Ur. 134» BbonnementS'Bedlneungcn: ÄtotmcmenlS- Preis pränumerando: Vierteljahr!. B,SO Mk., moiiatl. 1,10 Mt, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonniags- Vellage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poll- Wonnemeill: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Leitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, RtUnStlie», Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrlSjcInl tSsDA 3RSer ülontüfl». Berliner Volksblntt. Die TntcrHons-Gebüfjr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum b0 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Ulelne Snreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozlaMcntehrat Birlin". Zcntralorgan der fozialdemokrattfcben Partei Dcutfcblandd. 60 Zzhre gfeiklallevschmach. m. Seit dem Jahre 1849 haben die sozialen Verhältnisse in Preußen eine gewaltige Nevolution erfahren. Der damalige Agrarstaat mit überwiegendem Handwerk und einer noch schwach entwickelten, wenig konzentrierten Industrie ist längst zum Industriestaat geworden, das Bürgertum hat an ökono- Mischer Macht das Junkertum weit hinter sich gelassen. Das Bürgertum hätte längst die hinter dem Halbabsolutismus sich verschanzende Jlmkerherrschaft mit Stunipf und Stiel ausrotten können, wenn es nur den ernsten Willen dazu besessen hätte! Aber die Bourgeoisie dachte gar nicht daran, die Macht der Krone und des Junkertums zu brechen. Sie dachte gar nicht daran, an die Stelle des Halbabsolutismus, Feudalismus und Bureaukratismus die Demokratie zu setzen, iveil ihr die Herrschaft der Masse des Volkes noch weniger behagte, als das anmaßlichste Junkerregiment. Selbst zur Konfliktszeit anfangs der 60 er Jahre, als der Fortschritt der Regierung fortgesetzt das Budget verweigerte, fiel es dem liberalen Bürgertum nicht im Traume ein, an Stelle des Dreiklassen- Wahlrechts ein demokratisches Wahlrecht setzen zu wollen. Im Gegenteil, weil damals vorübergehend das Pluto- kratische Wahlrecht die Bourgeoisie begünstigte, wiesen fortschrittliche Politiker den Gedanken einer d e m o k r a- ttscheren Gestaltung des Wahlrechts als„Verfassungs- bruch" entrüstet weit von sich. So sagte damals von Unruh bei Uebcrreichung einer Dankadresse an die fortschrittlichen Abgeordneten Berlins:„Nach dem klaren Inhalt von Artikel IIS der beschworenen Verfassung(Friedrich Wilhelm IV. hatte sich nämlich später den Scherz gestattet, die von ihm selbst gewaltsam oktroyierte Verfassung feierlichst zu beschwören) ist die W a h l v e r o r d n u n g vom 30. M a i 1849 ein integrierender Teil der Verfassung geworden. Jede Aenderuug der Verfassung im Verordnung»- wege ist also unleugbar ein V e r f a s s u n g s b r u ch." Das Drängen der Arbeiter nach dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht fand selbst bei den entschiedensten Fortschritts- männern taube Ohren; man behauptete, die Masse müsse für ein solches Wahlrecht erst erzogen werden. Das Mißtrauen gegen die Arbeiterklasse, mehr eine Folge des bösen sozialen Gewissens der Bourgeoisie, als der Haltung der Arbeiter- klaffe selbst, die damals ja noch im Schlepptau des Bürgertums segelte, ließ die Bourgeoisie zu keinem ernsthaften Kampfe gegen das Junkertum kommen. Und weshalb hätte auch das Bürgertum einen solchen Kampf auf- nehmen sollen? Es hatte ja die Freiheit, die es meinte, errungen: die Freiheit des Kapitals, die Freiheit der Aus- beutung der Massen. Knapp und klar drückte das Lassalle in seinem„Arbeiterlesebuch" mit den Worten aus:„Handelte es sich bei uns heute um die sozialen Freiheiten für die Bourgeoisie, um die es sich 1789 in Frankreich handelte, um die Kapitalfreiheit und alle jenen materiellen Interessen, die mit ihr verbunden sind, nun, unsere Bourgeoisie würde vielleicht dieselbe Energie finden, wie damals die französische. Aber um diese materiellen Fragen handelt es sich nicht mehr. Unsere Regierungen haben sich vorgesehen. Sie haben die soziale Seite der 1789er Revolution von selbst und zum Teil seit langem eingeführt; und die bloß politische Freiheit vermag die Bourgeoisie nicht ins Feper zu bringen, vermag sie nur zu frommen Wünschen und un- schuldigen Redeübungen zu stimmen." Die schlappe, undemokratischc Haltung des Fortschritts selbst in diesen besten Jahren, die der preußische Liberalismus je erlebt, zwang ja gerade Lassalle, das Proletariat zur Bildung einer eigenen, selbständigen Partei auf- zurufen:„Die Vertretung des Arbeiter st andcs in den gesetzgebende nKörpcrnDeutschlands", sagte er in seinem Antwortschreiben an das Leipziger Zentralkomitee, dies ist es allein, was in politischer Hin- ficht seine legitimen Interessen befriedigen kann". Aber, „hinter der Reaktion stehen Klassen mit der Höchsten Energie, die Nägel und Zähne daran setzen; hinter der politischen Freiheit steht keine Klasse, steht nichts als eine Hand voll Ideologen und Ge- fühlsmenschen". Könne es da jemanden wundern, daß die politische Freiheit seit 15 Jahren Schritt für Schritt von der Reaktion besiegt wurde? Könne es da jemanden wundern. daß die Bourgeoisie niemals imstande sein werde, ihren Kampf mit dem Militärstaat siiegrcich auszufechten?„Es ist also gerade das größte Interesse der politischen Freiheit. ein K l a s s e n- I n t e r e s s e. ein soziales Interesse hinter sie zu werfen, und zwar gerade das Interesse der an Zahl und Kraft so unendlich überwiegenden unbemittelten Klasse n." Und die politische Aufgabe der zu schaffenden selbst- ständigen Arbeiterpartei schilderte Lassalle so:„Sich überall als eine selbständige und durchaus von ihr(der Fortschrittspartei) getrennte Partei zu fühlen und zu konstituieren, gleichwohl die Fortschrittspartei in solchen Punkten und Fragen zu unter- stützen, in welchen das Interesse ein gemeinschaftliches ist, ihr' entschieden den Rücken zu kehren und gegen sie auf- zutreten, so oft sie sich von demselben entfernt, die Fortschrittspartei eben dadurch zu zwingen, entweder sich vorwärts zu entwickeln und das Fortschrittsniveau zu übersteigen oder aber immer tiefer in den Sumpf von Bedeutungs- und Machtlosigkeit zu versinken, in welchem sie bereits knietief angelangt ist, das muß die einfache Taktik der deutschen Arbeiterpartei gegenüber der Fortschrittspartei sein." Jeder politisch interessierte Arbeiter weiß, wie wenig es möglich war, das liberale Bürgertum vorwärts zu treiben. Vielmehr ist die andere Eventualität eingetreten, die Lassalle ja nur zu klar voraus sah: die fortschrittliche, heute freisinnige Bourgeoisie ist immer tiefer in den Sumpf der Bedeutungs- und Machtlosigkeit gesunken, sie ist in der Blockpolitik geendet. Und der Freisinn ist bei alledem noch der r a d i k a l st e Flügel des Bürgertums, denn der Teil des ehemaligen Fortschritts, der sich zum Nationalliberalismus entwickelte, ist ja berüchtigt als Handlanger des brutalsten Geldprotzentums, als un- versöhnlichster Feind aller Volksrechte. Vollends in der konservativen und in der Zentrumspartei überwiegen die urreaktionären Elemente des Großgrundbesitzes oder jener nicht minder reaktionären Mittelständler, die um so weniger von Arbeiterschutz oder politischen Rechten der Arbeiterklasse wissen wollen, als ihr engstirniger Egoismus von jeder Besserstellung des Proletariats eine Benachteiligung der eigenen Lage befürchtet. So ist es denn nur zu verständlich, daß die Dreiklassen- schmach noch heute besteht, nach 60 Jahren einer beispiellosen Machtentwickelung des Bürgertums. Die Bourgeoisie ge- braucht eben das Klassenwahlrecht, um die große Masse des Volkes daniederzuhalten. Die Bourgeoisie hat endgültig auf die Verwirklichung ihrer demokratischen Jugendträume ver- zichtet, hat sich mit dem Junkertum ausgesöhnt und ver- bündet, um unter dem gemeinsamen Schutze des Militär- staates das Proletariat nach Herzenslust ausplündern zu können. Seitdem das klassenbewußte Proletariat den Sturm gegen die feudal- kapitalistische Zwingburg des Dreiklassen- Wahlrechts eröffnet, beginnen auch Freisinn und Zentrum wieder ihre Sehnsucht nach dem allgemeinen gleichen Wahl- recht zu beteuern. Wie wenig Ehrlichkeit hinter diesen Be- teuernngen steckt, beweisen freilich ihre Taten. Hat doch der Freisinn bei dem letzten Wahlkampf, der im Zeichen des Wahlrechtskampfes stand, mit den grinimigstcu Gegnern des Wahlrechts, den Konservativen, gemeinsame Sache gemacht. Und hat es doch das Zentrum fertig gebracht, noch im Februar dieses Jahres den Antrag auf Neueinteilung der Wahlkreise niederstimmen zu helfen! Schon im Jahre 1863 rief Ferdinand Lassalle die preußi- schen Arbeiter zum Kampf für das allgemeine und gleiche Wahlrecht auf:„Es ist eine allgemeine demokratische Volks- bewegung und keine bloße Klassenbewegung, zu der ich rufe, kein wahrer Demokrat wird davor zurückschaudern, daß das Los der arbeitenden Klasse durch eine vom allgemeinen Stimmrecht gewählte Versammlung verbessert werden solle. Kein wahrhaft demokratisches Herz wird davor zurückbeben, daß die vereinigte Intelligenz der Gesell- schaft durch staatliche Maßregeln den notleidenden Klassen helfen solle. Es ist dies im Gegenteil zuletzt der wahre Vorteil aller Klassen. Helfen Sie mir also dieses Banner hochhalten und binnen Jahresfrist wird sich um das- selbe versammelt haben alles, was einen demokratischen Blutstropfen hat in ganz Deutschland." Der Optimismus des großen Agitators erfüllte sich nicht. Noch heute, nach 46 Jahren, stehen wir am Anbeginn des Kampfes. Aber eines ist doch erreicht! Nicht mehr nur eine Handvoll Ideologen und Gefühlsmenschen steht hinter der politischen Freiheit, sondern ein Klassen- i n t e r e s s e, das soziale Interesse einer g e- waltigen Partei, der stärksten Partei des Landes, des sozialistischen Proletariats. Und die machtvolle Bekundung dieses Interesses hat endlich, nach 60 Jahren Stagnation, die Wahlrechtsfrage in Fluß gebracht. Bereits hat eine Thronrede feierlich die Wahlreform verheißen. Und wenn auch die historischen Erinnerungen unserer beiden ersten Artikel vor jeder Ueberschätzung einer Verheißung der Krone, bewahren werden— es ist eben Sache des Proletariats den rollenden Stein nicht zur Ruhe kommen zu lassen! Die Ge- schichte beweist unwiderleglich, daß Fragen des politischen Rechts nur durch die Macht entschieden, daß politische Siege nie ohne opferreiche Kämpfe errungen wurden. Und das preußische, das deutsche Proletariat wird vor der Geschichte nicht den untilg- baren Makel auf sich nehmen wollen, daß es sich in der Er- kämpfung seiner Rechte, in der Durchsetzung seiner Interessen feiger und lässiger gezeigt habe als andere Klassen! Kiilow und die Mervativ-bMal- polnische Koalition. Die Frage, die heute nach dem Auszug der Linken aus der Finanzkommission die Blätter aller politischen Richtungen beschäftigt, lautet: Wie stellt sich die Regierung zu den Vor- gängcn in der Finanzkommission? Wird Bülow demissionieren und die in den Sumpf gefahrene Karre darin stecken lassen, oder wird er sich nach einigem Widerstreben und faulen Verlegenheitserklärungen in der„Nordd. Allgem. Ztg." unter das Expedition: 8M. 63» Lüidenatrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. „kaudinischeJoch" beugen und die Reichsfinanzreform mit der„nationalen" konservativ-klerikal-polnischcn Koalition machen? Die Absicht und Fähigkeit, gegen diese Koalition seine früheren Verheißungen zur Geltung zu bringen, trauen ihm, wie es scheint, selbst jene nicht mehr zu, die noch vor wenigen Monaten in ihm so etwas wie ein staatsmännisches Genie erblickten. Wir haben gestern im Leitartikel bereits unsere Ansicht ausgesprochen, daß Fürst Bülotv weder den Reichstag auf- lösen, noch zurücktreten, sondern sich schließlich— natürlich nach den üblichen schönen patriotischen Verwahrungen und Ve- teuerungen— den Beschlüssen und Wünschen des konservativ- klerikal-polnisch-antisemitischen Blocks fügen wird. Und diese Ausfassung teilt, wie wir sehen, fast die ganze Presse. So schreibt z. B. die„Freisinnige Zeitung": „Und die Regierung? Es hat ganz den Anschein, als ob sich die Regierung dem Diktat der Agrarier und des Zentrums fügen wird. Staatssekretär Sydolv gab am Freitag zu, daß das Reichsschatzamt den konservativen Antragstellern das Material für ihre gesetzgeberischen Vorschläge zur Verfügung gestellt hat. Vertreter der Regierung haben auch zu wiederholten Malen Anträge der Mehrheit verteidigt, als ob es Regierungs- Vorschläge wären. Das Verhalten des Schatzsekretärs ist um so auffälliger, als vorher von feiten der Regierung erklärt und iin Seniorenkonvent mitgeteilt worden ist, daß nach Pfingsten Gesetz- entwürfe über die Erhöhung des Kaffeezolls und die Besteuerung von Zündhölzchen dem Reichstage vorgelegt werden sollen." Auch die„Frankfurter Zeitung", die zu be- richten weiß, daß Bülow kürzlich mit Bassermann konferiert hat, läßt sich von ihrem Berliner Korrespondenten melden: „Wenn auch über solche Unterredungen nur vertrauliche Mit- teilungen gemacht werden, so wird doch soviel bekannt, daß man sehen kann, der Reichskanzler steht heute anders zu der Sache als vor vierzehn Tagen. Er scheint sich mit dem Ge- danken einer Finanzreform nach konservativ- agrarischem Rezept schon mehr vertraut ge- macht haben, und aus der Tatsache, daß er mit Bassermann konferierte, kann man ohne weiteres schließen, daß noch einmal der Versuch gemacht worden ist, zwar nicht die sachliche Mit« Wirkung, aber den Namen der Liberalen für das Werk der konservativen Agrarier und des Zentrums zu ge- Winnen. Wohl vergeblich. Nicht nur die Freisinnigen, sondern auch die große Mehrheit der Nationalliberalen, und ihre Anhänger im Lande noch mehr, sind sich bewußt, daß die Entscheidung, die in den nächsten Wochen bevorsteht, sich unr mehr und anderes dreht als um einzelne Steuergcsetze— daß sie sich dreht um die Frage, ob in Deutschland und Preußen die Konservativen und die Agrarier wirtschaftlich und politisch tat- sächlich herrschen sollen. Es kann eine Schicksalsstunde werden für den gesamten Liberalismus." Schärfer urteilt die„National-Zeitung". Sie wirst die Frage auf: Wird Bülow gehen; sind wir ihn los? Sie ist der Ansicht, daß er, wenn er Ehrgefühl besitzt, de- missionieren muß: „Wenn es eine Logik in der Politik gibt, wenn nicht Charakterlosigkeit bei einem Staatsmanne zum Prinzip erhoben werden darf, lo e n n Achtung bei den Zeitgenossen und vor sich selbst noch Borbedingung für das Vertrauen ist, das jeder StaatSlenker braucht, dann allerdings haben die Konservativen richtig gerechnet, dann muß her leitende Staatsmann einem anderen die Geschäfte überlassen." Aber hinterher betrachtet das nationalliberale Blatt es selbst als zweifelhaft, ob Bülow diese Konsequenz ziehen und nicht vielniehr versuchen wird, fortzuwursteln. Selbst die„Täglische Rundschau", die bisher in Bülow Deutschlands größten Staatsmann sah, meint betroffen: „Der leitende Staatsmann hat die Finanzreform eingeleitet mit einer schönen Rede. Andere schöne Reden haben wir bei Empfängen und anderen festlichen Gelegenheiten gehört, und schön stilisierte Telegramme sind zu Hunderten in diesen Monaten in die Welt geflattert. Aber wo finden wir Taten? Wo eine einzige Tat? ES wird einmal für den Aestheten ein Vergnügen sein, des Fürsten Bülow gesammelte Reden zu lesen. Aber nur für den reinen Aestheten, der dem Klang der Worte lauscht und dem Rhythmus der Perioden. Der tiefere Kunstkenner wird diese Reden unbefriedigt manchmal aus der Hand legen. Denn er wird Goethes gedenken und über dem Worte den Sinn suchen und hinter dem Sinn die Kraft, und wird der Kraft auch nur dann rühmend gedenken, wenn sie sich offenbart in der Tat... „Man glaubt nicht mehr an die Unerschütterlichkeit der Ent« schlüsse. Ja, man glaubt überhaupt nicht mehr an eine Entschluß- kraft des leitenden Staatsmannes." Anders urteilt natürlich das direkt aus der Wilhelmstraße inspirierte Leibblatt des Kanzlers, die„Nordd. Allgem. Ztg." Es findet noch immer keinen Grund zur Beunruhigung. Es findet, daß die Erhöhung des Kaffee- und Teezolles, sowie die Steuern auf Zündhölzer und Parfümerien im„Bereich des Möglichen" liegen, dagegen könnten die vorgeschlagene Mühlenumsatzsteuer und der Kohlen- ausfuhrzoll in„dieser Form" nicht Gesetz werden. Besonders aber beständen gegen die Kotierungssteuer, die RcichSumsatz- stener und die Reichswertzulvachssteucr die stärksten Bedenken. Zudem hielten die verbündeten Regierungen mit Bestimmtheit an der Erbanfallsteuer fest: „Die verbündeten Regierungenlhaben eS zu Beginn der Finanz- reform als den Leitsatz ihres Programms aufgestellt, daß neben tiner energischen VesiMwng der Genubmlttel der MgemelnheU auch der allgemeine Besitz zu den Reichklasten in angemessener Weise herangezogen werden miisite. Sie haben zu diesem Zwecke eine Besteuerung der Erbschaften vor- geschlagen und sind nach wie vor der Meinung, daß dies die geeignet sie Besitzabgabe ist, die für daS Reich in Frage kommt." Und in beziig auf Bülows Stellung zu den Beschlüssen der Finanzkommission heißt es: .Ein Teil der Presse hat über die Haltung des Reichskanzlers In diesen Fragen gänzlich unbegründete Anschauungen entwickelt. Der Neichskanzler war in den letzten Wochen fortgesetzt mit Ver- Handlungen über die Finanzreform beschäftigt. Er hat nichts im- versucht gelassen, um eine Einigung zwischen der Rechten und der Linken herbeizuführen. Seine Stellungnahme zu den einzelnen Teilen der Reichsfinanzreform ist so häufig und so nach- driicklich dargelegt worden, daß eine neue Kundgebung in diesem Sinne wohl kaum nötig sein sollte. Auch die Vorgänge in der Kommission, die er auf das lebhafte st e bedauert, können ihn keineswegs zu einer Aenderung seiner ganzen bis- herigen Haltung bewegen. Der Reichskanzler wird. wie wir hören, die nächsteGelegenheit imReichs- tage benutzen, um seine Stellung vor dem Lande klarzulegen." Sllso wieder eine schöne Rede mit leeren Versprechungen. Wie gedenkt Bülow sein Versprechen einzulösen? Allein Anschein nach dadurch, daß er den Kaiser als Vor- spann zu benutzen beabsichtigt. Für diese Ansicht spricht wenigstens, daß er jetzt mit zwei Personen Rat hält, die beim Kaiser in besonderer Gunst stehen und die zugleich als Vertraute der großen Bankfinanz und des Großhandels gelten: der Geheimrat Witting und der Direktor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie. Das Code der Komödie. Der erste Teil der Fiitanzreformkomödie ist ausgespielt. In einer Dauersitzung, die bereits früh um 9 Uhr begann, hat die Rumpfkommission, die das Durchpeitschen zum Prinzip erhoben, das Arbeitspensum erledigt. Zuerst die Mühlenumsatzstcuer. In der ein- dringlichsten Weise ist den konservativ-klcrikalen Steuerwütcrichen vom Regierungstische aus klargemacht worden, daß eine solche Steuer den kleinen Mühlen nichts nützen kann, die Großbetriebe aber dem Ruin zutreibt. Selbst der ZentrumSmann Zehnter erklärte, für eine solche Steuer mit solchen Sätzen nicht stimmen zu können. Umsonst. Die Steuer fand Annahme. Mit derselben Behendigkeit ging der Kohlen- zoll durch. Die Vertreter der Regierung führten eine Menge der schwerwiegendsten Bedenken an; doch alle Gründe machten nicht den mindesten Eindruck. Ja, der Zentrumsabgeordnete Dr. Fleischer brachte es sogar fertig, den Zoll zu verlangen, im Interesse der deutschen Arbeiter, die seiner Ansicht nach darunter leiden, wenn die ausländische Industrie billigere Kohlen erhält- Der Zoll auf Kohlen, der gegen die Stimmen der Reichspartei Annahme fand, soll dem Reichs Lö Millionen Mark bringen. Herr V. Gamp bekam es plötzlich mit geschäftsordnungS» mäßigen Bedenken zu tun. Er verlangte, man solle diese Steueranträge in die Form von Gesetzes- vorlagen bringen, die dann im Plemim drei Lesungen zu passieren haben. Auch er fand keine Gnade, denn auf einen Bruch der Gc- schäftsordnimg mehr oder weniger kommt cS nun in der Tat nicht mehr an. Beim Finanzgesetz kehrte das Zentrum wieder einmal sein partikularistischeS Gesicht heraus. Den Einzelstaatrn ist in der ersten Lesung die Pflicht auferlegt worden, von den gestundeten Matrikular- beitrügen 144 Millionen Mark zu zahlen. Das Zentrum setzte durch, daß diese Last anf daS Reich übernommen wird. Zwischendurch proklamierte Herr v. Rheinbaben den Anbruch der Aera der Spar« samkeit, was er sich noch extra von Herrn Sydow bestätigen ließ. Herr v. Gamp allerdings traut diesen Prophezeiungen nicht, und er mag im Recht sein. In der NachmittagSfitzung erklärte Schatzsekretär Sydow. daß die verbündeten Regierungen auf keinen Fall sich auf ein Gesetz einlassen werden, das den Handels- verkehr schwer treffen würde. Die Regierung hält an der Erbanfall st euer fest. DaS Zentrum verlegte sich auf's Zureden, die Regierung aber blieb fest, sie gibt auch keine Auskunft über die Art der neuen Belastung der Börse. Die Antisemiten und die Freikonservativen erklären darauf, daß sie nicht grundsätzliche Gegner der Erbanfallstcuer stich. Eintönig plätscherten die Reden weiter, bis Abg. Gröber daS Wort nahm, der offenbar den Wochenrückblick der„Nord. Allg. Ztg." bereits gelesen hatte und nun laut und erregt dagegen Protest erhob, daß man Steuern ablehnt, weil sie vom Zentrum kommen. Im deutschen Reichstag findet sich, behauptet er, keine Mehrheit für eine Erbschafts st euer. Die Besteuerung der Wertpapiere wird angenommen. Eine Umsatzsteuer stellt Sydow in Aussicht; dagegen werde eine Reichs« WertzuivachSsteucr nicht kommen. DaS hinderte die Kommission sticht, die Anträge anzunehmen. Die Kommission tritt bereits am 12. Juni zur Fest- stellung der Berichte wieder zusammen, und Mitt- woch, den IS. Juni, sollen schon die Steuervorlagen auf die Tagesordnung deS Reichstages gesetzt werden. Sitzungsbericht. Am Pfingstsonnabend begann die Finanzkonnnisfion ihr Merk bereits um 9 Uhr. Zunächst kommt die Beratung der Mühlen- Umsatzsteuer an die Reihe. Abg. Dr. Rocsicke begründet den Antrag kurz damit, �daß er die von ihm und dem Abg. Speck tZ>) im Plenum zu die>em Gegen- stand gehaltenen Reden zur Einverleibung in das Protokoll über- reicht! Abg. v. Gamp schlägt die Annahme eines Gesetzentwurfes vor, anstatt eines Antrages der Kommisston. Anf dich« Weise muß die Materie drei Lesungen im Plenum passieren. Die Freikonservativen sind von dem konservativen Antrag überrascht, sie werden deshalb gegen den Antrag stimmen. Die Freikonservativen wollen die kleinen Mühlen durch eine Umsatzsteuer schützen, der konservative Antrag aber macht eine Finanzquellt für das Reich daraus.— Wenn man die Form eines GesetzentwurfcS wählt, dann kann im Plenum die erste mit der zweiten Lesung verbunden werden, und Kommisstonsberntung ist nicht mehr nötig� Schatzsekretär Sydow ist durch den konservativen Antrag deshalb überrascht, weil bis jetzt die Mühlenumsatzsteuer immer lobend als eine wirtschaftliche Maßnahme behandelt wurde. ES sei völlig unzulässig, solche Bestimmungen in daS Finanzgesetz ein- zuarbeiten. Er müsse prinzipiell Widerspruch da- gegen erheben, daß diese wirtschaftliche Frage mit der Finanz- reform verquickt werde. Dem Bundesrat würde dadurch die Pistole auf die Brust gesetzt, denn er müsse dann die Vorlage mit dieser Bestimmung annehmen oder die ganze Reform scheitern lassen. Abg. Gröber will diese Bedenken nicht gelten lassen. Jedenfalls könne erreicht werden, daß mit dem Hineinarbeiten dieser Steuer in die Finanzresorm die Regierung in irgend einer Weise Stellung nehmen müsse. Diese günstige Gelegenheit dürfe man sich nicht eni- gehen lassen. Schatzsekretär Sydov verteidigt noch einmal den ablehnenden Standpunkt der Regierung. Ein Kommissar des Bundesrats trägt die Bedenken vor, die gegen die geforderte Steuer sprechen. Eine Reihe Vertreter der Einzelstaaten schließen sich dieser Ansicht an. Abg. Raab(Antis.) begeistert sich natürlich für die Mühlenumsatz- steuer. Im übrigen verlritt er die Auffassung, daß die Finanz- kommission die Ausgabe habe, möglichst viele neue Sreuern zu be- raten und sie dem Plenum zur Auswahl zu unterbreiten. Schatzsekretär Sydow tritt einer in der Debatte gefallenen Acußerung entgegen, wonach man dem Reichstag allein die Ver- antwortmig üb'erlaffen solle. Das käme einer Abdankung des Bundesrates gleich. Ein bayerischer und ein sächsischer Vertreter wünschen, daß wenn der Antrag Gesetz werde, der Ertrag den Einzelstaatcn überwiesen werde. Schließlich wird der Antrag Gamp auf Einbringung eines Gesetzentwurfes abgelehnt. ES folgt die Beratung der Kohlensteuer. Ein preußischer Geheimrat gibt statistische Daten, die gegen diese Steuer sprechen. Abg. Gras Midzynski ist gegen den Zoll. DaS deutsche Gruben- kapital wälze die Steuer auf die Arbeiter ab. Abg. Rocsicke: Der Preispolitik des Kohlensyndikats muß ent- gegengetreten werden. Durch Belastung der Kohle könne das Reich enorme Mittel gewinnen. Der Ausfuhrzoll werde die Ausfuhr nicht beeinträchtigen. In England sei die Ausfuhr trotz des Zolles nicht bloß gestiegen, sondern auch die Preise haben sich gesenkt. Die deutsche Grubenindustrie verkaust im Ausland zu Schleuder- preisen. Füglich kann sie eine Belastung auch ertragen. Der Ertrag ergibt bei Steinkohleu 19 Millionen, bei Koks usw. 7 Millionen Mark. Von eineni Kommissar deS Bundesrats wird aus- einandcrgesetzt, daß der Export nicht leidet, denn die Gruben müssen exportieren. Zu den hohen Preisen tragen die � sozialpolitischen Lasten mit 1,28 M. per Tonne bei. Zahlen müssen bei dieser Steuer die Konsumenten. Abg. Dr. Fleischer wirft den Preiskonventionen Terrorismus bei der Preissestsetzung vor. DaS schlesische Grubenkapital habe, als die schlestsche Textilindustrie schwer daniederlag, diese genötigt, die hohen Kohlenpreise zu zahlen, gleichzeilig gaben sie die Kohlen zu billigeren Preisen an die österreichische Konlurrenz ab. Deshalb wollten die Arbeiter den Kohlcuzoll! Abg. Müller- Fulda bestreitet, daß die von der Regierung be- fürchteten winschafilichcn Nachteile eintreten. Der Kohleilausfuhrzs» wird gegen die Stimmen der Freikonservanven beschlossen. Es folgt die Beratung des Finanzgcsetzcs. Schatzsekretär Sydov: Jede gesunde Finanzvolitik muß ans dem Grundsatz fußen: Keine Ausgaben ohne vorherige Sicherung der Einnahmen. Die Stundung der Matrikularbeiträge sei eine be- denkiiche Maßnahme gewesen. Die Festsetzung der Höchstgrenze sür die Matrikularbeiträge sei nötig, damit die Finanzminister wissen, mit welchen Ausgaben für das Reich sie im Höchstfälle zu rechne» haben. Er bitret die Fassung der Regierungsvorlage anzunehmen. Finanzminister v. Rheinbaben: Die Finanzen der Einzclstaaten hatten sich dadurch nngüustig entwickelt, daß die Ausgaben stärker gestiegen seien als die Einnahmen. Die Einzelstaaten hätten teils ihre Steuern bereits erhobt, teils werden sie daS in der nächsten Zeit tun müssen. Die hohen Ueberschüsse der Eisenbahnen gehören der Vergangenheit an. 1993 hätten die preußischen Eisenbahnen 146 Millionen Mark weniger eingebracht, als veranschlagt worden war. Das werde auch dann nicht wesentlich besser werden, wenn die wirtschaftliche Depression überwunden ist, wenn die Ausgaben weiter steigen. Die beste Garantie für eine sparsame Wirtschaft sei die Stärkung der Position des ReichsschatzamteS. Der Finanzminister in Preußen dürfe nicht überstimmt werden, und wem: der Schatzsekretär nicht nach Belieben Matrikularbeittägen aus« schreiben dürfe, dann könne er einzelnen Ressorts erklären, daß sie sparen müßten, weil er nicht genügend Mittel beschaffen könne. Abg. v. Gamp mißt der Bindung der Matrikularbeiträge eine besondere Bedeutung nicht bei; wenn eben in zwei Jahren die Mittel nicht reichten, dann müsse wieder eine Aenderung eintreten. Preußen habe prunkvolle Bahnhöfe gebaut und dadurch Verschwendung ge- trieben. Keine neuen Ausgaben ohne höhere Einnahmen— daö müsse auch der Leitsatz für die Budgetkommission werden. Bebel sei viel zurückhaltender als wie der preußische Finanzminister, der den Aktionären mit der Gesellschafts- steuer eine Belastung von 32 Proz. aufbürden wollte. Schon jetzt seien einzelne Ressorts an der Arbeit, wieder neue Forderungen zu stellen. Damit müsse endlich gebrochen werden. Abg. Erzberger schließt sich der Kritik an. Abg. Müller-Fulda begründet einen Antrag des Zentrums, 144 Millionen Mark testierende Matrikularbeiträge ans daS Reich zu übernehmen. Schatzsekretär Sydo« wendet sich dagegen, die ganze schwebende Schuld nach fünf Jahren auf Schatzanweisimgcn zu nehmen. Am besten sei es, man wandle die gesinndelen Matrikularbeiträge in eine Schuld um. die in 29 Jahren zu tilgen ist. DieKo m Mission ist da miteinver standen. In der Rachmittagösitzung verband man gleich die zweiten mit den dritten Lesungen und ar- bettete im Ramsch. Zu den Belitzsteuern ergriff das Wort Schatzsekretör Sydow: Die Besteuerung der Wertpapiere, wie die Mehrheit der Kommission sie beschlossen habe, sei eine partielle Vermögenssteuer. Weil aber nur ein Teil des Vermögens betroffen werde, sei die Steuer auch ungerecht. Frei bleibe das Kapital, da» in Hypotheken angelegt sei. Die ausländischen Papiere würden von den deutschen Börsen vertrieben. Daran könne das Reich keinerlei Interesse haben. In Frankreich habe sich diese Steuer schlecht be- währt. Man trage sich dort mit der festen Absicht, sie demnächst auf- zuhcben. Wenn wir diese Steuer einführten, dann hinderten wir die Börse in der Beschaffung der Mittel sür Handel und Industrie. Abg. Graf Westarp verteidigt diese Steuer damit, daß im Reichstage eine Mehrheit für«ine Erbschaftssteuer nicht zu haben sei, weshalb das bewegliche Kapital aus anderem Wege getroffen werden soll. Finanzinluister v. Nljeinlrndcn bestätigt die AuSsührungen deS Schatzsekrelärs. Schatzsekretär Sydow kündigt eine Steuer an. die eine Betastung der Börse bringen werde. Abg. Erzberger redet der Regierung zn, doch zu nehmen, was sie bekommen könne. Andernfalls besiehe die Gefahr, daß die Finanzreform im Reichstag überhaupt keine Mehrheit fludet. Schatzsekretär Sydow: Die Regierung hält an der Erbanfall st euer fest. Dadurch wird alles Kapital ge- troffen und vermieden, daß dem Gcldverkehr Schwierigkeiten ent- stehen. Abg. Gras Oppersdorfs findet, daß die Gründe der Regierung absolut nicht stichhaltig find. Abg. Böhme jAntis.) und Abg. v. Gamp wollen die Erbanfall- steuer abwarten und sind eventuell bereit, dafür zu stimmen. Abg. Gröber findet eS eigenartig, daß man Antrüge nur des- halb nicht akzeptieren wolle, weil sie von einer bestimmten Fraktion kommen. Man soll nur so fortfahren, über das Resultat brauche man sich dann nicht zu wundern. Da« Zentrum sei sür eine E r b s ch a f t S st e u e r nicht zu haben. Auch darauf soll man nicht rechnen, daß ctiva die Regierung SukkurS vom bayrischen Flügel deS Zentrums erhalte. Der deutsche Reichstag würde keine Erbschaftssteuer» wie sie auch geartet fem möge, bewilligen. ' Bei der Abstimmung wird der konservative WertpflpUwnUaz angenommen. Zu der Umsatz- und Wertzuwachssieuer bemerkt Schatzsekretär Sydow, daß der erstercn Steuer näher getreten werden solle. Der Ertrag werde ein erheblicher nicht sein. Die Denkschrift zur Wertzuwachssteucr werde dem Plenum zugehen. Ihre Durchführung sei nicht in Aussicht zu stellen. Nach einer langen Debatte waren endlich auch diese Steuern erledigt. Im Handumdrehen wurden ohne Diskussion erledigt: Kaffee, Zündwaren, Kohlen, Mühlenumsatzsteuer und Glühkörper. Damit hatte die Finanzkommisfion ihre Arbeiten abends V27 Uhr beendet._ Willkomm dem„tzochperrSter"! Genosse Karl Liebknecht, der Verurteilte im Hochverrats- Prozeß vom 12. Oktober 1997, verläßt am Morgen des 1. Juni die Festung G l a tz. Die deutsche Sozialdemokratie bietet dem Kämpfer. der um der Sache deS Proletariats willen 1% Jahre Festungshaft erdulden mußte, herzlichen Willkommensgruß. In der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung wird der Prozeß, dem Genosse Karl Liebknecht zum Opfer fiel, unvergessen bleiben. Als eines der krassesten Zeugnisse deutscher Klassenjustiz wird da» Urteil des Reichsgerichts, wird das ganze Verfahren be- wahrt werden in den Dokumenten der deutschen Sozialdemokratie, im Gedächtnis des Proletariats. Zu Anfang des Februar 1997 erschien Liebknechts Broschüre: „Militarismus und Antimilitarismus". Zwei Mo- nate lang blieb sie unbeanstandet, zwei Monate lang wurde sie im Buchhandel verbreitet, in der Presse besprochen— da erfolgte am 23. April die Beschlagnahme auf Antrag deS ObcrreichsanwaltS wegen„Hochverrats"! Spät kam er, der Herr ObcrrcichSanwalt, aber um so eiliger hatte ers nun. Schon am 29. April wurde Ge- nosse Liebknecht vor dem Untersuchungsrichter vernommen. Man begreift die Eile, wenn man weih, daß das Verfahren an hohen Stellen mit intensivem Interesse verfolgt wurde. Eine hohe Be- Hörde, so gab der Oberreichsanwalt im Verfahren an, hatte ihn zum Eingreifen gegen das gefährliche Werk aufgefordert. Und der Kaiser ließ sich ständig über das Verfahren und besonders über die Hauptverhandlung Bericht erstatten. Ständig korrespondierte der Untersuchungsrichter am Landgericht Berlin I mit dem Polizei- Präsidium. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß unserem Gc- nossen, der sich durch seine Mitwirkung im Königsbcrger Hochver- ratsprozeß, im Plötzenserprozeß und durch sein« antimilitaristischc Propaganda den Herrschenden schon unangenehm gemacht hatte, ein schwerer Stand erwachsen würde. Und obgleich unter den Genossen und jenen vom Bürgertum, denen der Haß wider die Sozialdemo- kratie noch nicht jeden objektiven Maßstab zur Beurteilung der Liebknechtschen Broschüre geraubt hatte, nur eine Stimme darüber war, daß diese Schrift nicht», gar nicht? enthalte, wa» auch nur entfernt als Hochverrat gedeutet werden könnte, so gab es doch kaum einen Optimisten, der die Freisprechung zu erwarten wagte. Vor dem NntersiichungSrichter erfuhr Liebknecht, daß sein An- klüger aus der Broschüre heraus- oder vielmehr in sie hineingelefen haben wollte, der Verfasser beabsichtige. Frankreich zu einem Angriff auf Deutschland zu Hetzen. Diese tolle Beschuldigung war leicht pariert— sie starb an ihrer eigenen Unsinnigkeit. Aber die An- klage starb nicht mit ihr. Sie gebar immer neue Tat- bestandskonstruktionen, die den Hochverratsbegriff erfüllen sollten. Die Anklageschrift wies eine andere auf, als der UilterslichuugS« richter zur Verfügung hatte, der EröffnungSbeschlnh wieder eine andere und nachdem der Angeklagte auch diese zerstört hatte, wurden in der Hauptverhandlung nacheinander zwei funkelnagelneu- produziert und als auch die den Argumenten Liebknechts nicht Stand hielten, da ward in die Urteilsbegründung abermals eine neue, die sechste gesetzt. Die mußte der unbequeme Angeklagte wohl stehen lassen, die konnte er— wenigstens vor deutschen Richtern—nicht mehr zerfetzen. Denn gegen das Urteil des Reichsgerichts gibt es keine Berufung und keine Revision. Es ist — gesetzlich— unanfechtbar. Trotz der Eile des Oberreichsanwalt» konnte die Haupt- Verhandlung erst am 9. Ottober zu Leipzig stattfinden. Der zweite und dritte Strafsenat de» Reichsgerichts traten unter dem Senats- Präsidenten T r e p l i n zusammen. Oberreichsanwalt O l s h a u f e n vertrat seine Anklage, die Verteidigung führte Genosse RechtSanwal: Hugo Haas« sowie die Rechtsanwälte Dr. Hezel-Leipzig und Rosen- berg-Berlin. Drei Tage währte der Kamps unter lebhafter Teilnahme der Oeffentlichkeit. Sie auszuschließen hatte man nicht gewagt— die sozialdemokratische Presse hatte frühzeitig dagegen Einspruch erhoben, daß der Angeklagte hinter verschlossenen Türen abgeurteilt werde. Aber gern wäre man summarisch vorfahren— die Broschüre vollständig zu verlesen, hielt man anfänglich nicht sür nölig. Indes Genosse Liebknecht wußte, von seinen Verteidigern trefflich unterstützt, seine Rechte energisch zu wahren. Sein Wer? mußte verlesen werden. Dann gingen er und die Verteidigung zum rücksichtslosen Angriff vor, dem die Anklage nicht standhalten konnte. Schon im Borverfahren hatte der Oberreichsanwalt, wie erwähnt, seine Stellung zweimal wechseln müssen. Jetzt versuchte er es mit der dritten und al» das nichts half, mit einer vierten Kon- struktion. Die ganze Anklage balanzierte er schließlich auf einen „Druckfehler", der»ur den einen Fehler hatte, daß der Angeklagte ihn absolut nicht zugeben konnte, weil er eben nicht existierte. Alz der Oberreichsanwalt sich schließlich noch nachweisen lassen mußte. daß das, was er jetzt dem Angeklagten als Verbrechen vorwarf, von ihm früher selbst al« rechtlich völlig zulässig hingestellt worden war, war die Anklage tot. ES blieb nicht« mehr übrig al» Mit- leid mit ihrem Vertreter, von dem jeder im Saale wußte, daß er hier nur ein Amt, aber keine Meinung hatte. Freilich, als er dann am Schlüsse den Antrag auf zwei Jahre Zuchthaus stellte, da mischte sin, diesem Gefühl noch ein anderes bei, dem der Angeklagte am Schiusse semer letzten Ausführungen treffenden Ausdruck durch die Erklärung verlieh, daß er seine Stelle in diesem Saale nicht mit der de« Oberreichöanwalrs tauschen möchte. Die Anklage war tot, aber der Angeklagte wurde verurteilt. Auf 1� Jahre Festung lautete das ungeheuerliche Urteil. Genosse Karl Liebknecht hat der Gefahr des Zuchthauses tapfer ins Augesicht geschaut. Bis zum Schluß hat er für seine An- schauung und seine Sache gekämpft, wie es deS Manne« und des Sozialdemokraten würdig ist. Die Partei durfte stolz sein auf den Kämpfer, der keinen Fußbreit zurückwich und vor den Richtern des Klassenstaates stand als einer, dem die Pflicht gegen die Partei über die Sorge um seine Person geht. Am 12. Oktober, mittags 12% Uhr wurde das Urteil, daS von tatsächlichen Unrichtigkeiten und Mißverständnissen wimmelt, ver- kündet. Bereits am 13. Oktober ging„dem Liebknecht" die Weisung zu, bis zum 24. Oktober die Strafe in der Festung Glay anzutreten, die, verlängert durch einige notwendige Wochen Ur- laubsunterbrechungen, jetzt am 1. Juni, vormittags 9,29 Uhr, ihr Ende«reicht,/ -Genau ein Jahr nach Seth ReichSgttichtSWuch, am 10. Oktober 1908, erfolgte in Leipzig bor dem Ehrengerichtshof der deutschen Rechtsanwälte der glänzende Freispruch im EHrengerichtsver- fahren, das aus Ausschließung aus dem Anwalts- stände ging. Der Ehrengerichtshof schloß sich dem Spruch der ersten Instanz, des Ehrengerichts zu Berlin, an, der die Zumutung der Staatsanwaltschaft glatt abwies, den wegen einer ehrenhaften politischen Handlung Verurteilten für unwürdig zu erklären, die Robe des Anwalts zu tragen. So blieb der Reaktion ein sehr magerer, zweifelhafter Erfolg. Auf Jahre hat sie allerdings einen Kämpfer der Sozialdemo- kratie der Freiheit beraubt. Aber nur um den Preis einer un- geheuren Bloßstellung der deutschen Justiz, und in dem sie dem Angeklagten Gelegenheit gab, bor ganz Deutschland die Ideen der Sozialdemokratie darzulegen— eine Gelegenheit, die nicht un- genützt berstrich. Wie das deutsche Proletariat über den Urteilsspruch denkt, das hat es unzweideutig zu erkennen gegeben. Wenige Wochen, nachdem er die. Festung bcrlassen, wird Karl Liebknecht in die Feste des Dreiklassenwahlrechts einziehen als Erwählter der Berliner Arbeiterschaft! Willkommen der tapfere Kämpfer! Willkommen zu neuem Kampf! Sie ktoddeä SiolSBie vor Gericht. Dortmund, 28. Mai.(Eig. 23 er.) In der heutigen Verhandlung gelangten noch etwa IS Zeugen zur Vernehmung, die ausschließlich bonder Zeche geladen waren. Der Reigen wurde eröffnet durch einen Polier N a g a l e r der bei der Besichtigung der Kolonie durch das Gericht ein Gespräch zwischen Genossen N o ttebohm und seinem Verteidiger Rechtsauwalt Frank erhorcht hat. Rechtsanwalt Frank soll nach seiner Bekundung gesagt haben:.Es sind doch einige schöne Häuschen dabeif Nottebohm habe darauf ihm seine Akten gezeigt und gesagt:.Was schadet d a S l" Der Verteidiger erwiderte, wenn eS schon etwa« Ungewöhnliches sei, zu horchen und das Erhorchte in solcher Weise zu verwenden, wie es hier geschehen, so komme doch noch hinzu, daß der Zeuge falsch gehört habe. Nottebohm habe nicht so gesprochen, wie der Zeuge ausgesagt, sondern:.Was hat das zu bedeuten, die Mehrzahl der Häuser ist doch unter aller Kritik gewesen". Damit war der geschmackvolle Borstoß der Radboder Herren zurückgewiesen. Sofort holten sie zu einem zweiten aus, der sich gegen den Sachverständigen Dr. D i t h m e r richtete. Er richtete während der vorigen VerhandlungStage einige recht geschickte Fragen an die Zeugen und scheint dabei den Herren von Radbod recht unbequem geworden zu sein. Ihr Vertreter, Rechtsanwalt Dr. Kättgen, stellte plötzlich den Antrag, eS solle Beweis darüber erhoben werden, daß Dr. Dithmer vom Ehrengericht der Aerztekammer disziplinarisch bestraft worden fei wegen Verstoßes gegen die Berufsehre. Dr. Dithmer habe bei Vernehmung der Zeugen die Sachlich- k e i t v e r m i s s e n lassen und sei zu temperamentvoll gewesen. Sogar der Staatsanwalt wendete sich gegen diesen Antrag, der nur dann zulässig sei, wenn sich das Urteil gegen die wissenschaftliche Fähigkeit Dr. Diihmers richte. Da« Gericht lehnte den Antrag glatt ab. Das„Vergehen" bei Herrn Dr. Dithmer besteht barin, daß er ein« mal einem Kollegen— sagen wir mal: grob gekommen ist, waS als Beleidigung angesehen wurde.... Aller guten Dinge sind drei— also versuchten nun die Herren von Radbod noch einen Handstreich gegen den Amt- mann a. D. Stamm, dessen Aussagen den Herren sehr quer zu sitzen scheinen. Es ist ja gelungen. Herrn Stamm noch rechtzeitig am Reden zu hindern. Aber waS er gesagt, soll widerlegt werde» durch Verlesung eines Briefe», den Herr Stamm angeblich vor einigen Jahren an die Zechenverwaltung gerichtet hat. Der Ver- leidiger forderte mit Recht, wenn der Brief verlesen werde, dann müsse auch Herr Stamm als Zeuge gehört werden. Man wisse ja gar nicht, ob der Bries auch echt sei! Das Gericht lehnte die Verlesung des Briefes ob, weil sie prozessual unzulässig. Die weitere Zeugenvernehmung drehte sich Haupt- sächlich um die Frage, wie lange die Häuser im Rohbau standen, ehe sie benutzt wurden. Die Zeche hatte mit ihren ZengenentschiedenPech. Zwar sagten ein Bauführer und noch ein weiterer Zeuge aus, daß die Häuser.etwa" S Wochen im Rohbau gestanden hätten. Weitere Zeugen bekundeten, einzelne Häuser möchten wohl 3 bis 4 Wochen gestanden haben, andere Häuser aber auch kürzere Zeit. Ein Zeuge sagt, eS habe manchmal 8 bis 14 Tage gedauert, und schließlich kommt ein Zeuge, der sagt, eS hätten Häuser nur 2 bis 8 Tage im Rohbau gestanden. Mehrere Zeugen der Zeche wissen gar nichts zur Sache auszusagen. Bauunternehmer Martini hält daS verwendete Material fllr tadellos, muß aber auf Befragen des Bausachverständigen Schäfer zugeben, daß nordisches Holz verwendet wurde, das 0-- 10 Mark der Kubikmeter billiger ist als rhei- nische« Holz. Vanrat Kraft weiß nicht, ob eine Vorschrift besteht, daß bei Anlage von Kolonien ein Kreisarzt gehört werden muh. Und Bauführer Kalb muß zugeben, daß bei lieber- gäbe der Häuser eine systematische Untersuchung der Brunnen nicht erfolgt ist. Damit ist die Vernehmung der Zeugen in der Hauptsache beendet. Es erhält das Wort Baurat Siebold, der die Kolonie erbaut hat. Herr Siebold ist zugelassen als Sachverständiger trotz Ablehnungsantrag der Verteidigung, die rügte, daß Siebold interessiert sei. DaS Gutachten SieboldS ist also gewissermaßen ein Urteil in eigener Sache. Der Gutachter erzählt, daß er schon manche Kolonie gebaut hat. Als er nach Radbod ge- kommen, habe er sofort gesagt, daß daS Gelände für die Anlegung einer Kolonie„ganz hervorragend gut" sei. Eine Straße von der Radbod-Kolonie sei eint Sommer- Frische gegen eine Asphaltstraß» in Berlin. Herr Siebold hält daS Gelände für s e h r t r o ck e n. Nur aus besonderer Vorsicht habe er die Jsolierpappe legen lassen. Wenn die Pappe auch wirklich Löcher erhalten haben sollte, dann lege er dem keinen Wert bei. Tic Nässe rühre daher, daß nicht gelüftet worden sei. Eü komme vor, daß trockene Häuser feucht würden, wenn nicht genügend ge- lüftet werde. Es komm» auch vielfach auf die Sauberkeit der Frauen an. Die Brunnen seien der Vorschrift gemäß weit genug von den Aborten angelegt worden. Er halt« eS für ausgeschlossen, daß das Grundwasser in den Wänden hochgezogen sei. Irgendeine Kleinig- keit sei ja immerhin möglich. Die Sache mit dem angefrorenen Schnurrbart halte er für einen Scherz. Zum Schluß wird dann noch das Gutachten des Professors Dr. Sommerfeld entgegengenommen, daS im schroffen Gegensatz steht zu d»m des Herrn Sievold. Der Herr Gutachter sagt, man muffe beachten, daß die B e- fichtignng der Kolonie durch das Gericht und das Er- scheinen des unter Anklage stehenden Artikels zeitlich weit ati Seinander liegen. Zudem sei die Besichtigung erfolgt bei schönem Wetter und relativ hoher Temperatur. Man müsse bann unterscheiden die Häuser die oben, die am Hang und die in der Mulde stehen. Je nach der Lage seien die Mengen des Grundivassers verschieden. Der Typus der Häuser sei als zweckmäßig anzuerkennen, wenn gewisse Vorbedingungen erfüllt seien. DaS sei hier aber nicht der Fall. Die Dicke der Mauern sei ein halber Stein. Die Wände seien zu dünn und böten nicht genügend Schutz gegen die Kälte. Das ganze Haus sei von der Luft umspült und allen atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt. Eine stabile Bauart sei es nicht, wenn die Türfüllungen mit der Hand weggerissen werden könnten, wie er eS selbst getan habe. Die Dachrinnen sind so gehalten, daß das Regen wasser die Wände peitscht und die Baufeuchtigkeit vermehrt. Beim Bau der Fenster ist nicht genügend Rücksicht ge- nammen auf das Quellen, da» Holz war nicht genügend trocken. Die Zimmer böten nicht genügend Luftinhalt. Er halte eS für verfehlt, daß die Behörde gestattet habe, daß statt der lichten Höhe von 8 Meter nur 2lli Meter zur Anwendung gelangten. Der Sachverständige kann eS nicht fassen, daß durch Atmen, Kochen usw. sich soviel Feuchtigkeit in den Mauern ansammeln kann, daß Wasser die Wände herunterfließt und über die Dielen läuft. Die Ursache ist vielmehr, daß die Häuser zu früh bezogen wurden und nicht Zeit zum Austrocknen hatten. So sind die Wände mit Wasserdampf erfüllt und können die Feuchtig- keit, die durch Atmen und Kochen entsteht, nicht aufnehmen. Dadurch entstehen Zustände, deren Folgen rheumatische Leiden und Nierenkrankheiten sind. Die Wasserversorgung ist bei einer Kolonie das w i ch t i g st e und daran hat eS gefehlt. Selbst wenn das Gesetz es nicht vorschreibe, daß bei Anlage einer Kolonie der Kreisarzt gehört werden muß, so ist es doch ein grober Fehler, eine Nachlässigkeit, wenn eS nicht geschieht. Es ist beschworen worden, daß das Wasser in den Brunnen unklar war und roch; ein solches Wasser ist gesundheitsschädlich. Bei der Anlage der Kolonie ist den grundlegenden Forde- rungen der Gesundheitspflege nicht Rechnung getragen worden. Bei der Anlage einer Kolonie genügt es nicht, den Arbeitern ein Unterkommen zu schaffen. Die Wohnungen brauchen keine Villen zu sein, müssen aber angenehm und wohn- lich sein. ES müssen Einrichtungen geschaffen werden, um der T r u n k s u ch t entgegenzuwirken. Auf„Radbod habe er nicht die Spur von Anfängen einer WohlfahriSeinrichtung getroffen. Dazu rechne er Badeanstalt, Bibliothek, Lese- hallen usw. Die Errichtung einer Kolonie, wie die aus Radbod, ist keine soziale Tat, da kommt nur da» finanzielle Jnteresie in Betracht. So daS Urteil des Professors Dr. Sommerfeld über die Radbod- Kolonie, da« bei der Gegenpartei ersichtlich Verlegenheit und An f- regung hervorrief. Der gegnerische Bausachverständige Kraft redete fortwährend in sehr eigenartigerWeife auf den Herrn Professor ein, um sein Urteil, dessen Wirkung und Beden» t u n g er wohl kannte, zu beeinflussen und e i n z u- schränken. Er übte Kritik an verschiedenen Stellen des Gut- achtens, mußte sich aber sagen laffen, baß er die Stellen falsch verstanden und ein ander Mal falsch zitiert hatte. Bnt Sonnabend findet eine Sitzung statt, in der nur der Arzt Dr. Jakobs-Unna vernommen wird. Nächsten Mittwoch sollen dann die noch übrigen SachverstäudiSen gehört werden. polltirchc ücberftcbt Berlin, den 29. Mai 1909. Militärische„Ersparnisse". Oberst a. D. G ä d k e weist im„Berliner Tageblatt" nach, daß auch der Moloch Landmilitarismus wiederum Appetit verspürt. sofern wenigstens die Meldungen der militärpolitischen Korrespondenz zutreffen. Nach einem Beschluß der Budgetrommission sollte der Aggregierten- fondS um 10V(XX) Mark gekürzt werden. Nun soll aber eine Novelle zum Etat der Verwaltung dcS Netchsheeres in Aussicht stehen, die zwar den SlggregiertenfondS auf 80 000 M. herabsetzt, dafür aber für 50 Stabsoffiziere und 50 Hauptleute erster Klasse einen Betrag von 557 000 M. anfordern, d. h. den Aggregiertenfonds in Wirklichkeit um mehr als 50 Proz. erhöhen wird. Oberst Gädke fährt dann fort: „Ebenso aber scheint cS(immer vorausgesetzt, daß die Angaben der.Militärisch-volitischcn Korrespondenz" richtig sind) um die Aendcrung der Etats für die höheren Adjutanturosfiziere und Prinzenadjutanten zu stehen. Angeblich sollen zehn preußische und ein sächsischer Adjutant in Zukunft an„anderer Gtalftclle" erscheinen, was dem Steuer- zahler ausiiehineiid gle-chg!illig sein wird. Ferner aber solle» die Dienstgrade innerhalb dieser Adjutantur derart verteilt werden, daß m Zukunft auf Preußen: 74 Stabsoffiziere, 200 Hanptlcute, 30 Oberleutnants entfallen. DaS bedeutet, soweit man auZ einem Vergleich mit dem bisherigen Etat ersehen kann, eine ganz beträchtliche Vermehrung der höheren und also höher be- soldete» D i e n st st e l l e n. Davon ganz abgesehen fehlen in dieser Aufstellung noch die für Generale in Aussicht genommenen Adjutanturposten. Es ist doch aber über jeden Zweifel erhaben, daß im Hauptquartier des Kaiser? und der Könige sich nach wie vor Generale befinden werden. Wenn man zu diesen Erhöhungen nun noch die entsprechende Erhöhung de? EtatSkapitelS für WohnungS- g e l d rechnet, die sich mit jeder Vermehrung der Zahl und des Ranges der Offiziersiellen automatisch ergibt, so wird hier im Wege eines möglichst verschleierten NachtragS- etats eine ganz hübsche Erhöhung de» Heere»» hauShaltS versucht. Und inzwischen denkt Fürst Bülow über Ersparniffe im Heeres- Wesen nach." Da man ja einmal bei der Gcschwindfabrikation neuer Steuern ist, braucht man nur eine oder zwei neue Steuern mehr auszukicobeln, um Molochs Bedürfnisse zu befriedigen. Für diesmal wenigstens 1_ Der Kampf um den Papst. Bekanntlich haben vor kurzem die M.-Gladbachcr eine Deputation an den Papst geschickt und nachher der Welt verkündet, daß PiuS X. voll und ganz gebilligt habe, was die christlichen Gewerkschaften getan hätten. DaS Vatikanblatt, der„Osservatore Romano" hat nachher bestritten, daß derPapst sich so ausgedrückt habe. Darauf erfolgte eins Ecllärung der Teilnehmer der Deputation, darunter des Abg. GiesbertS. baß ihre Mitteilungen über die Audienz genau dem Text der Uebersetzung entsprächen, die ihnen während der Audienz von der Ansprache des PapsteS gegeben worden sei. Jetzt kommt der „Osservatore Romano", dem die M.-Gladbacher diese Erklärung zu» geschickt hatten mit folgender Mitteilung: „Wir bedauern, dem Ersuchen der genannten Herren, diese ihre Erklärung zu veröffentlichen, nicht nachkommen zu können. Denn obschon sie darin tun, als wäre eS ihnen unbekannt oder als wüßten sie nicht genau, von welcher Seite die von uns veröffentlichten Erklärungen uns zugegangen sein könnten, so müssen sie doch begreifen, daß dieselben aus autorita- t i v e r Q n e 1 1 e st a in m e n, ja sogar au 8 der einzigen, aus der wir sie überhaupt erhalten konnten... Wir bitten ans diesem Falle die Nutzanwendung zu ziehen, wie wenig klug eS ist und wie leicht es unliebsamen Widerspruch hervorrufen muß. wenn man den Anspruch erhebt, ivörtlich die Aeußerimgen eines anderen. namentlich in einer fremden Sprache, wiederzugeben, ohne sich vorher darüber vergewissert z u haben, daß der gebotene Text genau und treu dem Ge- danken dessen entspricht, der die Aeußeruugen getan hat." Der Papst ist es also selber, der durch den „Osservatore Romano" bestreitet, daß er sich mit der Tätigkeit der chri st lichen Gewerkschaften ein- verstanden erklärt habe. Die M.-Gladbacher sind also einem unfähigen Uebersetzer zum Opfer gefallen, oder sie haben geflunkert. Der Reinfall ist den Herren GieSbertS, Weber usw., die sich ihre Anweisungen als Führer deutscher deutscher Arbeiterorganisationen aus Rom holen, zu gönnen. Zentrum und Fahrradstempelstcner. Die„Kölnische Zeitung" nennt die vom preußischen Bbgeord- netenhause beschlossene Fahrradstempelsteuer die„ u n p o p u« l ä r st e Steuer, die im Reiche und in Preußen je eingeführt worden ist", der neue Stempel arbeitete einem sozial- und verkehrspolitisch wichtigen Fortschritt, der maffen- hasten Einführung der Fahrräder in Lrbciterkrcisen, entgegen. DaS nationalliberale Blatt richtet seine Kritik besonders gegen das Zentrum. Die„Kölnische Volkszeitung" meint dem- gegenüber, für die Beurteilung der gesamten Steuerpolitik deS Zentrums habe dieser„nebensächliche Zwischenfall" keine Bedeutung. Im übrigen bedauert das Zentrums blatr, daß mau dem Gegner eine solche bequeme Handhabe geboten habe und meint: „Die Steuer ist an sich geringfügig; aber trotzdem verstehen wir nicht recht, wie man dazu hat kommen können, eine derartige Summe zu beschließen. Die Steuer ist lästig und un- volkstümlich und sie wird als lästig und unvolkstümltch noch mehr ausgeschrien werden, als sie eS ist.... Die Herren, welche diese Steuer erfanden und beschlossen, waren u. E. in ihren» Steuereifer nicht gut beraten. Sie werden ihren Be- schlnß vor der Oeffcntlichkcit und insbesondere vor ihren Wählern zu vertreten haben." Blockbriider gegen einander. Wie anderoris sind auch in Lübeck die Liberalen, National- liberalen, Landbündler usw. vereinigt zum gemeinsamen Sturm gegen die Sozialdemokratie. Dieser Mischmasch, der seit der letzten ReichStagSwahl besteht, geht anscheinend jetzt seinem Verfall eni- gegen, wie aus verschiedenen Vorkommnissen in der jüngste» Zeit zu ersehen ist. Die offenen Reaktionäre, die im Wahl- kämpfe die sogenannten Liberalen als Eturm- böcke benutzten, zeigen jetzt dem Mohren, nachdem er feine Schuldigkeit, wenn auch ohne Erfolg, getan hat, die Tür. Den Anlaß dazu gaben die im Herbst dieses Jahres stattfindenden Lübecker Bürgerschnfts- wählen. Die sogenannten Liberalen glauben nämlich durch ihre Mitarbeit beim„Niederreiten" der Sozialdemokraten ein paar Mandate verdient zu haben und beabsichtigen deshalb, einige von ihren Leuten mit in die Bürgerschaft hineinzubringen. Dazu sind aber die offenen Reaktionäre, die bisher die Wahlen in der ersten Klaffe, in der der Geldsack maßgebend ist. machen, nicht erbötig, und so versuchten sie zu- nächst allen Liberalen, die weniger als 2000 M, Einkommen haben(die Grenze zwischen der ersten ui»d zweiten Klasse), das Mitbestimmungsrecht bei der Aufstellung der Kandidaten zu nehmen. Da aber die Liberalen in der zweiten Wählcrklasse, die von den Sozialdemokraten beherrscht wird, keine Aussicht haben, ihre Kandidaten bei der Wahl durchzubringeit, so wären sie, wenn der Streich der Nationalliberalen und Landbündler gelungen wäre, schließlich die betrogenen Betrüger gewesen. Es glückte ihnen aber noch einmal, den Streich ihrer Blvckbrüder abzuwenden. Jetzt haben die reaktionären Bürgerschaftsmitglieder, achtzig an der Zahl. eine Vereinigung gegründet, die wie zu», Hohn als„Baterstädlische Vereinigung" betitelt worden. Durch diese hofft man die Liberalen einflußlos zu machen. da die Gruppe genau die Zweidrittelmehrheit im Vierklassenparlament besitzt. Gegen dieses neueste Borgehen ihrer Elockbrüder haben sich die Liberalen bisher noch nicht zu wehren ver« mocht. Die Sozialdemokratie ist der lachende Dritte bei diesem Bruderzwist im Vlockhause, der mit als Beweis dafür dienen kann, daß die sogenannten Liberalen nur solange bei ihren Block- freunden wohlgelitten sind, als sie helfen die Sozialdemokratie zu verleumden und den VolkSverrat zu fördern. Wenn sie ihren Lohn- anteil verlangen, erhalten sie den verdienten Tritt.— Umsatzsten erpech. In Dresden haben sich der Stadtrat und die antisemitisch- konservative Stadlverordnetenmehrhcit schon seit Jahren abgemüht, eine Umsatzsteuer einzuführen, um die A r b e it e r- K o n s u in- vereine und die Warenhäuser so zu schröpfen, daß sie den Klein« krämern keine Konkurrenz mehr bereiten köiinen. Dabei sind die KoiisumvercinStöter aber von einem seltenen Pech verfolgt worden. Seit einem Jnhrzchut schon wird der Unisatzsieuerplan betrieben; es vergingen aber einige Jahre resultatlos, weil der Rat nicht recht wollte. Da nahmen vor sechs Jahren die Anti- semiteii und Konservative»» in» Dresdener Smdlparlauient die Sache selbst in die Hand. Ein Entwurf für eine solche Knedelungssteuer wurde ausgearbeitet, beschlossen und der Rat zum Beitritt und zur AuSftthnmg aufgefordert. Das tat er auch, wie er geschoben wurde. Die Knebelung der Arbeiterkonsumvereine in Dresden schien ausgemachte Sache, da versagte aber die Kreis- hauvtmannschaft de», Entwurf die Genehmigung, offenbar deshalb, »veil er den Charakter einer E r d r a j s e l»»>» g s st e u e r zu deutlich trug. Einige Jahr» hörte man nichts wieder. Vor einigen Monaten aber beschlossen Rat und Stadt- verordiietenmehrheit den Knebelungssteuertarif in etwas ab- geänderter Weise von neuem. Nun schien man der Sache sicher zu sein. Die auf einige hunderttausend Mark berechneten Er» träge, die man Konsumvereinen und Warenhäusern abknöpfen wollte, wurden schon in den Finanzplan mit eingestellt. Die Rechnung war aber wieder ohne die Kreishaupiniannschaft gemacht, die de» Eiuwurs abermals ablehnte. Nun ist Dresden-Holland in Not. Jetzt will man den Rat der KreiShauptmaunschafl befolgen und eine Umsatzsteuer nach Chemnitzer Muster einführen. Danach wird eine Umsatzsteuer nur dann von Konsmnvereinen und Warenhäusern erhoben, wenn ste nicht 10 Proz. des Umsatzes als Einkommen versteuern. Von dieser Steuer werden die Konsumvereine nur wenig berührt, dagegen trifft sie die Waren- Häuser auch noch empfindlich. Auch diese Sondersteuer ist indes noch nicht über alle Klippen hinaus. Schweiz. Ein neuer Feldzug für den Proporz. St. Galle», 24. Mai.(Eig. Ber.) Wie zu erwarten war, haben im großen Rate des Kantons St. Gallen die Sozialdemo- traten, Demokraten und Konservatiben gleich in der ersten Sitzung des neugewählten Parlaments den Antrag gestellt, die Regierung solle bis zur nächsten ordentlichen Sitzung Bericht und Antrag vor legen betreffend Einführung des bezirksweisen proportionalen W a h l v e r f a h r e n s für die Wahlen zum großen Rat. In der Abstimmung standen sich 82 liberale und 82 Stimmen der ver- einigten Parteien gegenüber, worauf der Präsident den Stichentscheid z u g u n st e n des Antrages gab. Damit ist der neue Kampf um den Proporz im Kanton St. Gallen eröffnet. franhmeb. Der Streik der Seeleute. Paris, 29. Mai. Wie aus St. Nazaire gemeldet wird, hat sich die Mannschaft des gestern aus Veracruz eingetroffenen Postdampfers„Campagne" der Compagnie Transatlanttque den streikenden Seeleuten angeschlossen. Die Zahl der von dem Ausstande betroffenen Schiffe der Ge- sellschast beträgt bereits vierzehn.— Aus Marseille wird gemeldet, daß ein Teil der durch den Streik dort zurück- gehaltenen Reisenden morgen mit einem spanischen Dampfer nach Algier befördert werden soll.— Marseille, 29. Mai. Die eingeschriebenen Seeleute hatten der Kompagnie transatlantique angeboten, vier Schiffe zu bemannen um Passagiere zu befördern. Da aber die Kompagnie auch Post, PostkolliS und Waren befördern wollte, zogen die See- leute ihr Angebot zurück und beschlossen die Fortsetzung des Streiks._ Das Streikrecht. Marseille, 29. Mai. Die eingeschriebenen Seeleute haben dem Syndikat der Reeder der Handelsmarine schriftlich mit- geteilt, daß sie mit jeder einzelnen Gesellschaft direkt und nicht mit dem Syndikatsausschuß der Reedereien ver- handeln wollten. In einer Versammlung der Seeleute machte heute der Sekretär des Reederei- syndikats bekannt, daß der M a r i n e m i n i st e r einer Abordnung des Zentralkomitees der Reeder Frankreichs auf deren Anfrage geantwortet habe, er bliebe in Ansehung des Gesetzes von 1884 dabei, den eingeschriebenen Seeleuten das Recht, in den Ausstand zu treten, zugestehen zu müssen, und er könne sie in keiner Hinsicht als Fahnenflüchtige betrachten. Soldaten als Streikbrecher. Paris, 29. Mai. Der Ministerrat beschloß zur Sicher- stellung des Post- und Passagierverkehrs zwischen Frankreich, Algier, Korsika und Tunis den Reedern für die Bemannung einer bestimmten Anzahl von Dampfern bis auf weiteres aktive Marinesoldaten zur Verfügung zu stellen. Cürheu Zu den Metzeleien in Kleinasien. Aus Genf wird uns geschrieben: Als die türkische Re- gierung über die Massakers in Kleinasien interpelliert worden war, schob der Vertreter des Ministeriums des Innern, Adil Bey, wieder einmal die Schuld auf die Armenier. Stolz erklärte er, alles getan zu haben, um die Sicherheit der Ausländer in Cilicien zu garantieren, und in diesem Sinne dem Mali von Adana telegraphiert zu haben. Trotzdem die Ar- menier nicht die Schuld an den Massakers haben und das er» wähnte Telegramm Adil BeyS an den Wali nichtS anderes als eine indirekte Verordnung enthielt, die Armenier nicht zu schonen, hat die Kammer Adil Bey. diesem„konstiwtio- nellen" Verteidiger der Armeniermörder, ihr Vertrauen ausge. sprachen. Diese Haltung der türkischen Kammer hat das Zentralorgan der armenischen sozial-revolutionären Partei„Daschnakzutjun" veranlaßt, folgendes Telegramm an die Kammer zu senden:„Mit Erstaunen erfahren wir, daß in der Sitzung des Parlaments die Regierung auf Grund der lügnerischen Berichte der lokalen Be- Hörden die letzte Tragödie von Adana den armenischen Revolutio» nären zugeschrieben und die Armenier als Anstifter angeklagt hat. Wir protestieren gegen diese boshafte Insinuation, deren Zweck die Bemäntelung der Verbrechen ist. Wir behaupten, daß die ar» menischen Revolutionäre nichts gemein haben mit den gräßlichen Orgien, die von dem fanatischen Pöbel unter Mitwirkung der lokalen Truppen und Behörden veranstaltet worden sind. Wir appellieren an die Vernunft und die Gerechtigkeitsliebe der Kam. mer, damit sie alle notwendigen Mittel zur Bestrafung der Schul- digen ergreift. Die Belassung der hamidischen Beamten in ihren bisherigen Stellungen ist eine beständige Quelle der Verbrechen, durch die die Ruhe und die Sicherheit des Reiches schwer leidet." Alle Berichte, die die Redaktion des„Droschak", des Zentral- organs des„Daschnakzutjun", bekommt, zeigen, daß die Metzeleien von den Agenten Abdul-Hamids und der Reaktionäre inszeniert worden waren. Am ersten Tage haben die Armenier den wilden Horden in verschiedenen Stadtteilen energischen Widerstand ge- leistet. Die Augenzeugen sind über diese heroische Selbstverteidi- gung voll Bewunderung. Es waren bloß hundert gutbewaffnete Arnienier, die länger als 24 Stunden gegen ungeheure Scharen des Pöbelö, und später auch gegen die Truppen kämpften. Aber die Ungleichheit der Kräfte und der Mangel an Patronen haben schließlich die Macht der Armenier gebrochen, uird am nächsten Tage wurde der blutgierige Pöbel Herr der Situation. Nach an- nähernder Berechnung beträgt die Zahl der in Adana g e t ö t e- ten Armenier etwa 2990, die der getöteten Türken mehr als 1999. Gleichzeitig wurden die Armenier auch in Mersina und in der ganzen Provinz angegriffen. Hier war die Selbstverteidigung nicht so gut organisiert, deshalb sind hier mehrere Tausende von Armeniern maffakriert Vörden. � I Grenzkämpfe. Frankfurt a. M., 29. Mai. Die„Frankfurter Zeitung* meldet auS Belgrad: An der serbisch-türksichen Grenze nächst Wranja kam es wieder zu einem Zusammen stoß, diesmal zwischen der serbischen und der türkischen Grenzwache. Auf ser- bischer Seite fiel ein Grenzwächter. Eine gemischte Kommission ist mit der Untersuchung beauftragt worden 6ewcrforcbaftUcbc9. Eine Wandlung. Seit dem internationalen Bergarbciterkongreß, der 1894 in Berlin stattfand, hat sich in der englischen Bergarbciterschaft eine bedeutungsvolle Wandlung vollzogen. Auf dem da- maligcn Kongreß traten von den Engländern hauptsächlich die Trade-Unionisten der alten Schule, Thomas Burt, Ben Pickard und John Wilson, hervor. Burt und Wilson insbesondere, die Vertreter der Durhamer und Northumberländer, propagierten die Gewerkschaft als Allheil- mittel, neben der die Beeinflussung der Gesetzgebung durch politische Aktionen nur sekundär in Betracht komme. Auch der vor einigen Jahren verstorbene Ben Pickard repräsentierte noch vielfach den alten Typus der Trade- Unionisten, wenn er auch nicht wie Burt die gesetzliche Fixierung z. B. des Achtstundentages ablehnte. Das starke Hervortreten dieser alten Richtung trug auf dem 1894 er Berg- arbeiter-Kongreß mit dazu bei, eine Verständigung zwischen der Mehrheit der Briten und den auch für politische Aktionen inklinierenden kontinentalen Delegierten zu erschweren. Die kapitalistischen Soldschreiber tiftelten deswegen einen„unüber- brückbaren Gegensatz" zwischen den„nüchternen Engländern" und der Sozialdemokratie heraus, wollten das sogar aus der Erwiderung Pickards auf die im Namen der soziald. Fraktion von Singer gehaltene Ansprache heraus hören. Dabei war die Ansprache Singers mit dem Kongrcßkomitce vereinbart und auf die im Namen der Gewerkschaften von Legten ge- haltene Begrüßungsrede, die mehr sozialistisch gefärbt war wie die Ansprache Singers, antwortete Pickard auch mit besonderer Anerkennung. Aber auch weil einige mit der Geschichte der britischen Arbeiterbewegung und ihren führenden Personen zu wenig vertraute' deutsche Delegierte den deutscheu Maßstab an die Reden und Anträge der Briten legten, kam es zu für die Gegner der Internationale erfreulichen Zusammenstößen. Die Engländer hätten den Sozial- demokraten„die kalte Schulter gezeigt", schrieben nach dem Kongreß die deutschen Kapitalistenblätter, wogegen die eng- tische Unternehmerpresse schrieb, die britischen Delegierten hätten„zu sehr mit den kontinentalen Sozialisten gelieb- äugelt"! Bei alledem darf nicht vergessen werden, daß es die Engländer waren, die 1899 den ersten internationalen Bergarbeiterkongreß anregten. Heute sind(seit Anfang 1998) sämtliche bergmännischen Distriktsverbände Englands in der Miners Federation of Great Britain, der Vorkämpferin für gesetzlichen Berg- arbciterschutz, vereinigt. Durch eine Urabstimmung haben auch die Northumberländer und Durhamer sich gegen die Ansichten ihrer alten nurgewerkschaftlichen Wortführer für den Anschluß an die Miners Federation of Grect Britain entschieden und eine Urabstimmung sämtlicher Federationisten beschloß den Beitritt der bergmännischen Parlamentsvertreter zur sozialistischen Arbeiterfraktion im Unterhaus. Statt der alten Nurgewerkschaftler treten heute auf den nationalen und internationalen Bergarbeiterkongressen jüngere, mehr oder weniger sozialistisch gesinnte Führer hervor. Heute protestiert keine britische Bergarbeiterdclegation mehr gegen die Erörterung 'ozialistischer Probleme, erklärt sich kein namhafter Führer mehr für die nurgewerkschaftliche Aktion der Bergarbeiter. Vielmehr waren es auf den letzten Kongressen oft britische Delegierte, vornehmlich schottische und südwalisische, die in prononziert sozialdemokratischen Reden für Grubenverstaat- lichung, Produktionsregelung, Minimallohn und— für die Bekämpfung des Krieges, für militärische Abrüstung eintraten! Wenn auch noch nicht von den britischen Bergarbeitern schlechthin als einer sozialisttsch gesinnten Arbeitermasse geredet werden kann, so sind doch schon unter ihren tüchttgsten Führern heute zahlreiche gutgeschulte Anhänger und Agitatoren der Sozialdemokratie. 1894 erregten einige sozialdemokratische Redewendungen kontinentaler Bergarbeiter- delegierten noch Anstoß bei der Mehrzahl der Arsten, heute klatschen sie lebhaften Beifall, wenn ein Redner die Rot- wendigkeit sozialistischer Umgestaltung unserer Wsttschasts- „Ordnung" betont. Es sind wesentlich fortgeschrittene bristsche Bergarbeitervertreter, die dieses Jahr zum internationalen Kongreß nach Berlin kommen! Dessen hat sich die gesamte Arbeiterschaft zu freuen, denn es ist ihr sicher nicht gleich- gültig, auf welcher Seite die 699 999 straff organisierten Bergarbeiter Englands stehen._ Berlin und Omgegend» Achtung, TSpfer! Wegen Nichtzahlung des TarifeS verhängen wir hiermit über den Töpfermeister Herm. Klinkert, Lankwitz, Zietenstraße 24. die Sperre. In Betracht kommt der Bau Steglitz. Südende- und Körnerstraßen-Ecke. Die Hirsche haben diesen Bau besetzt und arbeiten für den Vcllener 19 Proz., für Altdeutsch IS Proz. unter dem bestehenden Tarif. Die Verbands leitung. Oeutlehes Reich. Auch eine Kongreßerinnenmg. Der internationale Bergarbeiterkongreß, der 1894 in Berlin stattfand und den wir an anderer Stelle würdigten, hat für die deutsche Gewerkschaftsbewegung eine spezielle Bedeutung erlangt. Er mußte nämlich den klerikalen Parteigängern die an den Haaren herbeigezerrte Gelegenheit bieten, den ersten„internationalen" ZentrumSgewerkverein zu gründen. Geschickt arrangierte der Essener Zentrumssührer Pfarrer Driessen eine„Protest- bewegung gegen die sozialdemokratischen Anmaßungen der deutschen Delegierten zum internationalen Bergarbeiterkongreß". Ausgerechnet ein P f a r r e r ist eS gewesen, der„namens der christlich und patriotisch gesinnten Bergleute" dagegen protestierte, richtiger gesagt, von ihm ergebenen Bergarbeitervertretern a la Brust dagegen protestieren ließ; daß in Berlin die Bergarbeiterdclegierten sich als Vertreter ihrer deutschen Kameraden geriert und sich als Revolutionäre auf- geführt hätten. Schon im August desselben Jahres fand die den .Gewerkverein christlicher Bergleute" vorbereitende Versammlung in Essen statt, im Oktober seine Gründung. Ihm folgten die Grün- düngen der anderen arbeiterzersplitternden Zentrumsgewerkvereine. Auch ihre Väter haben sich verspekuliert. Der alte Berg- arbeiterverband hat heute mit über 112 999 Mitglieder den ZentrumSgewerkverein, der mu halb so viel Beitragseinnahmen hat, weit überflügelt und soeben hat die Generalversammlung des Berg- arbeiterverbandeS bewiesen, daß er vorwärts schreitet, seine Leitung, insbesondere der erste Vorfitzende Genosse Sachse trotz infamster klerikaler Hetze das volle Vertrauen der Verbändler befitzt. Im all» gemeinen ist heute die Mitgliederzahl der steien deutschen Gewerk- schaften den Zentrumsgewerkvereinen mehr als sechsmal überlegen. Also auch die klerikale Spekulation auf Ueberwindnng der modernen GewerkschaftSbewachnug ist eine verfehlte gewesen. Der Verband der PortefeuM« vollzieht nun mit Ende deS Monats Juni die Verschmelzung mit dem Verbände der Sattler. Damit stellt auch die„Portefeuiller-Zeitung" ihr Erscheinen ein. DaS am 2. Juli neuerscheinende gemeinsame Organ betitelt sich dann:„Sattler- und Portefeuiller-Zeitung". Der bisherige Vor- sitzende des Portefeuillerverbandes, Genosse Weinschild, wird zweiter Vorsitzender des neuen Verbandes; erster Vorsitzender bleibt der bisherige Vorsitzende des Sattlerverbandes, Genosse Blum. Das Bureau des Verbandes befindet sich ab Ende Juni: Berlin LO., Brücken st raße 19 d. Der„Verband der Hausangestellten Deutschlands"' hat sein Zentralbureau in Verlin 80. 16, M i ch a e l kir ch p l a tz I vorn 2 Treppen eröffnet. Daselbst befindet sich auch die Redaktion und Expedition deS.Zentralorgans".— Alle Zuschriften sind zu richten an die Verbandsvorsitzende Frl. Ida B a a r, Berlin L0. 16, Michaelkirchplatz 1, vorn 2 Treppen. In der Stahlwarenfabrik Ernst Mandewirth in Solinge« ist eZ zur Arbeitseinstellung gekommen. Die Firma hat schon seit langer Zeit versucht, die im Berufe der Taschen- und Federmesserbranche üblichen Preisverzeichnisse(Tarife) zu umgehen und dies auch teil- weise fertig gebracht. Der Deutsche Metallarbeiter-Berband und der Jndustriearbeiter-Verband(Solinger Fachvercin der Stahlwaren- Industrie) haben eine gemeinsame Aktion gegen die Firma ein- geleitet und den Streik über dieselbe verhängt. ?Ziisl»nd. Der Konflikt im südwalisischen Kohlendistrikt. London, 26. Mai.(Eig. Ber.) Die Mincnbesitzer von Süd- Wales erließen gestern einen Aufruf, in dem sie die von ihnen ge- stellten Bedingungen zu rechtfertigen suchen. Ihr Hauptargument besteht darin, daß das Achtstundengesetz für Bergleute, das am 1. Juli in Kraft tritt, auf Verträge stößt, die zwischen den Arbeit- gebern und Arbeitnehmern bis zum 31. Dezember 1999 abgeschlossen wurden und eine blstündige Arbeitswoche vorsieht. Die Minen- besitzer sagen:„Das Achtstundengesetz ist das Ergebnis eines Drucks, den die parlamentarischen Vertreter der Arbeiter auf das Parka- ment ausgeübt haben. Die Minenbesitzcr wurden vor Einbringung der Vorlage über die Wirkung einer derartigen Maßregel auf die Kohlenproduktion nicht befragt. Erst in den letzten Beratungs- stufen der Vorlage wiesen die Besitzer auf die Ungerechtigkeit hin, die ihnen dadurch zugefügt wurde, daß das Gesetz in Kraft treten sollte noch vor dem Ablauf der zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmer abgeschlossenen Verträge." �-ie sagen weiter, daß in vielen Kohlengruben von Südwales die wirkliche Arbeit nur W2 Stunden dauern werde; es lohne sich deshalb nicht, für 24 Stunden eine Ver- waltung zu halten, Pumpen, Maschinen und Pferde in Gang zu setzen. Sie verlangen deshalb Doppelsch-ichten. Das Gesetz ge- stattet ferner 69 Ucberstunden jährlich. Die Arbeiter sagen, von dieser Erlaubnis sei nur von Zeit zu Zeit, je nach Bedarf, Gebrauch zu machen. Die Arbeitgeber aber behaupten, es stehe ganz in ihrer Macht, die Ueberstundenzahl zu verteilen. Sie schlagen deshalb vor, je einen Tag der Woche— Donnerstag oder Freitag— eine Stunde länger zu arbeiten, d. h. 82 Stunden regelmäßig auf die 52 Wochen des Jahres zu verteilen, während die noch übrigbleibenden acht Stunden auf die Hochsaison kommen sollen. Schließlich kommt die Lohnfrage in Betracht. Die südwalisischen Besitzer behaupten, ihre Minen ertragen keine neuen Lasten. Sie beantragen deshalb eine Lohnreduktion entsprechend der Herabsetzung der Arbeitszeit. Kommt es bis zum 1. Juli zu keinem Ausgleich, so werden etwa 159 999 Bergleute ausgesperrt. StraßeniaHnerpreik und Aussperrung. Aus Philadelphia wird unter dem 29. Mai telegraphiert: Die Straßenbahnführer und Schaffner der„Philadelphia Rapid Transit Line" sind in den Ausstand getreten, worauf 8309 Mann von der Union ausgesperrt wurden. Die Leute verlangen höhere Löhne. Ruhestörungen sind nicht vorgekommen, da die Straßenbahn« wagen von der Polizei bewacht werden. Versammlungen. Der Zentralverband der Töpfer» Ortsverwaltung Berlin, hatte am Mittwoch eine Vertrauensmännersitzung einberufen, die sich mit den Zuständen auf den Bauten beschäftigte. Insbesondere handelte es sich um die strenge Einhaltung der tariflich fest- gelegten Bedingungen. In dieser Frage war eS auf einzelnen Bauten bei bestimmten Arbeiten zu Differenzen zwischen den Unternehmern und den Arbeitern gekommen. Auch brachte der Vorsitzende dokumentarisch belegte Fälle zur Sprache, wo die g e l b organisierten Töpfer mit den Unternehmern Sonderverträge ver- einbart haben, in denen sie erheblich unter die im Töpfergewerbe für Großberlin festgelegten Preise heruntergegangen sind. Ein Vertreter der Töpferträger, der anwesend war. wies noch auf die Notwendigkeit hin, seitens der Töpfer auf die unorganisierten Töpferträger in aufklärendem Sinne einzuwirken. Beide Verbände müßten in dieser Hinsicht Hand in Hand arbeiten. Zentralverband der Maurer. In der am Mittwoch abge» haltenen Generalversammlung deS ZweigvereinS Berlin erstattete der Kassierer Wartenberg die Abrechnung vom ersten Quartal. In den Zahlstellen und Sektionen betrugen die Einnahmen 152 479 M., die Ausgaben 32 996 M. Der Zweigverein hatte eine Einnahme von 83 696 M.. eine Ausgabe von 29 157 M. Der ge- samte Kassenbestand im Zweigverein, den Zahlstellen und Sektionen beträgt 54 448 M.— Für Unterstützungszwecke wurden ausge- geben: an Kranke 12614 M., in besonderen Notfällen 19 281 M., Sterbegeld 3027 M.. an Reisende 240 M.. für Rechtsschutz 1316 M.. bei Streiks. Maßregelungen und Bausperren 3422 M.— Am Schluß des Quartals hatte der Zweigvcrein 8523 Mitglieder und zwar 5593 Maurer, 1765 Putzer. 1225 Gips- und Zementarbeiter. — Unter anderem teilte der Vorsitzende mit, daß nach Pfingsten eine rege Bauagitation veranstaltet wird, um die Kollegen wieder- Zugewinnen, die in der Zeit der Krise ihre Organisationspflicht vernachlässigt haben._ Letzte JVaebnebten und Depefeben. Das Ende der Casablanea-Affaire. Berlin, 29. Mai. Heute nachmittag ist im Auswärtigen Amt von dem Staatssekretär deö Auswärtigen Amts, Freiherrn von Schoen, und dem französischen Geschäftsträger, Baron von B erck» heim, das Protokoll unterzeichnet worden, worin die beiden Regie. rungen ihr Bedauern über die durch ihre Beamten in Casablanca begangenen Mißgriffe erklären. Der todkranke Eulenbnrger. Salzburg, 29. Mai.(B. H) Fürst Eulenburg wohnt mit Gemahlin und Dienerschaft im Hotel Hirth in Bad Gastcin unter dem Namen eines Grafen von Hamm. Er unternimmt mit Hilfe zweier Stöcke Spaziergänge._ Arbeiterausstände. Brüssel, 29. Mai.(W. T. B.) In E c a u s a i n e's find heute vormittag etwa 1900 Arbeiter der Steinbrüche wegeu Lohndifferenze» tu Ausstand getreten. Grenoble, 29. Mai.(O. H.) Die Arbeiter der Anthrazit-Kohlen» gruben von Grand Rousse sind in den Ausstand getreten. Die Direktion der Gesellschaft gibt bekannt, daß sich sämtliche Arbeiter als entlassen zu betrachten hätten, wenn sie bis morgen die Arbeit nicht wieder aufnähmen. *JCUU|Uuyk 1 Ist. tuiw ywvwitii. liitijv»vkwvwv MVH Verantw. Redakteur: Kau» Weber, Berlin. Jnjeratenteil verantw.: LH, Glocke. Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr-u. VerlagSanstatt Paul Singer sc Co.. Berlin SW. Hierzu I Bcikagea. Nr. 124. 26. Iahrgavg. 1. Kcikze des Jonoärtü" Knlim NcksdlÄ Sonntag, 36. Mai WS. Sie internationale öer Gruben' Arbeiter. „Willkommen in Berlin! Willkommen Ihr Genossen und Brüder aus Frankreich, Belgien, Oesterreich und Deutsche fcmdl" Mit diesen Worten begrüßte der„Vorwärts" am 13. Mai 1894 den in den Konkordia-Sälen(Andreasstraße) Berlins zusammentretenden 5. internationalen Kongreß der Grubenarbeiter. �Der Leitartikel, dessen charakteristischer Stil den Genossen Liebknecht als Verfasser verrät, feierte oie Bergarbener in ihrer Bedeutung als Hervorbringer der unentbehrlichsten Rohprodukte und wies f�in auf die eni scheidende Rolle des Grubenproletariats im Befreiungs kämpfe der Arbeiterschaft überhaupt. Ein Jahr zuvor hatten die britischen Bergleute sich durch einen gewaltigen Kampf die vollständige Anerkennung ihrer Organisation errungen. Im preußisch-fiskalischen Saargebiet hatten sich die Berg werksfronder aufgelehnt gegen das fiskalische„Patriarchat", waren aber von den vereinigten Bergwerksherren und und der klerikalen katholischen Volksvereinsdemagogie zersplittert und darum besiegt worden: über 2999 Kämpfer wurden lin barmherzig von dem„christlichen" Vater Staat als Arbeit geber gemaßregelt. Auch in Frankreich und Belgien tobten in den Vorjahren heftige Kämpfe zwischen Arbeit und Kapital. Im rheinisch-westfälischen Kohlenbecken, wo der 1889er Niesenstreik zuerst aufflammte, hatte seitdem eine fast ununterbrochene Reihe von lokalen und größeren Streiks stattgefunden. An alles das erinnerte der Begrüßungsartikel des„Vorwärts", nannte die Namen der durch jene Be wegungen bekannt gewordenen Arbeiterführer und empfing sie mit den Worten:„Diese Männer sind jetzt unter uns! Achtung vor diesen Männern!" Das Zentralorgan der sozial- demokratischen Partei Deutschlands war das einzige Haupt- städtische Blatt, das den 5. internationalen Bergarbeiter- kongreß in vollem Umfange als sozialpolitisches Ereignis würdigte. Die anderen Blätter nahmen kaum Notiz von seinem Zusammentritt oder begleiteten ihn mit hämischen Bemerkungen, haben erst recht nach Schluß des Kongresses kaum ein gutes Haar an ihm gelassen. Hierin zeichnete sich damals besonders die„Freisinnige Zeitung" des Herrn Eugen Richter aus. der bekanntlich selbst in den Kreisen der Hirsch-Dunckerianer den Ruf eines gewerkschaftsfeind- lichen Manchestermannes genoß. In der Tat bot ja auch der äußere Verlauf des 5. inter- nationalen Bergarbeiterkongresses den Gegnern der inter- nationalen Arbeiterverständigung mancherlei Stoff zu hämischer Kritik. Wäre es den Arbeiterfeinden um eine fach- liche Würdigung zu tun gewesen, dann hätten sie allerdings betonen müssen, daß die Irrungen und Wirrungen der jungen Vergarbeiterinternationale nicht schlimmere seien wie die oft turbulenten Szenen sogar auf internationalen Kon- gressen von Wissenschaftlern. Der„Vorwärts" hob denn auch in seinem Rückblickartikel vom 29. Mai 1894 mit Recht her- vor. die manchmal stürmischen Auseinandersetzungen aus dem Bergarbeiterkongreß seien der eigenartigen, den kontinen- talen Delegierten unbekannten, von ihnen aber schon in Jolimont(1899, erster internationaler Bergarbeiter- kongreß) gutgeheißenen englischen Geschäftsführung ge- schuldet. Im Mutterlande des modernen Parlamentarismus habe sich mit der Zeit eine parlamentarische Geschäftsordnung herausgebildet, die für die unreiferen kontinentalen Ver- Hältnisse nicht passe und, wenn hier strikte angewendet, zu un- erquicklichen Auseinandersetzungen führe. An gutem Willen zur Verständigung habe es keiner der Kongreßgruppen ge- fehlt, was auch durch das versöhnliche Auftreten der Wort- Kleines feuilleron. Rlipolco» L und die Arbeiterorganisationen. Als Napoleon erster Konsul wurde und als er sich dann die Kaiserkrone aufs Haupt setzte, waren die Arbeiter seine begeistertsten und treuesten Anhänger. Und doch ist Bonaparte niemals ihr Freund gewesen. In Lyon hatte Napoleon als Unterleutnant einen Streikaufruhr durch Waffengewalt unterdrückt; seit damals suchte er jeder Arbeiterorganisation Hindernisse in den Weg zu legen. Ein Mitarbeiter der Gazetta del Popolo" weist an der Hand der jüngst erschienen Er- innerungen des Grafen Chaptal nach, daß Napoleon ein Gesetz einbringen ließ, das die Arbeiterorganisationen und die Arbeiter- koalitionen streng untersagte und jeden Streikversuch im Keime er- sticken sollte.»Wenn Arbeiter sich verbinden", so heißt es in diesem Gesetz,„um zu gleicher Zeit die Arbeit niederzulegen, die Arbeit in anderen Werkstätten zu verhindern, zu verhindern, daß die Arbeit vor oder nach bestimmten Stunden angefangen oder fortgesetzt werde, kurz, Wenn sie sich in irgend einer Weise verbinden, um die Arbeit zu suspendieren, zu verhindern oder zu verteuern, so soll solche Ver- bindung. selbst wenn der Versuch, die Arbeit zu verhindern. scheitert, oder wenn er nicht über die Anfänge hinauskommt. mit Gesängnis bis zu drei Monaten bestraft werden."— Arbeit- geber dagegen wurden bei ganz gleichem Vergehen nur mit Geldstrafe belegt! Bei Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeilgebern wurde den letzteren aufs Wort geglaubt, während der Arbeiter oder der Bedienstete oder der Angestellte für ihre Behauptungen nicht einmal Beweise erbringen durften I Der Arbeiter war nicht nur vollständig von dem Arbeitgeber abhängig, sondern stand daneben auch unter der direkten Aufsicht der Polizei: er mußte ein Arbeitsbuch haben, das er, so oft er sich von einer Gemeinde in eine andere begeben wollte, von dem Bürgermeister oder Polizeikommissar unterzeichnen und beglaubigen lassen mußte. Die größte Sorge BonaparteS war die Berproviantierung von Paris; auS diesem Grunde schienen ihm Arbeitseinstellungen, die eine Hungersnot berbeiführen konnten, eines der fluchwürdigsten Verbrechen zu sein: „Zch fürchte weniger eine Schlacht gegen 200000 Mann als eine Arbeitsein st ellung und einen «rbeitsmangel", schrieb er einmal;.wenn der Arbeiter keine »rbeit hat. läßt er sich zu allen möglichen bösen Streichen ver- Opernhaus:..Tannhäuser." ES war kein Festspiel- abend, der unS am Freitag in die Königliche Oper zu Richard Wagners„Tannhäuser" im Wagner- Zyklus führte. Zur Beurteilung dessen, was eine Bühne be- deutet, dienen solche Alltagsvorstellungen bester als die Paraden der Premicrenabende. Wiederum trat die Eigentümlichkeit unsere» Opernhauses deutlich hervor: viel tüchtige Kräfte, die jedoch weder recht zusammengefaßt, noch recht verwertet sind. Auch die seit einiger Zeit neu zugewachsenen Sänger stehen unter diesem Druck. In Herrn Bronsgeest lernten wir noch mehr als neulich einen führer bewiesen wurde. Daß die wiederholten erregten Ge� schäftsordnungsdebatten schließlich doch befriedigenden All schluß fanden, dazu trug das öftere schlichtende Eingreifen unseres sprachkundigen, mit dem englischen Parlamentaris mus genau vertrauten Wilhelm Liebknecht wesentlich bei. Ehrliche Arbeiterfreunde mußten dann auch zugeben, daß einesteils die Schwierigkeit der sprachlichen Verstäm digung. andernteils die ungleichen parlamentarischen Ge bräuche nach außen hin den Eindruck eines„unüberbrüch baren" Zwiespaltes zwischen den britischen und den kom tinentalen Delegierten hervorriefen, während doch im Grunde genommen in wesentlichen Tagesordnungspunkten Uebereiw stimmung herrschte. Aber den kapitalistischen Soldschreibern kam es nur darauf an, die Bergarbeiterinternationale zu verunglimpfen, lächerlich zu machen, Gegensätze zu kon- struieren, die in Wirklichkeit schon damals nicht vorhanden waren. Wenn nun am zweiten Pfingsttag 1999 abermals die Internationale der Bergarbeiter in Berlin zusammen tritt, so wird sich zeigen, daß wieder mal die Arbeiterfeinde falsch spekuliert haben. Inzwischen sind 15 Lehrjahre ver flössen, nicht ungenutzt von den Grubenproletariern. Sie haben gelernt, sich zu verständigen. Geschäftsordnung� debatten wie die von 1894 sind schon seit Jahren auf keinem internationalen Bergarbeiterkongreß inehr vorgekommen. Ein ständiges internationales Komitee ist eingesetzt, seit 1996 auch ein permanentes internationales Sekretariat. Die Ge� schäftsordnung ist den Bedürfnissen mehr angepaßt, der Generalsekretär Thomas Ashton(Manchester) bemühte sich mit steigendem Erfolg, der Internationale ein festeres Gefüge zu geben. Auf Veranlassung der deutschen und österreichischen Delegierten ist die Herausgabe meist vierteljähriger Situationsberichte beschlossen und seit zwei Jahren durchgeführt worden. So erfolgt eine fort laufende Information der dem internationalen Sekretariat angeschlossenen Gruppen über die Arbeiterverhältnisse, gesetz gebcrische Aenderungen und die Organisationsverhältnisse der Bergarbeiter in England, Belgien, Deutschland, Frankreich, Oesterreich und Nordamerika. Beziehungen, die sich hoffent lich bald zu festeren Verträgen verdichten werden, sind ange bahnt mit den Bergleuten in Spanien, Russisch-Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Italien und Schweden. Das Generalsekretariat hat sich zum Ziel gesetzt die Begründung einer alle Bergwerksländer umfassenden Internationale der Grubenarbeiter. Die auf dem Kongreß 1894 zutage ge> tretenen Kinderkrankheiten sind überwunden, dafür werden die diesjährigen im Berliner Gewerkschaftshaus stattfindenden Kongreßverhandlungen vor der ganzen Welt Zeugnis ablegen. Auf dem internationalen Kongreß 1894 erschienen 86 Delegierte aus Belgien, Frankreich, England, Oesterreich und Deutschland als Vertreter von zirka 699 999 organijierten Bergleuten. Ein belgischer Delegierter, der inzwischen auch verstorbene Genosse D�fussieaux, wurde von der Berliner Polizei ausgewiesen, bevor er nur ein Wort sagen konnte. Dadurch erhielten die Ausländer gleich den richtigen Begriff von der deutschen„Freiheit". Diesjährig wird die Zahl der Delegierten eine größere sein, aber noch weit größer ist das Heer der vertretenen Organisierten. Dem inter- nationalen Bergarbeitersekretariat sind zurzeit über 1 165 999 gewerkschaftlich organisierte englische, ainerikanische, fran- zösische, belgische, österreichische und reichsdeutsche Berg- arbeiter angeschlossen, eine imponierende Masse, die den Siegeszug der internationalen Arbeitcrverbrüderung ge- waltig bekundet. Die Wünsche, die der„Vorwärts" 1894 den scheidellden Kongressisten nachrief, sind in Erfüllung ge- gangen. Der zum zweiten Male in der deutschen Reichs- Hauptstadt zusammentretende internationale Kongreß der Grubenarbeiter wird es beweisen. Künstler kennen, der wenig tut und viel wirkt; seiner Darstellung des Wolfram von Eschenbach ist es nicht würdig, daß sie in e«n» Opernausgabe des..Tannhäuser" hineingepreßt wird. Wenig war bisher Frl. Denera hervorgetreten; ihre Innigkeit in der Wiedergabe der Elisabet litt ebenfalls unter dem Ganzen. Auch Kapellmeister Bloch ist wohl kaum schuld daran, daß die wackeren Orchesterleute weniger leisteten, als man etwa im Vergleiche zu mancher Berliner Konzertaufführunfj der Ouvertüre erwarten könnte, und daß man meistens vor Larm„nichts verstand". Verständlicher war die zumeist als„neu" bezeichnete AuS» stattung. Namentlich das festliche Bild in der Sängerhalle läßt uns das Alltagsschicksal vergessen und erinnert an das, was unS Wagners Werk überhaupt bedeutet. Wie da der Dichter in hei- mische Sage und Geschichte hineingreift und unS mitreißt mit seiner Veranschaulichung von Dingen, die uns nun gleichsam als eigenster Besitz erscheinen— nichts gekünstelt, alles so, als könnt' es selbst heute nicht anders sein: das freut uns auch über alle Theatermache hinweg! Noch nicht auf der dramatischen Höhe des Lohengrin" stehend, doch schon„in weiterer Schritt über den Fliegenden Holländer" hinaus: so ruft uns der„Tannhäuser" zu sich, daß auch wir die„teure Halle", die„edle Halle" freudig begrüßen. Das heißt: die Halle, die W a g n e r ins liebe Thüringen hineinzaubert, nicht das Opernhaus, in dessen Räumen die dra- matische Musik trotz aller einzelnen Bemühungen entzaubert wird. 6Z, Humor und Satire. Der verkaufte Heine:.10 000 Mark hat man für mich gezahlt! Run, dann kann>nan wenigstens diesmal nicht sagen, daß ich die Hohenzollern geschädigt habe!" Der Abschied voin Sänger st reit in Frankfurt. lWilhelm zu Beruhard:)„Sie wollen schon gehen, lieber Bernhard? Bleiben Sie doch noch l Sie können hier was lernen! Sie haben ja in Berlin gleichfalls einen sehr schwierigen„gemischten Chor" zu dirigieren!" Der neueste preußische Regierungserlaß ver- langt vom 1. Juli 1900 ab von jedem in Preußen geborenen Untertanen einen Existenzberechtigungsschein. Zuwider- handelnde werden ausgewiesen. König!, preußische Pädagogen..ES geht nicht, meine Herren, Söhne der besseren Stände und Handwerkerkinder in einer Abteilung zu unterrichten I Denken Sie bloß an den Fall, daß etwa die Handwerkerlinder intelligenter sein sollten! Wo bliebe da der Respekt?!" Kindermund. Ein kleiner Junge hat sich von seinem Zräulein die Leidensgeschichte Christi erzählen lassen. Er erzählt davon seiner Schwester und schließt mit den Worten:„Weißt Du. daß der Heiland für mich gestorben ist, ist mir wirklich sehr peinlich I" Abschied.(Kaplan zur Wirtschafterin):„Ich entlasse Sie aus meinem Dienste nur schweren Herzens, Veronika! Der liebe Gott beschirme Sie auf Ihren ferneren Wegen,— und sollte uns der Wir wissen uns einig mit der Berliner Arbeiterschaft und mit dem Proletariat ganz Deutschlands, wenn wir der Bergarbeiterinternationale zu ihrer Tagung ein brüderliches Willkommen! entbieten. Willkommen in Berlin, Ihr Ge- nossen und Brüder! Glück auf zu Euren Beratungen! Mögen sie dazu beitragen, die Arbeiterschaft aller Länder weiter zu vereinigen zum Kulturkampfe gegen das inter- nationale Ausbeutertum und gegen die militaristische Ver- hetzung der Völkerl_ 5. Nerbandstag der Gemeinde- vnd Ztantsarbeiter Dresden, 27. Mai 1009. Vierter BerhaudlungStag. In der Abendsitzung gab H e ck m a n n- Mannheim den Bericht vom Gewerkschaftskongreß. Er verweilt besonders bei dem Punkt Grenzstreitigkeiten. Für die Organisation kommt nicht die äußere Form in Betracht, diese müsse sich vielmehr den Verhältnissen anpassen. Für unsere Kollegen ist ohne Zweifel die allgemeine Betriebsorganisation praktisch, weil unsere Taktik gegenüber den Stadtverwaltungen eine andere sein muß, als wie gegen andere Arbeitgeber. Die Arbeiterpolitik, wie die Löhne der städtischen Arbeiter werden nach einheitlichen Ge- sichtspunkten geregelt; dies erfordert die gemeinsame Stellung- nähme der städtischen Arbeiter. Ebenso verhält es sich bei dem Zustandekommen der Arbeiterausschüsse, hinter denen, wenn sie die Interessen der Arbeiter wahrnehnien sollen, wieder eine geschlossene Kollegenschaft stehen mutz. Die Geschlossenheit wäre aber dahin und die Bewegung erschwert, wenn die städtischen Arbeiter in viele Verbände zersplittert sind. Diese Gesichtspunkte werden leider von den anderen Verbänden nicht genügend respektiert. In vielen Städten wollten die anderen Verbände wohl die Mitglieder haben, zur Verbesserung der Lage der städtischen Arbeiter haben sie aber nichts beigetragen. Von den Stadtverwaltungen wird auch nur der Gemeindearbeiterverband gefürchtet. Das hat sich in Karls- ruhe gezeigt Der Bürgermeister wies die Vertreter anderer Ver- bände ab; als aber die Kollegen dem Gemeindearbeiterverband bei- traten, war es möglich, sich Anerkennung zu verschaffen. Während die Generalkommission auf Einheitlichkeit der Organisationen in der Privatindustrie hinstrebt, wird für die städtischen Arbeiter die Zersplitterung propagiert.— Früher war man in den Kreisen der anderen Verbände der Ansicht, daß der Gemeindearbeiter- verband gegen jeden Streik sei. Durch die Mainzer Beschlüsse ist aber das Gegenteil bewiesen. Auch haben wir durch die Kartell. Verträge bewiesen, daß wir Frieden mit anderen Verbänden haben wollen. Unsere friedliche Absicht hat uns aber nichts genützt und auf dem Gewerkschaftskongreß hat man um so mehr auf unseren Verband losgeschlagen. Man hat nicht einmal einen Vertreter unseres Verbandes in die Kommission zur Regelung der Grenz- streitigkeiten gewählt. Daraus ergibt sich, daß man nicht einmal unsere Gründe, die für Betriebsorganisationen sprechen, hören wollte. Die zur Annahme gelangte Resolution bringt durchaus keine Klarheit und müssen die Absätze 4 und 5 derselben unbedingt vom nächsten Gewerkschaftskongreß geändert werden. Redner glaubt, daß der Vorstand nicht immer in dieser Angelegenheit der General- kommission gegenüber unseren Standpunkt gewahrt hat.— Nur der Gemeindearbeiterverband ist in der Lage, die Stadtverordneten mit dem nötigen Material zu versehen. Auch diese wollen, rein Stadtverwaltungen, nur mit einer Organisation zu tun haben. Die Bekämpfung des Gemeindearbeiterverbandes dürfte nicht immer auf bösen Willen, sondern auf Unkenntnis zurückzuführen sein. Deshalb muß vor allem Aufklärung über die Verhältnisse, die uns zu unserer Organisation drängen, verbreitet werden. Redner begründet nachstehenden Antrag: „Der fünfte Verbandstag beauftragt den VerbandSvorstand, auf dem nächsten Gewerkschaftskongreß die Aufhebung des Ab. satzes 4 und b der Resolution betreffend Grenzstreitigkeiten zu beantragen: „Zum nächsten Gewerkschaftskongreß ist die volle, denk Verband zustehende Zahl von Delegierten zu entsenden" In der Debatte über dieses Referat werden hauptsächlich Grenzstreitigkeiten erörtert. Nachdem ein Schlußantrag angenommen wurde, kommt Genosse Bauer. Vertreter der Generalkommission, zum Wort. Er führte im wesentlichen aus: Neue Gesichtspunkte sind in der Frage weder Allmächtige nochmals im Leben zusammenführen, so dürfen Sie niemals„Du" zu mir sagen!" Familiäres, allzu Familiäres!(Wahres Ge- schichtchen.) Auf der letzten Landwirtschaftlichen Ausstellung in Lüttich hatte man für den Besuch des Königs Leopold musikalische Ueberraschungen vorgesehen. In jeder der untereinander getrennten Abteilungen der Ausstellung, bei den Pferden, den Maschinen usw. war ein Musikkorps postiert worden, das den König bei seinem Eintritt mit dem jedesmal vorher festgesetzten Musikstück zu empfangen hatte. Der König kommt und wandelt durch die Ausstellung. Hort den Pilgerchor auS dem Tannhäuser, den Hochzeitsmarsch aus dem Figaro usw. usw. Die letzte Abteilung aus seinem Rundgang bildet die Ausstellung der Zucht, und Mastschweine. Hierfür hatte man ein besonders„ehrendes" Stück ausgewählt: Als der König den Raum betritt und sich eben in, Kreise umschaut, ertönt feierlich das aus einer Oper Grötrys entlehnte und zum Nationallied erhobene— Oi peut-on Stre�mieux qu'au sein de sa farnille... (Wo kann man sich wohler fühlen, als im Kreise seiner Familie?)_(„Jugend"). Notizen. —„StaatSbürgerlicher'JdiotiSmuS. Durch die Presse ging kürzlich die Meldung, eine melancholische Schwedin habe sich in New Dock erhängt, weil die Lektüre der Werke Henrik Ibsens. zumal der„Baumeister Solneß", ihr das geistige Gleichgewicht ge« raubt hätten! Die meisten Blätter haben von diesem Welt- erschütternden Ereignis überhaupt nicht oder nur kurz referierend Notiz genommen. Der„Staatsbürger-Zeitung" blieb eS vor- behalten, den Borfall zu einer Sensation aufzubauschen und die weise Lehre anzufügen, daß man Ibsens Werken wohl solche Wirkungen zutrauen dürfe, ja daß der norwegische Grübler mit seinen Dramen „schleichendes, verstecktes Unheil sicher(!) schon in zahlreichen(I) fällen angerichtet" habe I— Wir sehen die gute„Staatsbürgerin" chon Schillers„Braut von Messina", ein halb Dutzend Shakespeare- und Grillparzer-Dranien und andere Werke der Weltliteratur auf den Index setzen, weil deren hohe Tragik dem einen oder dem anderen unseligen Menschenkinde einmal das Herz bekümmert und den Sinn verfinstert hat. — EineneueRadiumquelle.dieden Preis des kostbaren Elements erheblich verbilligen würde, soll jetzt in Portugal auf- gefunden worden sein. Ein englischer Ingenieur, Thomas H. B. Bower, erfuhr von der„heilbringenden Kraft", die einem kleinen Flusse zugeschrieben wurde. Er folgte dem Wasser bis zu der Höhe eineS Hügels, wo die Wellen über gelbliche Quarzsteine hinliefen. Die Untersuchung ergab, daß sie starke Mengen uranhaltigen PhoS« ihateS enthielten. Die Steine sind von mehreren Gelehrten unter- ucht worden; der französische Chemiker Professor Barboni will in den Quarzen mehr als 50 Proz. Uraniun, gefunden haben. Für die Gewinnung des Radiun,S bieten diese Quarze erheblich geringere Schwierigkeiten als die Verarbeitung des Uranpecherzes, aus dein in der neuen englischen Radiummine daS Element gewonnen wird ifftr Nefetak koH In der Debatte bervorgetttten. Es ist durchaus Ifaisch, anzunehmen, die Generalkommission, wie die in Betracht rcmmenden Gewerkschaften seien über die Gründe der Gemeinde- mbeiter nicht unterrichtet. Den Gewerkschaftlern, die seit einem Menschenalter in der Bewegung stehen, dürften Sie doch zutrauen, daß sie das nötige Verständnis besitzen.(Zuruf: Sie wollend nur nicht verstehen I) Das ist eine Unterstellung, die auf den ein be- zeichnendes Licht wirft, der sie gemacht hat. Die Generalkommission 'und der Gewerkschaftskongreß sehen als Gemeindearbeiter die- jenigen an, die in spezifischen Gemeindebetrieben tätig sind iöerufsarbeiter, die einmal in einem Gemeindebetrieb arbeite� bleiben doch immerhin Angehörige ihres Berufes. Die Organa fation nach Betrieben ist undurchführbar. Keine Organisation hat ein Interesse an der �Aufteilung Ihrer Organisation. Man ver wechselt>-7 ganz die Sachlage. Sie sind diejenigen, die in die be- rechtigten Interessen der anderen Gewerkschaften eingreifen, Sie wollen die anderen Gewerkschaften zerstückeln.(Zurufe.) Solange wir in der Hauptsache Privatbetriebe haben,�solange müssen wir an der Berufsorganisation festhalten. Die Stimmung in Ihrem Verbände ist nicht dazu angetan, friedliche Zustände zu erzielen- Die Konsequenz Ihres Auftretens dürfte sein, daß Ihre Organi- sation von der Generalkommission losgelöst werden müßte. Das wäre eine erhebliche Schädigung für Sie.— ES ist der Vorwur� Erhoben worden, auf dem Gewerkschaftskongreß seien Schiebungen borgekommen. Das ist unrichtig. Es war eine Vorschlagsliste ein- gereicht worden und über die konnte der Vorsitzende nur abstimmen lassen. Von Ihnen ist es versehen worden, dann noch den Genossen MohS borzuschlagen, der wäre dann vielleicht noch gewählt worden. Die Genossin Ihrer ist nicht als Vertreter,» der Blumenarbeiter gewählt worden, sondern weil man fie als emsichts. volle Arbeiterin in den Gewerkschaften schätzte. Falle Hassel hat man der Generalkommission vorgeworfen, s,e habe gegen ihre Prinzipien verstoßen, als sie empfahl, Hassel, der selbst nicht Gemeindearbeiter ist, wieder aufzunehmen. Hassel hat doch, wie so viele, die nicht Gemeindearbeiter sind, in Ihrem Verbände gearbeitet. In solchen Fällen kommt es eben darauf an, solche Leute, die ihren Fehler einsehen, wieder in die Gewerkschaften zurückzuführen, damit die Lokalorganisation nicht durch ihre Ab- 'Weisung gefördert wird. Da der Vorstand angegriffen wurde, verlangt der Vorsitzende das Wort, dasselbe wird ihm nach längerer GeschäftSordnungs- debatte gegeben. Er führt aus: Die Interessen des VeroandeS find von mir in den Vorständekonferenzen und Gewerkschafts- auSschußsitzungen stets vertreten worden. Ebenso beim Abschluz von Kartellverträgen. Nicht auf die Schärfe der Ausführungen. sondern auf entsprechende Wahrung unserer Grundsatze kommt es an. Auf dem Gewerkschaftskongreß in Hamburg habe ,ch in gleicher Weise operiert. Gegen die Zurücksetzung bei der Kommissionsberatung der Grenzstreitigkeiten habe ich m ange. messener Weise protestiert, wie dies das Kongreßprotokoll bewe,st. Aus diesem Grunde weise ich alle Vorwürfe gegen den Verbands. vorstand zurück.. �... Knoll. Vertreter de? SteinsetzerverbandeS, verlangt eben- falls das Wort zu einer Erklärung. Er stellt zuerst richtig, was er auf dem Gewerkschaftskongreß zu Punkt 4 der Grenzstreitig- keitsrefolution gesagt habe.— Die Steinsetzer in den Gemeinde- betrieben müßten sich unbedingt ihrer Berufsorganisation an- schließen, um bei Lohnbewegungen geschlossen dazustehen. Bei den Ausführungen Bauers wurde der Zuruf„Streikbrecher" gemacht Ach nehme nicht an, daß damit gesagt sein soll, daß die Steinsetzer als Streikbrecher in Betracht kämen, wo eS sich um Lohnbewegung der Gemeindearbeiter handelt. Dafür kann kein Beweis erbracht werden. Gerade hier sind seit 21 Jahren die Regiearbeiter Mann für Mann in unserem Verbände. Auf uns trifft das nicht zu. daß wir erst die Steinsetzer verlangt hätten, als sie von den Ge. meindearbeitern organisiert waren. Man sollte unS doch nicht die kleinlichsten Beweggründe unterschieben. Für uns handelt es sich hierbei gar nicht um eine Form, sondern um eine Lebensftage. Mehrfach liegen Fälle vor, wo Regiearbeiter Strelkarbeit für an- dere gemacht haben. Daraus ergibt sich mit Notwendigkeit, daß beide Gruppen zusammenarbeiten müssen. Sie müssen die Gründe der anderen Organisationen achten. H e ck m a n n erwidert Knoll, daß er ausdrücklich gesagt habe. dort wo die Interessen der Regiearbeiter in anderen Verbänden besser vertreten werden können, sollten sie sich in diesen organi. sicren. Diesen Verbänden solle der Lebensfaden nicht abgeschnitten werden. Im allgemeinen aber müsse der Gemeindearbeiterverband matzgebend sein. Wir haben Mohs nicht vorgeworfen, daß er auf dem Kongreß nicht richtig gehandelt habe. Ich habe nur die Haltung gegenüber der Generalkommission namentlich im Falle Hessel mißbilligt. Die Ausführungen Bauers beweisen, daß die Generalkommission noch immer auf ihrem alten Standpunkte steht. Sehr bezeichnend ist der Machtprotzenstandpunkt, den sie einnimmt: Wenn Ihr Euch nicht fügt, dann werdet Ihr auSge. schlössen I Wir wollen ja nur die Anerkennung unserer Gleich. berechtigung gesichert haben. Nun ist gesagt worden, auf dem Gewerkschaftskongreß seien wir nicht benachteiligt worden. Es war gut. daß Bauer Wert darauf legte, �u sagen, MohS wäre diel leicht gewählt worden, wenn wir ,hn noch vorgeschlagen hätten. Ich habe die Ueberzeugung, daß das nicht der Fall ge. Wesen wäre. Wir hatten zuerst Mohs mit vorgeschlagen. Dann wurde gesagt, man solle sich unter den verschiedenen Gewerkschaften über die Vorschläge verständigen. Man verständigte sich dann so. daß man uns ausschloß. AIS dann die Verständigung erziett war, war es unmöglich, in dieser Liste noch eine Aenderung zu treffen. Wäre man unS gegenüber nicht voreingenommen, dann hätte man MohS immer noch hören können. MohS hat, wenn ich nicht irre, an den Vorsitzenden der Kommission daS Ansinnen ge- -stellt, wenigstens den Standpunkt des Verbandes zur Geltung bringen zu können und das ist sogar abgelehnt worden. Wie man uns unterstellen kann, wir wollten gegen die Beschlüsse des �Kongresses verstoßen, ist uns unerfindlich, und die Drohung mit dem Hinauswerfen ist durchaus nicht im Interesse der Gewerk. schaftcn. Die moralische Einbuhe wäre dann noch größer als der Mutzen, den einige Organisationen durch den Mitgliederzuwachs erhalten könnten. Wir verstoßen nicht gegen die Interessen der Allgemeinheit. Der Inhalt der Organisation geht über die f;orm. Die Handelskammern und Arbeitgeberverbände haben das esser herausgefunden als die Generaltommission. Sie fürchten, daß wenn die Forderungen des Gemeindearbeiterverbandes durch. «esetzt würden, die Privatunternehmer auch gezwungen würden, Konzessionen zu machen. Man muß dem Verband seme Existenz- Möglichkeit nicht untergraben.man darf ihn nicht unterdrücken, so». -dem sollte ihn unterstützen, nicht nur im Interesse der städtischen Arbeiter, sondern im Interesse der gesamten Arbeiterschaft. Bürger erstattet Bericht über die Arbeiten der Kommission zur Agitation und Organisation des Pflege, Personals. Er begründet eine längere Resolution und empfiehlt deren Annahme. Die Debatte gestaltete sich recht lebhaft. Namentlich wird über die Höhe der Beiträge gestritten, wo einige Redner besonders für niedrige Beiträge eintreten. Unter Hinweis auf die christliche und lokalistische Organisation empfiehlt Mobs die Gleichstellung dieser Berufsgruppe mit den übrigen Mitgliedern sin der Beitragshöhe. Die folgende von Mohs vorgeschlagene Resolution gelangt dann zur Annahme: Der Verbandstag erklärt, daß zur Durchführung der Or. ganifationSarbeit unterm Krankenpflege-, Bade- und Massage. personal weitergehende Maßnahmen erforderlich sind. Der Ver. bandSvorstand wird daher beauftragt: 1. Wenn irgend möglich, soll der Hauptvorstand dafür Sorge tragen, daß sich ein eventuell zwei Verbandsbeamte Vorzugs. tv-ise dieser Organisationsarbeit im Reiche widmen. 2. Zur Förderung und Unterstützung der Werbearbeit emp- fiehlt sich die besondere Kennzeichnung der Mitgliedsbücher des klnstaltspersonals usw. durch Stempel oder Buchdruck: Sekfioa KrcmkkvPklege-, Bade- und MsssaaepersoM,,. lOrLnaM-I' i 8. Dir Sanitatstvckrte soll mehr fachwissenschaftliche Artikel bringen. 4. Der Stellennachweis ist weiter auszugestalten. Ins- besondere soll der Zentralstellennachweis mit den örtlichen Ver- bandSstellen in engere Verbindung treten. Ferner gelangt ein Passus der Kommissionsresolution zur Annahme, der den Filialen das Recht einräumt, in besonders ge- lagerten Fällen die nächstniedrigen Beitragssätze, das qeißt 35 Pf. für männliche und 25 Pf. für weibliche Mitglieder einzuführen. In der Freitagssitzung wurde der Bericht der Statuten- beratungskommission gegeben. Da die Beitragserhöhung gbgelehnt wixd. muß die Kommission nochmals arbeiten. Tins der Partei» Parteiliteratur. Im Verlag von I. H. W. D i e tz Nachf. in Stuttgart ist soeben erschienen: Vorläufer des neueren Sozialismus, von Karl KautSky. Zweite, durchgesehene Auflage. Erster Band: Kommuni st ische Bewegungen im Mittelalter. Preis broschiert 2,50 M., geb. 8 M. Zweiter Band: Der Kommunismus in der deutschen Reformation. Preis broschiert 2,50 M., geb. S M. Diese beiden Bände bildeten ftüher den ersten Teil der von Kautskh, Mehring und anderen herausgegebenen Geschichte des Sozialismus in Einzeldarstellungen. Eine Neuauflage des Gesamt. Werkes wurde fallen gelassen; aus praktischen Gründen ist es in einzelne Bände zerlegt worden, die in selbständiger Form erscheinen, wie eS bereits mit Mehrings Geschichte der deutschen Sozialdemo- kratie und Bernsteins Sozialismus und Demokratie in der großen englischen Revolution geschehen ist. In den oben angezeigten beiden Bänden werden den Lesern eines der bedeutendsten Werke KautskyS dargeboten, die sich in un- mittelbarer Folge an den Ende ISOS erschienenen Ursprung des Christentums anschließen. Diese Arbeit steht im engsten Zusammen- hang mit der vorliegenden, wie Kautsky in seiner Borrede bemerkt. Die gesetzmäßigen Zusammenhänge, die ich in dieser entdeckte, haben mir auch als Leitstern in jener gedient. Beide Arbeiten stützen einander. Wer die eine kritisieren will, muß.auch die andere in Betracht ziehen.'_ Sozialiste» im türkischen Parlament. In der Sitzung vom 20. Mai verhandelte(wie schon im AuS- landsteil telegraphisch gemeldet wurde) die türkische Kammer das Streikgesetz. Während der Minister des Innern die Kammer warnte, sozialistische Bahnen zu betreten, hörte man zum ersten Male im türkischen Parlament sozialistischeReden. ES waren unsere armenischen Genossen von der Partei . D a s ch n a k z u t j u n", die die Grundsätze des Sozialismus ver- teidigten..Daschnakzutjun" ist die stärlste Partei in Armenien- Der größere Teil der armenischen Deputierten im Konsiantinopeler Parlament besteht entweder aus Mitgliedem dieser Partei oder aus Personen, die mit ihr sympathisieren. Huö Industrie und Kandel. Zur Wirtschaftslage. Wenig hoffnungsfroh wird die Wirtschaftslage in Kreisen des Baugewerbes beurteilt. Die.Baugewerközeitung" schreibt in ihrer Nummer vom 20. Mai: „Wir haben seit Monaten die Ansicht vertreten, daß eine schnelle Belebung des BaumarkteS nicht zu erwarten sei und hieran festgehalten, wiewohl auS Kreisen, die hieran interessiert sind, für eine andere Auffassung Stimmung gemacht wurde. Unter dem 15. Mai haben wir die Aussichten des Baugewerbes an der Hand der Tatsachen nochmals näher darlegen lassen. Eine Besserung der Verhältnisse wird sich nur allmählich einleiten. Sie wird vor allem von dem Aufschwung der führenden Industrien und der Stärkung des Geldmarktes für langfristige Anlagen abhängen, der durch den Kapitalbedarf der letzten Jahre und die Anleihewirt- fchaft des Reiches und Preußens noch immer geschwächt ist. Ueber die Auffassungen, welche bei ruhigen Beurteilern der Börse Herr- schen, wird uns das folgende geschrieben: Die lebhaften Hoffnungen auf eine Belebung der allgemeinen Mrtschaftslage, die sich bei Beginn dieses Jahres überall geltend ?emacht hatten, sind bis jetzt bedauerlicherweise nur zu einem leinen Teil in Erfüllung gegangen, trotzdem das Frühzahr, das doch stet? die günstigste Zeit für ein Wiedererwachen der gefchäft. lichen Regsamkeit bedeutet, bereits so gut wie vorüber ist. Nur in einzelnen Industriezweigen, wie zum Beispiel in der Webstoffbranche, ist der Geschäftsgang lebhafter geworden. Auch die Elektrizitätsindustrie ist weiter gut beschäftigt. Schnell ver. schwunden sind dagegen die Anzeichen einer Belebung in der Eisen- und Kohlenindustrie, die den stärksten Bestandteil der deutschen Volkswirtschaft darstellt. Hier stehen neuerdings— im Gegensatz zu dem Optimismus der Börse— die Klagen über unzulängliche Beschäftigung und besonders auch über schlechte Preise wieder auf der Tagesordnung, und auch die Kohlenbergwerke leiden weiter unter Absatzmangel, besonders in Koks, als Folge der anhaltend ungünstigen Lage der Eisenindustrie. Die Ursache dieser unerfreulichen Erscheinung liegt zum großen Teil an dem Ausbleiben der sehnlich erwarteten Belebung veS Baumarktes. Woyl ist hier und dort das Terrain, und besonders auch das Baugeschäft in den letzten Monaten etwas lebhafter ge- worden, indessen bleibt das Maß dieser Besserung, besonders in den großen deutschen Städten, ganz erheblich hinter den Erwartungen und namentlich auch hinter dem zurück, was man wirklich als einen nachhaltigen Wiederaufschwung der Bautätigkeit bezeichnen könnte... Ganz anders beurteilt die„ArbeitSmarkt-Correspondenz" Nummer vom 20. Mai— die Verhältnisse. Sie schreibt also: „Daß die Bautätigkeit nach der besonders intensiven Winter- ruhe sich um so kräftiger entfalten würde, das war wohl erhofft und zum Teil auch erwartet worden; die tatsächliche Besserung aber, die im Frühjahr eingetreten ist, übertrifft doch auch die be- rechtigten Erwartungen. Ein Blick auf das Gepräge des Arbeits. Marktes im Baugewerbe während des Monats April zeigt, daß in diesem Monat ein Umschwung einsetzte, wie ihn nur selten ein Monat gebracht hat. Kamen im März auf je 100 offene Stellen für Bauarbeiter 235 Arbeitsuchende, was für den Monat März allerdings als ausnahmsweise hoher Andrang gelten muß, so ver- minderte sich der Andrang im April auf 120,4, so daß das Angebot noch um 20 Proz. über die Nachfrage hinausgeht. Erwähnenswert ist dabei vor allem, daß der Andrang auch schon wieder erheblich ge. ringer ist als im Vorjahr, während in den Vormonaten wie über- Haupt das ganze Jahr 1008 hindurch eine beträchtliche Verschlechte. rung gegenüber dem Vorzahr bestanden hatte. Im April 1008 hatte der Andrang stcllensuchender Bauarbeiter nämlich 100 betragen. Auch die Arbeitslosenzählungen des Maurerverbandes bestätigen einen bemerkenswerten Umschwung. Die Arbeitslosigkeit der orga. nifierten Maurer ging von 10,0 Proz. im März auf 3,3 Proz. im April zurück. In allen Gegenden war die Belebung zwar nicht gleichmäßig stark, aber jedenfalls macht von der Besserung kein einziger Landesteil eine Ausnahme. ES gibt sogar wieder eine ganze Reihe von Gegenden, in denen daS Angebot von Bauarbeitern hinter der Nacbfrage zurückblieb, und zwar sind dies hauptsächlich Pommern, Provinz Sachsen, Hannover, die Stadt Bremen und Elsaß-Lothringen. In letzterem Landesteil ist d,ese Erscheinung um so auffälliger, als im März noch ein Andrang von 223,7 bestand. Niedriger als im Vorjahre war der Andrang im Baugewerbe vor- nehtnlich in den Provinzen Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen, Hannover, Hessen-Nassalt, ferner in Bah«?», dem Königreich Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen. Bremen, Hamburg und Elsaß-Lothringen." Gegen das Ueveragrariertum. Die Orgien, die das Agrariertum mit seinen Steuerplänen feiert, hat nun auch die Industriellen und Kaufleute auf den Plan gerufen. Sie wollen verbündet die Politik der absoluten Schonung der agrarischen Schultern bei der Aufbürdung neuer Steuern be- kämpfen. Allerdings, die junkerlichen Attentate auf die breite Masse des Volkes haben die Herrschaften getreulich mitgemacht, nur weil es ihnen jetzt selbst etwas stark an den Kragen gehen soll, mucken sie auf. Man hatte wohl auf den Dank der Agrarier ge- rechnet für die Mithilfe bei der Bewucherung des Volkes, aber die Liebesgabenempfänger sind mit Gefühlsballast nicht beschwert, sie wollen nicht zahlen, darum müssen andere bluten. Und da man dem arbeitenden Volke nicht alles aufpacken kann, sollen Industrie und Handel den Rest tragen. Daher die Empörung! Die Industriellen haben ein gemeinsames Vorgehen mit der Kaufmann- schaft angeregt. Dazu nahm der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller Stellung und beschloß folgende Resolution: „Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller begrüßt auf das wärmste die bevorstehende Bildung einer Interessengemeinschaft zur Wahrung und zum Schutze der Interessen für Handel und Industrie.©r_ erklärt seine Bereitwilligkeit zur tatkräftigsten Unterstützung aller in dieser Richtung gehenden Bestrebungen, in der Er- kenntnis, daß die immer stärker zutage tretende Nichtachtung der Existenzbedingungen des heimischen Gewerbefleißes allmählich zu einer derart eminenten Gefahr für die Grundlagen unserer Volkswirtschaft und Volkswohlfahrt geworden ist, daß die Bildung einer geschlossenen und entschlossenen Abwehrphalanx zur dringenden Notwendigkeit wird. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller erwartet von dem deutschen Bürgertum und Gewerbefleitz die regste Unter- stützung dieser zur Schaffung einer einheitlichen Kampf- und Abwehrorganisation eingeleiteten Bewegung." Der von dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller ge- leitete und gegenwärtig 100 Verbände umfassende Zentral- auSschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine ist auf den 2. Juni d. I. zu einer Plenarsitzung einberufen, um ebenfalls zu der durch die Be- schlüsse der Finanzkommission des Reichstages geschaffenen Situa» tion Stellung zu nehmen. Auch der Ausschuß des deutschen Handelstages, der am 4. und 5. Juni in Magdeburg eine Sitzung abhält, will sich mit der Materie beschästigen. Um es gleich zu sagen: Viel erwarten wir von der Kamps- bewegung nicht. Mit den Agrariern und Ultramontanen ernsthaft anzubinden, dazu rafft sich das Spießer-, Bürger, und Scharf- machertum nicht auf. Gern werden wir unS rektifizieren, befürchten aber: es wird nicht nötig sein. Der Deutsche Verband Kaufmännischer Vereine hielt am 23. und 24. Mai zu Eisenach seine Hauptversammlung ab. Er sprach sich erneut aus für reichsgesetzliche Festsetzung völliger Sonntagsruhe, Achtuhrladenschluß, neunstündige Höchstarbeitzeit in den Kontoren. Handelsinspektoren, staatliche Pensionsversicherung der Privatangestellten, gründliche Ausbildung der Lehrlinge. För- derung des Fortbildungsschulwesens usw. und befürwortet Er- höhung des nicht pfändbaren Gehalts von 1500 M. auf 1300 M. als den heutigen Verhältnissen entsprechendes Existenzminimuni. Steinkohlen an der holländischen Grenze. DaS Steinkohlenflöz, auf dem der Ruhrkohlenbergbau entstanden ist, nimmt nach den Vermutungen einiger Geologen seine Fortsetzung nach Westen, nach dem Aachener Revier und nach Holland. Insbesondere die. letzten Bahre haben am Rhein, hauptsächlich auf dessen linkem Ufer, große ohlenaufschlüsse gebracht. Auch in der Aachener Gegend sind die Bohrungen von Erfolg begleitet gewesen. Da? hatte zu Bohr- versuchen in Holland Veranlassung gegeben, an denen sich auch die dorttge Regierung beteiligte. Wie jetzt auS Amsterdam gemeldet wird, ist bei den staatlichen Bohrversuchen in WinterSwyk das Steinkohlenflöz in einer Täufe von zirka 000 Meter angetroffen worden. Blei, und Zinksyndikat. In der Generalversammlung der Stollberger Zinkhütte wurden Mitteilungen über das internationale Zinksyndikat gemacht. Der Beitritt der Bergwerksgesellschaft Georg v. Giesch's Erben zum internationalen Verband wurde bestätigt. Eine fernere Erweiterung hat das Syndikat noch durch den Hinzu- tritt der Mertonschen Interessen in England erfahren. Ein Ver- band der Bleiproduzenten sei offiziell noch nicht in der Schwebe; jedenfalls hätten die großen rheinischen Bleihütten bisher noch keine Aufforderungen zu einem Beitritt erhalten. Soziales. Arveiterkrankheiten in Kunstseidefabriken. Zu den vielen Betrieben der chemischen Industrie ist in den letzten Jahren eine neue Gruppe hinzugekommen und hat rasch eine große Ausdehnung erlangt, die der Kunstseide, und Glanz st offabriken. Sie stellen Gewerbe von stark seiden- artigem Glanz und Griff aus reiner oder nitrierter Zellulose her, die aus Lösungen im Zustande feinster Fäden geivonnen wird. Man schätzt die hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und Bei- gien entstandene Kunstseideproduktion auf 3000— 0000 Kilogramm pro Tag. Sie wirft für die Unternehmer eine glänzende Dividende von meist 25— 60 Proz. ab. Aber den Arbeitern bringt die Be- schäftigung in diesen Betrieben neben dem geringen Lohn sehr oft schwere, langwierige oder nie weichende Zerrüttung ihrer Ge- sundheit. Die Erkrankungen sind nicht so akuter Art wie die, von denen die Arbeiter in Thomasschlackenmühlen, Zementfabriken, Chlorkalk-, Schwefelsäure-, Salpetersäure- und Dynamitfabriken betroffen werden. Es sind vielmehr hauptsächlich Leiden des Zcn- tralncrvensystems, die unter sehr verschiedenen Symptomen als Neurasthenie, Lähmungen, Hysterie Usw. auftreten und oft zu un- heilbaren Psychosen führen, ähnliche Erscheinungen, wie sie auch zuweilen bei Arbeitern in d-n Vulkanisierräumen der Gummi- fabriken borkommen. Ziemlich gleiche Ursachen rufen in beiden Betriebsarten diese Erscheinungen hervor: die Dämpfe von Schwefelkohlenstoff und ähnlichen Lösungsmitteln, denen diese Arbeiter ausgesetzt sind. Namentlich die an den sogenannten Butterfässern in der SulfidierUng der Kunstseidefabriken bcschäf- tigten Arbeiter haben unter der Giftwirkung dieser Stoffe z-.» leiden, weil die Dämpfe des beim Oeffnen und Entleeren der Trommeln aus denselben verdampfenden überschüssigen Schwefel- kohlenstoffeS wegen ungenügender Absaugung in den Arbeitsraum dringen können. Denn die maschinellen Einrichtungen sind meist ungenügend, um beim Oeffnen der Trommel eine sicher a u t o- matisch wirkende, kräftige Absaugung des überschüssigen Schwefelkohlenstoffs aus der Trommel durch einen Trichter nach unten zu bewirken und so ein Eindringen der Dämpfe in den ArbcitSraum zu verhindern und in diesen eine vollständige Vcn- tilation herzustellen. Neben dieser maschinellen Vervollkommnung hat hier die Hygiene unbedingt noch zwei Forderungen zum Schutz der Arbeiter zu stellen: 1. die Beschränkung der Arbeits- zeit in diesen Räumen auf 6, höchstens 8 Stunden pro Tag, und 2. häufigen Schichtwechsel in denselben, so daß jeder Ar. beiter, der in der Sulfidierung acht Tage gearbeitet hat, die nächsten acht Tage in einer anderen Betriebsabteilung oder im Freien beschäftigt wird. Da ohne besondere BundeSratSverordnung eine Beschränkung der Arbeitszeit nicht angeordnet werden kam.. ist auf baldigsten Erlaß einer solchen zu drängen. Es wäre mit eine Aufgabe für die zu Pfingsten nach Frankfurt a. M. ein- berufene Konferenz der in den chemischen Fa. briken beschäftigten Arbeiter, auch diese Forderung. von deren Notwendigkeit man sich in den bei Frankfurt a. M. selbst in Betrieb stehenden Kunstseidefabrilen eingehend überzeugen kenn, zu Vellen. Vernnfcbtee. Der Raubmord auf dem Brocken. Äm Ort der Tat wurde vorgestern Iserlohner Meldung zufolge ein gerichtlicher Lokaltermin abgehalten. Dann begab sich die Ge- richtskommisfion mit der Begleitung und dem Vater des Ermordeten zum Brockenhotel, wo der Wirt und das Personal vernommen wurden. Es wurde festgestellt, daß ein Gast, der das Wechseln eines Tausendmarkscheines deS Ermordeten mitangesehen hatte und sich dann rasch aus dem Hotel entfernte, ein Mann mit Namen Engelhardt ist, der vor kurzer Zeit aus dem Zucht- hause entlasten wurde und in Schierke in Arbeit stand. Engelhardt war bor einigen Tagen aus Schierke ver- fchwunden und logierte die Nacht vor dem Morde im Brockenhotel. Die Polizei steht auf dem Standpunkt, daß er der Täter ist. Vor- gestern wurde während des ganzen Tages der Brocken unter Zu- hilfenahme von Polizeihunden abgesucht. Die Arbeit wurde aber sehr erschwert, da durch den heftigen Regen der letzten Tage der Boden vollständig durchweicht war und die Spuren verwischt sind. Gestern nachmittag traf auf Veranlastung der Staatsanwaltschaft in Halberstadt eine Gerichtskommission in Begleitung eines medizi- nischen Sachverständigen ein, der die Obduktion der Leiche vornahm. Die WahnfinuStat eines Amerikaners in PariS. Aus Paris wird gemeldet: Im Restaurant zum«Pdre Tranquille", einer kleinen Weinstube in der Nähe der Hallen, hat gestern nacht der reiche Amerikaner David Henderson aus New-Iork in Gegenwart seiner Familie nach einem fröhlichen Gelage seine älteste Tochter erschossen und dann sich selbst getötet. Als die Polizei ins Zimmer drang, fand sie die beiden Leichen zwischen Scherben und Champagner- flaschen und Resten eines reichen Mahles am Boden liegen. ES wird angenommen, daß Henderson im Wahnsinn gehandelt hat. Amtlicher Marktbericht der städtische» Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Markthallcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschalt still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend, Geschäst lebhast, Preise gut. Geflügel: Zufuhr genügend, in Gänsen reichlich, Geschäft noch lebhaft, Preise jedoch teilweise nachgebend. Fische: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, tote Flußsische und Seefische schwer absetzbar. Preise für lebende Fische niedriger, für tote Fische und Scesifche schlecht. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise nach- gebend. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäst fiott, doch Bestände nicht geräumt. Preise wenig verändert. ÄMeNkrattk MvekM für den Köpenicker Viertel Bezirk Nr. 202 Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Osksr Sprenger Oberbaumftr. 6 gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Juni, nach. mittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Zentralsriedhofe in Friedrichsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/5 Der Vorstand. Verband der Ireieo Gast- ond Sebankwirte Deutseblands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Oskar Sprenger Oberbaumstr. ö, Bezirk 4, verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Juni, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem städtischen Friedhos in Friedrichsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/17 Die Ortsverwaltung. Akgemmtr deutscher Gartner-Vereiu Bezirk Berlin Weste«. Am Donnerstag, den 27. Mai, verstarb unser Mitglied, der Kollege 285/6 v. Rtauksuvn an Lustrührenentzündung. Ehre seinen« Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 80. Mai, nach- mittag« 2>/, Uhr, von der Halle des Wilmersdorser' FriedhoseS, Berliner Straße aus statt. Die Ortsvcrwaltung. Am Freitagabend starb unser lieber Mitarbeiter, der Fattor Karl Hochheim im 59. Lebensjahr«. Seinem ausrichttgen Tharaktcr werden wir ein tteueS Andenken bewahren. Das Personal der Druckerei Otto v. Holten. Die Beerdigung findet am 1. Juni, um 1'/, Uhr, aus dem Zentral-Friedhose in Friedrichs- selbe statt. 235Sb Am Donnerstagabend verstarb nach langen Leiden mein lieber Freund, der Schrijtsetzer Paul Nasse im 42. Lebensjahre. Beerdigung: Montag, nachm. 2 Uhr, auf dem Andreas-Kirch- hose in Wilhelmsberg. 2871b Uackoll Schenk. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vlumenspenden bei der Beerdigung unseres lieben SohneS, Bruders und Schwagers I�ickarcl Nausler sagen wir allen Freunden, Per- wandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 2854b ilnxn.t Hftnsler nebst Famile, Danksagung. Für die vielen Kranzspenden und innige Teilnahme meines vielgeliebten ManneS l�idiard Häusler jage ich allen, besonders den Genossen des Bezirks 723-:, dem Transport- arbeiteroerband, den ChesS und Kollegen der Firma Piechatzek meinen herzlichsten Dank. 2853b Witwe Helene Häusler. Empsehle den Genossen mein LsrgmsgsÄn Liefere nach allen Stadtteilen. Ott» IiSwenateln vorm. Schütz, Fruchtstraste 39, Icke Gr. Franksurter Straß«. Für die Beweise herzlichster Teil- nähme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, unseres guten VaterS Stcptmn KroHkownky sage ich allen Beteiligten wemen mnigsten Dank. LL57b Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: illku-th» K roliko wshy. Dr. Simmel Spezial-Arzt 62'9* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄS« 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Die Harnleiden Ihre Oefohrcn, Verdatung und Beseitigung von JDr. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ itcs Caueend> Bon der Reise zurück Freischmidt, pran. sitzt, Wundarzt u. 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Wie notwendig öftere und in kürzeren Zwischenräumen zu wiederholende Untersuchungen und Besichtigungen der Schulen sind, das lehrt eindringlich der amtliche Bericht über das GesundheitS- Wesen im preußischen Staate 1W7. Infolge der verschiedenen An- schauungen und Anforderungen der Medizinalpersonen erscheint es nach dem Bericht sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, auf dem Ge- biete der Schulbesichtigungen eine einheitliche Beurteilung zu er- zielen. Die Ursache hierfür scheint in den allzu wenigen Unter- suchungen zu liegen.- Bei öfteren Besichtigungen werden sich schon Merkmale herausbilden, die sich im Laufe der Zeit zu einheitlichen Gesichtspunkten und Grundsätzen entwickeln können. Sehr zu de- dauern ist insbesondere, daß über die Gesundheitsverhältnisse der Schulkinder erschöpfende Zahlenangaben nicht gemacht werden können, obgleich sich doch hier leicht eine Einheitlichkeit erzielen ließe. Selbstverständlich muß dem persönlichen Ermessen des ein- zelnen bei der Besichtigung der weiteste Spielraum gelassen werden. Ein Ministerialerlaß vom V. Juli 1907 gibt Anweisung zur Verhütung der Verbreitung ansteckender Krankheiten durch die Schulen. Danach sind die Lehrer verpflichtet, ihren Auswurf bakteriologisch untersuchen zu lassen. Hierdurch war eS möglich, festzustellen, daß die Zahl der Lehrer, die kurz nach Ablegung des ersten Examens an Tuberkulose erkrankten, im Regierungsbezirk Oppeln eine sehr große ist und ernstester Aufmerksamkeit bedarf. Auch in mehreren Kreisen des Regierungsbezirks Potsdam hat die neue Anweisung Veranlassung zur Untersuchung der Lehrer, bei denen Verdacht auf Tuberkulose bestand, gegeben. Einige wurden vom Dienst zurückgestellt, weil Bazillen im Auswurf gefunden wurden. Im Regierungsbezirk Liegnitz hat der Kreisarzt in der Wohnstube eines Lehrers dessen Tochter im letzten Stadium der Tuberkulose vorgefunden. Die Wohnung lag mit der Schulstube auf demselben Hausflur? der Lehrer hatte auch noch Sommerfrischler in seine Wohnung aufgenommen. Bei den Schulkindern kommt die offene Tuberkulose verhält- niSmäßig selten vor. Die Kreisärzte sind sich wenigstens darüber einig, soweit sie sich darüber geäußert haben. Leider sind das die wenigsten. Im Kreise Ostpriegnitz sind unter 2274 Kindern 23 an Tuberkulose leidend gefunden. Diese Zahl ist im Verhältnis zu anderen ziemlich hoch. Bemerkenswert ist die Mitte, lung, daß in einer Schule des Kreises Plön, Regierungsbezirk Schleswig, die beiden Sitznachbarn eines an Lungentuberkulose erkrankten KindeS U nach verhältnismäßig kurzer Zeit ebenfalls an Tuberkulose er- krankten. Solche Vorkommnisse erfordern natürlich eine fortgesetzte sorg- fältige Ueberwachung der Schulkinder. In vielen Städten geschieht dies durch angestellte Schulärzte für sämtliche Kinder. Vielfach aber beschränkt sich die schulärztliche Tätigkeit auch nur auf eine ein- oder zweimalige flüchtige Besichtigung, der eine große Wirkung selbstverständlich nicht beigelegt werden kann. In Berlin ist die Zahl der Schulärzte 1907 auf 47 gegen 33 im Jahre 1993 gestiegen, denen 227 730 Gemeindeschüler anvertraut gewesen sind, so daß auf jeden durchschnittlich 3173 Kinder entfielen, gegen 3237 im vor- hergehenden Jahre. Bei der Einschulung wurden 33 481 Kinder untersucht, zurückgestellt wurden 3100, in Ueberwachung genommen 9189. In dauernder Ueberwachung standen 33 374 Kinder, auf jeden Schularzt durchschnittlich 827. Die Zahl der in Ueberwachung befindlichen Kinder hat sich in drei Jahren um 12 149 gesteigert, während in dieser Zeit die Gesamtzahl der Gcmeindeschüler um 4433 gewachsen ist. Diese Zunahme wird nicht etwa einer auf- fallenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes zugeschrieben, sondern der gesteigerten Aufmerksamkeit der Schulärzte und ihrer Erfahrung, sowie ihrem einträchtigen Zusammenarbeiten mit den Lehrkräften und der fortschreitenden Aufklärung der Eltern. Die Orte in der Umgebung von Berlin hatten 1907 fast sämtlich Schul. ärzte. In Breslau ist zu den 23 Schulärzten noch eine Acrztin für die Mittelmädchenschulen hinzugekommen. Das Schularztwesen macht überall Fortschritte. Einheitliche Grundsätze für die Auf- gaben fehlen ganz. Interessant ist der Bericht, den die 24 Schul- ärzte der Stadt Magdeburg über die Lebensverhältnisse von dor- tigen Volksschulkindern gemacht haben. Von 742 Schülern bekamen 92, also 12 Proz., überhaupt kein Mittagesien! 30 schliefen zu dritt in einem Bett, 497 zu zweien und nur 193 allein im Bett. 328 hatten zu wenig Schlaf, 23 von diesen waren schon vor dem Schul- beginn 2— 3 Stunden erwerbstätig gewesen— was nach dem Kinder- schutzgesetz verboten ist— überhaupt waren 113 gewerblich beschäftigt. 131 hatten kein Taschentuch. 834 wickelten ihr Frühstück in Zeitungspapier, 303 rauchten bereits! 210 badeten wöchentlich, 332 überhaupt niemals. Im Schwimmen ausgebildet waren nur 77. Dieses trübe Bild wird in allen Großstädten festgestellt werden können. Wo solche elenden häuslichen Verhältnisse die Gesundheit der Schulkinder ruinieren, trägt oft auch noch die Schule ihr Teil außerdem bei. So mutzten in Gifhorn siebenjährige Kinder fünf Stunden ohne Unterbrechung in der Schule zubringen. Der Kreis- arzt hat eine Teilung der Unterrichtsstunden in Vor- und Nach- mittagsunterricht angeregt. Es heißt in dem Bericht hierüber: „Nicht richtig erscheint es auch, daß in ländlichen Schulen vielfach der Unterricht im Sommer schon um 3 Uhr morgens beginnt. Der Kreisarzt zu Meseritz, Regierungsbezirk Posen, hat festgestellt, daß gerade in diesen Schulen sich auffallend viele blutarme und in ihrer EntWickelung zurückgebliebene Kinder finden, was wohl dem zeitigen Unterrichtsbeginn zur Last zu legen ist; es ist bei der üblichen Tageseinteilung kaum möglich, daß bei einem so frühen Schulbeginn die Kinder den nötigen Schlaf erhalten." Das Sprich- wort:„Morgenstunde hat Gold im Munde" schlägt hier bei den Kindern ins Gegenteil um. Wenn im übrigen sonst die Beschaffenheit der Schulhäuser den Anforderungen, die zu stellen sind, genügten, wäre ein längerer un- unterbrochener Ausenthalt der Kinder in den Schulräumen nicht so sehr zu beklagen. Aber daran mangelt es außerordentlich. Wenn auch die Neubauten in dieser Beziehung weniger zu beanstanden sind, so kommt aber auch da noch manche Klage zum Ausdruck. Man vermeidet auf dem Lande gern, die Baupläne den Medizinal- beamten zur Begutachtung vorzulegen. Einzelheiten über den Zu- stand der Gebäude werden zahlreich mitgeteilt. Im Kreise Johannis- bürg, Regierungsbezirk Allenstem, fanden sich noch 9 völlig un- genügende Schulen und 13 Klassen, die in Mietshäusern unter- gebracht sind. Aehnliche Beschwerden kommen aus den Landkreisen deS Regierungsbezirks Stettin, wo vielfach die Gebäude so klein sind, daß auf ein Kind nur 1,3 bis 1,83 Kubikmeter Luftraum ent- fallen. Auch läßt die Reinigung sehr viel zu wünschen übrig. Viele ländliche Schulen werden nur ein- oder zweimal wöchentlich trocken ausgefegt und ein- bis zweimal jährlich gescheuert! Im Regierungsbezirk Osnabrück haben die ländlichen Schulen noch mehrfach Fußböden aus Stein oder Zement, und es ist sehr schwer, die maßgebenden Persönlichkeiten von der Nnzweckmähigkeit dieser Einrichtung zu überzeugen, klagt der Kreisarzt. Ungenügende Ein- richtungen zur Kleiderablage, fehlerhafte oder gänzlich fehlende Fenstervorhänge, fehlende Trinkbecher, mangelnde Spucknäpfe, schad- hafte Fußböden, schlechte Wandtafeln usw. sind die immer wieder- kehrenden Mängel. Besonders schlecht sind die Zustände in Schollen, Regierungsbezirk Bromberg. Die Schulklassen sind in alten Häusern untergebracht, die in bezug auf Beleuchtung und Luftraum, Ausrüstung und Instandhaltung so außerordentlich minderwertig sind, daß man, wie der Bericht sich äußert, kaum von den Eltern verlangen kann, daß sie ihre Kinder diesen Räumen an- vertrauen. So zurückhaltend auch der Bericht über die Zustände im Osten sich ausläßt, so läßt er doch erkennen, daß die Zustände vieler länd- licher Schulen im Osten den allergeringsten hygienischen Anforde» rungen Hohn sprechen. So haben im Regierungsbezirk Breslau viele Landschulen noch Abortzellen, die nach vorn offen und nicht durch Scheidewände getrennt sind; die Pisioirrinnen befinden sich an der gegenüberliegenden Wand. Vielfach fehlen auch hier die Abortgruben gänzlich. In einer Schule zu Trier fand der Kreis- arzt die Aborte sehr unsauber; die Wasserspülung war abgestellt, um— Wasser zu sparen. Eine eigenartige Methode der Fäkalien- beseitigung fand sich in einem Dorfe des Kreises Czarnikau, Re. gierungsbezirk Bromberg; dort wurden auf dem Schulhofe Erd- löcher ausgegraben und in diese die Fäkalien versenkt! Das sind einige der Erfahrungen, die die Schulärzte und KreiS- ärzte bei den Schulbcsichtigungen gemacht haben. Leider werden, wie schon eingangs erwähnt, die Schulen nicht sämtlich und nicht jährlich besichtigt, sondern alle fünf Jahre. Aber auch das ist, wie dieser Tage im Herrcnhause hervorgehoben, den Agrariern noch zu viel. Eine wesentliche Verbesserung der Schulgesunbheit kann und muß stets gegen den Willen der Junker erreicht werden, wenn eS der Regierung ernst wäre mit der Verbesserung der Landschulen. Sie hat die Machtmittel dazu. Doch wendet sie sie lieber gegen Lehrer an, die die entsetzlichen Schulverhältniffe brandmarken, als gegen die Junker. Die Landschulen sind das Aschenbrödel der preußischen Verwaltung, obgleich oder vielmehr weil sie auch die Quelle derAufklärung der Landjugend sind und deshalb liebevollste Pflege verdienten. SielmmA Rosaibm Kommandantenstp., Ecke Lindenstr. 18 Schauferutor. SoiintSlJS gSÖfftiel. 2 Häuser v, DSnhoffplatz. Enorme PreisermMiis. 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Juni. Sonnabend, 5. Juni. Sonntag. 6. Juni, nachm. 3 Uhr. . abendS 8 Uhr. Montag, 7. Juni. , Dienstag, 8. Juni. rete Volksbühne. Am iai im Neuen Operetten- Theater: D. verwunschene Schloß: im Neuen Theater: Der Schwarz- tlinstler.— Die Silberslschchen; im Berliner Theater: Minna von Barnhelm: im Hebbel-Theater: Hohes Spiel: im Deutschen Theater: Der Arzt am Scheide- Wege: in den ttammerspielen: Frühlings Erwachen. Am 31. Mai im Reuen Operetten- Theater: D. verwunschene Schloß: im Neuen Theater: Der Schwarz- künstler:— Die Silberfischchen: im Berliner Theater: Minna von Barnhelm-, im Hebbel-Theater: Hohes Spiel: im Deutschen Theater: Der Arzt am Scheide. Wege. l.essinx-'niester. Sasispiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Heute und solgeude Tag» 8 Uhr: Ist« vonui>prtliiaie»Blii. Hebbel-Theater lkSniggrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Hohe» Spiel. Berliner Theater. Heute und morgen 8 Uhr: Lftn Herbstnianaver. Nachm. 8 Udr: Minna von Barnhelm. Tricochg und Cacolel. Neues Kgl. 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Residenz-Theater, — Direktton: Richard Alexander.— An den beiden Feiertagen: Ansang 8 Uhr tiMwere Dich tun Mie. Schwank in 8 Akten(4 Bildern) von geydean. Ab 1. Juni geichlossen. Der Schweizer-Garten eröffnet mit GM Hlip zu Pfingsten Sonntag, 30. Mai. ® An beide» Feiertagen: | Früh-Vorstellungen I Sntree 30 Pf. Ans. 6 Uhr früh. m Urania. Wiesenschaftlichea Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Montag nachm. 4 Uhr: Dnrcb Dänemark n. Südschweden. Abends 8 Uhr: Rom und die Cainpagna. Dienstag naohm. 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Abends 8 Uhr: Ron» und die Campagna. OOIDCISCHER GARTEN Am 1., 2. und 3. Psingstseiertage: Eintritt SO Pf- Rinder unter 10 Jahren die HSlste. Ab nachmittag 3 Uhr: (ir. Militär-Konzert. (3 Kapellen.) Am 1. und 2. Pfingstsetertag, morgens 6 Uhr: 6r. Militär-Fröh- Konzerte. (3 Kapellen.) Die Wagen der Straßenbahn verkehren aus allen nach dem Garten führenden Linien ab 5 Uhr früh, desgl. dte Züge der Stadt- bahn und Untergrundbahn. Lerliner jtquarinm Unter den Linden 68a Eingang Sohadow-Strafle No. 14 An den drei Feiertagen Eintrittspreis p@- 50 Pf."Mz Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 72/6 FriBdricli-Wiltielnistddtiscties Schauspielhaus. Sonnlag, den 30. Mai, nachm. 8 Uhr: IIu«avenfleber. Abends 8 Uhr: Der Kiiometerfttsskr. Montag(2. Feiertag) nachm. 3 Uhr: weißen RößL Abends 3 Uhr: Im Die beiden Leonoren. Lusispielhaus. Nachm. 3 Uhr; Im Klubsessel. Abends 8 Uhr: Der Liebling der Damen. Hieraus: Ein FreundschaiUdienst. Montag und Dienstag abends 8 Uhr: Der Liebling der Damen. Hieraus: Ein FreundschastSdienst._ Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends 8 Uhr: Krone«nd Fessel. Montag nachm. 3 Uhr: Käthchen von Heilbronn. 8 Uhr: Die Grille. An den beiden Pfingstfeiertagen die letzten Vorstellungen des abwechslungsreichen Mai=Programms! Unter anderen: Ulane d'Eve Excontrique franpaise. .Les Rlogokns japanische Hofkünstler. „Dnrga44 das fliegende Piano mtd eine Kette hervorragender Kunstkrlfte. WMMMM lir Gr..frankfurter Sir. 132. AbendS 8 Uhr: l DaS Mädchen ohne _J Ehre. Sensattons stück in 4 Alien v.Melville. Sonntagspreise. Bnungünstiger Witterung nachm halben Preisen: Der -in 3 Uhr zu Leieruiaitn und sein Pflegekind. Nachm. 4 Uhr: ErSHaung der Gartenbühne. An beiden Feiertagen: Früh kenzeri. Ansang 5'/, Uhr._ Gastspiel-Theatsr Köpenicker Straße 68. An beiden Psingstseiertagen 3 Uhr: Letzte Aufführungen: Die Frau GräUm. Schauspiel in 6 Alten. 8 Uhr: Letzte Aufführungen: Lord Lister. Der grcbo Unbekannte. Englische Detctttvkomödi« w 4 Akten. Variete Tkester Weinhergsweg 19-29, üosentit.jer. Ansang 8 Uhr. Im Theater: Die glänzenden Dpezialitäten. Im Garten: Konzert. Der»Ut« durch die Suft. Thealerbesucher s r e i e n Eintritt. Sehlller-Tlieater. SchKler-TIteater 0. flSallner-Theater.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: vbOTley» Tante. Schwant in 3 Alt. v. Brandon Thomas. —— Ende 5,li Uhr.-IMS Sonntag, abends 8 Uhr: Dobtor- Kinns. Lustspiel w 5 Alten v. Ad. L'Arronge. Ende 10'/, Uhr. Montag nachm. 3 Uhr: Die ZwllUnesseliweste». Montag, abend« 8 Uhr: Jnncfer Obrigkeit. Dienstag, abend» 8 Uhr: Brestcrs Millionen. Schüler-Theater Charlottenburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. DS-" Ende 6 Uhr.-WW Sonntag, abendS 8 Uhr: Br-enteeei Billionen. Lustspiel in 4 Akten von Win chell Smitb und Byron Ongley. Ende 10'/, Uhr. Montag nachm. 3 Uhr: Dn« Erbe. Wontag, abend« 8 Uhr: Mnrzio. Dienstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Ein Erfolg:. Castan's Panopticum FriedrlchstraBe 165 (Pscborr- Palast). Bis zum 4. Juni Jeder Besneher kann 1 Kind frei einführen. Familientageü Ohne Extra-Entree I Lebend! 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Pfingstscieriag: 9'/, Uhr: 9'/, Uhr: Der tollste Schwan! der Gegenwart: E|* oder El* mit Kartstein _ in der Doppelrolle als ZM- lllln» nnd Berits.-Rtza Ab 8 Uhr: Die phänomenalen Spezialitäten. Um 7'/, Uhr: Konz. Im Theatergarten. Ke!clisjisl!e»-7deklor. Stettiner Sänger. An all. 3 Pfingstseiertagen „Stuckes Ptingstfahrt" u.„Mein Freund Hugo". BurlcSlen v. Meysel, Ansang 1. und 2. Feiertag 7 Uhr. 3. Feiertag 7'l. Uhr. I�.ZltoseKsTKsater viretttoui Rad. lliii.«runnenitr. 1». An allen drei Pfingstfeiertazeu: Sicht fest- Uochrkuge». Ein süßes Mädel. Hervorragendes Tpezialitäten-Programm. Schweizerhaus WsickmsnnsLust »ohönster ttaturgsrten, Xegeidahn, jeden Sanntag Tanz,«mpstehlt allen Freunden«nd Genoffen 2858b Uelnrlck Roller. Nur noch 4 Tagel Sfträneberg, nST | Zirkus Charles j Ter sensationellste« größte> i Zeltzirkus der Gegenwart. tttgllek ti l»rllt»i»tv' resf-VGrslsUimzen nachm. 4 Uhr u. abend« 8 Uhr. 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Jeden Montag Elite tag, TPezta» litäten und Soiree der„Luftige«' Säuger". Bei Siegenwetter Vorstellung im großen Theater-Saql._ Brunnen-Theafet Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt An den drei Pfingstseiertagen: X.Erstklasstge Tpezialttöten i X Movltüt! Novit&t! Die Spreewald- Käte. Gr. AuSstaitungs-BolkSstück mit Ge- sang u. Tanz in 4 Att. o. Hossmann. Kassencröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Den 2. und 3. Psingftseiertag: Nach der Vorstellung: Dr. Boll. slzzmmo Volhsparh-Iheafer UUilliilO Landsberger Allee 74/77. Große Vorstellung d-S Sachsischen Volks-Theaters nebst Austreten ersttt. Spezialitäten. Zum ersten Male in Berlir». Man amüsiert sich köstlich. Mai Kliems Sonniier-fliBatep nl FestsSUe Rudolf KrOger Hasenheid« 13/15. nV- Täglich: ma Großes Konzeii Theater niul Spezialittten-Yorstelluiig. Art. Leitung: Walter Qravonitz. Jeden Donnerstag: Elltetas« Während und nach der Vorstellung Tanwhriiii-vhvii. Heute Eröftnung der Hauptsaison I Konzert, Theater, 12 Kunstspezialität. neu: Die Dallesprinzessii Voltsftück m. Ges. in 3 Ausz. von Koch. (Personal des Kafino-TheaterS.) Im Saale: B»ll. Ansang 4 Uhr. ?lm 8. Feiertag: Ertthkoiiziork und V«»rGt«llaiiU. Eröffnung der Kaffeelüche 4 Uhr. 1 Kerlmn vrafer-Thtatkl! Kastaiiienallee 7— S. »MMMMOMM« Kastantenallee» > Täglich: l - 3Ian lebt Ja nur einmal!» J Spezialitäten ersten Raoges. Konaert and Ball. , Ansang 4',. Uhr. i-»w »»»»WWW»»»»MM Alhambra Wallucr-Theaterstrahe 15. xx. Großer Ball Große» Orchester. Ansang Sonntag» a Ubr. 4. Zameltat. Sanssouci, 5.�. Reimer. Konhutor 6. ©Iveltion Wilhelm Oer Garten ist goiiffnet.'98 Zrostartiaeö Festprogramm der ürikl?ftngLt'7eiört2ve Gonutag, Wiontag. Dienstag: � WelleDbummler! (Modern. Poff.» u. BurleSk.-Ensemble.) Aktuellste Schlager, Einakter, Couplets, Duette usw. Am l.n. 2. Feiertag Ans. d. Konz. 5 Nhr, b. Vorst. 7 Uhr, aui lt. Feiert. Ans. 8 Uhr. Plißist-TsniÄetien. Kreuzberg-f,g",on8, u- SW., Kreuzbergftr. 48. Besitzer: 0. Ernert Am 1. und 2. Feiertag: «« Spezialitäten- und ! Theatervorstellung Entree srei. Ans. t Uhr. Am 3. Feiertag: Gr. Frei-Tanr. Ans. 8 Uhr. Freit., 4. Juni: Hoffmanns Norddeutsche Singer. Sonnabend an Vereine zu vergeben. Iz« - Landsberger Allee 79/80. : fiunu/jgj, .iem eddnji i8pe|J8qo epaejqy eig uueü| Grolles während der Psingstseiertag» in Ismm Volkzpsrk. T.«r»ckal»«revr A.U«« 80—04. Eintrittspreis während der Ballon- fahrten für Erwachsene IG Ps, Kinder in Begleitung der Eltern frei. 28166» riaritgräfen-Säle Markgrafendamm 34. Amt\rII 4277 Lnh. Hermann Schölts. 1. ißfUigflfcierta�: �Vorstellung 2. Pfingstseiertag: GroBer Ball. Säle für 100—1000 Personen zu Festlichkeiten und Versammlungen. S Kegelbahnen,* Achtung! Teltow! Bei Ausflügen in die westlichen Bor« orte bringe ich den werten Partei- genossen mein NeftaurationSlokal in empschlende Erinnerung.• Schattiger, groBer Garten. Geräumiger Saal mit Pianlno. Kinder- spielplau. Bei größeren Vereinen vorherige Anmeldung erbeten. Zel. Amt Zehlendors 132. Gustav Web. Teltow, Hoher Steinweg 10. 3#G ± ♦ ■ Sozialdemokratiseher WaMverein für den IV. Berliner Reiehstags- Wahlkreis. Am Montag, den 31. Mai(2. Pf ingstfeiertag); Großes Prüllkonzert in den Lokalen: Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichsyatn. Ludwigs Viktoriagarten, Treptow. Köpcnickcr Landstrafte. Kaflcneröffnung 4 Uhr. Anfang S Uhr. ™ Billott SO Pfennig. Bei schlechtem Wetter finden die Konzerte in den Sälen statt. gu zahlreichem Besuch ladet ein 218/4 Bas Komitee. I B i I I I 1 I Sozialdemokratischer Wahlverein des VI. Berliner Reichstagswahlkreises. Frühskonzerte««« Sonntag, den 30. Mai(1. Pfingstfeiertag) im Berliner Prater, Kastanlenallee No. 7—9 Montag, den 31. Mai(2. Pfingstfeiertag) in Ballschmieders Etablissement, Badstraße No. 16 und Kronen«Brauerei, Alt a Moabit No. 47—49 Konzert* Gesang* Spezialitäten Billett SS Pfennig. Eröffaung 4>/z Uhr. Anfang G Uhr. 227/16* Die Komitees. m na 1 Schwarzer Friedrichsberg Edler Frankfurtop Chanaace B (früher ISO). StadtbMtnstationFrankLAI� lnh.! Qcbr* JlnillOld* Fernspr. Friadrlchsberg Nb. 8. An allen drei Feiertagen: Große Fest-Vorstellungen mit Frana Sobanakl, Robert Rcvally, Hand- and KopfequilibriEt auf 60 wirkliohen Zigarrenkisten, Olga I«ey, Liedersängerin, lileaehen Donut, Soubrette, Mr. Hobln, Balance-Akt mit Posiermanipulationen. Forner noch 10 eracld assige Kammern. Hontag, den 81. Hai(St. PO ng-st- Feiertag): Großes FrühsKonzert und Vorstellungen. Auftreten säatlicber Spezialitäten mit Franz Sobanskl. Anfang des Konzerts 6 Uhr. Koffeekilohe von S Uhr früh geöffnet. Dlonatag, den 1. Jnnl(8. Pflngst-Fclcrtag): Gänzlich neues Spezialilllen- Programm. Der Talmi-Gral. HM i Brauerei Frledriehsbaim Ana Königator. Jnh.: Krnat Klebing. — 1,,». und 8. POngatfelertag t===== Oarten-Konzert°°n� Johann Stpauß-u- Wien mit der gesamten Kapelle(SO Künstler). Anfang 4 Uhr. Entree SO Vf. SKSF" Bei ungünstiger Witterung im groften Konzertsaal."OHI Billetts zum ermäßigten Preis: Entre« 4P. reserviert BP Ps., in der.Vorwärts'» Spedition bei Zucht, Jmmanuettirchstrafte(2, und ttahaisch, Auguststraße 60, zu haben. Ami. u.2. Feiertag: Früh-Konzerte. Am 3. Feiertag veg. d. Konzert» 7 Uhr. « Arnold»Chol, NIkUV Wvii ttaaenhnld» ,P3/,,4 Am 4. und St. Pfingstfeiertag t i Großes Trühbonzert u. Mh-Vorstellung. Anfang 5 Uhr. Einlrltt 25 Pf. An den Feiertagen und Sonntag» 12—8 Uhr bei sreiem Entritt: OroLo Tisch»Musik. X Diner, 4 Ginge, M. I. MF* An alle« drei Feiertagen: üroAes Loyysl- uud BHIttär-Konzert. Gala« Spezialitätenvorstellung. d Anfang 4 Uhr. Elatritl 25 Pf. Im Riesen-Festsaal von 4 Uhr ab: OroLcr PtlttÜ« hat das desto Vereins» Timmer im Osten? 5&CF' 70 Peraonen faaacnd L_ ünzweifälhaff Sangesbruder Liebermann! Zorndorfer tätrafie O, Ecke Lfiwe-StraBe. Einige günstige Tage sind frei gawoxdon. 2 Kegelbahnen. Paul Liebermann. Elektr. Pianlno. 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Adsahrt voim. 10 Uhr.— Hin und zurück t M. Außerdem: Am 1. Fse.ertag -"W' 4'r«n»enndoi»fabrtei gel- nnd I-nn renaeo(mit Kuffeepaaso). srüh.— Hm und}u'Ick 50 Ps., Rückkunsi ll Uhr.— Nach HUble. Absahri S Uhr. nach dem Absahri Btane Am 8. Feiertag s Nach Tenplta(Ternow'» Idyll). Absahrt 7 Uhr srüh.— Hin und zurück 2 M. Nach Aken« Hbble. Slbsayrt 9 Uhr.— Hin und zurück 1 M. Nach Ziegcnhnla. Abfahrt 8'/, und 2'/, Uhr.— Hin und zurück 1 M. Ab HVeldend«n:iner Nrtieke(im Zuge der Ferdinaud-Strah«). Am 2. Feiertag: Stach Brandenbarg a. Havel. Abs. 7�,Uhr srüh.— Hin und Nach Vorder a. Havel. Absahri 9 Uhr srüh.— Hin und zu, «oodorotoa Knbot A U, Prinz- LouiS- zurück 2 M. urück 1,50 M. vrt»vr. Or.-Lichterkelde! Konzert und Ball. Anfang 4-,. Uhr. K Avie! 2. Feiertag: ör. Frühkonzert, ß�uhf. unter neuer Regle: lnh. Max Ludwig. (Pharus-Säle) Müllerstr. 14Ä Telephon 2. 045. Sommepgarten Feslsäle und ferelnszlmmer Festlichkeiten unter günstigen Bedingungen zu vergehen. 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Feiertag: llrataa groös» stsmiorwM. Verein für grauen u. Mackcben der Arbeiterklasse. M i ttw o ch. den S.Juni, abends K'/, Uhr, im„Zseiioi» lllal»- Kommaiidantenstr. 72: 55/11 Bortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Kdnard David: „Was lehrt ans die Kevölkerungsstatistik?" Gäste willkommen._ Der Torstand. NttdWdderM«ler,zaMtt,A«strtiihtt-c. Melchiorstrabe 28, Part. Filiale Berlin. Fernspr.: Amt 4, 4787. Nie für Donnerstag, den 3. festgelegte Versammlung findet an diesem Tage ftlltiv sondern am Donnerstag, den tO. Jnni, abendS 8'/, Uhr: Sektioilslierftillmlailg der Lackierer im Getverkschaftshause, Engelnfer 15, Tages-Ordnung: I. Vortrag des Arbeitersekretärs Kollegen27/5 Die SieKttonsieituae. dem am 2. u. 3. Feiert® 2 Uhr. Rückfahrt abend» 8 Uhr. Wirtshans Schloß Woltersdorf. Abs. Oberbaümbrücke, Falckensteinstr., srüh 9. nachm. Von da ab tägliche Extrafayrten.* Billigste Dampfer: Pfingst=Fahrten. ____ Am 1. nnd S, Feiertag"NiZ trüb 7, 8, 9 Uhr,'»nittags2Uhr: nach Woltersdorfer Schleuse, 1 hin 50 Ps. 9'/, Uhr, � 2. nach Wernsdorfer Schleuse/ zurück 50 Pf. Am 3. Feiertag srüh 9 Uhr, mittags 2 Uhr nach Woltersdorfer Schleuse, . 9'/.„„ 2„„ Wernsdorfer Schleuse. . 10'Uhr nach Reue Mühle. Hin und zurück 50 Ps. Täglich 2 Uhr mittags zirka halbstündlich nach Restaurant Kyffhäufer, wochentags 20 Ps., Sonntags 30 Ps. Dampser-Fahrgäste zahlen kein Entree. AMaMteHe: Schillingsbrllcke Berlin. Nach den Feiertagen täglich srüh 9 Uhr, mittags 2 Uhr nach Wolters- dorfer Schleuse, 9>/, und 2 Uhr mittags nach Wernsdorfer Schleuse; Dienstag und Freitag mittags 2 Uhr nach Neue Mühle. 2788b Gvkti stramm,»»«etftr. 123. Kodell- und fabribtisehter um 8 Uhr im VerbandShause der Gastwirtsgehilfe», Graste Hamburger Strafte 18/19. Musikinstrumenten- .Arhelter um 8 Uhr abends im GcwcrkBcbaltshaasc, Engelufer 16, Saal 8. Maschinenarbeiter im Gewerbschaftshanse, Engelnfer 15, Saal 7. Einsetzer um 8 Uhr im„Oetvcrbachaftahanse", Engelufer 15(Saal 10). Kammacher bei liebmann, Reue Friedrichstr. 1. Bodenleger im Gewcrkschaftahansc, Engelufer 15. Stellmacher bei Hahn, Rofenthaler Vereinshaus, Rosenthaler Strafte 57. Kistenmacher bei Bandach, Breslaner Strafte 28. Korbmacher bei Eichhorn, Koppeustraste 47. Bürstenmacher bei Prcnß(Hilsebein-Ausschank), Holzmarktftrafte 65. Vergolder bei Klnge, Lange-Strafte 53. Jalousie-Arbetter bei Walter, Adalbertstr. 62. Perlmutt-, Horn- u. Steinnußarbeiter um 7 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5. Bilderrahmenmachep um 6 Uhr bei Siattcroth, Ritterstr. 32. Stockarbeiter um S'/t Uhr bei Echmann. Neue Friedrichstr. 1. Sophlenstraße(7/18 QuerstraSe der Rosenthalor StraOe— am Hackeachen Markt* = Inhaber; Paul Baatz■ empfiehlt seine von 50—2000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen. Vortrags- u. Kunstabenden usw. Vorzügl. Akustik. Kulant. Entgegenkommen. W.Kubes festsäte, Alte Jakobstr. 73, früher Feuerstein. Empfehle meine Säle zu jeder Art Festlichkeiten und Versammlungen. Für Sommerfeste prachtvoller©arten mit Bühne und Kaffeeküche noch an einigen Sonntagen ohne Bedingungen zu vergeben. Fernspr. Amt I Nr. 857.» Mal-Kah-Cigaretlen in allen Preislagen vorzüglich. Partei- Speditionen: Zentrum: Sllbcrt Hahnisch, Angnststr. 50, Eingang Foachimstratze. L. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch- parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hof rechts pari. 4t. Wahlkreis: Osten: Robert W e n g e I s, Andreasstraße 17.— Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). ß. Wahlkreis(Moabit und Hansavicrtcl): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 36, Eingang Anklamerftraße. Oesnndbrnnnen: F. Trapp. Stetttnerstr. 10. SchOnhaascr Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Adlersbor: Karl Schwarzlose, Hoffmannstr. 9. Alt-Ollenlcke: Wilhelm Dürre, Rudow erstr. 83 II. Baninschnlenweg: H. Hornig, Marienthalerflr. 13, l. Bernaa-Biintgental: Heinrich B r o s e, Hohesteinstr. 74, Part. Bobnsdorr und Falkeuberg: G. Pfeifer, Bohnsdorf, Ge» nossenschaftshaus. Oharlottenbarg: Gustav Scharnberg, SesenHeimerslraße 1, Ecke ©vethestraße, Laven. Elchwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankcls Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Krvnprinzenstr. 81. Erkner: Ernst H v s s m a n n, Friedrichshagener Chauffee. Friedenau- Steglitz- Sßdende: H. L e r n I e e, Schlvßstr. ll9, Svs l, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: . Mohr, Düppelsw. 32. und Fr. S ch e l I h a s e, Ahornsw. 15 Frtedrlehshngen: Ernst Werkmann, Friedrichstr. 67. Ortinan: Franz Klein, BaHnHoffw. 5 NI. Hohen-IVeaendork: Wilhelm T e n t s ch er, Stolperstr. 50 I. dohannlsthal: P i e l i ck e, Kaiser-WilHelm-Platz 4. Karlshorst: Richard Küler, Rödelftr. 9, II. Kßnigs- W asterhansen: Friedrich Baumann, Nieder« l e H m e. Wintelmannftr. 12. KQoenlek: Emil W i ß l e r, lkietzerftr. 5, Laden. Elcntenberg, Frtcdrichsfclde, Wilhelmsberg: Otto Seilet, Äronprinzenstraße 4, I. Mahlsdoi-r und Kaalselorr: Hugo Scheibe, Mahlsdorf, Walderseeftr. 14. � Marlendorf: August Leip, Chausseestr. 295, Hof. A'ea-Welßensee: Kurt Fuhrmann, Sevanstr. 105, parterre. A'leder-Sehtine weide: Paul B e n g s ch, Grünnuerftr. 8. hlowawQS: Wilheln: I a p p e, Friedrichstr. 7. Ober-SohUaeweide: August H e n j e s. Laufenerstr. 2, l. Fankow-XledersehUabaasen: Otto Riß mann, Mühlen- straße 30. Reinickendorf» Ost, Wilhelmsruh und Schßnholz: P. Gursch, Kamekestr. 12, I. Rlxdorf: M. Heinrich, Neckarsttaße 2, im Laden. Rnmmelsbnrg, Boxhagen: A. N a s e n k r a n z. Alt-Boxhagen 56, Schmargendorf: Gustav K a m i n s k h, Cunosiraße 2. Schiineberg: WilHelin Bäumler, Martin Lutherjtr. 5l, im Laden. Spandan: K ö p p e n, Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslnst, Dermsdorf uiw Ucinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm K e ß I e r, Hohersleinweg 7. Tempelhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelnistr. 20. Treptow: Rob. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Wllrnersdorf-Ralonsee: W i t t n e b e l, LandhauSstr. 27. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wiffenschasllicheu Werke werden geliefert. Annahme von Inseraten für den„Uorwarts�. Bitte ausschneiden."WA 245/1» "Verantwortlicher Kxdakteuri SMS Mber. Merlin. Sur de» Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Drucku-Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Ar. 124. 26. Iahrglmz. 3. iteilnp des Lmsrls" Knlim KldsblÄ. Sonntag. 30. Mai 1909. Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokallistr. Folgende Lokale stehen uns neu zur Ver- fügung: Reinickendorf-West:.Zum Brocken', Jnh. Nimtz. Tegel:.Gesellschaftshaus', Jnh. Kallner, Schlohstr. 7. Tcgclort: Otto Schön, Scharfenbergstr. 7. FriedrichShagen: Besser, vorm. Lerche, Friedrichstr. 80. Den Inhaber gewechselt, jedoch nach wie bor frei sind folgende Lokale: Hohcn-Neuendorf:„Zum Bürgerhos', jetziger Inhaber Gustav Slöhr. Schöneichc-SchZnebeck:.Waldschlotz', jetziger Inhaber Lembke. In Schönfließ ist uns da? einzige freie Lokal von S ch i r m e r dortselbst entzogen worden und mithin streng zu meiden. Die Lokalkommission. Wilhelmsruh- Niederschönhausen-West. Die zum Dienstag, den 1. Juni, angesetzte Mitgliederversammlung findet nicht statt. Der Zahlabend für Monat Juni wird für die füns Bezirke gemeinsam im Lokal von Barth, Biktoriastr. 7 abgehalten. Spandau. Die organisierten Frauen' Spandaus veranstalten am Dienstag, den 3. Pfingstfeiertag einen Familienausflug nach Picheis- Werder zum alten Freund. Es wird eine rege Beteiligung der Ge- nassen mit Familie erwartet. Der Abmarsch erfolgt mittags 1 Uhr von Fritz Bohle, Havelstr. 20. berliner JVadmebten. Pfingstblühe«. Die schlanken Aeste der Fliederbüsche biegen sich unter der duftenden Last lilafarbiger Blütentrauben, aus dem dunklen Laube der Kastanien leuchten zahllose Weiße Kerzen herab und auf dem Blumenmarkte sind die Maiglöckchen Trumpf. In den Anlagen blüht, was blühen mag, gelb schimmert es über die blumigen Wiesen, und in den Wäldern haben auch die späten Eichen endlich ihr Laub entwickelt. Der norddeutsche Frühling hat seinen Höhepunkt erreicht; in der Stadt, wie in Wald und Flur. Der ersten Phase, der Besiegung winterlicher Hemmungen, ist die zweite gefolgt, die Ausnutzung des sommerlichen Lichtes und der Wärme. Einen ungeheuren Flächenraum nehmen die Blätter ein. die die Pflanzen als Apparate siir diese Aus- Nutzung dem Lichte entgegenwenden. Es sind Platten, in deren Zellen zahllose winzige grüne Körnchen des Blattgrüns(CKloropüMs) dem Lichte ausgesetzt werden, unter dessen Wirkung sie sich bilden, um dann, einmal vorhanden, die wichtigste Tätigkeit der Pflanze zu übernehmen. Das Blatt nimmt die Kohlensäure der Luft auf und das Chlorophyll spaltet sie in Kohlenstoff und Sauerstoff, wovon es— ungleich den Tieren— nur den ersteren verwendet. Der Kohlenstoff wird in die organischen Stoffe um- gesetzt, aus denen die Pflanze sich aufbaut, und zwar in erster Linie in die Körnchen der all- bekannten Stärke. Was für Leistungen diese chemischen Fabriken der Pflanzen vollbringen, mag die Tatsache ver- anschaulichen, daß in 5000 Litern Luft noch nicht zwei Liter Kohlensäure enthalten sind. Dabei besteht aber die Hälfte des getrockneten Pflanzenkörpers aus Kohlenstoff! Was sind alle"menschlichen maschinellen und chemischen Anlagen gegen die Kohlenstoffproduktion der Pflanzenwelt? Aber fort mit diesen Betrachtungen, denn es ist Pfingsten. Der scheue Kuckuck ruft durch die Wälder und wer seinen Kinderglauben noch hat, der mag ihm lauschen und sich seine Lebensjahre vorzählen lassen. Wo der Wald Laubkronen neben den Kiefern besitzt, da herrscht vielstimmiger Vogel- gesang, und Auge und Ohr kann kaum dem Durcheinander folgen, das Häher und Spechte. Meisen, Finken und Laub- sänger zum Besten geben. Ucbcr allen hin auf hohen Wipfeln aber läßt unausgesetzt der Pirol seinen kurzen melodischen Ruf erschallen. Andere dieser prächtig gelb und schwarz ge- zeichneten Pfingstvögel erwidern ihn in allen Ecken des Waldes, und leicht können wir den Ruf durch Nachahmung hervorrufen. Pfingsten ist es und aus allen Kronen und Wipfeln er- klingt das hohe Lied der prangenden Natur. Möchten es nur Viele Menschen genießen können! Der Berliner Magistrat imd das Tempelhofer Feld. Bekanntlich geht der Militärfiskus damit um, das Tempelhofer Feld zu veräußern, um die hierfür gewonnenen Mittel zum Ankauf eines Truppenübungsplatzes bei Zernsdorf zu verwenden. Wir haben mitgeteilt, daß das Feld der Grundstücksspekulation auS- geliefert werden soll und daß auch schon ein Bebauungsplan aus gearbeitet ist. Merkwürdig ist. daß die Militärverwaltung vor verhältnismäßig kurzer Zeit dem Berliner Magistrat auf eine An- frage mitgeteilt haben soll, daß auf absehbareZeiten an eine Entbehrlichkeit des Feldes nicht zu denken sei. Bon dieser Verhandlung und dieser Antwort machte der Stadtrat Böhm der Berliner Stadtverordnetenversammlung am 28. Januar 1904 als Vertreter des Magistrats Mitteilung. Jetzt nach kaum fünf Jahren, ist die Sache im entgegengesetzten Sinne perfekt. Daß der Entschluß des Militärfiskus, das Tempelhofer Feld zu ver- kaufen, lange Jahre vorbereitet gewesen ist. muß schon aus der Tatsache gefolgert werden, daß die wegen Erwerbung von Grund und Boden zu einem neuen Uebungsplatz bei Zernsdorf mit den Besitzern des TerrainS geführten Verhandlungen natürlich jähre- lang betrieben worden sind und daß vorher umsäng- liche Erwägungen im Schöße der Militärbehörde statt- gefunden haben müssen. Es ist nach alledem kaum begreiflich und ganz unverständlich, daß der MilitärfiSkuS im Jahre 1904 die von Herrn Stadtrat Böhm mitgeteilte Antwort erteilt haben soll. Wollte der FiskuS das Feld verkaufen, fo hatte er das allergrößte Interesse daran, das Tempelhofer Feld in Berlin eingemeindet zu sehen, denn es ist ein großer Unterschied, ob das zu verkaufende Terrain in Berlin oder in der Dorfgemeinde Tempelhof liegt. Es ist nicht ganz ohne Interesse, die Verhandlungen zu rekapitulieren, die in dieser Beziehung in der Berliner Stadt« verordnetenversammlung gepflogen wurden. Am 7. Dezember 1899 petitionierte der freisinnige Bezirksverein„Hasenheide' beim Magistrat wegen Eingemeindung nach Berlin und am 14. November 1900 beantragte der Stadtverordnete Wallach in der Stadtverordnetenversammlung: den Magistrat zu ersuchen, daß er mit der Gemeinde Tempelhof wegen Eingemeindung der Hasen- Heide in Verbindung trete. Dieser Antrag wurde von der Versammlung fast ein st immig angenommen. Nach Verlauf von zirka vier Jahren ging durch die Oeffentlichkeit die Nachricht, daß dieHasenheide nach Rixdorf eingemeindet werden solle. Darauf inter- pellierte der Stadw. Wallach den Magistrat, und zwar in der Stadt- I verordnetensitzung am 23. Januar 1904. Auf die Ausführungen !des Interpellanten antwortete der Stadtrat Böhm,„daß der �Magistrat die Eingemeindung des nördlichen Teils der Hasenheide abgelehnt habe, weil der Stadt Berlin anderthalb Millionen Mark Kosten erwachsen würden. Weiter sei für den Magistrat in Betracht gekommen, daß, nachdem der eingemeindete Teil bebaut sei. wohl wünschenswert fei, wenn wenigstens der übrige Teil der Hasenheide als öffentlicher Park eingerichtet werden könnte, und wenn das Tempelhofer Feld, dessen Mitcinvcrleibuug der Oberpräsidcnt verlangte, als späteres Bau- terrain in Frage kommen konnte. Verhandlungen mit dem Militärfiskus hätteu aber ergeben, daß auf abseh- bare Zeiten an eine Entbehrlichkeit des Feldes nicht zn denken sei und daß unter diesen Umständen nur Lasten entstehen würden, sei ja klar.' Läßt diese Auffassung an Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit nichts zu wünschen übrig, so nicht minder die geringschätzige Art, wie Magistratus Böhm die Stadtverordneten behandelt. Der Interpellant beschwerte sich mit Recht darüber, daß der Magistrat vor Abgabe seiner Erklärung an den Oberpräsidenten nicht erst die Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung eingeholt habe. Herr Böhm antwortet darauf:„Der Herr Vorredner hat hervor- gehoben, daß es doch notwendig gewesen wäre, der Stadtverordneten- Versammlung Mitteilung zu machen. Auch diese Frage ist Gegen- stand der Beratung des Magistrats gewesen, und es ist beschlossen worden, keine Vorlage zu machen, da ja eine Zustimmung der Versammlung an sich nicht erforderlich war.' Man stelle sich vor, vor vier Jahren faßt die Stadt- verordnetenversammlung einen Beschluß in dieser Frage und als es zur Entscheidung kommt, hält es der Magistrat nicht einmal für nötig, derselben eine Mitteilung zugehen zu lassen, auch nicht. obwohl der Oberpräsident die Eingemeindung der Hasenheide mit der hochwichtigen Frage der gleichzeitigen Eingemeindung des Tempel- hofer Feldes verquickt. Wirklich eine nette Selbstverwaltung. Was mag aber den Ober- Präsidenten damals veranlaßt haben, gleichzeitig die Eingemeindung des Tempelhofer Feldes zu fordern und zwar, trotz der Ablehnung des Magistrats, mit einer, gewissen Hartnäckigkeit? Ehe Rixdorf die Hasenheide überwiesen bekam, hat der Oberpräsident noch mals die Frage an den Magistrat gerichtet: ob Berlin noch Wert auf eine Eingemeindung lege oder ob Berlin Einwendungen zu machen habe, wenn der Streifen an der Hasenheide nach Rixdorf oder Tempelhof eingemeindet werde Der Magistrat hat sich gesagt:„Berlin bin ich' und hat mit einem glatten Nein geantwortet. Die Stadtverordnetenversammlung erhielt nur bei Gelegenheit Kenntnis von diesen wichtigen Dingen. Mit Rücksicht auf die Haltung des Oberpräsidcnten aber muß doch die Frage aufgeworfen werden: Hat in der Tat zu gleicher Zeit eine Rückfrage bei dem Militärfiskus seitens des Magistrats damals stattgefunden oder hat man sich nur auf frühere Aeuße rungen bezogen? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Forderung des Oberpräsidenten läßt sich doch nur fo erklären, daß eine andere Behörde ein Interesse an der Eingemeindung des Tempelhofer Feldes hatte. Diese kann aber nur der MilitärfiSkuS gewesen fein, der mit dem Plane der Veräußerung umging und wohl wußte, daß er für das Feld, wenn es in Berlin eingemeindet würde, eine viel höhere Summe herausschlagen könnte. Die Annahme, daß die Forderung des Obcrpräsidenten mit den Bestrebungen des Militär- fiSkuS in Verbindung stand, ist also gewiß nicht gewagt, umsomehr als die Haltung der betteffenden Behörden auch durchaus als ein- wandsftei zu erachten ist. Die Befürchtung, daß die Antwort auf eine frühere Frage erfolgt ist, ist umso weniger von der Hand zu weisen, wenn man sich die Behandlung der ganzen Angelegenheit im Magistrat vor Augen führt und die ihre Erklärung wieder in der unglücklichen Besetzung des Dezernats findet. Wie man auch über den Magistrat denken mag, so ist es doch ganz ausgeschlossen, daß wenn der Dezernent die Akten studiert und dem Magistrat mit- geteilt hätte, daß vor vier Jahren ein Beschluß von der Versamm lung gefaßt sei, die Hasenheide einzugemeinden, der Magistrat jemals zu dem Beschluß gekommen wäre, die Eingemeindung abzulehnen, ohne die Stadtverordneten zu verständigen. Dabei wäre dann auch die hochwichtige Frage der Eingemeindung des Tempelhofer Feldes des breiteren zur Erörterung gekommen und der Bürgermeister Reicks würde davon Abstand genommen haben, gelegentlich seiner Rede bei der Hundertjahrfeier der Städte ordnung Klagen— wie man sieht, ganz und gar un- berechtigte— über die Vorenthalttmg des Tempelhofer Feldes zu erheben. Bei einem fleißigen und umsichtigen Dezernenten könnten solche Dinge nicht vorkommen. Kommen sie aber vor, so würde in jeder anderen Stadt an die Wiederwahl einer solchen.Kraft' nicht zu denken sein. In Berlin spielt das gar keine Rolle. Wer einmal drin sitzt, der bleibt drin, auch wenn er die größten Schäden anrichtet. Dem Oberbürgermeister ist zwar der Vorwurf nicht zu ersparen, daß er ein solches Dezernat in solch wenig„glücklichen' Händen läßt. Aber was soll er auch machen? Die Herren sind nun mal da und müssen verwendet werden. Diese Vorgänge sollten der Stadtverordnetenversammlung end- lich Veranlassung geben, der Frage näher zu treten, ob es nicht im Interesse der Stadt liege, ob es nicht heißt, Geld ersparen, wenn man solche„erfolgreichen Kräfte' lieber mit vollem Gehalt pensioniert Das Hauptamt des Dezernenten im Boulettenkeller würde ja damit nicht verloren gehen._ Von der Neueinteilunss der Stadtverordnetenwahlbezirke hört man kein Sterbenswörtchen. Am 30. Mai 1906 bc schloß die Stadtverordnetenversammlung, den Magistrat zu ersuchen, eine Ncueinteilung der Wahlbezirke für die dritte Abteilung vorzunehmen und zwar so, daß spätestens vor den Wahlen 1909 diese Ncueinteilung durchgeführt werde. Weil der Magistrat nichts von sich hören ließ, interpellierte in der Stadtverordnetensttzung vom 11. Februar dieses Jahres der Genosse Borgmann den Magistrat, worauf S t a d t r a t B o h m, der Dezernent des Wahlbureaus, erklärte, daß die mit der Sache betraute Kom- Mission ihre Arbeiten vollendet habe und demnächst dem Ma- gistrat Bericht erstatten werde. Wir haben in unserer Nummer vom 14. Mai öffentlich die Frage aufgeworfen, wie weit es denn mit dieser Angelegenheit ist. Eine Antwort ist noch nicht erfolgt. Muß erst wieder von neuem in der Stadt- verordnetenversammlung angestoßen werden? Der Uutcrrichtscrfolg der Berliner Gcmeindeschule wird in dem neuesten Jahrgang des„Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin' durch ein Zahlenmaterial beleuchtet, das in mancher Hinsicht interessant ist. Die Statistik über die Gemeindeschul- kinder, die nach erfüllter Schulpflicht oder nach vor- zeitiger Dispensierung ins Leben hinaustreten, ist seit 1905 ver- vollständigt worden. Auf Anregung des Statistischen Amtes wird seitdem für jedes zu entlassende Kind ein Fragebogen ausgefüllt, der Auskunft gibt über die häuslichen Verhältnisse der Kinder, über die Dauer ihres Schulbesuches, über die Dauer ihrer Zu- geHörigkeit zur letztbesuchten Schule usw. Die Hauptergebnisse der Auszählungen aus dem Fragebogen sind im Jahrbuch mit- geteilt; dem neuesten Band entnehmen wir die Zahlen sür Ostern 1907. Zu diesem Termin wurden aus den Gemeindeschulen Berlins 8310 Knaben und 5249 Mädchen entlassen, und zwar gingen ab' von den Knaben von den Mädchen aus Klasse I 2563= 40,46 Proz. 2159= 41,13 Proz. , II 1904= 30,17„ 1644--> 31,32, , m 1113--- 17,64. 887= 16,90, , IV 487= 7,72„ 337= 6,46. „ V 167---- 2,65, 155— 2,95„ „VI 23= 0,38„ 23= 0,44„ „VII 6= 0,10„ 1= 0,02„ „ VIII------„ „ Nebeu- Ilassen 57---- 0,90. 41= 0,78. Die Ober stufe, aus den Klassen l, II, III bestehend, war erreicht worden von 88,27 Proz. der Knaben und von 89,35 Proz. der Mädchen, also von ziemlich neun Zehnteln aller abgehenden Kinder, im besonderen die Klasse I von etwas mehr als vier Zehnteln. Der Anteil der obersten Klassen an der Ge- samtzahl der abgehenden Kinder hat in den letzten Jahren von Semester zu Semester zugenommen. Es ist das ein Beweis, daß das Achtklassensystem der Gemeindeschule keineswegs. wie von freisinniger Seite so oft behauptet wird, eine Verschlechte- rung des Unterrichtserfolges bewirkt hat. Vorgreifend wollen wir bemerken, daß auch im Schuljahr 1907/08, aus dem der neueste Band des Jahrbuches noch keine Angaben bringt, eine weitere Erhöhung des Anteiles der obersten Klassen an den Entlassung«- ziffern eintrat.>> Bei den Mädchen sind, wie man in den oben mitgeteilten Zahlenreihen sieht, die Anteilziffern für die Klassen I und II etwas höher als bei den Knaben. Das ist eine Er- scheinung, die nicht zufällig mal auftritt, sondern regelmäßig bei jedem Entlassungstermin wiederkehrt. Vielleicht haben wir uns das hauptsächlich daraus zu erklären, daß im allgemeinen für die Knaben der Wert einer besseren Bildung mehr erkannt und ge- schätzt wird als für die Mädchen. Es ist Tatsache, daß a u S den Knaben mehr als aus den Mädchen die Be- gabteren ausgelesen und den besseren Schulen zugeführt werden. Namentlich die Realschulen übernehmen aus den Gemeindeschulen viele begabte Jungen, während den Mädchen keine Realschule, sondern höchstens die„höhere Töchter- schule" zur Verfügung steht. Beeinflußt wird der Unterrichtserfolg der Gemeindeschule durch mancherlei äußere Umstände. Das Jahrbuch sagt, von ent- scheidendem Einfluß sei, soweit der Erfolg sich in der Erreichung einer bestimmten Klasse ausdrücke, die Dauer der Zu» geHörigkeit zu einer Schule. Je kürzer diese Dauer sei, um so geringer sei die Aussicht, das Schulziel— die Klasse I— zu erreichen. Von den Kindern, die bei ihrer Entlassung zu Ostern 1907 erst ein einziges Jahr hindurch der betreffenden Schule an- gehört hatten, waren bis Klasse I nur etwa ein Viertel gelangt. Höher ist der Anteil schon bei denen, die wenigstens die letzten zwei oder drei Jahre dieser Schule angehört haben. Er steigert sich dann auch mit jedem weiteren Jahre, so daß schließlich von denjenigen Kindern, die ihre ganze Schulzeit auf der- selben Schule zugebracht haben, mehr als die Hälfte aus Klasse I entlassen werden können. Diese Ergeb- nisse zeigen, wie sehr es den Kindern schadet, immer wieder um- geschult zu werden, weil die Eltern umziehen oder weil die Klassen überfüllt sind. Doch dürfen wir bei diesen Zahlen auch das nicht übersehen, daß gerade den in der Schule gut vorwärts- kommenden Kindern die Umschulung gern erspart wird. Eltern solcher Kinder suchen die Umfchulung zu verhüten durch vorsichtige Wahl ihrer Wohnung oder durch Rücksprache mit dem Rektor. Der Lehrerschaft ist früher mal aus ihrer eigenen Mitte nach- gesagt worden, daß mancher— wir wissen nicht, ob's wahr ist— froh sei, mindertüchtige Kinder durch Umschulung anderen Schulen zugewiesen zu sehen. Welche Klasse von einem Kinde schließlich erreicht wird, das hängt selbstverständlich auch sehr ab von dem Alter, in dem das Kind eingeschult wurde. Wir sehen da, daß von den Kindern, die im Alter von noch nicht 6 Jahren oder wenig mehr als 6 Jahren eingeschult worden waren, volle vier Zehntel aus Klasse I abgehen konnten, während andererseits von denen. die bei der Einschulung schon das 7. Lebensjahr vollendet hatten. nicht viel mehr als zwei Zehntel Klasse I erreichten. Wenn es nötig ist, gestattet die Schulverwaltung den Besuch der Gemeinde- schule gern noch über die Grenze der Schulpflicht hinaus. Diese Vergünstigung wird denn auch von nicht wenigen Eltern für ihre Kinder nachgesucht, die ihnen bei Vollendung schulpflichtigen Alters noch nicht weit genug aufgerückt sind. lieber den Einfluß der häuslichen Verhältnisse auf den Schulerfolg sagt das Jahrbuch, der Erfolg sei am größten, wenn das Kind noch die Fürsorge beider Eltern ge. nieße, ungünstiger sei er bei ausfchließlich mütterlicher Erziehung, noch geringer bei Erziehung durch Stiefeltern, besser aber wieder bei Erziehung durch Verwandte oder durch Fremde. Ostern 1907 gingen aus Klasse I ab: von den entlassenen Knaben und Mädchen, die mit beiden Eltern zusammenwohnten, 41,07 Proz. und 43,04 Proz.; von denen, die bei der Mutter wohnten, 39,10 Proz. und 34,35 Proz.; von denen, die bei Stiefeltern wohnten, nur 27,69 Proz. und 20,59 Proz. Das„ungünstigere Ergebnis der ausschließlich mütterlichen Erziehun g', auf daS das Jahrbuch hinweist, ist vielleicht im wesentlichen eine Folge der für Witwen, Eheverlassene und Unverehelichte gegebenen Not- wendigkeit, durch ihre Erwerbsarbeit sich der Familie zu entziehen. Auch nach einem Zusammenhang des r e l i g iö s e n B e- k e n n t n i s s e s mit dem Erfolg des Schulbesuches ist geforscht worden. Ostern 1907 hatten von den entlassenen Knaben und Mädchen Klasse 1 erreicht: bei den Evangelischen 41,05 Proz. und 41,31 Proz., bei den Katholiken 36,05 und 40,47 Proz., bei den Juden nur 31,37 Proz. und 35,59 Proz., bei den„Andersgläubigen" 48,89 Proz. und 43,23 Proz. Die geringen Erfolge der Juden werden im Jahrbuch daraus erklärt, daß„die jüdischen Gemeinde. schüler wohl zum Teil den untersten Volksschichten angehören, vielfach auch Fremdbürtige mit nichtdeutscher Familiensprache sind". Darüber, daß die„Andersgläubigen" die besten Erfolge hatten, wird kein Wort gesagt. In dieser Gruppe stecken, das wollen wir hier feststellen, hauptsächlich die Dissidenten, Freireligiösen usw. Da fcheint ja die Gottlosigkeit dem Unterrichtserfolg nicht geschadet zy haben. Die Berliner StadtvZter in London. Die DesuchZwoche geht zu I Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche Ende i sie wurde beschlossen mit einem lukullischen Mahl und diversen VerbniderungZreden beim Sekt; so wie sie begonnen. Offiziös wird aus London gemeldet: London, 29. Mai. Gestern abend der- anstaltete die City von London zu Ehren der Berliner Gäste in de Keysers Hotel ein Abschiedsbankett, an dem der Lordmahor Truscott und der frühere Lordmahor Treloar teilnahmen. Der Ob mann des Empfangskomitees Neal sagte in einer Ansprache: Von heute an ist es gewiß, daß Deutschland und England Freunde sein müssen. Sowohl die Deutschen als auch die Engländer nahmen diese Worte mit lautem Beifall auf. Alle Anwesenden sangen die Wacht am Rhein. Oberbürgermeister Kirschner rühmte iu bewegten Worten die außerordentliche Herzlichkeit des Empfangs, für den er im Namen des deutschen Volkes innigen Dank sage. Die Erinnerung daran werde nie schwinden. Auch der Lordmahor hielt eine Rede und erklärte, nie habe die Stadt London ihren Wünschen so ent schiedenen Ausdruck gegeben wie in dieser Woche, welche die Ver> brüderung von Berlin und London geschaut habe. Die Erinnerung daran werde in London lange Jahre lebendig bleiben. Schließlich dankte er dem Oberbürgermeister für die den Armen Londons ge- widmete Spende. Eröffnung neuer Straßenbahnverdmdungen. Zwei neue Straßen- bahnverbindungen eröffnet die Große Berliner Straßenbahn am nächsten Mittwoch, den 2. Juni. Einmal wird die vielbenutzte Linie 33 Pappelallee— Opernplatz— Lützowplatz—Leipnitzstraße bis zum künftigen Bahnhof Witzleben verlängert. Jeder zweite Wagen geht jetzt weiter durch die Kantstratze und die Neue Kantstraße bis zum künftigen Bahnhof. Der Betrieb gilt als ein Versuchsbetrieb bis zum 9. Juni 1919. Ebenfalls am Mittwoch wird die Linie 76 Zentralviehhof— Alexanderplatz— Schloßplatz— HallescheS Tor— Zoolo- gischer Garten bis zur Leipnitzftraße verlängert. Sie wird über den Kurfürstendamm und die Kantstraße bis zu der neuen Endstelle ge- führt. Auch dieser Betrieb gilt als ein Versuchsbetrieb auf die Dauer von einem Jahr. Die Sterblichkeit hat in Berlin im Jahre 1908 sich nahezu auf derselben mäßigen Höhe wie im vorhergehenden Jahre gehalten. In 1907 waren 32 363 Personen gestorben, in 1908 starben 32 408 Personen(beide Male ungerechnet die Totgeborenen). Da auch der Durchschnitt der Bevölkerungszahl sich im letzten Jahr nur wenig höher als im vorletzten stellte, so ergibt sich für beide Jahre fast genau dieselbe Sterbeziffer. Auf je 1000 Personen der Bevölkerung starben 16.43 in 1907 und 16,41 in 1908. Es ist bekannt, daß die Gesamtsterblichkeit alljährlich stark durch die Kinder« sterblichkeit beeinflußt wird. So erklärt sich denn auch die Ueber- einstimmung der Sterbeziffern der beiden Jahre großenteils daraus, daß in beiden die Zahl der Sterbefälle von Kindern des ersten Lebensjahres nahezu gleich war. Von Kindern dieses Alters starben im vorletzten Jahre 8296(= 25,6 Proz. aller Sterbefälle), im letzten Jahre 8260(— 25,5 Proz. aller Sterbefälle). . Ganz gewaltige Mengen Pfingstmmen sind gestern in der Reichs- Hauptstadt abgesetzt worden. Die vorgeschrittene Vegetation hat diese Massenanfuhr veranlaßt, zugleich aber auch den Preis reguliert, denn schon für 10 Pf. gab es ein Bündel der duftenden Birkenreiser, das zum Schmucke eines Zimmer? vollständig genügte. Die größeren Restaurationsbetriebe haben große Birkenstämme direkt von der Forstverwaltung bezogen. AusstcllungSmacher. Die„Ständige AusstellungSlommission für die Deutsche Industrie" bringt zu öffentlicher Kenntnis: Unter dem Decknamen eines angeblich gemeinnützigen Jugendfürsorgevereins will im Juni dieses Jahres ein bekannter Ausstellungsmacher w einem Berliner Lokale eine„Ausstellung für Kinder- fürsorge, Jugenderziehung, Wohlfahrtspflege, Berlin 1909' inszenieren, die mit einer Spezialabteilung: „Haus lind Herd, Hauswirtschaft und Wohnungswesen, Nahrungs- und Genußmittel" verbunden sein soll und für die be- rcits bei heimischen Gewerbetreibenden— unter irreführenden Angaben bezüglich eines eventuellen hohen Protektorats— geworben wird. Der Polizeipräsident von Berlin hat dem betreffenden Verein durch Erlaß vom 24. Mai a. c. mitgeteilt, daß irgendwelcher öffentlicher Nutzen der Ausstellung nicht zuerkannt werden könne und daß behördlicherseits von jeder Förderung Abstand genommen werde. Die wirtschaftliche Berechtigung der Ausstellung wie das Vorhandensein eines wirklichen öffentlichen Wettbewerbes müsse polizeilicherseits umsomehr in Frage gezogen werden, als bei dem betreffenden Verein die für ein ernsthaftes derarsiges Unter nehmen erforderlichen Voraussetzungen, was die Bedeutung, das Ansehen und die Leistungsfähigkeit des Vereins angehe, nicht erfüllt erscheinen. Die anläßlich dieser Ausstellung in Aussicht ge- noinmene Verleihung von Ehrendiplomen zu Goldenen und Silbernen Medaillen würde eventuell als„Beihilfe zum unlauteren Weit- bewerb", die Führung der so erlangten Medaillen selbst auf Firmen- schildern, Geschäftspapieren usw. als„unlauterer Wettbewerb" im Sinne des ReichsgesetzeS vom 27. Mai 1896 angesehen und zur Be- strafung gebracht werden. Wegen versuchte» Morde? und Mittäterschaft oder Verletzung der Anzeigepflicht sind vorgestern die Drogistenlehrlinge Emil Kurtius und Felix Wrzesinski festgenommen worden. Es handelt sich um einen überlegten Revolveranschlag, den Kurtius vorgestern abend auf seinen Lehrherrn, den Drogisten Albert Sieling aus der Liebig- straße 12, machte. Nachdem das Geschäft um 7'/� Uhr geschlossen worden war. begaben sich Sieling in seme Stube und die beiden Lehrlinge in ihr von dieser durch einen Flur getrennte? gemeinschaftliches Schlafzimmer. Eine Stunde später begab sich Kurtius in die Stube des Lehrherrn und schoß ihm drei Kugeln in den Kopf. Während Sieling zw sammenbrach und hilflos auf dem Fußboden liegen blieb, ging Kurtius zu Wrzesinski zurück, sagte, daß er jetzt fliehen müsse, stieg durch das Fenster auf den Hof hinab und gewann auch die Straße. Hausgenossen jedoch, die Schüsse hatten fallen hören, setzten ihm nach und nahmen ihn bald fest. Sieling liegt im Krankenhause noch schwer danieder. Vernehmungsfähig ist er noch nicht. „Für die Berliner ist alles gut." Damit hatte, wie in gerichi lichcr Verhandlung festgestellt wurde, der Wirt eines Sommerlokals in Heiligensee die unglaublichen Schmutzereien in seinem Betriebe zu beschönigen gesucht. Nun richtet der Amtsvorsteher von Tegel Weigert einen längeren Erlaß an sämtliche Wirte seines Amtsbezirks, worin er sie ersucht,„allen Ernstes im allgemeinen auf eine gute Bedienung zu halten und allenthalben bei der Darbietung von Speisen und Getränken und in der Haltung des Geschirrs die größte Sauberkeit zu beobachten. DaS Personal wird in jedem Lokale strengstens zur Einhaltung dieses Grundsatzes zu ermahnen und auf Befolgung zu kontrollieren sein. Speziell mache ich darauf aufmerksam, daß z. B. die in einzelnen großen Gartenlokalen beobachtete Be Handlung des Kaffeegeschirrs nicht einwandfrei genannt werden kann." Der Erlaß, der zahlreiche Anweisungen hygienischer Art enthält, kündet eine allgemeine Revision der Wirtschaften und Schank- stätten an. Hoffentlich bleibt eS nicht bei der bloßen Ankündigung und läßt man die schönen Vorschriften nicht bloß auf dem Papier stehen. Die Gemeindevertretung von Heiligensee a. H. hat sich in ihrer letzten Sitzung auf einen anderen Standpunkt gestellt als die Ernst Zickowschen Eheleute, deren Wahlspruch war:„Für die Berliner ist alles gut genug". In'der zu Herligensee gehörenden Kolonie Konradshöhe wollte ein Gastwirt einige Geräteschuppen als Sommer- Wohnung vermieten. Trotzdem diese Schuppen ziemlich wohnlich hergerichtet sind, breite Fenster besitzen und über gute Ventilation verfügen, hat die Gemeindevertretung sich doch gesagt, daß diese „Sommerwohnungen" für die Berliner nicht gut genug sind, und die nachgesuchte Zustimmung zur BeWohnung der Schuppen nicht erteilt. Die Frühjahrsparade hat gestern unter dem üblichen drum und tran, vor allem unter den erheblichen Absperrungen stattgefunden. Arbciter-Bildungsschulc Berlin. Der am HimmelfahrtStage aus- gefallene Unterricht in Nationalökonomie wird am 1. Juni ldritter Feiertag) vom Genossen Bor Hardt nachgeholt werden. der neue Vortrag„Rom und die Campagna", der unS durch den Palatin und die Kaiserpaläste, das Forum Romanum und den heiligsten Teil des alten Rom, das Kapital, die schwermütige Cam- pagna bis hinab in die Hafenstadt Ostia an der Hand zahlreicher Lichtbilder führt, allabendlich zur Darstellung. Anläßlich der Schul- ferien werden am Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch Nach- mittagsvorträge zu kleinen Preisen gehalten werden und zwar am Sonntag und Mittwoch„Ueber den Brenner nach Venedig", am Montag„Durch Dänemark und Südschweden' und am Dienstag „Von der Zugspitze zum Watzmann". Die Drcsdrnerstraße von der Buckowerstraße bis zinn Oranien- platze wird behufs Asphaltierung vom 2, nächsten Monats ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Er- des die soll An Vorort- INachnchten. Schöneberg. Der„Biermandatsraub" lautete das Thema, über das Genosse Ströbel in der am Dienstag stattgefundenen Wohlvereinsver- sammlung referierte. In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten noch durch die Genossen Leinert und Thielecke ergänzt. Ein Herr Fromholtz empfahl der Versammlung, sich nicht an der Landtagswahl zu beteiligen, da die Arbeiterschaft doch keinen Vorteil hiervon habe. Genosse Ströbel rechnete in feinem Schlußwort gründlich mit dem Herrn ab. Die Versammlung er- klärte durch den reichen Beifall, daß sie mit den Ausführungen des Referenten einverstanden sei. Alsdann wurde Genosse Hein- richs als erster Schriftführer an Stelle des Genossen Zierdt, welcher sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, ge- wählt. Unter Vereinsangelegenheiten teilte der Vorsitzende mit, daß die Bezirksführersitzung am Mittwoch, den 2. Juni, das Stif- tungsfest am 27. Juni in den Rathaussälen stattfindet. Das Ein- trittsgcld ist auf 26 Pf. festgesetzt. Zum Schluß wies der Vor- sitzende auf die im November stattfindenden Stadtverordneten- wählen hin, er ersuchte die Anwesenden, schon jetzt recht rege hier- für zu agitieren. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende mit warmen Worten der verstorbenen Genossen Scheer, Butry und Hausner. Die Versammlung ehrte dieselben in üblicher Weise. Friedenau. Ueber Erzichungssragen referierte in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Genosse G ö h r e- Zehlendorf. Die warmen, von großen pädagogischen Kenntnissen zeugenden Worte fanden allgemeinen Beifall. Genosse Göhre wurde gebeten, seinen Vortrag in der nächsten Zeit fortzusetzen. Hierauf gab Genosse Dietrich einen Bericht von dem Maifest, Genosse Adam vom Stiftungsfest. Genosse Klemann berichtete, daß ein unbekannter Geber dem Wahlverein für die Bibliothek 10 M. gespendet habe. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Ausgabe von Bibliotheksbüchern jeden zweiten und vierten Sonnabend im Monat, abends von 8 Uhr ab. bei Schönfeld, Rheinstr. 31, erfolgt. Genosse Pöhlmann ersucht noch besonders, bei den Pfingstausflügen die Lokalliste genau zu bktKten. Rummelsburg. Gewerbegerichtswahle» i Folgende Geschäftsinhaber haben sich bereit erklärt, die Legitimationen für die am 8. Juni stattfindenden Beisitzerwahlen zum hiesigen Gewerbegericht zu besorgen. Auch liegen dort die Formulare für die am Ort beschäftigten und die am Ort wohnenden Wähler von heute ab aus: Paul Ritter, Schiller- straße 26, Alfr. Rothe. Linkstr. 46, Otto John, Karlshorster Straße 1, Osk. Blume(früher Tempel), Alt-Boxhagen 66, Leop. Herwig, Grünberger Straße 10, Otto T e u t, Wühlischstr. 31. Die GewerkschastSkommission. Trebbin(Kreis Teltow). Der letzten Stadtverordnetensstzung lag ein Projekt zur bauung einer neuen Badeanstalt bor, das die Genehmigung Landratsamts und des Nutheschau-Verbandes gefunden hat; Anstalt wird wieder am alten Platze errichtet. Der Unterbau in Beton und Eisen, der Oberbau in Holz ausgeführt werden. Kosten sind 6100 M. veranschlagt. Die Versammlung beschloß nach kurzer Debatte einstimmig die Errichtung der Anstalt und ersuchte den Magistrat, die Ausführung zu beschleunigen. Herr Bürger- meister Baudach wies mit seltener Energie und Nachdruck den Vorwurf zurück, daß die Schuld an der Verzögerung dieser Sache den Magistrat träfe. Da Einsprüche gegen die letzten Wahlen nicht erhoben sind, wurden dieselben für gültig erklärt. Nachdem die Kommission und der Magistrat die Pläne für den Schulhaus- neubau bis in alle Einzelheiten ausgearbeitet hatten und d'c- selben auch genehmigt wurden, war beschlossen worden, an den Kultusminister eine Bittschrift betr. Staatszuschuß zu richten. Die- selbe ist jedoch von der Regierung nicht weitergegeben worden, da sie der Pläne und sachlichen Unterlagen entbehrte. In dem Ant- wortschreiben war auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen wor- den, die die oberste Schulbehörde bei Gewährung solcher Zuschüsse bereitet. Vor allem würde der Bau dadurch auf mindestens ein Jahr hinausgeschoben werden, da für angefangene Bauten über- Haupt keine Zuschüsse gewährt werden. Weiter müssen die von der Stadt erhobenen Einkommcnsteuerzuschläge mindestens 200 Proz. betragen. Da der Zuschuß der Regierung aber günstigenfalls nur 8000 M. betragen, außerdem auch die Regierung noch die Pläne nach ihrem Willen umarbeiten würde, so hat die Kommission wie der Magistrat beschlossen, auf jegliche Staatsbeihilfe zu verzichten. Diesem Beschlutz schloß sich auch die Versammlung nach Vor- lesung der Vorgänge einstimmig an. Damit dürfte der Umbau der Schule als gesichert erscheinen, sie soll noch in diesem Jahre im Rohbau fertiggestellt werden. Die Kosten sind mit 160 000 M. veranschlagt. Vorgesehen ist neben der Errichtung modernster Klassenräume die Einrichtung eines Zeichensaales und die Anlage eines Brausebades. Diese Einrichtungen würden bei Gewährung eines Staatszuschusses unbedingt gestrichen werden,«v Nieder-Schönhausen. Eine anregende DiSkusfio« rief in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins ein Vortrag des Genossen Böttcher über Jugendorganisation und Arbeiterbewegung hervor. Namentlich wurde darüber diskutiert, welches die beste Form der Jugendorgani- sation auf Grund des Nürnberger Parteitagsbeschlusses sei. Hierauf wurden noch einige BereinSangelegenheiten erledigt. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Der Restaurateur Seitz, gegen dessen Lokal die hiesigen sozialdemokratischen Arbeiter den Saal- boykott ausgesprochen, hatte, als er noch Tanzmusik abhielt, von der Stadt eine elektrische Leitung nach seinem Lokal legen lassen und sich auf'fünf Jahre verpflichtet, jährlich für 600 M. Elektrizität abzu- nehmen resp. zu garantteren. Jetzt, nachdem er den Saal nicht mehr zu Vergnügungen benutzt, will er gerne von dem Vertrage los- kommen, er bot daher der Stadt eine Abstandssumme von 600 M. Die Legung des Kabels hat allein 1100 M. ge- kostet. Der Magistrat verlangte 1000 M. Seitz wendete sich an die Stadtverordneten-Versammlung und diese kam seinen Wünschen so- fort entgegen. Wahrhaft rührend war es, wie man dem armen ge- maßregelten Seitz bedauerte, der nur dadurch sich so lange gegen den Answrm der Sozialdemokraten halten konnte, weil er bemittelt enug war. Die Stadtverordneten Matthias, Taßler und schalig. drei ehemalige Restaurateure, traten warm für ihren Kollegen ein und die Versammlung verlangte nur 600 M., die Seitz geboten hatte.— Dem Gesangverein Hoffmannsche Liedertafel, der im nächsten Monat sein fünfzigjähriges Stiftungsfest feiert, bewilligt die Versammlung außer einem Ehrenpreise im Werte von 100 M. noch 300 M. zu einer an dem Tage zu veranstaltenden Feier aus dem Marktplatz, zu welcher auch die Stadtverordneten und der Magistrat eingeladen find. Den Arbeitervereinen gee stattet man dagegen nicht einmal einen Umzug, der der Stadt nichts kostet.— Zu dem Ortsstatut für die g e w e r b l i ch e Fort« bildungsschule ist auf Veranlassung der Regierung ein Nachtrag eingebracht, wonach über diejenigen jungen Leute, welche durch Geldstrafen nicht zu bändigen sind, Karzerstrafen verhängt werden können. Die Versammlung stimmt der Vorlage zu. Es fehlt nur noch, daß für die gewerblichen Fortbildungsschüler noch die Prügelstrafe eingeführt wird; die Versammlung in ihrer heutigen Zusammensetzung würde dem sicher auch zustimmen.— Für die Gustav-Adolf-Stiftung, die am 16. und 17. Juni hier eine Versammlung abhält, fordert der Magistrat zu einer Festgabe die Summe von 600 Mark. Stadtverordneter Genosse Pieper ersucht die Vorlage abzulehnen; es würden ja_ ziemlich hohe Kirchensteuern erhoben, aus denen die Kosten be- stritten werden könnten, das Geld der Steuerzahler sei jedenfalls nicht dazu da, für solche Zwecke verwendet zu werden. Der Auch- Arbeitervertrcter Schmidt II legte sich kräftig für die Vorlage ein, weil die Gustav-Adolf-Stiftung ja auch für Schulen sorge.(Aber fragt mich nur nicht wie I) Originell war die Entgegnung des Ober- bürgermeistcrs, der da meinte, wenn die Nikolaikirche alle die Kosten zahlen müßte, dann würden schließlich noch mehr Kirchensteuern er- hoben werden. Ein Stadtverordneter, der Apotheker H e r z b e r g. beantragte sogar, die Summe auf 1000 M. zu erhöhen. So weit ging nun die Versammlung allerdings nicht, aber die 600 M. wurde» be- willigt, unbekümmert darum, daß auch das Geld derjenigen Personen dabei ist, die von Kirche und kirchlichen Vereinen nichts wissen wollen. Eine allerliebste Geschichte erfuhren die Stadtverordneren auch bei Beratung der Vorlage, Bewilligung von 273 000 M. für Erweiterung der Gasanstalt. Stadtv. Genosse Pieper fragte nämlich, ob es wahr sei, daß die Kohle, welche jetzt ein hiesiger Kohlenhändler für Gasanstalten liefere, derartig schlecht sei, daß der Stadt ein Schaden von zirka 36 000 M. daraus erwachse. Er habe gehört, die Kohle enthalte statt 3 Prozent 10 bis 12 Prozent Wasser und man ziehe aus 100 Kilo statt 29 Kubik- meter nur 23 Kubikmeter Gas. Zunächst ging man stillschweigend über die Frage hinweg und vielleicht hätte man dieselbe gar nicht beantwortet, wenn nicht der Stadtverordnete Genosse Pieck, der Mitglied der Gasdeputation ist, bestätigte, daß die Sache sich so ber- halte, wie Genosse Pieper ausgeführt. Der Lieferant sei sogar ein hiesiges Magistratsmitglied, der unbesoldete Stadttat Adler. Der Dezernent der Gasanstalt, Bürgermeister Wolf, versuchte zwar, die Sache etwas beizulegen, und der Baurat Paul wollte sogar den Beleidigten spielen, als Pieck hervorhob, der Lieferant sei ein Magistratsmitglied, man mußte aber doch zugestehen, daß die Sache im allgemeinen richtig sei. Ein für die Arbeiterschaft wichtiger Punkt ist die Behandlung des Antrages der sozialdemokratischen Stadtverordneten Pieper und Genossen, welche beantragten, die Versammlung wolle beschließen, an dem von der Versammlung gefaßten Beschluß betreffend Fest- setzung der GewerbegerichrSwahlen an einem Sonntage festzuhalten. Ferner wird beantragt, für die Arbeitgebcrbeisitzer zum Gewerbe- gericht die Verhältniswahlen einzuführen. Stadtverordneter Genosse Pieper als Referent begründete den Antrag. Er widerlegte die Gründe desMagistrats für die Ablehnung der Wahl an einemSonntag in zutreffender Weise. Er beantragte dann ferner, daß die Wahl in drei Lokalen, statt wie bisher in einem abgehalten werde. Wenn man bedenkt, daß die Versammlung in voriger Sitzung dem Antrage auf SonntagSwahl nahezu einstimmig zugestimmt, so muß man sich über das heutige Verhallen der bürgerlichen Stadtverordneten doch wundern. Zunächst erklärte der Stadtverordnete Töpfermeister Weber, daß er gegen die Sonntagswahl nichts einwenden wolle. Die Verhältniswahl aber auch für die Arbeitgeberbeisitzer einzuftihren, sei nicht nötig, diese brauchten sie nicht, die Arbeitgeber stellen nur eine Liste auf. Er mußte sich vom Stadttat Stritte sagen lassen, daß, wenn die Verhältniswahlen einmal beschlossen, diese auch für beide Teile gelten. Der Herr Stadttat meinte dann weiter, die Wahl finde von 10—2 und 4— 8 Uhr statt, da habe jeder Zeit zum Wählen. Jetzt trat der Stadtverordnete und königliche Betriebsschreiber Simon, auch ein Vertreter der dritten Abteilung in die Arena und meinte, obwohl ihm als Staatsarbeiter die Gewerbegerichtswahl gar nichts angeht: Wenn die Arbeiter den 1. Mai feiern und nicht danach fragen, daß sie einen ganzen Tag Lohn verlieren, dann könneir sie auch die paar Stunden in der Woche für die Wahl opfern. Stadt- verordneter Maurermeister Hülsebeck will für die Wahl am Sonn- tag eintreten, wenn der 1. Mai nicht mehr gefeiert werde. Genosse Pieck weist zunächst den Stadtverordneten Weber darauf hin, daß ja der Anttag, die Verhältniswahlen einzuführen, vom Hirsch-Dunckcr- schen Gewerkverein eingebracht sei und die sozialdemokratischen Stadtverordneten haben in loyaler Weise und weil sie auch für Ver- hältniswahlen sind, dafür gestimmt. Was die Wahl am Sonntage betrifft, so finden die Wahlen für das Kaufmannsgericht und auch die kirchlichen Wahlen an einem Sonntage statt. Man möge also bei dem einmal gefaßten Beschlüsse verharren. Dem Oberbürgermeister K ö l z e schien es die Resolution angetan zu haben, welche die am Abend vorher tagende Protestversammlung angenommen hatte. Es wird darin nämlich verlangt, daß der Magisttat dem Beschluß der Stadt- verordnetenversammlung Rechnung trage. Er meinte, der Magistrat lasse sich nichts vorschreiben und nichts abfordern. Obwohl Stadt- verordneter Pieper nochmals versuchte, die Stadtverordneten zum Beharren auf ihren Beschluß zu veranlassen, wurde der Anttag gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Stadtverordneten ab- gelehnt. Für diesen Faustschlag gegen die Arbeiterinteressen werden die Arbeiter bei der demnächstigen Stadtverordnetenwahl die richtige Antwort geben müssen. Sie müssen dafür sorgen, daß derartige Jgnorierer von Arbeiterwünschen von der Bildfläche verschwinden. Französisch-Buchholz. Ueber C. P. Reinders referierte in der Mitgliederbersamm. lung des Wahlvereins Genosse Schütte. Unter Verschiedenes kamen mehrere örtliche Angelegenheiten zur Sprache, so z. B. dte Entwässerungsangelegenheiten sowie die fürchterliche Staubent- Wickelung in den Sttaßen durch den lebhaften Verkehr. Es wurde eine Resolution an die Gemeindevertretung beschlossen, in welcher um Abhilfe dieses gesundheitsschädigenden Zustandes ersucht wird. Nachdem der Vorsitzende noch zu reger Agitation für die politische und gewerkschaftliche Agitation sowie für den„Vorwärts" er- mahnt hafte, wurde die gutbesuchte Versammlung geschlossen. GeneKts-�eltiiiig. 5*> m Widerstand?" v/ Eine bedrohliche Szene, bei der ein Schutzmann in Gefahr ge- raten sein soll, war der Ausgangspunkt zu einer Anklage wegen Freiheitsberaubung und Widerstandes, die den Schuhmacher Joses Rautenberg und dessen Sohn Robert vor die 3. Strafkammer des Landgerichts I führte. Am 24. März, nachmittags gegen 4� Uhr, wurde der Schutzmann Weckwert von einem Straßenpassanten auf- gefordert, die Persönlichkeit eines Mannes festzustellen, der aus dem Rautenbergschen Schuhmachergeschäft herausgetreten sei und auf ihn Wasser ausgegossen habe. Als der Schutzmann diesem Ver» langen nachkommen wollte, stieß er auf unerwarteten Widerstand: die Ladentür wurde ihm vor der Nase zugeschlossen und er mußte von draußen wiederholt Einlaß fordern, ohne daß ihm aufgetan wurde. Diese Aussperrung des Schutzmanns erregte unter der schnell sich ansammelnden Menschenmenge große Heiterkeit und gab zu aller- Hand spöttischen Bemerkungen gegenüber dem Schutzmann Anlaß. Als endlich der Beamte durch die wiedergeöffnete Tür den Laden betreten hatte, kam es zu einer erregten Szene. Der Schutzmann behauptet, daß ihm der alte Nautenberg aggressiv entgegen getreten sei und der junge R. schließlich sogar ein Messer geschwungen und drohende Bemerkungen ausgestoßen habe. Die Situation scheint für den Beamten etwas gefährlich geworden zu sein, denn nun hielten die Leute, die den Schutzmann draußen verhöhnt hatten, es für geboten, ihn, zu Hilfe zu kommen. Kch hattes das Zücken 6eS Messers bUt?? 5Tg ScsseissM SnkaNgeseM Cnb stürmen Mn in den Laden, wobei sie sogar eine Scheibe eindrückten, da der Zu- gang zum Laden wieder verschlossen worden war.— Das Schösfen- ßcticht hatte den R. Vater zu 1 Moche, den R. Sohn zu 2 Monaten (iicfiingntS verurteilt. In der BerufungSinsiaiiz behaupteten die Angeklagten, daß der Schutzmann den Vater R. am Arm gepackt und gewaltsam gegen einen Arbeitstisch gepreßt habe. Der junge R. will dem Schutzmann als Legitimation seinen Militär- Musterungsschein Vorgewiesenhaben, er behauptet aber, daß der Beamte sich damit nicht zufrieden erklärt, sondern den Schein ein- gerissen bezw. zerrissen habe. Die Drohung mit dem Schustermesser habe nicht dem Schutzmann gegolten, sondern denjenigen, die es da wagen sollten, gewaltsam in den Laden zu dringen.— Drei Zeugen, darunter ein Sohn des alten R. bekundeten eidlich, daß der Schutz- mann so vorgegangen sei. wie es die Angeklagten behaupteten. Dieser Darstellung standen die Bekundungen des Schutzmannes und eines anderen Zeugen diametral gegenüber. Das Gericht hielt die Aussagen der drei Entlastungszeugen für sehr verdächtig, da die Situation nicht dafür spreche, daß em eben erst von der Menge ver- höhntet Schutzmann vor den Augen derselben Menge, die die Vor- gänge durch die Glasscheiben beobachtete, sich in solcher Weise be- nehmen würde, wie es hier behauptet worden. Der Gerichtshof erklärt die drei Zeugen sogar durch den Mund des Vorsitzenden des Meineides dringend verdächtig, da ihre Aussagen nach Ansicht des Gerichts auch Widersprüche in sich aufweisen. Nach den Er- gcbnissen der neuen Beweisaufnahme hielt das Gericht die er- kannten Strafen für sehr gering und erkannte auf Verwerfung der Berufung. Versammlungen. ' Die Stcinarbciter nahmen in einer kombinierken Mitglieder- Versammlung, die am Donnerstag abend in den Armin» hallen stattfand, den Jahresbericht der ehemaligen Filiale II entgegen.(Beide Filialen haben sich am 1. April 1909 verschmolzen.) Der Bericht lag gedruckt vor und umfaßt die Zeit vom 1. Januar 1909 bis 28. März 1909. Diese Zeit stand im Zeichen der Krise. Kämpfe konnten nicht geführt werden. Viele Steinarbeiter hatten unter Arbeitslosigkeit zu leiden. Die Maifeier 1908 konnte nicht in größerem Umfange begangen werden. Einige Arbeitgeber weigerten sich, neue Tarife abzuschließen; in einem Falle wurde sogar eine Lohnreduktion vor. genommen. Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug 318, davon gingen ab IIS, so daß zuletzt ein Bestand von 203 verblieb. Von den Mitgliedern waren arbeitslos im ersten Quartal l. I. 134, im zweiten Quartal 81, im dritten Quartal 73, im vierten Quartal 127 und im ersten Quartal d. I. 64. Die Einnahmen betrugen für die Berichtsperiode 8580,70 M., die Ausgaben 8292,81 M. Der Kassen- bestand am 31. Dezember 1907 betrug 554,37 M., somit verbleibt am 28. März 1909 ein Bestand von 842,26 M. Die Versammlung nahm einen Vorschlag der Ortsverwaltung an. daß jedes Mitglied, das am 1. Mai arbeitete, eine Maimarke zum Betrage von 1 M. zu entnehmen habe. Der Vorsitzende berichtete, daß es in der Grabsteinbranche be- sonders schwer sei, bessere Verhältnisse herzustellen. Die kurze Saison, von Ostern bis Pfingsten, läßt eine Interessengemeinschaft unter den Angehörigen dieser Branche nicht recht aufkommen. Immerhin sei es wieder gelungen, in einigen Geschäften den Tarif zur Anerkennung zu bringen.— Erwähnt wurde noch, daß die Steiuarbeiter mehr wie bisher ihr Recht wahren müßten, an den Sonnabenden und vor den Festtagen um 3 Uhr Feierabend zu machen. Ein Vortrag von Max G r u n tv a l d über den..Produktions. prozeß des Kapitals" wurde von der Versammlung sehr beifällig aufgenommen. Transportarbeiterverband. In der am Donnerstag abge- haltenen Generalversammlung der Verwaltung II erstattete U t h e s den Geschäftsbericht für das erste Quartal. Er führte unter anderem aus: Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse stehen der Ausbreitung der Organisation hemmend im Wege. Trotzdem hat sich die Verwaltung bemüht, nach Möglichkeit agi- tatorisch zu wirken. Die Agitation ist entfaltet worden bei einigen Branchen der Geschäftskutscher, bei den Petroleumkutschern, dem Bolleschen Personal, den Speicherarbeitern, Möbeltransport- arbeitern und Bierfahrern. Nicht immer hatte die Agitation den gewünschten Erfolg, doch brachte sie in manchen Fällen befriedigende Resultate. Eine für das Bollesche Personal veranstaltete Ver- sammlung wurde von Vorgesetzten aus dem Bolleschen Betriebe be- obachtet und deshalb von den Kutschern nicht besucht. 13 Burschen. die an der Versammlung teilnahmen, wurden am andern Tage entlassen. Der Verband konnte ihnen aber bald andere Arbeit nachweisen. Die Möbeltransportarbeiter hatten in zwei Betrieben kurze Abwehrstreiks zu führen.— Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 15 644 männliche, 1254 weibliche und 541 jugendliche, zusammen 17 439. Der Zugang betrug 1414, der Abgang 1669, so daß sich die Mitgliederzahl am Schluß des Quartals auf 17 184 belief und zwar 15 364 männliche, 1313 weibliche und 567 jugendliche. Der vom Kassierer Luck erstattete Kassenbericht zeigt eine Ein- nähme(einschließlich Bestand) von 101 338 M.. eine Ausgabe von 86 620 M. und einen Bestand von 14 713 M. Für Unterstützungen wurden aus der Hauptkasse gezahlt: An Arbeitslose 34 457,80 M., an Kranke 15 779,35 M.. an Streikende 790,90 M.. an Gemäß- regelte 2743,80 M., Extraunterstützung 1095 M., Beerdigungsbei- Hilfe 1613,40 M., Rechtsschutz 277,25 M., zusammen 56 762,60 M.— In der Diskussion wurde viel darüber geklagt, daß dem Per- sonal der Bolleschen Meierei der Beitritt zur Gewerkschaft un- möglich gemacht wird. Mehrere Redner wünschten lebhaft, daß die Arbeiter, die ja einen großen Teil der Bolleschen Kundschaft aus- machen, nicht in solchen Geschäften kaufen möchten, wo organisierte Arbeiter nicht geduldet werden. Die gleichen Klagen wurden ge- führt über die Brotfabrik von Korz, welche an Konsumvereine liefern soll und über die Paketfahrt von Starke u. Co.. welche die Zeitungen einiger Gewerkschaften befördert.— Aus der Ver- sammlung wurde ein Antrag gestellt, welcher besagt, es solle bei der Gewerkschaftskommission beantragt werden, sie möge die Ge- Iverkschaften veranlassen, ihre Zeitungen nicht mehr durch die Pakctsahrt bestellen zu lassen, weil diese ihren Arbeitern das Koalitionsrecht verweigere.— U t h e s erklärte, die Ortsverwaltung stehe diesem Antrage sympathisch gegenüber, doch wäre es empfehlenswert, denselben erst der nächsten Vertrauensmänner- konferenz vorzulegen.— Hierauf wurde der Antrag zurückgezogen. um ihn der Vertrauensmännerkonferenz einzureichen. In der außerordentlichen Generalversammlung der bau- gewerblichen Hilfsarbeiter referierte Genosse Robert Schmidt über- Der Kampf der Arbeiterklasse um ihre wirtschaftliche Stellung. Der Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. Den Bericht vom Vcrbandstag erstattete dann Otw Baum. Dem Be» richt folgte eine rege Diskussion, in welcher alle Redner ihrer Zu- friedenheit über die Verschmelzung mit dem Verbände der Maurer Ausdruck gaben. Der Beschluß auf Beibehaltung der Arbeitslosen- marke wurde jedoch den Delegierten sehr verübelt. Ebenso be« dauerten Röser und Okonsky den Beschluß der Prcßkom- miision. Hoppe trat allen Rednern entgegen, die da behaupten, die Kritik an den Beschlüssen des Verbandstages sei überflüssig. Die heutige Versammlung sei dazu da, Kritik zu üben. Dafür müsse aber bis zum nächsten Verbandstage daS Kritisieren unter- bleiben und tatkräftig für die Beschlüsse des Verbandstages ein- getreten werden. Der Preßkommission weine er keine Trane nach. Kubsch als Delegierter zum Verbandstag erklärte, daß die Bcr- lincr Delegierten nicht anders als den Verhältnissen entsprechend handeln konnten. Mehrere Punkte der Tagesordnung konnten nicht erledigt werde», da sich die ohnehin schon schwach besuchte Ver- lammlung noch mehr gelichtet hatte. Die Sektion der Gips- und Zcmentbranche(Gruppe Zewen- tierer. Einschaler und Hilfsarbeiter) hatte gm Sonntag eine B.ex- sammlung einvekufen, in lvelcher der Bericht von der am 8. bis 6. April 1909 abgehaltenen ersten Konferenz der Zementarbeiter Deutschlands entgegengenommen wurde. Ueber die Verhandlungen ist seinerzeit im„Vorwärts" berichtet worden. Hierauf nahm Vor- sitzender H a e s e das Wort und gab vorerst ein anschauliches Bild über die Verhältnisse des Berufes von Anfang an, wie Mißstände aller Art in schlimmstem Maße vorhanden gewesen seien, wie das Unternehmertum mit allen Mitteln Korruption und Schmarotzer- tum unter den Arbeitern züchteten und diese Zustände erst unter dem Einfluß der inzwischen entstandenen Organisation eingedämmt bezw. ganz ausgerottet wurden. Anschließend kamen dann die Zustände bei der Firma C z a r n i k o w u. Co. zur Sprache. Die Arbeitszeit ist daselbst bis ins Maßlose ausgedehnt. Dem Eindringen der Organisation sucht die Firma dadurch vorzubeugen, daß sie täglich, oft sogar stündlich die nicht ganz verbandsreinen Arbeiter ausmerzt und entläßt. Ueber die Behandlung der Arbeiter durch einzelne Poliere der Firma wurden geradezu beschämende Tatsachen zutage ge- fördert. Stundenlöhne von 45 Pf. werden gezahlt. Nicht selten müssen die Arbeiter bis 2V& Stunden am Sonnabend bei der Aus- zahlung des Lohnes warten. In der sehr regen Diskussion wurde von den einzelnen Rednern auch erwähnt, daß Arbeiter bei der genannten Firma von Polieren tätlich angegriffen werden. Mahö.(Ansang Abends Andere. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Konigl. Opernhaus. Sonntag: Lohenmin.(Ansang 7 Uhr.) Mon- tag: Margarete. Dienstag: Der Freischütz. Mittwoch: Tristan und Isolde. (Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: Sardanapal. (Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Madame Butterfly..Montag: Die Hugenotten.(Ansang 7'/, Uhr.)' Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Die Karolinger. Dienstag: Die Rabenstcinerin. Mittwoch: Ein Erfolg. Donnerstag: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: Ein Ersolg. Sonn- abend und Sonntag: Die Lieder deS EuripldeS. Montag: Die Jungfrau von Orleans.(Ansang 7'/, Uhr.) Neues königl. Opcrn-Thcater. Sonntag: Faust.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Mignon. Dienstag bis Freitag geschlossen. Sonnabend: Der fliegende Holländer. Sonntag: Salome. Montag: Madame Butterfly. (Ansang 7h. Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Faust.(Anfang 7 Uhr.) Dienstag und folgende Tage: Die schicke Auguste.(Ansang 71/. Uhr.) Deutsches Theater.(Kamm erspiele). Sonntaö und Mon- tag: Der Arzt am Scheidewege. Dienstag: Unbestimmt. Mittwoch und folgende Tage: Ein Skandal in Monte Carlo.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarprinzcssin. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag und Montag nachmittags 3 Uhr: Mnna von Barnhelm. Abends bis aus weiteres täglich: Ein Herbstmanöver.(An sang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. BIS aus weiteres täglich 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Moral. Montag: Nachmittags 3 Uhr: 2 X 2— 5. Dienstag: Der Von Mittwoch bis aus weiteres täglich: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Bis aus weiteres täglich: Tricoche und Cacolet. (Ansang 8 Uhr) Residenz-Theater. Bis aus weiteres täglich: Kümmere dich um Amelie.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonnlag: Nachmittag» 3 Uhr: Tiesland. SlbendS ToSca. Montag: Nachmittags 3 Uhr: Carmen. Abends: Tiefland. DienS tag: HostmannS Erzählungen. Mittwoch: Carmen. Donnerstag: Der Toreador. Dänischer Hofball. Freitag: Zierpuppen. Dänischer Hofball. Sonnabend: Der Toreador. Dänischer Hosball. Sonntag: Die verkaufte Braut. Dänischer Hosball. Montag: Der Toreador. Dänischer Hosball. (Ansang 8 Uhr.) Hebbel-Theater. Sonntag: Hohes Spiel. Montag: RevoluttonS Hochzeit. Dienstag: Frau Wavrens Gewerbe. Mittwoch: RevolutionS Hochzeit. Donnerstag: Der Liebhaber. Freitag: Frau Marrens Gewerbe. Sonnabend: RevolutionSbochzeit. Sonntag: Hohes Spiel. Montag: Der Liebhaber.(Anfang 8 Uhr.) Trtanon» Theater. Bis auf wettereS täglich: LiebeSgewitter(An- fang 8 Uhr.) Neueö Operetten- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Da» verwunschene Schloß. Abends: Der Zigeunerbaron. Montag nachmittags 3 Uhr: DaS verwunschene Schloß. Bon DienStag bis auf weiteres täglich: Der Zigeunerbaron.(Ansang 3 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Im Klubsessel. Abends bis auf weiteres täglich: Der Lieblwg der Damen. Ein Freund schastsdienst.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag: Nachmittag» 3'/« Uhr: Ein Walzertraum. Abends: Der sidele Bauer. Montag nachmittags 8'/, Uhr: Die lustige Witwe. Abends: Der sidele Bauer.(Ans. 8 Uhr.) Von DienS- tag ab geschlossen. Schiller-Thenter O. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: CharlehS Tante. SlbendS: Doktor Klaus. Montag: Nachmittags 3 Uhr: Die Zwillings schwester. AbendS: Jungfer Obrigkeit. Dienstag, Mittwoch und Donner» tag: BresterS Millionen. Freitag: Jungfer Obrigkeit. Sonnabend, Sonn tag und Montag: BresterS Millionen.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottruburg. Sonntag: Nachmsttag» 3 Uhr Wilhelm Tell. Abends: BresterS Millionen. Montag: Nachmittag» 3 Uhr DaS Erbe. AbendS: Narziß. DienStag: Ein Ersolg. Mittwoch: Dottor Klaus. Donnerstag: Ein Erfolg. Freitag: Brester» Millionen. Sonn abend, Sonntag und Montag: Ein Ersolg.(Ansang 8 UhcU Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Nach mittags 3 Uhr: Husaren sieber. Abend»: Der Kilometersresser. Montag: Nachmittags 3 Uhr: Im weißen Röhl. Abends und Dienstag: Die beiden Leonoren. Mittwoch: Der Kilometersresser. Donnerstag und Freitag: Die beiden Leonoren. Sonnabend: Im weißen Rößl. Sonntag und Montag: Die beiden Leonoren.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Sonntag und Montag: Marcel Salzer-Abend. Von Dienstag bis aus weiteres täglich: Im Casö Noblesse.(Ansang 8 Uhr.) Luiicn-Thcater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends: Krone und Fessel. Montag: Nachmittags 3 Uhr: DaS Käthchen von Hcilbronn. AbendS: Die Grille.(Ansang 8 Uhr.) Von DienS- tag ab geschlossen. Berliner OPeretten-Theater SW. Sonntag und Montag: Nach- mittags 3 Uhr: Die Haubenlerche. Abends bis aus weitere» täglich: DaS Teufelsweib.(Ansang 81/, Uhr, Sonntag» 8 Uhr.) Gastipiel-T heater. Sonntag und Montag: Nachmittags 3 Uhr: Die frau Gräfin. Abends bis aus weiteres täglich: Lord Lister, Der große Un- ekannte.(Ansang 8'/, Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Bernhard Rose- Theater. Sonntag und Montag: Nachmittags 3 Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind. AbendS btS aus weiteres täglich: Das Mädchen ohne Ehre.(Anfang 8 Uhr.) Folieö Gaprice. Allabendlich: Allein— endlich. Ungerade Tage. (Ansang 8',. Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend sang 8 Uhr. RcichShallen< Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Kompagnieball.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Llllabendlich: Spezialitäten. Apollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Passage-Theater. Sonntag und Montag: Nachmittag» allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Uranta-Thcater. Taubenstraße 48/43. Sonntag: Ueber dm vrenner nach Venedig. Montag: Durch Dänemark und Südschweden. Dienstag: Bon der Zugspitze zum Watzmann.(Ansang 4 Uhr nachmittag».) Sonst abends bis aus weitere» täglich: Rom und die Campagna.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—82. An- Der 3 Uhr vnd eingegangene Druck schritten. Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse derBildhaner. Stukkateure und verwandten Gewerbe zu Berlin. FünzigjährigeS Bestehen der Kasse. 22 Seitm. Selbstverlag. Der Grnndbefitzwechsel in Rußland»861— 1808. Bon Professor Dr. W. v. SwjatkowSli. 3 M.— Höhere ArbeitSintenfität bei kürzerer Arbeitszeit. Von E. Bernhard. Hcst 138 der.Staats- und sozial- wis enschasllichen Forschungen». 2.50 M. Duncker u. Humblot, Leipzig. Herweghs Werke. 1. Band. 2 M.— Goldene Klalfiker-Bibliolhek Bong u. Co., Berlin W. 57. Reclams Univcrsal.Bibllothck. Nr. 5081, 5082. Sammlung von Schachaufgaben. 5. Teil. Bon H. Gottschall. Geb. 80 Pf.— Nr. 50833. Das Urbild des Tartüffe. Lustspiel von K. Gutzkow. Geb. 50 Ps.— Nr. 5084. Der Psanac. Eine Geschichte aus den Schwarzen Bergen. Bon F. Wichmann.— Nr. 5035. Die Sünde. Lustspiel von M. Bernstein.— Nr. 5086. Seine Frage und andere Novellen von Emma HauShoser-Merk. — Nr. 5087. Nacht und Morgen. Schauspiel von P. Lindau.— Nr. 5088—5030. Novellen von Stendhal. Deutsch von H. Schcidcmantel. Emzelhest geh. 20 Pf. PH. Reclam Leipzig. Nördliche Vororte von BerlinHntt Spandau, Tegel, Jungsernheide. 1 M. Jul. Straube, Berlin SW. 13. 6. Bericht des ArbeitersckrctariatS und GewerkschaflskartcllS in Harburg a. E. 1903. 20 Pf. Selbstverlng, Harburg, Sand 11. Jahresbericht 1808 der Allgemeinen OrtSkrantcukassc Magdc- bnrg. 42 Seiten. Selbstverlag. Die Bank. Monatsschrist für Finanz- und Bankwesen. Von A. LanSburgh. 5. Heft. 1,50 M. Bank- Verlag, Eharlottenburg, Wicland- straße 13. Erziehung und Unterricht schwachbcfähigter Kinder. Von H. Kiclhorn. 2 M. C. Marhold, Halle a. S. Bericht der Handelskammer für den Amtsbezirk Pforzheim 1908. 169 Seiten. Selbstverlag. Das soziale Gemeinschaftsleben im Deutschen Reiche. Leitfaden der VollSwirtschastslchre und Bürgerkunde in soziaigeschichllichem Ausbau sür höhere Schulen und zum Selbstunterricht. Bon Elisabeth Gnauck- Kühne. Geb. 1 M. Volksvereiiisverlag M.»GIadbach. Die Stellung des Bürgers znr Reform der Gerichtsverfassung und des Strafprozesses. Von Dr. W. Miltermaier. 60 Ps. A. Töpclmann, Gießen. 3. Jahresbericht des Arbeitersekretariats und 8. Bericht des GewerkfchaftskartellS 1888 in Offenbach a. M. 58 Seiten. Selbstverlag. LebcnSgang eine? deutsch- tschechischen Handarbeiters. Von W. Holck. Brosch. 4,50 M.. geb. 5,50 M.— Die ChristuSmythe. Von A. DrewS. Brosch. 2 M., geb. 3 M.— Die sexuelle Krise. Von Grete Messel- Heß. Brosch. 5,50 M., geb. 6,50 M. C. Diederichs Verlag. Jena DaS Ende der BorgiaS, Totcnwacht, Der Jünger deS Propheten. Drei Einatter von E. R. Eckert. 2 M. Neues Leben. Berlin W. 30. Die religiöse Alkoholvergiftung. Kirche und Schule. Von H. Roeder. 1 M. H. Wnlther, Berlin W. 30. „Per 1» pntrla?"(Fürs VaterlMd?) Szenen aus dem Militär» leben. Drei Akte von Pielro D'Autona.«erlag der Tipograsta Soziale in Udine. Die sieben Wochentage und andere Erzählungen von A. Schmitt- henner. Geh. 3,50 M., geb. 4,50 M.— Lehrzeit. Ein Stück aus einem Leben. Von Anguste Suppcr. Geh. 4 M., geb. 5 M.— So seid Ihr 1 Aphorismen von O. Weiß. Zweite Folge. Geh. 3 M., geb. 4 M.(Slult- gart, Deussche Vcrlagsanstali). Die rechtliche Stellung der körperlichen Zwitter. Von Dr. E. Wiihelm. Juristisch pslichiatrische Grenzsragen VII. Hesi 1. 1,50 M. C. Marhold, Halle a. S. Feststellungen von LehrlingSvcrhälinissen in Hamburg-Mtona 1903. 85 Seiten. Hamburg-Alionaer GewerlschasiSkartell, Hamburg. „Strafrccht und Sittlichkeit"(Zur Reform des deutschen Reichs- strasgesetzbucheS) von Dr. Hanns Dorn. Verlag Ernst Reinhardt, München. 83 S. 1 M. Balzac, Menschliche Komödie. Bd. 1—6. Geh. 4,50 M., geb. 5,50 M., in Leder 7,50 M. pro Band. Jnselverlag. Leipzig. Krank am Weibe. Streitschrift von Käthe SiurmselS. 1,50 M. M. Sehsert, Dresden. Generationcnfolge und Progression in der Erbschaftssieucr von E. Rlcgnano. 1 M.— Leo Tolstoi: Jüdische Legenden. Deutsch von E. MischnajewSky-Runin. 1 M.— Jons Tomoschus. Roman von A. Willuhn. 2,50 M. 6. Wigand, Berlin und Leipzig. Das Berbrccherproblem von Dr. S. Etttnger, I Teil. Bcrncr Studien zur Philosophie und ihrer Geschichte. 213 Seiten. Scheillin, Spring u. Cie., Bern. Sttlgsang ans Irgendwo von Ehr. Hübscher. 1 M. Selbstverlag, Hamm, Wests. IL Tage in München. Rclieskarke vom Bahcrischen Hochwald von Projcssor M. Z. DIcmer. 1. M. Verlag C. Gerber in München. Der Kampf um die Arbeitsbedingungen. Berlin 1397. Tarif- bcweaung 1908 deS Zentralverbandes der Maurer Deutschlands. 197 Seiten. Zcntralverband der Maurer Deutschlands(Th. Lümcwurg) Hamburg. Deutsche Rundschan für Geographie und Statistik. Heft 3. Heraus- gegeben von Pros. Dr. Fr. Umlaust. A. Hartlebens Verlag in Wien, jähr- lich 12 Heste zu 1,l5 M. Neuer Führer durch Tangermünde mit Stadlplan. Heraus- gegeben vom VerlehrSverein. 30 Pf. K. Doellc, Tangermünde. DaS Schulze-Delihfche Gewerkfchaftöwcsen und die modernen gewerkschaftlichen EntwickelungStendenzeu von Dr. R. Finck. 7 M. G. Fischer, Jena. Straubes Karte: Umgegend von Potsdam, Werder und Lehnin. 5 Ps. Selbstverlag. Berlin SW. 13. 7 Die Grundlagen des Monismus von A. Hinze. 1,50 M. E. O. Hinze Halle a. S._ Briefharten der Redaktion. Dl» fnelstilid« Sprechstunde findet Liudenftraße Nr. 8, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, IMT F a l, r st u h l wochentägltch abendS von?»/, dl»»>/, Ubr statt. Geöffnet 7 Nlir Sonnabends beginnt die Sprechftinide um 6 Uhr. Jeder Antrag- ist«in «nchstabe und eine Zahl als Merk, eiche» beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BtS znr Beantwortung im Bricftaste» können 14 Tag« vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. P. H., Lüneburg. Verjährung liegt nicht vor. Sie müssen die Kosten voll berichtigen.— K. T. 7 und A. B. 1S3. Sie könnten unter Schllde» rung des Sachverhalts ewcn Strasanttag an die Staatsanwaltschaft richten. — B. R. 31. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja.— W. P. 68. Der Guts. Besitzer hastet nicht als solcher, sondern nur der Landarmcnverband. Des- halb ist zu einer Uebernahme nicht zu raten. Die Mutter soll es mit einer Beschwerde an den Landrat versuchen.— E. R. 71. 1. Sie können noch jetzt eine spezifizierle Rechnung schicken. 2. Ja.— Rixdorf 76. 1. Wenn Ihre Frau in Berlin wohnt: ja, nicht aber wenn sie in einem Vorort wohnt. 2. Die in Berlin wohnenden. 3. Die Berliner Kasse.— Streit 18, T. In der Gemeinde seines Wohnsitzes,— Max Hossmann. Fall? nicht Ihr Mietsvertrag, wie die meisten in Berlin üblichen, eine entgegenstehende Vereinbarung enthält, hat der Wirt die von Dritten zer- brochene Scheibe zu ersetzen.— I. 3. 1. Nein. 2. Dem steht nichts entgegen. — Schenkendorf 88. 1. Nein. 2. Wiederholen Sie die Frage unter Er« gänzung, um welche Art Unfall es sich handelt(bei der Arbeit? In einem unsallvcrsicherungSpflichttgcn Betriebe?), lvann er sich ereignet hat und wie der etwa ergangene Bescheid lautet.— R. 188. DaS Standesamt ist zur Einbehaltung der Urkunden berechtigt.— Skulpteur. Die Antwort in Nr. 122 bezieht sich nicht aus Ihre Ansrage. Diese ist in Nr. 113 beani- woriet.— W. S. 36. Ja.— C. S. 10. Ein Handlungsgehilfe muß, da ihm eine sechswöchentliche KündigungSsrist zum Quartalserslcn zusteht, spätesten» am 19. Mai, 19. August, 19. November, 17. Februar(im Schalt- jähr 18. Februar) zum 1. Juli, Oktober, Januar und April kündigen. Eine Kündigung am 1. Juni zum 1. Juli ist verspätet.— P. W. LSLS. 1. Ja. 2. Klagen Sie beim Amisgericht aus Rückzahlung des Geldes. 3. Nein. 4. Senden Sie beides zu. 5. Eine 14 Pscimig-Marke.— I. F. Skstr. 84 b. Wo ist die Ouittung?— Mandola LL. Die Stadt ist nicht zerstört. Ihre weiteren Fragen legen Sic wohl einem Fachmann vor.— Werner, Paulstr. Wenden Sie sich an den Vorstand deS 6. Reichs- iagSwahlkreiseS, Ravcnöstt. S.— M. B. 64. Leider können wir Ihnen einen solchen Nachweis nicht führen. Viclletchi ist der behandelnde Arzt dazu in der Lage.— S. H. 88. An einen reellen Makler oder Annonce. B. L. 87. Nein. Das geschieht auch nicht. W. Z. 100. Verwaltung der WohlfahrtSauSstellung, Eharlottenburg, Frauenhoscrstraße. — E. Höger. Schristliche Antworten erteilen wir nicht.— Bertraulich. )eyinaiins Verlag, Mauerstraße.— 2 Wettende. Das ist eint Jrage, die Ihnen eine Sportzeitung beantworten kann.— O.<3. Nein — F. 8. 8. Richten Sie die Beschwerde an den Oberbürgcrtncister.— N. P. M. 1. Die Kosten fallen Ihnen zur Last. Dieselben können bei der Nachlaßregulierung angerechnet werden 2, Nein. 3. Der össciitliche Verlaus braucht nicht angeordnet zu werden. DaS Gericht cnlschcidet, ob ein solcher zweckmäßig ist.— M. Th. 78, 78. 1. Bei einer Klage der Firma gegen Sie können Sie die von Ihnen gemachten Rügen erheben, ölten aber wenig Aussicht aus Ersolg. 2. Gütergemeinschaft ist die Semeinschaft der Güter(Soll und Haben) zwischen Eheleuten. Diese tritt nur ein, wenn sie vertraglich vereinbart ist. 3. Der Vater ist verpflichtet, einer Tochter im Falle ihrer Verheiratung zur Einrichtung des Haushalts eine angemessene Aussteuer zu gewähren, soweit er bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen ohne Gefährdung seines standes- mäßigen Unterhalts dazu imstande ist und nicht die Tochter ein zur Beschaffung der Aussteuer ausreichendes Vermögen hat. — B. 38. Sttstungsdepiitatton deS Magistrats, Poststraße 16.— Zwe Wettende 888. 1. Er ist dumm. 2. Er ist nicht ganz dumm.— K. K )ier kann wohl nur praktische Uebung in Frage kommen: Schulen existieren asür nicht.— A. 17. HauShaliungLschule des LettehauseS, W. 30, Pirtoria-Lussenplatz 6.— W. ff. 100. Aus die Frage wohin ist der Fall richtig angewandt.— B. Z. 66. Wenn ein Gesuch an Herrn Stadtrat ' eller, RaihauS, Zimmer 21, ersolglos fein sollte, bleibt Ihnen nur der !eg der Annonce.— ff. W. 81. Meldungen Kleine Franlsurter Str. 8, Bureau der städtischen Sttaßcnreinigung.— B. D. 117. Berliner Adretz- buch, 2. Teil, unter gemeinnützige Vereine.— F. I. 8. 1. Schreiben Sie an das Handelsministerium. 2. DaS dürsten Sie, ohne mit Ihrem Arzt Rück- prache genommen zu haben, nicht tun.— H- B. 1» Kommen Sie doch einmal nach unlerer Redakkia» „Hoffnung" Berliner Schneiderei• Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Rosenlhaler QtHiHMnHpfo Zwischen Rasenthaler 1 Tor u. Invalidenstr.©iHlillKiliir. 100 Tor u. Invalldenstr, Gegr. i. Februar 1906 v. organisiert. SchneidergebülfenBerlins. 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V«A>ts>et«e i« hSMlwa Bexlis». 505 lassen fn Ihrer stefs gleichbleibenden Güte die ausserordentliche Sorgfalt erkennen, die bei ihrer Herstellung beobachtet wird. Es kann keine andere Marke in der Fabrikation peinlicher behandelt werden und es können bei keiner anderen Ligarette bessere Rohstoffe zur Verwendung gefangen, als wie bei Josetti-Jnno-Cigaretten. Dem sacbversifiodigea Raucher ist dies auch bekannt and deshalb wird er ihnen stets(]ea Vorzog vor anderen Marken geben. isseffl-JaM m. n. e. ituidstOek 19 Stet 20 Pf. /C�r�'§ .(s v. CIGftRfTTtniB I > V ■> WWWWWMWWWAWK Leihhaus Moritzplatz Mo. 58a. I Täglicher Verkauf von BIonats-Gardcrobe, von Kavalieren usw. wenig getragene Kleidung, enorm billig. Abteilung für Damen-Garderobe, Teppiche, Gardinen, Betten usw. Billigste Quelle für Gold- und Sllbcrsachen, Uhren, Ringe, Brillanten. SW Nur im Uelhhans HCorltzplats 58a. 19. Ziehung S.KI. 220 Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 09. Mnj vormittags, Nur die Gewinno über 240 Mark sind den betreflenden Nummern In Klammern beigetügt. (Ohne Gewähr.) INachdruck verboten.f 67[600] 06 192 818 400 52 78 606 632 90»61 ITlS »75 1600] 432 820 728 65 84 881 911 2192 359 486 661 «06 825 40 929 76 3 017 260 95 392 471 591 95«02 785 870 007 4032 112 80 92[3000] 214 338 677 729[3000] 808 65 75 986 5102 275 365[1000] 93[10000] 401 533 619[500] 89 6013 455 81 600 81[1000] 91 724 42 852 7268 346 406 571 655 932 8000 51 146 224 30 48 539 635 79 930 9100 800 472 74 929 10079 706 43 863 TO 11118 411 614 748 98 805 926 65 1 2155 289 307 96 455 77 714 86 1 3691[1000] 939[8000] 14039 101 244[1000] 710[500] 830 37 033 1 5144 243 63 965[500] 16059 188 42 231 644 710 77 983 1 7028 [500] 99 381 838 938[3000] 18209 83[500] 93 475 672 862 1 9 043 190 239[3000] 14 SCO[3000] 437 538 20131 51 333 491 679 782 873 2 1 081 135 368 400 46 51 764 912 2 2063 362 85[500] 685 959 23113 805 [500] 10 15 415 716 891 24023 Ol 94[1000] 176 902 2 5078 118 205 330 86 410 2 6099 131 268 479[1000] 575 789 828 67 909 53 2 7049 147[500] 845 419 516 20 72 958 28118 19 210[1000] SO 620 803 23 2 9025 38 47 148 69 211 877 65 45» 797 915 30026[5000] 76 100 258 300 495 692 908 31168 440 689[500] 730 610 967 3 2088 93 344 469 509 968 3 3024 113[1000] 885 3 4020 36 204 889 439 816 78 86[500] 35282[500] 384 777 807[500] 36419 61 713 962 37156 70 303[1000] 412 69 758 38122 255 800 428[3000] 510 16 604 40 147 931 30157 347 717 26 806 40134 892 667 701 41150 56 237[1000] 83 491 810 «36 4 2023 224 359 416 54[500] 61 656 941[600] 43342 458 44155 81[1000] 91 244 821[500] 761 824 4 5035 150 203[500] 396 743 52 60 70 858 990 4 6076 429 576 687 «09 4 7260 79 443 529 87 606 626 931 4 8018 227 766 49064 315 727 903 50055 00 500 612 784 966 61188 603 602 93 886 970 8 2031 52 353[1000] 674[3000] 721 88 918 30 5 3116 290 534 678 896 5 4334 83 592[600] 651 776 852[500] 55146 522 68 70 95 851 5 6043 54 72 400 59 083 06[1000] 57007 88 800 12 500 1[600] 803 64[500] 87 974 5 8056 (500] 71 129 234 93 858 043 10 5 0136 235 417 864 965 6O045[500] 265 437 48 63 61124 331 87 775 960 62034 59 396 460 6 3 230 463 92 726 86[1000] 937[500] 45 6 4068 677[500] 709 302 41 944 6 5004 46 310 65[500) £08 008 740 961 66116 44 237 326 SO 429 79 677 639 88 [500] 973 67106 411 55 59 617 67 748 815 16 49 76[3000] 6 8000 214 553 834 17 991 60036 62 152 237 371 60[500] 671«70 009 7O106 288[300] 399 923[600] 7 1 077 168 255 485 585 812 7 2041 77 159[600] 229 868 404 638 40 730»21 730(6 206 674 87 732 7 4007 8 149 92 280[3000] 894 679 752[500] 79 665 78 984 7 5 687 77« 837 39 915 60 76133 876 86 90[1000] 495[1000] 961 7 7093 163 65 246 88 775 7 8200 2 4 33 75 513 700 11 14 863 75 7 0063 258 95 997[3000] 846 919 80554 oao 64[500] 754 96 948 81104 778 803 43 82125 80[500] 209 541 729[500] 65 899 8 302» 84« 737 601 84134 85 91 255 843 476 590 739 013 28 85118 741 86102 670[500] 73 787 804 30 989 8 7390 499 555[600] 67«57 770 916 8 8028 43 155 213 474[500] 673 78 794 80154 214 83 95 523 721»91 90293 375[1000] 424 505 684 72« 843 995 0 1007 90 182 30« 28 422 93[600] 517 727 89 9 2061 663«35 «34 9 3315 51 60 402 26[500] 606 66 628 43 761 823 27 94052 102 243 50 797 837 95141 84 311 347[3000] 438«94 (500] 727 831 953 9 8739 808 024 63 70 77 9 7213 458 es 634 745 9 Soso 94 169 419 60 588 64 673 9 9 205 323 560 659 162 1OO063 211 300 445 66 565 644 745 875 917 1O1055 158 431 633 710 839 65 1 02211 815 439 53 620 81[1000] 025[1000] 57[500] 798 822 1O3096[600] 559«86 855 104127 299 807 60 471 533[1000] 633 47 785 973 1 05036 61 90 381 684 868 956[3000] 106939 47[1000] 80 65 156 403 612 68 708 95 903[8000] 107037 03 97 141 63 250 691 731 828 1 08013 164 580 11« 861 100064[10000] 330 400 676 044 702 651 1 10275 90 474«45 85 976 111012 70 166[600] 99 >23 051 112109 308 623 371 113211 79 591 962 80 114053 183 504 791 866 115062 100 34 61 313 333 447 510 702 [3000] 896 954 116001 172 300 8«9 78 898 741[1000] <117364 643 67 044 118063 78[800] 168 83 366 817[500] »2t[500] 796 110059 76[500] 20« 58 371 683 784 120228 300 581 618 20 747[10000] 846 1 21186 391 06[500] 325[1000] 92 445 54« 748[1000] 887 976 122074 475 720 28 855 1 23083 88 577 637 71« 74 695 902 1 24224 [1000] 336 603!4 750[1000] 823 954 1 25262 510 613 838 45 914 86 1 2 6218 466 623 831 79 1 27020 SO 98 110 25« 308 10 13 577 91 657 745 828[3000] 128488 857 760 871 88[3090] 120055 65 170 233 43 866 507«91[1000] <130018 44 101 99 468 604 620 871 87 1 3 1 059 76 14« 778 857 1SS8C3 472 796 1 3302 1 66 330[500] 654 743 84b 13 4075 300 56 431[500] 874 767 82 813 135193 999 07 346 417 608 44 95 611 745 SOS 136014 32 III 80 481 539 105 991 13 7 283 324 98 471 630[500] 68 83 609 826 04 906 28[10000] 24 1 3 8249 93 845 98 458 750 99 886 1 39 011 852 426 524 715 140186 818 37 758[1000} 68 72 895 141160 353 [1000] 81 686 1 4 2093 163 853 700 14 912 13<113145 81 lU 481 681 703 6 57[8000]«01 W 71«1(144023 IN S"? 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Ziehung 5. KI. 220. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom Z9. Mai nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreuenden Nummern in Klammern belgelUgt. (Ohne Gewähr.)(Kacbdnick verboten.) 639 797 805 97 1067 28« 91 336 468[500] 549 2034 207 19 303[1000] 419«7[500] 578 763 3187 313 759 63 914 73 4044 423 703 60 63 820 5117 620 787 860 936 33 8003 291[300] 517[600] 899 7291 494 502 637[3000] 182 61 81 633 942[500] 8003 86 105 62 822 036 755 89 284 933 0126 213 385 37 403 785 84« 92 99[3000] 934 [1000] 65 10011[600] 66 161 251 347 602«44 11077 163 53» 796[1000] 12047[8000] 243 82« 492 667 706 1 3301 75 585 94[500] 14081 02 197 212 24[500] 58 329 937 1 5012 139 330 571 854[500] 909 39 1 6170 390 677 92 681 618 18 17156 28« 308 461[600] 84 517 723 84« 18030 116 S« 274 652 66 706 964 90[1000] 10074 269 363 70[3000] 445 69 87 201SO 290 497 692[3000] 801 21197 847 63 486 678 67, 22014 Ol 144 94 475 634 615 128»67 23107 306 674»04 13 24131 33 99[1000] 264 805 79 628 812 83 63 953 25035 170 212 621 29 81 627 60[500] 720 83 98 803 [500] 86 2 6342 61 411 864 922 2 7683 697 756 56 901 96 28324»57[NO] 603 95 796 633 20011 49[500] 169 258 662 628 30053 243[600] 381 69« 788 699 3 1 209 64 694 447 BIO 711 863[600] 89 997[8000] 3 2 232 497 699 065 87 33535 634 60 701 610 34183 28» 728[8000] 35158[1000] 75 287 833 410 30123 211 37008 83 91[1000] 107 203 683 828 942 3 8241 812 769 92 868 946 30125 29 201»40 45 66 971 741 674[500] 925 40 229 338 429[500] 80 91[10001 687 739 43«66 41116[500] 469 506 623 831 903 32 4 2052 127 80« 410 619 95 780 812 85 982[ 500] 43081«4 176 82 699 008 (500) 15 4 4064 85 291 735 807 96 4 5112«58[1000] 92 859 68 965 4 6059 125 69 269 421 702 4717« 819[3000] 53 436[10000] 63 861 627 660 92 4 8063 277 804 4 0071 159 292 611 84 93 96 874 983 50093 152 60 389 93 117 710 5 104« 109 243 860 441 680 4 2 87 775 5 2084 144 262 580 92 5 3016 899 526 860 54 490 730 887[500] 956 5 5148 285 801 637 75«22[500] 95 5 0345[1000] 49 90 429[3000] 75« 29 722 34 994 6 7007 71 201 323 70 642 715 78 823 33 5 8063[500] 398 662 99 621 024 5 0 344 83 543 628[500] 97 963[1000] 60079[3000] 221 99 474«52 984 6 1 311 91 609 46 96 798 819 14 62345 439 798 63034 68 103 201 380 4SI 578 124 927 6 4151 208 341 467 81 507 667 97 752 977 6 6031 100 219 433 77 607 71[600] 744[500] 996 66101 [10000] 274 820 412 50» 63 891 67080 116 66 286 913 78 68211[500]«4[500] 68 72[IDOoj 879 479 611 43 45 56 625 60169«98 90» 70262 6 7 419 51 69« 679 98 767 969 71164 84[600] 614 5« 70 043 7 2111 270 305 33 591(500) 764 84 832 965 73125 468 500 671 73 94 859 93 911 71 74028 438 607 II 75019 106 88 349 428 79» 909 59 93 76001 361 576 (1000) 653 745 086 7 7000[500] 133 805 76 460[3000] 652 99 681 802 10 7 8027 546[500] 93«80 705 35[500] 69[500] 79 869[500] 78 990 7 0057 72[1000] 79 401 88 616[8000] 770[500] 812 964 8O040 194 459 93 594 8 1 043 100 474 864 82[5000] 82007 8 4 233 SO 344 57 93 432 533[500] 619[500] 700 807 70 82 95 83 124 384 88 90 4M 39 79 567 72 88 556 814 72 84127 349 435 TS 523 2 7 762 1500] 8517« 307 53 [8000] 506 615 CO 721[1000] 67 78 83 8 6035 143 235 385 609 877 8 7057 188 90 352 431»0 54 565«10 57 735 «30 55 8 8076 04 230 33 66 88 80» 29 797 822 962 8 0004 186 351 424 68 821 640 9O024 52[3000] 71[1000] 441 632 942 91190 93 804 797 0 2017[500] 22 144 815 25 460 553[500] 844 93137[500] 379 955 0 4039 361 727 88 9 5161 500«49 73 84 0 6.39 45 863 612«65 878 97112 336 589 703 991 98023 368 471 619 9 9 094[500] 591 722 92 956[500] , 1OO105 45 222 320 63 457 93[509] 845[irfOO] CO» (1000] 101071 87 123 882 013 724 77«60»49 1 02032 69 803 715 62 004 07 77 80 1 03020 184[1009] 221 422 104251 321 62 64[600] 92 528 58 722 29 870 1 0 5026 94 135 47 71« 817 1 06039 160 246 351 416[5000] 563 83 635 753 890 915[1000] 107018 56 95 160[lOOO] 316 574 756 (8000] 854[1000] 108000 67 640 810 919 1 00137[50000] 310 37 67 821 078 110954 145 73[500] 205 44 46 66 32»[3000] 528 811 [500] SO[5000] 97[5000] 111098 175 505[500] 609 918 112144«3 853 690 670 701 15 OOJ 113101 223 76[ 500] «18 923 39 114360 84 Ol 493 569 521 flOOO] 714 9612 11-lderdeeii 751 SSW 2balb bd. 12 10 Paris 763 SSW 2 bedeckt I 13 13 I II I Sonntag, den 30. Mai 1909. heiter bei mäßigen südwestlichen Winden: v-rliner Setterdurea» USasterftandS.Slachrtchte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mttgeteklt vom Berliner Witterbureau. Wasserstand M e m e l. TUM P r e g e l. Jnstcrburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krassen , Frantlutt Wa r t h e, Schrimm . LandSberg Netze, Bordamm Elbe, L-itm-tttz , Dresden , Barby , Magdeburg am 23. S. cm 199 -11 180 145 139 152 56 58 17 —29 —143 91 90 leit 27.5. ora') —4 —1 —12 —5 —7 —7 —3 — 1 —2 —30 +3 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau*) , Rathenow*) Spree, Spremberg') , Becskow Weser, Münde« , Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheiw Mosel. Trier am 28. 5. cm 72 63 110 70 78 —92 —24 422 167 48 seit 27. 5. oro') +2 —5 -1 0 —1 +2 -4 +12 +3 +6 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unierpegel. Salem- Aleikum Ciga retten. Keine Aussrarrung nupQuailldr' Prefow? jtz% H 1M8 Pfgp Srk Erbt mir Firma: Orientalische Tabak Va-alJ-a u CigansrenfabPikjenidZC ' Jnhabep:Hugo Zietz. 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Gärtner& Co« Slarknsstr. 50 ist wegen Aussperrung samt- licher Arbeiter und Arbeiterinnen®g: gesperrt! Znzug ist streng fernzuhalten! Deutscher Kürschnerverband 102/8* Ortsverwaltung Berlin. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts vuchdruckerej u. VerlagSanftqlt UM Singer St Elb. Söcrlüfsisf