Nr. 127. HbonnementS'Redlngunseti: OBonncnicntä• Preis pränumerando 5 Pierteijährl. SPO Md. monatl. 1,10 Md. wöchentlich 2a Pfg. frei ins Haus. Einzelne Numvier K Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonneinenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monad PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemard Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. CrWefot«ikglll» anBcr Olontaat. Vevlinev Volksblatt. Die TnlertlonS'GebODf Beträgt für die fechSgespallene KolonS- zeile oder deren Raum H) Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigen M Pfg, „Uteine Hnztlgm", das erste lsett- gedruckte) Wort 20 Pfg., f-des weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort b Pfg. Worte über lü Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnicr müssen bis S Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet Telegramm. Adresse: „SuUliKinoknt Btrim". Zentralorgan der rosialdcmokratifcbcn Partei Deutfchlands. Rcdahtion: öd. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Sie wahren Motive Ser agrar- koolervativen Opposition gegen Sie Ll'bschaftZsteuer. Wiederholt haben wir gegenüber der verlogenen Argu- mentation der Blätter vom Schlage der„Kreuz-Ztg." und der „Deutsch. Tages-Ztg." hervorgehoben. daß die agrarischen Wortführer selbst ihre einfältige Behauptung, die vor geschlagene Nachlatz- oder Erbanfallsteuer ruiniere die deutsche Landwirtschaft und gefährde den altgermanischen Familiensinn, nicht ernst nehmen, sondern datz ganz andere Motive sie zu ihrer scharfen Opposition gegen die Regierungsentwürfe bestimmen. Wie sollten auch die minimalen, weit hinter chen englischen und französischen Steuer sähen zurückbleibenden Besteuerungsvorschläge der Sydowschen Vorlage die deutsche Landwirtschaft ernstlich schädigen— den selben ländlichen Grundbesitz, den der neue Zolltarif, die Vieh einfuhrverbote, Ausfuhrprämien und Liebesgaben im letzten Jahrzehnt auf Kosten der breiten Volksmasse Milliarden eim getragen haben? Beträgt doch der vorgeschlagene Steuer sah der Erbschaftssteuer selbst für schöne Rittergüter nur 1 bis 2 Prozent, und zwar soll dieser Satz nicht von dem wirklichen Wert der hinterlassenen Grundstücke ge zahlt werden, sondern von dem nach dem Jahres reinertrag ermittelten„Ertragswert": einem fiktiven Wert. der inPreutzen meist um 25 bis 40 Pro z. hinter dem tatsächlichen Verkaufswerte der Güter zurückbleibt. Und von dieser ermätzigten Wertsumme darf der Erbe ni�it nur alle auf dem ererbten Besitz ruhenden Hypotheken und sonstige Schulden und Lasten abziehen, sondern obendrein auch noch den Wert des im Herrenhause vorhandenen Hans gerätes, der Wäsche, der Luxusgegenstände usw., ferner alle nicht auf dem Gute lastenden privaten Verpflichtungen des Erblassers, die Kosten seiner Bestattung, der Leichen- feierlichkciten. des Grabdenkmals, der Jnventuraufnahme, der Wertabschätzung und schlietzlich, wenn der neue Erbe vor dem Erbantritt wegen der Erbmasse prozessiert haben sollte, auch noch die Kosten des Rechtsstreites. Und damit noch nicht genug; zu guter Letzt soll auch noch dann, wenn ein Nachlatz an einen gemeinschaftlichen Ab- kömmling aus der Ehe mit dem verstorbenen Ehegatten des Erblassers fällt, auf die Nachlatzstcuer der Betrag in An rechnung gebracht werden, der vorher von dem Erblasser bei dem Tode seines Ehegatten für das ihm zugefallene Erbe an Steuer entrichtet worden ist. und zwar selb st dann. wenn solcher Erbfall Jahrzehnte zurückliegt. Durch alle solche Bestimmungen wird in den meisten Fällen der Steuerbetrag für den glücklichen Erben eines schönen Landgutes auf ein Minimum ermäßigt. Nehmen wir an, ein Sohn erbe von seinem Vater ein prächtiges Rittergut im Kauswert von einer Million Mark, dann kommt nicht dieser wirkliche Wert zur Berechnung, sondern der nach dem jährlichen Reinertrag ermittelte effektive Ertragswcrt, der nach der bei derartigen Schätzungen in Ostelbicn üblichen Methode sich schwerlich auf mehr als 700000Marr stellenwird. Von diesen 700 000 Mark kommen zunächst alle auf dem Gute ruhenden Hypotheken- schulden und sonstigen Lasten in Abzug. Schätzen wir, datz das betreffende Rittergut zu 60 Proz. seines tatsächlichen Wertes beschwert ist, also mit 600000 M., dann bleiben zur Versteuerung im ganzen nur noch 100000 M. Doch auch von dieser Summe zahlt der Erbe noch nicht die Steuer. Er kann weiter abziehen den Wert des im Hcrrenhause vor- handenen Hausgeräts, der Wäsche. Luxusgegenstände usw.— nehmen»vir an 20 000 M.—, ferner den Betrag der persön- lichen Schulden und Verpflichhingen des Erblassers(Alimente, Dotationen an die Dienerschaft usw.)— sagen wir wieder 20000 M.— und schlietzlich auch noch die Kosten einer an- gemessenen Bestattung(auch der Grabkapelle) sowie alle durch die Nachlatzregelung verursachten Kosten, insgesamt vielleicht 10000 M. Dann bleiben zur Besteuerung nur noch 50000 M., »vofür sich nach dem im Sydoivschen Nachlatzsteuercntwurf vor- geschlagenen Steuersatz von 0,7 Proz. die Gesamt st euer auf 350 Mark stellt Der Erbe des Rittergutes im tatsächlichen Werte von einer Million Mark zahlt also nur 350 M. Steuer. Und diese Abgabe, die ungefähr so viel beträgt, wie ein neuer Hühnerhund oder eine Vogelflinte kostet, die sich der neue Herr Rittergutsbesitzer leistet, soll die ganze Landwirtschaft ruinieren? Aber auch diese Summe von 350 M. braucht der„neue Herr" nicht in jedem Fall zu entrichten. Hat z. B. der Vater des Erben das Gut selbst erst vor acht, neun oder zehn Jahren geerbt und schon dainals Erbschaftssteuer bezahlt, dann braucht der neue Erbe nur ungefähr die Hälfte der 350 M. zu zahlen. Oder hat der Vater früher von seiner Frau, der Mutter des neuen Erben, geerbt und dafür schon einmal Erbschaftssteuer bezahlt, dann kann der neue Besitzer auch noch diesen Betrag von den 350 M. abziehen. Zudem hat der Erbe durchaus nicht nötig, diese ganzen 350 oder 175 auf einmal zu zahlen. Er kann sie sich bis zu zehn Jahren, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen, stunden lassen, sie in Raten zahlen oder sie auch unter Berechnung einer vierprozentigen Verzinsung als amortisationspflichtige Grundschuld auf fein Gut eintragen lassen. Wenn er es also füx. besser hält, kann er zehn Jahre lang jährlich nur 35 oder 17,50 M. zahlen— jedenfalls nicht so viel, a l s e r während der landwirtschaftlichen Woche in Berlin des Abends in einem der feinen Wein- restaurants oder in den Amor- und Blumen- sälen für Sekt ausgibt. Es sind deshalb denn auch keineswegs die„unerschwing- lichen Lasten", die die Junker zum Kampf gegen die Nach- laß- und Erbanfallsteuer treiben. Sie wollen überhaupt der Landwirtschast keine neuen Steuern aufladen lassen, seien diese auch noch so leicht zu tragen; vor allem handelt es sich aber für sie bei ihrer Opposition um eine Machtfrage. Ihr Kampf gegen die Nachlatzsteuer ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck— nämlich zu dem Zweck, der Regierung zu zeigen, datz das Junkertum Herr im Haufe und nicht gelvillt ist, zugunsten blockliberaler Ansprüche etwas von seiner Herrschaftsstellung aufzugeben. Der Wille zur Macht ist in keiner Partei so scharf aus- geprägt als im Junkertum, und nie hat es sich gescheut, wenn es seine traditionelle Machtstellung in Preußen angetastet fühlte, wegen der geringfügigsten Dinge den Kampf gegrn die Krone und die Regierung zu eröffnen. Die innere Ge- schichte des preußischen Staates ist überhaupt jahrhunderte- lang nichts anderes gewesen als ein fortgesetzter Kampf zwischen Krone und Junkertum. Und daran hat sich wenig geändert, seit unter Preußens Führung des neuen Deutschen Reiches Herrlichkeit entstanden ist. Nur die Formen des Kampfes haben gewechselt; sie sind moderner, aber zugleich auch grotesker geworden. Und noch immer hat in diesen Kämpfen das Junker tum gesiegt, bei den nebensächlichsten Anlässen, z. B. bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Reichstage während des Juni 1896, als die Herren Junker durch ihre Obstruktion den Reichstag matt zu setzen drohten, falls dieser nicht dem herrschaftlichen Hasen das unveräußerliche Recht gewähre, sich auf den bäuerlichen Feldern vollzufressen, wie bei den wichtigen nationalen Lebensfragen, z. B. beim Kampf um das Mittellandkanal-Projekt, als die Konservativen trotz des öffentlichen Versprechens des Kaisers in Dortmund durch setzten, datz der Kanal nur bis zur Leine, nicht bis zur Elbe durchgeführt werden dürfe. Ihr Royalismus hinderte ste nicht, der Welt zu beweisen, wie wenig selbst Königsworte in Preußen bedeuten, wenn sie nicht dib Zustimmung des Junker tums haben. Deshalb war auch dem Machtbcwutztscin des Junkertums die Blockgemeinschaft mit dem Freisinn stets unbequem; doch in Anbetracht der politischen Lage ließ es sich das lästige Konkubinat gefallen, zumal es doch im wesentlichen seinen Willen durchsetzte und der Liberalismus nur sehr schmale Zugeständnisse errang. Als aber die Liberalen erreichten, daß bei der Eröffnung des preußischen Landtages in der Thronrede eine gewisse Reform des preußischen Dreiklasscn- Wahlrechts verheißen wurde, da war es mit der Duldung des Freisinns vorbei. Mochte diese Verheißung auch noch so schemenhaft sein, seine beherrschende Stellung im preußischen Landtag will das Junkertum selbst in Gedanken nicht an- getastet wissen, denn in diesem Landtag erblickt es nicht nur die Hauptstütze seiner Macht in Preußen, sondern im ganzen Deutschen Reiche. So wurde denn der Sydowsche F i n a n z r e f 0 r m p la n zum Anlaß genommen. um der Regierung aufs neue die Macht des Junkertums zu demonstrieren, den liberal- konservativenBlockzusprengenundanseine Stelle trotz aller Einsprüche der Regierung den klerikal. konservativen Block kp setzen. Nicht die Abwehr der Nachlaßsteuer, sondern die un- bedingte Aufrechterhaltung der Machtstellung des Junkertums in Preußen und im Reiche ist also das eigentliche Motiv der junkerlichen Opposition. Daß dies der Fall ist, wird durch eine an die Mitglieder des Ost- preußischen konservativen Vereins gerichtete vertrauliche Mit- teilung bestätigt, in der nach der Mitteilung der„Berliner Neuesten Nachrichten" sich folgende Sätze finden: „Die Konservativen sehen in jeder einzelnen freisinnigen Hauptforderung die größte Gefahr für die Zukunft des Landes. Sie vergessen auch unter der Herrschaft der Blockpolitik nicht, datz der bürgerliche Liberalismus und Freisinn Hand in Hand mit der Sozialdemokratie in mehr oder weniger scharfer Form folgende Ziele verfolgt: Die Schlvächung der Stellung des Monarchen zugunsten einer möglichst unumschränkten Herrschaft der zufälligen Parla- mentsmehrheit; die Beseitigung des christlichen Geistes in Staat, Schule und HauS; die Abschaffung des Schutzes von Landwirtschaft und Industrie, welche nach konservativer Ueber- zeugung den Zusammenbruch unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens zur Folge haben würde. Die Erreichung auch nur eines dieser Ziele, wie sie der Freisinn mit Hilfe seiner Stellung im Block erstrebt, würde nach konservativer Ueberzeugung die äußerste Gefahr für das Vater- land bedeuten. Nur eine starke, von künstlich gemachten Volks. stimmungen unabhängige und ihrer vollen Verantwortung be- wußte konservative Partei kann dieser Gefahr wirksam entgegen» treten. Wer wirklich konservativ denkt, kann sich dieser Not- wendigkeit nicht verschließen, er muß in ernsten und schwierigen Situationen, wie sie gerade die gegcnlvärtigen Verhältnisse für die konservative Partei mit sich bringen, trotz Meinungs- Verschiedenheiten in Einzelstagen zu der Partei halten. Mögen auch die Beweggründe für die abweichende Stellung mancher Parteigenossen zur Frage der Erbschaftssteuer noch so lauter und rein sein, so dürfen diese doch nicht vergessen, daß die über- wältigende Mehrheit der Parteigenossen im Reiche das Verhalten der Fraktion billigt und ein Aufgeben ihres Standpunktes als Verrat an den konservativen Grundsätzen be» trachten würde." Deutlich wird hier ausgesprochen, daß die wahren Be- weggründe der konservativen Opposition andere sind, als in der vom Bund der Landwirte betriebenen demagogischen Agitation den Einfältigen im Geist vorgeschwindelt werden. Es handelt sich lediglich um die Ausschaltung jeg- lichen Liberalismus, um die unbedingte Aufrecht- erhaltung der junkerlichen Machtstellung. Selbst die freikonservativen„Verl. Neueste Nachr." be- merken denn auch zu diesem schönen Bekenntnis, daß der letzte Beweggrund der ganzen verlogenen Agitation gegen die Erbschaftssteuer nur das nackte, rohe Machtinteresse ist: „Denn da das Reich und der Kaiser von Freisinnigen und Nationalliberalen nicht bedroht werden, so wäre es über- flüssig und grotesk, wenn sich die Konservativen in Harnisch würfen zum Schutze für das Vaterland. Nein, sie treiben ein Gaukelspiel mit dem von den Liberalen bedrohten, von ihnen zu schützenden Vaterlande, sie haben ihren Spott mit Patriotismus, mit Kaiser und Reich; Kaiser und Reich sind ihnen gerade gut genug als Vor tv and für den Schutz des eigenen Besitzes an Macht, Einfluß und Vermögen." Die Veröffentlichung des schönen Rundschreibens kommt gerade noch zur rechten Zeit, um auch den blödesten Augen zu zeigen, warum es sich bei der Begründung der neuen „nationalen" ultramontan-konservativ-polnischen Koali- tion handelt— um nichts anderes als die Durch- setzung der brutal st en Machtansprüche des evangelischen und katholischen Junker- tums und seines Verbündeten, des hohen Klerus. rheoäor vsrth. AuS Baden-Baden kommt die schmerzlich überraschende Nachricht, datz Theodor Barth in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag plötzlich ge starben ist— kurze Zeit vor seinem 60. Geburtstage, den seine Freunde am 26. Juli festlich be- gehen wollten. In einer Schicksalsstunde des deutschen Bürgertums ist Theodor Barth zuerst an die Öffentlichkeit getreten, als er, der dreißigjährige Syndikus der Bremer Handelskammer, im Jahre des Umschwungs unserer Handelspolitik 1870 in der Tariflommission des Bundesrates das Freihandelsinteresse der Hansestädte mit allem Nachdruck vertrat. Bismarck sorgte dafür, daß Bremen den Unbequemen bald abberief, und dieser äußerliche Vorgang enthüllt einen tieferen Sinn. 1879, das war der entscheidende Punkt in jener EntWickelung, die 1870 im Deutschen Reich begonnen hatte: Um den Preis wirtschaftlicher Vorteile verzichtete das Bürgertum auf den Kampf für die eigenen Forderungen. Das Schutzzollintercsse der schweren Industrien verbündete sich dem Grundrenteninteresse der durch den Beginn der amerikanischen Konkurrenz bedrohten Junker und dem fiskalischen Interesse des Reiches des Militarismus. Da die Staatsmacht in den Dienst ihrer Profitinteresscn getreten war, verzichtete gerade der mächtigste und einflußreichste Teil der deutschen Bourgeoisie auf die unmittelbare Herrschast durch das Parlament und dies um so eher als die mächtig sich entfaltende Kraft des Proletariats das Bürgertum immer mehr auf die unter- drückende Staatsgewalt als seine letzte Zuflucht blicken ließ. Es ist die Ehre Theodor Barths, datz er diese Politik des Verzichts auf die Ideale des Bürgertums nicht mitgemacht hat, wie eS sein Verhängnis wurde, datz er meinte, diesen Kampf innerhalb der Reihen deS Bürgertums selbst führen zu können. Aber seine Stärke wie seine Schwäche entsprang auS derselben Wurzel: aus den liberalen Grundanschauungcn, denen er mit unerschütterlicher Treue ergeben war. So führte er in seiner„Nation", der„gehaltvollsten und ge- scheitesten Wochenschrift der deutschen Bourgeoisie", wie sie Mehring einmal genannt hat, den Kampf gchen zwei Fronten. gegen den Protektionismus und BureaukratismuS Bismarcks auf der einen Seite, gegen den S 0 z i a l i s m u s auf der anderen. Es ist ein vergebliches Ringen gewesen, und nichts kennzeichnet besser die prachtvolle Kämpfernatur dieses Mannes, daß das ihn nie entmutigen konnte, daß er tapfer weiterfocht, ohne je daran zu zweifeln, daß das Wesen seiner Sache doch schließlich siegen müsse. Dieses Wesen aber hat sich ihm mit der Zeiten Wandel selbst gewandelt. Barth hat als Manchestermann begonnen, wenn nicht in seiner Geisteskultur, die viel zu umfassend war, um in dem leisser stire der Weisheit letzten Schluß zu sehen, so doch in seiner Politik, in deren Mittelpunkt der Kampf gegen die staat- liche Einmischung stand. Aber sehr bald siegte der Geist John Stuart Mills über den der Cobdcn und Bright. Die Gegnerschaft der staatlichen Einmischung wich der Einsicht in die Notwendig. leiten sozialer Politik, und blieb auch der Kampf gegen den Schutzzoll für Barth stets im Mittelpunkt seiner Politik, so wurde ihm dieser Kampf allmählich doch immer mehr bloß zu einem Teil eines größeren, umfassenderen Kampfes um die Erringung völliger demokratischer Selbstbestimmung des deutschen Volkes. Damit entfernte er sich immer mehr von seinen bürgerlichen Freunden und wurde der ewige Sezessionist, der nacheinander die Nationalliberalen, die Deutschfreisinnige Partei und die Freisinnige Vereinigung verließ, um schließlich nach dem völligen Zusammenbruch des bürgerlichen Liberalismus in der Blockpolitik die Neste der bürgerlichen Demokratie in einer eigenen Partei zu sammeln. Wurde ihm aber die Demokratie immer mehr zum Wesen seine« Kampfes, so mußte ihn dies der einzigen Partei und der einzigen Klasse nähern, die in Deutschland wie überall in der Welt immer mehr zum einzigen Kämpfer der Demokratie ge- worden ist. So wurde Barth zum Verfechter jener Taktik, die ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie forderte, um die politische Freiheit zu erringen, derselbe Mann, der zu Beginn seiner EntWickelung ihr heftigster Gegner gewesen ist. Dem Sozialismus selbst ist Barth deshalb kaum näher gekommen und in dieser Beziehung hat er an den Anschauungen des ökonomischen Liberalismus wohl bis zum Schluß festgehalten, mag auch der Kollektivismus der reichen Räuber, die fortschreitende Trustierung und Kartellierung der Produktion ihm manchen Zweifel geweckt haben- Mit Theodor Barth geht aber nicht nur der letzte bedeutende Repräsentant des deutschen Liberalismus dahin von jener Art, wie sie heute nur mehr durch die Radikalen Englands vertreten sind, Barths Tod ist zugleich der Verlust eine» tapferen ehrlichen Kämpfers, eine? starken Charakters und einer reichen Begabung. In diesem Deutschland, das«inst das Land der Dichter und Denker war und das heute so amerikanisiert ist, daß die Jagd nach dem Geld das treibende Motiv der meisten geworden, ist das Bürger- tum zu arm an Männern, die ihr alles an ihre politische lieber- zeugung setzen, al« daß der Verlust Theodor Barths nicht als etwas Unersetzliches empfunden werden müßte. Wir Sozialdemokraten aber grüßen den toten Kämpfer, der Unserer Weltanschauung Gegner war und dessen beste Hoffnung zuletzt doch die Kraft und der Kampfeswille des deutschen Prole- tariatS gewesen ist, das mit simker Hand, wenn auch in anderm Geist erfüllen wird, was Barths KampfeSziel war: Die Freiheit und Gleichheit der verbrüderte� Nationen. Sie boykottierte Beweisaufnahme. Im Radbod-Kolonie-Prozetz zu Dortmund wurde am Mittwochabend das Urteil gefällt. Ein Urteil, das zur Beweisaufnahme und zu den Gutachten der unabhängigen Sachverständigen paßt wie die Faust aufs Auge I Ein Urteil, das nur zu verstehen ist, wenn man die schroffe Zuspitzung der Klassengegensätze im Ruhrrevier und ihre Rückwirkung auf die Justiz kennt. Wenn man weiß, welch innige soziale und persönliche Beziehungen zwischen den Richtern und der Hütten- und Zechenplutokratie des Ruhrreviers bestehen I DaS Urteil mutet an, wie ein Boykott der Beweisaufnahme. Trotz ihrer gravierenden Ergebnisse, die bis zum Punkt überm t die Behauptungen der„Arbeiterzeitung" bestätigten, trotz der Gutachten, der von der Zeche unabhängigen Sachverständigen, die nicht minder scharf waren, als der Artikel der„Arbeiter- zeitung", wurde die Berufung verworfen, bleibt es bei der G e l d st r a f e von S00 Mark, die das Schöffen- gericht verhängte, bleibt es bei der Ehrenerklärung der Urteilsbegründung für die Verwaltung der Zeche Radbod! Drei Dortmunder Richter haben der Verwaltung von Radbod eine Ehrenerklärung gegeben und den Redakteur, der die Zustände in der Kolonie an den Pranger der Oeffentlichkeit schlug und mit dem rechten Namen nannte. als Beleidiger verurteilt. Der Staatsanwalt bedauerte, daß er nicht die Möglichkeit habe, den frechen Kritiker■ ins Gefängnis zu senden. Wer anderer Ansicht ist als die Herren des Gerichts, der wird als Utopist, als W o l k e n k u ck u ck s h e i m e r nicht- achtend beiseite geschoben. Er hat keine Ahnung von der Praxis i Keine Ahnung davon, was dem Arbeiter geboten werden darf! Die Herren Richter von Dortmund haben nicht bedacht. welch vernichtendes Urteil sie damit über die Zustände im Ruhrrevier, welch vernichtendes Verdikt sie damit über die kapitalistische Ordnung gefällt haben! Gesunde Wohnungen für Arbeiter sind eine Utopie! So lautet der grausame Schluß aus dem Urteil von Dortmund! Das Proletariat wird ihn vernehmen! Und mit zu- sammengebissenen Zähnen erneut daran gehen, zu kämpfen für Zustände, in denen zur Wirklichkeit wird, was heute von den Richtern von Dortmund für Utopie erklärt wird i Vervollständigt wird das schöne Bild, das der Ausgang dieses Prozesses bietet, durch die Behandlung, die noch zum Schlüsse dem Angeklagten zu teil wurde. Dem Erschöpften und Leidenden wurde die Vertagung der Sitzung trotz ärztlichen Attestes hartnäckig verweigert. Unfähig, den Verhandlungen weiter zu folgen, mußte er den SitzungS- faal verlassen, mußte darauf verzichten, die Angriffe der Nebenkläger und des Staatsanwalts persönlich zurückzuweisen! In seiner Abwesenheit fällten die Richter den Spruch. So behandelt man einen sozialdemokratischen Redakteur in Dortmund! In Ga st ein weilt der des Mein- eides angeklagte Eulen burgf Die deutsche Justiz kennt kein Ansehen der Person! *# Ueber die Mittwochverhandlung wird uns poch berichtet:. � � � Dortmund, 2. Jum. Die Vormittagssitzung wurde völlig von der weiteren Per. nehmung der Sachverständigen ausgefüllt. Als erster kam der bei den Arbeitern sehr unbeliebte Dr. Meyer an die Reihe, nach dessen Schilderungen„Radbod" eine paradiesische Idylle sein müßte. Die GesundheitSverhältniffe auf„Radbod" feien besser als in den benachbarten Gemeinden Bochum und Hövel. Die schöne Rechnung hatte freilich ein Loch. Ein anderer Sachverständiger wies nämlich nach, daß die Wirkungen der schlechten Wohnungsverhältnisse infolge der überaus starken Fluktuation und der fast völligen Verödung der Kolonie durch da» Grubenunglück vielfach Leute ergriffen hätten, die nun längst nicht mehr auf„Radbod" weilten. In diametralem Gegensatze zu diesem Sachverständigen befand sich der von dem Beklagten geladene Dr. Dittmer-Burscheid, ein Hüttenarzt mit langjährigen Erfahrungen, der sich viel mit Wohnungshygiene beschäftigt hat. Mit scharfen Worten fällte er tin wahres VxrbaWWvvgSZirteil über die vsw Vstbex' richtet gepriesene„soziale Tat" der Herren äuf„Radbod". Bei den unzulänglichen Brunnen- und Abort'an. lagen sei eS möglich, daß Abfall st offe in das Trinkwasser gelangten. Wäre das grobe Grubenunglück nicht eingetreten, so wäre vielleicht eine furchtbare Epidemie hereingebrochen. Der Zwang zum Aufenthalt in diesen gesundheitsschädlichen Wohnungen sei ein Verbrechen nicht nur an Kindern, sondern auch an Er» w a ch s e n e n. Er habe selbst beobachtet, wie das elende Radbod, Wasser sogar von Hunden verschmäht worden sei. Nicht weniger deutlich war das Gutachten des Bausachver- ständigen Architekten Schäfer. Er kennzeichnete die mangelhafte Isolierung gegen Feuchtigkeit, das frühe Beziehen, die schwache Bauart der Häuser. Mit besonderer Schärfe hob dieser Sachverständige die total den gesetzlichen Vor- schriften widersprechende Anlage der Brunnen hervor. Viele Vieh st alle seien bei weitem stabiler gebaut als die Häuser auf„Radbod". Als letzter Sachverständiger trat dann der vom Gericht ge- ladene Baurat K r a f f t auf den Plan. Er mußte glatt zugeben, daß viele Fenster und Türen schlecht gewesen seien, die Brunnenanlagen viel zu wünschen übrig ließen und bei dem viel zu frühen Beziehen der Häuser zweifellos außerordent» lich viel gesündigt worden sei. Das aher glaubte Herr Krafft dych, daß sich die Zeche um die Lösung des Problems der Wohnungsfrage im Arbeiterinteresse ein V e r d i e n st erworben habe, was ihr nur durch große Sparsamkeit möglich geworden sei. Näher kennzeichnete freilich der Gutachter diese„Lösung" bald darauf selbst, indem er zugab, daß von den 11 von ihm be° sichtigten Häusern S total feucht gewesen seien! Die Beweisaufnahme war damit zu Ende. Ein V e r- tagungsantrag des völlig erschöpften und verneh- mungöunfähigen Genossen Nottebohm wurde vom Gericht ab» gelehntl Die RachmittagSsitzung. Sie brachte zunächst das reichlich IILstündige Plaidoher des Vertreters NottebohmS, des Rechtsanwalts Frank. In glänzen- der, scharf pointierter Rede gab er ein Resümee der neuntägigen Verhandlungen. Der Angeklagte habe in dieser Verhandlung weniger gegen das Urteil der ersten Instanz selbst, als vielmehr gegen die Urteilsbegründung gekämpft, in der von der Er- bauung der Kolonie Radbod als einer„sozialen Tat" die Rede sei. Von allen Anforderungen, die Herr Professor Sommer- fcld-Berlin, diese bedeutende Autorität auf dem Gebiete der Arbeiierhhgiene, an eine derartige Kolonie gestellt habe, sei in Radbod auch nicht eine einzige erfüllt. ES sei von der Gegenseite selbst zugegeben worden, daß der einzige Gesichts- Punkt bei Erbauung der Kolonie finanzielleErwägungen gewesen seien. Die Behauptung, die Arbeiter hätten sich selbst zu den Wohnungen gedrängt, werde dadurch hinfällig, daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme weit und breit keine Privatwohnungen zu haben gewesen seien. Da muhten die Bergleute schon wohl oder übel mit den elenden Koloniewohnungen vorlieb nehmen! Von einer„Freiheit", die die Arbeiter bei der Wahl ihrer Wohnungen gehabt hätten, könne also überhaupt keine Rede sein. Und wenn die Arbeiter mit der Arbeit zugleich auch die Wohnung verlieren, wie da» in Radbod der Fall sei, so sei das ein ganz unerhörter Zwang, der das Gerede von der„Freiheit" der Arbeiter ins rechte Licht setze. Alles in allem hat der Angeklagte durch die Veröffentlichung des Artikels eine gute, mutige Tat getan, für die er den Dank der Oeffentlichke.it verdiene, die vielgenannte»soziale Tat" komme nicht auf da» Konto der Radbod-Berwaltung, sondern auf das Konto NottebohmS. UebrigenS stände dem Angeklagten der Schutz des§ 133(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zur Seite; es sei seine Pflicht als Redakteur des Dortmunder Arbeiter. blatte», sich ganz besonders der Interessen der Bergleute an- zunehmen. Seine Freisprechung sei durchaus geboten. Von den überaus eindrucksvollen Darlegungen Franks hoben sich die nun folgenden Ausführungen des Vertreters der Neben- kläger, Dr. W i t t g e n. höchst unvorteilhaft ab. Es sei, so führte dieser Herr aus, ein geradezu gemeingefährlicher Weg, den man dadurch beschreiten würde, wenn man Nottebohm den Schutz des§ 193 zubilligen wollte. Der Artikel enthalte schwere formale Beleidigungen und- wimmele von„handgreiflichen Unwahrheiten". Ueberall, wo Nottebohm den WahrheitS- beweis geführt habe, sei er„total mißlungen"!... Daß die Kündigung der Wohnung mit der Kündigung der Arbeit Hand in Hand gehe, sei durchaus keine besondere Härte— jeder Ar- beiter finde leicht eine neue Wohnungll Von einer gesundheitlichen Schädigung der Koloniebewohner könne nicht ge- sprachen werden— was wollten„die paar Rheumatismus f ä l l e" beweisen! An dem schlechten Zustande der Woh- nungen seien nur die Leute selbst schuld;„reine Leute halten alles rein i— schmutzige alles schmutzig". Dr. DithmerS Gut- achten bestehe zum großen Teile aus„handgreiflichen Uebertreibungen". Allerdings fei eine Anzahl Häuser „sehr erheblich baufeucht" gewesen und zahlreiche Häuser seien viel zu frühzeitig bezogen worden. Aber daran treffe die Schuld ausschließlich die-- Arbeiter selbst!! Die Zeche hätte-- nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch gar kein juristisches Recht gehabt, die Arbeiter vom Beziehen der Kolonie abzuhalten! Ebensowenig habe sie dazu ein moralisches Recht gehabt.—>— denn man dürfe doch nicht in das„freie S e I b st b e st i m- mungsrecht" der Arbeiter, auf das diese selbst ja immer so großen Wert legten, eingreifen! II � Die Definition des Gutachters Prof. Sommerfeld über den Zweck einer Kolonie fei„direkt falsch". Eine Kolonie sei durchaus keine Wohlfahrtseinrichtung, sondern ihre Gründung einfach eine rein gewerbliche Mahregel. Allerdings sei die Aus» f ü h r u n g dieser„rein gewerblichen Mahregel" auf der Radbod- Kolonie so vorzüglich ins Werl gesetzt, daß man hier demnach recht wohl von einer„sozialen Tat" reden dürfe. Allerdings: z u hohe Anforderungen dürfe man an die Zeche natürlich auch nicht stellen; wie sollte sie z. B. dazu kommen, ein Bad einzu- richten I Mit der Erklärung, daß der Gutachter Herr Professor Sommerfeld nicht in der Welt der Wirklichkeit, sondern in Uto- p i e n lebe, und daß Nottebohm die ganze Tiefe seiner Schlechtig- keit durch das Fehlen jeder Reue offensichtlich erwiesen habe, schloß der Unternehmervertreter seine in mehr als einer Hinsicht höchst interessanten Ausführungen. Jetzt folgte ein dramatischer Zwischenfall: Auch der zweite Vertagungsantrag des Genossen Nottebohm war nach dem Plaidoyer Franks abgelehnt worden, trotz ärztlichen Attests!(Unser Genosse hatte während der Pfingstfeiertage das Bett hüten müssen!) Wurde abermals ab- gelehnt, trotzdem Genosse Nottebohm ganz offenbar«inen schwer leidenden Eindruck machte und trvtzdem bereits sechs Stunden lang verhandelt worden war. Genosse Nottebohm tat nunmehr das einzig richtige,— er packte seine Sachen zusammen und verlieh den VerhandlungSsaal; die Vertreter der preußischen Justiz Mtden so m feie Frage gestellt, ob fix«S ühex sich gewinnen Würden, die Prozedur in Abwesenheit des Hauptbeteiligten zu Ende zu führen. Sie gewannen es über sichl Aus den recht hilflosen Ausführungen deZ Staatsanwalts, der die übliche Redensart von der„schlimmen Tendenz", der„Verhetzung der Arbeiter" vorbrachte, war das Bedauern darüber bemerkenswert, daß nicht auch die Amtsanwalt- schaft Berufung eingelegt habe, und er so um die Möglich- keit gekommen sei, an Stelle der«ganz unzureichen- den Geldstrafe"(500 M.!!!) eine Gefängnisstrafe zu beantragen. Hierauf zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Das Urteil lautete auf Verwerfung der Berufung und fiel damit genau so aus, wie es nach allem Vorhergehenden zu erwarten ge- wesen war. Ein Kapitel für sich ist die„Begründung": mit kühler Herablassung schiebt sie dse Gutachten des Pro- fessors Sommerfeld und Dr. Dithmers beiseite: dieser habe sich als durchaus voreingenommen erwiesen, und jener sei ein bloßer Theoretiker, der von der Praxis keine Ahnung habe!! Und das sagt das Ge- richt von einem Manne, der seit Jahrzehnten mitten im praktischen Leben steht, eine sehr große ärztliche Praxis hat und der jetzt eben auf dem Frankfurter Kongreß der in der chemischen In- dustrie beschäftigten Arbeiter das Hauptreferat hält! Nicht minder bezeichnend ist die völlige Nichtachtung des Gutachters Dr. Dithmers, der seit mehreren Jahrzehnten die in Frage kommenden Verhältnisse des westdeutschen Jndustriebezirks auf das ge- naueste beobachtet hat! Auch sonst stellt sich die Urteilsbegründung fast durchweg auf den Standpunkt der Z e ch e n h e r r e n, die denn auch triumphierend den Gerichtssaal verließen. politiscbe(Jcbcrücht. Berlin, den 3. Juni 1909, Eine neue Drohnote ans dem NcichSkanzleramt. Schon in den letzten Tagen wurde den Konservativen in halb- offiziösen, häufig aus dem Reichskanzleramt inspirierten Blättern gedroht, daß, falls sie sich nicht zur Annahme der Erbanfallsteucr verständen, die Regierung gegen sie einen großen Schlag führen werde. Heute verbreitet wieder eine halboffiziöse Berliner Korrespondenz in einer Sonderausgabe einen Drohartikel, dessen Ursprung zweifellos in der Wilhelmstraße zu suchen ist. Die Konservativen machten sich, heißt eS darin, offenbar keine Vor- stellung von der ungeheuren Erbitterung unter den Gewerbe- treibenden, die durch die konservativ- klerikalen Steuerprojekte ganz besonders schwer getroffen würden. Nicht die Großindustrie und nicht die hohe Finanz, sondern gerade der Mittelstand werde in seinen Interessen außerordentlich gefährdet. Schon bereiteten sich in den verschiedensten Gegenden Deutschlands Protestlundgebungen vor. Ihren Höhepunkt würden diese aber erreichen mit einer Riesenprotest Versammlung aller gewerblichen Stände, die zum Wiederbeginn der Verhandlungen deS Reichstages in Berlin stattfinden werde. Die Konservativen seien im Irrtum, wenn sie glaubten, die Regierung mit sich fortreißen zu können. Die Re- gierung halte fest an der Erbanfallsteuer, und die BundcLfürsten einschließlich deS Kaisers betrachteten eS als eine Ehren- Pflicht dem deutschen Volke gegenüber, die Erbanfall st euer durchzusetzen. Vollständig aus« geschlossen sei eS. daß die verbündete» Regierungen den Steuervorschlägen der Finanzkommission zustimmten. Die Millionen, die herausgercchnet wurden, ständen zum großen Teil nur auf dem Papier. Fürst Bülow klebe nicht an seinem Amt. Wenn sein Rücktritt eine Klärung der Lage herbeiführen könne, dann sei er zu jeder Stunde bereit, zu gehen. Der Widerstand gegen die Erbanfallsteucr gehe von dem Abgeordneten Heydebrand aus, mit dessen engerer Gefolgschaft absolut nichts anzufangen sei. Ver- schieden« Anzeichen ließen aber erkennen, daß in der konservativen Partei die besonnenen Elemente die Oberhand gewännen, und des- halb sei es durchaus nicht aussichtslos, doch noch eine Einigung zwischen Konservativen und Liberalen zustande zu bringen. Die Worte sind scharf genug, doch ist es verfehlt, den aus der Wilhelmstraße in die Welt hinausgeschleuderten wortreichen Drohungen sonderliches Gewicht beizumessen. Auch in bezug auf Se. Durchlaucht, den Reichskanzler gilt das bekannte Sprichwort: Hunde, die viel bellen, beißen nicht. Offenbar ist der obige Artikel nur darauf berechnet, die konservativen Elemente im Laude gege» die konservative ReichStagSfraktion mobil zu machen, um deren Widerstand gegen die Erbanfallstener durch eine Revolte im eigenen Lager zu brechen. Ob das gelingen wird, dünkt uns zweifelhaft. Zur An- nähme einer Erbschaftssteuer von einiger Bedeutung werden sich die Konservativen schwerlich verstehen. Bescheidet sich aber die Regierung mit einem Erbanfallsteuerchen im Ertrage von 39 bis 49 Millionen Mark, das den ländlichen Großgrundbesitz fast ganz verschont, so dürften sich schließlich auch die Konservativen zur Annahme solcher Liliputsteuer bereitfinden lassen— vorausgesetzt natürlich, daß die Regierung auf anderen Gebieten Eni- schädigungen bietet, sich also z. V. verpflichtet, an dem Dreiklassenwahlrecht in Preußen nicht rütteln zu lassen.—_ Klerikale Götzendämmerung. ES ist erstaunlich, welch enorme Wandlungsfähigkeit die Zentrumspartei besitzt— nicht nur, was ihre steuerpolitischen Auf- fassungen anbetriffl, sondern auch waS ihre Beurteilung politischer Charaktere anbelangt. Noch vor wenigen Wochen führte die ZentrumSprcsse einen energischen Verunglimpfungskampf gegen den Reichskanzler, und die ehrsame.Germania" tischte mit spöttischem Behagen die kleine Geschichte von dem Verzeihung erflehenden Kauzler auf, der vor dcmKaiser„wie ein Schloßhund heult". Seil- dem sich aber das Zentrum mit den Konservativen und Polen zu einer „nationalen" Mehrheit zusammengefunden hat. schlägt seine Presse ganz andere, respektvollere, fast kann man sagen: ehrfnrchts- volle Töne gegen den großen Kanzler an. Der„Köln. VolkSztg.", die unter dem neuen Regime inimer mehr auf den— Erzberger gerät, geht eS sogar jetzt plötzlich gegen den Strich, daß die liberalen Blätter den Fürsten Bülow scharf angreifen. Sie veröffentlicht in ihrer Nr. 469 einen langen Artikel unter der Ueberschrift:„Fürst Bülow im Spiegel der liberalen Presse", den sie mit folgenden hochkomischen Ausführungen schließt: „Wenn nun der Negierung neben 499 Millionen an indirekten Steuern noch 199 Millionen an Besitzsteuern geboten werden, kann sie doch nicht wohl bloß aus dem Grunde Nein sagen, weil die bewilligende parlamentarische Mehrheit eine andere ist, als diejenige, mit welcher die Regierung bei Einbringung ihrer Vor- lagen rechnete und auf welche sie hoffte. Nein, der Libe- raliSmuS„muß retten, was noch zu retten ist". Auf keinen Fall darf der nationale Liberalismus aus formalen Gründen schmollend zur Seite stehen, wennüber eine Lebensfrage des Deutschen Reiches ent» schieden wird.... Mag die Kommission beschließen, was sie will, nur endlich einmal vorwärtsschreiten, daS ist eS, was not tut.... Eine Ftnanzreform muß kommen." In Anbetracht der politischen Qualitäten deS National- liberaliSmuS kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß diese .Nahnungen" bald auf fruchtbaren Boden fallen. Matte Seelen. Die notionaUiberalen Stimmen mehren sicki, die der national- liberalen Reichstagsfraktion empfehlen, sich den Bülowschen Wünschen anzupassen, die Freisinnigen links liegen zu lassen und sich als gerreue Helferin dem klerikal-konservativ-polnisch-ansisemitischen Block bei seinem vaterländischen Reformwerk anzuschließen. Nachdem bereits die„Wiesbadener Ztg." der nationalliberalen Reichstags- fraktion empfohlen hat, den rechtzeitigen Anschluß nicht z» verpassen, kommt jetzt auch der„Schwab. Merkur", das führende Organ der württenlbergischcn Nattonalliberalen, mit der gleichen Mahnung. Das Blatt schreibt: „Wir wollen nicht entscheiden, ob das Spiegelbild der liberalen Presse die politische Natur des Fürsten Bülow richtig oder verzerrt wiedergibt. Wenn wir dieses Bild als richtig an- zuerkennen nicht geneigt sein sollten, so wäre eS doch nicht unsere Sache, den Fürsten Bülow gegen seine Lieblinge in Schutz zu nehmen, und zwar nicht sowohl wegen seiner berannten Stellung zur Zentrumspartei, als vielmehr deshalb, weil wir stets gewünscht haben und noch wünschen. eine rein sachliche Politik zu treiben gegen- über der von persönlichen wie parteitaktischen Momenten beherrschten bisherigen Politik des Liberalismus in der Neichsfinanzreform. An dem Fürsten Bülow wird eS sein, zu zeigen, ob auch er lediglich der Sache selb st diene und daher die im Interesse des Reiches dringend notwendige Reichsfinanzreform unter allen ll m st ä n d e n, gleichviel ob unter liberaler Mitwirkung, die, wenn sie selbstlos erfolgte, auch uns erwünscht gewesen wäre. oder, wenu'S sein muß, auch gegen die liberale Obstruktion, seiner Erklärung gemäß»noch in diesem Sommer" in Sicherheit bringen will." Die unfreiwilligen Witze der klerikalen„Kölnischen PolkSztg." waren seit jeher die besten. Und der obige Satz von der»rein sachlichen Politik" der Zentrnmsbläiter gehört unter diesen Witzen, wie wir dem großen Kölner.Prinzipienblalt" gern be- stätigen, nicht zu den schlechten. Die ultramontane Presse als Wer- treten» der Sachlichkeit! Der Anspruch ist wirklich zu komisch. Um die Verteilung des letzten Fünftels. Die Proteste der Unternehmerschaft gegen die Steuer- beschlüsse der Runtpfkommission mehren sich. Der Zentral- ausschuß Berliner kaufmännischer� gewerblicher und industrieller Bereine hat in seiner Plenarsitzung vom 2. Juni, in dem 106 dem ZentralauLschust angeschlossene Vereine und Verbände durch ihre Delegierten vollzählig vertreten waren, einstimmig eine Erklärung beschlossen, in der es heißt: »Die Finanzlommission hat. anstatt große tragkraftige Steuer- objekte heranzuziehen und den Fehlbetrag durch eine alle leistungS- fähigen Schultern treffende Nachlaßbesteuerung zu decken, in einer in der politischen Wirtschaftsgeschichte bis jetzt unerhörten Art der Gesetzmacherei einzelne Gewerbezwdge herausgegriffen und diese mit Steuern bedroht, deren Ertrag in keinem Verhältnis stünde zu der damit verbundenen Berteuermig, Belästigung und Schikanierung, und deren Konsequenzen für Hersteller, Wiederverkäufer und Kleingewerbetreibende unübersehbar wären; sie hat die<Äe- legenheit benutzt, um den Bersuch zu machen, nicht nur das mobile Kapital, sondern auch die Börse emp« findlich zu treffen und damit den Lebensnerv unserer Volkswirtschaft lahm zu legen oder zu unterbinden: sie hat schließlich in dem Antrage auf Ein- führuna einer gestaffelten Mühlenumsatzstener in die Reichsfinanz- reform�eine reine Jntereffenpolitik dienende ErdrostelungSsteuer ein- gefügt, zwar nicht ihren Zweck erreichen, wohl aber die Ver- teuerung des Mehles und die Verlegung der Vermahlung nach dem Auslande herbeiführen würde. Sie hat also die weitere Ver- teuerung des Brotgetreides, des wichtigsten Nahrungsmittels der breitesten Masten des Volkes, auch bei dieser rein sinanz- und nationalpolitischen Gelegenheit zu fördern gesucht. Nach alledem hält es der Zentralausschuß an der Zeit, daß Handel, Industrie-, Groß- und Kleingewerbe ihre bisherige Reserve aufgeben und sich zu einer geschloffenen Kampforganisation zusammenstnden." Abwehrversammlnngen gegen die Steuervorlagen. Zu den vielen Protestversammlungen, die bereits angekündigt sind, kommt noch eine neue, die am 12. Juni in Berlin zusammen, treten wird. Unter allen Protestkundgebungen dürfte diese die bei weitem bedeutendste werden; denn sie wird arrangiert vom Zentral- verband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes und von dem Zentralverbynd deutscher Industrieller...v ,,.;., i- /.*,■ Grundstücksverkäufe. Der deutsch-soziale Reichstagsabgeordnete Dr. Böhme hatte vor einiger Zeit die Großgrundbesitzer als Güierspekulanten bezeichnet, deren Familiensinn keiner besonderen Schonung bedürfe. Dem Dr. Böhme ist dies sehr übel gedeutet worden. Wie recht er aber hatte, weist Profeffor Dr. Doormann in der„Voss. Ztg." an der Hand der Statistik nach. Er schreibt: „Was zunächst den EigentumSwechscl einerseits durch Erbgang, Vermächtnis usw., anderseits durch Kauf, Tausch und Enteignung anlangt, bei allen land- und forstwirtschaftlichen Grund- stücken über zwei Hektar Umfang, so lieferte das Jahrzehnt 1896 bis 190S im Durchschnitt insgesamt 62 2S5 Fälle jährlich; davon entfallen 24 8S2 oder 39,7 Proz. auf Erbfälle, der Rest auf Käufe. Verfolgt man die einzelnen Jahre, soweit daS vorliegende Material eS gestattet, so stellten sich die entsprechenden Prozentsätze in den Jahren 1903 bis 190ö auf bezw. 38,1 Proz., 33,4 Proz., 36.S Proz. Es scheint demnach keinem Zweifel zu unterliegen, daß der Anteil der Erbgänge und ähnlicher Fälle deS BesitzwschfelS zrirückaeht, dagegen der Besitz- Wechsel infolge Kaufs usw. nicht nur absolut, sondern auch relattv zunimmt." Es muß demnach in den Kreisen der Agrarier doch nur noch sehr schwächlich um den„Hang an der Scholle" und den„germani- schen Familiensinn" bestellt sein. Oefteireicb. Agrarische Flcischverteuerungspolltik. Wien. 2. Juni. Die Regierung wird morgen dem Ncichz- rate einen Gesetzentwurf vorlegen betreffend die Errichtung einer staatlichen Vieh verwertungszentrale. deren wichtigste Aufgabe die Förderung der Vieh- ausfuhr nach dem Auslande und eine bessere O r g a n i- sation der Viehverwertung auf den inländischen Märkten sein soll. Schweiz. Fortschritte des Proporzes. Zürich. 2. Juni.(Eig. Ber.) Mit Freude verkündet das Zentralkomitee für die Initiative betreffend die Proportional. wähl des Nationalrats, daß bereits 96 666 Unterschriften statt der erforderlichen bloßen 50 000 beisammen sind und zu er- warten steht, daß insgesanit 126 666 zusammenkommen werden. Diese Zahlen bedeuten einen schönen Erfolg der Unterschriften- fammlung und erwecken Hoffnungen auf die kommende Volksab- stimmung. Einen kleinen Fortschritt des ProporzgedankenS errangen unsere Genossen im Großen Rate des K a n t o n s B e r n. indem sie in daS Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege die De- stimmung hineinbrachten, daß auch den Minderheiten eine Ver- tretung im Verwaltungsgericht eingeräumt werden müsse. Ferner wählte derselbe Große Rat unseren Genossen Advokat Dr. W i tz in Langenthal alg sozialdeNokrgtischxn Vertreter ttt das Obergericht, welche WM Mnfavs ein Erfolg des Proporzgedankens ist,.'~ franfereieb. Zerstörte Leitungen. Le Havre. 2. Juni. In der vergangenen Nacht sind vier tele- graphische Leitungen an der Küste und zwei Leitungen»ach England zerschnitten worden. StaatSmonopol für die drahtlose Telegraphie. Paris, 3. Juni. Ein von der Regierung eingesetzter Ausschuß. an dessen Spitze der Akademiker Henry P o i n c a r ü steht, hat einen Gesetzentwurf zur Regelung der F u n kente le g r op h i e aus- gearbeitet. Danach dürfen auf französischen Gebieten oder an Bord französischer Schiffe funkentelegraphischc oder funkcntelephonische Bor- richtungen nur vomStggtoder mit seiner Ermächtigung ausgestellt werden. Verstöße gegen diese Vorschriften werden mit Gefängnis- st r a f e n von einem Monat bis zu einem Jahre und mit Geldstrafen bis zu 10660 Frank sowie mit Beschlagnahme der Borrichtnngcn bestraft. Die Vorrichtungen auf französischen oder auf fremden Schiffen in französischen Gewässern dürfen nur dann in Funktion treten, wenn durch sie nicht Mitteilungen oder Signale der staat- lichen Telegraphen-Funkenstationen aufgehalten werden. Das Auf- sangen oder die Beröffentlichung funkentelegraphischer oder funken- telephonischer Mitteilungen wird mit hohe» Geldbußen geahndet. atriKU Kreta. London, 2. Juni. sEig. Ber.) Nach verschiedenen ZeitungS- Nachrichten zu urteilen, sind gegenwärtig die europäischen Mächte in Unterhandlungen über Kreta begriffen. Seit 1897 bezw. 1899 ist Kreta ein autonomer Staat unter der nominellen Oberherrlichkeit des türkischen Sultans. Die Verwaltung ist im Grunde genommen griechisch, nur England. Italien, Frankreich und Rußland unter- halten dort Garnisonen, die aber nach dem vor einem Jahre gc- faßten Beschlüsse der genannten vier Mächte zurückgezogen werden sollten. Wahrscheinlich wäre die Zurückziehung schon erfolgt, wenn nicht die jungtürkische Revolution und die nachfolgenden bul- garischen und boSnisch-herzegowinischen Wirren ausgebrochen wären, die teils die Mächte veranlaßten, eine abwartende Stellung an- zunehmen, teils den Griechen den Gedanken suggerierten, dem bul- garischen und österreichischen Beispiel zu folgen und Kreta zu annektieren. Sir Edward Greh. vor einigen Tagen über die kretensischen Angelegenheiten interpelliert, konnte nur sagen, daß England in der Zurückziehung der Garnison aus Kreta nicht saumselig sei und daß die Lösung der kretensischen Frage große Schwierigkeiten biete. Sie ist ohne Zweifel nicht leicht zu lösen. Die Jungtürken würden durch die Loslösung Kretas leiden und in ihrer reformerischen Tätigkeit gehemmt werden. Andererseits sagen die Griechen, die Zukunft der Türkei sei so unsicher, daß eS das beste wäre, Kreta an Griechenland zu geben. Die Griechen sind bereit, der Türkei eine Ablösungssumme zu zahlen. In England ist die Meinung geteilt, die konservativen Blätter meinen, man dürfe zu den Jungtürken Vertrauen haben, daß sie in Kreta zivilisierend wirken werden. Man solle deshalb Griechen- land nicht gestatten. Kreta zu annektieren. Die radikalen Blätter sind indeS der Ansicht, auch wenn die Jungtürken den vollsten Erfolg hätten, müßte Kreta zu Griechenland geschlagen werden, da die Krctenscr, d. h. die große Mehrheit, griechisch seien und deshalb national zu Griechenland gehören. Die griechische Regierung und die griechischen Gemeinden in der Türkei sind selbstredend für die Annexion Kretas. Die Er- eignisse der nächsten Monate dürften die Aufmerksamkeit Europas auf Kreta lenken._____ Unruhen in Arabien und Armenien. Konstantinvpel. 2. Juni. Wie verlautet, hat der Kommandant der Nementruppen das Verlangen nach der Entsendung von Truppen innerhalb zehn Tagen gestellt, da die Unruhen unter den Arabern sich ausbreiten. Die Regierung erwiderte, die Entsendung von Soldaten in so kurzer Zeit sei undurchführbar, sie werde jedoch baldmöglichst erfolgen. Depeschen des armenischen Patriarchats zufolg« wurden in Müsch dreizehn und in K h a r p u t fünf Armenier getötet. In beiden Fällen schritten die Behörden sofort ein und verhinderten die Ausbreitung der Metzeleien. Klus cler Partei. Die Geldquellen der„S. M.". Der Verlag der„Sozial. MonatSH." erklärt im neuesten Heft »in eigener Sache": „Trotz der Erklärung, die der msterzeichnete Verlag im vorigen Jahre in den„Sozialistischen Monatsheften"(1963, 3. Band, S. 12ö6) abgegeben hat, schreibt die»Leipziger Volkszeitung" am 18. Mai in einer Notiz, die sich mit einem Artikel des Genossen Fehlinger beschäftigt, das folgende:„Die unbekannten bürgerlichen Geldgeber dieser'Zeirschrift(der„Sozialistischen Monatshefte"), deren Existenz ihr Herausgeber bekanntlich seinerzeit selbst ein- gestehen mutzte, können mit diesem Organ zufrieden sein." Um in Zukunft auch den böswilligsten Verleumdern eine Wiederholung derartiger Behauptungen unmöglich zu mawen, hat uns der Genosse, der allein seit einer Reihe von Jahren uns die Herausgabe der„Sozialistischen Monatshefte" ermöglicht und sie auch für weitere Jahre sicher gestellt hat, ermächtigt seinen Namen zu nennen. Genosse Dr. L e o A r o n S hat dem Herausgeber der„Sozialistischen Monatshefte" wiederholt größere Summen gegeben, die von diesem unter seinem Namen in die Gesellschaft, die den Verlag bildet, eingebracht worden find: Genosse AronS wollte ebenso wenig wie auf die redaktionelle Haltung der Zeitschrist auf die Geschäftsführung irgend welchen Einfluß ausüben. Er hat sich nur vorbehalten, daß für die An« nähme etwaiger Zuwendungen von anderer Seite seine Zustim- mung eingeholt werden müsse: Bisher hat er leine Veranlassung gefunden Einspruch zu erheben." Der Verlag der„S. M." tut ja außerordentlich sittlich entrüstet und gebraucht gegen unser Leipziger Parteiblatt recht kräftige Worte. Hat aber doch verflucht wenig Anlaß dazu, da die Angabe der»Leipziger Volkszcitung" durchaus stimmte. Gerade in der Er- klärung auf Seite 1266 des 3. Bandes 1963, die in der jetzigen Er- klärung eingangs erwähnt wird, hat der Verlag zugestehen müssen, daß er Gelder von Leuten bekommen hat, die nicht zur Sozialdemokratie gehörten. Und so geht er denn jetzt auch über die Zeit, die v o r der„Reihe von Jahren" liegt, da Genosse Arons die„S. M." unterhält, stillschweigend hinweg. Auch über die jüngste Vergangenheit und Gegenwart gibt er nicht volle Klarheit. Einmal'sagt er. daß Genosse Arons allein die nötigen Gelder gibt, hinterher aber heißt eS, Genosse Arons habe sich vorbehalten, daß für die Annahme etwaiger Zuwendungen von anderer Seite seine Zustimmung eingeholt werden müsse und daß er bisher keine Veranlassung gefunden habe. Ein» spruch zu erheben woraus also geschlossen werden muß, daß auch in den letzten Jahren die„S. M." außer der AronSschen Subvention noch von ungenannten Personen Unterstützung er- hielten. Die„Leipziger Volkszeitung" hat nichts behauptet, wa» sie nicht verantworten kann, nur insofern ist sie im Irrtum, ak» sie meint, daß die bürgerlichen Kreise, auS denen einst Geld in die Kasse« der„S. M." floß, mit dieser Zeitschrift sehr zufrieden sein werden. Denn sie müssen sich schließlich doch mit getroffen fühlen von de« „demokratischen Lämmerschwänzchen". Im übrigen iutercssiert an der Erklärung, daß die„S. M." also auS eigener Kraft nicht bestehen könnten, sondern durch Zu- Wendungen des Genossen Arons(und anderer) mühsam über Wasser gehalten werden. Daß sich Genosse Arons ein Verdienst um die Partei erwirbt, möchten wir bezweifeln. Ein Helfer de? ReichSverbandeS. In ber soeben erschienenen Nr. 36 der»Neuen Zeit" wird folgende Erklärung verösfeutlicht: In Nr. 21 vom 22. Mai der„Kommunalen Praxis" beschäftigt sich ein 8. mit meinem„Weg zur Macht", den er als vollständig „Verfehlt" hinstellt. Die vroletarische Revolution sei meine Privatmarotte. von der die Partei nichts wissen wolle. Da diese Weisheit von keinem Versuch einer sachlichen Begründung begleitet wird, brauchte ich sie nicht zu beachten; die Privatmarotten eines beliebigen 3. können mir völlig gleichgültig sein, auch wenn sie in einem Partei- oxgan erscheinen. Nicht gleichgültig aber kann eS mir sein, wenn in einem Organ unserer Partei Verdächtigungen gegen mich ausgesprochen werden, die durch den Ort, wo sie erscheinen, ein gewisses Gewicht bekommen, Den Mangel an sachlichen Einwänden will L. dadurch ersetzen, daß er in einein Punkte mein Beweisnialerial zu diskreditieren sucht. Er schreibt: »Zu dem Behufs(zu zeigen, daß wir mit einer proletarischen Revolution zu rechnen haben) bringt KautSky diesmal eine Eni- hüllung; nämlich die, daß das bekannte Vorwort von Friedrich Engels zu dem Buche von Karl Marx über die Klassenkämpfe in Frankreich— oft fein politisches Testament genannt— nicht den wahren Ansichten seines Verfassers entsprochen habe; Engels habe eS so, wie es vorliegt, nur aus Rücksicht auf die damals drohende Um- sturzvorlage geschrieben, wie aus einigen Briefstellen zur Evidenz hervorgehe. Ob diese Stellen zu dem von KautSky ge- wünschten Beweis ausreichen oder ob sie nicht auch wieder„einiges gelitten haben", das heißt ob sie nun Engels' definitive Meinung in der Sache enthalten, iv i r d schwer zu ergründen sein." Daß die zitierten Briefstellen zu dem von mir„gewünschten" Beweis völlig ausreichen, tvenn sie Engels'„definitive" Meinung enthalten, wagt auch L. nicht zu leugnen. Um ihre Beweiskraft aufzuheben, greift er daher zu dem Mittel der Verdächtigung: Es werde schwer zu ergründen sein, ob diese Briefstellen nicht auch wieder.einiges' gelitten" haben. Soll diese Phrase einen Sinn haben, dann kann eS nur der sein, daß ich diese Briefstellen zu meinem Gebrauch zurechtgefälscht habe. Ich fordere hiermit den Kritiker 3. auf. klar und unzweideutig zu erklären, welchen Sinn er mit seiner Phrase verband. Ich fordere eine klare und unzweideutige Ehrenerklärung oder eine ebenso klare und unzweideutige Anklage, auf die ich dte Antwort nicht schuldig bleiben werde. Das fehlte noch, daß wir die Methoden des Reichsverbandes zur Diskreditierung revolutionärer Anschauungen in unsere Partei einbürgern ließen._ K. K a u t S k y. Eine internationale Kundgebung in Belgrad. Der 7. Parteitag der serbischen Sozialdemo» k r a t i e trat am 36. Mar in Belgrad zusammen. Auf der Tagesordnung stand u. a. die Kolonialpolitik und die nationale Frage. 93 Delegierte, die 161 Mandate und 84 Partei- orgamsatlonen vertraten, waren anwesend; zum Vorsitzenden wurde Genosse Dragisa Laptschetvitsch gewählt. Ehe in die Tagesordnung eingetreten Ivurde, fand auf dem Theatcrplatz, unter freiem Himmel, eine große vieltausendköpfige Versammlung statt, die sich zu einer glänzenden Kundgebung der internationalen Solidarität des klassenbewußten Proletariats und zu einer wuchtigen Prote st demonstratio» gegen dre Kriegshetze gestaltete. Es sprachen in dieser Versammlung die zahlreichen Vertreter, die die sozialdemokratischen Parteien der Nachbarländer entsandt hatten. So waren auS Oesterreich die Genossen Dr. Renner, Nemec, Dr. Soukup und Eibin Kristan, die den Abgeordnetenverband, die deutsche, die tschechische und die südslawische Partei vertraten, ferner aus Ungarn Genosse B u ch in g er- Budapest, Genosse K y a k o w aus Sofia für die b u l g a r r s ch e und Gen. Duschan C e k> t s ch auS U e S k ü b ffür die serbische Seltion der türkischen Sozialdemokratie erschienen. In allen Reden wurde die Zusammengehörigkeit der Proletarier aller Nationen kräftig betont und die Verhetzungsvcrsuche der Chauvinisten aller Länder energisch abgewiesen. Der Vertreter der serbischen Sozialdemokraten in der Türkei, Genosse C e l i t s ch» Ueskllb gab der zuversichtlichen Hoffnung auf baldiges Er- starke» der sozialistischen Bewegung in der Türkei Ausdruck, die alle griechischen, serbischen und bulgarischen chauvinistischen Komitees auf die Dauer nicht hindern sollten, der Vulgare K y a k o w betonte, daß weder ihre Bourgeoisien, noch ihre Zaren und Könige die Proletarier Bulgariens und Serbiens trennen sollten, der Ungar B u ch i n g e r zeigte, daß jene, die vor kurzem am wütendsten zum Kriege wider Serbien gehetzt haben, auch die schlimmsten Bedrücker der ungarischen Arbeiterschaft sind. Ihnen habe der Krieg des ungarischen Proletariats zu gelten, den serbischen Brüdern aber drücke es die Bruderhand. Genosse Dr. R e n.n e r erklärte, daß die österreichische Partei- Vertretung mit Freude die Gelegenheit ergriff, um die Solidarität der österreichischen Arbeiterschaft mit der serbischen zu dokumentieren. Auf die Zeit deS serbisch-österreichischen Konflikts hinweisend, sagte er: Wir haben gemeinsam mit Ihnen alles getan, waS getan werden konnte zur Erhaltung des Friedens. Wir sind auf der Wacht ge- standen wie Sie in Serbien; Ivir haben den harten Kamps geführt gegen unsere Militaristen und Kriegshetzer, wie Sie gegen die Ihren.... Unter lautem Beifall schloß er mit den Worte»:„Auch die Balkanvölker werden zur Freiheit gelangen. Aber die Befreiung wird nicht durch den Militarismus, nicht durch den Chauvinismus der Bourgeoisie erfolgen. Durch eigene Kraft werden sich die Völker befreien im Zeiche» des revolutionären Sozialismus, vereint in der Wellarmee der völkerbefreicndcn Sozialdemokratie." Genosse Nemec sagte u. a.:„... Unsere Solidarität kam zum herrlichsten Ausdruck, als gewissenlose Jnteressenjäger die Völker Europas gegeneinanderhetzcn und die Bestie des BölkerhasseS bis zum Wahnsinn auspeitschen wollten. Als rundherum Wälder von Bajonetten starrten und die Gefahr eines blutigen Weltkrieges am nächsten war, da reichten wir unS die Bruderhände und bei uns und bei Ihnen erscholl der laute Ruf:„Wir wollen keinen Krieg l Wir wollen den Frieden I" Wie Euer tapferer Ge- nasse Kaclerowitsch, so erklärten auch wir laut und vernehmlich: „Wir haben keinen Anlaß, uns die Schädel einzuhauen,»vir haben nicht Lust, Blut zu vergießen für Interessen, welche nicht unsere sind I"(Stürmischer Beisall.) Zum Schluß behandelte Genosse Kristan-Laibach die nationale, die südslawische Frage und sagt darüber:„Die süd» slawische Frage besteht, aber die Bourgeoisie und ihre Schreier kennen sie nicht und verstehen sie nicht. Wir Sozialdemokraten aber haben schon den Weg zu ihrer Lösung beschritten, indem wir die Einigkeit des Proletariats und das Selbst- bcstimmungSrecht der Völler auf unsere Fahne geschrieben haben. Nicht mit den bourgeoisen Hetzern, sondern g e g e n sie werden die großen Fragen ver Völker, auch die südflawische Frage gelöst werden; denn auch sie ist nicht eine Frage der Dynastien, der Kirche, der Kapitalisten, sondern eine Frage deS werltätigen Volkes, das auf dem betretenen Wege unbeirrt. weiter Schreiten wird unter dem glorreichen roten Banner, welches über unseren Häuptern weht....(Stürmischer Beifall.) Unter brausenden Ziviorufen auf die internationale Solidarität des Proletariats schloß dann Genosse Laptjchewitsch die Versammlung. Gewerbfcbaftltcbe*)« Scharfmachern gegen die Tarifverträge. In den Mitteilungen der Hauptstelle deutscher Arbeitgeber- verbände zieht jemand gegen die Tarifverträge scharf vom Leder. Ein großer Teil unserer politischen Parteien und unserer theoretischen Sozialpolitiker sei gerade in der gegen- wärtigen Zeit von der Idee des kollektiven Arbeitsvertrages hypnotisiert und propagiere die Einführung des Tarif- Vertragsgedanken in fast allen Gewerbezweigen. Alle diese Kreise bedächten aber nicht, daß der Tarifvertrag am letzten Ende einerseits auf eine außerordentliche Beschneidung der Rechte des Arbeitgebers, andererseits aber auf eine Kartellierung des betreffenden Gewerbezweiges auf Kosten der Konsumenten hinauslaufe. Der Buchdruckertarif muß hierfür als abschreckendes Beispiel herhalten. Durch ihn sei bewiesen, in welch schnellem Tempo die Lohnfrage gefördert und die Boykottierung der noch außerhalb der Tarifgemein- schaft stehenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu einer all- gemeinen Schematisierung und damit scheinbaren Gleich- stellung der Konkurrenzverhältnisse gezwungen würde. Wer die gewerkschaftlichen Machtgclüste der Gewerkschaftsführer kenne, der wisse, daß sie danach streben, im inneren Ge- schäftsbetrieb mitzureden. Bon weiteren Vergünstigungen für die Gehilfen bei einem neuen Tarifabschluß werde als von etwas ganz Selbstverständlichem geredet. Das geschehe aber alles zum Schaden der Konsumenten. Und nun gar die im Reichstage gestellten Anträge, Staatsaufträge nur an tariftreue Firmen zu vergeben, benachteiligten die Steuer- zahler. Und so geht die Jeremiade fort. Konsumenten und Steuerzahler werden hier also scharf- gemacht, gegen die Tarifverträge Sturm zu laufen. Mit dem Vorwande, im Interesse des Vaterlandes und aus Rück- ficht auf die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie, mit Rücksicht auf die Konsumenten und Steuerzahler also wirken zu müssen, versuchen die Herren Scharfmacher, ihre wahren Absichten zu verhüllen: ihren starren Herrn-im-Hause-Stand- Punkt zu wahren und sich unbeschränkt den Säckel zu füllen. Auf diese Finte fällt nur kein Mensch mehr hinein. Unter der dürftigen Hülle des Prozentpatriotismus schimmert allzu deutlich der nackte Egoismus des profitsüchtigen Kapitalisten hindurch. Berlin uncl Umgegend. Ter Stand der Bewegung im Klempnergewerbe. In einer allgemeinen Klempnerversammlung, die am Mitt- tvochabend in den„Andreassälen" stattfand, referierte Adolf Cohen über den Stand der Streikbewegung. Zugleich berichtete er über die am letzten Freitag stattgefundene Aussprache mit den Arbeitgebern. Diese„Aussprache" sollte bekanntlich schon eine Woche früher stattfinden, was aber unter einem nichtigen Vorwand abgesagt wurde. Die Vertreter der Arbeitnehmer waren bereit zu erscheinen, sie hatten auch auf eine Anfrage vom Gewerbegericht ihre Vereitwilligkeit zu Verhandlungen erklärt; die Arbeit- geber dagegen hatten auf eine gleiche Anfrage, ob sie vor dem Einigungsamt erscheinen wollten, ablehnend geantwortet. Bei den Verhandlungen am letzten Freitag traten die leitenden Klempnermeister vollständig in den Hintergrund. Das Wort führten Heuer, Dr. M i e l e n z und Nasse vom Unternehmerkartell im Bau- g e w e r b e. Der Vorstand im Unternehmerkartell wollte als„Un- parteiischer" gelten, der beide Parteien eingeladen habe und ver- mittel« wolle. Die Vertreter der Arbeitnehmer ließen keinen Zweifel darüber, daß sie die Unparteilichkeit des Vorstandes im Unternehmerkartell nicht anerkennen könnten. Dies aber sollte kein Hindernis sein, in Verhandlungen einzutreten. Die nun fol- gende Aussprache drehte sich hauptsächlich um die Akkordarbeit. Von feiten der Arbeitgeber wurde versucht, die Akkordarbeit irgend- wie annehmbar zu machen. Sie meinten, es sollte niemand ge- zwungen werden, Akkordarbeit zu leisten, aber es müsse jedem frei- gestellt werden, Akkordarbeit zu übernehmen. Natürlich erkannten die Vertreter der Arbeitnehmer, daß es sich bei jedem Zugeständnis in dieser Richtung um die Freigabe der Akkordarbeit überhaupt handelt. Sie betonten, daß die geheime Abstimmung, die zu Be- ginn des Kampfes über die Frage der Akkordarbeit vorgenommen wurde, jede Konzession verbiete. Man verwerfe nicht die Akkord- arbeit an sich, denn in den Berufen der Metallarbeiter werde die Akkordarbeit nicht selten gepflegt. Bei den Bauklempnern sei nur die Erkenntnis maßgebend, daß sie bei dem„Akkord" Leben und Gesundheit riskieren müssen, um zu einem Verdienst zu kommen, wie sie ihn jetzt durch die Lohnarbeit haben. Cohen meinte, was die Leistungsfähigkeit betreffe, so könnte vielleicht die Schlichtungs- kommission im Laufe der nächsten Vertragsdauer die Aufgabe über- nehmen, festzustellen, welche Anforderungen an eine Durchschnitts- leistung eines Bauklempners zu stellen seien.— Man rückte durch die Aussprache keinen Schritt weiter. Die Vertreter der Arbeitnehmer machten dann den Vorschlag. daß die Frage gemeinsam dem Einigungsamt zur Entscheidung übertragen werden sollte. Heuer wünschte, daß die Arbeit- nehmer sich an das Einigungsamt wenden; die Vertreter dieser aber erklärten, zu einem solchen Schritt bei dem Stand der Dinge keine Veranlassung zu haben. Darauf meinte Heuer, es sei doch auch möglich, daß der Vorsitzende des Gewerbegerichts an die Par- teien herantrete. Ganz erstaunt erwiderte Cohen, daß eine solche Einladung doch bereits ergangen und von den Vertretern der Arbeitgeber abgelehnt worden sei. Mit Verwunderung hörten die Klempncrmeister davon; sie hatten bisher nichtsvondieser Einladung gewußt und nichts von der Weigerung. vor dem Einigungsamt zu erscheinen. Das„Miß- Verständnis" aufzuklären, schlug Cohen vor. sofort telephonisch bei Herrn von Schulz anzufragen, und zwar gemeinsam. Das wollten die Vertreter der Arbeitgeber nicht.— Man war nicht schlüssig darüber, was weiter zu tun sei. Ein bestimmtes Resultat gewann die Aussprache nicht.— Der Vorsitzende Dietrich teilte der Klempnerversammlung mit, daß bis Mittwochabend 123 Firme« dem Tarifvertrage der Arbeitnehmer beigetreten seien.— Eine Telephonbotschaft wurde der Versammlung übermittelt, nach welcher noch am Abend vom Gewerbegericht bei dem Verbandsbureau an- gefragt worden war, ob die Arbeitnehmer zu Verhandlungen bereit seien. Anscheinend ist jetzt die Zustimmung von feiten der Arbeit- geber vorhanden.,., �. Cohen hatte in seinem Referat noch emmal die Meinung der Versammelten über die Akkordarbeit herausgefordert und in der Diskussion wurde von allen Seiten mit Heftigkeit jede Konzession nach dieser Richtung hin verworfen. Die folgende Resolution fand einstimmige Annahme:„ � „Die heutige Versammlung der Bauklempner steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß an eine Einführung der Akkord- arbeit im Bauklempnerberuf nicht zu denken ist. Unter keinen Umständen denken die Bauklempner daran, die Arbeits- bedingungen verschlechtern zu lassen."., Cohen erklärte, daß die Versammelten beruhigt se,n dürfen, die Vertreter der Arbeitnehmer kennen bei eventuellen VerHand. lungen ihre Pflichten und ohne die Zustimmung der versammelten Kollegenschaft würden keine endgültigen Beschlüsse gefaßt werden. Er ermahnte die Streitenden noch, in dem Kampf, den sie neun Wochen lang mit Energie geführt haben, nicht zu erlahmen und besonders der Abwehr der Streikbrecher die gebührende Aufmerk- samkeit zu widmen, Deutsches Kelch. Der Transportarbeiterverbanti hätte naturgemäß die Wirkung des ungünstigen Wirtschafts- Marktes am ehesten spüren müssen. Denn wenn die Industrie geringere Aufträge hat, stockt Handel und Verkehr. Wenn aber die Güterbewegung, die Ein- und Ausfuhr, einen beträchtlichen Rück- gang aufweist, so müssen Transportarbeiter bielfach beschäftigungs- los sein. Große Arbeitslosigkeit aber hemmt die Ausbreitung der Gewerkschaftsorganisationen. Wenn daher im vergangenen Jahre, dem Jahre einer vehementen Krise, die Gewerkschaften nicht entfernt den Mitgliederrückgang aufzuweisen hatten, wie in früheren Krisenjahren, so ist das ein lebendiges Zeichen von der inneren organisatorischen Stärke unserer Gewerkschaften und dem in der deutschen Arbeiterschaft festgewurzelten Gedanken von der Not- wendigkeit der Organisation. Das trifft in reichem Maße vom Transportarbeiterverbande zu. Zwar stie gim Jahre 1908 die Ausfuhr. Doch die Einfuhr hatte ein Minus von 53 Millionen 670 456 Doppelzentnern zu verzeichnen. Ebenso zeigten die Einnahmen aus dem Güterverkehr ein Minus von 29 Millionen 568 432 M. Trotzdem hatte der Transportarbeiterverband im Jahre 1908 nur einen Verlust von 1215 Mitgliedern; die Mitgliederzahl betrug 87 746, darunter 4373 weibliche, Neuaufnahmen waren 29 436 und Uebertritte aus anderen Verbänden und lokalen Berufen 3378, das sind 13 071 weniger als im Vorjahre. Die Zahl der männlichen Mitglieder weist einen Rückgang von 2064 gleich 2,4 Proz. auf, während die der weiblichen eine Zunahme von 849 gleich 24,1 Proz. ausmacht. Außerdem hatte der Verband 1242 jugendliche Mitglieder gegenüber 1124 im Vorjahre. An der Gesamtmitgliedschaft sind beteiligt: Hausdiener und Packer mit 29 Proz., Kutscher und Fuhrleute mit 25 Proz., Hilfsarbeiter ver- schiedener Art mit 11,6 Proz., Speditionsarbeiter mit 11 Proz., Droschkenführer mit 5 Proz., Arbeiterinnen mit 5 Proz., Bier- führer mit 3,8 Proz., Straßenbahnführer mit 3.4 Proz., Kohlen- arbeiter mit 3.3 Proz., Fensterputzer mit 1,2 Proz. und diverse Berufe mit 0,8 Proz. In 296 Orten waren 304 Mitgliedschaften vorhanden; 40 wurden neu gegründet, 17 lösten sich auf und 6 schlössen sich anderen Verwaltungsstellen an.— Sehr erfreulich ist es, daß die Stabilität der Mitgliedschaft sich günstig weiter- entwickelt hat. Die Zahl der bis zu drei Jahre dem Verbände angehörenden Mitglieder beträgt 66 Proz. der Gesamtmitglied- schaft, gegen 72 Proz. im Jahre 1907 und 76,9 Proz. im Jahre 1906. Besonders bewiesen aber wird das dadurch, daß von den 29 436 neuaufgenommenen Mitgliedern noch 22 597 am Jahres- schlusse dem Verbände angehörten. Die Zahl der Lohnbewegungen hatte eine Abnahme zu ver- zeichnen, die der Abwehrbewegungen und Aussperrungen eine Zu- nähme. Trotzdem konnten 90,6 Proz. aller Lohnkämpfe mit Erfolg beendet werden, ein Erfolg, der hinter dem des Vorjahres nur um ein ganz Geringes zurückbleibt. 394' Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen wurden in 101 Orten geführt, von denen 1686 Betriebe mit 18 419 Beschäftigten betroffen wurden; 16 669 be- teiligten sich an den Bewegungen. Angriffsbewegungen waren 307, Abwehrbewegungen 81. Mit Erfolg für die beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen konnten 93,8 Proz. der Angriffs- bewegungen, 81,5 Proz. der Abwehrbewegungen.und 50 Proz. der Aussperrungen beendet werden. Die Zahl der abgeschlossenen Tarife betrug 153, die 1087 Be- triebe mit 8668 vertragsbeteiligten Arbeitern umfassen. Auch der Kassenabschluß ist ein günstiger. Die Einnahmen aus den Beiträgen erhöhten sich um 61 612,35 M., sie betrugen 3 717 599 M. Die Beiträge zum Streikfonds wiesen eine Zunahme von 10 760,27 M. auf, sie betrugen 35 798,35 M. Das Vermögen der Hauptkasse betrug 463 125,63 M., das der Ortskassen 244 880.80 M. Die Zentralleitung des Verbandes entwickelte ferner auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes eine äußerst rege Tätigkeit im Interesse der Transportarbeiter. Alles in allem ein rühriges Arbeitsjahr, das die müheselige Arbeit der Kämpfer im Transport- gewerbe durch recht beachtenswerte Erfolge auszeichnete. Tarifbewegung der Notenstecher Deutschlands. Der zwischen dem Verein der Notenstechereien und dem Noten- stechergehilfenverbande abgeschlossene Tarif läuft am 30. Juni 1909 ab. Aus diesem Grunde hat die Generalversammlung des Gehilfen« Verbandes den Vorstand beauftragt, Verbandlungen mit dem Unter- nehmerverband anzuknüpfen, um die Tarifgemeinschaft zu ver- längern. Als Grundlage der Verhandlungen sollen 1. die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von S1/* resp. 9 Stunden aus 8 Stunden. 2. eine dem entsprechende allgemeine Tarifaufbesserung, 3. einige präzisere Fassungen im Wortlaute des Tarifs dienen.— Die Unternehmer haben geantwortet, daß sie bereit wären, in Unterhandlungen zu treten, und werden diefelben nächste Woche ihren Anfang nehmen. Tarifdifferenzen im Dampfsäge- und Hobelwerk in Düsseldorf. Der zwischen dem Verbände der Hafenarbeiter und der Firma Brüggmann u. Sohn. Dampfsäge- und Hobelwerk in Düsseldorf bestehende Tarif läuft am 1. Juli dieses Jahres ab. Die Firma will nun Lohnherabsetzungen von 10 bis 12 Proz. vornehmen. Da die Arbeitgeber dieses Ansinnen ablehnten, hat die Firma am letzten Sonnabend den Tarif gekündigt, so daß es aller Voraussicht nach zum Kampfe kommen wird. Die Firma versucht schon jetzt Arbeits- willige heranzuziehen, die Nichtverbandsmitglieder sein müssen. ES kommen für das Werk etwa 70 Arbeiter in Betracht, die zum größten Teile verheiratet sind. Die Situation ist für die Arbeiter günstig, wenn es gelingt, den Zuzug fernzuhalten. Ausland« Der Schweizerische Typographenbunb hielt während der Pfingst- tage seine Delegierten- und Generalversammlung in Zürich ab. Es wurde einem Kartellvertrag mit den übrigen Verbänden der graphischen Gewerbe zugestimmt und den Sektionen empfohlen, mehr gewerkschaftliche Erziehungsarbeit zu leisten. Anträge be- treffend die Erhöhung der wöchentlichen Altersrente von 13 auf 24 Fr. und Veranstaltung einer ärztlichen Enquete unter den Buchdruckergehilfen, um im Hinblick aus die immer mehr um sich greifende Tuberkulose eine Verkürzung der Arbeitszeit herbei- zuführen, wurden abgelehnt. In besonderer Tagung verwarfen die Maschinensetzer einstimmig den neuen Tarifvertragsentwurf, weil er nicht auch für die Werkbetriebe die 8stündige, sondern die 8�stündige Arbeitszeit enthält. Der drohende Riesenkampf im englischen Bergbau. Das Zentralkomitee der grotzbritannischen Bergarbeiterorgani- sation, bestehend auS Edward, Abraham und A st o n. wird nochmals versuchen, eine Einigung herbeizuführen. Zu dem Zwecke soll am 17. Juni eine Konferenz der Bergarbeiter von ganz Groß- britannien stattfinden, die sich mit den Differenzen in Süd-WaleS und in Schottland beschästigen und die zu unternehmendeu Schritt« beschließen soll. Die Arbeitervertreter hoffen, daß auf der Konferenz am 17. Juni eine Einigung erzielt wird. Sollte das nicht der Fall sein und sollte auch nur in einem Distrikt keine Einigung erzielt werden und es käme zu einem Streik, dann verlangen die Arbeiter der betreffenden Distrikte, daß sämtliche Reviere in den Streik ein- treten sollen. Es käme dann also zu einem General- streik, an dem zirka 700000 Bergarbeiter beteiligt wären. Die Bergarbeitervertreter wünschen, daß eine Einigung zustande kommt, sie lassen aber auch keinen Zweifel darüber, daß sie eventuell durch den Kampf eine Lohnreduktion oder eine Verschiebung der Schichtzeit ablehnen werden. Em InduCtne und fjandcL Vor und«ach der Zollerhöhung. In unersättlicher Begehrlichkeit langt das Agrariertum«ach immer neuen Liebesgaben und Steuerprivilegien. Wer da glaubte, die feudalen Edelinge würden mit der Beute des neuen Zolltarifs sich begnügen, sind bitter getäuscht worden. Besonders die im Fahr- Wasser des Zentrums segelnden katholischen Arbeiter müssen erkennen, daß sie schamlos belogen und betrogen worden sind. Nur um einen kaum merkbaren Betrag sollten angeblich die Brotgetreidepreise steigen und die Mehreinnahmen würden vorwiegend dazu dienen, die Arbeitsverhältnisse auf dem Lande zu verbessern. So erzählten stamme Demagogen. Auch versicherten sie, die neuen Handelsverträge mit höheren Zollsätzen würden der Jndustriearbeitecschaft stabilere Erwerbsgelegenheit und höhere Löhne bringen. Und was war die Folge der neudeutschen Wirtschaftspolitik? Sie hat die Krise ver- schärft, die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert, die Lebensmittel- preise ganz enorm hinaufschnellen lasten und der Haß der Liebes- gabenempfänger gegen die Arbeiter ist ausschweifender denn sei Einen interessanten Vergleich über die Preisveränderungen, die für Getreide und Brot seit Inkrafttreten der neuen Handelsverträge ein- getreten sind, ermöglichen. die Ermittelungen des Statistischen Amts der Stadt Berlin. Danach kostete: März März-April Die Preis« 1905 1909 steigerung beträgt: Roggenbrot, 1 kg Pfg. 23,51 29.14 S,6Z Weizenbrot, 1„. 42,16 52,07 9,91 Roggen, 1000„ M. 139,84 171,68 31,84 Weizen. 1000.„ 173,65 230,81 57,16 Roggenmehl, 100 kg„ 17,10 21,82 4,72 Preissteigerungen von 5,63 Pf. für ein Kilogramm Roggenbrot und von 9,91 Pf. für ein Kilogramm Weizenbrot sind zweifellos ganz horrende. Drückt man die eingetretenen Erhöhungen in Prozenten aus, ergibt sich dieses Bild: Preissteigerung Roggen....... 22,77 Weizen....... 32,92 Roggenmehl..... 27,60 Weizenbrot...... 23,51 Roggenbrot...... 23,94 Das sind die»kleinen" Preissteigerungen! Und aus Dank für das Geschenk an die Agrarier, als Gegengabe für die den Konsumenten aufgewälzten Lasten, feiert das Junkertum im Bunde mit dem Zentrum wahre Orgien des Arbeiter- Hasses. Dem arbeitenden Volke sollen neue indirekte Steuern aufgebürdet werden, damit das Liebesgaben schluckende Agrariertum lastenftei bleibt. Ja, bei der Gelegenheit der Reichs- finanzreform versucht man nicht nur, die Großgrundbesitzer und Feudalherren zu schonen, diesen Herrschaften sollen sogar noch neue Vorteile zugeschanzt werden. Mit dem geplanten Kaffeezoll hofft man das Geschäft der junkerlichen Schnapsbrenner zu heben, und die Mühlenumsatzsteuer soll die Brotpreise noch höher schrauben. Es ist wahrlich eine Lust, notleidender Großgrundbesitzer zu sein l Konkurs Eyck n. Strasser. Ueber die bereits erwähnten An- spräche der Berliner Handelsgesellschaft(Fürst Fürstenberg) hat sich eine Verständigung nicht erzielen lassen. Der Aufsichtsrat der A.-G. vormals Eyck u. Straffer hat deshalb den Borstand ersucht, de« Konkurs anzumelden._ Ueberflnß an Arbeitskräften. Die Arbeitsgelegenheit in der Metallindustrie hat sich im April weiter verschlechtert. Der Andrang hat eine Höhe erreicht, die nicht allein im Vergleich zu den anderen Gewerben, sondern vor allem auch im Vergleich zu den Vorjahren auffallend ist. Auf je 100 offene Stellen in der Metallindustrie kamen nämlich im April der letzte» Jahre Arbeitsuchende: 1906... 136,3 1908... 246.7 1907... 132,3 1909... 321,6 War schon der April 1908 ein Monat mit außerordentlich hohem Andrang, so steht der April 1909 mit einem Andrang von 321.6 in den letzten Jahren doch beispiellos da. Ganz besonders hoch ist der Andrang unter den Drehern, Bohrern, Gießern. Formern, bei denen er bis auf 688,6 stieg. Bei den eigentlichen Metallarbeitern ist der Andrang ebenfalls ungewöhnlich hoch; er stellte sich hier im April auf 543,3. In etwas weiterem Abstände folgen sodann Bauschlosier, Blechner und Schmiede; bei letzteren kamen auf je 100 offene Stellen 250, bei Bauschlossern 413. Von den verschiedenen Landes» teilen weisen besonders Rheinland-Westfalen und Hessen-Naffau, SchleSwig-Holstein, Württemberg und Baden einen außerordentlich hohen Ueberfluß an Metallarbeitern auf. Auch Berlin, Hamburg und Bremen ragen mit einem ungewöhnlichen Andrang hervor. Im Rheinland belöuft sich der Andrang der Metallarbeiter auf 472, in Hamburg auf 466; SchleSwig-Holstein, in dem Kiel den Ausschlag gibt, weist gar einen Andrang von 856 auf. Ein Konserventrust. Die spanische Konservenlndustrte ist in den letzten Jahren riesig gewachsen. Außer der Fruchtbarkeit einzelner Landesteile gab insbesondere daS Meer, der FisÄreichtum der Küste, die Grundlage zu dem gewaltigen Wachstum. Viele Konserven aus Spanien, insbesondere Sardinen, kommen unter englischer und ftanzösischer Flagge auf den Weltmarkt. Die Ausfuhr Spaniens an Konserven hatte 1900 erst einen Wert von 18.7 Millionen, 1908 aber schon von 36,9 Millionen Mark, darunter für 26.4 Millionen Mark Fijchkonserven. Jetzt ist ein Konserventrust gegründet worden, der die vorläufige Aufgabe hat, einzelne Teile des Fabrikationsbetriebes zusammenzuschließen, und durch Auftauf nach vertraglich festgelegten Regeln die sonstigen Produkte konkurrenzfrei zu machen. Das Bor- gehen ist von weittragender Bedeutung. Die arme Bevölkerung be- fürchtet, daß die Sardinen, die für sie das billigste Nahrungsmittel bildet, seitdem das Fleisch für daS Volk zum Luxusartikel geworden ist, erbeblich im Preise steigen werden. Jetzt schon eingetretene Aufschläge beweisen, daß solche Befürchtungen nicht unbegründet sind. Letzte]Vachncbtcn und Dcpefcbcn. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen dem Straßenbahnwagen Nr. 1531 der Linie 95 und der Autodroschke Nr. 1367 ereignete sich gestern abend um 9'/, Uhr an der Ecke Luckauer und Oranienstraße. Die Kraftdroschke, welche aus der Luckauer in die Oranienstraße einbiegen wollte, fuhr mit voller Gewalt in den Straßenbahnwagen hinein. Bei dem Anprall wurde der Fahrgast der Autodroschke, ein älterer Herr, durch das Coups- fenster geschleudert, so daß derselbe auf dein Chauffeursitz zu liegen kam. Er trug sehr schwere Verletzungen durch Glassplitter davon und wurde mittels Droschke nach der Unfallstation in der Adalbert- straße 9 gebracht, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde. Waldbrand. Gifhorn, 3. Juni 1999.(W. T. B.) Ein großer Wald- und Heidebrand, dem etwa 5—6999 Morgen zum Teil fiskalischen Forstes zum Opfer gefallen sind, wütete in den Kreisen Gifhorn und Isenhagen. Zur Hilfeleistung war gestern abend vom Truppen» Übungsplatz Münster und aus Hannover Militär requiriert worden, das jedoch nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte, weil der inzwischen eingetretene Gewitterregen das Feuer gedämpft hatte. Der Pastor Grote aus Ehra starb bei der Hilfeleistung in- folge Hitzschlages: ein Förster konnte nur nutz Mühe gerettet werden. Viel Wild ist in den Flammen umgekommen. Leräntw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Ih. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanjtalt Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen«.Unterhaltungsbl. Htm. l. Ktilllge des Lomiilts" Kerliittt WlligdlM. 2». Internationale!' Bergarbeiter- lioogreö. Berlin, den 3. Juni 1909. Vierter Verhandlungstag. In der Vormittagssitzung führte Caeluwart-Belgien den Vorsitz. Zunächst wurden die drei gestern mitgeteilten Resolutionen auf Verbesserung der Alters- und Unfallversicherung der Berg- arbeiter einstimmig angenommen. Dann wandte sich der Kongreß der Frage der „Frauen- und Kinderarbeit" qu. Deutschland beantragt: „Die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren ist in der Bergwerksindustrie überhaupt gesetzlich zu verbieten, ebenso oie unterirdische Beschäftigung jugendlicher Personen unter 16 Jahren." Oesterreich verlangt, in allen Staaten dahin zu wirken, daß die Frauenarbeit in den Bergwerken gesetzlich verboten wird. Der Referent Graf schildert die Beschäftigung der Kinder in den Bergwerken als eins der traurigsten Kapitel. Um so be- dauerlicher sei, daß der internationale Bergarbeiterkongreß bisher m dieser Frage noch nie einen einmütigen Beschluß gefaßt hätte. Dabei steige die Beschäftigung von Kindern von Jahr zu Jahr und zwar am stärksten dort, wo die Zentrumsparteien dominieren. würden in Belgien zahllose Kinder vom 12. Jahre ab unter Tage beschäftigt, und ihre Arbeitszeit sei ebenso lang wie die der Erwachsenen. In Deutschland sei die Kinderarbeit besonders in Oberschlesien und Mannsfeld, also dort, wo die allerfrömmsten und allerpatriotischesten Bergherren säßen, verbreitet. Zurzeit ist in Deutschland die Beschäftigung von Kindern unter 16 Jahren unter Tage verboten, aber Ausnahmen würden zugelassen, und zwar in solchem Maße, daß zirka 2900 bis 3000 Kinder unter Tage tätig sind. In Oberschlesien werden die Kinder mit dem Fort- schaffen des Kohlenstaubes beschäftigt und ihre Zahl steigt fort- während. In dem einen Bezirk Ratibor sei die Zahl der unter- irdisch beschäftigten Kinder im letzten Jahre von 23 auf 89 ge- stiegen und dabei heben die dortigen Bergwerksaufsichtsbeamten noch den wohltuenden Einfluß der Arbeit unter Tage auf die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder hervor. Am schlimmsten seien die Zustände in Großbritannien. Hier würden 48 000 Kinder im Alter von 13 bis 16 Jahren unterirdisch beschäftigt und 13 000 oberirdisch. aber den Antrag abzulehnen, da er nur bezwecke, der Redaktion zu verwehren, zu gewissen Fragen der Arbeiterbewegung ihre Meinung zu sagen. Hoffmeister- Berlin konstatiert mit Genugtuung, daß das Vcrbandsorgan in allen politischen Fragen aktuell und eines der besten Gewerkschaftsblätter sei; der Redaktion dürfe man keine Beschränkung auferlegen.— Z w o st a- Nürnberg verlangte anstelle der technischen Artikel eingehendere Behandlung der Volkswirtschaft und der Arbeitgeber Organisationen.— Philipp- Breslau kritisiert scharf das illoyale Gebaren der Metallarbeiterkrankenkasse, die unfaire Bespitzelung der Mitglieder betreibe, den Unternehmern ihre„Gegendienste" anbiete und dadurch viele Kollegen schwer schädige.— Kronshage- Dortmund verlangt größere Berück- sichtigung der polnischen und der Hüttenarbeiter.— Die von der genannten Krankenkasse beobachteten Matznahmen werden noch von mehreren Rednern kritisiert, aber ein anderer Delegierter hebt hervor, daß ohne ein„Erkundigungssystem" nicht auszukommen sei, ohne der Simulation Tür und Tor zu öffnen, zumal auch der Verband sich gegen Ausbeutung schützen müsse. Schlicke(Schlußwort) hebt hervor, er brauche nicht auf alle Punkte einzugehen, weil viele Angriffe auf den Vorstand schon von anderer Seite zurückgewiesen worden seien. Bezüglich des Kalender- artikels möge man sich mit der Erklärung begnügen, daß dem Wunsche der Generalversammlung entsprochen werden solle. Es sei bedauerlich, daß eine Reihe Parteizeitungen, die leider mehr das Trennende in der Bewegung förderten, gleich auf dergleichen Dinge hineinfielen; diesen„Freunden" dürfe man durch Annahme des Antrages nicht die Arbeit erleichtern. Nach Erörterung einer Reihe anderer Fragen kommt er zu „Mannheim und Stettin". Wir haben alle Ursache, solche Fragen ruhig und objektiv zu ver- handeln, wie eS von den Mannheimer Delegierten geschehen sei. Hätte man in Mannheim so ruhig gesprochen, dann hätten sich die Dinge nicht so zugespitzt. Wenn A l l g a i e r meine, er, Redner, sei bei B i s m a r ck in die Schule gegangen, um seine Stellung zur „Demokratie" zu charakterisieren, so sei das ungerecht. Es gebe Dinge, die sofort entschieden werden müßten im Interesse der All- gemeinheit, damit das Gemeinwesen keinen Schaden erleide. Der .Hauptvorstand bekomme die Direktive von der höchsten Instanz, der Generalversammlung, welche die Taktik bestimme, und die General- Versammlung sei das Mundstück der Gesamtheit. Der Vorstand ergreife sehr oft die Initiative in Lohnfragen, veranlaßt Abstim- mungen unter den Kollegen, um deren Meinung kennen zu lernen. Die große Formerbewegung sei z. B. sein Werk. Die verschiedenen Kampfmittel, bis zur passiven Resistenz, seien von ihm wiederholt in Anregung gebracht, nicht nur der Streik. In allen taktischen Fragen müssen wir uns selbstverständlich mit den Kollegen zu ver- ständigen suchen. Also man binde dem Vorstand nicht die Hände, wie angeregt worden sei, das würde sich bitter rächen. Bei den Nietern in Stettin habe die Sache so gelegen, daß sie den Wünschen der Vertrauenspersonen nicht Rechnung trugen, und da sei eS Pflicht des Vorstandes gewesen, einzugreifen. Die hier gemachten Einwendungen seien also unzutreffend. Redner streift die gestrigen Ausführungen Dittmanns-Hamburg, die zu beurteilen er der Generalversammlung überlasse. In Stettin sei man so erregt ge- Wesen, daß man den so ruhigen Kollegen Schulz-Hamburg nicht reden hören wollte. Im Automobiltempo könne man daS nicht er- reichen, was andere Kollegen durch jahrelange Agitations- und Or- ganisationsarbeit erreicht haben. Der Streik in Stettin sei statuten- widrig in©äene gesetzt. Solle nur die Erregung der Mitglieder gelten? Solle der Vorstand zu jeder Dummheit seine Zustimmung geben? Das müsse entschieden verneint werden. In den Ver- sammlungen in Mannheim, selbst nach dem Kampfe, sei man nicht zur sachlichen Würdigung der Dinge gekommen und habe die ein- fachsten parlamentarischen Regeln mit Füßen getreten. Wenn man überzeugt sei, daß die bekannte Depesche korrekt erfolgt sei, dann hätte man die moralische Pflicht gehabt, dies längst auszusprechen. Ueber den Charakter des Telegramms habe gar kein Zweifel ob- walten können, da es nur der Tenor eines voraufgegangenen Telephongesprächs war. Die Frage der Lokalisierung des Streiks sei genügend geprüft worden. Auf die Finanzlage hinzuweisen, sei nicht nur taktisch unklug, fondern auch in Rücksicht auf den un- berechenbaren Umfang der Bewegung unmöglich. Die Kollegen müßten sich daran gewöhnen, nicht überall gleich Verrat zu wittern. In Hagen liege wieder ein Schulbeispiel vor, indem man einem Beamten, der nicht so„wollte, wie er sollte", den Laufpatz geben wolle. Wo bleibe da die Unabhängigkeit den Unternehmern gegen- über?— Die Möglichkeit zur Abhaltung der Bezirkskonferenz sei gegeben, aber eine Erweiterung in dieser Hinsicht sei nicht not- wendig. Redner hofft, daß die Aussprache hier beitragen werde zu einem guten Zusammenarbeiten im Rahmen des Gesamt- Verbandes. Redner spricht am Schluß die Ansicht aus. daß nichts uns davon abbringen werde, unsere Phalanx immer fester zu schließen. Die Anträge zur Budgetfrage(Kalender) werden auf Grund der Vorstandserklärung zurückgezogen. Die Nachmittagssitzung fällt aus, weil die Delegierten zu einer Dampferfahrt eingeladen sind. Ntllvte orde«tlichtGentrsslvkrsamlnlung der Glasarbeitel and-AMemaen Deutschlands. Hannover, den 2. Juni 1909. Vierter Berhandlungstag. Die gestrige Abendsitzung wie die heutige VormittagSsitzung beschäftigte sich intensiv mit der Berschmelzungsfrage. Pohl-Bielefeld kann nicht zugeben, daß die Verschmelzung Vorteile bringt. Auch erkenne er keine Berufsverwandtschaft der drei Organisationen an. Ebensoviele Berührungspunkte haben die Glasarbeiter mit allen anderen Verbänden; näher wie mit den Töpfern und Porzellinern läge eine Verschmelzung mit dem Fabrikarbeiterverband. Die Glasarbeiter können auch auf den Generalstreik nicht verzichten. Von einer Verschmelzung befürchte er eine Zurückdrängung der Glasarbeiterinteressen. Nicht von Generalversammlungsbeschlüssen, sondern von der EntWickelung der Maschinen sei der Zusammenschluß der Arbeiterschaft zu Erwarten. Damit entwickeln sich erst die materiellen Möglichkeiten und das Solidaritätsgefühl zu einer Verschmelzung.— Weitere prinzipielle Gründe gegen die Verschmelzung werden kaum vorgebracht, von vielen Rednern wird die Verschmelzung warm befürwortet. B u l k e- Leipzig befürchtet eine Schwächung des Kampfcharakters der GlaZ- arbeiter infolge der Unterstützungseinrichtungen der Porzellan- arbeiter. Die weiteren Bedenken erstrecken sich hauptsächlich darauf, daß die Sache noch verfrüht sei. Auch der Abgeordnete Horn äußert sich in diesem Sinne. Auf die geäußerten Bedenken geht W o l l m a n n, der Vorsitzende des Porzellanarbeiterverbandes, in einer sehr wirkungsvollen Rede ein, der lebhaft zugestimmt wird. Um den Eindruck dieser Ausführungen nicht zu verwischen, wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Im Schlußwort hält D r u n s e l noch verschiedene Ausblicke über die Entwickelung, die eine zwingende Notwendigkeit zum Zu- sammenfchluß bringen wird. Die Resolution G i r b i g, die wir bereits gestern mitteilten, wird darauf in namentlicher Abstimmung mit 49 gegen 27 Stimmen angenommen. Vorstand und Redaktion werden durch Annahme eines Antrages verpflichtet, mehr als bisher für die Verschmelzung zu wirken. Auf die Mitteilung von der Haftentlassung des Genossen Lieb- k n e ch t beschließt die Generalversammlung, diesem ein B e- grüßungstelegramm zu seiner Rückkehr in die Freiheit zu senden. i Weiter erklärt die Generalversammlung in einer Resolution. daß das Vorgehen der Firma Witter in Bedheim und Unterneubrunn gegenüber den Arbeitern ein ganz unquali- fizierbareS sei. Der Hauptvorstand wird deshalb verpflichtet, die Borgänge bei der Firma Witter genau zu beobachten und wenn sich We jammervollen Zustände njcht ändern und alle Verhandlungen scheitern, die Zustimmung zum Streik zu erteilen. Heber die Einführung der Krankenunterstützung Referiert Grünzel. Er empfiehlt, die Vorstandsvorlage der genauen Prüfung zu unterziehen, lvas am besten in einer Kommission geschehen könne. Nach der Vorstandsvorlage soll die Krankenunterstützung folgender- Weise gestaltet werden: Bei unverschuldeter Krankheit wird vom achten Tage der Er- Zankung an Unterstützung gewährt: Bei einjähriger Mitgliedschaft und zrrankenbeitrag von.. tl), 20, 80, 40 Pf. Unterstützung pro Woche 2,—, 4,—, 6,—, 8,— M. Auf die Dauer von. 6, 6. 6, 6 Wochen Höchstleistung innerhalb 62 Wocken.... 12,—, 24,—, 88,—, 48 M. Bei zweijähriger Mitgliedschaft und Krankenbeitrag von..- 10, 20, 80, 40 Pf. Unterstützung pro Woche 2,60, 6,—, 7,60 10,— M. Auf die Dauer von. 10, 10, 10, 10 Wochen Höchstleistung innerhalb 62 Wochen.... 26.—, 60.—. 75.—. 100,— M. Bei zweijähriger Mitgliedschaft und Krankenbeitrag von.. 10, 20, 30, 40 Pf. Unterstützung pro Woche 2.60, 6,—, 7,60, 10,— M. Auf die Dauer von. 13, 13, 13, 13 Wochen Höchstleistung innerhalb 62 Wochen.... 32,50, 86.—. 97,60, 130,— M. Die Krankenunterstützung ist obligatorisch, und richtet sich die Beitragszahlung nach der Höhe der Verbandsbeiträge: jedoch haben die Mitglieder der 60 Pf.-Klasse das Recht, zwischen den beiden obersten Klaffen der Krankenunterstützung zu wählen. Der Korreferent Kall. Bülte- Leipzig spricht sich gegen die Einführung der Krankenunterstützung aus, weil diese Unterstützungs. einrichtung den Kampfcharakter der Organisation untergrabe und weil die Einführung mit Beitragserhöhung verquickt sei. Die Debatte setzt äußerst lebhaft ein, doch geht aus den ganzen Ausführungen hervor, daß nicht viel Neigung für Einführung solcher Einrichtungen vorhanden ist. D r u n s e l als Vertreter der Generalkommiffion empfiehlt der Generalversammlung, diesem Projekt die größte Be- achtung zu schenken. Genoffe Wollmann, Vertreter der Por- zellanarbeiter, betont, daß nach seiner Meinung gerade die Unter- stützungseinrichtungen geeignet seien, daS Solidaritätsgefühl der Arbeiterschaft zu wecken. Der Verlust in seiner Organisation sei nicht auf die Einführung der Krankenunterstützung, sondern auf die Krisis zurückzuführen. Wenn man die Verschmelzung wolle, so solle man sich mit dem Gedanken der Krankenunterstützung be- freunden. Die beteiligten Verbände würden ohne Zweifel diese Einrichtung nicht wieder preisgeben. ES sprachen noch eine ganze Reihe'Delegierter, doch bewegen sich die Ausführungen in dem schon geschilderten Gedankengang. Durch Echlußantrag wird die Debatte beendet und eine fünf- gliederige Kommission gewählt zur Beratung dieser Materie. Auf die Kunde von dem Tode des Genossen Deinhardt erheben sich die Delegierten von ihren Plätzen. D>e Sitzung wird auf Donnerstag vertagt. Stadtverordneten-Uerfammlang. 20. Sitzung vom Donnerstag, den 3. Juni 1909, nachmittags 6 Uhr. Die von dem dienstältesten Beisitzer G e r i ck e in Vertretung der beiden beurlaubt gewesenen Vorsteher einberufene Sitzung wird nach 6'/, Uhr vom Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet. Dieser gedenkt zunächst des in der letzten Nacht verstorbenen Dr. Theodor Barth, der 1890—1893 auch der Versammlung an- Sehört hat, mit ehrenden Worten, welche die Mitglieder stehend an- ören. Die Einführung des Stadtv. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht iSoz.), der. nach dem Reichsgerichtsurteil vom 12. Oktober 1907 am 8. November 1907 wiedergewählt. der Versammlung l'/a Jahre fernzubleiben gezwungen gewesen ist. kann nicht, wie beabsichtigt, zu Beginn der Sitzung erfolgen, da Dr. Liebknecht durch einen Trauerfall verhindert ist. rechtzeitig zu erschemen�n gastfreien und glänzenden Empfang, der den Mitgliedern der stadtischen Behörden in London zuteil ge- worden, spricht der Vorsteher-Stellvertreter Cassel seinen wärmsten Dank aus. Dem Lordmayor von London und der Korporation der City sowie dem Empfangskomitee soll dieser Dank noch besonders durch den Magistrat übermittelt werden.(Lebhafte Zustunmung.) Dem Magistratsvorschlage, auch an den städtischen Waisen- hauilazaretten in Berlin und Rummelsburg je einen Prakti- kanten nach abgelegter ärztlicher Prüfung zur Ableistung des prak- tischen Jahres zuzulassen, stimmt die Versammlung ohne De- batte zu-den Gasanstalten und am Röhren- s v st e m sind für da» Etatsjahr 1909 Erweiterungs- und Erneuerung«» bauten im Gesamtbetrage von S 183 000 M. vorgesehen, für die die im Ertraordinarium des Etats für 1909 bereitgestellten 2 Millionen als 1. Rate Verwendung finden sollen. Stadtv. G o l d s ch m t d t(N. L.) führt Beschwerde darüber, daß sich die Behörden nicht genügend untereinander verständigen, wenn Arbeiten vorgenommen werden, die ein Aufreißen des Pflaster« erfordern. Auf diese Weise reiße die.ewige Buddelet' in Berlin üöökhaupt flb. Stadtbaurat Krause legt dar, daß die Schuld nicht oder doch nicht vorwiegend an der Stadtverwaltung liegt: soviel als tunlich suche er solche unangenehmen Erscheinungen zu verhindern. Die Vorlage wird angenommen. Zur Minderung der Seuchengefahr auf dem stadtischen Vi e'h markt soll dort u. a. ein besonderer S e u ch e n h o f für Rinder hergerichtet werden. An Kosten entstehen insgesamt 16 000 M.. die dem Viehmarkt-ReservesondS entnommen werden sollen. Die Versammlung stimmt zu. Mit der Z i e g e l t r a n S p o r t- A.- G. ist zunächst für daS Zahr 1909 ein Abkommen vereinbart, wonach diese für ihre Kran« anlagen eine feste Abgabe von 10 Pfennig für je 1000 zur Löschung gelangende Steine an die Stadt zahlen soll. Eine neue Krananlage am Schöneberger Hasen(Hasenplatz) soll ihr gleichzeitig genehmigt werden. v m r Stadtv. Spendig(A. L.) beantragt Ueberweisung der Vorlage an einen Ausschutz.. � �. Stadtv. Singer(Soz.): Auch wir schließen im» diesem Antrage an. Die jetzige Form deS Löschens von ZiegelschiffSladungen führt ja gewiß eine Reihe von Uebelständen mit sich; anderer- schs niuß ,m Auge behalten werden, baß große Jntereffentenkrei e beteiligt sind, daß ein Monopol nicht aufkommen darf. Ich lasse dahingestellt, ob diese Befürchtung ungerechtfertigt erscheint. Jeden- falls müssen derartige Einrichtungen frei gehalten werden für alle Anteresscnten. die in der Lage sind, sie zu benutzen, und dafür bietet die Vorlage keine genügende Sicherheit. Will man die Einrichtungen in eine Hand bringen, dann würde sich die städtische Regie empfehlen. Alle diese Punkte werden nur in einem Ausschuß näher erörtert werden können. Die Borlage geht an einen Ausschuß. Für die internationale Automobiltourenfahrt, die sogenannte Prinz-HeinrichFahrt, die in diesem Jahre von dem kaiserlichen Automobilklub im Verein mit dem österreichlichen. ungarischen und bayerischen Klub zum zweiten Male veranstaltet und am 10. Jimi vom Tempelhofer Felde abgehen wird, will der Magistrat der Leitung einen Ehrenpreis im Werte von zirka 1000 M. zur Verfügung stellen. Stadtv. Singer; Wir sind nicht in der Lage, für die Vorlage zu stimmen. Diese Automobilfahrteu sind häufig Gegenstand der Diskussion und auch allgemeinster Verurteilung gewesen; es wird dabei mit einer Rücksichtslosigkeit gegen Menschen- leben vorgegangen, daß nach unserer Meinung nicht davon die Rede sein kann, solche Arrangements überhaupt zu treffen und noch viel weniger, sie durch solche Stiftungen zu fördern. Diese Automobilwetlfahrten, wenn sie im Interesse der Industrie notwendig erscheinen, sollten auf abgeschlossenen Bahnen veranstaltet werden; es wäre Sache der Staatsbehörden, der Polizei, dafür zu sorgen, daß sie in einer Weise sich vollziehen, daß Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen ausgeschlossen ist. Da uns aber ein Einfluß darauf nicht zusteht, können wir die Gewährung irgendwelcher Unterstützung nicht befürworten. Die Förderung dieser Unternehmungen, auch in gesetzgeberischer Beziehung, ist wesentlich zu danken der Liebhaberei und Unter- stützung dieser Wettrennen durch allerhöchste Kreise. Ich halte das für tief bedauerlich und für ge- fährlich. Wir sollten uns nicht dazu hergeben, Unternehmungen zu unterstützen, von deren Unnötigkeil und Gefährlichkeit wir durch- drungen sind. Es ist das erste Mal, daß der Magistrat mit solcher Vorlage kommt; ich weiß nicht, ob früher andere Erwägungen den Magistrat zurückgehalten haben. Jedenfalls sollten wir die Bor- läge zurückweisen und damit aussprechen, daß wir dem ganzen Unternehmen mit Rücksicht auf seine Gefährlichkeit und Nutzlosigkeit für die Industrie uns fernhalten wollen. Stadtrat Namslan: Die Veranlassung zur Vorlage ist gegeben durch den Umstand, daß die Wettfahrt zum ersten Male von Berlin ausgeht; wir haben uns lediglich nach dem Vorbild anderer Städte gerichtet. Die Ausführungen des Vorredners haben ja viel für sich; aber bei der ersten Prinz-Heinrich-Fahrt ist Überhaupt kein Unglück passiert, und das ist doch schon tröstlich. Die Idee der Verweisung der Fahrten auf unbelebte Straßen ist unendlich schwer durch- zuführen. Die Vorlage wird angenommen. Die Vorlage betreffend Versorgung der städtischen Waisen- Häuser und Säuglingsfürsorge stellen mit Kinder- milch gelangt ohne Diskussion zur Annahme. An die Deputation zur Verwaltung des Gesindebeloh- nungS- und Unter st ützungSfonds sollen jährlich 818 M. auS angesammelten Zinsen, die gesetzlich„für gemeinnützige Zwecke' Verwendung finden müssen, widerruflich ab 1. April 1910 überwiesen werden. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Ich beantrage AuSschutzberatung der Vorlage. Es soll eine an sich geringe Summe dem Gesinde-Be- lohnungS- und UnterstützungSfondS überwiesen werden; dieser Antrag sollte unS Anlaß bieten, daS Statut dieses Fonds einmal von Grund auS zu revidieren. Wir haben ja schon öfter den Anstoß dazu gegeben, aber ein Erfolg ist nicht erreicht worden, namentlich ist es nicht gelungen, die Steuer von 60 Pf., die jeder Dienst- böte beim Stellenwechsel an den Fonds abführen muß, zu be- seitigen.(Große, andauernde Unruhe. Der Vorsteher ersucht um Ruhe.) Diese Steuer ist schon seit 1872 nicht mehr Rechtens: jedenfalls kann man nicht von einer Gemeinnützigkeit reden. Es ist eine an Erpressung grenzende Handlung, wenn diese 60 Pf. gefordert werden, ohne daß wirklich etwas Gemeinnütziges ge- schieht; denn nach dem Statut können nur Mädchen etwas bekommen, welche bei 80 Lebensjahren 10, bei 60 Jahren 20 Jahre lang ununter- brachen in Berlin im Dienst gestanden haben und bedürftig sind. Da hat von dieser Einrichtung nur eine verschwindende Anzahl von Dienstmädchen wirklich einen Borteil. Sie müssen unterstützungs- bedürftig geworden und mindestens 60 Jahre alt sein, um über- Haupt etwas aus dem Fonds zu erhalten. Da kann man nicht von Gemeinnützigkeit reden; dieser Charakter deS Fonds ist bei dem jetzigen Statut durchaus zweifelhaft. Andererseits stellen sich die Verwaltungskosten als enorm hoch dar. Nehmen Sie deshalb unseren Antrag auf Ausschußberatung an l Der Vorsteher-Stellvertreter Cassel rügt preffung grenzende Handlung' und ersucht Wendungen in Zukunft nicht zu gebrauchen. Stadtv. Ladewig(N. L.) kann nicht begreifen, wie die Nützlich- keit dieses Fonds bestritten werden kann. Stadtv. Stadthagen: Ich habe erklärt, eS ist nicht gemeinnützig. von etwa 80000 Dienstmädchen 60 Pf. im Wege der Besteuerung zu nehmen, um nachher einer ganz kleinen Anzahl Wohltaten zuzu- wenden. Anders wäre es, wenn seitens der Stadt ohne solche Steuern wirklich gemeinnützige Einrichtungen derart getroffen würden, wie es in vielen Kommunen der Fall ist. Stadtv. Ladewig findet, daß auch diese Darstellung an einer ganz kolossalen Ucbertreibung leidet. Damit schließt die erste Lesung. Gegen die zweite erhebt Stadtv. Singer Widerspruch, der genügend unterstützt wird. Die zweite Lesung kann danach erst in der nächsten Sitzung stattfinden. Inzwischen ist Stadtv. Dr. Liebknecht erschienen. Er wird von den Stadtvv. Dr. Arons und Dr. Wehl in den Saal geleitet und vom Vorsteherstellvertreter Cassel unter Hinweis auf seine bereits sechsjährige frühere Mitgliedschaft durch Handschlag auf die Städteordnung verpflichtet. Bon seinen Parteifreunden wird Dr. Liebknecht darauf aufs lebhafteste begrüßt und beglückwünscht. Schluß»Z«? Uhr._ den Ausdruck»an Er- den Vorredner, solche Soziales. Kautionshaftung. Durch die bei den Wach, und Schließgesellscha'ften übliche Gepflogenheit, von den zu engagierenden Angestellten die Ein- zahlung einer Kautionssumme zu fordern, sind eine Anzahl bei der Preußischen Wachgescllschaft m. b. H. angestellte Wächter ge- schädigt worden. Der bei dieser Gesellschaft bedienstet gewesene Inspektor Faß hat— wie der Vertreter der beklagten Gesellschaft im gestrigen Termin bor der Kammer 8 deS Gewerbegerichts er- klärte— denen, die sich um eine Anstellung bei der Gesellschaft bewarben, stets 20 M. Kaution abverlangt und nach geleisteter Zahlung derselben die Einstellung für die nächsten Wochen ver- sprachen. Dies geschah in einem den Bedarf an Wächtern bei der Gesellschaft übersteigenden Umfange. DaS Geld ist aber vielfach von ihm nicht an die Gesellschaft abgeliefert worden. Mehrere der Bewerber drängten nun auf die ihnen versprochene Einstellung. Dadurch erhielt die Gesellschaft Kenntnis von diesen Manipulationen des Inspektors. Von ihrem Rechte, ihn sofort zu entlassen, machte die Gesellschaft zunächst keinen Gebrauch. Sie begnügte sich da- mit, in den Kontorräumen in einigen Exemplaren ein Plakat au?» zuhängen, durch das die Wächter darauf hingewiesen wurden, daß die Gesellschaft nur die Quittungen, die mit der Unterschrift des Direktors versehen sind, für sich als rechtsverbindlich betrachte. Jetzt schwebt gegen diesen Hüter fremden Eigentums wegen dieser Unterschlagungen ein Strafverfahren. Der Wächter K. ist im Oktober 1908 bei der Beklagten in Dienst getreten und hatte die Kaution in der üblichen Höhe von 60 M. erlegt. Der Inspektor Faß hatte sie trotz jenes Aushanges vom Kläger in Empfang genommen, aber nur 30 M. an die Ge- sellschaft mit dem Bemerken abgeliefert, daß K- zurzeit nicht mehr zahlen könne und die fehlenden 20 M. später noch einzahlen werde. Bei der kürzlich erfolgten Lösung des Arbeitsverhältnisses erhielt K. nur 30 M. Kaution zurück. Um den Rest zu erhalten, nahm er das Gewerbcgericht in Anspruch. Die Beklagte ver- weigerte unter Berufung auf jenen Aushang die Zahlung. DaS Gericht legte dar: Wenn der Aushang rechtsverbindlich ist, ist er es nicht nur für die im Gesckäftsverkehr weniger routi- nierten Angestellten, sondern auch für die Gesellschaft selbst. Die Gesellschaft hat aber, obwohl der Inspektor Faß zur Entgegen- nähme solcher Kautionseinzahlungen nicht mehr berechtigt gewesen sein soll, die 30 M. deS Klägers von ihm entgegengenommen, ohne sich mit dem Kläger über die in Art und Höhe inkorrekte Ein» zahlung auseinanderzusetzen. Demnach ist tatsächlich dem In» spektor die Vollmacht zum Abschluß solcher Rechtsgeschäfte nicht entzogen worden. Demzufolge töar die Gesellschaft zur Heraus- zahlung der geforderten 20 M. zu verurteilen. Aus der Lederindustrie. Der Umfang der Lederindustrieberufsgenossenschaft hat nach dem uns vorliegenden Bericht für 1908 6268 Betriebe versichert. Die Zahl der versicherten Arbeiter ist aber zurückgegangen. Im Jahre 1907 waren 79 146 Arbeiter, im Jahre 1903 dagegen nur 76 788 oder 2358 weniger versichert. Das ist ein Zeichen der Krise, welche in der Lederindustrie natürlich erheblich einsetzen muß. Die Zahl der entlassenen Arbeiter betrug also 2,98 Prvz. In Konkurs gerieten im Berichtsjahre 47 Betriebe mit 496 Ar- beitern, gegenüber 26 Betrieben mit 263 Arbeitern im Jahre 1907. Die Zahl der Konkurse hat sich also fast berdonpelt. Gegen die Heranziehung zur Versickxrung wurde von vielen Unternehmern geltend gemacht, daß„andere gleichartige Betriebe auch nicht versichert seien". Die alte Ausrede. Die von der vorjährigen Genossenschaftsversammlung be- schloffenen„Bestimmungen für Anlagen zur Verarbeitung von rohen Schaf» und Ziegenfellen sowie von trockenen ausländischen Rohhäuten"(Milzbrandverhütungsvorschriften) wurden vom Reichsversicherungsamt genehmigt und traten mit dem 1. Oktober 1908 in Kraft. Der Bericht bemerkt aber hierzu, daß die Be- kanntmachung der Vorschriften„in den Fachblättern" erfolgte. Dies genügt doch nicht. ES sollten bielmehr alle Arbeiter auf die großen Gefahren einer Milzbrandvergiftung hingewiesen werden. Der Bericht fühlt dies aber auch, denn es wird erwähnt, daß er eine„Belehrung über die Entstehung und Bekämpfung der Milz- branderkrankung" ausarbeiten ließ und zum Aushang in den Be- trieben vertreiben will. Weniger Wert hat wohl der Beschluß, „sämtliche unter die Vorschrift fallenden Betriebe bestimmte» Krankenhäusern zuzuteilen". Es soll dadurch ein„schleuniges und sachgemäßes Heilverfahren" gewährleistet werden. Die Hauptsache ist doch, um daß die Krankheit verhütet wird, die großen Gefahren bei der Arbeit schon beseitigt werden. Im Jahre 1908 sind 2129 Unfälle zur Anmeldung gekommen gegen 2072 im Jahre 1907. Auf je 1000 Versicherte entfallen somit 27,72 Unfälle gegen 26,18 im Vorjahre. Entschädigt wurden davon jedoch nur 612 Unfälle oder 24 Proz. der gemeldeten Unfälle. Davon entfielen 462 Fälle auf Erwachsene männlichen und 23 weib- liehen Geschlechts, auf Jugendliche unter 16 Jahren männlichen Geschlechts 25 und weiblichen Geschlechts 2 Fälle. Die mangelhafte Statistik des Berichts, welche sich leider nur auf die entschädigten Fälle bezieht, ergibt, daß 198 Unfälle davon an Motoren und ArbeitSmaichinen sich ereignet haben, 13 an Fahrstühlen, Aufzügen usw., 2 an Dampfkesseln, 37 durch feuer- gefährliche Stoffe, 14 durch Zusammenbruch, Einsturz, 73 durch Fall von Leitern, Treppen, 96 beim Auf- und Abladen, 22 durch Fuhrwerk, 4 im Eisenbahnbetrieb, 6 durch Tiere. 36 durch Hand- Werkszeug und 13 Unfälle durch sonstige Ursachen entstanden sind. Als Folgen der Unfälle wird bezeichnet: Tod in 31 Fällen, völlige Erwerbsunfähigkeit in 6 Fällen, teilweise Erwerbsunfähigkeit in 316 Fällen, vorübergehende Erwerbsunfähigkeit in 160 Fällen. Während also die Todesfälle auf 31 gestiegen sind, wurden aber nur 6 Schwerverletzte als„völlig erwerbsunfähig" mit Ablauf der 13. Unfallwoche von den Vertrauensärzten der Berufsgenossen- fchaft bezeichnet. Die technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft haben im Jahre 1908 1247 Betriebe revidiert, gleich 19 Proz. aller Betriebe. Festgestellt wurden insgesamt 964 Mängel in den revidierten Betrieben. Wieviele mag der Beamte gar nicht gesehen haben? Em der frauenbenegung. Kirche und Frauen. Seit die aus den wirtschaftlichen und sozialen Ursachen her- vorgegangene Frauenbewegung immer gewaltigere Kreise zieht, sucht auch die Kirche sich mit ihr anzufreunden, im Gegensatz zu den Wutpam» phlets, die sie zu Anfang dieser Bewegung und ihren verschiedenen Vertreterinnen widmete. So wurde vor 14 Tagen in der St. Pauls» Kathedrale zu London öffentlich für das Frauenstimmrecht ge» predigt. Und die konfessionellen Zweige der Frauenbewegung in Deutschland entfalten eine fast unheimliche Tätigkeit und werden den„Bund deutscher Frauenvereine" zweifellos bald beherrschen. Sowohl die evangelische wie die katholische und auch eine israeli- tische Frauengruppe sind an der Arbeit, um der Kirche womöglich den Hauptanteil des von den Frauen zu Erstrebenden oder Er- strebten zu sichern. Schon einmal, im Mittelalter, hat eS eine Frauenbewegung gegeben, die zur Gründung der Nonnenklöster geführt und woraus später die charitative Frauenbetätigung, dix barmherzigen Schwestern usw. hervorgingen. Nun, ins Kloster werden sich die Frauenrechtlerinnen von heute, soweit sie den zivilisierten Völkern angehören, wohl nicht mehr zurückbugsieren lassen, desto kräftiger versucht die Kirche, in Gestalt der Missionen auf die unkultivierten Völker einzuwirken. In dem„Ev. Lutherischen Missionsblatt" vom 1. Juni schreibt ein Missionar den folgenden Passus über indische Frauen: „In ganz Indien gibt eS etwa 150 Millionen Frauen, von denen etwa 40 Millionen, die den höheren Volksklaffen angehören. besonders ,n Nordindien ihr Leben in dumpfen Frauengemächern, den SenanaS, zubringen müssen. Nach der letzten Volkszählung 1901 waren% des weiblichen Geschlechts verheiratet, war unverheiratet und von diesen waren% jünger als 10 Jahre. Daß unter den Hindu» die Vielehe selten ist» geht daraus hervor, daß auf auf 1000 Ehemänner 1011 Ehefrauen kommen. Wie häufig die Kinderheirat ist kann man daraus ersehen, daß nach jenem ZensuS von je 1000 Mädchen im Alter von 1—10 Jahren 116 und im Alter von 1»— 16 Jahren 423 verheiratet waren. Witwen gibt eS 26,9 Millionen, Kinderwitwen unter 10 Jahren 116 286, unter 6 Jahren 19 487. Wieviel Jammer und Elend besagen diese Zahlen I Wie schlecht es mit der Bildung deS weiblichen Geschlechts ist, erhellt daraus, daß von 1009 Hindufrauen nur 7 lesen und schreiben können.(Von den christlichen Frauen 91.) Obgleich die Männer in den höheren Volksklassen in bezug auf Bildung den Frauen weit voraus sind und unter ihnen schon lange Vereine zur sozialen Reform bestehen, so haben doch die Frauen auch bei diesen„Gebildeten" noch viel zu leiden unter der hergebrachten Mißachtung des weiblichen Geschlechts und der Be- obachtung alter Unsitten.... Diesem Elend kann aber nur daS Evangelium Abhilfe schaffen. DaS Hort sich ja beinahe so an, als hätte die christliche Kirche die Frau wirklich frei gemacht. Die christlichen Kirchen predigen doch auch die Herrschaft des Mannes, die Unter- ordnung des WeibeS.„Er" soll dein Herr sein! Wenn die Kirche bei unS nun etwas andere Seiten aufzieht, dann nur zu dem Zwecke, um die Frauen an ihren, das heißt an den kapitalisti- sehen Wagen zu spannen. Der Toleranzmantel birgt ein erzreaktio- näreS Herz._ Frcmdcnindustrie und Arbeiterinuenschutz i« der Schweiz. Die Krämer und Konsorten in den Fremdcnorten des Kantons Bern haben eS fertig gebracht, daß das kaum in Kraft getretene neue kantonale Arbeiteriirnenschutzgesetz schon wieder verschlechtert wurde. DaS Gesetz bestimmt den Ächtuhr-Ladenschluß und die minimale zehnstündige Nachtruhe. Der Große Rat hat nun be- schloffen, das Offenhalten von Ladengeschäften bis abenvS lO'/z Uhr(I) für die Dauer von vier Monaten und die Verkürzung der Rächt- ruhe auf nur neun Stunden zu gestatten. Daraufhin hat die sozial- demokratische Fraktion die Einführung des einheitlichen Laven- fchluffeS für den ganzen Kanton und die Gewährung der Kompetenz an die Gemeinden, einen früheren Zeitpunkt zu bestimmen, be- antragt, worüber die Regierung einen Bericht erstatten soll. N. Ziehung 5.Kt 220.Kgl. Pfenss. Lotterie« Zlehong Tom«. Jani ronntltaits. Bit ckt» Oswin»« Ubsr 240 Mark sind den betreflOnflca Nummern in Klnnwiem beifcefügrt. «Obno Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 88 106 272 316 407 547[500] 701 882 982[500) 1304 97«11 745 672 2 165 241 66 916 18 5 3 3 254 314 495 «83 745 873 983 75 88 4136[500] 57 411 582 790 832[500J 5141 93 244 368 526 833 05 983 6070[500] 483 599 634 77 728 29 861 7063 298 347 86 53* 754 8235 313 36 695 708 19 896 954 9031 57 163 251 441 49 681 749 839 926 [500] 93 1003Z 192 669 721 916 11161 316 1 2072 148[500] 352 64 400 613[600] 711 52[500] 13093 323 680 703 14036 127 44 49 335 657[1000] 984 1 5142 390 637[500] 47 733 87 16111 627[1000] 794 836 1 7059 412 30[500] 97 627[1000] 32.737 OOS 20 36 1 8490 500 7 76 833 1 9036 33 667 68 839 1/000] 85 20236 331 82 606[1000] 2 1 069 279 374 434 35 576 [1000] 703 10 WJ 2 2210 322[1000] 890 908[500] 23178 590 633 829 915 24113" 737[500] 859 75 989 25123 42 420 25[500] 512 95 624 94 785 933 48[600] 64[1000] 2 6385 472[500] 520 601 86 939 2 7 374 601[3000] 28109 52 224 383 435 63 94 688 831 968 29053 71 130[500] 80 217 82 834 36 489 583 736[3000] 802 950[500] 3O054 227 314 471 99 545 711[1000] 891 3 1 288 91 418 50[1000] 647 86[500] 802 88 3 2 049 72 152 309[5000] 505 725 913 3 3119 281 507 608 095 3 4192[500] 212 42 456 823 82 35018[500] 831 707 863 995 3 6072 152[500] 60[500] 81 214 63(1000) 78 341[1000] 685 685 733 49 034 77 3 7047 81 193 220 82 320 643 709 868[600] 93 3 8 048 107 595 609 720 30 43 77 830 956 93 39116 319 S40Ö99 3(1000] 18t 306[1000] 461 95 749 990 4 1092 138 87 285[1000] 404 766[50Oj 43001 99 200 69 443 660 62 713 4 4100 325 415 802 4 5076 180 401[500] 535 63 710 4 6025 175 03 648 939 45 47166 79 325[600] 554 35[500] 645 739 848 63[1000] 48242 350 77 437 559 61 49003 96 117 67 348 827 971 75, 5O016 512 843 51022 335 491 636 794[1000] 52037 84 137[600] 209 78 622 720 34 911 5 3068 282 85 467 513 792 5 4302 451 706»77 55062[3000] 204 302 9 450[1000] 551[500] 659 67 717 70 5 6086 108 66 368 640 82 852 57049 252[1000] 59 855 886 971 98 5 8330 929 5 9027 993 240 404 72 795 93, 60225 70 98 329 513 42 670 6 1 004 35[500] 52[1000] 83[8000] 211 70 81 329 420 642 841 997 6 2004 20 640 705 «3093 116 594 603[1000] 44[500] 93 6 4026 307 25 566 751 628 62 67 77 65013 426 554 83 625 41 67 829 71 970 6 6059 608 822 088 6 7064 248 351[3000] 551[1000] 606 964 74 6 8010 279 380 90[1000] 665 662 903 32 69135 406 623 71 602 4 736[3000] 940 47 7O070[8000] 271 564 673[1000] 98 952 71128 473 93 512 658 85[500] 703 62[lOOO] 7 2008 244 982[3000] 7 3 068 211 40 323 72 422 550 612 813[500] 74038[500] 128 206 17 308 13 97 467 867 7 5144 313[500] 611 77 660 763 035 70 7 6257 352 73 431[3000] 41 64 601 7 7069 218 «8 460 601 7 8203 16 523 82 659 814 7 9007 66 339[1000] 555 96 664 70 803 4 068, 8O0ÜO[500] 132[1500] 223 393[1000] 640 604 34 700 964 81058 120[3000] 38 85 413 502 090 8 2800[ 500] 83180 412 83 906 84167 253 76[1000] 3tz2 411 642[600] 77 89 658[1000] 84 921 85456 561 602 870 8 6055 175 249 61 387 630 963 8 7012 70 183 208 45[1000] 887 713 [600] 88400 37 521 47[1000] 670 824 963 8 9002 179 222 866 03 731[600] 887 910 83 90181 283 431 91113 18 238 403 40[500] 93 604 43 705 960 9 2135 368 80 400 45 560 72 632 793 903 9 326a 93 332 412 610[500] 608 913 9 4009[3000] 07 265 478 598 997 9 5 027 72[3000] 75 343[3000] 459 630 872 9 6174 2�4 503[3000] 690[500] 04 742 841[500] 995 97167 219 84 466 80 709 9 8022 129[3000] 243 393[500] 431 534 -,4 725 881 63 71 971 87 9 9011 23 63 137 61 200 350 59 435 65 654[1000] 860 981,. 100284 94 470 625 73[1000] 887[500] 101187[5000] 489[500| 639 66 918 84 1O2027 67 60 312 70 453 745 51 [500] 651 10 3057 504 650 1 04082[500]»°3 95 3� 459 607 92 613 1 05208 375 634 65[30000] 106105 86 260 401[1000] 68 531 42 675 792 873 907 65[500] 1O7160 «16 44 442[1000] 694 736 879 1 03975 8? 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 3 87[3000] 165 454 595 603 71 729 1 393 706«9 33 897 931 2051 213[500] 45 58 531 75 703 SU«9[500] 3081 423 547 645 88 863 962 4 726 5019 200 425 500 834 909 31 [1000] 6030[500] 303 10 95 467 520 647 97 763 921 92 7060 263 306 14 72 515 653 980[500] 8051 170 283 319 686 88 90 91 864 66 907 9055[500] Ol 135 53 66 310 415 (500] 47 96[ 500] 624 723 10015 76 141 83 359 615 77 614 15 44[1000] 877 [5000] 1 1042[3000] 404[ 3000] 72 691[30001 713 45 1 2066 (300] 116 23 211 306 5 11 720 880 1 3053 6ä III[500] 13 S02 61 312 66 424 81 611 55 71 762[500] 14097 279 356 600 80 723 90 849 914 76 1 5017 82 314 579 95 821 SO 116299 32 54[1000] 615 88 709 951 82 1 7233[3000] 337 18222 23 588[ 3000) 19047 633 709 814 20233 37[1000] 341 64[500] 470 615 960 2 1 229 8 1 66 84[3000] 358 82 415 63t[3000] 62 727 2 2162 288 [lOOO] 97 492 611 27 860 929[1000] 77 23336 64 412 600 61 776 833 24118 64 65 314 41 645 71 73[1000] 745 376 924 2 5 012[500] 67 92 106[500] 509[3000] 655 2 6141 65 66 68 236 91 371 531 623 745 943 87 2 7048 76 103 67 415 79 95 595 861[1000] 991 2 8082 175 276 340 51 93 432 701 913 80 2 9 008 213 419 34 506 31 647 817 964 30275 405 62 589 740 67 952 56 86 3 1033 68 168 (500] 94 331 760 66 964 3 2111 43[lOOO] 217 504 695 844 [500] 923 3 3393 893 95 3 4150 77 464 619[,600] 34 808 931 [500] 3 5053 115 374 549 670 861 95 916[5001 88 3 0233 631 730 905 61 37187[1000] 270[3000] 705[5001 89 832 825 84[600] 87 3 8013 139 359 485[1000] 727 39163 84« 76»37 4OO01 147 237 62 485 622 674 779 645 69 41 US 810 333 433 916 42175 98(lOOfl) 708 4 3006 34 270 307 93 488[500] 91 676 837 960 4 4U7 235 304 486 682 827 [5001 50 916 4 5215 402 587 642 47 814 4 6304 400 27 4 7 421 83 608 823 37 901 63 04 4 8049 75 266[500] 312 23 48 64 471 635 49132 76 213 305[1000] 11 92 498[500] 622 90» 50326 29 61 447 99 892 937 5 1 247 302 521 726[3000] 684 91 5 2241[1000] 481 619 53 U7 85 884 5 4013[ 3000] 74 125 201[1000] 33 733 55163 451 630 85 712 Ol 810 67[600] 923 78 84 5 6 090 187 233 601 62 62 717 5 7081 ISS 207 U 816 419 65[500] 654[500] 57 5 8107 702 606 61 es 96 990[500] 59 039 121 39 62 360 66 613 807 84[1000] 68 60 916 44 6O031 320 23 693 735 905[500] 18 6 1 010 60 66 89 155 437 622 63[1000] 791[3000]<32137 58 211 143 63 576 636 SOO 28[1000] 63011 207 373 585 736 49 96? 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Berlin. Für dxnJnseratenteilverantw.: TH. Glocke, Herlin. Krück u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Eo., Berlin SW, »■ R. mm. 2. Ktilsze ilts„Nomarts" Kttlim Nslksdlstt. ktt».-. 4. m>W. parte!- Hngelegcnbcitcn. Lichtenberg. Die Bibliothek des Wahlvereins, Bezirk Lichten- Berg, wird zwecks Neuordnung vom Sonnabend, den 6. Juni bis auf weilereS geichlossen. Entliehene Bücher müssen spätestens bis Mittwoch, den 9. Juni, abgeliefert sein. Die Wiedereröffnung wird au dieser Stelle bekannt gegeben. Berliner JVacbrichten. Die Stadtverordneten hatten gestern wieder mal eine Sitzung von nur kurzer Dauer. Die Tagesordnung, die ihnen vorgelegt wurde, war immerhin reichlich genug, aber nur bei einigen Punkten er- gab sich ein Anlaß zu Bemängelungen. Gegen den Plan des Magistrats, den Ziegel- Transport nach Berlin durch Einführung eines neuenEntladeverfahrenszu„reformieren", machte Genosse Singer geltend, daß man hiermit einer einzelnen Unternehmergesellschaft ein Monopol schaffen werde. Sei die beabsichtigte Umgestaltung wünschenswert und notwendig, so biete sich hier für die Stadt die Gelegenheit zur Ueber- nähme in eigene Regie. Singers Antrag auf Be- ratung in einem Ausschuß wurde angenommen. Für das internationale Automobilwettrafen, das unter Führung des kaiserlichen Automobilklubs diesmal von Berlin aus stattfinden soll, will der Magistrat einen Ehrenpreis stiften. Für solche und ähnliche Veran- staltungen ist ja immer Geld da, während es nützlicheren Dingen verweigert wird. Genosse Singer empfahl Ab- lehnung des Magistratsantrages. Die Unterstützung dieser Wettfahrten, bei denen Gesundheit und Leben der Bevölke- rung gefährdet werde, sei nicht Sache der Stadt, man solle sie den hohen, höchsten und allerhöchsten Kreisen über- lassen. Indes, die Freisinnigen sorgten dafür, daß bei der Abstimmung sich für den Ehrenpreis eine Mehrheit zu- sammenfand. Eine Vorlage, die den Gesinde-Belohnungs- vnd Unter st ützungsfonds betraf, gab unserem Ge- Nossen Stadthagen Gelegenheit, erneut Kritik zu üben an den veralteten Bestimmungen dieses wunder- lichen Instituts. Er bezeichnete die Einforderung der 50 Pf.- Beiträge von den ihren Dienst wechselnden Dienstmädchen als„eine an Erpressung grenzende Handlung"— zum Entsetzen des die Sitzung leitenden Vorsteherstellvertreters Cassel, der das rügen zu sollen meinte. Gegen Stadthagens An- zweifelung der Gemeinnützigkeit dieses Instituts ereiferte sich der Stadtverordnete L a d e w i g. Der Antrag unserer Ge- Nossen, sich den Gesinde-Belohnungs- und Unterstützungsfonds wieder mal in einem Ausschuß näher anzusehen, fand keine Mehrheit. Singer widersprach dann der sofortigen Vor- nähme der zweiten Beratung: diese mußte daher vertagt Werden. Den Schluß der öffentlichen Sitzung bildete die Ein- führung unseres Genossen Karl Liebknecht, des aus der Festungshaft in die deutsche Freiheit zurück- gekehrten„Hochverräters", der vor ziemlich anderthalb Jahren— damals schon ein Festungsgefangener— zum Stadtverordneten wiedergewählt worden war. Der Vor- steherstellvertreter Cassel vollzog die Einführung in geschäfts- mäßig trockener Form, ohne auch nur mit einem einzigen Wort anzudeuten, warum der Einführungsakt erst jetzt vor- genommen werden konnte._ Eine Willkommensfeier für den aus der Haft entlassenen.Hochverräter" Genossen Dr. Karl Liebknecht hatte am Mttwoch Genossen des 11. Landtagswahlkreises in den PharuSsälen in der Müllerstratze zusammengeführt; auch Mit- glieder deS Parteivorstandes, des Zentralvorstandes der Wahlvereine sowie Vertreter unserer Berliner Stadtverordnetenfraktion waren anwesend, um den der Freiheit wieder zurückgegebenen Parteifreund zu begrützen. Die Pharussäle waren wie belagert. Auf der Straße erwarteten Hunderte von Arbeitern, die keinen Einlaß mehr finden konnten, den Genofien Liebknecht, der Garten war gleichfalls voll besetzt und nun erst oben im Saale. Ms wir um VzL Uhr den Saal betraten. herrschte schon eine beängstigende Fülle und immer noch fanden sich neue Teilnehmer ein. Bald war eS so eng, daß es schon„gar nicht mehr schön" war und mancher ein unfreiwilliges Schwitzbad durch- machen mußte. Ms nach längerem Harren gegen VI0 Uhr Genosse Liebknecht den Saal betrat, erschollen von allen Seiten Hochrufe auf den Wiedergekehrten, und prompt setzte der.Vereinte Sänger« Chor" (Wedding) ein zum Vortrag eines Willkommensliedes, das nur ein Kampflied sein konnte. Nach einem von Herrn Richard gesprochenen, dem Zweck des WendS entsprechenden Prolog nahm Genofie Borgmann das Wort zu einer Ansprache, in der er auf daS gegen Liebknecht ge- fällte Reichsgerichtsurteil und auf die Versuche, ihn auS dem Anwalt- stände zu entfernen. Bezug nahm und das ganze Verfahren nach den verschiedensten Seiten hin würdigte. Borgmann wies darauf hin, daß weite Kreise deS Volke» durch dieses Urteil aufgebracht worden seien und daß die Landtagswählcr deS 11. Berliner Landtagswahlkreises die erste Gelegenheit benutzt hätten, dem ReichsgerichtSurteil ihr Urteil insofern entgegenzusetzen, indem fie ihn zum Abgeordneten des preußischen Landtages gewählt hätten. Große Aufgaben und viel Arbeit harrten hier und er fei fest über- zeugt, daß Genosie Liebknecht an dieser Stelle ein besonders wertvoller Mitkämpfer werde. Borgmann schloß mit einem Hoch auf die Sozial- demokratie, an daS sich ein Massengesang der dritten Strophe der Marseillaise schloß. Dann nahm Genosse Liebknecht daS Wort und sagte u. a.: Parteigenoflen k Sie können fich denken, daß ich der heutigen Veranstaltung mit etwas eigenen Gefühlen gegenüber stehe. Zu- nächst einmal, weil ich der Menschheit ein klein bißchen entwöhnt worden bin, und mich nun plötzlich einer gewaltigen Menschen- menge gegenüber sehe, die mir mit ihrer Liebenswürdig- keit so herzlich entgegentritt. Aber auch etwas anderes ist es, was mich bei dieser Festlichkeit ein klein wenig beunruhigt. Parteigenofien! Ich behaupte. daß etwas unrecht ge- schieht, wenn mit mir ein so großes Wesen getrieben wird. Ich behaupte, Parteigenossen, daß wenn ähnliches, wie es mir ge- schehen ist, in Rußland geschehen wäre oder in Deutschland zur Zeit deS Sozialistengesetzes, kein so großes Aufheben gemacht worden wäre. Ganz besondere Umstände, die mit meiner Person gar nichts zu tun haben, haben es veranlaßt, daß meine Prozesse eine gewifie Bedeutung gewonnen haben. Und so möchte ich die Veranstaltung als nicht als meiner Person gewidmet betrachten, sondern als ein fröhliches und herzliches Bekenntnis zu der Partei. Parteigenossen! Es ist in der Zeit meiner Abwesenheit vom Kampfplatz mancherlei geschehen. Es haben Umwälzungen stattgefunden, mächtiger und bedeutungsvoller Art. In der aus- wältigen Politik haben ganz außerordentlich bedeutsame Verände- rungen, einige Revolutionen stattgefunden; wir sahen einen Krieg nahe am Ausbruch. Auch in Deutschland selbst haben sich politische Veränderungen vollzogen, die von allergrößter Be- deutung sind. Das Ende der Blockpolitik ist da. Heute gibt es in ganz Deutschland nicht einen einzigen vernünftigen und ehrlichen Menschen mehr, der nicht einsieht, daß der Blockblödsinn darauf ausging, das Bürgertum gänzlich zu korrumpieren und zu blamieren und es völlig unfähig zu machen eine politische Rolle zu spielen. Wir haben ferner erlebt, daß das Proletariat trotz der dreifachen Mauern siegreich, wenn auch in bescheidener Zahl in das Haus der preußischen Reaktion eingezogen ist. Daß ich mit zu den im Juni vorigen Jahres Gewählten gehöre, habe ich nicht meinen persönlichen Verdiensten zuzuschreiben. Aus den Bekundungen, die ich von überall her erhalten habe, entnehme ich. daß det Prozeß sein Teil mit dazu beigetragen haben mag. Aber ich muß Voi�chußlorbeeren, die mir in allzu reichlichem Matze durch Genossen Vorgmann zu teil geworden sind, ablehnen. Ich möchte Sie bitten, mich mit genau so nüchternem Blick zu betrachten, wie früher, und wie eS der Wirklichkeit entspricht. Gewiß werde ich tun für die Partei, was ich für sie tun kann, aber nur ein Schelm tut mehr, als er kann. DaS eine kann ich allerdings versichern, daß durch diesen Prozeß die Herren, die glaubten aus mir etwas anderes machen zu können, als ich gewesen bin, sich geirrt haben.(Beifall.) Parteigenossen l Inder Sozialdemokratie verschlägt die AbschreckungSth'eorie niemals. Je mehr man versucht mit dem Schrecken zu kommen, desto fester wurzeln wir in unseren Ueberzeugungen.(Bravo!) Daß ich das, was ich als meine Ueberzeugung erworben habe, durch ein gegen mich gefälltes Urteil verlieren könne, über dessen schärfste Verurteilung und Mißbilligung die ganze Welt einig ist, daß ich dadurch in meiner Ueberzeugung wankend gemacht werden könnte, ist wahrer Köhlerglaube, von dem ich glaube, daß ihn die Herren an den matzgebenden Stellen jetzt selbst nicht mehr hegen. Man müßte geradezu eine politische Wachs na se sein, wenn man durch solche Umstände, wie ich sie erduldet habe, zu anderer Auffassung gekommen wäre. So werden wir nicht erzogen. Wenn man uns erziehen will zur Freude an Staat und Verwaltung, so versuche man eS durch eine Besserung der Verhältnisse des Staates, der Verwaltung. Durch Gewalt, durch Gefängnisstrafen wird man nicht einen Zollbreit von uns erringen. Ich möchte damit schließen, daß ich meine Ueberzeugung ausspreche, daß in der Sozialdemokratie jetzt und ewig der Geist herrschen möge, der sich kurz dahin ausdrücken läßt: Gegenüber der Reaktion auf einen Schelm anderthalb e.(Lebhafter Beifall.) Nach diesem ernsten Teil deS Abends trat der unterhaltende in fein Recht. Die siebenjährige Else Schmidt trug zwei hübsche Sachen: .Hans Jörg" und.Wir haben keine Heimat mehr' vor, daran knüpften sich Rezitationen von Herrn Richard und Gesangsvorträge. Das Berliner Ulk- Trio sorgte besonders durch seine politisch- satirischen Vorträge dafür, daß auch der Humor zu seinem vollen Recht kam. Noch einen anderen Zweck als den vorgesehenen erfüllte der Abend: er führte viele ältere Genossen, die fich in Berlin so selten treffen, zusammen, um alten Kampfgenossen nach langer Zeit wieder einmal freundschaftlich die Hand zu drücken. Bemerken wollen wir noch, daß im Laufe des Tages viele Glückwunschdepeschen im Hause Liebknechts eingelaufen waren, die dem Hochverräter zu seiner Rückkehr in die Freiheit ein herzliches Willkommen wünschten._ Die Bevölkerungszahl Berlins hatte, nach den Berechnungen deS Statistischen Amts der Stadt, zu Anfang Januar 1999 sich auf 2 106 942 gestellt. Sie war von da bis Februar auf 2 110 209, b»S März auf 2 112 065 gestiegen, bis April in jähem Absinken aus 2 100 873 heruntergegangen und hat dann bis Anfang Mai sich wieder auf 2101032 erhöht. Es scheint, daß in Berlin die Mehrung der Bevölkerung sich jetzt wieder etwas günstiger gestalten will. Im Laufe des Jahres 1908 hatte das Tempo sich so sehr verlang- samt, daß schließlich an der Jahreswende die Bevölkerungszahl niedriger blieb, als sie zum Jahresanfang gewesen war. Die Be- rechnungen hatten für Anfang 1903 noch 2 III 361 ergeben, für Anfang 1909 aber ergaben sie, wie oben mitgeteilt, nur 2106 942. Nachdem dann auch in den ersten Monaten von 1909 die Bevölke- rungszahl sich noch unter derjenigen derselben Monate des Vor- jahres gehalten hatte, sind zu Anfang Mai dieses Jahres zum erstenmal wieder Anzeichen bemerkbar geworden, daß ein Um- schwung sich vorzubereiten scheint. Die für Anfang Mai verrechnete Bevölkerungszahl 2101032 ist um ein Geringes höher als die- jenige vom ZKaianfang des Vorjahres, die nur 2100 438 betrug. Im vorigen Jahre hatte sogar der April, der sonst wegen der großen Zahl der Zuzüge, die er zu bringen pflegt, regelmäßig ein Monat mit starkem Bevölkerungszuwachs ist, mit einer Bevölke- rungsminderung— einem Minus von 1495 gegenüber dem Monats- anfang— abgeschlossen. In diesem Jahre hat nun der April wieder eine Bevölkerungsmehrung, wenn auch erst eine ganz geringe— ein Plus von nur 159 gegenüber dem Monatsanfang— gebracht. Einstweilen ist freilich bei den Zuzügen noch nicht recht etwas von einer Mehrung zu spüren, daS günstigere Ergebnis erklärt sich nur erst aus der Minderung der Wegzüge, die allmählich ein- getreten ist._ Die Leichenfeier für Ernst Deinhardt, die am 2. Juni in Pankow bei Berlin stattfand, gestaltete sich zu einem imposanten Trauerakte. Trotzdem die Bekanntgabe der Trauernachricht infolge der Festtage erst im letzten Augenblicke er- folgen konnte, hatte sich in dem stimmungsvoll dekorierten Saale, in dem der Katafalk mit dem Sarge aufgebaut war, eine zahlreiche Trauerversammlung eingefunden. Neben den Angestellten des Holzarbeiterverbandes, die soweit sie in Berlin sind— vollzählig erschienen waren, sah man auch eine ganze Reihe von bekannten Parteigenossen und Ge- Werkschaftsführern und sonstigen Freunden und Bekannten des Verstorbenen. Nach dem Gesänge eines Quartetts hielt Genosse Kayser, Redakteur der.Holzarbeiterzeitung", dem verstorbenen Freunde und Kollegen einen warmempfundenen Nachruf. Namens des Vorstandes des Deutschen Holzarbeiterverbandes sprach noch Genosse SchneeganS bei der Niederlegung des Kranzes einige herzliche Worte. Mit entsprechenden Worten an der Bahre folgten eine ganze Reihe von Kranzniederlegungen; u. a. hatte» Vertreter entsandt: der Gauvorstand und die Zahlstelle Berlin des Holz- arbeiterverbandes, die Zahlstellen Nixdorf, Spandau und Weißensee, ferner die Generalkommission der Gewerkschaften, die Zentralverbände der Steinarbeiter, Töpfer, Friseure, Bergarbeiter und andere mehr. Nach einem Schlußgesang deS Quartetts war der Trauerakt beendet. Neben den roten Schleifen, die die meisten Kränze schmückten, fielen besonders die auf weißen Schleifen gedruckten Widmungen der Kränze auf, die die„Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst" und der „Deutsche Werkbund" gestiftet hatten. Die Leiche tvurde nach Hamburg übergeführt, vo die Ein- äscherung am 3. Juni erfolgt._ Umtausch beschädigten Papiergeldes. UnS wird geschrieben: Kürzlich bekam ich einen in vier Teile zerrissenen, notdürftig mit Briefmarkcupapier zusammengeklebten Zehnmarkschein in Zahlung. Die Zurückweisung war nicht gut möglich, da die Zahlung an der Arbeitsstelle erfolgte. Ich entsinne mich früherer Bekanntmachungen, daß außer Kurs gesetzte Geldstücke, wie zuletzt die alten Taler, an allen öffentlichen Staatskassen zum Umtausch angenommen werden mußten, und gehe mit meinem Papierfetzen, der inzwischen ganz auS dem Leim gegangen war, zum nächsten Postamt. Aber dieses er- klärt, daß nicht die Post, sondern die Neichsbank zuständig sei. Also vom äußersten Berliner Norden zur Reichsbank in der Jägerstraße. Vorsorglich zeige ich meinen papiernen Schatz dem Portier vor und ersuche um Auskunft, wohin ich mich zu wenden habe. Ich werde nach der Zahlstelle für Papiergeld gewiesen, bringe dort mein Anliegen vor, man besieht den Schein und erklärt, daß ich mich nach der Kasse der Staatsschuldenverwaltung in der Oranicn- straße bemühen müsse. Das tat ich erst mehrere Tage später, am Pfingstsonnabend. Wieder erkundige ich mich sehr höflich beim Portier und der sagt:.Ja, hier ist's schon richtig, aber nicht heute. Für so etwas sind drei Tage vor jedem Monatsersten die Kassen geschlossen, und auch sonst sind sie dem Publikum nur von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Wenn es ein Zwanzigmarkschein wäre, den könnten Sie, weil es eine Reichsbanknote ist, bei der Neichsbank um- tauschen." Hier scheint mir ein sehr bureaukratisches Verfahren vorzuliegen. Wenn alle öffentlichen Staatskassen ohne Unter- schied der Stellung außer Kurs gesetztes Metallgeld annehmen dürfen und sogar müssen, so sollte man dasselbe auch für be- schädigtes Papiergeld jeder Art erwarten. Es würde diesen Amts- stellen doch nichts verschlagen, wenn sie die auf solche Weise er- haltenen Reichsbanknoten und Reichskassenscheine sammeln und periodisch an die zuständige Stelle abliefern. Daß die Reichsbank nur Rcichsbanknoten zum Umtausch annimmt und die königlich preußische Staatsschuldenverwaltung nur Reichskassenscheine, ist wieder mal ein Stück Zopf, um so mehr, als es die Schuld staatlicher Ein- richtungen ist, daß zu den Zehnmarkscheinen so jämmerliches Papier verwendet wurde. Was machen denn jetzt auswärtige Interessenten? Sie müssen preußische Reichskassenscheiue, die sich absolut nicht weiter- geben lassen, mittels eingeschriebenen Briefes nach Berlin einsenden und haben neben dem Zeitverlust auch noch bare Unkosten. Ueber Entweichmigen von Fiirsorgczöglingen wird fortgesetzt be- richtet. Diese Entweichungen werfen ein recht bezeichnendes Licht auf die einzelnen Erziehungsanstalten. Von gestern wird folgendes gemeldet:„Bei einem Sprung aus dem Eiseubahnzug schwer vcr- unglückt ist der 12jährige Fürsorgezögling F., der vor einiger Zeit aus der Erziehungsanstalt in Strausberg entflohen war. F. wurde ichließlich wieder nr Berlin aufgegriffen. Gestern sollte er von einem Transporteur nach Strausberg zurückgebracht werden. Während der Zug nun in voller Fahrt war, gelang es dem Knaben, die Coupä- tür zu öffnen und aus dem Zug herauszuspringcn. Der Trans- porteur, der die Flucht erst zu spät bemerkt hatte, zog sofort die Notleine. Beim Absuchen der Strecke fand man F. stark blutend »eben den Gleisen liegend auf. Der wagehalsige Flüchtling wurde nach dem Krankenhause gebracht." Allem Anscheine nach ist der Knabe aus Angst vor der ihm bevorstehenden Bestrafung wegen Ausreißcns aus dem Zuge ge- sprunaen. Speziell in Strausberg soll die Art der Bestrafung eine äußerst harte sein. Das Wechseln von Hundertmarkscheinen bei der Rcichspost. Ein Leser schreibt uns:„Am 29. Mai war ich in der glücklichen Lage, einen Hunderlmarkschein zu besitzen. Leider hatte ich das „Pech", beim Einkauf von Waren ihn wechseln zu müssen. Ich wollte Altcrsversicherungsmarken kaufen und mußte zu diesem Zwecke nach der Reichspost. Ich erhalte auch die gewünschten Marken im Werte von 7,20 M. Bon meinein Schein bekomme ich also 92,80 M. zurück, und zwar in folgenden Münzen: 20 M. in Gold, 20 M. in Papier, 50 M. in 10 Fünfmarkstücken, 2,50 in 5 Einhalbmarkstücken und 30 Pf. in 6 Fünfpfennigstücken. Als ich beim Anblick der 10 Fünf- Markstücken die Bemerkung machte:„Daran hat man ja ohne Dienstmaun zu schleppen,"'wurde mir vom Schalterbeamten die in sehr höflichem Tone gehaltene Antwort:„Es ist noch Zufall, daß ich überhaupt in der Lage bin, wechseln zu können." Nun frage ich mich bei meinem beschränkten Ilntertanenverstand und als artiger Reichs- und Staatsangehöriger: Warum bringt man solche Wertscheine in den Verkehr, wenn es vom Zufall abhängen muß, um dieselben gewechselt zu erhalten? Und wenn ein deutsches Reichspostamt, noch dazu ein so großes wie Amt 53, nicht zu jeder Zeit des Schalterdienstes in der Lage ist, einen Hundertmarkschein mit gesetzlichem Kurant wechseln zu können, wer soll es dann machen? DaS Gesetz verpflichtet nur zur Annahme von 20 Mark in Silber. Solches Gesetz wäre allerdings nach dem oben geschilderten überflüssig, denn wohin hätte ich jetzt schnell gehen sollen, wenn ich, mit Rücksicht auf mein Portemonnaie und meine Taschen, die Annahme verweigert hätte. Soll man etwa, um bei der deutschen Reichspost kaufen zu können, vorher in eine Kneipe gehen und, am frühen Morgen noch dazu, einen„alkoholfreien Nordhäuser" trinken? Im übrigen scheinen der- artige Fälle gar nicht so vereinzelt dazustehen. Bor allerdings einigen Jahren kaufte ich vom Postamt in der Spandauer Straße Briefmarken, da hörte ich, daß am Nebenschalter ein Herr, anscheinend ein Russe. sagte:„Nanu, ein deutsches Postamt nimmt kein deutsches Papiergeld in Zahlung?" Ich sah mich um und bemerkte in der Hand des Herrn einen Fünfzigmarkschein. Im Interesse des Verkehrs wären doch wohl gerade die Postämter, überhaupt die öffentlichen Staats- und Reichskassen die geeignetsten Institute, wo man deutsches Reichs- gcld während des Schalterdienstes gesetzmäßig gewechselt bekommen müßte, ohne daß eS vom Zufall abzuhängen braucht." Acht Tage tot in feiner Wohnung gelegen hat der 61 F-zh» alte Arbeiter Franz Plenzig aus der Neuen Hochstraße Nr. 42. Der Manu bewohnte seit einem Vierteljahre für sich allein eine Stube im fünften Stock. Er klagt? oft über Atemnot, wollte aber vom Krankenhause nichts wissen. Den Lebensunterhalt erwarb er sich dadurch, daß er für Kutscher auf die Rollwagen aufpaßte. Seit Donnerstag voriger Woche hatte ihn niemand mehr gesehen. Est» unerträglicher Geruch veranlaßt? vorgestern die Hausgenossen, lerne Stube zu öffnen, und nun fand man den Insassen tot und schon stark verwest auf seiner eisernen Bettstelle liegen. Mit Lysol vergiftet hat sich gestern nachmittag der 35 Jahre alte Eisenbahnassistent Franz Bücke aus der Mühlenstr. 42. Der Mann war seit 9 Jahren als Diätar auf dem Schlcsischen Güter- bahuhof beschäftigt. Vor zwei Monaten wurde er als Assistent, aber noch ohne feste Anstellung nach dem Ost-Giiterbahnhofe ver- setzt. Gestern mittag kam Bücke ganz niedergeschlagen nach Hause und klagte seiner Frau, daß er im Dienste Aerger gehabt habe. Bald darauf ging die Frau mit ihrem zehnjährigen Sohn aus, um etwas einzukaufen. Als sie um 4 Uhr zurückkehrte, fand sie ihren Mann tot vor. Er hatte sich mit Lhsol vergiftet. Im Kessel vom elektrischen Strom getroffen. Ein Unglücksfall. wie er wohl selten borkommen dürfte, hat sich gestern nachmittag in einem großen Fabrikbetriebe in der Uferstraße ereignet. Der Vtonteur Ernst Strehlow aus der Schulstr. KS hatte einen aus- gedehnten BetriebSkcssel prüfen und reinigen wollen. Er stieg zu diesem Zwecke in den Kessel hinein und leuchtete ihn mit einer elektrischen Hanblampe ab. Der elektrische Strom, der von dem in die Erde eingegrabenen Kessel in die Metallteile der Handlampc übergeleitet wurde, drang auch in den Körper des Monteurs ein und wie vom Schlage getroffen stürzte St. zusammen. Arbeits- kollegen, die bald auf den Unfall aufmerksam wurden, befreiten den Bewußtlosen aus seiner qualvollen Lage und brachten ihn nach der Rettungswache, wo der Arzt feststellte, daß große Lebensgefahr vor- liegt. In fast hoffnungslosem Zustande wurde St. ins Virchow- Krankenhaus eingeliefert. Los eines schwangeren Dienstmädchens. Hilflos auf der Land- straße aufgefunden wurde das 21 Jahre alte Dienstmädchen Mathilde V., welches bei einem hiesigen Kaufmann in Stellung ge- Wesen. Die B. war am 1. Mai entlassen worden, weil sich die ftolgen eines Geschlechtsverkehrs bemerkbar machten, und suchte Unterkunft bei einer in Berlin wohnenden Tante. Dort fand jedoch das Mädchen keine Aufnahme und so irrte eS nach feiner Angabe obdachlos umher, bis es auf der Köpenickor Landstraße zusammen- brach und einen Knaben gebar. Mutter und Kind wurden nach der Charito übergeführt. Für lOOOll M. Seidenstoffe gestohlen. Durch die Decke nahm eine Einbrecherbande ihren Weg. die der Blusenfabrik von Jacobowitz u. Birnbaum in der Kommandantenstr. 70 eine nächtliche Visite ab- stattete. Die Fabrik befindet sich im zweiten Stockwerk, während die dritte Etage augenblicklich � leer steht. Diesen Umstand nützten die Einbrecher dazu aus, um in die Fabrik einzudringen. Sie zer- trümmerten die Schlösser der zu den leerstehenden Räumen führenden Türen, bohrten mit Hilfe eines Zentrumsbohrers aus der Decke ein Loch heraus und schlüpften durch die Oeffnuna hindurch. Während einer der Einbrecher oben blieb, rafften die Komplicen unten große Posten Seide zusammen und reichten sie dem Diebesgefährten nach dem dritten Stockwerk hinauf. Nachdem sie auf diese Weise für nahezu 10 000 M. seidene Stoffe in Sicherheit gebracht hatten, nahmen sie wieder ihren Rückweg durch das Deckenloch. Großfcuer /am in der vergangenen Nacht gegen 11 Uhr in der Boppstr. v auf dem ringsherum von Wohngebäuden umschloffenen Holzlagerplatz des BangeschäfteS von A. Kösel auS noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Das Feuer, eins der größten und gefährlichsten, das Berlin seit Jahren heimgesucht hat, muß schon längere Zeit dort unbemerkt geschwelt haben, denn als der erste Löschzug aus der Wilmsstraße an der Brandstelle ankam, stand dieser dem entfesselten Element machtlos gegenüber. Sofort wurde.Mittelfeuer" an alle Wachen gemeldet. Branddirektor Reichel war bald mit 60 Fahr- zeugen zur Stelle. Von der Boppstraße, vom Hohcnstaufenplatz und der Urbanftratze aus wurde angegriffen. Immer größer wurde die Streitmacht, bis schließlich aus 27 Rohren, darunter 11 E-Rohre, Wasser gegeben wurde. Das große mit 100 000 M. bei der„Union" versicherte Holzlager bildete um 12 Uhr ein einziges Flammenmeer. Die Hitze und der Rauch waren kaum zu ertragen. Der Wind trieb die Flammen und den Wind gegen die Ouergebaude der Grund- stücke Urbanstraße 102/106. Bald standen in diesen vier Gebäuden, die nur von kleinen Leuten bewohnt werden, Hunderte von Fenster- kreuzen. Gardinen, Fenster- und Blumenbretter usw. in Flammen. Der HauSrat in Dutzenden von Wohnungen fing an zu brennen. Der Qualm vertrieb die Bewohner aus ihren Wohnungen, dazu kam, daß die Treppenaufgänge total verqualmt waren. Die Auf- regung über die Gefahr war unter den vielen Familien un- beschreiblich. Eine Menge fremder Personen, die sich an der Rettung der Möbel der kleinen Leute beteiligen wollten, vermehrten nur die Aufregung. Da die Brandstelle ringsherum von vierstöckigen Ge- bänden umgeben ist, so war für die Feuerwehr die Situation sehr erschwert. Jeder Ueberblick ging verloren. Von den Dächern, den Höfen und auS den Fenstern, kurz, wo sich nur eine Ge- legenheit bot, wurde angegriffen und Wasser gegeben. Um 2 Uhr nachts war die Macht des Feuers gebrochen. langsam ging es zurück. Um diese Zeit brach in der Urbanstraße 102 ein Schutzdach zusammen, wobei zwei Ober« feuermänner und ebensoviel Feuermänner von der 1. Kompagnie, ein Oberfeuermann und zwei Feuermänner von der 2. Kompagnie und mehrere Oberfeuermänner und Feuermänner der 6. Kompagnie verletzt wurden. Die armen Kerle lagen wie gemäht übereinander und konnten sich nur mit Mühe retten. Sie blieben aber sämtlich im Dienst, um ihre im Feuer stehenden Kameraden nicht zu ge« fährden. Bei der späteren Untersuchung ergab sich, daß zum Bau des Schutzdaches alte, zur Hälfte angeschnittene, angefaulte und angestemmte Dachsparren verwandt worden waren, die natürlich an diesen gefährlichen Stellen unter der Last der Mann« schaften zusammenbrechen mußten. Die Feuerwehr war schließlich so erschöpft, daß sie abgelöst werden mußte. Mit Ausnahme der 4. Kompagnie hatten alle Kompagnien an der Brandstelle zu tun. Um 7 Uhr früh waren noch die beiden Züge 12 und lg mit acht Schlauchleitungen tätig. Das Mauerwerk mit den verkohlten Bedachungen wurde vormittags von der Feuerwehr um- gelegt, um die Einsturzgefahr zu verringern. Pferde und Wagen des BangeschäfteS von A. Kösel konnten sämtlich ?erettet werden. Bon den vielen Holzbearbeitungsmaschinen sind 4 total vernichtet. Der Betrieb der Fabrik soll sobald wie möglich wieder aufgenommen werden. Der Schaden ist größtenteils durch Versicherung gedeckt. Den„kleinen" Leuten in der Urbanftraßc sollen eine Menge Sachen entwendet worden sein. Während des Brande» war die ganze Gegend in der allergrößten Aufregung, weil sich das Gerücht verbreitete, die Häuser in der Urbanstraße seien nicht mehr zu halten und hätten schon Feuer gefangen. Durch den großen Qualm, der die Hasenheide einhüllte, wurden diese Gerüchte verslärtt. Bis gegen Morgen blieb alle» auf den Beinen und viele Personen find nicht zur Ruhe gekommen. Die Polizei unter Leitung de» Polizeioberst Höfft sperrte die angrenzenden Straßen ab. Geheimer OberregierungSrat F r i e d h e i m und andere höhere Polizeibeamten erschienen und verweilten längere Zeit. Von den bei dem Brande verletzten Feuerwehrmännern haben sich nachträglich einige in ärztliche Behandlung begeben müssen. Hoffent- Nch tragen sie keine dauernden Nachteile davon. Der Anblick der Brandstelle, an der die Feuerwehr auch gestern noch viel zu tun hatte, ist kaum zu beschreiben. RingS um den Brandherd herum nichts als schwarze ausgebrannte Fenster, besetzt mit Menschen, die den Arbeiten der Feuerwehr zusehen, die jetzt da» verkohlte Gebälk und die schiefen Mauerreste einreißt. Opfer d«S Straßenverkehrs. Zwei schwere Straßenunfälle werden bom gestrigen Tage gemeldet. In der Berliiier Straße in Hohen- Schönhausen geriet beim Ueberschreiten des Fahrdammes ein dreißigjähriger unbekannter Mann unter einen Straßenbahnwagen der Straßenbahngesellschaft Nordost der Linie Alexanderplatz— Hohen- Schönhausen und wurde so unglücklich überfahren, daß ihm der rechte Oberschenkel zermalmt wurde. Im Krankenhause Friedrichshain, wohin man den Verunglückten brachte, mußte ihm das verletzte Glied abgenommen werden.— Beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen der Linie SS an der Ecke der Prinzen- und Sebastianstraße fiel der Schüler Marlin Michel, bei seinen Eltern in der Görlitzer Straße öS wohnhaft, so unglücklich, daß er mit der reckten Hand unter das Vorderrad des AnhänaewagenS geriet. Dem Knaben wurden die sämtlichen Finger buchstäblich abgequetscht. Er wurde nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Die Berliner Animierkneipe auf der Bühne könnte man das Theaterstück nennen, daß dieser Tage zum ersten Male unter dem Titel:„Im C a fb Noblesse" tm Thalia-Theater gegeben wurde. Eine Spitzbubenkomödie nennt der Verfasser Karl Schüler seine neueste Arbeit, welche Bezeichnung uns anfänglich befürchten ließ, ein Stück im Stile Sherlok Holmes' zu sehen. Die Befürchtung erwies sich glücklicherweise als eine grundlose. Der Verfasser führt uns in das Milieu eines Lokals mit der roten Laterne, in dem die.Bedienung von zarter Hand" erfolgt, und zeichnet gar nicht übel gute Typen. Da ist die„junge Wirtin", wie sie sich auf den Reklamezetteln nennen läßt, eine ziemlich bejahrte Nummer, die nnt den Kellnerinnen urberlinerifch zetert, weil sie nicht genug Gäste zum Rupfen mitbringen. Da sind zwei Kellnerinnen, von denen die eine ihr Metier bester als die andere versteht. Auch der verkommene Klavierspieler, der für HanS 0. Bülow schwärmt, und selbst der Zettelverteiler, der mit einigen Schnäpsen zufrieden ist, fehlen nicht. Mit naturalistischer Treue wird gezeigt, wie so ein Provinziale aus Stargard, der seinem Onkel in Berlin Hypothekenzinsen abliefern soll und zufällig in die Falle hinein- gerät, nach allen Regeln der Kunst„ausgemistet" wird. Auf diesem Untergrund spielt sich nun so etwas wie Handlung ab. Der Bräutigam der Kellnerin Else ist der„König der Geldschrankknacker" und hat zehn Jahre Zuchthaus. Nach vier Jahren bricht.Franz' aus und erscheint im„Caf4 Noblesse", wo Else wirkt, in de» ge- stohlenen Kleidern deS Zuchthauspastors und tritt als Vertreter der inneren Mission auf. dem zufällig nach ihm fahndenden Kriminal- beamten, der Else über ihn aushorchen will, mächtig die Leviten lesend. Franz schlägt der Polizei, die nach ihm aus ist, manches Schnippchen und entschließt sich, noch ein Ding zu drehen, um dann mit seiner Else, die an ihm hängt, weil sie das Verwegene liebt, über dem großen Wasser ein neues Leben zu be- ginnen. Und zu diesem Zweck bricht er bei dem Hauswirt, einem Erzgauner, ein, diesem noch eine Nase drehend, indem er ihm einen Tausendmarkschein von seinem eigenen Gelde verehrt. Das Spiel war durchgängig flott. Der Arbriter-Wanderverein Berlin, dem nur in sozialdemokra- tischen Organisationen Organisierte angehören und in welchem nur solche aufgenommen werden, veröffentlicht im Inseratenteile der heutigen Nummer näheres über feine Zwecke. Der Arbeiter> Wandrrbund„Naturfreunde", der durch Ver- anstaltungen regelmäßiger Wanderungen durch die Mark das Natur- empfinden und die Naturerkenntnis in der Arbeiterschaft wecken. stärken und pflegen will, hält heute abend 8'/, Uhr im Gewerk- schaftshaus, Saal I, eine Versammlung ab, in der Engelbert Graf über die Kunst zu wandern einen Vortrag halten wird. Rekognosziert ist die junge Frau, die an der Waterloo-Brücke ins Wasser sprang und tot herausgezogen wurde. Es handelt sich um die erst 20 Jahre alte Elise BcngS, Camphausenstr. 4. Die junge Frau war erst 14 Tage mit einem Schriftsetzer verheiratet und scheint in der Ehe nicht gefunden zu haben, was sie glaubte. Verschwunden ist das 2'/� Jahr alte Söhnchen des Steinsetzers Gutsch, Strelitzerstraße 117,' I seit dem 1. Juni mittaas. Das Kind war nur fünf Minuten auf der Straße und ist seitdem nirgends zu finden. Den Polizeirevieren ist Mitteilung gemacht. Der Knabe ist ein kräftiges, hellblondes Kind, war ohne Jacke, ohne Kopfbedeckung und mit grauer Schürze und hellen Höschen bekleidet. Die Eltern bitten um zweckdienliche Meldungen. Treptower Sternwarte. Im großen VortragSfaal der neuen Treptow-Sternwarte spricht am Sonntag, den 6. Juni, nachmittags 6 Uhr Direktor Dr. F. S. Archenhold über:„Ein Ausflug in die Sternenwelten", und um 7 Uhr über:„Katastrophen aus der Erde und am Himmel." Montag, den 7. Juni, abends S Uhr spricht Direktor Archenhold über:„Jupiter und seine Monde."— Die Vor- träge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht« und Dreh- bildern ausgestattet.— Im großen Fernrohr wird am Tage die Sonne und abends der Planet Jupiter gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen den Besuchern zur Beobachtung beliebiger Himmelsobjekte frei zur Verfügung. Einer armen Arbeiterin gehört anscheinend ein rotledernes Damenportemonnaie, das gestern in der Wörther Straße gefunden wurde. Darauf läßt der nicht allzu erhebliche, aber für eine Ar- beiterin doch schwer zu entbehrende Geldbetrag schließen, der sich in dem Portemonnaie befand. Der Finder möchte deshalb diesen Fund gern abliefern, und kann sich die Verliererin melden bei Walter Stahlberg, Franseckistr. 17, Hof parterre. Straßensperrungen. Die Behmstraße von der Bellermannstraße bis zur Schwcdter Straße(mit Ausschluß der Kreuzdämme) wird behufs Ausführung der Bauarbeiten zur Neberführung der Behm- straße über die Eisenbahngleise sofort bis auf weiteres für Fuhr- werke, Reiter und Fußgänger gesperrt, desgleichen die Brüderstraße von der Scharrenstraße bis zur NeumannSgasse. Vorort- I�acbncbtem Wilmersdorf. DaS neue WilmerSdorfer Schnellbahnprojekt ist im Grunde nichts als eine neue Kennzeichnung der Kläglichkeit unserer Groß-Berliner Kommunalzustände. Wir haben eine Regierung. deren intensive Städtefeindschaft die Entwickclung zur kommunalen Einheit, ohne die nun einmal ein Gedeihen unmöglich ist, unter sinnlosen Ausflüchten zu hintertteiben sucht. Insbesondere zeigt diese Regierung, daß ihr in der VerlehrSpolitik nicht so sehr daS Gedeihen der Gesamtheit, als der Schutz des Privatkapirals das erste Gebot ist. Das zeigte sich vorgestern abermals deutlich, als der Wilmersdorfer Stadtverordnete Heinitz über die Magistratsvorlage Bericht erstattete. Der Leiter desselben Verkehrs- Ministeriums, das die Unterstützung der Großen Berliner in ihrem Kampfe gegen die Stadt Berlin auf dem Gewissen hat, ließ nach der Berichterstattung auch in der mit den Vertretern der Vororte am 27. März d. I. abgehaltenen Konferenz nicht den ge- ringsten Zweifel darüber. daß er keinem neuen Verkehrs- plane zustimmen werde, der der Hochhahngesellschaft Konkurrenz machen könnte. Nun würde die Rückständigkeit der Regierung sich in Verkehrsangelegenheiten weniger hemmend und schädigend äußern, wenn sie nicht durch die Eifersucht der Gemeinden untereinander täglich neue Nahrung erhielte. Berlin selbst hat unter den heutigen Verhältnissen kaum ein Interesse an Opfern für den Schnellbahn- verkehr mit den Vororten, weil dadurch der ohnedies genug beklagte Fortzug von neuem verstärkt würde. Die Vororte selber aber überbieten sich dem Gerede vom Berkehrszweckverband zum Trotz in Konkurrenzplänen, die bei aller Großartigkeit und Kostspieligkeit immer nur die eigenen Zufallsinteressen berück- sichtigen und den Blick auf die EntWickelung de« Ganzen vermissen lassen. Das von Wilmersdorf eiligst ausgeheckte neue Verkehrs- Projekt, das den Bau der nach Dahlem führenden Bahn unberührt läßt und die„Erschließung" von Halensee mit seinen Hintergemeinden Grunewald und Schmargendorf ins Auge faßt, steht an sich durchaus respektabel auS. Aber man darf der Gemeinde- Verwaltung von Wilmersdorf nicht gut die Naivität zutrauen. daß sie im Ernst von Charlottenburg erwartet, diese Stadt werde nunmehr nicht nur ihr eigenes Bauprojekt fallen lassen und der Fortführung der Dahlemer Linie durch ihr Gebiet nichts mehr in den Weg legen, sondern auch noch brüderlich dem neuen Plan der Nachbargemeipde mit zehn oder zwölf Millionen Mark unter die Arme greifen. Denn darauf läuft der Vorschlag Wilmersdorfs hinaus, daß die Stadt Charlottenburg die Kosten tragen soll, soweit die Bahn durch ihr Gebiet führt. Da nun Naivität, wie gesagt, nicht gut als Entschuldigung angenommen werden kann, wird man oaS Projekt auf Charlottenburger Seite als einen„Bluff" betrachten, der sich auf den Glauben stütze, daß der Minister, der für das konservative Wilmersdorf recht oft ein freundliches Augenblinzeln übrig gehabt hat, sich auch ferner der jüngsten unter den westlichen Stadtgemeinden gnädig zeigen werde. In Charlottenburg wird man etliche Glossen darüber reißen, daß die Wilmersdorfer ihre 6,ö Kilometer lanye Bahn, deren Teilskecke Wittenbergplatz-Halensee allein 14'/z Millionen Mark kosten soll, ohne Anschluß auf dem Wittenbergplatz enden lassen und nur ganz obenhin davon reden, daß wohl eine über den Magdeburger Platz führende Verbindung nach der Schöne- beracr Untergrundbahn hin das beste fein werde. Be- sondere Erbauung wird aber die Predigt des Wilmersdorfer Stadtverordneten Professor Dr. Leidig den Charlottenburgern bereiten. Der stark ins Konservative schillernde Herr wußte am Mittwoch abend gar sinnig auseinander zu setzen, daß die neid- volle Städtefeindschaft der Agrarier und ihrer Sachwalter in der Regierung sich schlecht für die Gemeinden untereinander schicke und daß Charlottenburg und Wilmersdorf sich daher brüderlich die Hand zum Bunde reichen müßten. Doch diese Haltung war noch die verständigere. Bei manchen Stadtverordneten löste der MagistratSvorichlag eine Art Hurra- stinimung auS, die sich hier und da in giftigen Bemerkungen� über Charlottenburg äußerte und auch nicht sonderlich becinttächtigt wurde, als Stadtbaurat Müller der Versammlung am Schlüsse vorrechnete, daß Wilmersdorf zur Unterhaltung der Bahn im Anfang jährlich 200 000 M. werde zuschießen müssen, während man später mit 160000 M. auszukommen gedenke. Die einstimmige Annahme des Magistratsantrages wurde mit Bravorufen begrüßt. Hoffentlich bleibt Wilmersdorf von dem Katzenjammer verschont, der gemeinhin einer Jubelstimmung nachfolgt. Rixdorf. Im Wcrbelinsee ertrunken sollte, wie wir gestern berichteten, ein Teilnehmer der Pfingstfahrt der hiesigen„Freien Turnerschaft" sein. Wie nn» nun von genanntem Verein mitgeteilt wird, ist der Wer- unglückte ein Teilnehmer eines vom Turnverein„Fichte" arrangierten Ausfluges gewesen. Tchöneberg. Die BcsoldungSskalen der Lehrpersonen an den Höheren, Mittel- und Gemeindeschulen sind vom Magistrat festgelegt und werden zur weiteren Beschlußfassung unterbreitet. Danach sollen erhalten: Direktoren an Vollanstalten ein AnfangSgchalt von 8200 M. inkl. 1300 M. MietSentschädiaung, nach 13 Dienstjahren bei viermaliger Zulage von 700 M. 11000 M. Die Direktoren an Nichtvollanstalten erhalten 7700 M. vnfangsgehalt, steigend bei viermaliger Zulage von je 700 M. bis 10 600 M. DaS AnfangSgehalt der Ober- lehrer bettägt 4000 M., eS erreicht bei viermaliger Zulage a 700 M. und dreimaliger Zulage a 600 M. 8600 M. Die Oberlehrerinnen pro kaoultas docendi(das find solche, die die Erlaubnis haben an Hochschulen zu lehren) erhalten 4000 bis 7200 M.. die Steige- rungen betragen einmal 600 M., sedbsmal 450 M. Oberlehrerinnen, geprüft nach den Bestimmungen von 1894 und 1900 erhalten 3400 bis 6000 M. bei Steigerungen von drei« mal 400 und viermal 300 M. Ordentliche Lehrer 3400 bis 6800 M., Steigerung achtmal 300 M. Zeichen-, Turn- und Gesanglehrer 3400 bis 6800 M., Steigerungen achtmal 300 M. Die Zeichenlehrer beklagen sich, daß sie zurückgesetzt sind gegen Turn- und Gesanglehrer, da ursprünglich ihr Gehalt 1000 M. höher war. Elementarlehrer an Realschulen und Vorschullehrer erhalten 3000 bis 5400 M., mit Steigerungen von achtmal 300 M.— Ordentliche und Zeichenlehrerinnen 2650 bis 4000 M., die Steigerungen betragen sechsmal 175 und zweimal 150 At.— Der Rektor der Mittelschule erhält 5000 bis 7400 M., einschließlich einer persönlichen Zulage von 300 M., nebst Steigerungen von achtmal 800 M.— Geprüfte Mittelschullehrer 3200 bis 5600 M., Steigerungen achtmal 300 M.— Rektoren der Gemeindeschulen 4100 bis 6500 M.. einschließlich MietSentschädigung 1100 M., AmtSznlage 1200 M.. Ortszulage 400 M.— Gemeinde- schullehrer einschließlich Lehrer der Hilssklasien an der Gemeindeschule 1920 bis 5000 M. in 32 Dienstjahren; Steigerungen sechsmal 800 M.. dreimal 200 M. Die Hilfslehrer erhalten außerdem eine Amtszulage von je 400 M., die nach fiinf Jahren penstonSbercchtigt wird.— Wissen- schaftliche und Zeichenlehrerinnen erhalten 1650 bis 3500 M., von der endgültigen Anstellimg ab zehn Steigerungen zu 150 M.— Technische Lehrerinnen 1560 bis 3100 M.— Fortbildungsschullehrer im Hauptamte 3400 bis 5800 M., Steigerungen achtmal 800 M. Für 179 Lehrpersonen der höheren Lehranstalten beträgt der Mehr« bedarf 94 475 M., für die Mittelschullehrer 5387,50 M., die Gemeinde« schullehrer 148 815 M., die Fortbildungsschullehrer 1460 M. Der Gesamtmehrbedarf beläuft sich auf 250 137,50 M. Treptow-Baumschulenweg. AuS der Gemeindevertretung. Die im März befchloffene Erhöhung der Hundesteuer von 16 auf 20 M. wird in diesem Jahre noch nicht erhoben, weil die Genehmigung deS OrtSstatutS von der AusfichtS- behörde zu spät erfolgte.— Für die Entwässerung der Bouchö- und Elfenstraße bei der Höherlegung der Görlitzer Bahn werden von der Bahn 9000 M. zugezahlt.— Mit dem schon längst projektierten und beschlossenen Bau eines Rathauses soll im Monat Juli begonnen werden. ES wird nach einem Entwurf von Professor Reinhardt und Süßcngut im LandhauSstile an der Ecke der Parkstratze und Neuen Krug-Allee errichtet werden. Die Baukosten sind auf 500 000 M. veranschlagt worden, wovon schon 25 000 M. im diesjährigen Etat bereitgestellt worden sind. Im Oktober 1910 sollen schon einzelne Teile deS Gebäudes in Benutzung genommen werden.— Die Gemeinderechming für 1907 weift eine Minderausgabe von 42000 M. auf.— Die Hermann- und Georg Bcermnnn-Scheiikuiig gewährt auS den Einkünften des EchenkungskapitalS Unterstützungen an bedürftige und dauernd arbeitsunfähige Angestellte und Arbeiter der Firma und deren Hinterbliebenen. Die Gcmeindekafle hat auf Anweisung der Firmcninhaber 18 laufende und 20 einmalige Unter- stützungen gewährt und den Rest dem Kapitalfonds zugeführt.— In die RechlinngSprüfungSkommisston wurde an Stelle deS ausgelosten Genossen Karow Genosse Gramenz gewählt.— Für Frei- � stellen an höheren Schulen sind vom Kommerzienrat Haberland 500 M. gestistet worden. Wcistcnsee. AuS der Gemeindevertretung. Eine rege und zum Teil spaßig« Debatte entstand zunächst über die Wirtschaftsweise auf dem Ritter- gute Birkholz. Anlaß hierzu gab der Umtausch der alten mit einer größeren Dreschmaschine, wozu die Summe von 2120 M. bewilligt werden sollte. Der Dezernent halte die Dreschmaschine angeschafft, ohne sich die Mttel vorher von der Gemeindevertretung bewilligen zu lassen; die Herren hatten eS daher leicht, den verhaßten Dezernenten eins auszuwischen. Man glaubte sich in eine Bauern- Versammlung versetzt, woman bei einer Pfeife Tabak leere? Stroh drischt. Gegen sechs verschiedene Arbeitgeber soll Klage erhoben werden, weil diese bei ihnen beschäftigt gewesenen Steuerschuldnern die recht- zeitig beschlagnahmten Steuern vom Lohne nicht abgezogen haben. Ein Antrag, diese Steuern nlederznschlagen, wurde von ver Mehr- heit abgelehnt, da der Staat die Steuern von der Gemeinde ver- stingen würde, wenn nicht von allen vorhandenen Rechtsmitteln, die Steuern beizutreiben, Gebrauch aemacht wird.— Der in der vorigen Sitzung gefaßte Beschlug, gegen einen Nestau- rationSpächter die Exmissionsklage zu erheben, wurde wieder aufgehoben, da inzwischen ein Teil der rückständigen Pacht an die Gemeindekasse gezahlt ist; zugleich wurde be- schloffen, die Pacht um 400 M. pro Jahr herabsetzen, da man sich überzeugt habe, daß der bisherige Pachtsatz zu hoch sei.— Da« hiesige Anschlagwesen, welches an die Berliner AnSstellungSgalerien vetpachtet war und von diesen an einen zweiten weiter verpachtet ist, soll nun wiederum an einen dritten verpachtet werden. Die Ver- sammlung erklärte sich damit einverstanden, daß allen drei Kon« trahenten die eventuelle Vertragserfüllung zugesichert wird. Bernau. Zwei größere Waldbrände brachen am Mittwochnachmittag gegen 3 Uhr i» der königlichen sowie in der gräflich Redernschen Forst aus und beschäftigten die Feuerwehren längere Zeit. Das Feuer, welches durch die kolossale Trockenheit sehr schnell um sich griff und zirka 40 Morgen Waldbestand einäscherte, ist jedenfalls durch unbolsich- tiges Wegwerfen von brennenden Zigarienresten entstanden. Amtlicher Marktbericht der städtsichen Markthallen-Dtrektloi, Aver den Großhandel w den Zenkal-Marlthallen. Marktlage: Fleisch: flusubr reichlich,, Geschüst etwas reger, Preise für Rindfleisch nachgebend, Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr genügend, Geschüst normal, Preise nachgebend. Geslügel: Zufuhr über Bedarf, Geschüst schleppend, Preise gedrückt, gisch«: Zusuhr genügend, Gelchäst etwa« reger, Preise wenig verünbert. Butter und Kas«: Geschüst ruhig, Preise nachgebend. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Gejchäst ruhig, Preise wenig veräodert. ©mcbtö- Zeitung* Zahlavend und Polizeistunde. Bei dem Schankwirt Otto Krüger, der in der Boeckhstr. 49 eine Restauration hat, fand am 14. Januar ein Zahlabend des >146. Bezirks des 2. Berliner Reichstagswahlvereins statt. Die Zahl- abende werden dort schon seit Jahren abgehalten und sind zur regelmäßig � wiederkehrende Die Polizei hat Zeit des alten Vereinsgesetzes als Sitzungen ein für allemal angemeldet worden. noch niemals Schwierigkeiten gemacht. In der Nacht vom 14. zum 15. Januar, bald nach 12 Uhr, erschien plötzlich der Schutzmann Poltz und fragte, weshalb Krüger noch Gäste hätte. Krüger antwortete, daß bei ihm ein Verein tage und daß dieser auch angemelder wäre. Nichtsdestoweniger wurde gegen Krüger Anklage wegen Ucberschreitung der Polizeistunde er- hoben, und er wurde auck vom Schöffengericht zu zwei Mark Geld- strafe verurteilt. Der grundsätzlichen Bedeutung wegen legte er Berufung ein, die in zweiter Instanz durch den Rechtsanwalt Wolfgang Heine vertreten wurde. Im Termine am 2. Juni vor der Strafkammer 9 des Landgerichts II konnte der Zeuge, Schutzmann Poltz, nicht be- haupten, daß irgend jemand im Lokale gewesen wäre, der nicht Mitglied des betreffenden Wahlvereins gewesen wäre. Er meinte aber, da sich ein Teil der Anwesenden im vorderen Lokale am Schanktisch befunden hätte, wäre ein Verkehr von Gästen im öffent« lichen Lokale zu konstatieren gewesen. Der vom Verteidiger ge- ladene Zeuge Schwemke sagte, daß er seinerzeit diese Zahlabcnde an- gemeldet hält., und daß an diesen immer nur die Mitglieder des betreffenden Bezirks teilnähmen, die durch die gemeinsame Tätigkeit im Verein und durch die regelmäßigen Zusammenkünfte unter« einander bekannt, ja befreundet zu sein pflegten. Der Verteidiger beantragte danach die Freisprechung. Er legte dar, daß Zusammenkünfte eines so eng geschlossenen Kreises nach der Rechtsprechung des Kammergerichts nicht an die Polizei- stunde gebunden wären, und daß es auch gar nicht darauf ankäme, ob etwa einige Mitglieder sich in dem vorderen Teile des Lokals aufgehalten hätten, weil dieses eben zu jener Zeit nicht der Oeffent- lichkeit zugänglich gewesen wäre und nicht den Charakter cincS öffentlichen Schankraumcs getragen hätte. Der Staatsanwalt stellte ebenfalls die Freisprechung anHeim, auf die dann das Gericht erkannte. Heiratsschwindel. Daß die Liebe mitunter blind macht, bewies wieder einmal eine Verhandlung, mit welcher sich die 4. Strafkammer des Land- gerichtS III zu beschäftigen hatte. Angeklagt wegen Betruges war der Schlosser Artur Kcrstcn.— Im Herbst v. I. machte die Ver- käuferin Ida S. in einem Lokal die Bekanntschaft des Angeklagten, der sich hierbei nach jeder Richtung hin als„galanter Kavalier" benahm. AuS der Bekanntschaft entwickelte sich schon nach kurzer Zeit ein Liebesverhältnis, welches zu einer Ehe führen sollte. Die S. glaubte ihrem„Zukünftigen" alles aufs Wort und hielt es nicht einmal der Mühe wert, sich irgendwie hu erkundigen. Es fiel ihr auch keineswegs auf, daß K. ständig in Geldverlegenheiten war und sie ihm fast jedesmal bei Ausgängen ihr Portemonnaie zu- stecken mutzte, von dessen Inhalt dann gewöhnlich nicht viel übrig blieb. In ihrer grenzenlosen Leichtgläubigkeit händigte sie dem Angeklagten sogar eines TageS auch ihre goldene Uhr und einen Ring aus. Die Augen wurden ihr erst geöffnet, als eines schönen daß ihr ehemaliger Bräutigam ein schon mehrfach vorbestrafter Mensch ist.— Das Gericht erkannte dem Antrage des Staats- anwalts gemäß auf 4 Monate Gefängnis. „Patriotischer" Klimbim gehört zum Unterricht. Das Kammergcricht entschied dieser Tage wieder einmal, daß Scdanfest u. dergl. zum Volksschulunterricht gehöre. In einem Dorfe bei Könitz hatte die Schulverwaltung für die Schuljugend ein Scdanfest veranstaltet. Unter Musikbegleitung zog man in die Nähe des Waldes, wo„patriotische" Ansprachen ge- halten wurden. Durch eine vorher vorgenommene Sammlung hatte man Mittel für kleine Geschenke aufgebracht, die an die Kinder verteilt bezw. verlost wurden. Herr Stauendorf hatte seine Kinder von der Teilnahme zurückgehalten. Wegen Uebertretung der Regierungsverordnung, die Schulversäumnisse unter Strafe stellt, wurde er von der Strafkammer in Könitz zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Sedanfeier am Walde habe auch wesentlich Schul- zwecken gedient, indem dort, wie das in der Schule ebenfalls ge- schehe, im Sinne der vaterländischen Geschichte erzieherisch auf die Kinder eingewirkt worden sei. Der Angeklagte legte Revision ein und bestritt, verpflichtet gewesen zu sein, seine Kinder nach dem Walde mitziehen zu lassen.— Das Kammergcricht verwarf die Revision. Es führte aus, der Senat habe immer angenommen, daß derartige patriotische Schulfeiern, wo die Kinder etwas lernen sollten, zum Schulunterricht zu rechnen seien, und daß die Kinder daran teilnehmen müßten.— Das Vaterland ist nun gerettet, VemrilcKtes* gemeldet: Der 40 Jahren auf« die Arbeiter beHochwasser in Kanada. Aus Montreal wird Ottawafluß führt Hochwasser, das größte, das seit getreten ist. In etwa 10 000 Sägemühlen sind schäfttgungSloS geworden. Fünf Bergleute getötet. Einer Meldung aus Oviedo zufolge wurden bei einer Explosion schlagender Wetter im Bergwerk MoSquitera bei Cabayin fünf Bergleute getötet und zwei ver« wundet. Bauunfall. Einer Meldung aus Metz zufolge verunglückten beim Neubau der städtischen Höheren Mädchenschule gestern früh zwei Maurer dadurch, daß mehrere Meter des Dachgesimses sich loslösten und das Gerüst durchschlugen, auf dem die beiden Bauleute arbeiteten. Der eine von ihnen ist tot, der andere wurde schwer verletzt. Tages ein anderes junges Mädchen bei ihr erschien, sich ebenfalls als die Braut des K. vorstellte und durch ihr von dem Angeklagten herrührendes Kind bewies, daß sie schon ältere Anrechte auf ihn habe. Die Getäuschte erstattete Anzeige, wobei sie gleichzeitig erfuhr, Erdbeben in Chile. Nach einer Depesche aus Santiago de Chile wurden in der Umgegend von Guayaquil gestern in einem Zeitraum von vier Stunden 36 Erderschütterungen verbunden mit starkem unterirdischen Getöse wahrgenommen. Zu gleicher Zeit herrschte ein heftiger Sturm. Bei Tagesanbruch war der Himmel 10 Minuten lang hell erleuchtet, und Blitze ohne begleitenden Donner durchzuckten die Luft._ Eingegangene Druckstiften. Von der»Reuen Zeit-«(Swttgart, Paul Singer) ist soeben daS 86, Hest des 27. Jahrgangs crs chic neu, ES hat folgenden Inhalt: Presligen.— Der Schönaeist— oder der moderne Menschensorscher. Von A. Thalheimcr.— Zu dem~''' Von Gustav Hoch-Hanau.(i sationSstatuts. Von L. Rai kämpsenden Prolctarierin. Bon K. KautSkh.— Literarische Rundschau: Friedrich Naumaim, Das Ideal der Freiheit. Form und Farbe. Von vennann Wendel.— Notizen: Ein Helfer des Neichsverbandes. Vo» K. Kautskv.— Zeitschristenschau.— Zur Richtigstellung. Von M. Beer. Di«„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nm pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probcnummern stehen jederzeit zur Versügung. »Der Wahre Jacob" bringt in der Nummer 13 seines 26. Jahr« gangs aus Anlaß des Wahlsteges der sinnlSndilchen Sozialdemokratie eine Abhandlung„Die sinuische Arbeiter« Partei im Kampfe mit der Reaktion" von M. Martner, der 27 Porträts sinnländischer sozialdemokratischer Parlamentarier beigegeben sind, von denen namentlich die 13 Porträts w e i b Ii ch er A b g e o r dn e ter die Aufmerksamkeit der deutschen Parteigenossinnen, die das Stimmrecht noch entbehren müssen, erregen werden. Ferner bringt die Nummer die Bilder:.Wellrciscnde", „Der Feldzug der Gcwcn",»Die Spihelseuche in Berlin",»Zwischen Scylla und CharybdiS",„Die teuren Fleischpreife",„Im Garten des Reichsirrenhaufcs",„Zum Wahlrechtsraub w Berlin" und„Der Agrarier". Der textliche Teil der Nummer enthält noch die Gedichte:„DcS Agrariers Traum",„Ein Obdachloser",„Der glückliche Bergmann",„Edler und erlauchter Umsturz",„Vierter Klasse",„Klagelied eines Berliner Spitzels" und„Die Beamten" und zahlreiche satirische Prosabeiträge. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. I-i»I>Sin«»c?atlctS)ocjiiIiate allemanile ctantrlcblenne et lea clcctlonu de 1007 tDIe Sozialdemokratie Deutschlands und Oesterreichs und die Wahle» des Jahres liK>7) von Dr. Charles Brocard. Paris 1909 bei Michaion(librairio-des faoultis). 187 Seiten, 41/, Frank. Wktterungöübersicht vom 3. Juni 1000. morgens 8 llfir. Stationen Swtncmd». Hamburg verlin Franks. Münch erlin iranks.a.M. üncheu Wien I Ii il A 5 760 239123 763 ANW 761 NW 761 NO 760 EW 760 O Wetter 3 bedeckt 3 wollig 3 bedeckt 3 bedeckt 4 wolkig 1 heiter vi« ttÄ »l! xvi K'lö Etattonen 5« §1 iC 2 II a? avaranda I 757 N eterSburg 749 WNW Scillh ilberdeen Bart« 763 NNO 769 W 759 NNO wettee 4 wolkig 2 Regen 5 wolkig 1 wolkig 3 bedeckt e«» ß- 6 10 11 10 14 Wetterprognose für Freitag, de» 4. Juni 1000. Ziemlich heiter, am Tage wieder etwas wänuer bei mäßigen westliHe» Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrtchte« ver LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r- g e l. Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Krassen » Franksurt Wa r t h e, Schrimm , LandSbcrg Netz«, Vordamm Elbe, Leitnieritz , Dresden » Bardo » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau*) , Rathenow') Spree, Spremberg') . BeeSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Mai«. Werthettn Mosel. Trier am 2. 6. cm 61 67 102 68 72 —93 —24 422 185 167 40 09 seit t 6. cra —8 +3 0 0 -2 i«— 5 -'-2 —5 —3 —2 —1 -1 «)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel.— mm lW Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbcatcv. Freitag, den 4. Juni. Ansang VI, Uhr. Köuigl. OvernbauS. Sardanapai. Köntgl. Schauspielhaus. Ein Erfolg. Neues königliches Operntheater Geschlossen. Deutschrs. Die schicke Auguste. K a m n, e r s p i« l e. Ein skam dal in Monte Carlo. Ans. 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Hessing. Die Dollarprlnzesfin. Rerltner. Ein Herbslmauöoer. Schiller O- ivmllner« Theater.) Jungser Obrigkeit. Schot er Ehartottenbnrg. BresterS Millionen. Friedrich- WtlbelmstSd». Schau- spicthauS. Die beiden Leonoreu. Neues Schauspielhaus. Mahü. Komische Oper. Der Xoreador. Neues. Tricoche und Cacolct. Thalia. Im Casö Noblesse. Lustspielhaus. Liebling der Damm. FreundschastSMenst. Kleines. Moral. Hebbel. Frau Marrens Gewerbe. Trianon. LlebeSgewitter. Neues Operetten. Der Zigeuner. baron. Berliner Opcretten-Theater S«. DaS TmselSlvetb. FolicS Caprlce. Allein— endlich. Ungerade Tage. Ans. 8'/, Uhr. Mctropol. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. DaS Mädchen ohne Ehr«. Zip II IIa. Hartstein. Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarte«. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichöballen. Stettttter Sänger. Der Kompagnteball. Urania. Taiivrnstraste 48/40. Abend» 8 Uhr- Rom und die Campagna. Gtenumme. Jnvalidenstr. 67/62 Urania. Wißeenschaftliohes Theater. TanbenstraOe 48/49. Abenda 8 Uhr: Rom und die Campagna. Lessing-Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Ansang 8 Uhr. Die PoUarprlnneBBin. Berliner Theater. Gastsplel-Operetten-Theater. SßF" Täglich 8 Uhr:<58*3 Fi in Hcrbstmanttver. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Tricociie und Gacolet. Morgen und folgende Tage: Trieoebe und Caeolet. OOIOCISCHER Schiller Schiller-Theator 0.(Wallner-Theater.) Freitag, abend» 8 Uhr: Jungfer Obrigkeit. Komödie in 8 Alten o. Gustav DaviS. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Vrestvr» ÜUlllonen. Sonntag, abends 8 Uhri Brestera Billionen. Theater. Schillor-Theater Charlottenburg. Freitag, abend» 8 Uhr: Brenter« Billionen. Lustspiel in 4 Akten von Winchell Smith und Byron Ongleh. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abendS8Uhr! Doktor Kinne. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Kabale nnd Liebe. Sonntag, abend« 8 Uhri Bin Erfolg. UWMMMU nf Gr. granklurler Str. 132. Abend» 8 Uhr: U| DaS Mädchen ohne — I Ehre._ gEjr* Sommerpresse.'CMU Aus der Gartenbühne: Theater Vorstellung, Konzert, Zpezialttät, Ansang'/,ö Uhr. Sntree 30 Ps.. res. Platz 50 Pf. Täglich ab 4 Uhr: Großes Militär-Doppel-KoDzertj Eintritt 1 vpn abends 6 Uhr ab 50 Pf. I Kinder unter 10 Jahren die| Hälfte. Friedrich-Wilhelmstädtlsches Schauspielhaus. Freitag, den 4. Juni, Ansang 8 Uhr: Die beiden Leonoren. Sonnabend: Im weihen Rötz'l. Sonntag nachm. 3 Uhr: Husaren- ficber. Abend» 8 Uhr: Die beiden Leonoren. Xene« Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a, d. Luljcnslr. Abend» 8 Uhr: Der Eigeanerbaron. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58.' Ans. 8 Uhr. Frau Warrens Gklverde. �.ustspioßhaus. Abends 3 Uhr: Der Uebllng der Damen. Hierauf: Ein Freiindechaftedlenet Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Bich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet Berlins Sommer- SensatlooS White Gily mod. Vcrgnttennes-Papb Potsdamer Straße 75. Täglich 5-7 und 8—11 Uhr. Große Konzerte 1 des Karl Zimmer-Orcheater». Punkt 8 Uhr: White City-Marsch von Zimmer. ,GaÄT:ntTrauslatenr Itt SS Pf. s Person. Schloß Weißensee Heute Freitag, den 4. Juni: Großes Konzert der Tropenkapelle j Direktor Mahlmann. Großer Erfolg! Sudanesen-Karawane. Afrikanisches Dorf mit 45 Eingeborenen u. vielen Tieron. 1 Großartige, nie gesehene Vorführungen um 4 u. 8 Uhr I (Sonntags 11'/,, 4, 6, 8 Uhr) aus dem Leben der Afrikaner. I U. a.; Fahrendos Volk im Sudan, Elefantonjagd, Frauen-[ raub, Pferdedieb, Keitormanövor und Wettrennen. Un-[ übertreffliche Reiterkünste des Beduinenmädchens Akri bent, Khemls im Herrensattel I X Kaffeokücho 2 Uhr! X Boots- 1 fahrten! X Schwebebahn! X Volksbelustigungen aller Artl{ Sonntag, den 6. iuni: Gr. Spczlallttttcn-Vovtellnns. Anfang 8'/, Uhr. Entree 60 Pf,, Kinder 15 Pf. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll)' Qura-Oper. Sonnabend, den 6. Juni 1909: Eroffnungs-Vorslellong. Anfang 7'/, Uhr.• In neuer Inszenierung nnd Ausstattung: Der fliegende Kolländer. Dirig.: Gust. Brecher: Mitw.: Ernst Kraus, LaUermann, Van Rooy, Anni Hummel, Frieda Langendorff, Eduard Lichtenstein. Kopertoire vom 6.— 13. Juni; 6. Salome. 7. Mad. Butterfly, 8. Don Juan. 9. Salome. 10. Der fliegende Holländer. 11. Figaros Hochzeit. 12. Mad. Butterfly. 13. Salome. Billettvorverkauf am Behalt. HI des Kgl. Opernhauses 10'/,— 1 Uhr, bei A. Werthoim u. im Invalidendank. Ein Reichshallen-Tlieater. Her Sä* (Heysol, Britton, Schräder usw.) Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Neues Programm! »La Pia" in ihrer Novität:»Der Wellen Geist". Verona-Cycle-Troupe X Alexandroll- Truppe:„Ein Sonntagraorgon in Rußland X Lanos u. Monte», Exzent. Acrobats X Iris slsters, engl, song and danco X Colemann» gemischt. Dross-Akt-Hun de, Katzen, Tauben X 3 Geschwister Taubert, Xylophon- Virtuosen X p«ul» 6 Juggling- Girls X 4 Barowsky» Noyelty- Akt: Auf der Kegelbahn X Tan Kwai, Ohinesent ruppe X Jost Garola, ionglieronde Silhouetten X Mc. Walten, der Mann ra. d. geheimnisvollen Rock X Biograph, neueste Aufnahmen. y.jfiek Thei'ter 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: Die neue» Jnni-Spezialitäten. Im Garten: Erei-Konsert. Der Flu« durch die Luft. Theaterbeiucher freien Eintritt. Passage-Theater. Abends 8 Uhr. Willi Präger The York Sisters und das sianaendo 3nni- Programm. «a A Variete«fi a �Sensationen Stadt-Theater Moabit. Alt-lDoabit 47/4». Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorst. 6 Uhr. Konzert 4 Uhr. Garteneröffnlnlg 3 Uhr. Jeden Montag Elite tag, Spezta- liiiiten und Soiree der„Lustigen Sänger«. Bei Regenwetter Vorstellung im großen Theater-Saal. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt Heute sowie täglich: < Erstklassige Spezialitäten k X XovUiit! Xovltat! Die Spreewald- Käte. Gr. AuSstattungS-VolkSstück mit Ge» sang u. Tanz in 4 Akt. v. Hoffmann. Kassenerössnung 2 Uhr. Aus. 4 Uhr. ?S5SAgö'?SV0ptlKUM. bin inkl. 7. Juni: Volkstage! f Jeder Erwachsene ß» ein Känd frei I» Jodes Kind erhält � ein Geschenkt• Alles ohne Extra-Entree! Die letzton weiblich. Infnl/nnl Wesen v. Stamme der HiuWMJIIl W. Koacks Theater Dtrettioii: Roh. Dill. Brininenitr. 18. Täglich im schattigen Garten oder Im prachtvoll renovierten Theatersaale: Konzert, Theater, Spezialitäten! Abend» 9-/, Uhr: Unser süßes Mädel. Konz. tt. Vorst. 7 Uhr. Entree»0 Pf. VorzugSk. güllig. Kassecküche 3—0 U. namnrc Volkspark-Theater UUIIIIII0 Landsberger Allee 74/77. QroLe VorsteNun« d-s 8öetis!se!ien Volks-Theaters nebst Auftreten crstkl. Spezialitäten. Zum ersten Male in Berlin. Man amüsiert sich köstlich. Kerliner Prater- Theater Kastanienallee 7—9. Täglich: ml«n lebt|a nar einmal! Spezialitäten ersten Ranges, Konsert and Ball. Ansang 1'/, Uhr. ''»»VmWWMMWmeaVNWMWWV, I ÄÄ4( Neue Welt Hasenheide 108/114. BOT" Täglich t-7SS0 DaS auserlesene Erössnungsprogr. Str. Konzert des Neuen Welt-Orchesters. Kapellmeister: Berthold Gathe. Anfang 5 Uhr. Eintritt 25 Pf. Jed. Mittw.: Kindorfreudenfest. Jeden Donnerstag: Elitetag. Max Eliems Soiiimer- Theater unii Feslsäln Rudolf KrDgcr_ Hasenheide 13/18. Großes Konzert Theater M Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung: Walter Oravenitz. Jeden Donnerstag: Elitetag;. Während und nach der Vorstellung kraanketlnnelseiR. ISeizer-Sn Am Königstor. Am FrtedrichShaln Haltestelle der Straßenbahn 1, 2, 4, 17. 59. 62. 74 u. Q. i Tnnlinh Ansang 4 resp. 5 Uhr Wen Entree 80 Pf. Neues Theater-«. Spezialitäten- Programm.! Ball �Volksbelustigungen.; Etliche Sonnabsnda an Vereine zu vergeben. t— Mf 9'/, Uhr: El* oder Uhr: El* mit Kartstein in der Doppelrolle. 8 Uhr: Tie neuen SpezialitSten. U. a.: tssn psul mitneuen Schlagern. lVntlittl n. Palma III usw. Täglich: Xanzert, Theater, 12 Kunstspezlatltät. Heni Die Dallesprinzessia. lv«..- Volksstiick m. Ges. in 3 Aufz. von Koch. (Personal des Kasino-Theaters.) Im Saale:«all. Slnsang 4 Uhr. Eröffnung der Kaffeeküche 4 Uhr. RonigstSlH-Kssmo. Hoi»markistr.72(Ecke Alexanderstr.) Täglich im herrl. Naturgarten: Theater- uns Lpez.- Vorstellung. Neu iiiempeirt die Frau.'Neu! Treffer in 1 Szene. .Ankunft u. Debüt eines KomikerZ' usw. usw. Ansang'/,8 Uhr. Vereinz-Lrauerei Xlxckort, Nermannztr. 2ll/Zl9. Oekonoin: tlax Vlenilt. BOT TUgHch:-®g Gr. Militär-Konzert. JTcdcn Dienstag: Cr. lloJer-FnofleBM Entr.lSPs. Mütze od. Schärpe grat. Vvi*Ki*v�si* Stit ausgedehnten Verbindungen über» nähme Aufträge jeder Art.(255/4 Casella postale 94, Samplerdarena (Italien). Korrespondenz inFranzösisch. i ei�refteS-S Wi CiSaretteS Arbeiter-Wanderverein„Berlin". den Parteigenossen und Genosssinnen Verein zur Förderung des sonntäglichen Wandersports unter GroD-Berlins. __ Nach dieser Richtung nur allein in Berlin bestehender Verein. Sitzung jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Frist Wählisch, Tkalister Ktraste SS(Nähe Kottbufcr Tor). W33b Einschreibcgeld und monatlicher Beitrag je 20 Pf.— Gäste, Damen und Herren, jederzeit willkommen. Außerdem finden Ausnahmen, Ausgäbe von Statuten und Tourenplänen, bei folgenden Mitgliedern statt: I. Kreis: Frist Wohlgethan. Friedrichsgracht 36, vorn II. 2. Kreis: Ernst Markendorf, Noilizstr. 2 I. Z. Kreis: Aug. Wille, Dresdener Straße 124, vorn II. 4. Kreis: Frist Wählisch» Skalitzer Straße 22. 5. Kreis: Wilh. Leipholz. Linien- ftratze 1 III. S. Kreis: Wilhelm Bernstein. Reinickendorfer Str. 47, IV linkZ. WM«—»—__5 Achtung! BJICZ Jetzt nur Seeterr�sse Uchtenbeng Ob schön! Täglich: Ob Regen: G v. Konzert und das gröst�beste Programm BrotherS HelbigS, unübertroffener fliegender Trapez- �----• Turmfeilkünftler.; u. a.:_ Akt. Holter-Talafchns"(2 Damen, 1 Herr), r Ritter, der unko die best. kom. Radfahrer usw ~ Ruderboote X i t— Borzugskarten gültig Biktor Ritter, der unkopierbare Humorist. BorgaS u. Darley, ihrer usw. Fm Duale:«41,1-. Ansang 1 Uhr. � X 15 Ruderboote X Kaffeeküche X Bolksbelnstignngen X« -A----"■ Entree nur 20 Pf.«—— Charlottenburg- Moabit; Gustav Wagner, Sickingenstraße 52. Rixdorf: Karl Bahle, Thomas. straße 35, vorn II. Stralau: Wilh. Billain, Mark- grasendamm 7.. Raslanienwaldclien Scliöuliolz".:: Endhaltestelle der Straßenbahnlinien 36, 37, 33 u. 8 sowie 2 Minuten vom Bahnhof Schönholz. •"„n" 8 S�Künstlerkonzerf bSÄn Im Parkett- IRtsll dei stark besetztem Spiegel-Saal: Vll UJOCr Oall Orchester.::: Empfehle den geehrten Vereinen und Gesellschaften meine Lokalitäten, Saal m. Theaterbühne zur geil. Benutzung, Sie waren die Feiertage nicht in C®® Da haben Sie\ — jB• viel 9@ D versäumt!> „Cafe BelSevne" «»»KASssK am Rummelsburger See.€€€€.€€€«» Ter schönste Garten der Umgegend. Sonntag, Konzert des. Wagner. Orchesters 6. Jnni: Dirigent: H. Irrgang. Äuftteien der 1. Berliner Oporetten-Gesellschalt. Direktor H. P8na. Kaffeekochen. X Volksbelustigungen. X Oute Küche. Um zahlreichen Besuch bittet_«Jaatav Tempel.» «C WMW Verkauf nur Im Fabrikgebäude! B£3B gg I IUI Sie sparen Geld! g iWiKhAl � Engrospreisen? I B VlUKiCSI toier Möbelfabrik: Ii«»»«— M»! 1 kaufen, Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur■ elgeues Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung." 35 am Permanente Musterzimmer-Ausstellung.»» 35 Gesundheit ist Reichtum! SV Bade Berlin-Ost-WG Im* „Bad Frankfurt" Große Frankfurter Str. 136. Medizinische Bäder aller Art in werktäglich ununterbrochen geöffneten Sonder-Abteilungon für Damen 466L und Herren. S Wannenbäder mit je 2 Handtüchern 75 Pf.(40 Minuten Badezeit.) Lieferant sSmtlicber Krankenkassen. Der täglich wachsende Kreis unserer Abnehmer beweist am besten die Güte der Salamanderstiefel. Sie gelten mit Recht als das hervorragendste Erzeugnis der deutschen Schuhindustrio Fordern Sie Murlerbwä. V Einheitapreis... 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Männer-Chor Union. M. d. A..S.-B. I�schruf. Hierdurch die traurige Mitteilung,! daß unser alter und langjähriger> Sangesbruder, der Maurer tf!i8l Kleinschniager nach langen Leiden am 30. Mail verstorben ist. Sein biederer Charakter und i seine 36 jährige Mitgliedschaft im! Verein sei uns allen ein Vorbild, j Ehre seinem Andenken! 2835b Dor Vorstand. ©Äm Jakob Ohler m.d Frao zur Silberhochzeit die besten Glück- wünschen. 2887b Die Genossen des 82. Bezirks. Deutscher Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, i daß unser Mitglied, der Mechaniler j Adolf Scheel am 1. Jnni an Rheumatismus s gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet heute! Freitag, den 4. Juni, nachmittags> 2'/, llhr, von der Leichenhalle! des' Zions-Kirchhofes in Nieder-' Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/1 Die Drtsverwaltung s L Zentnii-leM dir Hm DcmscIMs. Zweigverein Berlin. Nachruf. Am 30. Mai verstarb unser langjähriges Mitglied Crnst Kleinschmager (Bezirk Süden). Ehre seinem Andenke»! Die Berbandsleitung. Jerlinep Arbeiter- Radtalirer-lepeiii'4 Mitglied deS Arbeiter» Raofahrer-Blindet »Solidarität-. Touren zum Sonntag, den S. Jnni. 1. Abt. 5 Uhr: Kloster Chorin. 1 Uhr: Bernau(Waldlater). Start: Bülowstraße 58. 2. Abt. 7 Uhr: Rüdersdorf- 1 Uhr: Müggelheim. Start: Fontane- Promnade 18. 4. Abt. 5 Uhr: Teupitz(Tornows Idyll). 1 Uhr: Mittenwalde(Kranich). Start: Küftrincr Platz. 5. Abt. 5 Uhr: Stcinfurt. 1 Uhr: Gorin-See. Start Elyfium. 6. Abt. 6 Uhr: Grünheide. 1 Uhr: Schöneiche. Start Odcrberger Str. 28. 7. Abt. 6Uhr: Oranienburg-Sand- Hausen(Schumann). 1 Uhr: Birken- Werder(ParadieSgarten). Start Käs- liner Straße 8. 8. Abt. 10 u. 2 Uhr: Saatw Intel lRennow). Famtlientour. Start Waldstraße 8. 10. Abt. 6 Uhr: Grünheide. l Uhr: öirfchgarten(Wilhelmshos). Start Wcberstr. 6. Bezirk 21(Nieder-Barnim): 13. Juni: Be�irks-Fest Wilhelminenhof, Ober-Schöneweide. Rege Betelligung der Bundes- genossen erwartet 10/20 _ Die Bezirksleitung. Deulsclier i Holzarbeiter- Verband Todcn- Anzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Kollege, der Tischler ig Paul Wende am 1. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute. Freitag, den 4. Juni, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Sin- drcasfirchhoscS In WilhelmSberg aus statt._ |2lm 1. Jilni starb unser Kollege, der Tischler l�eonbard Bortb. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 4. Juni, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des ZenttaisriedhosS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/2 Die Ortsverwaltung. Dp. Simmel Spezial-Arzt 62/9' für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4 Billigste Bezugsquelle für Kygienische Bedarfs-Artikel Drogerle Zareniba, Berlin N., Weinbergsweg I. == Ein Versuch= ♦ führt zu dauernder Kundschaft. Sa Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Kollege Ernll Steinhorst am Mittwoch, den 2. Juni, ver- slorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Petri-Kirchhoses, Frieden- straße 84, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 169/13 Die Ortsverwaltung. Am Mittwoch, den 2. Juni, ver- schied nach kurzem, aber schwerem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, der Vergolder Louis Gänsicke im Alter von 71 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme ticsbetrübt an Die trauernden ttlnterbliebenen Rixdors, Knescbeckstr. 150. Die Beerdigung findet mn Sonnabend, den 5. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des alten Rixdorser Fried- hoscs, Rudowcr Straße, aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem freien Gastwirtevcrband, dem 4. Wahlkreis und dem Lottcricvcrein Hoffnung unseren herzlichsten Dank. Witwe Aiign«te Sprenger nebst Kindern. Danksag/nisg. Für die vielen Beweise der innigen Teilnahme bei dem Hin- scheiden meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten fürsorgenden Vaters, dos Kodakteurs der„Deutschen Holzarbeiter-Zeitung" Ernst Reinhardt sage ich allen Beteiligten, insbesondere Herrn Kayser für die herzlichen, den Charakter dos Verstorbenen würdigenden Worte, dem Zontralvorstand, den Gauvorständen und Zahlstellenvorständen des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes, der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands sowie den zahlreich erschienen Go- werkschaftsvorständon für die warmen Widmungsworte an der Bahre meines Mannes sowie für die zahlreichen und kostbaren Kranzspenden meinen herzlichsten Dank. 85/4 Betty DelntaaFtlt nebst Kindern. Heute Freitag, abds. S'/a Uhr, im GewcrkschaftShause, Eugclusrr 14/15, Saal 4(ArbettSloscnsaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Tischler-Verein Sonnabend, den S. Juni» abends 8'/, llhr, Mclchiorstr. 15: �crsamnitungo"HW Pereinsangelegenheiten. Billettsausgabe zur Dampferpartie am 27. Jmii nach Ziegenhais bei Zeuthen._[198)17] Der Vorstand. Verantwortlicher Redakteur� Hans Weber, Berlin. Für denInseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Aruck u. Verlag: BorwärtdBuchbruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co* Berlin SW,