Ur. 135» Rbonnemenfe'Bedlnsansfl): RBoimtmcntS. Preis pränumerando z Liertcljährl. z,zo Mr>, Mona». 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg., Sonntags» »ummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS »ebmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 26. Jahrg. AchflM Wild snStr nicntasi. Bevltnev Volksblctkk. Die Tnlerttons» Gebühr ketrügt für die fcchsgespallcne Kolonel» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen SO Pfg. „KUlne Hnrelgcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen vis SUhrnachmitlags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „ZSZUIlUlüSiikZ! RcrliB1*. Zentralorgan der roztaldeniokrati leben parte! Deutfcblande. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SRI. 68, Lindcnatraeac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Nie enManck Sie finanznotlage Äes Meiches? In wenigen Tagen tritt aufs neue der Reichstag zur Beratung der Reichsfinanzreform zusammen. Regierung und bürgerliche Parteien rüsten eifrig zum bevorstehenden Ent scheidungsgefccht, indem sie sorgfältig ihre Argumentation?' Vorräte zusammensuche» und sich dadurch in eine möglichst günstige Kampfposition zu bringen suchen, daß sie durch ihre Presse verkünden lassen, sie wären bereit, sich zum Wohl des deutschen Vaterlandes aufzuopfern und die von der Regierung ge- forderten 500 Mill. M. neuer Steuern zu bewilligen, falls nur die Regierung sich nicht auf solche Steuern kaprizieren wollte, die das deutsche Wirtschaftsleben aufs schwerste schädigen und gerade die wertvollsten Erwerbsstände am meisten belasten, das heißt, in verständliches Deutsch übersetzt: wenn die Re gierung sich auf solche Steuern beschränken wollte, die die Geldbeutel der hinter den einzelnen Parteien stehenden Wohl habenden Interessentenkreise nicht treffen. Selten ist auf dem Gebiete der konventionellen politischen Lügen mehr ge leistet worden als in den letzten Wochen. Tag für Tag wurde in der konservativen wie in der liberalen und klerikalen Presse über die Finanznot des Deutschen Reiches, die Schädigung des deutschen Ansehens im Auslande, die Notwendigkeit der Aufbringung neuer Gelbmittel zur Lösung der dringendsten nationalen Aufgaben geleitartikelt und mit bombastischen Redens- arten an den patriotischen Opfermut appelliert— aber bisher hat sich keine der wohlhabenden Schichten bereit finden lassen, freiwillig einen nennenswerten Betrag zu der geforderten Steuersumme beizusteuern. Obgleich vier Fünftel dieser Summe durch Verbrauchssteuern und Zölle aufgebracht und nur ein Fünftel, nur 100 Millionen von 500 Millionen Mark, den Besitzenden auferlegt werden sollen, vermögen diese sich doch trotz ihrer großen Vaterlandsliebe nicht über die Form, wie diese 100 Millionen Mark erhoben werden sollen, zu einigen. Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahren infolge des neuen Zolltarifs und der enorm gestiegenen Getreide preise Milliarden verdient; die deutsche Vankfinanz hat Riesen Profite eingesteckt; die syndiziert« Großindustrie hat, begünstigt durch die neuen Schutzzölle, auf dem deutschen Inlandsmarkt Monopolpreise durchgesetzt, so daß sich nach den von Steinmann-Bucher angestellten Berechnungen in den letzten Jahren das deutsche Nationalvermögen jährlich um fast 14000 Millionen Mark vermehrt hat, wovon allein 4000 Millionen Mark auf die An- lagen in Börsenwerten, Sparkassen usw.. 3600 Millionen Mark auf die Zunahme und die Wertsteigerung des ländlichen und städtischen Grundbesitzes entfallen; aber trotz dieser enormen Steigerung des Reichtums will keine der Kapitalisten- schichten einen nennenswerten Beitrag zu den 100 Millionen Mark neuer„Besitz"- Steuern leisten. So weit reicht die vielgerühmte Vaterlandsliebe der„höheren" Kreise nicht. Die Masse soll zahlen. 100 Millionen Mark, das ist nach obiger Berechnung noch lange nicht ein Hundert st el der Summe, um die sich jährlich das deutsche National- vermögen vermehrt. Doch selbst nur ein solches Hundert st el auf dem„Altar des deutschen Vaterlandes" zu opfern, geht den patrioti- schen Besitzern des beweglichen und unbeweg- lichen Kapitals gegen den Strich. Die ländlichen Großgrundbesitzer verlangen, daß Börse und Finanz den Hauptanteil der 100 Millionen Mark tragen, Börse und Finanz möchten den Hauptteil den Agrariern und Industriellen zuschieben, und letztere wieder finden, daß eigentlich Großgrund- besitz und Jmporthandel, vor allem aber die breite Werktätige Masse, mehr zahlen könnten. Und doch ist die traurige Finanznotlage des Reiches lediglich durch die elende Mißwirtschaft dieser selben Kapitals st enkreise und ihrer parla- mentalis chen Vertreter im Reichstage ent- st a n d e n: durch die frivole Politik, fortgesetzt neue Flotten- und Heeresvermehrungen zu bewilligen, die dadurch ent- stehenden Ausgaben aber aus Furcht vor den Mitläufern unter der eigenen Wählerschaft nicht durch neue Steuern, sondern einfach durch Anleihen zu decken. Bis zum Jahre 1877 war das neue Deutsche Reich fast schuldenfrei. Zwar begannen die nationalen Parteien sofort nach der Reichsgründung in ihrer Begeisterung für die Schaffung einer großen Armee mit Defiziten zu wirtschaften; schon im Jahre 1872 blieben die Rcichseinnahmen um 199 Millionen Mark hinter den Reichsausgaben zurück, und bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1877 stieg dies Mißverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben auf insgesamt 1028 Millionen Mark; aber die aus Frankreich als Kriegsentschädigung herein- strömenden Milliarden schafften Luft. Vom Jahre 1878 ab beginnt jedoch eine flotte Schuldenmacherei. Die Regierungs- Parteien, voran die Nationalliberalen, glaubten der Regierung die stetig steigenden Forderungen für Heer und Marine nicht versagen zu dürfen, zumal ein großer Teil der Großindustriellen an der Bewilligung dieser Forderungen ein entschiedenes materielles Interesse hatte. Doch die zur Deckung nötigen Mittel durch Steuererhöhungen oder Vermehrung der Matrikularbeiträge zu beschaffen, dazu hatten sie nicht den Mut, denn manche ihrer Wähler hätten dann an ihrer Bewilligungslust Anstoß genommen. So wurden die für die Heeres- und Flottenvermehrung uötigen Summen, ob gleich sie sicherlich nicht zu den produktiven Aus gaben gehören, einfach den kommenden Generationen aufgehalst, das heißt, sie wurden größtenteils durch Reichsanleihen gedeckt. Die Folge war, daß von Jahr zu Jahr die Reichsschuld wuchs. Am 31. März 1877 hatte die ganze verzinsliche Reichsschuld erst 18 Millionen Mark be tragen; nun aber ging es in schnellen Sprüngen hinauf: Zu Beginn des Rechnungsjahres 1880 stellte sie sich bereits auf 218, 1890 auf 1118, 1900 auf 2298, 1908 auf 4253 Millionen Mark, und demnächst dürften die fünf Milliarden(gleich 5000 Millionen) Mark voll werden. Und mit der Höhe der Schulden stiegen zugleich auch die Zinsen, die Deutschland alljährlich für seine Schulden zu bezahlen hatte. 1880 be- trugen die Zinsen nebst den Kosten der Reichsschulden- Verwaltung nur erst 6'/., Millionen Mark, 1890 schon 35, 1900 76 und 1903 155 Millionen Mark, so daß heute Deutschland an Jahreszinsen für seine Schulden bereits mehr als 160 Millionen Mark zu zahlen hat. Dabei kommt in Betracht, daß die Einnahmen des Reichs sich infolge der neuen Schutzzollgesctzgebung, die 1879 unter Bismarcks Regime einsetzte, enorm erhöhten. In den Jahren 1872 bis 1875 betrug durchschnittlich die jährliche Einnahme des Reichs aus Zöllen und Verbrauchssteuern erst 225 Mill. Mark; nach der Einführung des neuen Zolltarifes stiegen im Durchschnitt der Jahre 1881 bis 1885 die Einnahmen aus solchen Steuern bereits auf 339 Millionen Mark, 1891 bis 1895 auf durch- schnittlich 635 Millionen Mark, 1901 bis 1905 auf durch- schnittlich 948 Millionen Mark; und im vorigen Jahr hat das Reich an Zöllen und Verbrauchsabgaben sogar 1069 Millionen Mark eingenommen— mehr als das Vier- fache der Einnahnien vor dreißig Jahren. Und in noch weit stärkerem Maße sind die Einnahmen des Reiches aus den anderen Abgaben gestiegen. Doch was nützt das, wenn die Einnahmen um das Vier- fache steigen, die Ausgaben aber fast um das Fünffache. In den Jahren 1872—1875 betrug die Ge- samtausgabe für Heer und Flotte im Durchschnitt nur 360 Millionen Mark, im Jahre 1908 hingegen 1195 Millionen Mark.'Und hierzu kommen noch die steigenden Ausgaben für die Pensionen, für die Kolonien, die Reichsfinanzvcrwaltung, die Zinsen der Reichsschuld usw. Betrachten wir nur die wichtigsten dieser Reichsausgaben, so ergeben sich folgende Steigerungen: Jahre 1372-1876 1376—1830 1881—1885 1886—1890 1891—1895 1896-1900 1901-1905 1906 1907 1908 Heer 324.3 383,8 374,1 547,2 585,2 622,8 670,3 752,6 808,3 855,8 Marine Kolonien � (in Millionen Mark) 36,2— 20,7 49,3— 18,7 42,9— 19,9 56,1— 80,0 84,3 4,8 45,5 126,4 16,5 61,2 210,2 19,6 74,7 246,0 20,8 94,8 291,3 58,6 101,1 339,2 47,8 110,3 Zinsen der Reichsschulden 8,0 6,8 14,4 30,4 64,1 74,3 103,5 133,0 148,4 150,0 Man sollte meinen, die Ergebnisse dieser leichtsinnigen Finanzwirtschaft hätte die Regierungsparteien zur Sparsamkeit, zur Einschränkung der enormen Heeres- und Marineausgaben veranlassen müssen. Nur auf die Wahrung ihrer Wirtschaft- lichen und politischen Interessen bedacht, bewilligten jedoch Nationalliberale und Konservattve nach kleinen nebensächlichen Abstrichen immer wieder die von der Regierung zum angeb- lichen„Wohle deS deutschen Vaterlandes" gestellten Heeres- und Flottcnfordcrungcn. Und als später das Zentrum zur Regierungspartei aufrückte, befolgte es genau dieselbe Praxis — nur mit dem Unterschiede, daß während die National- liberalen schon bei der zweiten Lesung der Vorlagen umfielen, das Zentrum manchmal pro korma seinen Widerstand gegen die neuen Rüstungen bis zur dritten Lesung aufrecht erhielt und dann erst nach allerlei Zugeständnissen der Regierung auf anderen Gebieten sich von der Notwendigkeit und der Be- rechtigung der Regierungsforderung überzeugen ließ. Der Erfolg dieser frivolen Schuldenwirtschaft der Herr- schenden Klassen bestand darin, daß schon vor drei Jahren die Regierung sich zu einer Sanierung der Reichsfinanzen, zu einer sogenannten„Reichsfinanzreform" genötigt sah, um das Reichsschiff flott zu halten. Doch die ihr damals von der klerikal- konservativ- nationalliberalen Mehrheit bewilligten 200 Millionen Mark neuer Steuern haben nicht lange vor- gehalten; schon im Frühjahr vorigen Jahres ergab sich die Notwendigkeit einer neuen Steucrvermehrung— diesmal gleich um 500 Millionen Mark. Auch diese 500 Millionen werden, da die Mißwirtschaft bestehen bleibt und die Regierung den„weiteren Ausbau" des Heeres und der Kriegsmarine plant, schon in wenigen Jahren nicht mehr reichen. Dann folgt mit eiserner Konsequenz die dritte Finanzreform— vielleicht gleich mit einer Forderung von 800— 1000 Millionen Mark. So geht es mit Gott für König und Vaterland immer tiefer in den Sumpf der Pleite. Zum llduch der englischen Arbeiter' delegierten. Aus dem Parteibureau wird geschrieben:--- Der Besuch mehrerer Mitglieder der englischen Arbeiter- Partei in Deutschland und seine Begleitumstände haben der Presse Anlaß zu Betrachtungen gegeben, die eine Klarstellung notwendig machen. Das Britische Nationalkomitce für den in- ternationalen Sozialistenkongreß, das aus Vcr- tretern der dem Internationalen sozialistischen Bureau enge» schlossenen Parteien besteht, hat im Juli vorigen Jahres dem Parteivorstande in Berlin mitgeteilt, daß ihm mit Rücksicht auf die politische Situation die Entsendung einer Delegation nach England erwünscht sei, um dort gemeinsam für den Frieden zu demon- strieren. Diesem Wunsche ist ohne weiteres gern entsprochen wor- den. Der Parteivorstand hat die Delegation den Genossen Kautsky und Ledebour übertragen und der Besuch hat Mitte Oktober in London stattgefunden. Ueber dessen Verlauf hat das Nationalkomitee dem Parteivorstande seine Befriedigung ausgesprochen und dabei betont, daß damit auch viel zur Förde- rung der Beziehungen zwischen der deutschen und englischen sozia- listischen Arbeiterbewegung beigetragen worden sei. Anläßlich dieses Besuches haben Vertreter der englischen Ar. beiterpartei der deutschen Delegation den Wunsch geäußert, daß der Parteivorstand Vertreter ihrer Organisation zu einem Besuche in Deutschland einladen möchte. Daraufhin ist dem Genossen Keir Hardie am 5. November als Vertreter der englischen Arbeiterpartei mitgeteilt worden, daß der Parteivorstand die Ar- beiterpartei willkommen heiße. Er müsse aber alle dem Internationalen Bureau angeglieder- ten Organisationen Englands gleichmäßig be- handeln und könne daher die Arbeiterpartei nicht allein einladen; er müsse vielmehr gleichzeitig die Ein- ladung auch an die übrigen dem Internationalen Bureau ange- gliederten Bruderparteien richten. Dieser Vorbehalt war um so notwendiger, als die vorher erwähnte Einladung an den Partei- vorstand zur Delegation von allen dem Internationalen Bureau angeschlossenen britischen Organisationen ausgegangen war, und eine nur an die Arbeiterpartei gerichtete Einladung gleichbedeutend gewesen wäre njit einem Eingreifen in die Differenzen, die zwischen den englischen Organisationen bestehen. In demselben Schreiben war weiter gewünscht worden, daß die Demonstration. die auf jeden Fall ein großer Erfolg sein würde, bald stattfinden möchte. Der Brief schloß:„Wir wünschen aufs entschiedenste, mit den englischen Genossen in enge Fühlung zu kommen, damit beide Teile von einander lernen." Am 16. November stellte Keir Hardie eine bestimmte Ant- wort in Aussicht. Als diese jedoch bis zum 2. Dezember noch nicht eingetroffen war, wurde das Britische National- k o m i t e e über die mit Keir Hardie geführten Verhandlung infor- miert und um Erledigung der Angelegenheit gebeten. Auch in diesem Schreiben wurde kein Zweifel gelassen, daß der deutschen Partei eine Delegation der/ englischen Genossen sehr erwünscht sei. Es hieß dort:„Seien Sie versichert, daß wir unsererseits alles tun werden, um den englischen Genossen zu bowciscn, wie wertvoll uns eine enge FühlunF mit unseren englischen Bruderparteien erscheint." Das Britische Nationalkomitee hat dann am 5. April mitgeteilt, daß gegenwärtig die dem Komitee angeschlossenen Organisationen die Einladung nicht an- nehmen können. Es glaube aber, daß es in der nächsten Zu- kunft möglich sein werde, eine Delegation im gewünschten Rahmen zu senden. Die Einladung ist also vorläufig an den un- ter den englischen Genossen bestehenden Ge» gensätzengescheitert. Ueber den Besuch, den nun letzthin Mitglieder der englischen Arbeiterpartei in Deutschland abstatteten, ist dem Parteivorstande zuerst durch eine beiläufige Bemerkung in einem Schreiben des Britischen Nationalkomitees vom 23. Februar dieses Jahres Mit- teilung gemacht worden. Dabei war in Aussicht gestellt, daß der Genosse Macdonald, der Sekretär der Arbeiterpartei, des- halb mit dem Parteivorstande noch in Verbindung treten werde. Das geschah indes nicht! Dagegen teilte der Genosse Südekum. am 9. März dem Parteivorstande mit, daß er vor einigen Tagen ein Schreiben von Macdonald erhalten habe, in dem dieser mitteilte, daß die Arbeiterpartei es abgelehnt habe, einer gemein- samen Einladung der britischen Parteien zu folgen. Sie habe aber bescholssen, auf eine Einladung einer Gesell. schaft nach Deutschland zu reisen, die letztes Jahr einige deutsche Arbeiter nach England führte. Diesen Besuch habe Macdonald sechs Monate lang vertagt, weil er hoffte, daß die deutsche Partei die Arbeiterpartei empfangen würde. Dem Genossen Südekum ist auf seine An- frage hin am nächsten Tage mitgeteilt worden, daß der in Aus- ficht gestellte Besuch der Arbeiterpartei ganz unabhängig sei von der an das Britische Nationalkomitee gerichteten Einladung; der Parteivorstand sei gern bereit, die Ar- beiterpartei bei ihrem Besuche in Deutschland zu empfangen. Als darauf von Macdonald keine Ant- wort erfolgte, ist ihm am 30. April von dieser Absicht deS Par- teivorstandes noch einmal direkte Mitteilung gemacht worden. Ganz überraschend teilte dann am 7. Mai Macdonald mit, daß die Fraktion der Arbeiterpartei angenommen hätte, ihr Besuch sei der deutschen Partei nicht angenehm. Die an der Reise teilnehmenden Mitglieder der Partei hätten sich bereits v e r- pkl'Ätet- Dkittjchlsvd UBtSS bfs SUQibfi eines Internationalen Reiscklubs zu besuchen. Dieser Besuch soll« keinerlei P a r te i chara k t e r trngen Macdonald bedauerte, daß infolge von Mitzverständniffen die Sache einen solchen Verlauf genommen habe und schlug vor, bei dem Besuch in Berlin die Sache durch eine mündliche Aussprache zu klären. So stand die Sache, als plötzlich in Berlin ein Ausschuß zum Empfang der«englischen Arbeiterführer" auftauchte, an dessen Spitze Freiherr von Berlepsch stand. In einem Zirkular wurde mitgeteilt, daß der englische Besuch auf Einladung des deutsch-englischen Vcrständigungskomitees erfolge. Gleichzeitig Handel« es sich um eine Erwiderung von mehrfachen Besuchen reichsdeutscher Arbeiter in England. Es sei in Aussicht genommen, den Gästen die namhaftesten Sehenswürdig- leiten und die für Arbeiter besonders bemerkenswerten Einrich- tungen Berlins zu zeigen, wobei das Ge Werkvereinshaus der Hirsch-Dunckcrschen Vereine an erster Stelle ge- nannt wurde. Weiter hieß es:„In London sind die deutschen Arbeiter im vorigen Jahre durch S. M. den König selbst, durch Vertreter des Ministeriums und des GrafschaftSratcs sowie durch den Lord-Mayor und andere führende Persönlichkeiten empfangen und begrüßt worden. Bei der Kürze der Zeit werden offizielle Empfänge dieser Art für den bevorstehenden Besuch kaum in Aussicht genommen werden können." Zum Schluß wurde zu Bei- trittserklärungen zum Ausschuß aufgefordert. Neben Berlepsch gehörten auch der Borsitzende der Hirsch-Tumk ersehen Gewerks- vereine, Goldschmidt, und dw Abgeordneten Wiemcr und Schräder dem Ausschüsse an. Partei und Gewerkschaften hatten begreiflicherweise nicht die geringste Neigung, den freisinnigen Flottcnfanatikern, den Hirsch- Dunckerschcn Gewerkvereinen und der vorgeschobenen Gesellschaft für soziale Reform als Staffage zu dienen. Parteivorstand und Gencralkommission sind daher übereingekommen, sich an diesen Veranstaltungen nicht zu beteiligen. , Zwischen den Mitgliedern der Arbeiterpartei: Macdonald lind Frau, BarneS, ClyneS und I o w e t t und Mitgliedern des Parteivorstandes und der Gencralkommission der Gewerkschaften haben dann während des Besuches wiederholte und eingehende Aussprachen stattgefunden. Die englischen Genossen mußten dabei zugeben, daß den deutschen Genossen wegen ihres Verhaltens keiner- lei Vorwürfe gemacht werden können. Sie hätten allerdings aus der nur bedingten Einladung der Arbeiterpartei in Verbindung mit dem bekannten Briefe des Genossen Bebel an Bruce Glasier (August lÖOSj geschloffen, daß ihr Besuch bei der deutschen Partei keine freundliche Aufnahme finden werde. Unsere englischen Freunde übersahen dabei jedoch, daß bereits im September vorigen Jahres Partei und Gewerkschaften in Berlin englische Arbeiter- Vertreter— darunter auch Mitglieder der Arbeiterpartei— in einer riesigen Versammlung in der Hascnheide aufs freundlichste begrüßt und gemeinsam mit ihnen für den Frieden demonstriert hatten, und daß einige Wochen später eine Delegation der deut- schen Partei zu gleichem Zwecke in England war. Ueber die Be- reitwilligkeit der deutschen Partei zu solchen Veranstaltungen hätten demnach bei der englischen Arbeiterpartei Zweifel nicht mehr bestehen sollen. Immerhin mag zugegeben werden, daß bei den langwierigen schriftlichen Verhandlungen und bei den so sehr verschiedenen Verhältnissen der beiden Länder Mißverständnisse entstanden sind, die eine Verständigung erschwert haben. Die englischen Genossen erklärten weiter, daß sie wegen den für sie in Deutschland zu treffenden Veranstaltungen mit dem Reisebureau nur allgemeine Richtlinien festgelegt hätten; die Ein- zelheiten dieser Veranstaltungen hätten sie erst bei ihrem Ein- treffen in Deutschland kennen gelernt. Ihre Reise hätte pri- vaten Charakter tragen sollen, außer dem Empfang von städtischen Verwaltungen seien offizielle Empfänge nicht erwünscht gewesen. Nachdrücklich verwahrten sie sich gegen«ine auch in die deutsche Parteipresse übergegangene Behauptung des Genossen Glasier im „Labour Leader", die vermuten ließ, daß die Kosten ihrer Reise von der deutsch-englischen Reisegesellschaft getragen würden; sie seien vielmehr auf ihre eigenen Kosten gereist. Es muß hier auch festgestellt werden, baß eine solche oder ähnliche Mitteilung dem Genossen Glasier— der einige Tage vorher in Berlin war— von Mitgliedern des Parteivorstandcs oder der Generalkommission nicht gemacht worden ist. Auf beiden Seiten war man sich einig darin, dgß die münd- lichen Aussprachen von großem Wert loaren, die leidige Angelegen- heit damit als erledigt zu betrachten sei und nun von beiden Seiten alles geschehen müsse, uni ein gutes Verhältnis und eins möglichst enge Fühlung der Arbeiterbewegung in England und in Teutschlgnd herbeizuführen...-, Der tjanla-IM! Am 18. Februar 1893 wurde auf„Tivoli" in Berlin der Bund der Landwirte gegründet. Am 12. Juni 1999 haben, aufgepeitscht durch die agrarischen Raubgelüste, die sich in den letzten Monden immer dreister hervorwagten, und in be- wüßtem und gewolltem Gegensatz zum Landwirtebund, Ver- treter und Mitglieder des Zentralverbandcs deutscher In- dustriellen und des deutschen Bank- und Bankiergewerbes im Zirkus Schumann zu Berlin den„H a n s a- B u n d für Ge- werbe, Handel und Industrie" ins Leben gerufen. In der Gründungsversammlung ließen sich Dutzende von Handels- und Maklerkammern, Detaillisten- und Gewerbekammern, Börsenvorstände und Jndustrieverbände, Innungen und Be- rufsgenossenschaften vertreten. Beim Troß marschierten die Deutsche Mittelstandsdcrcinigung und ein paar jener Ange- stellten-Organisationen. die— wie der„Verein junger Kauf- leute"— noch immer nicht begriffen haben, daß die Jnter- cssensolidarität der Unternehmer und der Angestellten nichts weiter ist als eine kluge Fabel, jene„Jnteressensolidarität". die Herr Eisncr. der Sprecher der prinzipalergebenen Proletarier im schwarzen Rock, in der gehobenen Stimmung des feierlichen Moments gar nicht laut und bombastisch genug betonen zu können glaubte. Der wirtschaftliche Gegensatz, aus dem heraus die Ver- treter der Unternehmerinteressen in Handel, Gewerbe und Industrie sich als Kontergewicht und Konter-Organisation gegen den Bund der Landwirte in fester Phalanx zusammen- zureihen beschlossen haben, dieser innere Gegensatz verhindert die Herrschaften nicht, sich die äußerlichen Formen der Kampfestaktik ihrer agrarischen Antipoden zu eigen zu machen. Von Ruprecht-Ransern, dem zielbewußten schle- fischen Landwirt, haben sie gelernt, daß man schreien muß, wenn man gehört sein will, und auch den alten Trick haben sie adoptiert, daß man, je schärfere Worte der Regierung, den Ministern, dem Reichskanzler ins Stammbuch geschrieben werden, desto lauter und ergebener seine nationale Mon- archentreue und Untertanendemut zu bekunden gut tut. Und so rahmten denn die Herren ihre Demonstration gar lieblich ein in eine Ergebenheitsdepesche an Wilhelm II., die gegen Anfang der Versammlung vom Stapel gelassen wurde, und in das dreimalige Kaiserhoch, das zum Schluß die heiligen Hallen de» weiten Zirkus durchbrauste. Die Antwort auf die � Ergebenheitsdepesche fügte sich nicht übel zwischen die beiden Loyalitätsbekundungen. Allerdings— diese Antwort klang recht matt. Die„heute im Zirkus Schumann zu Berlin versammelten über LOGO Vertreter von Handel und Industrie aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes", die Männer, die bei � Beginn ihrer Verhandlungen die kaiserliche und königliche Majestät ehrfurchtsvoll baten,„als Schirmherr freier Bewegung(?) und Gleichberechtigung aller Stände und Berufe des Vaterlandes(!!) das Gelübde unwandelbarer Treue" entgegen- zunehmen—, sie mußten sich mit der kühlen Erwiderung be- anügen:„Ich spreche den versammelten Vertretern von Handel und Industrie für die freundliche Begrüßung meinen wärmsten Tank aus."— Die Versammlung wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Landrats a. D. Roetger, Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Kruppschen Werke, sie wurde geleitet vom Geh. Justizrat Dr. Rießer, Vorsitzenden des Zentralverbandes des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, im Präsidium saßen Männer wie Ballin, Borsig, Hilger, Stinnes, und als Redner figurierten u. a. Herr v. Mendelssohn. Tischlerehrenober- meister Richter, Vorsitzender des Zentralausschusses ver- einigter Jnnungsverbände Deutschlands, Generaldirektor Rathenau, Geh. Ikomnierzienrat Kirdorf aus Gelsenkirchen... Kommerzienrat Emil Kirdorf aus Gelsenkirchen, der alte Draufgänger, erwarb sich das große Verdienst, zu beweisen, daß die neue„Hansa" eine Kunstgeburt ist, die Krank- heits- und Todeskeime schon in die Wiege gelegt bekomme» hat. Im Gegensatz zu den anderen Rednern, die sich auf Einzelheiten entweder gar nicht einließen und nur allgemeine Phrasen steigen ließen oder die nur Spczialfragen behandelten(Besteuerung von Wert- papieren. Gas- und Elektrizitätssteuer. Mühlenumsatzsteuer usw) oder die schließlich gemäß der vorgelegten Resolution eine angemessene(!) Erbanfallsteuer empfahlen— im Gegensatz zu all diesen hatte Kirdorf nicht nur die Stirn, unter Zischen, großer Unruhe und stürmischem Widerspruch sich im Namen der Bergdespoten jede weitere staatliche Sorge um die.Bergsklaven zu verbitten, sondern er wagte es auch — wofür ihm donnernde Schlußrufe zuteil wurden—, seine prinzipielle Gegnerschaft wider die Erbanfallsteuer zu erklären und den empörten Zwischenrufern in den Wein ihrer stürmischen Begeisterung den kalten Wortstrahl zu schleudern: Wenn die Erbanfall st euer Gesetz werden würde, dann würde sich Ihre Begeisterung b a l d l e g e n!"— Der Mann traf den Nagel auf den Kopf; denn als er weiterhin eine Vcrmögcnssteu er empfahl, da wurde der Protest in der Versammlung, so stark, daß der Präsident dem Redner für seine letzten Ausführungen mit ge waltiger Anspannung seiner starken Stimmittel erst Ruhe verschaffen niußte! Und dann erwarb sich Kirdorf, der Kluge, den Beifall des Hauses, indem er mit der Erklärung schloß: er werde trotz seiner prinzipiellen Gegnerschaft doch für die Erbanfallsteuer stimmen,„weil nur auf diese Weise eine Regelung der Jinanzreform im Interesse des Reiches möglich erscheint".-- so wurde denn die neue„Hansa" zusammengeleimt, die nicht nur die Unter nehm er-Interessen(die Resolution sagt das nicht, aber es versteht sich von selbst) des Handels, des Gewerbes und der Industrie Deutschlands dauernd und fest zusammenschließen, auf Ausgleichung von egensätzen in den eigenen Reihen(!) hin- wirken, sondern auch solche Kandidaten aus dem eigenen Lager in den Reichstag lancieren will,„die jeder Schädigung und jeder einseitigen Belastung von Handel, Industrie und Getverbe entgegenzutreten entschlossen sind". Einen ominösen Namen hat die neue Organisation sich erkoren. Die alte„Deutsche Hansa" wußte sich Monopole und Privilegien zu erringen, die zwar der Fürstengewalt hier und da einen Damm entgegensetzten und der Kaufmannskaste der mittelalterlichen Städte manchen Vorteil brachten, aber Bürgern und Bauern schadeten. Die neue„Hansa" spielt sich auf als Schutz- und Trutzbündnis gegen das deutsche Agrariertum des 29. Jahrhunderts. Sie wird die Sonder- interessen ihrer Gründer— wie's scheint— mit Wucht und Achärfe vertreten. Dem deutschen Volke aber wird sie ebenso nützen und dienen wie ihr Gegenbild der Bund der Landwirte!_ politifcbc OeberHcbt. Berlin, den 12. Juni 1909. Regierung und Reichsfiuanzreform. An den Beschküssen der Finanzkommission übt die«Nordd. Allg. Ztg." folgende Kritik: „Die entbehrlichen allgemeinen Genuß mittel find nicht so herangezogen worden, wie es das Interesse der Reichsfinanzen verlangt. Beim Branntwein und insbesondere beim Tabak bleiben die eingesetzten Beträge erheblich hinter den Mehrforderungen zurück. Tagegen sind Beschlüsse gefaßt, die eine Preiserhöhung für unentbehrliche Nahrungs- und Pro- duktionSinittel, Mehl und Kohle, nach sich ziehen müßten. Diejenige Abgabe, die in erster Linie die leistungsfähigen Schultern treffen sollte, die Erbschaftssteuer, ist abgelehnt worden, und die an ihre Stelle gesetzten Steuern nehmen im wesentlichen keine Rücksicht darauf, ob der Betroffene leistungsfähig ist oder nicht. Sie besteuern nicht den allgemeinen Besitz, sie treffen den großen Besitzer nicht in schärferem Verhältnis als den kleinen; sie schen nur auf das zutage tretende Objekt des Besitzes und nehmen keine Rücksicht aus die individuellen Verhältnisse, ins- besondere auf die dem Besitz gegenüberstehende Verschuldung. Sie erschweren aber namentlich in unerträglicher Weise den volkswirtschaftlichen Verkehr, während auf der anderen Seite die vorgeschlagene Verkehrserleichterung, die Be- feitigung oder wenigstens zweckmäßige Umformung der Fahrkarten st euer nicht angenommen wurde. Endlich weichen die angenommenen Steuern auch insofern von dem Finanzprogramm der Regierung ab, als mehrere von ihnen sich als völlig unberhüllte Sondergewerbesteuern darstellen. Es ist eine unerläßliche Voraussetzung für das Zustandekommen der Reform, daß diese volkswirtschaftlich schäd- lichen Steuern, insbesondere die K o t i e r u n g s st e u e r. die Mühlenumsatz st eil er und der Kohlenausfuhrzoll wieder gestrichen und an ihrer Stelle Abgaben eingeführt werden, die den bezeichneten Forderungen der Ergiebigkeit und der Gerechtigkeit entsprechen und die gleichzeitig den Verkehr nicht stärker als unbedingt notwendig erschweren." Das Kanzlerblatt ist also mit der ungeheuerlichen Bei lastnng der schwachen Schultern noch immer nicht zu- f r i e d en und agitiert für eine noch stärkere Heranziehung von Branntwein und Tabak I Die Regierung findet auch kein Wort des Protestes gegen die neuen Attentate der Finanzkommission aus die Taschen der arbeitenden Massen. Sie protestiert gegen die Kotienmgs- steucr, den Kohlenausfuhrzoll und die Mühlenumsatzsteuer nur deshalb, weil dadurch die Interessen der Groß- f i n a n z und des Großkapitals getroffen werden. Denn wäre das Blatt der Regierung wirklich nicht bloß um das Großkapital, sondern auch um die Interessen der Volksmassen besorgt, so würde es doch auch ein Wort finden müssen gegen die Erhöhung des Kaffee- und Tee- z o l l e s und die Einführung der S t r e i ch h o l z st e u e r. Aber damit will sich die Regierung schon gerne abfinden, wenn nur die g r o ß k a p i t a l i st i s ch e n Interessen nicht allzu sehr von den Großgrundbesitzern verletzt werden. Und dabei wird die liberale Presse nicht müde, der Sozialdemo- kratie zu empfehlen, dieses nette Finanzprogramm des Herrn Bülow zu unterstützeir! Ueber die Vorschläge, die die Regierung ihrerseits als Ersatz für den durch Aenderung, d. h. Verschlechterung der Erbschaftssteuer entstehenden Ausfall machen will, meldet die „Köln. Ztg." offiziös, daß die Feuerversicherungs- Policen mit einem Drittel pro Mille besteuert werden sollen. Der Ertrag hieraus wird auf vierzig Millionen Mark veranschlagt. Ferner soll eine E r- h ö h u n g der W e ch s c l st e m p e l a b g a b e u auf Wechsel, die länger als drei Monate umlaufen, und eine Scheck- st euer(der Postschcckverkehr bleibt frei) vorgesehen sein. An Stelle der W e r t z u w a ch s st e u e r soll eine Steuer arü den Umsatz in Grundstücken mit einem Drittel Prozent geplant sein. Wie es heißt, stimmen die ver- bündetcn Regierungen der P a r f ü m st e u e r zu, deren Ertrag auf acht Millionen Mark geschätzt wird. Auch diese Vorschläge sind, wie man sieht, durchaus ver- kehrsfcindlich, mit Ausnahme der Umsatzsteuer an Grund- stücken, die aber wahrscheinlich für die Agrarier wieder Aus- nahmsvergiinstigungen bringen wird. Im allgemeinen steht heute die Sache dex. Reichsfinanzresorm für die breiten Massen eher noch schlimmer als zu ihrem Beginn und um so weniger dürfen sie sich durch den Lärm, der um die 199 Millionen Besitzstcuern zwischen Grundrentnern und Kapitalisten entstanden ist. davon abhalten lassen, gegen die neuen indirekten Steuern den Kampf mit aller Energie fortzuführen._ Das Ende der Finanzkommisfion. Am Sonnabend hat sie ausgctagt, die Rumpfkommission. Das war sie auch in ihrer letzten Sitzung, denn die sozial- demokratischen Vertreter waren ihr, konsequent nach ihrer AuStrittScrNärung handelnd, ferngeblieben. Dagegen hatten die nationalliberalen und freisinnigen Abgeordneten mehr Verlangen nach„positiver Mitarbeit" denn Konsequenz. Sie waren trotz der feierlichen Worte, mit denen sie seinerzeit ihren Austritt motiviert hatten, wieder erschienen. Ihre Inkonsequenz suchten sie durch neue feierliche Erklärungen zu ver- decken, in denen der formelle Protest gegen die geschästsordnungs- widrigen Verhandlungen und Beschliiffe der Kommission erneuert und weitere Verfolgung im Plenum vorbehalten, gleichzeisig jedoch erklärt wird, daß die Herren mit dem Wiedererscheinen ihre„selbst- verständliche Pflicht erfüllen, an der Berichterstattung mitzuwirken". Die Abgg. Fuhrmann und Mommsen gaben diese Erklärung ab. der Vorsitzende Frhr. v. R i ch t h o f e n verwahrte die Mehrheit gegen den Vorwurf des Bruch» der Geschäftsordnung, bat aber, die Sache in der Kommission nicht weiter zu verfolgen, sondern sie den: Plenum zu Lberlaffen. Das geschah denn auch. Auf Antrag Momniseus soll im Generalbericht„eine objektive Darlegung" der Vorgänge erfolgen, die zum Austritt der Minderheit führten.— Gröber sorgte dafür, daß die oben erwähnte Verwahrung des Vorsitzenden darin aufgenommen wird. Tann wurden die einzelnen Berichte, 20 cm der Zahl, ohne erhebliche Beanstandungen genehmigt. Nur noch bei dem Bericht über die Mühlenumsatzsteuer kam es zu einem kleinen Zusammen- stoß. Die Abgg. Fuhrmann und Mommsen tadelten es. daß der Mg. Erz berger in dem BerichtScntwurf nicht bloß die Verhandlungen der Kommission schildere, sondern auch Aus- führungen aus der neuerlichen Beratung des Initiativantrages auf Mühlcnumsatzsteuer im Plenum wiedergebe. Es stellte sich jedoch heraus, daß Herr Erzberger zu diesem mehr als merk- würdigen Verfahren die Erlaubnis der Runrpfkommission hatte; die Mehrheit hat geglaubt, die Reden der seinerzeitigen Antrag- steller im Plenum für sich ausnützen zu sollen. Herr Gröber wurde gegen die protestierenden Liberalen beträchtlich grob und die Mehrheit wies sie ab. Dann wurde die Arbeit der Kom- Mission ohne weitere erhebliche Debatte beendet. Zum Schluß gab es die üblichen Komplimente, die der Abg. Raab unparteiisch zwischen dem konservativen Vorsttzenden v. NichtHofen und dem liberalen ExVorsitzenden Paaschs verteilte.— Das Recht der Beamten im württembergischen Landtag. Stuttgart, 12. Juni. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Eine große Debatte über das Koalitions» und Be- schwerderecht der Beamten gab es heute vormittag im württembergischen Landtag. Sie endete mit einer totalen Niederlage der Regierung, die den Beamten dies Rech; verkümmern wollte. Anlaß zu der Debatte gab die Maß- regelung einer Anzahl Beamten der Staatseisenbahn und der Bodensee-Dampfschiffahrt. Genosse Keil brachte zur Kenntnis des Landtags, daß in einem Falle der Jnspeitor der Bodenseedampfschiffahrt einen Erlaß des Präsidenten der Verkehrsanstalten, worin den Wünschen und Forderungen der Dampf- schiffahrtSbeainten in weit entgegenkommendem Maße Rechnung ge- tragen wird, durch verstümmelte Wiedergabe in» G e g e n t e i l u m g e d e u t e t hatte. Die Beamten hatten des- halb_ dem Inspektor in einer Versammlung ihr Vertrauen gekündigt. Die Folge war die Maßregelung von drei Beamten. Ächnlich war der Vorstand des Stuttgarter Hauptbahiihofe» ver- fahren. Die regelrechte Beschwerde von 12 Beamren an die General» dircktion hatte der Vorstand einfach liegen gelassen, aber vier Be- amte, die er für die Rädelsführer halten mußte, st r a f v e r f e tz t. Der Ministerpräsident v. Weizsäcker suchte die Vor- lesctzten zu verteidigen und ihr Verfahren zu rechtfertigen. In charfer Weise kritisierte Genosse Keil die Maßregelungen und die Berteidigungsversuche des Ministers. Die Folge war die ein- timmige Annahme einer vom Ministerpräsidenten bekämpften Erklärung, worin ausgesprochen wird, daß cS durchaus einer vor zwei Jahren vonr Landtag ge- aßten Resolution entspreche, wenn mehrere oder eine Gruppe Beamter gemeinsam Beschwerde führen gegen dienstliche Maßregeln, wodurch sie gemeinsam in Mitleidenschaft ge- zogen werden._ Reichsverbändlerische Wissenschaft. ua Die kapitalistische Presse liebt es, über die fozialdemokraiischcn BtldimgSbeswebungen, besonders über die sozialdemokratische Partei- schicke, die„rote Akademie", zu spötteln, indem sie deren Unterrichtsmethode ohne weiteres mit dem vortragSwesc» so mancher Bildungövcreine auf eine Stufe stellt, in denen systcm- jemand über die Ruinen von Karthago, morgen jemand {15er den Konischen Jinperattv, und Mennorgen jemand üder Gurken- zucht oder dergleichen redet. Wie systematisch in der Parteischule verfahren, wie eingehend die einzelnen Wissensgebiete behandelt werden, davon haben die selbstgefälligen, aufgeblasenen Spötter keine Ahnung, obgleich sie sich selbst sagen mutzten, datz wenn in den letzten Kursen durchschnittlich mehr als 120 Vorlesungen über WirtschaftZgeschichte und politische Oekonomie. mehr als 60 über Soziologie und Sozialgeschichte, ungefähr ebenso viele über neuere deutsche Geschichte und an 60 über die verschiedenen Gebiete des Rechtswesens gehalten worden sind, der Unterricht sich mit der eigenartigen„Vildungspflege" so mancher bürgerlichen Vereine und Anstalten nicht vergleichen lätzt. Jnteresiant ist aber, datz dieselben Blätter, die verächtlich über die rote Akademie räsonnieren, höchst erbaut sind über die sogen. .Ausbildungskurse" des.Reichsverbandes gegen die Sozialdemo- kratie", in denen binnen wenigen Wochen die wahllos zufammen- gc würfelten Hörer durch zwei, drei, vier Borträge über jedes einzelne Wissensgebiet„gründlich" informiert werden, wo z. B. die ganze Geschichte der Sozialdemokratie oder die ganze Geschichte der deutschen Wirtschaftspolitik in zwei oder drei Stunden erledigt wird. So berichtet beispielsweise die„Post" über den letzten Alls- bildungSkursuZ des Reichsverbandes: Das Lehrprogramm war recht mannigfaltig. Folgende Gegenstände wurden behandelt: Verfassungskunde in vier Vorträgen, Geschichte der Sozialdemokratie in zwei Vorträgen, autzerdem folgende Themata: Das Erfurter Programm. Die deutsche Handelspolitik. Unter- nehmer und Unternehmergewiun. Ist Religion Privatsache? Das Agrarprogramm der Sozialdemokratie. Am Tage vor der sozialen Revolution. Der Wert der Grotzindustrie für die Arbeiter- schaft. Landarbeiter und Sozialdeniokratie. Die nationale Arbeiterbeiterbewcgung. Flotte und Arbeiterschaft. Nationale Auf- gaben. Die Arbeit des Reichsverbandes. Rcichsfinanzreform. Heer und Sozialdemokratie. Sozialpolitische Fragen(Arbeiter- Versicherung; Rcfornivorschläge und weiterer Ausbau dieser Ber- sicherung! Privatbcamtenversicherung). Kolonialpolitik. Die politische Presse. Sozialdemokratische Konsunivereine. Sozialdemokratie als Weltanschauung. Technik der Politik. Den Unterricht erteilten 16 Dozenten, unter diesen 6 Parka- mentarier. Mit dem gebotenen Lehrprogramm soll den Hörern eine gute wissenschaftliche Grundlage gegeben werden. auf der die Teilnehmer durch Selbststudium erfolgreich weiter- bauen könne». Die„wissenschaftliche Grundlage", die jemand dadurch erhält, datz er zlvei oder drei kurze Vorträge über die aus- gedehntesten Wissensgebiete anhört, dürfte höchst kurioser Art sein- Für das Geistesniveau der Reichsverbändler genügt allerdings diese tiefgründige Wissenschaft._ Ein getreuer Kuappe. Der Zentralrat der Hirsch-Dunckerschen Ge- «erkvereine ist ein bequemer GesolgSmanu des Freisinns. Dieser Tage hat er eine langatmige Resolution gegen die Beschlnsie der Rumpf-Finanzkommission angenommen, in der zu Anfang über die Schädlichkeit und Ungerechtigkeit der Bier- und Tabaksteuer vor- laute Klage geführt und in der es am Ende heitzt: .... Der Reichstag wird aufgefordert, indiielte Steuern überhaupt nicht zu bewilligen, solange nicht eine ausreichende Ve- stcuerung der Erbnachlässe und der Vermögen angenommen ist." Der Zentralrat einer„Arbeiterorganisation" erlaubt also dem Freisinn ausdrücklich, entgegen seinem Programn, und seinen wieder- holten feierlichsten Versicherungen indirekte Steuern anzunehmen. darunter auch die über die Tabakarbeiter unerhörtes Elend ver- hängende Tabaksteuererhöhung, wenn nur eilte Besteuerung der Erb- schalten und Vermögen angenommen wird! Dem Freisinn wird das sehr angenehm sein. Ob sich aber alle Mitglieder der Hirsch-Dunckerschcn Gewerk- vereine diesen Verrat ihrer Interessen durch die Leitung ihrer Organi- sation gefallen lassen werden? Ein erfolgreicher Boykott. Stuttgart, 12. Juni. (Privatdepesche deS„Vorwärts".) Auf der hier heute begonnenen Tagung des deutsch- /lationalen Handlungsgehilfen-Verbandes suchte der Vorstand den Vertreter der sozialdemokratischen P a r t e i z e i t u n g, der„Schwäbischen Tagwacht", a ii S- zuweisen. Tie übrigen Pressevertreter erklärten sich mit unserm Genossen solidarisch und wollten gemeinsam den Saal verlassen. Darauf nahm der Vorstand die Aus» Weisung zurück. *** Die blamabel kleinliche Matzregel, die der Vorstand der anti- /emitischen Organisation vornehmen wollte, entspricht durchaus dem geistigen Niveau ihrer Leitung. Erfreulich ist die solidarische Hal- tung der Vertreter der bürgerlichen Presie und bitter die Lektion, die sie den Vorstandsherren über die einfachsten AnstandSpflichten erteilt habe».—_____ Tie ausgerutschte Faust deS Kammerunteroffiziers. In der letzten Sitzung des Kriegsgerichts der 18. Division (Altona) hatte sich der Sergeant U p V e l von der 6. Kompagnie des 31. Infanterieregiments wegen fortgesetzter Mitzhandlung des Musketiers Tischler zu verantworten. Der geständige Angeklagte gab zu. den Soldaten fünf- bis sechsmal mit einer Unterhose um die Ohren geschlagen und ihm autzerdem zwei Fauststötze ins Gesicht versetzt zu haben, weil in der Unterhose des T. der Name fehlte. Ein Kammerunteroffizier habe viel Aerger und da sei ihm die Hand ausgerutscht. Der mitzhandelte Spldat sagte aus, durch die Faust- schlüge sei ihm das Zahnfleisch gelockert gewesen und der Mund habe heftig geblutet. Der Ankläger hielt zwar einen minder schweren Fall für vorliegend, beantragte aber in Rück- ficht auf die Roheit 16 Tage Mittelarrest. Das UrteU lautete auf zehn Tage Mittelarrest._ Ersatzwahl. Wie aus Kreuzburg(Oberschlesten) amtlich ge- meldet loird. wurden bei der heutigen E r s a tz>v a h l zum prcutzischcn Abgeordnetenhause im Wahlkreise Kreuz- burg-Rosenberg von 326 Wahlmännern 237 Stimmen für den Rittergutsbesitzer Grafen v. Zielen(Zentrum) zu Smolitz abgegeben, der somit gewählt ist. 88 Stimmen fielen auf Kreisschulinspektor Kerz(deutschnational). Oesterreich. Eine Verfassnngsfraize. Wien, 12. Juni. Das Abgeordnetenhaus verhandelte über einen Antrag Breiter, betreffend die Auszahlung der Entschädigung an die Türkei. Breiter erblickte darin, datz die Entschädigung vor der Ratifizierung des Abkommens mit der Türkei durch das Parlament erfolgte, einen Verfassungs- bruch und verlangte die strengste Untersuchung dos Vorgehens der Regierung durch den VerfafiungSauSschuh. Finanzminister B i l i n s k i erklärte, die Regierung habe im Vollbewutztsein ihrer Verantwortung die Zustimmung zur Auszahlung erteilt, in der Erwartung, datz ihr da?' Parlament nachträglich Indemnität bewilligen werde. Es wäre besser, das von der Regierung vor- gelegte Entschädigungsgesetz sowie das Abkommen mit der Türkei vor den Ausschuß zu bringen und dort zu beschließen, waS dieser für gut befinde. Angesichts des Vorwurfs, datz die Regierung gegenüber einem Mißtrauensvotum des HauseS nicht ihre Entlassung angeboten habe, betont der Minister, die Re- gierung sei bereit abzutreten, wenn das Haus eine Majorität schaffe, die mit einem positiven 9ig»i gierungsprogrämm bereit sei, die Regierung zu übernehmen. Ein Vakuum in der Führung der Regierungs- geschäfte auf ihr Gewissen zu nehmen, vermöge sie aber nicht.— Nach kurzer Debatte wurde die Dringlichkeit abgelehnt, worauf das Haus zur Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Lesung des Finanz planes der Negierung überging. frankmch. Eine Polizeientdeckung. Paris, 12. Juni. Die Untersuchung, die kürzlich infolge eines gegen einen Fabrikanten in Nive de Gier verübten Anschlages ein- geleitet war, ergab, datz der Anschlag das Werk einer wohlorgani- fierten Anarchistenbande war. Es wurden bereits mehrere Verhaftungen vorgenommen. In der Behausung eines Verhafteten, eines 26jährigen Glasarbeiters, wurde eine vollständige Werkstatt zur Erzeugung von Dynamitbomben entdeckt. Annahme der Kriegsgerichtsreform. Paris, 11. Juni.(D eputiertenkammer.) In ber Sitzung erklärte Unterstaatssekretär C h e r o n, das vorliegende Gesetz be- treffend die Reform der Kriegsgerichte stelle einen sehr bedeutenden Fortschritt dar. Minister Picquart führte aus, die Reform sei nicht gegen die Armee, sondern mit der Armee gemacht worden. Hierauf wurde der Gesetzentwurf mit 460 gegen 66 Stimme» im ganzen angenommen. 6nglancl. Die imperialistische Agitation. London, 12. Juni. Aulätzlich der Pressekonferenz hielt Premier- minister As q llith eine Rede, in deren Verlauf er ausführte, nichts habe während der Konferenz eindrucksvoller sein könnnen als die Ein- m ü t i g k e i t auch politischer Gegner in der Frage der Ver- teidigungdes Reiches. Auf die Ansprache Asquiths erwiderten Dele- gierteaus Kana da, Australien und Neu-Seeland. Ein kanadischer Delegierter erklärte, er spreche im Namen von 2�2 Millionen f r a n- zösischer Kanadier. England werde finde», datz alle Kanadier einig seien darin, die gemeinsame Sache des Reiches zu ver- teidigeu. Der neuseeländische Delegierte sagte, er sei nach England gekommen unter den, Eindruck, der Zweck der Konferenz bestehe darin, eine Verminderung der Telegrammgebühren herbei- zuführen, aber er finde, die Frage von höchster Bedeutung sei die Einigkeit des Reiches. Die Blätter einer grotzen Nasion auf den, Kontinent hätten die Reden der iiilperialiftischen StaatSniänner so hingestellt, als ob sie eine Panik verrieten. Er frage: Könne irgend jemand, der diese Reden gehört oder gelesen habe, sich vorstellen, datz sie auch nur eine Spur von Panik ent- hielten? Von ruhiger Entschlossenheit seien sie alle er- füllt gewesen.— Dänemark. Die Eröffnung der Kammer. Kopenhagen, 16. Juni. Das Fokkething wählte heute den Ab- geordneten Thomsen(Linksreformpartei) zum Präsidenten wieder. LandcSverteidigungsminister Neergaard brachte darauf die LandeSverteidigungSvorlagen in der vom vorigen Folkething in zweiter Lesung angenommenen Fassung ein mit Aus- nähme der Vorlage über die LandeSbefessigung Kopenhagens, welche in der ursprünglichen, von der Rcgierüiig beschlossenen Gestalt. nämlich mit den vorgeschobenen befestigten Positionen auf der Land seite Kopenhagens eingebracht wurde. Dolland. Die Wahle». Amsterdam, 11. Juni. Bei den heutigen Wahlen zur Zweiten Kammer wurden gewählt 7 Liberale, Z Demokraten. 25 Katholiken, 20 Protestanten und 9 von der Partei der historischen Christen. Es haben 36 Stichwahlen stattzufinden, an denen 23 Liberale, 7 Demokraten, 11 Sozialisten, 21 Protestanten, zwei Katholiken und 3 von der Partei der historischen Christen be teiligt sind. Die Wahlen bedeuten einen starken Erfolg der vcr> einten Klerikalen und eine Niederlage des Liberalstl mus. Ueber den Besitzstand unserer Genossen, die m der früheren Kammer sieben, zumeist in der Stichwahl gewonnene Mandate innehatten, wird auch diesmal erst der zweite Wahl- gang entscheiden. Orkei. Die Kretafrage. Konstantinopel, 12. Juni. Hier geht das Gerücht, die Regierung sei fest cntschlosscir, in der kretischen Frage eine energische Haltung einnehmen. Ohne sich dem Vorwurf der Provokation auszusetzen, sei man bereit, alle Mittel, auch militärische, anzuwenden, um zu verhindern, datz nach der Entfernung der inter- nationalen Truppen irgend eine Veränderung des staatsrechtlichen Zustands auf der Insel platzgreife. Der„Tanin" schreibt, wenn die Mächte ihre Truppen aus Kreta zurückzögen, ehe die Lage auf der Insel sich konsolidiert hätte, so würde die Gefahr eines Krieges sich verstärken. Kreta wäre dann gegenüber der Türkei in der Lage eines Rebellen und diese wäre gezwungen, Kriegsschiffe und Truppen dahin zu senden, um ihre Souveränitätsrechte zu wahren. In diesem Falle könnte ein Krieg mit Griechenland aus- brechen, dessen Regierung die Erhebung des Volkes bielleicht nicht hintanzuhalten vermöchte. Daher habe die Pforte die Mächte er- sucht, ihre Truppen nicht zurückzuziehen. Dies bedeute aber leine Lösung der Kretafrage, man müsse sich vielmehr mit den Mächten über die Form der Autonomie Kretas und über die Wahl des Gouverneurs verständigen. Eine Flottcndemonstration. Konstantinopel, 12. Juni. Seit einigen Tagen trifft das Geschwader die letzten Vorbereitungen zum A u S° laufen. Türkischen Blättern zufolge sollen sich alle Kriegs- fahrzeuge, welche in den verschiedenen Häfen stationiert sind, dem Geschwader anschließen, so daß die Zahl der Schiffe einschließlich der Torpedoboote und Materialschiffe bis auf vierzig anwachsen dürfte. Der Weisung des Grotzwesirats an den Marineminister gemäß wird das Geschwader infolge der Stimmung unter der Bevölkerung der Insel Metelin(Mhtilcne) zunächst dorthin gehen. Instruktionen betreffend Kreta sollen dem Geschwader eventuell nachfolgen. Bemerkenswert ist, datz eine möglichst rasche Verstärkung der Flotte angestrebt wird. Der Marincminister hat Befehl erhalten, den Bau aller auf den europäischen Werften befindlichen türkischen Schiffe zu be- schleunigen. Den türkischen Blättern zufolge unterhandelt das Marineministerium auch wegen Erwerbung dreier Dread- noughts, welche für Brasilien in England gebaut werden.— Perfien. Ein neuer Zusammenstoff. Täbris, 11. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) In Dilman im Bezirk Salmas hat neuerdings ein Zusammenstoß persischer Fidais mit türkischen Soldaten stattgefunden. Die Verluste auf beiden Seiten be- trugen 10 Tote. Der Führer der persischen Fidais. Said ul Memalik, welcher von der Bevölkerung wegen Bedrückung aus Urmia verjagt worden war, floh aus Salmas. D-ie Wege von Täbris nach Teheran, Choi, Salmas und Ardebil bleiben immer nsch für den Handelsverkehr geschloffen, dg die� Räubereien der Regierun'gstruppen Koch nicht aufgehört haben.—* Südafrika. Beitritt Natals zur Union. Pietermaritzburg, 12. Juni. Die Frage des Eintritts Natals in die südafrikanische Union ist im Wege der Volksabstimmung mit 11121 gegen 3701 Stimmen zugunsten des Eintritts entschieden worden. Hrncnka. Ein Diamantenzoll. Washington, 12. Juni. Der Senat hat gestern einen Wertzoll von 16 Proz. für geschnittene Diamanten, von 6 Proz. für ungeschnittene Diamanten und andere Edelsteine an- geuomMn._. Hus der Partei* — � Die Geldquellen der ,,S. M." Genosse Bebel schreibt uns: Auf deu Brief, den die Genossin Mündt an mich richtete, habe ich folgendes zu erwidern: � 1. Inwieweit meine Angaben oder die der Genossin Mündt über ihren Besuch in Frankfurt a. M. richtig sind, darüber wird am besten Genosse Louis Opificius in Frankfurt a. M. Auskunft geben, mit dem seinerzeit die Genossin Mündt ebenfalls verhau- delte und auf dessen Mitteilungen ich mich stützte. Ich habe den Genossen L. Opificius um eine Darlegung gebeten; 2. habe ich in meiner Erklärung nicht gesagt, datz die Genossin Mündt den von mir erwähnten Landtagsabgeordneten um Geld für die„S. M." ersuchte, sondern, datz er auf der Liste derjenigen stand, die sie besuchen wollte; 3. ist es ein Irrtum der Genossin Mündt, den Mann, der ihr in Frankfurt einen Beitrag für die S. M. gab, als keinen Partei- mann zu bezeichnen. Derselbe war vielmehr ein sehr kluger Linksliberaler, wie ich das noch zuletzt kennen lernte, als er und ich Ende Jairuar 1007 über mehrere der bevorstehenden Stich- Wahlen in der Frankfurter Gegend persönlich verhandelten. Datz er die„S. M." und auch die Gewerkschaften unterstützt hat, war mir bekannt, datz er aber auch Geldgeber der Sozialdemokratie(doch wohl der Frankfurter?) gewesen sein soll, ist mir neu. Wäre diese Angabe der Genossin Mündt richtig, würde ich den Vorgang entschieden verurteilen; 4. konstatiere ich, datz aus den Kasscnangaben, die der Genosse Dr. Arons mir mittlerweile machte, hervorgeht, datz mit Aus- nähme des erwähnten Frankfurter Falles aus bürgerlichen Kreisen keine Mittel für die„S. M." geflossen sind. Ich konstatiere dieses um so lieber, als ich trotz meiner bekannten Gegnerschaft gegen die„S. M." nicht wünschen kann, datz ein Blatt, das der So- zialdcmokratie dienen will— meines Erachtens ihr allerdings öfter weit mehr schadet als nützt— aus bürgerlichen Quellen ge- speist wird. � A. Bebel. Auch die„Frankfurter V o l k s st i m m e" hat konstatiert. datz die Genossin Mündt im Irrtum ist, wenn sie angibt, datz der Geldgeber, von dem sie spricht, keiner bürgerlichen Partei angehört. Unser Frankfurter Organ schrieb: „Wie leicht ersichtlich, handelt es sich bei der ganzen An- gelcgenhcit um den verstorbenen Hallgarten. Die Genossin Mündt irrt aber, wenn sie annimmt, datz Hallgarten keiner Partei angehört habe. Er war bürgerlicher Demokrat, sogar eingeschriebenes Mitglied dieser Partei, lvenn wir nicht irren» wenn er auch für alle Enterbten stets eine offene Hand hatte. Auf dem Frankfurter Arbeiterorgan, wo ihr dies gern mitgeteilt worden wäre, hat sich 1006 die Genossin Mündt keinen Rat für ihr Vorgehen geholt. Was den„Landtagsabgeordneten" betrifft, mit dem Genosse Bebel offenbar Stadtrat Dr. Flcsch meint, so erklärt dieser der„Kleinen Presse" auf Befragen, er habe mit Geldsammlungen für die„Sozialistischen Monatshefte" nichts zu tun gehabt." Zu den letzten Sätzen dieser Notiz ist zu bemerken, datz auch noch eine andere Persönlichkeit als Stadtrat Dr. Flesch in Be, tracht kommen kann._ Zum Gedächtnis Wilhelm Wolfis. Am 21. d. Mts. kehrt der hundertste Geburtstag Wilhelm Wolffs wieder, des mutigen Mannes, der de» drei grotzen Vor- kämpfern der deutschen Sozialdemokratie ein ebenbürtiger Kamerad gewesen ist. Franz Mehring hat zu diesem Tage die Herausgabe der gesammelten Schriften Wolffs vorbereitet, die im Ver« läge der Buchhandlung Vorwärts erscheinen werden(124 Seiten. brosch. 1,60 M.. geb. 2 M.). Die Parteigenossen seien jetzt schon auf die Schrift, die alles enthält, was Wilhelm Wolff von bleibendem Werte geschaffen, auf- merksam gemacht. poltzeUicbcSt Ocncbtlichce ulw. Ein vergessener Prozeß. Vor beinahe Jahresfrist ist der Genosse Seifarth von der Reutzischen.Tribüne" in Gera(Rcutz) wegen Beleidigung eines Schutzmannes zu 20 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte in einem Versammlungsbericht die Behauptung eines Genossen Pfeiffer wiedergegeben, datz dieser gehört hatte, wie ein Schutz- mann anlählich der Polizeiattacke in Berlin im Jahre 1008 zu einem anderen Schutzmann sagte, er würde bei einer solchen Ge- legenheit ebenfalls die Roten feste verhauen haben. Genosse Pfeiffer, der damals ebenfalls angeklagt war, hielt seine Behaup- tung vor dem Schöffengericht auch völlig aufrecht. Auf Veran.» lassung des Gcrickits wurden nach vieler Mühe die beiden Schutz- leute auch ermittelt. Wahrend der eine Schutzmann sich an nichts mehr erinnern konnte, bestritt der andere, sich, wie angegeben, ge» äutzert zu haben. Trotzdem wurde Genosse Pfeiffer fr e ige« sprachen, weil er in Wahrnehmung berechtigter In- te r essen gehandelt habe, die man bei dem Genossen Seifarth aber als nicht vorhanden erklärte. Gegen die Freisprechung wie die Verurteilung legte der Staatsanwalt Berufung ein, ebenso Genosse Seisarth.— In der heutigen Strafkammersitzung stellte sich heraus, datz die Strafsache über 0 Monate geruht hat. ohne datz eine richterliche Handlung vorgenommen worden war. Das Gericht mutzte deshalb auf Einstellung des Verfahrens erkennen, weil Verjährung eingetreten sei. Die nicht un- beträchtlichen Kosten fallen der Staatskasse zur Last. 8o2iales. Bezahlung ber Feiertage. � Der Steindrucker P. klagte gestern vor der Kammer 8 deS Gewerbegerichts gegen die Firma Zocke u. Mittmeyer auf Be- Zahlung des HimmelfahrtStagcs mit 4,25 M. Die Beklagte beruft sich auf einen im Betriebe vorhandenen Aushang, in dem den Ar- heitern nur sofern sie 13 Wochen bei der Beklagten in Stellung sind, die Bezahlung der Feiertage zugesichert wird. Kläger war nur vorübergehend beschäftigt. Der Kläger stützt seinen Anspruch auf den Ortsgebrauch und beruft sich hierfür auf den Vorsitzen- den des SteindruckcrverbandcL als Zeugen. Dieser bekundet, datz etwa 96 Proz. der lithographischen Anstalten die Forderung der Gehilfenschaft auf Bezahlung der Feiertage anerkannt haben. Das' Gericht unter Borfitz dcS MngistratSasscssors Schultz verurteilt die Beklagte zur Bezahlung des HimmclfahrtStaxzes. In den Gründen hietz es, datz der am hiesigen Orte im Stcindruckgewcrbe übliche Brauch für die Entscheidung nratzgcbcnd gewesen sei. Auf den Aushang könne sich die Beklagte nicht berufen, denn ihr Betrieb ist kein Fabrikbetrieb. Ter demnach nicht obligatorische Aushang bedurfte also zu seiner Gültigkeit der Unterschrist des Klägers. Eine solche ist jedoch nicht abgegeben,____,,..._ Gewcrkrchaftlkbcg. Wohlfahrtsrummel. Not einigen Tagen wurde die Arbeiterschaft der Siemens-Werke mit folgendem Anschlag„beglückt": „Auf Anregung des Vorstandes des Unterstützungsvereins der Siemens-Werke zu Berlin haben wir beschlossen, bis auf weiteres denjenigen unserer männlichen Arbeiter, welche min- bestens 40 Jahre alt und seit mindestens zehn Jahren bei einem unserer Werke beschäftigt sind, sowie den- jcnigen unserer Arbeiterinnen, welche mindestens 25 Jahre alt und mindestens fünf Jahre bei einem unserer Werke beschäftigt sind, einen jährlichen Urlaub in der Dauer einer Woche zu gewähren und den Beurlaubten für die Zeit ihrer Beurlaubung eine Entschädigung in Höhe des düfacher: Betrages ihres durchschnittlichen Stundenvcrdienstes. Die Zeit, zu welcher die Urlaubserteilung an die einzelnen Arbeitnehmer erfolgen kann, wird die Werkstattsleitung in jedem einzelnen Falle bestimmen. Gesuche von Arbeitnehmern, denen nach dem Vorstehenden ein Urlaub bewilligt werden kann und dievon demselben Gebrauch machen wollen« sind an die Meister zu richten." Die gelben Häuptlinge sind nun eifrig an der Arbeit, den Arbeitern und Arbeiterinnen die„große Errungenschaft", die Früchte der Eintracht zwischen Arbeit und Kapital, zu ver- künden. Wie steht's nun damit? Nur der allerkleinste Teil der Arbeiter, höchstens 5 bis 7 Proz., hat einen Vorteil von der„großen sozialen Tat". Müssen doch beispielsweise alle Burschen und Lehrlinge, welche mit dem 14. Lebensjahr bei der Firma eingetreten sind, bis zum 40. Lebensjahr, d. h. mindestens 26 Jahre,' ihre Kräfte zur Verfügung stellen, ehe sie Urlaub bekommen. Ein Teil der Arbeiter ist über 16 Jahre beschäftigt, bekommt aber keinen Urlaub, weil das 46. Lebensjahr ja noch nicht er- reicht ist. Von den Arbeiterinnen kommen auch nur wenige in den Genuß des Urlaubs, da sie selten 5 Jahre und bis zum 25. Lebensjahre im«Dorado Siemens" verbleiben. Nach alledem hat die sogenannte sozialpolitische Kommission der Siemens-Werke den Arbeitern ein raffiniert ausgeklügeltes Machwerk beschert, das nach außen die„Humanität" der Welt- firma in hohem Glanz erstrahlen läßt, dem Geldbeutel der Gesellschaft aber nicht schadet. Von der Unterwürfigkeit der Gelben hat die Firma in den letzten Monaten genügend Proben erhalten: darum hat man dem auch Rechnung getragen, indem jeder Urlaubs- berechtigte, der von dem Urlaub„Gebrauch machen will" (siehe Anschlag), erst ein Gesuch einzureichen hat, und dann bestimmt der„hochweise" Rat, wann er nach so langem Frondienst 6 Tage ausruhen darf. Die Firma Siemens ist weit, weit hinter dem zurück- geblieben, was eine Reihe von Großbetrieben ihren Arbeitern schon seit Jahren gewähren. Die beste Wohlfahrtseinrichtung aber ist die geWerk- schaftliche Organisation: sie schützt die Arbeiter vor Ver- schlechterungen und sorgt für durchgreifende Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die gewerkschaftliche Orga- nisation zu fördern muß die vornehmste Aufgabe aller auf- geklärten Arbeiter nicht nur der Siemens-Werke sein. Berlin und Olmgegend. *" Achtung GeschäftZkutscher! Zu der Notiz in NS. 132 des„Vor- tvärts" vom 10. Juni, betreffend den Streik der Kutscher der Firma Max Häusler u. Co., Kaffeeversandgeschäst in Mün- chen, bemerken wir auf mehrfache Anfragen, daß die Kutscher der hiesigen Zentrale der betreffenden Firma yicht an dem Streik beteiligt sind. Der Streik der Kutschck in München bei der Firma Säuert Ihgch fort._ i Deutscher Transportarbeiterverbaßv, Bertvaltujfg II..! OeutlcheB Reich. Achtung, Dachbecker! In Eberswalde befinden sich die Dachdecker bei den Firmen E. Jakob und P. Falkenhayn im Ausstand, weil die Firma Jakob den durch Unterschrift aner- kannten Tarif nicht einhält, und die Firma Falkenhayn den Tarif nicht anerkennt.? Zuzug nach Eberswalde ist deshalb fernzuhalten. Der Ausstand der städtischen Arveiter in Kiel zieht weitere Kreise. Die streikenden Arbeiter haben am Freitag vormittag in einer Versammlung beschlossen, daß alle noch in den Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerken Beschäftigten, außerdem die Außenarbeiter der Licht- und Wasserwerke und die in der Müll- Verbrennungsanstalt und der Poudrettefabrik beschäftigten Arbeiter ihre im Ausstand befindlichen Kollegen durch Arbeitsniederlegung unterstützen sollen. Freitag morgen sind wieder 60 Arbeitswillige eingetroffen. Die„freisinnige"„Kieler Zeitung" weist schon darauf hin, daß im Falle dringender Not die städtische Verwaltung zwecks Aufrcchterhaltung des Betriebes der Wasser- und Lichtwerke die Marinevcrwaltung um ihre Unterstützung bitten wird. Eine gelbe Organisation in Königsberg. In der Königsberger Zellstoffabrik, ein Etablissement, das gegen 4000 Arbeiter beschäftigt, ist es zur Gründung eines gelben Vereins gekommen. Unser Parteiblatt am Orte, die„Königsberger Volks- zeitung", hat wiederholt diesen Betrieb kritisch beleuchten müssen, in dem die Arbeiter und Arbeiterinnen durch ein geschickt von der Direktion eingefädeltes Prämienshstem in ihrer Leistungsfähigkeit bis zur Erschöpfung gesteigert werden. Der Fabrikarbeiterverband hat gleichfalls des öfteren in Versammlungen und Flugblättern daö arbeiterfeindliche Gebaren dieses Betriebes zur Sprache ge- bracht und sich dadurch den Zorn der Betriebsleitung zugezogen. Seitens der Direktion wurden der„Volkszeitung" sowohl wie der Ortsverwaltung des Fabrikarbeiterverbandes oftmals mit Klage ge- droht, weil natürlich alles nicht richtig sein sollte, was in der Parteipresse und in öffentlichen Versammlungen über den Betrieb verbreitet wurde. Aber die„Herren im Hause" begnügten sich da- mit,„Erklärungen" und Berichtigungen an die bürgerlichen Zeitungen Königsbergs zu senden, unter die sie sogar, um deren „Echtheit" zu beweisen, mehrere Dutzend Namen von Arbeitern des Betriebes setzten. Tue Antreibereien der Kochmeister und Hof- Verwalter, die selbstverständlich nur im höheren Auftrage handelten. führten mehrmals recht schwere Unfälle herbei, bei denen die armen Arbeiter und Arbeiterinnen, letztere zumeist junge Mädchen von 16 bis 26 Jahren. Blut und Knochen lassen mußten. Aber was kümmern den Kapitalismus solche Opfer! Durch die unausgesetzte Kritik wurden dann die größten Schäden etwas gemildert. Alle Hebel wurden aber angesetzt, um das Vordringen des Fabrik- arbeiterverbandes im Betriebe zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Jetzt glaubt man endlich das Allheilmittel gefunden zu haben, um die„rote Gefahr" aus dem Betriebe zu bannen, indem man mit Unterstützung von Strebern eine gelbe Organisation gründete. Es wird nun so hingestellt, als ob der größte Teil der im Betrieb beschäftigten Personen diese Gründung gewünscht hätte, um sich gegen die„Hetzereien des sozialdemokratischen Fabrik- 'arbeiterverbandes" besser schützen zu können. Das ist selbstver- ständlich eitel Flunkerei, da es bis heute der Direktion kaum ge- lungen ist. fünfzig Arbeiter in den gelben Sumpf hineinzuziehen. Aber der Anfang ist einmal gemacht. Den Arbeitern werden nun allerlei Versprechungen gemacht: Wöchnerinnenunterstützung soll es geben. Kranken- und Sterbegeld für Frauen und Männer, sogar Konfirmationsgeschenke für die Einsegnungskinder sind in Aussicht gestellt, ferner Unterstützung für in Not geratene Familienange- hörige der Mitglieder und Erhöhung der Dienstprämien für Ar- beiter. Mehr kann man wirklich nicht verlangen gegen einen Bei- trag von wöchentlich 20 Pf. für Männer und 10 Pf. für Frauen. Wenn alles klappt, d. h. wenn es gelingen sollte, eine größere An» zahl Arbeiter in den gelben Verein zu treiben, hat die Direktion als erste„Liebesgabe" 6000 M. in Aussicht gestellt. Der Fabrik- arbeiterverband wird aber nicht müde werden in der Agitation. um das„menschenfreundliche" Werk dieser Arbeiterfreunde zu ver- nichten. Dieser gelbe Verein ist der erste in Königsberg und in Ostpreußen._ Bon der„Generalaussperrung" in Hamburg und den Nachbar- orten. „Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln sollen die General- übernehm er von Bauausführungen im„Vierstädtcbund" die radi- kale Arbeitssperre durchführen." Also lautet da? Machtgebot des Oberstrategen der Aussperrungswüteriche, des Herrn Lummert, der als Vorstandsmitglied des„Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe" für den Abschluß von Tarifverträgen eintreten muß, aber in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des neugegrün- deten Baugewerbeverbandes zu Hamburg, dem 18 Innungen an- gehören, über moralische Zwirnsfäden nicht stolpert. Im Jnter- esse seiner„guten" Sache sind die Steinsctzmeister, Ofenseher und andere Arbeitgeber im Baugewerbe direkt gezwungen worden, tarif- und vertragsbrüchig zu werden. Er hat allerdings den Schmerz erleben müssen, daß mehrere bedeutende Arbeitgcbcrver- einigungen— die Maler- und Bautischlermeister sowie der Arbeit- geberschutzverband in der Holzindustrie— es pure abgelehnt haben, das Odium des Vertragsbruches auf sich zu laden— der Konsequenzen wegen! Der Unternehmerterror, wie er sich in der Ma- terialsperre gegen widerhaarige Kollegen kundgibt, wird noch ver- schiedene Nachspiele zeitigen, denn in den Reihen der boykottierten und terrorisierten Arbeitgeber ist man über dieses Verhalten empört und viele haben erklärt, die Entrepreneure schadenersatz- pflichtig machen zu wollen. Die Lieferanten von Baumaterialien sind vom Baugewerbeverein direkt aufgefordert worden(ein solches Schreiben lag dem Schreiber dieser Zeilen vor),„im Interesse der guten Sache" kein Baumaterial an Solidaritätsbrecher zu liefern. Und diese heuchlerische Gesellschaft versteht sich so sittlich zu ent- rüsten über den angeblichen Arbeiterterror, ruft nach dem Staats- anwalt, wenn mal einem Streikbrecher auf die Hühneraugen ge- treten wird! Am Freitag abend nahm im Gewerkschaftshause zu Hamburg eine von Tausenden besuchte Maurcrversammlung zur Aussperrung und den dadurch bedingten taktischen Maßnahmen Stellung. Nach einem eingehenden Referat des Genossen Hart- wig wurde einstimmig beschlossen, an der bisherigen Taktik des partiellen Vorgehens zwecks Erreichung des Stundenlohnes von 85 Pf. festzuhalten. Der Vorstand erhielt die diesbezügliche Voll- macht. Die Zimmerer faßten den Beschluß, über alle Bauten die Sperre zu verhängen, wo irgendwelche Entlassungen oder Maß- regelungen erfolgen. Infolge dieses Beschlusses ist die Zahl der ausgesperrten bezw. streikenden Zimmerer um einige Hundert ge- stiegen. Im Gegensatz zu den in dem Akkordmaurerberein organisierten „reinen" Vertretern des„Klassenkampfes", wie sie sich so oft ge- nannt haben, beschloß der Lotalvcrband der Zimmerer, in allen Punkten mit den Zentralverbändlern Solidarität zu üben. Die ausständigen Kammgarnspinner in Mülhausen i. E. haben den Fabrikanten jetzt für alle Betriebe, in demm gestreikt wird, auch eigene Forderungen präsentiert: Die wöchentliche Lohn- Zahlung an Stelle der jetzt 14tägigcn, die Erhöhung des Ansetzcr- lohnes für alle Ansetzcr ohne Rücksicht auf die Zeit der Beschäfti- gung im Betriebe auf 75 Proz. des Spinncrlohnes, bessere Lohn- kontrolle beim Abwiegen der geleisteten Arbeit, Einführung von Arbeitcrausschüssen. Auf den Vorschlag des Streikkomitees, daß das Syndikat der Kammgarnindustriellcn direkt mit den Vertretern des Deutschen und des christlichen Textilarbeiterverbandes zur Beilegung des Konfliktes in Unterhandlung treten möge, haben die Fabrikanten noch nicht geantwortet. Einer der Fabrikanten, dessen Fabrik draußen in einem Vororte steht, läßt die Arbeiterinnen, die noch nicht in den Ausstand getreten sind, durch Extrazüge der Straßen- bahn von der Stadt abholen und nach Schluß der Arbeit wieder in die Stadt bringen; auch läßt er den Leuten, die in der Fabrik speisen wollen, ein sogenanntes Mittagessen für 25 Pf. in der Fabrik verabreichen. In der Unternehmerpresse wird angekündigt, daß die Fabrikanten am Montag, den 14. d. M., wenn bis dahin von den Spinnern und Ansetzcrn die Arbeit nicht aufgenommen sei, die Betriebe auch für das übrige Personal schließen würden, wodurch die Zahl der Ausständigen und Ausgesperrten auf zirka 5000 steigen würde, soviel ungefähr beschäftigen die 5 Mülhauscr Kammgarnspinnereien. Die Zahl der Streikenden schwankt jetzt seit 5 Tagen um 1000 herum._ Ein neue» Scharfmacherstückchen! Der„Zentralverband der Arbeitgeberschutzverbände für das Tapezier-, Möbel- und Dekorateurgewerbe" hat folgendes Rund- schreiben erlassen: Berlin NW. 6, den 3. Juni 1909,, Marienstraße 29. Verehrter Herr Kollege! Die Mitglieder des uns angeschlossenen Verbandes in München sahen sich genötigt, um den Tarifberhand- lungen mit den Gehilfen den nötigen Nachdruck gu geben, alle organisierten Gehilfen zu ent- lassen. Wir ersuchen Sie dringlichst: -j, 1. Keinen aus München zureisenden Gehilfen einzustellen. 2. Tüchtige Gehilfen, die Sie wegen Arbeitsmangels ent- lassen müssen, sowie nach Arbeit anfragende Gehilfen auf die Arbeitsgelegenheit in München hinzuweisen. 3. Falls Sie einen Sohn oder Verwandten oder fönst eine tüchtige Kraft haben, auf die Sie Einfluß besitzen, diese zu veranlassen, zur Hilfe unserer Kollegen nach München zu reisen, beziehungsweise sich vorher schristlich dorthin zu wenden. r' Die Arbeits- und Lohnverhältnisse sind solcher Großstadt entsprechend. Wir ersuchen Sie, die gewünschte Hilfe sofort zu leisten, denn„doppelt gibt, wer schnell gibt". Wir hoffen, nicht umsonst an Ihr Solidaritätsgefühl zu appellieren. Persönliche und schriftliche Meldungen haben zu er- folgen an das Standbureau der Tapeziererarbeitgeber, München, Schwantalerftr. 18 pt. Hochachtungsvoll mit kollegialem Gruß Der Zentralvorstand. I. A.: Joh. Goetz. Der Schutzverband gibt den Gehilfen eine gute Lehre, in Zukunft das Mittel des nötigen Nachdrucks bei schwebenden Ver- Handlungen ebenfalls in Anwendung zu bringen. Ein christliches Berräterstllckchen. Bei dem Streik der Arbeiter der Firma Ernst Monden- wirth in Solingen, über die, wie der„Vorwärts" in Nr. 124 berichtet, der Deutsche Metallarbeiterberband und der Jndustriearbeiterverband(Solinger Fachverein der Stahlwaren« industric) gemeinsam den Streik verhängten, hat sich ein un- erhörter Vorfall abgespielt. Die christlichen Metallarbeiter hatten ebenfalls ein Mitglied ihres Ver- bandes bei der in Frage kommenden Firma beschäftigt, was bei der Streikerklärung den beiden Organisationen aber nicht bekannt war. Als es jedoch bekannt wurde, machte die Streikleitung dem Vertreter des christlichen Verbandes, einem Herrn Blume in Ohligs bei Solingen, Mitteilung hiervon. Die Christen ließen ihr Mitglied nicht mitstreiken, und zwar mit der Motivierung, ihnen sei nicht rechtzeitig Mitteilung gemacht worden. Diese Stellungnahme der Christen wäre nun belanglos gewesen, denn das eine Mitglied hätte auf den Ausgang des Streiks weiter keinen Einfluß ausgeübt. Im weiteren Verlauf des Streiks haben aber die Christen einen Streich begangen, der seinesgleichen suchen dürfte und um welchen die„Gelben" ihre„Brüder in Christo" beneiden können. Die Christen haben eine regelrechte Streikbrecheragentur eröffnet. Herr Ernst Feldmann, Solingen, Wörthstr. 8, der auch Gewerbegerichtsbeisitzer(!!!) ist, hat die schöne Christentat übernommen, für die bedrängte Firma Monden- wirth zu sorgen. Zu diesem Herrn Feld mann schickt die in Streik erklärte Firma die Arbeit hin(es kommt meistens Heim- arbeit in Frage) und die christlichen Streikbrecher holen sie sich von dort wieder ab. Tie Erregung unter der Solinger Arbeiterschaft über diesen Streich ist eine unbeschreibliche. In den nächsten Tagen werden sich Massenversammlungen mit diesem neuesten christlichen Heldenstückchen beschäftigen. HusUm d. Ein Polizistenstreik drohte in Basel, weil der Chef des Polizei- departements den wegen dienstlicher Inkorrektheiten entlassenen Polizeihauptmann Mangold vorübergehend wieder in den Dienst nehmen wollte zur Einführung des neuen Polizeiinspektors in sein Amt. Die Polizisten mitsamt ihren Unteroffizieren er- klärten nun, daß sie während der dienstlichen Anwesenheit Man. golds ihren Dienst einstellen würden. Der Polizeichef gab nach. Die auf streikende Arbeiter dressierten Jagdhunde des Kapitals drohen also selbst mit dem Streik. Letzte JVacbricbtcn und Depcfcben. Die Aussperrung in Hamburg. Hamburg, 12. Juni.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Zur- zeit sind insgesamt 8269 Bauarbeiter aller Branchen ausgesperrt, außerdem sind 500 Arbeiter abgereist. Die Bauschloffer und -Klempner beschlossen, in den Betrieben, in denen Teilaussper- rungen stattfinden, die Arbeit einzustellen. Das Gesuch der. Unter- nchmer des Bundesschützenplatzcs, Pioniere zur Fertigstellung der Arbeiten zur Berfügung zu stelle», wurde vom Kommaudeur de? 9. Armeekorps und vom KriegSminister abgelehnt. Demonstrationen gegen ein Schimpforgan. Würzburg, 12. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute abend demonstrierten einige hundert ausgesperrte Bau- und Holz- arbciter vor den Redaltionsräumen der„Neuen Bahr. Landes- zeitung", die die Ausgesperrten wiederholt als Säufer, Rowdys und Gesindel beschimpfte. Die Demonstration nahm einen würde- vollen Verlauf. Im Rhein ertrunken. Wiesbaden, 12. Juni.(B. H.) Die beiden Brüder Jofcf und Richard Bretz aus Langenschwalbach, die eine Kahnpartie auf dem Rhein unternommen hatten, stiegen bei Ginsheim ans Land und nahmen im Rhein ein Bad. Dabei ging Josef Vretz unter. Sein Bruder wollte ihn retten, ging aber gleichfalls unter und beide ertranken, da sie des Schwimmens unkundig waren. Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Zh, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S W, Die Erdbebenkatastrophe in Frankreich. Marseille, 12. Juni.(W. T. B.)„Petit MarscillaiS" ver- öffentlicht in einer zweiten Ausgabe Einzelheiten aus dem Erd- bebengebiet. In St. Cannct sind die Häuser nur ein Trümmer- Haufen; die wenigen, die stehen geblieben sind, sind stark beschä- digt. Das Viertel, in dem die Kirche steht, hat am meisten ge- litten; alle Häuser in der Rne Richard sind zerstört. Bei Tage?» anbruch gab der Maire Befehl, daß die Häuser geräumt werden. Die Bevölkerung eilte in großer Bestürzung auf die Straßen. Gegen 3 Uhr morgens begann man die Aufräumungsarbeiten; man zog nach und nach etwa 19 Tote und mehrere Verletzte auS den Trümmern. Militär ist auf der Unglücksstätte, um sich an dem Rettungswerke zu beteiligen. In Rögens ist daS Unglück noch größer als in St. Cannat. Vormittags 11 Uhr wurden 8 Leichen in das Hospital geschafft. Die Zahl der Opfer ist noch nicht fest- zustellen. Den Zugang zum Dorfe versperren große Felsmassen. Marseille, 12. Juni.(W. T. B.) Weitere Meldungen aus dem Erdbebengebiete besagen, daß im Arrondissement Aix 12 Per« sonen unter den Trümmern begraben sind. Zwei Bataillone der Garnison Aix sind an die Unglücksstätte mit Lebensmitteln abgc- gangen. Die Kirchen in Venelles und Lequille find eingestürzt. Die Telephon- und Telegraphenverbindung ist an vielen Orten unterbrochen. Marseille, 12. Juni.(W. T. B.) Bei den gestrigen Erd- beben sollen 60 Personen getötet und viele andere verwundet worden sein. Einem amtlichen Bericht der Präfektur zufolge soll die Zahl der Toten in Lambese 14, in St. Cannat 3, in Pny-St. Re Parade 2, in Peli sänne 1 und in RogneS 12 betragen.' Mohalistifche Schmierfinken. Paris, 12. Juni.(B. H.) In Vesmil beschmierten R o ha. listen in der vergangenen Nacht mehrere öffentliche Gebäude mit Teer, so das Präfekturgebäude, die Post, die Synagoge, das Justizgebäude und das Spital. Ueberall wurden Schimpfworte gegen die Regierung in Teerschrift angebracht. Wicderauftretcn der Cholera in Petersburg. Petersburg, 12. Juni.(W. T. V.) Seit gestern sind elf nrne Cholcraerkrankungen und drei Todesfälle zu verzeichne». Die Zahl der Kranken beträgt zur Zeit 48. Verheerende Stürme. Dallas(Texas), 12. Juni.(W. T. V.) Durch einen gestern abend aufgetretenen Tornado sind 11 Personen getötet und viele verletzt worden. In Gärten und Feldern ist bedeutender Schaden angerichtet worden. Hierzu 4 Bcilagcm~ IIU35. 26. Jahrgang. 1. Inlnoc des Joraiärts" Siiiiiitiis,13.|B«ii909. Quecksilber, und phoephorvergistung. Auf dem zweiten italienischen Kongreß für Gewerbelranlheiten, der vom 19. bis 21. Mai in Florenz tagte, kamen u. a. auch die verheerenden Wirkungen der O u e ck s i l b e r- und der Phosphor- Vergiftung zur Sprache. Professor P i e r a c c i n i führte aus dem Spital S. Maria Nuove klinisches Material vor. das die Wirkung des Merkurialismus, der chronischen Quecksilber- Vergiftung, illustrierte, wie sie sich durch die berufliche Berührung mit Quecksilber und namentlich durch das Einatmen von Quecksilber- dämpfen entwickelt. Es wurden zwei junge Arbeiter vorgestellt, die aus dem Ouecksilberwcrke von Abbadia San Salvadore in Toskana kamen. Bekanntlich sucht diese Krankheit, die zweifellos eine der furchtbarsten Gewerbekrankhciten ist. nicht die Berg- leute heim, die das Erz aus den Bergen gewinnen, sondern die bei der Extraktion und Kondensation des Quecksilbers beschäftigten Arbeiter. In den Ouecksilberwerken des Monte Ami ata, zu denen das von Abbadia gehört, wird über V,, des in der ganzen Welt produzierten Quecksilbers gewonnen, etwa 600 Tonnen im Jahre. Die gesamte Arbeiterschaft belauft sich auf rund 2000, wovon ungefähr die Hälfte eigentliche Bergarbeiter sind. Das gewonnene Erz. Zinnober oder peritvme Rnbinbleierde(SA£3) wird zunächst je nach der Größe der Stücke sortiert und getrocknet, dann geröstet, worauf das destillierte Quecksilber verdichtet und in Flaschen gefüllt werden muß. In Abbadia sowie in allen fortgeschritteneren Werken geschieht das Rösten in Cermak- Spirekschen Oefen, die die Gefahr der Vergiftung auf das Minimum reduziert haben sollen, das die heutige Technik erlaubt. Trotzdem sind z. B. im Bergwerk Abbadia von den an den Oefen Arbeitenden nicht weniger als 100 Proz. in mehr oder weniger hohem Grade von chroniicher Quecksilbervergiftung befallen. Die Leute arbeiten 8 Stunden— 3 Arbeitsschichten— und verdienen 3 Lire täglich an den Oefen und 2,60 an den Trockenwerken. Der Direktor des Werkes, Herr Ammann, hat Bäder und Douchen für die Arbeiter eingerichtet. Der Zustand der vorgeführten Patienten machte sogar auf die an menschliches Elend gewöhnten Aerzte einen tiefen Eindruck. Die Kranken, von denen der eine 21 Monate, der andere zehn Jahre abwechselnd an den Oefen und an den Trockenapparaten gearbeitet hatte, bieten das Bild hochgradigen Kräfteverfalls; das augenfälligste und gleichzeitig qualvollste Symptom ist der„tromor mwourislis", das beständige Zittern des ganzen Körpers, das bei jeder willkürlichen Bewegung an Intensität zunimmt. Der Kranke hat keinen Moment Ruhe, leidet zeitweilig an tetanusartigen Muskel- zusammenziehunaen und namentlich nachts an periodischen Erschütte- rungen des gesamten Muskelsystems, durch die er aus dein Bett geschleudert werden kann. Er bietet das Bild großer Gequältheit und beständiger Angst, kann kein Glas Wasser, keinen Löffel zum Munde führen und droht hinzufallen. wenn man ihn auffordert, seinen Gang plötzlich zu unterbrechen. Dabei sagte Prof. Pieraccini, daß die vorgeführten Fälle solche von mittlerer Schwere seien. Wird die Arbeit rechtzeitig unterbrochen, so ist die Aussicht auf Heilung gut; bei Wiederaufnahme der Arbeit sind Rückfälle sicher und übertreffen an Schwere die erste Erkrankung. Verläßt der Arbeiter zu spät die mit Ouecksilberdämpfen geschwängerte Lust, so stirbt er unter Erscheinungen der Erschöpfung nach äußerst qualvollen Leiden. Für diese Unglücklichen besteht keine offizielle Krankenversicherung, nur eine freie Hilfskasse, zu der jeder Arbeiter den Lohn eines Arbeitstages und der Besitzer die Hälfte zusteuerte. An die Vorführung der Kranken schloß sich eine interessante Dis- kusfion, worauf mit allen gegen 9 Stimmen die folgende Tages- ordnung Petrins angenommen wurde. »Stach Kenntnisnahme des Referats über die Wirkungen der Quecksilbervergiftung bei den Arbeitern der Bergwerke von Monte Amiata und nachdem er sich durch Augenschein von dem trostlosen Zustande der chronisch Vergifteten überzeugt hat, fordert der italienische Kongreß der Gewerbekrankheiten im Interesse der Arbeiterbevölkerung und des guten Namens der italienischen Nation alle Abgeordneten, die die Schande des heutigen Zustandes empfinden, auf, in der Kammer für die Durchführung aller prophylaktischen Maßnahmen einzutreten in Erwartung der gesetzlichen Entschädigung dieser un- glücklichen Opfer der Arbeit, und appelliert gleichzeitig im Namen desZRechtes auf das Leben an die Konföedration der Arbeit, damit sie den machtvollen Einfluß der Arbeiterorganisation aufbiete, um die Abschaffung deS heutigen ZustandeS zu erreichen." Diese Tagesordnung forderte ursprünglich die Konföderation der Arbeit auf. eine Enquete unter den Quecksilberarbeitern zu veran- stalten. Der Vertreter der Konföderation Genosse d'Arragona erklärte Kleines Feuilleton. MessinaS Untergang haben die Protestanten verschuldet! Wies hat der Bischof von Malta endeckt, wie das„Protestantenblatt" mitteilt. Um ähnlichen Katastrophen für die Zukunft vorzubeugen, verwarnt der Bischof seine Schäflein folgendermaßen: »Eine schwere Sünde ist es, selbst aus bloßer Neugier die protestantischen Kirchen und Betsäle während des Gottes- diensles zu betreten, im evangelischen Gottesdienst gegen Entgelt zu singen oder zu spielen und beim Druck evangelischer Bücher oder Zeitschriften zu arbeiten, auch für den untergc- ordneten Arbeiter und selbst bei Gefahr des Verlustes der Stellung! Todsünde ist es für Architekten, Baumeister, Unternehmer, am Bau oder an der Ausschmückung einer evangelischen Kirche mitzuarbeitern. Todsünde ist es für die Eltern, ihre Kindex m evangelische Schulen zu schicken.. Usw. Daß übrigens die protestantische Orthodoxie auch hier der katholischen wenig oder gar nichts nachgibt, hat bei einem ähnlichen Anlaß der selige Stöcker bewiesen. Sein«Reich" schrieb am 23. April 1906, nach dem Erdbeben von San Francisco: „Eindringen in die Gottesgeheimniffe von Katastrophen wie diejenige von San Francisco kann allein der im Worte Gottes st e h e n d e Christ." Die Christen haben zu bekennen auf Grund der Schrift, daß die Erdbeben spezifisch göttlicher Natur sind. Solche 5latastrophen, wie die von San Francisco, sollten uns wieder beten lehren. Auch in Deutschland kann es sich wieder regen, denn noch keine Wissenschaft hat mit Recht zu behaupten gewagt, daß erloschene Krater nicht neu aufleben könnten. Vergessen wir ferner nicht, daß, gerade angesichts der U eber- Hebungen moderner Afterwissenschaft und eines fast heidnischen«In den Tag Hineinlebens", es beinahe not- wendig ist, daß Gott hie und da wieder einmal zeigt, vie Bibel lüge nicht und er verfüge über Kräfte, bei denen«Sonne und Mond den Schein verlieren"— man frage die Leute vom Vesuv und San Francisco,— und daß gerade in dieser Form einmal das Weltgericht anbrechen wird." Das müßte ja auch kein Pfaffe sein, der sich nicht soweit aufs Geschäft verstünde, um schlechterdings aus jedem Ereignis Kapital schlagen zu können. Die Säuglingssterblichkeit in den Großstädten der Welt. Die Kindersterblichkeit, namentlich bei'Säuglingen, stellt den größten Anteil an der Jahressterblichkeit aller Völker dar. Zum mindesten ist diese Feststellung bei allen Kulturvölkern gemacht worden. Aus diesem Grunde ist es vollauf berechtigt, daß Gesundheitspflege und Heilkunde mit allen Mitteln darauf hinarbeiten, die Säuglings- sterhlichkeit zu vermindern. Wie die Verhältnisse in den der- schiedenen Ländern liegen, kann ziemlich gut aus einem Bericht er- sehen werden, den jetzt das Statistische Amt in Amsterdam über die Säuglingssterblichkeit in einer Reihe von größeren Städten Aber, seine Organisatton könne dieser Aufforderung nicht nachkommen. da ihr Mittel und kompetente Kräfte fehlten. Sehr bedauerlich ist, daß z. B. Genosse C a b r i n i gegen die Tagesordnung stimmte mit der Begründung, die Arbeiterorganisationen könnten sich nicht von ihnen fernstehenden Elementen ihre Aufgabe vorschreiben lassen. Dabei handelte es sich hierbei offenbar nicht darum, der Konföderation Vorschriften zu machen, sondern die Logik führte die vereinigten Aerzte dazu, ihren Appell an die einzige organisierte Macht zu richten, von der ein Interesse für die Sache zu erwarten war. Diese Tagesordnung gereicht der intellektuellen Rechtschaffenheit des Kon- gresses zu hoher Ehre. Einstimmig wurde zu demselben Thema eine Tagesordnung B i o n d i angenommen, die die Einführung der gesetz- lichen Fabrikinspektion forderte. Auch Fälle chronischer Phosphorvergiftung wurden vorgestellt, zwei Frauen und ein Mann, die an schwerer Nekrose des Kieferknochens litten und in furchtbarer Weise entstellt waren. Sie kamen aus Streichholzfabriken in Empoli, Toskana. Die Ne- ferenten Für n o und Tri a führten aus, daß die Regierung für diese Arbeiter bisher noch nichts getan hätte. Wohl hätte die italienische Regierung versprochen, der internationalen Konvention, die den Gehrauch des weißen Phosphors vom Jahre 1911 an ahfchafft, beizutreten, aber die Ratifizierung des betreffenden Gesetzes, die spätestens am 31. Dezember 1908 erfolgen mußte, ist durch die Schuld des Senats ausgeblieben. Obwohl die Industriellen selbst die größere Schädlichkeit des weißen Phosphors einräumen, hat sich da der Senator G r a s s i bewogen befunden, sie in Zweifel zu ziehen. weshalb die Herren Senatoren die Frage nicht für spruchreif erklärten und durch den mangelnden Anschluß Italiens die ganze internationale Konvention zu Nichte machten! In der Diskussion führte Prof. L o r i g a, um die Häufigkeit der chronischen Phosphorvergistung zu beweisen, die Arbeiten des öfter- reichischen Genossen Dr. T e l e k y an, der in Oesterreich 400 Fälle von Phosphorismus feststellen konnte, von denen trotz der obliga- torischen Anzeige nur 112 zur Kenntnis der Behörden gelangt waren. Schließlich Ivurde einstimnrig eine Tagesordnung Tria angenommen, die das Verhalten der Regierung in Sachen der Berner Konvention brandmarkt und besondere Schutzgesetze für die Phosphorarbciter fordert. Zum Schluß des Kongresses dankte Genosse D'Arragona im Namen der Arbeiter für die Einladung ihrer Organisationen zum Kongreß und sprach den Wunsch-aus, daß künftig die Verhandlungen dem Verständnis der Arbeiter näher gebracht werden möchten. Wie bei allen wissenschaftlichen Kongressen dürfte die Erfüllung dieses Wunsches nur in geringem Maße von dem Willen der Kongressisten abhängen. Auch die italienischen Arbeiterorganisationen sollten das ihre tun, um Interesse und Verständnis für Gewerbekrankheiten unter ihren Mitgliedern zu fördern. Mußten doch die Kongressisten es wiederholt beklagen, wie gering das Entgegenkommen sei, das sie unter den Arheitern für ihre Untersuchungen gefunden haben. Und doch liegt es gerade im Interesse der Arbeiterschaft, der wissenschaftlichen Be- obachtung Material zu bieten und so den Beweis zu erbringen für die Opfer an Gesundheit und Lebensfreude, die ihnen der Kapitalismus auferlegt. Viele der Aerzte. ja die meisten von ihnen, mögen im Klassenkampf nicht Partei nehmen, andere schart ihre Klassen- Zugehörigkeit, ihre Erziehung oder auch ihr Vorteil um die Fahne des Unternehmertums, nur wenige kämpfen in unseren Reihen: Professor Pieraccini ist Genosse. Aber die wissenschaftliche Beobachtung des Gegebenen dient nur dem Interesse der Wahrheit. Es ist deshalb Pflicht der Arbeiter, von der ein gelegentlicher Mißbrauch der Wissen- schast nicht entbindet, die Studien der Aerztewelt in ihren Reihen zu begünstigen und zu fördern. In Deutschland ist die Bekämpfung der Quecksilber- und der Phosphorvergiftung auf die unablässigen Bemühungen der geWerk schaftlich und politisch organisierten Arbeiter zurückzuführen. Ohne die nimmer ermüdenden Anregungen und Anträge der Sozialdemo- kraten würde auch in Deutschland auf diesem Gebiete ein Arbeiter- schütz noch fehlen._ AiktschuMher Kochenbericht. Berlin, 12. Juni 1909. EntWickelung der Fleischprcisc in Deutschland— In- und ausländische Fleischpreise. Obwohl die Agrarier mit dem großen Wurf der neuen Handels vertrage eine Milliardenbeute in Sicherheit gebracht haben, sucht ihre Begehrlichkeit dem deutschen Volke immer noch neue Blutegel anzusetzen. Ihre zügellose Lebensmittelwucherpolitik zielt nach während des JahreS 1907 veröffentlicht hat. Daß Städte wie Kairo mit 33 v. H. Todesfälle bei Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres, Chicago und Petersburg mit etwa 27, Moskau und Havanna mit etwa 26 v. H. an der Spitze stehen, könnte ein 5ienner dieser Orte ungefähr vermuten. Dann folgt gleich, außer dem kleinen sächsischen Orte Kamnitz mit 24, Breslau mit 22,4 v. H. und übertrifft in diesem unerfreulichen Punkt sogar das zum mindesten früher als ungesund berüchtigte Alexandria. Dann kommen Bukarest und Trieft mit 22 bezw. 21 v. H., aber wieder steht eine deutsche Stadt, nämlich Nürnberg, mit 20,7 gleich da- hinter. Köln marschiert hinter Gent mit 19,5 und steht auf der- selben Stufe wie Ronen. Lille, München und Posen haben die gleiche Ziffer 19,3 und übertreffen mehr oder weniger erheblich Städte wie Madrid, Marseilles und Warschau, deren Ruf in ge- sundheitlicher Beziehung doch nicht gerade glänzend zu nennen ist. Leipzig teilt mit Antwerpen die Ziffer 16,8 v. H., und unge- fähr gleich steht Stuttgart. Dann folgen weiter Newhork und Budapest. Besonders auffallend ist die Tatsache, daß auch baS bildsaubere Düsseldorf mit 14,8 eine recht hohe Sterblichkcitsziffer aufzuweisen hat. Mit ungefähr derselben Zahl folgen Dresden, Lemberg, Manchester und Wien. Auch das Gegenstück dieser Liste, nämlich die Gruppen der Großstädte, die sich der niedrigsten Säuglingssterblichkeit rühmen dürfen, enthält eine Reihe von Ueberraschungen. Den Triumph der geringsten Ziffer überhaupt haben die Städte Aberdeen und Bordeaux mit nur 6,2 v. H.; dann folgen Christiania und Amsterdam, Zürich, Bristol, Haag, Genua, also fast sämtlich Hafenstädte— gewiß ein merkwürdiger und be- achtenswerter Umstand. Auch die Städte Paris, Utrecht, Buenos Aires, Nizza und Rotterdam schließen sich dieser Gruppe in der nämlichen Hinsicht an; sie haben sämtlich eine Kindersterblichkeit von 10 bis 11 v. H. aufzuweisen. Nunmehr kommt mit 11,2 v. H. Berlin und mit gleicher Ziffer Elberfeld, mit 11,4 London. Auch die großen Vorstädte Berlins. Charlottenburg und Schöneberg, sind mit ungefähr 13 v. H. verhältnismäßig gut gestellt, und auf gleicher Höhe begegnet man der Stadt Frank- furt, der sich Graz und Rom anschließen. Daß diese Zahlen sämt- lich schon einen Fortschritt bedeuten, geht aus der Tatsache her- vor. daß sie durchweg niedriger sind als in früheren Jahren, zum Teil um erhebliche Beträge. Dies gibt Hoffnung auf weitere Ber- besserung, aber es bleibt doch deutlich genug, wie ungeheuer viel in manchen Großstädten zum Schutz der Säuglinge noch zu tun bleibt. Wie die Neger zählen. Eine dankenswerte Arbeit über die Zählmethoden der Neger im Kongogcbict hat nach dem„Globus" Dr E. Viacne geliefert. Sein in übersichtlichen Tabellen zu- sammengestelltes Material reicht von der Küste des Atlantischen Ozeans durch das Kongo- und Kassaigcbiet bis zum Helle und den großen Seen. Von Interesse ist. daß bei allen beobachteten Stäm- men das Aussprechen einer Zahl stets von mimischen Aeuße- rungen begleitet ist. Sagt ein Mango fünf, so hält er die offene Hand hin. spricht er zehn aus. so legt er beide Handflächen an- eirmiex, während der Baluba beim AyZsPrechcg vgs fünf die immer höheren Preisen, nach immer mehr, immer reichlicher fließenden Liebesgabenquellen. In den letzten Wochen haben wir wiederholt gezeigt, in welch wahnsinniger Weise die Brotgetrcidcpreise hinaufschnellen. Dieselbe Entwickeluug zeigt sich aber auch bei den Fleischpreisen. Rindfleisch hat zwar die Notstandspreise der Vorjahre verlassen, aber cS hat wieder eine starke Auflvärtsbewegung eingesetzt, und die Preise für andere Fleisch- sorten, speziell für Schlveinefleisch, haben die Höhe der Vorjahre sogar weit überholt, während gleichzeitig die Erlverbsverhältnisse sich verschlechterten. Nach den im Kaiserlich Statistischen Amt zu- sammengeftellten, im 2. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches veröffentlichten Durchschnittspreisen von 10 deutschen Märkten geben wir zunächst folgende Uebersicht. ES kostete im 1. Quartal ein Doppelzentner Mark: In Danzig und Magdeburg find die Rindvichpreise nach Lebend« gewicht, an den übrigen Marktorten nach Schlachtgewicht ernnttelt, die Schweinefleischpreise in Danzig nach Lebendgewicht ohne Tara, sonst nach Lebendgewicht mit Tara oder Schlachtgewicht; für Kälber gilt außer Danzig, Magdeburg, Leipzig, Chemnitz und München, wo nach Lebendgewicht gerechnet wird, Schlachtgewicht; nach Lebend- gewicht sind die Hammelpreise festgestellt in Danzig. Magdeburg, Leipzig und Chemnitz, an den übrigen Plätzen nach Schlachtgewicht. Auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Berechnnngsweisen zeigt sich ein starkes Auseinandergehen der Preise an den verschiedenen Orten. Und die steigende Tendenz tritt überall smnenfällig zutage: bei Ochsen» fleisch die Annäherung der Preise an den Hochstand in den beiden Vorjahren, bei Schweinen für 1909 der bisher je erreichte höchste Preis und bei Kälbern die Einholung des Höchstpreises im Jahre 1907, das Hinausgehen über die Preise deS Vorjahres. Die absolut höchsten Rindfleischprcise hat München;' hier sind sie mehr als doppelt so hoch als in Danzig mit dem niedrigsten Preis. Das Schweinefleisch ist am teuersten in Mannheim, am billigsten in Magdeburg, das auch mit dem Ochscnflcisch an zweitniedrigster Stelle steht. Frankfurt darf sich der höchsten Kälberpreise rühmen, Danzig der niedrigsten. Berlin nimmt mit seinen Fleischpreisen eine mittlere Stelle ein. Auch bei der Gestaltung der Fleischpreise zeigt sich, daß die breite Masse am stärksten tributpflichtig ist, denn das von ihr vor« wiegend konsumierte Schweinefleisch hält bei der Preissteigerung unbestritten den Rekord. Berücksichtigen wir die Berliner Notierungen linke Hand, beim Aussprechen von zehn aber beide Hände schließt. Der Mongo kann sich bis 15 durch Hand- und Fingerzeichen ver» ständlich machen. In dem bezeichneten Gebiete herrscht bei den Schwarzen teils dezimale, teils quinäre Zählart(Zählsysteme, die auf der Zehn oder der Fünf als Grundlage beruhen). Während die ersteren niemals die Füße benutzen, wenn sie eine Zahl aus- sprechen, ist dieses der Fall bei den Stämme mit quinärer Zähl. Methode. Die Abarambo deuten zehn durch Ancinanderklappen der Hände an; 15 dadurch, daß sie beide Hände auf ein Bein schlagen; 20 durch Aufschlagen auf beide Beine mit beiden Hän- den. Die beiden Zählarten fallen mit ethnographischen Grenzen zusammen: crstere kommt den Bantu, letztere den Sudannegern zu. Doch will, bei den engen Handelsbeziehungen usw. an den Grenzen dieser beiden Völkerabteilungen, Viaene sie keineswegs stets als ein direktes Rassenkennzeichen aufgefaßt sehen, da stets Vermischungen stattfinden. Humor und Satire. — Die Nörgler im Herrenhaus. Seitdem die Kerle, die Burgcmeister, sich so mausig machen, ist leider das Nörgerln und Räsonniercn auch in das sonst so vornehme Herren- haus eingezogen. Es ist schon so loeit gekommen, daß man im Herrenhause den Versuch erlebt hat, die Regierung zu tadeln! Die Oberbürgermeister, diese Pennbrüder, wagen es zu behaupten. daß der Staat vom Grunewald nichts verkaufen dürfe. Das bat die Hohe Regierung nun von ihrer Gutmütigkeit. Die Stadr Berlin baut auf ihren Terrains Rathäuser und Schulen und denkt nicht daran, sie dem Staat zur Anlegung von Domänen zu über- lassen; sie aber verlangt, daß vom Grunewald nicht ei» Quadrat- mctcr verkauft oder bebaut werden soll! Bürgcrfrcchheitl Und dabei tut die Regierung alles für den Grunewald. Sie sorgt dafür, daß die eintönigen Kiefcrnstämme durch Architekturwerke unterbrochen werden, und will übrigens 1200 Stämme stehen lassen. Damit diese 1200 Bäume aber nicht auf einem Hausen stehen, was einen langweiligen Eindruck machen würde, soll immer ein fünsstöckigcs Haus und eine 5liefer miteinander abwechseln. Die Regierung behält sich vor, einzelne Kiefern durch Denk- m ä l e r und den Namen Grunewald durch den Name» Berliner Urwald zu ersetzen. — Zukünftige Vereidigung.„Ehe ich Sie vereidige, Herr Zeuge, mache ich Sie pflichtjemäß darauf aufmerksam, daß Meineid mit bis zu drei Monaten Gastcin bestraft wird." ._(„Jugend".), Notizen. — Musikchronik. Die erste„T r i st a n"- A u f f ü h r u n g in der Gura-Oper sindet Dienstag in neuer Inszenierung statt. Der neue Kuppelhorizont wird hierbei zum ersten Male in einer Oper Verwendung finden. Tie Bühnenbilder des ersten und dritten Aktes mit dem weiten Meere werden durch diese technische Neuerung ein gang eigenartiges Gepräge erhalten. Rotterdam Kopenhagen »md stellen die Preise von 1005 mit denen von 1909 in Vergleich, ergeben sich folgende Resultate: Der Preis stieg für: Ochsenfleisch um 8,2 Prozent Kalbfleisch„ 14,7 Schweinefleisch„ 22,1„ Die Tributpflicht des deutschen Voltes für die Agrarier kommt aber auch in dem Verhältnis der Preise in Deutschland mit denen im Auslande handgreiflich zum Ausdruck. Unsere Junker haben das nationale Schwein derart geschützt— gegen die Konkurrenz der aus- ländischen Sau—, daß es die Preise ani Auslandsmarkt weit hinter sich läßt._ Stolz kann der Deutsche von seinem— teueren Schwein reden. Hier eine vergleichende Tabelle über verschiedene Preise, wobei zu berücksichtigen bleibt, daß Berlin im Verhältnis zu anderen deutschen Märkten noch niedrige Preise hat. Es kostete im ersten Quartal 1900 ein Doppelzentner Mark: Berlin Wien Budapest Paris (Schlacht-(Lebend-(Rein-(Fleisch- gewicht) gewicht) gewich:) 100,1 109,9 116,0 94,0 104,6 101,9 94,1 102.6 110,1 100,3 116,0 120,2 100,7 110,7 160,4 91,0 103,1 162,0 103,6 114,1 118,4 in dieser Zusammenstellung nähme, als es in den Jahren 1907 und 1903 ganz exzeptionell hohe Preise hatte. In Deutschland sind die Preise auch bei Würdigung der nicht konformen Berechnungsweise jetzt nicht nur am höchsten, hier ist auch die Veränderung gegen das Vorjahr, und gegenüber 1902, am ungünstigsten für die Konsumenten. Folgende Tabelle illustriert daS. Der Preis im laufenden Jahre ist höher H-) oder niedriger{—) in Proz. gegenüber: 1903 . 23,00 1903 1904 1906 1900 1907 1903 1909 Paris gewicht) 109,7 94,3 117,4 149,9 114,4 110,0 134,0 macht (Lebend- gewicht) 74,3 06,1 77,3 97,6 81,6 82,7 81,6 insofern (Schlacht- gewicht) 89,3 81,6 83.2 106.3 90,2 82,3 68,7 eine Aus- 3,39 3,82 2,61 9,09 0,08 die Preise 1908 21,16 12,99 10,08 — 28,38 — 1,47' + 7,51 gegen daS Vorjahr Berlin i, Wien.... Budapest... Paris.... Rotterdam... Kopenhagen.. In Paris und Rotterdam sind gefallen; Berlin ist mit der Preiserhöhung allen Plätzen weit vor- ausgeeilt. Sowohl im Vergleich mit den Preisen des Jahres 1902 als auch mit denen von 1903 ist hier die Steigerung am aller- stärksten. Auch England hat niedrigere Preise als Deutschland. Da von dort Angaben für das laufende Jahr noch nicht vorliegen, soll die folgende vergleichende Zusammenstellung von Jahresdurchschnitts- preisen pro 1903 aus englischen und deutschen Städten das illustrieren. 'Ss kostete 1 Doppelzentner Mark: Berlin Frankfurt a.M. London Manchester Rindfleisch. i 164,0 169,3 117,7 116,9 Schweinefleisch. 123,9 136,6 119,7 119.3 Bemerkt sei ausdrücklich, daß auch hier die Preise für die besten Ueischqualitäten in Parallele gestellt sind. Berücksichtigt man die billigen Sorten, gestaltet sich für Deutschland das Bild noch viel ungunstiger. Aus den nachstehenden Angaben ist daS ersichtlich. Für einen Doppelz�Mer wurden im Dezember 1903 bezahlt je nach Qualität: Rindfleisch Schweinefleisch Hammelfleisch Da merkt man den Erfolg der agrarischen Wirtschaftspolitik in Deutschland. Deutschland in der Welt voran I Hier, in bezug auf Lebensmittelpreise, zeigt sich die Berechtigung des meist nur Phrasen- hast gebrauchten Schlagwortes. Aber das deutsche Volk hat keine Ursache, auf diese Priorität stolz zu sein, ist sie doch nur der Ausfluß seiner Rückständigkeit, seiner bejammernswerten Botmäßigkeit unter agrarischer Herrschaft. Der deutsche Arbeiter darf versichert sein, daß die Preisschraube noch lange nicht zum Stillstand kommt, wenn er wie bisher ergeben alle Lasten auf sich nimmt und immer wieder den bürgerlichen Parteien und der Regierung bei den Wahlen Ge- folgschaft leistet. Je mehr der deutsche Michel sich in der Tugend schafsmäßiger Geduld und Unterwürfigkeit übt, um so frecher und anmaßender wird das Junkertum. v. Eue Induftrie und fjandel Baumwoll-Dividenden. Trotz des allgemeinen wirtschaftlichen Rückschlages haben die Unternehmungen in der Baumwollindustrie für das letzte Jahr noch sehr gut abgeschnitten. Während die Arbeiter unter den Folgen der Krise und Lebensmittelteuerung furchtbar leiden, erfreuen sich die Aktionäre reichen Dividendensegens. Einer eingehenden Dar- stellung in der«Voss. Ztg." entnehmen wir folgende Gesamt- zifferu: 4 Webereien, die über ll2/a Millionen Mark Aktienkapital verfügen, brachten eine Dnrchfchnittsdividende von 0,03 Prozent heraus gegen 11,83 Proz. im Borjahre; 24 Spinnwcbereien. deren Aktienkapital Ol'/z Millionen Marl beträgt, verteilten für 1903 10,80 Proz., für 1907 13,79 Proz., und die Dividende, die 22 mit 100Vz Millionen Mark Aktienkapital arbeitende Spinnereien heraus- brachten, macht für das letzte Jahr 12,09 Proz. aus, für 1907 etwas mehr, nämlich 13,13 Proz. DaS sind Ausschüttungen, die daS Gerede von der schlechten Rentabilität in der Textilindustrie ins rechte Licht rücken. Wie können die Textilindustriellen angesichts solcher Ergebnisse es noch wagen, gegen jede Sozialreform, gegen jedes Quentchen Arbeiterschutz mit der alten Phrase von der be- drohten Konkurrenzfähigkeit zu operieren? Der Gewinnteufel treibt I Schutz der nationalen Arbeit. Nach Mitteilungen der«Köln. Volksztg." bieten rheinisch-west» (älische Werke Stabeisen in Flußeisenqualität mit 94 M. pro Tonne an, und lothringisch-luxemburgische Hütten mit 92 M. und bei baldiger Abnahme bereits mit 90 M. Dabei beträgt der Inlands- halbzeugpreis zurzeit 87,60 M., während der Preis für die Stab- «isenausfuhr von 88 bis 90 Schilling fob Antwerpen den Werken nur einen Erlös von 34 bis 80 M. pro Tonne netto Kaffa läßt. Demnach wird Fertigmaterial im Auslande billiger abgegeben als Halbzeug auf dem Inlandsmarkt. Auch hier handelt es sich um einen Auswuchs unserer glorreichen Zollpolitik zum«Schutze der nationalen Arbeit"._ ProduktionSeinschränkung als Folge der„Schutzzollpolitik. Der schlechte Geschäftsgang in der Porzellanindustrie, der namentlich infolge der Zollerhöhungen in Amerika den Export dorthin ins Stocken gebracht hat, veranlaßt?, wie die«Breslauer Zeitung" mitteilt, niehrere Fabriken des Waldenburger KreiseS, Betriebseinschräukungen anzuordnen. Auch in der bergischen Klein- eisenindustrie zeigen sich bereits die gleichen Wirkungen der Er- drosselungspolitik, die wir zu einem gute» Teile unseren Agrariern verdanken.____ Internationale Händlerorgauisation. Nach Mitteilungen in einer kürzlich in London abgehaltenen Versammlung der„Intomatioiml Pederation of Ironmongers", der auch ein Vertreter der„Deutschen Eisenhändler-Vereinigung" bei- wohnte, steht die Gründung eines«Internationalen VerbanoeS von Eisenhändlervereinen" unmittelbar bevor. Da die Vereinigungen von Stahl- und Eisenwarenhändlern in den verschiedenen Ländern doch die gleichen kommerziellen und wirtschaftlichen Fragen zu lösen hätten, solle behufs Austausches der Erfahrungen und Ansichten und zur Anbahnung geschäftsfreundlicher Beziehungen die Gründung erfolgen. Die Geschäfte des Verbandes werden durch einen Aufsichtsrat geführt, dem nicht mehr als drei Delegierte von jeder dem Verbände beigetretenen Vereinigung angehören sollen. Die ganze Geschichte läuft natürlich auch wieder darauf hinaus, die Konsumenten besser schröpfen zu können. Das gehört zu den «nationalen" Aufgaben des internationalen Kapitals! Wenn aber die Arbeiter auf internationalen Kongressen über Schutz gegen Aus- beutung und für Gesundheit und Leben beraten, dann gelten sie als vaterlandsloses Gesindel. Kapitalistische Moral l Ratlos. Eine eigenartige Begründung für die Ablehnung von Preis« ermäßigungen haben sich die Koksproduzenten geleistet. Es wird («meldet: Auf Anregung des Rheinisch-Westfälischen KohlenshndikatS and gestern in Essen eine Sitzung von Vertretern derjenigen Zechen tatt, welche Koks herstellen, in der beraten wurde, wie der auf dem Koksmarkte lastende Druck zu beseitigen bezw. zu mildern sei. Es konnte jedoch ein bestimmtes Ergebnis nicht erzielt werden. Man war der Meinung, daß auch bei weiterer Herabsetzung der Preise für Koks oder bei ähnlichen Maßnahmen, angesichts der schlechten Beschäftigung der Großindustrie, eine besondere Hebung deS Absatzes von Koks nicht zu erzielen sein würde.— Ist die Lage am Eisen- markt gut, werden die Preise für Brennmaterialien gesteigert, ist die Lage schlecht, erklärt man Preisermäßigungen für zwecklos. Demnach find höhere Preise immer begründet. ?Zus der Frauenbewegung. �Gefahren und nochmal Gefahren" der Frauenbewegung. Konform mit den von uns in unserer Donnerstagsnummer gezeichneten Artikeln der„Postleute" gehen die neuerdings wie Pilze aus der Erde schießenden Broschüren und Bücher gegen die radikale und vor allen Dingen gegen die sozialdemokratische Frauenbewegung. Man könnte diese znm Teil kaum noch ernst zu nehmenden Produkte einzeln, paarweise, viertel- und auch halb- dutzendweise abschlachten, es blieben immer noch genug un- besprochen zurück, um, wenigstens soweit es unsere Kreise betrifft, unbeachtet zu verkommen. Als ein Zeichen der Zeit verlohnt es sich doch, einmal einigen dieser Hirnauswüchse etwas näher zu treten. Das eine dieser Bücher, daS augenblicklich mit Geflissenheit in allen bürgerlich-öffentlichen Buchauslagen obenan zu schauen, stammt von einer— sehr, sehr originellen Frau. Es betitelt sich:„Krank am Weibe". Krank am Leibe wäre vielleicht richtiger, da nach den neuesten Forschungen der Wissenschast fast alle geistigen Defekte auf die psychischen, angeborenen oder er- wordenen zurückzuführen sind. Die Verfafferin nennt ihr Geisteskind eine Streitschrift, die sich an die Adresse der über- tölpelten„teutschen" Männer richtet, denen bald das Fell über die Ohren gezogen sein dürfte. Wir wollen uns darauf be. schränken, einige Glossen der Verfasserin herauszugreifen� die keiner weiteren Definition bedürfen! „Die Eigentümlichkeiten der weiblichen Natur sind bor- wiegend animalische, triebhafte, sagt das kranke Weib, Genialität besitzt nur der Mann. Rein mensch- liche Fähigkeiten gibt es nicht! Frauenemanzipation ist eine immer wiederkehrende Bewegung in der Geschichte. D i e Herrschsucht der Frau(konform mit den ,,Post"leuten) ist die Veranlassung der Frauenbewegung. Ein weiterer Anlaß ist der verschärfte Gegensatz von Reichtum und Artnut. der die Folge einer langen Friedensperiode sein kann! Die Unzufriedenheit, die Mutter der Sozial» demokratie, ist auch der heutigen Frauen hervorstechendste Charaktereigenschast. An der Ungunst der Wirtschaft- lichen Verhältnisse tragen die Frauen die Schuld. Alle Kulturerrungenschaften stammen vom Manne. Die Frau ist hauptsächlich schuld au aller Unsittlichkcit.* I(Das geht noch über die„Post"!) Ist das genug? Nein, noch einen Augenblick. Mit einem Ausfall auf die„Mutterschaftsbcwegung" und die Mutter- scha ftsv erst ch erung begnügt sich alsdann die Frau noch nicht:„Alle modernen Wohlfährtseinrichtungen," läßt sie eine resolute Gemeindeschwester sagen(sie geniert sich wohl, es selbst auszusprechen?),„korrumpieren das Ver» antwortlichkeitSgefühl der„Arme n", leisten der Nachlässigkeit, der Unreinlichkeit und Faulheit Vorschub. Es ist mit den Händen zu greifen, was mit den Besuchen, den Hilfe- leistungen an den untersten Schichten des Volkes, besonders am städtischen Proletariat, gesündigt wird. Man blicke auf das sittlich-starke Landvolk und man halte dagegen die Unverschämtheit, die Verstellung, die Schamlosigkeit des verhätscheltenStadt- Proletariats. Die Ehe ist nicht reformbedürftig, noch hält der teutsche Mann sie heilig. Es ist in erster Linie das sozial- demokratisch verhetzte Proletariat, welches jedes Verantwortlichkeits- gefühl ablehnt, weil ihm der sentimentale, unberechtigte Wohl- fahrtsdnsel feministischer Kreise den letzten Rest von Scham und Stolz wegnimmt. Und um dieses Proletariats willen sollen Verbesserungen an Institutionen borgenommen werden?" ... Ein anderes Buch ist betitelt:«Die grüne Gefahr", von einer christlichen Frau verfaßt.„Die grüne Gefahr" sind ihr die radikalen Frauen, die absolut unreif sind, und daher in Ein- tracht mit der„gelben Gefahr" und der„roten Gefahr" besser beseitigt würden. Wieder heißt es: Weg mit„Nietzsche", vor allen Dingen mit Nietzsche! Dann ein Kapitel gegen die Ein- k ü ch e n h ä u s e r, die die Hausfrau überflüssig machen könnten, eine Kardinalangst der Verfasserin. Maria Werner, die ihr Buch im Grunde genommen für die„verheiratete" christliche Frau ge- schrieben, die sich durch die Frauenrechtlerinnen in ihrer Existenz bedroht sieht, oder glaubt. Sogar Pfarrer Naumann bekommt sein Teil von ihr, weil er die„berufslose Mutter eine Wunde am Volkskörper" nennt, dann ein swlzes Kapitel: „Wir wollen kein Wahlrecht der Frau!" Miau! Dann auch ein auf totaler Unkenntnis basierendes Kapitel über die „Schule" und die„Prostitution", an deren Beseitigung nur Männer arbeiten sollten, und dann das überraschende Schlußkapitel. Ach, hätten wir christlichen Frauen doch auch solche tüchtige Apostel durch das Land zu senden wie die Sozialdemo- kratie, wie die„Grüne Gefahr"! Ach, ach, wäre das gut!! In ÄÄi&eiL Tuwier mit Pen Sfgüatoiiunsa ßisllichet Frauew vetvegung dürften die zit erwartenden christlichen Agitatormnen kaum siegreich kämpfen, ihnen bleibt nur das.Dunkelland". Der Bund für Mutterschutz hat sich die Aufgabe gestellt, den ledigen Müttern nicht nur augenblickliche Hilfe angedeihen zu lassen, sondern ihnen auch in jeder Beziehung, durch_ Nachweis von Beschäftigung im Haushalt, Fabrik, Bureau, Anfertigung von Schreibmaschinenarbeiten, Erteilen von Unterricht in Sprachen, Malen, Musik, als Hausdame, Reifebegleiterin usw.. bei der Gründung einer neuen Existenz zur Seite zu stehen. Er bemüht sich ferner, den Müttern die in Werlin so schwierige Wohnungs- frage zu erleichtern, und bittet alle, die geneigt sind, eine Mutier mit Kind gegen Hausarbeit und geringen Entgelt aufzunehmen oder auch nur ein Kind als Pflegling, ihre Adressen und Be- dingungen dem Bureau des Bundes mitzuteilen. Sprechstunden täglich von 9—1 Uhr. außerdem Dienstags und Freitags von 7—9 Uhr abends. �. Gleichzeitig spricht der Bund für Mutterschutz die Bitte um Unterstützung in Geld, Wäsche. Kleidung aus; bei dem großen Andrang der Hilfesuchenden ist jede Gabe sehr willkommen. Kellnerinnen und Frauenrechtlerin. Auf dem letzten deutschen Frauentag und in einer Broschüre hat die bekannte Frauenrechtlerin Jellinek die Förderung auf gänzliche Ausrottung des Kellnerinnenberufs aufgestellt mit der Behauptung, die Kellnerinnen seien samt und sonders der Prosti- tution verfallen, die Verführer der Studenten und vieler braver Ehemänner, wodurch sie dazu beitrügen, das Familienleben zu zerstören. In einer Kellnerinnenversammlung in Nürnberg wurde gegen die leichtfertige Behauptung Protest erhoben. Der Dame wurde entgegengehalten, daß, wenn die Prostitution unter den Kellnerinnen verbreitet sei, daran die Ausbeutung durch die Unter- nehmer die Schuld trage. In Nürnberg lassen sich viele Hoteliers und Cafetiers von den Kellnerinnen förmlich ernähren. Vielfach erhalten sie nicht nur keinen Lohn, sondern sie müssen auch Bruch- geld bezahlen für Geschirr, das andere zerbrochen haben; Zeitungen. Streichhölzer. Zahnstocher usw. müssen sie beschaffen, das Spül- mädchen auf ihre Kosten stellen usw. Auch von den Stellenvermittlern werden sie unerhört ausgebeutet; die Gebühren betragen bis zu 16 M. Oft arbeiten Vermittler und Wirte Hand in Hand, indem die letzteren die Kellnerinnen nach kurzer Zeit wieder ent- lassen, damit sie den Vermittler aufs neue in Nahrung setzen müssen. Die Versammlung stellte folgende Forderungen auf: Ab- schaffung des Trinkgeldes, dafür Einführung eines Minimallohnes von 3 M. mit und 4 M. ohne Berköstigung, löstündige Arbeitszeit mit entsprechenden Pausen, ununterbrochene Lstündige Ruhezeit nach jedem 16stündigen Arbeitstage, Gewährung eines freien Tages in jeder Woche, Abschaffung der privaten Stellenvermittelung und Uebertragung der Vermittelung auf das städtische Arbeitsamt. Steuerbedrückung. Zu allen Zeiten war es eine der„Tugenden" der besitzenden Klassen, die Steuern und Lasten auf die Schultern des arbeiten- den Volkes abzuwälzen. Und mit Vorliebe haben jene ihr Getue mit Phrasen von Vaterlandsliebe, von Gemeinwohl und Familien- sinn begleitet, um ihrer Selbstsucht ein dürftiges Mäntelchen um- zuhängen. So auch jetzt wieder bei der 500 Millionenvorlage. Das ganze infame Steuersystem im Deutschen Reiche wird aufgerollt. Jede Arbeiterfrau sollte eS genau kennen. Aber gewöhnlich klagt diese in drückender Sorge nur wegen der hohen direkten Steuern, sie hat aber keine Ahnung von der aufreizenden Tatsache, daß der Staat sie mit der indirekten Steuer noch um das Vier- und Fünf- fache stärker als mit der direkten Abgabe belastet. Es genügt nicht, daß die Frau schimpft, wenn die neuen Steuerbenachrichti- gungen ins Haus kommen. Sie muß erkennen die Hinfälligkeit der alten Spießbürgerweisheit: Die Politik sei nichts für die Frau. Gerade ihre Sorgen und Kämpfe werden bestimmt durch die Politik der Herrschenden. Die Frauen sind ja zumeist die Finanz. minister der Familien, auf deren Schulterii die ganze Wlucht unserer Steuerpolitik fällt. Deshalb müssen gerade die Proletarierinnen mit eintreten in die Reihen der Sozialdemokratie, die für eine gerechtere Ver- teilung der Steuerlasten kämpft, indem sie alle indirekten Steuern abschaffen und an deren Stelle direkte Einkommen- und Ver- mögenssteuern setzen will, die vornehmlich von denen getragen werdsn. die im Genüsse der großen Reichtümer sich befinden. ßriefkaften der Redaktion, Dt» inrlftis»-«vreih stunde stndet Ltndenstrah« Nr. st,»welter Hof, dritter Singang. biet Treppen, MF- F a h r st u h l wochentäglich abends von 7>/> bi« O1/, Uhr statt. Geöffnet 7 Ulir Sonnabend« beginnt die Sprechstunde UM st Uhr. Jeder Anfrage ist«in Buchstabe nnb eine Zahl als»terkzeicheu beizufügen. Briefliche Antwort wirb nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage vergehen. Eilige Kragen trage«au tu der Sprechstunde dar. B. Rixdorf 191. Nein, aber Pfändung kann erfolgen.— Lotterie- verein„Glückauf-'. Ja, aber Ihre Rechte am Lose verlieren Sie nur, wenn das ausdrücklich im Statut festgelegt Lt.— 06. P. 40. Die Ab- findung erfolgt wegen Verstümmelung oder Konventionalstrafe. Der" Konventionalstrafe entbehrt weil fie zu unbeschränkt die Verwertung Ihrer Arbeitskraft hindert. Es ist aber deshalb nicht der ganze Bertrag ungültig. Von den von Ihnen an« geführten Gründen dürsie nur der aus Ihren Gesundheitszustand bezüglich- zur Aushebung deS Vertrages führen können. Die Klage können Sie bei dem Kausmannsgericht selbst einreichen und sübst vertreten. — I. Sch. 23. Nach dem Gesetz müßten Sie die Kosten wagen. — E. P. 820. Nein, salls nicht die Erziehung dem Vater genommen wird. Di« Tochter kann unter Darlegung de» Sachverhalts beim Bor- mundschastSgericht beantragen, gegen die von Ihnen geschüderte Behandlung einzuschreiten.— P. P. 1. Die Verurteilung gilt. 2. In einem solchen Falle würde eine Beleidigungsklage ihrerseits Aussicht aus Erfolg haben.— A.®. 100. 1.— 4. Zu der von Ihnen erwähnten Aussordcrung ist Ihre Frau nicht verpflichte! 5. Die Tier« können Sie selbst abschaffen, ö. Da- gegen gibt es kein Rechtsmittel, als daß Sie die Sachen zurückholen. 7. Ja. 8. Nein.— O. Tch. 8. DaS durch das letzte Gesetz geregelte Verhältnis kommt zur Anwendung.— 9t. 3. 731. Die Krankenkasse kann Ersatz von Ihnen verlangen.— O. R. 100. 1. u. 2. Nein. — D. 29. 1. und 2. Die Klage ist sehr schwierig durchzusühren, hätte aber Wusficht auf Erfolg- Sie müßten sich eines Anwalts zur Durchführung bedienen. 3. und 4. Leider ja. 6. und 6. Nein. Gegen die Pfändung würde Ihre Frau mit Erfolg JnterveniionSklage erheben können. 7. Ein --- W.. jährlich uvetsttigkH E. Liefe 58. Wer Hebamme werden will, muß sich bei der Polizei melden. Die Anwärterin wird dann vom Arzt untersucht und einem Examen(Lesen, Schreiben, Rechnen) unterworfen. Hieraus wird Sie in 5le Liste der An- wärterinnen eingetragen. Kommt die Reihe an fie. so wird sie znm Hebammenkursus berufen. Dieser ist ein scchsmonatlicher, findet in der Charitö statt und koster 390 M. Nach Beendigung des Kursus erfolgt die Prüfung, nach bestandener Prülung die Bestallung als Hebamme. Da 'onen, die über 39 Jahre alt find, nicht als Hebamme bestallt >en und der Andrang ein sehr starker ist, so hat Aussicht aus Be- stallung nur, wer bei der Meldung''"——-- werden und der Andrang ein ftht starker ist,' so hat ''' nicht älter ÄS 27' Jahre ist. «itternngSüberstcht vom 12. Juni 1990, morgen» 8 Nhr. Stationen U wÄ Ewinembe. erltn Frankf.a.M. München Wien Vetter 761 WSW 759 WNW 765 NNW 759 NO 756 NO 758 NO etersburg 765OSO Sctllh Aberdeen Pari» 764 N 766 N 769 NNW 2 Dunst 4 bedeckt 5 bedeckt 2 halb bd. 4b«deckt 2 halb bd. Wetterprognose für Sonntag, den 13. Juni Etwas wärmer, vielfach heiter bei mäßige» westlichen erheblichen Niederschläge. Berliner SSctt w« ei» 4" t? h2> Stationen | I )avaranda 764® Vetter j 9 15 12 10 11 2 wölken! 1 wölken! 3 wolkig 1 wolkig 2heiter 1909. Winden; keine erburea«. B-* 4" wS» SozialdemoMfcfyer Nahlverein des VL Berliner Relchztagz- Wahlkreises. Dienstag, de« 13. Juni, abends 8'/» Uhr, in den Germauia-PrachtfSlen, Chausseestrafte 11V: General'Versatntnlung.-w TageS- Ordnung: I. Zieuwahl des ersten Vorfitzenden. 2. Erledigung der zmÄckgestellten Anträge. 3. Vortrag deZ Reichs« lag,. Abgeordneten Zlalkevdvdr: Elll UkUkl KllllbZllg dkl AgraNtt. 4. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert._ 228/1*_ Per Vorstand. sZM-mWMMW DieuStag» den IS. Juni 1909, abends 8'/, Uhr, im„Bolkshause*, Rosiiienstraße 3: General-Uersammlung. Sage«. Ordnung: 1. Beratung des OrganisationZstatütS. 2. Wahl eines Revisors. 3. Abrechnung vom ersten Quartal. 4. Verschiedenes. 2S0/13 Da der Besuch der Generalversammlung bisher immer recht Mangel- hast war, werden die Genossen dringend ersucht, zahlreich und vor alle« pünktlich zu erscheinen._ Per Yorninnd. r nm Dienstag, den IS. Juni, abends 8'/, Uhr, in Poppe» Festsälen, Hermannstatze 43: � Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Aenderung des Organisationsstatuts. Res.: Genosse Woidersky. t DiSIussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. PUsUecknImcI» legitimiert. 235/8 Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Mtr -m Verwaltung Berlin. Sonntag, den 13. Juni, vormittags 10 Uhr, SvLirKsversÄMmlungsn üsr Sinsetzer in folgenden Lokalen: VI. l. Pix, Skalitzer Str. 53. VII. VoIUaKiin», Rofinenstr. Charlotleuburg. V1U. Pclzer, Wiescnftr. 2A I. Merkowskl, AndreaSstr. 26. II. SellNSe, Kopenhagener Str.74. III. Pttller, Bredowstr. 11. IV. Prell, Rosenftr. 24, Rirdors. V. Wiemer, Bülowstr. 58. TiSChlery Bezirk Süden. gp MitglieclerTersaiiimlung: am Montag, den 14. Jnni, abends 3>/z Uhr (gleich nach Feierabend), ' im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c. i TageS-Ordnung: Bericht von der Generalversammlung. VerbandZangclegenhelte». Llosksrdeiter. M ATttKKKSÄvrvvrsaininIiRiizx � am Monta in den >g, den 14. Juni, abends S'/a Uhr» Rittersälen, Ritterstr. 75.= TageS-Ordnuni. Bericht von der Generalversammlung, Werkstattberichte, angelegenheiten._ Verbands- 85/11 AködklpoUsrsr, aezirk Worden. Mitgliederversammlung QW am Dienstag, den 15. Juni, abends«'/» Uhr-WH (gleich nach Feierabend), bei C r a m o r, Hnsfitenstr. 4v. ' Tages- Ordnung: Bericht von der Gencralversammlimg, Ber- öandSangelegenheilen._ GesamtveitrauensmännerversamnilunB für sämtliche Sranchen und Bezirke am Mittwoch, den IS. Juni, abends 8'/, Uhr, ! bei Jreyer, Koppenstr. SS.- TageS-Ordnung: 1. Die ReichSverstchcrmigsordnung. Referent: Kollege Robert Schmidt. i. Berbandsangelegenhettcn. i Mitgliedsbuch und Vertrauenemannerkarte legitimiert. Alle Vertrauensmänner müssen pünktlich 8'/, Uhr zur Stelle sein. Achtung! Bibliothek! Vom 14. Juni er. ab werden keine Bücher mehr ausgeliehen und bis zum L«. Jnni müssen f« m t l t ch e anSgeliehenen Bücher in der Bibliothek eingeliefert fein, da vom 1. Juli ab die BIbliothel zwecks Revision aus einige Zeit geschlossen wird. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird bekannt gegeben. i Für die«nsstellung von WohnnngZeinrichtungen im Zoologi- c» Garten werden Billetts au die Mitglieder zu ermästigten reisen(50 Pf.) in VerbandSbureau abgegeben. Deutscher Kürsehner-Verband Filiale Berlin. Bureau a. Arbeitsnachweis; Larnimstratze 21, vorn Part. Tel.: Amt VII 8783. Mittwoch, den IS. Jnni 1909, abendS 8 Uhr: Mitglieder-Bersammluug im»Mteu Schützcnhause*, Linienstr. S. TageS-Ordnung: 1. Die 4. Internationale Kürschner< Konferenz zu Brüssel. 9. Die Ursache der Aussperrung bei der Firma G. Gärtner u. Co. 8. GelverlschasllicheS. 4. Verschiedenes. 102/10 NB. Wir machen nochmals aus unsere am Sonntag, dm 20. Juni, stattfindende Dampfer-Partie Raucbfangs werder ausmertsam. Billetts find im Bgregtt zu erhalten. Die OrtsTcrwaltoof. Kranken- und Begräbaiskasse des Vereins der deutschen Kutscher u. verw. Berufsgenoffen. Eingeschr. Hitsstaffe Nr. 83 Berlin. Montag, den 5. Juli, abdS. 8'/, Uhr, im Veretnslokal, Große ssranlsurter Straße 47. I: .4.niler<»r/, Uhr. im„STenem Klub- hause", Rommandautenstr. 7Z:_ BST Versammlung."WN HotlMj d» Kerw Hilter SSSS,? Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder notwendig. Gäste iiets willkommen. 03/12 Per Vorstand. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend._ Sonntag:, den 20. Juni 1909 t ProYinzial-Sänger-Fest in Fürstenwalde« S des Extrazuges: Sonnabend, den 19. Jnni 8.06 Minuten abends vom Soblesischon Bahnhof. Abfahrt [Gemeinsame Gesangprobe ■mgfS*1 Daselbst Ausgabe der fflPV Billetts zum Extra«Zug. Gesungen werden folgende Lieder: 1. Pestgesang. 8. Nicht 1 verzagt, 3. Weihe des Gesanges. 4. 0 wie herbe ist das Soheiden. 6. Wanderschaft. 6. Sturm. 7. Empor cum Licht Zahlreiches Erscheinen erwartet 1 17/5 Per Vorstand. ■m r Zwclgvereln Berlin. Sektion den Putzers Mittwoch, be» 16. Juni, abends 8 Uhr, finden in den bekanntes Lokalen für Berlin«nd die Bororte die Sezirks-SttzutiBen statt. Die Tagesordnung wird in den Sitzungen bekannt gegeben. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen erwarten 134/5 PI« Obleute. MM" AclUung!"WW vttlmd der Steinschn, Nflsstcm und vernfSgenossen Deutschlands. Filiale Groß-Berl!». Am Freitag, de« 18. Inn» 1999, abendS 7'/, Uhr, bei Wllke. Brunnenstratze 188: Uersammtung der Sektion l(Steinsetzer). TageS-Ordnung: 1. Bericht deS GesellenauischusseS. 2. Aufstellung ber Kandidaten zu der am Sonntag, den 20. Juni 1303, iiatiftndenden Neu- und Ernänzungs- Wahlen zumBerlinerGeselleliauSschutz: der LehrlingsprüsungSlommissio 3. Verschiedenes. 175/7- Ple Orts Verwaltung. I0N U w. der Zahlstelle Berlin. Bureau: Blanbcnfeldestr. 10. Montag, den 14. Juni, abends S'/j Uhr, in de» Arminhalle» Kommaudantenstr. 58/59: Gtffevtlilhe Slliiihiiidchcr-NttsiiUmliliig. Tag«»-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen E. Herrmanu: Die gewerkschaftliche Organfi sation und ihr Einslutz aus die materielle und geistige Hebung der Arbeiter- tlasse. 2. DiSlussion. 3. Verschiedenes. Mittwoch, den 16. Juni, abends S'/a Uhr, bei voeker, Weberstr. 17'. = Versammlung_ aller tu der Schuhindustrie beschäst. Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag von Frl. Gertrud Hanne über: Da» Familienleben und die Berusstätigkeit der Frau. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Wir ersuchen um recht zahlreichen Besuch der beiden Versammlunge» �/14_ Die Ortsverwaltung. omfralH.ur ZÄevWHMMicheWM. HerauSg. Pros. Dr.Gtter-SomIo.Bonn. Bezugspr. 5M. P.HalbiZ.Swd.d.ReichSversichcrungSordnungKrank.. taffen,Arbeitersekr.,GewerkschastSbeamten?c.empsohlen "Expedition: FrankfurtSM. Neue Mainzerstr.zfi Achtung, Vereine! Für Sommer- und Kinderfeste empsohimi Stocklaternen, Fackeln, Schärpen, Tekorationsgir landen, Berlosungs- ialerpreisr, attikel, Harken, Sensen, Keglerpreise, und Scherzartikel, Feuerwerk, Fcftnbzcichrn Mr«nd... 18pt Zitronenpressen........ 7, 9pt Butterdosen mH Deckd.. 18, 28pl Käseglocken«» Tener... 28, 55pt Sturzflaschen 14,22, f«we 25pt Kompottschüsseln............ 6pt Kompotteller............... 4, 6pt Weissbierpokale............ 18pt Goldrandbecher phou Qu*utit. 8pl Sturzflaschen SÄ""!1...... 27« Milchsatten...................... 7n Wasserflaschen eeseuic�S, 55 k Käseglocken Keechuffen......... 5 8 pi Zuckerschalen �ÄÜ..48pf. Bierkruge autt. 38, aeschuften 85pt Montag, Dienstag, MütvoA 2 Gasplätten mit Erhitzer.. Garnitur 3.95 .000 Pfund sortiert in Farben, braun, neublau, grau Der Posten enthält: Wand-Kafteemiililen 2.85, 4.25 Kaffeekannen Milchtöpfe Maschinentöpfe Wasserkessel SchmoitSpfe�rZSpi.. Küchenschüsseln b,*».«et Kummen Schaum- od. Schöpflöffel mit oder ohne Ansatz...von Pt an Steingut blau Zwiebelmusfer Speiseteller m oder va-z....... lOpt Dessertteller.................. 9pt Kompotteller................. 7pt Vorratstonnen............... 28pt Gewürztonnen satzö stück... 90pt Salz- o.Mehlmcsten Hein 38, am« 85 pt Essig- o. Gelflaschen...... 30pt Milchtöpfe Schrift' 16, 20 w» 45 pt Kaffeetassen Ä-fÖT.... 14pt weiss oder dekoriert Kaffeetöpfe.............. 5, 7, 8pt Kaffeetassen��.01.'.. Spz Blumenkübel cremefarbis...... 22pt ................ Majolika 38, 55, 90pt Waschserviceschüsseln.. 48pt Waschservicekannen ................ creme 48, dekoriert 95 Pt Salatschüsseln... 22, 27, 35 pt Kasserollen� 15 Ptan verschiedene Dekore...... Dieser Emaiffe- Verkauf ist von hervorragender Billigkeif. Es versäume keine Dame von diesem überaus günstigen TJngebof ausgiebigsten ßebraud) zu machen. 600 Waschgarnituren Banddekor, mit grossem 0 QC Becken, 5 teilig.......... klüu „Hoffnung" Berliner Schneiderei- Genossenschaft ' E. 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Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Jnseratenteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW, Nr. 1B5. 26. Jahrgang. 2. Mm des Jitwrtf Mi« JülMlatt. Sonntag, IB. Inn! 1909. 6. Nerbandstag des Zentschen Transportarbeiter- Verbandes. München, 11. Juni. Beschlossen wurde, den jugendlichen Mitgliedern neben dem„Courier" die„Arbeiterjugend" zu liefern. Abge- lehnt wird der Antrag Hamburg, den„Courier" in der„Vor- Wärts"-Druckerei herstellen zu lassen. Hierauf folgt der Bericht über die Verhandlungen zwecks Schaffung einer Einheitsorganisation der Transportarbeiter. Referent Schumann nimmt zunächst auf die vorliegenden Anträge aus Dresden, Frankfurt a. M. und Mannheim Bezug, die den baldigen Zusammenschluß der drei Verbände: Hafen- arbeiter, Seeleute und Transportarbeiter verlangen. Der Haupt- vorstand unterbreitete der Generalversammlung eine umfangreiche Denkschrift und Sammlung von Materialien, die die Ueberschrist trägt: Unsere Differenzen mit dem Hafenarbeiterverband. Die Aufhebung des Kartcllvcrtrages. Die Hindernisse des Zusammen- schlusses der Hafenarbeiter, Seeleute und Transportarbeiter. Nach dieser Denkschrift bildet den Ausgangspunkt dieses bedauerns- werten Streites eine Differenz in Bremen zwischen dem Hafen- arbeiterverband und dem Transportarbeiterverband. Nachdem Schumann die Denkschrift des ausführlichen behandelte, sagte er zum Schlüsse seiner Ausführungen: Es ist Grundsatz in der Ar- b-uterbewegung, daß, wenn bei einer Lohnbewegung in einem Be- triebe mehrere Organisationen beteiligt sind, diese gemeinschaft- lich vorgehen. Diesen Grundsatz haben die Hafenarbeiter nicht gehalten. Wir haben in Zukunft immer anders gehandelt als die Hafenarbeiter und werden diesen Standpunkt auch nicht verlassen. Der Vorstand unseres Verbandes steht trotzdem nach wie vor auf dem Standpunkt: Zusammenschluß aller Transportarbeiter zu Wasser und zu Lande. Wir müssen alle Kräfte zusammenfassen zur gemeinsamen Erzielung und Drirchführung unserer Forde- rungen. Döring- Hamburg(Hafenarbeiterverband) vertritt in langen Ausführungen den Standpunkt seiner Organisation und wandte sich einleitend entschieden gegen die Denkschrift, die die Differenzen nicht beseitige, sondern verschärfe. Bedauerlich sei, daß die Sache so gekommen ist, aber es müsse betont werden, daß die ganze Disharmonie kein Streitpunkt, sondern lediglich eine Differenz zwischen den Hafenarbeitern und den Transportarbei- tern und den übrigen kartellierten Verbänden sei. Es handelte sich für uns um die wichtige Frage, ob eine Körperschaft das Recht hat, durch Abgabe eines Protestes sich den Beschlüssen einer Mehr- heit zu entziehen, oder ob sie verpflichtet ist, in Beachtung des de- mokratischen Prinzips die gefaßten Beschlüsse zu befolgen. Steht der Verbandstag auf den Standpunkt, daß Majoritätsbeschlüsse an- erkannt werden müssen, dann werden wir sofort in weitere Vcr- Handlungen bezüglich der Einheitsorganisation eintreten. Müller- Hamburg(Seemansverband) unterzieht zunächst die Denkschrift einer scharfen Kritik, bespricht ebenfalls des län- geren die einzelnen Differcnzpunkte und betonte zum Schluß nach- drücklich, daß auch seine Organisation für die Einheitsorganisation sei. An der Generalversammlung liege eS nun, daß sie dem demo- kratischcn Grundsatz Rechnung trage und den Beschluß der Vor- ständckonfercnz akzeptiere. Dann sei die Bahn zur Einheitsorgani- sation offen. Es folgt nunmehr eine Abcndsitzung. Versammlungen. Die Berliner Gewerkschaftskommission hielt am Dienstag eine Versammlung der Delegierten, Vorstände und Unterkommissionen ab, um sich mit der Tagesordnung der Versammlung vom 18. Mai weiter zu beschäftigen. Nach einer verhältnismäßig kurzen Debatte, an der sich Kunze(Schneiders, Misbach(Bildhauer), Glocke(Holzarbeiter), Klar(Buchbinder) und Alb recht (Gärtner) beteiligten, und einem Schlußwort K ö r st e n s wurde der Antrag des Ausschusses auf Erhöhung der Beiträge zur Ge- Werkschaftskommission um 5 Pf., also auf 20 Pf., gegen drei Stimmen angenommen. Ebenfalls angenommen, und zwar gegen acht Stimmen, wurde der Antrag der Gesellschafter des GeWerk- schaftshauscs auf Zahlung eines Zuschusses von 5 Pf. pro Mit- glied der Gewerkschaften an das Gewerkschaftshaus. Der Antrag Cohen, die Zusammensetzung des Ausschusses der Gewerkschaftskommission betreffend, wurde dem Ausschuß als Material zur Beratung des Regulativs der Gcwetkschaftskommission überwiesen. Die Neuwahl des Ausschusses wurde vertagt, so daß die bisherigen Ausschußmitglieder weiter fungieren, bis das neue Regulativ vorliegt. Die Verlesung der Präsenzliste ergab, daß die Vertreter folgender Berufe und Organisationen fehlten: Bureau- und Kassenangestellte, Fleischer, Glasschleifer, Handschuhmacher, Haus- angestellte, Lagerhalter, Techniker, Bühnenpersonal und Unter- kommission Rixdorf. Älocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Aida Montag: Götterdämmerung. (Ansang 6 Uhr.) Dienstag bis Montag: Geschlossen. Lionigl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Nabcnsteinerin. Montag: Die Lieder des Euripidcs. DicnStag bis Montag: Geschlossen. Neues königl. Opern-Theatcr. Sonntag: Salome.(Anfang 8 Uhr.) Montag: Don Juan. DicnStag: Geschlossen. Mittwoch: Tristan und Isolde. (Anfang O'/sJUst.) Donnerstag; La Traviata. Freitag: Der fliegende Holländer. Sonnabend: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. ö'/z Uhr.) Sonntag: Tristan und Isolde.(Ansang L'/- Uhr.) Montag: Der Barbier von Sevilla. Deutsches Theater. Sonntag und folgende Tage: Gelbstern.(Ansang 3 Uhr.) Deutsches Theater.(K a mm ers p i ei e). Sonntag und solgcnde Tage: Ein Skandal in Monte Carlo.(Zlnfang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarprinzcssin. (Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag bis Montag: Ein Herbstmanöver.(An- sang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Bis aus weiteres täglich: Mahö.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Bis auf weiteres täglich: Tricoche und Cacolet. (Ansang 3 Uhr) Kleines Theater. Bis aus weiteres täglich: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Bis aus weiteres täglich: Kümmere dich um Amelie.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Die Fledermaus. Montag: Hoffmanns Erzählungen.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Tiesland. Mittwoch bis Sonn- tag: Demimonde. Montag: Unbestimmt. Hcbbel-Theatcr. Sonntag: Rcvolutionshochzeit. Montag: Frau Warrens Gewerbe. Dienstag: Nevolutionshochzeit. Mittwoch bis Montag: Marhscha.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhans. Sonntag bis Montag: Der fesche Rudi.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Bis aus weiteres täglich: Die Sprudelsee. filnsang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das verwunschene Schiost. Schiller-Theater V. Bis aus weiteres täglich: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Eharlottenburg. Bis aus weiteres täglich: Madame Bonivard.(Ansang 8 Uhr.) SonntagnachmittagS 3 Uhr: Doktor Klaus. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag und Montag: Manöverrcgcn. Dienstag: Der Kilomctersresscr. Mittwoch: Die beiden Leonoren. Donnerstag und Freitag: Manöverregen. Sonnabend: Fidclio. Sonntag: Der Freischütz.(Anfang 8 Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Montag: Fidclio. Thalia- Theater. Bis aus weiteres täglich: Im Casg Noblesse.(An- sang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Bis aus weiteres täglich: Besiegt.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Gerda GeroviilS. Berliner Opercttcn-Theater SiW, BIS aus weiteres täglich: Das Teufelsweib.(Anfang 8tz, Uhr.) Bernhard Rose- Theater, sonniag bis Miitwoch: Das Mädchen ohne Ehre. Donnerstag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Freitag bis Montag: Das Mädchen ohne Ehre.(Ansang 8 Uhr.) Folics Eaprice. Allabendlich: Drei Frauenhütc. Der Deserteur. (Ansang S1/, Uhr.) Apollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Metropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend. An- sang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Der Kompagnieball.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Passagc-Thcarer. Sonntag: NachinittagS 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhnlla-Theatcr. Allabendlich: Spezialitäten. Palaft-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ilrania-Thcater. Taubcnswaste 48/49. Bis aus weiteres täglich: Rom und die Cnmpagna.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. OEQRÜNDET IM JAHRE 1815 323� N.JSRAEL 26-32 SPANDAUER-SIR. BERLIN C. 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Für die herzliche Teilnahm« und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS und Schwagers sagen Wir allen Fieunden und Belaimtcn, besonder» oemZentral-Naucherbund, dem Rauch- llub„Palme", dem sozialdemokratischen Bahloerein des 4. Berliner Reichstags« Wahlkreises, dem Verein d. P. P, S. Jür Berlin und Umgegend und dem Lotterie- und Slattluo.Glücksstern" unseren herzlichsten Dank. 33b Die trauernaen Hinterbliebenen. Marie Wlsnlewska. Blegmnnd Kowalski. t Billigste Bezugsquelle J gedieg.Trauerganierobei Vestmanns! Trauer-Magazin Berlin W., Hohronstr. 37a| NO., fir. Frank». Sir. IIS.| Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten!* In Garnisonstadt Anh.. ff. Lag«, Scthauö. Materialwaren.«. Bräunt« wcin-Kon»., nachw. sehr flott. Ge. schäst, alle» in tadellosem Zustande, bei 5000 M. Anz. bMia zu verk. Hy. poihek sest. Tageskasse 50-75 M. Miete 330 M. 75,9 Karl Drlnek, Dessau f. Anh. Up. Timmel Spczial-Arzt wa* für Haut- und Harnleiden. 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Juni/ nach- mittags 21/t Uhr, von der Leichen- Halle des ZenUal-Friedhoses in Friedrichsseide aus. Um rege Beteiligung ersucht 157/5 Die Ortsvorwallung. Zentral der Tapezitttr. Berlin 1». Am 8. Jrufl verstarb plötzlich i unser Mitgited, Rudolf Domröse. I Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet morgen, I Montag'/«S Uhr von der Leichen-> helle des �' Frlcdrichsselo Um zahlreiche Beteiligung bittet j 34b Die vrtsverwtsiiung. 1. Kerl. Keledslssü-Mkrelses.«, IvSo». A»«elx«. Am 10. /zmri verstarb unser Mitglied,<,« Kaufmann Wilhelm Zange Turmstr. 84. Ehre seinem Studenten! Die Beerdigung findet am Montag, den 14. Jmii, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des SL Eebastian-Friedhoses, Reinickendorf• West, Humboldt- strahe 71, aus statt Um rege BeteMgung ersucht Dar Vorstand. (Ptlastererj and Beratsgenosseu1 oe« ZeDtral-Veriiand der Steinsetzer! nnd Bernts Ntsclilnnds. Filiale GroS-Berlln, Sektion II. Am 9. Juni verstarb nach langem Krankenlager unser treues, langjährlge» Mitglied, der Kollege doseph LlesilLki. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Gomitag, den 13. Junl, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Sebastian-Kirchhofes in Reinickendorf(Humboldtstt-aße), aus statt. Um rege veleillglmg ersucht 175/5 Der Borstand. Wskll der tildUsM». Steikdriielter i verw. fiepufe, Mitgliedschaft Berlin III.(Lithagr.) Am 10. Juni verstarb nnfcr Kollege 285/ 13 Julius Ahne Lithograph> im Alter von 41 Jahren an Lungenciitzülidung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 13. Juni, nachinitag» 2'/- Uhr, von der sLcichcnhalle dos Luisen- KirchhoscS in Westend, Fürstenbrunner Weg, au» statt. Die Verwaltung llor Filiale III. Todes-Anzelgc. Allen Kollegen zur Nachricht, datz meine liebe Frau knn� Liebetraut geb. Oerta am 11. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Dien»- lag, den 15. Juni, nachmittags 4'i, Uhr. von der Leichenhalle des siädlischVn Friedhofe», Friedrichs- selbe, au» statt. 21d Villi üebetraut. eder Art Ancanta- »d, Köpenickerstr.SO An unserem Preisausschreiben haben sich viele tausende Personen beteiligt, wohl gewiß ein glänzender Beweis für die Popularität unseres Unternehmens. Nachstehend veröffentlichen wir » DIE 100 GLÜCKLICHEN GEWINNER ü eines Monats-Abonnements. Außerdem erhielt jeder Einsender einer richtigen Lösung den Trostpreis in Form eines Gutscheins über 5 Mk., gültig bis 25. Dezember 1909. jSTo. 1 Paul Schließer, Hagelberger- Etr. 40. 40 Gustav Seiffert, Schlesisohestr.36. 81 Kurt Ponz, Stallschreiberstr. 18. 82 Agnes"Wilhelm, Hagenauerstr. 4. 104 Budolt Schwarz, Wilmersdorf, Holsteinisehestr. 6. 105 Charlotte Meißner, Priedrichs- gracht 58. 108 Georg Lück, Tegelerstr. 33/34. 142 Max Eonbn, Charlottenburg, Bismarckstr. 27. 224 Alex v. 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Kurt Stiller, Rixdorf, Thomas- Straße 37. Oskar SieroslawsH, Königs» bergerstraße 34. Marie Krüger, Pasteurstr. 17. Wilhelm Gurth, Oranienst. 18. Margar. Zobel, Weinbergsweg23. Felicitas Radtke, Charlottenburger Ufer 2. Aug. Zillat, Porsterstr. 52. Pritz Rohdo, Kaiserin- Augusta- Allee 30. Otto Götz, Luisenufer 33. Robert Bock, Bastianstr. 15. Ant. Schubert, Köpenickerst. 70a. Schulz, Triftstr. 54. Albert Giese, Stargarderstr. 7. Martha Rabiecke, Köpenicker- straße 181. Wilhelm Hühner, Mittenwalder- straße 38. Otto Heibig, Prenzlauer Allee 27. W.Haase,Ohorlottenburg, Christstraße 23. P. Deike, Ebers walde. Max Neumann, Rigaer Straße 5. No. 3031 Käthi Goerdel, Ackerstr. 28. 3173 Rudolf Böhm, Forster Straße 39. 3233 Anna Stöhle, Bernauer Str. 47a. 3252 Emil Eopplin, Koloniestr. 70. 3259 Helene Schwarzin, Skalitzer Straß© 54 3327 Br. Druschka, Peilnerstr. 3. 3461 W. Liebehensohel, Friedrich- Karl-Straße 17. 3482 Hedwig Eichberg, Charlottenburg, Schillers tr. 113. 3755 E. 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V Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, ft*** Dr. 135. 26. Jahrgang. Z Irilngt Ks Jonii W Dnliin WsM Sonntag. 13. Inn! l969. m&m parte!-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste. In Zülsborf N.-B. hat das einzige freie Lokal von Robert Grahl, am Bahnhof, den Besitzer gewechselt. Der Nachfolger lehnt es strikte ab, der Arbeiterschaft seine Räume zur Verfügung zu stellen, mithin sind nunmehr oortselbst alle Lokale gesperrt. In Zehlendorf N.-B. steht der Arbeiterschaft das Lokal„G a st° Hof zur Eisenbahn", Inhaber Carl Osten, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung; desgleichen in Reichcnwalde b. Stor- kow das Lokal von Albert Baschin. Am Sonnabend, den 19. Juni er., veranstaltet die„Frei- willige Sanitätsiolonne" in Nieder-SchSnhausen in dem gesperrten Lokal von Liebem it an der Kirche ein Tom- m e r f e st und am 26. Juni er. im gleichen Lokale die„Frei- willige Feuerwehr" ihr 12. Stiftungsfest. Etwa ange- botene Billetts sind selbstverständlich entschieden zurückzuweisen. Am heutigen Tage findet in Kaulsdorf N.-B. ein„Großes Schützenfest" statt, für das seitens der dortigen Lokalinhaber eine lebhafte Reklame betrieben worden ist. Demgegenüber machen wir darauf aufmerksam, daß uns dortselbst nur„Hamanns Gesellschafts haus", Jnh. Mees, Frankfurter Chaussee, zur Verfügung steht. Auf Wunsch der Genossen Mariendorfs ersuchen wir nochmals, die dortigen Lokale von Fritz Zierock, Kurfürstenftraße 44, und„Graßl's GefellschaftShauS", Chausseestraße MS, zu meiden. Die Lokalkommission. Charlottenburg. Die Generalversammlung findet am Dicns- tag, den IS. dieses Monats, abends 8% Uhr, im„Volkshaus" statt. Aus der Tagesordnung steht unter anderem die Beratung des Or- ganisationSstatutS und Wahl eines Revisors. Der Vorstand. Rixdorf. Am Dienstag, den IS. Juni, abends 8sh Uhr, findet in Hoppcs Festsälen, Hermannstratze 49, die Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Die Aenderung des Organisationsstatuts. Referent Genosse W o l d e r S k y. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Ver- schiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Lichtenberg. Dienstag, den IS. dieses Monats, findet im Lokal Gebrüder Arnold. Frankfurter Chaussee, die Mitglieder» Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag, Dis. kussion und Verschiedenes. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenwtg. Am Dienstag, den IS. Juni, abends 8% Uhr, findet in Baumschulenweg in Speer? Festsälen, Baumschulenstraße 78, eine öffentliche Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht die Ablehnung des Koalitionsantrages durch die Gemeindevertretung. Referenten: Genosse Adolf Ritter und die Gemeindevertreter Genossen G e r i s ch, G r a- m e n z und Karow. Johannisthal. Dienstag, den IS. diese? Monats, abends 81h Uhr, findet bei Albert Gobin, Roonstraße 2, die Mitglieder» Versammlung deS WahlvcreinS statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Gemeindevertreter. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verfchie- deneS. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Britz-Buckow. Heute nachmittag 1h6 Uhr findet bei Klein, Buckow, Chausseestraße 12, eine Vereinsversammlung statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Genossen Heinrich Schulz Über:„Die Ar« beiterversicherung". 2. Diskussion. 3.Verschiedenes. Die regelmäßige Vercinsversammlung für Britz findet am Dienstag, den IS. Junr, bei Weniger, Werder Straße 28, abends VjO Uhr statt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Wilhelm Dentzer über:„Kirche und Staat". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Die zum Dienstag, den IS. Juni, an» gefetzte Mitgliederversammlung findet umständehalber am DienS- tag, den 22. Juni, statt. Der Vorstand. Nieder-SchSneweide. Am Dienstag, den IS. dieses Monats. abends 8 Uhr, findet im Lokal von Paul Fichtner, Hasselwerder und Fennstraßen Ecke, die Mitgliederversammlung des Wahlver« eins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Dis- kussion über die neuesten Steuervorschläge. 3. Verschiedenes. DeS ausgefallenen Zahlabends wegen werden in dieser Versammlung auch die Beiträge entgegengenommen. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Tempelhof. Am Dienstag, den IS. Juni, abends 81h Uhr. findet im Lokal von Schneiderreit, Berliner Straße 9, die Mit- gliederversammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genossen B ö S k e. Der Besuch der Sternwarte findet am Sonntag, den 22. August, statt. Billetts sind bei allen Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Pankow. Am Dienstag, den IS. Juni, abends 8% Uhr, findet im Lokal von Großkurt, Berliner Straße 27, eine Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Das Referat hält Stadtverordneter Bruns über„Wert und Nutzen der Organisation". Parteigenossen, er« scheint zahlreich in dieser Versammlung. Gäste willkommen. Der Vorstand. Tegel. Am Dienstag, den 15. Juni, abends 81h Uhr. findet bei Klippenstein, Spandauer Straße 4, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Zweiter Vortrag über das Erfurter Programm. Referent Redakteur Genosse H a n S Block. Wahl eines Kassierers. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Bezirk Borssgwalde-Wittena«. Am Dienstag, den IS. d. M.. Mitgliederversammlung in den„Borsigwalder Festsälen". Vortrag deS Genossen F e n d e l« Weihensee:„Die Kunst im Volksleben. Die Mitglieder werden gebeten, die Frauen auf die Verfamm« lung aufmerksam zu machen. Montag abend Handzettelverbrei- tung. Potsdam. Mittwoch, den 16. Juni, abends s Uhr, in allen Bezirken Zahlabend. ßerliner JVacbncbten. Dahlem. Ein Ausflug nach Dahlem, das sich mit rapider Schnellig- feit vom schlichten märkischen Dörflein zu einer gesuchten Gartenstadt mit lieblichen Villen und pompösen Bauten einpor- geschwungen hat, ist in der jetzigen Zeit besonders lohnend. Die Hauptanziehungskraft verleiht dem Orte aber der nahe» gelegene neue botanische Garten, der nicht nur dem Fach- gelehrten und Botaniker, sondern auch dem einfachen Laien eine Fülle der Schönheiten und Genüsse offenbart. Schon beim Eintritt wähnt man seinen Fuß in ein Paradies zu setzen, so wunderbar mutet uns der Ricscnkomplex in seinen imposanten Anlagen an. Während links das Pförtnerhäuschen steht, dem sich eine schützende Halle anschließt, wo Besucher sich treffen oder eine Magenstärkung zu sich nehmen, leuchten unS rechter Hand farbengesättigte Blumenarrangements ent- gegen. Auf den umstehenden Bänken sitzen Spaziergänger. die, von dem Rundgang ermüdet, sich hier ausruhen. Und je weiter wir in den Garten dringen, um so an- wutigere, reizvollere Bilder erschließen sich dem Auge. In lachenden Sonnenschein gebadet, schimmert erquickendes Grün in den verschiedensten Nuancen und die 5Under des Waldes sind in ihrer Sippschaft vollzählig vertreten. Liebliche Hänge« i weiden wiegen sich anmutig im leichten Luftzug, der Flieder vlüht immer noch in voller Schönheit, und auf schwellendem Rasen heben blaue, rote, gelbe und viele andere Blumen ihre Köpfchen empor. Und über dem ganzen summt und brummt es, Tausende von leichtbeschwingten Honigsammlern sind emsig dabei, ihre Ernte einzuheimsen. In den kolossalen Glashallen der Treib- und Palmen Häuser entfaltet sich eine üppige tropische Vegetation. Eine mollige Wärme umfängt den Eintretenden und sorgt dafür, daß er seinen Aufenthalt nicht allzu lange ausdehnt. Diese Fremdlinge hier sind den Kuß der Tropensonne gewöhnt und begnügen sich auch nicht mit unserer sommerlichen Temperatur, die bei uns manchmal selbst den pflegmatischsten Berliner in Schweiß bringen kann. Aber erst die Palmen I Himmel, sind das stattliche, prächtige Burschen, die ihre Arme ausbreiten, als wollten sie die ganze Welt umfassen. „Blumen, kühne Wunderblumen, Blätter breit und fabelhaft", kann man auch beim Anblick dieser Riesen sagen. Manche Pflanzen, die noch zu sehen sind, mag sich der eine oder andere eigentlich anders vorgestellt haben, als er sie hier sieht, wie Zuckerrohr, Reis, Baumwolle usw., deren bescheidenes Aeußere nicht ahnen lassen, welch wichtige Handels- und Ge brauchsartikel sie liefern. Draußen empfängt uns wieder eine frischere Temperatur und eine leichte Brise streicht kühlend über die erhitzte Stirn. Anheimelnd mutet auch der Gebirgsgarten an und die künst- lichen Felspartien bieten eine angenehme Abwechselung. Ein kleiner See spiegelt sich im hellen Sonnenschein und hübsche Bänke laden den Lustwandelnden zu einer kleinen Rast ein. In den Büschen und Bäumen jubilieren, von keinerlei©£■ fahren bedroht, die kleinen gefiederten Sänger, und wellen� weise treibt uns der Wind den erquickenden Duft von Blumen und Pflanzen zu. Bald ist es Abend, dann schließen sich die Pforten und tiefe Ruhe breitet sich über das weite Gelände. Beim städtischen Zentralfricdhof in Friedrichsfclde soll die elende verwitterte Umzäunung wenigstens am Eingang, der sich in der schmucklosesten Weise präsentiert, fallen. Stadlbaurat Hoffmann hat den Entwurf eines monumentalen Torgebäudes fertiggestellt, der schon im nächsten Jahre zur Ausführung kommen dürfte. Etwas reichlich spät freilich kommt diese würdige Ausschmückung des„Fried- Hofs der Armut". Ist er doch bereits im Mai 1831 eingeweiht worden, also bald drei Jahrzehnte alt. Der Verkauf de? Tempelhofer Feldes ist vom Milltärfiökus in Aussicht genommen, um auS dem Erlös TruppenübiingSplätze in der Nähe von Zossen anzukaufen. Dem Reichstag ist ein Nachtragsetat zugegangen, der unter den einmaligen Einnahmen als erste Rate 13 Millionen Mark für Teile des Tempel- hofer Feldes und der Uebnngsplätze der Eisenbnhnbrigade in Berlin, Schöneberg und Tempelhof vorsieht. Veräußert werden sollen folgende Teile des Tempelhofer Exerzierfeldes: .1. der westlich der Berlin— Tempelhofer Chaussee gelegene Teil de« Tempelhofer Exerzierfeldes (Gemarkung Tempelhof) in der Größe von rund............... 150,00 Hektar, 2. das Aufmarschgelände zwischen dem Viktoria- park, der Kreuzberg«. Katzbach- und Dreibund- straße(Gemarkung Berlin) in der Größe von rund............... 3. das Aufmarschgelände zwischen der Groß- görscheu- und der Monumenlenstraße sowie der (neuen) Straße 20a(Gemarkung Schöneberg) in der Größe von rund........ 4. drei Geländestreifen an der Dreibundstraße zwischen der Bellealliance-, der Lichterfelder Straße und dem Aufmarschgelände zu 2, sowie zwischen der Katzbach- und Eylauer Straße (Gemarkung Berlin) in der Größe von rund 8,20 3,48 3.00 3,86 Hektar, zttsanimen 164,6ö Hektar. DeS weiteren ist die Beschaffung eines neuen UebunaSplatzeS für die Eisenbahnbrigade erforderlich, weil das bisherige UebungS- gelände am Königsweg in Schöneberg, welches durch die Stadt- und Ringbahn in drei Teile geteilt wird, unzureichend geworden ist und durch Hinzunahme von angrenzenden Grundstücken nicht ver- größert werden kann. Hierdurch werden entbehrlich und sollen gleichfalls veräußert werden: 6. ein Geländestreifen(Teil) von dem NeSungS- platz I der Eisenbahnbrigade am KönigSweg (Gemarkung Schöneberg) in der Größe von rund............... 6. der Uebungsplatz HI der Eisenbahnbrigade am Köiiigsweg(Gemarkung Schöneberg) in der Größe von rund........... 1,46, zusammen 6,82 Hektar. Insgesamt werden also rund 170 Hektar zur Veräuße- r u n g kommen. Da die geiiauen Abschätzungen der Verkaufsflächen bisher nicht abgeschlossen sind, muß von einer Angabe des Gesamterlöses noch abgesehen werden. Nach den vorläufigen Emtittelungen ist indessen anzunehmen, daß der GesamterlöS zur Beschaffung des zweiten Truppenübungsplatzes für das GardekorpS, deS neuen UebungsplatzeS für die Eisenbahnbrigade, der Truppenübtingsplätze für das 2., 3.. 16. und 18. Armeekorps sowie zur Errichtung der Lager und sonstigen Anlagen ausreichen wird." Die Terrainspekulation wird sich nunmehr der Felder bemächtigen, nachdem von Berlin, wie wir schon kürzlich nachwiesen, der Zeitpunkt für Erlverbung der Felder verpaßt worden ist. Berlin steht immer erst auf, wenn e» zu spät ist. DaS beweist am besten die Geschichte der Eingemeindungsftage.___ Geistliche alS Hauserspekulanten. Nicht bloß die Kirche als Ge° meinschaft scharrt Geld in Massen zusammen und nimmt es von den Lebendigen wie von den Toten, auch die Geistlichen selbst wollen reich werden und machen in diesem Bestreben dein KaufmannSstande Konkurrenz. DaS bekannteste Beispiel hierfür ist das des ebenso bekannten emeritierten Pfarrers Diestelkamp von Nazareth, der wegen seiner fehlgeschlagenen Grundstücksspekulationen vor Jahren von der Kanzel durch das Konsistorium abgesägt wurde. Es heißt, daß eine sehr hohe Dame mit einem tiefen Griff in ihre Schatulle den ge- strandeten Stellvertreter Gottes auf Erden einigermaßen rangiert habe, und so ist denn Herr Diestelkamp noch heute Berliner Haus- agrarier. Ihm gehört das große Mietshaus Schönhauser Allee 141 neben dem Exerzierplatz, wo sich u. a. daS von ihm mit so viel Tamtam gegründete eigenartige„Emil Frommel-Heim" befindet und wo auch die Frommsten unserer Schutzmannschaft allwöchentlich mehrmals christliche Versammlungen abhalten, damit sie in christlicher Nächstenliebe praktisch ausgebildet werden. Ein anderer christlicher Häuserspekulant ist Distelkamps Kanzclnachbar, Pfarrer Werkenthin von Gethsemane. Der ist aber dabei so gründlich reingefallen, daß man von einer Viertelmillion Schulden spricht. Vorgestern kam sein letztes Haus. Wörther Str. 9, unter den Hammer. Auch Werkenthin. der mit einer Gencralstochter verheiratet ist, soll sich so ruiniert haben, daß das Ende gar nicht abzusehen ist. Bielleicht aber springen auch da hochmögende Proteltorinnen ein. Wie Kirche und Politik sich nicht vertragen, so passen auch Kanzel und Grundstücksbörse nicht zusammen. Die geistlichen Herrschaften sind zwar samt und sonders gute Rechner, aber mitunter wird von noch geriebeneren ihnen selbst das Fell über die Ohren gezogen. Solcher Reinfall kann garnichts schaden. Pastor bleib bei deiner Kanzel I Die Ausstellung von Zeichnungen von Gemeindcschnlkindern und Arbeiten von Schülern der Nebenklassen ist gestern im Ausstellungs- park, Westhalle, Eingang Jnvalidenstraße, eröffnet worden. Den Eltern unserer Gemeindeschüler ist der Besuch sehr zu empfehlen. Der Eintritt ist unentgeltlich. Die Ausstellung ist von vormittags 10 bis 3 Uhr nachmittags geöffnet, auch Sonntags. Unfall des Professors Dr. Israel. Der dirigierende Arzt der inneren Abteilung des jüdischen Krankenhauses, Professor Dr. Israel, wurde gestern von einem schweren Unfall betroffen. Als er sich auf dem Wege von seiner Privatklinik in der Augsburger Straße 66 nach seiner Wohnung am Lützowufer S.A befand, wurde am Liitzow- platz das Pferd seines Wagens plötzlich scheu und raste das Liitzow- ufer entlang. Professor Israel sprang aus dem Wagen und wollte das Pferd hallen, da der Kutscher die Zügel verloren hatte. Professor Israel wurde zu Boden geschlendert und erlitt erhebliche Ver- letzungen am Oberkiefer, an den Beinen und an de» Oberarmen. Geheimrat Körte, ein Freund deS Verletzten, und Sanitätsrat Dr. Rosenbaum wurden sofort zur Behandlung Professor Israels, der in seine Wohnung geichafft wurde, hinzugezogen. Der Ver- ungliickte muß das Bett hüten; doch gibt sein Befinden zu unmittel- baren Bedenken keinen Anlaß. Mit Morphium vergiftet. In einem Hotel der Luisenstraße hat sich gestern der praktische Arzt Dr. med. Friedrich Niedendorp ver- giftet. Er war am Sonntag in dem Hotel abgestiegen und klagte über ein inneres Leiden. Gestern fanden ihn Angestellte des Hotels bewußtlos in seinem Zimmer liegen und ließen ihn nach der Charito bringen. Dort starb er bald nach der Aufnahme an einer Morphium- Vergiftung. In einem hinterlassenen Briefe vermachte Dr. Rieden- dorp seine Leiche der Autonomie. Als Motiv der Tat gab er an, daß er seinen Beruf wegen stetiger Abnahme der Sehkraft habe auf- gebe» müssen. Englische Geistliche sind nun auch nach Berlin gekommen, um sich hier umzusehen. Im Rathaus wurden die frommen Herren vom Oberbürgermeister begrüßt und dann auf Stadllosten festlich bewirtet.___ WcU er arbeitslos war. Mit Salzsäure hat der 38jührige Arbeiter Bernhard Niediger, Maybachnfer 7, seinem Leben ein Ende bereitet. R. hatte in der letzten Zeit viel durchzumachen gehabt. Als nun auch noch Arbeits- losigkeit hinzutrat, faßte er den Entschluß, in den Tod zu gehen; er vergiftete sich in der Wohnung mit Salzsäure. Als seine An- gehörigen die Tat entdeckten, war der Tod bereits eingetreten. Zu dem Radfahrcrunfall auf der Treptower Chaussee am ver- gangcuen Sonntag schreibt uns der AmtSvorsteher von Treptow: 1. Im Amtshause befinden sich eine Tragbahre, zwei größere Verbandskästen und eine Verbandstasche. 2. Der wachthabende Polizeibeamte hat die sachgemäße Fürsorge für die Verletzte eingeleitet: a) durch Anweisung zur Verbringung nach der Wache, d) durch telephonische Benachrichtigung deS Instituts Rünzel wegen Entsendung eines KraiikentransporrwagenS, o) durch Benachrichtigung des im Amtshause wohnenden, im Sanitätsdienst besondesr ausgebildeten Amtsdieners. 3. Durch einen Beamten des Einwohnermeldeamts ist ein Wasch- becken und eine Kanne Nlit Wasser sofort verabfolgt worden. 4. Die sachgemäße Hilfeleistung durch den unter 2o erwähnten und sofort erschienenen Beamten wurde dadurch vereitelt, daß die Verletzte, wahrscheinlich auf Aniveisung des Ehemannes, in einer zu- fällig vorüberfahrenden Droschke fortgeschafft wurde. I. V. Dr. Geuz. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, den 20. Juni. familienauSflug nach Tegel-Schulzendorf. Abfahrt des Zuges nach egel: Stettiner Vorortbahnhof 8.11, Gesundbrunnen 8.17. Treff- Punkt für Nachzügler sowie Teilnehmer, welche die Straßenbahn be- nutzen, bis 10 Uhr vormittags im Hnmboldt-Nestaurant. Inhaber Deivitz, Schloßstr. 23 in Tegel; von 12 Uhr mittags ab in Trillers Restaurant„Hubertus", Inhaber Mlosch, dicht am Bahnhof Schulzen- darf gelegen. Rege Beteiligung erwartet DaS Komitee. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr 1. Abteilung Dresdener Straße 4S. Vortrag und praktische Uebungen.— Mittwoch findet Uebungsstunde in der 5. und Donnerstag in der 4. Ab- teilung statt. Vorort- JNtecbncbtem Charlottenburg. Die gestäupten„Liberaleu". DaS PublikationSblättchen des Charlottenburger Magistrats, das für gewöhnlich seine Schimpf» artikel gegen die Arbeiterschaft und ihre Vertreter in echt„frei- sinniger" Gewohnheit aus der bekannten Senkgrube des Reichs- Verbandes schöpft, hat sich jetzt mal einen Originalartikel über den ..Normalbesoldungsetat und die Sozialdemokratie" geleistet. Anlaß dazu boten die Debatten in der letzten Stadtverordnetcnversamm- lung und die auf den Besoldungsetat bezugnehmenden Notizen des„Vorwärts". Aus dem belfernden Geschimpfe des„liberalen" Magistrats» blatteS ist zu entnehmen, daß unsere Kritik gegen die„Liberalen" gesessen hat. Wir verzichten deswegen gern darauf, auf alle die Anpöbelungen einzugehen, welche die Rückzugskanonade der„frei- sinnigen" Mannesseelen decken sollen. Nur die gröbsten Ver- drehungen und Unwahrheiten, die in diesem Artikel enthalten sind, wollen wir richtigstellen. Zuerst wird behauptet, unser Fraktionsredner Hab« in der zweiten Plenarsitzung eine scharfe AgitationSrede zum Fenster hinaus gehalten, während er in der ersten Sitzung viel gemäßigter geredet habe. Das stimmt durchaus nicht. Im allgemeinen war m der zweiten Sitzung die Haltung unserer Vertreter zu der Ge- samtvorlape des Magistvats genau dieselbe wie die vor der ersten Lesung. Der Mittelpunkt der Debatten in der zweiten Lesung waren die Erhöhung der Magistratsgehälter und die Familien- zulage. Von den Magistratsgehaltserhöhunben war aber in der ersten Lesung kein Wort ge» sprochen worden. Diese Vorschläge waren gar nicht in der Vorlage enthalten. Und in bezug auf die Familtenzulagc nahm der Redner der„Liberalen" einen Stand- Punkt ein, der teilweise auch der unserer Ver« treter war. Wenn daher die zweit« Lesung die Erhöhung der MagistratSgehälter und der. Umfall der„Liberalen" hinsichtlich der Familienzulagen brachte, dann mußte die Haltung der sozialdemo- kratischen Vertreter in der zweiten Lesung eine ganz andere werden. Freilich, die«Liberalen", die nur die Konsequenz der nkonsequenz kennen, werden für die gerade Haltung unserer reunoe kein Verständnis haben. Nun zu den Erhöhungen der MagistratSgehSl. t er. In der Stadtverordnetenversammlung und auch in dem PublikationSblättchen des Charlottenburger Magistrats wird be- hauptet, die Angaben des„Vorwärts" in bezug auf die prozentuale Erhöhung der Magistratsgehälter seien übertrieben. Prozentzahlen von 21, 22, 25 und 32 Proz. existierten nicht. Im Höchstfalle be- trüge die Verbesserung— und auch nur in einem Falle— 22,3 Prozent. Die Aufstellungen des„Vorwärts", der die bisher bezogenen Gehälter den neuen Besoldungsbeträgen gegenüber stellte, stimWAk durchaus ig der behaupteten prozentualen Ez» Wung. Doch um unseren Lesern die Nachprüfung zu ermöglichen, geben wir die Gehälter nachstehend an. Es bezogen nach der alten Besoldungsskala am 1. April ISWh der Oberbürgermeister 22 500 Mark, jetzt 24 000 Mk., mehr 15 00 M.; der Bürgermeister 18 000 Mark, jetzt 19 500 M., mehr 1 5 00 M.; der Kämmerer 10 000 M.. jetzt 12 500 M., mehr 2 500 M.; der Stadtshndikus 9250 M., jetzt 12 500 M., mehr 32 5 0 M.; zwei Bauräte je 15 000 M., jetzt je 16 500 M., mehr je 1500 M.; der Stadtschulrat 10 750 M.. jetzt 12 000 M., mehr 1250 M.; von den drei besoldeten Stadträten bezieht der älteste 10 000 M., jetzt 11500 M., mehr 1150 M.; der Zweitälteste 9500 M., jetzt 11500 M.» mehr 200 0 M.; der jüngste Stadtrat 7500 M.» jetzt 9250 M., mehr 17 5 0 M. Unsere Leser können sich nun die Prozentziffern selbst ausrechnen, um zu ent- scheiden, wessen Behauptungen die zutreffenden sind. Jedenfalls werden weite Kreise der Bürgerschaft mit unseren Vertretern der Meinung sein, dag bei diesen Gehältern eine derartige Erhöhung, die für das laufende Etatsjahr 17 900 M. Mehrausgabe beträgt, nicht gerade dringend notwendig war. Aber am meisten geifert das Freisinnsblatt über unsere Fest- nagelung der„Liberalen" in bezug auf ihren Umfall bei der Ab- timmung über die Bestimmungen für die Familienzulage. Fest leht, daß die„Liberalen" in dieser Frage verschiedentlich umge- allen sind. Erst waren sie in der Mehrheit gegen die Familien- zulagen überhaupt. Dann, als die Magistratsvorlage diese Neue- rung enthielt, gaben sie ihre Opposition dagegen auf. Nun aber forderten die Herren„Liberalen" in den hellsten Tönen: Auer- kennung des Rechtsanspruches! Aber hier stemmte sich der Ma- gistrat. Und nun trat das ergötzliche Schauspiel ein: die„Libe- ralen", die erst die Familienzulage gar nicht wollten, dann sich ganz radikal gebürdeten, darauf mutig vor dem Entweder— Oder des Magistrats zurückwichen und nun sich brüsten, daß doch eigent- lich nur ihrer„klugen Mäßigung" diese„große" Errungenschaft zu danken sei! Seele des„Freisinns", wie gleichst Du dem— Wasser! Da blieb es dann wieder der Sozialdemokratie über- lassen, die den zitternden Freisinnsfäusten entfallenden Feld- zeichen aufzuheben und hoch zu halten. Doch nun wird ja auch behauptet, die Familienzulage sei für die Arbeiter günstiger als für die Beamten. Die Beamten mit über 3000 M. Gehalt seien viel schlechter in der prozentualen Be- rechnung der Familienzulage gestellt als die Arbeiter. Das ist ja eben die Augenblendcrei. Alle die Beamten, die bis zu 3000 M. Gehalt beziehen und das ist eine sehr beträchtliche Fahl, stehen sich mit den Familienzulagen bedeutend bester als die Arbeiter. Und darin gipfelte ja der Widerstand des Magistrats gegen die Aufhebung der Differenzierung der Familienzulagen für Beamte und Arbeiter, daß gesagt wurde, für die Beamten muß eine günstigere Skala bestehen. Wenn man sich nur von den Prinzipien der Gerechtigkeit und Billigkeit gegen Arbeiter und Beamte in gleicher Weise hätte leiten lassen, dann konnte doch auch für die Beamten dieselbe Prozentrechnung mit denselben Höchstsätzen gelten als wie dieselben jetzt für die Arbeiter bestimmt sind. Heute hält man die Beamten mit über 3000 M. Gehalt als hinter die Arbeiter beim Bezug der Familienzulage zurückgesetzt. Nun, sie sind es dann auch gegenüber den Beamten, die unter 3000 M. Gehalt beziehen. Wie denn auch die Arbeiter mit über 8000 M. Einkommen— sie werden an den Fingern herzuzählen sein— eine prozentual geringere Familienzulage beziehen, wäh- rend die Arbeiter mit einem Verdienst von weniger als 3000 M. sich ewig nutzlos den Hals und die Arme nach den Höchstgrenzen her Familienzulagen ausrecken können. Sie erlangen sie nie. Und da können sich die Herren von der„liberalen" Observanz noch so drehen und wenden, den Mumpitz, daß die Arbeiter bei der Aus- arbeitung dieser Bestimmung die Schoßkinder des Magistrats und der„Liberalen" waren, machen sie keinem vernünftigen Menschen weiß. Ebensowenig wird ein denkfähiger Mensch den Schwindel glauben, daß wir, deren Vertreter die weitgehendsten Verbcsse- rungsanträge, die alle die Gärung fördernden Momente aus der Vorlage beseitigen wollten, stellten, die Arbeiter nur„verhetzen" wollten. Das haben die„Liberalen" selbst ausgezeichnet fertig gebracht. Wenn darum die„Liberalen" jetzt auf eine spätere „Einsicht der mißleiteten Arbeiter" hoffen, dann sehen wir der Er- füllung dieser Zukunftshoffnung getrost entgegen. Inzwischen können die gestäupten„Liberalen" wacker weiter schimpfen! 83 Bewerber nm eine Stelle. Vor einiger Zeit wurde die Stelle eines Stadtingenieurs für Charlottenburg ausgeschrieben. Nach dem neuen Beamtenbesoldungsplan wird dieser Posten n?it einem Anfangsgehalt von 5400 Mark dotiert. Nach 12 Jahren steigt dieser Betrag auf 6900 M. Um diese Stelle bewarben sich nicht weniger als 83 Reflektanten. Unter den Bewerbern befanden sich 49 Regierungsbaumeister, 24 Diplomingenieure, 6 Dr. ing., 1 Oberingcnieur, 3 Stadtbauräte und 1 Abteilungsingenieur. Diese Zahlen liefern den deutlichen Beweis dafür, daß es an ge- nügenden Kräften für solchen Posten nicht fehlt und daß das Fach der mittleren technischen Beamtenstellenanwärter stark überfüllt sein muß. Die Zahl der Gemeindeschulkinder betrug zum Beginn des Sommerhalbjahres 1909 in den 27 Charlottenburger Gemeinde» schulen 22 717. Die Kinder werden in 504 Klassenräumen unter- richtet. Die Besetzung der Klasse beträgt durchschnittlich 45 Kinder. Auf die in Mietshäusern untergebrachten Klassen kommen auf die einzelne Klasse durchschnittlich 41 Schüler oder Schülerinnen. Gegen den Beginn des Sommerhalbjahres 1908 sind 317 Kinder mehr in den Schulen untergebracht. In den Charlottenburger Schulen werden ferner 225 Kinder, deren Eltern in anderen Ge- meinden wohnen, unterrichtet. Ferner besuchen 20 Berliner Waisenkinder die hiesigen Gemeindeschulen. Außer den oben angeführten 22 717 Kindern wurden 406 in den sogenannten B.- Klassen und 367 in den drei Hilfsschulen untergebracht. In der Klasse für Schwerhörige befanden sich 13 Kinder. Ertrunken ist gestern abend in der siebenten Stunde im Land- Wehrkanal an der Dovebrücke ein siebenjähriger Knabe. Die vor- genommenen Rettungsversuche waren vergeblich, da das Kind unter einem dort verankerten Kahn geraten war. Erst nach etwa dreiviertelstündigem Suchen konnte die Leiche geborgen werden. Rixdorf. Die Benutzung de? neuen SchulhavseS an der Rütlistraße kann, Wie in der letzten Sitzung der städtischen Schuldeputation zur Kenntnis gebracht wurde, zum 1. November er. erfolgen. Desgleichen wurde beschlossen, die städtischen Körperschaften zu ersuchen, das Schul- gelb für auswärtige Schulkinder wie bisher auf jährlich 30 M. festzusetzen.— Der Stadt-Ferienkolonie des freiwilligen Erziehungsbeirats soll während der Sommerferien der Spielplatz an der Lessingstraße und bei schlechtem Wetter die Turnhalle bezw. der Schulhos des Schulhauses Lessingstraße zur Benutzung überlassen werden.— Die Schuldeputation genehmigte, daß gelegentlich der im Herbst d. I. Hierselbst tagenden Provinzial-Lehrerversammlung eine Ausstellung sämtlicher in den hiesigen Gemeindeschulen gebräuch- lichen Lehrnnttel stattfindet. Zur Verwendung sollen die für das Schulhaus Rütlistraße zu beschaffenden Lehrnnttel kommen. Der Jugendausschuß der Arbeiterschaft Rixdorfs veranstaltet während der Sommermonate für jugendliche Arbeiter und Arbeile- rinnen an den Sonntagnachmittagen Spiele. Heute ist der erste Spieltag. Die Spiele finden nachmittags von 3—6 Uhr auf dem Turnplatz der„Freien Turnerschaft Rixdorf- Britz" an der Grenz- Allee(gegenüber dem Luft- und Sonnenbad) statt. Die Be- teiligung ist mit keinerlei Kosten verknüpft? es ist nur nötig. daß sich die Teilnehmer dem auf dem Spielplatze anwesenden Mit- gliede der Spielkommission(am heutigen Sonntag ist dies Frau Martha Zeetze) vorstellen. Es kann nicht dringend genug geraten werden, die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen auf diese allsonntäg- lichen Beranftaltungen aufmerksam zu machen; denn nach der Fron im dumpfen, mit schlechter Luft geschwängerten Arbeitsraume ivird die Erholung beim fröhlichen Spiel in der freien Natur gesundheitlich sehr nützlich sein. Schöneberg. Die Bevölkerungszahl hat seit der Vereinigung von Alt- und Neu-Schöneberg eine wesentliche Veränderung erfahren; dagegen hat eine Gebietserweiterung nicht mehr stattgefunden. Die Bevölkerung stieg vom 1. Dezember 1875 von 7467 Personen auf 15 872 im Jahre 1885; sie erreichte im folgenden Jahrzehnt das Vierfache dieser Zahl, nämlich 62 695. Von 1895 bis 1905 hat sie sich abermals reichlich verdoppelt; sie betrug am 1. Dezember 1005: 141 010 Köpfe. Die Zahl der Haushaltungen betrug 35 903, unter diesen waren 2441 einzellebende Personen, die eine besondere Wohnung und eigene Hauswirtschaft hatten. Bis in die Mitte der achtziger Jahre überwog in Schöneberg da? mann- liche Geschlecht. Nach den Volkszählungen der Jahre 1871, 1875 und 1830 machten die Frauen nur 49. 48 bezw. 47 Proz. der Gesamtbevölkerung ans. Nach dem Jahre 1885 stieg der Anteil der Frauen auf 51 Proz. im Jahre 1895, 53 Proz. in, Jahre 1900 und endlich auf 54 Proz. im Jahre 1905. Von den einzellcbenden Per- sonen mit besonderer Wohnung und eigener Hauswirtschaft waren nicht weniger als 71 Proz. Frauen. In Haushaltungen von zwei Personen waren 59 Proz. weiblich, in Haushaltungen von drei Per- sonen 58 Proz. und in Haushaltungen von acht Personen nur 50 Proz. Infolge des starken Rückganges der Geburten ist der An- teil der Kinder am Wachstum der Einwohnerzahl, das in erster Linie auf dem Zuzug erwachsener Personen beruht, sehr gering. Im Jahre 1880 betrug der Anteil der Kinder bis zu fünf- zehn Jahren noch 31,3 Proz.. zwanzig Jahre später nur 26,4 Proz. und nach weiteren fünf Jahren nur 24 Proz. Die Zahl der Kinder im ersten Lebensjahr belrng 2835, davon wurde für 2741 die Ernährungsart ermittelt. Sie bestand ausschließlich aus Muttermilch bei 760, teilweise aus Muttermilch bei 107, ganz oder teilweise aus Ammenmilch bei 33, ausschließlich aus Tiermilch bei 1666, aus Tiermilch und Surrogaten bei 126, aus Surrogaten allein bei 39, während 10 ohne Milch oder Surrogate ernährt wurden. Von 2433 gezählten hier geborenen Kindern im ersten Lebensjahr waren 2275 ehelich, 114 unehelich. Während von allen Kindern 33 Proz. ausschließlich oder teilweise Brustinilch erhielten. betrug der Auteil bei den unehelichen nur 14 Proz. Der ganze Bericht zeigt, daß Schöneberg durch seine Entwickcluna, seine Bau- tätigkeit, die Zusammensetzung seiner Einwohnerschaft sich immer mehr zu einer Bourgeoisiestadt entwickelt. Schömberg am Nordsccstrande. Eine Klage SchönebergS gegen den RegierungSpräfidcnten von Schleswig beschäftigte vorgestern den Kreisausschutz in Tondern. Es handelt sich um die Uebertragung der Badegcrechtsame und des Strandrechts am Südstrande der Insel Föhr an den Flecken Wyck. Die Klägerin wurde mit ihrer Beschwerde kostenpflichtig abgewiesen, beabsichtigt indessen, die höhere Instanz anzurufen. Bekanntlich hat die Stadt Schöneberg am strittigen User ein Sanatorium für unbemittelte Kinder errichten laflen. Die Frequenzzisscrn der hiesigen Bolksschulklasfen sind, wie in der Sitzung der Schöueberger Schnldepuialion festgestellt wurde, folgende: In den vorhandenen 301 Klassen beträgt die Höchst- schülerzahl 53. Mehr als 50 Kinder haben 22 Klassen, während der Durchschnitt für die Besetzung einschließlich der Hilfsklassen 42 Kinder beträgt. Die Schuldeputation hat sich damit einverstanden erklärt, daß auf städtische Kosten durch das Pestalozzi-Fröbel-Haus ein Kursus eingerichtet wird, in dem die städtischen Lehrerinnen in der neuen Methode des sogenannten Werkunterrichts für die unteren Klassen ausgebildet werden. Auch wurde beschlossen, entsprechend der allgemeinen Erhöhung der Lehrerbesoldung die Entschädigung der Hilfölehrerinnen, die unbesetzte Stellen verwalten, zu erhöhen. Das neue Rathauöprojekt bereitet, wie eS scheint, den maßgebenden Körperschaften viel Kopfzerbrechen, bevor mit dem Bau be- gönnen werden kann. Schon vor geraumer Zeit wnrde der Bau beschlossen, jetzt wird erst die Ausschreibung vorgenommen. Erst war es schlver, für den Bau ein geeignetes, nicht zu teures Grundstück zu finden. Ein in der Elscnacher Straße liegender Baublock, der für niehrere Millionen Mark angeboten wurde, mußte seiner schlechten Bodenbeschaffenheit wegen abgelehnt werden. Stark bekämpft wurde die Anschauung, das Rathaus auf ein der Stadt gehörendes Terrain an der Mühlen- und Martin-Luther-Straße zu erbauen, weil es an« geblich dort zu nahe an die Wilmersdorfer Grenze zu stehen ge« kommen wäre. Ausschlaggebend für dieses Terrain war jedoch der finanzielle Effekt, weshalb es als Bauplatz auserschen wurde. In kürzester Zeit fertigte der Baurat Egeling ei» Projekt an, das. nachdem die Ausschreibung abgelehnt war, einer mit Fachleuten besetzten Depu« tation überwiesen wnrde. Der Grundriß erhielt verschiedene Umände- rungen, eS sollten dem Baurat zehn Wochen Frist gegeben werden, um die Fassade und einige Aenderungen an dem Projekt vorzunehmen. Jetzt plötzlich hat der Magistrat beschlossen, den gesamten RathanSban auszuschreiben; des weiteren sind entsprechende Summen für Preise und Ankauf von Plänen ausgesetzt. Diese eigenartige Wendung über- rascht um so mehr, als vor kurzem das Gegenteil beschlossen wurde. Allerdings ist es zu verstehen, wenn man erwägt, daß für den Rat- hanSban eine allerhöchste Person sich interessiert; wird doch von diesem Kunstwerke gehofft, daß es den Schlüssel zum Herrenhaus in sich birgt. Es war geradezu entsetzlich, als kürzlich bei der Berawng des Waldschutzes im Herrenhause die beiden Oberbürgermeister von Groh-Berlin fehlten und einige andere eingreifen mußten, weil— Schöneberg in jenem Hause noch unvertretcn. Köpenick. Eine Revolveraffäre, die noch der Aufklärung bedarf, hat sich im hiesigen Forst abgespielt. Der Gärtnergehilfe Ebert von hier hatte mit einem Freund in Sadowa ein Konzert besucht; spät abends traten die beiden den Heimweg an. Sie gingen durch den zwischen Köpenick und Sadowa belegenen Forst. Als sie ahnungslos dahin- schritten, krachte plötzlich in nächster Nähe von ihnen ein Schuß. wobei E. an der rechten Hand getroffen wurde. Mit Hilfe seines Begleiters suchte E. sofort die Umgegend ab, um de» Urheber des Attentats zu ermitteln; doch leider erfolglos. Wie der Arzt, von dem E, verbunden wurde, festgestellt hat, ist die Kugel aus einem Revolver abgefeuert worden. Es wird vermutet, daß ein Rachealt vorliegt. Andererseits wird damit gerechnet, daß E. das Opfer einer Verwechselung geworden ist. Groß-Lichterfelde. Der in Ausficht genommene AuSflug der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter findet heute Sonntag statt. Abmarsch pünktlich mittags 1 Uhr vom Augustaplatz, Ecke Biktoriastraße, nach dem Grunewald und Beelitzhof. Der Jugendausschuß. Lichtenberg. Der Magistrat Lichtenbergs scheint den zweifelhaften Drang zu haben, es dem Scharfmachertum schlimmster Sorte gleichzu- tun. So wie den„Herren im Hause" bei der Privatindustrie ist offenbar auch den Lichtenberger Ratsmannen die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter ein Dorn im Auge; denn mit einem Gewaltstreich empörendster Art hat man sich über die Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung hinweggesetzt. Ausgerechnet am Pfingst- sonnabend ist dem Vertrauensmann der organisierten städtischen Arbeiter Lichtenbergs, dem Gasarbeiter R e m u s, nachstebendes Schreiben durch einen Boten ins Haus geschickt worden: GaS-, Wasser- und Elektrizitätswerke der Stadt Lichtenberg bei Berlin. Lichtenberg, den 29. Mai 1909. Auf Veranlassung des Magistrats wird Ihnen hiermit Ihr Arbeitsverhältnis auf unserm Gaswerk zum 12. Juni d. I. ge- kündigt. Gleichzeitig werden Sie von heute ab vom Dienste dispensiert und wird Ihnen das Betreten der Betriebsstätten der städtischen Werke fernerhin untersagt, außer zum Zwecke der Abholung Ihres aus der Gasanstalt eventuell befindlichen Eigentums und haben Sie sich dieserlsalb an den Gasmeister Herrn Kaufmann zu wenden. Den Lohn für die vergangene Lohnwoche erhalten Sie bei- folgend, den Lohn für die nächsten beiden Wochen können Sie am Sonnabend, den 8. Juni, bezw. Sonnabend, den 12. Juni, an unserer Kasse, Dorfstr. III, in der Zeil von 8—2 Uhr in Emp«�- fang nehmen. GaS-, Wasser- und Elektrizitätswerke T a s ch, Direktor. An den Arbeiter Herrn Karl Remus, hier. Grund zu dieser mit komischer Hast vollzogenen Entlassung, � der gleich ein Verbot gegen das Betreten der städtischen Werie angefügt ist, gab nichts weiter, als die Tatsache, daß Remus an die indifferenten Straßenreiniger einen Handzettel zu einer Ver- sammlung verteilt hat. Nichts weiter hat vorgelegen, wie auch unumwunden dem Gemaßregelten vom zweiten Bürgermeister zu- gegeben wurde. Im Eilzugtempo hat der Magistrat— nachdem die Herren über den angeblich schlechten Ton des auf den Tisch des Hauses niedergelegten Handzettels weidlich in Entrüstung ge- macht hatten— sans fa?on die Maßregelung des bereits 10 Jahre im städtischen Dienste stehenden Arbeiters beschlossen. Und kein anderer soll Antragsteller gewesen sein, als der inzwischen verreiste erste Bürgermeister Ziethen selbst— derselbe, der bei den Hotten- tottenwahlen als„nationaler" Kandidat vor Arbciterfreundlichkcit triefte, um— die Stimmen der Arbeiter einzufangcn. Daß dem Arbeiter die Agitation zum Zwecke der Koalition gesetzlich gewähr- leistet ist, hat dem konservativen Landtagsabgeordnetcn Ziethen keine Gcwissensskrupcl bereitet: er machte zur höheren Weihe des Pfingstfestes den Genossen Remus mit seiner Familie brotlos. Es läßt sich denken, daß dieses Attentat gegen ihr vornehmstes Recht die städtischen Arbeiter Lichtenbergs in helle Empörung versetzt hat und es fehlte nicht viel, so hätte sie zu einer Arbeitseinstellung geführt, nachdem am Freitag abend in der Versammlung der Ar- beiterausschuß und der Bevollmächtigte des Gcmeindcarbeitcrver- bandes von der Ergebnislosigkeit ihrer Bemühungen um Wieder- einstellung des Gemaßrcgelten berichten mußten. Nach längerer Debatte, an der sich auch der anwesende Stadtverordnete Genosse Grauer beteiligte und erklärte, daß er bereits für die Stadt- verordnetensitzung am Dienstag eine Interpellation über die un- erhörte Maßnahme deL Magistrats eingereicht habe, fand nach- stehende Resolution einstimmige Annahme, die die Stimmung der Arbeiter unzweideutig zum Ausdruck bringt: „Die am 11. Juni zahlreich versammelten städtischen Ar- beiter Lichtenbergs sind empört über die Entlassung des Kollegen Remus, die sich als eine rücksichtslose Maßregelung wegen Aus- Übung des gesetzlich garantierten Koalitionsrechts charakterisiert. . Die Versammelten verurteilen auf das Entschiedenste diesen Gewaltakt gegen ihren Vertrauensmann und kcnnzeickmcn die Maßnahme des Magistrats als einen einer Stadtverwaltung un- würdigen Bruch der Reichsgewerbeordnung, was um so beschä- mender ist, als es sich um einen 10 Jahre bei der Stadt beschäf- tigten Arbeiter handelt, dem dienstlich zugestandenermaßen nicht das©eringste nachgesagt werden kann. Die Versammelten protestieren ganz energisch gegen jeden Versuch auf Unterbindung ihrer gewerkschaftlichen Organisa- tionsarbeit und ernstrrten, daß die Stadtverordnetenversamm- lung dem Magistrat unzweideutig die Anerkennung des Koali- tionsrechtes der Arbeiter zur Pflicht macht und die Wiedercin- stcllung des Kollegen Remus beschließt." Man darf gespannt sein, ob die Lichtenberger Stadtväter die scharfmacherischen Allüren des Magistrats decken werden oder ob sie die Würde der Stadt recht verstehen und der sozialen Gesetz- gebung, auf die sich unser Bürgertum sonst nicht wenig zugute tut, zur Anerkennung in der Stadtverwaltung verhelfen werden. Stralau. Das Thema: Kommunalangelegenheiten de? OrteS behandelte Genosse Buk in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Nachdem der Redner die Entwickelungsgeschichte des OrteS behandelt, hob er die im Etat vorgesehenen Ausgaben für Schule, Beleuchtung, Armenunterstützung, Kreissteuern und Wohlfahrtseinrichtnngen hervor. Das elektrische Licht wird jedenfalls im Herbst durch Gas ersetzt werden. Den Bericht von der Kreisgeneralversammlung erstattete Genosse Aschendorf. Genosse Wessel teilte noch mit, daß der AgitationS- bezirk Herzfclde Stralau zugeteilt werden soll. Rummelsburg. Aus der Gemeindevertretung. Die Neuwahlen zu den ein- zelnen Verwaltungskommissionen, welche in der letzten Sitzung auf Anregung unserer Vertreter, betreffs Aufstellung bestimmter Grundsätze für die Zusammensetzung dieser Kommissionen vertagt worden waren, wurden nunmehr nach der vom Gemeindevorstand der Anregung der letzten Sitzung entsprechend vorgelegten neuen Vorschlagsliste vorgenommen. Unsere Vertreter gehören ent- sprechend ihrer Zahl sämtlichen Kommissionen und Deputationen mit Ausnahme der Schuldeputation an. Gleichzeitig wird beschlossen, statt Kommission und Deputation in Zukunft„Ausschuß" zu setzen. Die Umbenennung der einen einheitlichen Straßenzug bildenden Markt- und Sadowastraße in eine gleichnamige Stratzenbezeich» nung und zwar„Marktstraße", wird einstimmig gebilligt. Zur Ausarbeitung eines Projektes betr. Feststellung des Kostenpunktes der Erweiterung der Eisenbahnbrücke(genannt Tonne) des Nord- rings im Zuge der Straße Alt-Boxhagen wird die Zuftimmuug erteilt. Durch Anschwemmung des Rummelsburger Sees hat sich längst des ganzen Sees auf Stralauer Seite Land gebildet, welches nach dem Katasterausweis zum Gemeindebezirk Boxhagen-Rum- melsburg gehört. Auf Ersuchen der Stralauer Gemeinde hat Rummelsburg sich mit einer Eingemeindung dieses Terrains nach Stralau einverstanden erklärt— wenn andereqeits sich auch die Gemeinde Stralau mit der Eingemeindung der zu Stralau ge. hörigen Parzellen Neu-Seeland, Liebesinsel, Bullenbruch, Rohr« insel wie der Spreewiesen nach Rummelsburg bereit erklärt. Die Gemeinde Stralau wie auch der Kreisausschuß sind diesem Aus- gleich nicht beigetreten— es wird vielmehr von der Gemeinde Rummelsburg verlangt— sich mit Restaurant Neu-Seeland. welches zum Teil bereits zu Rummelsburg gehört und noch zwei kleineren Parzellen als Ausgleich zu begnügen. Nach der Neu- einschätzung beträgt die Grundwertsteuer des Rummelsburgev Terrains auf Stralauer Seite jährlich 5000 M., gegen 500 M. der zum Tausch angebotenen Stralauer Parzellen. Die Gemeinde- Vertretung lehnt einen solchen Tausch einmütig ab und beauftragt den Gemeindevorstand, bei nicht zustande kommender Eingemein» dung der fraglichen Parzellen nach Rummelsburg dann ent- sprechend dem Steuerobjekt, eine einmalige Abfindungssumme von 100 000 M. zu beanspruchen. Bei dieser Angelegenheit wird gleich- zeitig eine Verschmelzung Stralaus mit Rummelsburg mit in die Erörterung gezogen, und dargelegt, daß eine Verschmelzung beider Orte gleichvie unter welchem Namen, die beste Lösung der ganzen Streitfrage sein würde. Der Gemeindevorsteher gibt hierauf be, kannt, daß der an der Schlichtallee und Prinz-Albert-Straße bc- legene Spielplatz, für welchen bisher eine jährliche Miete von 500 M. gezahlt wurde, zum 1. Oktober von der Stadt Berlin mit der Bemerkung gekündigt worden ist, daß ein neuer Vertrag mit der Gemeinde Rummelsburg nur abgeschlossen wird, wenn Rummelsburg bereit ist, einen der Gemeindegrundsteuer für dieses Grundstück gleichkommenden Betrag jährlich als MictspreiS zu zahlen. Die Gemeindegrundsteuer würde für 1009 1885 M be» tragen. Der Bürgermeister bezeichnet diese Forderung als außer- gewöhnlich hoch und für eine besondere tlnhöflichkcit seitens der Stadt Berlin unserer Gemeinde gegenüber; er ersucht auf Ver- zichtleistung einer weiteren Pachtung. Da die Stadt Berlin für ihre anderen Terrains in Rummelsburg, welche als Laubenland verpachtet sind, nur etwa Vj des hier verlangten Betrages als Pacht- zins erhält, so beantragt Genosse John, die Beschlutzfassung aus- zusetzen und nochmals bei der städtischen Grundcigentumsdepu» tation auf Herabsetzung resp. Beibehaltung des bisherigen Satzes vorstellig zu werden. Dieser Antrag wird angenommen. Der Bürgermeister gibt dann ferner noch bekannt, daß der Rechnungs- abschluß für das Jahr 1908 einen Fehlbetrag von 30 212,80 M. aufweist.— In der folgenden nicht öffeutlichen Sitzung wird einem Vertrag der Gemeinde Boxhagen-Rumiuelsburg mit der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin, betxeffeyd die Anlage und den Betrieb einer Straßenbahn durch STt Wühlischstraße von 5er KopernikuSstraße bis Eolteistraße und' durch diese von der Wühlisch- bis zur Weserstrahe, welche ihren Ausgangspunkt an der derzeitigen Endstation der Hochbahn War- schauer Brücke hat und durch Gebietsteile von Berlin und Lichten- berg geführt wird, die Genehmigung erteilt. Die Bahnstrecke ist spätestens am 1. Juli 1910 in Betrieb zu setzen. Nieder-Schönhausen. I» der letzten Gemcindevertrctersttzung wurde zunächst mit- geteilt, daß der Armen-Etat für das Jahr 1908 um 1048,40 M. uberschritten worden ist. Die Ueberschreitung wurde bewilligt. Ferner wurden für die demnächst stattfindende Richtfeier des neuen Rathauses 200 M. bewilligt. Dem Gemeindevorstand sind eine Reihe Beschwerden zugegangen, daß die Kehrmaschinen beim Reinigen der Straßen viel Staub aufwirbeln. Sollte vorher eine Besprengung stattfinden, so würden die Unkosten pro Jahr 1000 M. mehr betragen. Heber diese Angelegenheit soll in der nächsten Sitzung Beschluß gefaßt werden. Der Vertrag mit der Terrain-Aktiengesellschaft betreffend die Durchlegung der Platanenstraße wurde genehmigt. Die Gemeinde führt die Arbeiten aus, während die Aktiengesellschaft die vierjährige Unterhaltungspflicht übernimmt und das Anlagekapital zehn Jahre verzinst. Sobald Parzellen verkauft werden, sind die Anliegerbeiträge zu zahlen. Zur Durchlegung der Straße 12 vom Schönholzer Forst nach Pankow wurde die Anlagegenehinigung er- teilt. Die Gemeinde übernimmt ein Sechstel der Kosten bis zum Höchstbetrage von 36 000 M., die übrigen Kosten werden von der Gemeinde Pankow und der Firma Worch u. Co. getragen. Die Brücke bleibt Eigentum der Gemeinden Pankow-Schönhausen. Der Bertrag soll nicht mit der Firma Worch u. Co. abgeschlossen werden, sondern mit dem Forstfiskus, damit es der Gemeinde Nieder-Schön- Hausen gestattet ist, eine Zufahrtsstraße nach dem neuen Friedhofe auszuführen. Die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für das Industriegebiet ist in Aussicht genommen. Für die Vorarbeite» lvurde eine fünfgliedrige Kommission gewählt. Die Richtersche Straßenlandparzelle an der Kaiser-Wilhelmstraße, die jetzt Gemeinde- eigentum ist, wurde als Kinderspielplatz freigegeben. Das Land ist umzäunt und Sand angefahren. Gewünscht wurde, daß die Polizei den Spielplatz beaufsichtigt. Der Bürgermeister konnte sich jedoch als Amtsvorsteher nicht dazu entschließen, indem die Entivickelung des Spielplatzes erst abgewartet werden soll. Wenn die Kinder sich austummeln sollen, so wünsche er nicht, daß sie unter Polizei- aufsicht gestellt werden.(Hoffentlich werden nun die anderen Ge- meindegrundstücke ebenfalls zu Kinderspielplätzen eingerichtet.) Dem evangelischen Männer- und Jünglingsverein wurde die Benutzung der Turnhalle zu denselben Bedingungen genehmigt, wie sie für die hiesige Deutsche Turnerschaft bestehen. Ob man einem Arbeiter- Turnverein die Halle auch so bereitwilligst zur Verfügung stellen würde? In der hierauf stattfindenden nichtöffentlichen Sitzung wurde u. a. auch der Punkt verhandelt: Abänderung des Beschlusses betreffend die Aufnahme einer Anleihe von 400 000 M. NowaweS. Am heutigen Sonntag macht die freie Jugendorganisation einen Ausflug nach der Römerschanze. Abmarsch 1 Uhr nachmittags vom Restaurant Singer. Wir ersuchen die Parteigenoffen, unter der L�beiteriugend für zahlreiche Beteiligung zu agitieren. Der JugendausschuK' Potsdam. Der Jugendbund deS konservativen Neuen WahlvereinS soll ein- gehen. Er ist ein Produkt der„Hottentotienwahlzeit" und verdankt seine Gründung dem Vorsitzenden des Neuen WahlvereinS, Major a. D. Freiherr v. Stößel, der inzwischen zum königlichen Lotterieeinnehmer avanciert ist. Nach Jnkrafitreten des neuen Vereinsgesetzes, nach welchem in politischen Vereinen Mitglieder unter 18 Jahren nicht aufgenommen werden dürfen, war die eigentliche Absicht des Vereins lahmgelegt. Man wußte sich zwar zu helfen: man nahm nur Mitglieder über 13 Jahre auf; zu den Vorträgen wurden aber Schüler der höheren Lehranstalten und vor allem diejenigen der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule hinzugezogen. Auch damit konnten aber die jungenLeute für Kaisergeburtstagsfeiern, Bismarck- und Flottenanträge nicht interessiert werden und auch die Gelder wurden knapp. Man wußte aber auch hier Rat zu schaffen. Vor wenigen Tagen gründete man nun einen„Berern zur Förderung der LeibeSübung dem die finanzielle Unterstützung der Regierung und der Stadt zur Seite steht. In diesem Verein soll nun der Jugendbund aufgehen; so ist wenigstens die Möglichkeit geboten. Schüler und junge Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren zu .nationalen Männern" zu erziehen. Man hofft auf diese Weise so- gar schon in diesem Jahre ein großartiges Sedanfest zu feiern. Allerdings haben sich dem Verein nach Bekanntgabe dieses Zweckes nur sehr wenige Mitglieder angeschloffen. Gencbtö- Zeitimg. Erhöhung der Kaution des Fürsten Eulenburg? In der Meineidsanklagcsaöbe gegen den Fürsten Eulenburg trat gestern die aus drei Richtern bestehende Veschlußkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Splettstocßer und unter Teilnahme der Landgerichtsräte Kämpf und Goldstandt als Bei- sitzer zu einer mehrstündigen Beratung zusammen. Wie wir hören, soll es sich dabei um einen Antrag des Oberstaatsanwalts gehandelt haben, die vom Fürsten Eulenburg gestellte Kaution von 100 000 M. auf 500 000 M. zu erhöhen. Dem Vernehmen nach soll die Beschlußkammer prinzipiell einer Erhöhung der Kaution zu- gestimmt haben; über den Grad der Erhöhung war sicheres nicht zu erfahren. Gleichzeitig soll auch das Gericht den Beschluß ge- faßt haben, die wiffenschastliche Deputation nun nochmals zu einem schleunigst abzustattenden Gutachten aufzufordern, um zu ermessen, ob es eventuell möglich ist, die Verhandlung gegen den Fürsten in einer in kurzer Zeit anzuberaumenden Extra-Schwurgerichts- ' tzung zu Ende zu führen. Seitens der Staatsanwaltschaft wird, nach einer Gerichts- korrespondenz, lebhaft Klage darüber geführt, daß die Tatsache der Entsendung des Kriminalkommissars Vorberg nach Gastein zur Ueberwachung des Fürsten Eulenburg durch eine hiesige Zeitung bckanntgcmacht, der Fürst dadurch zur Rückkehr nach Berlin der- anlaßt und die ursprüngliche Absicht, seine Gesundung herbei- zuführen, vereitelt worden sei. Es sollen Ermittelungen statt- finden, auf wen diese Indiskretion zurückzuführen ist. Wenn über weiter nichts anläßlich des Prozesses Eulenburg zu klagen wäre, stände es mit der preußisch-deutschen Justiz besser. Soll etwa die Zeitung wegen fahrlässiger und vorsätzlicher Körperver- letzung angeklagt werden? Und gar schon vor rechtskräftiger Ab- urtcilung über die Meineidsanklage? Auf der Poleujagd. Den Vogel in der Germanisierungsmanie hat ein Staats- anwaltsvertreter beim Charlottenburger Amtsgericht abgeschossen. Mitglieder des polnischen Wahlvereins in Charlottenburg waren mit einer der vielen überflüssigen Anklagen beglückt. Sie wurden freigesprochen. Während die Richter im Beratungszimmer ver- weilten, unterhielt sich der Verteidiger Stobincki mit seinen Klienten in— polnischer Sprache. Erregt erhob sich der Staats- anwalt, erklärte es für ungehörig, daß ein Verteidiger vor einem deutschen Gerichtshofe polnisch spreche und beantragte dann gegen Stobincki eine Ordnungsstrafe von 50 M. Der Vorsitzende suchte vergeblich den Staatsanwalt zur Zurücknahme seines Antrages zu bewegen. Der Antrag wurde selbstverständlich vom Gericht mit der Begründung abgelehnt, daß einem Verteidiger nicht verwehrt werden könne, sich mit seinen Klienten in jeder beliebigen Sprache zu unterhalten. Der Rechtsanwalt Stobincki hat sich über das Verhalten des Staatsanwalts beschwert. Recht bedauerlich ist, daß der Staatsanwalt nicht der Disziplin des Gerichts unterliegt. Nach der herrschenden Anschauung kann sich der Angeklagte und dessen Verteidiger gegen eine wirkliche Ungebühr eines Staats- anwalts nicht durch den Antrag schützen, diesen in eine Ordnungs- strafe zu nehmen, sondern kann nur beantragen, zu vertagen und die Staatsanwaltschaft zu ersuchen, zum nächsten Termin einen Staatsanwalt als Vertreter zu entsenden, der geeignet und willens ist, dem Gesetz entsprechend vorzugehen. Ein gefährlicher Kinderfreund. Mit einer leider im Verhältnis zur Tat recht geringen Strafe wurde gestern der Vuchdruckereibesitzer Peiser aus Friedenau wegen eines unsittlichen Attentats gegen ein Kind von der 1. Straf- kammer des Landgerichts II belegt. Wie wir seinerzeit mitteilten, kam der als besonderer Ordnungsheld in Friedenau angesehene Angeklagte im April dieses Jahres durch die Maxstraße in Schöne- berg gefahren. Hier trat er an eine Gruppe spielender Kinder heran und fragte, wer sich von den Kindern ein Trinkgeld ver- dienen wollte. Der Angeklagte gab schließlich der kleinen neun- jährigen Nichte des Arbeiters Gcrlach, die erst kurz vorher nach Verlin gekommen war, zwanzig Pfennige und verschwand mit ihr in einem Hausflur, wo das Kind angeblich auf sein Rad aufpassen sollte.- Das Mädchen folgte auch ahnungslos und wurde hier beinahe das Opfer eines schändlichen Attentats, an dessen Voll» endung der Angeklagte glücklicherweise durch das Hinzukommen eines Dritten gehindert wurde.— Die Strafkammer erkannte trotz der ganz enormen Gemeingefährlichkeit derartiger Kinderfreunde nur auf ein Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Aussteuerklage vor der Hochzeit. Nach ß 1620 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist der Vater ver- pflichtet, einer Tochter im Falle ihrer Verheiratung zu� Einrichtung des Haushalts eine angemessene Aussteuer zu gewähren, so- weit er bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen ohne Gefährdung seines standesmäßigcn Unterhalts dazu imstande ist und nicht die Tochter ein zur Beschaffung der Aussteuer aus- reichendes Vermögen hat. Auf Grund dieser Vorschrift hatten zwei verlobte Töchter des Privatmannes W. in Blasewitz Klage gegen ihren wegen Ehebruchs geschiedenen Vater auf Auszahlung von je 5000 M. erhoben. Die eine Klägerin ist mit einem Archi- teltcn, die andere mit einem Obermonteur verlobt. Das Landgericht Dresden hielt eine angemessene Aussteuer in Höhe von je 2500 M. für begründet, das Oberlondcsgericht Dres- den erhöhte diese auf je 3000 M. Die vom Beklagten gegen das oberlandesgerichtliche Urteil eingelegte Revision wurde vom IV. Zi- vilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. In seinen Entschei- dungsgrüiiden legt der erkennende Senat dar, daß der Aussteuer- anspruch allerdings erst mit der Verheiratung zur Entstehung ge- lange, jedoch kann auch Klage auf künftige Leistung erhoben wer- den, wenn den Umständen nach die Besorgnis gerechtfertigt ist, daß sich der Schuldner der rechtzeitigen Leistung entziehen werde. Im vorliegenden Falle habe das Oberlandesgericht in Uebereinstnn- mung mit dem Landgericht angenommen, daß diese Besorgnis ge- rechtfertigt sei. Denn der Beklagte habe sich der Unterhaltspflicht seiner aus der geschiedenen Ehe stammenden und ihm entfrem- beten Töchter fortgesetzt zu entziehen gesucht. Diese Ausführungen des Vorderrichters seien nicht zu beanstanden. Richtig sei es allerdings, daß die Aussteuer in den natürlich beweglichen Sachen und nicht in Geld zu verstehen sei. Allein der im§ 242 B. G.-B. ausgesprochene allgemeine Grundsatz, daß die Leistung so zu be- wirken sei, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrs- sitte es fordern, gelte auch für die Erfüllung der gesetzlichen Aus- steuerpflicht(„Juristische Wochenschrift" 1906 S. 458 Nr. 11 und Reichsgerichtsentsch. vom 11. Februar 1900 IV. 271/08). Was die Verlobten dqc Klägerinnen anlangt, so habe das BeMfungs- gericht mit Recht berücksichtigt, daß beide junge Techniker seien und als solche eine Fachausbildung genossen hätten, die ihnen das Einrücken in leitende Stellen oder die selbständige Ausübung eines Gewerbes ermögliche. Vermifcbtee. Der Mord am Brocke«. Nach einer Meldung aus Halle a. S. ist dort gestern der Tischler Gustav Engelhardt unter dem Verdacht, den Mord auf dem Brocken an dem Direktor Friedrich aus Steglitz verübt zi haben, in der Herberge verhaftet worden. Erdbeben in Frankreich. Nach einer Meldung aus Paris wurde Freitag abend um 0 Uhr 15 Minuten in Marseille und der Umgebung der Stadt ein heftiges Erdbeben, das 4 Sekunden dauerte, wahr- genommen. Die Bewohner, deren sich eine große Aufregung be- mächtigte, begaben sich nach den freien Plätzen, viele Uhren blieben stehen. Ein zweites, weniger heftiges Beben erfolgte um 9 Uhr 46 Minuten. Mehrere Häuser wurden beschädigt. In A v ignon. Perpignan, Cette, Nizza, Toulon, Canney, Montpellier und B e z i e r s wurden um dieselbe Zeit gleichfalls Erdstöße wahrgenommen. Meldungen über Werluste an Menschenleben sind nicht eingegangen. Nach weiteren Meldungen aus Nizza, Cannes, Toulon und Avignon gerieten die dortigen Einwohner infolge des Erdbebens in heftige Bestürzung, verließen die Häuser und begaben sich auf die Straßen und die öffentlichen Plätze. Die Möbel in den Häusern wurden von der Stelle gerückt, die in Toulon liegenden Kriegsschiffe fingen an zu treiben und zerrten an ihrer Wer- ankerung. Eine Meldung auS Marseille besagt: Unter der Bevölkerung herrscht große Aufregung; an mehreren Stellen der Stadt find Lager improvisiert; das Observatorium ist zerstört; in einer Straße wurde das Pflaster aufgeworfen. Im Weichbild von Lambesc stürzten Häuser ein, wobei acht Personen um- gekommen sein sollen. Hilfstruppen sind abgegangen, um die Trümmer aufzuräumen. Gestrandeter Dampfer. Der New Aorker Agentur des Norddeutschen Lloyd ist eine Kabelmeldung zugegangen, der zufolge der Cunarddampscr „Slavonia" bei der Azoreninsel Florcs gestrandet ist. Wie eine weitere Meldung aus New Fork besagt, sind die h u n d e r t z e h n Kajütspassagiere und fünfhundert Zwischen» d eck sp a ssa giere des bei der Insel Flores gestrandeten Dampfers„Slavonia" der Cunardlinie von den Dampfern „Prinzeß Irene" und„Batavia" an Bord genommen worden. London. Eine Lloydmeldung aus St. Michael(Azoren) be- stätigt, daß der Cunarddampfer„Slavonia" gestrandet ist und fügt hinzu, der Dampfer würde voraussichtlich vollständig wrack werden._ Heftige Gewitter mit Hagel und Wolkenbrsichen haben, wie eine Meldung aus Bordeaux besagt, in dortiger Gegend große Verheerungen angerichtet, durch welche die Ernte der Umgegend vernichtet und die telephonischen Verbindungen unterbrochen wurden. Im Unterseeboot ertrunken. AuS Sebastopol wird vom gestrigen Tage gemeldet: In der Nacht um 11 Uhr 30 Minuten stieß das Unterseeboot„Kambala" bei einem Angriffsmanöver gegen ein in den Hafen einlaufendes Geschwader infolge einer un« erwarteten Wendung des Panzerschiffes„Nostißlaw" mit diesem zusammen und sank sofort. Der Kommandeur des Bootes, der sich auf Deck befunden hatte, wurde gerettet, alle anderen In- fassen des Unterseebootes, der Chef der Untersecbootsabteilung, Kapitän Vjelikow, zwei Deckoffiziere sowie 17 Matrosen er- tranken. Die„Kambala" liegt in einer Tiefe von 28 Faden; Maßnahmen zur Hebung find bereits getroffen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. Male Berlin 9. Heute vormittag Qll, Uhr bei KirschkowSly, Bcufsclftr. 9: ' Heute vormittag 10 Uhr im Lokal von 'ung. Heute Zahltag und Ausnahme Ackerstr. 123 im Restaurant von 3— ö Uhr. WasscrstandS.Nachrichte» der LandeSanitalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. »)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—') Unterpegel. JOSEPH& C2 R1XDORP Berliner Straße 54/55 Ecke J&grerstraBe—— Von Sonnabend, den 12. bis Sonnabend, den 19. d. Mts. kommen soweit Vorrat: Zwei Waggon Porzellan und Steingut Beachten Sie bitte nnwcre Schanfenstcr! zu anfiergewöhnlich billigen Preisen zum Verkant. Verkauf im LichthoS I Steingut Bntterteller.......... Eßteller........... Suppenteller1......... Eßteller gerippt........ Eßteller Zwiebelmrster..... Suppenteller Zwiebelmuster... Scnneidobretter....... EhhIs- und Oel- Flaschen... 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K. und die Kasse betrachteten das als einen Gewerbebetrieb und die regel- mätzige Tätigkeit des Dienstmädchens im fraglichen Raum als eine gewerbliche, welche ihre Verstcherungspflicht bedingt.— Der Magistrat als Aufsichtsbehörde beanstandete jedoch die Wahl des Kassenrendanten zum Arbeitgebervertreter. Er hält sie für ungültig, weil sein Dienstmädchen nicht in einem versicherungs- pflie'tigen Verhältnis zu K. stehe, K. also kein Arbeitgeber im Sinne' des 5trankenversicherungsgesetzcs sei. Die Kaffe klagte beim Bezirksausschutz gegen den Magistrat. Der Bezirksausschuß erklärte die Beanstandung der Wahl Körles durch den Magistrat für verfehlt und entschied, datz die Wahl gültig sei. Es wurde ausgeführt: Ein Dienstbote sei gegen Krank- heit zu versichern, wenn er auch nur nebenbei regelmätzig in einem Gewerbebetriebe beschäftigt werde. Soweit Körte Schülern Woh- nung und Kost gewähre, betreibe er ein Gewerbe. Betriebe, die, unabhängig von pädagogischen Zwecken, lediglich darauf gerichtet seien, Schülern gegen Entgelt Aufenthalt und Unterhalt zu ge° währen, seien gewerblicher Art. Unstreitig sei hier, datz K. zwei oder auch drei Schülern Aufenthalt und Unterhalt gewähre, und zwar zu Erwerbszwecken. Damit liege ein Gewerbebetrieb vor, denn datz er nur geringen Umfang habe, sei gleichgültig. Da das Dienstmädchen nach Lage der Sache seine Tätigkeit regelmätzig auch auf das Zimmer der Pensionäre erstreckte, so sei es nicht nur Dienstmädäen, sondern auch Gewerbegehilfin, also versiche- rungspflichtig. Der Wahl des Kassenrendanten als Arbeitgeber- Vertreters stände darum nichts im Wege; seine Stellung als Ren- dant hindere diese Wahl nicht. Der Magistrat legte Revision ein und machte geltend, der Rendant hätte durch Aufnahme der Schüler nur seine Wohnung besser verwerten wollen. Von einem Gewerbebetriebe könnte nicht die Rede sein. Der dritte Senat des preuhischen Ober-Verwaltungsgerichts verwarf dieser Tage die Revision aus den vom Bezirksausschutz dargelegten Gründen. Zum Achtuhr-Labenschluß. Auf Antrag von über zwei Dritteln der beteiligten Geschäfts- inhaber hat der Regierungspräsident von Düsseldorf für die im Kreise Solingen liegenden fünf Städte Solingen, Wald, Ohligs, Höhscheid und Gräfrath die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses angeordnet. Der Achtuhr-Ladenschlutz erstreckt sich auf die offenen Verkaufsstellen für sämtliche Geschäftszweige mit Ausnahme der Spezialzigarrengeschäfte an allen Wochentagen des Jahres mit Aus- nähme der Sonnabende und der für den erweiterten Geschäfts- verkehr freigegebenen verlängerten Verkaufstage. Die Anordnung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten trat mit dem 11. Juni in Kraft. 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SO., Oranienstraße 2a unmittelbar an der Hoohbahnstation Oranienstraße SO., Wrangelstraße 49 SW,, Friedrichstraße 240—241, am Eallesohen Tor Charlottenburg; nur Wilmersdorfer Straße 122—123 Fernsprecher: Amt Oln, Nr. 14830 Rixdorf: Bergstraße 30—31 Potsdam: Brandenburger Straße 54 SAr die Xäcbe im Sommer giebt es nifits besseres als Kronen- Würfel Schnelle Suppen, eine kraftvolle Bouillon, Saucen, Gemüse, alles schmackhaft und schnell. Kaufen Sie keine andere Marke. Mäfjmttiel* Qesellsdbaft„Otrone" Wicfjaelis& Co., g. m. b. 0., Berlin 610. 47. Eine Taue Pfennig üeberall zu haben. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 P(g. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen 1 ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. 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