Zentralorgan der rozialdcmohratifcbcn Partei Deutfchlands. |N. 140. S6. Jahrg. - ffbonnements-Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando J Vierteljährl. 330 9Kf., monat!. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Numnicr S Pfg. Sonntags- »unimer init illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue 33:1t" 10 Pfg. Post- Sibounemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, Sich«!»! Kglich aitütr Olontass. Die Tnlertlons-GebOftr veirägt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „kleine Anreizen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcössuep Tclegramm-Adresse: „SoÄälilemollrill kerlin". RedaKrioti: 8 Ml. 68, Lindcnstrassc 69. Ferusprecher: Amt IV, Nr. 1983, Sonnabend, den 19« Juni 1999. Expedition: 5Ml. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher i Amt IV, Nr. 1984« kann nur eine mächtige, alle von den Kohlenmonopolisten ausgebeuteten Schichten des Volkes umfassende Belvegung imponieren, die sich zum Ziel setzt die Enteignung der Monopolherren! Schon die von Herrn Kirdorf mitgeteilte Statistik der „sozialen Lasten" ist ein Betveis für die Unverfrorenheit der Zechen- und Hüttenherrcn. Um eine„erdrückende Stei- gerung der Lasten" nachzuweisen, berechnet Herr Kirdorf die Abgaben in Prozelltcn— des Neingewinns! Warum nicht gleich der Berechnung den Betrag zu« gründe legen, den die Aktionäre nach Bestreitung ihrer luxuriösen Lebensführung als Reinübcrschuß auf die„hohe Kante" legen? Weniger ist leichter als den„Reingewinn" künstlich niedrig zu halten, indem man möglichst hohe Ueberschußsummen in allerhand„Reservefonds" versteckt. Es gibt Aktienunternehmungen, zumal in der deutschen Bergwerks- Industrie, wir nennen nur die Solwaywerke- Bernburg, die sich durch riesige Abschreibungen derart hohe Reservefonds schufen, daß sie schließlich ihr Aktienkapital insofern„erhöhten", daß sie den vollen Betrag der„neuen Aktien" aus dem über- füllten Reservefonds nahmen! Nach außen hin erscheint dann die sogenannte„mäßige Dividende", während in Wirklichkeit die angesainmelten Ueberschüsse die Zahlung einer doppelt oder dreifach höheren Dividende gestatten. Was die G e l s e n kir ch e n e r B. A. G. anlangt, so liegt uns leider zurzeit der letzte Jahresbericht noch nicht vor. Wir beziehen uns daher auf das Geschäftsjahr 1907. Herr Kirdorf klagt, in dem Jahre habe die Summe der Abgaben an Steuern, Versicherungsbeiträge usw. 6 004020 M., gleich 34,76 Proz. des Reingewinns betragen. Zur Verteililng kamen nämlich„nur" 15,6 Millionen Mark 1 Der Bruttoüberschuß betrug aber rund 44,5 Millionen Mark! Davon sind 15 Millionen Mark abgeschrieben worden. Weitere 2,1 Mill. Mark erscheinen unter dem Undefinierten Sanimelkonto„Un- kosten", obgleich vorher schon eine Reihe„Unkosten"-Konti" speziell aufgeführt sind. Abermals 600000 Mark flössen in einen„Spezialrcscrvefonds", der damit die Höhe von 7'/, Millionen Mark erreichte, während sich im regulären Reservefonds über 2V Millionen Mark befanden. Außerdem erhielten die Aufsichtsräte 547 368 Mark gespendet. Wenn man statt der 12 Proz.„nur" 10 Proz. Dividende gab, die überschießenden Millionen auch noch dem Reserve- fonds überwies, dann konnte Herr Kirdorf noch über etliche Prozent mehr„Lasten" klagen, ohne daß das Guthaben und Vermögen der Aktionäre auch nur um einen Pfennig ge- schmälert war. Ja, er konnte den Aktionären vorschlagen,„nur" 6 Proz. Dividende zur Auszahlung zu bringen, die überschießenden 7,8 Millionen in den Reservefonds zu schieben, dann hatten die „Lasten" sogar bald 100 Proz. des Reingewinns erreicht und doch war der wirkliche finanzielle Effekt der Gesellschaft um keinen Pfennig verschlechtert. Die Kirdorfsche Methode. die„Lasten" in Prozenten der schließlich ausgezahlten Dividendensummen zu berechnen, muß also ein total falsches Bild von den wirklichen Werks- ertrügen ergeben! Wenn auf dieselbe Weise etwa auch die Steuereinschätzung der Gesellschaft erfolgt, dann macht der Steuerfiskus ein verdammt schlechtes Geschäft. Es gibt ein weit besseres Mittel zur Feststellung der Werkserträge. Das ist die Selbstkostenrechnmng pro Tonne. Da wir auch hierbei lediglich auf die Angaben der Werksverwaltung selbst angewiesen sind, kann sie sicher nicht von einer tendenziösen Aufmachung reden, wenn wir nach- folgend der Kirdorfschen Rechnung eine auf die Mitteilungen der Selbstkosten basierte Gegenrechnung entgegenstellen. Unsere Gegcnrechnung wird auch der Oeffentlichkeit die Preistreibereien der Zechensyndikatsherren kenntlicher machen. Herr Kirdorf geht aus von dem Jahre 1873. In dem Jahre übernahm eine von der Diskontogescllschaft gestützte Gründer« und Kapitalistengruppe die beiden Stamm- zechen Rheinelbe und Alma von der Handelsgesellschaft Detilleux Freies u. Comp. Den Gepflogenheiten in der Gründerperiode folgend, zahlte die neufundierte Gesellschaft sofort 23 Proz. Dividende. Die nach dem Gründerkrach einsetzende Geschäftsdcroute drückte die Dividende der Gelsenkirchener B.-A.-G. schließlich 1877 bis auf 5Vz Proz. herab. In den 80er und 90er Jahren kamen die großen Ver- sicherungsgesetze. Sie haben die Werksbesitzer nicht„erdrückt". was ohne weiteres aus der Tatsache hervorgeht, daß die ut- sprünglich nur zwei Zechen besitzende Gelsenkirchener B.-A.-G. heute über 11 Zechen mit 19 Tiefbauanlagcn verfügt! Ihre Bergwerksgerechtsame umfaßte 1908 den Riesenumfang von über 234 Millionen Quadratmeter. Außer- dem ist sie noch mit fast 33 Millionen Ouradratmeter an den Grubcnfeldern der Rh.-Westf. Bergwerksgesellschaft m. b. H. beteiligt. Diese riesenhafte Bereicherung der Interessenten ging unter ihrem fortgesetztem Geschrei über„unerträgliche", „erdrückende Lasten" vor sich. Ist es richtig, was Herr Kirdorf behauptet, nämlich. daß die„Stinimungs- und Gefühlspolitik" eine Verringung der Betriebsüberschüsse zur Folge gehabt hat? Es kommt allerdings ganz darauf an, was man als„normalen" Profit betrachtet. 1873 betrugen bei der Gelsenkirchener B.-A.'G. die Selbstkosten pro Tonne Kohlenförderung 6,74 M., der Verkaufswert der Tonne war aber auf 13,19 M. geschraubt, so daß die Differenz zwischen Selbstkostenpreis und Verkaufs- wert sage und schreibe 3,43 M. ausmachte! Diese kapitalistische Quittung. Im Monat Mai gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aachen-Land-Eupen, sozialdemokr. Verein 1. Quartal 03 38,13. Aalen, 13. ivürttemb. Wahlkr. 1. Quartal 39 14,64. Aachen-Stadt, sozialdemokr. Verein 1. Quartal 39 83,22. Albertsberg b. Auerbach i V., Ueberschutz der Maifeier v. d. Genossen der Heilanstalt 6,17. Groß-Bcrlin a konto seiner acht Wahlkreise 12 333,—(darunter Krüger 13,—, ersparter Brückenzoll durch Zabel 1,63, Märzkranz- Überschutz der Koll. von Bergemann M. E. 236,93, Monatsbeiirag Raschle 13,—, H. u. M., Veleranenstr. 1,—, aufgelöste Kranzkasse des 526. Bezirks 2,46, A. B. Mister 1,—, Kranzüberschutz Bezirk 665 1,45, Kranzüberschutz Adlerwerke 3,—, Sparvercin Freundschaft(Spargeld eines Spitzels) 2,53, Bezirk 663a. Laatz 23,—, Bezirk 649, Kranz- Überschuh 2,36, Bezirk 653, Kranzüberschutz 1,7tz, Kranzüberschutz von Areest durch Max Schulz 11,76, v. Schüler 1. Mai 33,—, in der Patzenhofer Brauerei 63,—, Argus-Motoren 8,—, Landtagswahl- fonds des 12. Landtagswahlkreises Putzerkolonne Wilhelm 7,—, W. Mann 5,—, Kranzüberschutz von Radtke 3,36, Unbenannt Gör- litzer Straße 66 3,—, Sch. 63,—, Uebcrsch. der Sechserpinke v. d. Metallarb. der Fa. Spengler 13,—, Taschenwerkstube Demuth 5,—, Gehilfen der Druckerei Schenck Nachf. 6,—, Ueberschutz v. 60jährigen Berufsjnbil. des Schriftsetzers A. M. v. d. Koll. d. Liudendruckerei 23,23, E. P. St. 63,—, Herrenpartie.Sangesfreude 1936" u. Jugend 1,16, Kranzüberschutz„Vorwärts"- Spedition Moabit 3,23, Vereinter Sängerchor Wedding, amerik. Ankt. 13,—, Arbeiter der Anhaltischen Maschinenfabr. durch P. 22,86, von einem Untcrbeainten 2,53, Uebcrsch. der Märzkranzspende v. d. freiorganisierten Arbeiterschaft der Kabelwerke, Obersprce, Antofabri! 279,13). Berlin, diverse Beiträge: Uebcrsch. v. Märzkranz v. d. Angestellten d. Auer-Gesellschaft 36,63. Dr. K. R. 26,—. Uebcrsch. v. Kranzsp. v. d. Abt. Möller, Zaczcwski, Krähl, D. W.- u. M.-F. 14,30. M. SS. 2,—. Von der Franenorganisation noch durch Genossin Baader eingegangen 33.28(darunter aus Osnabrück 11,38, für Merkblätter aus Döhlen 14,—, für einzelne Broschüren 6,23). Von der sozial- demokr. Landtagsfraktion im preutzischen Abgcordnetenhause 433,—. Mitgl. d. U.-Dr. 6.—. Dr. L. A. 100,—. Machetes 5,—. Jule 2, Ritterstratze 10,70. Die Kontobucharb. v. Wedding 6,—. Gutenberg 41,90. Uebcrsch. eines Kranzes v. Böhmischen Brauhaus 7,86. „Abt." 6,—. P. S. 63.—. A. B. 63,—. L. N. 3.—. Knabe 6,—. Bibcrach a. Ritz 13,88. Burg b. Magdeb., Wahlkreis Jerichow I u. II, 1. Quart. 39 161,83. Bremen, sozialdemokr. Verein a konto der Beiträge für 1938/39 3233,—, Bonn- Nheinbach, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 39 16,—. Bochnm-Gclsenkirchen, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 39 997,33. BrcSlauer Agitationsbezirk 1. Quart. 39 Wahlkreise: BreSlau-Land 169,69! Liegnitz 119,76: Brieg 34.16; Ohlau 29,98: Neustadt 14,66; Neitze 6,49; Militsch 7,98; Leobschütz 4,93; Summa 386,44. Bern 63,—. Bant, 2. oldenb. u. 2. hannov. Wahlkr. 1. Quart 39 633,73. Beelitz, v. d. blauen Brüdern im Sanatorium I 10,—. Chemnitz, 16. sächs. Ncichstagswahlkr., Schlntzrate für 1968/39 4333,—. Cassel- Mclsungen, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 39 434,18. Cannstatt, zweiter loürttembergischcr Wahlkreis, 1. Quart. 39 317,66. iChenmitz, Brutus 1,—. Danzig, Beiträge westpreutz. Wahlkreise für 1. Quart. 39, 2. Rate: Bercnt-Siargard(4. Quart. 38 u. 1. Quart. 39) 12,83; Rosenberg-Löbau 8,32; Schlochan-Flatow 4,32; Summa 25,44. Dortmnnd-Hörde, sozialdemokr. Verein, 1. Quart. 39 1918,—. Delmenhorst, 3. oldenb. Wahlkreis, 4. Quart. 38 49,—, 1. Quart. 09 14,80, Sa. 63,80(darunter: Delmenhorst, 4. Quart. 08 44,90, Lemwerder, 1. Quart. 39 14.83, Ganderlesee, 4. Quart. 33 4,13). Durlach- Pforzheim. 9. bad. Wahlkreis, 4. Quart. 33 269,—; 1. Ourt. 39 261,16; Sa. 611,16. Ehlingen, sozialdemokr. Kreisverein des 5. Württemberg. Wahlkreises, 1. Quartal 39 214,36. Erstem- Molsheim, Wahlkreisbeitrag, 1. Quartal 39 19,16. Ebers- walde, Beitrag voni Wahlkreis Oberbarnim 63,43. Frank« surt a. M., Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 39 1933,—. Falkenberg(Oberschl.) 6,—. Forst. Wahlkreis Sorau-Forst 1. Quartal 39 333.—. Freiburg i. B.. 6. bad. Wahlkreis 1. Quartal 39 26.—. Finsterwalde, Wahlkr. Kalau- Luckau 233,—. Groh-Ottersleben, sozialdemolr. Verein des Wahlkr. Wanzleben 1. Quartal 39 333,—. Geldern, sozialdemokr. Volksverein Cleve-Geldern 13,63. Göppingen, l3. württemb. Wahlkr. 1. Quartal 39 178,84. Gleiwitz, LgitationS« bezirk Oberschlesien 1. Quartal 39, Wahlkreise: Kattowitz-Zabrze 43,27; Beuthen-Tarnowitz 32,46; Ratibor 12,26; Gleiwitz 11,26; Summa 99,18. Gera, sozialdemokr. Berein Reutz j. L. 1. Halbjahr 39 1339,—. Harburg, sozialdemokr. Verein des 17. hannov. Wahlkreises 1. Quartal 39 833,—. Hamm- Soest, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 39 321,64. Hohwald, Uebcrsch. v. d. Genossen der Lungenheilanstalt 6,79. Itzehoe, sozial- demokratischer Zentralwahlverein des 6. schleswig-holst. Kreises 1. Quartal 1939 218,88. Köln a. Rh.. Reg. W. 20,—. Karlsruhe- Bruchsal. 10. bad. Wahlkreis 4. Quartal 1933 213,46. Köln a. Rh.. sozialdemolr. Verein für die Wahlkreise Köln-Stadt und Koln-Land 1369,—. Lüdenscheid, Zentralwahlverein des Wahlkreises Altena« Iserlohn 1. Quartal 1939 62,38. Leipzig, 12. sächsischer Wahlkreis, dritte und vierte Rate für 1938/39 1333,—. Luckenwalde, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 1939 194,23. M.-Gladbach, ge- sammelt auf einer roten Kindtaufe in Rheydt durch M. 13,43. M.- Gladbach, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 1939 69,43. Magdeburg, sozialdemokr. Verein 2. Quart. 39 833,—. Marburg (Hessen), Wahtkreisbeitrag v. 1. 7. 33 bis 1. 4. 39 61,23. München, Gau Südbayern 1. Quartal 39. Wahlkreise: Aichach 29,65; Jngol- stadt 8,22; Wasserburg 4,66: Weilheim 18,64; Rosenheim 81,63; Traunstein 16,33; Landshut 16,66; Straubing 3,27; Passau 8,22; Psarrkirchen 7,26; Deggendorf 2,31; Kehlheim— ,42; Augsburg 98,64; Donauwörth S,—; Dillingcn 4,62; Jllertissen 16,71; Kaufben reu 4,71; Jmmenstadt 27,66. Summa 363,46. Neuwied, sozialdemokratischer Wahlverein für den Wahlkr. 1. Quartal 39 13,64. Oldenburg, 1. oldenb. Wahlkr. 1. Quartal 39 111,36. Olvenstedt. Wahlkreis Wolmirstedt-Neuhaldensleben, 1. Quart. 39 113.—. Pritzwalk, Sch., Tagesverdienst am 1. Mai 3,53. Plauen i. B., E. 1,—. Rostock, 6. inecklenb. Wahlkr., 1. Quart. 39 276,—. Stockelsdorf, Fürstentum Lübeck. 4. Quart. 33 161,38. Schleswig, 3. schleSw.-hokst. Wahlkr., 1. Quart. 39 113,—. Schwedt a. O., Wahlkreis Prenzlau-Angennünde 41,96. Stuttgart, 1. württemb. Wahlkr.. 1. Quart. 39 616,43. Salzwedel, Wahlkrcisbcitr. f. 1. Quart. 39 46,21. Saargemünd-Forbach, sozialdem. Kreisverein, 1.Ouart.39 13,24. Stratzburg-Land, 9. els.-lothr. Wahlkr., 3. u. 4. Quart. 38 84,—. Schöneberg b. Bert., Mitglieder des Deutschen Buchdruckerverbandes der Buchdruckerei Kettembeil 16,—. Velten, Wahlkreis Potsdam- Osthavelland 1. Quart. 39 142,74. Waldhof-Elgershausen, Heil- stätte, Uebersch. der Maifeier 1,57. Weimar, 1. weimarsch. Wahlkr. 2. u. 3. Quart. 1938/39 134,83. Wiesbaden, sozialdemokr. Verein f. d. 2. hesfen-nass. Wahlkr. 1. Quart. 39 123,—. Zahna, Uebersch. der Maifeier 12,—. Zwickau, 18. sächs: Wahlkr. 2. Rate für 1938/39 833,—. Berlin, den 16. Juni 1939. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstr. 69. Kirdorfs Kechouog. In der Gründungsversammlung des„Hansa-Bundes" im Zirkus Schumann trat neben anderen kapitalistischen Notabilitäten auch der Generaldirektor der Gelsenkirchener Bcrgbaugesellschaft und Vorsitzender des rheinisch-wcstfälischcn Kohlenshndikats, Herr Geh. Kommerzienrat Emil Kirdorf als Redner auf. Er wandte sich gegen die Einführung eines Kohlenausfuhrzolles. Auch die Sozialdemokratie ist gegen diesen Zoll, aber aus wesentlich anderen Motiven wie Kirdorf. Daß wir durchaus richtig annehmen, die Zollanflage würde von den übermäßigen Grubcnsyndikalisten aus die Arbeiter und die Konsumenten im In lande abgewälzt werden, hat uns Herr Kirdot-f in seiner Zirkusrede bestätigt. Die konservativ-klerikalen Befürworter des Kohlen- ausfuhrzolles haben, bevor sie ihn beschließen, die zwingende Pflicht, dem Volke nachzuweisen, wie sie es fertigbringen können, daß die Zollbelastung von den K o h l e n h e rr en getragen wird. Auch wer nicht prinzipieller Gegner der Zöllnerei ist, muß doch mindestens die Sicherheit schaffen, daß die Kohlcnhcrren die Zollbeträge nicht durch Lohnabzüge auf die Arbeiter, oder durch Preiserhöhungen auf die in- ländischcn Konsumenten abwälzen. Wir fragen die Konservativen und das Zentrum, ob sie diese Sicherheit schaffen können— und sollen? Und in welcher Weise? Am meisten interessiert uns in Kirdorfs Rede seine Klage über die angeblich ungeheuer, fast erdrückend gestiegenen „sozialen Lasten". Er sagte: „An Zahlen, möglichst knapp, meiner Gesellschaft(der Gelsen- tirchener Bergwerks- Aktiengesellschaft), will ich die bedenkliche Steigerung dieser Lasten Ihnen vor Augen zu führen suchen, be- tonend, daß die Gelsenkirchener Bergwerks- Aktiengesellschaft den günstigeren Durchschnitt des niederrheinisch- westfälischen Kohlen- reviers darstellt, die Zahlen vieler anderer Gesellschaften und Gewerkschaften ein noch trüberes Bild ergeben. Die Gesaintlasten der G. B.-A.-G. an Staats-, Gemeinde- usw. Steuern und der sozialen Gesetzgebung betrugen: im 1. Jahre 1873 134 235.92 M. od. 4,63 Proz. d. Reingewinns 1883 173 136,73„„ 16,24 ,. , 1883 742 813,32„„ 18,38„. 1933 2 223 623.77„„ 23,64„ 1907 ß 004 020,39„„ 34,76, 1908 7 065 695,43„„ 54,18„ also in 1908 gegen 1907 rund 1 060 000 M. mehr bei fast unveränderter Erzeugung und Arbeiterzahl, während bei den Steigerungen der vorhergenannten Zeitabschnitte bezüglich der Gesamtzahlen die Vermehrung der Arbeiterzahl zu berück- sichtigen ist.... Betrachtet man diese ungeheuerlichen Kosten, die auf der Industrie, insonderheit der Bergwerksindustrie, ruhen und die bei andauerndem wirtschaftlichem Niedergang zu einem schweren Not- stand führen müssen, so kann an der Berechtigung, dringend vor unbedachten weiteren Lasten zu warnen, nicht gezweifelt werden. Vor allem auch muh gewarnt werden vor weiteren gesetzlichen Bestimmungen der angeblichen Arbeiterfürsorge, die Erschwerungen, Beeinträchtigung und Verteuerung der Betriebe' ohne praktischen Nutzen bringen. Ein trauriges Zeichen war für uns das neueste Gesetz über die„Sicherheitsmänner"; einmütig sprach sich der Bergbau dagegen aus und erblickt in deren Einführung eine schwere soziale Gefahr und Verteuerung der Betriebe. Der leitende Grund für die einstimmige Durchführung dieses Gesetzes war der Kampf um die Seele der Arbeiter. Mit solcher Stimmungs- und Gefllhlspolitik vernichten wir die Blüte unseres Wirtschaftslebens; eine unüberlegte, über- triebene Arbeiterfürsorge schlägt in das Gegenteil um, sie ver- mchtet die beste Fürsorge, lohnende Arbeitsgelegenheit. Eine un- bedachte, den wirtschaftlichen VerhälMisfen nicht Rechnung tragende Steuerpolitik aber wird die Quellen zum Versiegen bringen, aus denen Staat und Gemeinden die größten Einnahnien zogen." Der„Hansa-Bund" wird seine Hauptaufgabe in der wohl- organisierten Bekämpfuni; der sozialen Gesetzgebung erblicken, darüber lassen die offenherzigen Worte des Grubensyndikats- führers keinen Zweifel. Um die ohnehin schon jahrelang stockende Sozialgesetzgebung noch mehr auf das tote Gleis zu schieben, nur deshalb führte, zur Danachachtung für die Regierung, Herr Kirdorf seine Zahlen an. Seine selbst- bewußte Proklamierung des brutalen Unternehmerstandpunktes hat allerdings in der Zirkusversammlung einigen Widerspruch erfahren, auch Schlußrufe ertönten. Aber ein Kirdorf weiß was er will, er läßt sich weder durch solche Versammlungs- Proteste noch durch Ministervorstellungen von seiner Fronde gegen die„Gefühlspolitik" abbringen; und er weiß, daß er die ungeheure Mehrheit der Großindustriellen hinter sich, eine vor dem Großindustriellentum liebedienernde Re- gierung vor sich hat. Diesen millionenreichen Uebermenschen Hypertrophie mußte in den fürchterlichsten Krach ausmünden, den die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert erlebte. 1879 war denn auch der Verkaufswert Pro Tonne auf 5,35 M. gefallen, der durchschnittliche Arbeiterlohn pro Schicht war von 4,41 im Jahre 1878 auf 3,08 M. herabgedrückt. Zirka die Hälfte der Verbilligung der Gestehungskosten hatten die Aktionäre mittels Lohndrückerei gewonnen I Indem Herr Kirdorf bei seiner Rechnung von dem Jahre 1873 ausgeht, deutet er an, daß der damalige ungeheuere Unterschied zwischen Selbstkostenpreis und Förderungswert nach seiner Meinung kein anormaler gewesen ist. Anderenfalls hätte er von einem Normaljahr aus rechnen müssen. Stellen wir nun nach den eigenen Geschäftsberichten der Gelsenkirchener B.-A.-G. ihre Ueberschußtvirtschaft zusammen, wobei wir ausgehen von dem Jahre 1887, weil da schon die Reichsgesetze betr. die Kranken- und Unfallversicherung be- standen. Es betrugen Verkaufswert Selbstkosten. p" T°'me pro Tonne �rtÄJberV. Dw.dend Stöhlen Kohlen Selbstkosten 1887.. 5,79 Mark 8,08 Mar! 1,81 Mark v'/z Proz. 7.03, 5,52„ 1,51 6 1894 1907 11,41 8,84 2,57 12 Von„Erdrückung" durch soziale Lasten keine Spur! Auch nachdem die Alters- und Invalidenversicherung in Kraft gc- treten war(1890) und die angeblich„ungeheueren neuen Lasten" durch die Bcrggesetznovelle von 1905 zu ertragen waren, ver- blieb ein hoher Durchschnittsüberschuß pro Tonne. 1907 betrug er sogar über eine Mark mehr wie 18941 Die Dividende konnte trotz riesiger Mckstellungen verdoppelt iverden I Hierbei ist noch zu beachten, daß es bei den Zechen- gesellschaften— inwieweit auch bei der Gelsenkirchener ist ans den für die Ocffcntlichkeit bestimmten Geschäftsberichten nicht mit Sicherheit zu entnehmen— üblich geworden ist, d i e gesamten Betriebskosten, einschließlich der für Kokerei und Nebenproduktengewinnung, lediglich aus die Kohlenförderung anzu- rechnen! Infolgedessen gibt es Zcchengesellschasten, wir nennen nur die D orstfe'lder, deren„Selbstkosten pro Tonne" beinahe so hoch und höher sind wie die angegebenen Verkaufspreise— und dann wird von diesen„Verlusten" ein stattlicher Werksüberschuß verteilt! Bei der Gelsenkirchener B. A. G. war 1907 die Arbeiterlcistung Pro Schicht nur um ein Geringes niedriger als 1900, der Arbeiterlohn pro Schicht stieg in derselben Zeit um 69 Pf.; dagegen wird eine Steigerung der Selbstkosten pro Tonne von 1,71 M. an- gegeben I Womit bewiesen ist, daß die angegebene Steigerung der Selbstkosten nur zum kleinsten Teile durch Mehr- aufwendungen für Arbeiterlöhne entstanden ist. Gehen auch wir von dem Gründerjahr 1873 auS, so können wir feststellen, daß damals der durchschnittliche Arbeiterlohn pro Schicht 65 Proz. von den Selbstkosten der Förderung ausmachte, während es 1907 nur noch rund 60 Proz. waren I Der relative Anteil der Arbeiterlöhne an den Betriebskosten ist danach nicht höher geworden, wie die Zechenherren beharrlich behaupten, sondern niedriger. Dabei ist immer in Betracht zu ziehen die inzwischen total, und zwar nicht zugunsten der Arbeiterforderungen, geänderte Methode der Selbstkostenrechnung. Keinesfalls sind siir die vorzüglich in den letzten Jahren wiederholt vorgenommenen Kohlenpreiserhöhungen die Bergarbeiterlöhne maßgebend gewesen. Die Kirdorfsche Rechnung ist aber auch noch nach einer anderen Richtung hin als ein ungenierter kapitalistischer Blnff nachweisbar. Warum greift er ausgerechnet das Jahr 1890 heraus? Weil in diesem Jahre die Zechenherren die Früchte des Bergarbeiterstreiks von 1889 ernteten! Sie erhöhten mit einem Schlage den Tonnenpreis von 6,43 auf 9,52 M., die Dividende von 7 ans 12 Proz. I Im Jahre 1889 betrugen— immer nach der Kirdorf-Rechnung— die „sozialen Lasten" 28,12 Proz., 1888 sogar 30,36 Proz. vom Reingewinn, standen also schon bedeutend höher als-1900. Die Entlastung der Zechen Herren bedeutete also eine Belastung der Konsumenten mit rücksichtslos erhöhten Kohlenp reisen! 6 und 7 Proz. Dividende(1888 und 1889) sind den Kohlen- Monopolisten zu wenig, deshalb drückten sie die Preise um fast 50 Proz. hinauf und zahlten 12 Proz. Dividende(1890). Dieses große Erntejahr griff Herr Kirdorf heraus, um eine „ständig steigende Belastung" demonstrieren zu können. Er verschweigt, daß 1888 die Belastung schon 12 Proz. höher war als 1&90, er verschweigt ferner, daß— immer nach der) Kirdorfschen Rechnung— 1892: 42,06, 1893: 58,07, 1894: 66,38 Proz. des„Reingewinns" als„soziale Belastung" zu zahlen waren! Also waren 1893 und 1894 die Abgaben der Gelsenkirchener B. A. G. bedeu- tend höher als selbst 1908!! I Von einer st ä n d i g steigenden B c l a st u n g durfte Herr Kirdorf nicht reden, wenn er der Zirkusversammlung ein richtiges Bild von den Werkserträgen geben wollte. Er hätte sagen müssen, daß preußischen Kohlenherren vom steuer" geschenkt worden ist I Erhebungsjahr(1894) für die 372 262,24 Mark ausgemacht I Wenn der diese Abgabe heute noch erheben würde, so seit dem 1. April 1895 den Staate die sog.„Aufsichts- Sie hat im letzten vollen Gelsenkirchener B. A. G. preußische Staat hätte die Gelsen kirchener B. A. G. im letzten Jahre ungefähr 950000 Mark an die Staatskasse zahlen müssen! Infolge Aufhebung dieser Abgabe sind den Zechenherren viele Millionen Mark aus dem Volksvermögen ge- schenkt worden! Das hat Herr Kirdorf hübsch verschwiegen, er hätte ja sonst sein Märchen von der ständig steigenden Belastung der „Industrie" nicht erzählen können. Verschwiegen hat er auch die riesige Vermehrung des Besitzes seiner Gesellschaft, die in der Aera der„erdrückend gestiegenen Lasten" sich zu dem mächtigsten Werkskonzern Deutschlands auswachsen konnte. Die Gesellschaster schwimmen im Gelde, ihrer Arbeiterschaft werden jetzt wieder die Löhne gedrückt— vis sich abermals die Empörung der Gruben- und Hüttenproletarier Bahn bricht tvie 1839 und 1905._ Die Retzeleieo in üraenieo. Man schreibt uns aus A d a n a: Feuer und Schwert haben noch in keinem Lande so gewütet, wie m dieser unglücklichen Stadt. Heute ist Adana nur noch eine Grab- und Brandstätte. Das Zusammenfallen der Revolte am 13. April in Konstantinopel mit den Metzeleien in Adana am 14. April ist kein Zufall. Es ist vielmehr gewiß, daß der Jildis dabei eine große Rolle gespielt hat. Loch im März verbreitete sich in Adana das Gerücht, daß mehrere Reaktionäre in bestimmtem Austrage an? der Hauptstadt eingetroffen feien. Gerade in diesen Tagen wurde ein Armenier von mehreren Türken auf der Straße überfallen und stark geprügelt. Der Armenier be- klagte sich bei dem Gouverneur, aber dieser nahm keine Notiz davon. Das Verhalten des Gouverneurs ermunterte die Türken zu einem neuen Angriff auf denselben Armenier, der in seiner Notwehr drei der Angreifer verwundete, von welchen zwei in einigen Tagen starben. Diesen Fall benutzten die Reaktionäre mit dem Gouverneur Djewad Pascha ap ihrer Spitz» als Vorwand, um den längst ge- planten allgemettien Angriff zu verwirklichen. Die Metzeleien wiederholten sich dreimal; da? erstemal am 14. April, als der Pöbel, bestehend aus Türken, Tscherkessen, Kurden, Awscharen, Arabern und Zigeunern, in der Zahl von einigen Zehn- taufenden das armenische Stadtviertel angriff. Der größte Teil war mit Martini- und Mausergewehren bewaffnet, die aus dem staatlichen Zeughause geraubt waren. Die überraschten Armenier verstanden es, sich in drei armenischen Quartieren zu verschanzen, von wo auS sie den Angreifern einen kühnen Widerstand leisteten. Die Häuser, die sich außerhalb dieser Stadtviertel befanden, wurden nieder- gebrannt und die Einwohner getötet. Nachdem sämtliche Läden ge- plündert waren, wurde der Angriff auf die annenischen Quartiere wiederholt, aber wiederum abgeschlagen; Hunderte der Angreifer fanden dabei den Tod. Die Nacht war durch die brennenden armenischen Häuser erhellt. Am nächsten Morgen unternahm der Pöbel, diesmal im Verein mit den hiesigen Truppen, einen erneuten Angriff, der wiederum zurückgeschlagen wurde. Dieser Zustand dauerte beinahe drei Tage. Die Türken sahen ein, daß sie auf diese Weise der Armenier nicht Herr würden, und wandten sich deshalb an die ihrem Treiben wohlgesinnte Behörde, die ihrerseits den Armeniern einen Friedensvorschlag machten. Die Armenier vermuteten mit Recht eine Hinterlist und schlugen die Vermitteluug ab. Nun wandte sich die Behörde an den englischen und französischen Konsul und bat sie, den Frieden wiederherzustellen, indem sie jede Verantwortung für etwaige Unruhen auf sich nahm; als Friedensbedingung stellte der Gouverneur die Uebergabe der armenischen Waffen- Nach längerem Schwanken übergaben die Armenier im Vertrauen auf die fremden Konsuln ihre Waffen. Die europäischen Kreuzer erschienen vor M e r s i n a drei Tage nach den Metzeleien. Nach fünf weiteren Tagen kamen aus Nodosto und Galipoles 1300 Soldaten unter dem Vorwand, den Armeniern zu helfen; am nächsten Tage erfolgte die zweite Metzelei. Am 25. April gegen Abend stürmten die Soldaten die armenische Schule, in der die verwundeten Armenier lagen, zündeten das Gebäude an und erschaffen die Flüchtenden; dann plünderten und verbrannten sie die noch unversehrt gebliebenen Häuser. Die dem Tode Entronnenen flüchteten sich in die amerikanischen und französischen Missionshäuser und die deutschen Fabriken. Nach diesen Ereigniffen wurde der Gouverneur Djewad Pascha abgesetzt, und an seiner Stelle wurde der Kurde Mustafa Sihui ernannt, der noch grausamer ist als sein Vorgänger. Gleich nach dieser Er- nennung fand die dritte und entsetzlichste Metzelei statt, und zwar in den einzigen Zufluchtsstätten, in den aus- ländischen Missionen. Zuerst wurde das französische Missionshaus niedergebranilt und die sich darin befindenden Flücht- linge niedergeschlagen; als die Angreifer die amerikanische Mission bedrohten, erschien noch zur rechten Zeit der englische Konsul, dem es gelang, die Katastrophe zu verhindern. So spielten sich in Wahrheit diese entsetzlichen Ereignisse ab unter dem konstitutionellen Regime und vor den Augen der Vertteter der europäischen Mächte. In der ganzen Stadt ist kein armenisches Haus und kein Laden unversehrt geblieben, und außerhalb der Stadt sind alle armenischen Dörfer verwüstet und die Einwohner nieder- gemacht worden. In ganz Zilizien beträgt die Zahl der Getöteten und Verwundeten Pis zu 20 000, davon in Adana etwa 10000. Es ist beinahe unmöglich, sich der Stadt zu nähern, da der Leichen- geruch die Luft verpestet. Unter den Armeniern, die außerhalb der Stadt in Zelten wohnen, sterben täglich 20—25 Menschen an Hunger und Seuchen. Die gegenwärtige Lage der Armenier ist so trostlos, daß sie sich kaum beschreiben läßt. Irgendwelche Fürsorge seitens der Regierung fehlt noch vollkommen. stuf einem äentichen Kriegsschiffe. In ihrer Nummer 69 vom 27. März machte die „Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung" zu Kiel Enthüllungen über Zustände eigener Art, die auf dem kleinen Kreuzer„D a n z i g" eingerissen waren. Danach hatte sich auf dSm Schiff ein lebhafter Privatbetrieb für die häuslichen und persönlichen Bedürfnisse eipzclner Vorgesetzter entwickelt. Allerlei nette Sachen wurden von den Heizen: und gelernten Arbeitern unter der Besatzung hergestellt, und das Material. Kupfer. Messing usw., lieferten Werkführer und Werkmeister der kaiserlichen Werft. Die Leute der Besatzung wurden zu diesen Arbeiten einfach kommandiert. War der Kreuzer in See, dann wurden die zu solchen Arbeiten be- nutzten Leute von der Wache abgeteilt und die übrigen Leute mußten sovielDienstmehr tun. Die Veröffentlichungen unseres Kieler Parteiorgans hatten zur Folge, daß sofort Haussuchungen bei den Aftge- schuldigten und Vernehmungen auf dem Schiffe stattfanden, die zur Einleitung eines Strafverfahrens führten. Am Montag, den 14. Juni, begannen vor dem Kriegs- gericht des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe in Kiel die Verhandlungen des Prozesses. Angeklagt waren der Maschinist R o g a tz, der aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, ferner die Maschinisten Dahm. Klusmeier, Wilde, Truelsen, Nathes und G r a n z o w wegen Entwendung und Verwendung von Materialien der Reichswerft zum Privatgebrauch und Mißbrauchs der Dienstgewalt, außerdem der Kapitänleutnant Habenicht, der Oberingenieur Roggensack und der Ingenieur Friedrich wegen schuldhafter Verabsäumung der ihnen obliegenden Beaufsichti- gung und des Mißbrauchs der Dienstgewalt, die beiden letzteren auch noch wegen militärischen Diebstahls. Teilweise wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ver- handelt. Der Gerichtssaal glich einem Kunstgewerbemuseum, eine große Zahl der bei den Angeklagten beschlagnahmten Gegenstände war ausgestellt. Da waren Blumenkästen und Blumenkübel. Ofenschirme. Tischglocken, Zigarrenabschneider, Lampengestelle. Ziertische, Tischleuchter usw. usw. Einzelne dieser Gegenstände sind wahre Kunstwerke und haben einen Wert von 89 bis 199 M. Die Beweisaufnahme ergab noch mancherlei Jnter- essantes. So ist der Maschinist Rogatz im Februar eines Tages mit seinem Automobil vor das auf der Reichswerft liegende Schiff gefahren, hat dort zirka 49 Liter Benzin von Bord schaffen und in den Benzinbehälter seines Automobils füllen lassen. Alle möglichen Ersatzteile für sein Automobil wurden auf dem Schiffe hergestellt. Für einen kleinen Akkumulator, den er in seiner Wohnung zur Nachtbeleuchtung aufgestellt hatte, entnahm er tum Strom der elektrischen Lichtbeleuchtung des Schiffes. Der Obenngenieur R o gge n f a'ck, der evenso wie die anderen Angeklagten verschiedene Gegenstände hatte herstellen lassen, ließ außerdem häufig die Akkumulatoren seines Autoniobils auf dem Schiffs laden. Der Kapitänleutnant Habenicht bestritt, daß er es habe gewahr werden müssen, daß auf dem Kreuzer solche Dinge vor sich gingen. Die übrigen Angeklagten waren ge- ständig, behaupteten aber, daß sie sich nichts dabei gedacht haben, denn derlei sei bei der Marine gang und gäbe. Die Mannschaften hätten die Arbeiten auch in ihrer Freizeit ge- macht und seien nicht dazu gezwungen worden. Dem standen aber die Aussagen verschiedener Zeugen gegenüber, die be- kündeten, daß Rogatz bei Weigerungen zur Arbeit gesagt habe:„Das ist keine Gefälligkeit, das ist Dienst!" Die Dinge hatten auf dem Schiffe eine solche Ausdehnung angenommen, daß die Untergebenen schon mehr- mals gesagt hatten, so könne es nicht weiter gehen. Jnter- essant ist auch die Aussage der Angeklagten, daß man für Getränke und sonstige kleine Gefälligkeiten auf der Werft alles haben könne. Der Obermgenieur Roggensack hat dem Maschinisten Rogatz auch mehrere kleinere Geldbeträge zur Bewirtung der gefälligen Werkführer gegeben. Dieser Ober- Ingenieur hat auch für Verwandte in Wiesbaden eine Stahl- wAle anfertigen lassen, die zu einem Personenlift gebraucht wurde. Nimmt man die Aussage der Angeklagten, daß das, was sie getan, nichts Außergewöhnliches, sondern so gang und gäbe sei, dann kann man sich ausmalen, was an Material ver- geudct wird auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Das Urteil wurde am Donnerstagabend gesprochen. Es wurden verurteilt: der Oberingenieur Roggensack zu vier Monaten Gefängnis und Dienstentlassung, der Maschinist Rogatz zu 4 Monaten Gefängnis und Degradation, der In- genieur Friedrich zu 6 Wochen Stubenarrest und Dienstcnt- lassung, Maschinist Klusmeier zu 6 Wochen, Maschinist Dahm und Maschinist Truelsen zu je 5 Wochen und Maschinist Nathes zu 6 Wochen, Feuermann Gran- zow zu 15 und Maschinist Wilde zu 3 Tagen ge- lindem Arrest. Der Kapitänleutnant Habenicht erhielt 6 T a g e S t u b e n a r r est(l). politisebe(leberkickt. Berlin, den 18. Juni 199«. Fortführung der Finanzdebatte. Aus dem Reichstag, 18. Juni. Der preußische Handelsminister Delbrück spann heute den Faden weiter, den am Tage vorher sein Kollege Rheinbaben auf der Spule gehabt hatte, indem er alle die Unzuträglichkeiten der agra- rischen Kotierungssteuer ausführlich darlegte. Nach ihm er- klomm Herr W i e m e r die Tribüne, um namens der Frei- sinnigen Volkspartei die Regierung zu unterstützen.' Dabei brachte er es fertig, gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf zu erheben, wenn das liberale Bürgertum Front mache gegen die Reattion, so werde es meist in der Flanke von der Sozial- demokratie angegriffen. Den Anlaß zu dieser Behauptung entnahm er aus Singers Kritik des Eintretens der liberalen Parteien und des Hansabundes für das Regierungsprogramm mit seinen 499 Millionen indirekten Steuern. Eine solche volksschädliche Politik nennt dieser liberale Wortführer einen „Kampf gegen die Reaktion", weil seine Partei über Maß und Inhalt der direkten Steuern in Konflikt mit den Konser- vativen gekommen ist. Ist das schon an sich absurd, so klingt ein solcher Vorwurf geradezu grotesk im Munde eines Mannes, der als Herold der Blockpolttik zwei Jahre lang in der Gefolgschaft des reaktionären Regierungsklüngels mit- marschiert ist. Die Reihe der Ministerrcden wurde dann ausnahmsweise einmal durch einen nichtpreußischen Minister vervollständigt. Der sächsische Premierminister und Finanzminister Dr. R ü g e r verteidigte die Erbschaftssteuer gegen die Kritik des Herrn Spahn, wobei er erklärte, daß der Bundesrat einmüttg hinter den Regierungsvorlagen stehe. Diese Mitteilung ist deshalb besonders interessant, weil man früher annehmen zu dürfen glaubte, daß die bayerischen und sonstigen mittel- staatlichen Vertreter wenigstens der verderblichen Elektrizitäts- steuer nicht zugestimmt hätten. Also auch diese„Staats- männer" hat man überschätzt. Besonders schien es aber dem alten Herrn darauf anzukommen, feierlich Verwahrung ein- zulegen gegen jedwede sonsttge direkte Steuer, sei es nun Der- mögens- oder Einkommensteuer, die er den Einzelstaaten als unantastbares Reservatrecht vorbehalten wollte. Er Aug soweit, mit düsterem Tone den Untergang der Einzelstaaten zu proklamieren, wenn das Reich seine Hand darauf lege. Nachdem der Antisemit Raab mit lauter Stimme etliche Ungereimtheiten vorgebracht hatte, kritisierte der Freisinnige M o m m s e n mit viel Sachkenntnis die unreifen agrarischen Steuerprojekte. Aber auch gegen die verschlechterte Erb- schaftssteuer der Regierung äußerte er schwere Bedenken. Er meinte, die Einschränkungen zugunsten der Agrarier würden dem neuM Rcgierungsprojekt eigentlich allen Wert nehmen, besonders die Bestimmung, daß der Wert der Güter nach dem Ertragswert eingeschätzt werden solle, öffne der Steuerhinter- ziehung Tür und Tor. Auch dem entschiedensten Freunde der Erbschaftsbesteuerung könne es bedenklich erscheinen, für ein so verkümmertes Projekt zu stimmen. Dann wurde die Debatte auf morgen vertagt. Der Arbeitsplan des Reichstags. Im Seniorenkonvent wurde von den Parteien ver» einbart, daß die erste Lesung der Regierungsvorlage über Erb- anfall- und Stempel st euern mit der ersten Serie der Redner der einzelnen Parteien abgeschloffen werde. Danach wird der Präsident da? Finanzgesetz, wie es au« der Finanzkommission zurück an das Plenum gekommen ist, für Sonnabend auf die Tages- Ordnung setzen., Dieser zweiten Lesung des Finanzgesetzes wirdeine Geschäfts-' Ordnungsdebatte voraufgehen, in der die bekannten g e- schäftsordnungSwidrigen Vorgänge in der Finanz« kommiffion zur Sprache kommen. Die NationalliberaUu wollen sich mit einem einfachen Protest gegen die Einfügung neuer Steuer- vorlagen in das Finanzgesetz. die noch nicht eine erste Lesung im Plenum passiert haben, begnügen. Von den sogenannten Besitzsteuern soll sodann zuerst die Kotier ungS st euer beraten werden. An die Finanzkommission wurde der Wunsch gerichtet, daß sie, wenn die neuen Steuervorlagen der Regierung an sie gelangen, zuerst die Erbanfall st euer durchberaten soll, damit diese Vorlage sobald als möglich wieder zurück ans Plenum komme, wo sie dann mit den übrigen Besitzsteuern sofort beraten und zur Entscheidung gestellt werden soll. Genosse Singer frug an, wann der Präsident die sozial- demokratische Interpellation auf die Tagesordnung zu fetzen gedenke. Der Präsident erwiderte, aus eme Anfrage habe ihm der Staats- sekretär des Innern gesagt, er wolle erst das g e s a m t e M a t e r i a l zur Beantwortung in Händen haben. Solange die Finanzkommisfion ihre Beratungen über die neuen Steuervorlagcn pflegt, werden die Plenarsitzungen täglich nach- mittags 2 Uhr beginnen. Wegen des katholischen Feiertages Peter und Paul werden am 28. und 29. Juni keine Sitzungen stattfinden. Die sozialdemokratische Interpellation gegen den Brotwucher. lieber die Notstandsinterpellation unserer Reichstagsfraktion sinden wir in den Biitteilungen des Handelsvertragsvereins nach einer Zurückweisung der von uns bereits besprochenen Anwürfe der „Kreuz-Zeitung" folgende Bemerkungen:.Es scheint, dag die Konservativen sich doch über die Bedeutung des Vorstoßes der sozialdemokratischen Fraktion einigen Irrtümern hingeben. ES handelt sich hier um eine Angelegenheit, die weit über die Kreise einer einzelnen Partei hinaus das deutsche Volk aufs aller- stärkste berührt, und eS wäre einfach u»verständlich, wenn der Reichstag, den Wünschen der Rechten nachgebend, nicht die Möglichkeit fände, die Angelegenheit noch in dem gegenwärtigen Arbeitsabschnitt auf die Tagesordnung zu setzen. Die Getreide« preise haben eine bis dahin unerhörte Höhe erreicht, und auch die Fleischpreise sind in der letzten Zeit wieder ständig gestiegen. DaS Anziehen der Getreidepreise, speziell des Weizens, ist allerdings zum Teil auf gelvisse Spekulationsmanöver in Amerika zurückzuführen, aber die Dinge liegen doch so. daß zu dem hohen Weltmarktpreise noch unsere Zölle hinzukommen. Angesichts dieser Tatsache würde es sehr wünschenswert gewesen sein, wenn außer der sozialdemokratischen Fraktion auch andere anti- agrarische Gruppen im Parlamente die Frage aufgeworfen hätten, ob die Regierung denn nichts tun will, um die Interessen der konsumierenden Bevölkerung wahrzunehmen. Zum mindesten darf man wohl von den bürgerlichen Parteien der Linken er- warten, daß sie jetzt alles tun, um der sozialdemokratischen Interpellation zu einer Besprechung zu der- helfen und sie dann sachlich gegenüber den anmaßenden An sprächen des Agrariertums mit allem Nachdruck unterstützen. Gerade in den Tagen der Begeisterung über die Tendenzen deS HansabundeS sollte daS doch eigentlich selbstverständlich sein, auch wenn, wie uns wohl bekannt ist. aus be stimmten Gründen über die Zweckmäßigkeit einer Beseitigung der Eetreideeinfuhrscheine die Meinungen selbst im liberalen Lager aus einandergehcn. Daß wenigstens unsere Zollsätze unter den ob- waltenden Berhältnissen mit vernünftigen Argumenten schlechter� dings nicht zu verteidigen sind, dürften doch wohl auch die am meisten rechtsstehenden Elemente, die sich zum Kampf gegen die agrarische Wirtschaftspolitik bereit erklärt haben, nicht in Abrede stellen. Man wird ja sehen, wie viel Interesse die Liberalen, die gerade jetzt wieder so gern zu den konservativen Blockbrüdern heimfinden möchten, für die Lebenshaltung der breiten Bolksmasscn aufbringen werden. Liberale Hoffnungen. Es gibt noch immer einige hoffnungsvolle Seelen, be sonders unter den Nationalliberalcn, die auf das Zustande- kommen eines Kompromisses hoffen. Wie weit diese Hoffnung bercchtigt ist, können wir natürlich nicht entscheiden, da ja nach den vorhergegangenen Proben jeder Maßstab für die Fähigkeit der Liberalen gegenüber konservativen Forderungen fehlt. Wenn aber diese Hoffnungen sich bloß auf die Er klärungen stützen sollten, die Fürst Hatzfeld für die Frei' konservativen im Reichstag abgegeben hat. dann scheinen sie uns allerdings keine Aussicht auf Erfüllung zu haben. Denn Fürst Hatzfeld knüpfte an die Zustimniung seiner Partei zur Erbanfallstcuer die Bedingung, daß Garantien geschaffen werden, die eine Steigerung der Steuer für die Zukunft unmöglich machen sollen. Fürst Hatzfeld sagte ausdrücklich: Wir sind entschlossen, der Ervanfallsteuer zuzustimmen in der Erwartung, daß die von uns für erforderlich gehaltenen Aende r u n g e n angenommen werden.(Beifall.) Dabei legen wir be' sonderen Wert aus Sicfierung gegen künstige Erweiterungen oder Erhöhungen der Steuer. Nun wissen wir uns von jeder Ueberschätzung der Liberalen frei; daß diese aber es wagen könnten, auf solche Bedingungen einzugehen, die für alle Zukunft verhüten, daß die Erbschaftssteuer in Deutschland mehr als 55 Millionen trage, während sie in England fast das Z e h n f a ch e bringen soll, das möchten wir doch vorläufig für ausgeschlossen halten. Hätten die Liberalen überhaupt auch nur noch einen Funken von Ueberzeugungstreue und Mut, so müßten sie schon heute erklären, daß mit dieser verkrüppelten und Vev elendeten Erbschaftssteuer für sie die Finanzreform überhaupt völlig unannehmbar sei. Dieser Meinung ist sogar die„Franks. Ztg.". die auch neuerdings wieder betont: .Es ist sehr freundlich, wenn Fürst Bülow sagt, er wolle der Linken die Mitwirkung an der Reichsfinanzreform ermöglichen, aber seine jetzigen Vorlagen setzen diese Absicht leider n i ch t in die Tat um. Eine Finanzreform, die zu neun Zehntel agrarisch ist, kann durch das eine Zehntel Erbschafts« st euer in ihrem Gesamtcharakter nicht derartig beeinflußt werden, daß der Linken eine Zustimmung möglich wäre. Was hat Fürst Bülow den Liberalen zu bieten? S0 Millionen Erbschaftssteuer und eine schöne Rede;— daS ist keine g e- eignete Platform für eine gemeinsame Aktron gegen das G r o h a g r a ri e r t» m." Aber an den liberalen Politikern wird alle Prügel- Pädagogik der Agrarier zufchanden und für einen wirklichen Kampf sind diese Leute völlig unfähig. Ginge es nach denen, so wäre ein fauler Frieden sicher, der nicht nur einen Steg derJunkermder Finanzreform, sondern auch in der allgemeinen Politik bedeutete, und die Aussichten auf Erringung politischen Reformen aufs neue verschlechterte. Wenn es dazu nicht kommt, so nur deswegen, weil die Konservativen kaum mehr zurückkönnen, ohne sich lächerlich zu machen und die ganze Frivolität ihrer Politik ihren Wählern zu enthüllen. Und das ist gut so, denn nichts wäre für die politisch? Fortentwickelung Deutschlands verderblicher. als ein neues Kompromiß. Unten Blockbrüder«. Die konservative Presse ist unermüdlich i« Lobpreisung der ittißigen Arbeit, die ihre Leute in der Fi» an zkom Mission geleistet haben sollen. Die. N a t.- Z t g." macht sich nun das Vergnügen folgender Richtigstellung: .Wir haben uns die Mühe gemacht, diese so„treue wie fleißige Arbeit' der KommisfionSberichte uns daraufhin ein wenig näher anzuschauen, und wir müssen gestchen: wir sind einfach b e st ü r z t bcwesen. Getreu— daS ist freilich richtig— sind diese Berichte. Sie sind das getreue Spiegel- bild der Leichtfertigkeit und ni a n g e l n d e n Gewissenhaftigkeit, die in der Kommission zuletzt heimisch war. Im übrigen haben an diesen Berichten mir Kleister und Schere gearbeitet: ohne kritische Sichtung, ohne ordnende und bessernde Hand sind einfach die Sitzung?-' Protokolle aufeinandergeklebt worden. Vielfach— und das gilt ganz besonders von dem Bericht, für den der bomo novus und das kommende Gestirn der Konservativen, Graf Westarp, zeichnet— mit einer solchen atemlosen Hast, daß es auch dem in Textkritik und allen philologischen Künsten Geübten nicht möglich wäre, irgend einen Sinn aus dem Machiverk herauszu destillieren. Ein einziger Bericht macht eine rühmliche Ausnahme: der über die Branntweinvorlage, den der konservative Abgeordnete Nehbel erstattet hat. Für den aber hat ihm bei seinem Rückirilt von der Berichterstattung der nationalliberale Abg. Dr. Weber das Material in Gestalt eines nahezu fertigen Berichts geliefert." Ja, ja, solche Wahrheiten sagen sich jetzt die Blockbrüder alle Tage._ Der Besuch beim Zaren. Die Begegnung zwischen dem Zaren und dem Deutschen Kaiser fand gestern bei Bjvcrkoe statt. Aus den Triiiksprüchen, die dabei f[ehalten wurden, seien ein paar Stellen wiedergegeben. Der Zar agte unter anderem: „Ich nehme diese glückliche Gelegenheit wahr, um Eurer Majestät zu versichern, daß ich den aufrichtigen und unveränder- lichen Wunsch hege, die traditionellen Beziehungen herzlicher Freundschaft und gegenseitigen Vertrauens dauernd zu erhalten, die unsere beiden Häuser stets verbunden haben und die zu pflegen ich lebhaft wünsche als ein Unterpfand nicht bloß der guten Be- Ziehungen zwischen unseren beiden Ländern, sondern auch des all- gemeinen Friedens.". Wilhelm II. erwiderte: .Die so liebenswürdigen Worte, welche Eure Majestät an mich soeben richteten, haben mich lebhaft gerührt und ich danke Eurer Majestät dafür. Gleich Eurer Majestät sehe ich mit Freuden in diesem Empfang eine neue und wertvolle Bestätigung der engen und aufrichtigen Freundschaft, welche unsere Personen und unsere Häuser verbindet. Ich sehe darin zu gleicher Zeit eine neue Bestälignng der traditionellen Beziehungen herzlicher Freundschaft und des Vertrauens, die den vielseitigen Interessen und den durchaus friedlichen Gesinnungen unserer Länder gleichermaßen entsprechend zwischen unseren Regierungen bestehen. Ich trinke auf das Wohl Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und der ganzen Kaiserlichen Familie und ebenso auf das Gedeihen des russischen Reiches in den Bahnen, welche die hohe Weisheit Eurer Majestät(II) ihm vor- gezeichnet hat." Die letzten Worte klingen wie H o h n. Im übrigen bleiben die Trinksprüche vollständig in den üblichen Bahnen und entbehren der politischen Bedeutung._ Der„Phönix"-Skandal auf dem Gipfel. Tu dem gestern von uns schon wiedergegebenen und kurz gekennzeichneten Schreiben des Präsidenten der Eisenbahndirektion Essen an die Direktion der „P k> ö n i x"-H ü t t e zu Hörde bei Dortmund, in dem die'Anklagen der Dortmunder„Arbeiterzeitung" auf systema- tische Ueberladung von Eisenbahnwaggons kurzerhand auf den Bericht der beschuldigten Hüttendirektion für„erledigt" erklärt werden, wird uns noch geschrieben: Mit diesem„Rechtfertigungsversuch" ist nun glücklich der öffentliche Skandal perfekt! Der Fall „P h ö n i x"-H ü t t e wird mit dem Entscheid des Präsidenten der Eisenbahndirektion zugleich ein Fall Eisenbahn- Verwaltung. In langen Artikeln bringt unse.r Dort- munder Parteiblatt in die Augen springendes Be- w e i s m a t e r i a l, an dem nicht zu drehen und zu deuteln ist. Was tut die berufene Instanz, der EssenerEisenbahn- Präsident? Was tut er angesichts der Tatsache, daß die Manipulationen des„Phönix" nicht bloß die Kasse des Fiskus schädigen, sondern auch die Sicherheit des Eisen- bahnverkehrs bedrohen, so daß möglicherweise mancher Eisenbahnunfall auf die Gepflogenheiten des„Phönix" zurückzuführen ist? Geht der Herr Eisenbahn- Präsident energisch gegen die„Phönix"-Hütte vor? Im Gegen- teil, er stellt sich mit schützendem Schilde vor die Herren vom „Phönix" und—„glaubt ihnen". Die Sache ist„e r l e d i g t" — punktum. Ein Blatt wie die„Arbeiterzeitung" ist über- Haupt nicht berechtigt, sich um Fragen der öffentlichen Ber- kchrssicherheit zu bekümmern! So sehen die Maßregeln einer Staatsbehörde aus, wenn einer der großkapitalistischen Schütz. linge des Staates ihr Tag für Tag runde Sümmchen zur Freude der Aktionäre aus der Tasche zieht und die Allgemein» heit mit schweren Schäden bedroht! Stolz können nun die„Phönix".Herren das Zeugnis deS Herrn Eisonbahnpräsidenten herumzeigm. Die Ocffent- lichkeit, soweit ihre Moral nicht großkapitalistisch ist, wird das gebührond einzuschätzen wissen. Die„Erledigung" der Skandalaffäre ist so reich an Kostbarkeiten, daß sie wahr- scheinlich auch der preußische Landtag näher besehen muß. Der Herr Eisenbahnminister v. B r e i t e n b a ch ist nun die nächste Instanz! Wir wollen abwarten, wie er„erledigt und ob auch die S t a a t s a n w a l t s ch a f t„ausdrücklich auf die angebotenen Nachweisungen verzichtet"� Die Witwen«nd Waisen sollen warten. Im Bundesrat ist eine Novelle zum Zolltarifgesctz von 1992 fertigacstellt worden, nach welcher der im 8 15 des Zolltarifgesetzes vorgesehene Termin zur Durchführung der Hinter. bliebenenversicherung vom 1. Januar 1910 um ein Jahr, also bis zum 1. Januar 1911, vertagt wird. Wie Hanseaten gemacht werden. ES wird uns geschrieben: Am heutigen Tage zirkulierten in den BureauS einer hiesigen Versicherungsgesellschaft Listen des neuen Hansabundes, auf welcher Beitrittserklärungen ent- gegengenommen wurden. Der Direktor zeichnete als erster und die Angestellten vom Graubart bis zum 17 jährigen zeichneten nach, denn die 1 M. Jahresbeitrag zahlt ja die Direktion! Es wird jedenfalls schon in einigen Tagen der neue Hansabund damit prunken, in wie kurzer Zeit es ihm gelingt, das große Publikum mobil zu machen. Wie diese Mobilmachung ausschaut, davon haben wir hier ein Beispiel._ Ter Moltke— Harden-Prozcff beendet. In der„Zukunft" veröffentlicht Harden einen Brieflvechsel. den er mit dem Grafen Kuno Moltke gepflogen hat. Infolge der Erklärungen Moltkeö hat Harden nunmehr die R e v i s i o n, die er gegen das Urteil des Landgerichts Berlin I vom 29. April ein- gelegt hatte, zurückgezogen. Graf Moltke ist jetzt also aus dem Spiel und ebenso Harden. Von der ganzen Affäre bleibt jetzt noch der Eulenburg-Prozeß. fHanst D« meinen Kognak, hau ich Dein Bier! In einer Eingabe Münchener Brauereien«m den Reichstag wird ein Beschluß des französischen Kognalsyndikats mitgeteilt, wo. nach von französischer Seite geplant wird, die in Aussicht stehenden — von der Ruinpfkommission beschloffencn— deutschen Zoll- erhöhunxzcn auf Kognak durch Erhöhung des Zolles auf deutsche Erzeugnisse, vornehmlich auf deutsches Bier, zu beantworten. den Araber Salim bin MohaMed SerhanSelk. Er kvar erst So? kurzem nach Deutsch-Ostafrila gekommen, suchte sich mit verschiedenen Arabern in Verbindung zu setzen und machte sich an die obersten schwarzen Chargen der Schutztruppe heran, denen er erklärte, daß es eine üble Sache sei, den Europäern zw dienen; sie könnten nie in das Paradies kommen. Er habe die ganze Küste bon Aden bereist und besonders in Britisch- Ostafrika die Askaris bearbeitet. Afrika sei das Land des Islams, und dessen Anhänger hätten die Verpflichtung, sich zu sammeln. Er wolle ihnen„dawa" machen(d. h. einen Z a u ber, der sie unverivundbar und siegreich mache). Das Urteil lautete, der„Deutsch-Afrikanischen Rundschau" zufolge, auf lebens- länglicheKettenhaft." Also eine entehrende und qualvolle Strafe für eine Tat, wie fie die Bibel zu Dutzenden verherrlicht und wie sie der deutsche Patriot bei seinen Vorfahren mit Pauken und Trompeten zu feiern pflegt! Schade, daß man die Prozeßakten nicht zu Gesicht be- kommen kannl_ franhrdeb. Das Defizit. �-■----.v Paris, 18. Juni. Deputiertenkammer. Finanzminister Caillaux brachte das Budget für 1919 ein, das nunmehr nach verschiedenen Abstrichen nur noch ein Defizit von 195 Millionen aufweist. Davon will der Minister 45 Millionen auf das nächstjährige Budget(1911) übernehmen, so daß noch 69 Millionen zu decken bleiben. Davon sollen 19 Millionen eingebracht werden durch eine Verschärfung verschiedener kleinerer Steuern, hauptsächlich i>er Plakat» und Quittungssteuer, 9 Millionen durch eine Steuer von fünf Centimes für> den Liter Petroleum, das für Automobilzwecke verwandt wird, 19 Millionen durch eine Aendcrung der Hunde» steuer, 17 Millionen durch gleiche Behandlung der Kolonialwerte mit französischen Werten. Schließlich sieht der Entwurf eine statistische Abgabe vor auf das Kapital, das durch Erb- schc�ftserklärung zum Vorschein kommt.- Englancl. Der Kampf um den Etat. London, 16. Juni.(Eig. Ber.) Etwa 69 liberale Abgeordnete erklärten sich gegen die von der liberalen Regierung vorgesehene Besteuerung brachliegender Ländereien und Mineralgruben. Die beantragte Steuer ist sehr gering: 4VH Pf. auf 1 Pfund Sterling (29 M.), und ihr Gesamtertrag wird sich nach dem Voranschlag nur auf eine halbe Million Pfund Sterling(19 Millionen Mark)� belaufen. Allein die Bodenbesitzer und Bodenspekulanten fürchten, daß diese Steuer in Verbindung mit der vorzunehmenden Steuer- einschähung des Bodens den Anfang einer umfassenden Boden- steuerreiorm bedeute.''••, Für die Regierung ist selbstredend eine Opposition innerhalb ihrer Anhängerschaft ernster als die normale parlamentarische Opposition.! v> �, Eine Gegenkundgebung gegen diese liberale Rebellion ver- anstalten alle Bodenreformer und ernsten Sozialpolitiker. Dieser Gegenkundgebung schließen sich auch die Arbeiterabgeordneten an. Wie heute dazu aus London telegraphiert wird, hat der Schatzminister Lloyd George ein Entgegenkommen gegenüber den liberalen Grundbesitzern abgelehnt. „Hochverrat" iiberakl. In bürgerlichen Blättern lesen wir:„Ein Hochverrats- Prozeß wurde im vorigen.. Wsoat w. Dax ss SalgN gegsv iöesWgt'wordSl. f-r>rV« Einladung an die Tumamitglieder. London, 16. Juni.(Eig. Ber.) Konservative und liberale Parlamentsmitglieder und Publizisten luden die Duma ein. eine Anzahl von Abgeordneten zum Besuche nach London zu schicken. Die Einladung hat folgenden Wortlaut:„Die Unterzeichneten sind so frei. Sie zu einem Besuche nach England einzuladen. Unsere Einladung ist ein Gruß des Publikums von England an das Ihres Landes. Wir glauben, daß ein Besuch von Dumamit- gliedern verschiedener Richtungen einen guten Anfang der engeren Beziehungen zwischen den beiden Nationen bilden wird... Die Einladung ist für den 21. Juni bis zum 6. Juli.> Der Ecnpfang der russischen Dumamitglieder wird am 22. dieses Monats stattfinden, wobei sowohl A s q u i t h wie Balsour sprechen werden._ Die Flottenmanöver. London, 18. Juni. Heute ist die Bereitstellung der englischen Flotte zu den Manövern beendet worden. Insgesamt nehmen an den Manövern teil: 49 Linienschiffe, 27 Panzerkreuzer, 26 ge- schützte Kreuzer, 16 Scouts und Kanonenboote, 114 Torpedoboots- zerstörer, 79 Torpedoboote, 26 Unterseeboote, 3 Minenleger und 16 Hilfsschiffe, in Summa nicht weniger als 347 Schisse und Fahrzeuge.\ Rußland. Endlich eine gewonnene Seeschlacht., Die russische Flotte ist tvie das russische Heer nur noch für den einen Zweck brauchbar, über die Sicherheit des Zaren zu wachen. Aber selbst diese Aufgabe scheint das Maß von Kaltblütigkeit und Nebcrleguug zu überschreiten, über das die Kommandanten der Schiffe verfügen. Das beweist wieder der merkwürdige Zwischenfall, der sich gerade in der Zeit ereignet, wo Wilhelm II. dem Zaren seinen Besuch abstattet. Ein Tele- gramm aus Helstngfors berichtet: Als ani Mittwoch vormittag der englischeLastdampfer .Wortburg", Kapitän Robertson, Pitkapawirigen passierte, begegnete er dem kaiserlich russischen Geschwader. Dieses gab zuerst einen blinden, dann zwei scharfe Schüsse ab, die den Danrpflessel deS Schiffes zerstörten und einem Maschinisten das Bein zerschmetterten. Der Dampfer hatte einen Lotsen an Bord und richtigen Kurs. Nach Aus- bessernng des Schadens ging das Schiff um 1 Uhr nachmittags nach England weiter. Der verwundete Maschinist wurde in das KraiikenhauS nach Wiborg gebracht. Offiziös wird dazu noch gemeldet: Am Mittwoch abend wurde daS mit Bauholz nach England gehende Schiff im Fahrwasser des russischen KaisergeschwaderS wegen Verletzung der erlassenen Bestimmungen durch Signal auf- gefordert, stehen zu bleiben. Als das Signal nicht befolgt wurde, gab das Wachschiff zunächst drei blinde Schüsse und dann vier scharfe Schüsse ab.,,. Das ist natürlich kaum mehr als eine Ausrede. In Wirklichkeit wird es wohl so gewes-n sein, daß ein auf». geregter Kommandant ein Attentat auf den Zaren vermutet hat und in demselben Moment natürlich nicht mehr warten konnte, sich verdient zu machen. Das Versehen ist aber noch immer nicht so groß wie das des großen Roschdjest- wenskis, der bei Hull englische Fischerboote mit japanischen Torpedos verwechselte. Merkwürdig ist nur, daß das russische Kriegsschiff den Feind auch wirklich getroffen hat. Aber eben- deswegen sollte Nikolaus das Beispiel seines verflossenen Kollegen Abdul Hamid nachahmen und den Befehl geben, die Verschlüsse von den Kanonen der russischen Marine endlich zu entfernen.'.,- Orkd. Das Ende des Günstlings. Konstnntinopel. 17. Juni. Mehmed Pascha, ein Ver» trauter Abdul Hamids, cincr der c i n s l u ß r ei ch sten ürdenträger des alten Regimes, wurde vom Kriegsgericht zumTodeverurteilt. Das Urteil ist durch kaiserliches Jrad« .CL~±-�L C- �' r rf Vw-y r- V V r Gewcrfefcbaftlkbc� „Schwerste Strafe dem....." ■_ Wir lesen in der bürgerlichen Presse folgende merk- würdige Notiz: „Ob-rmcister Schmidt begnadigt. Der Obermeister Schmidt von der B ä ck c r i ii n u n g„C o n c o r d i a", der von der 6. Strafkammer des Berliner Landgerichts wegen Verrufs- erklärung zu einer Gefängnisstrafe von drei Tagen verurteilt wurde, ist jetzt vom Kaiser begnadigt worden. Der Vorstand der Berliner Bäckcrinnung hatte gemeinsam mit dem Jnnungs- ausschuß ein Immediatgesuch an den Kaiser gerichtet und gebeten, die Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe umzuwandeln. Dieser Bitte ist jetzt durch Allerhöchste Kabinettsorder in der Weise ent- sprochen worden, daß statt der drei Tage Gefängnis eine Geld- strafe von 30 Mk. tritt." Herr Obermeister Schmidt ist wohl bisher der e r st e und einzige Unternehmer, der in der Schlinge des§ 153 der Gewerbeordnung gefangen wurde. Wäre seinerzeit das Zuchthausgesetz mit den angedrohten schweren Strasxn Wirk- lichkeit geworden, so wäre er kaum mit einer Strafe von drei Tagen davongekommen. Freilich vermochte dann auch die Sonne der Gnade noch um einige Grade intensiver zu leuchten! �__ Ein Arbeitgeber, der unter die Räder des§153 geriet. Königliche Gnade richtete ihn wieder auf. Nach Tausenden zählen die Arbeiter, die demselben Paragraphen zum Opfer fielen. Kann man uns unter diesen einen nennen, dem gleiche Gnade widerfuhr, wie dem gestrauchelten Obermeister? ßcflin und Omgegend. Die Lohnbewegung der Banklempner. In einer am Donnerstagabend abgehaltenen allgemeinen Klempnerversammlung erstattete Cohen Bericht über die Verhand- langen vor dem Einigungsamt. Durch einen Vergleich der einzelnen Absätze des Schiedsspruchs zeigte der Redner, daß derselbe günstiger für die Arbeiter sei als der von den Arbeitgebern aufgestellte Ver- tragsentwurf. Im Vergleich mit dem alten Tarif/der bis zum Ausbruch des Kampfes galt, bringe der Schiedsspruch jedoch ver- schieden« Verschlechterungen und nur einige unwesentliche Ver- besscrungen. Die Frage, ob der Schiedsspruch von den Arbeitern angenommen werden könne oder nicht, bedürfe einer gründlichen Prüfung. Es sei auch recht und billig, daß die Streikenden, die jetzt in der zwölften Woche im Kampfe stehen und schwere Opfer gebracht haben, eine entscheidende Mitwirkung bei der Abstimmung über den Schiedsspruch haben müssen. Aus diesen Gründen möge — wie der Redner �namens der Kommission empfahl— die gegenwärtige Versammlung von einer Beschlußfassung absehen. Der Wortlaut des Schiedsspruches, der in Form eines Tarifvertrages abgefaßt ist, sei erst am Donnerstag den Vertretern der Parteien zugegangen. Die Streikleitung werde ihn durch Druck verviel- faltigen lassen und jedem beteiligten Kollegen ein Exemplar zu- stellen, damit jeder in der Lage sei, eine eingehende Prüfung vor- zunehmen und sich reiflich zu überlegen, ob er sich für Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches entscheiden wolle. Am Montag- vormittag solle dann eine Versammlung der Streikenden über den Schiedsspruch abstimmen in der Form, daß sie der gesamten Kollcgenschaft die Annahme oder die Ablehnung des Schiedsspruches empfehlen. Die endgültige Entscheidung solle schließlich die am Montagabend stattfindende allgemeine Klempnerversammlung treffen. R e h b er g, Mitglied der Kommission, erklärte, dieser Schieds- spruch sei nach einem so langen Kampfe, wie ihn die Bauklempner geführt haben, unannehmbar. In der Kommission sei niemand, der den Kollegen empfehlen könne, diesen Schiedsspruch anzunehmen. Alle Redner, die sich an der Diskussion beteiligten, kritisierten den Schiedsspruch, meist mit recht scharfen Worten, und bezeichneten ihn als unannehmbar. Nachdem bemerkt war, daß alle diese Redner, die für Fortsetzung des Streiks sprachen, in Arbeit stehen, meldeten sich auch einige Streikende zum Wort und sagten, die Stimmung unter den Streikenden sei genau so, wie die, welche hier zum Ausdruck gebracht wurde. Die Streikenden hätten keineswegs den Mut verloren, sie seien bereit weiterzukämpfen, wenn sie sich auf die Solidarität der Arbeitenden verlassen können.— Ein Redner beantragte sofortige Abstimmung über den Schiedsspruch. Hiergegen wandten sich aber selbst entschiedene Gegner des Schieds- spruches mit der Begründung, daß doch nach einem so langen Kampf die Streikenden selbst entscheiden müßten, ob sie die Opfer deS Kampfes noch weiter tragen wollen. Ter Vorschlag der Kommission, die Abstimmung erst am Montag vorzunehmen, wurde schließlich angenommen. Differenzen auf dem Charlottenburger Wasserwerk an der Nonnenwiese. Seit dem 8. Juni befinden sich die Zimmerer, Einschaler und »Zementierer auf dem obigen Bau im Ausstand. Die Arbeits- niederlegung war unvermeidlich geworden, nachdem die bau- ausführende Firma Reincke u. Co., Stettin-Berlin W., in Güte nicht zu bewegen war, die vertraglichen Lohn- und Arbeits- bcdingungen der in Frage kommenden Arbeiter anzuerkennen. Obwohl die Zimmerer ihren vertraglichen Lohn erhielten, wurden sie andererseits aber gezwungen, anstatt wie üblich 9 regelmäßig 11 Stunden täglich und darüber zu arbeiten. Selbst an den Sonn- und Feiertagen mutzte gearbeitet werden. Wer sich hiergegen auf- lehnte, wurde als Hetzer und Aufwiegler bezeichnet und entlassen. Die für die sogenannten Ueberstunden vereinbarten Zuschläge blieb aber die Firma ihren Arbeitern grundsätzlich schuldig. Ebenso wurde die Vergünstigung an den Sonnabenden seitens der Firma nicht innegehalten. Die Einschaler, Zementierer und Hilfsarbeiter wurden fast durchweg mit 43 Pf. die Stunde ent- lohnt. Dagegen schreibt der Tarif WM: Pf. bis herauter auf 59 Pf. vor. Hierbei beruft sich die arbeiterfreundliche Firma auf den Lohnsatz, wie er in Spandau üblich sein soll, da der Bau aus Spandauer Lohngebiet liege. Wie man sieht, eine ganz famose Lohnpolitik, die sich für die Firma als recht rentabel er- weist. Aber diesen Arbeiterkategorien steht für die 19. und 11. Stunde ein Lohnzuschlag zu, welcher ihnen ebenfalls vor- enthalten wurde. Am meisten Beschwerde führten die ungelernten Arbeiter über die ihnen zuteil gewordene unwürdige Behandlung seitens der Vorarbeiter. Die rohen Ausdrücke, deren sich die Vorarbeiter bedient haben, trugen viel zu der Erbitterung bei, die am Morgen des 8. Juni explosiv zum Ausdruck kam. Die Arbeitsniederlegung lvar denn auch, wenn man von einigen Zimmerern absieht, eine geschlossene. Beteiligt waren an derselben 27 Zimmerer und 49 Betonarbeiter. Die angestrengten Be- mühungen, die die Firma entfaltete, um Ersatz von Arbeitskräften zu erhalten, waren erfolglos. Ausfallend ist das Interesse und der außerordentliche Eifer, den die Spandauer Polizei für den ge- sperrten Bau entfaltet. Die Streikposten der Arbeiter werden bei Ausübung ihres gesetzlich gewährleisteten Rechts in unglaub- licher Art und Weise verfolgt und drangsaliert. So bildeten während der letzten Lohnzahlung die Polizisten eine Kette, durch welche die Streikenden hindurch mußten, um ihren Restlohn in Empfang zu nehmen. Hierbei wurden die Arbeiter eingehend von den Hütern der Ordnung inspiziert mit der Bemerkung:„Ein- mal sehen und wir kennön Sie später wiede r." DaS Vergnügen, der Polizei durch Denunzierung der Streikposten Hilfe zu leisten, gestattet sich der auf diesem Bau tätige städtische Bauführer. Dessenungeachtet ist die Situation für die Streikenden äußerst günstig und die Firma wird bei Fernhaltung des Zu- zuges früher oder später gezwungen sein, nachzugeben. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: OcutTcbes Reich. Achtung, Holzarbeiter! Heber die Firma Ehrhardt u. Söhne, Darmstadt, ist die Sperre verhängt. Zuzug ist fern- zuhalten. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Darmstadt. Der Kampf in der Nürnberger Holzindustrie nimmt immer schärfere Formen an, da das Unternehmertum mit außerordent- licher Zähigkeit an der Hoffnung festhält, daß es durch möglichst langes Hinauszögern des Streiks die Organisation der Arbeiter sprengen könnte. Durch den bisherigen Verlauf des Ausstandes sollte es aber schon eines anderen belehrt worden sein. Die Hart- näckigkeit der Unternehmer ist auf die bekannten Berliner Scharf- macher zurückzuführen, die hinter ihnen stehen und fortgesetzt schüren und hetzen. Dieser Tage fanden neue Verhandlungen statt, die sich aber zerschlugen, nachdem sich die beiden Parteien schon ziemlich nahegekommen waren. Ursprünglich war eine Lohnzulage von 5 Pf. pro Stunde und ein Minimallohn von 48 Pf. für Ar- beiter unter 29 Jahren, sowie Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 53 Stunden pro Woche gefordert. Die Unternehmer hatten 2 Pf. für dieses Jahr und 1 Pf. für nächstes Jahr geboten, wollten sich aber auf keinen Minimallohn und auf keine Verkürzung der Arbeitszeit einlassen, worauf die Arbeitsniederlegung erfolgte. Bei den neuerlichen Verhandlungen zeigten die Arbeiter Entgegen- kommen. Die größeren Unternehmer, die ein erhebliches Interesse an der Beendigung des Streiks haben, wollten 2 Pf. dieses und 2 Pf. nächstes Jahr geben. Es bestand alle Aussicht, daß auch bc- züglich der anderen Punkte noch ein Einverständnis erzielt werden würde; das wurde aber im letzten Moment durch den Berliner Einfluß verhindert. Zwei Herren waren nach Berlin geschickt worden, um sich dort zu erkundigen und Verhaltungsmaßregeln einzuholen, und als sie zurückgekehrt waren, pfiff plötzlich ein anderer Wind; die Unternehmer kehrten zu ihrem schon vor dem Streik gemachten Angebot zurück. Sie erklärten, daß sie es vor- zögen, lieber noch 13 oder 14 Wochen den Streik andauern zu lassen., Die Situation ist für die Streikenden sehr günstig. Die Hälfte von ihnen ist bereits abgeschoben, eine Anzahl anderer wird Ende dieser Woche abreisen. Streikbrecher sind nicht zu verzeichnen, außer einigen Kleinnieistcrn, die sehr hoch im Preise stehen, denn sie erhalten pro Stunde 1,59 M. Beschäftigung ist reichlich vor- handen. Hustand. Die außerordentliche Arbeitslosenhilfe der dänischen Gewerkschaften. Der Ausschuß des Gesamtverbaudes der dänischen Gewerk- schaften sah sich seinerzeit veranlaßt, außerordentliche Matznahmen zur Linderung der Not der Arbeitslosen zu ergreifen. Im Jahre 1998 waren au Arbeitslosenunterstützung samt dem Staatszuschutz, den die anerkannten Arbeitslosenkassen erhalten, über 899 999 Kronen ausgezahlt. Damit war aber auch die Zahl der statutarisch ausgesteuerten Arbeitslosen immer größer geworden, und Arbeit zu erhalten, daran war kaum zu denken. Auch die immerhin be- deutenden Summen, die die Stadt Kopenhagen bewilligte, um die Notleidenden vor den Folgen der Armenuntcrstützung zu bewahren, reichten bei weitem nicht aus, der Not wirksam zu steuern. Aus diesen Gründen versandte der Ausschuß des Gewerkschaftsverbandes an sämtliche Verbände, Fachvereine und Gewerkschaftskartelle Dänemarks am 19. Januar einen Aufruf zur Sammlung von Gelbern für die Unterstützung der Ausgesteuerten und Not- leidenden. Es war den Organisationen freigestellt, auf welchem Wege sie die Mittel aufbringen wollten, ob durch Bewilligung auS vorhandenen Kassenmitteln, ob durch bestimmte Extrabeiträge oder durch die vom Gesamtverband zur Verfügung gestellten Sammel- listen oder durch eine Verbindung dieser verschiedenen Formen der Geldbeschaffung. Ueber das Ergebnis dieser Sammlungen, die bis Mitte Mai fortgesetzt wurden, wie über die Verwendung der Gelder, liegt jetzt eine umfassende Uebersicht vor. Es sind im ganzen 259 633,13 Kronen eingekommen. Davon wurden 115 988 Kronen zum Ankauf von Naturalien— Lebensmitteln, Brennmaterial usw.— für die Arbeitslosen verwendet, während das Uebrige in bar ausgezahlt wurde. Es fanden im Lause der vier Monate 14 Unterstützungs- austeilungen statt. Bei der ersten Austeilung erhielten 6655 Ar- beitslose ihre Unterstützung, bei der neunten war die Zahl auf 7867 angewachsen, bei der letzten war sie auf 3999 gesunken. Die 14 Austeilungen zusammengerechnet, ergibt die Zahl von 82 991 Unterstützten, nämlich 52 486 in Kopenhagen und 29 695 in der Provinz. Außer diesen Sammlungen innerhalb der organisierten Arbeiterschaft hatte der Gesamtverband auch zu Sammlungen in der Oeffentlichkeit aufgefordert, deren Ergebnis den nicht den Ge- werkschaften angehörigen Notleidenden zugute kommen sollte. Die Austeilung lag auch hierbei den Gewerkschaften ob, und die teils in Naturalien, teils in Geld eingegangenen Spenden ermöglichten es ihnen, in den vier Monaten 69 999 Naturalunterstützungskartcn auszugeben. - Mit dem Eintritt der warmen Jahreszeit ist selbstverständlich auch in Dänemark etwas mehr Arbeitsgelegenheit gekommen, und der mit Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit unternommene Abbruch und Umbau eines alten, ungesunden Stadtteiles von Kopenhagen, hat neben den großen öffentlichen Bauten, wie dem neuen Reichs- tagsbau, dem Bau des Zentralbahnhofes usw., auch manchem Arbeit verschafft. Gleichwohl ist die Zahl der Arbeitslosen noch außer- ordentlich groß. Dckrum hat sich der Ausschuß des Gesamtverbandes kürzlich an den Minister des Aeußeren gewandt, um offizielle Auskunft über die Arbeitsgelegenheit im Aus- lande zu erhalten. Der Minister hat darauf bei den dänischen Gesandten im Auslande Erkundigungen eingezogen, aber die Ant- Worten geben den reiselustigen Arbeitslosen wenig Hoffnung. Namentlich wird auch aus Deutschland, das ja für die Zuwande- rung aus Dänemark ganz besonders in Betracht kommt, der Wahr- heit gemäß berichtet, daß in allen Berufen ledige Arbeitskräfte im Ueberflutz vorhanden sind, und daß selbst in der Landwirtschaft durchaus kein Mangel an Arbeitern vorhanden ist. Unter diesen traurigen Verhältnissen ist es um so mehr zu begrüßen, daß es unseren dänischen Genossen in der letzten Reichs- tagssession gelang, ein Notgesetz durchzubringen, wonach die aus- gesteuerten Arbeitslosen aus kommunalen Mitteln weitere Unterstützung erhalten können. Dieses Gesetz ist mit dem 1. Juni in Kraft getreten. Der Magistrat von Kopenhagen hat auch sofort in Gemeinschaft mit den Arbeits- losenkassen der Gewerkschaften die Unterstützung organisiert, die selbstverständlich in keiner Weise mit den Folgen der Armenunter- stützung verknüpft ist. Sie wird durch die Arbeitslosenkassen aus- gezahlt, und das betreffende Mitglied hat sich keiner anderen als der sonst üblichen Kontrolle zu unterziehen.' 1 Stellungnahme der amerikanischen Gewerkschaften gegen die Ein- Wanderung? Unter den amerikanischen Parteigenosien gibt es bekanntlich in der Einwanderungsfrage seit langem zwei sich direkt wider. sprechende Richtungen. Die eine vertrat auf dem Amsterdamer Kongreß die Mehrheit der amerikanischen Delegation, die den Ausschluß der Neger und Kulis forderte. Gegen die Mehrheits- resolution machte Genosse Nicolas Klein im Namen der amerika- nischen Minderheit u. a. geltend, daß man, sobald man Unterschiede zwischen den Nationen mache, dazu Melangen müsse, auch die Jta- liener, Polen usw. von Amerika fernzuhalten. Hierzu scheinen jetzt in der Tat die amerikanischen Gewerkschaften Gompers- Mitchellscher Observanz zu gelangen; ja, hier scheint jetzt die Mehr- heit der Stimmen für noch viel durchgreifendere Be- schränkungen der Einwanderung, wenn nicht für ein Einwanderungsverbot, zu sein. Wenigstens war das, mit nur einer Ausnahme, die Tendenz aller Redner, die sich kürzlich in einer zwei- stündigen Verhandlung der New Uorker Central Federated Union über das Einwanderungswesen äußerten. Es wurde auch eine in lh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. VerlpgsgnitgU� Washington gehaltene Rede John Mitchells verlesen, der in dieselbe sremdenfeindliche Kerbe haut, wie es heißt, unter vollster Zustimmung Samuel Gompers'. Mitchell meinte, daß das Streben der Arbeiter anderer Länder, ihre Lage durch Auswande- rung nach Amerika zu verbessern, ja ganz selbstverständlich sei, daß aber„uns" die Wohlfahrt der amerikanischen Arbeiter doch mehr am Herzen liegen müsse. Die Masseneinwanderung drücke die Löhne herunter. Die Einwanderung sei„um so schärfer zu ver- urteilen", als im allgemeinen an Arbeitskräften niemals Mangel geherrscht habe. Die deutschen bürgerlichen Blätter Amerikas bezeichnen die jetzige Stellungnahme der größten Gewerkschaftsorganisation des Landes als engherzigen Nativismus. Der Nativismus, der alle nicht in Amerika geborenen Menschen verachtet. ist aber ein rein bürgerliches Gewächs- Was die Mitchell und Gompers, die selber noch keinen amerikanischen Großvater haben, zu ihrem radikalen Frontwechsel in der Einwanderungsfrage veranlaßt, sind nicht alberne bürger- liche Vorurteile,-sondern proletarische Gründe, wenn auch keine guten. Die amerikanischen Gewerkschafter um Mitchell und Gompers wollen sich nicht die berühmte„Ellenbogenfreiheit" durch die Einwanderer verkümmern lassen. In Zeiten großer Arbeits- losigkeit im Lande ist das verständlich, gegenüber dem Massenimport ausländischer Streikbrecher, dem das Kontraktarbeitergesetz vor- beugen sollte, ist es sogar berechtigt. Aber selbst diese Schäden der Einwanderung könnten die amerikanischen Gewerkschaften wirk- samer bekämpfen, wenn sie aus ihrer vornehmen Exklusivität heraus- und mit den europäischen Organisationen in Verbindung treten würden. Darüber hinaus ist es aber verkehrt, die Ein- Wanderung in ein Land zu beschränken oder gar zu verbieten, das auf einem Flächenraum, auf dem in Europa 499 Millionen Menschen wohnen, nur erst 89 Millionen beherbergt. Legen Sie iieubelsitung des CaM$.' Eine große Protestkundgebung der deutschen Händler mit Tabak und Tabakfabrikaten, angeregt vom Berliner Steuerabwehraus- schütz und veranstaltet von den beteiligten Jntcressenverbänden, fand am Freitagabend in den„Arminhallen" in der Komman- dantenstraße statt. Außer zahlreichen Berliner Herren, waren auch Delegierte aus allen größeren Städten erschienen. Von Reichstagsabgeordnetcn wurden bemerkt Müller-Sagan, Bohle- Straßburg und Manz. Namentlich nahm man Stellung gegen die Tabakwertsteuer und auch gegen die Banderolcsteuer, die zwar scheinbar verschwunden ist, aber immer noch als drohendes Gespenst im Hintergrunde schwebt. Nach einleitenden Worten des Herrn Kaphun vom Verein aller Tabakinteressenten, welcher die Ver- sammlung leitete, sprach Dr. Jonas, der Syndikus dieses Vereins, worauf das zweite Referat der Vorsitzende S t r a s s e r vom Deutschen Zigarrenhändlerbund hielt. Im folgte der Roh- tabakhändler Krause, als der Vertreter des Vereins deutscher Tabakfabrikanten und-Händler. Alle drei Referenten kenn- zeichneten die ganz besonders schädlichen Wirkungen der beiden genannten Besteuerungsarten. Wenn sich eine Mehrbelastung des Tabaks absolut nicht verhindern ließe, dann wäre noch am erträg- lichsten das bisherige Gewichtszollsystem. In der Diskussion betonte mit aller Schärfe Reichstagsabgeord. neter B ö h l e- Straßburg den allbekannten Standpunkt, den die Sozialdemokratie gegen jede indirekte Besteuerung einnimmt. Er verwies mit Bedauern darauf, daß der Deutsche Tabakverein daran gegangen ist, der Regierung eine Erhöhung nach dem bestehenden Gewichtszollshftem anzubieten. Die erst von allen Interessenten ganz einheitlich geführte Abwehrbewegung habe gerade von diesem Zeitpunkt ab an Stoßkraft verloren.(Vielfache Zustimmung.) Gemäß seinem Auftrage teile er mit. daß die ganze Arbeiterschaft der Tabak- und Zigarrenindustrie nach wie vor aus dem Stand. Punkt stehe, daß diese Industrie unter keinen Umständen mehr belastet werden dürfe.— Syndikus Schloßmacher verteidigte das Vorgehen des Deutschen Tabakvereins. Ohne dieses Streben nach dem kleineren Uebel hätte man die Banderole.— Es sprachen noch verschiedene Redner, u. a. Geheimrat Jakob vom Zentral- ausschuß Berliner gewerblicher und kaufmännischer Vereine, und Abg. Müller-Sagan. Die mehr als 1299 Versammelten gaben einhellig ihrer Meinung durch folgende Resolution Ausdruck: „Eine jede steuerliche Mehrbelastung des TabakgewerbeS muß große wirtschaftliche und soziale Schädigungen nach sich ziehen, die in dem Rückgang des Konsums, in der Vernichtung der schtvä- cheren Existenzen und einer nicht wieder einzuholenden Benach- teiligung des gesamten Tabakhandels ihren Ausdruck finden. Die schwersten Nachteile von allen vorgeschlagenen Formen der Mehr- belaftung würden aber eine Banderolestcuer und auch die von der Finanzkommission vorgeschlagene Rohtabakwcrtsteuer im Gefolge haben. Sie würden das Großkapital in einer nicht ausgleich- baren Weise in Vorteil setzen, und Tabakindustrie und Tabak- Handel, welche heute noch ein Gewerbe des Mittelstandes sind, völlig den Händen der Großunternehmungen ausliefern. Die Versammelten ersuchen deshalb einen hohen Reichstag, jeder neuen Form der steuerlichen Mehrbelastung, sowohl der Rvhtabakwertsteuer, als auch vor allen Dingen der Banderolesteuer die Genehmigung zu versagen." Letzte jVachricbtcn und Vepescden. Anklagen gegen Clemeneeau. Paris, 18. Juni.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Bei der Besprechung der Interpellation über die allgemeine Politik, schleudert Delagaye heftige Anklagen gegen die Republik. Gauthier de Clagny(Rationalist) klagt die Regierung an. daß sie nicht methodisch vorginge und unfähig sei, ihr Programm durchzuführen. G a u t h i e r schloß seine Rede mit dem Hinweis, daß von Clemenceaus Aufstieg zur Macht nichts übrig bleiben werde, als die Erinnerung an da» bei LenS, Narbonne und Billeneuve vergossene Blut. Die Sitzung wurde sodann aufgehoben. Bom Spiel in den Tod. Nürnberg, 13. Juni.(B. H.) Im Hofe eines Schreiner- Meisters spielten mehrere Kinder neben einem Bretterstapel, als dieser plötzlich zusammenbrach und die Kinder unter, sich begrub. Ein fünfjähriger Knabe war sofort tot, ein zweiter erlitt einen Schädelbruch» der dritte kam mit leichteren Verletzungen davon. 59 Millionen Erdbebenschaden," Marseille, 18. Juni.(B. H.) Der Ausschuß, der beaustragt ist, den Schaden, der durch die Erdbebenkatastrophe verursacht ist, festzustellen, schätzt ihn auf 59 Millionen Frank, der sich auf 39 Ortschaften verteilt. Die Negierung wird Kredite zur Linde- rung der notleidenden Bevölkerung bewilligen. Verunglückte Luftschisfer. Petersburg, 18. Juni.(W. T. B.) Ein Ballon, mit dem Mit» glieder des hiesigen Aeroklubs eine Fahrt unternommen hatten, ist verunglückt. Ingenieur Kammerjunker Palitzin wurde ge- tütet, seine Frau schwer verletzt._ MgülSinger& Co.. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen«. Uoterbalt»og/, Uhr bei LSkar Blume, Boxhagen, Ecke der Neuen Bahn Hofstratz«: Mitgliederversammlung. Zentralverbvnd der freien Händler, Hausierer und verw. Berufögenossen Deutschlands. Sitz Essen Verwaltungsstelle Berlin. Heute abend 8'/, Uhr bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 35: Versammlung. Gäste willkouuuen._________ Eingegangene Druchfcbriften. Der große Ironiker nnd sein Werl. II. Teil: Die Utopie. Von A. Schasheitlin. 2,50 M. S. Rosenbaum. Berlin W 62. Sammlung von Vorträgen und Aufiäßen über soziale Reform- fragen. I. Band. Hcst 3.— Die RetchsversickierungS-Orduung. Von Dr. Ludwig Fuld, Juslizrat. Verlag von Emil Rot. Gictzen. Preis 60 Ps. Die vegetarische Lebensweise für Gesunde. Von Dr. H. Deter- mann. IM.— Elektronen nnd die Konstitution der Materie. Zwei Vorträge von Dr. F. Himstedt. 1,50 M. Speyer iL Kaeruer, Frei- bürg i. B. Der Kampf um unsere Wälder. Verhandlungen und Malerial deS 2. Berliner WaldschutztageS. 80 Pf. I. Springer. Berlin kl. 24. Lehrerschaft u»d Jugendfürsorge in Stadt und Land. Von K. Agahd. Brosch. 3,50 M., geb. 4.50 M. GcrdeS». Hödel, Berlin W. 57. Das Schcckwcsen, insbesondere der neu« Postschcckberkchr. Von Rechtsanwalt Dr. Max Trimborn II. 50 Pj. Verlag von Breer u. Thiemanil, Hamm(Wests). Der RevisiouismuS in der Sozialdemokratie. Ein Vortrag, ge. halten in Amsterdam vor Akademikern und Arbeitern v. Ed. Bernstein. Amsterdam, Martin G. Cohen Nachs. Preis 75 Ps. Kosmos, Haiidweiser der Naturfreunde. VI. Jahrg., Hest 5—6. a 30 Pf.— Die Biene. Von Pros. K. Sasü. Geh. 1 M., geb. 1,80 M. Verlag deS„Kosmos", Gesellschaft der Natursreunde(Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung), Stuttgart. Kinder bor Gericht. Zou Wilhelmiue Mohr.(Modern Pädago- glscher und Psychologischer Verlag in Berlin IV. 30.) 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Iwolkcul 8 wolkig bedeckt 2 bedeckt IL 14 13 11 10 Wetterprognose für Sonnabend, den lv. Juni IVOS. Trocken und vielfach heiter, nacht» kühl, um Mittag ziemlich warm bei mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. HHHHHASASH»»« Z TssI mit BSUKnv! H und Stebenräumen, Z große Uereiussimmer § unter kulanten Bedingungen zu' vergeben. 10312*3 Sonnabende u. Sonntage frei!< Paul Litfin, Hemeler StraBe 07.J Fernspr. Amt 7, 1075. Fa. Schlack-«»d Salamiwurst AuSnahmePretS a Pfd. l.Ov M. Wiener Würstchen 3 Paar SO Pi. Fraustädter Würstch. 6„ 50?!. Hermann Leissner, Berlin O., Kloatorstr. 03/05, Eckhaus Kaiser-Wilhelm-Straße 11. „x: CO CO CO CS 8. Joseph, SchAneborg Säj IIÜ'E we£en vorgerückter Saison zu ganz A ▼:: bedeutend herabgesetzten Preisen:: Herren-Anzüge, Paletots-Ulster, Knaben-Anzüge bis 50 0|o ermäßigt Großes Lager in Berufskleidung! Großes Lager in Berufskleidung! 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Ueteronen- Strosse l-z Nr. 140. 26. Jahrgang. 2. KeilU des„ etlintt IsIMIstt. Sonnabend, 19. Juni 1909. Partei- Hngclegenbciten* Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 20. Juni, findet ein Ausflug mit Familie nach Grünau statt Treffpunkt von 2 Uhr nachmittags an im Lokal.Jägerhaus", Bahnhof- und Friedrichstrahe- Ecke(am Wasser gelegen). Um recht zahlreiche Beteiligung wird ersucht.— Die Genossen werben nochmals aus die morgen früh 9 Uhr statt- findende Beerdigung des Genossen Augustin aufmerksam gemacht. Der Borstand. RummelSburg. Den Mtgliedern des sozialdemokratischen Wahl- Vereins hiermit zur Kenntnis, dah die Bibliothek zwecks Regelung vorläufig geschlossen ist. Alle diejenigen, welche noch im Besitze von Büchern sind, werden ersucht, dieselben unverzüglich abzugeben. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird an dieser Stelle bekanntgegeben. Die Bibliothekkommission. Adlershof. Morgen Sonntag früh 8 Uhr findet für unseren Ort eine„Vorwärts"agitation statt. Das Material wird im Saal des Lokals von R. Beher, Bismarckstr. 19, verteilt. Da.daS ausgeteilte Material in der folgenden Woche wieder eingesammelt werden muh, ist eS nötig, daß sich die Genossen vollzählig einfinden. _ Der Vorstand. Berlinei» jVachncbtcn. Die Polizeigefangene. Ich war als Schülerin in der CharitS, um mein Hebammen- examen zu machen. Eines Tages hieß es,„eine Polizei- gefangene" ist im Gebärsaal. In der Nacht hatte ich Dienst, ich konnte kaum den Abend erwarten, so brannte ich darauf, das Mädchen kennen zu lernen. Ich wußte es so einzurichten, daß ich am Bette der Betreffenden tätig sein mußte. Das junge Mädchen machte einen beschräntten, aber sehr auf- richtigen Eindruck. Ich plauderte mit ihr freundlich, die anderen hatten sich voller Abscheu fern gehalten. Sie war eine Diebin. Ich fragte sie, weshalb sie denn gestohlen habe. „Ja," meinte sie freimütig,„ich wollte für mein Kind Sachen kaufen. Ich war vier Monate ohne Stellung, habe in der Zeit meine Ersparnisse aufgegessen. Viel hatte ich ja nicht. Da habe ich im Schaufenster die hübschen Jäckchen und Lätzchen gesehen, ich habe immer nachgedacht, wie ich zu Geld kommen könnte. Wenn ich aus der Anstalt herauskommen würde, mußte ich doch meinem Kinde etwas anziehen. Es ist ja ein so kalter Winter. Eines Tages sah ich so hübsche Armbänder mit rosa Schleifchen für so ein Kleines, da konnte ich nicht mehr an mich halten. Ich ging in ein Goldwarengeschäft und ließ mir Uhren vorlegen. Während sich der Ver- käufer abwandte, ließ ich eine schöne in meine Tasche verschwinden. Aber der Mann hatte es gesehen. Wie ich voller Eile hinausgehen wollte, packt mich ein Schutz- mann und führt mich nach der Wache. Ich hatte die Hände ganz fest vor's Gesicht gepreßt; weil ich torkelte riß sie mir der Schutzmann immer wieder runter. Wie ich ein Weilchen auf der Polizei war, bekam ich so schreckliche Schmerzen. Da kriegten es die Schutzleute mit der Angst zu tun, und schafften mich hierher." Das alles erzählte sie mir in offener, liebenswürdiger Weise, es schien ihr gar nicht klar zu sein, daß sie etwas Straf- bares getan hatte. Ich sagte zu ihr:„Sie werden es doch nicht wieder tun." „Nein, niemals, sonst muß ich zu lange von meinem Kinde fort." „Sie freuen sich also sehr auf dasselbe." „Ja, sehr," meinte sie mit strahlendem Gesicht. „Haben Sie denn einen Vater zu dem Kinde?" „Nein," klang es beschämt zurück.„Ich war tanzen und da haben wir so viel getrunken. Einer hat mich nach Hause gebracht. Ich bin wohl eingeschlafen, wie ich aufwachte, lag ich im Hausflur." Voller Behagen trank sie, trotz ihrer großen Schmerzen, den aromatischen Charitskaffee und aß zwei trockene Schrippen dazu.„Essen muß ick doch, sonst verhungert mich das Sind." Es verhungerte zwar nicht, aber es kam bei einer schweren Operation ums Leben. Als man ihr den Tod des Kindes mitteilte, bekam sie einen Tobsuchtsanfall und mußte nach der Nervenklinik gebracht werden. Sie ist lange dort Sewesen, um geistig gesund, aber körperlich sehr elend in das Intersuchungsaefängnis übergeführt zu werden. Die Richter hatten wohl Mitleid mit ihr, sie bekam bloß einViertel Jahr. Ein Jahr danach habe ich sie im Norden Berlins, als ver- kommene und betrunkene Straßendirne, umringt von Zu- hältem gesehen._ Alle Krauzdeputationen, die am Sonntag früh der Beerdigung des Genossen Richard Augusti» beiwohnen, werden ersucht, sich pünktlich lli8 Uhr im Gewerkschaftshause ein- zufinden. ' Der von der Stadtverordnetenversammlung zur Borberatung der Beamtenbesoldungsordnung eingesetzte Ausschuß hat vorgestern nach der Stadtverordnetensitzung bis nachts%\2 Uhr getagt und seine Beratung zu Ende geführt. Den Schluß bildeten die aus der Versammlung gestellten Anträge auf Erhöhung der Magistrats- gehälter. Der anwesende Oberbürgermeister gab nochmals, wie de- reits schriftlich geschehen, die Erklärung ab, auf keinen Fall eine Erhöhung seines Gehaltes anzunehmen. Ein Antrag nach dieser Richtung war gestellt. Unter Widerspruch der vier sozialdemo- kratischen Vertreter wurde dann beschlossen, der Stadtverordneten. Versammlung vorzuschlagen, das Gehalt des Bürgermeisters von 18 900 M. auf 29 999 M. zu erhöhen. Desgleichen das des Kämmerers von 15 999 auf 18 999 M. Das der Bauräte von 15 999 auf 18 999 M., wozu noch lvie seither 1 S99 M. Fuhrkosten kommen. Die Schulräte erhalten 15 909 M., also 3999 M. mehr, jedoch der Schulrat für das Volksschulwesen zunächst 13 599 M. nach 3 Jahren ebenfalls 15 999 M., für den Syndikus ist wieder eine Ausnahme. stellung geschaffen, indem man ihm 1599 M. persönliche Zulage gewähren will, so daß auch er 15 999 M. erhält; die Gehälter der übrigen Magistratsmitglieder sollen im Anfang von 8 599 M. auf 9999 und im Endgehast von 12 999 M. auf 13 599 M. erhöht werden. Von den Befürwortern dieser Anträge wurde behauptet, daß mit den seitherigen Gehältern ein Stadtrat ohne eigenes Ver- mögen nicht anständig auskommen könne; habe er Familie, so müsse er sich die größten Beschränkungen auferlegen. Das hatte die Herren ganz weich gemacht und in ihrem Bewilligungseifer wären sie gewiß noch weiter gegangen, wenn ihnen nicht von sozialdemokratischer Seite ein Dämpfer aufgesetzt worden wäre. Dieselben Herrschaften, die hier so freigebig sich gebärden, haben taube Ohren, sobald die Lohnfrage der Arbeiter angeschnitten wird. Tausende von städtischen Arbeitern verdienen das ganze Jahr nicht soviel, wie hier Zulagen ausgeteilt werden. Dabei ichein* die Sonae üb«: jitochst uaP Süotzs, UMige über und unter dem geistigen Durchschnitt wird gleich bezahlt. Nicht für die Leistung, sondern für das Amt wird das Gehalt ausgeworfen. Warum denn auch nicht, so gut wie der Syndikus eine persönliche Zulage erhält, kann man sie doch anderen her- vorragenden Stadträten auch geben. Wenn die unberücksichtigt Gebliebenen aus Aergcr ihr Amt niederlegen, ist dies nur ein Gewinn für die städtische Verwaltung. Etliche werden trotzdem bleiben, denn sie werden sich sagen, soviel und auf so bequeme Art kann man nirgends verdienen. Für die städtischen Beamten aber, die die Leistungen tagtäglich vor sich sehen und die zum Teil mit recht kärglicher Aufbesserung zufrieden sein müssen, wird sicher kein Gefühl der Befriedigung ausgelöst, wenn auch„Solche" so erhebliche unverdiente Erhöhungen einstreichen. Für die städtischen Arbeiter aber ist nach den Aeutzerungen eines Herrn im Ausschuß so gut gesorgt, denn ihnen ist der Lohn in den letzten 29 Jahren um das Doppelte erhöht worden, sie können also mit Leichtigkeit die Zeit der Teuerung überwinden. Aus dem Reiche unserer Christlichen. Arge Mißstände auf den Berliner Kirchhöfen wurden in einer Versammlung christlicher Kirchhofsarbeiter zur Sprache gebracht. Auf den Friedhöfen der Berliner evangelischen Kirchengemeinden fehle es ganz an hygce- nischen Vorkehrungen, z. V. an Waschgelegenheit für die Kirchhofs- arbeiter. Diese müßten niit noch von den Leichentüchern feuchten Fingern ihr Frühstück anfassen. Die Unfallverhütungsvorschriften würden täglich, trotzdem das Konsistorium ihre Beachtung ein- geschärft habe, im Beisein der Geistlichen, bei der Ausschachtung der Gräber übertreten. Verunglückte Kirchhofsarbeiter hätten keine Aussicht auf Unfallrente. Die Entlohnung sei miserabel. Vielfach würden die Arbeiter mit 3 M., ja mit 2 M. Tagelohn abgespeist, während es nach dem Zeugnis des Pfarrers Koch von Samariter in Berlin Kirchhöfe gebe, die 199 999 M. Ueberschuß brächten. Die Stadtsynode zeige nicht das geringste Verständnis für die soziale Lage ihrer eigenen Arbeiter und komme deren Bitten und Wünschen nicht eine Handbreit entgegen. Einer einzigen Gemeinde seien 1529 M. an Arbeitslohn gestrichen worden. Für Grabgießer- arbeit ließe sich eine Kirchengemeinde 1299 M. bezahlen, während die Kirchhofsarbeiter, die das Gießen besorgen, nur 429 M. erhielten. Alle Eingaben und Petitionen der gut christlich gesinnten Arbeiter seien bisher vergeblich gewesen; der Vorsitzende des ge- schäftsführenden Ausschusses der Stadtshnode, E>. Faber, habe wegen auswärtiger Verhinderung es abgelehnt, eine Deputation der Kirchhofsarbeiter zu empfangen. Da an einen Streik der Kirch- Hofsarbeiter nicht zu denken sei, diese aber sich nicht länger mit leeren Redensarten abspeisen lassen könnten, bleibe ihnen nichts übrig als die Flucht in die Oeffentlichkeit. Echt christliche Behandlung und Entlohnung! Faule Fische. Uns wird geschrieben:„In Rußland sah ich einst-- neben vielen anderen— ein häßliches Bild: An einem fischreichen See, auf dem jedoch niemand— auS- genommen natürlich den Großmagnaten und seine Pächter— fischen durfte, wateten Bauern zu zweien und dreien bis zur Brust im Wasser. Badeten sie? Nein. Suchten sie Muscheln, Pflanzen? Nein. Ihr Blick ging spähend an der Oberfläche, dem Wind ent- gegen. Ich sah ihnen lange zu, ohne eine Erklärung zu finden. Später bekam ich sie: sie sammelten die Fischleichen, die der Wind auf ihre Ufer zutrieb. Und während tfdr Magnat im Schloß bei Sekt und Kaviar thronte, rösteten sie über dem Herdfeuer die ver- Westen Fische, nach Gras und Baumrinde— wie man sie in diesen Hungergebieten häufig ißt— ein gewiß köstlich Mahl. Dies, meinte ich, sei Rußland. Und ich lobte mir im stillen Westeuropa. Wäre so etwas bei uns, in Deutschland zum Beispiel, möglich? In Deutschland? Aber was fällt Ihnen denn ein? Nie und nimmer I So sprach ich mit mir selbst. Der Sonntag hat mich eines anderen belehrt, zum mindesten meine Meinung iuS Schwanken gebracht. In Wannsee, unweit Schwanenwerder, abseits vom Wege, den die Ausflügler ziehen, waten zwei Männer im See. In einer Art Badehose, bis an die Knie im Wasser, dem Winde entgegen. Sie suchen, greifen mit dem Stock, an dem sich eine Art Netz befindet, etwas auf und siehe dal— ein toter Fisch! Ein Weißfisch, ein Aal, noch ein Weißfisch— sie alle kommen mit dem Wind, werden aufgegriffen und wandern in eine Tasche. Ich meine, niemand fängt Fische zum Spaß, am allerwenigsten tote. Bisweilen aber— leider I— zum Essen. Es fragt sich nun, für wen, ob für sich oder für andere. Wenn für sich, so ist das zwar menschenunwürdig, für die kapitalistische Gesellschaft, innerhalb deren Rahmen noch ganz andere Dinge passieren, jedoch nur wiederum bezeichnend, keineswegs neu. Sind diese Fische aber für andere, z. B. zum Verkauf bestimmt, so erscheint es doch wohl angebracht, ivenn sich die zuständigen Stellen für diese Art Fischfang bald einmal näher interessierten." Unserer Meinung nach wäre auch noch eine andere Möglichkeit denkbar, nämlich die, das Wasser von den Fischleichen zu reinigen, denn die toten Fische— in Verwesung übergegangen— verbreiten einen entsetzlichen Geruch und sind obendrein giftig. Die städtische Schuldeputation hat beschlossen, in Zukunft zu gestatten, daß die Rektoren der Berliner Gemeindeschulen die Büches für die Lehrer- und Schülerbibliotheken direkt von all den Buchhändlern entnehmen dürfen, die den beim Bezüge von Büchern vereinbarten Rabatt bewilligen und keine Schund- literatur führen. Unterirdische Bedürfnisanstalten. Der Magistrat hat gestern be- schlössen, der Sladtverordneten-Bersammlung eine Vorlage zu machen über die Errichtung von zwei unterirdischen Bedürftrisanstalten an der Schloßbrücke und am Schloßplatz. Die Kosten für diese An- stalten sind mit rund 169 999 M. veranschlagt.< Autobusverkehr der Straßenbahn. Die Große Berliner Motor- omnibusgesellschafr veranstaltet am Sonntag bei günstiger Witterung neben den üblichen Ausflugsfahrten Brandenburger Tor— Kaiser Wilhelmsturm, Knie— Pichelsberge, Nollendorfplatz— Onkel Toms Hütte und Wilhelmsplatz sCharlottenburg)— Karlshof, solche zwischen Tegel und Schulzendorf. Die Wagen nach Schulzendorf fahren ab Blücherplatz l,lö und 1,39 Uhr nachmittags. � Eine der bcrüchtigsten Straßenbahnhaltestellen ist diejenige im Kastanienwäldchen neben der Universität. Sämtliche aus Norden kommenden elektrischen Wagen halten zwischen der Neuen Wache und dem Universitätsgebäude, wo gerade der dem Fiskus gehörige Pflasterstreifen, welchen die aussteigenden Fahrgäste be- treten müssen, ein wahrer Knüppeldamm ist. Jeder Anhänger hält neben dem östlichen Borgarten der Universität. Zwischen dem Eisengitter desselben und dem Wagen ist knapp soviel Raum, daß eine Person sich notdürftig hindurchwinden kann. Vielleicht an keiner anderen Stelle würde die Polizei solchen Verkehrszustand dulden. Sehr häufig steigen die Fahrgäste, sobald der Wagenzug weiterfährt, über das Gitter hinweg, so daß dieses schon halb niedergebogen ist. Am besten sollte diese Haltestelle, was schon längst hätte geschehen müssen, nach der Ostseite des Opernhauses verlegt werden, wo der Verkehr ganz mäßig ist und auch die aus Süden kommenden Wagen halten. Sie war auf der Nordseite notwendig, solange die kurze Strecke bis zur Hedwigskirche noch mit Unterleitung durchfahren wurde. Seitdem der Qberleitungs- betrieb eingeführt ist, hat die nördliche Haltestelle, welche am Abend auch stark unter Lichtmangel leidet, wenig praktischen Wert. Will man die Aenderuug wegen der Nähe der Haltestelle an der Hedwigskirche nicht treffen, so ist es ebenso praktisch, die Wagen mitten im Äastanienwäldchen halten zu lassen. Ter Finanzminister taiiti iaüiä) wjflefltü mtpei jeuie Sinämtea Mimt tüe a i»* seinerzeit überhaupt gegen die Vorbeiführung von Straßenbahn- linien an seinem Palais gewaltig Lärm schlug, aber schließlich gehen doch die berechtigstcn Interessen des Verkchrspublikums den Privatinteressen preußischer Exzellenzen vor. Bon der Verpflichtung zur Benutzung der Abdeckerei der Stadt Berlin. Auf Grund eines Ortsstatuts hat die Stadt Berlin eine eigene Abdeckerei als Gemeindeanstalt errichtet. Den Interessenten ist es zur Pflicht gemacht worden, die Anstalt zur Beseitigung und Ver- nichtung aller im Stadtkreis Berlin gefallenen Tiere, die aufgeführt werden, zu benutzen. Die Polizeiverordnung vom 21. Mai 1998, die die Durchführung der kommunalen Beschlüsse sichern soll, bestimmt, daß die Kadaver der sämtlichen im Stadtbezirk Berlin gefallenen Tiere der näher bezeichneten Gattung, unter Verbot jeder ander- weitigen Verwertung, zur Beseitigung und Unschädlichmachung aus- schließlich der von der Stadt Berlin errichteten Vernichtungsaustalt durch Vermittelung der städtischen Sammelstellen zu überweisen seien. Wer andere Abdeckereien benutzt, wird mit Strafe bedroht.— Die Verordnung enthält dann noch Bestimmungen, die geschlachtetes oder getötes Vieh, soweit es zum menschlichen Genuß untauglich ist, dem gefallenen Vieh gleichstellt. Die Polizeiverordnung s ollte Frau Seifert dadurch übertreten haben, daß sie ein in Berlin gefallenes Pferd durch einen Abdecker in Britz hatte abholen lassen. Das Landgericht Berlin I sprach die Angeklagte ftei, indem es die Verordnung für ungültig erklärte, weil sie die Gewerbefreiheit unzulässig einschränke und somit dem § 1 der Gewerbeordnung widerspreche. Das Kammergericht hob jedoch auf die Revision der Staats- anwaltschaft das Urteil auf und verwies die Sache zu anderweitcr Entscheidung an die Vorinstanz zurück. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt: Das Ortsstatut, auf Grund dessen die städtische Abdeckerei als Gemeindeanstalt errichtet sei, wäre nach§ 11 der Städteordnung zulässig, da es sich um eine städtische Angelegenheit handle, die so geregelt werden konnte. Das Gesetz'von 1872, welches die Bann- und Zwangsrechte aufhebe, die Gemeinden ver- liehen waren, stehe dem nicht entgegen. Und was die Polizei- Verordnung vom 21. Mai 1998 angehe, so widerspreche sie nicht dem § 1 der Gewerbeordnung. Derartige Vorschriften, wie sie hier mit Bezug auf gefallenes Vieh gegeben seien, wären zulässig, wenn sie auch geeignet seien, indirekt einzelne Gewerbe- betriebe nicht möglich oder wenigstens nicht lukrativ zu machen. Die Voraussetzung sei allerdings, daß sich das Verbot nicht an die betreffenden Gewerbetreibenden richte, sondern, wie hier, an diejenigen, die mit dem Gctverbe- treibenden zu tun hätten. sHier die Tierbesitzer.) Wenn die Ver- Ordnung dem Gewerbetreibenden seinen Betrieb direkt verbieten würde, dann würde sie allerdings nicht zulässig sein. So aber er- achte der Senat die Verordnung vom 21. Mai 1998 für rechts« gültig, soweit sie die Beseitigung und Vernichtung gefallenen Viehs behandele. In der Beziehung komme sie hier nur in Betracht. Das Landgericht müsse deshalb nochmal in der Sache verhandeln und die Verordnung gegen Frau S. anwenden. Die Bestimmungen der Verordnung dagegen, welche sich auf geschlachtetes Vieh bezögen, seien jedoch ungültig, weil un- zulässig. Das wolle der Senat nebenbei noch hervorheben. 13 900 Mark Kirchengclder unterschlagen. Nach Unterschlagung von Kirchengeldern in Höhe von 13 999 Mark ist der 49 Jahre alte Kirchenkassenrendant der Nazarethgemeinde I, Rechnungsrat Karl Voß aus der Seestraße 62, flüchtig geworden. Voß hat die Unter- schlagungcn im Laufe der letzten Monate verübt. In dieser Woche fand eine Revision der Kassenbücher statt; dabei stellten sich die Unregelmäßigkeiten heraus.- Voß ist Beamter im Finanzministerium, verheiracet und hat zwei Kinder. Voß brachte einen großen Teil feiner Zeit auf Rennbahnen und beim Spiel zu. Das Bootsunglück auf dem Peetzser. Einen tragischen Abschluß hat ein Ausflug genommen, i-e« Donnerstag der Bauinspektor Wieler aus Pichelsberge mit zwei Damen zum Besuche eines Freundes in Grünhaide unternahm. Der Freund, Herr Schräder, hat Sommerwohnung in Grünhaide genommen und schlug seinem Besuch eine Segelpartie auf dem Peetzsee vor. Die vier Personen bestiegen ein Boot, über das jedoch die Herren sehr bald die Herrschaft verloren, als der ziemlich starke Wind sich in dem Segel verfing. Das Boot legte sich auf die Seite, und eine der jungen Damen sprang in ihrer Angst heraus. Bauinspektor Wieler sprang der Dame sofort nach, um sie zu retten. Dies gelang ihm nicht. Er brachte aber durch seinen Sprung das kleine Boot noch zum Kentern, so daß auch die anderen beiden Personen ins Wasser fielen. Herr Schräder und die andere junge Dame waren des Schwimmens kundig und konnten sich retten. Dagegen sind die beiden anderen untergegangen und er- trunken. Nach den Leichen wurde bisher erfolglos gesucht. Die beiden Damen sind Schwestern und Töchter des Rentiers Drösse, Charlottenburg, Knesebeckstr. 1. Die Verunglückte ist die jüngere der Schwestern. Ein entsetzlicher Verkehrsunfall hat sich gestern nachmittag auf dem Gesundbrunnen ereignet. Die fünfjährige Martha Günterlein, deren. Eltern Pntbuser Straße 18 wohnen, hatte vor dem Wohn- haus gespielt und war dabei auf die.Straße gelaufen. Die Kleine rannte gegen ein vorübergehendes Schlächterfuhrwerk und wurde umgerissen. Die Räder gingen dem Kind so unglücklich über den Unterkörper hinweg, daß der rechte Oberschenkel fast vollständig vom Rumpf getrennt und der Leib aufgerissen wurde. In völlig hoffnungslosem Zustande wurde das Kind in das städtische Kinder- krankenhauS in der Reinickendorfer Straße eingeliefert. Eine Versammlung von Spezialärztcn für Beinleiden fand kürzlich in Berlin statt. Der Einberufer empfahl unter Hinweis darauf, daß die spezialärztliche Betätigung auf diesem Gebiet nicht nur berechtigt, sondern geradezu eine soziale Notlvendigkeit ist, sich im gegen- seitigen Interesse zusammenzuschließen. Nach allseitiger Aussprache über die Schwierigkeiten, die der Tätigkeit solcher Spezialärzte seitens der Aerztefchaft noch immer entgegenstehen, hieß die gutbesuchte Versammlung folgende Vor- schlage einstimmig gut: das sehr umfangreiche Material den ein. schlägigen Behörden sowie den Volksvertretungen zugängig zu machen; für Zulassung von Spezialkollegen zur Kassenpraxis, wenn nötig, die Verhandlungen mit den Kassenvorständen in corpore zu führen; ferner Verufsgenossenschaften und Landesversicherungs- anstalten nach Bedarf auf die Fachkollegen aufmerksam zu machen; endlich ein regelmäßig erscheinendes Sammclinserat in ärztlichen Zeitschriften zu veröffentlichen. Nachdem alsdann die Honooar- frage unter Zugrundelegung der preußischen Gebührenordnung II. 7 erledigt und für die Krankenkassen eine Einheitstaxe festgelegt, konstituierte sich die Versammlung zu einem„Verein der Spezial- ärzte für Beinleiden"._ Ekn neuer Kindergarten. Mit Genehmigung des Königlichen Provinzialschulkollegiums wird zu Michaelis dieses Jahres an der K. Elisabethschule ein Fröbelscher Kindergarten eröffnet werden. Der Klassenraum und Spielhof mit einem Gärtchen werden in besonders hübscher Weise dafür eingerichtet. Die Beschäftigung der Kleinen findet täglich von 9— 12 Uhr statt und ist unentgeltlich. Knaben und Mädchen von 3— 6 Jahren können schon jetzt beim Direktor Kannegießer, Kochstr. 65, angemeldet werden. Reiche Beute machten Einbrecher, dir dem Herrenarttkelgeschät» Pen äüjjmm ßSkHmu oachp, Itajc'.i Besuch abstaiteken. Vom Dos auZ d'rcMgen die Täter«ach de::! Lade» und räumten dort fast sämtliche Regale aus. Herren- iüt.-, Schirme, Stöcke, Westen, Kragen usw. im Gesamtwert von nahezu 1000 M. packte die Bande in Säcken ein und schaffte die Beut« unbehindert davon. Auch die Ladenkafje wurde erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Nach einem Bade erschossen hat sich vorgestern mittag der 00 Jahre alte Rechtsanwalt Siegfried Liepschiitz aus der Wilhelm- strasie 8. Dr. Liepschiitz, der als Junggeselle mit einer verwitweten Schwester zusammenwohnte, war sei: zehn Jahren am Kammer- gericht tätig und ein vielbeschäftigte: Anwalt. Er hatte sich über- arbeitet und war herzieidend. Ein Arzt aus dem Nebcnhaufe konnte nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde von der Revierpolizei vorläufig beschlagnahmt und nach Aufnahme des Lorganges nach dem Schauhause gebracht. Bei einer Jagd nach einem Fahrraddicbe ist de: Kriminal- Polizei ein schon zeit längerer Zeit gesuchter Fahrradmarder in die Hände gefallen. Vorgestern wurde ein Mann in der Frank- furter Allee dabei überrascht, als er ein unbeaufsichtigt auf der Straße stehendes Zweirad sich aneignete und davonfuhr. Mehrere hinzukommende Radfahrer nahmen die Verfolgung des Flüchtigen auf, den sie auch einholten und der Polizei übergaben. Der Ver- haftete nannte sich Karl Müller. Durch den Erkennungsdienst wurde festgestellt, daß der Festgenommene ein schon vielfach vor- bestrafter- Gelegenheitsarbeiter Emil Wolter ist, dessen Haupttätig- kcit in der VerÜbung von Fahrrad- und anderen Gelegenheitsdieb- stählen bestand. Er wurde von der hiesigen Kriminalpolizei schon seit längerer Zeit gesucht und hatte deswegen sein Arbeitsfeld nach der Umgebung der Reichshauptstadt verlegt, wo er mit einem zweiten Fahrradmarder gemeinschaftliche Sache machte. Letzterer ist jedoch vor vierzehn Tagen„alle" geworden, und W. ging nun wieder nach Berlin zurück, in der Hoffnung, daß die Kriminal- Polizei seiner vergessen habe. Daß dies Vicht geschehen, hat er nunmehr zu seinem Leidwesen erfahren. Für die arbeitende Jugend. Hinaus, ins Freie I Das kann der Tag für Tag schwer ar- beitenden Menschheit nicht oft genug zugerufen werden. Der Jugend aber gilt diese Aufforderung besonders. Sind doch die schädlichen Wirkungen der Berufsarbeit auf Körper und Geist bei der Jugend besonders stark, da der in der Entwickelung begriffene jugendliche Körper nur wenig widerstandsfähig ist. Die �Jugend sollte sich daher keine Gelegenheit zur Erholung und Kräftigung entgehen lassen. Hat Euch das Unternehmertum für einen Tag aus den dunst- und staubgeschwängerten Arbeitsstätten freigelassen, so schüttelt auch den Staub der Großstadt von den Füßen und eilt hinaus, in Wald und Feld, um den Körper in Luft und Sonne zu baden und mit würziger Waldesluft die Lungen zu reinigen. Die Freien Jugendorganisationen von Berlin und Umgegend vevcm- stalten am Sonntag, den SO. Juni, einen Massenausslug der Jugend nach S a d o w a a. d. Oberspree(Pflugs Grand-Restauvant), zu dem die ganze arbeitende Jugend von Berlin und Umgegend herzlich ein- geladen ist. Neben der Erholung soll die Jugend ein paar frohe Stunden bei Spiel und Unterhaltung im Kreise gleichgesinnter Altersgenossen im grünen Wald verbringen. Arbeitereltern i Macht die schulentlassene Jugend auf diese Veranstaltung aufmerksam. Die Treffpunkte der einzelnen Abteilungen sind folgende: Süden: Morgens 7 Uhr am Hohenstaufenplatz(Normaluhr) und am Moritzplatz. Südosten: Morgens 7 Uhr Kottbuser Tor, Görlitzer Bahnhof, Schle- sischeS Tor. Mariminenplatz(Feuerwehrdenlmal). Südwesten: Morgen» 7lb Uhr Blücherplctz(Uraniasäule). Osten: Morgens 7 Uhr Küstriner Platz. 6% Uhr Wallnertheaterstraße(Schiller-Theater). Nordosten: Morgens 7 Uhr Prenzlauer Allee. Ecke Wörther Straße. Norden: Morgens 6% Uhr Rügener Straße(Normaluhr).— 7 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Bad- Ecke Schwedter Straße (Normaluhr), Leopoldplatz-Nazarethkirchstratze Ecke Mal- plaquetstrahe, Pappelplatz, Arkonaplatz, Nettelbeckplatz. Nordwesten: Morgens 7 Uhr Strom- Ecke Thurmstraße., Laumschulenweg: Morgens 7% Uhr am Bahnhof. 3 Eliarlottenliurg: Morgens 7 Uhr Wilhelmplatz(KioSk). Lichtcnberg-Friedrichsfeld»: Morgens 8 Uhr Bahnhof Lichtenberg. Friedrichsfelde. Reinickendorf und Pankow: Morgens 7 Uhr Bahnhof Neinicken- dorf-Schänholz. Fahrgeld 40 Pf. Nindorf: Morgens 7 Uhr am Kriegerdenkmal. Rummelsburg: Morgens 7 Uhr Bahnhof Stralau-Rummelskmrg. Schöneberg: Morgens 7% Uhr Potsdamer Straße. Ecke Pallas- straße. Steglitz: Morgen? 7 Ufr: Kaiser-Allee, Ecke Rheinstraße. Tempelbof: Morgens 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. Tegel: Treffpunkt ist bereits bekanntgegeben., Weißensee: Morgens Uhr Antonplatz. Ober-SchSneweide: Morgens T/s Uhr bei Fr. Rabe, Wilhelminen- Hofstraße 43._ Der Bund der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend ver- anstaltet seine diesjährige Blumen- und Beerenobstausstellung (verbunden mit Sommerfest) am Sonntag, den 20. Juni, im Marienbad-Theater, Badstr. 3S/36. Wer kennt den Toten? Am 0. Juni er. wurde am Ufer im Park Babelsberg eine zirka 30— 85 Jahre alte männliche Leiche gelandet. Die Leiche hat dunkles Haar, kurzgeschnittenen dunklen Schnurrbart und eine große Glatze. Sie war bekleidet mit einer schwarzen karierten Hose, einer Vigogne-Unterhose und Unter- Hemd, einem weißen Oberhemd, einer schwarz und weißen Weste mit gelblichen Hornknöpfen. Das Jackett ist von demselben Stoff wie die Weste. Bei der Leiche, die ein jüdisches Aussehen hat, be- fand sich eine vernickelte Taschenschere, wie sie Kaufleute zu tragen pflegen. Mitteilungen über die Person der Leiche werden fa jedem Polizeirevier sowie im Zimmer 324 des Königlichen Polizeiprä- fidiumS entgegengenommen. Vorort- JVacbncbtcm Rixdorf. Stadtverrobnetenderfammlung. An erster Stelle der TageS- otbnung steht«in Abkommen mit der Großen Berliner Straßenbahn und der Südlichen Berliner Vorortbahn. Danach sollen eingerichtet werden: 1. eine neue Linie Nr. 2t von der Knesebeckstraße durch Her» mannstraßs und Hasenheide nach Moabit in, 1b Minutenverkehr; 2. eine neue Linie vom Wildenbruchplatz durch Wildcnbruch- straße, Kaiser-Fricdrich-Straße, Hasenheide, Gneisenaustraße nach dem Zoologischen Garten(1b Minutenverkehr); 3. die Linie S8 wird verlängert, so daß die Endhaltestelle außerhalb Rixdorfs liegt; 4. an Stelle der Linie 30 werben 2 im 7k4 Minutenverkehr sich ergänzende Linien vom Hermannplatz durch Berliner, Richard- straße, Richardplatz. Kaiser-Friedr'ch-Straße zum Hermannplatz zurück und umgekehrt eingerichtet; b. die Linie I erhält statt 24 Minutenverkehr einen 30 Minutenverkehr und fährt nicht mehr durch Kaiser-Friedrich-Straßc, sonder» durch Berg- und Berliner Straße, ergänzt zum 1b Mi- nutenverkehr durch Verlängerung der Linie 47 bis zum Buschkrug. 6. Die Linie 65 wird mit 1b Minutenabständen über die städtische Gleisstrecke in der Kaiser-Friedrich-Straße bis zur Ringbahn verlängert. Diese scheinbaren Verkehrsverbesserungen machen die sonstigen PertragspestiipMMgcn teils illusorisch, feiig vom städtischen Interesse aus tlnannehmbar. So soll die Straßenbahngesellschaft bc- rechtigt sein, die so bitter notwendigen Einsetzwagen Knesebeck- straße— Moritzplatz einzuziehen; die Linie nach dem Zoologischen Garten wird nur probewNse ans ein Jahr betrieben und bei Un- rentabilität wieder eingestellt; für die städtischen GleiSstrecken in der Kaiser-Friedrich- und Wildenbruchstraße zahlt die Straßendahn keinerlei Amortisation, sondern lediglich die bprozentige Ver« ziusung des Baukapitals und die Glcisnntcrhaltung. Dagegen verzichte! Sie Stadl auf einen Betrag von 40 000 M. rund, zu dessen Zahlung die Siraßenbahn als Beirrag zu Straßenasphaltierungs- kosten rechtskräftig verurteill worden ist. Die Debatte� über diese sogenannten Vcrkehrsverbesscrungen gestaltete kick äußerst lebhaft. Nach einem äußerst wehleidigen Reicra:, in dem das Nichtzustandekommen des Groß-Bprliner Ver- lehrszweckvcrbandes, dann d,e mangelnde Initiative des Berliner Magistrats hierin, dann die fehlende Zuvorkommenheit der Großen Berliner bedauert und schließlich das Angebot einer Linie auf ein- jährige Probe als Beleidigung der Stadt Rixdorf bezeichnet wurde, kam der Stadtv. Abraham sonderbarerweise doch zu einer Empfehlung der Vorlage, der angeblich ein guter Kern innewohnt. Stadtv. Dr. Silber stein(Soz.) stellte fest, daß die Klage über die Stockung im Verkchrsverband Rixdorf nicht ansteht, da auch die hiesige Verkehrsdeputation alles hierin vermissen läßt. Ganz energisch wendet er sich gegen die Borlage, deren Vorteile gleich Null sind. Die Stadtverordneten scheinen nm kleiner Ge- schenke willen der Großen Berliner nun wieder in die Arme zu sinken; da macht die sozialdemokratische Fraktion nicht mit. Für die Probe mit der Linie nach dem Westen fehlt dem Redner jedes Vertrauen; denn bei der Linie 22 und der nach dem Friedhof am Mariendorfer Weg ist seinerzeit die Stadt glatt übers Ohr gehauen worden. Der angebotene 15 Minutenverkehr ist unan- nehmbar, wsil ganz unzulänglich für Rixdorf. Die notwendigen Kurven an der Hermannstraße und Wißmannstraße sind so gefahr- voll und bedenklich, daß schon deshalb und auch aus der liebevollen Rücksichtnahme der Behörden gegen die Straßenbahn die Genehm!- gung versagt werden und damit die ganze Linie fallen dürfte. Das gleiche Hindernis wird für die Kreuzung des überlasteten Pots- damer Platzes hervortreten. Die ausfallenden Einsetzwagen kann die sogenannte Verbesserung der Linie 58 durchaus nicht ersetzen: die ersteren müssen unbedingt bleiben. Und für solche Pseudo- gescheute will die Stadt leichten Herzens der Straßenbahn über den Stock springen, obendrein aber noch 40 000 M. hinterherwerfen, anstatt mit diesem Trumpf besseres herauszuholen. Die Vorlage muß unbedingt nochmals der Vcrkehrsdeputation zurückgegeben werden.— Stadtv. R o ch l i tz spricht, unterbrochen von der Heiter- kcit der Sozialdemokraten, dem Oberbürgermeister und dem Stadt- rat Dr. G l ü ck s m a n n in tönenden Worten den Dank für das Abkommen aus. Er empfiehlt die Annahme desselben, das zwar keine großen, aber immerhin kleine Verbesserungen enthält.— Geradezu kuriose Eiertänze sind die Reden der Stadtvv. Rahmig und Just, die alles mögliche an den Abmachungen auszusetzen haben und merkwürdigerweise schließlich doch die Annahme befiir- Worten. Besonders der letztere fand kräftige Töne, brandmarkte di°> Dividendenwirtschaft der„Großen" und verlangte Fahrpreisver- besserungcn.— Die Stadtvv. Hoppe und Dr. S i l b e r st e i n (Soz.) wandten sich wiederholt gegen jedes Entgegenkommen der Straßenbahn gegenüber. Diese könnte nur immer triumphieren, weim die Berliner Bürger so deplaziert bescheiden sind wie Herr Rochlitz in jeder Lappalie einen Sieg feiern.— Alle Bemühungen der sozialdemokratischen Fraktion blieben ohne Erfolg; denn gegen deren 24 Stimmen verhalf der Block dem Abkommen zur Annahme. Die Gewährung von Siraßenbahn- und Omnibus-Abonnement s an die Stadtverordneten wird beschlossen. Die Einrichtung von 2 neuen Rektorenstellen zum 1. Oktober und Gehaltsregelungsvorschüsse von 100 und 150 M. für die Lehr« Personen der Geineindeschulen genehmigt die Versammlung. Stadtv. Dr. Silber st ein jSoz.) bekämpft den Magistrats- antrag auf Erhebung eines Schalgeldes von 30 M. jährlich von auswärtigen Kindern in den Gemeindeschulen. Der Unterricht muß nach demokratischen Grundsätzen unentgeltlich sein.— Stadtverordneter G r og e r(Soz.) regt die Bildung eines Groß-Berliner Verbandes an, der durch Vereinbarungen diese Schulgelder allge- lnein beseitigen könnte.— Stadtv. Abraham unterstützt diese Anregung und formuliert sie wie folgt: „Der Magistrat wird ersucht, mit dem Magistrat von Berlin zusammenzutreten zwecks Aufhebung des Fremdenschulgeldcs." Stadtverordneten-Vorsteher Sander will nicht, daß Rixdorf hierin bahnbrechend wirke, worauf ihm Stadtv. Dr. Silber» stein(Soz.) entgegenhält, daß man doch im Wahlrechtsraub bahn- brechend vorangegangen sei.— Der Antrag Abraham wird darauf angenommen. Der vorgelegten Festsetzung von Lohnftalen für die Angestellten des städtischen Omnibusbetriebes wird zugestimmt, ebenso der Be- schaffung einer Automobildampfspritze mft elektrischem Antrieb für die zweite Feuerwache. Der Magistrat beabsichtigt, auf der Elbestraße-Promenade, dem Kranoldplatz und der Böschung des Landwehrkanals am Maybach- ufer Vollbedürfnisanstalten zu errichten und die Anstalt aus der Promenade der Kaiser-Friedrich-Straße nach dem Jnselsteig Berg-, Ecke Walterstraße, zu versetzen.— Stadtv. Conrad(Soz.) be- antragt, in den Vollanstalteni eine Freizelle für Frauen zu schassen, wogegen Stadtrat M i e r Bedenken wegen der hohen Unterhaltnngs- kosten geltend macht. Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) bekämpft diesen Einwand und fordert im Interesse der Gesundheit des Weib- lichen Geschlechts die Berücksichtigung des Antrages Conrad.— Nachdem Stadtrat M i e r namens des Atagsstrats dies zusagt« wird die Vorlage angenommen. Das Abkommen über Errichtung einer Versuchsanstalt zur Steinfabrikation auf dem städtischen Müllabladeplatz und die ge- bührenfreie Desinfektion beim Wohnungswechsel Tuberkuloser werden debattelos genehmigt. Ein merkwürdiges Abenteuer, das nach verschiedenen Rich- tungen der Aufklärung bedarf, erlebten die Brüder Max und Paul Voß aus der Zietenstr. 71, welche vorgestern bei der Kriminal- Polizei darüber Anzeige erstatteten. Sie waren von einer Festlich- keit gegen 3 Uhr morgens nach Hause gekommen und standen vor der Tür, um auf den Wächter zu warten, als vor dem gegenüber- liegenden Fuhrgeschäft eine Droschke vorfuhr, von der ein dreizehn- jähriges Mädchen abstieg. In demselben Augenblick kam eine Auto- droschke herangesaust, der Führer derselben hielt an und rief: „Da ist das Mädchenl" Gleichzeitig sprangen zwei Männer aus dem Kraftlvagen. Das Mädchen lief nun quer über den Fahr- daGim zu den Brüdern V. und erzählte ihnen, daß die beiden Männer sie in der Hasenheide angehalten hätten und verschleppen wollten. Sie sei deshalb schon aus die Droschke geflüchtet. Ihre Eltern wohnten in der Knesebeckstraße. Jetzt näherten sich auch die beiden Verfolger der Gruppe und wollten die Kleine an sich reißen. Tie Gebrüder V. suchten den Vorfall zu klären und baten die Verfolger, Aufklärung zu geben, wie sich die Sache verhalte. Statt jedoch zu antworten, schlugen die Fremden mit stumpfen Instrumenten auf die jungen Leute ein, rissen sie zu Boden, Nahmen ihnen Stock, Regenschirm und Hüte fort, sprangen dann in die Kraftdroschke und fuhren in der Richtung nach Berlin davon. Das Mädchen war inzwischen auch verschwunden. Die bisherigen Ermittelungen der Polizei haben die Richtigkeit der Angaben der Brüder ergeben. Zu weiteren Festellungen des Tatbestandes wäre es jedoch dringend wünschenswert, daß sich die Eltern des Kindes bei der Rixdorfer Kriminalpolizei, Kaiser Friedrichstr. 104, 1. Etage Zimmer 61, melden würden. Die Täter sind anscheinend Fleischer- gesellen, wenigstens rief der eine den Ueberfallenen zu:„Die Lehre habt ihr von Schlächtergesellen erhalten". Aus der MagistrntSsitznng. Die Räume filr den Arbeitsnachweis in der Stcinmetzstraße sollen zum 1. Oktober d. I. gekündigt werden. Für die Anmietung neuer zweckentsprechender GelchäftSräume soll bei der Stadtverordnetenversammlung die Bewilligung eines Betrages von 1000 M.|iit die Zeit vom 1. Ohober d. I. bis zum 1. April 1910 nachgesucht werden. Die bon der Gewerbedeputation vor- geschlagenen Unterrichtszeiten für die städtische PflichtfortbildungS- schule werden genehmigt und festgesetzt.— Gegen den Erlaß einer Polizeiverordnung, wonach das Feilbieten von Blumen, Back- waren, Obst und geringwertigen Gebrauchsgegenständen auf Straßen und Plätzen an den beiden letzten Sonnlagen vor Weihnachten mit Ausschluß der für den Hauptgottesdienst bestimmten Zeiten gestattet wird, werden Bedeuten nicht erhoben.— Der Magistrat stimmt der folgenden Festsetzung des ortsüblichen Tagelohnes im Sinne des § 8 des Krankenversicherungsgesetzcs zu: 3.60 M. für männliche Personen über 16 Jahre, 2,20 M. für weibliche Personen über 16 Jahre, 1,80 M. für männliche Personen unter 16 Jahre», 1,40 M. für männliche Personen unter 16 Jahren. Steglitz. Als eine Bcläsiignng muß es empfunden werden, wenn die Kirche Personen zu Steuern veranlagt, die schon lange den gesetz- lichen Ansiriit aus derselben bollzogen haben. Es werden den unrechtmäßig Veranlagten dadurch uunötige Scherereien bereitet, die bei etioas Umsicht in der Veranlagung gut vermieden werden könnten. Der hiesige Gemeindekirchenrat scheint nun noch, großes Gewicht darauf zu legen, daß widerrechtlich zur Kirc�eissiener veranlagte Personen ihre Reklamationen in besonders ergebene Formen fassen, was aus folgendem Fall hervorgeht: Am 2. Juni wurde Genosse Kunert genötigt, eine Summe von 2 M. und 8 Pf. als„Kirchensteuer" zu bezahlen. Er erhob dagegen bei dem evangelischen Gemeindekirchenrat zu Steglitz Einspruch, be» antragte Zurückzahlung und gab der Erwartung Ausdruck, daß man ihn und jeine Frau mit derartigen Belästigungen in Zukunft ver- schonen werde, da sie beide seit mehr als 20 Jahren gesetzlich ihren Austritt aus der Landeskirche bewirkt härten._ Ein Herr Bogan erwiderte für den Gcmeindekirchenrat: „Wir teilen Ihnen ergebenst mit, daß wir die Steuerkasse veranlaßt haben, Ihnen die irrtümlich erhobenen Kirchensteuern in Höhe von 2,08 M. zurückzuzahlen. Vielleicht ist es Ihnen möglich, falls Sie wieder einmal in die Lage kommen sollten, sich an uns zu wenden, sich angemessenerer Formen zu i�- dienen." Die Anmaßlichkeit des Schlußsatzes beranlaßte Kunert zu nach» stehender Antwort: „Von Ihrer Mitteilung über Zurückzahlung der Kirchensteuer habe ich mit Vergnügen Kenntnis genommen.— Vielleicht ist es Ihnen möglich, falls Sie wieder einmal in die Lage kommen sollten, sich wegen Geldforderungen an mich zu wenden, sich einer Otigemesseneren gesetzliche,» Unterlage zu bedienen." Adlershof. Ucber die Bedeutung eines Jugendheims für die proletarischen Eltern referierte in einer vom Verein Jugendheim veranstalteten öffentlichen Versammlung Genosse Schenk. Er betonte in seinem Referat die BildnngSbestrebungen des genannten Vereins, der sich zur Aufgabe gemacht habe, das für die Jugend gemietete Heim in dem Neubau des Konsumvereins zu erhalten. Er ersucht die Versammelten, dem Verein beizutreten und die schulentlassene Jugend in das Heim zu schicken. Stieder-Schöneweide. In der Gemrinderatssitzung am Donnerstag wurde nach längerer Debatte auf Antrag der Kommission daS Ortsstatut tür daS Kauf- mannS» und Gewerbegericht für Ober- und Niedcr-Schöneweide und Johannistal angenommen; dasselbe soll an, 1. Oktober d. I. in Kraft treten. Von der Errichtung einer Rechtsauskunftsstelle hat man der hohen Kosten wegen vorläufig Abstand genommen. Dem Berte hrSzweckverband Groß-Berlin kann die Gemeinde wegen der Nichtbenennung der Berliner Ostbahn-Gesellschaft nicht beitreten; jedoch wurde beschlossen, einmal anzufragen, ob die Berliner Ostbahn- Gesellschaft nur versehentlich nicht genannt wurde. Der Schlamm ans der Kanalisation wird an die Firma Benjamin NiemeilS, welche 0,60 M. für den Kubikmeter zahlt, abgegeben. Waidmannslust. Ueder die politische Lage referierte in der letzten Mitglieder» Versammlung, welche inHennSdorf im Restaurant.Forsthaus" statt« fand, Genosse Fendel. Dem beifällig aufgenommenen Vortrage schloß sich eine lebhafte Diskussion an. J« der ersten General» Versammlung des hiesigen Bezirks war ein Beschluß zur Annahme gelangt, wonach die Mitgliederversammlungen des Sonntags ab- gehqlten werden sollen. Dieser Beschluß hat sich aber als undurch- führbar erwiesen; er wurde dahin abgeändert, daß derselbe nur für Stolpe bestehen bleibt. Dagegen finden in'den anderen Ortschaften die Versammlungen Sonnabends nach dem Zahlabend statt. Der von HermSdorf vorgeschlagene Bibliothekar Otto Brandt wurde be« stätigt. Die Biblioiheksstunden sind des Sonntags von 11— 12 Uhr im Restaurant.Forsthaus" festgesetzt worden. Nachdem Genosse Lnscher nochmals ans das Sommersest hingewiesen hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Rowawos. Mehr Polizei soll nach einem Beschluß der letzten Gemeinde» Vertretersitzung Rowawes erhalten. Den Grund hierzu bildet eine an das Laildratsamt gelangte Beschwerde über mangelnden Polizei» dienst in den Abendstunden, welche von einem in den Abendstunden bei Steinstücken Ueberfallenen erhoben lvorden war, der die Antwort erhielt, daß hier keine Polizeiwache existiere. Das Landratsamt hat darauf zwangsweise verfügt, daß die Gemeinde sofort eine Polizei» wache einzurichten habe und Vorkehrungen getroffen werden müssen, daß sofort ein bis in die Slbendstnnden ununterbrochen währender polizeilicher Dienst eingcricküet wird. Da die drei vorhandenen Polizeisergeanten fast ausschließlich mit Botengängen belastet sind, wird jetzt vorübergehend der Polizcidienst bis 9 Uhr abends von Bureaubeamten ausgeübt. Der Antrag der Finanzkommisston lautet deshalb dahin, drei weitere Polizeibeamte und einen Polizciwachtmeister anzustellen, was eine Mehrausgabe von zirka 6500 M. pro Jahr erfordert. Der Bürgermeister führte hierzu aus, daß er selbst am meisten unter den jetzigen Zuständen zu leiden habe, da er in seiner Privatwohnung in den Abendstunden von vielen Leuten belästigt werde, welche die Hilf« der Polizei in Anspruch nehmen wollen. Genosse Gruhl erklärte, daß die Sozialdemokraten dem Anttage nicht ohne weitere» zustimmen können. Es sei richtig, daß die Polizei- beamtcn jetzt überlastet seien; das habe aber seinen Grund zum Teil darin, daß sie vielfach der Gendarmerie Hilfe leisten müssen; das werde auch bei den neuen Beamten der Fall sei». Der Bürgermeister erwidert, daß diese Ausführungen nicht ganz zutreffen, da ohne seine Zustimmung die Gendarmerie die Ortspolizei nicht in Anspruch nehmen könne; diese Zustimmung werde er nur in dringenden Fällen geben, wenn die Polizei nicht anderweit beschäftigt sei. Er»ei froh, wenn er im Orte mehr Blau- röcke als Grünröcke habe. Es handle sich in der Hauptsache um eine Entlastung der jetzigen Polizei und um eine bessere Regelung des Polizeidienstes überhaupt. Nach dieser Erklärung zogen unsere Genossen ihren Widerspruch zurück, worauf der Antrag einstimmig angenommen wurde. Ein weiterer Beschluß der Vertretung besagt, daß da» Mit- bringen von Hunden auf den Wochemnarkt untersagt ist und frei herumlaufende Hunde eingefangen werden; die zum Ziehen von Transportwagcn benutzten Hunde müssen mit einem Maulkorb ver» sehen und am Wagen festgelegt sein. Der vorgelegte KosteuverteilungSpkan für die Straßen» besprengung wurde von der Vertretung angenommen. Die Be- sprengung erfolgt vom 1, April bis 15. Oktober in der Groß- beeren-, Kaiser-Wilhelm-, Linden», Retzow- und Schulstraße sowie Luther-Platz an regenfteien Tagen täglich einmal; die Kosten be- wagen 1400 M., wozu die Anlieger 1090 M. Beiwäge zu leisten haben. Im OrtSteil NcubabelSberg wird täglich zweimal und bei großer Wärme dreimal gesprengt, was 1380 M. Kosten verursacht, wovon die Anlieger 925 M. aufzubringen haben, WahS. Schau- giit den Inhalt der Inserate kibernimm» die Nedaktian dem Publikum gegenüber keinerlei Aerantwortnng. <,KeatLr. Sonnabend, den IS. Juni. Anfang 6>/, Uhr. Neues königliches Operntbeater. Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Gelbstcrn. K a in m e r s p i e l e. Ein Skan- dal in Monte Carlo. Sessing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Hcrbstmanöver. Schiller O. iiföattiiei» Dheater.) Der Biberpelz. Sch-n-r Charlottcnburg. Madame Bonivard. Neues Tchaiisvielhans. Friedrich- ZSilhelinstädt spielhans. Fidelio. Komische Oper. Demimonde. Pienes. Tricoche und Cacolet. Thalia. Im Cafü Noblesse. Lnsifpielhaus. Der sesche Rudi. Kleines. Moral. Hebbel. Die Welt obne Männer. NencS Operetten. Die Spindelfce. Berliner Opcretten-Theater SVi. Das TcusclSiveib.(Ans. 8'/. Uhr.) Luisen. Besiegt. FvlieS Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Aus. 8'/, Uhr. Metropal. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. Das Mädchen ohne Ehre. W. Noacks Theater. Dt« oberen Zehntausend. Apollo. Harlskri». Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Eari Haverland. Speziaiitätm. Pniiage. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. ReichShalle». stettiner Sänger. Der Kompagnicball. Urania. Tauoenjtrnhe Abends 8 Uhr: Rom Campagna. Sternniuree. Jnvalldenstr. und die 57/62. Lessing=Theater. Gastspiel d. Neuen Operctten-TheaterS. Ansang 8 Uhr. Vlv DolIarj»riiiaiCBSliK_� Berliner Theater. Gasispicl-Operetten-Theater. Täglich 8 Uhr:-55753 liin HerbatmaiiOver. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Trisoclis und Gacolel. Morgen und folgende Tage: frieoelie und Cacolet Neues Kgl. Opern- Theater(Kroll). Quta-Oper. t fieistersinger?ö!i Hilrnfierg. Oper in 3 Akten von R. Wagner. Ankang'/,? Uhr. Sonntag:„Tristan und Isolde." Montag:„Barbier von Sevilla." (Sembrioh.)_ Friedfich-WillieUdtisctiss Schauspielhaus. Honnabend, 19. Juni, Ansang 8 Uhr: Gastspiel der Morwitz-Oper: Zum erstenmal: irickell«». Gr. Oper in 3 Aufzügen von Ludwig v. Beethoven.(Kleine Preise.) Sonntag tiachm. 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Abends 8 Uhr: Der Freischütz.__ Neues Operetten-Thcntep, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Heute u. solzende Tage: Ans. 8 Uhr: lldle Ssppudelfoe. Operette in 3 Akten vonH. Reinhardt. L.usis|)BSLKsus. Abends 8 Uhr: Ter fesche Rudi. nraKTi» 11 r(®t" Nrantsurter Str. 132. •' Abends 3 Uhr: Das Mädchen ohne � Ehre.• Somnierpreise.___ Aus der Gartcnbnhne u. a.: Berlin auf Stelze» mit Willi A g o st o n. Spezialitäten.— Ansang 4'/, Uhr. Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Araorik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Grust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Ar.t 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Theater. Abends 8 Uhr. f III! Prager The and das glilnzendo Zum- frsgramn. Varietes A ___ Sensationen ö« � WWWWWWWWWWWWWWWWWWWi' Scliilier-Tlieafer. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Der Riberpclz. ßstte DicbeSkomödie in 4 Akten von Gcrhnrt Hauptmann. Ende 10'/, Uhr. Morgen und folgende Tage: _ Der Dibcrpclz._ Schiller-Theater CharloltenbUPB. Klndame Bonivard. Schwenk in 3 Alte» von Alexander Bisso» und Antont) Mars. ssM- Ende lv'/. Uhr.-PBJ Morgen und folgende Tage: Madame Boiiivard. CASTAN's PANOPTICUM Friedrichstr. 165(Pschorrpalast). Nur noch kurze Zeit! 0hEnetrEee?a" Mariedl �°�°Lte(Jgf W9lt. Täglich van 11—1 Uhr mittags und von 4 Uhr nachmittags ab: Gr. Konzert einer italieniseheii Damenkapelle. Arturo's Zauberland!®°rcvnok 1 uuhrrmnaci- mittags stündlich. 8 Uhr abends Hauptsoiree. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubonstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Horn Ulli! die Campagna. Eintritt 1 H., I von abends 6 Uhr ab 50 Pf. | Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Landesaussteilungspark am Lehrter Bahnhof Neu erbaut: Festaäle Gartenrestaurant Konditorei und Cafd MUltap. Konnert tilgl. v. 4 Uhr ab Dejeuner» von 3.80 an bis 2 Uhr nachm. 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Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Ariele.fkestb IWeindorgswog 19-20, Hosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: Tie neuen Juui-Spezialitäte» ,Jm Garten: Erci-IiloilZivr't. Dvi? Ealtfliis. Staht-leater Moabit. Alt-Sloabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Uhr, Konzert 6 Uhr. Somit. 6 bczw. 5 Uhr. Gartenerössnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, Spezia- litäten und Soiree der„Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im großen Theater-Saal._ Max Kliems SflUiei'-Wep irnil Festsäle Rudolf Krüger_ HasenhjmleM3/15. GroßsTKonzert Theater iinil Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elitetag. Während und nach der Vorstellung l'anzbi'iln�elieii. Reicbsbalien-Theater. eysel, Britton, Schräder usw.) Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. .. hi>iilMii«r Allee 148 jKastafileivAllee 9V/38 Täglich: Große Thealer Theater-«Spezialitälen- Yorsteilung. Neut Die Daliespritizessin.«-«' Beg. d. Konz. 4'/,. d. 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Die Kontrolle bei den Veranstaltungen dos nächsten Spieljahres.# Das Erscheinen aller Ordner ist nötig. fpgf- Die alten Mitglicdelrarten sind behufs Erneuerung zum Umtausch spätestens am Tage nach der Juni-Generalversammlung abzugeben Der letzte AhiiolungNtermin für die neuen nitellcdskarten ist der 5. Augast 1099. Ueber die bis zu diesem Tage nicht abgeholten Karten wird anderweitig verfügt. 241/5 Der Vorstand: In Vertr. G. Winkler. leisten, IssSamit JilMtsM zum gemütHeKen Heindsh. itoiL* Beliebtester Ansflngsort, idyllisch am Zcnthcner See zwischen Elchwalde, �chinückwitz u. Söcuthen gelegen. Fahrplanmäßiger Verkehr(stündlich) der 8terii-Dnmytfcr ab Bcrlin-JuunowltzbrUcke und Grttnan. Den geehrten Vereinen und Gewerkschaften bestens empfohlen. Hochachtungsvoll H, Spethmaiin* �2�?%-l\ Heute Sonnabend: A Gr. Dampfer- üflondschein- SPromeraadeG'difaE�pt mit Musif und festlich illuminierten Dampsern nach l�LLTaUrairT Nieder.Schönewetde. Bnfclbft Gr. 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Montag, den 21. Jnni, abends 8 Uhr, bei Merkowski, Andreasstr. 26: ---------- Versa mmlimg.--------- TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Verschiedenes. 85/16*_ Die Kommission. Somtzcg, den 20. Juni, vorm. 10 Uhr, in der Brauerei Patzenhofcr, Turmstr. 25-26: SkLk'ksvLrsKMMUmV für Moabit. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen �„st:„Ueber das neue Kranken- ticrsicherungsgesetz�. 2. Dis-ussion. 3. Wahl der BeitragSsammlcr. i. Verbandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ DicOptsverwaltnng. Haltbarkeit, guter Sitz, schönes Aussehen und Preiswürdigkeit, was Sie auch immer von einem guten Stiefel verlangen können, der Salamanderstiefel entspricht • Ihren Anforderungen. Fordern Sie Musterbuch V Einheitspreis... M. 12.50 Luxus-Ausiührung M. 16.50 Salamander Schuhges. m, b, H. W. 8 Friedrich- Strasse 182 SW. Friedrich-Strasse 221 C. Rosenthaler Tor KW. Wilsnacker Sirass« Eck* Turra-Strsue 9 C, König-Strasse 47 W. Potsdamer Strasse 5 W. 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Juni, nach- mittags ß'/j Uhr, von der Leichenhalle des Nixdorser Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. 197/7 Rege Bctellignng erwartet Hie OrUverwalwng Berlin. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, nachmittags 6'/, Uhr, verstarb plötzlich unser lieber Vater, Schwager und Groß- vater, der Töpfer 1617L lierrnstm Hasse. DicS zeigen hiermit an ßie tiefbetrübten Hinterbliebenen. Charlottenburg, 18. Juni 1909. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags i Uhr, von der Halle des Luisenkirchhoss am Fürstenbrunner Weg aus statt. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigimg unserer lieben, unvergeß- lichcn Mutter, Schwester und Tante IfiAfiC Voß gcb. Hoffmann sagen wir allen Verwandten und Belannten, dem Wahlvercin des sechsten Berliner ReichStagsivahllreises, dem Fabrikarbctter-Verband. den Sängern und besonder? Herrn Max Schütte für die trostreichen Worte unseren berz- lichsten Dank. 16152 Marie Baumann als Tochter. Reinhold Bauman» als Sohn. Panline Untermann als Schwester. Ausnahme- Presse. Abnahme: Mai, Juni, Juli. 5aB,Kilcli5f KohlenFrosjhandlung Getxründct 1893. Hanpt- Kontor Berlin 0. 34, Petersbnrger Straße 1 (vls-ä-vis Warschauer StraBe). gernspr. Amt 7 Nr. 3010 u. 3096. Lagerplai, I: Berlin 0. 34, Brom- berger Str. 16 sam Ostbahnhos). Lagerplatz II: Berlin0.17, Frucht- straffe 13(Güterbahnhof Ostbahn). Sagcrpiatzlll: Güterbhf.Weiffen- fee, Greifstvalder Straffe 8va. Amt Vit, 7624. 6962» Lagerplatz IV: Berlin M., Behm- straffe 28—34(Ecke Schievelbeiner Straße). Preise für mir la«arlion ab Platz von 10 Ztr. an: Prima Halbsteine Ferdinaiid Ztr. 78 Pf. , Halbiteine Lauch- hattimer Ztr. 81 Ps. . Haldsteine Akw. Ztr.«5 Ps. „ Ferdinand-Brik. Ztr. 8« Ps. , Anna und Waid- mannöheil Ztr. 87 Pf. , Pfännerschaft Ztr. 89 Ps. , ia Diamant- Salon (pr. Ztr.110-120St.) Zir. 95 Ps. , la Anh. 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Die Beerdigung findet heute i I Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, I von der Leichenhalle des Rixdorser I FriedhoseS(Mariendorser Weg) I auS statt. Um rege Beteiligung ersucht >235/9 IterVorstand. ZentralveM äeiitseher Brayerei-ÄrMterJ Nachruf. De» Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Kollege, der Mitfahrerl Andreas Lchrnidt| nach kurzer Krankheit am 5. Juni j verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 43/1 Die Ortövertvaltung. Am Donnerstag, den 17. d»., starb nach langem Leiden unser lieber Kollege, der Schristsetzers Eugen Schallhorn geb. am 23. 1. 67 in Berlin. Sein aufrichtiger Charakter sichert ihm ein dauerndes An- denken bei den Kollegen der Norddeutschen ßuchdrnckerei. Die Beerdigung ist am Sonntag- nachmittag 4(ihr auf dem Elisabeth- Kirchhof in der Prinzen- Allee (Gesundbrunnen). 80b IlanlisaAaaK;. Für die herzliche Teilnahme und die Blumenspendcn bei der Bc- erdigung meines lieben Mannes und Vaters, des EishändlcrS 81b (Zustav Grunow sage ich allen Freunden und Ver- wandten, insbesondere dem GS. verein»Nordens und dem Wahlverein des 6. Berliner NeichstagswahlkreiseS meinen herzlichsten Dank. Trau Grunow und Sohn, Für die innige Tcllnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer unvergeßlichen lieben Tochter. Mutter und Schwester Frau Witwe Puder geb. Pctko 726 sagen wir allen Verwandt» und Bekannten, insbesondere dem dritten Berliner NcichStagswahIkreiS, dem Verband der Freien Gastwirte Berlins, den Gewerlschasten, Vereinen und Stammgästen herzlichen Dank. vis trauernden Hinterbliebenen. Dr.Simmel Spezial-Arzt«2/9» für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Ä"» 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Wegen der Beerdigung des Genossen Augustin ist das Restaurant am Sonntag vormittag bis 12 Uhr geschlossen. 78& Mittagstisch wie gewöhnlich; auch finden die angesagten Versammlungen statt Die Verwaltung des Gewerkschaftsbauscs. I«r»= Kkkgntwortllcher SfbflttfUf ti Hans Mbrr. Bexlig,. Kür de» Jnferatenteilverantw, i Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Berlaa: Vorwärts Vuckdruckerei u. VerlagssnjtM KM ÜLwa«& Ts». Kulis SW» Dr. 140. 26. Jahrgang. 3. KeilU des Jmmitls" Kerl« DÄMM Sonnabend, 19. Juni 1909. Kongreß des deutschen Zylographell-Nerbandes vom 14. bis 17. Juni 190V im„GcwerkschaftshauS" zu Staffel. Es find vertreten die Städte Braunschweig, Elberfeld. Düffel- torf, Dresden, Leipzig, Frankfurt a. M., Stuttgart, Hannover durch je einen, Berlin durch drei Delegierte, der Zcntralvorstand durch den Vorsitzenden O. Blechschmidt-Berlin und den 1. Kassierer Helm, die Zeitschrift durch den Redakteur O. Spandau-Leipzig. Als Vertreter der Generalrommission nimmt an den Verhand- lungen teil der Genosse I. Sassenbach. Vom Verband der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Berufe ist Paul Lange- Berlin delegiert. Der Bericht des Zentralvorstandcs seit dem letzten Kongreß 1906 in Frankfurt a. M. liegt im Druck vor. Der Zentralvorsitzende ergänzt denselben in einzelnen Punkten. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Lage des tech- nischen Holzschnittes in den letzten Jahren eine bessere war als früher. Diese Erscheinung, die im Gegensatz zu unseren übrigen allgemeinen Verhältnissen steht, findet eine Erklärung vielleicht da- durch, daß die Industrie größere Aufwendungen in Reklame durch Herausgabe neuer Kataloge oder Preislisten machte, um Aufträge zu gewinnen. Die Lage des belletristischen Holzschnittes dagegen ist äußerst ungünstig. Die Mitgliederzahl erhöhte sich von 447 auf 502. Der Vermögensbesband am 1. Januar 1906 betrug 31681,90 Mark, am I. Januar 1909 37 018,49 M. inklusive Lokalkassen. An Arbeitslosenunterstützung wurden gezahlt 1906: 5435,60 M., 1907: 3015 M., 1908: 2921 M., zusammen 11371,50 M. für 3898 Tage Am 1. April 1907 trat der mit dem Bunde xylogvaphischer Anstalten vereinbarte Tarif auf die Dauer von zwei Jahren in Kraft. Der Tarif enthält gleichzeitig einen Organisationsvertrag. Die damit gemachten Erfahrungen veranlaßten den Vorstand, diese Be- stimmungen hierüber zu kündigen, den Tarif selbst dagegen um ein weiteres Jahr, bis 1910, zu verlängern. In Braunschweig kam es zu Differenzen wegen Aufhebung der Gehaltsarbeit. Den Kollegen gelang es jedoch, diese Absicht zu verhindern. Ueber die Tendenz der Zeitung wurde festgelegt, daß dieselbe im Sinne der Arbeiterbewegung politisch und geWerk- schaftlich aufklärend zu wirken habe. Aber auch die Fachintcr- essen müssen genügende Berücksichtigung finden. Bei den Tarifberatungen wird betont, daß in allererster Linie auf eine Abschaffung der Stückarbeit hinzuarbeiten sei. Wo die Verhältnisse günstig sind, soll man die Gehaltsarbeit fordern. Der Stückpreistarif wird ergänzt und erhöht. Eine Kommission wird gewählt, mit dem Bunde xylographischer Anstalten in Ver- Handlungen einzutreten. Dem Anschluß an den Lerband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe stehen gegenwärtig noch Schwierigkeiten entgegen, die vor allem in der ungleichen Beitragsleistung und den Unterstützungseinrich- jungen hervortreten. Der jährliche Beitrag für den Xylographen- verband beträgt 21,60 M., für den Lithographenverband 62,40 M. Die Diskussion zeigt, daß die ungleichen Unterstützungseinrichtungen beider Verbände zunächst das Erschwerende einer Verständigung bilden. Die Arbeitslosenunterstützung des Tylogvaphenverbandes beträgt 12 bis 13 M. wöchentlich. Im Verband der Lithographen usw. dagegen 9 bis 12 M. Folgende Resolution findet einstimmige Annahme: «Die gewerkschaftliche EntWickelung des Verbandes vollzieht sich unverkennbar nach allen bisherigen Vorgängen nach der Richtung hin, daß wir den Anschluß an den Verband der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Berufe suchen müssen. Dieser natürlichen EntWickelung aber bereits heute durch einen Beschluß vorzugreifen, erachten wir ouS taktischen Gründen für untunlich, da die Wirkung eines solchen Beschlusses nur Nachteile für uns haben würde. Unsere gewerkschaftliche Tätigkeit bedingt aber auch ferner ein Zusammenwirken mit dem Verband der Lithographen, Stein- drucker und verwandten Berufe und erwarten wir daher, daß uns diese größere Organisation in loyaler Weise wie bisher unterstützt." Der Kongreß beschließt ferner, einen Gegenseitigkeitsvcrtrag mit der Allgemeinen Krankenzuschnß- nnd Begräbniskasse für Xylographen, Sitz Stuttgart, abzuschließen, damit alle Mit- gliedcr des Verbandes im Falle der Erkrankung einen Zuschuß zu dem Krankengeld beziehen können. Diese Kasse ist aus Verbands- Mitteln hervorgegangen. Zur Zeit der Puttkamerschen Streik- erlasse löste sich die Kasse vom Verband ab. Sollte dieser Gegenseitigkeitsvertrag bei den VerbandSmib. gliedern keine Annahme finden, so ist der Zentralverbandsvorstand beauftragt, den Mitgliedern ein Statut einer eigenen Kranken, zuschutzkasse vorzulegen. Zur Regelung des Arbeitsnachweises werden dem Zentralvorstand eine Reihe von Anträgen überwiesen, um ein Reglement für den Arbeitsnachweis aufzustellen. (£3 folgt die Statutcnberatung. Der Bezug der Arbeitslosenunterstützung wird von 42 Tagen bis 48 Tage verlängert. Der Beitrag für Umzugskosten wird erhöht von 80 bis 120 M. Die Statutenänderungen unterliegen noch einer Urabstimmung. Der Sitz der Redaktion wird von Leipzig nach Berlin, dem Sitz des Zentralvorstandes, verlegt. Die Redaktion wird im Nebenamt ausgeführt und zur Bewerbung unter den Berliner Mitgliedern ausgeschrieben. Als Zentralvorsitzender wird Blcchschmidt-Berlin und als Vorsitzender der Beschwerdekommissiaa Donay-Stuttgart einstimmig wiedergewählt. Em der frauenbeweguii� gen der Frauen oder kapitalistische usbeutung? In der«Deutschen Tageszeitung" vom 17. Juni lesen wir unter der Stichmarke:„Vom schwachen Geschlecht" folgendes: „Daß die amerikanischen Frauen in ihrem Emanzipation?- streben sich vor keiner Arbeit scheuen, und, indem sie Gleich- berechtigung auf jedem Gebiete mit dem männlichen Geschlechte verlangen, dieselben schweren Arbeiten zu verrichten bereit sind, welche bisher als ausschließliches Feld des Mannes galten, geht aus statistischen Angaben hervor. Danach sind in Amerika 25 000 Frauen in Eisen- und Stahlwerken als gewöhnliche Arbeiter beschäftigt. Zahlreiche Frauen sind als Schmiedegesellen, Ziegelarbeiter. Holzhacker und Ofenarbeiter tätig. Im Staate Connecticut wurde kürzlich ein Straßenbau Unternehmer unter der Beschuldigung der Grausamkeit vor die Behörden geladen, weil er seine Tochter bei einem Straßenbau als gewöhnliche Arbeiterin beschäftigte. Das heißt, wie die anderen Arbeiter trug die Tochter Steine mit herbei, arbeitete mit dem Spaten usw. Es Ivurde festgestellt, daß die Tochter auf eigenen Wunsch die Arbeit verrichtete und zwar, um zu zeigen, daß die Frau zur Verrichtung jeder Art männlicher Arbeit, ivelche die größte physische Anstrengung und Ausdauer erheischt, im- stände ist." Die„Deutsche Tageszeitung" braucht nicht erst statistische An- gaben aus— Amerika zu holen, um nachzuweisen, daß die Frauen- erwerbsarbeit nicht nur ganz allgemein rapide zunimmt, sondern daß auch bei den schwersten, unangenehmsten und ungesundesten, ja oft lebensgefährlichen Arbeit Frauen in steigendem Umfange be schäftigt werden, solche statistischen Nachweise sind in den Ergebnissen der deutschen Berufs- und Gewerbezählungen zu finden. In der deutschen Metallindustrie werden außer bei leichteren Arbeiten, wie beiin Herstellen und Verpacken von Näh- und Strick- nadeln, von Fingerhüten, Schirmfurnituren usw., zahlreiche Frauen beim Formen fMaschinenformen), Gußputzen, an Stanzen und bei anderen schweren Arbeiten beschäftigt. In der Holzindustrie schanzen die Frauen an Fräs- und Hobelmaschinen, sie schleppen das Rohmaterial und fertige schwere Gegen- stände treppauf und-ab. In der Ziegelindustrie, in Bergwerken und auf Bauten, beim Eni- und Beladen der Schiffe, bei Ausschachtungsarbeiten, beim Bahn- und Wegebau sind Hunderttausende von Frauen ebenso erwerbstätig wie in allen übrigen Industriezweigen, sowie bei den schweren landwirtschaftlichen Arbeiten und auch im Handel und Verkehr. Aber keine dieser Frauen, ob in Deutschland oder Amerika be- schäftigt, wird uns sagen, daß sie diese Arbeit verrichtet, um den Nachweis zu erbringen, daß„die Frauen zur Verrichtung jeder Art männlicher Arbeiten, welche die größte physische Anstrengung er- heischt, imstande ist", um mit diesem Nachweis ihre Forderung der Gleichberechtigung zu begründen und wirksam zu unterstützen; viel- mehr werden alle lohnarbeitenden Frauen, ob diesseits, ob jenseits des Ozeans, erklären, daß die Not des Lebens, die Not- wendigkeit des Broterwerbes, sie in die Erwerbsarbeit und innerhalb dieser oft zu den schwersten Arbeiten zwingt. Bei den lohnarbeitenden Frauen erweist sich die Not, bei den Unternehmern das unersättliche Profitbedllrfnis, der Gedanke, Lohn zu sparen, als treibende Straft für die fortgesetzt steigende Verwendung der weiblichen Arbeitskraft. DaL kapitalistische Ausbeutungsbedürfnis, nicht das Emanzipationsbestreben der Frauen führte diese zu den schwersten und ungesundesten Arbeiten in privaten und— staatlichen Betrieben. Die kapitalistische Ausbeutung er- weckt vielmehr erst die lohnarbeitenden Frauen zum Bewußt- sein ihrer selbst sowie zum Bewußt ße in ihrer Klassenzugehörigkeit. Das erwachte Persönlichkeits« und Klassenbewußtsein treibt sie dazu, teilzunehmen an den Emanzipationsbestrebungen ihres Geschlechts und ihrer Klasse. Die lohnarbeitenden Frauen haben auch in großer Anzahl be- reits erkannt, daß sie, nicht zum wenigsten um ihre Gleichberechtigung durchzusetzen, eines gesetzlichenSchutzes gegen zu schwere und besonders gesundheitsschädliche Arbeit be- dürfen, statt solche Arbeiten aufzusuchen. Die Gleichberechtigung ilt es zu erkämpfen, und dazu bedarf die kämpfende Frauen- ar ihrer gesunden Körper- und entwickelten Geisteskräfte. Die lohnarbeitenden Frauen erkennen aber auch erfreulicher- weise immer mehr, daß die Gleichberechtigung mit dem Manne sie noch keines toegs frei und unabhängig macht, sondern ihre wirtschaftliche Unfreiheit, ihre Abhängigkeit vom Kapital und damit ihre Ausbeutung durch dasselbe, bestehen läßt. Daß daher, wenn sie wirklich ftei und unabhängig werden wollen, sie den Kapitalismus beseitigen und sich am Klassenkampf der Arbeiterschaft beteiligen müssen. Das ist just das Erfreuliche bei der steigenden Zunahme Weib- licher Erwerbsarbeit, daß sie— abgesehen davon, daß sie die Vor- bedingung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Weibes bildet— die Frauen hinausführt aus der Enge des Hauses, der Enge des häuslichen Gesichtskreises, sie empfänglicher macht für die großen Ideale der Arbeiterklasse, sie schult für deren Befreiungskämpfe. In diesem Sinne wird die Frauenarbeit zum Motor ür die Emanzipationsbestrebungen der Pro« letarierin in ihrer Eigenschaft als Weib und als Angehörige ihrer Klasse. Nicht wie da? Agrarier- blatt behauptet, haben die Emanzipationsbestrebungen des WeibeS dieses veranlaßt, freiwillig die schwerste physische Arbeit auf sich zu nehmen. Unsere Aufgabe ist eS, Sorge zu tragen, daß die Beteiligung der Frauen am Klassenkampf gleichen Schritt hält mit der Zunahme der Frauenerwerbsarbeit, ja mehr noch, daß sie diese überflügelt, daß in zunehmenden Maße Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse organisatorisch und geistig erfaßt tverden von der Arbeiterbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag: AuS« flug nach dem Botanischen Garten in Dahlen:. Treffpunkt: 2 Uhr an der neuen Wannseebahnstation:„Botanischer Garten". Nachher: Kaffeekochen in Steglitz im Restaurant Birkenwäldcheu bei Schellhase. Gäste willkommen. Vermischtes» Der Typhus in Schlesien. Nach einer Meldung aus Breslau ist die Zahl der Thphuserkrankuugeu uoch im Zunehmen. Bis gestern waren 229 Fälle amtlich gemeldet. Die Schule im Ober- darf, wo die Seuche am meiste» um sich griff, ist geschlossen. Bis zum Eintreffen der in Berlin bestellten Baracken will man die Kranken in Schnlzimmern unterbringen. Wodurch die Infektion der Wafferleitung erfolgte, hat noch nicht festgestellt werden können. Ueber einen Raubanfall wird vom gestrigen Tage aus Leipzig berichtet: Heute früh wurde hier wiederum ein Raubansall verübt. In einem Posamenten- und Schuittwarcngeschäft versetzte ein Un- bekannter, der eine Bluse zu kaufen verlangte, der 64 Jahre alten Gcschäftsinhaberin plötzlich mit einem Justruinent eine» Schlag auf den Hinterkopf, so daß sie besinnungslos zu Boden stürzte. Bevor die Frau sich wieder erholte, raubte der Täter die Ladenkasse und floh. Sechzehn Gehöfte eingeäschert. Wie eine Meldung aus Belkow in Pomniern besagt, brannten dort am gestrigen Tage 16 Gehöfte mit 40 Gebäuden nieder. Vom v-Zug überfahren. AuS Münster in Westfalen wird vom gestrigen Tage amtlich gemeldet: Heute vormittag 6 Uhr wurde von V-Zug 128 Berlin— Vlissiugen am südlichen Wegiibergang des Bahn- hoscs Dülinen i. Wests, ein Fuhrwerk mit drei Personen, einem Mann und zwei Frauen, infolge offener Wegeschranke überfahren. Die drei Personen sowie daS Pferd wurden getötet, das Fuhrwerk zer- trllmmert. Die Namen der Verunglückten konnten noch nicht fest- gestellt werden. Die Cholera in Nußlaud. Wie eine Meldung aus Petersburg besagt, sind in den letzten 24 Stunden 34 neue Cholerafälle vor- gekommen und zehn Personen der Seuche erlegen. f» gerichtlichem Protokoll erklärt ntrng auf Umschreibung über- BnCfkaften der Redaktion. Sic(urlftldfie evrechltundc Riwct S i n> cn ft r n f)e Nr..■), zweiter Hol, dritter Eingang, vier Treppen, BCjr" F a b r ft n h t-Wg wochentägiiili abends von 7l/j bis tt'l, Uhr ftatt.(«emlnet 7 Uhr eamtabciibs beginnt die Evrechsiiind- um i> Uhr. Jeder Älnlrage ift ein Vuitisiabe und eine Kahl als VUerkzeichen beizimige».'vrielliche älntluort wird»ich! erteilt. Bis zur Beailtwortung im Brirfkasteu köiineu 44 Tag« vergehen. Eilig« Jrageu trage man tu her Evrechfluitde vor. G. W. LS. Handelt es sich nicht etwa um eine ausgeklagte Forderung, so lassen Sie es aus eine Klage ankommen.— 3t. B. Pettenkoferstr. 1. Dem von der Frau vor der Ehe geborenen unehelichen 5Unde kann der Ehemann der Frau, wenn er nicht Vater deS Kindes ist, seinen Namen geben. Zu diesem Vehuse ist erforderlich eine Erklärung des Vormunds, der Ehesrau und des Ehemannes vor dem Standesbeamten. Diese Er« Ilärungen können auch zu notariellem oder und dann dem Standesbeamten mit dem Ani sendet werden. 2. Keineswegs.— S. 32. Ja, die Höhe hängt von der Vereinbarung mit der Kranlenkasse und der Sanatoriumsverivallung ab. — G. E. 100. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament ist güitiij, wenn es den Formvvrschrksten entspricht. Anleitungen und Beispiele für ein solches Testament finden Sie aus den letzten Seiten des dem„Arbeiter- recht- beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. — Rixdorf U. Nein.— D. 020. Bei der Mischehe hat jeder Ehegatte nur die Halste der Kirchensteuer zu entrichten. Sie müssen also gegen die Veranlagung Einspruch erheben. Die Gemeinde hat nur mit der Ein- ziehung zu tun, nicht mit der Veranlagung.— G. 13. Ein bestimmtes Recht aus Urlaub besteht nicht. Tragen Sie Ihren Fall dem Verbände der städtischen Arbeiter vor.— W. P.. Köpenick. Jawohl. Sie müssen ausdrücklich den Antrag aus Herabsetzung stellen, wie wir das wiederholt im redaktionellen Teil dargelegt haben.— W. H. 41. Der AmtSvorsteher ist zuständig. Aus Anziehung der Angelgeräte kann erkannt werden..— A. C. Liegt Adoption vor, so kann dieselbe nicht wieder rückgängig gemacht werden, sonst kann man ein fremdes Kind nicht auf seinen Namen ein- schreiben lassen._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dlreklion über den Groghandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäst schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht ausreichend, Geschäst flott, Preise uiiverändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Gefchäft sehr lebhaft, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise ivenig verändert, Krebse anziehevb. Butter und Käse: Geschäst still, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise gedrückt._ Wasserstands-Nachrichtc» der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder. Ratibor , Kroffen , Frankfurt Wa»' l h e, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbp . Magdeburg Wasserstand Saale, GrochUtz Havel, Spandau . Rathenow■) Spree, Spremberg') . Bccslow Weser, Viünden , Minden Rhein, MaximilianSan , Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 17. S. cm 78 46 63 68 52 —93 —30 408 287 269 108 113 56 seit 16. 6. cm 0 0 — 1 0 0 +7 +1 —26 + 17 +58 -29 +2 — 1 ')+ bedeutet WuchS,— Fall. 322 cm, am 16. abends: 231 cm. —•) Unterpegel.—•) am 18. srüh; Sunlichf Seife bleib!" Irofz allen wunderbaren neumodischer? Erfindungen auf dem Oebief der chemischen Waschmiltel der sorgsamen Hausfrau zuverlässigste freund in,sic verleih)" ohne die Gewebe anzugreifen Remheif, frische u. Weis# da sie reinste Seife is�herqestelir aus streng geprüften Rohmaferialicn. Großer Saison-ßßumungs-Verkauf Nur kurz© Zeit! Nur kurze Zelt! TsAs»tsnss?rsZssrMKKig»«g auf alle Saison-Ürilksl am die Obermttfiic sroöen Lttgcr ▼ollstttiulls ca rliuiuen, verbanden mit Doppelte Marken ü iip~ GroBe ErmSBigungen auf Damen-Konfektion, Blusen, Damen-Putz, Kleiderstoffe, Waselistoffe, Herren-Konfektion Aul Lebensmittel den üblichen Babatt H. Joseph& Co Rixdorf Berliner Straße 54/55, Ecke Jägerstraße. 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