Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt rv, Nr. 1983. Freitag, den 3. Juli 199». Expedition: SM. 68» I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Ndonnemenk-NeSIngungen: Nbonnen:entS> Preis pränunierando i »iertcljähri. 3£0 Bit, monatl. 1,10 Ml. wöchcmlich 2i Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nuniuier nn» illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Weit' ig Pfg. Post« Abonuenient: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS- Vreisiisie. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PoslabonnenicniS nefimen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Ruinänien Schweden und die Schweiz. Crftttlnt tSalld) SllBcr Mslilsg». Devlinev Volksblelkt. vie Inledlonz-Sebilh? deirügt für die scchsgespaltenc Kolone?» zcilc oder deren Raum K) Psg., sür politische und gewerlschastlichc Vereins» und VersamniIungS-Anzcigen 90 Pfg, „Kleine Hmetgen", baS erste(feit» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stcllen-Anzeigen das erste Wart 10 Pfg., jede- weitere Wort K Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen Iiis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedilion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozUiiUinoiirat Rtrlia", Zentralorgan der fozialdemokrattfcben Partei Deutfcblands. Dr. 151. 26» Jahrg. Der Kampf um die Steuerqucllen. London, 29. Juni.(Eig. Ber.) Die englische Finanz- Vorlage befindet sich seit acht Tagen in Kommissionsberatung, die sich zu einem heftigen und zum Teile lehrreichen Kampfe zwischen den verschiedenen Jnleressengruppen gestaltet. Die Kommissionsberatung des Etats, wie überhaupt aller bedeu- tenden Vorlagen, wird nicht.— wie in Deutschland— von einem kleinen Ausschuß der Fraktionen vorgenommen, sondern vom ganzen Hause. Diesmal nimmt aber auch das ganze Land am Kampfe um die Steucrquellcn teil. Die Staatssiuanzen stehen gegenwärtig im Mittel- punkte des öffentlichen Lebens und sie können unter Umständen zu einer Auflösung des Parlaments und zu Neuwahlen führen. Im allgemeinen darf man sagen, daß sich die Nation in dieser Frage in zwei große Interessenten- gruppen teilt: Die Grundherren und die Großfinanz sind gegen, das Kleinbürgertum und die Arbeiter sind für die Finanzvorlage. Nach dem gegenwärtigen Tempo der Beratungen zu ur- teilen, dürfte eine Entscheidung über den Etat nicht vor dem Herbst zu erwarten sein. Und das auch nur, soweit das Unterhaus in Frage kommt. Dann aber wird im Oberhause das Spiel beginnen, von dem man nicht sagen kann, wie es enden wird. Gegenwärtig berät das Unterhaus die neuen Grund- steuern, die aus folgenden Quellen fließen sollen: 1. Bodenwertzuwachs: 29 Proz. Steuer, die bei gewissen Gelegenheiten zu entrichten ist. Der veranschlagte Ertrag für das Jahr 1909/10 ist 50000 Pfund Sterling(eine Million Mark). 2. Eine Steuer von 10 Proz. bei der Wiederüber- nähme von Grund und Boden durch den Grundherrn nach Beendigung des Pachtvertrages(Rsvorsion duty). Ertrag: 100000 Pfund Sterling(2 Millionen Mark). 3. Eine Steuer von 20 Pfennig auf 100 Mark des Wertes unbenutzter Ländereien und brachliegender Mineralgruben. Ertrag:" 350000 Pfund Sterling(7 Millionen Mark). � Insgesamt belaufen sich diese Grundsteuern auf 500000 Pfund Sterling(10 Millionen Mark). Es ist eine geringe Summe; nichtsdestoweniger wird um sie hart und heftig gestritten, da die neuen Steuern' wichtige Interessen und Fragen berühren. Gegen die Wertzuwachssteuer wird geltend gemacht, daß ihre Beschränkung auf Grund und Boden sinnlos sei. Die Grundbesitzer sollen scharf herangezogen werden, wenn ihr Besitz infolge der all- gemeinen Kulturentwickelung an Wert zugenommen hat. Ver- folgt man diesen Gedankengang zu seiner logischen Konsequenz, so müßten doch auch Geschäftsleute, Mitglieder der gelehrten Berufe und ähnliche Personen, die große Profite und hohe Einnahmen beziehen, Wertzuwachssteuer zahlen, da ein Teil ihrer Erfolge ohne Zweifel der allgemeinen Entwickelung des Wirtschaftslebens zu verdanken ist. Denn sie alle leben meinem Milieu, das sie nichtgeschaffen haben.und arbeiten mitMethoden und Mitteln, die ihnen teils von den vergangenen Generationen, teils vom allgemeinen gesellschaftlichen Leben zur Verfügung ge- stellt wurden. Wenn zum Beispiel ein moderner Dramatiker größere Einnahmen bezieht, als sie Shakespeare je bezogen, so ist dieser Wertzuwachs seiner Dranien sicherlich dem all- gemeinen Kulturleben und nicht den höheren persönlichen Leistungen zuzuschreiben. Und ähnliches gilt von modernen Finanzgrößen, Jndustriebaronen und sonstigen Geschäftsleuten, die infolge einer ganzen Reihe von kulturellen Um- ständen ihre Erfolge erzielen konnten. Man sieht aus diesen Argumenten, wie tief die Diskussion über die Wert- zuwachssteuer geht: sie führte zur Ansicht, die aller- Vings von modernen Sozialisten stets behauptet wurde, daß keine Person, so groß sie auch sein mag, aus sich allein große Leistungen hervorbringen kann, sondern daß sie auf den Schultern der Vergangenheit steht und mit dem von der ganzen Gesellschaft geschaffenen Fonds von geistigen und materiellen Schätzen wirtschaftet, also der ganzen Gesellschaft den Erfolg verdankt. Nimmt man das Prinzip der Wert- zuwachssteuer an, so kann man beim Grund und Boden nicht stehen bleiben. Unverdienten Wertzuwachs gibt es in allen Zweigen der menschlichen Tätigkeit. Es ist ferner klar, daß dieses Stcuerprinzip sich mit dem Jndividua- liSmus, mit dem Privateigentumsfanatismus nicht vereinbaren läßt. Ist jede menschliche Leistung eine Verbindung von individuellen und sozialen Faktoren, so verliert die Einzelperson die souveräne Macht über ihr Er- zeugnis und muß es mit der Gesamtgcsellschaft teilen. Die Sozialrcaktionäre leisten daher dieser Steuer sehr heftigen Widerstand. Tie Steuer gegen unbenutzt liegende Ländereien und Mineralgruben ist gegen die Bodenspekulation gerichtet und verfolgt den Zweck, den reellen Bodenhandel zu fördern. Selbstredend sind die Bodenspekulanten gegen diese Steuer. Abgesehen von der erwähnten Argumentation gegen die Grundsteuer erklären ihre Gegner, es sei ungehörig, neue Stcuergrundsätze einzuführen, ohne sie in besonderen Vorlagen dem Parlament zu unterbreiten; die Regierung hänge sie dem Etat an, so daß sie mit ganz anderen Gegenständen und Zwecken verquickt werden. Diesem Vorgehen liegt folgender Gedanke zugrunde: Die Regierung weiß, daß die Lords gegen die Grundsteuer sind. Die Lords können aber einzelne Vorlagen ändern und verwerfen, aber sie sind nicht bc- rechtigt, den Etat zu ändern. Allerdings scheinen sie das Recht zu haben, den ganzen Etat zu verwerfen, aber erstens ist dieses Recht nicht so sicher, zweitens ist eine Ver- werfung des Etats ein sehr verantwortungsvoller Schritt, der nicht so leicht unternommen wird. Die Regierung hat also die Grundsteuervorlagen dem Etat angehängt, um den Lords die Möglichkeit zu nehmen, diese Steuern zu verwerfen. Des- halb die Tränen der Reaktion! Was die Grundherren und die Finanzleute vom Etat denken, haben Lord Rosebery und LordRothschild mit aller Deutlichkeit erklärt. In einem Eingesandt an die Presse schrieb Rosebery:„Das ist kein Etat, sondern eine Revolution: eine soziale und politische Revolution erster Größe. Und daS ist offenbar auch die Absicht der Regierung gewesen." Die konservative Presse nahm diese Parole auf und wird gar nicht müde, über sie zu leitartikeln. Dann kam Lord Rothschild, der als Vorsitzender einer öffentlichen Versammlung der Cith-Magnaten in einer längeren Rede den Etat einer scharfen Kritik unterzog und sagte: „Meines Erachtens ist das ganze Prinzip der Finanzvorlage schlecht. Herr Lloyd George und die Minister wollen das Prinzip deS Sozialismus und Kollektivismus begründen. Und wenn sie bei der Behandlung des Grund niid Bodens Erfolg haben, warum sollen sie andere Eigentumsformen schonen?... Wenn wir unZ Mühe geben, vernehmlich zu sprechen, so werden unsere Stimmen im Parlanicnte nicht uii- erhört bleiben." Die Bodenrcformer veranstalteten hierauf eine Gegen- kundgebung, bei der der Ministerpräsident A s q u i t h und Finanzminister Lloyd George sprachen. Letzterer nahm sich Lord Rothschild vor und behandelte ihn wie einen Autokraten Englands. Die Kritik gegen die Grundsteuern hatte indes den Erfolg. daß Lloyd George erklärte, die Regierung sei bereit, erstens die Erträge der Grundsteuer zu teilen und eine Hälfte dem Staatssäckel, die andere den Gemeinden zukommen zu lassen i zweitens, Ackcrbauland möglichst von den neuen Grund- steuern zu verschonen._ Zur Krife. ES wird jetzt eifrig an dem Kompromiß gearbeitet. Heute vor- mittag fand zwischen Mitgliedern der Regierung und Abgeordneten des neuen Blocks eine Konferenz statt, die bis 12 Uhr dauerte. Die Herren v. Bethmann-Hollweg, v. Rheinbabcn, Sydow und Delbrück sollen in dieser Konferenz die Regierung vertreten haben; von Parlamentariern sollen unter anderen Freiherr v. Richthofen(k.), Müller-Fulda(Z.), Graf Westarp(l.) und v. Ganip(Rp.) daran teil- genoinmen haben. Die armen Liberalen waren natürlich von der Teilnahme aus- geschlossen. Es ist noch gar nicht so lange her, daß Herr v. P a y e r erklärte, die Liberalen hätten keine Lust, sich ausschalten zu lassen, und deshalb stimmten sie beim VcreinSgefctz für das AuSnahmereckU gegen die Polen. Heute sind sie gründlich ausgeschaltet, die Polen haben ihre Revanche genommen und cS nützt den Liberalen nichts, daß sie unaufhörlich versichern, der Fußtritt, mit dem sie die Konservativen aus der Blockgemeinschaft befördert haben, stelle eigentlich einen großen Sieg des Liberalismus dar. Denn Siege müssen erkämpft werden und zu wirklichem Kampf sind die Liberalen ebensowenig entschlossen wie die Regierung. Sonst würden sie nicht so ruhig zusehen, wie der schwarze Block sich anschickt, die Steuern mit größter Eile durchzupeitschen. Sie wurden Widerstand leisten und alles daransetzen, die Regierung zu zwingen, von dem schlechten Reichstag an einen besseren zu appellieren. Ucber das Ergebnis der Berbandlungen der RegierungSvertrctcr mit den wirklichen Machthabern ist nichts Sicheres bekannt. Nach dem„Berk. Tagebl." habe die Konferenz zu keinem Resultat geführt. Die Verhandlungen über die Besitz steuern, die an die Stelle der Kotierungssteuer, der Mühlenumsatzsteuer und des KohlcnauSfuhr- zollcS treten sollen, seien einstweilen auf den„toten Strang" geraten. In parlamentarischen Kreisen habe man auch vielfach die Ansicht, daß die Abstimmung über die Tabak st euer leicht zu einer Ablehnung dieser Steuer führen kann, und daß sich Fürst Biilow dann doch zur Auflösung entschließen müßte. Wir meinen, daß solche Hoffnungen Illusionen sind, die schädlich wirken, weil sie die Tatsache verhüllen, daß eine entscheidende Wendung, wie sie die NeichStagSauflösiing bedeuten würde, nicht von der gebrochenen Energie der führerlosen Re- gierung zu erwarten ist, sondern einzig und allein nur unter de in Zwange der Not eintreten könnte. Läßt man den schwarzen Block sein unheilvolles Werk vollenden, ohne Widerstand zu leisten, so kommen die Steuerungehenerlich- leiten zustande. Deshalb find die Liberalen niit ver- antwortlich, wenn sie im Parlament der Steucrrealtion freie Bahn lasten. Freilich, cS gibt noch immer naive Gemüter, die sich nicht entschließen können, jede Hoffnung auf die Energie des Fürsten Bülow fahren zu lassen. So erzählt die.Vossische Zeitung": Hie und da ist man daher immer noch versucht, an einen Feld- zugSplan gegen den schwarzen Block zu glauben. Danach würde der Reichskanzler im Einvernehmen mit den Verbündeten Rc- gierungen nehinen, was er bekommen kann; die als unannehmbar bezeichneten Stenern würden fallen, die andern Gesetz werden und dann— vielleicht nach der Vertagimg biS zum Herbst— eine neue Erbanfall st euer eingebracht und «ach deren Ablehnung der Reichstag aufgelöst werden. Erst nach den Neuwahlen werde für den Fürsten Bülow, wenn dann die Erbanfallsteuer angenommen oder endgültig gescheitert ist, der Zeitpunkt kommen, in Schönheit zu sterben. Durch diesen Kampf werde er sich am ehesten einen guten Abgang sichern." Das Blatt meint selbst, es seien gute Freunde deS Fürsten Bülow, die eine solche Wendung vielleicht mehr für wünschenswert als wahrscheinlich halten. Wir möchten aber meinen, daß durch solche Stimmungsmache nur die Gefahr ver- größcrt wird, daß die Finanzreform ausschließlich mit indirekten Steuern gemacht werde, was ja vielleicht für die Börse erträglich wäre, sicher aber nicht für die breiten Massen des arbeitenden Volkes. Gerade deshalb aber ist es so gefährlich, daß im Reichstage die indirekten Stellervorlagen so rasch durchbcraten werden sollen, bevor noch irgendeine Klarheit über das Ganze der Reform gewonnen ist. Gerade die Liberalen haben innner betont, und betonen es jetzt crst recht, daß bie Finanzreform für sie ein einheitliches Ganzes bildet. Dann müßten sie aber zum mindesten auch verlangen, daß die Beratung über die einzelnen Teile so lange ausgesetzt iverde, bis die neuen Kompromißvorschlage be- kamit sind. WaS soll man aber erst dazu sagen, daß die Liberalen im Reichstage selbst noch dem schwarzen Block H e l f e rs d i e n st e leisten? Die Beschuldigungen, die die Offiziösen des Kanzlers und des Bundesrates gegeneinander erhoben haben, haben in der Oeffentlichkeit große Heiterkeit erregt. Es war auch gar zu komisch, wie die beiderseitigen Offiziösen einmal den Bundesrat, da» andere Mal den Kanzler für den schmählichen Kotau der Regierung vor den Agrariern verantwortlich machten. Nachdem die Herrschaften eingesehen haben,, daß das„S i ch s ch l a g e n" für beide Teile zu unangenehme Folgen habe, haben sie be» schlössen, sich wieder zu vertragen und so wurden denn be- sagte Meldungen feierlichst dementiert. Da aber die„Nordd. Allg. Ztg." jeden Kredit verloren hat, so mußte für dieses Dementi eine besonders feierliche Form gefunden werden. Und so erhob sich plötzlich mitten in der Beratung der Brausteuervorlage der Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg zu einer Erklärung außerhalb der Tagesordnung und versicherte mit größtem Ernst, daß Bundesrat und Reichskanzler völlig einig sind. Dieser Erklärung folgte stürmisches Gelächter bei den Sozial- demolraten, die richtige Würdigung dieser Konstatierung, daß Kanzler und Bundesrat in gleicher Weise und zu gleicher Zeit umgefallen sind. i Dann aber folgte ein Nachspiel vor großem politischen Jnter. esse. In gewohnter Geistesgegenwart suchte Singer diese Er» klärungcn zum Anlaß zu nehmen, dem Deutschen Reichstag end- lich die Möglichkeit zu verschaffen, zur politischen Situation Stellung zu nehmen. Ist es�doch geradezu ein beschämendes Schauspiel, wie es in keinem anderen Parlament vor- kommen könnte, daß der Deutsche Reichstag zu dem völligen Um- stürz der politischen Verhältnisse bisher überhaupt noch kein Wort sagen durfte. Er berät und erledigt mit größter Schnelligkeit nach dem Diktat der schwarzen Drahtzieher die Steucrvorlagen. Daß ihm nur mehr die Karikatur einer Regierung gegenübersteht, das darf dieses armselige Parlament gar nicht kümmern. Nun ist eS ja begreiflich, daß der schwarze Block alles daran setzt, ein rasches Ende zu machen. Da er selbst regiert, kümmert ihn die Lage der Scheinregierung sehr wenig. Was soll man aber zu dieser liberalen Opposition sagen, die dem schwarzen Block dabei half, den Antrag Singers, in der nächsten Sitzung die Debatte über die Erklärung der Regierung zu eröffnen, niederzu stimmen! Diese liberalen Helden, deren Presse das Maul so voll nimmt, getrauen sich nicht einmal eine politische Debatte zu führen, die für die Klärung unserer politischen Ver- Hältnisse so überaus wichtig wäre. Sie wagen es nicht, der schwarzen Majorität bei der Durchpeitschnng ihrer Steuern Hindernisse zu bereiten. Noch mehr! Sie leisten ihr Vor» schub, sie begünstigen die Durchpeitsch ung und helfen dem schwarzen Block gegen die sozialdcmo- kratische Opposition. Man sieht, diese liberale Opposition ver- dient keine andere Behandlung, als sie ihr die Konservativen zuteil werden ließen,_ politircbc dcbcrHcbt. Berlin, den 1. Juli 1809. Brausteuererhöhung. AuS den: N e i ch S t a q. 1. Juli. Die Steuermehrheit ließ heute ihrem Eifer, der Regierung Konsumstcuern zu be- willigen, erneut die Zügel schießen. Es handelte sich darum, durch Erhöhung der Vier st euer etwa 100 Millionen Mark mehr aufzubringen. Das Vier muß mehr bluten, das ist bei den herrschenden Klassen ein beliebtes Stichwort bei jeder Stcuererhöhung von jeher gewesen. Ist Bier doch ein Verbrauchsgegcnstand, der die unbemittelten Volksklassen un- verhältnismäßig schärfer trifft als die Wohlhabenden. Der Steuerblock hielt denn auch bei der Abstimmung durchweg zusammen. Nur betreffs der Staffelung gab es im Zentrum eine kleine Differenz, weil ein Teil der Äaycrn aus Vierpatriotismus die Sache nicht mitmachen wollten. Für sie nahmen Dr. Heim und der„Bierbrauer und Ockonom" S t e i n d l daS Wort. Der wackere Stcindl drohte mit„Revolution", wenn die Bicrprcise erhöht werden sollten: da würde„mit Maß kr ü gen gesprochen" iverden. Genosse Z u b e i l wies ausführlich nach, wie gerade die Gastwirte, die.sowieso die Stiefkinder unserer Sieuergesehgebung fc!cn, durch die ViersteuererchShung schwer geschädigt würden. Auch die Genossen S ü d e k u m und S t ü ck l e n kämpsten gegen die Benachteiligung der breiten Bolksmassen durch diese Maßregel an. Alles vergebens I Mit strahlendem Antlitz konnten die Staatssekretäre die An- »ahme der Brausteuervorlage registrieren. Die politische Situation wurde aber schärfer noch durch ein eigenartiges Zivischenspiel beleuchtet. Plötzlich ergriff Herr v. Bethmann-Holliveg außerhalb der Tages- ordnnng zu einer„Erklärung" das Wort. Unter großer Heiterkeit verlas er eine gemeinschaftliche E r- klärung des Bundesrats, in der die unbedingte U e b e r e i n st i m n: u n g mit dem Reichskanzler in seiner ganzen Steuerpolitik ausgesprochen wird. Im Anschluß daran verlas der bayrische Bundesratsbevollmächtigte Graf Lerchenfcld noch eine persönliche Bertraucnskund- gcbung für den Zleichskauzler. Genosse Singer kennzeichnete treffend diesen Mißbrauch der Geschäftsordnung, durch den die Herren sich einer sofortigen Beantwortung aus dem Hause entziehen. Bei Festsetzung der Tagesordnung beantragte dann Singer, diese bundesrätliche Kundgebung auf die Tages- ordnnng der nächsten Sitzung zu setzen, da dem Reichstag die Selbstachtung dies gebiete. Natürlich verhallte dieser Antrag bei den bürgerlichen Parteien. Nach längerer erregter Debatte wurde der Antrag gegen die Sozialdemokraten und einzelne Freisinnige abgelehnt!— Gegen die Verschleuderung des Getreides ins Nusland. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag zum Finanzgcsetz den Antrag auf Auf- Hebung der Eins nhrsch eine für Getreide ein- gebracht. Für den Fall der Ablehnung beantragt die Fraktion die Wiedereinführung des Jdentitäts- Nachweises._ Die Dividendensteuer. Wie der„Tag" meldet, liegt der in der vorigen Woche � vom Abgeordneten Basser in an» in seiner Neichstagsrede ausdrücklich angekündigte Antrag auf Einführung einer Dividenden st euer von 2 Proz. bis zur Stunde nicht vor; es sind neuerdings auch in der nationalliberalen Fraktion gewichtige Bedenke n über die Zweckmäßigkeit eineS solchen Vorgehens entstanden. Es ist daher lvahrscheinlich, daß der Antrag überhaupt nicht eingebracht werden wird, und zwar mit der Begründung, daß sich durch den inzwischen bekannt gewordenen nahen Rücktritt des Fürsten V. Bülow die Lage wieder vollständig verschoben habe. Steuerdefraudanteu in Stadt und Land. Die«Konservative Korrespondenz" nimmt Revanche für die liberalen Enthüllungen über die S t e u e r h i n t e r- Ziehungen der Großgrundbesitzer. Sie dreht den Spieß um und führt einige Fälle an, in denen Industrielle als Stcnetchefraudanten festgestellt werden. Sie erzählt also: „ES mußten im Mai d. I. die Erben eines bayerischen Kam« mcrzicnratS, der Besitzer einer Kristallglasfabrik war, an Staat und Gemeinde 131 000 Mark Steuern nachzahlen. In Baden sind im April 1900 in einer einzigen Stadt gleich drei Fälle bekannt geworden und zwar hatte ein Bijouteriefabrikant, der sogar mehrere städtische Ehrenämter bekleidete, bisher 1 Million Mark an Wert- papieren nicht versteuert, ein Wollwarcnfabrikant muhte 180000 M. Steuern nachzahlen und bei einem anderen Fabrikanten wurden ebenfalls bedeutende Steuerdefrandationen entdeckt. Im April 1300 kommt es auch zu einem Verfahren gegen einen Bankier O p p e n b e i m e r in Detmold, der in Zukunft 20 000 Mark mehr an Steuern zahlen muß als bisher." Durch diese Beispiele wird natürlich nichts gegen die Wahrheit der Angaben Delbrücks und zahlreicher anderer über die gewohuheits- und gewerbsmäßige Steuerhinterziehung der Junker bewiesen. Sehr originell ist übrigens die Fortsetzung der Beweis- führnng, die die„Kons. Korrespondenz" dringt. Sie gibt nämlich weiter an: „In Preußen ferner sind vom 1. Oktober 1307 bis Ende September 1303 im ganzen 1435 Untersuchungen wegen Zuwiderhandlungen gegen das Einkommensteuer- und das ErgänzungS- steuergesetz anhängig gewesen lgegen 1471 im Vorjahre). In 1043 von diesen 1435 Fällen handelte eS sich um Zuwiderhandlungen gegen das Einkommensteuergesetz. Was die Höhe der Strafen betrifft, so betrug in den im Wege der vorläufigen Strnffcstsetzimgen durchs die Regierungen anhängig gewordenen Untersuchungen l1241) die insgesamt fest- gesetzte Sirafsunnne 258 472 M.(im Vorjahre 1225 Fälle mit 235 401 M.j. Bei den sogleich zur gerichtlichen Entscheidung ab- gegebenen und in dem angegebenen Zeitraum zur rechtskräftigen Entscheidung gelangten 31 Fällen betrug die Summe der erkannten Geldstrafen«4 480 M. Im Anschluß an das Strafverfahren sind an Nachsteuern festgesetzt worden zur Einkommensteuer 232, zur ErgänzungS- steuer 41. Die Gesamtsumme der festgesetzten(vezw. rechtskräftig er- kannten) Strafen und der im Anschluß an das Strafverfahren fest- gesetzten N a ch st e u e r n beläuft sich auf 5 5 9 1 0 0 M a r"!(im Bor- jähre 545 300 M.). Ergibt sich, daß ein verstorbener Steuerpflichtiger Steuern vorenthalten hatte, so sind die Erben innerhalb gewisser Zeit, auf Höhe ihres Erbteils, zur Nachzahlung der Steuer verpflichtet. Auf Grund dieser Bestimmung sind in 444 Fällen Nachsteuern im Gesamtbetrags von 22««00 M.(im Vorjahre 600 Fälle mit 271 430 M.) festgesetzt worden. Demnach sind im Jahre 1307/03 insgesamt an Strafen und Nachsteuern 785 700 M.(im Vorjahre 31« 800 M.) in Preußen eiugekommcn. Es dürfte Herrn Abg. M o m m s e n schwer fallen, den Nach- weis zu führen, daß diese Defraudationen ausschließlich auf das Konto ländlicher Steuerzahler kommen." Das wird Herr Mommsen allerdings nicht können. Und Wenn die„Konservative Korrespondenz" beweisen wollte, daß unter den Industriellen und Handelsherren gar manche sind, die sich bestreben, die Steuermogelei nicht zum ausschließlichen Privileg der Junker werden zu lassen, so wird man ihr das ohne weiteres glauben dürfen. Womit für die Junker aber nichts gebessert wird._ Standesgemäße Geschworene! Zum Eulenburg-Prozeß bczw. zu der Meldung der „National- Zeitung", daß nicht genügend Geschworene für die Hammann-Enlenburg-Session zu haben sind, weil man sich bei der Auswahl auf die besseren Kreise beschränkt, schreibt die»B. Z. am Mittag" nicht übel: „Wenn wirklich unter den vielen tausend zum Schöffen- und Geschworenenamt fähigen Männern, die im Bezirk dcS Landgerichts wohnen, nicht genügend Geschworene zu finden sind, die weder krank noch verreist sind, so weist das auf eine Praxis bei der Auf- stellung der Geschworeneulisien hin, die weder dem Geiste des Gerichrsverfassungsgesetzes noch der Strafprozeßordnung entspricht. ES verreisen ja sehr viele Menschen, aber alles in allem noch keine fünf Prozent, und krank werden auch sehr viele Menschen, aber einschließlich der Nervosität, die der Arzt nicht sehen kann, sondern glauben muß, auch keine fünf Prozent. Dieser Prozentsatz aber erhöht sich sehr stark, wenn man nur die höheren Gesellschaftsschichten ins Auge faßt. Dort verreisen vielleicht 50— 60 Prozent, wenn freilich auch nicht gerade alle auf einmal, im Anfang Juli, und ebenso viele haben Hausärzte, die es ihnen glauben, wenn sie sagen, sie seien zu nervös, um zu Gericht zu sitzen. Sind also wirklich Schwierig- leiten bei der Bildung der Geschworenenbank für Eulenburg da, so beruht das darauf, daß man nur auf Angehörige der oberen Gesellschaftsschichten reflektiert, wie ja auch schon im ersten Prozeß fast ausschließlich Angehörige dieser Schichten zu Gericht saßen." Die Justizbehörde empfindet immer noch kein Bedürfnis, der Behauptung der„National-Zeitung" entgegenzutreten. Neuwahl des Neichstagspräsidiums? Die gegenwärtigen Reichstagspräsidcnten wurden seinerzeit als die Vertrauensmänner des Biilow-BlockeS gewählt; ausdrücklich wurde der Anspruch des Zentrums, als stärkster Fraktion, auf den Posten des Präsidenten mit der Begründung abgelehnt, daß sich der Block als Ganzes betrachte lind die Präsidenten aus dieser Mehr- heit auswähle. Nun ist der Block zerfallen, und nach jener Argu- mentation haben die Herren Paaschs und Kaempf keine Berechtigung mehr, im Präsidium zu sitzen, denn sie sind nicht mehr die Ver- trauensmänner der Mehrheit. Das Zentrum wird übrigens nicht lange mit seinen Wünschen hinter dem Berge halten. In einer Polemik gegen liberale Blätter erklärt das Zentrunisorgan schon jetzt, daß,„wie sich von selbst verstehe, dem Zentrum, als der weit- aus stärksten Fraktion, die Stelle des Präsidenten, die es im Reichstage tatsächlich auch fast zwölf Jahre lang innegehabt hat, gebühre". Mit dem ersten Vizepräsidentenposien, das wird aus- drücklich bemerkt, will sich das Zentrum nicht zufrieden geben. Wenn zwei dasselbe tun..« Die„Konserv. Korresp." beklagt sich sehr bitter über die bösen Liberalen, die gegen die Konservativen so sehr hetzen. Sie jammert:„Wo sich nur irgend ein Mißvergnügter zeigt— und welche große politische Partei hätte deren nicht in kritischer Zeit sofort wird er anfgegnffen und das. was er auf dem Herzen hat, der aufhorchenden Mitwelt in Sperrdruck verkündet." Irren wir nicht sehr, so bildet das Aufgreifen von Aeußerungen einzelner Mißvergnügter gerade einen Hauptsport der konservativen Blätter, sobald es sich nm mißvergnügte Sozialdemokraten handelt. Warum also nicht auch den Valien im eigenen Auge beachten?_ Der neue Baucrnbund. Der Ausschuß für die Gründung eines deutschen BauembundeS, dessen Konstituierung und Zusammensetzung wir gestern meldeten, hat einen Aufruf erlassen, in dem eS über den Zweck des neuen Bundes heißt: 1. Auf Gnmdkage unseres Schutzzollsystems energische Ver- tretung der Bauerninteressen in wirtschaftlicher Hinsicht. 2. Beeinflussung der öffentlichen Meinung nach der Richtung hin, damit dieselbe nicht, wie es augenblicklich den Anschein hat, sich der ferneren Notwendigkeit der Durchführung einer ge- sunden Agrarpolitik widersetzt. 8. Bekänipfung der rücksichtslosen Politik der Großgrundbesitzer- interesien, die, konsequent durchgeführt, in politiicher Hinsicht ihre Mitglieder in einseitiger Weise zu der reaktionären kon- servativen Partei treibt. Der Bauernbund wird danach also ebenso schutzzöllnerisch sein wie der Bund der Landwirte. Das war allerdings vorauszusehen. Wie die Bekämpfung der rücksichtslosen Politik der Großgrundbesitzer- interessen aussehen wird, darauf darf man gespannt sei». Interpellation über militärische Einmischung in Streiks. Die sozialdemokratische Fraktion dcS hessischen Landtages wird die Regierung wegen der Vorgänge beim Streik der Arbeiter des Wassergasslhweißwerkes in Worms, bei dem die Be- Hörde Militär requiriert hatte, interpellieren. Ostmarkcnpolitik in Ostafrika. Einen neuen Kurs in der ostafrikanischcn Besiedclungs- frage kündigt die„Deutsche Tageszeitung" an: „Die gründliche Bereifung Ostafrikas durch den llnterstaatS- sekretär von L i n d e q u i st und die vielen sachverständigen Urteile über die Besiedelungsfähigkeit der Hochländer der Kolonie haben anscheinend endlich den Widerstand der Kolonialver- w a l t u n g gegen die Forderung nach planmäßiger Be- siedelung von Oftafrika gebrochen; daß Staatssekretär Dernburg in eine sehr ernste Prüfung der Frage eingetreten ist, zeigt seine Fahrt mit dem Unterstaaissekretär von Lindequist in das Gebiet der AnsiedlungSkommission in Posen. Diese Reise verfolgte den Zweck, festzustellen, inwieweit die Er- fahrungen mit der Kolonisation der Ostmark in Ostafrika zu ver- werten sind. Herr v. Lindequist ist bekanntlich Anhänger der Schaffung von Kleinsiedelungen in den Kolonien mit NegierungSbeihilfe; auf sein Betreiben würden die söge- nannten 6000 Mark-Ansiedelungcn in Südwestafrika geschaffen. Seine Pläne haben also eine gewisse, wenn auch nur entfernte, Verwandtschaft mit der staatlichen Ansiedelung in Posen. Die Lage der Kleinsiedelungen in Südwestafrika ist in den letzten Jahren eine sehr wenig günstige gewesen; von etwa 100 Siedelungen an den verschiedenen Orten zeigt sich nur ein Dutzend etwa lebensfähig; trotzdem hat Herr v. Lindequist seinen LieblingSplan nicht fallen lassen. Es scheint sogar seine Uebertragung auf Ostafrika— natürlich mir der gebotenen Berücksichtigung der dortigen Ver- Hältnisse— bevorzustehe n." Trotzdem also der Versuch der Kleinsiedelungen in Süd- westafnka kläglich mißlungen ist, soll er jetzt in größcrem Maßstabe in Ostafrika wiederholt werden. Das Reich soll die Mittel dafür aufbringen, nach Art der Ostmarkenpolitik in Ostafrika Bauern anzusiedeln! Denn die Verhältnisse liegen ja derartig, daß sich keine Bauern finden, die auf eigene Kosten das Experiment wagen. Zumal dort schon mehr als ein Kleinsiedler sein kleines Vermögen verloren hat. Dernburg selbst wollte ja bekanntlich von solcher Siede- lungspolitik in Ostafrika nichts wissen. Seine Haupthoffnung setzte er auf die Entwickelimg der Eigenprodnvtion der Ein- geborenen. Jetzt scheint er sich den stärkeren Einflüssen seiner Widersacher fügen zu müssen. Die geplanten Siedelungsexpcrimente werden nicht nur die nutzlose Vergeudung von Millionen von Stcucrgroschen, sondern auch eine schwere Gefahr für den Frieden der Kolonie bedeuten. Denn die Ansiedler werden nicht nur das beste Land okkupieren, sondern auch die Eingeborenen zur Zwangs- arbeit pressen und dadurch die ohnehin vorhandene Un- Zufriedenheit noch vermehren. ' Oettemick. Tschechische Obstruktion gegen die Handelsbcrtragsdorlage«. Wien, 1. Juli. In der heutigen Obmännerkon. f e r e n z erklärte U d r z a l, die slavische Union beharre auf dem Beschlüsse, daß mit Erledigung des Budgets das Arbeitsprogramm der Sommersession erschöpft sei. Ministerpräsident Freiherr v. B i e n e r t h und Handelsminister Weiskirchner traten demgegenüber mit größter Entschiedenheit für die Erledigung der handelspolitischen Vorlagen ein und betonten die schweren Nachteile, die nicht nur der Großindustrie, sondern hauptsächlich den kleineren.Produzenten aus der Unsicherheit der Handelsbeziehungen erwachsen würden. Die Mehrzahl der Ob« männer unterstützte diesen Appell und verlangte überdies noch die Erledigung anderer wirtschaftlicher Vorlagen. frankrcidy. Kulturkämpferei. Auch, 1. Juli. DaZ Zuchtpolizeigericht verurteilte den Erzbifchof von Auch zu 500 Fr. und sechs Priester dcZ Departements Gers zu 50 Fr. Geldstrafe wegen Veröffentlichung eines für die Laicnschnle beleidigenden Hirtenbriefes. Die Marinedebatte. Paris, 1. Juli.(Deputiertcnkammer.) Die Kammer verhandelte den Bericht der MarineunterfuchungS- kommission. Plichon(Progressist) erklärte, es gebe in der Marine weder Einheitlichkeit in den Anschauungen noch Folgerichtigkeit in den Ideen. Es herrsche Unordnung in den Marineanstalten, die auch in der Ueberschreitung der Kostenanschläge zum Ausdruck kommen. Aus diesem Grunde seien die französischen Schiffe um 22 Proz. teurer als die deutschen. Die Baufristen würden in die Länge gezogen und die Ver- proviantierung der Schiffe sei ungenügend. Es sei notwendig, die Marineverwaltung, deren Bankerott die Kommission festgestellt habe, zu reformieren. Der Radikale Chaumet erklärte, die Marine verdiene nicht alle die Vorwürfe, die jetzt gegen sie erhoben würden. Die Haupt- Ursache des mangelhaften Justandes der Marine sei, daß man eine billige Marine nur zu Defensivzwecken habe schaffen wollen, die aber doch eine Milliarde gekostet habe, die er als fort- geworfenes Geld bezeichnen müsse. Zum Schluß forderte Redner, daß man die Marine in Ruhe arbeiten lassen solle. Ciirhd. Eine Drohung gegen Griechenland. Konstautiuopel, I. Juli. Der Minister des Aeußercn hat. wie der„Osmanische Lloyd" meldet, die türkischen Vertreter im Auslande angewiesen, die Regierungen wissen zu lassen, daß die Pforte von militärischen Vorbereitungen Griechenlands unterrichtet sei. Wenn Griechenland in seiner kriegerischen Haltung beharre, werde die Türkei gc- zwungen sein, ihm den Fehdehandschuh hin- zuwerfen._ Die Haltung der Mächte. Paris, t. Juli. Die A n t w o r t der S ch u tz m ä ch t e auf die türkische Note wird vermutlich Anfang der nächsten Woche in Konstantinopel übergeben werden, da die Uebereinstimmung zwischen den vier Kabinetten vollständig ist. In einem Kollektivschritt wird in Athen und in Kanea zur Ruhe gemahnt werden. Die Zurückziehuung der internationalen Truppen ist auf den 24. Juli festgesetzt. Ein Besuch. Konfiantinopek, t. Juli. Eine Deputation der Kammer reist heute nach London ab zum Besuche des englischen Parlaments. Der Führer der Deputation, der Vizepräsident der Kammer, und die Mitglieder der Deputation, wurden gestern von dem Sultan in Audienz empfangen; später wird die Deputation auch dem französischen Parlament einen Besuch ab- statten. ßlerllen. Neue russische Truppensendungen. Petersburg, 1. Juli. Wie die Petersburger TelegräMn. agentur erfährt, ist in Anbetracht der beunruhigenden Lage in Persien der Statthalter von Kaukasien beauftragt worden, Truppen in Bereitschaft zu stellen, um sie auf die russische Straße Enzeli— Teheran zu senden, wie auch Fahr- zeuge zur Ueberführung dieser Truppen von Baku nach Enzeli. Diese Maßregeln werden rechtzeitig unternommen für den Fall, daß eine weitere Bewegung der Bachtiaren und der Fidais von Kaswin nach Teheran eine Anarchie nach sich zieht, welche eine e r n st e Gefahr für die russischen und die sonstigen auswärtigen Anlagen und Staatsangehörigen wie auch für die Straße von Enzeli nach Teheran im Gefolge haben würde. Huq der partei* Ein Jubiläum der sozialdemokratischen FoltcthiugSstaltion Dänemarks. Am 25. Juni waren 25 Jahre verflossen, seitdem die ersten beiden Sozialdemokraten, der Schuhmacher K. H ö r d u m und der Schneider P. Holm, in das dänische Folkething gewählt wurden, der eine im nennten, der andere im fünften Wahlkreis Kopenhagens. Das Jubiläum ihres Einzugs in den Reichstag hat die dänische Sozial- demokratie am Freitag durch Masienversammlung ans dem Bleg- damSfälled gefeiert. Dieses im Norden der Hauptstadt gelegene weite, baumlose Feld ist historischer Boden. Hier fand am 5. Mai 1872 zwischen Polizei, Militär und der Arbeiterschaft jene große Schlacht statt, die zur Verurteilung der drei Führer der dänischen Internationale Pro. G e l e f f und B r i x zu 5, 4 und 3 Jahren Zuchthaus sührle. Im September desselben JahrcS be- teiligie sich die dänische Sozialdemokratie zum ersten Male an den Folkethingswahlen, es gelang ihr aber nicht, auch nur einen einzigen Kandidaten durchzubringen. In allen— damals 10— Wahlkreisen Kvpen- Hägens und Frederiksborgs siegten die Konfervativcn. Louis Pio, der der erste feurige Agitator war. dem es gelang, die Arbeiterklasse aufzurültcln und der nun im Kerker saß, halte zwar erklärt, daß die Arbeiterschaft mit einem Schlage sämtliche Wahlkreise Kopenhagens und noch mehrere Provinzkrcise erobern könnte, wenn sie nur wollte, aber er hatte dabei nicht bedacht, daß derzeit über 10 Proz. der Bevölkerung der Armenpflege anheimgefallen war. so daß fast die Hälfte der sonst wahlberechtigten Arbeiter nicht wählen konnte! ES folgten Jahre des Niederganges im Wirtschaftsleben wie m der jungen Arbeiterbewegung. Erst mit dem Jahre 1880 kam ein neuer Aufschwung. Aber im nächsten Jahre brachte eS die Sozial- demokratie bei den Folkethingswahlen mii ihren zwei Kandidaten doch nur auf 1689 Siinimen, und erst 1834 gelang eS, jene zwei Parteigenossen in den Reichstag zu senden. Es wurden 6806 sozial- demokratische Stimmen abgegeben. Welche Aufregung damals unter der Bevölkerung Kopenhagens herrschte, davon zeugt die Tatsache. daß an 50 000 Menschen zur Verkündigung des WahlresultateS auf dein Exerzierplatz versammelt waren.... Von den ersten beiden sozialdemokratischen FolkethingSmännern ist P. Holm im Jahre 1833 verstorben. Sein Grabdenkmal hat die Arbeiterschaft am Freitag mit Blumen geschmückt. K. H ö r d u in gehörte mit kurzer Unterbrechung dem Folkeihing bis zu den letzten Wahlen an. Der jetzt 63 jährige Genosse,„Socialdemo- kratens" Geschäftsführer, lehnre zu den FolkeihingSwahlen dieses Frühjahrs die Wiedcraufstelliing als Kandidat ab. weil er sich nicht mehr stark genug fühlte, die Pflichten eineS Volksvertreters in vollem Maße zu erfüllen. Mit seiner Gesundheit ist es gegenwärtig leider so bestellt, daß er nicht einmal an dem Jubiläumsfest auf dem Blegdamsfälled teilnehmen konnte. Die vieltausendköpfige Menge sandte dem ergrauten Genossen für seine unermüdliche und frucht- bare Arbeit im Dienste der Partei und deS Volkes eine Dankadresse, und auch von der ReichStagsfrnktion, von„Socialdemokraten" und den übrigen Institutionen der Arbeiterschaft kamen zahlreiche Depu- tationen, um Hördum ihre Dankbarkeit für fem Wirken kund- zutun. Die SoMdeMkratie®3rtem&rI9, von der die Gegner in den siebziger Jahren sagten, daß sie nun mausetot wäre, hat bei den letzten Wahlen 92 893 Stimmen, fast ein Drittel der überhaupt ab- gegebenen Stimmen, auf sich vereinigt. Sie zählt heute 24 Vertreter im Folkething und vier im Landsthing, also 23 Reichstags- abgeordnete._ Parteiliteratur. Gesammelte Schriften von Wilhelm Wolff. Nebst einer Bio- graphie Wolfis von Friedrich Engels. Mit Einleitung und An- merkungen herausgegeben von Franz Mehring. Verlag Buch- Handlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Preis broschiert 1,50 M., gebunden 2 M. „Es ist nahezu ein Vierteljahrhundert verflofien, seitdem Friedrich Engels„Die schlesische Milliarde" herausgab mit einer Biographie Wolfis und einer Einleitung über die Geschichte der preußischen Bauern. Die Schrift ist längst vergriffen und eine neue Auflage erscheint um so dringlicher, als am 21. Juni 1909 der hundertste Geburtstag des Mannes wiedergekehrt ist, der den drei großen Vor- kämpfern der deutschen Sozialdemokratie ein ebenbürtiger Kamerad gewesen.— Sie alle haben, als Wolff am 9. Mai 1864 gestorben war. sein Grab mit unverwelklichen Lorbeeren geschmückt. Lassalle widmete, selbst schon ein Opfer des Todes, den Maen Wolfis das letzte Wort, das er öffentlich gesprochen hat; Engels schrieb trauernd: „Einen so eichenfesten Kerl, der so zum Volke zu sprechen wußte und stets im schwierigsten Moment erst recht auf dem Fleck war, bekommen wir nie wieder." Und Marx hat„dem unvergeßlichen Freunde, dem kühnen, treuen, edlen Vorkämpfer des Proletariats" den ersten Band seines nustcrblichen Meisterwerkes gewidmet." Diese Worte, der Einleitung entnommen, die Mehring dem Buche voranschickt, zeigen deutlich die Bedeutung, welche Wolfis Schriften beanspruchen dürfen._ Vom Fortschritt der Presse. Win letzten Sonnabend haben die Genossen des 8. sächsischen Ncichstagswahlkreises. Pirna-Zschachwitz-Sebnitz, die erste Nummer ihres eigenen neuen Blattes herausgegeben. Es erscheint für das Gebiet der sächsischen Schweiz, des Meißner Hoch- landcS und des Gottleubaer und Müglitz-Tales. In einem Artikel: „Der Fortschritt unserer Sache" wird die Entwickelung der Arbeiter- bewegung im VerbreitungSbczirk des Blattes geschildert. Die Gewerkschaften zählen jetzt 9000 Mitglieder, die Parteiorganisation des 8. Kreises 4000. Seit 1371 haben im Kreise bei den Reichstags- Wahlen kandidiert die Genossen Ufer, Peters, Wurm und seit 1893 Fräßdorf. 1371 bekamen wir 157 Stimmen, die Gegner aber 6575. Seit 1890 und in den Wahlen 1893, 1898, 1899, 1903 und 1907 sind unsere Stimmenzahlen 3922. 7989, 10 007, 11 571, 15 905, 14 397: die der Gegner aber: 16 580, 12 833, 11 770, 12 510, 11075 und 10 403. Die Zeiwng des 8. Kreises zählt jetzt rund 6000 Abonuenten.— Dem neuen Kämpfer ein Glückauf I Iiigenclbewgiing. „Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nummer 12 hat u. a. folgenden Inhalt: Die deutsche Fortbildungsschule. El. Ziel und Organisation der modernen Fortbildungsschule. Von I o h. H o f f m a n n- Kaiserslautern.— ReichstagSauflösung. Ein poli- tisches Zwiegespräch zwischen einem Jungen und einem Alten.— Das Werden im Weltall. Von Felix Linke(mit Illustrationen). — Magenta und Solfcrino.— Wanderregeln. Von W. Soll- man n.— Der Pranger der Lehrlingsschinder.— Schnurriges von den Gegnern. U. s. w. Beilage: Die Meister-Geige. Gedicht von John Henry Mackay.— Weirs recht war. Eine Geschichte aus dem Wald. Von A. Ger.— Wie ich ein feiner Kerl wurde. Von Adolf Emst.— Bücher für die Jugend.— Verwandlung. Gedicht von Hoffmann von Fallersleben. Hi?9 Induftm und fjandeL Tie Neichsmetropole als Industrie-, Handels- und VerkchrSstadt. Die Betriebszählungen von 1893 und 1907 lasten aus den Nesultaten der Spezialangaben für Berlin dasselbe Bild von der industriellen Konzentration ersehen, wie die Gesamtergebnisse für Preußen und Deutschland ergaben. ES wird für Berlin der Anteil am gewerblichen Leben im preußischen Staate als ganz beträchtlich gewachsen konstatiert. Von allen in Preußen gewerblich tätigen Per- sonen entfielen 1895 auf Berlin 9,31 Proz., 1907 dagegen ID.lüProz. Ju Gewerbe und Industrie stieg die Zahl der Hauptbetriebe in der augcgebcucn Zeit von 87 267 auf 100 107, die Nebcnbctriebe nahmen ab'von 2421 bis auf 1231 Unternehmen. Gegenüber einer Zunahme der Betriebe von insgesamt nur 20.26 Proz. steht eine Pcrsonenzunahme von 54,80 Proz.. woraus die Neigung zur großindustriellen Entwickelung ersichtlich ist. Handel und Verkehr haben für Berlin eine starke Zunahme und Konzentration ergeben. Für die Nebenbetriebe wird ein Zuwachs von 3477 aus 7207 verzeichnet, die Hauptbetriebe stiegen von 62 912 auf 79 103. Die Tendenz großindustrieller Entwickelung beleuchten noch folgende Angaben. Von den gewerblich tätigen Personen cnt- fielen auf: Industrie u. Gewerbe Handel u. Verkehr 1393 1907 1893 1907 Alleinvetrieve. 54 262 55 924 34 606 33 501 Andere Betriebe 311 802 491 660 146 269 263 506 Sa. 366 064 547 584 180 873 299 067 Die Zunahme der Betriebe in Industrie und Gewerbe beträgt demnach 13,05 Proz., gegenüber einer Pcrionalvermehrung von 49,59 Proz. In Handel und Verkehr steht der Betriebssteigcrung von 30,01 Prchz. ein Personalzuwachs von 65,34 Proz. gegenüber. Mehr illustriert wird die Entwickelung durch folgende Tabelle, ivelche die Verschiebungen in den einzelnen Gewerbegruppen in vergleichender Gegenüberstellung veranschaulicht. Es beträgt(in Prozenten) die Zu- „ahme+. die Abnahme—; Gewerbegruppen Hauptbetriebe Handelsgärtnerei... Tierzucht, Fischerei.... Bergbau....... Steine und Erden.... Metallverarbeitung.... Maichinen usw...... Chemische Industrie... Leuchtstoffe, Seifen.... Textilindustrie..... Papierindustrie..... Lederindustrie...... Holz- und Schnitzstoffe.. RahrungS« und Genußmittel Bekleidung, Reinigung... Baugewerbe...... Polygraphische Gewerbe.. Künstlerische Gewerbe... Handel........ Versicherung...... Verkehr........ Gast- und Schankwirtschaft. Personen -f 108,31 4- 231,58 100,78 31,58 40,69 123,02 78,62 76,47 0,92 50,13 35,33 30,63 50,52 44,08 17,70 75,84 35,36 60,40 249,27 99,91 48,62 triebe 19,33 Proz., Steigerung der erwerbstätigen Personen 54,80 Proz. Das Ergebnis ist stark beeinflußt durch_ die starke BetriebSzuuahme im Gewerbe für Bekleidung und Reinigung und im Gastwirtsgewerbe. Bei Ausschaltung dieser Gruppen würde sich folgendes Bild ergeben: ZitNahllie Zahl der Betriebs Zunahme der�erwerbstätigen 1893 1907 Proz. 1893 1907 Proz. 33 884 39183 0,76 274117 431319 57,42 Es fei hierzu noch bemerkt, daß die Verschiebungen im Bergbau und in Tierzucht und Fischerei wegen der absolut geringen Zahlen nicht von Bedeutung sind: im Bergbau stieg die Zahl der Betriebe von 7 auf 14. in der Tierzucht und Fischerei die Zahl der Personen von 64 auf 225. Den Anteil der Geschlechter am gewerblichen Leben zeigt nachfolgende Uebersicht,— Angaben in Prozent. Gewerblich tätige Personen waren: männliche weibliche 1895.». 72,75 27,23 1907... 68,60 31.40 Damit ist ein Zuwachs der weiblichen Personen gegenüber einer Abnahme der männlichen Personen zu konstatieren. Jedoch tritt in der Gesamtheit die Zahl der gewerblich tätigen Frauen weit hinter der der Männer zurück, mit Ausnahme einiger Gruppen, in denen das Gegenteil gelten kann. Im Bcklcidnngsgewerbe beträgt der Anteil des weiblichen Geschlechts auf je 100 gewerblich tätige Per- sonen 63,18, im RcinigungSgewerbe 39,13, in der Textilindustrie 34,84, in Gast- und Schankivirlschaften 33,03 und in der Papierindustrie 32,06. Auch am Handel ist das weibliche Geschlecht stark beteiligt, und zwar mit 31,19 Proz._ Krach im Kalisyndikat. Seit Mittwoch tagt die Generalversammlung des KalisyndikateS, in der es zeitweilig sehr stürmisch zugegangen ist. Die Verhand- ltmgen mußten dorübergehend vertagt werden. Am Mittwoch verlas Oberbergrat Paxmann eine Erklärung des preußischen Handels- Ministers, in der den Werken im Jntereff« der Gesamtheit eine Einigung ans Herz gelegt wurde. Der Handelsminister brachte in dieser Erklärung noch zum Ausdruck, daß, falls eine Einigung nicht zu stände komme, der preußische FiSkuS nicht zögern werde, sofort mit der Verkaufstätigkeit außerhalb dcS Syndikates zu beginnen. Diese Erklärung verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht. Unmittelbar darauf erklärten sich verschiedene Vertreter bereit, Abschläge von ihren Forderungen machen zu lassen. Schließlich wurde eine VertrauenSkommisston ge- wählt. Dieser sollten die Werke nun„zum unwiderruflich letzten Male" ihre endgültig letzten Forderungen unterbreiten. Während diese Kommission tagte, entwickelte sich in den Räumen des Hotels Adlon, in dciten die Beratungen stattfanden, eine reguläre Kaliwerte- börse, und die Kurse stiegen. Nachdem mit fast allen Werken eine Einigung erzielt war. machte plötzlich kurz vor Mitternacht ein Vertreter Schwierigkeiten. Schließlich wurde ein Teil der Mehrforderungcn von einigen Werken übernommen. Da inzwischen bereits die Mitternachtöstunde herangekommen war. verpflichteten sich die Werke, für die nächste Biertelstiinde Verkäufe nicht vorzunehmen. Als man in der zweiten Morgenstunde die Werke zur Unterschrift zusammen rief, stellte es sich heraus, daß zwei Herren fehlten. Es verlautete, daß diese bereits Verkäufe vorgenommen hätten. Sodann wurden die Ver» Handlungen vertagt._ Soziales* Zum Lcgitimationszwang. Das gestern ausgegebene Ministerialblatt für die preu- bische innere Verwaltung enthält einen neuen Erlab des preubischen Ministers des Innern vom 31. Mai 1909 zu dein Legitimationszwang ausländischer Arbeiter. Es wird darauf hingewiesen, daß in dem Erlab vom 21. Dezember 1997 unter Nr. 11 angeordnet ist, daß diejenigen Arbeiter, welche, ohne im Besitz der Arbciterlegitimationskarte zu sein, in Arbeit treten wollen oder in Arbeit getreten sind, auszuweisen sind. Im Anschluß hieran heißt es dann in der neuen Ministerial- Verfügung: „Im Interesse einer gleichmäßigen Handhabung dieser Vorschrift wird besonders darauf hingewiesen, daß es hier- nach nicht zulässig ist, gegen Arbeiter, die sich nicht im Besitz einer Jnlandslegitiinationskarte befinden, ohne weiteres und unmittelbar mit Ausweisung vorzugehen. Die betreffenden Arbeiter sind vielmehr zunächst mindestens einmal, in ge- eigneten Fällen auch wiederholt zur nachträglichen Be- schaffung der Karte aufzufordern, wobei ihnen die Polizei- bchördcn, soweit erforderlich, Rat und Beistand zu leisten haben. Nur bei andauerndem Widerstand gegen die bestehen- den Legitimierungsvorschriften wird solcher durch das Mittel der Ausweisung zu brechen sein. Ueberhaupt müssen sich die Polizeibehörden bei Hand- habung der durch den genannten Erlaß gegebenen Zlus- wcisungsbefugnis stets gegenwärtig halten, daß die Inlands- lcgitimierung nur den Verkehr der ausländischen Arbeiter einer im sicherhcits- und ordnungspolizeilichen Interesse notwendigen Kontrolle unterwerfen will, daß dabei aber alles vermieden werden muß, was ein Fernhalten oder Zurück- drängen des für die inländische Produktion erwünschten Zu- stromes der ausländischen Arbeiter herbeiführen könnte. Des- gleichen sind von den Polizeibehörden keinerlei Maßnahmen zu unterstützen, welche grundsätzlich auf eine wirtschaftliche Zurücksetzung der ausländischen gegenüber den einheimischen Arbeitern hinzielen." Der neue Erlaß ändert an der Rechtswidrigkeit des Legi- timationszwangs nicht das mindeste. Er beweist nur. daß selbst der preußische PolizLiminister davon überzeugt ist, daß der Erlaß große Unbilligkeiten gezeitigt hat. Die offiziöse Presse hat zu der von uns am Dienstag wieder- gegebenen Darlegung des italienischen Ministers Tittoni. daß der Lcgitimationszwang.einen Vertragsbruch enthalte, so- weit wir übersehen, noch kein Wort geäußert. Hat endlich die preußische Regierung sich von der Rechtswidrigkeit der Erlasse überzeugt?._ WaS ein Landrat von einer städtischen Behörde sagen darf. Der Landrat Nasse zu Husum berichtete 1906, als Dr. Schllcking Btirgermcisicr von Husum war, an den Regierungspräsidenten in Schleswig über die Baufluchtlinicnfestsetzung in Husum. Unter anderem wurde in dem Bericht ausgeführt, daß nach Aufstellung des vollständigen Bebauungsplanes der damalige Bürgermeister Menge es für richtiger gehalten habe, die endgültige Festsetzung der Fluchtlinien nicht sofort vorzunehmen, um es bester machen zu können. Dem sei er nicht entgegengetreten. Unter dem der- zeitigen Bürgermeister(Schücking) käme die Angelegenheit auch nicht vom Fleck. Das städtische Kollegium finde es bequemer, bei jedem Bau mit dem Bauherrn zu verhandeln. Das gehe nicht weiter. Der Regierungövrändent möge, um eine gewisse Unord- nung zu beseitigen, veranlassen, daß binnen wenigen Monaten die Feststellung der Fluchtlinien endgültig durchgeführt werde. In diesem Bericht sagte auch der Landrat mit Bezug auf die behan- delte Angelegenheit, der Magistrat habe eine„jammervolle Rolle" gespielt. Der Magistrat erhielt davon Kenntnis, da der Bericht mit einer Verfügung des Regierungspräsidenten an den Landr*t zurück und von da an die Polizeiverwaltung der Stadt Husum ge- langte. Dr. Schücking, als Vorsitzender des Magistrats, stellte Strafantrag, und als die Staatsanwaltschaft ein Einschreiten ab- lehnte, klagte der Magistrat durch Schücking gegen den Landrat Nasse im Wege der Privatklagc. Der Magistrat fühlte sich durch die Worte:„Der Magistrat spielte eine jammervolle Rolle." be- Icibigt. Die Negierung zu Schleswig erhob zugunsten de» LanbratS hn Konflikt itup verlangte Eiustevimo des Berfahrens, weil der Lüstd'räl IjTff als ständiger KoKtinssär des Regierungspräsidenten gehandelt und seine Amtsbefugnisse nicht überschritten hätte. Das Obervcrwaltungsgericht erklärte am Dienstag den Kon- flikt für begründet, so daß das Verfahren gegen den Landrat cnd- gültig einzustellen ist. Es wurde ausgeführt: Zweifellos habe der Landrat die fragliche Aeutzerung in amtlicher Eigenschaft getan. Als Landrat sei er ständiger Kommissar des Regierungs- Präsidenten und daher befugt, über Verhältnisse und Vorkommnisse in den Städten, die dem Regierungspräsidenten unterbreitet werden müssen, zu berichten. Er habe nun in den Bericht eine Kritik des Magistrats(Bürgermeisters) einfließen lassen, die aller- dings scharf sei. Es erhelle aber nirgends, daß er nicht Grund ge- habt hätte, Kritik zu üben. Es sei ihm zu glauben, daß ihm die Absicht, zu beleidigen, ferngelegen habe. Die fraglichen Worte in dem für den Regierungspräsidenten bestimmten Bericht seien dem Magistrat ja auch nur durch einen Zufall bekannt geworden. Es könne nicht angenonimen werden, daß der Landrat sich einer Amts- Überschreitung schuldig gemacht habe. Eine„jammervolle Rolle" spielt die in Preußen vorhandene Möglichkeit, durch den sogenannten Konflikt ein gerichtliches Ver- fahren zu hemmen, wenn der Angeklagte ein Beamter ist. Eine Krankheit der Zementarbeiter. Im neuesten Heft der französischen Zeitschrift„La Revue" findet sich ein ungemein lesenswerter Aufsatz über eine Krankheit, der die Zementarbeiter, die viel mit dem feinsten Staub zu tun haben, fast' alle unterworfen sind, und es lohnt sich um so mehr, an dieser Stelle wenigstens kurz auf die Ausführungen des französischen Blattes einzugehen, als dort zugleich ein Mittel zur Abhilfe angegeben wird. Der Verfasser geht von der Beschreibung einer ähnlichen Krankheit aus, die sich bei den Z i e g e l e i a r b e i t e r n findet, und die sich in einem heftigen Jucken der Finger zeigt, eine Folge des unausgesetzten Bctastens und Reibens der Steine. Weit schlimmer aber ist der Zustand der Zement, und Mörtelarbeiter, da das Jucken hier weit intensiver auftritt und durch das heftige Kratzen häufig Abszesse und ähnliche Erscheinungen hervorgerufen werden. Diese Krankheit greift von den Händen leicht auf die bloßen Arme und das Gesicht, kurz, auf alle jene Körperteile über, die nackt sind, während sie bei den durch die Kleider geschützten nicht wahrgenommen wird. Dieses Jucken bei den Zementarbeitern wird durch einen äußerst feinen Staub hervorgerufen, der während der Tätigkeit des Mannes durch die Poren in die Haut eindringt und sich dort festsetzt. Wenn nun stundenlang gearbeitet wird, ohne daß die H ände gereinigt werden können, so sind alle Vorbedingungen zum Auftreten dieser anfangs höchst lästigen, aber mit Leichtigkeit sehr gefährlich werdenden Krankheit ge- geben. Der Verfasser verwirft nun, auf die Mittel zur Vermeidung dieses Uebels eingehend, alle Ratschläge, die sich auf eine Aendc- rung in der Behandlung des Zements beziehen, da diese in vielen Fällen nicht nur unpraktisch, sondern auch undurchführbar seien, und empfiehlt dagegen ein oftmaliges Waschen der Hände. An jeder Arbeits st ätte sollten eine Reihe von Kübeln aufgestellt werden, die zur Reinigung der Arbeiter be- stimmt seien und die gleich nach Benützung durch frische ersetzt werden müßten. Ein bloßes Waschbecken genüge keineswegs; das Gefäß müsse so tief sein, daß der Arbeiter bequem nicht nur die Hände, sondern denganzenArmbis über den Ellbogen darin untertauchen und reinigen könne. Ein Strafgefängnis als Submifsio»lslinterbieter. Bei der engeren Submission für die Lieferung von Möbeln für das kaiserliche Reichspostamt am Potsdamer Bahnhof in Berlin wurden folgende Offerten abgegeben: Firma Mäder 5676 M., Firma Peschlew 3447 M-, Fangauf 4720 M., Straf- gefängnis Tegel 2891 M. Weiter hat nichts mehr gefehlt, als daß Strafgefängnisse als Konkurrenten bei der Submission andere Firmen, die schwere Steuern zahlen müssen, um 30 Proz. unterbieten._ Vom Thüringer Baugewerbe. Auch in Thüringen machte sich die Krise im Baugewerbe fühl- bar. Wenn auch der trockene Bericht der Thüringischen Bau- gewerksberufsgenossenschaft keinerlei Bemerkungen darüber enthält, so sprechen doch die Zahlen. Während in früheren Jahren ständige Zunahme an versicherten Arbeitern zu verzeichnen war, ist laut Bericht im Vorjahre ein ziemlicher Rückgang eingetreten. Versichert waren im Jahre 1907 6263 Betriebe, IVOS 6363 Betriebe, dagegen 1907 43 301. 1903 42 711 Arbeiter. Die Zahl der versicherten Arbeiter ist also um fast 1000 zurück- gegangen. Die nachgewiesenen Löhne berechnen sich pro Kopf und Jahr der Versicherten als Arbeitsverdienst im Jahre 1907 731 M., 1908 793 M. Die thüringer Bauunternehmer können also nicht besonders stolz auf ihre„hohen Löhne" fein. Dabei ist die Unfallgefahr so groß wie in allen anderen Staaten auch. Gemeldet wurden im Berichtsjahre 1313 Unfälle gegen 1633 im Vorjahre. Auf 1000 Versicherte entfallen somit 33,3 Unfälle. Entschädigungs- pflichtig wurden nur 330 dieser Unfälle, darunter 19 Todesfälle. Der Vorsitzende der kleinen Berufsgenossenschaft erhält laut Bericht pro Jahr 1920 M.„Tagegelder", die 4 Sektionsvorsitzenden je 500 M. Wie hoch müßten sich nun die„Tagegelder" der Vor- sitzenden der Ortskrankenkassen stellen, die wohl zehnmal mehr Arbeit haben als die der Berufsgenossenschaften? Welches Ge- schrei würde sich aber erheben, wenn diese nur 1000 M. rechnen würden? Die Verletzten wurden in 189 Fällen mit ihren Be- rufungen von den Schiedsgerichten abgewiesen und hatten nur in 55 Fällen Erfolg. Von den 42 Rekursen der Verletzten wurden 41 als unbe- gründet abgewiesen, während die Berussgenossenschaft von ihren 30 eigenen Rekursen noch 13 Erfolge hatte. Die Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft klagen, daß die Durchführung der UnsallverhütungSvorschriften auf Baustellen sehr schwierig sei. da dieselben immer wechseln und häufig die Ausrede gebraucht werde, daß„die Anbringung der Schutzvorrichtung mehr Zeit erfordere als die auszuführende Arbeit selbst". ES würden noch Jahre vergehen, bis sich die neuen Vorschriften eingelebt haben. Jedenfalls haben die Bauarbeiter selbst das größte In- die insgesamt 3538 Gesellen beschäftigen. SencKts-�eltung. Zum Feldzug gegen die Polen. Die Hebamme Wiatecka zeigte auf einem Schilde, dä'S an einem Hause angebracht war, ihre neue Wohnung in der Bäcker- straße 2 zu Posen an. Vor der deutschen Bezeichnung gebrauchte Frau W. auch noch die polnische Piekary 3. Die Entfernung dieser Bezeichnung verlangte der Polizeipräsident von Posen, weil sie die öffentliche Ordnung beeinträchtige. Frau W. klagte vergeblich gegen den Polizeipräsidenten beim Bezirksausschuß, und das Ober- Verwaltungsgericht verwarf am Dienstag ihre Berufung ebenfalls. Begründend wurde ausgeführt: Wenn Straßenbezeichnungen in der Oesfentlichkeit erschienen, so seien sie dazu bestimmt, das Publikum zu orientieren. Sie würden so zu einem Teile der öffentlichen Ordnung, zu deren Erhaltung nach§ 1011 17 de» Allgemeinen Landrechts die Polizei die erforderlichen Maßnahmen zu treffen habe. Wenn eine Straßenbezeichnung, die nicht gestattet fei, angebracht werde, dann werde dadurch die öffentliche Ordnung verletzt, ganz egal, ob daneben auch noch die amtliche Straßen- bezeichnnng gebraucht werde. Die Polizeiverfügung fei hier gerecht- fertigt, denn das an der Straße angebrachte, für den öffentlichen Verkehr bestimmte Schild fei geeignet, die öffentliche Ordnung da- durch zu stören, daß es eine nicht amtlich zugelassene, fremdsprach- liche Straßenbezeichnung enthalte... GewerkfcbaftUcbe� Mitgliedsbeiträge für gelbe Vereine sind nicht abziehbar! Die Praxis, Mtglieder zu pressen für die sogenannten Nntcrstühungs- oder Sparvereine, besser bekannt unter dem Namen„Gelbe Vereine", besteht bei vielen großen Firmen. Oft werden die Mitgliedsbeiträge gleich vom Lohn abgezogen, wenn die Arbeiter auch gar nicht mehr Mitglieder fein wollen. So geschah es bei der Firma Karl Flohr, Ma- schinenfabrik, Chausseestraße. Die Arbeiter ließen sich dergleichen Maßnahmen nicht ruhig gefallen. Sie kamen zusammen und viele erklärten ihren Austritt aus dem Verein, um nicht länger jede Woche 20 Pf. sich für die Zwecke der Gelben vom Lohn abziehen zu lassen. Dies geschah schon Anfang Januar und die Arbeiter machten der Firma aus- drücklich davon Mitteilung. Aber trotz mehrfachen Protestes der Ausgetretenen mußten die Beiträge weiter bezahlt werden. Die Geschädigten reichten deswegen eine Klage beim Gewerbe- gericht ein und ließen sich durch den Bevollmächtigten des Deutschen Metallarbeiterverbandcs, Otto Handle, der- treten. Von den 68 Klägern zogen 5 ihre Klage wieder zurück, so daß Handke 63 Arbeiter noch zu vertreten hatte, die die Fehlbeträge an ihrem Lohn von der Firma ver- langten. Nach einigen voraufgegangenen Terminen fand die Verhandlung am Donnerstag, den 1. Juli, vor dem Ge- Werbegericht unter Vorsitz des Magistratsrats W ö l b l i n g statt. Das Gericht zog sich zuerst zur Beratung über die Zu- lassung von Handke als Vertreter zurück. Handke wurde nicht als gewerbsmäßiger Vertreter angesehen und zu- gelassen. Ter Vertreter der Firma Flohr machte geltend, daß der Austritt der Leute aus dem Verein nicht in der statutarisch rechtmäßigen Weise erfolgt sei. Das Gericht sah davon ab, diese Frage zu erörtern und beschäftigte sich in erster Linie damit, ob die Lohnabzüge für die Vereins- beitrage überhaupt zulässig seien. Auch Handke erklärte, daß er die Klage auf die§ 113, 117 und 119a der Gewerbe- ordnung gründe, nach welchen die Firma keine Abzüge macheu durfte. Das Gericht erkannte in seinem Urteil dahin, daß die Lohnabzüge für die Vcrcinsbciträge unzulässig seien. Es nahm dabei an, daß die Leute am Zahltage ihren Lohn ver- langt haben und daß der Jahresverdicnst 1300 Mk. nicht über- schreitet. Etwaige Vereinbarungen sind als nichtig anzu- sehen und die Kläger berechtigt, die restierenden Löhne ein- zufordern. Die Firma kann die Beiträge für den Verein einziehen, darf sie aber nicht vom Lohn abziehen und den Arbeitern am Tage der Zahlungsfälligkeit vorenthalten. Berlin und Qmgegend* Die Bewegung der Schlosser. Die Schlosser Berlins und der Umgegend fanden sich außer- ordentlich zahlreich am Mittwochabend in Freyers Festsälen, Koppenstraße, zusammen. Saal und Galerien waren dicht besetzt; der Andrang wurde so stark, daß die Tische entfernt werden niußten. Auf der Tagesordnung stand der Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern und eventuelle Be- schlußfassung über Maßnahmen der Arbeitnehmer. Otto Handke referierte. Nach der Versammlung am 7. Juni sandte die eingesetzte Kommission die Vorlage der Arbeiter an die Arbeitgeberorganisation mit einem Begleitschreiben, in welchem eine Besprechung gewünscht wurde. Am 12. Juni traf die Ant- wort der Unternehmer ein, die eine entschiedene Ablehnung des vorgelegten Entwurfes enthielt. Zu einer Besprechung erklärte man sich aber bereit. Die erste Verhandlung fand darauf am 17. Juni statt, der eine weitere am 2S. Juni folgte. Verschiedene Vertrauensmännerkonferenzen fanden in Verbindung mit diesen Verhandlungen statt. Ueber die Arbeitszeit von S Stupden entspann sich keine längere Diskussion, aber desto mehr Schwierig. kciten boten die Vorschläge über den M i n d e st l o h n. In der Vorlage der Arbeiter werden 60 Pf. pro Stunde verlangt; dle Arbeitgeber boten zuerst AlVz Pf. und 40 Pf. für die Jung- ausgelernten. Später machten sie einige Zugeständnisse und in der Verhandlung vom 25. Juni boten sie schließlich 50 Pf. Mindest- lohn, aber für die jungen Gesellen nur 45 Pf. und nach einem Jahre 50 Pf. Die Kommission der Arbeitnehmer kam nach manchen Sonderbcratungen und in Uebereinstimmung mit einer Vertrauensmännerkonfercnz zu dem Vorschlag, daß für die ersten zwei Jahre des Tarifes der Stundenlohn mindestens 62Vj Pf., im letzten Jahre aber 55 Pf. betragen sollte. Es kam aber keine Einigung zustande, selbst dann nicht, als die Kommission anbot, daß für alle drei Jahre des Tarifs der Mindestlohn 52Vi Pf. betragen sollte. Die Meister verlangten, daß ihre Vorschläge einer Versammlung her Arbeiter vorgelegt werden sollten. Die Kommission der Arbeitgeber wollte ihrerseits die Vor- schlüge der Arbeiter der Meisterorganisation bis zum 19. Juli vorlegen. Handke zeigte den Versammelten drei Wege, die sie nun gehen könnten; entweder tariflos zu arbeiten oder die Streiktaktik einzuschlagen oder die begonnenen Verhand- lungen fortzuführen. Die ersten beiden Wege, so meinte er, würden ebenfalls zu Verhandlungen schließlich führen. Er gab ferner zu bedenken, daß die Unternehmer sicherlich den Tarif zu dem Zweck gekündigt haben, Verschlechterungen einzuführen. Diese Verschlechterung sei abgewehrt; es könne sogar eine Ver- besserung erzielt werden und da sei es unklug, die Verhandlungen abbrechen zu wollen. Die Kommission schlug der Versammlung bor. im Einklang mit den Beschlüssen der Vertrauensmännerkonfercnz und der Agitationskommission, die folgende Resolution anzunehmen: „Mit Rücksicht darauf, daß die Zugeständnisse der Meister- kommission betreffs Erhöhung des MinimallohnS zu gering sind, da die Ausgaben für den Lebensunterhalt sich gegen frühere Jahre bedeutend erhöht haben und noch erhöhen werden, kann sich die Versammlung mit dem bisherigen Resultat der Verhandlungen nicht einverstanden erklären, und beauftragt ihre Kommission, dieses den Arbeitgebern in geeigneter Weise mitzuteilen. Damit aber der Arbeiterschaft nicht der Vorwurf gemacht werden kann, eine gütliche Erledigung der Tarifangelegenheit verhindert zu haben, so ist die Versammlung mit weiteren Ver- Handlungen einverstanden, unter der Voraussetzung, daß die gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden. Wird trotzdem in irgendeinem Betriebe versucht, eine Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse einzuführen, dann verpflichten sich die betreffenden Kollegen, es sofort der Organi- sation zu melden, damit geeignete Maßnahmen getroffen werden." Eine lange und hitzige Diskussion entspann sich. Von den Vorschlägen der Unternehmer wollte man durchaus nichts wissen und forderte entschieden eine nennenswerte Verbesserung deS »alten Tarifs. Der Kommission wurden manche Vorwürfe ge- macht, weil sie nicht energisch genug aufgetreten sei. Daß man mit der Antwort der Meister bis zum 19. Juli warten müsse. erregte viel Unwillen. Der Vorschlag der Kommission wurde aber neben einer Reihe anderer Vorschläge zuletzt nach Lage der Verhältnisse doch als der beste anerkannt und die vorgelegte Re- solution mit großer Mehrheit angenommen. Perantw. Redakt.: Wilhelm Diiwcll, Lichtenberg. Inserate verantw.: ! An die Berliner Arbeiterschaft! Die Direktion des Wach- und Schließinstituts Groß-Berlin, Leip- zigerstraße 26, bemüht sich gegenwärtig, ausfindig zu machen, wer von den angestellten Wächtern sich erdreistet, dem Verbände bei- zutreten. Die Direktion vcrwcbrt ihren Angestellten das Koalitioiis- recht. Um die Wächter in der Errringung des Koalitionsrechtes zu unterstützen, werden alle diejenigen, die gewillt sind, bei obiger Ge- sellschaft in den Dienst zu treten, ersticht, das Mitgeteilte zu be- achten. Auskunft über die bcstcheuden Lohn- und Arbeitsbedingungen erteilt bereitwilligst unterzeichneter Verband, Eugel-Ufer 15 II Zimmer 31—34. Nur unter vorhcrgebender Verständigung mit der Organisation sollen Organisierte dort Arbeit annehmen. Deutscher TranSportarbeitcr-Verband. Bezirk Groß-Berlin. Die im Verband der Sattler und Portefeniller organisierte» Galanterie- und Gürtelarbcitcr waren mit de» Unternehmern dieser Branche in Tarifunterhandlungen getreten. Von den aufgestellten Forderungen, Gleichstellung des bisherigen Tarifs init dem der Taschenbranche, eine fünfprozentige Lohnzulage und dieselbe Be- stimmung betreffs der Heimarbeit, wie sie für die Taschenbranche besteht, nämlich, daß neue Heimarbeiter nicht mehr eingestellt werden dürfen, wollten die Unternehmer nur den ersten Punkt be- willigen. Bezüglich der Heimarbeit erklärten sie, die geforderte Ein- schränkung nicht zugeben zu können, da es Artikel gäbe, die in der Wcrkslnbe nicht s!t angefertigt werden könnten. Natürlich kommt dieser Einwand stets vo» dieser Seite, jedoch hat die Erfahrung ge- lehrt, daß derselbe den Tatsachen nicht entspricht. Eine am Mut- woch einberufene Versammlung war sich dahin einig, ohne Vertrag weiter zu arbeiten und alle weiteren entsprechenden Maßnahmen der Zukunft zu überlassen. Achtung, Friseurgehilfen? Aufgehoben wird hiermit die Sperre bei W e n g e l, Adalbertstr. 4 und Rosenthal, Ber- lichingcnstr. 13. In der Liste sind nachzutragen Pauli, Brüsseler Straße 12, Borsdorf, Mirbachstr. 31 und Fiedler, Grätzstr. 62. Verband der Jriseurgehilfen Deutschlands. Deiivlcbes Reich. Infolge der Aussperrung im Baugewerbe deS BicrstiidtcbundcS Hamburg- Altona- Wandsbek- Harburg, welche am 5. Juni ihren Anfang nahm, find auch die Arbeiter der H o l z i n d u st r i e. wie Tischler und Bauanschläger, in erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Die Arbeitslosigkeit in der Holzindustrie in genannten Orten hat gewaltige Dimeirsioneu angenommen. Arbeitslosigkeiten bis 26 Wochen und darüber sind keine Seltenheiten. Da zurzeit noch nicht abzusehen ist, welchen weiteren Umfang die ArbeitLlosig- keit annehnien wird, werden alle Holzarbeiter, welche sich auf der Reise befinden oder sich sonstwie um Stellung bewerben, gut tun, bis auf weiteres Hamburg- Altona- Wandsbek« Harburg zu meiden. Es liegt dies im Interesse der Arbeitslosen am Orte, aber auch jedes einzelnen Arbeitsuchenden. Fortgesetzter Tarifbruch durch Unternehmer. Die Schlichtungskommission für das Stcinsctzgewcrbe in Leipzig entschied kürzlich, daß drei Leipziger Stcinsetzfirmen wider den bestehenden Tarif verstoßen haben. Eine Firma hielt darauf die Tarifbestimmungen ein, die zwei anderen aber kehrten sich nicht daran; sie setzten sich über den Schiedsspruch hinweg und brachen so fortgesetzt und bewußt den bestehenden Tarif- vertrag. Die Firma Friedrich Walt her ließ entgegen den Bestimmungen im Tarifvertrag das Plattenlcgen im Akkord nur von Hilfsarbeitern ausführen und die Firma W e i ß f l o g forderte von den in Lohn arbeitenden Steinsetzern eine Mindestleistung von täglich 25 Meter Kabelgrabenlänge. Für jeden weiteren Meter zahlte sie 30 Pf. Das war also tariflich verbotener Akkord in anderer Form. Vor der nun wieder angerufenen Schlichtungs- kommission versuchte der Unternehmer Weißflog zu leugnen, bis ihm von Zeugen klipp und klar der Tarifbruch nachgewiesen war. Dann lenkte er ein, bat höflich um Entschuldigung und versprach auf„Ehrenwort", den Tarif nie wieder zu verletzten. Dem Rüffel seiner Unternehmerkollcgen im Schiedsgericht entging er deshalb aber doch nicht. Die Krakt des Unternchmerchrenwortcs mutz sich aber erst noch erweisen. Ausland. Aussperrung in der norwegischen Eisen- und Metallindustrie. Die norwegische Arbcitgebervereinigung hat am Montag dem Eisen- und Metallarbeiterverband eine allgemeine„Kontrablokade" angekündigt. Dieses für Norwegen neue Kampfmittel des Unter- nehmertums soll darin bestehen, daß in der Eisen- und Metall- industrie kein organisierter Arbeiter mehr eingestellt wird. Die- jenigen, die zurzeit arbeitslos sind, sollen also dauernd von der Arbeit ausgeschlossen werden, und wer während der Dauer der Kontrablokade entlassen wird, soll in keiner anderen Fabrik Unter- kunft finden. Unorganisierte sollen dagegen überall eingestellt werden. Die Ursache dieser Maßregel ist, daß der Eisen- und Metallarbciterverband über Westeds Armaturfabrik in Buskerud die Sperre verhängt hat. An diesem Konflikt trägt der norwegische Handelsminister Abrahamscn ein gut Teil schuld. Er hatte nämlich zuerst ein Fabrikreglcment für die Firmen gut- geheißen, worin, entsprechend dem Fabrikgesetz, die achttägige Lohn- zahlungSpcriode festgesetzt war, ließ sich aber nachträglich von der Firma verleiten, der vierzehntägigen Lohnzahlung seine Zu- stimmung zu geben, obwohl das Gesetz ausdrücklich besagt, daß dies nur geschehen dark, wenn die Arbeiter damit einverstanden sind. Das war und ist hier jedoch durchaus nicht der Fall. Der Minister hat also denä Unternehmertum zuliebe gegen das Gesetz gehandelt. Jedenfalls wird er dafür noch im Storthing zur Rechenschaft gezogen werden. Line herbe Kritik am Block-Reichstag war es. die gestern in Groß-Berlin in dreißig überfüllten Versammlungen geübt wurde. Das Wetter war der Ver- anstaltung nichts weniger als günstig. Am Nachmittag noch ein paar Stunden Heller Sonnenschein, wie im Blocklager nach glücklich gelungenem Volksbetrug bei der Wahlschlacht. Dann trübte sich der Himmel und sah bald, so traurig aus, wie die deutsche Finanzlage oder, wenn man will, auch die sogenannte Finanzreform. Schließlich regnete es Bindfaden. Ein kluger Mann hat einmal behauptet: Bei schlechtem Wetter werden keine Revolutionen gemacht!— Der Mann kannte die deutsche Sozialdemokratie iwch nicht. Obgleich es sich nicht um den letzten und ernstesten Kampf des Proletariats bandelte, sondern nur um eine immerhin aber eindringliche Demonstration gegen die tolle Augenblickspolitik des Block- Reichstages und die konsequentere Ausbeutungsvolitik der neu koalierten Junker und Pfaffen, strömten Männer und Frauen zu Tausenden und Abertausenden herbei. Rixdorf, die Proletarierstadt, der Osten und der Norden wimmelten von Menschen, die sich den Versammlungen zu- wandten. In der Hasenheide wogte es auf und ab. Das „Gewerkschaftshaus" war derart gefüllt, daß der vor der Tür patrouillierende Beamte wohlmeinend vom Betreten des Saales abriet, der Aufenthalt in demselben gleiche dem in einem russisch-römischen Bade! Aber die drin hielten wacker aus in der tropischen Temperatur und die draußen tapfer im nordischen Regen. Auch der Ricsensaal von Keller in der Koppenstraße reichte natürlich bei weitem nicht, um die Massen der Besucher aufzunehmen. Auch die schmale Koppenstraße genügte den Massen der Erschienenen nicht, die sich deswegen sh.Glvckc, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanstalt� der Frankfurter Allee zuwandten und die Mittclpromenads derselben füllten. In der Brauerei Friedrichshain waren Saal und Galerien ebenfalls zum Platzen gefüllt. Wer den Saal kennt, weiß, was das bedeutet. Hier namentlich waren auch die Frauen verhältnismäßig stark erschienen, wie es denn auch eine Eigenheit der gestrigen Versammlungen zu sein schien, daß sie in umfänglicherem Maße als sonst von Frau und Mann gemeinsam aufgesucht wurden. Die Krise und die Teuerung hoben die Massen der Proletariersraucn in den Herrschenden recht unangenehmer Weise aufgerüttelt und aufgeklärt. Eigenartig wirkte der Andrang der Menge vor dem„Berliner Prater". Hier konnten wir die größte Zahl von ausgesperrten Versammlungsbesuchern feststellen. Als wir auf unserer Rundfahrt die Kastanienallee passierten, bildeten trotz des strömenden Regens Tausende auf beiden Seiten des Fahrdammes Spalier. Ein eigenartiger, aber auch ein erhebender Anblick. Lebendiger waren die Massen auf dem Gesundbrunnen, wo sie hin und herwogten. Selbst im höchsten Norden Verlins, wo in der Müllerstraße die Bebauung schon spärlicher ist, fanden große Massen keinen Einlaß. Und als um �10 Uhr die Versammlung in Alt-Moabit geschlossen wurde, bewegte sich eine mächtige Prozession von Regenschirmen aus denn Lokal heraus, empfangen von anderen Regenschirmen, die geduldig draußen diesen Augenblick abgewartet hatten. Allmählich erst verlor sich dieMenge in den blankgeregneten Asphaltstraßen und lange dauerte es, bis die Straßen wieder das bei solchem Wetter sonst gewohnte Aussehen der Ocde und Leere ge- Wonnen hatten. So waren die Versammlungen also durchweg— nicht nur die genannten— trotz der begleitenden ungünstigen Um- stände rein äußerlich ein gewaltiger Erfolg. Aber auch der Geist, der in ihnen herrschte, verheißt einen solchen. Man brannte geradezu auf einen Kampf, in dem man dem elend verreckten konservativ-libcralen den neuen agrarisch-ultra- montanen Block auf den Düngerhaufen nachwerfen könnte. Und man hohnlachte über eine Regierung, die im gegen- wärtigcn Augenblick Worte, nichts als Worte zu finden ver- mag und energische Taten zur Durchführung der von ihr ver- langten Reform völlig vermissen läßt. Mit Jubel wurde überall die nachstehende Resolution an- genommen: „Die heute, Donnerstag, den 1. Juki.19 09, Versammelten protestieren gegen die geplante ungeheuerliche Mehrbelastung deS deutschen Volkes. Sie erklären es als einen frechen Vergcwaltigungsversuch, daß der konservativ-klcrikale Block, der nur eine Minorität des deutschen Volkes repräsentiert» sich unterfängt, in der Zeit der schweren wirtschaftlichen Krise eine halbe Milliarde neuer Steuern fast ausschließlich den Be- sitzlosen aufzuerlegen, während die Besitzenden sich jeder neuen Steuer mit allen Mitteln zu entziehen suchen. Die Versammlung verurteilt gleichzeitig aufs schärfste die frivole Weigerung der unter das Joch der Agrarier gebeugten Regierung, die mörderischen Lebensmittelzölle aufzuheben. Sie protestiert mit aller Energie gegen das unerhörte Unterfangen des konservativ-klerikalen Blocks, die Finanzreform im Reichs, tage durchzupeitschen. DaS deutsche Volk muß selbst über sein Geschick entscheiden können. Deshalb fordert die Versammlung: Sofortige Auflösung des Reichstages und Neuwahl ohne behördliche Beeinflussung der Wähler. Die Versammlung ist der Ueberzeugung, daß der Kampf gegen die Reaktion auf allen Gebieten geführt werden muß. Deshalb fordert sie: Demokratische Reform der gesamten inneren Verwaltung Deutschlands und insbesondere die Ein- führung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahl- rechts in Preußen, diesem Hort der Reaktion in Deutschland. Das deutsche Volk hat es satt, den herrschenden Klassen nur als Ausbeutungsobjekt zu dienen, in Not und Elend rechtlos dahinzuleben. Die Versammelten verpflichten sich, den Kampf nicht eher ruhen zu lassen, bis das Joch der Junker-, Pfaffen, und Kapitalsherrschaft gebrochen und daS Ziel der Sozialdemokratie erreicht ist." • �• Aus Königsberg wird uns telegraphiert: Massen- Haft besuchte Volksversammlung unter freiem Himmel pro- testierte nach einem Referat des Gen. Haase gegen agrarischen Raubzug und erwartet, der Reichstag insbesondere die sozial- demokratische Fraktion werde nichts unversucht lassen, ihn zu vereiteln und die Reichstagsauslösung zu erzwingen. Letzte jNfacbncbtcn und Depefcbcn. Lebendig verschüttet. Bei dem Auswurf eines Brunnens auf dem Pionicr-Ncbungs- platz an der Sieboldstraße wurde ein Schachtmeistcr verschüttet; ein Arbeiter konnte gerettet werden. Göttliche Weltordnung. Brnunschivcig, 1. Juli.(W. T. B.) Die Ehefrau deS im Haus« Scharnhorststratze 4 wohnhaften Schriftsetzers Jäger er- hängte, wie die„Braun schweiger Neuesten Nachrichten" melden. während der Abwesenheit ihres Mannes ihre beiden Kinder und beging darauf Selbstmord ebenfalls durch Erhängen. Das Mriiv zu der grausigen Tat ist in schlechten Vermögensverhältnissen zu suchen._ Zeppelin fliegt— ins Ausland. Stockholm, 1. Juli.(W. T. B.)„Aftonbladet" kann aus bester Quelle mitteilen, daß die schwedische Regierung bei dem Grafen von Zeppelin angefragt habe, ob er zwei Luftschiffe für Schweden liefern wolle. Graf Zeppelin erklärte sich dazu bereit. Reaktion in der Türkei— Internationale Plaudcrbude. Konstantinopcl, 1. Juli. fW. T. B.) Die Kammer beendete heute die zweite Lesung deS Strcikgesetzes. Der Minister des Innern wandte sich gegen die Berechtigung der Arbeiter zur Syndikatsbildung. indem er deren schädliche Wirkung auf den Zufluß fremden Kapitals betonte. Nach lebhafter Debatte wurde das Verbot der Syndikatsbildung für die Arbeiter der öffentlichen Interessen dienenden Betriebe aufgenommen. Das Haus setzte so- dann die Beratung der Militärbcfrciungssteucr für die Christen fort. Vorher nahm die Kammer den Antrag an, die nach London gehende Abgeordnetcndeputation zu beauftragen, dem englischen Parlament einen Vorschlag zur Bildung.ines internationalen Parlaments zu unterbreiten, das aus je 5 Mitgliedern aller Parlamente zusammengesetzt, im Interesse dcK Friedens und der Humanität wirken soll._ Neuer Schrecken in Messina. Rom, 1. Juli.(B. H.) Die Zahl der Opfer des neuerlichen Erdbebens in Messina sind noch unbekannt. Zehn schwcrverwundc.'e Personen wurden nach der Roten Krcuz-Station gebracht. Zahl- reiche Personen sind leicht verwundet. Eine halbe Stunde nach dem ersten Erdbeben erfolgte ein neuer Stoß. Die Panik unter der Bevölkerung ist unbeschreiblich. Gaul Singer&. Co., Berlin SW. Hierzu2Vcilagen u.Nnterhaltnngsbl. Ar. 151. 26. ZahkMg. 1. Keilme Ks Jotirötte" Kerlim lollislilstt. Freitag, 2. Juli MS. Reichstag» 278. Sitzung vom Donnerstag, den 1. Juli, nachmittags 1 Uhr. Sm Ministertisch: FrHr. v. Rheinbaben, S h d o W. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung der Novelle zum Brausteuergesetz. Abg. Dr. Zehnter(Z.): Meine Freunde halten eine Finanz- reform ohne wesentliche Heranziehung des Vieres nicht für möglich. Für die vor dem 1. Oktober 1908 betriebsfähig hergerichteten Bratereien will die Kommission die Steuer von den ersten 159 Doppelzenwern des in einem Rechnungsjahre verwendeten Malzes auf 7 M. ermäßigen; eine so starke Ermäßigung halten meine Freunde für unberechtigt und beantragen, statt 8 M. zu setzen: 12 M. Abg. Dr. Weber fnatl.): Nach den Beschlüssen der Kommission haben die ganz großen Brauereien eine verhältnismäßig geringere Belastung zu tragen als die mittleren und kleineren. Die Absicht der Regierungsvorlage, die kleinen und mittleren Betriebe zu schonen, wird durch die von ihr vorgeschlagene und von der Kommission angenommene Staffel nicht erreicht. Wir schlagen daher eine andere Staffelung vor, durch welche die kleineren und mittleren Betriebe geschont, die größeren aber stärker herangezogen werden, so daß die Steuer denselben Erttag bringt. Auch wenn unsere Anträge an- genommen werden, werden wir diese Brausteuer doch ablehnen (Hört I hört I rechts), da die Voraussetzung für unsere weitere Mit Wirkung an der Finanzreform, die Einführung einer allgemeinen Besitzsteuer, nicht erfüllt ist.(Bravo! links.) Abg. Dr. Pichler(Z.): Herr Dr. Weber hat wieder von einer allgemeinen Besitzsteuer gesprochen und dabei jedenfalls an die abgelehnte Erbschaftssteuer gedacht. Aber die Erbschaftssteuer ist gar keine allgemeine Besitzsteuer(Große Heiterkeit links), denn die potentesten Besitzer, die großen Aktiengesellschaften, werden von ihr nicht betroffen.(Zuruf links: Wem gehören denn die Aktien?!) Redner befürwortet einen Antrag, der auf die bayerischen Verhält niffe Rücksicht nimmt. Ein Teil meiner bayerischen Freunde würden nur bei Annahme dieses Antrages für die Vorlage stimmen.(Hört I hört! links.) Abg. Frhr. v. Gamp: Dem Gedanken der Kontingentierung der Brauereien, den Kollege Weber in der Kommission zuerst angeregt hat. hätten wir näher treten sollen; denn die Brauereien gehen einem schweren Konkurrenzkampf entgegen, bei dem viele Leichen auf dem Felde bleiben werden. ReichSschatzsekretär Sydvw bekämpft die vom Abg. Weber beanttagte Staffelung, weil die Steuer dann zu wenig bringe und auch nicht so leicht auf das Publikum abgewälzt werden könne. Dagegen befürwortet er die vom Abg. Zehnter beantragte Erhöhung der Steuern von 8 auf 12 M. für die vor dem 1. Oktober betriebs- fähig hergerichteten Brauereien. Abg. ZuieU(Soz.): Meine politischen Freunde werden gegen das Gesetz stimmen, aber nicht au» den Gründen der Nationalliberalen, die aus dem Block gedrängt sind und sich deshalb Herbeilaffen, mit uns gegen die indirekten Steuern zu stimmen. Die Regierung hat es sehr leicht. durch eine vernünftige Reichsvermögenssteuer und Erbschaftssteuer 500 Millionen zu bekommen. Daher werden wir den vor- geschlagenen indirekten Steuern niemals zustimmen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir werden auch wenig Verbesserungsanträge stellen, sie scheitern ja doch an der kompakten Majorität, die hier für die Finanz reform vorhanden ist. Für den Antrag Pichler werden wir stimmen, weil durch ihn der Schaden, der durch dieses Gesetz einem großen Erwerbsstand zugefügt wird, nicht so fühlbar ist. Das Zentrum erinnere ich an den Delegiertentag der katholischen Arbeiter in Essen; entgegen GieSbertS haben sie scharf aufgefordert, gegen jede weitere Belastung der Arbeiterschaft zu stimmen! Auch der süd- deutsche christliche Verein hat scharfe Stellung gegen jede weitere Belastung mit indirekten Steuern genommen. Trotzdem tritt da» Zentrum für sie ein.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter sind schon ungeheuer schwer durch die Krise getroffen, und das Zentrum ist bereit, eine weitere ungeheuere Belastung auf ihre Schultern zu legen; denn das ist ja klar, daß eine Bieriteuer von 100 Millionen Mark, die, wie der Schatzsekretär soeben aus- geführt hat. auf die Konsumenten abgewälzt werden soll, in erster Linie von den Arbei-tern gettagen werden muß.(Lebhafte Zu stimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn man das Wort.Finanz- reform' hört, bekommt jeder im Volk schon eine Gänsehaut, denn .Reform' heißt ja hier nur Auspowerung der breiten Massen. Die Arbeitermaffen und die Mittelschichten sollen das Geld aufbringen. Hier nimmt die Regierung, was sie kleines feialleton. Junge Anarchisten, alte Betbrüder. Wieder hat einer jener fran zösischen Salonanarchisten, die in den neunziger Jahren den Bourgeois durch ihre Umstürzlcrgesten verblüfften, seine Bekehrung zum Kleri- kaliSinu« in rellamehafter Weise demonstriert. Wie Maurice B a r r ö s, der jetzige parlamentarische Anwalt des Pfaffenunterrichts, wie Laurent Tailhade. der in sich vererbte konservative Ueber- zeuguugen gefunden, war auch Adolphe Netto einst ein Wilder, der an den Mauern der bürgerlichen Gesellschaft tobte und für die Sozialisten, die sie durch eine methodische Belagerung bezwingen Ivollien, nur ein verächtliches Lächeln übrig hatte. Rettü, der die Geschichte seiner Bekehrung in einem Buche.Vom Teufel zu Gott' erzählt hat, ist jetzt als Mönch in ein Benediktinerkloster bei Dinant in Belgien eingetreten. Ein Sozialist als Urheber beb PanamakanalprojektS. Vor einigen Tagen ist der Prinz Lucian Napoleon Bonaparte W Y s e, ein Enkel Lucian Bonapartes, gestdrben. Er war der erste, der eine regelrechte Konzcssion für den Durchstich der Landenge von Panama erworben hat. Der Gedanke dieses noch immer nicht ver- wirklichten Unternehmens, das aber in der kapitalistischen Kor- ruptwnLgcschichte schon eine wichtige Rolle gespielt hat, ist be- deutend älter. Bekanntlich bezieht sich auch ein Gespräch Goethes mit Eckermann darauf. Weniger bekannt dürfte es sein, daß der erste, der die Idee des Durchstichs klar erfaßt und für ihre Durch- führung Propaganda gemacht hat, der große utopistische Sozialist Saint-Simon gewesen ist. Saint-Simon machte, wie so manche freiheitliebende Franzosen, den Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten gegen England als Freiwilliger mit. In der Seeschlacht bei. Saintes wurde er verwundet und gefangen ge- nommen. Bi» zum Friedensschluß wurde er in Jamaika fest- gehalten. Vor seiner Rückkehr begab er sich, nach einer Unter- redung mit Franklin, zum Bizckönig von Mexiko und legte diesem das Projekt eines die beiden Ozeane verbindenden Kanals vor. Er war damals 23 Jahre alt. Vermutlich hat der spanische Grande den Vorschlag nicht ernst genommen, jedenfalls weiß man nicht, was aus dem ihm eingehändigten Entwurf geworden ist. Dem Lizekönig darf man zugutehalten, daß die Leuchten der bürgerlichen Wissenschaften die genialen sozialphilosophischeu Gedanken Saint- Simon mit dem gleichen Hochmut abgetan haben. Die großen Ideen der Menschheit treten immer als Träumereien in die Welt, die die klugen Herren des Tages überlegen belächeln. Die Epidemien in Rußland und dem Orient. Die Cholera in Kußland erfüllt mit ihrem Ausflackem bei Beginn der warmen irgend kriegen kann. Man kann auf sie das Wort von Grillparzer anwenden: Ein Ochs ging auf die Wiese, Wo er nach Kräften fraß; Da waren Blumen und Kräuter, Was kümmerte ihn das weiter? Für ihn war alles Gras.(Heiterkeit.) Daß der Brauer die Steuer nicht zahlen kann, hat man ein- gesehen. Die Brauereien werden gezwungen sein, sie a b z u» wälzen. Aber auch die Gastwirte können sie nickt tragen, daher müssen Mittel und Wege gefunden werden, sie auf die Schultern der breiten Masse abzuwälzen. Hierzu ist eine Aenderung des Schankgesetzes vorgeschlagen. Statt der Zehntelung soll eine Zwanzigteilung der Schankgefäße erfolgen. In Norddeutsch- land sind jetzt Schankgefäße von°/,g Liter üblich. Aus einem Hekto- liter werden also 330 Gläser ausgeschenkt. In Zukunft soll das Gefäß einen Viertelliter enthalten, aus dem Heltoliler sollen also 400 Gläser ausgeschenkt werden. Steigert sich der Konsum nicht, so bleiben von solchem Hektoliter 70 Glas übrig, und statt 6 bis 6 Hekto- liter wird der Gastwirt nur noch 4 Hektoliter in der Woche aus- schenken. Notwendigerweise wird also schon zufolge dieses Schank- gefäßgesetzes die Produktion sinken, und die Regierung kann daher aus dieser Brausteuervorlage unmöglich 100 Millionen Mark erhalten. Nun haben Sie auch die Rechnung ohne die Konsumenten gemacht! Glauben Sie denn, daß die Konsumenten nur eine Hammelherde sind?(Große Heiterkeit.) Ich wünsche im Interesse meiner früheren Berufskollegen, der Gastwirte, nicht, daß ein Krieg zwischen Kon- sumenten und Gastwirten ausbricht, aber so glatt, wie Sie meinen, wird die Sache doch nicht abgehen, daß die Konsumenten ein- fach damit einverstanden sind, anstatt 8/io in Zukunft nur Vio für zehn Pfennige zu erhalten. Jedenfalls wird der Konsum unter diesen Umständen nicht zunehmen. Die Steuer von 1906 ist in allen Teilen auf die Gastwirte abgewälzt worden. Aus den Steuerlisten könnten sich die Verbündeten Regierungen leicht überzeugen, wie weit seit 1906 die Steuerkrafl der Gastwirte herabgegangen ist. Der größte Teil der Gastwirte bis zu den feinsten Lokalen ist durch das Gesetz von 1906 außerordentlich schwer getroffen worden. Eine Kontingentierung würde die letzte Schaufel zu dem Grabe für die Gastwirte bedeuten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren, die den Mittelstand schützen wollen, sollten daher ihre Hand zu einer solchen Kontingentierung nicht bieten. Seit 1906 sind 169 Brauereien ein gegangen, davon 13 allein in Konkurs geraten. 1906 sind die Gast- Wirte mit 29 Millionen belastet worden, jetzt sollen sie gar mit 100 Millionen belastet werden. An die große Zahl der Arbeiter, die dadurch wieder brotlos werden, denkt man nicht. Selbst in den großen Bierpalästen ist der Konsum stark zurückgegangen. Gerade die Herren, die auf dem Stand punkte stehen, daß der Schnapsteufel zurückgedrängt werden muß, sollten doch nicht die Hand dazu bieten, daß mm auch das Bier in dieser Weise verteuert wird. Dadurch treiben sie doch mit Gewalt die Arbeitermassen dem Branntwein entgegen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) DaS scheint freilich die Absicht der Herren von der Rechten zu sein, die ja auch in allererster Linie die Schnapsbrenner sind. Außer durch die Belastung deS BiereS werden die Gastwirte auch durch die Verteuerung der Zigarren, des Tabaks und durch die Zünd- holzsteucr getroffen. Dazu kommen die anderen Steuern, die das preußische Abgeordnetenhaus zuungunsten der Gastwirte beschlossen hat: eine Konzessionssteuer, eine Vergnügungssteuer, eine Tanzsteuer— man sollte denken. Tanzen ist ein Ver- g n ü g e n(Heiterkeit), aber eS ist noch eine besondere Steuer darauf! Dann die Automatensteuer, die Polizeistundensteuer usw. Trotz seiner großen Belastung hat der heutige Gastwirtsstand noch nicht denken gelernt. Es handelt sich um 600 000 Menschen, die bisher bei allen patriotischen Festen mit Ihnen Hurra geschrien und die sich bei den Wahlen auf die Seite der bürgerlichen Parteien gestellt haben. Vielleicht sehen die Gastwirte jetzt endlich ein, wo ihre wahren Freunde fitzen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) UnS könnte diese Gesetzgebung ja recht sein, wenn nicht eben die Arbeiter dadurch so schwer gettoffen würden. An einem kräftigen Arbeiterstand sollten aber auch die Herren rechts das größte Interesse haben. Und auch das Zentrum sollte dafür eintreten, daß das Volksgetränk, das Bier, nicht verteuert wird. Gerade wenn Sie Weltmachtspolitik treiben wollen, müssen Sie dafür sorgen, daß nicht der ganze Mittelstand und der Arbeiter- stand geradezu ausgepowert wird.(Lebhaftes Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Paasche erteilt das Wort zu einer dem Erklärung außerhalb der Tagesordnung Jahreszeit nur die Erwartung und Voraussage der Sachverständigen. Eine lehrreiche Uebersicht über den Verlauf der Epidemie in PeterS- bürg bis Anfang Mai gibt ein besonderer Bericht deS.Lancet'. Der Höhepunkt wurde während des letzten JahreS in der zweiten Septembcrwoche mit 2568 Erkrankungen und IIIS Todesfällen erreicht. Dann fand eine stetige Abnahme statt, doch hielt sich die Zahl von Erkrankungen und Todesfällen bis An- fang Februar auf bedenklicher Höhe. Das ungewöhnlich kalte Frühjahr tat der Epidemie dann weiteren wirk- samen Abbruch, bis erst jetzt wieder die bedenkliche Zunahme er- folgte. Insgesamt starben rn der Zeit von Ende August 1908 bis Mitte Mai 1909 in Petersburg mehr als 4000 Menschen an der Cholera, während die Zahl der Erkrankungen über 10000 be- trug. Eine ständige Besorgnis für Rußland und damit auch für das übrige Europa ist die Nachbarschaft mit Sibirien und den anderen Ländern deS näheren Orients, wo Epidemien der schwersten Krankheiten fast dauernd als Gespenster umgehen. Im russischen Asien und in der Mongolei ist es die sonderbare, gleichfalls in hohem Grade lebensgefährliche Krankheit mit dem Namen Taraba- gan(Murmeltier), die eine verdächtige Aehnlichkeit teils mit der Beulenpest, teils mit der Lungenpest besitzt und ständig nach Europa hinüberzudrohen scheint. Es sind einzelne Fälle dieser Krankheit auch schon im europäischen Rußland nachgewiesen worden. Nach den neueren Untersuchungen wird es immer wahrscheinlicher, daß diese Krankheit mit der Pest identisch und von den gleichen Keimen verursacht wird, daß aber die Ansteckung durch Bermittelung der Murmeltiere ersolgt, worauf auch der Volksname hinweist. Es sind nachweislich Erkrankungen dadurch vorgekommen, daß Leute die possu.lichen Murmelttere zu sich in ihre Behausung genommen haben. Die eigentliche Pest ist im näheren Orient im übrigen ziemlich erloschen, sowohl in Arabien wie in Bagdad, jedoch ist diese Feststellung nicht so sicher, daß nicht doch eine dauernde Aufmerksamkeit und Vorsicht empfehlenswert wäre. Theater. Reinhardt in München. Dem Shakespeareschen LiebeS-, Gaukel- und Rüpelspiel:.W a S Ihr wollt' hat Reinhardt mit Recht seinen Untertitel.Fastnacht' zurückgegeben und damit den Geist der Narretei und des übermütigen Sckelmenhumors als maß- gebend für den Stil der Darstellung bezeichnet. Die Darstellung mit Waßmaun, Diegelinann, Moissi und E y s o l d in den Hauptrollen war denn auch erfüllt von echtem romantischen Märchenreiz. Die Julius Diezsche Ausstattung hat das königliche Residenzlheater erworben, deshalb hat�Ailhelm Schulz neue zenenbilder geschaffen, die zwar den Gast deS vom„Simplicissimus' her bekannten barock Märchenhaften kund aten, aber einen Konipromiß mit der alten Kulijsenbühne anbahnten.--- Ganz frei von Staatssekretär v. Bcthmann-Hollwrg: In Preßäußerungen der letzten Tage wird verschiedentlich be» hauptet, daß sachliche Meinungsverschiedenheiten und persönliche Differenzen zwischen den Mitgliedern des Bundesrate? und dem Reichskanzler beständen. Ich habe im Namen des Reichskanzlers und des Bundesrates(Abg. Singer(Soz.): Warum kommt er nicht selbst?) ausdrücklich diese Behauptungen als jeder Unter» läge entbehrend zurückzuweisen. Der Bundesrat ist mit der Haltung und dem Vorgehen des Reichskanzlers bei der Finanz» reform durchaus einverstanden, und er ist dem Reichskanzler dankbar, daß er dem Kaiser und Reich den Dienst erwiesen hat. so lange im Amt zu bleiben, bis die Finanzreform in annehmbarer Gestalt er» ledigt ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Bayerischer Bundesratsbevollmächtigter Graf Lerchenfeld: Auch ich will noch ganz besonders die Behauptungen über an» gebliche Verstimmungen zwischen Mitgliedern des Bundesrates und dem Reichskanzler in das Gebiet der Fabel verweisen. Ich kann mit voller Ueberzeugung aussprechen, daß der Reickskanzler, der seit 12 Jahren dem Bundesrat angehört, mit allen Mitgliedern des Bundesrates die besten Beziehungen unterhalten hat. Insbesondere weise ich die nun schon zum zweiten Male austauchende Legende von einer persönlichen Verstimmung zwischen mir und dem Reichs- kanzler auf das entschiedenste zurück.(Bravo I rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Singer(Soz. zur Geschäftsordnung): Ich bitte die Diskussion über die soeben gehörten Aeußerungen auf die morgige Tagesordnung zu setzen. Vizepräsident Paasche(unterbrechend): Das müssen Sie bei Fest» setzung der Tagesordnung beantragen. Abg. Singer(fortfahrend): Aber auch heute muß ich Verwahrung dagegen einlegen, daß die Buudesratsmitglieder von ihrem durch die Verfassung gewährten Recht, zu jeder Zeit das Wort ergreifen zu dürfen, in einer Weise Gebrauch machen, die den Reichstag mundtot macht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Große Unruhe rechts.) Vizepräsident Paasche: Außerhalb der Tagesordnung Erklärungen abzugeben, ist durchaus das Recht der Herren vom Bundesrat.(Abg. Singer(Soz.j: Leider!) Sie haben das Recht, zu beantragen, eine Diskussion über solche Erklärungen auf die nächste Tages» ordnung zu setzen. Dadurch ist die Parität vollständig gewahrt. (Zustimmung rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Richthofen(k.): Zu der durch die Erklärung angeregten Frage selbst kann und darf ich jetzt nicht sprechen. Ich habe bei dieser Sachlage nur eine ganz kurze Erklärung abzugeben.(Große Unruhe links. Zuruf: Bierrede! Große Heiterkeit.) In der Sache selbst kann ich nur erklären(Links anhaltende Rufe: Z u r S a ch e l Rufe rechts: Ruhe!): Unserer Partei liegt alles daran, daß die Reichsfinanzreform zustande kommt. Deshalb müssen wir persönliche Wünsche zurückstellen.(Zuruf links: Erbschaftssteuer!) Wir tun das und stimmen dem Gesetze zu in der Ueberzeugung, daß dadurch keine Belastung eintritt, die das Maß deS Erträglichen über- steigt.(Bravo! rechts.) Abg. Steindl(Z.): In Süddeutschland entfallen 279 Liter Bier auf den Kopf der Bevölkerung, in Norddeutschland nur 98 Liter. (Heiterkeit.) Daher ist auch linser Interesse an der Brausteuer ein viel größeres.(Stürmische Heiterkeit.) Viele Landarbeiter wollen bei uns gar keinen Barlohn, aber Bier wollen sie I(Große Heiterkeit.) Mein Freund, ein Stadtpfarrer, hat mir erzählt, daß sein jährlicher Biertonsum 1000 M. beträgt.(Erneute schallende Heiterkeit.) Meine kräftigen Worte mögen zum Teil Ihre Heiterkeit erwecken, aber sie werden bei uns als bittere Wahrheiten empfunden.(Sehr gut! links.) Wenn bei uns die Landarbeiter nur ein bißchen Wasser trinken, fallen sie bei der Arbeit um.(Große Heiterkeit.) Mit trockenem Brot und Bier arbeiten sie den ganzen Tag. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Hier habe ich am frühen Morgen Leute vom Schnaps besoffen auf der Straße liegen sehen. So etwas kommt bei uns nicht vor. Das Bier ist das kleinere Uebel. Die Antialkoholbewegung sollte dahin einsetzen, daß sie den SchnapSgenuß bekämpft und den Biergenutz fördert!(Stürmische anhaltende Heiterkeit.) Die Ablehnung der Erbschaftssteuer bedauere den Prinzipien der Münchener Relief-Maler- oder Phantasie-Bühne hat sich aber Reinhardt in den.Räubern' gemacht, mit denen er am Dienstag endlich den ihm und seinen Künstlern gebührenden großen, durchschlagenden und völlig unbestrittenen Sieg auf Münchener Boden errungen hat. O r l i k hat auf Flächen- und Bilderwirkunge» verzichtet und hat Prospekte, Kulissen, Galerien gemalt, die realistisch die Tiefe der Bühne vortäuschen. Damit hat sich Reinhardt endlich auf eigene Füße gestellt und die Malerbühne im pathetischen Drama für überwunden erklärt. W e g e n e r als Franz, Moissi als Spiegelberg erweckten helle Begeisterung. Ueber Beregis Können ist man sich hier immer noch nicht im klaren. rn. Notizen. — Zeppelin im Kindermund. Aufsehen erregende Er» eigmsse haben von jeher ihr Echo im VolkSmunde, ja im Kinder» munde gefunden. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Schul- mädchen in Nürnberg einen Reigen nach folgendem Text tanzen: .Zeppelin hin, Zeppelin her, Zeppelin hat kein Luftschiff mehr; Zeppelin hoch, Zeppelin nieder, Zeppelin hat sein Luftschiff wieder; Zipp— Zapp— Zeppelin, 's Luftschiff ist schon wieder hin.* Aber der Rhythmus und sogar die Neimbildung ist alt; sangen doch die Kinder in Halle bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert. als der stadtbekannte Magister Laukhard sich als Soldat hatte an» werben lassen: Laukhard hin, Laukhard her, Laukhard ist kein Magister mehr. — MutherS letztes Werk, daß er noch wenige Wochen bor seinem Tode vollendet hat und das die Summe seiner bis» herigen Lebensarbeit bilden sollte, ist eine umfassende neue G e» schichte der gesamten Malerei vom Aufkommen des Christentums bis zur Gegenwart. Sie wird in drei Bänden mit etwa 2500 Abbildungen noch in diesem Jahre in Konrad GrethleinS Verlag in Leipzig erscheinen. — Lehrkanzeln für Flugwissenschaft. Die Pariser Universität hat gleichzeitig zwei bedeutende Zuwendungen erhatten. Der Großindustrielle Deutsch stiftete ein Kapital von 600 000 Fr. und eine Rente von 16 000 Fr. für die Errichtung eines ärotech- nischen Instituts und Herr Zacharoff 700 000 Fr. zur Errichtung einer Lehrkanzel für Flugwissenschaft an der naturwissenschaftlichen Fakultät. Der Universitätsrat beschloß, aus den eigenen Fonds 10 000 Fr. zu» Vermehrung der Deutschschen Rente beizustellen. ich nicht, die können«vir am wenigsten abwälzen.(Erneute stürmische Heiterleit links.) Ich persönlich wäre ja für eine Erb- anfallsteuer und werde mit Vergnügen dabei sein, wenn fie im bayerischen Landtag gemacht wird.(Lebhaftes HörtI hörtl und Heiterkeit links.) Abg. Dr. Pachnicke(frs. Bg.): Herr v. Richthofen wollte hier feine Bedenken zurückstellen, um ein positives Ergebnis zu erzielen. Warum hat er dasselbe nicht auch bei der Erbschastssteuer getan?(Sehr gutl links.) Der Herr Staatssekretär hätte uns vor allem eine Aufklärung dar- über geben sollen, ob die Verbündeten Regierungen an der feierlichen Erklärung, die in ihrem Namen abgegeben worden ist, festhalten, daß sie eine Finanzreform nur dann für annehmbar halten, wenn die Voraussetzung der ErbschaslSsteuer erfüllt ist. DaS wäre uns mindestens so interessant gewesen wie die Stellung zum Reichskanzler. Eine Erklärung wäre entscheidend gewesen für den Gang der Reform und für das Ansehen des Bundesrats in der Welt.(Lebhafte Zu- stimmung links.) Solange diese Frage ungeklärt ist, müssen und werden wir der Brausteuer wie überhaupt den indirekten Steuern widersprechen.(Bravo! links.) Abg. Bruh»(Antis.) erklärt, daß seine Freunde der Brausteuer zustimmen unter der Voraussetzung, daß es gelingt, mit dem Bundesrat eine Vereinbarung über Heranziehung des mobilen Kapitals zu vereinbaren. Abg. Dr. Heim(Z.): Eine kleine Anzahl meiner Freunde wird gegen den ß 6 und eventuell bei der dritten Lesung gegen die ganze Brausteuer stimmen.(Hörtl hört!� links.) Ich würde mich als Boyer schämen müssen, wenn ich der Strangulierung unseres wichtigsten Exportarrlkels zustimmen würde. Der Minister v. Rheinbaben trinkt auch Bier, er sieht gar nicht nach Limonade aus.(Schallende Heiterkeit.) Als Herr Steindl davon sprach, daß der Erntearbeiter auch sein Bier trinkt, riefen Sie da- zwischen: Beim Vesper I Nein, bei unS in Bayern trinkt man fünfural am Tage(Große Heiterkeit), und die Nahrung bei uns ist gut und kräftig, da gibt's nicht Margarine und sonstige Schmiermittel, wie hier in den feinsten Hotels.(Heiterkeit.) Die Liberalen hätten die 100 Millionen Biersteuer geschluckt, wenn die Erbschaftssteuer angenommen würde.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Eine wirkliche Erbschaftssteuer müßte nach der eng- lischen gestaltet sein und mindestens 300—400 Millionen Mark bringen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ja, die Herren von der äußersten Linken tun sich sehr leicht: sie bewilligen, was ihnen paßt, und lehnen dann alles ab.(Sehr gut! und Heiterkeit im Zentrum.) Abg. Dr. Weber(natl.) besürwortet nochmals die von ihm be» antragte andere Staffelung der Biersteuer. «bg. Dr. Südekum(Soz.): Unsere Stellung zu den AbänderungSanträgen ist leicht gegeben. Wir werden zwischen zwei Uebeln dem k l e i n e r e n den Vorzug geben und zunächst dem Antrag Pichler und dann dem Antrag Weber zu- stiminen. Es läßt sich nicht verkennen, daß in der Tat die bayerischen Verhältnisse stark beeinflußt werden würden, wenn die KommissionS- beschlüffe angenommen würden. Es müßten dort unhaltbare Zu- stände eintreten. Die Politik, die Herr Dr. Heim empfahl, die Brau- steuererhöhung um den Preis abzulehnen, daß wir dafür eine Er- höhung der Tabaksteuer in Kauf nehmen, müssen wir ablehnen. Die St. Florians-Politik.Verschon mein HauS, zünd' andre an I" machen wir nicht mit, schon mit Rücksicht auf die Hunderttausende in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter und ihre An- gehörigen. Dr. Heim sprach das große Wort gelaffen aus, warum die Liberalen ihre Stellung zu der Finanzreform von einer solchen Bagatelle wie der abgelehnten Erbschaftssteuer ab- hängig machten. Wenn das Zentrum diese Steuer für eine solche Bagatelle hält, warum hat es sie dann abgelehnt, zumal da die von Dr. Heim vertretene bäuerliche Bevölkerung überhaupt dadurch nicht betroffen Ivird?(Sehr gut I links.) Und wenn er unS empfahl, lieber eine Erbschaftsbesteueruna nach englischem Muster, die 300 bis 500 Millionen bringt, zu beschließen, so fürchte ich nur, baß er auch für eine solche Steuer nicht stimmen wird.(Sehr richtig I links.) Wir sind jederzeit bereit, auf dem Wege einer all- gemeinen Vermögenssteuer oder einer Erbschaftssteuer nach engli- schem Muster die Finanzreform zu machen. Herr Dr. Weber sagt. zu seiner Freude wäre der Gedanke der Bierboykottierung durch den Abgeordneten Zubeil verleugnet worden; das stehe im Gegensatz zu einem Beschluß des Hannoverschen Gewerkschaftskartells. Da ist er nicht genau unterrichtet. Der Vertreter für Hannover, mein Kollege Brey, hat mir mitgeteilt, daß ein solcher Beschluß des Hannoverschen GewerkschastskartellS überhaupt nicht vorliege. Bei dieser Gelegenheit ist beiläufig auch ein Wort davon ge- fallen, ob es nicht zweckmäßig sei. überhaupt den Bi-rgenuß zu perhorreSzieren; aber ein Beschluß ist in keiner Weise gefaßt worden. Also ein Gegensatz zwischen dem Hannoverschen Gewerkschaftskartell und den Ausführungen des Abg. Zubeil besteht nicht. Reichsschatzsekretär Sydow wendet sich nochmals gegen die vom Abg. Weber vorgeschlagene Staffelung. Damit schließt die Diskussion. Zunächst wird die zu§« vom Abg. Pichlcr/20 Anfang 8 Bbr. Entree SO Pfennig. Seit Jahren ist A.SIeyeradaroh 4 goldene und 1 eübeme Medaille ausgezeichnetes Bruchband ohne Feder (kein Gnmmt-Brnchband) für Leisten-, Schenkel- und Nabelbrüche bestens bei Aerzten und Laien eingoführt. 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Für M« so überaus große Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben unvergeßlichen Frau sage ich hiermit allen Ver« wandten, Freunden und Befannten, insbesondere dem dritten Berliner RetchstagSwahlkreise sowie dem Sprecher Herrn Schütt meinen herzlichen Dailf. 342b Heinrich Wörner, onbener Str. 23. Deutsclier Metallarbeiter-Verband SchmBede-Verband. Sonntag, den 4. Juli, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung der Kesselschmiede, Nieter und Stemmer im CtStvorksahattshaiis«, Engeluser 15(Saal I). TageS-Ordnung: 1. Die Arbeitsverhältnisse, hygienischen und sanitären Einrichtungen in Betrieben, in denen Kesselschmiede, Nieter und Stemmer beschäftigt find. Referent: Kollege W. S i e r i n g. L. Dislussion. Kollegen l Da teilweise eine andere Einladung an die Kollegen nicht möglich ist, möchten wir die Kollegen anderer Branchen ersuchen, die Kessel« schmiede, Nieter und Stemmer in ihrem Betriebe aus dies« Versammlung ausmerksam zu machen. 119/8 Zahlreichen Besuch erwarte» Die Ortsverwaltnngcn. Achtung; Bewilligte Bäckerei! Achtung: Die Differenzen zwischen unterzeichnetem Meister und dem Verband der Bäcker und Konditoren find hiermit geregelt und somit gUt diese Bäckeret wieder als bewilligt. 3S6b P, Lttddicke, Bäckermeister, Müllerstr. 28,©enter Str. 42. Der Vertrauensmann der Bitcker. Selowskyi Cigaretten bleiben nach dem Urteil aller Kenner iinübertrogfen! Spezialmarken: Bolero• Caruso* Zenith ■ v'-','v' Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Mittwoch, den 30. Juni, unser lieber Sohn und Bruder Hans Hoffmarm im Alter von 16 Jahren nach langen, schweren Leiden ver- starben ist. Um stille Teilnahme bittet Familie Paul Hoffmauu.Töpser, Pankow, Haynstr. 5. _ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Juli, nachmittags 2>/, Uhr, von der Leichenhalle des Pantower Friedhoses, Schönholzer Heide, aus statt. „Berüner Irbeiter- Railabrer-Fepeir Mitglied des Arbeiter» Radsahrer-Bundes .Solidarität*. Touren zum Sonntag, den 4. Juli. Vereinstour: 1.— 5. Abt. S Uhr: Rchbrück. 6.— 10. Abt. 6 Uhr: Finkenkrug. Nachm. 1.— 10. Abteilung l'i.Uhr: Schmargcndors(Schützenhaus). Start an den bekannten Stellen. Achtung! 1.— 5. Abteilung wird gebeten, aus besonderen Gründen ihre Frühstücks, pause in Wannsee, ,F ü r st e n h o s", morgens 8 Uhr zu hatten. Ardeiter- llsdkshrer- Verein Schmargendorf. Sonntag, den 4. Juli er., Gr. Sommerfest im SchützenhauS Schmargendorf. __ Rege Beteiligung der Bundes. genoffen ist erbeten. 11/4 Lau 3. Sonntag, den 11. Jnll er., Gr, Gau-Sportsfest im Moabiter Schützenhaus, PIStzensee. Gr. Doppel-Konzcrt, Gesang, Spezia- litäten, Kunst- und Rcigensahrcn und Tanz. ES ladet freundlichst ein 1115* Der Gauvorftaud. Fahrrad-Haus„Irisch auf", Walter Wittig& Co., Hauptgcsch.: BerlinN.3I,®rimnen(tr.35 Filiale: Kottbuser Str. 9, empfiehlt.Frisch auf*- Fahrräder sowie sämtl. Radtahrer-Bodarisartikel. Reparatur- Werkstatt mit eiek- irischem Kraftbetrieb. 106/3* Dr. Slmmel Spezial-Arzt 62/9* für Haut- und Harnleiden. Primenslr. 41,„X"». 10— 2, 6— 7. Sonntags 10—12, 2— 4 ! SozialiiEUiokfatisdier Wslilvereii für den Frankfurter Viertal Bezirk Nr. 310. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Ewald Maske Koppenstr. 49 gestorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des AuserstehungS-KirchhoseS in Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/17 Der Vorstand. Zentral verband deutscher Brauereiarbeiter. Ortsverwaltnng Berlin. Hierdmch geben vir unseren Mitgliedern bekannt, daß unser langjähriges Mitglied llnkvn Lwsud (Bergschloßbranerei) verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Riy- darf, Hermannstraße 99—106, aus statt. 43/2 Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Die Drtsvervealtung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Baal Hclnke sage ich allen seinen Kollegen und Freunden sowie dem Metallarbeiter. verband und Wahlverein des sechsten Berliner Wahllreises herzlichsten Dank. 1739L Die trauernde Wilioe Anna Helnke und Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, uusercS guten BaterS 338b Hermann LcheMer sagen wir allen Kollegen der Firma' Geiseler unseren herzlichsten Dank. Amalie Scheffler nebst Kinder». Dsnksaxunx. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer gulen Mutler Ilm um Glngow sagen wir allen Verwandten, Freunden und Belannten unseren innigsten Dank. 367b Adolf Olagow nebst Kindern, Jedes Wori 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche!(sehlerhaste) in allen Größen für die Hälfte deS Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Marli 4, Bahnhof Börse.(Leser deS „Vorwärts' erhalten 6 Prozent Rabatt.)_ 264/11* Taschenbuch für Gartenfreunde. 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Das Festkomitee hat es sich angelegen sein lassen, den Besuchern einige vergnügte Stunden zu bereiten und ist überall für reichhaltige und genußreiche Unterhaltung Sorge getragen. Die im Lokal Seeterrasse vorhandenen Räumlichkeiten begünstigen besonders die in Aussicht genommenen Veranstaltungen und künstleri- schen Aufführungen. Auch für die junge Garde ist Sorge getragen. Auf der an das Lokal grenzenden Wiese werden unter Leitung von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte" Kinderspiele veranstaltet, so daß groß und klein, jung und alt auf ihre Rechnung kommen. Bei dem»näßigen Eintrittspreise wird natürlich auf Maffenbesuch gerechnet. Bezirk Waidmannslust. Der Wahlvcrein veranstaltet am Sonntag, den 4. Juli, in dem direkt am Bahnhofe gelegenen Lokale„Zum Bergschloß" ein Volksfest. Die Lage des Lokals— eines der schönsten an der Rordbahn— vereint mit den Darbietungen verbürgt jedem Teilnehmer einige angenehme Stunden. Anfang 3 Uhr nachmittags. Eintritt 20 Pf. Die Genossen der Umgegend und von Berlin Morden) sind hierzu eingeladen. Zugleich ersuchen wir die Genoffen, zu beachten, daß das am Aufgange zum Fcstlokale gelegene Lokal von Wcnnrich der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht. Frei ist nur das .Bergschloß" und das„Schweizerhaus". Dianastr. 26. Kerliner JVacbrichtcn. Die Ausplünderung Stellungsuchender. Es ist hinlänglich be° kattnt, welche Mißstände auf dem Gebiete der Stellenvermittelung für das Gastwirtsgewerbe bestehen. Ungeheure Summen müssen alljährlich von dem gasiwirtschaftlichen Personal an die Stellen� Vermittler und Gesindevermieter gezahlt werden. Diese Ausbeutung Stellungsuchender ist in allen Ländern vorzufinden, sie grassiert in Frankreich und in England ebenso schlimm, als in Deutschland. In London sind es zum größten Teil Deutsche, welche vor allem die „Vaterländer" ausplündern(bekanntlich gehen alljährlich Tausende junger Kellner und Hoteldiener, auch junge Mädchen nach England, namentlich um die englische Sprache zu erlernen). Seit einigen Monaten hat sich hier in Berlin, Linkstraße 22, ein Stellenvermittler namens B u ch w a l d niedergelassen, der bis dahin in London seine„Geschäfte" machte. Dort nannte er sich aber Baronet. Der..Gastwirtsgehilfe" hatte die Erwartung ausgesprochen, daß die hiesigen Behörden dem Herren Buchwald- Baronet die Konzession nicht erteilen würden. Möglich, daß sie ihm auch verweigert wurde; aber ein smarter Ge- schäftsmann, wie Buchwald, weiß sich zu helfen. Er gründete einen Verein, den er„Internationaler Verband für Angestellte aller Branchen und Berufe Berlin-London" nannte. Unter der Firma des Vereins erließ er Inserate, wonach Hotelpersonal, Diener usw. nach London gesucht würden. Die Stellesuchenden mußten 16 M. Eintritt und einen vollen Jahresbeitrag, insgesamt 22 M., im voraus bezahlen. Daraufhin erhielten sie ein Schreiben, gerichtet an eine Frau Andres in London W., 33 Edgware Rd., Hyde Park. Jeder glaubte, er sei wirklich engagiert, in einzelnen Fällen sagte Heiw Buchwald zu den jungen Leuten, sie würden vom Bahnhof abgeholt, die englische Herrschaft wolle sie erst sehen, aber das Engagement wäre wohl sicher. Frau Andres aber entpuppte sich als eine Stellenvermittlerin, bei der die Ankomenden auf„Stellung warten" können. Frau Andres steht mit einem anderen Londoner zu weiterer„Unterbringung" überweist. Ein solcher Ueberweisungs- brief liegt uns vor, er trägt den bezeichnenden Vermerk:„Der Ueberbringcr kommt natürlich von Berlin". Wenn die Kandidaten für die Londoner Stellung befürchteten, daß ihnen wegen Mittellosigkeit die Landung in England verweigert werden könnte(bei der Landung in England muß man nämlich mindestens 100 M. in barem Geld vorzeigen können), auch dann wußte Baronet-Buchwald einen Ausweg. Er gab einen Brief mit, den der Reisende bei einer etwaigen Revision bei der Landung vorzuzeigen hätte. Derselbe lautet, uns liegen mehrere davon vor, in schlechtem Englisch etwa wie folgt: „Ueberbringer dieses... hat einen von der Polizei ge- stempelten Reisepaß und ist engagiert durch Madame Andres- London zV., 33 Edgware Rd., Hyde Park. Bitte seiner Landung keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen." Das interessanteste an der Sache kommt noch: Eine besorgte Mutter hier in Berlin wandte sich um Auskunft über das Haus Andres an das Generalkonsulat in London und erhielt ein Schreiben, worin eS�Heißt, daß das Generalkonsulat außerstande sei, zu Stellungen irgendwelcher Art nach Großbritannien zu der- helfen. In bezug auf das Bureau Andres heißt es dann wörtlich: „Ohne Uebernahme der Verbindlichkeit bemerke ich, daß hin- sichtlich der Vertrauenswürdigkeit des von Ihnen genannten Bureau» kein Bedenken besteht."— In einer Anlage werden so- dann eine Reihe Stellenvermittlungsbureaus genannt; das erste derselben„für Kellner" ist Hoffmann, Rathbone Place, einer der gefürchtetsten Stellenvermittler in London. Das Geschäft des Herrn Baronet muß übrigens glänzend gehen. Uns liegen eine ganze Anzahl von ihm unterzeichneter Quittungen vor. Die letzte ist am 14. Mai ausgestellt und trägt die Nummer 1S4.(Herr Baronet hat sein Berliner Geschäft erst im Februar dieses Jahres eröffnet.) Die meisten der uns vorliegenden Quittungen lauten auf 22 M. Es müssen sonach ungeheure Summen sein, die dieser geschickte Geschäftsmann„verdient". Die meisten opfern ihr letztes Geld und kommen dann gänzlich mittellos in London an, wo viele von ihnen dem physischen und moralischen Untergange entgegengehen. Und wie kommt es, daß ein Mann, wie B u ch w a l d- Baronet unter den Augen der sonst so wachsamen preußischen Polizei die„Geschäfte" mit stellungslosen jungen Leuten unbehelligt weiter treiben kann? Der königliche Gartenkiaudirektor und städtische Gartcndircktor Hermann Mächtig ist in der letzten Nacht nach kurzer Krankheit «»erwartet im vollendeten 75. Lebensjahre in seiner Amtswohnung im Humboldthain gestorben. Ein volles Menschenalter hindurch hat der Verstorbene an der Spitze der Gartenverwaltung gestanden. Warnung vor Schlafstellenschwindler. Mit einem neuen Trick arbeitet ein Schlafsiellenschwindler, durch welchen zahlreiche Be- wohner der Kolonie Wildau geschädigt wurden. Der Betrüger hatte sich in dem Bureau der Schlvartzkopffschen Maschinenfabrik, in welchem die Zimmcrvermieter freie Schlafstellen zu melden Pflegen, die ganze Liste abgeschrieben und ging dann von einer Wohnung zu der anderen. Ueberall mietete er sich ein und erklärte, seine Sachen, die sich auf dem Bahnhof Zeuthen befänden, holen zu wollen. Er bat die Wirtin, ihm einige Mark zu leihen, weil sein Geld sich in dem Koffer befände. Der Gauner machte einen so vertrauen- erweckenden Eindruck, daß e» ihm bei seinem sicheren Auftreten fast in allen Fällen gelang, Geldbeträge in Höhe von 8—4 M. zu erhalten. Der Betrüger ist etwa 1,60 Meter groß, hat schmales, blasses Gesicht, kleinen schwarzen Schnurrbart, dunkles Haar und trug einen graubraunen Anzug. Ein zweiter Schlafstellenschwindler mietet meist solche Logis, in denen bereits Schlafburscheu»vohnen»md zieht auch zu. Er bleibt in der Wohnung gewöhnlich ein bis zwei Tage und benutzt dann eine passende Gelegenheit, um die Koffer der anderen Schlaskollegen zu erbrechen und ihnen ihre Ersparnisse zu stehlen. So sind in den letzten vierzehn Tagen nicht weniger als acht solcher Diebstähle aus den westlichen Vororten gemeldet. Ein dritter Schlafftellenschwindler arbeitet in den nördlichen Vororten in der Weise, daß er beim Besichtigen der Schlafgelegenheit Unwohlsein vorspiegelt, sich von der Wirtin ein GlaS Wasser holen läßt und in der kurzen Zeit deö Alleinseins irgendwelche Wertgegenstände sich aneignet. Ein Elcndsbild. Arbeitslosigkeit und Krankheit brachten einen Bruno Herbrich soweit herunter, daßjer gesternmorgen arff der Straße starb. Erst am 18. Juni aus dem Krankenhaus entlassen und ohne Wohnung, lag er gestern morgen um 6 Uhr bewußtlos in dem Hause König- stratze 17. Man brachte ihn nach dem Posthofe, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Nach einigen Schriftstücken hat Herbrich nur zeiiweilig Arbeit finden können und vorübergehend auch im Familienobdach gewohirt. Aus dem Straßenverkehr. Infolge Versagens der Steuerung fuhr Mittwoch mittags die Kraftdroschke Nr. L002 vor dem Hause Am Königsgraben 156 in scharfem Tempo gegen einen Prellstein. Infolge des Anpralls wurde der Fahrgast der Droschke, der 33 Jahre alte Direktor Julius Bacher, durch die vordere Glas- scheide auf das Straßenpflaster geschlendert. Ein Schutzmann brachte den Verunglückten nach der Unfallstation in der Keibel- straße, wo der Arzt mehrere tiefe Schnittivunden im Gesicht fest- stellte, ihm Verbände anlegte und ihn mittels Droschke nach seiner Wohnung schaffen ließ. Die Kraftdroschke, an der Vorderochse und Steuerung zerbrochen waren, mutzte aus dem Betriebe gezogen werden. — Beim unachtsamen Ueberschreiten de§ Fahrdammcs vor dem Hanse Potsdamer Straße 10/11 wurde abends der 36 Jahre alte Kellner Karl Dujat durch einen Kraftwagen umgestoßen. Man brachte ihn in einer Droscbke nach der Unfallstation in der Köthener Straße, wo der Arzt eine Wunde am Hinterkopf sowie eine Gehirnerschütterung feststellte und seine Ueberführung nach dem Elisabeth-Krankenhanse veranlaßte.— Vor dem Hause Schönebergcr User 36 erfolgte vor- mittags ein Zusammenstoß zwischen einer Pferde- und einer Kraft- droschke, wobei die erstere umschlug und ihr Führer, der 41 Jahre alte Droschkenkutscher Hermann Zilm, vom Bock geschleudert wurde. Man brachte ihn nach dem Krankenhause Moabit, wo er— an- scheinend mit einem Oberschenkelbruch— Aufnahme fand. Die Droschke ist schwer beschädigt. Bor der„Deutschen Kranken-UnterstütziingSkasse" in Kaffel, hiesiger Vertreter Beneventuro Guilleaume, Kaiicrstr. 2öb, früher C. Peter, Alexandcrstr. 14o, warnt nun auch der hiesige Polizeipräsident unter Hinweis darauf, daß die Beiträge der Mitglieder nur zum kleineren Teile zur Erfüllung des Kassenzwecks Verwendung finden. Arbeiter-BildungSschnle. Am Sonntag, den 4. Juli: F a- milienauSflug nach Sadowa-Mahlsdorf-Süd. Abfahrt des Zuges ab Alexanderplatz 3.SS, Jannowitzbrücke S.01, Schlesischer Bahnhof 9.04. Treffpunkt für Nachzügler bis 10'/z Uhr: Restaurant „Waldschänke"(Jnh. Töldte), dicht am Bahnhos Sadowa gelegen. Von 12 Uhr mittag? ab: Restaurant„Heidckrug" in Mahlsdorf- Süd, zu erreichen vom Bahnhof Köpenick zu Fuß oder direkte Ver- bindung mit der dortigen städtischen Straßenbahn. Zahlreiche Be- teiligung der Mitglieder nebst Angehörigen und Freunden der Schule erwartet Das Komitee Inhaber von Fahrrädern werden anläßlich der sich tagtäglich häufenden Fahrraddiebstähle darauf hingewiesen, ihr Rad nie un- beaufsichtigt stehen zu lassen. Das ist manchmal zwar nur schwer möglich, aber doch erforderlich, soll Fahrradmardern das Handwerk nicht gar zu leicht gemacht werden. Am 22. Juni wurde an der Ecke der Koch- und Friedrichstraße einem Arbeiter das Rad gestohlen, Es trägt die Marke„Reform" und die Nr. 126 713, Halbrenner, Nahmen schwarz»nit roten Streifen, nach oben gebogener Lenkstange, Freilauf mit Rücktrittbremse, vernickelten Speichen, Laufmäntel ge- rippt mit breiten roten Streifen, Sattel braun und braune Werk- zeugtafcfie. Mitteilungen über den Verbleib des Rades wolle man an W. Deinert, Mariendorf. Strelitzstr. 3 Hl, gelangen lassen. Der Arbeiter Otto Koffe, Badstr. 65, kam am Montag früh um sein Rad, als er sich in ein Haus Köpenicker Str. 23 flüchtete, um sich vor dem starken Regen zu schützen. Beim Lesen einer Zeitung schlief er ein, und als er nach 10 Minuten erwachte, war das Rad verschwunden. ES trägt folgende Kennzeichen: schlvarzer niedriger Rahmen, Marke„Delphin" Nr. 203 mit vernickelten Enden, hoch- gebogener Lenkstange, Schweinsurter Torpedo-Freilaufnabe, mit Rücktrittsbrcmse. umschaltbar. Großes Keltenrad, volle Stahlscheibe, innen schwarz emailliert mit Inschrift„Delphin", sowie rotem Gummi. Wer Anhaltspunkte über den Verbleib des Rades machen kann, wende sich an obige Adresse. Straßensperrung. Die Großgörschenstraße von der Potsdamer Straße bis zur Steimnetzstraße(einschließlich Kreuzdamm) wird wegen Asphaltierung vom 1. d. M. ab, die Lindower Straße von der Mnllersttaße bis zum Nettelbeckplatz wegen Kanalisationsarbciten bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Fcucrwchricricht. Wegen eines sehr gefährlichen KellerbrandeS wurde gestern früh der 17. Zug nach der Markgrasenstr. 13 alarmiert. Als die Feuerwehr erschien, schlugen die Flanimen, genährt von Spirituosen, schon hell aus den Kellerfenstern und in dem über den Keller befindlichen Laden hinein. Brandmeister Grabow ließ sofort kräftig Wasser geben und dann einen Feuermann mit einem Feucrschutzanzug ausgerüstet in den brennenden Raum ein- dringen. Es gelang, den Brand auf den Keller des Vorderha»lses zu beschränken. Derselbe Zug hatte in der Lindenstr. 36 zu tun, wo in einem Keller wohl' an hunderttausend Stück Preßkohlen lagerten und sich entzündet hatten. Die Löschung dieses Brandes erforderte viel Arbeit. Ferner mußten noch Preßkohlcnbrände auf dem Anhalter und Nordbahnhof Bernauerstraße, sowie anderen Stellen gelöscht iverden. Fett u. a. brannte in der Weißbachstr. 2, Stroh u. a. in einem Stalle An der Schleuse Nr. 13 und Papier u. a. in einem Keller Mauerstr. 63/65. Durch Umfallen einer Spirituskanne, wobei sich der Spiritus entzündete, kam Waldemar- straße 18 Feuer aus. Weitere Meldungen liefen vom ZioilSkirch Platz 12 und anderen Stellen ein. Vorort- rtfackmcbten. Charlottenburg. Aus der Stadtverordneten-Versammlung- Die Sitzung vom Mittwoch, die letzte vor den Ferien, zog sich bis nach Mitternacht hin. Auf der Tagesordnung standen nicht weniger als 26 Punkte, darunter eine ganze Reihe Vor- lagen von weittragender Bedeutung. Wie durch unseren Genossen Dr. Borchardt am Schluß der Sitzung festgestellt wurde, sind die jetzigen Zustände in dex Stadtvertretung einfach unhaltbar, eS finden nur alle 14 Tage bis 3 Wochen Sitzungen statt, deren Tages- ordnung gewöhnlich so' überladen ist, daß von einer ordnungS- mäßigen Erledigung der Geschäfte gar nicht die Rede sein kann. Trotzdem begnügte sich die Mehrheit damit, auch für das zweite Halbjahr 1909 nur zwei Sitzungen pro Monat sestzllsetzen: nian kann also von vornherein annehmen, daß keine Besserung in den Verhältnissen eintritt. Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen nahm die Ver- sammlung den Bericht deS Ausschusses über die Vorlage be- treffend Neugestaltung des Normal-Vesoldungö- etatS für die Leiter, Lehrer und Lehrerinnen an den städtischen Schulen entgegen. Die Liberalen, die sich bei der ersten Lesung in der Rolle der Opposition gefielen und die Vorlage als lange nicht weit genug gehend bezeichnet hatten, waren im Ans- schusse wieder einmal umgefallen, sie hatten im wesentlichen den Anträgen des Magistrats zugestimmt, nur für die Ober- lehrer an höheren Lehranstalten hätten sie etwas»»ehr heraus- geschlagen. Unsere Genossen beantragten im Plenum: 1. in Bezug auf die Gehälter der Oberlehrer Wiederherstellung der Magistratsvorlage, 2. in Bezug auf die Rektoren an den Ge- meindeichulen Erhöhung der Amtszulage von 1200 auf 1300 Mark, 3. in Bezug auf die Lehrer an den Gemeindeschnlen eine Erhöhung der Ortszulage»», deren Konsequenz eine Erhöhung � deS Gesamteinkommens in den untersten und mittleren Gchattsstusen gewesen wäre, 4. in Bezug auf die weiblichen Lehrkräfte die Gewährung von mindestens 80 Prozent der Gehälter der Lehrer in vergleichbarer Tätigkeit, soweit gesetzliche Vestiinmungen dem nicht iin Wege stehen. Genosse Zietsch charakterisierte den Umfall der Liberalen, die anstatt auf ihren Anschauungen zu beharre»», ohne weiteres vor dem Magistrat zu Kreuze gekrochen seien und den Kampf sofort auf- gegeben hätte»». Leider härien die leitenden Personen auS Lehrer- kreisen schon vor der AuS»'chußberatllng ein Kompromiß mit dem Magistrat und der Mehrheit geschlossen, sie müssen sich also damit abfinden, daß sie weniger bekommen, als sie Ursprung- lich gefordert hatten. Wenn die Sozialdeinokratcn trotzdem für eine weitere Aufbesserung der Lehrcrgehälter seien, so mit Rückficht auf die Zukunft, damit der Stadt nicht später geeignete Lehrkräfte durch andere Gemeinden entzogen Iverden. Redner begründete so- dai»n im einzelnen die sozialdemokratischen Anträge, uin am'Schlnß gegen den Vorlvnrf zu protestieren, daß seine Freunde sich etwa vo>» parteipolittschen Erivägungen leiten ließen. Ein solcher Vorlvnrf sei um so weniger angebracht, als auch in Charlottenburg die Lehrer noch immer die Grnndsäulen des VezirkSfreisinns feien. Wie vorauszusehen»var, wurden sämtliche sozialdemokratischen Antrüge abgelehnt»nid die Anträge des Ausschusses angenommen. Eine interessante Debatte entfesselte folgende sozialdeino« kratische Interpellation betr. den Gemeinde- f r i e d h o f:„Wiederholt sind in letzter Zeit in Charlottenburg Leichen länger als eine Woche unbeeidigt geblieben.— Die Unterzeichneten richten an den Magistrat die Anfrage, ob. er diesen Vorfällen,»oelche von neuem den Mangel eines Gemcindefriedhofes in der Bevölkerung lebhast zur Empfindung gebracht haben, seine Aufmerksamkeit zugewendet hat und welche Schritte er unternommen hat oder zu unternehmen gedenkt, um schleunigst die Anleg»»»g eines Gemcindesriedhofs in nicht zu großer Entfernung von der Stadt zu erreichen." Genosse Dr. Borchardt begründete die Interpellation an der Hand eines reichhaltigen Materials, ans dem hervorgeht, daß»viederholt Leichen von Dissidenten infolge deS eigenartigen Verhaltens der kirchlichen Behörden länger als eine Woche auf die Beerdigung warten mußten, er schilderte die Folgen solcher Mißstände und verlangte dringend Abhilfe. Bürgermeister Matti»ig konnte die von dem Borredner angeführten Fälle nicht in Abrede stellen, er schob die Schuld daran auf die Regiening, und tatsächlich läßt das von ihm zur Kenntnis gebrachte Aktemnaterial kernen Zweifel darüber auskomme»», daß die Regierung die Errichtung eines Gemeinde« friedhofes in Charlotteublirg nicht gefördert hat. Augenblicklich ist nach Ansicht des Magistrats der Not dadurch gesteuert, daß auf dem StahnS- dorfer Kirchhof ein besonderer Block für solche Toten reserviert lvurde, die nicht der christlichen Kirche angehörte»». jNachdem nameilS der Liberalen Stadtv. Boll mann die Schaffung eines Gemeinde- friedhofes für dringend notwendig erklärt hatte, übte Genosse Gebert scharfe Kritik an dem Verhalten der Regierung m»d der kirchlichen Behörden, wobei er sich einen Ordnungsruf zuzog, Iveil er sich zu der Aeußerung verstieg, die Regierung lege den städtischen Körperschaften Knüppel in den Weg. Man ist im Charlotte»»- burgcr Stadtparlament feinfühliger als in irgend einen, anderen Parlament der Welt. Obwohl die Debatte noch lange nicht erschöpft war, wurde sie von der Mehrheit gewaltsam beschlossen. Die sozialdemokratische Fraktion wird»ach den Ferien in irgend einer Weise auf die Angelegenheit zurückkommen, da sie gar nicht daran denkt, sich auf diese Weise mundtot machen zu lassen. Zur Annahme gelangten die Vorlagen betr. Zustimmung CharlottenburgS zur Schöneberger Untergriind- bahn, betr. Abschluß emes GrenzregulierungSvertrages zwischen Charlottenburg und Schöneberg. betr. Abschluß eines ProzcßvergleichS mit Schöneberg sowie betr. Abänderung der Fluchtlinien am Reichs- kanzlerplatz. Gegen die Stimmen der Sozialdeniokraten und zweier bürgcr- licher Vertreter erklärte sich die Versammlung mit der vom Magistrat beantragten Erhöhung der Kurkostensätze in den städtischen Krankenhäusern einverstanden. Die Versuche unserer Geirossen Hirsch uud Vogel, noch in letzter Stunde die Annahme dieser die Volksgesundheit schwer schädigenden Vorlage zu verhindern, scheiterten an dem Widerstand der Liberalen, die in früheren Jahren jede Erhöhung der Kurkosten bekämpft hatten, während sie jetzt gar nicht warm genug dafür eintreten kvniicn. Ohne Ansschußberatung genehmigte die Versammlung die Vorlage betr. Belvilligung von Mitteln zur Beschäftigung beschränkt er lv erbsfähiger Personen. Der Bericht- erstalter Genosse Hirsch bemühte sich, die Schädlichkeit dieser sozial- politischen Spielerei, die»vir bereits eingehend gewürdigt haben, liach- zuiveisen, er»vies darauf hin. daß die Beschäftigiing beschränkt erivcrbs« fähiger Personen zu solchen Minimallöhnen die Gefahr einer Lohn- driickcrei überhaupt in sich berge, daß daS ganze Niveau der Ar« beiterklasse dadurch herabgednickt werden könne und daß auch die Erwartung einer Entlastung des Armenetats kaum in Erfüllung gehen dürfte. Die Mehrheit war in ihrer H»lrrastin»>nung diesen Erwägungen unzugänglich, sie wollte nicht einmal von einer Ausschuß- beratung etwas»viffen. Die Sozialdelitokraten stimmten natürlich gegen die Vorlage. Endlich beschäftigte sich die Versammlung noch mit dem sozial- demokratischen Antrag, der den Magistrat»»m Erhebunge» über die Ursachen der bei dem Neubau des Charlottenburger Wasscrlvcrks auf den Noimcuwicsen zwischen den Arbeitern und der ausführenden Firma ausgebrochenen Differenzen »md»im Mitteilung des Ergebnisses der Erhebungen ersuchte. Im Gegensatz zu unserem Genosse» Hirsch, der sich in der Ac- gründung deS Antrages bemühte, eine objektive Schilderu>»g der Vorgänge zu geben, die zu der Arbeitseinstellung geführt hatten, stellte sich der Vertreter des Magistrats Stadtrat S e y d e l völlig auf die Seite der Unternehmer. Wie das im Magistrat gang und gäbe ist, hatte der Stadtrat Erkundiguilgen einzig imö allein bei den Unternehmern eingezogen, dagegen keinen einzigen Ver- tretcr der Arbeiter gehört, und diese Erhebungen suchte cr der Stadtverordnetenversamniluilg als unanfechtbares Material vorz»ltragen. Den Liberalen genügten die Mitteilungen deS MagiftratSvcrtreterS selbstverständlich, sie erklärten sich davon voll befriedigt, während eS unseren Genossen Will und Hirsch ein leichtes war, verschiedene von den, Vertreter des Magistrats vorgebrachten„Tatsachen" auf der Stelle zu entkräften. Genosse Hirsch bekam dabei einen Ordnungsruf, weil er durchaus nicht einsehen wollte, daß die Schilderung deS Magistratsvertreters objektiv gewesen sei. Vielleicht gibt der Bor- sicher dcinnächst ein Verzeichnis erlaubter Ausdrücke heraus. Der Antrag selbst wurde abgelehnt, doch kündigte»» ilnsere Genossen bereits an, daß sie nach den Ferien auch auf diese Angelegenheit zurückkommen werden, damit die volle Wahrheit au den Zag kommt. Wilmersdorf« Die StadtverordniiMtrsaikmIuttg hatte sich in ihrer SttzUng vom 80. Juni mit vier Vorlagen zu befassen, die die Neuregelung der Besoldungen für die Beamten, Lehrer und Arbeiter der Stadt be- trafen. Nach den Versicherungen des Berichterstatters in Sachen der Gemeindeschullehrer- Besoldung hat der mit der Prüfung der Magistratsvorlage betraute Ausschuh die Gehälter nach den von den Städten Charlottenburg und Schöneberg beschlossenen Sätzen formiert und in dem Falle, dah diese Sätze Differenzen auf- tviesen, sich für Wilmersdorf nach der günstigeren Besoldung ge- richtet. Ein Stadtverordneter hielt es für angebracht, gegen eine von Herrn M o m m s e n in der Berliner Stadtverordnetenversamm- lung getane Aeuherung zu protestieren, die auf einen Tadel darüber hinauslief, dah die Vororte die von der Stadt Berlin gezahlten Gehälter angeblich zu überbieten suchen. Die Besoldungen der Techniler. Feuerwehrleute und Arbeiter waren gemeinsain in einer Vorlage behandelt worden. In einer kommunalen Körperschaft, in die auch das Proletariat Männer seines Vertrauens hat entsenden können, ist es selbstverständlich, dah auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter auch in der öffentlichen Erörterung gebührend Bedacht ge- nommen wird. Anders in Wilmersdorf. Hier stritt man sich des langen und breiten darüber, ob ein Diplomingenieur und ein diplomierter Ingenieur im Range gleich zu bewerten seien, doch war, wenn man von einer relativ belanglosen Anfrage absieht, von den Arbeiterverhältnissen mit keinem Worte die Rede. Gleich den hier erwähnten Vorlagen wurde dann noch die Be- soldungsfrage der Oberlehrer im Sinne der Magistratsvorlage erledigt. Dann erledigte die Versammlung einen Antrag auf Erhöhung der Magistratsgehälter. Man war in die>er Hinsicht recht spendabel. Der erste Bürgermeister soll ein Jahresaehalt von 20000 M. erhalten, das bis zu 24S00M. steigt, der zweite Bürger- meister ein Gehalt von 16 000 M., das bis zu 19 000 M. hinaufgeht. Weiter erhalten die Stadtbauräte 11000 bis 14 000 M., der Stadtkämmerer 9500 bis 12 500 M. und die besoldeten Stadttäte 8000 bis 11 500 M. Den Zweifeln darüber, ob es nach der Geschäfts- ordnung zulässig sei, diese Gehaltserhöhung ohne Ausschusiberatung zu beschließen, begegnete man damit, daß man die Plenarverhand- lungcn auf eine halbe Stunde vertagte und während dieser Zeit einen ad hoc eingesetzten Ausschuß beraten ließ. Groß-Lichterfclde. Auf der Tagesordnung der letzten Gemeindevertreterfltzung, der letzten vor den Ferien, standen eine Anzahl Verträge, zunächst einer mit der Gemeinde Steglitz wegen Regulierung der Bäke und Anlegung eines gemeinschaftlichen Parks aus den Grenzflächen der beiden Gemeinden. Die Kosten der Regulierung und Unter- Haltung der Vorflutanlage werden mit 83 Proz. von Steglitz, mit 17 Proz. von Groß-Lichterfelde getragen. Ebenso erfolgt die schon längst als dringendes Bedürfnis empfundene Regulierung der Lichterfelder und Potsdamer Chaussee. Die Anlegung einer Ufer- straße an der irördlichen Seite des Teltowkanals zwischen Bade- anstalt und Giesendorfer Brücke stößt auf Schwierigkeiten bei den Besitzern der in Betracht kommenden Grundstücke, den Havestadtschen Erben. Die Gemeinde verpflichtet sich, von der Ausführung dieser geplanten Uferstraße Abstand zu nehmen, solange die derzeitigen Besitzer leben, wogegen diese die Verlegung von Entwässerungs- röhren und Anbringung von Einsteigschächten gestatten. Außerdem werden den Havestadtschen Erben auch noch die Kanalisationsbei- träge geschenkt. Das Anschlagwesen soll auf die Dauer von fünf Jahren verpachtet werden nach Maßgabe der neuen Bedingungen. Danach soll unter anderem der Unternehmer verpflichtet werden, für die Versicherung„seiner Leute" gegen Krankheit und Unfall Sorge zu tragen und eventuell mit seiner Kaution haften. Not- wendiger noch als diese gewiß sehr nützlichen Versicherungen wäre die Forderung auf Zahlung der von den Gewerkschaften festgesetzten Löhne gewesen. Dafür hat man jedoch in der Lichterfelder Gemeindevertretung absolut kein Verständnis, während die Streikklausel doch gewissermaßen das Ehrenbürgerrecht genießt. Ein neuer Doppeltarif der Berliner Vorortelektrizitätswerle, nach welchem eine Ermäßigung des Preises für entnommene elektrische Kraft außerhalb der sogenannten Sperrstunden— in der Zeit, in der die Inanspruchnahme der Werke geringer ist— eintreten soll, jedoch nur bei einem Gesamtbetrage von 300 M. ab, wurde ge- nehmigt. In der darauffolgenden nichtöffentlichen Sitzung wurde über die Gehaltserhöhung für die Lehrkräfte an den höheren und Gemeindeschulen verhandelt. Bis zur endgültigen Regelung der Angelegenheit sollen die Lehrer sofort Akontozahlungen er- halten. Grünau. Ein Gartenfest, arrangiert von den beiden Arbeiter- Gesang dereinen„SangeSlust"-Grünau und„Norddeutsche Schleife"-Berlin, findet am Sonntag, den 4. Juli, in dem am Wasser gelegenen „Jägerhaus" statt. Durch Konzert, Gesang, turnerische Aufführungen, Kinderreigen, Rundfahrten auf dem Langen See ist für Unterhaltung hinreichend gesorgt. Mit Rücksicht auf die günstige Fahrverbiadung, ab Görlitzer Bahn oder Stadtbahn, wird auch auf den Besuch der Berliner Arbeiterschaft gerechnet. Außerden, stehen an der Jannowitz brücke sSchultheih- Ausschank) zu dem ermäßigten Preise von 40 Pf. Dampfer zur Verfügung. Lichtenberg. Von der Griiudwertstcuer. Die Terraingesellschaft Rittergut Lichtenberg hatte eine größere Parzelle vom Rittergutsbesitzer Röder gekauft. Wegen dieser Parzelle wurde die Gesellschaft vom 1. Juli ab neu zur Grundwertsteuer veranlagt. Die Gesellschaft fühlte sich durch die Höhe der Veranlagung beschwert und machte im Klagewege geltend: Sie hätte wegen dieses Grundstücks nicht neu veranlagt werden dürfen. DaZ ganze Grundstück, von dem sie einen Teil erworben habe, wäre za schon für das laufende Stcuerjahr vcr- anlagt worden. Diese Veranlagung des VorbcsitzerS fei maßgebend. fn diesem Steuerjahr hätte nur das Verhältnis des erworbenen eils zum Umfang des ganzen Guts festgestellt und danach der für den Rest des Steuerjahres auf sie entfallende Steuerteil berechnet werden dürfen.(Nach dieser Methode wäre die Gesellschaft weit besser weggekommen.) Die Gesellschaft stützte sich auf folgende Bestimmung der Grunbsteuerordnung:„Im Falle eine? Eigen- tumSwechselS im Laufe des Rechnungsjahres wird die veranlagte Steuer ohne Steuerveranlagung für die dem Eigentumswechsel folgenden Vierteljahre von dem neuen Eigentümer erhoben. Neben ihm haftet bis Ablauf de? Vierteljahres seit dem Eigentumswechscl der Vorbesitzer."— Der Bezirksausschuß wies die Klage ab und erklärte diese Bestimmung sür ungültig, weil sie im Widerspruch stände mit der Vorschrift deS Z 60 Absatz 2 deS Kommunalabgabengesetzes. wonach bei Veräußerung von Grundvennögen die Steuerpflicht mit dem Ablauf des Monats erlösche, in welchem die Veräußerung erfolgt ist. ES wäre nach dieser Bestimmung ausgeschlossen, über den fixierten Zeitpunkt hinaus den bisherigen Eigentümer sür den neuen Eigentümer subsidär haften zu lassen. Sei die Bestim- mung ungültig, so folge daraus, daß der Beklagte(Magistrat) be- rechtigt geioesen sei, den Grundwert der veräußerten Parzelle neu zu ennitteln und den neuen Besitzer denigemäß zu veranlagen. Aber abgesehen davon, würde die zitierte Vorschrift auf den vorliegenden Fall auch nicht zutreffen.— Das OberverwaltungSgerichl bestätigte dies Urteil. Gründe wurden nicht verkündet. In der Sitzung der Gewerkschaftskommifsion erstattete der Ob mann Bericht von den Sitzungen der Berliner Gewerkschaftskommission Beim Bericht über die ErgänznngSwahl der Beisitzer zum Rummels- burger Gewerbegericht wurde die einstimmige Wahl unserer Kandidaten zur Kenntnis genommen. Es war die Meinung vertreten, daß die aufgebrachte Stimmenzahl hätte größer sein können. Einem An- trag der freien Bereinigung der Gast- und Schankwirte, dahingehend,„in der Unterkommission vertteten zu sein flkurztt Debatte wurde der Beschkuß gefaßt, bei einschlägigen Tages- ordnungen einen Delegierten dieser Organisation als Gast an den Kartellsitzungen teilnehmen zu lassen. Auch wurde ein Antrag, daß alle zwei Monate eine Sitzung unter Hinzuziehung aller Funklionäre stattzufindeu hat, in der instruktive Vorttäge gehalten werden sollen, mit der Begründung abgelehnt, daß die Annahme des Antrages in dieser Form die Kräste des Kartells zu sehr in Anspruch nehmen würde und darunter die praktische Arbeit leiden könnte. Durch die Ver- schmelzung beider Unterkommisfionen zu Anfang dieses Jahres hat sich die Arbeit insofern gesteigert, als jeder von den beiden Orlen seine selbständigen Einrichtungen hat und die Wahlen zu diesen Körperschaften zu verschiedenen Zeiten stattfinden. Beschlossen wurde, die Anordnung dieser Sitzungen dem Ausschuß zu über- lassen. Zum Schluß wurde die in der borigen Sitzung vertagte Wahl des zweiten Delegierten in den örtlichen JugcndauSschuß er- ledigt. Mit der Aufforderung an die Delegierten, dem Obmann die in den Verbänden gültigen Lohntarife baldmöglichst zu übermitteln, wurde die Sitzung geschlossen. Nicht vertreten waren die Bureau- angestellten und der Ort Wilhelmsberg. Tegel. Am Dienstag, den 6. Juli, beginnen wieder die von Ge- noffinnen geleiteten Jugendspiele während der Ferien; dieselben finden jeden Dienstag und Freitag von 2— 6 Uhr nachmittags statt. Sammelpunkt für Tegel Buddestraße, Ecke August-Müller-Straße, für Borsigwalde Schubertstratze, Ecke Ernststratze. Wir bitten die Eltern, ihre Kinder an den destimmten Tagen recht zahlreich zur Beteiligung anzuhalten. Tcmpelhof, Mariendorf. Ferienspiele veranstaltet an den kommenden Sonntagen auf dem ehemaligen Preußen-Sportplatz(an der Tempelhofer Brücke! die Freie Turnerschaft Tempelhof-Mariendorf. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder recht zahlreich an diesen Veranstaltungen teil- nehmen zu lassen. Treffpunkte: für Tempelhof: Kinder des alten Dorfes: Berliner Ecke Dorfstraße um Slü Uhr vormittags, .Kmber des neuen Dorfes auf dem Spielplatz; für Marien- dorf: 8� Uhr vormittags: Chaussee- Ecke Dorfstraße und Chaussee- Ecke Königstraße. Die Spiele dauern von 9—%12 Uhr. Die Kinder werden hiernach nach den Treffpunkten zurückgeführt. Köpenick. Ein öffentliches Schauturnen veranstaltet am Sonntag, den 4. Juli, der Turnverein„Eiche" aus seinem Turnplatz Amtsseld. Freunden des Turnens sind einige angenehme Stunden sicher. Steglitz. Die Gcwcrkschaftskommission beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung, zu der die Arbcittichmerbcisitzer des Gewerbcgerichts ge- laden und zum Teil erschienen waren, mit den. bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen. Die Kandidatenfrage wurde ein- gehend behandelt und es wurden Vorschläge gemacht, die einer am Mittwoch, den 7. Juli, anzuberaumenden öffentlichen Gewerkschafts- Versammlung im Lokal von Schellhase unterbreitet werden sollen. Zur Leitung der gesamten Wahlangelegenheiten wurde eine Kom- Mission gewählt.— Es fehlte unentschuldigt der Vertteter der Maschinisten und Heizer. Ober-Schönetveide. Genteindevertretersitzung. Die Bewilligung von Mitteln zur Beschaffung von Feucrwehrgerätschaften gab den Anlaß zu einer recht lebhaften Debatte über angeblich taktloses Verhalten der Feuerwehr. Herr Direktor Peierls vom Kabelwerk Oberspree rügte die anläßlich eines Brandes erfolgte Zurücksetzung der Werksfeuer- wehr durch die Genieindewehr in starken Worten, hob auch weiter hervor, daß es höchst unzweckmäßig fei, wenn entlassene Wehrleute der Fabrik ohne weiteres bei der Gemeindefeuerwehr eingestellt würden. Genosse Grunow vertrat den Standpunkt, daß bei dem Geiste der frei- willigen Wehren die zuerst gerügte Tatsache nicht verwunderlich erscheine, was aber das Weitere anbetreffe, gehe es die Gemeindewehr doch wohl wenig an, ob der Aufnahmefindende auf dem Kabelwerk entlasten fei. Vom Gemeindevorsteher wurde eingehende Unter- suchung zugesagt. Wenn erst einmal diese Art Feuerwehren nicht mehr bei allem möglichen pattiotischen Klimbim Staffage bilden, sondern nur ihrer Aufgabe leben werden, ist auf Besserung zu hoffen.— Mitgeteilt wurde, daß in dankenswerter Weife von einigen Lehrern den Kindern Schwimmunterricht erteilt wird.— Der Kreis hat für die Volksbibliothek eine Best Hilfe von 100 Mark geleistet.— Für die Herstellung einer Bedürfnisanstalt auf dem neu hergerichteten Marktplatz werden 1674 M. bewilligt, desgleichen für Aufstellung eines Hydranten brunnenS mit Tränkvorrichtung auf dem Platze 650 M. Der neue Marktplatz wird am Sonnabend, den 3. Juli, der Benutzung über- geben.— Für die Pflasterung der übernommenen Kreischaussee von der Helmholtz- bis Fcischenstraße werden 89 000 M. bereitgestellt und die Arbeiten der Firma Spremberg übertragen.— Wegen Ein führung der Hochbauordnung für den Ortsteil Ostend soll bei den maßgebenden Instanzen petitioniert werden, nach dem die dortigen Grundbesitzer dargelegt hatten. daß an eine Villen- oder LandHanSbebaming auf Grund der Verhältnisse doch nicht zu rechnen sei.— Die Bestände der Gemeindelasse sollen hinfort in der neuerrichteten Filiale der Nationalbank für Deutsch land im Nachbarort Nieder-Schöneweide angelegt werden.— DaS Ortsstatut betreffs der Anschlußlcitungen an die Kanalisation wurde insofern einer Aenderuug unterzogen, als im neuen Orts teil wesentlich höhere Beträge von den Grundbesitzern zu erstatten sind.— In geheimer Sitzung wurde die Aufnahme einer Anleihe von 145 000 M. beichlossen, welche als erste Rate der für 690000 M. erworbenen Muferfchen Grundstücke gelten sollen. Die Grundstücke liegen auf forstfiskalischem Gebiet und glaubt die Vertretung durch diesen Besitz eine Eingemeindung weiterer Teile dieses Gebietes erzielen zu können. Unsere Genossen stimmten mit der Minderheit dagegen, indem im jetzigen Stadium der EingemeindungSverhandlungen wohl nicht mehr an einen Erfolg zu denken ist. Neinickendorf- West. Kinderspiele veranstaltet die 1. Männerabteilung des Arbeitet- turnvereinS vom Sonntag, den 4. Juli an. nachmittags von 3—6 Uhr. Alle Knaben und Mädchen über 6 Jahre find willkommen. Treff- Punkt 3 Uhr in Schillers Eichbornsälen. Woltersdorf(bei Erkner). Eine Fußgängerbrücke über die W-ltcrsvorfer Schleuse. Der Amtsvorsteher hatte an den Wasserbaufiskus, vertreten durch den Regierungspräsidenten zu Potsdam als den Chef der Verwaltung der Mariischen Wasserstraßen, eine' Verfügung gerichtet, er solle an der Schleuse zu Woltersdorf eine Fußgängerbrücke über den Wasser- lauf errichten. Der Amtsvorsteher ging davon.auS, daß der Fußgängerverkehr durch das Aufziehen der vor- handenen Brücke, das beim Durchschleusen notwendig ist, er- heblich beeinträchtigt wird. Dem soll durch Anlegung einer geeigneten Fußgängerbrücke vorgebeugt werden. Ans die Klage des Fiskus hob der Bezirksausschuß die Verfügung auf, und das Obcrverwalttmgsgericht bestätigte das Urteil. Die Gerichte nahmen an. daß der Amtsvorsteher in der geübten Weise nicht Hätte vorgehen können. In Betracht käme, daß der Wasserlauf an der Wolters- dorfer Schleuse vom Staate für die öffentliche Schiffahrt bestimmt sei. Es wäre nun durchaus nicht ausgeschlossen, daß die verlangte Brücke in die Schiffahrt irgendwie eingriffe. Unter den obwaltenden Umständen mußte sich der Amtsvorsteher mit der Schiffahrtspolizei ins Einvernehmen fetzen, könnte aber nicht durch eine polizeiliche Verfügung einfach den Fiskus zur Errichtung einer Brücke anhalten. Schmargendorf. Die Korsofahrt— eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Der Arbeiter-Radfahrerverein„Solidarität� in Schmargendorf läßlich seine? am kommenden Sonntag in den Räumen des Schützen« Hauses stattfindenden SommcrfesteS. Diese Genehmigung wurde ihm aber versagt unter Hinweis auf Z 7 des ReichsvereinsgesetzeS ohne nähere Angabe von Gründen. Der OrtSvorstand scheint recht schlecht im Vereinsgesetz orienttert zu sein, denn der§ 7 besagt, die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn auS der Abhaltung des Aufzuges Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Im Falle der Verweigerung ist dem Veranstalter sofort ein losten- freier Bescheid mit Angabe der Gründe zu erteilen. Wenn unsere Patrioten am 27. Januar im geschloffcnen Zuge mit Musik durch die Straßen ziehen, wenn sie Feuerwerk abbrennen, dann besteht eine öffentliche Gefahr, wohl wenn Arbeiter eine Korso- ffahrt veranstalten. Obwohl der Verein gegen den Bescheid deZ Ortsvorstandes bereits vor vier Wochen beim Landrat des Kreises Beschwerde ein- gelegt hat, ist bis heute noch keine Antwort erfolgt. Wir sind ge- spannt, wie lange der Landrat braucht, um Antwort zu erteilen. Das Sommerfest findet am Sonntag in dem obengenannten Lokale trotzdem statt. Röntgental(bei Zepernick). Der Arbeitergefangverein„Frisch voran" begeht am Sonnabend, den 3. Juli, unter Mitwirkung der Gesangvereine„Freiheit II" (Bernau),„Wach auf"(Franz.-Buchholz) und„SangeZfreunde 1905" (Berlin) fein diesjähriges Stiftungsfest im Lokal. WaldhauS", Bärwolfsttaße. Da der Verein die Interessen unserer Partei fördert, dürfte ihm ein guter Besuch der Parteigenossen und Be- kannten zu gönnen sein. Spandau. Das Gewerkschaftskartell teilt mit: Wir fordern die Spandauer Arbeiterschaft, soweit sie sich noch im Besitze von Büchern aus der Gewerkschaftsbiblioihekjbefindet, auf, dieselben umgehend abzuliefern. Weiter machen wir nochmals darauf ausinerkiam, daß die Biblioihek vom 1. Juli bis 1. August wegen Neuanschaffung und Renovierung geschlossen ist._ Vermilcdtes. DaS Ncichsluftschiff, das bei Biberach liegt, kann seine Fahrt infolge deS herrschenden WindeS noch immer nicht fortsetzen. Kattowitz, 1. Juli. Ein Fleischermeister, der vor einem Ge- Witter unter einem Scheunendache Schutz suchte, wurde dort vom Blitz erschlagen. Eisenbahnunglück. Eine amtliche Meldung aus Köln besagt: Heute morgen um 3 Uhr fuhr der von Aachen kommende Schnell- zug V 31 vermutlich infolge zu schnellen Einfahrens auf dem Haupt- bahnhof Köln aus den hydraulischen Prellbock im Gleis 6d leicht auf. Dreizehn Personen haben sich als leicht verletzt gemeldet. Materialschaden und Betriebsstörungen sind nicht entstanden. Die Untersuchung ist eingeleitet._ Neue Erdstöße iu Messina. Messina. 1. Juli. Hier erfolgten heute früh 7 Uhr 30 Minuten zwei heftige Erdstöße, die von starkem unterirdischen Getöse be- gleitet waren und 8 bis 10 Sekunden anhielten. Viele Mauern sind eingestürzt. In der Bevölkerung herrscht Panik.— Aus Reggio di Calabria wird vom 30. Juni telegraphiert: Heute abend 6l/z Uhr wurden hier zwei starke Erdstöße verspürt; die Bevölkermig verließ die Baracken, einige Mauern, die schon vorher Riffe zeigten, stürzten ein._ Im GcrichtsgefängniS von Wilua hat eine Revolte der dort internierten Gefangenen stattgefunden. Mehrere Gefängnisbeamte und Gefangenenaufseher wurden von den Sttäflingen ermordet. Einschreitendes Militär stellte die Ruhe wieder her. Hierbei wurden elf Gefangene erschossen und eine große Anzahl verwundet. Cholera in Rußland. An der Cholera sind seit gestern, wie aus Petersburg gemeldet wird, 94 Personen erttankt und 29 ge» storbeu. Die Gesamtzahl der Erkrankten beträgt 607. Auch tu Archangelsk wurden fünf Cholerafälle festgestellt. konnte nicht entsprochen werden, weil die betreffende Ver- hatte sich bor einiger Zeit an den hiesigen Ortsvorstand gewendet emigung der Generalkommission nicht angegliedert ist. Nach' um Genehmigung einer Korsofahrt durch die Straßen deS Ortes an» Zentralv-rband derHanvlungSgehilfe« und Gehilfinnen Deutsch' laudS. Bezirk R i x d o r s. Heute abend L'/, Uhr: Sitzmig in den Bürger' sälen, Bergstraße. Zeutralverband der freien Händler, Hausierer usw. Ber> wallungSstelle Berlin. Heute abend 8'/, Uhr bei Dräsel, Neue Friedrich- straße 35: Versammlung._ ßrUfbaftcn der Redabtion. Die juristische Sprechstunde findet Linden st rage S. zweite« Hos, dritter Eingang, vier Treppen, pST" Sastr stuhl-�20«ochentäglich abends von 7% bis 9% Uhr statt,«töfftitt 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um S Uhr. Jeder Änfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Wertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung tm Briefkasten könne» 1t Tage vergehen. Eilig« Fragen trag« man t» der Sprechstunde vor. G., Müllerstraste. Der Ehemann kann dem von seiner Frau außer- ehelich geborenen, von ihm nicht erzeugten Kinde seinen Namen beilegen. Erforderlich ist, daß die Mutter und der Vormund ihre Einwilligung erteilen und dah die drei Erklärungen vor dem Standesbeamten abgegeben oder in gerichtlich oder notanell beglaubigter Form dem Standesbeamten mit dem Antrag überreicht werden, den Namen umzuschreiben. Die Kosten sind unerheblich. Vor der Heirat kann solch Anttag nicht gestellt werden. — W. B. I. Wenn Ihre Frau großjährig ist, so würde sie sür die von ihr gemachte Bestellung zu hasten haben. Sie selbst haben für die Schuld nicht auszukommen.— Wulf 48. Der sogenannte Unfallzuschuß wird von der 5. Woche an gezahlt. Er wird aber nur dann gezahlt, wenn das Krankengeld weniger als Zweidrittel des bei der Berechnung zu Grunde gelegten, in der Regel also des ortsüblichen TagelohnS bettägt.— P» M. 100. Leider ja.— P. Z. 100. Einbehaltcne Sachen verfallen nicht, werden nicht das Eigentum des Einbehaltcnden. Derselbe würde nur seine Forderung einklagen und dann die einbehaltencn Sachen durch den Ge- nchtsvollziehcr verkaufen lassen können.— E. M. 1803. Da das gegen Sie crgaugeneUrteil rechtZlrästigist, würden weitere Schritte leider zwecklos sei», — M. 3. 31. Ausjührliche Antwort sindcn Sie ln unserem Blatt vom Mttwoch, den 39. Juni, Hauptblatt, unter GewerkschastlicheS.— gf. Sehl. Lycheuerstr. 1. Am 1. Mai 1890. 2. Am vorausgegangenen Tag war preußischer Bußtag.— P. 3. 43. Wir können Ihnen den Beitritt zu dieser Kasse nicht empfehlen.— C. K. 31. Dorf und Rittergut Kose, Regierungsbezirk KöSIin, Landkreis stolp in Pommern, Eisenbahnstation * eimenhos.— M. M. 30. Das Gewünschte finden Sie im Berliner dreßbuch. Band 2. Test 4 Seite 2ö9.— 9t. 800. K. Solche Zeitungen finden Sie verzeichnet im Adreßbuch, 2. Band, Teil 2, Seite 249.— W. II. 3. Sparkasse B, Berlin W. 9, Linkstraße 7/8. — W. 50�» Die Namensocrzcichiiisse dieser Listen erhalten wir nicht zu- gestellt.— B. H. 100. Welche Kinder der Flora bei diesen Herren als Lieblingsblume den Vorzug hoben, bat unser Interesse noch nicht erweckt. — löjähriger Abonnent. Städtische Stistungsdeputaiion Berlin. Post- sttaße 16, Zimmer 24—29.— F. 30. Bund sür Mutterschutz, Berlin- Wilmersdorf, Rosberitzer sttaße 8.— Zwei 3treiteude 37. Wir haben nach dort keinerlei Verbindung, um darüber etivas feststellen zu können. Vielleicht können Sie vom Metallarbcitcrverband näheres erfahren.— 31. t>. Ff. Gegen Einsendung von 85 Ps. sendet Ihnen die Buipfjandlung Vorwärts, Lindcnstr. 69, solches Buch zu.— Zwei Freniidinnc». 1. bis 3. Derartig« Mittel zu beurteilen müssen wir ablehnen. Die meisten davon nutzen demKäuser gar nichts, um so mehr aber demjenigen, der dieselben verkaust. — Gries. Leider nein.— Krise. Eine Jiiterventionsitage der Ehefrau würde Erfolg haben, wenn sie ihr Eigentum nachweist.— H. B. 100.. Karl I. Ja. Der Wirt hat das Einbehaltungsrecht l Dies kann er auch bei früherem Ausziehen des Mieters gellend machen.— M. W. 34. 1. Der Inhalt deS mit Ihrem Bruder geschlossenen Vertrages würdein« olge Ihrer Bemerkung zum Wirt auch für Sie gelten. 2. Ist der Zettel mit Ort und Datum versehen, von Ihrem Vater unterschrieben und von Ansang bis zn Ende von ihm eigenhändig geschrieben, so ist er ein gültiges Testament.— F. M. 37. 1. Leider sind Sie an die Versicherung ge- bunden. 2. Ja.— Lustig. 1. Therese» Leßmaim. Stiftung, Poststr. 16 1. 2. Ja. 3. Gründe sind bei der Entsagung nicht anzugeben. Die Erbschast fällt dann an den nach dem Gesetz nächsten Erben.— E. F. 0. Etwa 300 M. weiden wohl als angemessen erachtet werden. Ihre Frau hastet nicht. K. N. 13/14. Sie brauchen erst zum Septembcrschluß zu räumen, müssen aber die Wohnung lüften.— G. 3. 4. 1. Möglich ist Arrcststtale. Ja. 3. Nein. 4. Nein.— O. 3. 33. Vor dem Eintritt in diese Kasse ist zu warnen. Verantwortl. Nedaltxuri Wilhelm Tüwkll, Lichtenberg. Kür den Inseratenteil T!>.Glvcke, Bxrsijl.. KkLcku.Perlctg:LorwärtS LuKbruckttei u, VerlagSgnjtalt&3UI Singer& Co.. Berlin SW<