß selbst Geschäftsleute klagen, daß ihnen durch die Ausnahmestunden nur Unkosten für Licht und Bedienung erwachsen, ohne entsprechend Einnahmen zu haben. Am Sonntag, an dem bis 6 Uhr die Geschäfte geöffnet sein konnten. trat dies sehr kratz in Erscheinung. In den Nachmittagsstunden war der Verkauf in vielen Geschäften so schwach, datz beispielsweise im Zentrum der Stadt um 4 Uhr kaum ein einziges Geschäft noch seine Pforten geöffnet hatte, eine Tatsache die dem Berliner Polizei- Präsidenten Veranlassung geben sollte, die Ausnahmetage noch mehr einzuschränken. Waldbrände. Am Sonntag sind in der Umgegend von Berlin zahlreiche größere Waldbrände ausgekommen. Die Gemeinde- Vorsteher vieler Gemeinden waren in der größten Sorge und hielten Nadfahrer bereit zur Meldung von Bränden und zur Alarmierung der Wehren. Zwischen Bernau und Oranienburg wurden allein drei größere gemeldet, davon ein sehr gefährlicher in der Nähe des königlichen Hofjagdreviers, dem gegen 69 Morgen Waldbestand zum Opfer fielen, obgleich bald nach Ausbruch Hilfe zur Stelle war. Die Vertreter der Berliner Gemeindebehörden sind am Sonntag in Southampton mit dem Dampfer„Prinz Friedrich Wilhelm" ein- � getroffen und von Vertretern der Stadt wie von Mitgliedern des Londoner Empfangskomitees begrüßt worden. Der Vorsitzende des Londoner EinpfangskomiteeS Neil hieß die Deutschen im Namen des LordmayorS von London willkommen, erinnerte an des Lordmahors Besuch in Berlin und gab der Hoffnung Ausdruck, datz die Freund- schaft zwischen London und Berlin ein für alle mal fest gekiltet sein möge und daß Großbritannien und Deutschland immer die besten Freunde bleiben möchten. Oberbürgermeister Kirschner erwiderte. eS sei in zukünftigen Tagen aus ein herzliches Verhältnis zwischen Deutschland und England zu hoffen, beide Länder würden einander immer besser verstehen lernen. Der Mayor von Southampton verlas eine Willkommensadresse für die deutschen Gäste und sagte, der Bestich sei von großer Bedeutung, denn er müsse eine wohltätige Wirkung ausüben, datz er die beiden Länder lehre einander immer mehr zu verstehen und zu respektieren. Oberbürgermeister Kirschner sagte in seiner Er- widerung, der herzliche Empfang in Southampton sei ein glückliches Vorzeichen für herzlichere Beziehungen zwischen England und Deutschland. In ähnlicher Weise sprach sich unter lebhaftem Beifall Stadtverorductcuvorstcher Cassel aus.— Um 6 Uhr nach- mittags traten die Berliner Stadtvertreter im Sonderzuge die Reise nach London an, wo ihnen vom Lordmayor und anderen hohen Ge- meidcbeamten ein warmer Empfang zuteil wurde. Einem Vertreter des Reuterschen Bureaus gegenüber hat der Oberbürgermeister gleichfalls versichert, Deutschland wünsche mit England auf gutem Fuße zu stehen. Zweitklassige HLHenmcnschen. Zu dem in der Sonntags- Nummer geschilderten Renkonter eines Vorwärtslesers mit zweit- klassigen Fahrgästen auf der Stadt- und Ringbahn wird uns von anderer Seite geschrieben: Auch ich benutze, obwohl nur Zuschneiderin, öfter die zweite Wagenklasse, um dem kollosalen Andrang und der Wagenüberfüllung in der dritten Klasse zu entgehen. Dabei habe ich namentlich an Wochentagen die Beobachtung gemacht, datz kein einziger Wagen der dritten Klasse so von Schmutz starrt wie diejenigen der zweiten Klasse. Das fällt allerdings nicht der Eisenbahnverwaltung, sondern dem Publikum zur Last. Man sollte auch hier bei den„Höhen. menschen" ganz besonders gute Sitten erwarten. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall. Manche Abteile sehen zeitweise aus wie ein Lumpenkeller. Gelesene Zeitungen werden nicht mitgenommen, sondern einfach zerknittert liegen gelassen, so datz es bald von Papierwischen starrt. Die Beamten kennen diese Unmanier und suchen auf jeder Rundfahrt mindestens einmal die Abteile ab, um Ordnung zu schaffen, In der dritten Klasse ist dgS weit weniger ' nötig. Auch Zigarren und Zigarettenstummel, die der Arbeiter zum Fenster hinausspediert, werden hier auf den Fußboden geworfen. > Die Aschbecher an der Wagentür zu benutzen, fällt diesen„vor- nehmen" Leuten gar nicht ein. Auch Obst- und Speisereste wandern einfach auf den Boden des Abteils oder gar auf die Polster. Alles das zeigt deutlich die Verwahrlosung, die in diesen Kreisen herrscht. Was von ihnen selbst als bequeme Ungeniertheit betrachtet wird, ist doch weiter nichts als mangelnde gute Erziehung und Rücksichts- losigkeit gegen andere Fahrgäste. Ebenso kann man beobachten, datz die meisten Fahrgäste der zweiten Wagenklasse die Tür nicht schließen, sondern beim Verlassen des Abteils weit offen stehen lassen, auch wenn noch Fahrgäste drin sind. Ans der Werkstatt der Hohenzollcrndichtcr. Im Unterhaltungs- blatt der„Deutschen Warte" vom letzten Sonntag finden wir den folgenden, humoristisch sein sollenden Erguß: „Die heute, Sonntag, früh 6 Uhr 29)4 Min., ebenso glücklich wie leicht erfolgte Entbindung meiner geliebten Frau Kalliope geb. Muse vom 12 9. Hohenzollerngedicht zeige ich teil- nehmenden Freunden und Gönnern hocherfreut an. In Ver- anlassung dieses Familienereignisses sind briefliche und münd- liche Kundgebungen freundlichst erbeten, dagegen wird die Ueber- sendung von Lorbeerkränzen, Selleriesalat, Rhabarber und sonstigem Ruhmesgemüse höflichst dankend abgelehnt, da meine derzeitige Wohnung nur 12 Zimmer hat. Die Reproduktion des neugeborenen Sonntagskindes folgt untenstehend. Dr. Ernst Artur Lutze." Auf die Wiedergabe des byzantinischen Machwerks über „Friedrich den Großen" verzichten wir mit Wonne. Der selige Wildenbruch würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, wie die Konkurrenz die Hohenzollernverherrlichung schon mit der Elle mißt. Major Laufs, bekanntlich auch so ein Hohenzollern- dichter, und Vikor Hahn, der Gottbegnadete vom„Kleinen Journal", werden ja wohl nicht allzu futterneidisch sein. Denn Dr. Lutze zeigt in Selbstironie oder auch in Selbsterkenntnis den gangbarsten Weg wie man seinen Hohenzollernbrei am besten verdaut:— mit Rhabarber! Ein Schwindler. Als Brauereitechniker und Chemiker trat der 37 Jahre alte Schreiber Franz Kusche auf, um Zimmer- Vermieterinnen zu beschwindeln. Schon seit Januar d. I. ohne Wohnung, mietete er bald hier, bald da. Stets war sein Koffer mit den Sachen und dem Gelde noch auf dem Bahnhof. Mit- unter ließ ihn auch die Bank im Stich, weil bei seinem Guthaben irgendeine Formsache noch nicht in Ordnung war. In allen Fällen genügten diese Vorspiegelungen und die Versicherung, daß ein reicher Onkel für ihn eintreten oder daß die Verwertung eines Patentes Geld bringen werde, ihm Darlehen zu verschaffen. Sonn- abend traf eine geschädigte Frau den Schwindler auf der Straße und ließ ihn festnehmen. Die Geprellten, die noch keine Anzeige gemacht haben, können sich bei der Kriminalpolizei im Zimmer 99 melden. Der Verhaftete, der dem Untersuchungsrichter vor- geführt wurde, kennt sie gar nicht alle. Eine Störung des Telegraphcnbctriebes wurde am Sonntag durch einen Diebstahl am Spandauer Schiffahrtskanal herbei- geführt. In der Nacht wurde von den am Kanal entlangführenden Leitungen zwischen mehreren Gestängen etwa 1999 Meter Draht abgeschnitten. Den Verbrechern gelang es, mit ihrer Beute un- beobachtet zu entkommen. Der Diebstahl wurde übrigens so zeitig entdeckt und die Reparaturen so schnell ausgeführt, daß eine größere Störung vermieden wurde. Todessturz aus dem vierten Stock. Ein trauriger Vorgang spielte sich Sonntag in dem Hause Rüdersdorfer Str. 46, im Osten Berlins, ab. Im vierten Stock des Seitenflügels be- findet sich dort die Wohnung des Kutschers Alexander M a u r h. Bei der großen Hitze, die Sonntag herrschte, standen die Fenster der Wohnstube offen. In einem unbeaufsichtigten Augenblick kletterte nun das vierjährige Söhnchen Willi auf einen Stuhl, der am Fensteer stand, und neigte sich heraus. Plötzlich, noch ehe die Eltern die Gefahr bemerkten, verlor der Kleine das Gleich- gewicht und stürzte in die Tiefe. Mit schilleren Schädelbrüchen blieb das Kind auf dem gepflasterten Hof liegen. Trotzdem ärzt- liche Hilfe bald zur Stelle war, konnte doch nur noch der bereits eingetretene Tod festgestellt werden. Krankheit und Arbeitslosigkeit haben den Arbeiter Paul Priewe aus der Badstr. 8a in den Tod getrieben. P. war seit längerer Zeit lungenleidend und wurde schließlich auch noch arbeitslos. AuS Verzweiflung hierüber legte er Hand an sich; als gestern seine Frau von einem Ausgange zurückkehrte, fand sie den Lebensmüden im Zimmer erhängt auf. Wer ist die Tote? Am 21. Mai er. wurde gegenüber dem Hause Gitschiner Straße 194/3 die bereits stark in Verwesung über- gegangene Leiche einer 29—23 Jahre alten Frauensperson gelandet. Die Leiche war mit einem grauen Sportrock, mit einer schottischen Bluse mit rotkariertcm Einsatz, schmalem roten Ledergürtel, schwarzen Schnürschuhen und schwarzen Strümpfen bekleidet. Die Leiche be- findet sich im Schauhause. Personen, die Angaben machen können, wollen sich im Schauhause melden. Nadrennen zu Treptow, 23. Mai. Vier Fahrer traten in den über 19 Kilometer und 1 Stunde gehenden Dauerrennen in die Schranken. Dem Engländer Tommy Hall hatte nian Rosen- l ö ch e r- Dresden, A.Schulze-Zehlendorf und Scheuermann- Breslau gegenübergestellt. Diese Besetzung versprach namentlich zwischen den beiden Spezialisten der Treptower Bahn, Nasenlöcher und Schulze, spannende Kämpfe. Wider Erwarten gewann Scheuer- mann beide Nennen, das Stundenrennen sogar ganz überlegen, wo- bei eS ihm gelang, den bisher von Stellbrink gehaltenen Stunden- Bahnrekord von 74,819 Kilometer auf 74,939 Kilometer zu bringen. Die anderen drei Fahrer hatten unter den Defekten ihrer Führungs- Maschinen zu leiden und endeten alle weit zurück. Die Ortsverwaltung des MctallarbeitcrverbandeS bittet uns mit- teilen: Ein Posten Marken a 9,79 und a 9,39 im Kuvert deS Metall- arbeiterverbandes sind in der Zeit vom 12.— 13. Mai verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, selbige im Bureau, Charitöstr. 3 abzugeben. Treptow- Sternwarte. Am Dienstag, den 25. Mai, abends 9 Uhr, hält Direktor Dr. F. S. Archenhold im großen Vortragssaal der neuen Treptow-Sternwarte einen Vortrag über„Weltanschauung und Himmelskunde", welcher gemeinverständlich gehalten und mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestattet ist.— Im großen Fernrohr wird tagsüber die Sonne und abends zwischen 9 und 12 Uhr der Mond gezeigt. Der Planet Jupiter und andere be- liebige Himmelsobjekte sind mit zwei kleineren Fernrohren zu beobachten. Fcuerwehrnachrichten. Die Berliner Feuerwehr hatte gestern früh um 6 Uhr in der Reichenberger Straße 64 zu tun, wo in einer Polierwerkstatt Feuer ausgekommen war. Ueber einen Steckleitergang drangen die Feuerwehrmänner in die Werkstatt ein und löschten mit einer Schlauchleitung die Flammen, die schon die Balkenlage erfaßt hatten. Bei einem Brande in der Stavanger Straße 2, der durch Ueberkochen von Fett ausgekommen war, erlitten zwei Mädchen schmerzhafte Brandwunden 1. und 2. Grades, die ihnen von Samaritern verbunden wurden. In der Fstader Straße 19 stürzte der Lehrling Willi Meinert aus der Korsörer Straße 8 infolge Unachtsamkeit in den Fahrstuhl- schacht. Er blieb an dem Gerüst hängen und wurde von der Eeuerwehr befreit, die den 15jährigen Schwerverletzten ngch dk.m azarijs-Krankenhause schaffte, WWW. 1«!!, 25. pal 1909. Der 15. Löschzug wurde nach der Waldstraße 19 alarmiert, wo ein sehr gefährlicher Brand in einem Kolonialwarcnkellcr aus- gekommen und Holzwolle, Kisten, Säcke usw. erfaßt hatte. Bor dem Hause Leipziger Straße 76 brannte Oel usw. unter einem Automobil-Omnibus und in der Keibelstraße 39 Spiritus usw. in einer Küche. Ferner hatte die Wehr in der Voltastraße 15 zu tun. Dort brannten Gardinen, Kleider und anderes und in der Krausenstr. 15 Fenster, Betten, Hausrat und anderes in einer Dachkammer nachmittags um 5 Uhr. Ein Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Lübbener Straße 29. Gardinen, Möbel, Kleider, Betten usw. brannten in der Stralauer Straße 45, Auguststr. 332, Grenadierstr. 26, Alexanderstr. 142, Lessingstr. 14, Kaiserstr. ß, Hochstr. 382 und an anderen Stellen. Vorort- Z�aed riebtem Schöneberg. Ein Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahnwagen und einer Droschke fand Sonntag gegen 9 Uhr an der Ecke der Motz- und Martin Lutherstratze statt. Dort hielt an der Haltestelle ein Straßen- bahnzug der Linie 91. Zu derselben Zeit näherte sich auf dem gleichen Gleise ein Bahnzug der Linie 5113, dessen Führer mit Rück- ficht auf den haltenden Vorzug laugsam an die Haltestelle heranfuhr. In diesem Augenblick bog die Taxameterdroschke Nr. 9699 auf die Schienen, lourde von dem Straßenbahnzug der Linie 6113 erfaßt, gegen den Anhängewagen des Vorzuges gepreßt und zertrümmert. Dem Chauffeur, sowie einem Insassen der Droschke gelang es recht- zeitig sich durch Abspringen zu retten. Der zweite Insasse, Kauf- mann Seligmann, Schwäbische Straße, wurde aus dem Wagen hinausgeschleudert und erlitt einen Bruch des linken Untersckicnkcls. Der Hinterperron des Anhängewagens von dem Zuge der Linie 91 war bei dem Anprall eingedrückt, der zweite Straßenbahnwagen .edoch nicht beschädigt. Lichtenberg. Wohl der Delegierten oder Aufstellung der Kandidntcnlistcn. Genosse MiruS sendet uns unter Hinweis auf den letzten Bericht über die Mitgliederversamnilung des Wahlvereins und unsere daran geknüpfte Bemerkung eine längere Zuschrift, in der er naihzuweise» versucht, daß er im Recht sei, wenn er davon gesprochen, daß es sich in der letzten Generalversammlung des Kreises um Anträge bezüglich der Wahl der Delegierten gehandelt habe und nichl um die Auf- stellung von Kandidatenlisten, wie unser Berichterstatter mitgeteilt hätte. Wir halten die Feststellung, ob die Anträge so oder so auf- zufassen sind, für so unerheblich, daß wir glauben, unsere Leser mit der Wiedergabe der Mirusschen Darlegungen verschonen zu sollen; wir streiten gar nicht darum. Selbst zugegeben, Genosse MiruS sei im Recht, so berechtigte ihn das noch lange nicht zu An- würfen gegen unser Blatt, wie er sie sich geleistet hat, und die nun das Lichtenberger Ortsblättchen schadenfroh benutzt, unsere Bericht- erstattung als„skrupellose" zu bezeichnen. Was das Lichtenberger Blättchen sagt, alteriert uns weiter nicht; eS kann gar nicht sachlich kämpfen, das wäre wider seine Natur. Bon einem Parteigenossen aber verlangen wir, daß er eine Form der Polemik wählt, die das eigene Blatt nicht schädigt und den ohnehin schweren Beruf eines Berichterstatters nicht ohne Not noch mehr er- schwert. Weiftenfee. Die öffentliche Speiscanstalt, eine Einrichtung auS Gemeinde- mittein, erfreut sich eines guten Zuspruchs. In dem ersten Biete!- jähr wurden 18187 Portionen verabfolgt. Davon waren Mittag- essen zu 39 Pf. 3932, zu 29 Pf. 1779, zu 19 Pf. 9349 Portionen; sonstige Portionen zu 13 Pf. 337, Kaffee oder Kakao zu 3 Pf. 1983 und Brotschnitten zu 4 Pf. 37 Portionen. Im September vorigen Jahres eröffnet, sind bis Ende Februar— das erste Halbjahr— im ganzen zirka 33 999 Portionen ausgegeben worden. Die Offenhaltung an den Sonntagen hat sich nicht bewährt, da die Speiseanstalt von meist im Ort nicht wohnenden Arbeitern und Arbeiterinnen frequentiert wird.— Das in der Gemeindeturnhalle untergebrachte B o l k S b a d findet noch nicht die nötige Beachtung. In den Monaten Januar bis März nahmen 118 männliche und 69 weibliche Personen ein Wannenbad, Brausebäder dagegen 129 männliche und 61 weibliche Personen. Fricdrichshagen. Die Gemeindevertretung wählte in der am 21. Mai statt« gefundenen Sitzung den Gemeindebcrordncten G I o e d e mit 13 Stimmen zum Gemeindeschöffen an Stelle des auS- geschiedenen Schöffen Anklam, der 3 Stimmen erhielt. Der Gemeindeverordnete Gloede war im März dieses Jahres schon ein- mal mit 11 Stimmen zum Schöffen gewählt, seine Wahl wurde jedoch vom Kreisausschuß nicht bestätigt. Zur Prüfung der Gcmcindckassenrechnung für das Jahr 1998 wurden die Vertreter Barth, Gloede, Kunzke und Lange gewählt.— Zur Aufstellung einer Bedürfnisanstalt für Männer am Bahnhof ist der EisenbahnfiskuS bereit, den am Restaurant Waldhaus belegenen Platz gegen eine Jahresmiete von 39 Pf. pro Quadrat- meter zu verpachten. Einstinimig wurde der Pachtung zu den gc- nannten Bedingungen zugestimmt und der Gemeiudevorstaud beauftragt, den Pachtvertrag auf eine möglichst lange Zeitdauer ab- zuschließen. Mit der Aufstellung der Bedürfnisanstalt wurde die ortsangesessene Firma Max Ehlers betraut. Außerhalb der Tagesordnung ersuchte der Vertreter S o n n e n- bürg den Gemeindcvorstand um Auskunft über den Stand der Pflasterung der Kastanicnallee und des MyliuSgarten, da leider von einer Anzahl anliegender Grundbesitzer gegen die Kostenbciträge Einspruch erhoben ist. Der stellvertrende Gemeindevorsteher erklärt sich bereit, diese Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Borsigwalde-Witteuau. Der neu gegründete Bezirk nahm in seiner ersten gut besuchten Generalversammlung in den„Borsigwalder Festsälen" zunächst den Bericht des Genossen Fubel von der Krciskonferenz entgegen. Die hierauf vorgenommene Wahl ergab als ersten Bezirkslciter Genosse Fubel, als zweiten Genosse Liebelt, Kassierer Genosse Kienast und Schriftführer Genosse Adam. Als Beisitzerin für die Frauen fun» giert die Genossin Gramme. Revisoren sind die Genossin Pretzer sowie die Genossen Marquardt und Ecke. Lokalkommissionsinitglied ist Genosse Marquardt. Alsdann beschloß die Versammlung, ihre regelmäßigen Mitgliederversammlungen jeden Dienstag nach dem Zahlabend abzuhalten. Der Diskutierabend der Frauen findet jeden vierten Montag im Monat statt; der nächste Abend wird am 24. Mai bei Scheibe! abgehalten. Zum Schluß wurde noch zur regen Agitation für den neuen Bezirk aufgefordert. Tempelhof. Die letzte Gemeiudevertretersitzung beschäftigte sich mit einem Gesuch der Bauaewerks-Jnnung für Steglitz auf Stiftung eine? Ehrengeschenkes für ihre Fachschule. Die Herren Vertreter gingen in ihrem Bewilliguugseifer weit über den Betrag hinaus, den selbst der Vorsteher vorschlug. Statt 39 M. beantragte Gemeindevertreter Tiedeke 59 M.; aber auch diese Summe war dem Gemeiudevertreter Nadbruch noch zu gering; er schlug daS Doppelte vor. 199 M. hielt man für eine angemessene Summe, die man— Verschenleu konnte.— Wenn unsere Gemeiudevertreter doch auch mal Geld für wenige Unfallstationsschilder übrig hätten. Dies würde die Ein- Wohnerschaft zwar nicht als ein Ehrengeschenk annehmen, sondern als einfache Pflicht der Gemeinde betrachten.— Zur Bewässerung des Metz- und Friedensplatzes hat sich die Auf- ffcHunfl von Hydranten als dringend notwendig erwiese». Fünf Hydranten wurden zwar gefordert, doch nur die obigen beide» als dringend anerkannt. Der Betrag in Höhe von 1100 M. sowie 800 M. zur Beschaffung von Geräten und Schläuchen wurden be- willigt.— Als letzten Punkt der Tagesordnung nahm die Vertretung de» Entwurf über Erlaß einer neue» Umsatzsteuerordnung in der Kommissionsfassung an. Der Gemeindcvertreter Hartmann, der in der letzten Sitzung den Antrag auf Kommissionsberatung gestellt, war weder in der KommissionSsitzung»och in der Gemeindevertreter- fitzung erschienen.' Der Borsteher betonte, die neue Steuerordnüng sei nicht dazu da, um die Einnahmen zu erhöhen, sondern um Ver- lüfte zu vermeiden. Die Gemeindevertretung beschloß bereits schon früher einmal, daß die eigenen Hypotheken dcS Erwerbers von der Steuer frei bleiben sollten. ES stellten sich aber immer neue Tricks heraus, die die Gemeinde schleunigst zur Zurücknahme ihres Bs» schluffes veranlaßten. Die Generalversammlung des Wahlvercins nahm nach einem interessanten Vortrag des Genossen U l m über:„Klaffenkämpse im Handwerk" den Vorstandsbericht über die letzten vier Monate ent- gegen. Die Zahl der Mitglieder beträgt, inklusive 43 weibliche, L63. Nach dem Kasseubericht des Genossen Kiehn steht einer Ein- nähme von L07,62 M. eine Ausgabe von 134,11 M. gegenüber. Der Abonnentenstand des„Vorwärts" beträgt zurzeit 347. Einem Antrage, eine Kommission zu bilden, die sich mit der Untersuchung und Abstellung örtlicher und kommunaler Mißstände besaßen soll, stimmte die Versammlung zu. Die Kommission besteht bis auf weiteres aus den Genossinnen Frau Thiel und Barth und den Ge- nassen Kiehn und Lentschu. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß er auf eine Anfrage beim Gemeindevorstaud, wieweit die Er- richtung eines Eewerbcgerichts am Orte gediehen sei, die Antwort erhalten habe, daß sich die Gemeindevertretung erneut mit dieser Frage beschäftigen werde. Beim UiublNl cineS Maschillcnschnppens in den konigl. Eisenbahn- Werkstätten riß am Sonnabend plötzlich die Kette, an der eine Eisen- last von etwa hundert Zentnern hing; die ganze Masse stürzte herab. Der Schlosser Sobotka, der gerade an der Stelle stand, ivurde bon der Eisenkonstruklion getroffen und zu Boden gerissen. In hoffnungslosem Zustande wurde S. nach dem Krankenhans Schönebcrg gebracht. Treptow-Baumschulenweg. In der letzten Gcmeindevertretersitzung wurde der Antrag der sozlalöemokraliichen Vertreter verhandelt, welcher verlangt, daß die Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde in der Regel öffentlich ausgeschrieben werden und daß den Ucbernehmcrn der Arbeiten und Lieferungen die Verpflichtung auferlegt wird, für die mit der Aus- filhrung beschäftigten Arbeiter die mit den gewerkschaftlichen Organi- sationeu ihres Berufes vereinbarten Lohn» und Arbeitsbedingungen anzuerkennen. Von der mit der Materie betrauten Kommission wird dargelegt, daß die engere Submission die beste sei und die öffent- liche mithin zu verwerfen sei. Was das zweite im obigen Antrage ausgesprochene Verlangen betreffe, so seien die Arbeiter und Angestellten hinsichtlich ihres Koalitionsrechts und in ihrer BeioegUliaSfreihcit hinrcichenb durch Gesetzesbestimmungen geschützt. EL seien ferner leine Fälle bekannt geworden, daß Unternehmer oder Lieferanten die KoalihouSfreiheit beschränkt hätten, außerdem sei eS für die Gemeinde fast unmöglich, von irgend welchen Verstößen der Unternehmer gegen die Koalitionsfreiheit Kenntnis zu erhalten. Die Gemeinde lause bei Eingreifen in das Rechtsverhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern Gefahr, daß angefangene Arbeiten zur festgesetzten Zeit nicht vollendet werden würden. Genosse Gerisch begründete in großzügigen Ausführungen unsere Anträge. Er' führte auS, daß schon auf dem Beamtentage gesagt worden sei, die Koalition sei die Grundlage des Staates. Es handelt sich um die Erhaltung und den Schutz des Koalitionsrechtes, eine Frage von eminent kultureller Bedeutung. Je ärmer die Masse der Gemeinde- angehörigen sei, um so trauriger sei es um die Gemeinde selbst be- stellt. Materieller Not folgt mit Naturnotwendigkeit sittliche Ber- wahrlosung, Krankheit und Verbrechen. Die Gewerkschaften geben für Arbeitslosenunterstützung Millionen aus, wodurch den Gemeinden schwere Sorgen genommen werden. Die Gemeinde kann aber auf diesem Gebiete sehr wirkungsvoll eingreifen, wenn sie bei Vergebung ihrer Arbeiten grundsätzlich die Bedingung stellt, nur die Unter- nehmer zu berücksichtigen, welche volle Koalitionsfreiheit usw. ge- währen. Wird jemand von einem Strolch überfallen, tritt die Staatsgewalt für ihn ein: wenn aber ein Unternehmer seine An- gestellten auf Grund ihrer OrganisationSzugchürigkeit entläßt und sie noch mit schwarzen Liften verfolgt, kümmert sich keine Behörde darum; es erfüllt deshalb die Gemeinde nur eine ihrer elementaren Pflichten, wenn sie bei Vergebung von Ar- betten die beantragten Bedingungen aufnimmt. Die Aus- führungen unseres Genosse» machten sichtlichen Eindruck. Einer der Herren Geldsackvertreter meinte zwar, die Rede müßte im Reichstage gehalten werden und ein anderer, es solle nur Agitation getrieben werden. Im übrigen versicherten die Herren aber, daß sie dafür sind, daß Unternehnier, die Streit mit ihren Arbeitern haben und ihnen das Koalitionsrecht nicht gewähren, nicht berücksichtigt werden sollen. Die Abstimmung ergab jedoch die Ablehnung unserer Anträge bei einer Stimmenthaltung. Dafür stimmten nur unsere 3 Vertreter. Der seiner Zeit vom Genossen Gramenz gestellte Antrag, bei den Geschäftsleuten eine Umfrage zu veranstalten, ob sie mit einem frühere» SonntagSladenschluß einverstanden sind, hat angesichts der jetzigen schlechten Geschäftslage zu einem verneinenden Ergebnis geführt. Zur Speisung armer Kinder soll setzt bon den Rektoren fest- gestellt werden, wie viel Kinder ohne Frühstück zur Schule kommen und wie viel zu Hause kein warmes Mittagbrot erhalten.— Die Höherlegung der Görlitzer Bahn im Zuge der Bouchö- untz Elsen- straßo soll �»ach Mitteilung der Eisenbahnbehörde noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden, vorausgesetzt, daß der be- treffende Etat bewilligt wird.— Der Beitritt zum VerkehrS-Zweck- verband für Berlin und seine Bororte wurde nach längerer Debatte einstimmig beschlossen. Teltow., Der leidigen Gewohnheit, während der Fahrt vom Wagen zu springen, ist am Sonntag abend kurz vor 10 Uhr auf der Straßen- bahnlinie Stahnsdorf�Groß-Lichterselde-Ost ein blühendes Leben zum Opfer gefallen. Der 24 Jahre alte Schriftsetzer Klipping sprang bei voller Fahrt am Schulhaus ab und fiel dermaßen unglückltch. daß er sofort tot am Platze blieb. Friedenau. AuS der Gemeindevertretung. Vor EinWitt in die Tages- ordnung der letzten Sitzung machte der Gemeindevorsteher, Herr Bürgermeister Schnakenburg, folgende Mitteilungen: Die Bevölkerungsbewegung im letzten Vierteljahr war folgende: Am 20. Januar d. I. hatte Friedenau 20 434 Einwohner; am 10. Mai dieses Jahres wurden 27 47ö gezählt, mithin ein Mehr von vgl Personen. Der Kasscnabschluß des Jahres 1308 liegt vor und schneidet derselbe weit günstiger ab, als man zu Anfang des Jahres annahm. Im vergangeuen Jahre mußten zur Balanzierung des Etats 138 300 M. auS den Ueberschiissen deS Jahres 1307 eingestellt werden. Dieser Beirag wurde in diesem Jahre nicht angegriffen. sondern cS wurden noch 03 005 fßl. Mehreinnahmen erzielt, so daß sich der Etat 1303 auf etwa 202000 M. günstiger stellt. Die Mehreinnahmen der einzelnen Steuern gegen dm Woran- schlag belaufen sich wie folgt: Voranschlag Tatsächl. Einnahme Gcmcindeeinloinmenstcuer LOS 000 M. 409 600 M. Forensen 10000, 16000„ Gcwerbcsicucr.... 27000„ 33320„ Umsatzsteuer..... 30000, 150000, Auch die Hundesteuer brachte etwa 500 M. mehr ein. Die Grundsteuer ist in dem gleichen Betrage, in dem sie eingeschätzt war, eingegangen, während die Lustbarkeitsswuer weit hinter dem Bor- anschlag zurückbleibt. Diese Steuer soll einer Reform unterzogen werden, indem die Steuersätze herabgesetzt werden sollen. Das Elektrizitätswerk schließt mit einem Ueberschuß von 43 000 M. ab. Vorgesehen waren 4000 M. Dies Mehr von 44 000 M. ist hauptiächlich darauf zurückzuführen, daß sich die An- schlüsse im letzten Jahre ganz bedeutend vermehrt haben. Herr Lichtheim, dessen Wahlzeit als Schöffe abgelaufen ist, wird auf sechs Jahre wiedergewählt.— Für die Gärtnerei der Gemeinde sollen zwei Gemeinde-Esel angeschafft werden.— Beim Punkt Straßenregulierung wird die Summe von 12 000 Mark für Asphaltierung der Fröaiifstraße und 30 000 M. für einen Teil der Stubcnrauchsiraße von der Kaiserallee bis einschließlich des Schiller- Platzes bewilligt. Ein Antrag des Gemeindevorstandes, welcher die Pflasteruug eines Teils des Bürgcrsteiges am Friedrich-Wilhelm- Platz verlangt, wird angenommen. Die Kosten belaufen sich, da die Gemeinde diese Arbeit selbst ausführt und die Steine auS dem Steinbestande der Gemeinde entnommen werden, auf nur 730 M. Auch werden zur Errichtung einer Bedürfnisanstalt mit Abhalteraum für Kinder am Maybachplatz 3500 M. bewilligt.— Als letzter Punkt lvird ein Antrag der BaugewerkSinnung verhandelt, welcher die Stiftung eines sogenannten Ehrenpreises für die Fachschule aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens der Innung am Orte fordert. Mit dem Vorbehalt, daß dies Geld nur für Prämien für Schüler oder ähnliches verwendet werden dürfe, wurden 100 M. bewilligt. Tegel. Der Schlächtermeister Willi Goebel, Brunolvstr. 43 wohnhaft, ersucht uns, bezugnehmend auf unseren Bericht aus der Gemeinde- Vertretung in der S onnabendnummer unseres Blattes, mitzuteilen, daß er mit dem Herr» Goebel, der gegen die Wahl des Genossen Arendsee Einspruch erhoben und diesen Ein- spruch mit angeblichem Terrorismus begründet, nicht identisch ist. Wir kommen diesem Ersuchen nach, wobei wir fest- stellen wollen, daß natürlich für die von dem Einsprucherheber aufgestellten Behauptungen noch für die von Rotkoller zeugenden Ausführungen dcS Herrn Bürgermeisters auch nur eine Tatsache vorhanden ist. Aber das tut nichts, man behauptet einfach keck drauf los. UebrigenS hat irgend ein Zeilenreißer' unseren Bericht unter entsprechenden Entstellungen für die bürgerliche Presse umgefälscht, was ihm wenigstens Aufnahme in verschiedene gegnerische Blätter verschafft hat und den Korrespendenzen das nötige Zeilenhonorar. Schöneiche und Umgegend. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvercins gab Genosse Rühl den Bericht über die Kreisgeneralversammlung. Der zweite Punkt der Tagesordnung, die Stellungnahme unserer Ge- lueindevertreter zum Projekt: elektrische Bahn Friedrichshagen— öchöneiche— Kl.-Schöuebeck, rief eine lebhafte Debatte hervor. Unser Gemeindevertreter Genosse Tobias legte an Hand des Tatsachen- Materials dar, daß die Gemeindevertretung, wollte sie die Interessen der Gemeinde und nicht den Geldsack der Grundstückspekulanten in den Vordergrund ihrer Tätigkeit stellen, nur zu einer Ablehnung des Projekts kommen konnte. Der Vertrag, den man uns förmlich ausdrängen will und für den sich die Kolonie Schöneiche als Nutz- nießerin bereits stark engagiert hat, bietet unserer Gemeinde und besonders der arbeitenden Bevölkerung absolut keinen Nutzen. Erstens verlangt die Unternehmerin, daß unsere Gemeinde die Garantie für die Rentabilität übernehmen soll, dann aber bean- sprucht sie, trotzdem die Bahn nur zirka 100 Meter unsere Ge. markung benutzt, die Ausschaltung ähnlicher Unternehmungen. Auf der anderen Seite steht dagegen das hohe Fahrgeld, ioelches die Be- Nutzung der Bahn durch die Arbeiterschaft illusorisch macht. Eine Vorbedingung ist die Bahnanlage aber für die Aufschließung des Spekulationsterrains, Grund und Boden würden riesige Wertsteige. rungen ergeben. Welcher Wert der Bahn als Reklameobjekt und Ködermittel beigemessen wird, beweist schon der Umstand, daß die Terrainbesitzer 30 000 M., darunter der Bodenspekulant Schröder 50 000 M., aufgebracht haben. Kennzeichnend für die Geldsacks« Politik dieser Herrschaften ist die Stimmungsmache, die sie betreiben. Zutritt zu den Versammlungen, in denen die wüsteste Kritik an den Gemeindevertretern geübt wird, geben sie außer ihren An- hängern nur.Jutereffenten", d. h. nur Grundbesitzern. Die übrige Einwohnerschaft hat nichts in diesen Versammlungen, in welchen die Gemeindevertreter bearbeitet werden, zu suchen. Die Ver- sammluftg. welche das Geschäftsgebaren dieser„Interessenten" ge, bührend kennzeichnete, erklärte sich mit der Haltung der Gemeinde. Vertreter einverstanden. Potsdam. Eine nette Snbmisffonshliite. Die Stadt Potsdam schrieb kürzlich im Submissionswege den Bau einer 142 Meter langen Ufer- mauer aus Eisenbeton aus. Von 33 Bewerbern forderte die teuerste Firnia 24 519 M., wäbrend der Billigste sein Angebot auf 11454 M. stellte. Die Preisdifferenz betrug also durchschnittlich 115 Proz. Die übrigen Submittenten forderten einen Preis von zirka 17 000 M. Die Mißstände auf dem Potsdamer Hauptiahnhofe treten tag- täglich immer krasser hervor, so daß eS an verkehrsreichen Tagen zu förmlichen Skandalszenen kommt. Es ist absolut unerklärlich, warum der Fiskus in der Hauptsaison mit dem Bau beginnt und dadurch den Verkehr auf das einschneidendste gefährdet. Abgesehen von dem engen zur Verfügung stehenden Räume, der die Passagiere immer ins Gedränge bringt, wird durch den ganzen Bau die BahnhofSgegend schimpfiert. Man kann sogar behaupten, daß die Bauperiode eine ständige Gefahr nach sich zieht, denn trotz der grüßten Aufmerksamkeit der Beamten kann unter Umständen ein Unglücksfall beim Ueberschreiten der Gleise nicht vermieden werden. Die schönen Hoffnungen, die man an die Erweiterung des Bahn- Hofes knüpfen mag, bieten keinen ausreichenden Ersatz für die Miß- stände, die sich nie störender bemerkbar machen als in der jetzigen Hochsaison des Fremdenverkehrs. Der provisorische Zustand und die unzulänglichen Vorkehrungen zur Ausrechterhaltung des.Durch- gaugövcrkehcS" auf dem Bahnhof verlangen dringend nach Abhilfe, schon auS Reinli» keilSgrnudcn. denn die beim Bau aufwirbelnden Staubwolken erhöhen die Annehmlichkeit dcS Reifens auf einer Durchgangsstation wie Potsdam gar nicht. Gerickts-Leitung. EI» Mnflerlchrer. Eine gestern vor der vierten Strafkammer deS Landgerichts ll verhandelte Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung und Vornahme unsittlicher Handlungen mit Schulmädchen richtete sich gegen den Lehrer T e ß in e r in Britz. Dieser gab in der 8. Gemeindeschule zu Britz Zeichenunterricht und soll nach der Be- hauptung der Anklage in einer Anzahl von Fällen Schulmädchen die er hatte auss Karheder kommen lassen, unzüchtig berührt haben Mehrere der betreffenden Mädchen hatten ihren Eltern Mitteilung von den Berirrungen des Lehrers gemacht; dieser hat sich aber energisch gegen diese Beschuldigungen gewehrt und gegen zwei Mütter, welche solche gegen ihn ausgestoßen hatten, am 7. Ao- vember bei dem OrtSgemcindevorstchcr in Britz eine Anzeige wegen verleumderischer Beleidigung erstattet. Diese Anzeige soll wissentlich falsch erstattet sein, wie nun durch die gestrige Verhandlung bewiesen werden sollte. Letztere fand unter Ausschluß ber Oeffentlichkeit statt. Nach den Ergebniffen der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt wegen wissentlich falscher Beschuldigung und Sittlichkeitsvergehen 1 I a h r 7 Mo irate Gefängnis.— Das Gericht hielt in den beiden Fällen, in denen eS sich bei der Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung handelte, die beiden Mädchen nicht für glaubwürdig und erkannte auf Freisprechung des Angeklaaten in diesem Punkte der Anklage. Dagegen hielt ihn das Gericht in vier Fällen des Sittlichkeitsverbrechens für überführt und verurteilte ihn zu einem Jahre Gefängnis. Der Antrag des Staatsanwalts auf Verhaftung des Angeklagten wurde ab« gelehnt._ Der Termin in der bekamttcu Erpresser-Affäre Dahsel-Schuwardt, der schon Mitte Juni stattfinden sollte, ist durch eine schlvere Er- kranlung der Angeklagten Schuwardt vereitelt worden. Frau Sch., die sich bisher in Untersuchungshaft befand, ist am Sonnabend auf Antrag ihres Verteidigers wegen vorliegender Lebensgefahr aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Von dem Verteidiger deS Angeklagten Dahsel ist»unmchr ebenfalls der Antrag auf Haftentlassung gegen Stellung einer höheren Kaution gestellt worden. Die Ver« Handlung dürste unter diesen Umständen erst in den Gerichtsfericn vor der Ferienstraslammer des Landgerichts 1 stattfinden. Vorsintflutliche Zustände. In echt patriarchalischer Weise herrschen der Amtsvorsteher und AmtSdiener im Amtsbezirk Jungenbogcn bei Eisleben, wie eine vor dem Halleschen Schöffengericht gestern stattgehabte Ber« Handlung ergab. Der Äbdeckereibesitzer Lültich kaufte im Februar von einem Gutsbesitzer eine 5 Zentner schwere kranke Kuh für 75 M., bezahlte sie sofort, stach sie auf dem Gutshofe ab und wollte das noch genießbare Fleisch als sogenannte Freibankware an arme Leute verkaufen. Als er bereits mit dem Fell abgezogen war, kam der AmtSdiener Ritter auf den Gutshof und sagte, die Kuh gehöre ihm. Der AmtSvorsteher babe ein für allemal angeordnet, solche kraulen Tiere habe er als AmtSdiener zu kaufen und in seinem „Privatfreibankgeschäft" zu vertreiben. Alles Protestieren des Gutsbesitzers mit dem Hinweise, die Kuh sei rechtmäßig verkauft, nützte nichts. Der Amtsdiener, der„nebenbei" auch noch eine Stellmacherei betreibt, lud die Kuh, für die er S5 M. zahlte, mit seinem Gesellen auf den Wagen und zog damit ab. Das Fleisch verkaufte er und machte ein gutes Geschäft damit. Als Lüttich seine Freibankware von dem Gutsbesitzer verlangte und hörte, daß der Ämtsdiener damit abgezogen sei, machte er Speltakel und rückte dem Amtsdiener auf die Bude. Letzterer sagte, Lüttich solle nicht etiva glauben, im Amtsbezirk neue Gesetze ein- führen zu können; was der Amtsvorsteher an« ordne, daS gelte. Lüttich sagte dann, der Amtsdiener habe ihm die Kuh gestohlen. Er wurde deshalb wegen Beleidigung des AmtSdieners zu drei Mark Geld st rase verurteilt. Lüttichs Verteidiger bezeichnete die Zustände als vorsintflutlich und wies darauf hin, daß der Amtsdiener gänzlich widerrechtlich ge- handelt habe. Weshalb kam der Amtsdiener und der AmtSvorsteher nicht auf die Anklagebank?_ Der Arbeiter-Abftinenten-Bu«d hat zu Mittwochabend S>/, vhr nach den.Bürgersälen" von Äropler, Bergstraße, eine öffentliche Ber- sammlung für Rixdors einberufen, in der Genosse Simon Katzenstein über: .Der Kamps um die Voltstultur" referieren wird. Genossinnen und Ge- Nossen, die sich über die sozialdemokratische Zlbstinenzbrwegung insormterm wollen, sind zu dieser Versammlung eingeladen. Lriefkalten der Redaktion. Dt«(uriftilAc Svr-chftund, findet Ltndeuftra ste Nr. 8,»welter Hos. dritter Gtngang, vier Treppen, BV Jahrftuhl Ivxchentiigllch abends von 7", vi«»-/, Ndr statt. Geöffnet 7 Übe Sontlalienos benimit die Sprech stunde um 0 Nkr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und ettu ttahl als Wlertzeichen bei'ufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beautwornmg im Briefkasten könnet» 14 Tag« vergelieu. Eilig« Fragen trage man IN der Sprechstunde vor. Paul Teichert. 1. Der Antrag ist zulässig und zweckmäßig. 2. Schließen Sie sich dem Versahren als Nebenkläger an.— Sellistäudtg. Ein solches Vorgehen würde zur tosortigen Entlassung und zur Erhebung eines Schadenersatzanspruches den Ches berechtigen.— Ttulptciir. 1. Nein. 2. Da» ist nicht nötig. 3. Erheben Sie Klage gegen den belgischen Bronze- gießerund geben die Verwallung der Kunstausslelliing an. Für die Klage würde aber nur Brüssel zuständig sein.— Moabit 2050. Der Vater ist, wenn nicht etwa die Police GegenteillgeS belagt, zur Erhebung des Geldes berechtigt gewesen.— I. X. 32. 1. Nach der herrschenden Nechlsprechuug komite das Zeugnis erst beim Abgange des Dienstmädchens ver- langt werden. 2. Das Amtsgericht ist zuständig. 3. Nein. W. F. 100. In keinem dieser beiden Fälle steht dem davon Betroffenen ein Anspruch auf Entschädigung zu. Nur wenn Freisprechung ersolgt, kann das Gericht eine Entschädigung aussprechen.—(S. St. Großjährig- keit genügt. Es würde aber in solchem Falle da» BormundschastSgericht, dem die Sache vorgetragen wird, die Bestellung nicht vornehmen. — H. B. 88. Erst nach vollendeter Majorenuität konnte Ihre Frau aus Herausgabe ibres Sparkassenbuches und aus Aussteuer klagen.— S. 40. l. Nein. 2. Der Ehemann kann schon jetzt Auseinanderjetzung mit den Kindern bei dem Vormundjchastsgericht zwecks Wicderverheiratung be- antragen. 3. Der Mann hastet nicht. Siütergemeinschajt besteht nicht, wenn nicht ein besonderer Verlrag geschlossen wird.— T. 35. Leider enthält das Gesetz eine Beschränkung der Arbeitszeit nicht. Es wäre nur möglich bei dem Gewerbcgericht aus Innehaltung einer mäßigeren Arbeitszeit oder aus Aushebung des Vertrages zu klagen.— Neugiersdorf 100. 1. Ob Bar- oder Ratenzahlung vorliegt, hängt davon ab, ob SS oder 60 M. vereinbart waren. 2. New. 3. und 4. Beiden Beweismitteln kann voller Glaube geschenkt werden. Wem der Borzug zu geben ist, hängt von dem richterlichen Ermessen ab. 5. Je nachdem der Beweis ausfällt, kann dem Kläger oder dem Beklagten der Eid auserleat werden. S. Nein. 7. Der Ausfall der Klage wird von dem Eindruck abhängig, den die Zeugin auf das Gericht macht.— A. Z. 5000. Sie jmo in vollem Rechte. — Gräfenthal. Eine solche Zusammenstellung können Sie nur aus Grund einer Rundsrage in den einzelnen Städten oder aber bei der.Turner» Zeitung", Leipzig, Tauchaerstr. 13/21 erlangen.— W. F. 1000. Die Ab- anderung des OrtSstatutS ist noch nicht m Krajt. Ihren Zweck erreichen Sie aber auch durch gleichzeitige Einzahlung bei den Sparkassen der um- liegenden Städte.— K. D. 04. t. und 2. Jul. Meyer, Oranienstr. 103. 3. Wiiiklcr, Rir.dors, Kirchhosstr. 46.— Deisjlingcn. Geichmacksache. — O. G. 4. Kreis. 355. 1. Dienstag. 2. Adresse finden Sie im Ber- liner Adreßbuch.— glicbtcl L0. Grammatisch richtig ist: ich habe Angst vor Dir.— Parteischule. Sprechen Sic doch mal mit dem weiblichen Miigliede Ihres WahloereinSvorstandeS. Eine Schule wie angefragt, be- sieht nicht.— Simonstraste. Ihr« Frage ist zu allgemein gehalten; wenn Sie für den Lebensunterhalt de» Mündels sorgen, unter Umständen ja.— O. K. 5. Nur nach vorher schristtlch eingeholter Erlaubnis.— Karl Pape. Fürfteuberg. Groß-Lichterseide. Ningstr. 47.— P. 20. 163. Ja gewiß.— E. ft.®. 1. Kronprinz en-Ujer 5/6. 2. Werden zu stalisttjchcn Ausstellungen gesammelt._ ßricfhaltcn der Expedition. Patietttcu in Vcclib, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, dl« noch während des ganzen nächsten Monats in der Hellstätte bleiben, wollen uns wegen der Uebcrweiiung von Freiexemplaren sosort ihre Adrefle «insenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monat» von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neneingesandt werden. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markhallen-Dtrektlon über den Großhandel in den Zciitrai-Rarlthallcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig. Preise sür Kalbfleisch anziehend, sonst uu» verändert. Wild: Zufuhr sehr reichlich. Geschäft nicht lebhaft genug, Preise wenig verändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft lebhast, Preise hoch, Sccsischpreise stark gedrückt. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: gujuhr reichlich, Geschäft rege, Preise gedrückt. WitterungSüberstcht vom 34. Mai 1000. morgens 8 Uhr. Stationen Swwemde. Hamburg Berlin Franks. aM. Münch«» Wien Zß sI 763 W 765® 9} 28 764® 768 SW 770 SW 766® Wetter 2 wolkig 5 halb bd. 3 halb bd 3 wolkig 2 loolllg »wolkig ws c« »Ii |(4 Wo 13 17 20 20 16 22 Stationen II Haparanda 762 Still Petersburg 769 WS® Scilly Werde«» Pari» 771 SO 768 S® 770 NNO Wetter wolkig 1 halb bd. 3 bedeckt 1 heiler ghcdeckt i«» 4 II zG 5 5 12 14 U Wetterprognose sür Dienstag, den 85. Mai 1000. Kühler, vielfach Hefter, aber veränderlich mit leichten Regenschauern und ziemlich srischen nordwestlichen Winden. verltaer Detterbureau- Schaamarko Pflegen Sie Ihre Füße - mit- .WOHLTAT Unsere echten viere sind übereil za haben. In Flaschen ä 10 Pf. In Kannen Ltr. 35 Pf. In Syphoos Ltr. 35 Pf. Tel. VII, 4088, 89, 80. iBMSGNESl BRAUHAUS H.Pfau, öiuckM *o!'n Dlreksenstraße 20 zwischen Bahnhos Alexandervlatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 1S79S. für vsmon«oldllod» Soiilonung.* Sicfttnnt für alle»rankeukaiscu. Arboltcrfamllicnlians in Neu-Secgeseld, nahe Bahnhos, zwei Wohnungen m. jc L Stuben u. 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'(Ohne Gewähr.)(Naehdruck verboten.)! »7 US«1 143 83 856 805 ST[lOOOl 1025 in 250 69 60 489 882 989 2242 54[lOOOOj 403(1000)«74 736 897 3034 191 574 619 701 929 4293 333 442 63 612 59 714 651 985 5124 87 70[1000] 39« 602 6193 204 532 817[MOl 24 904 SO(10001 7023 136 630 93 710 29 883[500] 8660(300) 9353[500] 637 602[1000] 41 771 1O048 222 407 61 637 4 1 773 11176 610[600] 24 TM[3000] 943 1 2115[ 500] 201 875 525 797 804 13254 783 93 935 1 4030[1000] 84 162 698 670 846 61 15163 326 628 919 87 1 6048 864 618 73 728 32 95 605 920 17039 10« 32 406 814 946 1 8275[500] 818 950 68 19111 71 204 94 335 595 774 039 7« 20139 812[3090] 583«0 644 60 864 21148 92 816 22 413 26[500]«70 72 8 9 2 2011 47 389[500] 407 23013 278 641 883 054 57 2 4006 115[500] 371 428 563 708 .-.:i 686 928 86 2 5249 321 988 85 2 6054 102 275 522 093 27249 487 839 42 821 28233«13 830 29828 286 304 62 587 655 55 716 824 27 32 30071 327 604 663[600] 869 3 1 050 67 884 623 663 898 3 2181 85 205 478 745[3000] 986 33264 78«82 874 3 4003 3 197 268 609[1000] 47 018 32[1000] 35112 24»96 98 477[lOCOl 531 742 919 3 6017 89[600] 54 «SS 87 440 609«72 81« 82 37101 229 97 346 79 453 77 523«2«05 818«3 3 8042 60 253 404 613 759 806 60 39169 208 394 475 637 51 92 40054[1000] 189 69 95 433«71 872 909 1« 41178 5-6 4 2 295 677 786 998 43185 424[500] 522 731 814 550 44007 321 23 489 731 68[1000] 872 45010 174 83« 832 515 721 332 85 91 515 75 4 601« 412«21 47178 492 523 701 0 30 831 985 48154 843 67 431 88 678 099 90« 490lil 29 320 698 681 50115 260 638 955 51175 440 51 64[3000] 98 T61 «54 033 5 2066[500] 188 219 325 89[660] 408 87 771 53071 113 228 439 633 55 923 03 5 4066 188 98 320 691 «34[500] 902 37 5 5013(80001 152 412 611«34 763 9« 930 66280 99 665 760 82[500] 992 6 7233 569 888 711 912 5 8107 428 81 630 611 23 48 786 5 90S8 147[3800] 518 733 82 871 010 24 60186[500] 209 53 339[3000]«09 61154 632 678 958 6890« 21 72 487 51« 620[600] 723 808 63106[1000] «j 803[500] 959«8 6 4019 40 214[500] 329 587 80 685 «Ol SO 993 6 3 080 152 27? 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(Ohne Gewähr.)(Naehdruck verboien.) 89 624 1181 95£24 SS[500] 891[500] 48« 682 2018 «5 99 102 8 12 639[8000] 3027 279[1000] 323«l 418 836 4189 494 5090 177 277 450 715 46 78 95 6185 234 823 498 641 891 993 7071 246 50 63 87 335 435 83 91 8365 045 73» 07 950 95 0 377 07 478 91 690 838[500] 60 19022 495 657 630 50 804 92» 11010 116 216 40» «06 724 981 12019[590] 46 267 359 431 324 757 816 917 58 1 3146 403 576 728 81 58 814 902 45 94 1 4218 18[3000] 348 48« 502 95 784 823 931 15111 222 35 63 490 611 846 907 1 6411 661 97 930 45 1 7140 252 375[3000] 623 64 74» 817 1 8104 559 803 9 916 1 9188 236[1000] 80« 643 29103 674 89 783 082[3009] 2 1 291 405 610 21 823 83 89»200« SO«s 79 216 77 540 85«[SOOO] 932»3197 «95 503 903»4223»80 449 548[500]«95 753 80»5001 187 247[1000]«0 614 721 SS 67 002 25 2 6005 190 382 [3000] 87 642 680 884 932[509] 27 510 23 93 645 47 »8022 160 252 59 86« 993[1000] 29X93»17 79 463 60« 34 40 49 701 885 90082 642 983 31114 411 331 38«70 709 84 807 14 15 85 32100 54 60 91 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Die sorgfaltigste Nachprüfung ihrer Eigenschaften kann auch dem schärfsten Kritiker nur Veranlassung geben, dem allgemeinen guten Urteil über ihren erstklassigen Character zuzustimmen. Oer Kenner weiss, dass er bessere Qualitäten in keiner anderen Marke findet und jeder Raucher, der sie noch nicht geprüft, wird sich schon bei dem ersten Versuch davon überzeugen, dass er etwas besseres für seht Geld in keinem oodereo Fabrikat erhalten �'Joselli-üno m. o. o. MimdstüclP io stek. 20 pr. SWtt i Ci WMW MW Feff gS In bet Strafsache gegen Ben Redakteur Johannes Hermann Adolf Weber in Berlin, geboren am 3. Juni 1874 in Berlin, Dissident, wegen Be- leidigling, hat die 4, Strafkammer des ZsSniglichen Landgerichts I i.. Berlin am S. Januar 1300 für Recht erkannt: Der Zlngcklagte wird wegen öffent- lichcr Beleidigung des Kreisschul- inspektorS Schwarze unter Belastung mit den Kosten des Versahrens zu 50 M. Geldstrafe, an deren Stelle im Nichtbeitreibungssallc für je 10 M. 1 Tag Gefängnis tritt, verurteilt. Der in der Ausgabe deS»Vor- wärtS" vom 5. Juli 1906 Nr. 153 im Hauptblatte enthaltene Artikel„Die Schule gegen die Eltern" ist un- brauchbar zu machen, ebenso der- jenige Teil der Platten und Formen, aus welchen sich dieser Artikel befindet. Dem Kreisschulinspektor Schwarze wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung aus Kosten des An- geklagten durch Veröffentlichung des Urtcilstenors binnen einer Frist von vier Wochen nach Rechtskraft des Urteils je einmal im»Vorwärts" und im»KönigShütter Kreisblatt" öffentlich bekannt zu machen. OBrudi-poninmm empfiehlt fein Lager in Bruch- bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie samtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und Hilss-Krankcnkassen. ST.,• jetzt l-othringer Straße OO. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- loten, angenehm u, weich am Körper. �Hygienische. Bedarlsarakei. 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Ecke Württem- bergische Straße, Wilmersdorf. Nikolsburger Platz. 137/13* Hohenzollcrndamm, Ecke Sächsische Straße. Um weitgehendste Bekanntgabe ersucht Der Vorstand der Sektion der Fliesenleger Berlins. Die Mützeufabrik von 8. Gärtner& Co. jUarkusstr. 60 ist wegen Anssperrnng samt- ~ Ar licher Arbeiter und Arbeite- rinnen AM gesperrt! Zuzug ist streng fernzuhalten! Deutscher Kürschnerverband 102/8* Ortsverwaltung Berlin.