Nr. 153. nbonnementMkdlnsungen: ftBonnf mcntä- Preis pränumerando: Bicrtcljährl. 8£0 SM., monatl, 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Eingetragen in die Poft-ZciwngS. Preisliste. Unter Ureuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PoftabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrlchelDt tiigllch außer montags. � G. Verlinev VolKsblskt. v?e Insertlonz-Lebllhi' beträgt für die sechsgespaltene Kolotiel« geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewcrlschaftliche Vereins- und VersammIungS-Anzeigen 80 Pfg. „Ulelne ZZnrcfgcn", daS erste ffett- gedruckte) Wart 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöfsnet, Telegramm- Adresse: ,,S»IaIen Mängeln litt. Allein von einem vorläufigen Eindrucke darf man doch sprechen. Kurz: hier ertönt eine Musik, die zwar mit keiner ge- waltigen Produktivtrast bis zu entscheidenden Höhepunkten kommt, die aber in würdigster Weise frei ist von allem, was sonst an Nach- giebigkeit gegen Publikumsgeschmack, an forcierten Schärfen, an äutzerlichei: Hilfen und dergleichen geleistet wird. Wie reich durch- gearbeitet ist sie! Wie mannigfach verteilt sie strenge Deklamation wohl denkbar, daß die Herren an anderen Teilen ihres Betriebes so viel Schaden gemacht haben, daß von diesen Liebesgaben kein roter Heller mehr übrig geblieben ist, so daß sie in der Tat nicht imstande waren, irgendein nennenswertes Einkommen zu ver- steuern....(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nun sucht man uns das Kontingent schmackhaft zu mächen, daß man sagt, die Aufrechterhaltung der Branntweinbrennerei ermögliche es überhaupt erst, aus dem kümmerlichen Boden der östlichen Provinzen eine starke Viehzucht zu betreiben. Ich möchte demgegenüber nur fragen: Wie bestehen denn in Ostelbien die- jenigen Güter, die keine Brennereien haben?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Datz sie bestehen, lehrt doch der Augenschein. Und weiter ist doch nicht zu bestreiten, datz die Viehzucht in Deutschland in bäuerlichen Betrieben ganz außerordentlich viel stärker ist als in Gutsbetrieben. Wenn man die Frage so stellt, reduziert sie sich allein auf eine Eigentumsfrage: ob es nämlich notwendig ist, datz das Volk mit Millionenopfern den Grotzgrund- besitz im Osten künstlich erhalten soll.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Daß der Boden, wenn der Großgrundbesitz dort zerschlagen würde, nicht in eine Wüstenei übergehen, sondern auch weiterhin beackert würde, ist zweifellos. Ja, ich bin sogar über» zeugt, datz er bei einer anderen Betriebsform vorteilhafter für die Besitzer und auch für das ganze Volk bearbeitet werden könnte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hier aber handelt es sich darum, datz die Großgrundbesitzer als solche Staats» gelder haben wollen, weil ihnen das allein ermöglicht, die heutige Form des Betriebes aufrechtzuerhalten.(Sehr richtig? bei den Sozialdemokraten.) Aus den angeführten Gründen fällt auch der Einwand bei uns glatt zu Boden, wenn man sagt, man müsse die Liebesgabe aufrechterhalten, um dem Volke das Fleisch wohl- feiler zu geben. Zur Verbilligung des Fleisches hat die Liebesgabe bei uns nicht das allergeringste beigetragen.(Sehr richtig! links.) Was den Vorschlag der Nationalliberalen, die Liebesgabe ab- zustufen, anbetrifft, so könnte man ihm als kleineres Ilebel wohl zustimmen, wenn die Herren nur nicht wieder die Spiritussteuer an sich über den Satz der Vorlage hinaus um 5 M. für den Hektoliter erhöht hätten. Der freisinnige Antrag, der sich, was die Höchstgrenze anlangt, im Rahmen der Kommissionsvorschläge hält, aber eine allmähliche Herabminderung der Liebesgabe auf 5 M. vom Oktober 1919 an durchführen will, ist in der Tat das kleinere Uebel, und wir werden für ihn stimmen. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, datz die Majorität des Hauses Vorsorge getroffen hat, die bisherige Organisation des Spiritushandels in Deutschland, die Spirituszentrale, auch weiterhin zu sichern. Das Staatsmonopol ist gefallen, das Privatmonopol soll weiter bestehen bleiben. Das Geschäft der Spirituszentrale wird in Zukunft ein ganz gesichertes sein, wenn § 2 in Verbindung mit§ 69a der Vorlage angenommen wird. Diese Ueberzeugung habe ich aus dem Studium der Einzelheiten des Gesetzes gewonnen. Wenn sie aber noch einer Festigung be- dürft hätte, so hätte sie mir der Umstand gegeben, daß nach Zeitungsmeldungen unser Kollege von der Rechten, der Abgeordnete Kreth als Direktor der Spirituszentrale in Aussicht genommen ist!(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)� Ich habe zu der wirtschaftlichen Befähigung des Herrn Kreth ein viel zu großes Zutrauen, als datz ich annehmen sollte, er würde sich persönlich aus eine schwankende Planke begeben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren von der Rechten halten uns nun immer vor, der technische Spiritus müsse im Interesse der armen sächsischen Näherin und des armen Berliner Konfektionsmädchens verbilligt werden. Ich verkenne gar nicht, daß die Spirituszentrale auf eine Verbilligung des technischen Spiritus hingewirkt hat. Das geschah allerdings weniger im Interesse der armen sächsischen Näherinnen als aus dem sehr naheliegenden Interesse heraus» daß die Spiritusproduzenten ihren Spiritus doch auch los werden müssen; denn aller Spiritus wird auch in Zukunft in Deutschland nicht getrunken werden können.(Sehr gutl bei den Sozial» demokraten.) Im übrigen bezweifle ich sehr, daß die Verwendung des Spiritus zu technischen Zwecken etwas volkswirtschaftlich Gutes ist. Volkswirtschaftlich bedeutet das Brennen jeder Spiritusglüh- lampe einen Verlust. Es ist überaus irrationell, ein so wohlfeiles, von der Natur sozusagen fertig geliefertes Produkt wie z. B. das Petroleum durch eine hochwertige organische Substanz wie den Spiritus zu ersetzen. Die Unkosten unserer Wirtschaft sind schon viel zu hoch, als datz wir sie noch leichtfertig auf diese Weise vermehren dürften.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)! Volkswirtschaftlich betrachtet ist also die Verwendung des Spiritus und Anläufe zu weicher Melodik! Wie paart sie das Wuchtige mit dem— besonders in den Klangfarben gewahrten— Milden! Wie eindringlich sucht sie die szenischen Uebergänge durch eigenartige, stets vornehme Künste des Tongefüges zu schildern! Aber wie gesagt: all dem in verläßlicher Weise nachzuspüren. dazu bedarf es erneuter und günstigerer Gelegenheiten, und auf solche ist in d e r Stadt, die für Hans Pfitzncrs ähnlich ernste und sogar packendere Werke kaum etwas übrig hatte, noch weniger Aussicht als anderswo, troi? der so leicht anzuerkennenden Ver- dicnste, die sich zahlreiche Mitwirkende erwarben— voran Fräu- lein Hummel in der überaus anspruchsvollen Titelrolle. m. Humor und Satire. Ein Sittlichkeitsverbrechen gegen Schüler. Am 27. Mai 1909 sang der Schülerchor in der Frankfurter Festhalle „Das Beilchen" von Goethe. Ucber Goethes Unsittlichkcit reden, hieße Eulen nach Athen oder Bordelle nach Hamburg tragen. Goethe hat folgendes„gedichtet": Ach, denkt das Veilchen, war' ich nur Die schönste Blume der Natur, Llch, nur ein kleines Weilchen, Bis mich das Liebchen abgepflückt Und an dem Busen matt gedrückt. Bei Goethe ist natürlich selbst daS stille bescheidene Veilchen eine wollusttrunkene Messalina. Was soll man aber dazu sagen, datz die Lehrer, die Hüter der kindlichen Herzen, in Frankfurt die letzten beiden Zeilen folgcndernmtzen geändert haben: BiS mich das Mädchen abgepflückt Und liebend an den Mund gedrückt. Mädchen und lieben! Kann eS eine gemeinere Gedankenverbindung geben? Und noch mehr! Liebend an den Mund drücken! Das tut ein Mädchen? Fehlt nur noch, datz mit den Mädchen in der Schule seminaristische Uebimgen im„liebend an den Mund drücken" abgehalten werden. Die Goctheschen Verse müssen natürlich folgendermatzen geändert werden: Bis der Herr Lehrer mich gepflückt Und im Herbarium platt gedrückt. _(„Jugend".) Notizen. — Das unfehlbare Rettungsboot. Ein englischer Ingenieur Mitchell hat ein Rettungsboot erfunden, das nach seiner Angabe unbedingt zuverlässig sein mutz, weil es überhaupt nicht sinken kann. Das neue Boot faßt 24 Personen. Bei der Probe wurde es mit einer Besatzung von 4 Mann an der Seite eines Docks in die Höhe gezogen und dann fallen gelassen. Es richtete sich bei der Berührung mit dem Wasser sofort wieder ans. Die darin befindlichen Leute waren durch ein wasserdichtes Dach ge» schützt und kamen nicht im geringsten in Gefahr. 3U technischen Zwecken eine Verschwendung, die unter keinen' Um» ständen gutzuheitzen ist..(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.)l Nun sagen die Herren der Rechten, sie könnten auf dem leichten Voden des Ostens nichts anderes als Kartoffeln bauen und diese nur zur Spiritusherstellung verwenden. Äuch das ist in dieser Allgemeinheit nicht richtig. Tie neueren Methoden der Kartofsel- konservierung und-Trocknung ermöglichen es, große Mengen von Kartoffeln zur Mehverfütterung zu verwenden, auch über die Zeit ihre? frischen ZustandeS hinaus.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) AuS allen diesen Gründen ergibt sich die Stellung meiner Partei zu der Vorlage und den zur Debatte stehenden Paragraphen. Wir lehnen dieses Fürsorgegesetz nicht für notleidende, sondern für sehr wohlhabende Landwirte ab. KSehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir lehnen eS ab, ei» System der Privilegierung, das im innersten Wesen nicht-Z anderes ist als ei» System der politischen Korruption» zu unterstützen. s(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Gaiup(Rp.): Ich wäre auch dafür, daß die Interessenten an der Abstimmung nicht teilnehmen dürfen. Dann hätte das aber auch nicht bei der Erbsäiaftssteuer geschehen dürfen! In der Kommission sind auch die Nationallibcralen für die Bei- beHaltung der Liebesgabe eingetreten. Für die Anträge Weber stimmen wir nicht, denn damit würden wir das Zustandekommen der Finanzreform überhaupt gefährden. DaS Zustandekommen der Finanzreform geht uns aber über alle Interessen.(Zuruf linkS: Erbschaftssteuer!) Wir wollen nicht die Totengräber der Finanz- reform sein, denn dann wären wir die Blamierten.(Heiterkeit und Zustimmung links.) Ich will nicht alleS billigen, was die Spirituszentrale getan hat, aber ihre Rechte sind doch erheblich beschnitten durch den Bundesrat. Ich will gar nicht behaupten, daß alle Beschlüsse der Kommission einwandfrei wären.(Abg. Singer: Pfuscharbeit!) Aber dann hätte die Linke nicht die Flinte ins Korn werfen dürfen.(Zustimmung rechts.) Abg. Schweikhardt(D. Vp.): Wenn das Verhalten der Libe- ralen in der Kommission ein anderes war als jetzt, so lag das daran, daß uns in der Kommission ein ganz anderes Gesetz vorlag als jetzt.(Sehr richtigl) Der Vergällungs- oder DenaturierungS- zwang ist eine dritte Liebesgabe zu dem Kontingent und dem Brennrecht. Die Absicht ist hierbei gegen die Hefebrennereien ge- richtet. Bielleicht werden diese sich durch einen Ring der Hefe- brcnnereien zu helfen suchen; dann wird der Preis der Hefe auf das Doppelte erhöht werden und das Volk wibd höhere Brotpreise zu zahlen haben. Abg. Bvgt-Crailshcim(Wirtsch. Vg.)' polemisiert gegen die zahlreichen Abänderungsanträge der Freisinnigen und National- liberalen zu den einzelnen Paragraphen. Abg. Dr. Röstcke(k.): Dieses Gesetz belastet das landwirt- schaftliche Gewerbe ganz außerordentlich.(Lachen links.) Gerade die Landwirte zahlen gern Steuern.(Schallende Heiterkeit.) Neulich wurde hier das Gegenteil behauptet, und«ine liberale Korrespondenz hat erzählt, ich zahle auch keine Einkommensteuer. Ich habe reichlich Einkommensteuer bezahlt, mehr als ich eigentlich zu zahlen habe!(Lachen links.) Der Spiritus wird belastet mit 150 Proz. seines Wertes(Abg. Mommsen(frs. Vg.): Genau Wie die Streichhölzer l), und deshalb muß er durch Kon- tingentierung geschützt werden. Das Syndikat hat sehr wohltätig gewirkt: eS hat dafür gesorgt, daß der Trinkbranntwein nicht zu niedrig im Preise steht— das sind i„ethische Momente"! ((Schallende Heiterkeit)�— und daß der Branntwein zu gewerb- lichen Zwecken billig ist; daS ist volkswirtschaftlich bedetend. Ich bedaure, daß die Nationalliberalen, die früher die Finanzreform für ein nationales Werk erklärten, nicht mehr mitarbeiten wollen. weil die Erbschaftssteuer abgelehnt ist; sie wollen nun nicht mehr mitspielen: daS ist eine Politik der Kinderstube..(Bravo! xcM§)' i i Abg. Mommsen'(frs. Vg.)'? Wenn der Katzenjammer, der sich jetzt schon bei den MehrheitSparteien und den Verbündeten Regierungen zu zeigen beginnt, nach der Verabschiedung de» Ge- setzes erst voll in die Erscheinung getreten sein wird, wird unS mancher für nfcre Verweigerung der Mitarbeit recht geben. >(Sehr richtigl links. Rechts unartikulierte, den Tonfall des Redners nachahmende Laute.) Dieses Ihr Gebaren(nach rechts) erinnert recht deutlich an die Kinderstube.(Stürmische Zu» stimmung bei den Freisinnigen. Rufe rechts: Das ist eine Be- leid ig un gl) Interessant bleibt jedenfalls, daß die Konserva- tiven selbst Anträge auf Herabsetzung der Liebesgabe m der Kom» Mission gestellt haben(Hörtl hört! links), und daß sie die volle Aufrechterhaltung erst von dem bayerischen Zentrum als Geschenk annahmen.�te � � b(;r Reichskanzler beschwert sich über den Ausdruck„Liebesgabe". Dies Wort stammt aber von keinem Lwe- ralen. sondern von dem ursprünglichen Antragsteller v. Wedell- Malchow, der sehr wohl wußte, was er wollte. Wenn Sie aber statt Liebesgabe das von Herrn Südekum geprägte Wort Fürsorgcgesetz borziehen(Heiterkeit), so soll es an uns nicht fehlen. Die Herren der Rechten werden nie genug haben, bis das Volk an der Unersat.- lichkeii der Agrarier gpnug hat.(Sehr gut! links, Gelachtcr rechts.) Die Gesetze werden heute nicht mehr vom Reichstag un� der Regierung gemacht, sondern die auf Grund einer falschen Wahlkreiseinteilung vorhandene Mehrheit schreibt den Verbündeten Regierungen einfach die Gesetze vor. Treten Sie es nur'o weiter, es muß einmal ein Ende nehmen!(Lebhaftes Bravo! lncks. Unruhe rechts. Zuruf: Die Finanzreform muß ein Ende nehmen!) Ahg Dr. Semler(natl.): Beim letzte» Branntweinsteuer- kompromiß hat Graf Posadowsky mich zur Zustimmung bewogen. indem er sagte: wenn das Kompromiß nicht zustande käme, wurden die ostpreußischcn Gutsbesitzer nicht mehr imstande sein, die Zu- schüsse für ihre Söhne zu leisten, die Leutnants sind.«Unruhe rechts.) Das war weiiigstens ehrlich.(Abg. Kreth(k.) ruft: aber dumm! Schallende Heiterkeit.) Mich hat das damals leider der. anlaßt, dem Kompromiß zuzustimmen, weil ich diesen Standpunkt in gewissen Grenzen für berechtigt hielt. Graf Posadowsky wußte eben, wie er die Leute zu nehmen hatte. Die Regierung verzichtet jetzt vollständig auf das Recht, über den Parteien zu stehen; daS ruft die schwerste Erbitterung hervor. Dieser Vorgang wird sich rächen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Bruhn(Sintis.): Ich stimme für die Liebesgabe im Jnter- esse der Landwirtschaft. Ich bin nicht Landwirt und auch nicht im Besitz einer Brennerei.(Zuruf links; Aber der„Wahrheit". Schallende Heiterkeit.) Abg. Dr. Weber(natl.): Herr Roesicke hat auf eine Rede von mir erwidert, der Landwirtschaft geht es gut. weil 1002 der Zolltarif angenommen ist; für ihn haben wir Nationalliberalen gestimmt. gegen ihn der Bund der Landwirte!(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Abg. Gothel»(frs. Vg.): Herr Roesicke nennt die agrarisch: Gesetzgebung eine„Kulturtat ersten Ranges". Es wird sich doch wohl keiner der Väter dieses Gesetzes einbilden, daß es etwas anderes ist als ein Entwurf für ihr Portemonnaie! (Unruhe rechts.) Und da hat Herr Roesicke von„ethischen Mo- menten" gesprochen!(Lachen links.) Daß die Interessenten solche Gesetze machen, nimmt nicht wunder, wunder nehmen muß cö, daß die Verbündeten Regierungen alles mitmachen. Das muß das Vertrauen zu den Verbündeten Regierungen aufs tiefste er- schüttern.(Zustimmung links, großer Lärm rechts. Rufe: Hu! hu!) Bisher hat noch kein Vertreter der Regierungen das Wort ge- nommen, obgleich ihre Vorlage im Orkus verschwunden ist. «Während der weiteren AuSführimgen des Redners vollführt die Rechte einen immer steigenden Lärm.) Im Volke empfindet man es. daß bei der Regierung kein Schutz ist gegen die Vergewaltigung durch solche Gesetzgebung.(Ironischer Beifall rechts.) Reichsschatzsekretär Sydow: Ich habe das Wort nicht genommen, weil ein Entwurf der KomMissipn vöilwgt. Licht«ig Axgier»vgs.«njMrs.. Die Regie- rnng hat daS Monopol für besser gehalten. Dies ist aber von keiner Seite so scharf bekämpft worden wie von den Freunden des Herrn Gothein, die es in der Kommission zu Fall gebracht haben. Er hat also kein Recht, der Regierung vorzuwerfen, daß sie die Monopolvorlage nicht aufrecht erhält.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.): Noch heute stehen wir auf dem Standpunkt, daß grundsätzliche und praktische Bedenken gegen das Monopol sprechen.(Bei den folgenden Ausführungen des Redners steigern sich die Unterhaltungen der Rechten zu absichtlichem Lärm.« Dieser Gesetzentwurf ist das Widersinnigste, was die agrarische Sonderpolitik je ausgeheckt hat.(Bravo! bei den Freisinnigen. Rechts ironisches Bravo! und Oh! oh!) Abg. Bruhn(Antis.) polemisiert gegen Wiemer, bleibt aber bei dem andauernden Lärm unverständlich. Damit schließt die Diskussion über die ZZ 1— 23. § 1 wird angenommen. Hebet 8 2, der die Liebesgabe ent- hält, wird namentlich abgestimmt. Er wird mit 207 gegen 143 Stimmen bei ö Stimmenthaltunge» angenommen. Eine Reihe weiterer Paragraphen werden nacheinander von der Mehrheit angenommen unter stets wiederholten Zurufen ImkS: Schnapsblocki Schnapsblock! „Die Negierung steht auf dem Standpunkt.. Zum 8 IS nimmt das Wort Schatzsekretär Sydow: Meine Herren, die Verbündeten Re- giernngen stehen auf dem Standpunkt...(Stürmische Heiter- keit links und Zurufe bei den Sozialdemokraten: Steht die Re. gicrung denn überhaupt auf einem Standpunkt??) Präsident Graf Stolberg hebt die Glocke in mächtigem Schwünge empor. Der Klöppel fliegt hinaus. Schallendes Ge- lächter links. Die Glocke entgleitet der Hand deS Präsidenten und springt dem Klöppel nach. Unter minutenlanger Heiterkeit des ganzen Hause? hebt Abg. N e h b e l die Glocke auf und trägt sie zum Präsidenten. Schatzsekretäe Gyb,w: Die Verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt...(Erneutes stürmisches Gelächter links. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sie sind ja umgefallen!) Schwacher und vergeblicher Versuch des Präsidenten, durch Klopfen an ein Glas sich Gehör zu verschaffen. Schatzsekretär Shdow: Die Verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt.., Ein erneutes minutenlanges Gelächter links. Die Rechte brüllt: Ruhe! Ruhe! Versuch des Präsidenten, durch Klopfen mit einem Lineal auf den Präsidententtsch die Glocke zu ersetzen. Schatzsekretär Sydow: Die Verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt..,(Wiederholte? stürmisches Gelächter links. Rufe rechts: Ruhe! Ruhel) Präsident Graf Stolberg schwingt die nur noch symbolisch wirkende Glocke und ruft erregt: Ich bitte Sie, den Vertreter der Verbündeten Regierungen anzuhören.— Es tritt einen Augenblick Stille ein. Schatzsekretär Sydow: Die Verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt,,.(Andauerndes Gelächter und Zurufe links. Die Präsidentenglocke gibt kläglich wimmernde Laute.) Präsident Graf Stolberg: Meine Herren, dieser Lärm ent- spricht nicht der Würde des Hauses.(Stürmischer Beifall rechts, große Unruhe link» und Rufe bei den Sozialdemokraten: Die Liebesgabe auch nicht! Und auch nicht diese Regierung! Lärm rechts. Schreie: Ruhe! Ruhe! DaS ist unwürdig! Das ist unwürdig! Ruf links: Haben Sie Würde?) Schatzsekretär Shdow bleibt bei der noch immer andauernden Heiterkeit und Unruhe des Hauses im Zusammenhang unverständ- lich. Er erklärt den zum§ 15 vorliegenden Antrag Fuhrmann (natl.) für unannehmbar.(Der Paragraph regelt die Abfindung der Kleinbrennereien, welche höchstens 20 Hektoliter Alkohol im Jahre erzeugen; der Antrag Fuhrmann will solche mit einer Pro- duktion bis zu 50 Hektoliter entschädigen.) Abg. Dr. Roesicke(k.)� beantragt, die Grenze bis zu 30 Hekto- liter festzusetzen. (Inzwischen haben sich die Schriftführer vergeblich bemüht, den Klöppel in die Präsidentenglocke wieder einzuhaken; es ist endlich eine Ersatzglocke herbeigeschafft worden.)� Abg. Singer(zur Geschäftsordnung): ES ist bezeichnend für den Schatzsekretär und für die An- träge, daß es den Herren erst nach Schluß der Diskussion möglich gewesen ist, sich über den Inhalt eines bestimmten Antrages klar zu werden. Es beweist daS, daß hier ganz neue Momente in die Diskussion hineinkommen. Herr Dr. Roesicke hat, wenn ich ihn recht verstanden habe, seinen Antrag abgeändert. Auch die anderen Herren sind sich nicht einig. Dazu kommt, daß wir uns in einer Situation befinden, bei welcher zu der Kommissions- Vorlage nicht weniger als 83 Anträge vorliegen.'(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.)! Die Vorlage enthält 148 Paragraphen. Wenn Sie sich also überlegen, welche Zeit zur Erledigung dieser Paragraphen mit den 83 AbänderungS- antrügen notwendig ist, so werden sie mit mir der Ueberzeugung sein, daß der Antrag, den ich jetzt stelle, nur zur Beschleunigung der Beratung dient, nämlich: die Vorlage an die Kommission zurückzuverweisen.(Lachen rechts.) Daß 83 Anträge zu diesem Entwurf produziert worden sind, ist der beste Beweis für die Unreife der Kommissionsarbeit.(Zustimmung links.)� Wenn ein solcher Vorgang wie eben sich wiederholt, daß erst nach Schluß der Diskussion über die Anträge verhandelt und Klarheit geschaffen wird, so entspricht das nicht der Würde des Reichstages.(Lachen rechts, Zustimmung links.) Die Zurückverweisung an die Kom- Mission ist notwendig, damit der Reichstag erfährt, was die Kom- Mission von diesen Anträgen hält, die zum großen Teil von Mitgliedern der Kommission selbst her- rühren! Die Majorität sollte sich doch überlegen, bis zu welchen Grenzen sie dem Reichstag Zumutungen machen kann. Meiner Meinung nach ist diese Art der Debatte ein unerhörter Skandal. Präsident Graf Stolberg: Dieser Ausdruck ist un- parlamentarisch. Abg. Singer(fortfahren)': Wenn Ihnen daran liegt, daß ein durchdachtes, in sich logisches Gesetz zustande kommt, müssen Sie dafür sorgen, daß ein Zustand beendigt wird, bei dem sich alle darüber einig sind: daß man nicht weiß, ob ein Antrag in den Rahmen deS Gesetzes paßt oder nicht.(Sehr richtigl links.) Das Gesetz muß so gestaltet werden, daß sich das Schauspiel nicht wiederholt, daß nach Schluß der Diskussion der Staatssekretär noch das Wort nehmen muß und Herr Roesicke dann sofort sagt:„Na schön, dann ändere ich meinen Antrag eben abl" Es gibt dafür keinen anderen Ausweg, als das Gesetz noch einmal in der Kommission durchzuberaten. Das ist im Interesse der Würde des Reichstages notwendig.(Lebhaftes Bravol links.)' Präs. Graf Stolberg: Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag Singer.(Abg. Gothein meldet sich zur Geschäftsordnung.) Wir sind in der Abstimmung; ich kann Ihnen das Wort nicht Mkhr geben. Der Antrag Singer Skrd' gegen die Stimmen der Sozialde molraten und weniger Freisinnigen(!) abgelehnt. Abg. Gothein'(frs. Vg.)''(zur Geschäftsordnung): Meine Freunde haben dem Antrage nur deshalb nicht zugestimmt, weil lvir der Ueberzeugung sind, daß die Kommission doch nichts Besseres macht. �Heiterkeit und Sehr richtigl bei den Frei- sinnigen.) Damit schließt die Diskussion. Ter Antrag Roesicke wird angenommen, der Antrag Weber mit 200 gegen 152 Stimmen abgelehnt.§ 15 wird angenommen. Beim§ 45 wird ein Antrag Weber(natl.)' auf weiter- gehende Ermäßigung der Betriebsanflage in na in entlicher Abstimmung mit 133 gegen 130 Stimmenabgelehnt. 8 54 bestimmt, daß aus den Einnahmen aus Betriebsauf- lagen Vergütungen gezahlt werden 1. für vollständig vergällten, 2. für den mit anderen Mitteln als Essig unvollständig vergällten, 3. für ausgeführten Branntwein. Hiermit verbunden wird§ 107, wonach die im Jnlande her- gestellte Holzessigsäure einer Verbrauchsabgabe von 0,40 M. pro Kilogramm loasserfteier Säure unterliegt. Abg. Gerstenberger(Z.)� beantragt, diese Verbrauchsabgabe auf 0,24 M. herabzusetzen. Abg. Weber(natl.) befürwortet einen Antrag: in§ S4 hinter Ziffer 1 einzuschalten:„für den mit Essig vergällten". Landwirtschaftsminister v. Arnim bittet, den Antrag Gersten- berger abzulehnen, da die Holzessigindustrie leistungsfähig iei. Abg. Dr. Südekum(Soz.)': Die zur Beratung stehenden Paragraphen sind geradezu ein Musterbeispiel agrarischer Fürsorge in diesem Fürsorgegesetz. Seit vielen Jahren haben wir in Teutschland die Konkurrenz des Holz- essigs-mit dem aus dem Alkohol hergestellten Essig. Dadurch ist der Breis des EssigS herabgedrückt worden, und das ist im Jnter- esse der Konsumenten sehr erfreulich gewesen. Der Essig gehört zu den wenigen für die NahrungSbcreitung verwendbaren und nötigen Stoffen, deren Preis in letzter Zeit nicht in die Höhe ge- ■langen ist. Nun wollten die Spiritusinteressenten natürlich einen stärkeren Verbrauch auch von Spiritus zur Essigbereitung mit allen Mitteln herbeiführen. Am liebsten hätten sie die Holz- essigindustrie überhaupt getötet, und das war die Absicht des§ 107, wie er aus der Uiiterkommission herausgekommen war. Gegen diese Attacke auf die Holzessigindustrie wandte sich aber ein Regierungstommissar aus dem preußischen Handelsministerium mit durchschlagenden Gründen. Er wieS nach, daß nicht unbeträcht- liche Interessen hier in Frage kämen, und daß es vor allem ein unerhörter Vorgang sei, eine Industrie einfach zu vernichten bei Gelegenheit eine} Fürsoraegesetzes für die Landwirtschast. Er machte mit diesen Ausführungen auch einigen Eindruck; man hat dann versucht, auf anderem Wege die Konkurrenz des Holz- essigS auszuschalten, indem man ihn mit einer Abgabe von 40 M. belegte. Wenn der preußische Landwirtschaftsminister, trotzdem er an der Holzessigproduktion interessiert ist, sich gegen den Antrag Gerstenberger wandte, so beweist mir das nur, daß daS Herz des Herrn Landwirtschaftsministers den Spiritusinteressenten noch mehr zugewandt»st als den Holzinteressenten. Ich bitte Sie daher, den§ 107 in jeder Form abzulehnen. stBravol bei den Sozial- demokraten.) Abg. Vogel(natl.)' kann dem LandwirtschaftSminister nicht darin zustimmen, daß die Holzessigindustrie gut dastehe. Nach unwesentlicher weiterer Debatte wird der Antrag Gerstenberger mit den Stimmen deS Zentrums und der Linken und der so veränderte 8 107 vom Schnapöblock angenommen. Ebenso wird der 8 54 und dann eine Reihe weiterer Paragraphen in der Fassung der konservativen Abänderungsanträge unter Ablehnung der nationalliberale» Abänderungsanträge angenommen. § 69a spricht von der VergällungL(Tenaturierungs)-Pflicht. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Dieser Paragraph bedeutet den Gipfelpunkt deS BergcS von Fürsorgebestimmungen, den die Agrarier in diesem Gesetze auf- f:tragen haben. Er hat den Sinn, eine Ueberproduktion von rinkbranntivein hintanzuhalten, wie die Agrarier bkyauptcn. (Heiterkeit links.) Selbstverständlich tun das die Agrarier nur aus patriotischen, aus ethischen Interessen heraus.(Große Heiterkeit links.) Herr Roesicke sprach vorhin das große Wort gelassen aus: Die Kultur Deutschlands beruht auf dem Kartoffclbaul Da? läßt sich sehr logisch entwickeln. Der Kartoffelbau kann nur durch die Brennereien lohnend gemacht werden, die Brennereien könne» nur bestehen mit der Liebesgabe, die Liebesgabe hängt aufs innigste zusammen mit der Branntweinsteuer, die Branntweinsteuer wird aufgebracht durch die Konsumenten deS Trinkbranntweins. Tie besten Konsumenten des Trinkbranntwcins sind die chronischen Alkoholisten und notorischen Schnapsbrüder— also beruht die Kultur Teutschlands in letzter Linie auf den chronischen Alkoholistcn und notorischen Schnapstrinker.(Stürmisck)« Heiterkeit links.) Diese Kultur wird auf die höchste Blüte gebracht durch diese» Paragraphen, den der Spiritusindustrielle Untucht verfaßt und dem der Abg. Nehbcl den Namen gegeben hat.(Große Heiterkeit und Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Weber(natl.) befürwortet einen Antrag, den 8 00» vollständig zu streichen, anderenfalls nur alten, über die Hälfte statt über den dritten Teil des DurchschnittSbrandcs hinaus er- zeugten Branntwein der Vergällungspflicht zu unterwerfen. Abg. Dr. Roesicke(k.): Die Logik des Abg. Dr. Südekum ist mir nicht verständlich. Ich habe nur von der Kultur des deutschen Ackerbaues gesprochen. Damit schließt die Diskussion. Unter Ablehnung deS Antrages Weber wird der 8 69» in der von den Konservativen be- antragten Fassung in namentlicher Abstimmung mit 181 gegen 166 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen angenommen. Die folgenden Paragraphen werden dcbattelos angenommen. § 103 enthält die Sätze für die Einfuhr aus dem Auslande, darunter auch für Acther aller Art, auch Kognaköl, in Fässern 225 M., in anderen Behältnissen 300 M. für den Doppelzentner. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Es ist bekannt geworden, daß Ueberraschungen bevorständen. Im 8 103 werden hier ganz exorbitante Zollsätze für die Einfuhr vor Parfümerien vorgeschlagen. Diese Sätze sind durch gar nichts begründet. Dazu kommt, daß sie sich fast ausschließlich gegen die Einfuhr aus Frankreich richten, und deshalb liegt die Gefahr vor. daß in Frankreich Maßregeln gegen den deutschen Import ge- troffen werden. Ist verstehe gar nicht, daß die Regierung(Zuruf bei den Sozialdemokraten) oder vielmehr, ich verstehe es sehr wohl, daß die Regierung sich gar nicht mehr gegen diese Sätze wendet. ES dürfte ihr nicht unbekannt geblieben sein, daß z. V. die Einfuhr von Spielwaren aus Deutschland nach Frankreich durch Anträge im französischen Parlament auf das empfindlichste bedroht ist, Anträge, welche auf diese Vorgänge in Deutschland zurückzuführen sind. Beim Auswärtigen Amt ist auch von Frank- reich aus um Vermittelung gebeten worden. In Deutschland scheint man aber darauf nicht gehört zu haben, oder das Aus- wärtige Amt ist schon so desorganisiert, daß es darauf gar nicht eingehen kann. Ich möchte nachdrücklich vor diesen Zollsätzen warnen und behalte mir vor, falls sie angenommen werden, für die dritte Lesung Abänderungsanträge vorzubereiten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Auf Antrag des Abg. Dietrich(k.)� wird die Diskusston über 8 103»: Besteuerung von Riechiuittel» und Schönheitsmitteln mit der Diskussion beim§ 103 verbunden. Reichsschatzsekretär Shdow: Die Besteuerung von Riech« und Schönheitsmitteln kann sich im erstell Augenblick als Luxussieuer darstellen, Die Fassung des§ 103a: ist aber so allgemein, daß die Steuer weit darüber hinausgeht. Qk fallen auch Kopf-, Mund-, Zahnwässer und noch vieles andere darunter. Das sind Gegenstände, die der Hygiene dienen, die für die Zahnpflege, die Hautpflege, die Kinderpflege unentbehrlich sind. Getroffen werden Gegenstände, die in 150 000 bis 100 000 Geschäften verkauft werden, an deren Herstellung 40 000 bis 50 000 Betriebe beteiligt sind. Auch 12 000 Hausierer etwa würden dieser Steuer unterliegen. Die Durchführung der Kon- trolle würde daher die größten Schwierigkeiten bieten. Man hat an die Banderole gedacht. Aber soviel Banderolen gibt es ja gar nicht.(Große Heiterkeit links.) Es müßten Banderolen für die kleinste Blechbüchse bis herauf zur größten Porzellanbüchse an allen Orten des Reiches vorrätig sein. Weiter fallen auch die kleinsten Barbiere und Friseure, deren Hauptgeschäft aus solchen Gegenständen besteht, die sie sich selber herstellen, unter diese Steuer. Das ist ein schweres wirtschaftliches Bedenken, das der Steuer entgegensteht. Sie läßt sich gar nicht so durchführen, daß alle Gegenstände bis zum Wert von 25 Pf. darunter gefaßt werden. Ter Antrag Mielczynski will ja auch diese kleinsten Gegenstände freilassen bis zu dem Werte von 50 Pf. Dann aber bringt die Steuer nur noch ein bis zwei Millionen, und die Kontrolle würde mehr kosten!(Sehr richtig! links.) Bedenken Sie ferner, daß jeder Barbier seinen Kunden erzählen wird, was das für eine» Gesetzgebung ist! Die Steuer bringt also gar nichts, ist aber eine richtige Berärgerungssteuer.(Sehr richtig! links.) Abg. Dietrich(k.): Der Staatssekretär hat noch niemals bei Ausführungen im Hause so viel Zustimmung erfahren.(Große Heiterkeit.) Die Gründe, die er uns angeführt hat, veranlassen sowohl meine politischen Freunde, als die Reichspartei und die Wirtschaftliche Vereinigung, in deren Namen ich ebenfalls spreche, gegen diese Steuer zu stimmen.(Andauernde große Heiterkeit links.) Abg. Erzberger(Z): Die Erklärungen des Staatssekretärs haben großen Beifall im Hause gefunden. Aber auch in der Kam- Mission war das der Fall. Und da führte er aus, daß er mit dem Grundegedanken des Antrages einverstanden sei.(Hört l hört! im Zentrum.) Er führt gegen die Steuer ihre Undurch- führbarkeit, die Belästigung des Publikums und das geringe finanzielle Ergebnis an. Ich schließe mich seinen Gründen nicht in allen Teilen an; ein großer Teil meiner politischen Freunde hält den Grundegedanken dieser Steuer für voll- ständig gesund und gerecht! ES ist keine Steuer auf die hygienische Reinlichkeit und wie die wunderschönen Phrasen sonst lauten. (Große Unruhe und Zurufe links.) Meine Freunde haben aber den festen Willen» die Reichsfinanzreform zustande zu bringen, und deshalb werden wir im gegenwärtigen Moment auf dir weitere Beratung dieser Steuer keinen Wert legen.(Lachen links.) Reichsschatzsekretär Sydow: Als in der Kommission der Antrag auf diese Steuer ganz überraschend kam, war der Sinn meiner Ausführungen, daß sie mir als eine Luxus st euer nicht un- sympathisch wäre. Ich gestehe offen, daß meine Kenntnisse in dieser Branche nicht sehr groß waren.(Heiterkeit und Sehr richtig! links.) Ich habe mich mit den Beteiligten in Verbindung gesetzt, und was ich gesagt habe, ist daS Ergebnis reiflicher Prüfung. Basscrmann(natl.): Nachdem der Staatssekretär in so er- freulich energischer Weise den Standpunkt der Regierung dargelegt hat und die Väter dieser außerordentlich mittelstandsfeindlichen Steuer ihr Kind verleugnen, ziehe ich meinen Antrag auf namentliche Abstimmung zurück. Abg. Träger(frs. Vp.) spricht unter fortgesetzten Schlußrufen der Rechten gegen die Harfümeriesteucr. Seine Ausführungen bleiben aus der Tribüne unverständlich. Abgi Singer(Soz.): Ich habe den Eindruck gewonnen, daß nicht die Mehrheit von der Regierung überzeugt worden ist, sondern daß vielmehr der Herr Staatssekretär eingesehen hat, daß der Steuerblock nicht geneigt ist, die Parfümeriesteuer anzunehmen und daß nur eine Höflichkeit der Majorität war, der Negieruna die Gelegenheit zu geben, sich gegen diese Steuer auszusprechen. Diese scharfe, energische Abwehr ist offenbar bestellte Arbeit gewesen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich schließe das daraus, weil nicht einzusehen ist, warum der Herr Staats- sckrctär nicht bereits in der Kommission imstande ge- loescii sein soll, seine Gründe vorzubringen. Uebrigens hätte er sich auch bei Herrn v. Rheinbabcn oder dem Fürsten Bülow über die Wirkung der Parfümeriesteuer leicht Auskunft holen können. (Heiterkeit.) Wir stehen hier vor dem Schauspiel, daß die Ein- Wendungen, die von einem Teile des schwarz-blauen Blocks gemacht worden sind, die Herren von der Majorität veranlaßt haben, auf diese Steuer zu verzichten, in der Befürchtung, daß sonst die ganze Sache aus dem Leim geht. Es ist doch eine etwas starke Zumutung, wenn der Staatssekretär von uns verlangt» daß wir irgendeiner Erklärung dieser Regierung noch Glauben schenken sollen. (Lebhafte Zustimmung links.) Nachdem der Reichskanzler und der Schatzsekretar trotz ihrer feierlichen Erklärungen, daß ohne Erb- schastssteuer eine Jinanzreform nicht möglich sei, dann doch den Kotau vor dem schwarz-blauen Stcuerblock gemacht haben, hat die Regierung kein Recht mehr zu verlangen, daß ihre Erklärungen von uns noch ernst genommen werden.(Er- neutc lebhafte Zustimmung links.) Nachdem feststeht, daß die Majorität auf die Parfümeriesteuer verzichtet, haben auch wir keinen Grund mehr, auf namentliche Abstimmung bei diesem Paragraphen zu bestehe».(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Regierungsrat Frei betont, daß die Steuer in der Kommission überraschend gekommen sei und daß inzwischen die Interessenten aus der Parfümeriebranche sowie Sachverständige nach allen Rich- tu»gen gehört seien. z 103 wird angenommen, s 103 a(Parfümsteucr) wird abgelehnt, dafür stimmt niemand! (Heiterkeit.)! Abg. Dr. Weber(natl.)' wendet sich gegen den 8 104s, nach welchem Trinkbranntwein mindestens 30 Proz. Alkohol enthalten muß. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.)! bekämpft die Bestimmung des 8 104, daß als Kornbranntwein nur solcher verstanden werden darf, der aus Roggen, Weizen, Buchweizen, Hafer oder Gerste her- gestellt ist. Das gehört nicht in ein Stcuergesetz, sondern in ein Gesetz über den unlauteren Wettbewerb. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Daß der Schnaps einen Mindestgehalt an Alkohol enthalten mutz, ist gewiß für die Spiritusproduzenten von Wert, denn der Konsuni wird dadurch gesteigert. Aber das ist noch nicht genug. Vielleicht schreiben Sie noch einen Paragraphen in das Gesetz, wo- durch bestimmt wird, wieviel Kubikzentimeter Alkohol jeder Deutsche täglich in jedem Lebensalter zu sich nehmen mussj !(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Erst dann ist erfüllt, was Sie erstreben. Es ist geradezu eine Ungeheuer- lichkeit, in diesem Gesetze vorzuschreiben, wieviel Alkohol der zum Konsum bestimmte Branntwein enthalten muh. Ich behalte mir vor, für die dritte Lesung einen Antrag vorzubereiten: in dieses Gesetz eine Bestimmung aufzunehmen, durch welche dir Bcvölke- rung über die Schädigung des Alkoholgcnufscs, speziell dcS SchnaPSgenusscS, aufgeklärt wird.(Sehr gut! links.) Abg. Nchbcl(k.) beantragt, statt 30 Proz. 25 Pro 3. zu setzen. Damit schließt die Diskussion. Die Abstimmung über§ 104a soll eine namentliche sein. Vizepräsident Kampf ist über die Fragestellung zweifelhaft. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Es handelt sich darum, die Prozentmänner festzustellen, �(Sehr gut! links.)! Abg. Nehbel(k.): Ich beantrage, hinter den ersten Absatz zu setzen, daß die Bundesregierungen Ausnahmen gestatten können.! Abg. Singer'(Soz.)) Nach Schluß der Debatte ist dies un- zulässig. Vizepräsident Kaempf: Ich werde das Haus entscheiden lassen (Stürmischer Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bassermann(natl.): Nicht das Haus, sondern die Ge- schäftsordnung muß entscheiden. Herr Nehbel mag seinen Antrag zur dritten Lesung einbringen. Abg. Nehbel(k.): Ich ziehe meinen Antrag gegenwärtig als unzulässig zurück. �(Heiterkeit.), Bei der Abstimmung über den§ 104a wird der erste Absatz(Prozentbestimmung) abgelehnt; da- für erhebt sich niemand!(Rufe bei den Sozialdemokraten.)! Abg. Singer(Soz.) zieht nunmehr den Antrag auf nament- liche Abstimmung über Z 104a zurück. Der Rest des Paragraphen sowie die nächsten werden an- genommen. Bei Abschnitt VIl beantragen die Abgeordneten Albrecht und Genossen(Soz.) die Einfügung eines neuen Abschnittes zur Unterstützung arbeitslos werdender Arbeiter. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Der Antrag schließt sich in Sinn und Wortlaut dem Antrag Giesberts an, der gestern beim Tabaksteuergesetz mit übergroßer Mehrheit angenommen ist. Es ist wohl angemessen, auch hier den arbeitslos werdenden Arbeitern dieselbe Wohltat angedeihen zu lassen wie den Tabakarbeitern. �(Zustimmuug bei den Sozialdemokraten.) Abg. Speck(Z.): Die Verhältnisse der Arbeiterschaft in der Tabakindustrie sind ganz exzeptionell. Deshalb haben wir gestern dem Antrag auf Unterstützung der arbeitslos werdenden Tabak- arbeiter zugestimmt, können es heute aber nicht tun..(Zustimmung im Zentrum.) In namentlicher Abstimmung wird der Antrag mit 192 gegen 139 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen abgelehnt. s Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag, 1 Uhr. (Schankgefäßgesetz, Gesetz über daS Erbrecht des Staates. Wein- steuergesetz. Elektrizitäts- und Gassteuergesetz, Anzeigensteuergesetz. Reichsstempelgesetz, Fortsetzung der zweiten Beratung des Finanz- gesetzes.) Schluß% 8 Uhr. Sozialed* Hygienische Mißstände in der Grafschaft Glatz. Man schreibt uns: � Die Typhusepidemie in Altwasser in Schlesien und ihre Ursachen lenken die Aufmerksamkeit auf einen weiteren Ort Schlesiens, in dem die Wasserversorgung nachgerade zum öffent- lichen Skandal geworden ist. Bekanntlich wird die Entstehung und weite Verbreitung der Seuche in Altwasser der Beschaffenheit des Trinkwassers zugeschrieben. Dieses wird einem alten Gruben- schacht entnommen, dessen Kohle vollständig abgebaut ist. Durch die jahrzehntelange Tätigkeit der Bergleute in diesem Schachte sammelten sich die Exkremente und sonstigen Ueberreste, als alte schweißdurchtränkte Stiefel, Fußlappen, in den verlassenen Strecken an; außerdem weist jede Grube unzählige Ratten und Mäuse auf. Alles das ging, nachdem der Schacht zugemauert und als Wasser- bassin dienen mußte, der Verwesung entgegen. Das dort ge- wonnene Wasser wurde der Leitung zugeführt, nachdem es filtriert worden war. Daß solches Wasser eine Gefahr für die Gesundheit ist, bedarf keines Nachweises. Nun liegen aber die Wasserverhält- nisse in dem anderen Orte, von dem oben die Rede ist, noch weit schlimmer; dort wird das Wasser unfiltriert in den Gebrauch ge- nommen. Es handelt sich um das reichlich 1000 Seelen zählende Dorf Schlaney bei Bad Cudowa in der Grafschaft Glatz. Die Bewohner sind in der Hauptsache Arbeiter, die teils in einer nahen großen Weberei, teils in den angrenzenden Jndustrieorten Böhmens ihr kärgliches Brot verdienen. Im Dorfe entlang fließt der Schnellebach, dessen Wasser schon immer zu Trink- und Gebrauchs- zwecken geschöpft wurde. Das mag vom hygienischen Gesichts- punkte aus gewiß nicht unbedenklich sein. Tatsächlich wurde der Gebrauch des Wassers vor Jahren auf ärztliche Anordnung ver> boten. Indes, da anderes Wasser mangels ausreichender Brunnen nicht vorhanden war, mußte eben wieder zu dem verbotenen Zu- flucht genommen werden. Wir wollen hier einschalten, daß sich die Anlage von Brunnen als zwecklos erweist, da das Grundwasser sauer und daher ungenießbar ist. Da baute Cudowa im Frühjahr 1007 eine Kanalisation» welche die Fäkalien und Abwässer der Haushaltungen und des Bades fortführen sollte. Während der Saison ist das Bad von 3000 bis 4000 Kurgästen besucht und es kann sich daher jeder leicht ausdenken, daß die Menge der Fäkalien eine ziemlich große ist. Diese werden aber nicht etwa außerhalb des Bereiches menschlicher Wohnstätten geleitet, sondern mitten zwischen die Ortschaften Sackisch und Schlaney. Hier ist zwischen dem Schnellebach und einem Mühlgraben eine primitive Klär- anlage hergestellt, welche die Abwässer reinigen soll. Das geschieht in durchaus unzureichendem Maße. Wo der Mühlgraben in den Bach mündet, fließt auch das„Wasser" der Kläranlage hinein. Das Wasser ist ganz gelblich und fettig, dabei entströmt ihm be- sonders an heißen Tagen ein penetranter Gestank. Und dieses so verunreinigte Wasser des Schncllebaches müssen die unterhalb wohnenden Schlaneyer zum Trinken, Kochen sowie allen Zwecken des Haushalts verwenden. Wir haben uns selbst überzeugt davon, welche Rückstände das Wasser in den Kochgeräten absetzt, sie sind mit den Fingern abzustreichen. Als ein Wunder darf es betrachtet werden, daß nicht schon eine Typhusepidemie aus- gebrochen ist. Kinder, die in dem Wasser herumbadetcn, bekamen einen Hautausschlag mit Schorfbildung und mußten längere Zeit ärztlich behandelt werden. Alle Eingabe» an die verschiedensten Behörden» vom Landrat bis zum Minister des Innern, sind bisher ergebnislos geblieben. Der Zustand bleibt der alte, bis vielleicht eines Tages eine Seuche die Bewohner auf das Krankenbett wirft und der Tod reiche Ernte halten wird. Wir rühmen uns unserer Fortschritte auf dem Gebiete der Gesundheitspflege und hier werden die allereinfachsten Maßnahmen völlig außer acht gelassen. Daß das geschehen kann im Zeitalter der Koch, Pettenkofer u. a. ist wahrlich schlimm genug._ Agrarische Lohnprellerci. In der Landwirtschaft spielen bekanntlich langfristige Arbeits- Verträge noch eine außerordentlich große Rolle. Die Agrarier engagieren die Landarbeiter am liebsten auf Jahreskontrakte, um sich die Arbeitskraft der Leute auf möglichst lange Zeit zu sichern. Dadurch wird die ohnehin schon große Unfreiheit der Landarbeiter nur noch mehr gefördert. Aber unsere Agrarier begnügen sich damit noch nicht. Es ist fast überall gang und gäbe, daß den Land- arbeitern der Lohn nie voll ausgezahlt wird. Um die Landarbeiter so willenlos und gefügig wie nur möglich zu machen, wird ein beträchtlicher� Teil des Lohnes zurückbehalten mit dem Bemerken, daß er am Schlüsse des Vertragsjahres ausbezahlt werde, wenn— der Arbeiter sich gut führe und bis dahin auf feiner Arbeitsstätte ausharre. Die Agrarier behaupten, sie behielten den Lohn nur ein, um Kontraktbrüchen vorzubeugen. In Wirklichkeit ist aber der Grund der. daß ihnen dies Verfahren nicht nur willige, sondern auch noch billige Arbeitskräfte sicherst Wie mancher Landarbeiter ist schon um seinen sauer verdienten Lohn gekommen dadurch, daß der agrarische Arbeitgeber aus irgendeinem Grunde kurz vor dem Schluß des Vertragsjahrcs den Llrbeiter entließ und den zurück- behaltenen Lohn nicht auszahlte, tveil der Arbeiter nicht die„Be- dingung" erfüllte, bis zum Schlüsse des Vertragsjahres auszu- hatten. So ähnlich sollte es auch dem Knechte Palm Bcrnick in Dahlen- Warsleben(Regierungsbezirk Magdeburg) ergehen, der seit 28 Jahren auf dem Gute von A. Wiersdorf u. Co. in Dahlenwars- leben in Diensten stand. Bernick hatte am 3. November mit seinem Kollegen Bergmann, dem Sohne des Hofmeisters des Gutes, einen Streit. Als sich der Hofmeister da hineinmischte, machte Bernick ihm gegenüber die Bemerkung, das ginge ihn gar nichts an. Das gab dem Gutsbesitzer Wiersdorf Veranlassung, Bernick zu entlassen. Er sei seinem Hofmeister, der in seinem Namen handle, dumm- gekommen; sofort solle er machen, daß er aus dem Stall komme, sonst lasse er ihn mit der Polizei herausbringen. Bernick ging, ihm wurde aber die Auszahlung des alljährlich üblichen Nachschusses— des einbehaltenen Lohnes— in Höhe von 90 Mark verweigert, weil das Vertragsjahr erst zu Neujahr zu Ende ging. Die Gutsbesitzer- firma erklärte, der von Bernick als Nachschuß bezeichnete Betrag bilde nicht einen Teil des Lohnes, sondern sei eine„freiwillige Gratifikation", auf welche den Knechten ein Rechtsanspruch nicht zustehe. Die Knechte hätten auch immer über den Empfang von Gratifikationen quittiert. Keinesfalls habe ein Knecht auf die Gratifikation Anspruch, wenn er sich zur Zeit der Auszahlung derselben nicht mehr in Stellung befinde. Bernick strengte daraufhin Klage gegen Wiersdorf u. Co. an, die vor dem Amtsgericht Mngdeburg-Neustadt verhandelt wurde. Er begründete seinen Anspruch u. a. damit, daß, wenn die Arbeiter in der Ernte Ueberstunden leisten müßten und diese bezahlt der- langten, der Hofmeister gesagt habe, dafür gebe e3 ja Nachschuß. Daß er(Bernick) zur Zeit der Auszahlung des Nachschusses nicht mehr im Dienste gewesen sei, sei nicht seine Schuld, denn er sei ohne gesetzlichen Grund kündigungslos entlassen worden. DaS Gericht erkannte den Anspruch des Klägers als gerecht- fertigt an. Die Entlassung sei zu Unrecht erfolgt. In den Urteils- gründen heißt es u. a.: „Was die rechtliche Qualifikation dieser Leistung(der sog. Gratifikation) anlangt, so ist anzunehmen, daß ein so erheblicher Betrag von 90 M. den Knechten nicht als ein freiwilliges Geschenk gewährt wird, sondern als ein Teil ihres verdiente» Lohnes, auf den sie einen wohlbegründeten Anspruch haben... Für die kiägerische Auffassung spricht ferner auch der Umstand, daß die Beklagte sich über Zahlung oer Gratifikation quittieren läßt, während es sonst.nicht üblich ist, sich über Geschenke Quittungen ausstellen zu lassen." Wiersdorf u. Co. legten gegen das Urteil Berufung ein, zogen sie aber dann wieder zurück. Das Urteil wurde rechtskräftig» und Bernick erhielt seine wohlverdienten 90 M. ausbezahlt. Man kann an diesen Fall nur die wiederholte Mahnung knüpfen, daß die Landarbeiter nur kurzfristige Verträge abschließen und vor allen Dingen keinen Kontrakt unterzeichnen, in dem der „Nachschuß"— der am besten ganz aus der Welt geschafft wird— als Gratifikation, Geschenk oder dergleichen bezeichnet wird. Denn die Agrarier werden versuchen, den Kontrakten eine solche Fassung zu geben, daß auch die Gerichte den Nachschuß als eine freiwillige Leistung anerkennen müssen. Im Verlauf des oben geschilderten Prozesses wurde übrigens auch ein trefflicher Beweis dafür erbracht, daß die Anmaßung der Agrarier keine Grenzen kennt. Der Knecht Bernick hat einen Bruder, der von Beruf Maurer ist, und gelegentlich für den Maurerverband und die sozialdemokratische Partei in Dahlen- warsleben agitierte. Die Firma Wiersdorf u. Co. untersagte des- wegen dem Knecht jeden Berkehr mit seinem Bruder. Als der Knecht dieses Verbot nicht respektierte, erhielt er seine Kündigung, die allerdings später zurückgenommen wurde! Natürlich sind es aber nur die Sozialdemokraten, die alle Familienbande zerstören wollen!_ Bom guten Ton in bor GaSglühlichtgescllschaft. Der Packer D. klagte gestern vor der 8. Kammer des Gewerbe- gerichts gegen die Berliner Gasglühlichtgesellschaft auf Zahlung von 54 M. Entschädigung. Er hat aufgehört, weil er vom Direktor Solomon„Ochse",„Esel" und„Schafskops" tituliert wurde. Die Beweisaufnahme bestätigte die klägerischen Behauptungen. Darauf erkannte die Beklagte die Forderung an. eingegangene Oruckfedrikten. Zeitschrift für Politik. Hcst 3. Herausgegeben von Dr. R. Schmidt und Dr.»l. Grabow-Zky. Jäbrb 4 Hefte IS M. C. Heymann, Berlin IV. 8. Dualismus oder Monismus? Eine Nntersuchung über die „Doppelte Wahrheit", Von Dr. L. Stein. Reich! u. Co., Berlin W. 9. 2 Mark._ Briefhaften der Redahtion. Di« juristische Sprechstunde findet Li»den st raste g,»weiter Hof, dritter Einaaua, vier Treppen, F a h r st u y l wochruNigiiq abeudS von T/j bis 9Mi Uhr statt. tZeössnct 7 Udr. Sonnabends beginnt tl; Sprechstunde um G Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen bci»ufiiaen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Bis»ur Beantwortung im Brirfkasteu können 1t Tage vergehen. Eilige Frage« trage man in der Sprechstunde vor. W. P. 11, 1. Die Kündigung ist gültig. Verlangen Sie vom Wirt, dos anzuerkennen und verklagen Sie ihn eventuell. 2. Wenden Sie sich an die hiesige Zolldirettion um Auskunst. C. Kolumbus 38. Sie können Ihren Zweck durch ein Testament erreichen, müssen aber Ihrer Frau den Pflicht- teil lassen. Adlosf 173. 1. Nein: Sie sind aus der Kitche ausgeschieden. 2. Ja. 3. DaS ist leider nicht möglich. 4. Die Versicherungsanstalt ist zur Uebernahme des HeilversahrenS berechtigt, aber nicht verpflichtet. In der Regel machen die Nersichcrungsanstalten die Aufnahme von der Zahl der Marken nicht abhängig.— F. G. IVO. Leider ja.— Ewald. Der Vorniund soll in Ihrem Falle gegen den Bater und(aus Grund der Verpflichtung) gegen dessen Vater Alimente einklagen und ferner eine Entschädigung wegen der Gewaltanwendung verlangen. Wegen dieser kann er auch Strasantrag stellen. — A. X, 80. 1. und 2. Nein. Nur wenn Ihr Mann als Erbe i tu T e st a ni e 11 t eingesetzt wird erbt er und salls auch Sie als«vcntnellor Erbe eingesetzt werden, auch Sie.— M. 3. 17. Sie sind zur Zahlung nicht verpflichtet. Auch eine Klage gegen Ihre Frau würde abgewiesen werden, weil sie minderjährig ist. Sie sollte den Borsall zum Anlaß nehmen, unsere so oft ausgesprochene Warnung zu befolgen: nichts unterschreiben, was nicht vorher genau durchgesehen ist.— I. W. 93. Nur wenn ein fchristlicher Lehrvertrag vorliegt, würde mit Sicherheit ein Erfolg zu erwarten sein. Das Kausmannsgericht befindet sich Zimmerstr. 90/91.— M. K« 300. Die Witwe und, salls eine solche nicht vorhanden ist, die hintcrlassencn che- iichen Kinder unier 15 Jahren haben einen Erstattungsanspruch aus die Halste der Klebemarken. wenn sür den Vater mindestens 200 Nlarken ge- klebt waren und er eine Rente nicht hatte.— W. W. 000. Niemals. — F. L. 62. 1. New. 2. Gegen einen etwaigen PsändungSbcschlug ist Beschwerde zulässig.— E. Z. 9. Verlangen Sie Zahlung von der Orts- kranlenkasse in Uklci und verweisen Sie auch die Gemeinde an diese.— G. M. 31. 1. Der Vergleich, den Sie mit dem Wirt geschlossen haben, isi gültig. 2. Die Verstchcrungsanstalt würde dann die Ausnahme voraus- sichtlich ablehnen. 3. Ein Recht aus Ausnahme in die Heilanstalt hat der Versicherte nicht. Die VersichernngSanstalt kann Ausnahme gewähren.— C. M.. Nogatstrusse. Vor dem Eintritt in diese Kasse haben wir wiederholt gewarnt.— Zl. D. D. Der Stempel sür Kaus- und Tausch« vertrüge beträgt 1 Proz. Trotz der unterlassenen Stempeiung ist der Ver- trag gültig.— N. S. 1873. Eine Klage gegen die Schule oder dem Lehrer hätte leider keine Aussicht aus Erfolg. Ersuchen Sic den Magistrat unter Schilderung des Falles um Uebernahme der Kosten. p!ach dem Gesetz sind Sie zu deren Tragung verpflichtet.— Sit. 13. Ja. — H. G. 33. Ist nichts vereinbart, so ist bei crwcrbsweije ge« mieteten Schlasstellcn, Chambre garnieS«sw. bis am 13. zum Ersten (nicht umgekehrt bis am 1. zum 15.) zu kündigen. — Zl. Bchule. 1. Die Angelegenheit ist uns nicht bekannt, möglich ist sie. 2.-Wenn im Kassenstatut cittc dreitägige Karenzzeit vorz stehen ist(nach dem Gesetz ist dos möglich), so ist die Kasse im Recht.— Li. 00. Ist in dcni Vertrag nichts vereinbart, so ist die Kündigungsfrist so, de.g bis am dritten Tage des Quartals zum Ouar'talSschÄch geiündigt werden kann. Die Berliner Verträge enthalten fast durchweg nbiveichciide Vorschristcii. Dieje sind, weil beide Parteien ihnen zugestimmt haben, wigüllig.— m 2&SC m; -üm G. m. b. H. In dieser Woche: Besonders vorteilhaftes Angebot: Kleiderstoff-Abteilung: Grosse Posten Gemustert. Seidenstoffe 2nrdunterscSscfhc Taffete und Louisines, bedruckte Schantungs und Foulards Serie I Serie II Serie III Mtr. 95 Pf. Mtr. 1.45, Kleiderstoffe Mtr, . 1.90 darunter Kostüm- u. Rockstoffe, Wollbatiste, gemusterte Alpakas Serie I Serie II Serie III Mtr. 1.20, Mtr. 1.65, Mtr. 2.10 Elsasser Wollmusseline Mtr. 45, 75 pf. Gestreifte Zephirs____ Mtr. 35, 55 pf. Mgi? u. Schweizer Batiste Mtr. 55, 80 Pf. Bade-Artikel Bade- Anzüge für Damen, rot m. weiß garniert 1.50 Bade-Anzüge für Madeben, rot m. veiß garn. 1,10 Bade» Anzüge für Damen, Bluse u. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. |t. 153. 36. Iahtgaüg. 3. Lkilxgc des Jotmitts" Kerlim KlKsM Zotilltilg. i. Juli 1969. Partei- EtogelegenKeiteii. Vom Vorsitzenden des Zentral-Ziauchcrvundcs geht uns folgende Zuschrift mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu:„Mit Bezug auf die Notiz in Nr. 149 vom 39. Juni sehen wir uns im Interesse der Mehrheit unserer Mitglieder zu einer Erlviderung genötigt. Die Bundesleitung steht genau auf demselben Boden der modernen Arbeiterbewegung, die der Arbeiter-Raucherbund allein für sich in Anspruch nehmen will. Ist der Prozentsatz der organisierten Mitglieder in den entfernteren Orten unseres Bezirks vielleicht auch nicht so hoch, als dies im Arbeiter-Raucherbund der Fall ist, im Zentrum unseres Bundes, in Ripdorf und in einigen westlichen Vororten, ist dies sicher der Fall. Wer sich einmal ander Landagitation beteiligt hat, wird die Schwierigkeiten, die sich unseren organisierten Mitgliedern in den entfernteren Orten bei ihrer Agitation entgegenstellen, kennen und zu würdigen wissen Der Zentral- Raucherbund hält seine Versammlungen und Vergnügungen nur in solchen Lokalen ab, die der g e samten Arbeiterschaft zur Verfügung stehen und wirkt in diesen? Sinne auch auf die ihm angeschlossenen Vereine em Bei Umzügen sind bisher weder Landräte noch Oberhäupter von Kommunen in Anspruch genommen worden, sondern solche sind immer aus schriftlichen Antrag bei der betreffenden Polizeiverwaltung unter Beilegung eines Stempelbogens von 1,50 M. nachgesucht worden. Was nun die angeführten Vergnügungen in gesperrten Lokalen anbetrifft, so entziehen sich die Verhältnisse bei„Germania Lichtenrade unserer Kenntnis, da dieser Verein seit einem Jahre nicht mehr im Zentral-Raucher-Buud ist. Klub„Gemütlichkeit", Mariendorf, ist an daS Lokal von Zierock, welches früher frei war, durch Abmachungen, die noch aus dieser Zeit herrühren und nicht bannt rechneten, daß darin eine Aenderung eintreten könnte, gebunden. Steglitz-Friedenau. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß heute im„Birkenwäldchen" ein Volksfest stattfindet. Lichtenrade. Am Donnerstag, den 8. Juli, abends 8 Uhr, findet in dem Lokale von Herrn Rudolf Oeter, Bahnhofftraße, eine Volksversammlung statt. Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Z u b e i l spricht über:»Das Ende der Komödie der deutschen Reichsfinanzreform". Wilhelmsruh, Rosenthal, Nieder- Schönhausen- West. Die zum Dienstag, den 6. Juli er., angesetzte Mitgliederversammlung findet nicht st a t t, da am 19. Juli im Lokale von Kollmann, Krön- prinzenstr. 2, abends 3 Uhr, die G e n e r a l v er s a mm lu n g ab- gehalten wird. Weiße»sce. Der sozialdemokratische Wahlverein veranstaltet am Sonntag, den 11. Juli er., in Backhaus' Volksgarten, Uckermark- straße 6—9, ein großes Sommerfest, bestehend in Konzert, Gesang, Vorträgen usw. mit einem Festzug durch den Ort.(Siehe Inserat.) Hvhen-Schönhansen. Dienstag, den 6. Juli. VollSversammlung im Lokal„Paradiesgarten". Berliner Straße 68/69. Tagesordnung: „Die Notwendigkeit der Reichstagsauflösung". Referent: Genosse Fritz Kunert._ Berliner JNfacbricbten. Im Reichs-Postmuseum. G§ ist bedauerlich, daß eins der interessantesten und lehrreichsten Museen in Berlin, das Reichs-Postmuseum an der Ecke der Leipziger und Mauerstraße, beim großen Publi kum noch immer nicht die Beachtung findet, welche es eilt schieden verdient. Diese Schöpfung Stephans, welche die Geschichte und Entwickelung des postalischen Verkehrs aller Völker und aller Zeiten in höchst gemeinverständlicher Form veranschaulicht, ist so vielgestaltig, daß wir hier den Leser nur im Fluge an den ausgestellten Gegenständen vorüber führen können. Das Erdgeschoß des von einer mächtigen Kuppel überspannten Rundbaues zeigt besonders die Aus- gestaltung des deutschen Postwesens in seiner anerkannten Vorbildlichkeit für alle Länder. Von der etwas vorsintflutlich Hupst Scherl- Gaptalu of che Fuduftry. August Scherl hat den Entschluß gefaßt, seine geliebten Mit- menschen wieder mit einer grandiosen Idee zu beglücken. Zunächst griff er recht tief in seinen Geldbeutel und schuf ein großes„Kon- struktionLbureau" mit„eigenen Werkstätten". Diese bevölkerte er mit einem großen Stäb von Männern der Wissenschaft und Praxis— Dr.-Jng., Dipl. Jng., Jng., sogar einen Mathematiker legte er sich zu— und namite sich—„captain of tbe industry"! — Mit diesem Namen bezeichnet man in England und Amerika Organisatoren, die dort„heute eine Zeitung, morgen ein Hütten- werk, übermorgen ein Bahnsystem oder ein Terrainunternehmen oder auch ein Bergwerk organisieren". Und zu einem solchen Or- ganisator, der„in die Zukunft blickt, ein Ziel begreift, einen ge- wünschten Effekt, und der dann seine Mittel aufbaut wie ein Stratege seine Bataillone", zu einem solchen„captain of thc industry" fühlt Scherl das Zeug in sich. Organisationsarbeit ist sein Beruf, er«sucht das Neue, unternimmt es, stets Neues zu schaffen". Dieses und noch vieles, vieles mehr kann man in dem Vor- wort zu dem ersten Produtt feines MitarbeiterstabeS nachlesen. Ein umfangreiches Werk ist es, daS da erschienen ist und sich be- titelt:„Ein neues S ch n e l l b a h n s Y ste m", Vorschläge zur Verbesserung des Personenverkehrs, von August Scherl. In dem ersten Teil des erwähnten Buches haben die Mit- vrbeitcr August Scherls zunächst den an sich gewiß daukenstverten Versuch gemacht, unser jetziges Verkehrswesen in seiner Gesamt. heit unter die kritische Lupe zu nehmen. Aber es ist auch nur ein Versuch geblieben. Alles das, was dort vorgebracht wird, ist— zumal an dieser Stelle— in weitaus schärferem Tone schon ge- sagt worden. Und auck) das Wenige, das Schüchterne, das geblieben ist, stellt in dieser Form nichts mehr Neues dar. Zumal die Hauptforderungen— große Schnelligkeit, dichte Zugfolge, genaue Pünktlichkeit, sogenannter starrer Fahrplan, Behaglichkeit, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit— kommen allzu sehr bekannt vor. Immer- hin: Jeder Rufer im Streit gegen unser rückständiges, verknöchertes Eiscnbahns.ystcm, dem die Interessen des Verkehrs schnuppe sind, ist uns willkommen. So weit— so gut. Unserem deutschen„captain ok tbe in» austry" genügt das alles aber noch nicht. Er blickt ja in die Zu- kunft! Und mit seinem hellseherischen Blick erschaut er dort, schemenhaft zwar, das„Verkehrs system der Zukunft". Sein „System", das» offen gestanden, Scherls Mitarbeiter gar nicht ein- mal so übel ausgearbeitet haben, stützt sich auf etwas unerhört Neues, etwas noch nie Dagewesenes, auf— die Einschienenbahn, das„Verkehrsmittel der Zukunft".— Zunächst einige Worte über das System(bei Scherl bedeutet„System" immer nur„Symbol"): Die Hauptsicdcluiigen werden durch Fernschnellbahnen(mit 299 Kilometer Stundengeschwindigkeit) verbunden; an die Haupt- wurzeln oder Hauptadcrn des Verkehrs werden schwächere Stränge, Nebenbahnen mir 129 bis 159 Kilometer Stundcngcschwindiglcit gehängt; dann sollen Zweigbahnen mit 39 bis 69 Kilometer Stundengeschwindigkeit folgen und als letzte Zubringer endlich anmutenden Feldpost bis zum modernen Straßcnsortier- wagen, vom einfachen Postfährboot bis zum hocheleganten Reichspostdampfer sind alle Typs des Postverkehrs in Mo- dellen vertreten. Selbst zwei im Jahre 1817 erfundene „Draisinen", die Vorläufer des Fahrrades, stehen fast un- beachtet in einer Ecke. Besondere technische Kenntnisse be- ansprucht das Studium der zahlreichen Rohrpostwagen und der Postbauten. Die Uniformen der verschiedenen Perioden weisen keine allzu große Veränderlichkeit auf, desto mehr dio Briefkästen, unter denen man aus längst vergangener Zeit ganz merkwürdige Exemplare sieht. Dicht daneben beweisen Briefmarkenautomaten den riesigen Fortschritt unserer Zeit. Hier unten hat auch die in ihrer hervorragenden Art einzige Briefmarkensamnilung des Museums Aufstellung gefunden. Sie enthält in tadellosen, durchweg ungestempelten Exemplaren sämtliche Briefmarken- und Postkartenausgaben der Welt bis in die entferntesten postalischen Zeiten. Die Anordnung auf 12 Ständern mit je 25 drehbaren Tafeln ist außerordentlich praktisch. Eine Zierde des Museums bildet auch die ebenfalls im Erdgeschoß untergebrachte historische Abteilung. Sie führt dem Beschauer lebhaft vor Augen, wie man früher reiste und die Postsachen beförderte, und enthält neben vielen anderen wundervolle Modelle goldstrotzender Prachtkarossen und Sänften aus dem 17. und 18. Jahr- hundert, Wikingerschiffe aus den nordischen Landen, alt- ägyptische Nilbarken, auch eine Nachbildung der Caravelle „Santa Maria", mit der Christoph Columbus im Jahroj 1492 zum ersten Male den Atlantischen Ozean durchfuhr. Zum ersten Stockwerk leitet über eine mit schönen Wandgemälden ausgestattete Marmordoppeltreppe die dem Andenken des ersten Reichspostmeistcrs Stephan gewidmete Stephan- Sammlung über, die hauptsächlich aus den zahlreichen ihm verliehenen Ehrenbürgerbriefen, Adressen und Denkmünzen besteht. Mehr als die Hälfte des ersten Stockwerks ist den« Ausland eingeräumt. Die Vergleiche zwischen den Verkehrs- Mitteln der einzelnen Länder sind überaus lehrreich. Ruß- land ist mit seinen Postgespannen von Büffeln und Kamelen, mit dreispännigen Schlitten sowie mit den von Frauen ge- ruderten Postbooten offenbar auch auf postalischem Gebiete Ziemlich weit zurück unter den europäischen Staaten, während die sehr reiche Sonderausstellung Japans durch ihre sich dem deutschen Vorbilde nähernde Exaktheit überrascht. Auch China und Siam sind mit postalischen Einrichtungen der- treten, die man bei diesen Völkern kaum voraussetzt. Die telegraphische Abteilung läßt sämtliche Systeme, von der ein- fachsten, vor hundert Jahren allgemein üblichen optischen Methode bis zum Morse-Apparat und der hochmodernen „Funkensprache" erkennen. Ein Ferndrucker hatte hier schon seinen Platz, als der vormalige Reichstagspräsident nicht zu wissen erklärte, was das für eine neumodische Erfindung ist. Wer von der Waterkant stammt, wird sich in den Modellen deutscher Rettungsstationen und Rettungsboote, die für die Schiffsposten von so ungeheurer Wichtigkeit sind, leicht zu- rcchtsinden. Ehemalige Vaterlandsverteidiger wird die Dar- stellung� der Feldtelegraphie stark interessieren. In d'ie modernste Zeit des postalischen Verkehrs führt uns das oberste Stockwerk. Hier herrschen hauptsächlich die Errungenschaften der Elektrizität vor. Fernsprecher. Mikrophone, Hilfs- apparate zum Fernsprechen, ausländische Fernsprechapparate, Tischgehäuse sind in vielen Dutzenden von Systemen und Hunderten von Exemplaren ausgestellt. Lebhafte Bewunde> rung erregen auch bei Laien die für 6000 bis 14 000 Leitungen eingerichteten, dabei nur wenig Platz erfordernden Vielfach- Umschalter. In diesem Teil des Museums möge man auch besonders den hochinteressanten, aus dem Jahre 1904 stammenden Selbstanschlußapparat nicht übersehen. Arm dicke Kabel beweisen, daß der rastlose Menschengeist auch den Automobilomnibuslinien,„die jeden Flecken und jedes Dorf be- rühren und die Reisenden beinahe in dem Moment aufnehmen, da sie aus ihren Häusern treten". Reisend« Menschheit, was ver- langst Du mehr?! lieber alle diese Vorschläge ließe sich ja reden, und jeder Ver- kchrstechniker würde sich näher mit ihnen befreunden, wenn.die technische Durchführung nicht so enorme Schwierigkeiten böte. Aber August Scherl, der Organisator, der„das Werk bis in seine kleinsten, unscheinbarsten Einzelheiten so vollkommen durchdenkt, durcharbeitet, durchorganisiert", weiß über solche Kleinigkeiten hin- wegzukommen. Vorläufig genügt für ihn die„einfache Mit- teilung, daß das echte einschienige Fahrzeug nunmehr tatsächlich vorhanden, das Mittel also bereit ist, die neue Organisation in der Praxis erfolgreich durchzuführen". Für Scherl gibt es näm- lich„unechte" und„echte" Einschienenbahnen! Also, ihr Kon- truktcure und Techniker, die ihr euch mit Schwebebahnen, Berg- bahnen, Tunisbahnen beschäftigt, stellt eure vergeblichen Be- mühungen ein; es sind doch nur„unechte" Einschienenbahnen. Und ihr dort in Elberfcld-Vohwinkel, packt eure Schwebebahn zu- ammen, wenngleich sie auch schon einige Jahre im Betriebe ist, und ihr dort in Chicago, reißt eure Masten für die Tunisbahn wieder nieder, denn nur der durch Kreisel im Gleichgewicht sich haltende Einschienenwagen ist der„echte". Wenn bisher noch ein Zweifel über die praktische Brauchbarkeit dieser Wagen herrschte, 'o ist der ohne weiteres hinfällig, denn Scherl hat„in eigenen Ver- üchswerkstätten eingehende Studien über die Stabilisierung von Fahrzeugen mit Hilfe von gyrostatischen Apparaten anstelle� lassen" und„es sind bereits entscheidende Resultate erzielt worden". Also?! Ich weih zwar nicht, ob unser Organisator die eingehenden Studien" mit den in Aussicht genommenen 33 Meter langen Wagen gemacht hat, wage aber doch, es gelinde zu be- zweifeln. Und dann eine diskrete Frage, Herr August Scherl: Haben Sie selbst schon in einem solchen„echten" Einschienenwagen gesessen? Es ist nicht der Fall, denn sonst würden Sie Ihren armen Mitmenschen nicht zumuten, ein gleiches zu tun. Muß das ein herrliches Gefühl sein, in einem Wagen zu sitzen, der sich in Kurven in einem Winkel bis zu 45 Grad neigt. Der eine Teil der Paffagiere liegt aus dem Bauche, der andere auf dem Rücken; im ersten Falle sieht man unter sich die im Fluge vorbeisausenden, verschrobenen Gefilde, im letzten über sich die blaue Luft oder graue Wolken. Stelle sich der Leser einmal vor: Er hat gerade einen Bissen im Halse oder ein Glos mit Inhalt vorm Munde, und nun fährt der Wagen durch eine Kurve... Mit schaudert's jetzt noch, wenn ich an die schrecklichen Träume denke, die mich nach der Lektüre des Buches heimgesucht haben. Dabei sind dem Ret. enden die mannigfachsten Möglichkeiten gegeben, sein Leben aus- ;uhauchen: Musikalische und kulinarische Genüsse versüßen ihm den Tod; die einen beschließen ihr Erdendasein bei der Lektüre des„Lokal-Anzeigcr" oder den Scherlschen„Emporlesebüchern"; andere warfen sich bei dem lieblichen Geklapper der von zarter Hand bedienten Schreibmaschinen dem Sensenmann in die Arme; wieder andere durchleben vor ihrem Ende noch einmal die Freuden einer Seereise, indem sie in die borsorglichcrweise ausgestellten Badeiommen steigen. Und so gibt es noch viele, viele andere Mög- Meeresgrund sich dienstbar macht. Unter allerlei Kuriositäten fallen Telegraphenstangen auf, in die Spechte tiefe Löcher gebohrt haben oder die der Blitz eigenartig gespalten hat. In einem handgroßen Telegraphenglockengehäuse, das an der Außenseite eines Postgebäudes angebracht war, sind Reste eines Bienennestes zu sehen. Eine Augenweide� für die Autographensammler ist das Archiv, das auf den unter Glas ausgestellten Postverträgen Preußens und des Deutschen Reiches die eigenhändigen Unterschriften berühmtester Staats- oberhäupter, sogar'Napoleons I. und mehrerer Päpste, ent- hält. In dem nach der Mauerstraße zu belegenen obersten und letzten Saal drängt sich der modernste postalische Fori- schritt ziemlich eng zusammen. Wir sehen hier Phonograph und Grammophon, eine sprechende Bogenlampe, die Funken- telegraphie, einen Röntgenstrahlen-Apparat, ältere und neueste Rohrpostanlagen, den elektrischen Schnellseher von Anschütz, sogar einen elektrischen Hausbriefaufzug. Um die Mittagsstunde wird in diesem Saal bei geschlossenen Fenster- vorhängen praktisch demonstriert von geschulten Museums- beamten, die aus dem Postdienst entnommen sind. Auch sonst geben die Aufsichtsbeaniten jedem Interessenten über Einzelheiten bereitwilligst Auskunft. Das Reichs-Postmuseum ist geöffnet an jedem Montag, Dienstag, Donnerstag, Frei« tag von 10 bis 2 Uhr, an Sonntagen und den zweiten Feier- tagen von 12 bis 2 Uhr._ Die Ungerechtigkeit der Einteilung der Stadtverordneten- Wahlbezirke für die dritte Abteilung war erst in der letzten Stadtverordnetensitzung wieder Gegenstand einer lebhaften Auseinandersetzung. Dabei ist der Vertreter des Magistrats, Herr Stadtrat Böhm, wegen seiner unglaublichen Be- Handlung der Sache arg zerzaust werden. Von allen verlassen, stammelte er seine Entschuldigungsgründe hervor; aber sogar vom Magistratstische wurden ihm einige tüchtige Nasenstüber zu teil, indem der Bürgermeister unter anderem meinte:„Meine Herren! Sie müssen auch etwas zwischen den Zeilen lesen". Schlimmer ist wohl noch kein Magistratsmitglied vom eigenen Kollegium behandelt worden, als Herr Böhm; allerdings war's auch wohl verdient. Hatte schon der Magistrat in seiner Vorlage darauf hingewiesen, daß er sich nicht mit den Ausführungen des Berichts der Kommission, unter- zeichnet Böhm, einverstanden erklären könne, so wies Genosse Borgmann nach, daß mit dem Kommissionsbericht eine ganz un- nötige Vergeudung von Druckerschwärze stattgefunden habe. Und wenn Herr Böhm meinte, daß die rechtlichen, historischen und statistischen Darlegungen zu Erläuterungen für die jungen Mitglieder der Versammlung notwendig waren, so wäre das ganz richtig und schön gewesen, wenn der Darstellung nicht eine Wohl beabsichtigte Einseitigkeit angehaftet hätte. Denn gerade das wichtigste hat der Bericht verschwiegen. Der Bericht führt im Wortlaut folgendes aus: „Aus der Statistik ergibt sich, daß im wesentlichen nur in fünf Wahlbezirken Wählerzahlen von erheblich mehr als 19 999 Wählern in Frage kommen. Dabei bemerken wir/ daß wir Wahl- bezirke mit Wählern bis zur Zahl von etwa 19999 noch nicht für so groß halten, daß eine anderweite Gestaltung dieser Bezirke er- forderlich erscheint. Diese fünf Bezirke weisen nach der Wählerliste von 1993 folgende Wählerzahle» auf: 24. Wahlbezirk..... 15 972 25.„..... 14 393 26....... 23 186 35.„..... 17 374 47....... 14 998 SS ist nicht zu verkennen, daß die Wähler dieser 6 Bezirke in ihrem Wahlrecht benachteiligt sind gegenüber den Wählern derjenigen Bezirke, welche weniger große Wählerzahlen auf- weisen und daß eine Aenderung der Wahlbezirkseinteilung im Interesse dieser Bezirke an sich gerechtfertigt erscheint. Indes sprechen eine Reihe von Bedenken gegen eine derzeitige Aenderung der Wahlbezirkseinteilung. Zunächst sind jene 5 Bezirke, welche lichkeiten zum Sterben. Aber als den schäpsicn Tod stelle ich mir vor, am Marconi-Apparat zu stehen und— bei 299 Kilometer Stundengeschwindigkeit!— vergeblich darauf zu warten, meine zu Hause zurückgebliebenen Lieben durch den Tele-Fernscher noch ein-, mal von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Es wird ein großes Wehklagen durch die Lande erschallen,„denn alle, alle müssen sterben", die die erste 299 Kilometer-Fernfahrt mitmachen. Der Kreisel hat nämlich die unangenehme Eigenschaft— bielleicht hat der sonst so liebe Kerl sich diese extra zugelegt, um Scherls Projekte unausführbar zu machen?!— die ihm durch äußere Einwirkungen erteilte Lage eigensinnig beizubehalten. Er richtet sich— und mit ihm auch der Wagen— nicht von selbst wieder auf(bei dem be- kannten Kindcrspielzeug läßt sich das sehr gut demonstrieren, lvenn es auch mitunter vorkommt, daß der Kreisel durch irgendwelche Umstände wieder in seine frühere oder eine andere Lage von selbst wieder zurückgeht).— Also, Herr August Scherl, es ist wieder nichts mit Ihrer grandiosen Idee. August Scherl ist auch ein guter Geschäftsinann. Seite IL findet sich folgend� Redewendung: „Unter diesen Umständen wird die Staatsregierung wohl ihre An» sprüche auf ein Verkehrsmonopol, das die Entwickelung gewaltsam zurückhält, nicht mehr lange ausrecksterhalten wollen, sondern frei- willig neuen wünschenswerten, kommunalen oder auch privat» industriellen Berkel) rsunternehniungen Raum geben". Und Seite 51 sagt er cö mit brutaler Deutlichkeit in auf- fallend fetter Schrift gerade heraus:„... die Versucl)« werden nunmehr in Form eines besonderen technischen Unternehmens auf breiterer finanzieller Grundlage und in größerem Maßstabe weiter- geführt werden." Das ist der Kern der ganzen Sache und darum verficht August Scherl auch mit so viel Eifer die, praktisch wohl nie ausführbare Einschienenbahn mit Kreisel. Obwohl es sich nach Vorstehendem erübrigte, noch weiter auf den Inhalt des Buches einzugehen, sollen doch noch einige Worte über die Ausführung der Bahnstrecke gesagt werden, die ebenso absurd ist wie die ganze technische Durchführung der Scherlschen Idee. Ausgehend von dem— nebenbei bemerkt ganz richtigen— Standpunkt, daß eine Schnellbahn keine Niveaubnhn sein darf, will er dieselbe bei freien Uebcrlandstrecken aus reichlich hohen Dämmen oder Eisengerüsten führen, in den Städten dagegen als Hochbahn, jedoch hoch oben über die Däckjer der höchsten Häuser hinweg! Im ersten Falle würden die holzen Dämme, die natürlich nur bei Straßen unterführt würden, den Verkehr in einer Weise hemmen, daß von Fortschritt nicht die Rede sein kann. Und die Linien- führnng in den Städten, z. B. in Berlin- Nun, hier müßten, um genügend feste Fundamente zu erhalten, ganze Stadtteile nieder- gerissen und wieder aufgebaut werden, abgesehen davon, daß sich mancher Hausbesitzer bedanken würde, in sein Haus Eisen- oder Bctonkolosse hineinbaucn zu lassen, die ihm nur Raum weg- nähmeu. Doch wozu noch weiter Worte an die ganze Sache verschwenden. Die Idee ist und bleibt ein Phantasieprodukt und August Scherl dürfte wohl nur bei wenigen, auf die er spekuliert. Erfolg haben. Aber seien wir gerecht: August Scherl ist das Opfer der drei- mal verfluchten Detektiv- und Kriminalromane geworden, wie sie für das Volk zum„Emporlcscn" gut genug sind. Billigen wir also dem„captain ot tbe industry" mildernde Umstände zu, S.' durchweg an der Peripherie(0., N., NW.) liegen, zurzeit in sehr lebhaftem Ausbau begriffen, dessen Abschluß in nicht allzuferner Zeit zu erwarten steht, so daß nach seinem Eintritt bald wieder eine Neu- einteilung gewünscht werden wird. Bemerkt sei hierbei, daß der die größte Wählerzahl enthaltende 26. Wahlbezirk an den dies- jährigen Ergänzungswahlen nicht beteiligt ist. Diesen S Stadtbezirken, welche 6 Stadtverordnete zu wählen haben, stehen 43 andere Bezirke mit 43 Stadtverordneten gegenüber." Diese durchaus einseitige Darstellung setzt einen Uneingeweihten gar nicht in die Lage, sich ein objektives Bild von der Sachlage zu machen. Wie liegen die Dinge in Wahrheit? Nach amtlicher Veröffentlichung betrug im Jahre 1S03 die Zahl der eingeschriebenen Wähler in der ersten Abteilung 123?, der zweiten Abteilung 32 211, der dritten Abteilung 343143. Für die dritte Abteilung entfallen also im Durchschnitt auf jeden Wahlkreis 7253 Wähler. Nach Bezirken geordnet stellt sich die Sache folgendermaßen dar. Es haben eingeschriebene Wähler: über 23 183 im 23. W a h l b e z i r k. 24 der Bezirke mit niedrigsten Wählerzahlen— alle unter 6000, im Durchschnitt 5000— haben zusammen 120 000 Wähler. Annähernd die gleiche Zahl, und zwar 116 436, haben die acht Bezirke mit höchster Wählerzahl, das sind durchschnittlich 14 558. Alles das hat die Kommission in ihrem Bericht verschwiegen. Ja gegenüber diesen erheblichen Ungleichheiten wagt der Kommissionsbericht noch zu sagen: „Wie aus den Plänen und der Statistik hervorgeht, würde nun jede Aendcrung in dem Bestände einiger Wahlbezirke eine Wer« schicbung der Grenzen sämtlicher Wahlbezirke(bis auf die eines einzigen) zur Folge haben, wodurch dann die Zugehörigkeit der jetzigen Stadtverordneten zu ihren Stadt- bezw. Wahlbezirken aus- gehoben wird und eine ganz anders geartete an deren Stelle tritt. Lediglich zum Ausgleich der Interessen der Wähler von fünf Wahlbezirken eine so völlige Zer- störung des Bandes einerseits zwischen den Wählern der übrigen 43 Wahlbezirke untereinander und andererseits zwischen ihnen und ihren Stadtverordneten herbeizuführen erscheint außerordentlich bedenklich: denn wir glauben, daß eine solche Umwälzung allzu häusig vorgenommen— im Widerspruch steht mit dem Geiste der Städteordnung. da der Z 21 Abs. 3 St.-O. trotz des Gesetzes vom 1. März 1891 auch jetzt noch nach Möglichkeit als Grundsatz fest- gehalten werden muß. Mit Rücksicht hierauf hat die Kommission beschlossen, dem Magistrat zu empfehlen, zurzeit von einer Neueinteilung der Wahlbezirke der dritten Abteilung abzusehen. Berlin, im Februar 1909. Böhm, Stabtrat/ Der angezogene Z 21 der Städteordnung lautet im ent- scheidenden Satz: „Alle Ergänzimgs- und Ersatzwahlen werden von denselben Abteilungen und Wahlbezirken(§ 14) vorgenommen, von denen der Ausgeschiedene gewählt war." Also das ist der Geist des Fortschritts, der im Magistrat herrscht, daß man sich auf längst und anerkannt veraltete Bestimmungen zu stütze» sucht, um solche Ungerechtigkeiten aufrechtzuerhalten. Die gewaltigen wirtschaftlichen Veränderungen im ganzen Stadtgebiete bedeuten für den Magistrat, vertreten durch Herrn Böhm, nichts. Ganz und gar absurd ist die Rebefloskel, daß bei einer Ver- Änderung der Wahlbezirk« die Zugehörigkeit der Stadtverordneten zu ihren Stadt- bezw. Wahlbezirken aufgehoben wird und ganz anders geartete Bezirke an deren Stelle treten. Würde man diesen„Grund" als stichhaltig anerkennen, so müßten die gegenwärtigen unhaltbaren Zustände in der Einteilung auf ewig konserviert werden und an eine Acnderung wäre dann niemals zu denken. Dann aber ist es Unsinn, von einer Zusammengehörigkeit des Stadtverordneten zu seinem Wahlbezirk zu sprechen. Die Bevölkerung in den Wahlbezirken wechselt fortgesetzt; außerdem soll der Stadtverordnete nicht Kirch- . turmsinteressen eines Bezirks wahrnehmen, sondern sich als Ver- treter der gesamten Bürgerschaft fühlen, wie es so schön heißt. Man kann also den famosen Kommissionsbericht betrachten nach welcher Seite man will, immer wird man finden, daß er auch nicht der leisesten Kritik standhält. Wer aber einigermaßen lesen kann. erkennt den Ziveck nur zu leicht. Es stud lediglich Gründe politischer Natur, die seine Abfassung diktiert haben. O, Berliner Stadtsrcisinn, dein Name ist Reaktion! Die BevölkerungSvermehrung in Groß-Berlin. Im Gebiet der Stadt Berlin hat die BevölkerungSvormehrung sich in den letzten Jahren so sehr verlangsamt, daß schließlich für 1908 überhaupt lein Zuwachs mehr geblieben, sondern eine Minderung der Bevölkerungsziffer herausgekommen ist. Diese Er- scheinung ist zu erklären aus dem Sinken des ZuzugsüberschusteS, der zuletzt vollständig verschwand, so daß sogar ein Zuzugsdefizit sich ergab. Etlvas anders stellen sich nun die Verhältnisse dar, wenn die Betrachtung nicht auf das Gebiet der Stadt Berlin allein beschränkt, sondern auf den weiteren Kreis von Groß-Berlin erstreckt wird, das ja längst zu einer wirtschaftlichen Einheit geworden ist. Faßt man Berlin und die 26 am meisten mit ihm verwachsenen Vorortgemeinden zusammen, so zeigt sich, daß die Gesamtbevölkerung diese« größeren Gebietes auch in 1908 noch eine Vermehrung gehabt hat. Es wäre indes falsch, hieraus sofort den Schluß zu ziehen, daß Verlin seinen bisherigen Zuzugsüberschuß nur deshalb habe schwinden sehen, weil der Hauptstrom der Zuzüge mehr und niehr»ach den Vororten abgelenkt worden sei. Gewiß, der um Berlin sich schlingende Kranz von Vororten ist ausnahmefähiger, als Berlin selber eS noch sein kann. Zweifellos wird durch die Anziehungskraft, die von den Vor- orten ausgeht, der Bevölkerungszuwachs Berlins geschmälert, und diese Wirkung muß je länger je mehr hervortreten. Aber.es gibt zu denken, daß in den letzten Jahre» auch für viele der Vorortgemeinden die Bevölkerungsvermehruug sich doch merklich verlangsamt hat. Der Strom der Zuzüge ist eben für das ganze Gebiet Groß-Berlins minder reichlich als in den vorhergehenden Jahren geflossen. Weil eine einheitliche Fortschreibung der Bevölkerungsziffer für Groß-Berlin noch fehlt, müssen wir zur Beantwortung der Frage, wie stark die eingetretene Vcrlangsamung ist. die Ergebnisse der Pcrsonenstandsaufnahme benutzen, die alljährlich im Herbst zum Zweck der Besteuerung ausgeführt werde». Dabei wird ober nicht die ortsanwesende Bevölkerung gezählt, sondern nur die sogenannte Wohnbevölkerung unter Ausschluß der in Kasernen befind- lichen Militärpersonen und der Insassen von Krankenanstalten, Gefängnissen usw. Für Groß-Berlin wurde durch die PersoneustandSaufnahme der sechs Jahre 1903—03 eine Wohn- bevölkerung von 2 660 262. 2 772 620, 2 902 600, 3 033 707, 3 133 471, 3 181 059 Personen ermittelt, mithin stellte sich in den siinf Jahren 1904—03 der Zuwachs auf 112 358, 129 930, 131107, 101764, 45 583 Personen. Man sieht, wie ungünstig hier die Jahre 1907 und besonders 1903 abgeschlossen haben. Für Berlin allein wurde in den 6 Jahren eine Wohnbevölkerung von 1 893 665, 1 934 473, 1 978 078, 2 013 603, 2 027 980, 2 006 941 Personen ermittelt, mithin hatten von den fünf Jahren 1904—1903 die ersten vier einen Zuwachs von 40 813, 43 600, 35 730, 14172 Personen und daS fünfte einen Ver- lust von 21039 Personen. Für die Vororte allein ergaben die PersonenstandSaufnahmcn 766 597, 838142, 924 522, 1019 899, 1 107 491, 1 174 118 Personen, so daß der Zuwachs sich auf 71 545, 86 389. 95 377, 87 592.66 627 berechnet. Auch hier zeigt sich deutlich genug mindestens eine Verlangsam ung der Bevölkerungsvermehrung. Lehrreich ist es, zu sehen, wie weit hieran die einzelnen Vor- orte beteiligt sind: doch wollen wir unS dabei beschränken auf eine Wiedergabe der Zuwachsziffcrn nur der nächstgelcgenen und größten Vororte. Von 1903 bis 1908 vermehrte sich die Wohnbevölkerung in Charlottenburg um 12529, 13052, 12058. 13301, 9547 lim ganzen von 206 046 auf 266 528), in S ch ö n e b e r g um 9137, 8931, 10 106, 9266, 3966 sim ganzen von 116 650 auf 158 006), in Wilmersdorf um 7934, 8354, 8687, 9183, 10607(im ganzen von 46 675 auf 91485), in Ripdorf um 18 672. 18 464. 20 309. 19 282, 14 021(im ganzen von 113 344 auf 204 092), in Rummels- b urg um 3508, 8437, 7239, 4749, 1363(im ganzen von 13 966 auf 44 817), in Lichtenberg um 2879. 4572, 7113, 6954. 4293(im ganzen von 45 932 auf 71 743). in Weitzensee um 666, 874, 1183, 911, 753(im ganzen von 35 503 auf 39 380), in Pankow um 1729, 2733, 4803, 2544, 2255(im ganzen von 24 289 auf 33 853), in Reinickendorf um 2069. 1894, 2001, 1761, 1264 (im ganzen von 18 231 auf 27 270). In den vorwiegend von einer- Arbeiterbevölkerung bewohnten Vororten tritt, das ficht man hier, die Minderung des Zuwachses besonders deutlich hervor. Diese Vororte haben— die einen mehr, die anderen weniger— dieselbe Erfahrung machen müssen, wie Berlin sie gemacht hat. Auch für sie hat der Zuzugs- Überschuß sich ermäßigt, weil auch ihnen dieWirtschaftSkrise mit ihrem Mangel an Arbeitsgelegenheit den Zu- fttom der Arbeiterbevölkerung gemindert hat. Zu den BcrkehrSprojekteu der westlichen Bororte. Es wird berichtet, daß der Eisenbahnminister die von den Gemeinden Wilmersdorf und Dahlem projektierte Untergrund- bahn und die- mit dieser Bahn zusammenhängende neue Ostlinie der Hoch- und Untergrundbahn als Kleinbahn zu- gelassen habe. Ueber die Projekte und die gegenwärtige Situation zwischen den Vororten haben wir dieser Tage erst das Notwendigste gesagt._ Der Kampf gegen die Schuudlitcratur wird am wirksamsten geführt, wenn dafür gesorgt wird, den Lesern guten Ersatz zu bieten. Zu diesem Zwecke ist die im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 69, erscheinende Wochen- schritt:.In Freien Stunden" gegründet worden. Am 1. Juli hat ein neues Halbjahr begonnen. In diesem neuen Band gelangt der Roman„Stefan vom Grillenhof" von Minna KautSkh zum Abdruck, der sicher allgemeinen Beifall finden wird. Nebenher erscheint zunächst die Novelle„ES lebe die Gerechtia- keit" von Theodor Mügge.„In Freien Stunden" ist zum Preise von 10 Ps. pro Heft durch alle Zeitungsausträger und Kolporteure zu beziehen. Probenummern fre» vom Verlag. Die Arbeiterfürsorge der Sterngesellschaft. Ein Leser schreibt uns: Ich unternahm Donnerstag mittag mit meiner Frau einen Ausflug nach Tegel und hatte hierbei Ge- lcgenheit. die Qualen eines Arbeiters, welcher bei der Sterntvcrft verunglückt war(ein Bein ist ihm van einem Balken zerquetscht worden), mit anzusehen. Der Arbeiter A., Brunnenstraße 57 wohnhaft, verunglückte nachmittags SM» Uhr im obigen Betriebe. Herr SanitätSrat Römer-Tegel ordnete an, daß der Verletzte, nach- dem er einen Verband erhalten hatte, mittels Krankenwagen nach Berlin zu bringen sei. Jedoch lehnte jede« Institut den Transport des Verunglückten ab, weil derselbe in keiner Kasse sei. Die Sterngesellschaft beauftragte zlvei Arbeiter, den Verletzten nach Berlin zu bringen. Dies geschah in der Weise, daß ein 17jähriger und ein 21jährig«r junger Mann den Verletzten nach Bahnhof Tegel und von dort nach dem Bahnhof Gesundbrunnen bringen sollten. A. wurde von der Reparaturwerft nach Bahnhof Tegel von den beiden jungen Leuten getragen, wobei das verletzte Bein herunterhing und A. vor Schmerzen laut jammerte und stöhnte. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen um 11 Uhr 7 Minuten angekommen, mußte nun der Aermste nach Brunnen- straße 57, seiner Wohnung, gebracht werden, was auch noch eine ziemliche Strecke ist, denn Nr. 57 befindet sich noch hinter der Stralsunder Straße. Dieser Qual mußte sich der Verletzte deshalb unterziehen, weil er keiner Krankenkasse angehörte. Er war seit Montag dort beschäftigt; es war aber bisher vergessen worden, denselben in einer zuständigen Krankenkasse anzumelden." Soweit die obige Darstellung. Wir können uns kaum denken, daß der Transport lediglich aus dem Grunde auf die sehr Primi- tive Weis« erfolgen mußte, weil der Verunglückte in keiner Kasse war. denn die Anmeldung zur Krankenkasse braucht nicht gerade am ersten Tage zu erfolgen. Die Kasse kann immer eintreten, wenn der Arbeiter in dem versicherungspflichtigen Betriebe beschäftigt ist. Aber abgesehen davon ist die Art, wie der verunglückte Ar- bester transportiert wurde, aufs entschiedenste zu rügen. Vom Schlesischen Bahnhof verschleppt und beraubt wurden zwei polnische Arbeiter, welche die Absicht hatten, loegen ArbeitSmangelS nach ihrer Heimat zurückzukehren. Im Wartesaale des Schlesischen Bahnhofes machten sie die Bekanntschaft von drei LandZleuten. die den beiden Polen versprachen, ihnen Arbeit zu verschaffen, und zu diesem Zweck mit ihnen nach Banmschulenweg fuhren. Dort führten sie die beiden Männer nach der Königsheide. wo sie sie nieder- schlugen und ihrer Barschast beraubten. Den Verbrechern gelang es leider, zu entkommen. Wie sehr die Geistlichkeit selbst dafür sergt» dem Gläubigen die kirchlichen tSinrichtungen zu verekeln, das lehrt wieder einmal ein Vorkommnis, das sich kürzlich anläßlich einer Beerdigung auf dem Friedhofe zu Wilhelmsberg abspielte. Bei dem Leichenbegängnis einer älteren, freiwillig aus dem Leben geschiedenen Witwe vom Ostbahnhof glaubten die Anver- wandten der Verstorbenen, ohne die übliche Grabrede des Herrn Pfarrers nicht auskommen zu können, und sie wandten sich zu diesem Zweck an den Pastor Nomberg von der Andreasgemcinde, der auch zusagte. Wie erstaunt waren jedoch die in der Friedhofskapelle Ver- sammelten,, als der Herr Pfarrer plötzlich erklärte, nur im Beisein der allernächsten Verwandten die Leichenfeier vollziehen zu wollen und auch dann auf seinem Entscheid beharrtc, als ihm bedeuket wurde, daß eine Scheidung oder Hinauslvcisung der Anwesenden an diesem Orte unmöglich erfolgen könne, zumal von den ungefähr 20 Anwesenden 16 zur Familie gehörten. Da dieses Verlangen allen Anwesend«» unverständlich war und wohl die Mutmaßung zuließ, der Pastor wolle den von der Kirche stets geächteten freiwilligen Tod der Frau zum Anlaß einer Kapuzinerpredigt machen, so wurde unter allgemeiner Ent- rüswng auf den geistlichen Beistand verzichtet und mußte der Pfarrer, da die Kutscher die Rückfahrt verweigerten, unvcrrichtctcr Sache auf eigene Kosten nach Hause fahren. Wenn die Geistlichkeit wie hier und in letzter Zeit des öfteren geschehen, die noch frommen Elemente in so grüirMicher Weise aufklärt, so bedarf es wirklich keiner Agitation für den Kirchen- austritt von unserer Seite. Ein empörender Anblick bot sich gestern mittag am Schlesischen Busch. In der Nähe der Brücke, nicht weit von der Anilinfabrik saßen Jungen und huldigten dem Angelsport. Das sah ein Schutz- mann. Er erweckte den Anschein, als wollte er die„Sünder" fest- nehmen. Aber diese— etwa in einem Alter von 8 und 12 Jahren— waren schneller wie er und gaben Fersengeld. Der Mann wußte flch nicht anders zu helfen als— den Säbel zu ziehen und den Jungen z-um Entsetzen der Zuschauer nachzueilen. Wäre die Situation nicht � ernst gewesen, man hätte laut auflache» müssen. Ein EntriistungZ- ruf nach dem andern erscholl, aber weiter rannte der anscheinend ganz aus der Fassung Geratene, immer rufend: „Haltet ihn I"«Haltet ihn!" Die zahlreichen, gerade zu Mittag gehenden Arbeiter waren ganz empört über diese Handlungsweise des Schutzmanns und ließen die Knaben ruhig laufen. Der Polizei- mann stellte darob die Arbeiter noch zur Rede, bekam aber Ant- Worten, die sich gewaschen hatten. Die Jungen waren in Sicherheit und der Schutzmann kehrte wieder um. Es ist unglaublich, in welcher Weise polizeiliche Organe gegen das Publikum, glauben vorgehen zu sollen. UebrigenS muß die Frage ausgeworfen werden: WaS hat ein Berliner Schutzmann auf Treptower Gebiet zu suchen? Bon den Wartezimmern der Aerzte. Uns geht folgende Zuschrift zu:„Wer das zivcifelhafte Ver- gnügen hat, öfter Aerzte konsultieren zu müssen, der wird be- obachten können, in welch grober Weise selbst von diesen Personen in hygienischer Hinsicht gegenüber den Patienten gesündigt wird. Die Warteräume vieler Aerzte sind oft ein Hohn auf Hygiene und Bequemlichkeit der Kranken. In vielen dieser äußerst engen nüchternen Räume, in denen die Patienten wie die Heringe zu- sammengedrängt ihrer Konsultation harren, ist nicht einmal ge- nügend Sitzgelegenheit vorhanden, so daß Kranke oft stundenlang stehen müssen, und das sehr oft in äußerst schlechter Luft. Auch wird man in manchen Wartezimmern vergeblich nach einem Spuck- napf suchen, was besonders von Lunoen- und an Auswurf Leidenden sehr mißlich empfunden wird. Was jedoch zum schärfsten Protest herausfordert, ist die auf den Tischen der Warteräume aus- liegende UnterhaltungSlektüre, die durch jahrelange Benutzung sich oft in einem geradezu ekelerregenden Zustande befindet; ganz ab- gesehen davon, daß es in den meisten Fällen die schalste Ware ist, die hier ausliegt, wie:„Woche", Kurbädcr- und chemische Präparate» retlame usw. Wenn auch die Absicht, den Patienten während der oft langen Wartezeit zu unterhalten, eine sehr verständliche ist, so darf jedoch nicht verkannt werden, daß die hier gewählte Form direkt schädlich wirkt. Wenn man bedenkt, daß Bücher täglich durch die Hände zahlreicher Personen gehen, die mit den verschiedenartigsten, oft auch ansteckenden Krankheiten behaftet sind und daß das Blättern in diesen Büchern meist durch Fingeranfeuchten vor sich geht, so ivird man zugeben müssen, daß solch eine UnterhaltungSlektüre ein: ständige Ansteckungsgefahr in sich birgt. So fand ich unlängst bei einem von 5trankenkajsenmitglicdern stark in Anspruch genommenen Arzt eine Anzahl Hefte der„Woche", die ich bereits 1904 durch- blättert hatte, und, wie sich hierbei denken läßt, in einem Zustande, als hätten sie jahrelang im Schmutz gelegen. Da nun solche Erscheinungen in de» Warteraumen sich nicht vereinzelt vorfinden, so muß man sich doch fragen: Sollte denn der Arzt als Hüter der Volksgesundheit diesen Schmutz im eigenen Hause nicht selbst bemerken? Oder ist für den Kassenpatienten jeder Dreck gerade gut genug, auch wenn er ihm gesundheitlich schädlich ist? Will man schon nichts für einen Wandschmuck—«er am besten geeignet wäre, den Kranken zu unterhalten— anwenden, dann unterlasse man diese UnterlzaltungSlektüre, Sie verbietet sich von selbst! Die Patienten werden in ihrem eigenen Interesse gut tun, rücksichtslos auf Beseitigung solcher sich vorfindenden Mängel zu dringen." Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht um 3 Uhr wurde die Feuerwehr wegen eines Ladenbrandcs nach der Essenerstr. 19 alarmiert, Preßkohlen und andere Vorräte standen dort in Flammen. Früh um 5 Uhr brannten Preßkohlen in der Ramlerstr. 23. Wegen einer Gasexplosion erfolgte ein Alarm nach der Prinzenallee 161. Der Materialschaden war nicht bedeutend und Personen sind nicht ernstlich verletzt. Hutformen wurden in der Blumenstr. 30 ein Raub der glommen. Der 15. Zug wurde am Sonnabend früh nach dem rechten Spreeufer gerufen, wo auf dem Hinterland der Straße Alt- Moabit ein großer Dampfkran umgefallen war. Personen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Der 9. Zug rückt« nach dem Hafenplatz aus. Dort war vor dem Hause Nr. 10 der Schüler Walter Knop, Wilhelmstr. 16 inS Wasser gefallen und ertrunken. Die Leiche tvurdc von der Polizei beschlagnahmt. Betten usw. brannten Steltiner Straße 57, Wäsche und anderes Petersburger Straße 67, Preßkohlen aus dem Nordbahnhof und anderen Stellen. Ein großer Fabrikbrand wurde nachts aus Weißensee, Lehderstt. 34/35 gemeldet, wo Pack- Materialien, Warenvorräte in der dortigen GlaSprlSmenfabrik brannten. Vorort- pfacbncbtem Nixdorf. AnS der MagifiratSfitznng. Dem Verband Deutscher Architekten- und Jngenieurvereine wird für eine Publikation über die Wohn- Häuser der deutschen Städte ein einmaliger Beitrag von 50 M. bewilligt. Der Vorsitzende gibt Kenntnis von dem den Eingang der Kündigung des Vertrages bestätigenden Schreibens der Berliner ElektrizitätS-Werke. Der Vorsitzende gibt Kenntnis von der Ver- fügung der königlichen Regierung betreffend den Schulbau Thomas- straße und den im Anschluß daran gepflogenen Verhandlungen. Der Magistrat beschließt die Umwandlung von vier Klassenräumen in zwei Zeichensäle im alten Gebäude.— Der Magistrat bewilligt die Uebcrlassung des Spielplatzes an der Lessingstraße und bei schlechtem Wetter der Turnhalle bezw. des Schulhofs in der Lessingstraße an die Stadt-Ferien-Kolonie des freiwilligen ErziehnngSbeiratS zur Benutzung während der Sommerferien.— Der Vorsitzende gibt Kenntnis von dem Schreiben des KreisauSschuffeS Teltow, in welchem dieser die Kündigung der Mitbenutzung des KreiSkrankenhanses in Britz annimmt.— Der vorgelegte Entwurf für die Umgestaltung der Gartcnanlagen auf dem Bahnhofsvorplatz in der Bergstraße wird genehmigt. Wilmersdorf-Halensce. Aus der Organisation. Am Dienstag, den 29. Juni, tagte im Gesellschaftshaus(früher Luisenpark). Wilhelmsaue 112, die Mitgliederversammlung deS WahlvereinS. Genosse Hilbiz referierte über das neue OrganisationSstatut und fand mit seinen Ausfiihruiigen den Beifall der Versammelte». Nach stattgcfundcner Diskussion wurde folgender AbänderungSantrag beschlossen, dein§ 23 Absatz 1 anzufügen:„oder sich dauernd weigert, ihm übertragene Partei- arbeiten zu verrichten". Hierauf erstattete Genoffe GoddäuS den Kaffenbericht für das 2. Quartal. Einnahmen 493,20 M., Ausgaben 469,56 M., Bestand 28,64 M. Der Vorsitzende teilte noch mit. daß sich am Orte ein Jugendauöschuß gebildet hat, dem folgende Genossen angehören: Birnstengel, Goldbcrg, Jacob, Kämpfer, Alfred Riedel und Tucker- mann. Unter LeretnSangelegenheiten beschließt die Versammlung, entsprechend dem Borschlage des erweiterten Vorstandes, an die ÄreiSgeneralversammlung das Ersuchen zu richten, diesmal einen Wilmersdorfer Genossen mit als Delegierten zum Parteitag zu senden, und zwar den Genossen OSkar Riedel. Pankow. Bei dem Familienausflug drS WahlvercinS am Sonntag, den 27. Juni nach dem Gorin-See sind verschiedene Gegenstände ge- funden worden. Ferner in der Protestversammlung am 1. Juli im „Kurfürsten" ein Herren-Regenschirm. Diese Gegenstände können beim Genossen Larsen, Brehmestr. 48 abgeholt werden. Alt-Glienicke. Auf! Zur Ersatzwahl zur Gemeindevertretung'. Arbeiter, Hand- werler, Parteigenossen, Wähler der dritten Abteilung! Am Diens- tag, den 6. Juli, abends von 6—8 Uhr, findet die Ersatzwahl für unfern Genossen Adolf Gerlach statt; derselbe ist durch Verzug nach außerhalb gezwungen gewesen sein Amt niederzulegen. Von der sozialdemolratischen Partei ist der Genosse Hermann Rietze. Rcstaurateur, als Kandidat aufgestellt worden. Es ist Pflicht eines jeden Arbeiters, unserem Kandidaten Hermann Rietze die Stimme zu geben. Rur der Vertreter der Sozialdemokratie ist in der Lage, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in der Gemeinde wahr- zunehmen. Da unsere Gegner versuchen, uns den Sieg streitig zu machen, darf am Dienstag kein Wähler den Termin versäumen. Die Wahl findet am 6. Juli, von 6—3 Uhr abends, im Lokale des Herrn Habrecht statt. Ober-Schöneweide. In der Angelegenheit deS im Disziplinarverfahren befindlichen Amts- und Gemeindevorstehers Eckardt soll, wie wir hören, ein frei- sprechendes Urteil letzter Instanz gefällt worden sein. � Bezeichnend ist es ja, daß die Gemeinde als nächst Beteiligte über die Angelegen- heit bollständig im Dunklen gelassen wird. Wenn sich die Nachricht bewahrheitet, ist es nicht auZgeschloflen, daß Eckardt wieder in sein Amt eintritt. Das beiderseitige Ver- hältnis würde allerdings dadurch leine sonderliche Förderung er- fahren. Reinickendorf- West. Die Wahlvereinsversammlung am Dienstag hörte zunächst einen Vortrag deS Genossen Brühl, der sich auf die Geschichte der Partei beschränkte und in dem er nachwies, unter welchen schwierigen Ver- Hältnissen sich die Partei entwickelt habe und welcher Kämpfe es bedurfte, um dahin zu kommen, wo wir heute stehen. Als Gruppen« führer für die fünfte Gruppe wurde Genosse Viett gewählt. Spandau. Eine außerordentliche Sitzung deS Magistrats und der Stadt- verordneten wurde am Donnerstag aus Anlaß des 25jährigen Amts- Jubiläums de? Oberbürgermeisters Koeltze und des Stadtbaurates Paul abgehalten. Wenn man in den Stadtvcrordnetensaal hinein- schaute, glaubte man erst, es sollte ein Kricgsrat abgehalten werden, denn man sah in vorderster Reihe nur glänzende Uniformen. Doch, wenn man näher hinblickte, bemerkte man auch im Hintergrunde be- scheiden stehend eine große Anzahl befrackter Herren; eS waren die Stadtverordneten, Magistratsbeamten, Gemcindeschulrektoren u. a. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten waren, wohl in der richtigen Würdigung, daß sie dem Tage für den Hintergrund die nötige Staffage'bilden würden, der Versammlung ferngeblieben. ES wurden die üblichen Lobreden geschwungen, aus die hier nicht näher eingegangen werden soll, die auch nicht weiter interessieren. Wenn Arbeiter ihre Pflicht und Schuldigkeit im Dienste der Stadt getan haben, kräht kein Hahn danach. Uebrigens ist die soziale Betätigung der Herren Jubilare. vor allem die des Oberhauptes der Stadt keine solche, daß die arbeitende Bevölkerung Ursache zu besonderer Ber- himmelung hat. Bon der Straßenbahn. Seit 1. Juli er. ist die Straßenbahn in das Eigentum der Stadt übergegangen. Bedauerlicherweise sind auch gleich zwei Unglücksfälle passiert. Am 1. Juli wurde in der Reuenoorfer Straße vor dem Hause Rr. 8 die fünfjährige Tochter des Schuhmachers Hansen überfahren und schwerverletzt im städtischen Krankenhause untergebracht. An äußeren Verletzungen ist ein Bein- bruch und Abschürfungen festgestellt. Das Kind scheint aber auch noch schwere innere Verletzungen erlitten zu haben. Ob dem Wagen- führer eine Schuld trifft, ist bis jetzt nicht festgestellt. Am 2. Juli, früh 6 Uhr, wurde in der Potsdamer Straße ein 40jähriger Mann, der zur Arbeit gehen wollte, von einem Straßenbahnwagen an- gefahren und zu Boden geschleudert. Er wurde in die SanitätSwache geschafft und dort verbunden. Er hatte Verletzungen am Kopf und an der Hand erlitten. Auch hier ist noch nicht festgestellt, wer die Schuld trägt. Jedenfalls sind aber die Wagenführer überlastet, denn sie müssen auch die Geldkontrolle übernehmen. Die Einstellung von Schaffnern wird bald erfolgen müssen. Gericbts- Leitung. Eine KinbeSunterfchiebungS-Assäre zeitigte gestern unter Vorsitz deS Landgerichtsrats LehrS vor dem Schwurgericht des Landgerichts I eine außerordentlich hohe Strase. Unter der Anklage der Äindesuntcrschicbung in gewinnsüchtiger Absicht und der iniellcltuellcn Urkundenfälschung stand die 33jährig? Stickerin Helene Friedrich vor den Geschworenen. Die schon zwei« mal wegen Betruges vorbestrafte Angeklagte wurde beschuldigt, die Personalien des am LS. Juli 1L08 geborenen unehelichen KindeS der Lehrertochter Erna H. in gewinnsüchtiger Absicht vorsätzlich verändert und zugleich eine falsche Eintragung in daS öffentliche Register des Standesamts bewirkt zu haben. Die Angeklagte unterhielt in den Jahren 1307 und 1303 m.t dem Landwirt Richard Sch. aus Ziegelroda ein intimes Liebe?. Verhältnis, welches zu einer Verheiratung führen sollte. Ende 1307 erkalteten jedoch die gegenseitigen Beziehungen. Auch wider- setzten sich die Eltern des jungen Mannes einer Verheiratung. Die Anaetlagte wollte trotzdem von ihrem ehemaligen Geliebten nicht laßen. Um ihn an sich zu fesseln, teilte sie ihm cincS Tages unter holdem Erröten„ein süßes Geheimnis" mit. Er glaubt: seiner Geliebten alles aus daS Wort und machte auch seinen Eltern von den Folgen seines Verhältnisses Mitteilung, die nun jeden weiteren Widerstand gegen die Heirat ausgaben. Diese ganz". Geschichte war von der Angeklagten erfunden worden, die es durcki eine sehr raffiniert ausgedachte Anwendung von Bekleidung?» künsten verstand, den erforderlichen Zustand vorzutäujchen. Am 16. August kam die Angeklagte nach Berlin, nachdem sie vorher durch eine Annonce erfahren hatte, daß die Hebamme Graioert rn der Lützowstraße einen �neugeborenen Knaben„diskreter Geburt" zu verschenken hatte. Sie trat hier mit der Mutter des Kmdes, einer Lehrertochtcr H., in Verbindung, welche ihr den Knaben über» ließ. Mit dem Kinde suchte sie dann daS ihr bekannte Schneidermeister Uhligsche Ehepaar auf, welchem sie folgende Geschichte er» zählte. Sie habe auf der Fahrt zwischen Halle und Berlin in einem Abteil 4. Klasse in Gegenwart einer unbekannten Frau einem Kinde das Leben gegeben. Da sie nicht transportfähig g:- Wesen sei, habe man den Wagen, in dem sie saß, vom Zuge ad. gehängt. Tie übrigen Mitrcizcuden hätten sich während des un- freiwilligen Aufenthalts auf einer kleinen Station um den Wagen versammelt und mit Hurrarufen den kleinen Erdenbürger be- grüßt. Ein Mitreisender habe sogar gesagt, daß der Junge später einmal vielleicht ein tüchtiger Zugführer werden würde. Mit dieser erfundenen Geschichte fand die Angeklagte bei dem Ehepaar vollen Glauben. Von Berlin aus richtete sie an den„Vater" ihres Kindes ein Telegramm folgenden Inhalts:„Kräftiger Stamm- Halter angekommen. Braut sehr schwach. Uhlig."— Am 27. August meldete die Angeklagte aus dem Standesamt in der Kleinbeercu- straße die Geburt eines Knaben, der den Namen des Vaters „Richard" tragen sollte, an, der angeblich auf der Fahrt zwischen Berlin und Hglle geboren sein sollte, Die Angeklagte fuhr Sieraiif mit ihrem„Härdie". wie sie ihren angeblichen Sprößling Nannte, nach Ziegelroda zurück, um ihn in die Arme des nicht gerade sehr glücklichen Vaters zu legen. Auch hier gab sie die Geschichte von dem abgehängten Eisenbahnwagen zum besten und fand überall gläubige Zuhörer. Diese Kindesunlerschiebung wurde jedoch durck die Aufmerk- samkeit des Berliner Vormundschaftsgerichts zu Wasser. Dieses verlangte von dem eigentlichen Vater des unterschobenen KindcS den Aufenthaltsort zu erfahren. Der Vater erfuhr zu sein:r eigenen Ueberraschung. daß die Lehrerstochter, mit der er in Be- Ziehungen gestanden hatte, das Kind an die Angeklagte verschenk: hatte. Er stellte unt Hilfe der Kriminalpolizei den jetzigen Auf- cnthaltsort des KindeS fest und erschien eines schönen Tages in Ziegelroda, um zum größten Mißvergnügen der angeblichen „Mutter" seine Vatcrrechte an dem kleinen Richard geltend zu machen. Für die Angeklagte hatte diese Angelegenheit recht un. angenehme Folgen, da die Staatsanwaltschaft das jetzige Ver- fahren gegen sie einleitete. Vor Gericht ließ die Angeklagte durch ihren Verteidiger Rechts- anwalt Armbrust den Beweis dafür antreten, daß sie tatsächlich ihr eigenes Kind auf dem Standesamt angemeldet habe und erzählte dem Gericht eine äußerst komplizierte Geschichte, in welcher eine angebliche Vertauschung ihres Kindes mit dem einer unbekannte. Frau, die sie auf dem Bahnhos Groß-Lichterfelde kennen gelernt haben wollte, eine Rolle spielte.— Die Geschworenen sprachen di: Angeklagte des Vergehens in Beziehung auf den Personenstand unter Ausscheidung des erschwerenden Moments der gewinn. süchtigen Absicht und der intellektuellen Urkundenfälschung schuldig und versagten ihr mildernde Umstände. Entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts erkannte der Gerichtshöf aus zwei Jahre Gc- fängnis. i_ Das Ende eines Baueinsturzprozesses. Infolge Außerachtlassung der elementarsten Regeln der Bau- kunst wie durch ungeheuerliche Pfuscharbeit ist vor zwei Jahren in Stuttgart ein großer, im Rohbau fast vollendeter Neubau teil- weise eingestürzt. Vier Arbeiter blieben tot, drei wurden schwer verletzt. Ter Bau wurde von der Firma Krüger u. Sauermann' Berlin im Auftrag der Rheinischen Kreditbank ausgeführt. Die Sache ist nun nach fast zwei Jahren strafrechtlich entschieden worden Nachdem die Strafkammer in vergangener Woche vier Tage lang verhandelt hatte, wurde am Freitag das Urteil verkündet. Der Bauleiter der Firma Krüger u. Sauermann, Bauwerkmeister I. Fohrmann, wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzunz zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, der Bauführer Buhl zu zwei Monaten. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen Die Pfuscharbeit war von italienischen Maurern ausgeführt worden, die die Firma ihrer»Billigkeit" vegey deg deutschen Maurern vorgezogen hatte. Em der Frauenbewegung. Gefährliche Berufe. Weil die Kellnerinnen tief im Elend stecken, will man diesen Beruf für d-ie Frau als unzulässig erklären; das heißt: das Kind mit dem Bade ausschütten! Die Frauenberufe haben ihre tiefen ökonomischen Ursachen. Nicht nur der Kellncrinnenberuf bringt für die Frauen große Gefahren in sittlicher Beziehung mit sich. Von den vielen Berufen sei nur einer herausgegriffen, der dem der Kellnerinnen sehr ähnelt. In den Sommermonaten werden in den Badeorten, Luftkur- orten usw. sehr viel« weibliche Personen zur Bedienung und Reinigung in den Hotels und Pensionaten eingestellt. Diese Frauen und Mädchen sind in den Wintermonaten in anderen Berufen tätig und nur der„gute" Verdienst lockt sie in die Badeorte. Die Arbeitszeit ist furchtbar lang. Wäscherinnen, Plätterinnen wie Haus- und 5iüchcnpcrsonal haben oft laum 8—4 Stunden Nachtruhe. In den 4— 5 Monaten, solange die Saison dauert, werden die physischen Kräfte aufs äußerste angestrengt; schwächliche Naturen halten die Strapazen dieser Tätigkeit gar nicht aus. In vielen Ostscebädern wird für solche Arbeit dem Küchenpersonal sowie den Waschfrauen 1 M. pro Tag gezahlt bei freier Station. Das Essen ist jedoch sehr oft nicht ausreichend, quantitativ und qualitativ nicht. Die Stubenmädchen werden in der Hauptsache auf Trinkgelder angewiesen und dadurch in sittlicher Beziehung stark gefährdet. Sie kommen in viel engere Berührung mit den Gästen als die Kellnerinnen und manche Herren wissen die Situation auszunützen. Die Raffiniertheit der Hotelbesitzer, ihre Angestellten auf Trinkgelder anzuweisen, treibt hier giftige Blüten. Bekämen die Mädchen ein anständiges Gehalt, so brauchten sie nicht den Herren gefällig zu sein. Hier mutz ebenfalls Abhilfe geschaffen werden. Aber es wäre doch verkehrt,>venn man diesen Beruf für das weibliche Geschlecht verbieten wollte. Wir wissen, daß jene Leute, die Pflästerchen auf die wunden Stellen des Gesellschaftskörpers kleben möchten, für gründlich« Reformen nicht zu haben sind. In diesem Falle ist es das TrinkgelÄvesen, das zu beseitigen wäre. Energischer denn je mutz gegen das Unwesen protestiert werden, weil es demoralisierend wirkt für den Empfänger wie für den Spender. Die Kauf-Liebe kann natürlich erst verschwinden mit der Umwandlung der be- stehenden sozialen Verhältnisse zu solchen auf sozialistischer Grund- läge._ SuffragetteS. Im englischen Parlament interpellierte Keir Hardie die Regierung wegen ihres Vorgehens gegen die SuffragetteS am 29. Juni, wo dieiclben eine Deputation an den Premierminister Asquith entsandt und eS zu den tumultuarischesten Szenen vor dem Houso ok oommons gekommen. Keir Hardie wies darauf hin. daß es nach dem Gesetz, das Karl der Zweite erlassen, jedem eng- tischen Untertan freistehen solle, seine Klagen vor den König resp. vor das Parlament zu bringen. Der Regierungsvertreter antwortete ihm. daß eS eine reine Rechtsfrage sei. ob diese 70 Jahre alte Verfügung noch als zu Recht bestehend anzusehen wäre oder nicht. WüstcS„Hört! hört I' von allen Seiten war die Antwort, dann wurde in der Tagesordnung fortgefahren. TaS Frauenwahlrecht. Bei einer Festlichkeit, die die Kommune AarhuS, die Hauptstadt Jütlands, dieser Tage den dort zum Kongreß versammelten Ver- tretern der Bereinigung dänischer Provinzstädte gab. hielt der HandelSnnnister Hausen eine Rede für die Frauen und sagte: Die Frauen müssen, was das politische Wahlrecht anbetrifft, den Männern gleichgestellt werden, lieber diese Forderung sollte nicht erst lange geredet werden. Der Widerstand dagegen könnte für eine Regierung gefährlich werden. DaS hat man in England gesehen, wo der Widerstand gegen das Frauen- Wahlrecht die Regierung tatsächlich ins Wanken brachte. ES liegt gar kein Grund vor, sich lange zu bedenken. Ich werde für die politische Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne mit äußerster Kraft arbeiten. Wenn alle Minister so redeten wie dieser mrd auch danach handelten, brauchten die Frauen Dänemarks nicht mehr lange auf die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu warten. Die Regierung hätte nur dafür zu sorgen, daß der dem Reichstag vorliegende WahlrechtSreformvorschlag der sozialdemokra- tischen Fraktion bald Gesetz wird. Aber die jetzige dänische Regierung ist, wie in anderen Fragen, auch in dieser nicht einig. Der Ministerpräsident N e e r g a a r d hat ja neulich erst einer Frauen- Wahlrechtsdeputation gegenüber erklärt, daß er zwar prinzipiell An- häiiger des Frauenwahlrechts sei, daß aber die Landesverteidigungs- fache erst erledigt werden müsse, und L aerntsen, der Minister des Innern, meinte, zurzeit sei die Durchführung des Frauenwahl- rechts nicht zu erreichen.— Die dänischen Frauen werden nun vor allem selbst dafür sorgen müssen, daß der Widerstand gegen ihre Forderung tatsächlich gefährlich für die Regierung wird. Die Entlohnung der Maschinenschreiberinnea, schreibt die„Soziale Praxis", wird durch eine Enquete der Ort'« krankenkasse für Bureauangestellte beleuchtet. Bei dieser Kasse waren im Jahre 1308 2509 Stenotypistinnen angemeldet. Davon bezogen 623 bis zu 35 M.. 815 35—70 Wi.. 001 70—100 M., 396 100 bis 130 M. und 163 mehr als ISO M. Monatsgehalt. Der Gehaltssatz bis zu 35 M. wird nur an Maschinenschreiberiunen im Alter von 14—24 Jahren gezahlt, in der nächsten Gehaltsklasse(35—70 M.) befinden sich aber 52 Damen im Alter von 30—49 Jahren. Der größte Teil der Stenotypistinnen, etwa 70 Proz. ist in den Bureaus der Anwälte und Notare, der Rest in kaufmänni- scheu, gewerblichen oder Jabrilbetrieben angestellt. Die Konkurrenz der Arbeitgeber unter einander, die an allen Ecken und Enden zu Ersparnissen zwingt, vor allem aber die Ueberprodultion an„Tipp-Fräuleins", die an den 157„Handelsakademien" Groß- Berlins großbctrieblich vor sich geht, das mangelnde soziale ZusammcngehörigkeitSbewußtsein und die wirtschaftliche Unkenntnis, namentlich gegenüber dem Bargeld, bewirken diese dürftige Lage der Schreibmaschinenarbeiterinncn. Versammlungen— Veranstaltungen. WilmerSdorf-Halensce. Donnerstag, den 3. Juli, nachmittags 4 Uhr im GesellschaftShauS(früher Luisenparkj. Wilhelmsaue 112 Kaffeekochen._ _ Leseabende. Spandau. Dienstag, den 6. Juli, 8V2 Uhr, bei F. Böhle, Havel« straße 20._ Verrmfebtea. Die Gasvergiftungen in Hörde. Neber die schweren Massenvcrgifwngcn durch Hochofengase in Hörde, worüber wir bereits im Dcpeschenteil der gestrigen Nummer berichten konnten, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Von den Hochöfen der Königswerke werden die giftigen Gase aufgefangen und durch ein mehrere hundert Meter langes Rohr den Betrieben der dazugehörigen Hernmnnshüttc, die sich im entgegengesetzten Stadtteil befindet, zugeführt, wo sie zum Heizen der Kessel usw. Verwendung finden. Das Rohr von etwa einem Meter Durchmesser war gereinigt worden. Anscheinend hatte man an der„Seekant"- Straße, die(von dem Rohre überkrcuzt wird, ein Ventil nicht oder nicht genügend geschlossen. Als das Gas von den Hochöfen in das Rohr gelassen wurde, strömte eS durch daS ungefähr 50 Zentimeter weite Ventil mit ungeheurer Heftigkeit aus und er- füllte die ganze Umgebung mit erstickendem Dunst. Alle auf der Straße befindlichen Personen stürzten wie vom Schlage getroffen zu Boden. Zu Hilfe Eilenden wurde dasselbe Schicksal zu teil. Sogar in die benachbarten Häuser drangen die gefährlichen todbringenden Gase, und die Einwohner stürzten beim Einatmen sofort nieder. Eine ganze Familie, die beim Abendbrot saß. fiel wie tot von den Stühlen. Endlich ertönten die Alarmsignale der Geräte der KönigShütte, und die Gaszufuhr wurde abgesperrt. Feuerwehr und Schutzmannschaft trafen sofort ein und begannen unter ärztlicher Leitung das RcttungSwerk. Die Betäubten wurden zunächst in frische Luft gebracht und dann auf Droschken, Möbel- und Kranlenlvagen in die Krankenhäuser geschafft. Viele von ihnen konnten bereits im Laufe des Abends zum Bewußtsein zurück- gerufen werden. Im katholischen Joseph- Hospital liegen noch 18 Personen, und im evangelischen Kranlenhause Bethanien noch LS. Eine weitere Zahl wurde sofort in ihre Wohnungen gebracht. Die Aufregung, die daS Unglück in der Stadt und in der Umgebung hervorrief, war ungeheuer. Immer wieder strömten die Menschen zu der Unglücksstraße und belagerten sie bis in die späte Nacht. Bei den meisten der an Gasvergiftung Leidenden besteht keine Lebensgefahr mehr, doch ist eS möglich, daß viele von ihnen unter ihrer Nachwirkung noch längere Zeit zu leiden haben werden. Weitere Nachrichten besagen: DaS Unglück hat sich folgender- maßen abgespielt: Ein SicherhcitSvcntel an der etwa 2 Kilometer langen Rohrleitung, welche Hochofengas enthält, funktionierte nicht ordnungsgemäß und ließ das Gas ausströmen. Das GaS, das aus Kohlenoxyd, Kohlensäure. Wasserstoff und Stickstoff besteht und beinahe geruchlos ist, drang in die Häuser der Straße an der Seekante ein und betäubte etwa 40 Personen. Die Betäubten wurden sofort ins Hüttenhospital und in die beiden Härder Kranken- Häuser geschafft und mit Sauerstoffapparaten behandelt. Gestorben ist bisher niemand, vielmehr hoffen die Aerzte, daß sämtliche Pe- täubten mit dem Leben davonkommen werden. Hörde, 8. Juli. Sämtliche Persouen, die gestern bei dem Unglücksfall durch giftige Gase betäubt wurden, befinden sich außer Lebensgefahr und dürften noch heute das Krankenhaus wieder ver- lassen. Ein Todesfall ist nicht zu verzeichnen. DaS Luftschiff Parscval III. das gestern früh 8 Uhr unter Führung des Oberleutnants Stelling in Bittcrfeld zu einer längeren Fahrt aufgestiegen ist, flog um 8 Uhr 30 Min. in etwa 150 Meter Höhe über Dessau. Es nahm nördlich der Elbe Kurs nach Osten und fuhr nach Wittenberg, von wo die Rückfahrt nach Bitterfcld erfolgte. In der Gondel befandm sich acht Personen, darunter der schwedische Kapitän Amundsen. In der Senkgrube erstickt. Duisburg, den 2. Juli. Als heute mittag ein Lehrling des Metzgermeisters Arnold Kraemer das verstopfte Rohr einer Senkgrube untersuchen wollte, und zu diesem Zwecke die Oeffnung der Senkgrube bestieg, stürzte er, von Gasen betäubt, die Leiter hinab in den Kot. Die Ehefrau des Metzgernieisters, Schwester des Lehrlings, die in der Nähe war, und ihrem Bruder von der Leiter ab die Hand reichen wollte, stürzte sofort hinterher. Durch das Hilfegeschrei der Frau kam der Metzger Kraemer herbeigestürzt, um zu helfen, doch auch ihn ereitte dasselbe Schicksal. Zwei Arbeiter von einem benachbarten Neubau, die nun herbeikamen, stürzten gleichfalls noch hinterher, doch gelang es dem letzten sich selbst herauszuhelfen, während der andere Arbeiter mit seiner und in- zwischen herbeigeeilter anderer Hilfe noch mit knapper Not gerettet werden konnte. Der Metzgermelster, seine Ehefrau und der Lehr- ling, sie alle drei sind in der Senkgrube erstickt. während der gerettete Arbeiter zum Kranlenhause geschafft werden mußte._ Erdstöfte. New Jork, 3. Juli.(Auf dcutsch-atlantischem Kabel.) In Arica(Chile), Kingston(Jamaica) und La Guaira(Venezuela) wurden heftige Erdstöße verspürt. In Arica herrscht große Panik. «SttteningSüberfich» vom». Juli ISVS, morgens 8 Nhr. Elutionen swlnemde erlw grankf.aM. München Wie» ii 764 NNW 766 WSW 766 NNO 767 N 766 NW 762 WNW Weller 3 heiter 2 wölken! L wolkciii Ihaib bd. 2 bedeckt 3 Regen idm »» 5» Stationen Sg «= = 5 KS 1 Haparcmda 760 S VcterSburg 76g Still Scilly>766 SSW Merdem>760 SSW Pari» 763« Weller B-* S» ffui Mi 2woIIcnI ODimst Sbedeckt Iwolkenl 16 Lwoileul 14 12 16 15 Wetterprognose für Sonntag, de» 4. Juli litOi». Wärmer, zunächst meist heiler und trocken bei mäßigen südwestlichen Winden; später wieder zunehmende Bewölkung. 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Den Bericht von der Hamburger General- Versammlung erstattete M e n z. Als er auf die Statutenänderun- gen, wodurch ue Unterstützungsrechte der Mitglieder eingeschränkt werden, sowie auf den Beschluß betreffs der Maifeier zu sprechen kam, wurde Redner durch Zurufe unterbrochen. In der Dis- kussion bedauerten einige Redner die diesbezüglichen von der Generalversammlung gefaßten Beschlüsie. Der große Metall» arbeitervcrband hätte den Anfang mit der Beseitigung der Mai. feier nicht machen dürfen, insbesondere sei zu bedauern, daß gerade Severing dabei mitgewirkt habe. Ein interessantes Bild über die Berufsverhältnisse in der Branche gab der Bericht über das Er» gebnis der kürzlich veranstalteten statistischen Erhebungen. Sie umfassen von den etwa 1400 Berufsangehörigen 1302, und zwar 7b7 gelernte Arbeiter, 229 Lehrlinge, 201 männliche und IIb weib- liche Hilfsarbeiter. Von diesen sind 22 männliche und 45 weibliche unter 18 Jahre alt. Im Metallarbeiterverband sind bbl Personen organisiert und 44 in anderen Gewerkschaften. Im Zeitlohn arbeiten 394 Beschäftigte und 643 arbeiten im Akkordlohn. Der am meisten gezahlte Stundenlohn bewegt sich zwischen 50 und bb Pf. Von den im Akkordlohn Arbeitenden verdienen 257 Per. sonen 36 bis 40 M., 312 verdienen weniger und 57 mehr. Die regelrechte Arbeitszeit beträgt in 2 Betrieben 8 Stunden, in 1 betrieb SVi, in 27 Betrieben 9, in 1 Betrieb 9% und in 1 Betrieb 9% Stunden täglich. In 18 Betrieben wird nur in Zeit- lohn gearbeitet. In 8 Betrieben wird die Lohnzahlung während der Arbeitszeit erledigt. Ueberstunden werden in 16 Betrieben geleistet, 5 davon zahlen keinen Zuschlag zum Lohn für dieselben. Verkürzt arbeiteten 4 bis 10 Wochen lang 5 Betriebe. Die Ein- schränkung der Arbeitszeit bewegte sich in den einzelnen Betrieben zwischen 5 und 18 Stunden pro Woche. 13 Betriebe, davon 4, die verkürzt arbeiteten, haben Entlassungen vorgenommen. In der teimindustrie werden 17 Personen von 9 Betrieben beschäftigt. erienurlaub wird in 4 Betrieben gewährt; bei der Firma Hauptner 6—14 Tage, bei Dr. Müller 6 Tage nach einjähriger Tätigkeit, bei Asch u. SonS 6 Tage nach sechsjähriger Tätigkeit und bei Loewenstein 1— 6 Tage. Die Schutzvorrichtungen sind in 5 Betrieben unzureichend und in 9 Betrieben überhaupt nicht vor- handen. Die Lehrlinge verteilen sich auf 23 Betriebe. In 19 Be- trieben beträgt die Lehrzeit 4 Jahre, in 1 Betrieb 3— 4 und in 3 Betrieben 3 Jahre. 20 Betriebe gaben ihren Lehrlingen Kost- geld, die Firmen Hartwig, Wolf und Weber u. Hampel jedoch nicht. Letztere Firma gibt aber den Lehrlingen ein Taschengeld von 50 Pf. im ersten Jahre und jährlich um weitere 50 Pf. steigend. In 4 Betrieben werden Lehrlinge im Akkordlohn beschäftigt, drei davon reduzieren den Lehrlingen die Löhne um 50 Proz. und das Medizinische Warenhaus sogar um 70 Proz. Nach Erledigung einiger weniger interessanter Vereinsangelegenheiten wurde die Versammlung geschlossen._ Wo bleibt der Achtuhrladenschluß für baS Friseurgewerbe? Diese Frage beschäftigte am Donnerstagabend, oder vielmehr -nacht, eine öffentliche Versammlung der Barbier-, Friseur, und Perückenmachergehifen, die den großen Saal von Dräsel in der Neuen Friedrichstraße füllte. Der Verbandsvorsitzende Etzkorn referierte. Eine Resolution, in der die Versammlung sich einer Eingabe des Verbandsvorstandes an die gesetzgebenden Körper- schaften wegen des Achtuhrladenschlusses durchaus anschließt, wurde einstimmig angenommen. Sie endet mit folgenden Worten: „Die Versammelten erkennen die Notwendigkeit, durch einheitliche Organisation aller Gehilfen energischer und nachdrücklicher als bisher für möglichste Einschränkung der überlangen Arbeitszeit von 86 Stunden wöchentlich— abzüglich der Zeit des freien Nach» mittags— einzutreten, und erklären, mit allen Kräften dahin wirken zu wollen, daß die bereits in vielen Städten Deutschlands völlig oder teilweise durchgeführten Reformen auf diesem Gebiete auch für Berlin und Umgegend endlich zur Durchführung ge- langen." Die Versammlung nahm sodann Stellung zu der geplanten Parfllmeriesteurr. Hierzu meldete sich zunächst Herr Dr. Volz, in Firma Jünger u. Gebhardt, zum Wort, der als Gast erschienen war, um die ungeheure Schädlichkeit jener Steuer für das Barbier- und Friseurgewerbe darzulegen. Sodann schilderte der Verbandsvorsitzende Etzkorn kurz und treffend die Stellung der Friseurgehilfen zur Parfümeriesteuer. Seine Ausführungen decken sich mit der nachstehenden Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Die am 1. Juli 1909 in Dräsels Festsälen versammelten Friseurgehilfen Berlins stimmen mit den selbständigen Barbieren, Friseuren und Perückenmachern in der Verwerfung der ge» planten Parfümeriesteuer grundsätzlich überein. Die erste Folge dieser Steuer wäre ein geringerer Umsatz an Parfümerien, wodurch nicht nur da? Einkommen der Selb- ständigen, sondern auch das Einkommen eines großen Teiles der Gehilfen, die durch Prozente vom Verkauf— als Ergänzung ihrer geringen Löhne— an dem Umsatz direkt inter» essiert werden, geschmälert würde. Den durch die Parfümeriesteuer entstehenden Einnahme- ausfall würden die Arbeitgeber möglichst auf die Gehilfen und Lehrlinge abzuwälzen suchen, und zwar einmal durch Ver- schlechterung der Löhne bczw. durch Entlassung der älteren Ge- Hilfen und Einstellung jüngerer Arbeitskräfte, dann aber auch durch weitere Schmälerung der Kost, die die Arbeiter im Friseurgewerbe in der Regel beim Arbeitgeber zu nehmen ge- zwungen sind. Da ferner die Gehilfen nach Erreichung einer gewissen Altersgrenze nicht mehr beschäftigt werden und sich deshalb im Gewerbe selbständig machen müssen, würden durch eine derartige Steuer ihre Interessen als künftige Selbständige in gleicher Weise benachteiligt werden, wie die ihrer heutigen Prinzipale. Wie wenig aber das Friseurgewerbe eine Belastung seiner Bedarfsartikel und eine weitere Beeinträchtigung seiner Rentabilität ertragen kann, geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß die Hälfte der Selbständigen nicht mehr in der Lage ist, einen Gehilfen beschäftigen zu können. Gegen die Einführung einer solchen Steuer muß die Ge- Hilfenschaft deshalb entschieden protestieren." Schließlich wurde noch eine Resolution angenommen, durch die die Anwesenden ihr Bedauern darüber aussprechen, daß sie wegen ihrer schon vor vier Wochen festgemachten Versammlung nicht an den am selben Abend veranstalteten politischen Versamm- lungen teilnehmen konnten. MocKen-Splelplan der Berliner Cheater. Neues königl. Opern-Theater. Sonntag: Lohenarin.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 6'/, Uhr.) Dienstag: Butterfly. Mittwoch: Der fliegende Holländer. Donnerstag: Tannhäuser.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Don Juan. Sonnabend: Tann- Häuser.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. (Ansang 5 Uhr.) Montag: Lohenarin.(Ansang 7 Uhr.) Deutsches Theater. Bis aus weiteres täglich: Zu ebener Erde und im ersten Stock.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater.(K a m m e r s p i e l e). Bis auf weiteres täglich; Ein Skandal in Monte Carlo.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarprwzcsfin. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Bis auf weiteres täglich: Ew Herbstmanöver. (Ansang 8 Uhr) Neues Theater. Bis aus weitere? täglich: Der Hoteldieb.(An- sang 8 Uhr) Neues Schauspielhaus. Bis aus weiteres tägliä»: Moral.(An- sang 3 Uhr.) komische Oper. BIS aus weiteres täglich: O diese Leutnants.(An- sang 8 Uhr.) LustsPielhauS. Bis auf wellereS täglich: Der sefche Rudi.(Ansang S Uhr.) Neues Operetten> Theater. BIS aus' weiteres täglich: Die Sprudclsee.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Thearer O. BIS aus weiteres täglich: Madame Bonward. (Ansang 8 Uhr) Schiller. Theater Charlottcnburg. Bis aus weiteres täglich: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich< WilhelmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag: Die Jüdin. Nachmittags 3 Uhr: Martha. Montag: König sür einen Tag. Dienstag: Der Trompeter von Säckingen. Mittwoch: Martha. Donners- tag: Undine. Freitag: Oberon, König der Elsen. Sonnabend: Zar und Zimmermann. Sonntag: Der Troubadour. Nachmittags 3 Uhr: Undine.(Nbendansang 8 Uhr) Thalia> Theater. Bis aus weiteres täglich: Im Eass Noblesse.(An- fang 8 Uhr.) Luiien-Theater. Sonntag: Die Sünde de« Priesters. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Das Schlotz am Meer. Von Montag bis aus weiteres täglich: Die Sünde de? P-iesters.(Abendansang 8 Uhr) Bernhard Rose> Theater. Sonntag: Da» Mädchen ohne Ehre. Von Montag bis Mittwoch: Des Meeres und der Liebe Wellen. Von Donnerstag bis aus weiteres täglich: WaS eine Frau kann.(Ans. 8 Uhr) Folies Eaprice. Allabendlich: Drei Frauenhüte. Der Deserteur. (Anfang Sll4 Uhr.) Apollo. Thearer. Allabendlich: Spezialitäten. Metropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(An- sang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. ReichShalle»-Theater. Allabendlich: Stetttner Singer. Der Kompagnicball.> Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr) Pnffage-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Palaft-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ilrania-Thrater. Taubenilrane 48/49. Sonntag: Rom und die Campagna. Montag: Der Montblanc. DienSrag: Auf den Trümmern Messinas. Mittwoch: Die Gletscher der Hochgebirge. Donnerstag: Rom und die Campagna. Freitag: Der Montblanc. Sonnabend: Aus den Trümmern MessinaS. Sonntag: Durch Dänemark und Südjchwedeu. (Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Invalid enstr. 57—62. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DweMon über den Grotzbandel in den Zenwal-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft rege, Preise fest. Geflügel: Zufuhr ausreichend, Geichäst ziemlich lebhast, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geichäst ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst sehr flott, Markt geräumt, Preise teilweise höher. l�adi Schluß der Saison bieten unsere Lfiger infolge großer Preis- Ermgßigungen seltene Gelegenheits-Käufe Serie 1 Som m er- Kl eider 6.50 Serie 11 B d t i(?- Kl e i d er"I".U 10.50 Serie III �ollmuljelin-Kleider Serie IV Leinen-Prinzep-Röcke Serie V Leinen-Koftome 17.00 Serie VI Rei[e-Ko[?üme~p.hWr.u"d.Udu 25.00 in ganz modernen Fassons u. Farben Nafur- M. 16.50 13.50 ••• aus Seide, Wolle und Wasch-Stoffen zum Teil bis unter die Hälfte im Preise ermäßigt "0\1 I lum-, Sport- und s I]" nadi Entwurf von Frau Marie°° ° Z I>611! Berufs-Kleidung„�HlV�FScil Helene Lidicy, Wilmersdorf. BERLIN R.M.M AASSEN O. m. b. H. 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Juli 1909, abends 6'/- Uhr, in der Koppenstr. 29 Die Hauptbibliothe! ist für die Bücherausgabe wegen Inventur und Einreihung der neuen Bücher bis auf weiteres geschlossen. Entliehene Bücher müssen spätestens bis zum 15. Juli abgeliefert werden. Dte Ortsverwaltung. Allgemeine Ortskrankenkasse für Rixdorf. Mittwoch, de» 7. Juli IVOS, abends 8'/, Uhr: Meronll. Setieralversaininlung in Hoppes Festsälen Hierselbst, Hermannstr. 4S(grosser Saal). Tages-Ordnung: 1. Bericht der im April d. I. ge- wählten besonderm PrüsungS- kouimission. 2. Ersatzwahl zum Vorstand(l Ar- bcitgeber, 1 Arbeitnehmer). 3. Statutenänderung(Z 14, Ziffer 3). 4. Aerzte-Verträge. Bei der Mchtigkeit der Tage?» ordnung ist vollzähliges und pünkt- lichcs Erscheinen Pflicht; die Ver« sammlung wird ohne Rücksicht aus die Anzahl der Erschienenen zur oben angegebenen Zeit eröffnet. Rixdors, den 2. Juli 1909. 275/20_ Der Vorstand. Am Mittwoch, de» 7. Juli ISOS, abends 8'/, Uhr, findet bei Conrad» Schönwalder Stratze 2, eine öffenll. Versammlung sämtlicher Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Allgemeinen Lrtskrankenkasse, der Ortskrankeukasse der Hand- werker und der OrtSkraukenkasse der Tischler statt. 276/1 Tages-Ordnung: 1. Bericht vom V. allgemeinen Krankenkaffentag in Berlin, insonder- heil die.Reichsversicherungsordnung'. 2. Diskussion. Für die Borstände: I. A. A. ludewig, Vorsitzender. Berlin-Westen im„Königshof", Bülowstr. 37. „ listen in„Freyers Festsälen", Koppenstr. 29. „ Borll-Westen,„Germania-Säle, Chauffcestr. 110. charlotlenhurg,„Volkshaus". Rosinenstr. 3. Lr.'lichterselsse. bei Wahrendorf, Bäkestr. 22. Lankwitz, bei Schulz, Marienfelder Str. 17a. Lichtenherg, bei Piekenhagen, Scharnweberstr. 60. Bher-8ehönewe!lle, bei Dellmann, WilHelminenHofstr. 79. Pankow» bei Clemen, Wollankstr. 122. BiXllork, bei Wolf, Kirchhofstr. 41. Lteglitz, bei Schellhase, Ahornstr. 15a. Tempelhol, bei Müller, Berliner Str. 41. Weitlensee, bei Roßkopf, König-Chaussee 28. Wilmersdorf, bei Käseler, Lauenburger Str. 21. Zehlendorf, bei Mickley, Potsdamer Str. 25. Tagesordnung in alle« Lersammluugeu: „Unsere nächste« Aufgaben." Zu diesen Versammlungen sind alle in Berlin arbeitenden Kollegen eingeladen. _ Der ZtoeigverelnSvorstand. Allgemeine. Orts- Krankentasse für die M ü! Wir berusm hiermit eine ADßerordentliche General- Versammlung der Kaffendelegierten aus Montag, den IS. Juli er» abends 9 Uhr, nach demVollledauz« in Charlottenburg, Rosinenstratze 3, ein mit der TageS-Ordnung: 1. Beschlusssaffung über den San des RekonvaleSzentenheimS. 2. Bericht über dm Krantentassen- Kongreß in Berlin. Delegierte, derm Mandate krast Statuts erloschen find, haben keÄm Zutritt zu der Versammlung. Eine als Legitimation dienende Einladung erhält jeder Delegierte noch besonderSdurch die Post zugesandt. Charlottenburg, den 1. Juli 1909. Der lisnnvnvarnt»««!: W i I h. A h r e n S. 275/19 Von ckor Rorss auriick. Dr. Swarsensky, _ Wrangelstr. 49._ Deutscher Kürscbner-Verband Filiale Berlin. Bureau u. Arb-nsnachweiS: Barnimstrage 2t, vom Part. Tel.: Ami VU 6789 Mittwoch, dm 7. Juli, abends 8 Uhr, im„Alten Schützen- hans", Limenstr. 5: Oeff entliehe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Weshalb müssen sich die Arbeiter und Arbeite- rinnen der Pelzbranche organisieren? Referent: Kollege E. Schabert-zpamBurg. 2. Diskussion und Ausnahme von Mitglieder». 3. Sewerlschastliche». 4. Verschiedenes. 102/11 Zahlreich m Besuch erwartet vi« OrtaTerwaltanx. Brauerei Karl Gregory Aktiengesellschaft,• Berlin H., BocUslraBe 21/24 ims-'d ms». Lsgcr-|# Pilsener- ßierC Munchener- fei CN S S KLeiN&KIQS Ii 21 B L 2 Pfg.CigareHe qJ Clgarttttn-rabrlk„Kios" o E. Robert Böhme, Dresden. 3 elzner BERLIN Andremtr. 23— Brunnenstr. 95 Leiprigorstr. 54-55— Beusselotr. 67— Rixdorf. Bergatr. 133 am* Kinderwagen Eisen-Bettstellen Kindermöbel Korbwaren«te. 1000 Mk. Belohnung d«r Branah* alt du mainige naehwalaL—— KATALOG GRATIS. r mm Verwaltung Berlin. mm- Mittwoch, den 7. Juli 1909:-W> Vertrauensmänner- Versammlungen der Branchen und Bezirke. vibliotheksbScher find unverzüglich wegm Inventur der otdlivthel adzuliesern. SS/11 Zur Ausstellung vo« BSohunngSeiurichMuge» find BorzugSbtllettS zu ermäßigten Preism(50 Ps.) im Bureau zu habe». jtahmetroergotiler. Montag, den 5. Juli, abends»Uhr, bei MerkowSkl» Andreasstr. SS: lellalosllaalliclie klaacliamlsammleag. TageS-Ordnung: L Stellungnahme zum Bertragsablauf hetten._ Mitgliedsbuch leflllimiert. 2. vranchmangelegm» mm oer ngeirin isnter Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umgegend. Achwnq! Staker. Achwng! DieuStag, den 6. Juli, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshans, Engeluser 15, Saal 3: Anßemdcnll. Mlslicdn-Dnsammlniig. TageS. Ordnung: 1. Berichterstattung über die Verhandlung der Arbeitgeber. 2. Diskussion. 1 29/13 Alle Staker find hierzu eingeladen, die Kollege» der Firmen Ander», Arold, Barsch und Herbst besonders. Der Einberufer. Deutsclier Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, de» 6. Juli, gleich nach Geschästsschluß: GcmkiilsiiMtGkslhijstsiirrslimmIllilg aller bei dm Firmm: Albrecht A Heister, Bernhard A Co., Böhlendorf A Latte, Bhmann A Co., Crnslns, Gatt, Gerlach, Hagclberg. Hcyniann& Schmidt, Holler- baam A Schmidt, Israel, Lange A Wunsch und Schwertteger beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen im Gesellschastshmts Webding, Müllerstr. 7 (Inhaber: Ilerin, Wille.) TageS-Ordnung: 1. Bortrag. 2. DiSIussion. 8. verschiedenes. i.ab" Insbesondere sind aber auch alle diejenigen Kollegen und-ME USf Kolleginnen hierzu eingeladen, welche im Norden wohnen l-Wtzg CrmütlichtS Srisammrustill und Tanz. 23/20_ Die AgitationSkommisflon der Lnxuspapierbranche. Berlla slUSI,'/ \cw Yorh Senkester-Zigaretten Deutsche sowie amerikanische Zlgarettenraucher sind einig in der Beurteilung dieser hervorragenden Zigarette. In Zlgarrengeschliften xa haben. A fl*tdt*Si}-(F*s*-Kieiduns ArUCllCr- W. Schwalbe, Wollin er Straße Iß, am ArkooaplaU. 879b SÜP mmtx* m&mm Unserem Kollegen u. Genossen August Bräuer u. Frau W z.SSjährigen Ehejubiläum A die herzlichsten Glückwünsche l Die Kollegen von B. Ehrlich, 1T722 Kronen ftrage. | Vtlbaud der Maler, Fackiem, Anstreicher nsw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß am 2. Juli das Mitglied Msx Bieneck gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Juli, nachmittags 5 Uhr, aus dem Pius-Kirchhos in Wilhclmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht ver Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am Freitag, den 2. Juli, verstarb unser Mitglied Km*! Wronski. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Juli, vormittags 11 Uhr, vom Virchow- Kr-mtenhause aus aus dem SebastianS-Kirchhos.Neinickendors- West, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. ßeatseher Transportarbeiter-FerbaGl Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Lodert Bostel am 27. Juni im Mter von SS Jahren an Unfall gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 4. Juli, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gnaden- Kirchhofes, Barfusstratze, auS statt. 68/10 Um rege Beteiligung ersucht Die Verwaltung II. 'sodessrueigs. Nach langem schweren Leiden verstarb am Donnerstag, den 1. Juli, unser langjähriger Begräbnisplatzverwaltcr Herr Wilkelm Krause im vollendeten 70. Lebensjahre. Seine treue Pflichterfüllung fichert ihm ein dauerndes Au- deuten. S7/S Die Beerdigung findet statt am Dienstagnachmittag S Uhr von der Halle des Begräbnis- Platzes, Pappel-Allee IS/17, aus. Oer Vorstanck ller Freireligiösen Gemeinde. Todes- Anzeige. Freitag mittag 12 Uhr entschlief saust nach langem schweren Leiden unser innigst geliebter Sohn, herzensguter Bruder». Bräutigam, der Buchhalter Rjelttrl! Damerow im 28. Lebensjahre. Dies zeigt mit der BMe um stille Teilnahme an sür die trauernden liinterdlledenen G. Damerow. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 5. Juli, nachmittags 4fl, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls-Kirchhoses in Plötzen- scc aus statt. 400b Todes-�nzSiKS. Den am 1. Juli, nachmittags !>/, Uhr, erfolgten Tod unfercs geliebten Gatten und BaterS Wilkelm Krause zeigen wir in tiefster Betrübnis um stille Teilnahme bittend, hier- mit ergebenst an. 374b Frau Anna Krause nebst Tochter. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Juli, nach- mittags S Uhr, von der Kapelle des Freireligiösen Friedhofes aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich den Verwandten und Belanntcn sowie den Herren Kollegen der Firma sally Rosenberg, dem Zenlraluerband der Schuhmacher, dem Wahloerein des 4. Kreises, ins- besondere Herrn Dr. Schütte für die trostreichen Worte am Sarge meines inniggelicbten Mannes und Vaters unseren berziichsten Dank. Witwe Marie l-nstlg 766 nebst Kind. Dr. Simmel Spezial-Arzt 62'9* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,„X"», 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Billigste Bezugsquelle I gedieg-Trauergaruerobel Weslmannsi Trauer-Magazin 1 Berlin W.LMohrenstr. 37a j , fiO., Gr. trankt. Str. 115.[ Genaue Beaclitung | meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Die Harnleiden Ihre Oetahren, VerbOtung nnt Beseitigung von Dr. med. Selm per, BERLIN- Preis 1 Mark. ■«es tausend> Vtrli; lu Richter.�«nhwrt(oder» - Lubchmöhl.-ChausBÄ' telizablung monatlich 10 M. liefere Herren-Garderobe nach Matz(billigste Preise). j. 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