Nr. 90. 8rf4elnt läatiäj außer Montags. Sütels prSnumerando: viertel» jährlich Z.sv Marl, monatlich I.to Ml, wöchentlich!S Vfg frei ln'S HauS. Einzelne Nummer s Psg. Sonntags- Nummer mit lllultr. Sonntags-Beilage.Neue Welt">0 Mg. Polt-Abonnemem: 3,80 Ml.pro Quartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oeiterreich- Ungarn i Mt., für das übrige Ausland s Mi.vr. Monat. Eingeir. in der Poti- Zeitung»-BreitlifU für 1883 unter Nr. 8703. 10. Jahrg. gnterllonS-aebühr beträgt für die tünfgelpaltene Beritzeile oder deren Namn so Mg., für Berein«- und Versammlung»- Anzeigen 80 Psg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tage» bis 7 Uor AdendS. an Sonn- und Festtagen bis» Uhr Bor- mittags geöffnet. x,r» fprech-Zinschl«! Amt I. Nr. 4186, Verliner Volksbkalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. MedaKtion: 8V. 19, AZeuth-Straßc 2. Dienstag, den IS. April 1893. ßLpeditton: SW. 19, IZeuty-S traße Z. Dos Cholerngesey. I. Aus Fachkreisen wird geschrieben: Es kreißen die Berge und gebären— ein lächerlich Mäuslein! Ter vorliegende Entwurf wird allgemein ent- täilschen und niemand, befriedigen. Statt des von den Acrzten längst geforderteil Seuchcngesetzes, das an die Stelle der vielen, auf dem Papier stehenden Landesgesetze eine umwälzende, einheitliche Reichs-Viedizinalgesetzgebung großen Stils, entsprechend den politischen, sozialen und Wissenschaft- lichen Revolutionen des Jahrhunderts, setzen sollte; statt eines Gesetzes, das selbst noch in der unvollständigen Form, in der es der Bundesrath erhielt, eine Menge Staub auf- zuwirbeln im stände war und speziell in ärztlichen Kreisen mit sehr gethcilten Empfindungen aufgenommen wurde: ein C h o l e r a g e s e tz, das lediglich diesen Namen noch nicht trägt, um allen denen, die mehr erwartet haben, keine allzu jähe Enttänschung zu bereiten. Wir haben zu letzteren nicht gehört, wir haben schon wegen der so verdächtigen Hast, mit der das Gesetz eingebracht und durch die ver- schiedenen Körperschaften durchgejagt wurde, anderes nicht erwartet und lassen uns dadurch, daß das Gesetz auch noch Flecktyphus, Gelbfieber, Pest und Pocken in seinem§ 1 nennt, Krankheiten, die zum Theil in Teutschland gänzlich unbekannt, zum anderen Theil seit vielen Jahrzehnten nicht epidemisch ausgetreten sind, auch nicht täuschen. Ter dem Reichstag vorliegende Entivurf ist ein Gelegenheitsgesetz, er steht unter dem Zeichen der Cholera furcht und der Mißwirlhschaft des Hamburger Geschlechlerregimcnts, er will einer Wiederkehr solch entsetz licher Ueberraschungen vorbeugen, ivie sie diese Mißwirth- schaft in der Epidemie des vergangenen Jahres ge- zeitigt hat. Weil aber dieser Entwurf nichts anderes darstellt, als die gesetzmäßige Sanktionirung derjenigen Maßnahmen gegen die Cholera, die im Verordnungswege erlassen werden können, die bei der vorjährigen Epidemie zum Theil gesetz- widrig getroffen wurden und sich als nothwendig und zweck mäßig erwiesen, charakterisirt er sich als ein sanitätspolizei liches Gelegenhcitsmachwerk, das eben nur die große Zahl der bereits bestehenden Medizinalgesetze im Reich und in den Einzelstaaten noch um eines vermehrt. „Die Mittel zur Verhütung der Entstehung von „Seuchen", sagt Minist.-R. a.D. Dr. Wasserfnhr, unterscheiden sich von denjenigen, welche nach Ausbruch von Seuchen deren Weiterverbreitung verhindern sollen, wesentlich da- durch, daß erslere von den Organen der Selbstverwaltung abhängen, lange sachverständige Vorarbeiten bedingen und erhebliche Kapitalanlagen erfordern, welche aber für die Gesundheit und den Wohlstand der Einwohner gute Zinsen iragen. Zentrale Wasserleitungen, Kanalisationcu, Riesel- anlagen, gute Abfnhreinrichtungen, gesunde Wohnungen sind nicht im Handumdrehen aus dem Verordnungswege zu beschaffen. Andererseits sind Maßregeln, welche nach einem FcuiClctou. flaam« oerboie«.)____(66 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniak. Autorisirte Uebersetzung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Als Andrej das Haupt erhob, konnte er in aller Augen die nämliche Frage lese». Dies überraschte ihm außer- ordentlich. „Was kann da noch geschehen?" rief er anS.„Seht Ihr denn nicht, daß nun nichts anderes übrig bleibt, als unsere vcrurthcilten Brüder zu benachrichtigen, damit sie keine unberechtigten Hoffnungen hegen und Zeit haben, sich auf ihr Schicksal vorzubereiten." Ein Stöhnen ging durch daS Zimmer. Andrej'S Rath kam ihnen sonderbar und unerwartet. Trotz ihrer großen Zuversicht auf ihn, fiel es einigen schwer, zu diesem Schlüsse zu konimen. Die Entscheidung, zu der Andrej in den letzten Minuleii getrieben wurde, überraschte sie. Einwände und Widersprüche wurden erhoben und wurden lauter und lauter geäußert. Sie drangen darauf, daß der Versuch selbst ohne Boniben gemacht iverden müsse. Sie waren fünfzig Mann und entschlossen bis zum Aenßersten. Noch war es Zeit, ihre Zahl zu vergrößern und für ebenso viele oder noch für mehr Waffen zu finden. Warum gleich alle Hoffnung aufgeben? Watajko trat am entschiedensten für den Kampf um jeden Preis ein und wies mit scharfen Ausdrücken, welche Scnchenansbruch zur Anwendung kommen können, nur für einen kurzen, vorübergehenden Zeitraum berechnet, bestehen hauptsächlich in Verordnungen der Behörden und liegen in den Händen der Polizei. Das vorgelegte Gesetz ist dem entsprechend wesentlich ein P o l i z e i g e s e tz. Sein Zwec! ist, während der Daner der Epidemie die Ansteckung von Person zu Person zu verhüten." Bon diesen wirksamsten Mitteln zur Bekämpfung der Seuchen, von der Hygiene der Wohnorte, spricht der vorliegende Gesetzentwurf nur nebenher in ß 32: Die dem allgemeinen Gebrauche dienenden Ernrich tnngen für Versorgung mit Trink- oder Wirthschaftswasser und für Fortschaffung der Abfallstoffe sind fortlausend durch staab liche Beamte zu überwachen. Die Gemeinden sind verpflichtet, für die Beseitigung der vorgesundenen gesundheitsgefährliche Mißstände Sorge zu tragen. Sie können zur Herstellung von Einrichtungen der im Absatz I bezeichneten Art, sofern dieselben fum Schutze gegen ansteckende Krankheiten(§ 1) erforderlich ind, jederzeit angehalten werden. Hierin stimmen alle zum Wort gekommenen medizinv scheu Richtilngen, mögen sie sich Contagionisten, Lokalisten oder Individualisten nennen, dem Entwürfe bei. Zu be dauern ist blos, daß man sich hiermit begnügt, dag man insbesondere den Gemeinden nicht auch die Verpflichtung auferlegt hat, für gesunde Wohnungen zu sorgen, Seuchen nester wie die Hamburger Gängeviertel niederzulegen.*) Für Beseitigung der Arbeitslosigkeit sorgen, den Hungernden Nahrung, den Obdachlosen Wohnung schaffen, gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Seucheu-Prophylaxe. Aufgaben, die naturgemäß den Gemeinden zufallen und die zu erfüllen diese event. zwangsweise von Reichs- und Staatswegen angehalten werden sollten, Aufgaben, für die indeß den Machern des Senchenenlivurfcs das Verständniß zu fehlen scheint— oder haben sie derartige Maßnahmen blos deshalb nicht vorgeschlagen, weil sie von deren Un aussührbarkeit in der heutigen Gesellschaft überzeugt waren? Auch§ 21 Die zuständige Landesbehörde kann die Gemeinden und im Falle ihrer Leistungsunsähigkeit die weiteren Kommunal verbände dazu anhalten, diejenigen Einrichtungen, welche zur Bekäinvsung ansteckender Krankheileu(§ 1) nothwendig sind, zu treffen, ivelche Einrichtungen die Begründung näher präzisirt als: Beobachtnngs- und Absonderungsräume, Unterkunsts- statten für Kranke, Desinsektionsapparatc, Beförderungs mittel für Kranke und Verstorbene, Leichenräume, Beerdi ungsplätze n. dgl. dürfte angesichts der traurigen Hamburger 'orkommnisse gewiß berechtigt erscheinen. Knüpft in diesen, viel zu stiefmütterlich behandelten *) Bekanntlich haben unsere Hamburger Genoffen neuerdings unter Hinweis auf die herrschende Arbeitslosigkeit dies Verlangen an die städtischen Behörden gestellt, ohne bei diesen Billen- bewohnern Verständniß für diese dringlichen Maßnahmen zu finden, die in zwiefacher Weise wirkliche Vorbeugungemaßregcln gegen die Wiederkehr der Epidemie darstellen. den Russen bei solchen Gelegenheiten eigen sind, auf die Schande hin, die in einem Zurücktrete» läge. Zu Andrej's Ueberraschuug schien auch David dieselbe Art des Vorgehens zu billigen. Es war aber nutzlos; er hatte seinen Entschluß gefaßt. Was konnte eine Hand- voll Leute, die mit Tolchen und Revolvern bewaffnet waren, gegen Feuerwaffen und eng aneinander gedrängten Linien von Bajonnetten thun, besonders wenn die Behörden ge- warnt waren. Es würde nur zu einem für alle nutzlosen Gemetzel führen können, welches das Volk entniuthigen würde, anstatt es wie ein gutes Beispiel zu begeistern. „Dann brauchst Du Dich nicht daran zu betheiligen!" rief Watajko aus, jede Selbstbeherrschung verlierend.„Wenn Du Dich weigerst, werden wir allein gehen. Wir wollen aber nicht mit gefalteten Händen zusehen, wie ein Weib ge- hängt wird." Andrej war in diesem Augenblick ebenso wenig in der Stimmung, über die Verletzung der Disziplin als über eine Beleidigung seiner Person zu schelten.„Mein Freund," agte er, die Hand auf Watajko's Schulter legend,„warum willst Du die letzten Augenblicke unserer verurtheilten Freunde trüben? Wir können unmöglich einen von ihnen befreien; wir werden alle vor ihren Augen niedergemetzelt werden. Warum sollten wir ihnen durch einen solchen An- blick ein Schicksal erschweren, welches schon an und für sich 'o hart ist?" Ter junge Mann beugte das Haupt und schwieg. deiner widersprach. Traurig zerstreute sich die Bersamui- lung, um das rückgängig zu machen, was sie vorbereitet hatten; und Andrej beeilte sich, seine» verurtheilten Freunden zegenüber seine letzte Pflicht zu erfüllen, sie alles wissen zu äffen, damit sie sich keinen leeren Hoffnungen hingaben. sanitären Maßnahmen der Entwurf an die Hamburger Er- sahrungen bez. sanitätswidrigen Zustände vor und bei Aus- bruch der Epidemie an, so ist dasselbe auch der Fall bei denjenigen Bestimmungen, die sich mit der Anzeigepflicht, der Ermittelung der einmal ausgebrochenen Seuche bc- schäftigen. Gerechtfertigt erscheint ebenso die unverzügliche Anzeige jedes Cholerafalles seitens des Arztes, Pflegers oder Haus- Haltungsvorstandes(ZA 1 und 2)zwie die Verpflichtung der Polizeibehörde(Z 8), sobald der Ausbruch der Krankheit in einer Ortschaft fest» gestellt ist, dies unverzüglich öffentlich bekannt zu machen. Die Zahl der Erkrankungen ist in kurzen Zwischenräumen zu ver- öffentlichen. Daß die Anzeige an die zuständige Polizeibehörde zu erfolgen hat und nicht an den beamteten Arzt, ist im Polizeistaat naturgemäß. Hätten wir staatliche und städtische Gesundheitsämter, wie wir sie nicht haben, genügend dotirte und deshalb unabhängige Medizinalbeamte mit dem Recht der Initiative und Exekutive, wie wir sie nicht haben, wie sie aber England seit Langem besitzt, die Durchführung der im Gesetz geplanten hygienischen und sanitätspolizeilichen Maßnahmen würde nicht die geringste Schwierigkeit machen. Wir brauchten keine Militärärzte als den zuverlässigsten Ersatz für den beamteten Arzt, keine Schutzleute als„sachverständige" Gesundhcitsbeamte, keine Landräthe und Regierungspräsidenten als beschließende und ausführende Organe der Medizinalverwaltung, keinen neu zu schaffenden„Rcichsgesnndheitsrath"(§ 40), der dem nicht sachverständigen Bundesrath die Erleuchtung bringe» soll, welche Grundsätze bei der Bekämpfung der Seuche zu be- folgen sind, ein nur gelegentlich zusammenberufenes Sach- verständigen-Kollegium, dessen Ernennnng der Beschlußfassung dieses selben Bnndcsraths vorbehalten ist, mit der für reichs- ländische Begriffe schon außerordentlichen Befugniß„mit den Landesbehördcn unmittelbar in Verbindung zu treten und Auskunslspersonen an Ort und Stelle zu entsenden"! All die vom Gesetz geplanten Maßnahmen des beamteten Arztes, welche bei uns eben infolge dieser unglückseligen Ver- qnickung von Polizei- und Medizinalverwallung auf das größte Mißtrauen und die feindlichste Abneigung seitens des Publikums stoßen— des Publikums, ohne dessen Bereit- Willigkeit diese wie alle sanitären Verordnungen ins Wasser fallen; die Befugniß des beamteten Arztes, an Ort und Stelle des gemeldeten Falles Ermittelungen vorzunehmen (Z 5), zu dem Kranken oder zur Leiche Zutritt zn erhalten, erforderlichenfalls die Leichenöffnung zu machen(S 6), die Absonderung kranker und kraukheits- oder ansteckungsver- dächtiger Personen und, wo das nicht angängig ist, die Ueberführung des Kranken oder Verdächtigen in ein Krankenhaus anzuordnen(Z 13), die Räumung von Wohnungen und Gebäuden, in denen Erkrankungen vor- gekommen sind, zu veranlassen(Z 17) je.— alles dies wird größtcnthcils in England und zwar für alle wichtigen In- fcktionskrankheilen längst von sachverständigen städtischen Sie mußten, wie eS solchen Leuten ziemte, mit offenen Augen ihrem Geschick entgegentreten. Er trug den Brief zum Gefängnißwärter, der seine Korrespondenz besorgte. Später erfuhr er, daß dieser Brief noch am selben Abend an seine Adresse gelangt war. Er wurde sogar von Sina im Namen ihrer Gefährten beant- wortet. Ihr Brief war nicht traurig; er war vielmehr dazu angelhan, einen heiteren Eindruck zu niachen. Aber Andrej zerfleischte er das Herz und er, der Mann, der Nerven von Stahl hatte, weinte beim Lesen wie ein Kind, weil der Brief ihn erst zwei Tage, nachdem alles vorüber war, erreichte und die Hand, welche diese rührenden Zeilen geschrieben hatte, kalt und steif war und das Herz, welches sie begeisterte, aufgehört hatte zu schlagen. Kapitel IV. Ein erbaulicher Anblick. Andrej erwachte mit einem Rucke, als wenn ihm je- mand einen Stoß versetzt hätte. In demselben Moment er- tönte die Stundenglocke der benachbarten Kirche. Er blickte auf seine Uhr, welche nebst Dolch und Revolver auf dem Stuhl neben seinem Bette lag. Es war fünf Uhr. Jetzt konnte er sich's erklären. Am vorhergehenden Tage, als die Vorbereitungen zum kommenden Kampfe noch im vollen Gange waren, hatte er sich eingeprägt, daß er um fünf Uhr aufstehen müsse, um rechtzeitig an Ort und Stelle zu sei». !lndrej besaß die Fähigkeit nach Belieben zu einer be- timmlen Stunde zu erwachen. Es war ihm nicht wieder eingefallen und jetzt wachte er mechanisch auf, obgleich nichts mehr zu beschleunigen war. Verflossenen Abend war er spät heimgekehrt, voll- kommen erschöpft von der undankbaren Aufgabe irgend einen wahnwitzigen Ausbruch der Hitzköpfe zu Gesundheitsbeamten und-Aufsehern ausgeführt und hat sich ais wirksam bewährt. Es kann uns natürlich nicht einfallen, an diesen und anderen im allgemeinen Interesse gebotenen Eingriffen in das Privat- und Familienleben, in der Beeinträchtigung der Entschließungs- und Bewegungsfreiheit des Einzelnen an sich Anstoß zu nehmen, wohl aber müssen wir von diesem � Staat alle diejenigen Bürgschaften fordern, die eine Willkür seitens der Polizeibehörden und beamteten Aerzte ausschließen, dke insbesondere auch das Messen nach zweierlei Maaß bei Besitzenden und Besitzlosen unmöglich machen. Wie leicht kann das Verbot von Ansammlungen größerer Menschenmengen(Z 25) die Handhabe bieten zu einer Aufhebung der Versammlungs- sreihert, können andere Bestimmungen zu einer Beschränkung der Freizügigkeit mißbraucht werden, wie leicht z. B. kann ZU Kranke und krankheits» oder ansteckungsverdächtige Per- sonen können einer Beobachtung unterworfen, auch zu vielem Zwecke, sofern sie obdachlos oder ohne festen Wohnsitz sind oder terufs- oder gewohnheitsmahig umherziehen, in der Wahl des Aufenthalts oder der Arbeitsstätte beschränkt werden. zu einseitigen Härten gegen Arbeiter führen! Giebt doch � 14, 2b der Landesbehörde das Recht, den Schifffahrts- und Flößereiverkehr aus bestimmte Tageszeiten zu beschränken, das heißt den Erwerb der zumeist ärmlichen Schiffer- devölkerung auf das Empfindlichste zu gefährden, ohne daß wir in den§s 26—31, die von den Entschädigungen handeln, einen Ersatz dafür finden. Unverständlich wäre es auch, warum die nach dem Gesetz zulässigen Berkehrsbeschränkungen auf Truppen- Übungen und Kontrollversammlungen keine Anwendung finden sollen, warum die dem Militär und der Marine angehörenden Personen ebenso wie die von ihnen benutzten Grundstücke und Einrichtungen und die außerhalb ihres Wohnsitzes sich aufhaltenden Beamten und Arbeiter der E i s e-u b a h n-, Post- und Telegraphenverwaltungen von seinen Bestimmungen nicht ge- troffen werden sollen(§Z 36, 87),— wenn wir nicht eben in einem Staate lebten, in welchem Maßregeln der öffent- lichen Gesundheitspflege bei militärischen Rücksichten un- bedingt zu schweigen hätten. Zu verlangen hätte der Reichstag auch, daß die Be- rathungen„der hervorragendsten Sachverständigen Deutsch- ckands, auf deren Grundlage der vorliegende Gesetzentwurf ausgearbeitet worden ist", wie es in den Motiven heißt, ihm zugängig gemacht werden und ebenso wie das Gesetz selbst seiner Beurtheilung unterliegen. Volikiwie MebrrNMlt. Berlin, den 17. April. Aus dem Reichstage. Der Kommissions- b e r i ch t über den Gesetzentwurf, betreffend die Abzahlungsgeschäfte, ist zur Bertheilung gelangt.— A h l w a r d t hatte dem Reichstage am Sonntag folgenden schleunigen Antrag zugehen lassen:„Der Reichstag wolle beschließen, eine Kommission von 21 Mitgliedern zu ernennen, welche über den Inhalt der vom Abgeordn-ten Ahlwardt dem Reichstag übergebenen Akten Bericht zu erstalten hat." Außer dem Antrag- steller haben 19 Abgeordnete(17 Sozialdemokraten, 2 Antisemiten) ihre Unterschriften gegeben, näm- lich die Sozialdemokraten Auer, Bebel, Dietz, Seifert, Hos- mann, Schultz, Singer, Meister, Bock, Kunert, Schmidt (Frankfurt), Geyer, Hickel, Förster. Stadthagen, Wurm und Schivartz und die Antisemiten Pickenbach und Werner. Unter den konservativen Tivolifreunden, die Ahlwardt's Wahl so eifrig gefördert haben, fand sich niemand, der den Antrag unterzeichnete, auch der Stöcker nicht, sein „würdiger Bruder". Und von den engeren Bundes- brüdern, den Antisemiten, waren auch nur zwei gewillt, dem Ahlwardt zu seinem Antrage zu verhelfen. So waren es die Sozialdemokraten, die„verjndeten" Sozialdemokraten, die der Ahlwardt-Moniteur, der Ahlwardt und seine Freunde alltäglich beschimpfen, die den Deckel vom Hafen nahmen. Der Antrag ist vom Präsidenten von Levetzow als der Geschäftsordnung nicht entsprechend zurückgewiesen worden. Der Präsident gab Herrn Ahlwardt anheim, einen neuen Antrag zu sormuliren. oerhindern,— eine Aufgabe, die er nicht ganz auf die Schulter seiner Genossen laden wollte. Auch die wenigen Stunden der Ruhe stellten ihn nicht wieder her, weil ihn auch im Schlafe ein dunkles Gefühl der Wirklichkeit nicht ganz verließ. Er erwachte mit dem vollen Bewußtsein dessen, was der folgende Tag mit sich bringen würde. Watajko schlief in demselben Zimmer den glücklichen gesunden Schlaf eiues zwanzigjährigen jungen Mannes. Andrej dachte daran ihn aufzuwecken, bevor er wegging, bei reiflicher Ueberlegung aber stand er davon ab. Das gut- mttthige bärtige Gesicht des jungen Mannes sah im Schlafe so ruhig und zufrieden ans, daß es ihm leid that, ihn früher als nöthig in die rauhe Wirklichkeit zurückzurufen. Er kleidete sich an und zwang sich, eine Kruste Brot zu essen, wenn es ihm schon Ueberwindnng kostete. Dann ver- ließ er geräuschlos das Zimmer und ging hinab. Die Sonne war bereits aufgegangen, obgleich sie ein seiner Nebel, welcher den Himmel bedeckte, unsichtbar machte. Die Stadt lag noch im Schlummer. Allenthalben geschlossene Fensterläden. Kehrichtkärrner, Holzträger, Nachtkutscher, die nach ihren Gasthäusern zurückfuhren, unterbrachen das Schweigen der leeren Straßen. Hier und da fegte ein Pförtner den Fußsteig vor dem Hause. Nur wenige Menschen gingen auf den Straßen, und die meisten hatten es sehr eilig. Unter ihnen sah Andrej mehrere mit schleppendem Gange, verstörten Augen und niedergedrückten, ermüdeten Gesichtern, in denen er sogleich Leidensgefährten vcrmuthete— Freunde oder Bekannte der Berurlheiltcn oder noch wahrscheinlicher nur Leute, die mit ihnen sympathisirten und ivelche diese Nacht voll Todesangst gleich ihm aus ihren Behausungen in die freie Lust getrieben hatte. Dem Ausseben nach mußten sie lange umhergeirrt sein, alle vielleicht die düstere Nacht hindurch, um durch körperliche Ermüdung ihre Seelenpein erträglicher zu machen. Gedankenlos, nur von einem dumpfen bohrenden Schmerz begleitet, ging Andrej ohne Plan und Ziel, wohin ihn gerade feine Füße trugen, bis er sich unerwartet an einem Örte fand, den er wohl kannte. Er blieb stehen, sich Abg. Ahlwardt will noch heute einen neuen Antrag über- reichen, in welchem er, dem Wunsche deS Präsidenten entsprechend, sich auf seine früheren Aenßerungen im Plenum, wie sie das amtliche Stenogramm wiedergiebt, bezieht.— Der vorstehend in Aussicht gestellte Antrag ist von Ahlwardt eingereicht und lautet: „Der Reichstag wolle beschließen, eine Kommisston von 21 Mitgliedern zu ernennen, welche zu prüfen hat, ob und inwieweit der Inhalt der von dem Abg. Ahlwardt dem Reichstag übergebenen Akten die durch den genannten Ab- geordneten in den Sitzungen vom 13. und 21. März d. I. gegen frühere und jetzige Mitglieder des Reichstags und des Bundesraths erhobenen Anschuldigungen rechtfertigt." Dieser Antrag, der von sozialdemokratischer Seite ent- warfen wurde, fand die Zustimmung des Präsidenten, und so steht der Verhandlung desselben in den nächsten Tagen nichts mehr im Wege, vorausgesetzt daß der Abg. Ahlwardt nunmehr die Akten dem Reichstag übergiebt.— Beim Reichstage ist der Gesetzentwurf, betr. die Aus- dehnung des Gerichtsverfassungs-Gesetzes auf Helgoland, eingegangen.— Die Militärvorlage. Die„Germania", das führende Zentrumsblatt, bemerkt zu der Zeitungsnachricht, von Huene verhandle mit dem Reichskanzler wegen eines Kompromisses, auch die Zentrums-' s r a k t i o n behandle diese Frage:„Das einzig Wahre ist, daß am 15. d. M. eine längere Fraktionssitzung war, alles Uebrige ist unwahr; die Sitzung handelte auch gar nicht über die Militärvorlage, sondern hatte einen ganz an- derenZweck..... Die Zentrumspartei steht und fällt mit dem wesentlicheu Festhalten an ihrer bis- herigen Stellung— das ist in dieser Frage das Coterum censeo(d. h. ihr unabänderlicher Entschluß).— In Tölz (Oberbayern) war in den letzten Tagen Rekrutirung. Nach der Art zu schließen, wie dabei von der Behörde ver- fahren wurde, richtet sich die Regierung, schreibt unser Bruderblatt, die„ M ü n ch e n e r Post", offenbar, ohne das Votum des Reichstags abzuwarten, auf die neue Militärvorlage ein. Es sind noch niemals so geringe Anforderungen an die Diensttauglichkeit gemacht worden. Leute, welche man noch im letzten Jahr wegen kleinen Wuchses oder körperlicher Mängel als untauglich angesehen hatte, wurden Heuer genommen. In einigen Gemeinden wurden alle Pflichtigen für tauglich erklärt; aus den drei Gemeinden Kochel, Benediktbeuren und Bichl, in welchen es neben sehr kräftigen Männern doch auch schwächere giebt, von 53 nur 3 zurückgestellt. Sogar ein Hintender, der Schneider ist, wurde zu den Oekonomie- Handwerkern genommen; wenn der in Uniform gesteckt und mit der Waffe ausgebildet wird, muß sich das hübsch ausnehmen. Jedenfalls zeigen diese Dinge, daß der Militarismus bereits so auf die Spitze ge- trieben ist, daß ein Schritt weiter zum Zusammen- b r u ch führt. Und das fühlt das Volk auch. Die all- gemeine Stimmung ist eine nichts weniger als frohe. Ein dumpfes Murren und Gähren geht durch die Bevölkerung, und überall kann man wahrnehmen, wie die sozialdemo- kratische Versammlung den Leuten die Zunge gelöst und ihren halb unbewußten Gefühlen einen bewußten Ausdruck und eine Richtung gegeben hat. die blos ihre Zeit braucht, um schließlich unividerstehlich zu werden. Wenn die Sozial- demokraten wieder kommen, fo finden sie überall dankbare Zuhörer; die Leute lechzen ordentlich danach, nach all' den windigen Redensarten endlich ein kräftiges Wort rücksichts- loser Wahrheit zu hören.— Einen praktischen Erfolg, schreibt die „Freisinnige Zeitung", hat die M i l i t ä r v o r l a g e bis jetzt allerdings gehabt. Der vielgenannte Major Keim, welcher dem Auswärtigen Amt beigeordnet ist behufs Ab- fassung von Zeitungsartikeln und Broschüren zur Em- pfchlung der Militärvorlage, ist zum Oberstlieute- n a n t befördert worden. Wenn diese Beförderung eine Belohnung des Eifers sein soll, mit welchem der ge- nannte Herr in den verschiedensten Blättern als Offiziosus für die Militärvorlage eingetreten ist, dann hat er sie aller- Vings redlich verdient. Ob freilich Geschick und Erfolg diesem Eiser entsprochen haben, ist eine andere Frage.— Soldatenfreuden. Aus dem Garnison- Lazareth der Jäger in Würzen sendet der Rekrut X. seinen Verwandten Nachricht, weshalb er zu Ostern nicht auf Urlaub gekommen ist. Er habe wohl schon den Urlaub bewilligt umzublicken. Die Straße ward von zwei Reihen großer, weißgetünchter Häuser gebildet. Ein seitwärts führendes Gäßchen lag zu seiner Linken, und unten konnte man die vorstehende Ecke einer anderen Straße sehen. Etwas weiter ab lag der Stadtgarten. Dies war der Ort, an dem sie den Streich hatten führen wollen. Er kam dort hin, er wußte nicht wie. Gestern erst war er voller Hoffnung dagewesen, um das Terrain mit eigenen Augen nochmals zu prüfen, bevor er die Leute zum Kampf führen sollte. Nur einige Stunden waren seitdem vergangen, und doch erschien ihm jetzt Afles wie ein unbestimmter ferner Traum. Aber es war kein Traum, sondern eine furchtbare Wirklichkeit'. Er setzte sich auf einen Prellstein und gab sich ver- zweifelten Gedanken hin. Wie ganz anders wären seine Gefühle an diesem Orte und zu dieser Stunde gewesen ohne jenen unglücklichen Zufall!— Was konnte die Ursache jeuer Explosion fein, die alles zerstörte? Zufall oder Un- Vorsichtigkeit? Wahrscheinlich Unvorsichtigkeit. Der Mann hatte sich gewöhnt, mit seinem kostbaren Stoffe umzugehen, als ob er nichts weiter als Teig gewesen wäre! In der Eile der letzten Stunden war er wohl noch sorgloser als je gewesen. Andrej brachte es in diesem Augenblick nicht über sich, strenge mit ihm ins Gericht zu gicheu: er war zu traurig, um etwas anderes als Mitleid mit ihm zu empfinden. Armer Mann! Er wünschte ihm den Tod. Schrecklich mußte es für ihn sein, sich als die unfreiwillige Ursache eines so furchtbaren Zusamuceubrechens aller Pläne zu wissen. Ab- gesehen davon konnte er das Mißgeschick haben, seine Ver- wundnngen zu überleben, und dann würde er in einem Monat gehängt werden. Opfer! Opfer! Nichts als Opfer! Die Schurken haben nicht Zeit, eine Gruppe hinzumorden, und schon hat sich eine andere gebildet aus den Besten und Edelsten. Während diese Dinge sein Gehirn durchzogen, erschienen in einiger Entfernung ein Paar von den„Schurken", an die er dachte, durch die Straßen patrouillirend. Einer von ihnen war ein Offizier, der andere ein untergeordneter Ge. bekommen, aber da ihm einige Tage vor Ostern das Trommel- fell des rechten Ohres zerschlagen worden fei, befinde er sich seit dieser Zeit im Lazareth. Sobald er gesund sei, wolle er den versprochenen Besuch abstatten. Den Vorgang schildert er in dem Briefe wie folgt: Hier ist es üblich, daß die„alte Mannschaft" die Rekruten erst „einhaut". Es war mir angedeutet worden, daß ich an einem bestimmten Abend auch meine Hiebe bekommen sollte; weshalb, weiß ich nicht. Ich dachte: der erste, der dich an- greift, den meldest du. Da ich nicht in die Stube ging, wo ich meine Haue bekommen sollte, wollten mich mehrere „Kameraden" holen. Als ich mich weigerte mit zu kommen, gab mir einer einen Schlag auf das rechte Ohr, daß das Trommelfell zerplatzte. Darauf trugen mich acht Mann in die Stube, wo ich die mir zugedachten Hiebe mit Klopfpeitschen empfing. Ich konnte nichts machen, als den Borfall melden, worauf ich in das Lazareth und die„liebevollen Kameraden" in Untersuchungs- hast kamen.— Dies der wesentliche Inhalt des Briefes. Ob hier auch von den Freunden des Militarismus be- hauptet wird, daß die Rüpeleien und Flegeleien in der Kaserne nur vereinzelt vorkommen? Hier ist deutlich ge- sagt, daß die Anzeige der Prügeleien sehr vereinzelt vorkommt, wogegen die Prügelei gewissermaßen in Permanenz besteht. Hier scheint man sich wenig an den Erlaß des Prinzen Georg von Sachsen zu kehren. Der Rekrut sprach in seinem Brief noch die Hoffnung aus, daß jetzt die Prügelei aufhören wird; das wünschen wir auch, obgleich wir uns bei dem jetzigen Militär s y st e m einen bleibenden Erfolg nicht versprechen.— Preuhische Gefälligkeiten. Auch die„Germania" druckt die Miltheilung des„ V o r w ä r t s" ab und be- nierkt dazu:„Damit der schlechte Eindruck, den derartige Mittheilungen machen, sich nicht festsetzen kann, wird es gut sein, wenn alsbald eine authentische Auf- k l ä r u n g des hier berührten Vorganges von zuständiger Stelle gegeben wird. Wir halren es für ausgeschlossen, daß eine preußische Behörde den Russen in der behaupteten Richtung Handlangerdienste leistet."— Aus dem Slbgeordneteuhause. Die Nationalliberalen zittern vor der V e r m ö g e n s st e u e r, oder wie sie der sanfte Herr M i q u e l getauft hat, vor der„Ergänzungs- steuer", so zahm sie auch ist. Die Abgeordneten v. Eynern und Dr. Fried berg haben mit Unterstützung von 35 anderen Abgeordneten zur zweiten Berathung des Ent- wurfes eines Ergänzungs st euer-Gesetzes den Antrag eingebracht, das Haus der Abgeordneten wolle be- schließen: Den§ l des Gesetzentwurfes z u st r e i ch e n, dagegen seine Bereitwilligkeit zu erklären, in die Berathung eines Erbschafts st euer-Gesetzes einzutreten und dafür gewisse Grundzüge als Grundlage nehmen zu wollen, welche dem Antrage beigefügt sind.— Heute kam der Antrag Eynern zur Debatte. Ter Antragsteller nannte die Vermögenssteuer eine s o z i a- l i st i s ch e Steuer. Ter alte Kommunist a. D. und jetzige Finauzminister wird auf den Stockzähnen gelacht haben, als der rheinische Großbürger diese ökonomische Kapriole schnitt. Er erklärte denn auch, seine Steuer bedeute beileibe keine Vermögenskonfiskation und habe kein sozialistisches Fäserchen. Der Antrag Eynern ist denn auch mit allen gegen 30 Stimmen(Nationalliberale und Freikonservative) a b g e- lehnt worden.— Konferenzen über die industrielle Sonntagsruhe sollen, so wird offiziös berichtet, demnächst einberufen werden. Es liege in der Absicht der Regierung, Vertreter der einzelnen an den Ausnahmen von den allgemeinen Sonutagsruhe-Bestimmungen für Industrie und Handiverk interessirten Gewerbszweige zu Konferenzen nach Berlin zu berufen. In diesen Konferenzen sollen die Bedenke», welche bei der Jnaussichtnahme von Ausnahmebeivilli- gungen entstanden sind, einer Erörterung unterworfen und es sollen die in der Praxis stehenden Delegirten veranlaßt werden, Aufklärungen über die einzelnen in Rede stehenden Arbeiten zu geben, für welche solche Ausnahmen gewünscht werden. Dem Vernehme» nach dürfte man demnächst mit der Einberufung der e r st e n dieser Konserenzen vorgehen. — In dieser wichtigen Frage werden, wie dies sich geziemt im Reiche des praktischen Christenthums, nur Unter- Hilfe im Polizcidienste. Beide waren unbedeutend, äußerst verächtlich, Muster ihrer Gattung. Aber was that dies? Sie gehörten doch beide jener Gattung an und waren im Bereiche seiner Hand. Als er sie sich nähern sah, überkam ihn ein Heißhunger nach Rache und setzte sein Blut in Wallung. All' die sorglosen Reden und Vorschläge seiner heißköpfigen Freunde, von Watajko's Typus, welche er so energisch am vorhergehenden Abend zurückgewiesen, schienen nun in seiner eigenen Seele mit den gleichen Tönen und Worten einen Widerhall zu wecken. Diesmal aber waren sie überzeugend. Der Halfter seines Revolvers bewegte sich von selbst vorwärts, der Griff seines Dolches drückte verlangend an seine flache Hand. Ein Angriffsplan vollendete sich von selbst augenblicklich in seinem Kopfe, ohne daß sein Wille theil daran nahm. Glücklicherweise war seine Vernunft noch nicht ganz zum Schweigen gebracht. Er sprang von dem Prellsteine aus, und ging, ohne sich um- zudrehen, schnell weg, denn er fürchtete, wenn die Leute im Bereich seines Armes sich befänden, der thörichten Versuchung nachzugeben. Nein, er hatte seinen Nerven zu viel zugemnthet. Wenn der Anblick dieser beiden elenden Wichte ihn in solch' hohem Grade erregte, was würde dann erst geschehen, wenn er der Hinrichtung beiwohnte. Er würde sich sicherlich auf irgend eine Weise verrathen. Besser war es, überhaupt nicht hinzugehen, als sich dem auszusetzen. Wozu auch? Es würde sich schon eine Gelegenheit finden, die Einzeln- heiten wenigstens einer Hinrichtung ganz in der Nähe zu sehen— nämlich seiner eigenen, wenn an ihn die Reihe kam. Früher aber war er wirklich nicht geneigt, auch nur einen einzigen Tag daran zu geben, der ihm vom Schicksal zur Antheilnahme am Kampfe zugestanden war. Er entschloß sich zu gehen, ohne Unterlaß zu gehen, bis die für die Hinrichtung festgesetzte Zeit verstrichen wäre, dann wollte er zu dem Hauptquartier zurückkehren. (Fortsetzung folgt.) nchmer vernommen, nicht etwa die Vertreter der organi- sirten Arbeiterschaft. Tie Sonntagsruhe ist viel zu ivichtig für die Proletarier, als daß man sie nicht dabei— übergehen sollte.— Fusangel wird nicht Mitglied der Zentrums-Fraktion. Er hatte sich mit einem Schreiben, über dessen Inhalt allerdings nichts mitgetheilt wird, an die Fraktion gewendet. Tiefe hat einstimmig beschlossen: „Die Zentrums- Fraktion des Deutschen Reichstages hat von der Erklärung des Herrn Abgeordneten Fusangel, ä. 6. Bochum, den 6. April er., Kenntmß genommen. Wenn die Fraktion auch gern den gemäßigten und entgegenkommen- den Charakter dieser Erklärung anerkennt, so macht es ihr doch die Art und Weise, wie die Kandidatur des Herrn Fusangel im Wahlkreis Arnsberg- Olpe- Meschede, im bewußten Gegensatze zur Zentrums-Fraition und ihrer Leitung, aufgestellt und durchgefhrt worden ist, unmöglich, Herrn Fusangel unter ihre Mitglieder aufzunehmen." Fusangel bleibt also„Wilder". Die Fraktion hat dann aber auch die Pflicht, Schäbigkeiten ihrer Leute gegen Fusangel(Verweigerung des Urlaubs zum Reichs taget offiziell zu desavouiren. Geschieht dies nicht, so sitzt der Borwurf für immer aus ihr, daß sie sich mit derartigen Unanständigkeiten ein- verstanden erklärt. Fusangel hätte besser und männlicher gehandelt, wenn er überhaupt auch nur auf den Versuch verzichtet hätte, mit der ihn boykottenden Partei zu komproniisseln. Seine Wähler haben ihn als Gegner junkerlicher und militaristischer Interessen gewählt. — Wie der„R e i ch s b o t e" meldet, ist Fusangel heute im Reichstage erschienen.— Die zweite hessische Kammer wird bei ihrem Zu- sammentritt am 25. April Gelegenheit haben, zu bekunden, daß alle Hessen vor dem Gesetze gleich sind. Unser Parteigenosse Simon Katzen st ein in Gießen ist bekanntlich von dem dortigen Krcisamt, an das er sich zivccks seines Vorbereitungsakzesses, der zur Ablegung des Staatsexamens nolhwendig ist, wandte, abschlägig beschieden , vorden, weil er der sozialdemokratischen Richtung angehöre. Eine Beschwerde an das hessische M i n i st e r i u m mit dem Versprechen, während des Verwaltungsdienstes sich jeder agitatorischen Thätigkeit zu enthalten und für später nicht im Ver- ivallungsdienste bleiben zu wollen, hatte keinen Erfolg. Der Gemaßregelte hat sich hierauf mit seiner Beschwerde an die Kammer gewandt, und der Ausschuß derselben hat sich für seine Zulassung ausgesprochen, ob aber die Kammer mit ihrer national- liberalen Mehrheit diesen, Beschlüsse beitreten wird, ist noch sehr fraglich. Sie müßte denn einen besonders guten Tag haben.— Edler Wettstreit. Hat Kaiser Friedrich den Antiseniitismus„eine Schmach für unsere Zeit" ge- nannt oder nicht? Das ist die Frage, worüber die um Stöcker, Hammerstein, Engel und die um Masse, Cohn und Lessing erbittert kämpfen, mit Zeugenaussagen, Urkunden, Briefen und Reden. Einen vorzttghchereu Beleg für den jämmerlichen Tiesstand der politischen Bildung und des politischen Charakters unserer Bourgeoisie als diesen Streit um des Kaisers Bart könnte der galligste Satiriker nicht austifteln. Als ob der freundliche oder feindliche Ausspruch eines Potentaten große soziale Strömungen in ihrem Laufe aufhalten oder ablenken könnte!— Das Bismarck- Denkmal liegt der„National- liberalen Korrespondenz" am Herzen. Daß es auch noch immer nicht aufgerichtet ist! Eine Million Mark ist dafür zusammeugeschnorrt worden. Aber giebt es nicht einen Ausweg? Ein Denkmal dauernder als Erz werden sich die Fechtbrüder im Herzen des Altreichskanzlers er- richten, wenn sie ihm den schnöden Mammon so zu sagen in xui-is naturalibus, splitternackt, nicht in monumentale Form umgemünzt, stiften. Solch ein Denkmal ist keine marktgängige Waare, es hat keinen Börsenkurs und setzt nichts an als höchstens ein bischen lPatina. Schenke man doch dem sparsamen Fürsten die Million, er wird sie auch ohne seinen Reinach-Bleichröder gut anzulegen wissen.— Schweizerisches. In einer Anzahl Kantone wird den Militär steuerpflichtigen, welche die Ersatzsteuer nicht entrichten, hierfür eine gewisse A r b e i t s l e i st u n g für den Staat oder eine Freiheitsstrafe auferlegt; sie müssen die Steuer„abverdienen" oder„absitzen". Das Bundesgericht hat nun in einem Rekursfallc dieses Ver- fahren für unzulässig erklärt, da es dem Schlußsatz des Artikel 59 der Bundesverfassung(„Der Schuldverhaft ist abgeschafft") zuwiderlaufe. Es handelte sich um einen Fall in Lausanne; den. Ersatzpflichtigen, welcher eine Steuer von 8 Fr. 99 Rp. nicht entrichtete, wurde vom Regierungs- statthalter eine Haft von 2�z Tagen auserlegt. Der Staatsrath von Waadt machte in der Beantwortung des Rekurses geltend, der Pflichtige verweigere böswillig die Zahlung; die Haft sei eine Strafe hierfür, nicht das Aeauivalent der rückständigen Steuer. Das Bundesgericht aber sagt in den Erwägungen seines Entscheides:„Mag das Motiv der Haft sein, welches es wolle, mag auch der Wunsch vorgelegen haben, die vom Staatsrath namhaft gemachten Mißbräuche zu unterdrücken, so niüssen doch diese Opportunitäts- Erwägungen schweigen vor den, in Art. 59 der Verfassung niedergelegten Grund- satz. Dieser lautet absolut und duldet keine Ausnahme. Wenn die Militärstcuer wirklich als eine Steuer aufgefaßt werden soll, so darf ihre Eintreibung nicht auf dem Wege eines körperlichen Zwanges erfolgen. Das ist die einzige mit dem unzweideutigen Wortlaut des genannten Artikels zu vereinbarende Auslegung, und der Rekurs muß darum für begründet erklärt werden."— Die bernische V e r- sassungsrevisions-Kommission beantragt für die vielbestrittene, aus dem Falle Steck bekannte Eides- forme! eine Fassung, deren Eingang lautet:„Ich gelobe auf meine Ehre und Gewissen"; Schlußsatz:„die Pflichten meines Amtes getreu zu erfüllen".— Die Pariser Gemeindewahlen. Die am 1(5. April stattgehabten Wahlen ergaben Folgendes: Von 507 495 ein- geschriebenen Wählern haben, wie der„National-Zeitung" aus Paris gemeldet wird, 355 286 gestimmt. Gewählt wurden 16 Ultraradikale, 7 Radikale, 5 Posfibilisten, 2 Btanquisten, 12 Konservative, letztere wurden sämmtlich in ihren Stadt- vierteln wiedergewählt. Die 38 Stichwahlen werden zweisel- los-zu gunsten der bisherigen Gemeinderäthe ausfallen, welche überall die meisten Stimmen erhalten haben. Wie vorausgesehen, wird der neue Pariser Gemeinderath dieselbe Zusammensetzung aufweisen, wte der alte.— Der Dockarbeiter- Ausstand von Hull wird am 17. April das Unterhaus beschäftigen. John Burns (Sozialist) hat für seinen darauf bezüglichen Antrag die nöthigen Unterschriften gefunden.— Serbisches. In der„Vossischen Zeitung" liest man: „Als interessante Einzelheit zum Staatsstreich verdient be» merkt zu werden, daß von der Garnison Belgrads nur die 132 Mann starke Unteroffizierschule die Besetzung der Wohnungen der Minister, Regenten und der Telegraphen. ämter vornahm. Der Kommandant derselben war der einzige Offizier, dem man Vertrauen schenkte und einige Stunden vorher den umwälzenden Plan mittheilte. Der Kommandant der Schule ist ein früherer preußischer Offizier und seit Jahren in serbischen Diensten, Hauptmann Sturm, der seinen Namen aber in Jurischttsch umgeändert hat." Das heißt, aus dem Interessanten ins gewöhnliche Deutsch übersetzt, der Einzige, den die Staatsstreichler zu ihrer Revolution von Oben als Handlanger gebrauchen konnten, war ein„früherer deutscher Offizier", der als Landsknecht ohne weiter zu fragen sich zu einem Verfassungsbruch benutzen läßt. Ein großes Kompliment für— die serbischen Offiziere!— Die Waislreöftsvemegiwg In Kelgien. Bei der großen politischen wie sozialen Bedeutung der belgischen Vorgänge hat der„Vorwärts" es für noth- wendig erachtet, einen Spezial-Berichterstatter nach Belgien zu senden, der unsere Leser über den Gang der Dinge aus dem Laufenden halten wird. Auf diese Weise wird eS gelingen, die Zustände sachlich und unbefangen darzustellen. Unser Bericht- erstatter Hut die Aufgabe, das was ist objektiv zu ermitteln und zu melden. » V » Vorläufig geben wir im folgenden»»och daß, waS bürgerliche Blätter und die außerordentlich tendenziösen Depeschenbureaus berichten. (Wolff's Tel.- Bur.) Brüssel, 15. April. Der Bürger- Meister hat einen Aufruf anschlagen lassen, in welchem er alle friedliebenden Einwohner auffordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, um auf diese Weise zur Unterdrückung der Ruhestörungen beizutragen. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Jolimont kam es dort gestern zwischen Gendarmen und den Streikenden zu einem Zusammenstoß, bei welchem drei der Streikenden ver- letzt wurden; eine Frau wurde durch eine zurückprallende Kugel getödtet. (W. T.-B.) Brüssel, 16. April. Der Bürgermeister B u l s wurde in der Avenue Louise am Schluß eines auf der Straße abgehaltenen sozialistischen Meetings von einem der Theilnebmer erkannt und durch einen Schlag mit einem mit Blei gefüllten Rohrstock verletzt. Der Bürgermeister fiel in Ohnmacht und blutete stark, so daß er sofort nach seiner Wohnung geschafft werden mußte. Der herbeigerufene Arzt empfahl absolute Ruhe. Die Polizisten und Gendarmen eilten sofort nach Bekanntwerden des Attentats hinzu und hieben auf die Manifestirenden ein, welche mehrere Revolverschüsse abgaben. Ein Sozialist wurde ver- wundet, zwei Personen wurden verhaftet. Heule ist der Zustand des Bürgermeisters Buls zufriedenstellend; die Verwundung ist nicht schwer und der Bürgermeister nicht genöthigt, das Bett zu hüten. Er hofft, in einigen Tagen seine Funktionen, die in- zwischen der Schöffe Andrs versieht, wieder übernehmen zu können. Herr Buls brutalisirt als ächter Bourgeois und Hausknecht der Herrschenden die Arbeiterschaft, wo es nur angeht. Auch jetzt drangsalirt er die Anhänger des allgemeinen Stimmrechts auf das infamste, indem er alle Ansammlungen von mehr als 5 Per- sonen auf der Straße, alle Versammlungen in geschlossenen Lokalen, alle Aufzüge und Kundgebungen verboten hat. Wolff's Telegrapben-Bureau meldet: Brüssel, 17. April. Der Zustand des Bürgermeisters Buls ist zufriedenstellend; die Venvundung ist nicht schwer und der Bürgermeister nicht genöthigt, das Bett zu hüten. Derselbe hofft in einigen Tage» seine Funktionen wieder übernehmen zu können.— In der Stadt herrschte am Abend sehr viel Be- wegung, ohne daß die Ruhe gestört wurde. Bei einigen unbe- deutenden Auflaufen wurden Verhaftungen vorgenommen. Man nimmt an, daß keine Ruhestörungen mehr eintreten werden. Mehrere Regimenter bleiben jedoch in den Kasernen konsignirt. (Depeschen-Bureau„Herold") Brüssel, 17. April. In Verviers feiern 25 000 Ardeitern. 136 Fabriken sind geschlossen. Der„Patriot" veröffentlicht einen langen Artikel gegen die französischen Sozialisten, welche die belgischen Arbeiter auf- wiegeln. Das Blatt schreibt:„Wenn Frankreich sich in die inneren Angelegenheiten Belgiens mischen sollte, so würden auch andere Mächte dies zu thun versuchen und der Krieg würde als- dann unvermeidlich sein." Der„National-Zeitung" schreibt ihr Brüsseler Be- richtcrstatter unterm 16. d. M.:„Die Lage mag vielleicht schlimmer erscheinen, als sie in Wirklichkeit ist. Dieser Anschein ist aber jedenfalls geeignet, ängstliche Gemüther in hochgradige Besorgniß zu versetzen. Brüssel gleicht seit drei Tagen, sobald die Dunkelheit hereingebrochen ist, einer eroberten oder im Auf- rühr befindlichen Stadt. Während des Tages ist keine oder doch nur eine geringe Veränderung des Straßenlebens bemerkbar. Sobald es aber zu dunkeln beginnt, kommen die Bataillone der Bürgerivehr heranmarschirt und vertheilen sich über die ver- schiedenen bedrohten Stadtviertel. Sämmtliche Läden in der inneren Stadt, die sonst bis 10 Uhr hell erleuchtet sind, werde» schon ilm7Uhr geschlossen, und auf den Straßen herrscht infolgedessen lingewohiite Dunkelheit. Nur die Hauptstraßen bleiben dem Verkehr freigegeben, alle Seiteiillraßen sino an beiden Enden durch je«ine Kompagnie Bürgerwehr abgesperrt und dürfen nur von den mit einem Passirschein versehenen Bewohnern betreten werden. Die Bürgerivehr hat ihre Bajonnete aufgepflanzt, und jeder Mann hat S scharfe Patronen in der Patrontasche. Auf den dem Ver- kehr freigegebenen Hauptstraßen stehen in kurzen Abständen Ab- theilungen der Bürgerwehr mit Gewehr bei Fuß. Die Börse, das Nalhhans. die abgesperrte Galerie St. Hubert und mehrere andere Gebäude sind von Soldaten, alle Platze von berittener Gendarmerie besetzt. Mehrere Theater sind geschlossen, in andere» wird vor leeren Plätzen gespielt. Die Hotels sind leer; seit drei Tagen sind fast alle Fremden abgereist. Der Bürgermeister hat an die ordnungsliebenden Bürger de» Ausruf ergehen lassen, mit einbrechender Dunkelheit sich nach Hause zu begeben, damit Polizei und Bürgerwehr nur mit den Ruhestörern zu thun haben und gegen dieselben mit aller Energie vorgehen können. In dem Viertel, wo sich das sozialistische Vereinshaus befindet, müssen um 9 Nhr alle Wirthschaften geschlossen werden, und in der ganzen Stadt ist von 9 Uhr an der Zeitungsvcrkauf aus den Straßen verboten. Das sozialistische Bereinshaus wurde ab- gesperrt und militärisch besetzt, und der Generalralh der Arbeiterpartei und der permanente Streikausschuß mußten ihr Hauptquartier in das.am Rathhausplatz gelegene Schwanenhotel verlegen." Man sieht, Herr Bulß und seine Auftraggeber provoziren die Arbeiter so schofel wie möglich, sie wollen einen Putsch, um mit Säbel und Flinte gegen den Sozialismus ankämpfen zu können. Der Korrespondent der„National-Zeitung" meldet noch: „In der Provinz greift der Ausstand in bedenklicher Weise um sich. In Gent haben 25 000 Sozialisten die Arbeit eingestellt, darunter alle Arbeiter des königlichen Arsenales. Der Bürgermeister von Gent lehnte angesichts der ernsten Lage die Verantwortlichkeit ab und übertrug den Oberbefehl über die Bürgerwehr dem kommandirenden Divisionsgeneral der aktiven Armee. Am Borinage soll die Zahl der ausständischen Berg- leute bereits auf 50 000 gestiegen sein; die Ausständischen suchen durch Drohungen auch die noch arbeitenden Bergleute zum Ausstand zu zwingen. In La Croyore drangen die So- ztalisten in die Piörard'schen Walzwerke ein, beschädigten die Maschinen und trieben die Arbeiter unter Mißhandlungen aus den ArbeitSräumen; in Wasmud versuchten sie die Porzellan- fabrik und die Gasfabrik in Brand zu stecken. Im Lütticher Becken wird die Zahl der Ausständigen auf 30 000 geschätzt, darunter viele Metallarbeiter; im Kohlenbergwerk zu Homvent wurde gestern ein bedeutender Dynamitdiebstahl entdeckt. Das Mitteldecken, wo der Ausstand erst seit Freitag Eingang ge- funden hat, war gestern der Schauplatz blutiger Ereigniffe. In Jolimont wurden acht berittene Gendarmen von einer tausend- köpfigen Bande angegriffen und waren genöthigt, Feuer zu geben, wobei drei Sozialisten verwundet und eine Frau getödtet wurden. AuS Antwerpen und Brüssel wurden größer» Truppen- abtheilungen mit Extrazügen in die bedrohten Provinzen be- fördert." Auch in der Provinz also sucht die Regierung Kl-awalle und Emeuten künstlich zu erzeugen; das zeigt sogar dieser eben an- geführte parteiische Berichterstatter. In der„Vossischen Zeitung" liest man: „Die Arbeiterführer verwerfen das Waylsystern nach dem Antrag Nyssens(dieses Wahlsystem giebt 1 200 000 Bürgern eine Stimme; eine Mehrstimme erhalten 365 000 Familienväter, 275 000 Eigenthümer und Rentner und 60 000 sogenannte „Kapazitätswähler", so daß bei jeder Wahl ungefähr 1 900 000 Stimmen abzugeben wären), erklären den Kampf fortsetzen zu wollen, biS da? allgemeine gleiche Stimmrecht errungen ist, und der Genter„Vooruit" bezeichnet den Bruch zwischen der Bourgeoisie und den arbeitenden Klassen als einen vollständige», seitdem auch die äußerste Linke dem Pluralwahlsystem zugestimmt hat. Ob die Arbeiter die Macht haben, den Kampf bis zum äußersten zu führen, ist allerdings eine schwer zu beantwortende Frage. Einstweilen mmmt der Generalausstand zu; heute treten auch die Bergarbeiter des Beckens von Chaickeroi in die Be- wegung ein, und in einer im Brüsseler Volkshause stattgefundenen Versammlung erklärten am Sonnabend die Arbeiterführer, daß von Montag ab gegen 100 000 Bergarbeiter, 40 000 Metall- arbeiler und alle Steinbrucharbeiter im Ausstände sein würden. Gegen diese Massen, zu denen noch die Arbeiter in den großen Städten kommen, reichen die militärischen und polizeilichen Kräfte Belgiens nicht auS, und es ist zu fürchten, daß die Aus- schreitungen immer ärger werden, daß die Bewegung einen direkt revolutionären Charakter annimmt, den sie im Grunde genommen ohnedies besitzt." (W. T.-B.) Brüssel, 17. April. In dem Becken von Charleroi streiken 20 000 Bergarbeiter von 39 000. Die Hütten- arbeiter und Glasarbeiter setzen die Arbeit fort. In Grammont fand gestern Abend im Cafö Hollandais ein heftiger Zusa»..nen- stoß zwischen den Streikenden und Gendarmen statt, welche in das Cafö eindrangen. Zwei Gendarmen und eine große Anzahl von Manifestanten wurden verwundet, darunter mehrere schwer. — Der Gemeinderath genehmigte nach sehr lebhafter Debatte die anläßlich der jüngsten Ruhestörungen von dem Bürgermeister erlassenen Verfügungen und beschloß, die Polizei, die Gendarmerie und die Bürgergarde zu der Unterdrückung der Ruhestörungen zu beglückwünschen. Ferner wird sich der Gemeinderath in oorvoro zu dem Bürgermeister Buls begeben, um diesem seine Glückwünsche auszusprechen.— Der Gouverneur von Brabant berief sämmtliche Bürgermeister der Ortschaften in der Umgebung von Brüssel und forderte die- selben im Namen der Regierung auf, alle Manifestationen inner- halb ihrer Weichbildgrenze» zu verbieten. Die Burgermeister«r- klärten sich mit dieser Maßregel einverstanden. Die soeben eingetroffene Ausgabe der bürgerlich- liberalen „Röforme" vom 17. April schreibt:„Der Mann, welcher Buls verwundete, war ein Bourgeois im Seideuhut." Unser Genosse V o l d e r s, so berichtet dasselbe Blatt, der sich unter den Demonstranten befand, rief aus Leibeskräften:„Thut das nicht! Thut das nicht!" Er war bemüht, Ruhe zu schaffen. Wie die Polizei vorgehl. Ein Arzt, der mehrere Verwundete verbunden hat, meldet die„Reforme", erklärt, daß alle von der Polizei und den Gendarmen Verwundeten die Ver- letzungen im Nacken oder im Rücken haben, was beiveist. daß sie von hinten angegriffen worden sind, auf der Flucht. Die Gegner der Wahlreform bemuhen sich, durch verlogene, aufgepuffte, übertriebene Nachrichten die Be- wegung für das allgemeine Stimmrecht zu diskreditiren. Man nehme alle diese Mittheilungen der Depeschenbureaus und. der Bouraeoiszeitungen mit der a l l e r g r ö ß t e n Vorsicht auf! Gestreikt wird jetzt auch in A l o st, für heute wird der Aus- stand erwartet in F l ö r o n. Im Kohlenbezirk Borinage ist die Roth groß. Kann es anders sein? In Cuesmes empfing am Sonnabend ein Familienvater für vier Arbeits- tage 4,24 Mark Lohn! Die Streikenden werden drangsalirt; viele Verhaftungen werden vorgenommen. Bei der Bürgergarde in Möns haben Wahlen statt- gefunden. Eine Kompagnie hat trotz aller Bemühungen der Chefs der Bürgerwehr verschiedene sozialistische Char- girte, darunter einen Offizier, gewählt. Möns befindet sich geradezu im Belagerungszustände. » �» Brüssel, 17. April.(Privat- Telegramm de?„Vorwärts")- Hier war heute alles ruhig. Morgen wird in der Kammer über die Wahlreform entschiede». Der„Peuple" berechnet die Gesammt- zahl der Streikenden auf 250 000.— In Möns kam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen der Bürgergarde und den Streiken- den, als ein« Gruppe manifestirender Arbeiter die Sperrlinie zu durchbrechen suchte. Die Bürgergarde schoß ohne vorherige War- nung auf die Arbeiter, von denen sieben getödtet und 27 ver- wundet wurden. DviefJrnlkvn dvv Vevsktton. Herzberg. Der Bericht wird aufgenommen. Besten Dank! Pirat. Anonyme Zuschriften berücksichtigen wir nicht. Diskretion selbstverständlich. Kommen Sie auf unsere Redaktion zwischen 10 und 1 Uhr oder zwischen 5 und 7 Uhr. F. C. Da die betreffende Versammlung keine Vereins- Versammlung ist, haben auch Frauen Zutritt. E. K. Der Herr Schw. ist so viel Aufhebens nicht werth; übrigens ist uns der Lebensgang dieses sauberen Patrons hin- reichend bekannt. R. M., Rudolstadt. Aus den Mitteln der Zentralkasse werden für den angegebenen Zweck keine Gelder gegeben, sind solche auch nicht verlangt worden. Ob die lokal organisirten Ge- nossen um Hilfe angegangen sind, ist uns unbekannt. Für den Inhalt der Inserate über» nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantwortung Theater. Dienstag, den IS. April, Hpernstan». Jidelio. Zlrnr» Tliratrr. Basantasena. D rutsche» Theater. Zwei glückliche Tage. Kerliner Theater. Das Käthchen von Heilbronn. LeMug-Tlieater. Die Boheme. HÜallnrr-Thrater, Sodonis Ende. Kroll'» Theater. A Santa Lucia. Nehden?- Theater. Die beiden Champignol. Adolph Grnlt-Thrater. Goldlotte. Friedrich-KV il Ii rimNädt. Theater. Der arme Jonathan. Thoma»- Theater. Der Herzogs- müller. Miktoria-Thrater. Die Reise um die Well m achtzig Tagen. Nation««- Theater. Die Konfektioneuse. Alerander-plah Theater. Zimmer- man»'s Lene. Mlinter-Varten. Spezialitäten-Vor. stellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellnno. Theater der Neichshallen. Spezia- litäten-Borüellung. Kaufmann'« Paribtä. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Nichter'« Klarietä. Spe- zialitäten-Borstellnng._ Adolph Ernst-Theater. Zum 17. Male: Goldlotte. Eesangsposse in 3 Akten v. Lä. äaeodson nnd V. Mannstädt. Couplets theilweise v. V. Vörs». Mnstk von 0. Stsllouz. In Szene ge- setzt von Adolpa Ernst, Ans. 71/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. AwerieAn-Theater.ß Anfang 8 Uhr: Den Dussel (liulpus) Parodistisch-reulistischcr Vorgang in der Dachlvminer, frei nach Ibsen und Te'ftoi von Oscar Wagner. (Klemm- Ede..»artin Bendlx.) Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der Mtonü in Berlin. Instrumenta list Deller. Unser Helgoland. Castan's Panopticum. Große Ausstellung. Altka- Zwerginnen. Äene UiiK»: Lotosblume. Andere Illusionen. Fantoche-Theater. Castan's Irrgarten. Schreckenskammer. Passage- Panopticum. Im Theater-Saal: Ne»! Lebeube Vilbcr. Moritz- Etahllssement Moritz- Platz. LuMnha�eii. w**- Täglich: Inltrumental-Kontert. Großer Frühltüch»- u. Mittag»- tisch. Spezial-Ausschank von Patzen- hofer Lagerbier, hell und dunkel. KV An Sonn- und Lelttage» findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entr» Wochenl. 10 Pf. Sonnt. 2S Pf. Säle für Versammlungen, Kommerse, Festlichkeiten zc. Empsehle meine Destillation, Weist- und Bairisch-Pierlokal. W. Grübe, Mariendorfer- u. Solmsstraßen-Ecke. 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Proben franko!' Emil llefeyre,«ÄÄ, 1 1 158. Die dem Maler M a I i ch zugefügte Beleidigung nehme ich zurück. 3337b Frau Hohenschild. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau 338Kb Anna Farmnszklewicz geb. Kühl nach langen schweren Leiden am Sonntag, den l6. d. M., Vorm. S'/a Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch. den 13. d. M., Nachmittags 6 Ubr, vom Trauerhause Reichcnberger- straße 127. nach dem Emmaus- Kirchhof(Britz) statt. Der trauernde Gatte. Für die vielen Beweise der Theil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Bruders, des Destillaleurs Aihert Zimmermann sage allen Freunden und Bekannten, besonders dem Gesangverein„Deutsche Eiche" sowie auch dem Prediger Herrn Tahms meinen tiefgefühltesten Dank. Varl Simmermann als Bruder. Unserm Kollegen und Genoffen WH Helm Leuck zu seinem 33. Geburts- tage ein dreifach donnerndes Hoch! Tie Kollegen von Obe und Unne. Wir haben den richtigen(Koblenzer) 333Sbi Durst. Du kannst gleich Zigarren mithole. Textüarheiter- Verhaad. Filiale Berlin. Todes-Anzeige. Am Sonnabend, den lö. d., verstarb unser Kollege, der Weber August Tsmur. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, Nachm. 3 Uhr, von der Leicken- Halle des St. Pius-Kirchhofes in Wik- Helmsberg aus statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 34v0b Der Bevollmächtigte. Sammelpunkt 2 Uhr im Restaurant des Herrn Krause, Landsberger Allee Nr. ISl(gegenüber der Tilsiterstraße). T odes-Anzeige. Am Sonntag, den 16. April, Morgens 8>/s Uhr, verschied an der Lungen- entzündung unser treuer Kollege, Freund und Genosse, der Schriftsetzer Herr August Lüttke. Wir werden sein Andenken in Ehren hallen. Seine Freunde der Simion'schen Offizin. T odes-Anzeige. Allen Kollegen. Freunden und Be- kannten die tiestraurige Nachricht, daß am Sonntag, den 16. April, Morgens 8>/2 Uhr, mein lieber Manu, unser guter Sohn, Schwiegersohn und Bruder, der Schriftsetzer August Lüttke im 39. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet von der Leichenhalle des neuen Louisen-Kirch- Hofes, Hermannstraße in Rirdori, am Mittwoch, den 19. April/ Abends 6 Ubr, statt. Die trauernden Hinterbliebenen. iSesailgv. Berl. Tprtiii. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied. Kollege August Lüttke am Sonntag, den 16. April, plötzlich verstorben iit. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. April, Nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Louisen- Kirchhofes, statt. Um zahlreiche Betheiligung der Mit- alieder, hauptsächlich der aktiven, er- sucht 0er Vorstand. Todes-Anzeige. Allen Kollegen die traurige Nach- richt, daß unser Kollege, der Steinmetz verstorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den 18. April, Nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Havelberger- straße 4, aus statt. 286/8 Um rege Betheiligung ersucht Ter BertranenSmann: Joseph Buchmann, Willibald Alexisstraße 39. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder, der Bauarbeiter Emil Rieck im 31. Lebensjahr nach laugen, schweren Leiden am Sonntag, den 16. April, früh IVa Uhr, an der Proletarierkrank- heit verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19.. Nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz- kirchhofes(Mariendorf) aus statt. Um stilles Beileid bitten die betrübten Eltern und Geschwister 3t0lb Helterhoff, Arndtstr. 31. Sonnlag Abend 6'/. Uhr ver- starb plötzlich am Herzschlag mein lieberMann und Vater, derTabak- schneider S33Sb Ferdinand Schulz am Herzschlag. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 20. April, Nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Mänche- bergerstr. 17,nach demSt.Georgen- kirchhof, Landsberger Allee, statt. Frau Wwe. Schulz geb. Böse, nebst Sobn. Danksagung. Für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Fra» sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere Herrn Superintendent Prznode, dem Vorstand ver OrtS-Kranken lasse der Maler, dem Verein der Berliner Weißbier-Wirlbe, und dem Bredow'schen Quartett meinen innigsten Dank. 3387b G. Raasch, Ritterstr. 116. Sozialdemokratisclier Wahlverein für den 1. Berliner Reichstags-Wahlkreis. General-Versammlung Donnerstag, de» 20. d. M., Abends 8 Uhr, Benthstrahe 22, I Tr. Tages-Ordnung: 1. Ungirrchte Urtheile. Referent: Reichs- tags-Abgeordneter A. Stadthage». 2. Diskusfion. 3. Rechenschaftsbericht des Vorstandes, Abrechnung des Kasfirers und Bericht der Revisoren. 4. Neu- wähl des Vorstandes. S. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 370/8 ver Vorstand. Große öffentliche sozialdemokratische Versammlung des 4. Berliner Neichstags-Wahlkreises am Dienstag»' den 18. April 18».?, Abends 8 Uhr, in den Konkordia-Festsälen, Andreasstp. 64. Tages-Ordnung: I. Die gegenwärtige Situation. Referent: Reichstag?- Abgeordneter Raul Singer. 2. Diskussion. 3. Wahl von 3 Delegirten für den Parteitag der Provinz Brandenburg. Zur Deckung der Unkosten Entr« nach Belieben. Zahlreiches Erscheinen nothwendig. 349/5' Die Dertraurnsperfonen. Achtung! Achtung! Grosse Volks-Versammlung Dienstag, den 18. April, in der Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47�46. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Frau Kahler au» Hamburg über:„WaS wird der Befreiungskampf des Proletariats den Frauen bringen?" 2. Diskussion. Die nächste Versammlung, in der Frau Kähtrr referirt, findet Mittwoch. den 19. April, im Lakale Sanssouci, Kottbuserstr. 4a, statt. Zu zahlreichem Besuch, besonders der Frauen, ladet ein 156/17 Die Fraueu-Agitation»-Kommifstan. Berliner Streik-Kontrollkommission. Freitag, den 21. April, Abends praz. 8�? Uhr: Oeffentliche Versammlung der Delegirten im Nrffaurant Ghrenberg, Annenstr. 10. Tages-Ordnung: 1. Der Schneiderstreil. 2. Die Zentralifirung der Arbeitsnachweise und Herbergen.(Autrag Dost, Drechsler.) 3. Umänderung der Berliner Streik- Kontrollkommission. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Bor gescbäUsfahrende Ansschuss der Berliner Streik Kontrollkommission. 274/6] I. 21.: Hermann Fabor, SO., Grünauerstr. 6, Hos part. Große öffentliche Schneider- n. Schneiderinnen-Versammlang den 18. April rr., Abend» 8�/, Uhr, WWMWWI bei Marten», Friedrichstrasse 236. IRMnBS Tages- Ordnung: 1. Die Errungenschaften der diesjährigen Lohnbewegung und wie halten wir dieselben fest? Referent: I. T i m in. 2. Diskussion und Beschlußfassung über das weitere Vorgehen. Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, sowie der Frauen der Haus- arbeiter ist es, in der Versammlung zu erscheinen. Bewilligt hat: Franz Boche, Oranienstraße 153. Die Lohntarife der geregellen Geschäfte sind im Arbeitsnachwria- Snrean, Schützenslr. 13/19(Restauraut Freygang), zur Einsichtnahme seitens der Kollegen ausgelegt. 319/16 Die Agitations-Kommission. Verein d. Lithographen, Steindrueker und Kerufsgrnossr» Deutschland».(Filiale Kerlin.) Donnerstag, den 26. April, Abends 8�2 Uhr, im Lokale des Herrn Philipp, Rosenthalerstr. 68: Große General-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegirten von der General-Versammlnng. 2. Diskussion. 3. Wahl des Hauptvorstandes nnd der Revisoren. 4. Bericht und Wahl der Lokalverwaltung und der Revisoren. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir um zahlreichen Besuch. 208/18 Die Venwaitung Berlin. Gr. öffentliche Versammlung der Mschsniksn, Uhrmacher* und verw. Berufsgenossen. am Mittwoch, d. 19. April, Abend» präz. 8V3 Uhr, in de» Armiu-Hallen, Uommandanteustraße Nr. 26. Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei Groos 4 Gral, Louisen-Ufer 44. 2. Vortrag über Feudalismus und Zunftwesen. Referent: Herr Dr. Pinn. 3. Verschiedenes. Kollegen! Erscheint recht zahlreich und pünktlich in dieser Versammlung. 232/9 Der Vertrauensmann. Deutscher Tischler- Verbands ZahlftrU» Kttlin. Nerlammlmtg für Südost am Mittwoch, den 16. April, Abends 8'�» Uhr, in Hoffmann's Festsälen, Oranienstr. 186. T.-O.: Vortrag. Diskussion. Werkstatt- Angelegenheiten. Verschiedenes. 317/19* Die Grtsvrrwaltnng. Diejenigen Kollegen, welche noch BiNets vom Maskenball in Händen haben, werden gebeten, bis spätestens de» 1. Mai abzurechnen, widrigenfalls die Namen veröffentlicht werden. Bio Ortsverwalhmg. Achtung! Srlzulilnoilhev! Achtung! Fiizschnharbeiter, Zwicker, Putzer, Einleister. Der Streit bei G. Kuchhol», Lottumstr. 12, dauert unverändert fort, und wir bitten, den Zuzug streng fernzuhalten. Alle arbeilersreuublichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Agitations-Koinmisston der Filzschnharbeiter 165/18 pou Krrlin und Umgegend. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. SW, Benlhstraße 2. Hierzu zwei Beilagen -S Beilage zum„Bomärts" Berliner Volksblatt. Zlr. 9t>. Dirnstag. drn 18. April 18t»3. 1V. Jahrg. ipcu'lmuenksberirlike. 1 Uhr. B ötticher, Deutscher Reichstag. 76. S i h u n g vom 17. April 1893. Am Tische des Bmidesralhs: von Hanauer. Eingegangen ist der Gesetzentnmrs betreffend die Einführung des Geuchisversassnngsgesetzcs in Helgoland. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Verathung der Wnchergesetznovelle. Zunächst würde die Wieder- Holimg der Abstimmung über§ 302 0(Androhung der Bestrafung wegen gewerbsmäßigen Wuchers gegen alle andern Rechtsgeschäfte, welche die Lmterien der Bewucherung an sich tragen) statlznsinden haben. Abg. Dr. Dohr»(dfr.) beantragt mit Rücksicht auf diese Abstimmung die Beraihung des Gegenstandes an die zweite Stelle der Tagesordnung treten zu lassen und über das Spionagegesetz zuerst zu verhandeln. Abg. v. Mantenffel(dk.) widerspricht diesem Vorschlage, welcher demnächst vom Hause gegen die Stimmen der Frei- sinnigen abgelehnt wird. Das Haus tritt in die Fortsetzung der Berathung des Wnchergtsetzes ein und setzt nach dem Vorschage des Präsidenten die Abstimmung über§ 302 e vorläufig aus. Ohne Debatte wird zunäcbst die Erweiterung des Z 367 de? Slrasgesetzbnches angenommen, wonach den Vorschriften desselben auch unterliegen soll,„wer den über das Abhalten von öffentlichen Versteigerungen und über das Verabfolgen geistiger Getränke vor und bei öffentlichen Versieigerungen erlassenen polizeilichen Anordnungen zuwider handelt." In das bestehende Wuchergesetz soll serner nach der Vorlage ein neuer Artikel 4 aufgenommen werden, wonach jeder, der gewerbs- mäßig Geld- oder itrediigeschäfte betreibt, demjenigen, mit welchem er hieraus in Verbindung steht, für jedes Kalenderjahr binnen 3 Monaten nach Abschluß desselben einen vollständigen Rechnungs» ausschuß über die noch schwebenden Geschäfte mitzutheilen hat. Wer es unterläßt, dieser Verpßichlung nachzukommen, wird mit Geldstrafe bis zu 500 M. oder mit Haft bestrast und verliert den Anspruch aus die Zinsen für das verflossene Jahr hinsichtlich der Geschäfte, welche in den Rechnungsauszug auszunehmen waren. Tie Kommission hatte in erster Lesung den Artikel gestrichen, in zweiter Lesung ihn aber in motivirler Fassung angenommen. Danach soll die Strafe nur den treffen, der sich dieser Vcr- pflicdtung vorsätzlich entzieht, und außerdem soll diese Be- stimmung keine Anwendung finden l. ans öffentliche Banken, Roleubanken, Bodenkrcdit- Institute und Hypotbekenbanken aus Aktien, 2. aus Kaufleule im Geschäftsverkehr mit Kaufleuten, deren Firma in das Handelsregister eingetragen ist. Abg. von Bar(dfr.) beantragt, statt des Wortes„vorsätzlich" zu sagen:„in der Absicht, den Schuldner über den Beirag seiner Schuldverpflichtungen im Unklaren zu erhallen und ihn dadurch zur Eingehung leichtsinniger oder von ihm schwer zu erfüllender weiterer Geschälte zu veranlassen". Abg. v. Buol will den Artikel 4 nach zwei anderen Rich- tungen modisiziren; es soll nicht blas, wie nach dem Antrage v. Bar, das Ergcbniß des Rechnungsabschlusses mitgetheilt werden, sondern ein schriftlicher RechnungSatiszug, aus dem auch hervorgehen muß, wie das Ergebniß erwachsen ist. Andererseits sollen auch Spar- und Tarleih- Institute öffentlicher Korpo- rationen und eingetragener Genoffcnschaften, sowie die Geschäfts- vei biudungen, die nur in einem Abschluß bestehen, der schrift- lieh stattgesunden hat, von den Bestimmungen des Artikel 4 aus- geschlossen sein. Abg. v. Bar ersucht prinzipiell um Ablehnung des ganrcn Artikels. Er gefährde den ehrlichen Geschäftsbetrieb, belaste die Geschäfte und die Gerichte. Die Handelskammer in Breslau habe sich in einer Petition im Interesse gerade des soliden Ge- schäftsbelricbs für die Ablehnung dieses Artikels ausgesprochen. Eventuell sei der Artikel nur in der von ihm vorgeschlagenen Fassung anzunehinen. Abg. v. Buol: Ter Artikel 4 ist niclit gemacht worden zur Bekämpfung des Wuchers, fondern um diejenige», welche schon in den Händen der Wucherer sind, noch zu retten dadurch, daß über den Stand des Geschäfts 5ilarheil zwischen beiden ge- schaffen wird. Daß dieser Gedanke gesetzgeberisch gesund iit, hat auch die Breslaucr Handelskammer anerkannt. Daß das solide Geschäft ihn als eine Fessel oder starke Unbequemlichkeit empfinden werde, kann ich nicht zugeben. Im übrigen empfiehlt Redner seine» Antrag als die zweckmäßigste Vereinigung der verschiedenen einander entgegenstchende» Jnter- essen; unbedingt beibehalten müsse das Wort„vorsätzlich" werden, dessen Ersetzung durch den Wortlaut des Antrages von Bar eine sehr unglückliche schon deshalb sei, weil der vor der Kommission einstimmig beanstandete Begriff des Leichtsinns darin wieder er- scheine. Abg. Hahn(dk.) beantragt für den Fall der Annahme des Antrages von Buol die Ausnahme bezüglich der eingetragenen Gciioffenschaflen auf den Geschäftsverkehr mit den Mitgliedern zu beschränken, und die Ausnahme bezüglich der nur aus schrist- licheni Abschluß bestehenden Geschäftsverbindungen zu streichen. Abg. Biisiug(natl.): Die Kommission hat einstimmig die »rsprüngliche llkegierungsvorlage in Artikel 4 als unannehmbar erkannt. Tie Scherereien, denen die Reichsbank, die großen Banken, die großen Kreditinstitute unterworfen worden wären, ivären unabsehbare geworden. Die Reichsbank selbst hätte sich p gen diese Bestilnmung ausgesprochen. Es sind denn auch die gcuannlen Anstalten von diesen vexatorischen Bestimmungen frei- gelassen worden. Aber was von dem Artikel übrig geblieben ist, bedeutet immer noch eine erhebliche Belastung des soliden Geschäfts- Verkehrs, namentlich der Privatbanken im Verkehr mit Nichtkaufleuten, irnd es ist immer noch das Beste den ganzen'Artikel zu verwersen. Vielleicht sei dem bestehen bleibenden Bedenken bis zur dritten Lesung di rch eine anderweite Fassung abzuhelfen; für heute sei es ihm unmöglich, für den Artikel 4 zu stimmen. Abg. Hahn erklärt sich für den Antrag v. Buol mit den beiden Veränderungen, die er namens der Teutschkonservaliven beantragt hat. Für den Antrag v. Bar könne er sich nicht ent- schließen, da dessen Fassung dem Richter eine A»fgabe stellt, die dieser zu erfülle» garnichl in der Lage sein würde. Staatssekretär Hanauer: Die gute Absicht des Artikel 4, nämlich zu verhindern, daß die Lage des Schuldners durch den Gläubiger verdunkelt werde, wird von allen Seiten als berechtigt ai. erkannt; vorgeworfen wird dem Artikel nur von den Herren v. Bar und Büsiiig, daß er zu weit geht. In dieser Beziehung hat ja die Kommissionschon erhebliche Einschränkungen vorgenommen. Be- lästigungen mögen vielleicht mit der Aussührung dieser Bestim- mung für diesen oder jenen Eeschäflsmann verbunden sein, daß aber Gefahren für den Geschäftsverkehr überhaut daraus er- wachsen, kann nicht zugegeben iverde». Auch ist die Fassung des Artikels leinesivegs unklar, was im Gegeniheil gerade von dem Antrage v. Bar behauptet werden muß. Diesen Antrag wolle das Haus unter alle» Umständen ablehnen.(Der letzte Theil der Ausführungen des Staatssekretärs bleibt bei dem schwachen Organ des Redners und bei der Unruhe im Hause aus der Journalistentribüne unverständlich). Die Z'bgq. Kranse und Schräder(dfr.) treten dm AuS- einandersetzungen des Staatssekretärs entgegen. Eine eintzhche Unterlassung sofort zum Gegeiistand strafrechtlicher Verfolgung zu machen, sei ein bisher unerhörter Vorgang. Sei denn das geschäftliche kausmännische Leben in Deutschland so unsolide und unordeiitlich, daß ei» solches Einschreiten»öthig werde? Alle Parteien im Reichstage seien darüber einig, daß das nicht der Fall sei. Das Gesetz scheine anzunehinen, daß das Publikum durchweg aus einfältigen, nicht aus verständige» Leuten bestehe. Zu den Leuten, welche von den Geschäften und ihrem Abschluß nicbts ver- stehe», müsse vor allemdasReichSjustizamtgerechliet werden. Wer im Hame für diese Bestimmungen eintrete, übersehe ebensowenig wie dieses, wie der Geschäftsbetrieb vor sich gehe. Die Folgen dieser einschnürenden Vorschriften würden schließlich nicht die großen Firinen, sondern die kleinen Leute, die Handwerker und Gewerbe- treibenden treffen, die sich doch gerade der besonderen Fürsorge der Mehrheit dieses Hauses erfreuten. Auch vor dem Auslände stände der deutsche Handels- und Kaufmannsstand in nicht sehr schönem Lichte da, wenn die gesetzgebenden Faktoren den Erlaß einer solchen allgemeinen strafrechtlichen Bestimmung wirklich be- schlössen. Würde dieselbe blos zivilrechtlich konstruirt, dann würde Artikel 4 den größten Theil seiner Bedeuklichkeit verlieren. Das Gesetz sei auch nicht ganz unparteiisch, sondern gehe geradezu darauf aus, einem Schuldner noch einen Vortheil zuzuwenden. Jeder Staatsanwalt werde sich, wen» ihm mitgetheilt sei. daß die Rechnung nicht abgeschlossen oder der Auszug nicht mit- getheill sei, für berechtigt halten, auf grund dieser gesetzlichen Bestimmungen gegen den Geschäftsmann einzuschreiten, der sich dieser Unterlassungen schuldig gemacht hat. Auch der Staatssekretär könne nicht leugnen, daß der Begriff„Kreditgeschäfte" ein außerordentlich vager und weilgreisender sei. Es werde mit der Ausleginig dieses Begriffs in der gerichtlichen Praxis gerade so gehe», wie es mit dem Begriffe des„groben Unfugs" zum wachsenden Erstaunen und Befremden der ganzen deutschen Be- völkerung bei den Gerichten gegangen sei. Fast jeder Kaufmann, inst jeder Handwerker mache eine Reihe von Kreditgeschäften; in Berlin sei es geradezu Regel, daß der Schneider, der einen Anzug mache, seine Arbeit nicht sofort bezahlt bekoinine, sondern einen gewissen Kredit gewähre, a»f drei Monate Ziel oder eine ähn- liche Zeit. Alle diese Geschäfte würden in Zukunft unter diese Slrafbestimmungen fallen; an alle diese Geschäfte und an die ruinöse Einwirkllng dieser Bestiminungen aus sie habe nicht das Reichs-Justizamt, nicht der Staatssekretär desselben gedacht. Der Grundgedanke des Entwurfes sei ein falscher, indem er für einzelne Verfehlungen und Auswüchse das ganze System der bis- herigen Gesetzgebung ändern wolle. Weder die jlommissions- saffung, noch auch die Anträge von Buol und Hahn könnten diesen falschen Grundgedanken zu einem geslinden niachen; man leiste der Gesetzgebung und dem deutschen Volke init der Ab- lehnung des Art. 4 den größten Dienst. Nachdem die Abgg. v. Bar, v. Buol, Schräder und Büstng, sowie Staatssekretär Hauauer nochmals das Wort er- griffen haben, schließt die Diskussion. Bor der Absiininuing bezweifelt Abg. Dohr» die Beschluß- fähigkeit des Hauses. Da das Bureau den Zweifel theilt, muß der Namensaufruf erfolgen, welcher die Anwesenheit von nur 171 Mitgliedern ergiebt. Die Sitzung muß abgebrochen werden. Schluß gegen 5 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr(Gesetz betr. den Verrath militärischer Geheimnisse, Fortsetzung der Berathung des Wucher- gesetzeS). Varkeinackriihkelr. Maifrier. In Leipzig findet am Nachmittag des 30. April ein Ausflug nach Stötteritz statt; i» allen dortigen und den Gaflwirlhschaften der Nachbardörfer ist Abends Konzert und in einigen Sälen Ball. Am Zlbend des I. Mai werden in 21 Sälen von Leipzig und Umgegend Versamiiilungen abgehalten, an die sich Konzert, Vorträge und Gesäuge schließen. In C h i st i a n i a in Norwegen sind zur Theilnahme an dem Festzuge 30 Fachvereine und sonstige Korporationen an- gemeldet. In einem schwungvollen Artikel über die Maifeier führt die „Sächsische Arbeiter-Zeitung" treffend aus:„Das Arbeiter- Diaisest soll zum Ausdruck bringen alle jene ge- wältigen Ideen, um derenwillen das klassenbewußte Prole- tariat den Kampf, in dem es steht, unternommen hat. In erster Linie die Erinnerung eines besseren Ärbeitcrschutzes, insbesondere des Achtstundentages, zur Wiedergenesmig der durch de» schamlosen Kapitalismus in Siech- thiim und Elend geworfenen Schaaren der Arbeiter, Arbeiterinnen und Arbeiterkinder. Sovann ist die Maifeier gewidmet dem hohen Gedanken der Völkerverbrüderung. Die bürgerlichen Feste sind ver- schieden je nach Alter und Nationalität. Aber der l. Mai ist ein Feiertag der Arbeitenden aller Länder. Der 1. Mai kennt nicht trennenden Dogmenkram und nicht der Grenzpfähle künst- liche Schranken. Der l. Mai ist das Fest der internationalen Solidarität und Einigkeit der Bedrückten in Nord und Süd, in Ost und West. Der 1. Mai ist ein wirklicher Weltfcier- tag! An diesem Wellfeiertage geben die Arbeiter des ganzen Erdballs gemeinschaftlich die gleiche überzeugte Absicht kund, daß sie das Joch der kapitalistischen Sklaverei zu zerbrechen und eine sozialistische Gesellschaft von Freien und Gleichen herbei- zuführen geivilll sind. So ist das Maifest der Arbeit das eigent- liche Jubelfest des Proletariats, es ist gewidmet allen höchsten Idealen echter menschlicher Kultur, an deren Erfüllung die heulige Menschheit, die Arbeiterschaft arbeitet. Daher ist es die größte Ehrenpflicht aller denkenden Arbeiler, die Bedeutung unseres Maisestes und die ihm zu Grunde liegenden Gedanke» in imilier weiteren Kreisen des Volkes klar zu legen. Der l. Mai. der ein dauerndes Fest der kämpfenden Arbeiter sein wird, muß sich von Jahr zu Jahr mehr einleben, mit seinen Hossniingsstrahlen von Jahr zu Jahr mehr die Gemüthcr aller Ausgebeuteten erleuchten und erwärmen! Deshalb, Arbeiterinnen und Arbeiter, rufen wir Euch zu: Sorget dafür, daß das Maifest in diesem Jahre auch bei uns hier ein fchönes und unserer großen Sache würdiges werde." » �» Reichstags> Kandidatur. In einer Versammlung in Luckenwalde wurde der dortige Stadtverordnete Fritz Gerischer als Reichstags- Kandidat für den Wahlkreis Luckenivalde-Jüler- bogk-Zauch-Bclzig anfgestettt. Von der Slgitatio». Die'D o r t m u n d e r Parteigenossen verbreiteten am Sonntag in dieiem Kreise 60 000 Eremplare eines Flugblattes für die Wahl Tölcke's.— Parteigenossen aus Leipzig'Gohlis unternahmen an demselben Tage eine Agilalioiistour nach de» Dörfern Lindenthal, Radefeld, Glesi» bis zu dem Städtchen Schkeuditz. Die Ausnahme war überall eine gute. Wie der„Wähler" berichtet, zeigte es sich, daß die Landbevölkerung allerorts begonnen hat, die sozialistischen Ideen zu begreisen. Mail klagte überall über die drückenden Lasten. In einer lesenSwerthen Besprechung neuerer Schriften über Sozialismus nimmt der HaUesche Professor der National- ökonomie, Dr Karl Diehl, auch Stellung zur Frage: Mein- eid und Sozialdemokratie. Ueber eine diesen Titel tragende Broschüre(Verlag von Wilhelmi, Berlin) schreibt er: „Die Broschüre ist eine bloße Tendenzschrift, ein Pamphlet. An die bekannten Vorgänge in Hamburg und Breslau an- knüpfend, wo ein Staatsawalt bezw. Richter erklärt hatte, daß für Sozialdemokraten unter Umständen ein Meineid nicht ver- werflich erscheine, namentlich wenn es das Partei-Jnteresse er- fordere, will der Verfasser den Nachweis führen, daß der Sozial- demokratie jegliche Vorstellung von der Heiligkeit des Eides ab- gehe, daß sie den Meineid nicht nur billige, sondern geradezu empfehle und verherrliche. Dieser Nachweis muß als durchaus mißlungen erachtet werden. Welches sind die„authentischen" Quellen, aus denen der Verfasser die Belege für seine Behauptungen entnimint? In erster Linie der„Sozialdemokrat", ein Blatt, das gar nicht ein offizielles Organ der Sozialdemokratie ist, vollends nicht der neuere», dem sogar schon 1686 offiziell der Charakter als Partei-Organ abgesprochen wurde, weiter einzelne Aeußerungen sozialdemokratischer Winkelblätter, dann namentlich einige Arlibel aus dem„Sozialist". Dieser„Sozialist" ist aber das Organ der log.„Jungen", die in schroffein Gegensatz zur Partei stehen: von ihnen behauptet der Verfasser, sie seien„Schüler von Bebel und Genossen"(S. 80). Ferner diente noch als Quelle H-ans Blum's Lügen der Sozialdemokratie. Wenn man ozis so trüben Quellen schöpft, ist es freilich leicht, der Sozial- demokratie vorzuwerfen, sie predige den Meineid. Hätte der Verfasser die offiziellen Partei-Organe, die grundlegenden'Schristen von Führern der Sozialdemokratie oder der wissensckqastlichcu Begründer des Sozialismus zu Ruthe gezogen, so wäre er gerade zum entgegengesetzten Resultat gekommen, näw/lich, daß der Meineid nirgends ossiziell angepriesen wird. Gc/iviß steht ein großer Theil der sozialdemokratischen Partei der Religion neutral gegenüber, aber auch dieser erblickt doch zum Mindesten im Falscheid eine offizielle Lüge, und diese wird nirgends von Parleiwegen empfohlen. Mag auch in einzelnen Fällen ein konfuser Genosse geglaubt haben, im Interesse der?Iartei einen Meineid leisten zu dürfen, mag solche Auffassung omch hie und da von einem unklaren Zeitungsschreiber vertreten roorden sein; das ist erklärlich bei einer Partei, die etwa IVs Blillionen Anhänger aus den an Bildung am tiefsten stehenden Schichten der Bevölkerung hat. Dies berechtigt aber noch lange nicht dazu, gegen eine ganze Partei eine so schwere Anklage ziv erheben und auch Richter und Staatsanwälte sollten mit solche« Aeußermigen vorsichtiger sein." »• Polizeiliches, Gerichtliches»c, — Eine Volksversaminluitg in Farnroda, in der der Reichstags-Abgeordncte Bock ans Gotha über die Militärvorlage sprechen sollte, wurde vom Schultheißen ebenl o verboten, wie eine gleichartige Versammlung, die für S e e l, a ch in Aussicht genommen war. Die gegen die Verbote eingereichte Beschwerde wurde vom Eisenacher Bezirksdirektor verworfen und zwar auf grund des Berichts, den der Schultheiß Thiel in Farnroda ein- gesandt hatte. Es heißt darin:„Als im vorigen Herbste in Thal eine Volksversaminlnng, in welcher sozialdmokratische Redner gesprochen, stattgefunden, wurde an /demselben Abend die Rosenanlage des Fabrikdirektors Herrn YZollmar durch A b- schneiden der Slämmchen zerstört. Ebenso nach Beendigung der Versammlung im„Gasthos zum Löwen" hier, wo der Sozialdemokrat Hülle aus Erfurt gesprochen, waren am Abend an der Straße nach Wutha 18 O b st st ä m wi ch e n, der Obstanlage des Rittergutsbesitzers Herrn Brause gehörig, abgebrochen. Die Uebelthäter sind in beiden Fällen, trotz eisriger Nach- stellung, leider nicht zu ermitteln gewesen. Die Einwohnerschaft, über solche rohe Akte sehr empört, neigt sich, obwohl nichts zu beweisen ist, unverhohlen der Ansicht zu, daß von Heimkehrenden aus den Versammlungen solches verübt worden sei. Ferner an einem Versammlungsabend des evangelischen Bundes im Saale des Wittgensteines rief der Beschwerdeführer dem Vorsitzenden Herrn Pfarrer Dr. Matthes laut entgegen:„Lassen Sie ein sozialistisches Buch vorlesen". Große Entrüstung ging durch die große Menge der Zuhörer und p. Schuchardt wurde sofort aus dem Saal entfernt. Es liegt somit die Vermuthnng nahe, daß durch solche Versammlungen die öffentliche Ruhe gestört werden wird." Also obwohl nicht? zu beweisen ist, hebt die sachsen- weimarische Aufsichtsbehörde das Versammlungsrecht für unsere Partei auf, weil die Einwohnerschaft in ihrer angedlichen Vcr- muthung. Sozialdemokraten seien die Bauiufrevlor gewesen, Un- ruhen erregen könnte. Das ist ja reizend! Hat denn der Bezirks- direktor auch geprüft, ob die Angaffen des Schultheißen irrthumsfrei sind, d. h. ob außer ihm und den an der Nichtabhaltung sozialdemokratischer Versammlungen doch inter- essirten Anhängern anderer Parteien wirklich jemand aus dem Orte gerade die Sozialdemokraten des Baumfrevels bezichtigt? Und wenn das der Fall wäre, wie kann es eine Behörde ver- antworte», unter Berufung auf gesetzwidrige Neigungen(Störung der öffentlichen Ruhe) von Leuten einem andern Theile der Staatsbürger, denen kein Vergehen nachgewiesen werden konnte, sein gutes Recht zu entziehen? Ist nicht die Polizei dazu da. gesetzwidrigen Neigungen der Leute ent- gegen zu treten und die andern Leute in ihren st a a t s- bürgerlichen Rechten zu schützen? Wofür wird sonst der kostspielige Apparat der Polizei bezahlt? Hoffentlich wird der Eutscheid des Ministeriums, das angerufen ist, der An- ficht des Bezirksdirektors nicht beipflichten. Lolrales. Gewerbegericht. Eine Versammlung der Arbeiterbeisiher des Gewerbegerichts, in welcher Rechtsanwalt Heine einen Vor- trag hallen wird, findet am Donnerstag. 20. April, 8>/z Uhr, in der Ressource, Kominandantenstr. 57, statt. Der Ausschuß ersucht in anbetracht der Wichtigkeit der zur Verhandlung kommenden Fragen um vollzähliges Erscheinen. Städtische KrankenhauS-Berwaltung. Bei Gelegenheit der jüngsten Elatsberalhung hatte die Stadtverordneten- Versammlung eine Resolution gefaßt, worin sie die Bildung einer einzigen Verwaltungs-Deputalion zur gemeinsainen und einheitlichen Verwaltung sämmllicher Krankenhäuser unj) die sonstigen für die öffeiilliche Gesundheitspflege bestimmten Anstalte» für wüuschenswerth er- achtet und de» Magistrat um eine Vorlage ersucht. Gegen- tvärtig besteht für jedes Krankenhall» ein besonderes Kuratorium. deren Mitglieder aus der„Deputation für die öffentliche Ge- sundheitspflege" entnommen werden. Ter Magistrat hat nun- mehr bei der Stadtverordneten-Bersammlung beantragt, indem er es für empsebleuswerth erachtet, die bestehende Deputation für öffentliche Gesundheitspflege in ihrer Wirkung als mchy akademische Körperschaft unberührt zu lassen, die Versammlung möge sich daniit einverslanden erklären, daß unter Aufhebung der drei, für die Verwaltung der siädliscben Krankenhäuser de- siehenden Kuratorien eine aus vier Magistratsmitgliedern und acht Stadtverordneten bestehende„Deputation für die städtischen Krankenan st alten" errichtet werde. Vorträge des Pfarrers Kneipp. In unserm Bericht über den Kneipp'schcn Vortrag vom vorigen Mittwoch(Nr. 87 des „Vorwärts") hatte unser Berichterstatter bemerkt: „Gegenüber der wiederholten Betonung, daß es namentlich Pflicht sei, dem Armen zu helfe», der unter der doppelten Last seufze, hat es mich nur befremdet, daß der Herr Pfarrer ge- stattete, ein so hohes Entree für seinen Vortrag zu nehmen— (wenn auch zum Besten des Wörishofener Kinderasyls), daß die Besitzlosen von vornherein von dem Besuch ausgeschlossen waren." Hieraus schreibt uns Herr Magistratssekretär Meßmer, der zweite Vorsitzende des Kneipp-VereinS Berlin: „Dieser Satz bedarf einer zweifachen Richtigstellung: 1. Bekümmert sich der Herr Pfarrer nicht um die lediglich von den lokalen Verhältnissen abhängende Frage des Eintrittgeldes zu seinen Vorträgen und darf ihm ddher hierin nichts zur Last gelegt werden. Bei diesseitiger Feststellung der Preise der Plätze war hauptsächlich die vorher stattgehabte Berechnung der ent- stehenden Unkosten und dann" der Gedanke, nach Deckung dieser mehr einen idealen als materiellen Erfolg zu erreichen, maßgebend, und erst in dritter Linie wurde des Kinderasyls in Wörishofen gedacht. L. Hat aber aus besonderen Wunsch des Herrn Pfarrers, auch Unbemittelten den Besuch der Borträge zu ermöglichen, der Vorstand, nach Fest- pellung zener Bilanz, jedem Mitglicde(gegen 200) je zwei Freikarten— Stehplätze allerdings— mit der a u s d r ü ck- lichen Bedingung der zweckentsprechenden Verwendung zur Verfügung gestellt. Daß aber hierdurch das finanzielle Ergebniß— es handelt sich um einen Aussall von rund 700 M.— sehr abgeschwächt wurde, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Dank dem Entgegenkommen der Bessergestellten ist das A'esnltat immerhin noch ein befriedigendes zu nennen und darf daher angenommen werden, daß die zu berücksichtigen- de.» drei Faktoren: 1. die ideale Seite der Pfarrer Kneipp'schen Heil- und Gesundheitslehre zu fördern; 2. den persönlichen Wunsch des Herrn Vortragenden be- züglich der Unbemittelten zu ersüllen und L. wenn angängig, des Kindesasyls zu Wörishofen zu ge- Heulen, ziemlich richtig bei den Vorbereitungen zu den Vorträgen erwogen worden sind." Wir w-issen nicht, was hier„richtig gestellt" ist. AA 1 ist dem Pfarrer Kneipp nichts zur Last gelegt, was nicht in dieser Ricbtigslellnng überhaupt zugestanden ist, ad 2 ist die Annahme, daß die 200 Mitglieder ihre Freikarten den Unbemittelten zu- gewiesen, eine sehr willkürliche und thatsächlich nicht zutreffend. Tie TbalsaeHe bleibt bestehen, daß die Vorträge nicht für Unbemittelte berechnet waren. Ob die Gründe hierfür berechtigt oder nicht berechtigt waren, haben wir gar keiner Erörterung unterzogen. Zu»uelchom Zweck die dreijährige Dienstzeit unseres herrlichen Kriegshceres da ist, mag aus folgendem hervor- gehen: Der Regime ntsschneider Strohbach vom 3. Garde-Regiment hat in Nieder- Schönweide neben der Borussia-Brauerei das Restaurant„Zum Schwcizerhaus" übernommen. Die Gebäude und der Garten bedürfen bekanntlich zum Frübjahr eines gründ- liches Aufpntzes und da verwendet der Herr Rcgimenlsschneider — der noch augenblicklich Dienst thut— ä bis 6 Soldaten von obigem Regiment, als Maurer, Maler, Gärtner u. s. w. dazu. Bemerkenswerth ist, daß außerdem auch noch Dachdecker und Maurergesellen ebenfalls daneben beschäftigt werden, die sich dar- über freuen, wie die durch ihre Steuern erhaltenen Soldaten ihnen Konkurrenz machen. Eine eigenartige Praxis der Fürsorge für verstorbene Mitglieder scheint die Ortskrankenkasse für das Brauergewerbe Berlins einzuführen. In der Haderschen Brauerei starb am 28. Februar, Abends 11 Uhr, plötzlich der aus Guttcustädten in Bayern gebürtige Brauer Pfördtner an Gehirnschlag. Der Verstorbene wurde von.Kollegen auf seine Lagerstätte gelegt und dessen Tod sofort der Direktion und der Krankenkasse gemeldet. Erst am andern Tage Vormittags II Uhr, also nach- dem der Todte volle 12 Stunden im Schlasraum der Brauer ge- legen hatte, die neben dem Tobten ihre Schlasstätten haben, ließ die Direktion den Verstorbenen nach einem abgelegenen Raum bringen und ihn dort auf eine Schütte Stroh niederlegen. Ungewaschen, mit Arbeitsanzug, wie derselbe die Arbeit ver- lassen hatte, wurde er nun nach Verlauf von zwei Tagen ein- gesorgt. Man zog das Sterbehemd einfach dem Verstorbenen über den Oberkörper und da die Weste etwas hinderlich dabei war und henwrfah, so stopfte man ihm dieselbe unter den Rücken. Daß dieses lieblose Vorgehen der Krankeukasse. die für die 00 M. Sterbegeld doch wohl auch noch eine Leichenwäscherin beschaffen konnte, die dortigen Brauer mächtig ausregte, läßt sich denken. Einen unerfreulichen Entscheid hat am Montag das Kammergericht gefällt. In der Strafsache gegen den Zeitungse�pedienten Brinkmann aus Hohenmölsen, wobei es sich»im die Frage handelte, ob die Kinder der aus der Landes- kirche ausgeschiedenen Personen gezwungen werden können, dem Religionsunterricht in der Volksschule beizuwohnen, hat das Kammcrgericht diese Frage gemäß der neueren Auffassung des Kultusministers bejaht und sich damit in Gegensatz zu früheren Entscheidungen gesetzt. Einen näheren Bericht über die Ver- Handlung behalten wir uns vor. Der„Herr Millionär anS Rüdersdorf", der Maurer Michaelis, über besten Schwindeleien wir bereits berichtet haben, ist in der Nacht zum 1ö. d. M. aus dem Gesängniß in Alt- Landsberg, wohin er nach seiner Inhaftnahme überführt worden war, entwichen, hat aber die goldene Freiheit nicht lange ge- nosse». Gestern ist er hier in Berlin wieder gesehen und auf- gegriffen worden. Von ihrem Verführer in den Dod getrieben wurde in New-Uork eine junge Berlinerin, die 18 jährige Fanny F., die einzige Tochter eines rn der Rosenthaler Vorstadt wohnenden Tischlers. Gegen den Willen ihrer Eltern hatte sich das Mädchen mit einem Techniker namens Knäuel verlobt und aus dessen Betreiben ihre Stelle als Verkäuferin in dem Konfektionsgeschäft von H. aufgegeben. Ende Dezember v. I. verließ sie heimlich das elterliche Haus und war seitdem verschollen. Im ver- gangenen Monat traf bei Herrn H. ein Brief aus New- Dork ein, der Ausschlüsse über die Schicksale der ll»besonnenen gab. Das Schreiben lautete:„Hoch- geehrter Herr H.! Th-ilen Sie doch, bitte, den Meinigen mit, daß ich mir, wenn Sie diesen Brief erhalten, das Leben genommen habe. Mein Bräutigam, der mich veranlaßt hat, ihm nach Amerika zu folgen, behandelt mich nicht nur schlecht, sondern er hat mich auch zu einem schrecklichen Lebens- wandel veranlaßt, der uns Beide ernähren soll. So kann ich nicht weiter leben, und deshalb gehe ich in den Tod. Ihre dank- bare Fanny." Herr H. schrieb unverzüglich an einen in New- York wohnenden Geschäftsfreund und bat, sich nach dem Schicksal der Aermsten zu erkundigen. Vorgestern traf nun die Antwort hier ein, die die traurige Mittheilnng einhielt, daß am 23. März die Leiche eines jungen, reduzirt bekleideten Weibes, aus welches die Personalbeschreibung der Fanny F. paßt, im Hafen von New- Jork gefunden worden sei. Die Betrogene hatte ihrem Leben durch Ertränken ein Ende gemacht. Zwei Brüder, die Söhne eines Beamten, haben sich in der Nacht zum Sonnabend in ihrem gemeinschaftlichen Zimmer, wahrscheinlich durch Cyankaliuni, vergiftet. Max, der ältere der beiden Brüder, war 22 Jahre alt und besuchte seitdem I.Oktober 1891 die Militär- Roßarztschule in der Karlstraße und wohnte arHi daselbst, während der jüngere sich in der elterlichen Be- Häufung aufhielt. Beide waren in ihrem Berufe so weit vor- geschritten, daß Max vor dem Physikum und sein Bruder gleich- falls vor der crstm Prüfung stand. Der ältere Sohn hielt sich während der Osterferien gleichfalls bei den Eltern auf. Hin- sichtlich der Beweggründe zu der seltsamen That verlautet, daß beide sehr stolte junge Leute waren, und daß namentlich Max mit den ihm als Soldat gezogenen militärischen Grenzen oft in Zwiespalt gerathen ist. Er überschritt häufig die Urlaubszeit und zog sich dadurch wiederholt Arreststraien zu. Mit dem un- gezwungenen Leben scheint eine Vernachlässigung der Wissenschaft- lichen Ausbildung vereinigt gewesen zu sein, und man nimmt daher an, daß die beiden jungen Leute aus Schen vor den abzu- legenden Prüfungen Hand an sich selbst gelegt haben. Ein blutiger Kampf wogte in der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr m der E l s a s s e r st r a ß e. In dem Elsasser Ballsalvn hatte gegen 1>/s Uhr ein Infanterie-Unteroffizier beim Verlassen der Garderobe Streit mit einer Zivilpers on erhalten und dies war das Signal zu einer Zusammenrottung der Militär- und Zivilpersonen. Beide Parteien drangen denn auch bald aufeinander ein. Das in der Minderzahl befindliche Militär erhielt einen kräftigen Zuwachs in den Postillouen, die in großer Anzahl im Tanzsaal anwesend waren. Da die Soldaten ihre Seiten- gewehre in der Garderobe abgegeben hatten, fo dienten aus beiden Seiten abgebrochene Stuhlbeine als Waffen. Als man dann aber zu Biergläsern greifen wollte, gelang es den Angestellten des Lokals, die Kämpsenden auf die Straße zu drängen. Hier nahm die Schlacht eine noch weit größere Ausdehnung an: Die Soldaten hatten sich in- zwischen mit ihren Seitengewehren versehen. und die Zivilisten und Postillone griffen zu ihren Taschenmessern. Nach etwa einer halben Stunde schritt die Polizei ein und machte dem blutigen Vorgange ein Ende. Wie viel Verwundungen vor- gekommen sind, läßt sich noch nicht übersehen. Schwer verletzt aber wurde der Kaufmann Oskar M., der einen Messerstich in das Genick erhielt. Die Klinge brach in der Wunde ab und mußte auf der Sanitätswache in der Eichendorffstraße durch einen Arzt entfernt werden. M. wurde später in schwerkrankem Zustande der Charitce eingeliefert. Wer den Stich geführt hat, ist bei dem allgemeinen Durcheinander nicht festzustellen gewesen. In der Strafsache gegen den Redakteur Johannes Verndt, welcher s. Z. ans offener Straße ein Paar Revolver- schlisse aus den Redakteur Meyer von der„Krcnz-Zeitnng" ab- gegeben, ist nunmehr die Voruntersuckung geschloffen und die Akten sind der Staalsanivailschast zugestellt. Die Anklage wird wegen versuchten Mordes erhoben und soll im Mai vor dem Schwurgericht zur Verhandlung kommen. Einen jähen Tod hat der Garde-Kürassier Richter beim Exerzieren aus den» Tempelhofer Felde gefunden. Sein Pferd überschlug sich und begrub den Reiter. Richter erlitt dabei eine schwere Brustqueischung und verstarb 10 Minuten darauf auf dem Transport nach dem Lazareth. Der Verunglückte stammle aus Brandenburg. Wegen RanbeS sind ein Schloffer Bläuel und ein Arbeiter(?) Meyen verhaftet worden. Als der Zigarrenmacher Schulz am Sonnabend gegen Mitlcmacht die Fennstraße beging, kamen ihm mehrere junge Leute entgegen, die er für betrunken hielt. Zwei davon kaincn auf ihn zu und umarmten ihn mit den Worten: „Na, altes Haus, da bist Du ja". Während diese ihn festhielten, zog ein Triller ihm die Uhr aus der Weste, und ein Vierler die Geldtasche aus dem Beinkleid; darauf rissen alle Viere aus. Mit Hilfe des Wächters gelang es Schulz, zwei von ihnen, die ihm Geldtasche und Uhr entrissen hatten, einzuholen und sestzuhalten. In ihnen wurden die Vorgenannten festgestellt. Von der Kriminalpolizei zu Charlottenbnrg geht unserm Reporter die nachstehende Notiz zu: Am Sonntag Morgen um 7'/2 Uhr fand der Schleusenmcister Friedrich Tornow in der Spree an der Charlottenburger Schleuse die Leiche eines Mannes, der Papiere bei sich führt, die auf den am 19. Oktober 1841 zu Zehdenick geborenen Bootsmann Hermann Arndt lauten. Alle solche Personen, die über den Geflorbenen irgend welche Aus- kunst ertheilen können, werden ersucht, sich im Zimmer 4 des Rathhauscs zu Charlottenburg einzufinden. Gegen da? freisprechende Nrtheil in Sachen gegen Maximilian Harden, betr. den Artikel„lvionarchenerziehung" in der„Zukuiist" hat der Staatsanwalt Revision eingelegt. Um Zulassung der Nachtarbeit sollen die hiesigen Falzerinnen beim Reichstag pelitionirt haben. Die Petition findet wegen der arinen Frauen warme Befürwortung in der „National- Zeitung" und der„Norddeutschen Allgem. Zeitung". „Die Druckereibesitzer," heißt es,„haben an der Angelegenheit keinerlei materielles Interesse, da für den Lohn, welchen die Falzerinnen erhallen, männliche Arbeitskräfte ebenfalls zu haben sind." Die Arbeilgeber haben aber in ihrer Gefammtheit ein dringendes Interesse, alle gesetzlichen Maßregeln zum Schutz der jugendlichen und weiblichen Arbeiter zu vereiteln, und da wird die Nolh der Arbeiter selbst als Vorwand benutzt. Plönlicher Todesfall. Als am Sonntag Morgen etwa um 10 Uhr der in der Lankwitzerstraße zu Groß-Lichterfelde in Wohnung gewesene Dr. pbil. Bauer mit zwei Zöglingen nach Berlin sabren wollte und den vorausgegangenen jungen Leuten auf dem Wege zum Bahnhofe folgte, wurde er plötzlich von Un- Wohlsein befallen und mußte sich an einem Zaun festhalten. Ties war von seiner Wohnung aus bemerkt worden; als dem scchsundsechzig Jahre alten Manne Hilfe geschickt wurde, ging er noch einige Schritte weiter, brach dann aber tobt zusammen: ein Herzfchlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. NnS Buckow bei Müucheberg wird uns geschrieben: Mit dem Herannahe» der Zeit, in der von den verschiedenen Vereint- gungen der Genoffen Ausflüge in die Umgegend arrangirt werden, rufen wir denselben die Nolhwendigkeil ins Gedächtnis, bei diesen Ausflügen das Interesse der Genossen in der Umgegend von Berlin im Auge behalten zu wollen und nicht in Lokale einzukehren, deren Inhaber ihre Säle den Genossen der betreffenden Orte zu Versammlungen verweigern. Dies gilt auch wieder von unserein Städtchen Buckow; im vergangenen Jahre war es uns durch die Unterstützung der Genossen gelungen, einen Druck aus den da- maligen Besitzer des Gasthofs zur„Märkischen Schweiz". Herrn Klotz, auszuüben, uns seinen/Saal zn Versammlungen zu über- lassen, derselbe hat dadurch ein sehr ynles Geschäft gemacht. das Lokal aber am l. Januar dieses Jahres verkaust. Ter neue Jnbabcr, Herr Benhin, früher in Rixdorf, weigert sich, uns den Saal zu Versammlungen zu überlassen unter dem Vor- geben, er wäre noch zu neu, fei aber bereit, nächstes Jahr uns den Saal zu überlassen. Was solche Versprechen für Werth haben, hat die Erfahrung gelehrt. Wir ersuchen Euch deshalb, bei etwaigen Ausflügen Buckow nicht zu berühren eaenl. Euch an den dortigen Vertrauensmann, den Schneidermeister Fritz Simon, rechtzeitig zu wenden, derselbe ist gern bereit, gegebenen Falls die nölhige Direktive zu geben. Also Genossen, thut Eure Schul- dizkeit: es gilt das allgemeine Interesse der Arbeiter! Alle Arbeiterblätter der Umgegend werden ersucht. Vor- stehendes zum Abdruck bringen zu wollen. Die Sterblichkeit, von der wir kürzlich nachgewiesen haben, daß sie in den letzten Jahren in Berlin überhaupt Verhältnis- mäßig gestiegen ist, ist in den Arbeitervierteln Berlins größer als in den von der Bourgeoisie bevorzugten Stadttheilen. Das ill eine alte Erfahrung, die man an zeder größeren Stadt mit einer zahlreichen und lokal begrenzten Arbeiterbevölkerung machen kann, und die für Berlin durch den neuesten Jahrgang des „Statistischen Jahrbuches" auf's Neue bestätigt wird. Im Jahre 1390 hatte Berlin 34 366 Gestorbene(einschließlich Todlgeborene) — 22,5 pro Mille der gesammten Bevölkerung, und zwar 18 649 männliche Personen=- 24,9 pro Mille der männlichen Bevölkc- rung und 16 217 weibliche Personen— 20,2 pro Mille der weib- lichen Bevölkerung. Auf die einzelnen Standesamtsbezirke ver- theilten sich diese Sterbefälle sehr ungleich.(Die Sterbefälle in den Krankenhäusern wurden natürlich denjenigen Standesamts- bezirken zugerechnet, in welchen sich die Wohnung der Ver- storbenen befunden hatte.) Vergleicht man die Sterblichkeit mit der aus den Jahresdurchschnitt reduzirten Bevölkerung, so kamen im Jahre 1890 an Sterbesällen: auf die reiche Friedrichstadt nur 12,5 pro Millr der Bevölkerung, auf die nicht minder reiche Friedrich- und Schöneberger Vorstadt 15,6, auf Berlin-Cölln- Dorotheenstadt 16,0, auf die Luisenstadt diesseits des Kanals und Neu- Cölln 16,8, auf Friedrich- und Tempelhofer Vorstadt 19,5, auf Luisenstadt jenseits des Kanals westlich 23,0, auf das Span- dauer Viertel 23,0, auf Friedrich-Wilhelmstadt und Moabit 23,0, auf das Stralauer Viertel westlich 24,1, auf die Rosenthaler Vorstadt südlich 24,4, auf die Oranienburger Vorstadl 24,6, dann weiter auf die von einer vorwiegend armen Bevölkerung bewohnten Stadttheile Stralauer Viertel östlich(am Ost- und Schlesischen Bahnhof, 26,3, auf Rosenthaler Vorstadt nördlich(bis Bahnhof Gesundbrunnen) 26,7, ans Luisenstadt jenseits des Kanals östlich(am Görlitzer Bahnhof) 26,8, auf das Königs- viertel(bis NewWeißensee hin) 27,9, ans den Wedding 30,1 pro Mille der Bevölkerung. Diese Reihenfolge ist im allgemeinen durch die Kindersterblichkeit bestiinint, die in den Arbeitervierteln außerordentlich hoch ist. Vergleicht man die Sterblichkeit nur der Kinder unter I Jahr mit der Gesammtbevölkerung, so koinult eine annähernd gleiche Reihenfolge der Standesämter heraus. Sie beginnt wieder mit der Friedrichstadt(2,7 pro Mille), der Friedrich- und Schöneberger Vorstadt(4,3), dem Stadttheil Berlin- Cölln- Dorotheenstadt(4,3) und endet wieder mit Stra» lauer Viertel östlich(12,7), Rosenthaler Vorstadt nördlich(13,3), Luisenstadt jenseits des Kanals östlich(14,5) und Wedding (14,6). Die erstangeführte Reihenfolge wird jedoch nicht ausschließlich durch die Kindersterblichkeit bestimmt. Ver- gleicht man nämlich die Sterbefälle von Personen ü b e r 1 Jahr mit der GesamnUbevölkerung, so ändert sich zwar die Reihen« folge vielfach innerhalb der ersten Gruppe von reicheren Stadt- thecken und andererseits auch innerhalb der zweiten Gruppe der ärmeren Stadttheile, aber eine nennenswerthe Vermischung beider Gruppen oder gar eine völlige Umkehrung des Verhältnisses findet nicht statt. Vielmehr ist wieder der höchste pro Millesatz in den Arbeitervierleln und der geringste in den„vornehmeren" Stadttheilen zu finden, z. B. also 9,3 in der Friedrichstadt und 13,7 auf dem Wedding. Von einem Zufall kann hierbei nicht die Rede sein,— dafür sind die Unterschiede zu groß und zu sehr von einer durchgängigen Regelmäßigkeit. Welches die Ur- fache davon ist, daß Krankheit und Tod unter dem Proletariat eine reichere Ernte halten, als unter der Bourgeoisie, darüber haben wir uns oft genug ausgelassen. Die Lücken, welche ent- stehen, werden durch de» ununterbrochenen Zuzug aus den Pro- vinzen ausgefüllt. Marktpreise in Berlin am IS. April, nach Ermitte- lungen des Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. guter von 16,00— 1d,60 M., mittlerer von 15.50— 15,20 M., geringer von 15,10— 14,80 M. Roggen per 100 Kg. guter von 13.30—13,10 M., mittlerer von 13,00—12,90 M., geringerer von 12,30—12,60 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,50—16,30 M., mittlere von 16,20—15,10 M., geringe von 15,00—13,30 M. Hafer per 100 Kg. guter von 15,90—15,40 M., mittlerer von 15,30— 14,90 M., geringer von 14,80—14,40 M. Stroh, Richl- per 100 Kg. von 5,00 bis 4,50 M. Heu per 100 Kilogr. von 8,00—5,20 M. Erbsen, gelbe zum Kochen per 100 Kg. von 40,00—24,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 30,00 bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 6,00— 4,00 M. Rind- fleisch von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. vo» 1,30—1,00 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,50— 1,20 M. Kalbfleisch per I Kg. von 1,60— 0,80 M. Hammel- fleisch per 1 Kg. von 1,50—0,90 M. Butter per I Kg. von 2,30 bis 1,30 M. Eier per 60 Stück von 4,00—2,40 M. Fische per I Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 3,00—1,30 M. Zander von 2,40—1,00 M. Hechte von 1,80—1,00 M. Barsche von 1,60—0,70 M. Schleie von 2,40—1,00 M. Bleie von 1,40 bis 0,60 M. Krebse per 60 Stück von 12,00—3,00 M. Polizeibericht. Am 15. d. M., Nachmittag, wurde in der Spree in der Niihe des Schlosses Bellevue die stark verweste Leiche eines unbekannten, etwa 40 Jahre alten Mannes an- geschwemmt.— Abends fiel ein Tischler in der Trunkenheit in eine Fensterscheibe des Thorweges des Hauses Pücklerstr. 59, wobei er schwere Verletzungen im Gesichte erlitt, sodaß er nach dein Krankenhause Bethanien gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 16. d. M. erhängte sich ein Schlosser im Hause Grimmstr. 37 am Treppengeländer.— Am 16. d. M., Morgens, fiel ein Färbergeselle in der Trunkenheit ans einem Flurscnster im Erdgeschoß des Hauses Ssralauerstr. 53 auf den Hof hinab und erlitt einen Bruch des Armes und des Oberschenkels, sodaß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Am 15. und 16. d. M. fanden zehn kleine Brände statt. Gerliktks-Äetkungj Ei» recht gemeinaefährlicher Betrug führte gestern den Schlächtergesellen Rudolf Echternack vor die zweite Straf- kammer des Landgezichts I. Am 17. August v. I. traf der Schlächtergeselle Klein aus einer kleinen Provinzialstadt kommend, in Berlin ein. Sein erster Gang war zur Herberge in der Neuen Grünstraße. Am Thorwege wnrde er von dem Auge- klagten angeredet, welcher ihn nach kurzer Unterhaltung abrieth. die Herberge zu besuchen, da man dort leicht Ungeziefer be- kommen könne. Echternack erklärte dem jungen Kollegen ferner, daß er zusällig in der Lage sei. ihm sogleich eine Arbeitsstelle zu verschaffen. Klein brauche dann gar nicht erst in die Herberge zu gehen, seine Sachen könnten in einer benachbarten Restau- ratio» in Verwahrung gegeben werden. Klein griff mit beiden Händen zu, bewilligte dem Angeklagten auch den ver- langten sofort zu zahlenden Thaler. Nachoein die Sachen des Klein in einer Wirthschaft untergebracht waren, begab der An- geklagte sich mit ihm auf den Weg zu dem Schlächtermeister, der einen Gesellen suchen sollte. Nach längerem Wandern be- zeichnele Echternack dem Klein einen Laden, an dessen In- yaber der Letztere sich wenden sollte. Er wolle so lange aus der Straße warten. Klein erfuhr von dem Meister, daß er garnicht daran gedacht habe, einen Gesellen zu suchen. Als klein wieder auf die Straße trat, war Echternack verschwunden. Trüber Ahnungen voll fragte der Provinzielle sich zurück nach der Neuen Grünstraße. Er sand auch die Kneipe wieder, wo sein Gepäck untergebracht war, mußte aber zu seinem Schrecken erfahren, daß Echternack ihm zuvorgekommen war und die Sachen bereits abgeholt hatte. Klein ist um seine Habseligkeiten gekommen. Der Betrüger wurde erst im Februar dieses Jahres ermittelt, als er einem Kollegen einen Anzug gestohlen hatte. Der Gerichtshof ahndete beide Strafthaten mit einer Gefängnißstrase von neun Mo- n a t e n. Ein kseineS Seitenstiick zu dem Prozeß gegen den Rechts- anmalt Moll, der am Freitag zu 3 Jahren Zuchthans ver- urlheilt wurde, spielte sich am Sonnabend vor dem Schwur- gcricht des hiesigen Landgerichts I ab. Vor demselben erschien der Rentier Gustav Härtung, Besitzer mehrerer Häuser, unter der Anklage des wissentlichen Meineides. Auch in diesem Falle handelte es sich um eine Art Bürgschaft, die der Angeklagte übernommen haben sollte, von ihm aber bestritten wurde. Der Angeklagte hatte in der Wienerstraße größere Bauten aufführen lassen und die Glaserarbeiten an die Bauglaserei von Passarge übergeben. Der letztere hatte im Verlause der Dinge auf Betreiben des Angeklagten einen Prozeß gegen einen Glasbläser an- gestrengt, die Klage aber schließlich zurückgenommen, da der Angeklagte ihm die Versicherung gegeben haben soll, daß er selbst die Kosten des Verfahrens im Betrage von ca. 90 M. übernehmen ivürde. Er hat dieses Versprechen aber nicht erfüllt und in dem darob entbrannten Prozeß eidlich bestitten, ein solches Versprechen gegeben zu haben. Die Vertheidiger Dr. Fr. Friedmann und Dr. Brock suchten den Geschworenen darzulegen, daß die Anklage aus sehr schwachen Füßen stehe, die Geschworenen bejahten aber die Schuldfrage betr. den wissentlichen Meineid, und der Gerichts- bos erkannte demgemäß aus zwei Jahre Z u ch t h a u s und b Jahre Ehrverlust. Gnesen. Vor dem hiesigen Schwurgericht wurde an den letzten beiden Sitzungstagen eine Anklage wegen Doppel- mordes, Raubes und vorsätzlicher Brand st iftung ver- handelt. Der geradezu grauenhafte Vorgang, welcher der An- klage zu Grunde lag, war folgender: In Linowiec-Abbau, zwischen Ossowiec und Suszewo, liegt ein dem 72 Jahre alte» Matjekiewicz gehöriges Grundstück, welches dieser mit seiner 08 Jahre alten Ehefrau bewohnte. In der Nacht zum>6. Sep� tember v. Js. brannte das abseits von der Verkehrs' straße gelegene Gehöft vollständig nieder und unter den Trümmern fand man die gräßlich verkohlten Leich- name des Ehepaares. Schon die nähere Besichtigung der Leichen ergab, daß hier kein Unglücksfall, sondern ein Mord vorlag, dessen Spuren die Thätcr dadurch zu verdecken gesucht hatten, daß sie nach vollbrachter That das GeHöst in Brand steckten. Diese Vermuthung wurde zur Gewißheit durch die vom Krei-physikus Dr. Landowicz-Kcmpen und Dr. Holz-Mozilno aus- zejührte Sektion. Nach derselben konnte es keinem Zweifel unterliegen, daß die beiden alten Leute vor dem Brande durch Hammerschlage aus die Schädel ermordet worden waren. Bei dem Ziegelmeister Michael Studzinski zu Ossowiec wohnt ein Vetter desselben Namens, Wladislaus Studzinski mit noch mehreren Maurern. In der Nacht der That hörte nun einer der letzteren, der Maurer Mis- kiewicz, daß Wladislaus in dem nebe» dem Schlafzimmer be- legenen Zimmer sich mit Michael Studzinski unterhielt und da- bei sagte:.Die Alten hoben wir beseitigt, wir haben ihnen 80 M. jnd die Bette» fortgenommen. Wir haben auch die alte Frau erschlagen müssen, da sie uns erkannt hattet Als die Frau des Michael sagte, sie wolle die That zur Anzeige bringen, wurde sie mit dem Tode bedroht. Aus Rath seines Seelsorgers zeigte der Maurer Miskiewicz, nachdem er einige Zeit mit sich selbst ge- kämpft hatte, seine Wahrnehmungen dem Gerichte an. Michael Studzinski und seine beiden Vettern Wladislaus und Veit Studzinski wurden verhastet und die eingeleitete Untersuchung bestäligte die belastenden Angaben vollständig. An den Kleidern des Veit und Stanislaus St. fand der Gerichtschemiker Dr. Jeserich-Berlin. welcher der Verhandlung beiwohnte. Blutspnren. In der Nähe des Thatorles fanden sich Fußspuren, die mU den Stiefeln des Veit und Wladislaus haarscharf übereinstimmten. Dazu kam, daß in der That 60 Mark geraubt und die Betten gestohlen worden waren und ein dem Wladislaus gehöriges Halstuch in der Nähe des That- ortes gefunden wurde. Ein bei Veit St. gefundener Hammer paßt genau in die Wunden der Ermordeten. Veit Studzinski ist inzwischen irrsinnig geworden. Es stand deshalb nur Wladislaus Studzinski wegen zweier Raubmorde und vorsätzlicher Brand- stistung, Michael St. wegen Begünstigung vor den Geschworenen. Wladislaus wurde wegen jedes Raiibmordes zum Tode und wegen der Brandstiftung zu zehn Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte, Michael zu 1 Jahr Ge- fängniß verurtheilt. Soziale ttelieesttizk. Aus Dresden liegen Angaben über die A r b e i t s l o s i g- keit im Steinmetz-Ge werbe auf Grund einer für die Zeit vom 1. Oktober 1891 bis 30. September 1892 seitens der gewerkschaftlichen Organisation aufgenommenen Statistik vor. Das „Sozialpolitische Zentralblatt" berichtet darüber: Von den 337 Mann, welche die Fragebogen bein'itzten, waren 213 Mann insgesammt 11414 Tage arbeitslos, durchschnittlich auf den Mann S2�z Tage(1889 waren es 24t/3, 1890 20V5 und 1891 bll/z Tage). 132 Arbeitslose waren verheirathet, diese waren 8394 Tage arbeitslos, im Durchschnitte jeder 48l/z Tage. Ledig waren 36 Arbeitslose mit zusammen 5020 arbeitslosen Tagen oder pro Mann 58l/s Tagen. Im Sommerhalbjahr hatten von den Verheiratheten 52 Mann zusammen 769 arbeitslose Tage oder pro Mann 15 Tage. Im Winterhalbjahr hatten 124 Mann 5625 arbeitslose Tage, durchschnittlich 45'/» Tage pro Mann. Von den Ledigen hatten im Sommerhalbjahr 27 Mann 431 arbeitslose Tage, pro Mann 19�/» Tag«. Im Winterhalbjahr hatten 80 Mann insgesammt 4539 arbeitslose Tage, durchschnittlich pro Mann hatten arbeitslose Tage nicht verzeichnet. Als Wanderunterstütznug wurde vom 1. Oktober 1391 bis 30. September 1892 an 149 Mann die Summe von 344 M. gezahlt. Zur Lohnbewegung der Heizer und Trimmer Ham- burgs meldet das„Hamburger Echo", daß das Streikkomitee in der Versammlung am 14. April den Vorschlag machte, man solle den Streik aufgeben und zu einer passenden Zeit wieder aufnehmen. Die überwiegende Mehrheit der Versammlung lehnte dies ab. Die in der Versammlung anwesenden englischen Feuerleute gaben durch den Vorsitzenden die Erklärung ab, nicht für 10 Lstrl. mustern zu wollen. Ihnen soll« man nicht vorhalten, daß sie als «blacklsgs" gemustert hätten. Die Streikkomwisston wurde von der Versammlung beauftragt, eine Unterhandlung mit den Rheder» anzubahnen. Es ist bereits ein diesbezügliches Schreiben an den Vorsitzenden des Rhedervereins, Herrn Laeisz, abgesandt worden. Der Streik in der Neupester Baumwollspinnerei dauert fort. Die Zahl der Ausständigen beträgt 300. AuS London wird unterm 16. April berichtet: Eine zahl- reich besuchte Versammlung von Dockarbeitern, die den Syndikaten angehören, nahm heute Vormittag den Antrag an, die Erwägung des Antrages wegen eines allgemeinen A u s st a n d e s zu vertagen, bis eine zum 17. April ein- berufene Versammlung sich über diese Frage ausgesprochen haben werde. Vevsmmnlnuizetr. Zwei öffentliche Maurerversammlungen wurden am Sonntag gleichzeitig im Norden und im Süden Berlins ab- gehalten. Zweck derselben war die Ergänzungswahl der Ver- trauenslente, sowie Stellungnahme zu den Lohndrückereien auf den Bauien. Die Vertrauensmänncr-Wahl hatte folgendes Re- sultat: für den Süden wurde gewählt August Berend, Karlsgartenstraße 17, Hof 2 Tr., Rixdorf; für den Südwesten Albert Käppel, Arndtstr. 2l; für das Zentrum Aug. Engnolh, Oder- bergerstr. 15; für den Norden(Wedding) Karl Nölte, Adolf- straße 4. Bezüglich der vorgekommenen Lohndrückereien war die Versammlung sich darin einig, daß nur ein festes Zusammen- halten der Kollegen die Ausbentungsgelüste der Unternehmer im Zaume halten könne. Es erging daher an die Versammelten der Aufruf, eifrig für den Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins zu agitiren. Des weiteren wurde die Ver- breitung eines entsprechenden Flugblattes beschlossen; ferner soll aus jedem Bau ein Kollege ernannt werden, welcher über folgende Fragen Bericht zu erstatten hat: 1. Name und Wohnung des Arbeitgebers und Poliers. 2. Zahl der beschäftigten Gesellen und Lehrlinge. 3. Was für Lohn wird gezahlt? 4. Wie ist die Behandlung seitens des Arbeitgebers und Poliers? Diese Be- richte haben die Vertrauensmänner zusammenzustellen und in dem vorgedachten Flugblatte die größten Lohndrücker bekannt zu geben. In der Mitgliederversammlung des Verbandes der in der K ü r s ch n e r b r a n ch e beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen, welche am 11. April stattfand, hielt Vülkel ein Referat über die Bedeutung der Gewerkschaftsorganisation. An der lebhasten Diskussion betheiligten sich mehrere Redner im Sinne des Referenten. Der hierauf von Hübner verlesene Kassen- bericht über das verflossene Quartal schloß mit einem Plus von 14 Mark ab. Eine längere Debatte rief die Frage hervor, was mit den 180 M. zu machen sei, welche den von der Cholera heim- gesuchten Hamburger Kollegen zugesandt, von diesen aber mit der Begründung zurückgesandt sind, daß niemand mehr zu unter- stützen sei. Es wurde beschlossen, diese Summe so lange zu ver- wahren, bis sie von der Lohiikommission gebraucht wird. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß das Stiftungsfest am 19. Juni in der Brauerei Friedrichshain gefeiert werden soll. Die Freie Vereinigung der in der Bsnmen- und Putzfcderbranche beschäfttgten Arbeiter und Arbeiterinnen hatte am 10. April eine Versammlung. Die verlesenen Kassenberichte ergaben, daß die Vereinskasse einen Bestand von 98 Pf. und die Unterstützungskafse einen Bestand von 124 M. 50 Pf. aufweist. Beiden Kassirerinnen wurde Techarge ertheilt. Entgegen einem eingereichten Antrag wurde beschlossen, die für den Unter- slützuiigsfonds eingegangenen Gelder auch nur zu Unterstützuiigs- zwecken zu verwenden. Ferner wurde sür die nächste Zeit ein Sonutagsausflug projcktirt. Die SountagSversammlungen stille» in diesem Sommer aus, dafür sollen an Wochentagen öfter Ver- sammlungen abgehalten werden. Der Dirigentenverband deS Arbeiter-TängerbiuidcS von Berlin und Umgegend hielt am ll. April seine übliche Monatsversammlung ab. In derselben sprach Herr Dr. C h r i st e l l e r über das Thema„Der Kehlkopf als Sing- apparat." An den Bortrag wurde die Mahnuilg und Erivartung geknüpft, daß die Bestrebungen des Tirigenlenverbandes in der Arbeiter-Sängerwell immer mehr Anklang finden mögen. verband der in K»l,l>»arbett»»s«-Fabriken ,»>» auf Nalipläbrn befchäsiigte» Arbeiter und Arbeiterinn-,> Neutschlanb». OrtsverivaNiii g Berlin ü, Norden. Heule, Dienüag, Nvends Uhr: MituUeder-Persammiung Bergsirasje 12. Tagesordnung: Bericht der gssammten OrlSvenoaNung und Neuwahl derselben. Mitgliedsbuch legttimirt. Aentraiverein der Bildhauer zieutfchland».«auveretn Berlin. Heute Abend s?; Uhr, Annenstraße iv: Versammlung. Tagesordnung: Vortrag. Stehe hemige Annonce. peuttcher p-»»frIder-S»nd, Berlin. Heute Abend» Uhr tm Restaurant Rölltg, Neue Friedrich, lr. 4t, Miiglteder- und VerwaltungS Bersammlung. Arb-iter-Kildungaschul». Dienstag Adei.d eis— X,� Uhr: S ll d s ch ul«, Sagelsbergerstr. 43; Ummichl in Deutsch(mittlere« und unteres)-Südost- ch u l e, Reichenbergerstr. m: Unterricht in Deutsch(mtltlere» und untere»): O st- S ch u l e, Marlusstr. ei: Unterricht in Deultch(intttleret und nnteres): No rd- Schule, Mllilerstr. 1790: Geschichte(neue), KausinänntscheS Rechne», Wechselrecht und Korrespondenz. In allen Fachern rönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch j-hl im Laufe des Semesters, eintreten. Arbcitrr-Silduugsschutr. Dienstag Abend von Uhr Nordschule, Mülle, straße l79a: Unlerrichl in lauf»,. Rechne». Wechselrecht. Korrespondenz und Besch ich:-(alte). Lil-Schule, Markusstrabe 31: Deutsch(nut.) Süd- Schule, Mariendorferstraße 5(bei Grube): Deutsch(unt.). Südost-Schule, Reichenbergerstraße m: GeseheSlunde. Deutsch(unt.). Mit dem heuitge» Tage beginnt das neue Semester und werden m allen Unterrichtsfächern Schüler und Schlllertnnen angenommen. Speziell werden die Gewerbe- g erich is- B eist he r auf den heute in Gesetzeskunde beginnenden Unterricht ausmertsom gemacht...... re-»»d piokutirbtlib». ZlUultag.„Empor", Abends Uhr, Behrend, Blumenihalstr. ö. Arbeitet-Sängerbund Berlin« und Umgegend. Alle Aenderungen im Vereinslalendcr sind zu rt chten an Friedr. Kortum, Manteufselstr. 70. pienNug. Abd«. 9 Uhr, Uebungsstunde. AusnahmeneuerMtiglieder.— Freundschaft 1, bei cswald Berlt, er, Brunnenstraße m.— O I n in p i a, Alte Ialovstr.»» det Richter— Schtldhorn, Usedomstr. 8g bei Miele.— A l l e g r 0, Wrangelstr. 141, bei Schmidt.— Alpenglocte, Grüner Weg i», bei Sacger.— Bruderherz, wlanleusselsir. 9 bei Nowack.- Jhn'scher Humor, Strauß- bergerstraße» bei BtrI.— Unverzagt 2, Moabit,«roueii-Braueret.— Hossnung 2, Deutsch- Wilmersdorf, Brandenburgstraße bei Sräh.— Waldlupelle, Retchenbergernr. 19 bei Roscher.— Arbetter-Mat» V u» d, Noirawes, Wallüraße bei Gärtner.— Sänger kette, Gräfestr.»4 det Plötz.— K r e u z b e r q, Ltchierfelderstraße Nr. 7—8 bei Winter.—Alte Linde, Reichenbergerstraße 89 be! Fürstenau.— Vorwärts4, Rathenow, Nestaurant Zur Erholung bei W. Frieselle.— Elnigkett 2, Landsberger- st.aßc 31 bei Muse hold.— Sorgenlos, Kösltnerstr 17 bei Weudl.— Gesangverein der Böttcher Steineiche, Jüdensir. 58 bei Trieschmann.— Vorwärt« 8, Marwitz, bei Wtthelm Nolle.— Htlarta, Blumen- straße 48 bei Wenk. Sänger-Ehor der Töpfer, Neue Friedrtchär. 44, bei Röllig.- Wieder hall, Gisenvahnsir. 20 bei Siegmund.— I 0 h a n n i, Ostbahnhof 7 bei Schul,.— Borwärts 8. Fciedrichsselde. Wilhelmstr. 10 bei Momber.— Gesangverein Rothe Nelke 2, bei Rabe, Ruppinec- und Schöuholzerstraßen- Elle.— Schneeglöckchen t, Rixdorf, Berliner- straße 188 bei Kummer.— Gesangverein Eintracht, Niedcr-Schönwetbe, Restaurant Hinz.— Btohr'scheS Doppelquartett, Frtedrtchsdergerstr. 19. — Gesangverein Frohsinn in Stralau bei«aster.— Deutsche Liedertafel, Glüner Weg 29 bei Säger.— Sängergruß, FrtedrtchShage», Blaut's Restaurant.— Vorwärts 7, Rummels- Gercchltz kett Westen, Slennnetzstraß- 38a bei Bredlow.— Arbeiter- Männergesangverein„S ä» g e r k r e t s" Wetßensee, Köntgs-Lhaussee 48. bei Brenne«.— Gelang- und Thealerverein„ Sl c u c l c"(gemtsch. Thor). Stalitzerstr. 54, bei A. Henle.— Arbetter-Gesangverein Freiheit 9, Adlers- bos, Restaurant Kuhle.— FretesLiedi, Frtedrtchsberx, F iedrich-Karl- straße II bei Hei' ecke.— W a ch t a u f Worther- und Rylestraßen- Ecke bei Schmidt.— G l ü h l t ch t(gem. Thor) Peeledergerstr. 28.— F r« t h e l t 2 Bernau, im Schutze,. Haus.— Freie Glocken, Martanneuitraße 31—82 det Doberstein. Klittd der geselligen Arbeitervereine Kerlin» und Umgegend. Alle Zuschnften, den Bund betrcssend. sind zu richten an P. Henkel, Beramannstraße 21, Hof 8 Tr. pienitag. Skaltlub Streu,-Solo bei Stecher. Andreasstr. ls. Abends 8— 10 Uhr.- Thealerverein Blume»lese bei Sommer, Siallschreiberstr. 88.— Geselliger Verein Hossnung bel Nemitz. Lebuserftr. 6. alleu Tage.— Tambourveretn Wirbel, bei Müller, «artenstr.«2.- Geselliger Verein Mehr Licht bei Goltz. Gr. Frankfurter- straße>88.- Louisenstädttscher Verein Fr° h s i»» bei Mohring. Admiral- straße tsc.— Tambourverein DeutscheEiche beiNieberschuh, Furbringer- str.?.— Tambour- Verein Borussia bei Scholz, Weidenweg, Ecke Mag- linerstraße.— AergnüzungSverein Klimbim bei Bredlow, Bülowstr.«5.— Verqnügungsver-in Amor II bei Bergemanu, Prinzen-Allee 10.— Mustloerein Hoffnung, bei Dreßler, Eisenbahnstr. 6.— BergnügungS- veretn A l p e n v e i l ch e n im GefellschasiSbaus Ostend, Rüdersdorferstr. 45. — Schützenverein F re t l ug e l bei Henke, Slalttzerstr. 84. Gesang-, Turn- und gesellige Nereine. Nienftag, Gesangoerein Anakr eon, Abends s-ll Uhr, bei Kebner, Annenstraße la.— Musttverein Nord 8X— n Uhr, Wriezenerslr.«, bei Sendte. Turnverein Gesundbrunnen. Diel. Männor-Abthetlung turnt von sX-ioj Uhr in der Turnhalle des Lesstna-Gymnastums, Pantftraße 0— ,0.— Berliner Turngenossenschaft. Die 9. Männerabthetlung turnt jeden Dienstag uftv Freitag in der Gemeinbeschule, Blumenftr. 88 a. Theater-Beretn Othello 2 Abends 9 Uhr, bei Tägers, Gartenstr. 18—14. - Prtval-Theater-Gesellschast Berliner Humor, Abends 9 Uhr, Köpnicker- straße 188 bei Buch«.— Prtvaltheakerverein Crescendo. Abends, bei Nicolay, Elisabethltrchstr. 14.- Thealerverein Bultanta bei Täger, Sarlenflraße ,8— 14.— Thealerverein Bultanta 2 Abends Uhr Acker- straße 144 VorstädtischeS Kastno. BergnllgungSveretn A m t c t t t a, 8� Uhr, bei Echönnagel, Barnimftr. 47. — VeranügungSveretn Reichslrone, Abends 9 Uhr, in Reiche«'? Fest- sälen, Müllerstr. 7.— Geselliger Verein Brüderschaf», im Restanrani Deulschcr Reichsadler, Beusselstr. 9.— Vergnügungsoerein Saturn alia, heute Abend 9 Uhr, Raupachstr. 8.— Bergnügungsveretn Ftdelto. Alle Abends 9 Uhr, Große Frantfurterftr. 188 bei Gold«.— Touristentlub „Wanderlust", Abends 9 Uhr, Franseckislr. und Schönhauser- Allee-Scke.— Geselliger Arbeiterverein Hoffnung. Veretnslokal(Süddeutscher Braueret- Ausschank) Reichenbergerstr. 21. Jeden Dienstag, alle>4 Taae, Abend« 8 Uhr. Geselliger Verein Regina Sitzung mit Damen Orantenstr. lbs bei Schon- walder.—, Vergnügungsoerein L u n a. Jeden Dienstag Sitzung bei Haberecht, Große Fraulsurterstr. 8», Ftdelitas. Musil-Dilettaiilenverein„Preziosa", jeden Dtenstag, Abends sjj Uhr, Uebungsstunde in Scheffler's Restaurant, Reintckendorferstr. 25. Ausnahme.— gilherllub„Frethettstlänge" jeden Dienstag Abend bei«. Franle, Aposteilirche 7 b. Zitherverein„Einigkeit". Jeden Dtenstag Abends jjo Uhr bei Sauer- mann, Adalbertstr. 8: Uebungsstunde. Orientalischer Rauchllud Spar- und Kiedttveretn, Abends 8 Uhr, Reichenbergerstraße 24, bei Schröder.— Rauchklub Dämm erwolke, Böckhstr. 51.— Rauchllub Bruderbund. Abends 9 Uhr, Lausttzerstr. 50, bei Grande.— Rauchllub Z e t t g e i st, Abend« 9 Uhr bei Kaspar, Restaurant zum Zeitgeist, Bernauerstr. 72.— Rauchllub Unverzagt bei Müller, Fruchtstraße Nr. 1—2.— Rauchllub Portortco, Abends 9 Uhr, bei Skohn, Wrangelstraße Rr. 188.— Rauchtlub Temüthrichtett 2, Abends 9 Nhr bei Achsel, Köpenickerstraße l8l.— Rauchtlub Blaue Luft, Abends 9 Uhr bei Bredlow, Bülowstr. 05.— Rauchtlub Abguß, 8)j Nhr, bei Schulze, Weberstr. lo.— Altdeutscher Rauchtlub. Jeden Dienstag bei Wullle, Graudeuzerftr. 2.— Rauchtlub Abguß 1. Abends 8jj Uhr bei Nawrod Markusftr. 28. Tamdouroeretn Rothe Nelke, Dtenstag und Frettag, AbendS» Uhr, bei Thiele, Brandenburastr. 58.— Tambourveretn Viktoria, Uebungsstunde Tienüag und Freitag, Aufnahme nur geübter Mitglieder. Slümke's Nestau- ranr. Ackerstr. 128.- Kegelklub Fidelis l, Klubhaus Süb-Ost, Falckenstetn- Jeden Dienstag vor dem l- und IB. jeden straße 41, jeden Dtenstag sx Uhr. Schützeuveretn„Fretkugel". Monais. Admiralstraße bei Lalow. Arbeiter- Kildungoschul«. Mittwoch, Abends«!(— l0?j tlhr: Nord- Schule, Müllerstr. I79a: Nntetvicht in Deutsch(unt.). Ost-Schule, Marlusftr. 81: Unterricht in Logik. Süd-Schule, Marieudorferstr. 5: Unterricht in Geschichte(mitll.). S ü d 0 st- S ch u le, Reichenbergerstr. 138: Unterricht tn Rechnen, Deutsch(obere«). In allen Unterrichlsfächern, werden noch Schüler und Schülerinnen angenommen. Speziell werden die Gewerbe- gerichtsbetsttzer auf de» UnterAcht tn der Gesetzeslmide aufmerlsam gemacht. jrsr-»t»d Ztioliutirstlub». Mittwoch. Vereinte Kraft, Abend BJ4 Uhr. bei Klein, Schönietnstraße 8.— Johann Jacobq, bei Fritz Lietzke, Schwedrernr. 88.— Heine, jeden Mittwoch vor dem i. und 15 jed. Monats, Ab. 8J( Uhr, im Reslaur. Grub», Mariendorserstr. to.-Gesund- brunnen, Abends 8!j Uhr, bei Haferland, Bellermannilr. 87.— Gleich- heit, Abends 8� Uhr bei Siramm, Ritteriiraße 128.— Heine, Rtxdors Abends 8); Uhr, bei Schmidt, früher Albrecht, Knesebeckstr.«2.— O t t 0 Reimer jeden Mittwoch bei A. Brosch, WilhelmShaoneritraße 23.— Lese- und Dtskulirklub„Zentrum", Abends 8 Uhr, bei Sommer,«rünstr.«i, Vortrag und Diskussion. Arbc>trr-Käno«rb»»d Krrli»» nnd Zlinggegend. Alle Aenderungen tm Nereniskaleiider stnd zu richten an Friedrich Kortum, Manteufselstr. 70. A»t>«iter-Kii»grr Knnd Berlins und Umgegend. Mittiooch, Uebungs- stunde Abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern.— LtedeSfrethett 1, Andreasstr. 26, bei Schumacher.— F r e v a,(Gem. Thor), Alte Schönhauser- straße 22—28, Bötzow'S Braueret.— Hilartta«, Hochstraße 82a, bei Wille.— DeutscheEiche, B lunienfir. 48, bei Wenk.— Echot Pankow, Schnlzestr. 27.— Gesa» gv. der Steinmetzen, Johanntsstr. 2v, bei Müller. — Lyra t, Raupachstr. 8, bei Stachel.— Euphonia, bei Elhau«, Brücken- straße 2.— Hand in Hundt, Reichenbergerstraße 18 bei Pätzoldl.— Schneeglöckchen 2, PolSdam. Brandenburger K'ommuntlatton 18, bei Glaser.— llnverbrossen, Abends s)j Uhr, bei Sachs, Ltndowerstr. 25. — Flöter'scher Gesangverein, Koppensiraße 48c, bei Lorenz.— Rütlt, Friedenau tm Kurhaus.— V 0 r w ä r t s 6, FrtedrichShagen, Rundthetl. bei Lerche.— Lorbeerkranz, Lichlenbergerstr. 21 bei Heise.— Südost. I. Köpnickersir. I9l, Restaurant.— Hossnung 1, Feiedrlchsberg, Friedrich Karlstraß« 84, bei Schulze.— Rothe Nelke, Schönederg, Solz- straße 48, bei Siet,eler.— Gesaugveretn der Kupferschmiede, Wein- straße u bei Feind.— Vergiß in ein nicht, Schulstraße 2», tm Wedding- Kastno.—„Concordia". Diessenbachstcaße 58 bei Soltz.—„Deutscher Männersang", Beisorter straße Nr. 15, bei chnetder.— Gesangverein Lotosblume, Alle Jakobstr. 98—97, bei Fiat- lowSty.— Gesangverein Frethettsklänge, Alte Jakobstraße»s. — Männer-Gesangverein Ltberlee l, Euorystraße 24, bei Ttelsch, — Unverzagt Langestr. 85 bei Tempel.— Gelangverein Lorbeerkranz 2. Orantenstraße ,90 bei Katsch.— Gesangverein Ltedeslust in Fürstenwalde bei Haupt, Müncheberger Eyaussce.— S ä n g e r ch 0 r der Maler, Stall- schretderstraße 29 zum eichene» Stab.— F reihe tts-Gruß, Schönhauser Allee 48 bel Busse.— Gesangverein„Hoffnung 2", Brandenburg a. H. bei Wetdner.— G e sa» g- B e r e tn„Tita Uta", Euorystraße 48 bei Setdler.— Gesangverein Sangesblüthen Blumenftr. 88 bei Henke.— Gesangverein Moabit, Wilhelmshaoenerslr. 28 det Stuba.— Männer- Gesangverein L t e b e r l u st. Fichtestr. 29 bei R. Kröschi.— Gesangverein „Sie> ch h e i l", Pappel- Allee 8—4 bei A. Meinhardl.— Sesangoeretn Lyra 8, Britz, Bergstr. 85 in Rixdorf.— Gesangverein Frethettsklänge 2 EberSwalderslraße 5.— Seeg er'scher Gesangverein, Krautstr. 8 bei Rudolf. - Arbeiterg.sangveret» von Britz in Britz, Rosenseelerrasse.— Gesang- verein Sängersreiheit, Naunynstr. 4ii bei Fritz Fröhlich.— Einig- kett 8, Groß-Llchlerfelde, bei Gries. Ziterarisches. Sozialpolitisches Zentralblatt.(Herausgegeben von Dr. Heinrich Braun, Verlag von Carl Heyinann, Berlin>V., Mauerstr. 44, Preis 2 M. 50 Pf. vierteljahrlich.) Die soeben erschienene Nummer 2g hat folgenden Inhalt: Sozialpolitische Maßregeln gegen die verbrecherische und verwahrloste Jugend. Bon Dr. Ernst Rosenseld.— Der Stand der Vermögenssteuer in Preußen. Von Privaldozent Dr. I. Jastrow.— Wirkungen des Mkoholmonopols in der Schweiz. Von Rechtsanwalt E. Ramsperger.— Handiverkerkammern in Deutschland.— Zur Handhabung des Arbeitsbuches.— Amtliche Arbeits-Nachweis« stellen in Schlesien.— Oeffentliche Ardeits-Nachweisämter in Ohio.— Arbeitslosenstatistlk.— Abnahme des Fleischkonsums in Nürnberg.— Frauenarbeit im jranzösischen Handels- und Ber- kehrsgewerbe.— Zur Lage der Minenarbeiter in Großbritannien. — Zum Streik der Dockarbeiter in Hnll.— Schutz der Ar- beiterinnen in der Schweiz.— Zur Reform des Arbeiterschntzes im belgischen Bergbau.— Unfallhäufigkeit an verschieoenei» Wochentagen.— Arbeiteroerstcherung uno Armenpflege in Berlin. — Versammlung der deutschen Landesgruppe der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung.— Der deutsche Historikertag und der Geschichtsunterricht.— Zur sozialpolitischen Betrachtung des Kartenspiels.— Abdruck sämmtlicher Artikel ist Zeitungen und Zeitschristen gestaltet, jedoch nur mit Angabe der Quelle. Ein Idol. Soziales Drama in 5 Akten von Rich. v. Hartwig, Berlin. Verlag der Schriststeller-Genoslenschaft. Allen die Erde. Kritik zur sozialen Bewegung von W. E. Backhaus, Leipzig. Verlag von Wilh. Friedrich. Preis 3 M. VertttisAzkest lieber die Misihaudlung eines Soldaten schreibt die „Wittenberger Zeitung": Der Arbeiter Adolf Specht und der Ärauer Mehle beobachteten am Mittwoch Vormittag vom Kahl- schiffe der Zinner'schen Brauerei folgenden Vorgang. Auf dem Hose der Friedricianumkaserne mußten ra. 12 bis 15 Mann der 4. Kompagnie unter Kommando eines Sekondelieuteuants : i exerzieren. Der Musketier Wölner mußte die Zufriedenheit feines Vorgesetzten nicht errungen haben, denn plötzlich wurde er von demselben ins Gesicht geschlagen, so daß ihm der Helm vom Kopfe fiel und Wölner mehrmals hin- und hertaumelte und dann zur Erde stürzte. Die Arbeiter haben am Abend den Vorfall dem Oberst des Regiments mitgetheilt. Ilm acht Pfennig erhielt vom Schöffengericht ein Ktjähriger Mann ans Breisach ein Jahr Gesang n iß. Er hatte auS dein Kleiderkasten eines Mitmsassen des Spitals in Breisach diese Geldsumme entwendet, nachdem er den Schrank vermittelst eines Werkzeuges erbrochen hatte. Ucbcr einen Nanbmordversuch an einer Prostituirten wird aus Leipzig gemeldet: In einem öffentlichen Hause, Ulrichsgasse 4. hat in der Sonntagsnacht ein junger Mann, der Weinküfer Peters Sieber aus Zornheim, Kreis Mainz, die Prostitnirte Anna Cäcilie Lina I., genannt D., aus Heichelheim, bei Weimar, mit einem Bötlcherhammer zu erschlagen versucht. Das blutüberströmte Madchen vermochte noch zu fliehen. Der Mörder feuerte ihr vier Schüsse nach, von denen einer fie in den Rücken traf. Der Mörder feuerte darauf zwei Schüsse gegen sich selbst ab, die ihm den Kinnbacken zerschmetterten. Beide Personen wurden nach dem Kranken- Hause transportirt. Das Motiv zur That war unzweifelhaft Raubmord. SittlichkeitSvcrbrechen. In Nürnberg wurde, wie die „Franks. Ztg." meldet, in geheimer Ctraskammer-Sitzung, zu der auch— entgegen der sonstigen Gepflogenheit in Bayern— Preßvertreter nicht zugelassen wurden. über ein schweres Sitt- lichkeitsverbrechen, das an die einstigen Enthüllungen der „Poll Mall Gazette" erinnert, verhandelt. Da« Opfer war ein zwölfjähriges Mädchen. Die Kostmntter, die Arbeiterin Margaretha Gebhard, sowie die Näherin Margaretha Bierlein wurden wegen Kuppelei, erstere zu 1 Jahr Gesängniß, letztere zu g'/e Jahren Zuchthaus verurtheilt. Der Dienstmann Georg Grün- donner erhielt 2 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Einem der Betheiligten, einem reichen Wüstling, ist es gelungen, sich durch Flucht der Strafe zu entziehen. Der Marktfleckeu Wertach im Allgäu ist von einer Feuersbrunst heimgesucht worden. Ilt) Anwesen und die Kirche find zerstört; von 1300 Einwohnern find 700 obdachlos. Der Regierungspräsident v. Kopp ist nach Wertach abgereist. Der„Kladderadatsch" wurde in den Greizer Gafi wirthschaften durch die Gendarmerie konfiszirt. Die beschlag nahmte Nummer soll zwei den Fürsten von Reuß ä. L. be- leidigende Stellen entHallen. Tie ungarische Gemeinde Gerje» in Komitat Tolnau an der Donau ist durch eine Ueberschwemmung schrecklich verwüstet morden. Ein Theil der Einwohner hat alles verloren und zum Wauderstab greifen müssen; der zurückgebliebene wohnt in R- inen. Der Geistliche des Ortes, Geza Szeky, und der Orlsnotar Barga Mihaly bitten nun die im Auslande lebenden Ungarn und Ungarinnen um Unterstützungsbeiträge. Der durch das Wasser verursachte Schaden beläuft sich, wie die Herren uns mittheilen, auf etwa eine Viertelmillion Gulden.— Es wäre Sache des ungarischen Staates, den Einwohnern der ver- wüsteten Ortschast zu helfen. Eiu Theil Louisianas ist von einem C y c l o n heimgesucht worden. In Thibedering wurden u. a. die Schule und die Kirche zerstört, süns Personen sind getödlet, 17 schwer ver« wandet. Der Staatsstreich in Serbien hat, wie die Frankfurter „Kleine Presse" mittheilt, folgendes Zwiegespräch an der Frank- furler Börse verscbuldet: A.:„Wissen Sie schon von der neuesten Depesche aus Madrid?"— B.:„Nein."— A.:„Der König von Spanien hat seine Amine verhaften lassen und sich für entwöhnt erklärt." Sächsische Gemüthlichkcit. Die sächsische Regierung hat den seil acht Jahren in Krippen ansässigen und dort hoch- geachteten praktischen Arzt vr. med. Salus, der österreichischer Staatsangehöriger ist, ausgewiesen. Die Gründe für diese Maßregel blieben bisher unbekannt. In Sloci« bei Kuschlin brannten acht große Besitzungen mit sämmtlichen Nebengebäuden nieder. Das Feuer entstand dadurch, daß Kinder einem Hunde einen Feuerbraud an den Schwanz banden und den Hund dann lausen ließen. Der Schaden ist sehr bedeutend. Die meisten der Abgebrannten haben nur das nackte Leben gerettet. Durch ei« Erdbeben wurde« am Montag in der Stadt Zante die meisten der noch erhalten gebliebenen Häuser zer- stört. Etwa 20 Menschen sollen dabei geiödtet und sehr zahl- reiche Personen verwundet worden sein. Vezreslhen: /, Uhr, von der Lllneburger- slraße 30 nach der Altonaerstr. 29 sind 1600 M. verloren gegangen. 1 Note a 1000 M, 6 Noten ä 100 M. Gegen Belohuung von 300 M, abzugeben bei G. gaase, Bote, Lüneburgerstr. 30, III. Mtv.LM.xPlWSenv.lM. aUrsschmrrzloo.auf'Theilzahlung. OIm Jacobson,'££"45?' Mein grosser Saal ist noch einige Sonnabende im Mai zu ver- geben. ß. Krösche's Gesellsehaftsliaus, Licht-str. Äi»._ Größtes Lager Berlins «Andreavttr.Ä 1. Hv Roh-Tabak A. Goldschmidt, S806L'ä am bieflgen Platze wie bekannt grossie Auswahl! Garantie für sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel bestndl. Rohlabake sind am Lager. A. Goldschmidt, lOramentergerstrJJ 27. Mrkgrasenßr. 27. Daiuenmänlel und Jaquelts 2,S0. 3, 4 M. 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Gäste willkommen. 267/7 Der Vorstand. Empfehle mein Geschäft in friscnen Blumen und Kränzen. 3328 L Robert Meyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häufigen Jrrthum zu ver- meide», bitte ich»leine Freunoe und Genossen, genau aus meine Adresse zu achten._ * Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt. Linieustr. 149. 8-10, 3-7, Sonnt. 8-10. Arbtitsinlirtt. Junge Frau w. bei Genossen den Hau?halt zu führen ges. Gehalt solid. Näheres Liegnitzerstr. 16, Hos geradezu 4 Tr. r. bei P 3 l s ch. 33Slb Schneider auf Tag Holzmarklstraße Nr. 44a. vorn 2 Tr. Timm. s3338b Schneider für H. Platz, Brüder- straße 81. 2 Tr. S323b Verlangt geübte Schleifer aus Massenartikel für elektrische Anlagen 3336b 3. Bergemann A Co., Fennstr. 21. Plätterinnen aus Stehkragen, Um- lcgkcagen verlangt bei höchstem Lohn, auch Wochenlohn 3259b' A. R. Frey er, Georgenkirchstr. 24. Plätterinnen auf Herrenkragen, Manschetten, Ser- viteura u. 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