Dr. m n&onnementS'Redlngungen; Abonnements- Preis pränumerando i BicrteljShrl. 8,Z0 Mb, nionatl> 1,10 Mb, wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nunimcr mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Wonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz« S6. Jahrg. vlchillU taglich außer Glontags. Beeliner Volksblnkt. Die InserNonz-LeM? keträgi für die sechSgespaltcnc Kololiel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersainmIungS-Anzeigen 80 Pfg. „Uleine An-eig-n", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 12 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Stummer müsfen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SozIallliiMMt Rerlin" Zmtr&lorgm der lo�ialdemokrati feben Partei Deutfchlandd. Redahtion: SM. 68, Ltndcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Dienstag, den 8. Juni 1909. Expedition: SM. 68, Lindcnetraasc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Der fall holZweier. Vor drei Jahren wurde der Name Holzmeier der größeren Oeffentlichkeit zum ersten Male bekannt. Auf der Münchener Lchrerversammlung hatte dieser bremische Volksschilllehrer Ansichten über das Verhältnis don Schule und Religions- Unterricht vorgetragen,>vie sie auf deutschen Lehrervcrsamm- lungen bis dahin unerhört gewesen waren. Ohne jede Ein- fchränkung und ohne irgendwelche bemäntelnde Klauseln verlangte er die völlige Beseitigung desReligions- Unterrichts aus dem Lehrplane der Schule. Es wird noch in Erinnerung sein, daß in München hinter Holzmeier nur zehn bis zwölf Vertreter aus Hamburg und" Bremen traten, während die hunderte der sonstigen Delegierten aus der deutschen Volksschullehrerschaft seine Thesen ablehnten; teils in wütender Entrüstung über den bremischen Radikalismus; teils aus Mangel an Verständnis für den großen Prinzipien- kämpf, um den es ging; teils in peinlicher Verlegenheit über den eigenen Mangel an Mut. Holzmeier, der auch der Verfasser der vortrefflichen Denk- schrift des bremischen Lehrervereins über den Religionsunter- richt war, hatte seine mutige Rede in München gehalten, ob- wohl damals schon das Damoklesschwert der Dienstentlassung über ihm schwebte. Er war nicht nur der theoretische Vor- kämpfer der sortschrittsfreudigen bremischen Lehrerjugend, sondern er stand auch in ihren unmittelbaren praktischen Kämpfen in der vordersten Reihe. Und diese Kämpfe galten in erster Linie einem muckerischen Schulinspektor, den sich das liberale Bremen einst aus dem reaktionären Preußen der- schrieben hatte und der sich über ein Jahrzehnt lang redlich bemüht hatte, die bremische Volksschule samt ihren Lehrern auf die engen Maße der preußischen Staatspädagogik zurück- zuführen. Holzmeier hatte in Wort und Schrift dem ortho- doxen Schulinspektor so rücksichtslos zugesetzt, daß die Behörde es für notwendig hielt, den tapferen Ankläger vor das Disziplinargericht zu steGen und ihn bis zur Entscheidung des Gerichts sofort vom Unterricht zu suspendieren. Aber weder Holzmeier noch seine Mitangeklagten klappten zusammen, statt dessen lieferten sie der bremischen Schulbehörde in mehr- tägigen Verhandlungen vor dem Disziplinargericht ein so schneidiges Treffen, daß der Schulinspektor völlig zerschundcn und mit zerbrochenem Kreuze auf dem Kanrpfplatze blieb, während Holzmeier nach seiner einjährig-unfreiwilligen Pause wieder in sein Lehramt eingesetzt werden mußte. An die Stelle des weiland preußischen Schulbureaukraten aber trat ein jüngerer bremischer Akademiker, der einst mit Holzmeier zusammen das bremische Volksschullehrerseminar besucht hatte. Nach diesem großen praktischen Erfolge ebbte der Kampfcsmut der Mehrheit des bremischen Lehrervereins leider ab. Die älteren Elemente machten mit allen möglichen Mitteln Stimmung gegen die radikale Leitung des Lehrervereins, so daß bei den nächsten Wahlen die Kompromißler die Oberhand gewannen. Während der letzten zwei Jahre hat man deshalb auch nicht allzu viel Rühmliches und Bemerkenswertes aus dem bremischen Lehrervcrein gehört. Aber die„Radikalen", wie sie genannt wurden, verloren den Mut nicht. In allen Versammlungen waren sie zur Stelle und bildeten das be- lebende und vorwärtstrcibende Element. Als vor einigen Monaten die Einrichtung eines Schulkonvents, einer amtlichen Bcratungsinstanz für die Schulbchörde, vom bremischen Senat der Bürgerschaft vorgelegt wurde, nahm auch der Lehrerverein dazu Stellung. Er lehnte nach einer scharfen Kritik, die be- sonders von den Radikalen bestritten wurde, den Gesetzentwurf ab, weil der Schulkonvent nicht aus der gesamten Lehrerschaft oder aus einer von ihr frei gewählten Vertretung zusammen- gesetzt werden sollte, sondern weil er statt dessen den von der Lehrerschaft scharf bekämpften Schulvorstehern, den Rektoren, große Vorrechte einräumte. Die Be- Hörde ging aber über diesen Einspruch des Lehrervereins ohne weiteres hinweg. Als der Senat mehrere Male in ähnlicher Weise dem Lehrcrvercin seine Geringschätzung bekundete, bereitete Lehrer Sonnemann, der ehemalige Heraus- gcber des„Roland" und Gesinnungsgenosse Holzmeiers folgenden Antrag vor: „Im Laufe der letzten Zeit hat unsere bremische Schulbehörde bei verschiedenen Gelegenheiten die Beschlüsse des bremischen Lehrervereins in nicht mitzzuverstehender Weise beiseite geschoben: Die Behörde hat sich grundsätzlich gegen die Einheitsschule erklärt, die Behörde stellt trotz der entschiedenen Stellungnahme des Lehrervcrcius gegen den Religionsunterricht den zweiten Theologen am Lehrerseminar an, die Behörde bevormundet die Lehrer in der schlimmsten Weise, indem sie bei Aufstellung eines Kanons für den Grundstock der Lehrerbibliotheken die Lehrer nicht hört. Welche Schritte gedenkt der Lorstand des bremischen Lehrer- Vereins zu tun, um gegen die Zurücksetzung der Lehrerschaft und die Nichtachtung ihrer Beschlüsse zu protestieren und der Würde des Lehrervereins und seiner Beschlüsse mehr Nachdruck zu ver- leihen?" Sonncmann selbst konnte wegen Erkrankung die Anfrage nicht begründen. Da besorgte Holzmeier mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Unerschrockenheit diese Aufgabe. Dafür hat ihm die bremische Schulbehörde ein neues Disziplinarverfahren an den Hals gehängt. Sie hat der Einfachheit halber gleich noch eine zweite Anklage damit verbunden: Holzmeier habe es.bewußtermaßen" unterlassen, die erste Unterrichtsstunde mit Gesang und Gebet zu beginnen und auf den Vorhalt seines Vorstehers erklärt, das gehe gegen seine Ueberzeugung; er werde es aber tun, wenn es ihm direkt befohlen werde; er halte jedoch eine auf solchen Befehl hin erfolgende Andacht für eine würdelose Posse. Und darum ein Disziplinarverfahren! Und noch dazu gegen einen so prinzipienfesten und unnachgiebigen Kämpen wie Holzmeier I Die liberale bremische Behörde glaubt wohl den Liberalismus noch nicht gründlich genug blamiert, daß sie einen solchen für sie wenig rühmlichen Streit vom Zaune bricht? Wir halten es für unmöglich, daß die Disziplinarkammer, trotzdem die Behörde sie stirnnmzelnd auf Holzmeiers frühere Disziplinierung aufmerksam gemacht hat, zu einer Ver urteilung konnnt. Holzmeiers Verhalten in der Frage der Morgenandacht ist so selbstverständlich und korrekt, daß sich der liberale Senat einer modernen Republik, die sich noch da zu bisher auf ihren religiösen Freisinn sehr viel zugute tat, freiwillig der öffentlichen Lächerlichkeit preisgibt, wenn er des- wegen einen Lehrer vor den Kadi zieht. In der anderen Sache aber hat Holzmeier bereits selbst nach dem bewährten Grundsatz:„Der Hieb ist die beste Parade" die bremische Schulbchörde in die Defensive gedrängt. Er hat der Behörde Bemerkungen zu seiner Verteidigung eingereicht, in denen er mit erfrischendem Freimute und in strenger Folgerichtigkeit das Staatsbürgerrecht und die Beamtenpflicht einander gegeu überstellt. Holzmeier erklärt der Behörde kühl, daß er im Lehrerverein nicht dienstlich und damit nicht als Untergebener der Behörde tätig sei, sondern als Staatsbürger. Als solcher habe er genau wie jeder andere Staatsbürger das Recht, die Staats- einrichtungen zu kritisieren; in geivissem Sinne sei die Be Hörde— besonders in einem republikanischen Staatswesen wie Vremen— nicht die Auftraggcbcrin, sondern die Beauftragte der Lehrerschaft, da diese aus Bürgern und noch dazu aus fachmännisch gebildeten bestehe. Wenn die Behörde bei der öffentlichen Kritik ihrer Tätigkeit ihre„Würde" verletzt glaube, so möge sie sich an den Strafrichtcr wenden, auch wenn der Angreifer ein Lehrer sei. Dieser bleibe außerhalb seiner dienstlichen Tätigkeit Staatsbürger mit denselben Rechten wie jeder andere Staatsbürger. Wolle die Regierung einen anderen Ton von der Lehrerschaft, so möge sie zunächst einmal den Lehrervercin anders behandeln als es bisher geschehen sei. Im übrigen handele es sich bei den Forderungen und Wünschen des Lehrervereins um einen Kampf um Ideen, mit denen man sich auseinandersetzen müsse. Ganz falsch sei es, wenn die Behörde ihrerseits diesen Kampf mit der Waffe der Disziplinargewalt in der Hand bestreiten wolle. Das Disziplinargesetz sei ein Ausnahmegesetz, es könne auf jede mißliebige Aeußerung angewendet werden und dadurch jede unabhängige und entschiedene Krisik des Schul- Wesens unmöglich machen. Das sind mutige Worte, durch die Holzmeier zunächst für seine Person zeigt, daß er die Disziplinargewalt der Behörde nicht fürchtet. Es ist erfreulich, daß es in unserer Zeit der Strebcrei und Karriereschnauferei noch aufrechte Männer im Bürgertum gibt, die aussprechen, was ist. Noch erfreulicher ist, daß das plumpe Vorgehen der bremischen Negierung die besseren Instinkte bei der Mehrheit der bremischen Lehrer wieder wachgerufen hat: in der letzten Versammlung des Lehrervereins ist die Mehrheit wieder hinter Holzmeier ge- treten, so daß der bisherige kompromißlüsterne Vorstand bis auf ein Mitglied zurückgetreten ist. Dieser eine ist der Lehrer Lüdeking, der sich vor drei Jahren in München ein Schlußwort erzwang, in dem er der deutschen Lehrerschaft ihre Feigheit in der Frage des Religionsunterrichts in bitteren Worten vorhielt; Lüdeking hat auch seinerzeit neben Holzmeier auf der Anklage- bank der bremischen Disziplinarkammer gesessen und mutig seine Sache vertreten. Wir wünschen diesen Männern, daß sie ihren neuen Kampf mit Furchtlosigkeit und Zähigkeit zum guten Ende führen. Das ist schon des Beispiels halber doppelt notwendig in der gegenwärtigen Zeit, in der die preußische Lehrerschaft aus Dankbarkeit für eine bescheidene Reform ihrer traurigen Besoldungsverhältnisse der reaktionären preußischen Regierung mit verzückten Augen die Hände küßt.— ver Kadbod-Frozeß. Das gegen die» Dormunder„Arbeiter-Zeitung" in dem Radbod-Prozetz ergangene Urteil ist von uns in der Freitag- nummer schon gewürdigt. Wir erhalten zu dem Thema noch die nachstehende Zuschrift, die einige Momente hervorhebt, die treffliche Belege für unsere Beurteilung des Prozesses abgeben und die für ihn im besonderen und für die preutzisch-deutsche Rechtspflege im allgemeinen so bezeichnend sind, daß sie zum mindesten registriert zu werden verdienen. Die Verhandlung wurde gleich mit einem charakteristischen Vor- gang eingeleitet. Der Angeklagte, Genosse Nottebohm, hatte in einem anderen Prozeß den damaligen Vorsitzenden, einen Landgerichts- rat, wegen Befangenheit abgelehnt, weil die.Arbeiter- Zeitung" fortgesetzt die VcrhandlungSart dieses Richters und die unter seinem Vorsitz gefällten Urteile kritisiert hatte. Der Richter erklärte sich zwar für unbefangen, das Richterkollcgium, das über NottebohmS Antrag zu befinden hatte, trat der Auffassung des Antragstellers bei und schloß den Vorfitzenden von der Mitwirkung an dem damaligen Urteil gegen Nottebohm aus. Im Dortmunder LandgerichtSgebäude ging seitdem das Gerücht, es werde beabsichtigt, den mit Erfolg abgelehnten Richter zu rehabilitieren. Und so saß denn der damalige Vorsitzende der 8. Strafkammer in dem Radbod- Prozeß als beisitzender Richter. Der von Nottebohm wiederholte Ablehnungsantrag wurde diese smal als unbegründet abgelehnt, und so hatte der rehabilitierte Richter denn vollauf Gelegenheit, während der ganzen achttägigen Verhandlungsdauer zu dokumentieren, daß seine Unbefangenheit durch den ersten erfolgreichen Ablehnungsantrag nicht im mindesten gewonnen hatte. Schon vor Eintritt in die Beweisaufnahme, bevor auch nur ein einziger Zeuge gehört war, erklärte der Richter— es war vor Be- ginn der Lokalbcsichtigung—, daß die Kolonie ein vollendetes Dorado sei. Im Laufe der Verhandlung selbst griff derselbe Richter dann fortgesetzt bei jeder die Zeche schloer belastenden Aus- sage in einer solch lebhaften Weise ein, daß der auch sehr eifrige Staatsanwalt von ihm gänzlich in den Schatten gestellt wurde. Ein anderer Beisitzer gab ebenfalls schon vor Eintritt in die Beweis- aufnähme sein schon vorgefaßtes Urteil über den Charakter der Kolonie fortgesetzt unverholen zu erkennen. Bei der L 0 k a l b e s i ch t i g u n g ereigneten sich dann noch zwei Vorfälle, die ebenfalls erwähnt zu werden verdienen. Nach dem Lokaltermin sichren drei Richter des Kollegiums in einem Automobil der Zeche Radbod nach einem Hotel, in dem der ge- samte Gerichtshof gemeinsam mit dem Nebenkläger Andrä, dem Direktor der Zeche Radbod» speiste. Nach dem Mittagsmahl fuhren die fünf Richter dann in zwei Automobilen der Zeche Radbod zum Bahnhof Hamm. An sich dürfen die Nichter ja zweifellos tun, was sie wollen, aber daß solche Vorgänge geeignet sein könnten, das Vertrauen des Angeklagten zu der Unparteilichkeit der Richter zu stärken, wird wohl niemand behaupten wollen. Im Gerichtssaal selbst ereignete sich noch ein Zwischenfall, der für die ganze Situation im Radbod-Prozeß ebenfalls über alle Maßen bezeichnend ist. Der Nebenkläger Andre lachte fort- gesetzt bei jeder die Zeche belastenden Zeugenaussage. Direktor Audrö hatte seinen Platz gegenüber dem Verteidiger. Als sich der Rechtsanwalt Frank, der Vertreter des Angeklagten, über das un- gehörige Benehmen des Nebenklägers beschwerte und erklärte, daß ihn daS fortgesetzte Lachen irritiere, erwiderte der Gerichtsvorsitzende, Landgerichtsdirektor Theilkuhl, der Verteidiger könne ja einen anderen Weg sehen oder er möge sich umdrehen. Auf den sehr energischen Protest des Verteidigers hin, der einen Gerichts- b e s ch l u ß über diese sonderbare Erwiderung deS VerhandlungS- leiters forderte, erklärte das Gericht, daß die Leitung der Verhandlung Sache de» Vorsitzenden sei und daß daS Gericht keine Veranlassung habe, sich mit dem Autrage des Verteidigers zu befassen. Damit war für daS Gericht die Sache erledigt. Der vom Angeklagten geladene Professor Dr. Sommerfeld hatte sich bei anderer Gelegenheit einer sehr wenig höflichen Be- Handlung des Vorsitzenden zu erfreuen, tveil er nach Ansicht dieses Herrn einen Zeugen zu eingehend befragte. Diese ganzen nach mehr als einer Richtung hin sehr charakteristischen Vorfälle wurden schließlich durch die schroffe Behandlung des Angeklagten gekrönt. Unter lieber- reichung eines ärztlichen Attestes, in dem gesagt war, daß die Weiterführung der Verhandlung am selbigen Tage für den physisch und psychisch erschöpften Angeklagten gesundheitsschädliche Folgen haben könne, beantragte Nottebohm dreimal Vertag unsg. DaS Gericht lehnte die Anträge glatt ab und beschiotz, nachdem der Angeklagte den Saal verlassen hatte, einfach ohne ihn zu ver- handeln. Es nahm so dem Hauptbeteiligten die Möglichkeit, aus die unglaublich aggressiven Ausführungen der Nebenkläger und des Staatsanwalts an Gerichtsstelle zu antworten. Den Schluß des vorauszusehenden ereignisreichen ProzeffeS bildete dann das von uns schon behandelte Urteil, daS die gesantte Beweisaufnahme glatt ignoriert. Doppelte Bedeutung gewinnen sowohl dieses Urteil als auch seine Begleitumstände durch die Tatsache, daß der gleiche e r i ch t s h 0 f demnächst die Aufgabe erfüllen soll, die Ursachen der Radbod-Katastrophe vom 12. November vorigen Jahres objektivst unbefangen und vorurteilslos zu unter- suchen in dem Prozeß, der gegen die„Arbeiter-Zeitung" schwebt, weil sie behauptet hat, daß die Verwaltung der Zeche Radbad an dem Massenunglück Mitschuld trage. Obftniltfloi, der Regierungsparteien. Aus Wien wird uns vom 5. Juni geschrieben: Und die Tage sind gekommen, von denen Herr v. Bienerth sagen wird, sie gefallen ihm nicht. Die Situation der Regierung hat sich sehr verschlechtert und der Augenblick kann bald kommen, wo die Regierung nicht aus noch ein weiß. Gestern ist sie im Abgeordnetenhause zweimal in entschiedener Minderheit geblieben und vor der endgültigen Niederlage ist sie nur dadurch behütet worden, daß die Regierungsparteien— Obstruktion zumachen begannen. Und zwar die Obstruktion aller Grade: erst durch Rede, dann durch namentliche Abstimmungen und schließlich, da alles nichts fruchtete» die nackte Skandalobstruktion, die die Sitzung mit Gewalt sprengte. Der österreichische Parlamentarismus hat ja schon viele Wunderlichkeiten hervorgerufen und nach den Normen des logisch geordneten Parlamentarismus ist er ja überhaupt nicht zu beurteilen. Jedoch Regierungsparteien, die Obstruktion machen, das Parlament mit Gewalt an der Ausübung seiner Funttion behindern: das ist auch in Oesterreich neu und originell. Aber daß von solchen Kunststücken die schon an sich schwache und lebcnsmattc Negierung ihr Dasein fristen könnte, das ist natürlich ausgeschlossen. Der Regierung Bienerth geht es sehr schlecht. Wieder hat sich das Abgeordnetenhaus mit der B o s- n i s ch e u A g r a r b a n k zu beschäftigen, jener Gründung des Budapester Finanzkapitals, der bei ganz ungeheuerlichen Privilegien die Baucrnablösung im neuen'Oesterrcich übertragen werden soll. Im Ausschusse war es noch gelungen, die Tadels- antrage der Opposition mit geringer Mehrheit niederzustimmen und Beschlüsse herbeizuführen, bei denen die Regierung mit einem blauen Auge wegkam. Aber der brüchigen Ausschußmchrheit, die sich aus Deutschbürgerlichen, Polen und etlichen Mitläufern zusammensetzt, fehlte die Zuversicht, daß die Sache im Plenum ebenso glimpflich auslaufen werde. Also verfielen sie auf den Kniff, die Berichterstattung an das Haus zu vertagen; der Bericht sollte erst mit dem Bericht über die Annexion selbst erstattet, also bis weit in den Herbst verschleppt werden. -(Denn die famose Annexion ist zwar von allen Großmächten, aber nicht von der Gesetzgebung in Oesterreich und in Ungarn anerkannt I) Doch nützt im österreichischen Ab- gcordnetenhause List nicht viel; der Schachzug wurde ganz einfach damit zunichte gemacht,'daß die südslawischen Abgeordneten, die an der Gestaltung in Bosnien besonders interessiert sind, ihre im Ausschuß abgelehnten Resolutionen dem Hause als Dringlichkeitsanträge vorlegten. Die Regierung und ihre Parteien machten nun zu dem bösen Spiel gute Miene; sie beschlossen für die sofortige Verhandlung der Resolutionen zu stimmen, die sie im Ausschüsse abgelehnt und deren Verhand- lung im Plenum sie mit sehr zweideutigen Mitteln zu hinter- lreiben gesucht hatten! Aber ihre Schwäche wurde dennoch offenbar. Es stand nämlich noch ein Dringlichkeitsantrag zur Debatte, der ein ausgesprochener Tadelsantrag war, und sür dessen Verhandlung konnten die Regierungsparteien natürlich nicht stimmen. Er fand aber trotzdem die Mehrheit; die sagenhaste Mehrheit der Regierung hatte sich eben in alle Lüfte zerstreut. Die Opposition war selbstverständlich sofort cnt- schloffen, den Vorteil, den die Sachlage ihr bot, nach Kräften auszunützen und die meritorische Entscheidung herbeizuführen, die unweigerlich für sie und gegen die Regierung hätte ausfallen müssen. Nachdem sich die Mehrheit in die Minderheit verwandelt hatte, verwandelte sich auch alsoglcich die Mehrheit außer Dienst in— Obstruktion. Zuerst versuchte man es mit einer Obstruktionsrede. Der Abgeordnete Redlich— das ist jener deutsche Professor, der in seinen Büchern so freisinnige Gedanken über England vorträgt, im Abgeordnctenhause aber die widerliche Rolle eines Hand- langers der Christlichsozialen spielt— der wurde also hinaus- geschickt, durch Totreden die Abstimmung unmöglich zu machen. Aber nach drei Stunden war er mit seinem Witz fertig und da die Obstruktion gegenüber dem Präsidenten die Fortsetzung der Verhandlung erzwang, rückte die Niederlage immer näher. In dieser Verzweiflung verfielen die Regierungsparteien auf die- tolle Idee, die Sitzung mit Skandal zu erschlagen. Als über den Antrag auf Schluß der Debatte, der laniftz fällig war, abgestimmt wurde, erhoben sie ein schauerliches Geschrei, das zweimal zu Unterbrechungen und schließlich, da der Skandal kein Ende nehmen wollte, zum gewalttätigen Schluß der Sitzung führte. Für diese ganz unerhörte Takttk einer Regierungspartei hatten die Radaubriider, unter denen sich insbesondere die Exzellenz G e tz m a n n, der christlichsozialc Generalissimus, hervortat, nicht einmal den Schatten eines Vorwandes; denn daß für den Abend eine Sitzung des Budgetausschusscs anberaumt war. worauf sie sich jetzt berufen möchten, kann natürlich kein Grund sein, die Verhandlungen im Hause aufzuheben, wenn die verhandelte Sache im- mittelbar vor ihrer Schlußentscheidung steht. Die Ob- struktion der Regierungspartei ist an sich eine prächtige Spezialität. Wenn es aber noch Parteien sind, die zil der Skandalobsttuktion greifen, die sich in pharisäischen Klagen über den„Terrorismus" der Sozialdemokraten nicht genug tun können, die unausgesetzt nach Geschastsordnungs- maßregeln gegen die Zuchtlosigkeit im Parlament schreien und immer aus ihr Recht als„Majorität" pochen: so hat die Toll- heit ihren Gipfel erreicht. An diese Sitzung wird der bürger- liche Block noch oft gemahnt werden. Daß es mit der Regierung Bienerth, einer Regierung ohne Ideen, ohne Initiative, ohne Geist zur Führung und, was das wichtigste ist. ohne Majorität nicht lange gehen kann und nicht lange gehen wird, ist nicht zu bezweifeln. Aber ob sie sogleich das tun wird, was zu tun sie dauernd nicht unter- lassen kann, nämlich: zu demissionieren, ist doch frag- lich. Denn da die Partie heute im Wesen zwischen dem Parlament und der Regierung steht, kann die Schuld der Regierung nicht ihren Sturz, sie kann auch den Stu�z des Parlamentes, durch Vertagung oder Auflösung bringen. Also dürfte in dieser Tagung daS wichtigste, das Budget, wahrscheinlich nicht ferttggestellt und die De- Mission oder Umwandlung der Regierung� auf den Herbst ver- schoben werden. Doch ist dieses für die Sozialdemokratte, der das vulgäre Ministerstürzen in zweiter Linie steht, natürlich nicht entscheidend. Was wichtig ist und seine große Bedeutung besitzt, ist die Aufzcigung der Unfähigkeit und Jämmerlichkeit jenes bürgerlichen Regierungsblocks. der auszog, die Sozialdemokratte„einzukreisen", und damit endet, seine Re- gierung, die Regierung der Autorität und Ordnung, mit Obstruttion zu retten._ poUtifcbe dcbcrHcbt. Berlin, den 7. Juni 1903. Der Hehdebraud-Coneer». Die schärfere Tonart der aus der Wilhelmstraße in- spirierten halboffiziösen Blätter gegen den Heydcbrandschen Steuerconcern hat diesen bisher durchaus nicht dazu bestinimt, seine Opposition gegen die Erbanfallsteuer aufzugeben oder auch nur einzuschränken. Die„Kreuzzeitung"' erklärt viel- mehr in ihrer gestrigen Nummer, daß der Versuch, die Kon- servativen zur Annahme einer solchen Steuer zu bewegen, keine Aussicht auf Erfolg hätte. Die konservativ-klerikal-pol- nische Koalition sei fest entschlossen, schon mit Rücksicht auf die Reichsbeamten, die am 1. Juli ihre versprochenen Ge- Haltszulagen ausbezahlt bekommen müssen, die Finanzreform in vierzehn Tagen zu erledigen—„durchzupeitschen, wenn man diesen Ausdruck schöner findet". Im weiteren gibt das Junkerblatt selbst offen zu, daß keineswegs nur die Furcht vor weiterer Belastung der Land- Wirtschaft, sondern vornehmlich die Absicht, der Einfluß des Liberalismus auf die Regierung in möglichst engen Grenzen zu halten, die Agrarkonservativen zu ihren: Widerstand gegen die Erbschaftssteuer treibt. Sie wollen der Regierung wieder mal zu Gemüts führen, daß Reformen ohne ihre Zustimmung Vicht durchgeführt werden können, weder in Preußen noch I im Reich. Auf die Darlegung der„Voss. Ztg.", daß es sich für die Konservativen hauptsächlich um die Hintanhaltung der preußischen Wahlreform handle, antwortet offenherzig die„Kreuzzcitung": „Das freisinnige Blatt weiß wenigstens einigermaßen, u m was es sich handelt. Aber das ist gerade für freisinnige Politiker auch nicht schwer. Denn sie sind es gewesen, die von Anfang an trotz aller Warnungen der Rechten die Finanzreform mit der preußischen Wahlreform verkoppelt haben. Sogar die süddeutschen Mitglieder der freisinnigen FraktionSgemeinschast haben kein Hehl daraus gemacht, daß sie neue Reichssteuern nur bewilligen würden, wenn ihnen vorher bestimmte Zusiche- rungen für eine Demokratisierung des preußischen Wahlrechts gemacht würden. Bekämpfen also die Konservativen— was wir nie geleugnet haben— schon bei der Finanz- reform die demokratischen Ansprüche, so tun sie cS, weil der Kampf vom Freisinn begonnen wurde. Oder sollten sie sich etwa freiwillig ausschalten und dann auslachen lassen? Falsch ist in den weiteren Ausführungen der„Voss. Ztg." aber. daß die Konservativen den Fürsten Bülow„schon bei der Finanz- reform in die Lage bringen wollen, seinen Abschied zu nehmen". An dem Rücktritt des Fürsten Bülow haben wir keinerlei Interesse, wir sehen dafür auch keinen Grund ein, wenn er ohne den Freisinn die Finanzrcform machen muß."' Der neue Entwurf einer Erbanfallstewer. dessen Einzelheiten in der Sitzung der einzelstaatlichen Finanz- minister ausgearbeitet werden sollen, wird bald dem Reichstage zu- gehen. Wie die„Köln. Volkszeitung' wissen will, sollen einige Bundes- staaten die Steuersätze auf 2—5 Proz. festgesetzt zu sehen wünschen, während andere diese Steuersätze für zu hoch halten und nur 1 bis lli/z Proz. unter gleichzeitiger Freilassung des Mobiliars und aller Erbanfälle unter 8 m o w- Frankfurt a. M. begründet: „Wird von wenigstens einem Drittel der Mitglieder ein Antrag auf Auflösung des Vereins oder Verschmelzung mit einem anderen Verband bei dem Zentralvorstand schriftlich ein- gebracht, so ist dieser verpflichtet, sofort eine Urabstimmung herbeizuführen. Die Auflösung bezw. Verschmelzung kann nur mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Abstimmenden be schlössen werden. Ist die Auflösung bezw. Verschmelzung beschlossen worden, so hat der Zentralvorstand gemeinsam mit dem Ausschuß das Vermögen des Vereins den diesbezüglichen Beschlüssen der Ur° abstimmung gemäß zu verwenden. Ihnen steht das Recht zu. wenn nötig, Mitglieder der Verwaltungsstelle an dem Orte, wo der Verein seinen Sitz hat, zu diesen Arbeiten mitheranzuziehen." Nach den bisherigen Bestimmungen des' Statuts kann die Auflösung des Vereins nur auf einer Generalversammlung, die auf einen diesbezüglichen Antrag von einem Viertel der Mitglieder sofort einberufen werden muß, beschlossen werden. In der De- batte wird auf die Bedenklichkeit des Antrages Frankfurt hinge- wiesen. D u p o n t(Berlin) und noch andere Redner treten für den Antrag ein. Wenn zwei. Drittel der Mitglieder sich für eine Verschmelzung aussprechen, so könne man die Kosten für eine be- sondere Generalversammlung sparen. Schließlich wird der Antrag Frankfurt gegen zwei Stimmen angenommen. Von den sonstigen vorgenommenen Aenderungen des Statuts ist noch hervorzuheben, daß der Vorsitzende des Ausschusses nur auf der Generalversammlung gewählt werden soll. An den ein- zelnen Reglements werden ebenfalls Aenderungen vorge- ncmmen, die aber mehr interner Natur sind. Bei der Beratung der Anträge allgemeiner Natur wird einem Borschlag von Dresden zugestimmt, dem nächsten Getverkschaftskongreß folgenden Antrag zu unterbreiten: „Eine allgemeine Kasse zu gründen, zu der sämtliche Ge� werkschaften nach ihrer Mitgliederzahl regelmäßige Beiträge leisten, zwecks Unterstützung der Ausgesperrten solcher GeWerk- schaften, die durch Aussperrung anderer Berufe in Mitleiden. schaft gezogen werden." Die Befürworter des Antrages betonen, dadurch sollen die einzelnen Gewerkschaften geschützt und ein Uebergang der Berufs- organisationen zu Jndustrieverbänden vorbereitet werden. An- genommen wird ferner ein Antrag München, der Zentralvorstand möge dahin wirken, daß a» allen Orten, wo Gewerkschaftskartelle bestehen, in diesen unsere Verwaltungsstellen vertreten sind. � Zur Ablehnung kommt dieser Antrag, der von sechs Delegierten eingereicht wurde: „Die Generalversammlung empfiehlt allen Verwaltungs stellen, bei kommenden Tarifverhandlungen die Freigabe kleines feuilleton. Urber die Bedeutung des Wortes„Schwester" hat. wie der „Globus" mitteilt, der Professor der vergleichenden Sprachwissen- schaft an der Universität Straßburg, Dr. Ernst Leumann, im jüngsten Heft der„Zeitschrist für deutsche Wortforschung" eine Annahme auf- gestellt, die wohl die endgültige Antwort auf die Frage nach dem Ursprung dieses wie auch einiger anderer unserer Verwandtschafts- im, ncit geben und daher auch in weiteren Kreisen Interesse ver dienen dürfte. Nach Leumann kann es nämlich nicht zweifelhaft sein, daß der erste Bestandteil„Sve", mit dem dieses Wort in der älteren deutschen Sprache beginnt, nichts anderes als ein den meisten indogermanischen Sprachen erhaltenes, besitzanzeigendes Für- wort ist, also„sein",„eigen" bedeutet, während der zweite Bestand teil den Rest eines im Germanischen untergegangenen Wortes mit der Bedeutung„Weib, Frau" darstellt. Das Wort„Schwester" be- deutete demnach ursprünglich, nämlich in indogermanischer Vorzeit, die„Eigenfrau" oder das„Eigenweib", das heißt ein weibliches Familienmitglied, das zwar in einem Familienverband niit dem Haushaltungsvorstande lebte, aber doch nicht unbedingt dessen Be- fehlsgewalt unterworfen war. sondern ihm im Unterschied von Kindern, Gesinde, Gefangenen usf. mit eigenem Recht gegen- überstand. Mit anderen Worten war also das Wort„Schwester" von Hause aus ein sippenrechtlicher Ausdruck, der die Verhältnis- mäßig freie Stellung der erwachsenen Schwester innerhalb des von ihrem Bruder geführten Haushalts zum Ausdruck brachte; erst später, wenn auch wohl ebenfalls noch in indogermanischer Borzeit, machte diese rechtliche Bedeutung durch naheliegenden Bedeutungs- wandel der heutigen Geltung desselben als reiner Verwandtschafts- bezeichnung Platz. Ob diese Bezeichnung zuerst in solchen Fällen entstand, wo der Mann den Hausstand in seinem eigenen Anwesen be- gründete oder in solchen, wo er von der Sippe seiner Frau aufgenommen wurde, kann natürlich mit Sicherheit nicht gesagt werden; wohl aber darf als sicher angenommen werden, daß das Wort eine Ehrung und Anerkennung der älteren Hausgenossin zum Ausdruck bringen sollte, indem es diese als Weib eigenen Rechtes bezeichnete. Ganz ent- sprechend liegt übrigens der Fall bei dem Worte„Schwätz er", das in ganz gleicher Weise von Hause aus den„Eigen Herrn" bezeichnete, und auch für manche andere Verwandtschafts- bezeichnungen, so insbesondere für die Wörter„Neffe" und„Nichte". ist der sippenrechtliche Ursprung als erwiesen zu betrachten. Theater. König!. Schauspielhaus:„Die Lieder des Euri- p i d e s". Schauspiel in drei Akten von Wildenbruch.— Dieses Schauspiel des Verstorbenen, sein letztes oder vorletztes, bisher allein von der Weimarer Bühne aufgeführt, glorifiziert in einer für den Dramatiker der großen klirrenden Worte charakteristischen Manier die Gewalt der Dichtung. Der Poet rückt neben und über die Könige des 1. Mai anzustreben, ohne durch Verweigerung dieser Forderung einen� eventuellen Tarifabschluß scheitern zu lassen." Da die Auffassungen über die Auslegung des angenommenen Antrags Frankfurt a. M. auseinandergehen, wird beschlossen, diesem Antrag, der als Schlußparagraph des Statuts gilt, eine Bestimmung vorauszusetzen, in der gesagt wird, daß die Auflösung des Vereins auch auf einer Generalversammlung mit Zweidrittel- mehrheit der Stimmberechtigten beschlossen werden kann. Längere Erörterungen zeitigten Anträge, die finanziellen Erwägungen entsprungen sind und wünschen, daß der Zentral- vorstand nur aus drei besoldeten Mitgliedern(bisher vier) be- steht. Der Vorstand und Ausschuß schließen sich diesen Wünschen an; der Vorstand empfiehlt, die Stellung eines zweiten Agitators auszuschreiben. In der Debatte wird vorgeschlagen, die Stelle nicht auszuschreiben, sondern sie durch Wahl auf der General- Versammlung zu besetzen. Die Generalversammlung beschließt, drei besoldete Beamte fest anzustellen und alle vier Beamten zur Wahl zuzulassen. Gewählt werden: Dupont als erster Vor- sitzender und Redakteur, Stahl und Welker(Berlin) als weitere besoldete Vorstandsmitglieder. Als Ausschußvorsitzender wird Lüttich(Leipzig) wiedergewählt. Das Statut wird in der geänderten Fassung einstimmig angenommen. Bei der Wahl der Delegierten zum Gewerkschaftskongreß reicht Bethke(Berlin) folgenden Antrag ein:„Die General Versammlung verpflichtet ihre Delegierten zum nächsten GeWerk- schaftskongretz, für die Arbeitsruhe am 1. Mai einzutreten.' Der Antrag wird mit 12 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Als Delegierte werden Dupont(Berlin) und Hetze!(Stuttgart) gewählt. Die nächste Generalversammlung findet 1312 in Koburg statt. Damit sind die Arbeiten der Generalversammlung erledigt. Vorsitzender Dupont schließt sie mit einem kurzen Resümee. 9. GekeralversWmluvg des Deutschen Metullarbeiter- Verbandes. Sonnabend, 5. Juni. Sechster Berhandlungstag. R e i ch e l- Stuttgart referierte über die " Maifeier. Redner empfahl die Annahme folgender Resolution, die der Maifeierkommission überwiesen ward: „Nach den Beschlüssen der internationalen Arbeiterkongresse soll die allgemeine Arbcitsruhe am 1. Mai— die als die würdigste Form der Maifeier gilt— nur dann von den Arbeitern begangen werden, wenn dies ohne Schädigung der Wirt- schaftlichen Interessen der Arbeiterklasse ge- schehen kann. Hierzu erklärt die Generalversammlung, daß das Ziel einer allgemeinen und wirksamen Arbeitsruhe am 1. Mai in der Eisen-, Stahl- und Metallindustrie auf Grund gemachter Erfahrungen ohne schwere wirtschaftliche Kämpfe und dadurch bedingte Schädigung der gewerkschaftlichen Organisation, sowie auch mangels völliger Uebereinstimmung innerhalb der Arbeiter- schaft über die Zweckmäßigkeit der Arbeitsruhe am 1. Mai überhaupt nicht zu erreichen ist. Ferner hat sich ergeben, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai als gewerkschaftliches Kampfesmittel zur Erreichung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie zur Befestigung bereits errungener Positionen nicht betrachtet werden kann, indem sie ihrem inneren Wesen nach eine genügende Berücksichtigung taktischer Maßnahmen nicht ermöglicht. Die Generalversammlung kann deshalb nicht in allen Fällen den Mitgliedern des Verbandes die Beteiligung an der Arbeits- ruhe am 1. Mai zur Pflicht machen, überläßt es vielmehr jedem einzelnen Mitglied, sich an ihr unter Beachtung der inter- nationalen Kongreßbeschlüsse und Uebernahme aller sich aus der Arbeitsruhe am 1. Mai ergebenden Folgen zu beteiligen. Die Resolution des Verbandstages in Leipzig zur Maifeier erklärt die neunte ordentliche Generalversammlung durch die Annahme dieser Resolution für aufgehoben." Sodann hielt S e v e r i n g- Bielefeld ein ausführliches, in- struktives Referat über Arbeiterschuh in der Metallindustrie, das im Wortlaut als Broschüre in Massenauflage hergestellt werden soll. Die hochinteressanten Ausführungen gipfelten in nach- stehender Resolution, die einstimmig angenommen wurde: und Helden, von denen es in einer seiner früheren Tragödien so schön, so pathetisch hieß: Ein jeder Schritt ein Denkmal ihrer Taten! Der Erkorene der Musen wird zum Uebermeiischen, der Wunder für sein Volk vollbringt. Gewiß ist Poesie ein unvergleichlich würdigerer Gegenstand des Enthusiasmus als die gepanzerte Faust. Aber das ziellos Verstiegene in her Ausgestaltung raubt der Idee von vornherein die Kraft. Man denkt der wundervollen Schiller- scheu Strophen über die Macht des Gesanges, die in ergreifend überzeugungsvoller Einfachheit die Empfindung wecken, was in Wahrheit das Lied vermag, und fühlt sich bei der Erinnerung durch die überhitzte Rhetorik des Wildenbruchschen zu drei Akten au?- gesponnenen Hymnus um so kälter abgestoßen. Die Kunst, durch temperamentvoll keckes Draufgängertum im Wurs der Handlung Spannung zu erzeugen, wodurch Wildenbruch in früheren Stücken wirkte, versagte hier, wo die Handlung eine Idee zum Ausdruck bringen soll, völlig. Man spürt auf Schritt und Tritt die müh- samen Absichtlichkeiten einer allegorisierenden Konstruktion, die den Mangel folgerechter Bewegung durch opernhafte Hilfseffelte zu der- decken sucht. Die Figuren sind blutlose Schatten, und der Eindruck peinlicher Naturlosigkeit wird durch die geschraubte, in freien Nythmen und Versmaßen antiker Tragödienchöre einherstolzierende Sprache noch erhöht. Die Anregung gab eine alte Fabel: Nach dem Kriege zwischen Athen und seiner Tochterstadt Syrakus sollen die gefesselten, zu qualvollem Tod verurteilten Athener durch Rezitation von Chor- gesängen aus des Euripides Dramen ihre Feinde gerührt und so Begnadigung gewonnen haben. Der Autor modifiziert dieses Motiv und kombiniert eS mit einer LiebeSgeschichte. Um Athene, die Schutzgöttin, für den Feldzug gnädig zu stimmen, ist eine der ihrem Dienst geweihten Jungfrauen beauftragt worden, für das Standbild im Tempel ein köstliches Gewand, mit den Zügen des berühmtesten Atheners— des Euripides— darin, zu wirken. Jedoch das Mädchen hintergeht die Göttin. Durch den Betrug, daß sie statt des Dichters Antlitz das ihres Geliebten hineinwebt, hofft sie die ganz besondere Gunst der Himmlischen für diesen Jüngling im Kriege zu gewinnen. Daß solcher Frevel umgekehrt Athenes Rachsucht herausfordert, fällt ihr, nach Wildenbruch- scher Psychologie genau so loenig ein— wie der Gedanke an den Tod, der ihr nach der Entdeckung bevorsteht, Abschreckendes für sie hat. So sind nun'mal die Heldinnen I— Das Volk verlangt das Blut der Uebcltäterin. Die Fürsprache des von der Menge vergötterten Euripides, den Elpinikes strahlende Schönheit beim ersten Blick begeistert, rettet das Mädchen, doch muß sie ihm, im Herzen unverrückbar das Bild des Geliebten tragend, als Sklavin folgen. Der Ruhmverwöhnte, dem alles außer ihrer Liebe ein reizlos schaler Besitz dünkt, verzehrt sich in vergeblichem Werben, bis die Erzählung eines dem allgemeinen Untergang entkommenen Griechen- kriegers, wie des Dichters Lieder den Waffengenossen mitten im Sturme der Gefahr Trost und Stütze waren, den Schmachtenden auf einmal zum Ueberwinder und zum Helden wandelt. Der Poet ge- hört dem Volke 1 Auf schwankem Kahn erreicht«r Syrakus, gerade „Die 9. ordentliche Generalversammlung des Metallarbeiter- Verbandes erklärt: Die sich stetig mehrenden Unfälle und Erkrankungen bei den in mehreren Berufsgruppen der Metallindustrie beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen lassen erkennen, daß die Arbeiter- schutzbestimmungen der Gewerbeordnung nicht ausreichen, um in wirksamer Weise Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen. Auch die zum Schutze der in besonders gefährlichen Berufen der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter erlassenen Vorschriften und Verordnungen sind nicht geeignet, eine Beseitigung der vielen und schweren Gesundheitsgefahren dieser Bcrufsarten zu er- zielen. Das gilt ganz besonders von der am 18. Dezember 1998 erlassenen Verordnung betreffend den Betrieb der Anlagen der Grotzeisenindustrie. Die in dieser Verordnung enthaltenen Be- stimmungen vermögen weder eine Einschränkung der lieber- arbeit und der Ueberschichten, noch eine für die Gesundheit der Arbeiter erforderliche Regelung der Pausen herbeizuführen. Die den oberen Verwaltungsbehörden zugesprochene Befugnis, von den Vorschriften der Verordnung Ausnahmen zu gestatten, wird nicht nur den reichsrechtlichen Charakter der Verordnung durch- brechen, sondern auch die winzigen Vorteile für die Arbeiter gänzlich wieder beseitigen. Die Generalversammlung protestiert gegen derartige gesetz- liche Maßnahmen, die angeblich zum Schutze der Arbeiter erlassen worden sind, in Wirklichkeit aber auch dem bescheidensten Arbeiterschutz Hohn sprechen und nur geeignet sind, gegen die Interessen der Arbeiter angewandt zu werden. Die Generalversammlung fordert zur Beaufsichtigung und wirksamen Durchführung aller bisher zum Schutze der Arbeiter erlassenen Gesetze und Verordnungen: A) Eine Vermehrung und bessere Vorbereitung der Ge« werbeaufsichtsbeamten und Erweiterung ihrer Befugnisse. B) Heranziehung von Aerzten und Gewerbehygienikern zur Gewerbeaufsicht in möglichst selbständiger Stellung. Q Heranziehung von Arbeitern zur Ueberwachung der Arbeiterschutzbestimmungen und llnfallverhütungsvorschriften. Für die mit besonderen gesundheitlichen Gefahren ver- bundenen Betriebe(Blei- und Zinkhütten, Hochöfen- und Walz- werke, Eisenkonstruktionswerkstätten, Metallschleifereien, Gieße- reien, Emaillier- und Lackierwerke, Feilenhauereien) fordert die Generalversammlung den Erlaß von reichsrechtlichen Vor. schriften: A) lieber die Einrichtung und Beschaffenheit der Arbeits- räume mit der Maßgabe, daß auf jeden beschäftigten Arbeiter ein zur Vermeidung gesundheitlicher Schädigungen ausreichender Luftraum kommen muß und daß Vorrichtungen angebracht werden müssen, um die durch große Staubentwickelung, Aus- strömung von giftigen Gasen und Dünsten verdorbene Luft ab- zusaugen. B) lieber die Dauer der Arbeitszeit, die bestimmen sollen, daß die Arbeits- oder Schichtzeit in kontinuierlichen und Feier- betrieben nicht mehr wie 8 Stunden betragen darf und daß für die Arbeiter in den besonders gefährlichen Berufsarten eine nach dem Grade der Gesundheitsgefahren abgestufte weitere Ver- kürzung der Arbeitszeit zu erfolgen hat. C) Ueber die Beschäftigung von Frauen und jugendlichen Arbeitern mit dem Verbot der Beschäftigung in den besonders gesundheitsgefährlichen Berufsarten. v) Ueber die Einrichtung zur Bereitstellung von Er- frischungsmitteln durch die Betriebsleitungen sowie über die Einrichtung von Wasch- und Baderäumen. Von den Mitgliedern des Verbandes erwartet die General- Versammlung, daß sie in den Betrieben für die strengste Jnne- Haltung und Durchführung der Arbeiterschutzbestimmungen ein- treten und jeden Vorstoß zur Kenntnis der Verbandsstellen bringen werden." Weiter fand folgende Resolution Severing zum Arbcitskammergesctz Annahme: „Die 9. ordentliche Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes erklärt zu dem Entwurf eines Arbeits- kammergesetzes: Der von den Verbündeten Regierungen dem Reichstage vor» gelegte Entwurf eines Arbeitskammergesetzes ist nicht geeignet, der Arbeiterschaft eine gesetzliche Vertretung zur Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Interessen bei den Verhandlungen mit den Behörden und den Unternehmern zu schaffen. Die beruf- liche Gliederung der Kammern, wie sie der Entwurf wie man dort in rauschenden Bachanalen vor der Gruft, in der die gefangenen Athener verhungern, da» Siegesfest begeht. Er ergreift die Lyra, und jeder lauscht ehrerbietig des Dichters Worten, die im Namen der großen gemein- samen Mutter Griechenland Versöhnung, Friede und Freiheit für die Eingekerkerten fordern. Der Poet besiegt die Sieger, die wilden Horden werden plötzlich sanft und zahm. Und sich selbst be- zwingend, krönt er sein Werk, indem er Elpinike dem Geliebten zuführt. Direktion und Regie hatten das möglichste getan, durch stilvoll- schöne Dekorationen und farbige Bewegtheit der Volksszenen dem totgeborenen Werke äußeren Schmuck zu geben. Auch das Spiel oder vielmehr die Deklamation bot bielfach Gutes. So war vor allem Kraus neck in der Hauptrolle ein vortrefflicher Sprecher, würdevoll und bei allem Bombast der Verse doch nirgends in Ge- spreiztheit fallend. äd. Humor und Sattre. Der Besuch in Berlin. Kein Ort ist unterm Himmelszelt So angenehm wie Bitterfeld. ver Name klingt schon so nett und reizend, Worüber die Ansichten kaum im Streit sind. Rasch machtest du kehrt, o Schwabenheld, Im Angesicht von Bitterfeld. Die gute Stadt nimmt den Spott nicht wörtlich, Du überfliegst sie doch nächstens nördlich. Da landet der Ballon in Berlin ohne Beule. Ehrenjungfern ftehn auf der Siegessäule. Der Kirschner begrüßt dich dort unentwegt, Hat eine Ballonmütze angelegt. Die Berliner entzünden Frcudenböller, Ihre Zungen arbeiten döller wie Propeller. Fürst Bülow begrüßt dich außerdem, Er liebt(an dir) das starre System. Worauf dich sämtliche einheimische Behörden Mit deinen Gehilfen feiern werden. Sie betreuen des Durstes und Hungers Stillung, Ihr kriegt alle in Verlin eine neue Füllung. Verehrter Graf, kann dich das nicht locken? Mache dich bald zu unL auf die Socken. Noch deine Schlappen sind leuchtende Siege. Sattle das Lustroß l Zeppel, stiege I Gottlieb im„Tag". Der bedrohte Familiensinn.(Leutnant v. X. zu v. D.): Hoffentlich kratzt mein Oller vor der Erbschaftssteuer ab, daß man sich seiner Trauer ungestört hingeben kann."(„SimplicissimuS.") vorsieht, wird' nicht nur eine Zersplitterung der Arbeiterschaft herbeiführen und dadurch eine einheitliche Stellungnahme der Arbeiter zu den gutachtlichen Aufgaben der Kammern er- schweren, sondern auch einen großen Teil der Arbeiter von den Kammern fernhalten. Auch die p a r i t ä t i s ch e Z u s a in m e n- setzung der Kammern nach dem Entwurf kann dw Versprechungen der kaiserlichen Botschaft vom 4. Februar 1S90 auf Schaffung einer Vertretung der Arbeiter zum freien Ausdruck ihrer Wünsch« nicht erfüllen. Die im Regierungs- enttpurf vorgesehene bureaukratische Verwaltung der Kammer in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Uebergewicht der Arbeit- zeberbeisitzer lassen die Befürchtungen entstehen, daß bei Er- stattung von Gutachten und bei der Erfüllung anderer Auf- gaben der Kammern nicht die Willensmeinung der Arbeiter, sondern die der Arbeitgeber zum Ausdruck kommt. Es ist darum unbedingt erforderlich, daß wirtschaftlich un° abhängigen Arbeitervertretern die Wählbar- keit übertragen wird, wie eS im begrenzten Maße die Beschlüsse der Reichstagskommission zulassen wollen. Für die einigungsamtliche Tätigkeit der Kammern ist die Zulassung von Organisationsangestellten ebenfalls eine absolute Not- toendigkeit, wenn die Kammern ihre Zweckbestimmung, den Wirt- schuftlichen und gewerblichen Frieden zu fördern, erfüllen sollen. Die Beschlüsse der Reichstagskommission auf Herabsetzung der Altersgrenze für Wahlberechtigung und Wählbarkeit sind das Mindestmaß dessen, was die Arbeiterschaft zu fordern hat, um nicht von vornherein das den Arbeiterinnen verliehene Wahl- recht illusorisch zu machen und noch andere zahlreiche Arbeiter- schichten von der Wahlberechtigung auszuschalten. Bedauerlich ist es, daß die Reichstagskomin ission es abgelehnt hat, die Rechte der Kammern bei der Geschäftsführung und Verwaltung zu erweitern. Mit der Bestimmung, daß daS Gesetz auf die in den Staats- betrieben und in den Betrieben der Heeres- und Marine- Verwaltung beschäftigten Arbeiter keine Anwendung finden soll, ist den Arbeitern dieser Betriebs zu den vielen Ungerechtig- leiten, die ihnen durch den Ausschluß aus den Gebieten des Ar- beiterrechts widerfahren sind, eine neue hinzugefügt worden. Die Generalversammlung erwartet von der Volksvertretung, daß sie den Versuchen der Unternehmerderbände auf Heraufsetzung der Altersgrenze und Beseitigung des Wahlrechts der Organi- sationsangestellten nicht stattgeben wird. Ein Arbeitskammer- gesetz ohne die Uebertragung der Wählbarkeit auf wirtschaftlich unabhängige Vertreter und ohne die wirkliche Wahlberechtigung der Arbeiterinnen und aller Arbeiterschichten ist für die Ar- beiterschaft wertlos." Nach einem instruktiven Referat des Genossen Wissel Berlin über die Zicichsversichcrnngsordnunz wird diese Resolution angenommen: „Die in Hamburg tagende neunte Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes lehnt den von der Regierung der öffentlichen Kritik unterbreiteten Entwurf einer Reichsver- sichern ngsordnung mit Entschiedenheit ab. Neben der völligen Unzulänglichkeit der Leistungen in bezug aus die Höhe der tlnterstützungen plant der Entwurf, die Ver- nichtung der freien Selbstverwaltung auf dem Gebiet der Krankenversicherung-, statt die erforderliche Einheitskaffe zu bringen, sollen die heute vorhandenen Kassenarten bestehen bleiben. Da erst die freie Selbstverwaltung dem Krankenkassen- wesen Inhalt und Form gegeben hat, muß gefordert werden, daß alle Hemmnisse, die einer wirklichen Selbstverwaltung und einer Zentralisation zum Aufblühen der Krankenversicherung entgegenstehen, beseitigt werden. Als solche Hemmnisse sind in erster Linie die Betriebs- und Jnnungskrankenkassen zu nennen. Erst deren Beseitigung würde einen wirklichen Ausbau der Krankenversicherung auf der Grundlage der heutigen Orts- krankenkassen ermöglichen. Die vom Entwurf auf dem Gebiete der Unfallversicherung vorgesehenen Aenderungen stellen, abgesehen von der Aus- dehnung der Versicherung, unglauhliche Verschlechterungen dar Die Beschränkung des Rechtsweges, die Umwandlung des heute geltenden Begriffs der Erwerbsunfähigkeit in einen solchen der Erwerbsembuße, die Vorschriften über das Ruhen der Rente, die Festlegung der Renten bis zu 20 Prozent auf Zeit, die Ab- findung. haben die schwersten Schädigungen der Verletzten zur Folge. Bei einer Aenderung der heute geltenden Unfall- verjicherungSgesetze mutz als erste Bedingung die Beteiligung der Versicherten an der Verwaltung gefordert und den Ver- sicherten namentlich bei der Rentenfeststcllung ein entscheidendes Wort zugestanden werden. Der Rentenberechnung ist der volle ungekürzte JahreSarbeitsverdienst zugrunde zu legen, die Voll- rente auf 75 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes zu erhöhen Die Renten für Angehörige sind auf je LS Prozent des JahreS- arbeitsverdienstes zu bemessen und bei mehreren Bezugs berechtigten bis zur Höhe der Vollrente zu gewähren. Aus dem Gebiete der Invalidenversicherung ist, den heutigen Verdienstverhältnissen entsprechend, die Einführung weiterer Lohnklassen, die Erhöhung der Renten und eine Herabsetzung der Altersgrenze für die Altersrente zu fordern. Die vom Entwurf vorgesehene Witwen, und Waisenversiche- rung entspricht nicht den berechtigten Erwartungen. Eine ihren Namen wirklich verdienende Hinterbliebenenfürsorge muß eine wenn auch nur bescheidene Lebenshaltung ermöglichen. Renten von 180 M. für erwerbsfähige Witwen und Waisen, von 380 M. für erwerbsunfähige Witwen müssen als die geringsten erscheinen. Zu den Kosten der Hinterbliebenenversicherung sind auch die gleichen jfteise heranzuziehen, die von der als Folge der Ein- sührung dieser Versicherung eintretenden Verminderung der Armenkosten entlastet werden. Die Generalversammlung ersucht den Bundesrat und ebenr. den Reichstag, dem vorliegenden Entwurf die Zustimmung zu ver. sagen und ein Werk zu schaffen, das einer vernünftigen Sozial- gesetzgebnng würdig ist." . Namens der Maifeierkommission erstattete Reichstagsabgeordnetev Sev e r i ng-Bielefelö Bericht. Die Kommission empfehle die Annahme der Resolution Reichel mit einigen Modifikationen. Sie beantrage, im ersten Absatz an- statt„Schädigung der gewerkschaftlichen Organi- sation" zu sehen:„Schädigung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterschaft" und im dritten Ab- sah die Worte„nicht in allen Fällen" zu streichen. Der letzte Absatz soll diese Fassung erhalten:„Die neunte ordentliche Generalversammlung erblickt durch die Annahme dieser Resolution die Resolution des Verbandstages in Leipzig zur Maifeier für erledigt." Die Kommission sei der Meinung, daß der Metall- arbeiterverband die Pflicht hat. nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß der Zankapfel zwischen Partei und Gewerkschaften, den die Arbeitsruhe bilde, beseitigt werde. Nicht die Ruhe der Untätigkeit, sondern die Ruhe der Verständigung mit der Partei müsse herbei- geführt werden. Diese Stellungnahme hat nichts mit Revisionis- mus oder Radikalismus zu tun, wir müssen eS daher ablehnen, als Revisionisten verschrien zu werden. Die Tatsache, daß gerade einige als Revisionisten geltende Genossen wie Timm, v. E l m und Richard Fischer, die mit großer Lebendigkeit gegen eine Aenderung der bisherigen Form der Maifeier ein- getreten seien, spreche dafür, daß diese Frage mit einer der beiden Richtungen nicht identifiziert werden könne. Was heißt es, wenn nur dort die Maifeier durch Arbeitsruhe begangen werden soll, wo dies ohne wirtschaftliche Schädigung der Arbeiterschaft durchführbar sei? Ohne eine solche Schädigung sei die Arbeits- ruhe nicht durchzuführen, darüber sei man sich doch wohl über- all im klaren. Die Frage diplomatisch zu behandeln, wie Döblin auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß, rate er ab, denn das würde gleichbedeutend sein mit einem langsamen Verbluten der Mai- feier. Man hat von dem agitatorischen Charakter der Arbeits- ruhe gesprochen, Klon einer großen Aemonstrgtion in der Metall«< ind'ustrie könne nicht gered'ek ßettYS. In den ersten Iahren habe die Arbeitsruhe einen gewissen demonstrativen Charakter gehabt, ihre Wirkung den Unternehmern gegenüber auch nicht verfehlt. Er glaube auch, daß die anfangs der neunziger Jahrs erfolgte Verkürzung der Arbeitszeit nicht zuletzt auf die Arbeitsruhe zu- rückzuführen sei. Aber diese Wirkung habe sich verwischt, die Sache lasse sich nicht mehr steigern, daher verliere sie an Bedeutung. zumal auch die Zahl der Teilnehmer an der Arbeitsruhe nicht gestiegen sei. Die Demonstration selbst für Verkürzung der Arbeitszeit. Schaffung einer durchgreifenden Arbeiterschutzgesetz- gcbung, Völkerfrieden usw. könne auf den Abend oder den ersten Sonntag im Mai verlegt werden. Es sei gesagt worden, die Arbeitsruhe müsse zugleich als Kampfmittel benutzt werden, man solle sich die Maßnahmen des Unternehmertums nicht gefallen lassen. Diese Ansicht habe er früher ebenfalls vertreten, denn die Resolution aus dem Leipziger Verbandstag trage seinen Namen. Aber er habe sich in diesem Punkte gemausert, weil er sich der Macht der Tatsachen nicht habe verschließen können. Andere werden sich vielleicht später mausern. Darüber herrsche kein Zweifel, daß jede Forderung, die sich an eine Maiaussperrung anschließe, zu einem Prinzipienkampf mit den Unternehmern über weite Bezirke auLwachsen würde. Würden Erfolge zu erzielen sein, so würde die Arbeiterschaft einem solchen Kampfe nicht aus- weichen, aber solche Erfolge seien nicht zu erzielen. Die Oemon- stratwn lasse sich nicht auf einen uns genehmen Zeitpunkt ver- schieben, finde zu einer Zeit statt, wo die Konjunktur in vielen Branchen der Metallindustrie eine sehr ungünstige sei. Sehr inter- essant seien die Ausführungen eines Nürnberger Genossen ge- wesen, der in der Kommission sagte, man müsse den Kampf um die Arbeitsruhe aus Idealismus führen, nicht auf Kosten der Organisation. Die Sache sei aber doch zu einer reinen Organi- sationsfrage geworden. Es sei gegen uns der Vorwurf erhoben worden: Ihr seid jetzt alte Krämer, ohne Begeisterung, bar jeder Ideale! Das müsse er kurzerhand zurückweisen. Der Idealismus dürfe nicht einen, sondern müsse 365 Tage dauern. Er sei der Meinung, daß der Metallarbeiterverband durch sein Vorgehen hin- sichtlich einer Reform der Maifeier, der Gesamtarbeiterschaft einen grckßen Dienst leisten würde. Die Unternehmer würden sich sagen, jetzt sparen sich die Arbeiter das Geld zum Kampfe auf, welche Maßnahme sie mehr fürchten würden, als den Kamp' um die Arbeitsruhe. Es sei auch gesagt worden, viele Delegierte seien mit dem Herzen Anhänger der Resolution, würden aber doch dagegen stimmen, um den Intentionen ihrer Orte Rechnung zu tragen. Man solle konseguent sein und so stimmen, wie es im Interesse der Gesamtheit erforderlich sei. Beseitigen wir den Zankapfel zwischen beiden Säulen der Arbeiterbewegung und geben wir die Initiative zu einer Reform der Maifeier durch An- nähme der Resolution Reichel mit den �stellten Abänderungen. Ohne Debatte wird in namentlicher Abstimmung der Antrag der Kommission mit 129 gegen 51 Stimmen angenommen. Nach den Beschlüssen der internationalen Arbeiterkongresse soll die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai— die als die würdigste Form der Maifeier gilt— nur dann von den Arbeitern begangen werden, wenn dies ohneSchädigung der Wirt schaftlichen Interessen der Arbeiterklasse ge schehen kann. Hierzu erklärt die Generalversammlung, daß das Ziel einer allgemeinen und wirksamen Arbeitsruhe am 1. Mai in der Eisen-, Stahl- und Metallindustrie auf Grund gemachter Erfahrungen ohne schwere wirtschaftliche Kämpfe und dadurch bedingte Schädigung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter- schaft, sowie auch mangels völliger Uebereinstimmung innerhalb der Arbeiterschaft über die Zweckmäßigkeit der Arbeitsruhe am 1. Mai überhaupt nicht zu erreichen ist. Ferner hat sich ergeben, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai als gewerkschaftliches Kampfesmittel zur Erreichung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie zur Befestigung bereits errungener Positionen nicht betrachtet werden kann, indem sie ihrem inneren Wesen nach eine genügende Berücksichtigung taktischer Maßnahmen nicht ermöglicht. Die Generalversammlung kann deshalb den Mitgliedern des Verbandes die Beteiligung an der Arbeitsruhe am 1. Mai nicht zur Pflicht machen, überläßt es vielmehr jedem einzelnen Mitglied, sich an ihr unter Beachtung der internationalen Kongreßveschlüsse und Uebernahme aller sich aus der Arbeitsruhe am 1. Mai ergebenden Folgen zu beteiligen. Die neunte ordentliche Generalversammlung erklärt durch die Annahme dieser Resolution die Resolution des Verbandstages in Leipzig zur Maifeier für erledigt." Die Wahlkommission empfahl Wiederwahl der bisherigen Vorstands-, Ausschuß- und Redaktionsmitgliedcr. Ein Antrag, daß Mitglieder der Verbandsinstanzen(Vorstand, Ausschuß, Bezirks� leitung) eine agitatorische Tätigkeit in einer verwandten Berufs Organisation nicht entfalten dürfen, ward dem Vorstand über- wiesen. Der Internationale Metallarbe,terkongreß in Birmingham wird durch C o h e n. Berlin, Severins- Bielefeld, Brandes- Magdeburg, der Internationale Kongreß in Kopenhagen durch die eben Genannten, ferner durch F r a n z- Hamburg. Wissell-Berlin und Weißig- Frankfurt a. M. beschickt. Die nächste Generalversammlung soll in Mannhelm stattfinden. � m Die Vorstandsmitglieder Schlicke, Reichel, Werner, M a s s a t f ch, die AuSschußvorsitzenden W e i ß i g und Siegel in Frankfurt a. M., die Redakteure Sch erm und Qu ist wurden wiedergewählt. Den, Ausschuß wurde Decharge erteilt. Beschlossen wird, aus dem Unterstützungsfonds(2 pro Mille). der auf der vorigen Generalversammlung gebildet wurde, eine Versicherungskaffe gegen Unfall. Alter. Invalidität und zur Hinter- bliebenenversorgung zu schaffen; die Angestellten sollen 2 Proz. des Einkommens hinzuzahlen. Vorstand und Ausschuß sollen der nächsten Generalversammlung einen Statutenentwurs unterbreiten. Namens der ausländischen und deutschen Gäste dankte Dom es- Wien herzlichst für die freundliche Aufnahme und sicherte gleiche Liebenswürdigkeit bei Erwiderung des Besuchs zu. Cohen- Berlin spricht den Hamburger Kollegen den Dank der gesamten Teilnehmer der Generalversammlung aus und erörtert sodann den Verlauf der Tagung, der alle Befürchtungen zuschanden gemacht und bewiesen habe, daß die organisierten Metallarbeiter gewillt sind, einig zu bleiben gegenüber dem Unternehmertum. Es sei durch die Tatsache erhärtet, daß die breite Grundlage, auf welcher der Verband errichtet wurde, eine feste und sichere sei. Der Gedanke des Jndustrieverbandes marschiere;' die Metall- arbeiter seien die Bahnbrecher gewesen. Er hoffe, daß die Vertreter der inländischen Bruderorganjsationen nächstes Mal als Dele- gierte erscheinen werden. Was noch trenne, seien doch im Grunde nur Scheingründe, die überwunden werden könnten und müßten. In zwei Jahren aber müsse eö heißen: Die erste halbe Million Metallarbeiter gehört unserem Verbandan!(Lebhafter Beifall.) Mit einem kräftigen Hoch auf den Verband und unter Ab- singen der Arbeitermarseillaise wird um 7V3 Uhr abends der VerbgndStag geschlossen._ Geueralvtchnmllmg der Allgemtiutv Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter Aentschlauds. In der abgelaufenen Pfingstwoche tagte in Halle die oben- genannte größte freie Hilfslasse deS Reiches. Sie chat gegenwärtig rund 199 000 Mitglieder und hat als ein von Ar- beitern errichtetes Institut eine recht segensreiche Tätigkeit ent- faltet. Schon unter dem fluchwürdigen Ausnahmegesetz schützte die Kasse ihre Mitglieder nach mancher Richtung hin und hatte deshalb auch hier unter mancherlei Verfolgungen zu leiden. Sie hat sich ober stets kräftig mite.mitDiiüt Erjchisum&5«n rund 210 Deleglerke usw. Die Verhandlukigett nahmen fünf Tage iv Anspruch, sie wurden geleitet von den Genossen Deisinger» Hamburg, Näg eil- München und W a r n st- Verlin. Aus dem Verwaltungsberichi sei mitgeteilt: Während die Kasse am 1. Januar 1907 92 170 Mitglieder zählte, waren am 1. Januar 1909 196 385 Mitglieder vorhanden. Es war also in den letzten zwei Jahren ein Zuwachs von rund 14 200 Mitgliedern zu verzeichnen. In den letzten vier Monaten stieg der Bestand um mindestens 3000 Mitglieder. Die Krankheitsfälle stiegen in den letzten zwei Jahren aus 90 525 Fälle mit 2186178 Krankheits- tagen. Die Kasse hatte unter der wirtschaftlichen Depression und der Verminderung der Arbeitereinkommen stark zu leiden. Trotz- dem, so betont der Vorsitzende, hat sich die Kasse zu einer In- stitution entwickelt, die so leicht nicht mehr erschüttert werden könne. Das Gesamtvermögcn betrug am Schlüsse des Jahres 1908 2 392 341,49 M.; es wären 462 332,33 M. über den Reservefonds vorhanden. Den Verwaltungsbeamten wurde für die gute Führung der Geschäfte Decharge erteilt. Aus der im Oktober vorigen JahreS im Reichsamt des Innern stattgehabten Konferenz trat der Vorsitzende der Kasse bei der Beratung über die Neu- regelung der Krankenversicherung für die Schaffung einer Jen- tralin stanz für das Versicherungswesen ein. Ein solches Institut sei notwendig, um Direktiven zu geben. Die Rechtsverhältnisse auf dem Gebiete des Versicherungswesens seien sehr verworren und besonders die Juristen und erlauchten Gesetze- macher wären im Versicherungswesen sehr schlecht beschlagen. Es kämen die widersprechendsten Entscheidungen'zustande. Die R e i ch s v e rb a n d s g e s e l l f ch a f t zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hatte der Kasse vorgeworfen, eine Filiale habe gelegentlich der letzten Reichstagswahl 100 M. aus Kassenmitteln zum sozialdemokratischen Wahlfonds bewilligt. Das war Schwindel. Es wurde gerichtlich festgestellt, daß Mit- glieder gelegentlich einer zufälligen Zusammenkunft nur einmal 10 M. aus fteiwilligen Beiträgen gesammelt hatten. Auch die Aufsichtsbehörde mutzte sich überzeugen, daß die Neichsverbändler mit unsauberen Mitteln gekämpft hatten. In der lebhaft geführten Diskussion wies man auch auf die geplante Reichsversicherungsordnung hin. Wenn die Regierung auch bestrebt sei, alle arbeiterfreundlichen Bestrebungen zu unter- drücken, so wird sie damit keinen Erfolg haben. Die Arbeiter werden sich zu helfen wissen. TaS Selbstverwaltungs- recht müsse, soweit eS noch nicht vorhanden ist, erkämpft werden. Dies stärkt im gewerkschaftlichen und politischen Kampf. Die von Arbeitern verwaltete Kasse könne vorteilhafter wirken, als die Kassen der Privatversichcrungsgesellschaften, die ihren Direktoren Gehälter bis zu 20 000 M. zahlten. Moniert wurden einige, seitens einiger Arbeitersekretäre auf die Kasse erfolgten Angriffe. Bei einer Kasse mit 109 000 Mitgliedern könnten schon einmal Irrtümer unterlaufen; man sollte sich aber vor der Aus- kunftserteilung über das Wesen der Kasse besser informieren. Die Hauptbeamten der Kasse, Vorsitzender Deisinger, Kassierer Butenuth usw., wurden wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen zweiten Vorsitzenden tritt Fahrenwald» Berlin. Die Hauptbeamten erhalten je drei Wochen Sommer- urlaub. Die nächste Generalversammlung soll im Frühjahr 1011 stattfinden._ Soziales* VrrsicherungSpflicht von Verwandten in Nebenbeschäftigung bei einer Zeitungsspedition. Die amtlichen Mitteilungen der Landesversicherungsanstali Berlin veröffentlichen folgende grundsätzlich wichtige Entscheidung aus dem September vergangenen Jahres: Sachverhalt: Die Klägerin, Zeitungsspediteurin B., beschäftigt seit Jahren ihre beiden Schwestern in ihrem Zeitungsverkauf und in ihrer Lesehalle. Sie teilt sich in die Arbeit mit den Genannten derart, daß jede einige Stunden am Tage der im offenen Hau». flur befindlichen Verkaufsstelle vorsteht, die Lesehalle bewacht und die Wirtschaft besorgt. Die Beklagte(Versicherungsanstalt) hält die Schwestern für versicherungspflichtig und verlangt die Ver- Wendung der erforderlichen Beitragsmarken von der Klägerin. Diese hat dem Verlangen der Beklagten widersprochen. Sie be- hauptet, ihre Schwestern bekämen von ihr 2 bis 3 M. Sonntags geschenkt und auch nur dann, wenn die Geschäftslage es gestatte. Außerdem seien beide noch als selbständige Schneiderinnen tätig. Die Schwestern haben bekundet, daß sie tagsüber mehrere Stunden den Zeitungsverkauf besorgten und außer dieser Zeit die Lesehalle neben ihrer häuslichen Tätigkeit überwachten. Sie bekämen dafür einer Slbrede gemäß 2 bis 3 M. wöchentlich Taschengeld, sofern die Geschäftslage dies erlaube. Zuzeiten seien sie auch mit Schneiderei für einige Damen aus ihrem Bekanntenkreise beschäftigt, wodurch aber ihre Tätigkeit in der Lesehalle nicht unterbrochen werde. In solchem Falle erhielten sie kein Taschengeld von ihrer Schwester. Ohne ftemde Hilfe könne die Klägerin das Geschäft keinesfalls be- sorgen. Entscheidung: Die Klägerin ist verpflichtet» ihren Schwestern je 115 Marken 2. Lohnilasse für die Zeit vom 2. 7. 06 bis zum Tage dieser Entscheidung nachzugewähren. Gründe: Nach den Bekundungen der Schwestern besteht zwischen diesen und der Klägerin ein festes Arbeitsverhältnis. Letztere kann nur mit Hilfe ihrer Schwestern ihr Geschäft betreiben, ist also auf deren Dienstleistungen angewiesen und zahlt den Schwestern ver- abredungsgemäß ein in barem Gelde bestehendes Entgelt, das als Taschengeld nicht angesehen werden kann. Es liegt also eine Be- schäftigung vor, die gemäß§ 1 Ziffer 1 des Jnvalidenversicherungs- lesetzes der Versicherungspflicht unterliegt. Daß bei schlechtem Ge- chäftsgang die Zahlung des Entgeltes unterbleibt, ist unerheblich. Ebensowenig kommt in Betracht, daß zuweilen die beiden Schwestern durch Schneiderei der Tätigkeit für die Klägerin teilweise entzogen werden, da die Gesamtbeschästigung bei der Klägerin, das ganze fortgesetzte Arbeitsverhältnis, zugrunde gelegt werden muß. Aus dem JnnungsfchiedZgericht. Welche kuriosen Rechtsanjchauungen bei den Herren Innung?- meistern anzutreffen sind, zeigten wieder einmal einige Klagen, die gestern vor dem Jnnungsschiedsgericht verhandelt wurden. Während alle nur denkbaren Vorkommnisse den Arbeitern als Ver- fehlungen gegen die vertraglichen Pflichten angerechnet werden. findet man die flagrantesten Rechtsverletzungen der Meister ganz in der Ordnung. 1. So klagte der Bäcker R. gegen den Bäckermeister Waldemar Freitag aus Bezahlung von 14 Ueberstunden und der gesetzlichen freien Nacht vom ersten zum zweiten Pfingstfeicrtag, von zu. ammcn 7,90 M. Am ersten Arbeitstage wies der Kläger den Be- klagten darauf hin, daß eine Uhr in der Backstube fehle. Der Be- klagte erwiderte, eine solche sei nicht nötig, denn bei ihm würde nicht zu einer festgesetzten Zeit Feierabend gemacht, sondern wenn die Arbeit fertig ist. So kam eS. daß der Kläger stets bis nach �12 Uhr tätig war. Als die Woche um war, wurde ihm aber die Ueberzeltarbeit nicht bezahlt. Er legte deshalb am ersten Feiertag die Arbeit nieder. Am zweiten Feiestag ließ ihn der Beklagte wieder rufen und bewog ihn, bei ihm weiter zu arbeiten. er brauche keine Ueberstunden mehr zu leisten. Doch als Kläger am dritten Feiertag nicht rechtzeitig Arbeitsschluß machen konnte und ihm die Bezahlung der soeben geleisteten Ueberstunden wieder verweigert wurde, legte er endgültig die Arbeit nieder und wandte ich rechtsuchend an daS Jnnungsschiedsgericht. Der Beklagte wendete ein, er habe die Ueberstunden nicht angeordnet und da das Arbeitsverhältnis vom ersten zum zweiten Feiertag unter- brachen war, sei die Klagesorderung unberechtigt. Das Gericht war mit Recht anderer Ansicht. ES hält eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses nicht für vorliegend. Die dahin gehende Argumentation deS Beklagten komme lediglich auf eine Umgehung des Gesetzes hinaus. Dem Arbeiter ist die gesetzlich gewährleistete reie Nacht zu bezahlen, ebenso die Ueberstunden. Wenn der Be- Jagte diese auch nicht als solche angeordnet hat, find sie doch aus seine Veranlassung geleistel. Bellaglex Nurde, dem Ankrag deS Klägers entsprechend, verurteilt. 2. Das Dienstmädchen Amanda P. war beim Bäckermeister Wilhelm Leipziger seit dem 1. Mai gegen 20 M. Monatslohn be- schäftigt. Am 21. Mai wurde sie entbunden. Der Beklagte ver- weigerte ihr nun den rückständigen Lohn, weil die Klägerin nach seiner Meinung kontraktbrüchig geworden sei und den Anspruch auf den Lohn verwirkt habe. Das Annungsschiedsgericht belehrte ihn dahin, daß ein Kontraktbruch nicht vorliege, und daß, selbst wenn dies der Fall wäre, gegen verdienten Lohn nicht aufgerechnet werden dürfe. Darauf erkannte der Beklagte den Anspruch an. Kündigungsfrist einer Ockonomieverwalterin, Die Deutsche Bank unterhält in eigener Regie einen Wirt- schaftsbetrieb, um ihren Angestellten in der kurzen Tischzeit die Möglichkeit zu geben, sich zu restaurieren. Am 1. August 1893 trat Fräulein G. als Stühe ihrer Schwester, die die Stellung einer Oekonomieverwalterin bekleidete, in den Betrieb ein. Am 10. Ja- nuar d. IS. erkrankte die Schwester und verstarb am 1. Februar. Ihre Funktionen gingen auf Fräulein G. über. Am 19. Februar wurde ihr zum 15. März gekündigt. Sie forderte gestern vor der sechsten Kammer des Gewcrbegerichts(Vorsitzender Magistratsrat Dr. Gerth) für weitere fünf Monate entsprechend ihrem Gehalt je 75 M. Entschädigung wegen nicht fristgerechter Entlassung. Sie behauptete, d�z eine vierteljährliche Kündigung mit ihr verein- bart worden sei. Vertreter der Beklagten bestreitet, daß eine der- artige Vereinbarung getroffen worden sei. Die Deutsche Bank pflegt mit den Angestellten der Oekonomreabteilung(den Kellnern, Köchinnen und dergl.) Kontrakte nicht abzuschließen. Die Klägerin blieb für ihre Behauptung über die vereinbarte Kündigungsfrist beweispflichtig. Das Gericht verurteilte die Beklagte an die Klägerin noch 75 M. für einen Monat zu zahlen. In der Be- gründung wird ausgeführt: den Verpflichtungen entsprechend, die der Klägerin obgelegen, sei sie zu den mit technisch höheren Dienst- leistungen betrauten Angestellten zu rechnen und hat demzufolge Anspruch auf eine Kündigungsfrist von sechs Wochen. Auch bei einer Kündigungsfrist von sechs Wochen war der Entschädigungsanspruch der Klägerin berechtigt. Denn die Kün- digung hätte dann spätestens am 17. Februar, nicht aber am 19. erfolgen müssen. Das ist vom Gewerbegericht bedauerlicher Weise übersehen worden._ Königsberger Wertzuwachssteuer. *■ Die Stadtverordneten in Königsberg haben am Freitag eine neue Wertzuwachssteuerordnung beschlossen. Sie nahmen gleich- zeitig eine Entschließung an, die gegen die Reichswertzuwachs- steuer scharf Einspruch erhebt und eine gemeinsame Abwehr- Petition im Verein mit dem Magistrat an den Reichstag, den Bundesrat und das preußische Staatsministerium verlangt. Die elende Lage der Burcauangestellten. wurde, wie uns aus Dresden geschrieben wird, wieder einmal in einer in Dresden stattgefundenen Versammlung lebhaft besprochen. Der Bureaubeamte Beenke-Leipzig referierte über„unser Kampf ums Recht". Er führte aus, daß die Bureauangestellten schon seit Jahren einen Kampf um ausreichenden Schutz gegen die unge- heure Ausbeutung führen, daß aber Reichsregierung sowohl als auch die Mehrheit des Reichstages den Schrei nach Recht unbe- achtet gelassen haben. Gerade die Lage der Lureauangestellten ist eine tieftraurige. Der größte Hemmschuh an einer Verbesserung der Lage ist die erschreckende Lehrlingszüchtmi. Wenn man bedenke, daß 42 Prozent aller Bureauangestcllten junge Leute im Alter unter 17 Jahren sind, so ist das ein Beweis, in welcher Weise hier die Ausbeutung betrieben wird. Die älteren Ange- stellten haben unter den traurigsten Verhältnissen ihr Leben zu fristen. Neben Hungerlöhnen existiert speziell in Anwaltsbureaus eine überaus lange Arbeitszeit. Man kann die Existenz der Ange- stellten nur ein Vegetieren nennen. Der Redner brachte dann eine Anzahl Fälle miserabelster Entlohnung zur Sprache. So wird bei einem Rechtsanwalt in Leipzig ein Lljähriger Angestellter mit dem fürstlichen Gehalt von 5,00 M. monatlich bedacht!! Die Entlohnung und Behandlung der Angestellten ist mit der so- genannten StandeSehre der Anwälte unvereinbar. Ein Rechts- anwalt in Leipzig, ein eifriger Militärvereinlcr, nennt seine An- gestellten z. B. nicht anders als Ochse» Rindvieh usw. Auch die Eonutagsarbeit ist weit verbreitet. Durch den ungenügenden Ar- bciterschutz ist aber der Ausbeutung Tür und Tor geöffnet. Auch in Dresden sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Bureau- angestellten überaus traurig. In einigen AnwaltSbureauS müssen die Angestellten bis abends 9, 10 und 12 Uhr arbeiten ohne einen Pfennig dafür zu erhalten und das alles noch bei Hungerlöhnen. Auch in Dresden ist die LehrlingSzüchterei in Flor und zwar speziell bei Anwälten. Ein Redner sprach sich für tarifliche Rege- lung der Lohn, und Arbeitsverhältnisse aus. Es wurde schließ- lich eine Resolution angenommen, in der gegen die Rechtlosigkeit und Nichtachtung protestiert wird. Allgemein wurde anerkannt, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstage die ein- zigen waren, die bisher für die Bureauangestellten einge- treten sind. „Die soziale Auslese der Studierenden." Den Berichten über den 9. Freistudententag. der soeben in Weimar stattgefunden, entnehmen wir als wertvollsten Punkt den Vortrag des bekannten Leipziger Rationalökonome» Professor Eulenburg über:„Die soziale Auslese der Studierenden". Daß die Wahl eines akademischen Berufes immer mehr zur bloßen Geldfrage herabsinkt, ergibt sich aus dem neuesten statistischen Material mit vollster Deutlichkeit. Schon die Wirkung der auf den höheren Schulen erfolgenden Prüfungen, die vielleicht eine Elimi« Nation der geistig und physisch unfähigen Elemente bewirken könnten, wird dadurch geschwächt, daß Wohlhabende durch Nachhilfestunden diese Auslese fälschen. Die treibenden Momente, die innerhalb der Studentenschaft die Berufswahl beeinflussen, sind in erster Linie Familientradition und Aussicht auf materiellen Erfolg, in ungeheuer seltenen Fällen das Fachinteresse. Während die Zahl der studie- renden Handwerkersöhne sehr gering und die der studierenden Beamtensöhne im Sinken begriffen ist, steigt das Kontingent der- jenigen, deren Vater dem Handel und der Industrie angehören. Die Mehrzahl der Studenten genießt einen Monatswechsel von 100 bis 150 M., die wohlhabendsten hat man unter den Juristen und den Naturwissenschaftlern zu suchen. Ein großer Teil des Studentenproleiariats ist auf Erwerb durch Nachhilfestunden und journalistische Arbeiten angewiesen und drängt sich infolgedessen in der Großstadt zusammen. Diesen Daseinskampf mit den durch die übliche Preisdrückerei bewirkten Erniedrigungen schilderte der Vortragende aus feinen eigenen Erfahrungen. Die Jnanfpruch« nähme der Honorarstundung und der Stipendien, die in ihrer heutigen Almosenform den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr entsprechen, ist in den letzten zehn Jahren stark im Sinken be. griffen, ein weiterer Beweis dafür» daß die Zahl der ärmeren Studenten beständig nachläßt. Da bie Verhältnisse auf den höheren Schulen von der Studentenschaft aus nicht zu beeinflussen sind, so befaßte sich der Redner lediglich mit der Frage, was auf der Universität zur Ab- Hilfe geschehen könnte. Er empfahl vor allem die Errichtung von Arbeitsämtern(eine Einrichtung, die die freien Studentenschaften längst ins Leben gerufen haben). Diese Arbeitsämter hätten einen schonungslosen Kampf gegen die Preisdrückerei zu führen. Ferner solle man gerade ärmeren Studierenden zu einem öfteren Universitätswechsel und billigen Reisen, besonders ins Ausland, ver- helfen. Es fei bedauerlich, daß über die sozialen Verhältnisse der Studierenden bisher nur wenig brauchbares Material vorliege. Deswegen müßten sich die Studenten selber mit der Erkundigung dieser Verhältnisse befassen. Vor allem aber hätten sie nach der Selbstverwaltung der Stipendien zu streben, deren Verteilung durch studentische Vertrauensleute zu erfolgen hätte. Mit Recht bezeichnete Professor Eulenburg die von ihm än- gedeutete Reform nur als eine kleine Superrevision. Die eigent- liche Wurzel des Uebels läge viel zu tief, als daß es durch studentische Bestrebungen aus der Welt geschafft werden könnte. Gerichts-Zeitung. Wie man Hoflieferant oder Kommcrzienrat wird. Auf der Jagd nach dem Hoflieferantentitel hat der Drogen- Händler Holz aus Friedenau eine recht unangenehme Enttäuschung erlebt. In einer Strafsache gegen den Rentier Georg Weide- mann wegen Betruges mußte H. gestern vor dem Schöffen- gericht Berlin-Schöneberg als Zeuge erscheinen. Holz ist Inhaber eines gutgehenden Drogengefchästs in Friedenau. Er trachtete sehnlichst danach Hoflieferant zu werden. Sein Wunsch schien seiner Erfüllung entgegenzugehen, als Holz die Be- kanntschaft deS jetzigen Angeklagten Weidcmann machte. Dieser erklärte ihm, daß die Erlangung des Hofliefe- rantentitels beinahe die einfachste Sache der W e l t f e i. Er habe erst kürzlich einem Kaufmann K. in Charlotten- bürg den so bielbegehrten Titel verschafft. Dies entsprach. wie sich später ergab, auch den Tatsachen.— Während dieses Gesprächs teilte H. dem Angeklagten auch unter anderem mit, daß ein sehr reicher Freund in Steglitz gern den Kommerzienrats- titel erlangen möchte. Der Angeklagte soll sich auch zu der Be- schaffung dieses Titels bereit erklärt haben. Zloischen Holz und Weidemann kam schließlich folgende Vereinbarung zustande. Der Angeklagte verpflichtete sich, dem H. binnen drei Monaten den Hoflieferantentitel zu besorgen und zwar mit Hilfe einer dem Hofe nahestehenden Persönlichkeit, die er in der gestrigen Verhandlung vor Gericht nicht öffentlich nennen. wohl aber dem Gericht schriftlich auf einem Zettel namhaft machen wolle. Die.Sache" solle 2500 M. kosten, von denen 500 M. sogleich bei Einleitung der Verhandlungen als Anzahlung fällig wären. Der Rest von 2000 M. sollte erst nach Ausstellung des Diploms für wohltätige oder kirchliche Zwecke verwendet werden. Holz zahlte auch die 500 M. an. Stach einiger Zeit trat der Angeklagte wieder an ihn heran und teilte ihm mit, daß die Geschichte wider Erwarten doch teurer werden würde. Holz wollte hierauf nicht eingehen und verlangte seine 500 M. zurück. Weidemann verweigerte jedoch die Rückzahlung und verklagte den H. sogar auf Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen. Die Klage wurde allerdings abgewiesen. Nunmehr erstattete H. Strafanzeige wegen Betruges.— Vor Gericht bot der Angeklagte Beweis dafür an, daß er tatsächlich in der Lage sei, den Hof- lieferantentitel zu besorgen und die? auch schon wiederholt getan habe. In dem vorliegenden Falle sei das Geschäft nur dadurch gescheitert, daß H. plötzlich den Vereinbarungen nicht nachgekommen sei. Die 500 M. rechne er für Spesen, Provisionen auf, da er dem H. von Anfang an gesagt habe. daß er selbstverständlich auch etwas dabei verdienen wolle. Das Gericht kam nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte keinesfalls in betrügerischer Ab- ficht gehandelt habe. Das Urteil lautete deshalb auf kostenlose Freisprechung._ Der betrügerische Gutskäufer. Als einen gewerbsmäßigen Schwindler bezeichnete der Staats« anwalt den Landwirt Otto Stührmann, welcher sich gestern unter der Anklage des Betruges im straffchärfenden Rück- falle vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I verantworten mußte. Der Angeklagte ist schon wiederholt wegen aller möglichen Vergehen und verbrechen vorbestraft. Als eine besondere Spezialität betrieb er folgende Betrügereien. Er kaufte Bauerngüter an, wobei der größte Teil deS Kaufgeldes hypothekarisch eingetragen wurde. Sobald dann die Heuernte herannahte, verkaufte St. den gesamten Ernteertrag nicht nur einmal, sondern zu verschiedenen Malen an Fouragegeschäste. von denen er sich dann größere Vorschüsse geben ließ. Anfangs Oktober b. I. trat Stührmann mit dem Fourage- häildler Meyer in Verbindung, dem er sich als Gutsbesitzer und Landwirt vorstellte. Er verkaufte dem M. die gesamte Heuernte seines angeblich in der Nähe von Oranienburg liegenden Gutes. Bald darauf erschien er eines Tages bei M. und ersuchte diesen um Gewährung eines VorschuffeS. Hierbei gab er an, daß die Eisenbahnwaggons bereits reisefertig auf dem Bahnhofe ständen. Diese Angaben stellten sich als völlig unwahr heraus.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und sofortige Verhaftung. DaS Gericht erkannte auf 5 Monate Gefängnis._ Der Schutzmann in der Kaffeeküchr. Die Mitternacht zog näher schon am 11. April d. I., als in Magdeburg der Gastwirt Wagner es von außen an die Scheiben seines Restaurants klopfen hörte. Er trat vor die Tür und sah dort den Schutzmann Kleine voll Diensteifer auf» und abpatronillieren. Voll Mitleid lud Herr Wagner den Hüter des Gesetzes zu einem Glase Vier oder ähnlichem guten Naß«in. Der aber wies die menschenfreundliche Einladung ohne Besümen zurück; eine Tasse Kaffee höchstenfalls würde er in der Küche annehmen. Herr Waguer führte seiner Frau in der Küche den Schutzmann zu, empfahl ihr die Bereitung einer guten Tasse Kaffee und ging wieder in das Restaurant zurück. Nach einer Weile aber kehrte er wieder und sah eben noch, wie der Schutzmann etwas— in seinen Hosenschlitz steckte. Der Restaurateur stellte sofort seine Frau zur Rede. Die aber beteuerte ihre Unschuld; nur der Schutzmann habe etwas Ungehöriges begangen. Herr Wagner erstattete darauf beim Kommissar Anzeige, vor dem die Frau Wagner ihre Behauptungen ausrecht erhielt, während Schutzmann Kleine be- stritt, etwa« getan zu haben, was er nicht tun durfte. Er habe nur Frau Wagner ihres guten Kaffees wegen gelobt und ihr dabei einige wohlwollende Klapse versetzt. Im übrigen habe er— nach seiner Uhr gesehen, weil die.Kontrolle bald kommen mußte. So kam es denn, daß Frau Wagner v o rs B e« r i ch t mußte wegen wissentlich falscher Anschuldi- g un g. In der Verhandlung vor dem M a g d e b u r g e r Schöffen- gericht blieb die Angeklagte bei ihren Angaben und der Schutzmann wiederholte, daß er ohne Sünde sei. Er beschwor das sogar. Der Vertreter der rächenden Staatsgewalt beantragte drei MonateGefängnis gegen die verleumderische Gastlvirts» frau. Die Angeklagte wurde freigesprochen. Das Recht deS Deutschen auf Naturalisation. Dem Marmorarbeiter Schüßler, einem bayerischen Staats- angehörigen, war seitens des Regierungspräsidenten in Wiesbaden die von S. beantragte Aufnahmeurkunde für den Erlverb der preußischen Staatszugehörigkeit verweigert worden. Angeblich soll sich S. nickit den nötigen Lebensunterhalt selbst verschaffen können. S. bestritt dies unh klagte beim Oberverwaltungs- gericht. Es wurde festgestellt, daß S. vom Armennmt in Frankfurt a. M. 1902 durch Krankenhauspflege unterstützt worden ist. Einen Teil der Kosten hat er erstattet. Später, als er wieder erkrankte, bezahlte eine Krankenkasse die Pflegckosten. Das Obcrverwaltungsgericht gab dieser Ta�e der Klage statt. Es verurteilte den Regierungspräsidenten, die Aufnahmeurkunde zu erteilen. Den BundeSangchörigen dürfe nach dem Gesetz vom 1. Juni 1870 die Ausirahmeurkuiide für einen anderen Bundesstaat nur dann verweigert werden, wenn nach- gewiesen sei, daß er sich nicht selbständig ernähren könne. Die zur Erteilung befugte Behörde habe den Nachweis zu liefern. Er sei hier nicht erbracht. Die Urkunde sei deshalb zu erteilen. Ist Nacktheit stets unzüchtig? Vom Landgericht Köln ist am 29. Januar der Kaufmann Georg Kaufmann wegen Verbreitung unzüchtiger Postkarten zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte ist alleiniger In- Haber einer Gesellschaft m. b. H. in Berlin zum Vertriebe von Künstlerpostkarten. Einige der Pariser Salonkartcn, heißt es im Urteile, sind als unzüchtig anzusehen. Sie stellen nackte weibliche Personen dar, die keine künstlerische Idee vorstellen und nicht künstlerisch ausgeführt sind. Auch die Wiedergabe ist minder- wertig. Bei den übrigen Bildern tritt die Nacktheit nicht so in den Vordergrund; der künstlerische Gedanke überwiegt dort.— Die Revision des Angeklagte» wurde vom Neichsanwalt für begründet erklärt. Das Urteil sei außerordentlich dürftig. Es scheine fast, als lvenn das Gericht jede Nacktdarstellung für unzüchtig halle. Nicht festgestellt sei, daß die Bilder das Scham- Und Sittllchkeits- gefühl in geschlechtlicher Beziehung verletzten.— Das Reichsgericht hob am Freitag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück._ Hus der Frauenbewegung. Die bürgerliche FranenwahlrechtSbewegvng und der Arbeiterinuenschutz in Dänemark. Der Dänische Frauenbund hielt dieser Tage zu Holstebro vn Jütland seinen JahreSkongreß ab, an dem 200 Delegierte teilnahmen. Eine Resolution fand Annahme, in der ausgesprochen wird, daß der Frauenbund keine politische Vereinigung sei, und sein Hauptzweck, siir das politische Frauenwahlrecht zu arbeiten, keine Parteijache. Im übrigen wird den einzelnen Mitgliedern empfohlen, sich der Partei anzuschließen, die ihrer politischen Ueberzeugung entspricht. Beim nächsten Verhandlungsgegenstand zeigte es sich jedoch, daß die Wahlrechtsdamen keineswegs politisch unparteiisch sind, daß sie viel- mehr Unternehmerinteressen vertreten. E in st i m m i g akzeptierten sie eine Resolution, durch die Regierung und Reichstag aufgefordert werden, bei der bevorstehenden Revision des Fabrikgesetzes ein Verbot der Frauennachtarbeit nicht durchzu- führen, da das Verbot einen schädlichen Eingriff in die Erwerbsfreiheit der Frauen bedeuten würde. Die international an- erkannte Tatsache, daß die Nachtarbeit der Frauen von ungeheurer Schädlichkeit für die kommende Generation ist, scheint den dänischen Frauenrechtlerinnen noch ganz unbekannt zu sein. UevrigenS wählte der Kongreß einen Ausschuß, der dafür sorgen soll, daß bei der Revision des Fabrikgesetzes in vollem Maße auf die Kinder und die Frauen Rücksicht genommen werde. Auf keine» Fall soll die Aus- beutungsfreiheit des Unternehmertums gegenüber dem weiblichen Geschlecht eingeschränkt werden. Ferner wurde beschlossen. Regierung und Reichstag aufzufordern, bei einer eventuellen Volksabstimmung über die Landesverteidigungsfrage den Frauen das gleiche Stimm- recht wie den Männern zu geben. Praktische Bedeutung wird dieser Beschluß kaum erlangen, denn die Regierung und die Militärparteien haben tatsächlich nur zu agitatorischen Zwecken mit dem Gedanken einer Volksabstimmung gespielt. Schließlich verlangte der Kongreß noch eine Verschärfung der Strafbestimmungen für Sittlichkeitsverbrechen. Das gegen diese Verbrechen gerichtete Prügelgesetz deS JustizministerS und Millionen- diebes Alberti ist de» Damen, wie es scheint, noch nicht brutal genug._ Vermischtes. Liebeleien in der Mädchenschule. Mit peinlichen Geschichten Hatte sich die letzte Stadtverordnetenversammlung in Hagen(Wests.) zu be- schäftigen. ES stand als einziger Gegenstand auf der Tages- ordnung:.Der Artikel der(sozialdemolratischen).Freien Presse* in Elberfeld über die sittlichen Zustände an der höheren Mädchen- schule in Hagen.* In Hagen kursierten schon seit einigen Wochen Gerüchte über sittliche Verfehlungen der Töchter aus den besseren Gesellschaftskreisen, Verfehlungen, bei denen auf der anderen Seite Angehörige des Personals des städtischen Schauspielhauses in Betracht kommen sollten. Zuerst erschien in dem„Amtlichen Kreisblatt für den Stadt- und Landkreis Hagen* ein Artikel, in dem den Gerüchten, wie sie in der Bürgerschaft im Umlauf waren, recht deutlich Aus- druck gegeben wurde. Als diesen Gerüchten nicht entgegengetreten wurde, hat sich dann auch unser Bruderorgan der Sache bemächtigt. Oberbürgermeister Cuno trat nun den„Uebertreibungen* in öffent- licher Sitzung der Stadtverordneten entgegen. Er brachte den Artikel der.Fr. Presse* zur Verlesung und bemerkte laut»Trem.* unter anderem:„Es würden in diesem Artikel unter Nennung von Einzelheiten Tatsachen behauptet, die die ganze Bürgerschaft in Aufregung hielten, deren viichtigkeit er aber bestreite, insbesondere, wenn davon die Rede sei, daß zwanzig junge Mädchen aus den Hagener oberen Gesellschaftskreisen, die teilweise noch auf der Töchterschule seien, von Mitgliedern deS Hagener Schauspielpersonals sittlich und straffällig mißbraucht worden seien. Richtig sei. daß die.Backfische" in Hagen, speziell die Töchter besserer Eltern, einzelne Herren vom städtischen Schauspielpersonal angeschwärmt, mit LiebeSbriesen und Blumenbuketts bombardiert, Einlaß in den Proben gesucht und ge- funden, auch mit den Theaterherren in CafüS zusammen verweilt und geflirtet hätten, und daß es dabei selbst zu Kußszenen zwischen den Backfischen und den Schauspielern gekommen sei. Die Sache habe einen solchen Grad erreicht, daß einmal in der höheren Mädchenschule ein Backfisch dem Direktor gegenüber die Absicht geäußert habe, mit einem jungen Schauspieler ein Drama durchzunehmen. Auf die Frage des Direktors, wo das denn geschehen solle, habe das junge Damchen geantivortet:.Natürlich in der Wohnung des Schauspielers*. Darauf habe der Herr Direktor der jungen Dame plausibel gemacht, daß so etwas aus gewissen Gründen nicht angängig sei, und er habe ferner den sämtlichen jungen Mädchen ob der Schwärmerei für die Schauspieler einmal gründlich den Standpunkt klargemacht.... Insofern seien ja," fuhr der Redner fort,„unerquickliche Verhältnisse leider festgestellt..... Alle anderen Gerüchte, unter anderen das, daß er. Redner, gegen zloanzig junge Mädchen, unter anderen auch gegen seine eigene Tochter, die auch bei den Schwärmereien be- teiligt sei, Strafanzeige gestellt habe, seien absolut un- wahr. Von sittlichen Verfehlungen der Schauspieler mit den jungen Mädchen sei nichts festgestellt." Schließlich erklärte der Oberbürgermeister Cuno»och:„An und für sich sei zu sagen, daß eS der„Freien Presse* nicht direkt übelzunehmen sei, wenn sie die ganze Affäre aufgegriffen hätte, nachdem andere Blätter die An- gelegenheit schon vorher aufgerüttelt hätten. Es sei abzuwarten, ob die von der königlichen Staatsanwaltschaft anzustellenden Unter- suchungen weitere Aufklärung schaffen." Man darf auf den weiteren Verlauf der Dinge gespannt sein. evttternngöubeiilcht vom 7. Juni 1999. morgens H Nftr. Citottoncn Li fLl. h 5 s »■c Well« t-iR ti% §" 5� MlÖ Stationen a| Well« »K c-* % Swtnemde. Hamburg Berlin Franll.aM. München Wien 759 NW 7609(33 760 WNW 762 NO 760 SW 760 WNW 2 heiter lj heiter L heiter 3 halb bd. 2 bedeckt 1 bedeckt Saparanda eterSburg Scilly Äderdee« Parti 757 NO 753 S 761 ONO 764 NW 762 NNO 4 wölken! I 11 1 Regen! 13 2 wolkig i 12 2 halb bd. 10 Üwolleul 11 ' «Setterprognose für Dienstag, de» 8. Juni 1999. Ziemlich heiter, am Tage etwa« wärmer bei mäßigen nordwejllichcn Winden; lerne oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. eingegangene Di-udtFchrlften. ®le Heimarbeit im Kanton St.-Gallen. Enquete. Winter 190S/0Z. Bon P. Groß. Etämpfli u. Co� Bern(Schweiz). Z0.—Z2. Jahresbericht des leitende» AuSschuffeS des Schweizerischen ArbeiterbundeS und des LtrbeiterlekretariatS 1906, 1907 und 1908. Schweizerischer Grütliverein, Zürich. 2. Bericht des ArbeitersekretariatS und Gewerkschaftskartells Königsberg t. Pr. I9V8. 62 Seiten. Selbstverlag. Brlefhaften der Redaktion. KU inrlftts»««prechftund, findet Lindenftra h« Nr. 2, zweiter Hof, dritte» Eingang. die« Treppen, DM- F a l, r ft» h l M» wochentiiglich adendS von?>/» bt«»>/, Ndr Natt.«Seöffne» 7 Übt Sonnabends beginnt die Sprechstunde NM o Uhr. Jeder Slnfrage ist ein Buchstabe und ein« Dahl als Wterkzeiche» betzutiige». Briefliche Slnttvort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortnng in, Briefkasten können 1s Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde dar. — P. G. 6. Die Tabaksteuer ist erst in der Kommission beraten. In der zweiten Hülste deS Juni wird sie das Plenum des Reichstages beschäftigen. Welcher Beschlutz herauskommt, ist nicht vorauszusehen. Ebensowenig, ob für den Fall der Annahme der Steuer die Inkraftsetzung zum 1. Oktober oder erst zu einem späteren Datum erfolgen wird.— Brannsberger Strafte 13. 1. und 2. Sie leben auch ohue besonderen Vertrag außerhalb Gütergemeinschaft. Zweckmäßig ist es aber, einen Ehevertrag vor einem Notar oder vor dem Gericht zu schlietzen, indeni der Ehemann ausdrücklich daS Vermögen der Ehefrau anerkennt und aus das Nießbrauchs, und Ver- waltungsrccht verzichtet. Bevor sie zum Notar gehen, müßten Sie ein Verzeichnis dessen aufnehmen, was der Frau gehört. 3. Eine Klage gegen den Konkursverwalter beim Amtsgericht hätte Aussicht auf Erfolg.— W. 1. Ja. — F. L. 10. Die Marken sind ungültig. Wie aus jeder Jnvalidenkarte auch vorgedruckt steht, verliert sie diese ihre Wirksamkeit innerhalb zwei Jahre». Die Jnvalidenkarte mutz, gleichviel ob sie vollgeklebt ist oder nicht, Innerhalb zwei Jahren umgetauscht werden, sonst gehen die Marlen ver- loren. Sie müßten sich eine neue Karte geben lassen und aus dieser neu kleben.— Bormund I. t. Gewiß. 2. Beim Amtsgericht. 3. Zweckmäßig ist es, daß Sie sich der Hilfe eines Anwalts bedienen. Die Empsehlung bestimmter Anwälte lehnen wir ebenso wie die bestimmter Aerzte, Firmen usw. grundsätzlich ab. 4. Das hängt von der Gesamtlage des Prozesses ab. — R. S. 731. Ein Ersuchen wäre nicht ohne Aussicht aus Erfolg.— B. 20. Ja? ein wechselseitiges Testament wäre ersorderlich. Beispiele für ein solches und Anleitung dazu finden Sie aus den letzten Seiten des dem „Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— Wette Wucher. DaS ist von Fall zu Fall seitens der Staatsanwaltschaft zu entscheiden. Wir würden die Strasbarkeft in der Regel annehmen.— Luckenwalde SV. 1. Voraussichtlich würde das Gericht annehmen, datz auch für Sie die Kündigungsfrist des Vertrages gilt; allerdings gilt der Vertrag für Sie nur aus die Dauer eines Jahres. 2. Nein.— Ä. R. Fl. Der Vertrag bleibt gültig, auch wenn daS Schrift- stück von einer Seite vernichtet ist. Die Frau wurde Sicheritellung� Ihres Vermögens beim Gericht durch eine Klage wohl durchsetzen können; nicht aber, wenn sie nicht die Abficht der Verausgabung des Geldes beweisen kann, die Rückgabe des Geldes.— Wilmersdorf. 1. und 2. Ja. — Wunderlich 72. 1. Den Erben gemeinsam. 2. Erben find die Witwe, die Kinder und die Kinder vorverstorbener Kinder geworden. Dieselben können Erbregulicrung beantragen.— O. N. 80. Legitimationspapiere sind nicht erforderlich; indessen ist es zweckmäßig, sich einen Paß� von der Polizeibehörde ausstellen zu lassen.— R. W.®. Die Stadt würde An» Ipruch in Höhe der geleisteten Unterstützungen erheben können. Ein Ver- zicht aus die Erbschaft hätte nur dann einen Zlveck, wenn msolge des Testa- mcnts oder der gesetzlichen Bestimmungen die Kinder an Stelle der Mutter treten würden. Sie haben leider Angaben über den Sachverhalt(ob Testa- ment oder ob gesetzliche Erbfolge vorliegt und wie eventuell das Testament lautet) unterlassen, so daß wir nicht ersehen können, ob die Kinder an Stelle der Mutter eintreten können. Die Ausschlagung der Erb- schast müßte seitens der Mutter innerhalb sechs Wochen, nachdem sie Kenntnis bekommen hat, durch«ine notariell beglaubigte Erklärung an das Nachlaßgericht erfolgen.— M. Sich. 73. 1. und 2. Nein. 3. Ja. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marsthallen-Dlrekston über den Großbandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft rege, Preise für Kalb-, Hammel- und Schweine» fleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft lebhast, Preise wenig verändert. Geflügel: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise wenig oerändert. Fische: Zusuhr reichlich, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft still, Preise wenig verändert. Gemüse. Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäft zunächst ruhig, später etwas lebhafter, Preise weuig verändert, Spargel weichend. WafferstandS-Nachrtchte» der Landes anstatt für Gewässerkunde, mitgeteilt vorn Berliner Wetterbureau. ») ft- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.— Todes-Anzeige. Am 6. Juni verschied nach I kurzem, aber schweremLeiden mein I inniggeliebter Mann, unser treu-> fürsorgender Vater, der Schlosser Hermaim Ramsperger I im 36. Lebensjahre. Die» zeigen tiesbetrübt an Frau I-nl»« Ramtipcrger nebst Sohn. Ifledbr-Schönewoide, den 6. Juni 1909. Die Beerdigung findet am i Mittwoch, den 9. Juni, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- 1 halle des Gemeinde- FriedhosS Ober-Schöneweide aus statt. SozIaMefflokratiseiier WaMvereiii für Nieder- Seboneweide. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Schlosser Hermann Ramsperger Fennstr. 8, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ani Mittwoch, den 9. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofs Ober-Schöneweide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 202/16 De» Vorataiid. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode»- Anzeige. Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hermann Ramsperger am 6. d. MtS. an Darmzerreißung gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- FriedhosS Ober- Schöneweide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 118/4 Die Ortsverwaitung. Zentral- Verband der Maurer Zweigverein Berlin. | Sektion derOips-u.Zementbranche Den Kollegen zur Nachricht, I datz unser Mitglied, der Einschaler Karl tfenze 1 am Freitag, den 4. Juni, im 9 Alter von 25 Jahren an Bauch- fj j sellentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 1 Dienstag, den 8. Juni, nach- I mittags 4 Uhr, von der Leichen- j Halle de» Friedhofes der Friedens- 1 gemeinde in Nieder-Schonhausen- -Nordend aus statt. 137/20 Um rege BeteUigung ersucht Der Sektionsvorstand. k�ür Kraake md Schwache wichtig ist die Tatsache, datz„Deutschland im Lamschelder Stahlbrunnen einen Heilschatz ersten Ranges besitzt, der verdient, dauernd der leidenden Menschheit zugängig gemacht zu werden.(Prosessor Dr. Liebret ch.)" Tausende wurden gesund. Dankesworte nach erfolgreichen Kuren:.Ich litt schon� einige Jahre an furchtbar quälenden Magen- und Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, großer Schwäche des ganzen Körpers und Abmagerung, so daß es mit meinen Kräften immer mehr zu Ende ging. Durch den nur kurzen Gebrauch des Lamscheidcr Stahibrunnens bin ich von allen Beschwerden befreit worden.-—.Hierdurch sage ich herzlichen Dank sür den ausg ezeichucten Heilbrunnen. Infolge einer schweren Krankheit mit großem Blutverlust war meine Frau so heruntergekommen, datz ich glaubte, sie zu verlieren. Sie konnte nicht mehr schlafen, nicht essen, vor Schwäche nicht mehr auf den Füßen stehen und wurde oft ohnmächtig. Meine Frau ist nur durch diesen Brunnen mir und meinemKindc erhalten.- rinklurcn im Hause warm empsohlen bei Blutarmut, Bleichsucht, versch. Strien von Frauenkrankheiten, Magen- und Darmleiden, Nervenkrankheiten, blutarmen Zuständen, bei denen eine Mehrung der Blutmenge und Besserung der Blutbeschasfenhcit notwendig ist, z. B. nach großen Blut- Verlusten Infolge schwerer Operationen, Wochenbetten usw., nach über- slandcncn erschöpfenden Jnscktionskranlbeilen, wie Jnslucnza usw.— Bro- fchlircn kostenlos durch: Lamschelder Stahlbrunnen in Düsseldorf 30. 164. >8o?iaIlIme>u'Mchei'ÄMvermI Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht,| | datz der Genosse, Glasmaler Paul Siegmund 3. Gruppe am 6. d. Mts. im Alter von 21 Jahren an der Proletarier- krankhcit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. d. MtS., nach- mittags 6 Uhr, aus dem Friedhos der Luisengemeinde, am Fürsten- brunncr Weg, statt. 250/12 Ber Vorstand. Zentral-Kranken-OQterstütznngs-l u. Begräbiiisverein der Seluniede ii. verw. Gewerbe Deutschlands. Berlin III. Nachruf. Am 4. Juni verstarb plötzlich unser Mitglied lYaugott Müller. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung fand am Montag, den 7. Juni, w Friedrichs- felde statt. 176/9 Bio Ortsverwaltung. Danksagung. (Statt Karten.) Für die beim Hinscheiden meines inniggeliebten Mannes, des Schrift- gießcrs Paul Mahlendorf bewiesene Teilnahme sage ich hier- durch allen Verwandten, Freunden und Kollegen, insbesondere dem Ver- ein der Schristgietzer, dem Skatklub „Lange Fahne- und den Mietern der Baugenossenschaft.Ideal- meinen herzlichsten Dank. Frau Witwe slwino Mahlendorf 2040b geb. Lahmann. | Ruder-Varein„Vorwärts", Berlin. Nachruf. Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, datz in der Nacht vom 4. zum 5. Juni d. I. unser lang- jähriges Mitglied, Herr �latkan Kahn jüdischen an Gesichtsrose im Krankenhause verstorben Wir verlieren an ihm einen braven und ausrichtigen VerewS- genossen, besten liebenswürdiges Wesen jedem bekannt war. Wir werde» sein Andenken stets in Ehren halte». Die Beerdigung findet in Ober- darf bei Bopsingen(Württem- berg) statt. 285/8 SozialdeniokratisehJalilfereui Bezirk Wilhelmsruh. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genosstn, Frau Hechvix Noga geb. Gerlach im 24. Lebensjahre am 6. Juni 1909 verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle der Nazareth- Gemeinde, Reinickendorf-West, Kögelstratze 8, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Her Vorstand. Sargmagazin von G. Püsctake, Charlottenburg, Lewnizstr. 77. Eing. Pestalozzistr. Tel. 2658. 982L» OrtsTerwaltnng Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Wille. Ami III», 4835. = Achtung!== 50/i* Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Borstäuden, Komitees und Saalinhaber» unseren kostenlose« Arbeitsnachweis, Brunnenstratze 188. Geschäftszeit täglich vo» lO'/,-! Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. NB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist sür das 2. Quartal rot und mutz mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Besonders billiges Ingebot aoweil Vorrlte reiebe» Knaben- Wasch- Anzüge Hfibsdie Blusenfassons Weiss und gestreift 6.- 5.- 4.- QA 3.— 2.— i.5o yyj Pt Schüler-Wasch- Anzüge Joppen- und Norfolk-Fassons, einfarbig und kariert AqO 8.- 6.— 5.- 4.— 3.— 2.50 Zm. Knaben-Blusen..«= 50? Knab.-Strohhüte 35» Knaben-Hosen-. � 70« Knaben-Mützen««. 25« mig! bmai Sporthemden D Gürtel n Turnerkleidung Loden-Pelerinen"„aS S51 Spexial-Hsos größten Mafistabes, je gründet 1891. Chausseestraße 29/30 □ 11 BrQckenstraße 11 Gr. Frankf urterstr. 20 o Schöneberg, Hauptstr. 10 ia�=L Der Hurt-Kataleg He. 37 and Uvree-Kstoiog Ne. 36 Usitoies und portofrei. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meine» lieben Sohnes und Bruders ■Adolt Scheel sagen wir allen Verwandten, Freun» den und Bekannten, insbesondere den Kollegen und Genossen, hierdurch unseren herzlichsten Dank. Frau Loiieel und Fritz Scheel. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter und gute» Schwester Marie VI' alter sage» wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 1507L Die trauernden Hinterbliebenen. Ktnmen- Jinö KranMndrrk! von Roberl Meyer,' unt Marianneu-Slroße 2. Dr. Schünemann Spezial-Arzl sür 543L» Maat- und Barnleiden, Franonkraukheitcn. Friedricbstr. 203, Ecke Schützenstr Wochentags 10—2. 5—7. Bureau: Engel-llser 15, Zimmer 63. Zweigverein Berlin. Telephon: Amt IV, 4093 Freitag, den 11. Juni, abends 8V2 Uhr, in Dräsels Festsälen Neue Friedrichstrafte 3S: iußerordentlielie Generalversammlung aller Zahlstellen und Sektionen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. S. Wahl von Delegierten zu der am Sonntag, den 13. Juni, stattfindenden Bauarbeiterschutz» konferenz sür daS Gebiet der Nordöstlichen BaugewerlSberusSgenosienIchaft. 3. Wahl eineö Ausschnftmitgliedes. 4. Gewerkschaftliches. 138/1» Mitgliedsbuch legitimiert.____ Der ZweigvereinSvorstand. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Aerlnk Zur bell Inseratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagZanstalt Paul Singer& Co� Berlin SW, Nr. 130. 26. IchMg. 2. Keilme des„ " Mim NslkM. Ilirti0t(t0,8.|iinil9O9. Iflittuiocl): Zal)]dbend m Berlin und Vororten. parte!- Hngelcgcnbettcm Alt-Gliemcke. Sfm Mittwoch, den 9. Junt er., abends 8 Uhr, im Lo'kal Troppens, Riidowerstraße 34 findet eine Mitgliederversannn- lung des Wahlvcreins statt. Die Tagesordnung wird in der Ver- sammlnng bekannt gegeben. Der Zahlabend fällt der Versammlung wegen aus. Beiträge werden in der Versammlung kassiert. Der Vorstand. Grünau. Mittwoch, den 9. d. M., abends S'/o Uhr, in der„Grünen Ecke", Köpenickerstraße 88: Mitgliederversammlung. Beiträge werden entgegengenommen. Gäste willkommen. Pankow. Angesichts des Umstandes, daß von gewisser Seite morgen abend Veranstaltungen arrangiert sind, machen wir die Pankower Genossen noch besonders darauf aufmerksam, daß am morgige» Mittwoch Ve9 Uhr der Zahlabend in den bekannten Lokalen stattfindet. Der Vorstand. Bezirk Borsigwalde- Wittenau. Morgen, Mittwoch Zahlabend. In den Borsigwalder Gruppen: Vortrag über:„Wie können wir unsere Zahlabende interessanter gestalten?" In Wittenau: Vortrag über:„Wertzuwachssteuer". Potsdam. Arn Mittwoch, den 9. Juni, abends 8 Uhr, bei Witwe Glaser, Kaiser Wilhelmstraße: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: Vereinssachen. Vortrag des Genossen Hermann Leidner-Charlottenburg:„Die gegenwärtige politische Lage". Ver- schiedeneS._ BerUmr Nacbricbten. Auf dem Wasser. Nun ist der Sommer ins Land gezogen mit Macht. Die goldflirrenden Sonnenstrahlen blinken und funkeln. Noch tragen Baum und Strauch ihr Blütengewand. Da lockt es den Großstädter unwiderstehlich hinaus in das lachende Land. das sich grün und blumenüberstreut jenseits des grauen, ver- räucherten Häuscrmeeres dehnt. Mit dem Dampfer geht es hinaus. Es ist Alltag. Da sind nur wenige Ausflügler aufgestiegen. Das macht fast einen verödeten Eindruck. Aber am Weichbilde der Riesen- stadt legt das schmucke Gefährt noch einmal an. Dort harren, nach Klassen geordnet, Schulkinder, die mit ihren Lehrern einen Ausflug machen wollen. Gemeindeschüler sind es: Mädchen und Knaben. Mit einer drängenden Hast schiebt sich die Kinderschar aufs Schiff. Die Lehrer sondern— wie sagt doch die heilige Schrift?— die Schafe von den Böcken: die Jungens werden am vorderen Ende, die Mädchen am hinteren Ende placiert. Den geeigneten Platz zu finden, hält schwer. Jeder hat soviel „beste Freunde" und„beste Freundinnen", Laß sie unmöglich alle bei ihm sitzen können. Das Wechseln der Plätze geht daher unaufhörlich. Dem Zuschauer schmerzen vom bloßen Zusehen schon die Augen. Es ist ein großer Unterschied zwischen ben Knaben und den Mädchen. Die Putzsucht spricht bei den letzteren das ent- scheidende Wort, wenn auch gelegentlich mal eine drunter ist, die, der letzten Hutmode folgend, die„Krempe verloren" hat. Und das Schlecken! Bonbons, Kirschen, Erdbeeren machen die Runde.„Ach, Herr Rektor, von mir, bitte I" Und die großen Mädchenaugen leuchten auf, wenn der von allen Seiten Be- stürmte gerade in ihre Tüte greift... Berlin liegt längst hinter der großen Eisenbahnbrücke, die sich zwischen Treptow und Stralau spannt. Jetzt wird ein Lied gesungen. Die Mädels machen den Anfang. Die Jungens folgen nach. Wie zwei Musikkapellen wechseln sie einander ab. Frühlingslicder sind es, Wanderlieder. Hat aber der Lehrer den Kopf gewendet, dann läßt sich das urwüchsige Berliner- tum, das in diesen Kindern sprudelt, nicht niehr zurück- halten. Erst summt es nur eine; und dann singen alle die frischen Mädchenkehlen im Chorus:„Komm Schorschl! Wir fahren im Automobil von Hamburg nach Kiel, das kostet nicht viel!" Und die Jungcns— schon eine Nuance wasch- echter— antworten:„Zier' dich nicht, genier' dich nicht! Wir dreh'n ein Ding zusamm'I" Das geht so lange, bis der Lehrer mit einem ärgerlichen„Wollt Ihr wohl stille sein!" dazwischenfährt. Immer lockender und herrlicher wird die Landschaft zu beiden Seiten des träge dahinfließenden Stromes. Die Sonne läßt das Wasser goldig auffunkeln, und eine milde Wärme liegt über dem stetig vorwärtscilenden Schiff. Die kleinen Sänger haben gefrühstückt. Jetzt geht es, hinter Friedrichs- Hagen, in die offene Müggel hinaus. Da ist wohl die eine oder die andere unter der Mädchenschar, die mal etwas von der Seekrankheit gehört oder gelesen hat. Wenigstens schallt jetzt fast einstimmig ein Heller, verängstigter Schrei über Deck: „Herr Rektor! Herr Rektor! Dip Else wird seekrank!" Rasch ist der Herr Rettor hinzugesprungen. Seinö Weste scheint eine Hausapotheke zu sein. Fast aus jeder Tasche gucken mehrere ivohlverkorkte Hälse kleiner Flaschen. Diesmal genügen HoffmannStropfen... Der Dampfer hat angelegt. Die Kinder verlassen das Schiff. Die Lehrer inspizieren nochmals, ob auch niemand etwas vergessen hat. Und nun beginnt ein Tücherschwenken und Abschiedsrufen, als ob wir alte, gute Bekannte wären. Und wir winken wieder, grüßen und lachen, während in unseren Herzen etwas emporquillt wie Uebermut darüber, daß unsere Kindheit längst dahin.... Die Berliner Proletarierkinder aber, die bis hierher unsere Fahrtgenossen gewesen, klimmen bereits die Müggel- berge enipor. Und jede ihrer munteren, frischen Bewegungen gibt Kunde von der Freude dieser Kleinen, einnial auf wenige Stunden dem Dunst und Lärm der Riesenstadt ent- rönnen zu sein._ Beim Rebeln schwer verunglückt ist Sonntag abend die 32 Jahre alte Frau Anna des Buchdruckers Reimann aus der Put- buser Straße 17, die mit ihrem Manne einen Ausflug gemacht hatte. Auf der Rückfahrt glitt sie in der frisch gesprengten Neuen Krugallee zu Treptow mit ihrem Zweirade aus, kam vor einem Straßenbahnwagen zu Fall und geriet unter die vordere Platt- form. Um sie zu befreien mußte man den Wagen hochheben. Die Verunglückte erlitt einen schweren Lberschenkelbruch und mußte mit einer Droschke nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof und von dopt nach dem Krankcnhause Bethanien gebracht werden. Unerträgliche Zustände herrschen in der Badeanstalt an der Moabiter Brücke(Abteilung für männliche Personen). In letzter Zeit sind dort jeden Tag verschiedenen Kindern Sachen gestohlen worden. Einern Jungen wurden aus seinem Anzüge 3,73 M. ge- nornmen, womit er seine beim Schuhmacher befindlichen Stiefel bezahlen sollte. Tags darauf fehlten demselben Jungen 10 Pf. und einem anderen das Taschenmesser. Einem dritten hatte man die Stiefel genommen, die jedenfalls auch entwendet werden sollten. Bein: Nachsuchen fand man sie jedoch an einer ganz anderen Stelle versteckt. Am Sonnabend hatten die Diebe die Hemden von zwei Kindern gestohlen. Solche Dinge könnten nicht vorkommen, wenn mehr Aufsicht in der Badeanstalt vorhanden wäre. Der eine Wärter ist beim besten Willen nicht imstande, auf alles Obacht zu geben. Dazu ist um diese Zeit, in der Diebstähle vorkamen(abends gegen 5 Uhr), noch der schwächste Besuch. S olleck diese skandalösen Zustände beseitigt lverden, so muß eine schärfere Aussicht geübt werden, und das kann nur geschehen, wenn mehr Personal vorhanden ist. Die Stadt Berlin sollte wirklich nicht auf diese Weise sparen. Es sind durchweg Arbeiterkinder, die die Badeanstalt benutzen, viele sogar mit Frei- karten. Wenn diesen Kindern Sachen gestohlen lverden, so bedeutet das einen herben Verlust; oft ist zu Hause nicht einuml ein zweites Kleidungsstück vorhanden und auch kein Geld, um ein neues zu kaufe». Das Publikum kann verlangen, daß in solchen öffentlichen Anstalten einigermaßen Aufsicht und Ordnung vorhanden ist. Selbstmord eines Geisteskranke» aus der Polizeiwache. Der 45 Jahre alte geisteskranke Gelegenheitsarbeiter Max Richter aus der Hagelbergerstr. 22 erhängte sich gestern auf der Polizeiwache des 31. Reviers. Richter war vor l1/- Jahren in der Irrenanstalt ge- wesen. Auf seinen Wunsch hatte ihn seine Frau vor einem halben Jahre wieder zu sich genommen. Das wäre der Familie beinahe zum Verhängnis geworden. Gestern vormittag gegen 11 Uhr bekam Richter in seiner Wohnung plötzlich einen Tobsuchtsanfall und wollte seine Frau und. seine fünf Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren totschlagen. Auf die Hilferufe der Bedrohten eilten Haus- bewohner herbei, die sofort nach Polizei telephonierten. Zwei Schutz- männer brachten den Kranken nach der Wache des 31. Reviers, um ihn von dort der Irrenanstalt wieder zuzuführen. Während man auf den Kreisarzt wartete, der Richter untersuchen sollte, erhängte sich der Kranke in der Zelle als er einige Minuten unbeobachtet war. Rettungsversuche blieben erfolglos. Von einein Kraftwagen überfahren und getötet wurde Sonntag im Grunewald ein sechs Jahre alter Knabe, namens Koch, aus Friedenau. Ob den Führer des Wagens, den Chauffeur Wittke aus der Alten Schönhauser Straße 18, eine Schuld trifft, wird noch untersucht. Hochstapeleien unter adeligem Namen beging der 31 Jahre alte Kailfmann Walter Linow, der erst vor Jahresfrist das Gefängnis verlassen hatte. Er hielt sich hier unter falschem Namen ohne feste Wohnung in Hotels auf. Unter dem Namen Hans Joachim v. Schlichting wußte sich der junge Mann Eingang in gute Bürger- fanülien zu verschaffen. Bald war er Arzt in der Charito, bald Offizier in einem hiesigen Garderegiment. Geld hatte er eigentlich genug, aber infolge einer testamentarische» Bestimmung mußte sein großes Depot, wie er angab, auf der Deutschen Bank noch eine Zeitlang festliegen. Vertrauensselige Eltern und Töchter ließen sich durch diese Borspiegelungen bestechen. Es rührte sie auch, daß der adlige Herr sogar bereit war, wenn es sein müßte, seinen Offiziersrock auszuziehen, um seine bürgerliche Geliebte heim- zuführen. In einem Falle brachte der Schwindler es fertig, sich mit einem Mädchen zu verloben. Durch Glückwunschbriefe, die er selbst an sich schrieb, zeigte er dann den Angehörigen, daß sich auch feine hohen Verwandten mit seiner Mesalliance ausgesöhnt hätten, Eine Bekanntschaft, die er auf einem Spaziergange im Tiergarten mit der Tochter eines Tapezierermeisters machte, brach ihm endlich den HalS. Der„Herr Offizier" setzte dem Mädchen mit Briefen so lange zu, bis es sich den Eltern offenbarte. Der vorsichtige Meister forschte aber nach dem Vorleben des„Kavaliers", und so kam die Vergangenheit Linows an den Tag. Die Kriminalpolizei setzte den Hochstapler gestern hinter Schloß und Riegel. Vom Dampfer überrannt. Große Aufregung bemächtigte sich gestern abend der Fahrgäste des Dampfers Kaiserin Augusta der Stern-Gesellschast, welcher um 11 Uhr an der Landungsstelle in Potsdam eintreffen sollte. Als der Dampfer an der Werft der Stern- Gesellschaft vorbei fuhr, kam plötzlich hinter einer dort verankert liegenden Zille ein Ruderboot hervor, welches in einer Entfernung von kaum drei Metern in die Kiellinie des Personenschiffes geriet. Der aufmerksame Kapitän gab zwar augenblicklich das Kommando „Rückwärts", doch war es bei der kurzen Entfernung unmöglich, das Unglück zu verhüten. Das Boot wurde überrannt und sein Führer, wie sich später herausstellte, ein Steuermann der Stern-Gesellschaft, ins Wasser geschleudert. Von den Mannschaften des Dampfers wurde sofort ein Rettungsring in die Fluten geworfen, und dem Verunglückten gelang eö auch, den Gürtel zu erfassen und sich so lange daran festzuhalten, bis seine Rettung bewirkt werden konnte. Ein KindeSmord ist an der Oberspree entdeckt worden. Am Treptower Park wurde von Spaziergängern die Leiche eines Kindes, die auf der Oberfläche der Spree trieb, anS Ufer gebracht. Der Hals der Leiche wies Merkmale auf, die anscheinend durch Würgen entstanden sind. Es wird daher vermutet, daß das Kind, ein etwa acht Tage alter Knabe, erwürgt und dann in die Spree geworfen ist, um die Spur des Verbrechens zu verwischen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht, wo sie obduziert werden wird.. Zerstörte Telegraphenleitungen. Durch Drahtmardcr find wieder einmal empfindliche Störungen im Telegraphenbetriebe hervorgerufen worden. Auf der Falkenberger Chaussee wurden durch Diebe eine größere Anzahl Leitungen durchgeschnitten. Nahezu drei Zentner Kupferdraht nahmen die Täter mit. Seitens der Oberpostdirektion ist auf die Ermittlung der Urheber deS dreisten Diebstahls eine hohe Geldbelohnung ausgesetzt worden. Der Einbruch bei dem Burggrafen Wilhelm zu Dohna stellt sich nach den näheren polizeilichen Ermittelungen als ein Akt der Selbst- Hilfe heraus, die ein unbefriedigter Gläubiger des Burggrafen geübt hat. Der Burggraf, der 24 Jahre alt ist, hat sich bereits in mehreren Nervenheilanstalten befunden. Da sein Zustand keinerlei Aussicht auf dauernde Besserung bietet, soll seine gerichtliche Ent- mündigung beantragt werden. Revolverattcntat eines Aufsehers auf einen Knaben. Große Er- reguug rief ein Vorfall hervor, der sich nachmittags im Bürgerpark in Pankow abgespielt hat. Einige kleine Kinder hatten sich damit vergnügt, auf der Pauke Schiffchen schwimmen zu lassen. Eines der Kinder, der siebenjährige Erich Schaum, hatte, um sich ein Schiffchen anfertigen zu können, von einer Kiefer ein Stück Rinde abgeschnitten. Ein Aufseher Mund, der sich in der Nähe aushielt und die Kinder beobachtet hatte, eilte hinter dem kleinen Sch. her und wollte ihn festhalten. Das erschreckte Kind lief jedoch davon und als der Aufseher sah, daß er es nicht mehr einholen konnte, zog er einfach einen Revolver hervor und feuerte zwei Schüsse auf den Knaben ab. Kaum fünf Schritte war er dabei von dem Kinde entfernt. Die zweite Kugel verletzte den Kleinen am rechten Ohr. Gegen den Aufseher ist Strafantrag gestellt worden. Man sollte es kaum für möglich halten, daß ein erwachsener Mensch sich Kindern gegenüber des Revolvers bedient. Das scheint ja ein ganz gefährlicher Patron zu sein. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich gestern nachmittag 1li2 Uhr in der Nähe des Städtchens Müncheberg in der Mark auf der Heinersdorfer Chaussee. Das Automobil des früheren persischen Generalkonsuls v. Greve fuhr, von Frankfurt kommend, die Chaussee entlang. Etwa drei Kilometer vor Müncheberg versagte nach Au- gäbe des Chauffeurs die Steuerung und das Automobil raste gegen einen Baum. Herr v. Greve wurde mit dem Kopf gegen den Baum geschleudert und war sofort tot. Der mit in dem Wagen befindliche Inspektor des Herrn v. Greve wurde fünfzehn Meter weit auf einen Acker geschleudert und erlitt nur leichtere Verletzungen. Der Chauffeur kam mit dem Schrecken davon. Ein zufällig vorbeifahrendes Fuhr- werk des Tierarztes Siemsen brachte den Toten und de» Verletzten nach dem Müncheberger Krankenhause. Ein aufregendes Eifersuchtsdrama spielte sich am Sonntag in der Palisadenstraße ab. Dort feuerte eine Näherin aus ihren Ge- liebten, von dem sie sich vernachlässigt fühlte, drei Revolverschüsse ab, durch die der junge Mann lebensgefährlich verletzt wurde. Es gehen uns darüber folgende nähere Mitteilungen zu: Im Hause Palisadenstr. 69 wohnt seit einem halben Jahre die 20jährige Näherin Agnes Kienast mit dem 19 Jahre alten Bierfahrer Otto Siebert im ersten Stock des dritten Hofes. Das junge Paar unterhielt ein Liebes- Verhältnis, aus dem ein jetzt acht Monate altes Mädchen hervorging. Das Kind gaben die Eltern nach Lichtenberg in Pflege. Da beide Arbeit hatten, so hätten sie die Pflegekosten wohl aufbringen können. Aber der junge Vater nahm es, tvie die Rtutter behauptet, mit feinen Pflichten nicht sehr ernst. So kam es, daß das Paar schon seit vier Monaten das Pflcgegeld schuldig war, dazu seit zwei Monaten auch noch die Miete. Infolgedessen kündigte der Haus- Verwalter die Wohnung zum 1. Juli. Das vermehrte die Sorgen der Näherin, die auch durch Eifersucht gequält wurde, da Siebert ihr nicht sagen wollte, mit wem er die Abende verbrachte. Sonn- tag vormittag kam es zu einer blutigen Auseinandersetzung. Um 8 Uhr kam aus Lichtenberg die Pflegemutter mit dem Kinde. Sie erklärte, daß sie es nicht weiter pflegen werde, wenn sie kein Geld bekomme, ließ sich aber auf vieles Zureden der Mutter überreden, das Kind wieder mitzunehmen. Diesem Besuch folgte ein heftiger Austritt. Die Näherin tvarf ihrem Geliebten vor, daß er an allem Elend durch sein Trinken und Herumtreiben schuld sei, und daß er sie auch noch hintergehe. Siebert konnte vieles nicht bestreiten. Als Antwort auf die Vorwürfe packte er um OVa Uhr seinen Koffer zusammen, um sich von seiner Geliebten zu trennen. Da griff die Näherin zu einem Revolver, den sie schon länger bei sich trug, und gab drei Schüsse ab. Zwei Kugeln gingen fehl und drangen in die Wand ein, die dritte traf Siebert in die linke Halsseite und ver- wundete ihn schwer. Nachbarn, die der Lärm herbeirief, drangen in die Wohnung ein und fanden die Näherin und ihren Geliebten am Boden liegen. Sie tat so, als ob sie auch auf sich selbst geschossen hätte. Das war aber nicht der Fall. Der Verwundete wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht, wo er fast Hoffnung?- los daniederliegt. Die Näherin wurde verhaftet. Schwer verletzt durch Ueberfahren von einem Wagen des „Außenring 2" wurde Montag nachmittag 3 Uhr der sechsjährige Sohn Fritz des Markthallenarbeiters K. Kammrath, Lothringer Straße 10. wohnhaft. Der Kleine wollte an der neben diesem Hause befindlichen Haltestelle kurz vor einem gerade abfahrenden Straßenhahnwagen trotz der warnenden Zurufe seines alteren Bruders noch schnell den Straßendamm überschreiten, er siel dabei hin und geriet unter den Schutzrahmen des Wagens, so schnell auch der Wagenführer bremste. Erst nach längerer Mühe und unter Hilfeleistung des angesammelten Publikums gelang es, den Wttgen anzuheben und den Kleinen aus seiner schrecklichen Lage zu befreien. Er wurde auf einem gerade vorüberfahrenden Gelegenheitswagen nach der Unfallstation Keibelstraße geschafft, wo eine Gehirn- erschütterung und Splitterbruch des Oherschenkels festgestellt und seine Ueberführung nach dem Virchow-Krankenhaus angeordnet wurde. Die herbeigerufene und mit zwei Zügen erschienene Feuer- wehr brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Großfeuer kam gestern nachnnttag nach 2'/« Uhr am Kottbuser Ufer 41/43 nahe der Marianncnstraße auf dem Holzlagerplatz der Firma F. Staitz, Lindenstr. 33, zum Ausbruch und machte der Firma sowie der Feuer- wehr ganz enorme Arbeit. Eine Frau bemerkte zuerst die Gefahr. Sie machte darauf aufmerksam. Als man nun herbeieilte, stand schon ein großer Stapel Nutzhölzer in Flammen. Diese fanden an den Vorräten, die bei mehreren Gesellschaften mit über 300 000 M. versichert sind, reiche Nahrung. Als die ersten Löschzüge an der Brandstelle ankamen, war die Situation schon eine recht be- drohliche. Die angrenzenden Gebäude Mariannenstr. 31/32 und Reichenberger Straße 33/34(Luisen-Theatcr) waren aufs höchste ge- sährdet. Auf diesen Grundstücken befinden sich Tischlereien und Holz- bearbeitungsfabriken, die durch kleine Fenster und Lichtschächte mit der Brandstelle in Verbindung stehen. Der Wind aus Südwesten erleichterte wohl den Augriff, trieb aber die Flammen und den Qualm direkt auf die Grundstücke in der Reichenberger Straße. Angesichts dieser gefährlichen Lage wurde sofort „ M i t t e I f e u e r" an sämtliche Wachen gemeldet. Brand- direktor Reichel eilte sofort mit dem Oberbrandinspektor Reinhardt und acht Zügen nach der Kottbuser Brücke. Vom Kott- buser Ufer ging die 3. Kompagnie, von der Mariannenstraße die 3. und von der Reichenberger Straße die 2. Kompagnie vor. Die Dächer der hohen Gebäude um die Brandstelle herum wurden>be» setzt und von dort aus der Brandherd unter Wasser genommen. Da die Gebäude schon an einigen Stellen Feuer gefangen hatten, wurden diese Stellen abgelöscht. Die Pferde und Wage» wurden in Sicherheit gebracht.' Um näher an den Brand- Herd herankommen zu können, schlug die Feuerwehr in den Stallungen Löcher in die Mauern und drang mit mehreren Rohren durch diese bis an die brennenden Bretterstapel, die fünf Meter hoch dort vollständig in Flammen eingehüllt waren. Der Wasserdainpf von dem vielen Wasser, das aus 24'Nohren gegen den Brandherd gerichtet war, wallte über 50 Meter hoch in die Lüfte, weithin verkündend, daß die Feuerwehr wieder einmal tüchtig zu tun hatte. Trotz der Glut und der Gefahr, von einem um- fallenden Bretterstapel getroffen zu werden, wich keiner zurück. Die Hitze war zeitweise so groß, daß die Mauern der angrenzenden Häuser, von denen der Putz sich loslöste, naß gemacht werden mußte». Um den Flammen Nahrung zu entziehen, griffen Feuerwehrmänner und Arbeiter zu; die Bretterstapel wurden um- geworfen und die Bretter, die oft noch brannten, hinweggeschafft. Den vereinten Anstrengungen gelang es nach und nach, die Macht des Feuers zu brechen und das Kontorgebände, das schon an mehreren Stellen Feuer gefangen hatte, zu schützen. Die beim Aus- brnch des Brandes gehegten Befürchtungen, daß die großen Borräte des Holzlagerplatzes nicht mehr zu retten seien, wurden von der Feuerwehr nicht geteilt. Wenn auch der Schaden ganz erheblich ist, so kam das Feuer über seinen Herd nicht hinaus, die Feuerwehr gebot mit ihren Dampfspntzen, obgleich 100 Meter lange Schlauch leitungen gelegt werden mutzten, den: entfesselten Element wirksam Schach, Nach mehrstündiger Löschtätigkcit wurden die Züge 8. 11, 6, 6, 17, 18 und S abgelöst. Neue rückten heran und übernahmen die Ablöschung und Aufräumung, die heute fortgesetzt werden soll, lieber die Entstehung war nichts zu ermitteln. Auf- fallend ist es in jedem Fall, bah ganz nahe der grotzen Brandstelle in der Boppstratze bald nach dem Brande des dortigen Holzlagers ein zweites großes Feuer auf einem Holzplatz auskommt, und zwar an einer Stelle, wo Fremde nicht hinkommen können. Die drei grotzen Dachstuhlbrände am Sonntag haben auch noch nicht aufgeklärt werden können._ Radrennen in Treptow, 6. Juni. Die heutigen Dauerrennen, die über 2S und 50 Kilometer führten, wurden uon vier Fahren: be- stritten; den Berlinern F r. H o f f n, a n n. I a n k e und Hugo Przyrembel trat der Züricher I. Miller entgegen. Der junge Przyrembel, der in die Futztapsen seines älteren Bruders Hermann tritt, gewann beide Läufe entgegen; am besten hielt sich ihm gegen- über Janke, der beidemal den zweiten Platz belegte; Miller hatte unter Motordefekten zu leiden, ebenso auch Hoffmann, der ganz ver- sagte und weit zurück endete. 25 Kilometer- Rennen(400, 300. 200, 100 M.j: 1. Hugo Przyrembel 20 M. 692/5 Sek.. 2. Jaule, 950 Meter; 3. Hoffmann, 1230 Meter; 4. Miller, auf- gegeben.— 50 Kilometer-Rennen(800, 600, 400, 200 M.): 1. Przyrembel in 42 Min. 31*/5 Sek.; 2. Janke. 1100 Meter; 3. Miller, 5250 Meter; 4. Hoffmann, weit zurück.— Das Haupt- fahren über 1200 Meter(50, 30, 20. 10 M.) gewann P a w k e vor Fr. Stellbrink, Rottnick und Selmer.— Im Prämien- fahren über 1500 Meter(20, 15, 10, 5 M.) siegte P a w k e vor Fr. Stellbrink, W. Müller und Gehrke.— Rundenprämien a 6 M. gewannen Bäuerle, W. Theis, O. Theis, Tschirpe und W. Müller.— Die Goldene Armbinde von Treptow(200, 100 M.) ge- wann Pawke vor Todewald. Arbeiter- Bildimgsschule Berlin. Wegen des Zahlabends beginnt der G e s ch i ch t S Unterricht des Genossen Jul. Borchardt schon pünktlich um 8 U h r. Ein kleines graucS Notizbuch ist am Sonnabend nachmittag am Automobilhalteplatz Werderscher Markt oder Lützowplatz ver- loren gegangen, das eine Vertrauensmännerkarte vom Trans- Portarbeiterverband und 31 Maimarken 1909 enthielt..Abzugeben im Bureau Engclufer 15 II, Zimmer 43—44. Die Fortsetzung der Generalversammlung dcö Abonnementk- vereins für erkrankte Dienstboten ist zu Donnerstag, den 10. Juni, abends 8 Uhr, in der Philharmonie, Bernbnrgerstratze, festgesetzt worden. Wie sich in letzter Zeit die Berhälwffse gestaltet haben, dürften die Berhandlungen nicht uninteressant werden. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 31. Mai wurde im Guts- bezirk Schmöckwitzwerder, im Jagen Nr. 11 der kgl. Forst die Leiche einer männlichen, den besseren Ständen angehörenden Person auf- gefunden. Dieselbe ist zirka 50—60 Jahre alt, 1,63 Meter grotz, mit graumeliertem Haar, rötlichem Schnurrbart, kleinem Spitzbart und war bekleidet mit schwarzem steifem Hut, grauem Jackettanzug, Schnallenftiefelu. hellgrauen Strümpfen, gelbem Makkohemd und hatte zwe, Taschentücher V. 3 und O. gezeichnet bei sich. Es liegt unzweifelhast Selbstmord durch Erschießen vor. Die Leiche befindet sich in der Leichenhalle in Schmöckwitz. Etwaige Mitteilungen über sie Person werden in jedem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium Zimmer 336 II entgegengenommen eventuell wird um Nachricht zur Tagebuchnummer 2130 IV 51 09 ersucht. Fencrwchrnachrichten. Am Sonntag hatte die Berliner Feuer- wehr zwei große Brände zu löschen. Früh brannte das Savoy- Hotel in der Friedrichstraße 103 und bald darauf der Dachstuhl des Eckhauses Siboldstraße 1, an der Lehniner Straße, in ganzer Ausdehnung. Der Brand des Savoyhotels, gegenüber dem Bahn- Hof Friedrichstraße, alarmierte früh um 3 Uhr mehrere Züge der Feuerwehr, welche schnell zur Stelle war und sofort über zwei große mechanische Leitern und die Treppen mit mehreren Schlauch- leitungen vorging und unausgesetzt Wasser gab. Der Schaden ist erheblich, doch vollständig durch Versicherung gedeckt. Der Hotel- betrieb erleidet keine Unterbrechung. Der Dachstuhlbrand in der Siboldstraße 1 beschäftigte die 3. Kompagnie längere Zeit. Als der 11. Zug an der gegenüber den Militärschießständen in der Hasenheide belegenen Brandstelle ankam, stand der Dachstuhl schon in großer Ausdehnung an mehreren Stellen in Flammen. Diese hatten an dem Hausrat der zahlreichen Mieter und der Dachkonstruktion reiche Nahrung gefunden, so daß Brandmeister von Borch von zwei Dampfspritzcn längere Zeit Wasser geben lassen mußte, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Der Dachstuhl war nicht mehr zu retten, auch hat das vierte Stockwerk durch Wasser gelitten. Die Entstehung der beiden Brände war nicht zu ermitteln. Der 5. Zug wurde nach der Rungestraße 21 gerufen, wo ein Mann in einen Entwässerungskanal gefallen war. ES gelang, den Mann wieder heraufzuholen. Nachmittags brannten Bischofftraße 1 Preßkohlen, u. a. Wäsche und Kleider wurden in der Schillstraße 6 ein Raub der Flammen. Am Weiden- weg 50 brannte ein Korridor und Grunerstraße 0 Papier, Säge- späne usw. in einem Keller. Weitere Brände wurden aus der Winterfeldtstr. 2. Lehrterstr. 49, Chausseestr. 109, Tieckstr. 10 u. a. Stellen gemeldet,________ Vorort- JVaebnehtem Charlotteubnrg. Erhöhung der Gehälter der besoldeten MagistratSmitglicder. Der Ausschuß, den die letzte Stadtverordnetenversammlung zur näheren Durchberatung der Revision der Beamtengehälter und Arbeiterlöhne eingesetzt hatte, hat seine Arbeiten beendet. Nach den jetzt bekannt gewordenen Beschlüssen des Ausschusses hat die Magistratsvorlage keine wesentlichen Acnderungen er- fahren. Die Mehrzahl der von fast allen Beamtenkategorien ein- gelaufenen Petitionen blieb unberücksichtigt. Eine teilweise Ve- rücksichtigung ihrer Wünsche erfuhren nur die Bureauvorsteher, die Stadtsekretäre, Zivilsupernum'erare und einige Pförtner und Boten. Auch die Feuerwehrleute erhielten durch die Beschlüsse des Ausschusses eine weiter reichende Besserstellung in ihren Bezügen als die Magistratsvorlage vorsah. Bisher wurden die Charlotten- burger Feuerwehrleute im Vergleich zu denen in anderen, Charlottenburg gleich situierten Städten sehr schlecht bezahlt. So standen mit ihrem Einkommen von 1260 M. bis 1560 M. die Charlottenburger Feuerwehrleute hinter ihren Kollegen in den meisten Großstädten teilweise in sehr beträchtlichem Umfange zurück. Der Magistrat schien von dieser Aermlichkeit der Ent- lohnung von Leuten, die stündlich Gesundheit und Leben in die Schanze schlagen müssen, überzeugt zu sein; denn er schlug vor, künftig den Feuerwehrleuten in lOjähriger Staffelung 1620 bis 2070 M. zu zahlen. Dabei hätten die Feuerwehrmänner Char- lottenburgs aber immer noch mit ihrem Entkommen hinter den Lohnsätzen der Feuerwehrleute in Schöneberg, München, Dresden und Hamburg zurückstehen müssen. Und doch wird die hiesige Feuerwehr als ein besonders tüchtiges Rettungskorps betrachtet. Der Ausschuß ging dann auch über die Magistratsvorlage hinaus und ließ das Gehalt bei 2220 M. enden. Ein weiter gehen- der Antrag, von sozialdemokratischer Seite ge- stellt.derBeträgevon 1640 bis 2400 At. vorsah, wurde leider abgelehnt. Die technischen Beamten scheinen mit ihren Wünschen keine Berücksichtigung gefunden zu haben. Sie müssen hinter den ent- sprechenden Klassen der Bureaubeamteu zurückstehen. Aber noch schlechter als die Techniker sind die Betriebs- a r b e i t c r gefahren. Die Regelung ihrer Löhne fiel aus dem Nahmen der Vorlage hinaus. Ein Versuch unserer Vertreter im Ausschuß, auch für die Betriebsarbeiter bei dieser Gelegenheit einige allgemeine Verbesserungen zu erlangen, mußte mißlingen, weil die übrigen Ausschußmitglieder aus formellen Bedenken jede Erörterung dieser Frage zurzeit ablehnten. ES bleibt also für die nächste Zeit noch dabei, daß den Betriebsarbeitern in der„Stadt des sozialen Fortschritts" Tagelöhne gezahlt werden, die es ge- statten, den Arbeitern auch jede unverschuldete Arbeitsunter- brechung durch einen entsprechenden Lohnausfall fühlen zu lassen. Alles in Allem betragen die Erhöhungen, die der Ausschuß vor- genommen hat, gegen 13 000 M. pro Jahr mehr als die Magistrats- vorläge vorsah. Dazu kämen noch gegen 8000 M. Mehrbewilligungen für die Feuerwehrleute. Doch ebenso viel fast, wie der Ausschuß den Beamten und Feuerwehrleuten mehr gab. bewilligte er den besoldeten Magistrats Mitgliedern. Rund 16 000 M. im Jahr werden die Erhöhungen betragen, die der Aus- fchuß für 10 Magistratsmitglieder aus eigenem A n t r i e b b e w i l l i g t e. In der Vorlage des Magistrats fehlte jede Forderung für die Magistratsmitglieder. Aber im Ausschuß schien man ein feines Gefühl für die geheimsten Wünsche besoldeter Magistratsherren gehabt zu haben und man gab aus eigener Initiative und— sehr reichlich. Man braucht durchaus nicht vom Standpunkt eines Arbeiter- einkommcns die MagistratSgehälier zu betrachten, um zu der Auf- fassung zu gelangen, daß diese Gehälter, die bis zu einer Summe von 22 500 M. im Einzelfalle hinauf gelangen, vollständig genügen könnten. Sondern allein die Gegenüberstellung des amtlichen Einkommens der staatlichen Beamten, welche ebenso hohe Gehälter beziehen, zeigt, daß sich Charlottenburg der Bezahlung seiner Magistratsmitglieder, vom jüngsten Stadtrat bis zum Oberbürger- meister hinauf, nicht zu schämen braucht. Doch die Mehrzahl des Ausschusses war anderer Auffassung. Sie bewilligte Gehalts- aufbesserungen für die Magistratsherren von 7,5 Proz., 8,3 Proz., 10 Proz., 11,5 Proz., 11,8 Proz., 21 Proz., 22,8 Proz., von 25 Proz. und in einem Falle sogar von 32,5 Proz. gegenüber den zuletzt bezogenen Gehältern. Nicht nur in den Kreisen der Arbeiterschaft wird man nicht verstehen können, was den Ausschuh zu dieser ungemein spendablen Noblesse getrieben hat, sondern auch in der übrigen Bürgerschaft wird man sich den Kopf über die Gründe zerbrechen, aus denen die Berechtigung dieser teilweise enormen Aufbesserung der Magistratsgehälter hergeleitet werden könnte. Doch waS fragt man nach Gründen? Im schlimmsten Falle werden die ollen Kamellen wieder erzählt, die schon immer herhalten mußten, um den sich zierig sträubenden Magistratsherren die vielleicht von einzelnen doch sehnsüchtig erwünschten Gehaltserhöhungen� in die Tasche .schieben zu können. Da wird man wieder die ganz besondere Tückitigkeit jedes einzelnen, feine„Erstklassigkeit" in der Kunst der Repräsentation, in der Fähigkeit kniffliche Prozesse einzuleiten usw. rühmen. Und schließlich wird man davor bange machen, daß. wenn wir diese großen Kapazitäten nicht entsprechend bezahlen. sie uns eines schönen Tages davonliefen. Was freilich noch niemals gehindert hat, daß einige dauernd kleben blieben, während andere Herren bei der ersten besten Gelegenheit dorthin flüchteten, wo man ihnen das zehn- und zwanzigfache Gehalt zahlen konnte: in der Industrie und an den Banken. Und so ist dann mit Sicherheit anzunehmen, daß die Stadt- vrordnetenversammlung mit Hurra den Gehaltserhöhungen für die Magistratsherren zustimmt. Die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung sind„Liberale". Sie sind jetzt regierungsfähig. Und schließlich zeigt sich der Magistrat für viese Gefälligkeit ein anderes Mal erkenntlich. Solche Gegenseitigkeiten erhalten die Freundschaft. Einen großen Dachstuhlbrand hatte die Charlottenburger Feuer- wehr am Sonntag in der Kantstr. 69, Ecke der Fritschestraße, zu löschen. Die Gefahr wurde erst bemerkt als die Flammen aus ver- schiedenen Dachluken emporloderten und dichter Rauch die Treppen füllte. Bon fünf Seiten wurde die Feuerwehr in kurzer Zeit alarmiert. Sofort rückten olle drei Wachen aus. An mehreren Stelle» wurde das Dach aufgehauen, um den, Qualm Abzug zu verschaffen. Nach etwa vierstündiger Tätigkeit war die Gefahr be« seitigt. Die Entstehung war nicht festzustellen. Der Schaden ist be« deutend; der Dachstuhl ist total vernichtet, auch haben die oberen Etagen durch eingedrungenes Wasser etwas gelitten. Zahlreiche Mieler sind geschädigt. Die Delegierten und Borstände der in der Charlottenburger Ge« werkschaftSkommissiou vertrclencn Gewerkschaften protestierten in ihrer am 4. d. M. stattgehabten Sitzung einmütig gegen den Ent- Wurf der RcichSversicherungsordnung. Der Referent, Genosse AhrenS, bezeichnete den Entwurf vom Standpunkt der Bersicherten aus als völlig unannehmbar. Nicht Verschlechterungen, welche der Entwurf bei fast jeder Position aufweist, sondern Verbesserungen im Sinne einer gesunden ArbeiterversichcrungSpolitik, das sei die Forderung, auf welche die Versicherten bei jeder Gelegenheit bestehen müssen. Redner ersuchte, nachdem jetzt der Krankenkassenkongreß und der Allgemeine Kongreß_ der Kassenangestellten sein Wort über den Entwurf in die Wagschale der öffentlichen Mei- uung geworfen, in den Gewerkschaften gegen den Eni- Wurf Stellung zu nehmen, dnniit verhütet wird, daß der- selbe Gesetz wird. Nachdem der Genosse Flemmiug vom Gesichts- Punkt der Krankenkassen- und BerufSgenossenschaftSangestelltcu die ReichsversicherungSorduilUg als eine Gefährdung ihrer Existenz und ihrer Belvegungsfreiheit gekennzeichnet, wurde eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution einstimmig angenommen, lieber die Frage der Erhöhung des Beitrages von 15 auf 20 Pf. zur Bc- strestung der Eeschäfle der Gewerkschaftskommission wurde von den hier am Orte in Frage kommenden noch selbständigen Gewcrk- schaften fast einstimmig erklärt, daß besondere Schwierig- leiten nicht im Wege stehen.— Anders verhielt es sich mit der Frage, dem Verband der Gast- und Schankwirte Deutschlands, der in der Kommission bisher beratende Stimme hat. auch bc« schließende Stimme zu gewähren. Die Genossen Paget, Dermitzel, Mende, Fladrich und Tobias vertraten einen durchaus ablehnende!, Standpunkt; während einige Redner den Einwand, daß der Verband der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands nicht an- geschloffen fei, nicht als stichhaltig ansehen konnten. Ein Arbeitgeber- verband im Sinne der anderen Arbeitgcberverbände sei dieser Verband nicht. Der bisherige Modus mit der beratenden Stimme bleibt bestehen. Mit diesen, Resultat endete diese Angelegenheit. Die Präsenzliste ergab, daß unentschuldigt diesmal keine Gewerkschaft fehlte. Rixdorf. Die letzte Sitzung der GcwcrkschaftSkomniission nahm zunächst den Bericht von der Maifeier entgegen. Es wurde mitgeteilt, daß der Besuch der drei Vormittagsversammlnngen befriedigend und eine geringere Beteiligung als im Vorjahre keineswegs zu verzeichnen war. lieber die Verhandlungen der Berliner Gewerkschaftskommission in der Frage der Beitragserhöhung berichtete der Obmann. Die hiesige Kommission ist an dieser Frage sehr interessiert, weil sie im Bilduugsausschuß am Orte vertreten ist und auch gern ihren Teil zu den Unkosten beitragen möchte. Man erwartet von den weiteren Berhandlungen eine befriedigende Lösung. Die seiner Zeit an- genommene Resolution, die GastwirtSgehilfen betreffend, wurde den Delegierten in Erinnerung gebracht mit dem Ersuchen, streng danach zu handeln, also bei allen Vergnügungen und Veranstaltungeu mit den Wirten schriftlich zu vereinbaren, nur organisierte Kellner usw. zu beschäftigen. Die Sitzung erledigte dann noch einige interne Angelegenheiten. Schöneberg. Arbeiter- Sliinariterkokonne, 3. Abteilung. Die nächste UebungS- stunde findet an, Donnerstagabend 9 Uhr bei Wielach, Grunewald- straße 110, statt. Repetition und praktische Uebungen stehen auf der Tagesordnung, wozu das Erscheinen aller Mitglieder notwendig ist. Oranienburg. Ein gewaltiger ScheirnenSrand entstand Sonntagabend gegen 8 Uhr in der an der Berliner Chaussee belegenen Scheune de? Acker- bürgerS Schneider, welcher bei der reichen Nahrung au Stroh und Heu sich rasch ausbreitete und innerhalb von wenigen Minuten bildete das Gebäude ein einziges Flammenmeer. Noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr wurde die Nachbarscheune von dem Element ergriffen und beide Gebäude brannten bis auf den Grund nieder. Der Schaden der Besitzer ist um so empfindlicher, als in den Scheunen nicht nur große Mengen von Heu lmd Stroh, sondcn, auch Kartoffeln, Ackergerätschaften und landwirtschaftliche Maschinen lagerten und der Wert der vernichteten Objekte nur �um Teil durch Versicherung gedeckt ist. Der Brandstiftung verdächtig erscheint ein junger etwa 17- bis 18jShriger Bursche, der unmittelbar vor Ans- bruch des Feuers bei der Schneiderschcn Scheune gesehen worden ist und sich in der Richtung nach Berlin entfernte. Potsdam. Die Arbeiten am Umbau des Bahnhofs Charlottcuhof werden in einem wahren Schneckentempo ausgeführt. So arbeitet man allein schon seit Ostern an den Putzarbeiten. Dabei bietet der provisorische Aufgang für die Reisenden nicht allein Unannehmlichkeiten, sondern wird bei dem sich von Tag zu Tag steigernde!, Berkehr mit seineu schmalen Holzstufen geradezu gefährlich. Gerade jetzt entsteht durch die Regulierung der Alten Luisenstraße an dieser Stelle ein neues Verkehrshindernis. Eine Beschleunigung des Baues erscheint dringend erforderlich; an Arbeitskräften fehlt es doch sicherlich nicht. Ein Besuch der englischen Geistlichen steht für nächste Woche bevor. In Aussicht genommen ist wieder ein Frühstück auf städtische Kosten. Die Sparsamkeitsvorschläge des deutschen StädtetagcS scheinen keine Beachtung zu finden. Dabei ist Potsdam nicht einmal in einer guten finanziellen Lage. Mangelnde Arbeitsgelegenheit. Fast die Hälfte der den ftädti- schon Arbeitsnachweis benutzenden Personen blieben ohne Arbeit. Es meldeten sich im Monat Mai 743 Personen, 426 konnten aber nur eine Stellung nachgewiesen erhalten. Turrn-LtraZZe 76 s Ecke Otto- Strasse s Lachmann& Scholz Turm-Strasse 76 n Ecke Otto- Strasse r Besonders preiswert: 'DameifXemdenV.VtSSSSttt. 1.95 Vamen-Üfemden SKTr rVrT. 1.20 föamen-9Cnie=föeink[eid!n'mi''' 95n. 'DarcßenWRöcHe 95*. �Tlücht e�Jadce Dimlll mll..;;, 95 PI- Uferreu*Uferndeu t». s/w, omnm 1,75 Bis Freital, den II, Junt in cfeide, �Woffe, Ulussefine, fäatiste, Wascß* Stoffen, ßaummffe, und Spi�en-dioffen j|J|||fl ffies/e für föfusen ftesfe für ftöctie tReste für tKinder-tKieider Reste für tKfeider knappen Ulaßes Fiir den Inhalt der Inserate «hernimmt die Nrdnktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcater. Dienstag, den 8. Juni. Ansang 7'/, Uhr. ASnigl. Opernhaus. DaS Rheingold. Königl. Schauspielhaus. DieLiedcr des Euripides. Ansang K Uhr. Neues königliches Operntheater. Don Juan. Deutsches. Die schicke Auguste. Kammerspiele. Ein Skan- dal in Monte Carlo. Lessing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Herbslmanöoer. Schiller O. lWaNner« Dhealer.) Bresters Millionen. Schlier Charlottenburg. Doktor Klaus. Friedrich- Zvilbelmstädt. Schau- spielhaus. Die beiden Leonoreu. Neues Schauspielhaus. Mahe. Komische Oper. Tiesland. Neues. Trtcoche und Cacolet. Thalia. Im Casö Noblesse. LnstspielhauS. Geschlossen. Kleines. Moral. Hebbel. NeoolutionShochzeit. Trianon. Die Sprudelsee. Neues Operetten. Der Zigeuner- baron. Berliner Opcrettcn-Theater SW. Das Teuselsweib.(Ans. 8'/- Uhr.) Luisen. Gerda Gcrovius. FolieS Caprice. Drei Frauenhüt«. Der Deserteur nsw. Ans. 8'/« Uhr. Metrodo l. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. Das Mädchen ohne Ehre. Slpo llo. vaitftcin. Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Havert and. Spezialitäten. Vassage. Spezialitäten. Walhalla. Spczialitätctt. NcichShallen. Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. llrania. Tauveuftrasie Abends 8 Uhr: Rom Campagna. Sternwarte. Jnvalldenltr. und die 67162. Lessing-Theater. Gasispicl d. Neuen Lperetten-ThcaterZ. lllnsang 8 Uhr. VI« Dollarprinzessin�� Berliner Theater. Gastspicl-Operelten-Theater. »r Täglich 8 Uhr:-*3 Ein Xferhstmanövcr. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Tricoclie und Cacolet. Morgen und solgende Tage: sricoeve um! Cacolet. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Gura-Oper. Gastspiel il'Andrade, Ulli Lehmann, ArlOt de Padllla: Don Juan. Oper in 2 Akten von Mozart. Anfang 7'/» Uhr. Mittw.: Salome. Donnerst: Don Juan. 17. und 21. Juni: Zwei Abschiedsvorstellungen Marzella Sembrich vor ihrem Scheiden v. der Bücne. Donnerstag, 17. Jnni: Travlata. Montag, 21. Juni: Barbier v. Sevilla. Die für 17. n. 21. Juni angesetzten Vorstellungen v. Sawitri sind verschoben. Billetts werden zurüok- gonommen._ Friedrlcti-Wiliieimstädtiscbes Schauspielhaus. Dienstag, 8. Juni, Ansang 8 Uhr: Die beiden Leonoren. Mittwoch: Husarenfieber. Donnerstag: Der Dorsthran. Freitag zum erstenmal: Manöver» regen. Xcne. Opcrctten-Tlicater, Schissbauerdamm 23, a. d. Luisenstr. AbendS 8 Uhr: Der ftxeimerbanm. SIebbel-Tbeater. Ans. 8 Uhr. Revolationahochaelt. ELustspieBhaus. Hcnto jgeschlosson. Morgen Mittwoch, den 9. Juni, zum erstenmal: D«r fesche Rndl. �NWRQSETtlEA! Gr. Fcanfluruc Str. 132. Abends 8 Uhr: Das Mädchen ohne _ Ehre. SQT' Sommerpreise."WBQ Aus der Gartenbühne: Theater- Vorstellung. Konzert, Spezialititt. ilnsang i'!. Uhr. Passage-Panoptikum. Lebend t Die letzten weiiehen lesen vom Stamme der Uzteken! Or.Schaustellu ngen Vitascop-Theater usw. Alles ohne Extra-Entree. Urania. W issenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. OOIOCISCHER Täglich ab 4 Uhr: Großes Mihr-Döppel-Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pi. Kinder unter 10 Jahren diej Hälfte. Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Eich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Ant 8 Uhr. Rauchen gestattet. v- Uhr- Ei1 oder 9" Uhr: El* mit Kartstein 8 Uhr: Die neue» Spezialitäten. 8" Jean Paul mit ncimi Schlagern. 9" Vnnkce doodle Girl«. 9" Palma und Nathal. Mensch oder Affe???_ Neues Programm! Die sebaumgoborene Venus ,$a fia" in ihrem Phantasie-Tanz: Wellen Geist" sowie .Der 12 sensationelle Juni-Attraktionen 12 Reserviert. Platz 2 M. Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe.) Passage-Theater. I Abends 8 Uhr. Willi Präger ( und da« gl Unzcndc ! Zum- krugramm. A A Variete» A A j I»Sensationen I» I \ rwy. Brunnen-Theater Badstrabe 58. Direltion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: X Erstklassige Speztaiitätcn t X Movitiit! Novltiit! Die Spreewald- Käte. Gr. AuSstattimgS-Voirsstück mit Ge> sang u. Tanz in 4 All. v. Hossmann. kaisenerössnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Stadt-Theater Moabit. Alt-Monbit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorst. 6 Uhr. Konzert 4 Uhr. Gartencrössnung 3 Uhr. Jeden Montag Elttctag, SPezta- litäteu und Soiree der„Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im groben Theater-Saal. W.Koacks Theater Dtreflioii: Rob. Olli. Brunnenitr. 16. Im herrlichen Nalmgarten, bei schlecht. Wetter intPracht-Theatersaal: Konzert, Theater, Spezialitiitru! Abends 9'/, Uhr: Unser süßes Mädel. Kon».«. Ans. 7 Uhr. Entree HO Ps. Ehren-, Vorzugslarten gültig I_ Vereins-Branerei i Rlxdorf, licrmannstr. 214/219.| Oekonom: Max Wandt., Mp- TUglieb:-ME» Cl. Militär-Konzert.; Cr........ Jeden IMcnstne-: En tr. 1593). Mütze od. Schärpe grat. I»WWW»««»»»WMMW«»»»»» tScliillea'-Tlieater. Schiller-Theater Charloltenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Doktov Klan». Lustspiel in 5 Allen v. Ad. L ArrvNge. Ende 10'/, Uhr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Sien Stög, abends 8 Uhr: IJj-eNtcrs JliliioRen. Lustspiel in 4 Akten von Winchell Smith und Byron Ongley. Ende 10'/, Uhr. Mittwoch, abeiids8Ubr: um erstenmal: Rei- Bibei-pcis. ' onnerstag, abends 8uhr: Jungler Obrigkeit. 1 Mittwoch, abends 8 Uhr: EI» Ei-kvls. Donnerstag, abe n dS8 Uhr: Ree«tei-« AliUioneii. aweeew&oeAA & Achtung! Eb0!SS?£.' Jetzt nur Seet®i«B«asse Lichtenberg Ob schön! Täglich: Ob Regen! Cir. Konzert und das grö�e. beste Programm n. a.: Brothers HelbigS. unübertroffener fliegender Dravezakt. 8- Kolter. Kolter-Talaschus(2 Damen, 1 Herr). Turmsetlkünstler. Biktor Ritter, der unkopierbare Humorist. Borgas». Darlry, 8 die best. fom. Radfahrer usiv. Jtn Saale: StAl.t,. Ansang 4 Uhr. X 15 Ruderboote X Kaffeeküche X Bolksbelustiguilgen x CtzOÖaa BorzugSkarten gültig. Eutree nnp SO l'I. Schloß Weißensee mmm Rente, Dienstag, den 8. Jnni: j Großes Konzert der Tropenkapelle| Direktor Rahlmann. Großer Erfolg! Sudanesen-Karawane. 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Creit.n9 Uhr früh i n.Woltersdorfer Jeden riellflg2 U. nachm./ Schleuse icdenSonnabend Nürnachrn �naoh Woltersdorfer S'/n fr. in.Wernsd. Schleuse 2 nehm) Gosenor Berge 2 nachm. nach Neue Muhle 9'/, fr. In.Wernsd. Schleuse 2 nehm/ Gosenor Berge 9'/, sr. in.Wernsd. Schleuse 2 nehm/ Gosener Berge 2 nachm. nach Neue MQhle _ Schiense Alle Ülese Fniirten pro Person 60 Pf. hin und zurück. Woltersdorfer Schleuse. Ein,5oeRahrt Restaurant„Kytthauser" Jeden Sonntag früb 8—9 Uhr nach Täglich mittags von 2 Uhr ab zirka halbstUndlioh nach Einfache Fahrt: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Dampfer- Fahrgaste Kahlen kein Entree. Dampfer stehen Schulen, Vereinen, Gesellschaften von | 50 Mark an jederzeit zur Verfügung. 2941b (Metel Reben Tletner, wer durch da» Tag und Nacht ununterbrochen anhaltende Jucken um Ruhe und Schlaf, ja oftmals um seine gesellschaftliche Existenz gebracht wird, verdient im höchsten Grads Mitleid. Obwohl es sieh nur um eine Hautaffoktion handelt, gab es bisher doch kein zuverlässiges Mittel, um diesem qualvollen Zustand zu begegnen. Wochen und Monate hindurch sind die davon Befallenen der Verzweiflung nahe, körperlich und seelisch heruntergekommene und unfähig, sich in Gesellschaft zu bewegen. Manchmal ist es nur ein kleines Pünktchen auf der Haut, welches außerordentlich stark juckt und die kratzenden Finger mit magischer Gewalt anzieht. Das ist meist der Anfang, dem bald die fortschreitende Affektion folgt Die Ursachen des Juckens sind bisher noch nicht aufgeklärt, da es aber mitunter doch Krackhoitssymptome sein können, so wird immer der Arzt die Entscheidang treffen müssen. Eins Reihe von Äerzten und unzählige mit Hautjucken Behaftete betonen die überraschend günstige und schnolloWirkang von Znckers JPatcnt-Modlzinal- Seife. Der dicko, weiche Schaum dieser Seife wird nach Vorschrift der Gebrauchsanweisung angewendet und bringt raeist sofortige Linderung und Beseitigung des Juckreizes, der schließlich überhaupt nicht mehr auftritt. Die Beseitigung dieses nervenzerstörenden Hautübels mittels Zuckers Patent- Medizinal-Seife ist also ebenso einfach wie aussichtsreich. Man beachte folgende Unterschiede bei Bestellungen: Znckers Patent- Rodizinal-Seife, 35°/pig, ist die am stärksten wirkende Form, auch ist das Seifenstück am größton. Preis pro Stück 1,50 M. Zockers Putont-Mcdlzinal-Selfe, 15°/. ig, steht in Wirkung wie Quantum etwas nach und kostet pro Stück 50 Pf. Dazu gehörige Znckooli-Cremc(nicht fettend), die Perle aller Hautcremes, Preis pro Tube 2M., kleine Tube 75 Pf. In allen Apotheken, Drogerlen, ParfOinerien etc. zu haben. Man achte jedoch auf die ausschließlich von uns in den Handel gebrachte Originalpackung und lasse sich niemals überreden, sogenannte Ersatzmittel zu nehmen. 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