Nr. ISS. nbonnementS'Rcdlnounacn: ?(6onnemcntä■ ProiZ pränumerando: Üiicrteljnhrl. 330 M!., mona». 1,10 Ml, ü'öchentlich W Pfg, srci ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonnlags- nmnmer mit illusirierrcr Sonntags» Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Pojl- 3ibonnemcnt: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeituiiaS. Prineiifle. Unter kreuzdand für Deutschland und Oesterreich. Ungaril 2 Marl, für dos übrige Ausland 0 Mark pro Monat. Postabomiements nehmen an: Belgien, Tänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schiocdcn und die Schweiz. 36. Jahrg. CiWKint tsgiiöl juScr montags. 4} Vevlinev VolKsblatt. Die Infertions« Gebühr beträgt für die fechSgespallene Kalonel» zcile oder deren Rauiu b0 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche BereinZ- lind Versaminlungs-Anzeigen Lll Pfg, „Meine ZZnreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftclleN'Anz eigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen iür zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer Müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeduwn ist bis 7 Uhr abends gcossnet, Telegramm» Adresse: „SozialdemoKrat Rtrllo". Zoitralorgan der rozialdcmokrati febe« Partei Deutfchlands. Redahtfon: SM. 68, Lindcnstrasse 69« Fernsprechcr: Amt IV, Nr. 1983. Die Leistung der KumpfhoroniniiOD. Die Rumpfkommission hat ihre segensreiche Tätigkeit im Dienste des teuren Vaterlandes beendet und im Galopptempo die verschiedenartigsten Steuervorschläge akzeptiert, um noch zu Pfingsten der Regierung einen schönen Stcuerstrauß über- reichen zu können— zur gefälligen Auswahl für ihren Be- darf. Die Zwischenzeit bis zum Wiederzusanuuentritt des Reichstages benutzt jetzt die klerikal-konservativ-polnische dloalition in der ihr zur Verfügung stehenden Presse ihr lediglich aus der Sorge um die„nationalen Interessen" ge- borenes Werk zu preisen und sich selbst allerlei schöne Zensuren für ihre große Arbeitsleistung, ihre tiefe Einsicht in die Erwerbsverhältnisse und vor allem für ihren großen Opfer- mut auszustellen, der in edler Selbstverleugnung nicht davor zurückschreckte, der Regierung sogar noch mehr Steuern zu bewilligen, als diese selbst in ihrer Bescheidenheit verlangte— allerdings nicht aus den eigenen Tuschen, sondern aus den Taschen anderer. Tatsächlich hat es diese Koalition eigenartiger Patrioten trefflich verstanden, ihre große Fiiianzrcform so einzurichten, daß, falls ihre Steuer- antrüge Gesetz würden, die klerikalen, konservativen und polnischen Agrarier nebst der hohen katholischen und pro- testantischcn Geistlichkeit von den bewilligten 5 2 4 M i l l i- 0>1 e 11 Vi a r k neuer Steuern noch nicht 4 Vi i l l i 0 n c n aus ihren Geldbeuteln zu b c- zahlen hätten. Als Steuern, die sie träfen, kommen im wesentlichen nur der Unisatzstempel auf Jminobilien, ein geringer Anteil an der Neichs-Wertzuwachssteuer, die Zoll- erhöhung auf feine Importzigarren sowie die Schaumwein-, Zahnwasser- und Parsiimsteuer in Betracht. Alle anderen vorgcschlagciicn Steuern trägt fast ausschließlich das mobile, das heißt, das nicht iin Grund und Boden angelegte Kapital, vor allem aber die schwer nni ihren Lebensunterhalt iämpfende sogenannte untere Volksschicht. Dabei kommt ober noch in Betracht, daß die Großagrarier den Betrag, den sie nach den eigenen opfcrmutigen Vorschlägen künftig mehr zahlen würden, größtenteils durch die Vorteile, die ihnen die neue Spiritusstcucr und die Mühlenumjatzsteucr bieten, zurückerhalten. Stelleu wir die von der Nuinpfkominission bewilligten Steuern nach ihrer Art und ihrer Wirkung auf die ver- schiedcncn Volkskreise zusammen, so ergibt sich unter der An- iiahmc, daß die Ertragsschätzungen der Finanzkommission richtig sind, folgendes Resultat: � Lerbrailchssteucrn und Zölle. Brausteiicr............ 100 Millivliei, Mark Spiritussteuer(8t Millionen Mark und 2 Millionen Mark Zölle)...... 83„ Tabaksteuer lohne Zigaretten)..... 4k„„ Kaffee- und Theezoll......... 37„„ Zündhölzer............ 25 ,,„ Gliihkorper............ 20„ Müblenumsatzsteucr......... 12„„ KohleiiauZfnhrzoll.......... 25.„ gahrkartenstcuer......... 20_ 366 Millionen Mark. Den weitaus größten Teil dieser Steuern trägt die Arbeiterklasse und Oer Mittelstand. Einen gewissen Anteil an den Verbrauchssteuern und Zöllen tragen zwar auch die Wohlhabenden, die Kapitalbesitzer, denn auch sie trinken gern ein Glas Bier, einen guten Likör und eine Tasse Mokka oder Tee. Auch rauchen sie fast ausschließlich die feinen Import- zigarrcn. Doch kommt dieser Verbrauch gegenüber dem Massenkonsuin nur wenig in Betracht. Andererseits muß in Bc- rücksichtigung gezogen werden, daß durch die neue Fahrkarten- stcuer die Benutzer der ersten und zweiten Wagenklasse von einem Teil der bisher von ihnen gezahlten Fahrkartenstener entlastet, dafür aber die Reisenden vierter Klasse, die bisher keine Fahrkartenstcuer zahlten, mit demselben prozentualen Steuersatz wie die Passagiere erster Klasse belastet werden. Ferner aber ist der Arbeiter nicht nur Konsument, sondern auch Produzent, d. h. er verbraucht nicht nur Bier. Schnaps. Tabak, Kaffee usw., sondern ein Teil der Arbeiter ist auch bei der Herstellung oder Verarbeitung dieser Gcnußmittcl beschäftigt. Wenn also der Bedarf in diesen Artikeln zurückgeht und infolgedessen weniger produziert wird, so verliert außerdem mancher Arbeiter seine bisherige Beschäftigung und sieht sich gezwungen, in audcreu Erwcrbszwcigcn ein Unter- kommen zu suchen. Besonders den ohnehin schon schwer um ihre Existenz kämpfenden Tabak- und Zigarrcnarbciteril droht durch die neuen Tabakstenererhöhungen ein erneuter Rück- gang ihres Gewerbes, b. h. Arbeitslosigkeit und Elend. Fraglüh könnte es scheinen, als ob der von der Rumpf- kommifsio« vorgeschlagene Kohlenausfuhrzoll den Verbrauchs- steuern zugerechnet werden darf. Räch der Behauptung der konservativen Stcuertheorctiker wird dieser Zoll von den Zechen bejitzern getragen. Daran ist nur soviel richtig, daß zunächst der Kohlenerporteur den Ausfuhrzoll bezahlt oder vielmehr, daß er ihn auslegt, nicht aber, daß er ihn auch trägt. Wie bekannt, ist die deutsche Kohlenindustrie in großen Syndikaten und Verkausskonventionen organisiert, die nicht nur den Umfang der Produktion.bestimmen, sondern auch den Verkauf der produzierten Kohlenmengen in der I Hand haben und dem Markt nach ihrem Belieben und Er- 'Messen die Preise diktieren. Anzunehmen, daß diese den Inlandsmarkt völlig beherrschenden Syndikate den Kohlen- ausfuhrzoll im Betrage von 25 Millionen Mark aus ihren Gewinnen zahlen würden, ohne den Versuch zu machen, den Zoll auf die Kohlenverbraucher abzuschieben, zeugt demnach entweder von kindlicher Einfalt oder von bewußter Ver- tuschung der Sacklage. Auf ihre ausländischen Abnehmer aber können die Syndikate den Ausfuhrzoll nicht abschieben, denn auf ihren auswärtigen Absatzmärkten haben sie es überall mit der scharfen Konkurrenz Englands, Belgiens, Nordfrankrcichs zu tun. Wollten sie unbekümmert um diese Konkurrenz ihre Preise stellen, so würden sie bald auf diesen Märkten ihren Absatz völlig verlieren und ihre Produktion beträchtlich einschränken müssen. Es ist daher ganz un- zweifelhaft, daß die Syndikate die von ihnen an Ausfnhrzoll gezahlten 23 Millionen Mark auf die deutschen Kohlen- konsumcnten abschieben würden, und zwar auf die 5tohlen- konsumenten jener Gegenden, wo die englische, belgische oder böhmische Konkurrenz nicht in Betracht kommt. Diese Gegenden werden in ihren Kohlenpreisen die 25 Millionen Mark mitbczahlcn müssen. Sowohl der große Konsument, der täglich in seinem Betriebe große Massen von Kohlen vor- braucht, als auch der Arbeiter, der seinen Bedarf wöchentlich selbst mit der Karre vom Kohlenlager holt. Doch wird auch der Großindustrielle, soweit ihm das möglich ist, die ihm durch die Kohlenvcrtcuerung entstehenden höheren Produktions- kosten wieder durch Preiserhöhungen seiner Erzeugnisse auf die Käufer seiner Artikel abzuschieben suchen, so daß auch in diesem Fall die Masse schließlich den Hauptteil der Lasten trägt. Während aber die klerikal-konservativ-polnische Tipp- schaft der Volksmasse skrupellos eine Steuerlast von un- gefähr 350 Millionen Mark ausladen möchte, bedenkt sie mit ihrer Fürsorge die reichen Pinguinen, die das parteiische „Geschick des Himmels" mit reichen Gliicksgütern aus- gestattet hat, nur mit ungefähr 18 Millionen Mark„L u x u s- st c u c r»". Die Zentrumsblätter haben zwar, um die sich in den Kreisen ihrer eigenen Leser rührende Opposition gegen die lediglich die Interessen des Großgrundbesitzes vertretende Steuerpolitik des Zciitrums zu beschwichtigen, viel von der Notwendigkeit der stärkeren Heranziehung des Luxus zur Steuer gesprochen: irgendwelche wirklich den Luxus treffende Stcueranträge haben die Mitglieder der Zentrumspartei aber in der Finanzkommission nicht gestellt. Ernstlich die wohlgefüllten Taschen der Reichen in Anspruch zu nehmen, dazu reicht ihre Volksfreundlichkeit nicht aus. So haben denn schließlich in der Numpfkommission nur folgende so- genannte Luxus steuern Annahme gefunden: Seltsteuer............. 8 Millionen Mark Parfüm-, Seifen- und Zahnwasscrstcuer.. 10_„ 30 Millionen Mark 00„„ 80 18 Millionen Mark. Also IZMillioneiiMarkLuxussteuern gegen 3 66 Millionen Mark Verbrauchs st euer»! Das ist die ganze Belastung des„prunkenden Luxus", zu der sich die Sorge des Zentrums um die„Wahrung der Jnter- essen des Arbeiter- und des Mittelstandes" aufgeschwungen hat. Recht wenig in Anbetracht des Geschreies der Zentrums- presse nach Luxussteuern. Zudem werden aber selbst diese 18 Millionen Mark nicht ausschließlich von den Wohlhabenden getragen, denn unter den Iv Millionen Mark für Parfüm- stcuer befindet sich auch der Ertrag der Stcuer auf wohl- riechende Seifen, Haarol, Pomade usw., die auch in kleinen Haushaltungen gebraucht werden. Zieht man diesen Betrag ab. so bleiben als Ergebnis der Luxussteucrn höchstens 12 bis 13 Millionen Mark übrig. Dazu kommen dann noch die eigentlichen Besitzsteucrn: Wertzuwachssteuer auf Grundstücke)... Umsatzstempel.......... ÄotieruugSsteuer(Wertpapiersteucr,.. 140 Millionen Mark Von diesen Steuern würden das bewegliche Kapital und der städtische Grundbesitz ungefähr drei Viertel bis zu vier Fünfteln zu tragen haben: der ländliche Grund- besitz höchstens ein Viertel. Es ist deshalb auch in Anbetracht des Einflusses des mobilen Kapitalbesitzes, vor- nehmlich der Bankfinanz, aus die Reichsregierung als sicher anzusehen, daß der Umsatzstempel und die Wertpapiersteuer in der vorgeschlagenen Form nicht Gesetzeskraft erlangen werden! Das ist die große nationale Tat im Dienst des teuren Vaterlandes und der Volkswohlfahrt, deren sich jetzt die Blätter der Konservativen und der Zentrumsparter rühmen: eine Belastung der Arbeiterklasse und des kleinen Mittel- standes init ungefähr 35» Millionen Mark neuer Steuern. des mobilen Kapitals mit ungefähr 13» Millionen Mark (von denen aber sicher noch b» bis 8» Millionen Mark weg- fallen) und des ländlichen Großgrundbesitzes mit vielleicht 40 Millionen Mark. Der Grundsatz, den also das große Pfingstwerk der Rumpfkommission befolgt, ist klar ersichtlich: die Masse muß es bringen. Und wegen dieser die Interessen der katholischen Ar- beiterschaft und der kleinbürgerlichen Mittelschichten skrupel- los dem Machtstreben der Zelltrumsführer und den Wünschen Cxpcdltzion: SM. 68, Lkndenetrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. des hohen Klerus aufopferiiden steuerpolitischen Leistung singt die Zcntrumsprcsse Iubelkantatcn auf die Genialität der Zcntrumsleitung und flicht um das schöne, pomadisierte Haupt des Herrn Erzbergcr dicke Lorbeerkränze! Die Sache würde komisch wirken, wenn nicht noch immer ein großer Tejl der katholischen Arbeiter diese verlogene Mache der Zentrums- presse gläubig hinnähme und in seiner Einfalt tatsächlich glaubte, das Zentrum verträte nicht nur die Interessen des katholischen Adels und des Klerus, sondern auch die der Arbeiterschaft._ Der tabakwertzoll. Der Tabak soll und mutz bluten— das scheint nach der Abstimmung der Subkommission bei sämtlichen bürgerlichen Parteien jetzt endgültig festzustehen: auch die Wirtschaftliche Ver- cinigung, deren Vertreter noch bis vor kurzem öffentlich erklärt haben, unter keinen Umständen einer Mehrbelastung de-Z Tabaks zuzustimmen, scheint, genau wie vor drei Jahren bei der Zigarettenstcuer, ihren Umfall bereits vollzogen haben. Die Wcrtbesteuerung des Tabaks ist eine alte LieblingSidee dcS Zentrum, das bei der Bewilligung neuer indirekter Steuern doch immer noch �„sozial" erscheinen möchte. Wir verteuern nicht die „Pfeife des armen ManncS", wird das Zentrum wiederum seinen Wählern erzählen: die Wertstcucr wird hauptsächlich die Raucher der teueni Zigarrensortcn treffen, die billigen Sorten werden nur ganz gering belastet. Das Interesse der Raucher aus den minderbegllterten Kreisen, wie auch das der Arbeiter der Zigarrenindustrie, gebietet unS, durch Anführung von Tatsachenmaterial diesen Wahn zu zerstören. Um die Wirkung des 30prozentigcn Wertzuschlages festzustellen, hat Genosse A. v. Ebn, wie er in den„Krit. Mitteilungen zum Eni- wurs eines TabakverbrauchsteuergesetzeS" schreibt, die Kalkulationen von 68 verschiedenen Zigarrensorten geprüft. DaS Endresultat zeigt unS folgende Mehrbelastung: 5-Pfennig-Zigarre von 2.20 M. bis 3.05 M. pro Mille 6„„.„ l.hö„„ 3,65„„ •J KU 7 8 10 2,65 2.00 3,30 5,40 4,80, 6,70' Wer von der Kalkulation des Preises für eine Mille Zigarren keine Ahnung hat. wird diese Feststellung einfach für unglaublich erklären. Wir müssen deshalb schon eine Erläuterung geben; zunächst erinnern wir an unsere früher gemachte Feststellung, nach welcher bei der Tabakarbeilergenossenschaft im Durchschnitt von acht Jahren Von dem Fakturenwert der Zigarren 40 Proz. auf Lohn, 15 Proz. auf Tabak- zoll, 10 Proz. auf allgemeine Unkosten entfielen. Wenn dieses Verhältnis auch nicht in allen Zigarreniabriken dasselbe sein wird, so gibt cS uns doch ein annäherndes Bild für die bei einer Preisberechnung von Zigarrcn zu berücksichtigenden Tatsachen. Für das Rohmaterial verbleiben also nach obiger Feststellung nur 35 Proz. des Fakturen- wertes der Zigarrcn. Diese 3.5 Proz. entfallen aber nicht allein auf Rohtabak, dazu gehören auch die Ausgaben für Zigarrenkisten, für Etiketten, Papier, Streifen, Band zum Bündeln der Zigarrcn. Je nach den hierbei verwandten Oualitäten, je nach der Ver- packungSart sind diese Ausgaben aber sehr verschieden. Ebenso differieren die Arbeitslöhne je nach der Art der Packung, ob lose, gebündelt,'/so3 oder'/Vi- Packung. Bei einer und derselben Sorte Zigarren haben wir zum Beispiel folgende Unterschiede fest- gestellt: an Sortier-, Bckleber- und Fertigmacherlohn, für Zedern- kisten, Streifen, Papier, Etiketten wurden verausgabt pro Mille bei Vio loser Packung 6,56 M., bei'/V- Packung 10,64, bei'/�-Packung 19,74 M. Datz der Arbeitslohn der Zigarrenarveiter je nach der Faffon und danach, ob Form oder Handarbeit verlangt wird, erheblich differiert, dürfte bekannt sein. Berücksichtigt man alle diese variablen Grötzen und den weiteren Umstand, datz zu einer kleineren Zigarre an Rohtabak etwa zehn Pfund, zu einer großen Zigarre achtzehn Pfund und darüber verwandt werden, so dürfte auch dem Nichtfach- mann einleuchten, datz mit dem Wertzoll der zahlungsfähige Raucher nur sehr minimal belastet wird. Wenn nicht sonst schwerwiegende Bedenken gegen eine nach seder Preislage festgesetzte, progressiv steigende Bandcrolcnsteurr sprächen. die wir an dieser Stelle, weil von uns schon so oft hervorgehoben, nicht nochmals wieder betone» wollen, so dürfte diese doch der einzige Weg sein, den bemittelten Raucher mehr zu belasten, als den unbemittelten. Bei dem Wertzoll brauchen nur einige der in Be- tracht kommenden Ausgaben bei einer besseren Verpackungsart herab- gemindert zu werden, um die Mehrbelastung für den Raucher feinerer Sorten vollständig auszuschalten. Nach den sorgfältigen Feststellungen deZ Vereins der) Hilfs- induftrien des TabakgewerbcS sind in diesen 13—14 000 Arbeiter und Angestellte allein für die Tabakindustrie beschäftigt, diese würden unter den Wirkungen des Wertzolles schwer zu leiden haben. Dasselbe trifft selbstverständlich zu für die Tabakarbeiter; bei der in der Zigarrenindustrie obwaltenden Konkurrenz würden die Fabrikanten bestrebt sein, genau wie nach 1879, die Mehrkosten dem Konsumenten mehr und mehr wieder abzunehmen und dieselben den Arbeitern und voraussichtlich auch den Händlern aufzubürden. Die Dortmunäer Mi? cnldecHl Deuland! Dortmund entwickelt sich recht kräftig zur Metropole der juristischen Merkwürdigkeiten. Eben gab der.Radbod"-Prozetz ein charakteristisches Bild von den Bemühungen der Richter, diesen Ruhm -Dortmund? zu stärken, und schon wieder rückt die Justiz mit Ge- Schützen gegen die„Arbeiter-Zeitung" heran, die den jung- fraulichen Reiz überraschender Neuheit haben. Genosse Beyer, >der Verantwortliche unseres Dortmunder Bruderblatts, hat nämlich eine Anklage auf Grund des Z 110 Str.-G.-B. erhalten: er soll sich der Aufreizung zum Kontraktbruch, der Auf- forderung zum Wider stände gegen die bestehende Zivilgesetzgebung schuldig gemacht haben. Man sieht: ein ganz funkelnagelneues Delikt für sozialdemokratische Redakteure. Welch wundervolle Zulunftsaussichtcn es eröffnet, zeigt der Tat- bestand: Ende April hatte der Dortmunder Bürgermeister Eich- hoff den geplanten Maizug schroff verboten und in seiner Ant- wort von der„schwer reizenden Tätigkeit der Sozialdemokratie" gesprochen. Die„Ardeiter-Zeitung" be- antwortete das natürlich so: nun erst recht eine imponierende Mai- feier, er st recht allgemeine Arbeitsniederlegung und Feierschichten! Darin wird nun— es ist kein Scherz— die Aufforderung zum Kontraktbruch gesehen, die das Gesetz mit 600 Geldstrafe bis zu zwei Jahren Gefängnis gesühnt sehen will. Zwanzig Jahre lang besteht nun die Maifeier, Millionen von Flugblättern und Zeitungen, Taufende von Rednern haben die Idee des 1. Mai propagiert und zur Arbeitsruhe aufgefordert, — und jetzt entdeckt der Dortmunder Staatsanwalt, daß man damit die Arbeiter zum Widerstande gegen die Zivilgesetze auffordert und sich gegen daS Strafgesetzbuch vergeht! Die Wege der Dort- munder Justiz sind wunderbarer als die Wege Gottes. Welches Schicksal dieses neugeborene Kind juristischer Spitzfindig- keit haben wird, wird sich ja zeigen. In jedem Falle muß man entschieden den Eifer der Dortmunder Justiz anerkennen, die Prozesse der„Arbeiter-Zeitung" in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. politilcbe Ücberficht. Berlin, den 5. Juni 1909. Bulows gesteiftes Rückgrat. Der Windwechsel in den höheren Regionen, von dem wir gestern berichteten, veranlaßt jetzt auch die„Nordd. Allgem. Ztg.", einen energischeren Ton gegen die Arbeitsleistung des Heydebrandschen Steucrconcerns anzuschlagen. In seinem Wochenrückblick schreibt das Kanzlerblatt: „Die Kommission hat dem zur Regelung der formellen Finanz- Verhältnisse dienenden Gesetzentwurf betr. Aenderungen im Finanz- Wesens aus eigener Initiative eine Reihe von Steuern eingefügt. Es muß zunächst schon als bedenklich bezeichnet werden, wenn von der Kommission in den Finanzgesetzentwurf neue materielle Steuer- Vorschriften hineingearbeitet werden, die mit denBorschlägen der Regierung nicht zusammenhängen. Noch schwerer wiegen die sachlichen Bedenken insbesondere gegen drei der eingefügten Steuerprojekte, die Steuer auf Wertpapiere, die Mühlenumsatzsteuer und den Kohlenausfuhrzoll. In erster Linie ist es die sogenannte Kotierungssteuer, welche für Handel und Industrie, wie über- Haupt für die gesamte deutsche Volkswirtschaft verhängnisvolle Folgen haben würde. Diese Steuer ist ungerecht, denn sie trifft den Aktionär, auf den sie abgewälzt wird, nicht nach seiner Leistungsfähigkeit: sie verstößt überdies gegen die anerkannte Notwendigkeit. den gesamten Besitz heranzuziehen, und sie enthält einen Eingriff in die Rechte und Interessen der deutschen Einzelstaaten, da sie als Einkommen- oder Vermögens- steuer diesen zustehende Einnahmequellen angreist. Der dem Reich daraus zufließende Gewinn würde in keinem Verhältnis zu der schweren Schädigung von Handel und Industrie stehen, die eine unaus- bleibliche Folge einer derartigen Belastung wäre. Nur eine nach der Leistungsfähigkeit abgestufte Steuer auf den gesamten Besitz kann den Anforderungen sozialer Gerechtigkeit entsprechen." Die Konferenz der Finanzminister. Wie verlautet, werden die einzelstaatlichen Finanznriuister in der am Dienstag stattfindenden Beratung auch gleich die neuen Ersatzsteuern erledigen. Diese neuen Steuervorlagen sollen den Ab« geordneten ungesäumt zugehen. Aus der Art der neuen Ersatz- steuern wird die Stellung des Bundesrates dann ohne weiteres zu erkennen sein._ Eine Kampforganisation des mobilen Kapitals. Der Zentralauöschuß der Berliner kaufmännischen, industriellen und gewerblichen Vereine veranstaltete Freitag, den 4. Juni, eine Kundgebung gegen die Beschlüsse der Finanzkommission des Reichs- tages. ES wurde eine Resolution gegen die von der Rumpf- kommission beliebte„unerhörte Art der Gcsctzesmacherei" an- genommen. Ferner hält eS der Zentralausschuß— wie weiter erklärt wurde an der Zeit, daß Handel und Industrie, Groß- und Kleingewerbe ihre bisherige Reserve aufgeben und sich zu einer geschlossenen Kampforganisation zusammenfinden. Wie der Generalsekretär Dr. Koppel ausführte, soll die projektierte Organisation nach dem Muster des Bundes der Landwirte geschaffen werden. Die neue Bewegung brauche keinen Unterschied zwischen den einzelnen Parteien, noch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zloischen Handel und Industrie usw. zu machen. Sie solle alle diese Gruppen zu einer Kampfesorganisation zusammenfassen. Wenn nächste Woche der neue Bund ins Leben gerufen werde, sei dies nur der erste Trompetenstoß, es komme darauf an, den Hunderttausenden deSBundesder Landwirte Hunderttausende aus Handel, Gewerbe und Industrie entgege �u stellen. Weniger Worte, mehr Taten l Der Dünkel des Junkertums wird wieder einmal treffend beleuchtet durch einen Artikel der „Kreuz-Zeitung", der die Gründe der Abwanderung der Eisenbahn- reisenden in niedere Wagenklasscn erörtert. Das Blatt findet, daß die Schuld an der luxuriösen Ausstattung der Eisenbahnwagen 8. und 4. Klaffe liege. So lange die 4. Wagenklaffe nur ein Raum war, in dem mau stehend befördert wurde, so lange in ihnen keine Abteile für Frauen. für Raucher und Nichtraucher und keine Aborte waren, und nur wenig Licht und Lust in die Wagen drang, fuhren Leute des Mittelstandes ausschließlich 3. Klaffe. Jetzt haben sie dieselben Bequeinlichkeiten, Ivie früher in der 3. Klasse, und fahren nun vierter Güte. Die 3. Klasse sei gegenwärtig so aus- gestattet, daß sie sich von der 2. Klaffe nur dadurch unterscheide, daß dort die Bänke gepolstert seien. Dazu kommt noch, daß alle Schnell- zuge dritte Klasse führen, und daß den Reisenden dritter Klasse die Benutzung der Speisewagen gestattet ist. Die„Kreuz-Zeitung" schlägt deshalb vor, daß man die Fahr- preise in der 2. Klasse ermäßige, um wieder mehr Passagiere zu veranlassen, diese Klaffe zu benutzen. ES fehlt nur noch, daß daS ehrsame Junkerblatt empfiehlt, aus den Wagen dritter Klaffe die Bänke zu entfernen und als Wagen vierter Klaffe ausrangierte Gepäckwagen lausen zu lassen: dafür in den Wagen erster Klasse Skat- und Billardzimmer einzurichten. Das Gesindel wird immer übermütiger. Die Flottenvereinler haben am Sonnabend in Kiel getagt. Der Vorfitzende Groß- admiral v. Koester versicherte, daß der Friede im Verein wieder hergestellt sei. Doch haben die Streitigkeiten, die die Partei- politische Betätigung des Generals Keim im Verein entfesselt hatte, einen kleinen'Mitgliederrückgang herbeigefübrt. Prinz Heinrich begrüßte die Hauptversammlung mit einer Rede, worin er dem Verein riet, sich auf den Boden des Flottengesetzes zu stellen. Das war denn auch der Gedanke, den der Vorsitzende vertrat und das Programm, das der Geschäftsführer entwickelte. Der Verein gelobt also, stramm gouvernemental zu sein und keine eigene Flottenprogramme aufzustellen. Doch wird deshalb Deutschland von neuer Flottcnvermehrm�spropaganda in nächster Zeil nicht verschont bleiben. Es kommt eben alles darauf an, wie man das Flotten- gesctz auslegt, und der Vorstand des Flottenvereins legt es dahin aus, daß schleunigst ein drittes Geschwader, die Reserve schlachtflotte geschaffen werden muß, die jetzt nur ein papiernes Dasein führe I Die Rede des Vorsitzenden war sehr friedliebend gehalten, etwas schärfere Töne schlug der Geschäftsführer an, der lebhaft gegen ein Flottenabkommen mit England vom Leder zog. Sonst boten die Verhandlungen nichts Bemerkenswertes. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt und zum Ort der nächsten Tagung Berlin bestimmt. Eine ostmärkische Gröste. In Posen hielten am 3. Juni die in der dortigen Probinz ansässigen Mitglieder der Offenbachcr landwirtschaftlichen Ge- nossenschaftskasse ihren diesjährigen Berbandstag ab. Dabei kam es zu recht stürmischen Szenen. Besonders dem ersten Vorfitzenden der Kasse im Bezirk Posen, dem bekannten Hakatistischen Führer Major E n d e l l, der seit langen Jahren in der Provinz Posen eine be- deutende Rolle spielt, wurden in öffentlicher Versammlung sehr herabsetzende Vorwürfe gemacht. So wurde ihm entgegen- gehalten, daß er, der aus seiner Tätigkeit an der Genossenschafts- lasse eine Einnahme von 10 000 M. habe, mit dem Gelbe der Kasse Privatspekulationen treibe. Die Gesamteinnahmen Endells sollen sich jährlich auf zirka 30000 M. belaufen, die er aus den verschiedenen Ehrenämtern be- zieht. Obwohl Endell sich die größte Mühe gab, seine Tätigkeit zu rechtfertigen und seine zahlreich anwesenden Freunde vom Bund der Landwirte ihn unterstützten, wurde er mit Zweidrittelmehrheit seiner Tätigkeit als Vorsitzender enthoben. Die gefährliche Sozialdemokratie. Den Solinger Parteigenossen wurde von der Polizeiverwaltung die Veranstaltung eines öffentlichen Aufzuges am 1. Mai gestattet. In letzter Stunde hob aber der Regierung?- Präsident ohne Angabe von Gründen die Erlaubnis auf. Die Solinger Genossen haben gegen dieses Verbot Beschwerde ge- führt, auf die dieser Tage vom Regierungspräsidenten der Bescheid eingegangen ist.„daß die Zurücknahme der Gen eh- migung zur Veranstaltung eines Festzuges der sozialdemokratischen Partei am 1. Mai erfolgt ist, weil bei dem demo n st rativen Charakter der Vcr- an staltung von vornherein anzunehmen war, daß die Abhaltung eines Aufzuges mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit verbunden gewesen wäre." Wunderbar ist an der Geschichte, daß die Wälder, Höhschcider und Ohlmser. Parteigenossen, die ebenfalls zum Regierungsbezirk Düsseldorf gehören und nur je eine halbe Stunde weit von Solingen entfernt sind, am gleichen Tage Aufzüge mit gleich«demonstralivem Charakter" veranstalten dursten, die weder vorher noch nachher, noch während ihres Stattfindens mit„Gefahr für die öffentliche Sicher- heit" verbunden gewesen sind. Der Regierungspräsident von Düffel- dorf muß demnacki die Solinger Bevölkerung für eine ganz besonders gefährliche Raffe halten. Wie unbegründet die Befürchtungen des Regierungspräsidenten sind, geht übrigens auch daraus hervor, daß die Solinger Genossen statt des FestzugeS einen geschlossenen Massen- spaziergang veranstalteten, ohne daß die„öffentliche Sicherheit" be- einträchtigt worden wäre. Schließlich ist zu dem Bescheide des Regierungspräfidenten zu bemerken, daß er die Kenntnis des VcreinSgesetzcS sehr vermissen läßt. DaS Gesetz verlangt nämlich, daß„die Gründe" des Verbots angegeben werden. Darunter wird selbstverständlich die Angabe konkreter Tatsachen und nicht eine ganz nebelhafte Behauptung vcr- standen, wie sie der Regierungspräsident in seinem Bescheide auf- stellt._ Gegnerische Landtagswahltaktik. In einigen rechtsstehenden Blättern ist anläßlich der bevor- stehenden LandtagSersatzwahlen der Meinung Ausdruck gegeben worden, eS mühten in den vier beteiligten Wahlbezirken alle bürger- lichen Parteien eigene Kandidaten aufstellen, damit zunächst eine recht große Wahlbeteiligung erzielt werde. Bei einem schließlichen Zusammengehen würde eS dann den bürgerlichen Wahlmäimern um so leichter sein, den Sozialdemokraten den Sieg streitig zu machen. Das hat die Freisinnigen sehr verschnupft, denn sie fordern, daß Konservative und Antisemiten von vornherein nur für freisinnige Kandidaten eintreten dürfen, weil diese allein Anspruch auf die Berliner Mandate hätten. Nur allein der Freisinn könne der Sozialdemo- kratie die Mandate abnehmen. Die„Freisinnige Zeitung" beschwört deshalb ihre Blockfreunde, in diesem Sinne zu wirken, indem sie schreibt: „Wer ein solches Vorgehen empfiehlt, hat entweder keine Ahnung von der Technik des Landtagswahlsystems, oder er legt eS bewußt darauf an, die Mandate den Sozialdemokraten in die Hände zu spielen. Je größer die Zahl der be- tciligten bürgerlichen Partiten, um so größer ist die Zahl der für die Wahlniünnerwahlen notwendigen Stichwahlen. Die Erfahrung bei früheren Wahlen, insbesondere auch bei der letzten Landtagswahl im zwölften Berliner Wahlkreise lMoabit), wo sich drei bürgerliche Kandidaten gegenüberstanden, hat gezeigt, daß die not- wendigen Stichwahlen für die bürgerlichen Parteien so ungünstige Resultate wie nur möglich geliefert haben. In nicht weniger als dreißig Fällen sind in der ersten und zweiten Abteilung d,e Stichwahlen überhaupt'"cht zustande gekommen, so daß diese Wahlmänner den bürgerlichen Parteien verloren gingen. Andererseits ergaben die Stichwahlen häufig die Wahl' solcher Wahlmänner, welche doppelt aufgestellt und schon vorher in einer anderen Abteilung gewählt waren. In allen diesen Fällen war keine Zeit mehr vor- Händen, eine neue Wahl herbeizuführen und wieder waren eS die bürgerlichen Parteien, die den Schaden davontrugen. Endlich lehnte eine Anzahl in den Stichwahlen gewählter Wahlmänner die Annahme der Wahl ab, wiederum zum Nachteil der bürgerlichen Parteien. Weiterhin ist es eine bekannte Erfahrung, daß die Be- teiligung an den Wahlmännerstichwahlen seitens der ausgefallenen Parteien eine sehr geringe ist. Zahlreiche Wähler fürchten, durch die Wahl eines Wahlmannes, welcher einer andern bürgerlichen Partei angehört, dazu beizutragen, daß schließlich nicht der Kandidat der eigenen Partei, sondern derjenige einer anderen bürgerlichen Partei bei der Abgeordnctenwahl in die Sttchwahl gelangt, und häufig ist dadurch der Sieg des sozialdemokratischen WahlmanneS verschuldet worden. Wir haben bei den ReichstagSwahlen niemals der Taktik das Wort geredet, daß sich alle bürgerlichen Patteien im Kampfe gegeir die Sozialdemokraten von vornherein auf einen Kandidaten einigen sollen. Anders liegen die Dinge bei den Landtags- wählen aus den eben angegebenen Gründen. Tatsächlich ' ist, abgesehen von den Wahlmachenschaften der Eoziakdemokdakle selbst, der Sieg der Sozialdemokraten im 12. Berliner Wahlkreise lediglich durch die Z e r s p l i t t e r ri n g der bürgerlichen Parteien bei den Wahlmännerwahlen verschuldet. Insonderheit war es die nationalliberale Pftrtei, welche durch ihre völlig aussichtslose Kandidatur Leidig zu diesem Ergebnis beitrug. Charakteristisch ist es, daß nunmehr insbesondere daS Organ der nationalltberalen Partei in Berlin, die„Zkalional-Zeitung". eine ähnliche Verhängnis- volle Taktik für sämtliche Berliner Wahlkreise empfiehlt." Was die„Freis. Ztg." hier von der Zersplitterung der gegnerischen Wahlinännerstimmen sagt, trifft nicht zu. In Wirklichkeit haben unsere Gegner bei der ausschlaggebenden Abgeordnetenwahl immer zusammengehalten, wenn es gegen die Sozialdemokratie ging. Unsere Genossen in den in Betracht kommenden Bezirken werden in Anbetracht des elenden DrciklassenwahlrechtS doppelt auf dem Posten sein müssen, um die Hoffnungen der Gegner auf Erlangung der vier Landtagsmandate oder auch nur eines derselben zu durch- kreuzen, ganz gleich, welche Taktik die Gegner im Wahlkampfe an- wenden. Vertauschte Rollen. Wegen Beleidigung eines Polizeibeamten durch einen Artikel in der„ N i e d e r r h e i n i s ch e n Arbeiter-Zeitung" zu Duisburg schwebte gegen den Genossen A. Schach seit an- nähernd einem Jahr ein Strafverfahren vor der Strafkammer des Landgerichts Duisburg, das jetzt, nachdem fünf Verhandlungstermine stattgefunden haben, mit der völligen Frei» sprechung Schachs seinen Abschluß fand. Der angeblich „beleidigte" Polizeibeamte, ein gewisser G r e i f e n st e i n, kam am Schlüsse des Prozesses derart unter die Räder, daß er seinen Polizeirock vorläufig an den Nagel gehängt h a t. Ob freiwillig oder unfreiwillig, mag dahingestellt bleiben. In dem fraglichen Artikel war der Versuch des Polizeibeamten G r e i f e n st e i n aus M a r x l o h. abends spät im angetrunkenen Zustande in die Schlafkammer eines jungen Mädchens einzu- dringen, satirisch glossiert worden, was der„Hüter der Ordnung" auf Anordnung seiner vorgesetzten Behörde nicht auf sich sitzen lassen wollte. Er beschwor deshalb frischweg, daß„alles nicht wahr" sei, waS die böse„Arbeiter-Zeitung" behauptet hatte. und auch die begehrte Schöne sowie ihre El- tcrn bekräftigten mit ihren Eiden die Aussage des Polizisten. Das hatte zunächst z>-r Folge, daß der Zeuge unseres Genoffen Schoch direkt vom Gerichtssaale aus verhaftet wurde unter dem Verdachte des Meineids; aber da sich inzwischen eine ganze Anzahl weiterer Zeugen, die den Vorgang teils per- sönlich beobachtet, teils von der begehrten Schönen selbst erfahren hatten, freiwillig meldeten, so erfolgte eine Vertagung des Ter» mins nach der anderen, und schließlich häufte sich daS Beweismaterial derart, daß das Gericht trotz der vier Eide den Wahrheits- beweis für erbracht ansehen mußte. Selbst der Staatsanwalt, der zuerst 100 M., dann 300 M., dann wieder 100 M. Strafe bean- tragt hatte, deckte seinen Rückzug schließlich mit einem Antrage auf 20 M. wegen formaler Beleidigung. Da das Gericht aber eine formale Beleidigung nicht für vorliegend erachtete und den Wahrheitsbeweis für erbracht hielt, so blieb dem Staats- anwall das Nachsehen. Ob er nun wohl Anklage gegen den Polizeibeamten und seine Zeugen wegen Verletzung der Eidespflicht erheben wird? Der Herr Greifenstein spielte seinerzeit auch eine Hauptrolle als Zeuge in dem Prozesse gegen den„Vorwärts" wegen der„Polizeischlacht am Bahnhofe Neumühl", dtztz dem Genoffen Weber 1 Monat Gefängnis einbrachte, Gekränkte Patrioten. In Posen hat sich die bourgeoise Volksseele dagegen auf- gelehnt, daß es den Kaiser, der am 3. d. M. dort weilte, nicht genügend zu sehen bekam. Schon am Tage vorher, als die Polizei- licken AbspirrnngSmaßnahmen bekannt wurden, interpelliert» der fteisinnige Stadtverordnete Dr. Ehrlich in der Stadtverordneten- Versammlung den Oberbürgermeister Dr. Wilm» wegen dieser Sache. Letzterer gab eine zusagende Erklärung, doch wurde die Ab- sperrung trotzdem in ungewöhnlichem Umfange durchgeführt, welche Tatsache nun den dortigen„Neuest. Nachricht." folgende EnttüstungS- töne entlockt: „Von der gesamten Bevölkerung auf das schärfste mißdiMgt wurden die weit über alle» Maß hinausgehenden polizeilichen Absperrmaßregeln. Bisher war das Verhältnis zwischen Polizei und Publikum trotz aller Schwierigkeiten ein gutes; eS wäre bedauerlich, wenn das jetzt anders werden sollte. Man baut doch lvohl nicht unter Aufwendung vieler Millionen in Posen ein Residenzviertel, um dann, wenn der Kaiser einmal zu Besuch kommt, ängstlich„das Volk" fernzuhalten..." Hoffen wir, daß die Polizei daS nächste Mal nicht so rigoros vorgeht, damit die Posener im Schatten„ihres RestdenzviertelS" ihren Landesvater von Angesicht zu Angesicht schauen können. Folge« der herrschenden Krise. Der amtlichen Statistik zufolge sind über Bremen im Mai h. I. 16 680 Auswanderer befördert worden gegen 6184 im vorigen Jahre. Bisher sind in diesem Jahre ungefähr 74 000 Auswanderer gegen 21 000 in demselben Zeiträume des früheren Jahre» gezählt worden. Stecht ihn nieder, den Hund! Zu der Affäre zu Karlsruhe, über die wir in der Nr. 126 unter dieser Ueberschrist berichteten, hat das Generalkommando zu Karlsruhe eine Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. heißt: „Die Ausdrücke:„Reißt ihn runter, stecht ihn nieder, den Hund!" sind nicht gefallen. Auch das Kommando:„Säbel heraus!" hat der beteiligte Offizier nicht gegeben. Die Waffe wurde erst gezogen, als der Fuhrmann mit der Peitsche um sich geschlagen und dabei den Leutnant getroffen hat." Unser Karlsruher Parteiorgan, der„Volksfreund", bemerkt dazu sehr treffend: „So das Generalkommando, das unseres Erachtens etwas lange gebraucht hat. um der Oeffentlichkeit diese Aufllärnng zu geben. Merkwürdig nur, daß sich— nach der Darstellung deS General- kommandos— der ganze Vorgang fast wortlos abgespielt bat. Der Leutnant.... hat danach nichts gesagt, nicht auf den Fuhrmann eingeredet und angeblich erst— natürlich auch wort- l o s— den Säbel gezogen, als er von der Peitsche deS Fuhrmanns getroffen war. Das will uns das Generalkommando glauben machen. Es weiß doch wirklich besser wie wir„Laien", daß"solche Vorgänge, wie der von uns geschilderte, sich mit ziemlich viel Lärm vollziehen. ES weiß auch, daß das laute Sprechen und Schreien zum eisernen Be- standteil der Erziehungsmittel des Militarismus gehört. Und trotz- dem versichert es der Oeffentlichkeit: Nidfts, gar nichts hat der Leutnant gesagt; der schlagende Fuhrmann rst an allem schuld." Oektcttmcb. Eine erregte Sitzung. DaS österreichische Abgeordnetenhaus hatte am Freitag«im interessante Sitzung, deren Verlauf für die Regierung Btenerth keineswegs angenehm war. Zur Beratung stand der DringlichkeitS- antrag des Slowenen Susterschitsch über die bosnische Bauernbefreiung, der von der Regierung verlangt, dein künftigen bosnischen LandcSstatut die Zustimmung zu verweigern, wenn darin nicht der Grundsatz einer staatlichen Ablösung der auf den Kmeten lastenden Pflichten enthalten sei. Die Re- giening wollte aus diesen Antrag nicht eingehen und Herr v. Bienerth verlangte in einer längeren Rede die Ablehnung. Die Tschechen hatten außerdem noch eine» zweiten DringlichkeitSantrag eingebracht, be? daZ Vorgehen der Regierung in der Frage der bosnischen Bauernbefreiung als ein lässig es be- zeichnet und ihr die Mißbilligung ausspricht. Für diesen Antrag, der zuerst erledigt wurde, stimmten 201 Ab- geordnete, darunter natürlich auch die Sozialdemolraten, da- gegen 104. Wenn auch damit der Antrag gefallen war, da Dringlichkeitsanträge geschäftsvrdnungsmäßig zu ihrer Annahme der Zweidrittelmehrheit bedürfen, so war doch die moralische Niederlage der Regierung eine vollkommene. Die Regierungsparteien, die weniger stark vertreten waren, suchten nmi wenigstens die Abstimmung über den Antrag Susterschitsch zu vertagen; das Haus beschloß aber Fortführung der Verhandlung und nun griffen die Regierungsparteien zu gewaltsamer Obstruktion. Nach Schluß der Debatte provozierten zunächst die Deutsch-Radikalen eine heftige Konterverse mit den Schriftführern. Da auch die anderen Parteien der Linken, ins- besondere die C h r i st l i ch- S o z i a l e n mit lebhaften ununter- brochcnen Schlußrufen eingriffen, entstand ein großer Lärm, welcher etwa zehn Minuten anhielt. Der Präfident Pattai, ein Christlich- Sozialer, welcher wiederholt vergeblich das Glockenzeichen gegeben hatte, sah sich nun genötigt, während der Abstimmung die Sitzung auf zwanzig Minnten zu unterbrechen. Bei seinem Wiedererscheiiren wurde er von erneuten Schlußrufen namentlich der Christlich- Sozialen und der Deutsch-Radikalen empfangen und verkündete eine Unterbrechung der Sitzuizg zur Abhaltung einer Obmännerkonferenz. Da er auch zwanzig Minuten später von ohrenbetäubendem Lärm empfangen wurde, schloß der Präsident die Sitzung und erklärte. die nächste im schriftlichen Wege einberufen zu wollen. Der Saal leerte sich nur langsam und die Abgeordnete» blieben noch lange Zeit in erregter Besprechung in den Wandelgängen. frankrdch. Der Streik der Seelente. Marseille, 5 Juni. Etwa 50 eingeschriebene Seeleute stiegen in der vergangenen Nacht an Bord zweier zur Abfahrt bereiter Dampfer, löschten die Kesselfcuer aus und entfernten die Kohlen. Fünfzehn wurden v e x- haftet, vier von ihnen in Haft behalten. Der Eisenbahnerstreik in Korsika. Korsika, 5. Juni. Der Ausstand der Eisenbahner der korfikanischen Eisenbahn dauert seit dem 1. Mai fort. Der Verkehr auf der Insel ist so gut wie unterbrochen. Seit einigen Wochen verkehrt nur eine sehr geringe Anzahl von Zügen. In vielen Ge- meinden herrscht Mangel an Lebensmitteln. Der Aus- st a n d der Seeleute hat die Lage noch verschlechtert. foißlatiä. Lopnchia. PeterSbnrg, 5. Juni. In der heutigen Verhandlung des Kasfationshofes wurde das auf fünf Jahre Zwangs- arbeit lautende Urteil gegen den ehemaligen Direktor des Polizeidepartements Lopuchin in Verschickung zur An- siedelung umgeändert._ Die Reise des Zaren. Paris, v. Juni. Präsident F all l i s r e S teilte heute im Ministerräte mit, der Kaiser von Rußland werde den Besuch, den er ihm im letzten Jahre in Reval gemacht habe, erwidern und am 31. Juli in Chcrbourg eintreffen, um zwei Tage daselbst zu verweilen. Am 2. August reise der Kaiser nach CoweS, wo er mit dem König von England zusammentreffen werde. CCIrfecu Zur Lage. Man schreibt uns aus Konstantinopel: Der Belagerungs- zustand, der noch imnier über Konstantinopel verhängt ist, kann seinen freiheitswidrigen Charakter nicht verbergen, trotzdem er zum Schutze der Verfassung verhängt wurde. So verlangt die Militär« gewalt, daß die Zivilbehörden alle die ausweisen, die keine bestimmte Beschäftigung in der Hauptstadt haben. Was tut die Zivilbehörde? Sie weist große Massen Arbeitsloser als Vaga- banden aus Konstantinopel au 8. So leitet die jung- türkische Regierung ihre soziale Gesetzgebung ein I Auch die Presse wird von diesem Kriegszustand empfindlich betroffen. Nach den Metzeleien von Adana wurde den Zeitungen verboten, über diese Ereignisse zu schreiben. Bald darauf mutzte der liberale„Osmanli* sein Erscheinen einstellen, weil er es gewagt hatte, den Unterstaatssckretär des Innen:, Adil Bey, den bekannten Freund der Armeniermörder, scharf zu kritisieren. DaS- selbe Schicksal. traf die Zeittingen„Serphesti",„Jkdam",„Misan" und.Vollan". Auf solche Art suchen die Jnngtürken sich ihrer Gegner sowohl von rechts wie von links zu entledigen. Auch der Handel hak unter diesen außergewöhnlichen Zu- ständen zu leiden. Ein großer Teil der Kauflcute Konstantinopels unterhält lebhafte Handelsbeziehungen zu den Orten Kleinasiens. wo vor kurzem die Metzeleien stattfanden. Jetzt hat die Kaufmann- schaft einen Ausschutz gebildet, der von der Regierung eine Ent- schädigung für die erlittenen Verluste verlangen soll. Die Lerhältniffe in Konstantinopel sind überhaupt noch nicht gefestigt. Hinter der Verfassung stehen eben nicht die breiten Volks- massen, die sie vor allen Zufälligkeiten schützen würden. Nur die Armee ist der Stützpunkt der jetzigen Regierung. Und auch dieser kann wankend werden._ Die Unsicherheit in Armenien. Konstantinopel, 5. Juni. Die türkischen Blätter veröffentlichen in Form einer offiziellen Mitteittmg ein Telegramm des Wali von Adana vom gestrigen Tage, das einen blutigen Vorfall in der Ortschaft Dortjol meldet: Ein Sergeant desertierte und gab m der Nackt gegen das in der Nähe der Ortschaft befindliche Lager Schüsse ab. Die alarmierten Truvpen erwiderten daö Feuer; einig- Bewohner des. Ortes, dessen sich eine große Panik be- »nächtigte, wurden getötet. Durch die Schüsse des Sergeanten wurden ein Soldat getötet und sechs verwundet. Der Sergeant wurde sestgeuominen und dem Kriegsgericht übergeben. In Albanien. Frankfurt a. M., 5. Juni. Wie der„Frankfurter Zeitung' aus Belgrad gemeldet wird, erfolgten in Altserbien und Nordalbanien zahlreiche Verhaftungen albanesischer Häuptlinge und Ueberweisung der Verhafteten an das Kriegsgericht, weil man Spuren einer weitverzweigten Verschwörung gegen das jungtürkische Regime entdeckte. Die Einschüchterung der Älbmiesen sei aber noch keineswegs gelungen. So habe sich, einer Meldung aus Djakowitza zufolge, der starke Stamm der Malisoren entschieden geweigert, die Waffen an Dschawid Pascha auszuliefern.— Peyficn.' Protest gegen die russische Invasion. Konstantinopel, 4. Juni. Mitteilungen der hiesigen persischen Botschaft zufolge haben die Vertreter der Mächte in Teheran Sattar Khan und den anderen Führern der Revolutionäre Sicherung ihres Lebens versprockjen, wenn sie mit dem Schah in Unterhandlungen eintreten würden. Der größte Teil der Revolutionäre weigert sich jedoch, sich in Verhandlungen einzulassen, bevor die Russen das Land verlassen haben. Die Revolutionäre haben den Vertretern der Mächte abermals Prote st noten gegen das Vorgehen Rußlands über- reicht. Die Bevölkerung Teherans flüchtet aus der Stadt. Die englische Flotte hat Bender Vuschehr verlassen.— Hus der Partei* Tie Tagesordnung des Parteitages. Die Tagesordnung, die Parteivorstand und Kontrollkommission für den Leipziger Parteitag vorschlagen, bringt außer den üblichen geschäftlichen Punkten noch die Beratung des neuen O r g a n i- sationsstatuts und drei Reserate über die Reichs- Versicherungsordnung. Diese Vorschläge werden wahr- scheinlich allgemeine Zustimmung in der Partei finden. Indes fehlt unseres Erachtens ein Thema, dessen Ansetzung schon mehrere Parteitage gefordert haben: die Landarbeiterfrage. Für ihre Erörterung wird auf dem Parteitag voraussichtlich genügend Zeit vorhanden sein. Daß der Gegenstand sehr wichtig und dring- lich ist, bedarf keiner näheren Nachweisung. Der Landarbeiter- verband tritt jetzt ins Leben und die Arbeit der Organisatoren kann durch die Erörterung der Sache auf dem Parteitag nur befruchtet werden. Allerdings ist eine fruchtbringende Beratung nur zu er- Ivarten, wenn rechtzeitig ein oder mehrere sachkundige Referenten bestellt werden. Es dürste also mit der Ergänzung der Tagesordnung nicht bis zum Parteitag gewartet werden. Ein Nachspiel zur Maifeierbeitragaffärc in Brandenburg. In Brandenburg haben sich bekanntlich mehrere der in der Parteidruckerei angestellten Parteigenossen geweigert, den Tagesverdienst des 1. Mai an die von Partei und Gewerkschaften gemeinsam begründete Kasse zu zahlen. Eine Parteiversauunlung, die sich mit diesem Disziplinbruch befaßte, beschloß, daß keiner der Genossen, die dem Parteitagsbeschlutz die Anerkennung vcr- weigern, hinfort ein Parteiamt bekleiden dürfe. Im Verfolg dieses Beschlusses hat der von der Partei und dem Gcwerkschafts- iartell eingesetzte Arbeitcrbildungsausschutz, dem die Aussicht über die Arbeiterbibliothek übertragen ist, den Bibliothekar, Genossen Bär, unter Jnnehaltung der vierteljährlichen Frist gekündigt. Da- gegen erhob der Ortsderein der Buchdrucker beim Gewerkschafts- iartell Einspruch, über den in der letzten Sitzung des Kartells verhandelt wurde. Der Vertreter der Buchdrucker, Genosse Schulenburg vertrat die Ansicht, daß die Beschlüsse der Parten für die Anstellung des Bibliothekars nicht maßgebend sein könn- ten, weil die Partei nur einen kleinen Bruchteil der Unterhaltungs- kosten der Bibliothek zahle. Genosse Peru er rechtfertigte den Beschluß des Bildungsausschusses, der völlig im Rahmen seiner Befugnisse gehandelt und lediglich seine Pflicht getan habe. Da die betreffenden Parteigenossen alle Vermittelungsversuche, die von der örtlichen Parteileitung unternommen wurden, schroff abge- wiesen haben und bei ihrer gegen den Parteitagsbeschlutz gerichteten Erklärung bleiben, aus der eine wenig parteifreundliche Gesinnung spreche, so bleibe nur anzunehmen, daß eS auf einen Zwist zwischen Partei und Gewerkschaften abgesehen ist. Gegen jeden derartigen Versuch Msse allerdings entschiedener Widerstand geleistet werden. In der weiteren Diskussion, an der sich noch eine ganze Reihe von Rednern beteiligte, wurde das Verhalten der Buchdrucker ein- mütig verurteilt; die von den Buchdruckern selbst noch ange- führten Gründe wurden nicht als stichhaltig anerkannt, ihr An- trag wurde mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt und der Beschluß des BildungSausjchusses auf Kündigung des Bibliothekars gebilligt._ Geneindewahlsieg. Bei den Gemeindeausschutzwahlen im Dorfe Hammers- b e ck sNordhantfover) behauptete die Sozialdemokratie ihre Man- date der 2. Klasse und eroberte dazu die beiden erledigten Man- date der 2. Klasse. Dem Gemeindeausschuß gehören jetzt 6 sozial- demokratische und 6 bürgerliche Stimmen au, der Borsteher gibt den Ausschlag._ Jugendbewegung. „Arbeiter-Jugend", Die soeben erschienene Nummer 10 hat folgenden Inhalt: Das Arbeitsbuch. Ein verfehltes Zwangsmittel gegen minder- jährige Arbeiter.— ReichSfinanzreform. Ein politisches Zwie- gespräch zwischen einem Jungen und einem Alten.— Schiffs» lungen gesucht! Von August Freudenthal(Schluß).— Tie Berliner Jugend in der Natur(mit Abbildung).— DaS Werden im Weltall. Von Felix Linke(Fortsetzung).— Die Jugendbildung� auf sozialdemokratischen Parteitagen. II. Von Wilhelm«schrödcr.— Eine gewerkschaftliche Lehrlings, organisation. Von P. B a r t h e l.— Vom Kriegsschauplatz usw. — Beilage: Der blinde Passagier. Von Max Ehth(Schluß). — Sprachinißvcrständnisse.— Ein Held des Alltags. Von E r n st Almsloh.— Aus dem Nachlaß von Wilhelm B V s ch- Sozialea* Steverermüssigmig. Die Einkommensteuernovelle hat, soweit eS sich um die Er- Mäßigung wegen Kinderzahl handelt, riickwirlende Kraft für das Steuerjahr 1909. Nach dem jetzt vom„NeichSanzeiger' veröffent- lichten Erlaß des preußischen Finanzministers haben auch diejenigen, die bereits veranlagt sind(natürlich auch die, deren Reklamation zurückgewiesen war), das Recht, bis spätestens am 26. Juni bei dem Vorsitzenden der Einkommen- st euer-Veranlagungskom Mission Ermäßigung deL Steuersatzes wegen der neuen über die Berücksichtigung der Kinder- zahl bei der Steuerveranlagung in der Einkommensteuernovelle vom 26. Mai ergangenen Vorschriften zu beantragen. Durch Artikel I des Gesetzes betreffend die Abänderung deS Einkommensteuergesetzes und des Ergänzungssteuergesetzes vom 26. Mai 1909 hat nämlich der§ 19 Abs. 1 und 2 deS Einkommen- steuergesitzes die nachstehende Fassung erhalten: „Gewährt ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Betrag von 6590 M. nicht übersteigt, Kindern oder anderen Familien- angehörigeu auf Grund gesetzlicher Verpflichtung(§§1601 bis 1615 Bürgerliches Gesetzbuch) Unterhalt, so werden die im§ 17 vor- geschriebenen Steuersätze ermäßigt um eine Stufe bei dem Vorhandensein von 2, „ zwei Stufen„„ ,,„ 3 oder 4, „ drei„„»«„ 6„ 6 derartigen Familienmitgliedern. Für se zwei weitere solcher Familienangehörigen tritt eine Ermäßigung um eine weitere Stufe ein. Bei Einkommen von mehr als 6500 M.. aber nicht mehr als 9500 M. wird der im§ 17 vorgeschriebene Steuersatz ermäßigt um eine Stufe, wenn der Steuerpflichtige 3, , zwei Stufen,,„, 4 oder B Kindern oder anderen Familienmitgliedern auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt gewährt. Für je zwei weitere solcher Familienangehörigen tritt eine Ermäßigung um eine weitere Sttlfe ein.' Nach diesen Bestimmungen hat also Ermäßigung zu erfolgen: bei Einkommen bis zu 6500 M.: um eine Stufe bei dem Vorhandensein von 2, zwei Stufen„„„„3 oder 4, „ drei„ ,,„„» 5„ 6, „ vier ,,„„"„ 7„ 8, „ fünf wv**„9»10 usw., bei Eittkemm.cn von mehr als 6200 vis 0200 M.: um eine Stufe bei dem Vorhandensein von 3. , zwei Stufen„„„„4 oder 5, „ drei„„„„„ 6„ 7, „ vier»»u u» 6„ 9 usw. unterhaltsbedürftigen Fanrilienangehörigen. Nach dem Tnrnverbot Verbote gegen Musik und Tanz. Die gesetzwidrigen Verfügungen, Turnunterricht nicht zu erteilen, haben auch zum Eingriff in den Musik- und Gesangunterricht geführt. Die Regierung in Oppeln, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, hat folgenden UkaS au den Gesanglehrer Herr Projacki in Kattowitz erlassen: „Es ist festgestellt worden, daß Sie an mehreren Orten des oberschlesischen JndustriebezirkS jugendlichen Personen Musik- und Gesangunierricht erteilt haben, ohne die hierzu erforderliche behörd- liche Genehmigung zu besitzen. Wir untersagen Ihnen die Erteilung von Unterricht an fügend- liche Perjonen im Alter bis zu 21 Jahren und drohen Ihnen für jeden Fall der Zuwiderhandlung eine Geldstrafe von 300 Mark an. an deren Stelle im NichtbeitrcibungSfall für je 12 Mark ein Tag Haft eintritt." Die Verfügimg ist mit den Gesetzen unvereinbar. Demnächst wird ja, da gegen Genossen Weber und Wildung wegen unserer Aufforderung von: 27. März, ähnliche Verfügungen auf den: Gebiets des gewerblichen Turnunterrichts unbeachtet zu lassen, Anklage er- hoben ist, das Rechrsungültige und Verfassungswidrige des Kultus- Ministers Holle und der ihm folgenden Provinzialschulkollegien und Regierungen vor Gericht erörtert werden. Entgelt für verbotswidrige Arbeit. Das Hamburger Gewerbegericht hat kürzlich in einem Er- kenntnis unter Vorsitz dos Dr. Hoos anerkannt, daß dem Arbeiter, der entgegen einer Arbciterschutzvorschrift Arbeit leistet, zwar nicht auS dem Arbeitsvertrag, aber aus den Grundsätzen über ungerecht- fertigte Bereicherung Entgelt zusteht und daß für diesen Anspruch das Gclverbcgericht zuständig ist. In Hamburg ist für Barbiergehülfei: ein halber freier Tag in der Woche angeordnet. Ein Barbicrgchilfe, der volle lö Wochen hindurch ol�nc Halbfeiertage gearbeitet hatte, klagte u. a. Entschädigung für diese IS freien Tage ein. Diese wurden ihm unter folgender Begründung zuerkannt: „Unstreitig sei zwischen den Parteien, daß dem Kläger während 12 Wochen der ihn: nach der Bekanntmachung des Senats von: 27. März. 1892 mud de:u-Erlaß.-der Polizeibehörde vom 1. April 1895 zukommende freie halbe Tag nicht gemährt worden fei, und daß der Kläger während dieser Zeit im Gewerbebetrieb des Be- klagten als Gehilfe gearbeitet habe. Der Beklagte habe sich damit gegen die§§ 105e und 116a der Gewerbeordnung vergangen und strafbar gemacht. Die an den fraglichen halben freien Tagen geleistete Arbeit habe der Beklagte dem Kläger nicht ver- gütet. Auf diese Dienstleistungen könne die Fiktion des§ 612 des Bürgerlichen Gesetzbuches keine Anwendung finden, da diese nur in Betracht komme, wenn über die Dienstleistung ein Vertrag geschlossen sei. Es würde allerdings durch die Leistung und An- nähme der Dienste an den freien Tagen stillschweigend ein Vertrag zustande kommen können; dieses sei aber nur dann angängig, wenn rechtlich die Möglichkeit bestehe, hierüber einen gültigen Vertrag abzuschließen. Das Gericht habe diese Frage verneint. Denn da dem Arbeitgeber auf Grund der oben er- wähnter Bestimmungen bei Strafe verboten sei, an den freien halben Tagen den Gehilfen zu beschäftigen, sei ein stillschweigender oder ausdrücklicher Vertrag gemäß§ 134 des Bürgerlichen Gesetz- buches nichtig. Wenn auch die L c i st u n g d e s K l ä g e r s nicht verboten sei, so verstoß doch die Annahme seiner Dienste tzegen§ l06e der Geiverbcordnung. Da die Annahme der Dienste für das Vorhandensein des Vertrages ein notwendiger, unzer- trennbare Teil desselben sei, so verstofze dieser selbst gegen das Ver- botZgesetz. Nichtigkeit des Vertrages trete in jedem Falle dann ein, wenn eine der Willenserklärungen gesetzlich zulässig sei. Wenn ein Vertrag über Arbeitsleistungen in der gesetzlich verbotenen Zeit gültig wäre, so müßte man dem Arbeiter auch einen klagbaren Anspruch auf Erfüllung, d. h. darauf geben, während dieser Zeit beschäftigt zu werden. Dann lvürde aber der Schutz der Arbeiter, die die Geiverbcordnung durch die betreffenden Bestimmungen schützen wolle, wiederum illusorisch werde». Es sei aber nicht denkbar, daß dasselbe Gesetz einerseits ztvilrechtlich eine vertrag- liche Verpflichtung deL Arbeitgebers zulassen und andererseits straf. rechtlich die Erfüllung dieser Verpflichtung verbieten wolle.(Vergl. Reichsgcsetz�Bd. 21. S. 401, Bd. 66. S. 42 ff, Lotmar, Arbeits- vertrag II S. 377, Berger-Wilhelmi, Kom. zu§ 10Se der Gewerbeordnung.) Trotz Nichtigkeit des jedesmal stillschweigend abgeschlossenen Vertrages habe das Gericht den Anspruch des Klägers für rechtlich begründet erklärt. Allerdings sei ein Schaden- Ersatzanspruch, weil der Beklagte ein den Schutz eines anderen bezewckendeu Gesetzes verletzt habe(§ 828. Abs. 2. deD Bürgerlichen Gesetzbuchs), oder weil er auf die Gültigkeit des Vertrages ver- traute j§§ 309, 307 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) nicht gegeben, da der Kläger durch die Verrichtung der Arbeit keinen Schaden erlitten habe, es sei denn, daß er nachweisen würde, daß er zur selben Zeit andere Arbeit gehabt und diese versäumt habe. Dagegen sei der Anspruch aus dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung berechtigt. Da eine Verpflichtung zur Leistung an den freien halben Tagen nicht bestanden habe, so habe der B e- klagt e durch die Arbeitsleistung des Klägers einen Vorteil er- langt, auf den er rechtlich keinen Anspruch gehabt habe. Zweifellos rechtfertige die Leistung von Diensten in Ermangelung eines Rechts- grundes eine Klage auf Herausgabe des Erlangten. Denn es genüge, daß die Bereicherung des Beklagten auf Kosten des Klägers geschehen sei, ohne daß diesem ein positiver Vermögensbestandteil entzogen zu sein brauche. Trotzdem dem noch streitigen Klage- anspruch ein Arbeitsvertrag nicht zugrunde liege, habe das Gericht seine Zuständigkeit bejaht, denn die dem Beklagten als Arbeit- geber obliegende Leistung sei als„Leistung auS dem Ar- beitsverhältniS" zu bezeichnen, so daß das Gewerbcgericht nach§ 4 des GewerbcgerichtSgesetzes über den Rechtsstreit zu cul- scheiden habe.(Vgl. Stadthagen, Arbeiterrecht S. 39.) Somit sei der Anspruch des Klägers den: Grunde nach he- rechtigt. Was nun den Umfang desselben betreffe, so sei der Be- klagte, da die Herausgabe der Leistung des Klägers unmöglich sei. nach§ 818 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs verpflichtet, den Wert der Leistung zu ersetzen. Der Beklagte habe für die Leistung des Klägers je 1,60 M. für angemessen erklärt. ES sei daher in Höhe von 22,60 M. Teilurtcil zu erlassen, im übrigen noch über die Höhe iSS Ztzcirtuna BeMiS zu exheben. Gewerfefcbaftlicbc� Berlin und Clmgcgend. Leber die Zustände im Zoologischen Garten birbandelte in der Freitagnacht eine vom Verband der Gastwirtsgehilfen einberufene öffentliche Versammlung in der Aittoria- brauerei, Lützowstrahe. Ter Referent P o e tz s ch schilderte die von uns bereits wiedergegebenen Vorgänge, die am 2. Pfingst- feiertags zu dem Ausstand der Kellner führten. Nachstehende Resolution fand die einstimmige Annahme der gutbesuchten Versammlung: „Die Versammlung verurteilt auf das entschiedenste die im Restaurant„Zoologischer Garten" bestehenden unwürdi- gen Lohiu- und Arbeitsverhältnisse. Sie erkennt die Forderungen der Kollegen von der W e i n a b t c i l u n g als durchaus berechtigt und äuszerst bescheiden an. In Anbetracht der Tatsache, daß die Zentralisation der gast- Wirtschastlrchen Betriebe immer mehr fortschreitet, in Erwägung dessen, daß durch diese Vertrustung der Hotel- und Restaurationsbetriebe der Druck des Unternehmertums auf die Angestellten immer stärker und unerträglicher wird, erklärt die Versammlung es als eine unbedingte Nötwendig- keit, eine große leistungsfähige Organisation anzustreben, die imstande ist, den berechtigten Wünschen der Angestellten mehr Nachdruck zu verleihen und die energisch und rücksichtslos Front machen kann gegen die im Gastwirtsgcwerbe übliche Ausbeutung und die durch die Stellenvcrmittler betriebene Bewucherung der menschlichen Arbeitskrast. Tie Versammelten anerkennen im Verbände d e u t- scher G a st w i r t s g e h i l s e n diejenige Organisation, welche unausgesetzt bestrebt ist, die Lage der Angestellten im Gastwirts- gewerbe zu verbessern und sie erklären jich deshalb allesamt bereit, dem Verbands beizutreten." Achtung, Zigarettenarbcitcr! Ueber die Firma K Y r i a z i freres in Berlin, Friedrich- straße 1216(nickst zu verwechseln mit der gleichnamigen Firma Khriazi freres in Eairo), deren wechselnde Inhaber es sich an- scheinend zum Prinzip gemacht haben, noch unter den schon so niedrigen ortsüblichen Minimallöhnen zu zahlen, wird hiermit die Sperre verhängt. Am Sonnabend vor Pfingsten wurden die Arbeiter schon mittags entlassen, weil angeblich nickst genügend geschnittener Tabak vorhanden war. Aus demselben Grunde sollten sie auch erst am Mittwoch, den 2. d. M. wieder anfangen. Zu ihrem nicht geringen Erstaunen bemerkten die Arbeiter, als sie am Mittwoch die Arbeit wieder aufnahmen, daß auf ihren Plätzen d'e Pfingst feiertags über ge- arbeitet worden war. Einem Arbeiter, der sich erlaubte, einen Vertreter der Firma über die Ursache dieses rätselhaften Vorkommnisses zu fragen, wurde sofort die Tür gewiesen und ihm seine Entlassung mit- geteilt. Taraufhi» erklärten sich 13 Arbeiter und Arbeiterinnen mit dem Entlassenen solidarisch und legten die Arbeit nieder. Die Unterhandlungen, die von der Vcrbandsleitung noch am Donners- tag mit der Firma aufgenommen wurden, sind nach zweimaligen, Vorstclligiverdcn ergebnislos verlaufen. Mai, erklärte den Per- band-vertretern gegenüber ganz einfach:„Dann lasse ich mit der Maschine arbeiten". Leider scheint bei einem Teil der griechischen Zigarcttenarbcitcr, die auf anderen Fabriken arbeiten, die Unsitte eingerissen zu sein, nach Feierabend und an Sonn- und Feiertagen bei griechischen Zigarcttenfirmcn die Plätze der sonst dort arbeitenden Zigaretten- wacher einzunehmen, wodurch sie, wie dieser Fall beweist, diese Kollegen und Kolleginnen ganz empfindlich schädigen. Deutscher Täoakarbciterbcrband, Zahlstelle Berlin. Sonntagsruhe im Süden, Südost und Rixdorf. Seit einigen Jahren ist von den Inhabern der Warenhäuser und Detailgeschäfte im Süden, Südost und Rirdorf die Vereinbarung getroffen worden, an den Sonntagen während der Sommermonate die Geschäfte von 12— 2 Uhr mittags geschlossen zu halten. Auch in diesem Jahre haben sich alle in Frage kommenden Ge- schäftsinhaber verpflichtet, au den Sonntagen bis September die Geschäfte nur bis 10 Uhr vormittags zu öffnen, mit Ausnahme der Firma Otto Nack, O r a n i e n st r a ß e 22. Vertreter des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und des Deutschen Transportacbeiterverbandcs wurden deshalb vorstellig, um Herrn Otto N a ck zu veranlassen, der Vereinbarung ebenfalls beizutreten und sein Geschäftslokal von 10 Uhr vormittags an ge- schlössen zu halten. In scharfer Weise lehnte jedoch Herr Otto Nack jede Verhandlung mit den Vertretern ab, mit der Erklärung,„daß er mit Sozialdemokraten nichts zu tun haben will Durch die Weigerung droht nunmehr die ganze Vereinbarung zu scheitern. Hunderten von Angestellten würde die so dringend notwendige erweiterte Sonntagsruhe vorenthalten werden, nur deshalb, weil es Herrn Otto N ack beliebt, aus der Reihe zu tanzen. Vielleicht überlegt sich das Herr Olto Nack noch einmal, der mit sozialdemokratischen Konsumenten immer gern zu tun gehabt hat und im Südosten ohne diese schwerlich auf seine Rechnung käme Streik und Aussperrung bei der Firma Borsig und das Verhalten der Direktion lautete die Tagesordnung einer Betriebsversammlung aller bei Borsig in Tegel beschäftigten Arbeiter, die gestern nach- mittag bei Trapp in der Vahnhofstraße stattfand. Der Saal tvar überfüllt und reichte nicht aus, um die Masse der Er- schieneuen zu fasse», so daß viele im Garten stehen mußten. Die Versammlung hatte den Zweck, die noch im Betriebe tätigen Arbeiter über die Vorgänge aufzuklären und ihnen Gelegenheit zu geben, Stellung dazu zu nehmen. Handle, Vertreter des Metallarbeiterverbandes, schilderte die Eurwickelung des Streiks und der Aussperrung und hob hervor, wie das ja auch die im„Vorwärts" bereits mitgeteilten Tatsachen beweisen, daß die Arbeiterschaft durchaus nicht, sondern lediglich die Direktion und Betriebsleitung an den Streitigkeiten die Schuld trägt.— Sodann berichtete ein Vertreter der Subkoiiunission des Arbeiter« ausschusse-Z über die Verhandlungen mit der Betriebsleitung. Sie hatten nur das Ergebnis, daß den Subkommissions- Mitgliedern erklärt wurde, loenn die Former, Stemmer und Schmiede die Arbeit bis Sonnabend nachmittag, also gestern, nicht bedingungslos wieder aufnähmen, werde vom Monrog ab das ganze Werk geschlossen. Die Sllblommisjionspertretcr sind dann jedoch gestern nochmals ins Kontor gerusen worden. Es wurden ihnen neue Vorschlüge geinacht. die aber im allgemeinen wieder dar- aus hinausliefen, daß die Lohnabzüge bestehen bleiben sollten. Man wollte den Streikenden mir bis zuniMontagZeit zur Ueberlegung lassen. Im Anschluß hieran berichtete S i e r i n g als Vertreter des SchmiedeverbandcS über die Differenzen in der Hammerschmiede. Es handelt sich hier um Schmiedearbeit, die die Firma Borsig für die„Union" in Königsberg und für Schwartzkopff in Berlin aus- führen wollte. Man sagte, die Arbeit sei zu einem sehr niedrigen Preis übernommen worden und die Schmiede sollten sie deshalb auch zu geringeren Akkordsätzen ausführen. Die Schmiede weigerten sich dessen und diejenigen, die die Schwartzkopffsche Arbeit ausführen sollten, wurden deshalb„zur Disposition" gestellt, also auch ausgesperrt. Die Betriebsleiiung behauptet, daß diese Arbeit bereits an die Firma Schwartzkopff zurückgeschickt ist. In der Diskussion kam die Entrüstung über das Verhalten der Welt- sirma Borsig lebhaft zum Ausdruck. Stimmen lvurden laut, die verlangten, daß man der geplanten Generalaussperrung durch all- geineine Arbeitsniederlegung zuvorkommen sollte. Schließlich wurde jedoch folgende Resolutiou einstimmig angenommen: „Die Versammlung der Arbeiter der Firma Borsig nimmt Kennt- ms von der Entstehung und den Ursachen des Streiks und der Aus- fperrung und spricht den streikenden und ausgesperrten Kollegen ihre Sympathie aus. Mit Rücksicht darauf, daß die fortwährende VsrfchlechtertMg der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu diesem Konflikt mit der Firma geführt hat, lehnt die Arbeiterschaft jede Verantwortung für die bestehenden Differenzen als auch für deren Folgen ab. Die Versammlung beaufrragt den Arbeiterausfchutz, mit der Firma zwecks Beilegung der Differenzen zu verhandeln. Damit hat aber auch die Arbeiterschaft bewiesen, daß sie alles getan hat, um noch in letzter Stunde eine friedliche Beilegung der strittigen Angelegenheit zu ermöglichen." Achtung, Schuhmacher! Tie Sperre bei der Firma Schubert, Elisabethstr. 28-20, erklären wir für aufgehoben. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltunz Berlin. Achtung, Mützenmacher! Tie Differenzen bei der Firma S. Gärtner u. Co., Markusstr. 50, sind durch Anerkennung der vom Verband am 26. Mai aufgestellten Forderung beigelegt worden. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Kürschncrverband, Ortsverwaltung Berlin. Dcutfchcs Reich. Tic Aussperrung der Schuhmacher bei der Firma Bühring u. Co. in Magdeburg ist durch Vcrgleichsverpandlungen bc- endet worden. Die Aussperrung erfolgte bekanntlich am l. Mai, obwohl die Arbeiter in früheren Jahren anstandslos die Maifeier hatten begehen können. In diesem Jahre bestanden jedoch Tiffe- renzen zwischen der Betriebsleitung und den Arbeitern, die in- folgedeffen vor dem 1. Mai ihre Kündigung eingereicht hatten. Tie Arbeit wird jetzt am kommenden Montag wieder aufgenommen. Aus den Vereinbarungen ist hervorzuheben, daß vom l. Oktober d. I. ab die 0',2 ständige Arbeitszeit eingeführt wird. Maßregeluiige« finden nicht statt._ Zur Bewegung im Holzgewerbe in ZZheinland-Westfalcn. Dem Arbeitgeberbund für das Baugewerbe wird jetzt endlich klar, daß alle seine Anstrengungen, die Arbeiterorganisationen des Holzgevoerbes unterzukriegen, vergeblich sind. Der Oeffeutlichkeit gegenüber hat man aus der Generalversammlung des„Bundes" in Bielefeld noch kräftige Töne angeschlagen, während man hinter den Kulissen ausknobelte, wie man sich aus der Patsche ziehen rann. Hierzu will man den Gcwerbcgerichtsvorsitzenden in Essen, Herrn Beigeordneten Rath, benutzen. Dieser Herr nahm auch an der G e 11 e r a l v e r s a m ni I u n g des„Bundes" teil! — Merkwürdig, der Mann ist doch nicht Sekretär des Arbeitgelier- bundes. Was mag er dort verloren haben? Der ängstlich be- strebt sein sollte, jeden Schein zu meiden, als ob cr, der Porsitzende des„EinigungsamtS für das Baugewerbe", den Arbeitgebern näher steht als den Arbeitern. Hat er dort den Arbeitgebern mit„Rat und Tat" zur Seite gestanden und ihnen den Weg gezeigt, wie sie sich ohne weitere Blamagen aus der Affäre ziehen können? Fast scheint es so, denn kurz nach der Generalversammlung erhielten die beteiligten Arbeiterorganisationen nachfolgendes Schreiben: Essen, 24. Mai 1000. Um der Bewegung im Schrei ncrgcwcrbe im rheinisch-tvest- fälischen Industriegebiet im allseitigen Interesse ein tunlichst schleimiges Ende zu bereiten, gestatte ich mir in meiner Eigen- schast als Vorsitzender des Einigungsamts für das Baugelvcrbc in Rheinland und Westfalen den beteiligten Organisationen folgenden Eiiiigungsvorschlag zu machen: 1. Die Arbeit wird unter Rückziehung aller Kündigungen unter den vor Bessin» der Bewegung vorhandenen Bedingungen allerorts wieder aufgenommen. 2. Die infolge Beschlusses des Arbcitgcbcrbundcs vom 6. März d. I. eingetretenen Lohnkürzungen werden nachträglich den an die Arbeitsstelle zurückkehrenden Arbeitnehmern aus- gezahlt. 2. Alle beteiligten Organisationen erklären sich mit der alsbaldigen Ausnahme von TarifvertragS-VerHaudluugen vor dem Unterzeichneten einverstanden. Ich bitte um tunlichst schleunige, wenn möglich dratliche vor- bchaltlose Zustimmung, damit die Wiederaufnahme der Arbeit keine unnötige Verzögerung erleidet. Der Vorsitzende des Einigungsamtes. Gez.: Rath, Beigeordneter der Stadt Essen. Die in Frage kommenden Verbände haben darauf geantwortet, daß man Verhandlungen niemals ablehne. Ob aber die Arbeit vorher aufgenommen werden solle, darüber hätten die Ansge- sperrten zu entscheiden. Diese haben nun zu den„Einigungsvor- schlägen" Stellung genommen und, wie nicht anders zu erwarten war, die Wiederaufnahme der Arbeit vor den Verhandlungen ab- gelehnt. Die Ausgesperrten wollen erst wissen, unter welchen Be- dingungen sie in Zukunft arbeiten. Ohne nennenswerte Zngcständ- nisse werden sie nicht in die Arbeitsstellen zurückkehren. Dazu liegt auch gar kein Anlaß vor, denn die Unternehmer sind am Ende ihres Lateins. In Duisburg ist die Aussperrung nun auf der ganzen Linie zurückgenommen und haben alle in Frage kommenden Unternehmer eine wöchentliche dreistündige Arbeitszeitverkürzung mit entsprechender Lohnerhöhung beivilligt. In Dortmund hat eine weitere große Firma ab 1. Juni die 0stündigc Arbeitszeit eingeführt und mit anderen Unternehmern sind gegenwärtig Vcr- Handlungen im Gange. Die Unternehmer in Bochum und Hagen haben die Aussperrung zurückgenommen und in einem solchen Augenblick sollten die?lrbciter unter den von Herrn Rath vorge- schlagenen Bedingungen, die mir die Interessen der Unternehmer berücksichtigen, in die Arbeit zurückkehren? Eine starke Zumutung! — Wenn Herr R a ich keine anderen Vorschläge hat, hätte cr sollen diese dem Arbeitgcberbund— zurückgeben. Die Holzarbeiter in Eilenburg(Prob. Sachsen) haben am 1. Juni den mit den Unternehmern abgeschlossenen Tarifvertrag gekündigt. Ter Vertrag läuft noch bis 1. September 1000. Ter Kampf im Hamburger Baugewcrb?. nimmt an Ausdehnung zu. Tie Maurer haben 0 Betriebe ge- sperrt. Für den c-ounabend ist zu crlvarten. daß 5000 Arbeiter ausgesperrt werden._ Tie Gicßcrcibesitzcr in Velbert haben einen neuen Lohn- taris— natürlich ohne Mitbilse der Arbeiter— ausgearbeitet und in den Betrieben ausgehängt, der bedeutende Ver- s ch l e ch t c r u n g c n enthält. Die Former versuchten zu unter- handeln, bisher aber vergeblich, so daß es bereits in vier Gieße- reicn zu ernsthaften Differenzen gekommen ist und heute schon über 100 Former sich im A u s st a n d e befinden. Andere sollen folgen. Mit Spannung sieht mau der Zukunft ent- gegen. Um die Situation durch öffentliche Polemiken nicht noch mehr zu verschärfen, hat die Ortsverwaltung des Metallarbeiter- Verbandes bisher geschwiegen, will sich momentan auch jeder weiteren Aeußerung'enthalten, um einer hoffentlich baldigst ein- tretenden Einigung nichts in den Weg zu legen. Nur an den Unternehmern liegt es, ob es zum Frieden kommen oder Krieg geben wird._ Wie es Lnorganistcrtcn ergeht. Die Firma Franzcn Söhne. Bügelfabrik in Wald bei Solingen, hat den Bügclfchleifern eine Zvprozentige Lohn- reduktion angeboten und auch bereits durchge- führt. Auch bei anderen Arbeiterkategoricn in derselben Fabrik, wie beispielsweise den Maschinenarbeitern. sollen Lobiireduktionen bis zu 20 Proz. vorgenommen werden. Von den zahlreichen Arbeitern ist so gut wie keiner organisiert. Alle Ermahnungen des Mctallarbeiterverbandes. sich zu organisieren, wurden bisher in den Wind geschlagen. Tie Maßnahmen der Firma, die auch in„Wohl- tätigkeit" macht, dürften den Arbeitern wohl endlich die Augen öffnen._ HusUneL Philadelphia. Der Streik der Strasienvahnbeamtcn, der das ge- schäftliche Leben Wochen hindurch beeinträchtigte, ist beigelegt. Der Betrieb wurde wieder aufgenommen. Em Industrie und F)a«dcL Einfuhrschcinc. Die Handelskammer Mannheim hat an Reichstag und Bun- dcsrat eine Eingabe gemacht, in welcher die Aufrechterhaltung der durch die Einrichtung der Einfuhrscheine beim Getreide- Handel geschaffene indirekte Erportprämie, und die nach den See- Häfen und der trockenen Grenze bestehenden günstigen Export- tarife auf den Eisenbahnen, gefordert wird. Veranlassung zu dieser Eingabe gab der genannten Handelskammer der Umstand» daß der Reichstag einen Antrag der Freisinnigen aus Abschwächung des Prämienwcsens der Budgetkommission zur Vorberatung und Berichterstattung überwiesen hat. Hier fallen nämlich die Jnter- essen der Getreideerporteure mit denen der Agrarier zusammen. Aber ein selten starkes Stück bleibt es darum doch, daß die Nkann- heimer Handelskammer durch unrichtige Angaben Reichstag» und Bundesrat für die Aufrechterhaltung des bestebenden Zustemdes einzunehmen versucht. Tie ungeheuer hohen Weizenpreise kann man nicht fortreehnen, aber, sagt die Handelskammer,„das rührt nicht daher, daß in Deutschland das System der Einfuhrscheins besteht, sondern daher, daß in den beiden letzten Jahren Rußland und Rumänien einerseits, verschiedene überseeische Länder anderer- seitS kleine Weizenernten halten, wodurch die Versorgung des Weltmarktes eine auffallend unvollständige war. Die Preise auf dem Weltmarkt wurden infolgedessen in die Höhe getrieben, was selbstverständlich auch eine Steigerung der deutschen Getreidepreise und eine etwas erschwerte Versorgung des deutschen Marktes zur Folge hatte, ohne daß indessen bis jetzt ein ausgesprochener Mangel zutage getreten wäre." Diese Angaben sind direkt unwahr, denn es stieg von IM? auf 1008 die Weizenernte Rußlands von 141,8 Millionen Doppel- zentner aus 142,0 Millionen Doppelzentner und die Rumäniens sogar von 11,03 Millionen Doppelzentner aus 16,3 Millionen Doppelzentner. Aber auch die nainentlich für unseren Import in Betracht kommenden außereuropäischen Staaten erzielten höhere Ernten: die Vereinigten Staaten von 172,3 aus 181,0, Argentinien von 42,2 auf 62,2, Kanada von 24,0 auf 37,7 und Indien von 68,3 auf 87,0 Millionen Doppelzentner. Die Gesamtwelternte in Weizen stieg von 806,3 auf 867,3 Millionen Doppelzentner. Auch Deutschland ist an dieser Steigerung beteiligt. Der Ertrag der Ernte erhöhte sich hier von 24,8 auf 28,0 Millionen Doppelzentner. Jiisolgedesseii hätten die Preise sinken müssen, aber sie sckzyellten rapid hinauf, und zwar dank des Eirifuhrfcheinsystems. Die Weizenanfuhr im Mannheiiner Hafen war von 6 221 460 Doppcl- zeniiier auf 5 408 970 Doppelzentner im lebten Jahr zurück- gegangen, ioobingegen die Ausfuhr nach der Schweiz von 470 060 auf 616 000 Doppelzentner hinaufging. Die Zurückhaltung der Importeure beim Einkauf und die Steigerung der Ausfuhr nach der Schweiz hatte zur Folge, daß die Getreidcvorräte in den Mannheiiiier Transitlägerii sich aus 14 680 Tonnen Ende 1008 gegen 20 470 Toniieii im Vorjahre verminderten. Nicht die geringe AnslandZernte bat die Preise für Weizen in die Höhe getrieben. sondern die Ausfuhrprämien und die von den Importeuren im Interesse hoher Preise für die Lagerware geübte Zurückhaltung in der Einfuhr. Daher die Liebe für das Einfuhrscheinsystem und für niedrige Exporttarife. Die beiden Faktoren garantiercii eine Liebesgabe auf Kosten der Brotkonfumentcn, an der sich Agrarier und Exporteure delektieren._ Protest gegen die agrarisch-klerikale Sfdncrmachc. Der Ausschuß des Deutschen.Handelstages bcschöstigte sich in einer in Magdeburg abgehaltenen Sitzung mit der Reichsfinanz- reform und nahm eine Resolution an, in der es heißt: ..... Dann mußte man mit steigender Verwunderung und fft«ige«dein Itnwillen sehen, wie in kürzester Frist von der Reichs- rngstonimission eine Reihe neuer Steuern beschlossen wurde, rchne daß den von ihnen berührten Verhältnissen eine auch nur annähernd angemessene Erörterung zuteil wurde." Die Einladung zu der von dem Zeniralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbcs und dem Zeutralverband deutscher Industriellen für den 12. Juni nach Berlin berufenen Versamm- hing wurde angenommen, und es wurde beschlossen, auch den Hau- delskammern die Teilnahms an der Versaiilinluiig zu cmpfclzlen. um auf diese Weise ein Zusanmiengehen der gesetzlichen Körper- schaften für Industrie und Handel und der freien Vereine herber» zuführen. Letzte JVacbricbten und DcpcScbca Auö der göttlichen Wcltordnung. Frankfurt, 5. Juni.(B. H.) In der Kleinen Eschenheimer Straße versuchte eine arme Frau init ihren beiden kleinen Kindern, durch Einatmen von Ki'htrngaq sich zu vergifte», indem sie den Ofen anzündete und alle Rohre verstopfte. Die durch den Rauch aufmerksam gelvordenen Hausbewohner öffneten die Zimmcrtür und ließen die bewußtlose Frau ins Spital bringen. Die Kinder hatten weniger gelitten. Die Frau soll in großer Not ocwcse» srin. Erfolgreiche Revision. Leipzig, 5. Juni.(W. T. B.) D«s Reichsgericht verhandelte heute über die Revision des Kaufmanns Otto Fell er, der am 20. März vom Schwurgericht beim Landgericht I, Berlin, wegen eines an dem Rentier He i d m an n begangenen Giftmord- Versuchs zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Die Sache wurde au das Schwurgericht zurückverwiesen, weil der als Zeuge vernommene Heidmann nicht auf das Recht der Zeugnis- Verweigerung hiligewicsen worden ist. Ueber die Revision des Staatsanwalts in Sachen der wegen Beihilfe zum Mordversuch initangetlagten und im Hauptvcrfahren sreigespro6)encn geschie- denen Ehefrau des Verletzten, Johanna Schrocdcr, wird später vcrlzandclt werden._ Vom Auto des GroßhcrzogS überfahren. Weimar, 6. Juni.(W. T. B.) DaS Automobil des Groß- Herzogs überfuhr heute nachmittag auf der Ettcrsburger Chaussee einen Knaben, der so schwer verletzt wurde, daß er kurze Zeit darauf Harb. Der Großhcrzog kehrte sofort um und holte einen weima- rischcn Chirurgen herbei. Ten Chauffeur dcS Großherzogs trifft dem Vernehmen nach keine Schuld. Regelmäßiger Luftschiffverkehr in Frankreich. Paris, 6. Juni.(W. T. B.) Nach Erklärungen des Dr. Q u 1 11 Eo n sollen durch die von der französischen Luftschiff. fahrtSliga geplanten Linien regelmäßige Verbindungen zwischen Paris, Nancy. Ronen, Lyon und Pan sowie verschiedenen Zwischen- stntionen hergestellt werden. Bei Paris, Mcaux, Reims, Nancy, Fontainebleau, Orleans und Pau sind Ballonhallen teils vollendet, teils soll deren Bau demnächst in Angriff genommen werden. Fünf lenibare Ballons von 3600 bis 7000 Kubikmeter sollen außer 0er Mannschast 8 bis 20 Reisende befördern könne». Man hofft. daß die ersten regelmäßigen Fahrten bereits Anfang September werden stattfinde» können. Ucbcrfall auf einen SchissSkapitän. Kobeuhagen, 6. Juni.(W. T. V.) Auf dem auf der hiesigen Reede liegenden deutschen Petroleumdampfcr„Mannheim" überfiel ein holländischer Matrose den Kapitän Schaeffer und ver- setzte ihm einen Messerstich in den Hals, weil er ihm einen Land» Urlaub verweigert hatte. Der Kapitän ist lebensgefährlich ver- letzt iiiid ins Frederikshospital übergeführt worden. Der 2?iatrosg wurde verhaftet. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnferatenteil verantw.: Ih. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VcrlagSanstali Paul Ringer SCo., Berlin ZW. Hierzu 4 Beilagen, Nr. 129. 26. Iahrgaug. 1. Keilaze des„Jlorniitts" Kerlim Jnlbllrtt. Z'omtüg, 6. Iiiiü 1909. 9. CeveralvttsWmlWg des Deutschen Metullurdeiter- Verbundes. Hamburg, 4. Jun?. Tie Beratung der zum Statut gestellten Anträge nimmt noch geraume Zeit in Anspruch. Zu Z 7, der von den Unter- stützungseinrichtungen handelt, liegt ein Vorstands- antrag vor, aus dem Passus:„Gemaßregeltenunter- st ü tz u n g, wenn sie infolge Eintretens für vom Verband aner- kannte Arbeitsbedingungen oder infolge ihrer im Einverständnis mit den Verbandsorganen entwickelten Verbandstätigkeit arbeitslos geworden sind und die betreffende Maßregelung vom Vorstand oder Bezirksleitung anerkannt ist," die Worte„infolge Eintretens— oder" zu streichen, wird von mehreren Delegierten lebhaft bekämpft, weil dadurch die Agitationslujt der Funktionäre beeinträchtigt werde; solche„Krisenparagraphen" solle man vermeiden. Der Antrag wird abgelehnt. Die Frage der Erwerbslosenunter st ützung ruft ebenfalls eine lange Reihe Redner auf den Plan. Die Kommission ist mit dem Vorstande der Meinung, daß im Interesse der Finanzen des Verbandes und um eine Erhöhung der Beiträge vorläufig noch zu vermeiden, die Karenzzeit verlängert werden muß und die Steigerung der Unterstützungssätze nur von zwei zu zwei Jahren erfolgen soll. Der Antrag, die Steigerung der Wartezeit für den gairzen Umfang der Eriverbslosenunter- stützung auf 78 Wochen eintreten zu lassen, wird in nament- licher Abstimmung abgelehnt. Dasür stimmten 118, dagegen 81 Delegierte, es war mithin nicht die erforderliche Zweidrittel. Mehrheit vorhanden. Für 7 2 Wochen stimmten 151, dagegen 29 Delegierte. In ebenfalls namentlicher Abstimmung wird der Antrag, die Steigerung der Unterstützungssätze von zwei zu zwei Jahren(bislang jährlich) eintreten zu lassen, abgelehnt. Da- für stimmten 95, dagegen 84 Delegierte; es ist demnach keine Zweidrittelmehrheit vorhanden. Die Statutenberatungskommission trat dann nochmals zu einer Beratung zusammen, um die sich aus dem Beschluß auf Bei- beHaltung der jetzigen Steigerungssätze ergebenden Konsequenzen zu prüfen. Auf ihren Antrag wird der Beschluß annulliert und der Kommissionsantrag, die Steigerungssätze von zwei zu zwei Jahren eintreten zu lassen, mit großer Mehrheit a n g e n o in in e n. Der tz 10, welcher von der Erwerbsloscnunter- stützung bei Arbeitslosigkeit handelt, wird in einigen Punkten abgeändert, so unter anderem dahin, daß das zeitweilige Aussetzen mit der Arbeit als Arbeitslosigkeit gilt und den davon Betroffenen während derselben Erwerbslosenunterstützung gewährt Wird, wenn dieses Aussetzen mindestens drei Tage dauert usw. „Vom Tage der Meldung an kann Erwerbsloseiilinterstützung bezogen werden, wenn seit der letzten Arbeitslosigkeit noch nicht 8 Wochen gleich 42 Tage verstrichen sind oder die Arbeitslosigkeit sich an eine Erwerbslosigkeit gleich 1 Woche an eine militärische Dienstleistung, an einen Schulbesuch oder eine Inhaftierung von mindestens 7 Tagen anschließt." Dem tz 12(G e ni e i n s a m c B c st i m m u n g e n für Unterstützungen) wird diefer neue Absatz angehängt: „Die Entziehung der Unterstützung erfolgt durch die Orts- Verwaltung oder den von ihr Beauftragten. Liegt eine be- sonders grobe Verfehlung gegen die unter Abs. 3a und b an- geführten Bestimmungen vor und ist von der Ausschließung des Mitgliedes auö dem Verbände aus diesem Anlaß abgesehen worden, so kann durch Beschluß des Vorstandes dem betreffenden Mitgliede der weitere Bezug jeglicher Unterstützung auf längere Zeit bis zur Dauer eines Jahres untersagt werden. Das Mit- gliedsbuch ist mit einer entsprechenden Eintragung zu versehen und eventuell durch die Ortsverwaltung aufzubewahren." Gemaßregeltenunter stützung(tz 15) wird unter den stipulierten Voraussetzungen auf die Dauer von längstens 13 Wochen gezahlt, und zwar in Höhe von 14 M. pro Woche an verheiratete, 12 M. an ledige und 7 M. an weibliche und jugend- liche Mitglieder usw. Die Unter st ützung bei Arbeitsniederlegungen und Aussperrungen beträgt bei den nach tz 33 Abs. 1 ge- nehmigten Ausständen, wenn die Mitgliedschaft mindestens kleines f culllcton* Die Wirkung der Hitze aus die Haut. Es gibt krankhafte Ver- änderungen des menschlichen Organismus, die so alltäglich und häufig sind, daß man ihnen kaum mehr besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Ein Beispiel hierfür ist die stellenweise Abschuppung, die sich nament- lich in der warmen Jahreszeit an den Händen von Leuten zeigt, die auch sonst leicht an der Hand schwitzen. Diese Abschuppung tritt, r von einein Zentralpunkt ausgehend, ringförmig auf, ergreift die Hornhailtschichten und zeigt sich in ein oder mehreren Flecken. Derartige ringförmige Gebilde fließen zuweilen auch zu größeren Flecken zufammen und bewirken so eine umfang- reichere Abschuppung der inneren Handfläche. Die Erkraiikmig beschränkt sich stets auf die Innenfläche der Hand und der Finger, doch kommen in einzelnen Fällen ähnliche Symptome an den Fußsohlen vor. Die an sich unbedeutende Sache hat, wie das Journal der Amerikanischen Medizinischeii Vereinigung ausführt, des- halb besonderes Interesse, weil in amerikanischen Schulen wiederholt der Fall vorgekommen ist, daß Kinder, die von dem harmlosen Uebel ergriffen waren, unter Scharlachverdacht aus der Schule entfernt wurden. NebrigenS sieht diese Abschuppung bei Erwachsenen etwa? schreckhaft aus und wird auch bei ihnen häufig verkannt, da die medizinischen Lehrbücher keine Ve- schreibung de» Leidens enthalten. Es beruht wahrscheinlich auf einer Durchdringung der oberen Hornhautschichten mit den Absonderungen der Schweißdrüsen. Der Schweiß wird sodann absorbiert, und als Folge tritt die Hautabschuppung auf. In besonders heftigen Fällen kommen kleine Bläschen dazu, während im übrigen keinerlei Be- schwerden zu verzeichnen sind. Steinerne Schiffe. Es klingt sonderbar, ist aber doch wahr. DaS schmiegsame, billige und dabei überall herstellbare Material des eisenarinierten Betons ist mit Erfolg zum Bau von Schiffen verwendet und wird für gewisse Zivecke vielleicht eine bedeutende Zukunft haben. Der Italiener Gabcllini hat die Sache ersonnen und vor Jahren mit einem leichte» Boote dieser Art den ersten gelungenen Versuch gemacht. Man streckt einen leichten Eisenliel aus irgend einem Fassoneisen, läßt davon nach beiden Seiten dünne Rippen von Rnndeisen auslaufen und verbindet alles durch Drähte oder ein Geflecht. Das ist das Gerippe, an daS von innen und außen der Beton geworfen und gestampft wird. Die Wände brauchen nur wenige Zentimeter dick zu sein, um für alle praktischen Zwecke an Festigkeit zu genügen.-Das ganze Fahrzeug hat nicht eine einzige Fuge. Wird ein Leck eingestoßen, was einer starken Ursache bedarf, so ist es in einer Stunde durch ein eingesetztes Drahtgewebe und Beton wieder gedichtet. Bei größeren Fahrzeugen, die seitdem mehrfach, auch zum Beispiel als Kohlenkähne für die italienische Marine, gebaut sind, kann der Boden doppelt ge- macht und können mehrere wasserdichte Abteilungen eingebaut werden, alles aus denfelben dünnen Betonwänden. Außen werden die Flächen geglättet und durch ein einfaches Verfahren so fest und dicht gemacht wie Marmor; jahrelange Versuche haben 26 Wochen hintereinander beträgt, für Verheiratete 14 M., für Lcdige 12 M.; außerdem erhält jeder Familienvater für jedes seiner Fürsorge unterstehende Kind einen Zuschuß von 1 M. pro Woche. Außerdem werden noch die zu Rechtsschutz, Streitig- leiten, Beendigung der Mitgliedschaft usw. ge- stellten Anträge erledigt, worauf beschlossen wird, in Rücksicht auf die Geschäftslage eine Abendjitzung stattfinden zu lassen. In der Frcitagabcndsitzung wurde mit der Statuten- b e r a t u n g fortgefahren. Beschlossen wurde, daß vor jeder Generalversammlung Bczirkskonferenzen stattfinden müssen zur Unterstützung der Bezirksleitung, Erörterung taktischer Fragen und Stellungnahme zur Generalverfammlung. Ein Antrag, den den Ortsverwaltungen verbleibenden Anteil an den Beiträgen von 20 auf 15 Proz. herabzusetzen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Bei der Beratung über die Zusammensetzung der Generalver- sammlung wurden alle Anträge, die bezwecken, daß Beamte nicht als Delegierte gewählt werden sollen, einstimmig abgelehnt. Ter Berechnung der Mitgliederzahl in den Verwaltungsstellen sollen mindestens 48 Wochenbeiträge pro Jahr und Mitglied zugrunde- gelegt werden. Bezüglich der Diäten wurde beschlossen: 12 M. pro Tag, dazu 6 Pf. pro Kilometer als Entschädigung für Kosten und Zeitaus- wand der Reise und 6 M. pro Werktag für entgangenen Arbeits- verdienst, unter AuZichluß der Delegierten, die keinen Lohnausfall haben. Bei Statutenänderungen sollen% der anwesenden(bisher: sämtlicher) Delegierten entscheiden. Ter Kampf um die Taktik, der im Fall Mannheim-Stettin ausgefochten wurde, erlebte eine Neuauflage bei Erörterung der Befugnisse des Vor- st an des bei Einleitung, Fortführung und Be- c n d i g u n g von Arbeitseinstellungen. In nament. licher Abstimmung wurde der Antrag, tz 38 Abs. 1 zu Anfang die Fassung zu geben:„Arbeitseinstellungen bedürfen zu ihrer Einleitung und Fortführung der Genehmigung des Vorstandes", mit 98 Ja gegen 80 Nein abgelehnt; von den Berliner Delegierten stimmten drei mit Ja. Die erforderliche Zlveidrittel- Mehrheit war nicht erreicht. Der weitere Antrag der Statuten- bcratungskommission:„Der Vorstand ist berechtigt, auch bei vor- handcncr Dreiviertelmehrheit sür Wciterführung den Streik für be- endet zu erklären, wenn nach Prüfung der Verhältnisse weitere Zugeständnisse nicht mehr zu erwarten sind oder selbst bei Auf- Wendung außergewöhnlicher Mittel des Verbandes ungewiß er- scheinen. Ebenso steht dem Verband das Recht zu, jeden Streik zu beenden, wenn ihm dies zur Vermeidung einer dem Verband schädlichen Aussperrung notwendig erscheint", wurde mit 85 Ja gegen 93 Nein gleichfalls abgelehnt. Das neue Statut soll am 1. Juli 1909 in Kraft treten. Mit- glieder, die nach dem bis zum 30. Juni 1909 geltenden Statut Rechte auf Unterstützung erworben haben, behalten diese Rechte auch nach dem vom 1. Juli 1909 ab geltenden Statut bei, rücken jedoch erst nach der in diesem Statut feststgesetztcn Wartezeit in eine höhere Klasse auf. Das Gcsamtstatut wurde einstimmig genehmigt. „Schund",„lurhsarbeit'..Mtarbeil" sollte der Gemeinde Nosenthal- Wilhelmsruh geliefert worden sein von der Firma G r o ß k o p f u. Schulz, durch die die Gemeinde im Jahre t908 für ihren Schnlhausbau Zimmer- und Tischlerarbeiten hatte ausführen lassen. Dieses herbe Urteil ivurde in der Gemeinde- vertretcrsitzung vom 29. Januar 1999 abgegeben von dem Gemeindevertrcter Genossen Hasche!, als er die von Großkopf u. Schulz gelieferten Arbeiten kritisierte. Man hatte der Firma, wiewohl sie bei der öffentlichen Aus- schreibung mit der Höchstforderung auftrat, die Lieferung über- tragen, weil sie in der Gemeinde selber ansässig war. Dafür war aber auch erwartet worden, daß sie Gutes leisten werde. Hasche!, der als Tischler gelernt und lange Zeit diesen Beruf aus- erwiesen, daß solche Schiffswände dem Seewasser und seiner Tier- und Pflanzenwelt mehr Widerstand entgegensetzen als hölzerne und kupferne Schiffsböden.— Nun braucht man nicht gleich zu denken, daß demnächst steinerne Ozeanriesen die Wellen des Atlantischen Ozeans furchen werden. Für große Schiffe wird der eiserne Bau aus FestigkeitSgründen immer maßgebend bleiben. Aber es gibt hundert Fälle, wo der armierte Beton den Zweck erfüllt und billiger wird, auch — bei gleichem Eigengelvicht— Schiffe von größerem FaffungS- räum ermöglicht. Vor allem in der Flußschiffahrt. I» den Ver- einigten Staaten baut man schon Flnßmotorbovte aus Beton. Die von Gabellini begründete Gesellschaft hat besonders Pontons für Brücken auf dem Po und Tiber nach der neuen Bauart geliefert. Aber auch die Kanal- und Flußschiffahrt wird von der Erfindung bald starken Gebrauch machen können, besonders da ja sowohl Holz wie Eisen unaufhaltsam im Preise steigen. Eine hohe Disposition für ZwillingSgeblirten scheinen unter den europäischen Völkern die finnischen Frauen zu besitzen. Bei ihnen kommen deren 32 unter 1009 Geburten vor. Ihnen folgen die Jüdinnen mit 26.4. die Russinnen mit 23. Den geringsten Pro- millesatz weisen die Französinnen mit nur 19 Promille sowie die Italienerinnen mit 10,36 Promille auf. Für Preußen stellt er sich nach einer 13 Millionen Geburten uuifasfcnden Statistik von Beit auf 11 Promille. Frauen außereuropäischer Völker scheinen häufiger mit Zwillingen niederzukommen; am seltensten sollen Zwillinge bei den Mongolen sein. DaS Maximum der Zwillingsgeburten fällt in den Lebensabschnitt, in dem das Weib seine größte Fruchtbarkeit entfaltet,»üinlich in das Alter von 25 biS zu 29 Jahren, doch bleibt auch die Zahl der ZwilliugSmütter zwischen 30 und 39 Jahren gegenüber den allgemeinen Ziffern noch siark erhöht. Drillinge sind eine iveit größere Seltenheit als Zwillinge. Auf je 40 Geburten koinmt ein Ztvilling, aber auf ungefähr 3— 11000 erst ein Drilling und auf ctloa 3—600 000 gar erst ein Vierling. ES ist als sicher erlviesen, daßMehrlingSschwangerschasten recht häufig erblich sind, und zwar sowohl in der weiblichen als auch in der männlichen Linie; nach Roscnfeld soll letzteres häufiger der Fall sein. Das Maximum der Drillingsschtvaiigerschaftcn<32.14 Proz.) wird von Müttern zwischen 30 und 34 Jahren erreicht und hält sich zwischen 35 und 39 Jahren auf 31,34 Proz. und über 40 Jahre noch auf 10,7 Proz. gegenüber einer Zahl von etwas mehr als 3 Proz. der allgemeinen und ZivillingSziffcr. Mchrlinge werden vorzugsweise von Frauen geboren, die mindestens schon ein Kind gehabt haben, am häufigsten pflegen sie nach Büschen als 3. bis 5. Geburt vorzu- komme»». Humor und Satire. Die Liebenberger Meilte. Seht, wie sie sich auf ihn stürzen, auf den saftigen Skandal I Ihre Spalten soll er würzen: so ein Spaß ist Kapital! O, es ist so ungefährlich. einzustimmen ins Geheul, man empört sich gern mal ehrlich bei geschütztem Hinterteil I geübt hat, besah sich die Arbeiten, als sie geliefert waren, und meinte, vieles daran bemängeln zu sollen. Da der Schulhausbau nur von der Bau- und Wegekommission überwacht worden war, in der kein für diese Arbeiten Sach- verständiger saß, so waren die Mängel nicht sofort aus- gefallen. Nuumehr bcautragte Genosse Hasche! die Ein- setznng einer besonderen Kommission, die die Angelegenheit prüfen sollte. Die Kommission kam, gestützt auf ein eingeholtes Sachverständigen- Gutachten, zu dem Schluß, daß die Arbeiten in der Tat zum Teil recht minderwertig seien. Diesem Urteil pflichtete dicGeincindevertretungeinstimniigbei, und sie erklärte der Firma, daß sie bei der Bezahlung Abzüge machen werde. Die Firma wehrte sich. Sie ließ von einen» anderen Sachverständigen sich ein Gutachten geben, das ihr günstig war, und wartet nun auf den Spruch eines Schiedsgerichtes. Demjenigen aber, der zuerst die Minderwertigkeit ihrer Arbeiten bemerkt und dann pflichtgemäß die Gemeindevertretung alarmiert hatte, dem Geineindevertreter Genossen Hasche!, wurde von der Firma Großkopf u. Schulz, vertreten durch den Tischlermeister Schulz, eine Beleidigungsklage besorgt. Das Schöffengericht verurteilte Haschek zu zwanzig Mark Geldstrafe, weil er mit seiner Kritik, wenn auch in Wahrnehmung berechtigter Interessen handelnd, über das Maß des Erlaubten hinausgegangen sei. Auf Hascheks Berufung gegen dieses Urteil hatte das Landgericht III Berlin sich gestern mit der Sache zu beschäftigen. Der Angeklagte verwahrte sich aufs ent- schiedenste dagegen, daß er aus Gehässigkeit gehandelt habe. An den von Großkopf u. Schulz gelieferten Türen, Fenstern, Paneelen, Dielen habe er Mängel gefunden, die er mit derben, aber in Handwerkerkreisen üblichen Ausdrücken beurteilt habe. Die Beweiserhebung suchte zunächst festzustellen, wie die Ausdrücke gelautet hatten. Gemeindesekretär Brennecke hatte in jener Sitzung sofort notiert „Murksarbeit" und„Mistarbeit",»veil er fand, das gehe zu weit. Als Zeuge bekundete er, er nehnie an, daß H. aus Gehässigkeit so geredet habe. Hinterher aber schränkte er seine Aussage dahin ein:„H. ist Sozial- demokrat, was er sich vornimmt, setzt er auch ziemlich durch; aber daß er ein gehässiger Mensch sei, kann ich nicht sagen." Der sich gekränkt fühlende T i s ch l c r m c i st e r Schulz, der als Zeuge zugelassen tvurde, erzählte, H. habe ihm im Frühjahr 1998 bei einer Gemeindevertreterwahl gedroht, er »verde seine bei der Wahl eingenommene Haltung schon noch zu büßen haben, wenn er mal Arbeiten für die Gemeinde liefern werde. Im Sommer 1998 habe dann bei der Ber- gebung der Lieferung sür den Schnlbau H. in der Gemeinde- Vertretung dagegen gesprochen, daß Großkopf u. Schulz sie bekämen, und an der Abstiminung habc H. nicht teilgenommen. Dem gegenüber persicherte Hascheck, er habe für Vergebung an diese Firma gestimmt und sogar dafür gesprochen� Bei der Wahl habe er Herrn Schütz nur vorgehalten, daß Sch. selber einen seiner Angestellten zum Wahltisch geschleppt habe, so daß der vermutlich gegen seine Ueberzeugung abstimmen mußte. Die Frage,»vas denn die Arbeiten der FirmaGroß- köpf u. Schütz wert gewesen seien, wurde be- antwortet von den Zeugen G e m e i n d e V e r t r e t e r Kühl und Gemeindevertrcter Büsche r. Beide saßen in der Kommission, die prüfte, um»vieviel die Arbeiten hinter den Erwartungen znrückblieben und welche Abzüge dafür zu machen waren. Kühl, der Bauunternehmer ist, sagte vor Gericht aus, er habe sehr viel zu tadeln gehabt, besonders an Türen und Fenstern, weil alles nicht gepaßt habe. Der Fußboden habe„erster Klasse" sein sollen, da sei aber vieles, was man nicht„erster Klasse" nennen könne. Die Paneele seien,»vie man so sage, nur zusammen- gehauen worden, sie seien vermurkstes Zeug, wie ein Bau- Ist's doch einfach unerquicklich sür euch Bürger anzusehn, wenn die lieben Nächsten glücklich ihrem Staatsanwalt entgeh» l So'was läßt euch gar nicht schlafen!— Anders, wenn ein Ehrenmaiin dank verdrehten Paragraphen in den Kerker fliegt! Was dann? Ja. dann wagt ihr nicht z» mucksen, ja. dann fällt das deutsche Herz automatisch in die Buxen, und ihr schleicht euch hinterwärts. Liebenswertes Volk der Dichter, jeder findet, der dich kennt, diesen Zorn auf deine Richter— sagen wir: nicht konsequent. Franz. Der politische Leibs riseur. Bülow beim Barbier'. „Was fällt Ihnen denn ein? Sie haben mir ja eine Tonsur geschnitten l"—„Durchlaucht,— für alle Fälle...1" Zukünftiges F ü r st e n b e g r ä b n i s.(Zeitungsbericht.) ... Hinter dem Sarge des toten Herrschers aber flog fein Leib« Lenkluftballon. König Leopold, der AlleS-Verkänfer, in der Anatomie:„Nun, Herr Professor, ist mein Körper nicht gut erhalten? Was geben Sie mir Vorschuß auf meinen Leichnam?" Erklärung.„Du. Fritze, warum heißt cS denn hier:.Auf der Alm, da jiebts koa Sünd"?" .Wahrscheinlich, weil man immer zu müde isl" („Jugend".) Keine A n g st. Der Wiener christlichsoziale Gemeinderat unter» nahm einen Ausflug auf den Balkan. Die von einigen Seiten ge- hegte Befürchtung, daß dadurch eine wesentliche Vermehrung des mazedonischen Bandenunwesens stattfinde, bewahrheitete sich nicht, da der Gemeinderat leidex nicht dort blieb. Vom Berliner Schloß.— Sehen Sie mal den Köter an der Ecke dortl So'ne Unverschämtheit!! — I wo: das is ja Bülows Pudel II DaS kluge Tier demissioniert I __(„Neue Glühlichter".) Notizen. — Englands Verluste an Kunst schätzen. Auö London wird berichtet: Anknüpfend an den Verkauf von Holbeins «Herzogin von Mailand", deren endgültiges Schicksal noch nicht entschieden ist, hat ein englischer Kimstfreund eine Liste der großen Meisterwerke aufgestellt, die in den letzten Jahren durch frenide Käufer dcni englischen Kunstbesitz entführt worden sind. Die Liste nmfaßt nicht weniger als 76 erstklassige Meisterwerke von 35 der berllbmtestcn Maler der Welt. Darunter befinden sich 15 RembrandtS, 8 Rubens, 3 Botticellis, 3 RaffaelS, 3 Holbeins, 3 DürerS, 3 van Dycks, 2 Fra Angelicos. 2 Tizians, 2 Velasquez und 2 Jan van Eyck. mensch sich auszudrucken Pflege. Auch SB ö f ch e r erklärte die Arbeiten für minderwertig, so daß H. mit dem in der Er regung gebrauchten Ausdruck„Mistarbeit" in gewissem Sinne recht gehabt habe. Der Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Nosenfeld befragte beide Zeugen, ob denn nicht ähnlich derbe Ausdrücke in der Gemeindevertretung öfter gebraucht werden. Kühl antwortete, es seien da schon oft reckt derbe Worte gefallen, und Büscher gestand, er selber hätte sich wahrscheinlich noch derber ausgedrückt. Auf des Verteidigers Frage, ob H. als gehässig gelte, erklärte Kühl, dafür sehe er Hascheck nicht an, das traue er i h m n i ch t z u, er sei ja manchmal ein bißchen erregt, aber dann habe er auch Grund dazu, und B ü s ch e r versicherte, Gehässigkeit habe er noch nie an Hascheck be- merkt, er gehe zwar scharf vor, aber das sei ja sein Recht. Dem Angeklagten war vom Vorsitzenden des Gerichts gesagt worden, die behauptete Gehässigkeit gegen Schulz solle sich aus Hafchecks Zugehörigkeit zur Sozialdemo- k r a t i e erklären. Kühl und Büscher, die beide in bestimmtester Fornt verneint hatten, daß Hascheck gehässig sei, gaben auf Befragen beide an, daß sie selber alles eher als Sozialdemo- krat seien. Das Ergebnis der Beweisaufnahme wurde vom V e r- t e i d i g e r dahin zusammengefaßt, in der Affäre Großkopf u. Schulz habe der Gemeindevertreter Hascheck durchaus fach- und Pflichtgen? äß gehandelt, was ja auch durch die Beschlüsse der Gemeindevertretung an- erkannt worden sei. H. habe mit seiner Kritik nur berechtigte ' orm-sei er??üht Interessen wahrgenommen, auch in der darüber hina??sgegangen. Aus Gehässigkeit .....abe er nicht gc- handelt, eventuell sei durch einen noch zu ladenden Gemeinde- Vertreter zu beweisen, daß H. sogar selber für Vergebung der Arbeiten an Gr. u. Sch. eingetreten sei. H. sei f r e i z u sprechen. Andernfalls sei das Verfahren einzustellen, weil der Strafantrag gestellt sei von der Finna als solcher, nicht(wie ein Reichs- gerick tserkenntnis es als erforderlich bezeichne) von den sich beleidigt fühlenden Personen. Der Staatsanwalt wider- sprach und forderte, die Berufung zu verwerfen. Der A n- geklagte erklärte zum Schluß, als Gemeindevertreter habe er das Recht und die Pflicht gehabt, die Interessen der Ge mcinde zu wahren, nachdem sie so hineingefallen sei. Das Gericht entschied, das erstinstanzliche Urteil sei aufzuheben, der Angeklagte sei f r e i z u s p r e ch e n. H. habe die Arbeiten für schlecht halten müssen, sie seien offenbar auch schlecht ge- wesen, da habe er sich für berechtigt gehalten, derbe Worte zu gebrauchen. Aus der Aussage Schulz' sei n i ch t zu folgern, daß H. aus Gehässigkeit gehandelt habe. Aohnungzeleixl unck Hirankheit. Die Wiohnungsengueten, die die Berliner OrtS- krankenkasse der Kaüfleute usw. seit einer Reihe von Jahren ausführt, indem sie regelmäßig die Wohnungsvcrhältnisse ihrer erkrankten Mitglieder durch Kontrolleure ermittelt, sind den Sausagrariern von Anfang an sehr unbequem gewesen. Gegen die Fortsetzung dieser verdienstlichen Arbeit, die ein lehr. reicher Beitrag zur Beleuchtung des Wohnungselendes in Groß Berlin war, hatte schließlich der Preußische Landesverband der Haus- und Grundbesitzervereine die Behörden mobil genrachch nach- einander dw Gcwerbedeputation, den Oberpräsidenten, den Handels- minister. Die Gewerbedeputation fand keinen Anlaß, einzuschreiten; der Obcrpräsident sah sich, gleichfalls nicht in der Lage, den Wunsch der Hausagrarier zu erfüllen; doch beim Handelsminister gelang es. Er wies den Oberpräsidenten an, die Gewerbedeputation zu veranlassen, daß sie dem Kassenvorstand unter Androhung von Strafen die weitere Verwendung von Kassenmitteln für die Woh- rningsenqueten untersagte. Das geschah. Aber der Vorstand klagte im Verwaltungsstreitverfahren auf Aufhebung der gegen ihn er- gangenen Verfügung der Gewerbedeputation. lind der BezirksauS- schuf; entschied, daß die angefochtene Verfügung außer Kraft zu setzen sei. So wurde— dem Hausagrariertum zum Trotz— es der Krankenkasse möglich, auch über die Ergebnisse der Woh- nungsenqueten von 1908 wie über die der früheren einen gedruckten Bericht zu veröffentlichen. Wie in den Vorjahren hat loieder Albert Kohti die BeaDbeitung ausgeführt. Der jetzt erschienene Bericht(Verlag Ortskrankenkasse der Kausleute usw., Berlin, Georgenkirchstr. 40) stellt im Vorwort mit Genugtuung fest, daß die Versuche der HauSagrarierorganisa- tion, die Veröffentlichung der Wohnungsenqueten zu hintertreiben, mißglückt sind. Er gibt sodann das zusammengetragene Material, ini ganzen unter Beibehaltung des Schemas der früheren Berichte, jn statistischen Tabellen und erläuterndem Text. Im Jahre 1908 erstreckte sich die Enquete auf die Wohnungen von 15 280 erkrankten Mit- gliedern, wovon 8113 männlich und 7262 weiblich waren. Wieder wurde eine erschreckend hohe Zahl von Wohnungen ermittelt, deren Maße den Forderungen der Hygiene bei weiten? nicht entsprachen. Wenn für einen Auf- enthaltsraum eine Bodenfläche von mindestel?s 12 Quadratmeter gefordert wird, waS wahrlich nicht zuviel ist, so ergibt sich, daß 1280 Patienten sich in Räumen aufhalten mußten, die noch nicht mal diesem Mindestanspruch genügten. 166 dieser Patienten hatten Aufenthaltsräume, deren Bodenfläche sogar noch nicht 6 Quadrat- meter betrug. Wenn in einem solchen Räume von z. B. 3 Meter Länge und 2 Meter Breite, was einer Bodenfläche von 6 Quadrat- meter gleichkäme, weiter nichts als ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl stehen, dann bleibt für den Menkchen, der darin Hausen muß, buch- ftäblich kein Platz mehr, sich umzudrehen) Mit den Maßen dieser kleinsten, völlig ungenügenden Räume vergleiche man die Forde- rung der Hygieniker, daß die Bodensläche eines Wohnraumes ,16— 20 Quadratmeter, die eines Schlasraumes 20— 25 Quadratmeter betragen soll. Will man dieser Forderung, die noch keines- wegs zu hoch ist, sich anschließen, so waren die Aufenthaltsräume von 9648 der im Jahre 1908 besuchten Patienten unzulänglich. 9648 von überhaupt 15 380, das sind nicht viel weniger als zwei Drittel der Gesamtzahl! Skandalöse Zustände ergaben sich auch wieder bei der Feststellung der Raumhöhen. Noch weniger als 2,80 Meter— das ist die Mindesthöhe, die für Wohnräume in der Berliner Baupolizeiordnung gefordert wird-— waren die Aufenthaltsräume von 3716 Patienten. Darunter waren Räume, deren Höhe noch unter 2 Meter, ja noch unter 1,60 Meter blieb. Jn einen? noch nicht 1,00 Meter hohen Räume kann ein Mensch von normaler Größe nicht aufrecht stehen. Dementsprechend war auch das Luftquantum solcher Räume, wobei noch zu beachten ist, daß davon ein beträchtlicher Anteil noch abgerechnet werden muß für die Möbel usw., die hineingestopft werden. Fordert man mindestens 20 Kubikmeter pro Kopf, so war bei 7549 Patienten noch nicht mal diese Mindestforderung erfüllt. Auch Kranke, die in an sich großen Aufenthaltsraumen angetroffen wurden, hatten oft doch nur ein geringes Luftquantum zur Verfügung, weil die Räume nicht von ihnen allein, sondern von mehreren Personen» manchmal von 5. 6, 7 und mehr bewohnt wurden. Für 2591 Patienten betrug das Luftquantum noch nicht 10 Kubikmeter, für 313 von diesen sogar noch nicht 5 Kubikmeter. 313 kranke Menschen waren, so sagt der Bericht,„gezwungen, in solch drangvoller Enge zu Hausen, auf Wiederherstellung ihrer Gesundheit in Räumen zu harren, welchen hierzu das Haupterfordernis, gute reine Luft, mangelt". Wie bedenklich und gefährlich solche Zustände sind, das wird ohne weiteres klar, wenn man in dem Bericht die Zusammenstellun- gen über die Art der Erkrankungen der kontrollierten. Patienten betrachtet. Jn den Tabellen erscheinen die Erkrankungen der Lunge immer wieder mit den höchsten Zahlen, und nach wie vor geben gerade sie der Krankenkasse den meisten Anlaß, der Wohnungsfrage ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Enges Zusam� menwohnen mit kranken Menschen bringt Gefahr schon in Räumen, die an sich einwandfrei sind. Um wieviel größer wird diese Gefahr scin in kleinen, niedrigen, vielleicht obendrein feuchten, ungenügend belichteten und schwer zu erwärmenden Räume nl Wieder wurde festgestellt, daß manche Patienten auf Räume angewiesen waren, die überhaupt kein Fenster hatten, der Heizgelegenheit entbehrten usw. Tie Heizgclegenheit fehlte in den Aufenthaltsräumen von 502 Patienten, unter denen sich z. B. auch Rheumatiker befanden. 115 Patienten hausten in Räumen, denen das Tageslicht nicht direkt zugeführt werden konnte, weil kein Fenster da war. Die Ermittelungen er. streckten sich unter anderem auch darauf, ob die Patienten eigenes Bett hatten. Es wurden da 1778 Pane.iten gefunden, die ihre Lagerstätte mit anderen Personen teilen mußten. 1778■ und unter diesen waren 315 Lungenkrankel „Grausig" nennt der Bericht solche Ziffern mit Recht, sie reden eine erschütternde Sprache. Wir müssen uns beschränken auf die Mitteilung dieser wenigen Proben aus dem reichen Material des umfangreichen Berichts, der überall die Beziehungen zwischen Wohnungselend und Krankheit aufzudecken sich be- müht.„Niemand, der noch höhere Interessen wie die des Haus- und Grundbesitzes zu vertreten hat, wird— so heiß? cö in dem Schlußwort— angesichts all der Tatsachen die 5i o t w e n d i g k e i t des Erlasses eines Wohnungsgesetzes und der Einführung einer Wohnungsinspektion leugnen. Nicht, daß wir darin ein Allheilmittel erblicken könnten, aber wir sind doch überzeugt, daß dann auch bei uns, genau wie die? anderwärts der Fall ist, den schreiendsten Mißständen abgeholfen wird. Es ist zweifellos, daß eine Reihe der Räume, in welchen wir kranke Menschen angetroffen haben, geschlossen werden müßten." Für Sausagrarier, denen der Profit über alleS gehl, ist das natürlich keine angenehme Perspektive. Und damit sind wir bei dem Brennpunkt des Wehrschen Aufsatzes angelangt. Denn für diese jüngsten Mädchen, jubelt Emina Wehr, hat der Hausfrauenbund eine besondere Einrichtimg in Aussicht genommen. Alleinstehende Damen, erziehungstüchtige (wer hat sie geprüft?) wohlwollende(wer weist das nach?� Frauen werden die eben konfirmierten Mädchen in ihr Haus aufnehmen. Diese jungen Mädchen werden nicht gemietet, sondern es wird mit den Eltern ein auf zwei Jahre binden- der Vertrag geschlossen, auf diese Weise kann wirklich erziehlich auf das junge Wesen eingewirkt werden, und gefestigten Charakters kann es nach 2 Jahren allein in der Welt stehen. Ja, das sollte diesen Damen wohl passen, so ein armes junges Ding kontraktlich gleich auf zwei Jahre festzumachen! Aber es kommt noch schöner, offenherzig erklärt Emma Wehr: „Für die Hausfrauenwelt würden solche vorgebildeten Kräfte ungeheuer wertvoll sein, und man würde ihnen gern hohe Löhne bewilligen. Die Ausbildungszeit für das junge Mädchen sei kostenfrei, da ihm von Beginn der Lehrzeit an freie Station und ein monatliches Taschengeld von(man höre und staune!) drei bis acht Mark steigend im Laufe der Zeit zugesichert bleibt." Die christlichen Gewerkschaften hätten den Wert dieser neuen Einrichwng des Hausfrauenbundes begeistert anerkannt, sagt die Artikelschreiberin. Mit einem kräftigen Hieb aus die neue Richtung in der F r a u en w e l t, die das Familienleben untergrabe� Einküchen- Häuser und Gleichmacherei empfehle, kommt Emma Wehr zu dem schönen Schluß:„Mit der dem Weibe angeborenen Ahnungsgabe wehren sich ältere erfahrene Hausfrauen gegen diese neue Richtung. Auch dann, wenn sie Erklärungen gegenüber zugeben müssen:„Das mag ja wohl ganz gut sein", folgt der Nachsatz:„Aber richtig ist es nicht". Der jungen Dienstbotenorganisation gilt der Kreuzzug der Damen. Da? mag den Unorganisierten beweisen, wie wertvoll für sie der Zusammenschluß sein muß. Hus der frauenbeA>egung. Tie Lehrstellen des„Berliner Hansfrauenbundcs". Wirklich, eS geschehen noch Zeichen und Wunder! Die„Kon servative Monatsschrift für Politik, Literatur und Kunst", hcrauS- gegeben von Prof. D. Martin von RathusiuS und Oberstleutnant a. D. Ulrich v. Hassell, befaßt und bemüht sich um die Hebung des Dien st boten st andes und in einem Artikel, betitelt „Wie könnte geholfen werden?" aus der Feder von Emma Wehr wird die Dienstbotennot, wohlverstanden, D i e n st b o te n n o t, nicht Not der Dienstboten, in echt konservativer Weise beleuchtet. �, „Unsere deutschen Hausfrauen", so ungefähr laßt Emma Wehr sich aus, sind im allgemeinen außerordentlich geduldig und an- passungsfähig, sie besitzen viel größe�: Energie im Ertragen, als im Handeln. Das liegt,„wohl zu bemerken, nach Emma Weht in weiblicher Eigenart so begründet. Was weder die ungenügenden Wirtschafisräume der städtischen Mietswohnungen, noch die k ü n st l i ch geschaffenen hohen Lebensmittelpreise(welch Geistesblitz für ein konservatives Blatt!) noch sonstige Ucbclstände vermochten, hat die Dicnstbotennot fertig bekommen, nämlich den einheitlichen Zu sammenschluß der Hausfrauen zum„HauSfrauenbund zur Beseitigung der Dienstbotennot", Anfang No vember 1908..,„. „Das Programm und die Satzungen dieses jungen Vereins überraschen und erfreuen durch die soziale Denkweise, durch die Unparteilichkeit in den Bestrebungen für'Haus frauen und Dienstboten und durch die klare Erkenntnis. daß die Not der Hausfrau zugleich die Not des Dienstboten, ja der gesamten jungen Frauenwelt unseres Volkes bedeutet. Darin, daß die Not der Hausfrau zugleich eine Not, aber nicht d i e Not, des Dienstboten bedeutet, hat die Schreiberin allet dings recht, denn die Hausfrau pflegt in der Regel ihre Not an dem meist unschuldigen Dienstmädchen auszulassen. Mit der Not aber der gesamten jungen Frauenwelt unseres Volkes hat die Not der einzelnen Hausfrau nichts zu tun. Wir wünschen, daß alle Frauen des Volke? ihren Haushalt tüchtig zu führen verstehen, aber die Mangelhaftigkeit ihrer Wirt- schaftsführung kommt meist daher, weil sie oft nichts zum Wirt- schaftführen haben, weil der Mann, der Vater, der Ernährer zu wenig verdient oder ganz arbeitslos ist und trotz Eingreisens der Frau nicht genug verdient wird. „Die ideellen Ziele des„Berliner Hausfrauenbundes", heißt cS weiter,„gipfeln in der Herstellung eines guten Verhältnisses zwischen Herrschaft und Dienstboten, nicht auf der gcwerkschaft- lichen Basis eines gewerbsmässigen Arbeitsvertrages, sondern auf patriachalischer Grundlage, die die Dienstboten nicht als Aussen- seiter, sondern als Familienmitglieder betrachtet, die da dienen müssen nach dem Borbilde Christi und nach den Worten, die ihre schönste Ausführung und Geltung stets in der liebevollen Dienst» bereitschaft der Familienmitglieder untereinander finden werden: „Einer diene dem anderen". Die Hausfrauen vermögen sich den Anschauungen der Sozialdemokratie, die die Dienstboten als gewerbliche Arbeiterinnen betrachten und diese demgemäß gewerblich zu organisieren sucht, nicht anzuschließen. Sie sehen in den Dienstboten keine gewöhnlichen Arbeiterinnen, sondern die jungen Töchter unseres Volkes, die sie auf ihren künftigen Beruf als Hausfrauen und Mütter, den vornehmsten Beruf, der sich denken läßt, durch ihre Dienstzeit vorzubereiten suchen. Leider ist dieser Grundgedanke, der dem ganzen Dienst- Verhältnis Richtung und Weibe geben sollte, bei den jungen Mädchen fast ganz in Vergessenheit geraten und wird in ihnen durch planmäßige Irreführung von feiten der Sozialdemokraten und vielfach der gewerbsmäßigen Vcr- Mittelung ganz erstickt... „Die jungen Mädchen müssen andere Vergnügungen als den Tanzboden kennen lernen, nicht jede mag einen christlichen Verein aufsuchen. Deshalb hat der„Hausfrauenbund" Dienst- botenvereine gegründet, die allsonntäglich tagen und interkonfessionell sind, wie der Hausfrauenbund selbst, und doch in Fühlung mit den katholischen und evangelischen Jungfrauen- vereinen stehen." „Der Hausfrauenbund hat einen Arbeitcrausschuß, dem Haus- frauen und Dienstboten angehören, gemeinsam wollen sie die Achtung vor dem Dienstbotcnstand wieder erringen. Wöchentlich einmal sollen die Dienstboten, soweit die Hausfrauen in der Lage sind, dies zu gestatten, zur Ordnung ihrer Angelegenheiten zusammentreten." Soweit wir die„deutsche Hausfrau" kennen, wird sie aus freien Stücken wohl nie einen freien Abend erlauben und die Achtung vor dem Dienftbotenstand ist bei den Dienstboten auch vor- handen, sie fehlt nur den„oberen Zehntausend" bisher, die sich Dienstboten halten und höhnisch darauf herabsehen. Die Ver- bindung mit den konfessionellen Kreisen dürfte da auch wohl schwerlich Abhilfe bewirken. Im zweiten Teil ihres Artikels kommt Emma Wehr auf die hauswirtschaftliche Ausbildung zu sprechen. Sie wünscht, daß es Gesetz würde, daß kein Mädchen einen Beruf erlernen dürfe, bevor es nicht seine Ausbildung in der Hauswirtschaft nach- gewiesen habe. Besonders frohlockt sie über die sogenannte „Frauenschule", die allen wirklich vorgebildeten deutschen Lehrerinnen geradezu als eine„Spottgeburt des Kultus» ministeririms" vor Augen steht und sich nur zu bald als solche aus- weisen wird. Die Volksschülerinnen könnten die hauswirtschaftliche Lehrzeit gleich nach dem Verlassen der Schule absolvieren. Solchen, die zahlen können, ständen HaushalwngSschulen offen; solche, die vcr- dienen müssen, könnten in Lehrstellen untergebracht werden. Serickts-Geltung. Ter Weistenseer Nachtwächter. Ein nächtliches Renkentre zwischen einem Nachtwächter und Passanten beschäftigte gestern unter Vorsitz deS Landgerichts- direktors Ncichhrlm die vierte Strafkammer des Landgerichts III. Angeklagt wegen Körperverletzung im Amte war der Gemeinde- Nachtwächter Friedrich Lange auS Wcitzensee. Der 46jährige An» geklagte hatte schon einmal ein sehr böses Renkontre mit Passanten gehabt. Er wurde seinerzeit wegen Körperverletzung im Amte zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strafe wurde später im Gnadenwege in eine Geldstrafe von 200 M. umgetixmdelt. Trotz dieser Vorbestrafung fand Lange wieder eine Anstellung bei der Gemeinde Weißensee und leistete hier den Diensteid als Gemeinde- Nachtwächter. Jn der Nacht zum 5. August v. I. hatte der Schlosser Gustav Wiener an einem Sängerfest in dem Schloß Weißensee teil- genommen. Auf dem Heimwege stimmte er mit mehreren Be- kannten ein Lied an. Wie W. und seine Begleiter vor Gericht als Zeugen eidlich erklärten, trat Lange an der Ecke der Langhans- straße auf ihn zu und versetzte ihm ohne jede Veranlassung einen Schlag ins Gesicht, so daß sein Hut und seine Zigarre herunter. fielen. Als er sich über diese Behandlung beschwerte, habe L. ihn für verhaftet erklärt und zugleich die Notpfeife gezogen, worauf der Nachtwächter Testen erschien. Dieser habe einen völlig Unbeteilig- ten herausgegriffen und mit gezogenem Säbel zur Wache Irans- portiert. Auf der Polizeiwache sei es ihm noch übler ergangen. Auf dem Transport von dem PolizeigefängniS nach dem Amts- gefängnis habe ihtt Langv aufgefordert, die Hosenträgör'äbM legen. Als er dies nicht schnell genug fertig bekam, habe ihm Lange in Gegenwart des Polizeisergeanten Kaul einen Schlag in das Gesicht versetzt. Der Polizeibeamte sei selbst hierüber empört getvesen und habe gesagt:„Nicht doch so!"— Jn seiner damaligen sofortigen Vernehmung hatte der Polizcisergeant Kaul den Vor- fall genau so dargestellt wie der Zeuge Wiener. Jn der gestrigen Verhandlung machte der Angeklagte durch seinen Verteidiger Justiz- rat Theod. Friedmann geltend, daß Kaul hochgradig kurzsichtig sei und den Vorfall gar nicht haben sehen können. Kaul bekundete als Zeuge, daß er allerdings stark kurzsichtig sei und sich möglicherweise auf dem dunklen Gcfängnishofe geirrt habe.— Der Staatsanwalt hielt den Sachverhalt für nicht genügend aufgeklärt und beantragte in beiden Füllen die Freisprechung de? Angeklagten! Das Gericht hielt den zweiten Vorfall auf dem Gefängnishofe nicht nur durch das Zeugnis des W. selbst,»sondern auch durch die damalige zu Protokoll gegebene Aussage des Polizeisergcanten Kaul für völlig aufgeklärt. Das Gericht hielt dem Angeklagten seine damalige Erregtheit zugute und erkannte wegen dieses Falls unter Zubilli- gung mildernder Umstände auf 100 M. Geldstrafe. In dem ersten Fall wurde auf Grund eines von liquet auf Freisprechung er- kannt. Ein außerordentlich mildes Urteil! Würde daS Gericht auch so geurteilt haben, wenn W. den Nachtwächter gebackpfeift hätte? Mocden-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. QPernhauS. Sonntag: Madame Butterflv. Montag: Die Hugenotten. Dienstag: Das Rheingold. Miltwoch: Die ZSalküre.(Ansang 7 Uhr.) Donneistag: Figaros Hochzeit. Freitag: Eiektra.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Siegsncd.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Aida. Montag: Götter- dämmcrung.(Ansang S Uhr) Stönifll. Schauspielhaus. Sonntag: Die Lieder de» EuripideS. Moniag: Die Jungfrau von Orleans. Dienstag: Die Lieder des Euripidcs.. Mittwoch: Die Welt, in der man sich langweilt. Donnerstag: Der Mennonit. Freitag: Die Karolinger. Sonnabend: Die Ouitzows. Sonn- tag: Die Rabenstcinerin. Montag: Die Lieder des Euripides. SicueS tönigl. Opern-Theater. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Madame Butterfly. Dienstag: Don Juan.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Der fliegende Hol- länder. Freitag: FigaroS Hochzeit. Sonnabend: Salome. Sonntag: Salome.(Zlnfang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Tentsches Theater. Sonntag und folgende Tage: Die schicke Auguste. (Ansang 7'/, Uhr.).„,, x_ Deutsches Theater.(Kamm erspiele). Sonritag und sokgende Tage: Ein Skandal in Monte Carlo.(Ansang 8 Uhr.) Lcssiiig-Thcater. Bis aus weiteres taglich: Di« Dollarprinzessin. ftlnsang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag bis Montag: Ein Herbstmanöver.(An- sang 8 Uhr.) Eonnabendnachmlltag 8 Uhr: Aufführungen der Opernschule Friedrich. Neues Schauspielhaus. Bis aus weiteres täglich: Mahö.(Ansang 3 Uhr.) NcucS Theater. Bis aus weiteres täglich: Tricoche lmd Cacolct. (Ansang 8 Uhr) m,. Ncstdcnz-Thcater. BIZ auf weiteres täglich: Kümmere dich um Amelie.(Aiisang 8 Uhr.) Klelnes Tbeatcr. Sonntag � Nachmittags 3 Uhr: Moral. AbendS: Der Andere. Montag mid Dienstag: Moral. Mittwochs Der Ander«. Von Donnerstag bis Moniag: Moral.(Ansang 8 Uhr.) EonntagnachmUtag' 3 Uhr:— ö. Komische Oper. Sonntag: Die verkaufte Braut. Dänisches Hos- ballelt. Montag: Hoffmaniis'EijähIuilgen. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Carmen. Donnerstag: Die Fiedcrmaus. Freitag: Tiefland. Sonnabend: Hoffmanns Er-ählungen. Sonntag: Carmen. Montag: HossmannS Er- Zählungen.('Ansang 3 Uhr.) Hebbel-Theater. Sonntag: Hohes Spiel. Montag: Fran WarrctiS Gewerbe. Dienstag: Revolutionshochzcit. Mittwoch: Hohes Spiel. Donnerstag: Frau WarrenS Gewerbe. Freitag: NevoluiionShochzcit. Sonnabend: Hohes Spiel. Sonntag: RevolutionShochzeit. Montag: Frau WarrenS Gewerbe.(Ansang 8 Uhr.) Snstspielvans. Sonntag und Montag! Der Liebling der Damen. Ein FremidichastSdieust. Dienstag geschlossen. Mittwoch bis. Montag: Der fesche Rudi.(Anfang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Bis aus weiteres täglich: Der Zigeunerbaron.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Tlieater O. Sonntag 615 Dienstag: Brestüs Millionen. Mittwoch: Der Biberpelz. Donnerstag: Jungser Obrigkeit. Freitag bis Montag: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Tchiller-Theater(Lharlottenburg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends: Ein Ersolg. Montag: Ein Erfolg. Dienstag: Doktor Klaus. Mittwoch: Ein Ersolg. Donnerstag: BrcstcrS Millionen. Freitag: Madame Bonivard. Sonnabend: Ein Erfolg. Sonntag: Nach- mittags 3 Uhr: Doktor Klaus. Abends: Madame Bmnvard. Montag: Madame Bonivard.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich. WilhelmstSdtischeS Schauspielhaus. Sonntag bis Dienstag: Die beiden Lconoren. Mittwoch: Husarenficber. Donnerstag: Der Dorstyrann. Freitag bis Montag: Manöverregen.(Anfang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Bis aus weiteres täglich: Im Cass Noblesse.(An- sang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Bis aus weiteres täglich: Gerda GeroviuZ.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Operetten-Theater 8W. BtS aus weiteres täglich: Das Teufelsweib.(Ansang 8'/, Uhr.) Beruhard Rose- Theater. BiS auf weiteres täglich: DaS Mädchen ohne Ehre.(Anfang 8 Uhr.) Folies(faprice. Allabendlich: Drei Frauenhüte. Der Deserteur. fllnsang 8'lt Uhr.) Apollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Metropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend. An- fang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. lAnfang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Passngc-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania-Theater. Taubcnstrage 48/49. Bis aus weitere? täglich: Rom und die Tampagna.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. 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Elattonen ZI Wetter Lwmembe. 75Z WIW I wolkig Hninburg ilöKSSO 2halbbd Herlin 1755® Frnntt a M. 756 3® München|' 58 SO Wien!7ö6W 1 bcdcckl Zbawbd. 1 bedeckt s bedeckt -sll 5» kS> Stationen LS 2 S §•§ »=• £• Havaranda 1 750 RNO Petersburg 750® Ecilly Aberdeen Paris 788 N 761 NNO 756 iS Wetter C-- i" I? 4 wolkciil Zhalbbd. 3 wollig 1 bedeckt 2 heiter 8 st 10 8 14 Wetterprognose für Sonntag, den 0. Juni 1909. Milde und zeltweise heiter, aller scbr veränderlich bei meist schwachen füdwcsllicheii Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. WasferstandS-Nachrichten der LandeZanstalt für Gewässerkunde, rnilgelellt vom Berliner Wctterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilfit P r e g e l, Jnftcrburg Weichsel, Tborn Oder. Natibor , Krossen Franksurl Wa r t h c, Schrimm Üandsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden Barbv Magdeburg 'j-h bedeutet Wuchs.— Fall.—'> Unierpegel. ! 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Abends 8 Uhr: IdaS Mädchen ohne —J___ Ehre._ gSST" Sommerpreise."TUM Aus der Gartenbühne: Theater- Vorstellung, Konzert, Spezialität. _ Ansang 4 Uhr._ S» Uhr: S» Uhr: oder Ep mit Kartstein 8 Uhr:$ic neuen Spezialitäten. 8"° lean Paul mit neuen Schlagern. 9" Yankee doodle OIrls. g-° Palma und Nathal, Mensch oder Affe??? Berlins Sommer- SensationT White Cilf mod. VergnUrunga-Park Potsdamer Straße 75. I TägUch 5-7 und 8— U Uhr. Große Konzerte des Karl Zimmer-Orchester». Punkt 8 Uhr: White City-Mar$ch von Zimmer. ,atghncf:ntTranslateur Eintritt 85 Pf. a Person. Reicbstiallen-Tlieater. ir Säip (Uleysel, Britton, Mcbrnder usw.) Ansang wochentags ( 8 Uhr. i Sonntag? 7 Uhr. IGGtMWMGWW* Urania. WissensohaftlicheB Theater. Taubenstrafle 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Montag 8 Uhr: Rom nnd die Campagna. 0040 CISC HER mm Heute, am I. Sonntag im Monat Eintritt ep?£ Df die Person r l* —= Ab nachm. 4 Ulir:—= Gr. Militär-Konzert. (3 Kapellen). 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Juni, abendS B1/« Uhr, (gleich nach Feierabend) bei Obiglo, Schwedter Str. 23. Rai llnmliiract(Gesundbrunnen, Wedding, Moabit) Uu&i ÜUl UnCal am Montag, de» 7. Julch abends Uhr, (gleich nach Feierabend) bei Schölzel, Boyenstr. 12.. Killvierarbeiter. Montag, den 7. Juni er., abends 8 Uhr, im Crewerkschafts- lianse, Engelufcr 14/15(Saal VIII): Außerordentliche Vertrauensmänncr�erfammlung. I Achtung! Bibliothek! Vom 14. Juni er. ab werden keine Bücher mehr ausgeliehen und biS zum LK. Juni miiffcn sämtliche ausgeliehenen Bücher tu der Bibliothek eingeliefert sein, da vom 1. Juli ab die Bibliothek zwecks Revision aus einige Zeit geschlossen wird. Die Wiedercröffnung der Bibliothek wird bekannt gegeben. i Luxuspapierbranehe, Berlin. Dienstag, den 8. Jnui, abends 8 Uhr, im GetverkschaftShause (Saal 4): Große allgemeine Branchen-Versammlung für alle tu der Fllillspnpitr-, Spihtllpnpier- und Kartonpapierbranchk, sowie tu SötiiufrattPnltfii beschiistigtk» Arbeiter n. Arbeitemuen. Tages-Ordnung: 1. Welche Gefahren drohen der deutschen LuxuSpapIer-Jndustrte durch den amerikanischen Zolltaris? Referent: Schrijtsteller linrt Uelnlx. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 23/1(5 Um eine rege Agitation zu einem guten VersammlungSbcsuch ersucht Die Agitatiouskommission der LuxuSpapierbrauche. Mwki Bucliliiniler- Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, de» 7. Juni 1009, abends 8Vs Uhr: Oeffentliche Meter-llertammlung » tut Lokal von Lutter, Weinstr. 11(früher Feind). TageS-Ordnung: I. Sind die Nieter die Pioniere in der wirtschaftlichen Bewegimg der Rartonbranche? Referent: Kollege Klar. 2. TarisltchcS. 23,17 S. Branchen-Angelegenheiten.-- Zahlreichen Besuch erwartet XU Brauchenleituug und OrtSverwaltung. Verbaoll ller Sattler. Verballll ller kortekeuiller. Am Donnerstag, den 10. Juni, abendS 8Va Uhr, im großen Saal der Ärminhalleu, Kommandantenstr. 68/59: Gemeinschaflliche General-Versanunlung. TageS-Ordnung: 1. Beratung des Orts- und Lokalkassenstatuts. 2. Wahl des Vorsitzenden, des Kassierers, des Arbeits- Vermittlers und der Revisoren. 3. Wahl von 2 Gaubeisitzern./ 4. Verschiedenes. - Ohne Mitgliedsbuch kein Zutxitt.» Kollegen! Kolleginnen, S'wmtS ewzelnen, diese Versammlung zu besuchen. 157/4 Die Ortuvervaltane- Avkwng!"WS NW" Aollwng! l-sislllerie- m Gflrtelbranche. Montag, 7. Juni, abends 8»/, Uhr, in den Naunyn-Festsälen, Naunynstr. 6: Außerordentliche Branchen- Versammlung. Einziger Punkt der Tagesordnung: Der Ablauf des Tarifvertrages am 1. Juli und welche Stellung nehmest wir dazu ein? In dieser Versammlung muffen alle zurzeit in der Galanterie. und Gürtelbranche beschäftigten Kollegen und Kolleginnen an- wcsend sein, da es sich um die Neugestaltung der Lohn» und Arbeits- bedingungen handelt. _ Die Branchenleitnng. LMittldtitcHttttii! —— Verwaltung Groß-Berlin. wmi Urlibßlmmmig! mihi! Dle am 2. Mai 1909 stattgesundcne ordentliche Generalversammlung hat durch Beschluh scstgclcgt, dafl über die Frage:„Erhöhung deS Lokal- beitragS« die Gesamtheit der Mitglieder durch eine Urabstimmung ent» scheiden soll. Dieselbe findet am Sonntag, den 13. Jnni 1909, vormittags vo» 10— Ä Uhr, in nachstehenden Lokalen statt: Tegel. Kakies, Berliner Str. 92. Schöneberg. Gebhardt, Gothenstr. 23. Wildau. Schumann, Wildau. Neuenhagen. Wünsche, Bahnhosstratze. Zernsdorf. Knorr, ZernSdors. Spandan. 1. Schröter, Pichelsdorfer Str. 5. 2. Gottwaldt, Gchönwalder Str. 80. Senzig. Schimke, Senzig. Wilhelmsruh. Frische, Niederste. 5. AdlerShof. Tempel, Kronprwzenstr. 43. Köpenick. 1. Tauchcrt. Müggelheimer Str. 4. 2. Götze. Kaisertn-Auguste-Btttoria- Straße. 3. Goch, Schönerlinder Straße. Alt. Glienicke. Focht, Köpenickcr Straße. Norden. 1. Döhling. Brunnenstr. 79. 2. Hoffmann, Pasewalker Str. 8. 3. Kelch, Schönhauser Allee 134». Nord-West. 1. Kirschkowski, Beusselstr. v. 2. Schröder. Stromstr. 33. Osten. 1. Rath, Krautftr. 33. 2. Ziest, Warschauer Str. 31. 3. Rott, Straßmannstr. 29. Süd-Ost und Süden« 1. Schulze, Forster Str. 17. 2. Kncchtel, Wassertorstr. 14. 3. Scholz, Baruther Str. 22. Rummelsbnrg. Wolff, Kantstraße. Ober-Schöneweide. Raabe, Wilhclmmenhosstraße. Johannisthal. Gobbin, Roonstr. 2. Rixdorf. Gellert. Steinmetzstr. 93. Charlottenburg. BoNshauS, Rosinenstr. 3. Weistensee. Content, Lehderstr. 3. Reinickendorf. Roemer» vtrkenstr. 39. Die Stimmzettel werden durch die HauSkalsierer, BertrauenSIeute und Zahlstellcninhaber den Mitgliedern vcrabsolgl und wird die Teilnahme an der Abstimmung durch Stempeloermert im Mitgliedsbuche bescheinigt. 34/17« Tie OrtSerwaltung. 8opl!ie«-8äle 8ophiev8lralle 17/18 yusrstraüv der llosonthslor StrsSo— am Hsctaselum Markt* Inhaber; Panl Baatz===== empfiehlt seine vou 30— 2000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen. Vortrags« u. Kunstabenden usw. Borzügl. Akustik,«ulaut. Sutgegeulommen. „Rottnimx" Berliner Schneidere!- Genossenschakt E. G. m. b. 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Kranken-llnterstiitzungs- und Begräbnis-Verein(iir Bau- und gewerbliche HillsarbelfBr Berlins Umgegend.= und Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bau- arbeiter Herraurai Raekow am 2. Juni verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Juni, nach. mittags 4 Uhr, aus dem alten Golgatha< Kirchhofe, Barsus- straße statt. Um Beteiligung ersucht 37/5 Der Vorstand. Zentral-Kranken-ünterstiltznngs- ferein der Schmiede und verw. Gewerbe Deutschlands. ... IIOl'Uu 9. Todes- Anzeige. Am 3. Juni starb das Mitglied Hermann Raekow. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 6. Juni, nach- mitttags 4 Uhr, von der Leichen. halle der Golgatha- Gememde, BarsuSstraße, aus statt. Ehre seinem Andenken! 2S3Sb Uvi? Vorstami. Todes-Anneige. Am 4. Juni, nachmittags 5'/, Uhr, entschlief nach langen, schweren Leiden mein innigstgeliebterMann, unser guter Vater IVauxott Müller im 39. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Emma KIttllcr, geb. Gumptow, nebst Söhnen. Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4'/, Uhr vom Traucrhaufe, Stargarder Str. 3a, aus i»ch dem Fentral-Frledhot w Friedrichsselde statt. Dentseber Bucbbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Kollegin ISUsv Hengs geb. KclBner plötzlich verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. d. Mts., nach« mittags 4 Uhr, von der Halle des Heiligkeuz-KirchhofeS in Marien- dorj, Eisenacher Straße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Den Parteigenossen und Gc> nosfinnen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter Berta Vietze geb. Sitaroslie am Mittwoch von ihrem schweren Leiden erlöst worden ist. Um stille Teilnahme bitten Earl Dletze nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 4 Uhr, auf deni Freireligiösen Friedhof, Pappel-Allee 15/17, statt. 2937b Die besten eckten amerikaniscben DeviscrOualiläHstdiebeiteltopfchliin� mit echten Platinstlften, pro Zahn mit Kautschukplatte einberechnet. Unter Garantie(UrgutenSitz u. absolute Brauchbarkeit «tltAM IS«AA fast schmerzlos, speziell ZarllZlBslBn■»00 für nervöse u. ängstliche mMUUAAVUVU Personen zu empfehlen. I...... Zapn-IPraxls W�fcyöT'liP carllMolpl) Unter persönlicher Leitung von Danksngang. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Beteiligten, insbesondere dem Zentral» Verband der Böttcher und den Kolonisten der Kolonie „Neues Heim" meinen herzlichsten Dank. 14S3L Witwe Alwine Brosch. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme sowie die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Fahrstuhl besitzers, srüheren Gastwirts. Karl Wilke sagen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank. 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Mittwoch: Zahladenä in lkerlin unä Vororten. Partei- TUngelegenKeiten. Zur Lokalliste. In Maricndorf hat der Inhaber des Restaurants «Zum Feldschlößchen", Fritz Zierock, Kurfürsten- straße44, ohne auch nur irgendeinen Grund anzuheben, seine Unterschrift zurückgezogen: außerdem machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß das Lokal„GraßlS Gesellschaftshaus", früher„Zun, alten Askanier", Chausseestr. S0S, der Arbeiter- schaft nach wie vor verweigert wird, es stehen uns dortselbst nur die Lokale: Restaurant„Zum Schweizerhaus", Jnh. Hans Herr m a n n, Großbeerenstr. 79/81, und das Restaurant von Georg Löwenhagen, Chausseestr. 27, zur Verfügung und ersuchen wir, dies zu beachten. Die Lokalkommission. Steglitz. Montag, den 7. Juni, abends SVa Uhr, bei Schellhase, Ahornstr. IS. Diskussionsabend für die Mitglieder des WahlvereinS. Tagesordnung: Diskussion über die Kautzkysche Broschüre„Der Weg zur Macht". Der Vorstand. Charlottenburg. Der Leseabend für die 1.. 2. und 3. Gruppe findet in diesem Monat erst am Donnerstag, den 10. Juni statt. Der Borstand. Johannisthal. Porteigenossen! Unsere Mitgliederversammlung sowie der Zahlabend findet umständehalber erst am Dienstag, den IS. d. M. bei A. Gobin, Roonstraße 2 statt. Der Borstand. Eichwalde, Zeuthen, Micrsdorf. Am Mittwoch, den 9. Juni, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Spethmann die Generalver- sammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstands und der Funktionäre. 2. Wahl des zweiten Vorsitzenden. 3. Stellungnahme zum Sommervergnügen. 4. Vorlesung und Aussprache. Der Zahl abend findet infolgedessen nicht statt. Nowawes. Mittwoch, den 9. Juni, abends 8'/z Uhr, findet in, Lokal des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstraße 41/43 die Versamm- lung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte über:„Ferdinand Lassalle". 2. Geschäft- liches. 3. Abrechnung von der Maifeier. 4. Sommerfest.— Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Spandau. Den Genossen, welche sich an der heute in Cladow stattfindenden Volksversammlung beteiligen wollen, zur Nachricht, daß die Abfahrt des Dampfers von der Charlortenbrücke nachmittags 2 Uhr und von Rackwitz(Pichelswerder) um 2,1ö Uhr erfolgt. _ Der Vorstand. Berliner JVaebriebten» Ter Polizeipräsident zur Zahlung von 30 Pf. verurteilt l Der Junkerlandtag hat bekanntlich einen Antrag auf Zahlung einer Stempelsteuer von 1 Mark 50 Pfennig für Fahrradkarten angenommen, hingegen eine solche auf Be- steuerung des Haltens von Reitpferden und die von der Re- gierung vorgeschlagene Jagdpachtsteuer abgelehnt. Bei Ge- legenhcit dieser antisozialen Tat, bei der es den Herren offenbar weniger darauf ankam Geld für den Staat heraus- Zuschlagen als zu zeigen, daß die Klinke der Gesetzgebung lediglich zur Bedrückung der A r b e i t e n d e n und zum Heraus- schlagen von Vorteilen für die B c si tz e n d e n zu ergreifen sei, solange es noch Arbeiter gibt, die nicht sozialdemokratisch wählen, wurde gestreift, daß schon jetzt eine Fahrradgebühr erhoben wird. Diese Fahrradgebühr wird in Berlin seit dem 1. Juli 1008 erhoben, besteht aber zu unrecht. Das ist durch ein Urteil des hiesigen Amtsgerichts erwiesen, das auf die Klage des Genossen Richard Palm gegen den Berliner Polizeipräsidenten erging. Als Palm seine Rad- fahrkarte löste, wurde die Aushändigung von der Zahlung von 50 Pf. abhängig gemacht. Er zahlte unter Vorbehalt der Rückforderung. In der Klage forderte er 30 Pfennige vom Polizeipräsidenten z u r ü ck.s Nach dem Erlaß des Ministers des Innern und der öffentlichen Arbeiten dürften die Ortspolizeibehördcn sich nur die ihnen entstehenden Kosten erstatten lassen. Diese betrügen aber höchstens 20 Pf. Der Polizeipräsident verlangte Abweisung der Klage. Der Rechtsweg sei nicht zulässig, ihn koste die Herstellung der Fahrkarten selbst mehr als 50 Pf.! Demgegenüber hob der durch Rechtsanwalt Dr. Kurt Roscnfeld vertretene Kläger hervor: 1000 Exemplare kosten 10 M., das Stück also höchstens einen Pfennig. Das Gericht kam zu einer Verurteilung des Polizeipräsidenten. Eine öffentlich rechtliche Abgabe oder Gebühr, gegen deren Er- Hebung der Rechtsweg ausgeschlossen ist, liege nicht vor.„Aus dem eigenen Vorbringen des Beklagten", heißt es dann im Urteil,„ist auch zu entnehmen, daß die Polizeibehörde die 50 Pfennig, die sie für Verausgabung einer Karte fordert, nicht als eine öffentlich rechtliche Abgabe oder Gebühr, sondern lediglich als eine Vergütung ihrer Auslagen beansprucht, daß sie nur dazu bestimmt sind, die Selbstkosten zu decken. Es handelt sich sonach im vorliegenden Falle lediglich um die Frage, ob die Herstellungskosten 50 Pfennig pro Karte, wie der Beklagte, oder nur 20 Pfennig pro Karte, wie der Kläger behauptet, betragen. In letzterem Falle würde das fiskalische Vermögen auf Kosten des Klägers um 30 Pf. bereichert sein und der Kläger auf Grund des rein privatrechtlichen Verhältnisses ans§ 812 Bürgerlichen Gesetzbuches zur Rückforderung vor dem ordentlichen Gericht berechtigt sein. Der Anspruch des Klägers ist auch begründet. Der Kläger führt an, daß auf die Herstellungskosten ein Pfennig pro Karte entfalle, und daß ein weittzrer Pfennig aus die Kosten der Verausgabung der Karten, die Tätigkeit der mit der Ausgabe betrauten Beamten, zu berechnen sei. Der Beklagte hat aus diese Behauptungen des Klägers, insbesondere auch auf die Behauptung, daß er wegen der Ausgabe der Karten keinen Beamten mehr anstelle, keine Erklärung mehr abgegeben. Die Behauptungen des Klägers müssen daher als unbestritten gelten. Sache des Beklagten wäre es auch gegenüber den klägerischen Be- hauptungen gewesen, substantiert anzugeben, wie 50 Pfennige für die Kosten einer Karte zu berechnen sind. Abgesehen davon ist es aber auch anzunehmen, daß mit 20 Pfennigen, die der Kläger dem Beklagten zubilligt, auf jeden Fall die auf die Herstellung und Verausgabung der einzelnen Karten ent- fallenden Kosten gedeckt sind. Da die Polizeibehörde eine Erstattung der Selbstkosten verlangen darf, auch nur beab- sichtigt, diese erstattet zu verlangen, so ist der Beklagte, wenn die Behörde 50 Pf. verlangt und gezahlt erhalten hat, um 30 Pf. ungerechtfertigt bereichert. Dem Antrage des Klägers war danach stattzugeben." Auch die 20 Pfennig, die der Kläger dem Polizei- Präsidenten großmütig belassen will, hat trotz des Ministerial- erlasses vom 5. Mai 1908 der Polizeipräsident zu unrecht erhoben, zumal die Polizei für ihre gesamte Tätigkeit durch eine von der Stadt zu zahlende, außerordentlich hohe Pauschalgcbühr pro Kopf des Einwohners überreichlich ent- schädigt Ivird. Wird der Polizeipräsident nunmehr vcr- anlassen, daß allen Radfahrern die zu unrecht abgenommenen Nickel zurückgegeben werden oder will er auch die Kosten für die weiteren Prozesse tragen? Eine Nichtbeachtung der Stadtverordnetenversammlung hat sich der Magistrat zu schulden kommen lassen. Er hat der Versammlung eine Vorlage gemacht, in der um Zustimmung zu einem mit der Ziegeleitransportgesellschaft zu schließenden Vertrag ersucht wird und gleichzeitig um Genehmigung einer neuen Krananlage am Schöneberger Ufer. Nun stellt sich heraus, daß diese Krananlage, zu der erst die Genehmigung erteilt ist, nahezu fertig ist. Die„Volks-Zeitung" hat deshalb an den Magistrat die Anfrage gerichtet, auf wen diese Eigen- Mächtigkeit zurückzuführen ist. Darauf wird nun Magistrats- offiziös geantwortet: „Die„Volks- Ztg." bemängelt den Bau eines elektrischen Kranes am Hafenplatz. Wir können dazu mitteilen, daß die Genehmigung für diesen Bau nur vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung mit Rücksicht auf die Dringlich- keit unter der Bedingung vom Magistrat erteilt worden ist, daß der Kran wieder entfernt werden muß. falls die Versammlung ihre Zustimmung versagt. Die ausführende Gesellschaft hat für dieses Abkommen Sicherheit geleistet." Diese Antwort bestätigt zunächst die behauptete Tatsache, legt aber von einer sonderbaren Behandlung der Stadt- verordnctenversammlung durch den. Magistrat Zeugnis ab. Die in der Antwort behauptete Dringlichkeit der Sache ist kein Grund zu einer solchen Ausschaltung der Versammlung. War die Sache wirklich so dringlich, wie behauptet, hätte sie früher vorgelegt und als solche bezeichnet werden müssen. Unter keinen Umständen wird damit das eingeschlagene Ver- fahren gerechtfertigt. Ucber die Abfertigung des Publikums im Geldbriefträger zimmer wird lebhafte Klage geführt. Zunächst ist der für das wartende Publikum abgegrenzte Raum auf manchen Postämtern so winzig, daß sich hier kaum drei Personen bewegen können. Da aber die Geldbriefträger immer nur verhältnismäßig kurze Zeit auf dem Amt anwesend sind� und da sich dann viele Geldempfänger, die nicht zu Hause angetroffen wurden, gleichzeitig einfinden, so reicht der Raum nicht aus und es entsteht ein unangenehmes Gc dränge. Mitunter müssen Interessenten bei überfülltem Raum vor der Tür auf dem Korridor warten. Man sollte meinen, daß mit der Abfertigung des Publikums hier ein bestimmter Beamter betraut ist, der in jedem Falle nach den speziellen Wünschen fragt, sie schnell weitergibt und so die Abfertigung beschleunigt. Statt dessen müssen sich die Wartenden sehr häufig erst deutlich be- merkbar machen und um beschleunigte Abfertigung bitten. Wer sich gar erkühnt, auf die Holzbarriere zu klopfen und sich darauf zu berufen, daß die Post doch wegen des Publikums da sei, dem wird im schönsten Beamtenjargon heimgeleuchtet. Es ist borge- kommen, daß nervöse Beamte erklärten:„Richten Sie sich doch so ein, daß Sie zu Hause sind, wenn Sic Geld erwarten!" Solcher ungehörige Ton ist doch loohl bei der Post am allerwenigsten ange- bracht. Gewöhnlich handeln so auch nicht alte erfahrene Beamte, sondern jugendliche Praktikanten, die die Bedeutung ihrer Stellung offenbar überschätzen. Im Gegensatze dazu sind allerdings unsere Geldbriefträger mit wenigen Ausnahmen sehr höfliche und ruhige Leute. Sie lassen sogar gegenüber der bekannten Bestinimung, daß nur gewisse amtliche Papiere(beispielsweise Militärpaß und Steuerzettcl, aber nicht Mietskontrakt und Zeugnisse) vor der Post als genügende Legitimation anzusehen sind, weiteste Milde walten, wenn ihnen der sich Meldende sonst den Eindruck macht, daß er auch wirklich der Empfänger ist. Für alle Personen, die öfter Geldsendungen erhalten, empfiehlt sich unbedingt die Anschaffung der grünen Postauswciskarte, welche für ein ganzes Jahr gilt, nur 59 Pf. Gebühren kostet, allerdings auch mit Photographie vcr. sehen sein muß und in allen sonstigen Notfällen unserer schwer- fälligen Staatsmaschinerie gegenüber als ausreichendster Personen- ausweis gilt. Belohnte Wohltätigkeit. ES wird berichtet:„Der Kaiser hat Frau Emilie Mosse, der Gemahlin des Verlagsbuchhändlers Rudolf Masse, in Anerkennung ihrer wohltätigen und gemeinnützigen Wirksamkeit den WilhelmS-Orden verliehen." ES ist wirklich keine Kunst, in Wohltätigkeit zu machen, wenn man es dazu hat, wie daS bei Frau Mosse der Fall ist. AlS Urheber verschiedener Raubansälle ist der 21 Jahre alte Arbeiter Weber aus Waltcrsdorf festgenommen worden. Kürzlich wurde ein Ueberfall auf eine taubstumme Frau verübt, die auf dem Wege vom Bahnhof Grünau nach ihrer Wohnung von einem jungen Menschen zu Boden gerissen und beraubt worden Ivar. Der Ehe- mann der Ileberfallcnen war dieser entgegengegangen und traf auf dem Wege den ihm vom Ansehen bekannten W. Er schöpfte gegen ihn Verdacht und die polizeilichen Ermittelungen haben nunmehr zur Festnahme des Arbeiters geführt. Der Verhaftete gestand auch diesen Ueberfall ein und ist trotz seines Leugnens dringend vcr- dächtig, auch die verschiedenen in letzterer Zeit in jener Gegend vorgekommenen Raubanfälle verübt zu haben. Beim Baden ertrunken. In der Obcrspree bei Hirschgartcn fand ein etwa LOjähriger Mann vor den Augen zahlreicher Zeugen beim Baden seinen Tod. Ter Berunglückie soll ein Schlosserei- arbciter aus der Oranienstraße sein, dessen Leiche bisher noch nicht gefunden werden konnte.— Ferner ertrank vorgestern beim Baden in der Oberspree bei Oberschönewcide der neunjährige Schüler Raddatz, der mit Spielkameraden zusammen ins Waffer gegangen war und sich, obwohl er nicht schwimmen konnte, zu Iveit in den Fluß hineingewagt hatte. Die Versuche der übrigen Knaben, den Verunglückten zu retten, blieben leider erfolglos.— Gleichfalls ertrunken ist der lbjährige Hausdiener Hans Hollfelder aus der Hasenheide. H. hatte init Bekannten einen Ausflug nach dem Werbellinsce unternommen und in dem See gebadet. Er schwamin tief hinein, und als er wieder zurückwollte, verließen ihn die Kräfte. Lautlos sank H. unter und ertrank. Seine Leiche konnte geborgen werden._ BhzantiniSmuS auf den Müggelbergen. Daß die vornehmste Aufgabe der Schule darin besteht, den Kindern und besonders den Arbeiterkindern neben einer gehörigen Dosis Religion möglichst viel Byzantinismus und Fürstenvcrherr- lichung beizubringen, darin sind sich die maßgebenden Kreise völlig einig. Würden die Schulwände sprechen können, sie würden manchen interessanten und charakteristischen Beitrag zur Kulturgeschichte de? deutschen Voltes liesern. Den„Höhepunkt"(hierin erreichte aber sicherlich ein Lehrer, der mit feiner Schule hoch oben auf den Müggelbergen an einem Werktagnachmitlag die friedliche Waldes- ruhe durch die schinetternden Kehlen seiner Schüler unterbrechen ließ. die mit kommandierter Begeisterung„Heil dir im Siegerkranz" sangen. Anscheinend ging es dem Erzieher nicht forsch genug, denn er hielt den Jungen eine patriotische Pauke, indem er unter anderem erklärte:„Wenn Ihr so waschlappig seid, dann kann Euch unser Kaiser nicht als Soldaten brauchen!" Das schien den Kindern ein- zulenchten, denn mit erneuter Vehemenz scholl es durch die brütende Mittagsstille:„Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang..." Da hatten wir genug und schleunigst ver- ließen wir den herrlichen Platz und»nachten unS Hals über Kopf über die— Müggelberge._ Kein Mord! Die Obduktion der Leiche des Hausdieners Gallin, der auf dem Bahnkörper der Nordbahn � tot aufgefuitfcm worden war und dessen Beerdigung jetzt auf dein Stolper Begräb- nisplatz stattgefunden hat, führte zu den» Ergebnis, daß an den» jungen Mann kein Verbrechen stattgefunden hat. Gallin hat zweifellos Selbstmord verübt. Es ist nach dem Befund der Leichen- schau feststehend, daß dem G. der rechte Arm von dem lebenden Körper durch die Räder des Eisenbahnzuges abgetrennt worden ist. Der Lebensmüde besaß dann noch soviel Kraft, sich zu erheben und eine kurze Strecke weiter wieder auf die Schienen zu werfe», um sich von einein aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zug überfahren zu lassen. Die Verletzungen an» Kopfe, die nach der ersten Annahme durch Schläge mit einem Knittel verursacht sein sollten, sind durch einen Stoß der Lokomotive entstanden. Auf Grund des Ergebnisses der Obduktion hat die Kriminalpolizei das Ermittelungsverfahren eingestellt. Bor freundlichen Koffcrträgcrn seien Reisende gewarnt, die in Berlin zu Fuß von einen» Bahnhof nach den» anderen gehen wollen. Diese Kofferträger sind oft nichts anderes als Diebe. Die Kriminal- Polizei richtet zivar namentlich in der Reisezeit ihr besonderes Augenmerk auf solche Leute, kann aber nicht jeden Diebstahl ver- hindern, wenn nicht die Reise>»dcn selbst vorsichtig sind. Die Heruin- lungercr.die sich dem reisenden Publikum aufdrängen, würden wohl kau»» einen Koffer anrühren, wenn sie von vornherein die Gewißheit hätten, nur den Trägerlohn zu bekommen. Daran liegt ihnen nichts. Sie suchen vielinehr mir Gelegenheit, mit dem Koffer zu verschwinde»: diesen verkaufen sie dann an einen Althändler oder Herbergsgäste, den Inhalt in Kascheinnien. Gestern gelang es zwei Krinunal- bcamten, ein paar dieser Diebe abzufassen. Ein Arbeiter Stairislans Springer und ein Schlosser Theodor Kascha, die beide keine Wohnirng haben, Spezialisten auf diesem Gebiete, hatten auf dem Lehrter Bahnhof ein Opfer gefundei». Während einer den Koffer trug, be- schäftigle der andere den Reisenden auf der Alsenbrücke init einer gleichgültigen Frage, Sofort wollte der Kofferträger verschwinden. Beide aber wurden in deinselben Augenblick von den Beamten gefaßt, Sie räumen eine ganze Reihe solcher Diebstähle ein. Ucberfälle aus allein ihres WegeS gehende Personen werden in letzter Zesi häufig aus der Gegend der Jringfcrnheide gemeldet. Kürzlich wurde berichtet, daß ein schwerer Ueberfall bei Haselhorst erfolgt war, und vom gestrigen Tage wird uns berichtet, daß eine Frau Jahn aus der Bahnstraße, die ihrem Mann Essen tragen wollte, ain hell- lichten Tage an» Tegeler Weg von einein jungen Burschen überfallen und verletzt wurde, Zinn Glück sind die Verletzungen nicht erheb- liche. Angesichts dieser sich häufenden Unsicherheit in der Gegend der Jungfeniheide muß doch die Frage aufgeworfen werden: Wo stecken denn eigentlich die Personen, die zun» Schutze der Bevölkerung bestellt find? wo bleibt die Polizei? Wir gehören nicht zu denen, die immer nach der Polizei rufen, aber sie ist da und in erster Linie zum Schutze des PnblikumS. Wir wissen sehr lvohl, daß auch die Polizei»»icht allgegenwärtig ist und nicht überall sein kann, Aber das wissen wir, daß sie vielfach ihren eigeiulichen Zwecken entzogen und zu Dienstleistungen benutzt wird, die als alles andere, nur nicht als Schutz des Publikums angesehen»verdcn müssen. So klage» gerade Lokalbesitzerin der Uingegcnd derJungfernheide fortgesetzt darüber, daß ihnen gerade durch polizeiliche Organe das Leben sehr sauer gemacht wird. Würde die Zeit, die hierzu verwendet wird, benutzt werden, um das Publikum vor Ucberfällen durch»nederträchtige Burschen zu schützen, so wäre der Allgemeinheit wenigstens ein nütz- licher Dienst geleistet._ Burggraf Wilhelm zu Dohnas Möbeleinrichtnng abgeholt. Ein „Einbruch" eigener Art ist in der Fricdnchstraße verübt»vorbei». Der 35 Jahre alte Burggraf Wilhelm zu Dohna, der feine Wohnung in der Marienstr. 8 hat und dort polizeilich gemeldet ist, hatte den größten Teil seiner Möbel und Wertsachen bei cinein Fräulein B. untergebracht, die als Privatiere den halben ersten Stock des Hauses Friedrichstr. 15 bewohnt. Dorthin ließ er sich auch alle Zustellungen von der Marienstraße nachsenden. Kürzlich verreisten der Graf»ind Fräulein B. In ihrer Abwesenheit»vurde vorgestern nachmittag das Dienstmädchen des Fräulein B. an den Fernsprecher gerufen. Der Anrufer nannte den Namen eines Rechtsanwalts»md teilte mit, daß in einer halben Stunde ein Gläubiger des Grafen kommen»verde. »m Sacken abzuholen. Es kam dann auch ein Möbelwagen. Das Dienstmädchen glaubte, der Weisung des RechlSanwaltS folgen zu müssen, öffnete bereitwilligst und sah zu, wie die„Zichleute" drei Zimmer ausräumten und für 15 000 M. Möbel und Wertsachen auf ihren» großen Wagen»vcgschafften. Erst nachdem dieses geschehen war, telegraphierte es an die Verreisten. Diese kamen noch in der Nacht zurück. Als sie dann gestern den Rechtsanwalt aufsuchten, ergab sich, daß dieser von den Vorgängen»ichts»vußte. Ein Un- bekannter hatte seinen Namen mißbrancht. Der Graf und Fräulein B. »nachten Anzeige wegen Einbruchsdiebstahls und reisten hieraus wieder ab. Ihr Bevollmächtigter, ein Generalagent aus der In- validenstraße, glaubt jedoch, daß nicht ein gewöhnlicher„Einbruch", sondern unerlaubte und unnötige Selbsthilfe eines Gläubigers vor- liege. Wer die Sachen hat abholen lassen und wo diese geblieben sind, ist noch nicht ermittelt. Eine raffinierte MietSschivindlcrin treibt gegenwärtig in Berlin und in den östlichen Vororten ihr Unwesen. Die Gaunerin »nietet besonders bei Witwen Zimmer und sucht durch alle mög- licheu Ausreden ihre polizeiliche Anmeldung zu verhindern. In einem günstigen Moinent raubt sie aus der Wohnung der Zimmer- Vermieterin alles, was sie an Geld und Wertsachen erreichen kam» und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Die freche Diebin ist etwa 35 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar, blasses Gesicht und ist mit schwarze»» Nock, schwarz-wciß gestreifter Bluse und weißcin Umlegekragen bekleidet. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im Mai in ihren 42 Verkaufsstellen einen Umsatz von 282 921,55 M. gegen .295 757,94 M. iin gleichen Monat des Vorjahres, das sind 77173.01 Mark mehr. Der Gesamtumsatz in den ersten elf Monalen des Gc- schäftsjahrcs beträgt 2 492 914,18 M. gegen 1879 830,59 M. des gleichen Zeitraumes des Vorjahres, also ein Mehr von 013 977,08 M. Die Mitglieder, �hl beträgt nnliezu SO 000. Von den HauScmteilen sind etwa für 8-1000 M- nbgesetzl und wird nun bald an die Er- wxrbung eines Grundstückes in Lichtenberg, an der Bahn gelegen, 5ur Errichtung einiger Wohnhäuser, eines Verwaltungsgebäudes mit Zentrallqger und einer Grostbäckerci geschritten werden, wozu aber noch die Unterstützung aller Genossenschafler und Genossonschafts- freunde nötig ist. da die Gesamtanlage über eine Million Mark Kosten beanspruchen dürfte. Eine schwere Gasexplosion ereignete sich gestern abend gegen 0 Uhr in dem neuerbauten Gaso- Meter am Nonnendamin. Durch die ausströmenden Gase wurde der Gaswärter Albert Wacker aus Spandau getötet, drei Angestellte wurden schwer und vier leicht verletzt. Ein sofort hinzugerufener Arzt leistete den Verunglückten die erste Hilfe. Die Schwerverletzten wurde nach dem Spandauer Krankenhause gebracht. Die tatkräftige Hilfe der Siemensfeuerwehr bei der Rettung der Verunglückten sei besonders hervorgehoben. Die billipen Dampfer-Sondcrfahrten(mf'der Havel beginnen am kommenden Montag. Die Stern-Dampfer verkehren alsdann an allen Werktagen salcher Sonnabend) früh um SUHr von der Weidendammer Brücke nach Pfancntnsel, Potsdam und Werder sBiSmarcks- höhe). Unrerwegs legen die Schiffe am Bahnhof BellevneVariett--Theatcr ist in seinem Juniprogramm unterhaltend wie immer. Der warmen Jahreszeit gettmh hat es sich sogar einen im Garten vorgeführten Extraschlagcr zugelegt: Miß gapkoras„Flug durch die Luft", der als prachtige Leistung und eigenartiger artistischer Trick angesprochen zu werden verdient. Aber auch die Aufführungen im Theatersaak fesselten. Geradezu UebermenschlicheS leistete das Planeten»Trio in seinem Krastatt; das waren nicht die landläufigen Zentner» gewichte, mit denen diese Athleten arbeiten, sondern Kombi- Nationen ins Zehnfache dieser Last gesteigert; aber nicht nur die Kraft imponierte, sondern vor allen Dingen die graziöse Geschicklich- keit, mit der sie sich gab,— Fand der Humorist A l f r e d B a r t e ls mit seinen Couplets schon reichen Beifall, so wurden seine Leistungen von denen der Soubrette Marga Louison noch womöglich über- trumpft; ihr zum Grotesken neigendes, mimisches Talent unterstrich die Komik des Vortrages ans das nachdrücklichste.— Originell war schließlich noch T u x i n, der sich als„der Mann mit der Flasche" produzierte: eine Art Schlangenmensch, der die unglaublichsten Glicderverrenknngen zuwege brachte.— Was sonst an Tqnz, Equilibrislik und Akrobatik geboten wurde, hielt sich auf dem Nivean des üblichen.—- Fcucrwehrnachrichtcn. Gestern früh um 9 Uhr kam in einem Eiergeschäsp in der Sebastianstr. ös gener aus, das Stroh, Kiste» nsiv. erfaßte. In einer Wohnung in der Mansteinstr. 3 brannte nachts um 4 Uhr das Zwischengebälk, der Fußboden u. a. Wegen eines Kellorbrandeö wurde die Feuerwehr»ach der Kochstr. 9? alarmiert. Im 2. Stock des Hauses Lothringer Str. 17 brannten tn der Wohnung von Sabisch Möbel. Bette», Gardinen. Stoffe. Türen, Fenster. Tapeten, der Fußboden u. a. und gleichzeitig in der Pank- straße 4V Packpapier usw. in einer Nqgelschmiede. An der Spandauer Brücke 9 wurden in einem Putzgeschäsl Gardinen u. q.«in Raub der Flammen. In der Möckernstr. 121 brannten Hobelspäne, Lacke n. a. und in der Oranienburger Str. 85 Wäsche usw. in einer Küche. Außerdem wurde die Feuerwehr nach der Schäferstr. lla u. a. Stellen alarmiert, wo in Wohnungen Feuer ausgekommen war. In der Landsberger Str. 104 brannte Ruß. Vorort- JVacbncbtci*. Ichöntzberg. Das Statistisch« Amt hat eine selbständig« Beröffentlichung der Volkszählung sergebnisse von 1905 herausgegeben. Die vorauf- gegangenen Zählungen waren vom Statistischen Amt Berlin gemrinsqm nnt denen dxr anderen Gemeinde» Hroß-Berlins be- arbeitet worden. Nach den ZählmigScrgebnissen betrug die Gesamt- zahl der bebauten Grundstücke 202a. Davon waren 61 unbelvohnt und 1964 bewohnt. Die Zahl der ans diesen Grundstücken errichteten Gebäude betrug 3054. Dahon wäre» 173»nbawohnt. Von den 2831 bewohnten Gebäuden hatten 473 oder 17 Proz. ein Geschoß, 2lv oder 7 Proz. zwei. 98 oder 3 Proz. drei, 34S oder 12 Proz. vier und 174? oder 61 Proz. mehr als vier Geschosse. Die große Mehrheit der bewohnten Gebäude zählte also fünf oder mehr Geschosse. Nirgends ist dje Zahl der bewohnten Gebäude niit mehr nlS vier Geschossen so hoch ivie in Tchöneberg. Ilnler den 2381 be- wohnten Gebäuden waren 2294 Wohngebände mit 3203 Läden. Am wenigsten Läden sind im Friedenarier Ortsteil vorhanden. Von den Läden entfallen am meiste» auf Restaurationen. Wohnungen wurden aus bewohnten Grundstücken 37 228 festgestellt. Im Durchschnitt ent- fallen auf jedes bewohnte Grundstück nicht weniger als 19 Wohnungen gegenüber 13 im Jahre 1000. Die Zahl der Einwohner betrug nach der gleichzcslig mit der Grimdftücksansnahme durchgeführten PersonciistandSaufnahine 138 193. Von den 1964 bewohnten Grund- stücken zählen 9 Proz. 1—20 Bewohner, 2S Proz. 21— 50 Bewohner, 44 Proz. 51—100 und 19 Proz, mehr als 100 Bewohner. An- nähernd a/3 aller Häuser waren mit mehr als 50 Menschen bewohnt. Im Durchschnitt entfielen auf jedes bewohnte Grundstück nicht lvcniger als 70 Bewohner. Am niedrigsten war der Durchschnitt im 10. Bezirk mit 23, am höchsten im 4. Bezirk mit 93 Bewohnern. Von den 1964 bewohnten Grundstücken gehörten 1749 je einem Eigentümer. 118 mehreren Eigentümern und 07 einer juristischen Person. Zu den 1749 Grundstücken mit einem Eigen- tümer geborten 1442 Männer und 307 Frauen. An erster Stelle steht die Stadtgemeinde mit 14 Grundstücken. Dann folgt der Eisenbahnfiskus mit 11, der Militärfiskus mit 6, eine Jmmobilicngesellschaft und ein Baugeschäft mit je 5 bewohnten Grundstücken. Von den 1846 Eigeniümern wohnten nur 1238 im Ort. alle übrigen Eigentümer verleilten sich in die Gemeinden Groß- Berlins. Die Tutsache, daß nur wenige Hausbesitzer ihr Haus selbst auf eigenem Grund und Boden haben erbauen lasse», und der sehr rege Besitzwechsel von Häusern bringen es mir stch, daß die Mehrzahl der bewohnten Grundstücke erst seit wenigen Jahren im Eigentum ihres jetzigen Besitzers ist. Wohnungen mit Badecinrichtimg, elektrischer Beleuchtung und Zentralheizung sind am zahlreichsten im Berliner Ortsteil, ihm folgt der Friedenaner Ortsteil. Die Gesamtzahl der bewohnten Wohnungen belicf sich auf 36 018 gegen 23 365 im Jahre 1900. Von den 36 018 Wohnungen hatten 9683 oder 26 Proz. höchstens einen Wohnraum, zwei Wohnräume hatten 11 171 oder 31 Proz. aller Wohnungen, d'rei Wohnräume hatten 6545 oder 13 Proz. und vier und mehr Wohnräume 8618 oder 23 Proz. Ein Wer- gleich mit den Ergebnissen von 1900 zeigt eine erhebliche Abnahme der kleinen Wohnungen. Aon den 32 560 bewohnten Wohnungen waren 18 120 oder 55,7 Proz. Vorderwohnnngen. Am zahlreichsten waren die Hinterwohnnngen in den Bezirken 4, 3, 7 und 8. Ins- gesamt wurden in den 36 013 Wohnungen 135 663 Bewohner ge- zählt. Davon'wohnten 25 Proz. in Wohnungen mit höchstems einem heizbaren Zimmer, 31 Proz. tn zwei Zimmern, 17 Proz. in drei Zimmern, 10 Proz. in vier Zimmern, 7 Proz. in fünf Zimmern, 4 Proz. in sechs Zimmern und 4,5 Proz. in sieben oder mehr Zimmern. Von den Mieterwohnungen kosteten bis zu 200 Mark: 3.4 Proz.. 200 bis 300 M. 18.9 Prpz., 30« bis 400 M. 16.1 Proz.. 400 bis 500 M. 14,6 Proz. Reichlich die Hälfte der Wohnungen— 53 Proz.— kosteten also bis zu 500 M. Mehr als 500 bis 1000 M. kosteten 32,6 Proz. aller Wohnungen,' 1000 bis 2000 M. 13,3 Proz., mehr als 2000 M. endlich 1,4 Proz. Am zahlreichsten waren die Wohnnngen bis zu 500 M. ini 9. Bezirk mit 70,5 Proz., dann im 8. und 5. Bezirk mit 65 und 64 Proz. Der durchschnittliche Miels» preis aller Mieterlvohnungen ohne Zentralheizung betrug 631 M. Rixdorf. lieber das Verschwinden einer Mutter mit ihren Kindern wurde gestern berichtet. Es wurde an die Mitteilung die Befürchtung ge- knüpft, daß die Vermißte, die Frau des Oberpostschaffners St, aus der Boddinstraße 30a., mit den 12 und 11 Jahre alten Kindern in den Tod gegangen sein könnte. Das ist nicht der Fall. Frau St. und ihre Kinder sind vielmehr wohlbehalten wieder zu Hause. Eine Ucverschwemmung fand gestern früh um'/„g Uhr in der Bergstraße statt und verursachte eine große Verkehrsstörung. Bor dem Stadtringbahnhof hatte sich der Schieber eines in der letzteren Straße lagernden Druckrohres der Wasserleitung gelockert; die Wassermassen drängten durch das Erdreich und schössen in zahlreichen Fontänen zwischen dem Pflaster in die Höhe. In kurzer Zeit war der Fahrdamm in weitem Umfang überschwemmt und, da man nicht feststellen konnte, ob eine Uuterspülung des Pflasters stattgefunden hatte, mußte die Straße für den Fuhrverkchr gesperrt werden. Auch der Straßenbahubctricb wurde unterbrochen und die Wagen der ver- schiedenen Linien teils abgelenkt, zum Teil mußten sie am Ring- bahnhof umlegen. Eharlotteubnrg. Elternvcrein für freie Erziehung.(Berein freier Kindergarten.) Morgen, Montag, den 7. Juni, abends 3M> Uhr» veranstaltet der Verein eine große öffentliche Versammlung im große»«saale des Volkshauses, Rosinen. straße 3. Pastor a. D. Adolf Stern wird über das Thema refe. rieren: Ist Erziehung ohne Religion möglich? Nach dem Vortrage freie Diskussion. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Freie Bolksbühne Ehnrlotteuburg. Die heutige Vereinsvor- stellung beginnt nicht, wie gestern irrtümlich angezeigt, um 3 Uhr, sondern wie bisher stets um 5 Uhr, Zehlendorf. „Wanderleben in der Mark" war das Thema, über das Ge» nosse Graf in der letzten Wahlvereinsversammlung referierte, Der Vortragende verstand es, den Zuhörern durch Jllustrationsskizzen und Versteinerungen ein Bild vom Werden und Vergehen unserer Mark zu entrollen. Von den Genossen wurde der Wunsch anSge- sprochen, durch ähnliche Vorträge ihnen recht häufig Gelegenheit zu geben, die Wunder der Natur kennen zu lernen. Weiftensee. Im Sumpf erstickt. Ein trauriges Ende fand vorgestern nach- mittag der achtjährige Schulknabe Artur Gildemeister, dessen Eltern Falkenberger Straße 178 wohnen. Mit einigen Schulkameraden hatte G. an der Weißenseer Grenzgcmarkung an einem Sumpf ge. spielt. Da er sich heim Rennen warm gelaufen hatte, wollte er in dem nahen gefährlichen Gewässer ei» Bad nehmen. Er wagte sich in den Morast hinein und sank von Schritt zu Schritt immer tiefer. Pergcbstch unternahmen die anderen Knaben Versuche zur Rettung. Schließlich war G. bis über den Kopf in den Sumpf hineingeraten. Ein hinzugerufener Arbeiter ließ sich anseilen und befreite auf diese Weise den Kleinen, ohne selbst in Lebensgefahr zu geraten. Leider war es aber bereits zu spät. Das bedauerus- werte Kind war inzwischen elend erstickt. Der Trianonpark ist kurz vor Pfingsten für das Publikum geöffnet worden. Es ist somit einem langersehnten Bedürfnis Rechnung getragen. Leider muß gesagt werden, daß das Weißen, sxer Publikum sich dieses Erholungßplatzes nicht gerade würdig zeigt, �denn schon nach ein paar Tagen ist aus dem schönen Part «ine Stätte der Unordnung geworden. Ein Blick von der König- Chaussee zeigt dem Vorübergehenden umherliegendes Stnllenpapier, abgebrochenes Strauchwerk, heruntergetretenen Nasen. Fast scheint es. als wenn sich das Publikum erst von behelmten Leuten sagen lassen will, wie man solche Anlagen erhalten kann. Andererseits niuß darauf hingewiesen werden, daß Sitzgelegenheit nicht in ge. nügendein Maße vorhanden ist, auch fehlt es an Papierkörben, wie man diese allerorten in den Anlagen antrifft. Diese notwendige» Pnrkntxnstlicil könnten vorhanden sein, wenn die Verlvaltung die gefaßten Beschlüsse etwas beschleunigter ausführen würde. So fehlt z. B, noch die Schaffung eines Einganges von der König, Chaussee aus..Dennoch erfordert es das Gemeinintcresse, daß das Publikum die Anlage» in ordentlichem Zustande erhält. Nummelsburg. Der am RummelSburger See gelegene, viele» alten Berlinern unter dem Namen„Casö Bellevne" bekannte Park wäre beinahe der Ajst zum Opfer gefallen. Der bisherige Besitzer trug sich angeblich wegen langjähriger finanzieller Mißerfolge mir der Absicht, den kost- baren Platz als Stäkteplav Herrichten zu lassen. Von diesem Vor, hqben soll er nun, wie man uns mitteilr. auf Ersuchen Abstand ge, nommen haben. Der Garten soll so lange, bis ihn vielleicht die Gemeinde einmal käuflich als Park erwirbt, als Gartenlvlql erhalten bleiben. Sericbts-�eitunF. Ter betrogene Verkäufer. Schadenersatzklagen, die Käufer anstellen, weil sie arglistig über den Umfang des gekauften Geschäfts getäuscht sind, gehören nicht zu den Seltenheiten. Wohl aber umgekehrt Klagen von Ver« käufern, die durch Käufer arglistig getäuscht sind. Eine solche Klage unterlag dieser Tage der Prüfung durch das Reichsgericht. Ter Kläger hatte sein Baumaterialiengeschäft in Koblenz, Lützel mit Inventar, Warenvorräten und Außen st änden, ohne Gewährleistung für deren Eingang, für 27 000 M. verkauft. Es handelt sich um eine Filiale, die sich in weiter Entfernung von dem Wohnort des klagenden Verkäufers befindet, aber im Wohnort d.'S Käufers liegt. Der Käufer und der Geschäftsführer dieser Filiale hatten eine Aufstellung über Warenvorräte und Außenstände ge» macht, auf Grund deren der Wert des Geschäftes auf 29000 M. geschätzt wurde. In der nunmehrigen gegen den Käufer erhobenen Krage verlangt der Kläger einen Schadenersatz in Höhe von 6308,18 M. mit der Behauptung, daß der Beklagte und sein im- getreuer Filialleiter verschiedene Außenstände nicht mit in die Aufstellung aufgenommen hätten. Bei Nichtverhcimlichung dieser Autzenstänoe wäre der Wert des Geschäftes auf 35 000—36 000 M. geschätzt worden, und hätte er dann das Geschäft nicht zu dem Preise von 27 000 M. verkauft. Durch die Täuschung seines Ver° trauens habe sich der Beklagte eines Betruges schuldig gemacht und gegen 8 823, Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in Verbindung Mit§ 263 des Strafgesetzbuchs verstoßen. Das Landgericht Koblenz erkannte antragsgemäß aus Ver. urteilung des Beklagten. Auf Berufung des Beklagten wurde Kläger vom Oberlandesgericht Köln mit seiner Klage abgewiesen. Das Obcrlandesgericht 5röln verlangte vom Kläger Behauptung und Beweis, daß er einen um den eingeklagten Betrag höheren Kauf- preis von dem Beklagten erhalten haben würde, wenn er beim Ab- schluß des Vertrages Kenntnis von den fraglichen Außenständen gehabt hätte. Gegen diese Entscheidung hatte der Kläger mit Erfolg Revision beim Reichsgericht eingelegt. Dies hob das obcrlandesgerichtliche Urteil auf und verwies die Sache zur Feststellung über etwa ander- weitige Klagcbehauptungen an das Oberlandesgericht zurück. Der erkennende Senat legt dar, daß der Kläger seiner Behauptungs- Pflicht genügt habe init der Anführung, er würde, wenn er den Betrug gekannt hätte, für 27 000 M. nicht verkauft haben. Was die Frage des ursächlichen Zusammenhanges zwischen der Täuschung und dem Schaden des Klägers anlangt, so sei ztvar zuzugeben, daß es eine ungewöhnliche und befremdliche Erscheinung ist, wenn der Verkäufer über den Wert seines eigenen Geschäftes von dem Käufer getäuscht worden sein will. Da es sich aber um eine Zweigniederlassung handelt, die sich in beträchtlicher Entfernung vom Wohnort des Verkäufers, aber am Wohnort des Käufers be- fand und von einem Geschäftsführer geleitet wurde, so sei es schon möglich, daß der Käufer, der mit dem ungetreuen Geschäftsführer unter einer Decke gespielt, den Verkäufer hintergehen konnte. Recht- lich völlig verfehlt sei, daß der Beklagte als Käuser gar nicht die Verpflichtung gehab, habe, den Berkäufrr über den wahren Wert des Kuufgcgenstandes aufzuklären. Der Beklagte habe sich nicht etwa nur einen Irrtum des Klägers über den Wert des Geschäftes zunutze gemacht, vielmehr habe er, wenn die Zeugenbehauptungen wahr seien, als Täter und Anstifter des Geschäftsführers den Irr- tum des Klägers erregt und unterhalten, sich also eines Betruges schuldig gemacht._ Vermischtes. „Pfui, halten Sie an, sonst wird mir schlimm." Durch ditsen Ausruf störte am 14. April der Fabrikarbeiter Hermann Schröder zu Luckenwalde den Gottesdienst der neuapostolischen Glaubens- gemeinde. Sch. besuchte am abend das Versammlungslokal„um sich von der Trunksucht heilen zu lassen." Man bedeutete ihm, der Predsgt zuzuhören, aus der er heilsamen Rat schöpfen könne. Di« Worte des Redners unterbrach er erst durch den Zuruf:„Ach so, eö kommt ja noch mehr." Einige Augenblicke verhielt sich Sch. ruhig, dann aber rief er laut aus:„Pfui, halten Sie. an. sonst wird mir schlimm," Sch. wurde nun wegen Störung eines Gottes- dienstes unter Anklage gestellt und zu einer Woche Gefängnis ver- urteilt. Der Raubmord am Brocken. Gestern wurde, wie gemeldet wird. in das Gerichtsgesängnss in Wernigerode ein Arbeiter liamens Otto Wagner aus Badcrslebcn eingeliefert. Er wurde, weil das Signalement auf ihn paßte, bei Elbingerode sistiert. Wagner ist im Jahre 1881 in Elend geboren. Seine Vernehmung ist»och gestern vom Untersuchungsrichter in Wernigerode erfolgt. Krimalkommissar Hoppe ans Berlm ist in Halberstadl eingclroffen und hat sich dem Ersten Staatsanwalt zu Ermittelungen über den Staubmord zur Verfügung gestellt. Ucbcr einen Automobikunfall wird ans Wien gemeldet: Ein von München nach Wien fahrendes Automobil wurde in der Nähe von St. Pölten, weil der Leuker de? Automobils infolge eines plötzlichen Unwohlseins die Gewalt über das Fahrzeug verloren hatte, gegen einen Baum geschleudert. Von den Insassen des Auto- mobils erlitt Gräfin Waldeck einen Schädelbruch und wurde fast leblos in das St. Pölteuer Krankenhaus gebracht, ihr Gemahl Graf Boos zu Waldeck und die übrigen Insassen des Automobils kamen mit leichten Verletzungen davon. LmfKaften der Redalition, ®t« luttflttifie evrechstiuwe Nnd-i Liudciiftrasse Sir. S,»Wetter Hos, dritte» ISingaun, vier Treppen, lft&~ F a h r ft n h>~V«S5 woch-iitiigliili abends von 7>i, bis 9'/, Uhr ftnt». tZeöif»-» 7 Islir Lonnadeuds befliini» die eprechitiiiidr um 0 Uhr. Jeder lltitr»,,. ist ein «ttichstude und»ine Unlst alt BJtcrfseirfieu bcmmineii. öi'ieflirttc SlniNiurt tu 1,2»ich! erteilt. Bjv i»r Beaiitloortn»« im>t1r,esfustcn röniic» 14 Taa« Net'tielicn.«Siiige grngcn rraee man in der EvreNinunde vor. U, S. Wir führen keine Prozesse für an Heck. Wenden Sie fich an einen Nnwalt. zu dein Sic Vertrauen haben.— Heilstätte®. 1. Ohne Rücksicht aus die Summe tonnte das Annenrecht bewilligt werden. An die Forderung würde natürlich später der Gläubiger herantönnen. L. DaS wäre zwecklos. 3. Wenn ans der Hypothek nichls GegenleiiiocS erhellt, sind die Zinsen der Mutter zu zahlen. 4. Ja; im Wege der Klage. Zur Er- langung des ArmenrechtS genügt das behördliche Attest, daß der Bmessendc zur Zahlung der Kosten des Prozesses außerstande ist. Dies Attest wird dann dem Gericht unter Schilderung des Klagesqchverhatts und Angabe der BewciSinlttcl mil dem Antrage etngcieiidct, das Armenrecht zu dewilligen.— G. D. 74. Aufwendungen, die ans Anlaß der Verlobung geGiacht sind, lönnten die Brqut oder deren Eltern ersetzt verlangen. — Hojfuuilg Marie 1<>0. Wenn die Fensterscheibe vor Beendigung Ihres Verirages zerbrochen war. müssen Sie Ersatz leisten, sonst nicht.— H. K. In der geichtldcrlcn Wendung kann eine Beleidigung erblickt werden. — F. L- Äl. Die Aiiinentenklage ist noch nicht oerjährt; Sie tSnnc» sie noch aistlellen. Auskunsl über die Wohnung erteilt die Polizeibehörde.— i&ntswck 1. 1. und 2. Beantragen Sie beim Amksgericht gerichtliche Ausciiiniidersetzuiig des Nachlasses; dann hätte Ihr Bruder darzulegen, daß ein Tcstauioiil vorliegt.!>. Eine Einsicht aus den Grundbuchalle» wird zur Erjüllmig des gewünschten Zweckes sühre». 4. und 5. Aus 5?iahre wäre nachzuzahlen.— F.(6. 36. ES könnte nur Pfändung und Leistung des OsseubarmigScides bewirkt werden. 2. Nach zutrejscnder Ansicht! nein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktton über de» Großhandel in den Zeutral-Mavkthallen. Marktlage; Fleisch: Zufuhr schlvach, G eschäst ruhig Preise unverändert. T it d: Zustlhr genügend, Geichäst lebhast. Prell« fast unverändert. G e I l ü g et! Zufuhr genügend, Geichäst ziemlich tebhast,'lireiie besriedigend, Fisch»! Zujuhr HI Schleien über Bebari. Geschäst sehr schleppend, Prelle>»r allgemeinen wenig verändert, für Schleie sthr nachgebend. Butter und Käse: Geschäft slill, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t e: Zusubr meist über Bedarf, Geschäst ziemlich rege, doch wird viel- jach mit den Beständen nicht geräumt, Preise wenig verändert. ggf Oimen- Würfel gibt die kräftigste Bouillon und ist gerade jetzt im Sommer für schnelle Suppen, Saucen, Gemüse usw. absolut unentbehrlich. Weisen Sie Nachahmungen zurück! giäijmiiiel' Gesellschaft„Oirone" Michaelis& Co., g.m.b.fr, Berlin 610. 29. Ein Würfel Pfennig Ueberall zu haben. 2-1. Ziehung 5.KI. 220. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 5, Juni ronnittaes. Kux dl« Gewinne über 540 Mark sind den betccltond«» Nummern in Klammern beigeliigt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbaten.) 381 204[880] 531 848 072 1108 8«« 73 740(lOOOl 860 20X0 270 613 40 63 715[5C0] 012 30S2«6 101 82 SM 4806 700 7 17 5070 1600) 168 fSOOO) 67» 627 20 883»27 54[600] 6291[500] 92 667[600] 675 98?126 33 225»04 82 660 682 608 80«) 882 422 47 655 727 05 821 30 45 974 9 080 617 18[560] �-.V e ,■.>4 1O061[500] 844 73 11185' 811 6!lV 68 999 1 2057 8«[3000] 213 472 540 608 822 023 96 1 3 132 350 413 7» 625 716 14105 83 444 663 920 15028 34[560] 73 58» 680 710 875 96 1 6003 51 116 240 476 90 008[8000] 74 667 •17047 161 81S 471[500] 608 04«22«9 18012«5 65 7» 178 917 1600] 91 569 642 OSO 19165 254 05 633 78» 601 ÖS.*./,»,'V 2OT80 MO' 838 2 1054»J[600] 143 69 83 431 962 C5 22038 44»33 23051 04 198 501 714 45»23 86 95 2 4278 401 881 08 2 5133 329 401 518 79 023 2 6111 50 268 88 523 721 860 091 2 7062 190»9 2S3 466[lOOOl 618 C5T 81» 40 28448 72[1000] 502 780 SO 29207[600] SO» 474 551 850< 30207 69[506] 66« 657«1 768 909 gl 364 33» 708 »4 3 2 247 494 802 ggZll 819 04 flOOO) 516 57[500] 036 »SO 83 3406? 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Ziehung 5. KI. 220. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 5. Juni nachmittag'. Nu die Gewinne Uber 240 Mark sind den betrcttenden Nummern in Klammern beigelügt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten] 835 69 487 1429 69 699 621 973 94 2038 508 615 60 791 824 73 78 3017 40 50 64 421 739 73 4121 36» 604 704 693 5,1» 67 225 46 55 457 632 82 0312 51 541 96 754 ■[1000] 85[3000] 7031 49 102 6 256 417 701 825 32 8211 izzz 730 843 936 0032 330 41 423 514 54 703 28 968 10069 69 404[500] 560[500] 11026[600] 325 31 es 683«12 94 005 1 219» 238 00 895 635 670 815 39 949 41 1328» 864 490 813(500] 649 60 729[500]»8 025 1 4051 130 351[1000| 413 3!«71 873 87 1 5308 449 835 36 (10130[80000] 37[500] 250 53 304 55 568[3000] 82 [lOOO]«83 703 817[500] 952 17013 119 37» 557 601 06 (500] 758 6«[600] 95» 18053 461 571 011[500] 16 4» «6[500] 72»[8000] 615 1 0016 172 290 317 430 55 59» 630 58[500] 93 826[3000] 984 20263 315 578 870 037[3000] 21 42? 74 94 546 960 (500) 2 2641 53.742 69 804 013 48 2 3124 521 755 615 £14060 159 464 545 67«15 77 07 712 15 67 65 26231 514 (500] 870 26021 91 222 84 350«23[500] CO 03[1000] 821 921 27041 218»1 800 73[500] DO 463 869 953 2 8181 292[ 500] 40» 109 33[500] 48[500] 919 20111 84 05 603 [1000] 779 880 80521 814 33 31075 20# 45 315 687 854 3 2052 (500] 184 284»25[1000]»4 510 49 785 99 33183 344 584 64 614 182 3 4398[800] 403 86 611 3 502»[1000] 218 894 724 833 3 0 495 892[1000] 890[1000] 069 3 7222 613 71 7Si 80« 010 71 38075 609 3 0 018 51 20» 1500] 435 724[500] 40010 60 8« 28» 61 598«20»5 41130 300 498 578 «07[500] 28 979 4 2160-3» 43003 5, 298 450[5001 600 #1»25 4402»[ZOOOO] 17» 236»97 647[1000] 724 071 45161[600] 702 26 892 4 0090 567«59[1000] 756 67 904 47003 07»70[500] 664 815 40065 188«38 433 500 17 47 54 710 4 0006 100 48 4 7 902 71 854[500] 50119 295 465 700 9>8 63 5 1 035 33 83 124 753 994 52028 45 48 412 23 29 424[3000] 530 624 733 69«80 53004 141 63 327[50O] 408 69 572 821 54011 201 330 (500] 419[500] 64 875 5 5 033 163 200 31 469 573 8*3 961 50032 818 959 57031 190 9» 436[3000]«15 825 08 58003 15 87 109 479(06[ 500] 61 92 894 50631 457 579 00037 75[8000] 344 454 551 77 8, 841 6 X 003 18 33 017 200 348 117 582 733 876 07 6 2031 196 251 831 942 63120 683 84[500] 004 0 4084 661 36 723 33 53 CO 65035 83 207[1000] 402[500] 666 665 701 11 861 6 6007 373 419 64[1000] 695 04 701 60 7» 823 74 053 07013 01 122 500] 28? 97 403 67 691 0011, 85[1900] 28» 359 89 416 500] 807 60323 54» 5» 80 678 730 50 65 924 70026 55 412 532 34 94 683 934[3009] 98[5000] 7X173-36 436 50? 7 0025 135 642 60 903 7 3 316 445 761 7 4030 131 236 38 69»32 4Z 445 51]500] 823 957 63 75041 6» 117 00 39 S 441 769 92 876[500] 85 70039 64 69 198«93 751 73 77110 92 78020 66 371 653 010 70032 65 67 209[500] 373[500] 78 95 922 30 07 «0166 UOOOl 653 721[1000] 43 839 011 53 8 X 534 (1000] 60 874[1000] 80186 480 566 687 720 645«3270 878 748 63«419» 564 85379 337 763 08 920 26 61 80396 815 992 87217 313 409 501[,0000] 03[500] 793 836 61 ««190 419 55[500] 504 760[500] 376[500] 907«0033 «1 435 243[500] 630 031 00056 101 69[500] 205 46 67 420 520 36 727 854 #46 0 X 023 400[3000] 601 37 9 0152 411 608 626 755 616 03050 88 363 464[500] 590 666 37 839 8 4061 130 499 639 632 774 806 03168 91 92 316 662[1000] 83 700 906 90071 180«73 461 687 760 04t 97293 334 575 867 958 0 8087 162 238 71 406[500] 97 611 75 747 8 0103 391 (500] 676 825[500] 40 921[504] 32 XOO0U«10[1000] 504[1000] T 604 62 1 0 1 782 1IO3042[3000] 206 87 861 80 641 69[500] 018 51 1O30O0 24 28«88 602 627 810 913 26[3000[ 45 t<9 TlüOOj X O4230 525 760 937[lOOO] 40 100543 614 23 106136 217 30[500] 323[500] 557 092 1 07071 93 [500] 126 SO 00 290 3[1,001 70 330 421 26 52 XOSliO 693 686 59 71 714 48«32 53 952 1 0 9066 124 239 58 »03 16 409 827 83 039 110022 42 Ol 155 338(3000 1 08[1000] 567 91 644 111030[500] 55 151 283[500]»72 73 861 04[500] 110051«79 665 857 113109 S4K 408 12 96 503 811 32 94 114101 218 6,4 853 915 50 60 11S033[500] 802 409 643 46 863[ 600] 930 110092 OH[400]»12 595 713[500] 986 117123 43 369 82[600] 414 539(125[500] 9.1 11«295 400 50 93 603 996 110042 6,[500] 408«I» 762[1000] 648 tlCOO] 91» 10OOOI 174 29« 342 424 545 628[509[ 63 73[3000] 10 1 029 159 68 505 89«95 1 2 0008 107 263 466 551 062 857 10303« 170 JOS 35 6Ö9 809 817 016 96[ 3000] 104173 83 526 71[5000] 681[3000][300000] 787 959 1 25150 507 657 80 944 97.001 65 1 2 0007 500 662 1 27 243[500] 574 703 25 964 108094[500] 134 m 411 543 742 04 833 48 »81 100162 298 576 748 13O037 216 71 317 509«30 73 807 030 1 3 1 000 40 67 106 37» 483 639 46 823 59 1 30008[1600] 126 26? 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