|U% 89, � 10, Jahrg. StWelnt täglich auSet Montag». A. A. ▲ x Ax A.»Ii LnsertionS-Sebühr Beträgt für Bit VttlS pränumerando: viertel- HB �- AN A. A. Q siin, gespaltene Petitzeile oder deren jährlich 3,30 Mark, monatlich-—\ H rWB r Raum«° Pfg�. für Vereins-»nd i,to Ml, wöchentlich 28 Psg frei HB I wM#/ WB RH Mi/ I Versammlung«- Anzeigen 20 Pfg in'« Hau«. Einzelne Nummer I ZWI HD BB/ M Hfl IW ÜB BH H T/■ H Inserate für die nächste Nummer dPsg. Sonntag«-Nummer mit mm\ V�Oai M M W V) W■ H H H BB // MI wir— 7/ müssen bi«« Uhr Nachmittag« in illultr� Sonntag«- Beilage„Neut MW»! ihfflM I BM B»fl B W» BB BV)B B // der Expedition abgegeden werden. Welt" ioPfg> Poft-Adonnement: W�H U HB B B B B B B B B B BI BLLfl� Tie«rpedition ist an Wochen. ».Z° Mk�pro Quartal. Unter»reu,- Wr-KKm I I BH I BB W MB KB I. �Bl IM MB B B B ABM|w/ tagen bis 7 Udr Abend«, an Sonn. band: Deutschland u> Oesterreich-—'WM I BH BB B JWÄX BV B �w/»SI und Sesttagen bis o Uhr Bor- S�!S..SU:'�Ä M! M-w � JU 7 M.»».««i.... in der Post-ZeitungS-Vrei»listt // HB, L,»» sprech- A n ich Itt> für 1823 unter Nr. 8708. r®/l*�9�� Amt I, Mr. 4180. Verlmer VolKsbkait. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V.l9. Meuth-Strake 2. Sonntag, den 16. April 1893. (Spedition: SW. 19, Menty-S'iraße 3. Die M>nl;lK«lieik der Jtoreudiener. Zu den schätzenswerthen Enthüllungen der Neuzeit über das Treiben der Regierungsmünner in cillcr Herren Ländern gehört die in Sofia durch Petkow bewirkte Veröffentlichung der„Geheimen Dokumente der russischen Orientpolitik in den Jahren 1881— 1890. Nach dem russischen Original hat R. L e o n o w eine in Berlin bei Richard Wilhelmi erschienene deutsche Uebersctzung heraus- gegeben. Ein Theil dieser Aktenstücke wurde bereits im Vor- jähre veröffentlicht und auch von uns mitgetheilt. Der„Okku- pationsfonds" heißt der Titel des russischen Originals in Anspielung auf die Thatsache, daß die Umtriebe der russischen Agenten in Bulgarien vorzugsweise aus diesem Fonds gespeist wurden, der nach Namen und Wesen eine anmuthige Verwandtschaft mit dem preußisch- deutschen Welfensonds aufweist. Durchliest man diese lehrreichen Dokumente, so drängt sich die Ueber zeugung auf, daß der Ausspruch deS alten schwedischen Reichskanzlers Oxcnstierna: „Du ahnst nicht, mein Sohn, mit welcher Dummheit die Welt regiert wird", doch noch der Ergänzung bedarf. Es muß heißen: mit welcher Dummheit und Schuftig keit". Dumm, bodenlos dumm, wie es«ur zünftige Diplomaten sein können, wenn es sich uin die Beurtheilung der wirklichen Kräfte des Volkslebens handelt, waren die russischen Agenten des Zaren in der Annahme, daß sie das bulgarische Volk bewegen könnten, das Joch der russischen Fremdherrschaft auf sich zn nehmen, nachdem es eben erst dem Jahrhunderte langen Druck der türkischen Fremdherr schast entronnen war. Schuftig, namenlos schuftig waren sie in der Anwendung der Mittel, welche zu diesem Ziele führen sollten. Aber gerade, weil diese Schriftstücke uns einen Einblick gewähren in die Wcrkstättc der Agenten des russischen Zaren, sind sie so äußerst lehrreich und inter cssant. Daß der„rollende Rubel", der„Rubel auf Reisen" seit Jahrzehnten die treibende Kraft gewesen ist für aller Hand Putsche und Staatsstreiche, das hat die Welt lange gewußt, aber den aktenmäßigcn Nachweis dafür, auf welchen Kreuz- und Querwegen der rollende Rubel hineingleitet in die Taschen der käuflichen Werkzeuge des Zaren, der staats streichelnden Beamten und Offiziere und der mord beflissenen Bravos und Dynamitstrolche, der ist zum ersten Male durch diese Enthüllung erbracht worden. Von russischer Seite ist sofort die Echtheit dieser das Zarenthnm arg bloßstellenden Schrift stücke bestritten worden. Das war zu erwarten und will deshalb an sich wenig sagen. Nichtsdestoweniger Mürste man natürlich nicht von vornherein eine derartige Veröffentlichung für erwiesen und echt annehmen, so wahr- scheinlich ihr Inhalt auch erscheinen mag. Wodurch also, muß man fragen, wird ihre Ziwerlässigkeit bekräftigt? Die Schriftstücke sind der Ocffentlichkcit übergeben wor- der durch Herrn Jacobsohn, den früheren Dragoman halb Dolmetscher, halb Burauvorsteher) des russischen onsulats in Rustschnk, der sich mit feinem früheren Herrn (h Kl Feullleko»». «chprutl verboten.) _(C5 Die Kanfbahtt eines Nihilisten. Von S. Stepniak. Autorifirte Uebersetzung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Es war halb acht. Die Bomben mußten inzwischen schon von Watajko aus dem Hause des Stotterers abgeholt worden sein. Sie sollten von den sieben Leuten an einen sicheren Ort gebracht werden, so daß sie früh am Morgen unter die Mannschaften vertheilt werden konnten. Man hielt es für gefährlich, den fünfzig Mann während der Nacht die Wurfgeschosse zu lassen. Die Polizei konnte am Vor- abend der Hinrichtung auf's Gerathewohl Haussuchungen vornehmen. Wenn nun eine Bombe zufällig irgendwo entdeckt wurde, so war man gewarnt. Die gewöhnlicheren Waffen, wie Revolver, sollten sofort vertheilt werden. Die Berathung endete, und die Leute erhoben sich, um fortzugehen. Sie mußten sich am nächsten Tage am Felde der Entfcheidung treffen. Ans der klassischen Geschichte er- innerte sich Andrei, daß es bei ähnlichen Gelegenheiten Pflicht des Anführers sei, seine Leute mit einer letzten Ansprache anzufeuern. Er war aber kein Mann vieler Worte und entzweit hat. Jacobsohn war 1836, als nach der Ver- feindnng des Zaren mit der bulgarifchen Regierung unter Fürst Zllerander alle Konsuln, Offiziere und Beamten Ruß- lands Bulgarien verließen, in Rnstschuk als Hüter des Konsulats und der Archive zurückgelaffen worden und ver- blieb daselbst bis zum Jahre 1889. Als am 1. April 1887 zivei bulgarische Emigranten.den bulgarischen Präfekten Mantow, der in Begleitung Jacobsohn's nach Bukarest zum Besuch des russischen Gesandten gereist war, aus offener Straße niederschössen, wollte Jacobsohn erschreckt demissioniren, da er wohl ein ähnliches Schicksal be- fürchtete; sein Gesuch wurde ihm nicht bewilligt; er blieb noch bis zum Jahre 1890 in Dienst. Während der drei Jahre seines Aufenthalts in Rnstschuk(von 1386—1889) hatte er jedenfalls Zeit genug sich die gewünschen Dokumente ini Original oder in Abschrift für etwaige spätere Verwendung zu beschaffen. Später ein Jahr laug in Bukarest der Gesandt- schaft zugetheilt, konnte er dort seine Sammlung vervoll- ständigen. Die Möglichkeit, daß Jacobsohn sich die ge- Heimen Aktenstücke in ausgedehntem Maße aneignen konnte, steht also fest. Moralische Bedenken können unmöglich jemand, der Jahre lang eine Schulung im Dienste der russischen Diplomatie gcnoffen hat, von einem solchen Depcschendicbftahl abgehalten haben. Es zeigt sich auch da wieder, daß ein Machthaber durch die Korruption seiner Untergebenen ein zweischneidiges Schwert schmiedet, dessen Schärfe unter Umständen' ihm selbst gefährlich werden kann. Aber nicht nur die Möglichkeit, auch die Thatsache des Dcpeschendiebstahls durch Jacobsohn steht fest, denn im Jahre 1891 wurde er von feiten der russischen Regierung wegen Entwendung von Dokunlenten verfolgt. Es kann also höchstens eingewaildt werden, daß die von ihm später veröffentlichten angeblichen Dokumente den- noch ganz oder thcilweise gefälscht sind. Zum Gegen- bciveise kann man sich indcß auf innere Gründe für ihre Echtheit stützen. Es sind genug Thatsachen von den Um- trieben der russischen Regierung öffentlich bekannt ge- worden, welche völlig glcichiverthig find mit denjenigen, die Jacobsohn aufgedeckt hat. So bestätigten die Maß- regeln der russischen Regierung offenkundig, daß sie ihre Hand gehabt hat in der Fortschaffnng des §ürsten Alexander am 9. August 1886. Die Jacobsohu'schcn nthüllungen lassen die Mitfchnld der russischen Regierung dabei sogar in einem etwas milderen Lichte erscheinen. Ferner wurden 1388 nach dem verunglückten Putfche des russischen Hauptmanns Nabokoiv bei dem Dorfe Mehmets- drikiöi bei Burgas im Besitz Nabotow's Briese deS russischen Geschäftsträgers Hitrowo in Bukarest vorgesunden, welche darthnn, daß das Unternehmen Nabokow's direkt von der russischen Regierung ins Werk gesetzt worden war. Es ist also von vornherein völlig glaubhaft, daß auch die sämmt- lichen übrigen politischen Ermordungen und Plitsche in Bulgarien durch den rollenden Rubel in Fluß gebracht worden sind. Jacobsohn müßte überdem eine wirklich ungewöhnliche Begabung befitzen, wenn er in so vorzüglicher Weise eine Anzahl von 235 Schriftstücken fälschen könnte, daß ein jedes fürchtete besonders sich thöricht zn erscheinen, wenn er solche Leute noch esonders aufmuntern wollte. „Bis morgen also!" sagte er einfach, indem er mit jedem einzelnen einen herzlichen Händedruck wechselte. Gerade wollten sich einige entfernen, als David Andrej'? Aufmerksamkeit auf ein verdächtig aussehendes Individuum lenkte, welches an ihrem Hause herumlungerte. „Ich beobachte ihn seit zehn Minuten", sagte David. „Er wendet unseren Fenstern besondere Aufmerksamkeit zu, obgleich er bemüht ist, es nicht merken zu lassen." Andrej blickte auf die Straße. „O, es ist ein Freund!" sagte er beruhigend, in ihm einen niedrigen Polizeischrciber erkennend, der ihn für ein kleines Trinkgeld über alles, was er in seiner amtlichen Stellung erfahren konnte, wohl unterrichtet hielt.„Der Mann wünscht ein Signal von den Fenstern, ob die Luft rein ist und er mich oder Watajko aufsuchen kann." Er bat darum seine Freunde, noch nicht zu gehen. Die Mittheilimgen des Schreibers konnten für sie alle von Interesse sein. „Geht nicht so nach den Fenstern!" ermahnte er einige Neugierige.„Der Mann ist sehr schüchtern und könnte so leicht verscheucht werden." Sie traten zurück, und Andrej konnte sich ungestört einige Minuten mit dem Schreiber unterhalten. Als er sich umwandte, schien sein Gesicht durchaus nicht ruhig, obgleich er eher ärgerlich als beunruhigt aussah. Die Polizei hat bereits Wind von unserem Vor- haben," sagte er streng.„Einer hat geschwatzt. Es ist schändlich!" den Stempel der Echtheit auch in bezng auf Stellung und Persönlichkeit des Verfassers an sich trüge, ohne daß er je mit den öffentlich bekannten Thatsachen in Widerspruch sich gesetzt hätte.' In Bulgarien ist man denn auch dlircbweg von der Nichtigkeit der Aktenstücke überzeugt. Verschiedene Politiker, die auf eine oder die andere Weise in die Geschehnisse der letzten Jahre verflochten waren und über die geheim gebliebenen Ereignisse aus eigener Mitwissenschaft unterrichtet sind, haben die Zuverlässigkeit der Veröffentlichung anerkannt. Der bnl- garische Herausgeber selbst, Herr Petkow, nimmt als Prä- sident der Sobranje, der Nationalversammlung, eine an- gesehene Stellung im öffentlichen Leben ein. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, daß er selbst nicht in gutem Glauben gehandelt habe. Und sogar von russischer Seite liegt ein Zeugniß für die Echtheit der Akten vor. Der russische Schriftsteller Tatitschew,. welcher, angeblich im Auf« trage der russischen Regierung, im Jahre 1890 nach Bul- garten ging, um Stambulow zur Abtretung von Burgas an Rußland zu bewegen, veröffentlichte nach den ersten im vorigen Jahre von Jacobsohn bewirkten Enthüllungen einen Aufsatz in dem„Rnßkji Wjestnik", in dem behauptet wurde, Stambulow sei nach Konstantinopel gereist, um dem Sultan die Originale der Schriftstücke, die sich auf Rußlands Ab- sichten gegen die Türkei beziehen, vorzulegen. Tatitschew mar also überzeugt, daß die bulgarische Regierung in den Jacobsohn'schen Papieren solche Originale wirklich besitze. A lle diese inneren und äußeren Gründe sprechen dafür, daß wir es hier mit wirklich echten Denkmälern von der Schande der zarischen Umtriebe aus der Balkanhalbinsel zu thun haben. Sehen wir uns nun diese diplomatische Literatur näher an, so geht daraus hervor, daß die russische Politik, um sich die Herrschaft auf der Balkan-Halbinsel zu sichern, auch vor den schmutzigsten Mitteln nicht znrückscheut. Während die amtlichen 5knndgebungen der russischen Regierung, wie das so der Brauch ist bei den Machthabcrn, förmlich triefen von Wohlwollen für die Menschheit, wird in den geheimen Mittheilungen, ivclche zwischen den Zarendienern im In- und Auslande gewechselt werden, in ganz zynischer Weise darüber verhandelt, wie man am besten anderen Völkern Schwierigkeiten bereiten, Unruhen erregen, Mordthatcn an» zetteln könne. Das wirkungskräftige Dynamit wird da neuerdings mit besonderer Vorliebe als Mittel zur Besei- tigung unbequemer Personen empfohlen und dessen Bezng ans den russischen Staatsvorräthen in Aussicht gestellt. Denn es sind nicht nur einzelne„unverantwortliche" und deshalb leicht desavouirbare Agenten, die diese Sprache führen, vielmehr treffen wir auf diej Spuren aller Beamten» kategoricn bis znnl Minister des Auswärtigen hinauf, der wiederholt bestätigt, daß er die Pläne und Vorschläge„der erhabenen Person des Kaisers vorgelegt" habe. Das immer wiederkehrende Mahnwort, welches von dieser höchsten Stelle im russischen Reiche bis zn dem ver- logensten-AZont provocateur in Bulgarien, Rumänien und Serbien durch Vermittelung der Gesandten und der slavischen Wohlthätigkeitskomitees hindurchsickert, ist der Denkspruch „Wie? was? Unmöglich! Bist Du dessen sicher?" riefen alle gleichzeitig protestirend aus. „Es ist kein Zweifel. Der Mann erzählte mir, daß kurz vor Schluß des Bureaus ein Polizei- Inspektor hineinstürzte und nach dem Polizei-Chef fragte. Fünf Minuten später gingen beide eilig zum Gouverneur. Sie waren sehr erregt und sprachen mit unter- drückter Stimme, als sie durchs Bureau gingen. Der Schreiber behauptet fest, die Worte„Dynamitbomben" murmeln gehört zn haben. Es konnte weder Erfindung noch Traum sein, da er selbst keine Ahnuilg von unserem Plane hatte. Diese Geschichte spricht deutlich genug, denke ich." � Die Versammlung war verblüfft. Die Thatsache war unleugbar, sie konnte nicht be- zweifelt werden, sie überstieg noch die Fassungskraft aller. Verschworene sind nicht immer so verschwiegen, wie sie eS sein sollten. Einer von den Neuhinzugekommenen mochte zu einer Schwester, einer Braut oder einem guten Freunde davon gesprochen haben. Dies lag in dem Bereich menschlicher Möglichkeit. Deshalb sollten die Meisten auch erst im letzten Momente eingeweiht werden. Das Geheimniß konnte sich auf diesem Wege aber nicht so rasch verbreitet haben. Nur offenbarer Verrath konnte da im Spiele sein. In den Augen aller sieben war derselbe beleidigende, entehrende Gedanke zu lesen, als sie einander ins Gesicht blickten. Die sieben Köpfe steckten bald zusammen. Hastige Fragen wurden ausgetauscht und im Flüsterton Antworten gegeben,— Fragen, welche zn viel Aergerniß gegeben des Lockspitzelvaters Wohlgemuth:„Wühlen Sie nur lustig draus los!" Welche Erfolge diese Wühlarbeit mit Beihilfe des rollenden Rubels erzielt hat, soll an einigen Beispieles aus dem Jacobsohu'scheu Akteubiindcl gezeigt werden. Volttisrhv MebcvNltif. Berlin, den 15. April. Aus dem Reichstage. Der Kommissions- b e r i ch t über die herrliche lex H e i n z e ist dem Reichstage zugegangen.— Die Militärvorlage. Augenblicklich gehören dem Reichstage 394 Mitglieder an, da die Mandate für den sechsten Kreis des Regierungsbezirks Arnsberg, für den sechsten Kreis des Bezirks Köln und für den fünften Kreis des Bezirks Köslln erledigt sind. Die Mehrheit beträgt jetzt also 198. Von den Fraktionen zählen die Deutsch- konservativen 65, die Freikonscrvativen 18, die National- liberalen 41, die Polen 17, das Zentrum 103, die Deutsch- freisinnigen 67, die Volksportei 10, die Sozialdemokraten 36 Mitglieder. Keiner Fraktion gehören 32 Abgeordnete an. Von letzteren sind 10 Elsaß-Lothringer. Als keiner Fraktion angehörig werden genannt u. a. Ahlivardt, Bismarck, Bockel, die das soeben in zweiter Auflage erschienene amt- liche Mitgliedcrverzeichniß des Reichstages in sinnig-ver- ständiger Weise nebeneinanderstellt. Ninimt man an, daß etwa die Hälfte der Wilden, mit Ausschluß der Elsässer, für die Militärvorlage eintreten, so verstärken sich die Kartellparteien, die 124 Mitglieder zählen, aus 135 oder einschließlich der Polen auf 152. Es fehlen also zur Mehrheit immer noch 46 Stimmen. Das heißt, wenn das Zentrum fest bleibt!— In den „HamburgerNachrichten" liest man:„Wir glauben, daß der Reichstag die Militärvorläge annimmt, aber nicht unter dem Drucke der Stimmung der Wähler und aus Ilcberzeugung von der unabweisbaren Nothwendigkeit gerade dieser Vorlage, sondern aus Fraktionsstreberei, aus Angst der Parteien vor Konflikt und Neuwahlen. Namentlich wird unsere Ansicht, daß Zentrum und ein Theil der Nationalliberalen rechtzeitig umfallen werden, durch sich wehrende Symptome von Tag zu Tag verstärkt.*— Es hätte nichts geschadet, wenn die„Germans a" in ihren Antworten noch deutlicher und offener sich geäußert hätte.— Die Konservativen werden in der „Konservativen Korrespondenz", ihrem amtlichen Organ, auf- gefordert, sich für die R e i ch s t a g s w a h l e n zu rüsten. Man solle rechtzeitig Kandidaten auf grund des Tivoli- Programms aufstellen, auch in den aussichtslosen Kreisen sollen Zählkandidaten auftreten.— Das herrliche Kriegsheer. Wegen Soldaten- Mißhandlung wurde vor einigen Wochen, wie unser Bruderblatt, die„ S ä ch s i sch e Arbeiter- Zeitung", meldet, der Sergeant Wünsche von der 2. Kompagnie des in Dresden garnisonirenden Jäger- bataillons zu I Jahr 3 Monaten Fe.stung, sowie zur Degradation verurtheilt. Wünsche hatte einen Rekruten mit dem Seitengewehr derart auf die Schulter geschlagen, daß der Arm dick anschwoll und der Rekrut zeitweilig dienstunfähig wurde. Auch früher hatte sich der Sergeant mehrfach Mißhandlungen der ihm zur Ausbildung übergebenen Rekruten zu Schulden komnien lassen. Bereits im vorigen Jahre hatte er einen Rekruten mit der Waffe verletzt.— Preußische Gefälligkeiten. Eine Reche bürgerlicher Blätter drucken die unter der vorstehenden Spitzmarke veröffent- lichte Notiz des„V o r w ä r t s" ab und fordern eine amt- liche Erklärung. Die„Frankfurter Zeitung" z. B. schreibt:„Es ist zu erwarten, daß die Regierung ohne Ver- zug sich über diese hoffentlich unrichtige Angabe äußern wird; in solchen Dingen ist Schweigen nicht am Platze." Bis zu diesem Augenblicke aber schweigt die Regierung. Ist dies Schweigen ein Zugeständniß? Wann wird ihr die Zunge gelöst werden?— Aus dem Abgcorduetenhause. Der gestern mit- getheilte Antrag Eckels auf Beseitigung der Staffeltarife für Getreide und Mühlen- hätten, um sie laut zu äußern, besonders aber in Gegen- wart von Andrej und David, die augenblicklich zwei „Fremde" waren. „Nein, es war unmöglich. Sie hatten nur zuverlässige Leute aufgefordert!" Alle sieben protestirten energisch, jeder bürgte für seine Leute.„Die Polizei, welche stündlich einen Anschlag erwartete, hatte sich wahrscheinlich durch einen Phantoni ihrer eigenen Einbildungskraft erschrecken lassen. Der wahre Thatbestand konnte nicht bekannt gegeben sein; der Einfall würde keine üblen Folgen haben, denn der Irr- thnm mußte bald entdeckt und der Argwohn sich als un- berechtigt herausstellen." Ein lautes Erschallen der Glocke an der Eingangs- thüre, begleitet von einem bestimmten Klopfen, überhob An- drej der Nothwendigkeit einer Antwort. Er machte nur eine ironische Kopsbewegung nach der Thür zu und zog seinen Revolver. Alle verstanden das Signal und zogen ebenfalls ihre Waffen, entschlossen, ihr Leben theuer zu verkaufen. David allein ivar, obgleich„illegal", unbewaffnet. Er wollte aber nicht hinter den anderen zurückbleiben und nahm von eineni Freunde, der Feuerwaffen liebte und eine Schuß- waffe in Reserve hatte, einen schönen, glänzenden, amerika- nischcn, füufläufigen Revolver. Mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt, den Revolver m der rechten, öffnete Andrej düsteren Antlitzes mit der linken die Thür. Als sie aufgestoßen wurde, hörten die Freunde— keinen Schuß, sondern einen ärgerlichen Ausdruck seitens Andrej. „Was zum Teufel, konntet Ihr Euch nicht in ver- nünftigcr Weise anmelden?" „Ich war in solcher Eile," entschuldigte sich Watajko, denn er war es. „Die Bomben sind wohl schon ausgehändigt?" fragte Andrej, sich besänftigend. f a b r i k a t e hat nachträglich noch eine Abänderung er- fahren insofern, als auch die M a l z f a b r i k a t e mit auf- genommen worden sind.— DaS Lehrlingswese». Offiziös wird geschrieben, daß im Reichsanit des Innern und im preußischen Handels- miuisterinm an einer„Neuregelung des Lehrlings- wescns" gearbeitet werde. Es handle sich insbesondere um die Fragen, wer berechtigt sein soll, Lehrlinge zu halten, ans welchen Zeitraum die Lehrzeit zu bemessen ist, ob die Befugniß zur Haltung von Lehrlingen entzogen werden kann, wie die Stellung der Meister zu den Lehrlingen zu gesta lten ist und ob, um die L e h r l i n g s z ü ch t e r e i zu verhindern, eine Verhältnißziffer zwischen Gesellen und Lehrlingen festgestellt werden soll. Nach§ 100s der Gewerbe-Ordnung kann den einer Innung nicht angchärigen Unternehmern unter anderem das Halten von Lehrlingen untersagt werden und nach Z 100k können solche Unter- nehmer und deren Gesellen zu gewissen Kosten der Innungen herangezogen werden. Ueber die Ausführung dieser Vor- schriften seien eingehende Ermittelungen angestellt worden, insbesondere darüber, in wie vielen Fällen Anträge auf An- Wendung des ß 100ö und f der Geivcrbe-Ordnu«g gestellt, genehmigt und zurückgewiesen werden und wie viel Lehr- linge die neu errichteten und reorganisirten Innungen be- schäftigt haben. Man beabsichtige, die bisher den In- nungen zustehenden Befugnisse aus dem H 100 der Ge- werbe-Ordnung, soweit sie sich über den Kreis der Jnnungs- Mitglieder erstrecken, aufzuheben und das Halten von Lehrlingen davon abhängig zu machen, daß der Meister ein bestimmtes Alter erreicht und entweder eine gewisse Lehr- zeit in dem betreffenden Gewerbe zurückgelegt oder das letztere eine gewisse Zeit betrieben hat. Da werden die Handiverksretter wieder einmal mit ihren Palliativmittelchen wirthschaften, daß es eine Lust ist.— Reichstags- Ersatzwahl. Die durch den Tod des Abgeordneten B o e d i k e r erforderlich gewordene Reichstags- wähl für M ü l h e i m- W i p p e r f ü r t h- G u m m e r s- dach findet am 6. Juni statt. D. h. wenn die Auflösung keinen Strich durch diese Rechnung macht.— Polizeispitzel und Antisemiten. Neber die Erkärung des Dr. Bauer schreibt das Berliner Antisemitenblatt: „... Dr. Bauer erklärt selbst, daß er durch sein Ehren- wort verpflichtet sei, den Namen des Verfassers jener Artikel zu verschweigen. In diesem Falle aber war er auch ver- pflichtet, vonseinen Annahmen darüber überhaupt zu schweigen; am allerwenigsten aber war er berechtigt, einen Bruch dieses ehrcnwörtlich gegebenen Versprechens durch einen Reichstags- Abgeordneten in Aussicht zu stellen, und wir verwahren alle diese Herren ohne Ausnahme mit vollster Entschiedenheit dagegen, daß einer von ihnen sich dazu hergeben sollte." Das preußische Justizministerium, das in diese Angelegen- heit hineingezogen wurde, sollten die Spitzelgeschichte schleunigst aushellen; nur auf diese Weise kommt Licht in das roman- tische Halbdunkel.— Nationalliberale Gesetzes Kritik. „Wenn die Regierung, die anscheinend in einseitigen oft elbischen Anschauungen befangen ist, entschlossen sein sollte, die steucrkräftigen Schweslerprovinzen zu miß- andeln, so soll sie wenigstens nicht die Entschuldigung aben, daß sie nicht wisse, was ste tl>ue. Wir wollen doch sehen, ob es in Preußen unmöglich geworden ist, der Gerechtigkeit mit einleuchtenden Erwägungen zum Siege zu verhelfe» über eine nackte Parteisetb st sucht und über eine Frivolität, die eingestanvenermaßen w i d e r besseres Wissen erbärmliche Gesetze schafft. Es muß auf das Rechts- und Staatsbewußlsem der Bevölkerung verwirrend wirken, wenn Gesetze sanklionirt werben, von deren Schädlichkeit ihre Urheber selbst überzeugt sind." So zu lesen in der„ K ö l n i s ch e n Z e i t u n g", Nr. 305 vom 14. April, in einer Kritik des preußischen Wahlgesetzes. Die„Gentlemen" schreien, schreien, schreien so laut und lange, wie die Männer vom Bunde der Land-, wirthe. Und ihre Hoffnung ist— das Herrenhaus dieser Niederschlag des ödesten Feudalismus. Selbiges soll, so hoffen die Nationalliberalen, das Wahlgesetz nicht passiren lassen. Die Braven irren sich, die Herrenhäusler werden Ordre pariren.— Die„Germania" antwortet heute der„Kreuz- Zeitung zweimal. In der Morgenausgabe schreibt sie von einer absichtlichen Verzögerung zum Zwecke eines Kom- promisses könne nicht die Rede sein. „Daß das von der A b f a s s u n g des Berichtes nicht gilt, diese vielmehr nach allen Kräften gefördert wird und „Nein," antwortete Watajko;„die Bomben konnten überhaupt nicht ausgeliefert werden." „Wie! Noch nicht ausgeliefert?" „Was habt Ihr denn während der ganzen Zeit ge- than?" fuhr ihn Andrej wieder an. Sie waren im Zimmer mit den acht andern Männern, die sich ängstlich anblickten. „Ein großes Unglück!" stieß Watajko hervor.„Der Stotterer ist verwundet, vielleicht inzwischen todt. In seinem Zimmer fand um Mittag eine Explosion statt. Als wir mit dem Handkarren vor seinem Hause vorbeikamen, sahen wir, daß alle Fensterscheiben vollständig zertrümmert, einige Fensterrahmen sogar vollständig losgeriffen waren. Es muß etwas Schreckliches gewesen sein!" „Aber die Bomben? Wie steht es mit den Bomben?" fragte Andrej.„Seid Ihr in dem Hause gewesen?" „Nein wir sind dort nicht gewesen." Wir sahen den Polizeimeister in demselben Atomente hineingehen. Leute, die ich für Geheimpolizisten hielt, waren in dem Hofe be- schäftigt. Wir konnten sehen, daß das Haus von der Polizei besetzt war." Das war in der That schlimm, sehr schlimm! „Was thatet Ihr denn?" fragte Andrej.„Habt Ihr Euch überzeugt, ob dies der Fall war?' „Ja. Wir gingen fort, hierauf übergab ich den Karren dem anderen und kehrte von der Flußseite zum Hause zurück. Die Tochter des Gärtners arbeitete in dem Obstgarten, ich ging zu ihr und sprach mit ihr. Sie erzählte, daß eine Explosion stattgefunden hatte, der Stotterer bewußtlos in dem oberen Stocke liege und die Polizei im Hause wäre. Ich sagte ihr, daß sie niemand davon erzählen solle, daß ste mit mir gesprochen habe und verbarg mich in einigen Büschen hinter dem Slaketen- zäune. Durch eine Spalte konnte ich das Thor und einen Theil des Hauses überblicken. Ich sah zwei Gefängnißivagen hereinfahren. Unmittelbar darauf wurde rasch fortschreitet, steht fest. Die Vermuthungen der„»renz- Zeitung" gehen ja eben auch auf die„ E r si a t t n» g" des Berichtes, und wir müssen ihr also überlassen, ob vielleicht der Borsitzende der Militärlomnüssion Freiherr von Man- t e n f f e l verzögerliche Absichten hegt, und zwar— schon jetzt. Das scheint uns doch auch, schon nach Lage der Sache, wenig glaublich." Und am Abend theilt sie mit: „Das Manuskript desBerichts derMilitär- kom Mission ist seitens des Berichterstatters, des Herrn Abgeordneten Gröber, gestern, Freitag, Abend dem Bureau des Reichstags übergeben worden. Es geschah zur Stunde, als die gestrige Meldung der„Kreuz-Zeilnng": es gewinne den Anschein, als ob die Erstattung des Bcrichls mit Rücksicht aus schwebende Kompromißverhandlungen a b s i ch t- lich verzögert werde, von uns die entsprechende Be- leuchtung erfuhr... ?jerr Landrichter Gröber hat nun also die so umfassende chwierige Aufgabe in ununterbrochener Ferienarbeit noch drei Tage früher beendigt, als es bei der Uebernahme der Berichterstattung in Aussicht genommen war....... Wir unsererseits wünschen möglich st rasche Erledigung der ganzen Militärfrage, die nun schon 10 Monate unser Volk steigend beunruhigt, und bei den unteren und mittleren Ständen der Sozialdemokratie einen überaus srucht- baren Boden schafft. Nachdem der Bericht abgeliefert, liegt die F ö r d e r u n g der Sache beim Bureau des Hauses, beim Freiherrn v. Manteuffel u. s. w. Wir wünsche» schleunigste Arbeit und Erledigung!"— Auch eine Ausweisung. Die Wiener„Arbeiter- Zeitung" schreibt: Der Stadtralh von Zizkov(Böhmen) beschloß in seiner Sitzung vom 21. März einstimmig, von der Stadt- Vertretung die Ausweisung des christlich-sozialen Hetzkaplans, Pater T h o m as S k r d l e zu verlangen. Dieser Mann, ein besonderer Liebling und Schüler des neuen Königgrätzer Bischofs B r y n y ch, giebt in Zizkov ein klerikales Blättchen heraus unter dem Namen„Vlust/'(Vaterland), in welchem er alles, was freisinnig und sozialistisch ist. in der gehässigsten Weise angreift. Durch seine infame Schreibweise hat er die bekannten Zizkover Demonstrationen gegen seine Person her- vorgerufen, welche mit der Verurtheilung von sieben ehr- lichen, aber unbesonnenen Arbeitern zu 46 Monaten Gefängniß endeten. Nach diesem Prozesse schrieb der Hetzkaplan einen verleumderischen Artikel gegen die Zizkover Stadtväter unter der Spitzmarke:„Mein soziales Wirken in Zizkov." Dieser Artikel veranlaßte den oben er- wähnten Beschluß. Außerdem beschloß der Stadtrath, dem klerikalen St. Binzensvereine so lange keine Unter- st ü tz u n g zu gewähren, so lange Pater Thomas Skrdle diesem Vereine als Funktionär angehören werde. Schließlich drückte der Stadlrath sein Befremden darüber aus, daß ein Priester die ärmsten Schichten der Bevölkerung, namentlich die Arbeiter- schaft, in so verächtlicher Weise herabsetze und sie um ihr letztes Gut, die Ehre, bringe. Das sind also die Früchte der„christ- lich"-sozialen Propaganda: Haß und Unduldsamkeit statt Liebe und Toleranz. Wir vernrtheilen geradeso enl- schieden die ruchlose Thätigkeit des Hetzkaplans, wie die G e- w alt maßregeln der Zizkover Sladtväler, wenn wir auch zugestehen müssen, daß diese Herren nur Gleiches mit Gleichem entgelten wollen. Homcrule. In dem weiteren Verlaufe der gestrigen Nnterhaussitzung erinnerte der Staatssekretär des Innern Asquith daran/ daß beide Parteien den Jrländern das er- weiterte Stimmrecht bewilligt und die Konservativen selbst beantragt hätten, ihnen eine lokale Verwaltung zn geben. Das Argument, daß die Bill die Regierung Irlands ge- ivissenlosen, diskreditirten irischen Führern überliefere, klinge befremdlich von Männern, von denen einer (Chamberlain) im Jahre 1885 Parnell zum Minister für Irland machen wollte. Noch gestern habe Courtney den irischen Deputirten Sexton für diesen Posten ans- ersehen; wenn die Parteizwecke es nöthig machten, würden die Konservativen ein Gleiches thun. Die Jrländer sor- derten eine nationale Selbstregierung. Freilich, wenn bewiesen werden könnte, daß die Erfüllung dieser Forderung nicht vereinbar sei mit der Aufrechthaltung der Reichscinheit und dem Schutze der Rechte der Minorität, würde er sie nicht zugestehen; aber die Bill erfülle alle diese Bedingungen und halte die Suprematie des Reichs- Parlaments aufrecht. Indessen, wolle die Opposition dies in der Bill näher präzisiren, so sei die Regierung dazu bereit. Die Beibehaltung irischer Deputirten im Reichs- Parlament sei seiner Ansicht nach wesentlich für die Bor- läge. Die Jrländer akzeptiren dieselbe und werden nicht so blind gegen ihre eigenen Interessen lein, um die Bill zur Bedrückung zu gebrauchen. Asquilh vezeichnete alsdann die von Balfour in Ulster gehaltenen Reden als eine Auf- reizung zum Bürgerkriege. Dies Verhalten sei um so ab- scheulicher, als es von einem Parteiführer ausgegangen sei.— der Stotterer in einer Sänfte herausgetragen und in einem derselben eingesperrt. Dann brachten die Leute mit äußerster Vorsicht verschiedene Dinge aus dem Hause, die sie in den andern Wagen legten. Zuerst einige große Büchsen, dann eine Menge Flaschen und dann die Bomben, welche sie eine nach der andern heraustrugen, wobei sich der Polizei-Jnspektor in einiger Entfernung hielt. Ich wartete nicht länger, sondern eilte hierher, um Euch alles zu erzählen. Ich hatte dort weiter nichts zu thun." Er endete unter allgemeinem Stillschweigen. Ja, da war nichts mehr abzuwarten, nichts zu hoffen! Andrej wußte es nur zu gut. Wären sie nur im Besitze der Wurfgeschosse gewesen, so hätte er allem getrotzt und obgleich die Polizei gewarnt war, einen Befreinngs- versuch gemacht. Aber jetzt war alles zu Ende, das stolze Luftschloß zerplatzt. In vierzehn Stunden würden Sina, Boris, Botscharow und Wassilij gehängt werden. Für keinen war irgend eine Aussicht vorhanden. Und sie waren so hoffnungsvoll, so sicher, daß ihr Gang nach dem Schaffot der Gang zur Freiheit sein würde. In einer Todesangst der Verzweiflung preßte Andrej seine geballten Fäuste vor die Stirn. Weit besser wäre es gewesen, nichts zu ver- suchen, als solche Hoffnungen im letzten Moment scheitern zu sehen. Niemand war geneigt, das Schweigen zu brechen. Es war ein Moment, in dem sich jeder beglückwünschte, nicht der Führer zu sein und daß ihm nicht letzt die Pflicht an- heimgefallen war, einen Ausweg aus dem pfadlosen Labyrinth zu finden. „Was soll geschehen?" fragte David, dem, was jetzt alle dachten, Ausdruck verleihend. (Fortsetzung-folgt.) Zum Staatsstreich tu Serbien. In der russischen Satrapie, dem serbischen Königreiche,' ist es im letzten Jahr- fünft recht lebhaft hergegangen. Knalleffekte gab es genug, so 1883 Ehescheidung Milans und Nataliens, 1889 Ab- dankung König Milans, 189(1 Milans Bankettrede in Belgrad gegen das österreich-feindliche Ministerium Gruitsch, 1891 Llnsmeisung Nataliens aus Serbien, 1892 Entlassung Milans aus dem serbischen Staals-Verband, 1893 die „Wiederaussöhuung" des Lüdrians Milan mit der russischen Agentin Natalie, die Wahlen der Skuptschina und der Streik der Radikalen, dazu als Gipfel des Gipfels der Staatsstreich Alexanderchens am 14. April. Die liberalen deutschen Blätter billigen zum großen Theil den Gewaltakt als den„einzigen Weg zur Lösung der Krisis"! Daun haben die Liberalen auch kein Recht, sich darüber zu bc- klagen, wenn bei uns einmal die„Krisis" aus ähnliche Weise„gelöst" wird.— Der Staatsstreich ist verlaufen wie eine Operette. Der kleine Alexander war am kritischen Abend, so erzählt die „Vossische Zeitung",„mit seinem Adjutanten Major Ciritsch im kleinen Salon und sagte zu den Regenten, daß die Ber- sassuug in der letzten Zeit öfters mit Füßen getreten wurde. Er wolle sie hoch und rein erhalten, und um das Land zu beruhigen, nehme er die Zügel der Regierung in seine Hände. Er sei sich wohl bemußt, daß er noch minderjährig sei, aber das Staatsintercsse fordere diesen Schritt. Er ersuchte beide Regenten, sich in bcreitgehaltene Zimmer des Palastes zurück- zuziehen, bis die Angelegenheit geregelt sei. Darauf entgegnete der Regent General Belimarkowitsch:„Sie sprechen von Ber- fassungsverletzung und eben sind Sie ini Begriffe, eine der gröbsten auszuführen, gegen die wir uns gegebenenfalls mit den Waffen in der Hand vertheidigen werden." Hierauf sagte der Köuig zu seinem Adjutanten:„Thun Sie Ihre Pflicht!" und der Adjutant Major Ciritsch entgegnete zu Belimarkowitsch:„Wer es wagen wollte, gegen die Befehle de? Königs aufzutreten, den werde er niedermetzeln." Nach dieser Szene wurden beide Regenten unter starker Bedeckung abgeführt. Derselbe Vorgang spielte sich bei den Ministern ab, die gleichfalls die ganze Nacht im Palais internirt waren und erst gestern früh in ihre Wohnungen übergeführt wurden." Ter russische Gesandte Persiano, der Regisseur des Stückes, beglückwünschte den König im Namen des Zaren. Warum sollte„Väterchen" nicht bei diesem Erfolg gratnlircn?— Die Wahlrechts-Dewegmlg in Keigien. In einer Sitzung der Einundzwanziger Kommission der Kammer stimmten die Führer der äußersten Linken, Fsron und I a n s o n, dem Antrage Nyssen's zu, welcher sich auf das Mehrstinnncnsystcm stützt. Tie beiden Deputirtcn versprachen für diese» Autrag eine Unterstützung von 40 Stimmen der Linken. Von der Rechten wird die große Mehrheit die Re- gierung unterstützen, welche sich ebenfalls niit dem Antrag Nyssen's einverstanden erklärt. Nach dem Antrag Nysscn sollen alle 25jährigen Bürger das Wahlrecht erhalten, mit dem 85. Jahre aber die Familienväter eine zweite Stimme dazu bekommen, während gewisse Klassen von Besitzern einer Wohnung oder eines höheren Schuldiploms eine dritte Stimme erhalten würden. Daß ein solches System, nach welchem ein Theil der Wähler eine, ein anderer zwei und ein dritter drei Stimmen abzugeben hätte, un- demokratisch ist, daß dadurch der Zensus erhalten wird, ist sinnenfällig. An dieses System jedoch, schreibt der Brüsseler Korrespondent der„Franks. Ztg." unter'm 13. d. Mts., klammert sich verzweifelnd die Regierung, und die Parteien wissen nicht recht, was sie anfangen sollen: entweder dafür stimmen oder auch diesen Antrag verwerfen und somit die Auflösung herbeiführen, welche doch wenigstens einen Ausiveg aus den jetzigen Schwierig- leiten bilden würde. Aufschluß über das Schicksal dieses Antrages wird man wahrscheinlich erst im Laufe der nächsten Woche er- halten, da die Kammer vorläufig ausruht und sich mit dem Eisenbahnetat beschäftigt, als ob nichts Besonderes geschehen wäre. Die ganze Froge liegt eigentlich nunmehr außerhalb res Parlaments.„Die französischen Blätter übertreiben sehr," heißt es in dem Berichte,„indem sie von einer bereits eingetretenen Revolution sprechen; diese haben wir noch nicht, wir sind nur eben nahe daran. Gelingt es der Arbeiterpartei, den Aus- stand wirklich im ganzen Lande durchzuführen, dann wird die Lage entschieden schlimm. In Gent hat allerdings der Streik in den großen Webereien und Eisenwerkstütten heute Nachmittag angefangen und er wird sich dort sicher ausdehnen. In Lüttich aber scheinen die Arbeiter vorläufig nicht mitmachen zu wollen, so lange es sich um eine einfache Kundgebung handelt. Sie wollen nur vorgehen,„wenn es gilt, den revolutionären und sozialistischen Kampf auszufechten". Der Ausstand ist dort also vorläufig nur ein geringer. So auch in Verviers. Im Kohlenrevier des Hennegau hat dagegen der Aus- stand bereits alle großen Werkstätten erfaßt und die„Ritter der Arbeit" des Reviers von Charleroy haben heute einen Aufruf erlassen, der dieses ganze Gebiet morgen in Aufruhr versetzen wird. In der Hauptstadt beträgt die Zahl der Streikenden un- gefähr 4000. Die Agitatoren haben heute Morgen vergebens ver- sucht, in einigen großen Werkstätten der Vorstädte Moolcnbeck und Cureghem, welche meist von Arbeitern bewohnt find, die noch arbeitenden Leute in den Streik hineinzuziehen. Es ist vorläufig nicht abzusehen, ob die Bewegung um sich greifen wird, indessen herrscht doch eine sehr große Ausregung. Heute Nachmittag wurde wieder viel in den Straßen der oberen Stadt geschrieen und die Marseillaise gesungen. Es kam sogar zu blutigen Zusammen- stoßen, wobei die Polizei und die Gendarmerie in die Wirths- Häuser drangen und sonst ruhige Bürger mit Säbelhieben ver- trieben. Es wurden drei oder vier Personen schwer ver- wundet. Dieses Vorgehen der Polizei ist gesetz- widrig und unerhört, denn sie hat nicht das Recht, in Privathäuser einzudringen. Es wird darüber wahrscheinlich in der Kammer eine Interpellation eingebracht werden.— Wolfs's Teltgraphen-Bureail meldet aus Brüssel, den 14. April, Abends: Gegen 9 Uhr Abends hatten die Bürgergarde und die Gendarmen große Mühe die Ordnung vor de» Zugängen zu den:„Dtaison du Peuble" aufrecht zu er- halten. Bald traf Berstärkmig von etwa 30 Gendarmen ein, welche von der Menge mit Zischen und Schmähungen empfangen wurden. Die Gendarmen hieben schließlich auf die Tumultuanten ein, die Polizei-Agenten folgten ihnen mit gezücktem Säbel. Es entstand eine wahre Panik. Auf den Bürgersteigen erblickte man zahlreiche Blutspuren. Bald kehrten die Gendarmen zurück, drangen in ein benachbartes Restaurant ein, von wo sie mit ver- schiedeuen Gegenständen beworfen wurden, und triebe» die Gäste mit Kolbenschlägen auseinander. Es kamen hierbei zahlreiche Verwundungen vor, darunter neun schwere. Die erste Pflege röurde den Verwundeten in einer benachbarten Apotheke zu theil; doch erheischte es ihr Zustand, daß sie in das Hospital geschafft wurden. Brüssel, lö. April, Vormittags. Die Staatanwaltschaft nimmt gegenwärtig eine Haussuchung in der Maison du Peuple vor; während der Dauer derselben wird der Eingang von Polizisten bewacht. Heute früh ist ein Linienregiment unter demj Oberbefehl des Generals Bouyet nach Lakbuviöre abgegangen. Die Zahl der bei den Zusammenstößen mit der Polizei gestern Abend Verwundeten wird auf etwa 30 geschätzt; etwa 50 Verhaftungen wurden vorgenommen. Heute früh herrschte in der Stadt wieder vollkommene Ruhe. Das Depeschenbureau„Herold" meldet, tendenziös natürlich in höchster Potenz, Brüssel, 15. April. Größere Ruhestörungen sind auch gestern nicht vorgekommen, nur in verschiedenen Kaffeehäusern, in denen Sozialisten aufrührerische Reden(!) gehalten, mußte die Polizei einschreiten und die Anwesenden entfernen. In einem dieser Kaffeehäuser ist ein Offizier der Bürgergarde durch einen Revolverschuß tödtlich verlent worden. Anerkannt muß werden, daß die Führer der Sozialisten alles Mögliche thnn, um Ausschreitungen zu verhüten.— Nachts I Uhr erfolgte ein Zu- sammemtoß zwischen Sozialisten und der Polizei, und zwar in der Dansaertstraße. Die Sozialisten flüchteten in die in dieser Straße befindlichen Neubauten, von wo sie die Polizei mit Steinen warfen. Es sind zahlreiche Verwundungen vorge- kommen.— Jedenfalls steht fest, daß die Behörden schamlos provo- ziren und aufs brutalste vorgehen. So berichtet die „Rösorme" über Brüsseler Vorkommnisse am 13. April: „Um 4 Uhr 20 Minuten drangen acht Polizei-Agenten unter Führung des Offiziers Mahieux mit gezogenem Säbel in die Wirthschaft zur Katze, Rue de la Croix� de- Fer Nr. 15. Etwa zwanzig Personen, die friedlich und ohne jede Provokation ihrerseits dort saßen, werden mit der Brutalität herausgejagt, die eigen ist den Agenten der Ordnung?? in Brüssel. Die Polizei- Agenten schlagen mit blanker Klinge drein, und theilen Fußtritte aus mit unglaublicher Wuth und Raserei. Es hat drei Ver- wundete gegeben. Herr Jean Schlosser, Mechaniker, wird ganz blutüberströmt in die Apotheke des Herrn Dewandre gebracht. Dem Unglücklichen sind durch einen Säbelhieb der Schädel gespalten und die Augenwimpern zerfetzt. In dem Augenblick, da die Leute, welche den Verwundeten tragen, in die Apotheke gehen wollen, will ein Polizei- Agent den blut- überströmten armen Burschen zum Polizeikommissartat schleifen. Die Menge protcstirt, ruft den Agenten zu:„Ihr seid Feiglinge, Elende! Erst verbinde man den Verwundeten! Stellt doch eine Wache vor die Thür!„Ein junger Student erhebt Einspruch gegen das Vorgehen der Polizei. Ein Agent drinat mit einem Gendarm in die Apotheke und will sich des Studenten bemächtigen, den seine Freunde vertheidigen. Der Agent und der Gendarm gebrauchen Gewalt und zerschlagen die Glasthüren der Apotheke. Sie schleppen den Studenten, dessen Kleider in Fetzen hängen, fort. Die Menge murrt gegen die Polizisten, die stolz aus ihre Tbaten zum Polizeibureau gehen." So wird's gemacht. Unsere Quelle ist ein bürgerliches Blatt. Die Herrschenden wollen einen Putsch, ihre Rohheit ist grenzenlos. Näheres über diese Dinge in der nächsten Nummer! In der neuesten Nummer der demokratisch-liberalen„Rösorme" vom 14. April heißt es in einem Leitartikel, der vom General- ausstand abmahnt:„Die Regierung akzeptirt jetzt den Gedanken, daß jeder Mann wenigstens eine Stimme haben muß. Sie will nur den Antrag Nyssens(siehe oben) unterstützen, der zwei oder drei Stimmen den Bürgern geben will, die schon im Besitze einflußreicherer und vortheilhafter gesellschaftlicher Stellungen sind. Sicherlich ist das eine bedauerliche Beschränkung, die wir nicht einführen würden, wenn wir die Herren wären.' Aber wir sind nicht die Herren, und die Führer der Arbeiterpartei täuschen sich, wenn sie glauben, sie seien es oder könnten es werden unter den gegemväriigen Verhältnissen, die wir nicht ändern können." Der Antrag Nyssens aber durchbricht das gleiche Stimmrecht und trägt einen plutokratischen(die Herrschast des Geldsacks be- dingenden) Charakter. Der„Vossischen Zeitung" geht folgende Drahtmeldung zu, wofür wir ihr natürlich die Verantwortung überlassen müssen: Brüssel, 15. April. Heute Nacht erfolgten blutige usammen flöße zwischen Arbeilermassen. Polizei und endarmerie und blutige S t r a ß e n k ä in p f e bei den Getreidehall en am Johannesplatze und in der Veilchcnstraße. Die Ferusprechdrähte wurden durchschnitten, die Gaslaternen aus- gelöscht. Reitende Gendarmerie zersprengte die Menge. Laut „Jndependance" sind hundert Personen verwundet und sechzig verhaftet. Laut„Rösorme" sind SO 000 Arbeiter ansstiindist. Im Zentrum feiern die Metallwerke Nicaise bei Cuve, Pierart, die Francobet'schen Glaswerke, in Mariemont die Koaksösen von Coppöe, in Verviers 81 Fabriken. Das Bergarbeiter- Syndikat des Beckens von E h a r- l e r o i hat den Generalausstand beschlossen. Soztnlo Aeberflchk; Aufruf! Genoffen und Genossinnen von Friedrichsberg! Um die dies- jährige Maifeier in unserem Orte zu einer einheitlichen zu macken, fordern wir die Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine von Friedrichs- berg, insbesondere die Arbeiter-Gesangvereine, welche am Feste nutwirken wollen, auf, sich bis zum Sonntag, den 23. April, beim Vertrauensmann Oskar Schnitze, Friedrich-Karlslraße 34, zu melden. Die Feier findet in Spitzia's Salon, Frankfurter Allee 193, statt. Maler, Lackirer und Anstreicher werden im„Vereins- auzeiger" um Vermeidung des Zuzugs nach Lübeck gebeten, wo Differenzen wegen des Lohntariss schweben, Die ultramontane„Kölnische Volkszeitung" brachte neulich eine Notiz, in welcher im Anschluß an eine Mittheilung über die von den Schweizer Arbeitern angestrebten obligatorischen Berufsgenossenschaften folgende Mittheilung des„Grütlianer" zitirt wird:„Sprachliche, konfessionelle und politische Ver- schiedenheitcn vermögen nicht mehr aufzukommen gegenüber den großen gemeinsamen Zielen; über solche Barrieren hinweg reichen sich die Vertreter des lohnarbeitenden Bolkes die Bruderhand." Die„K. V.-Ztg." knüpfte hieran die Bemerkung: Bei ups wird man dies Schauspiel sobald wohl nicht erleben. Dafür wurde sie von der Elberselder„Freien Presse" wie folgt heimgeschickt. Hier mag wohl bei der„K. B.-Ztg" der Wunsch der Vater des Ge- dankens gewesen sein, steht dieselbe doch den gewerkschaftlichen Organisationen so freundlich gegenüber, daß kein Buchdrucker in ihrer Ofsizin beschäftigt wird, der dem Buchdrucker- Verbände angehört. Streiks in Oesterreich. In B ö h m i s ch- T r ü b a u streiken seit vier Wochen die Arbeiter der Vaumwollenspinnerei und Weberei Herm. P o l l a k s Söhne wegen der elenden Löhne. Die Firmeninhaber sind in einem Zeitraum von 12 Jahren vierfache Gulden-Millionäre geworden und haben soviel Aufträge, daß sie bessere Löhne sehr wohl bezahlen könnten, wenn sie wollten.— Der Streik der Wiener Beinknopf- Drechsler dauert fort. Die Unternehmer lehnten jede Ver- ständigung ab.— Der Streik der Krystallglas-Schleifer in P o l a u n ist für die Arbeiter erfolglos verlaufen.— In Hum p o letz streiken die Arbeiter der Wollwaarenfabrik von Prokop Skorkowky u. Solm.— In Siegersdors haben 42 Arbeiter und Arbeiterinnen der Pfeifenfabrik von Johann Brix wegen des nach jeder Richtung hin unleidlichen Arbeiterverhältnisfes die Arbeit niedergelegt. Unter den Wiener Zimmerern sind Lohndisserenzen aus- gebrochen. Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten. Unterstützungen sind dringend nolhwendig. Diese sind an Ed. Nowak, Wien, XVI. Lerchenfelderstraße 30, II, 23, zu senden. Zum Streik der Dockarbeiter Hulls meldet ein Londouet Telegramm, daß der Geiverberath von Hartlepool beschlosser habe, kein von Hull kommendes Schiff der Wilj on-Gesellschast zr löschen. Wie weiter verlautet, hat die am Freitag in L o n d o r abgehaltene Versammlung von 76 Delegirten der britischen Schifffahrts-Gew'erkvereine beschloffen, zur Unter- stützung der Genossin in Hull am Sonnabend Nachmittag, also gestern, in London sowie in allen übrigen Häfen des Bereinigten Königreiches die Arbeit einzustellen. Man hält es daher für möglich, daß vom Montag ab die Arbeiten auf allen britischeil Docks ruhen werden. VerlmmnUmgew Rixdorf. Eine öffentliche Schuhmacherversammlüng öeschästicite sich am 10. d. M. in Kummer's Salon mit der Frage: Wie stellen sich die Rixdorser Schuhmachergesellen zu dem von ihnen ausgestellten Lvknlarif. Alle erschienenen Gehilfen waren darin einig, daß es mit den fortwährenden Lohnreduktionen nicht so weiter gehen könne und trotz des Spottes der Meister, die einen Streik der Gehilfen für vollständig aussichtslos hielten, fest entschlossen, von ihrer Forderung keinen Schritt zurückzuweichen. Gebührend zurückgewiesen wurde auch das Schreiben des Bor- standes der Rixdorser Schuhmacherinnung, worin die Behauptung aufgestellt war, daß der Lohn in Rixdorf 20 pCt. höher sein solle als in Berlin, und das ferner das Ersuchen enthielt, dafür zu sorgen, daß der vor drei Jahren vereinbarte Tarif in allen Werkstätten innegehalten werde. Als ob die Herren Meister nicht am besten selbst dafür sorgen könnten! Ferner wurde eine Resolution angenommen,. gemäß welcher sich jeder Gehilfe verpflichtete, die Arbeit von Stunde an niederzulegen, und dieselbe nicht eher wieder aufzunehmen, bis der Tarif bewilligt ist. Der Streik der Schuhmachergehilfen in Rixdorf ist denn auch am Dienstag, den 11. d. Mts., in Kraft getreten und mit Aus- nähme einzelner Geschäfte, die den Tarif bewilligt haben, ist derselbe ein allgemeiner, der um so hartnäckiger werden wird, je niehr sich die Unternehmer gegen die berechtigten Forderungen sträuben. Am Sonntag, den 26. April, Vormittags, findet eine Volksversammlung in Rixdorf statt, in der die Arbeiterschaft er» sucht werden soll, Stellung zu den Geschäften zu nehmen, welche sich weigern, den Gehilfen vie so niedrig bemessenen Löhne zu bewilligen. Eine Volksversammlung tagte am Freitag Abend in S ch ö n e b e r g, um über die Bcranstaltung der diesjährigen Maiseier Beschlüsse zu fassen. Nach kurzer Diskussion zwischen Hackelbusch. Bärensee, Seidel, Oesterle, Remus, Köster und Borg« wart wurde ein Antrag angenommen, dahingehend, daß am 1. Mai eine Versammlung und am daraus folgenden Sonntag ein Volksfest in der Schloßbrauerei abgehalten werden soll. Ferner wurde ein Komitee von 16 Genossen und Genossinnen gewählt, denen die Arrangements übertragen wurden. Der Diskusston über diesen Punkt ging ein von Adler gehaltener Vortrag „Der eherne Tritt der Zeit" voraus. Am Sonntag beabsichtigen die Schöneberger Genossen eine größere Aaitationstour zu machen, zu deren reger Theilnahme die Versammelten ausgefordert wurden. f iodutirklul»„Zcitgelli". Sonntag, den IS. April, Abend»«x Uhr? oel, Andreaslir. si. oberer Saal: Versammlung. Tagesordnung: Vor trag des Benvssen Dr. Pinn über: AuS alter und neuer Zeit. z>cvg»i>gui>g«orr»in„Ktolii,". Sonntag, den i«. Aprll, Nachmittag» sx Uhr, im»teflaurant„Roland", Wsasserstr. 20: Seneralversammlung. Bor- slandSwahl. Gaste haben tewen Zutritt. Abend»«JS Uhr: Kldeltia», Tanz Vorträge. Soli» ist«»,»»d zpallderklllv„Wald»«»rL>»". Sonnlag den l«. April, Nachmtttag» t Uhr, bei Wetck. Köpentckerstr. 68, Sitzung. P«lg»iigu»g»l>rr«i>,„Kol llssta" tagt letzt dt» aus wettere» alle vier- zehn Tage. Sonntag, den 10. April keine Sitzung. «eilhüftodtour, SauodUncr, P aliler uns Kerufogenossen. Große Versammlung im Norden am Dienstag, den l». April. Abend» o Uhr, bei «eller, Bergftr.«»:«ortrag, Diskussion. f ranllr«. Ulld Strrbrliaste der d-ntichen U>ag«nda»l>r(Kelirl« t). ig, den 18. April, Abend««Ji Uhr, bei Tempel, Langestr. 66: Versammlung. Tagesordnung: Abrechnung vom l. Quartal. Frei» xicreinigung der«?llrenun»gestrlltrn Serlin» und Um- gegrnd. Dlenimg, den 18. April, Abends 8Jj Uhr, bei Stetn, RoseNthaler- straße 3«: Auberordentltche Aciieralverlainnilung. Vortrag. Krdeitrr-Kiidllllgooerein für Friedrlchoberg. Ordentliche General- Persammlung am Dtenstag, den>8. April, Abend» s'j Uhr, bei Deckert, Rummelsdurgerstr. 23. Tagesordnung: Kassenbericht. Bericht de» Vorstand«». Wahl des Vorstände». Mitgliedsbuch legtttmtrt. Allgemeiner Deutscher Snpeiireroerela(Filiale Berlin). General- Versammlung am Montag, den 17. AprU, Abend« 8J( Uhr. bei Voltz, Alte Jalobnr. 75. Tagesordnung: l. Vierieljahrsbericht. 2. Sewertschaftliches. Ref. Feder. Nationale tiaufmännische Kranke«,«nd Ktrrbrkast»(«. S. 71), Bureau: Holjmarttstr. 67. Montag, den 17. April, Abends Uhr, tm Restaurant P. Bodenburg,«ommandantenstr. lo— Ii: Borftandssitzung und Aufnahme neuer Miiglleder. »Zrostr öffentliche Schuhmacher- Versammlung am Wonlag, den 17. April, AbendS 8� Uhr, bei Gratwell,«ommandantenstr. 77—7». «rtoverrin der Slldhaurr. Monlag, den 17. AprU, Abend»»ü Uhr, Dresbenerstr. lo: Sitzung. Freier Di«llutir»°r»in. Montaa, den 17. April, Abend»«lj Uhr, bei Leopold, Martgrafenstr. s»! Sitzung. Wegen lehr wichtiger Punlte zahlreiches Erscheinen erforderlich. AUgemei», Krank»«, und Sterdekast, der WetaUardeiter pr. Sil), Filiale Berlin 3. Monlag. den 17. b. M.. Abend» sj Uhr, Manleuffelftr.»o: MUglieder-Versammlung.«afsenbericht. Freie Dereiiligung der«raoeur», Aiseieure und verwandt«» K«rus»ge»ossrn Kerltn» und timgegend. Monlag, d«n 17. d. M.,»ibendS 8x Uhr, im V-retnslvkal DreSdenerft.«6: Versammlung. Vortrag de« Herrn Dr. Weyl.(Siehe Jnferat.) Frei» Derriniaung d,r selbständigen Kardier», Friseure Derlino und jlmgegend. Montag, den l?. iilpril. Abend» lo Uhr, bei Rölltg, Neue Friedrichfir.«4: General-Versammlung. Tagesordnung: vorflandsb-cicht und Wahl dss l. Vorsttzenden. «röhr ölfrntlich« Dersammlung der in der Buch-, Papier» und Leder- waaren-Jiidustrie beschäsltgien Arbetler und Arbeiterinnen am Monlag, den 17. April, Abend»» Uhr. del Voltz, Alle Jatobstr. 76. Tag-sordnung: Bertchlerstallung de» Delegirten der Strell-stonirolltommtsston. 2. Gründung einer Mitgliedschaft de» Verbände». Vviekkslken der Dedsstttott. L. P.. Neustadt. Ein Leitfade» zum Selbstunterricht in der Stenographie ist unseres Wissens bisher nur vom Gabels- berger-Verband berausgegeben worden. Falls Sie dies System auf„brieflichem Wege" erlernen wollen, so wenden Sie sich an eine beliebige Buchhandlung. A. D. 08. Darüber besteht eine bestimmte Vorschrift nicht; deshalb ist die Auslegung über diese Frage zweifelhaft. Wir ivürden die Berechtigung zur Pfändung und Versteigeruilg eines Traurings während des Bestandes der Ehe bestreiten. A. R. 37. Der Uhrenhändler hat keine Ansprüche gegen Sie. Wollen Sie es aus Mehrkosten ankommen lassen, so müssen Sie auf Zahlung der Schuld klagen und dann den Pfandschein u. s. w. pfänden lasse». Lohnt die Forderung die immerhin nicht unerheblichen Kosten, so wäre es richtig, dafür Sorge zu tragen, daß Ihre Forderung durch ausdrückliches Anerkenntniß der Verjährung entzogen wird, und abzuwarten. L. H. Die Höhe des Beilrnges zum Klebegesetz ist von der Zugehörigkeit zu einer Hiljskasse unabhängig. Eine Hilfskasse. die einen Theil der Klebeveilräge für ihre Mitglieder zahlt, ist uns nicht bekannt. C. D., Namenlos. 1. Das festzustellen, würde wochenlanges Nachlesen erfordern. 2. Die Antwort bleibt zutreffend. 3. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der Höhe des Lohns(ß 23 flg. des JnvaliditälSgesetzes). 3. Dadurch, daß Sie von Steuern un- behelligt gelassen sind, verlieren Sie kein Recht. Sie Glücklicher! DviefkAlken dev Expedition» E. W. Ihr Inserat kostet zweimal eingerückt 4 M. X.&. Z. Wir bitten um baldige genaue Angabe Ihrer Adresse; alles andere dann brieflich. Sfüc den Inhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonntag, den 16. April. Vpernhans. Der Freischütz. Montag: Tristan und Isolde. Urne» Theater. Vasantasena. Montag: Das Buch Hiob.— Meister Andrea.— Herrn Kaudel's Gar- dinenpredigten. Dentschrs Theater. Der Talisman. Montag: Dieselbe Vorstellung. Oeriiner Theater. Der Hütten- best her. Montag: Wilhelm Tell. ZeMng Theater. Die Bohsme. Montag: Heimath. MaUuer-Theater. Sodoms Ende. Montag: Der Probepfeil. Kroll' s Theater. A Santa Lucia. Montag: Unbestimmt. Kestde«?- Theater. Die beiden Champignol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Grntt-Theater. Goldlotte. Lriedrich.zvillielmaädt. Theater. Der Vogelhändler. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thomas-Theater. Gute Zeugnisse. Wenn man im Dunkeln kühl. Montag: Dieselbe Vorstellung. �iütoria-Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zlational-Theatrr. Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Faust. Freie Uolksbühne.(Nationaltheater). II. Abth.(grüne Karten). Nach- mitlag 2Vj Uhr: Egmont. Aleranderplah Theater. Zimmer- mann's Lene. Montag: Dieselbe Vorstellung. Winter-Garten. Spezialitälen-Vor« stellung. Apollo- Theater, Spezialitäten- Vorstelluna. Theater der RrichshaUeu. Spezia- litäten-Vorstellung. "mann'» Uarists. Spezialitüten- Sorstellung. Gebrüder Richter'« UariStü. Spe- zialitäten-Vorstellung. Lrnst-Ikeater. Zum IS. Male: Goldlotte. Gesangsposse in 3 Akten v LS. Jacobsou und W. Mannstädt. Couplets theilweise v. Q. Göras. Musik von 0. Stelfens. In Szene gesetzt von üdolpd Lrnat. Ans. TV, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. XNiftimmrs Variete Am Stadtbalmhof Ale zanderplatz. Neu) Die lustige Ren! Schwiegermutter. Komiiohe Pantomime mit Ballet in I Akt. Ausgeführt v. d. Pantomimen- Gesellschaft Diovom«, sowie Austreten von 12 f. Berlin neuen SpezialiiSlen. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Montz- Etablissement Monh- � Buggenhagen. Täglich: Jnltrumental-Konzert. Großer Frühltück»-«. Wittagstisch. Spezial-Ausschank von Pahen- hotrr Lagerbier, hell und dunkel. GM" An Sonn» und Festtagen findet das Konzert in den obere» Käle» statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Käle für Versammlungen, Kommerse, Festlichkeiten:c. American-Theater. Anfang 8 Uhr: Den Dussel (Nulpus) Parodistisch-realistischer Vorgang in der Dachkammer, frei nach Ibsen und Tolstoi von Oscar Wagner. (Klenim-Ede.. Martin Bendiz.) Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der Mtani) in Verli». Jnstrumentalist Deller. Unser Helgoland. Genossen empfehle meinen Frühstück«-, Mittag«» und Abendtisch. Bereinszimmer mit Piano. Für gute Getränke sorgt stets 3618L* Fritz Fröhlich, WT». Cincus Renz. (Karlstrage.) Sonntag, den 16. April 1893: 2 grosse Vorstellungen. In beiden Vorstellungen Auftreten sämmtlicherKünstler-Spezialitäten ersten Ranges, sowie Vorführen und Reiten der bestdressirlen Freiheits- und Säml Pferde. Nachmitt. 4 Uhr(ein Kind unter 10 Jahren frei): Zum Schlug: Die Touristen. Augerdem: Auftreten der sämmtl. Klowns in ihren zur Be- lustigung der Jugend besonders ge- wählten Nummern. Abends 7l/2 Uhr:_ Ein KWcrsejl.™ rege Ausstatlungs-Pantomiine. Nene Einlagen mit überraschenden Licht- n. Wasserefiecten. Baller von 100 Damen. 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Karl, spül das Glas aus!! 3358b Unserm Pfropsenbruder Emil Pohl- mann zu seinem morgenden Geburts- tag ein aus voller Kehle schallendes Hoch! 3321b Psropfcnverein Wedding. Wir sind alle für die Einheitszeit. Kranken- n. Sterbekasse d. Berliner Hausdiener. 3355b E. H. 61. Am 13. d. Mts. verstarb das Mit- glied Gustsv Baue, Bernauerstraße 114, an der Lungenschwindsucht. Die Beerdigung findet Sonntag, den 16., Nachm. 2'/2 Uhr, von der Halle des Eliiabeth-Fried- Hofes in d. Prinzen-AUee aus, statt. Der Vorstand. Toiies-�n�vige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Destillateur 3376b Wilkeim Wirsig, Admiralstr. 18, plötzlich am Herzschlag im Alter von 52 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, Nachm. 4Vz Uhr, vom Trancrhause aus nach dem Neuen Jakobi-Kirchbof statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Wwe. Wirsig nebst Kindern. Alfen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Bruder, der Destillateur Alhert Zimmermann am Donnerstag, Abends SV* Uhr, verstorben ist. 33605 Die Beerdigung findet Sonntag, den 16. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen- Kirchhofes,[Landsberger Allee aus statt. Cap> Zimmermann. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß unser Kollege, der Schraubendreher Wilh. Wuttig, am 13. ds. Mts. an der Proletarier- krankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. April er., Nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause, Mariannenstr. 3, aus statt. Um rege Betheilignng bitten Die Kollegen v. Siemens u. Halske, Charlottenburg. 3332b Empfehle meine Destillation, Weist- und Bairisch-Vierlokal. V. Grabe. Der Skat-Club„Einigkeit" tagt alle Sonnabend Abend bei W. Grobe. Einige Mitglieder finden noch Aufnahme. Hieft's Fest-Säle, Weberstr. 17. Weberstr. 17. Ein Sonnabend im April Umstände halber frei geworden. Empfehle zu Versammlungen. 3944L' Parteigenossen empfehle mein schön eingerichtetes Lokal zum gefälligen Be- such. Vereinszimmer als Zahlstelle für 40 Personen. Edmund Renter, 36521-* Swinemüuderstr. 45. Freunden und Gen. empfehle meine Destillation, Weist- nnd Bairisch- Bier-A«Sfchank.„Vorwärts" und „Volks-Zeitung" liegen aus. 2076b' Will». Jentsch, Elisabeth-Ufer 26, Ecke Reichenbergerstr. Dianen Das Verkehrslokal der Filiale l, S., befindet sich Rittcrstr. 123 bei Stramm. Jeden Sonntag Vormittag, 10 Uhr, Blorgensprache.(211/11] Der Vorstand. Märkischer Hol, Admipal- Strasse Nr. 18 c. Jcd. Sonntag u. Donnerstag im pracht- vollen Spiegelsaal: Er. Fest-Vall. Ans. 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Herren zahl. für Tanz 50 Pf. Einige Sonnabende im Mai u. Juni ist mein Saal noch an Vereine zu vergeben. 40131.' Fortuna-Säle 3. Strmchberger-Ttraße 3. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Jede» Donnerstag: Groß» Gesell- fchafts stunde. Empfehle meine Säle zu allen Privat- Festlichkeiten nnd Versammmlungen; auch sind einige schöne Vereinsaiminer zu haben. 36701.' Sestaupant Coneordia-Garlen. (Zum Waaserwepk.) Großer Hall. Empfehle meinen Saal zu allen Privatfestlichkeiten u. Versammlungen. R. Schiele, Lichtenberg, 37921-' Landsberger Chaussee 2. Zum Sternecker. Sonntag: Niagara, 6efte«fuf£C Schloss Weisseusee. l. Auftr. der Gebrüder auf dem 100 Fuß hohen, 500 Fuß langen Drahtseile. 40641. 1. Die Begegnung und das Uebersteigen. 1 4. Ein Ringkampf auf dem Seil. 2. Gymnastik,Saltomortales,Kopfstehen. 5. Die lebende Schubkarre. 3. Doppellauf und Schuller-Promenade( 6. Charivari-Tändeleien in der Luft. Uolksbelustigungett. Ueit Korso. Elektrische Kelenchtnng. Kapelle: 1. Garde-Drag.-Reg. stl�ll in dem 12 000 Quadrat- AlUUZivI l, Königl. Musikmeister C.Voigt.-öUU Meter gr. Parqnet-SaaL Anfang 4 Uhr. Vorstellung 6 Uhr. Entree 30 Pf. Rud. Stepneckep. Weimann's Volksgarten h.T«: Zum�Maie- HlnhmUllltseil ill Brlllilnt-Feuernierk des Hpn. Schimapowsky, Feldmapschmässig 7S00 m 25 Min. Gr. Coucert— Ä.- Bai parä. Entree 35 Pf.— Anfang 4 tthr.[3356b] Haz Weimann. Treptow9 Bade's Volksgarten. park Strasse. Jeden Sonntag von Nachmittags 4 Uhr: t&ST Konzert und Ball."WA Ausschank v. Weiss- a. Bairisch-Bier. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Restaurant zum Karpfenteich. Jeden Sonntag im Saal: TnAnf-inuf Die Kasseeknche Groher Kall.*■"epTEOWr« ist täglich geöffnet. Gleichzeitig empfehle ich mein Lokal nebst Saal für Vereine u. Gesellschaften. 40531-' Hermann Otto. Seglersehlössehen bei Schmöckwitz. ZilWtr: Paul Zibolsky, Dieses so herrlich am Waffer belegene, von Wald und Flur umgebene Etablissement empfehle ich besonders für Dampfer- nnd Kremser-Partien. Ebenso ist dasselbe mit der Stadtbahn mit Anschluß an die Görlitzer Bahn bequem zu erreichen. 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Druck und Verlan von Max Babing in Berlin, S\V, Beuthstraße 2, vierzn zwei Beilagen 1. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Bolksblatt. Ur. 89. Sonntag, den 16. April 1893. 19. Jaljrg. VÄvkeiNAckrillhken. Von der Agitation. Ueber das Thema„Sozialdcmorratie und Antisemitismus" sprach unter großem Beifall Reichstags- Abgeordneter Liebknecht in Nürnberg in einer von zirka 2000 Personen besuchten Versammlung. Nachdem er im Referat die antisemitischen Wahnwitzigkeilen gebührend gegeißelt hatte, stellte er sest, daß der Ausspruch, die antisemitische Be- »vegnng sei die größte Schmach unseres Jahrhunderts, nicht richtig ist, sondern diese Bezeichnung vielmehr auf das S o- ziali st engesetz zutrifft.„Wir traten", führte Liebknecht nach dem Bericht der„Frank. Tagespost" aus,„der Wirthschafls- Politik des Fürsten Bismarck entgegen und wurden kaltblütig ge- opfert. Der Opfer, die da fielen, sind unzählige. Tansende wnr- den dem Elend überliefert. Aber in den von Juden redigirten Zeitungen wurden wir böswillig verleumdet und es wurde schmachvoll gegen uns gehetzt, anstatt daß man sich unserer an- nahm. Der Jude, der sich gegen die Demokratie erklärt, ist geradezu für einen moralischen Verbrecher zu halten. Unsere Kultur kann nur gerettet werden durch die angeblich kulturseind- liche Sozialdemokratie und wir werde» nicht ruhen, bis wir nicht blos in Deutschland den Sieg errungen, sondern die ganze Welt für den Sozialismus erobert haben." Ueber das gleiche Thema sprach Liebknecht unter rauschen- dem Beifall in München, wie die„Münchener Post" schreibt, in einer„Riesenversammlung, wie sie München nur von den Sozialdemokraten kennt." Eine größere Anzahl von Parteigenossen aus Freiburg in Schl. unternahmen am zweiten Osterfeiertag eine Agitations tour auf das Land. Dabei zeigte es sich, daß auch die Land bevölkerung eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse dringend wünscht. Der in Langenbielau erscheinende„Proletarier" bc- richtet darüber:„Fast überall wurden die übergebenen Zeitungen und Flugblätter gern entgegen genommen. Es sind aber auch theilweise sehr traurige Zustände, die man auf dem Lande an- trifft, Wohnungen, die zu Viehställen zu schlecht sind und die dennoch zum Wohnen, Schlafen, Kochen und Arbeiten benutzt werden müssen. Wir haben hier in unserer nächsten Nähe Vieh- ställe, das sind Paläste gegen die Wohnungen vieler Arbeiter in Stadt und Land. Wenn die maßgebenden Kreise sich um derlei Sachen mehr kümmern möchten, so würde manche Krankheit und viel Elend vermieden werden." Am 9. April fand zum ersten Male in Klein- Gr ön land bei Horst in Holstein eine sozialdemokratische Versamm lung statt. Sie war äußerst zahlreich besucht. Frauen und Männer, Jung und Alt waren von den umherliegenden Ort- schalten herbeigeeilt, um sich von dem, was die Sozialdemokraten wollen, zu überzeugen. Ja es mußte, wie die„Nordwacht" be- richtet, geradezu rührend auf die anwesenden Elmshorner Ge- nossen wirken, als sie sahen, wie zwischen den ungefähr 40 an- wescnden Frauen sich alte Mütterchen mit grauen Haaren be- fanden und mit größter Aufmerksamkeit dem Vortrag folgten. Frau S t e i n b a ch aus Hamburg sprach unter stürmischem Beifall über das sozialdemokratische Programm. Der Vortrag wurde UNI so begeisterter aufgenommen, als er in plattdeutscher Sprache gehalten war, und somit anch diejenigen, die vielleicht noch kein hochdeutsches Wort über ihre Lippen gebracht hatten, vollkommen in der Lage waren, das Gehörte zu verstehen und zu begreifen. «« Fort mit dem Militarismus! Ein Mahnwort an die Reichstagswähler gegen die Misitärvorlage.— Unter diesem Titel erschien soeben im Verlage unserer Partei- Buchhandlung eine Broschüre, in welcher auf 32 Seiten das betr. Thema in eingehender und prinzipieller Weise abgehandelt ist. Wir ersuchen die Genossen, für den Vertrieb dieses Schrift chens recht thälig sein zu wollen, bei seinem agitatorischen Werth wird es in dem event. bevorstehenden Wahlkampfe gute Dienste leisten. Der Preis ist bei hübscher Ausstattung ans nur 15 P g. festgesetzt. Beftellnngen sind an den Verlag des„Vorwärts", Berlin SW., Beuthstr. 2, zu richten. »» Maifeier. In Straßburg i. E. wird am I. Mai eine Versammlung und am 7. Mai ein Fest abgehalten. Der Ge meinderath rst ersucht worden, dazu die Markthalle(Alter Bahn Hof) zu überlassen.— In Biebrich a. Rh. begeht man die Feier durch Abhaltung eines Festes am 30. April und einer Volksversammlung am 1. Mai.— In R e i ch e n b a ch i. Schl. findet die Feier am 80. April statt, damit die Arbeiter ans der Umgegend daran theilnehmen können.— In Langenbielau ist am Abend des 1. Mai Versammlung, am Sonntag darauf »in Volksfest. In Halber st adt und Schöneberg be» Srnrnkagsplentdevet. E. C. Wenn die Charlottenburger Wasserwerke auch nicht in Ordnung sind, so hat in dieser vielgeriihintcn Nachbarstadt doch vor einigen Tagen der hunderttauseudste Bewohner das Licht der Welt erblickt. Es ivar glaubhaften Nachrichten zufolge zwar nur eine Bewohnerin, trotzdem aber fühlte sich ein edler Wohlthäter der Menschheit ver- aulaßt, dem weiblichen Schreihals drei Hundertmarkscheine in die Wiege zu legen. In unserer stürmisch bewegten Zeit bedeuten dreihundert Mark schon ein kleines Vermögen, und wenn die drei blauen Scheine in der Charlottenburger Sparkasse sicher angelegt werden, kann die junge Dame vielleicht nach tausend Wochen auf ein ähnliches Sparkassen- buch zurückblicken wie die berühmte Spar-Agncs, das heißt, wenn noch etwas dazu— und nischt dazwischen konmit. Eine weise Vorsehung hat den meisten Menschen die Gabe versagt, in die Zukunft sehen zu können. Von ge- wöhnlichen Sterblichen verlangt man das im allgemeinen auch garuicht, nur die Sozialdemokraten prüft man bis- weilen auf Herz und Nieren, sie hält man in ihrer Art für Tausendkünstler, und wenn sie mit voller Ueberzeugung betheuern, daß sie auch nicht mehr können, wie Brot essen, so giebt sich Eugen Richter natürlich mit einer solchen Ver- sicherung nicht zufrieden, sondern ist sehr stolz auf seine genialen Leistungen, wenn er vom Zukunftsstaate spricht. Aber wie die Verhältnisse augenblicklich liegen, möchte wohl mancher gern eine Frage an das Schicksal stellen und den gehcimnißvollen Schleier lüften, durch welchen uns die allernächste Zukunft verhüllt ist. Ein böses Gewissen ist eine etwas lästige Zugabe zu den sonstigen Unannehmlich- kciten, mit welchen der Aufenthalt in unserem irdischen Jammerthale verknüpft ist, aber mit der Aussicht auf eine baldige Auflösung des Reichstages heute Volksvertreter zu sein, wenn man nicht weiß, ob man vorwärts oder rück- wärts soll, das ist eine der Unzuträglichkeiten, über welche eigentlich nur der ewige Gleichniuth einer national- Verlin wird die Maifeier ebenso begangen, desgleichen in Wands beck, wo noch Erlmibniß zu einem Festzuge eingeholt werden soll.— Die Parteigenossen in P i r m a s e n z veranstalten am 30. April einen Festzua durch die Stadt; die Gemeinde- Vertretung hat die Genehmigung bereits ertheilt.— In Kaiserslautern findet am 30. April eine Volksversammlung. am Abend des I. Mai ein Fest und Sonnabend, den 3. Mai, eine Nachfeier statt. »« Protestversammlniigeu gegen die Militärvorlage sind weiter abgehalten worden in H ö r d t e n im Mnrgthal(Ref. K a l n b a ch- Karlsruhe), Langenbielau(Ref. Adler- Berlin), M o orh au se n bei Lilien lhal(Referent B r u h n s- Bremen). »» Reichstags-Kandidatur.* Für den Wahlkreis Nord- Hausen ist der frühere Kandidat, Genosse Theodor Glocke aus Berlin, wieder als Reichslags-Kandidat aufgestellt worden. Partcipresse. Jn Temesvar in Ungarn erscheint am l. Mai ein sozialdemokratisches Wochenblatt„Der Volks- w i ll e", dessen Herausgabe von der dortigen Bezirksorganisation beschlossen wurde. »» Ter freireligiöse Prediger G. Tschir» in Breslau veröffentlicht unter Beziehung ans etwas Früheres, das uns un bekannt ist, in der Breslauer„Volksmacht" folgende Erklärung „Es ist ein Jrrlhmn, daß ich eventuell als Reichstags- Kandidat von der freisinnigen Partei aufgestellt werden soll! Aus der freien Religionsgeineinde und deren weitreichendem Freundes- kreise heraus, der politisch zum Theil radikal freisinnig, zum Theil sozialistisch ist, wird gewünscht, daß doch auch einmal ein prin- zipieller fachmännischer Gegner des Kirchenthums im Parlament reden solle, und einem solchen Rufe könnte ich mich sclbstver- ständlich nicht entziehen. Es dürste der geehrten Redaktion be- kannt sein, daß ich zu weit links stehe, um von der freisinnigen Partei ein Mandat erhalten oder annehmen zu können. Mein politiscber Boden ist die radikale Demokratie, mit der auch der „Vorwärts" erklärte im Kampfe gegen die Reaktion ein gut Stück Weges vereint marschiren zu können, und als unabhängiger Demokrat würde ich eventuell im Reichstage austreten." Wenn Herr Tschirn der Meinung sein sollte, er könne unsere Bemerkung mit Erfolg als Agitationemittel zur Wahl nn- abhängiger Demokralen verwenden, so befindet er sich in einem amüsanten Jrrthnm. Es kann der Sozialdemokratie gar nichts daran liegen, mit dazu beizutragen, daß das deutsche Parlament um eine aussichtslose Zwergpartei bereichert wird, hinter der niemand als ein paar jener sogenannten Ideologen stehen würden, die meist nur deshalb Ideologen sind, weil sie keine Kourage haben, es ganz mit dem arbeitenden Volke zu halten, aber sich doch gern in dem Ruhm sonnen möchten,„Kämpfer für die Volksrechte" zu sein. WaS wir sagten, bezog sich auf wirklich demokratische Strömungen im Bürgerthum, die, wenn sie vorhanden wären, uns natürlich veranlassen könnten, zu ganz bestimmten Zwecken neben ihnen zu marschiren. Diese Strömungen sind aber nicht da, denn einer und einige sind keine Strömungen, und daS Bürgerthum Deutschlands wird es unserer Ueberzeugung nach zu einer wirklich demokratischen Regung anch nicht mehr bringen, seitdem es in der Hetzjagd nach dem rothe» rollenden Golde all seine früheren Ideale weggeworfen hat. Was heute im Bürgerthum wirklich demokratisch ist, das muß sich der Sozialdemokratie anschließen, wenn es sich mit mehr als mit bloßen Phrasen und winzigen Thatcn an der Herbei führung besserer Gesellschaftsverhällnisse detheiligen will. Die Sozialdemokratie von Reust j. L. hält Sonntag, den 30. April, im Gasthaus zum Martinsgrund in Pöppeln- Gera einen Parteitag ab, dessen vorläufige Tagesordnung wie folgt lautet: l. Bericht der Vertrauensperson von Gera. 2. Bericht des Agitationskomitees. Referent: W. L e v c n. 3. Die Parteipresse, a) Geschäftsbericht; b) Bericht der Preß- kommission. 4. Stellungnahme zur event. Reichstagswahl und Aufstellung des Kandidaten. Referent: H. Rödiger. 5. Der internationale Arbeiterkongreß in Zürich. 0. Anträge. Das offizielle Eraebnist der Mannheimer Ge- werbegerichts-Wayl stellt sich wie folgt: In der Klasse c Unternehmer wurden 102 sozialdemokratische und 854 nicht zialdemokratische Stimmen abgegeben, in der Klasse der Arbeiter 90 sozialdemokratische jund 1275 nichtsozialdemokratische. Auch iiber die theoretische Bedentnng der elsaß- lothringischen Ausnahmegesetze darf in den Reichs- liberal gesinnten Mannesseele hinweghilft. Und doch— wie bald muß der Würfel fallen! Mit Pomp und Emphase verkünden alle Anhänger der Militärvorlage, daß sie einer Auflösung des Reichstages mit Ruhe entgegensehen. Und diesen heroischen Todesmuth versteht man eben nur, wenn man an mannhaft veranlagte Kinder denkt, die im Dunklen singen, um sich über die blasse Furcht hinweg zu philosophiren. Der Kosak und der Turko, die nian ins Treffen führte, haben einfach versagt— einmal kann jeder betrogen werden, wem es zweimal passirt, der verdient eine solche Unthat. Schließlich wird jeder, der sich viel mit Mogelei beschäftigt, ein betrogener Betrüger, und iver dann den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen. Auch dieser kommt dann ganz ohne unser Gebet wie aller Segen von oben, und das Triumphiren ist eine ganz angenehme Sache, wenn es nur nicht zu frühzeitig geschieht. Die Klänge der Osterglocken sind längst verrauscht, und schon lange fluthet das Leben in seinen gewöhnlichen Wellen- schlügen dahin. Die Antisemiten haben erheblich an Jnter- esse verloren, seitdem Herr Stöcker Miene macht, sich seit- wärts in die Büsche zu schagcn, denn der Radau-Antisemi- tismus war bekanntlich niemals seine Sache. Die Zeiten werden nicht allzufern sein, wo sich jeder der Führer seine eigene Partei bildet, und dann wird nichts übrig bleiben, als daß Herr Böckel wieder an Ahlwardt's zottige Männer- brüst zurücksinkt. Es giebt augenblicklich keinen Dritten, der sich über die Streitenden freut, wenn man vielleicht von einigen jüdischen Mitbürgern absehen will, und um diesen eine harmlose Freude zu bereiten, werden sich doch die bc- währtesten Stützen von Thron und Altar nicht in die Haare gerathen. Es liegt also dringend im Interesse der guten Sache, daß Friede geblasen wird, und wenn die Herren auf einige minderiverlhige persönliche Eigenschaften nicht so sehr achten, so werden sie auch einen gemeinschaftlichen Boden äuden, aus welchem sie sich vertragen können. So groß vunen eben nach unserer unmaßgeblichen Meinung die Differenzpunkte gar nicht sein: wenn der Eine etwas suleot landen nicht öffentlich debattirt werden. Eine für Mül- Hausen angemeldet gewesene Volksversammlnug, in welcher der Parteigenosse Bueb darüber sprechen sollte, ist vom Bezirkspräsidium verboten worden. Natürlich ohne Angabe von Gründen. »» Die Sozialdemokratie LLestböhmciiS hielt am 2. und 3. April in A s ch eine Landeskonferenz ab, die von ca. 60 Dele- girten besucht war. Der Situationsbericht ergab in bezug auf die sozialdemokratische Bewegung ein günstiges, in bezug auf die wirthschaftliche Lage der Arbeiter ein schlechtes Resultat. Das Parteiorgan„Volksmacht" hat eine Auflage von 2000 Exemplaren; finanziell steht das Blatt wegen der vielen Restanten nicht günstig. Die Konferenz wählte einen Landesausschuß sür Westböhmen, der in Eger seinen Sitz hat und mit der Leitung der Agitation beauftragt ist, und beschloß, daß das Agitationsgebiet bis Ko- motau und Pilsen reicht. Hinsichtlich der Maiseier wurde be- stimmt, daß diese unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse abzuhalten sei. Endlich beschloß man noch, daß von den Ein- nahmen der Partei 50 pCt. der Lokal- und je 25 pCt. der. Landes- und Reichsorganisation zufallen. *« Fortschritte der Arbeiterbewegung ii: Oesterreich. In der Zeit vom 1. bis 31. März sind folgende neue Organi- sationen gegründet worden: In Wien: Arbeiter- und Arbeiterinnen-Bildungsverein„Wahrheil" in der Kolonie Kaiser- wühlen. In Böhmen: Fachverein der Töpfer in Aussig; Fachverband der Drechsler für das Königreich Böhmen in Boden- bach; Politischer Verein„Freiheit" in Eger; Arbeiter-Bildungs- verein„Kotva" in Meziwosti nächst Sobieslau; Allgemeine Arbeiter- Spar- und Vorschnßkasse in Neundorf; Arbeiter- Bildungsverein in Ncuenteich; Arbeiter-Lese- und Bildungsverein in Wschechlab. In M ä h r e»: Unterstützungs- und Fortbildungs- verein der Kupferschmiede sür Mähren in Brünn; Fachverein der Textilarbeiter in Ehlend bei Oskau. In Vorarlberg: Politischer Verein für Vorarlberg in Bregenz. Bei den Delegirtcnwahlen zur BezirkSkrankeukasse in Eger in Böhmen wurden die sozialdemokratischen Kandidaten mit 225 von 251 überhaupt abgegebenen Stimmen gewählt. Immer vorwärts! In Trieft am Adriatischen Meere fand am 9. April eine von sozialdemokratischer Seite einberufene Volksversammlung statt, die von zirka 1000 Personen besucht war. Genosse Ucekar sprach in italienischer und Genosse Zadnik iu deutscher und slovenischer Sprache über die Lage der Arbeiter und über die Maifeier. Die Aufforderung, den Weltfeicrtag der Arbeit gleichfalls zu begehen, wurde von der Versammlung enthusiastisch aufgenommen. »» Todteuliste der Partei.'In Rückersdorf(Böhmen) wurde am 7. April er. der Parteigenosse Franz Menzel be- erdigt.— In H a r t h a i. S. ist der Parteigenosse S o m in e r- l a t t e aus dem Leben geschieden; in B r e s l a u der Partei- genösse Johann Franke. *« Polizeiliches, Gerichtliches je, — Merkwürdig hohe Geldstrafen sind gegen die „ H alber städterSonntags-Zeitung" ausgesprochen ivorden. Redakteur Martin halle in einem Artikel die That- fache besprochen, daß Butter derVogelsdorfer Molkerei beschlagnahnit ivorden war. Es kam darüber zum Prozeß. In diesem bekundete, wie das genannte Blatt mittheilt, der Polizei- Inspektor Friedrichs, er habe von der Marktfrau Weguer Butter gekauft, die den Stempel der Molkerei Bogelsdorf getragen habe. Da diese Butter ihm sehr schlecht vorgekommen sei, habe er sie dem Apotheker Gindler zur Untersuchung gebracht. Gindler be- kündete, er habe diese Butter untersucht und gefunden, daß sie aus reinem Margarine bestanden habe. Die drei Vorstände der Molkerei hatten damals beschworen, solche Verfälschungen seien ihnen nicht bekannt, die Einrichtuiigen seien auch derartige, daß niemand ein Interesse daran haben könne, Butter zu fälschen. In der That hat eine spätere Untersuchung größerer Quantitäten der Vogetsdorser Butter nichts Verdächtiges zu Tage gefördert. Im vorigen Termin hatte deshalb der Staatsanwalt 4 Wochen Gefängniß beantragt, das Gericht hatte aber gegen Martin die Verhandlung vertagt, um noch die Frau Wegner zu vernehmen. In dem neuen Termine wiederHollen nun die Zeugen ihre frühere Aussage, Frau Wegner aber beschwor, sie habe die an den Inspektor Friedrich verkaufte Butter stets in Oriainalkisten der Vogelsdorfer Molkerei von einem Handelsmann Kassebaum bezogen, der, wie die Vorstände der Molkerei angeben, von ihnen regelmäßig kauft. Der Staatsanwalt hielt sich unter diesen Um- und der Andere sich etwas abhandeln läßt, so findet man ohne Frage Anknüpfungspunkte in Hülle und Fülle, und die Höhe des Eintrittspreises zu antisemitischen Schaustellungen allein kann doch auf die Daner kein Trennungs- mittel für sonst gleichgestimmte Seelen sein. Also wenn irgendwo, wird hier die Zeit ihren lindernden Einfluß geltend machen und in diesem Augenblick wird es heißen: „Zittere, Israel!" Als ein merkwürdiges Zeichen der Zeit muß es ferner betrachtet werden, daß die alten Mauern des Domes den verheerenden Wirkungen des Dynamits so lange und so erfolgreich Widerstand leisteten. Das Sümmchen, um welches es sich beim Neubau handelte, war schneller bewilligt, als man das alte Gemäuer in Trümmer legen konnte, und zu der ersteren That hatte man nicht einmal einen Pionier-Hauptmann nöthig. Man sieht, daß es manchmal sehr schwer ist, altes Gerümpel wegzuschaffen, schwieriger bisweilen, als Neueinrichtungen zu treffen. Die Stätte, an welcher einst Herr Stöcker einer andächtig lauschenden Menge sein Evangelium der Liebe verkündete, steht heute nicht mehr— sie ist vom Erdboden weggefegt, er selbst auch nur noch eine geborstene Säule, die über Nacht stürzen kann. So spielt sich für gewöhnlich das bürgerliche Leben in auf und niedergehenden Pendelschlägen ab. Jeder weiß, nach Einführung der mitteleuropäischen Zeit, was die Glocke ge- chlagen hat und die Nationalliberalen bereiten Großes vor. Die nächsten Tage bringen uns vielleicht bedeutende Ueber- raschungen, nur prophezeien soll man nicht, weil man als Hellseher nur allzu leicht der Mißstimmung aller Zeit- zenossen ausgesetzt ist. Aber einen guten Rath darf man 'chon ertbeilen, ohne aufdringlich zu erscheinen, und der be- teht darin, daß man vielen unserer Mitbürger nicht dringend genug ans Herz legen kann, daß sie sich rechtzeitig mit Kämmen verschen, weil sie ohne Frage einer lausigen Zeit entgegengehen.... ständen mehr an die Form der vom Angeklagten gebrauchten Zlcußerungen und erkannte im übrigen an, daß dieser b e r e ch< tigteJntercssenzuverlreten beabsichtigt habe Cr beantragte deshalb nur 30 Mark Geldstrafe.- Der Ver- t heidiger, Rechtsamvalt Heine-Berlin, beantragte Freisprechung, weil es doch feststehe, daß die Fälschung begangen sei, und weil man, wie die Cache nun liege, von der Vogelsdorfer Molkerei den Beweis ihrer Unschuld erfordern müßte Das Halberstädter Gericht aber verurtheilte den An- geklagten zu IVUtt Mark Geld st rase oder zu 1 Tag Gesäi gniß für je 10 Mark, weil er zum Schluß seines Artikels das Sprichwort von den groben Spitzbuben gebraucht hatte. Das Gericht erklärte es für völlig erwiese», daß die Fälschung nicht bei der Molkerei Bogelsdorf vorgekommen sei, und be- gründete das hohe Strafmaß mit der großen„Frivolität" des Angetlagte». Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren wegen der Butterfälschung eingestellt, so daß der wirkliche Fälscher frei ausgehen wird. Ein ähnliche Wendung nahm ein anderer Veleidigungsprozeß gegen die„Sonntags-Zeilung". Es handelte sich um eine Be- leidigung des P a st o r s Tiling(ehemals in Leopoldshall). Marlin gab zu, daß der Kläger ein Mann sei, dem man keine Veruntreuung zur Last legen könne, er bedauerte, daß der Artikel, den er von einem sonst vertrauenswürdigen Berichterstatter er- halten hatte, in die„S.-Ztg." gelangt sei. Er habe jedoch nicht behauptet, daß Unterschlagungen stattgefunden hätten, sondern nur, daß derartige Gerüchte in Umlauf gewesen sind. Er habe sich redlich bcmüht.nachdem er von der Unwahrheit der Gerüchteüberzeugt war, diese ans der Welt zu schaffen, indem er Herrn Tiling privatim und öffentlich Gcnugthuung gab. Der Staatsanwalt gab zu, daß Marlin in gutem Glanben gehandelt, und daß er alles gcthan, um die verletzte Ehre des Klägers wieder her- zustellen; in anbelracht der Schwere der Beleidigung jedoch be- antrage er eine Geldstrafe von 300 M. Rechtsanwalt Heine hielt das Strafmaß für zu hoch gegriffen. Man müsse überzeugt sein, daß von dem Redakteur einer Zeitung' etwas nicht aus bösem Willen behauptet werde, und sich den richtigen Begriff von der Thätigkeit eines Zeitungsredakteurs machen. Durch die gebrachte Ehrenerklärung könne seiner Meinung nach Herr Pastor Tiling die Sache als gesühnt ansehen, daß er darauf den Straf- antrag nicht zurückgezogen, möge er mit seinem eigenen Gewissen abmachen. Der Gerichtshof erachtete den Angeklagten für schuldig und erkannte diesmal auf eine Geldstrafe von KOO M. eventuell 1 Tag Gesängniß auf je 15 M. In der Urth»ilsbcgründung wurde ausgeführt, daß die gebrachte Ehrenerklärung theilweise schnöden Inhalts sei u. f. w. Gegen beide Urtheile wird Re- vision eingelegt. — Wegen Beleidigung des Magdeburger Oberbürger- meisters Bölticher wurde der Redakteur der dortigen„Volks- st i m ni c", Genosse Beer, zu 6 Monaten Gesängniß verurtheilt, die Mitangeklagten Triebe und Schmidt zu S Monaten, und(letzterer) zu 0 Monaten l Woche Zusahstrafe. Der Vor- sitzende sagte bei der Urlheilsverkündigung:„Die„Volksstimme" befleißige sich, in den unteren Volksschichten Klassenhaß zu er- regen. Die Angeklagten mußten sich der schweren Beleidigung bewußt sein, und daher sei eine harte Strafe angebracht"' Der inkriminirte Passus war vom Angeklagten Triebe in einer Ver- sammlung ausgesprochen worden. Der vernommene Oberbürger- mcister deponirte unter Eid, daß er niemals die Aeußerung ge- than habe: die Arbeitslosen mögen stehlen gehen oder sich aufhängen. Beer hatte im Berichte über diese Versammlung 2 Fragezeichen hinter jene Aeußerung Triebe'S gemacht und be- rief sich darauf in der Verhandlung. Außerdem war auch eine Berichtigung des Oberbürgermeisters ausgenommen worden. Gegen das Urlheil wird Revision eingelegt. Uolrciles. A» die Parteigenossen BerliuS. Am Montag den 1. Mai von Nachmittag 4 Uhr an findet die sozialdemokratische Maifeier, bestehend in Konzert, Vorträgen, lebenden Bildern, sowie in Festversammlnugen welche um 4 Uhr beginnen und auf die Bedeutung des Tages Bezug nehmen, in allen l> Wahlkreisen Berlins, mit Ausnahme des ö. Kreises statt, in welchem nur eine Versammlung in Aussicht genommen ist. linterzeichnete machen die Parteigenossen darauf aufmerksam, daß in diesem Jahre die Billets nur für die Lokale und Kreise Gültigkeit haben, für welche dieselben gelöst sind. Ganz besonders wird darauf hingewiesen, daß sämmtliche Festtheilnehmer, die vorzüg- l i ch ausgestattete Maifestzeitung am Eingang d e r L o kale n a ch Bo rzei gu n g des Billets gratis erhalten. Die Vertrauenspersonen: I. A. Zubeil. „Der Tourist", Berliner Landpartie- und Arbeiter-Verkehrs- Zeitung, ist heute in der ersten Nummer erschienen. Dem Blatte ilt eine Karte der Umgebung Berlins, mit Berücksichtigung des Zonentarifs und der Abgrenzung der Berlin umschließenden Wahlkreise beigegeben. Das Blatt ist als Wegweiser für die Ar- beirer bei Landausflügen, insbesondere auch bei Agitationslouren bestimnit. Die vorliegende Nummer enthält außer einem Auf- satze„Enipfehlensiverthe Touren in die Umgebung Berlins" eine Anzahl populärer Artikel, von denen wir„Etwas über Lungen- krankheit und deren Behandlung", über„Zweckmäßigkeitstheorien", „Soziale Revolution auf dem Lande" hervorheben. Das Partei- Programm und die Arbeiter-Marscillaise sind gleichfalls abgedruckt. Der Inhalt ist sehr reichhaltig, und ivenn auch nicht alles in Prosa wie in Versen vollwerchig ist. so läßt sich doch diese Erst- lingsnummer als ziemlich gelungener Versuch zur Herstellung eines zweckentsprechenden Blattes bezeichnen. Gebildete Leute. An einem der letzten Abende wollte der Student v. K. auf dem Potsdamer Platze einen nach der Wald- straße fahrenden Pferde- Eisenbahnwagen besteigen und gerieth dabei mit einem älteren Herrn, der von ihm auf die Füße ge- treten sein wollte, in Streit, v. K. stieg wieder ab, wurde nun aber von seinem Widersacher verfolgt und erhielt von ihm eine schallende Ohrfeige. Als er sich nun zur Wehre setzte, begann eine regelrechte Mensur auf Stöcke, bei der der„alte Herr" mit einem gut sitzenden Schmiß blutig abgeführt wurde. Als v. K. sich nun au den Schutzmann 1008 um Feststellung seines Gegners wandte, suchte dieser sich dadurch aus der Schlinge zu ziehen, daß auch er die Festnahme v. K.'s, der ihn angefallen habe, bei dem Beamten beantragte. Verschiedene Zeugen aber, die dem Zivei- kämpfe beigewohnt hatten, unter ihnen auch mehrere in der Nähe haltende Droschkenkutscher, legten Zeuaniß fiir den Studenten ab und bezeichneten den alten Herrn als das Karnickel, das an- gesangen hatte. Diesem wurde demgemäß eine zweite Absuhr zu Theil— durch den Schutzmann nach der Polizeiwache. In Schlächterkreisen erregt das spurlose Verschwinden des Schlächtermeisters Pingel aus Rummelsburg Aufsehen. Derselbe begab sich am vergangenen Mittivoch vom Zentral-Biehhof nach seiner Wohnung, ist daselbst jedoch nicht angelangt, und seitdem fehlt jede Nachricht über seinen Verbleib. Pingel lebte in sehr geordneten Verhältnissen, und auch seinen Einkauf, den er auf dem Viehhof besorgte, soll er sofort beglichen haben. Alle Nachforschungen der Polizei habeu zu keinem Resultat geführt, und es ist die Annahme berechtigt, daß an Pingel ein Verbrechen verübt worden ist. Ter Verschwundene hat eine Frau und vier Kinder. In einer schrecklichen Verfassung fand sich gestern Nach- mittag um L'/e Uhr der Schlächtergeselle Ferdinand K e r r n i s im Charitee-Kra�keiibause em, um Unterkommen, zu fuchen. Er gab an, daß er sich auf der Wanderschaft befinde und am Donnerstag Abend über Weißensee seinen Weg nach Berlin genommen habe. Etwa auf der Hälfte der Strecke seien ihm auf der Königschaussee um St/e Uhr Abends zwei fremde Männer entgegentreten, die ihn zweifellos in der Absicht, um Händel anzufangen, angerannt hätten. Er habe sich dagegen mit Worten ausgelehnt; hieraus hätten die unbekannten Strolche Veranlassung genommen, über ihn Herzufallen und ihn mit Messern zn bearbeiten. Ucber den weiteren Verlauf des Vorganges könne er keine Schilderung geben, da er in Bewußtlosigkeit verfallen sei. Ms er wieder zu sich gekonimen war, habe er gefühlt, daß er am Unterleibe schwer verletzt worden sei und bei näherem Nachsehen bemerkt, daß die Gedärme herausgetreten waren. Die Hände an den Leib gedrückt, habe er sich zunächst bis an die Krautstraße geschleppt und sei hier von einem Schuster Karmann für die Nacht aufgenommen und gepflegt worden. Nachdem er mangels der nöthigen Mittel bis zum nächsten Miltage ohne ärztliche tilfe gewesen sei, habe er sich ausgemacht und rrotz der grausigen erwundung tn derselben Weise, wie am Abend vorher, das Krankenhaus erreicht. Die sofort vorgenommene ärztliche Unter suchung ergab, daß Kerrnis eine Menge Messerstiche in den Unterleib erhalten hat, und daß ihm schließlich der Leib durch einen langen Schnitt aufgeschlitzt wurde. Wie es möglich ge- wesen ist, daß der Verwundete mit den fürchterlichen Verletzungen die weiten Strecken zu Fuß hat zurücklegen können, rief die be- sondere Verwunderung der Aerzte hervor. Daß es sich um einen Ueberfall in räuberischer Absichl gehandelt haben könne, erscheint nach den Angaben Kerrnis' völlig ausgeschlossen, wie auch fest- steht, daß er sich die Verletzungen selbst nickt beigebracht hat. Edlere Theile scheinen die Unholde mit den Messer» nicht ge- troffen zu ha>-en, und es ist daher Hoffnung vorhanden, daß der Verletzte am Leben erhalten bleiben wird. Die nenaufgckegte Zprozeiitigc Neichsankeihe ist bereits einen Tag nach der so pompösen Ueberzeichnung unter den Emisflonskurs gewichen. Das ist den echten Patrioten sehr fatal, und die„Norddeutsche Allg. Ztg." sucht bereits nach dem Sündenbock. Sie meint, das Zeichnungssystem sei ein falsches. denn die Banken bestreben fich mit einem möglichst hohen Zeichnungsbetrag zu paradiren und diese Sucht, vor dem Neben- buhlcr zu glänzen, führe zn Scheinzeichnungen. Sehr richtig Die ganze 4sache Ueberzeichnung war Mumpitz. Aber ein neues System, wie es die„Nordd. Allg. Ztg." wünscht, würde es auch nicht thun. Deutschland als kapitalnrmcs Land kann nicht jedes Jahr 3 bis 400 Millionen für patriotische Militärpapiere auf bringen, wie Frankreich vermag. Das ist des Räthsels Lösung für den Mißerfolg der deutschen Pumpversuche, und jedes System muß hieran scheitern. Zu zwei weiteren Verhaftungen haben die Veruntreuungen des Rendanten Buchert in Weißensee geführt. Am gestrigen Freitag Vormittag ist der Vorsitzende der dortigen Orts- Krankenkasse, der Nestaurateur und ffrühere Schmiedemeister Gustav Bensch und ferner der Kassenbote Kürbis aus Requisition der Staatsanwallschast des Landgerichts ll verhaftet worden. Die Verhaftung des Bensch erfolgte, weil er— wie es in dem Hastbefehl heißt— dem Defraudanten Buchert„mit Rath und Thal" zur Seite gestanden hat. Auch Bensch hat die schivergeschädigte Orts-Krankenkasse gleich seinem Freunde Buchert bestohlen; als unbesoldeter Beamter liquidirte der Herr Vor- sitzende— so wird uns aus Weißensee berichtet— als Unkosten beispielsweise für„Abnutzung der Treppenstufen, Abnutzung des Bureaus, für Reinigung der Treppen" der Kasse erhebliche Summen, die natürlich von dem Rendanten Buchert bereitwilligst gezahlt wurden. Die Berhastnng des Kaffendicners der Kranken- fasse Kürbis ist wegen einer Unterschlagung erfolgt, die sich der- selbe vor drei Jahren zu Schulden hatte komme» lassen. K. hatte damals eine einkassirte Summe von 400 Mark angeblich ver- loren und dann den„wilden Mann" gespielt, indem er sich das Leben zn nehmen versuchte: Bensch und Buchert aber hallen die Angelegenheit vertuscht und Buchert das Geld ersetzt, welches er allerdings der Kasse stahl. Nun ist die Affäre herausgekommen und Kürbis verhaftet worden. Sparsamkeit iu der Krankeilbehaudlung. Ein Mitglied der Krankenkasse der Bildhauer und Sluckateure meldete sich bei einem der Kasse angehörigen Arzte krank. Dem Patienten wurde eine stündlich einzunehmende Medizin verschrieben. Als jedoch der Patient sagte, daß er Mitglied der oben genannten Kasse 'ei, nahm ihm der Arzt das Rezept mit dem Bemerken wieder fort: warunl haben Sie das nicht gleich gesagt? und verschrieb ihm ein Pulver. Jedenfalls war die Medizin für einen Patienten der Orts-Krankenkasse zu gut. Der jugendliche Raubmörder Schmidt, welcher kürzlich wegen Ermordung der Schmiedegesellenfrau Leschonskl und deren Kindes zu 15 Jahren Gefäugniß venurtheilt worden ist, wurde am Sonnabend Vormittag 11 Uhr mit dem grünen Wagen in Gemeinschaft mit anderen Gefangenen nach dem Zentralgefängniß am Plötzensee überführt, wo derselbe bis aus weiteres zunächst im Maskenflügel seine Strafe verbüßen soll. Von einem Eisenbahnzuae überfahre» wurde vorgestern die sechzehn Jahre alte Tochter Margarethe des Stationsasststenten Schmidt zu Fredersdorf bei Berlin in Gegenwart ihres gerade ini Dienste befindlichen Vaters. Das junge Mädchen pflegt Nach- mittags auf der Eisenbahn nach Berlin zu kommen, um Hand- arbeils-Unterricht wahrnehmen zu können. Vorestern Nachmittag hatte sie sich etwas verspätet und sprang auf das Triltbrett des 'ich bereits in Bewegung fetzenden Zuges. Sie glitt ab und fiel o unglücklich, daß ihr linker Arm unter die Räder gerieth und lernuilmt wurde. Sie wurde noch mittels desselben Zuges durch zen Vater in ein Krankenhaus gebracht, wo der Arm sofort abgenommen werden mußte. Infolge Ueberfahrcns durch eine Droschke gestorben ist gestern die Kausniannssrau Elise Ochs, Bärwaldstr. 9. Vor einigen Tagen wurde sie in der Wckmsstrabe beim Ueberschrciten des Fahrdammcs von einer Droschke gefaßt und innerlich so 'chwer verletzt, daß ärztliche Hilfe sie nicht mehr retten konnte. Marktpreise in Verlin am 14. April, nach Erwitte- lungen des Polizeipräsidiums. Weizen per Ivo Kg. guter von 16,00— 15,60 M., mittlerer von 15,50—15,20 M.. geringer von 15,10— 14,80 M. Roggen per 100 Kg. guter von 13,50— 13.20 M., mittlerer von 13,10—12,90 M., geringerer von 12,80—12,60 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,50—16,30 M., mittlere von 16,20—15,10 M., geringe von 15,00—13,80 M. Hafer per 100 Kg. guter von 15,90—15,40 M., mittlerer von 15,30—14,90 M, geringer vo» 14,80—14,40 M.Stroh, Richt- per 100 Kg. von 5,00 ins 4,50 M. Heu per 100 Kilogr. von 7,20—5,20 M. Erbsen, gelbe zum Koche» per 100 Kg. von 40,00—24,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 6,00— 4,00 M. Rind- Irisch von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Banchfleisch per 1 Kg. von 1,30—1,00 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,50—1,20 M. Kalofleisch per 1 Kg. von 1,60—0,80 M. Hammel- leisch per 1 Kg. von 1,50—0,90 M. Butter per 1 Kg. von 2,80 bis l,80 M. Eier per 60 Slück von 4,00—2,40 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 3,00—1,40 M. Zander von 2,40—1,00 M. Hechte von 1,30—1,00 M. Barsche von 1,60—0,70 M. Schleie von 2,40—1,00 M. Bleie von 1,40 bis 0,60 M. Krebse per 60 Stück von 12,00—3,00 M. Polizeibericht. Am 14. d. M. Morgens fiel ein Arbeiter vor dem Hause Simeonstr. 17 von einem mit Dünger beladene» Wagen, gerieth unter die Räder und erlitt so schwere Verletzungen an beiden Füßen, daß er nach dem Krankenhause Moabit ge- bracht werden mußte.— Vor dem Hause Blumenstr. 13 wurde Vormittags eine Frau durch einen Bäckerwagen überfahren und erlitt einen Bruch des Oberschenkels. Sie wurde nach dem Krankenhanse am Friedrichshain gebracht.— Nachmittags gerieth ein zehnjähriger Knabe vor dem Hause Elisabethstr. 17 unter die Räder eines Schlächterwagens und erlitt bedeutende Quetschungen der Oberschenkel.— In der Nacht zum 15. d. M. sprang ein Kellner an der Waldemar-Brücke in den Luisenstädtischen Kanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach den» Krankenhanse Bethanien gebracht.— Im Laufe des Tages fanden sechs Brände statt. Gevickks-Ieikttttg: Der Redakteur der„Preußischen Lehrer-Zeitung", früherer Lehrer Karl Laarke aus Spandau, hatte sich heute noch einmal wegen Beleidigung des Kreis-Schulinspektors Bandlke im Nieder- barnimer Kreise vor der zweilen Strafkammer am Landgericht II. zu verantworten, nachdem derselbe zu Anfang Dezember v. I. wegen desselben Deliks zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt worden war. Das Kammergericht hatte auf die Revision des Ver- urtheilten das erste Urtheil aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückveryriesen. In der Nr. 11 des vorigen Jahrganzes vom 15. Januar erschien eine Korre- spondenz aus Lichtenberg- Friedrichsberg, in welcher angegeben wurde, daß der ans der Provinz Posen nach hier versetzte 5(reis- Schnlinspektor Bandtke in einem Falle gesagt habe, bisher seien die Lehrer nur mit Geißeln gezüchtigt worden, in Zukunft wurden sie mit Skorpionen gezüchtigt werden; er, der Kreis- Schulinspektor, habe bei Gelegenheit einer Examination über Lehrerbestrebiingen zur Verbesserung ihrer Lage einen im Felde zum Krüppel geschossenen Lehrer eine Stande lang stehen lassen; er, der Kreisschulinspektor habe ge- sagt, er werde die Lehrer so zahm machen, es sie so fühlen lassen, wie in Posen; und endlich wurde gesagt, daß der Kreis- schnlinspektor die Autorität der Lehrer untergrabe. Die erneute Beweisaufnahme exkulpirte den Angeklagten nur in einem Falle, in den weiteren Fällen war der Wahrheilsbeweis nicht aus- reichend, das erste Urtheil wurde daher nur dahin abgeändert, daß die Strafe von 100 auf 60 M. herabgesetzt wurde. Der Chemiker Dr. Hans Vrackebusch hat gelegentlich eines Termines mit dem Vorsitzenden, dem Landgerichtsdirektor Zinimermann, einen Streit gehabt, der zunächst zu einer Zivil- klage wegen Beleidigung, dann aber noch zu einem Strafverfahren führte, welches gegen Dr. Brackebusch anhängig gemacht worden ist. Landgerichtsdirektor Zimmermann erhielt bald nach dem im Gerichlssaale stattgehabten Streit einen Brief beleidigenden Inhalt? ohne Unterschrift. Dr. Brackebusch wird der Verfasserschaft dieses Schriftstücks beschuldigt. Gestern sollte die Sache vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I verhandelt werden, der Angeklagte war aber nicht erschienen, sondern hatte aus Braunschweig in letzter Stunde ein Telegramm geschickt. Der Gerichtshof hielt die Eni- schuldigung um so weniger für stichhaltig, da bereits ein früherer Termin wegen Ausbleibens des Angeklagten hatte vertagt werden müssen, es wurde deshalb beschlossen, ihn verhaften zu lassen. Wenn es sich um die Gutachten von Schreibsach- verständige» bei der Entscheidung von Kriminalfällen handelt, da werden die an der Rechtsprechung betheiligten Faktoren jetzt immer sehr skeptisch. Eine nicht sehr große Hochachtung vor den Leistungen der Schreibsachverständigen legte derNechtsanwalt Morris in einer Anklagesache an den Tag, welche vor der 7. Strafkammer verhandelt wurde. Der Angeklagte, ein bis da- hin unbescholtener Mann, welchem durch seine Arbeitgeber die besten Zeugnisse ausgestellt wurden, stand unter der Anklage einer recht psifsig ausgeführten Urkundenfälschung. Er wurde wesentlich nur durch den Schreibsachverständigen belastet, welcher in der inkriminirte» Urkunde verschiedene charak- teristische Schriftzüge feststellte, welche sich auch in der Schrift des Angeklagten vorfanden. Der Schreibsach- verständige erklärte mit positiver Bestimmtheit, daß der Angeklagte der Schreiber der betreffenden Urkunde sei. Rechts- anivalt Morris erklärte dem gegenüber, daß nach den in neuerer Zeit erschrecklich zahlreichen Fällen, in denen sich Schreib- achverständige glänzend geirrt, er auf dem Standpunkte stehe, daß auf diese Gutachten überhaupt nichts zu geben sei und wenn dieselben auch noch bestimmter ausfielen, als sie auszufallen pflegen. Die Schreibsachverständigen suchen immer mit Vorliebe einige Aehnlichleiten in den zn vergleichenden Schriststücken heraus und lassen die dazwischen liegenden vielen Unähnlichkeiten ganz unberücksichtigt. Da in unseren Volksschulen das Schreiben nach derselben Methode gelehrt werde und gleiche Jahr- gänge der Volksschüler zweifellos dieselbe Federführung und Buchstabenform lernen, so liege doch nichts näher, als daß un- gezählte Personen viele Buchstaben in übereinstimmender Form chreiben. Einigermaßen zutreffende Gutachten würden sich immer nur aus grund umfangreicherer Schriftproben anstellen lassen und wenn Schriftstücke von der Hand des Angeklagten vorliegen, die derselbe nicht zum Zwecke der Schriftenvergleichung angefertigt hat.— Der Gerichlshos schloß sich diesen Aus- ührungen wenigstens insoweit an, als er die Belastung lediglich durch einen Schreibsachverständigen nicht für ausreichend hielt und deshalb den Angeklagten freisprach. Ein Extrablatt-Schwiudcl beschäftigte gestern die 131. Aß« theilung des Schöffengerichts. Am Abend des 31. Januar wurde in den Straßen Berlins ein Extrablatt ausgerufen, in welchem ein des Morgens angeblich stattgehabtes Atlentat auf den rufst- che» Kaiser berichtet wurde. Die ganze Nachricht war aus der Luft gegriffen. Das Gericht verurtheilte den Handelsmann Hebel, den Unternehmer des Flugblatts, wegen Betruges zu 9 Monaten Gesängniß und wegen unbefugten Handelns mit Druckschriften zu 48 M. Geldstrafe, den Drucker des Blatte?, Druckereibesitzer Dittbrenner, wegen Beihilfe zum Betrug: zu 300 M. Geldstrafe und wegen Uebertretung des Preßgesetzcs zu 20 M., die Handelsleute P o l st e r und Günther wegen des Handelsbetriebes ohne Gewerbeschein und durch überlautes Ausrufen der Flugblätter verübten groben Unfugs zu je 53 M. und den Handelsmann Günther wegen der letztgenannten Uebertretung zu 10 M. Geldstrafe. In der Verhandlung wurde hervorgehoben, daß das schivindelhafte Flugblatt sogar diplo- matische Verhandlungen zur Folge gehabt. VevmtMzres: Bei einem nächtlichen Schadenfeuer in Calmbach im württembergischen Schwarzwald sprang der Mechaniker Haus- mann nach dem oberen Stockwerk, um vier daselbst schlafende Kinder zu retten, und fand mit drei Kindern in den Flammen einen Tod. Das vierte Kind sprang aus dem Fenster hinaus, ?lieb an demselben hänge» und wurde schwer verletzt. In Elbingerode rst das Zerkleinerungswerk der dortigen Pulverfabrik explodirt. Ein Arbeiter Namens Th. Grosse befand sich gerade im inneren Räume mit Zerkleinerung von Palronen beschäftigt; er wurde, schrecklich verstümmelt, unter den Trümmern hervorgeholt und verstarb auf dem Transporte nach dem Krankenhause. Tie übliche„grosse Seusatiou" ruft in Hamburg die in Altona stattgefundene Verhaftung des Direktors eines Detektiv-Büreaus namens Robert Swiateck hervor. Swiateck war Herausgeber der Zeitung„Detektiv". Ter Verhaftete soll 'ein Organ zu Erpressnngszwecken benutzt haben. Außerdem soll w sich ebenso wie acht mit ihm verhaftete Personen grobe Kautionsschwindeleien zu schulden haben kommen lassen. Ncchtöauwalt Hehder in Metz wurde vom Schöffengericht Saarbrücken wegen widerrechtlichen Eindringens in ein öffent- liches verschlossenes Bureau des Landgerichts in Saarbrücken zu vier Tagen Gefängniß verurtheilt. In Zweibrncken erschlug der Gefangene Meyer den A u s s e h e r Wehrfritz, von welchem er bei dem Versuche, aus- zubrechen, überrascht worden war. Ei» schwerer Unglücksfall ereignete sich in Augsburg im Hofraum des Schreinermeisters Bauer. Man war nack) der „Pf. Pr." mit dem Aufziehen von schweren Brettern beschästigt, wobei zwei etwa 14- bis löjtihrige Knaben behilflich waren. Als man mit der Arbeit fertig war, hängten sich die beiden Knaben an das Aufzugseil und liehen sich in die Höhe ziehen. In der Höhe des dritten Stockwerkes angekommen, stürzten beide herab. Einer brach die Beine und erlitt erhebliche innere Verletzungen, der andere Bein- und Armbrüche und ebenfalls schwere innere Verletzungen. Grosifeuer. In Veszprim(Ungarn) sind 141 Häuser durch eine F e u e rs b r u n st eingeäschert worden, 2 Personen verbrannten. Annähernd tausend Personen wurden obdachlos. Ter materielle Schaden belauft sich auf eine halbe Million Gulden. Das Ende der„nobel» Passion". In Toulon er- schoß sich der Rentier Dauvergne, einer der reichsten Männer der Stadt, nach der Rückkehr aus Monte Carlo. Er war ein eifriger Besucher Monte Carlos, wo er in den letzten drei Jahren 2 Millionen Franks verloren hat. Räch einem Telegramm der„Times" aus Sansibar sind dort Briefe von Tippo Tip's Sohn eingetroffen, welche den in einem Kampfe erfolgten Tod Em in Pascha's und seiner Leute bestätigen. Die Ortschaft Nagt)- Scalaucz bei Kaschau steht in Flammen. Die Ortschaft Zomba im Tolnaer Comitat ist voll- ständig niedergebrannt, öl Häuser sammt Nebengebäuden sind eingeäschert. Spverfzfiasl� Di! Nedaklion stellt die Benutzung des SvrechsaalK, soweit der Raum dafür abzugeben ist. dem Vublilum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; sie wahrt sich aber gleichzettig dagegen, mit dem Inhalt desselben tdentifizirt zu werden. Auf die Mittheilung der Lohnkommission der Töpfer in Nr. 87 erwidern wir, daß wir unseren Lohntarif bei Herrn Töpfermeister Speck voll und ganz bezahlt bekommen. Größere Arbeiten werden nach Vereinbarung fertig gestellt. Sämmtliche am Bau des Herrn Speck arbeitende Töpfer. Depelclicn. /sUhr, im Lokale des Herrn Schulz, Prenzlauerstr. 41: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Re- gelang des Unterstutzungsfonds. 3. Ge- werkschastliche Neuorganisation. 3320b Die Lohnkommissio». Bereiv kr Aml-Meitcr Kretins«nd zlmgegrnd. Dienstag, den 18. April, Abends 8Vz Uhr, bei De igmüller. Alte Jakobstr. 43»: Tagesordnung: Ctilerül-Versiiiilülliiilg 1. Kassenbericht vom 1. Quartal. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitiinirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 333bb Der Vorstand. Pitastwlt i if.Ä"eSS, * Auskunft/ Granienstr. 61, kostenfrei. Jam Moritzplatz Heim*. Meyer, Tischlermeister, Nauntzustr. 3, empfiehlt seine selbstgefertigren Möbel aller Art. Groffes Lager.* Fabrikpreise. Pfandleihe G. Meyer. Wiener- straße l/6, verk. Kleidungsstücke, gold. und silb. Uhren billig. 3054b* Pfandleihe Zossenerftr. 35. s31L6b' Freunde und Genossen! 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I0S/14 Der Vorstand. Drts-Krankenkasse der Maler. Einladung der Delegirten zur ordentlichen General-Uersammlnng Donnerstag, den 20. April, Abends pünktlich 8 Uhr, in» lokale des Herrn Deigmüller, Alte Jakobslr. 48 a« 3348b Tages- Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung. 2. Ersahwahl eines Vorstands- Mitgliedes(3lrbeitnehmer). 3. Wahl eines Bilreaubeamten. 4. Freie Aerzte- wayl. 5. Erhöhung der Beiträge. 6. Anträge des Vorstandes. 7. Ver- schirdenes. Der Vorstand. I Putzer(imirfk). Montag, den 17. April, Nachm. 6 Uhr, bei Rennefahrt, Dennewitzstr. 13: Große öffentliche Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen F. Inbeil, über: Der Schrecken der Bourgeoisie. 2. Der erste Mai. 3. Gewerkschaftliches. 244/15* Um zahlreichen Besuch ersucht Der V«riraue»«man»r. Deutschei« Tischler- Verband. Zahlstelle Krrlin. VerfÄnrnrlung Horden, Niedding«. Hloadit, Montag, de» 17. April, Abends 8>/e Uhr» bei Geissler, Tegelrrstr. 55—50. Tages- Ordnung: Vortrag des Kollegen B. S ch m i d t über: Warum sind die Arbeiter nnitihrer Lage unzufrieden? Diskussion, Verbandsangelegen- heiten. Verschiedenes. 313/18� Die Grisnermaltung. Geschäftsdiener, Packer._ Große Versammlung im Norden am Dienstag, den 18. April, Ab. 9 Uhr, bei Keller, Bergstr. 68, vord. Saal Vortrag und Diskussion. 3lufnahme von Mitgliedern. 173/12 Oer Einberufer, Achtung! Schönebergs Achtung! Große öffentliche Uersammlnng iles Arbeiter-Bilijüiigsvereiits für Wueberg villi llmgegenii am Montag, den 17. April, Abends 3 Uhr, in der Schloß-Brauerei. I. Vortrag. Um recht zahlreiches Tages-Ordnung: 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. -'~ Erb....... rscheinen bittet 108/6 Der Vorstand. Ginladung. Die Herren Delegirten, Arbeitgeber und Mitglieder der Orts-Krankenkasse der Weber und verwandten Gewerbe werden hierdurch zu einer ordentlichen GeneralversamnBlung auf Sonntap, den 23. April 1893, Vormittags 10 Uhr, in Joel'« oberen Saal, Andreasstraße 2l, ergebenst eingeladen. Tages-Ordnung: I. Vorlage der Jahresrechnung pro 1892. 2. Bericht der Revisoren und 3lntrag auf Ertheilung der Decharge. 3. Wahl eines Kassenführers und dessen Stellvertreter. 4. Wahl eines Vorstandsmitgliedes nach§ 37 des Statuts pro 1893. 5. Anträge des Vorstandes, betreffend Z öS des Statuts, Ziffer 9 und 10. 6. Verschiedenes. 3341b Der Vorstand. P. S t e m m l e r, Vors. H. K r e u e r, Schriftf. Freie Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker IS v M i n s und Umgegend. _ Dienstag» den 18. April: DM" Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen S ch o n e r t über Arbeitsnachweis. 2. Kassen- bericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Neuwahl des gesanimten Vorstandes. ö. Antrag des Kollegen Krüger. 6. Beschlußfassung über das Stiftungsfest. 393/1 Der Vorlland. ! �(irldpofiuiiiett villi Gevchev m Rixdorf. Montag, de« 17. April 1893, Abends 8 Uhr, Gruße Deutliche Älks-Drslliiimlllüg im Lokale des Kerrn Hiesegk, Kergstraße Dr. 129. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Jgnatz Auer. 2. Diskussion. 8. Stellungnahme zur Maifeier und Wahl eines Festkomitees. 4. Verschiedenes.— Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert, daß alle Frauen und Männer hiesigen Orts in dieser Versammlung erscheinen. 342/10 Di» Uertranensperso«: Hobert Köppen. Große sozialdemokr. Versammlung des 4. Berliner Reichstags-Wahlkreises am Dienstag, den 18. April 189», Abends 8 Nhr, in den Äonkordia-�eftsälen, Andreasstr. 94. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Situation. Referent: Reichstags- Abgeordneter Paul Singer. 2. Diskussion. 3. Wahl von 3 Delegirten für den Parteitag der Provinz Brandenburg. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Beleiben. Zahlreiches Erscheinen nothwendig. 349/5" Di« Vertrauensperronen. War 3. Wahlkreis.-M» Stjj. VttMinlNg Pllrteigevchev und-Genossinnen am Donnerstag, he» 29. April d. I., Abends 8 Uhr, im Saale von Buggeuhagen am MoritzplaN. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die politische Lage". Referent Stadtv. Vagtherr. 2. Diskussion. 3. Vorschläge event. Ausstellung eines Reichstags-Kansidaten. 4. Wahl von Delegirten zur Parteikonferenz für die Provinz Brandenburg. 5. Verschiedenes.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 347/5" Die Vertrauensperson. Achtung! Achtung! Am Montag, den 17. April, Abends 8 Uhr, in der Bork-Branerei, Tcmpelhofer Berg: Gr. Uotksversammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Frau Makler aus Hamburg über: „Die wirthschaftliche und gesellschaftliche Stellung der Frau". 2. Diskussion. Die nächste Versammlung, worin Frau Kahler spricht, findet am Dienstag, den 18. d. M. in der„Konen-Brauerei", Alr-Moabit 47—49, statt. Zu zahlreichem Besuch, besonders der Frauen, ladet ein 156/16 vis krauen Kzitatlonsleommissioll. Verein zur Regelung der gewerbl. Verhältnisse der Töpfer Berlins und Umgegend. Dienstag» den 18. April, Abends 9 Uhr, in Dhilipp'» Salon, Uosenthaierstraste 98: Vsrl'anrntlnng. Tages-Ordnung: Der Stand unseres partiellen Streiks und weitere Stellungnahme hierm. 324/4* Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen. Oer Vorstand. Alßtititg! Mckkurbdtcr. Wung! Große öffentliche Versammlung aller ln der lkl.eiallindnstrle besobätt. Arbeiter Herlins Dienstag, den 18. April, Abends SVa Uhr» im Lokal des Herrn Bolh, Alte Jakobstr. 73(mit. Saal). Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu dem Submisfionswesen des Magistrats und welche Forderungen stellen wir dazu? Referent Kollege Hörsten. 2. Diskussion. 3. Bericht der Streik-Kontrollkommission. 4. Verschiedenes. 232/6 _ Der Vertrauensmann. DV Bei der Wichtigkeit der vorstehenden Tagesordnung, vor allem für die Klempner, Rohrleger, Schlosser, Armaturcn-Arbeiter, Feilenhauer:c. werden die Kollegen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. > m ! Filzschuharheiter« Alhtvng! DK" Verews-Uersammlmtg Montag, den 17. Apri 1 1833, Abends SVeUhr, in Seefeldt's Saal, Greuadierstraße 33. Tages-Ordnung: 155/15 VierteljahrS-Bericht. Vortrag des Genossen Türk. Diskussion. Ab- rechnung vom Stislungssest. Bericht der Arbeitsnachweis- Kommission. Ver- schiedenes. Der Vorstand. OettenNicIie Versammlung für Frauen nud Männer am Sonntag» den 16. April, in Uorbert'» Saal, Keuthstraffe 22. Letzter Vortrag und Lichtbilder des Herrn Stüve aus Hamburg, über: Hamburg zur Cholerazeit 1892. 3370d Anfang ö Nhr. Entrce 10 Pf. Der Einberufer. illgem. deutscher Tapezirer-Yerein (Filiale Berlin). Am Montag, de» 17. April, Abends 8'� Uhr, im Lokal des Herrn Boltz, Alte Jakobstr. 73: Gener al-Vers am ni!ungs Tages-Ordnung: 1. Vierteljahresbericht. 2. Gewerkschaftliches. Referent Herr Feder. 3. Diskusston und Fragekasten. 3349b Die Grtsnerwaltung. MZ. Die rückständigen Mitglieder werden ersucht, zu erscheinen. ichtung, Bilderrahmenmacher! Erste Ueremsuersammlung r" am Dienstag, den 18. April, Abends 8'/, Uhr,'HW bei Herrn Ralow. Prinzenstraße 106. Um zahlreiches Erscheinen aller Kollegen wird gebeten. 8331b Der Vorstand. I. A.: Edm. Bendt, Schriftführer. Orts- Krankenkasse der Buchbinder zc. General-Versammlung HW am Montag, de» 2i. April 189B, Abend» 8 Uhr,*01 in Werner's Salon, Oranienstr. 170, Tages-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Rechnungslegung und Decharge-Er- theilung des Rendanten. 3. Wahl zweier Hilfsschreiber. 4. Verschiedene Kassen- Angelegenheiten.— Sämmtliche Vertreter werden hierdurch eingeladen. 119/9 D. Hoffmann, Vorsitzender, Naunynstr. 38. Freie VereichW Ü. ltnissm- imii Zml-Zchtteitier Berlitts. Grosse Versammlung am Monlag, Abends SV» Uhr, bei Uorbert. Beuthstraße 2?. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Pinn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. 237/17 Der Vorstand. Vereitl saimtl. Arbeiter ttüb Arbeitermetl ber WW- Nb KrüNttenbriliilhe Verlitts. Nersammlung am Dienstag. 18. April, Ab. 8>/s Uhr, bei Seefeld, Grenadierstr. 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Julius Türk: „Der Kampf gegen das Verbrechen." 2. Diskussion. 334/3 3. Vierteljahres-Bericht. 4. Gewerkschaftliches. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen bittet Der Vorstand. Der Kassirer U. Gjust wohnt jetzt Alte Schönhauserstr. 50. Krankenkasse der Weber- nnd Wirker-Innung. Montag, 17. April er. im Meisterhause, Webersir. 17: General-V ersammlung. Tages-Ordnung: 1. Wahl für die drei durch Amts- daner ausscheidenden Vorstandsmit- glieder, die Herren Jnttler, Pech u. Zick. 2. Beschlujzfassung über die in§ 26a Absatz II Ziffer 2a, des Krankenversicherungs-Gesetzes in der Fassung vom 14. April 1392 erlassenen Bestimmungen. 3342b Der Vorstand. Vlibttil Iretscher Ksrdmchn. (Filiale Kerlin.)(194/14 Montag, den 17. April, Abends 3 Uhr, bei UoU, Adalbertstr. 21: Versammlung. W-KrtlnkeMe ber Tlbilhüllllbtt z« Berlitt. Montag, den 24. April, Abds. 7V2 Uhr, findet b. Boltz, Alle Jakobstr. 75, eine eusserorä. Generalversammlung der Vertreter nach KZ 43 u. 49 des Statuts statt. Tagesordnung: I.Statutenänderung der KS 12, 16n. 17 des Statuts, Berathung und Beschluß- fassung über dieselben. 2. Besprechung über die freie Aerztewahl. Die Ver- treterkarte dient als Legitimation. Der Vorstand. 3330b I. A.: H. P lad eck. Vorfitzender. Orts-Krankenkasse d. Steindrucker n. Lithographen Montag, den 24. April, Abds. 8 Uhr, Sophienstr. 15: Generalversammlung der Herren Vertreter der Arbeitgeber und der kiassenniitglieder. Tagesord- nung: I. Kassenbericht pro 1892. 2. Er- aänznngsivahl für den Vorstand. 3. Be- schlnßfassung über§ 56, Ziffer 1, Abs. 9 u. 10 des Statuts. 4. Verschiedenes. Nachdem: Generalversammlung der Jnvaliden-Unterstützungs- Kasse. Tagesordnung: 1. Kassen- bericht pro 1392. 2. Verschiedenes. Anträge:c. sind bis zum 22. April an den Unterzeichneten einzusenden. M. S t u h I m a n n, Vorsitzender, Ii, Kastanien-Allee 22.[33486 I Adjltiitg! Kürschner! Montag, den 17. April, Abends 3>/s Uhr, findet im Saale der Bötzow- scheu Brauerei, Prenzlauer Allee 242, eine große öffentliche Versammlung aller in der Pelz- und Mätzendranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt. 190/10 Tages-Ordnung: 1. Die Verkündigung des Resultats der Abstimmung über Stuck- oder Wochenlohn. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Die Lohukommissio». Verband der in HolzbearbeitungS- Fabriken und auf Holzplätzen besch. Arbeiter'.und Arbeiterinnen Deutschlands, Orts-Verwaltung Berlin II., Nord. Dienstag, den 18. April, Abends SVe Uhr, Bergstr. 12: Mitglitder-Äersilmliülg Tages-Ordnnng: !. Bericht von der General-Ver- sannnlung. 2. Abrechnung. 3. An- träge. 4. Bericht über die Thätigkeit des Vorstands und Rechtsschutz und Arbeits-Kommission und Neuwahl der Verwaltung. 5. Verbandsangelegenheiten und Fragekasten. Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen erwünscht 174/9 Der Vorstand. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vomiirts" Berliner VolkMatt. Ar. 89. Sonntag, den 16. April 1893. 19. Jahrg. März. I. Be- 10. 11 13. « 15. 16. 17. 18. * » 20. Unterm neuen Kurs. Frankfurt a. M. 13 Genossen von der Anklage der Veranstaltung eines öffentlichen Aufzugs freigesprochen. Dortmund. Bergmann Kruse wegen Streikaufforderung (s 110) 3 Monate. Bergmann Altendahl aus Wattenscheid wegen des gleichen Vergehens 4 Mo- nate Gefängniß. Elmshorn. Genosse Evers und Hildebrandt, wegen Flugblattvertheilung vom Schöffengericht mit 20� Marl Geldstrafe belegt, vom Landgericht freigesprochen. Essen. Wegen Streikaufsorderung(Z 110) Bergarbeiter B a l l m a n n ein Jahr, K a y s e r 4 Monate, K ö et l e r 1 Monat Gefängniß. Wiesbaden. Schneider Warschko, in zwei Instanzen wegen Uebertrctung des Vereinsgesetzes zu 15 M. Geld- strafe verurtheilt, jetzt freigesprochen. Kassel. Ter Vorsitzende der„Freien Volksbühne" von der Antlage der Vereinsgesctz-Uebertretung sreigesproch.n. Gera. Genosse Leven, Redakteur der„Reuß. Trib.", wegen Bürgermeister- Beleidigung 20 M. Geldstrafe. In einer zweiten Klage Freisprechung. Elberfeld. Genosse Kunkel in Solingen wegen jchimpsung der christlichen Kirche 14 Tage Gefängniß. Stettin. Genosse B e t h g e aus Bredow wegen< darmeubeleidigung 20 M. Geldstrafe. Erfurt. Genosse Hülle, Redakteur der„Thür. Trib.", wegen Pastorbeleidigung 150 M. Geldstrafe. Hörde. Bergmann Steffen von der Anklage der Vereinsgcsetz-llebertretung freigesprochen. Trebbin. 5 Vorstandsmitglieder des Arbeiter- Bildungs- Vereins sowie der Lokalwirth wegen Abhaltung eines Vergnügens ohne Polizei-Erlaubniß je 10 M. Geldstrafe. Chemnitz. Berginvalide B l i e tz in Lugau wegen Ueber- iretung des Vereinsgesetzes(er hatte in der Annonce den Beginn auf eine halbe Stunde früher angesetzt als in der polizeiliche» Anmeldung) auch in zweiter Instanz 30 M. Geldstrafe. Mannheim. Genosse Fenz, Redakteur der„Volks- stimme", wegen Fabrikdirektor- Beleidigung 100 M. Geld- strafe. Schöffengerichts-Urtheil 20 M. Erfurt. Genosse Hülle, Redakteur der„Thür. Trüb.", wegen Beleidigung eines zu den„Frommen" bekehrten Schusters 1 Woche Gefängniß. Guben. Genosse Schulz von der Anklage unerlaubter Schristenverbreitung freigesprochen. Dortmund. Bergmann T h i e m a n n aus Barop wegen Bedrohung arbeitswilliger Bergleute 3 Monate Gefängniß; Bergmann M. aus Hombruch 3 Wochen Gesängniß. Essen. Wegen Belästigung nichtstreikender Bergleute wurden 4 Bergleute aus Rotthausen freigesprochen, ein fünfter erhielt 1 Monat Gefängniß; wegen Streikausforde- rung(Z 110) ein Bergmann aus Lehmkuhl 1 Monat, ein Bergmann aus Gelsenkirchen 6 Wochen Gefängniß. Bremen. Genosse Gottlieb, Redalteur der„Bürgtr- Zeitung", wegen Beleidigung der Armenbehörde 5 Wochen Gefängniß. EiSlebcu. Im Eislebener Prozeß Genosse Franke V Monate, Genosse Wolf 14 Tage Gesängniß, Genosse Krüger und Ritter freigesprochen. Qffenburg. Genosse Z i e l o w s k i, Redakteur des „Volksfreunds", wegen Beleidigung von drei Heidelberger Stadträthen(Aktienbrauerei-Aussichtsräthen) 150 Mark Geldstrafe. Neuttkirche». Wegen„Landfriedensbruchs"(durch Be- fchimpfung und Steinwersen aus»ichlstrcikende Bergleute) zwei Bergarbeiter-Franen je 9, eine dritte 4 Monate Gesängniß. Saarbrücken. Bergarbeiter Warken wegen Beleidigung der Bergbehörden 3 Monate Gefängniß. Bergmann F r o h m a n n aus Bucheuschachcn wegen des gleichen Vergehens 3 Monate Gefängniß. Waren i. Mecklenbg. Wegen Theilnahme an einer ge- schlossenen Versannnlung 31 Genossen je 2, drei je 10 M. Geldstrafe. Breslau. Genosse Friedrich, Jiedakteur der„Volks- wacht", wegen Offiziersbeleidigung(Reißer Vorgänge) 2 Monate Gefängniß. Essen. Wegen Streikaufreizung(§ 110) durch ei» Flugblatt M a r g g r a f, Redakteur der„Bergarbeiter-Zeilung", 6 Monate, Verbands-Vorsitzender Schröder 4 Monate und Redakteur Schlicke 2 Monate Gefängniß. Druckerei- besitzer Werdelmami, Kassier Meyer, Schriftsetzer Adams und Dammeier und Maschinenmeister Copalle frei- gesprochen. S t a a t s a n w a l ts antrage: Gegen Marg- gras 18 Monate, Schröder 1» Monate, Meyer 15 Monate, Schlicke 9 Monate, Werdelmann 4 Monate, Adams 1 Monat, Dammeier 3 Monate, Copalle 1 Mouat Gefängniß. Essen. Bergarbeiter Dieckmann nach zweimonatiger Uniersuchungshaft von der Anklage der Majestäls- beleidignng freigesprochen. Elberfeld. Genosse Gewehr, Redakteur der„Fr. Pr." wegen Polizeibeleidigung 100 M. Geldstrafe. Ztvickan. Genosse T r o p n i tz, Redakteur des„Sächsischen Volks-Ztg." wegen Beleidigung 4 Monate Gefängniß. Würzen. Genosse Dieh l, Redakteur der„Würz. Ztg.", wegen Stadlrathsbeleidigung 200 M. Geldstrafe. Chemnitz. Genosse Fröhlich, Redakteur der„Volks- stimme" in Burgstädt wegen Beleidigung 1 Jahr 4 Monate Gefängniß; Genosse Grünberg 100 M. Geldstrafe. Dortmund. Die Bergarbeiter Fliege und Marre wegen Nöthignng je 2 Monate Gefängniß, zwei weiter angeklagte Bergleute freigesprochen. Dortmund. Drei Bergleute aus Frohlinde von der An- klage der Streikaufreizung und Bedrohung freigesprochen. Mannheim. Genosse Fenz. Redakteur der„Volksftimme", wegen Werkmeister-Beleidigung 4 Wochen Gefängniß. Giistrow. Wegen Theilnahme an einer geschlossenen Ver- fammlung wurden von 55 angeklagten Genossen 14 zu Geld- strafen von 3—25 M. verurtheilt. Dresden. Genosse Wetzl er, Redakteur der„Sächs. Arbeiter-Zeitung", wegen unerlaubter Geldsammlung (Sreikunterstützungs-Aufrus) 30 M. Geldstrafe. Bayreuth. Genosse Straub, Redakteur der„Bam- berger Volks-Zeitung", wegen Beamtenbeleidigung 5 Tage Gefängniß. Mainz. Wegen Ausreizung in einer Arbeitslosen- Ver- sammlung die„Anarchisten" Friedrich Orterer 1 Jahr 1 Monat 3 Wochen, Joseph Orterer 1 Jahr 6 Monat, Zahn 7 Monate Gefängniß. Breslau. Genosse Thiel, Redakteur der„Volks- wacht", von der Anklage der Schutzmanns- Beleidiguna freigesprochen. März. 21. Würzen. Genosse D i ehl, Redakteur der„Wurzener Zeitung", wegen Beleidigung städtischer Beamten 16 Tage Gefängniß. 22. Oldenburg. Genosse Diermann wegen unerlaubter Schristenverbreitung 10 M. Geldbuße. „ Bielefeld. Genosse S i g g e l k o w, Redakteur der„Volks- rvacht", wegen Gemeindevorsteher-Beleidigung 1 Monat Ge- sängniß. Staatsanwaltsantrag 50 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Genosse Stengels, Redakteur des„Echo", wegen Post-Stephan-Belcidigung 1 Monat Gesängniß und 300 M. Geldstrafe. „ Bochum. Wegen Streikaufreizung(§ 110) Bergmann Astet aus Bruch und Honnsfeld aus Itecklinghausen je 3 Monate Gefängniß. Wegen Bedrohung Bergmann R ost er k aus Langendreer 2 Monate Gesängniß. 23. Kirchlinde. Bergmann Könen 3 Wochen Gefängniß wegen Bedrohung Nichtstreikender. „ Dortmund. Bergmann Michalski wegen Nöthignng 3 Monate Gefängniß. „ Bruch. Wegen Streikaufreizung(§ 110) Bergmann Freyer 3 Monate Gefängniß. „ Essen. Wegen Nüthigung Bergmann Mühle nbeck 3 Tage Gefängniß. „ Stendal. Genosse Schulz wegen Polizeibeleidigung 2 Monate Gefängniß. „ Dortmund. Genosse H e n b e l wegen indirekter Streik- Aufforderung 2 Monate Gefängniß. Genosse Nüchtern freigesprochen und ebenso Genosse Voigt von der Anklage der Verächtlichmachung von Staatseinrich- tupgen.— Genosse D i e v e r i ch, Redakteur der„Arbeiter- Zeitung", wegen Polizei- Inspektor- Beleidigung 2 Monate Gesängniß.— Genosse Block, Redakteur der Arbeitcr-Zeitung", wegen Polizeibeleidigung 100 M. Geldstrafe. 23. Thnrna». Genosse Panzer aus Sanspareil, wegen un- erlaubter Schristenverbreitung init 2 Polizeimandaten zu je 6 M. belegt, vom Schöffengericht freigesprochen. 24. Dresden. Genosse W c tz k e r, Redakteur der Arbeiter- Zeitung", wegen groben Unfugs(respektwidrige Sonntags- plauderet über die Geburt eines sächsischen Prinzen) 1 Monat Gefängniß. 25. Breslau. Genosse Friedrich, Redakteur der„Volks- wacht", wegen Beleidigung des Neisser Magistrats 100 M. Geldstrafe. 27. Glogau. Genosse Theiß, Redakteur des„Bruder Schmied" in Hamburg, wegen Offiziersbeleidigung 100 M. Geldstrafe. 28. Mülhausen i. E. Wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtnngen(durch Besprechung der Annexion Elsaß- Lothringens) Genossen V u e b und Martin je 1 Monat Gefängniß, wegen diverser anderer Preßvergehen Genosse Martin, Redakteur der„Volks-Zeitung", 3 Monate Gesängniß. „ Benthe«. Wegen Aufreizung erhielten die Genossen Andrzejewski 8 Monate(Staatsanwaltsantrag Ä4 Monate) T h i e l 4 Wochen(18 Monate), G o l i- brocki 14 Tage(18 Monate), Neumann 14 Tage (18 Monate) Gesängniß, P a w u k e freigesprochen (v Monate). Die Verurtheilten saßen zum Theil seit August v. I. in Untersuchungshaft!! „ Erfurt. Genosse Hülle, Redakteur der„Thür. Trib.", wegen Majestätsbeleidigung 200 M. Geldstrafe. Genosse Gülden berg wegen Amtsvorstehcr-Beleibigung 100 M. Geldstrafe. „ Dortmund. Genosse Dückershoff von der groben Uufugsanklage freigesprochen. 29. Apolda. Genosse B audert, Redakteur der„Freien Presse", von der Anklage der Aufreizung freigesprochen. „ Erfurt. Genosse G ü l d e n b e r g, gicdakteur der„Th. Trib.", wegen groben Unfugs(durch die Behauptung, die kaiserlichen Prinzen und die Enkel Bismarck'» seien nicht geimpft) 30 M. Geldstrafe. „ Berlin. Wegen Aufreizung Schuhmacher Seidenberg 60 M. Geldstrafe. Schuhmacher Menzel freigesprochen. „ Elberfeld. Genosse L i n x w e i l e r, Redakteur der „Fr. Pr.", wegen Bürgermeister- Beleidigung 100 M. Geldstrafe. 30. Elberfeld. Genosse Huih, Redakteur der Solinger „Arbeiterstimme", wegen Beleidigung des Brcslauer Land- gerichlsdireklors 300 M. Geldstrafe. „ Frankfurt a. M. Neun Genossen wegen unerlaubter Schriftenvertheilung je 5 M. Geldstrafe. , Dortmund. Genosse S ch ö n w a l d wegen„indirekter" Streikausreizung 4 Monate Gefängniß. Jnsgesammt im Monat März: 16 Jahre 4 Monate 19 Tage(darunter aus Anlaß des Bergarbeiterstreiks 7 Jahre 11 Monate 23 Tage Gcfäugnist) und 2667 Mark Geldstrafe. Der Partcivorstand. Soziale Llebeelichk. An die Arbeiter Berlins! Genossen! Ihr wißt, daß die Schneider Berlins sich in einein Streik befinden, der durch die überaus schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse in dieser Branche hervorgerufen wurde. Bekannt ist Ench auch, daß trotz des Vorherrschens der Hausindustrie in der Schneiderei der größte Theil sämmtlicher Firmen die Forderungen der Schneider bewilligt hat. Be- merkenswerth ist jedoch, daß gerade ein Theil derjenigen Firmen, welche sich in Inseraten und Reklamezetteln als Arbeiter- Bazare u. f. w. empfehlen, die Forderungen einfach ablehnen oder Ausflüchte machen. Um die Stellung der Berliner Arbeiter diesen Geschäften gegenüber nun in Zukunft zu bestimmen, findet heute, Sonntag, Vormittags lO�/z Uhr, im Feenpalast eine große öffentliche Volksversammlung statt, welche sich mit dieser Frage befassen wird. Erscheint deshalb recht zahlreich und helft Euren Arbeits- brüdern den Sieg zu einem vollständigen machen. Der geschäftsführende Ausschuß der Berliner Streik-Kontrollkom Mission. Im Auftrage: Hermann Faber. 80., Grünauerstr. 6, H. park. Rufruf an alle Gewerkschaften Deutschlands. Arbeiter aller Branchen! Der leider so unglücklich verlaufene Streik im Saarrevier hat uns noch immer ca. 2999 Opfer hinter- lassen. Die Roth unter diesen Kämpfern für die gerechte Sache ist groß, denn wohin sie k o in m e n, um Arbeit z u suchen, werden sie abgewiesen. Staats- und Privatarbeit ist ihnen verschlossen und so muß die Roth mit jedem Tage größer werde». Arbeiter! Sorget nun Ihr, ein jeder so viel in seinen Kräften steht, dafür, daß wenigstens die schwerste Roth von ihnen abgewendet wird, beweiset hier Eure Solidarität und lasset sie nicht untergehen. Zeigt ihnen, was die Arbeiter- schast vermag. Arbeiter! Sehet nicht auf die Allgemeinheit, die den Berg- arbeitet allerdings in kein gutes Licht stellt. Denkt an das Elend der Abgelegten und beweist Eure Bruderliebe. Viel Wenig giebt auch Viel. Gleichzeitig sprechen wir allen denen, die bisher Gaben eingesandt, unseren herzlichsten Dank aus im Namen der Ab« gelegten. Das Komitee; gez. Ludwig Anschütz. Bildstock bei Saarbrücken. Die arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck dieses Aufrufs freundlichst gebeten. Achtung Gewerkschaften! Alle diejenigen, welche noch Sammellisten für die gemäß» regelten Pferdebahnbedien st eten in Händen haben, werden ersucht bis spätestens 1. Mai d. I. diefellA» an H. Faber, 80. Grünauerstr. 6, Hof parterre links, abzuliefern. Außerdem wird hierdurch nochmals aufgefordert, die Berg- arbeitet- und G e w e r b e g e r i ch t s- S a in m e l l i st e n an nachstehende Genossen umgehend abzuliefern, andernfalls haben sich die Inhaber der Listen etwaige Unannehmlichkeiten selbst zuzuschreiben. Listen und darauf gesammelte Gelder werden an- genommen bei R. Millarg, Tischler, Lehrterstr. 22, v. 2 Tr.; A. Körsten, Former, Skalitzerstr. 63/64; Ä. Massini, Buch- drucket, Vellealliancestr. 66; B. Jost, Buchbinder, Greifswalder- straße 68, v. 1 Tr.; G. Busse, Lederzurichter. Sophienstr. 23; O. V ö l k e l, Hutmacher, Pappel-Allee 3/4; H. Faber, Goldarbeiter, Grünauerstr. 6, Hof part. Der g e s ch ä f t s f ü h r e n d e Ausschuß der Berliner Streik-Kontrollkom Mission. Achtung, Genossin«««! In Berücksichtigung der 4 großen Versammlungen, welche für diese Woche von der Frauen-Agitationskommission einberufen sind, tagt die Wanderversammlung„des Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins des arbeitenden Volkes für Berlin und Um- gegend" statt am Mittwoch, den 19. d. M., erst am Mittwoch, den 26. d. M. Näheres wird durch Annonce bekannt gemacht. Der Vorstand. Achtung, Metallarbeiter! Bezugnehmend auf die Bekanntmachung der Uebergangs« bestimmungen für die Mitglieder des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend zum Deutschen Metallarbeiter- Verband in der Freitagsnummer des „Vorwärts" und der Nr. 15 der„Deutschen Metallarbeiter- Zeitung" sehen wir uns veranlaßt, bekannt zu geben, daß Ueber- trittserklärungen zum Deutschen Metallarbeiter- Verband am Sonntag, den 16., und Sonntag, den 23. April, bei Schöning, Stallschreiberstr. 29, sowie bei Siegemund, Eisenbahnstr. 20, Morgens von 10—12 Uhr, bei letzterem auch in der Woche von 8—9 Uhr Abepds entgegengenommen werden. Für die örtliche Verwaltung: William Glück, Bevollmächtigter. Verband deutscher Schneider, Schneiderinnen und Bernfsgenossen. Kollegen und Kolleginnen! Die gegenwärtige Lohnbewegung hat uns allen bewiese», daß dem Unternehmerthum gegenüber nur durch einmüthiges und geschlossenes Vorgehen etwas erreicht werden kann; noch mehr aber wird es nothwendig sein, auch in Zukunft fest zusammenzuhalten, um das Errungene nicht zu ver- lieren. Um die Einmüthigkeit und das feste Zusammenhalten zu ermöglichen, ist der Eintritt in die Organisation nothwendig; denn jederzeit hat es sich nicht blos hierorts, sondern überall er« wiesen, daß der Einzelne machtlos ist, daß vielmehr das Unter- nehmerthum, sobald die große Anzahl der Arbeiter und Ar« beiterinnen zielbewußt auftritt, es nicht wagt, das Aeußerste an Lohndruckerei und rigoroser Behandlung uns zu bieten. Wohlan. Kollegen und Kolleginnen, zeigt den Unternehmern, daß Ihr nicht länger gewillt seid, der Spielbnll ihrer Laune zu sein, sondern daß auch Ihr über Eure Arbeitsverhältnisse mit- bestimme» wollt. Dieses könnt Ihr am besten dadurch beweisen, daß Ihr Ench alle Eurer Organisation, dem Verbände der Schneider, Schneiderinnen und Bernfsgenossen anschließt! Werdet Mitglieder, Gelegenheit ist Euch in allen Versammlungen, sowie in folgenden Zahlstellen gegeben: 1. Zentral-Arbeitsnachweis und Auskunftsbureau Schützen» straße 18/19(Rest. Freygang), wochentäglich 8—1 Uhr, außerdem Sonnabend Abend von 8Vs— 10 Uhr. 2, Grenadierstr. 33 bei Seefeldt Montag Abend S'/z— 10 Uhr. 3. Perlebergerstr. 28 bei Hernierschmidt Montag Abend 8V2— 10 Uhr. 4. Blumensir. 5 bei Behrendt Montag Abend O'/s— 10 Uhr. 5. Annenstr. 9 bei Protz Mittwoch Abend 8V2— 10 Uhr. Nochmals, tretet ein in die Organisation, stellt der Koalition der Arbeitgeber die Koalition des Proletariats entgegen! Gleichzeitig bemerken wir, daß einer Anzahl in den letzten Versammlungen neu aufgenommener Mitglieder iiifolge un- aeuauer Angaben die Mitgliedsbücher nicht zugestellt iverden konnten, wir ersuchen dieselben, die Bücher im Bureau, Schützen- straße 18/19, in Empfang zu nehmen. Die Bevollmächtigten. Achtung, Schuhmacher! Wir ersuchen die Kollegen Berlins, den Zuzug nach Rix« d 0 r f strengstens fernzuhalten, da die hiesigen Schuhmacher- gehilfen in einer Lohnbewegung stehen. Die Lohnkonnnission be- findet sich im Lokale Steinmetzstr. 16, Rixdorf, wo jede Auskunft ertheilt wird. Die Loh nkom Mission. I. A.: A. Hengst. Zum Brauerstreik in der Brauerei von C. W. Naumann in Leipzig ist zu berichten, daß die Firma sich bereit erklärt hat, mit den Streikenden zu unterhandeln.— Die Markt an> st ä d t e r Brauerei hat ihren Arbeitern s ä m m t l i ch« Forderungen bewilligt. Die deutschen Glasarbeiter werden vom Vorstand des dänischen Glasarbeiter- Verbandes ersucht, bis auf Weiteres jeden Zuzug nach Dänemark streng z u vermeide n. Einerseits haben die grüßten Aktiengesellschaften der Glasindustrie den Arbeitern eine zehnprozentige'Lohnherabsetzung angekündigt, andererseits beschloß der dänische Glasarbeiter-Ver- band die Einführung eines einheitlichen Lohntarifs. Wird dieser nicht angenommen, so soll die Arbeit eingestellt werden.— Der Ausstand der Glasarbeiter Helmstedts dauert fort. Die Bildhauer werden ersucht, bis auf Weiteres jeden Zuzug nach Aue i. S. zu vermeiden. Sie Töpfer werden in der Zeitschrist„Der Töpfer'' ersucht. Zuzug nach Neisse, Stettin(Werkstubenarbeiter), Berlin, Li l x d o r f und Köln zu vermeid�. In Hasse a. S. findet vom 19. bis 2t. Juni d. I. der achte Kongreß der Töpfer Deutschlands statt. WaS für itraiieiihafte Zustände in den deutschen Bergwerke n herrschen mögen, läßt sich aus folgender Satire ahne», die die„Deutsche Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" an- läßlich der im Juni in Gelscnkirchen statlfindenden Berg- Männischen Ausstellung veröffenilicht. Das Blatt schreibt: „Als Fachleute haben wir selbstredend ein„hohes" Interesse an derartigen moderne» Sachen und beabsichtigen deshalb, uns an dieser Ausstellung zu betheiligen, in der schmeichelhaften'Hoff- nnng, trotz der etwas späten Anmeldung doch noch willkommen zu sei»... Aber wir find immer vorfichtige Leute, es könnte sich der Fall denn doch ereignen, daß wir mit unser» hübschen sieben Sachen abgewiesen würden, deshalb wollen wir zunächst an dieser Stelle einige der allgemeinen Kenntniß unterbreiten. aä Abtheilung„Schacht- und Menschen- forder ung": 1. Einen saigeren Schacht 6 Zoll ans dem Lolh mit einer sog. Umschweißwcchsel; 2. darin einen 2 Etagen- Korb ohne Thüren mit 27 Mann bepackt. Auf dem Boden der unteren Etage der kopflose Rumpf eines Bergmannes. Der Schacht ist naß. da die Puinpe aus den undichten Stellen das Wasser in den Schacht gießt. acl Abtheilung„S tr e cke n f ö r d e r u n g": Eine ab- getriebene Schindmähre mit nur einem Auge, auf den Namen „Abdecker" hörend, vor einem Zuge mit 12 beladenen Förder- wagen herkeuchend. bei dem der letzte Wagen im Augenblicke gerade mit allen vier Rädern entgleist, in die Wasscrsaige rutscht und dabei ein Hangenholz umreißt, wodurch sofort ein Bruch von 3 Meter lang entsteht, welcher die Wasser- saige verstopft und so die ganze Strecke unter Wasser setzt. Da- neben ein mageres Pfcrdejüngelchen, 4>/s Fuß hoch, dem die Knie durch die Höschen gucken und der vom Bahnschlamm, den er zu durchwaten hat, bis oben an den Kragen der Jacke be- schmutzt ist; von demselben das hagere, blutlose Gesichtchen bis zur Unkennllichkeit tätowirt. nä Abtheilung„B r e m s b er g f ö r d er u n g": In einem krunimen Bremsberge ein schiefer Bremsbergkorb, der entgleist auf den Achsen liegt, ein paar Hölzer umgerissen hat, die mit Steinen aus dem Hangenden und den Stößen quer über dem Korbgestell und dem mit einem Rade noch auf dem entgleisten Korbe hängenden halbleer geschütteten Wagen liegen. Am Korbe fehlt ein Rad, die Achse desselben ist verbogen und die Klinke hängt nur noch an einer Stange, schief und verbogen in den Berg herunter. Eine selbstzusammengenagelte hölzerne Brems- scheide mit verkehrter polizeiwidriger Bremsvorrichtung auf halb- zerbrochenen gestempelten Stützen, die sich nach einem Stoße hindrücken; alles zusammengepackt in einer unventilirten, voll Rauch und Dunst steckenden Bremskammer. aäAbtheilung„Wasserha ltung": Eine undichte Pumpe, die das Wasser in den Förder- und Fahrschacht gießt, dabei ein Vorsumpf der oberen Sohle, der bei etwa flottem Gang der Pumpe das Wasser in den Schacht herunter fallen läßt. acl Abtheilung„M a s ch i n e r i e": Ein unter die Seil- scheide gezogener Korb voll Leuten, und ein unten auf der Sohle aufgestoßcner Korb, auf dem die unglückseligen Bergleute umher- liegen. Ein im Schachte bei zersplitterten Spurlaltcn und aus- gestoßenen Einstrichen festsitzender Korb, aus dem das Förderseil im verschlungenen Knäuel ausliegt. Unten ans der dritten Sohle müde, hungrige Bergleute, die auf die Seilfahrt warten. aä Abtheilung„Wetterführung": Eine Handwettermühle mit Lutten, zerrissene Wettertüchcr, sowie Wetterblendcn und eben solche Wetterverschläge mit schicsanhängenden Thüren. Ferner eine Wetterlampe, welche brennt, auch einige durch Wetter- explosion verbrannte und verstümmelte Leichname von Bergleuten, dazu einigt zerschlagene Strecken,(allerdings bildlich). Dazu eine Triebkraftmaschine, bei welcher durch den flotten Gang die Achsen heiß werden, die dann„gekühlt" werden müssen. Selbstverständlich können wir das hier Angeführte erklären, sind also wohl im stände, die großartige Ausstellung zu— ver- vollständigen." Es ist tief bedauerlich, daß der 9i e i ch s t a g nicht das Recht hat, ähnlich wie das englische Parlament, U n t e r s u ch u n g s- l o in m i s s i o n e n über derlei Dinge einzusetzen. VzvfmnmluttQzn. In einer öffentliche» Manrerversauuttlnng, welche am Donnerstag in R i x d o r f tagte, erstattete Fritz Schulz über die, wie bekannt, am 2. April abgehaltene Konferenz Bericht. Am Schluß seines Referats forderte Schulz die Anwesenden auf, sich der Zentralisation anzuschließen und für die weitere Entwicklung derselben mit ganzer Kraft zu agitiren. Der zweite Redner. Böttcher, trat gleichfalls für die ze»tralistische Organisation ein. worauf die Versammlung eine im Sinne der Redner gehaltene Resolution gegen eine Stimme annahm. Nachdem Rctzerau über die in der Provinz eingeleitete Agitation berichtet hatte und serner eine Auseinandersetzung zwischen Strumont und Jahnke erfolgt war, fand Schluß der Versammlung statt. Die Steinsetzer und deren Bcrufsgenossen hielten am Freitag eine öffentliche Versammlung ab. in welcher M i l l a r g über das Submissionswesen referirle. Der Redner schilderte aus- führlich, wie in den verschiedenen öffentlichen Verwaltungen sich die Unternehmer und Lieferanten unterbieten und dann durch Herabdrückung des Arbeitslohnes oder durch Bezug billiger Arbeitskräfte von auswärts die hiesigen steuerzahlenden Arbeiter auss tiefste schädigen. Millarg erklärte ferner die Forderungen der Streik-Kontrollkommission, welche dahin gehen, daß die Bauten, welche von den Steuern der Berliner Arbeiter errichtet werden, auch von diesen und zwar zu ausreichenden Löhnen her- gestellt werden sollen. In der Diskussion machten verschiedene Redner interessante Mitthcilungen über die Blüthen des Submissionswesens im Steinsetzcr-Gewerbe. Von einer Seite wurde zunächst bemerkt, daß trotz dem Versprechen des Ober- bürgermeisters Zelle, daß Steinsetzer- Arbeiten sobald es die Witterung erlanbe, in hinreichendem Ümfange, in Angriff genommen werden sollten, von den ca. 600 Steinsetzern Berlins zur Zeit nur SV Arbeit haben. Der Redner führte dann einzelne Beispiele von ganz erstaunlichen Unterbietungen aus der letzten Zeit an. die allerdings erklärlich würden, wenn man bedenke, daß eine der betreffenden Firmen mit 12 Gesellen und 44 Lehrlingen arbeite. Ein anderer Redner hob hervor, welche Betrügereien bei den Submissionsarbeiten sich herausgebildet haben. Fast ohne Ausnahme werde schlechteres Material verwendet als vor- geschrieben worden sei. Wenn z. B. 25 Zentimeter Kies- aufschüttnng vorgeschrieben seien, so würden vielfach nur 15 Zentimeter oder 10 Zentimeter aufgeschüttet; komme der Aufsicht führende Beamte einmal gerade dazu, so müsse der Ar- beitssührer eine Lüge vorbringen, um diese Abiveichung von den Bedingungen zu erklären. Ferner würden vielfach mehr Arbeiter geführt, als in der That beschäftigt würden, und auch in solchem Falle sei der Arbeitssührer durch den Unternehmer genöthigt, dem Baubeamten gegenüber eventuell eine Lüge zu gebrauchen. Nachdem der Referent noch daS Schlußwort genommen, erhielt folgende Resolution die einmüthige Zustimmung der Anwesen- den:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet sich, mit allen Mitteln dahin zu wirke», die durch das Submissionswescn in unserem Gewerbe hervorgerufenen Mißstände, als da sind übermäßige Lehrlingsausbildung. Arbeitslosigkeit der Kollegen und Beruss- genossen und übermäßige Arbeitsleistung, zu beseitigen. Di� Versammlung erklärt sich ferner mit der seitens der Streik- Kontrollkommission aufgestellten Resolution betreffend das Sub- missionswesen des Berliner Magistrats einverstanden." Die Versammlung beschloß dann, am I. Mai Abends eine Versammlung der Steinsetzer und Berufsgenossen mit Frauen abzuhalten. Ferner werden.diejenigen 5iollegen, welche am I. Mai statt der Arbeitsruhe ein Opfer bringen wollen, am Sonnabend vorder, um den arbeitslosen Kollegen die Theilnahme an der Versammlung vom 1. Mai zu ermöglichen, eine Samm- lung veranstalten und den Ertrag dem Vertrauensmann übergeben. Der Vertrauensmann Krekow berichtete hierauf über seine Kassenverwaltung. Am 4. August war ein Bestand von 50.12 M. vorhanden, dazu kam eine Einnahme von 52,70 M. Die Aus- gäbe betrug 65,50 M, von dieser Summe sind 40 M. an die Streik-Kontrollkommission überwiesen. Somit ist zur Zeit ein Bestand von 37,32 Mark vorhanden. Auf Antrag der Revisoren ertheilte die Versammlung dem Vertrauensmann ein- stimmig Techarge. Arlt, der Dclegirte zur Streik- Kontroll- kommission, berichtete dann über deren Tbätigkeit. Auf seinen Wunsch wählte die Versammlung einen Ersatzmann, und zwar den Kollegen Köpas. Unter Verschiedenem rügte ein Redner, daß die Steinsetzer sich im Winter in den Arbeitslosen- Versammlungen zumeist nicht sehen lassen. Ferner wurde hervor- gehoben, daß es so schlecht wie jetzt noch in keinem Jahre im Steinsetzergewerbe mit der Arbeit bestellt gewesen ist. Auch von verschiedenen Lohndrückereien wurde Mittheilung gemacht; vor- züglich sind es, wie festgestellt wurde, Jnnungsmeister, welche die aroße Arbeitslosigkeit dazu benutzen, den Lohn herabzusetzen. legenüber diesen traurigen Verhältnissen betonten die Redner die Nolhwendigkeit, sich der Organisation anzuschließen. Im Verein der Zlrbeitcr nnd Arbeiterinnen der Buch- Papier- und Lederindustrie sprach am 10. d. Mts. Genosse Dr. L Ü t g e n a u über„Max Stirner." Der Vortragende gab im ersten Theile seines Referats eine Darstellung der von Stirncr in seinem Buche„Der Einzige und sein Eigenthum" entwickelten Ansichten, um an diesen im zweiten Theile Kritik zu üben. Stirner ist der bedeutendste, in der Dialektik und formellen Dar- stellung glänzende Vertreter des Anarchismus. Weder die Ge- walt einer Person über die andere, noch die Herrschaft einer Idee, die Gilligkeit einer Vorschrift, das Bestehen einer Pflicht für den Einzelnen erkennt er an. Religion, Sittlichkeit, Vater- land, Volk, Recht sind ihm lauter Dinge, die den Menschen haben, verbrauchen, statt daß er sie hat, verbraucht. Setzt der humane Liberalismus an die Stelle der Gottheit den Begriff des Menschenthums, des Menschen(d. h. der Gattung Mensch im Gegensatz zum Einzelnen, zum Ich), so ist nur ein Idol mit einem anderen vertauscht; im Wesen der Sache bleibt die Auf- opferung des Ich für einen Begriff, einen Spuk, und„unsere Atheisten sind fromme Leute." Im Gegensatz dazu erkennt der Egoist nur sich selber an. Liebt er, so thut ers um seinetwillen, und verkauft seine Liebe um den Preis der Gegenliebe. Der Staat beutet mich aus, unterdrückt meine Eigenheit. Das thut nicht blos der bürgerliche Staat, in welchem der dritte Stand sich unter Aushebung der besonderen Rechte der anderen Stände zu dem Stande(Status= Stand und sodann— Staat) gemacht hat, sondern nicht minder die Gesell- schaft der Sozialisten. Denn die Gesellschaft maßt sich Gewalt an über den Einzelnen, verbraucht ihn. Anders— der Verein. Aus dem Verein scheide ich aus, wann ich will, ich verbrauche ihn, nicht er mich. Ihm opfere ich nur, was nicht in meiner Gewalt steht, was ich nicht habe, d. h. gar nichts. Von der Partei gilt dasselbe wie vom Staat, sie ist der Staat im Staate. Wem brauche ich die Wahrheit zu sagen, wenn er sich vorher nicht erkundigt hat, ob er mein Vertrauen besitzt? Setzt Dieb- stahl nicht—„abgesehen von der verfänglichen Frage, was denn gegen den Diebstahl Gegründetes einzuwenden wäre"(!)— Eigenthum voraus? Welcher Unterschied wäre zwischen dem Meineid„um Gotteswillen", den manche Fromme vertheidigt haben, und dem Meineid„um Meinelwillen"? Die Sozial- deniokratie erkennt die Idee des„Rechts" an, aber Recht ist doch nur Macht,„berechtigt" bin ich zu dem, wozu ich mich „ermächtige". So bin ich der Einzige und habe mein' Sach' auf nichts— außer mir— gestellt.— Das sind die Ideen Stirner's. Sein Jdentifiziren des Religiösen und Sittlichen ist geschichtlich falsch. Das Sittliche entspringt dem menschlichen Gemeinschaftsleben. Es ist zum Theil ausder Kultur hervorgegangener Gemeinbesitz, zum Theil Produkt der besonderen Klasse. Der Mensch ist kein zoon politikov, wohl aber ein gesellschaftliches Wesen, daraus entspringen auf dem Interesse beruhende Pflichten gegen die Gemeinschaft. Stirner's Unterschied zwischen Partei und Verein ist Tüftelei, denn auch aus der Partei kann ich austreten, wann ich will. Ich verbrauche die Partei, nicht sie mich. Der Sozialismus unterdrückt nicht den Einzelnen, sondern auf die Solidarität der Einzelnen sich gründend, verschafft er den Einzelnen höheres Wohlbefinden und höhere Macht. Verlangt die Gesell- schaft von mir eine gewisse Unterwerfung, oder Wahrheit, so gewährt sie mir dasselbe, wo ich ihres Schutzes bedarf. Dabei mag der Egoismus die Grundlage bleiben. Ordnung, Organisation müssen sein, nicht aber Ausbeutung, Unterdrückung. Daß Macht der Quclldes Rechts ist, nimmt auch der Sozialismus an; darum wollen wir demProlctariate die Macht erobern. Stirner'sJndividualismus und schrankenloser Egoismus mag dem Starken, dem Kapitalkräftigen zusagen, dem Arbeiter bietet er nichts. Liefert Slirner kein ökonomisches System, so thut dies in Konsequenz der Slirner'schen Ideen Mackay(„Die Anarchisten"). Aber Mackay macht es seinem Helden, dem Anarchisten Auban, leicht, den G-gner zu schlagen, indem er ihm als Gegner nicht einen Sozia- listen, sondern einen Vertreter des„kommunistischen Anarchismus", dieses Kinderblechs, gegenüberstellt. Wir erstreben nicht die Jso- lirung der Jche, die ihre Sach' auf nichts gestellt haben, sondern die sozialistische Gesellschaft, die Wohlfahrt für alle bringen wird.(Reicher Beifall.) Zur Diskussion wünschte niemand das Wort in der zahlreich besuchten Versammlung.(U. a. war auch Mackay anwesend.) Es wurde nur noch die Abrechnung vom letzten Vergnügen gegeben, die mit einem Ueberschuß von 43,56 M. abschloß. Der sozialdemokratische Wahlverein für Charlotten- bürg hielt am 13. April seine ordentliche Generalversammlung ab. Die übliche Verlesung des Protokolls konnte diesmal nicht erfolgen, da das Protokollbuch am Tage vorher von einem Kriminalbeamten beschlagnahnit worden war. Angeblich soll das- selbe als Beweismittel für die Behauptung gelten, daß am 11. Oktober vorigen Jahres eine Versammlung ohne polizeiliche Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung abgehalten sei. Wie bekannt sein dürfte, ist in erster Instanz kostenlose Freisprechung erfolgt, weil der Richter annahm, daß in der betreffenden Versammlung öffentliche Angelegenheiten nicht erörtert worden sind und weil ferner die Anmeldung durch den Vorsitzenden auch erfolgt war und nur durch bisher unaufgeklärte Umstände zu pät in die Hände der Polizei gelangt ist. Nachdem der Vor- itzende über diese Angelegenheit Ausklärung gegeben hatte, hielt Stieffen hofer über das Thema„Weltschöpfung und Welt- Untergang" einen mit Beifall aufgenomnienen Vortrag. Hierauf erstatrete der Vorstand über seine Thätigkeit seil Oktober v. I. den Rechenschaftsbericht. Danach haben in dieser Zeit 7 Vor- stands-Sitzungen und 6 Versammlungen stattgefunden, auch ist vom Verein eine Agitationstour in die Umgegend von Storkow unter- nommen worden. Dieselbe hatte die Erhebung einer Anklage gegen verschiedene Theilnehmer zur Folge. Weiter theilte der Vorstand mit, daß im Fall Schneider Freisprechnung erfolgt ist. Um die Genossen nicht allzu sehr zu belasten, habe der Vorstand infolge Statlfindens verschiedener großen Parteiversammlungen einige Vereinsversamwlungen aussallcn lassen. Der vom Kassirer erstattete Kassenbericht ergab, daß 157 M. 36 Pf. eingenommen und 129 M. 70 Pf. ausgegeben worden sind und somit ein Be- stand von 27 M. 66 Pf. verblieben ist. Der Revisor Diedrich be- stätigte die Richtigkeit dieser Abrechnung. Ten beiden anderen Revisoren, Jalowsky und Liebtreu wurde für ihr Nichterscheinen in der Versammlung einstimmig � eine Rüge erthcilt. In anbetracht der voraussichtlichen Reichs- tags-Auflösung ermahnte Beyer die Mitglieder, jetzt mit ver- doppelter Kraft für den Verein und für die Ausbreitung der sozialistischen Ideen zu agitiren. In der hierauf erfolgten Vorstaudsivahl wählte die Versammlung den 1. Vorsitzenden Beyer, den I. Kassirer Scheel, den Schriftführer Klück und den 2. Kassirer Bunge einstimmig in ihre Aemter wieder. Zum 2. Vorsitzenden wurde Diedrich und zu Revisoren Schröder, Hag und Lossau gewählt. In der nächsten Versammlung steht die An- schaffung einer Bibliothek zur Beralhung. Der Vorstand der hiesigen Töpfer-Jnnung hatte die bei Jnnungsmeistern arbeitenden Gesellen am 14. d. M. zu einer Versammlung einberufen, um einem tiefgefühlten Bedürfnisse ab- zuhelfen. Es handelte sich nämlich darum, einen Jnnungs- Gesellen-Ausschuß zu bilden oder, wie Herr Obermeister Grot- hausen den etwa 80 erschienenen staunenden Gesellen mit- theilte. um ein Handinhandgehen der Meisterschaft mit der Gesellenschaft zur Hebung des Handwerks! Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Herr Obermeister Grothausen unserem eben- falls anwesenden Berichterstatter, der anfangs irrthümlich für einen Vertreter des Magistrats gehalten wurde, in persönlicher Rücksprache sein Mißfallen über dessen Anwesenheit kund, hielt dessen Dasein(allerdings nur in der Versammlung!) sür zwecklos, bezeichnete denselben als ungebetenen Gast und gab demselben deutlich zu verstehen, daß es ihm lieb sein würde, wenn derselbe die Thüre von draußen zumachen würde. Die ausgesprochene Erwartung indessen, daß auch der Herr Obermeister den gesellschaftlichen Anstand besitzen werde, den man bei einem Jnnungsmeister voraussetzen müsse, sowie die demselben vorgelegte Frage, ob er die Oefsent- lichkcit zu scheuen habe, veranlaßten ihn indessen, schließlich die drohende Ausweisung doch nicht zur That werden zu lassen. So wurde denn unserem Berichterstatter Gelegenheit geboten, der anderthalbstündigcn Unterhaltung beizuwohnen, die zwischen Meistern und Gesellen gepflogen wurde. Dieselbe war indessen nicht besonders schmeichelhaft für die Herren Jnnungsmeister. So unhöflich man sich gegenüber unserem Berichterstatter gezeigt hatte, so entgegenkommend war man gegenüber den Gesellen, um diese für sein Vorhaben zu gewinnen. In schönen Worten wurde ihnen ausgemalt, wie der Gesellenausschuß nur zum Vortheil der Gesellen zu wirken habe, wie keinerlei Kosten daraus erwachsen würden und daß sie doch einmal den Versuch machen sollten. Mit Wärme trat Meister Hilde brandt dafür ein,„den Kachel- ofen wieder zu Ehren zu bringen" und gab die Versicherung ab, daß die Meister bereit wären, gern die ganze Hand zu nehmen, wenn die Gesellen den Meistern nur einen Finger reichen wollten. Dieser Versicherung wurde seitens der Gesellen voller Glauben geschenkt, allerdings in dem Sinne, daß die Meister die Gesellen unter ihre Fittige nehmen möchten. Denn wie H o f f m a n n mittheilte, hat die Innung einen eigenen Lohntaris ausgearbeitet. der von dem Gesellentarife, nach welchem jetzt gearbeitet werde, sich sehr ungünstig unterscheide. Er sprach die Vermuthung aus, daß dieser Tarif Beweggrund zu dem Bedürfnisse nach einem Gesellenausschusse sei, indem dieser den Meistertarif sanktioniren 'olle. Auf diesen Leim gingen aber die Gesellen nicht und für eine derartige„yebung des Handwerks" hätten dieselben kein Verständniß. Aus diesem Grunde, wie auch aus anderen nahe- liegenden Ursachen, die von ihm, wie auch von H abanz, Priem, Handle, wie überhaupt von allen Gesellen, die das Wort nahmen, geltend gemacht wurden, nahm die Versammlung dem Ansinnen des Jnnungsvorstandes gegenüber eine ablehnende Haltung ein. Ergötzlich war es, anzusehen, mit welcher Aengst- lichkeit die Herren Jnnungsmeister der unvermeidlichen Er- örterung der Lohnfrage aus dem Wege zu gehen trachteten. Das Ende vom Liebe war schließlich, daß die Herren Meister, die Hoffnungslosigkeit ihres Liebewerbens einsehend, selber zur Ent- scheidung drängten und so stimmte denn schließlich die Ver- sammlung mit allen gegen etwa drei Stimmen einem von Hoff- mann gestellten Antrage zu, dahingehend, die Wahl eines Ge- sellenausschusses abzulehnen, indem sich die Gesellenschaft von einem solchen nichts verspreche, dieselbe ihre berufene Vertretung vielmehr in ihrem Fachvereine erblicke. So schloß denn Herr Overmeister Grothausen das Jnnungsdrama ohne die gehoffle Lösung der Verwickelung mit einem Danke an die Versammlung für deren Erscheinen— unfern Berichterstatter natürlich aus- geschlossen Z Eine Volköversammlung für den 2. Berliner Reichs» tags- Wahlkreis nahm am 14. April zu dem bevorstehenden sozialdemokratischen Parteitage für die Provinz Brandenburg Stellung. A. G e r i s ch hielt das einleitende Referat. Er be- leuchtete das Bestreben der„staatserhaltenden" Gegner des Sozialismus, sich die sozialdemokratischen Wühler mit allen Mitteln vom Halse zu halten und brachte eine Reihe von Gründen zur Kenntniß der Versammlung, welche zur Erhebung von Anklagen und zur Verurtheilung von Genossen geführt haben, die in Oberschlesien sozialdemokratische Agitation betrieben hatten. Dann ging der Referent auf die im letzten Jahre mit vermehrter Kraft in der Provinz Brandenburg betriebene Agitation, sowie aus die Erschwerungen derselben ein, welche von behördlicher Seite ausgingen. Dabei konstatirte er, daß es damit„ganz so schlimm" wie in Schlesien nicht gewesen sei. Zum Schluß äußerte Gerisch den Wunsch, daß die auf dem Lande agitirenden Genossen sich abgewöhnen möchten, recht viel„davon hermachen zu wollen". Mit großen Artikeln über die einzelnen Ausflüge in der Parteipresse bringe man nur die Herren Landräthe:c. auf die eigene Spur und schädige sich selbst und die Bewegung. Die allzulebhafte Agitationsweise sei auch zu vermeiden. Mit einem Male lasse sich die Landbevölkerung nicht zu Sozialdemokraten machen, die Wahrheit müsse langsam durchsickern. Die Agitation des letzten Jahres sei auch in Brandenburg nicht umsonst ge- wesen, das werde die nächste Reichstagswahl erweisen. Dem Vorttage, welcher mit Beifall aufgenommen wurde, folgte eine lebhafte Diskussion, an welcher Antritt, Silber- schmidt, Schimanski, Werner und Greifenberg, sowie Frau Palm tbeilnahmen. Es wurden u. A. Einzel- heilen aus der Landagitation angeführt, welche die Gesetzes- kenntniß verschiedener Ausführungsorgane der Regierung in einem gerade nicht sehr schmeichelhaften Lichte erscheinen ließen. Von S i l b e r s ch in i d t wurde der Agitalionskommission sür die Provinz Brandenburg das Zeugniß ausgestellt, das Ver- trauen gerechtfertigt zu haben, welches die Genossen in sie setzten. Schimanski wünschte, daß bei der Agitation die zurück- gebliebenen Bezirke mehr berücksichtigt werden möchten, während Greifen berg und Frau Palm sür eine lebhajtere Agitation unter den Frauen eintraten. Letztere schlug vor, zu den kommen- den Agitationstouren auch die hiesigen Genossinnen ein- zu laden. Als dies einmal geschehen sei, hätten sich 10 Frauen in einer Weise betheiligt, die ihnen die Anerkennung der Männer eingetragen habe. Von Werner und Gerisch wurde schließlich noch ausgeführt, daß in der von Schimanski und Greifenberg gewünschten Weise bereits so viel wie möglich agitirt werde. Als Delegirle zum Provinzialtag wählte die Versammlung darauf die Genossen tzintz, Silberschmidt und E h l i n g. Zu dem 3. Punkt der Tagesordnung:„Stellungnahme zur Maifeier," theilte der Ver- trauensmann Werner mit, daß die Feier in der Bockbrauerei stattfinden und ihr Programm aus einem Vokal- und Instrumental- konzert. lebenden Bildern und einer Festrede bestehen werde. Daran werde sich ein Tanzvergnügen schließen. Nach längerer Debatte wurde der Preis der Billels auf 20 Pf. festgesetzt und ein siebengliedriges Festkomitee gewählt. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie ging die Versammlung auseinander. Vereinsbranerei Rixdorf. der Vereinsbrauerei Berliner Lagerbier. 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