N». ISS» Hbonnemfnts-Bedln�nngen: HBcnnementä- Preis pränumerando! BicrteljShrl. SM 3321, monatl. 1,10 Mr., WS�enlIich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Posi. Zeitunas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostadonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 86. Jal/rg. vistiiit tZgiich»«Sri' mrotist. Vevlinev Volksl»lakk. Die Tnlcrtlons-Gebfllir Beträgt für die fechSgefpaltene Kolonek- zeilc oder deren Raum K) Pfg., für polittfche und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Hnxetgcn", das erste(fett. gedrurNe) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 8 Psg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SKisIlieiiioünt RsrliD", Zcntralovgan der fozi aldem okrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion t 8 Cd. 68, Lindenstraese 69» Sernsprecher: Amt rv, Nr« IS83« Expedition: 8M. 68» I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Hu$ dem badischen fabrik- inspektionsbericht Die Berichte der badischen Fabrikinspektion haben seit Woeris hoffer in Arbeiterkreisen und bei bürgerlichen Sozialpolitikern immer besondere Beachtung gefunden, weil man rückhaltlose Wahr- heit in ihnen fand. Nach einer kurzen Uebergangszeit haben die Berichte unter dem heutigen Vorsteher, Dr. Bittmann, ihr früheres Ansehen wieder gewonnen. Der diesjährige Bericht konstatiert zunächst, daß die Zahl der revidierten Betriebe von 25,9 auf 37,9 Proz. gestiegen ist. In diesen Betrieben befanden sich 88 372 Arbeiter gleich 69,5 Proz. gegenüber 55,9 Proz. des Vorjahres der Gesamtarbeiterschaft. Bei der Revision wurden hauptsächlich die Großbetriebe berück� sichtigt, was daraus hervorgeht, daß in den revidierten Betrieben durchschnittlich 35,6 Arbeiter beschäftigt wurden, während der Ge samtdurchschnitt aller Betriebe nur 22 beträgt. Daß mehr Re> Visionen vorgenommen wurden als früher, ist der Vermehrung des Personals der Fabrikinspektion um einen wiffenschaftlich gc- bildeten Hilfsarbeiter(Chemiker) und einen technischen Assistenten zuzuschreiben. Diese Vermehrung der Zahl der Beamten ist ein Erfolg unserer Genossen im badischen Landtag, die regelmäßig und mit Nachdruck auf diesen Mangel hingewiesen haben. Die Re- gierung hat sich mit Händen und Füßen gegen unsere Forderungen gesträubt, um dem Unternehmertum nicht zu nahe zu treten, welchem die bisherigen Revisionen schon zu viel waren. Der kürzlich verstorbene Minister Schenkel hat noch im Jahre 1994 seinen ablehnenden Standpunkt damit zu begründen versucht, daß er behauptete, den badischen Arbeitgebern wohne ein starkes soziales Pflichtbewußtsein inne und da- her die staatliche Aufsicht weniger notwendig sei als vielleich anderwärts. Wie notwendig die Revisionen aber sind und wie unrecht der Minister Schenkel hatte, erhellt aus der verblüffenden Tatsache, daß von 3867 revidierten Fabrikbetrieben nicht weniger als 2943 Auflagen gemacht werden mußten. Das heißt, es bestanden von drei revidierten Betrieben in zwei Ungesetzlichkeiten oder doch unzulässige Mängel. In 143 Fällen wurden Uebertretungen der gesetzlichen Bestimmungen über das Kinderschutzgesetz er- mittelt, woran die Kleider- und Wäschekonfektion allein mit 52 Fällen beteiligt ist. Aus den zahlreich mitgeteilten Einzelfällen seien der Kürze halber nur einige erwähnt: In einem Sägewerk im Schwarzwald wurde ein zehnjähriger Junge des ObersägerS täglich 5 bis 6 Stunden an der Kreissäge, in einer Ziegelei am Bodensee wurden Tiroler Hütekinder im Alter von 12 und 13 Jahren in Ziegeleien beschäftigt. Das Gericht belegte den Ziegelei- besitzer mit der„horrenden" Strafe von— 3 Mark. Die gleiche Strafe erhielt ein Sägewerkbesitzer, welcher einen jugend- lichen Arbeiter mehr als zehn Stunden täglich und morgens schon vor 6Va Uhr als Heizer beschäftigt hatte. Ter Besitzer einer Hutfabrik mit durchschnittlich 18 Arbeitern hatte seinen noch nicht 16 Jahre alten Lehrlingen vor- und nachmittags nur unzulängliche Pausen gewährt. Er war deshalb im vorigen Jahre verwarnt worden, hatte aber unbekümmert darum die ungesetzliche Be- schäftigung der jugendlichen Arbeiter fortgesetzt, so daß die Fabrik- inspektion ein strafendes Einschreiten veranlaßte. Das Gericht erkannte auf 19 M. Geldstrafe. In mehreren Zigarrenfabriken eines Dorfes waren schulpflichtige Kinder beschäftigt, denen der Bürgermeister Arbeitsbücher zu unrecht ausgestellt hatte. Die Unternehmer wurde in Geldstrafen von 6 bis 19 M. genommen und der Bürgermeister entsprechend belehrt. Ebenso schlimme Verfehlungen wie gegen das Kinderschutzgesetz macht das Unternehmertum sich gegen den Schutz der Arbeiterinnen schuldig. Die Feststellung der Uebertretung ist, heißt es in dem Bericht, meist schwierig, weil die Arbeiterinnen fürchten, ihre Stelle zu verlieren. In einem Falle wurde der Fabrikant, der zu gleicher Zeit Bürgermeister ist, also die Gesetze kennen muß. wegen zu langer Beschäftigung seiner Arbeiterinnen mit 5 Vi. bestraft. Ein anderer Unternehmer, der seine Arbeiterinnen bis 19 Uhr abends beschäftigt hatte, wurde mit der doppelten Strafe belegt.„Schlechtes sittliches Verhalten", heißt es in einem Be- richt, wirkte strafverschärfend. Mit dem schlechten sittlichen Ver- halten ist hier ohne Zweifel direkt unsittliches Verhalten geineint. Die sittlichen Gefahren, welchen die Arbeiterinnen in den Fabriken ausgesetzt sind, werden in allen Berichten erwähnt und meist Einzelfälle angeführt. AuS dem vergangenen Jahre wurden folgende Fälle berichtet: Der Werkmeister einer Zigarren- fabrik, der sich an einer Arbeiterin unter 16 Jahren verging und eine andere minderjährige Arbeiterin gegen den Willen ihrer Eltern entführt hatte, wurde wegen Entführung, Nötigung und Verleitung zum Meineid zu einer Gesamtzuchthausstrafe von 2 Jahren 4 Monaten verurteilt.— Der Werkmeister einer anderen Fabrik wurde wegen Verführung einer ihm unterstellten noch nicht 16 Jahre alten Fabrikarbeiterin zu 3 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Der Fabrikant hielt den Werkmeister nichtsdestoweniger für würdig, seinem Posten weiter vorzustehen und es bedurfte erst der energischen Drohung der Fabrikinspektion, ein Verbot der Be- schäftigung von Arbeiterinnen unter 13 Jahren herbeizuführen, bevor die Firma sich entschloß nachzugeben. Den früheren Werk- meister beschäftigt sie jetzt als gewöhnlichen Arbeiter. Mit welcher Naivität manche Unternehmer die Arbeiter- schutzbestimmungen zu umgehen versuchen, zeigt folgender Fall: Der Inhaber einer Kartonnagenfabrik ließ die mit der Reinigung der Fgbriirawie betraute Arbeiter» an den gfesn- abenden um �6 Uhr mit den übrigen Arbeiterinnen den Betrieb verlassen, sie aber gleich darauf als„Putzfrau" zurückkehren. Bei der Revision hat die Fabrikinspektion diesen Unfug entdeckt und abgestellt. Wie sehr die Arbeitslosigkeit durch die WirtschaftS- krise im vergangenen Jahre zugenommen hat, dafür liefert der Fabrikinspektionsbericht unanfechtbares Material. Die Zahl der in Fabriken und diesen gleich gestellten Anlagen beschäftigten Ar- beiter sank von 235 327 auf 229 935 herunter. Hieran sind fast ausschließlich die erwachsenen männlichen Arbeiter beteiligt; deren Zahl verminderte sich von 152 181 auf 145 969, während die Zahl der erwachsenen weiblichen Arbeiter sich von 62 625 auf 63 242 er- höhte. Die Zahl der überhaupt beschäftigten Arbeiter hat sich um 5392, die der erwachsenen männlichen Arbeiter allein um 6212 vermindert. Da mithin 829 erwachsene männliche Arbeiter mehr außer Arbeit kamen als Arbeiter insgesamt, so muß eine Zu- Wendung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiterinnen statt- gefunden haben.„ES wiederholt sich hier," heißt es im Bericht, „die Beobachtung, daß vor allem in solchen Industrien, in welchen Mann und Frau bei der Arbeit in Konkurrenz stehen, zum Bei- spiel in der Textilindustrie, von den wirtschaftlichen Krisen zunächst die besser entlohnten erwachsenen männlichen Arbeiter betroffen werden." In welcher Weise die Arbeiter in den einzelnen Industrien von der Krise zu leiden haben, erhellt aus folgenden Zahlen: Es waren gegen das Vorjahr in der Textilindustrie ohne Spinnereien 2295— 8,6 Proz., in der Maschinen- und Metallindustrie bei einer geringen Zunahme der Betriebe 6655— 9,19 Proz., in der chemischen Industrie 259— 5,3 Proz. und in der Holzindustrie 1635= 7,5 Proz., Arbeiter weniger beschäftigt. In der Industrie der Metallverarbeitung hat, obgleich die Gesamtzahl der Arbeiter von 33 499 auf 21468 heruntergegangen ist, die Zahl der Arbeite- rinnen noch um 235 zugenommen. Unbeeinflußt von der Krise blieb allein die Tabakindustrie, die Zahl der in ihr beschäftigten Arbeiter stieg sogar von 39 985 auf 49 997. Hiervon sind 24 635 weibliche und von diesen sind 46 Proz. verheiratet. Trotz deS Ueberangebots an einheimischen Arbeitskräften verzichteten die Unternehmer nicht auf die Einführung ausländischer Arbeiter. Namentlich waren es die Textilindustriellen, welche behaupteten, den Zuzug italienischer und slavonischer Arbeiterinnen nicht ent- behren zu können, weil die einheimischen Mädchen in die Städte abwanderten. Und als ein Bezirksamt die Ausweisung einer ver- hältnismäßig geringen Anzahl in der Textilindustrie des Wiesen- tals beschäftigten slavonischer Arbeiter verfügt hatte, erhoben die davon bedrohten Firmen und der Verband der Jndustriellerl im Interesse der Ausbeutungsfreiheit Protest, daß die immerhin im Interesse der arbeitslosen einheimischen Arbeiter erlassene Ver- fügung wieder zurückgenommen wurde. Von Interesse ist auch, was im Bericht über die O r g a n i- sation der Arbeiter zu lesen ist. Vom Deutschen Metall- arbeiterverband wird gesagt, daß seine Zahlstellen in Mannheim um 5,82, in Karlsruhe um 14,8 Proz. an Mitglieder abgenommen, während Pforzheim eine Zunahme zu verzeichnen habe, drei Zahl- stellen seien eingegangen. Der Zentralverband der christlichen Textilarbeiter ist in Baden von 2236 auf 1357 Mitglieder herunter- gegangen. Manche Zahlstelle weist nur noch die Hälfte bis ein Drittel der Mitglieder des Vorjahres auf. Fünf Zahlstellen gingen gänzlich ein, darunter solche, die im vorigen Jabre 89 bis 139 Mit- glieder aufzuweisen hatten. Der Zentralderband der christlichen Tabak- und Zigarrenarbeiter hat trotz der in diesem Industrie- zweig herrschenden guten Konjunktur rund 899 Mitglieder verloren, so daß sein Gesamtmitgliederbestand in Baden nicht mehr die Ziffer 2999 ganz erreicht. Auch mit dem Verband christlicher Schneider und Schneiderinen ist es rückwärts gegangen; seine ohnehin sehr geringe Mitgliederziffer sank von 369 auf 273 herab. Dieser Rückgang bei den Christlichen ist jedoch nicht auf den wirt- schaftlichen Druck, sondern auf die bessere Erkenntnis der Arbeiter, daß jede Zersplitterung der Arbeiterbewegung dieser zum Schaden gereicht. Zu dieser Erkenntnis hat allerdings die Wirtschafts krise wesentlich beigetragen und manchen Arbeiter veranlaßt, den Christlichen den Rücken zu kehren und sich den fteien Gewerkschaften anzuschließen._ Die Bischöfe gegen den kachollfchen Vollisverein. Anfang Mai dieses Jahres teilte ein in Kattowitz (Schlesien) erscheinendes polnisches Blatt folgende merkwürdige Begebenheit mit: Dr. Brauns, Direktor des Volks- Vereins für das katholische Deutschland(M.-Glad- bach), kündete für den 26.-28. April die Abhaltung sozialer Konferenzen in Kattowitz an. worin er die Katholiken Ober- schlesienS mit den Forderungen der katholischen Sozialpolitik be- kannt machen wollte. Gleich nachdem die Ankündigung erlassen worden war, erhielt der Borsitzende der Kattowitzer Filiale des katholischen BolksvereinS von dem Geistlichen Rat ErzPriester Schmidt folgendes Schreiben: „Soeben erhielt ich von Sr. Eminenz das Programm der sozialen Konferenzen, die Herr Dr. BraunS hier abhalten soll, mit der Bemerkung:«Mit diesen Konferenzen des Herrn Direktor? Brauns bin ich nicht ein- verstanden und verbiete sie hiermi t."' Pflicht jedes Katholiken ist es also, der Anordnung unseres hochwürdigsten Diözesanoberhauptes Folge zu leisten." Dr. Brauns habe dann, so berichtet daS polnische Blatt weiter, das Programm der Konferenzen abgeändert, aber auch dann seien die Konlerensso verboten Mrdeo. Smaui bsde eine öffentliche Katholikenversammlung stattfinden sollen, mit Dr. Brauns als Referenten« und der Tagesordnung:„Die Aufgaben der Katholiken in der Gegenwart". Aber am Tage der Versamm- lung(26. April) wurde morgens in der Apostelkirche in Kattowitz von der Kanzel herab bekannt gemacht, daß die Gläubigen an der Versammlung nicht teilnehmen sollten, in der Dr. Brauns reden wolle. Schließlich entschloß man sich, die Versammlung mit der Maßgabe stattfinden zu lassen, daß nicht Dr. Brauns, sondern sein weltlicher Sekretär reden solle. Aber auch diese Versammlung fand nicht statt; den Er- schienenen wurde mitgeteilt, daß der vorgesehene Redner»wegen einer kleinen Indisposition" habe abreisen müssen. Die Mitteilungen des polnischen Blattes sind in die Blätter der Deutschen Vereinigung, der bekannten Organisation zur Be- kämpfung des Zentrums, übergegangen und durch diese weiteren Kreisen bekannt geworden. Bei der Aufmerksamkeit, womit die Zentrumspresse alles verfolgt, was aus der Deutschen Vereinigung hervorgeht, ist es um so auffallender, daß kein ultramontanes Blatt von dem Vorfall Kenntnis genommen und ihn abgestritten hat, was ohne Zweifel erfolgt wäre, wenn er sich abstreiten ließe. In dem Schweigen der Zcntrumspresse liegt das Zugeständnis der Wahrheit. Es bleibt also die mehr als merkwürdige Tat- fache zu verzeichnen, daß der Fürstbischof von Breslau dem Volks- verein für das katholische Deutschland die Agitation in seiner Diözese untersagt hat, demselben Volksvcrein, der als das „Vermächtnis Windthor st s" gepriesen wird, der ins Leben gerufen wurde mit der Aufgabe, die christliche Weltanschauung zu verteidigen gegen die glaubensfeindlichen Bestrebungen der Neuzeit! Die auffallende Begebenheit, die sich im Reiche des Breslauer Kirchenfürsten zugetragen hat, wird durchsichtiger in ihren Be- weggründen und Absichten, wenn man einige Kundgebungen zu Rate zieht, die in letzter Zeit aus katholischem Lager gekommen sind. In den„H i st o r i s ch- p o l i t i s ch e n B lä t t e r n" (113. Band, 2. Heft, ausgegeben am 16. Januar) findet sich ein Artikel, überschrieben«Drei Programmsätze". Darin wird hingewiesen auf gewisse Strömungen und Strebungen im katholischen Leben der Gegenwart und dann die Frage gestellt: „Soll eine planmäßig fortschreitende Jnterkonfessionalisierung und Dezentralisierung im katholischen Deutschland das nationale Problem der konfessionellen Gegensätze lösen im Sinne einer überkonfessionellen Kulturgemeinschaft und der allmählichen Reduzierung des konfessionell-religiösen Elements auf die Gotteshäuser beider Teile. Oder soll das katholische Deutschland die alle Kultur umfassende expansive Tendenz und die universal- einheitliche Auffassung seiner Kon. fession beibehalten in voller Wahrung echt katholischen Eigenart?" Die genannte Zeitschrift teilt nun mit, daß jüngst von nicht genannter Seite ein Schreiben bekannt geworden sei, das aus verschiedenen öffentlichen und privaten Kundgebungen der letzten Zeit drei Leitsätze kristallisiert. Der erste Leitsatz behandelt die Frage, ob die Zentrumspartei eine politische oder eine konfessionelle Partei ist; der zweite Leitsatz betrifft die Frage, ob die christ- lichen Gewerkschaften konfessionell oder interkonfessionell sein sollen. Der dritte Leitsatz lautet:„Die das gesamte katholische Leben Deutschlands ge st altende finanzielle und moralische Großmacht des katholischen Volksvereins bedarf in Anbetracht ihrer eminent wachsenden Bedeutung eines engeren Anschlusses an das Episkopat." In diesem Zusammenhange weist der Verfasser des Artikels in den„Historisch-politischen Blättern" auf jene neuen Lebens- formen kirchlicher Betätigung hin, die dem alten Rahmen kanoni- scher Organisation nicht anzupassen seien. Daraus entständen „präterepiskopale(d. h. der bischöflichen Autorität nicht unter- stellte) Gebilde", vielleicht auch„präterepiskopale Tendenzen", und das sei ungesund. Und in Anwendung auf die besondere Frage des Volksvereins teilt der Verfasser aus dem Briefe eines be- freundeten Sozialpolitikers folgende Stelle mit: „Bei dem Volksverein handelt es sich um einen sozialen Verein, der nach den Grundsätzen des katholischen Christentums, nach ethischen und dogmatischen Gesichtspunkten die soziale Re- form betreibt, die gemeinnützige Wohlfahrtspflege übt, Volks. bildung usw. erstrebt, der überdies mit den Mitteln des katholi- schen Volkes arbeitet, dessen Wirken von immenser Bedeutung ist für die katholische Kirche. Da haben die Bischöfe ein Recht, zum mindesten im Vor st and einen Platz zu haben, an der Leitung dauernd und entscheidend teilzunehmen. Die Art des Vereins, die Mittel und Mitglieder, die Wirkung auf die Kirche— das alles gibt den Bischöfen dazu ein Recht." Im Lichte dieses Artikels, der der breiteren Oeffentlichkeit entgangen ist, gewinnt das Vorgehen des Breslauer Fürstbischofs gegen den Direktor des katholischen Volksvereins allgemeine grund- sätzliche Bedeutung. Den Bischöfen gefällt die Tendenz des Volksvereins, gefällt seine wirtschafts- und sozialpolitische Agi. tation, gefällt vor allen Dingen seine Selbständigkeit nicht. Er ist ihm nicht kirchlich, nicht ausgesprochen religiös genug; seine-Tätigkeit entzieht die jungen Geistlichen der ausschließlichen Seelsorge und die Gläubigen der ausschließlichen Sorge um das Jenseits, indem er Klerus wie Laien in die weltlichen, öffent. lichen, politischen, wirtschaftlichen Dinge hineinzieht<— und das alles ohne Aufsicht, ohne Einspruchsrecht der Kirche! Deutlicher wird in dieser Beziehung noch ein Artikel der „Apologetischen Rundschau"(Heft 8, Mai 1999). Darin wjrd hingewiesen auf die Notwendigkeit, auch eine.interdiözesane" Ägojjijaiiwi, toig Pen katholischen Volksverein, der kirchlichen Autorität zu unterstellen. M.-Gladbach sei mehr als eine soziale Zentralstelle, hier sei der Herd einer ganz neuen Auffassung des katholischen Gedankens, hier herrsche der G e i st der ch r i st l i ch- sozialen Demokratie. Und dieser eigenartige Geist habe schule gemacht: v „Es ist der Geist, der sich um Theologie und Äirchenrecht wenig kümmert, der nicht so sehr soziale Pioniere des katholischen Gedankens, als katholische Pioniere der Bolkswohlfahrt schafft.... Der junge, in die sozialen Wogen hineinwachsende Klerus hat sich innerlichst führen lassen von der achtunggebietenden, arbeitleistenden Zentrale katholischer Sozialpolitik. Dieser Klerus wächst hinein in die Pfarrämter und trägt den Geist seiner Schule mitten hinein in das kirchliche Leben. Langsam, von unten herauf, erneuert sich der Klerus unter der Führung und dem ständigen Einfluß dieses sozial- politischen Mittelpunktes. Diese Entwickelung steht tiefer und größer vor uns als wir ahnen. Müssen nicht Garantien geboten werden, daß M.-Gladbach, das in der E n t w i ck e» lung des katholischen Geistes in die neue Zeit hinein die Führung an sich nimmt, das in bewußter oder un- bewußter Inangriffnahme der Umbildungsprobleme d e n modernen Katholizismus mit allen Mitteln der Schule und der Organisation in seinem Schöße trägt, den tiefen und weiten Gedanken seines Programms im engeren Anschluß an die kirch- liche Hierarchie vollzieht?" S Der„Mangel einer autoritativen Spitze" ist eS, was den katholischen Volksderein kennzeichnet und diesem Mangel muß abge- halfen werden durch»organisatorischen Anschluß an den Episkopat". Durch diesen Anschluß wollen sich die Bischöfe das Recht sichern, den Volksverein so zu leiten, daß die Gefahr„präterepiskopaler Tendenzen" vermieden, daß nicht der Geist der„christlichsozialen Demokratie" und der Klerus nicht als Pioniere der Volkswohlfahrt, sondern als Pioniere des katholischen Gedankens erzogen wird. Die ganze Richtung patzt uns nicht!— Das ist der tiefere Sinn des bischöflichen Vorgehens gegen den Volks- verein. Modernismus, christliche Demokratie, Volksvercin für das katholische Deutschland— alles Erscheinungen und Bestrebungen, die der klerikalen Hierarchie nicht gefallen, weil sie einigen Sinn für die Bedürfnisse der Zeit verraten und weil sie genug von neu- zeitlichem Geiste verspürt haben, um zu wissen, daß eS mit der alten Unterordnung, mit dem bisherigen Verzicht auf das Recht der Persönlichkeit, wie eS die Kirche fordert, nicht mehr weitergeht. Line liriie i» der fstbciMonföderation. Paris, 27. Mai.(Eig. Ber.) Es war vorauszusehen, daß der unglückliche Ausgang der Generalstreikunternehmung die Gegensätze innerhalb der Arbeiterkonföderation noch verschärfen würde. Die Putsch- Syndikalisten, die eine starke Ernüchterung ihres Anhangs in bezug auf die„revolutionäre Gymnastik" zu gewärtigen hatten, griffen sofort zu dem taktischen Kniff, die reformistischen Gewerkschaftsführer des feigen Verrats zu be- zichtigen oder sogar mit nicht allzu bestimmten Worten der Käuflichkeit zu verdächtigen. Neben G u 6 r a r d von den Eisenbahnern, dessen in der Tat anfechtbare Haltung wir schon dargestellt haben, war es ganz besonders der Konföde- rationssekretär Niel, gegen den sich die heftigsten Anklagen richteten. Niels„Verbrechen" bestand darin, daß er in einer Bergarbeiterversammlung in Lens in einer mutigen Rede erklärt hatte, daß das Proletanat für einen Generalstreik nicht reif fei und vor allem der Organisation bedürfe. Mit der Logik des Bauern, der sich für den Hagelschlag am Baro- meter rächt, behaupteten die revolutionären Syndikalisten, diese Rede sei am Zusammenbruch des Generalstreiks schuld. Uebrigens bot dieser die schon seit der Wahl Niels gesuchte Gelegenheit, gegen die Reformisten in der Konföderation die Demagogie zu entfesseln. Man erinnert sich, daß Niel nur durch eine infolge persönlicher Zwistigkeiten zustande ge- kommene Zufallsmehrheit gewählt worden ist. Die Mehr- heit des Konföderationsvorstands— die bekanntlich die Minderheit der Verbandsmitglieder repräsentiert— ist nach wie vor„revolutionär", und es war von vornherein klar, daß ihr anders gesinnter Sekretär durch ihre Beschlüsse in ein Dilemma geraten würde. Der Poststreik hat es nur be- schleunigt und den Putschisten nur erspart, diese Situation, wie sie es geplant hatten, künstlich herbeizuführen. Niel mußte den Aufruf zu dem von der Mehrheit beschlossenen Generalstreik, den er selbst als aussichtslos charakterisiert hatte, unterzeichnen. Tatsächlich konnte denjenigen, die den Beschluß gesaßt hatten, die Unmöglichkeit der Ausführung nicht zweifelhaft sein, nachdem die Bergarbeiter, die Eisen- bahner und die Textilarbeiter, die allein schon gegen zwei Fünftel der Konföderationsmitglicder repräsentieren, dagegen gestimmt hatten, da weder ihre Stimmung noch eine Ver- bandsnorm ihren Anschluß versprachen. Nach der Jnter- pretation der Revolutionäre selbst soll ja die Konföderation nur ein Korrespondenzorgan, nicht ein bewegendes Zentral- organ sein, und eigentlich schlagen diejenigen, die jetzt über den Disziplinbruch zetern, ihren eigenen föderalistischen Prin- zipien ins Gesicht. Aber die ohnmächtigen Blufftaktiker ent- schlössen sich zur Sünde um so leichter, weil sie den Sündenbock in ihren Händen hatten. Die Sühnezcremonie ging allerdings nicht ganz einfach vor sich. Zwei lange Sitzungen dauerte die Verhandlung des Konsöderationskomitees über die vom Sekretär während der Generalstreikagitation eingenommene Haltung. Niel der- teidigte seinen Standpunkt und die reformistische Taktik über- Haupt in ausführlicher Rede. Drei Tagesordnungen wurden eingebracht. Der Sekretär des Bauarbeiterverbandes bean- tragte ein„B e d a u e r n" für Niels Rede in Lens, der Ver- treter der Metallarbeiter forderte„die Feststellung der Verantwortlichkeite n", G u 6 r a r d(Eisenbahner) und C o u p a t(Mechaniker) verlangten den einfachen Uebergang zur Tagesordnung. Niel erklärte, nur die letzte Resolution annehmen zu können. Sie wurde indes mit 60 gegen 36 Stimmen und 7 Enthaltungen abge- lehnt, worauf Niel seine Demission bekanntgab und sie durch eine vorbereitete schriftliche Erklärung motivierte. Ter Lithograph T h i l, der stellvertretende Sekretär und gleichfalls ein Reformist, gab die gleiche Erklärung ab. Es verdient übrigens erwähnt zu werden, daß die große Mehr- heit gegen Niel vor allem den Vertretern der Arbeits- b ö r s e n zuzuschreiben ist, die bei der Wahl der Konföde- rationsfunktionäre kein Stimmrecht haben, da dieses nur den Vertretern der nationalen Verbände vorbehalten ist. Es ist sicher eine Anomalie, daß die Wahl und die Absetzung verschieden zusammengesetzten Organen zusteht, und der Anreiz zu Schikauen, der �hierin liegt, wird sich wohl noch manchmal geltend machen. r Für den Augenblick ist die wichtigste Frage, wie sich das Verhältnis zwischen den„Revolutwnären" vnd den»Refox- misten" in der Konföderation weiter gestalten soll. Man hat in den letzten Tagen viel von einem bevorstehenden Austritt der Reformisten und der Gründung eines neuen Verbands gesprochen. Indes wollen yerads die Reformisten die Einheit ver Gcwerkschaftsorganisation. solange es nur irgend geht, aufrecht erhalten. Eher scheint der Wunsch der Spaltung dieser Art bei manchen Revolutionären lebendig zu sein. Wenigstens läßt sich ein Jntervielv so deuten, daß der frühere Sekretär Griffuclhes dieser Tage wieder einmal dem „M a t i n", der gastlichen Herberge der Anarcho-Sozialisten, gewährt hat. Dieses Jnterview� zeigte übrigens, daß Griffuelhes aus dem Däbücle des Generalstreiks nichts gelernt hat. Er hält noch immer bei der„Gymnastik".„Tie Refor- misten", sagt er,„wollen starke Effektiv bestände. Uns genügen Parteigänger, vorausgesetzt, daß sie den Glauben und das nötige Feuer haben. Wenn unsere Truppen fortwährend in Atem gehalten werden, haben wir die feste Hoffnung, daß sie eines Tages die große Masse des Proletariats mitreißen werden." Man sieht— die reine Religion: Glaube, Liebe und Hoffnung. „Aktion, Aktion und immer wieder Aktion! Das muß die Devise der Konföderation sein!" ruft Griffuelhes. Von Organisation sagte er nichts. Und dabei ist Griffuelhes, weil er sich mit den Herväisten zer- schlagen und sie als Schreihälse und Revolutionsromantiker bezeichnet hat, die Hoffnung niancher Parteigenossen, die von den Paarungstrieben der reinen antiparlamentarischen Syn- dikalisten und der politischen Reformisten eine glückliche Zu- kunft des französischen Sozialismus erwarten. Die leitenden Funktionen in der Konföderation werden jetzt wieder an die„Revolutionäre" übergehen. Griffuelhes lehnt indes eine Wiederwahl ab, Wohl hauptsächlich wegen der Anklagen, die von Anhängern seiner Anschauungen gegen seine Amtsführung erhoben worden sind. Praktisch bedeutet der Wechsel nicht viel, da sich die großen reformistischen Ge- werkschaften jetzt noch weniger als früher zu„gyninastischcn" revolutionären Schauübungen werden„entrainieren" lassen. Die Radbod-llolonie vor Gericht. Dortmund, 29. Mai.(Eig. Ber.) Heute hörte das Gericht nur den Arzt Dr. Jakobs aus Unna als Gutachter. Herr Dr. Jakobs hat im März dieses JahreS die Kolonie besucht. Die Straßen waren unpassierbar. Die Häuser befinden sich in einem Zustande, der gesundheitliche Schäden zur Folge habe. Die Mängel waren sehr groß, sogar die Fen st errahmen waren gänzlich mit Pilzen besetzt. Er habe sich etwa 25 Häuser angesehen, von denen nur fünf gut waren, 10—12 waren mangelhaft,' 10—12 sehr schlecht. Er hat Wasser aus den Brunnen geprüft und es sehr schlecht und gesundheitsschädlich befunden. Der dauernde Aufenthalt indenHäusern müsse die Gesundheit schwer schädigen, das treffe namentlich auch für die Kinder zu, die doch den größten Teil des Tages in den dumpfen Schlafstuben zubringen müssen. Die Folgen find konstitutionelle Krankheiten, Rachitis, Rheumatismus und das Heer der Erkältungskrankheiten. Besonders unsaubere Wohnungen, daß sie aufgefallen wären, hat er in der Kolonie nicht bemerkt. Sein Beruf bringe eS mit sich, daß er in viele Arbeiter- Wohnungen komme, aber er habe selten welche angetroffen, die in solch hohem Maße Schädlichleiten auswiesen als die Häuser in der Kolonie Radbod. Soweit das Gutachten des Herrn Dr. Jakobs, das für Radbod ebenso vernichtend ist wie das Gutachten des Professors Dr. Sommerfeld. Die Herren von Radbod mögen sich anstrengen wie sie wollen, das Märchen von der Wohlfahrtseinrichtung, von der Villenkolonie ist gründlich zerstört. Genosse Nottebohm bereitete dann dem Richtcrkollegium noch eine schöne Ueberraschung durch die Uebereichung eines Gefäßes, das ekelhaftes Gewürm enthielt, welches am Tage vorher aus einem Brunnen der Radbod-Kolonie gepumpr worden war. Ein beisitzender Richter meinte, was siemit dem Getier sollten, das verderbe ihnen ja denAppetit. WaS ihm schon zu glauben ist; er soll aber auch bedenken, daß die Arbeiter von Radbod jeden Tag Gefahr laufen. solches Getier mitzutrinken. Direktor Andre wollte anzweifeln, daß das Getier aus einem dortigen Brunnen stamme; als ob Nottebohm für diesen Prozeß sich eine Gewürmzuchtanstalt angelegt habe. Von zwei Zeugen wurde bestätigt, daß die Tiere gestem aus Brunnen der Kolonie geholt worden waren. Das Gericht verkündete schließlich den Beschluß, daß eS als wahr unterstelle, die Würmer stammten aus den Brunnen der Kolonie. Der Rest der Gutachter wird Mittwoch vernommen. poUrtfche dcbcrficht. Berlin, den 1. Juni 1909. Das groste nationale Pfingstwerk. Die klerikale und konservative Preffe hat sich in ihren Pfingst- artikeln das billige Vergnügen geleistet, in phrascnschöncn Worten die große„nationale" Tat zu feiern, die nach ihrer Ansicht die Rumpf-Finanzkommission dadurch vollbracht hat, daß sie in den beiden letzten Tagen vor Pfingsten Hals über Kopf allerlei verrückte Steuervorschläge akzeptierte. Durch unbesehene Annahme von un- möglichen Paragraphen soll die Rumpfkommission, wie allen Ernstes versichert wird, sich den Dank des deutschen Vaterlandes gesichert und das Volk von einem bösen Alb befreit haben. Die„Köln. Volkszeitung", die während der letzten Monate, je nach dem Ber- lincr politischen Witterungswechsel, oft zweimal am Tage ihre heiligsten Grundsätze korrigierte, begrüßt sogar das große Pfingst- werk de? klerikal-konservativ-polnischen Nationalgeistes mit einem „aufrichtigen Gott sei Dank"! Und fast noch bcfrie- digter gebärdet sich das Organ der Hammer- und Kalckstcine, die „Kreuzzcitung". Nach ihrer Versicherung hat die epochale Leistting de» Rumpfkommission schon ein starkes„Gefühl der Er- leichterung" in allen deutschen Gauen ausgelöst. Voreilig teilt sie bereits Zensuren an die Hauptakteure der Komödie aus. Den ersten Ruhmeslorbeer drückt sie dem neuen Vorsitzenden der Rumpfkommission, dem„energischen und gewandten" Reichstags- abgeordneten Freiherrn von Richthofen, auf sein geniales Haupt; den zweiten Kranz erhält der— Staatssekretär Sydow, vielleicht weil er sein Wort von der„tanckitic» sine qua non" so schnell ver. geffen und in den letzten Wochen eine so eigenartige Anpaffungs- Fähigkeit an konservative Gedanken bewiesen hat, daß man fastt auf den Gedanken kommen konnte, er wolle an sich die Nichtigkeit der Darwinschen Theorie demonstrieren.>-■-■ In geflissentlicher Verkennung der politischen Lage stellt stch diese Presse« gls sej pZxch ds.e Beschlüsse dep Bu.WfiaaWissipn die Finanzreformfrage im wesentlichen schon erledigt, und als bleibe dew am 15. d. M. wieder zusammentretenden Reichstag nichts anderes übrig, als die großen vaterländischen Leistungen der ultramontan- konservativ-polnischen Patrioten gutzuheißen. In den schömß! Artikeln der konservativen und klerikalen Blätter stößt man den» auch alle Nasenlang auf Wörter wie„Opfermut",„Opferwilligkeit'. „Förderung des nationalen Interesses",„Aufopferung" usw., od- gleich doch sicherlich kein großer Opfermut dazu gehört, aus anderer Leute Taschen Steuern zu bewilligen. Und ebenso wird mit stolzer Genugtuung hervorgehoben, daß in ihrer Begeisterung die Rumpf- kommission sogar mehr Steuern bewilligt hat, als die Regierung fordert. So stellt die„Köln. Volksztg." folgende Addition auf: Biersteuer........ 100 Millionen Mark Branntweinsteuer....... 80„„ Tabak- und Zigarettensteuer., 43„„ SchaunNveinsieuer...... 5„ Steuer auf Parfümerien... 8„„ „ Zündhölzer.... 23„„ , Glühkörper.... 20„ Kaffee- und Teezoll..... 83„ Mühlenumsatzsteuer..... 8„„ Kohlenausfuhrzoll...... 20„„ Ferner für die Beibehaltung der Fahrkartcnsteucr 20 Millionen, zusammen also 366 Millionen indirekter und Verkehrssteuern. Dazu kommt noch der Antrag Richthofen, die KoticrungSsteuer. Dl- Kommissionsmehrheit schätzt ihr Erträgnis auf 80 Millionen, Staatssekretär Sydow hat selbst 60 Millionen genannt. Die Besitz.» und Umsatzsteuer bezw. Rcichswcrtzuwachssteuer ist mit 60 Millionen Minimum veranschlagt worden. Im ganzen also 366 plus 140 Millionen Mark Steuern, zu denen schließlich noch die um 23 Millionen erhöhten Matrikularumlagen hinzugerechnet werden müssen. Ter„Deutschen Tagesztg." ist das noch zu wenig. Sie rechnet mindestens 21 Millionen Mark mehr heraus, während die„Kreuz- zeitung" es etwas billiger tut und um 3 Millionen Mark hinter den Anschlägen des BündlerblattcS zurückbleibt. In Wirklichkeit haben diese Berechnungen keine solidere Basis als die ganzen Beschlüsse— alles ist Parforccarbcit ohne jegliche Berücksichtigung der technischen Schwierigkeiten, die der Durch. führuug der projektierten Steuern entgegenstehen. Man nehme nur die Erzbergersch» Zahnwasser- und Parfümsteuer. Solche Präparate, wie Zahn- und Haarmittel, werden auch von den kleinsten Detaillistcn selbst angefertigt, wie Drogisten und Friseure es sind. ES ergibt sich daraus eine inS Unermeßliche gehende Zahl von Betrieben, die einer Steuerkontrolle unterliegen. Der Kontroll- apparat würde bald mehr kosten als die ganze Steuer einbringt. In der Klemme. Im Wahlkreise Neustadt-Landau(bahr. Pfalz) hat demnächst für den verstorbenen Abgeordneten Schellhorn eine Nach- wähl stattzufinden. Die Entscheivung darüber, ob die National- liberalen das Mandat behalten, liegt beim Bund der Landwirte, der bei der vorigen Wahl gleich im ersten Wahlgang für den National- liberalen eingetreten ist. Nun teilt die„Deutsche Tagesztg." mit, daß der Bund der Landwirte auch diesmal wieder mit den National- liberalen gemeinschaftlich in den Aahlkampf eintreten werde; es müsse aber verlangt werden, daß der Kandidat— falls man den Nationalliberalen die Präsentation des Kandidaten überlasse— in wirtschaftlichen Fragen das Programm des Bundes anerkenne und sich insbesondere in der Frage der Sieichsfiuanzreform auf den Boden der agrarischen Anschauungen stelle.. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß die Nationalliberalen einen Kandidaten aufstellen sollen, der gegen die von den Nationattiberalen verlangte Erbschaftssteuer stimmt. Wenn sich die Nationalliberalen nicht fügen, dann erst ist mit der Möglich- keit zu rechnen, daß der Wahlkreis dem Zentrum zufällt, das bei der letzten Wahl auf seinen Kandidaten 8767 Stimmen vereinigte. Dr. Mugdan kein Mitglied des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Während des letzten Wahlkampfes in Alzey-Bingen wurde von dem früheren nationalliberalen Reichstagsabgeordneten Dr. Becker in mehreren Versammlungen behauptet, daß auch der freisinnige ReichstagSabgeordnete Dr. Mugdan früher Mitglied deS Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratte gewesen sei. AIS diese Be- hauptung von den Freisinnigen angezweifelt wurde, hielt sie Dr. Becker ausdrücklich unter dem Hinweis darauf anstecht, daß ein Mann wie er doch über den Reichsverband genau orientiert sei und in der Oeffcntlichkeit etwas Falsches über Herrn Dr. Mugdan zu be- haupten nicht wagen würde, zumal er mit ihm persönlich gut bekannt sei und mehrere Jahre mit ihm im Reichstage gesessen habe. Im übrigen würde auch eine direkte Anstage an Herrn Dr. Mugdan die Richtigkeit seiner(Dr. Beckers) Behauptungen be- stätigen. Die„Hessische Liberale Wochenschrift" teilt nun ein Schreiben des Abg. Dr. Mugdan mit, worin dieser versichert, daß er niemals Mitglied deS ReichSverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gewesen ist. Herr Becker wird nicht umhin können, seine angeblichen Beweise vorzulegen.—_ Eine herbe Beurteilung der deutschen Handelspolitik enthält der soeben zur Ausgabe gelangte Jahresbericht der Handelskammer zu Erfurt für das Jahr 1908. ES heißt darin nach statistischen Ausführungen allgemeiner Natur über Deutsch- lands Außenhandel: „ES ist ja zweifellos, daß eine ganze Anzahl Branchen durch die neuen Zollverhältnisse des Auslandes Absatzgebiete verloren haben.(Die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten aus dem amerikanischen Konsulatsbezirk Erfurt betrug im Berichtsjahre nur 3 393 862 M. gegen 3 924 203 M. im Vorjahre.) Darüber bringt auch dieser Bericht wieder'Material. Man hört oft die Frage auf- werfen, ob die deutsche Regierung immer die ihr zu Gebote st ehe n den Mittel anwendet, um die Interessen des deutschen Handels dem Auslände gegenüber wahrzunehmen. Diese Frage wird nicht überall bejaht. Während Pressenachrichlen zufolge die englische Regierung mit Erfolg gegen gewisse Zollerhöhungen deS gegenwärtig zur Verhandlung stehenden neuen franzö- fischen Zolltarifs vorstellig geworden sein soll, ist von einem derartigen Vorgehen deutscherseits, obwohl der Regierung Material, auch aus unserem Bezirke, unterbreitet worden ist. nichts bekannt geworden. Außer dem französischen, wird gegenwärtig auch der amerikanischeZolltarif einer Revision unterzogen, und es ist zu befürchten, daß der neue Tarif eine Er- schwerung der Ausfuhr nach Nordamerika bringen wird. Die B e- mühungen unserer Regierung sollten wenig st enS darauf gerichtet sein, daß das vielbeklagte amerikanische Zollverfahren eine Besserung zu- gunsten der deutschen Exporteure erfährt. Eine Verständigung mit Kanada ist immer noch nicht erreicht worden, der Zollkrieg dauert fort. Diese Verhältnisse werden die Hoffnung auf eine baldige Belebung deS Auslandsgeschäfts nicht gerade stärken können." An einer anderen Stelle des Berichts wird über die Preis- verteuern ngspolitik des KohlensyndikatS geklagt und infolgedessen verlangt, daß„die Kohlentarife der Staatsbahnen und die Kohlenpreise der fiskalischen Gruben mehr als bisher zugunsten der kohlenverbrauchenden Industrie aestaltet werden." Ein Kongretz deutscher Anarchisten twt am Montag in Leipzig zusammen. Vertreten sind die anarchistischen Gruppen von Berlin, Frankfurt, Hamburg, Darmstadt, Mainz, Hanau, Breslau und andere, im ganzen'30 Orte mit 86 Gruppen. Der Vorsitzende Rudolf Lange berichtete iiber die Tätigkeit der Geschästskommission der anarchistischen Föderation. Danach find in den letzten zwei Jahren über Anarchisten insgesamt 9 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Gefängnis und viele Geld- strafen verhängt ivorden. Die Kommission wurde nach dem Bericht sowohl ideel wie materiell sehr schlecht unterstützt. So ergab der Kassenbericht in den zwei Jahren vom 1. April 1907 bis 31. März 1909 eine Einnahme von 657,96 M., der eine Ausgabe von 603,77 M. gegenübersteht. Sepp O e r t e r hielt ein Referar über die Organisations- frage— er befürwortete eine föderative Organisation. Seine Borschläge gelangten nach lebhafter Diskussion zur Annahme. Am 1. Juni wurde lange über die Stellung der Anarchisten ? um Syndikalismus und zu den Anarchosozialisten diskutiert. Folgen oll noch u. a. ein Referat Dr. Fried ebergs über:»Der Anarchismus, seine Idee und Taktik". franhmcb. Der Streik der Seeleute. Marseille, 31. Mai. Die eingeschriebenen See- l e u t e faßten in ihrer heutigen VersammUmg einen Beschluß, in dem die Regierung dafür getadelt wird, daß sie den Reedern Seeleute der Staatsmarine zur Verfügung ge- stellt habe, und in dem sie sich verslichten, keinerlei Zu- geständnis zu machen und erst wieder an Bord zurückzu- kehren, wenn ihren Forderungen Genüge geschehen sei. Zerstörte Leitungen. Paris, 1. Juni. Zahlreiche Telegraphen- und Tele- p h o n- D r ä h t e in der Umgebung von Paris sind durch- geschnitten worden. Der Minister des Innern hat Beweise, daß dieses Zerstörungswerk wohlvorbereitet war durch ein Rundschreiben, das genaue Angaben über die Ausführung der Tat enthielt und von Pariser Anarchisten ausging. In Paris ist ein scharfer Ueber- wachungsdienst eingerichtet worden. Die Carmagnole. Paris, 1. Juni. Aus Marseille wird mehreren Blättern ge- meldet, daß eine Anzahl Landwehrleute, die im Lager von Larzacan an Schießübungen teilnahmen, einen Unteroffizier bedrohten und beschimpften und das revolutinnäre Lied.La Carmagnole" sangen. Zwölf Landwehrleute wurden wegen dieser Vorfälle mit S r r e st bestraft. Belgien. Die Sozialisten gegen die Berschlendernog der Äunstschähe. Brüssel, 1. Juni. In der heutigen Kammersitzung gelangte die Interpellation VanderveldeS bezüglich des Gemälde- Verkaufs durch den König zur Besprechung. Der Interpellant versuchte sich auf juristische Gründe zu stützen, um zu beweisen, daß die Gemälde deS Königs nicht diesem als Privat- mann gehören und daß diese Kunstschätze in den verschiedenen Palästen das Eigentum der Nation seien. Die Interpellation wurde schließlich zurückgezogen. Itallen. Die deutschen BersichernngSgesetze. Rom, 31. Mai. Deputiertenkammer. In Beantwortung einer Interpellation deS Abgeordneten Cabrini über den deutschen Gesetzentwurf betreffend die Arbeiterversicherungen erklärte der Minister deS Aeußern T i t t o n i, er glaube versichern zu können, daß dos neue Gesetz für die Ausländer, gegenüber den !;egenwärtigen Gesetzen, keine Verschlechterung dar« telle, und daß es den Ausländern keine unterschiedliche Behandlung gegenüber den Deutschen angedeihen lasse. Immerhin könne man bei den ausgezeichneten Beziehungen Italiens |U Deutschland Schritte unternehmen, um die Interessen Italiens »ei dieser Gesetzgebung noch zu fördern, besonders nach zwei Richtungen hin: vor allem könne man zu erreichen suchen, daß Italien in die Staaten einbegriffen werde, für welche einige Bestimmungen betreffend die Ausländer durch den Bundesrat modifiziert werden können, zumal die italienische Auswanderung nach Deutschland sowohl temporär wie auch periodisch über- wiege. Außerdem müsse man die besonderen Ab- kommen schließen, die durch den Vertrag von 1904 betreffend den Arbeiterschutz vorgesehen seien. Entsprechend der An- regung Cabrinis werde man auch mit der deutschen Regierung über die Zurückerstattung der eingezahlten Beiträge verhandeln können, wenn ein Arbeiter oder ein RechtSinhaber eine Rente nicht beziehe. Schließlich sprach Tittoni den Wunsch aus, daß seine Erklärungen die laut gewordenen Befürchtungen zerstreuen möchten und versicherte, daß der wirksame Schutz der italienischen Auswanderer eine seiner vornehmsten Pflichten sei, er werde alles aufbieten, um diese hohe und edle Auf- gäbe zu erfüllen. OlrKd. Neue Schwierigkeitea. Konstantinopel, 1. Juni. Depeschen deS armenischen Patriarchat» zufolge hat die mohammedanische Bevölkerung in der Umgebung von Konia zwei Armenierdörferange- griffen, mehrere Armenier getötet bezw. verwundet und die Läden geplündert. Die Bevölkerung im Wilojet Wan hat bei der Regierung um die Erlaubnis nachgesucht, FreiwilligenkorpS zur Wiederherstellung der Ordnung bilden zu dürfen. Die Regierung hat dem Ersuchen nicht stattgegeben. Aus Mazedonien werden neue Bandenbildungen in der Nähe von Wodena und Werna gemeldet. In der Nähe von Jenidze sind mehrere türkische Reisende von einer Bande überfallen und ausgeraubt worden. In der Bevölkerung herrscht wegen der zunehmenden Ueberfälle Beunnchigung. Blättermeldungen zufolge sind in Damaskus einige reaktionäre Notabeln, die Mitglieder der mohammedani- fchen Union find, verhaftet worden.— Die Lage in Adana. Konstantinopel, 31. Mai. Im Ministerium des Innern ein- gelaufenen Telegrammen zufolge herrscht im gesamten Wilajet Adana andauernd Ruhe. Bis vorgestern sind 246 Mohammedaner und 93 Armenier verhaftet worden. Die von der Kammer ent- sandte Untersuchungskommission ist in Adana eingetroffen, auch die Depeschen deS armenischen Patriarchats melden, daß keine weiteren Ruhestörungen sich ereignet haben. perllen. Die russischen Provokationen. Teheran, 31. Mai. Die Nationali st en inTäbris beklagen sich bitter über die von den Russen vor- genommenen Verhaftungen und andere Ueber- griffe, die sich die Zivilbehörden zuschulden kommen ließen. Sattarkhan und die übrigen Führer, die fürchteten, ebenfalls verhastet zu werden, haben im türkischen Konsulat z' Zuflucht gesucht, nachdem daS englische Konsulat ihnen den Schutz verweigert hatte. Die Russen beschassen sich bereits Material, um unverzüglich den Bau der Bahn von Dschulfa nach Täbris zu beginnen. Türkische Truppen in der Stärke von 2500 Mann haben Maragha besetzt._ Russische BemiintclungSversuche. Petersburg, 81. Mai. Die Petersburger Telcgraphen-Agentur meldet aus Täbris: Die in das türkische Konsular geflüchteten Führer der Nationalisten Sattarkhan und Bagirkhan »nachten durch ihre Leute den Versuch, die Täbriser Bazare zu schließen; dieser Versuch mißlang. Beide Führer und ihre Anhänger sprachen den Wunsch auS, türkische Untertanen zu werden. Sattar- khans Anhänger verbreiten das Gerücht, daß türkische Truppen sich über Maragha und Soudjbulag nach Täbris bewegen. Tat- fächlich plündern mehrere Tausend p er s i s ch e K u r d en vom Stamme der Mamasch Mangur in M i a n d a b und Soudjbulag. Die muselmauijche und christliche Bevölkerung dieser Orte ist schutzlos._ Die Verschlechterung deö Wahlrechts. Teheran, 30. Mai. Das Wahlgesetz ist dem Provinzial- Endschumen zur Begutachtung übermittelt worden. DaS neue Wahl- gesetz setzt die Zahl der Deputierten auf 120 fest. Die Wahlen sind zweistufig. Abgesehen vom Verniögenszensus wird Elementarbildung gefordert. Teheran wählt jetzt 15'statt der früheren 60 Deputierten Peru. Ein mißglückter Putsch. Lima, 30. Mai. Ein Trupp Aufständischer unter Führung PierolaS griff das RegierungSgcbäude an und bemächtigte sich der Person des Präsidenten der Republik Leguia, um ihn zur Abdankung zu zwingen. Die der Regierung ergebenen Truppen befreiten Leguia und feuerten auf die Austündischen, von denen über 40 getötet wurden. Der Aufstand ist niedergeworfen. Hus der partei» Sozialismus in Persien. Zwei persische Sozialisten. Dr. Mirza A b d u l a h und Sadijik Rahim Z a dö halten sich zurzeit in Paris aufund die„Humanitö" veröffentlicht in der Form eines Interviews einige recht interessante Mitteilungen über die persische Revolution aus dem Munde der beiden Genannten. Sie behaupten, daß Perfieu bereits eine recht respektable sozialistische Bewegung hat. Die jungen Pcrsier gingen nach der russischen Universität TifliS, der Zentrale der sozialistischen Bewegung imKaukasus. Dort nahmen sie die sozialistischen Lehren in sich auf und kehrten als Sozialisten in ihr Vaterland zurück. Ebenso die persischen Arbeiter, die zu Tausenden nach Baku, der russischen Petrolcumstadt gehen, wo sie das Gift des Sozialismus einsaugten. An den großen Streiks der Petroleumarbeiter, die bor einigen Jahren in Baku stattfanden, waren zahlreiche Perser be> teiligt.»Wir sind gekommen— so schloffen die beiden Perser— im Rainen aller demokratischen und revolutionären Parteien in Persien, um unsere sozialistischen Kameraden Europas aufzufordern. in den Parlamenten Frankreichs, Englands, Deutschlands usw. zu- gunsten eines Volke», daS für feine Freiheit und Unabhängigkeit kämpft, zu intervenieren.�_ Die Politik der M." Ein Personalwechscl ist unter den Rundschauvearbeitem der »Sozial. Monatshefte" eingetreten. Schippe! und Calwer sind-r wohl nur zeitweise— verschwunden und die Sparte»Politik" zeichnet jetzt ausgerechnet— Max Maurenbrecher. Vom neuen ReichSvereinZgefetz. In Braunschweig hatte daS Gewerkschaftskartell eine Dienstbotenversainmlung einberufen zum Zwecke der Gründung einer Dienstbotcnorganisatton. DaS Thema wurde unter vollständiger Ausscheidung der Erörterung politischer Fragen oder Dinge behandelt. Trotzdem erhielt Genosse W e s e m e i e r als Einberufer der Versammlung ein Sttafmandat über 15 M., weil er die Versammlung nicht als eine»politische" angcineldet oder bekannt gemacht hatte. Da» angerufene Schöffengericht und in der Berufungsinstanz da» Landgericht sprachen den Angeschuldigten kurzerhand frei, weil selbst die Polizeibcamten als solche nichts weiter bekunden konnten, als daß in der Versammlung gesagt worden sei, die Beseitigung der Gesindeordnung sei für die Dienstboten„wünschenswert". Die Staatsanwaltschaft hielt aber diese Worte schon als über den Rahmen des GeWerk- schaftlichen hinausgehend, wodurch die Versammlung zu einer— politischen gestempelt werde. Sie legte Revision ein und das Oberlandesgericht hielt die Revision für begründet. Die Versammlung habe sich mit der Aussprechung des Wunsches durch die Referenttn, daß eS für die Dienstboten besser fei, wenn sie nicht der Gesindeordnung unterstellt wären, u n m i t t e l- bar mit Angelegenheiten deS Staates und der Gesetzgebung befaßt. Dadurch sei die Versammlung zu einer.politischen" geworden.— Das OberlandcSgcricht wies die Sache an daS Landgericht zur nochmaligen Verhandlung zurück. DaS ist die.loyale' Auslegung des freiheitlichen Gesetzes! Der Maifeierbettag. Auch in Mülhausen i. Elf. haben sich die Setzer der Druckerei deS Parteiblattes geweigert, den Tagesverdienst deS 1. Mai abzuliefern. Ihr Wortführer verteidigte in der Sitzung des sozial- demokratischen Vereins daS Vorgehen damit, daß in dem Buch- druckertarif die Bezahlung der Feiertage garantiert sei; kein Partei- tag könne einem organisierten Buchdrucker seinen Lohn nehmen. Die Begründung ist so verfehlt wie nur irgend möglich, die Partei hat absolut nichts mit den Buchdruckern, sondern lediglich mit den Parteigenossen zu tun. Auf Antrag deS Vorstandes beschloß der Verein nach einer längeren Debatte, mit allen gegen 6 Stimmen ses handelte sich um 7 Setzer), daß diese Parteiimtglieder wegen schweren Disziplinbruches zur Bekleidung von Vertrauens- und Ehrenämtern in der Partei nicht würdig sind, sofern sie nicht bis zur nächsten Sitzung die Tageseinnahme an den örtlichen Partei- kaffierer oder den Verwalter den Fonds für ein VollshauS ab- geführt, oder dem Vereinsvorstand den Beweis besonderer Notlage erbracht haben. Gegen den Antrag des Vorstandes nahmen mit 4 Setzern noch 4 Gewerlfchastsbcamte Stellung, die sich aber für ihre Person dem Nürnberger Beschlüsse unterworfen hatten. pollzcillcbeOt Hxrlttittlcbea uttv. Wiederum eine„christliche" Verleumdung am Pranger. In der Dortmunder Gegend häuften sich infolge der V e r- hetzungen durch die„christliche»'Organe und die ultramontane Presse die Verleumdungen gegen Gewerkschaftler und Parteigenossen so sehr, daß eine ganze Reihe Berleumder, um einige Exempcl zu statuieren, vor Gericht gebracht wurden. In den letzten Monaten ist wohl ein Dutzend solcher Fälle verhandelt worden, ohne daß eS den Verleuindern auch nur einmal gelungen wäre, ihre verleumderischen Behauptungen zu beweisen. Sehr oft sehen unsere Genossen von einer Bestrafung ab. wenn der Verleumder seine Be- schuldigungen zurücknimmt und die Kosten trägt. Denn auf eine Bestrafung kommt es den Genoffen gar nicht an. sondem nur auf die Feststellung der Wahrheit. Am letzten Freitag stand vor der Strafkammer zu Dort« muud wieder eine Verleumdungsgeschichte zur Verhandlung. Der „ christliche" Agitator Kemper aus F r o h l i n d e hatte die Ver- leumdung verbreitet, der Genosse Frackmann auS Mengede habe im Jahre 1905 Streikgelder unterschlagen. Natürlich stellte sich in der Verhandlung wieder heraus, daß die Verleumdung völlig aus der Luft gegriffen w a r. Auch dieser Mustcrchrist kam von der Strafe frei, weil er seine ehrenrührigen Behauptungeu im vollen U m f a n g e z u r ü ck u a h m und sich bereit erklärte, die Gericht»- losten zu tragen. Sozialea. Entschäbigung für verweigerten Ferienurlauv. Der Zentralvcrband der Maschinisten und Heizer hat mit fast allen in Frage kommenden Firmen einen Tarifvertrag abgeschlossen, worin den Arbeitern nach einjähriger Tätigkeit in dem jeweiligen Betriebe ein Fericnurlaub von einer Woche bei Fortzahlung deS Lohnes garantiert wird. Zu den Vertragsfirmen gehört auch die Hotelbetriebsgesellschaft. Der Elektriker L. war etwa 4 Jahre bei dieser Firma beschäftigt und hatte vielfach Maschinistendienste zu leisten. Der Ferienurlaub ist ihm auch schon einige Male gewährt worden. Im letzten Jahre seiner Tätigkeit wurde er ihm jedoch verweigert. Die Firma hielt sich nicht für verpflichtet, den Eick- trikern Ferien zu geben. Das Gewerbegericht teilte zunächst diese Auffassung. Der Vorsitzende Magistratsassessor Dr. Seckt machte dem Kläger den Vorschlag, sich auf 10 M. mit der Beklagten zu einigen, denn der Tarifvertrag gelte seinem Wortlaut entsprechend nur für die Maschinisten und Heizer, aber nicht für die Elektriker. Der Kläger behauptete, daß es die zweifellose Absicht der Urheber des Tarifs gewesen sei, die Elektriker in das Vertragsverhältnis ebenfalls hineinzubeziehen. Er beantragte, den seinerseits zur Stelle gebrachten Organisationsvertreter als Zeugen darüber zu vernehmen. Der Antrag wurde abgelehnt, weil die Tarifverträge heutzutage durchaus nicht mehr der Klarheit ermangeln. Der zum Beweis der klägerischen Behauptung, daß der Urlaub von der Be- klagten versprochen worden sei, als Zeuge vorgeladene frühere Direktor L. bekundete, daß er im Einverständnis deS verstorbenen Chefs dem Kläger den Urlaub versprochen und auch gewährt habe, da nach seiner Ansicht der Tarifvertrag auf den Kläger Anwendung finden mußte, da dieser ja tatsächlich deS öfteren Maschinisten- dienste leisten mußte. Darauf wurde die Klageforderung anerkannt. Das Gericht verurteilte die Beklagte» dem Anerkenntnis gemäß an den Kläger 36 M. zu zahlen. Für den Arbeiter ist gesorgt bis ins hohe Alterl Wie sich dieser Ausspruch, der einmal an hoher Stelle getan wurde, in der Praxis ausnimmt, das zeigen die fast täglich vor- kommenden Rentenbeschneidungen arbeitsunfähiger, invalider Ar. beiter. Auch der nachstehende Fall verdient in dem Verzeichnisse derartiger Vorkommnisse rubriziert zu werden. Dem Feilenhärter Horsch in Wermelskirchen(Krei» Remscheid) flog vor einigen Jahren ein Eisensplitter in» Auge. Dadurch erblindete da» eine Auge völlig und die Sehkraft des anderen Auges wurde erheblich geschwächt. Horsch erhielt nun bis zum.1. Mai 1908 eine Rente von 40 Proz. und schlug sich des weiteren mit Drehorgelspielen schlecht und recht durch die Welt. Am 1. Mai 1008 entzog ihm die Berufsgenoffenschaft die Rente mit der Begründung, daß der frühere Zustand wieder eingetreten sei und das Schiedsgericht in Düffel- darf schloß sich in seinem Urteil vom 16. Juni 1908 der Entschei» dung der Berufsgenossenschaft an. Diese Entscheidung wurde beim Reichsversicherungsamt angefochten, und nach einem Gutachten deS Geheimen Medizinalrats Prof. Dr. Kuhnt in Bonn, welcher fest- stellte, daß das Sehvermögen des verletzten Auges von zwei Fünftel auf knapp sechs Achtel gestiegen sei, wurde die Rente dieser Tage auf 10 Proz. festgesetzt.— DaS ist die Fürsorge für den Arbeiter bis ins hohe Alter, der Segen unserer so vielgepriesenen Arbeiter- Versicherung! Auf einem Auge blind, auf dein anderen im Besitz von sechs Achtel des normalen Sehvermögens, damit ist für die Berussgenossenschaft der»frühere Zustand wieder hergestellt" und da» ReichSversicherungSamt gewährt schließlich gnädigst noch 10 Proz. '• Schweizerische Heinnirbeitausstellung nnb Kongreß. Am 15. Juli wird in Zürich die erste schweizerische Heim- arbeitausstcllung eröffnet. Sie hat den gleichen Zweck wie die Berliner HeimarbeitauLstellung ihn im Auge hatte: Die Veran« schaulichung der Erwerbs- und Lebensverhältnisse der Heimarbeiter. In der Schweiz befinden sich über 130 000 Heimarbeiter. Legt man die Resultate der Betriebszählung von 1905 zur Grundlage, die die Zahl der Heimarbeiter allerdings nur ungenügend erfaßte, so entfallen zwei Drittel der Heimarbeiter ans die Textilindustrie; an zweiter Stelle steht die Uhrenindustrie, die ungefähr ein Achtel der Gesamtzahl von Hausindustriellcn aufweist; ein Zehntel u>n. fassen die Industrien für Bekleidung und Putz, etwas weniger die Stroh- und Korbwarenindustrie, wahre, cd die Holzschnitzerei und die Tabakindustrie einen verhältnismäßig kleinen Teil der Hein� arbeiter für sich beanspruchen. Die Heimarbeitausstellung ist eine Veranstaltung deS Schweiz?» rischen Arbeiterbundes. Sie wurde ermöglicht durch finanzielle Unterstützung von Behörden und Verbänden. Die Sammlung des MatcrialeS(Arbeitsprodukte und einheitliche Angaben über die Produktionsbedingungen für jeden einzelnen Gegenstand) lag durch- auS in Händen der Arbeiterschaft. Die Unternehmer waren ln keinem Komitee vertreten. Sie haben im allgemeinen die Vor» arbeiten nichts weniger als gefördert, vielfach sogar gehindert. So haben die Plattstichfabrikanten jeden Arbeiter mit Strafklage wegen Diebstahl bedroht, der ein Muster für die Ausstellung zur Ver- fügung stellen werde. Trotz dieser Widerstände, und trotzdem viele Heimarbeiter durchaus nicht bereitwillig die Veranstaltung der Ausstellung unterstützten, meist aus Furcht vor Maßregelungen, wird die Ausstellung ziemlich reichhaltig sein. Die größte Aus- dehnung wird die Beklcidungsbranch« in Anspruch nehmen, aus der mehr als 1100 Gegenstände gesammelt wurden. Bedeutend aus- gedehnt wird die Sammlung aus der Textilindustrie sein: zirka 200 Muster aus der Seidcnbandweberei, 150 aus der Seidenstoff- Weberei. 30 aus Leinenweberei, 250 Stickerei, textile Hilfsarbeitcn 50. Die Uhren- und Musikdosenfabriiation ist durch 100 Gegen. stände vertreten, die Strohindustrie mit 150, die Holzschnitzerei mlt 450 und endlich die Tabatindustrie mit 80. Dazu kommen noch eine Anzahl von AuSstcllungSobjetten aus der Modellstecherei. dem graphischen Gewerbe, der Bürstenindustrie usw. Gegen 50 fein ausgeführte Photographien führen den Besucher in die elenden Verhältnisse der schweizerischen Heimarbeiter ein. Dazu orientiert ihn über die ganze Sammlung ein einführender Katalog und eine größere Zahl von Monographien über einzelne Zweige der HauLmdustqie und Extraausgaben von Verbands- organen. Ilm den Besuchern einen Begriff von den Mühen der haus. industriellen Beschäftigung beizubringen, ist der Ausstellung eine ArbritShalle angegliedert, in der Heimarbeiter an der Arbeit stehen. Die Ausstellung findet in einem städtischen Gebäude, dem HirschgrabcnschulhauS, statt und wird nach ihrer Beendigung ln Zürich nach Basel verlegt werden, um dem angrenzenden AnS- lande den Besuch zu erleichtern. Durch eine Verlosung werden die Ausstellungsgegenstände veräußert. Im Anschluß an die Schweizerische Heimarbeitansstellung wird am 7. und 8. August ein allgemeiner schweizerischer Heimarbeiter» schubkongreh veranstaltet werden, der die Mittel und Wege beraten soll, um die Lage der Heimarbeiter zu verbessern. Für alle Auskünfte über die Ausstellung und den Kongreß, die bereitwillig erteilt werden, wende man sich an den Genossen Jak. Lorenz, Generalsekretär der Schweiz. Heimarbeitaitsstelluna, Zürich I» Ob. Mühlesteg 10.'- GcwerhfcbaftUcbed« Berlin und Umgegend« Ernst Deinhardt f. Genosse Deinhardt, Redakteur der„Holzarbeiter- Zeitung", ist am 30. Mai im Alter von 37 Jahren verstorben. Für die deutsche Arbeiterbewegung, insbesondere für den Holz- arbeiterverband, bedeutet das Ableben dieses wackeren Genossen einen herben Verlust. War doch die„Holzarbciter-Zeitung" unter seiner Redaktion eines der bestredigierten Gewerkschafts- blätter Deutschlands und seine Rednergabe, sein Organisations- talent und seine glühende Hingabe für die Arbeiterbewegung im ganzen Verbände und weit darüber hinaus bekannt. In Lobstädt bei Jena als Sohn eines Proletariers ge- boren, machte er eine recht trostlose Jugend durch, erlernte das Tischlerhandwerk, um dann als Geselle sich in der Fremde fortzubilden. Mit der Arbeiterbewegung wurde er recht früh bekannt und finden wir ihn schon unter dem Sozialistengesetz sowohl in der politischen wie gewerkschaftlichen Bewegung tätig. Er darbte sich recht oft das Brot vom Munde ab, um seine Lcrnbegier zu befriedigen, sich Bücher kaufen zu können. Allgemein wird angenommen, daß in dieser schweren Zeit der Keim zu seinem Siechtum gelegt wurde. Sehr bald sehen wir ihn, von dem Vertrauen der Genossen berufen, in der Preßkommission der„Rheinischen Zeitung" in Köln. Von >dort ging er nach Elberfeld, um sich der„Freien Presse" als Berichterstatter zu widmen. Im Jahre 1899 siedelte er nach Straßburg über und trat in die Redaktion des dortigen Parteiorgans ein. Hier war seines Bleibens nicht lange. Die reichsländischen Gerichte machten ihm das Leben recht sauer. Wiederholte Bestrafungen in seiner Parteiredakteurtätigkeit mußte er über sich ergehen lassen. 1909 wurde er als zweiter Redakteur der„Holzarbciter-Zeitung" nach Hamburg gewählt, und als im Jahre 1993 Albert R ö s k e als erster Redakteur zurücktrat, kam er an dessen Stelle. Als der Holzarbeiter- verband zur fachlichen Fortbildung seiner Mitglieder das »Fachblatt für Holzarbeiter" gründete, übernahm er auch die Redaktion desselben und hat dasselbe auf eine Stufe gebracht, daß es mit Recht als eines der ersten Fachblätter Deutschlands bezeichnet werden darf. Und mit tvclcher Liebe und welchem Eifer hat unser Freund die ihm gestellten Aufgaben bewältigt, trotz feines jahrelangen schweren körperlichen Leidens, ihm mußte wegen Tuberkulose im Jahre 1993 das eine Bein amputiert werden. Immer bereit zu Rat und Tat, immer bereit einzuspringen wo es galt die Arbeitcrinteressen zu vertreten. Sein goldiger Humor half ihm über die schwersten Stunden hinweg, seine Zuversicht frischte den Mut seiner Mitkämpfer immer wieder auf und sein umfassendes Wissen zeigte den Weg aus so mancher verzwickten Lage. Er war der„Neu- tralität" der Gewerkschaften abhold, war es, der seit Jahren erklärte. unsere Gewerkschaften sind sozial- demokratischeGe werkschaften, müssen sozial- demokratische Gewerkschaften sein!— Nun ist er dahin gegangen, herzlich betrauert von der Gattin, die ihn mit so viel Liebe pflegte, und zwei kleinen Kindern, an denen er mit so unendlicher Liebe hing. Auch das deutsche Proletariat wird des Kämpen gedenken, der trotz seiner Jugend soviel für die Arbeiterbewegung getan I Streik im Weinrestaurant Zoologischer Garten. Gestern abend in der achten Stunde kam es in dem von der issotel-Betriebsgesellschaft gepachteten Weinrestaurant des Zoolo- gischen Gartens zu einem Streik des dort beschäftigten unorgani- sierten Kellnerpersonals. Bon 37 Kellnern sind 34 in den Streik getreten. Wie glänzend die Bezahlung der dort beschäftigt Ge- wesenen war, ergibt sich daraus, daß an Gehalt pro Monat neben der Beköstigung 13 Mk. bezahlt wurden. Ihre Wohnung hatten die Ausständigen auf eigene Kosten außer dem Hause. Bon den vereinnahmten Trinkgeldern mutzten die Ausständiaen noch einen Teil an ihre Zuträger und Oberkellner zahlen. OeutfeKes Reich. Die Schanerlente(Hafenarbeiter) in Lübeck hatten ihren Tarif mit den Reedereien zun, 1. Juni gekündigt. Nach mehrfachen Wer- Handlungen ist es nun gelungen, einen neuen, bis zum 31. De- zember 1311 gültigen Tarif zu vereinbaren, der nicht unerhebliche Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schauerleute enthält. Achtung, Zinngießer. Die Firma„Orivit" Fabrik für kunst- gewerbliche Gegenstände sucht in Berlin durch Inserate Zinn- gieß er nach Köln. Die Firma hat drei wnrttembergische organi- sierte Kollegen entlassen. Sie motivierte die Entlassung damit, daß sie sich Kölner Leute anlernen wollte, weil die Fremden immer wieder abreiften. Wenn die Firma jetzt in Berlin Leute sucht, so fällt ihre damalige Begründung in sich zusammen. Denn nicht nur die drei Gemaßregelten, sondern auch Berliner Zinngictzer sind Fremde. Wir ersuchen die Berliner Kollegen, bei Arbeitsannahme nach Köln sich dieser Mitteilung zu entsinnen. Organisierte Leute, die an der Beseitigung der vielen Mißstände arbeiten, kann die Firma nicht brauchen. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltung Köln. Die Scharfmacher schließen die Reihen. Der Verband Thüringer Metallindustrieller beschloß in außer- ordentlicher Generalversammlung, für alle seine Angehörigen und auf Verbandskosten die Mitgliedschaft zum Verbände Thüringer Industrieller(Weimar) zu erwerben, was für den letzteren einen Zuwachs von rund 100 bedeutenden Firmen ausmachen wird.— Wie hier erörtert lvurde, wird in den nächsten Tagen auch der ,. Verband Sächsisch-Thnringischer Webereien"(Sitz Greiz) zu derselben Frage Stellung nehmen, und da bereits drei Firmen dieses Verbandes dem Gesamtvorstande de« Verbandes Thüringischer Industrieller angehören, so leidet es leinen Zweifel, daß auch dieser Anschluß perfekt wird. Eine weitere Scharfmachergründung.Verband der deutschen Werkzeug- Eisenwaren- und HauS- und Küchengeräte- Fabrikanten" ist am Freitag in Essen vom Verein der belgischen Fabrikanten in einer von 200 Fabrikanten besuchten Versammlung beschlossen worden. Sitz des Verbandes ist Remscheid. Als Hauptaufgabe bezeichnen die Satzungen insbesondere 1. Stellungnahme zu den Fragen der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ge- setzgebung(!) und Uebermittelung der hierauf bezüglichen Wünsche und Anträge seiner Mitglieder an die Behörden, Re- gierungen und gesetzgebenden Faktoren. 2. Wahrnehmung der Interessen seiner Mitglieder geaeniiber den Syndikaten und Ver- bänden der Rohstoffe und Halbfabrikate. 8. Pflege und Förderung des ersprießlichen Zusammenarbeitens von Fabrikanten und Händlern unter Sicherstellung und Vertretung der Interessen der Fabrikanten gegenüber den Händlerorganisationen. Der Guttemplerorde« als Streikvrccheragent. Die Cuxhavener Unternehmer sperrten bekanntlich die Maler aus. Es versteht sich von selbst, daß die organisierten Arbeiter aller Verbände ihren kämpfende» Brüdern Beistand zu leisten haben. „Der deutsche Guttempler", das Organ des Guttemplerordens, brachte aber in seiner Nr. 6 folgendes Inserat: Zirka 20—25 Malergehilfen fiir dauernde Arbeit bei 63 Pf. Stundenlohn für Nordseebad Cuxhaven gesucht. Nur Guttempler(nicht organisiert) wollen sich melden bei H. Strobel, Malermeister, Cuxhaven, Mitglied der Loge.Friedenshafen" Nr. 423. So sieht also die Neutralität des Guttemplerordens in Wirklich- keit aus._ Der Bauarbeiterstrcik im Bantzcner Lohngebict ist beendet. Der abgeschlossene Tarifvertrag, der außer Bautzen für S e i d a, Schmola, Strehla, Nadelwitz, Preuschlvitz. Natt« w i tz und Auritz Geltung hat, soll bis zu», 1. April 1913 dauern. Hauptpunkte des Vertrages: zehnstündige Arbeitszeit, Stundenlohn für Mauer und Zimmergesellen sowie für Ziegel- und Mörtelträger 45 Pf. i für Bauhilfsarbeiter 37 Ps.. Akkordarbeit ist zulässig. Für die Orte Doberschau und Stiebitz gelten die Vertrags- bestimmungen mit der Maßgabe, daß dort der Lohn der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter 3 Pf. niedriger ist. Berechtigte Kritik ist straffrei! „Arbeiter, kommt in die Versammlung, um über die ticftraurigen Zustände unterrichtet zu werden." Dieser Satz lag einer Belcidiguugs- klage zugrunde, die eine Schneidcrfirma in Memmingen gegen den dortigen Genossen Nenner als Unterzeichner eines Versammlungs- inseratS angestrengt hatte, weil die Firma der Ansicht war, daß es bei ihr tieftraurige Zustände nicht gäbe. Vor dem dortigen Schöffengericht wurde der Beweis erbracht, daß die Arbeiter bei einem Durchschnittsverdienst von 2,53 M. pro Tag auch noch die Furnituren liefern müssen. Daraufhin erkannte das Gericht auf Freisprechung mit der Begründuiig. daß ein Tagelohn von 2,53 M. bei Lieferungen der Furnituren durch den Arbeiter talsächlich zur Kritik herausfordere; außerdem komme dem Beklagten, Gewerkschaftsführer Renner, auch noch der Schutz des Z 193 Strafgesetzbuchs(Wahrung berechtigter Interessen) zu gute. Der Konflikt der Buchdrucker im Betriebs der Großbuchdruckerei F. W. Vossen Söhne in Wald bei Solingen ist in einer in Elberfeld stattgehabten Sitzung des TarisschiedSgerichts der Buch- drucker zugunstcu der Gehilfen beigelegt worden. Sämlliche Kündi- gungen sind zurückgenommen worden. Lohnkürzungen, welche für die über Tarif entlohnten Gehilfen vorgesehen waren, finden nicht statt. In der Srlnhofer Lithographiesteiiiindustrio droht ein Lohnkampf auszubrechen. Der Lithographiesteinindustriellen-Verband kündigte den Arbeitern den am 1. Juli abgelaufenen Tarif unter gleich- zeitiger Vorlegung eines neuen, welcher erhebliche Lohnredullioneu aufweist. Bstisland. Die gewerkschaftlichen Kämpfe in Schweden. Der allgemeinen Aussperrung im Baugewerbe Schwedens ist in der Woche vor Pfingsten vorgebeugt worden. Unter Mit- Wirkung des Schlichlnngsbeamten haben die Parteien sich endlich doch noch über eine Reichslarifgemeinschast geeinigt. Das Unternehmer- tum hat in den wichtigsten Punllen, u. a. hinsichtlich der für ein- zelne Städte gcplaiiken Verlängerung der Arbeitszeit, nachgebe» ntüssen. Allgemein ist für das Baugewerbe Schwedens der gl/z-Stunden- tag festgesetzt, wo jedoch kürzere Arbeitszeit schon eingeführt ist, bleibt diese bestehen. In der Bau Materialindustrie Schweden? dauert die von den Unternehmern veranstaltete Aussperrung noch fort. Sie er- streckt sich auf 4333 Arbeiter. Die Arbcitgebervereinigung plant, um diesen Kampf zu Ende zu führen, Massenaussperruugen in anderen Industriezweigen. Im Maßschneidergewerbe ist es kurz vor der be- schlosscnen Geueralaussperrung zu einer Einigung für die drei Städte gekommen, wo die Schneider ausgesperrt waren oder streikten. Diese Kämpfe sind zugunsten der Arbeiler beendet. Unter anderem mußten die Arbeitgeber sich zur Errichtung von Betriebsloerkstätten ver- pflichten. In der K o n f e k t i o n s s ch n e i d e r e i hat das Unternehmer- tum eine allgemeine Aussperrung veranstaltet, die sich auf die großen Konfektionsgeschäfte in Stockholm und mehreren anderen Städte» Schwedens erstreckt._ Der Einigungskongreß der sranzösischen Metallarbeiter hat während der Pfingstfeiertage in Paris stattgefunden. Auf dem letzten Metallarbcitcrkongreß zu Marseille war beschlossen worden, daß die drei in Frankreich bestehenden Berufsverbände der Metallindustrie zwecks Verschmelzung miteinander in Unter- Handlungen treten sollen. Diesem Beschluß ist der Verband der Metallarbeiter und der Verband der Former nachgekommen, während der Verband der Mechaniker durch Urabstimmung beschlossen hat, am Kongreß nicht teilzunehmen und den Verband aufrechtzuerhallen. Sechs Ortsgruppen der Mechaniker, darunter die Pariser, waren dennoch durch Delegierte vertreten. Insgesamt sind 113 Delegierte anwesend. Von den drei Verbänden ist der der Metallarbeiter der größte, er umfaßt 13 775 Mitglieder. In den letzten zwei Jahren ist die Zu- nähme nur eine sehr geringe gewesen. Die Metallarbeiter wie die Former haben in ihren Verbänden schon mehrere UnterstützungS- zweige eingeführt; so die Streikunterstützung, Reiseunterstützung usw. Die Metallarbeiter führen 33 Proz., die Former 43 Proz., die Mechaniker aber 73 Proz. pro Monat an ihre Zentral- lasse ab. Die letzteren zahlen deswegen auch etwas höhere Unterstützung und dieser Umstand dürfte wohl hauptsächlich dazu beitragen, daß sie in ihrer Mehrheit vorläufig den Beitritt zum Jndustrieverband abgelehnt haben. Der Kongreß verlief äußerst ruhig, schon nach kurzer Diskussion wurde mit 175 gegen 2 Stimmen und einer Stimmenthaltung die Verschmelzung »m Prinzip beschlossen. Die neue Organisation erhält den Namen „Bund der Metallarbeiter und Berufsgenossen". Ausdrücklich wurde betont, daß der neue Verband auf dem Boden des sozialistischen Ideals stehe. Die Besitzergreifung der Gesamtproduktionsmittel durch die Arbeiterklasse, die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft, an deren Stelle eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu treten hat, wurde ausdrücklich als Endziel bezeichnet. Die verschiedenen Unter- stützungszweige sollen ausgebaut werden, die Arbeitslosenversicherung wird fakultativ eingeführt. Es werden vier festangestellte Sekretäre gewählt, darunter Merxheim und Gallantus von den Metallarbeitern, Lenoar von den Formern, während die sechs Ortsgruppen der Mechaniker, welche zum Verband übertreten, den vierten aus ihrer Mitte zu wählen haben._ Infolge eines BäckerausstandeS war Turin in den Feiertagen ohne Brot. Die Militärbehörden hatten öffentliche Verkaufsstellen und Feldbäckereien eingerichtet und ließen auch aus den umliegenden Ortschaften Brot nach Turin schaffen. Jungtllrkische Sozialpolitik. Daß die Jungtürken nur der os- manische Aufguß des inten, ationalen BourgeoiS-.LiberaliSmus" find, beweist die Auflösung der Lastträger-Korporationen in Konstantinopel, welche die türkische Regierung Mitte Mai, gestützt auf die be- sonderen Vollmachten und Machtmittel des Belagerungszustandes, verfügt hak. Diese Korporationen— eine Art von Innung— hakten, wie bürgerliche Blätter melden, durch strengen� Zusammenhalt und auch durch gelegentliche Gewalttätigkeiten gewissermaßen eine selbst- herrliche Stellung im Konstantinopeler Geschäftsleben zu erringen gewußt, die auch der frühere Absolutismus unangetastet ließ. In Zukunft steht es jedermann frei, als Lastlräger Lasten in Konstantinopel zu befördern oder durch beliebige andere Personen befördern zu lassen. Man wird Wohl nicht kehl- gehen, wenn man die Auflösung auch und vor allem auf Wirtschaft- liche Momente zurückführt. Die Lastträger, welche beim nationalen Boykott österreichischer Waren eine wichtige Rolle spielten, mochten wegen ihres dadurch gehobenen Selbstgefühls lästig geworden fein. Uebrigens wurde schon am 6. Oktober 1933 ein Gesetz erlassen, welches den Zweck hat, Streiks bei Gesellschaften, die Arbeiten für den Staat übernehmen, zn verhindern. Wie man sieht: in einem Punkte hat sich die Türkei rasch modernisiert, und die Jungtürken wissen, was sie ihren europäischen Lehrern schuldig sind. jfZus Induftrie und Handel Preissteigerung im Mai. Nach den Zusammenstellungen der.Statistischen Korrespondenz" über Lebensmittelpreise ergeben sich nach den Marktberichten für die erste Hälfte Mai gegenüber dem Vormonat im Kleinhandel wiederum verschiedene Preiserhöhungen. Die folgende Aufstellung gewährt einen Ueberblick. Es kostete 1 Kilogramm Pfennig: 1 im Mai STüril Mai Steigerung+ April Ma, Abnahme— Rindfleisch... 153 154+ 1 Kalbfleisch... 171 176+ 5 Hammelfleisch.. 163 163— Schweinefleisch. 154 155+ 1 Rotzfleisch... 73 74+1 Schweinespeck.. 179 177— 2 Schweineschinkcn. 255 256+ 1 Immer schärfer wird die agrarische Steuerschraube angezogen, und immer noch segelt ein großer Teil der Arbeiterschaft im Fahr- Wasser der bürgerlichen Parteien, die für die Verteusrungspolttik verantwortlich sind._ Das Kohlensyudikat. Nach dem jetzt zur Veröffentlichung gelangenden Jahresbericht des Nheinisch-Westfälifchen Kohlensyndikals ist der Kohlenversand für Rechnung des Syndikats im Jahre 1938 gegenüber dem Vorjahre um zirla 1,8 Millionen Tonnen gesttegen. Der Mehrversand erklärt sich aus zwei Gründen: die Zahl der fördernden Zechen war eine größere als im Vorjahre und die Beteiligungsziffer verschiedener SyndikatSmitglieder wies eine Erhöhung auf. Dann aber hat daS Syndikat auch seine Läger in, abgelaufenen Jahre wieder angefüllt und der Versand nach den rheinischen Stapelplätzen zum Beispiel wird als Versand gebucht, obwohl eS kein wirklicher ist. Der Koksversand war im abgelaufenen Jahre geringer als im Jahre 1937 und zwar um 3 155 333 Tonnen. Be« rechnet man, daß auch ein großer Teil der Koksprodukticm de» Zechen nur abgenommen worden ist, um auf die SyndikatSläger gestürzt zu werden, so stellt sich der Minderversand noch erheblich höher als die obige Zahl angibt. Lebhast beklagt fich die Verwal- tung des Kohlensyndikats über die Konkurrenz der englischen Kohle, insbesondere sei der Verbrauch britischer Steinkohle bei Eisenbahnen unverhältnismäßig gestiegen, lieber die Gründe dafür ist stch die Syndikatsleitung doch hoffentlich nicht im unklaren. Sie liegen in den Preisunterschieden und es ist zu begrüßen, wenn die beut- scheu Eisenbahnverwaltungen von den billigere», englischen Offerten Gebrauch machen, um den Druck des Kohlensyndikates auf die hei- mische Industrie abzuschwächen. Vermehrung des HäudlertumS. Nach den im„Reichsarbeitsblatt" veröffentlichten Angaben Wer die Resultate der Gewcrbezählung vom Jahre 1937 hat sich die Zahl der Betriebe im Handelsgewerbe von 1895 bis 1937 von 777 495 auf 1 383 298 vermehrt. Das ist eine Zunahme von 43 Proz. Nur eine Gewerbegruppe hat eine stärkere Zunahme zu verzeichnen, das ist das Versicherungsgewerbe, das um 239,1 Proz. gewachsen ist. Diese starke Vermehrung beim Versicherungsgewerbe ist jedoch zurückzuführen auf die kleine absolute Zahl, die diese Gewerbe- gruppe repräsentiert. Dieser Vermehrung der Handelsbetriebe von 43 Proz. steht eine Vermehrung der Gesamtzahl der Betriebe von 3 553 383 auf 4 325 591 oder um nur 13 Proz. gegenüber. Der Bevölkerungszuwachs stellt sich auf nur 19,22 Proz. Es gehörten dem Handclsgewerbe im Jahre 1937 53 449, im Jahre 1895 19 233 Personen an. Alle übrigen Gewerbcgruppen, auch die in der Industrie, weisen eine geringere Vermehrung auf als wie daS Handelsgewerbe. Von den angeführten Betrieben im Handels- gewerbe sind 842143 Hauptbetriebe, ihre Zunahme Belauft sich auf 32,6 Proz. gegen 43,3 Proz. in der vorhergegangenen Zählperiode. Be- schästigt werden im Handclsgewerbe 2 363 634 Personen, davon 1 271 779 männliche und 791 855 weibliche. Von hundert Personen, die im Handelsgewerbe beschäftigt sind, sind 34,4 Proz. weibliche. Die Zunahme der gewerbstätigen Personen im Handelsgewerbe betrug 54,8 Proz., die Zunahme der männlichen Personen 36,5 Proz., die der weiblichen 97,6 Proz. Diese Zahlen bestätigen, daß trotz der Konsumvereine und Warenhäuser, trotz der großkapitalistischen EntWickelung im Handels- gewerbe die Zahl der Betriebe sich erheblich vermehrt hat. Von einer Verdrängung der Kleinhändler durch Konsumvereine und Warenhäuser kann also nicht die Rede sein. Es ist vielmehr eine volkswirtschaftlich sehr ungünstig zu beurteilende, das Matz de? Er- forderlichen bei weitem übersteigende Vermehrung des Händlertum? festzustellen. Man kam, heute noch mit größeren, Recht von der „Violzuvielen" im Handclsgewerbe sprechen als früher. Und di» kolossale Zersplitterung in der Güterverteilung bedingt eine Unstimm« von sachlichen und persönlichen Kosten, die volkswirtschaftlich viel nützlicher verwendet werden könnte. Letzte jVacbnchten und Dcpcfcbcn« Generalstreik. Philadelphia, I.Juni.(B.H.) Der Zentralarbeiterbund beschloß den Generalstreik für Donnerstag, fofern der Straßenbahnerstreik dann vorüber sein sollte._ Zwei Bergleute verschüttet. Langendreer, 1. Juni.(B. H.) Auf Zeche Bruchstraße wurden zwei Bergleute durch Steinfall aus dem Hangenden verschüttet und getötet._ Schweres Automobil,,»glück. Bozen, 1. Juni.(B. H.) Ein Mailänder Automobil ist auf der Stilfserjoch-Straße umgestürzt. Zwei der Insassen wurden getötet, die übrigen schwer verletzt.; Gekentertcs Segelboot. Prag, f. Juni.'(S8. H.) In der Nähe des Ausflugsortes Brcnck an der Moldau geriet ein mit drei Personen besetztes Segelboot in die durch einen Personendampfer verursachten Wellen und schlug um. Zwei der Insassen, ein Herr und eine Dame» er» tranken, nur eine Dame konnte gerettet werden. Mdalteur: ßaut Web«, Berlin. Inseratenteil verantv»! Uh, Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstatt Kaul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Untcrhaltungsbk» Nr. 125. 26. Jahrgang. 1. Knlme Ks Jonräts" f nlinet llollislilnlt. Mmch, 2.|««i 1909. 20. Internationaler Bergarbeiter- Kongreß. ---- Berlin. 31. Mai 1909. Im großen Saale des Berliner Gewerkschaftshauses wurde Beute der 2 0. Internationale Bergarbeiterkongretz eröffnet. Es sind Delegationen aus Deutschland, England, Frank- reich, Oesterreich und Belgien anwesend. Amerika ist diesmal nicht vertreten. Die deutsche Delegation, die sich aus 44 Personen zusammengesetzt, besteht aus 37 Mitgliedern des alten Verbandes, 7 Mitgliedern der Polnischen Berufsvereinigung und 1 Mitglied des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins. Noch stärker als Deutsch- land ist England vertreten. Es hat nicht weniger als 60 Ab- gesandte geschickt. Die Tagesordnung des diesjährigen Kon- gresses wird mit Rücksicht aus das Radbod-Unglück vollständig be- herrscht von den beiden ersten Punkten: Größere Sicher- heit in den Gruben" und„Arbeiterkontrolleur e". Im Auftrage der Berliner Gewerkschaftskommission begrüßte Ritter, im Namen der Generalkommission Sassenbach den Kongreß. In ihren Ansprachen priesen sie vor allem die Friedens- liebe der Arbeiter aller Länder. Sodann ergriff das englische Parlamentsmitglied Mr. Edwards, der Vorsitzende der Internationalen Bergarbeiter- Föderation, das Wort und zog eine Parallele zwischen dem dies- jährigen Internationalen Bergarbeiterkongretz und dem Kongreß, der vor 1b Jahren gleichfalls in Berlin getagt hatte. Mancher alter Knappe ist inzwischen dahingegangen. Aber der Geist der Alten ist auf die Jungen übergegangen.(Großer Beifall.) Im Herzen des internationalen Proletariats besteht nur der eine Wunsch: der Wunsch nach Frieden.(Demonstrativer Beifall.) Wenn unsere internationalen Kongresse nur diesen Wunsch zum Ausdruck bringen, dann haben sie schon einen guten Zweck er- reicht. Möge bald der Tag kommen, an dem wir unsere Ideale verwirklicht sehen.(Lebhafter Beifall.) Deputierter Gonniaux- Frankreich: Unsere internationalen Kongresse haben nicht nur den Zweck, berufliche Fragen zu lösen, sondern sie sollen auch die Bergarbeiter der verschiedenen Länder einander näher führen. Die Schlichtung des Casablanca-Zwistes durch einen Schiedsspruch ist ein großer Fortschritt. Möge so fortgefahren werden, dann werden wir bald dazu übergehen können, die so drückend auf den Völkern lastenden Rüstungen ab- zuschasfen.(Stürmischer Beifall.) Marville-Bclgien: Wir Belgier haben von den Deutschen gelernt, uns politisch zu organisieren, und von den Engländern die Gewerkschaftsidee. So haben wir in Belgien, dem Himmel der Kapitalisten und der Hölle der Arbeiter, schon viel erreicht. ((Großer Beifall.) Sachse: Vor 15 Jahren waren hier auf dem Jnter- nationalen Kongreß 20 000 deutsche Bergarbeiter vertreten. Heute sind erschienen 151 000.(Beifall.) Wenn wir auch noch keine unüberwindliche Macht sind, ein gewaltiger Fortschritt ist doch gemacht worden. In der Radbodgrube liegen noch die Leichen von 300 braven tapferen Knappen. Dieses Massenunglück hat die Bergarbeiter der gesamten Welt in Erregung versetzt. Die Christ- lichen sind diesem Kongreß ferngeblieben. Uns wird das nicht schaden, höchstens denen, die sich gegen einen internationalen Zu- sammenschluß wenden. Wer es ehrlich mit den Bergarbeitern meint, mutz auf internationalem Wege vorgehen.(Stürmischer Beifall.) Die organisierten Bergarbeiter Deutschlands sind nicht nur für den Weltfrieden, sonder» auch für die Abrüstung.(Bei- fall.) Aus diesem Grunde begrüßen wir die Beilegung des Casablanca-Zwischenfalles ohne Schwertstreich.(Lebhafter Beifall.) Auch I a r o l i n. Oesterreich versicherte die Friedensliebe seiner Landsleute und nahm Bezug auf den österreichisch-serbischen Konflikt, für den 500 Millionen Kronen verpulvert worden seien. Nachdem sich der Kongreß konstituiert hatte, vertagte er sich auf Dienstag. Berlin, 1. Juni. Der 20. Internationale Bergarbeiterkongreß trat heute in seine sachlichen Beratungen ein. Der Vorsitz lag heute in den Händen Deutschlands und wurde vom Reichstagsabgeordneten Sachse ausgeübt. Es wurde zunächst verhandelt der Punkt: Größere Sicherheit in den Gruben. Hierzu lag von der Föderation Großbritanniens folgender An- trag vor: .Dieser internationale Kongreß beklagt den sehr großen Ver- lust an Menschenleben, der beständig in den Bergwerken jedes Landes vorkommt, und fordert alle europäischen Regierungen auf, das Einbringen von Gesetzen zu beschleunigen, durch die solch schrecklichen Unfällen, wie sie in den letzten 12 Monaten in Groß- britannien und auf dem europäischen und amerikanischen Fest- lande vorgekommen sind, entgegengewirkt werden kann." kleines feuilleton. Die Anbetung der Bäume und der Gewässer. In„�rs et Labor" Wirft Alfreds Niceforo die Frage auf, ob heute noch Bäume und Gewässer angebetet und verehrt werden. Die Frage muß bejaht werden. Der Kult der Bäume und der Gewässer ist im zwanzigsten Jahrhundert noch so verbreitet wie einst bei den Völkern der Urzeit. Der englische Naturforscher Sir John Lubbock erzählt in seinem Werke über den Urmenschen, daß es in Schott- land einen Eichenwald gab, der so heilig gehalten wurde, daß niemand auch nur einen einzigen Baumzweig abzuschneiden wagte. In Frankreich gibt es, wie wohl noch in jedem anderen Lande, Bäume, Gebüsche und Wälder, die wie Götter verehrt werden und denen das Volt als Opfergabe bunte Bänder und andere Gegen. stände darbringt. Der Wald hat in der Volkslegende und im Volksglauben noch dieselbe Physiognomie, die er in den Legenden und im Glauben der Alten hatte. Die Legenden und der Glaube der wilden Völkerschaften führen den Ursprung des Waldes auf Heilige, auf Geister und auf Feen zurück. Es gibt verzauberte, ver- fluchte und verhexte Wälder, Wälder, die von guten oder bösen Geistern, von Riesen und von Zwergen, von Ungeheuern und von wilden Tieren bewohnt werden. In der Phantasie des Volkes gelten die Wälder noch immer als Wohnsitze der Dryaden(Baum- gottheiten oder Waldnymphen). In Frankreich zeigt man in diesem oder jenem Walde ein Fleckchen, die von den„d a m e s v c r t e s", den die Wälder schützenden Waldfeen, bewohnt wird. Die Verehrung der Gewässer, die besonders unter den Rothäuten Amerikas(man weiß, daß die Indianer den Flüssen und den Seen ständig Opfer bringen» so sehr verbreitet ist, kommt in unseren Griten gleichfalls noch weit häufiger vor, als man glauben mag. In Schottland gibt es viele Quellen und Brunnen, die von den Bauern angebetet werden: das Volk bringt diesen Quellen Münzen, Bänder und Baumzweige als Opfer dar. In Irland ist die Zahl der heiligen Quellen gleichfalls sehr groß. Der Wassergeist nimmt verschiedene Gestalten an: er erscheint bald as Mann, bald als Frau, bald als Pferd oder als Stier. In der Bretagne werden Flüsse, Seen, Kanäle, Bäche, Quellen und Brunnen verehrt. Man bringt den Wassergeistern Opfer, indem man Holzstücke, Münzen, Blätter, Bänder, Nägel, Kerzen, Knöpfe und Nadeln in das Wasser wirft. Die„wundertätigen" Quellen der Neuzeit sind im Grunde nichts anderes als Ueberbleibscl der Quellenverehrung der Völker der Borzeit. Die Motive, die jene Völkerschaften veranlaßten, das Feuer, die Pflanze, den Baum anzubeten, sind nicht mehr überall vorhanden, der Quellenkult aber hat sich erhalten. Spencer stellt iv seinen Studien über die Sitten und die Gebräuche der wilden Diesen Antrag begründete S m i e l l h(England). Er führte aus, daß das ursprüngliche Ziel der Gewerkschaften gewesen sei, die Löhne der Arbeiter zu erhöhen. Damit verbunden aber sei von Anfang an gewesen das Ziel, die Gesundheit und das Leben der Arbeiter zu schützen. Dies sei besonders notwendig in einer Industrie, wie es die Bergwerksrndustrie ist. Nun seien schon seit 50 Jahren in den verschiedenen Ländern Gesetze geschaffen worden, die den Arbeiterschutz in den Bergwerken im Auge haben. Trotz dieser Gesetzgebung aber hat sich die Zahl der tödlichen Unfälle im Bergbau ständig erhöht. Unter einem weitgehenden Bergarbeiter- schütz ist die Zahl der getöteten Bergleute in Großbritannien allein im letzten Jahre(1908) um 61 Mann gestiegen. Es sind im Jahre 1908 im ganzen in englischen Bergwerken 1306 Mann getötet worden.(Hört! hört!) Wenn wir nach den anderen Ländern blicken, so ist es nicht viel anders.— Es ist gestern soviel vom Frieden gesprochen toorden. Einer der Gründe, aus denen wir Arbeiter gegen den Krieg sind, ist der, daß unsere Söhne ihr Leben und ihre Gesundheit auf den Schlachtfeldern lassen müssen.(Sehr richtig!) Wenn wir uns nun die Unfälle im Bergbau vor Augen führen und damit vergleichen die Zahl der getöteten Krieger auf den Schlachtfeldern, so kommen wir zum Ergebnis, daß kein großer Unterschied da ist. lLebhafte Zustimmung.) In den Bergwerken werden ebenso viel Personen getötet als auf den Schlachtfeldern. (Erneute Zustimmung.) Man wendet uns ein, ein besserer Ar- beiterschutz würde den Profit beeinträchtigen. Das mag sein; aber wir fordern gerade deshalb die Verstaatlichung der Bergwerke. Die Voraussetzung dafür ist, daß in den Parlamenten die Arbeiterklasse richtig vertreten ist.(Sehr richtig!) Für Kriegszwecke ist immer Geld da; wenn es sich aber darum handelt, Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen, dann verweigern die Regierungen die Mittel. Wir müssen deshalb international gegen alle Regierungen vorgehen. Man hat sogar gesagt, die Frauen- und Kinderarbeit sei im Bergbau nicht zu vermeiden, denn viele Bergwerksbctriebe würden ohne sie überhaupt nicht existieren können.(Lachen.) Mit so verrosteten Argumenten kämpft man gegen uns. Gewiß, das Grubenunglück auf Radbod hat große Erregung in der ganzen Welt hervorgerufen. Aber gerade die kleinen Unfälle, bei denen ein Mann getötet oder verwundet wird, die nicht die Sympathie des großen Publikums auf sich ziehen, sind es, die zur hohen Unfall- ziffer im Bergbau beitragen. Nehmen Sie.unsere Resolution ein- stimmig an.(Lebhafter Beifall.) Reichstagsabgeordneter H u e: Ich möchte an die englische Dele- gation die Frage richten, wie die Arbeiterkontrolleure in England gewirkt haben. Man hat uns im preußischen Landtag entgegen- gehalten, daß in England, wo es Arbeiterkontrolleure gebe, es dennoch zu Unfällen im Bergbau kommt. Brace(England). Mitglied des Unterhauses: Es ist richtig, daß wir in England Arbeiterkontrolleure haben. Aber wir sind mit ihnen durchaus nicht zufrieden. Sie haben noch lange nicht die Funktionen, die wir verlangen. Schon seit längerer Zeit bringen wir deshalb im Parlament regelmäßig eine Bill ein, die ständige Arbeiterkontrolleure verlangt. Wir verlangen in dieser Bill, daß für je 10 000 Mann ein Arbeiterkontrolleur ge- wählt werde. Da wir in England ungefähr eine Million Berg- arbeiter haben, so müßten ungefähr 100 Arbeiterkontrolleure ge- wählt werden. Die Kosten dafür würden rund 20 000 Pfund aus- machen. Das ist eine lächerliche Summe, wenn wir sie vergleichen mit den Kosten, die für die Zerstörung des menschlichen Leibes verwendet werden.(Stürmischer demonstrativer Beifall.) Bei jeder neuen Erfindung fragt man sich: Wie kann man sie zur Zerstörung anwenden? Ich erinnere nur an den Grafen Zeppelin, dessen Genie jetzt wieder Triumphe gefeiert hat. Aber sogleich nach seiner Erfindung tauchte die Frage auf: Wie können wir das lenkbare Luftschiff benutzen, um menschliche Leben zu zerstören? (Sehr richtig!) Würde man nur einen Teil der Energie, die man dafür verwendet, zu zerstören, dafür verwenden, Menschenleben zu erhalten, es wäre tausendmal besser auf der Welt!(Stürmt- scher demonstrativer Beifall.) Die Bergarbeiter haben eine große politische Macht. Mögen sie sie benutzen zum Schutze von Leben und Gesundheit ihrer Kameraden! B a l l a s(Belgien) begründet einen gleichfalls zu diesem Punkt von Belgien gestellten Antrag: „Die beträchtliche Zahl der Katastrophen jeder Art, wie auch die zahlreichen in Bergwerken vorkommenden Unfälle, die den Tod des Bergarbeiters verursachen oder ihn auf Lebenszeit arbeitsunfähig machen, beweisen das Bestehen einer dringenden Notwendigkeit, wirksamere Mittel zur Verhütung solcher Unfälle anzuwenden. Deshalb fordert der Kongreß, daß die Gesetze und Verordnungen in allen Ländern verschärft werden, so daß die Arbeitgeber gezwungen werden. Maßregeln zum größeren Schutze des Lebens und der Gesundheit aller in Bergwerken beschäftigten Personen zu treffen." Er verwies darauf, daß auch in Belgien die Zahl der Unfälle im Bergbau sich ständig vermehrt hat, und suchte das an der Hand eines reichhaltigen Zahlenmaterials eingehend nacyzuweisen. Völkerschaften Amerikas, Afrikas und Australiens die Behauptung auf, daß die Verehrung für die Gewässer und die Bäume mit dem Ahnenkult der wilden Völkerschaften zusammenhänge. Die Wilden glauben nämlich, daß sie von einem Tier, von einer Pflanze, von einem Flusse oder vom Meere abstammen. In Australien setzen einige Stämme ihre Toten noch heute in Boote und geben sie dem Meere preis, auf daß es sie zu den Ahnen trage. Die Stauunes- Häuptlinge nannten sich nach einem Tiere oder nach einer Pflanze. Der Name wurde dann mit dem Gegenstande selbst verwechselt, und die Folge war, daß die Menschen ihren Ursprung von Tieren oder Pflanzen herleiteten. Spuren der Ouellenverehrung findet man übrigens noch in poetischen Märchen und Fabeln, in denen Jung- brunncn, Schönheitswasser und verzauberte Quellen eine Rolle spielen. Gesundheit und Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung WienS. Das österreichische Gesundheitsamt hat bei Zusammenstellung derKrankheitS- und Sterblichkeitsstatistiken der bedeutenden, 120 000 Köpfe zählenden jüdischen Bevölkerung Wiens besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Die Verhältnisse begünstigen die Aufstellung genauer statistischer Daten, so- weit eigene Krankenhäuser und Begräbnisstätten vorhanden sind und nicht selten auch die Wahl der Aerzte aus religiösen Gesichtspunkten er- folgt. Das augenfälligste Ergebnis dieser Statistiken ist, daß der Gesund- heitSzustand der jüdischen Bevölkerung ein auffallend guter ist und den der übrigen Ortsbevölkerung bei weitem hinter sich läßt. Während beispielsweise bei dieser in Vereinigungen, die tausend Mitglieder zählen, jährlich etwa dreihundert Krankheitsfälle vorkommen, beträgt bei der jüdischen Bevölkerung die entsprechende Zahl nur 207. Ein noch besseres Vergleichsmaterial liefert die S terblichkeits-Statistik. Die Gesamtsterblichkeit der Stadt Wien hat sich in sechzehn Jahren von 21 vom Tausend auf 16,7 vom Tausend im Jahre 1908 verringert. Innerhalb der jüdischen Ge- meinde beträgt sie nur ungefähr 13 vom Tausend, und zwar nicht etwa seit heut und gestern, sondern schon seit zwei Jahrzehnten. Dabei ist wohl in Betracht zu ziehen, daß die religiösen Vor- schritten der Juden eine Anzahl gesundheitlicher Maßnahmen vor- schreiben, die außerhalb ihres Kreises erst durch die moderne Hygiene eingebürgert worden sind. Auch der Vergleich auf dem Gebiete der Kindersterblichkeit ist äußerst lehrreich. In Wien beträgt die Gesamt- sterblichkeit der Kinder unter einem Jahre 127 vom Tausend, in der jüdischen Gemeinde jedoch nur 83 vom Tausend. Die geringe Kinder- sterblichkeit ist bei der Beurteilung des oft großen Kinderreichtums der Juden von besonderer Bedeutung. Der relativen Nüchternheit der Männer ist hier u. a. ein erheblicher wohltätiger Einfluß zuzuschreiben. Da- gegen sind die Juden g e i st i g e n Erkrankungen verhältnismäßig leichter zugänglich. Während in der übrigen einheimische» Be- Fialonie-Belgien begründete zur Frage der Arbeiter» kontrolleure folgenden Antrag seiner Nation: „Um das Vorkommen der schrecklichen Bcrgwerkskatastrophcn zu verhindern und den Untertagsarbeitern einen vollständigen Schutz des Lebens und der Gesundheit zu sichern, ist die Einsetzung von Arbciterinspektoren dringend erforderlich. Die Bergarbeiter sollten diese Inspektoren selbst auf Grund des allgemeinen Wahl- rechts wählen, und der Staat sollte sie für ihre Dienste hinreichend entschädigen. Es sollte ihnen das volle Recht erteilt werden, die Gruben zu inspizieren, sie in Fällen von Gefahr zu schließen und offiziell gegen irgendeinen Arbeitgeber zu berichten, der die Vor- schriften oder irgendwelche von den Inspektoren oder Regierungs» ingenieuren zum Schutze der Gesundheit und zur Sicherheit der Arbeiter gegebenen Befehle übertritt." Zur Begründung verwies der Redner darauf, daß die belgischen Arbeiterkontrolleure nicht von den Bergleuten gewählt, sondern von den sogenannten Jndustrieräten vorgeschlagen werden. Diese Jndustrieräte bestehen aber zur Hälfte von Arbeitgebern und zur Hälfte aus Arbeitern, so daß niemals eine Majorität zustande kommt. Es werden regelmäßig die Kandidaten der Bergbcsitzer ge- wählt. Die preußische Regierung hat kürzlich, bevor sie im Abgeord- netenhause die letzte Berggesetznovelle einbrachte, über die Wirkung der belgischen Arbeiterinspektoren Erhebungen angestellt. Die Ar- beiter wurden aber dabei nur in Gegenwart der Grubenbcamten gehört.(Hört! hört!) Die Vergpolizei liegt meist in den Händen der Söhne der Bergherren, und daß die Söhne nichts gegen ihre Väter unternehmen werden, liegt doch auf der Hand.(Sehr richtig!) Deshalb verlangen wir unabhängige Kontrolleure. Es handelt sich hier nicht um eine Frage politischer oder religiöser Art, sondern um eine berechtigte Forderung zum Schutze des Lebens der Berg- arbeiter.(Lebhafter Beifall.) L L f f l e r- Deutschland vertrat zu derselben Frage folgenden deutschen Antrag: „Die große Katastrophe auf der Grube Radbod hat wieder bewiesen, daß die heutige Grubenkontrolle durchaus ungenügend ist. Der Kongreß ist deshalb der Ansicht, daß nur durch die An- stellung von praktisch tüchtig geschulten Arbeitern als Gruben- kontrolleure eine bessere Sicherheit für Leben und Gesundheit der Bergarbeiter erreicht werden kann. Nicht in der Einführung von „Sicherheitsmännern" erblickt der Kongreß eine wirksame Ne- form der Betriebskontrolle, sondern in der Anstellung von Ar» beiterkontrolleuren, die frei gewählt von den Belegschaften, völlig unabhängig von den Bergwerksunternehmcrn sind und aus Staatsmitteln besoldet werden. Die Arbeiterkontrolleure müssen das Recht haben, so oft sie wollen oder so oft die Arbeiter cS verlangen, die Betriebe zu inspizieren." Der Antragsteller bezeichnete es als eine moralische Pflicht aller Regierungen, das Leben und die Gesundheit der Bergarbeiter besser als bisher zu schützen. Aber in geradezu gröblicher Weise wird diese Pflicht ständig verletzt. Als die großen Bergwerks- katastwphen im Auslande eintraten, da erklärte die preußische Ne. gierung im Landtage, in Preußen seien derartige Massenunglücke unmöglich. Aber kaum war das Wort ausgesprochen, da geschahen die Katastrophen aus„Reden",„Klein-Rosseln",„Mathildenschacht" und„Radbod". Nach dem Unglück von„Reden" sagte der preußische Handelsminister, wenn die Arbeiter den Arbeitgebern Vertrauen entgegenbrächten, würde die Regierung Arbeiterkontrolleuren nichts in den Weg legen. Das Unglück auf„Radbod" aber war zu groß, die Wunden, die es geschlagen hatte, waren zu tief, als daß die Re. gicrung eine ähnliche Erklärung hätte abgeben können. Sie stellte vielmehr Arbeiterkontrolleure nunmehr in Aussicht. Leider gab sie diesen Kontrolleuren keine Befugnis. Die Sicherheitsmänner haben eine Gestalt bekommen, daß wir sagen müssen: für ein solches Kontrollsystem danken wir.(Lebhafter Beifall.) Wenn selbst in England die Arbeiterkontrollcure gcmaßregelt werden, um wieviel mehr wird das dann in Preußen geschehen. Wir verlangen Ar- bciterkontrolleure, die nicht auf Gnade und Ungnade den Zechen» Herren ausgeliefert sind.(Stürmischer Beifall.) R y m er- Polnische Berufsvereinigung: Uns Polen ist in Deutschland vor einem Jahr ein Gesetz beschert worden, das uns verbietet, uns in öffentlichen Versammlungen unserer Mutter- spräche zu bedienen.(Lebhaftes Hört! hört!) Nur auf intcr- nationalen Kongressen ist es uns noch gestattet, die polnische Sprache zu gebrauchen und von dieser Freiheit mache ich hiermit Gebrauch. (Stürmischer Beifall.) Auch wir verlangen eine reichsgesetzliche Regelung des Bergarbeiterschutzes, denn zum preußischen Landtag haben wir kein Vertrauen. Wie notwendig eine gute Kontrolle im Bergbau ist, beweist die Zunahme der Unfälle um das Doppelte. (Stürmisches Hört! hört!) Auf mehrere Anfragen aus der Mitte der französischen Delegierten, ob tatsächlich die Unfälle im Bergbau in Deutsch- land so erheblich zugenommen haben, erwiderte Sachse: Tatsächlich hat sich die Zahl der Unsälle verdoppelt. Hinzufügen mutz ich jedoch, daß die Zahl der Unfälle, an denen die Arbeiter die Schuld tragen sollen, um 10 Proz. zurückgegangen sind, während die völkerung die Zahl der Geisteskrankheiten von 16 vom Tausend im Jahre 1890 auf 48 vom Tausend im Jahre 1908 anwuchs, stieg sie innerhalb der jüdischen Bevölkerung in der gleichen Zeit von 16 vom Tausend auf 102 vom Tausend. In der LebendSdauer ist kein erheblicher Unterschied festzustellen. Allerdings ist die Zahl der Achtzigjährigen bei den Juden etwaS höher. DaS Verhältnis der Geschlechter ist ebenfalls nahezu daS gleiche, nur walten bei der jüdischen Bevölkerung die Knabengeburten etwaS vor. Ferner bleiben nur 8 Proz. der jüdischen Mädchen ledig gegen 12 Proz. der anderen. Humor und Satire. Der schwarz-grüne Block. Spritgesang und Kirchenlieder schallen fröhlich durch die Lande; endlich haben sie sich wieder, Pfaffenbrut und Junkerbande. Ans dem Herzen, aus dem vollen. bricht der Jubelüberschwang: gar zu drückend war da? Schmollen, fast dritthalbe Jahre lang. Und der Freisinn steht daneben lief betrübt und sieht und hört, wie sie ihre Tatzen heben und wie sich das Paar verschwört: „Keine Macht mehr soll uns hindert� ganz allein für uns zu stehn, ganz allein das Volk zu plündern und die Finsternis zu sä'n." Und der Junker sagt:„Auf Ehre!" Und der Pfaff:„Bei GotteS Wort I" Leise stiehlt sich eine Zähre aus des Nachbars Auge fort. _ Fra'nz. Notizen. — Die Wasserkräfte Ungarns sind der Gegenstand eingehender Untersuchungen der hydrographischen Abteilung des kgl. ungarischen AckerbanministerwmS gewesen. Danach ergab sich, daß die ungarischen Flüsse geeignet sind 1 700 000 Pferdekräsle herzugeben. Es wird ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Aus- beutung dieses Nationalschatzeö ermöglichen soll. Die ungarischen Staatsbahnen beabsichtigen elektrischen Betrieb einzuführen und wandeln vorerst die Strecke Fiume— Kanieral— Moravicza der Budapeft-Fiumarner Linie für elektrischen Betrieb um. Kahl bei Unfälle, die durch die Schuld der Ardeitgeber verursacht sind, um 10 Proz. gewachsen sind. Smiellh- England: Bei uns in England ist die Zahl der Unfälle seit dem Inkrafttreten des Entschädigungsgesetzes gleichfalls erheblich gestiegen. I a ro l i n-Oesterreich: Wir werden die Anträge von Eng- land, Belgien und Deutschland unterstützen. Wir Oesterreicher haben uns allmählich daran gewöhnt, dasi wir alljährlich ein Massen- Unglück bei uns haben. Es sollte aber nicht nur unser Bestreben sein, die Zahl der Todesfälle im Bergbau herabzudrücken, sondern �wir sollten auch die Krankenziffer zu ermäßigen suchen.(Lebhafte .Zustimmung.) Die Krankheitsziffer der Bergleute liegt weit über >dem Durchschnitt der anderen Arbeiterschaft. Wenn ein Unfall passiert, so gibt man immer dem Arbeiter die Schuld und nur selten wird der Arbeitgeber belastet. Dabei ist meist das Profit- Interesse der Arbeitgeber die Ursache von Katastrophen. Als das Geheimprotokoll in der..Bergarbeiter-Zeitung" veröffentlicht wurde, da habe ich einige Stellen aus diesen vertraulichen Verhandlungen zitiert. Unsere Arbeitgeber, die offenbar an die Echtheit des Protokolls nicht glaubten, haben daraufhin die preußischen Bergwerks- besitzer abgeschüttelt.(Lebhaftes Hört! hört!) Q u i e n t i n- Frankreich schilderte an Hand einer reichhaltigen Statistik die Zunahme der Unfälle im französischen Bergbau und trat für die vorliegenden Anträge ein. Bei der Abstimmung wurden alle vier Anträge einstimmig angenommen.(Lebhafter Beifall.) Sachse teilte sodann noch mit, daß auf dem Kongreß t3S De- legierte aus 5 Nationen anwesend sind. Sie vertreten rund 8B0 000 Bergleute. Insgesamt sind in diesen 5 Ländern rund 2 Millionen Bergleute vorhanden. Die weiteren Verhandlungen anlrden auf Mittwoch vertagt. Die 9.GtllttalotrsWi!llWg desDtMenMttaAarbttter- Verbandes trat am zweiten Pfingstiag im Gewerkschaftshause zu Hamburg zusammen. Neben wichtigen Fragen der gewerkschaftlichen OCaktik, die durch die Vorgänge in Stettin und Mannheim brennend geworden sind, steht die Frage der St a f fe l be i t r ä g e im Vordergrund der Erörterung. Die Statutenberatungskonv- Mission erledigte bereits in der vorigen Woche die umfangreichen Vorarbeiten, zu denen auch die Sichtung der vorliegenden 407 An- träge gehörte. Von besonderer Tragweit« sind diejenigen, welche eine Erweiterung des Bestimmungsrechts der an Streiks und Aus- sperrungen direkt beteiligten Mitglieder fordern, Die Entwickelung des Verbandes war innerhalb der verflossenen Geschäftsperiode in Anbetracht der schweren wirtschaftlichen Krise, von der in erster Linie die Metall- industrie betroffen wurde— im ersten Quartal 1909 waren durch- schnittlich 10 Proz. der Mitglieder arbeitslos und hatten keinerlei Lohneinkommen eine befriedigende. Die Mitgliederzahl stieg von 335 075 auf 362 073; der kleine Rückgang, den 1908 brachte, ist bereits wieder wettgemacht. Die nach wie vor sehr starke Fluktuation hält der Vorstand für„eine vorläufig unvermeidliche. Erscheinung." Enorme Summen wurden für UnterstützungSzwecke verausgabt.— 1907: 3 917 355,12 Mk.. 1908: 7 126 544,15 Mk., Die Zahl der Unterstützungsempfänger betrug 1907: 134 503, 1908: 193 255, die Unterstützung pro Kopf der Empfänger 1907: 20,02 Mk., 1008: 36,87. Für die Weiterführung der Erwerbslosenunterstützung hält der Borstand, da vom Grundfonds und den inzwischen er- zielten Einahmen nur noch 414 757 Mk. übrig sind, eine Beitrags- erhöhung für unumgänglich. Für Rechtsschutz wurden 131764,31 Mark verausgabt. Auch für Kampfzwecke mußten große Auf- Wendungen gemacht werden.— 1907: 2 283 304 Mk., 1908: 1 030 172 Mark. Das Vermögen des Verbandes belief sich 1907 auf 5 606 906,36 Mk., 1903 auf 5 883291,39 Mk. Tarifverträge be- standen 1907: 393 für 100 693 Personen in 11443 Betrieben, 1908: 375 für 91 570 Personen in 11 169 Betrieben. Das Verbands- organ, das im 2S. Jahre erscheint« hatte 1907: 8S0100, 1903: L33 700 Auflage. Die Verhandlungen begannen mit der üblichen Begrüßung. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommissian sind 181 Delegierte, vier Mitglieder des Hauptvorstandes, ein Vertreter des Ausschusses, zwei Redakiionsmiiglieder des VerbandSorganS, fünf- zehn Bezirksleiter und Mitglieder der Staffelbeitragskommission anwesend. Die G cneralkommi ssion vertritt A. C o h e n- Berlin. Als Gäste sind erschienen: Exner und Domes vom Ver- band der Metallarbeiter Oesterreichs, I. Steininger- Zürich chom Schweizerischen Metallarbeiterverband, I. A. Hansen vom «DanSk Smede- og Maskinarbejder-Forbund. A r m st a d t vom Nordk J«rn- og Metallarbeider-Forbund, A. Jantzen vom Allge- meene Nederlandsche Metaalbetverkerbond. Arthur Pugh vom Steel SmelterS Mill und Timplate Workers- Association, S ch e f fe l- Berlin vom Heizer- und Maschinisten- Verband und L a n g e- Hamburg vom Schmiedeverband. Die Zulassung eines neben den Delegierten von Mannheim von den Strebelwerk-Arbeitern entsandten Vertreter? wurde als ftatntwidrig abgelehnt; zur Begründung führte ein Mannheimer Delegierter u. a. aus:„Die Arbeiter des Strebelwerks hätten sich nach Aufhebung des Streiks nicht ganz einlvandfrei benommen." Beschlossen ward, die Maifeier als besonderen Punkt zu behandeln. Die hierzu vorliegenden Anträge wurden einer Kommission überwiesen, bestehend aus: S e v e r i n g- Bielefeld, S t u b e r- Eßlingen, Hunger- Stettin, S t u p p- Aachen, Seil- r i ch- Berlin. Z w o st a- Nürnberg und Bernier» Quedlinburg. Schlicke verweist in seinem eingehenden Rechenschaftsbericht (auf den gedruckt borliegenden Bericht und teilt mit, daß der Auftrag der vorigen Generalversammlung auf statistische Erhebungen in An- betracht der Krise nicht hätte durchgeführt werden können, weil hierdurch ein falsches Bild gewonnen worden wäre. Zu solchen Erhebungen bedarf es dazu der tatkräftigen Unterstützung seitens �>er Ortsverwaltungen und der Kollegen. Der Einwand, die Mit- glieder der Ortsverwaltungen seien mit Arbeiten überhäuft, trifft wohl zu. aber es gebe Filialen, die mit den 20 Proz. mehr tun könnten, als bisher. Es liegen vier Anträge vor, die weitere "statistische Erhobungen verlangen. Unter den geschilderten Vor« aussetzungen werde der Vorstand die Sache nicht aus den Augen lassen. Bei den Auszahlungen der Unterstützungen müßten unter allen Umstünden die statutarischen Bestimmungen berücksichtigt werden, so hinsichlich der Stundung der Beiträge, der Inno- �Haltung der Karenzzeit usw. Wenn in der Berichtszeit die Fluk- �tuation unter den Mitgliedern nicht die gleiche gewesen sei, wie vordem, so liege das an der geringeren Zahl der Eintritte. Da die Belastung des Verbandes zweifellos, wie das auch in den Zahlen zum Ausdruck komme, eine große sei, so werde man in Zukunft eine„Finanzreform" vornehmen müssen. Seit Schluß des Jahres 1907 konnte in bezug aus Verbesserung der Lage der Metallarbeiter nicht viel geschehen.„Wir haben an uns halten müssen, konnten nicht alles verwirklichen, was wir erstreben." Bei den Wahlen zur Generalversammlung seien oft die N�men„Stettin" und„Mann- heim"— gewissermaßen als Schlagworte— genannt worden. Stettin habe sich zunächst in der Abwehr befunden; als die Abwehr gelang, glaubten die Kollegen Forderungen stellen zu sollen. Bei diesem Vorgehen habe man aber übersehen, daß dem Tarifverträge entgegenstanden. Die Stettiner Nieter seien jung in die Bewegung hineingekommen, es fehlte dort an der gewerkschaftlichen Schulung. Der Organisationsleitung in Stettin könne man einen Vorwurf nicht machen, sie habe sich die redlichste Mühe gegeben, um die Sache zu einem guten Abschluß bringen, aber sie sei tauben Ohren be. gegnet. Wir mußten verlangen, daß dem Statut Folge geleistet werde, sonst hätten wir uns einer Pflichtverletzung schuldig gemacht Durch schlechte Beispiele werden gute Sitten verdorben; auf Stettin tilgte Wönnhesm, Der Jtßjrnpftirout dürfe nicht im bis zur Beendigung eines Streiks anhalten, man müsse ihn auch noch später betätigen, wenn es gelte, die gewonnenen Positionen zu halten Den vielen Tarifbrüchen der Unternehmer müsse mit mehr Ent- schiedenheit entgegengetreten werden. Bevor man in einer Werkstätte anfange zu arbeiten, müsse man sich auch danach erkundigen, ob dort der Lohn gezahlt werde, sonst kommen wir überhaupt nicht weiter. Als die Unternehmer in Mannheim ihre Maßnahme rück- gängig machen wollten, sagten die Kollegen, die Unternehmer halten ihr Wort nicht. Das lvar eine beweislose Behauptung, die Kollegen hätten doch erst den Versuch machen müssen. Der Vorstand stand vor der Eventualität: Soll eine so große Aussperrung platzgreifen? Nach den Erfahrungen in der Metallindustrie lag es klar auf der Hand, daß die Unternehmer die Aussperrung durchführen würden. Die Unternehmertaktik ging dahin, Tausende aufs Straßenpflastcr zu werfen, nach Wochen oder Monaten die Werkstätten wieder zu öffnen, damit ein Wettlaufen zu denselben stattfinde. Das wäre ein großer Schaden für die Organisation geworden, den der Vor stand abwenden mußte. Ein Teil der Mannheimer Kollegen habe sich bei diesem Eingreifen beruhigt; man sagte aber, die Art und Weise des Eingreifens habe Empörung ausgelöst. Es ist auch die Preisfrage gestellt worden:„Ist der Verband berechtigt, die Ge- nehmigung zu einem Streik zu erteilen oder einen solchen aufzu- heben?" Dieses Recht steht uns ganz unzweifelhaft zu, denn das Statut ist dazu geschaffen, um beachtet zu werden. Als wir die Substantiierung der Vorwürfe seitens der Mannheimer Kollegen verlangten, wurde gesagt, das ginge den Vorstand nichts an. Zu solchen Ungerechtigkeiten solle man sich nicht versteigen. Es mußte gebremst werden, weil wir einen Ueberflutz an Heizern hatten. Redner behandelt ausführlich die bekannten Mannheimer Diffc renzpunkte und verweist auf die dortige„passive Resistenz" unter den Kollegen, die in der verminderten Zahl der geleisteten Beiträge zum Ausdruck komme. Bei all diesen Dingen müsse in Betracht ge- zogen werden, daß der Bezirk doch nur einen Teil des Gesamtver» bandes bilde, dessen Interessen höher ständen. Auch einige Redak- teure haben versucht, die Maßnahme des Vorstandes als mit den Prinzipien der Demokratie nicht im Einklackg stehend zu bezeichnen. Di« Mannheimer Vorgänge könnten als ein Ausfluß der Demo- kratie nicht gelten. Deren Prinzip verlange die Unterordnung im Interesse der Gesamtheit. Es ist nicht immer Demokratie, was als solche firmiert werde; oft arte sie in Demagogie aus. Der Vorstand einer Zentralorganisation müsse in solchen vitalsten Fragen das Entscheidungsrecht haben; es liege daher kein Anlaß vor, die einschlägigen Bestimmungen des Statuts zu ändern.— Man stehe ernsten Zeiten gegenüber, wo die Arbeiter etwas für s i ch erringen wollen; da dürfe man nicht mit aufgelöster Schlacht- reihe antreten. Die Massen seien aufzuklären, daß sie nicht blind- lings, wie die Wilden, losschlagen dürfen. Streik sei nicht das einzige Kampfmittel. Vor dem Kampfe habe jedenfalls eine ob- ektive Prüfung der Verhältnisse stattzufinden, sonst entstehe eine große Gefahr für die Organisation. Schlimm sei es gar, wenn nach Mißachtung all dieser durch Erfahrung gebotenen Maßregeln der Vorsicht ein Beamter, der nur seine Pflicht getan, aus seiner Stellung verjagt werde, weil er seine eigene Meinung gehabt und als ehrlicher Mensch vertreten habe.— Redner besprach sodann die Anträge, die er teils abzulehnen, teils dem Vorstand« zu über- weisen bat. Zu dem Elberfelder Antrag betr.„Propaganda für eine der beiden Richtungen innerhalb der Partei" bemerkte er, daß es zwecklos sei, sich über den Fall im Kalender so sehr aufzuregen. Der Verfasser des Kalenderartikels habe nicht nur erhärtete Tat- ächen, sondern auch"Lehrmeinung wiedergegeben. Die ganze Bud- getfrage sei nicht wert, daß man sich deswegen den Kopf warm rede, was im Kalender vielleicht nicht angebracht sei; er werde sich auch wohl nicht grämen, wenn das künftig nicht mehr geschehen solle. Auffällig sei, daß man erst nach fünf Monaten durch Dr. Braun- Wien auf die Nase gestoßen sei; wäre man früher darauf gekommen, hätte der Kalender vielleicht besseren Absatz ge- funden. Alles in allem habe der Vorstand sich bemüht, trotz schwieriger Situation den Verband so zu führen, daß er seine Stärke wahrte; tets sei es seine Absicht gewesen, nicht ein Mitglied oder eine Gruppe zu schädigen, wohl aber das Gemeinwohl über das Einzel- wohl zu stellen. Denn nur so könne der Vevband vorwärts kommen. Den Bericht beS Ausschusses erstattet W e i ß i g- Frankfurt a. M. Er ergänzt die gedruckt vor- liegenden ausfuhrliehen Darstellungen. Die erwartete Verwinde- rung der Beschwerden ist nur bezüglich derAusschlüsse eingetreten, hinsichtlich verweigerter Unterstützungen jedoch wegen stärkerer Benutzung der Rechte während der Krise nicht. Auf die Einzel- heiten kann in Rücksicht auf den Raum nicht eingegangen werden. Bemerkt sei nur, daß der Ausschuß sich auf den Standpunkt stellt, daß auch den bei Krankenkassen und dergleichen bei Weiterbezug des Gehaltes während der Krankheit beschäftigten Mitgliedern die Erwerbslosenunterstützung, welche der Vorstand verweigerte, zu ge- währen sei. Es handele sich um eine in gesunden Tagen erworbene Errungenschaft. Um 6 Uhr mchmittagö wird die Sitzung guf DienKtag vertagt. Dritte ordevtliche Gesserssloerfilmmlüng des DettWen Arbkiter-Abstisstickil-Sujldks. Hannover« gl. Mai 1909. Erster Berhandlungstag. Die Generalversammlung trat am ersten Pfingstfeiertag im „Lindenhos", Hannover-Linden, zusammen. Nach Wahl des Bureaus erhält N e u m a n n das Wort zum Bericht des BorstandrS. In der Agitation fei besonders der Vorsitzende stark in Anspruch genommen worden. Er allein hat in 140 Orten zirka 160 Vorträge gehalten; ebenfalls haben die Gauleiter intensiv in die Agitation eingegriffen. Die Erfolge seien einigermaßen zufriedenstellend. Voll und ganz konnten sie schon deshalb nicht der geleisteten Mühe und Arbeit entsprechen, weil Krise und Arbeitslosigkeit ganz außerordentlich die Gewinnung neuer Mitglieder hinderten. Ein Krebsschaden sei, daß nian es an vielen Orten noch so schlecht verstehe, die gewonnenen Mitglieder auch zu halten. Um einen Ueberblick über die Zusammensetzung der Mitglieder zu erhalten, hat der Vorstand Fragebogen versandt, um festzustellen, wieviele der Mitglieder innerhalb der Arbeiter- bewegung angestellt sind rcsp. Acmter bekleiden. Es wurde ermittelt, daß dem Bund als Mitglieder angehören 20 Arbeiter- und Parteisekretäre, 14 Radakteure an Gcwerkschafts- und Partei- zeitungen, 23 Gewerkschaftsbeamte(Gauleiter oder Ortsbeamte), 4 Expedienten, 14 Geschäftsführer und eine große Anzahl Lager- Halter in Konsumvereinen usw. Insgesamt haben mehr als 1100 Mitglieder die Fragebogen beantwortet, davon sind die große Mehr- zahl mit Aemtern in der Bewegung betraut, zum Teil geradezu überlastet, so daß man behaupten kann, daß die Abstinenten ihre Pflicht in der Arbeiterbewegung voll und ganz erfüllen. ES ist übrigens in außerordentlich vielen Fällen gelungen, neugewonnene Mitglieder des Abstinentenbundcs auch der Gewerkschafts- oder Parteiorganisation zuzuführen. N e u m a n n verbreitet sich dann über die Flugblattagitation und hält besonders ein bisher verbreitete? Flugblatt, welches sich gegen die politische Neutralität der bürgerlichen Abstinentenvercine wendet, für sehr wirksam. In der Agitation durch die Parteipresse aber sei der Vorstand von dieser schwer im Stiche gelassen worden. Die versandten Artikel und Notizen werden vielfach gar nicht aufgenommen. Der„Vor- wärts" habe am allerwenigsten getan; er hat nicht einen einzigen Artikel aufgenommen. Ebenso hat die„Neue Zeit" in zwei Jahren keinen Artikel gebracht, was ihr zweifellos möglich gewesen wäre, wenn sich die Redaktion einmal an bestimmte Autoren um passende Beiträge gewandt hätte. Im Düsseldorfer Parteiorgan hat ein Artikel gestanden, welcher die Abstinentenbcwegung in sehr ge- hässiger Werse behandelte, so daß unsere dortigen Mitglieder sich genötigt sghev. sich dagegen M wenden« was in einem Flugblatt geschehen mußte, da die Redaktion dle Aufnahme einer Erwiderung gegen den Artikel verweigerte. Das Offenbacher Parteiorgan habe in seiner Mainummer ein seitengroßes Inserat gebracht zur Alkoholanpreisung, was nicht scharf genug verurteilt werden könne. Genosse Ncumann verliest ein Schreiben des Parteivorstandes, welcher ein Gesuch um eine finanzielle Unterstützung aus der Par- teikasse zur Betreibung der Agitation im Lande ablehnend beant» wartet. Das Gesuch fuhrt zur Begründung an, daß seit Bestehen des Bundes von diesem zirka 1% Million Flugblätter gratis verteilt und über 100 000 Broschüren zu Preisen, die einen sehr geringen Verdienst abwarfen, abgesetzt wurden. Durch die ganze Agitation und auch durch das Organ„Der abstinente Arbeiter" werde der Bund über die Kräfte belastet. Der Parteivorstand beruft sich bei seiner Ablehnung auf die Resolution des Essener Parteitages, laut welcher die Aufklärung über den Alkohol durch Wort und Schrift Sache der Arbeiterorganisationen sei. Der Parteivorstand würde wohl in arge Verlegenheit kommen, wenn er dem nächsten Parteitag einmal darlegen sollte, was denn von ihm im Punkte dieser Aufilärung geschehen sei. Weiter habe der Bund sich an die Fraktion gewandt, damit diese dafür eintrete, daß ein Teil der Erträgnisse der Alkoholsteuern von der Regierung zur Bekämpfung dcS Alkoholismus verwandt werden sollen. Genosse Neumann betont, daß der Vorstand allcS getan habe, um seine Pflicht zu erfüllen.— Den Kassenbericht gibt der Kassierer Zänker. Auch er beschränkt sich vornehmlich auf Erläuterungen zum gedruckten Bericht. Die Einnahme und Ausgabe im fünften Geschäftsjahr balanziert mit 10 313,81 die des sechsten Geschäftsjahres mit 10 252,92 M. Gegenüber dem vierten Geschäftsjahr sind zirka 1100 M. an Beiträgen mehr einge- gangen. Das Sparkassenkonto ist nach Erledigung der Kosten für die Generalversammlung von 4700 auf 3730 M. gesunken. G e b a u e r- Elberfeld wünscht, daß die statistischen Fest- stellungen über die Beteiligung der Mitglieder an Partei- und Gewerkschaftsämtern der breiten Oeffentlichkeit unterbreitet werden, damit zahlenmäßig der häufig erhobene Vorwurf zurückgewiesen werde, daß die Tätigkeit der Abstinenten sich einzig auf ihre Sonderbewegung allein be- schränke. Weiter sollen die abstinenten Genossen sich mehr um die Jugendbewegung kümmern und sich in die Ju g end aus» s ch ü s s e hineinwählen lassen sollen. Bemerkenswert ist die Mitteilung des Delegierten aus Frankfurt, daß die Stadt Frankfurt aus der Rotschildt'schen Stiftung 300 M. der dortigen Ortsgruppe des Bundes überwiesen habe. In der ausgedehnten Diskussso» wird die Tätigkeit des Vorstandes voll anerkannt. Hervorzuheben ist. daß fast alle Delegierten besonderes Gewicht auf die Gewinnung der Jugend legen, da diese viel empfänglicher als die alten Ge- nossen ist. Die Generalversammlung beschließt die Herausgabe eines Flugblattes an die Jugend sowie die Herausgabe eines solchen mit den Ausführungen des Dr. S ch a ch e r l aus Oesterreich über den viermonatigen Bierboykott dortselbst dem Bundesvor- stand zu überweisen. Weiter wird beschlossen, daß der Vorstand eine regelmäßige monatliche Zeitungskorrespondenz herausgeben soll.— ur Beratung der Statuten wird eine Kommission, bestehend aus : i r ch n e r, Kessel, Jandt, Werner und einem Mit- gliede des Vorstandes gewählt. Aus der Berichterstattung des Verlag» sei der Schristenumsatz angeführt. Neu herausgegeben wurden die Schriften: Nr. 13, Mahr- Kowalski:„Wie wird man Abstinent"(10 000); Nr. 14, Simon Katzenstein:„Moderne Jugendbewegung und Alkoholfrage"(5000). Hiervon mich eine billige Ausgabe 14» für Jugendorganisationen (15 000). Nr. 15, Dr. Holitscher:„Alkohol und Kind"(10 000); Nr. 16, Emil Vandervelde, in Uebersetzung von G. Davidsohn: Alkoholismus und soziale Frage"(10 000) und das Protokoll der 2. Generalversammlung(2000).— Wieder aufgelegt wurden: Nr. 1, Lang:„Arbeiterschaft und Alkoholfrage"(5000); Nr. 3, Dr. Kcfer- stein:„Die Alkoholftage und ihre Lösung"(5000); Nr. 5, Dr. Kefer- stein:„Moderne Arbeiterbewegung und Alkoholfrage"(5000); Nr. 7, Dr. Hirschfeld:„Alkohol und Geschlechtsleben"(7000); Nr. 8. Katzen- stein:„Wofür kämpfen wir?"(5000); Prof. Dr. A. Forcl:„Alkohol, Vererbung und Sexualleben"(6000). Von letzterer Broschüre wurde eine bessere Ausgabe hergestellt in einer Auflage von 5000 Exemplaren. Der Absatz an eigenen VerlagSschrifien betrug 50 292 Exem- plaren, der Gesamtumsatz 9689 M., gegen das Vorjahr mehr 4076 Mark. Die Berichte der Rebaktion und Expedition sind für die Oeffentlichkeit von wenigem Belang. Eine interessierte Diskussion entspinnt sich aber über den Vorschlag auf Gründung einer eigenen Bundesdruckerei." In namentlicher Abstim- mung erklärte die Generalversammlung sich grundsätzlich für die Errichtung einer solchen. Der Bundesvorstand erhält Vollmacht, durch Ausgabe von Anteilscheinen die nötigen Mittel aufzubringen und zur gegebenen Zeit den Betrieb der Druckerei aufzunehmen. Während dieser Ausführungen sind von den Anwesenden bereits 1000 M. gezeichnet worden. Ferner wird ein Antrag angenommen, dem Bundcsorgan alljährlich ein Inhaltsverzeichnis beizugeben. In der Montagssitzung beginnen die Verhandlungen mit zwei großzügigen Referaten der Genossen Katzenstein und Neu- mann über das Aktionsprogramm, welches sich erstreckt I. au f die Aufgaben des Arbeiter- AbstinentenbundeS innerhalb der Arbeiter- bewegung selbst; 2. aus seine Forderungen an Staat und Gemeinde. Die Generalversammlung überweist den vorgelegten Programm- entwurf dem Vorstand, der dessen endgültige Formulierung in Vor- knndung mit den Vertretern der schweizerischen und öfter- r e i ch i s ch e n Bruderorganisation treffen soll. Doch soll der Ent- wurf vor der Annahme den Ortsgruppen noch einmal zur DiS- kussion vorgelegt werden. Ferner wird einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher die Generalversammlung gegen die von der Re- gierung geplante Erhöhung der Alkoholsteuern protestiert und- ihren Standpunkt dazu festlegt. Die Beiträge werden in namentlicher Abstimmung von bisher 10 resp. 5 Pf. pro Woche erhöht auf 60 Pf. pro Monat für männ- liche, 30 Pf. für weibliche Mitglieder. Das Eintrittsgeld wird ebenfalls auf 60 Pf. für männliche, 30 Pf. für weibliche Mitglieder gestellt; Jugendliche bis 18 Jahren bleiben vom BeitrittSgeld befreit. Den Ortsgruppen sollen zur Agitation 20 Proz. aus den Einnahmen der Beiträge verbleiben. Die Stellung zum Guttemplerorden wird in einer Resolution festgelegt, welche besagt, daß der Bund cS grundsätzlich verwirft, daß seine Mitglieder noch einer bürgerlichen Abstinenzorganisation angehören oder für eine solche tätig sind. Die Partei- und GeWerk- schaftSorganisationen werden ersucht, ihre Mitglieder auf die ar» feindliche politische Tätigkeit der bürgerlichen Abstinenzvereine aus. merksam zu machen und sie aufzufordern, sich nur dem Arbeiter- abstinentenbund anzuschließen. Der bisherige Vorsitzende, der Redakteur und Geschäftsführer werden einstimmig wiedergewählt. Der Sitz dieser sämtlichen Funktionäre wird nach Berlin verlegt. Zum Vorsitzenden des Aus- schusses wird Klawitter-Bremen wiedergewählt. Damit sind die Arbeits der dritten GeneraiverlMmlung ex- ledige -■■..'•.■■.■'■■■■■■■■.' SlaBCBli Cigaretten kBruch- Pollmann L» W»«�empfiehlt seinLager in Krück- bsnllLgsn, l.e>bl>!nllvn, Ks- i'SiisIialtern, Sp�i'�eii, Suspsnsoi'lsn sowie«StnIIicIis Artikel zur Krankcn- pflage. 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'UTar die Gewinne über StO Mark eird den bclrcUenden Nummern In Klammern belgelügt (Ohne OewAhr.)(Nachdruck verboten.) 16 124 204 466 7S M 1120 681 826 2056 333 87 417 too 9 35 603 SU 914 3328 46 427 47 WO 940 4004[600] 263 81[500] 312 43 642 771 823 5047 821 65 89 411 651 1500] 607 981 6083 499 652 736 7057 92 99 203 31 39 842[ 500] 67 421 756 962[ 500] 63 8024 63 94[500] 263 «40 50 430 66 632 820(6000] 113[600] 9209 16 92 848 [600] 601 669 738 970 78(600] 10031 137 83 230 423 565 707 7» 869 99 11320 666 («34 754 12016 149[10000] 234 81 481 653 633 801 14 »02 13100[500] 36 390 459 94 668 74[800] 14048 117 908 20 750 1 5207 319 491 624[1000] 69 810 030 1 6038 B9 161 657 781 802 1 7071 226 330 7J) 465 624 44 73 68 118051,123 461 626[3000] 721 876 969[600] 19270[1000] 396 402 607 69 699 20068 136 403 98 608 3« 686 760[600] 899 21169 *453[500] 751 85[1000] 916 81[1000] 22154 262 79 96 453 63 64 564 2 3141 208 44 357 83 481 683 2 4083 30» |444 610 930 2 5320 388[1000] 494 781 2 0228 73 339 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ZJtliung S.KI. 220. Kgl. Preuss. Lotterie, Ziehung vom 1. Juni nachmillaga. die Gewinne Uber 240 Mark eind den betreUoadea Nummern ia Klammern belgofilgt. (Ohne Oewlihr.)(Kachdruck verholen.) 362 63 412 508 1340«32 720 823 54 02 93[lOOO] 2011 288 673 759 74 020 60 83 3 039 477 92 090 4278 OOS 94 781 5133 90[500] 231 79 823 420[500] 585 857 944 6008 84 120 221 003 800 912 7013 83 143 201 352 481 621[3000] 06 904 09 8181 205 776 833[1000] 933 43 0071 170 605 684 819 10040«0 134 207 408 627 81 687 795 975 11058 191 056 44 1 66 83 1 2096[600] 403 609 009 9 46 1 3210 486 114142 229 350 458 73 613 81 030 753 894 943 15120 497 014 1 0395 679[SOOO]«44 838 924[500] 17 181 389 007 118089[50000]«83 314 441 711 89 1O014 253 752 67 94 P14 40 20079 IIS 209«97 753[1000] 808 935 91 2 1015 g[500] 217 70 810 18[3000] 60 750 2 2046 67[300] 132 347 53» 700 89 098 83039 223 410 648 Ol 24015 93 820[1000] 438 623[1000] 940 2 5000 209 510 16 057 2 0017 BOB 308 771 807[500]«Ol 27114[600| 73[3000]«65 84 401 699[500] 729 806 954 28123 04[3000] 953 08 20171 x5«31 402 8«4 789 3 0211 609 810 996 3 7.030[1000]>10 06 300 419«46 (54 32155 88[600] 436 0 4 88 707 922 3 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Doch trotzdem darf die Pfingstfahrt Zeppelins als eine Rekordfahrt bezeichnet werden, denn das Luftschiff hat eine 87Vz Stunden lange ununterbrochene Fahrt hinter sich. Wie aus den Meldungen ersichtlich ist, dürft? es längere Zeit dauern, bis das Luftschiff wieder gebrauchsfähig ist. Nachstehend lassen wir die Meldungen über den Verlauf der Fahrt sowie über den Unfall des„Zeppelin II" folgen: Friedrichshofen, 23. Mai.„Zeppelin II" ist abends 3 Uhr 40 Minuten zu einer nächtlichen Uebungsfahrt ausgestiegen und passierte 3 Uhr 60 Minuten Friedrichshafen landeinwärts in der Richtung auf Ravensburg fahrend. Graf Zeppelin befindet sich an Bord. Am Horizont zeigen sich Gewitterwolken. Stuttgart, 30. Mai, 10 Uhr S Min. vormittag».„Zeppelin II fuhr 8 Uhr 30 Minuten über Nürnberg, 3 Uhr 10 Minuten über Gräfenberg. Zwickau, V. Mai. Der„Zeppelin II" hat um 2 Uhr 8 Minuten die Stadt passiert. Gera, 30. Mai.„Zeppelin El" passierte um» Uhr 20 Minuten Gera in der Richtung Zeitz. Leipzig, 30. Mai.„ Zeppelin II' ist um 4 Uhr 48 Minuten über dem Vorort Leutsch eingetroffen. Leipzig, 30. Mai. Auf die Kunde von einer Ankunft des „Zeppelin II" hatte sich schon gegen 1 Uhr eine nach taufenden zählende Menge auf dem Meßplatz eingefunden. Auf dem für etwaige Landung vorgesehenen, von Militär abgesperrten Platze war u. a. auch der Neffe des Grafen Zeppelin anwesend. Die Erwartung des Publikums stieg von Minute zu Minute. Um 4 Uhr 80 Minuten kam da? Luftschiff von Südwesten her in Sicht und näherte sich in schneller Fahrt. Eine Landung fand nicht statt. DaS Publikum brachte dem Grafen Zeppelin stürmische Ovationen dar. Um 8'/« Uhr befand sich das Luftschiff über der Stadt, führte einige Manöver aus und fuhr dann in nordöstlicher Richtung weiter. Halle, 30. Mai. DaS Luftschiff„Zeppelin II" passierte um 7 Uhr 10 Minuten Bitterfeld, war um 7 Uhr 30 Minuten in Halle, kreuzte etwa 10 Minuten über Halle und nahm alsdann Richtung Tcuts ch ental— Eisleben. Friedrichshofen, 30. Mai. Die Lnftschiffbau-Zeppelin-Gesellschaft hat von dem Grafen Zeppelin ein um 7 Uhr 20 Minute» in Bitterfeld aufgegebenes Ballontelegramm folgenden Inhalts erhalten: „Haben soeben Rückkehr beschloffen. Alles ist bester Ordnung. Zeppelin. Dürr." Weimar» 80. Mai.„ZeppeUn II' hat heute abend um 3 Uhr Weimar passiert. Heilbronn, 31. Mai.„Zeppelin II' passierte um 8 Uhr 10 Minuten früh Heilbronn. Stuttgart, 31. Mai.„Zeppelin II' ist heute früh um 8»/, Uhr bei Schweinfurt vorübergefahren und um 4°/« Uhr bei Würzburg in Sicht gekommen. Stuttgart, 31. Mai. 10 Uhr vormittags. Kurz hintereinander trafen aus Marbach und Ludwigsburg Meldungen ein. daß das Luft- schiff diese Städte in schneller Fahrt passiert habe. Um 3 Uhr 10 Minuten erschien dann auch schon der Luftkreuzer in strahlender Sonnenbeleuchtung über der Stadt. In eleganter Wendung fuhr er über das Weichbild Stuttgarts. Er flog an dem Königsbau, 100 Meter über den Häusern, in sausender Fahrt vorbei, und über- flog die Anlagen. Bei Untertürkhcim fuhr der Luftkreuzer nur wenige Meter über den Wiesen, so daß eine Landung be» vorzustehen schien. Plötzlich hob sich das Luftschiff wieder und ent- schlvand den Blicken, neckaraufwärts fahrend. Die in den hiesigen Straßen herrschende Begeisterung ist schwer zu beschreiben. Die Havarie. Göppingen, 31. Mai. DaS Stadtpolizeimnt teilt mit, daß das Zcppelinsche Luftschiff in unmittelbarer Nähe der Stadt Göppingen auf einer Anhöhe gegen einen Baum gefahren sei. wodurch dem Ballon die Spitze eingedrückt wurde. Einzelheiten fehlen. Friedrichshafen, 31. Mai. Die Lustschiffbaugesellschast bestätigt, daß das Luftschiff nahe bei Göppingen gegen einen Baum gestoßen ist; die Spitze wurde leicht eingedrückt. Schlosser von Friedrichs. Hafen sind zur Reparatur unterwegs. Die Reparatur wird vielleicht heute abend, spätestens in der Nacht beendigt sein. Heber die Ursachen de? Unfalls Wird aus Göppingen gemeldet: Auf den in der Nähe von Göppingen liegenden Ratskeller- wiesen war eine Landung beabsichtigt, nicht etwa, weil der Gas» Verlust zu stark gewesen wäre, sondern weil der Benzinvorrat völlig auf die Neige gegangen war. Bei der Landung wurde ein Birn- bäum von dem Steuermann des sehr niedrig fahrenden Luft- schiffcs übersehen. Die Spitze des Ballons verfing sich in den Acsten des Baumes; das Aluminium wurde auf etwa 30 Meter völlig zerdrückt und auch das vordere Höhensteuer zerstört. Jetzt wird unter Verkürzung des Ballons eine provisorische Ballonspitze aus dem zertrümmerten Aluminium hergestellt und auf diese Weise die Reparatur notdürftig vorgenommen. Die Weiterfahr» des Ballons ist auf keinen Fall vor Di-nstagvormittag zu erwarten. Graf Zeppelin ist nach Friedrichshafen zurückgekehrt. Der Besuch der Reichstagsmitglicder wird wahrscheinlich verschoben werden Müssen. Göppingen, 31. Mai. DaS Luftschiff liegt auf einem hüge- Ilgen, für eine Landung äußerst ungünstigen Terrain. Während die zertrümmerte Spitze auf dem Boden aufsteht, hebt sich der innere Kern infolge dieses Terrain? etwa 20 Meter in die Luft. Die Be- schädigung des Luftschiffes ist sehr arg. so daß an eine Wuiterfahrl für heute abend oder heute nacht nicht gedacht werden kann. Dre Aluminiumstangen liegen zertrümmert vor dem Baum, an den das Luftschiff anfuhr. Die Aeste des Baumes sind geknickt. Erst um j%5 Uhr trafen sechs Pioniere unter Führung eines Leutnants an der Unfallstelle ein; kurze Zeit darauf erschien der Kommandeur des Pionier-Bataillons aus Ulm mit einer halben Kompagnie zur Hilfeleistung. Als aber bereits um 4 Uhr eine kräftige Brise ein. gesetzt hatte, wurde, um dem Luftschiff eine gegen den Wind ge- schützte Lage zu geben, unter Mitwirkung des den Platz um» gebenden Publikums das Luftschiff gedreht. Ein Teil des Personals des Grafen ist damit beschäftigt, die Aluminiumtrümmer zu ent- iitsen,- i In Erwartung Zeppelins. 5 Die Nachricht, daß Zeppelin nach Berlin komme, wurde am 1. Feiertag durch ein Extrablatt des„Berliner Lokalanzeiger" verbreitet; und sie lockte Hundertausende von Berlinern, die in der Stadt geblieben waren, nach dem Tempelhofer Felde. Gegen vier Uhr ertönte der bekannte Drcillang der kaiserlichen Automobile, die in rasender Fahrt von Potsdam über den menschenbelebten Kurfürsten Damm in die Stadt eingefahren und nun auch zum Tempelhofer Felde geeilt sind. Mit dem Kaiser war die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie die kaiserlichen Prinzen und die Prinzessin Viktoria Luise erschienen. Hinter ihnen her raste ein Kavalkade Schutzleute, die nun in der ihnen angebore- nen aufgeregten Weise in die schon immerhin stattlichen Menschen- massen auf dem Felde hineinritten und sie zum Verlassen der öst- lichen Hälfte aufforderten. Der geduldige Berliner ist rn wenigen Augenblicken bis auf die Tempelhofer Chaussee zurückgedrängt, auf der sich inzwischen Droschke an Droschke, Automobil an Automobil, Kremser an Kremser angestaut haben. Dazwischen Schlächter- und Gemüsewagen, Radfahrer, Reklamefuhrwerke, Kinderwagen: ein buntes Bild, in das plötzlich zwei Kompagnien Dragoner hinein- reiten, mit der Aufforderung, auf die östliche Hälfte des Feldes hinüberzufahren, wo bald eine ungeheure Wagenburg sich auftürmt. Und immer noch strömt es aus der Stadt in unendlicher Menge. Die lange Friedrichstraße bis zum Halleschen Tore hinunter und die Belle-Alliancestratze hinauf bis zum Tempelhofer Felde schwebt eine ungeheure und fast undurchsichtige Staubwolke. Auch Garde. kürassiere sowie die Franzer rücken mit ihren kümmerlichen Resten an, da viele sich auf Urlaub befinden. Inzwischen steigt die Spannung. Allmählich haben sich Staatssekretäre, Offiziere und zahlreiche Herren und Damen der Hofgesellschaft eingefunden, alle, um die ersten zu sein, Zeppelins Luftschiff auf dem Tempelhofer Felde sehen zu können. Es vergeht aber Stunde um Stunde; wohl werden einige in die Höhe gegangene Kinderballons sichtbar, aber nicht Zeppelins Luftschiff. Erst spät, als die Dunkelheit herein- gebrochen ist, finden sich die Massen damit ab, daß es wieder ein- mal nichts war. Das beste Geschäft am Sonntag haben die In- Haber der nach dem Tempelhofer Felde zu belegenen Lokale ge- macht. Weiterfahrt. Göppingen, 1. Juni. 3 Uhr nachmittags. Die dringendsten Reparaturarbeiten sind beendet. Man hat sich entschlossen, den Motor aus der vorderen Gondel herauszunehmen und die beiden Seitensteuer vorn zu entfernen. Man will versuchen, mit dem hinteren Schiffende vorwärts zu fahren. Graf Zeppelin ist hier noch nicht eingetroffen. Oberingenieur Dürr wird das Luftschiff über Münsingen nach Friedrichshafen führen. Sollte sich unter- wegs eine Zwischenlandung als notwendig erweisen, so ist der Münsingcr Truppenübungsplatz in Aussicht genommen. Göppingen, 1. Juni. Zeppelin II ist, mit der reparierten Spitze nach rückwärts gerichtet, um 3 Uhr 20 Min. wieder auf- gestiegen. Ehingen, 1. Juni.(8 Uhr abends.) Seit einer Stunde ist das Luftschiff von hier aus zu sehen. Es kam um sechs Uhr aus nord- westlicher Richtung von Justingcn her. Anfangs bewegte es sich noch südlich, schlug dann aber eine mehr östliche Richtung ein, was hier zu der Vermutung Anlaß gibt, daß es abgetrieben wird. Um sieben Uhr befand es sich etwa bei Oberdichingen. Graf Zeppelin passierte 7 Uhr die Stadt. Zwei Kilometer vor Ehingen hatte er eine Unterredung mit verschiedenen Herren, wobei er er- klärte, daß das Luftschiff mit einer Geschwindigkeit von nur 13 Kilo- Metern fahre und zwar anscheinend nicht mehr ganz sicher. Laupheim, 1. Juni. Das Luftschiff bewegt sich nunmehr wieder in südlicher Richtung, entlang der Bahnlinie Ulm-Bibcrach. Biberach, 1. Juni. Das Luftschiff befindet sich auf dem Wege hierher und ist um?L3 Uhr nicht mehr weit von der Stadt ent- fernt. Von Friedrichshafen ist dringend Nachfüllmaterial angefordert worden, das hierher transportiert werden soll. Man schließt daraus, daß der beschädigte Luftkreuzer keine Nachtfahrt machen, sondern in der Nähe von hier cineLandung vornehmen/ will, um dann morgen nach Vornahme der Füllung die Heimfahrt zu vollenden. Graf Zeppelin ist kurz vor 3 Uhr im Automobil in Biberach eingetroffen und vor dem Postamt vorgcfahren. Zahlreiche Automobile mit Militär, die sich an der Verfolgung des Ballons beteiligt haben, um gegebenenfalls die nötige Hilfe zu bringen, befinden sich im Anmarsch. Eine Zwischenlandung. Friedrichshafen, 1. Juni. Laut Mitteilung der Zeppelinlust- schiffbaugesellschaft ist Zeppelin II. Punkt 3 Uhr bei Schemmerberg an der Bahnlinie Laupheim. Biberach südlich von Laupheim gelandet. Graf Zeppelin ist von Biberach mit Automobil sofort zur Lan- dungsstelle gefahren, auch ist von hier aus Gas zur Nachfüllung für morgen früh dorthin gesandt worden. Die Zeppelinmannschaftcn befinden sich an Ort und Stelle. Der Kaiser und Zeppelin. Stuttgart, 1. Juni. Die Luftschiffahrtsgesellschaft teilt mit: In der Nacht zum Montag, als die Mitteilung in Berlin ein- getroffen war, daß Graf Zeppelin sich auf der Rückkehr befinde, sandte Kaiser Wilhelm ein Telegramm ab. in der er seiner eigenen großen Enttäuschung sowie derjenigen seiner Familie und der ganzen Einwohnerschaft Berlins anläßlich der unerwarteten Rückkehr des Grafen Zeppelin zum Ausdruck gab. Die plötzliche Rückkehr sei ihm, dem Kaiser, unerklärlich, nachdem der Graf seine Ankunft in Berlin gemeldet und ausdrücklich das Luftschiffer- bataillon zur Unterstützung bei der Landung erbeten habe.„Ich hatte gehofft," so schließt das Telegramm,„Sie als Gast in meinem Schlosse zu sehen, wo Wohnung für Sie bereit war, und ein Mahl mit Maibowle erwartete sie im Kasino, das wir gemeinsam mit Ihnen einzunehmen hofften. Auf baldiges Wiedersehen in Berlin! Euere Exzellenz sind es dem Berliner Publikum schuldig, das Ihnen so freudig entgegengekommen ist, daß demselben für seine schwere Enttäuschung Genugtuung geleistet werde." Besonders hebt der Kaiser in seiner Depesche auch die Aufopferung hervor, mit der, die Mannschaften die verschiedenen Regimenter trotz des Pfingsturlaubs herbeigeeilt wären, um bei der Absperrung mit- zuwirken. Nachdem Graf Zeppelin nach der Landung in Göppingen, nach 37stündiger Fahrt, wenige Stunden ausgeruht hatte, begab er sich nach dem Postamt in Geilingen, um ein Telegramm an den Kaiser aufzugeben, in dem er dem Kaiser, der Kaiserin und der ver» sammelten kaiserlichen Familie sowie der ganzen Bevölkerung Berlins und den wegen der unterbliebenen Luftschifflandung aus- gerückten Truppen seinen Dank und sein tiefstes Bedauern über die Enttäuschung ausspricht, die er durch sein Nichterscheinen der». ursacht habe. In dem Telegramm heißt es dann wörtlich:„Nie- mals habe ich persönlich die Absicht ausgesprochen, Berlin zu be- suchen oder dort zu landen. Ich bitte, eine Untersuchung zu ver- anlassen, wer das Telegramm an das Luftschifferbataillon ge- fälscht hat. Die Umkehr wurde beschlossen, weil bei Sturm unv Nacht die Fahrt sich verzögert hatte und viel Benzin verbraucht worden war. Nach teilweisen Irrfahrten in der Nacht und weite- rem starken Benzinverbrauch gelangten wir hierher. Ich hofie, mich in sechs Wochen mit dem wiederhergestellten Lustschiff bei Euer Majestät in Berlin melden zu können." Zeppelin bestreitet in seinem Telegramm, die Absicht aus- gesprochen zu haben, nach Berlin zu kommen. Das ist doch nur Wortklauberei. In Wirklichkeit gingen schon vor Wochen dies- bezügliche Nachrichten durch die Zeitungen, ohne daß sie von dem Bureau Zeppelins widersprochen wurden, obwohl dieses Bureau sonst immer sehr redselig ist. Jetzt, da der Kaiser mit Familie enttäuscht wurde, spricht Zeppelin von einem„gefälschten" Tele- gramm, das das Berliner Luftschifferbataillon alarmierte. In Verfolg der neuerdings verunglückten Fahrt hat Zeppelin an das Bureau des Reichstags folgendes Telegramm gerichtet: „Die Herstellung des beschädigten Luftschiffes erfordert sechs Wochen, daher Verschiebung der Einladung zu meinem tiefsten Bedauern erforderlich. Graf Zeppelin." 5. Nerbandstag der Gemeinde- und Stnatsarbeiter. Dresden, 29. Mai. Äbcndsitzung des 8. Berhanblungstageö. Den Bericht der Statutenkommission erstattet Dittmev. Berlin. Die Kommission ist sich einig geworden, den Beitrag für weibliche Mitglieder auf 28, für männliche Mitglieder auf 38 Pf., soweit sie ein Einkommen bis 20 M. beziehen, für die übrigen auf 48 M. festzusetzen. Für die 48 Pf.-Klasje soll die Erwerbslosen- Unterstützung ö M. statt 4 M. betragen. Nach einer längeren Debatte, in der sich beinahe alle Redner gegen eine Beitragserhöhung aussprachen, wurde die Beitragser. höhung nach den Vorschlägen der Kommission mit 33 gegen 19 Stirn- men abgelehnt. Am Schluß der Sitzung vom 28. Mai wurde dann erklärt, daß nunmehr die Kommission erneut zu arbeiten habe, um einen gang- baren Weg der Beitragsregulierung zu finden. Am 6. Verhandlungstag machte die Kommission den neuen Vorschlag, die Grenze der ver- schiedenen Beiträge auf 21 Mk. festzusetzen, die übrigen Anträge der Borlage jedoch anzuerkennen. Nunmehr erhob sich bei den Gegnern der Beitragserhöhung ein Sturm, da nach ihrer Ansicht die Sache bereits am Freitag prinzipiell abgelehnt sei. Ein An. trag Polenskes auf Uebergang zur Tagesordnung wurde ab- gelehnt und durch eine neue Abstimmung der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Verhandlungen betreffs der Beitragserhöhung durchaus nicht geschlossen sind. Es folgte nun eine lange Ge- schäftsordnungsdebatte. Mohs erhielt endlich das Wort und trat nochmals energisch für Beitragserhöhung ein. Als nunmehr die Generalversammlung mit 27 gegen 26 Stimmen Wiedereintritt in die Verhandlungen über Beitragserhöhung beschloß, legten die Ver. sammlungsleitcr ihr Amt nieder. Nach einer längeren Pause wurden die Verhandlungen unter dem Vorsitz des Verbandsvor- standes weitergeführt. In einer ausgedehnten Debatte kamen die verschiedenartigsten Vorschläge zum Vorschein. Nachdem der Ver- bandstag sich im Prinzip-für eine Beitragserhöhung ausgesprochen, erfolgten sechs namentliche Abstimmungen über ebensoviel Anträge, ein Resultat wurde aber nicht erzielt. Nach langer Mühe und Arbeit wurde der Beitrag wie folgt geregelt: § 3. Der wöchentliche Beitrag beträgt für männliche Mit. glieder mit einem wöchentlichen Verdienst bis inklusive 21 M. 38 Pf., darüber hinaus 40 Pf.; für weibliche Mitglieder 28 Pf.; für jugendliche Arbeiter 28 Pf. Der Bezug der Erwerbslosenunterstützung wird nach folgenden Sätzen geregelt: Für die erste Woche der Erwerbslosigkeit soll keine Unter» stützung gezahlt werden. Die Erwerbslosenunterstützung beträgt nach einer Mitglied?- daucr von für männl. Mitglieder wöchcntl. Beitrag ®Ä85 Daueren Wochen 82 186 260 416 620 für weibl. Mitglieder wöchentl. Beitrag Wochen 38 Pf. 40 Pf. 28 Pf. 4 4M. 6 Vi. 3 M. 8 4„ 6„ 3„ 6 4„ 6„ 3 7 4„ 6.. 3„ 8 4„ 6„ 8.. Die männlichen Mitglieder können je nach ihrer Beitragsklasse die Summen von 16 bis 32 und 21 bis 48 M. erheben; die Weib- lichen können je nach der Dauer ihrer Mitgliedschaft 12 bis 24 M. Unterstützungsgelder beziehen. Der Sterbeunterstützungsparagraph erhält nachstehenden Zusatz: Abs. 3. Wird von einem UntcrstützungSfall nicht innerhalb eines Vierteljahres Mitteilung gemacht, ist die Unterstützung der Verbandskasse verfallen, sofern nicht die Berechtigten an der Geltendmachung ihrer Ansprüche verhindert waren. Die übrigen Aenderungen des Statuts erstrecken sich zum größten Teil auf kleine Mängel redaktioneller Art und werden ohne weitere Zwischenfälle erledigt. Die Bestimmungen dieses Statuts treten mit dem 1. Oktober 1903 in Kraft; die Erwerbslosenunterstützung der 40 Pf.-Beitrags- klasse mit dem 1. April 1310. Ferner wurde beschlossen, daß der Vorstand berechtigt ist. nach Bedarf Branchcnkonferenzen einzuberufen.— Der Geschäftsbericht soll künftig alljährlich gegeben werden.— Die Preßkommission sowie die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Der nächste Verbandstag soll im Jahre 1912 in München statt- finden. Zur Alkoholfrage wird beschlossen: Der 8. Verbandstag der Gemeinde- und Staatsarbeiter tritt dem Beschluß der 1. Internationalen Konferenz der Ar- beiter und Unterangestellten öffentlicher Betriebe bezüglich des Mißbrauchs des Alkohols ausdrücklich bei. Der Verbandstag ersucht die Kollegen, diesem Beschluß die nötige Beachtung zu schenken. Der Sitz des Verbandes bleibt Berlin, der Ausschuß behält seinen Sitz in Hamburg. Die nun vorgenommene Wahl des 1. Vorsitzenden ergab 26 Stimmen für Heck mann- Mannheim und 28 für den bis- herigen Vorsitzenden Mohs. Heckmann erklärte, bei dieser Stimmenzahl nicht annehmen zu können. Mohs sieht in der Ab- stimmung ein Mißtrauensvotum und erklärte, nicht annehmen zu wollen. Nach außerordentlich erregter Debatte, in der betont wurde, daß während der ganzen Tagung gegen Mo HS gewühlt worden sei, wurde nochmals eine Abstimmung vorgenommen, die 33 für und 1 Stimme gegen Mohs ergab. MohS erklärte, daß er die Wahl nur im Interesse des Verbandes annehme. Die übrigen Wahlen erledigten sich ohne Zwischenfall und wurden die bisherigen Funktionäre wiedergewählt. Nach Festsetzung der Gehaltsskala für die Angestellten lvaren die Verhandlungen der 8. Genöräkbepsanlm» lung erledigt.' 5. Stveralottsamnlmg der Mhaner. Magdeburg. 31. Mai. - AnEesend sind 20 Delegierte, 3 Vorstandsmitglieder und Ge- nosse Robert Schmidt- Berlin als Vertreter der Generalkom- Mission. Den VerbandsaMchub vertritt L ü t t i ch» Leipzig. Der Rechenschaftsbericht deö Vorstandes kann ein Bild erfreulicher EntWickelung des Ver- bandes nicht geben, sondern mutz leider einen Rückschritt kon- statieren. Die Jahre 1306— 1908, die der Bericht umfatzt, lasten schwer auf dem Verbände: die beiden ersten Jahre durch die enorme Ausdehnung der Lohnkämpfe, und das letzte Jahr als Krisenjahr. Die Berichtsjahre stellten ungeheuere Anforde- rungen an die Kasse des Verbandes, und auch die Erhebung von Extrabeiträgen konnte nicht verhindern, datz das Verbandsver- mögen ganz gewaltig fiel: hon 88 574 Mark Anfang 1306 auf 38 733 Mark Ende 1908. Auch die Mitgliederzahl ging um rund 900 zurück und betrug am Jahrcsschlutz 1908 nur noch 3988 gegen 4875 am Jahresanfang 1906. Trotz dieser ungünstigen Ergebnisse kann der Verband auf gute Fortschritte in der Erringung besserer Arbeitsbedingungen für seine Mitglieder zurückblicken. Und damit hat der Verband unzweifelhaft eine grotze Kulturarbeit geleistet, die nicht minder hoch anzuschlagen ist als wie eine gute Gestaltung der inneren Organisationsverhältnisse. Insgesamt waren in den drei Berichtsjahren an den Kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen 3930 Kollegen in 212 Fällen be- teiligt. Von diesen 212 Lohnbewegungen waren 146 mit 2558 Kollegen erfolgreich, 31 mit 833 beteiligten Kollegen endeten teil» weise erfolgreich, und erfolglos waren 31 mit 289 Personen. Die insgesamt 3990 in den Jahren 1906 bis 1908 an Differenzen be- teiligt gewesenen Kollegen repräsentieren reichlich die Hälfte aller BerufLangehörigen. Bei der Mitgliederbewegungsstatistik fällt neben den schon erwähnten Mitgliederrückgang die grotze Zahl der Ausgeschlossenen und die damit verbundene Fluktuation auf. In dem Berichtsjahre sind zwar 3796 Kollegen in den Verband eingetreten, ausgeschlossen wurden aber in den Verwaltungsstellen 2712 und ausgetreten sind 529 Mitglieder. Von den 529 Ausgetretenen sind 142 Kol- legen wieder eingetreten, so datz 387 als ausgetreten verblieben. Zu den 2712 in den Verwaltungsstellen Ausgeschlossenen kommen noch 1634 in der Hauptverwaltung Ausgeschlossene hinzu, ins- gesamt sind es also 3464 ausgeschlossene Kollegen. Davon sind wieder eingetreten 968, so datz ausgeschlossen verblieben 3378 Kol- legen(1038 verheiratete, 5 verwitwete und 2335 ledige). Besonders beachtenswert ist, datz über zwei Drittel der Ausschlüsse(2391) bei einer Mitgliedschaft von 1 bis zu 3 Jahren erfolgen mutzten. Der bedeutendste Prozentsatz von 1325 Ausschlüssen liegt im ersten Jahr und geht vom vollendeten dritten Mitglledsjahr auffallend zurück, ein Beweis, datz gerade die länger organisierten Kollegen dem Verein auch in schweren Zeiten die treuesten Stützen sind. Von den 4346 Gesamtausschlüssen erfolgten: wegen rückständiger Beiträge 4300, wegen Nichtbefolgung des Statuts und Zuwider- Handelns der Beschlüsse der Verwaltungsstellen 5, wegen Schädigung der VereinSinteresien 33 und wegen Veruntreuungen, Fälschungen usw. 8. Von den einzelnen UnterstützungSzweigen ist noch die Höhe der ausbezahlten Summen, soweit sie nicht schon oben angeführt wurden, erwähnenswert. Die Arbeitslosen Unterstützung am Ort erreichte in den Berichtsjahren die Höhe von 222114,65 M., gegenüber 158 838,25 M. in der Geschäftsperiode 1903— 1005. Fast in demselben Verhältnis, wie diese Unterstützung steigt, verringert sich die Unterstützung für Arbeitslose auf der Reise. Während in der vorigen GeschäftSpertode für diesen UnterstützungSzweig noch 21 846,35 M. aufgewendet wurden, kostete er diesmal nur 18 588,20 Mark, und zwar 7543,95 M. im Jahre 1906, 6142,60 M. im Jahre 1307 und 4901,65 M. im Jahre 1908. An K r a n k e n Unterstützung wurden insgesamt 41401,45 M. ausbezahlt, gegen 30119 M. in der letzten Geschäftsperiode. Für Unterstützung in auherordent- lichen Notfällen wendete der Verband 7371 M. und für Sterbe- aeld 3515 M. auf. Dupont, Stahl und Welker ergänzen den gedruckten Bericht. In der D e b a t t e über die Berichte werden meist nur interne Angelegenheiten erörtert. Mit der Tätigkeit des Vorstandes ist man im allgemeinen einverstanden. Bethge- Berlin wirft die Maifeierfrage auf. Die Art, wie der Hauptvorstand zur Maifeier Stellung genommen habe, gefalle ihm nicht. Die..Bildhauerzeitung" habe kurz vor der Masfeier nur einen Artikel über diese gebracht, das genügt nicht. Es müsse mehr Propaganda für die Maifeier gemacht werden. Vorsitzender und Redakteur Dupont. Berlin führt demgegen- über aus: Die Arbeitsruhe kann bei der Maifeier ruhig weg- bleiben, ohne datz diese selbst geschädigt wird. In der Durchführung der Arbeitsruhe liegt die Gefahr, datz noch mehr ausgesperrt werden als bisher, und dadurch den Gewerkschaften ungeheuere Kosten verursacht werden. Menzer-Dresden: Die Maifeierfrage sei in erster Linie eine politische und erst in zweiter Linie eine gewerkschaftliche Frage. Man dürfe keinen Zwang auf den einzelnen ausüben, man dürfe nicht sagen:„Du mutzt feiern!" Odenthal- Hamburg: Der Maifeierartikel D u p o n t S hat mir auch nicht gefallen. In dem Artikel ist keine klare Stellung eingenommen worden. Es wurde in ihm gesagt: das(die Mai- feier) ist alles sehr schon und'gut, aber feiert lieber nicht. (Dupont: Sehr richtig!) Ich meine, die Redaktion müsse in einer solchen Frage einen klaren Standpunkt einnehmen. V i l l m o w- Frankfurt a. M. meint, die Propagierung der Maifeier solle man aus der Gewerkschaftspreffe überhaupt weg. lassen. Heute würde doch nur in kleinen Geschäften gefeiert, während in den grötzeren Betrieben gearbeitet werde. Hofer-München ist erstaunt, datz gesagt weredn konnte, die Maifeier habe keinen Wert für die Gewerkschaften. In München hätten sie die ArbeitSruhe durch Vertrag festgelegt. H i l d e s h e i m- Berlin wendet sich ebenfalls gegen die AuS- führungen BillmowS. D u p o n t-Berlin präzisiert nochmals seine Meinung und betont, soweit wie Villmow möchte er nicht gehen. Er müsse sich dagegen energisch verwahren. Die Gewerkschaftspresse m ü s s e dle Maifeierfrage behandeln, so lange sie in der Oeffentlichkeit stehe. Odenthal-Hamburg bemängelt noch, datz die Redaktion vor der Generalversammlung einige Anträge kritisiert habe. Einzelne Delegierte schlietzen sich diesem an. Dupont verteidigt seine Stellungnahme. � �. Die Generalversammlung ehrt noch das Andenken des verstorbenen Genossen Deinhardt. Redakteur der«Holzarbeiter- Zeitung", in der üblichen Weise. Die Sitzung wird dann vertagt. Morgen beginnt die Be- ratung der Berschmelzungsfrage._«* t. Konftren; der chemischea Arbeiter Dentschiands. Frankfurt a. M., 31. Mai. Im Mittelpunkt der deutschen chemischen Industrie in Frank- furt a. M. traten am ersten Pfingstfeiertag die Vertreter der Gift» Hüttenarbeiter zur ersten Konferenz zusammen. Zu der Konferenz find autzer den 106 Delegierten und den Vertretern deS Verbandes der Maschinisten und Heizer und deS Fabrikarbeiterverbandes, der die Organisation der chemischen Arbeiter bisher mit gutem Ge- schick geleitet hat, die Gewerbeinjpektion für Stadt- und Land- kreis Franlfurt, Offenbach, Darmstadt, Speyer und Karlsruhe, so- wie ein Vertreter des Instituts für Gewerbchygiene zu Frank- furt m M. erschienen. Abgelehnt zu erscheinen� hat das ReichSamt �nTetsfen VerhandlungStagd erstattete Herr Dr. Sommer» feld ein Refexgt über BergiftungSgefahren. Er betont die Notwendigkeit einer besonderen Kontrolle der Industrie durch hygienisch vorgebildete Aerzte. Am zweiten Verhandlungstag referierte Gen. H. Schneider über: Die wirtschaftliche Lage der in der chemische» Industrie beschäftigten Arbeiter.. Er legt folgende Resolution vor: „Die chemische Industrie ist ein getreues Spiegelbild der industriellen EntWickelung überhaupt. Wachsende Konzentratton, trotz steigender Produktivität riesige Vermehrung der Arbeiter- zahl und Verwendung weiblicher Arbeitskräfte sind ihre hervor- stechendsten Kennzeichen. In den 25 Jahren von 1832 bis 1907 stieg die Zahl der Betriebe um nur 15 Proz., die Zahl der de- fchäftigten Arbeiter dagegen um 139 und die Zahl der Arbeite- rinnen gar um fast 300 Proz. Den Kapitalisten bringt die chemische Industrie Riesen- gewinne. Durch intensivste Ausnutzung der Arbeitskräfte und stete Fortschritte der Technik wird die Herstellung der Erzeugnisse verbilligt, durch Monopole, Kartelle und Konventionen Preis und Absatz geregelt. Die Rentabilität der chemischen Industrie wird denn auch von keiner anderen Industrie Deutschland» erreicht. Die Lage der in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ist dagegen äutzerst ungünstig. Ihr Lohn ist durchweg niedrig, ihre Arbeitszeit lang und ihre persönliche und wirtschaftliche Freiheit wird vielfach durch sogenannte Wohl. fahrtseinrichtungen und offene oder versteckte Verweigerung des Äoalitionsrechts beschränkt. Durch die Verarbeitung giftiger und gefährlicher Stoffe aber wird die Gesundheit der Arbeiter vorzeitig zerrüttet und ihr Leben gefährdet. In Erkenntnis dieser Tatsachen fordert der erste Rongretz der Arbeiterschaft der chemischen Industrie die Berufskollegen und Kolleginnen auf, sich unverzüglich dem Verbände der Fabrik- arbciter anzuschlietzen, denn nur durch festen Zusammensckilutz kann eine Besserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft erreicht werden." Ucber die Gesetzgebung und die Arbeiterschaft in der chemische» Industrie referierte Rcichstagsabgcordneter Genosse Aug. Brey. Als Grundgedanken seiner Ausführungen legte er folgende Refo- lution vor: „In der chemischen Industrie mehren sich die Gefahren für Leben und Gefundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter, dagegen ist der Ausbau des Arbeiterschutzes fast völlig zurückgeblieben. Staubentwickelung, Ausströmung giftiger Gase und Dünste. Feuersgefahren, Verätzungen und Explosionen raffen zahlreiche Opfer aus den Reihen der Arbeiterinnen und Arbeiter hinweg. Dazu treten die gewerblichen Vergiftungen, die eine un- ermetzliche Gefahr für die Arbeiter und deren Familien ge- worden sind. Diese Vergiftungen bringen vielen Arbeitern frühen Tod, anderen Arbeitern Siechtum, körperlichen und geistigen Ver- fall, den Familien der betroffenen Arbeiter aber Verarmung. ES ist erforderlich, datz die in der chemischen Industrie be- schäftigen Kollegen diese Gefahren erkennen und mit Nachdruck auf deren Beseitigung und Linderung drängen. Dazn ist un- erlätzlich die Betätigung in der Organisation. ES wird allen in der chemischen Industrie beschäftigten Kollegen zur Pflicht gemacht, dem Verbände der Fabrikarbeiter sich anzuschlietzen, mit dem Verbände und seinen Funktionären dahin zu wirken, datz die bestehenden Schutzvorschriften in den Betrieben von den Be- triebsleitungen angewandt und von den Arbeitern befolgt werden. Vcrstötze der Betriebsleiter gegen Schutzmatznahmen, die zugunsten der Arbeiter erlassen, sind durch Vermittelung der Verbandsfunktionäre der Gewerbeaufsicht zur Kenntnis zu bringen.. i'>•«»••••: Der Vorstand de? Fabrikarbeiterverbandes wird beauftragt. fortgesetzt Material zu sammeln, welches die gefundheitS- und lebensgefährliche Arbeit in der chemischen Industrie belegt. Die Kollegen sind verpflichtet, ihnen bekannt gewordenes Material über Vergiftungen. Verätzungen. Explosionen usw. dem Vor- stände zur Kenntnis zu bringen. Die Konferenz gibt weiter der Neberzeugung Ausdruck, datz auch der Staat ein Interesse daran hat, Leben und Gesundheit der chemischen Arbeiter zu schützen. Die Konferenz fordert daher: 1. Schärfste Ueberwachung aller zum Schutze der Arbeiter in der chemischen Industrie erlassenen Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen. s) Erweiterung der Befugnisse der Gewerbeinspektoren. b) Vermehrung der Aufsichtsbeamten durch hygienisch ge- schulte Beamte(Aerzte). denen staatlich zu besoldende, von den Arbeitesssi zu wählende HilfSaufsichtSbeamten zur Seite zu stellen find. 2. Erlah weiterer Schutzbestimmungen. i) Festsetzung eines MaximalarbcitstageS von 8 Stunden für alle Arbeiter der chemischen Industrie. b) Festsetzung eines nach dem Grade der Gefahren abgestuften kürzeren Maximalarbeitstages für solche Betriebe und Abteilungen, in denen die Gesundheit oder das Leben der Arbeiter besonders gefährdet ist. c) Verbot der Akkordarbeit bei Arbeiten mit giftigen, feuer- und explosionsgefährlichen Stoffen. ck) Belehrung der Arbeiter, die in Betrieben beschäftigt sind, in denen gesundheitsschädliche Stoffe verarbeitet werden, über die Wirkungen und Gefahren dieser Stoffe. Di« Belehrung mutz in der Arbeitszeit borgenommen werden. e) Verbot der Beschäftigung von Frauen und jugendlichen Personen bei Herstellung von oder bei Verarbeitung g«s- tigcr Stoffe. 3. Reform des Versicherungsgesetzes mit der Matzgabe, datz s) in den Betriebskrankenkasscn den Arbeitern das Recht ein- geräumt wird, Einblick in die Krankenlisten nehmen zu können. Die Stellung der Kassenärzte ist gegenüber dem Unternehmertum zu einer völlig freien Und unabhängigen zu gestalten. b) Den Arbeitervertretern zur Krankenkasse ist eine Bilanz der Kasse, die Aufschlutz über Dauer und Art der Krank- heit gibt, alljährlich zuzustellen. c) Vergiftungen, die eine körperliche Schädigung und Ein. schränkung der ErtverbSfähigkeit zur Folge haben, find als Unfälle zu behandeln und zu entschädigen. Für Arbeiter in chemischen Fabriken, die an Sonn- und Festtagen arbeiten müssen, ist«ine Ruhepause von 36 Stunden und für zwei aufeinanderfolgende Sonn- und Festtage von 60 Stunden in derselben Woche zu gewähren." Die Diskussion gestaltete sich recht vielseitig und zeigte, datz die beiden Referenten eher zu milde als zu scharf in ihrer Kritik gewesen sind. Von ber- schiedenen Delegierten wird zur Resolution Brey ein Zusatz- antrag empfohlen, nach dem die Lieferung von Handschuhen. Ar- bcitskleidern, Handtüchern usw. gefordert wird und die Reinigung in der Fabrik in solchen Abteilungen vorgenommen wird, wo giftig- Stoffe verarbeitet werden. Nach einem umfassenden Schlutzwort wurden die Resolutionen einstimmig angenommen, unter Ablehnung des Antrages bezüglich der Lieferung von Arbeitskleidern usw. Mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung wurde die Konferenz geschlossen. Neunte ordentliche Generalvtrsalnmlnng der Glasarbeiter und-Arbeiterinneu Aentschlands. Hannover, 30. Mai. Erster Berhandlungstag. Vor Eintritt in tue Tagesordnung kommt ein Antrag der Zahlstelle Dammgart�gur Verhandlung, die wegen einer Plötz- lichen Arbeitseinstellung mit dem Vorstand in Differenzen geriet und infolgedessen eine besondere Vertretung durch einen eigenen Delegierten beanspruchte. Der Antrag wird abgelehnt. Die An- gelegenheit soll beim Vorstandsbericht mit erledigt werden. Eine Einladung der Kollegen aus Hannover-Heimholz, am zweiten Feiertag einen Ausflug nach dort zu machen, wird dankend ab- gelehnt, um die Arbeiten der Generalversammlung nicht unnötig hinauszuziehen. Girbig erhält gleich nach der Mittagpause das Wort zum Geschäftsbericht. Den Kassenbericht gibt Hamann- Berlin. Er speziali- siert die Kassengcbarung und betont, datz die großen Summen, die den Mitgliedcren in Form von aller Art Unterstützungen zurück- gezahlt worden sind, den besten Beweis von der Notwendigkeit des Verbandes erbracht haben. Um die Kämpfe führen zu können. haben uns die Kollegen aus Amerika in großherziger Weise unter- stützt, doch sind unsere Kassenverhältnisse noch nicht so günstig, um die 40 000 M. zurückzahlen zu können. Wir mußten zunächst den Anfang mit 5000 M. machen.— Um die Kasse zu stärken, werden verschiedene Vorschläge gemacht: so soll der Bezug der Arbeits- losenunterstützung von 10 auf 5 Wochen herabgesetzt werden, doch soll sich dieselbe nach Ojähriger Mitgliedschaft auf 10 Wochen steigern. Ferner zieht Redner einzelne Fälle heraus und beweist, daß Er- sparnisse zu machen sind.= G e b e l(Redakteur) berichtet über das Organ «Fachgenosse", das seit zwei Jahren Verbandseigentum geworden ist, und daß es für ihn als Neuling schwergehalten habe, sich einzuarbeiten, datz er aber stets versucht habe, allen Wünschen der Kollegen Rechnung zu tragen.— W e ig berichtet für den Ausschutz und beantragt Decharge für den Vorstand. Die Debatte wird von dem süddeutschen Gauleiter Dirscherl- Fürth eröffnet. In scharfen Worten protestiert er dagegen, daß in Bayern die Verwaltungskosten höher als wie an anderen Orten sein sollen. Durch eine Aufzählung aller Posten, die dort nach Gewohnheit der Mitglieder als Agitationskosten gebucht werden, tritt er den Beweis seiner Behauptung an. Die Verhältnisse der dortigen Kollegen sind so traurig, daß Löhne von 6—8 M. wöchentlich, bei einer 16 bis 18stündigcn Arbeitszeit, keine Seltenheit sind; in einer solchen Lage können Verbandsarbeitcn nicht nur ans Idealismus erledigt werden. Die Sitzung wird auf Montag früh vcrtagti Soziales. Verein für Sozialpolitik. Die Generalversammlung dieses Vereins wird in Wien, und zwar in der Zeit vom 27. bis 29. September stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: Gedächtnisrede des Prof. F. G. Knapp zum 166. Geburtstag von Georg Hanssen; ferner die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden und die Pro- duktivität der Volkswirtschaft. Ueber die prinzipielle Bedeutung ber öffentlichen, speziell der Gemeindeunternehmungen gegenüber den privaten wird Prof. C. I. Fuchs-Tübingen referieren; über die sozialpolitische Bedeutung der Gemeindeunternehmungen Dr. Mombert-Freiburg i. Br. und über die finanzpolitische Bedeutung dieser Unternehmungen Oberbürgermeister Kutzer-Fürth. Das Referat über das Wesen der volkswirtschaftlichen Produktivität und die Möglichkeit ihrer Messung wird Hofrat Prof. Dr. v. Philippovich. Wien erstatten, über den Einfluß des technischen Fortschrittes auf die Produktivität wird Geh. Rat Prof. Kammerer-Charlottenburg und über die Messung der Veränderungen deS Geldwertes im Zu- sammenhange mit der Produktivitätöfrage Hofrat Professor Dr. v. Weser-Men referieren. Hiis der Frauenbewegung. Mißachteter Arbciterinnenschutz. Daß daS Kapital eine Mißachterin der Gesetze ist, soweit diese seiner Mehrwert schaffenden Tendenz Schwierigkeiten bereiten, dafür bietet auch der letzte Gewerbeinspektorenbericht für Preußen eine Menge Beispiele. Nur aus einem Bezirk wird vermerkt, vatz erhebliche Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen zum Schutze der Arbeiterinnen nicht vorgekommen feien. Dabei werden die Zuwiderhandlungen formeller Natur mit gewaltig großen Zahlen gemeldet, hinter denen die materieller Natur mehr zurücktreten. Fast an allen Orten steht die Kleider- und Wäschekonfektion mit erstgenannten Zuwiderhandlungen an der Spitze. Meistens wird das vorgeschriebene Verzeichnis betreffend Ueberarbeit über- Haupt nicht oder nicht gewissenhaft geführt, und auch sonst bleiben die Bestimmungen unbeachtet. Ein Gewerbeinspektor bemerkt dazu: „Eine Besserung in dieser Beziehung ließe sich wahrscheinlich schneller herbeiführen, wenn die Eintragungen von Ueberarbeit in oie Kalendertafel durch leichte Polizeistrafen erzwungen werden konnten. Die nach der Entscheidung des Kammergerichts(Jahres. berichte für 1904, S. 70) in solchen Fällen allein zulässige gericht- liche Bestrafung steht zu der Schwere der Verfehlung meist in einem argen Mißverhältnis. Die Anzeige an die Staatsanwalt- fchaft unterbleibt(!) daher gewöhnlich, auch schon aus dem Grunde, weil die für eine Verurteilung erforderlichen Beweismittel meist nur in einem unverhältnismäßigem Aufwände von Zeit und Mühe zu beschaffen wären. Im Regierungsbezirk Köln hat die Gewerbeinspektion durch Unterstützung der Polizeibehörde bei der Beaufsichtigung dieser Betriebe Fortschritte erzielt. Auch veranlaßte dort eine Entschei- dung des Kammergerichts vom S. April 1308, wonach die Nicht- eintragung der Ueberarbeitstage in die auszuhängende Tafel jetzt nicht mehr als einfache Uebertretung, sondern als Vergehen gegen § 137 Abs. 1 der Gewerbeordnung anzusehen ist, eine gewissen- haftcre Beachtung der Konfektionswerkstättcnverordnung. „Verstöße gegen die materiellen Vorschriften der Gewerbe- ordnung werden immer noch im allgemeinen mit ausfallend nied- rigen Strafen geahndet," schreibt ein Jnspektionsbeamter. Die Inhaberin eines Putzgeschäftes in Breslau ließ sich in ganz un- erhörter, gesetzwidriger Weise die Ausnutzung weiblicher Arbeits- kraft zuschulden kommen. Zehn Wochen hindurch beschäftigte sie ihre Arbeiterinnen von 7 Uhr früh bis 12 oder 1 Uhr nachts, auch bis 4 Uhr nachts; während dieser Zeit gestattete sie nicht längere als gerade zum Essen notwendige Pausen. Dafür wurde sie in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 100 M. verurteilt. In der Berufungsinstanz erzielte sie jedoch eine Herabminderung auf 50 M. Berechnet diese Menschenfreundin den während der zehn Wochen aus ihren Arbeitskräften herausgeschundenen Verdienst, so steht die Strafe dazu in gar keinem Verhältnis. „Die meisten Strafen schwanken immer noch zwischen dem gesetzlich zulässigen Mindestmaß und 20 M. Sie können weder als eine ausreichende Sühne der begangenen Gesetzesverletzung an» gesehen werden, noch läßt sich von ihnen eine ab» schreckende Wirkung auf den Betroffenen oder auf andere Gewerbetreibende erzielen." Diese Ueberzeugung wird im Bericht des Landespolizcibezirks Berlin ausgesprochen, obgleich gesetzwidrige Ueberarbeit hier doch zum Teil schärferen Strafen als in verschiedenen anderen Bezirken unterliegt. Verstöße und Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Gesetze zum Schutze für die Arbeiterinnen führten in allen Be- zirken in den verschiedensten Betrieben zu Bestrafungen. So in Brauereien. Bäckereien, Ziegeleien, Wäschereien, Konservenfabriken, die jugendliche und erwachsene Arbeiterinnen zur Nachtzeit und am Tage länger als erlaubt war beschäftigten; Mineralioasscrfabriken, die die Arbeitszeit über 12 Stunden ausdehnten; Schuhfabriken und andere mehr. Häufig entschuldigten sich die Meister kleinerer Anlagen mit Unkenntnis deS Gesetzes, da die Betriebsinhaber die Tafeln mit den betreffenden Bestimmungen nicht ayshingen. Be- sondere SDmerigleiken für die Inspektion boten Fischräuchereien, Käsereien und Molkereien. Nach dem Bericht dcS Bezirksbeamten für Gumbinnen soll in den Käsereien, die meistens zur Ausnutzung der Molken mit grasten Schweinemästereien verbunden sind, die Arbeit außerordentlich schwer und die Arbeitszeit austerordentlich lang sein. Den Gewerbeinspektoren war die Einsicht in diese Be- triebe bisher entgangen, da diese infolge ihrer Aehiilichkeit mit land- wirtschaftlichen Betrieben von den Ortspolizeibehörden meist nicht als gewerbliche Anlagen angemeldet wurden. Von diesen Betrieben, sowie von den Molkereien, wird von den Beamten, in Rücksicht auf den niedrig gehaltenen Personalbestand, die Jnnehaltung der Maximalarbeitszeit von 11 Stunden als ausgeschlossen betrachtet. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den Fischräuchereien. Ver- schiedene Betriebsinhaber, die jugendliche und erwachsene Arbeite- rinnen wiederholt die ganze Nacht beschäftigken, gingen straffrei aus. da sie ohne motorische Kraft und nur mit 7 Personen arbeiteten, und deshalb die Anlage nicht als Fabrik angesehen wurde. In einigen solcher fabrikmäßig betriebenen Fischräuchereien wurden Unternehmer für das gleiche Bergehen und wegen Beschäftigung einer größeren Anzahl schulpflichtiger Kinder mit Strafen belegt. Hindern keine Gesetze,„nationale", humanitäre, moralische Erwägungen hemmen sicher nicht die skrupelloseste Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft, und soweit Gesetze vorbeugend wirken sollen, werden diese skrupellos übertreten. Da ist es erklärlich, daß das Unternehmertum gegen Verbesserung der Gelverbeinspektion, speziell auch gegen Anstellung weiblicher Inspektoren seinen ganzen nicht geringen Einfluß einsetzt. Versammlungen»- Veranstaltuagen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklafle. Mittwoch, de» 2. Juni, abends 8»/, Uhr. im„Neuen Klubhaus". Komman- dantenstr. 72. Dr. Eduard David spricht über das Thema: „Was lehrt uns die Bevölkerungsstatistik"? Der Vortrag des Stadtv. Ritter über:„Die Arbeiterschaft und das GenoffenschastS- Wesen' wird erst am 10. Juni stattfinden. Smgegangene DmcKfthritteii. Der Moinan des HauseS von K. Widmann. Brosch. 2,S0M. Dresdener Verlagsanstalt, Dresden. Der Mann mit dem steinerneu Herze«. Marion. 2 M. C. Koncgen, Wien. Zwei Novellen von Beate Nur de» Jnlialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbcztcr. Mittwoch, den 2. Juni. Ansang?'/, Uhr. König!. Opernhaus. Tristan und Isolde. Ansang 7 Uhr. ftönigl. Schauspielhaus. Ein Erfolg. Neues königliches Operntheater. Geschloffen. Deutsches. Die schicke Auguste. Kammerspiele. Ein Skan- dal iu Monte Carlo. Ans. 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Lesfing. Die Dollarprinzesfin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Schiller O. iWallner. Thealer.) BresterS Millionen. Schiller Charlottenburg. Doktor Klaus. Friedrich> Wilbelmstädt. Schau. spielhaus. Der Kilometersresser. Neues Schauspielhaus. Mahs. Komische Oper. Carmen. Residenz. Kümmere Dich um Amelie. Westen. Die lustige Witwe. Neues. Trtcoche und Cacolet. Thalia. Im CafS Noblesse. Lustspielhaus. Liebling der Damen. Freundschaftsdienst. Kleines. Der Andere. Hebbel. Revolutionsbochzeit. Trianon. Liebcsgewitter. Neues Operette«. Der Zigeuner- baron. Berliner Operetteu-Theater SW. Teuselsweib. Metropol. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. Das Mädchen ohne Ehre. Gastspiel- Theater. Lord Lister. Der große Unbekannte.(Ansang 8'/, Uhr. Apoll». Hartstei». Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. lvnfsngr. Spezialitäten. Walhalla. Svezialttäten. FolicS Caprice. Allein— endlich. Ungerade Tage.(Ans. 8'/, Uhr.) Parodie. Siegel siegelt alles.— AlleS fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. S'/, Ubr.) Neichshallen. Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. Urania. TnnveusirnHe 4S/43. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Nachm. s Uhr: Uever den Brenner nach Venedig. Sternwarte, giivalidenltr. B7/S2. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 18119. Nachmittags 1 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Rom und die Canipnsna. OtHD CISCHER GARTEN Täglich ab 1 Uhr: Großes litär-IloppÄert Eintritt 1 31., j von abends 6 Uhr ab 50 Pf | Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Schiller- Schiller-Thcatcr 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Bresters Rillionen. Lustspiel in 1 Akten von Winchell Smith und Byron Ongley. Ende 10',, Uhr. Donnerstag, abendSLUhr: Bresters Billionen. Freitag, abends 8 Uhr: •fnnxfer Obrigkeit. »OOOiOOOilOSSS Theater. Schiller-Theater Charloltcnburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Doktor Kinns. Lustspiel in 5 Alten v. Ad. LArronge. Ende 10',, Uhr. Donnerstag. abendSstUhr: Ein Erfolg. Freitag, abend» 8 Uhr: Bresters Billionen. nur MiMMliM J Gr. granhiiricr Str. 182. Abends 8 Uhr: Fi Das Mädchen ohtte t-J Ehre. Sow.merpreise."tBPB Aus der Theaterbühne: Konzert, Spezialitäten. Ansang 1',, Uhr. Eniicc 30 Ps.. res. Platz SO Pf_ Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amorik. Owerette v. Jul Freund. Musik v. Gust Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Auf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. v'�-UHr:»>,, Uhr, Elf4 oder£1* mit Kadstem in der Doppelrolle. 8 Uhr: Die neue» Spezialitäten. 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Ble Dollarprlnxessln« Berliner Theater. Gastspiel-Operettcn-Theater. KV Täglich 8 Uhr:-W« Ein Berdstmnntlver. Mies Theater. _ AbcndS 8 Uhr: Mcliö mill Lscckt. Morgen und solgende Tage: Irieoedö«vö Caeolet. Friedrich-WilheWdtiSGbes Schauspielhaus. Mittwoch, den 2. Juni, Anfang 8 Uhr: Acr Kilometerftrsser. DormerSIag: Die beiden Leonoren. Freilag: Die beiden Leonoren. Sonnabend: Im weihen Röh'l. LustsflZslihsus. Abends 8 Uhr: Der EJebllng der Damen. Hierauf: Ein Freundachaftsdlenat. Hebbel-Theater Köniagrätzer Str. 57,58. Ans. 8 Uhr. ßeYOiuiionsliocIizeit. Kencs Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Der Tlgennerbnron. €*) s�aisoo— �ooaooooi Schweizer-GartBn [ AmKäuIgStor.Am FrledrichShai»] Haltestelle der Stratzenbah» 1. 2, 1. 17. 59, 62. 71 u. Q. [Tnnlink Ansang 1 resp. 6 Uhr jTagllCn Eötree§0 PI. | Neues Thealer- a. | Spezialitäten- Programm. g Sali».Volksbelustigungen. Etliche Sonnabend« � an Vereine zu«argeben. Passage-Theater. Abends 8 Uhr. 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II<-r»an-B«nt«cnt»I: Heinrich Brase, Hohcstemsw. 74, Part. Bohnsdart' und Ealkcnhcr«: G. Pseiser. BoHnSdors, Se« nossenschastshaus. Oharlsttvnhnr«: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1. Ecke Goeihestraße, Laden.„...., Elchwalde, Zeuthen, Mlersdorf und üankcls Ablage; Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzensw. 81. Erkner: Ernst H o s s m a n n. Friedrichshagener Chauffee. Eriedenan- tstegllt--«hdeude: H. Bernsee. Schloßstr. U». Hos I. in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Stoslltoi H. Mohr, Düppelstr. 82. und Fr. S ch e l l h a s e.Slhornsw. 15 a. Ertedrlohshaxen: Ernst W erlmann, Friedrtchsw. 67. OrUnan: Franz Klein, BaHnHosstr. S III..» Hehen-N cuendorl: Wilhelm T en t f ch er, Etolperstr. öG k dehannlsthal: Pielicke, Kaiser-WilHelm-Platz 4. liarlshorst: Richard Küfer, Rödelstr. 0, II. Kilnies■ W nstcrhaiiscn: Friedrich Baumauu, Siebet« 1 e H m e, Winteimannstr. 12. Köpenick: Emil W ißler, Kietzerstr. 6, Laden. l-lehtenhera, Erledrlehstelde, WIIhelrnsherA: Otto S e i 5 e l, Kronprinzenstraße 4, I. � m � Bahlsdorf und Kamsdorf: Hugo Scheide. Mohlsdorf, Walderseestr. 14. Barlendorf: August L-«P. Chauffeestr. 29S, Hos. Nen- Welvensee: KurtFuhrmann,- Sebanstr. 105, parterre. V leder- blehii ne weide: Paul Bengsch, Grünauerstr. 8. Vowawes: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. Ober-8ch«nowcldo: August HenjeS, Lausenerstr. 2, I. Bankow-NiedersohEnkansen- Otto Ntßmau», Mühl«. straffe 30. Beinlekendorf» Ost. Wilhelms roh und Schönkol* j P. G u r I ch, Kamelestr. 12, l Blzsdorf: M. Heinrich, Neckarstrabe 2, tm Laden. Baromelsbnrg, Boxhagen:Sl. Rosenkranz, Mt-Boxhagr» 56. Schmargendorf: Gustav KaminSkh, Cunostraffe 2. Sehitneherg: Wilhelm Bäumler, Marttn Lutherstr. 51, tm Laden. tüpandan; Koppen, Jagolvstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wlttenan, Waldmannslnst, llermsdorf und Reinickendorf- Wost: Paul Kienast,; Borsigwalde, Räujchstraffe 10. " oherstetnweg 7. riedrich Wilhelmstr. 20. ieshoizstraffe 412, Laden. W i t t n e b e l, LandhauSstr. 27. Teltow: Wilhelm Keßler, Tempelhof: Albert THtel, s Treptow: Nvb. Gramenz, l Wilmersdorf- llalensee: Sämtliche Parteiliteratur sowie all» wiffenschastlichen Werke werden gellestrt. Annahme von Inseraten für den„Vorwärts". Bitte anssekneiden. 845/1» White Gity Amerik. Vergntignngs Park olt.botan. Garten, PotSdamerstr.75 (den ganzen Tag geöffnet). Eintritt 25 Pf a Person- MW. Orcliesler Dirigent: C- Zimmer. ' Gastdirigent: TfaDSlEtSQr * Donnerstag, S. Juni(EUteteg): P. Lincke. Vereins-Brauerei Rixdorf, Hcrmannstr. 214/219. Oekonom; Max Wendt. w Täglich:"380 Gr. Militär-Konzert, i Jeden Dienstag: Reiehshallen-Tbeater. r Slnp (Beysol, Britton, Schräder usw.) Ansang wochentags 8 Uhr. ctS Sonntags 4|7 Uhr. �SAAAAAAAAAAAAAAAAAAd| j Kttlmer Prater- Theater! Kastantenallee 7—9. � Täglich: l Zlan lebt Ja nur einmal l.| Spezialitäten ersten Ranges.| Konsort und BaUU; ( Anfang 4'/, Uhr.» »W WWW W Wl I Täglich: Konzert, Tbeater,(2 Kunstspezlalißt Nem Die CaÜEspriozessiD. Ne«i Volksstück m. Ges. in 3 Ausz. von Koch. (Personal des Kasino-TheaterS.) Im Saale: Ball. Anfang 4 Uhr. Eröffnung der Kaffceküche 4 Uhr. Ober-Schöneuieide Lindengarten an der Spree. Tabbertstr. 5(Eemspr. 230.) Jeden Sonntag: Freitanz. Wozu ergebensb einladet 13032* Bobcrt Scholz. Cofastoffe Rieienaunrahl aller Qualitäten. Wolle- nMffJnl Boqnetts. PlOscb-�hlC. satleltascbca. Zimmer � Treppen Läuferstoffe ■iWUM»— BBa— Kocos Haargarn, Veloor etc. luster Angab" franko. Emil lefevre Berlin, Oranienstr. 158 Mein neuer Pracht-Katalog Deutscher Metallarbeiter»Verband. ===== Verwaitimg« stelle Berlin.= ArbeitsuachweiS: Hos I. Amt III, 1239. CharitSstraste S. Hauptburea«: Hos NI. Amt IN. 1987. Mittwoch, den Ä. Juni 1909, abends 8 Uhr: AHg. Klempnenrersammlung in den„Andreas- Festsälen", Andreasstr. Ä1. TageS. Ordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung und Bericht über die mit den Arbeit- gebern stattgefundene Aussprache. 2. Diskussion. QV In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen._[117/18*]_ Ple Ort n Verwaltung. OeffentUehe Versammlung fit Männer und Frauen am Mittwoch, den 2. Juni, abends 8% Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstrasje 58/59. Vortrag des Genossen �Füllt'S über: „Die Bedeutung der Konsumgenofsenschafts- Bewegung". DaS Erscheinen der Frauen ist besonders erwünscht. 105/17___ Per Einberufer. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. jiciituiw! Klavier arbeiter! Ae>»mi! Die Vertrauensmänner-Bersammlung findet erst am Montag, den V. Jnni, abends 8 Uhr, im GewerlschaftShanse, Saal VIII, statt. Lt/20 PI« Branehenleltnns« SedloU UeiUensee Heute Mittwoch, den 2. Juni: | Großes Konzert der Tropenkapelle Direktor Mahlmann. Großer Erfolg! Sudanesen-Karawane. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß uns am 29. Mai unser geliebter Sohn, Bruder und Schwager, der Uhr- macher Max Fliegenschmidt durch den Tod nach schweren Leiden entrissen wurde. Die Beerdigung findet am 2. Juni, nachmittags 41/, Uhr, vom Kreuzlirchhos in Marrendors aus statt. 28846 Die trauernden Hinterbliebenen. Afrikanisohee Dorf mit 45 Eingeborenen u. vielen Tieren. I Großartige, nie gesehene Vorführungen um 4 u. 8 Uhr I (Sonntags II1/* 4, 6, 8 Uhr) ans dem Leben der Afrikaner.[ U. a.: Fahrendes Volk im Sudan, Elefantenjagd, Prauen- raub, Pferdedieb, Keitennanöver und Wettrennen! Un-I übertrefiliche Reiterkünste des Beduinenmädchens Ahr! bent Khemis im Herrensattel I X Kaffeeköche 2 Uhr 1 X Boots-[ fahrten! X Schwebetaahn I X Volksbelustigungen aller Art! Anfang S1/. Uhr. Entree BO Pf., Kinder 15 Pf. Geverkscliaften, Vereine, Fabriken! ! Voigts Kratnpenbnrg, ist das passendste Ausflugslokal I AuSsührliche Prospekte und Führer grattS I Bermietung von Dampfern und Motorbooten t Freies Telephon: Amt Köpenick 227.— Hochachtungsvoll! B«»h. Voigt. Wer Kinder hal wrfnace voa Amold'Myllep Keathewa für KodterteMödune 95-Lejp2i2?rSraße-93 •♦•o»ooee*#eeeeeeea••••*••*«•• Am 30. Mai entschlief sonst nach schweren Leiden mein innig- geliebter Mann, Vater und Grog- vater, der Maurer 2872b Frnst Kleinschmager im Alter von 59 Jahren. Witwe Kleinschmager nebst Verwandten. Beerdigung Mittwoch nachmittag 4 Uhr aus dem ThomaS-ZUrchhoi Für die herzliche Teilnadme bei der Beerdigung meines lieben ÄanneS, des Töpsers Albert Reichert, sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Rauch- klub.Freie Alliance', dem Berliner Rauchcrbunde, den Mitgliedern des sechsten Berliner Wahlkreises und den Kollegen des TöpserverbandeS, meinen innigsten Dank. 2877b Witwe Blon«» Reichert. » Billigste Bezugsquelle gedisg. Trauergame Vestmanns Trauer-Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr.Frankf. Str. IIS. Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten! Kliimen- und Kranjbinderel von Roberl Heyer,' nut Mammikn-Straße 2. Am 30. Mai, vormittags, verschied nach längerer Krankheit unser Kollege Ernst Deinhardt Redakteur der„Holzarbeiterzoitung". Die deutsche Arbeiterbewegung, insbesondere der Deutsche Holzarbeiter-Verband hat damit aufs neue einen schweren, herben Verlust erlitten. Ausgerüstet mit großem Wissen, eiserner Energie und strengem Fleiß, hat der nun Verblichene eine Reihe von Jahren in den vordersten Reihen der deutschen Holzarbeiterbewegung gestanden. Ueberall, ob in der Presse, in der Versammlung oder im Beratungszimmer, immer erzwang sich die Wucht seiner Gründe die emsteste Beachtung seiner Kollegen. Wir haben einen außerordentlich tüchtigen Mitarbeiter, einen treuen Freund und Kollegen verloren, der sich ein ehrendes Andenken für alle Zeiten erworben hat. 84/17 Berlin, den 31. Mai 1909. Der Vorstand des Deutschen Holzarbeiter s Verbandes. Die Trauerfeier findet heute Mittwochmittag 2 Uhr in Pankow, Berliner Straße 27 statt. ISozialtaMcherWaUM --------- Verreist-------- Dr. med. A. Schlesinger Spezi alarztf. Heilmagnetismus u. Naturhoil verfahren Kleinbeerenttr. 6 II, naheÄnhalt. Bahnhof u. Hochb. Möokombr. Sprechet, nur Dienstag— Freitag Dr. Schiinemann Epezial-Arzt für 6432* Bant- and Harnleiden, Frauenkrankheiten. friedriebstr. 203, Ecke Schfiyenstr. Wochentags»0— S, 6—7. H.Pfau """" Dircksenslraße 20 »wischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt VH. 13799. Für Damen weibliche Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkassen. Leihhaus Gelegenheitskaufe verfall. Gold und Sllbereachei Seit 25 Jahren Ecke Ritterstr. n, Brillanton etc. Änstriß1 für den Kiipenicker Viertel B e z t r k N r. 199. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Genosse, der Maler Julius �olleneck Köpenickerftt. 10a gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Juni, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- Halle des ZenttalsriedhoseS sin FricdrichSselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/7 Der Borstand. MaldeinokratisciiefWBiilvereiii des iBerlReielistags-Walreises. Landsberger Viertel. Bezirk 399. 'reden- Anweige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Franz Krötsch Ebelingstr. 13 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- 'lalle deS AuserstehungS« Fried- lvseS in Weißensee auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/8 Der Borftand. Ortskrankenkasse d. Schlosser n. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Am 31. Mai verstarb unser langjähriger Schriftführer, das Vorstandsmitglied Hell Rudolf Neumann im 39. Lebensjahre. Zu früh hat derTod den arbeitS» freudigen Kollegen aus unserer Mitte gerissen. Osten und wahr im Reden und Handeln hat er sein mühevolles Ehrenamt zehn Jahre lang treu verwallet. Sein Andenken wird in uns fortleben. Der Borstand. I.A.: Gustav Lubatseh 277/9 Vorsitzender. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Juni, nachm. 5 Uhr, von der Halle deS Frei« religiösen Friedhofs in der Pappel- Allee auS statt._ Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere einzige Tochter Harle Walter am 29. Mai nach langem Leiden im 22. Lebensjahre entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten Die tiefbetrübten Eltern nebst Bruder und Bräuttgam. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Juni, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Ramlerstr. 14 auS, auf dem Friedhofe der Elisabeth-Gemeinde (Prinzen-Allee) statt. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Mitteilung, daß am 30. Mai unser Kollege, der Redakteur der„Holzarb eiterzeitungu Ernst Deinhardt im 37. Lebensjahre verstorben ist. 84/19 Trotz jahrelangen körperlichen Leidens wirkte er unermüdlich in Wort und Schrift für unsere Organisation. Seine reiche Tätigkeit im Dienste der Arbeiterbewegung sichert ihm ein dauerndes Andenken. Die Trauerfeier findet heute Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, in Pankow, Berliner Straße 27 statt, woran teilzunehmen wir die Kollegen ersuchen. Ple OrtsTcrTvaltang. NB. Nach der Trauerfeier wird der Verstorbene zur Feuerbestattung nach Hamburg übergeführt. Am 31. Mai d. I. verstarb der Schriftführer unserer Kasse, Herr kuäolk Neumann. Wir verlieren in demselben einen humanen Vorgesetzten und lieben Freund. 2875d Ehre seinem Andenke«! Die Beamten der OrtS- krankenkasie der Schlosser und verw. Gewerbe. des 6. Herl Todes-Anzelee. Am 31. Mai verstarb unser Mitglied, der Schlosser Rudolf Neumann Pappel-Allee 74. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde w der Pappel-Allee auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/19 Per Voratand. Todes-Anzeige. Am 1. Psingstseiertage morgenS verschied nach schwerem Leiden mein lieber Mann, der gute Vater meiner Kinder Ernst Deinhardt, Redakteur der.Holzarbeiter-Zeitung' im 37. Lebensjahre. DieS mit der Bitte um stille Teilnahme zur gefälligen Mit- teilung. 84/18 Sett> Deintaardt geb. Rasmassen nebst zwei Töchterchcn. Berlin-Pankow, 31. Mai 1909. Die Trauerscier findet am Mitt- woch. nachmittags 2 Uhr, in Pankow, Berliner Straße 27, statt. Die Einäscherung erfolgt am Donnerstag, den 3. Juni, nach- mittags 4 Uhr, in Hamburg. DgutZvim Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todea-Anzeigc. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mttglied, der Schlosser ftidtoli Neumann gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 3. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle deS Freireligiösen Gemeinde- Friedhofes, Pappel-Allee, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 117/19 Die Drtsverwaltung Dp. Siitimei Spezial-Arzt 62/9* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41. ää 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 .u Westmann!l— WaPUPI??? weil im großen Inventur- � Reise-Ausverkauf jetzt das gesamte DDgebeiire Lager der diesjährigen Sommer-Saison, bestehend m leichter, luftiger, hocheleganter, gediegener Oamen-Konfektion UmSODSt abseeoben wird! Besonders wichtig für fteise, Bad, Qebirge! Reisemäntel! Gummimäntel! Staubmäntel I Wetterteste Loden-Capesund Paletots! Kostüme und Kleider für Promenade und R6union! Kimonos! Jacketts! Fiebus! Strickjacken! Binsen! Prinzeß-, Mieder-, entre-dem-Riieke! Leinen» Konfektion! Rips n Konfektion! Seiden»Konlektion! 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Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen« halle der Piusgcmcinde, Wilhelms- berg, auS statt. Um rege Bctclligung ersucht 187/7 Die Ortöverwaitung. Kttbimb der Schntider und Schntideriunell. Dodes-.AnsolF«. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Witk. ketlixe am 30. Mai im Alter von 82 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle an der Barsusstraße aus statt. 162/17 Die Grtsverwaltung. ■■'■sii—a——■>' r yiirwisssä" Turnverein Fichte. Am 1. Pfingstscicrtag ertrank im Alter von 17 Jahren unser Turngenosse CtmstoM Hollfelder (Mitglied der 3. LehrlingSabtei- lung) im Wcrbellinsee. Sein Eifer für die freie Turnerei sichert ihm bei uns ein ehrendes Andenken. 2831b Poi? Tor stand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Maimcs, unseres guten VatcrS, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Be- kannten, besonders den Genossen des 6. Wahlkreises, den Mitgliedern des LottericvereinS.Unverzagt-, des SvarvereinS.Ameise-, den Kollegen der Firma Arnhcim und der Firma C. Ade unser» herzlichsten Dank. Witwe ülario Platon 2876b nebst Kindern. Vaantootüiäa Ledaltuiri fiaul Weder. lSeilio. gür dpi LnIcrateiiteileeraoöv� ä&SUidt, Aeiiio, Druck u. Verlag: BvMäris LiMruckkrci ib LerlagsgnMt Mul Singer& Ao.. Berlin SW« i.i25. 26,1.1.» Z. Keilsge des JaiiI#' Saite iitti.it, 2. Zm! 1909. partci- Hngekgenfociten. Stralau. Freitag, den i. Juni, abends 8 Uhr, Mitglieder- dersammlung bei Loeke, Alt-Stralau S. Tagesordnung: 1. Vortrag. 8. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Vereinsangelegen- Helten. Der Vorstand. Potsdam. Die WahlvereinZversammlung findet erst am Mitt- voch, den S. Juni statt. LerUner Z�ackrickten. Herrliche Pfingstfeiertage hatte üns diesmal die Natur beschert. Jupiter PlubiuS, der�ge fürchtete Regengott, zog zwar noch am Sonnabend ein schiefes Ge ficht und schien all seine himmlischen Schleusen für die duftigen Festkleider bereithalten zu wollen. Dann aber trat er murrend in den Hintergrund und überließ am zweiten Feiertag der lieben Sonne willig die festliche Leitung. Nicht bloß Frau Sonne lachte, ganz Berlin lachte, als es endlich mal wieder auf seine Pfingst rechnung kam. Und am meisten schmunzelten die Gastwirte in den Vororten, die in Erwartung der Hunderttausende, die da aus dem»großen Wasserkopf an der Spree" kommen sollten, noch in letzter Stunde ungeheure Vorräte von Nahrungsmitteln und flüssigen Stoff an den Berliner Quellen bestellten. Schon die Früh- konzerte, die noch heute so beliebt sind wie vor Jahrzehnten, waren brillant besucht, besonders bei den verschiedenen sozialdemokratischen Veranstaltungen. Am Nachmittag konnten die gewerbsmäßigen Naturverschandeier vom grünen Regierungstisch sich überzeugen, daß der Grunewald, die„Lunge Groß-Berlins", schon in seiner heutigen unbeschnittenen Gestalt kaum mehr groß genug ist, die gewaltigen Massen der erholungsbedürftigen Zweimillionenstadt zu fassen. Namentlich am zweiten Feiertag beförderten die Ver. kehrsinstitute, die alle verfügbaren Kräfte in den Dienst gestellt hatten, weit über eine Million festlich gestimmter Großstadt bewohner über die Weichbtldgrenze hinaus. Es war aber auch zu schönes Wetter, nicht zu kühl und nicht zu schwül, so recht geeignet zum Wandern und Naturkneipen. Schade nur, daß unter den herrschenden jämmerlichen Zeitverhältnissen in so manchem Haus halt Schmalhans Küchenmeister und in vielen Taschen traurige Ebbe war. Da mußte die für alle geschaffene Natur entschädigen, was durch den Machtkitzel und den JnteressencgoismuS der Staats- rüderer von den sonstigen Genüssen des Lebens noch nicht zu er reichen war._, Eine totale Mondfinsternis findet in dieser Woche in der Rächt vom Donnerstag auf Freitag, den 4. Juni statt, die fast in ihrem ganzen Verlauf in Berlin sichtbar sein wird. Sie beginnt am 4. Juni 12 Uhr 43 Minuten morgens und endet um 4 Uhr 15 Mi nuten. Die totale Verfinsterung des Erdtrabanten dauert dabei etwas mehr als eine Stunde, nämlich von 1 Uhr 58 Minuten bis 3 Uhr. Der Untergang des Mondes in Berlin erfolgt 19 Minuten vor seinem völligen Austritt aus dem Erdschatten. Bei klarem Wetter wird die Urania-Sternwarte in der Jnvalidcnstraße in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag für Beobachtungszwecke dem Publikum geöffnet fem. BerkchrSstatistischcs. Die Große Berliner Straßenbahn hat im April dieses Jahres nur 32'/z Millionen Fahrgäste befördert, d. h. rund 1,4 Millionen weniger als im April vorigen Jahres. Die Hochbahn hat dagegen rund 1 Million und die Omnibusgesellschast sogar 3 Millionen mehr befördert. Mit Kraftomnibussen wurden 1 Million und durch Omnibusse mit Pferden 2 Millionen mehr befördert. Auktion in einem königlichen Museum in Berlin. Eine ganz eigenartige Versteigerung fand in dem königlichen Museum für Völkerkunde, Königgrätzer Straße 120, unter der Leitung eines Ge richtsvollzichers statt. Eine Sammlung von armenischen Alter- tümcrn wurde öffentlich unter den Hammer gebracht. Es waren Funde und Ausgrabungen der deutschen Expedition nach Armenien in den Jahren 1893 und 1399, welche unter der Leitung des Univer- sitätsprofessors Herrn Lchmann-Haupt stand. Die Sammlung bc- stand aus Bronzefunden. Gegenständen aus Gold, Silber und Eisen, Sachen für Tempel und Kultus, Gefäßen feiner Technik, Schalen, Näpfen, Mosaikarbeiten, Tongegenständcn, Lanzenspitzen, Frag- mentcn, einer Knochensammlung und 12 großen Kisten mit Scher- ben. Ein sehr interessantes Stück war das Modell eines Bronze. iempels, der in seiner Form dem Turm von Pisa ähnelte. Die Gegenstände befanden sich teils im Keller des Museums, teils waren sie in den oberen Räumen in Vitrinen ausgestellt. Das erste An. gebot betrug gleich 19 999 M., es stieg sofort auf 12 999, dann auf 15 999 M., und schließlich erteilte der Gerichtsvollzieher Herrn Pro. fessor Messerschmidt in Berlin mit 16 899 M. den Zuschlag. Der Herr erlegte sofort in baar den Kaufpreis. Das Gras wachsen hört eine Korrespondenz, die in eine ganze Anzahl Montagsblätter, wie„Zeit am Montag",«Kleines Journal" „Berliner Tageblatt", Aufnahme gefunden hat und in der über die Haftentlassung des Genossen Liebknecht wie folgt berichtet wird: „Für den Landtagsabgeordneten Dr. Karl Liebknecht, dessen Strafzeit am 1. Juni abläuft, werden in Berlin große Ehrungen vorbereitet. Nicht nur die Sozialdemokraten des 11. Berliner Wahlkreises, den Liebknecht vertrat, sondern die gesamte Partei plant eine Demonstration, schon mit Rücksicht auf die Kassierung der vier sozialdemokratischen Mandate. Eine Abordnung des 11. Berliner Landtagswahlkreises hat sich nach Glatz begeben, um den Inhaftierten bei der Entlassung aus dem Festungs gefängnis zu erwarten. Ueber die Ankunft Liebknechts in Berlin ist endgültiges noch nicht bestimmt, da die Glatzer Ge nassen beabsichtigen, dem sozialdemokratischen Kämpfer vor der Abfahrt nach Berlin besondere Ehrungen zuteil werden zu lassen. Voraussichtlich erfolgt die Ankunft in Berlin erst um 9 Uhr abends. Auf dem Bahnhofe versammeln sich zum Empfange unter anderem der sozialdemokratische Parteivorstand, die sozialdemokratischen Vertretungen des Reichstags und des Landtags und die sozialdemokratischen Berliner Stadt- verordneten. In Autos geht es dann nach den Pharussälen in der Müllerstraße, wo zu Ehren Liebknechts ein großer Kommers veranstaltet wird. Die Teilnehmerzahl an demselben wird auf 699 geschätzt. Von feiten der Polizei sind alle Vor- bereitungen getroffen, um sowohl am Bahnhofe als auch vor den Pharussälen die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten." An dieser Mitteilung ist alles falsch bis auf die Tatsache, baß der 11. Landtagswahlkreis, der Genossen Liebknecht in das Dreiklassenhaus entsendet hat, zu Ehren seines nunmehr wieder preußisch-deutsche Freiheit genießenden Abgeordneten einen Kommers in den Pharussälen veranstaltet. Aber auch diese Tat- fache ist noch insofern verkehrt wiedergegeben, als dieser Kommers nicht zu gestern geplant war, sondern erst heute abend statt- Linden wird. In Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum hat die Kartenausgabe zu dieser Willkommensfeier eine beschränkte sein müssen. Einen Ehrenpreis von 1999 M. will die Stadt Berlin für die am Juni vom Tcmpelhofer Felde seinen Anfang nehmende Prinz- Heinrichtsfahrt stiften. Der Magistrat hat der Stadtverordneten- p&üsmiuw eine eatjpf?§ssb6.Vorlage gejngcht. Seiner Empörung Ausdruck gibt ein Leser unseres Blattes, der am Sonnabend nach Schluß der Parade Zeuge eines häßlichen Aufzuges war, indem er uns folgende Zeilen schickt: „Vom Schloßplatz wälzt sich ein Strom von Menschen dem Alexanderplatz zu. Plötzlich gerät an der Neuen Friedrichstraße derselbe ins Stocken. Neugierig recken sich die Köpfe empor, um die Ursache des Stockens zu erblicken. Und was war's? Schweigend bewegt sich ein Zug von etwa 49 Arbeitshäuslern die Neue Friedrichstraße entlang, vorn und hinten von einem Auf- scher begleitet. Ihre, der Arbeitshäusler, Gesichter sind aber nicht freudig bewegt, sondern finster und düster wie ihre schwarzen Anzüge. Ist es nicht eine Schmach und Schande, die Leute in einem solchen Aufzuge auf die Straße zu führen? Nicht genug, daß sie Opfer der heutigen Gesellschaftsordnung, des kapitalistischen Staates geworden sind, führt man sie hinaus auf die Straßen der Großstadt, um sie an den Pranger zu stellen. Ist es nicht schänd- lich, daß das Volk der Dichter und Denker es duldet, daß mit den Opfern des Kapitalisimus in so schmachvoller und roher Weise verfahren wird?" Wir sind mit dem Einsender der obigen Zeilen in der Ver- urteilung einig, daß es unzulässig sein sollte, Arbeitshäusler durch die Straßen der Stadt zu führen und sie den neugierigen Blicken des Publikums auszusetzen. In der Stadtverordneten-Versamm- lung ist von sozialdemokratischen Rednern diese Art der Pranger- stellung armer Teufel oft gerügt worden, leider ohne Erfolg. Dafür haben unsere Freisinnsmänner kein Gefühl; sie finden das im Gegenteil ganz in der Ordnung und meinen, die Arbeits- Häusler empfänden diese Verwendung in der Großstadt noch als ein besonderes Benefizium. Nm Vesser Hurra schreien zu können, bemühte sich am Sonn- abend, dem Paradeiage, ein Polizeileutnant um Schulkinder. Schul- jungen hatten auf dem Eisengitter am Blücherdenkmal Posto gefaßt. Als ein Polizeileutnant die Kinder Hurra schreien hörte, meinte er: „Kommt mal mit, Jungens, hier könnt ihr besser sehen." Sagte es und stellte sie in die vorderste Reihe. Revolverszene im Tiergarten. In der Nacht zum ersten Pfingst- tage spielte sich am Großen Stern ein blutiger Vorgang ab, bei dem der 32jährige Versichcrungsinspektor Karl Freiherr v. Vultee aus der Elisabetstraße 34 lebensgefährlich verletzt wurde. Am Sonn» abend abend unternahm der sechsunddreißigjährige Kaufmann H. aus der Königgrätzer Straße mit seiner Braut, einem Dienstmädchen aus Wilmersdorf einen Nachtspaziergang durch den Tiergarten. In der zweiten Morgenstunde ließen sie sich in der Nähe des Großen Sterns auf eine Bank nieder. In ihrem Gespräch wurden sie plötzlich jäh unterbrochen von einem Mann, der sich von hinten herangeschlichen hatte, auf sie eindrang und Geld forderte. H. ließ sich aber nicht einschüchtern, sondern zog einen Revolver aus der Tasche und gab einen Schreck- schuh in die Luft ab. Da sich der Angreifer dadurch nicht beirren ließ, sondern mit dem Messer und einem Stockschirm auf H. eindrang, feuerte dieser in der Notwehr zwei Schüsse ab. Während die eine Kugel fehlging, traf das zweite Geschoß den„Frciherrn" in die Brust und verletzte die Lunge. Infolge der Schüsse eilten mehrere Spaziergänger herbei, die den Schwerverletzten nach der Charite und H. nach der Polizeiwache brachten. H wurde nach längerem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt, da ein wandfreie Zeugen bekundeten, daß er in der Notwehr gehandelt habe. Ein Boot mit vier Personen kenterte Montagnachmittag auf dem Müggelsee zwischen Rübezahl und dem Rahusdorfer Gcmünde. Die Insassen, zwei Herren und zwei Damen, wechselten die Plätze, wobei der leichte Nachen umschlug und alle vier i»S Wasser stürzten. Nur einer der Verunglückten war des Schwimmens kundig, während die drei anderen in ernste Gefahr gerieten. Glücklicherweise be fanden sich jedoch mehrere Nuderboote an der Unfallstelle, deren Zu fassen es gelang, die mit den Wellen Kämpfenden zu retten. Beim Spielen zum Krüppel gefahren wurde am Sonntagabend um 6 Uhr die 8 Jahre alte Tochter Elsbeth des Hausdieners Bathe aus der Schliemannstraße Nr. 13. Die Kleine spielte mit anderen Kindern aus der Straße Kriegen, übersah dabei, als sie über den Damm lief, einen Kraftomnibus der Linie Blücherplatz-Arniin- platz, der von der Danziger Straße herkam, und geriet unter die Räder. Die Rettungswache in der Gaudystraße brachte die Aermste nach der Charitö, wo ihr der zermalmte Arm abgenommen werden mußte. Auf dem Bahnhof Wildpark herrschte am ersten Feiertage ein unbeschreibliches ChaoS. Die wenigen Beamten wußten nicht ein noch aus. Dutzende von Personen sind dort in falsche Züge ge- stiegen, die dort jetzt von Werder, Berlin, Nauen und Beelitz ein- laufen. Eine Frau aus Berlin, die um 5 Uhr früh aus Berlin fortgefahren war, hatte ihre Angehörigen verloren, war in Wildpark in einen Zug nach Nauen gestiegen, hatte einen anderen nach Beelitz verpaßt und konnte nun erst um 4 Uhr nachmittags dorthin fahren, um dann abends nach Treuenbrietzen zu gelangen. Zwei Personen im Tegeler See ertrunken. Ein trauriger Vor- gang hat sich am zweiten Feiertag Nachmittag auf dem Tegeler See abgespielt. An der sogenannten Scharfcnberger Ecke hatten zahlreiche Ausflügler gebadet. Die betreffende Stelle ist für das Baden verboten. Trotzdem kann man häufig dort Personen be- o buchten, die sich im Wasser herumtummeln. Als nun am zweiten Feiertage der 25jährige Hausdiener August Paper aus der Straßburger Straße 41 ein Stück in den See hinausgeschwommen war, bekam er plötzlich einen Starrkrampf in die Beine. Er konnte in- folgedessen nicht mehr schwimmen und rief laut um Hilfe. Sofort schwammen der 49 Jahre alte Stratzenbahnschaffner Gustav Bier dacht, Müllerstr. 59, sowie einige andere beherzte Männer herbei. B. ergriff den P., um ihn über Wasser zu halten. In seiner Angst klammerte sich P. so fest an seinen Retter, daß diesem die Möglich keit genommen wurde, sich zu bewegen. Noch bevor weitere Schwimmer zur Stelle sein konnten, waren die beiden unter» gegangen. Vergeblich bemühten sich zwei gute Schwimmer, durch Tauchen die Untergegangenen zu retten. Die Leichen der Er- trunkenen konnten noch nicht geborgen werden. Bodendiebe statteten in der Nacht zum Freitag dem Eckhause Eberswalder- Oderberger Straße wie schon des öfteren wieder ein- mal ihren Besuch ab. Sie stahlen Wäsche und Kleidungsstücke, von denen sie mit Sachkenntnis nur das Beste mitgehen hießen. In Mit- leidenschaft gezogen sind durchweg arme Leute, welche durch solchen Verlust doppelt hart betroffen werden. Es ist doch ein erbärmliches Handwerk, das der Bodendiebe l BuS der Selbstmordchronik der Feiertage. Am frühen Morgen des ersten Festtages verübte ein junger Mann in einem Stadtbahn- zug zwischen den Stationen Alexanderplatz und Börse Selbstmord, indem er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Der Lebensmüde wurde auf dem Bahnhof Börse von einem schnell herbeigerufenen Arzt verbunden, doch starb er kurze Zeit darauf. Nach vorge- fundenen Papieren handelt es sich um den 22jährigen Handlungs- gehilfcn Bruno Schroeter aus Friedrichshagen. Die Leiche wurde dem Schauhause zugeführt. Der Beweggrund zu der Tat ist un- bekannt.— Ebenfalls in der Nacht zum ersten Feiertag erschoß sich in den Anlagen des Fricdrichshains der 18jährige Bautechniker Alfted P. Er fand im nahen Krankenhause am Friedrichshain Auf- nähme, erlag seinen Verletzungen aber auch nach kurzer Zeit.— In dtt.. OdxMrgex Strsßs 14 tpjü&e SD zlpMeu F eiextag dür LüMp Willi Baumgardt an der Vorbodentür des Hauses erhängt vorge- funden. Trotzdem die alarmierte Feuerwehr sofort mit Sauerstoff Wiederbelebungsversuche anstellte, waren doch alle Bemühungen vergeblich. Es konnte nur noch der bereits eingetretene Tod fest- gestellt werden.— In der Feilnerstraße 11 vergiftete sich ferner noch der Arbeiter Max Hinsch mit Leuchtgas.— Vor den Augen ihres Geliebten erschossen hat sich die 19 Jahre alte Krankenpflegerin Helene Kurt aus der Wöhlertstraße 2. Die Lösung des Verhält- nisses, das die K. mit einem Schriftsetzer M. unterhielt, soll die Ur- fache zu diesem Schritte sein. Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Bierwagen und einem Straßenbahnwagen an der Ecke der Frankfurter Allee und der Kreutzigerstraße wurde der Mitfahrer Otto Petri vom Wagen ge- schleudert, wobei er Verletzungen am Kopfe erlitt. Der Kutscher Karl Händler trug Quetschwunden davon. Samariter der Wehr nahmen sich der Verletzten an, die nach der nächsten Unfallstation gebracht wurden. Von den beiden Pferden war eins tot und eins schwer verletzt; auch der Straßenbahnwagen war beschädigt. Wer ist die Tote? In den Landwehrkanal sprang gestern nach- mittag um 5V« Uhr an der Waterloo-Brücke eine unbekannte junge Frau von 29 bis 25 Jahren. Der Schiffer Knetsch aus Melzdorf in Schlesien, der mit seinem Kahn in der Nähe lag, holte die Lebensmüde nach kurzer Zeit aus dem Wasser wieder heraus, und zwei Schutzmänner, die ihm zu Hilfe kamen, machten Wieder- belebungsversnche, die gleich darauf im Krankenhause an der Gitschiner Straße von einem Arzt noch fortgesetzt wurden. Alle Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Die Ertrunkene war gut gekleidet. Sie trug einen blauen Strohhut, ein schwarzes Tastjackett, weißen Falten- rock und Bluse, blaue Strümpfe, schlvarze Schnürschuhe, goldene Ohrringe mit roten Steinen und einen Trauring mit dem Zeichen H. B. 1. 11. 98. Beim Frühkonzert bei Ballschmieder, Badstraße 16, ist ein Porte- monnaie mit Inhalt gefunden worden. Abzuholen bei Raschle, Ackerstraße 36, ,Vorwärts"°Spedition. Radrennen zu Treptow. 39. Mai. Das Herausfordern ngs- Match in drei Läusen über 19, 29 und 39 Kilometer, das von der bekannten Dauerfahrern Tommy Hall, Kurt St o s e n I ö ch e n und Hermann Przyrembel bestritten wurde, gestaltete sich zu einem spannenden sportlichen Wetikampf, da die drei Fahrer einander gleichwertig sind und jeder bemüht war, sein Bestes zu geben. Jeder Fahrer gewann einen Lauf, die anderen endeten nahe hinter dem Sieger; nur in dem 39 Kilometer-Rennen siegte der Engländer Hall überlegen. Ergebnisse: 19 Kilometer(309, 299, 199 M.): 1. Przyrembel in 8 Min. 23 Sek.; 2. Rosen- löcher, 139 Meter, 3. Hall, 159 Meter zurück.— 29 Kilometer (699, 499, 299 M.); 1. R o s c n l ö ch e r in 16 Min. 492/5 Sek.; 2. Hall, 199 Meter, 3. Przyrembel, 299 Meter zurück.— 39 Kilometer(899, 699, 400 M.): 1. Hall in 23 Min. 47 Sek.; 2. Roscnlöcher, 259 Meter, 3. Przyrembel, 1959 Meter zurück.— Das Pfing st-Handicap über 1599 Meter(59, 39, 29, 19 M.j gewann Pawke(Mal) vor Br. Wegener(Mal), F. Stellbrinl(49 Meter Vorgabe) und Hitzler(49 Meter Vorgabe). Der Große Flieger-Preis, von dem drei Vor- und Zwischenläufe ausgefahren wurden, gelangt erst am 1. Juni zur Entscheidung. Radfernfahrten. DaS radsportliche Berlin stand an den Pfingst- tagen im Zeichen der Fernfahrt e n. Die vom Gau 4(Rhein- land) deL Deutschen Radfahrer-BundeS veranstaltete Fernfahrt Berlin-Köln führte 643 Kilometer. 125 Fahrer erschienen ander Abfahrtstelle in Staaken bei Spandau, wo sie am Pfingstsonntag vormittags 9 Uhr entlassen wurden. Nach einer Fahrt von 28 Stunden 12>/z Min. erreichte als Erster der Kölner Tacke das Ziel, gefolgt von Pütz, Böhm(Berlin), Roggenbuck, Grützmacher, Tartsch(Berlin), Mund und F r i t s ch. Die zweite Fahrt, der„Große Preis für Industrie" für leichte Tourenräder begann gleichfalls am Sonntag in Marien« darf' und führte über Luckau, Bautzen, Görlitz, Luckau, Zossen (595 Kilometer). 71 Fahrer wurden abgelassen; 32 beendeten die Fahrt. Die ersten vier legten die Strecke in 29 Std. 7 Min. 28—29 Sek. zurück und zwar O. G ö tz k e- Berlin auf Brcnnaborrad, W. Donath- Berlin auf Dürkopp, G. Schulze- Trebbin auf Neckarsulm, P. O b e r sie i n- Dresden auf Dürkopp. Der letzte Fahrer brauchte 25>/z Stunden. Arbciterradfahrer halten sich die Pfingstfeiertage zahlreich in Luckenwalde eingefunden. An dieser Landesausfahrt des Arbeiter- radfahrerbundes„Solidarität" beteiligten sich Gau 9(Provinz Brandenburg), Gau 14(Königreich Sachsen) und Gau 17(Provinz Sachsen und Anhalt). Das Fest nahm, von dem schönen Wetter bc- gllnstigt, den hannonischsten Verlauf. Arbeitcr-Samariterkolonne, Rixdorf, 5. Abteilung. Heute abend 9 Uhr findet die Fortsetzung des Sommerkursus in dem Ucbungs« lokal bei Kaufhold, Erkstraße 8, statt. Der Vortrag lautet über Verletzungen, Wundbehandlung und Blutstillung, daran anschließend praktische Uebungen. Da mit dieser Stunde der praktische Teil des Kursus beginnt, können noch neue Teilnehmer eintreten, worauf wir besonders hinweisen. Die Brandchronik der letzten Tage war sehr reichhaltig; in einigen Fällen ist wieder Brandstiftung festgestellt worden. Vorort- JVacbndrtem Wilmersdorf. Gemeindearbeitcr, Gesundheitswesen. Die Stadt Wilmersdorf hält Fabrikbetriebe nach Kräften von sich fern. Wilmersdorf würde an Vornehmheit einbüßen und Gefahr laufen, daß Proletarier in die von Kommerzieuräten bc« wohnten Straßen einzögen, wenn hier wie im Osten oder Norden von Berlin Fabrikschlote auftauchten. Auch stimmen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung von Wilmersdorf darin überein, daß Regiebetriebe vom Uebel sind. Wasserleitung, Gaswerk, Elektrizitätswerk sind hier in privaten Händen. Selbst ein eigenes Krankenhaus fehlt der au hunderttausend Einwohner zählenden Stadt; und den Bau der geplanten Untergrundbahn häite man mit Freuden dem Privatkapital überlassen, wenn sich nur irgendwer zu solchem Werk bereit gefunden hätte. Aber dennoch ist auch in Wilmersdorf der EntivickelungSgedanke kein leerer Wahn; nur daß man hier bei seiner Propagierung von der Abschreckungstheorie ans- geht. Zwischen Ringbahn und Mecklenburgische Straße nennt die Stadt ein ansehnliches Gelände ihr eigen. Von der Mannheimer Straße her wird ein großes Kanalisationsrohr durch die Gegend geleitet; und zu den Bauarbeiten gebraucht man eine Menge zcr- kleinerter Steine. Wahrscheinlich nun, um der Oeffentlichkeit zu demonstrieren, wie mißlich eZ ist, wenn ein Ort sich zur Fabrikstadt entwickelt und zugleich für eigene Rechnung Bedarfsgegenstände herstellen läßt, hat der Magistrat ans diesem an drei Seiten von Häusern umgebenen Gelände eine Steinschneiderei herrichten lassen. Die Firma R. Schneider, G. m. b. H., in Berlin hat die Maschinenanlage erbaut, in der mit einem nicht zu beschreibenden Geräusch von früh' bis spät Steine zermahlen werden. Den Ohren erklingt die Melodie um so gehaltvoller, als die Maschinerie ohne Hülle und Bedachung auf freiem Felde arbeitet. Damit aber Herz und Lunge auch was haben, entwickelt sich bei der Arbeit in Massen jener intensive Staub, mit dessen Hilfe nach den im Steinmetzg'e werbe gemachten Erfahrungen des Menschen Seele schon im Anfang der dreißiger Jahre himmlischen Höhen entgegengeführt wird. DieS dem fündigen Erdendasein abgewandte Streben kommt im vorliegenden Falle umso sinniger zum Ausdruck, als sich dicht neben der Steinschneiderei der Gemeindespielplatz befindet, allwo die fröhliche Kinderwelt sich, in Granitstaubwolken gehüllt, zur Erholung und Kräftigung herumtummelt. Allen Hygienikern, Ge- Werbeinspektoren, Pädagogen und Kommunalpolitikern wird der Anblick der Wilmersdorfer Einrichtungen ein belehrender Hoch- genuß sein._ Chnrlotteubnrg. Die Erhebung von 13 Extrabeiträge» a 25 Pf. bis zum I. Januar 1910 beschloß die letzte Mitgliederversammlung der hiesigen Zahlstelle des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Die im Vorjahr geklebten 25 Pf.-Marken werden hierbei in Anrechnung ge- bracht. Wird dieser obligatorische Veitrag nicht entrichtet, so kommt derselbe bei einer eventuellen Lokalunterstützung in Abzug. Bötzow(bei Spandau). Eine Nevolvcrapre. Am zweiten Psingsttage nachmittags schoß der 23jährige Zimmerer Iben seiner 21jährigen Braut Minna Christoph Hierselbst, nnt der er in fünfjährigem Verkehr steht, eine Kugel in den Kopf und zerschmetterte ihr den Mund und die Mund- organc bis zur Hinteren Mundhöhle. Die Kugel blieb dann stecken. Er selbst schoß sich hierauf in die Schläfe, jedoch ohne sich zu töten. Beide Personen befinden sich in bedenklichem Zustande. Tegel. Bei einer folgenschweren Gasexplosion, die sich in dem Hause Schloßstr. 21 ereignete, sind zwei junge Mädchen erheblich zu Schaden gekommen. In einer Wohnung, die von dem Mieter ge- räumt worden war, hatten die beiden Dienstmädchen die Zimmer S ereinigt. Während der Arbeit nahmen sie Gasgeruch wahr und als e, in der Meinung, der GaShahn stehe offen, diesen schließen wollten, drehten sie ihn auf. Bald hatte sich nun daS ganze Zimmer mit Gas angefüllt. Anstatt jetzt die Fenster zu öffnen, zündeten die Mädchen ein Streichholz an, um die Gasleitung abzuleuchten. Im nächsten Augenblick erfolgte eine heftige Explosion. Die jungen Mädchen wurden durch die Stichflammen getroffen. Eines der Mädchen wurde am Kopf, im Gesicht und an den Händen fürchterlich zugerichtet. Die Schwerverletzte fand im Paul Gerhard- Stift Aufnahme. Adlershof. Die letzte Gcmeindcvertrctcrfitzung beschäftigte sich mit der Verlegung des Schulgartens auf das Grundstück der II. Gemeindeschule, da das bisher benutzte Terrain durch den Anbau an die II. Gemeinde- schule benötigt wird. Die Verlegung des Schulgartens ist schon er« folgt, es sind der Gemeinde dadurch 16si8,S3 M. Kosten entstanden, welche nachbelvilligt wurden. Durch den Dachstuhlbrand der II. Gemeindeschnle ist das Fehlen an geeigneten Vorkehrungen zum Löschen entstehender Brände auf den Gemeindeschulgrundstücken besonders in Erscheinung getreten; es wurde beschlossen, auf dem Schulhofe der I. Gemeindeschule einen Obcrflnrhydranten und auf dem Schnlhofe der II. Gemeindeschnle zwei Ober- und zwei llnter- flurhydrnnten aufstellen zu lassen. Auf den Korridoren der I. Ge- meindeschule sollen einsprechende Schlauchleitungen sofort und bei der II Gemcindeschule sollen dieselben nach Fertigstellung des Neu- baues auch dort angebracht werden. Für den durch den Dachstuhl- brand entstandenen Schaden ist als Entschädigung mit der Vaterl Feuervcrsicherungs-Altiengesellschaft ein Betrag von 25 539 M. vereinbart worden, außerdem sollen noch für Absteifen der Giebel und Schornsteine, für Absperrungen der Unfallstelle und dergl. 201,77 M. und für die den Schulkindern abhanden gekommenen Schulutensilien 100 M. gefordert werden. Diesen durch den Gemeindevorsteher ge- troffenen Vereinbarungen trat die Gemeindevertretung bei. Die Wiederherstellung des Dachstuhles, welcher vorläufig nur provisorisch abgedeckt ist, wurde der bestehenden Laukommission zur Erledigung überwiesen, die Arbeiten sollen während der großen Sommer-Schul- ferien ausgeführt werden. Bezüglich der bis zum 1. April erfolgten Verabreichung von warmem Frühstück an Schulkinder, deren Eltern durch die Krise arbeitslos waren, hat die Kommission Feststellungen vorgenommen. Es wurde festgestellt, daß die betreffenden Eltern sich sämtlich wieder in Arbeit befinden und zum größten Teile erklärten, nunmehr selbst wieder für ihre Kinder sorgen zu können. Bei einem kleineren Teile, wo bisher schon Armenunterstützung ge- währt wurde, wurde ausgesprochen, daß eine höhere Armen- Unterstützung am Platze sei. Betreffs Anlegung der strittigen forst- fiskalischen Steuern in Höhe von 127 748,06 M. wurde beschlossen, 75 000 M. in Wertpapieren und den Nest bei dem Schaaffhausenschen Bankverein in Köpenick anzulegen, wenn die zu gewährenden Ver« gürungen nicht ungünstigere sind, wie zurzeit bei der Deutschen Bank. Eine längere Debatte wurde durch den Antrag des Gemeinde- Vorstehers auf provisorische Pflasterung des Glienicker WegeS Herborgerufen." Seit längerer Zeit schweben mit den Anliegern des Glienicker Weges, unter denen hauptsächlich die Finnen Kahlbaum und Wolf, Nettes u. Jacobi in Betracht kommen, Unterhandlungen betr. Pflasterung dieser Straße. Diese Unterhandlungen können abernichtzum Abschluß gelangen, da gerade diese beide Firmen sich weigern, den auf sie entfallenden Betrag zu zahlen und sie auch gesetzlich nicht dazu gezwungen werden können. Mit der Annahme des Antrages a»f provisorische Pflasterung der Straße würde natürlich den beiden Firmen, besonders der Firma Kahlbaum, welche an der Straße Beamtenwohnhäuser errichtet hat, ein großer Gefallen erwiesen werden, da dieselben für mindestens 10—15 Jahre eine anderweitige Pflaste- rung der Straße nicht bedürfen würden, die Gemeinde aber bis zur endgültigen Pflasterung die Kosten und Zinsen zu tragen hat. Nach einem ObcrverwaltungsgerichtSentscheide sollen diese Kosten nach endgültiger Regulierung der Straße ans die Anlieger mit verteilt werden können. Die Majorität der Gemeindevertretung erblickte in diesem Antrage aber nur eine Begünstigmig des großen Kapitals gegenüber den anderen Einwohnern und beauftragte den Gemeindevorsteher, nochmals mit den Anliegern zu unterhandeln, dahingehend, daß dieselben auch die Kosten der provisorischen Pflasterung sofort übernehmen. SuS der vorgelegten Bewegungsstatistik der Bevölkerung ging hervor, daß am Schlüsse des Monats 10 117 Einwohner vorhanden waren. Potsdam. Born Bau gestürzt und auf der Stelle verstorben ist am Pfingst- fonnabend der Arbeiter V. beim Potsdamer Bahnhofsumbau. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Das sechste Stadtverordnetenmandat ist durch den Tod des Hof- schlossermeisterS Neichner erledigt. Und noch immer hört man mchtS von einer Ergänzungswahl. So werden die Interessen der Bürger- schaft bei einer fast ausschließlich konservativen Mehrheit gewahrt. Die Stadtverordnetenversammlung überwies das Gesuch der Lehrer und Lehrerinnen, die Regelung der Gehälter betreffend, an die bestehende Kommission für Bittgesuche.— Dem Verein„Jugend- Hort" wurden 600 Mark Beitrag bewilligt. Bereits ftllher hat dieser Berein einen solchen Beitrag erholten, aber als er seine Ferien- kolonie eingehen ließ, wurde derselbe gestrichen. Grund kann nur die mangelnde Information über die Tätigkeit des Vereins sein. Denn wenn in der Begründung angegeben ist, daß die Ferien- kolonie nur deshalb eingegangen ist, weil die Einnahmen des Vereins für die Jugendfürsorge und für die Ausgabe einer warmen Mahlzeit an diejenigen Schulkinder, die solche zu Hause nicht erhalten, vollständig verwendet worden sind, so ist daS ein recht trauriges Zeichen für die zweite Residenz, in der man sich„um solche Sachen" nicht kümmert.— Für den Bau einer neuen Doppelturnhalle in der Kursürsteiistruße wurden 191 000 M. bewilligt. Abgelehnt wurde dabei der Vorschlag, den Bau so einzurichten, daß dieselbe gleichzeitig als Feithalle Verwendung finden könne. Die Einrichtung von Vrausebädern fand ebenfalls keine Zustimmung.(Hoffentlich doch nur aus dem Grunde, daß das neuzuerrichtende städtische Hallenschwimmbad in Kürze Ersatz bieten wird. Oder soll der Plan noch weirere 25 Johre zur Verwirklichung brauchen?)— Der Ankauf des Fleschnerschen Grundstücks zum Preise von 290 000 M. wurde mit 19 gegen 20 Stimmen beschlossen.(15 Stadtverordnete fehlten und sechs Sitze sind unbesetzt.) Die Gegner hielten den Preis von 9,90 M. pro Ouadralmeier für zu hoch, um so mehr, da Prinz Eitel Friedrich vor kurzem ebenfalls einen Teil des Grundstücks zum Preise von 8,50 M. gekaust habe. Die Freunde hielten den Ankauf für unbedingt notwendig, da allein durch den Ankauf dieses Wasiergrundstücks die städtischen Gelände an der Kastanien-Allee der Bebauung erschlossen werden könnten.— Für den Handarbeitsunterricht der höheren Mädchenschule sollen drei Nähmaschinen angeschafft werden. Da erst die Erfahrungen bei andern Anstalten abgewartet werden sollten, hielt der Magistrat im Vorjahre die Anschaffung nicht für nötig. Jetzt verlangt das Provinzial- schulkollegium unter Berufung auf ministerielle Bestimmungen die Beschaffung der Nähmaschinen. Die Mehrzahl der Stadtverord- neten hielt diese Gelegenheit für geeignet, das„Selbstverwaltungs- recht" zu verteidigen, und lehnte die Bewilligung ab. Da man den Gebrauch derselben für höhere Töchter(man bedenke im Alter von 13—16 Jahren) für Spielerei hielt. Der Stadtv. Bernhardt be- merkte in seinem Schlußwort, das Provinzialschulkollegium sollte sich lieber um etwas anderes kümmern, als der Stadt derartige Ver- pflichtungen aufzuerlegen.— Die Errichtung einer kauf- m ä n n i s ch e n Fortbildungsschule für weibliche Angestellte wurde einer Kommission überwiesen. g'er Gerichte-Zeitung. Die„Corfu-Company" vor Gericht. Eine schwindelhafte Gründung, die zeigt, wie leicht die Hab Törichte in die Netze von Schwindlern treibt, gelangt am 7. Juni vor der Strafkammer des Kölner Landgerichts zur Ver- hanolung. Angeklagt sind 1. Postsekretär a. D. Kaufmann Her- mann Haucke-Charlottenburg, 2. Kaufmann Paul Robert Kroeger- Friedenau, 3. Bergwerksdirektor a. D. Leutnant der Landwehr Heinrich Sonnenschein-Dortmund, 4. Kaufmann Paul Heinrich Haucke jr.-Charlottenburg, 5. Früherer Handelssekretär Kaufmann Kaminski-Köln, 6. Kaufmann Hermann Zimmermann-Köln, 7. Verlagsbuchhändler Ulrich Kracht-Berlin, 8. Kauf mann Johann Heinrich Träger-Berlin, 9. Oberkellner Otto Jsfordnig-Köln, 10. August Oberreuter-Godesberg, 11. Kaufmann Friedrich Grah-Köln, 12. Kaufmann Wilhelm Hopstein-Gelsen- lirchen, 13. Jmmobilienagent Wilhelm Junlermann-Köln, 14. Kauf- mann Josef Duhme-Dortmund. Vor einigen Jahren wurde dem Rentner Viktor Darguenne von der griechischen Regierung und dem Magistrat der Stadt Korfu eine Konzession auf 39 Jahre erteilt, in der Stadt Korfu zwecks Hebung des Fremdenverkehrs eine große elegante Badeanstalt mit Bassin-, Schwimm- und elektrischen Bädern sowie einen daran an- schließenden eleganten Spielsaal, RestaurationSräume, Konzerb kioske, Spielplätze und Parkanlagen errichten zu dürfen. Dar guenne verkaufte die Konzession an die Kölner Firma Grab«. Co. Letztere verfiel aber sehr bald in Zahlungsschwierigkeiten. Um nun die Konzession auszubeuten, gründete sie im Juni 1906 in Brüssel mit mehreren gänzlich vermögenslosen Leuten die„Corfu Company Aktiengesellschaft. Das Grundkapital wurde auf 5 Millionen Frank bemessen. Es gelangten 10 000 Aktien a 500 Frank zur Ausgabe. Bücher wurden von der Gesellschaft überhaupt nicht angelegt. Bar eingezahlt wurden 50 000 Frank, die jedoch in kurzer Zeit für die GründungSkosten, insbesondere für Reisen verschiedener Gründer, Direktoren und Aufsichtsratsmitglieder nach Korfu aufgebraucht waren. Obwohl Grah u. Co. die Konzession an die Aktiengesell« schaft noch bis heute nicht übertragen hat, wurden die Aktien, die an die gänzlich vermögenslosen Gründer, Direktoren, Aufsichtsräte und einige Schlepper verteilt wurden, von diesen durch groß- sprecherische Anpreisungen aller Art unter das Publikum gebracht. Es wurde auch der Versuch unternommen, die Aktien an der Börse einzuführen. Eines Tages wurden zwei Aktien an der Brüsseler Börse versteigert; dadurch wurde der Anschein hervorgerufen, daß die Aktien einen börsenmäßigen Kurs haben. Soweit eS nicht gelungen war, die Aktien zu verkaufen, wurde der Versuch unter» »ommen, sie zu verpfänden. Außerdem wurden auf die Baulich- ketten in Korfu, die einen Gesamtwert von 450 000 M. hatten, erststellige Hypotheken in großen Beträgen aufgenommen. Ferner wurden unzählige Leute von der Aktiengesellschaft engagiert, die sämtlich hohe Kautionen stellen mußten. An dem Etablissement in Korfu wurde überhaupt nicht gearbeitet. Die Direktoren, Auf- sichtSräte und sonstigen Schlepper lebten von dem Erlös der Aktien, Kautionen usw. in Saus und Braus, hielten sich Equipagen, Maitressen, Dienerschaft und unternahmen kostspielige Reisen. Die ganze Aktiengesellschaft schwebte überhaupt in der Luft. Denn einmal wäre die Konzession der Gesellschaft von der griechischen Re« gierung nicht anerkannt worden, da letztere zur Bedingung gestellt hatte, daß die Konzession einer griechischen Gesellschaft übertragen werde, dre den Gesetzen Griechenlands unterstehe. Andererseits wurde dem Publikum vorgeredet, es handle sich um ein zweites Monaco, es werde gelingen, durch die Spielsäle viele Millionen wie in Monaco und Ostende zu verdienen. DaS war aber Flunkerei, denn in Griechenland ist Hazardspiel gesetzlich verboten. Dies war auch bei Erteilung der Konzession ausdrücklich hervorgehoben. Die Aktien waren mithin vollständig wertlos. Im Frühjahr 1908 brach daS Gebäude zusammen. Tausende kleiner Leute, Handwerks- nceister, Witwen usw., die den grohprahlerischen Schwindeleien in Erwartung mühelosen Gewinns Glauben geschenkt hatten, aber auch die Angestellten, die Kaution hinterlegt hatten, waren um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. Ein alter pensionierter Oberst hatte 250 000 M. verloren. ES war daS sein gesamtes Vermögen� Die Angeklagten, von denen sich einige seit sehr langer Zeit in Untersuchungshaft befinden, haben sich nunmehr wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Unterschlagung, Untreue, Verletzung des Aktien, gesetzes, KonkurSvergehens usw. vor eingangs bezeichnetem Gerichts. Hofe zu verantworten. Trotz der Fülle des Materials hofft man in zwei Wochen den Prozeß zu Ende führen zu können. Ueber daS Urteil werden wir berichten. Ein Idyll aus einem Kasernengebaude wurde gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III beleuchtet. Vor dieser standen sich die Frauen der Vizefeldwebel Ulbrich und Müller als streitende Parteien gegenüber. Auf dem Gelände der� Militärschießstände in Plötzensee befindet sich ein fiskalisches Gebäude, welches die Vize» feldwebel U. und der Scheibenmeister DI bewohnen. Trotz dieser häuslichen Gemeinschaft scheint in dem Verkehr der beiden Haus- bewohner eine dicke Scheidewand aufgerichtet zu sein und insbe» sondere scheinen die beiderseitigen Frauen in beständiger offener Fehde zu leben. In einem Falle, in welchem sie zum Kadi gelaufen waren, um dort Genugtuung für wörtliche Beleidigungen zu ver- langen, kam eS noch glücklich zum Vergleich. Trotzdem hörte die Kampfeslust der beiden Frauen nicht auf, sie zeitigte vielmehr eine Anklage gegen Frau Vizefsldwebel 11., die beschuldigt wurde, ihre Nachbarin, die Frau Vizefeldwebcl M. bedroht, mit einem Feuer- haken bearbeitet und beleidigt zu baben. Das Schöffengericht hatte durch die Beweisaufnahme für festgestellt erachtet, daß die An- geklagte die Frau Vizefeldwcbel DI mit einem Feuerhaken miß- bandelt und ihr dabei zugerufen habe:„Du hast bist jetzt noch keine Senge gekriegt; toenn ich Dich abends treffe, schlage ich Dir die Knochen kaput! Du alte S... Du bist ja schon im Regiment be- kannt, Gott sei Dank, daß die verfluchte Bande rauSfliegt." DaS Schöffengericht hatte mit Rücksicht aus die Sck?were dieser„freund- lichen" Worte die Angeklagte zu 199 MI Geldstrafe verurteilt. In den beteiligten Kreisen scheint diese Angelegenheit kein geringes Interesse erregt zu haben, denn der Verhandlung in der BerufungS- instanz wohnte eine ganze Anzahl von Personen bei. die dem Kampfe der beiden streitbaren Frauen von Plötzensee ganz be- sondere Aufmerksamkeit widmekeik. Unter ihnen befanden sich auch in voller Uniform die beiden Vizewachtmeister, die übrigens schon von der Militärbehörde auf den schönen Spruch hingewiesen worden sind:„Wie schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig bei einander wohnen." Vor der Strafkammer behauptete Frau U. unter dem Widerspruch ihrer als Nebcnklögerin auftretenden Geg- nerin, daß diese die Tatsache, daß sie früher gedient habe, zum Aus- gangspunkt von Beleidigungen zu machen Pflege, ivo habe sie auch an dem kritischen Tage, als sie vor ihrer offenstehenden Küchcntür vorbeigekommen, ihr wiederholt das schöne Wort„Sie Dienstklater" entgcgengeschleudcrt. Das habe ihr die Galle ins Blut getrieben und sie habe der Gegnerin einige nicht mißzuverstchcnde Worte mit auf den Weg gegeben, sie aber nicht mißhandelt. Die erneute Be- Weisaufnahme, in welcher auch einige Soldaten vernommen wurden, hatte das Ergebnis, daß die von Frau Vizefeldwcbel U. eingelegte Berufung verworfen wurde. 25 Jahre die Arbeiter hintergangen. Vor dem Schöffengericht tn Baro im Unterelsaß klagten drei frühere Arbeiter des Leder- fabrikanten Adolf D i e tz auf Herauszahlung zuviel einbehaltener Beiträge zur Ortskrankenkasse. Es handelt sich um das Drittel des Beitrages, das der Unternehmer zu zahlen hatte, das der Beklagte aber den Arbeitern auch noch vom Lohne abzog.— Durch Versäumnisurteil— der Beklagte war nicht erschienen— wurde der Fabrikant im zweiten Termine verurteilt, an die Arbeiter je 10, U0 und 59,80 MI mit 4 Proz. Zinsen seit dem Klagctage auszu- zahlen. Wie verlautet, wurde im ersten Termine festgestellt, daß der arbeiterfreundliche Unternehmer seinen Akkordarbeitern seit dem Jahre 1834, also seit dem Bestehen des Krankenversicherungs- gesetzes, die vollen Kassenbeiträge vom Lohne abgezogen hat. Der Unternehmer suchte sich vor Gericht damit zu entschuldi- gen, daß er die großen Lasten beklagte, die die Sozialgesetzgebung den Unternehmern aufbürde. Wie berechtigt diese Kläger war, wird ja durch den Prozeß bewiesen. Wer verwundert fragen sollte� wie der Unternehmer jahrelang ein solches Treiben ungehindert fortführen konnte, dem diene zur Aufklärung, daß der Beklagte immer mit unorganisierten Arbeitern zu tun hatte, erst mit t*n Klägern, die organisierte Arbeiter waren, kam er an den Unrechten. Vermilcbtes. EisenVahnunfall. Aus München wird vom gestrigen Tage gemeldet: Von Zug 3 der Strecke Legau-Memmingen entgleiste gestern vor der Station Jllerbeuren die Lokomotive und stürzte um. Der Postwagen und zwei andere Wagen entgleisten; der Heizer Gisi wurde getötet. Die Ursache der Entgleisung ist«och unaufgeklärt. Im Eilzuge überfallen. Amtlich wird aus Essen(Ruhr) gemeldet: Am 29. Mai, gegen 9 Uhr 30 Minuten nachmittags wurden zwei Damen in einem Abteil I. Klasie des Eilzuges 19 Köln— Berlin zwischen den Stationen Kamen und Nordbögge von einem Mann überfallen, der während der Fahrt das Abteil bestiegen hatte. Der Täter sprang, nachdem der Zug infolge Ziehens der Rotbremse im Bahnhof Nordbögge zum Halten gekommen war, vom Zuge und entfloh in der Richtung auf Pelkum. Auf die Ermittelung deS Täters ist eine Belohnung von 1000 M. auSgesetzl Eine Frau und drei Kinder ertrunken. Stettiner Meldmig zu- folge kenterte gestern in dem benachbarten Ausflugsort Podejuch in der Nähe der Badeanstalt ein mit 9 Personen besetztes Bool Sämtliche Insassen stürzten ins Wasser; fünf konnten, wie die „Stetttner Neuesten Nachrichten" melden, gerettet werden, eine Frau und drei Kinder sind ertrunken. Durch Stürme vcrwüstcl Einer Meldung aus Dallas(Texas) zufolge wurden in der Stadt Zephyr w Texas durch einen Zyklon über dreißig Personen getötet. Eine FeuerSbrunst vollendete da» Zerstörungswerk.— Oklahoma Eity. 30. Mal Durch einen Tornado wurden tn verschiedenen Teilen des Staate» 22 Personen getötet und 50 verletzl Ueber einen Grubenbrand auf Zeche Graf Schwerin, wobei et» Steiger erstickt war, berichteten wir am 23. April d. I. Unter anderem war in der uns zugegangenen Meldung aus Bochum auch vermerkt, daß die Rauchapparate der Belegschaft nicht in Ordnung gewesen sind. Jetzt, nach etwa sechs Wochen, schickt uns die Gewerkschaft deS Steinkohlenbergwerks Graf Schwerin folgende Berichttgung: „Es ist unwahr, daß der Erstickungstod des Steigers P. von Zeche Graf Schwerin darauf zurückzuführen ist, daß die bei den Ab« dämmungSarbeiten benutzten Rauchapparate nicht in Ordnung waren. Richtig ist, daß die Apparate sich als in jeder Weise in Ordnung befindlich und gebrauchsfähig erwiesen haben. Es ist unwahr, daß drei Steigerreviere infolge des Brandes außer Betrieb gesetzt werden mußten. Richtig ist dagegen, daß ein T e i l e i a e S Reviers gefeiert hat." Wir müssen es unserem Gewährsmann überlassen, sich zu dieser Berichtigung zu äußern. Opfer der veulcnpcst. Einer Meldung aus Amoh zufolge ist in mehreren Orten SüdchinaS die Beulenpest aufgetreten, besonders bösartig wütet die Krankheit in der Nähe von Amoh. Jeden Tag fallen etwa 50 Personen der Pest zum Opfer. Amtlickier Marktbericht der städtische» Markthallen-DIrektion über den Großhandel w den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fletsch: Ausuhr reichlich, Geschäft flau, Knlbsleisch billiger, sonst unverändert. Wild: Zujudr genügend, Gejchäst ziemlich lebhast, Preise gut. Vellügel: Zufuhr genügend, in Gänsen weit über Vedarf, Gcschäst lebwS, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr mäßig, Gcschäil schleppend, Preise für Hechte niedriger. Butter und Kose: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft rege, Preise gedrückt. stvitterungsüberstckit vom 1. Juni ISNS, morgens 8 Ikvr. ll i Swinemd». 763 SO Hainburg 7kl SO Berlin 763 SO 3 heiter 18 Sctlly Franki.uDi. 7K1NW 1 wölken! 17 Slberdee» Plünche» 761 S Iwollenl 17 Pari» Wien>763 Still Wetterprognose für Mittwoch. Clattonen Haparanda, 757 S Petersburg 761 WNW 753 NNW 761 NNW 757 OSO H-tt de» S. Juni ISNS Oettet e- t"- 5? £* Lheiter 2 wölken! 4 wolkig 2 wolkig 1 wollenl 11 11 12 10 19 Kühler, zunächst ziemlich trübe bei frischen nordwestlichen Winden, etwa? Regen und Gewitterneigung: später wieder aufklarend. Berliner Wetterbureau. WafferstandS-Stachrichten »« LandeSanstalt für Gewässerkund«, mttgeteM vo» Berliner Wctlerbureau. Wasserstand M e m e l, Tilfi» P r e g e l. Jnsterbittg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Reh«, Bordamm Elbe, Leitmeritz „ Dresden , Barbq , Magdeburg Wasserstand Saal», Grochlitz Havel, Spandau 1 , Rathenow 1 Spree, Spremberg') , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximiltanSau , Kaub , Köln Neckar, Hcilbrom» Main, Werlheim Mosel, Trier am 31. S. cm 80 47 ItO 70 75 —88 —20 433 169 40 109 (fit 30. 5. orn>) +11 —3 0 0 -1 -8 +2 —4 +7 0 +3 >)+ bedeutet Wucht,— Fall.—•) Unlerpegel.—•) Höchster Wasser» _____ stand: 392 cm com 80. 10 Uhr abendS bis 31, 2 Uhr morgens. �eravtwprtliMx Redakteur: LWS Wcbxr. Aerlm. Für dlnJnscrgttliteil vttSNtw-: Th, Glocke. Berlin. Druck.».Verlag: Vorwärts Buchdruckerej VerlagsanstaU Paul Singer& Co, Berlin iW. �