ib. 138. »bonnemtttts-keiNasmgen: ÄBonn«m«ntä> Preis pränumerando: ZZierteljährl. 3£0 Ml, monatl. 1,10 Mk.. wöchentlich 28 Pfj. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- nummer mit Musttierter Sonntags« Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post« Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- PrerSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 36. Jahrs. CrMtiot tftiid) sußtr montsas. Verl wer Vowsbwtt ♦ Zentralorgan der rozialdemokratifd�en parte» Deutfchlands. Die TnlertlonS'Gebafir- vskägt für die fechSgespattene Kolonek« zeilc oder deren Raum 50 Pfg, für politische und gewerlschasllichc Vereins- und BersammIungS-Anzeigen 30 Psg. „Utelne Snr-lg-n", das ersle ssett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. 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Zwar fehlte keiner der alten Schlager und es wäre ein leichtes, nachzuweisen, daß jeder einzelne Satz sich in ähnlichen Worten schon in früheren Reden wiederfindet: Da war die Erinnerung an den„Erfolg" feiner auswärtigen Politik in der serbischen Affäre, die Beteuerung der Königstreue, die Verteidigung des Blockgedaukens— nur daß all diese alten Mätzchen, die seit Jahren ihren beifallsfreudigen Chorus fanden, diesmal versagten, versagen inußten, weil die Zeit für diese Worte vorbei ist. Fürst Bülow fand viel Worte, aber nicht das ent- scheidende: Seine Verteidigung der Erbanfallsteuer war nur mehr ein Rückzugsgefecht. Er drohte den störrigen Junkern mit dem Urteil der Geschichte und sehr verklausiert mit dem eigenen Rücktritt: aber gerade damit sagte er den Konservativen zugleich, daß sie nichts zu fürchten haben. Denn mit Dankbarkeit haben die Junker nie ihre Politik ge- macht, und daß Fürst Bülow nicht der Mann ist, den Kampf gegen die agrarische Macht aufzunehmen, des sind die Junker nach der heutigen Rede noch sicherer als je zuvor. Dieses liberale Hirngespinnst hat sie keinen Moment lang bange gemacht. Das fühlte auch Fürst Bülow und so zog er es vor, sich selbst die politische Grabrede zu halten nach dem Motto: Ueber die Toten nichts als Gutes. Es war zugleich die Grabrede für die Erbschafts st euer. Trügt nicht alles, so stehen die Agrarier vor ihrem Triumph, wenn nicht noch im letzten Moment der Widerstand, der Volksmassen ihnen den Raub entreißt. Ueber den Verlauf der Sitzung wird uns geschrieben: Der erste Tag der Generaldebatte über die neuen Steuervorlagen der Regierung erhielt durch die Reden Bülows, Sydows und Bassermanns— weiter kam's nicht— den Charakter eines krampfhaften Blockleimungsversuches. Die Konservativen wurden beschworen, den Bund mit den Liberalen neu zu knüpfen, auch dem Zentrum will man den Beitritt als dienendes Glied offen halten. Von sachlichen Auseinandersetzungen über die Steuer fragen war in Bülows Rede kaum ein Hauch zu spüren: dieses undankbare Gebiet zu beackern, überließ der Diplomat im Reichskanzleramt mit gewohnter Nonchalance dem Reichs schatzsekretär. Dafür gefiel er sich in der Nolle des väterlichen Mentors der bürgerlichen Parteien. Würdevoll, ohne das Wortgeklingel durch politische Gedanken zu beschweren, er mahnte er die Parteien, nicht zu„doktrinär" zu sein. Die Konservativen sollen die agrarischen Interessen nicht zu sehr forcieren, die Liberalen sollen sie mehr berücksichtigen, alle sollen hübsch national und patriotisch sein und über das bißchen direkter Steuern sich auf der mittleren Linie zwischen agra- rischen und industriellen Interessen verständigen, dann können sie die 4lK1 Millionen indirekter Steuern mit gutem Ge wissen auf die breiten Schultern der geduldigen arbeitenden Bevölkerung abwälzen. Bei dieser Steuerbelastung des Volkes, der man den irreführenden Namen Finanzreform gegeben hat, will Bülow die Liberalen nicht ausschalten. Das glaubt er nicht verantworten zu können. Die begeiste rungsbereiten Blockliberalen brachen bei solchen wiederholten Versicherungen in stürmischen Beifall aus, wobei Herr Eick ohff den Chorführer machte. Der Blockkanzler war aber weit entfernt davon, etwa sein eigenes politisches Schicksal an das Fortbestehen des konservativ-liberalen Regierungsblocks zu knüpfen. Seine Erklärungen lassen die Deutung zu, daß er versuchen würde, auch mit einem konservativ-klerikalen Block fortzuregieren, sofern der Kaiser das wünschen sollte. Von einer etwaigen Reichstagsauflösung, wenn die Eni- scheidung im Sinne einer konservativ-klerikalen Mehrheit ausfallen sollte, sagte er keinen Ton. Diese Forderung erhob dagegen Herr Bassermann. Er wollte das sogar riskieren auf die Gefahr hin, daß die Sozialdemokratie dabei gute Geschäfte machen würde, was ja nut Sicherheit zu erwarten ist. Soweit betätigte er für einen nationalliberalen Politiker einen ganz an- crkennenswerten Mut. Einen höchst traurigen Eindruck machten aber die Argumente, mit denen er die Konservativen zur Wiederbelebung des Blocks zu bewegen suchte. Sie kommen iin Kern darauf hinaus, daß in politischen und sozialpolitischen Fragen die Liberalen doch eigentlich viel reaktionärer seien als das Zentrum. Also warnte er die Konservativen, daß das Zentrum, wenn es wieder in die Stelle einer ausschlag- gebenden Partei gelange, sozialpolitische Maßregeln durch- setzen würde, die den Herren von Ar und Halm höchst un- angenehm sein müßten. Die Worte, die da fielen, waren die des sanften Bassermann, aber der Geist, der aus ihnen spricht, ist der Geist des rauhen Kirdorf. Daraus kann man ermessen, was man von den sozialrcformerischen Neigungen der nationalliberalen Partei zu halten hat. Herr Basier- mann wollte durch seine Andeutungen den Konservativen zu Gemüte führen, daß die liberale Bundcsgenossenschaft ihnen eine weit sichere Gewähr leistet gegen die Ausdehnung der Sozialreform als die des Zentrums, das immer noch mehr Rücksicht zu nehmen hat auf die zahlreichen Arbeiter - in seinem Gefolge, als die nationalliberalen Vertreter von Bildung und Besitz. Aber auch auf rein politischem Gebiets suchte Herr Bassermann seine Partei als eine zuverlässige Stütze der Re- aktion in empfehlende Erinnerung zu bringen. Er zitierte das Schreckgespenst der Parlamentsherrschast, wenn es dahin kommen sollte, daß der Bundesrat einer konservativ-klerikalen Mehrheit des Reichstags sich fügen müsse. Man muß diesen Ausfall im Auge behalten, um die gelegentlichen national liberalen Redensarten von„Konstitutionalismus" richtig einzuschätzen. Offenbar spiele auch bei dieser Bassermannschen Erklärung gegen den Parlamentarismus der Hintergedanke mit, daß der Kaiser, um der verhaßten Parlamentherrschaft zu entgehen, nichts besseres tun könne, als sich auf die Unter tanendcmut der deutschen Liberalen in allen Lebenslagen zu stützen. Tatsächlich sind diese Bassermannschen Erklärungen ein schlagender Beweis dafür, daß die sogenannten liberalen Forderungen für seine Partei nur leerer Schein sind, während die wahren Triebfedern ihrer politischen Tätigkeit in den wirtschaftlichen Interessen des Handels- und Jndustriekapi tals zu suchen sind. Die Liberalen kämpfen mit Feuereifer gegen die Belastung des Handels- und Industriekapitals durch neue Steucrprojekte, genau so wie die Konservativen in den Steuerfragen das Agrarkapital verteidigen. Hie Handels- und Industriekapital! hie Agrarkapital! das ist der Schlachtruf, unter dem diese modernen Guelfen und GHibo linen aufeinander losschlagen. Einig sind sie untereinander und mit der Regierung in der Absicht, die Hauptmasse der neuen Steuern, nicht weniger als vier Fünftel, von dem Konsum aufbringen zu lassen. Da war es nun interessant, von Herrn Bassermann be stätigen zu hören, daß die nationalliberale Partei Mann für Mann für das neue Erbschaftssteuerprojekt der Regierung eintreten wird. Auch sonst befinden sich die Nationallibe ralen, vermutlich auch die Freisinnigen, im Einklang mit der Regierung in Verwerfung der von der klerikal-konservativcn Mehrheit ausgearbeiteten Kotierungssteuer, durch die das Börsenkapital schikaniert werden soll. Ebenso verwerfen sie mit der Regierung im Bunde, wie aus Sydows AenßE rungen hervorgeht, die Mühlenumsatzsteuer und den Kohlen ausfuhrzoll. Herr Bassermann tat sich nicht wenig darauf zugute, daß der Hansabund sich anschickt, den liberalen Parteien die nämlichen Dienste zu leisten, wie der Bund der Landwirte den konservativen Gruppen. Die Hoffnung auf die kapital kräftige Unterstützung der Hauptleute des Handels und der Industrie, von Kirdorf bis Ballin, gab ihm offenbar den Mut, mit dem Gedanken der Reichstagsauflösung zu spielen. Andererseits ließ er aber auch keinen Zweifel darüber, daß er sich des gemeinsamen Interesses aller bürgerlichen Par teicn gegenüber der Sozialdemokratie bewußt sei. Suchte er doch Konservative und Zentrum mit der sozialdemokrw tischen Gefahr graulich zu machen. Die Fortsetzung der Debatte wird ja auch die sozial demokratische Auffassung von der sogenannten Finanz reform zur Geltung kommen lassen. Dabei wird vor allein das ausgesprochen werden, was die Kapitalisten im Zirkus Schumann ebenso sorgfältig verschwiegen haben wie die Bülow, Sydow und Basiermann im Reichstag, daß die ganze Finanzmisere des Reichs verschuldet ist durch die Volksfeind- liche Wirtschaftspolitik der herrschenden Klassen und durch das Wettrüsten zur Betreibung einer panzerfäustigen Welt- Politik._ Das lüelchsgerlcht gegen die Prelle. Der zweite Senat des Reichsgerichts hat am Dienstag in einem Urteil gegen unseren verantwortlichen Redakteur Weber der Presse kurzerhand das Recht abgesprochen, ihren Berus zu erfüllen. Weber war von der 10. Strafkammer des Land- gerichts I am LS. März bekanntlich mit der ungeheuerlichen Strafe von vier Wochen Gefängnis belegt worden, weil der„Bor- wärtö' das Benehmen de? Armenvorstehers Krienelke als ein un- freundliches und grobes kritisiert hatte. In den Urteilsgründen war ausgeführt: „Davon, daß der Angeklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen(§ 193 des Strafgesetzbuchs) gehandelt hat, kann keine Rede sein. Der Angeklagte weiß als langjähriger Redakteur ganz genau, daß ein allgemeines Recht der Presse, der- nieintliche Uebelstände öffentlich zu rügen, nicht b e st e h t." In der Revision wurde— abgesehen von anderen Angriffen gegen das Urteil— insbesondere die Rüge der Verletzung des Z 193 des Strafgesetzbuchs erhoben. Wenn die oben zitierte Behauptung des Urteils zutreffe, sei die Presse direkt unter ein Ausnahmegesetz gestellt. Denn danach wird ja das jedem Preußen zustehende Recht, feine Mse inung frei zu äußern, der Presse grundsätzlich bestritten und eine Presse, die ihre allererste Aufgabe, vermeintliche Uebelstände zu rügen, erfüllt, für nicht existenzberechtigt erklärt. Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision. Das angegriffene Urteil stehe in Einklang mit der ständigen Judikatur des Reichsgerichts. Nach dieser aber habe der Redakteur ebensoviel— nicht mehr und nicht weniger— Rechte als jeder andere Staatsbürger. Tiefe reaktionäre Anschauung des Reichsgerichts richtet sich gegen den Beruf der Presse und gegen die freie Meinungsäußerung in einer so eminenten Weise, daß die erste Gelegenheit benutzt werden expeditiom SM. 68, Undcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr« 1981» sollte, um gesetzgeberische Schritte gegen das vom Reichsgericht gegen die Presse geschaffene Ausnahmegesetz zu schassen. Wie viel höher als das Reichsgericht stand doch vor mehr als 190 Jahren selbst der absolute Monarch I Wir bringen folgende KabincttSorder in Erinnerung: Mein lieber StaatSminister von Augern: Bei der in den Anlagen von dem fürstlich nassauischen Regierungs« rat Malinlrodt zu Dortmund geführten Beschwerde über die Kriegs- und Domänenkammer zum Hamm kommt alleS darauf an, ob die in dem eingereichten Stücke des„Westfälischen Anzeiger?" enthaltene Rüge der gänzlichen Vernachlässigung der Reparatur der so gefährlich schadhaften Ruhrbrücke bei Schwerte be- gründet war oder nicht. Erstereu Falles mußte die Kammer dem Einsender und Redakteur vielmehr danken, als de nr selben Unannehmlichkeiten verschaffen- und letzteren Falls, wenn die Kammer, wie es auf alle Fälle verständiger gewesen wäre, sich nicht bewogen fand, die Au- zeige berichtigen zu lassen, hätte sich diese darauf be- schränken müssen, die Unrichtigkeit der Anzeige darzutltn und auf rechtliches Verfahren gegen den Einsender und Redakteur anzutragen. Es kann nicht jedem zugemutet werden, in solchen Fällen, die eine Rüge verdienen, sich den Unannehmlichkeiten, womit offizielle Denunziationen verbunden sind, auszusetzen. Sollte nun auch eine anständige Publizität darüber unterdrückt werde n, sowllrde jakeinMittel übrig bleiben, hinter die Pflichtwidrigkeiten der untergeordneten Be- Hörden zu kommen, die dadurch eine sehrbedcnkliche Eigenmacht erhalten würden. In dieser Rücksicht ist eine anständige Publizität der Regierung und der Unter« tauen die sicherste Bürgschaft gegen die Nachlässigkeiten oder den bösen Willen der untergeordneten Beamten und verdient, auf alle Weise gefördert und geschützt zu werden. Ich befehle Euch daher, die genannte Kammer hiernach für die Zukunft angemessenst anzuweisen. Uebrigens will ich nicht hoffen, daß über diesen Disput die Sache selbst, nämlich die Reparatur der schadhaften Brücke, wird vergessen sehn. Berlin, de» 29. Februar 1898.(Gez.) Friedrich Wilhelm. Die Politili der Syntheie. Panö, 15. Junr.(Eig. Vcr.) Der ParlamentarrsmüS der französischen Demokratie artet immer mehr zu einem würdelosen Possenspiel aus. Hat das Ministerium Clemenceau noch eine Mehrheit in der Kammer? Auf diese Frage kann man nur mit Ja und Nein zugleich antworten. Am genauesten läßt sich die Situation damit bezeichnen, daß man sagt, die Mehrheit ist gegen die Regierung, aber sie rettet sie immer. Dies hat sich gestern besonders drastisch gezeigt. Die radikalen Deputierten denken nur noch an die Neuwahlen. Und darum schweben sie in einer doppelten Furcht vor der Negierung, die ihre Präfekten für und gegen sie operieren lassen kann und vor den Wählern. Und besonders eine Wählerkategorie bereitet ihnen schwere Sorgen: die Masse der mittleren und kleineren Beamten, die bisher � zu ihrer Kerntruppe gezählt haben. Darum ist auch die einzige Re- form, die sie mit wirklichem Eifer vor den Wahlen verab- schieden möchten, das Beamtenstatut, das chre Zustimmung zur Clemenceauschen Gewaltpolitik gegen die Postbeamten vergessen machen soll. Gestern brachte sie ihre Kombination von Regierungstreue und sozialradikaler Opposition in ein fatales Dilemma. Bekanntlich werden die französischen Eisen- bahner seit Jahren um ihre Altersversorgung gefoppt! Seit 12 Jahren verschleppt der Senat die Entscheidung über das Gesetz, das in der vom Radikalsozialisten Berteaux bean- tragten Fassung von der Deputiertenkammer beschlossen worden ist. Kürzlich hat die Spezialkommission des Senats endlich einen Entwurf ausgearbeitet, der dem Berteauxschen Gesetz einigermaßen entgegenkam, aber die Finanzkommission fand ihn zu kostspielig und ebenso die Regierung, die sich seiner- zeit verpflichtet hatte, das Berteauxsche Gesetz vor dem Senat zu vertreten. Die Regierung will einen Unterschied zwischen den Zugbeamten und den Lokomotivführern und den Heizern machen, sie fordert ein Minimum von zwei Jahren Dienstzeit statt eines und schafft eine Kategorie von seßhaften Beamten, die erst vom 55. Jahre statt vom 50. an Rente beziehen sollen. Motiviert wird das alles mit Ersparnisrücksichtsn— es handelt sich um 2<100 000 Fr. jährlich—, zur selben Zeit, wo das neue riesige, 3 Milliarden fordernde Flottenprogramm vorbereitet wird. Berteaux beantragte eine Resolution, die die Regierung aufforderte, sein Gesetz vor dem Senat zu vertreten. Dagegen versteckte sich die Regierung hinter Ausflüchte, vor allem hinter die Behauptung, ein solcher Antrag sei ein mkonstitutioneller Eingriff des einen Hauses der Volksvertretung in die Selb- ständigkeit der Beratungen des anderen— ein Vorwand, der sich schon damit erledigte, daß der Entwurf vom Senat noch gar nicht in Beratung gezogen ist. Auch das Prinzip der Gleichheit mußte herhalten, um den Eisenbahnern Rechte zu verweigern, die andere Arbeitende noch in geringerem Mäße besitzen. Die Regierung stellte die Vertrauensfrage und siegte. Mit 310 gegen 247 Stimmen wurde die Priorität der Berteauxschen Resolution abgelehnt. Aber nachdem die Herren Deputierten vor Clemenceau ihren Fußfall gemacht hatten, gedachtm sie der Wähler und meldeten einer nach dem anderen beim Präsidenten eine Berichtigung ihrer b st i m m u n g an. Die Majorität der Regierung war schon bW d'abcr. sich in eine Minorität zu vcrMndeln. vis auf Gehcik Clcinenceaus der Präsident Brissoir die Berichtigungen sistierte. Berteaur erhob gegen dieses Verfahren Protest, aber Brisson schlosj unter großem Lärm der Kaiumer die Sitzung. Im„Journal Officiel" ist aber die Mehrheit der Regierung auf 241 gegen 215 Stimmen zusamniengeschmolzen. Die„um- gefallenen" Radikalen können also den Wählern ihre Arbeiter- und Beamtenfreundlichkeit schwarz auf weiß nach Hanse tragen. Li» tiMreoelnngz-Kureau widerspricht dem Geilte des Carifvertrages! Eine für das ganze deutsche Baugewerbe wichtige Entscheidung fällte das Einigungsamt des Gcwerbegerichts München unter dem Vorsitz des Gcwcrberichters Dr. G e ß l e r. Der„Vorwärts" hat über die Differenzen im Münchener Vau- gcwerbe schon berichtet; zur Information unserer Leser sei jedoch der Sachverhalt noch einmal kurz rekapituliert. Der Arbeitgeber- verband für das Baugewerbe gründete nach Abschluß dcS vor- jährigen Tarifvertrages unter Ausschaltung der Organisationen im Baugewerbe einen Arbeitsnachweis. Die Mitglieder des Arbeitgeberverbandcs wurden bei Vermeidung einer Kon- vcntionalstrafe von 10 M. für jeden einzelnen Fall verpflichtet, ihre Arbeitskräfte nur durch diesen Arbeitsnachweis zu beziehen. Wie«unparteiisch" dieser Arbeitsnachweis geführt wurde, mag daraus ersehen werden, daß den Vertretern der Organisation das Betreten der Lokale der Arbeitsnachweise untersagt und ihnen nn t Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gedroht, eine förmliche schwarze Liste geführt wurde und jene Arbeiter von der Vermittelung aus- geschlossen wurden, die auf den Bauten die Rechte der Organi- fation energisch wahrten oder ohne Einhaltung der vereinbarten Kündigung auf irgendeiner Baustelle die Arbeit niederlegten. Diese Arbeiter toaren alle namentlich aufgeführt. Nach diesem Schema wurden in 26. Städten derartige Arbeitsnachweise ge- gründet, zuletzt noch am 1. April d. I. in Rheinland-Wcstfalen. Als zu Beginn des heurigen Frühjahres in München eine gute Baukonjunktur einsetzte, nahmen die Bauarbeiter den Kampf gegen den unparitätischen Arbeitsnachweis wieder energisch auf. lieber den Arbeitsnachweis wurde die Sperre verhängt. Münchener Arbeiter nach auswärts vermittelt, der Zuzug von auswärts blieb aus, so daß in München ein fühlbarer Mangel an Arbeits. kräften eintrat und die Arbeitgeber bei den Behörden um Ver- längerung der Termine einkamen. Doch wurden diese Gesuche ab- gelehnt. Ter Arbeitgeberverband erblickte in der über den Arbeits- Nachweis verhängten Sperre eine Verletzung des Tarifvertrages und unterbreitete die Angelegenheit dem Einigungsamte, das sich in 7stündiger Verhandlung, zu der auch die Zentralvorstände, W ö in e l b u r g(Maurerverband), Tö p f e r(Bauhilsarbeiter- verband) und vom Deutschen Arbcitgeberbund Architekt Fritz- Essen erschienen lvaren, mit der Sache beschäftigte. Das Einigungsamt erließ am Dicnstagvormittag 0 Uhr den schon telegraphisch gemeldeten Schiedsspruch. Die ent- scheidenden Gründe des Schiedsspruches lauten wie folgt: „In dem Tarifvertrage, der zwischen dem Verbände der Arbeitgeber dcS Baugewerbes für München und Umgebung und den gewerkschaftlichen Organisationen der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter am 7. April 1908 abgeschlossen wurde, ist ebenso wie in seinen Vorgängern eine ausdrückliche Bestimmung über die Regelung der Arbeitsvermittelung nicht enthalten. Bor seinem Abschluß suchten die beschäftigungslosen Arbeiter bielmehr die Arbeitsgelegenheit teilweise unmittelbar an den einzelnen Bauten selbst auf, teillveise kamen die Arbeitslosen im Peters« keller hier zusammen und wurden von dort unter Mitwirkung von Organisationsbeamten vermittelt. Nach dem Abschluß des gegenwärtig-geltenden Tarifvertrages schuf der Arbcitgebcrverband eine eigene Vermittelungsstelle für die Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter. Dabei wurde bestimmt, daß nicht nur kein Mit- glicd des Verbandes bei Meidung einer Konventionalstrafe einen anderen Arbeitsnachweis benutzen, sondern überhaupt ohne Ver- Mittelung des Nachiveises Arbeiter einstellen dürfe. Durch dieses V e r m i t t e l u n g s m o n o p o l des neuen Nachweises war daher nicht nur die bisherige Form der ArbeitSvermittelung, sondern auch die unmittelbare Einstellung an den Baustellen selbst ohne vorherige Benützung eines Arbeitsnachweises gesperrt. Die ver. tragschließenden Arbeiterorganisationen riefen deshalb am 9. Juni 1908 das Einigungsamt des Gewerbegerichts an mit dem Antrage. den Tarifvertrag durch eine Bestimmung über die Schaffung eines paritätischen Arbeitsnachweises zu ergänzen. Von feiten des Wer. bandes der Arbeitgeber wurde jedoch dieses Verlangen abgelehnt und als Grund für das Vorgehen des Verbandes angegeben, mit dem bisherigen Arbeitsnackstveis im Petcrskeller seien derartige Mißstände verbunden gewesen, daß der Vollzug des Vertrages sehr oft unmöglich gemacht worden sei, z. B. durch Vermittelung Vertragsbrüchiger Arbeiter oder Vorschubleistung bei dem Ver- langen vertragswidriger, kellektiver Lohnerhöhung. Die Arbeiter. orgamsationen nahmen daraufhin das Recht für sich in Anspruch. den Arbeitsnachweis deS Verbandes zu boykottieren, während der Arbeitgeberverband feine Mitglieder darauf hinwies, daß er im Falle eines solchen Boykotts auswärtige Arbeiter heranziehen werde und dadurch den Widerstand gegen seine Neueinrichtung zu brechen hoffe. Mit dem Beginn der Bauperiode 190« fetzte so- dann der.Kanipf um den Arbeitsnachweis voll ein. Die Zweig- stelle München des ZcntralverbandeS der Maurer suchte in München einen Maurermangel herbeizuführen bezw. den vor- handenen zu steigern, indem sie ihre hiesigen Angehörige» nach Möglichkeit auswärts unterbrachte und zugleich den Arbeits- Nachweis des Arbeitneberverbandes sperrte. Andererseits suchte der Verband der Arbeitgeber teils unmittelbar, teils durch seine Mitglieder möglichst auswärtige Hilfskräfte heranzuziehen. Als Gegenmaßregel suchte die Organisation der Maurer dieser Werbe. tätigkeit entgegenzutreten, indem in öffentlichen Blättern auf diese Differenzen hingewiesen und vor Zuzug gewarnt wurde, ferner hierher gekommene auswärtige Mjaurer zur Abreise ver- anlaßt wurden. � V. In diesem Zustand erblickt der Arbeitgeberverband nach doppelter Richtung hin eine Verletzung deS Tarifvertrages durch die Maurerorganisation; einmal, weil sie die Sperre über München verhängt habe, andererseits, weil sie die fremden, auf Kosten des Arbeitgeberverbandes herbeigeschafften Maurer schon auf dem Bahnhof habe abfangen lassen, sie zur Abreise nötigte. Das Gericht entschied nun: In tatsächlicher Beziehung hat das Einigungsamt auf Grund dcS unmittelbaren Eindrucks, den die Schilderungen des gegen- wältigen Kriegszustandes im Münchener Baugewerbe in der Ver- Handlung hervorrief, keinen Zweifel darüber, daß es sich dabei um ei» planmäßiges, sorgfältig vorbereitetes Vorgehen gegen den Arbeitsnachweis deS ArbeitgeberverbandeS handelt, und zwar mit Willen und Wissen der beteiligten Ar- beiterorganisationen. Es kann sich deshalb nur darum handeln, ob der Einwand, der von feiten des Zentralverbandes gemacht worden ist. zutrifft, daß die verhängte Sperre deshalb statthaft ist. weil sie sich gegen ein Streitobjekt richte, das von dem Arbeitgeberverband nach- träglich einseitig geschaffen worden sei. Es kann nicht geleugnet werden, daß diese Auffassung vielleicht mit dem Wortlaut des Tarifvertrages in Einklang gebracht werden könnte, weil§ 9 immer nur von diesem Vertrage spricht. Allein darin ist dem Vertreter des ArbeitgeberverbandeS ohne weiteres zuzustimmen. daß diese Auslegung sicherlich nicht dem Geiste des Vertrages ent- spricht und, wenn hierüber noch ein Zweifel bestehen könnte, dann wäre dieser sicherlich nach der einhelligen Auffassung dcS EinigungsamteS durch das Ergebnis der Verhandlung beseitigt. Der Zweck des Tarifvertrages-- und darin wird sein Hauptvorteil erblickt— besteht darin— für feine Dauer die Ausübung der Koalitioiismacht durch ArbeitSkämpfe zu verhindern. Wären nun feine Parteien befugt, diese KoqlitionSmacht zwar nicht mehr für die tarifveriragSmäßig geregelten Punkte einzusetzen, wohl aber wegen anderer Punkte zum Kampfe zu schreiten, dann könnte in der Tat auch der Tarifvertrag selbst praktisch jeden Augenblick illusorisch gemacht werden. Für den geregelten Fortgang der Produktion— und um diesen zu sichern, werden die Tarifverträge abgeschlossen— kommt es darauf an, daß überhaupt nicht gekämpft wird. Deshalb werden auch die Schlichtuiigsinstanzen eingestellt und ihnen das Recht endgültiger Entscheidung übertragen. Allein wenn dies richtig ist, dann darf nach den Grundsäyen von Treu und Glauben, die nach Z 157 deS Bürgerlichen Gesetzbuches auch für die Auslegung des Tarifvertrages gelten, auch der andere Teil nicht berechtigt sein, während der Bertragsdauer die Grund- lagen und Voraussetzungen, auf denen dieser ruht, einseitig zu ändern. Denn nur dann kann man von jedem Teil billigerweise die absolute Zurückhaltung der Kniupfmittel fordern; dagegen wäre cS zweifellos höchst unbillig, für sich selbst das Recht in Anspruch zu nehmen, neue Zwangseinrichtiingen während der Bertragsdauer gegen den anderen Teil zu schaffen, von diesem selbst aber un- bedingte Waffenruhe zu fordern. Wie sich aus§ 10 des Tarifvertrages ergibt, soll bezüglich des Abschlusses und der Lösung des individuellen Arbeitsvertrages jeder Orgauisationszwang ausgeschlossen sein. Denn hier ist unter Ziffer 2 bestimmt: Die Einstellung und Entlassung der Arbeiter steht im freien Ermessen des Arbeitgebers. Es mag sein, daß bei der Einfügung dieser Bestimmung ini Hinblick auf bestimmte Er- fahrungen in der Vergangenheit in erster Linie daran gedacht war, den Arbeitgeber gegen ein zwangS-lveises Vorgehen der Arbeiter- organisatitrn bei der Auswahl feiner Arbeiter zu schützen. Allein so wie der Satz steht, läßt er keinen Zweifel zu, daß überhaupt jeder Zwang einer der beiderseitigen Koalitionen auf den Arbeit- geber bei der Auslese seiner Arbeiter unzulässig sein soll. Es wäre in der Tat auch nicht einzusehen, warum nur ein Teil auf Zwang hierbei verzichten solle, wenn der andere Teil dieses Recht unbeschränkt für sich beansprucht. Die Einrichtung eines obligatorischen Arbeitsnachweises in der Gestalt, daß der Arbeit- geber unter allen Umständen bei jedem Abschluß eines Arbeits- Vertrages ihn benützen muß, und nur solche Arbeiter einstellen darf, deren Einstellung vom Arbeitsnachweis gestattet wird, vcr- stößt deshalb schon gegen diese Tarifvertragsbestimmung und er- scheint deshalb als unziilässid. Wie sich aus der Erklärung des ArbeitgeberverbandeS vom ?iuli 1903 ergibt, war der ausgesprochene Zweck des neuen Ar- eitsnachweiscs der, mit seiner Hilfe Vertragsbrüchige Arbeiter oder solche, die tarifwidrig Lohnerhöhung durchzusetzen suchen, zu maßregeln. Auch die Inanspruchnahme einer einseitigen Strafgewalt sowie eines SelbsthilserechtS kann keinem der beiden Teile während der Dauer des Tarifvertrages zugestanden werden, denn sie steht im Widerspruch mit§ 8 des Tarifvertrags, der die Feststellung und Abhilfe von Tarifvertragsverletzungen einer un- parteiischen Instanz mit dem Rechte endgültiger Entscheidung überträgt; ferner mit§ 10 Ziffer 10, wo für die vertragsmäßige Lösung deS ArbeitsverbältnisseS ein Teil deS Lohnes als Kaution bestellt ist, Neben diesen speziellen Bestimmungen, gegen die der obligatorische, einseitige Arbeitsnachweis verstößt, trifft aber zweifellos auch die allgemeine Aufstellung des Architekten Fritz zu, daß Arbeitsnachweis und Tarifvertrag in einem so engen Zusammenhange stehen, daß die Bekämpfung des einen ohne die Verletzung des anderen nicht möglich ist. Allein daraus darf man nicht den Schluß ziehen, daß der eine Teil, hier der Arbeitgeber, verband, berechtigt ist, einen Arbeitsnachweis in jeder ihn gut- dünkenden Form einzuführen und der andere sich das wider- spruchslos gefallen lassen muß, vielmehr muß daraus der Schluß gezogen werden, daß der Arbeitsnachweis nur in der Form ein- geführt werden darf, daß er den Geist des Tarifvertrages nicht verletzt» d. h. daß er den Koalitionszwang nicht gegen den anderen Teil ausübt; denn gerade diese Ausübung soll durch den Tarif» vertrag ausgeschlossen sein. Aus dieser Auffassung ergibt sich, baß der Arbeitsnachweis des Arbeitgeberverbandes in feiner derzeitigen Verfassung nicht nur gegen einzelne Bestimmungen des Tarifvertrages, sondern auch gegen dessen Grundlagen verstößt. Bei den gegen- wältigen Differenzen wegen des Arbeitsnachweises handelt es sich also näher besehen um Streitigkeiten aus dem Tarifvertrage selbst. Dabei kann die Frage der Zuläsfigkeit der von den Arbeiter. orgamsationen verhängten Sperre nicht unabhängig von der Frage der Zuläsfigkeit des Arbeitsnachweises entschieden wertken. sondern beide Fragen stehen in einem unlöslichen inneren Zusammen- hange und können deshalb nur einheitlich entschieden werden, und das sachlich in dem Sinne, Wie es in dem Entscheidungssatze ge- schehen ist. Die Anwendung des dort ausgesprochenen Grundsatzes ergibt die Entscheidung der einzelnen Streitpunkte von selbst. Die von den Arbeiterorganisatioiien ausgesprochene Sperre und das Bestreben, auswärtige Arbeiter zum Wegzug von München zu veranlassen, ist mit den Grundsätzen des Tarifvertrages un- vereinbar. Ebenso auch daS Verlangen des ArbeitgeberverbandeS, daß seinen Mitgliedern Arbeitskräfte nur durch feinen Arbeits- nachweiS vermittelt werde» dürfen und im Znwiderhandlungs- falle zu cntlassen find." poUtffcbe üeberlicbt Berlin, den 16. Juni 1909. Vernünftige Stenern. Auch die Vereinigten Staaten leiden an Defizit, das die imperialistische Politik keinem Lande erspart. Zu seiner Be- seitigung aber werden zwei neue Steuern befürwortet, welche sich von den deutschen Steuerplänen sehr zu ihrem Vorteil dadurch unterscheiden, daß sie wirklich leistungsfähige Schultern treffen, ohne schlechte Stebenwirkungen auf die Entfaltung von Industrie und Verkehr auszuüben. Einmal soll eine Bundes st euer auf Einkommen geschaffen werden. und dieses Projekt ist um so interessanter, als ihm in den Vereinigten Staaten tatsächlich die Bundesverfassung ent- gegensteht und nicht bloß wie in Deutschland eine falsche und unhaltbare Interpretation der Reichsverfassung. Die zweite Steuer soll von den R e i n e r t r ä g n i s s e n der Trusts erhoben werden. Als Steuersatz sind zwei Prozent geplant und man schätzt das Erträgnis auf 50 Millionen Dollar, also etwas mehr als 200 M i l l i o n e n M a r k. Als einen besonderen Vorzug dieser Steuer betrachtet man, daß sie einem Schritt vorwärts zur Kontrolle der Kartelle und Trusts bedeuten würde, die man auch in Deutschland sehr gut brauchen würde. Präsident Taft hat beschlossen, um das Zustandekommen dieser Steuern zu beschleunigen, sofort eine Sonderbot» s ch a f t an den Kongreß zu richten, in der er seine Zustimmung erklärt zur Besteuerung der Nettoeinkünfte der Trusts und zu einer Verfassungsänderung, die eine Bundessteuer auf Privat- einkommen gestatten wird. Bei jeder indirekten Steuer beruft sich die Regie- rung ja so gern auf irgend einen ausländischen Staat, der die betreffende Steuer eingeführt hat. Bei direkten Steuern ist das anders, und die Herren S y d o w und B ü l o w hören es nicht gern, daß in England die Erb« schaftssteuer im Durchschnitt der letzten Jahre zirka 400 Millionen Mark betragen habe und nach den Beschlüssen«deS Unterhauses künftig zirka 530 Mil- lionen Mark, also fast das Zehnfache 8er neuen E r b a n f a l l st e u c r mit ihrer lächerlichen Bagatelle von 55 Millionen Mark bringen wird. Aber vielleicht findet das amerikanische Muster mehr Gnade vor den Äugen der deutschen Regierung, und die Vorliebe des Kaisers für das Amerikanische ist ja bekannt. Da die neuen Ersatzsteuern ja doch nichts taugen, so können wir bei den nächsten Ersatz- steuern das Studium der amerikanischen Projekte den Herren nur auf das angelegentlichste empfehlen. Antiagrarische Strömung in der konservativen Partei. Gegen den Reickstagsabgeordneten v. Oldenburg-Januschau wendet sich ein Beschluß des konservativen Vereins in Elbing, der dem Januschauer androht, daß der Verein aus der ko n s e r- vativen Partei austreten werde, wenn Herr V. Olden-- bürg seine Haltung zur Erbschaftssteuer nicht ändere. Er wird den Elbingern was hustenl Tie gefährliche Kundschaft der Sozialdemokraten. Im Großherzogtuin Hessen werden bekanntlich seit längerer Zeit nach preußischem Muster Sozialdemokraten als Bürger- meister und Beigeordnete nicht bestätigt. Neuerdings hat die hessische Bnreankratie auf dieser Bahn noch einen Schrill vorwärts getan. Mcht bloß Sozialdemokraten sind unwürdig, Beigeordneten- und Bnrgerlneisterposten zu bekleiden, sondern auch schon solche Leute, die Sozialdemokraten als Kunden haben! Dieser Tage wurde in der Gemeinde Ast he im(Kreis Groß- Gerau in der Provinz Starkenburg) dem Gastwirt Josef Gabel III, der zum Bürgermeister gewählt war, von dem Kreisausschuß Groß- Gerau die Bestätigung versagt. Zwar konnte man ihn nicht als Sozialdemokraten bezeichnen, aber alS Grund der Mchtbestäligung wurde angeführt:„Gabel betreib! dreierlei Geschäfte, und in seinem Wirtslokal haben mehrere sozialdemo- kratische Vereine ihr Stammquartier." Gegen die Entscheidung des KreiSauSschusseS will Gabel Rekurs bei dem Pro- vinzialauSschuß einlegen. Der Fall erinnert an die Disziplinierung deS Gemeinde- Vorstehers Schulz zu Lehnin, dem das Ehrenamt aberkannt wurde, weil er„einer sozialdemokratischen Agitatorin" in seinem Hause eine Wohnung vermietet hatte. Das war in Preußen, daß in Hessen ähnliches passieren könnte, hätte man vor einigen Jahren noch für unmöglich gehalten. Schöner, als hier der hessische Kreis- ausschuß, könnten es die preußischen Bureaukraten auch nicht machen. Die preußische Reaktion wird allmählich zur gesamt-deutschen. wie ja auch der Fall Lambrecht in Bayern zeigt. Die Behanp- tmig, daß die Versagung der Bestätigung in Lambrecht auf eine generelle Abmachung mit Preußen zurückzuführen sei, ist bis jetzt nicht widersprochen worden! Unehrliche Pharisäer. Die.Vossische Zeitung" kann sich nicht entschließen, den fetten Happen fahren zu lassen, den sie in den Untersuchungen KautSkys und GorterS entdeckt zu haben wähnt, inwieweit im Klassenkampfe die Pflicht zur Beobachtung der SittlichkcitSgebote gilt. Sie kam nochmals auf die Sache zurück, ging dabei natürlich auf unsere bezw. KantSkyS Darlegung sachlich absolut nicht ein und glaubte unS durch eine dumme Frage in die Enge treiben zu können.(Die„Freis. Ztg." war von diesem Beispiel pharisäischer Unehrlichkeit so begeistert, daß sie das Schwesterblatt durch einen noch längeren und dümmeren Artikel über das dankbare Thema zu übertreffen suchte, wobei sie unsere Entgegnung erwähnt, um ihren Inhalt zu unterschlagen.) Wir fühlen uns nun durchaus nicht gedrungen, die Frage der.Vossin" zu beantworten. Indes, wir sind bereit dazu— unter einer Be- dingung. Die„Vossische Zeitung" möge uns erst eine kleine Frage beantworten. Nämlich die: Haben die Liberalen jener Zeit, da der Liberalismus noch die Ehre behördlicher Verfolgung genoß, es als ihre Pflicht erachtet, jedem Polizisten und Spitzel, der nach der Organisation und der Tätigkeit des Liberalismus fragte, die reine Wahrheit zu sagen? Wenn die.Vossische Zeitung" uns die kleine Frage beantwortet hat, find wir gern bereit, ihr die ihrige zu beantworten. Die Konfufion im Lager der bürgerlichen Parteien Württembergs infolge der„Reichsfinanz reform" ist nicht mehr zu über- bieten. Der Führer der„Demokraten", Herr v. Payer, er- klärt:„Wir wollen uns nicht ausschalten lassen." Der Engere Ausschuß der Württembergischcn Volkspartei hingegen beschloß am letzten Sonntag, und zwar einstimmig, der Befriedigung dar- über Ausdruck zu geben, daß durch das Verhalten der Ken- servativen der Block endgültig erledigt sei. Der leitende Geist der Nationalliberalen, Neichstagsabgcordneter Prof. H i e b e r, ist ganz im Gegensatz zu dein Demokraten v. Payer sehr oppositionell gestimmt. Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Dafür redet daS einzige Organ der Nationalliberalen, der„Schwab. Merkur", den liberalen ReichStagSschwaben gut zu, sie möchten doch um HimmelSwillen sich zum alleinseligmachenden neuesten Steuerprogramm der Reichsregierung bekehren.«Dem Liberalis- muS kann mit gutem Gewissen empfohlen werden, daß er auf den Boden dieses Programms der mittleren Linie trete. Ja, wir gehen sogar so weit zu sagen: DaS Regierungsprogramm ist der- jenige Boden, auf dem sich bei ruhiger Uebcrlegung und bei ehr- lichem Wollen der Block wieder zusammenfinden könnte." Was die drei Bauernbündler zu tun gedenken, weiß nicht einmal der liebe Gott, aus dem einfachen Grunde, weil es die Herren offenbar auch noch nicht wissen. Die Verwirrung unter den Anhängern der bürgerlichen Parteien gibt selbstverständlich der Konfusion unter den führenden Geistern nichts nach. Die gloriose„Er- Hebung des Bürgertums" macht sich zunächst in einer allgemeinen Katzbalgerei bemerkbar._ Die Steuer der„Notleidenden". Der BreSlaucr.Generalanzeiger" führt wieder einige Fälle cm, in denen Agrarier zu auffallend niedrigen Steuern veranlagt sind, Der Oberanilmann Schladitz auf Rittergut Spalitz mit zwei Vorwerken und großen Waldungen hatte auf dem Bahnhof in Oels feine Steuerbenachrichtig ung verloren. Das von ihm bewirtschaftete Gut hatte einen Grundsteucrreinertrag von 9120 M. Zur E i n k o in m e n st e u e r ist der Herr eingeschätzzt in die Stufe von 1650—1806 M.. so daß der Herr Oberamtniai:» 26 M. Einkoimnensteuer zu zahlen hat. Die polnische Gefahr im Westen. Der Maulkorb, den die Regierung dem polnischen Proletarial im neuen ReichSvereinsgcsetz anfgezwängt hnh scheint den rheinisch. westfälischen Jnduftriemagnateii noch nicht zu genügen, auch nicht die im rheinisch-wcstfäliichen Jndustriebezirke in Ucberfülle vor» handcne Polizei. Wie au« Posen berichtet wird, wurden von dort vier Polizisten mit Polizeikommissar Menzel an der Spitze, nach dem rheinisch-westfälischen Jndiistnebezirk abkommandiert, im« die dort fortschreitende Arbeiterbewegung unter dem polnischen Proletariat zn„überwachen". Die Polizeibeamten beherrschen perfekt die polnische Sprache._ Vom Enlcnburg-Prozcft. Bald nach dem Abbruch der ersten Verhandlung des MclncidS- prozesseS gegen Enlenburg hieß cS, daß der Hanptzcuge. Fischer Ernst, geisteskrank geworden sei. Jetzt wird diese Meldung dementiert. Ernst ist körperlich und geistig völlig intakt und m der Lage, am 5. Juli pünktlich zur Verhandlung zu erscheinen. UcBriflenS darf als feststehend angenommen werden, dast Enlen- bürg auf seiner plötzlichen Abreise nach Gastein lediglich die Gelegen- heit suchte, sich dem Arm der deutschen Justiz für immer zu cnt- ziehen. Von Zeitungen, die mit den sogenannten besseren Kreisen Beziehungen haben, wird erklärt, daß auch die Staatsanwaltschaft dieicr Ueberzengung ist. daß sie deshalb die Kaution von 100! zu begnadigen, entgegnete Arbeits- minster Barthou ablehnend. Er zählte die den Postbeamten ge- tvährten Vorteile auf und sagte, sie hätten das Vaterland und seine Gesetze verachtet. Er spreche ihnen das Recht des Streiks und der Arbeitseinstellimg ab. Der Senat verivarf daraus das Amendement Villaine init 239 gegen 33 Stimmen, nahm dagegen die Be- gnadigung der Winzer und der infolge deS Streiks vom 14. Januar Verurteilten an. Lelgien. Die Krise. Brüssel, 15. Juni. sEig. Ber.) Noch immer zeigt fich keine festere Spur eines Rcgierungsvorschlagcs. Ja, selbst die bereits »nitgeteilten.Gesichtspunkte" der Formel Merode, die der Re- gierung als Leitmotiv bei ihren Vorschlägen über die Militärreforn, hätte dienen sollen, sind wieder verlassen Wörde»». Die letzte Beratung der Rechten hat die Regierung wohl auch nicht sonderlich erleuchtet, denn sie zeigte nur wieder die alten Gegensätze im schärfsten Ausmaße. Herr C a r t y n de W i a r l ist für die Abschaffung des StellvertrctuugSsystemS, ebenso der ehemalige Minister Favereau, wogegen Woeste, der in seiner Presse seinen Aerger sehr ungeniert über die Jungklerikalen austobt, der unerbittliche Gegner einer an diesem Punkte des alte» Systems rührenden Reform bleibt. Selbst die nichtssagend-lächerliche .Reformidee" des Grafen Merode, das Stellvertretungssystem für den Kriegsfall aufzuheben, findet feinen Widerstand. Diese absolute Uneinigkeit macht'nicht nur der Regierung Existenzsorgen, sondern steigert auch von Tag zu Tag die ägrierte Stimmung in der klerikalen Presse, die schn»erzlich oder ironisch auf das Jubiläums- jähr der Partei verweist, die vor 25 Jahren fich in stolzer Einig- keit erhob. Ganz besonders ei»tbrennt ber Streit um Herrn Woeste, dem man feine steten Intrigen gegen die Regierung und seine Feindseligkeit gegen alle bisherigen.großen" Reforin- werke der klerikalen Regierungen vorwirft. Herr Woeste dagegen spricht vcrächtlich-bitter von der Handvoll Jui'gklcrikaler, die, wie er vornehm schreibt, sich doch zufriedengeben sollten, nachdem man aus ihren Reihen zwei Minister geholt hat..Bleiben wir vor allem Katholilen", ruft er wehmütig.... So wächst der Streit und daS Bild der Verwirrung in der klerikalen Partei zu immer größeren Dimensionen an und eS ist tausend gegen eins zu wetten, daß der Witz Herrn Schollaerts kamn ausreicht, ,nit heiler Haut aus der disparaten Situation herauSznkoimnen. DaS 25jährige Jubilämn der klerikalen Herrschaft verspricht sonach jedenfalls eine Feier, die der politischen Pikanterie nicht entbehrt. Sngland. Wieder eine Flotteudcbatte. London, 16. Juni. Unterhaus. Lord LonSdale ftagte an, ob im Plane bezüglich der Räumung Kretas von den internationalen Truppen irgend eine Aenderung eingetreten fei. Der ParlamentSuutcrsekretär deS Auswärtigen Amts MeKinnoi» Wood erwiderte. Die Antwort lautet nein. In der iveiteren Verhandlung wurde von mehreren Abgeordneten auf die Ausführung deS deutschen Flottenprogramms be- zügliche Fragen gestellt und zugleich gefragt, ob die Regierung offizielle oder nichtosfizielle Nachrichten hierüber habe. Unter anderem fragte Lord LonSdale. ob bekannt sei, daß eines der erstklassigen Schiffe des deutsche,» BauprogrammS für 1S09 auf einer kaiserlichen Werf» geballt, der Bau der anderen an Privatwerften ver- geben werden soll. Der erste Lord der Admiralität Mc Kenna er» lviderte, eS läge» keinerlei offizielle Nachrichten vor. er wisse auch nur, waS in den Zeitungen gestanden habe. Hierauf wandte sich W e i g w o o d mit der Frage an Mc Kenna. ob Maßnahmen getroffen seien zur Ausrüstung der Kriegsschiffe>„it Geschützen, die gegen Luft- schiffe zu feuern imstande wären. Mc Kenna antwortete, man habe bereits Pläne für Steilfenergeschütze entworfc» und beab- sichtige, diese deil Schiffen zuzustellen, sobald die Erfahrungen eS wünschenswert machen sollten. Rußlatid. Neue DreadnoughtS. Petersburg, IS. Juni. Auf der baltischen Werst und auf der iieueil AduiiratitätSwcrft fand heute die Kiellegung von vier gepanzerten Linienschiffen deS Dreadnoughtyps statt. Jedes der Schiff«»vird 23 609 Tonnen Gehalt haben. 180 Meter lang und 27 Meter breit sein bei S'/z Meter Tiefgang. Der Kiellegnng wohnte der Präsident der französischen Marine- liga hei. CUrkeu Die Krctafrage. Konstantinopel, 16. Juni. Der griechische Gesandte hatte gestern eine lluterreduna»nit den» G r o ß w e s i r über die Kretafrage. Die Morgenblätter wollen wissen, die griechische Regierung habe mehrere Jahrgänge Reservisten ein- berufen. Die Albanesen von Maliffa und Schichina setzen der Eni- waffnung durch die RegierungStruppen ernsthaften Widerstand«nt- gegen. Beide Orte wurden durch Artillerie beschossen. pertien. Eine türkische Jnterveution. Konsiantinopel, 15. Juni. Infolge der letzten Vorfälle in TäbriS ersuchte der dortige türkische Konsul die hiesige Regierung um Schutz für die bedrohten türkischen Staatsangehörigen. Infolge- dessen werden die türkischen Grenztruppen die Distrikte C h o i und D i I m a n besetzen. Parlamentarisches. Aus ber Bubaetkommission des Reichstages. (60. Sitzllng, 16. Juni.) Die Kommission erledigte die zweite Lesung des Beamten» bcsoldnngSgesetzcS. Der Z8. der bestimmt, daß den Militäranwärtcrn, die acht Jahre und darüber im Herre gedient haben, diese Zeit bei der ersten etatsmäßigen Anstellung auf das Dienstalter anzlirechneu ist. wird dahin abgeändert, daß anstatt acht Jahre neun Jahre gesetzt wird.— Eine längere Debatte entspa>»n sich über ß 12, der besturnrn. daß eine Dienstalterszulage versagt werden kann, wenn gegen daS dienst- liche oder außerdieniilichc Verhalten des Beamten eine erhebliche AnS- stellung vorliegt. Ein Antrag Singer-Kopsch verlangt, eS solle eingefügt werde»», daß das außerdienstliche politische und religiöse Verhallen von der Erlangung der DicnstalterSzulage nicht aus- schließen soll. Singer begründet diese Forderung u. a. mit dem Hinweis auf den Fall S ch ü ck i n g. Auf der Regierwigsbank, beim Zentrum nnd bei den Nationalliberalei» fand der Redner Wider- spruch, und der Antrag wurde schließlich mit allen gegen die Stimmen der Sozialde»nolratcn»md der Freisinnigen abgelehnt. In der ersten Lesung war»»»m beschlossen, daß die Vestimmnngen über die Anstellung von Militäranwärtern rückwirkende Kraft Häven sollten, mit der Maßgabe, daß GehaliSnachzahIlingen nur für die Zeit ab 1. April 1909 statthaben sollen. Diese Bestimmung wurde in der zweiten Lesung wieder ausgemerzt. Desgleichen wurde die Bestimmung, daß den in den Ruhestand getretenen Beamten und Offizieren die Pensionen nach der neuen Gehaltsordnung mit rück- wirkender Kraft vom 1. April 1907 berechnet werden solle»», dahin abgeändert, daß die Rückdatierung um ein Jahr verkürzt, also der 1. April 1903 als Termin bestimmt wird. Mit diesem Tage trilt das Gesetz überhaupt in Kraft, die Beamten erhalten also die Ge- Haltserhöhungen von da an nachbezahlt. Nächste Koinmissionssitzung: Dienstag nächster Woche. Freitag dieser Woche: Gehet msitzung. Soziake* AuS dein JnnliilgSschiebSgericht. Am DienStag klagte der Maler Reifke gegen den Malermeister Albert Lade auf Zahlung von 51 M. rückständigen Lohn. Er war 3 Wochen lang beim Beklagten tätig und erhielt in jeder Woche nur 10 M. ausbezahlt. Er erhob nun Anspruch aus den für Jung- gesellen im Tarif vorgeseheilen Lohn von 60 Pf. die Stunde. Daraus ergab sich die Klagefordrrung. Der Beklagte legte dem Schiedsgericht die Quittung, die ihm Kläger bei der letzter» Lohn- zahlung gegeben, vor. In dieser wird auf alle weiteren Forde- rungen verzichtet. Kläger erkannte die Unterschrift als die fcinige an, behauptet aber, daß der Verzicht erst nach der Leistung der Unterschrift hinzugefügt worden sein müsse. Denn er würde den Verzicht nie»interschrieben haben. Der Vorsitzende erklärte dem Kläger, daß diese Behauptung keinen Glauben finde. ES sei doch Regel, daß man bei Quittungen seine Unterschrift unmittelbar unter den Text setzt, damit nichts hinzugefügt werden kann. Auf Verlangen eines Beisitzers wurde dann die Sache vom Schieds- gcricht beraten. Das Gericht verkündete das Urteil dahin: Dem Kläger ist der geforderte Lohn vom Beklagten zu zahlen. In der Begründung wurde ausgeführt: Der Tarif im Malergewerbe erklärt die seinen Bestimmungen entgegenstehenden Vereinbarungen für nichtig. Deshalb entbehrt auch der schrift- liche Verzicht auf die Lohnforderung der Gültigkeit. Dies Urteil entspricht durchaus der Auffassung, daß von Darifen abweichende»»»»günstige Vereinbarungen der Arbeitgebe»-, der dem Tarif sich unterworfen hat, mit Rechtskraft nicht treffen darf. Der in der Quittung enthaltene Verzicht tvar aus diesem Grunde auch deshalb nichtig, weil er eine nach§ 2 deS Lohn« befchlagnahmegefctzes unzulässige Verfügung des Arbeiters über seinen Lohn darstellt. Das Jnnungsschicdsgcricht kam zu dem gerechten Urteil, tveil im Malergcwerbe Arbeiter und eine Reihe Arbeitgeber»nit Entschiedenheit die Schmutzkonlurrenz durch Tarif- Verträge zu bekämpfen suchen. Tags zuvor wurde die Verkäuferin in einem Bäcker betriebe auf Grund der von ihr unterschriebencn Quittung bei einem ähnlichen Tatbestand leider abgetviesen. Dies Urteil ging auch deshalb fehl, weil die Bäckermamsell als Ver- kguferin nach zutreffender Ansicht dem Kaufmannsgericht, nicht aber dem Jnnungsschiedsgericht oder dem Gcwerbegericht untersteht._ Achttchrlndenschluß in Nürnberg. Von einem großen Teile der Nürnberger Ladenbesitzer selbst wurde bei der mittelfränkischen Kreisregierung der Antrag gs- stellt, die Schlichung aller offenen Verkaufsstellen an den Wochen« tagen, mit Ausnahme der Samstage und der Tage vor Weih. nachten und Neujahr, um 8 Uhr abends zu verfügen. Di« Regie- rung ordnete darauf eine Abstiinmung unter den Ladenbesitzen» an. Diese Abstimmung ergab 2556 Stimmen für und 805 Stimmen gegen den Achtuhrschluß. Kie erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also reichlich vorhanden.__ Aus den Gehelmakten ber Berufsgenossenschaften. Der Vorstand der Rheinisch-Westfälischen BaugewerlS-BerusL- gcnossenschaft schreibt uns: „In Nr. 128 deL„Vorwärts" vom 5. Juni 1909 sind unter der Ueberlchrift„AuS den Gcheimakten der Berufsgenossenschaftm" Zahlen gegeben aus einem Verzeichnis derjenigen Mitglieder der Seftion III Elberfeld, welche der Berufsgenossenschaft bis Ende 1907 noch Beiträge schulden, mit der falschen Darstellung, daß die betreffenden Restbeitrüge allein aus dem Jahre 1907 her» rührten. Die Rückstände des Verzeichnisses sind aber alle die- icnigcn. auch der Vorjahre von 1907, welche ,ioch nicht nieder- geschlagen sind, weil ihre Eintreibung trotz der Unpfändbarkeits- bescheingungen noch fortgesetzt versuclst wird. E» schulden die 13 der Sektion III der Rheinisch-Westfälischen Baugewerks-VerufSgenossenschaft angeschlossenen Kreise ihrer Be- rufsgenossciischaftskasse aus dem Jahre 1907 an rückständigen Bei- trägen nicht die Summe von 73000 M., stmdern es sind in dieser Summe die Rückstände anS den Vorjahren, soweit sie nicht niedergeschlagen sind; niedergeschlagen sollen nur werden die als unpfändbar erklärten Beiträge von früheren Unteri»ehmern, die «in selbständiges Gewerbe nicht mehr fortsetzen. Der Rückstand an den für das Jahr 1907 ausgeschriebenen Beiträgen zu Lasten der Unternehmer der Sektion III ist, wie der Jahresbericht ausweist. also nicht 73 000 M., sondern 19 398,26 M." Diese Zuschrift ändert a», dein aus der„streng vertraulichen" Restantenliste sich ergebenden Bild nichts zugunsten der Unter. nchmerklasse. Sie bestätigt vielmehr unsere Angaben, daß allein bei der einen Sektion die Rückstände im Jahre 1907 nicht weniger als 73 000 M. betrugen. Von diesen sind nach der Zuschrift, deren Nichtigkeit in Zweifel zu ziehen wir keine Veranlassung liaben, über 53 000 M. bereits seit längerer Zeit rückständig. 19 399 M. im Jahre 1907 neu rückständig geworden. Das bestätigt noch mehr den von uns an die Daten der Nestantenliste geknüpften Schluß, daß diese immei»s hohe Schuldensumme das Toben der Beimfsgenosscnschaft gegen die Unfallrente»» und der Bauuntcr- nchmer, insbesondere der Schuldner, gegen die Arbeiter im Lohn- kämpf zum Teil erklärt, 6ewcrbrcbaftUchc9. »Christliche" Wahrheitsliebe. Am 27, Februar dieses Jahres brachte der«Deutsche Maler"(Organ des Zentralverbandes christlicher Maler) in einem Artikel gegen den„Vereinsanzeiger" folgende Ve� hauptung: «Beim Abschlüsse des Tarifvertrages im Vorjahre erklärte der Landesverbandsvorsitzende der Arbeitgeber, Herr E h m e r, daß es schwerhalten würde, bei Beendigung der Aussperrung alle Gehilfen wieder unterzubringen. Da bat und bettelte der Gauleiter des roten Verbandes bei Herrn Eymer:«Sorgen Sie doch bitte dafür, dass die Leute wieder eingestellt werden, wenn sie dann auch wieder entlassen werden." Daraufhin sandte der Gauleiter des Malerverbandes Zimmermann- Frankfurt eine Berichtigung an die Re daktion des„Deutschen Maler" und erklärte, daß die an geführte Behauptung in allen Teilen unwahr sei. Als Be weis hierfür beziehe er sich auf eine Berichtigung des Herrn Eymer. die der Redaktion des„D. M." bereits zugegangen, aber von dieser nicht veröffentlicht worden sei.— Am 27. Mai nahm die Redaktion des„D. M." die Berichtigung des Gau- leiters Zimmermann in ihrem Blatte auf, bemerkte aber dazu: „Unsere Gewährsmänner halten trotz der Berichtigung des Herrn Gauleiter Zimmermann ihre Behauptung aufrecht, und haben wir Herrn Eymer folgendes Schreiben gesandt:„Auf Ihre werte Zuschrift vom 1. März in Sachen„Vereinsanzeiger" kontra „Deutscher Maler" gestatten wir uns mitzuteilen, daß unsere Gewährsmänner die in Nr. S des„Deutschen Maler" an- gegebenen Angaben hochhalten. Aus diesem Anlaß liegt daher kein Grund zur Berichtigung unsererseits vor." Daraufhin sandte der Vorsitzende des Arbeitgeberver- bandes, Herr Eymer, folgendes Antwortschreiben an die Re- daktion des„Deutschen Maler": „Im Besitze Ihrer heutigen Zuschrift bin ich sehr erstaunt, daß Ihre Gewährsmänner die in Nr. 9 gemachten Angaben aufrechterhalten wollen. Mit anderen Worten: Sie halten dem- nach meine Angaben für falsch.— Nicht meinethalben bedaure dies, als vielmehr, daß von einer Organisation, die sich ch v i st- lich nennt, der Wahrheit und der Tatsache nicht entsprochen wird." Dazu bemerkte die Redaktion des„D. M.": daß auch jetzt noch 2x2 nicht 5. sondern 4 ist. Die Angaben unserer Gewährsmänner bleiben also nach wie vor bestehen und liegt gar kein Grund vor. die Wahrheit derselben in Zweifel zu ziehen. Die Unterstellung in dem(Schreiben,„daß wir der Wahrheit und der Tatsache nicht entsprechen", ist, gelinde ge- sagt, mehr als deplaciert!/ Der Gauleiter Zimmermann strengte hierauf Klage gegen den Redakteur des„D. M." an. In der am 12. Juni statt- gefundenen Verhandlung vor dem Schöffengericht in Franb behaupteten Worte gehört haben will, schied als Mitverfasser des Artikels als Zeuge aus; der andere Zeuge, Tüncher Den- feld vom Homburg v. d. H., will es von andere.n gehört haben, daß die behaupteten Worte gefallen seien. Der Angeklagte bequemte sich dann auf Zureden seines Anwalts dazu, auf einen Vergleich einzugehen, demzufolge er erklärt, er habe dem Kläger keineswegs den Vorwurf machen wollen, daß er das von seiner Partei in ihn gesetzte Vertrauen mißbraucht hätte, er(der Beklagte) habe sich vielmehr durch die heutige Verhandlung davon überzeugt, daß zu einem der- artigen Vorwurf keinerlei Veranlassung vorliege.— Der Be- klagte übernahm sämtliche Kosten des Verfahrens, auch der- pflichtete er sich, den Vergleich binnen zwei Wochen in der von ihm als verantwortlicher Redakteur gezeichneten Zeit- schrift„Der Deutsche Maler" zu veröffentlichen. Die erste Zurechtweisung durch den Unternehmer war dem christlichen Lügenpeter noch nicht blamabel genug, er mußte sie sich erst noch gerichtlich bestätigen lassen. ßcrltn und Qmzegend. Achtung, Metallarveiter und Kesselschmiede! Die Sperre über die Firma B o r s i g in Tegel bei Berlin ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Die LllhnSewegnng der Baurlempner. DaS EinigungSamt hatte die Verhandlungen, die ursprüng- lich bis zum 23. d. M. vertagt waren, schon am Dienstag wieder aufgenommen. Es kam aber nach mehrstündigen Verhandlungen kein Resultat zustande. Am Mittwoch verhandelte das EinigungSamt wieder ununterbrochen von 1 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends. Die Forderungen der Parteien bezüglich des neuen Tarifs gingen so weit auseinander, daß alle Einigungsversuche scheiterten. Es wurde deshalb ein Schiedsspruch gesällt, der jedoch weit hinter den Forde- rungen der Arbeiter zurückbleibt. Der Hauptpunkt des Streites ist bekanntlich die Akkordarbeit. Der alte Verwag schließt sie ganz aus. Dabei sollte es nach den Forderungen der Arbeiter auch bleiben, während die Arbeitgeber nach ihrer Wahl sowohl in Lohn wie in Akkord arbeiten lassen wollten.— Der Schiedsspruch erklärt sowohl Zeit- wie Akkordlohn für zulässig, bestimmt aber, daß bei Akkordlohn der Stundenlohn zu garantieren ist.— Eine soforsige Erhöhung des Stundenlohnes, die von den Arbeitern gefordert wird, sieht der Schiedsspruch nicht vor. Der Lohnsatz des alten Tarifs— 72>/z Pf. pro Stunde— soll bis zum t. Oktober 1910 bestehen bleiben und von da ab auf 74 Pf. erhöht werden.— Nach dem alten Vertrage soll der Lohn für Aus- gelernte nicht unter 65 Pf. im ersten und nicht unter t>0 Pf. im zweiten Gesellenjahre betragen.— Nach dem Schiedsspruch erhalten die Ausgekernten im 13. Lebensjahre 50 Pf., im 19. Jahre 55 Pf., im 20. Jahre 60 Pf., im 21. Jahre 65 Pf. und erst vom 22. Lebensjahre ab den vollen Lohn.— Uebcrstundcn sollen bis 9 Uhr abendsmd nicht zuletzt dem Alkohol, der sie in die Hände von Dirnen treibt, deren Umgang sie zu Dieb- stahl und Unterschlagung verleitet, oder der sie zu Affektvergehen anreizt, also zu Sittlichkeitsdelikten, deren Ausführung von' dem nüchtern gewordenen Attentäter dann tief beschämt vor dem Richter eingestanden zu werden pflegt. Die norwegische Ueberlandbahn. Ein Seitenstück zu der schwedischen Lapplandbahn, die vor einigen Jahren eröffnet wurde, ist die großartige Bahnanlage Kristiania-Bergen, die jetzt ihrer Vollendung entgegengeht. Sie ist mit einer Gesamtlänge von 516 Kilometern die größte Bahnstrecke Norwegens überhaupt, dessen Eisenbahnnetz bisher nur rund 2500 Kilometer— etwa den zwanzigsten Teil des deutschen— umfaßte. Der Bau wurde 1895 begonnen und ist jetzt bis auf die Teilstrecke GulSvik— Roa beendet, so daß man� 1911 die ganze Strecke dem Betrieb über- geben zu können hofft. Welche technischen Schwierigkeiten diese Hochgebirgsbahn zu überwinden hatte, lehrt schon die Tatsache, daß sie nicht weniger als 184 Tunnels umfaßt, von denen der größte über 5 Kilometer lang ist.(Der Gotthardtunnel hat eine Länge von 15 Kilometer.) Der höchste Steigungspunkt der Bahn liegt 1300 Meter hoch. Die Gesamtkosten dürften rund 60 Millionen Mark betragen. Die Reise von Kristiania nach Bergen wird nach Fertigstellung der ganzen Strecke nur mehr 13—14 Stunden in An- spruch nehmen, während jetzt noch die Seereise über fünfzig Stunde» dauert._ Notizen. — Ein hundertachtzig Meter hoher Zement- türm, der h ö ch st e dieser Art, der je gebaut worden ist und der auch die Türme des Kölner Doms noch um zwanzig Meter über- treffen würde, wird jetzt im Auftrage der Marinebehörde der Ver- einigten Staaten im Rock Creek Park in Washinqton zum Zweck der drahtlosen Telegraphie errichtet. Auch innerhalb der anierikanischen Bauten wird dieser Turm eine» würdigen Platz einnehmen. Er wird daS berühmte Washington-Monument überragen und nur einigen Wolkenkratzern in New-Aork nachstehen. Die Tragweite der von diesem Turm zu entsendenden drahtlosen Telegraphie ist auf fast 5000 Kilometer berechnet worden. — Der Erdbebendien st in Italien wurde erst nach dem großen Riviera-Erdbeben vom 23. Februar 1887 begründet. verfügt aber heute bereits über 673 Observatorien ersten bis dritten Grades, die möglichst in Abständen von etwa 20 Kilometern über daS ganze Königreich und die zugehörigen Inseln verteilt sind. Die Hauptwarte befindet sich in Rom, wo alle Berichte der anderen Warten zusammenlaufen. Auch die täglichen Wetterberichte in Italien enthalten kurre Angaben über Erdbeben. Lrotz Set Schwierigkeit Set Situation Und der bedauerlichen Spannung zwischen den verschiedenen Parteien des Hauses halte ich noch an der Hoffnung fest, daß in diesem hohen Hause Gemein- sinn und nationales und soziales Empfinden den Sieg davontragen werden über Kleinlichkeit und Parteigezänk. In dieser Hoffnung werde ich bestärkt durch die Stimmung im Lande, die frei von Engherzigkeit die große Aufgabe würdigt und früher oder später streng mit den Parteien ins Gericht gehen wird, die das große Werk schädigen oder zu Fall bringen sollten.(Lebhafte Bewegung.) Noch ein persönliches Wort: Die Zeitungen regen sich darüber auf, ob ich bleibe oder gehe.(Heiterkeit.) Ich bleibe, so lange der Kaiser meine Mitwirkung in der inneren und äußeren Politik für nützlich hält und so lange ich selbst glaube, nützlich wirken zu können. �Zch kenne kein Gebiet der inneren Politik von gleicher Wichtigkeit, wie das baldige Zustandekommen der Finanzreforin. Dieser großen Aufgabe ordne ich meine Person vollkommen unter. Wenn ich mich überzeugen sollte, daß meine Person der Sache entgegensteht oder daß ein anderer leichter zum Ziele gelangt, oder wenn sich die Verhältnisse in einer Richtung entwickeln sollten, die ich nicht mitmachen kann und will und werde, so wird es mir auch möglich sein, den Träger der Krone von der Nützlichkeit meines Itücktrittes zu überzeugen, und dann wird mein Wunsch, daß mein Nachfolger Erfolge erzielt, ebenso ehrlich sein, wie es meine Arbeit in Diensten des Landes war.(Lebhaber Beifall bei den Liberalen, große anhaltende Bewegung im ganzen.Hause.)) Reichsschatzsekretär Sydow: Die verbündeten Regierungen meinen, daß die Beschlüsse der Finanzkommission noch nicht das letzte Wort bedeuten. In bczug auf die Konsumsteuern werde» die Beschlüsse wohl nicht mehr wesent- lich geändert werden!! Anders ist es mit den Besitzsteuern. Hier hat die Kommission in der Kotierungsstener, in der llmsatzstener für Grundstücke und in der Wertzuwachssteuer einen Betrag von 142'/, Millionen Mark bewilligt, und man könnte fragen: warum greifen denn denn die Regierungen nicht zu? Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und ganz sicher ist bei der Kotiernngssteuer nicht alles Gold; ihr Ertrag beruht vollständig auf Schätzung, sie wäre ein schweres Unrecht, weil sie gewisse Zweige des Wirtschaftslebens besonders stark belastet— soll sie doch auch bezahlt werden, wenn gar kein Gewinn erzielt wird. Sie würde die Kapitalbeschaffung im Jnlande erschweren. Der Gesetzgebung der letzten zehn Jahre kann man den Vorwurf nicht machen, daß sie die Interessen der Landwirtschaft nicht berücksichtige. Auch bei der Erbschaftssteuer ist das der Fall. Aber Handel und Gewerbe müssen auch zu ihrem Recht kommen und dürfen keinen dauernden Schaden erleiden. So wenig eS wünschenswert wäre, wenn Deutschland ein reiner Industriestaat würde, so wenig dürfen wir die Quellen des Wohlstandes verschütten, die aus Handel und Industrie fließen. Die verbündeten Regierungen müssen es daher ablehnen, eine Steuer wie die KotierungSsteucr mit der ReichSfinanzreform zu verbinden. Dieselben Bedenken grundsätzlicher Art gelten gegen die Mtthlcnumsatzsteuer und Kohlenausfuhrstcuer. Die erstere würde als Erdrossclungssteuer für die Großmllhlen wirken und den kleinen Mühlen nichts nützen. Durch den Kohlcn- ausfnhrzoll aber würde nur erreicht werden, daß der Preis der in- ländischen Kohlen verteuert wurde, wodurch vor allein die schwere Industrie betroffen würde. Was die Wertznwachssteuer für Grundstücke anlangt, so hat die Kommission unter Zugrundelegung der höheren Gemeindesteuer schnell einen Entwurf ausgearbeitet, der die Steuer auf das ganze Reich, auf Stadt und Land ausdehnt. Die Regierung ist nicht in der Lage, so schnell zu arbeiten! Man verlangt von ihr, daß sie ihre Vorlagen begründet; eS sollen Sachverständige gehört werden. Obwohl die verbündeten Regierungen dem Gedanken einer solchen Steuer nicht völlig abgeneigt sind, sind sie doch nicht in der Lage, schon jetzt diese gesetzgeberische Regelung für daS ganze Reich vorzunehmen. Einer solchen Regelung stehen große Schwierigkeiten gegenüber. Vor allem fragt eS sich, wie die Reichssteuer zu ver- cinbaren ist mit dem Anteil, der den Gemeinden gewährt werden soll. In Betracht kominen auch die außerordentlich schwankenden Erträge der Steuern, so daß es nicht angeht, einen festen Betrag aus' dieser Steuer in die Reichsfinanzreform ein- zusetzen. Höchstens könnte man sie benutzen für Ausgaben, bei denen man eine gewisse freie Hand hat, zum Beispiel bei der Schuldentilgung. Dir Regierungen find dereit, der Einfühning einer Reichs- wntzuwachsstcuer näherzutreten, halten eS aber für notwendig, damit noch zwei, drei Jahre zu«arte», bis die genügenden Unterlagen geschaffen find. Nach alledem bleibt eine Lücke von 140 Millionen Mark. Um diese zu decken, sind die neuen Vorlagen der Regierung eingebracht. Was die Nachlaßstener anlangt, so kommen die Regierungen über die Ueberzeugung nicht hinweg, daß es keine Steuer gibt, die in gleicher Weise alle Arten des Besitzes trifft und in gleicher Weise die Leistungsfähigkeit be- rücksichtigt. Die Regierung ,st den gegen die erste Vorlage auch von den Parteien, die an sich mit dieser Besteuerungsart einverstanden waren, erhobenen Einwänden nach Möglichkeit entgegen- gekommen. So wird jetzt die Steuer nicht von dem Nachlaß als solchen erhoben, um dem Einwand zu begegnen, als ob die Steuer dieselbe wäre, wenn der Nachlaß an eins oder an mehrere Kinder geht. Es ist ferner, um das Eindringen in die Familienverhältnisse nach Möglichkeit zu beschränken, der gesamte Mobiltarbesitz freigelassen, und eS sind die Bestimmungen verschärst worden, welche eine sichere Feststellung der der Steuer unterliegenden Nachlatzgegenstände ermöglichen. Der Haupteinivand ist der, daß die Steuer den Grundbesitz verhältnismäßig schärfer belastet alS das mobile Kapital. Je mehr ich mich mit dieser Frage befaßt habe, desto stärker ist meine Ueberzeugung geworden, daß das Gegen- teil richtig istl Von dem gesamten Vermögen von 85/', Milli- arden in Preußen kommen auf Kapitalvermögen 33 Milliarden, auf Grundvermögen einschließlich Betriebskapital— 35 Milliarden, davon aber 32 Milliarde» auf die Städte und nur 13 auf das flache Land! Der Wert des Anlage- und Betriebskapitals im Handel, Gewerbe und Bergbau beträgt 12 Milliarden. Das mobile Ver- mögen beträgt also 50 Milliarden von 85 und das Grundvermögen nur 36, davon, wie gesagt, das ländliche nur 13 Milliarden.(Hört l hört! links.) Die Hauptlast wird also nicht vom platten Lande ge- tragen. Dazu kommen noch die besonderen Bestimmungen, die der Entwurf zugunsten des Grundbesitzes vorsieht. Wenn früher von den 1200 000 landwirtschaftlichen Betrieben nur 220 000 von der Nachlaßstauer betroffen wurden, so vermindert sich nach der neuen Fassung der Barlage die Zahl dieser Betriebe auf 120 bis 130 000, beträgt also nur ein Zehntel der Gesamtbetriebe I(Hört l hört l links.) Man hat der Regierung ein schreckliches Zurückweichen vor- geworfen, weil die Forderung von 100 Millionen auf 55 ermäßigt und weil die Wehrsteuer fallen gelassen ist. Aber für diese war in der bargeschlagenen Form keine Mehrheit zu haben. Die Einwände gegen die Erbanfallsteuer sind schon genügend besprochen; die ver- bnndetan Regierungen meinen nicht, daß sie den Familiensinn zer- stört, und halten sie auch nicht für eine sozialistische Maßregel. Weite Kreise der Bevölkerung sind für diese Steuer. Freilich ist die landwirtschaftliche Bevölkerung dagegen, aber diese soll doch nur 10—12 von den 55 Millionen der Erbschaftssteuer aufbringen, und weil sie das nicht will, soll die andere Bevölkerung in anderen Formen mit einer Besitzsteuer belegt werden, die geradezu ruinös für die Quellen ihres Wohlstandes ist.— Neben der Erbanfallsteuer schlagen die verbündeten Regierungen «wen Stempel auf die Policen der Feuerversicherung vor. Der richtige Gesichtswinkel für diese Steuer ist nicht, daß das VcrsichernngZgeschnft besteuert wird, sondern sie soll eine Steuer aus das Versicherungsobjekt sein und insofern eine Steuer ans den Besitz, der bei der Versicherung deklariert wird. Der Satz von l!t Promille ist hoch im Vergleich zur Prämie, nicht aber im Vergleich mit dem Objekt. Bei einem Hause von 300 000 M. Wert beträgt die Steuer nur 75 M., und das ist für den Besitzer sicher nicht schwer zu tragen. Im ganzen sind 200 Milliarden Mark versichert. Freilich sollen die Objekte unter 5000 M. freibleiben. Danach würde die Steuer aber immerhin 35 Millionen Mark einbringen. 55 Millionen soll die Erbschaftssteuer bringen und 10 Millionen sollen aus dem Effcktenstompel aufgebracht werden. Das wären zusammen 100 Millionen. Zu dem Stempel für den Umsatz in Grundstücken will ich nur kurz bemerken, daß er von dem Vorschlag der Kom- Mission abweicht, da er etwas niedriger gehalten ist und eine Grenze für die Steuerfreiheit Vorsicht. �/, der Grundstückswcrte entfallen auf die Städte und nur 2i-, auf das Land. Zudem ist der Besitz- Wechsel in den Städten häufiger als auf dem Lande. Ueber den Wechselstemprl braucht prinzipiell gar nicht mehr gesprochen zu werden; der normale Wechsel läuft nicht länger als drei Monate, wird also von dem Vorschlag der Regierung nicht getroffen. Einen Wechselstempel, wie wir ihn vorschlagen, haben z. B. Italien und Ungarn. Den Scheckstenipcl haben wir borgeschlagen, nachdem Sie eine Reihe anderer Vorlagen von uns abgelehnt haben; wir wollen damit die Lücke ausfüllen. Wir sind überzeugt, daß der legitime Scheckverkehr dadurch nicht geschädigt wird. Fast alle anderen Staaten haben einen svlchen Schcckstempel, und der Verkehr kann ihn ohne Schaden tragen, d. h. ohne daß ein übermäßiger Barverkehr an Stelle des Scheckverkehrs treten wird. Auch der Herr Reichsbankpräsident teilt diese Ansicht. Alle diese Steuern, mit Ausnahme der Erbschaftssteuer, unter- liegen erheblichen Einwendungen. Was wir in erster Linie für richtig gehalten haben, haben wir Ende vorigen JahreS vorgeschlagen. Wir meinen aber, daß die hier vorgeschlagenen Stenern kein Gewerbe wesentlich schädigen werden. Unbequem sind sie natürlich, aber wir stehen vor der Frage, ob wir an Stelle dieser Steuern etwas Besseres haben. Alle Parteien sind überzeugt, daß der angeforderte Betrag notwendig ist, und alle haben auch den ernsthaften Willen, zum Ziele zu kommen. Dann wird und muß es auch gelingen. Mg. Bassermann(natl.): Der Herr Reichskanzler hat uns heute ein klares Programm entwickelt. Die Befürchtung, als wenn zunächst die indirekten Stenern erledigt werden sollten, ist durch ihn beseitigt. Es ist sehr dankenswert, daß er uns und dem Lande endlich Klarheit gegeben hat und daß damit die Regierung aus ihrer sozusagen börsenmäßigen Verfassung— beute stau, morgen fest usw.(Heiterkeit)— herausgekommen ist. Der Herr Reichs- kanzler hat die Mitwirkung der liberalen Parteien als wünschenswert bezeichnet. DaS ist sehr erfreulich und bei der gesamten politischen Sachlage wohl selbstverständlich. Die nationalliberale Partei ist natürlich bereit, die ReichSfinanzreform mit zu erledigen, aber die Reform muß in ihrem Endresultat so gestaltet sein, daß sie für die liberalen Anschauungen annehmbar ist, daß sie den sozialen GesichtSpunlten und der Gerechtigkeit entspricht. (Sehr richtig I bei den Nationalliberalen. Lachen rechts.) Der Herr Reichskanzler hat dann von einem doktrinären Zug gesprochen, der vielfach durch die Liberalen gehe. Ich glaube, daß dieser Vorwurf der nationalliberalen Partei gegenüber nicht erhoben werden kann. (Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Heiterkeit.) Wir haben uns von Anfang an auf den Standpunkt gestellt, daß man im politischen Leben nur weiter kommt durch politische Kompromisse(Sehr richtig I rechts) und nicht durch doktrinäres Festhalten(Abg. Dr. Arendt: An der Erbschaftssteuer! Große Heiterkeit rechts.) an seinen Forderungen. So sind wir auch bei der Finanzreform von vornherein zu Konzessionen bereit gewesen. DaS Ausscheiden meiner Freunde auS der Kommission, auf welches der Reichskanzler anspielte, war geboten durch daS geschäftsordnungs« widrige Verhalten der Mehrheit der Kommission und dadurch, daß»hr Vorgehen auch mit den Beschlüssen deS Seniorenkonvents in Widerspruch stand, wozu noch die bei der Sachlage für uns sehr befremdliche Tatsache kam, daß der Herr Reichsschatzsekretär sein Material den Herren der Mehrheit der Kommission zur Verfügung gestellt hatte. Das Vorgehen meiner Freunde hat auch die einmütige Billigimg meiner Fraktion gefunden. WaS die neuen Steuern aiflangt, so sind wir mit dem Prinzip der Erbschaftssteuer ein- verstanden. Diese Steuer ist ja ein Streitobjekt deS politischen Kampfes geworden, und dabei ist mancher sachliche GefichtSpnnkt in den Hintergrund getreten.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Zweifellos ist die Erbschaftssteuer in weiten Kreisen volkstümlich geworden: auch in der konservativen Presse finden sich viele Stimmen von Anhängern dieser Steuer. Im bayrischen Finanzausschuß soll sich auch ein hervorragendes Mitglied der Zentrumspartei für den Gedanken der Deszendentenstener ausgesprochen haben, und ich sollte meinen, daß auch in den Kreisen der dem Zentrum an- gehörenden Arbeiter der Gedanke der Erbschaftssteuer populär sein müßte.(Abg. Hue: Ist er auch!) Uebrigens hat sich auch Herr Gröber früher entschieden für eine solche Steuer ausgesprochen. (Hört! hörtl links.) Wir sind mit der Form, in der dre Steuer jetzt vorgelegt wird, einverstanden, und ich kann erklären, daß die nationalliberale Partei geschlossen für diese Steuer stimmen wird.(Bravo l links.) Verkehrsfeindliche Politik ist eine antisoziale Politik, die sich gegen alle Konsumenten und Arbeiter richtet, und das ist unerträglich für eine Weltmacht. Wir brauchen ein starkes Heer und eine starke Flotte, und wir brauchen Mittel für weitere soziale Reformen. Wir stehen auch heute nicht vor der letzten Finanzreform(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten); deshalb müssen wir unser Wirtschaftsleben entwickeln und nicht ertöten.(Lebhafte Zustimmung links.) Nur zur allgemeinen Politik will ich noch einige Bemerkungen machen: Man hat nnZ vorgeworfen, daß wir prinzipiell Vorschläge des Zentrums ablehnen, weil sie vom Zentrum kommen. S,e wissen alle, daß wir seit Jahren auf dem sozialen Gebiete zusammenarbeiten; kein Mensch hat je daran gedacht, Antrüge des Zentrums aus anderen als sachlichen Gründen abzulehnen.(Sehr wahr! bei den Nationalliberalen.) WaS wir nicht wollen, ist, daß das Zentrum wieder in die überragende Stellung einrückt und dem Reichstag seinen Willen aufdrückt, wie es früher der Fall war.(Lebhafte Zu- siimmung bei den Liberalen.) Wir muffen eS als politische Kurzsichtigkeit bezeichnen, wenn man diese Gelegenheit benutzt, um dem Zentrum zu seiner früheren Machtstellung zu verhelfen.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Wenn daS Zentrum wieder in die Lage kommt, eine Politik zu machen wie früher— heute mit Links, morgen mit Rechts—, wenn das Zentrum dann vielleicht bei den sozialen Reformen eine Politik macht, die den Konservativen unbequem ist(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten), dann werden die Konservativen bedauern, diese Wege gegangen zu sein. SS scheint, daß für die Stellungnahme der Konservativen politische Gesichtspunkte maßgebend sind, die sich mif der Linie des preußischen Wahlrechts befinden. Aber eine Wahlreform, die unbedingt notwendig ist, können Sie schließlich doch nicht aufhalten, die kommt mit Not- wendigkeit.(Sehr richtig I links.) Abwarte nl rechts.) Der Bund zwischen Industrie und Landwirtschaft, der in dem Rufe nach Schutz der nationalen Arbeit gipfelte, hat sich durch weite Jahre als ersprießlich erwiesen. Heute ist durch Ihre(nach rechts) Tätigkeit dieser Bund zerrissen, und die Industrie ist in eine Kampfstellung gedrängt.(Sehr wahr! bei den Liberalen.) Die nationalliberale Partei hat der Landwirtschaft gern geholfen, aber wir find nicht in der Lage, Steuerprivilegien für den Großgrundbesitz zu bewilligen.(Lebhafte Zustimmung bei den Liberalen.) Wir sind für die agrarischen Zölle eingetreten, weil wir nicht wollten, daß ein Glied im Erwerbsleben Not leide, aber die agrarischen Kreise müssen einsehen, daß es damit sein Bewenden haben muß und man nun nicht andere Kreise Not leiden lassen darf. Ein zweiter Grund ist, daß wir in dieser vorgeschlagenen Steuerpolitik eine Mittelstands- feindliche Politik erkennen(Lachen rechts), eine Politik, welche die Konzentration zum Großbetrieb fördert und die Lasten auf den Mittelstand abwälzt.(Sehr richtig! bei den Liberalen.) Weiter wird durch diese Politik der Gegensatz zwischen Stadt und Land in einer Weise großgezogen, wie es bisher vermieden wurde.(Lebhafte Zustimmung bei den Liberalen.) DaS zeigt doch, daß im Hansabund der Kampftns von Handel und Industrie, vom Handwerk, dem Mittel« stand und den Beamten erschallt. Wir sind unS doch alle bewußt, wie stark die Sozialdemokratie ist, die ja in den Blockwahlen eine erhebliche Niederlage erlitten hat. wenn ich auch gerecht genug bin, zuzugeben, daß ihre Stimmenzahl nicht zurückgegangen ist. Das ist aber ein Beweis, daß wir nicht rasten und rosten dürfen. Glauben Sie(nach rechts), daß dieser Kampf gegen die Sozialdemokratie erleichert wird, wenn hier eine Gesetzgebung ins Leben gerufen wird, die den weitaus größten Teil der Lasten auch über den bei objektiver Betrachtung notwendigen Teil hinaus auf die Schultern der ärmeren Volksklassen legt? Sie werden nicht leugnen können, daß der Organisationsgedanke in den Arbeiterkreisen außerhalb der Sozialdemokratie ständig im Wachsen ist. Diesen Umbildungs- und Gesundnngsprozeß gefährden Sie durch eine ungerechte Steuer- Politik. Noch ein Wort über die Stimmung der öffentlichen Meinung.(Lachen rechts.) lieber die Erregung, die im Volke herrscht, kommen Sie mit keinem Lachen hinweg. Die Kundgebung im ZirkuS Schumann kann man nicht durch Spott und Hohn aus der Welt schaffen. Sie liegt nicht darin, daß sich 6000 Menschen dort zusammengefunden haben, sondern darin, daß die Kapitäne der deutschen Industrie(Stürmische Rufe rechts: K i r d o r f!) sich zusammengetan haben mit den Koryphäen der Banken, des Handels und der Industrie. Freihändler und Schutz- zöllner finden Sie dort im Verein, Vertreter des großen und des kleinen Kapitals, des Mittelstandes und der Beamten.(Lachen rechts.) Wie hoch muß die Flut des Unwillens im Volke gestiegen sein, wenn sich diese doch reichlich heterogenen Elemente in ein e r Organisation zusammenfinden, weil die LebenSinteressen der Industrie und deS Wirtschaftslebens bedroht sind I(Sehr wahr I links.) Unterschätzen Sie diese Organisation nicht, denken Sie daran, wie auch die Arbeitgcberorganffationen aus kleinen Anfängen, verspottet und verlacht, zu einem großen Machtfaktor geworden sind. ES ist doch eine auffallende Tatsache, daß Vertreter der größten deutschen Industrien hier gemeinsam gehen mit Vertretern des Handwerks und der kleinen Gewerbetreibenden.(Lachen rechts.) Der reichste Kapitalist, der mit Jndustriewerten nichts zu tun haben will, weil er sie nicht für sicher genug hält, sondern sein Geld in Staats« papieren und Konsols anlegt, zahlt bei der von der KommissionS- Mehrheit akzeptierten Besitzsteuer keinen roten Heller l(Hört I hört I links.) Ebensowenig der Kapitalist, der seinen Geschäftsverkehr ins Ausland legt. Und nun verlangen Sie. daß die verbündeten Re« gierungcn sich diesem Werke der konservativ-klerikal-polnischen Mehr- heit fügen I(Gr. Unruhe rechts und im Zentrum. Sehr gut I links.) Das würde ohne weiteres zur Parlamentsherrschast führen.(Stür- misches Gelächter und Aha-Rufe rechts.) Die Regierung hat die Pflicht, die Vorlagen sachlich zu prüfen, und wenn sie sie für Volks« wirtschaftlich verderblich hält, darf sie sie nicht nur deshalb an- nehmen, weil sich eine Mehrheit im Reichstag dafür gefunden hat, sondern sie bat sie abzulehnen und die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Sie wird siege», wenn sie es nur will. Wen» nicht anders, so mag fie zu Neuwahlen schreite«, waS ich persönlich für durchaus richtig halten würde.(Große Un« ruhe rechts, stürmischer Beifall links, Bewegung.) Vielleicht würden die Wahlen der Sozialdemokratie gewisse Erfolge bringen, aber man soll diese Erfolge mcht überschätzen, Sie müssen damit rechnen, daß bei einer solchen Wahlbewegung die Regierung einig gehen würde mit dem ganzen liberalen Bürgertum.(Gelächter rechts.) Sie müffen doch auch über das Jahr 1S09 hinausschauen. Wenn 1911 gewählt wird und eS haben sich in der Zwischenzeit die Folgen einer ungerechten, verkehrsfeindlichen Finanzreform deutlich offenbart, so wird die allgemeine Unzufriedenheit so groß geworden sein, daß dann die Wahlen der Sozialdemokratie ganz andere Er- folge bringen können.(Lachen rechts.) Kann die Regierung sich unter das Joch einer Reform beugen, die in ihrem Endresultat dazu führen muh. die Chancen der Sozialdemokratie wieder zu mehren? Sobald diese Frage gestellt ist, ist sie ohne weiteres verneint. Nach dieser Richtung hin begrüße ich die heutigen Ausführungen des Herrn Reichskanzlers, der wiederholt von der allgemeinen Heranziehung des Besitzes gesprochen hat. Unter diesem Gesichtspunkte sind wir überzeugt, daß die Regierung bei ihrem Programm fest bleiben wird und muß. Dem Blockgedanken, von dem der Reichskanzler sprach, stimmen meine Freunde zu. Dieser Gedanke hat sich als gesund erwiesen.(Lachen rechts.) Er hat auch eine gute erzieherische Wirkung aus daS Zentrum gehabt.(Lachen im Zentrum.) Die Blockpolitik hat in vielen deutschen Herzen großen Jubel ausgelöst.(Stürm. Gelächter bei den Soz.) Ihre Verwirklichung wird ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Bülow« schen Politik bleiben. Daher bin ich überzeugt, daß der Herr Reichs» kanzler nicht selbst diesen Ruhm zerstören wird und daß er einer Finanzreforin nicht die Zustimmung geben wird, die dem Liberalismus ins Gesicht schlägt.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen und Freisinnigen.) Hierauf vertagt daS HauS die Weiterberatung auf Donnerstag 1 Uhr. Schluß 5'/. Uhr._ Sechster ordentlicher GenoMchaftstag. Vom 14. bis 16. dieses Monats wurde in Mainz der sechste ordentliche Gcnossenschaftstag des Zentralverbandcs deutscher Konsumvereine abgehalten. Anwesend waren etwa 500 Genossen- schaftSvertreter und eine sehr große Zahl von Gästen. Die General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands hatte Bauer- Berlin delegiert; auch Vertreter der Bäcker, Handlungsgehilfen, Lager. Halter, Tabakarbeiter und Transportarbeiter nahmen an der Tagung teil. Im Anschluß an den Bericht deS Generalsekretärs Kau fm a n n-Hamburg über die EntWickelung des Zentralver- bände» deutscher Konsumvereine verbreitete sich Redner über die Verlagsanstalt des Zentralverbandes. Der Vor- stand und Ausschuß habe untersucht, ob eS nicht notwendig sei, der Verlagsanstalt eine andere Form zu geben, aus ihr eine Zentralgcnossenschaft zu machen, um dadurch dem Ideal, Produk- tion für den organisierten Konsum, näher zu kommen. Der Vor- stand halte aber diese Pläne noch für verfrüht. Dann begründete Redner folgende Resolution: Der sechste ordentliche Gcnossensch-ffistag deS Zenlralver- bandes deutscher Konsumvereine am 14. bis 16. Juni 1909 in Mainz bedauert, daß die preußische Zentralgenossenschaftskasse die Herausgabe des Jahr- und Adreßbuches der deutschen Erwerbs- und Wirt- schaftsgenossenschaften eingestellt hat. Damit ist die wichtigste Grundlage für die jährliche statistische Uebersicht über den Stand und die EntWickelung der gesamten deutschen Genossen- schaftsbewegung weggefallen. Die von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung der Genossen- schaftsbewegung für die gesamte Volkswirtschaft läßt es wünschenswert erscheinen, daß in Deutschland ebenso wie in anderen Kulturländern, z. B. England und Frankreich, staat- lich der Stand der gesamten Genoyenschaftsbewegung durch eine offizielle Statistik alljährlich erfaßt und bekanntgegeben wird. Der Genossenschaftstag richtet daher an die deutsche Reichsiegieruvg und den Deutschen Reichstag die ergebene «Zitte, bas reichsstatistische Amt mit einer jährlichen Aufnahme des Standes der deutschen Genossenschaftsbewegung und ent» sprechender Publikationen zu betrauen und die hierzu erforder- lichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Genossenschaftstag beauftragt die Leitung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, in einer Eingabe diese Bitte nebst Begründung der deutschen Rcichsregierung und dem Deutschen Reichstage zur geneigten Berücksichtigung zu übermitteln. Am Schlüsse seiner Ausführungen erklärte Kaufmann: Der Zentralverband kann auf seine Existenz mit Freude zurückblicken. Die englischen Genossenschaften waren und sind für uns Vorbild- lich, wir sind aber aus dem besten Wege, bald das zu werden, was die englischen Genossenschaften heute sind. Ich hoffe, daß die Genossenschaften weiter wachsen und erstarken, zum Segen und Wohl des Zentralverbandes und zum Nutzen des ganzen Volkes. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Dr. Müller- Hamburg hielt sodann einen Vortrag über: Produzentenkartelle und Konsumcntenorganisationen. Der Referent stellte sich die Aufgabe, eine Parallele zwischen den Kartellen der Unternehmer und den Genossenschaften zu ziehen und gab zunächst ein Bild der EntWickelung des Kapitalismus. Er bespricht dann ausführlich die Entstehung und Bedeutung der Kartelle. Die Kartelle würden die freie Betätigung des einzelnen Unternehmers aufheben, und hätten die Tendenz, den Markt zu beherrschen und dadurch die Preise zu bestimmen. In Verbindung mit den Kartellen schildert Redner auch das Wesen der Trusts. Er betont, das sind alles �Organisationen von einer ungeheuren wirtschaftlichen Macht, und könnte man. wenn man sich diese Macht vor Äugen hält, fast daran zweifeln, daß die Konsumgenossenschaften mit Erfolg einen Kampf mit diesen aufnehmen können. Im zweiten Teil seines Vortrages untersucht Redner, wie die Konsum- genossenschaften die Kartelle zu bewerten haben. Eine Kartell- feindschaft kann und darf in unseren Reihen keinen Platz finden. Eine unbedingte Verwerfung der Kartelle würde eine kleinbürger- liche Auffassung zeigen. Durch die Kartelle, über die im Marx kein Wort stehe, wird eine Konzentration der Produktionskräfte gebildet, und der Gedanke der Betriebskonzentration an sich ist nicht zu verwerfen. Es muß aber ein Gegengewicht geschaffen werden, und dieses Gegengewicht den Kartellen gegenüber sind die Verbraucher, die Konsumentenorganisation. Es ergibt sich also die Lehre: Konsumenten aller Länder organisiert Euchl Haben die Konsumenten einen Schimmer von Aussicht, gegen die Kartelle etwas zu ereichen? Der Kampf wird ein schwieriger sein, aber daß etwas erreicht werden kann, zeigte der Kampf gegen den Markenartikelverband. Eine Forderung müssen wir aufstellen, wenn für die Konsumvereine die Möglichkeit bestehen soll, den Kampf gegen die Kartelle erfolgreich zu führen. Wir müssen ver- langen, daß wir ungestört arbeiten können, wir müssen uns da- gegen wenden, dah die Staatsgewalt alle Mittel aufwendet, um die Organisation der Konsumenten aufzuhalten. Eine Regierung. die uns Hindernisse in unseren Weg legt, kann sich nicht wundern, wenn wir an ihrer Objektivität zweifeln. Die Konsumgenossen- schaft ist die Schützerin der Kulturwerte, deshalb verlangen wir freie Bahn für unser Werk. In der Diskussion ergreift zunächst Professor Dr. Staudinger» Darmstadt das Wort: Ich möchte nur auf ein paar Momente hinweisen, die der Referent nicht stark genug in den Vordergrund gestellt hat. Die Gegensätze zwischen Konsumenten und Produzenten sind Gegen- sätze im Innern des Menschen. Unsere Aufgabe muß sein, die Konsumenten aufzuwecken und ihnen zu zeigen, in welcher Ver- bindung die Produzenten mit den Konsumenten stehen. Vereini- gung aller Konsumenten, unter Wahrung der politischen Neutrali- tät, das ist der wichtigste Punkt. In zweiter Linie kommt: wir müssen dem Vermögen der Kartelle ein Sozialvermögen gegen- überstellen. Nur die machtvolle Organisation des großen Sozial- Vermögens kann ein genügendes Gegengewicht gegen das Produ- zentenvermögen sein. Frau Steinbach-Hamburg: Die Mehrzahl der An- wesenden ist nicht derselben Meinung über den Weg zur Be- kämpfung und Besiegung der Kartelle, des Produzentenkapitals, wie die beiden Vorredner. Wir glauben nicht, daß wir durch diesen Weg— Organisierund der Konsumenten— allein das Kapital bezwingen. Es wurde das Gegenteil von dem propagiert, was die Mehrzahl der Anwesenden für richtig hielt. Müller hat Marx den Vorwurf gemacht, daß in dem Lebenswerk Marx', dem„Kapital", kein Wort über Kartelle steht. Daß Marx darüber nichts geschrieben hat, ist nicht weiter verwunderlich, er konnte auch nicht durch dicke Mauern gucken. Müller hat uns kein Mittel zur Bekämpfung der Kartelle usw. gesagt, als das der Organisierung der Konsumenten. Wenn wir neutral his aus die Knochen bleiben, ob wir damit die Truste und Syndikate besiegen?(Zuruf: Niemals!) Ich meine, wir müssen uns da auch auf einem anderen Gebiete beteiligen. (Sehr richtig!) Mir kommt eL vor allen Dingen darauf an, die Armen und Elenden zu organisieren, da kann ich nicht sagen, ob du ein Freisinniger bist, oder ein Nationalliberaler, das ist egal, wenn du dich nur einer Konsumcntenorganisation anschließt. Dr. M ü l le r- Hamburg im Schlußwort: Ich glaube, daß eine Tagung der Konsumenten die richtige und einzige Stelle ist, in der man als hervorragendstes Mittel die Organisation der Konsumenten predigt. Wir haben politische Organisationen, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Ich sprach als Konsument zu Konsumenten und habe nicht so gesprochen, wie ich aus einem sozialdemokratischen Parteitag sprechen würde. Allerdings würde ich auch dort das wirtschaftliche Moment in den Vordergrund stellen. Ich habe Marx keinen Vorwurf gemacht, ick habe ihn nur als Beispiel angeführt, daß die Kartelle noch jung sind. Und ich habe mich nur über diese lustig gemacht— und das werde ich auch künftig tun—, die dem Werk den Charakter einer Bibel beilegen, und alle übrigen steinigen, die glauben, daß auch dies Werk vergänglich ist. **. * Es war recht überflüssig, daß der Referent seinen Vortrag, dessen nichts weniger als tiefem Jdeengang die Genossin Steinbach mit Recht entgegentrat, durch völlig verfehlte Herabsetzung von Marx schmackhafter zu machen suchte. Zum mindesten hätte man von jemandem, der eine positive Behauptung über Marxanhänger aufstellte, erwarten müssen, daß er auch Marx gelesen hat. Wer eine falsche Behauptung mit apodiktischer Gewißheit aufstellt und gar zu dem ausgesprochenen Zweck, um sich über andere lustig zu machen, macht sich lächerlich, wenn seine Behauptung falsch ist. Und das ist die des Dr. Müller. Im zweiten Band des„Kapi- tals" mag er nachlesen, wie Marx voraussagte, daß große Industrie- Magnaten(in der Art der Kartelle) die Regulierung der Pro- duktion an sich reißen würden. Im dritten Band des„Kapitals", Seite 424 ff., kann ferner Dr. Müller die Bemerkung Engels über die Bildung von Kartellen finden. Gleichzeitig möge er dag 27. Kapitel aus dem dritten Bande des„Kapitals" studieren, in dem Marx die Rolle des Kredits in der sozialistischen Produktion be- spricht. Dann wird er hoffentlich von der Ungereimtheit der von ihm aufgestellten Behauptung sich überzeugen. Dem Fortschritt des genossenschaftlichen Gedankens dienen Ausführungen, wie die des leitenden Redakteurs des genossenschaftlichen Organs, sicherlich nicht. Desto erfreulicher, daß seinen utopischen Anschauungen eine so engergische Anhängerin des Genossenschaftswesens, wie die Genossin S t e i n b a ch es ist, entgegentrat. Zur Frage der genossenschaftlichen Ferienheime wurde folgende Resolution angenommen: „Der 6. Genossenschaftstag des'Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine erkennt an, daß die Errichtung von Ferienheimen für die Angestellten und Arbeiter der Konsumvereine einen wich- tigen Schritt in der sozialen Fürsorge bedeutet. Soweit die Genossenschaften oder genossenschaftlichen Vereinigungen glauben, diesen Schritt in der Ausgestaltung ihrer Lohn- und Arbeits- Verhältnisse tun zu können, ist ihr Vorgehen freudig zu begrüßen." Tarifverträge. lieber die Revision der Tarifverträge mit dem Verband der Bäcker und Konditoren und Berufsgenossen sowie mit dem Deut- schen Transportarbeiterverband hielt von Elm-Hamburg das Referat. Es lagen hierzu folgende Anträge bor:„Der Verband süd- deutscher Konsumvereine beantragt, es möge zur Schaffung zweck- entsprechender Grundlagen für künftige Tarifvereinbarungen mit den Gewerkschaftsorganisationen die Bildung einer Tarif- k o m m i s s i o n durchgeführt werden, die zu gleichen Teilen aus Vertretern der für die Vereinbarung in Betracht kommenden Ge- nossenschaften einerseits und der in den Genossenschaften tätigen Arbeiter und Angestellten bezw. der zuständigen Gewerkschafts- Organisationen andererseits zusammenzusetzen ist. Die Zusammen- setzung und die Kompetenz dieser Tarifkommission soll in An- lehnung an die Grundsätze der Tariforganisation im deutschen Buchdruckergewerbe geregelt werden. Dem 1910 stattfindenden Ge- nossenschaftstag ist eine dementsprechende Vorlage zu machen." Ferner beantragten die Konsum-, Bau-, Spar- und Produktiv- genossenschaften Nürnbergs:„Der Genossenschaftstag wolle be- schließen: die dem Zentralverband deutscher Konsumvereine an- gehörenden Konsumvereine werden verpflichtet, beim Einkauf von Waren darauf zu achten, daß dieselben nicht in Zucht- Häusern oder Gefängnissen angefertigt werden und daß die Waren nicht unter den von den GeWerk- schaften fe st gesetzten tariflichen Bedingungen hergestellt werden. Es sind ferner alle Bestrebungen zu unter- stützen, die geeignet sind, die krassen Zustände in der Hausindustrie zu beseitigen. Der Genossenschaftstag hält es jedoch für unerläh- lich. daß die Gewerkschaften in nachdrücklichster Weise zur Stär- kung der Konsumvereine beitragen, indem sie für den Beitritt zu den Konsumvereinen Propaganda machen." Nach längerer Diskussion wurden hierauf die Tarifver- träge mit den beiden Verbänden nach den gemachten Vorlagen genehmigt, der Antrag des Verbandes süd- deutscher Konsumvereine abgelehnt, der Antrag Nürnberg dem Vorstand zur Berücksichtigung bei den Verhandlungen zwischen der Generalkommission der Gewerkschaften und dem Zentralverband cher Konsumvereine überwiesen. Ferner wurde beschlossen, das Tarifamt zu erweitern. Es soll in Zukunft aus ö Mitgliedern der Gewerkschaften und 5 Mitgliedern der Konsumvereine zusammengesetzt werden. Loren z-Hamburg referierte über die Tätigkeit deS Tarifamts. Referent führte die wichtigsten Fälle an. die zur Anrufung und Entscheidung des Tarifamts geführt haben.— Im Anschlüsse daran wurden zu Mitgliedern des Tarifamts von Elm, Lorenz, Krctschmer, Rieger, Posselt, Arnold, sämtlich aus Ham- bürg, gewählt. Markus-Remscheid erstattete sodann den Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine.— Hierauf wurde die Verbandsabrechnung für 1998, die in Einnahme und Ausgabe mit 37 893,83 M. schließt, genehmigt, ebenso die Verteilung der Zuwendungen an die Revisionsverbände, wofür 11299 M. zur Verfügung stehen. Das turnusmäßig ausscheidende Mitglied Barth-München und die ausscheidenden drei Ausschußmitglieder von Elm-Hamburg, Professor Staudinger-Darmstadt und Bobbig-Zwickau wurden wiedergewählt. Der Voranschlag für 1919 wurde in Einnahme und Ausgabe mit 36 999 M. genehmigt. Damit waren die geschäftlichen Verhandlungen erledigt und die Tagung wurde geschlossen. Heute findet die Hauptversammlung der Großeinkaufsgesellschaft statt. Hub der Partei. DaS Organisationsstatut. Im Sozialdemokratischen Verein Offenbach referierte der Parteisekretär Genosse Horrer über den Entwurf der Organisationskommission. Er wandte sich unter anderem da- gegen, daß der„Vorwärts" Zentralorgan bleibe. Er könne dieser Stellung nicht genügen. In der Debatte führte Genosse Reichs- tagsabgeordneter Ulrich aus, die Partei habe sich so entwickelt, daß sie eines Zentralorgans nicht mehr bedürfe. Fast überall breche die Ansicht durch, möglichst in vielen Kreisen selbständige Organe zu gründen, weil ein Zentralorgan nicht die Interessen aller Kreise vertreten kann. Der Gedanke der Zentralisation braucht dabei nicht aufgegeben zu werden. DaS Zcntralorgan kann nicht der Ausdruck des Gedankens der gesamten Partei sein. So hat der„Vorwärts" in der Frage der Finanzreform den Versuch ge- macht, die Fraktion festzulegen; dagegen verwahre er fi4_ Die „Parteikorrespondenz" könne nicht, wie die Meinung geäußert wurde, als Zentralorgan ausgestaltet werden; vielleicht lasse sich über die Umgestaltung zu einem parteioffiziellen BekanntmachungS- blatt reden. Die Meinungsverschiedenheiten, die eS in der Partei, besonders in der Presse gibt, sind lein Unglück, sie spiegeln ja nur das rege geistige Leben wider. Zu der B e i- tragsleistung ist Redner der Meinung, daß die Organi. sationen. die mehr als den Mindestbeitrag erheben, auch mehr ab- zuliefern haben. Darüber muß eine positive Bestimmung geschaffen werden. Zur Frage deS Ausschlusses äußert sich Redner, man solle nicht gleich alle Meinungsverschiedenheiten als parteischädigend ansehen. Die bisherigen Bestimmungen über den Ausschluß genügen vollkommen. Zur Vertretungsberechfigung der Reichstagsabgeordneten ist Genosse Ulrich der Anschauung, man solle es der Fraktion ersparen, unter sich erst auszuwählen, wer auf den Parteitag zu gehen habe. Die Abgeordneten sind der Partei verantwortlich und auf dem Parteitag können die Ge- nossen Rechenschaft von ihnen verlangen. Genosse Golbstein als Redakteur. Ueber diese Seite de? Wirken? GoldsteinS sagt das „Sächsische Volksblatt" zu Zwickau in seinem warm geschriebenen Nachruf: „Hohe Anforderungen wurden während dieser Zeit an die geistigen und körperlichen Kräfte Hermann Goldstcins gestellt. Denn 1892 hatten ihn bereits die Genossen des 18., 22. und 23. sächsischen Wahlkreises als Redakteur an das„Sächsische Volks- blatt" berufen, das sie eben erst begründet hatten. Aus den kleinsten Anfangen heraus hat Hermann Goldstein dann das „Sächsische Volksblatt" zu dem gemacht, was es heute ist. Das„Sächsische Volksblatt" verdankt ihm ungeheuer viel. Tag und Nacht hat er seine Förderung sich angelegen sein lassen, und mit ehernem Griffel hat er die Spuren seiner geistigen Tätigkeit in die Blätter des„Sächsischen Volksblattes" ein- gegraben. So mancher schneidige Leitartikel, so manches humoristische Feuilleton gibt Kunde davon. Die Laufbahn des sozialdemokratischen Journalisten ist opfer- und dornenvoll. Auch Hermann Goldstein hat das erfahren müssen. Seine Tätigkeit als Redakteur am„Sächsischen Volksblatt" hat ihm wiederholt Gefängnisstrafe eingetragen; er hat sie als Betriebsunfall hin- genommen, ohne im geringsten in seiner polifischen Ueberzcugung wankend zu werden. DaS letzte Mal wurde ihm im Jahre 1893 Gelegenheit gegeben, sieben Wochen lang über die Schönheiten des Klassenstaates nachzudenken." Konsequente. Im Sozialdemokratischen Verein in Mül» hausen i. Elf. gab am Montag der Vorsitzende Kenntnis von einem Schreiben von sechs Vereinsmitgliedern, sämtlich Setzer in der Druckerei des Mülhauser Parteiorgans, worin diese Sechs an- gcsichts des Vereinsbeschlusses, wodurch sie wegen Nichtabführung des Tagesverdienstes des 1. Mai für unwürdig erklärt wurden, Vertrauensämter in der Partei zu bekleiden, erklären:„Solange dieser Beschluß deS Kreisvereins besteht, der uns unsere M echte als Parteimitglieder deschneidet, solange ruhen auch unsere Pflichten der Partei gegenüber." Aus Antrag des Vorstandes beschloß die Versammlung einstimm ilg, dieses Schreiben, das die Weigerung der ferneren Beitragszahlung ein- schließt, als Austrittserklärung zu betrachten und diese Sechs in der Mitgliederliste zu streichen. Won den Sechs war keiner in der Versammlung erschienen. Ein Siebenter hat schon zwei Tage nach dem erwähnten Vcreinsbeschluß seinen Austritt erklärt, so daß jetzt kein einziger Setzer aus der Druckerei des Mülhauser Parteiblattes mehr dem Sozialdemokratischen Verein angehört. In der Versammlung wurde diese Klärung begrüßt, da zwei von diesen Leuten sogar bei der vorjährigen Kandidaten- aufstellung zur Gemeinderatswahl mit in Betracht gekommen waren. Der Wert einer militärischen Berichtigung. Wir haben bor einiger Zeit von der„Berichtigung" Notiz genommen, die das Generalkommando des 14. Armee- korps(Baden) dem Karlsruher„Volksfreund" auf die Dar- stellung gesandt hat, die unser Parteiblatt unter der Stichmarkc: „Stecht ihn nieder, den Hund!" über den Konflikt zwischen einem Fuhrmann und einen Leutnant veröffentlichte. Der„Volksfreund" hatte zu dieser„Berichtigung" kritische Vor- behalte erhoben, die wir auch wiedergegeben haben. Wie recht unser Karlsruher Partciblatt hatte, das geht aus dem weiteren Verlauf der Affäre hervor: Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat am Ende der verflossenen Woche den Fuhrmann über die Affäre vernommen. Er hat wörtlich bestätigt, daß die Worte „Reißt ihn runter, stecht ihn nieder, den Hund!"(womit der Fuhrmann gemeint war) gefallen sind. Auch das Kommando: „Säbel heraus!" sei gegeben worden. Der Fuhrmann nannte auch einen Augenzeugen, einen Schreincrmeister aus einem kleinen Orte bei Karlsruhe. Auch dieser bestätigte die Angaben des „Volksfreunds". Somit ist die tatsächliche Feststellung der Be- richtigung als nicht zutreffend erwiesen worden. Das General- kommando des 14. Armeekorps hätte besser getan, zu schweigen. Es hat der von ihm vertretenen Institution und dem Leutnant keinen Dienst geleistet._" pollzciUches* OerfchtHchc» uf». Wegen Tragens republikanischer Abzeichen wurde vom Dresdener Schöffengericht Genosse Hirschberg zu 29 M. Geldstrafe verurteilt. Hirschbcrg hatte einen Kranz mit roter Schleife gelegentlich der Ehrung der Mörzgefallenen von 49 getragen. Rechtsanwalt Giese wies vergeblich auf die Iln- Haltbarkeit dieser alten Verordnung hin. Das Gericht stützte sich nämlich auf einen Erlaß aus dem Jahre 1819 und auf ein Urteil des Oberlandesgerichts._ Der Danziqcr Polizeipräsident als Erzieher. Für Dienstag meldeten die Danziger Genossen eine öffentlich«: Volksversammlung an. DaS Plakat hatte folgenden Wortlaut: Oeffentliche Volksversammlung zum Protest gegen die neuen Wuchersteuern. Dienstag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, im „Danziger Bürgergarten" in Schidlitz. Tagesordnung:„Die Volksausplllnderung durch die Reichsfinanzreform." Referent: Herr Rechtsanwall Hugo Haase, Königsberg i. Pr. Freie DiS- kussion. Männer und Frauen erscheint in Massen. Die sozial- demokratische Parteileitung. Die Danziger Plakatsäulen befinden sich durch Pachtvertrag mit der Stadt in den Händen des„freisinnigen" Verlages der„Danziger Zeitung". Seit längerer Zeit schlägt diese Firma sozialdemokratische Plakate nur dann an, wenn ihr eine polizeiliche Bescheinigung bor- gelegt wird, daß Einwendungen gegen die Veröffentlichung nicht erhoben werden!— In dieser Zwangslage mußte auch der Drucker jenes Plakats beim Polizeipräsidium die Erteilung der Bescheinigung nachsuchen, daß es nicht beanstandet wird. Darauf erließ der Polizeipräsident diese„Verfügung": «önisil. PolMipräsident. Danzig. den 11. Juni 1999. Ich muß mich gegen die in dem anliegend zurückfolgenden Plakatentwurf enthaltenen Ausdrücke„Wucher steuern" und . Volksau S'plünderung" aussprechen. ES empfiehlt sich, an die Stelle dieser Ausdrücke Parka- mentarisch zulässige W o rte zu setzen. Der Vorlegung des abgeänderten PlakatemwurfeS sehe ich entgegen. Weffel. Dem Polizeipräsidenten und dem ihm blind ergebenen„frei- finnigen" Verlag ließ die„Königsberger Volkszeitung" daraufhin die Belehrung angedeihen, daß z. B. auch Wilhelm II. von»Vrot- wucher" gesprochen hat!_ Jugendbewegung. „Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 1t hat n. a. folgenden Inhalt: Die deutsche Fortbildungsschule. Von Jul. Hoff- mann-KaiserSlautern.— Wofür? Fortsetzung deS Zwiegesprächs über die Reichsfinanzreform.— Bilder von der Walze.— Das Werden im Weltall.(Fortsetzung.) Von F. Linke.(Mit Illustrationen.)— Eine gewerkschaftliche Lehrlingsorganisation.(Schluß.) Von Paul Barthel.— Ein Jesuitenstückchen.— Vom Kriegsschauplatz.— Aus der deutschen Jugendbewegung.— Ausländische Jugendbewegung. U. s. w.— Beilage: Sonntagmorgen. Gedicht von A. M.— Weil'S recht war. Eine Geschichte aus dem Wald. Von A. Ger.— Wie ich ein feiner Kerl wurde. Erzählung von Adolf Ernst.— Welt und Wissen.— Der rechte Barbier. Gedicht von A. v. Cha- miffo.— Der Jahreskongreß der Jungen sozialistischen Garde Belgiens wurde letzten Sonntag in M o n S abgehalten. Vertreten waren 35 Ortsgruppen. Aus dem Bericht des Vorstandes geht hervor, daß die jungen Genossen auch im vergangenen Jahre wieder äußerst fleißig unter der Jugend sozialistische Aufklärung verbreiteten. Der „Katechismus des Soldaten" wurde in 19 999 Exemplaren, der „Rekrut"(in französischer und flämischer Sprache) in 57 999 und die„Kaserne" in 69 999 Exemplaren verbreitet. Nachdem eine Reihe OrganisationSftagen erledigt waren, Ivurde eine Resolution an- genommen, in der die sozialdemokratischen Vertreter in der Kammer aufgefordert wurden, energisch auf die Abschaffung des Stell- vertretungsshstemS, überhaupt auf Beseitigung deS stehenden Heeres hinzuarbeiten. Die Gruppen werden aufgefordert, unaufhörlich gegen den Militarismus zu demonstrieren. eingegangene Druch$;hriftoi. „In Freie» Stunden«. Die Hefte 20 bi» 22 sind erschienen uno brlnqen n. a. dt« Fortsetzung des historischen Romans„K e n i l w o r t h" von Walter Scott. In dem mit dein I. Juli erscheinenden neuen Bande ge- langt als Hauptroman„Stephan vom Grillenhos« von Minna Kautsky zum Abdruck. Jedes Hest kostet 10 Ps. Kommunale Praxis. Wochenschrist für Kommunal- Politik und Gemeindesozialismus. Die Hestc 29 bis 22 sind erschienen. Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement. Der Preis für die wöchentlich einmal erscheinende Zcltschlift beträgt 3 M. pro Quartal. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen entgegen._ lilmtltcher Marktbericht der städtischen Markthalleii'DtrcMon über den Grotzhmtdel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach. Geschäst still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend, Geschäft rege, Preise bcsriedigend. Geflügel: Zufuhr ge. nügcnd, Geschäft etwas reger, Preise wenig verändert. Fische: Geschäft ziemlich lebhaft, Zufuhr niätzig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst still, Preise für Butter la Qualität anziehend, sonst un> verändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Geschäst in Obst leb- hast, in Gemüse schleppend. Preise nicht wesentlich verändert. Heute neu am Markt: Aal. Aprikosen und Pflaumen. Restaurant„Hungriger Volf"taN». Vorzügliche Küche, Kaffeeküche, Tanzsaal, Kegelbahn. _ Um werten Zuspruch bittet 556* Panl Oarow, Bes. Augen auf! 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Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Ringer& Co., Berlin SW. »/z Uhr, bei Wolf Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Auf- nähme neuer Mitglieder. 2. Organisationsstatut des Parteitages. 3. Parteiangelegenheiten. 4. Verschiedenes. berliner JVadmcbten. Schwindender„Kindersegen". Die Minderung der Geburten schreitet in Verlin unaufhaltsam fort. Wenn einmal das Abwärts durch ein Aufwärts unterbrochen wird, so handelt es sich immer nur um eine vorübergehende Erscheinung, auf die in der Regel sehr bald ein um so stärkerer Rückgang folgt. Ganz besonders ungünstig ist das Ergebnis, mit dem Las Jahr 1908 abgeschlossen hat. In 1908 wurden � nach den neuesten Zusammenstellungen des Berliner Statist:- schen Amts— nur 51 036 Kinder geboren, während in 1907 noch 52 899 Kinder geboren worden waren. Auf das Tausend der gleichzeitigen Bevölkerungszahl gibt das in 1908 nur 21,27 Geborene, in 1907 noch 25,21 Geborene. Man sieht, wie jäh im Jahre 1908 die Geburtenziffer abgesunken ist.(Die Totgeborenen sind hier und weiter unten überall mitgezählt.) Das Ergebnis von 1906 hatte noch als ein Verhältnis- mäßig günstiges bezeichnet werden dürfen. Es bildete de:: Abschluß einer mehrjährigen Periode, in der die Abwärts- bewegung wieder mal zum Stillstand gekommen war. In den Jahren 1906, 1905, 1901, 1903 waren— nach den Mitteilungen im neuesten Band des Berliner Statistischen Jahr- buchs, der die Geburtenstatistik erst bis 1906 enthält— 53 372, 51 300, 50 739, 49 571 Kinder geboren worden. Die Aufwärts- bewegung dieser Zahlen erweist sich als minder stark, wenn sie verglichen werden mit der gleichzeitigen Bevölkerungszahl, die ja inzwischen sehr erheblich gestiegen war. Für 1906, 1905, 1904, 1903 ergibt das pro Tausend der Bevölkerung 25,85, 25,51, 25,86, 25,79 Geborene. In dieser Periode ze:gte sich also keine nennenswerte Aenderung, um so stärker war aber die Geburtenminderung gewesen, mit der das Jahr 1903 ab- geschlosseir hat. Die Geburtenziffer war in 1903, wie oben an- gegeben, 25,79 pro Tausend der Bevölkerung, aber sie stellte sich in 1902 auf 27,00, in 1901, 1900, 1899/ 1898 auf 27,68, 27,71, 27,99, 23,91. In 1898 noch 28,91 und jetzt in 1908 nur noch 24,27— das ist in einem Jahrzehnt ein Rückgang um ziemlich ein Sechstel der Ziffer von 1898. Geht man noch weiter— um drei Jahrzehnte— zurück, so ergibt sich für die Jahre 1878, 1888, 1898. 1908 die unauf- h a l t s a m absinkende Reihe 4 4,1 5. 3 4,5 6. 2 8,9 1, 2 4.2 7. Die höchste Geburtenziffer des 19. Jahrhunderts war im Jahre 1876 mit 47,17 erreicht worden. In dem laufenden Jahre 1909 wird die Ziffer sicherlich noch nicht halb so hoch wie damals ausfallen: denn von einem Stillstand der Ge- burtenminderung bann, wie die ersten Monate dieses Jahres bereits wieder gezeigt haben, noch keine Rede sein. Die Abwärtsbewegung tritt noch schärfer hervor, wenn man die Betrachtung auf die ehelich Geborenen be- schränkt und deren Zahl mit der jeweiligen Durchschnittszahl der Ehefrauen Berlins vergleicht. Im neuesten Band des Berliner Statistischen Jahrbuchs ist diese Vergleichung durch- geführt worden bis zun: Jahre 1906, in dem bei einer Durch- schnittszahl von 393 032 Ehefrauen nur 43 970 Kinder ehelich geboren wurden. Pro 1000 Ehefrauen brachte das Jahr 1906 kimpp 112 ehelich Geborene, während das Jahr 1876 volle 240 ehelich Geborene pro 1000 Ehefrauen gebracht hatte. I n 1876 gebar durchschnittlich fast jede vierte aller Ehefrauen ein Kind, in 1906 aber trug durchschnittlich nur jede neunte aller Ehe- frauen das ihre zur Volksvermehrung bei. Hiernach ist die Zahl der ehelich Geborenen, verglichen mit der Zahl der Ehefrauen, schon jetzt bei weitem nicht mehr halb so groß wie vor 30 Jahron. Welches können die Ursachen einer so bedeutenden Ge- burtenverminderung sein? Gewiß wirken hier mehrere Ur- fachen zusammen. Für den ganzen Zeitraum der letzten drei Jahrzehnte dürfte als wichtigste in Betracht kommen die willkürliche Beschränkung der Kinderzahl, die vielsn Ehepaaren aufgedrungen wird, weil ihre wenig günstigen Erwerbsverhältnisse ihnen die Auf- zucht eines zahlreicheren Nachwuchses unmöglich machen. Dieser Ausweg wird von denen, die eine stärkere Vermehrung der Bevölkerung für wünschenswert und notwendig halten, als bedenklich angesehen. Aber diejenigen, die ihn wählen, befinden selber sich wohl dabei, daß sie vor einem Uebfctmaß des„Kindersegens" bewahrt bleiben. Die Perioden einer außergewöhnlich schaxf hervortretenden Gcburtcnmiichcrung — wie die, in der wir uns gegenwärtig befinden lassen den außergewöhnlichen Einfluß der Wirtschaftskrisen erkennen, die regelmäßig nicht nur eine Minderung der Ehe- fchließungen, sondern auch noch eine besondere Einschränkung des Nachwuchses mit sich bringen. Richard Augustitt. Wieder ist einer dahingegangen von denen, die ihr Bestes der Partei gegeben: Richard Nugnstin. Jäh, ganz unerwartet, ist Augustin aus unseren Reihen gerissen worden. Auf einem Stuhle in dem von ihm verwalteten Restaurant im Gewerkschaftshause sitzend, traf ihn gestern gegen 7 Uhr abends ein Herzschlag, der seinem Leben ein schnelles Ziel fetzte. Richard Nugnstin hat von der Pike auf der Partei gedient. Von Beruf Hutarbeitcr, wirkte er schon in jungen Jahren für seine Gewerkschaft wie für die Partei. In den achtziger Jahren unter dem Sozialistengesetz stand Richard Augustin in Reih und Glied derer, die furchtlos und unerschrocken rücksichtslos für unsere Partei fochten; keine Gefahr scheuend, wirkte er auf den schwierigsten Posten als Agitator wie als Organisator. Längere Jahre versah Augustin im sechsten Wahlkreise das Amt eines Vertrauensmannes: wiederholt delegierten ihn die Genossen zu den deutschen Parteitagen. Im Jahre 1600 wurde Genosse Augustin zum Stadtverordneten gewählt, wo er den 47. Kommunalwahlbezirk vertrat. Seit Jahren klagte Augustin. daß ihm seine Körperfülle lästig sei, und suchte durch entsprechende Kuren Abhilfe zu erreichen, leider aber ohne dauernden Erfolg. Nun ist er dahingegangen, der Brave. Eine Seere von Mensch. Wer ihn zum Freunde hatte, konnte auf ihn bauen wie auf einen Fels. Eine Freundes- und Bundestreue zeichnete ihn aus, wie kaum einen. Wer Augustin kannte, weiß, was die Partei an ihm verloren und wird mit uns dein Dahingegangenen ein ehrendes Andenken bewahren._ Uever die ZnstSnde in der Stencrannahmcstclle in der Tresckow- sirafic ist schon öfter lebhafte Klage geführt worden, ohne daß Abhilfe geschaffen worden wäre. Bereits bei der EtatSbcratiiug im Vorjahre wurde von einem unserer Genossen in der Stadtverordnetenversammlung das lange Warten und auch die Behandlung gerügt, die den Besuchern dieser Annahmestelle zu teil wird. Herr Stadtrat Tourbi6 fand nur einige nichtssagende Worte. Wie aus verschiedenen Zuschriften an uns hervorgeht, sind die Zustände in dieser Annahme- stelle noch genau so unbefriedigende, wie im Vorjahre. Der Raum, in dem die Steuerzahler abgefertigt werden, ist ein äußerst kleiner und in der jetzigen Zeit, da viele Leute die Steuern nach der Annahmestelle bringen, besteht für die einzelnen Personen eine große Gefahr der GesundheiiSschädigung. 80—100 Personen müssen hier eng zusammengepfercht stundenlang warten, ehe sie abgefertigt werden. Die Luft in diesem engen Zimmer ist geradezu unerträglich; eS herrscht eine unglaubliche Hitze zum Ohnmächtigwerden. Hier müssen die Frauen, die vielfach ihre kleinen Kinder mitbringen müssen, zwei, drei Stunden ausharren, ehe sie ihr Geld loswerden. Wenn der Magistrat nicht schleunigst Abhilfe schafft, wird er wohl durch die Polizei dazu gezwungen werden müssen. Auch über die Behandlung durch die Beamten wird nach wie vor geklagt. Man fühle sich oft wie auf dem Kasernen- Hofe. Wir wollen gern glauben, daß bei dem Massenandrange auch die abfertigenden Beamten es nicht leicht haben: immer aber sollen sie bedenken, daß sie der Steuerzahler wegen und nicht diese ihrct- ivegen da sind._ Ans der städtischen Parkdcputation. In der gestrigen Sitzung der Parkdeputation wurde beschloffen, auf Treptower Terrain, gelegen zwischen Parkstraße und Drnnmweg, einen Pflanzenanzuchtgartcn von 46 Mvrgen Größe zum botanischen Unterricht für unsere Schulen zn errichten. Auf diesem Terrain be- finden sich Laubenkolonisten, welche zum 1. Juli 1900 gekündigt werden sollen. Genosse Gottfried Schulz beantragte noch, die Baum- schulenanlage im Plänterwald für den Verkehr des Publikums freizugeben, welchem Antrage die Deputation ihre Zustimmung gab. Ferner beschloß die Deputation, im Viktoriapnrk an der Kleinen Park- straße eines Erfrischungshalle zu errichten, die vorwiegend zu Brunneu- knren benutzt werden soll, ähnlich der im Treptower Park. Zur Ver- Pachtung dc3 neuen Gartens hatte die Deputation eine Ausschreibung ergehen lassen, nach welchem Pachtaugcbote von 800 bis 8000 M. pro Jahr gemacht wurden. Die Deputation beschloß, einem Herrn Lange, der das Höchstgebot abgab, das Terraü: auf drei Jahre zu verpachten, und zwar soll gezahlt werden: im ersten Fahr 6000 M., im zweiten Jahr 7000 M. und in: dritten Jahr 8000 M. Pacht. Außerdem wurde beschlossen, für die Monate Juni, Juli den Wasserfall im Viktoriapark von 11—1 Uhr mittags und von 4 bis 10 Uhr abends, für den Monat August von 11—1 Uhr mittags und von 3—9 Uhr abends in Betrieb zu fetzen. Die«Erste Schulzahnklinik" wird am 20. d. MiS. in der Aula der 72. Gemeindeschule, Brandcnburgstraße 78/79, eröffnet. Die Räume sind vom Magistrat, nachdem diese Gcmcindeschule dort geschlossen worden ist. dem Deutschen Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden. Die ZeichenauSstellung der Berliner Gcmcindeschulen im Aus- stellungSpark an der Jnvalidensiraße ist seit der Eröffnung von Be- suchern noch nicht leer geworden. Schon am Montag wurden ge- schloffen die ersten Schiilcrabteilungen von ihren Lehrern und Lehre- rinnen hingeführt. Man hat Vorsorge getroffen, daß im Laufe dieser Woche sämtliche drei Oberklassen die Ausstellung besuchen können. Bei der Menge der hier in Betracht kommenden kleinen Wißbegierigen müssen sich leider die Lehrkräfte darauf beschränken, den Kindern einen knappen Gesamtüberblick über das Erreichte zu bieten. Zu einzelnen Erklärungen und namentlich zn Vergleichen mit den Leistungen anderer Gemeindeschulen ist wenig Zeit. Ganz auffällig sticht namentlich ins Auge, daß die Leistungen der verschiedenen Schulen auf demselben Gebiete und in denselben Klassen sehr un- gleich sind. Ist auch die neue Lehrmethode überall gleich durchgeführt, so scheint doch auch die Fähigkeit der einzelnen Zeichenlehrer von ganz bedeutenden: Einfluß zu sein. Alle die Tansende Kinder glühten vor Stolz und Freude, wenn sie ihren eigenen Ausstellungsgegenstand gefunden hatten. Mitunter herrschte an den Tafeln und Tischen ein beängstigendes Schnattern und Drängeln, so daß die durch gelbe Schleifen kenntlichen Aufsichtsführer, deren Zahl ein wenig gering ist. Mühe hatten, die Ordnung aufrcchtznhaltcn. Die Nachmittage brachten starken Besuch von Fachintercssenten und vor allem von Eltern, die sich an dem Anblick der Leistungsfähigkeit ihrer Lieblinge mit Recht weiden konnten. Dagegen zeigt sich das große Publikum, soweit es nicht direkt interessiert ist, ziemlich gleichgültig. Viel zu wenig werden die auf den Tischen zu Hunderten ausliegenden Hefte der einzelnen Zeichenklasscn, welche durchweg nur Zeichnungen ja desselben Gegenstandes von der Hand aller Schüler und Schülerinnen enthalten, beachtet. Für den Fachmann sind gerade diese Hefte, welche die verschiedenartige Lösung der gleichen Aufgabe zur Anschauung bringen, von höchstem Interesse. Ausgeblieben ist bis jetzt auch der Besuch der höheren Schulen. Sie könnten von dem, Ivas die Sprößlinge der Minderbegütcrten geleistet haben, noch manches lernen. Wie dem Schreiber dieser Zeilen ein Schulfachmann mit aller Bestimmtheit erklärte, fällt sogar ein Vergleich, bis zum vollendeten 14. Lebensjahre gerechnet, entschieden zugunsten der Gcmcindeschule aus. Die Ursache dieser Erscheinung zu finden, dürfte nicht allzu schwer sei». Der nächste Sonntag, an dem die Ausstellung abends 6 Uhr mit einem kleinen osfiziclleu Akt geschlossen werden wird, dürfte noch einen Massenbesuch von Eltern, die in der Woche durch ihre Arbeit abgehalten sind, bringen. Ein Zusammenstoß zweier Stadtbahnzügr, der zu übertriebenen Gerüchten Veranlassung gab, verursachte gestern (Mittwoch) abcnß im Betriebe der Stadtbahn nach beiden Richtungen eine größere Verkehrsstörimg. Ueber den Unfall, bei welchem vier Personen glücklicherweise nur leicht verletzt worden sind, gehen uns folgende Mitteilungen zu: Der Vorortzug Nr. 1514 von Nieder-Schöucweide nach Grüne- Wald, der um 7.24 Uhr abends auf dem Bahnhof Alcxauderplatz einlaufen sollte, hatte keine Einfahrt und hielt vor der Vlockstation an der Königstraße mit dem Schlußwagcn gegenüber dem Polizei- Präsidium. Ihm folgte drei Minuten später der Südringzng Nr. 2130, welcher angeblich die vorhergehende Blockstation überfahren haben soll, in voller Fahrgeschwindigkeit. Da der Schlußwagcn in einer Kurve stand, konnte der Lokomotivführer des NingzugeS den Vorzug nicht rechtzeitig erkennen und bemerkte erst zu spät das Hindernis. Obwohl er sofort Gegendampf gab, gelang es ihm nicht, seinen Train rechtzeitig zum Stehen zu bringen, und die Maschine des SiidriugzugcS fuhr mit großer Gewalt auf den Schluß- wagen 3014 des Vorortzuges ans. Glücklicherweise schob sich das Bodengestell der Lokomotive unter den Waggon, so daß dieser mit einer Hinterachse hochgehoben wurde. Durch den Anprall wurden sänüliche Fensterscheiben des Waggons zertrümmert, die Maschine ist nur wenig beschädigt worden. Für die Dauer einer halben Stunde war der Verkehr in der Richtung nach dem Schlesischen VaJP chof gesperrt, während der reguläre Betrieb nach Bahnhof Fne>-r'chstraße erst spät abends aufgenommen werden konnte: bis dahin wurden die Züge über die Ferngleise geleitet. Die in dem angefahrenen Waggon befindlichen Paffagiere kamen fast sämtlich mit dem bloßen Schrecken dabon. Nur vier Personen erlitten leichte Verletzungen durch umherfliegende GlaSsplittcr. Zwei derselben wurden an Ort und Stelle verbunden und entfernten sich, ehe ihre Personalien fest- gestellt werden konnten. Auf der Ulffallstation in der Alten Schützen- straße erhielten der Hausdiener August Menzel von den Terrassen in Halensee sowie eine Frau Elz aus Schöncbcrg ärztliche Hilfe, konnten sich aber sofort»ach ihren Wohnungen begeben. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich am Alcxauderplatz und in der Dirckscustraßo angesaminelt. Der letztere Straßcuzug war an der Unfallstelle für jeden Verkehr gesperrt. Eine andere Darstellung besagt: Der Zusammenstoß zweier vollbesetzter Stadtbahnzüge auf der Stadtbahn am Alcxauderplatz alarmierte an: Mittwochabend die Feuerwehr, Polizei und viele Berliner. Gerade gegenüber dem Polizeipräsidium an der Dircksen- straße, dort wo die Stadtbahn an der Grnnerstraße eine scharfe Kurve macht, war kurz vor 7 Uhr ein Vorortzug von Köpenick kommend auf einen Stadtbahnzug, der wegen eines auf dem Bahnhof Akexaudcrplatz noch nicht abgefertigten Stadtbahnzuges keine Einfahrt hatte, von hinten aufgefahren. Die Lokomotive 6624 des Vororiznges bohrte sich in einen gut besetzten Wagen dritter Klasse, hob diesen etwa einen halben Meter aus den Schienen und mit den Hinteren Achsen in die Höhe. Zum Glück wurde der Wagen, der auf dem äußeren Gleise an der Dircksenstraße stand, nur ein wenig mit dem ganzen Zuge vorwärts geschoben und blieb dann mit der schiebenden Lokomotive fest verbunden in dieser schiefen Lage stehen. Bei dem Zusammenstoß gingen sämtliche Scheiben und die Mehrzahl der Türen des Wagens entzwei. Der folgende Wagen blieb fast unversehrt, auch die Lokomotive und die übrigen mit dieser verkuppelten Wagen haben nur ganz geringen Schaden erlitten. Die Fahrgäste beider Züge sind mit unerheblichen Verletzungen und dem Schrecken daougckommen. Von den Beamten ist auch niemand ernstlich verletzt worden. Die Feuerwehr, die unter Leitung des Ober- brandiuspeltors Reinhardt sofort ausgerückt war, konnte bald wieder abrücken, da Hilfe nicht mehr erforderlich war. Die Schuld an dem sehr glimpflich verlaufenen Zusammenstoß wird den: Führer der Lokomotive 6624 beigemessen. Er soll das Haltesignal für den vor dem Bahnhof stehenden Zug überschen und erst an der Schicklrrstraße Gegendampf gegeben haben. Demgegenüber wird aber behauptet, daß der Führer wegen der Kurve an der Grunerstraße dieS für den haltenden Zug bestimmte Haltesignal gar nicht hätte sehen können. Ob dies richtig ist, muß die llutcr- suchung ergeben. Der von Osten nach Westen gehende Stadt- und Vorortverkehr mußte mehrere Stunden über die Ferngleise geleitet werden. Verlin, 16. Juni. Amtlich wird gemeldet: Heute abend um 7 Uhr 1 Minute ist der Südringzug 2621 auf den aus Betriebs- rücksichten vor Station Alcxanderplatz haltenden Personenzug 2640 aufgefahren. Getötet ist niemand. Als leichtverletzt haben sich gemeldet: Hugo Matschinck, unbedeutende Hautabschürfung, Walter Ludwig, drei Jahre alt, eine leichte Beule cm der Stirn, Arthur Mcnzel-Halcnsee, klagt über Rückenschmerzen, Frau Runge, Markgrafendamm 10, will an Schwindelanfällen leiden. Alle vier sind ohne ärztliche Behandlung und befinden sich zu Hause.— Die Maschine des ankommenden Zuges und drei Wagen des haltenden Zuges sind leicht beschädigt. Die Störung wird ll-h Stunden dauern. Ursache des Unfalls ist Ucberfahren des bei Blockbude V auf„Halt" stehenden Blocksignals. Verzweiflungstat aus Not. Den dritten Selbstmordversuch binnen 18 Tagen machte gestern morgen die 23 Jahre alte Näherin Margarete Geroldt aus der Anklamer Straße 52. Das Mädchen unterhielt mit einem 21 Jahre alten Schmiedegcsellen ein LicbeS- Verhältnis, dem vor vier Wochen ein Knabe entsproß. Die Sorge, das Kind unterzubringen, trieb die junge Mutter zur Verzweiflung. Ihr Geliebter ist seit dem 1. Oktober v. I. Soldat und kann sie nicht unterstützen. Ihre Mutter, eine Witwe in der Schulzen- dorfer Straße/ ist ebenfalls mittellos. In dieser Lage trank die Verzlveifelte zehn Tage nach der Entbindung Lysol. Eine Nach- barin überraschte sie dabei, entriß ihr die Flasche, die sie gerade zum zweitenmal ansetzen wollte, und brachte die Unglückliche nach dem Lazaruskranlenhause. Nach vier Tagen geheilt entlassen, wollte sie sich am Sonntagmorgen mit einem Brotmesser die Pulsader der linken Hand öffnen. Als sie jedoch Blut fließen sah, warf sie das Messer weg und lief nach der Wache des 10. Reviers, die ihrer Wohnung gegenüberliegt. Schutzmänner und ein Heilgehilfe verbanden die Verwundete und brachten sie mit ihrem Kinde zu ihrer Mutter. Von dort afier lief die Verzlveifelte vorgestern abend mit ihrem Kleinen heimlich wieder weg und kehrte nach ihrer Wohnung zurück. Gestern morgen um 7% Uhr legte sie das Kind in ihren Neisekorb und sprang dann ans dem dritten Stock auf die Straße hinab. Mit einem Schädelbruch und schweren inneren Verletzungen wurde sie von einem Schutzmann wieder nach dem Lazaruskrankcnhause gebracht, wo sie jetzt hoffnungslos darnieder- liegt. Das Kind wurde dem Waisenhaus übergeben. Als Leiche wicderacfunden wurde gestern nachmittag der fast 17 Jahre alte Kaufmannslehrling Hans Bludau aus Magdeburg, Brciteweg 182, der von seinen Eltern seit dem 9. d. M. vermißt wurde. Man landete ibn vor dem Grundstück Hallesches Ufer 23 aus dem Landwehrkanal. Todcöstnrz in der alten königlichen Bibliothek. Ein bedauerlicher Unglücksfall mit tödlichem Ausgang hat sich gestern nachmittag in der alten königlichen Bibliothek am Opernplatz zugetragen. Die Räumlichkeiten werden gegenwärtig einem Umbau unterzogen, wobei auch der Zimmermann Hermann Riegelt, der bei der Firma Held u. Franke angestellt war. beschäftigt war. AIS R. gestern in der Höhe des zweiten Stockmerks mit Balkeuarbeiten zu tun hatte, stürzt. infolge eines Fehltrittes in die Tiefe. Der Unglückliche schlug unten mit dem Kopf auf, sodaß der Schädel zertrümmert wurde. Ein von der Unfallstation in der Kroncnsiraße herbeigerufener Arzt konnte bei R. nur noch den Tod feststellen. Die Leiche des Verunglückten wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem SchauhauS gebracht. Seinen Berlcbnngen� erlegen ist der 42 Jahre alte Arbeiter August Hübner aus der Swiucmiiudcr Straße 57, der am Montag- vormittag bei der Explosion eines Benzolgasapparates schwere Brandwunden am Gesicht, am Hals und an der Brust erlitt. Der Verunglückte ftarb DienStagnachmittag im Lazaruskrankenhause. Falsche Fünf- und Einmarkstücke werden in neuerer Zeit wieder in Umlauf gebracht. Während die Fünfmarkstücke eine gute Nach- ahmung sind, und nur bei aufmerksamer Beobachtung als Fälschung erkannt werden, ist die Ausführung der Markstücke eine so mangel- hafte, daß es kaum verständlich erscheint, wie sie verbreitet werden können. Diese Münzen sind aus Blei, ihre Prägung ist äußerst mangelhaft und verschwommen. Die Falsifikate haben eine bläu- liche Farbe und dumpfen Klang. Zum Zwecke der Verminderung von Straßenunfällen werden jetzt Schutzinseln überall, wo es die Verkehrsverhältnisse gestatten, an den Straßenkreuzungen angelegt. Vor allen Dingen geschieht dies an solchen Stellen, an denen die Straßenmündungen nach beiden Seiten sich verbreitern und Verkehrsstraßen zusammenlaufen. In der letzten Woche sind an verschiedenen Stellen der Stadt der- artige Jnselperrons zunächst Provisorisch aus Holz hergestellt worden. Stundenlang für Fuhrwerk gesperrt war am Dienstag vormittag ohne vorherige Bekanntmachung die S ch a r n h o r st st r a ß e wegen der vom Jnvalidenhause aus erfolgenden Beerdigung eines Regimentskommandeurs. Dabei war lediglich vor dem Hauptportal eine Ehrenkompagnie aufgestellt, die ebensogut auf dem weiten Vor- Hof des Juvalidenhauses hätte Aufstellung nehmen können. Auch die geringe Zahl der militärischen Leidtragenden rechtfertigte in keiner Weise die Absperrung. Der an der Ecke der Jnvalidenstraße postierte reitende Schutzmann ließ zunächst alles Geschäftsfuhrwerk hindurch. Beim Jnvalidenhause mußte es wieder umkehren, obwohl trotz des Militärs zur Durchfahrt genügend Platz war. Da hier alle Augen- blicke Beiietzungen mit militärischer Trauerparade stattfinden, sollte endlich mit diesen Absperrungsbelästigungcn gebrochen werden. Der schwere Raubanfall auf dem Gesundbrunnen, über den wir gestern nach einer Korrespondenz berichteten, stellt sich nachträglich als ein einfaches Renkonter zwischen einigen etwas animierten Gästen mit dem Gastwirt Noack heraus, wie sie öfter vorkommen, nur daß der Wirt am nächsten Morgen glaubte, es sei ihm bei dem Vorfall auch Geld abhanden gekommen. Die beteiligten Gäste, die Gegner des Wirtes, wurden auch weder dem Untersuchungsrichter vorgeführt noch der Kriminalpolizei eingeliefert, sondern nach Fest- stellung ihrer Persönlichkeit und Aufnahme deS Tatbestandes von der Revierwache wieder entlassen. Arbeiter-BildungSschnle Berlin. Am Sonntag, den 20. Juni: familienauSflug nach Tegel-Schulzendorf. Abfahrt des Zuges nach egel: Stettiner Vorortbahnhof 8.11, Gesundbrunnen 8.17. Treff- Punkt für Nachzügler sowie Teilnehmer, welche die Straßenbahn be- nutzen, bis 10 Uhr vormittags im Humboldt-Restaurant, Inhaber Dewitz, Schloßstr. 23 in Tegel; von 12 Uhr mittags ab in Trillers Restaurant.Hubertus', Inhaber Mlosch, dicht am Bahnhof Schulzen- dorf gelegen. Rege Beteiligung erwartet Das Komitee. Feuerwehrbericht. Wegen eines Kellerbrandes wurde die Feuerwehr nach der Schröderstraße 15 alarmiert; Preßkohlen u. a. brannten dort. In der Lessingstaße 24 mußte ein Wohnungsbrand gelöscht werden, die auf einem Hängeboden ausgekommen war. Der 3. Zug hatte in der Wolliner Straße 14 zu tun, wo durch Unvor- sichtigkeit Feuer ausgekommen war. An zwei Stellen, in der Gottschedstratze 33 und Rathenower Straße 86, wurden Sauer- stoffapparate zur Behandlung von Kranken verlangt. Ferner liefen voch Alarme aus der Adalbertstraße 83 u. a. Stellen ein. Vorort- JVacfmcbtem Lichtenberg. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Unter polizeilichem .Schutz" tagten am Dienstag die Stadtverordneten. Was war denn loS, daß man einen Polizeiwachtmeister und zwei bewaffnete Schutz- leute vor das Rathaus beordert hatte? Run, der Magistrat soll» wegen der Maßregelung eines für leine und seiner Kollegen tätigen städtischen Arbeiter Rede und Antwort stehen. Auf eine Anfrage uiiserer Genossen beim Magistrat in dieser Sache hatten sich die städti- schen Arbeiter in großer Zahl auf der Tribüne des Sitzungssaales ein- gefunden. Allein Anschein glaubte der Mogistrat dadurch die Ruhe und Sicherheit gefährdet, weshalb er für„jeglichen Schutz" Vorsorge treffen ließ. Dich diese Vorsorge war am falschen Platze. Die Ausführungen der bürgerlichen Redner, der Herren Dr. med. Wolf und Fabrikant D. Hirsch, die de» Herrenstandpunkt zum Ausdruck brachten, lösten hier und da Kundgebungen der berechtigten Entrüstung aus, aber eine vom Vorsteher gegebene Ermahnung an die so schwer provo- zierten Arbeiter reichte ans, die Stühe herzustellen— gewiß ein glänzender Erfolg der Erziehungsarbeit der so schwer bedrängten Organisation der Arbeiter. Kann denn der letzte klägliche Rest des Ansehens der Lichtenverger Kommunalverwaltung wirksamer vertrieben werden als durch solche Maßnahmen? Die Sitzung selbst begann mit einer Darstellung der Zustände, die sich bei der Erweiterung der Ringbahnunterführung im Zuge der Gürtelstraße nachgerade zu einem öffentlichen Skandal herausgebildet haben. Genosse Grauer verlangte endliche Ausführung des vor Wochen gefaßten Beschlnsses der Baudeputation, da anscheinend die Polizei dem FiSluS gegenüber machtlos ist, die Baustelle im Interesse von Leben und Gesundheit der Passanten und auch der öffentlichen Sicherheit durch eine Bogenlampe erleuchten zu lassen.— Zu stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbe- und des KaufmannSgerichteS wurde die Assefforen Vockrodt und Ottendorf gewählt.— Die Kosten für die Renovierung des Schulgebäudes im oberen Teile der Dorfstraße mit 2800 Mark wurden bewilligt und damit der Forderung unserer Genossen auf Beseitigung der unwürdigen Zustände dieses Schulgebäudes Rechnung getragen. Das Bauprojekt eines Gebäudes für die höhere Mädchenschule in der RathauSstraße wurde gegen die Einsprüche unserer Genossen noch einmal der Baukommission zurückgegeben. Genosse Grauer wies auf die Kalamität hin. die bei Unterbringung der Volks- schulkindsr im westlichen Teile der Stadt vorhanden ist, so lange da? Volksschulhaus in der Scharrnweberstraße von den.höheren Töchtern" mit benutzt werden muß— vergeblich. Die nachgesuchte Genehmigung der Eiatsüberschreitung bei den städtischen Werken in Höhe von rund 243000 M.. denen„Ersparnisse" von 61000 M. gegenüberstehen— darunter Betriebsarbeiterlöhne von rund 700 M.— zeitigte eine recht lebhaste Debatte, in der die Genossen Brühl und Grauer Zurückverweisung der Vorlage an den Magistrat verlangten mit dem Ersuchen, diesen Mehrausgaben auch eine Uebersicht der Mehreinnahmen beizufügen. Beschlossen wurde, die Vorlage dem NcchnuugsauSschuß zu üoerweisen. DaS gleiche geschah mit der Vorlage über die Dcchargierung der Rechnung über den Umbau des RathauSsaaleS.— Die BegräbniSordnung und ein Gebührentarif sollen neu aufgestellt werden. Unsere Genoffen verlangte» Beratung in gemischter Kommission, um der Frage nach Verstadtlichung des BcerdignugSwesenS, einer Urnenhalle usw. näher- treten zu können. Beschlossen wurde, die Friedhofsordnung einer Kommission zur Vorbcratung zu überweisen. Der Gebührentarif aber wurde gegen die Stimmen unsercr Genossen mit 21 gegen 20 Stimmen angenommen. Bürgersteigherstellnngskosten lassen sich noch immer einige, auch frühere„Hausbesitzer" erstatten, wenn auch die zu erwartende Summe bereits.zediert" ist. Die Herren ließen sich 777 Mark„bewilligen". An die Bandeputation ver- »Viesen wurden die Verlangen der Löverschen Erben auf Veränderungen am Bebauungsplan des früheren Dottifchen Geländes uno dem Magistrat zur Erwägung die Vorlage wegen anbaufähiger Herstellung deS Straßenzuges an der ManritinSkirche. Die Interpellation unsercr Genossen über die Maßregelung des Vertrauensmannes der städtischen Arbeiter begründete Genosse Grauer. Der zweite Bürgermeister betonte, der Arbeiter sei auS dem Betriebe„entfernt" worden,»veil durch den Handzettel, den der Mann verteilt habe, die„Disziplin" gelockert werde und die Vorgesetzten sich beleidigt fühlten I Zum Beweise verlas er de« vom S. Mai datierten, zu einer für Sonntag, den 9. Mai, einberufenen Versammlung einladenden Zettel, den der Arbeiter in seiner dienstfreien Zeit an dienststeie Kollegen außerhalb der Dienst- räume oder Gruudstiicke verteilt hat. In dem Handzettel wird darauf Verlviesen, daß die städtischen Arbeiter der Straßenrcinigung bei der EtatSberatuug leer ausgegangen sind und daß die Ver- sprechungen. die von verschiedenen Vorgesetzten gemacht worden sind, nur Ködcrungsinittel gewesen seien. Zum Schlüsse wird, um die Vertretung ihrer Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, zum Besuch eine Versammlung aufgefordert. Genosse Grauer unterzog die Handlungsweise des Magistrats, der über die Köpfe der Werksdeputation den Arbeiter nach zehn- jähriger makelloser Tätigkeit aufs Straßenpflastcr warf, einer ein- gehenden Beleuchtung. Den Herren vom Magisttat schienen die Ausführungen unseres Redners nicht gerade augenehm zu sein; es rückte und rührte sich keiner der mutigen Mannen. Und die Stadt- verordneten?«Genosse Brühl hatte recht, wenn er sagte, dieses Schivcigen rede Zustimmung. Herr SanitätSrat Dr. Wolf schien beauftragt, den Etandpunkr der„Liberalen Vereinigung" zu ver- treten. Er tat es unter Hervorkehrung des krassesten HerrenstandpunkteS. ES sei das gute Recht des Magistrats, einen Arbeiter, den er nicht haben wolle, zu entlassen; der Arbeiter könne sich anderweit Arbeit suchen I Herr Hirsch von der.freien liberalen Fraktion" meinte, der Magistrat hätte erst eine Zeit darüber hingehen lassen müssen, um dann zur Entlassung zu schreiten, das wäre klüger gewesen. Daß Herr Dr. Wolf erklärte, es sei bei ihm Grundsatz, daß, wer ihm nicht passe, fliegt, und bei seinen Ausführungen sich einer gewissen Reichsverbändlermmner bediente, sei nur nebenbei erwähnt. Niemand außer den sozialdemokratischen Stadtverordneten nahm sich der städtischen Arbeiter an. An der Diskussion beteiligten sich neben Grauer und Brühl auch der Genosse Kertzscher. Eine Interpellation der„freien liberalen Fraktion", die Pflasterung der Friedrichstraße betreffend, zeitigte nur eine kurze Debatte. Rixdorf. Die sozialdemokratische Stadtverordnctcnfraktion hat in ihrer letzten Sitzung zu den Maßnahmen der Schuldeputation (über die gestern berichtet wurde) Stellung genommen. Alle Eltern deren Kinder von Lehrern oder Rektoren aufgefordert wurden, aus der»freien Turnerschaft' auszutreten und wo diese Aufforderung noch mit dem besonderen Hinweis begleitet wurde, daß die Nicht- bcfolgung für die Schüler Unannehmlichkeiten im Gefolge hätte (z. B. Entziehung der bisher unentgeltlich gelieferten Lehr- und Lernmittel), werden ersucht, unverzüglich genaue zweckdienliche Mit- teilung dieser Vorkommnisse an den Genossen S t a d t v e r o r d- neten Groger. Fuldastraße 66/66, Aufgang I 2 Tr. gelangen zu lasse». Wilmersdorf. Ministerielle Verkehrspolitik. Interessante Enthüllungen über den Stand der Schnellbahnangelegenheiten in den westlichen Vororten machte am Dienstag der Stadtverordnete Dr. Heinitz in einer Wilmersdorfer BczirksvercinSversammlung. Die kürzlich von uns ausgesprochene Ansicht, daß das neue Charlottenburger VerkehrSprojekt wesentlich um deswillen keine behördliche Förderung findet, weil der Privatkapitalismus daraus Schaden leiden könnte, wurde von dem Stadt- verordneten mit herzerfrischender Naivität bestätigt. Der Berkehrsminister. so sagte Herr Heinitz, finde den Char- lottenburger Plan nicht Wilmersdorf zuliebe, sondern im Hinblick auf die bestehende Hoch- und Untergrundbahn bedenk- lich. Die von Charlottenburg geplante Linie greife in das Gebiet dieser Bahn ein und der Minister wolle nicht, daß das in diesem Unternehmen niedergelegte Kapital ge- fährdet werde. Diese Enthüllung, an deren Richtigkeit wohl kein Zweifel zulässig ist. bildet ein würdiges Seitenstllck zu dem Beistand, den die Negierung der Großen Berliner Straßenbahn in ihrem Kampf gegen die Stadt Berlin bisher geliehen hat. DaS Verhalten dcS Ministers in dem vorliegenden Falle ist übrigens mit die Konsequenz jenes Vorganges, auf den unser Parteigenosse Singer in der ReichStagSsitzung vom 14. März 1303 hingewiesen hat. Singer führte damals an. daß der Stadt Berlin der Bau einer Untergrundbahn vom Potsdamer Platz in das Innere der Stadt durch eine kaiserliche Order ver- weigert worden sei. Diese Order habe die ausdrückliche Bemerkung enthalten, daß die von der Stadt geplante Linie der Firma Siemens»t. Halske vorbehalten bleiben müsse, damit die Hochbahn rentabel werde. So ist eS denn ja auch bekanntlich gekommen; die Stadt Berlin durfte auf ihrem Grund und Boden keine von Westen nach Osten führende Bahn anlegen. Dieselbe Sache wiederholt sich jetzt zugunsten des Privatkapitalismus der Stadt Charlottenburg gegenüber. AuS der Rede des Herrn Heinitz verdient noch die Mitteilung hervorgehoben zu werden, daß das Verkehrsininisterium sich auch gegen die von Schöneberg für seine Untergrundbahn geplante Linienführung gewendet hat. Nach den Nachrichten an» dem Ministerium sei es ausgeschlossen, daß die von Schöneberg bekundete Absicht, die Bahn nach der B e h r e n st r a ß e zu leiten, jemals die Genehmigung erhalte; die Bahn solle nach dem Bahnhof Friedrich st raße geführt werde»,. Zieht man die feindselige Haltung in Betracht, die der Minister den Charlottenburger Berkehrsplänen gegenüber aus den hier mit- geteilten Gründen einnimmt, so wird vielleicht auch ein Vorschlag verständlich, den der Magistrat von Charlottenburg nach den Versicherungen des Herrn Heinitz der Stadt Wilmersdorf gemacht hat. Charlottcnburg wünscht danach, daß man die ganzen Streitig- leiten durch Vertagung der Schuellbahufrage aus der Welt schaffe. Hiervon will Wilmersdorf natürlich nichts wissen. ES soimt sich in der ministeriellen Gm, st, die ihm zuteil wird, wie gesagt, damit der Privatkapitalismus keinen Schaden leide! Selbsttilord beging gestern früh 4 Uhr auf dem Laubengelände an der Düsseldorfer Straße, Ecke Sächsischestraße, ein Soldat. Wie mitgeteilt wird,»var der Erschossene Bursche des Leutnants v. Herz- berg in der Bleibtreustraße. Steglitz. Am Sonntag, den 20. d. M. veranstaltet die freieJugend- organisation einen Ausflug nach S a d o w a. Abmarsch 7 Uhr morgens von der Rheinstraße, Ecke Kaiser-Allee. Fahrgeld 30 Pfg. Die organisierte Arbeiterschaft wird ersucht, unter der Arbeiterjugend für zahlreiche Beteiligung zu agitiere». Die GtwerkschaftSkowmission nahin in einer erweiterten Sitzung zunächst einen Vortrag des Genossen Wuschick über UnterstütznngS« einrichtungen der Gewerkschaften entgegen. Dem Vortrage folgte eine kurze Diskussion. Hierauf machte der Obmann bekannt, daß am 4. Juli das Volksfest im.Birkcnwäldchen", Schützenstrahe, statt- findet: er ersuchte die Anwesenden, für zahlreichen Besuch desselben zu agitieren. Die Gewcrkschaflsvorstände wurden beauftragt, in den Gclverlschaftcn Umschau nach Eltern von erwachsenen Kindern linter 13 Jahren zu halten und die Adressen derselben de»« Genossen Hagen, Friedenau, Rheinstraße 10, z», übermitteln. Köpenick. Die ultramontane Gefahr lautete da? Thema eine? Vortrages, den in der letzten WahlvereinLversammlijng Genosse Diiwell hielt. Aufgenommen wurden acht neue Mitglieder. Ein Antrag der Kietz- Vorstadt auf Ausschluß des Mitgliedes Zimmer wurde einer Korn- Mission zur Erledigung überiviesem Das StiftmrgSfest findet an, 23. August im Stadttheater statt. Die Versammlung im Juli fällt aus. Auf Antrag der Cöllnischen Vorstadt wurde die Zahlstelle vom G-nossei, Joch zu Becher verlegt. Ferner wurde bekannt gegeben. daß am Sonntag ein A»lsflug der Jugendliche», stattfindet, zu»oelchem eine rege Beteillgulig erlvünscht ist. Pankow. AuS der GetnewdevertretttNg. Nachdem einige vorlagen un« wesentlicher Art angenommen waren, genehmigte die Gemeinde- Vertretung nachträglich eiue Reihe von Ueberschreitungen des Ge- meindcctats für 1903/9, die teils durch zu niedrige Voranschläge (für daS Krankenhaus zum Beispiel mehr zirka 6000 Mark), teils durch immer größere Ausdehnung des BerlvaltungSkörpers verursacht worden sind. Waren die zehn Tagesordnungspunkte schnell erledigt, so dauerte Punkt 11.Verschiedeues" umso länger. Un, den Wochenmarkt entspann sich eine lange Debatte. Seit Jahren petitionieren hiesige Geschäftsleute durch ihre Sprecher in der Ge- meindevertretuug um Abänderung der Markiordnuug, damit die Händler mit Schnitt-, Kurz- und Posameutierwaren vom Marktplatz ferngehalten werden können. Vor einiger Zeit hat die Gemeinde- Vertretung bereits eine Erhöhung der Marktgebühren beschlossen. Diesen Beschluß hat der Bezirksausschuß aber nicht genehmigt; daS Staildgeld soll angeblich zu hoch festgesetzt sein. Von den Geschäfts- leuten, die gegen die Zulassung der vorbezeichneten Händler zum Wochenmarkt sind, wurde in der Gemeindevertretung geäußert, daß eS der Gemeinde iricht würdig sei, einen.Ramschmarkt" abzuhalten; im Interesse der Geschäftsinhaber, die in Pankow Steuern zahle», und im Interesse der Hausbesitzer, denen durch die Marktkonkurrenz die Vermietung der Läden erschwert wird, sei der Wochenmarkt abzuschaffen, wenigstens aber der Ramschmarkl zu beseitigen. Der Veruichtungskampf scheint nicht gegen die auf dem Markt handelnden Schlächter, Obst- und Gemüsehändler geführt zu werden. Das Publikum wird zweifel« los den Markt nicht so stark frequentieren, wie jetzt, wenn die Einkaussgelcgeuheit eingeschränkt wird. Es wird«im, vielmehr die Warenhäuser aussuchen, wo es wie auf dem Markt die Waren mannigfaltig bei einander findet. Ob das im Interesse der Pankowcr Geschäftsleute oder Hausivirte oder der Gemeinde liegt?— Ferner wurde noch ein Dringlichkeitsanttag, betreffend die Gewährung einer Gehaltszulage an Lehrer und Gemeiudcbcamte, eingebracht. Da die Gehälter der Staatsbeamten jetzt aufgebessert worden sind, sollen die Gcmeindebeamten nicht zurückstehen und noch zu den Ferien eine Zulage erhalten. Wird die Gemeindevertretung auch die Gemeinde a r b e i t e r berücksichtigen? Sie hat die Zulage zu- nächst grundsätzlich für die Beamten beschlossen. Die Kommission arbeitet nun eine Vorlage aus. Jedenfalls ist anerkannt, daß die Gehälter wegen der herrschenden Teuerung aufgebessert werden müssen. Wie die Beamten und Lehrer leiden natürlich auch die Gcmeindearbeiter unter der Teuerung und können bei der Ve- willigung einer Teuerungszulage unmöglich übergangen werden. Arbeiter, die lange Jahre im Dienste der Gemeinde stehen, Wind und Wetter, Hitze und Kälte ausgesetzt sind, bedürfen einer Lohn- ausbesserung sowie eines Erholungsurlaubs ebenso dringend wie Beamte und Lehrer. Die Gemeindevertretung mutz auch ihnen gegenüber ihre Pflicht tun und ihnen die Löhne ailfbessern und zwar unter Anerkeummg der Dringlichkeit. Spandau. Eine Bettelei für die gestern und heute hier stattfindende Haupt» versaminlung der Gustav-Adolf-Stiftung war dieser Tage im Gange. Nicht genug damit, daß die Stadtverordnetenversammlung hierfür bereits 600 M. aus allgemeinen Mitteln bewilligte, wurde der Fecht- beute! auch in den Volksschulen geschwungen. Eiue Anzahl Kinder machten ihren Eltern die Mitteilung, daß sie aufgefordert worden waren, Geld mit nach der Schule zu bringen, wofür wußten die Eltern nicht. Am Dienstagabend wurde daiin in den hiesigen Lokal- zeitnugen über den Verlauf deZ ProviuzialfesteS der Brandenburgischen Gustav-Adolf-Vereine berichtet und da las man denn unter den Veranstaltungen am Mittwoch folgendes: Vor dem Schluß des Gottesdienstes findet die feierliche Uebergabe der Festgaben statt. Es handelt sich um die Gaben der Stadt, der evangelischen Kirchengcmeindcir, der Kreissynode, des Span- daucr Gustav- Adolf- Vereins. der Geistlichen der Diözese. der Diakonissen, der Konfirmanden und Schiller. Es ist geradezu eine ungeheuere Dreistigkeit, auf solche Weise armen Leuten das Geld aus der Tasche zu locken. Dafür fällt auch zu Ehren deö festgebenden Vereins, der auf diese Weise die Kosten zu seinen Veranstaltungen zusammenschnorrt, am heutigen Donnerstag die Schule aus. Wenn die Arbeitslosen an die Stadt herantreten und dieselben um Notstandsarbeiten angehen, dann kommt man aus den Erwägungen nicht heraus oder mau fertigt die Petenten mit wohlfeilen Redensarten ab. Hier aber, wo die schon so schwer reiche Kirche in Betracht kommt, da werden für die Festlichkeiten eines Vereins 600 M. von der Stadt bewilligt und fleißig in den Schulen gefochten, angeblich für hilfsbedürftige, evangelische Gemeinden, deren Patton vielleicht einer derjenige» Junker ist, die sich von der Besteuerung so vortrefflich zu drücken verstehen. Hm der frauenbewegung. Erwerbstätige blinde Frauen und Mädchen. Von der Konferenz des Ersten deutschen BlindentagcS zu Dresden vom 2. bis 4. Juni halten auch die blinden Frauen eine eingehendere Besprechung und Beschlüsse zur Besserung ihrer eigenen Ausbildung und ihrer Erwcrbsgclcgeuheit erhofft. In der allgemeinen Konferenz, der auch eine große Anzahl Frauen als Delegierte beiwohnte»», hat»nan der Notwendigkeit einer Verbesserung im Erwerbsleben der Frau nur kurz Erivähnung getan— das war alles. Die Männer waren vollauf mit sich selber beschäftigt, denn auch hier heißt eS ebenso wie im Lande der Sehenden:.Erst konnnen wir. dann konunen wir noch einmal, und dann— kommt Ihr noch lange nicht.' Man hatte den Frauen für ihre eigenen Beratungen den AuS- stcllungSrallin, in welchem Erzeugnisse von Blinden zum Verlauf gestellt Ivaren, und einige das UnterrichtSivcsen der Blinden betreffende Dinge auSlagen, angewiesen. An diesem ungeeigneten Ort, wo ein stets unruhiges hin und her herrschte, kam natürlicherweise keine geordnete Zusammenkunft zustande, zumal eS sich hier um dem öffentlichen Leben fernerstehende, ungeschulte Frauen handelte. Ohne größere Aussprachen und Debatten erkannten jedoch die Frauen auch für sich die Notlvendigkeit eines Zusammenschlusses an. Sie wählten eine fünfgliederige Kommission, welche die Interessen der Frauen vertreten soll. Anschließend an die laut Beschlußfassung ihrer männ- lichen Kollegen zu gründenden Handlverkergenosscnschaften sollten auch die Frauen auf dem Wege der Selbsthilfe weitere Schritte vorwärts tun. In Oesterreich, wo die Erziehung und Fürsorge der Blinden ganz der privaten Wohltätigkeit überlassen wäre, sei man geradezu auf den Weg der Genossenschaft gedrängt worden, führte(Herr Harväth-Wien aus. Im März 1907 wurde bereit» in Wien eine Produktivgenoffenschaft von Blinden gegründet, die mit dem bc- scheidencn Kapital von 6000 Kronen beginnend, im ersten Jahre einen Umsatz von 29 000 Kronen zu verzeichnen hatte. Der beste ihrer Abnehmer sei der Wiener Konsumverein mit seinen 70 000 Mit- gliedern, auf den von dem genannten Umsatz allein 13000 M. ent- fallen. In Deutschland, wo die Fürsorge und Erziehling der Blinden in der Hauptsache verstadtlicht ist, wird ein großer Teil männlicher und weiblicher Handwerker direkt in Handwerkcrschulen der Blinden» anstaltcn wie in einem Fabrikbettiebe beschäftigt. Die Anstalt über- nimmt den Absatz. Bon den Handwerlsschulen, in denen sie auS- gebildet find, erhalten auch einige bei Gründung eines eigenen Unternehmens Unterstützung durch Beschaffung de? Rohmaterials, Gewährung von Kredit und Hilfe bei Absatz der fertigen Produkte Daneben bleibt jedoch eiue große Zahl blinder Männer und Frauen an allen Orten, denen alle diese Einrichtungen nicht helfend zur Seite stehen. Von der Selbsthilfe, durch Organisation, durch Pro- duktiv- und Einkaufsgenossenschaften und Vertrieb der Produkte. wovon die Männer ihre SchicksalSgenossiimen sicherlich nicht ausschließen werden, erlvarten auch die Srauen Vorteile. Bis« yer war«S dielen blinden Mädchen, die nicht gerade in Blinden- internaten Unterkommen und Beschäftigung fanden oder in Orten ansässig waren, in denen sie von einem Blindeninstitut Arbeit er- hielten, unmöglich, sich von ihrer Hände Arbeit zu ernähren. In den Orten, wo sie heimatberechtigt sind, erhalten sie wohl eine sehr kärgliche Unterstützung, können aber häufig für ihr berufliches Können kein Arbeitsfeld finden und sind auf Almosen und ein vereinsamtes Leben angewiesen. Es kommt auch vor, dah sie im besten Lebens- alter, wo sie gern freudig schafften, in Siechenhäuser untergebracht werden. Durch genossenschaftlichen Zusammenschluß und verständig geleitete Organisation erhoffen diese traurig dahinvegetierenden Ge- schöpfe Erleichterung ihrer Lage. Bisher waren sie viel zu sehr von der Wohltätigkeit abhängig, was eine ständige Depression in freier Lebensäußerung und Persönlichkeitsentfaltung zur Folge hatte. Blinde Frauen und Mädchen haben sich schon auf den verschiedensten Gebieten leistungs- fähig erwiesen, so in Emaille- und Blechfabriken, in der Zigarren macherei, Konservenfabriken, in der Knopffabrikation usw. Sache der blinden Mädchen selbst wäre es, nach außen hin zu zeigen, daß auch sie intellektuelle Persönlichkeiten seien und etwas zu leisten vermögen. Den ersten Schritt zur Selbsthilfe haben sie getan, und wollen auch ferner nicht mehr nur Objekt der Fürsorge sein. Eine der vielen auf dem Dredener Kongreß gestellten Gegen Wartsforderungen verlangt, daß in Blindeninternaten nur schwach- sinnige, körperlich sehr zurückgebliebene oder solche Blinden unter gebracht werden, die infolge ihrer sonstigen Gebrechen eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Pflege benötigen, daß hingegen alle körperlich und geistig normalen Blinden in Privatpensionen ge geben werden sollen. Diese Forderung bedeutet für die Frauen, die in diesen stiftsmäßigen Internaten gegenüber den Männern natürlich als unreife Wesen behandelt werden, einen Schritt weiter zur freien Persönlichkeit. Neben Schul- und BildungSzwang für alle schulpflichtigen und bildungsfähigen Blinden wird als weitere Forderung gesetzlich ge regelter FortbildungSschulunterricht verlangt. Ein Anttag auf gründe liche Ausbildung im HauShalwngSunterricht wurde schon auf dem Vlindenlehrerkongretz im September 1908 eingebracht, welchen die blinden Mädchen neben Schul- und Berufsausbildung verlangen, um einerseits als Nichterwerbende ein nützliches Familienmitglied zu sein. andererseits um sich als eventuelle zukünftige Hausfrau betätigen zu können. Nach Eingehung einer Ehe verliert das blinde Mädchen ihr Anrecht auf Beschäftigung durch die eS bisher beschäftigende Anstalt; eS scheidet als Erwerbsberechtigte aus. Hat es bisher fast ebenso viel verdient wie ihr Schicksalsgenosse, mit dem sie sich ver- bindet, so sind sie beide nach der Verheiratung zusammen auf den einen meist sehr mäßigen Verdienst angewiesen. Heimarbeit wird von den Anstalten nicht mehr abgegeben. So muß die blinde Frau wie die sehende Proletarierin ihren meist kärglichen Hausstand selbst besorgen, was die blinden Frauen häufig sehr gern, aber mit viel mehr Schwierigkeiten erledigen. Ausrottung des KellnerinnenwesenS. Kellnerinnen und Frauenrechtlerin. Zu dem Bericht über eine in Nürnberg abgehaltene Kellnerinnenversammlung erhalten wir das folgende— höfliche Schreiben: An die Redaktion des„Vorwärts", Berlin. Unter Berufung auf 8 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie, folgende Berichtigung in Ihr Blatt aufzunehmen. Es ist unwahr, daß, wie in der Nummer vom 13. Juni Ihres Blattes steht, ich auf dem letzten Frauentage und in einer Broschüre behauptet hätte, die Kellnerinnen seien die Verführer der Studenten und vieler brat>er Ehemänner» wodurch sie dazu beitrügen, das Familienleben zu zerstören. Wahr ist dagegen, daß ich sowohl auf dem erwähnten Frauentag wie in meiner Broschüre ausschließlich von den Gefahren gesprochen habe, denen die Kellnerin selb st ausgesetzt ist. Es ist unwahr, daß mir„entgegengehalten" wurde, daß wenn die Prostitution unter den Kellnerinnen ver- breitet sei, daran die Ausbeutung durch die Unternehmer die Schuld trage, daß mir„entgegengehalten" wurde, daß die Kellnerinnen vielfach keinen Lohn erhielten, sondern Bruch. gcld zu zahlen hätten für Geschirr, das andere zerbrochen, daß sie Zeitungen, Zahnstocher usw. beschaffen, Schulmädchen aus ihre Kosten stellen müssen usw., daß sie von den Stellenvermittlern unerhört ausgebeutet werden, daß Vermittler und Wirte Hand in Hand arbeiten, indem die letzteren die Kellnerinnen nach kurzer Zeit wieder entlassen, damit sie den Vermittler aufs neue in Nahrung setzen müssen. Wahr ist dagegen, daß sämtliche dieser er- wähnten Daten meiner Broschüre entnommen sind. Camilla Jellinek. Die Dame scheint Gedankenleserin zu sein. Aus Berlin bc- richtigt sie, was in Nürnberg— nicht gesagt sein soll. Nebenbei bält sie die Gelegenheit wohl für günstig— ihrem„Buch" eine Gratisreklame zu verschaffen. Festgestellt sei, daß sie nicht bestreitet, daS gänzliche Verbot des Kellnerinnenberufes zu fordern. Senebts» Leitung. Auf der Jagd nach der Mitgift.. Aus der Untersuchungshaft wurde gestern dem Schöffengericht Berlin-Mitte die in den dreißiger Jahren stehende Witwe Ella Schweiber wegen Betrugs vorgeführt.— Die Angeklagte chat eine recht bewegte und ereignisreiche Vergangenheit hinter sich. Als „lustige Witwe" hatte sie verschiedentlich schon Anscblußals„Reise- begleiterin" gefunden und ist auf diese Weise in alle Welt herum- gekommen. Nach Erledigung irgend eines galanten Abenteuers lernte die fidele Witwe einen Kaufmann und Lcderfabrikantcn Franz Lewitt aus Pilsen in Böhmen kennen, der in dem weiteren Verlauf der Affäre eine nicht gerade rühmliche Rolle spielen sollte. Sie verschwieg ihm, daß sie Witwe sei und gab sich als die Tochter des Geheimen Kommerzienrats Knorr in Hannover aus. Ferner erzählte sie, daß sie sich mit ihren Eltern wegen einer Heirat, in die sie sich nicht sllgen wollte, völlig überwarfen habe. Sie habe aber später eine riesige Erbschaft zu erwarten, da ihr Vater mehr- facher Millionär sei. Augenblicklich stehe sie nun ganz allein und von allen verlassen in der Welt da. Da diese letztere Angabe von einem koketten Augenaufschlag begleitet war, so konnte es Lewitt nicht übers Herz bringen, das„tiefunglückliche Millionärstöchter- chen" in jeder Beziehung zu trösten. Er seinerseits verschwieg mit weiser Vorbedacht, daß daheim in Pilsen seine Gattin mit einer Anzähl Sprößlinge sehnsüchtig der Heimkehr des liebenden und für- sorglichen Gatten und Vaters harrte. Lewitt befaßte sich allen Ernstes mit dem Plan, seine bisherigen Familienbeziehungen zu lösen und sich den„Goldfisch" als spätere Gattin einzufangen. Diese gegenseitige Spiegelfechterei führte die Beiden später in recht fatale Situationen. Das Pärchen gondelte bor allen Dingen erst einmal vergnügt als„Herr und Frau Lewitt" in die Welt hin- ein. Da sie keinen Pfennig Geld hatte, so war die Vergnügungs. reise für ihn eine recht kostspielige Sache. Schließlich langten beide auch in Berlin an und stiegen hier in dem Hotel Wittels- bacher Hof ab. Die erste und die zweite Wochenrcchnung� wurden auch von Lewitt bezahlt, dann aber ging ihm das Kleingeld aus. Als das Pärchen sechs Woche» die Hotelrcchnung schuldig war, be- schloß L. sich irgendwie Geld zu beschaffen. Die„Millionärstochter" gab ihm den guten Rat, nach Hannover zu fahren und bei ihrem Bater vorstellig zu werden. Lewitt fuhr auch nun nach Hannover. konnte aber dort trotz aller Bemühungen keinen Geheimen Kom- merzienrat Knorr ausfindig machen. In tausend Aengsten kam L. nach Berlin zurück, wagte sich aber hier gar nicht mehr in daS Hotel, sondern bestellte die Angeklagte nach einem Cafe. Die Schweitzer verstand hier ihn zu beschwichtigen und zu veranlassen nochmals nach Hannover zu fahren. Dort setzte L. Himmel und Hölle in Bewegung, um den Kommerzienrat Knorr ausfindig zu machen. Dies hatte jedoch nur den Erfolg, daß er zwar nicht den Kom. merzienrat, sondern einen Arbeiter Knorr, den unehelichen Vater der Sch., ermittelte. Lewitt kam nun wutentbrannt nach Berlin, wo ihm die Angeklagte zu seinem Entsetzen auch noch demnächst Vaterfreudcn in Aussicht stellte.— Der Staatsanwalt beantragte gegen die Sch. 4 Monate Gefängnis, gleichzeitig aber auch die Ver- Haftung des Lewitt» da dieser ebenfalls des Betruges dringend verdächtig sei. Das Gericht nahm jedoch von einer Verhaftung des L., oer sich inzwischen als reuiger Sünder mit seiner Frau wieder ausgesöhnt hat, Abstand. Gegen die Schweizer lautete daS Urteil auf ö Wichen Gefängnis. Der fliegende Gerichtsstand der Presse und daS Reichsgericht. Vom Landgericht l in Berlin sind am 20. Januar zwei Redakteure, deren Blätter in Braunschweig und K o t t b u s erscheinen, wegen Nachdrucks zu je 10 M. Geldstrafe und einer an den Nebenkläger zu zahlenden Buße verurteilt worden. Der Sach- verhalt mag hier unerörtert bleiben, von Wichtigkeit für die All- gemeinheit ist lediglich die Frage, ob das Berliner Gericht für die Angeklagten zuständig war. Sie haben ordnungsgemäß vor Ver- lesung des Eröffnungsbeschlusses die Zuständigkeit des Gerichtes bestritten. Der Gerichtshof hat aber dennoch Berlin als Tatort angesehen, weil laut Auskunft der Oberpostdirektion von dem Braunschweiger Blatte 10 und von dem Kottbuser 89 Stück nach Berlin kommen.— In ihrer Revision bestritten die Ange- klagten wiederum die Zuständigkeit des Gerichtes. Der Reichs- a n w a l t erklärte die Revision für begründet. Beim Nachdruck handle es sich um Vervielfältigung und Verbreitung. Die erstere haben die Angeklagten an ihren Wohnorten ausgeführt. Hätten sie nichts weiter getan, so wäre Berlin nicht zuständig. Nun sei allerdings festgestellt, daß die Angeklagten ihre Blätter auch gewerbs- mähig in Berlin verbreitet haben. ES frage sich nur, ob die Ver- breitung mit Wissen der Redakteure erfolge. Daß das Gewerbe des Redakteurs dahin gehe, das Blatt und damit den Nachdruck zu verbreiten, sei ausgeschlossen. DieS treffe auf den Verleger, auf Sortimenter, Antiquare, Kolportcure, Warenhäuser zu, aber nicht ohne weiteres auf den Redakteur. Dieser sei im Regelfälle nicht Geschäftsherr, sondern Angestellter des Verlegers und seine Tätigkeit beschränke sich auf die Sichtung des Materials und die Bestimmung dessen, was in die einzelne Nummer aufgenommen werden soll.— Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision. Mit Recht seien die Angeklagten als Verbreiter des Nachdrucks, d. h. als Mittäter an der von anderen Personen(die für die hier strafbare Tat nur als Werkzeuge zu beirachtett sind) begangene» Verbreitung angesehen worden.— Nun kann die Gesetzgebungs-� Maschine nochmals in Bewegung gesetzt werden! Eine KindcSmißhandlnng beschäftigte gestern wieder einmal den Strafrichter. Vor dem Schöffengericht war die Aufwärtcrin Johanna Benthin Wege» Körperverletzung angeklagt.— Es handelte sich um die Leidens- geschichte der kleinen zehnjährigen Klara Hinneburg, die von dem Vater zu der Angeklagten in Pflege gegeben war, als er schwer krank im Krankenhause lag und als Witwer keine Gelegenheit hatte, das Kind anderweitig unterzubringen. Die kleine H. mußte trotz ihrer zehn Jahre vom ersten Tage an bei ihrer Pflegemutter die schwersten Hausarbeiten verrichten. Bei dem geringsten Versehen wurde sie, wie es in der Anklage heißt, von der Angeklagten ge- schlagen, gestoßen, gebissen, gekniffen und gewürgt. Da das Kind in der Schule etwas schwach war, so mußte es häufig nachbleiben. Hierfür wurde das Mädchen von der Angeklagten in der roheften Weise mißhandelt. Es wurde wiederholt mit dem Kopfe auf die Bettkante und den Fußboden gestoßen, so daß es aus Mund und Nase blutete. Fast jeden Tag wurde die Kleine mit der Faust ins Gesicht geschlagen, einmal wurde ihr hierbei die linke Ohrmuschel eingerissen. Bei allen diesen Brutalitäten wurde das Kind unter den schlimmsten Drohungen gezwungen, keinen SchmerzenSlaut von sich zu geben. Auch mußte es in der Schule die Lehrerin belügen, als es nach der Ursache der verschiedenen Verletzungen befragt wurde. Das Kind war so eingeschüchtert, daß es angab, die Ver» letzungen rührten von einem Fall her, während eine Untersuchung durch den Arzt Dr. Rosenfcld ergab, daß dies nach der ganzen Art der Striemen und Beulen nicht möglich war. Die Mißhand- lungen verschlimmerten sich immer mehr, daß schließlich die Haus- bewohner der Polizei hiervon Mitteilung machten.— Vor Gericht konnte die Angeklagte einen Teil der Mißhandlungen nicht in Ab- rede stellen. Sie entschuldigte sich mit ihrer Nervosität, durch welche sie leicht erregt werde und dann nicht wisse, was sie tue. Die als Sachverständigen geladenen Sanitätsräte Dr. Fröhlich und Dr. Goldmann bekundeten, daß die Angeklagte infolge einer schweren Operation im höchsten Grade nervös, exaltiert und auf- geregt sei, und daß sie eine nach jeder Richtung zur Kinder- erziehung ungeeignete Person wäre. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis. DaS Gericht erkannte auf nur sechs Wochen Gefängnis. Schutz vor Schntzleuten! Der Schutzmann Ludwig wurde am Dienstag von der Strafkammer in Saarbrücken zu IVi Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er sich an einem Mädchen, das er in Fürsorge- erziehung bringen sollte, im Sinne des§ 174 Abs. 2 des St.-G.-B. schwer vergangen haben sollte. Vermischtes. Zusainmcustoß zweier Güterzüge. Wie aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, stießen gestern früh gegen 2'/, Uhr auf dem Bahnhof Steinau bei Schlüchtern der nach Fulda ausfahrende Güterzug 6743 und der von Fulda kommende Güterzug 6830 zusammen. Beide Züge fuhren einander in die Flanke. Der Zusammenstoß war so stark, daß etwa 12 bis 1K Wagen entgleisten und demoliert wurden. Auch beide Maschinen sind stark beschädigt und ebenfalls entgleist. Von dem Maschinen- und Fahrpersonal wurde nur ein Fahrer leicht verletzt. Beide Hauptgleise der sehr stark befahrenen Strecke Frankfurt a. M.— Elm sind gesperrt und werden voraussichtlich den ganzen Tag über gesperrt bleiben, da die Trümmer der teilweise in einander gefahrenen Wagen schwer zu beseitigen sind. Infolge der vollständigen Sperrung der Strecke müssen sämtliche v« und Eilzüge Frankfurt— Bebra- Berlin und umgekehrt über Gießen, Guntershausen, Bebra bezw- Eichenberg geleitet werden, was zu großen Verspätungen Anlaß gibt. D-Zug Nr. 2 Berlin— Bebra—Frankfurt hat eine zweistündige Verspätung, da er von Bebra über Kassel geleitet werden mußte. Bei einer Bootsfahrt ertrunken. Nach einer Meldung aus Wiek bei Greifswald ertranken dort bei einer nach Mitternacht unternommenen Bootsfahrt zwei junge Leute. TyPhuSrpidcmie in Altwasser. Breslauer Meldung zufolge hat die Zahl der TyPhnSerkrankrmgen sehr schnell zugenommen. Bis gestern waren bereits gegen 200 Er- krankungen gemeldet: in einzelnen Fällen ist der Typhusverdacht jedoch noch nicht bestätigt. Die OrtSbehördcn haben sich an daS Rote Kreuz um Ueberlassung von Baracken gewandt., AuS Breslau sind Krankenschwestern zur Aushilfe nach Alilvasier beordert tvorden. Sozialdemokratischer Lese» und Diskntierklub„Johann Jacoby". Heute abend Sfl, Uhr bei Bugge, Kastanien- Allee Sö: Sitzung. Gäste willkommen. Inhalt der Inserate üveruimmt die Redaktion Aiir den � dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. Ukearer. Donnerstag, den 17. Junt. Anjang 71/, Uhr. Königliches Opernhaus. Ge. schlössen. tlönigl. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues königliches Opernthcater. La Traviata. «tiisang 8 Uhr. Deutsches. Gelbstern. Sommerspiele. Ein Skandal in Monte Carlo. Selili'g. Die Dollarprinzesstn. Berliner. Ein Herbstmanöver. Schiller O.■fcSalliict• iöea Der Biberpelz. iOeattr.) Schul f. Eharlottendurg. Madame Bollward. Vieuco Schanspielhanö. Mah6. Friedrich- Wilbelmstlidt. Schau- spielhaus. Manöverregen. Komische Oper. Dcmimonde. Reu es. Tricochc und Cacoiet. Thalia. Im Cass Noblesse. LnstsPielhauS. Der fesche Rudi. Kleines. Moral. Hebbel. Maryscha. Reues Operetten. Die Spnidelsce Berliner Operetten-Theater SW. DaS Teusclsweib.(Ans. 81/, Uhr.) Suiseu. Besiegt. Folicö(fapricc. Drei Frauenhäte. Der Deserteur usw. Ans. 81/, Uhr. Mctronol. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. DeS Meeres und der Liebe Wellen. BS. NoackS Theater. Die oberen Zehntausend. Apollo. Hartstetn. Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Batiago. Spezialitäten. Walhalla. Spezialilälen. RcichSballen. Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. Urania. Tnndenürafte 48/49 Abends 8 Uhr: Rom und die Campazna. Sternwarrr, Invaliden iir. 57/82. Lessing-Theater. Gastspiel d. Neuen Operctten-TheaterS. Ansang S Uhr. Dl« Pollarprlnaicgsln. Berliner Theater, Gastspiel-Operetten-Theater. IPF" Täglich 8 Uhr:-- in Herbi-itinanOver. Neues Theater. Abend« 8 Uhr: Tricoche und Cacoiet. Morgen und folgende Tage: Tricoche und Cacoiet. Friedrich-Wübelmstädtisclies Schauspielhaus. Donnerstag, 17. Juni, Anfang 8 Uhr: Manöverregen. Freitag: Manöverregen. Sonnabend z. erstenmal: Fidelio. Sonntag nachm. S Uhr: Zar und Zimmermann. Abends S Uhr: Der siesschütz. JSvMUSr-VlRGjUvr. Schiller-Thealer 0.(Wallner.Theatcr.) Wer Bibcrpelx. Eine Diebestomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Ende 19'/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Vei-»ibki'pvio:. Svhiller-Theater Charlottenburg. Madanto Bonlvard. Schwant in 3 Akten von Alexander Sifson und Antonh Mars. SW Ende 10'/. Uhr."TOS Morgen und folgende Tage: Tfn.lame Bonlvard. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Gura-Oper. I. Sembrich- Gastspiel. Jja Traviata. Oper in 4 Akt. v.GiussoppoVerdi ' nfang'/,7 Uhr. Der lliegonde Holländer." Anfans;'/,? Uhr. tag: ,.l>er ills. Sonnabend:„Die Meistersinger von Freit Nürnberg." W.Koacks Theater Direktion: Roh. Olli. Bruiinenltr. 18. Im schattige!» Garten, bei Regen im Pracht-Theatersaal: Zum letztenmal: Mutter und Sohn. Borher: Sämtliche Spezialitäten. Ansang 7, Konzert 0 Uhr. Lustspieflhaus. Abend« 8 Uhr: Der fesche Rudi. dtaae» Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenltr. Morg. u. folgende Tage: Aus. 3 Uhr: Die ÜSprudelfee. Operette in 3 Akten von H. Reinhardt. MMMIM Gr. grantiurler Stt. 132. Bei aufgehob. Abonnement Benefiz Udwig Barg. De» Meeres und der Liebe Wellen. Ansang 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartenblibne u. a.: Berlin auf Stelzen mit Willi A g o st o n. Konzert. Spezialität. Ans. 4'/, Uhr. Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerilt. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rioh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Bauchen gestattet Variete-Theater I Weinborgsweg 19-20, Resenlh.Tor, Ansang 8 Uhr. Im Theater: Dienene» J«»»i-Speztalit>>teu Im Garten: /Fret-Kieniiert. Oer l-uftfliig. \ Tolksgarten-Tlieater früher WciinanuS Boltsgarten. Am Bahnhof Gesundbrunnen. Täglich: ttonzert. Theater und SPezialitätru.Borstelluug. Riesenprogramm. heopolii kesser. Ada Will«. The Lrils, die 5 CliguotS- Akrobaten. Spree- Athener, BolkSstück mit Gesang in süns Bildern von Reislingen. Die KasseeWche ist täglich geöffnet. stamme Volkspark• Theatsr UUIIIIIIO Landsberger Allee 74/77 Große Vorstellung des Sächsischen Volks-Theaters nebst Austreten erst kl. Spezialttätcu Zum ersten Male in Be rli». Man amüsiert sich köstlich. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48J49. Abends 8 Uhr: Rom imd die Campagna. Täglich ab 4 Uhr; Großes MilitSr-DoppMoDzert. Eintritt 1 91., von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Neues Programm! Die schaumgeborene Venns „Sa SHa" in ihrem Phantasie-Tanz: Wellen Geist" sowie sensationelle Junr Altraktionen Reserviert. Platz 2 H. Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe.) 12 „Der 12 f Passage-Theater. Abends 8 Uhr. i Iii Präger 1 The York Sisters (> nnd da« gliinzcndo IM- Programm. Varietes a a Z j& wSensationen t Passage-Panoptikum. liebend! ßie letzten weililieben Wesen vom Stamme der Azteken! Gr.Schaustellungen Vitascop-Theater usw. Alles ohne Extra-Enfree. Deutscher lletallarbelter-Derband. ____= Verwaltnngsstclle Berlin.= Arveitsnnchwcis: Hos I. Amt III, 1233. Charit6straßs 3. Hauptburea«: Hof UI. Amt HI, 1337. Donnerstag, den 17. Juni 1909, abends 8 Uhr: Allgemeine Klempnerversammlung in den„Andreas-Festsälen", Andreasstraße Nr. 21. Tages-Ordnung: 118/15 1* Bericht über die Verhandlungen vor dem Einigungsamt. Z. Diskussion. I» Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen eines jeden Kollegen notwendig. Die Ortsverwaltnng. KönlgstalMasino. Holzmarklilr.72(Ecke Alexanderflr.) Tägl. i.herrl.Natur-Sommcraarten liioater- umi Lpez.» Vorstellung. M Liebestrank. „Omcr-Sait-Trio", Ong.-Novclty- Cascadcurs u. n. crstllalsige Spez. Ansang wochentags llß Uhr, Sonntags 5 Uhr. Stadt-Theater Moabit. Alt-Sloabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Ulir, ttonzert G Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Garteneröffnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, SPezia- litäten und Soiree der„Lustigen Säuger«. Bei Regenwetter Vorstellung im großen Theatcr-Saal. Kerliner Nrater- Theater! Kastanicnallee 7—9. Täglich: i \ Ulan lebt ja mir einmal!> Spezialitäten ersten Ranges. Konzert und Ctall. Ansang l'/j Uhr. Brunnen-Thoator Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt. Pente sowie täglich: X Erstklaisige Spezialitäten Z X Aovitüt! Kovitat! Die Spreewald- Käte. Gr. Ausstattungs-Volksstück mit Ge- sang u. Tanz in 4 Zllt. v. Hossmann. Kasseneröffiiung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. /Nellerner Verslillgungs- Parlt im Alten Roianiseden Garten, Potsdamer Str. 75. rmma Täglich: Konzerte. lleate ßonnerstag: �'raf0" Feuerwerk. Eintritt SO Pf. (Bis 5 Uhr Eintritt. 25 Pf.) AB 8 Uhr: Das Aufsehen erregende Progr. 8" Jean Paul mit neuen Schlagern. 915 YanUce Idoodle Glrla. 9"-5 Mensch oder Affe??? 9- Uhr; 955 Uhr s SEr oder El* mit Kartstein i Vereins- Sraneret Rixdorf, Hcrmannsfr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. DM- TUglich:-Mi Gr. Militär-Konzert. Joden IHcnstag: Gr. KiMeMi« ( Entr.lüPs. Mühe od. Schärpe grat. Täglich:«rode Theater- u. Spezialitäten-Vorstellung. Darstellendes Personal des Kasino-Thcntcrs. Hie Dallespriözessin.«eui Volksstück in 3 Aufzügen. ManOverliebc. Llederspicl in 1 Akt. Otto Beyer. Beg. d. Konzerts 4, der Vorst. 5Uhr. Villcttvcrkaus von 10—1 Uhr. tÄhmizer- Galten Z , Am Königstor. Am Friedrichshain S Haltestelle der Straßenbahn j» 1, 2, 4, 17. 59, 62, 74 u. Q. 9 GTnnünk Ansang 4 rcsp. 5 Uhr f Siaglicn Entree 90 Pf.' Neues Tbeater- u. Spezialitäten- Programm. ; Ball U.Volksbelustigungen.; l Etliche Sonnabende an Vereine zu vergeben. Max Kliems Sommer-Tbeater uml Festsäle Rudolf Krüger_ CroßeTlioizeft/ftieater uml Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung; Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elltetag. Zllährcnd und nach der Vorstellung YanzUeUnzeben. Ardviter-AdsUuenten-Luna = Ortsgruppe Berlin.===== Freitag. 18. Juni, abends pünktlich 8°/, Uhr, im Gcwerkschaftshause, Engel-User 13: Vortrag d°s H-rr» mü. med. Edwin Bab w-r- Alkohol und Vererbung. ■ Freie Dislnssion.— Kein Trinkzwang.——— Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. I. A.: 235/16 P. konzner, Karlshorst, Roedclstr. 5. ZVilebsten Sonnabend: Gn. Dampfer- Mondschein- Pnomenadenfahrf mit Musik und{eftlich illuminierten Dampfern nach I�GStUtirSflt kr-«,-P'PI-.ä losten Entree 30 Ps._* Wenn Sie von hartnäckigem Hautjucken befallen sind, so daß Sie, durch den übermächtigen Reiz gepeinigt, Arme und Beine mit den Nägeln bearbeiten müssen und keinen Schlaf finden, ver- schafft Ihnen Br. Kochs Kübl- aalbe sofort Erleichterung. Tops a 3 M. Berlin 0.: NcichSadlcr-APoih., Kroße Franlsurter Straße 134. SO.: Admiral- Apotheke, Admiralstraße 31. N.: Arcona.Apotheke, Arconaplatz 5. W.: Kroncn-Apoth., Friedrichsir. 160. Wilhelm Wolfis rit sind als Jubiläums- Zlusgabe anläßlich seines hundertsten Ge- bnrtstagcS soeben erschienen. Preis drosch. 1,50 M., geh. 2 16. Die Biographie Wolfss stammt aus der Feder von Friedrich Engels, Einleitung und Anmer- kungen sind vom Herausgeber Franz Mehring. Das vorliegende Werk enthält u. a. folgende bekannteren Arbeiten WolssS:»Tie schlesische Milliarde",»Die Kasematten in Breslau",»Der schlesische Weberanfrnhr von 1844". WolssS Schriften bilden den 8. Band der 246/14'» Sozialtstischen Neudrucke. Vorher sind erschienen: Band I. Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Brosch. 1,50 M., geb. S M. Band 11. Weitling, Garantieo der Harmonie und Freiheit. Preis brosch. 2,50 M., geb. 3 M. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 68, Lindcnstr. 69 (Laden). Todes- Anzeige. Am Mittwochabend 7'/, Uhr verstarb plötzlich mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser guter Vater, Schwiegerund Großvater, der Stadtverordnete, Gastwirt Ricliar«! Angiastin im 49. Lebensjahre, Dies zeigen tiefbetrübt an Witwe Klara Augustin. Familie Karl Schröder. Tag und Stunde der Beerdigung wird noch besonders bekanntgegeben. Slm Mittwoch, den 15. Juni, verstarb nach längerem Leiden unser lieber Freund und Kollege, der Schriftsetzer Hermaim Rudkowski im 46. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Ver- storbenen einen braven Kameraden und werden seiner stets in Ehren gedenken. Die Kollegen des„Berliner Tageblatt". Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 3'/. Uhr von der Leichenhalle des FrtedbosS der Stadtgemeindc Rixdorf, Marien- dorser Weg, aus statt. Allg. Krankt»-«.Sterbekasse der Metallarbeiter. Filiale Bixdorr. Versammlung am Sonnabend, de» IS. Juni, abends 8'/, Uhr, Steinnieüstraste 444 bei Pühl. 1. Berichterstattung. 2. Wahl der Ortsverwaltung. 116/18 ji 46 eigene Fl schdampfer, ,ik In dieser Woche empfehlen wir ganz besonders den in Berlin so sehr beliebten schmackhaften Seehecht Anschn.p-Pld- 35 Ps. Außerdem: ff.Kratjlitndernp PsdZZ Ps. sf. Notznngen, Schellfisch, Kabeljau usw. zn billigsten Tagespreisen. Täglich Zufuhr Irischer Seelische Wir bitten unsere Verkaufspreise zu beachten. Fn allen Verkaufsstellen gleiche Preise! Deutsche Dampffischerei-GesellschaD Nordsee" Hauptgeschäft: Berlin C., Bahnhof Börse, Teleph. DI 8804. Verkaufsstellen: O. Bahnhos Börse, Bogen 8— 10. N. Jnvalidenstraße 131. O. Große Frankfurter Str. 85. G. Madaistraße, Bogen 8/9, Fruchtstraße gegenüber. S. Priuzenstraße 94. W. Potsdamer Str. 112a. NW. Wllsnacker Str. 57. Charlottenbnrg, Wilmersdorfer Straße III. Spandau, Breitestr. 54. X A. Grimberger X Berlin l Bussiteostrade 40 Tel. Amt III. Mo. 4304. Holz- u.RolileDliandlung jtnsnatune-Preise. Abnahme: Jnni— Juli. 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Um rege Beteiligung ersucht 228/4 Der Boritaud. Verband der Fabrikarbeiter! Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am Montag, den 14. d. Mts., s verstarb unser Mitglied Frnu Maris Voss. Ehre ihrem Andenken i Die Beerdigung findet aml Donnerstag, den 17. d. MiS., i nachmittags 4 Uhr, vom Kranken- 1 Hause„Paul Gerhardt- Stift",{ Müllerstr. 56, aus aus dem Frei- religtösen Friedhos, Pappel- Allee 15. statt. Rege Beteiltgung erwartet 64/3 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahivereinj des 6. Kerl. Reichstags-Wahlkreises. Todes» Anzeige. Am Montag, den 14. Juni, verstarb unser Mitglied, Frau Msriiv Voll Antonstr. 3. Ehre ihrem Andenken! Dte Beerdigmig findet heute| Donnerstag, den 17. Juni, nach- mittags 4 Uhr, vom Paul> Ger- Hardl-Stist aus nach dem Fried- hos der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, statt. 228/5 Um rege Beteiligung ersucht Ger Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Wust vurnseiist (Bezirk 1) Rostocker Straße 31 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Juni, nach- mittags 5 Uhr, vom Krankenhause Moabit auS ans dem Heilands- Kirchhof in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/1 Die Grisverwaltung. ZeBtral-VereiB (Verwaltung Berlin.) Den Kollegen hiermit die traurige Nachricht, daß am 15. Juni unser altes Mitglied, der Holzbildhauer I�ichafd Blank im 61. Lebensjahre plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. Juni, nachm. 4 Uhr, von dem Rixdorser Kirch- hos am Mariendorser Weg statt. Allseiiige Beteiligung erwartet 20/11 Der Vor-fdaad. Spezial-Arzt 82-s» für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Dr. Schünemarm Spezial-Arzt für 54.'h!» Baut- nnd Ilnrntoideii, Praacnkrankheitcn. Frledrichsfr. 203, Ecke Sckiützenstr. Wochentags 40— g. 5—7. verantwortlicher Redakteur: Han» Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlngsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SWr