Kr. 136. flbonnemcnfS'Bcdingungen: MonncmentS- PreiZ pränumerando: Viertcljährl. 3£0 2Kf, monotl. 1,10 Mk,, wSchcnlIich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Äununer 5 Pfg. Eonnlags- nunimcr»lit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Wonncmeni: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Liixcniburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 86. Jahrg. CrWKint tSgli» außer lilontaas. Vevltnev VolksblAtk. Die TnlerllonS'GebDftr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zeilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und Vcrsaminlungs-Anzeigen SO Pfg. „Uleine?nr«>gen", das erste(fett- gedruckto) Wort 20 Pfg., jedcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort K Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nunimer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr aKendS geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozlaltKmoknt Rcrlin", Zentralorgan der fozialdemokrat»(eben parte» Oentfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasoc 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S83. Der Kampf um die Steuern. Heute beginnt jene Session ds Reichstags, in der nach dem Worte Bülows, das jetzt erst recht wie bloße Prahlerei klingt, das große„nationale Werk" der Belastung der breiten Massen der Nation mit 400 Million» neuer Steuern zu Ende geführt werden soll, falls es gelingt, der schmalen Schicht des großen Besitzes 100 Millionen abzuwhmen. Ein„nationales Werk" ist, wem auch nicht die Finanz reform, so doch der Kampf um die Zinanzreform in der Tat geworden, allerdings in einem anderer Sinne, als die Erfinder der Phrase vermeinten: Das nationall Erziehungswerk dieser letzten Monate wird, so hoffen wir, nicht spurlos an den breiten Massen vorübergegaigen sein und ein reicher Schatz politischer Erfahrung. der noch seine Früchte tragen muß, ist angesammelt worden.' Die traurigste Rolle spielte von Anfang an die Ne- gierung. Mit welcher Eindrnglichkeit sind wir stets ge- ivarnt worden, wenn wir für Deutschland eine wirklich ver- antwortliche Parlamentär. s che Regierung forderten. Die deutschen Parteien wären, so versicherten alle patent nationalen Blätter und Parlamentarier, nicht reif, wofür Engländer und Franzosen län't den Befähigungsnachweis erbracht. Das deutsche Volk vdürfe einer starken Rc- gierung, die unabhängig dciben müsse von dem klein- lichen Parteibetriebe, die über d>i Parteien stehend, nur das Staatswohl im Auge habe und nimandem verantwortlich sein dürfe außer dem Kaiser und dem eigenen Gewissen. Jetzt haben wir diese starke Iegierung wieder einmal an der Arbeit sehen können, und es»är fürwahr ein erbauliches Schauspiel! Die Herren Bülow und Sydow hatten eine Finanzrcform zurechtgebraut, wie süstümperhaster Wohl kaum je einem Parlament vorgelegt Word» ist. Ein Sammelsurium aneinandergereihter Projekte ohne kden inneren Zusammen- hang. Da war das alte Schema jeds Finanzministers ohne Geist: noch mehr Biersteuer, noch Vehr Branntweinsteuer, noch mehr Tabaksteuer; was darüber hinausging, war von vornherein unmöglich, und so§ark die Interessen- gegensätze der Parteien sich auch steigerten, für die von Herrn Sydow projekfierten Ste:crunsinnigkciten der Belastung von Gas und Elektrizität der Behinderung der Presse durch die Jnseratensteuer war-fast keine Partei zu haben. Kaum hatte die Regierung ihr Werk vorgelegt, so war auch dessen Unzulänglichkeit so offnsichtlich, daß das Parlament selbst die Funktion übernehme, mußte, die natur- gemäß der Regierung zufällt: die Ausarkeitung von Finanz- gcsetzen in allen Einzelheiten. Die Regienng. diese so starke imentbehrliche Führerin, trat allmählich ii den Hintergrund und an ihrer Stelle übernahmen die Führer parlamentarischer Parteien plötzlich die Rcgierungsfuiktionen. Herr v. Sydow schaute melancholisch zu und scire finanzpolitische Weisheit gab sich schließlich mit der Erkemtnis zufrieden: Wenn nicht, denn nicht. Eine so armselige und jämmerliche Rolle hat wirklich eine Parlament«'i'f ch e Regierung anderer größerer Nationen niemals gespielk. Ist in der Finanzreform der ssiegierung nicht ein einziger großzügiger finanzpolitischer Gedanke zu entdecken, läßt sie vor allem den ifien Jammer der Abhängigkeit der Rcichsfinanzen von den Finanzen der Bundesstaaten, wodurch beide ständig in Ün- ordnung zu geraten drohen, unangetastet, so steckte doch in ihr jene p 0 l i t i s ch e H i n t e r l i st, die für die Politik des vierten Kanzlers so charakteristisch ist. Einmal sollte durch Bindung und Festlegung der Matrikularbeiträge das ohnehin so kümmerliche Budgetrecht des Reichstages noch verschlechtert werden, ein Plan, so reaktionär, daß er selbst im Blockreichstage scheitern mußte. Dann aber fehlte auch diesmal nicht der demagogische Zug: die ungeheuerliche Ncubelastung durch indirekte Steuern sollte möglichst verhüllt werden durch die poniphafte Art, in der maii die Heranziehung des Besitzes für den fünften Teil der Ausgaben in den Vordergrund rückte. In der Tat wurde dies das einzige Prinzip in dieser Vorlage einer Prinzipien- losen Finanzpolifik, und Fürst Bülow hat ja mit einer bei ihm seltenen Offenheit den wahren Grund dafür angegeben: Auch diese.Regierung der Hottentottcnwahlen durfte>cs nicht mehr wagen, das alte Prinzip, die Reichsfinanzen ftur auf indirekte Steuern und Zölle aufzubauen, noch auf- recht zu erhalten; die Angst vor dem weiteren Wachstum der Sozialdemokratie hinderte Bülow, die Steuerfreiheit der Besitze 11 dän im Reiche auch diesmal streng durchzuführen. Und hier setzt der zweite Teil der nationalen Erzieh ungs- arbcst ein, der sich die bürgerlichen Parteien mit solchem Eifer unterzogen haben. Die nationale Opferwilligkri.� der staatscrhaltendsten der staatserhaltenden Parteien, i der Konservativen, erschien plötzlich in ihrem Iva�ren Licht; mit zynischer Offenheit und brutaler RücksieitS- losigkcit enthüllten sie das Wesen ihrer politischen)�rr- schaft als den Drang nach Steigerung ihrer Rönnen und Abwälzung aller Lasten, die die eigene Politik dem Stgi äe auferlegt hat, auf die Schultern der anderen. Und skrupellis wurden sie in diesem Streben unterstützt von dem Z entrunf. das sich sofort bereit erklärte, 400 Millionen indirekter Steuern von den Arbeitern und den kleinen Leuten, 100 Millionen von I dem„mobilen Kapital" als Kaufpreis zahlen zu lassen für seine Wiedereinsetzung in die Herrschaft. Immer wieder muß es den Zentrumsarbeitern vor Augen geführt werden, daß die neuen Steuern, die sie aufbringen werden müssen, ein Teil jener Summe ist, die Herr Spahn als Geschäftsanteil den Konservativen zubringen muß, um seiner Partei wieder ein Stück Macht zu verschaffen. Daß aber die Dinge sich so entwickeln konnten, daß aus dem Kampf gegen die indirekten Steuern, den die unerhörten Regierungsvorschläge hervorrufen mußten, ein Kampf der Agrarier gegen die Erbschaftssteuer»Verden konnte, das ist vor allem Schuld der Liberalen. Dem lächerlichen Phantom der Blockpolitik zuliebe haben sie von vornherein alle indirekten Steuern der Regierung im Prinzip akzeptiert und sich höchstens kleine Nachlässe bei der einen oder anderen Steuer vorbehalten. Sie»varen es, die den Rcgierungs- schwindet, die Erbschafts st euer als Vorspann für die indirekten Steuern zu benützen, am eifrigsten unterstützten. Das Schlimmste aber und Dümmste war, daß sie bereit waren, einer Regierung eine halbe Milliarde Steuern zu bewilligen, ohne die ge- ring st en politischen Garantien zu verlangen dafür, daß in der inneren Polifik nicht mehr ausschließlich nach der Diktatur der Junker regiert»verde. Als an die liberalen Politiker die Frage gerichtet wurde, wie sie es denn vcrant- »vorteil könnten, von Steuerbcivilligung zu sprechen, bevor eine Wahlreform in Preußen und die Ver- fassungsgarantien gegen das persönliche Regiment im Reiche gesichert seien, da schrie der brave K 0 p s ch über die Unmoral solcher„Erpresserpolitik", und im Geschäftsordnungsausschuß wandte Herr Müller- M e i n i n g e n alle Finessen an, die Rcformvorschläge der Sozialdemokraten zu Fall zu bringen. Dieses völlige Versagen der Liberalen erst hat den Junkern den Mut gegeben, nun ihrers-its den Spieß u»n- zudrehen und von der Verteidigung ihres Rechts auf Steuerhinterziehung überzugehen zu der Sicherung ihres reaktionären Regimes. Sie hatten keinen Moment lang die zarten Bedenken der Freisinnigen, die Steuer- nöte der Regierung zu einer Politischen„Erpressung" zu be- nützen, und je größer die Finanznot der Regierung»vurdc, desto energischer gebrauchten die Junker ihre Macht. Der Block wurde gesprengt, der liberalen Majoritätscinbildung ein jähes Ende gesetzt und der Regierung klargemacht, daß nicht die preußische Politik nach der Reichspolitik sich zu richten habe, sondern umgekehrt. Die Junker haben im Reiche der Blockpolitik ein Ende gemacht, weil sie die Wahl- reform in Preußen unter allen Umständen vereiteln wollen, und es ist ihnen vorläufig gelungen, weil sie die Hilfe des Zentrums fanden, derselben Partei, die behauptet, für die Ucbertragung des ReichStagswahlrechts auf Preußen zu sein! Die Liberalen, die solche Angst hatten. Subjekte einer „politischen Erpressung" zu sein, sind deshalb die jämmer- lichen Opfer der konservativen Erpressung geworden. Und mit ihnen die Regierung. Denn die neuen E r s a tz st e u e r n. die gestern dem Reichstag zugegangen sind und in der„Nordd. Allg. Ztg." im Auszug veröffentlicht iverden, bedeuten einen jämmerlichen Rückzug der Regierung vor dem Bund der Landwirte. An Stelle der ohnehin so ungenügenden Erbschaftssteuer tritt eine Erb- anfallsteuer, die dein Reiche an Stelle von 100 Mil- lionen nur 55 Millionen bringen wird. Die einzige wirkliche und gleichmäßige Besitzsteuer wird so f a st a u f d i e Hälfte reduziert, ein Entgegenkommen gegen die agrarische Anmaßung, das»vieder be»veist, daß Fürst Bülo»v in der Tat ein agrarischer und nichts als ein agrarischer Kanzler ist. Als schlechten Ersatz bietet die Regierung neue Steuer- Projekte, die zu einem Teil den Verkehr in schädlicher Weise belasten, zum Teil zwar das mobile Kapital treffen, aber den Großgrundbesitz völlig verschonen. Dazu kommt eine ganz unsinnige Besteuerung der Feuer- versichexungspolicen, die zwar die kleinsten Ver- sichcrungen bis 5000 Mk. freiläßt, aber durch die Höhe der Steuer, die oft dem vollen Betrag der Versicherungsprämien gleichkommt, eine ganz außerordentlicheBelastung gerade der kleinen Versicherungen bedeutet und in ihrer Rückwirkung durch die Hemmung der Versicherung geradezu kulturfeindliche Wirkungen cntfaltcn muß.' Uebcr die Gestaltung der neuen Steuern im einzelnen unterrichtet der nachfolgende Artikel.-- Die Ersatzsteuern. Politisch am wichtigsten ist von den neuen Steuem die Erbanfall- stcuer. Es ist charakteristisch, daß das Kanzlerblatt sich da vor allem »m den Nachweis bemüht, daß den agrarischen Wünschen von der Regierung in weitgehendstem Maße Rechnung getragen wurde. Und dieser Nachweis ist dem Vlait in der Tat gelungen. Es schreibt: Gegen die N a ch l a tz st e u e r ist der Vorwurf erhoben worden, daß auf die Zahl der Erben keine Rücksicht genommen werde und daß daher der aus dem progressiven Charakter der Steuer sich ergebende höhere Steuersatz die einzelnen Erben auch dann treffe, wenn der auf jeden von ihnen entfallende Anteil an einer in viele Teile gehenden Erbschaft nur gering sei. Für die Form der Nach- laßsteuer sprechen nun zwar vom finanziellen Standpunkt aus eine Reihe gewichtigerGründe.die Möglichkeit, mit niedrigeren Expedition: SM. 68» �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS84» Prozentsätzen anzufangen und doch ansehnliche Erträge zu erzielen, weil die Steuer sich aus eine breitere Gesamtmasse aufbaut, ferner der Umstand, daß die Wchrstcuer sich finanztechnisch nur mit einer Nachlaßstcuer zweckmäßig verbinden läßt. Indessen sind die zu- gunsten gerade dieser Steuerform geltend zu machenden Gründe für die verbündeten Regierungen nicht von solcher Bedeutung, daß diese nicht auch zu einem Ausbau der Erbanfall st euer auf Ehegatten und Kinder bereit wären.... Die Befürchtung, daß die Steuer ein für die nächsten Auge» hörigen nicht leicht zu ertragendes Eindringen der Steuer» b e h ö r d e in die Familienverhältnisse zur Folge haben könne, richtet sich vornehmlich und kann sich nur richten gegen den Zwang zu einer Offenlegung des Mobiliarvcr mögens und gegen die Notwendigkeit einer Wertabschätzung von Gegenständen, die man bisher nicbt noch dem Verkaufswcrt zu betrachten gewohnt war. Denn hinsichtlich des übrigen Vermögens kann auch bei der Erbschaftssteuer von einem tieferen Eindringen in die Vermögens- Verhältnisse der Familie, als es etwa bei der Einkommen- und Vermögenssteuer der Fall ist, die Rede nicht sein. Jener Besorgnis wird daher der Boden entzogen, wenn man bei der Besteuerung des Gatten- und Kindcserbes den Mobiliarbrfilz, soweit et nicht in Kapitalien, insbesondere in Wertpapieren besteht, aus der Besteuerung völlig ausscheidet. Das bedeutet zwar einen nicht ganz unwesentlichen Einnahmeaus, fall, doch wird dies Opfer gebracht werden können, in der Er- »vo.rtung, daß dadurch der Steuer das Gehässige genommen wird, lvas sie für»vcite Kreise noch gehabt haben mag. Die Agrarier erhalten also zunächst zwei wichtige Kon- Zessionen, die beide auf eine Verringerung dieser Besitzsteuer hinauslaufen. Die steucrtcchnisch viel einfachere und vor allem eine leichtere Kontrolle gewährende Erbschaftssteuer wird in eine E r b a n fa l l steuer verwandelt, die, worauf bei den Agrariern immer besonders zu achten ist, leichter hinter» z i e h b a r ist und deren Ertrag geringer ist. Noch mehr Rücksicht aber nimmt gerade auf die Reichsten die zweite Konzcssion, die den M 0 b i l i e n b c s i tz, soweit er nicht in Kapitalien besteht, von der Besteuerung ausschließt. Das bedeutet, daß große Vermögenswerte steuerfrei bleiben, damit die reichen Erben nicht durch die Neugierde des Stcuerkommissärs verletzt werden. Und dies trotz„des nicht ganz unwesentlichen Steuerausfalles". Aber es kommt noch besser. Die.„Nordd. Allg. Zeitung" erzählt weiter: „Ein weiteres sehr erhebliches Entgegenkommen gegen vielfach geäußerte Wünsche bedeutet die Freilassung des Gattenerbcs in beerbter Ehe. Schon der Entwurf eines Nachlaß» stcuergcsctzes enthielt die Bestimmung, daß, wenn der Nachlaß an gemeinschaftliche Abkömmlinge aus der Ehe mit dem vorder- storbencn Ehegatten des Erblassers fällt, auf die Nachlaßsteuer der vom letztveistorbenen Ehegatten für seinen Anteil am Nachlaß des crstverstorbencn Ehegatten seinerzeit entrichtete Betrag in An» rechnung gebrach wird, und erkannte damit den Grundsatz an, daß die Steuer in solchen Fällen also nur einmal zu entrichten sein sollte. Der neue Entwurf geht hier noch einen Schritt weiter und entkräftigt so den Einwand, daß die Steuer in dem Fall unbillig sei, wo die Ehefrau dasjenige, was der Mann hinter- läßt, hat miterwerben und unterhalten Helsen.— Weiler soll die Steuer nach einer neueingefügtcn Bestimmung dann nicht erhoben werden, wenn der Ernährer der Familieim Felde ge- fallen ist..... Der Entwurf sieht das Recht des Erbschaftssteueramtes vor, unter Uniständen eine Versicherung an Eides Statt über die Richtigkeit und Vollständigkeit der eingereichten Erbschafts- steuererklärung und der weiteren Angaben zu fordern. Um den kleineren und mittleren Besitz von der Steuer freizu« lassen, ist die Grenze, von der ab eine ErbschaftSbestcuerung für die bezeichneten Personenklassen überhaupt erst eintreten sott, so ge- zogen, daß, wenn der reine Wert des Gesamt Nachlasses — auch hier ungerechnet den nicht in Kapitalbesitz bestehenden Mobiliarnachlaß— nicht mehr als 20000 M. beträgt, Steuerfreiheit eintritt, gleichviel, wie hoch der Erwerb des einzelnen Erben ist, und daß im übrigen die Steuerpslicht sür Kinder und kinderlose Ehegatten erst bei einem Erbanfalle von mehr als 10000 M. beginnen soll. Im übrigen sind alle diejenigen Vergünstigungen zugunsten des ländlichen Grundbesitzes wiederholt, die der früher vorgelegte Entwurf einer Erbschaftssteuernovelle enthielt. Der Mehrertrag der erweiterten Erbschaftssteuer ist auf 68 Millionen Mark zu veranschlagen, wovon nach Abzug eines Anteiles der Bundesstaaten für das Reich ein Ertrag von 5b Mil- lionen Mark erivartet ivird." Aus dem Entwurf geben wir noch die folgenden Be- stimlnungen über die Besteuerung der Ehegatten und Kinder: ß 9a. Die Erbschaftssteuer beträgt eins vom Hundert: I. für Ehegatten, sofern gemeinschaftliche Abkömm» kinge nicht vorhanden sind; 2. für eheliche Kinder und solche Kinder, welchen die recht- liche Stellung ehelicher Kinder zukommt— jedoch mit Ausschluß der an Kindesstatt angenommenen Kinder— sowie für ein- gekindschaftete Kinder; 3. für uneheliche Kinder aus dem Vermögen der Mutter oder der mütterlichen Voreltern;>'< 3, 4. für Abkömmlinge der zu 2. 3 bezeichneten Kinder., Der Steuersatz von eins vom Hundert findet auf den Ertverb einer an Kindesstatt angenommenen Person und ihrer Abkömm- linge, auf die sich die Wirkungen der Annahme an Kindesstatt er- strecken, dann Anwendung, wenn jene Person ein uneheliches Kind des Erblassers ist. Der Steuersatz von einS vom Hundert erhöht sich, wenn der Wert des steuerpflichtigen Erlverbcs den Betrag von 30 000 Mark übersteigt, auf 1,25 vom Hundert 50 000„„„ 1,50„ '5 000„„„ 1,75„„ 100000„„„2,00„ 150 000„„„ 2,25, 200 000„., 2,60, 800 000 Marl übersteigt, auf 2,75 vom Hundert, 400 000„„, 3,00„ 600 000„„„ 3,25„ 600000„„„ 3,50„ 750 000..„ 4,00„„ dieses Wertes. Finden so die Agrarier in der Tat ein„sehr erhebliches Ent- yegenkommen" bei der Regierung, so müssen dafür andere Kreise durch erhöhte Delastung büßen. Nicht weniger als 35 Millionen Mark sollen durch die Steticr auf Feuerversicherungspolicen aufgebracht werden. ES wird eine Stempelabgabe von Quittungen riber gezahlte Versicherungsprämien vorgeschlagen, die, in Höhe von jährlich ein Viertel vom Tausend der Versicherungs- summe erhoben werden soll. Der nicht erfaßte, in Wertpapieren bestende Kapitalbesih soll durch eine nochmalige Erhöhung des Effektenstcmpcls belastet werden. EZ sollen in Zukunft entrichtet werden: Von inländischen Aktien 2Vj Proz., von ausländischen 3 Proz,, von Kuxen 3 M., von Einzahlungen auf solche 2l4 Proz., von inländischen privaten Jtenten und Schuldverschreibungen sowie solchen ausländischer Staaten und öffentlicher Verbände usw. 1 Proz., von sonstigen ausländischen Obligationen IVs Proz., endlich von Renten und Schuldverschreibiungen inländischer öffentlicher Verbände 3 vom Tausend. Neu hinzutreten die Aktien der deutschen Kolonial- gesellschaftcn mit 1 Proz. Der Mehrertrag aus diesen Tarif- ändcrungen wird auf etiva 10 Millionen Mark geschätzt. Die WcrtzuwachSstenrr von Grundstücken wird abgelehnt. Nur einen unzulänglichen Ersatz bietet der von der Be- urkundung der Eigentumsübertragung zu erhebende Wertstempel der ein drittel Prozent betragen soll. Die Steuer soll 20 Millionen Mark bringen. Als Verkehrssteuern, die an den Geldumsatz anknüpfen, werden eine Erhöhung des Stempels für Wechsel und ein Scheck- stcmpcl vorgeschlagen. Es wird mit einem Ertrage von ins- gesamt 20 Millionen Mark gerechnet. Der Wechselst cmpcl soll nur für solche Wechsel, die länger als 3 Monate laufen, erhöht werden, und zwar im ersten Jahre für einen und dann für je fernere 6 Monate der Laufzeit um eine weitere Abgabe in Höhe des bisherigen Stempels. Auf Sch e cks soll ein fester Stempel von 10 Pf. pro Exemplar erhoben werden, womit man glücklich die volkswirtschaftliche AuS- dehnung des Scheckverkehrs, die eben begonnen hat, wieder der- hindern wird. So bedeuten die neuen Steuern bereits den halben Sieg de? Agrariertums über die Regierung und das uiit der Regierung verbündete Großkapital. Für die Arbeiterklasse aber bedeutet die Stellungnahme der Regierung, daß die Ver- mehrung der Last der indirekte.«, Steuern durch den Kaffee- und Teezoll und die Streichholz st euer noch vermehrt werden soll. Um so s chärfer müssen die arbeitenden Massen ihren Protest gegen diesen Raubzug erheben. Die Energie, die die Großkapitalisten und Großagrarier im Kamps um ihr Portemonnaie bekundet haben, muß übertroffcn werden durch die Energie, mit der die Arbeiterklasse den Kampf gegen die Perteuerung ihrer Lebens- und Genußmittel führen muß. Hernmim Golditein t Alis dem Krankenlager des Hospitals zu Dresden ist am Montagvormittag Genosse Goldstein den, schweren Siechtum erlegen, das ihn nur noch auf kurze Zeitspannen freigelassen hat, nachdem ihn im Ottober der Schlaganfall jäh nieder- warf. Ein Leben eifriger und tüchtiger Arbeit ist zur Nüfte gegangen; ein braver Kämpfer, ein Veteran der Arbeiter- bewegung hat den narbenbedecktcn Leib zur letzten Ruhe gestreckt. Hermann Goldstein ist in jungen Jahren zur Sozial- bemokratie gekommen; die harten Jahre der ersten Arbeit, die schwere, gefährliche Zeit des Sozialistengesetzes hat er in ihren Reihen durchgekämpft; früh schon stand er auf vcrantwortungs- vollen Posten. Und überall gab er seine ganze Kraft. Bis in die letzte Zeit.... Aus der Prolctarierhütte ist er hervorgegangen; als Sohn eines Arbeiters wurde er 1852 zu Möckern bei Leipzig geboren. Die Volksschule durchlief er in Dresden, ward dort Advokatenschrcibcr, Antiquariatsgehilfe; die Zeit, die ihm der Broterwerb ließ, war dem Dienst der Partei und dem Studium ihrer Lehren gewidmet. Mutig hat er in der Zeit des Ausnahmegesetzes seinen Posten ausgefüllt; an den zahl- reichen Dresdener Parteiblättern, die in dieser Zeit immer Wieder neugegründet und immer wieder nach kurzer Zeit unterdrückt wurden, hat Goldstein wacker mitgearbeitet. Um sich eine Existenz zu sichern, hatte er schließlich einen kleinen Buchhandel aufmachen müssen. Bald nach dem Fall des Schandgesetzes im Jahre 1891 wurde Goldstein von den sächsischen Genossen in den Landtag des Musterländchens der Reaktion gewählt; 1892 übernahm er die Leitung des„Sächsischen Volksblattes" zu Zwickau, die er bis in die letzten Jahre geführt hat. Das Landtagsmandat sollte er nicht so ununterbrochen ausüben. Nachdem er manchen heftigen Strauß mit den Vertretern der sächsischen Reattion auf den Ministersesseln und den Landboteusitzen ausgcfochten, manche trefflichen Hiebe im alten Dresdener Landtagshause gegen die sächsische" Polizeiwirtschast und die sozialpolitische Rückständigkeit deS grün-weißen Regiments geführt, unterlag er im Jahre 1898— nicht dem bürgerlichen Gegner, sondern der Niedertracht des Wahlrechtsraubes von 1896. Das Drei- klassenwahlrecht, die Nachahmung des schändlichen preußischen Sysiems, drängte die Vertreter des Proletariats aus dem Landesparlament. Bei den Reichstagswahlen des Jahres 1963 kam die Revanche. Zweinndzwanzig von den dreiundzwanzig sächsi- scheu Wahlkreisen wählten rot und unter den Gewählten war auch Goldstein, den der 19. Wahlkreis, der Kreis Stall- bera-Sch Neeberg, nach Berlin sandte. Eine Hochburg der sächsischen Sozialdemokratie. Schon 1867 hat Liebknecht sie im norddeutschen Reichstag vertreten und fest 1896 ist sie ununterbrochen im sozialdemokratischen Besitz. 1963 siegte Goldstein, der der Nachfolger des vom Mandat zurückgetretenen Genossen Seifert-Zwickau wurde, mit 26696 Stimmen gegen noch nicht 16 666 aller Gegner, im„nationalen" Rummel der Wahlen von 1967 behauptete er den Wahlkreis mit 18999 gegen 14 524 bürgerliche Stimmen. Im Jahre 1965 kam zu dem Reichstagsmandat das Landtagsmandat wieder hinzu. Goldstcin war es vergönnt, als einziger Sozialdemokrat in den vier Jahre sozialistcn- rein gewesenen sächsischen Drciklasscnlandtag einzudringen. Im 37. ländlichen Wahlkreise, einem erzgebirgischen Bezirk bei Zivickau, überstieg die Sozialdemokratie die wider sie er- richteten Schranken des Dreiklassenunrechts. In diesem Ge- biet der schlimmsten Armut sind die Wohlhabenden so spärlich gesät, daß die Sozialdemokratie eine größere Anzahl Wahl- mannsmandake in der zweiten und sogar ersten Wählerklasse erobern konnte; 52 sozialdemokratische Wahlmänncr standen gegen 49 bürgerliche. Als alleiniger Vertreter der Sozial- demokratie hat Goldstein dann im Landtag Sachsens wider die kompatte Mehrheit der konservativen und nationallibcralcn Mehrheit wacker seinen Mann gestanden und ein gutes Stück Arbeit geleistet. In der letzten Session, die das schlechte Dreiklassensystem durch das nicht bessere Pluralsystem ersetzte, hat er Sachsens Arbeiterschaft nur noch kurze Zeit bertrcten können; bald nach der Eröffnung der Session warf ihn die tückische Krankheit aufs Krankenlager. Nun hat ihn der Tod von schwerem Leiden erlöst. Ehre dem Tapferen, dem Treuen! Ehrendes Andenken seiner Arbeit! Unehrliche Pharisäer. Die„Bossische Zeitung" entrüstete sich dieser Tage gesinnungS- tüchtig über die unsittliche Sozialdemokratie, insbesondere über den unsittlichen Karl Kautsky, der„das Dogma von der Pflicht der„Genossen" zur Lüge" aufgestellt habe. In der von Kautsky geschriebenen Vorrede zu der neuerdings erschienenen Broschüre des Genossen Gorter über den historischen Materialismus haben die Herren der.Vossischen Zeitung" eine Stelle entdeckt, wo Ge- nosse Kautsky das Belügen des Gegners für erlaubt erkläre. Voll Abscheu nagelt die tugendhafte Tante Voß dieses abscheuliche Exempel sozialdemokratischer Erziehung zur Lüge ans Scheuncntor. Um was handelt es sich? Genosse Kautsky hat schon im April im„5karlsruher Volksfreund" Angriffe der badischen Zentrums- presse, die sich auf demselben Niveau bewegen wie die der„frei- sinnigen"„Vossischcn Zeitung", bündig zurückgewiesen, so daß wir nichts Besseres tun können, als aus seinen damaligen Ausführungen die folgenden Stellen hierherzusetzen: „Der Satz, den ich in meinem Artikel der„Neuen Zeit", 22. Jahrgang, 1. Bd., S. 5 schrieb, ist nicht die Aufstellung eines besonderen lozialdemokratischen Moralprinzips, sondern die Kvnstatierung einer Erfahrung, einer Tatsache, die unter den verschiedensten Verhältnissen, bei allen Nationen, Klassen, Par- feien, seitdem es eine Geschichte gibt, bisher beobachtet werden konnte. Es ist nicht eine Forderung für Gegenwart und Zukunft, sondern eine Beobachtung der Vergangen- h e i t. Ich sage dort: „Wie es ökonomische Gesetze gibt, die für jede Gesellschasts- form gelten, so gibt es auch sittliche Grundsätze, deren keine ent- raten kann. Einer der wichtigsten darunter ist die Pflicht der Wahrhaftigkeit dem Genossen gegenüber. Dem Feinde gegenüber hat man diese Pflicht nie anerkannt, dagegen gibt es ohne sie kein dauerndes Zusammenwirken gleichgestellter Ge- nossen." Aus diesem Zusammenhange geht klar hervor, daß ich etwas konstatiere, das für jede Gesellschaftsform gilt, nicht für die Sozialdemokratie allein; der„man" aber die Pflicht der Wahrhaftigkeit dem Feinde gegenüber nie anerkannt hat, ist nicht die Sozialdemokratie, sondern die Gesamtheit der Men- scheu. Möge mir die Zentrumspresse doch in der gesamten Mensch- heitsgeschichte eine Partei oder Klasse oder Nation nennen, die eine Pflicht unbedingter Wahrhaftigkeit auch dem Feinde gegenüber während eines Kampfes anerkannte, und zwar nicht bloß mit Worten anerkannte, sondern auch übte. Welche Konsequenz ich daraus für die Parteimoral zog, geht aus dem Artikel hervor, den ich über Partcimoral veröffentlichte („Neue Zeit", LI. Jahrg., 1. Bd.). Ich bekämpfe dort(S. 604) den Standpunkt Bernhards, der behauptete, der Parteiführer darf und muß lügen, nicht nur im Kampfe mit der Polizei und anderen Werkzeugen der Gewalt, sondern auch den Parteigenossen gegen- über. Ich bekämpfte diese Moral als Jesuitenmoral: „Tie Jesuitenmoral, zu der sich Bernhard bekennt, ist die rich- ge Moral von Parteien und Klüngeln, die über die Massen Herr- en und sie ausnutzen wollen: sie ist unvereinbar mit einer demo- kratischen Partei, in der die Massen herrschen." „Das Parteiinteresse kann von mir höchstens verlangen, daß ich den Gegnern gegenüber unsere schlvachen Punkte nicht an die große Glocke hänge. Es kann nie verlangen, daß ich irgendwo und irgendwie etwas anderes vertrete als meine Ueberzeugung. Wer zu den Massen anders spricht als er denkt, der paßt nicht in die Sozialdemokratieund mögen feine Ziele noch so sozialistisch sein."vird. Die auf die Kandidaten der S. D. A. P. abgegebenen Stimmen stiegen von 65 743 iin Jahre 1965 auf 82 494 iin Jahr 1966, also um mehr als 25 Prozent oder um das Zweifache der Zunahme der Wahlberechtigten, die nur 12'/, Proz. betrug. Ohne die Parteispaltung wäre sie Zunahme zweifellos bedeutend größer geworden und der Aufmarsch in einer geschlossenen Schlachtreihe unter dem liufe:„Her mit dem allgemeinen Wahlrecht!" hätte die Iberalen Parteien noch mehr vernichtet und wäre glichzeitig der christlichen Koalition zuni Verhängnis geworfen. Dies zeigt deutlich der meist sehr große Znwaps der sozialdemokratischen Stimmen in den großen Stätten und Industriezentren, dem durchweg ein Stilltand, ja selbst eine verhältnismäßig bedeutende Stimme:abnahme in den ländlichen W a h I k r e i s e n gegeiübersteht, worunter auch gerade die sind, denen die S. D. A.P. ihre Mandate verdankt, auf die sie sich stützte und durch deren immer steigenden Einfluß der Klassen- kampfcharaktcr der Packet seine frühere Schärfe verlor, was die Parteizwiste und schließlich die Spaltung der holländischen Sozialdemokratie zur Folge hatte. Dieses Resultat der Wahlen schimmert auch in je einem Artikel Troelstras und der Redaktion von„Het Volk" bereits durch, wonach die Forderung des allgemeinen Wahlrechts die Parole für die nächste Zu- kunft sein müsse. Zu nünschen ist, daß diese Erkenntnis weiter durchdringe und sie Wiedervereinigung der beiden sozialdemokratischen Partei«! zu einer festgeschlossenen Klassen- kampfpartei fördere! Die S. D. P.(die neiü Partei) konnte, wie zu erwarten war, auf ihre vier Kandiditen nur 542 Stimmen vereinigen. Nach kaum halbjährigem Bestehen und unter den großen Schwierigkeiten, mit denei sie zu kämpfen hatte, ist dies durchaus kein verhältnisMißig schlechtes Resultat, besonders ivcnn man es vergleicht mt dem des Jahres 1897, als die S. D. A. P. sich zum erstn Male an den Wahlen beteiligte. Damals brachte diese Packet nach dreijährigem Bestehen in ungefähr denselben Wahkreisen kaum 166 Stimmen mehr auf als jetzt die S. D. 9- Durch die selbständige Teil- nähme der S. D. P. ai den Wahlen kommt Troelstra im dritten Amsterdamer Wahlkreise mit seinem liberalen Gegnerin Stichwahl. Das Resultat de Wahlen ist folgendes: Im ersten Wahlgang wurden gevählt: 54 Abgeordnete der kirchlichen Koalition und 16 Listrale verschiedener Richtungen. An den Stichwahlen sind betiligt die Sozialdemottaten mit 11, die Klerikalen mit 31 uw die Liberalen mit 36 Kandidaten. Der kirchlichen Koalitio�iat also schon der erste Wahlgang die Mehrheit in der Zl.eiten Kammer gebracht und vielleicht ge- winnt sie in den Stichwahlen noch einige Mandate dazu! Auch in der Ersten Kanimer hat sie ja die Majorität. Im uneingeschränkten Zcsitz dieser doppelten Macht wird die christliche Koalition unter der Maske christlicher Nächstenliebe in konservativem md reaktionärem Sinne arbeiten, unterstützt von dem größter Teil der Liberalen, die der arbeitenden Klasse eine Opp'sition vorspiegeln, um so ihre speziellen Interessen noch ungenierter wahrzunehmen. Der Sozialiemokratie bleibt es vorbehalten, den Ver- tretcrn dieser beiden Parteien der Bourgeoisie die Maske herunterzureißen, in das holländische Proletariat die sozial- demokratischen Ideen hineinzutragen und es in der Führung des Klassenkampfes zu schulen. Es muß seine ganze Macht auf die Erobcr, ig des allgemeinen Wahlrechts konzentrieren, um endlich va. der Bourgeoisie die Refonnen zu erzwingen, aus denen das Proletariat in seinem Kampfe gegen die bürger- liche Gesellschaft neue Kraft ziehen kann. Der Ausfall der Wahl leitet für die holländische Sozialdemokratie eine neue Aera ein, er macht dem Gedanken deS von der Minoerheit in der S. D. A. P. und von der neuen Partei so scharf bekämpften liberal- sozialistischen RegiennigS- blocks ein Ende, so daß sich die Klassenscheidung ungehindert vollziehen kann._ politische Oeberftcbt Berlin, den 14. Juni 1969. Das Talglicht von Bibcrach. Der Abgeordnete Pachnicke hat sich kürzlich das boshafte Ver- gnügen gestattet, in der„Voss. Ztg." allerlei Interna auS den Vc- ratungen der Rcichsfinanzkominission auszuplaudern, die die Sach- kcnntniS und Gclvissciihaftigleit bestimmter klerikaler„Volks"- Vertreter, die jetzt in der klerikalen Presse als GeisteSherocn gefeiert werden, in einem recht seltsamen Licht erscheinen lassen. Unter anderem wußte Herr Pachnicke von einein Abgeordneten zu erzählen, der aus dem Wertzuwachs der Fideiloinmisie für das Jahr 1910 nicht weniger als 500 Millionen Marl Stenern herausholen wollte und sich hierfür auf seine statistischen Bcrech- uungen berief, bis sich plötzlich herausstellte, daß er in seiner Sach- kenntniS die Fläche der preußischen Fideikommißgüler mit der gc- samten landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Fläche Preußens verwechselt hatte und demnach die vorgeschlagene Steuer fiir den Zeitraum von 1886 bis 1910 nicht 500, sondern nur ungefähr 16 llftillione» Mark bringen würde. AuS Mitleid hat Herr Pachnicke den Namen deS Universalgenies ven chwiegen, das sich auf diese Weise als gleich vertraut mit der S/ ilisiil wie mit den Agrarkultnrverhältnisscn Preußens erwies. Wir hfc jen jedoch, da diese Leuchte der StaatSknnst fortfährt, in der ihr zp gänglichen Press» die Reklametrommel für ihr großes politisches �>ch" zu schlagen,.keinen Grund, den Namen dieses begabten Mit« >> enschen der Welt vorzuenthalten. Der gründliche Kenner preußischer i.nd deutscher Agrarverhältnisse ist kein anderer als Herr Matthias fkrzberger. das GeipeStalglicht von Biberach, gebürtig aus Buttenhausen. Der Vorgang, der noch weit charalteristischer für Herrn Erz- bergerS Sachlenntnis ist, als sich auS der kurzen Erzählung PachnickeS ergibt, hat sich in der 6i. Sitzung der Reichsfinanzkommisfiou am 21. Mai abgespielt. In schnellem Fluge waren die 4—13 des konservativen Licichswertzuwachssteuerantrages beraten worden. Nun kam Z 14 an die Reihe. Herr Erzberger, der schon bislang, ge- peinigt von seiner Anlage zur Zungendiarrhoc, alle Naselang in die Debatte eingegriffen hatte, schnellte mit siegeLbewusztcm Lächeln empor, als hätte er aufs neue Amerika entdeckt.«Meine Herren,* so begann er,«wenn dieser Paragraph(K 14 forderte, daß von 1886 ab die Fideikommißbesitzer alle 25 Jahre 1 Proz. des Wertes ihrer Güter als Wertzuwachssteuer entrichten sollten) Gesetz wird, dann wird nach meiner Rechnung das Reich mit einem Schlage 600 Millionen Mark erhalten.* Und nun detaillierte er seine Rech- nung, bewies mit äußerster Gründlichkeit ihre Nichtigkeit und machte dann im stolzen Bewußtsein seiner Ueberlegenheit allerlei Abände- rungsvorschläge. Nach dieser großen Kapazität deS Zentrums sprachen Freiherr V. Gamp und Graf v. Westarp, beide bekannt als Sachverständige der Landwirtschast— doch den Fehler des Herrn Erzberger enl- deckte keine dieser beiden Größen. Auch Herr Gröber nicht. Dieser Erfolg regte Herrn Erzberger zu neuer Betätigung seiner GeisteSgaben an. Er meinte, zum Abgeordneten Dr. Paaschs ge- wandt, auch der Besitz der Toten Hand könne etliche Millionen abrücken. Und Herr Paaschs nahm diese Anregung dankbar auf. Doch inzwischen war dem genialen Rechenkünstler aus Buttenhausen die Erleuchtung gekommen, daß er sich mit seinem Vorschlage die Gunst des Klerus verscherzen könnte. Er zog seinen Antrag zurück; und zugleich erklärte Graf v. Westarp, der Besitz der Toten Hand müsse steuerfrei bleiben. Doch nun, nachdem inzwischen noch allerlei weise Bemerkungen über den nächsten Paragraphen gefallen waren, nahte in der Person Paasche das Verhängnis. Ihm waren Zweifel über die eigenartige Statistik des Herrn Erzberger aufgestiegen. Er hatte im„Statist. Jahrbuch für den preußischen Staat* nachgeschlagen und entdeckt, daß der Abgeordnete von Biberach die Spalten der betreffenden Tabelle verwechselt und angenommen hatte, ganz Preußen bestände aus nichts anderem, als aus Fideikommißgütern. Spöttisch ver- küudcte er, Herrn Erzbergers Statistik stimme nicht; statt 600 Millionen kämen nur 16 Millionen heraus. Anhaltendes Gelächterl Verlegen blickte Herr Erzberger um sich und schwieg— bis zum Schluß der Sitzung. Seine Redcdiarrhöe war in Verstopfung über- gegangen. Ein niedliches Beispiel für die sachverständige Gründlichkeit der klerikalen und konservativen Stcuerpolitiker in der Finanz- kommission._ Ucber den Arbeitsplan des NeichStages berichtet die Scherlpresse: Der Seniorenkonvent des Reichs- tages wird am Dienstag Dispositionen über die Geschäftslage treffen. Die Stcuervor lagen sollen erst in einer General. d e b a t t c nochmals besprochen werden, da die Finanzkoinmission dem Plenum vollständig neue Vorlagen mit ganz geringen Aus- nahmen unterbreitet. Im Seniorcnkonvcnt soll der Vorschlag gemacht werden, in der laufenden Woche die Sitzungen bereits um 12 Uhr mittags beginnen zu lassen, da Kommissionen kaum noch arbeiten werden, dagegen in der nächsten Woche, wenn die Finanz- kommission tagen wird, die Sitzungen um 1 Uhr beginnen zu lassen. Nach einer allgemeinen Debatte von vier Tagen glaubt man die Einzeldiskussion für jede Vorlage auf etwa 1% Tage ansetzen zu können, sodaß die zweite Lesung aller Steuervor- lagen, auch der der neuen Ersatzstcuecn, am 8. Juli er- ledigt sein und die dritte Lesung sich sofort an- schließen könnte. Die Verabschiedung der Besoldungsvorlage dürfte in 2 bis 3 Tagen erledigt werden, so daß etwa am 1 0. I u l i die Vertagung des Reichstages auf den Herb st erfolgen könnte._ Ausweisung Deutscher aus dem deutschen Kolonialgcbict. In einem Prozeß, der kürzlich die 36. Zivilkammer des Berliner Landgerichts beschäftigte, wurde vom Gericht die Frage, ob ein in den deutschen Kolonien ansässiger Deutscher auf dem Ver- waltungSwege aus den, deutschen Kolonialgebiet ausgewiesen werden könne, wie die»Berliner Universal- Korrespondenz* berichtet, bejaht. Ei» Herr v. A. hatte 11 Jahre als Farmer in Deutsch-Südwestafrika gelebt, auch wiederholt während der Eingeborenen-Kriege auf deutscher Seite mit- gekämpft. Er wurde von dem damaligen Gouverneur v. Lindequist nach wiederholter Bestrafung wegen Sittlichkeitsvergehens aus dem Schutzgebiet ausgewiesen und machte nun eine Schadenersatzklage gegen den ReichLfiskuS geltend, da eine Ausweisung eines Deutschen aus dem Schutzgebiet unzulässig sei. Das Gericht wies die Klage ab, weil diese nicht gegen den Reichsfiskus, sondem gegen den Landes- fiskus von Deutsch-Südwestafrika eventuell hätte gerichtet werden müssen. Prinzipiell erklärte aber das Gericht, daß eine Aus- Weisung eines Deutschen auf Grund der dem Kaiser in Deutsch- Südwestafrika zustehenden Hoheitsrechte zulässig ist, denn eine Freizügigkeit sei sin den Schutzgebieten nicht ausdrücklich eingeführt und die Uebcrtragung des FrcizügigkeitSgesctzes auf die Schutzgebiete ohne ein besonderes Gesetz sei nicht zulässig. Diese Entscheidung dürfte dem Gesetz kaum entsprechen. Ge- hören auch die Schutzgebiete staatsrechtlich nicht zum Gebiete deS Deutschen Reiches, und fehlt auch eine ausdrückliche Vorschrift, wonach jeder Deutsche ein Ausenthaltsrecht in den Schutzgebieten hat, so folgt dies Aufenthaltsrecht doch ohne weiteres aus der Tatsache, daß die Kolonien deutscheSchutzgebiete sind. Immer- hin dürfte eine gesetzliche Vorschrift zweckmäßig sein, um jeden Zweifel darüber auszuschließen, daß Deutsche auch das Aufenthalts- recht in den deutschen Schutzgebieten haben. Millionen und aber Millionen auS den Taschen der deutschen Steuerzahler für die Kolonial- gebiete verpulvern, aber den Aufenthalt Deutscher in den Schutz- gebieten von dem Belieben eines Verwaltungsbeamten abhängig zu »lachen, das ist denn doch etwas, was auch nach Auffassung bürg er- licher Kreise der Gerechtigkeit ins Gesicht schlagen dürste. Ter Papst über den Streik. Die ultrainontano.Trierische LandcSzeitnng' erinnert an eine Ansprache, die Papst Pius X. an einen Pilgcrzug aus der Diözese Parma hielt. Der Papst wies hin auf den großen Landarbeiteraus st and, der im vergangeneu Sommer in der Gegend von Parma stattfand. Er begann seine Ansprache mit den Worten:«Ich wünsche, daß heute meine Stimme in allen Teilen Eurer Diözese gehört und daß sie von allen Euren Brüdern ver- standen iverds.* Dann ermahnte er die Pilger, an das Evangelium zu glauben und jedem zu mißtrauen, der etwa? Gegen- teiligcS lehre. .Seid sicher, daß, wenn der falsche Lehrer auch materielle Lorteile anbietet und auch schmeichelnde Erfolge hoffen läßt, er Euch schließlich doch mit leeren Händen stehen läßt und Unheil und Zwietracht in EuereFa milien undEuerLand bringt, Verwirrung in die gesellschaftliche Ordnung bis zu den schlimmsten Ausschreitungen, ja zumBlutvergießen; inzwischen wird er versuchen, Euch Euerem Glauben abwendig zu machen, indem er Euch vom Einpfauge der Sakramente und von den religiösen Uebungen, die er Aber- glauben nennt, abhält. Die Gläubigen mögen vielmehr sich an das Wort ihrer Priester halten, welche den Neichen wie den Armen gleichmäßig ihre Pflichten einschärfen und so am besten den sozialen Frieden vermitteln. Anders aber Euere Feinde, welche die Streiks predigen, dieAusstände, welche Reiche und Arme schädigen, welche den Haß in die Gesellschaft säen, welche die b lüh en d ste n G eg e nden verwüsten." Den christlichen Gewerkschaften muß diese Aeußeumg des «Unfehlbaren* sehr unbequem werden. Der Verfassungsbruch in der Pfalz. In Lambrecht(Pfalz) fand am Freitag eine außerordentlich stark besuchte Versammlung statt, die eine energische P r o t e st- resolution gegen den Eutscheid der pfälzischen Kreisregierung beschloß, wonach Sozialdemokraten Bürgermeister- und Adjunktenposten nicht bekleiden sollen. In Ludwigshafen sollten Handzettel zur Verteilung kommen, die zum Besuch einer Versammlung einluden, in der zur Lambrechter Bürgermeisterangelgenheit Stellung genommen wird. Auf diesem Handzettel war ausgesprochen, daß die Nichtbestätigung ein Berfassuiigsbrnch sei. Die Polizei untersagte schamhaft die Verteilung dieses Handzettels, weil das Wort Verfassungsbruch eine Beleidigung für die pfälzische Regierung seil Wiederaufnahme des Prozesses Eulenburg. Die amtlichen Stellen haben das Bedürfnis einer Rechtfertigung ihrer Haltung im Falle Eulcnburg empfunden. Das kann man begreifen. Die„Reichshauptstädt. Korrcsp.* gibt eine längere Dar- stellung, die indes eigentlich neues nur an der Stelle sagt, wo mitgeteilt wird, daß die Erhöhung der Kautionssumme beschlossen wurde, weil Eulenburg eigenmächtig ins Ausland ging und weil das Gutachten des Wissenschaftlichen Deputation für das Medizinal- Wesen sagte, es sei mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß der Angeklagte o e r h a n d l u n g s f ä h i g sei. Die Staatsanwalt- schaft habe darauf beim Kammcrgericht als Beschwerdeinstanz gegen eine Ablehnung des staatsanwaltschaftlichen Antrags auf Erhöhung der Kaution durch das Landgericht das Gutachten mit der An- r e g u n g eingereicht, ob nicht in erster Linie die bedingungslose Verhaftung geboten sei. Das Kammergericht hat dann durch Be- schluß vom 4. Juni angeordnet, daß Eulenburg nur dann mit Untersuchungshaft zu verschonen sei, wenn er binnen einer Woche die Sicherheit auf 500 000 M. erhöhe. Dem ist Eulcnburg nach- gekommen, indem er gleichzeitig nach Berlin zurückkam. Inzwischen hat Eulenburg sich wieder aufs Schloß seiner Väter in Liebenberg begeben. Die Verhandlung gegen ihn soll am 5. Juli d. IS. beginnen. Zu diesem Zweck ist eine besondere Schwurgerichtsperiode angeordnet worden. Landgerichtsdirektor Kanzow soll wieder den Vorsitz führen. Die Auslosung der Ge- schworenen hat bereits Montag stattgefunden. Ob Eulcnburg. nun wieder kränker wird? Wie der prenstische Fiskus„spart". Ein Genosse schreibt uns: Schon lange bevor für die einzelnen Verwaltungen in Preußen die Parole zum«Sparen" ausgegeben war, befleißigte sich die Eisenbahnverwaltimg der Sparsamkeit auf Kosten der Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Reisenden— namentlich derjenigen, welche die III. und IV. Wagenklasse benutzen müssen. Ein neuer Sparwutanfall der Eisenbahnperwaltung wurde mir jüngst be- kannt. Ick fuhr im v- Zuge' nach Frankfurt. In einem Gespräch mit einem Mitglieds des Zugpersonals er- fuhr ich, daß nächstens auch die kleinen Klapptischchen, die in den Seitengängen der Durchgangswagen untergebracht sind, eingezogen werden sollen. Die Holzplatten der alten Tischchen, die bisher von denjenigen Reisenden, die keinen Platz am Fenster erlangen konnten, gelegentlich im Coupü benutzt wurden, sollen als Fenstertischchen Verwendung finden. Wieviel der Fiskus dabei«sparen* wird, ent- zieht sich meiner Berechnung. Ebenso konnte ich nicht erfahren, ob> auch die Tischchen aus de» Wagen II. und I. Klasse genommen werden sollen.— Jedenfalls ist dieser Einfall der Bahnverwaltung — vorausgesetzt, daß diese Absicht verwirklicht werden sollte— eine interessante Beigabe zu dem HinauSwurf der Reisenden DI Klasse aus de» feudalen Räumen der Speisewagen. Schwei?. Scharfmacher im Nationalrat. Bern, 11. Juni.(Eig. Ber.) Am 7. d. MiS. ist hier die Bundesversammlung zu ihrer Sommersession zusammen- getreten und der Nationalrat hat neben der Staatsrcchnung pro 1003 in einer Sitzung auch bereits die Vorlage betreffend die örderung des Arbeitsnachweises durch Bundes- ub vention erledigt. ES wurde beschlossen, daß die Arbeits- ämter den Arbeitsuchenden nicht nur von Streiks und Aus- sperrungen, sondern auch von Sperren Kenntnis geben und es diesen überlassen sollen, ob sie Arbeit annchnien wollen oder nicht. Die Scharfmacher wollten die Sperren nicht mitgeteilt wissen und ferner sollten die Arbeitsämter an Arbeiter, die auf der schwarzen Liste st che», keine Arbeit vermitteln! Es war der frühere Schuhfabrikant Scheidegger in Bern, Präsident des Schweizerischen GewcrbevereinS, der den traurigen Mut besaß, öffentlich im Parlament diese ganz perfide Forderung zu erheben, und wenn er dabei in einem Atemzuge auch von der Neutralität der Arbeitsämter sckKvätzte, so mag man daraus das Maß der Unverfrorenheit dieses„biederen Eid- genossen* erkennen. Unser Genosse Eugster wandte sich in einer wirisamcn Rede dagegen, ebenso der Bundesrat Schobinger, und die Scharfmacherei wurde schließlich abgelehnt. Dasselbe Schicksal hatte der Antrag eines anderen Scharfmachers, allein die gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise von der Bundessubvention aus- zunehmen. Die in Aussicht genommene SubpentionSsumme be- trägt 50 000 Frank. ■pi'anhrdcb. Ei» verfolgter Kardinal. Paris, 13. Juni. Gegen den neuen Erzbischof von Bordeaux, Kardinal Andrieu, wurde im Auftrage des Justizministers von der Staatsanwaltschaft auf Grund des Trennungsgesetzes die strafrechtliche Verfolgung angeordnet, weil er in seiner Antrittspredigt in der Kathedrale von Bordeaux die Katholiken zum Widerstände"gegen das Gesetz aufgereizt habe. Zerstörte Tclcgraphendrähte. Paris, 13. Juni. An der Westbahnlinie bei Colombcs in der Nähe von Paris wurden 13 Telegraph endrähte, in der Gegend von Lens 7 Telegraphen- und 3 Telephondrähte und ein das Glockensignal der Haltestelle SallaumineS bedienender Draht durchschnitten._ Vcrschlcppungsmnnöver der Regierung. Paris, 14. Juni.(W. T. B.) Dcputiertenkammer. Der frühere Minister Berteaux brachte einen Antrag ein, durch welchen die Regierung aufgefordert wird, vor dcni Senat die Vorlage der Eisenbahntommission des Senats bezüglich der Alters- peusione» des Personals der Eisenbahnen zu unterstützen. Berteaux wies die Notwendigkeit nach, die Reform zu Ende zu führen und warf der Regierung vor, trotz wiederholter Versprechen das Der- trauen der Kammer mißbaucht zu haben. Minister Barthou legte dar, die Regierung habe mehr als alle früheren Regierungen getan, um die Lösung der Frage zu beschleunigen; er lehne den Antrag Berteaux wegen der Angriffe gegen die Regierung ab. Minister C a i l l a u x erklärte, sie Regierung halte in aus- reichender Weise ihre Versprechungen, weil ihr Gesetzentwurf einen Auswand von 27 Millionen vorsehe. Clemenceau erklärte, die Regierung lehne den Antrag Berteaux ab und stelle die Ber- traucnsfragc. Die Priorität des Antrags Berteaux wurde hierauf mit 310 gegen 247 Stimmen abgelehnt. Der erste Teil der Tagesordnung, welcher die Erklärungen der Regierung billigt, wurde mit 339 gegen 104 Stimmen angenommen. Der zweite Teil, welcher der Regierung das Vertrauen ausspricht, wurde mit 313 gegen 126 Stimmen angenommen. Velgien. Die Krise. Brüssel, 10. Juni.(Eig. Ber.) Projekte über Projekte, Minister- beratungen und eifrige Konferenzen der Rechten— aber die Sache kommt nicht vorwärts, die Krise rückt nicht vom Fleck. Die Formel. die die Synthese der Tendenz Herrn Woestes, nichts zu tun, und die Absichten des KriegSministerS, eine demokratische Militärreform durch- zuführen, bringen soll, will sich nicht finden. Und der Minister- Präsident hält sich an sein seinerzeitigcs Wort, eine Militärreform nur mit«seiner* aus der Rechten hervorgehenden Majorität zu machen. Herr Schollaert muß aber die Reform machen oder gehen: dazu zwingen ihn einmal die Ergebnisse der Enquetckommission und überdies der Wille des Königs, der„seine* Militärreform,»eine starke Armee* will und mit der Auflösung droht. Was also wird Herr Schollaert, dessen Reformeifer ja kaum durch mehr als den Wunsch auf Erhaltung seines Portefeuilles ge- gestützt wird, machen? ES ist sicher— die Projekte, die in den Zeitungen in der letzten Woche herumschwirren, sind nur zu sehr Beweis dafür— daß er bereit ist, f o w e n i g a l S m ö g l i ch z u tun und an den Grundlagen des bestehenden Militärsystems so wenig als möglich zu rütteln. Schon hört nran, daß der Minister- Präsident sich einer Formel zuneigt, die das bestehende Stell- Vertretungssystem in der großartigen Weise reformieren will, daß sie es weiter für die F r i e d e u s z e i t e n beläßt, dagegen für den— Kriegsfall die persönliche Dienstpflicht fordert I Diese Formel soll auf der Rechten eine beträchtliche Zahl Anhänger haben, vor allem auch etliche Minister selber, wie D e l b e k e, De LantSheere, Liebaert, die gegen den«RadikaliS- muS* des Kriegsministers frondicren. Sicher soll ferner sein, daß der Artikel 6 des Gesetzes vom Jahre 1902 über das Volontariat ans- gehoben und für die Freiwilligen die Dienstzeit von einem Jahre eingeführt werden soll. Das scheint das ganze Um und Auf des.Neform*>verkS zu sein I Soll man bei der Abwägung der die Lösung der Krise bc- stimmenden Faktoren in Rechnung ziehen, daß immerhin auf der Rechten ein gutes Dutzend Deputierter sitzen, die ernstlich eine Militärreform wollen und einem elenden Pfuschwerk, wie es allem Anschein nach die Regierung beabsichtigt, doch entschiedene Opposition entgegensetzen werden? Eine Opposition, die, redlich geübt, wenigstens in einem Punkt mit der Schande des gegen- ivärtigen Militärsystems aufräumen könnte. Ist dieser radikale Flügel der Rechten wirklich für die Abschaffung des Stellvertretungssystems— und in der Militärdebatte im Dezember vergangenen JahreS hat man diese Beteuerungen ja zu hören bekommen— dann hätte er nur für das betreffende Gesetzes- Projekt des sozialistischen Deputierten Bertrand zu stimmen. In der Tat will ein klerikales Blatt wissen, daß die Anhänger der persönlichen Dienstpflicht auf der Rechten gewillt sind, einen Antrag auf Aufhebung des Stellvertretungssystems ohne jede Abschwächung zu stellen. Indes ist diese Nachricht eine von den dutzenden, die unter dem Titel„wie uns versichert wird* figuriert und borläufig so viel Vertrauen verdient wie alle übrigem Das einzig Sichere an der jetzigen Situation ist die Verlegenheit und Hilflosigkeit Schollaerts und die unerbittliche, jeder Reform abholde Gesinnung des immer noch einflußreichen Woeste. Die Zerfohrenheit, die die Beratungen der Rechten sichtlich beherrscht, läßt den Rück- tritt des Ministeriums Schollaert immerhin als recht naheliegend erscheinen. Als Nachfolger wird Herr Libaert genannt, dem als ehemaligen Eisenbahnminister der Titel«der Faule* ver- liehen wurde und der demnach innerhalb seiner Fähigkeiten bliebe, wenn er die Vertagung der Militärreform bis über die nächsten Wahlen durchzusetzen hätte. Bliebe dann freilich immer noch das Projekt B e r t r a n d, das der alten gelösten Krise— wenn der reformfrenndliche Flügel der Rechten aufrecht bleibt— bald«ine neue anfügen könnte. Snglanä. Gegen die Schande des Zarenbesnchs. London, 13. Juni. Auf einer Konferenz von 92 Ver- bänden der Unabhängigen Arbeiterpartei wurde eine Resolution gefaßt, in der der beabsichtigte Besuch des Kaisers von N u ß l a n d bei König Eduard scharf verurteilt und das Parteikomitee aufgefordert wird, eine große öffentliche Demonstration gegen den Besuch ins Berk zu setzen. Rußland, Streik in Petersburg. Petersburg, 14. Juni. Heute morgen sind die Angestellteil der Straßenbahn in den Ausstand getreten. Sie fordern kürzere Arbeitszeit und bessere Lohnver- Hältnisse. Türkei. Der Kampf gegen die Albaner. Saloniki, 14. Juni. Nach starkem Geschützfeucr zerstreute General Dschavid Pascha die widerspenstigen Albanesen bei Malissia und marschierte mit seinen Truppen nach Schischuia. Ein Steckbrief gegen einen Bischof. Konstantinvpel, 14. Juni. Die türkischen Blätter veröffentlichen heute einen Steckbrief und den Verhaftungsbefehl gegen den armenischen Metropoliten von Adana, Mon- signore Muschik, der im Verdacht steht, an den letzten Ereignissen teilgenoinmen zu haben. Muschik weilt zurzeit in Kairo. Hmeriha. Eine japanische Vcrschwörun,g? New Dork, 14. Juni. Nach einem Telegramm aus Honolulu hat die Polizei im dortigen Bureau der japanischen A r- beiterorganisation Dokumente entdeckt, welche auf eine Verschwörung gegen die amerikanische Verwaltung der Inseln hinlveisen. Zwölf japanische Führer werden wegen Anstiftung zum Aufruhr und drei wegen Anstiftung zum Morde vor Gericht gestellt werden. GewerhfcbaftUcbee# Berlin und Umgegend. Bauarbeiterschutzkonferenz in Berlin. 'Die erste Konferenz der baugewerblichen Arbeiter für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Brandenburg und der Stadt Berlin fand am 13. Juni in Berlin statt. An- wesend waren 72 Delegierte, der Vertreter der Zentralkom- Mission für Bauarbeiterschutz in Hamburg G. Heinke und als Gast das Mitglied der Bauarbeiterschutzkommission für Ham- bürg R. Gehlert. Arbeitersekretär Link- Berlin referierte über„Der ge- werbliche Arbeiterschutz in Peußen und die nordöstliche Bau- gewerksberufsgenossenschaft". Redner verlangte in seinem Referat von der preußischen Regierung die Anstellung von Arbeiterkontrolleuren, damit die Ministerialerlasse, Polizei- Verordnungen usw. einen praktischen Nutzen für die bau- gewerblichen Arbeiter haben. Die Ueberwachung könne und dürfe nicht in den Händen der Berufsgenossenschaft gelassen werden. Der Arbeiterkontrolleur muß mit dem Wesen und den Einrichtungen des Baues vertraut sein und auch die ge- nügende technische Bildung haben. Die Behauptung, daß in Süddeutschland, wo Arbeiterkontrolleure angestellt find, die Unfälle sich nicht verringert haben, ist nicht zutreffend, wie der Redner an einigen Zahlen nachweist. Der Sekretär der Zentralkommission für Bauarbeiter- schütz aus Hamburg ergänzte die Ausführungen durch weiteres Zahlenmaterial. In der Diskussion waren von Interesse die Ausführungen über die Arbeitstätigkeit im Betonbau. Nachfolgende Reso- lution wurde einstimmig angenommen: „Die Vertreter der baugewerblichen Arbeiterorganisationen der Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Brandenburg und der Stadt Berlin, zu dem Geltungsbereich der Nordöstlichen Baugewerksbcrufsgenossenschaft gehörig, erklären: I. Der Auffassung des preußischen Ministers Herrn von Breitenbach im preußischen Abgeordnetenhause,„der materielle Bauarbeiterschutz komme in den auf reichsgesetzlicher Grundlage — für Stadt und Land geltenden— Unfallverhütungsvorschriften zum Ausdruck", nicht zustimmen zu können. 2. Die zeitige Kontrolle der Betriebe durch technische Auf- sichtsbeamte der Berufsgenossenschaft sowie durch höhere Be- amte, technische mittlere Beamte und durch ausgebildete Schutz- leute kann als eine wirksame Kontrolle nicht angesehen werden, weil durch diese Art Kontrolle die Unfallgefahren mit ihren un« absehbaren Folgen nicht im entferntesten gemildert werden. In Erwägung dieser Tatsachen fordern die baugewerblichen Arbeiter: t. Die Regelung des Bauarbeiterschutzes darf, ungeachtet der Unfallverhütungsvorschriften, nicht dem Ermessen der Berufs- genossenschaft überlassen bleiben, vielmehr muß eine landcSgesctz- liche Regelung stattfinden. 2. Die Ueberwachung der Baubetriebsstätten ist organisa- torisch dahingehend umzugestalten, daß in Orten von 1011 d) Unkenntnis der Gefahr.........— 6. Zusammenwirkende Ursachen......... 21 7. Zufälligkeiten und nicht zu ermittelnde Ursachen. 168 552 Wiederholt haben wir darauf hingewiesen, daß die-Z auch vom ReichSversicherungSamt benutzte Schema für die Ermittelung der Unfallursachen fast wertlos ist, weil es aus einseitiger Annahme der Berufsgenossenschafteir beruht und eine Reihe wesentlicher Unfalls- Ursachen, wie Länge der Arbeitszeit, Akkordarbeit, Beschäftigung aus- ländischer Arbeiter, ungenügende Schul» und Vorbildung unberück- sichtigt läßt._ Huö Induftne und Handel Liebesgaveupolitik. Gegen Einfnhrschein, also unter Zahlung der Exportprämie, wurden in der Zeit vom 1. August 1963 bis 31. Mai 1969 aus- geführt: Gegen Mithin Summe Getreldeart N Zollsatz der Liebesgabe Ä0- M. M Roggen.. 803 956 50 40197 800 Weizen.. 375 872 55 20 672 960 Gerste... 16 253 13 211289 Hafer... 330 453 50 16 522 650 Insgesamt 77 604 699 Das Reich krault an einem RiesendalleS— und zahlt zugunsten der Brotverteuerer in 16 Monaten Millionen Mark Liebesgaben. Dafür drohen die Edelsten mit Ucberbordwerfen ihres urgermanischen Familiensinnes, wenn sie eine auch nur lächerlich geringe Erbschaftssteuer zahlen sollen. Ihr deutsches Gemüt, ihre KonigStreue, ihre nattonale Begeisterung basiert auf Liebesgaben und Steuerprivilegien, auf Volisbedrückung und Lebensmittelwucher. Leweguug der Weizenpreise. Nach der Zusammenstellung der Berichte von deutschen Frucht- markten, deren Preise auf Grund der jeweiligen Umsätze ennittelt sind, wurde im Mai ein Durchschnittspreis für Weizen von 24,63 Mark pro Doppelzentner notiert. Im Oktober 1903 notierte Weizen nur 15,71 M. Der absolut niedrigste Preis im Oktober 1963 war 16,65, der niedrigste im Mai d. I. 13,46, der höchste 29,60 M. Aber nicht nur mit dem sjahre 1903 verglichen, wo der Weizenpreis besonders tief stand, zeigt daS laufende Jahr ein ungeivöhnliches Preisniveau, auch ein Vergleich mit dem unmrttelbaren Vorjahre genügt, um die scharfe Aufwärtsbeweguna in diesem Jahre darzutun. Die Bewegung der durchschnittlichen Weizenpreise gestaltete sich nämlich ,n diesem und dem vorigen Jahre pro Doppelzentner in Mark wie folgt: 1968 1969 Januar... 21,76 19.92 Mai.... 21,47 24,63 Gegenüber den, Januar dieses JahreS ein Ausstieg um 4.71 M. oder um 24 Prozent, gegenüber dem Vorjahre ein solcher von 14,7 Prozent._ Lohnrückgang in der Eisenindustrie. Daß schon im vergangenen Jahre die Löhne� in der Eisen- industrie zurückgegangen sind, bestätigt der Jahresbericht des Sieger« ländcr Berg- und Huttenmännischen Vereins. Die Zahl der auf den Eisensteingruben beschäftigten Personen stieg von Ii 966 im Jahre 1967 auf 12 144 im Berichtsjahre. Trotz der VelegschastZzunahme sank die Gesamtlohnsunune von 15129167 M. auf 13416179 M. Der Durchschnittslohn pro Arbeiter stellt sich für 1967 auf 1264 M., für 1963 auf 1104 M., der Schichtenverdienst sank von 4,36 M. auf 3,83 M. Der Rückgang macht über 14 Proz. aus. Und dazu Lebensmittelwucher und Steuererhöhung l BetricbSeinschrSliknng. Weil der KokSverbrauch längst nicht mehr die 66 Prozent der Beteiligung bei dem Nhelnffch-Westfälischen Kohlensyndikat beansprucht, die Läger überfüllt sind und Anzeichen einer Besserung nicht konstatiert werden können, beginnt man nun damit, ganze Koksofenanlagen außer Betrieb zu setzen. Die Gelsen- kirchener Bergwerksgesellschaft hat jetzt auf ihrer Zeche BonifaziuS die Koksofenaulags kalt gestellt. Mau erwartet, daß dem Vorgehen andere große Unternehmen folge» werde». Der Versand des StahlwcrkSverbandeS betrug im Mai dieses JahreS 377 713 Tonnen gegen 414 865 Tonnen im Mai des Vor- jahreS. Von dem Versand entfallen auf Halbzeug 112 418 Tonnen (114 599 Tonnen), auf Eisenbahnmaterial 116 863 Tonnen(162 913 Tonnen) und ans Formeisen 143 437 Tonnen(137 343 Tonnen). Demnach ist der Gesamtvcrsand um 37 137 Tonnen gleich 9,3 Proz. zurückgegangen. Bei Eisenbahnmaterial beträgt der Rück- gang 46 656 Tonne» gleich 39,4 Proz. Besserer Saatenstand. AuS Wien wird berichtet: Nach den neuesten Berichten hat sich der Saatenstand in beiden NeichShälsteli derart gebessert, daß für Roggen auf eine gute Mittelernte und für Weizen mindestens auf eine Mittelernte gerechnet werden kann. Bereinigte Staate» von Nordamerika. Die Berichte au? den Industriezentren lauten noch immer entmutigend: Preisrückgänge in Roheisen und Kupfer, Loynhcrabsetznngen und Entlastungen in den Stahlwerken drücken der allgemeinen Lage das Gepräge auf. Die Taftscho Tarifreform ist der Schrecken der Erporteure und beunruhigt die Industriellen. Die Grundzüge der Reform faßt man dahin zu- sammen, daß die Union die Einfuhr von Rohprodutten, welche für die Weiterverarbeitung der amerikanischen Industrie notwendig sind, in Zukunft erleichtern wird, daß aber ziemlich allgemein Ferttg- fabrilate bei der Einfuhr höheren Lasten unterworfen werden sollen. Hm der Frauenbewegung. Wöchnerinnenschutz. Der Entwurf zur ReichSversicherungSordnung hat in bezüg guf die Krank-Mersicherunz und-r wgs hier besonders behandelt werden soll— hinsichtlich der Wöchnernmeftunkerstützuttz einigck Verbesserungen aufzuiveisen. In dem heute bestehenden Gesetz heißt es z. B.:„Wöchne� rinnen dürfen während vier Wochen nach ihrer Niederkunft über- Haupt nicht und während der folgenden zwei Wochen nur bc- schäftigt werden, wenn daS Zeugnis eines approbierten Arztes dies für zulässig erklärt." Tos bedeutet, daß den Wöchnerinnen wohl eine sechswöchentliche Ruhepause nach der Entbindung zu- steht, aber die Krankenkasse hat nur für vier Wochen zu zahlen. Daß eine solche Bestimmung die Frauen schon nach vier Wochen in die Arbeit treibt, ist selbstverständlich. Es müssen schon beson- ders krasse Fälle sein, wo der Arzt an der Arbeitsfähigkeit einer Frau, die vor vier Wochen entbunden hat, zweifelt; werden doch in Entbindungsanstalten die Wöchnerinnen schon nach neun Tagen entlassen. Die Fassung de? Gesetzes ist auch sehr zu Umgehungen geeignet. Hätten die Gesetzgeber nicht die Möglichkeit, nach vier Wochen die Arbeit wieder aufzunehmen, gegeben, sondern strikte festgelegt: nach 6 Wochen erst kann die Arbeit wieder aufgenommen werden, und wäre die Krankenkasse auch verpflichtet, für 6 Wochen die Unterstützung zu zahlen, so würden die Frauen weniger zu einem schnelleren Aufnehmen der Arbeit gezwungen. Das bisherige Gesetz hat es auch in daS freie Ermessen der Krankenkassen gc- stellt, statutarisch zu bestimmen, daß den Schwangeren vor der Niederkunft eine Schwangerenunterstützung zu gewähren sei. Nun soll nach dem neuen Entwurf eine Unterstützung von sechs Wochen möglich sein. Wir haben stets verlangt, daß Schwangere mindestens acht Wochen vor der Entbindung, falls sie gewillt sind, die Arbeit aufzugeben, eine Unterstützung erhalten. Wie_ schwer einer schwangeren Frau vor der Entbindung die Arbeit wird, kann sich jeder vorstellen. Weiß man doch, wie Frauen aus anderen Gesellschaftsklassen in der Zeit der ScKvangerschaft gehegt und gepflegt werden; keine unsanfte Bewegung, keine Hand- reichung, keinen falschen Fußtritt darf solche Frau tun. Nur für Arbeiterinnen legt man nicht solche rührende Sorgfalt an den Tag. Wäre von jeher von der großen Masse mehr gefordert wor- den, hätte man diesen Forderungen Nachdruck verliehen, so wäre vielleicht auch schon früher etwas für die Proletarierin geschehen. Von ärztlicher Seite ist festgestellt, daß solche Kinder, deren Mütter bis auf den letzten Augenblick vor der Geburt gearbeitet haben, weit schwächlicher sind, als sonst Kinder zu sein pflegen. Eben- falls sind unzählige Frühgeburten die Folgen gewerblicher Arbeit der Mütter während der Schwangerschaft. Solchen schwachen Ge- schöpfen tut dann um so dringender Pflege und— die Muttcrbrust not. Wir wissen aber, daß viele Mütter gar nicht erst anfangen. ihren Kinder» die Muttermilch zu geben, weil sie entweder selbst zu schwach sind, oder glauben, eS lohne sich gar nicht, für die kurze Zeit, die sie sich ganz ihrem Kinde widmen können, damit an- zufangen. Die Sozialdemokratie hat stets, so noch 1963, im Reichstage«ine mindestens 12wöchentliche Unterstützung für stillende Mütter gefordert. Die Unterstützung der Wöckpie- rinnen, die die Krankenkasse gewährt, kommt nur solchen Frauen zu, die mindestens 6 Monate vor ihrer Schwangerschaft dieser Kasse angehört haben. Das ist ebenfalls eine große Härte. Und in dieser Beziehung ist in dem Entwurf der neuen Versicherungsordnung keine Besserung eingetreten. Dafür ist aber neu aufgenommen der PassuS, daß nichtversicherungs- Pflichtigen Ehefrauen der Kassenmitglieder die Wöchnerinnen- unter st ützung und die SchlvangerschaftSunterstützung gewährt werden kann. Das ist ein Fortschritt, der schon einmal teilweise bestanden hat, aber nach der Wortfassung oer Novelle von 1963 beseitigt worden ist. Jetzt darf nur Schtvangerenunterstützung gc- zahlt werden. AuS dieser Erfahrung soll man lernen. Viele Frauen wären wegen des schlechten Verdienstes der Männer ge- zwungen mitzuverdienen, sie können es aber nicht, weil die Fa- milie schon so groß ist, daß die Mutter unbedingt im Hause sein muß. Andere finden nicht die geeignete Beschäftigung neben ihrer Hausarbeit. Sie alle sehen mit banger Sorge einem erneuten Familienzuwachs entgegen. Deshalb ist eS ein Fortschritt, wenn eine mchrwöchentliche Wöchnerinnenunterstützung über die schwerste Zeit hinweghilft. Auch solche Fälle gehören nicht zu den Seltenheiten, daß schwangere Frauen die Erwerbsarbeit aufnehmen, um etwas von den Kosten, die daS zu erwartende Kind verursacht, zu erwerben. Solche Frauen sind dann häusig auf solche Berufe angewiesen, die nicht der Krankenversicherung unterliegen(Aufwartestellen usw.). Ihnen steht nach dem jetzigen Gesetz keinerlei Unterstützung zu. Der Entwurf enthält auch die Bestimmung, daß von den Krankenkassen die„Hcbammendienste und die ärztliche BeHand- lung der Schtvangerschafisbeschwerden frei gewährt werden können". Der Paragraph, der besagt, daß die„Wöchnerinnenunterstützung von im ganzen acht Wochen zu zahlen ist, entspricht dem Minimum von dem, toaS nach der Gewerbeordnungsnovclle gegeben werden muß. Von diesen acht Wochen müssen mindestens sechs Wochen auf die Zeit nach der Niederkunft fallen". Das ist nicht viel; es ist nicht annähernd das, was wir zu fordern berechtigt sind, aber es bedeutet doch eine Verbesserung. Die sechswöchentliche Ruhe und Unterstützung nach der Entbindung ist besser garantiert, ebenso daß die Schwangere schon zwei Wochen vor der Niederkunft zu Hause bleiben kann und für diese Zeit gleichfalls eine Unterstützung von der Krankenkasse erlangt. >Heute hat die Arbeiterin nur— das Recht, vier Wochen vor ihrer Entbindung die Arbeit ohne Kündigung zu verlassen. Leider ist die verbessernde Bestimmung keine zwingende, sie kann leicht wir. kungslos gemacht werden. Die vorgesehenen Verbesserungen sind, wie dargetan, nur minimaler Natur. Aber von den Rückwärts- lern und Arbeiterfeinden im Reichstage find noch Einwendungen gemacht worden. Das Wenige, was die Regierungsvorlage bietet, möchten sie noch verhunzen. Hoffentlich gelingt eS unsexen Ge- Nossen im Reichstage, die Vorlage noch zu verbessern. Leseabende. Lankwitz. Mittwoch bei Ebel, Marienfelderstr. S. Treptow-Banmschulenwcg. Die Leseabende für die Frauen fallen in den Sommermonaten aus. Wiederbeginn im September. «Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 16. Jum, 8>/, Uhr, im neuen Klubhaus, Koinmandantenstr. 72: Versammlung. Vortrag. Herr Ritter:»Arbeiterbewegung und Genossenschaftswesen." Rixdorf(4. Bezirk). Mittwoch, den 16. Juni, 8'/, Uhr, im»Ideal- Kasino", Weichselstr. 8: Oeffentliche Frauenversammlung. Ge- nossin Ida Altmanu spricht über»Die Frau im Recht". Briefkasten der Redaktion. Sie furlMsls,« Sdrechswnd« flnvtt LIudenNrahe(Rc. 3,»weite» Hot. dritter«iugaug. vier Treppe», 9 a lieft tibi wochentäolt» abend» uvu?>/, dt»»'/, Udr statt,«dedstne»? Mir KoiinabeudS beo>»»t die Epreitiftuud« um st Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und»ine Kahl al» tJlerijrtcheji beizufügen. Brieflich» A Iiiwort wtrd»Ich, erteilt. Bt» zur Beantwortuug t« Briefkaftc» löuue»»4Taee verg«heu. EUige Jrageo rrng« mau in der Tvrechstvud« vor. M. 40. Die Stellen mit starkem S eisen Wasser tüchtig durchwaschen. Sind die Flecke noch nicht gewichen, so setze man dem Setsenwasser Kali- lauge hinzu.— 200 H. 3. Nein, sondern sind nur Stücke von größerem Gestein. Wenn Sie sich genauer ottentieren ivollen, so beschassen Sie sich in unserer Buchhandlung das Newe Werkchcn über Geologie von G-ikie. Preis 80 Pj.— P. Ech. 09. Knochelbruch.— I. X. Skstr. 94 b. 1—4. In den Parlamenten kommen die verschledentltchen Systeme teilweise sogar gleichzeitig zur Anwendung. In den Streit, welches von diesen das best« ich können wir uns nicht einmischen. Adressen finden Sie im ersten Band des Adreßbuches, Teil II. 6. Auch weiblich. 6.»Ems« Depesche- von Wilhelm Liebknecht, durch unsere Buchhandlung zu beziehen, —- HeiuesoudS. Der Schriststellcr Alfred Kcrr, Berlm-Halensee, Kur» sürstendamm 145, hat eine» H-inesond» ins Leben gcrusein— K. L. 33. Ein solches Institut eristiett leider nicht. Vielleicht können Ste aber etwas erreichen, wenn Ste sich an den Bund sür Mutterschutz wenden, Wilmersdorf, NoSberttzer Str. S.—<£, 8. 20. 1. Wenden Sie sich an die Betriebs. leitung der städtischen Straßenbahn in der Kniprodestraße. L. Lauwarme» Seijenwasser.— R. W. 6». 17. Spieisragen werden Im Brtestaslen nicht beantwortet. Für den Inhalt der Inserate »ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcater. Dienstag, den 15. Juni. Ansang 7'/, Uhr. Königliches OPernhauS. Ge- ISlossen. Königl. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues königliches Operntheater. Geschlossen. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Gelbstem. K a in m e r s p i e l e. Ein Skandal in Monte Carlo. Lessing. Die Dollarprinzesfin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Schillereni'rafte Abends 8 Uhr: Rom Campagna. Sternwarte. Jnvalidenstr. 4*149. und die 67/62. Lessing-Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-TheaterZ. Ansang 8 Uhr. IM« DoHwrprInzfiialM. Berliner Theater. Gastspiel-Operetten-Theater. aar Täglich 8 Uhr: m Ein HerbHtmantfver. Heues Theater. Abends 8 Uhr: TMe und Gacolel. Morgen und folgende Tage: 7r!eoe!ie oml Caeolet. Neues Kgl. Opcru- Theater(Kroll). Gura-Oper, Gesclilossen. Mittwoch: Tristan und Isolde. Donnerstag: I. Sembrloh• Gast spiel„La Travlata". Freitag:„Der fliegende Holländer." Sonnabend „Die Meieterelnger von Nürnberg." ffiedricli-Wilhelfnstadtiscties Schauspielhaus. Dienstag, den 15. Juni. Ansang 3 Uhr: Dtk Kilomktkrfrksser. Mittwoch: Die beiden Lconoreu. Donnerstag: Manövcrrcgen. Freitag: Manöverregen. Sonnabend z. erstenmal: Fidello. i-usispivlksus. Abends 8 Uhr: Der fesche Nudi. Divao» Operettcn�Sieotor, Schissbauerdamm 25, a. d. Luiscustr. Abends 8 Uhr: IM« bjpriidivit'ov. Operette in 3 Alten von H. Neinhardt. Bebbol-Tbeater. Ans. 8 Uhr. RcTolntlonahochzelt. D Gr. Frantsurter Str. 132. AbendS 8 Uhr: Das Mädchen ohue -J«hre. bMi* Sommerpreise. Aus Ter Gartenbühne u. a.: Berlin auf Stelze» mit Willi A g o st o n. Konzert, Spezialität. Ans. 4'J, Uhr. Ab 8 Uhr: TaS Rnfsehen erregende Progr. 8" lean Paul mit neuen Schlagern. 9" Yankee l>oodle Girls. ff" Mensch oder Asse??? g-- Uhr:«" Uhr» LN oder ES* KU Karfsfein Uj 9-20, flosenth.Tor.| ir. Im Theater: j Wein___ I Ansang 8 ay., tiui I Tic grandiosen Spezialitäten. »Im Garten: Erel-Rennert. Der Flug durch die«nft. Theaterbesuchern sreier Eintritt. Sehiller-Tlieater. Schillor-Thealer 0.(Wallner-Theater.) Der Biberpelz. Eine Diebeskomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Ende 10'/. Uhr. Morgen und folgende Tage: _ Der Biberpelz. Schiller-Theater Charloitenburg, Madame Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bisson und Antony Mars. KV Ende 10'/. Uhr.-Mg Morgen und folgende Tage: Madame Bonivard. ® Achtung! HJI@� Jetzt nur§ Seeterrasse Lichtenberg Ob schön! Tätlich: Ob Regen! Ol*. Konzert und das gröfft�beste Programm # u. a.: Brothers Helbigs, unübertroffencr fliegender Trapez- D Akt. Kolter- XalaschuS(2 Damen, 1 Herr), Turmseilkünstler. S Biktor Ritter, der unkopierbare Humorist. Borgas u. Darley, - die best. kom. Radfahrer usw. Im Saale: Bd,I,l.. Ansang 4 Uhr. X.IS Ruderboote X Kasfeeküche X Volksbelustigungen X Norziigskartcn gültig. Batree nnr SC Bk. O>>d Urania. Vissensohattllohes T'hsatsr. lanbonstralZs 48/49. Ebenda 8 llhr: kom Hüll die Campagna. Z>lll CISlHER GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder anter 10 Jahren die Hälfte. Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gast. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Bich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Ranehen gestattet. Neues Programm! Die schaumgeborene Venus „2a fiaÄ< »Der ia ihrem Phantasie-Tanz: Wellen Geist" sowie sensationelle Juni- Attraktionen Reserviert Platz 2 M. Entree 1 M. (einschl. Pro gramm a. Garderobe.) 12 12 Passage-Thealer. Abends 8 Uhr. Villi Präger The York Sisters and das glänzende Juni- frogramtn. i 4 A Varietes«Z A 8»Sensationen• Ä Passage- Panoptikum. Lebend i Die letzten weiiehen ta vom Stamme der Jlzfeketi! Gr.Schaustellungen Vitascop-Theater usw. Alles ohne Extra-Entree. Stadt-Theater Moabit. Alt-Moabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorst. 5 Uhr, Konzert 4 Uhr. Earteneröstnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, SPezia- litätcn und Soiree der»Lustigen Sänger-. Bei Regenwetter Vorstellung im großen Theater-Saal. Vereins- Brauerei f\ ! RiXdorl, Hermannstr. 214/219. * Oekonom: Max WendL BW Tilgllch:-MW Gr. Militär-Konzert. Jeden Dlenstac- Gr. Wer ISntr.i5Ps. Mütze od. Schärpe grat. i wwwwmwwwmwwwwwwmmmw\ Brunnen-Theater Badstrahe 58. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: X Erstklassige Sprztatitäten l X f» ovitüt! K ovitüt! Die Spreewald- Käte. Gr. AuSstattiingS-VolkSstück mit Gesang u. Tanz in 4 Alt. v. Hosfmann. Kasseneröstnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. W.Z 8257,15 Svwinn» nnd Vorlnut-Bont». Unk.-Kto. 2431,08 Utensilien-Konto Kontokocrent-Kt. Gewinn- u. Ver« lust-Konw., 34,— 1,50 _ 4311,23 Verlust vom 31. Dez. 1907 2555.83 6957.06 betrug Per Waren-Konto , Kapital-Konto . Gcwinn-Konto 8257,16 3155,04 3750,27 51,75 S3ö7,0g 5967.05 Eingetreten: 7. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1908: 7. Ausgetreten: 0. Mitgltederzahl am 31. Dezember 1308:;__ Betrag der Haftsumme: 2800,— M. 105/1 Der Vorstanll. Brnno Fleischer. Otto Usko. Joseph Melstner. Karlsgarten Rlxdorf, Karlsgartenstr. 9—11 X Prachtvoller aller Naturgarten. X Sonntags: KOItZCrt. Konzert u. 010 IllZlDll 1(�001 Jeden Dienstag: KifldßrfCSl. Mittwochs: Konzert und Spezialitäten-Vorstellung. Die Harnleiden Ibrc Oelohren, VerbQtung nnb Beseitlgunp von JDt*. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ Itn CousenO> «SlS�ÄE« B. Voigts Krampenburg nteik SiMas 0ampfßr-8xtra-7ahrten. Adsahrt Schlesisch Adsahrt Schleflsche Brücke(Cass Alfen.) Täglich(auch Sonn. «I tags) IP/i Uhr früh, S'/« Uhr mittags. Hlnu. zurück vorm.«0 TNgV/ 4? Ia � nachm. 60 Pf., Sonntag hin 50 Ps., zurück 60 Ps. Ablahrt Januolvibbrücke(SchuIthetsi-SluSschank) Reederei Hodlllng. »4 st Täglich(auch Sonntags) S Uhr früh, 2 Uhr nachmittags. Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Unjjcr.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweifel die bequemste u. wtrksamfteHtlfe. DerSchmerzijttn6S.'tin. jort. DaS Hühnerauge selbst in 3 Tage».(Enthält Salichlsäure u. indischen Hansextrakt.) vr. H. Unger ia Würzburg. In Berlin(20 Ps.): Salcmcn-Apothak«, Eharlottenstratze 64 flreif- '' s 83.— München: Schütien-Apotheke.— Stutt- >.— Breslau: Vlctorla-Apothcko. 110/1« :•. ■'.'-'A--: ' Mi' ■ Vx Ctgaretten e Qualitäten Aus sehn Die Vorzüge des Dr. Bad. Weils I Nährsalz-Bananen-Kakaol sollten jedermann veranlassen, einen Versuch damit ru machen. Derselbe enthalt die Bestandteile der so überaus nahrhaften und wohlsohmookonden Banancnfrocbt, vereinigt mit garantiert reinem Kaknoptilvcr und einem erheblichen Zusatz von Nfihrsalzen, Dieser N.B.K, ist von großer Wichtigkeit für Blutarme, Nervöse, Rekonvaleszenten und bei allen ScfawScbezDsflnden sowie für in der Ernährung zurückgebliebene Kinder. Niemand wird sich der Tatsache verschließen können, daß damit ein wirklich gutes, die Gesundheit förderndes Nahrungs- and Genußmittel geboten wird. N.B.K, stopft nicht. Preis: 1 Paket=•/, Pfd. 1.00 M. Zusendung in Barlin und nächste Vororte frei Haas. Nach auswärts Probepakot gegen Einsendung von 0.80 M. franko.• Generaldepot: D. Mader, Berlin S., Prinzensfr. 37. Versandgeschäft gesundheitl. Nahrungs- u. Genußmittel Ausiiihrl erklärende Preisliste bitte zu verlangen. » i. Zahlstelle©roB-Berlln. Bureau: Lwienstr. 216. Geöffnet von 9—1 tt 4—8 Uhr. Telephon: M, 938. Dezirks- Uersammwnge« Mit oachsolgenden Tagesordnungen: Mittwoch, den 1«. Juni 1909, abends 8% Uhr: Für Sttdost Sei Hahn, Lausitzer Platz 8. 1. Vortrag deS Genoffen Kurt Heinig:.Der preußische Staat— der Staat der Besitzenden I' 2. Diskus flon. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Mittwoch, de» 16. Juni 1909, abend? 8 Uhr: Für ddkI'-8tdöllöVK!dö Sei»ehalte, Wilhelminenhofftr. 9. 1. Vortrag des Kollegen Bruns:.Was müssen wir von der Unfall- Versicherung wissen?" 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 17. Juui 1909, abends 8'/, Uhr: Für Norden Sei Kramer, Hussitenftr. 40. 1. Vortrag der Genossin Frau Luise Zieh. 2. Diskussion. 8. Wahl eines Delegierten zur Gewerkschastskommission. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 6. Verschiedenes. Für Nordwest Sei Klrechkowskl, Beuffelstr. 9. 1. Vortrag des Genossen Kurt Hewig:„Die arSeitende Klaffe und Preußens Gesetzgebung." 2. Diskuffion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Für 05(611 Sei Zletz, Warschauer Strafte 61. 1. Vortrag de» Genossen Kohl:„Die Ansänge der modernen Arbeiter- beweguug." 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Für ClierlOttenblirN im Tolhshanse, Rostnenstr. S. 1. Vortrag des Kollegen Bentin:„Kirche und Arbeiter." 2. DiS. kussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Ver- schiedeneS. Für Scbönebero bei Gebhard. Gothenftr. S8. 1. Vortrag des Kollegen Weiße:„Die Grundbedingungen der Arbeiter- organisationcn." 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung. 4. Wahl eines Bezirksleiters. S. Verschiedenes. KB. Wenn den Mitgliedern von Schöncberg daran liegt, die Bezirks- einteilung für Schöneberg hochzuhalten, haben sie alle Ursache, bestimmt und pünktlich in der obigen Versammlung zu erscheinen. Für tNeibenSee M Content, Lehderstr. 5. 1. Vortrag über:„Thomas Moore und seine Utopie" 2. Dtskusston. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. ' Die Versammlung sür Weißensee wird pünktlich um 8 Uhr eröffnet. Für Rildorf Sri Geliert, Steinmet! str. 93. 1. Bortrag.(Thema und Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben.) 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Für SÖJieniCk Sri Joeb, Grünauer Strafte 7, abends 8 Uhr. 1. Vortrag de» Stadtvererdneten Genossen Ritter-Berlin. 2. DiS- kussion. 3. Wahl der Delegierten. 4. Wahl eines Bezirksleiters. S. Ver- schiedeneS. Für Teijei Sei Kakle«, Berliner Strafte 9». 1. Vortrag des Kollegen Bruns:„Was muffen wir von der Unfall« Versicherung wissen?" 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Sonntag, den ÄO. Juni 1909, vormittags'/zlO Uhr: Für RliimneiSbnrg bei Za&derelt, Leffingstr. 23. 1. Bericht vom Kongreß der chemischen Arbeiter. 2. Diskussion. 8. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Für Mershof bei Kanl, BiSmarckstr. 16. 1. Berichte. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Montag, den 21. Juni 1909, abends 8 Uhr: Für SEpUftdcin bei Gottwald, Schönwalder Strafte 80. 1. Bortrag des Kollegen BrunS:„Die Unternchmerverbände". 2. DiS- kussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Bericht vom Kartell. 5. Verschiedenes. Zwecks Ausübung einer Kontrolle über die Teilnahme an de« Bezirköversammlungen wird darauf aufmerksam gemacht, daft die Mitglieder ihre Bücher mitbringen sollen, um den Besuch der Versammlung durch Stempel im Mitgliedsbuch eintragen zu könuen. K4/2_ Die Beglrkwleltnngen. Kranken-Unterslzungsbund der Schneider. Donnerstag, den 17. Juni, abends 8'/, Uhr. in den Arminhalle«, Kommandantenstraße 58/Sg: == VcHamtu lung. TageS-Ordnung: Vortrag deS Kollegen Bitter über die freien HilfSkaffen und die neue ReichSversichcrungSordnung. 162/18 Abrechnung vom ersten Ouartal. Statntenberaiung und Kaffen-An- gelegenhcitem_ Die Ortöverwaltung, Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zchlstclle Mixdorf. Km Donnerstag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, bei Hoppe, Hermauustrafte 48: HttgUeder-Versammtnng. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen Giebel über:„Die nene Reichs- verftcherungS-Ordnnng«. 2. Verbands angelegenheiten. 85/13 Die OrtttverwaUnng. (Leihhaus Gelenenhoitskäufe Vorfall, Gold- und Silbersachen1 Brillanten etc. : Klmiieu- lind funnjliiubfrn von Robert Meyer,' out Mnrinnnclt-Slrnße 2. HH Bruch-Pollraann empsiehlt sein Lager in Bruch- _ bandagen, Leibbinden, Go- radeftaltorn, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und Hilss-Krankenkassen. Berlin X.," jetzt iCiotbrlnger Straße OO. Alle Bruchbänder mit elastischen Piloten, angenehm u, weich am Körper. Billigste Diigeiiot e •owdt Vorräte reichen Knaben-Wasch-Anzüge Hübsche Blusenfassons Weiß und gestreift 6.- 5.- 4.- Qfk 3.— 2.— 1.50 �UPf. □ □ D Schüler- Wasch- Anzöge Joppen- und Norfolk- Fassons, eanfarb. u. kariert 8.— 6.— 5.— OOO 4.— 3.- 2.50 Zm. D D Q Knaben-Blusen.. Knab.-Strohhüte. 502 35� Knaben-Hosen... 70" Knaben-Mützen. von 25 � Sehr billig! Sporthemden D Gürtel o Turnerkleidung'»m?, Loden-Pelennen für Madchen und Knaben von 5 50 M. BoenSohn Spizial- Hans größten Maßstabes, gejri5n folgten Tod meiner geliebten Frau[ Johanna Hampel g-s. Baehr zeige ich, in tiefster Betrübnis um stille Teilnahme bittend, hiermit ergebenst an. »ermann Hampel, Linienfit. 217 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16, Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen« halle des städtischen Friedhofes, Müllerstraße, aus statt. 3öb .fi Hygienische, �WWWWWW■■■ �ioue. st. Katalog O- Empf ohl. viel Aerzte u.Prof.(jrat. B. Ongor, b aauaiwarenf abrJ,� ISerUa NW.. Friodrichsirasae 91/98 Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Jnlcratenteilvcrantw.: Tb. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Ar. 136. 26. Jahrgang. 2. Itilüjf Ks Dienstag, 15. Juni 1909. Partei- Hngelecienheiten* Lichtenberg. Heute abend findet im Lolal der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chanssee 5 die Mitgliederversnnimlung des Wahldereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Gewcrkschaftssekretärs Giebel über:„Historischer Materialismus". Diskussion. Der Vorstand. Trcptow-Baumschnlcnweg. Heute, Dienstagabend 8Vz Uhr, in Vaunischulenweg in Speers Festsälen öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Das gefährdete Koalitionsrecht der Arbeiter und An- gestellten und die sozialpolitische Rückständigkeit der Treptower Ge- nieindevertretung. Referenten: Gewerkschaftssekretär AdolfRitter und die Gemeindevcrtreter Genossen Gerisch, Gramenz und Karow. Brih-Buckow. Heute abend Va9 Uhr findet bei Weniger, Werderstraste 28 die regelmästige Vereinsversammlung statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wilh. Dentzer über:„Kirche und Staat". 2. Dislusfion. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. KarlShorst. Die Wahlvereinsvcrsammlung fiindet heute abend nicht statt, sondern erst am nächsten Dienstag. Die Partei- genossen wollen dies beachten. Der Vorstand. Köpenick. Heute, Dienstagabend 8V3 Uhr, findet im Stadttheater die Wahlvereinsversammlung statt. Genosse Düwell spricht über: „Die ultramontane Gefahr". Der Vorstand. Pankow. Heute, Dienstagabend pünktlich SVa Uhr, findet eine Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins bei Grostkurt, Berlinerstraste 27 statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Stndtv. Bruns über:«Wert und Nutzen der Organisation". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist die Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. Gäste willkommen. Der Vorstand. Wcißensce. Heute Dienstagabend Z'/z Uhr findet im Restaurant „Albrechtshof". Parkstraste 13 eine Volksversammlung statt. Genosse Kubig-Pankow referiert über den MaudatSraub. Bezirk Borsigwalde-Wittcnau. Heute abend 6'/z Uhr in den «Borsigwalder Festsälen" Mitgliederversammlung. Vortrag des Ge- nossen Roß. Fendel-Weistensee über:„Die Kunst im Volksleben". Spandau. Wir verweisen hiermit auf die am Mittwoch, den 13. d. M., abends 8'/z Uhr, im Lokal von Emil Köpnick, PichelS- dorfer Straste 33 stattfindende Wnhlvereinsversammlung. Tages- ordnung: 1. Abrechnung von der Maifeier. 2. Stellungnahme zmn Soinmcrfest. 3. Wie können wir die am 13. d. M. staitgefundcne Volksversammlung agitatorisch ausnutzen? Der Vorstand. JBerliner J�acbricbten. Für das große Pnblikum gesperrt waren am Sonntag die beiden großen, der Siadt Berlin ge- hörigen Spielplätze im Treptower Park. Einige Dutzend Tafeln verkündeten, daß von 1 Uhr ab das Betreten des Platzes durch das Publikum untersagt sei. Diese Ankündigung rief bei den vielen Tausenden, die au Sonntagen nüt ihren Kindern die Plätze besuchen, große Verwunderung und Em- pörung hervor. Die Arbciterbevölkerung des Südostens braucht die Plätze wies liebe Brot, und Sonntags ergießt sich von allen Richtungen her ein gewaltiger Menscheustrom nach diesen Erholungsstätten und Tummelplätzen für die Kinder. Wenn daher plötzlich diese Gelegenheit dem Publikum ge- nommen wird, ist es ganz begreiflich, daß Worte der Vcr- wünschung laut werden gegen diejenigen, die ihnen diese Stätte» rauben. Wie wir hören, soll die Maßnahme erfolgt sein, weil den Tciltschen Turnern die Plätze eingeräumt tvorden sind. Wir gönnen allen Sportvereinigungen, daß ihnen die Gemeinde zur Ausübung ihres Sportes Gelegenheit gibt, müssen aber doch sagen, daß im vorliegenden Falle in einer Weise verfahren worden ist, die entschieden gerügt werden muß. Wenn man schon glaubte, unter allen Umständen ausgesucht die Treptower Spielplätze zur Verfügung stellen zu müssen, so hätte � dafür gesorgt werden müssen, daß das große Publikum dabei nicht gänzlich von der Benutzung der Plätze ausgeschlossen wurde. Mit welcher beispiellosen Rücksichtslosigkeit auf das Publikum verfahren wurde, mag allein die Tatsache erweisen. daß der eine Platz ziemlich leer war, trotzdem aber gesperrt blieb. Die vielen Tausende, die gekommen waren, hatten den Weg umsonst gemacht und mußten stark enttäuscht wieder nach Hause ziehen, weil es der Verwaltung der Plätze gefallen vie freisinnigen Vertreter Berlins in Condon. - lieber den Besuch der Berliner Stadtväter in London haben wir kurz berichtet, allerdings nur nach dem, was die offiziösen Tepcschcnbureaus mitzuteilen für gut befanden. Jetzt, nachdem die Herren wieder in die Heimat zurückgekehrt sind, werden Nach- richten verbreitet, in denen vor allem versucht wird, die Haltung der sozialdemokratischen Vertreter in London zu glossieren und die einzelnen Personen in den Augen der Parteifreunde herab- zusetzen. Wir haben uns um nähere Auskunft über diese Glossen bemüht und folgende Sachdarstellung von beteiligter Seite erhalten: „Wir hätten cS im Interesse des Ansehens unserer Heimat- stadt Berlin vermieden, dieses Kapitel anzuschneiden. Da aber die Herren„Freisinnigen" und zwar dieselben, die kurz von der Abreise der Delegation nach London aus verstecktem Hin- tcrhalt vergiftete Pfeile gegen ihren bürgerlichen Kollegen, Stadt- verordneten Marggraff, absandten, um demselben noch im letzten Augenblick die Mitreise zu verleiden, jetzt auf dem Umweg über Dortmund(durch die„Dortmunder Zeitung") versuchen, die sozial« demokratischen Teilnehmer zu begeifern, so haben wir keine Ursache. länger mit unseren Kenntnissen über die„London-Fahrt" zurückzuhalten. Für heute wollen wir einiges zur Richtigstellung und einiges zur Erheiterung unserer Leser mitteilen, mit dem ausdrücklichen Bemerken, datz wir auf Wunsch gerne mit mehr auflvarten. Recht hat die Korrespondenz, daß es nicht geringe Verwunde. rung erregt hatte, datz die sozialdemokratische Berliner Stadtver- ordnetenfraktion den Beschlutz faßte, an dem Gegenbesuch der kommunalen Körperschaften in London teilzunehmen. Besonders groß war die Verwunderung bei denjenigen bürgerlichen Stadt- verordneten, die schon ihre Koffer gepackt hatten, um in die freiwerdenden vier sozialdemokratischen Plätze ein- zurückcn und nun zu Hause bleiben sollten. Zwei reisten schließlich dann doch ohne delegiert zu sein mit— wie man sagte auf ihre Kosten—, einer hatte sogar die Amtskette mitgenommen, vermut- lich. um bei den Tamtamgelegenheiten, an denen die Sozis ja vermutlich nicht teilnehmen würden, als Lückenbüßer in die Bresche zu springen. Schließlich können zwei wohl zur Not für vier essen und trinken, aber schwerlich vier leere Plätze ausfüllen, besonders, wenn diese vier Plätze die Gastgeber und der Zufall an vier ent- gegengesetzteil Stellen der Tafel verteilt haben. Hatto, der Deutschen Turncrschaft das ganze Feld einzu- räumen. Nach Lage der Sache wird der Magistrat nicht umhin können, sich der Angelegenheit anzunehmen und für die Zu- kunft dafür Sorge zu tragen, daß neben den Sportvereinen auch das große Publikum zu seinem Rechte kommt. Was die Hirod des Schulkindes leisten kann, das zeigt die Ausstellung der Zeichnungen von Ge- m e i n d e s ch u l k i n d c r n Berlins, die im AnSstellungspark an der Jnvalideustraste eröffnet worden ist. Diese Veranstaltung soll einen Einblick gewähren in die Erfolge, die im Zeichenunterricht unserer Gemeindeschulen mit der vor jetzt sieben Jahren eingeführten neuen Methode bisher erreicht wurden. Die Anhänger dieser neuen Unterrichtsweise versprechen sich wenig oder nichts von dem Zeichnen nach„Vorlage", das früher den Zeichenunterricht der Schulen beherrschte. Ein Zeichnen nach der Natur ist das Mittel. mit dem man jetzt des Kindes Auge und Hand zu bilden sucht. Der Unterricht im Frei- handzeichncn will in dem Kind die Fähigkeiten entwickeln, seine Um- gebung nach Form und Farbe richtig zu beobachten und das Ve- obachtete einfach und klar darzustellen. Begonnen wird hier mit dem Zeichnen aus dem Gedächtnis, zunächst im Anschluß an den An- schanungsunterricht, später erfolgt das Zeichnen nach dem Gegen- stand, liebungen im Treffen von Farben, Wiedergabe der Per- spektive und der Beleuchtung, Skizzieren mit Stift und Pinsel. Der Unterricht im Linearzeichnen will, zunächst im Anschluß an die Rauinlehre, das räumliche Vorstellungsvermögen entwickeln. Die Frage, ob der Zeichenunterricht nach dem neuen Verfahren sich bereits beivährt hat, wird durch die Ausstellung ent- schieden bejaht. Es ist gelungen, auch ininderbcfähigte Kinder dahin zu bringen, daß sie im Freihandzeichnen Gegenstände ihres Gesichtskreises leidlich wiederzugeben vermögen. Die Ausstellung bietet keineswegs nur die Leistungen der Begabteren, die ihre Umgebung fast schon— wenn man so sagen darf, mit dem Auge des Künstlers betrachten gelernt haben. Hefte, in denen die von ganzen Klassen angefertigten Zeichnungen eines und des- selben Gegenstandes vereinigt find, lassen erkennen, wie ver- schieden die Kinder, von den fähigsten bis zu den ungeschicktesten, ihre Aufgabe gelöst haben. Das Gesamtergebnis zu zeigen, die Leistungen ganzer Klassen und annähernd ganzer Schulen vorzn- führen, gerade das war der Wunsch der Veranstalter der AuS- stellnng. Bei der Eröffnungsfeier wurde vom Stadtschulrat Fischer in seiner Begrüßungsansprache hervorgehoben, daß schon das Interesse der Kinder am Zeichenunterricht jetzt ein ganz anderes als früher sei. In einem als Zeichensaal eingerichteten besonderen Raum der Ausstellungshalle fanden die Besucher Gelegenheit, selber dem Unterricht zuzuhören und zuzusehen, der hier einer Klasse zeichnender Jungen von ihrem Lehrer erteilt wurde. Das Ganze des Lehrganges, den der neue Grundlehrplän der Gcmeindeschulen Berlins vorschreibt, ist aus den ausgestellten Zeichnungen genauer zu ersehen. Aus mancher dieser Zeichnungen spricht laut und ver- nehmlich die Freude am Schaffen, das durch die neue Lehr- Methode auch dem schwachbcgabten Kinde ermöglicht wird. Von den Gipfelleistungen sind einige so überraschend tüchtig, daß sie durch be- sonderen amtlichen Vermerk— um jedem etwa auftauchenden Zweifel zu begegnen— ausdrücklich als eigene Arbeit gekennzeichnet worden sind, obwohl sich das von selber versteht. Mit der Ausstellung der Zeichnungen ist eine Ausstellung von Handarbeiten aus den Nebenklassen sowie aus den Schulwerkstätten verbunden worden. Von be- sonderem Interesse ist, was auf diesem Gebiete die Nebenklassen er- reicht haben. Ihnen ist der HandfcrtigkeitZunterricht ein wichtiges Hilfsniittel der Erziehung. Er könnte das übrigens auch für normale Kinder sein, wenn er allgemein in den Lehrplan der Gemeindeschule aufgenommen würde. Man kann nur mit herzlicher Freude all die Sächelchen betrachten, die von den Kindern der Nebenklassen, oft in gemeinsamer Arbeit, angefertigt worden sind. Was die Hand auch dieser„zurückgebliebenen" Kfinderzu leisten vermag, das sehen wir hier in der Handarbeitsausstellung. Manches Kind, das bielleicht über die dürftigen Anfänge des Lesens, Schreibens und Rechnens kaum hinanszubringen ist, findet im Handarbeitsunterricht eine Möglichkeit, sich erfolgreich zu betätigen. Für diese Ausstellung von Zeichnungen und Handarbeiten wird auf den Besuch nicht nur der Fachinteressentcn, sondern vor allem auch der Eltern gerechnet. Sie bleibt geöffnet bis zum nächsten Wie ernst gewisse Leute unter den Freisinnigen ihre Aufgabe in London auffaßten, illustriert am besten die Tatsache, daß der Artikelschreiber der„Dortmunder Zeitung" die Besichtigung der kommunalen Einrichtungen als„Erholung" und„Zerstreuung" ansieht, an denen die bösen Sozialdemokraten teilnahmen, während sie an den ernsten Banketts, d. h. Tafcleien, mit den den Völkern so bitter nottucndcn Königs- und Kaisertoasten sich nicht sehen testen. Freilich, sie sind so verstockt und unbelehrbar, nicht ein» zusehen, wie dadurch „die Beziehungen der beiden großen städtischen Gemeinwesen zueinander, und die Beziehungen von Land zu Land ihren Ausdruck finden sollten"! Unsere vier Genossen haben vom ersten Augenblick ihre Aufgabe so aufgefaßt, daß sie hinübergingen, die Einrichtungen Londons, das Gemeinwesen einer Weltstadt, Land und Leute kennen und ver- stehen zu lernen, und so die Anschauung zu stärken, daß die Völker ein großes, gemeinsames Ziel haben: zu den Höhen der Kultur zu gelangen, nicht aber sich gegenseitig zu zerfleischen, wenn die „Kunst" berufener und unberufener Diplomaten sie aneinander- gehetzt hat oder der Geldsack sein Spekulations- und AusbeutungS- terrain erweitern will. Das Sichkcnnen- und Verstehenlernen ge- schieht nicht durch Festgclage und Königs- und Kaiserhuldigungen, sondern durch das Studium des Volkes, wie es lebt und strebt, und dessen, lvas es schafft und wirkt. Die vier Sozialdemokraten haben diese Aufgabe, so gut es in den wenigen Tagen und Stunden, die ihnen zur Verfügung standen, möglich war, nach besten Kräften zu erfüllen gesucht. Sie sind so bald als möglich abgcschivenkt, um das große London und seine Bewohner, die Engländer, kennen zu lernen. Und während Herr Cassel und seine Getreuen vom „Tolver"— dem ehemaligen Gefängnis der hohen StaatSver- brecher und der Hinrichtungsstätte hochverräterischer Könige, welche Stätte zu sehen auch für die Sozialdemokraten einiges Interesse hatte— zum König fuhren, gingen die Sozis zum Volke. Wäh- rend die gutbürgcrlichen Herren mit Männerstolz vor Fürsten- thronen den Rücken beugten, suchten unsere Genossen das Volk in feinen Tiefen, in seinem Elend auf. Während jene im„Liverpool- Street-Hotel" frühstückten und in der„Guildhall" bankettierten, stiegen die bösen Sozis in die Whiskybuden und in jene Höhlen hinab, wo die Armut im verbotenen Lpiumgcnuß ihr Elend zu verscheuchen sucht. Ja, die Dissend irrenden besuchten am Mitt- woch, einem Tag, an dem sie sich ganz dem Volksstudium widmeten, mit einem deutschen Führer jenen großen Stadtteil, Whitechapel genannt, wo die Aermsten und Elendesten, die Ausgebeutctsten und Vcrnachlässigsten der kapitalistischen Wirtschaftsloeife vege- tieren und fcukvwßWN. Sie sehen dgK«Lo.rd Bowte» Houj e", Sonntag(20. Juni), täglich von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends. Der Eingang befindet sich an der Jnvalidenstraße, der Zutritt ist unentgeltlich._ Beelitzer„Disziplin". Zu unseren in Nr. 128 veröffentlichten Betrachtungen über gewisse Mißstände, die im Sanatorium Beelitz von Patienten als höchst lästig empfunden worden sind, haben wir noch einige Zu- schriften erhalten, in denen die von uns gegebene Darstellung voll bestätigt wird. Wir wollen jetzt nicht erneut auf diese Dinge eingehen, wohl aber wollen wir einmal die Frage untersuchen, warum nicht die A n st a l t s l e i t u n g, die solche ganz leicht zu beseitigenden Mißstände vermutlich selber nicht kennt und sie gar nicht bemerkt, von den unzufriedenen Patienten um Abhilfe gebeten wird. Die Neigung, sich mit Beschwerden an den Chefarzt zu wenden, mag ja bei manchen Patienten lebhaft genug sein, aber es ist in Beelitz nicht so ganz ungefährlich, das zu probieren. Weil man seine Beschwerde als einzelner vortragen muß, so riskiert man, in den Verdacht zu kommen, daß man ein bloßer Nörgler sei. Jeder, der da als erster hervortreten will, hat gegen sich den Umstand, daß„andere sich noch nicht beschwert haben". Gemeinschaftliche Beschwerden könnten mehr Gewicht haben, aber in Beelitz' ist es durch die Hausordnung nahezu un- möglich gemacht, dieses Mittel zu gebrauchen. Wer sich bemüht, solche Beschwerden zustande zu bringen, der kann seine Ent- lassung schneller haben, als ihm lieb ist. Die Hausordnung be- stimmt in§13:„Jede agitatorische Tätigkeit zur Abfassung oder Unterzeichnung gemeinschaft- licher Beschwerden ist untersagt"; und in§ 14 droht sie:„Wer die Hausordnung gröblich oder wiederholt verletzt, kann vom Chefarzt sofort aus der Heilstätte entlassen werden." Kein Patient wird sich gern der Gefahr aussetzen, mit sofortiger Entlassung gemaßregelt zu werden. Er verliert da die Möglich- keit, durch das Heilverfahren in Beelitz seine Gesundheit wieder- hergestellt zu sehen. Das Verfahren, dasbeidensofortigenEntlassungen manchmal befolgt wird, ist sehr eigenartig. Genauer bekannt sind uns zwei Fälle, in denen wegen angeblicher Uebertretung des§ 2, der„jede agitatorische Tätigkeit in politischer, religiöser und sozialer Beziehung durch Wort oder Schrift" untersagt, die Entlassung verfügt wurde. Im Sanatorium Beelitz hatte ein Patient E. die Aufgabe über- nommen, die neu eingelieferten Patienten aufzufordern, daß „V 0 r w ä r t s"°L e s e r ihm ihre Adressen geben möchten, damit die Adresscnliste durch Vermittelung einer Pflegeschwester an die Post überwiesen werden und dann die Lieferung des Blattes er- folgen könne. Eines Tages wurde E. vor den Chefarzt gcrnfen, uns es wurde ihm eröffnet, er habe sich agitatorische Tätigkeit er- laubt, von ihm werde eine Liste der„Vorwärts"-Leser geführt, das genüge ja schon, er sei hiermit entlassen und habe mit dem nächsten Zuge nach Berlin zurückzufahren. Die Unterredung fand etwa um V2I2 Uhr vormittags statt, und der nächste Zug fuhr kurz nach 12 Uhr, da mutzte der Herr Chefarzt wissen, daß E. dann um sein Mittagessen kam. E. hatte nun schleunigst seine Sachen zusammenzupacken, er wurde aber nicht rechtzeitig fertig und konnte daher den Zug nicht mehr erreichen. Nach dem Mittags- mahl, an dem er nicht hatte teilnehmen können, veranstalteten andere Patienten eine Geldsammlung und händigten ihm— denn er selber hatte, wie sie wußten, kein Geld— den Ertrag ein, damit er im Bahnhofsrestaurant sich sattessen möge. Während E. schon außerhalb des Anstaltsgebietes weilte, hielt ein Patient L. ihm über den trennenden Zaun hinweg eine Ansprache, die auf die Entlassung Bezug nahm. Auch wurde dem scheidenden Freunde, dessen durch nichts gerechtfertigte Maßregelung all- gemeine Erregung weckte, ein gemeinsam gesungenes Abschieds- licd nachgesendet. Obwohl Ansprache und Lied frei von allen Hinweisen auf Politik usw. waren, fand sich auch hier wieder eine liebe Seele, die Anstoß daran nahm. Acht Tage später wurde der Patient L. gleichfalls vor den Chefarzt zitiert, wieder kurz vor dem Mittagessen. Es wurde ihm vorgehalten, er habe mit jener Rede politische Agitation getrieben, eine briefliche Beschwerde hierüber sei eingegangen, mithin habe auch er sofort die Anstalt zu verlassen. Auch L. mußte auf das Mittagessen ver- zichten, weil er schleunigst abfahren sollte, aber auch er wurde mit dem Packen nicht rasch genug fertig, und wieder bot nach dem Mittagmahl sich den anderen Patienten Gelegenheit, dem aus so nichtigem Grunde Gcmaßrcgeltcn einen Abschiedsgruß mit auf den Weg zu geben. Wahrscheinlich meint die Anstaltsleitung, daß diese sofortigen Entlassungen, bei denen die gemaßregelten Patienten mit knurrendem Magen die Anstalt verlassen müssen, abschreckend wirken. Wir finden das Verfahren geradezu ungeheuerlich— und die von uns darüber befragten Patienten haben es noch ganz anders benannt. Schärfsten Tadel verdient übrigens auch eine Einrichtung— leider nicht der reichen Stadt London, sondern privater Wohltätigkeit— der sich die Stadt Berlin noch nicht rühmen kann. Die Roten sahen an einem anderen Tage ein städti- sches Hospital für arbeitsunfähige Ehepaare und für einzelne Männer und Frauen, eine Mustercinrichtung, von welcher unsere Stadt Berlin manches lernen könnte. Auch besichtigten sie ein Krankenhaus mit 8 Operationssälen und Einrichtungen, wie man sie nach manchem Rückständigen und Unentwickelten in London nicht vermutet hätte. Bei den Besichtigungen fiel ihnen recht un- angenehm der Mangel an städtischen Asylen für Obdachlose auf. Sie mußten bemerken, daß auf diesem Gebiete fast ausnahmslos die Heilsarmee wirkt. Sie bietet für 2 und 3 Penny denen, die nicht wissen, wo sie ihr Haupt niederlegen sollen, ein Nachtlager nicht wissen, wo sie ihr Haupt niederlegen sollen, ein Nachtlager mit obligatorischem Frömmigkcitstamtam. Was man erträgt sür ein schützend Dach überm Haupte, wcnn's da draußen stürmt oder schneit, begreift nur der, der selbst mal obdachlos war. Ucberoll fanden unsere Genossen nur von neuem die Bcstäti- gung, daß die Völker nur einen gemeinsamen Feind haben, und das ist die Unwissenheit und die Ausbeutung. Wir überlassen es ruhig jedem denkfähigcn Menschen, zu be- urteilen, welche von den beiden Parteien mehr gelernt und dem Volke näher gekommen ist, die, die alle Festessen mitmachte, oder die, die sich wirklich Mühe gab, das englische Volk kennen, vcr- stehen und achten zu lernen, achten auch in jenen Schätzen der Kunst und Wissenschaft, in ihren Museen. Wir hätten gcwünsrbt, unsere bürgerlichen Schulmänner hätten wenigstens e i n Bankett versäumt und hätten statt dessen das Natur historische Mu» seum Londons besichtigt, in welches die Volrsschüler und Schü- lerinnen zum Anschauungsunterricht geführt werden. Dort werden ihnen unter anderem die Tiere in Nestern und Höhlen mit ihren Jungen in natürlicher Umgebung vorgeführt. Berlin hat eine ähnliche Stätte für den Anschauungsunterricht in solcher Voll- kommenheit nicht. Aber freilich, während unsere Genossen diesen geistigen Genüssen sich ergaben, haben sie viele körperliche auf Kosten der„City of London" versäumt. Und doch hätten sie Gelegenheit gehabt, dabei die Stadt Berlin und ihren eigenen guten Magen würdig zu repräsentieren! Erschien dann aber ein Genosse,„g e. wisser maßen z u Erkundig ungs zwecke n", wie der freisinnige Artikel sagt, vielleicht auch der Wissenschaft wegen, wie der Genosse Pfannkuch bei der„Draper Guilde in Dra- p e r s Hill" zum Frühstück, dann war es auch nicht recht. Die Freisinnigen haben unsere vier Genossen dutzende Male aufgefordert, alles mitzumachen, da„die Toaste doch nichts weiter sind als eine inhaltslose Forniel, die nun mal üblich ist, die Manier, dem Angeschuldiglen die Möglichkeit einer eingehenden Verteidigung zu dersagen, ihm Anklage und Urteil in einem und demselben Sltemzuge mitzuteilen. Entlassen werden kann man in Beelitz auch aus mancherlei anderen Gründen. Aus der Lungenheilstätte wird uns mit- geteilt, daß dort Patienten entlassen worden seien, die es abgelehnt hatten, sich mit Tuberkulin- Ein- spritzungen behandeln zu lassen. Diese BeHand- lungsart gehört nicht gerade zu den Annehmlichkeiten des Heil- stättcnaufenthalts, sie erzeugt hohes Fieber und schwerstes Un- behagen. Aber die Anstaltslcitung beruft sich wahrscheinlich auf § Z der Hausordnung, der jeden Pflegling verpflichtet, den dienst- lichen Anordnungen der Aerzte, Schwestern, Wärter usw. Folge zu leisten und im besonderen die ärztlich angeordneten Kur- Vorschriften pünktlich zu befolgen. Wer das nicht tut, fliegt nach fj 14 hinaus. Auf Grund des§ 3 könnte die Anstaltsleitung, wenn ie wollte, sogar jeden Pflegling entlassen, der den S e i f p i n s e l des rasierenden Wärters zurückwiese, weil ihm dieses in unserem vorigen Artikel geschilderte Einseifungsverfahren zu unsauber erscheint. Denn auch der Gebrauch des Seifpinsels ist„Ausübung einer dienstlichen Obliegenheit", und da hat kein Patient zu mucken. Es gibt Leute, die sich einbilden, daß Anstalten, wie die in Beelitz, die„Disziplin" nur mit eiserner Strenge auf- rechterhalten können. Wir sind anderer Meinung. Wenn die Aerzte sich herbeilassen wollten, etwas mehr die persönlichen Be° Ziehungen zu den Anstaltsinsassen zu pflegen, dann würde meist ohne„Zuchtmittel" auszukommen sein. Auch würden viele Patienten sich williger in die notwendigen Vorschriften der Haus- ordnung fügen, wenn in Beelitz mch,r sur Belehrung über den Zweck der An st alten getan würde. Die von den Aerzten so sehr gefürchtete enge Verbindung der Patienten untereinander kann gleichfalls dazu beitragen, die Aufrecht- erhaltung der Ordnung zu fördern. Man sollte ihnen da ein Stück Selbstverwaltung gewähren, dann würden sie schon selber dem ungehörigen Benehmen Einzelner wirksam entgegentreten. Zun» Termin der Berliner Landtagsersaiiwahlen schreibt die„Freisinnige Zeitung":„Daß die Berliner Landtags- ersatzwahlen voraussichtlich im November stattfinden würden, war von einem Berichterstatter gemeldet worden. Wie wir aus zu- verlässiger Quelle hören, hat sich der Magistrat mit dem Termin der LandtagSersatzwahlen noch gar nicht beschäftigt. Beim Magistrat ist überhaupt noch keine Anzeige über die Ersatzwahlen eingegangen." UnS war die Meldung von dem MagistratSoffiziosuS zugegangen. ES wäre wirklich an der Zeit, wenn sich die maßgebenden Behörden endlich entschließen wollten, den Termin der LandtagSersatzivahlen festzusetzen, damit große Kreise der Bevölkerung nicht noch länger im Landtage unvertreten bleiben. Schulprojckte. Die Stadtverordneten werden sich in ihrer nächsten Sitzung mit mehreren größeren Schulneubauten beschäftigen. Zu- nächst mit einer dreifachen Schulanlage nebst Lehrerwohnhaus und einem StandeSaintSgebäude auf dem alten städtischen Grund- stück Antonstr.14/lö au der Ecke der Plantagen- und Nuheplatzstraße. Hier soll eine besondere Schulabteilung für Nebcuklassen und für Schwer- hörige errichtet werden. Ferner soll auf dem Grundstück Anton- straße 36/42, Ecke Nuhcplatzstraße, also gerade gegenüber dem ersteren Bau. eine einfache Gemeindeschule und eine Steuerannahniestelle er« baut werden. Die Kosten für diesen Bau schließen mit ö2ö 000 M. ab. Hierzu kommt dann noch der Neubau einer Gemeindedoppel- schule in der Jbsenstraße. der mit 960000 M. veranschlagt worden ist. Die Gesammtbaukosten für diese drei Schulbauten stellen sich auf rund L'/z Millionen Mark. AuS der städtischen ErleuchtungSkommission. Die Deputation der städtischen Gaswerke hat am Montag beschlossen, die Preßgas- beleuchtung weiter auszudehnen und zunächst in der Behren-, Tauben-, Mohren-, Kronen-, Mittel-, Jäger-, Französischen, Werder-, Georgen-, Dorotheen- und Universitälsstraße Einrichtung für diese Beleuchtung zu treffen. Andere anschließende Straßenzüge sollen dann folgen. Einen DemonstratioiiSzug durch die Straßen der Stadt machten am Sonntag Schützenbrüder, die sich zusammengefunden hatten, um am Schützenfest in Kaulsdorf teilzunehmen. Sie hatten sich bei Kroll aufgestellt und zogen, von der Polizei begleitet, die Linden entlang, wo sie den Kaiser hoch leben ließen. Wenn das Wahlrechtsdemonstranten gewesen wären, wie wäre es ihnen wohl ergangen? Klage» über ungenügende Nachtbelcuchtung. Uns wird mitgeteilt, daß des Morgens 2 Uhr die Laternen in der Landsberger Allee, Landsberger Straße, Georgenkirchstraße, Kaiser-Wilhelnrstraße aus- gelöscht werden, zu einem Zeitpunkt, an welchen, c-Z noch dunkel ist. Dadurch können sehr leicht Zusammenstöße von Fuhrwerken erfolgen, die die genannten Straßen lebhaft frequentieren. Gerade viele Schlächterfuhrtoerke, die in der Zentralhalle zu tun haben, seien um diese Zeit in erheblichem Maße unterwegs. Förderung des hauswirtschaftlichen Unterrichts. Die städtische Schuldeputation hat in Uebereinstiinmung mit dem Magistrat bc- schlössen, den hauswirtschgftlichen Unterricht in den Berliner Ge- bei der man sich aber denken kann, was man will!" Sie paßten dann bei den Gelegenheiten, wo unvermutet ein Toast ausgebracht wurde, sehr genau auf das Benehmen der anwesenden Sozis auf. Schade, daß sie nicht merken konnten, was diese sich-- nach ihren Anweisungen— dabei gedacht haben. Daß das Frühstück in Windsor im„White Hart Hotel" auf Kosten der Kommuiw Windsor und nicht des Königs stattfand, tat dem Geschmack und der Bekömmlichkcit keinen Abbruch, ins- besondere, da der„Lord-Mayor" von Windsor noch ein hübsches Ansichtsalbum von Windsor mit— man denke— roten, Titeldruck überreichte. Es war dies am Freitag, dem letzten Tag der offiziellen Woche, dem einzigen Tage, an welchem das Programm „Anzug nach Belieben" ankündigte und deshalb auch die ganze Gesellschaft recht bunt gemischt erschien: vom hellsten Nan» ring bis zum grauesten Schwarz. Abends fand das Abschieds- bankctt in Keysers Hotel statt, in dem die Berliner die Woche über gewohnt hatten. Seit Tagen hatten bürgerliche Kollegen den Sozialdemokraten zugeredet, doch wenigstens am AbschiedSbaiikctt, schon des Hoteliers wegen, teilzunehmen, bei denen ja keinerlei andere Toaste mehr ausgebracht würden als auf Gäste und Gastgeber. Bruns und Pfannkuch lehnten ab, da elfterer bereits Freitag abend, letzterer Sonnabend früh abreisten. Coblenzer und Hoff- mann sagten zu. Als sie nun von ihren Zimmern herunter- kamen und im Vorsaal die gedruckten Tischkarten einsahen, fanden sie, daß ihre Namen nicht verzeichnet waren. ES wurde ihnen aber von den Arrangeuren wiederholt versichert, daß für sie Stühle reserviert wären, und sie wurden gebeten, einzutreten, was diese jedoch ebenso wiederholt ablehnten. Später stellte sich heraus, daß der 51ollege Bamberg die Ablehnung des Genossen Bruns als solche für alle vier aufgefaßt hatte und deshalb die Namen nicht auf die Tischkarte hatte setzen lassen. Als man den Irrtum erfuhr, waren die Karten schon gedruckt. Plätze waren aber für die beiden Ge- „offen reserviert. Auf diese verzichteten sie jedoch unter diesen llmständen. Einen Frack brauchten sie nicht— wie die Kor. rcspondenz meldet— an den Nagel hängen, sintemalen sie keinen anhatten. Den Sonnabend haben die Genossen Coblenzer und Hoffmann mit dem Sekretär des Kommunistischen Arbeiterklubs, Genossen M. Dietrich, verlebt, der sich in liebenswürdiger Weise den ganzen Tag zur Erforschung Londons zur Verfügung gestellt hatte, wobei mehr herauskam als bei den„Potemkinschen Dörfern", die uns a la„City of London, Schule für Knaben", die dem Ober- bürgermeister vor fünf Jahren in derselben Aufmachung gezeigt meindeschuken auszudehnen. Bisher waren dem„Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend" für 1309 10 000 M. aus städtischen Mitteln für diesen Zweck bewilligt worden. Um nun einer größeren Zahl von Gemeinde- Mädlbenschulen die Teil- nähme an diesem Unterricht zu ermöglichen, ist beschlossen worden. für 1909 fünf weitere Schulküchen zu errichten und dazu 6000 M. bereitzustellen. Von der technischen Mittelschule. Der Magistrat von Verlin hat beschlossen, �daß an der am 1. Oktober d. I. zu eröffnenden Technischen Mittelschule sMiillcrstraßc) eine Vorklasse mit halb- jährlichem Kursus eröffnet wird. Das Schulgeld soll für die Technische Mittelschule und die Vorklasse für Berliner Einwohner 80 M.. für solche rcichsdeutsche Schüler, die nicht in Berlin wohnen, 160 M. und für Ausländer 400 Mark halbjährlich betragen. Die Unterrichtsdauer soll fünf Semester umfassen. Durch die Borklasse mit halbjährlichem Kursus soll eine Erweiterung der Lehrziele der Schule nicht eintreten. Schweinezucht auf städtischen Gütern. Der Stadtverordneten- Versammlung ist eine sehr ausführliche Vorlage über die Einführung einer Schweinezucht auf den Berliner Stadtgütcrn zugegangen. Zu- nächst werden 84 000 M. für den Anlauf von 1200 Stück Läufer- schweinen einschließlich 6000 M. für Schweinefutter verlangt. Später soll der Bedarf an Schweinen selbst herangczüchtet werden, zu welchem Zweck in Schmetzdorf ein Zuchtstall für 100 Sauen errichtet werden soll. Um die Seuchengefahr zu vermindern, sollen diese 1200 Läuferschweine ans verschiedene Güter verteilt werden. Der aus den städtischen Anstalten in Buch usw. kommende Küchenabfall soll bei der Schweinemast mit benutzt werde». Die BolkSSadcanstalt an der SchillingSbrücke soll mit einem Kosienaufwande von 879000 M. erweitert werden. Als erste Baurate werden 200 000 M. verlangt. Diese Anstalt soll eine zweite Schwimm- Halle an der Holzmarktstraße erhalte», weil die jetzige Einrichtung den gesteigerten Ansprüchen aus die Dauer nicht mehr genügt. Der Exerzierplatz zur einsamen Pappel an der Schänl.-auscr Allee wird seitens der Militärverwaltung in einer Weise vernachlässigt, die im Interesse der Anwohner wie der Passanten die schärfste Kritik herausfordert. Von dem Zaun, der einstmals das ganze Gelände umzog, ist nur noch die Hälfte vorhanden. An der Schönhauser Allee ist er kürzlich notdürftig ausgeflickt, dagegen auf der entgegen- gesetzten Seite, in der verlängerten Schwedter Straße, neben der Nordbahn, gänzlich entfernt worden. Hinter dem Zaun erheben sich nach allen vier Himmelsrichtungen mehrere Meter hohe Lehmberge. Zwischen diesen und dem Zaun liegen Papier. Lumpen, Geröll und anderer Unrat haufenweise, noch schlimmer wie in einem Produkten- keller. Der Ererzierplatz selbst ist nur stellenweise von einer ganz schwachen Grasnarbe bedeckt. Bei einigermaßen heftigem Winde entwickeln sich so gewaltige Staubwolken, daß die ganze Umgegend damit erfüllt wird. Die Anwohner können nur zeitweise die Fenster öffnen, da der Schmutz vom Exerzierplatz bis in die obersten Stockwerke geweht wird. So wenig der MilitärfiSkuS für diesen Schmutzfleck inmitten Berlins tut, ebenso tüchtig ist in anderem Sinne die Polizei. Seit einiger Zeit machen sich hier wieder auffallend viele Schutzleute und„Geheime" bemerkbar, die den auf dem Platz bei gutem, windstillem Wetter Erholung suchenden Personen das Leben nach Möglichkeit erschweren. Es wird Zeit, daß dieser Platz als Exerzierplatz auS der unmittelbarsten Nähe dichtbevölkerter Stadt- teile verschwindet. Vielleicht setzt sich die Stadt mit dem Militär- fiskus wegen Ankaufs in Verbindung und macht einen hübschen Park daraus. Ein KautionSschwIndler. Zu seiner eigenen Sicherheit ließ sich am Sonnabendnachmittag ein Kautionsschwindler von der Kriminalpolizei festnehmen. Der 26 Jahre alte Kaufmann Albert Rothe aus der Hussitenstraße betrieb in der Liebenwaldcr Straße S7 eine Tütenfabrik. Diese bestand auS einem Zimmer, in dem man, wenn mau will, gewiß auch Tüten kleben kann. Um jedoch 16 bis 20 Leute zu beschäftigen, dafür reichte der Betrieb nicht aus. Dennoch nahm Rothe so viele an. Weil er früher mit KautionSschwindeleien schlechte Erfahrungen ge- macht hatte, so suchte er jetzt durch prahlerische Anzeigen Leute mit Aetriebseinlagen. Er fand auch unternehmungslustige junge Männer, die ihm 2000 M. und mehr anvertrauten, in der Hoffnung ihr Geld und ihre Arbeitskraft nutzbringend anzulegen. Jetzt kam es darauf an, durch eine richtige Zeiteinteilung dafür zu sorgen, daß sich die Angestellten nicht trafen, deren Zahl wurde aber endlich so groß, daß Rothe die Uebersicht verlor. Sobald aber die Angestellten erst einander kennen lernten und ihre Erfahrungen auStanschten, brach der ganze Schwindelbau zusammen. Nun wurde die Loge für den Unternehmer so bedenklich, daß er sich am Sonnabend entschloß, bei der Kriminalpolizei Schutz zu suchen. In großer Angst kam er nach dem Polizeipräsidium ge- laufen, suchte den Kommissar auf. der ihn früher hinter Schloß und Riegel gebracht hat und bat ihn himmelhoch, ihn wieder festzu- nehmen und nicht erst loieder aus dem Präsidium herauszulassen. weil er sonst von seinen Gläubigern noch totgeschlagen werde. Nach- dem er alle seine Schwindeleien offenbart hatte, mußte man seiner Bitte entsprechen. Die Betrogenen, die nach und nach als Zeugen aufgerufen wurden, waren in der Tat auch so aufgebracht, daß man sie selbst im Polizeipräsidium nur mit Mühe davon abhalten konnte, gegen den getvissenlosen Schwindler handgreiflich zu werden. worden war, offiziell vorgeführt wurden. Abends sprachen beide in einer Versammlung des Klubs, in jenem Klub, in dem unsere Vorkämpfer Marx und Engels sowie unser roter Postmeister Motteler gewirkt hatten, und verlebten so oen letzten Abend auf historischem Boden unserer die Völker verbindenden sozialistischen Weltanschauung. Wir sehen, unsere Genossen haben die Reise nach London nicht als Vergnügungsreise aufgefaßt, sondern die Tage voll ausgenützt. um im Interesse ihrer Stellung in den städtischen Verwaltungen und im Interesse der leidenden Menschheit etwas zu lernen, und haben damit zu dem sich„gegenseitig Verstehen- und Achtenlernen" mehr beigetragen, als jene, denen man weit eher den Vorwurf zurückgeben kann,„sie haben auf Kosten der Stadt Berlin und der City of London eine Wer» gnügungsreise nach England gemacht, und an allen Darbietungen teilgenommen, die der Zerstreuung und der Erholung dienen". Allerdings nahmen die Genossen Bruns, Coblenzer und Hoff- mann auch an den Frci-Theater-Vorstellungen teil, d. h. sie zahlten für die Billetts im Parkett genau so viel, wie die bürgerlichen Kollegen und wie der Oberbürgermeister, der Bürgermeister und der Stadtverordnetcnvorsteher-Stelwertreter für die Logenplätze. Da sie aber den„perfekten Engländer" vergessen hatten, mutzten sie auch hier, statt der„Zerstreuung und Erholung" Studien und Vergleiche anstellen über das Elend und das in Lumpen gehüllte Volk in Withcchapel einerseits und den Luxus und die im buch- stäblichen Sinne mit Diamanten und Brillanten behangcnen Damen andererseits, deren einzelner Behang Millionen re- präsentierte, wie den Genossen ein wissender Engländer ver- sicherte. Auch das war sehr lehrreich, und so mußten die bösen Sozis auch hier lernen, Ivo andere sich„zerstreuten und erholte n", lernen für den Kampf gegen die wahnsinnige „göttliche" Weltordnung. Wünscht man„via Dortmund" oder auch direkt weiteres über Studien drei imitierter bürgerlicher„BowkenS", unter Detektivs- bedeckungen und andere„ZerstreuungS- und Erholungsfahrten", so find wir gern bereit, damit zur Erheiterung unserer Leser zu dienen, treu dem Grundsatze:„Auf einen Schelm anderthalbe". Wir gönnen jedem sein Vergnügen, und die Studienfahrten nach seinem Gusto, verbitten uns aber Verhaltungsmaßregeln für unsere Genossen von Leuten, bezüglich derer konservative Engländer„die völlige V erstä n dnsis lost gk ei t" der Rückgratsverrenkungen dieser Herren zum Ausdruck brachten I" ' Eine Explosion eines VeuzolgasaPParates erfolgte gestern im Keller des Hauses Brunncnstr. 116, wobei der in dem Räume be- findliche 77 Jahre alte Arbeiter Gottlieb Rau so schwer verbrannt wurde, daß er in hoffnungslosem Zustande nach der Charits ge- bracht werden mußte. Zwei Nnfnlle innerhalb vier Wochen haben sich in der LuxnZ- Papierfabrik von KreSlawSki, Rungestrnße, zugetragen. Während kürzlich die Arbeiterin Maaß das Unglück hatte, mit der linken Hand in die Minervaprcsse zu geraten, wobei ihr dieselbe zermalmt wurde, kam am Sonnabend die 20jährige Arbeiterin Kühn mit der rechten Hand mttcr die Presse und erlitt erhebliche Quetschungen an den Fingern, zwei Glieder wurden ihr buchstäblich abgcguctscht. Von den Arbeitern wird die Häufigkeit der Unfälle auf das in diesem Betriebe herrschende Prämieusystem zurückgeführt. Durch dieses System werden die Arbeiter zu einer möglichst hohen Leistung angespornt. Speziell die Prägerinuen erhalten einen jammervolleil Lohn. Um diesen zu erhöhen, wird ihnen pro 1000 geprägte Karten eine Prämie von zirka 10 Pf. gewährt. Diese zu erreichen, ist aber nur mit äußerster Anstrengung und großen Gefahren für Leib und Leben möglich. Ein außerordentlich gefährliches Gewässer ist für Freunde von Freibädern der Plötzcnfee, in welchem im vorigen Jahre im Laufe des Sommers an ein und derselben Stelle 14 Personen ertrunken sind. Auch in diesem Jahre hat der See eine Anzahl Opfer ge- fordert. In den letzten 14 Tagen wurden drei Leichen von Knaben auS dem Wasier herausgeholt, von denen zwei gleichzeitig ertrunken waren. Die Eltern können ihre Kinder nicht dringend genug vor dem Baden an den verbotenen Stellen des PlötzenfecS warnen, der nur an einer Stelle freigegeben und ungefährlich ist, und zwar dort, wo sich die Militärbadeanstalt befindet. An den anderen Stellen des Gewässers sind zahlreiche Schlinggewächse und Wasser- strudel vorhanden. Als Leiche aufgefunden wurde die seit 14 Tagen vermißte Arbeiterin Berta Orrmann aus der Ex:rzierstrnße 3. Das Mädchen hatte sich in der Havel ertränkt. Die Veranlassung zu ver bcdaner- lichcn Tat dürfte in LiebcSgrain zu suchen sein. Unglückliche Familienverhältnisse liegen dem Selbstmord des Arbeiters Riediger, den wir am Sonntag meldeten, zugrunde. Wie uns von dem Arbeitgeber des R. mitgeteilt wird, war R. nicht arbeitslos, wie irrtümlich berichtet, sondern seit 19 Jahren bei ihm beschäftigt. Die dem Arbeitcr-Schwimmerbunde angehörenden Sch'.vimmvereine Groß-Berlinö haben sich zu einem Kreise I sBrandenburg) zusammen- geschlossen und hielten am Sonntag den 1. Kreistag in Berlin ab. Zum Krcisvorsitzenden wurde der Schwimmgenosse E. Bratke, Rix- dorf, Teupitzer Str. 12, gewählt. Die Rettungswachen für Arbeiter- feste stellt von jetzt ab der Kreis und werden die Verclnövorständc, die auf eine solche reflektieren, gebeten, sich nur an oben bezeichneten Schlvimmgcnossen zu wenden. Radrennen in Steglitz. Nach längerer Pause hatte der Sport» park wieder einmal ein großes Neimen. Das„Goldene Motor» r a d", das zum sechsten Male ausgefahren wurde und das eine sehr gute Besetzung aufwies, hatte der Bahn aber nicht den gewohnten Masseiibesuck, zugeführt. Der Verlauf des ReunenS ergab einen ein- loandfreien Sieg des Franzosen C o n t e n e t vor Salzman», Theile, Stellbrink lind Schipke. Vom Beginn an lag der Sieger an der Spitze und schlug alle seine Gegner glatt. Von den Deutschen hielt sich Salzmann am besten; er arbeitete sich bis auf den zweiten Platz vor. wobei ihm allerdings das Mißgeschick von Theile und Stellbrink zustatten kam, die beide unter Motor- und Raddefekten zu leiden hatten. Immerhin hielt sich Salzmann tapfer und koiime in der 121. Runde sogar den Franzosen passieren, mußte aber in der 163. Runde diesem wieder den Vortritt lassen. Schipke spielte in An- betracht seiner noch nicht ganz verheilten Wunde» zeitweise eine ganz gute Rolle und ließ lange Zeit den Franzosen nichr vorbei.— Der Preis von Steglitz, ein SO-Kilometer-Nennen, hatte kein regcl- rechtes Ergebnis. Der Engländer Hall hatte hier vom Start ab die Führung, bis ihm 8 Runden vor Schluß ein Nadschaden um den sicheren Sieg brachte und er sich mit dem dritten Platz hinter Przyreinbel und Rosenlöcher begnügen mußte, während Nettelbeck und Pongs weit zurück endeten. Przyreinbel war der einzige, der Hall Widerstand leistete, ivährend Rosenlöcher in der 58. Runde glatt geschlagen wurde. Die Fliegerrennen hatten wie stets starke Felder und lieferten schöne Kämpfe. Das Ergebnis ist: Goldenes Motorrad slOO Kilometer). 2000, 1600, 1400, 1200, 1000 M. 1. Contcnet 1 Std. 3 Min. 37-/, Sek.: 2. Salz- nimm, 1230 Meter; 3. Theile, 8270 Meter; 4. Stellbrink. 5520 Meter; 5. Schipke, 6330 Meter. Preis von Steglitz(50 Kilomeier). 600, 500, 400, 350, 300 M. 1. Przyrembel, 85 Min. 21 Sek.; 2. Roscnlöcher, 600 Meter; 3. Hall, 1120 Meter; 4. Nettelbeck, 5500 Meter: 5. Pongs, 3900 Meter. Hauptfahren fürKlassel. 1. Wegener; 2. Peter: 3. Süßmilch; 4. Kudela. Hauptfahren für Klasse II. 1. Saldow: 2. Groß- mann; 3. Selmer; 4. Möller. P r ä m i e n f a h r e n. 1. R u d e l; 2. Tcchmer: 3. Wegener. Tandem-Prämienfahren. 1. Techmer-Wegener: 2. Conrad-Althoff: 3. Süßmilch-Pawke. „Wcltanschamiiig und HimmelSkunde" ist das Thema, welches Direktor Dr. F. S: Archenhold am Dienstag, den 15. d. Mts., abends 9 Uhr, in einem Vortrag behandeln wird, welcher im großen VortragSsaal der neuen Treptow-Sternwarte stattfindet. Dr. Archen- hold wird das hochinteressante Thema in durchaus allgcineinvcrständ- licher Weise behandelir und seine Ausführungen an Hand zahlreicher Licht« und Drehbilder erläutern.— Im großen Fernrohr wird tagsüber bei klarem Wetter die Sonne, abends der Planet Jupiter mit seinen Monden beobachtet. Außerdem stehen den Besuchern der Treptow-Sternwarte»och kleinere Fernrohre zur Beobachtung bc- lieblger Hiinmelsobjelte zur Verfügung. Vorort- J�aebnebtern Tempelhof. AuS der Gemeindevertretiing. Bei der höheren Mädchenschule haben sich weitere Räumlichkeiten als notwendig erwiesen; cS wird deshalb ein Stockwert auf das Schulgebäude aufgesetzt werden. Die Kosten hierzu werden auS den vorbandenen Beständen entnommen, doch imlß später die Aufnahme einer Anleihe erfolgen. Das vor dem Schulgebäude liegende Gemeiiidegruiidstück soll später dem Schul- gebäude zugeteilt werden.— Nachdem der Park in den Besitz der Gemeinde übergegangen ist, hat dieselbe auch für dessen Unterhaltung zu sorgen. Leider hat man bis bor kurzer Zeit wenig davon gemerkt. So hätten z. B. die ausrangierten Schulbänke für Erwachsene nicht hingestellt werden dürfen. Zu begrüßen ist, daß die Gemeinde»un auch an die Bewässerung des Parkes denkt; 3100 M. wurden hierzu bewilligt. Bei einer Anregimg, im Park auch eine Bedürfnisanstalt zu errichten, bemerkte der Gemeindevorstehrr, daß für die drei im Orte vorgesehenen Bedürfnisanstalten 20 000 M. bewilligt worden seien, von denen bisher 7000 M. für die Anstalt in der Dorfstraße verbraucht sind. Bei der Aufstellung der beiden anderen, in der Nähe des HasenS und beim Bahnhof, hätten sich Schwierigkeiten er- geben, die noch nicht behoben sind. Vielleicht lasse sich später eine dritte Anstalt nn Park anfstellcn.— Nach dem Vorschlage der Bau- kommission werde» folgende Straßen ausgebaut: Friedrich- Karl- Straße, Straßen 66 und 72, wo später die Elektrsiche durchführen soll, Straßen 71, 69, 67, verlängerte Manteuffelstraße, Straßen 12a, 12b und 2, verlängerte Straße 4 und die Bosestraße. Die Bedenken deS Gemeindevertreters Hartmann, daß ihm die Verteilung in bezng auf Asphalt- und Steinpflaster willkürlich erscheine, wies der Vorsteher zurück; nur die Größe des Verkehrs sei für die Art des Pflasters maßgebend. — Mit der Regulierung der Friedrich-Wilhelm-Straße, zwischen der Werder« und der Berliner Straße soll nicht länger gewartet werden — Auf dielen Grundstücken, die von dem ehemaligen Nittergut Tempelhof abgezweigt sind, lastet die sogenannte Jaguessche Last. Diese Last ist ein schweres Hindernis in der EntWickelung Tempel- Hofs, weil sie den Eigentümern der vom früheren Rittergut ab- geschriebenen Grundstücke zur Pflicht macht, diese nur Villen- mäßig zu bebauen bezw. gewisse Bauten wie Fabrik- und Krankenhausbauten(wohl auch Arbeiterwohnhäuser?) z» unterlassen. Viele Eigentümer betreiben seit einiger Zeit die Beseitigung der für sie lästigen Beschränkung. Was nun die Ablösung anbetrifft, so ist diese Angelegenheit nicht einmal dem maßgebenden Grnndbuchrichter klar. Deshalb will die Gemeinde sich nicht in den Streit hinein- mischen, sondern eine abwartende Stellung einnehmen und von der Geltendmachung der auf der JaqucSschen Last ruhenden Rechte zur- zeit Abstand nehmen. Schöneberg. Bon einem Hofhunde zerfleischt wurde die achtjährige Schülerin Lina Trüchel, Gothenstr. 2g bei den Eltern wohnhaft. Die Kleine loar mit einem Spielkameraden, dem neunjährigen Fritz Walter, auf das Grundstück Tempelhoferweg, Ecke Golhenst'raße gegangen, wo- selbst der Knabe einen dort zur Bewachung befindlichen Hund zu füttern hatte. Das Tier stürzte sich plötzlich auf die T., riß sie nieder und zerfleischte ihr den rechten Arm in entsetzlicher Weife. Auch einen hinzukommenden Arbeiter, der das Kind aus den Zähnen der Bestie befreite, biß das Tier in die Hand. Die beiden Verletzten ivurden nach der Unfallstation in der Herbertstratze gebracht und er- hielten dort Notverbände. Lichtenberg. In der heute, nachmittags 5'/z Uhr stattfindenden Stadtverordnetenversammlung soll zu dem"Versuch des Magistrats, den städtischen Arbeitern das Koalitionsrecht zu verkümmern, Stellung genommen werden. Es stehen außerdem noch 20 Punkte auf der Tagesordnung, die alle mehr oder weniger von öffentlichem Interesse sind. Rummelsburg. Bei den Ergänzungswahlcn zum hiesigen Gewerbegericht wurden für die Kandidaten des Kartells 903 Stimmen abgegeben. Dieselben sind somit gewählt. Grünau. Die Uebergave der elektrischen Straßenbahn Bahnhof Köpenick- Bahnhof Grünau ist am Freitag erfolgt. Die Wagen gehen halb- stündlich und zwar ab Grünau kurz nach halb und voll. Die Außen- lurve an der Ecke Wilhelm- und Köpenicker Straße erwies sich als zu flach liegend, so daß die Wagen aus dem Gleise sprangen, sie inußte daher höher gelegt werden. Leider verursachte die Bahn gleich am Sonnabend einen schweren Unfall. DaS mit Brettern beladene Fuhrwerk des Eigentümers Thiele auS Bohnsdorf, welches von dessen Sohn Otto geführt wurde, begegnete am Sonnabend- nachmittag um'/zö Uhr der Elektrischen in der Köpenickcr Straße. Hier scheuten plötzlich die Pferde des Wagens und rissen den jungen Mann von seinem Sitz, wobei derselbe zwischen Fuhrwerk und einen an der Straße stehenden Baum eingeklemmt und ihm der Brustkorb eingedrückt wurde. Schwer verletzt mußte der Unglücklickie einem Krankenhause zugeführt werden. Den Verunglückten trifft der Unfall um so schwerer, als er für den durch Krankheit unfähigen Bater die Wirtschaft führen mutzte. Die Gemeindevertretersitzlurg bewilligte am Freitagabend 100 M. auS Gemeindemitteln zu einem Preis für die Ruderregatta. Wider- sprach erhob nur Herr Schöffe Nadelhof, der mit Recht betonte, für derartige Zwecke könne das Geld der Steuerzahler nicht verwandt werden; diejenigen Geschäftsleute, welche Nutzen von der Ber« anstaltung habe», mögen einmal in die eigene Tasche greifen und etwas dazu hergeben. Für den Neubau einer Leichenhalle hat die Gemeinde den dazu nötigen Platz vom Forstfiskus erworben; es wird nach einigen notwendigen Abänderungen des Bauplanes mit dem Bau begonnen werden. Die Heizanlagen unserer neuen Schule haben sich im letzten Winter als unzureichend erwiesen, weshalb dieselben durch Vermehrung der Heizkörper verstärkt werden müssen. Für die Gemeindeschüler werden zum Besuch der Frcibadeanstalt Freikarten ausgegeben, von denen hoffentlich reger Gebrauch ge- macht wird. Adlershof. Der au, Ort bestehende Berein„Jugendheim", dessen Zweck ist. der der Schule entwachsenen Jugend ein eigenes Heim zu geben, ,n dem sie ungestört und ohne Genutz von alkoholischen Getränken an ihrer Weiterbildung arbeiten kann, veranstaltet heute abend 8>/z Uhr im Lokal des Herrn Beyer, Bismarckstratze 10 eine grotze öffentliche Versammlung, in der Herr Wilhelm Schenk, Berlin über«Die Be- deutung eines Jugendheims für die proletarischen Elteritt referieren wird. Da diese Frage von Wichtigkeit ist, erwartet der Verein, datz alle interessierten Eltern und Erzieher dieser Einladimg Folge leisten werden. Bernau. Zur Warnung für Mütter dient ein Unfall, welcher sich gestern vormittag Hierselbst Weinbcrgstr. 40 ereignete. Die Ebefrm, des Werkmeisters Sasse war unter Zurücklassung ihrer vierjährigen Tochter in der Wohnung einige Geschäfte besorgen gegangen. Die Abwesenheit benutzte die Kleine um das Küchcnfenster zu öffnen und hiuauszufehen. Hierbei verlor daS Kind das Gleichgewicht und stürzte kopfüber aus der 3. Etage bis auf ein zur 1. Etage reichendes Pappdach. Zum Glück ist die Kleine mit unerheblichen Verletzungen davongekommen. Spandau. Schon des öftere» ist l« den Stadtverordnetenversammlungen darüber geklagt worden, datz das städtische Bauamt so sehr viele Beamte. Zeichner, Techniker usw. benötigt und trotz alledem immer .noch überlastet sei. Eine SchöffengerichtSverhandlung, die am ver- gaugenen Freitag stattfand, gewährte einen kleinen Einblick in das Getriebe d-s Bauamts. Auf der Anklagebank standen die Bau- sührer Eunl H ü b ner und Otto S ch ub a r t. sie sind angeklagt, den Stadtbaumeister Müller dadurch beleidigt zu haben, datz sie erzählte», derselbe habe sich bei seinen Diplom- und Privatarbeiten während der Dienststunden von den Technikern und Zeichnern helfen lassen und habe dieselben veranlatzt, falsche Eintragungen in die Tätigkeitsberichte zumachen. Die Verhandlung dauerte von morgens v Uhr bis nachmittags Uhr. DaS Resultat war die Freisprechung der beiden Angeklagten, weil daS, was sie erzählt haben, durch die BeweiSaufuahme erwiesen wurde. Es wurde auch fest- gestellt, datz sich der Stadtbaumeister Müller bei seinen Diplom- z-ichnungen für die Hochschule, trotzdem er auf denselben eideS- stattlich versichert habe, datz er sie selbständig und eigenhändig angefertigt, von den Zeichnern während der Dienststunden hat helfen lassen. Mitunter sind die Beamten tagelang mit diesen Arbeiten be- schäftigt worden. Welche Folgen dieser Prozeß für den Stadt- baumeister Müller haben wird, ist unschwer zu erraten. Vielleicht trägt er auch dazu bei, datz die Privatarbeiten der städtischen Bau- bcamten etwas eingedämmt werden. Vor allen Dingen werden aber die Stadtverordneten zu der Benutzung städtischer Angestellter zu Privatarbeiten Stellung nehmen müssen. NowaweS. In der WahlvereinSversawmlung hielt Genosse Leidner-Ehar- kottenburg einen mit Beifall aufgenommenen Bortrag.Ueber die politische Lage". Die Versammlung erklärte sich mit dem Vorschlage des Gsnosscn Stab einverstanden, den Ueberschutz der diesjährigen Maifeier als Grundstock zu einem besonderen M a i f o n d s zu bestimmen. Der Vorsitzende, Genosse Ziemann, forderte zum Schlutz noch auf, recht zahlreich die Versammlung in Spandau zur Begrüßung des Genossen Dr. Karl Liebknecht zu besuchen. Abfahrt von Pots- dam 10� Uhr(Stadtbahn). Potsdam. Aus der Stadtverorducteiifihung. Die Wassermesserkontrolleure beschweren sich in einer Eingabe, datz man ihre Arbeitszeit um eine halbe Stunde verlängert habe, und ersuchen um Aufhebung dieser Bestimmung. Stadtv. Pauli meinte, diese Beschwerde sei un- begründet, denn den Kontrolleuren sei jetzt eine Friihstikkspause gegeben worden, welche sie früher nicht hatten. Der„schlichte Mann aus der Werkstatt" müßte wissen, datz es sich hier wirklich um eine Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde handelt, denn die 5lontrolleure haben diese Pause schon seit langen Jahren, nur nnt dem Unterschied, datz sie nicht zu einer bestimmten Tageszeit gemacht wurde, da dies ihre Beschäftigungsart schlecht zuläßt. DaS dürfte wohl auch in der Beschlverde, welche von Herrn Pauli als stell- vertretendem Vorsiyeuden entgegen sonstigen von höheren Personen kommenden Schreiben nicht verlesen wurde, angeführt gewesen sein. Man will hierüber die Aentzerung des Magistrats abwarten.— Die Stadtvv. E n d e r s und Saft haben einen Protest gegen eine in der vorhergegangenen Sitzung vorgenommene Absiimmnug durch Handhochheben betr. Ankauf eines Grundstücks in der Neuen Luisen- stratze eingereicht. Dem Bureau wird u. a. indirekt der Vorwurf gemacht, bei_ der Abstimniung gemogelt zu haben. DaS Burau wandte sich hiergegen, datz man ihm so etwas unterschiebe. Hierauf kam etwas Unerwartetes. Der Stadtv. E n d e r s erhob sich und meinte, man wolle das Bureau nicht treffen, jedenfalls könne man aber keinen Eid darauf abgeben, datz es bei der Abstimmung richtig zugegangen sei, denn ein solcher Eid habe gerade einen Wert, wie ein„ S ch u tz m a n n s e i d— Eine Erhöhung des Zuschusses zur Säuglingsmilchkiiche von 1500 auf 2000 M. ver- langt der Vaterländische Frauenverein, welche ihm bewilligt wurde. — Mit der beantragten Erweiterung der Schlachthofanlagen soll sich eine Kommission befassen, da dieselbe sehr eingehend erörtert werden mutz; handelt es sich doch um ein Objekt von 240 000 M.— Der Bebauungsplan der Brandenburger Vorstadt hat einige kleine Aenderungen erfahren betreffs Lelassung von Bäumen in der Viktoriaftratze. Hierbei bat Stadtv. Hermann II nm Auskunft über den Bau der Straßenbahn nach Wildpark, da das Material schon über ein Jahr daliege. Er wurde dahin belehrt, datz hieran das Hofmarschallamt. Schuld trage, welches Menschenansammlungen am Endpunkl der Bahn befürchtet. Man müsse sich darum noch ge dulden, da der Magistrat selbst noch nicht im klaren sei.— Ueber die Errichtung einer weiblichen Fortbildungsschule wurde noch kein Beschlutz gefaßt, da die Sache noch nichr zur Reife gelangt sei. Jedenfalls dürfte die Errichtung nicht mehr lange auf sich warten lassen. Als Schulraum soll das alte Realgymnasium verwendet werden. Man hofft hier ebenso gute Resultate zu erzielen wie mit der seit 1809 errichteten kaufmännischen Fortbildungsschule.— Für zwei Lungenkranke bewilligte man zu einem Heilverfahren insgesamt 5ö2 St. In der letzten Wahlvereinsversammlung hielt Genosse Schütte« Berlin ein beifällig aufgenommenes Referat über das Leben und Wirken Ferdinand LassalleS.— Hierauf berichtete der Vorsitzende Krähnberg über die Vorstandssitzung, die sich mit den Fällen Wageuer und Burczick beschäftigte; die Versammlung stimmte bezüglich Wagners der Ansicht des Vorstandes zu, daß derselbe bei der Mai- seiet nicht korrekt gehandelt hat und deshalb mit einer Rüge zu be- legen sei;. zum Falle Burczick wurde beschlossen, den Antrag auf Ausschluß aus der Partei zu stellen, da B. auch Mitglied des Arbeilgeberschntzvcrbandes ist.— Sodann gab Genosse Richter die Abrechnung von der Maifeier, die einen Ueberschuß von III M. aufweist, wovon das Gewcrkschaflskartell die Hälfte erhält; außerdem wurden der Bibliothek 20 M. überwiesen.— Einein Antrage des Vorstandes, am 1. August ein Sommerfest zu feiern, gab die Ver- sammlung ihre Zustimmung und wählte ein Komitee zum Arrangement desselben.— Nachdem der Vorsitzende auf das am 18. Juli in Treptow stattfindende Kreisfest und Genosse Fütterer ans das am 27. Juni stattfindende Gewerkschaftsfest hingewiesen und um rege Beteiligung ersucht hatten, wurde die Versammlung geschloffen. Sericbts- Leitung. Ein verständiges Urteil. Wiederholt haben wir betont, daß in Fällen deö Diebstahls aus Not dem Rechtsempfinden und dem Gesetz entsprechend eine Frei- sprechung auf Grund deS§ 54 des Strafgesetzbuchs erfolgen kann. Nach§ 54 ist eine strafbare Handlung nicht vorhanden, wenn die Handlung außer dem Fall der Notwehr in einem unverschuldeten, auf andere Weise nicht zu beseitigenden Notstande zur Rettung auS einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben des Tälers oder eines Angehörigen begangen worden ist. Dieser Tage hat in erfreulichem Gegensatz zur Rechtsanschauung anderer Gerichte die Göttinger Strafkammer in einem solchen Fall den§ L4 zur Anwendung gebracht. Der Maurer August Ahlbrecht aus Sieboldshausen und seine Ehefrau waren angeklagt wegen Diebstahls im Rückfalle. Sie haben im Januar dieses Jahres, zur Zeit der großen Kälte, sich einige etwa zwei Rieter lange Spitzen von Fichten« st ä m m e Ii, die von den Holzarbeitern im Walde zurückgelassen worden waren, sowie eine schon bchauene Stange zugeeignet. Beide sind wegen Diebstahls geringwertiger Gegenstände schon vorbestraft. Der als Zeuge vernommene Förster sagt aus, er sei in der Wohnung der Angeklagten gewesen, es habe dort die b i t t e r st e Not geherrscht— keine Lebensmittel, kein Heizmaterial und ein Haufen Kinder l Vom Staats- a n w a l t wurde daS für Diebstahl im Rückfalle niedrigste Straf- maß, drei Monate Gefängnis beantragt. Die Straf- kämm er erkannte auf Freisprechung. Der Gerichtshof wolle den Angeklagten glauben, daß sie die fast wertlosen Vaumspitzen für herrenloses Gut gehalten hätten, auf welches der Eigentümer keinen Wert mehr legte. Außerdem stehe ihnen der§ 54 des Strafgesetz- buche? zur Seite. Eine Gefahr für das Leben der Kinder habe in dem bitterkalten Winter vorgelegen. Nun aber möchten die An- geklagten sich im Notfalle künftig an die Ortsbehörde oder an andere mildherzige Personen wenden._ Eine fahrlässige Anklag« wegen Unterschlagung führte den Hotelportier Paul Gebauer vor die 6. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte ist bisher völlig unbestraft und hat seine jetzige Stellung als Portier des Cafes„Kaiserkrone" seit 21 Jahren ununterbrochen inne. In der Nacht zum 29. Juli v. I. fuhr vor dem genannten Cafö eine Droschke vor, in welcher der Privatier Ernst Meißner und der Student Brunken— zwei Oestcrreicher— in Gesellschaft zweier„Dämchen" saßen. Die ganze Gesellschaft war ziemlich stark angeheitert. Meißner ersuchte den Angeklagten, ihm ein Zwanzigmarkstück zur Bezahlung der Autodroschke zu wechseln. Als Gebauer dies nicht konnte, legte er im Austrage des M. drei Mark aus. Später behauptete M., er habe dem Angeklagten das Zwanzig- Markstück übergeben und nicht zurückerhalten, während der Angeklagte seine ausgelegten drei Mark zurückverlangte. Es kam schließlich zu einem großen Skandal, der damit endete, daß M. gegen den Portier Strafanzeige wegen Unterschlagung erstattete. Das Schöffengericht verurteilte Gebauer auch zu 20 Mark Geldstrafe. In der Berufungsinstanz machte der Verteidiger geltend, daß die angeblich Geschädigten in jener Nacht so betrunken gewesen wären, daß sie sich keinesfalls des richtigen Hergangs der Sache jetzt noch besinnen können. Der beste Bclvcis hierfür sei. daß beide noch in der Nacht nach der ö st erreichischen Botschaft gefahren wären, hier gegen 4 Uhr morgeuS das gesamte BvtschaftSpersonal durch an- haltendes Läuten alarmiert und„ihr Recht" verlangt hätten. Außer« dem wurde von dem nachträglich ermittelten Chauffeur der Autodroschke bekundet, daß der Angeklagte das Zwauzigmarl- stück überhaupt nicht in der Hand gehabt habe, er vielmehr von ihm noch 3 Mark erhalten habe. Das Urteil lautete auf Frei» s p r e ch u n g. Auffallend ist, daß auf Grund der Anzeige zweier so betrunkener Leute ohne weitere Recherchen Anklage erhoben wurde. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft sind doch in der Lage, die erforderlichen Recherchen anzustellen._ Betrügereien eines Gcmeiiidcvorstchers. Vor der Stcudalcr Strafkammer stand am Freitag der Ge« meindevorsteher u n d Hofbesitzer Heinrich Geller- m a n n a u s Zicherie. G. war als Vorstandsmitglied der Molkereigenossenichaft Böckwitz, von der er auch besoldet wurde, beaustragt, die Milchlieferuugen in das Monatsabrcchnungsbuch zu übertragen, das er selbst führte, und danych den Bruttogewinn des Milchgeschäfts zu ermitteln, von dem dann die bereits in Form von Naturalien— Butter— an Mitgenoffcnschafter verteilten Beträge ab- zuziehen waren. Der Rest des Gewinnes sollte den Genossen daraus- bezahlt werden. G-, der nur mit Rücksicht auf das von ihm als Gemeindevorsteher vorausgesetzte Vertrauen für den Posten aus- ersehen wurde, machte sich während seiner siebenjährigen Geschäfts- Praxis fortgesetzter Betrügereien schuldig, indem er die von den Molkereiverwaltern aufgestellten Produktiouslisten fälscktte und höhere Beträge einstellte, nach denen dann der Gewinnanteil sür ihn be- rechnet wurde. Durch diese Manipulation sicherte sich der Angeklagte ein Kapital von zirka 2000 M. Seine Untreue und den Vertrauens- mißbrauch mußte G. mit drei Monaten Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe, zu denen er von der Strafkammer verurteilt lvurde, büßen._ Em gefährlicher Kindcrfreund. Der frühere Buchdruckereibesitzer Max Peiser aus Berlin NO. 18, Palisadenstr. 83, bittet uns mitzuteilen, datz er mit dem, wie wir am Sonntag berichteten, wegen seines Angriffes auf ein Schul- mädchen verurteilten Buchdruckereibesitzer Peiser aus Friedenau nicht ideuusch ist._ Vermilebtes. Das Erdbeben in Südfrankreich. Ueber die Erdbebenkatastrophe in Südfrankreich wird noch aus Paris gemeldet: Nachrichten aus dem Erdbebengebiet bestätigen die gemeldete Anzahl der Toten. In Lambese, St. Cannat, Reparade und RogneS wurden auch eine ganze Anzahl Personen verletzt. Der angerichtete Sachschaden ist bedeutend. In St. Cannat haben samt- liche Wohnhäuser gelitten, der Kirchturm ist vollständig eingestürzt. Die Einwohner lagern außerhalb der Stadt. Die bisher geborgenen und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leichen wurden in einem Schuppen aufgebahrt. Ein 12jähriger Knabe wurde bei der Flucht auf der Stratze getötet, ein 79jähriger Greis war auf der Stelle tot, ebenso ein 15jähriger junger Mann. DaS Schloß Balmonne hat ebenfalls stark gelitten. In den vom Erdbeben heimgesuchten Ortschaften wurden alle baufälligen Gebäude durch Soldaten niedergelegt. In Lambese sind 20 Personen verletzt worden. darunter mehrere tödlich. Die Mehrzahl der Opfer fand ihren Tod in den Betten, mit Ausnahme von zwei Frauen, die auf der Stratze getötet wurden, als sie ihre Wohnungen verließen. Die Mehrzahl der Straßen sind durch Trümmerhaufen versperrt. In einem Hause wurde eine Mutter mit ihrem fünfjährigen Kinde, welches sie auf dem Arm trug, getötet. Die Chaussee zwischen Lam- bese und Rognes ist durch zahlreiche grotze Risse unpassierbar ge- worden. Der grotze Pachthof von St. Paul ist in einen Trümmer» Haufen verwandelt. Rognes ist völlig zerstört. In Reparade sind alle Wohnhäuser beschädigt und viele drohen einzustürzen. Während der ganzen Nacht wurden Hilferufe einer verschütteten Familie vernommen. Erst gegen Morgen gelang es Soldaten, die Familie zu retten. Die auf einer Hochebene gelegene Ortschaft Verncgnes ist ebenfalls völlig zerstört. Truppen sind mit der Bergung der Verunglückten beschäftigt. Die Bewohner kampieren in von den Soldaten aufgeschlagenen Zeltlagern. Am Sonntag wurden, wie aus Marseille berichtet wird, unter Beteiligung der Behörden in Rognes dreizehn und in Lambese zwölf Opfer der Erdbebenkatastrophe beerdigt. Der Direktor des seismographischen Instituts in Rom, Alfano, er- klärte, man müsse sich aus weitere Erdstötze in Südfrankreich ge- fatzt machen, die die bisherigen an Stärke übertreffen würden. Paris, 14. Juni. Neue Erdstötze sind gestern vormittags gegen 9 Uhr in der Umgegend von Toulon verspürt worden. In Bargemon wurde die Kirche stark beschädigt. Gleichzeitig wurde das Wasser aller Quellen in der Umgegend heitzer. Es behielt diese Tempe» ratur mehrere Stunden bei. Die Glocken der Kirchen gerieten in Schwingungen und läuteten. In Bandal sind drei Verschüttete, welche noch lebend geborgen wurden, gestern abend gestorben, Eine gros?« FcuerSbrunst brach, wie aus DtvinSk a. Düna ge- meldet wird, gestern vormittag im Zentrum der Stadt aus; sie konnte jedoch auf ihren Herd beschränkt werden. Es sind neun Häuser niedergebrannt.__ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-DIrektton über den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage i Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preis« sür Rind- und Hammelfleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr aernlgend, Geschäft Icdhast, Preise gut. Geflügel: Zusuhr genügend, Geschäft still, Preise allgemein be- sriedigend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft rege, Preise wenig verändert, sür Krebse nachgebend. Butter und Käse: Geschäft still, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst ziemlich rege, Preise mehrfach verändert. WitternngSüberllckit vom 14. Juni ISVV. morgen» 8 Ilbr. Stationen Swwemde. 7ßSN Hamburg 764 NNO «erli» 7L3WNW Frantf.a M. 7 65 SB München 767 38 Bit» 176223 je ' n I Wetter 2 wolkig 2 bedeckt 1 balb bd. 4Regen 5 Regen Shalb bd. »R d* t* ty.c Stationen Haparanda Petersburg ScrIIh Äb erden, Part» Ii »— 767 N 755 N 771 N 770 NNW 763 SSW Wetter 4 halb bd. 2 bedeckt 3 halb bd 1 halb bd. Lwollig ckZ h "ä 8 12 13 10 12 Wetterprognose für tvieuStag, den IS. Juni IVOS. Ein wenig wärmer bei meist schwachen nordwestlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erheblich- Niederschlage. Berliner Wetterbureau. WafierstandS-Nachrichte» der LandeSaustalt sür Gewäfserlunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau. Wasserstand M e m- l. Tilsst P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thom Oder, Ratlbor , Krossm , Franksurt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Netz«, Bordanrm Elbe, Leitnieritz , Dresden # Barbh , Magdeburg 'j-t- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unlerpegel. a , □: In dieser Woche bietet der Inventur-Verkauf in allen Lager-Abteilungen ganz aussergewShnlichs Vorlaila in Leinen und Wäsche Jeder Art Donnerstag und Freitag, den 17. und 18. Juni Verkauf von Resten und Restbeständen zw Hälfte des bisherigen Preises F. V. Grünfeld LafTdeshuter Leinen- und Gebild-Weberel. Berlin W, Leipziger Str. 20-21 :□ :□ Höchste Anerkennung finden bei allen Rauchern Manoll Ligaretten Spezialmarken: DancSy, FixgChic�Gibsoii GirB. Eingeführt von 1191L*| den französischen u. italienischen staatl. Tabak-Regien. JH.&P. Uder, Fabrik-Lager sämtlicher gangba Berlin�O. 16, � gangbarer Kautabake. k engcl-Gfcr 5. f tr ii; Nordhäuser Kautabak I stets frisch zu billigsten Engros-Proisen. f WW Amt 4,3014. 786L*! Meine Privatklinik für Franenleiden befindet sich jetzt CHnnsseestrafte 14, Eingang Ticlfstrasje, die Poliklinik(wochentags 2—3)„N'WwsKraH. Vr. ÄSpIvr. 29m* Keine Knehe ohne MAGGI! | Achtung vor Nachahmungen! Die dünnste Wassersappe, Jede schwache Bouillon, ferner Saucen, Gemüse and Salate erhalten angcnblicklich feinen, kräftigen Wohlgeschmack durch Zusatz einiger Tropfen MAQQI-Würze. || MSCGl-lfie iHI spn „MAGGIs gute, sparsame KQche". iiiiwi■iiwiw ii iiiiii iii iiwiiiii i ii im im i Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fcttgedriickt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Ptg«: das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahme- stellen für Berlin bis I Uhr, für cüe Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche J(feblerhajle) in allen Gröben für die SSIstc des Wertes int Teppichlager Brünn, Hackescher Marli 4, Bahnhof Börse.(Leser des „Vorwärts" erhalten 5 Prozent Rabatt.)_ 264)lt» Sozialrcform oder Ncvoltition, von Stosa Luxemburg. Zweite durch- gesehene und ergänzte Auslage. Preis bv Pf. Expeditton Vorwärts, Linden- ftrasie 69.____ "Vorw nrtSles er«halten 5 Prozent Ertrarabatt selbst bei nachstehend aus- geführten Gelegenheitskänfen. Teppich- Thomas, Oranienstratze Ibv, Oranien- platz._ L15NK» Tcppiche» sarbschlerhaste, spott- billig._ Schnlerplaids, großer Posten unter Preis._ Gardinen, Stores, Muster- cxcmplare, für halben Wert._ SchlafdeSen, ein Posten, für h al bcn Wert._____ Stcppdeiken, Musterstücke, spottbillig.______________ VorwärtSlcser, beachtet vor- stehende 6 Anzeigen._ ! �vorjährige hochelegante Anzüge und Paletots, aus seinücn Maßftoffen, früherer Preis 00— 90, jetzt 20— 40, werden täglich im Kavalier< Klub, Unter den Linden Kl II verkaust." Tcppiche(sehlerhastc) Gelegen- veitskans. Fabrillagcr Mauerhoff, Große Frankfurterstraße S, Zlurcin- gang. VorwärtSlesern S Prozent Extrarabatt._ 161151* Steppdeclen billigst Fabrik Große Franlsurierstraße 9, Flurcingang. GardtnenhauS. Äroge Frank- furterstraße 9, Flureingang. 1613K* "TliUbettdecten. volle Bettgröße, Erbstüll, reichgestickt 6,75. Englisch Tüll 2.50, Tullbcttrückwände 6,75. TepPichbauS Emil Lesevre, Oranien- straße 158._ 224351* Herrenanziige, vorjährige, neue, Verschiedene Figuren, nach Maß bc- stellt, nicht abgeholt, verlause schien- nigft Hülste Kostenpreis. Prenzlauer- straße 23 II, Alexanderplatz, Maß- fchneider.__ 76/9 5,00 prachtvolle Betten, 9,00 Bauernbetten, Daunenbetten 12,00, Aussteuer, Damastbezüge 3,90. Nur Psandleihe AndreaSstraße achtund- dreißig._ 21725t' Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischlüsrlg 18,00, große Laien 1,00._* Bauerndeckbett, Unterbett, zwei Rissen 27,00. Psandleihe Andreas- ftraße achtunddreißig. Annoncen- vorzeigern vergüte Fahrgeld._' Hcrinannplatz 6. Großberlins Pfandleihhaus 1 Emps-hlenSwerte staunendbillige Psanderverkausel WäschcvcrISuse I Beltenverlau,- l Tlussleucrsachen! Gardincnverkans I Teppichverlausl Plüschtischdecken I Steppdecken l BilderanSwahII Nah- Maschinen l Goldsachen I Taschen- uhren I Freischwingcr I Extrabillige Soimnerpaletots! Jackettanzügel Geh- rockanzüge l Herrenhosen l„Waren- verlaus ebensalls Sonntags."_ Humboldtlcihhans! Wellbekannt, nur Brunnenstraße 58. Allerbilligster Bettenvertaus! Psänderverlaus l Aus- stcuerwäsche I Steppdecken I Gardinen- verlaus I Tcppichverkaiis l Staunend billig hochelegante Herrengardcrobe I Goldene Taschenuhren I Wanduhren I Verschiedenes I Verlan! täglich, auch Sonntags._ 21515t* Antiquitäten, Möbel. Porzellan, Bilder, Zinnsachen, Gold, Silber, Zahngebisse laust Slanliewicz, stirch- straße 14, Moabit._ 76/11 Problem der Teuerung gelöst teilweise, wer Knaben-, Sport- und Burs ch euauzüge bei Hirsch, Hochmeister- straße 23, kaust. Billigste Bezugsquelle sür Wicderverkäuser. 1-71 Geschaftsverkäufe. Wasch-, Plättanstalt, seit 15 Jahren bestehend, zu verlausen. Offerten unter 3. S. Postamt 4, Charlotlcnbnrg.* Eckrestanration, altcS Geschäft, sofort billig verläuflich. Erfragen Ruppinerstraße 41, Lokal._ 3b "Gutgehendes Obst- und Gemüse- aeschü st zu verlaufen Bernaucr- straße 40._ 25b* Zigarrcngeschäst, Ecke, mit an- schließender Wohnung, zu verlausen. Erforderlich 2000 Marl. Offerlen SS Postamt 34._ 1-126 Gutgehende Restauration ist trank- heitshalber zu verlausen.»/, Boye- tisch,•/, Weiß. Näheres bei Wiegcrt, Hasenheide 117/118, vorn II. 1-104 Milchgeschäft mit viel Kolonial- waren preiswert zu verlausen. Aus- lunst Bergstraße 23, Rixdors, Ehlert, Drechslerei._+101 Milchgeschäft umständehalber preiswert zu verlausen Dolziger- straße 33._+116 Sattlerei wegen Todesfalls zu verlausen. Maschine Orth. Koch, Ruheplatzstraße 25 beim Wirt.___ ""Schontgcfchaft, herrliche Einrich- tung, Zentrum, 20—25 halbe, 1400, Miete 1600, umständehalber. Buch- wald, Lintenstraße 2, Lokal._ 416 Lokal» Südost, mit VercinSzimmer, ist billig zu verlausen, passend sür Anfänger. Zu erfragen Manteuffel- straße 86, Keller._+8 Schankgefchäft Müllerstraße 62, Miete 1200, Preis 1600. Alleinige Lieferung großer Zimmerplätze.+81 Milchgeschäft verkäuflich Brunnen- straße 48, Bäckerei.+62 Möbel. Möbel sür die Hälfte alS im Möbelgeschäft l Komplette WohnnngS- cinrichtung mit moderner Küche, sonst 475, jetzt 250, größere 325. 400, 460, 500, 550 bis 900, sonst über die Hülste mehr! Einzelne Möbel sür jeden Preis. Anklcideschränte, Plüschscsas, Schreibtische, Büsetts, Anszichtische, EhaiselongucS, moderne Küchen, tiefe Kleiderschränke, Bettstellen mit guter Matratze 30 Mark. Lolhringerstr. 26, Schönhaulcrtor, Hos, Speichere!.* Möbeltischlcret» gegründet 1901, Stallschreibcrstraße 57(am Moritzplatz), Hos, Fabrikgebäude, liefert reelle WohtiungSeinrichtungen sowie ein- zelne Möbelstücke zu Fabrikpreisen. Größte Auswahl. Ratenzahlung. Harnack, Tischlermeister. Genossen 3 Prozent._ 19585t* Gebrauchte Möbel aus Versteigerungen, Schränke, Vertikos, Tische, Sofas, Schreibtische, Bücherschränke, Büsette, Garnituren, Bettstellen, Wasch- toilctten, Bilder, Kronen, Teppiche, tomplette Wirtschasicn bedeutend billiger wie überall. LenneriS Möbel- spcichcr, Lolbringcrftraße 55. 2l30K* �Bessere Modest welche schon in herrschaftlichem Besitz waren, aber tadcllos erbalten sind, kommen in meinem AusbcwahrungS- Speicher Lothringerstraße 26, Schönhauser Tor, mindestens sür die HSlfie de? Wertes zum fosortigen Verlaus: 27 Speise- zimmer, 32 Herrenzimmer, 24 Salons, 43 Schlaszimmer, 3 LedcrsosaS, 15 Klubsessel, 19 Garnituren, 13 Büsetts, 36 Schreibtische, 12 Umbaus, 33 moderne Küchen. Transport und Ausbewahrung kostenlos! Jedes Zimmer ist ausgestellt! Lothringer- straße 26, Schönhauser Tor, Hos. 0 Etagem_ 29776* �Billige Möbel, gebrauchte und verliehen gewesene, Kleldcrspind, Vertiko 18 Mark, Sosatisch 10. Bett- stellen mit Fcdermalratzen 15, Sofa 22, Cbaiselongue mit Decke 19.S0. Rohr- sttzsiühlc 2.50, Herrenschreibtisch, Gar- dcrobciispind 30, Küchenspind, 5kom- mode 12, Säulenirumeau 28. dreiteiliger Ankleideschranl, Nußbaum- büsctt 85, bunic Küchen 65, Herren- zimmer, Schlaszimmer, 50 Stand Federbetten. Transport frei. Star- gardts Möbelspcicher, Neue König- straße 29._ 215/14« Möbelgeleqcnheitl Wenig gebrauchte, guterhaltcne Möbel, auch neue, einsachsie, eleganteste, beliehen gewesen, verfallene spottbillig. Riesen» lagcr, Lombardspeichcr, Neue König- straße 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Zahlungserleichterung.)* Wegen Platzmangel verlause ein- zelne Möbelslücke sowie lomplelte Wohnungscilirichtung sehr billig. Stargardt, Dresdcncrstraßc 107/103. Gneisenaustr. 10, Ecke Nostizstr. S. Grau, bekannt als beste Bezugs- quelle. Kassa und Teilzahlung. 1716K* MöbelanSverkduf. Wegen Todessall bedeutend herabgesetzte Preise. Wiehr, Petersburgerstraße 62.* Fahrräder. Herrcnsalirrnd, Damenfahrrad einmal benutzt 40,00. Hotz, Blumen- straße 36 b._ 1683K* �Fahrräder. Teilzahlungen. In- validenslraße 20. SkalitzersNaße 40. Turmslraße 31._ 18205t* Fahrräder. 35,00, 45,00, 55,00, Niesenauswabstlangjährige Garantien, Fahrradzubehor spottbillig. Laus- mäntcl 1,45, 2,10. Lustschläuche 1,45, 2,00. Emaillierte Stahlseigen 0,60. Vernickelte Lenkstangen 1,00. Ge- spannteS Hinterrad mit Schwein- jurter Freilausnabe und Rücktritt- bremse 8,00. Frcilausnabe 4,00. Satteltaschen 0,25. Lichtlaternen 0,25. Elektrische Laternen 0,70. Fußpump cn 0,60. Kettenrad- Garnituren ein- schließlich Kurbeln 1,50. Schutzblech- Verlängerungen 0,40. Gebrauchte Fahrräder 10,00, 25,00. Rad» rcparaturcn allerbilligst. MuIUplcx. Gitschincrstraße 15._ 21525t* Geschäftödreirad, äußerst stabil, 50,00 an. Holz, Blumenftraße 36d.* Fahrräder. Teilzahlungen ohne Prcisausschlag, Zubehör, Gummi, Wringmaschmen staunend billig. Lothringerstraße 40 und Steglitz, Schloßstraße 116. 2020K* �lusik. Dnysen-Pianlno weit unter Preis zu verlausen Französischestraße 15, I rechts._ 73/14* Pianino, herrlicher, gesangreicher Ton, Hoslieserant, wenig gebraucht, sosort billigst Warschauerstraße 58, Oucrgcbäude I._ 75/11 Bioliiiunterricht(neue, doppelt sördcrnde Methode bis zur Vollendung) gibt ersabrcner Äünstier wöchentlich, aus Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei Schülern je 75 Pj. Offerten unter v. 2 Expedition des „Vorwärts"._(• Klavierknrjus. Erwachsene Juni gratis, Juli 3,00, Klavicrübcn frei I AlbrechtS Musilalademie, Moritzplatz, AschingcrhauS. 76/8 VersLkieäenes. Patentanwalt Wessel, Glttibiner- straße 94a._ 25S5K* BcreinSzimmer für größeren Verein noch einige Tage srei. Grünauer Garten, Grüiiauerstraße l4. Lernt dieMutterlprache beberrichen Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Wort mid Schrist der deutschen Sprache erleilt Damen und Herren (separat) auch abcndS ein tüchtiger und gewissenbaster Vrioallebrer. Die Stunde tostet eine Malt. Eine Unter- richtsstnnde wöchenllich genügt Gefällige Angebote find unier G. 4 an Expeditton des„Vorwärts" zu richten. Kniiftslupferei oon Frau 5kotoSty Schlachtensee, 5turstraße 8, III._ Waschanstalt, Plättanstatt Frau Seiler, Köpenick, Charlottenstratze 23, vier Handtücher, Taschentücher 0,10. Abholung Donnerstags._ 43b Teilzahlung. Anfertigung cle- ganter Hcrrengarderobe. Marcus, Dragoncrstraße 10 a._ 215/13 Leihhaus Merkur', G. m. b. H., beleiht hoch und kauft Lexika, Gold- waren, Klaviere, Möbel, ganze Wohnungseinrichtungen, Stoffe, ganze Warenposten, Große Franlsurtcr- straße 116 I. VII. 579. 2t64K* Bcreinszinimer, jedem Verein paffend, zu vergeben Neichenberger- straße 145/146._ 446 Parteigenossen» Kcwcrlschasllern zur Kenntnis, dag ich Hochstädter- straße 8 ein Restaurant mit Vereins- zimmer sür zirka 80 Personen er- öffnet habe und bitte ich um güttge Unierstützung. Friedlich Weiß.+81 Bereine, die gewillt sind, im September, Weihnachten und Ostern bei Konzerten in Kellers Lokal, Koppensttaße, mitzuwirken, wollen ihre Adressen bis 20. d. M. abgeben im Restaurant Kienitz, Weidcnweg 15. Vermietungen. Geschäftskeller, auch als Werlstatt, 450 Mark, Wilhelmstraße 113. 37b Wohnungen. Sonncnbnrgcrstrasie 27 3-, 2-, l-ZimmerwoHmmgen sofort, später. Soldincrstraste 16, Eckhaus, 1-, 2-Zinlmcrwohmmg sosort, später. Andreassiraste 70, Keine Woh- nungen billig. 2gg8b* Ztinnier. Teilnehmer zum möblierten Zimmer gesucht. Frau Jacobcy, Wiescnstraße 10, vorn II._* Groste Berliner Stube an ältere Dame sosort oder später preiswert zu vermieten. A. Röhl, Berlin O. 27, Kleine Andrensstraße 20, vorn 4 Tr. Möbliertes großes Erterzimmer, herrliche Aussicht, zwei Minuten vom Bahnhos Banmschulenweg, zu ver- mieten: Trojanslraße 6, II links. Freundlich möbliertes Zimmer Kottbuserdamm 39 I, überm Bonbon- laden.(Hei-mannplatz). Schmidt. Freundliches, einfach möbliertes Zimmer, 15 Ml. Stettner, Christinen- straße 23, vorn II.+33 Schlakstellen. Möblierte Schlafstelle Kottbuser- dämm 15, III rechts. 1802b Möblierte Schlafstelle für Herrn vermietet sofort Witwe Piltz, Eisen- bahnstraße 6, vorn II._+8 Schlafstelle, zwei Herren, sofort vermietet Kuischke, Naunhllstraße 77, vorn 2 Treppen.*8 �rbeitsmarkt. Stellenanxedote. Tagschncider mit eigener Werl- statt für Reinigungsanstalt gesucht. G. 2 Haichtexpedition des„Voi-mail j*' PuNcr sucht Schniunck, Lichtenrade, Hohenzollernstraße 26._ 36b Tüchtige Barockoergoldcrin ver- langt Paul Klinke, Köpenickerstraße 21. Im Arbcitömarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. lilliggsöl k�clisiiüsU! Tüchtiger Reparateur für Sprech- Maschinen sür süddeutsches Engros- gcschäst nach Stuttgart gesucht. Offerten unter II. ig.»S an dl- Expedition dieses Blattes. 76/7 Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: für Tischler, Polierer und Ma- schinenarbeiter Mosel, Marianncnstraße 31/32. Möbelsabrll Saatfeld in Helmstedt und sämtliche Betriebe in den Orten Fürstenwalde. MuSkau, Srre- lih und Nürnberg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollege» aller Branchen der Holz- inbustrie die Vermitteluiigsbitreaus Blankenfeldcstr. 4 u. AnSbacher- straffe Iv streng zu meiden. Diese Bureaus bemühen sich. Arbeitswillige nach Helmstedt anzuwerben. für Korbmacher: rncr in Noivawcs. _ Die OrtSverwaltnug. Verantwortlicher Bedakteuri Hans Weber. Berlin. Für de» Lniergtenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Borwärtt Buchdruckerei». Berlagssnitslt Ba.ul Singer& Co.. Berlin SW.