Nr. 189. Hbonnemelits-UeölnsiiMHi Monncments- Preis pränumerando: Wicrtcljährl. 3£0 SDtt, monatl. 1,10 Mr., WSchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer K Psg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland B Marl pro Monat. PostabonncmenlI nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S6. Jahrg. Cfttdot Wich auQcr montags. Berliner Volksblntt. Die TnleftlonS'Gcbüftr Beträgt für die fechsgespaltene Koloiiel- zeile oder deren Raum BO Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versannnlungs-Anzeigen 30 Psg. „Ulelne JJnziigcn", das erste ffelt- gedrucktel Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition lldgegebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Soiialäemollrat Berlind Zentralorgan der foziatdemokrati leben parte? Deutfchlands. Redaktton t 801. 68, Lfndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Expedition: 8M. 68, Lindenetrasae 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. verpufft! Verpufft, wirkungslos verpufft ist die Mahnung Bülows an die Konservativen, wieder einzuschwenken in den großen Vülowblock mit den Liberalen. Verpufft ist auch bei den Konservativen das Flehen Bassermanns, vorpufft seine An- preisung der Liberalen als wirksame Stütze der sozialpolitischen Reaktion. Die Konservativen haben sich unerbittlich gezeigt. Sie beharren in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Erbschaftssteuer. Wenn man aus Erklärungen der Parteien endgültig einen Schluß auf deren Haltung ziehen kann, dann ist der Block nun wirklich völlig zersplittert; er läßt sich nicht mehr leimen. Es mußte schon wenig angenehm auf den Kanzler wirken, daß die konservative Partei ihre Vertretung in der Steuer- frage dem Grafen Westarp übertragen hat, der erst ein halbes Jahr den Reichstag ziert und sich deshalb krampfhaft bemüht, durch den Ton einer erkünstelten Ucberhebung seine eigene Be- dcutung zu heben. Mit wachsender Heiterkeit begleitete das Haus seine Versuche, dem Reichskanzler, dem er soeben namens seiner Partei eine runde Absage in der Erbschafts- steucrfrage erteilt hatte, eine gönnerhafte Aufmunterung zuteil werden zu lassen. Als er verkündete, durch die kon- servativen Steuervorschläge solle dem Kanzler gerade der Weg zu einer wirklich brauchbaren Finanzrcform geebnet werden, gab Singer dem Eindruck, den das auf die Zuhörer machen mußte, treffend Ausdruck durch den Zwischenruf:„Armer Bülow I" Eine stürmische Heiterkeit herrschte nnnuten- lang im ganzen Hause. Bülow selbst konnte sich der grotesken Komik der Situation, daß der Kanzler mit dem agrarischen Leichenstein sich nach Zurückweisung seiner An- Näherungsversuche durch die Konservativen von der geschwollenen Nichtigkeit eines Grafen Westarp begönnern lassen mußte, nicht entziehen. Er stimmte in das allgemeine Lachen ein. Genosse Singer, der nunmehr namens der Sozialdemo- kratie zum Worte kam, führte den Liberalen zu Gemüte, daß sie von ihren Blockbrüdcrn so behandelt würden, wie sie es durch ihre unentwegte Gefügigkeit gegen die reaktionären An- spräche der Konservativen verdient hätten. Er stellte fest, daß eins der wesentlichsten Motive der Konservativen für die Ablehnung der Bülowschen Finanzrcform darin zu suchen sei, daß diese Vertreter der Junkerherrschaft ihrem eigenen ministeriellen Handlanger seine platonischen Erklärungen zu- gunstcn einer preußischen Wahlresorm hätten entgelten lassen wollen. Und das, trotzdem die liberalen Redensarten dem diplomatischen Kanzler doch nur dazu gedient hatten, seine reaktionären Taten zu verschleiern. Dann geißelte Singer scharf das Verhalten der Liberalen, die völlig bereit seien, 400 Millionen Mark indirekter Steuern zu bewilligen, und nur über die Form, in der 100 Millionen Mark direkter Steuern aufgebracht werden sollen, mit den Vertretern der agrarischen Interessen in heftigen Zwiespalt geraten sind. Es ist ja überhaupt eine der bezeichnendsten Tatsachen, daß es von der Regierung und den Vertreten! sämtlicher bürgerlichen Parteien von vornherein als ein unabivendbares Ergebnis der göttlichen Weltordnung hingenommen wurde, daß vier Fünftel der von ihnen auszutüftelnden Steuermasse durch indirekte Steuern auf Massenvcrbrauchsartikel zusammen- gebracht werden müßten. Daß es auch umgekehrt zu machen sei, daß der Hauptteil der neuen Steuern oder gar deren Gesamtheit durch direkte Steuern auf den Besitz gewälzt werden könnte, das kommt ihnen nicht in den Sinn, darüber reden sie gar nicht. Sie rechnen es sich noch als ein Zeichen besonderer Opferwilligkeit an, daß sie überhaupt ein Fünftel der Summe von Ihresgleichen aufbringen lassen wollen. Das preisen sie nun in hohen Tönen als ein selbstgewähltes Opfer patriotischen Pflichtgefühls. Daß auch der neue„Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie" kein Wort des Tadels für die geplante Belastung der breiten Massen des Volkes, sondern nur Entrüstung über die tölpelhaften Steuerpläne der Regierung zur Schädi- gung der Kapitalsinteressen gefunden hatte, ist nicht minder bezeichnend für das gleichartige Verhalten der liberalen Ver- treter im Reichstag. Den Steucrplänen der beiden kapitalistischen Ilster- essentengruppen erteilte Singer eine runde Absage, und er nahm noch besonders die abgeschmackte Versicherungspolicen- steuer aufs Korn. Dann entwickelte er in knappen �Sätzen die Grundzüge einer wirklichen Finanzreform, wie die Sozial- dcmokratie sie schon im kapitalistischen Staate durchführen würde, wenn sie die Entscheidung in der Hand hätte. Da würde zunächst eine Einschränkung der Militär- und Marine- rüstungen durch internationale Verträge über gegenseitige Abrüstung zur Reduktion der Ausgaben und damit zur Ge° sundung der Reichsfinanzen führen. Die indirekten Steuern würden ferner durch direkte Abgaben ersetzt werden. Unser Redner schloß seine eindrucksvollen Darlegungen mit einer Kennzeichnung der Steuerpläne unserer Gegner als eines neuen Versuches zur Ausraubung der Massen, welchen Ausdruck der Vizepräsident Kaempf durch den üblichen Ordnungsruf unterstrich. Dann legte Spahn die Stellung des Zentrums zur Steuerreform dar. Daß von dieser Seite irgend ein Entgegen- kommen gegen Bülow nicht zu ttwaiten fei. stand von vornherein fest. Der Zentrumsführer gab nicht nur dem Beschluß seiner Fraktion Ausdruck, die Erbschaftssteuer abzu lehnen, er wies auch darauf hin, daß Fürst Bülow in keiner Weise zu den unentbehrlichen Persönlichkeiten gerechnet werden könne. Die sachliche Vertretung der Steuerpolitik des Zeil trums aber fiel ungewöhnlich schwach aus. Als nach Spahn der preußische Finanzminister b. R H e i n b ab e n das Wort nahm, wurde bei den Zuhörern zum Teil der Eindruck erweckt, als ob der geschmeidige Herr mit der geschniegelten Frisur und den verkniffenen kleinen Bärenaugen seine Kandidatenrede für den Posten eines Reichskanzlers in einer klerikal-kouservatven Aera halten wollte. Daß ihm dieser Erfolg wirklich blühen follte, ist indes mehr als zweifelhaft. Was er gegen die von den Agrariern geplante Kotierungs- steuer vorbrachte, war vielfach zutreffend. Für seinen Ge- schmack spricht es aber nicht, daß er die abgedroschensten Kriegervereinsphrasen zur Verherrlichung des großen Werkes der Rcichsfinanzreform verwandte. Nunmehr verlas der freikonservative Fürst Hatzfeld namens seiner Partei eine schriftliche Erklärung, deren kurzer Sinn der war: die Mehrzahl seiner Freunde würde opfermutig die Erbanfallsteuer schlucken, sofern sie durch einige ein- schränkende Bestimmungen verbessert und sofern ihnen oben- drein die Sicherheit gegeben würde, daß in späterer Zeit die Erbschaften nicht um einen Heller Steuer mehr aufbringen müßten, als in der gegenwärtigen Vorlage geplant sei. Eine solche Zustimmung ist natürlich weiter nichts als eine mangelhaft verhüllte Ablehnung. Der Pole v. Dziembowski-Pomian machte sich noch den Spaß, in diplomatisch gewählten Worten die Hal- tung seiner Fraktion völlig ins Unklare zu setzen. Dann wurde die Debatte vertagt. Morgen werden die Freisinnigen und die Antisemiten staatsmännisch Stellung nehmen zu der söge- nannten Finanzreform. Doch erweckt das keinerlei besondere Neugier mehr, da die eigentliche Entscheidung heute bereits gefallen ist. Die Regierung bekommt keinesfalls eine Ma- jorität für ihre Pläne zusammen. Angesichts des Wirrwarrs, der sich da herausgebildet hat, wäre es das natürlichste, daß die Regierung der eindring- lichen Mahnung Singers Folge leistete, den Reichstag aufzulösen. Aber das Natürliche ist bei unseren ver- junkerten Verhältnissen nicht das Wahrscheinliche. Die Ent- scheidung vertagen und fortwursteln ins Blaue hinein, das erscheint Politikern vom Kaliber Bülows am ratsamsten. Jedoch so oder so, Aufgabe der Sozialdemokratie wird es sein, früher oder später das Volk zur gründlichen Abrechnung mit den Bülowiten aufzurufen. Liberale Sünde». Die politische Situation ist so verworren wie je und daß Bülows Rede daran etwas geändert hat, wagen selbst seine Be- wunderer nicht zu behaupten. Sogar sein LeibosfiziosuS in der „Franlf. Ztg.", der von der Melancholie seines Herrn angesteckt worden ist, meint resigniert, eS sei der„letzte Versuch, auS einer seit Monaten schwer verfahrenen Situation doch noch die Steuerreform mit einer allgemeinen, gerecht wirkenden Besitz- steuer, sür die auch die Linke stimmen könnte, zu retten; ein Versuch nicht mit untauglichem Mittel, aber vielleicht oder höchst- wahrscheinlich einige Monate zu spät angewandt". In der Tat lehrt ein Blick in die verschiedenen Organe der Parteien, daß die Bemühungen Bülows völlig vergeblich waren. Die„Deutsche TageSztg." verlangt in höflichen Worten, aber in der bestimmtesten Weise die völlige Unterwerfung unter das agrarische Steuerdiktat: dann könne ja Bülow ruhig Kanzler bleiben und, den Agrariern völlig ausgeliefert, die Gebote des Herrn v. Heydebrand weiter ausführen. Die Zentrnmsblätter weisen kühl die Vorwürfe wie die Annäherungsversuche des Kanzlers zurück und nur die nationalliberalen Organe sind etwas hoffnungsfreudiger. Aber wirklich mit Unrecht, beim her Gegensatz der herrschenden Parteien spitzt sich immer mehr zu. Konservative und Zentrum müssen natürlich der liberalen Besitzsteuerforderung eine andere entgegensetzen und hoffen mit dem demagogischen Trick der Börsen- steuern ihren Gegnern den Rang abzulaufen. Sie können daher jetzt weniger als je auf die Kotierungs st euer verzichten, die die Börse und die Hochfinanz trifft, damit aber verwunden sie die Liberalen an der schmerzlichsten Stella Diese sind ohnehin schon schlimm daran.. Der Verrat an dem eigenenSteuerprogramm erweist sich jetzt immer mehr als eine politische Dummheit ersten Ranges. Daß die Erbanfallstcuer ein lächerlicher Torso geworden ist. können sie selbst nicht bestreiten, und so wird ihre Angst immer größer, daß diese Rumpfsteuer doch nicht mehr aus- reichen werde, um die Zustimmung zu den 409 Millionen in- direkter Steuern in den Augen ihrer Wähler aus dem schwer be- lasteten Mittelstand zu rechtfertigen, während ihre Geldgeber aus Börsen- und Wankkreisen doch bei den Hotlcntottenwahlen nicht ihre Unterstützung dafür gewährt haben wollen, um neue Lasten aufgehalst zu bekommen. Die»Franks. Ztg." hält daher auch das neue Stcuerprogramin für die Liberalen für unannehm- bar. Sic schreibt:' „Das Gesamtbild des RcgicrungSplanS ist also folgendes: die Regierung schlägt dem Reichstag eine Reform vor. die zu einem Zehntel aus einer der Linken sympathischen Besitz- bclastung, zu neun Zehnteln indessen aus einem ge. da n k e n l 0 s e n G e m i s ch von Verkehrs-, Konsum» und ahn- lichen Steuern fragwürdig st er Art besteht. Aus dieser Grundlage halten wir eine Verständigung mlt dcr Linken über die Reform für absolut aus- geschlossen; auch die Nationalliberalen würden die Situation vollständig verkennen, wenn sie wegen des einen Zehntels Erbschaftssteuer die übrigen neun Zehntel mitschlucken wollten." Aber die Liberalen haben sich schon viel zu sehr auf die in» direkten Steuern festgelegt und sich zu stark kompromittiert, um jetzt so leicht zurück zu können. Nur daß ihnen jetzt auch alle Nach- giebigkeit nicht mehr viel nützen kann. Denn für die Agrarier handelt es sich in der Tat nicht um die Entscheidung in der Finanzreform allein, sondern sie kämpfen um die ungestörte Fortdauer ihrer Herrschaft, die vor allem im preußischen Drei» klaffen Wahlrecht verankert ist. Und so rächt sich auch die zweite Verräterei der Liberalen und besonders der Frei- sinnigen. Wären sie nicht dem sozialdemokratischen Wahlrechts- kämpf so schmählich in den Rücken gefallen, hätten sie unsere An- strengungen und Demonstrationen nicht unaufhörlich bekämpft, hätten sie selbst, statt den Wahlkampf ausschließlich gegen die Sozialdemokratie zu führen, einen wirklichen Wahlrechtskampf ge- führt, dann wären heute die Agrarier nicht mehr die Angreifer, wären längst in der Verteidigungsstellung und hätten nie das Spiel wagen dürfen, das sie in der Finanzreform gespielt haben. Mit den Agrariern wird das liberale Bürgertum allein nicht fertig, aber die Unterstützung der Arbeiter zu gewinnen, dazu bedarf es anderer Kampfpreis c. Mit den bö Millionen Erbansallsteuern werden die Liberalen keinen Hund vom Ofen locken. ver Zweibund der Spitzel. Das Spitzcltum ist eine europäische Macht, wie man in leichter Umformung eines Wortes von Lassalle sagen kann; es gibt eine Internationale des SpitzeltumS: diese Erfahrung aus zahlreichen Politischen Prozessen der letzten Jahrzehnte hat auch der Gehciinbnndprozeß, der am 9. und am 10. Juni vor dem Landgericht Dresden verhandelt worden ist, in eindringlicher Weise vow neuem bestätigt. Das Wesen dieser Internationale verbietet freilich alle die Lcbcnsäußerungen, wodurch andere, von Volk zu Volk gehende Bewegungen ihr Dasein und ihre Kraft bekunden. Kein internationaler Kongreß vereint die dunklen Ehrenmänner zur Beratung von Fragen des Prinzips, der Taktik und der Organisation politischer Spionage. Keine Zeitung oder Druckschrift vertritt die„berechtigten Interessen" des internatiockalen Spitzeltums. Im Gegenteil: Während für alle Bestrebungen, die deür Wohle der Völker dienen, die breiteste Oeffentlichkeit novvcndige Bedingung des Lebens und Wirkens ist, muß sich die„Arbeit" des Spitzels, eben weil sie dem Wohle des Volkes und des Einzelnen zuwiderläuft, und iveil sie die Mittel der Lüge, der Fälschung und des Verrats anwendet, in das Dunkel und in die Heimlichkeit verkriechen. Und gelingt es von Zeit zn Zeit, die Heimlichkeit in die Oeffentlichkeit, in daS Dunkel Licht zu bringen, so ist es sehr gegen den Willen der Herren Spitzel, und die gcbleiivnttjn Maulwürfe rennen wild" durcheinander und versuchen, rasch noch ihre Spuren zu verschütten. Der Dresdener Prozeß hat vorzügliche Gelegenheit ge- geben, das Wirken der Polizeispitzel zu beobachten, daS vor den Grenzen des Landes nicht Halt macht und mit gleicher Liebe Vertreter mehrerer Nationen als Objekte der GesinnungS- schnüffelet umfaßt. Am 27. Februar 1909 wird in Berlin ein russischer Schriftsteller verhaftet, der sich seit kurzer Zeit erst in Berliir aufhält und keinerlei Verkehr mit irgend welchen„verdächtigen" Ausländern oder Inländern hat. Die Verhaftung er- folgt unmittelbar, nach de ni der Russe aus mehreren deutschen Städten Briefe erhalten hat, worin er ersucht wird, den russischen Studenten und dem ganzen russischen Publikum an jenen Orten Vor- träge über den Dichter Leonid Andrejew und andere literarischen Themata zu halten. Wer erkennt nicht schon hier das Walten der dunklen Ehrenmänner, die die deutsche Polizei gerade in dem Augenblick auf den„guten Fang" hinweifen, wo die Entdeckung der durch die Briefe erweisbaren literarischen„Verschwörung" zu erhoffen ist. Da wir im Lande der vollendeten Rechtsgarantien leben, die sich selbstverständlich auch ans den Ausländer erstrecken, wird der russische Schriftsteller ohne den Schatten eines Rechts, ohne die Spur eincS Verdachts strafbarer Handlungen, 36 Stunden lang in Haft gehalten. Vielleicht aber bestand die polizeiwidrige Handlung oder vielmehr das polizeiwidrige Vorhaben des Schriftstellers darin, daß er literarische Bildung verbreiten wollte. Die Dresdener Polizei, der die politische Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums ihre große Entdeckung zuerst mit» teilte, wollte natürlich hinter dem großen Vnidcr in Verlin nicht zurückstehen. Auch sie hat einen Beamten, der ans Russen gut abgerichtet ist, und sich denn auch so drollig zu benehmen versteht, wie der Kriminalkommissar Messerschmidt genannt v. Arnim zu Berlin, der mit dem Zengencide be- kräftigt hat, daß der 1906 in Ainerika verstorbene HanS Most noch 1907 in London gelebt habe, und der, um einen russischen Schriftsteller als„radikal" zu denunzieren, die„Oswoboschdenje" („Die Befreiung") des nationalliberalen Russen Peter von©trübe mit der Mostschen„Freiheit" berwechselt hat. Der Dresdener Arnim heißt Posselt. Besagter Posselt also begibt sich auf die Berliner Meldung hin sogleich auf die Russenhetze und in Mittiveida findet er unter den Russen Leute, die ihm „als nicht genannt sein wollende Zeugen" geheimnisbolle Mitteilungen über ihre„reboluttonären Landsleute" machten. Bei seiner Vernehmung als Zeuge nannte er diese russischen Geschichtenerzähler «bessere Russen",„loyale Russen".„besser gesinnte Russen" und„Deutsch- Russen" und brachte sie in Gegen- satz zu den„revolutionären Russen"; womit freilich mehr Ein- ficht in die Denkerweiss des Herrn Posselt, als in das bunte Völkergemisch von Rußland gewonnen ist. An diesen amtlichen Leistungen von Berlin und Dresden hatte der Gerichtshof offenbar genug. Weitere Beweisanträge der Verteidigung über die Tätigkeit russischer Spitzel in Deutschland und ihr Zusammenwirken mit deutschen Polizei- behörden wurden abgelehnt. Immerhin gab der Gerichtshof noch dem Kriminalkommissar v. Arnim Gelegenheit, sein Zeugnis auf die Frage zu verweigern, ober im Dezember 1907 die Photographie eines ausgewiesenen russischen Staatsangehörigen im photographischen Atelier des Polizeipräsidiunis hat vervielfältigen und an die russischen Grenzämter hat versenden lassen. Auch konnte ein deutscher Parteigenosse als Zeuge bekunden, daß i hm vor einigen Jahren ein Berliner Polizeibeamter Geld ail geboten hat für Nachrichten über Russen;„die deutsche Polizei hat sich seitdem nicht gebessert," so konnte einer der Verteidiger den aktuellen Wert dieser Aussage in glücklicher Zusamnienfassung kennzeichnen. Von besonderem Interesse war aber die Begründung, die das Gericht der Ablehnung der Beweisanträge gab. E s h a t als wahr angenommen, daß die Angeklagten begründete Besorgnis vor russischen Spitzeln und„damit indirekt vor deu deutscheu Polizeibehörden" gehabt haben. Das ist nun schon die zweite gerichtliche Feststellung dieses Zusammenhangs zwischen deutschen Behörden und russischen Spitzeln. Genau mit derselben Begründung hat die Berliner Strafkammer im Keheimbundprozeß Trosimoff(De- zember 1907) die ähnlichen Beweisanträge deS Verteidigers abgelehnt. Nach der Absicht des Staatsanwalts sollte im Dresdener Prozesse nicht die Jnternationalität des Spitzeltums, sondern die strafbare Verbindungzwischenrussischer und deutscher Sozialdemokratie erwiesen werden. Weil derdeutscheParteigenosseMrosanin Dresden für Russen bestimmte Briefe empfangen hatte, wurde er in den Geheimbundsprozeß hineingezogen; und um in ihm die deutsche Partei zu treffen, machte ihn der Staats- anwalt zum Führer der Dresdener Parteigenossen. Aber die internationalen Bestrebungen der deutschen und der russischen Sozialdemokratie lagen selbst für die Dresdener Strafkammer so offen zu Tage, daß sie auf den Versuch verzichtete, daraus einen Geheimbund zu machen, und betrübt mußte der Staatsanwalt diesen Teil der Anträge fallen sehen. Und noch eines ist in dem Dresdener Prozeß erkennbar geworden: Um einen Geheimbundprozeß von Russen mit oder ohne Verbindung mit Deutschen zu konstruieren, sind allem Anscheine nach fehlerhafte Ueber- setzungen nötig. Die„Uebersetzungsfehler" des russi-' schen Konsuls in Königsberg, die damals in dem Königs- berger Prozeß eine so große Rolle gespielt haben, sind noch in aller Erinnerung. Aber auch in Dresden begann das Per- fahren mit einem ganz auffallenden Uebersetzungsfehler. Der Fortschritt, den wir seit fünf Jahren gemacht haben, liegt darin, daß in Königsberg ein russischer Beamter, jetzt aber ein deutscher Beamter die falsche Uebersetzung geliefert hat.».. Bei dem oben erwähnten Schriftsteller fand d?e Berliner Polizei einen aus Dresden herrührenden, von dem Ange- klagten Peskin geschriebenen Brief. Er bezog sich auf den Vortrag, den der Schriftsteller in Dresden halten sollte, und lautet an der entscheidenden Stelle in richtiger, wörtlicher Uebersetzung folgendermaßen: „Da die Vorträge hier legal, mit An m e l d u n g b e i der Polizei veranstaltet werden, so bitten wir Sie, mitzu- 'teilen, unter welchem Namen Sie auftreten werden, und welche Antwort wir auf die Frage, woher Sie kommen, zu geben haben." Daraus macht der Beamte der vVII, Abteilung, der den Brief übersetzt hat, folgendes: „Da dj« Vorträge hier geheim veranstaltet werben, so bitten wir, uns mitzuteilen, unter welchem Namen Sie hier auftreten Wösten, und falls angefragt wird, von wo Sie kommen, welchen Ort wir angeben sollen." Wir sind zu höflich, selbst bei dieser Leistung an dem guten Glauben des betreffenden Beamten zu zweifeln, dürfen aber folgendes feststellen: Diese Uebersetzungsleistung ist nur mit dem ganzen Aufgbot eines sehr starken Glaubens von einer Fälschung zu unterscheiden und zeugt von einer absoluten Unfähigkeit des Uebersetzers. Die Leistung jenes Beamten der VII. Abteilung wäre nur komisch, wenn es eine Uebungsarbeit gewesen wäre. Sie ist aber unter der Autorität des Berliner Polizeipräsidenten nach Dresden geschickt, dort zur Grundlage des ganzen Ber- fahrens gemacht worden und war die teils unmittelbare, teils mittelbare Ursache dafür, daß acht junge Leute, die ruhig ihren Studien nachgegangen sind und niemanden gekränkt haben, beinahe drei Monate in Untersuchungshaft gesessen haben. Dafür wird Herr von Moltke, als oberster Chef dieses Uebersetzers und des Polizeipräsidenten von Berlin, Rede zu stehen haben. Niemand wird behaupten wollen, daß der Polizeipräsrdent absichtlich einen unfähigen Uebersetzer unter seinen Beamten ausgewählt habe, um diese folgen- schwere Uebersetzung anzufertigen. Aber daß sich die politische Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums nicht fähiger Uebersetzer bedient, trotz der ungeheueren Summen, die ihr die bürgerlichen Parteien ohne den Zwang zur Abrechnung anvertrauen, auch dafür wird Herr von Moltke sich zu ver- antworten haben. Russische und deutsche Polizei im trauten Verein, die Landsleute gegenseitig beschnüffelnd, beide mit falschen Ueber- setzungen arbeitend: Wir haben's herrlich weit gebracht! Im Anschluß an diesen Artikel bemerken wir folgende?: Die Schwierigkeit der telephonischen Uebermittelung haben den von uns veröffentlichten Prozeßbericht eine Fassung annehmen lassen, die, wie wir uns nachträglich überzeugt haben, den wirklichen Her- gang in Einzelheiten nicht richtig wiedergibt. Namentlich haben die Reden der Verteidiger unter den besagten Schwierigkeiten zu leiden gehabt.- Die Kilitsi'SWgaben vor der ItsIIeoiichev Kammer. Rom, 14. Juni.(Gig. Ber.) Mit der großen Mehrheit, die von vornherein vorauszusehen war, ist die Vorlage für die neuen Militäransgaben in erster Lesung durchgegangen. An ihrem Schicksal bei den weiteren Lesungen ist natürlich nicht zu zweifeln. Außer sämtlichen Sozialisten stimmten nur iveuige Radikale und Republikaner gegen die Vorlage. Von den sozialistischen Abgeordneten haben die Genossen Ciccotti, Vissolati und T u r a t i das Wort genommen. Ciccotti führte aus, daß die Vorbedingungen und die Aussichten des Krieges heute durch die Existenz eines klassenbewußten Proletariats andere geworden seien. Auch für das Proletariat sei da? Vaterland als Ausdruck von Gefühlen und Ueberlieferungcn eine Realität, aber es sei höheren und umfassenderen politischen Idealen untergeordnet. Die Unsicherheit über die Stellungnahme des Proletariats in einem internationalen Konflikt sei für die herrschenden Klassen ein Zaum gegen das leichtsinnige Heraufbeschwören eines Krieges. Aber abgesehen von den Erwägungen, die das Proletariat zum Gegner des Krieges machten, nütze die Bourgeoisie durch neue Rüstungen nicht einmal ihrem eigenen Interesse. Dabei ließe kein anderes Land seine Kulturaufgaben so sehr hinter den Militär- forderungen zurückstehen, wie gerade Italien. Genosse B i s s o l a t i vertrat folgende Tagesordnung:„In der Ueberzeuguug, daß die neuen Rüstungen den Zwecken jener unabhängigen und friedlichen Politik zuwiderlaufen, die Italien durch die gegenwärtige internationale Lage freigestellt ist, ver- wirft die Kammer den Gesetzesentwurf." Redner weist darauf hin. daß er seinerzeit in der Kammer die Notwendigkeit vertrete» hätte, die Summe f e st z u s e tz e n, die das Land seiner wirtschaftlichen Lage nach Jsiir seine Verteidigung ausgeben kann, um dann auf dieser Grundlage die beste Ordnung des Militär Wesens festzusetzen. Gegen diesen seinen Bor- schlag sagte man, daß es für diese Reform zu spät sei. „Wenn dem so wäre" ruft Bissolati aus,„so würde ich nicht nur eine halbe, sondern eine ganze Milliarde bewilligen." (Beifall. Widerspruch.) Sogar die Kommission der Erhebung über die Heeresverwaltung sei von der Vorstellung einer dringenden Gefahr besessen. Durch diese falsche Vorstellung riskiert man, jetzt das zu verschleudern, waS man später gut brauchen könnte. Redner zeigt, daß Italien durch seine Rüstungen alle Mächte mit Mißtrauen erfülle. In Deutschland und Oesterreich würde man sehr wohl verstehen. daß Italien an einem englisch- deutsche il Konflikt nicht teil n eh, neu könnte. Wohl aber kann Italien sich verpflichten, Oe st erreich nicht anzugreifen. Wenn wir also ehrlich erklärten, daß wir keine irredenti st i schen Gelüste haben, und Oe st erreich seinerseits leine JnvasionSgelüste hat. so fehlt es a n jedem Anlaß zum Zwist. Redner glaubt. daß nach der Annexion von Bosnien und dem Einvernehmen über die Bahn von ber Donau bis zum Adriatischcn Meer, der Marsch Oesterreichs nach Saloniki zum Stillstand gekonimeu sei. Auf keinen Fall verlohne eS für Italien nicht. Hunderte von Millionen auszugeben. Zusammenfassend sagt Bissolati. daß die heutige internationale Situation Italien eine neutrale und unabhängige Stellung erlaubt. Keine der beiden Gruppen der Großmächte hätte Interesse, Italien von dem Terrain der Neutralität abzubringen. Daher könnte man die Rüstungen jetzt auf ein Mindestmaß beschränken. Turati vermutet, daß man in dem Entwurf nur die erste Etappe eines langen Weges vor sich habe. Er weist dann darauf hin, wie unwahrscheinlich ein Krieg in Europa und besonders in Italien sei. Gegen einen Krieg mit Frankreich würde sich das Volks- bewußtsein beider Länder auflehnen. Für einen Krieg mit Oesterreich fehlt jeder ernste Anlaß, und Redner könne nicht annehmen, daß die Regierung ihn leichtsinnig heraufbeschwören wollte. Vor einem Angriffs- krieg Oesterreichs brauche man keine Furcht zu haben. Wenn es dazu käine, würden aus dem Volke zu Tausenden die Kämpfer ent- stehen. Der italienischen Verstärkung der Rüstungen müßten Ver- stärkungen auf der anderen Seite folgen imd so ein tolles W e t t r ü st e n beginnen, das z u m A b g r u n d f ü h r t. Da auch die Neutralität nicht waffenlos sein könne, so will Redner d i e Militärausgaben gelten lassen, solange sie sich nur in den heutigen Grenzen halten, die das Maß des Erträglichen nicht über- steigen. So könnte man die Lebensenergie des Landes entwickeln und ein Heer starker, gut genährter, gut unterrichteter, pflichttreuer Soldaten haben. Genosse M o r g a r i hatte, auch im Namen seiner integralisti- schen Kollegen eine Tagesordnung vorgelegt, die den Gesetzentwurf zurückwies und die Regierung aufforderte, eine internationale Konferenz für die Abrüstung einzuberufen. Zur Bc- gründimg dieser Tagesordnung kam eS aber nicht. Natürlich lvar der Republikaner B a r z i l a i einer der eifrigsten Verfechter der neuen Militäransgaben. Soweit unser Korrespondent. Auch bei dieser Gelegenheit möchten wir bemerken, daß so selbstverständlich eS war, daß unsere Genossen die neuen Forderungen deS Militarismus verweigerten, wir insbesondere in den Ausführungen des Genossen Turati die prinzipielle Klarheit darüber vermissen, daß es sich der Sozial- demokratie nicht nur nicht um die Verhinderung der Nllstuugs- Vermehrungen handelt, sondern um völlige Beseitigung des Milita- rismus durch Einführung deS Milizsystems. politische üeberfiebt. Berlin, den 17. Juni 1909. Keine Verschiebung. Die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion über die Aufhebung der Prämien auf die Getreideausfuhr und die G e t r e i d e z ö l I e ist den agrarischen Brotwucherern sichtlich unangenehm. Die„K r e u z z t g." hat die Unverschämtheit zu verlangen, daß die Interpellation in dieser Session überhaupt nicht mehr zur Verhandlung kommen solle. Da wird sich das Wucherorgan denn doch täuschen. Vorläufig bestimmen die Junker noch nicht über die Geschäftsbehandlung im Reichstag und wir zweifeln nicht daran, daß das Reichstagspräsidium, in dem ja auch zwei Liberale sitzen, deren einer ein enragierter Freihändler ist, die sozialdemokratische Interpellation gemäß dem Versprechen des Grafen Stolberg, sobald es die Geschäfte erlauben, auf die Tagesordnung setzen wird. Die Zeit dazu wird um so eher ge- funden werden müssen, als es sich dabei um ein wirkliches Lebens- interesse des deutschen Volkes handelt, das jedenfalls viel dringen- der ist, als die Belastung mit neuen Steuern. Das Junkerblatt erlaubt sich, die Interpellation über die wichtigste und dringendste Angelegenheit des deutschen Volkes als einen ObstruktionLvcrsuch gegen die Finanzreform hinzustellen. Die Verdächtigung ist ja leicht erilärlich. Aus den Hungersnotprcisen fließen ja die glänzenden Gewinne der Junker und um diesen Strpiil von Gold, der stA seit der ErMung der Getreide- zolle in die Taschen der Großgrundbesitzer ergossen hak, vor jedem Beitrag zu den Staatsbcdürfnisscn zu schützen, wollen die Junker bei der Vereitelung der Erbschaftssteuer nicht gestört sein. Aber daß die verderblichen Folgen der agrarischen Politik mit allem Nachdruck im Reichstag zur Sprache gebracht werden, das bleibt den Herren nicht erspart, und daß dies bald geschehen muß, dafür spricht die Dringlichkeit des Notstandes, der durch die unerhörte Teuerung verursacht worden ist. Schatzsekretär Sydow der Vater der Parfiimsteuer. Die„Königsberger Hartungsche Zeitung" behauptet, daß nickn der Abg. Erzbergcr, der die Parfümsteucr beantragt hat. der Urheber ist, sondern der Schatz sekretär Sydow, ber schon seit ge- nunner Zeit einen Entwurf für diese Steuer fertig hatte. Das frei- sinnige Blatt meint, daß die Begriffe, die Herr Sydow von den Obliegenheiten eines ReichSschatzsekretärS hat, immer rätselhafter werden. „Völlig erledigt." Auf die schweren Anschuldigungen, die die Dortmunder „Arbeiterzeitung" gegen die Verwaltung des Hütten- Werkes Phönix in Hörde-Dortinund erhoben hat, erklärt die Werksverwallung am DonnerStagmorgen in der„Dortmunder Zeitung", daß das Werk einen a u S f ii h r I i ch e n V e r i ch t des Generaldirektors an den Präsidenten der Eisenbahndirektion Essen gegeben habe. Der letztere habe daraufhin erklärt, daß für die Eisenbahnverwaltung durch den Bericht die Angelegenheit völlig erledigt sei; ferner habe der Präsident in seiner Er- widcrung bemerkt, daß er dem Bericht der Direktion mehr glauben könnte als den Veröffentlichungen der „Arbeiterzeitung", er verzichte ausdrücklich auf die von Phönix angebotenen Nachweisungcn über die Wagenladungen des letzten Jahres. Die Antwort des Eiscnbahnpräsidenten muß um so merkwürdiger erscheinen, als die„Arbeiterzeitung" bekanntlich erst dieser Tage für den 17. April d. I. sechs Waggons mit Stationen und Positionen bezeichnete, die in Summa mit 23 000 Kilogramm überladen waren. Das gute Verhältnis zwischen Großindustrie und Staatsverwaltung wird durch die präsidiale Entschließung hell beleuchtet. Eine gute Antwort haben am Dienstag die Genossen von Gera auf einen Uebergrih der Polizei gegeben. In der Partei v e r e i n s Versammlung erschien ein Polizeibeamter zur Ueberwachung. Die Aufforderung des Vor- sitzenden, den Saal zu verlassen, erwiderte er, daß er nur der Gewalt weichen werde. Die Versammlung beschloß daraus. Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gegen den Vcaintcn zu stellen und die Versammlung zu schließen. Der Schutzmann wollte nun erst gehen, wenn der Saal sich geleerr habe. Die meisten Besucher entfernten sich daraus und setzten sich in den Garten. Nunmehr ging auch der Schutzmann. Die An- wesendcn gingen daraus wieder in den Saal, verschlossen die Türen und erledigten ohne polizeiliche Aufsicht die festgesetzte Tagesordnung. Schutzleute versuchten vergeblich, Einlaß zu erlange». Die Berggesetznovelle in der Herrenhauskommisfio«. Die Handelskommission des Herrenhauses hat die N ov e l l e zum Berggesetz mit geringen Aenderungen angenommen. Die wichtigste Aenderung besteht darin, daß die Herrenhauskom- Mission die Verhältniswahl der Sicherheitsmänncr n i ch t, wie das Abgeordnetenhaus, für obligatorisch, sondern nur für zulässig erklärt hat. Der Kampf um die Seelen der Eisenbahner. Der preußische Eisenbahnminister interessiert sich sehr für dir Lektüre„seiner" Beamten. Er hat folgende Verfügung erlassen: „Von dem„Christlichen Zeitschriftenverein" in Berlin ist ein neues. Verzeichnis von Fachliteratur für Eisenbahnvereine" sowie eine Druckschrist„Soldatenbüchcreien" herausgegeben worden, die eine geeignete Bücherauswahl aus den Wissensgebieten von allgemeiner Bedeutung bietet. Unter Hinweis auf den Erlaß vom 27. 8. 00 IV. B. 3/231 mache ich die königliche Eisenbabndirektioiien auf diese Schriften aufmerksam, von deren Erscheinen auch den Eisenbahn- vereinenKcnntnis zu geben ist. Gleichzeitig bringe ich den Erlaß vom 17. 4. 08— IV B 5/242 in Erinnerung, wonach es sich empfiehir, bei Beschaffung von Lesestoff für die UebernachtungS- und Aufenthaltsräume und bei der Ausrüstung von Büchereien die von der Schriftenverteilungsanstalt des Zeil- schriftenvereins herausgegebenen kleineren patriotischen, geschicht- lichen und sonstigen Schriften zu berücksichtigen und auch die EiseiiSahnvereine auf diese Schriften hinzuweisen. gez. v. Breitenbach. An die kgl. Eisenbahndirektionen. Der Christliche Zeitschriftenverein verlegt allerlei muckerische und hurrapatriotische Machwerke, die kein vernünftiger Mensch lesen kann. ohne Bauchgrimmen zu bekommen. Wenn Herr v. Breitenbach bannt die Seelen der Eisenbahner vor dem Umsturz zu bewahren hofft, so können wir damit sehr zufrieden sein. Auch eine Reform. Im Reichsjustizamt besteht, so wird gemeldet, die Absicht, mir der Reform des Strafgesetzbuches eine Reform des Straf- Vollzugs zu verbinden. Sie soll sich darauf beschränken, die Konkurrenz der Gefängnisarbeit für die freien Berufe zu beseitigen. — Ein Gesetz, das die ganze Materie des Strafvollzugs regelt, wird seit Gründung des Reiches gefordert!— Die vierte Klaffe soll bluten. Am Mittwoch hat bei der Generaldebatte des Eisenbahnetal; im württembergischen Landtag der Ministerpräsident v. Weizsäcker erklärt, es müsse, um das Defizit der Eisenbahn- Verwaltung zu beheben, der Kilometerfahrpreis für die vierte Klasse von 2 Pf. auf 2,3 Pf. erhöht werden. Der Landtag vertagte die Verhandlung und Entscheidung auf einige Wochen— bis nach Erledigung der F a h r k a r t e n st e u e r im Reichstage._ Tie Biergläser werden kleiner. Der Bundesrat hat das Gesetz über die Schankgefäße geänden. etzt wird das Raummaß der Gläser in Vi« Liter angegeben. ünstig soll es in V-» Liter angegeben werden. Auf diese Weise hofft man, die Abwälzung der Brausteuer auf die Biertrinker leichter bewerkstelligen zu können. Um übermäßiges„Schneiden" zu verhindern, soll das Schaummaß um 2 Zentimeter erhöhl werden. Die Gläser werden sonach kleiner, das Bier wird teurer und das schlechte Einschänken wird doch nicht beseitigt. Der Köhlbrandvertrag abgeschloffen. Die Hamburger Bürgerschaft stimmte am Mittwochabend ein- stimmig der Köhlbrandvorlage zu. Damit ist der Staats- vertrag zwischen Preußen und Hamburg endgültig angenommen. Ei« Handelsvertrag mit Venezuela. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutsche Reiche und dem Freijtgut Venezuela die Zustimmung erteilt, Oeftcmicb. Nationalistische Krawalle. Trieft, 17. Juni. Gestern abend gegen 9 IHsr kam c8 vor dem Narodni-Dom zu Z u s a m m e n st ö s; e n zwischen Italienern, Slovenen und der Sicherheitswache. Die Gendarmerie trennte die Parteien und räumte den Platz. Aon einem Fenster des Vereinslokales der Mazzinianer lvurde ein Nevolverschust ab- gefeuert, durch den ein Passant verletzt wurde. Die Polizei drang sofort in das Gebäude ein und nahm eine Durchsuchung vor. Hierbei wurden verschiedene Waffen gefunden. 40 Mazzinianer, darunter deren Führer, wurden verhaftet. Insgesamt wurden im Laufe des Abends 120 Verhaftungen vorgenommen. Gegen Mitternacht trgt Siuhe ein. franfercicb. Gegen den Zaeenbesuch. Paris, 17. Juni. Der sozialistische Verband des Seine» departements erhob in einer gestern angenommenen Resolution schärfsten Protest gegen den Besuch des Zaren in Cherbourg._ Die gefälschte Abstimmung. Paris, 17. Juni. Der Antrag Vertheaux betreffend die Altersversorgung der Eisenbahnbeamten ist nach einer neuerlichen Berichtigung mit einer Mehrheit von nur einer Stimme abgelehnt»vorden.— Entfernte amtlich: Dokumente. Paris, 17. Juni. Infolge dcS Beschlusses der Marinc-Unter- suchungskommission hat Marineminister Picard den Kasscnverwalter des Marineinvalidenfonds Bittona vorgeladen, der beschuldigt ist, seinerzeit als Sekretär des früheren Marine- Ministers Pelletan widerrechtlich amtliche Schrift- st ü ck e an sich genommen zu haben. Falls der Marine- minister die Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung anordnen sollte, wird das Touloner Scekriegsgericht mit der Angelegenheit betraut werden._ Der Streik der Seeleute. Marseille, 17. Juni. Die Heizer und Matrosen der Schleppdampfer im Hafen von Marseille haben sich mit den ein- geschriebenen Seeleuten solidarisch erklärt und sind in den Aus- stand getreten._ Der Eisenbahnerstreik in Korsika. Paris, 17. Juni. Wie.Echo de Paris" ans Ajaccio gemeldet wird, sollen morgen in Bastia zweihundert Geniesoldaten eintreffen, um den infolge des bereits fünf Wochen andauernden Eisenbahner st reiks unterbrochenen Eisenbahndien st wiederherzustellen. Da man Sabotage befürchtet, werden die Bahnstrecken und Bahnhöfe militärisch bewacht.— england. Gegen die Schande des Zarenbesuches. London, 15. Juni.(Eig. Set.) Die Zusammenkunft zwischen Zar und König in CoweS wird nicht ohne scharfen Protest von feiten der Arbeiter und Linksliberalen vor sich gehen. Der Vorstand der Arbeiterpartei wird in seiner nächsten Sitzung eine Resolution an- nehmen, die die Zusammenkunft verdammt. ES werden sodann öffentliche Arbeiterversammlungeir einberufen werden, denen die Resolution vorgelegt werden wird. Der linkSliberale Abgeordnete G o o ch stellte gestern an den Premierminister die Frage, ob er dem Parlament Gelegenheit geben wird, seine Ansicht über den bevorstehenden Besuch deS Zaren aus- zusprechen. Asquith antwortete:.Der Besuch wird zu Anfang Llugnst stattfinden, während der Etat des Ministeriums deS Aeufeeru einige Tage vorher vor das Parlament kommt". Asquith wollte also sagen, das; das Parlament Gelegenheit haben wird, noch vor dem Besuche seine Ansicht darüber zu äustern. Im Parlament ist die Ansicht verbreitet, daß eS notwendig sei, im ganzen Lande Versa nrmlun gen zum Protest gegen den Zarenbesuch einzuberufen. Der radikale Abgeordnete Artur Ponsonbh wird am Donnerstag den Minister deS Acusiem darüber befragen, ob er dem Parlamente darüber Auskunft geben kann, warum die Reise russischer Schullehrer nach London von der russischen Regierung verboten worden ist. Wie man sieht, treffen die Arbeiter und die freiheitlichen bürger- lichen Kreise Vorkehrungen, de in Zaren ihre Verachtung Auszusprechen. London, 16. Juni. Abg. T hörne(Arbeiterpartei) fragte in der Sitzung des Unterhauses, ob dem Staats- sekretär die lebhafte und stetig anwachsende Abneigung eines Teiles der Bevölkerung gegen den Besuch des Zaren bc- kannt sei?„Es wäre sehr gut. wenn das russische Volk Hier unterbrach der Sprecher den Interpellanten mit der Bs- mcrkung, daß dieser augenscheinlich im Begriffe stehe, eine Rede zu halten, statt eine Frage zu stellen. Sir Edward G r ey wiederholte, daß die Regierung sich für den Besuch nach jeder Richtung hin verantwortlich halte. Der Liberale Herbert sagte:„Wird in Verbindung mit diesem Besuche eine Ausgabe öffentlicher Gelder stattfinden? Und wird in diesem Falle dem Hause ein Kredit unterbreitet werden, bevor diese Ausgaben gemacht sind?" Der Staatssekretär beant- wartete diese Fragen verneinend. Der Liberale Mackarneß fragte:«Ist es zu spät, um dem Besuche einen privaten. statt des amtlichen Charakters zu geben?" G r ey sayte:„Es ist gänzlich ausgeschlossen, daß der Besuch des Kaisers von Rußland beim König von England sich anders gestalte, als die Besuche des Zaren bei den anderen Staatsoberhäuptern." Der Abg. T h o r n e machte hier die Bemerkung, er hoffe, dem Zaren werde widerfahren, was ihm gebühre. Der Sprecher rügte diese Bemerkung, die einem befreundeten Mon- archen gegenüber nicht am Platze sei. Dies veranlaßte den Abgeordneten zu dem Ausrufe:„Der Zar ist ein unmensch- liches Tier." Die konservativen Organe tun natürlich über diese treffende Charakteristik sehr entrüstet. Dagegen protestieren die radikalen„Daily News" gleichfalls in schärfster Weise gegen den Besuch des Despoten. ArbeitSbörseu. London, 16. Juni. Im Unterhause wurde heute die zweite Lesung deS Gesetzentwurfs betreffend die Einrichtung eines Arbeits- börsensystems einstimmig angenommen. perlien. Die Lage in Täbris. Täüris, 17. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) Der hiesige türkische Generalkonsul ist für den Sommer in die Ortschaft Lala in der Nähe von Täbris übergesiedelt und hat Sattar Khan und Bagir Khan mit ihren Anhängern im Konsulat zurückgelassen. Die letzteren bc- nutzten seine Abwesenheit und fingen an, im Konsulatsgebäude Versammlungen abzuhalten, die einen stürmischen V e r t a u f nahmen. Ferner erneuerten sie in der Stadt ihre Agitation für Schließung der B a z a r e. Seitdem in- folge Eintreffens der russischen Truppen in Täbris die Unruhen eingestellt wurden, haben die einheimischen Truppen ihre früheren Einnahmen, die in den von der einheimischen Bevölkerung cr- preßten Geldern bestanden, verloren und bemühen sich nun, den Boden zur Wiedcrerneucrung der Unruhen vorzubereiten, nachdem die russischen Truppen abgezogen sein werden. Die von den türkischen Soldaten bei Salmas geschlagenen persischen Fidais treffen nach und nach in Täbris ein und bringen heimlich nachts ihre Waffen in die Stadt. Denn ungeachtet der Verleihung der .Konstitution und einer allgemeinen Amnestie haben die Fidais die Waffen nicht gestreckt und nach dem Verlust ihrer Einnahmen in Täbris wieder angefangen, die außerhalb des Wirkungskreises der russischen Truppen gelegenen Dörfer zu plündern. Em der Partei. Hermann GoldfteiuS Beisetzung. Am Donnerstag ist unser verstorbener Genosse in Dresden zur letzten Ruhestätte gebettet worden. Das Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten Ehrung dcS toten Kämpfers. Fast alle KreiS- organisationen Sachsens, viele Gewerkschaften und die Arbeiter einzelner Betriebe in Dresden und anderen sächsischen Städten, so- wie die Redaktionen der sächsischen Parteiblätter hatten Kränze und Delegationen geschickt. Vom Volkshause aus. wo die Kränze und Blumenspenden vorher ausgestellt waren, bewegte sich ein nach mehreren T a>l s e n d e n zählender Zug nach dem zirla eine Stunde entfernten Friedhofe von Sankt Pauli. Auf dem Friedhofe erwarteten Tausende den Sarg. Der Arbcitcrgesangverein eröffnete die Trauerfeier mit einem Liede. Dann sprach Genosse M o l k e n b u h r für den Parteivorstand. Die ReichStagsfraktion hatte die Genossen Stolle. Geyer und Horn entsandt; Genoffe Stolle nahm für sie das Wort. Im Namen deö Zentralkomitees für Sachsen sprach Genosse Sind er- m a n n. Nach ihm sprachen Vertreter der sächsischen AgitationS- komiteeS, des 19. ReichStagswahlkreiseS und 37. LandtagSwahlkreiseS, deren Mandate Genosse Goldstein iiincgebobt hatte; den ernsten Reigen schloß als Sprecher der Zwickauer Redaktionskollegen Gold- steinS Genosse Friedrich. NamenS der zweiten sächsischen Kammer wurde durch den Abgeordneten Dr. Kühlmorgen ein großer Lorbeerkranz mit grünlveißer Schleife niedergelegt. Mit dem Gesang des Liedes:„Ein Sohn des Volkes" schloß die Feier. Ueber dem Grabe senkten sich die alte Revolutionsfahne von 1649 und eine Fahne deS früheren VolkSbildungSvereins in Dresden, dessen eifriger Förderer Genosse Goldstein gewesen ist. Zur Tagesordnung dcS Parteitags. Sieben der„BreSlauer Volkswacht" hat auch das„B o ch u ni e r V o l k S b l a t t" die Bc- Handlung der Ret chSfinanz reform auf dein Parteitag gc- fordert, einerlei, ob sie bis zum September erledigt ist oder nicht. Die Geldquellen der«S. M." Wir werden um Aufnahme der folgenden Erklärung ersucht: Die unterzeichneten Mitarbeiter der„Sozialistischen Monats, hefte" haben sich durch Kenntnisnahme von den Geldquellen der Zeitschrift davon überzeugt, daß die Lauterkeit dieser Quellen und des Herausgebers über jedem Zweifel steht. Dr. Leo Arons. Eduard Bernstein. Dr. Bruno Borchardt. Julius Bruhns. Richard Ealwer. Gertrud David. Julius Deutsch. Eugen Dietzgen. Kurt EiSner. Dr. August Erdmann. Edmund Fischer. Dr. Georg Gradnaucr. Dr. Wilhelm Hausen- stein. Ernst Heilmann. Wolfgang Heine. Adolf Hepner. Berthold Heymann. Gerhard Hildebrand. Emma Ihrer. Paul Kampfs- meyer. Friedrich Kleeis. Wilhelm Kalb. Dr. Karl Kollwitz. Franz Laufkötter. Karl Legien. Theodor Lcipart. Dr. Hugo Lindemann. Paul Lobe. Dr. Heinrich Lux. Hermann Mattutat. Dr. Max Maurenbrecher. Dr. Adolf Müller. Engelbert Perner- storfer. Heinrich Pens. Dr. Ludwig Qucssel. Ludwig Radios. Bernhard Schildbach. Dr. Konrad Schmidt. Robert Schmidt. Wilhelm Schröder. Dr. Artur Schulz. Friedrich Stampfer. Roman Streltzow. Heinrich Stühmer. Dr. Albert Südekum. Jobannes Timm. Georg von Vollmar. August Winnig. Rudolf Wissell. Dr. Jgnaz Zadel. Wally Zepler. • Dieser große Zeugenapparat war wirklich unnötig. Daß die „S. M." eine Zuwendung von einem Linksliberalen erhielten, ist vom Verlag nicht bestritten worden. potireitickes» Genchtitebca usw. Strafkonto der Presse. Halle, 17. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Genosse Leopoldt vom„Lolksblatt fürHalle" wurde von der Strafkammer zu Halle a./S. wegen Beleidigung des Bürgermeisters Reichstagsabgcordneten Wilde-Elsterwerda zu 1000 M. und wegen Beleidigung eines Pastors und sechs Lehrern zu 200 M. Geldstrafen verurteilt._ Soziales* Dem Schutz gegen unzuverlässige Bauunternehmeir soll die Novelle zur Gewerbeordnung vom 7. Januar 1907 dienen. Nach ihr ist zu untersagen der Betrieb des Gewerbes als Bau- Unternehmer und Bauleiter, sowie der Betrieb einzelner Zweige des Baugewerbes, wenn Tatsachen vorliegen, welche die„Unzu- verlässigkeit des Gewerbetreibenden in bezug auf diesen Gewerbe- betrieb" dartun. Von dem neuen Gesetz machte die Polizeidirektion zu Fulda Gebrauch, indem sie gegen den Bauunternehmer Bischof aus Fulda die Klage im Verwaltungsstreitverfahren erhob und beantragte, ihm den Betrieb des Gewerbes als Bauunternehmer zu untersagen, weil er unzuverlässig sei. Er sei drei Jahre lang regelmäßig die Unfallvcrsicherungsbeiträge der Hesscn-Rassauischen BauberufSgenossenschaft schuldig geblieben uiid' Zwangsvoll- strcckungen hätten keinen Erfolg gehabt. Damit sei klar erwiesen, daß er seinen Verpflichtungen als Bauunternehmer nicht nach- kommen konnte. Das sei mindestens eine wirtschaftliche Unzuver- lässtgkeit, die die Untersagung des Gewerbebetriebs rechtfertigen würde. Der Beklagte entschuldigte sich mit vielfachen Verlusten und erklärte, daß er am 1. August 1908 sämtliche Rückstände und auch die laufenden Beiträge bezahlt habe. Die zeitweilige Zahlungs- Unfähigkeit könnte nicht als wirtschaftliche Unzuvcrlässigkeit an- gesehen werden. Ter Bezirksausschuß wies die Klage ab und führte aus, eine wirtschaftliche Unzuverlässigkeit sei in einer nur eine gewisse Zeit andauernden Zahlungsschwierigkeit nicht zu erblicken, zumal, wenn es sich nur um den Rückstand von Versicherungsbeiträgen handele. Wenn Beklagter die Beiträge mi) einemmal nachzahlen konnte, so beweise dies, daß er entweder noch Kredit hatte oder infolge von Aufträgen seinen Verpflichtungen nachkommen konnte. Die Polizeidirektion legte Berufung ein und meinte, wenn keine wirtschaftliche Unzuverlässigkeit vorläge, dann müßte doch eine moralische Unzuverlässigkeit angenommen werden. Denn wenn jemand wirtschaftlich nicht unzuverlässig sei und doch nichts tue, um die Beiträge wenigstens ratenweise zu tilgen, so sei er eben moralisch nicht zuverlässig. > DaS Ober-BcrwaltungSgericht bestätigte aber dieser Tage die Vorentscheidung mit folgender Begründung: Tatsachen, welche im Sinne des angezogenen Gesetzes die„Unzuverlässigkeit des Gewerbe- treibenden mit Bezug auf seinen Gewerbebetrieb dartun", könnten nach den Motiven des Gesetzes sowohl auf dem Gebiete der beruf- lichen Sachkunde als auch auf moralischem und wirtschaftlichem Gebiete liegen. Hier stehe zur Entscheidung, ob eine wirtschaftliche oder moralische Unzuverlässigkeit vorliege. Das sei nicht anzu- nehmen. Es sei nur die Tatsache der Nichtzahlung der Ver- sicherungsbeiträge bezw. der dreijährige Rückstand dargetan. Wenn Beklagter dies durch leichtsinniges Leben oder grobe Nachlässigkeit verschuldet hätte, könnte man es vielleicht berücksichtigen. Das sei aber nicht dargetan. Von einer leichtsinnigen oder arglistigen Hintergehung seiner Kunden und seiner Leute könne hier nicht die Rede sein. Das aber habe der Gesetzgeber nach den Motiven des Gesetzes im allgemeinen treffen wollen. Somit könne das Gesetz gegen den Beklagten nicht angewendet werden. Billige Arbeitskräfte sucht sich der Buchbindermeister E. Deterling, der in der Jakobi- kirchstraße 2 eine Kartonnagenfabrik betreibt, durch die Einführung einer sonst in der Kartcnnagenbranche nicht üblichen lltägigcn Lehrzeit zu verschaffen. Den allerdings meist sehr jugendlichen Arbeiterinnen werden bei ihrem Eintritt in den Betrieb des Herrn D. die Arbeitsbedingungen in wohl nicht immer klarer Weise mit- geteilt. Gestern klagte die Arbeiterin G. vor dem Gewcrbcgericht auf Zahlung von 21,50 M. rückständigen Lohn. Bei ihrem Eintritt soll ihr von einer Lehrzeit nichts gesagt worden sein. Hingegen soll ihr von Anfang an ein Wochenlohn von 9 M. zugesichert worden sein. Der Beklagte will diesen Lohn erst von der dritten Woche ab zugesichert haben, für die lltägige Lehrzeit sollte Lohn nicht gezahlt werden. Diese Behauptung büßte aber an ihrer Wahrscheinlichkeit dadurch ein, daß der Klägerin anstatt der in den 3 Wochen als verdient zugegebenen 9 M. nur 5,70 M. in vier Raten gezahlt worden sind. Das Gericht wollte deshalb auch der Klägerin den Eid anvertrauen, was aber, da diese das eidesfähige Alter noch nickt erreicht hatte, nicht angängig war. So endete die Sache schließlich mit einem Bergleich aus 7 M. Das ist bedauerlich. Der Beklagte hätte ohne weiteres ver- urteilt werden können, zumal ein Lehrvertrag ohne Zustimmung des Vaters oder sonstigen gesetzlichen Vertreters ungültig ist. Die Staubgefahr für den gewerblichen Arbeiter. Die Arbeiterkammern der Vereinigten Staaten von Amerika haben soeben ihren Jahresbericht für 1908 veröffentlicht und sich darin in hervoragender Weise mit den ungeheuren Gefahren bc- schästigt, die den Arbeitern in gewerblichen Betrieben aus dem sie ständig umgebenden Staub erwachsen. Sie haben festgestellt, daß jährlich mehr als 22 000 Arbeiter lediglich durch bessere Lüftung vom Tode errettet werden können, und daß es möglich ist, die Fälle der Tuberkulose auf ein Drittel der bisherigen Zahl herunterzusetzen. Am schlimmsten sind die Zustände in der Farben- industrie und der Tod wütet unter den jugendlichen Arbeitern in geradezu erschreckender Weise. Die Statistik des vergangenen Jahres hat festgestellt, daß nicht weniger als 49,2 Proz. von allen in Farbwerken beschäftigten Arbeitern rettungslos der Tuberkulose verfallen sind, und daß von den jüngeren Arbeitern im Alter von 25—35 Jahren nicht weniger als 47,6 Proz. lediglich durch das Einatmen mineralische» StanbeS starben. Der Hauptgrund zu dem frühen Sterben einer großen Zahl lebcnSstarkcr und lebensfroher Jünglinge und Männer liegt also lediglich in dem Einatmen verdorbener, stauberfüllter Luft. ES ist eine geradezu todbringende Atmosphäre, in der sich die Arbeiter der meisten Fabriken in Amerika befinden, deren Räume gesättigt sind von dem feinen mineralischen, metallischen und vegetabilischen Staub, der ungehindert durch den Mund in die Lungen und selbst bei geschlossenem Munde durch die Oeffnungen der Nase in den Hals und die Bronchien dringt. Fragt man sich nun, was eigentlich als der gefährlichste Staub für den Arbeiter zu betrachten ist, so läßt sich die Antwort daraus nicht mit wenigen Worten geben. In erster Linie kommen die kleinen, kaum oder überhaupt nicht wahrnehmbaren Teilchen in Bc- tracht, die sich von den eisernen Werkzeugen unausgesetzt loslösen, vor allem von den Hämmern, Sägen und Feilen, weiterhin erregen aber auch die hergestellten Gcaciistände selbst fortwährend Staub, man braucht nur an Arbeiten in Holz oder Bein, dann an wollene, leinene oder seidene Stoffe zu denken, ganz abgesehen von den Nahrungsmitteln, wie etwa Mehl, die selbst Staub sind, oder von Torf und Kohlen, die den gefährlichsten und giftigsten Staub er- zeugen, zu denken. Auch die Herstellung des Tabaks» vor allem des Pfeifen- und Schnupftabaks, gehört hierhin. Gegen diese offen zutage liegenden Schäden der industriellen Arbeit lassen sich nur schwer Mittel finden, ltzirch die sie gänzlich beseitigt werden können. Fleißiges Lüften der ArbcitSräunie ist naturgemäß ein erstes Erfordernis, man darf sich aber damit nicht begnügen, ganz abgesehen davon, daß sich im Winter das Lüften in gewissen Grenzen halten muß. In einzelnen amerikanischen etektri- schen Fabriken sind in den Arbeitsräumen Röhren angebracht, die den sich entwickelnden Staub aussaugen und ins Freie führen, wie der Kamin den Rauch in die Luft leitet, aber eine definitive Lösung der ungemein schwierigen Frage ist bis jetzt nicht gefunden. Jedenfalls erscheint cS dringend wünschenswert, daß sich die Wissen- schaft dem Gegenstande mit allem Ernst zuwendet, um den grauen- haften Verheerungen Einhalt zu tun, die durch den Staub all- jährlich unter den Arbeitern angerichtet werden. Versammlungen. Sechster Wahlkreis. Die am Dienstag in den Germaniasälen ab- gehaltene außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins wurde vom zweiten Vorsitzenden mit einer Ehrung dcS verstorbenen Genossen Hermann Gold st ein eröffnet.— Auf der Tagesordnung stand die Wahl des ersten Vorsitzenden, die in den beiden voraufgegangenen Generalversammlungen nach lebhaften Debatten zu keinem Resultat geführt hat.— Der Vorstand und die Kreis- konferenz schlugen jetzt den Genossen Richard Henschel für das Amt des ersten Vorsitzenden vor. Er wurde von der Versamm- lung ohne Debatte mit allen gegen eine Stimme gewählt.— Ein bereits früher gestellter, der gegenwärtigen Versammlung über- wiescner Antrag des Genossen Maus stellt an die in Frage kommenden Instanzen daS Ersuchen, den Genossen Freyt haier seines Amtes als Redaktionsselretär zu entheben; gleichzeitig solle der Antrag auf Einleitung des Ausschlußverfahrcns gegen Frey- thaler gestellt werden.— Der Vorstand und die KreiStonfercnz empfehlen der Versammlung, über den Antrag Maus zur Tagesordnung überzugehen, weil Genosse Maus in der Vor. standssitzung zur Begründung seines Antrages nichts anführen konnte, was nicht schon in dem abgeschlossenen Verfahren der Prcßkommission gegen Freyt Haler vorgebracht worden wäre. Da neue Momente vom Antragsteller nicht geltend gemacht werden konnten, so könne die bereits durch die Parteiiustanzcn erledigte Angelegenheit nicht nochmals behandelt werden.— Die Versammlung stimmte mit großer Mehrheit für Ucbergang zur Tagesordnung. Hierauf hielt Genosse Molkenbuhr einen interessanten Vortrag, worin er die Zollpolitik, besonders die bei der gegen- Wältigen sogenannten Reicksfinanzreform zutage getretenen Steuer- Pläne in sachkundiger Weise kritisierte und die unersättliche Raff- gier des agrarischen Junkertums treffend kennzeichnete. Der Kampf gegen die agrarische Steuerpolitik— so schloß der Redner— müsse sich erweitern zu einem Kampf gegen die Junkerherrschaft überhaupt. Nicht eher könne der Ausplünderung des Volkes ein Ende gemacht werden, nicht eher könnten wir zu gesunden Zu. ständen kommen, als bis die Herrschaft des Junkertums gebrochen sei.— Der Wortrag fand lebhaften Beifall, Gewerkfcbaftlicbee* Der Buchdruckerverband kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken; ihm hat das Zlrisen- jähr ISOS keinen Abbruch in seiner organisatorischen Fortentwicke- lung getan. Die Gcsamtmitgliederzahl im Jahre 1908 stieg um 2786, das sind etwa soviel als der Gutenbergbund in 15 Jahren seiner Tätigkeit Mitglieder zusammengebracht hat. In den drei voraufgegangenen Jahren betrug die Mitgliederzunahme aller- dings je rund 4069; die geringere Zunahme wird jedoch darauf zurückgeführt, daß die Zahl der organisationsfähigen Gehilfen immer geringer wird, da der Verband mit Ausnahme der Neu- auslernenden fa st alle für ihn brauchbaren Gehilfen bereits seinen Reihen zugeführt hat. Die Mit- gliederzahl betrug am Jahresschlüsse 56 325. Nahe die Hälfte sämt- licher Mitglieder, nämlich 26 000, waren in den vier Gauen Berlin, Rheinland-Westfalen, Leipzig und Bayern vorhanden. Die Mit- glieder verteilen sich auf 1546 Orte. Auch auf tariflichem Gebiete sind weitere erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Im Berichts- jähre wurden 6611 tariftreue Firmen mit 57 211 Gehilfen an 1942 Orten gezählt. Für ein« große Anzahl von Druckorten gelangten am Jahresschlüsse neue oder erhöhte Lokalzuschläge zur Ein- führung. Das Vordringen der Maschine im Setzergewerbe war ein unaufhaltsames. Am 1. Januar 1969 waren in Deutschland vorhanden(die in Klammern gesetzten Ziffern geben das Ver- hältnis aus dem vorhergegangenen Jahre wieder): 1199 Linotypes (1641), 339 Monolines(366), 763 Typographen(631), zusammen 2361 Zeilengießmaschinen(1972), sowie 227 Monothpetastapparate (178) und 142 Monotypegießmaschinen(166). An diesen Maschinen waren etwa 3625 Gehilfen(3174) ständig beziehungsweise nur zeitweise beschäftigt. Dazu kommen noch die technischen Verbesse- rungen und die dadurch gesteigerte Leistungsfähigkeit an den ver- schiedenen Systemen der Zeilengießmaschinen. Das Schriftgießer- gewerbe wird durch die Verbreitung der Setzmaschinen empfindlich in Mitleidenschaft gezogen, ja diese wachsen sich für das genannte Gewerbe geradezu zu einer Kalamität aus. Die wirtschaftlich gedrückte Lage kommt allerdings in den ge- steigertern Ausgaben für Untverstützungen sichtbar zum Ausdruck Für Arbeitslosenunterstützung am Orte wurden 766 821 M.(1967: 142671 M.), an Reiseunterstützung 178 964 M.(1907: 142 671 M.) gezahlt. Nach einem Saldovortrage von 7 668 435 M. für da? neue Ge- schäftsjahr ergibt sich ein Ueberschuß von 746 345 M.(1967: 1644 677 M.). Die Gesamteinnahmen betrugen 9 419 249 M., rund 166 666 M. mehr als im Vorjahre. Das Gesamtvermögen be- trägt 9 689 442 M. Die Auflage des Verbandsorgans betrug 41 666 Exemplare, 1666 mehr als im Vorjahre. Zu erwähnen ist ferner, daß im Jahre 1963 der Vorsitzende dcS Verbandes D ö b l i n 26 Jahre an der Spitze der Organisation stand, desgleichen der Hauptverwalter Beyer und der Hilfs- arbeiter im Verbandsbureau Schubert; der Kassierer E i f l e r stand 17 Jahre im Dienste des Verbandes, während der Gauvor- steher Klapproth in Hannover nach 34jähriger Tätigkeit vom Amte zurücktrat. BerUn und Umgegend* Achtung, Maurer! Die Firma G. Müller, Tegel, die gegen- «artig die Gasanstaltsbauten der Stadt Berlin ausführt, kann sich immer noch nicht daran gewöhnen, auch im Arbeiter und dessen Organisation gleichberechtigte Faktoren anzuerkennen. Auf den Bauten der Berliner Gasanstalt in Tegel ist in dieser Woche ein Kollege entlassen worden, der in der Arbeitspause für die Organisation wirkte. Auf die bei der Firma gemachten Vorstellungen wurde— wie in der Danziger Straße— brüsk ab- lehnend geantwortet, worauf es zur Arbeitsniederlegung kam. Da die Firma jetzt in den bürgerlichen Blättern Maurer sucht, und den sich Meldenden erklärt, daß die Differenzen beigelegt seien, weisen wir daraus hin, daß dies nicht der Fall ist. Es sind bielmehr alle Bauten der Firma G. Müller auf dem Gelände der Berliner Gasanstalt in Tegel gesperrt. Der Vorstand des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Deutsches Reich. Der Streik der Tischler in Fürstenwalde dauert unvcr- ändert fort. Da auch in Berkenbrück Streikarbeit verrichtet wird, bittet die Streikleitung, den Zuzug nach Fiirstenwalde und Berkenbrück streng fernzuhalten. Maurerstreik in Crossen a. O. Ende März 1967 lief der Lohntarif der Maurer in Crossen ab. Die Arbeitgeber hatten ihn rechtzeitig gekündigt. Zur Abschließung eines neuen Tarifs kam es nicht, weil die Maurer eine Lohn- erhöhung forderten, während die Arbeitgeber keine Zulage gewähren wollten. In diesem Frühjahr erhoben die Maurer die Forderung von neuem und da sich die Arbeitgeber weder auf Verhandlungen einließen, noch eine Lohnerhöhung eintreten lassen wollten, so legten sie Anfang Juni die Arbeit nieder. Für dieses kleine Landstädtcheu war dies ein Ereignis. 163 Maurer beteiligten sich, und ihre Haltung war musterhast, was um so erfreulicher ist, als alle bis auf 16 Dorf- bewohner sind und viele davon drei bis fünf Stunden Weges zum Strcikkontroll- und Versammlungslokal zurücklegen müssen. Am 14. Juni fand unter Mitwirkung des Bürgermeisters und der Gauleitung eine Verhandlung statt. Es kam zu einer Einigung. Die Arbeitgeber billigten eine Lohnerhöhung von 3 Pf. und einige andere Verbesserungen zu. Weiter kam es wieder zu einem Vertragsabschluß, der bis zum 1. April 1912 Gültigkeit haben soll. Die Versammlung der Maurer nahm einmütig das An- gebot an._ Der Zimmeretvervand hat die Folgen der Krise offenbar überwunden. Wie der„Zimmerer" berichtet, hat sich im Verlaufe von 12 Wochen seine Auflage von 56 566 auf 61 366 Exemplare ver- mehrt. Die Zahl der Verbandsmitglieder dürfte sich in demselben Verhältnis erhöht haben.-_ Gefährliche Wißbegierde! Beim Streik der Kieler städtischen Arbeiter legt der Magistrat ein immer sonderbareres Verhalten an den Tag. Die sozial- demokratischen Stadtverordneten haben beim Magistrat folgende Interpellation eingebracht: „Sind dem Magistrate die Folgen des Streikes und der Aussperrung der Arbeiter in den größeren städtischen Betrieben, insbesondere im Abfuhrwesen der Straßenreinigung und cn den Lichtwerken, welche eine Gefahr für die Gesundheit der Ein- wohner der Stadt bedeuten, und die Bürgerschaft zu tiefgreifen- der Erregung veranlaßt haben, im vollen Umfange bekannt, und gedenkt er, schleunigst Abhilfe zu schaffen?" Die Interpellation wird wahrscheinlich in der Sitzung der Etadtkollegien am 22. dieses Monats zur Beratung kommen. Am Mittwoch fragte der sozialdemokratische Stadtverordnete Kuhnt den Stadtrat, dem die Licht- und Wasserwerke unter- stehen, ob eine Besichtigung der Werke gestattet sei. Der Stadtrat lehnte das ab, obgleich dies bisher den Stadtverordneten jederzeit freistand. Auf die Frage Kuhnts, weshalb die Ablehnung er- folge, antwortete der Stadtrat:„Ja, aber Herr Kuhnt, Sie sind doch Sozialdemokrat." Der Stadtrat versprach, dem Magi- strat das Ersuchen zur Beschlußfassung vorzulegen. Am Donners- tag nun hat der Magistrat beschlossen, unter den obwalten- den Umständen den sozialdemokratischen Stadt- verordneten die Besichtigung der Betriebe nicht zuge statten! Der Deutsche Zcylographenverband hat nicht— wie gestern irrtümlich berichtet wurde— seinen Anschluß an den Senefclder- bund beschlossen, er hat nur eine Resolution angenommen, in der es heißt, daß die gewerkschaftliche E n t w i ck e l u n g sich in der Richtung der Verschiuelzung kleinerer Verbände zu großen, leistungS- fähigen Organisationen bewege. Von einer Verschmelzung dcS Zihlographcnverbandes mit dem Senefelderbund müsse aber gegen- wärtig ans taktischen Gründen abgesehen werden, da für den Verband nur Nachteile daraus erwachsen würden. Ein wilder Streik ist auf der Oberschlesischen Eisen- i n d u st r i e, Abteilung Drahtwcrk, ausgebrochen. Durch Anschlag hatte die Verwaltung bekanntgegeben, daß vom 1. Juli ab die Löhne um 2— 16 Proz. gekürzt werden. Darauf verließen am Dienstag 666 fast durchiveg unorganisierte Arbeiter den Betrieb. Bereits am Mittwoch kehrten 466 zur Arbeit zurück, während 266 im Streik verharrten. Da die Drahizieher laufend das Material für die übrigen Arbeiter liefern, so hat die Verwaltung angekündigt, daß am Freitag 3660 andere Arbeiter wegen Materialmangels aus- gesperrt werden, falls die Streikenden bis dahin die Arbeit nicht wieder vollzählig aufgenommen haben. Die Lohnrcduktionen waren vom Aufsichtsrat beschlossen worden. Wegen großer Mißstände auf der Grube kündigten am Mittwoch auf der Zeche Werne im Kreise Hamm 156 Bergleute. Scham. Ein Umschwung ist in der Haltung der christlichen Metall- arbeiter im Streik bei der Firma Mandcwirth in Solingen zu verzeichnen. Am Montag erschienen die Vertreter der Solinger Filiale des christlichen Metallarbeiterverbandes auf dem Streik- bureau der freien Gewerkschaften und gaben die Absicht kund, s i ch dem Streik anzuschliießen. Eine sofort einkPrufene Sitzung, an der Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, des Jndustriearbeiterverbandes und des christlichen Metallarbeiter- Verbandes teilnahmen, führte zur Stipulierung und Annahme folgender Vereinbarung: „Zwischen dem Deutschen Metallarbeiterverband und dem Jndustricarbeitervcrband einerseits und dem christlichen Metall- arbeitervcrband andererseits wird nachstehendes Abkommen ge- troffen: 1. Die anwesenden Vertreter des christlichen Metallarbeiter- Verbandes übernehmen die Verpflichtung, daß sofort, s P ä- testens innerhalb 24 Stunden die Mitglieder ihres Verbandes sämtliche Arbeit für die Firma E. Mandcwirth an diese zurückgeben. An- gesichts der Tatsache, daß die Firma Mandcwirth vom Metall- arbeitervcrband bestreikt wird, soll kein Mitglied des christlichen Metallarbcitervcrbandes für diese Firma arbeiten. 2. Die Vertreetr des Metallarbeitcrverbandcs und In- dustriearbeiterverbandes verpflichten sich ihrerseits, innerhalb acht Tagen eine Sitzung mit den Vertretern des christlichen Metall- arbeiterverbandcs einzuberufen, in welcher beraten werden soll, wie späterhin gemeinschaftlich gearbeitet werden kann, um ahn- liehe Vorkommnisse zu vermeiden." Im Verlaufe der Sitzung wurde seitens der Vertreter des christlichen Mctallarbeitervcrbandcs erklärt, daß sie für das, was in Solingen vorgekommen sei, nicht verantwortlich zu machen seien; sie hätten den Anweisungen ihres Bezirksleiters Peter Broich in Düsseldorf Folge leisten müssen, welcher auch die Verant- Wartung für das Geschehene tragen müsse. Wir erleben also hier das Schauspiel, daß sich Mitglieder des christlichen Metallarbeiter- Verbandes gegen die Maßnahmen eines ihrer Führer auflehnen müssen. Die Beschlüsse wurden zur Ausführung gebracht und die unfertige Arbeit seitens der christlichen Metallarbeiter dem Fabri- kanten Mandcwirth zurückgebracht. In den Lithographicsteinbrüchcii von Solnhofcn(Bayern) sind die sämtlichen christlichorganisicrten Arbeiter ausgesperrt worden. Der Grund hierfür ist, daß über die Betriebe des Solnhofcner Aktien- Vereins die Sperre verhängt und die jungen Arbeiter abgeschoben wurden. Ausgesperrt sind zirka 866 Arbeiter. Die nicht christlich- organisierten Arbeiter dürfen bis zum 11. Juli weiterarbeiten. Huslanck. Die Lage im englischen Bcrgrcvier. 93 Proz. aller englischen Grubenbesitzer erklärten sich für eine Kürzung der Arbeitslöhne, sowie gegen die Einführung eines Mindestlohnes von sechs Schilling pro Tag. In der nächsten Ver- sammlung dürfte die Kündigung der Arbeiter mit der Frist von einem Monat beschlossen werden. Die Grubenarbeiter werden dann sofort in den Ausstand treten. Für heute ist nach London bereits ein Bergarbeitermeeting einberufen worden. Eine Brauereiardcitcrausspcrrung in Schweden. Die Brauereien und Mineralwasserfabriken in Malmö haben am Mittwoch eine allgemeine Aussperrung veranstaltet, weil die Arbeiter den bescheidenen Stundenlohn von 44 Oere nebst 14 Tage Ferien im Jahre verlangen. ES wird nun binnen wenigen Tagen in Malmö und Umgegend weder Bier noch Mineralwasser zu haben sein, denn es sind bindende Uebereinkommen getroffen, wonach unter diesen Umständen weder die übrigen schwedischen, noch die dänischen Brauereien und Mineralwasserfabriken Getränke nach Malmö ein- führen. Die Unternehmer erklären die Forderungen der Arbeiter für unannehmbar, teils weil nach der neuen Gesetzgebung der Handel mit Bier auf dem Lande verboten ist, teils weil den Brauereien durch die am 1. Oktober in Kraft tretende Erhöhung der Malzsteuer allzu große Lasten auferlegt seien. Eue Induftric und Kandel. Warenpreise. DaS absonderliche Merkmal während der diesmaligen Krisenzcit ist der Hochstand der Preise für Agrarprodukte. Immer schärfer tritt die Verteuerung der Lebenshaltung hervor. Von einer vorüber- gehenden Erscheinung kann man nicht sprechen. Wenn auch durch Rückwärtsbewegungen unterbrochen, im allgemeinen führt die Preis- kurve aufwärts. Für einige Waren stärker, für andere schwächer. Im laufenden Jahre ist die AufwärtSbewegnng kaum unterbrochen worden. Für einige Hauptartikel zeigen sich im Mai gegenüber Januar folgende Veränderungen nach Notierungen am Monatsende: Januar Mai Weizen(Berlin).,,, 215,23 270 .(New York)... 1163/, 137 Roggen(Berlin).... 177,76 197,75 Mals(New York).... 63>/g 75'/« Baumwolle(Bremen).. 49�/« 53,50 Wolle(Antwerpen)... 5,25 5,82 Zucker(Magdeburg)... 26,45 21,30 Schmalz(Chicago)... 9,92 16,92 _ Kaffee(Hainburg).... 34_ 34'/3_ Mögen auch teillveise lokale und nur akut tvirleude Momente lrt die Preisbewegungen mit hineinspielen, für die allgemeine Tendenz muß man einen dauernd wirksamen Faktor verantwortlich machen— und das ist die Schutzzollpolitik, für welche man hüben und drüben die Arbeiter mit allerhand Phrasen und Scheinargumenten einzufangen sucht. Wer sich für diese Politik des„Schutzes der nationalen Arbeit" einfangen läßt, dient in Wirklichkeit nur als Vorspann für die Interessen des internationalen Arbeutertums gegen die Interesse» des internationalen Proletariats. Ein gutes Geschäft. Die Deutsche Tiefbohr-Aktiengesellschaft Berlin hat mit Erfolg die Zulassung ihrer Aktien zum Börscnhandel beantragt._ Mit der Einführung wird wohl ein hübscher Kursgewinn hereingebracht werden. In dem Prospekt der Gesellschaft— die erste amtliche Notierung soll am 21. Juni erfolgen— heißt es: � Bezüglich der Aussichten der Deutschen Ticfbohr-A.-G. für das laufende Geschäftsjahr und in nächster Zukunft ist zu be- merken, daß die Eutwickclung der Erdölwerke und der Schachtbau- gesellschaft inzwischen soweit gediehen ist, daß, wenn keine»n« vorhergesehenen Ereignisse dazwischen treten, ihre Erträgnisse allein ausreichen dürften, um eine dem letztjährigen Satze ent- sprechende Dividende zur Verteilung zu bringen. Während des laufenden Geschäftsjahres sind zwar infolge des zurzeit scharfen galizischcn Wettbewerbes die Marktpreise für Rasfinericprodukte gedrückt, doch dürfte der daraus etwa sich ergebende Preisausfall durch Verarbeitung eines größeren Quantums seinen Ausgleich finden. Daneben stehen ausweislich der Bilanz und des Berg- wcrksgerechtsamc-Kontos eine Anzahl für die Veräußerung be- stimmter Objekte mit geringen Selbstkosten zur Verfügung. Da eröffnen sich den Aktionären schöne Aussichten auf Dividenden und— Kursgewinne. In den letzten fünf Jahren wurden folgende Gewinne verteilt: 1904... 25 Prozent, gleich 366 250 M. 1963... 35„„ 525 600, 1906... 20„„ 1325000„ 1907... 20„„ 1325000„ 1908... 20,, 1325000„ Außerdem erhielt der Aufsichtsrat in den letzten drei Jahren noch extra-/z Millionen Mark Revenuen. Neugründungen in der Metallindustrie. Die Anzahl der neu ge- gründeten Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit bcschränklcr Haftung stellte sich in den ersten fünf Monaten, soweit sie in den Handelsregistern veröffentlicht wurden, auf insgesamt 197 gegen 173 in der Vergleichszeit 1963. In neuen Aktiengesellschaften wurden im Vorjahre 11,43, in diesem Jahre 7,75 Millionen Mark angelegt, in neuen Gesellschaften m. b. H. 1903 86,45, 1967 27,32 Millionen. Der Hauptrückgang ist demnach durch die Gesellschaften m. b. H. hervorgerufen. Ei» Schlächtcrei-Trust. Wie die„New Dorker Handclsztg." mit- teilt, haben die großen Schlächtereien in den Vereinigten Staaten von Aincrika einen erheblichen Rückgang der Ausfuhr ihrer Erzeug« niffe zu beklagen. In den neun Monaten Juli 1968 bis April 1969 gestaltete sich die Ausfuhr von Fleisch und Fleischcrzcugnifien aus den Vereinigten Staaten im Vergleich mit jener der ent- sprechenden Zeit des Vorjahres, nach amtlichen Angaben, wie folgt' 1969 1968 Rindfleisch, in Büchsen.... 1366 718 Doli. 2057 382 Toll. frisch...... 10 240 729„ 16 828 789„ „ gesalzen, gepökelt usw. 2 571494„ 2 524 101„ Talg........... 2 979 737„ 4 343 485„ Schinken, Speck usw...... 36 544 733„ 36 545 932„ Schweinefleisch, frisch und gesalzen 3 856 554„ 12 075 537„ Schmalz.......... 38 802 932„ 43 772 443„ Ungeachtet dieser erheblichen Abnahme Plauen große Schlacht- hans-Firmen deS Westens der Bereinigten Staaten die Ausgabe von Schuldverschreibungen, so Nelson MorrieS and Co. in Chicago, welche mit einem Teil des Erlöses ein neues gewaltiges Schlachthaus in Oklahoma errichten wollen. Zum gleichen Zweck hat bereits die weltbekannte Firma Armour and Co. eine Anleihe von 36 000000 Dollar aufgenommen, ebenso die Firma Cudahy and Co. in Chicago eine solche von 4 606 600 Dollar, wahrend die bekannte Fleischfirma Swift and Co. ihr Aktienkapital um 10 606 660 Dollar erhöhte. Die genannten vier Firmen fetzen im Verein mit der National Pöcking Co. jährlich Ware für 786 066 660 Dollar ab, also noch mehr, als der bekannte Stahl-,.Ring", dessen Umsatz im guten Jahre 1967 757 606 600 Dollar betrug! Von jener Summe entfallen 250 600 600 Dollar auf Swift, 240 000 600 Dollar auf Armonr, 110 600 660 Dollar auf Morrics und 80 000 600 Dollar auf Cudahy und 166666666 Dollar auf die National Packing Co. Letzte JVacbrichten und Depcfcbcn. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 90 und einem Roll- wagen ereignete sich gestern abend in der elften Stunde an der Kreuzung der Manteuffel- und Oranienstraße. Der Rollkutscher wurde durch den Zusammenstoß vom Bock geschleudert und erlitt schwere innere Verletzungen. Lebhaste Verwunderung erregte es bei den Passanten, daß für den schwerverletzten, vor Schmerzen laut aufschreienden Kutscher kein anderes Gefährt aufzutreiben war, als sein eigener Rollwagen. mittel st dessen er zur Unfall st ation trans- portiert wurde. Dem Straßenbahnwagen wurde bei dem Anprall die Vorderplattform eingedrückt, so daß der Wagen aus dem Betrieb gezogen werden mußte. Aus der österreichischen Budgetdebatte. Wien, 17. Juni. Das Abgeordnetenhaus hat den D i s p o s i- tionsfonds mit 218 gegen 198 Stimmen angenommen. Dafür stimmten die deutschen Parteien, die Polen und Italiener, dagegen die slawischen Unionen und die Sozialdemokraten. Das Ministerium Bienerth ist in der Abstimmung wieder nur mit knapper Not einer Niederlage entgangen. Diebstähle auf Kreuzer„Danzig". Kiel, 17. Juni. Vor dem Marinekriegsgericht wurde heute der Prozeß gegen eine Anzahl Maschinisten, Ingenieure sowie einen Kapitänleutnant vom Bord des Kreuzers„Danzig" wegen Dieb- stahls von Schiff- und Werftmaterial beziehungsweise wegen dienst- licher Verfehlungen zu Ende' geführt. Ein Öberingcnieur wurde zu vier Monaten Gefängnis und Dienstentlassung, ein Maschinist zu vier Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt; die übrigen Angellagken, ein Kapitänleutnant, ein Obdringcnicur, ein Ingenieur, sieben Maschinisten und ein Steuermann erhielten Arreststrafen von vier Tagen bis zu sechs Wochen. Streikunruhe«. Budapest, 17. Juni.(W. T. B.) Ein in den Brader Gold» gruben ausgebrochener Streik beginnt einen gefährlichen Charakter anzunehmen. Heute nacht wurden die Schienen der zwischen Brad und Gurabanja verkehrenden elektrische» Industriebahn in einer Länge von 19 Metern zerstört, was eine Zugentgleisung zur Folge hatte. Menschen wurden nichk verletzt. Die Bergwerlsdirektion hat für die Ermittelung der Täter eine Belohnung ausgesetzt. Die Gendarmerie in Brad ist verstärkt worden. Große Brände in Petersburg. Petersburg, 17. Juni.(W. T. B.) In den letzten drei Tagen sind durch große Brände in Warennicderlagen der Vorstädte Waren im Werte von mehreren Millionen Rubel vernichtet worden. Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin, Inseratenteil vergntw.: Ilh, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanjtall Paul Singer L: Co., Berlin L W. Hierzu 2 Beilagen u. Untrrhaltungsbl. Nr. 139. 26. IahrMg. 1. leite des Jonoiitls" Inliin Freitag, 18. Juni 1969. Reichstag* LKS. Sitzung vom Donnerstag, den 17. Juni, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bülow, v. Bethmann-Holl- keg, Syvow, v. Rheinbaben, v. Einem. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung der neue» Steuern. Abg. Graf v. Westarp(k.): Auch wir wünschen, daß die Linke aus ihrer absolut negativen Haltung(große Unruhe bei den Libe- ralen. Rufe: Unwahrl), aus ihrer absolut negativen Haltung gegenüber unseren Anträgen(große Heiterkeit) heraustrete und endlich einmal sich mit dem Gedanken befreunde, daß die auf Grund dieser Anträge gefaßten Beschlüsse zur Durchführung gelangen. Wir sind dann gern bereit, ihre sachlichen Verbesserungsvorschläge in wohlwollendster Weise zu prüfen, wenn diese Verbesserungs- Vorschläge an den Grundlagen unserer Vorschläge nichts ändern. (Große Heiterkeit.) Die gestrigen Verhandlungen waren aller- dings nicht geeignet, unsere Hoffnungen auf ein Zusammenarbeiten zu stärken. Wenn der Führer einer großen Partei uns vorioirft, wir handeln aus Eigennutz(sehr richtig! links), so kann die Ab- neigung doch kaum schärfer zum Ausdruck gebracht werden.(Sehr wahr! rechts.) Der Reichskanzler hat uns warnend zugerufen: die konservative Partei gräbt sich ihr eigenes Grab, wenn sie sich berechtigten Forderungen verschließt.(Sehr richtig! links.) Das klang so, als ob die konservative Partei sich der Durchführung der Finanzreform entgegenstellt. Dabei haben gerade die 5tonservativen nach monatelangen unfruchtbaren Verhandlungen Vorschläge ge- macht, welche 140 Millionen neuer Steuern bringen, und für die übrigen 360 Millionen ist eine sichere Mehrheit vorhanden. Der Forderung, daß von den 500 Millionen neuer Steuern 100 Mil- lionen auf den Besitz gelegt werden sollen, verschließen sich die .Konservativen nicht! Die Streitfrage ist nicht, ob der Besitz be- steuert werden soll, sondern in welcher Art es geschehen soll. (Sehr richtig! rechts.) Unter dem Begriff„Besitzsteuern" stellen sich eben verschiedene Richtungen Verschiedenes vor. �Heiterkeit und sehr richtig!) Die neue Erbschaftssteuervorlage hat für uns ebensoviele Be- denken wie die Nachlatzsteuer. Diese Bedenken liegen in der Be- steuerung der Ehegatten und 5tinder. Außerdem gehört sie in organischer Verbindung mit der Vermögens- und Einkommensteuer den Einzelstaaten. Auch enthält sie eine Degradation des immobilen Besitzes gegenüber dem mobilen, da das in Wert- papieren angelegte mobile Vermögen der Besteuerung viel leichter entzogen werden kann. Will man die Erbschaften besteuern, so muß man auch die Schenkungen besteuern, und das bedeutet ein Eindringen in die engsten Familienbeziehungen. Die ganzen Aeußerungen über Steuerdrückereien der Landwirte sind ja lächer- lich.(Lauter Widerspruch links.) Wir wollen nicht das Eindringen in die Familienverhältnisse.(Zuruf links: Und die Ver- mögens st euer?) Da geschieht dieses Eindringen nicht in dem Moment des Todes, und weiter befürchten wir von diesem Eindringen, daß der feste Familienbesitz in einen mobilen ver- wandelt werden wird.(Sehr wahr! rechts.) Der Kanzler meinte, wenn wir uns der Erbschaftssteuer widersetzen, würde später eine andere kommen, die unseren Wünschen noch weniger entspricht. Wir werden später leichter eine Erbschaftssteuer bekämpfen können, wenn wir die heutige Borlage nicht Gesetz werden lassen. �(SeHr richtig! rechts.) i Der Wunsch, den Reichskanzler zum Rücktritt zu bewegen, ist für unser Verhalten nicht maßgebend.(Sehr richtig! rechts.) Bei den Verhandlungen mit den anderen Parteien ist auch nicht mit einem Worte davon die Rede gewesen.(Große Heiterkeit und Zurufe links.) Wir sind vielmehr der Uebcrzeugung, daß wir durch unser Eintreten für die Finanzreform dem Reichskanzler den Boden geebnet haben.(Schallende Heiterkeit links.) Und ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß er die Wege finden wird, in Betätigung seiner patriotischen Gesinnung und in Berücksichtigung unseres Standpunktes die Finanzreform durchzuführen..Abg. Singer>(Soz.): Armer Bülow! (Stürmische minutenlange Heiterkeit, der sich der Reichs- kanzler selber nicht entziehen kann.)> Die gegenwärtige Situation ist nach unserer Meinung die Folge der Ablehnung der Verbrauchssteuern durch die Liberalen. (Unruhe bei den Liberalen.) Ein Teil meiner politischen Freunde war trotz der schweren Bedenken gegen die Erbschaftssteuer zeit- Rleines f eiulleton. Urheberschutz oder Kulturförderung? Es gehört zu den unlös- lichen Antinomieen(Widersprüchen) der kapitalistischen Entwickelung, daß sie einerseits dem Künstler die materiellen Mittel des Schaffens gewährt, indem sie ihn zum Warenproduzenten macht, andererseits ihm die Möglichkeilen künstlerischen Wirkens beschränkt, ja unter- drückt, indem sie es von den Erwerbsrücksichten abhängig macht. Der Künstler will leben, wie jeder andere Mensch, aber fem Werk muß, um seinen Beruf zu erfüllen, in die Allgemeinheit gehen. Diesen in der kapitalistischen Ordnung unheilbaren Konflikt haben die großen, schöpferischen Naturen immer wieder brennend empfunden: Manchmal halfen sie sich durch einen schönen Traum,>vie Richard Wagner, dessen gigantisches Werk anstatt Volkskunst zu werden, — o bittere Ironie— ein Vorrecht des gehaßten blinden Besitzes geworden ist. Bayreuth— die ideale Stätte des idealen Gesamt- kunstwerkes— öffnet nur den Reichen die teuren Pforten, und auch sonst ist die Wagner-Oper ein Monopol der großen Bühnen, die allen Unbemittelten— schon wegen ihrer Preise— unzugänglich bleiben. ES ist bezeichnend, daß gerade an den Namen Wagner sich die Bestrebungen anlehnen, eine Verlängerung deS Urheberschutzes herbeizuführen. Das Reichsgesetz vom 19. Juli 1901 gewährt den Urheberschutz noch 30 Jahre nach dem Tode des Urhebers. 30 Jahre haben die Erben Gelegenheit, die Werke eines Genies auszubeuten, ivie irgend Trust fein Monopol. DaS mag ein Ausfluß des kapitalistischen Eigentumsrechtes fein und unsertwegen smag es auch konsequent sein, dieses Recht zu verewigen wie das an jedem anderen Besitztitel. Umso deutlicher tritt dann aber auch die Kulturfeindlich- keit dieses kapitalistischen Eigentumsrechts hervor. Im Falle Wagner beruft man sich darauf, datz der„Parsival" vor Profanierung be- wahrt werden müsse. Und demzuliebe soll Wagner, dessen Werke 1913 frei werden, noch weitere 20 Jahre das Monopol seiner Erben und ihrer Kontrahenten bleiben I Welch ein Widersinn. Und diesem Widersinn zuliebe soll womöglich Las Schutzrecht allgemein auf 50 Jahre erhöht werden. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß wir Sozialisten diesen Wahnsinn, der ja nach kapitalistischer Auffassung Methode genug haben mag. aufs schärfste bekämpfen und die Gelegenheit benutzen müssen, um das Unhaltbare und Kulturwidrige dieieS Systems zu beleuchten. Aber auch in bürgerlichen Kreisen erheben sich Stimmen, die sich gegen die Verlängerung der Schutzfrist aussprechen. Max Burckhard, der frühere Wiener Hofburgtheaterdirektor, der sich bereits wiederholt vorteilhaft vor seinen reichsdcutschen Kollegen (Hoftheater werden bei uns von den kunstdämlichstc» Funkern besorgt) hervorgetan hat, nimmt im 2. Junihefte des„Literarischen Echos" dazu Stellung. Wir gewähren seinen Ausführungen gern ein weiteres Echo. weise bereit, sie zu bewilligen, wenn diese zur Durchführung der Finauzreform notwendig wäre.(Zuruf links: Zeitweise!) Aber durch das Versagen der Liberalen bei den Verbrauchssteuern ist auch bei Annahme der Erbschaftssteuer eine Mehrheit im Plenum für die Finauzreform nicht zu finden. Das ist vielmehr nur der Fall bei Ablehnung der Erbschaftssteuer. Daher decken sich jetzt bei meinen Freunden die sachlichen mit den taktischen Erwägungen. Sollte eine Kommissionsberatung gewünscht werden, so werden wir uns in Rücksicht auf die Regierung, die eine sorgsame Durch- beratung ihrer Vorlagen verlangen kann, nicht weigern, an ihr teilzunehmen. Nun zu den übrigen neuen Steuern: Gegen die vorgeschlagene Besteuerung der Feuerversicherungspolicen haben wir schwere Be- denken, zumal dadurch die Landwirtschaft erneut belastet wird. Doch sind wir zu eingehender Prüfung bereit. Auch die vorgeschlagene Form de» Umsatz- sowie des Scheckstcmpels erregt in uns schwere Bedenken. Unsere Entscheidung wird davon abhängen, ob es gelingen wird, das große mobile Kapital in genügender Weise heran- zuziehen. Wie sehr das mobile Kapital geschont wird, ergibt sich daraus, daß von den 500 Millionen nur 10 Millionen, die vermut- lichen Ergebnisse des Effektensteinpels, nach den Vorschlägen der Re- gierung vom mobilen Kapital getragen werden sollen.(Lantes Hört! hört! rechts; Widerspruch links.) Ohne wirklich ausreichende Heranziehung des inobilen Kapitals wird die Reichsfinanzreform kein Werk der Gerechtigkeit fein. Die 10 Millionen, die die Re- gierung vorschlägt, stellen eine solche genügende Heranziehung nicht dar.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Singer(Soz): Die Rede des Herrn Vorredners war auf den Toit gestimmt: Unser Bülow absolut, ivenn er unfern Willen tut! (Heiterkeit.) In dieser Rede wird der Herr Reichskanzler gefunden haben, welchen P r e i s er zu zahlen hat, wenn et von den Konservativen weiter begönnert werden will. Er muß Order parieren, dann ist ihm die freundschaftliche Unterstützung der Konservattven sicher!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In die Auseinandersetzungen des Vorredners mit seinen ehemaligen— ich weiß nicht, ob ich noch sagen kann jetzigen— Blockvrüdern (Heiterkeit) werde ich mich nicht einmischen. Mögen das die Herren unter sich abmachen. Aber immerhin zeigt es, wie fest der Block von Anfang an gewesen sein muß, wenn der eine Blockbruder zu dem anderen einen Ton anschlägt, wie ihn Graf Westarp gegen die Liberalen gewählt hat. Das ist aber mir Ihr (zu den Freisinnigen) verdienter Lohn.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Quintessenz seiner Rede zur Finanzreform war, daß es den Konservativen, als den Vertretern des Grund- besitzes, gar nicht einfällt, sich mit direkten Steuern anS Portemonnaie kommen zu lassen.(Sehr wahr! links.) All daS Reden von„Familiensinn" und von der„Unmöglichkeit der gleichartigen Behandlung des mobilen und deS immobilen Kapitals" ist ja gar nichts weiter als eben die Rücksicht auf das Portemonnaie der Junker» die Rücksicht auf den Großgrundbesitz, der nur ein Steuerprogramm kennt: Selbst keine Steuern zu zahlen, sie aber den anderen auf- zuerlegen I(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bemerkenswert in der Westarpfchen Rede war der Hinweis auf den eigentlichen Grund für die Abneigung der Konservativen gegen diese Finanzreform oder gegen die Regierung, die diese Finanzrefornr vorgelegt hat. Das, was die„Kreuz-Zeituug" freimütig ausgeplaudert hat, das hat Graf Westarp zwar nicht mit denselben Worten, aber doch sehr deutlich erkennbar gesagt: Die Neigung, die angebliche Neigung. das Wahlrecht in Preußen zu reformieren, das ist es, ivas die Konservattven störrisch nicht bloß gegen die Finanzreform, sondern gegen die Regierung macht. Sobald die konservative Partei die Sicherheit hat, daß an dem Dreiklassenwahlsystem in Preußen nichts geändert wird, wird sie auch dieser Finauzreform gegenüber ein anderes Gesicht aufdecken. ES sind also— das will ich feststellen— politische Gründe für die Haltung der Konservativen in der Finanzreform in erster Linie bestimmend. Der Herr Reichskanzler hat sich gestern dem Hause in der Rolle des „Flachsmau» als Erzieher" vorgestellt(Stürnrische Heiterkeit); nach allen Seiten hin bat er Lehren erteilt, er hat sich bemüßigt gesehen, allen Parteien zu sagen, lvie sie eigentlich Politik»rächen müßten. Dann hat der Reichs- kanzler vor allem dem liberalen Geiste Treue gelobt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) In der Praxis ist freilich von diesem libe- ralen Geist, den er in der Theorie für so wertvoll hält, tvenig bei ihm „Nicht aus sich heraus— schreibt Burckhard— als einem in Zeit und Raum isolierten Wesen hat der Künstler geschaffen, er hat nur an das Licht gefördert, was Geschlechter vor ihni vorbereitet, was Mitmenschen in ihm angeregt haben. Als Glied der Entwick- lung hat der Künstler etwaL geleistet und der Gesamtheit gehört auch sein Werk. Es gibt überhaupt nur einen einzigen Grund für die Gewährung besonderer Schutzfristen für den Autor: die Erwägung, daß der Schutz ihm die Mittel schafft, vorwiegend oder ausschließlich seiner literarischen, künstlerischen Arbeit zu leben. Für die Kunst wäre cS besser, wenn sie nicht auch zugleich Erwerb zu sein brauchte; aber alle die wären dann von ihr ausgeschlossen, die ihrer ganzen Arbeits- kraft zum Erwerben bedürfen. Frei soll die künstlerische Arbeit den Künstler machen, das bezweckt sein Urheberrecht; das Schutzrecht des Schriftstellers, des Komponisten für ihre Erben hat nur mehr insofern Berechtigung, als es jene der Sorge entheben soll, auch noch ihren Nachkommen und Angehörigen Vermögenswerte zu er- werben und zu überliefern, eine Sorge, der sie sich in unserer Gesellschaftsordnung, in der das Erbrecht den Menschen verlockt, über seinen Tod hinaus Güter zu monopolisieren, kaum werden ent- ziehen können. Der Mensch lebt nicht nur in seinen Kindern fort, sondern auch in seinen anderen Werken. Es ist ein Unrecht gegen den Künstler selbst, wenn man um der materiellen Interessen der Erben willen seine Werke in der Entwickelung des vollen Lebens, zu dem sie fähig wären, beschränkt. Wenn man einen Menschen, der von Schaffens- drang erfüllt ist und nicht nur um des Geldes willen arbeitet— fragt, was ihm lieber wäre, wenn gewisse Personen so und so viele Jahre nach seinem Tode Geld erhalten, oder wenn ein Werk, das er geschaffen, in das Herz, in die Seele vieler Tausender dringt, statt ein Monopol einiger wenigen zu bleiben: ich kann mir gar nicht vorstellen, daß da seine Entscheidung eine» Augenblick schwankt. Aeltere Leute erinnern sich wohl noch ganz gut an die Zeiten des Cottaschen Privilegiums für die Werke Schillers und Goethes. Nun, man getrost sagen. Goethe und Schiller sind ihrem Volke das, was sie ihnen heute sind, erst geworden seit dem Er- löschen dieses Privilegiums. Erst seither sind sie in das Haus des kleinen Beamten, in die Hand des Arbeiters und des Studenten gekommen. Der 9. November 1867 lvar da ein Markstein. Für Schillers Werke wurden von Cotta im ganzen über dreihundert- tausend Gulden Honorar gezahlt. Schiller hat hiervon rund vier- undzwanzigtausend Gulden erhalten. Ich glaube, das Interesse, daß seine Dichttmgen viel früher Gemeingut des deutschen Volkes ge» worden wären, wäre viel größer gewesen als der Vorteil davon. daß seine Erben noch mehr als das Zehnfache dessen erhielten, was er selbst bezogen hatte. Dreißig Jahre über Lebenszeit als Schutzfrist für Bücher ist zu viel. Als Schutzfrist für Aufführungen ist es zum mindesten genug. Was darüber chinausgmge, wäre als allgemeine Satzung entschieden vom Uebel." zu finden.(Lebhafte Zustimmung b. d. Sozialdeniokraten.) Man braucht nur an die Stellung des Reichskanzlers zum Dreiklassenwahlsystem im Reichstag zu denken, un, zu wissen, daß er den liberalen Geist nur als eine Kulisse für daS reaktionäre Theater, dem er vorsteht, betrachtet. (Große Heiterkeit und lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Auch die Finanzreform, die er vertritt, ist ein Belveis dafür, daß er den liberalen Geist wirklich nur in den Wolken zu suchen liebt. Seine Erklärung, daß er eine Finanzreform nicht billigen würde, die nicht Genußmittel. Nahrungsmittel, Verbrauchsgegenftände und den Verkehr in erheblichem Maße heranzieht, zeigt deutlich genug, daß der„liberale Geist" bis jetzt noch keine Zeil gefunden hat, bei ihm aufzutreten.(Heiterkeit.) Seine tiefen Verbeugungen vor dem Junkertum, die Lobeserhebungen, die er der ReäktiouS- Herrschaft Preußens gemacht hat— in Parenthese möchte ich nur die Worte Jena und Auerstädt sagen(Oh! Oh! rechts)— zeigen auch, was er unter liberal versteht. Und sein Appell an die Furcht der Konservativen, daß sie, wenn sie seiner Politik jetzt nicht folgten, später viel höhere Steuern zu zahlen haben würden, zeigt doch auch nicht gerade, daß er gesonnen ist, die Gesetzgebung— ich rede gar nicht von demokratisch oder gar von sozialdemokratisch(Lärm rechts) nein—, auch nur liberal zu gestalten. Wofür hat er denn gestern so begeistert gesprochen? Ist denn nur ein Funke liberalen Geistes in einer Vorlage zu finden, die den Besitzlosen, den Armen, 400 Millionen auferlegt(Lärm rechts und Rufe: Oh! oh!) und 100 Millionen unter dem Namen einer„Besitz- steuer"— ich werde noch nachiveisen, daß die anderen Steuern außer der Erbschaftssteuer gar keine Bcsitzsteuer sind— den Reichen auflegt?! Es ist in der Tat weit gekommen, das mögen die Herren vom Liberalismus sich auch gesagt sein lassen, wenn man eine solche Vorlage als vom Getzt des Liberalismus erfüllt bezeichnen kann. (Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler meinte, daß. er die Unterstützung nehmen kann, woher er sie bekommt. Auch von uns würde er sie nehmen. Nun, es wäre ja nicht das erste Mal, daß die Sozialdemokratie für die Vorlage der Regierung stimmt. Wir haben bei den Handels- Verträgen und bei anderen Gelegenheiten gezeigt, daß wir Vor- lagen der Regierung, soweit wir sie als im Interesse der Be- völkerung gelegen erachten, sehr wohl unsere Zustimmung geben. Wenn der Reichskanzler darüber klagt, daß eine Reihe bürgerlicher Parteien ihn nicht gut behandelt, so muß ich erklären, daß solche Dinge für uns sehr gleichgültig sind. Wir fragen nicht danach, wie wir vom Reichskanzler und von der Regierung behandelt werden; wir prüfen die Vorlagen rein sachlich. Wenn er sich aber schlecht behandelt fühlt, so meine ich doch, soweit wir in Frage kommen, daß der Vertreter einer Regierung, welcher eine große Partei, die Vertretung der Arbeiterschaft, nicht für geeignet hält, an der Gesetzgebung mitzuwirken, welche nach dem Ausdruck Kröchers die Sozialdemokratie nicht als Subjekt, sondern nur als Objekt der Gesetzgebung betrachten will, kein Recht hat, zu ver- langen, daß nun gerade wir irgend etwas tun sollten, was' mit den Grundsätzen unserer Partei nicht übereinstimmt. �(Zu- stinunung bei den Sozialdemokraten.) Ucber die Ausstellungen des Reichskanzlers an den bürger- lichen Parteien habe ich nicht zu sprechen. Wir fühlen uns nicht beleidigt, daß er uns nicht zu seinen Festen einladet.(Heiterkeit.)! Wir halten es sogar für den Gang der Gesetzgebung nicht für gut, daß hinter den Kulissen auf Festen und privaten Ver- anstaltungen soviel— verzeihen Sie den vulgären Ausdruck—» gemogelt wird.(Heiterkeit.) Das Parlament täte besser, offen vor dem Volke zu sagen, was es zu sagen hat.'.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Kommt es doch sogar soweit, daß ganz außerhalb des parlamentarischen Verbandes die Regierung mit den einzelnen Herren die Verabredungen trifft. Das ist kein Aus- fluß parlamentarischer Tätigkeit, wenn solche privaten Abmachungen hinterher scheinbar durch das Parlament gebilligt werden. Zu dem, was der Herr Reichskanzler über das Zentrum gesagt hat, habe ich nichts zu bemerken. Bei seiner Stellung zum Zentrum muß man unwillkürlich daran denken:„Ein bisse! Lieb und ein bissel Treu, und ein bisse! Falschheit ist allweil dabei."(Stürmische Heiterkeit.) Es kann ja sein, daß Herrn Spahns Zylinderhut wieder zur Geltung kommt.(Erneute Heiterkeit.) Das Zentrum wird sich wieder mit ihm vertragen, und der Reichskanzler wird vergessen, daß er eine Zeitlang einmal vom Zentrum bös be* handelt worden ist. Die Ausführungen des Herrn Bassermann geben mir zu einigen Bemerkungen Veranlassung: Bassermann begründete seine Bitte an das Zentrum und die Konservativen. Musik. Die Aufführung von R. WagnerS„Tristan und Isolde", die am Mittwoch in der Gura-Oper bei Kroll stattfand, konnte leicht daran erinnern, daß der ersten Vorführung dieses musikdramatischen Werkes(zu München 186ö) eine Periode vorausging, in der es trotz eifriger Versuche als unausführbar zurückgelegt wurde. Längst hat sich das Können den Schwierig- leiten angepaßt. Aber begreifen kann man die ursprüngliche Mutlosigkeit ganz wohl, wenn man sieht, welchen schweren Stand selbst große Stimmkünstlcr bei einer gutgemeinten Sommeraufführung haben. Der bisherige Kapellmeister der Gura-Oper, G. Brecher, ging auf Urlaub, weil er eine ungenügend vorbereitete Vorstellung nicht verantworten wollte. An seiner Stelle dirigierte diesmal Gille aus Wien; er brachte sein Orchester zu einem ziemlich sorgfältigen Spiel, das allerdings über Einförmigkeit nicht viel hinauskam, und hielt die Sänger leidlich zusammen, denen ja das Werk vom Alltag her geläufig sein dürfte. Sie sangen sich so weit gut und mit auffallender Tüchtigkeit der Darstellung durch, als nicht die ungünstigen Gesamtverhältnisse und die fast fünfstündige Anstrengung mehr zum Loslegen mit der Stimme als zum Ge- sangsvortrage drängten.. Fast noch anstrengender ist das Hören. Vielleicht hat von „Tristan und Isolde" den meisten Genuß, wer ganz unmusikalisch ist, und andererseits wer die Partitur auswendig weiß. Wie da die„Leitmotive" den vielleicht elementarsten Griff des musikali- schen Ausdruckes: aufwärts bei Freud und Kraft, abwärts bei Leid und Schwäche, benutzen; wie sie teils in kleinsten(„chromati- schen") Tonschritten die engeren, teils in weiten Sprüngen die hoch und tief ausgreifenden Seclenregungen kennzeichnen; wie uns Wagner mit eigensinniger Konzentration in den Bann seiner„un- endlichen" Tonredcn zu zwingen sucht: das anzustaunen, ist ein' Genuß— und den Genuß sich nicht verderben zu lassen, ist eine Kunst.__' er. Notizen. — Ein»mährisches Volks stück' versprach daS Wiener Raiinund-Theater, das im Hebbel-Theater sommergastelt. Aber diese„Maryscha" von den Gebrüdern Mrstik erwieS sich als VolkSstück ungefähr in demselben Sinne wie die oberbayerischen und sonstigen Spektakelstücke mit Musik. Rauferei, fürchterlichen Begebenheiten und viel Moral.„Du sollst deine Tochter nicht an einen ungeliebten Mann geben", predigt diese roh zugehauene, aller psychologischen und sonstigen Motivierung ent- behrende sentinientale Moritat, die mit einer Schießerei im vierten und einer Vergiftung im fünften Akte aufwartet. Da das Ethnographische bei solchen Sachen meist operetjenhast wirkt und die Darsteller mehr wienerisch denn bäuerisch anmuteten(außer einer eiirenr Drachen von Mutter des Frl. Osten und dein wilden Vavra des Herrn L i f ch k a). war es so wenig etwas mit dem Mährischen wie mit dem Volksstücke. Hoffentlich haben die Gäste noch etwas Besseres mitgebracht.— r. fclitft Auffassung MZustiiMM, ivesenilich dalint, Lass die Sozial- dcmokratie sonst noch mehr Unterstützung bei den Massen im Stande finden wird. Herr Bossermann, die Finanzreform, welche Sie vertreten, wird der Sozialdemokratie sicherlich keinen Abbruch tun.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemolratcn.) Eine � sogenannte Reform, welche 400 Millionen Mark den Erwerb- treibenden auferlegt und nur 100 Millionen Mark den Besitzenden, - eine solche Reform läßt sich nach Herrn Bassermann vom nationalen Standpunkt aus vertreten!— Wenn man gestern hörte, wie Herr Wassermann über die Unsinnigkeit einiger von der ftommifsionS- Mehrheit beschlossener Steuern sprach, so mußte man sich immer fragen, wie wird denn sein Urteil über das Steuerprojekt aus- fallen, daß er selbst billigt, über die Tabaksteuer und über die Bierstcuer und über alle Steuern, die mit seiner Zustimmung in das Projekt der Regierung hineingekommen sind? Noch 1907 hat sich Herr Bassermann mit derselben Schärfe öffentlich verpflichtet, gegen die Tabak- und gegen die Biersteuer aufzutreten! Damals erklärte er öffentlich, die Finanzrcform sei für ihn und feine Freunde erledigt und er habe keine Veranlassung, auf neue in- direkte Steuern einzugehen.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.)! Wenn Sie die Reden der Nationallibcralen von damals mit den jetzigen vergleichen, so werden Sie finden, daß die Haltung der Nationalliberalen und die des gesamten Liberalismus genau so verwerflich ist wie die der Konservativen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten,)! ES ist also auch hier ein gut Stück Steuerheuchelei dabei.(Lebhaftes Sehr wahr! b. d. Soz.) Die sehr energische Abwehr der Steuern, gegen welche gestern Herr Bassermann ge- sprachen hat, ist nichts anderes als eine Maskierung seiner eigenen Steuerreform. Das einzige, worin ich mit ihm gerne überein- stimme, ist seine Schlußbemerkung, worin er den Reichskanzler zur Auflösung des Reichstages aufsorderte. Ich bin überhaupt der Meinung, daß eine Regierung vor jeder derartig einschneidenden Vorlage wie diese Steuervorlage die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit hat, den Reichstag aufzulösen und vorher das Volk zu befragen.(Lebhafte Zustimmung b. d..Soz.) Ganz abgesehen von der jedesmaligen Situation ist bei solchen Dingen die Anrufung an das Volk notwendig. Meine Herren von der Regierung I lösen Sie den Reichstag auf und Sie werden das Urteil des Volkes er- fahren, Sie werden sehen. was man im Volke von dieser Finanzrcform denkt... (Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Ich denke dabei noch gar nicht an die von der Kommission beschlossenen Steuern, es genügt voll- kommen, das Volk aufzurufen zum Urteil über die Frage, ob es eine Finanzreform unterstützen will, welche 400 Millionen Mark durch Konsumsteuern den breiten Massen auferlegen will und nur 100 Millionen Mark den Besitzenden.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was unsere Stellung zur vorliegenden Finanzreform anlangt, so möchte ich noch einmal kurz betonen, daß gegenüber der Forderung von 400 Millionen indirekten Steuern uns diese lumpigen 100 Millionen, die die Regierung als Erbschaftssteuer fordert, nur als das Feigenblatt erscheinen, oatz der Finanzreform angehängt wird.(Sehr richtig! bei den Soz.) Diese Besitzsteuern find nichts weiter als ein Ornament, ein Stück Stuck, das an dieses Steuergebäude angebracht wird, um eS nach außen hin einiger- maßen empfehlen zn können. Auch diejenigen Parteien, die sich zu Vertretern der Regierungsvorlage machen, gehen im Lande mit diefen 100 Millionen krebsen. Der Reichskanzler und Sie alle sagen immer: wir machen keine Finanzreform, die nicht diese 100 Millionen Besitzsteuern bringt. Empfinden Sie denn micht, welcher Hohn, welche Herabfetzung des Volkes darin liegt, daß man ihm einzureden glaubt, eine Finanzreform, bei der von S00 Mil- lioncn 100 Millionen durch den Besitz aufgebracht lverden sollen. sei eine �soziale Reform"? Hat denn der Kollege Bassermann, als er gestern den Ausdruck „soziale Reform" gebrauchte, nicht gefühlt, wie er damit der Wahr- heit und aller Vernunft ins Gesicht schlägt?(Sehr richtig? bei den Soz.) Wie kann man eine Finanzreform als eitft soziale Reform hinstellen, die% den wirtschaftlich Schwachen aufhalst und nur Vs den Besitzenden!(Beifall b. d. Soz.) Es gehört in der Tat Mut dazu, zu glauben, daß man dem Volke diese Auffassung beibringen kann. Wir sind also der Meinung, daß unsere Stellung zu dieser Finanzreform, zu der Regierungsvorlage wie zu den KommissionS- befchlüssen, von vornherein dadurch gegeben rst, daß es sich hier wieder unter dem Namen„Finanzreform" in der Tat nur handelt um eine« Ausraubung der breiten Massen. (Beifall b. d. Soz.) Das ist der eigentliche Inhalt dieser Steuer. rcform. Daß wir nicht dafür zu haben sind, werden Sie wohl selbst einsehen. Wir verlangen— das halten wir für eine ver- nünftige Finanzpolitik— die Herabsetzung der Ausgaben für Heer und Flotte. Wir verlangen bündige Verständigung mit den anderen Mächten, namentlich mit England und Frankreich, um Garantien dafür zu haben, daß diese Herabsetzung und die Unterlassung weiterer Rüstungen möglich ist. Wir verlangen, daß das Nieder- halten der Arbeiterklasse, das Niederhalten einer freiheitlichen Entwicklung des Volkes aufhört. Wir verlangen Beseitigung der indirekten Steuern, Beseitigung von Lebcnsmittclzöllcn und Ver- brauchssteucrn, dafür aber Besteuerung des Einkommens und des Besitzes. DaS ist unser Steuerprogramm. Und ich glaube, daß dieses Stcucrprogramm der Gerechtigkeit und den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen entspricht. Aus dieser grundsätzlichen Auffassung heraus ergibt sich auch unsere Stellung zur Regierung?. Vorlage und zu den Kommissionsbeschlüssen. Wir lehnen die Steuer. rcform, die uns vorgelegt ist, die Reform der Regierung und die Reform nach den Beschlüssen der Kommissionsmehrheit, als Ganzes ab. Wir bekämpfen diese Art von Steuerreform auf das aller- schärfste. Das Verhalten der Majorität in der Kommlssion, namentlich in bezug auf die Frage der Behandlung der Steuer» vorlagen, werden wir noch zu besprechen haben, wenn diese Be- schlüsse zur Beratung stehen. Dem, was Kollege Bassermann in dieser Beziehung gestern ausgeführt hat, kann ich mich voll an- schließen. Ich bin auch mit ihm der Meinung, daß diese Art der Behandlung von Gesetzentwürfen— ganz abgesehen davon, daß sie durchaus geschäftswidrig ist— wieder ein Beweis dafür ist, mit welchen eigentümlichen Mitteln diese Finanzreform gemacht werden soll. Die Majorität in der Kommission hat wahrscheinlich die Empfindung gehabt, daß. wenn sie nun nicht schnell mit der Sache fertig wird, sie immer weniger in der Lage sein wird, diese Vorlage zur Durchführung zu bringen. Es ist bezeichnend für die Majorität in der Kommisston, daß sie gewaltsame Brüche der Geschäftsordnung für notwendig hielt, um ihre Beschlüsse durchzusetzen. Ich muß sagen, die Beschlüsse, die von der Kommission vorliegen— von denen ich nun und nimmermehr glauben kann, daß sie Gesetz werden—, sind da« Skandalöseste, was man auf dem Gebiete der Steuerpolitik jemals erlebt hat. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)! Sie verraten eine schamlose Drückebergerei der wohlhabenden Kreise, des Agrarirrtums, des Junkertums, des Großgrundbesitzes vor dem Steuerzahlen f sie bedeuten eine Stcueranspowerung der breiten Schichten der Bevölkerung(erneute lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten); sie wollen eine Schonung von Einkommen und Vermögen, sie wollen das Vermögen, den Besitz nicht heranziehen. kurzum, diese Beschlüsse der sogenannten Rumpfkommission find ein deutliches Zeugnis für die Steuerscheu, für die schamlose Steuerscheu der besitzenden Klassen. �Lebhafter Beifall bei de» Sozialdemokraten.)!"'" Ich will hier ganz kurz auf" r, dir Aufsätze von Professor Delbrück hinweisen. Herr Delbrück weist klar nach, worin die eigentliche Gegnerschaft der Konservativen gegen eine vernünftige Erbschafts- steuer ihren Grund hat. Sie besteht darin, daß die Herren, wenn sie sich richtig einschätzen müssen, zu ganz anderen Steuerleistungen herangezogen werden würden, als dies bis jetzt der Fall ist.(Sehr wahr! links.) Gegenüber diesen Veröffentlichungen muß man sich doch wundern, wenn Graf Westarp vorher in so energischer Weise dagegen protestiert hat, daß in landwirtschaftlichen Kreisen Steuerhinterziehungen vorkommen. Ich habe zufällig einen Ausschnitt zur Hand, in dem nachgewiesen wird, daß ein Ländwirt, dessen Rittergut mit einem Reinertrage von 6000 M. bewertet ist, zur Einkommensteuer in der Stufe von 4600 bis 1800 M. eingeschätzt ist!(Hört! hörtl links.) Dieser Herr hat also 26 M. Einkommensteuer gezahlt! Dasselbe trifft bei anderen zu. Wir haben ja auch hier einen che- maligen Parlamentarier gehabt, der ganz steuerfrei gewesen ist. obwohl er ein erhebliches Gut und großen Grundbesitz hatte. Die Nachweisungen des Herrn Professor Delbrück, dem man doch ge- wiß nicht nachsagen kann, daß er seine Darlegungen aus Haß gegen die Junker gemacht hat, beweisen jedenfalls klar, daß die Behauptung, daß gegen Steuerhinterziehungen in landwirtschaft- lichen Kreisen ein ganz besonderer Widerwille bestehe, nicht richtig ist.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.)! Herr Bassermann ist gestern auch auf den neuen.Hansabund zu sprechen gekommen. Ich muß mit einigen Worten auf diese neue Organisation eingehen, da wir von der Sozialdemokratie alle Ursache haben, uns mit dieser Neugründung ein wenig aus» einanderzusctzen. Der Gründer des Hansabundes— ich wünsche nur, daß er nicht etwa ein moderner Jürg Wullenweber werde, denn diesem Führer der alten Hansa hat man später ja die Gnade erwiesen, ihn nicht zu vierteilen, sondern nur zu köpfen(große Heiterkeit)— hat wohl scharfe, energische Worte der Abwehr gegen die Steuerprojekte der Kommission gefunden. Er hat von den Kräften gesprochen, auf deren Arbeit der nationale Wohlstand be- ruht. Es wäre gut gewesen, wenn er bei dieser Gelegenheit auch der Arbeiterklasse gedacht, wenn er des Anteils der Arbeiter- klassc an dem nationalen Wohlstand gedacht hätte, von dem die Besitzenden die Früchte genießen, während die Arbeiter Schweiß und Blut daransetzen müssen.(Unruhe rechts; sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Der Gründer des Hansabundes hat auch kein Wort der Abwehr gefunden gegen die 400 Millionen indirekter Steuern. Wenn die Herren wirklich in Anspruch nehmen, die Ge» samtheit derer zu vertreten, auf deren Schultern die nationale Arbeit ruht, so hätte die Tagung im Zirkus Schumann nicht vor» übergehen dürfen ohne eine scharfe Kritik an den indirekten Steuern. Dafür haben die Herren keine Worte gefunden, dafür aber sind aus derselben Versammlung herausgekommen die Klagen über die Belastung durch die soziale Reform I Ich meine, eS charakterisiert den neuen Bund am besten, wenn man hört, daß dort eine Einschränkung dessen verlangt wird, was für die Volks- Wohlfahrt am notwendigsten ist, das allerdings den kapitalistischen Interessen entgegensteht. Mußten die Herren nicht fühlen, daß diese 400 Millionen indirekte Steuern einen schädlichen Einfluß auf die Gesundheit und die Ernährung der Arbeiter ausüben müssen? War es notwendig, bei dieser Frage, bei der die Abwehr vielleicht gemeinsam mit den Vertretern der Arbeiter gemacht lverden könnte, Hetzreden gegen die Arbeiter zu halten? Das, was Herr Kirdorf in jener Versammlung schroff ausgesprochen hat, das hat auch Herr Bassermann gestern angedeutet, als er von der sozialen Belastung des Mittelstandes sprach. Er ist freilich klug genug, eine weniger anstößige Form zu finden als Herr Kirdorf, aber in der Sache trifft es dasselbe. Herr Kirdorf hat nur dem drastischeren Ausdruck gegeben, was eine Anzahl Redner in jener Versammlung und auch Herr Bassermann meint. Ich wünsche ja, daß die Hoffnungen des Liberalismus auf den Hansa- bund in Erfüllung gehen, aber ich kann nicht zugeben,' daß die Herren sich als Sprachrohr der Empfindungen der gesamten Be- völkerung bezeichnen. Dazu würde auch gehören die Rücksicht aus den zahlreichsten Teil der Bevölkerung: die Arbeiter.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.� Die einzelnen Borlage» will ich nur einer kurzen Betrachtung unterziehen. WaS die Erbschaftssteuer anlangt, so ist die Vorlage der Regierung geradezu ein Hohn auf eine richtige, vernünftige Erbschaftssteuer.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie bedeutet eine Kapitulation der Regierung vor den Herren der Majorität in der Kommission. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber der Nachlaß« steuer ist die Vorlage erheblich verschlechtert und lediglich auf die landwirtschaftlichen Interessen zugespitzt. Von einer Erbschafts- steuer bleibt nichts übrig als der Name.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wollte die Regierung ein Muster haben, wie man eine Erbschaftssteuer innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft machen kann, so hätte sie nur die Vorlage nehmen brauchen, die jetzt in England gemacht wird. Die englische Erbschaftssteuer hat bisher 400 Millionen gebracht, und dieser Betrag wird sich nach den neuesten Beschlüssen aus£>30 Millionen erhöhen!(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Diejenigen, die meinen, daß eine Erbschaftssteuer Sache der Einzelstaaten sei, verweise ich darauf, daß man in Amerika jetzt daran ist, eine Bundeserbschafts- steuer zu machen! In Amerika besteuert man jetzt auch den Reingewinn von Kartellen und Trusts. Das wäre allerdings das richtige, wenn das Kohlenshndikat, das Kalisyndikat, der Spiritus- ring usw. zur Besteuerung herangezogen würde. Mir ist es aller- dings zweifelhast, ob der Hansabund für solche Vorschläge geneigt sein wird.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Also, die Erbschaftssteuer ist in ihrem Ertrage lächerlich und in ihren Be- stimmungen ein Ausnahmegesetz für die Landwirtschaft. Wir be- halten uns unsere endgültige Entscheidung auch über diese Steuer- vorläge, die ja dem Vernehmen nach an eine.Kommission gehen soll, vor. Wir werden versuchen, aus ihr eine Erbschaftssteuer zu machen, die wirklich mit Recht diesen Namen trägt, und werden je nach dem Ausfall dieser Versuche unsere Haltung einrichten. Aber ich darf Ihnen heute schon sagen, daß die Vorlage, wie sie jetzt ist. und vor allem in der voraussichtlich noch verschlechterten Gestalt, die sie erhalten wird, wenn die Majorität bei ihrer Auf. fasjung bleibt, für unsere Fraktion nicht zur Annahme geeignet ist.>(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)! Die Scheckvorlage bedeutet eine neue Belastung des Verkehrs. Der Postscheck soll ja nach der Vorlage von der Besteuerung freigelassen werden. Herr Krätke hat wohl erkannt, daß, wenn der Scheckverkehr, der ihm Betriebskapital schaffen soll, durch Steuern verteuert wird« schließ- lich die Neichspost der Leidtragende ist. Dann die Besteuerung der Feuerversicherungspoliccn! Seit Jahrzehnten ist man damit beschäftigt, im Interesse der Volkswohlfahrt immer erneut Anregungen zu geben, damit die Versicherungen möglichst ausgedehnt werden. Es ist doch ganz selbstverständlich, daß durch die Verteuerung der Ver- sicherungSpoliccn die Neigung, sich gegen Brandschaden zu ver- sichern, abnehmen wird. Das gibt ja auch die Begründung zu, wie sie auch zugibt, daß dieser Policenstempel außerordentlich hoch ist. Eine solche Steuerpolitik halten wir für kulturwidrig, unter ihr irniß die Polkswirtschaft schweren Schaden leiden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.), Sage man nicht, daß diese Be. merkungen hinfällig seien, weil die Versicherungspolicen unter MO M. tVigMeg Jstjik Es ist zunächst gar sticht haltbarer Satz, daß das Mobiliar den Maßstab für dia Höhe des Besitzes ergebe. Das ist durchaus nicht der Fall. Darauf kommt eS aber auch gar nicht an. Ist denn das. was die Leute, selbst kleine, über S000 M. versichern(jeder mittlere Geschäfts- mann z. B., der Lagerbestände hat), ist denn das ihr Ver- mögen? Sie werden doch zugeben, daß es innerhalb des Mittel- standes hunderttausende Existenzen gibt, die dadurch, daß sie einen solchen Besitzstand haben, für vermögend gehalten werden, die aber infolge der Schuldenlast, die daraus ruht, durchaus als ver- mögenslos bezeichnet werden müssen. Also dadurch, daß Sie die 6000 M. freilassen, wird nicht etwa der Mittelstand frei- gelassen. Wir behalten uns— wie gesagt— unsere Stellung zu den Steuern, je nach ihrer Ausgestaltung vor. Aber das eine darf ich namens meiner Fraktion sagen, daß wir auf jeden Fall ver- kümmerte, verkrüppelte Steucrprojekte ablehnen, die nach den Wünschen der Großgrundbesitzer, der Junker und der Großindu- stricllcn eingerichtet werden, mit einem Worte: nach den Wünschen derjenigen, die in allererster Linie wirtsctmstlich in der Lage sind, Steuern zu zahlen. Solchen Steuern, bei denen diesen Kreisen eine ungerechte Schonung zuteil wird, können wir unsere Zu- stimmung nicht geben.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Wir haben auch keine Neigung, mit unseren Stimmen die Geschäfte des Zentrums und der Konservativen machen zu helfen. Wir sind bereit, an einer Steuerreform mitzuarbeiten, die unter Vermeidung der Ver- mehrung von Steuern auf Lebensmittel für die von uns gebilligten Ausgaben nur Vermögen und Nachlaß in geeigneter Weise belastet und eine dauernde Ordnung in die Finanzen des Reichs bringt. Dabei ist aber Voraussetzung, daß eine Einschränkung der Aus- gaben für Militär, Flotte und Kolonien erfolgt. Eine Finanz- reform, welche die Quellen der Finanznot nicht verstopft, wird dauernd nichts nützen. Wenn Sie heute eine Finanzrcform be- schließen und an der allgemeinen Politik mit ihren Millionen- und Milliardenausgaben für Heer, Marine und Kolonien nichts ändern, so werden Sie nach einigen Jahren vor derselben Situation stehen. nur mit dem Unterschied, daß man dann statt bvv Millionen 800 Millionen neue Steuern brauchen wird.(Sehr wahrl b. d. Soz.) Die Finanznot kommt doch gerade daher, daß sich Deutschland über seine wirtschaftlichen Kräfte hinaus in kolossale Ausgaben für Militär, Marine und Kolonien gestürzt hat, daß es neben einem starken Heer auch eine starke Flotte bauen will und daß es nebenbei Hunderte von Millionen in eine uferlose, phantasievolle Kolonialpolitik hineinsteckt, und weil diejenigen Kreise, die die Vor- teile von dieser Politik haben, in lächerlich geringer Weise zu den Kosten dieser Politik herangezogen werden.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Wird darin nichts geändert, so wird auch die jetzige Steuerreform nichts helfen. Man muß also die Ursache der Finanznot beseitigen, erst dann kann die Rede davon sein, eine Finanzreform zu schaffen, die dauernde Besserung bringt. Hierbei sind aber auch noch andere Gesichtspunkte zu berück- sichtigen. Die Zustände im Reich hängen ja wesentlich von den Verhältnissen in Preußen ab. Preußen ist die Quelle aller Rückständigkeit im Reiche!(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) In Preußen liegt die Quelle des Widerstandes gegeu die Sozialreform. Ehe nicht die Herrschaft des Junkertums"in Preußen gebrochen ist, wird man auch im Reiche keine Reform machen können, die in steuerlicher und wirtschaftlicher Beziehung volkstümlich wäre. Die Macht des Junkertums in Preußen basiert wieder auf dem Dreiklassenwahlsystem, auf dem Geldsackswahlrecht, dessen Erhaltung namentlich für die Konservativen Voraussetzung für die Bewilligung der Finanzreform ist. Vorbedingung für eine vernünftige Finanzentwickelung in Deutschland ist die Verstopfung der Quellen der Not. Dazu gehört, daß der preußischen Junker- Herrschaft, die auf dem Dreiklassenwahlshstem beruht, ein Ende gemacht wird.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Wenn man die Herren Liberalen im November gehört hat, ach, dann war die Voraussetzung für die Finanzreform: konstitutionelle Garantien für den Reichstag und Beseitigung de? Dreiklassenwahlsystems in Preußen!(Sehr richtig! b. d. Soz.) Der damalige Wortführer der gesamten liberalen Gruppen im Hause. Herr Bassermann, hat im November in sehr zutreffender, energischer Weise die Wurzeln des Uebels bloßgelegt, indem er sagte: Ohne konstitutionelle Garan- tien, ohne Aenoerung des Wahlrechts in Preußen seien er und seine Freunde für die Finanzresorm nicht zu haben. Ich erinnere mich der Worte, deren Sinn wenigstens dahinging: Acnderung des Wahlrechts in Preußen!(Widerspruch b. d Natl.) Konstitu- tionelle Garantien und Finanzreform müßten gleichzeitig ver- abschiedet werden!(Abg. Bassermann: Das ist ein Mißverständnis, Herr Singer, das habe ich nicht gesagt!) Herr Kollege Basser- mann, dann muß ich gestehen, daß ich Sie überschätzt habe. (Große Heiterkeit.) Aber in liberalen Kreisen hat man damals sicher diesen Standpunkt vertreten. Wenn man sich nun fragt: was ist aus der Finanzreform, die der Liberalismus gutheißen will, jetzt tatsächlich geworden, so kann die Antwort nur lauten: Diese Finanzresorm ist eine Aus- beutung der wirtschaftlich Schwachen, der Besitz- und Vermögens- losen, bei sehr erheblicher Schonung von Besitz und Einkommen; sie ist eine Steuerreform, die diesen Namen nicht verdient, weil sie sich charakterisiert als ein Gesetz gegen die breiten Volksmassen, als ein Ausnahmegesetz zugunsten des Besitzes, bei dem vor allen Dingen— abgesehen von dieser lächerlich geringer Erbschaftssteuer — von wirklichen Besitzsteuern keine Rede sein kann. Lassen Sie mich in einem scharfen, aber zutreffenden Ausdruck zusammen- fassen, wofür ich diese Finanzpolitik halte: Es ist eine Politik der Niedertracht, eine Politik der Ausraubung. die wir mit allen Mitteln» die uns zu Gebote stehen, bekämpfe» werden!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Lärm rechts« Glocke des Prä- sidenten.)!> Vizepräsident Kaempf: Herr Abgeordneter Singer, ich muß feststellen, daß Sie schon während Ihrer Rede folgenden Ausdruck gebraucht haben: daß man unter dem Namen„Finanzreform" eine AuSraubung der breiten Massen beabsichtige. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dieser Ausdruck, zu- sammen mit den letzten Worten, die Sie gebraucht und worin Sie das Wort„Niedertracht" im Zusammenhang mit der Vorlage der Regierung angewandt haben, nötigt mich, Sie zur Ordnung zu rufen.[(Beifall rechts.), Abg. Dr. Spahn!(Z.): Wir haben die Notwendigkeit der 500 Millionen-Forderung anerkannt, und wir waren bemüht, für die Steuern, die wir ab- lehnen mutzten, genügenden Ersatz zu schaffen. Wir bedauern, daß die Regierung gegen die meisten der von der Kommission vorgeschlagenen Ersatzsteuern sich ablehnend verhält. Der Reichs- kanzlcr Fürst Bülow und der preußische Finanzminister v. Rhein- haben haben früher unter ausdrücklicher Betonung des Familien- sinns(dröhnendes Bravo I rechts, Heiterkeit bei den Sozialdemo- kratcn) sich auf das entschiedenste gegen die Erbschaftssteuer über- Haupt oder mindestens gegen ihre Ausdehnung auf Gatten und Deszendenten erklärt� sie haben auch hervorgehoben, daß durch diese Steuer der Grundbesitz weit schwerer getroffen wird als das mobile Kapital.(Redner verliest unter fortgesetzten dröhnenden Hörtl hörtl-Rufen der Rechten die betreffenden Zitate aus den Bülow- und Rheinbaben-Reden.) Es ist wahr, daß mein Freund Gröber einmal Anhänger der Ausdehnung der Erbschaftssteuer gewesen ist (hörtl hörtl links); er hat sich aber inzwischen bekehrt.(Schallendes Gelächter links.) Andere haben sich auch bekehrt, wenn auch in umgekehrter Richtung: so war Herr Paaschs noch vor einem halben Jahre Gegner der Erbschaftssteuer.(Hörtl hörtl im Zentrum und rechts, Widerspruch bei den Nationalliberalen.)— Weiter erzählt Redner von. einem Gutsbesitzer, der an verschiedenen direkten Steuern angeblich über 80 Proz. seines Einkommens zahlt(hörtl .hörtl rechts. Ruf bei den Sozialdemokraten: ES ist wohl zu niedrig eingeschätzt! Große Heiterkeit) und wiederholt die bekannten Ein- wände der Agrarier gegen die Erbschaftssteuer. Da die Bauern- söhne meistens in der vaterlichen Wirtschast mitarbeiten, so sei die KMchsktssteuei: Eigentlich eine Nestenexung dex Arbeit l'(Große Heiterkeit bei Ben Sozialdemokratett.� Rediser empfiehlt sodaim unter Berufung auf den früheren Finanzminister Rouvier die Kvtierungssteuer, die sich in Frankreich vorzüglich bewährt habe. KLauter Widerspruch des Abgeordneten Mommsen.)— Es ist nicht wahr, dah das mobile Kaiptal, wie der Hansa-Bund fälschlich behauptet, nicht oder fast gar nicht im Reichstag vertreten ist. In der Stcuerlommission sagen genug Bankiers..(Sehr gut! und große Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Es bandelt sich bei der Frage der Finanzreform nicht, wie der Abg Bassermann meint, um Fragen der Weltanschauung, sondern darum, wie man die restierenden 50 Millionen ausbringen will. Das ist doch eine Geld- und keine Weltauschauungsfraae. sLauteS Sehr richtig I rechts. Rufe links: Bei Geldfragen hört Gemütlichkeit und Weltanschauung auf I Große Heiterkeit.)— Herr Bassermann hat zur ReichstagSauflösung aufgefordert. Also er wünscht einen Wahlkampf, weil ihm die Börse zu scharf angefaßt wird.(Unruhe links, lebh. Sehr gut I rechts u. i. Zentr.). Der nationallibsrale Führer verlangt eine Auslösung des Reichstages, wenn die Steuern nicht s o bewilligt werden, wie die Regierung eS verlangt. Ist das Stärkung des Parlaments, Herr Bassermann?(Stürmisches Sehr gut l im Zentrum.) Der Reichskanzler hat von„Verleumdungen� und„Verdächti- gungen" gesprochen, mit denen ein Teil der Zentrumspresse ihn ver- folgt habe. Ueber sein Verhalten in den vorjährigen Novembertagen kann man verschiedener Meinung sein, ohne ihm persönlich nahe zu treten. Wenn in einem von einem Nichtkatholiken verfaßten Artikel der„Germania" die Vundestreue des Kanzlers gegenüber Ocsterreich-UngarnS angezweifelt wurde, so steht die gentrumsfraktion diesen Angriffen völlig fern. Ich persön- lich habe damals dem Chcfredaktenr der„Germania" erklärt, daß ich die Haltung Bülows in der orientalischen Krisis von Anfang bis zu Ende als völlig tadellos betrachte. Wir haben den Reichskanzler nicht wegen der Reichstags- auflösung vom 13. Dezember 1903 boykottiert. Wir hohen unsere gesellschaftlichen Beziehungen zu ihm abgebrochen, weil er uns(mit erhobener Stimme) antinationale Haltung vorgeworfen hat.(Stür- mische wiederholte Zustimmung im Zentrum.) Wir lassen uns aber bei der Beurteilung von Gesetzentwürfen nicht von persönlichen Sympathien und Antipathien, sondern nur von dem leiten, was nach unserer Ueberzeugung heilsam für das Wohl des Volkes und deS Vaterlandes ist.(Stürmischer Beifall im Zentrum.) Preußischer Finanzminisier v. Nheinbabcn: Der Abg. Singer wendet sich gegen die Finanzreform, weil sie 400 Millionen Mark Verbrauchssteuern bringt: er übersieht, daß die indirekten Steuern bei uns geringer sind als in anderen Ländern und daß die indirekten Steuern für das Heer und die Marine ge- braucht werden, welche den Frieden auch zum Vorteil des Arbeiters sichern.(Zustimmung rechts.) Die Rückwirkung der beschloffenen Kotierungssteuer wäre be- sonders schädlich für das Kreditbedürfnis der Provinzen, Kreise und Gemeinden. Dabei werden doch ihre Anleihen fast lediglich im Interesse der Minderbemittelten gemacht. Die Aktionen der Börse, die man eben von gewissen Schranken befreit hat, würden wieder lahmgelegt werden.(Sehr richtig I links.) Durch die Banken ge- winnt doch unsere Industrie immer neue Absatzgebiete und dadurch wächst unser politischer Einfluß.(Sehr richtig I) Die Summen, die wir im Kriegsfalle brauchen, find so staunend große, daß ich mich scheue» sie hier zu nennen. Wir dürfen aber die Börse nicht lahmlegen, sonst könnte fle im Ernstfalle versagen. Ich wende mich nun zur Erbschaftssteuer. Auch im Zentrum gab es früher Abgeordnete, welche einer Aus- dehnung der Erbschaftssteuer auf Ehegatten und Kinder nicht ab- geneigt waren. Ebenso hat die„Kreuz-Zeitung" 1903 ausgeführt, daß die Konservativen in die Lage kommen könnten, ihr zuzu- stimmen! dabei handelte es sich damals um neue Steuern im Be- trage von 230 Millionen, heute um 500 Millionen, von denen 400 Millionen durch indirekte Steuern aufgebracht werden sollen. Wenn nun eine allgemeine ReichSeinkommen- und ReichSvermägenSsteuer sich verbietet, so ist als eine allgemeine Besitzsteuer nur die Erbschaft«- steuer übrig, jede andere trifft nur einzelne Arten des Besitzes. Die ReichSerbschastSsteuer ist heute zu einer dira neoessitas (harten Notwendigkeit), zu einer Lebensfrage des Reiches geworden. Daher ist es eine patriotische Pflicht, Einzclbedenken diesem großen Ziele unterzuordnen.(Sehr richtig I links.) Verächtlich ist nur der Mann, der seine Meinung ändert, um in seiner Stellung zu bleiben oder aus sonstigen äußeren Gründen. Wer aber aus innerer Ueberzeugung frühere Meinungen revidiert. Bedenken überwindet, um große Ziele des Vaterlandes zu fördern, der dient der Vorlage. Wir wollen keine Erbschaftssteuer zulassen, welche da« feste Gefüge des bäuerlichen Besitzes stören kann. Wir müssen die Landwirtschaft, da« festeste Bollwerk deS Baterlandes, erhalten. Schon nach der Vorlage im Herbst blieben vier Fünftel der gesamten Landwirtschaft von der Deszendentensteuer frei, nach der jetzigen Vorlage sogar 90 Proz. Ferner ist gestattet, die Erbschaftssteuer statt in einem Kapital in einer zwanzigjährigen Rente zu zahlen. Von einer Ueberbelastung der Landwirtschaft durch die Erbschaftssteuer kann also gar keine Rede sein. Bei einem schuldenfreien Gut von 24 000 M. Ertrag ist nichts zu zahlen, bei 30000 M. jährlich 14,72 M. zwanzig Jahre lang, bei 180 000 M. nur 66.22 M. jahrlich und bei 300 000 M. nur 831.11 M. jährlich zwanzig Jahre lang.(Andauerndes Hört! hört! links.) Die Beseitigung der Bedenken der Gegner dieser Steuer ist aber freilich nicht erleichtert ivorden durch die Art, wie die Sache in der Oeffentlichkeit behandelt worden ist. Man hätte die Gegner mit Gründen bekämpfen müssen, durfte ihnen aber nicht egoistische Mottve unterschieben, während zum Teil durchaus ernste und ideale Motive zugrunde liegen. Ich kann e« nicht verschweigen, daß gerade die Haltung der Parteien der Linken hinsichtlich der indirekten Besteuerung die Verständigung sehr erschwert hat. ES ist sehr be- dauerlich, daß auS dein Tabak, der doch zweifellos ein Luxusartikel ist, nicht mehr herausgeholt worden ist, und auch die Haltung der Linken bei der Branntweinsteuer hat die Verständigung sehr er- schwert. Es liegt mir aber fern, in dieser ernsten Stunde irgend- welche Vorwürfe zu erheben, aber ich möchte fragen, ob eS denn nicht möglich ist, die Schwierigkeiten zu überwinden. Sind denn wirklich die Gegensätze unüberbrückbar, die Hindernisse unübersteig» bar? Der Streit der widerstrebenden Interessen ist weder sür unsere inncrpolitische Situation fruchtbar noch für unser Ansehen im Ausland.(Sehr richtig l links.) Kann eS erwünscht sein, daß unsere erwerbenden Kreise in zwei getrennte Lager gespalten, daß daS Bündnis zwischen Industrie und Landwirtschaft, das so lange bestanden hat, gekündigt wird? In einem Teil der ausländischen Presse freut man sich über unsere Schwierigkeiten. DaS sollte unS daran mahnen, daß eS noch Zeit ist, sich die Hand zu bieten und was zer- rissen ilt. wiederherzustellen für die finanzielle Wiedergeburt unseres Vaterlandes.(Lebhaftes Bravo!) Abg. Fürst Hayfcldt(Rp.): Ich habe namens meiner politischen Freunde eme vielleicht etwas längere Erklärung abzugeben.(Große Heiterkeit.) Redner verliest eine Erklärung, wonach seine Freunde mir der Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Ehegatten und Kinder ein- verstanden sind(Bravo I links), jedoch legen sie besonderen Wert auf Sicherungen gegen künsttge Erweiterungen der Erbschaftssteuer. Auch anderen Besitzsteuern sind sie bereit zu- zustimmen, doch könne in den von der Kommisston vor» geschlagenen Steuern ein gangbarer Weg nicht geftmden werden, schon weil die verbündeten Regierungen sie ablehnen. Eine Auf« lösung des Reichstages zu provozieren, widerspreche den konserva- tiven Ueberliefernngen. Abg. Dr. v. DziembowSkt-PouiIan(Pole): An den Auseinander- setzungen über die Parteien werden wir uns nicht beteiligen.. Unsere sachliche Stellung werden wir in der Kommission und bei der zweiten Lesung darlegen. Sierauf vertagt das Haus die Weiterveratung auf Freitag 1 Uhr. chluß S Uhr. Stsütveronineten- Uerf ammlung. 21. Sitzung vom Donnerstag, den 17. Juni. nachmittags 5 Uhr. Der Vorstcher-Stellvertrctcr Cassel eröffnet die Sitzung nach 5VH Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den gestern plötzlich ver- storbcnen Stadtv. August in(Soz.). Die von der Versammlung stehend angehörten Worte des Vorstehers würdigen die eifrige kommunale Tätigkeit des Verstorbenen. Ebenso gedenkt der Vorsteher der Verdienste des am 13. Juni verstorbenen ObcrstadtselretärS Görncr mit anerkennenden Worten. Zuvor findet in gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magistrat unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters 5t irschner die Wahl von drei Mitgliedern und drei Stellvertretern der Abteilung I und II des Berliner Bezirks« a u S s ch u s s e s statt. Die bisherigen Mitglieder Reg.°Baumeister a. D. Böthke, Justizrat Dr. Landau und Baumeister Kampfsmeyer werden wiedergewählt, ebenso die bisherigen Stellvertreter. In das Kuratorium der Sparkasse sind vier weitere Mitglieder zu wählen. Gemeldet sind: Dr. Arons(Soz.), Deutsch (soz.-fortschr.), Rosenow(N. L.), Förster. Landsberg, Liebermann, Nelke(A. L.). Aus der Wahl durch Stimmzettel gehen hervor: Dr. AronS, Liebermann. Rosenow und Nelke. welche von 79 gültigen Stimmen 70, 37, 32 und 30 erhielten. Ueber die Vorlage wegen widerruflicher Ucberweisung einer Summe von 316 M., die„für gemeinnützige Zwecke" vor- wendet werden muß, an die Deputation zur Verwaltung des GesindebelohnungS- und U«1terstützungSfonds steht die zweite Beratung noch auS, da am 3. Juni er. Stadtv. Singer(Soz.) der sofortigen Vornahme derselben widersprach. Stadtv. Stadthagen(Soz.): Ich bitte Sie auch heute, die Vorlage abzulehnen. ES sind in Berlin zahlreiche wohltätige, un- eigennützige Zlvecke vorhanden, die die 300 M. recht gut brauchen können. Ein solcher gemeinnütziger Zweck wird aber von dem genannten Fonds nicht erfüllt: Gemeinnützigkeit liegt nicht vor. solange eine Steuer von 50 Pf. von jedem Dienstboten bei jedem Stellenwechsel erhoben wird, ohne daß ihm dafür ein Acquivalent geboten wird: denn tatsächlich wird nur ein ziemlich problematischer Anspruch für daü höhere Lebensalter unter sehr schweren Be. dingungen gewährt. Wir haben in Berlin 90 000 Dienstboten, aber jener Anspruch kommt nur einem ganz winzigen Bruchteil in Hospitalpflege u. dgl. Zugute. Zu Recht besteht jene Steuer übrigens überhaupt nicht. Dazu kommt, daß die VerwaltungS- kosten relativ enorm hoch sind. Die Vorlage wird ohne weitere Debatte von der Mehrheit an- genommen. Den Ausschußbericht über die Vorlage betreffend den An» kauf eines Geländes an der P a u l st r a ß e zur Errichtung von Großmarkthallen erstattet Stadtv. Jacobi(A. L.). Bekanntlich hat der Ausschuß die Vorlage mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt und vorgeschlagen, den Magistrat zu ersuchen, die Erbauung der gesamten Großmarkthallen auf dem städtischen Terrain zwischen der Kniprode- und der P a u l- H e y s e» S t r a ße schleunigst in die Wege zu leiten. Inzwischen wird vom Stadtv. G e r i ck e(Fr. Fr.)' ein Gegen- antrag eingebracht, wonach unter Ablehnung der Vorlage der Magistrat ersucht werden soll, mit dem Fiskus in weitere Ver- Handlungen einzutreten unter folgenden Gesichtspunkten: 1. Fest. setzung eines bestimmten Kaufpreises für da» Quadratmeter, ohne Uebernahme weiterer Risiken durch die Stadt; L. Gewährleistung einer dauernden vertragsmäßigen Sicherung des Eisenbahn- anschlusseS: 8. Auflassung der Heide- und Döberitzer Straße nur unter Ersatz durch eine Uferstraße." Stadw. Galland(A. L.): Die hier zu lösende Fraqe ist jetzt akut geworden. Die Stadt befindet sich geradezu in einer Not. läge, au» der allein sich erklären läßt, daß der FiSkus so unglaub- lich rigorose Bedingungen gestellt hat. Aber selbst wenn wir unS diesen unterwerfen, wird die Frage nicht endgültig gelöst, denn die Ausdehnung des Terrain« am Lehrter Güterbahnhof ist be- grenzt und wird den Ansprüchen auf die Dauer auch nicht genügen. Viel besser stellt sich an sich da» städtische Terrain im Nordosten dar; Entfernungen spielen ja heute keine ausschlaggebende Rolle mehr, auch nicht für die Händler. Oberbürgermeister Kirschner: Die Versammlung steht bor einer folgenschweren Entscheidung. Sicherlich verdient daS Grundstück an der Landsberger Allee für die Erbauung einer Zentral- Markthalle räumlich den Vorzug; am Lehrter Güter- bahnhof ist nur ein begrenztes Terrain vorhanden, da» dem Be- Hauer viel Einschränkungen auferlegt. DaS kann aber nicht aus- schlaggebend sein. DaS Grundstück in der Paulstrahe hat nicht nur einen geeigneten Bahnanschluß, sondern auch den Anschluß an die Wasserstrahe, ein äußerst wichtiges Moment. Noch größere Bedeutung hat die zentrale Lage des Grundstücke?. Daß die Engroshändlcr überallhin den Weg finden werden, wie behauptet wird, ist doch zweifelhaft; der Handel geht eben seine eigenen Wege. ES kommt auch nicht sowohl auf die Engros-, als auf die Detail» Händler an. Der Stratzenhandel hat für Obst und Ge- müse eine große Bedeutung zum Borteil der Bevölkerung Berlins erlangt; diese Straßenhändler würden schtverlich sich mit einer Großmarkthalle im Nordosten ab- finden. Schließlich könnte auch Charlottenburg oder eine andere Vorortgemeinde oder die Interessenten selbst sich an die Errichtung einer eigenen Zentralhalle machen, und vaS ich würde für ein Unglück halten; der Großhandel muß an einer Stelle kon- zentriert bleiben. Die Bedenken wegen der Zufuhr und wegen der Kleinheit des Grundstückes sind ja zum.Teil berechtigt, lassen sich aber überwinden. Die Bedingungen des FiSkuS erscheinen ja sehr hart und nutzen unsere Notlage voll aus; ehe wir unS aber den Weg vollständig verlegen, sollten wir doch wenigstens den Versuch machen, ein Arrangement auf anderer Basis herbeizuführen. Ueberlegen Sie auch Ihrerseits noch jetzt in der zwölften Stunde, ob es richtig ist. mit der Großhalle in die Landsberger Allee zu gehen. Stadtv. Hintie(Soz.): Die Mehrheit des Ausschusses ist zur Ablehnung der Vorlage gekommen, gerade weil sie über die nächste Zukunft hinaussieht. Zur Aufnahme des Großhandels bleiben dort nur 24 000 Quadratmeter übrig; damit würde vielleicht mög- lich, die doppelte Anzahl von Standinhabern gegen jetzt unterzu- bringen. Aber schon seit 1903 genügen die Verhältnisse in ver jetzigen Großmarlthalle nicht mehr; im Bericht für 1907 ist über- zeugend nachgewiesen, wie die Halle schon seit Jahren an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt ist. Das gleiche Schick- sal würde uns an der Paulstraße drohen. Die Eisenbahnanlagen können jederzeit nach sechsmonatlicher Kündigung wieder entzogen werden; was nützt uns dann der Wasseranschluß? Von diesem erwarte ich ohnehin nicht allzuviel, weil die Spree dort nicht sehr breit ist. Das Bedenklichste ist, daß die Paulstraße allein die Einfuhr- und Abfuhr st raße sein soll. Der Oberbürgermeister sieht die Lage iin Westen als besonders zentral an. Ja, das konsumierende Publikum in seiner großen Masse be- findet sich im Norden und im Osten; dort sind die Miets- kasernen, wo in jeder 10—15 mal so viel Menschen wohnen al» in einem Hause des Westens. Der Oberbürgermeister bezog sich auf den Straßcnhandel; er übersieht" wohl, daß aus den Straßen des Westens der Straßenhandel zum großen Teil verschwunden ist. Das reiche Publikum des Westens macht in den Kaufhäusern seine Einkäufe und läßt sie sich zuschicken. Von neuen Äeryandlungen mit dem FiSkus verspreche ich mir nach den Erklärungen, die wir im Ausschuß erhalten, nichts; der Preis ist kolossal hoch, die sonstigen Bedingungen sind geradezu unerträglich. Wollen Sie wirklich eine Entwickelung unseres Großmarktes, dann stimmen Sie für den Ausschußantrag. Stadtv. Gericke(Fr. Fr.): Der ganze Ausschuß war'einig. daß dg? Terrain an der Paulstraße an sich sehr günstig und sehr gilt gelegen ist: aber die gestellten Bedingungen erscheinen un- annehmbar. Mein Antrag, der im Ausschuß abgelehnt worden ist, ermöglicht neue Verhandlungen, auf die der Fiskus doch viel- leicht eingeht. Stadtv. Haberlanb(A. L.): Die Ermahnungen des Oberbürgermeisters richten sich eigentlich gegen unsere vor drei Jahren gefaßten Beschlüsse, die Großmarkthallen nach dem Osten hinaus zu verlegen. Damals hatten wir mit denselben Einwänden zu tun gehabt und sie als nicht stichhaltig erkannt. Wenn Charlotten- bürg auch eine Markthalle baute, würde ich das für kein Unglück ansehen. Die Befürchtung, daß die Großhändler selbst eine Markt- halle bauen werden, habe ich wirklich nicht, denn die bekommen ja keine Grundstücke oder doch nur zu unverhältnismäßig hohen Kosten. Die zu bauende Markthalle soll doch auch 100 und mehr Jahre vorhalten, und dazu bedürfen wir eines Terrains mit dem ausgedehntesten Bahnanschluß. Damit sieht es aber an der Paul- straße sehr wenig schön aus. Stadtv. Dr. Prcuß(soz.-fortsch.): Ich darf mich zu der Mit- Vaterschaft des Antrages Gericke im Ausschuß bekennen. So tragisch, wie die meisten Vorredner kann ich die Sache nicht nehmen. Wir brauchen daS Paulstraßeuterrain nicht absolut: es möchte auch gehen an der Landsberger Alles. Dem Fiskus sollte auch der Wahn genommen werden, das; die Stadt durchaus auf jede seiner Be- dingungen, auch die exorbitanteste, eingehen müßte. Der Vertrags- entwurf erscheint unannehmbar: er müßte in den aufgeführten drei Punkten revidiert werden. Wir müssen genau den Preis kennen, den wir zu zahlen haben: der Bahnanschluß muß uns einwand- frei gewährleistet sein; die Haidestraße kann ohne Ersatz nicht beseitigt werden. Stadtv. Retmann(A. L.): Auch Herr Gericke hat doch zugeben müssen, daß das Terrain an der Paulstraße zu klein ist. Daß noch irgend etwas Weiteres vom Fiskus zu erlangen sei, stellte der Oberbürgermeister im Ausschuß als unmöglich dar. Der Fiskus braucht daS Terrain selbst gar nicht, ihm liegt nur an der Kas- sierung der Haidestraße; er will lediglich mit der Stadt ein gutes Geschäft machen. Stadtv. Giese(A. L.) spricht sich für den Antrag Gericke aus und beantragt namentliche Abstimmung. Stadtv. Fasquel(N. L.) tritt ebenfalls für den Antrag Gericke ein und bestreitet, daß das Terrain zu klein ist. Stadtv. Haberland tritt nochmals den beiden Vorrednern ent- gegen und warnt eindringlich vor dem Antrag Gericke, der die endliche Ordnung der Sache lediglich wieder vielleicht auf Jahre hinausschieben würde. Damit schließt die Debatte. In namentlicher Abstim- mung wird der Antrag Gericke. auf Anknüpfung neuer Verhand- lungen, mit 30 gegen 30 Stimmen abgelehnt, der A u s s ch u ß- antrag angenommen. Die Vorlage wegen Errichtung eines zweiten Verwah- rungShauscs ftir 75 Kranke nebst Pflegerwohn- gebauve bei der 3. Irrenanstalt in Buch ist einer ein- gehenden AuSschußberatung unterzogen worden. Erneut bean- standet wurde die Höhe der Baukosten. Den Bericht erstattet Stadtv. Körte(Fr. Fr.). Stadtv. Cremer(Fr. Fr.) beantragt Zurückverlveisung der Vorlage an den Ausschuß. Stadtrat Straßmann: Die Wünsche des Ausschusses zu b würden wir berücksichtigen können, die Konzession wegen des Luft- raumeS allerdings nur schweren HerzenS machen; aus Sicherheits- erwägungen aber müssen wir dem Verlangen zu a entschieden widersprechen. Die festen Zellen dürfen nicht verlegt werden. Stadtv. Cremer kann letzteres Bedenken nicht gelten lassen. Von der Zurückverweisung hofft er Beschleunigung der An- gelegenheit. Stadtv. Körte: Der Stadtbaurat hat uns heute vor der Sitzung ein völlig durchgearbeitetes Projekt vorgezeigt, das unseren Be- denken gerecht wird. Ich beantrage, dieses Projekt heute anzu- nehmen. Die Bedenken des Stadtrats Straßmann kann auch ich nicht als berechtigt anerkennen. Stadtv. Ulrich(A. L.) wendet sich gegen die Doppelrolle, die der Kollege Körte als Referent und als Antragsteller spielt, und beantragt die Annahme der Borlage mit der Maßgabe, daß lediglich hinsichtlich der Korridore und Treppen dem Ausschuß gewillfahrt werde. Stadtv. Dr. Jsaae(N. L.) spricht sich für glatte Annahme der MagistratLvorlage aus. Stadtv. Singer(Soz.): Es scheint sich in der Hauptsache darum zu handeln, daß der Ausschuß aus Ersparnisgründen die Räume verkleinern will: es ist mir auch gesagt worden, man habe die Ab- tritte mit den Zellen verbinden wollen. Man kann ja im Zweifel sein, ob bei geisteskranken Verbrechern überhaupt in dem Sinne ein Verbrechen angenommen werden kann, daß man sie dafür auch körperlich straft, indem man sie in gefängnisartigen Räumen unterbringt. Solange die Leute sich in städtischen Anstalten be- finden, sind sie als Kranke zu behandeln. Deswegen verstehe ich eigentlich nicht, wie man den Umstand, daß eS sich um geistig kranke Verbrecher handelt, benutzen will, sie hygienisch schlechter zu stellen als andere Anstaltsinsassen. Der Ausschuß hat nun inzwischen von einem veränderten Projekt Kenntnis erhalten. Soll dieses unserer Beschlußfassung unterliegen, so muß es hier vorgelegen haben und von unS behandelt worden sein. Das geht nicht, daß ein nur einigen Mitgliedern privatim bekanntes Projekt derart behandelt wird. Weiter geht nur aus der Diskussion hervor, daß es dieses neuen Projektes kaum bedarf. Die Vorlage trifft das Richtige, wir werden für sie stimmen. Stadtv. Sachs(A. L.) verteidigt daS Verfahren des Ausschusses. Die festen Zellen könnten ganz wohl an die inneren Seiten der Flügel verlegt werden; die Fenster befänden sich doch über zwei Meter hoch vom Boden und seien sehr klein. Stadtv. Prof. Landau(A. L.) begreift nicht, wie man sich gerade diesen Bau zum Sparen aussuchen kann. Man könne bei Geistes- kranken nicht danach, ob sie ein Verbrechen begehen oder nicht, diffc- renzicren. Redner beantragt die einfache Annahme der Magistrats» vorläge. Auch Stadtv. Labcwig(N. L.) stellt das Urteil der Psychiater in diesem Falle höher als das der Bausachverständigen und wird den AuSschußantrag ablehnen; ebenso Stadtv. Rosenow, der speziell dem Stadtv. Sachs entgegentritt. An der weiteren Debatte beteiligen sich noch Stadtv. C r c m e r und Stadtrat Straßmann. Die Anträge Cremer und Ulrich werden zurückgezogen. Zur Annahme gelangt schließlich nach Ab- lehnung de? AusschußantragcS die Magistratsvorlage. Eine Reihe von Vorlagen hat den Neubau von Schulen zum Gegenstande. Auf dem städtischen Grundstück an der I b s e n» straße soll eine Gemeindedoppelschule, auf dem städtischen Grund- stück Antonstr. 86 bis 42 eine einfache Gemeindeschule errichtet werden; auf dem städtischen Grundstück Antonstraße 10 bis 15 ist eine dreifache Schulanlage pebst Lehrerwohn- und Standes- amtsgebäude geplant. Stadtv. Crcmer beantragt Verweisung an einen Ausschuß, dem auch noch weitere Bauvorlagcn überwiesen werden könnten. Die Versammlung beschließt demgemäß. Der Ausschuß Wied so- fort ernannt; ihm gehören auch die sozialdemokratischen Stadtv. Dr. Arons, Borgmann, Glocke und Hintze an. Dem Ausschuß werden weiter überwiesen der spezielle Entwurf zum Erweite- rungsbau der Bolksbadeanstalt an der Schillingsbrücke und die speziellen Entwürfe zu den zunächst in Angriff zu nehmenden Baulichkeiten der vierten Irrenanstalt in Buch. Da eS inzwischen 9 Uhr geworden, beschließt die Versammlung auf Antrag Singer, sich zu vertagen. Der Vorsteher macht darauf aufmerksam, daß zur Bewältigung des vorliegenden Mate- rials, insbesondere der Besoldungsverbesscrungsvorlage für die städtischen Beamten und Lehrer, außer der nächsten ordentlichen Sitzung vor den Ferien, noch wahrscheinlich zwei außer» ordentliche Sitzungen werden stattfinden müssen. • r Schluß nach v Uhr» illgeiioe HM Metasse derMlarleiter E. H. LS Hamborg. Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 19. Juni, abends 8'l, Uhr, bei Hcrkowskl, Andreasstraße 26: MtgUeÄer-Versammlung. � Tagesordnung: Kassenberichte Bericht von der Gcneralversamm- lunge Wahl der Ortsverwaltung. Verschiedenes. 68b Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Die Ortsverwaltuug. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos 1. Amt 3, 1239. ChariwstraSe 3. Hos m. Amt 3, 1987. Sonntag, den 20. Jnni, vormittags 9 Uhr, in den Musiker- Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 18in: MgUeüer- Versammlung für die Kranche der Eisen-, Metall- und Kevolverdreher. TageS-Ordnung: 1..Unsere gegenwärtige Lage und welches sind unsere nächsten Aus- gaben?" 2. Dislusfion. 3. Verschiedenes. Mg' Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. MtgliedSbuch legitimiert I Sonntag, 20. Jnni, vormittags 19 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15(Saal V): Branchen-Bersammlung der Schmiede und Kesselschmiede. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Ritter über:.Die Bedeutung der Konsum- genossenschaft für die Arbeiterbewegung". 2. DiStussion. 3. Branchen- angelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch obiger Versammlungen ersucht 118/1 Die Ortsverwaltong. Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin.— Sonntag, den 20. Juni, vorm. 10'/, Uhr, im.Königstadtkasino", Holzmarktstr. 72 -Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Eugen Brückner über:.ReichSversicherungS- reform". 2. Verbandsangelegenhciten.— Bericht des Gewerkschasts- delegierten.— Verschiedenes.— Ausnahme neuer Mitglieder. AUF' Kollegen! Erscheint Mann für Mann, versäume niemand diese Versammlung des lehrreichen Vortrages wegen. Her Verstand. !r iiri Heute Freitag, abds. S'/a Uhr, im Gewcrkfchaftshause, Engelufer 14/15, Saal 4(ZlrbeitSlosensaal): Sitzung den OntsverwaStungs Rahmenvergoltier. Montag, den 21. Juni, abends8Uhr, bei McrkowSki, AndreaSstr. 26: -------- Versammlung.---------- Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Verschiedenes. 85/15*_ Die Kommission. Sonntag, den 20. Juni, vorm. 10 Uhr, in der Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 25—26: SsÄrksverssmmwng für Sßoabit. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Anst:„lieber das neue Kranken- Versicherungsgesetz". 2. Diskussion. 3. Wahl der BeitragSsammler. 4. Verbandsangelegenhelten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Achtung! Schilf er! Achtung! Freitag, den 18. Juni, pünktlich S Uhr abends: GeffentL Sehifferversantmlnng in Kellers„Nene Philharmonie", Köpenicker Str. 96/97. Tages-Ordnung: „Nieder mit den Teufeln der Erde!" Referent: Stadtv. Ad. Ilolftiiann-Bcilin, Freie Diskussion. Schiffseigner, Boots- und Steucrlente, Maschinisten und Heizer, erscheint in Massenl Die Schiffergeistlichkeit ist hiermit ganz besonders eingeladen. 285/15* Karl Schwedler, Fischerbrücke 16. (E. H. 29 Hamburg). Filiale Berlin 3. Sonnabend, de» 19. Jnni, abends 8 Uhr, im Märkische» Hof, Admiralstr. 18 o: AiißcrordtntlidikMitslieberutrsiiinniliiiig. Tages-Ord nung: 1. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Wahl der gesamten Ortsverwaltung. 4. Wahl des Vertrauensarztes. 5. Wahl des Vergnügungslomitces. 6. Verschiedenes. Die Orteverwaltung. 58b_ I. A.: fl. Grünert, Prinzenstr. 69. Tischler-Versin m . No. 80. Sonnabend, den 19. Juni, abends 8'/, Uhr, Melchiorstr. IS: ISf" Versammlung. Vereinsangelegenheiten. Ausgabe der DampferbillettS zum 27. Juni nach Ziegenhals bei Zeuthen._[198/18]_ Der Vorstand. Verband der Sattler. : Ortsverwaltung Berlin.: Die nächsten Branchen-Bersammlungen finden an nachfolgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 23. Juni 1309. Treibriemeubranche: Donnerstag, den 24. Juni 1909. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 24. Juni 1909. Militärbranche: Sonnabend, dm 19. Jlmi 1939. Linolenmleger und Teppichnäher: Donnerstag, den 24. Juni, Kommandantenstr. 88. Wagenbranche: Donnerstag, dm 24. Juni 1909. Eisettmöbel- u. Lederstuhlpolsterer: Donnerstag, 24. Juni. Sektion Charlottenburg: Montag, dm 21. Juni 1909. Zahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungm erwartet 157/7 Die Ortsverwaltnns. Acbtung! Achtung! Wegen der Zusammenlegung unseres Bureaus mit dem der Portefeuiller bleiben unsere Geschäftsräume am Donnerstag, den 1. Juli, ganz und am Freitag, de» 2. Juli, bis nachmittags 4 Uhr geschlossen. Weiter ersuchen wir die Kollegenschaft, insbesondere die Bcr- trauensleute. dafür zu sorgen, daft alle restierenden Beiträge bis Ende dieses Monats begliche« werden, damit die Umschreibung der Bücher erfolgen kann. Alle Mitgliedsbücher, die bis zum 1. Juli ausbezahlt find, müssen unverzüglich bei uns im Bureau abgeliefert werden. Die Ortsverwaltniic. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Evpeditlon, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. MMBnaHmraaBHHgBnHBnB Verkäufe. 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LerlagSanftalt Paul Singer&£o« Berlin SW, »t. m SS. mm 2, KtilllZt ises LWSlts" Sttlim Wldsdiiltt. tttiw. l8�?>.«.M. Partei-?Zngelegenkeiten. Mariendorf. Sonnabend, abends S'/g Uhr, bei Löwenhagen auberordcntliche Mitgliederversammlung. Die wichtige Tagesordnung macht das Erscheinen aller zur Pflicht. Der Vorstand. Rudow. Am Sonntag, den 20. Juni, abends 6 Uhr, findet die Mitgliederversammlung des WahlvereinZ im Lokal des Herrn August Palm statt._______ Berliner piacbricbten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der gestrigen Sitzung wurde vom Stadtv. Cassel, der als Borsteher-Stellvertreter die Verhandlungen zu leiten hatte, unserem verstorbenen Genossen, Stadtv. A u g u st i n der übliche Nachruf gewidmet. Die Tagesordnung war diesmal so reichlich und ihre ersten Punkte boten soviel Anlaß zu Erörterungen, daß nur ein kleiner Teil des Pensums erledigt werden konnte. Die Angelegenheit des Gesinde-Belohnungs- undUnterstützungs-Fonds wurde in zweiter Lesung verhandelt. Der erneute Versuch unseres Genossen Stadt- Hagen, die freisinnige Mehrheit der Versammlung dahin zu bringen, daß sie dieses Institut als ein keineswegs gemeinnütziges anerkenne, blieb erfolglos. Ohne weitere Debatte wurde die Magistratsvorlage angenommen. Zu einer sehr gründlichen Aussprache führte die Aus- schußberichterstattung über die Vorlage betreffend den An- kauf des an der Paulstraße gelegenen Geländes zur Errichtung der geplanten Groß-Markthalle für den Ob st- und Gemüsehandel. Der Ausschuß empfahl, die Vor- läge des Magistrats abzulehnen und den Magistrat um Aus- führung des früheren Projektes zu ersuchen, für das ein Ge- lande hinter dem Friedrichshain in Aussicht genommen war. Die Magistratsvorlage wurde noch einmal vom Oberbürger- meister K i r s ch n e r verteidigt und als die beste Lösung ge- priesen, aus der Versammlung aber erhob sich kaum eine Stimme zu ihrer Empfehlung. Das Projekt, durch dessen Annahme die Stadt dem Fiskus auf Gnade und Ungnade überliefert würde, wurde nachdrück- lich auch von der sozialdemokratischen Fraktion bekämpft, in deren Namen Genosse H i n tz e die Ablehnung empfahl. Das Ergebnis der langdauernden Debatte war der Beschluß, die Vorlage abzulehnen und den Magistrat an das frühere Pro- jckt zu erinnern. Für das Gelände an der Paulstraße war so wenig Stimmung vorhanden, daß auch der vom Stadtv. G e r i ck e gemachte Vorschlag, mit dem Fiskus erneut zu ver- handeln, unr vielleicht etwas weniger ungünstige Bedingungen herauszudrücken, keine Gegenliebe fand. Unerwartet lange und lebhaft wurde gestritten um eine Vorlage betreffend die Errichtung eines zweiten Ver- toahrungs Hauses für die Irren an st alt Buch. Ter Ausschuß, dem der Bauentivurf überwiesen worden war, enipfahl Abänderungen, durch die man Ersparnisse zu machen wünschte. Im Plenum wurde dieser Vorschlag von mehreren Seiten bekämpft. Genosse Si n g e r hob hervor, daß selbst- verständlich auch gegenüber den Insassen eines solchen Ver- Wahrungshauses, den mit dem Gesetz in Konflikt gekommenen Irren, die Forderungen der Gesundheits- pflege zu erfüllen seien. In der Reihe derjenigen, denen das wider den Strich geht, war der eifrigste der Stadtver- ordnete Sachs. Doch eine Mehrheit fand sich nicht für die Vor- schlüge des Ausschusses. Die Versammlung nahm die Ma- gistratsvorlage unverändert an. Ein gutes Geschäft. Seit acht Tagen zeigt der preußische Staat, was selten genug bei ihm vorkommt, wieder mal Gebelaune. In den Geschäftsräumen der königlichen Lotteriekollekteure, deren Zahl in Groß-Bcrlin immer mehr zunimmt, da doch genug inaktive Offiziere neben ihrer Pension noch extra versorgt werden müssen, ergießt sich ein Gold- und Silber- regen über die glücklichen Gewinner aus der kürzlich beendeten „großen Ziehung". Wie viele Hoffnungen da wieder begraben worden sind I Hunderttausende rechneten bestimmt auf das„große Los" oder doch einen anderen fetten Batzen, bauten Luftschlösser und vergaßen, daß Frau Fortuna eine wetterwendische Dame ist. Sie schüttet ihr Füllhorn noch öfter denen in den Schoß, die schon genug haben, und geht vorüber an den anderen, die den Segen besser gebrauchen können. Nun hat ihr Konto- kurrentbuchhalter, der königlich preußische Lotteriekollekteur, die klingende Regulierung in die Haud genommen. Da sieht man erst, was alles seine Hoffnung und sein Geld aufs königliche Spiel setzt. Seitdem der preußische Staat und seine liebreichen Helfershelfer mit Argusaugen darüber wachen, daß kein Lotteriegroschen in konkurrierende Staatskassen fließt, blüht das Geschäft entschieden bester. So gut, daß von der nächsten Ziehung ab wieder ein paar zehntausend Nummern mehr in de» Spielplan aufgenommen worden sind. Nicht etwa um der schönen Augen und der leeren Taschen des Volkes willen. Bewahre, der preußiiche Staat braucht immer Gelb und versucht es auch mit kleinen Mitteln, wenn die großen noch nicht ziehen wollen. Was er mit der einen Hand gibt an die glück- lichen Gewinner, davon heimst er mit der anderen seinen reichlichen Anteil ein— nicht weniger als IS'/z Prozent. Ein nettes, glattes, rundes Geschäft, das so leicht nicht pleite geht. - Schnelle Hilfe soll keiner von der Armenpflege der Stadt erwarten. Sie handelt nicht nach dem Satz:„Doppelt gibt, wer schnell gibt." Ihre Organe glauben, sichs zehnmal über- legen zu sollen, ehe sie ein einziges Mal etwas hergeben. Stadtrat Münsterberg, der Chef der Armenverwaltung, hat stolz versichert, in Berlin brauche niemand zu verhungern. Nein, gewiß nicht— wenigstens dann nicht, wenn jeder das Hungern so lange aushält, bis er was kriegt. Einer, der's durchgemacht hat, schildert uns, wie er umher- laufen mußte, um endlich mit Bettelpfennigen abgespeist zu werden, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel waren. Er war stellungslos geworden, bemühte sich Monate hindurch um andere Arbeit, fand aber nichts, weil an Arbeitsuchenden kein Maugel ist und er selber nicht mehr zu den Jüngeren gehört. Da ex Frau und drei Kinder hatte und ein viertes unterwegs war, so ging er schließlich zum Armenvorsteher und bat um Hilfe. Ge- währte man sie ihm? Der Borsteher, der es wohl gut mit ihm meinte, gab dem Bittenden— nennen wir ihn X.— den Rat, sich lieber zunächst noch an Vereine und Stiftungen zu wenden, weil X. von solchen keine Hilfe mehr erhalten würde, wenn er erst mal von der Armenpflege unterstützt worden sei. X. beherzigte das und schrieb an Vereine und Stiftungen, aber vergeblich wartete er auf Antwort. Als er lange genug ausgeharrt und mit der Familie gedapbt fjatte, ging er svfs nme SM» IrmenpsrWex und trug seine Not vor. Indes, der wollte ihm partout nicht die Möglichkeit abschneiden, doch noch von anderswoher etwas zu kriegen. Darum riet er, sich nochmals an Vereine usw. zu wenden. Nun kam aber, um das Maß voll zu machen, über X. noch das Unglück, vom Wirt mit Exmission bedroht zu werden, weil er zu- letzt auch die Miete schuldig geblieben war. Wieder ging er zum Armenvorsteher, von dem er noch immer sich Hilfe erhoffte. Der setzte ihm jetzt auseinander, daß X., wenn er sich exmittieren lasse, für eine neue Wohnung wohl eine Monatsmiete bekommen könne, falls nicht inzwischen von anderswoher Hilfe gewährt worden sei. Die Hilfe von anderswoher kam noch nicht, die Miete war nicht zu beschaffen, und X. wurde samt den Seinen an die Luft gesetzt. Schon war eine neue Wohnung gemietet, aber der Fuhrmann, der die Wirtschaft dorthin schaffen sollte, forderte seine ü M. im voraus. Wieder war's der Armenvorsteher, zu dem der Bedrängte sich flüchtete— und wieder war's nichts weiter als ein gut- gemeinter Rat, was er erreichte. Ihm war von einem Verein in Aussicht gestellt worden, daß man in wenigen Tagen eine Unter- stützung zahlen werde. Ter Herr Vorsteher möge daraufhin, so bat X., die 0 M. auslegen, damit der Umzug bewerkstelligt werden könne. Aber unser Armenvorsteher war ein gewissenhafter Mann, der nichts tun wollte, was— seiner Ansicht nach— dem Hilfsbedürftigen schaden konnte. Wenn er, der Vorsteher, die 6 M. hergebe, dann müsse, versicherte er, dem Verein Mitteilung gemacht werden, und dann werde das von dort versprochene Geld nicht gezahlt. So mußte X. auf den Fuhrmann verzichten und eine Nacht mit seinen Sachen im Hausflur zubringen, bis am nächsten Morgen ein anderer Fuhrmann mitleidig ihm seinen Wagen ohne Bezahlung überließ. In der neuen Wohnung wurde die Frau vom vierten Kinde entbunden, und noch immer hatte T. keine Arbeit finden können. Ter nächste Monatserste kam näher und näher, X. richtete an eine Stiftung ein Gesuch um Mietsbeihilfe— und hatte vier Wochen später die Antwort, man könne nichts geben. Inzwischen war er kurz nach Beginn deS neuen Monats zum Armenvorsteher seines jetzigen Bezirks gegangen und hatte ihm seine Notlage vorgestellt. Hier wurde ihm geantwortet, er solle am 15. wiederkommen, dann könne man vielleicht zum nächsten Ersten etwas bewilligen. Ob's denn nicht früher möglich sei, fragte X., aber der Vorsteher verneinte. Da lief X. zur Armendirektion, von dort wies man ihn an ein anderes Bureau, dieses schickte ihn wieder zum Armenvorsteher seines Bezirks, und der erklärte jetzt, man müsse erst— recherchieren. Daß dann schon am anderen Morgen der Vorsteher in der Wohnung von X. erschien und der Frau einen Gutschein für Lebensmittel im Wert von 6 M. gab, mußte nach allen bisherigen Erfahrungen überraschen. Nachmittags kam ein Rechercheur, informierte sich genauer, ging auch zum Wirt, der auf Miete wartete, und wies X. an, nach zwei Tagen wieder beim Vorsteher anzufragen. X. tat das, wurde aber mit der Bemerkung empfangen, er habe es ja furchtbar eilig, vorläufig sei er doch noch nicht verklagt. X. wollte es nicht erst hierzu kommen lassen, ging erneut zur Armendirektion, ließ sich Hilfe versprechen, fragte nach achttägigem Warten nochmals dort an, wurde nach einem anderen Bureau geschickt und erhielt hier den Rat, er könne ja mal— am nächsten Monatserstcn zu seinem Vorsteher gehen. Der Monatserste kam, und— endlich, endlich I— wurde der hungernden Familie, deren Ernährer nun schon neun Monate stellungslos war, die ersehnte Unterstützung gezahlt. Wieviel jvar's?. Fünfzehn Marli Fünfzehn Mark für sechs Köpfe I Das war das Ergebnis all der verzweifelten Be- m ü h u n g e n um Hi l f e. X. meint, daß er in der Zeit, die er auf die Laufereien und Schreibereien verwendet hat, sehr viel mehr als 15 M. hätte zusammenbringen können, wenn er— Tür bei Tür g e!?e t t e l t hätte. Da kann er Recht haben. Das ist ein Fall von vielen, der die Langsamkeit unseres Armenwesens im hellsten Lichte zeigt. Herr Münstcrberg als Chef der Armenverwaltung sollte sich einmal ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie den Hilfsbedürftigen schneller wirksame Hilfe geleistet werden kann, wie das jetzt leider in vielen Fällen geschieht. Unsere Nachbarstadt Charlottenburg würde auf diesem Gebiete der Berliner Armenverwaltung ihre Erfahrungen und Anweisungen an die Armenvorsteher sicher gern mitteilen. Gelingt es Herrn Münsterbcrg. hier Wandel zu schaffen und einmal auch etwas Positives zu leisten, so versichern wir ihm, daß wir die Ersten sein werden, die ihm unsere Anerkennung nicht versagen werden. Bisher waren wir hierzu leider nicht in der Lage. Die Beerdigung des Genossen Richard Augustin findet am Sonn- tag früh 9 Uhr von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofes in der Pappelallee statt._ Eine Gemeinheit leistet sich der„Lokal-Anzeiger" ist seiner gestrigen Abendausgabe in einer Notiz über das Ableben des Genossen Augustin. Wir lesen da: „Geistig bedeutete er nicht diel, körperlich dagegenumsomehr. Er war von geradezu beängstigender Körperfülle." Und zum Schluß heißt eS: „Bei den Verhandlungen in der Stadtverordnetenversammlung ist Augustin, dem die Partei nachrühmt, daß sie auf ihn wie auf einen Felsen bauen konnte, nicht hervorgetreten." Wir glauben, daß es genügt, wenn wir die an einem Toten hier begangene Gemeinheit niedriger hängen. Eine niedrigere Ge- finming ist kaum noch denkbar. Rohlinge I Gegen die Gratisbilder" schwiubelhnfter Vergrößeriingsanstalteu wenden jetzt die Photographen ein neues Mittel an, weil alle Warnungen bisher fruchtlos blieben. In der Leipziger Straße zeigen sie, indem sie Bilder verschiedener Art neben einander aushängen, was die Besteller vom Photographen zu mäßigen und angemessenen Preisen und was sie„gratis" von gewissen„Kunstanstalten" bekommen, denen sie dann für dieses und jenes auch noch 3, 4 und 5 M. nachzuzahlen haben. Die Jkebeneinanderstelluna zeigt allerdings, daß die Leistungen dieser„Kunstanstalten", für die besonders in der Provinz durch An- zeigen und Agenten in ausgedehntem Maße und mit allen möglichen Vorspiegelungen gelvorbeu wird, ganz wertlos sind. Die Tage der Rosen. Wer jetzt die Königin der Blumen in prächtiger Entfaltung in vielen tausend Exemplaren sehen will, lenke seine Schritte hinaus vor die Tore Berlins nach dem freundlichen Dorfe Britz. Hier schaukeln sich, vom Lusthauch sanft bewegt, in strotzender Naturkraft und nickit verweichlicht und verzärtelt wie ihre Schwestern in den Treibhäusern die Favoriten aller Blumenfreunde. Weite Rosen- kulturcn breiten sich da aus und die Luft ist in dieser Zeit der Blüte geschwängert mit den köstlichsten Wohlgcrüchcn. Vom Tau der Nacht bedeckt offnen unter dem zärtlichen Kuß der Morgensonne die Knospen ihre schlaftrunkenen Aeuglein und blicken verwundert in die herrliche Sommerpracht. Und dann recken und dehnen sich die lieb- lichen Kinder Flora» und entfalten in entzückender Reinheit ihre bauschige Krone. Die Rose steht da.„Sie blüht und glüht und leuchtet und starret stumm in die Höh'..." Sie harret dessen, der sie brechen wird. Und eS kommen derer viele. In der Morgenfrühe trennt ein scharfer Schnitt sie von der Mutterpflanze, dann werden sie verpackt und fort geht es der Groß- stadt entgegen. In den Marktballcn, Blumengeschäften finden sich die RöSlei» wieder und viele wandern in die kleinen Körbchen der Blumenfrauen, die mit bewunderungswürdiger Ausdauer in den Lärm der Straße rufen:„Rosen, frische Rosen! Fünf Stück for'n Jroschen... Rosen I"_ Ein Stadtbahnrüuber konnte vorgestern in einem Siidringzuge festgenommen werden. Der Tvpser Schichalski war auf der Fahrt von Tempelhof»ach Stralau-RmnmelSburg in einem Abieil dritter Klasse eines SüdringzngcS eingeschlafen. Ein im Nebenabtcil sitzender Arbeiter beobachtete plötzlich, wie auf dem Bahnhof Hermann- straße ein Mann in das betreffende Coups einstieg und dem Schlafenden das Portemonnaie aus der Tasche nahm. Der Arbeiter hielt den Räuber fest, der mit Hilfe des inzwischen erwachten Schichalsli überwältigt und auf der nächsten Station der Polizei übergeben werden konnte. Wie sich herausstellte, ist der Verhaftete ein bereits mehrfach vorbestrafter, von verschiedenen Behörden steck- brieflich verfolgter ehemaliger Bäcker Hodermann, der die Stadtbahn- fledderet zweifellos gewerbsmäßig betrieben hat. Schnell tritt der Tod deS Menschen ein. Ein trauriger Vorgang hat sich gestern in der Leinestraße abgespielt. Der(Z2jährige Maurer Friedrich Koch aus der Teupitzerstraße 99 stürzte beim Passieren der Leinestraße plötzlich zusammen und schlug mit dem Kopf gegen die Bordschloelle des Bürgersteigs. Man schaffte den Berunglückten nach dem städtischen Krankenhaus, wo aber nur noch der Tod konstatiert werden konnte. Ob K. an den Folgen der Verletzung gestorben ist oder ob er durch Herzschlag den Tod gefunden hat, wird erst durch die Obduktion festgestellt werden.— Der Laudgerichtsrat Dietz, der älteste Beisitzer der Strafkammer des Laudgerichrs I ist gestern abend einem Schlagansall erlegen. Dietz hatte am selben Vormittag noch den Vorsitz der Strafkammer geführt. Gegen Abend befiel ihn ein Unwohlsein, dem bald ein Schlaganfall folgte. Einen Schädelbruch erlitt die in der Oranienstr. 293 wohnende Frau Pauline Brauer beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen. Sie hatte einen Wagen der Linie 20 benutzt und bemerkte vor dem Hause Oranienstr. 190 eine Bekannte, mit der sie sprechen loollte. Frau B. versuchte von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen hinabzuspringen, kam zu Fall und erlitt schwere Verletzungen. Einen Selbstmordversuch auf den Strasicnbahnschicncn unternahm gestern der 41jährige Schneider Ewald Herzberg, Brunnenstraße 69 wohnhaft. Passanten hatten den Mann schon längere Zeit be- obachtet, wie er in der Brunnenstraße planlos umherlief. Plötzlich warf er sich unmittelbar vor einen herannahenden Straßenbahn« wagen der Linie 42 auf das Gleis und geriet, obwohl der Fahrer sofort die Gefahrbremse zur Anwendung brachte, unter die Vorder- Plattform, blieb vor dem Schutzbrctt liegen und wurde etwa zwei Meter weit mitgeschleift. Herzberg erlitt jedoch anscheinend nur Hautabschürfungen an beiden Ellenbogen und am rechten Knie, ivurde aber, da er auch über innerliche Schmerzen klagte, nach dem Lazarus-Kranlcnhause übergeführt. Der Arbeiter-Rndfahrcrverein teilt mit: Am Mittwochabend, den 16. d. M., ist dem Bundesgenossen Emil Zimmermann, Mitglied des Arbeiter-Radfahrerbundes„Solidarität", während der Uebungs- stunde des Arbeiter-SängerbundeS in der Brauerei Friedrichshain ein ganz neues Fahrrad gestohlen worden. Marke:„Voran" von Karl Wichmann, Krautstr. 14, schwarzer Rahmen mit Goldstreifen abgesetzt, W. K. C. Tretlager und Pedale, Schweinfurter Naben, mit schwarzen Felgen, nach oben gebogene Lenlstange, Handbremse und Bundesglocke„Solidarität". Personen, die über den Verbleib Mit- teilung machen können, werden gebeten, diese an Emil Zimmermann, Grüner Weg 63, vom 4 Treppen, gelangen zu lassen. Der Arbciter-Sängervund, Gau Berlin und Nmgegend, hält sein diesjähriges Provinzial-Sängcrfest am nächsten Sonntag, den 20. Juni, in dem freundlichen Fürstenwalde a. Spree ab. Die dortige Arbeiter- schaft tut ihr möglichstes, um den auswärtigen Saiigesgenoffen einen angenehmen Empfang zu bereiten und das Fest zu einem echten und rechten Volksfest zu gestalten. Bereits am Sonnabendabend kurz nach 3 Uhr verläßt ein Extrazug, der einen großen Teil der Berliner Sänger nach dem Festorte bringt, den Schlesischen Bahnhof. Wer das Fest zum Anlaß eines Besuchs von Fiirstenwalde und seiner schönen Umgebung machen will, findet zur Fahrt dahin auch am Sonntag vom frühesten Morgen ab reichliche Gelegenheit durch die zahlreich dahin gehenden Fern- und Vorortzüge. Bemerkt sei, daß in Fürstenwalde sämtliche Säle der Arbeiterschaft zu VersammlungS- zwecken zur Verfügung sieben. Die Teilnehmer an der Sonderfahrt nach Fürstenwalde ver» sammeln sich um'/ß Uhr am Schlesischen Bahnhof an der Frucht« straße. Es wird niemand zum Bahnsteig zugelassen, ehe nicht eine Ausforderung erfolgt.— Die Sänger, die bis Montag früh in Fiirstciiwald'e bleiben, benutzen den Fernzug 8.14 ab Schlesischcr Bahnhof. Fcucrwehrbcricht. Der 11. Zug WilmSstraße hatte in der letzten Nacht zwei gefährliche Brände zu löschen. Abends um 10 Uhr einen Dachstuhlbrand in der Fürbringerstr. 26, der in Bodenverschlägcn ausgekommen war und viel Arbeit verursachte. Während der Nacht blieb auf der Brandstelle eine Wache zurück. Nachts um 4 Uhr stand in der Dicffeubachftr. 35 ein Holzschuppen mit Futtcrvorrälen, ein anstoßender Pferdestall, sowie Heu und Stroh, Türen und die Dachkonstrullivu in Flammen. Drei in dem Stall untergebrachte Pferde konnten nicht mehr gerettet werden; sie waren bei An- knnft der Feuerwehr schon erstickt. Diese mußte kräftig Wasser geben um den Brand zu löschen, dessen Entstehung nicht aufgeklärt ist. Vor dem Hause Ncue Roßstr. 2 mußte dann noch ein Automobilbrand und in der Feldstr. 1 ein Kiichenbrand gelöscht werden. Ein Pferd, das in den Hafen am Hafenplatz gesprungen war, wurde wieder herausgeholt._ Vorort-JVadmcbtcm Die Gcneralversaiumlnna des WahlvcreinS, die am vergangenen Dienstag stattfand, ehrte zunächst das Andenken der verstorbenen Genossen Rich. Dowe, Herrn. Thenergarten und Paul Sicgmund in der üblichen Weise und vollzog dann die Aufnahme von 126 neuen Mitgliedern. Weiter nahm sie den Kassenbericht deS Kassierers Genossen Reinsch für das erste Quartal entgegen. Danach standen einer Einnahme von 1874,01 M. an Ausgaben 337,63 M. gegenüber, so daß nach Abführung des Pflichtteils in Höhe von 1249�34 M. an die KrciSkaffe ein Onsücstand von 287,04 M. verblieb. An Stelle des nach Rixdorf verzogenen Genossen Ucko wurde der Genosse Wilhelm Giese als Revisor gewählt. Im Verhältnis zur Wichtigkeit des Nim folgenden Punktes der Tagesordnung— Beratung des neuen OrganisationSstatutS— war die Versammlung leider wieder recht schwach besucht. Nach einem Referat deS Genossen Zietsch über den Entwurf des neuen Statuts und nach darauffolgender längerer Diskussion wurden, mehrere AbänderungSanträge angenommen. nnt denen sich dann später die KrciSgeneralversammlnng wird be- schäftigc» nliisscn. Freie BolkSbühne Charlottcuburg. Die Generalversammlung findgs hciitc abend 8 Uhr im Volkshause Charlottcnbnrg statt. An» gesichts der besonders wichtigen Tagesordnung sollte jedes Mit- glied erscheinen. Rkxdorf. Em schrecklicher Unglücksfall ereignete sich borgesiern nachmittag in der dritten Stunde in der Rütlistraße. Das vierjährige Svhncheu des Jansastr. 15 wohnhaften Arbeiters Kühl saß auf dem Rande dc-Z Bürgersteiges, so daß die Füße des Kindes dicht an der Bordschwelle standen. Plötzlich fuhr im scharfen Trabe ein Müllfuhrwerk so dicht an der Bordschwelle entlang, daß dem Kinde die Räder des schweren Fuhrwerkes über beide Füße gingen und sämtliche Zehen zerqnetschten. Der Kutscher entzog sich seiner Feststellung durch die Flucht. Das bedauernswerte Kind wurde von Passanten aufgehoben und nach dem Kranlenharlse geschafft. Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversamuilung beschloß in ihrer Sitzung vom Mittwochabend zunächst, die K a i s e r a l l e e vom Hohenzollernplatz bis zur Nachodstraße asphaltieren zu lassen. Dieser Beschluß hat insoweit für die Oeffentlichkeit eine Bedeutung, als darin zugleich die Erhaltung des schönen Baumbestandes in dieser Hauptstraße des Ortes ausgesprochen ist. der bei der anfangs geplanten Verbreiterung des Fahrdammes der Allee der Axt hätte zum Opfer fallen müssen. An eme weitere Regulierung des Verkehrs will man erst nach Er- ledigung der Untergrundbahnfrage denken. Ferner gab die Versammlung einer Magistratsvorlage über die Dienstpflichten usw. der städtischen Beamten und Angestellten ihre Zustimmung; desgleichen wurden die Ortsstatuten über die U n f a l l f ü r s o r g e für städtisch? Beamte und über das Ruhegehalt und die Hinterbliebcnenversorgung der im Feuerlösch dienst beschäftigten Personen genehmigt. Um ein Stück Kirchturms- und Jnteressenpolitik handelte eS sich bei der Beratung der Magistratsvorlage über die Auswahl eines Bauplatzes für die O b e r r e a l s ch u l e. Die Schuldcputation wollte in Uebereinstimmung mit dem Magistrat die Schule auf dem städtischen Gelände an der Strelitzischen Straße erbaut haben; die Hausbesitzer des Ortsteils am Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau hatten jedoch eine mächtige Agitation für Errichtung der Schule in ihrer Gegend entfaltet; und es gelang ihren Vertretern in der Stadtverordnetenversammlung auch, die Einsetzung eines neuen Aus- schusseS durchzudrücken, der sich wahrscheinlich für den Vau der Schule in der Nähe des Kaiserplatzes erklären wird. Mit einer fast komisch wirkenden Entrüstung wandte die Stadt- berordnetenversammlung sich gegen den Vorschlag einer Privatgesell- schaft, wonach der Magistrat den Bau eines Theaters ent- weder durch unentgeltliche Hergabe eines Bauplatzes oder durch Uebernahme der Zinsgarantie für ein in Höhe von 1 200 000 Mark bemessenes Aktienkapital fördern sollte. Ein Stadtverordneter rechnete es dem Magistrat zum Vorwurf an, daß er die ihm bereits am 16. De- zember 1008 unterbreitete Angelegenheit überhaupt der Stadtverordneten- Versammlung vorgelegt und an die Gesellschaft nicht ohne weiteres ein abweisendes Schreiben gerichtet hat. Wilmersdorf, so sagte man, habe jetzt Wichtigeres zu tun, als für Theaterzwecke Geld her- zugeben. Unter allgemeiner Heiterkeft wurde der Magistratsantrag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung dieser Angelegenheit fast einstimmig abgelehnt. Diese Behandlung der Theaterfrage in einer Stadt von 100 000 Einwohnern, die kein einziges Kunst« instiwt besitzt, mochte dem auf materielle Angelegenheiten gerichteten Sinn der Stadtverordnetenversammlung durchaus ant- sprechen; ihr Ansehen hat diese Körperschaft mit einer solchen Er« ledigung einer doch nicht ganz unwichtigen Sache aber wahrlich nicht gefördert. Zum Schluß befaßte die Stadtverordnetenversammlung sich mit der Magistratsvorlage über die Neuregelung der Besoldung der städtischen Beamten und Lehrer. Die Vorlage richtet sich im wesentlichen nach den kürzlich von Charlottenburg und Schöneberg in Sachen der Beamtenbesoldung gefaßten Beschlüssen. Sie wurde einem Ausschusse überwiesen, der gleichzeitig eine Magistratsvorlage über die Besoldung der st ä d t i s ch e n A r b e i t e r prüfen und möglichst seine Arbeiten vor dem Beginn der Ferien er- lcdigen soll. Tempelhof. Den lebhaften Klagen über die ungenügenden VerkehrSverhältnifse mit Berlin durch die Elektrische will die Direktion dadurch begegnen, indem sie sich entschloß, die von Groß-Lichterfelde kommende Linie IV, die in der Friedrich-Karl-Sttaße endete, durch die Manteuffelstraße nach der Eichhornstraße am Potsdamer Bahnhos zu verlängern. Eine Weiterführung einer der Kreuzberglinien durch Tempelhof lehnte die Direktion rundweg ab, da sie eine Notwendig- keit nicht anerkennt. Die Einwohnerschaft ist jedoch anderer Meinung. Feuer brachen schon seit längerer Zeit in Hänsern der Berliner, Borussia-, Germania- und Dorfstraße aus. bei denen deutliche An- zeichen der Brandstiftung vorlagen. Als Täter sind numnehr zwei Knaben, Söhne achtbarer Eltern, ermittelt worden. Nen-Zittau(Kreis Beeskvlv). Familcntragödie im Walde. Ein Familiendrama hat vorgestern nachmittag im Walde bei Nen-Zittau seinen blutigen Abschluß gesimden. Der Kaufmann Adolf Konczak aus der Berliner Straße 42 in Wilmersdorf erschoß dort seine beiden Kinder, zwei Knaben im Alter von drei und fünf Jahren, und richtete dann die Waffe gcgei, sich selbst. Alle drei wurden später als Leichen gefunden. Konczak, der 88 Jahre alt ist, lebte seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt und betrieb ein Delikateßgeschäft in Groß-Lichterfelde. Während der älteste Sohn bei der Frau blieb, nahm Konczak seine beiden jüngsten Kinder zu sich. Bor etwa vierzehn Tagen gab er die Knaben bei dem Gastwirt Schulz in Neu-Zittau in die Sommer- frische. Vorgestern morgen erschien er dort plötzlich selbst. Konczak war'sehr ausgeregt und verlangte nach seinen Kindern. Er unternahm mit ihnen einen Spaziergang in den Wald, von dem sie nicht wieder zurückkehren sollten. Auch die Tochter des Gastwirts ging mit in den Wald, spielte kurze Zeit mit den Kleinen und machte sich dann wieder ans den Nachhauseweg, um im Geschäft zu helfen. Als Konczak bis nnttag mit den Kindern nicht zurückgekommen war. glaubte man, daß ihnen ein Unfall zugestoßen sei und suchte den Wald ab. Nach mehr- stündigem Suchen fand man nicht weit von der Landstraße, am Waldesrand, den Vater mit den beiden Kindern erschossen vor. DaS jüngste Kind hielt noch einige Blumen, die es gepflückt hatte, in der rechten Hand. Der praktische Arzt Dr. Moeller aus Erkner stellte sofort Wiederbelebungsversuche an, jedoch ohne Erfolg. Der Vater hatte den Kindern die Kugeln in die Schläfe gejagt, so daß der Tod sofort eingetreten war. Dann erschoß er sich selbst. Nach- dem der Tatbestand durch die Ortsbehörde aufgenommen worden war, wurden die Leichen nach der Friedhofshalle in Neu-Zittau ge- schafft. Konczak hatte seiner Frau vor der Tat noch einen Abschieds- blies geschrieben. Es wird angenommen, daß Konczak die Kinder erst betäubt und dann, während sie schlummerten, erschossen hat. In den Taschen des Vaters wurde noch ein größerer Geldbetrag vorgefunden. Köpenick. In einer vom JugendauSschuß am Sonntag nach dem Stadt- theater einberufenen öffentlichen Versammlung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen referierte Genosse Maschke-Berlin über „Die wahren und falschen Freunde der Jugend". In der Diskusston suchte der Leiter des evangelischen Jllnglingsvcreins Herr Diakonns Hartmann den Angriffen, die der Referent gegen die auf religiöser Grundlage aufgebauten JünglingSvereine gemacht, entgegenzutreten. Er wurde jedoch vom Referenten gehörig abgefertigt. Hierauf wurden vier Mitglieder der Jugendlichen in den ÄuVchuß gewählt. Des weiteren beschäftigte sich die Versammlung mit einem lericht, welcher im.Dampsboot" erschienen war und als ein Prodult des Herrn Hartmann bezeichnet würde. Ferner wurde auf den am Sonntag, den 20. Juni, stattfindenden Massenauöflug nach Sadowa hingewiesen. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr am Stadtthcater. Lichtenberg. Die Mitgliederversammlung des sozialdemolratischcn Wahlvereins vom Dienstag nahm ein gut gehaltenes Referat des Genossen Giebel über„Historischer Materialismus" entgegen. DcS weiteren wurde die Auseinandersetzung de» Genossen Mim» mit dem„Vorwärts", auf Beschluß der Versammlung dem Bvlstaude überwiesen. Weiszensee. Mit den Gcmcindcvcrtrcterwahlcn im nächsten Jahre beschäftigen sich jetzt schon die einzelnen Vereine, die als Jnteressentengruppcn für sich Mandate in Anspruch nehmen. Ten Neigen eröffnete der Mietervcrcin, der vor allem die Anwartschaft ans Vertretung im Gemeindcparlament zu haben glaubt, da die jetzigen Mieter in derselben kein Verständnis für ihre Sache gezeigt haben. Gemeint sind natürlich unsere Genossen, da der einzige bürgerliche Nicht- angesessene dem Mictervercin angehört und als Kompromitzpertretcr der Hausbesitzer und Gewerbetreibenden seinerzeit in der 1. Klaffe gewählt worden ist. Der Mietervcreinsredner war so freundlich, auf den Nachbarort Pankow hinzuweisen, wo unsere Parteifreunde bei den letzten Wahlen unterlegen sind. Seine Worte klangen aus, was in Pankolv möglich war, das müsse auch in Weißensee möglich sein. ür das nächste Jahr muß sich allerdings der Mieterverein für einen inzng als Mieter im Gemeindcparlament noch trösten lassen, denn die Mandate der beiden Mieter der dritten Abteilung gehen erst im Jahre 1912 zu Ende. Aber ein rechter Wahlkanipf Iväre der klassenbewußten Arbeiterschaft schon angenehm, da den Gegnern seit langen Jahren die Lust vergangen ist, sich mit der Arbeiterschaft im Wahl« kämpf zu messen. Die vereinzelten Versuche de» Herrn Professors Dr. Kemsics vor drei Jahren, mit seinen reichstreuen Arbeitervereins- gründungen Bresche zu schlagen, haben klägliches Fiasko erlitten. Veranlaßt durch die Bewegung im Mieterverein ist auch der HauS- besitzerverein gezwungen worden, aus seiner Reserve herauszutreten. Die letzte Versammlung gab hiervon Zeugnis.„Man müsse sich vor Ucberrumpelnngen schützen," sagte der Zcrpenschlenscr Brotväckcr Kohler,„der Mieterverein habe gar lein Recht, sich gegen die HauS- bositzer zu wenden. Solange die Hans« und Grundbesitzer den Löwenanteil der Stenern oilfbringen, haben diese auch die Macht, und die Macht dürfen wir nicht ans den Händen geben. Wir Hausbesitzer haben den Kommunalzuschlag heruntergesetzt und dafür werden wir von den Mietern jetzt ausgelacht. Bis jetzt haben wir Hausbesitzer noch die Macht und müssen diese auch in unicrem Sinne ausnutzen." Die versammelte Korona spendete ihm Beifall und nach den Ferien, die nun einmal die armen Hausbesitzer sich leisten können, wollen auch diese den Wahlkampf eröffnen. Als dritter Verein trat auch der Gcwerbetreibenden-Verein in die Reihe, der einem Kompromiß mit dem Mieterperein nicht abgeneigt wäre. Aber auch hier ist man sich seiner Sache nicht ganz sicher. Der Vorsitzende, ein mehrfacher HauS- und Grundbesitzer, wünschte keine Ueberstürzimg. Vielleicht käme es doch noch so weit, daß eine Vereinigung sämtlicher Beteiligten zustande kommt. Nach unseren alten Erfahrungen wird dieser Wunsch auch zu seinem Rechte kommen. Der Hans- und Gmndbesitzerverein, der Mieterperein und der Verein der Gewerbetreibenden werden als vereinigte bürgerliche Partei in den Wahlkampf ziehen, um den gemeinsamen Feind, die Sozialdemokratie, aus dem Tempel zu jagen, die in ihrer Geschlossenheit wirklich als Macht zur Geltung komint und deren allgemeine Forderungen der Jnterestentencligue schon lange ein Dorn im Auge sind. Einen Wunsch haben unsere Genossen; möge diese Augenblicksbewegung nicht zum Versiegen kommen, denn ein fröhlicher Wahllampf wäre der Arbeiterschaft schon recht, sie ist jederzeit gerüstet. Pankolv. In der gnt besuchten Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins referierte Genosse U et o über„Wert und Nutzen der Organisation". Der Vortragende verstand eS, unter dem lebhaften Beifall der Versammlung sich seiner Aufgabe zu entledigen. In der regen Diskussion sprachen die Genossen Jacob, Brall, ZeilS- dorf, Meißner und Lesscr. Nachdem der Borsitzende auf den am Sonntag, den 27. Juni, stattfindenden gemeinsamen Ausflug der Parteigenossen und Genossinnen Pankows aufmerksam gemacht hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Nowawes. Die letzte Sitzung dcS GcwcrkschaftskartcllS nahm einen Bericht des Genossen Salzbrnnn über die Maifeier der letzten Jahre ent- gegen. Danach feierten im Jahre 1901: 229, 1906: 1413, 1903: 915 und 1909: 350 Arbeiter durch ArbeitSrnhe. Den Rückgang an der Beteiligung führte der Redner auf die herrschende Krise zurück. Beschlossen wurde, daß das Kartell in zwei Jahren mit den Ge- werkschaftsvorsländen in Verbindung treten soll, um die Teilnahme an der Feier wieder zu heben. Zum GcwerkschaftSfest soll ein Fest- zug stattfinden; die Gewerkschaften versammeln sich in ihren Bcr- bandsloknlen und begeben sich von dort nach dem Lokal von Singer. Genosse Weinert teilte mit, daß die Maurer aus dem Kartell aus- getreten sind. Genosse Bäte ersuchte, bei Kremserpartien die Geschäfte von Müller und Heinrich zu berücksichtigen, weil diese Firmen der Organisation nichts in den Weg legen. Spandan. In der Gcneralvcrsnnimlung des hiesigen WahlvcrcinS am Mittwochabend im Lokal dcS Genossen Köpnick gab der Vor- sitzende Genosse S c i o r vor Eintritt in die Verhandlung bekannt, daß der Vorstand beabsichtigt hatte, vom Genossen Heimann-Berlin einen Vortrag über Wertzuwachsstenern an diesem Abend halten zu lassen. Der Vortrag soll jedoch in einer Volksversammlung am 30. Juni d. I. stattfinden. Es wurde sodann die Abrechnung über die Maifeier gegeben. Die Einnahme betrug 575,22 M., die Ausgabe 482M., so daß ein Ucberschuß von 93,22 M. verbleibt. Genosse Scior weist darauf hin, daß die Befürchtung einzelner Gewerkschaften, die Beteiligung an de: Maifeier werde eine sehr geringe sein, nicht zutreffe. Im Anschluß hieran gab Genosse K ö p p e n eine Abrcch- rechnung über die Volksversammlung am 13. d. M. Die Einnahme betrug 404,35 M., die Ausgabe 150,35 M.. eS verbleibt ein Ueber- schuß von 254 M. Der Borstand brachte hierauf in Vorschlag, am 25. Juli ein Volksfest im Steinebachschen Lokale zu feiern. In der nun einsetzenden Diskussion wurde lebhafte Klage über das Steine- bachsche Lokal geführt. Es wurde deshalb auch vorgeschlagen, das Sommerfest in Papenberge abzuhalten. Schließlich faßte die Versainm- lnng den Beschluß, das Sommcrfest in diesem Jahre ausfallen zu lassen. Als dritten Punkt der TageZordinnig hatte der Vorstand die Frage angeregt, wie die Volksversammlung vom 13. d. M., in welcher der Genosse K. Liebknecht sprach, am besten agitatorisch für die Partei ausgenutzt werden könne. Der Vorstand schlägt vor, alle diejenigen Personen, welche.VorwärtS"-Lcser, aber nicht Mitglieder des Wahl- Vereins sind, aus den Listen herauszuziehen und bei ihnen am nächsten Sonntag eine HauSagitation vorzunehmen. Auch wurde der Wunsch ausgesprochen, daß in den Gewerkschaften und auf den Arbeitsstellen mehr für die Partei agitiert werde und daß mehr Flugblätter, die sich mit den örtlichen Verhältnissen befassen, verteilt würden. Allgemein wird bedauert, daß keine örtliche Parteizeitung mehr vorhanden ist, wie seinerzeit die„Laterne"; diese würde für Spandau ein sehr wirksames Agitationsmittol sein. Nachdem Genosse Scior auf die dcmnächstige Flugblattverbreitung im ganzen Kreise hingetoiesen, erklärte sich die Versammlung mir der vom Vorstand vorgeschlagenen Agitation einverstanden. Genosse Reinert ersucht die Parteigenossen, sich recht zahlreich an der vom Arbeiter- Turnverein am 27. Juni im Lokal von Steinebach veranstalteten Feierlichkeit zu beteiligen und der Genosse Schiefe! richtet dasselbe Ersuchen an die Genossen für den Einlcitungsabend deS neuen TheatervereinS„Spandauer Volksbühne", der am 10. Juni im Steinebachschen Lokal abgehalten wird. Zum Schluß werden die Genossen, die im Besitz eines RadeS sind, ersucht, sich bei der Flugblattverbreitung im Kreise zur Verfügung zu stellen und sich beim Vorstand oder beim Genossen Hanert zu melden. Em da frauenben'sgung. Eine interessante Grnndnng. Angeblich auf Anregung von der bekannten M.-Gladbacher Zentrale für Volks„aufklärung" und Arbciterintereffen.vertretung" ist kürzlich ein Hausfranenbund gegründet worden. Ziele und Aufgaben dieses Blättchenö am deutschen VereinSbaume verrät folgende Mitteilung: Was ist der Hausfranenbund? Ein Zusammenschluß der Haushaltungsvorstände aller Kon» fessionen, der sich die Aufgabe gestellt hat. die unerträglichen Zu- stände auf dem Gebiete der Dieustbotenfrage zu bessern. Wie kann der Hausfrauenbunjd daS erreichen? Indem er möglichst viele Hausfrauen für seine Sache gewinnt, die, gestützt ans ihre Erfahrung, ihm helfen, die notwendigen Re- forme» einzuführen. Welches sind diese Reformen? 1. Regelung der Lohnverhältnisse entsprechend den Leistungen. 2. Verbesserung des jetzigen Unwesens auf dem Gebiete der Stellenvermittelung. 3. Einwirkung durch Petitionen auf Behörden zugunsten der Hausfrauen.(Gesiirdeordlimig. Zeugnisse.) 4. Einwirkung auf Hausfrauen, bescheidenen, vernünftigen Wünschen der Dienstboten Gehör zu schenken. 5. Bitten an Mütter erwachsener Töchter, sie vor der Ver- heiratuna gründlich im Haushalt unterweisen zu lassen, damit die Dienstmädchen das Führen de» Hanshaltes und die häuslichen Arbeiten nicht besser verstehen als die jungen Hausfrauen, welche dadurch in ein abhängiges Verhältnis geraten, wodurch die Dienst- boten glauben, ihre Ansprüche gar nicht hoch genug stellen zu können. Das ist ja köstlich! Erst sind die Dienstmädchen so unverschämt. die Haushaltfühung und die häuslichen Arbeiten besser zu verstehen als die— Hausfrauen, und dann besitzen sie auch noch die Unbescheiden- heit, Ansprüche zu erheben. Und sie glauben, daS sei ihr gutes Recht. Da bekundet sich eine Naivität, die an Frechheit grenzt, und dem Uebel soll abgeholfen werden. Die jungen Hausfrauen lassen sich einreden, sie hätten selbst etwas gelernt, dann schenken sie— bescheidenen Wünschen Gehör und fabrizieren Petitionen zugunsten der Hausfrauen, das heißt: gegen die Dienstmädchen! Eine sehr empfehlenswerte christliche Gründung. Ohne Legitimation. Wie die bürgerliche Presse berichtet, hat— auch die Liberale Frauenpartei dem Begründer deS HansabnndeS, Geheimen Justizrat Dr. Rießer, ihren Dank ausgesprochen dafür,„daß er endlich daS erlösende Wort gefunden hat, das dem deutschen Liberalismus die rcalpolitisckie Stütze gibt, die er so lange entbehrte". Zugleich er- hebt die Liberale Frauenpartei Beschwerde darüber, daß in der GründungSversammlung nur von dem Zusammenschluß der Männer, die in Handel und Industrie tätig sind, gesprochen worden ist. Nach der letzten Berufszählnng sind, wie cS in der Erklärung heißt, in Handel und Verkehr hauptberuflich erwerbstätig 931 373 Frauen, in Industrie, einschließlich Bergbau und Baugewerbe. 2 103 924 Frauen. Diese Frauen von der politischen Vertretung der Arbeit auSichließen, heißt sie zu Heloten der Arbeit stempeln. Die Liberale Frauenpartei spricht daher dem vorbereitenden Ausschuß die Bitte au», die in Handel und Industrie tätigen Frauen als gleichberechtigte Mitglieder aufnehmen zu wollen. Wir wollen hier nur feststellen, daß die Liberale Frauenpartei der Maria Lischnewska nur aus einem ganz unbedeutenden Häuflein Damen besteht. Und wenn Maria Lischnewska daS Vedürfius fühlt, in Gesellschaft der Scharfmacher und Nachläufer eine Nolle zu spielen, dann berechtigt sie das nicht, als Anwaltin der erwerbstätigen Frauen aufzutreten. Sie begnüge sich gefälligst damit, ihr politisches Lokaltrüppchcn zu repräsentieren. Ein Organisationsbureau der norwegischen Arbeiterinnen ist dieser Tage im Volkshause zu Kristiania von den Fachorganisationcn der Arbeiterinnen gemeinsam mit der Landesorganisation der nor- wegischen Gewerkschaften errichtet worden. Die Anregung dazu ging vom Frauenverband der sozialdemokratischen Partei aus. DaS „Fraucnkontor"—„KvinderneSkontor"— hat vor allem die Auf- gäbe, die Frauenagitation zu leiten und zu fördern, statistisches Material und andere Aufklärungen über die Lohn- und Arbeits« Verhältnisse sowie die sonstigen Lebensbedingungen der Frauen zu sammeln und den Arbeiterinnen wie ihren Organisationen in den verschiedenen Bernsen ratend und helfend zur Seite zu stehen. Die Kosten deS Bureaus trägt die Landesorganisation. also die Gesamt- heit der norwegischen Gewerkschaften. Die Verwaltung besteht aus fünf Frauen, von denen eine, die Genossin Helga Thorsen. als besoldete Sekretärin angestellt ist. Lescabende. Steglitz. Freitag, den 13. Juni, 8'/z Uk?r, bei Rohmann, Schloß- straße 117. Dr. Röder spricht über„Kinderkrankheiten". Wilmersdorf. Fraucn-Lcseabcnd heute abend 8lli Uhr im Luisenpark, Wilhelmsaue._ Bersnmmlttnge»— Veranstaltungen. Bercin für Franc» und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 20. Juni: Ausflug nach dein Botanischen Garten in Dahlem. Treffvnnkt 2 Uhr an der neuen Wannseebahnstation.Botanischer Garten". Nachher Kaffeekochen in Steglitz im Restaurant Lirkenwäldchen bei Schellhase. Gäste willkommen. Serickts- Deining» Hinterlistiger Ueverfall eines Offiziers auf einen Oberkellner. Vor einigen Monaten ging eine Lokalnachricht durch die Presse, von der auch wir am 4. April Notiz nahmen. Sie besagt im wesentlichen: In einem Hotel am Bahnhof Fried- richstraße habe eine Anzahl von Offizieren ein Festmahl ab- gehalten. Als einer der Teilnehmer, ein Oberleutnant, nach Hause gehen wollte, hätten die Kameraden seine Mütze ver- steckt. Der Oberkellner, der darum wußte, habe von dem Ober- leutnant den Befehl erhalten, die Mütze zu suchen. Der Ober- kellner habe lächelnd einem seiner Kollegen den Auftrag, die Mütze zu suchen, erteilt und hinzugefügt, wer die Mütze finde, bekomme von ihm drei Mark. Hierdurch habe sich der Ober- leutnant beleidigt gefühlt und deshalb dem Oberkellner eine Ohrfeige verabreicht. Der Oberkellner habe die Ohrfeige zunächst ruhig hingenommen, er sei aber nach kurzer Zeit zurückgekehrt, habe den Offizieren das Vorgefallene mitgc- teilt und in ihrer Gegenwart dem Oberleutnant zwei Ohrfeigen, eine rechts und eine links, verabfolgt. Hierauf habe der Oberleutnant den Ober- kellner mit einem Spazier st ock geschlagen. Die Helden dieses Abenteuers standen am Donnerstag vor dem Kriegsgericht. Angeklagt waren der Oberleutnant Eckerhard v. Dalwig vom Regt- ment Jäger zu Pferde Nr. 1 und der Oberleutnant Paul Stempel vom Elsäss. Infanterieregiment 138. Beide Angeklagte sind von ihren Regimentern zur Kriegs- akademie abkommandiert. Oberleutnant v. Dalwig hatte den Zusammenstoß mit dem Oberkellner. Sein Vorgehen muß wohl erheblich schlimmer gewesen sein, als es in der Zeitungs- nojiz datgestM muvde, dLiill die Anklage gegen ihn be- ßcnttfe!, er fioEe 5en Dberkellnet einen u n v'e r s ch ä m? e n L ü m m e l e.cnannt, ihn g e o h r f e i g t und einen hinter- I i st i g e n Uebcrfall auf den Oberkellner ausgeführt, indem er ihm mit einem Stocke über den Kopf schlug.— Der zweite Angeklagte, Oberleutnant Stempel, wird be- schuldigt, seinen Kameraden v. Dalwig zu dieser Tat bc- stimmt zu haben.— Obgleich es sich bei diesem Abenteuer der beiden Offiziere mit dem Oberkellner doch ohne Zweifel um eine Angelegenheit handelt, die mit dem militärischen Dienst oder mit sonstigen militärischen Angelegenheiten nicht den geringsten Zusammenhang hat, stellte sich doch das Kriegs- gericht auf den Standpunkt, durch die öffentliche VerHand- lung dieser �Affäre könnten militärische Jnter- essen gefährdet werden. Wenigstens wurde unter dieser Begründung d i e Q e f f e n t l i ch k e i t für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Nur das Urteil selbst wurde öffentlicht perkündet: Es leutet: Oberleutnant v. Dalwig ist der tätlichen Beleidigung, sowie der Körperverletzung mittels hinter- Ii st igen Ueberfalls schuldig. Oberleutnant Stempel ist der Anstiftung zu dieser Straftat schuldig. Jeder der beiden Angeklagten ist zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt. Eine minimale Strafe, zumal wenn es wahr ist, daß in der Verhandlung zur Sprache gekommen ist, der Oberkellner habe infolge des Vorfalls seine Stellung verloren und der hinterlistige Ueberfall habe sich erst am folgenden Tage er- eignet. Der Leutnant v. Dalwig sei da im Hotel erschienen uild habe hinterlistig den Oberkellner mit einer Reitpeitsche geschlagen, Stempel habe seinen Kameraden zu dieser Tat angereizt. Das Strafgesetzbuch läßt für solche feige Tat eine nach Jahren bemessene Gefängnisstrafe zu. Weshalb er- kannte das Kriegsgericht nur auf Geldstrafe� Um militä- rische Interessen nicht zu gefährdenZ Fürst Eulenburg und Hammann vor dem Schwürgericht. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen den Fürsten Eulenburg soll, wie uns mitgeteilt wird, am 7. Juli ihren Anfang nehmen. Das Schwurgericht selbst beginnt seine Sitzungen am 5. Juli, die beiden ersten Tage, b. und ö. Juli, sind aber für die Verhandlung gegen den langjährigen Leiter des offiziellen Preßburevus, Wirk- llchen Geh. Legationsrat Hammann, bestimmt, der gleichfalls unter der Anklage des Meineides steht.— In der Sache Eulenburg sollen die Sitzungen täglich schon um üfä Uhr beginnen, um sie nicht zu weit in die heißen Tagesstunden auszudehnen. Seitens der Staatsanwaltschaft sind 38 Zeugen geladen. Da der Gesund- heitszustand des Fürsten Eulenburg vielfach in Frage kommen wird, sind Geh. Medizinalrat Dr. Stratzmann, Medizinalrat Dr. Stürmer als Mitglieder der wissenschaftlichen Deputation, Geh. Rat Prof. Dr. Fürbringer als Mitglied des Medizinalkollegi- ums. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Kraus, der Direktor der zweiten medizinischen Klinik der Charite und der Gerichtsarzt Medizinal- rat Dr. Hoffmann geladen. Die Verteidigung des Fürsten Eulen- bürg werden Justizrat Wronker und dessen Sozius, Rechtsanwalt Ludwig Ehodziesner, führen. Die Beschwerde der Verteidigring über die Erhöhung der Kaution ist vom Kammergericht zurück- gewiesen worden. Den Vorsitz in dieser besonderen Schwurgerichts. tagung, über deren Dauer natürlich kaum Vermutungen möglich sind, wird, wie schon mitgeteilt, Landgerichtsdirektor Kanzow führen.-» Unter dem Einflüsse des Bockbieres hat sich der Buroauvor- sieher Arzberger eine Straftat zuschulden kommen lassen, die ihn gestern unter der Anklage der unbefugten Ausübung eines öffent- lichen Amte? vor die 3. Strafkammer des Landgerichts III führte. — Am 19. Februar v. I. traf der Angeklagte in Charlottcnburg den ihm von früher näher bekannten Kaufmann W. Da beide nichts besonderes zu tun hatten, so wurde beschlossen, die Freude des Wiedersehens tüchtig zu begießen. Da um jene Zeit gerade die Bockbiersaison war, so zog es beide mit unwiderstehlicher Gewalt nach dem„Krug zum grünen Kranze" am Wilhelmsplatz in Char- lottenburg, wo ein Plakat mit der verlockenden Aufschrist:„Heule Bockbieranstich" prangte. Hier muß der Angeklagte vermutlich eine nicht gerade kleine Quantität des braunen Gerstensaftes zu sich dächtnis sich legte.>> gegen 12 Uhr nachts in das Lokal des Schankwirts Borghold in der Krummenstraße. In näselndem Tone gebot der Angeklagte hier Feierabend, wobei er sich gleichzeitig als„Polizeileutnant von Herz- bcrg" ausgab. Der Wirt war im ersten Augenblick so verblüfft, daß er mit einer tiefen Verbeugung dem Wunsche des„Herrn Volizeileutnants" nachkam und sein Lokal sofort schloß. Dasselbe Manöver wiederholte A. in dem Lokal von Jmrock. Der An- acklagte hätte es vielleicht fertiggebracht, sämtliche Gastwirtschaften ist der Umgegend zu schließen, wenn nicht der Schankwirt Schwane- Ixi Verdacht geschöpft und die Feststellung des Pseudopolizeileut- uantö veranlaßt hätte.— Aus der Beweisaufnahme gewann das Gericht die Ueberzcugung. daß der Angeklagte seinerzeit so stark „vom Bock gestoßen" war, daß er unter einer völligen Bewußtsems- !> Übung gehandelt habe. Das Urteil lautete dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf Freisprechung.__ Ei» Fräulein Volt Minbekk aus Geestemünde wurde vom Schwurgericht in Berken wegkn wissentlichen Falscheidcs zn einem Jahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Sie hatte als Zeugin in einer Strafsach« wegen einer in Pfand gegebenen Petroleumlampe falsche Aussagen gemacht. Sie behauptet zwar in der jetzigen Verhandlung, die betreffenden Aeußerungen überhaupt nicht getan zu haben. Zeugen bekunden aber das Gegenteil. Resultat: 15 Monate Zuchthaus. Eine von Adel! Die boshaften Verleumdungen der deutschen Justiz von wegen des Falles Eulenburg werden jetzt wohl verstummen! Postscriptum: Das verurteilte Fräulein von Minpen ist ein — Dienstmädchen. Wirkung der Schonzeit. Den§ 13 der preußischen Jagdordnung, vom 15. Juni 1997, sollte der Wildhändler Karlcbach aus dem Großherzogtum Hessen dadurch übertreten haben, daß er Wild während der Schonzeit in Preußen versendet habe. Er hatte die fraglichen Hasen nach Frank- furt a. M. in die Kühlhallen geschickt. Das Landgericht sprach ihn frei, weil es sich um Wild handelte, das in Hessen zu einer Zeit geschossen war, als dort die Schonzeit nicht mehr bestand. Das Kamnicrgericht hob jedoch das Urteil auf und verurteilte K. zu der niedrigsten Geldstrafe: Wenn die Jagdordnung das„Ver- senden" des Wildes während der Schonzeit verbiete, dann umfasse dieser Begriff auch noch das Eintreffen am Ankunftsort. Also seien die Hasen auch noch in Preußen versendet gewesen. Im Hin- blick auf den Zweck der Bestimmung, möglichst den Verkauf gcsctz- widrig geschossenen Wildes zu verhindern, wäre gleichgültig, daß die Hasen außerhalb Preußens geschossen seien, als dort keine Schonzeit war. Denn sonst könnte ja jeder behaupten, es sei bei ihm so, ohne daß eine Nachkontrolle möglich wäre. Auch die Ver» sendung nach Frankfurt zu einer nur vorübergehenden Lagerung in den Kühlhallcn, würde unter das Verbot fallen. Vermischtes. Der Raubmord auf dem Brocke» konnte bisher trotz aller Ver» Haftungen von Verdächtigen nicht aufgeklärt werden. Auch der zuletzt unter dem Verdacht des Raubmordes am Brocken in Halle a. S. verhaftete Tischler Engelhardt ist, wie gemeldet wird, gestern frei- gelassen worden, da er sein Alibi nachgewiesen hat. Brand im Unterseeboot. Aus Toulon wird gemeldet, daß an Bord des im Dock befindlichen Unterseebotes„Saphir" durch Kurz- schluß in der Akkumulatorenkammcr ein Brand entstand, der über- aus rasch um sich griff. Ein Offizier erlitt bei den RettungS- arbeiten leichte Verletzungen. Der angerichtete Sachschaden ist sehr bedeutend. Tödlicher Bauunfall. Wie aus Metz berichtet wird, brach gestern früh bei den» Umbau eines Warenhauses die Decke des zweiten Stockwerks infolge Belastung mit Schutt ein und riß die untere Decke mit sich. Zwei im Untergeschoß beschäftigte Arbeiter wurden getötet. eingegangene Druckfdmften, Von der»Neuen Zeit- 33. Heft de» 27. Jabrganas (Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das erschienen. Es hat solgeuden Inhalt: Wilhelm Wolfs.— Der Hansahund.—' Krovottins Geschichte der sranzösischen Revolution. Bon Heinrich Cunow.— Aus dem DreiklassenhauS. Von Rnssio's Message. Von N. R.— Zeiischristenschau. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,2S M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Da» cinzelue Heft kostet 25 Pf. Probenummcni stehen jederzeit zur Verfügung. „Der Wahre Jacob« bringt in Nummer 13 deS 2«. Jahrggng» ein Porträt des verstorbenen Redakteurs der.Holzarbeiter-Zeiwng', Genossen Ernst Dcinhardt, nebst kurzem Nochruf. Die Nummer enthält so- dann die sarbigen Bilder„Im Dreadnought- Fieber' und„SichcrhcitS- Vorkehrungen«, sowie die weiteren Jllristrattoneu„Die schrecklichste Strafe', „Das neue deutsche Reichswappen',„Aus dem Tempelhoser Felde',„Die Sphinx vom Königsplatz',„Das ante Herz',„Aus Berlin",„Lazarett- geheimnisse",„Konservative Steuerwissenschast",„Höchste Tapserteit',„Vater- laiidslosc Gesellen",„Der russische Polizist in Verlegenheit" und„Der Sprung über'» Zuchtbaus". Der texiliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Mvnarchcii-Elitrevue',„Mumpitz',„Rar nobile kratrum",„Der arme alte Mann',„Träume",„LourdeS" und„Riad justidia— sowie outzer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons „Halleluja!",„Junker",.Wie das Papiergeld entstand" und»Der Retter des Vaterlandes". Der Preis der IG Seiten starken Nummer ist 10 Ps. glrbcitcr-Gesundheits-Kalendcr ISIS. Der über 100 Seiten starke Kalender iit»nit Beiträgen von Parteigenossen und hervorragender Acrzte ausgestaltet, mit 4 vielfarbigen Tascln(t. Bakterien und Bazillen, 2. Fieber- haste Hautausschläge, 3. Brüche und Bruchbänder, 4. H-ilpflaiizcn) und einer großen Anzahl von Original-Jllilstrationeli. Er erhält u. a. solgende Artikel: Baktcricii und Bazillen, Acrztiiche Naischlüge sür die junge Mutter, MuStelrbcilniatiSmns, berusliche Gesundheitsstörungen, die arbeitende Frau und der Alkoholismus usw. Preis 50 Ps. Ju allen Parteibuchhandlungen vorrätig. Verlag der Süddeulschcn Volksbuchhandlung G. m. b. tz., München, Sendlinger Str. 20. Geschäftsbericht vom»4. S. 1906 bis»1. 12. 1998 der rbeillisch-lvrstfällschcu Holzindustrie Barmen. Selbstverlag, Bannen, Bredderstr. 23. Die fittlichr» Grundlagen der Ehe von H. Mcher-Benseh. 1.50 M. Wandlungen und neue Jnteressenoraanisationen im Detail- Handel. Von Dr. I. Wernicke. 30 Ps. H. Walther, Berlin W. 30. Gefährliche Liebschaften. Von Choderlos de LacloS. Band 1 tt. 2. 20 M— Orthodoxie, von G. K. C. Geh. 3.50 M.. geb. 4.50 M.— Der Ziviebelfisch. Heil 2. Zciischrist für Buchwesen und Thpographie. Von F. Blei. 50 Ps. Verlag Htzperion(H. v. Weber), München. „Die Bibel.« Kritisch dargelegt von K. Brandt. 1 M. Buchdruckerei I. Scherz, Osfenbach a. M. Clatrcö Liason«ud andere Geschichten. Won Annette Kispert. Geh. 2 M., geb. 3 M.— Dr. Feodora. Dialog-Roman von Ziachcl Teulon. Preis 4 M., geb. 5 M. Verlag von B. Elischcr Nachf, Leipzig. Feldblume«. Gedichte von Marie Parler-Zundcl. 34 Seiten. Druck Gebr. Knaucr, Frankfurt a. M. Deutsche Jugeudbüchcrei. Nr. 1. Drei Krieasnovellen. Von D. v. Liliencron. Nr. 2. Der Kampf nmS Blockhaus. Von Ch. Seals- fteld. Nr. 3. Der Schiffszimmerman». Von F. Gerstäcker. Nr. 4. Gc- fangen im Kaukasus. Von L. Tolstoj. Nr, 5/G. Jouk. Von A. v. PersaU. Einzeih. 10 Ps. H.Hillger, Berlin W 9. Deutscher Arbeiter.Nbstinenten-Bund. Ortsgruppe Berlin. Heute abend 8'/, Uhr: Vortrag. Achtung, Tabakintcrefienten k Heute abend findet in den Armin- hallen, Kommandantenstr. 53/59, eme Protestkundgebung der deutschen Händler mit Tabak und Tabalsabrikaten gegen die neue Taba!« stcuer statt._ ßnefbaften der Redaktion. Tie inrlftltAe Sprech stunde Rubel LindenNraste Nr. II, zweiter vof, dritter Eingang, vier Treppen, BV F a h r st n h l-tzSca wochentäglich abend» von?»/, bi«»'/, Uhr statt. Geösfuet 7 Ulir Eoiinadend» beginn» die Eprcchstiiiidc»m 0 Uhr. Jeder Slnsragr ist ein Vnchftabe lind eine Zahl al» tviert, eichen bciziisiigeii. Vricsliche ütnlwort wird»ich« erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieftastc» könne» 14 Tag« vergehe». Eilig» Fragen»rag« wan in der Eprechsnmde vor. — Glückstern. Wir raten Ihnen in Ihrem eigenen Interesse dringend ab, der Gesellschaft beizutreten.— S. O. P. Im zweiten Teil, ersten Band des Adreßbuches finden Sie derartige Finnen. Solche Adressen im Briestasten anzugeben, könnte zu leicht als Empieblung gedeutet lvcrdcn. — R. 199. 1. Ja, wenn die nötigen Oualifilationcii vorhanden sind. 2. Aus den Gebieten, welche die Presse behandeln, muß er bewandert sein. 3. Kurse speziell sür diesen Zweck gibt es nicht. 4. Lernen, lernen und nochmal lernen.— Zwei streitende Genossen. 1. Kons. l2 80I, Freist 13 782, Zentr. 187, Soz. 24 259. Stichwahl Freist 722, Soz. 24 465. 2. Kons. 7027, Freist 7546, Soz. 20 327. 3. Gleich im ersten Wahlgange gewählt.— Lotte 299. 1. u. 2. Das Einwohner-Meldeamt in Groß- Lichtcrtclde befindet sich im Rathanse, Schillerstraßc, Ecke Berliner Straße. 9— 3 Uhr. Beste Verbindung: Potsdamer Bahnhos— Groß-Lichterselde- O st. 3. Besuchszeit nur sür Angehörige der Kadetten und Beamten von 5 Uhr ab. — Paul 146, Ihre dritte Frage ist im Briestasten der Nummer 132 irrtümlich verkehrt beantwortet. Es muß heißen: Borgmann war gc« wählt im 5., Hcimann im 6. und Hirsch im 7. Berliner Landtagswahlkrcise. A. G. 60. Manuskript nicht verwendbar, geben Sie bitte Ihre Adresse an. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr genügend, Ecschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zusubr genügend, Geschalt lebhast, Preise sesst G« s l ü g« l: Zusubr genügend, Aeschäst rege, Preise behauptet. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäft ziemlich lebhast, Preise besriedigend. Bulter und Käse: Geschäst still, Preise durchweg höher, Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschält wenig besriedigend, Preise schwer zu behaupten. Jial. Tomaten neu am Markt. Witte runaSuberficht vom 17. Juni 1999. morgens 8 tthr. Stationen aparanda 763 N etersbnrg 760 NO LS ZZ «■ff Scilly Werdecn Pari» 772 NNW 771 NW 763 NW Wetter 2wolkenl 2wolkenl 3 wolkig I bedeckt 3 bedeckt l vi« c« 1* «Ä 15 13 13 12 12 Wetterprognose für Freitag, den 18. Juni 1909. Etwas kühler bei ziemlich frischen nordivcstlichen Winden und veränder» licher Bewölkung, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e au. WasserstandS-Nachrichten der LandeZanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e M e l. Tilsit B r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Nattbor , Zkrossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamin Elbe, Leitmeritz » Dresden t Barby » Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Svremberg') , BccZkow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximUiansau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheü» Mosel, Trier ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 Unterpegel. Nach telcgraphischer Meldung war die O d e r bei Ratikor heute früh schon aus 4l2 Zentimeter gefallen. ssxamaasnmmamammai Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikni» gegenüber leiuerlei Verantwortung. Zheater. Areitag, den 18. Juni. Ansang 7'/, Uhr. Neneö königliches Opcrutheater. Der fliegende Holländer. Ansang 3 Uhr. Deutsches. Gelbster». K a m m« r s p i c l e. Ein Skan- dal in Monte Carlo. Lesfing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Schiller«.«Wallner- Thealer.) Der Biberpelz. Tchliier Charlottenbnrg. Madame Bonlvard. Neues Schauspielhaus. Mahs. Friedrich- Wilhelmttädt. Schau- fPielhauS. Manövcncgen. Komische Oper. Demimondc. Neues. Tricoche und Cacolet. Thalia. Im Cafe Noblesse. Sustspielhaus. Der fesche Rudst Kleines. Moral. Hebbel. Maryscha. Neues Operetten. Die Sprudelfee. Berliner Operetten-Theater List. Das TenselSweib.(Auf. 8'/. Uhr.) Luisen. Besiegt. Folies Eaprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 6ll, Uhr. Metrvpol. Die oberen Zehntausend. Beruhard Rote. DeS MecreS und der Liebe Well««. W. NaackS Theater. Die oberen Zehntausend. APolio. Hartstein. Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Pasinge. Spezialitäten. Walhalla. Spezialiläten. Reichshallcn. Stcttiner Sänger. Der Kompagnieball. Urania. Tauveustrafie 48/49 Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Sternwar, e, Jnvalidenstr. 57/52. L.eLsin�'-Tlieater. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theaters. Ansang 8 Uhr. vis Dollnrpriiizcnsln. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Gura-Oper. Der fliegende Holländer von Richard Wagner. Anlang'/,7 Uhr. Sonnabend:„Die Melstersingor von Nürnberg." Sonntag:„Tristan und Isolde." Montag; iLotztes Sembrich-Gastsp.:„Oer Barbier von Sevilla." 21. Juni: Letzte Abschiedsvorstellung Marzella Sembrich vor ihrem Scheiden v. der Bühne. Der Barbier von Sevilla. Die für diesen Tag angesetzte Vorstellung von Sawitri ist verschoben. Billetts werden znrück- geaommen od. gog. Nachz. umget, ScMller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Der Ittbcrpclx. Eine Diebcskomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Ende 10'/, Uhr. Morgen und solgende Tage: _ Der Blberpelg._ Berliner Theater. Gastspiel-Operetten-Theater. Täglich 8 Uhr:"VS Gin Herbstnianövcr. Neues Tbeater. AbendS 8 Uhr: Tricoche und Cacolel. Morgen und folgende Tage: Tricoche und Cacolet. Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Ter fesche Rudi. Volhsgarten- Theater früher Weimanns Bolksgarteu. Am Bahnhof Gesunddrnunen. Täglich: Konzert. Theater und Spczialitäten-Borstellung. Riesenprogrami». stoopold»osser. Ada Willb. The Grüs, die 5 Cliquots- Alrobaten. Spree- Athener, Volksstück mit Gesang tu süns Bildern von Reiflingen. Die K-ssuküche ist täglich geöffnet. Schiller-Theater Chartettenburg. Slaelnme Bonlvard. Schwant in 3 Akten von Alexander Bisso» und Antonh Mars. Ende 10'/, Uhr. Morgen und solgende Tage: Itlndanie Bonlvard. Friedrich-Wilhelmstädtiscbes Schauspielhaus. Freitag, den 13. Juni, Ansang 8 Uhr: Letzte Vorstellung vor den Ferien: Mauöverregen. Sonnabend Gastspiel der Marwitz- Oper: Zum erstenmal: ITIdello. EMRPRDSfTHCAl Gr. lEMED 132. I ine: I Aranltnrler Str. AbendS 8 Uhr: DaS Mädchen ohne' Ehre. gjy Sommerpreise. Aus der Gartenbühne u. a.: Berlin auf Stelzen mit Willi A g o st o n. Spezialitäten.— Ansang 4'/, Uhr. Aelropol-7!ie»ter via ohaiau Zehntausend. Amerifc. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Aßt 8 dir. Rauchen gestattet. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstroße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Täglich ab 4 Uhr: Grotes IWoppel-KoDzert Eintritt 1 HJ., von abends 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. IVeucH Operctton-TThcnter, Schisfbauerdamm 25, a. d. Luilenstr. Heute u. solgende Tage: Ans. 3 Uhr: Bio Spriidclfec. Operette in 3 Sitten von H. Reinhardt. Max Kliems Sooier- Theater und Festsäle Rudolf Krllger Hasenheide 13/15. -- Täglich Großes Konzert, Theater und Arst'Lcitung: Walter Gravenitz. Jede» Donnerstag: Elltetag. Während und nach der Vorstellung ""nukrttozcliea. W.Koacks Theater Dtrettiom(lob. Olli,©numenflr. 16. Im schattigen Garten, bei Regen im Pracht-Theatersaal: 9 Uhr: Die odereu Zehlltnnseud. Vorher: Die neuen Spezialitäten. Ansang 7, Konzert v Uhr. Sonnabend Extravorst.: Dchorah. flamme Volkspark-Thesler UUImllO Onnbä&evg« Allee 74/77. Große Vorstellung des Sächsischen Volks-Theaters nebst Austreten erst kl. Spezialitäten. Zum erste« Male i» Berlin» Man amüsiert sich föstlich. Neue Weit Hesanhoido 108/114. | Große Spezialitätenvorstolliing. j Besond. gewühltes Prograaun. ( Nur erste Kräfte. 1€rv. Konzert. ] Anf. 5 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree Ä5 Pf. ( Jed. Mittw.: Kinderfreudonfost. ! CJratisvcrlosangcn. | Jeden Donnerstag; Elitetag. J i ÜIonstrc-Fcnerwcrk. Neues Programm! Die schaumgeborene Venus ,Ls fta" k» ihrem Phantasie-Tanz:„Der Wollen Geist" sowie | sensationelle M � Juni-Attraktionen Reserviert. Platz 2 M. Entree 1 M. (einschl. Programm n. Garderobe.) Ab 8 Uhr: Das Aufsehe» erregende Progr. 8" lean Paul mit neuen Schlagern. 9" Yankee Doodle Girls. g»° Mensch oder Affe??? g- Uhr: 9» Uhr: oder El* mit Kartstein , Passage-Theater. I ._ Abends 8 Uhr. J | Villi Präger! i The York Sistersl « nnd das glänzende& ° Zum- kregrsmm. § sg G Varietes vS O\ z e �Sensationen twj Passage- Panoptikum. liebend! ßie letzten weilMen Wesen vom Stamme der Hzleken! Gr.Schaustellungen Vitascop-Theater usw. Alles ohne Extra-Enlrce. Stadt-Theater Moahtt, Alt-Moabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Ubr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 0 bczw. 5 Uhr. Gartencrösfnung 3 Uhr. ?!eden Montag Elitetag. Spezia- litätei» tmd Soiree der„Lnstigen Säuger«. Bei Ziegcnwelier Vorstellung im großen Thcater-Saah_ Schweizer-Garten Am KönigStor. Zlm Friedrichshain/ Haltestelle der Stratzenbahn 1, 2, 4, 17, 59, 62, 74 u. Q. ® T"_|:_L Ansang 4 rcsp. 5 Uhr j «Wen Eotree 38 PI. j Heues Tiiealer- u. Spezialitäten- Programm. ;Ball u.Voiksftelüstigungen. i Etliche Sonnabende an Vereine zu vergeben. i)9e»e®eo««o4 dysliini Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Straffe. py Heute sowie täglich im prachtvollen Nnturgarten: VorsteiluiiA abwechselnd von drei der bestretiommiertesten Ziiitgergtsetlschilstt». kelclislTulleu-Ilieulöi'. if (Mcz-scl,»idttan, »chi-»dcr'«sxv.) Ansang wochentags « Uhr. Sonntags 7 Uhr. Karlsgarten Rlxdorf. Karlsgartenstr. 6—11. X Prachtvoller alter Naturgarten. X Sonntags: KoÄ:Jie Instigen ksinnei'. Jeden Dienstag: HlUdöl'löL!. Mittwochs: villi Zpozislitäten-Vorstöllviig. Täglich: Grotte fIie8teF-u.Spezialitäten-¥orstelIiiiig. Heute: Großes Kiiiderfteiidelifek. «-»i h Dallesprinzessin. Beg. d. Konz. 4-,.. d. Vorst. 5'/, Uhr. �.rbeiter- Gchieidliiig— Berufskieisiung. Größtes Spezialgeschäft.! Eohnen& Jöriug, ÄlexanrlerstF. 12. Filiale»: Landsberger Allee 148. Neu eröffnet! am Rlxdorf: Bergstraße 66 Ringbahnhof. QR 6188886 Vcrkanf unr im Fabrikgebäude! 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Die bestsortierte und billigste Einkaufsquelle in Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingcSührter Fabrikate ist Die Beerdigung meines verstorbenen Mannes, des Gastwirts Richard Augustin findet am Sonntag, den 20. Juni, ¥orml(iags 9 Gbr, von der Leichenhalle des. Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallce aus statt. Die auf den versandten Traueranzeigen mitgeteilte Beerdigungszcit ist unrichtig. HVitwe Klara Augustin. Verband der sozialdemokratischen Wahiveroine GroS-Berlins. Am Mittwoch, den 16. Juni, entriß uns der Tod einen | treuen Kämpfer für das Proletariat, den Stadtverordneten HiClIEfd ÄU�USllll. Der Verstorbene hat seit vielen Jahren, oft unter den I [ schwierigsten Vorhältnissen, als Agitator,, als Vertrauensmann und Stadtverordneter in den vordersten Reihen der| Berliner Parteibewegung gearbeitet und gekämpft. Mit Richard Augustin verlieren wir einen hilfreichen 1 | Berater, einen edlen Menschen und guten Freund. Wir werden ihm ein ehrendes Andenkon bewahren. Der Zcntralvorstand. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. d. M., vor- 1 I mittags 9 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der| I Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallee aus statt Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. To des- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Former Brnst tTsgemarm an Herzschlag gestorben ist. 1 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 19. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Aixdoficr Gemeinde- Fricdhoscs, Mariendorjer Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied,! der Former Ksii Voigt. Die Beerdigung findet am j ! Sonnabend, den 19. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- 1 Halle des Fricdens-KirchhoscS in Nicder-Schonhaujen bei Nordend I i auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet > 118/18 Die Drisverwaliung. I Sozialdefflokratischer WaldvereiD für den OerliiierReielistagswablkreis Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treneS Mitglied, der Gastwirt Richard Augustin Engeluser IS gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. d. Mts., vormittags 9 Uhr, von der Leichenhalle deS FrledhefS der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, aus stall. Der Vorstand. Ikiitral-Kriliiken- und SttrbeknffederIiinmerer. I Filiale Friedrlchsherg. Am 15. Juni verschied nach langem Leiden uiiscr Mitglied ft'iHsi liSiilSep im 45. Lebensjahre. Ehre feinem Rndenlen! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- FriedhoscS, Boniitzstratze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 259/3 Die OrtSberwaltung. Hierdurch erfüllen wir die I traurige Pflicht, daS plötzliche Hinscheiden unseres verehrten | ChesS, des Ockonomen Herrn RlcMrd Augustiii | anzuzeigen. 64b Sein Andenken werden wie | stets in Ehren halten. Da« Personal 1 des BerlinerGewerkschaftshanses. Zentralvereifl liip alle in der Hiitörancbfi iiesehäft. Arlieiler und Meiterinnen Filiale Berlin. Mittwochabend 71/« Uhr Danksagung. Für die herzliche Teilnahme«nd Blumcnspcnden bei der Beerdigung meiner lieben Frau 65b dobarma Hampe! sage ich allen, insbesondere dem Gc- sangvercin, allen Freunden und Ver- wandten meinen herzlichste» Dank. »ermann Hampel. ffathan 129 Skaliffer Str. 129.~ Die schönsten 1G022 Herren-Sommer-Paletots und Anzüge ,0,�� Mouats-Ganlerobe »onKavaliercngclragencSachen, säst neu, für jede Figur passend, speziell Banch ailzüge sind in großer Auswahl stets zn stanncnd N billige» Preise» zn habe». Nntban Wand 129 Skaliffer Str. 129. HvchbahnstatienKottbnserTor Bitte MlsHaiiSnumnier»n achten Ktllmcr Pruter- Theater! Kastanicnallce 7—9. Täglich: ! Zinn lebt In nur einmal! Spezialitäten ersten Banges. Konzert und Dali. Ansang 41/, Uhr. Am verstarb unser Kollege kichard Augustin im Alter von 49 Jahren an Herz- schlag. Sein Wirken für den Zentral- verein wird uns unvergeßlich sein. Die Beerdigung findet Sonntag. vormittags 9 Uhr, von der Halle des BcgräbniSplatzcS der Frei- religiösen Gemeinde in der Pappelallce aus statt. Um zahlreiche Bctciliginig ersucht Der Filialvorstand. IVertienli der Sattier. OrtsvcrwalUing Berlin. Am 15. Juni 1909 verstarb nach langer schwerer Kranlhcil unser Mitglied Rlehard Neubauer (Treibricmenbranche). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS EmmanS» Kirchhofes in der Hermannstraße an- statt. Um rege Beteiligung ersucht 157/6 Die DrisverwaKung. Dr. Simmel Spezial-Arzt«l»' für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Kerantwsrtlichkk Sedattxlu.i K»nS mktr, Bttliy. Lux de» LnjerateÄeilpergM� xh.Glecke, BerUn, Arukfu-Verlsgf SvMärtS ZMdkLckerei. u- Kexjsgsgnftglt KsÄ Wosex Si Co.. Beriig SW.