Nr. 155. BftonnementS'Bedlngnngcn; StBonncmentä. Preis pränumerando: Vierteljährl. 3£0 SKI, monatl. 1,10 Ml. wöchcnllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemeMS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. vlcheliit tftllA snBtr montagj. Berliner Volksblnit. Die TnfcrttonS'6«bai)f- beträgt für die sechsgespaltene Kolones« zeile oder deren Raum 50 Pfg, für politische und gewerlschastlichc PercinS- Und VersammlungS-Anzcigen Sl> Psg.> „Alcine Snreigen", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozUlitemskrat BhDb* Zcntralorgan der rozialdem okrati f eben Partei Dewtfcblands. Kedabtton: 8 AI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1083, Expedition: 8 AI. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1084. Die Lage in Indien. London, 3. Juli.(Eig. Ber.) Ueber die englische Herrschaft und über die gegenwärtige Lage in Indien sich ein Urteil zu bilden, ist eine schwierige Sache. Es gibt zwar eine große Zahl Schriftsteller, die über Indien Studien veröffentlicht haben, aber ihre Ansichten gehen weit auseinander. Und es gibt auch in London Hindus, die ganz entgegengesetzte Ansichten über die englische Herr- schaft und über die Lage in Indien äußern. Das beste scheint zu sein, sich an Schriftsteller zu halten, die Indien gesehen und in ernster Weise bemüht sind, die Wahrheit zu erfahren und sie zum Nutzen der für Indien verantwortlichen Staats- Männer in nüchterner Weise mitzuteilen. Ein Artikel, der diesen Bedingungen einigermaßen cnt- spricht, erschien am 28. Juni in den„Times" unter der Ucber- schrift:„Britanniens Zukunft in Jndie n". Man rann nicht sagen, daß der Artikel ganz unparteiisch ist. Ganz unparteiisch zu schreiben, ist in politischen und sozialen Dingen fast unmöglich. Der genannte„Times"-Artikel ist von Seitenhieben gegen die gemäßigt liberalen Reformen, die Lord Morley jetzt in Indien einführt, nicht frei. Allein er enthält auch Betrachtungen, die ihren Urheber als einen ehr- lichen politischen Denker erscheinen lassen. Im folgenden geben wir eine Zusammenstellung der wichtigsten Stellen des Artikels: Die kürzlich eingeführten Reformen haben die wesent- lichen Bedingungen, die Englands Herrschaft betreffen, fast vollständig unberührt gelassen. Die Gefahr, die der eng- tischen Herrschaft in Indien droht, wurde nicht im geringsten vermindert. Die feindliche Haltung großer Teile der indischen Völkerschaften gegenüber den Engländern besteht nach wie zuvor. Die englische Herrschaft wird angefeindet nicht wegen ihrer Fehler, sondern weil sie eine Fremdherrschaft ist. Auch wenn die englischen Verwalter Erzengel wären, würden sie den Beifall der Hindus nicht finden. Nicht die Tätigkeit der Engländer, sondern die Anwesenheit der Eng- länder bildet den Stein des Anstoßes. Die meisten der in der Agitation stehenden Hindus wünschen die Selb st Verwaltung nach dem Muster der selbständigen britischen Kolonien. Obwohl die Ausführung dieses Programms auf ungewöhnliche Hindernisse in Indien stoßen wird, so ist es doch nicht ratsam, diese Bestrebungen zu mißachten und sie ins Lächerliche zu ziehen. Das Verlangen nach Selbstverwaltung geht hauptsächlich von den Brahminen aus, während die Mohammedaner im großen Ganzen dieser Bewegung fernstehen. Die Mohammedaner werden vielmehr von denjenigen Bestrebungen bewegt, die gegenwärtig die Welt des Islams durchzittern. Was sind die Ursachen dieser Unruhe? Manche Leute führen sie auf die Herrschaft Lord C u r z 0 n s zurück, andere wieder auf die T e i l u n g V e n g a l e n s in zwei Präsident- schaften. Diese Umstände mögen zur Unruhe beigetragen haben: ebenso die Siege der Japaner über die Russen in der Mandschurei, die ohne Zweisel in ganz Asien einen Widerhall fanden. Allein alle diese Vorgänge haben den Strom nur anschwellen lassen, die Hauptströmung aber haben sie nicht ins Dasein gerusen. Tie Ursache ist gar keine rein indische: sie ist eine asiatische. Asien beginnt sich gegen die europäische Oberherrschaft aufzulehnen. Dreihundert Jahre lang bewegte sich die europäische Flut ostwärts, jetzt aber tritt die Ebbe ein. Die Reisenden, die aus Indien heimkehren, werden oft gefragt:„Ist eine Revolution wahrscheinlich, und wann kommt sie?" In der Politik kann man oft nur auf Mög- lichkeiten hinweisen. Vor allem darf man sich nicht durch die Herzlichkeit, die Wärme, den Edelsinn und die Sympathie einzelner Hindus zum Urteil verleiten lassen, alles in Indien sei in Ordnung. In der Politik darf man nicht auf Einzel- Personen blicken, sondern auf die großen Tendenzen. Die Hindus mögen den einzelnen Engländer lieben: sie hassen aber ganz bestimmt die englische Herrschaft. Es ist wahr- scheinlich, daß die anarchistischen Attentate nicht aufhören werden. Tie indische Bewegung ist nicht anarchistisch, aber die Attentate sind ihr extremster Ausdruck. Vor Bomben- Werfern hat die englische Herrschaft nichts zu fürchten. Noch ist die Bombe nicht hergestellt, die England aus Indien hin- auswerfen könnte. Allein mit der permanenten Feindschaft großer Teile der indischen Bevölkerung muß England rechnen. Wann sie zum explosiven Ausbruch kommen tan», läßt sich nicht sagen. Irgendein wildes und aufregendes Gerücht kann zum Funken werden, der alles in Flammen setzt. Wahrscheinlich ist es, daß eine äußere Komplikation von den Hindus benutzt werden wird, das Banner der Revo- lvtion zu erheben. Sicher ist es aber, daß die in Indien vorhandenen englischen Militärkräfte vollständig hinreichen, derartigen Möglichkeiten erfolgreich zu begegnen. Drahtlose Telegraphie wird die indischen Behörden auf dem Laufenden halten, und, wenn alle Explosivstoffe Johannesburgs nicht imstande waren, den englischen Bahnverkehr während des Vurenkrieges zu unterbrechen, so ist kein Grund vorhanden, eine Unterbrechung des indischen Bahnverkehrs zu befürchten. Die indische Armee ist loyal. Jnsubordinationsfälle waren auch während der Agitation der letzten Jahre seltene Aus- nahmen. Ob die heranwachsende Jugend ebenso loyale Söl- daten liefern wird, ist indes fraglich. Ein großer Teil der Schwierigkeiten, auf die die englische Herrschaft gegenwärtig in Indien stößt, ist dem Umstände ge- schuldet, daß die englischen Staatsmänner sich über ihre poli- tischen Ziele keine klare Rechenschaft ablegten. Die indischen Beamten beklagten sich oft, daß sie nicht wüßten, von welchen Motiven die indische Politik der Briten geleitet wird. Sie fragten:„Sind wir hier, um das Wohlergehen der Hindus zu fördern oder um vor allem englische Interessen wahr- zunehmen?" Der Artikelschreiber ist im großen Ganzen der Ansicht. daß die Zeit kommen muß, wo Indien den Hindus, wie über- Haupt Asien den Asiaten gehören wird. Ueber das erfolgreiche Attentat eines indischen Studenten auf Sir Curzon Wyllie äußerten sich u. a. der indische Re- former und Redakteur Surrendra Nat B a n e r d s ch i, Keir Hardie und I. R. M a c d 0 n a l d. Banerdschi schreibt heute in den Londoner Zeitungen:„... Ich ersuche das englische Publikum, die wahnsinnige Tat eines offenbar krankhaften Menschen von den Bestrebungen Indiens zu trennen.... Die in London lebenden Hindus halten heute abend eine Versammlung ab, um das Verbrechen, das soeben begangen wurde, zu verdammen." Keir Hardie erklärte:„Ob wir es mit einem politischen Verbrechen oder mit einem persönlichen Racheakt zu tun haben, weiß ich nicht: nur soviel ist sicher, daß das Attentat eine schädliche Wirkung auf die indische Reformbewegung ausüben wird. Alle verantwortlichen Sektionen der öffent- lichen Meinung Indiens werden das Verbrechen verurteilen und mit aller Heftigkeit von sich weisen. Es gibt keine ernste Bewegung in Indien, die derartige Kampfmethoden billigt." Macdonald sagte:„Irgendwelchen politischen Sinn kann ich in diesem Morde nicht finden. In indischen Kreisen herrscht viel Unruhe, und diese Unruhe ist voll- ständig gerechtfertigt, aber bei krankhaften Geistern kann sie zu Attentaten führen. Ich glaube, der Mörder handelte in einem Augenblicke des Wahnsinns, was sich auch darin zeigt, daß er gerade Sir Curzon Wyllie, einen harm- losen Beamten, zum Opfer auserwählte. Vom indischen Standpunkte ist die ganze Angelegenheit beklagenswert, und ich hoffe, daß der Staatssekretär für Indien(Lord Morley) sie einzig und allein als in die Kompetenz der Polizei ge- hörend betrachten wird."— Der Name des Attentäters ist Dhingra. Seit drei Jahren lebte Dhingra im Lande, wo er technische Wissen» schaften studierte. Sein Vater ist Arzt und sein Bruder Rechtsanwalt in Amritsar(Pandschab). Er steht im Alter von 22 Jahren. Dsi CabaMtcucr-Vcrbrcchcn des Zentrums. Die Annagelung des Verbrechens, das das Zentrums an den Tabakarbeitern begangen hat, ist der Partei der Maul-Arbeiter- freundlichkeit sehr unangenehm. Die ZentrumSlorrespondenz hat gegen den Leitartikel deS„Vorwärts", der in der SonntagSnummer erschien, schleunigst einen Verteidigungsartikel zusammenschreiben müssen, der in den beiden führenden Zentrumsblättern, in der „Kölnischen Volkszeitung" und in der„Germania" erscheint. Man sieht ihm an, daß er eine unangenehme Pflichtarbeit war. Eine so schlechte Sache, wie die Zustimmung zur Ausbeutung der Tabak- arbeiter läßt sich ehrlich nicht verteidigen. Also muß maus mit der Unehrlichkeit versuchen. Der Artikel der„Zentrumskorrespon- denz" unterschlägt deshalb vom Inhalt des„Vorwärts"-Artikels ge° rade das Gravierendste, was er gegen das Zentrum anführt— zum Ausgleich wird den Lesern erzählt, daß er„öde Schimpfereien" ent- halte und sie als vollgültige Beweise ansehe. Die„Zentrumskorrespondenz" kann nicht umhin, zuzugeben, daß die Steuererhöhung auf Tabak Bedenken habe, da Konsumrückgang und damit IlrbeitSlosigkeit im Tabakgewerbe als Folgen der Er- höhung zu befürchten seien. Aber trotzdem habe man am Tabak nicht vorbeigehen können, denn er sei'bei einer Besteuerung der Genußmittel das Objekt, das zu allererst eine Belastung verdiene. In dem Augenblick, wo das Bier eine steuerliche Mehrbelastung von 100 Millionen Mark erfahren solle, könne man unmöglich den Tabak frei ausgehen lassen. Dieses Verlegenheitsgestammel er- ledigt sich durch die einfache Feststellung, daß alle die neuen Steuern auf Genußmittel mit Leichtigkeit zu vermeiden sind, wenn die bürgerlichen Parteien direkte Steuern, Steuern, die die Be- sitzenden zahlen müssen, schaffen wollten. Deshalb ist es auch die blanke Unwahrheit, wenn der Artikel der„Zentrumskorrespondenz" an anderer Stelle behauptet, daß die Sanierung der Reichsfinanzen ohne die Erhöhung der Tabaksteuer schlechthin unmöglich sei. Der Steuerscheu der Besitzenden werden die Tabakproletarier geopfert. Diese nackte brutale Tatsache sucht die„Zentrumskorrespon- denz" mit einem Schwall von Redensarten zu verdecken. Herrn Giesberts, dem..Arbeitervertreter", wird da attestiert, daß er für die Steuererhöhung stimmen durfte trotz des Protestes der Ar- beiterschaft, weil er als Mitglied der Zentrumsfraktion nicht Ver- treter einer bestimmten Jnteressentengruppe, sondern in erster Linie«Erwählter deS Volkes" sei. Wörtlich heißt eS weiter: „Darin unterscheidet sich die Aufgabe, welche den Arbeitervertretern in dex Zentrumspartei gestellt ist. von der Aufgabe, welche die Sozialdemokraten zu verfolgen borgeben. Das Zentrum kann nicht ein- seitige Arbeiterpolitik treiben und wird es auch niemals tun, es will den gerechten Ausgleich der Interessen der einzelnen Be- rufsklassen und Erwerbsstände fördern. Und im vorliegenden Falle erforderte eben das allgemeine Interesse ein Zurückstellen der Erwägungen, welche zugunsten einer einzelnen Klasse sprechen, unter der Voraussetzung zwar, daß dieser Klasse der notwendige Schutz gewährt werden konnte. Er konnte, wie noch- mals hervorzuheben ist, gewährt werden, weil gleichzeitig für die Unterstützung der etwa in Not geratenden Personen Sorge getragen wurde..." Die Interessen einer einzelnen Klasse müssen vor denen der Gesamtheit zurücktreten, sagt die Zentrumskorrespondenz. Des» halb lehnte Wohl das Zentrum die Erbschafts- st euer ab? Wenn man nur wüßte, welche Interessen der Ge- samtheit gegen sie sprächen! Bisher hat man geglaubt, daß sie gefallen sei, weil die Interessen der Großgrundbesitzer durch sie verletzt werden. Und diese Herren stellen ja doch wohl nicht die Gesamtheit dar! Als solche kann man wohl aber die großen Volks- teile bezeichnen, die an der Durchsetzung dieser Steuer Interesse haben! Aber über die Interessen der grotzmächtigen Großgrund- besitzer, der Junker und Großbauern, kann das Zentrum nicht so leichten Herzens zur Tagesordnung übergehen, wie über die der armseligen Tabakarbeiter. Zwar hätte die Erbschaftssteuer keinen Großgrundbesitzer ruiniert, während die Tabaksteuererhöhung viele Tabakarbeiter ruinieren wird— aber die Belästigung des Groß- grundbesitzers wiegt beim Zentrum offenbar schwerer als der Ruin des Arbeiters. Aber das Zentrum sorgt doch dafür, daß die arbeitslos wer- denden Tabakarbeiter Unterstützung erhalten. Jawohl. eS sichert ihnen Bettelpfennige! Dasselbe Zentrum, das um die Schnaps- liebesgabe der Junker zärtlich besorgt ist, will den armen Tabak- Proletariern nicht einmal ihren bisherigen Verdienst zahlen lassen, wenn sie durch die Steuererhöhung arbeitslos werden. Es gesteht den ausgemergelten Heimarbeitern der Tabakgegenden nur ein Dreiviertel ihrer jämmerlichen Hungerlöhne als Unterstützung zu. Das ist Zentrums-Sozialpolitik! Davon, daß die Steuererhöhung aber auch für die nicht die Arbeit verlierenden Tabakarbeiter Lohndruck und vieljahrelange Erschwerung ihres Kampfes um höhere Löhne bedeutet, sagt der Artikel der Zentrumskorrespondenz bezeichnenderweise gar nichts! Diesem Teil der Tabakarbeiter hat das Zentrum nichts als Entgelt für die Schädigung zu bieten, die es ihnen durch die Steuer- erhöhung bereitet. Es kann nicht leugnen, daß eS die Lebenshaltung von mehr als hunderttausend Arbeitern schlimm herabdrückt. Des- halb übergeht der Artikel diesen heiklen Punkt mit Stillschweigen. Und darin liegt das Eingeständnis, daß das Zentrum nichts Stich- haltiges vorzubringen hat zur Entschuldigung seines Verbrechens an der Tabakarbeiterschaft. ver neue Kauernbund ist am Dienstag in G n e s e n unter Massenbeteiligung ge- gründet worden. Den Bauern und Ansiedlern des preußischen Ostens hatten sich auch Delegierte aus Westfalen, Hannover, der Provinz Sachsen und anderen Teilen des Reiches an- geschlossen. Die Begrüßungsansprache hielt Landwirt Harte- Tecklen- bürg, der ausführte: „Es gereicht dem Bunde der Landwirte nicht zur Ehre, und eS steht nicht im Einklang mit dem„lauteren Patriotismus", dessen er sich immer rühmt, wenn er im Verein mit der konservativen Partei für die Schaffung von Restgütern und für Ab- gaben an den Großgrundbesitz eingetreten ist. Durch solche Handlungen huldigt er nicht dem Grundsatz: DaS Baterland über die Partei I Ist das die Vertretung der bäuerlichen Jnier- essen, denen sich der Bund der Landwirte stets rühmt?(Sehr richtig!) Diese Interessenvertretung ist dieselbe, die wir beim Bund der Landwirte in Mecklenburg sehen. Haben wir schon einmal etwas davon gehört, daß der Bund der Landwirte in Mecklenburg den Kampf gegen die Stände aufgenommen hat und für die Interessen des kleinen Bauern eingetreten ist?(Sehr gut I) Nichts haben wir davon gehört. Jetzt macht der Bund der Landwirte in Gemeinschaft mit den Konservativen, dem Zentrum und den Polen eine Finanz resorm, die auf die Interessen der kleinen Bauern gar keine Rücksicht nimmt.(Sehr richtig I) Er hat die Erb- a n f a l I st e u e r, die für den kleinen und mittleren Besitz gar nicht so unannehmbar war, zu Fall gebracht. Er hat dadurch den Sturz unseres allverehrten Reichskanzlers, der unser volles Ver- trauen besitzt, mit herbeiführen helfen. Ein neuer Block ist be- gründet, ein Block, an dem die Polen teilnehmen. Ich brauche, um die Situation zu charakterisieren, wirklich nur den Namen des Grafen Westarp zu nennen.(Sehr gut!) Wenn auch der alte Block unsererseits nicht als der ideale Block angesehen wurde, so begrüßten wir doch den Zusammenschluß aller natio- nalen Parteien ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis. Dieser Block sagte uns mehr zu als der gegenwärtige neue Block. (Lebhafte Zustimmung.) Man müßte lachen und höhnen, wäre die Sache nicht so furchtbar ernst. Es drängt sich bei uns die Frage ans, ob der neue Kanzler die heutige stetige und so erfolgreiche O st markenpolitik weiterführen wird. Die gesamte Bauern- schaft muß sich unserem Protest anschließen! Wir können nur wünschen, daß dem deutschen Volke Gelegenheit gegeben wird. auf dieses neue parlamentarische Bündnis die richtige Antwort zu geben.(Stürmischer Beifall.) Eine solche Politik vertritt die Interessen des Bauernstandes nicht. Wir Bauern verlangen eine berufsständische Organisation, die keinen reaktionären Nebenzwecken dient, sondern die eintritt für die Interessen der breitem Massen der deutschen Bauern und damit für die Jnter- essen der Landwirtschaft i Einer Deputation deS Westfälischen BauernbereinS gegenüber hat unser Kaiser gesagt:„Mit ernster Arbeit wird uns mehr gedient als mit Phrasen und leeren Worten." sSehr richtig I) Und demselben Verein gegenüber hat er gelobt, er werde getreu dem Vorbilde seiner Vorfahren dem Bauernstande stets sein besonderes Wohlwollen angedeihen lassen. Beneidenswertes Volk, das einen solchen Lerr- scher besitzt." Diese Rede ist allerdings stark nationalliberal gefärbt. Sie ist erzhakatistisch.„national",„monarchisch". Daß sie zollwucherisch ist, verschlägt ja den Nationalliberalen nicht das geringste, preist doch heute die„N a t i o n a l- Z t g." die nationalliberalen Verdienste um das Zustandekommen des Zollwuchertarifs als ganz besonderen Ruhmestitel der Nationalliberalen. Die Freisinnigen dürften von dem Geist des neuen Baucrubundes weniger erbaut sein, wenn auch die„National-Ztg." behauptet, daß Herr G o t h e i n mit seiner entschiedenen Gegnerschaft gegen den Zollwucher im Freisinn ziemlich isoliert stände. Die Konservativen aber ernten jetzt die Früchte ihrer Polenpolitir. Sie war ihnen willkommen, solange sie dazu diente, ihre verschuldeten Güter weit über ihren Wert hinaus an die Siedelungskommission loszuschlagen und abhängige Arbeitskräfte seßhaft zu machen. Jetzt aber verlangen die Ansiedler die restlose Austeilung der angekauften Güter unter der Bauernschaft und energische Fortsetzung der Auf- teilung des Großgrundbesitzes und obendrein große poli- tische Rechte, um sich der Bevormundung der Junker in Gemeinde- und Kreisvertretimg erwehren zu können. Kein Wunder, daß bei den letzten Ostmarkenverhandlungen im preußischen Landtag die konservativen Redner die Regierung ersuchten, die Siedelungspolitik künftig nicht zu forcieren. Es ist angesichts dieser Situation in der„Ostmark" gar nicht ausgeschlossen, daß die Nationalliberalen den Junkern in Gestalt des neuen Bauernbundes einen schmerzenden Pfahl ins Fleisch bohren können. Für die politische Entwicke- lung im allgemeinen ist freilich die Schaffung des neuen Bauernbundes völlig belanglos, denn auch das im national- liberalen Fahrwasser segelnde Landbündlertum ist ein e r z- reaktionäres Gebilde. poUtifcbc ücbcrficbt Berlin, den 6. Juli 1309. Die«eue Kompromiststeuer. DkSnStag fanden neue Verhandlungen mit den Mehr- heitsparteien statt, an denen nicht nur die Finanzminister der Einzelstaaten, sondern auch mehrere Ministerpräsidenten teil- nahmen. Die Minister berieten die Kompromißvorschläge des schwarzen Blocks über die Börsensteuern. Vor allem handelt es sich um den Ersatz der Kotie- rungssteuer und in diesem Punkte ist das Kompromiß zu- stände gekommen. Wie kurz vor Schluß des Blattes bekannt wird, haben die Parteien des schwarzen Blocks für die morgige Be- ratung des Reichsstempelgesetzes Abänderungsanträge ein- gebracht, die an Stelle/ der Kotierungssteuer eine Steuer auf die Gewinnanteilscheine und Zinsbogen setzen. Es handelt sich da um die Besteuerung der den Aktien gewöhnlich für je 1l> Jahre beigegebenen„Coupons", gegen deren Ablieferung die Zinsen oder Dividenden ausgezahlt werden. Diese Couponbogen sollen von jetzt an versteuert werden, und zwar beträgt der Steuer- satz für in- und ausländische Aktien 1 Proz. vom Nominal- wert des Aktienkapitals, bei den Zinsbogen inländischer Renten- und Schuldverschreibungen, ausländischen Staats-, Kom- munal- und Eisenbahnanleihen, ausländischer industrieller Obligo- ckionen Va Proz. Die Zinsbogen inländischer Kommunalanleihen, Grundkredit- und Hypothekenbanken oder der Eisenbahngesellschaften zahlen 2 pro M j l l e. Steuerfrei bleiben die deutschen Reichs- und Staatsanleihen, ferner gemeinnützige Aktiengesell- schaften sowie Zinsbogen, die bei der ersten Ausgabe der Wert- papiere mit diesen in Verkehr gesetzt werden. Das Gesetz hat keine rückwirkende Kraft, so daß Zinsbogen, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ausgegeben sind, nicht nachbesteuert werden brauchen. Dieses Gesetz bedeutet zunächst eine andere Form der KotierungS- steuer. Statt daß die Steuer alljährlich vom Nominalkapital gezahlt wird, wird sie jetzt für 10 Jahre auf einmal erhoben. Jedoch hat der schwarze Block sich zu großen Zugeständnissen in den Steuersätzen herbeigelassen. Der Betrag, der durch die Kotierungssteuer aufgebracht werden sollte, wird durch diese neue Steuer auch nicht im entfernte st en erreicht werden. Die Kotierungssteuer war aber die einzige Steuer, die, wenn auch eine einseitige und verkehrsschädliche, so doch eine Besitz. steuer war. Das Kompromiß besteht also in nichts anderem, als daß der Schnapsblock die Steuerreform fast ausschließlich mit in- direkten Steuern macht und das Verlangen der Regierung auf Schonung des mobilen Kapitals in der Hauptsache erfüllt. Perfider und verräterischer an den Interessen des Volkes konnten Konserva- tive und Zentrum gar nicht mehr handeln. Die schlimmsten Vor- aussagungen haben sich erfüllt. In gleicher Weise hat der schwarze Block der Regierung auch darin nachgegeben, daß er den Effektenstempel, der in der Finanzkommission wesentlich erhöht worden war, zum großen Teil wieder nach den Borschlägen der ursprünglichen Regierungs- Vorlage herabgesetzt hat. Außerdem wird das Scheck- g e s e tz noch dadurch verschlechtert, daß die bereits abgelehnte Quittungssteuer neuerdings vorgeschlagen wird. So ist es denn gekommen, wie wir es vorausgesagt haben: Die Finanz- reform des schwarzen Blocks bedeutet nichts anderes als die Plünderung der BolkSmassen und fast völlige Steuerfreiheit des Besitzes. Gerstenfärbung und Zündholzsteuer. Aus dem Reichstag, 6. Juli. Ehe der Schnapsblock heute seinen Plünderungszug fortsetzte, wurde zunächst noch eine agrarische Nebcnfordcrung durchgedrückt. Es handelte sich um den„Gesetzentwurf betreffend die zollwidrige Verwendung v o n G e r st e". dessen zweite Lesung zwischen die Lesungen der Finanzgesetze eingeschaltet war. Die Vorlage der Regierung hatte Bestimmungen verlangt, die Ausnutzung der zu dem ermüßigten Zollsatz eingeführten Futtergcrste zu Brau- zwecken durch Strafbestimmuugen zu erschweren. In der Kommission war eine Bestimmung eingefügt, daß die Futter- gerste durch einen roten Farbstoff für Brauzwecke unbenutzbar gemacht werden solle. Trotzdem der Regierungsvertreter Kühn nachwies, daß eine solche Bestimmung dem russischen Handelsvertrag zuwiderläuft, hielten die Agrarier daran fest. Genosse Stolle erörterte gründlich alle Nachteile, die gerade dem Kleinbauern aus der vexatorischen Behandlung der tuttermittel erwachsen müssen. Ebenso gingen die Freisinnigen o t h e i n und C a r st e n s dagegen ins Zeug. Der Zen- trumsabgeordnete Heim vertrat demgegenüber den Stand- Punkt, daß den Bauern die Kennzeichnung der Fnttergerste nur angenehm sein könne. Nach längerer Debatte wurde durch Schlußantrag die Weitererörterung der Frage abge- schnitten, und dann fanden die einzelnen Gesetzesparagraphen Annahme. Die Sozialdemokraten hatten noch einen Antrag eingebracht: die Aufhebung der Etnfuhrscheine für Getreide an dieses Gesetz anzuhängen, was Genosse S ü d e k u m kurz begründete. Dagegen erklärten sich aber sogar die Freisinnigen, so daß nur die Sozialdemokraten dafür stimmten. Ohne Debatte wurde dann die von der Regierung vorgelegte unglückselige Elektrizitäts- und Gassteuer. die soeben in der Kommission abgelehnt war, endgültig ver- scharrt. Das gleiche Schicksal erfuhr die Anzeigen st euer, doch führte Genosse Dietz vorher noch alle Gründe auf, die für die Kulturschädlichkeit einer solchen Besteuerung sprechen. Als dann die Diskussion über die zweite Lesung des Reichs st empelgesctzes eröffnet war, beantragte namens der konservativen Partei Graf Westarp, die Vorlage von der Tagesordnung abzusetzen, da noch einige„Ab- änderungsanträge in Vorbereitung" seien. Genosse Singer widersprach diesem Ansinnen, indem er in kräftigen Worten die ganze Steuerpfuscherei des Schnapsblockes brandmarkte. Die Schärfe seiner Ausdrücke wurde ihm vom Präsidenten durch einen Ordnungsruf attestiert. Bei der Abstimmung siegte natürlich der kompakte Block. Nunniehr kam der Kommissionsentwurf betreffend die Zündholzbesteuerung an die Reihe. Jede Schachtel Streichhölzer soll mindestens 1 Pfennig Steuer tragen. Bei Wachskerzchen steigert sich die Steuer auf 5 Pfennig. Nicht weniger als 25 Millionen Mark hofft man auf diese Weise dem Publikum alljährlich abzunehmen. Genosse S ch w a r tz- Lübeck wies in eindrucksvoller Rede nach, wie diese Steuer geradezu als eine Kopfsteuer die Bevölkerung belaste und deshalb gerade die Armen unverhältnismäßig schwerer treffe als die Reichen. Die Negierung schwieg sich aus. Offenbar ist sie bereit, auch dieses Unding von Steuer zu akzeptieren, um Geld in die Finger zu bekommen. Bei der Abstimmung über diese lichtfeindliche Steuer siegte wieder der Schnapsblock. Morgen soll nach dem Willen der Mehrheit bereits um 12 Uhr die Steuerpsuscherei weiter betrieben werden. Schließung des Reichstags? Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, besteht die Ab- ficht, den Reichstag nicht zu vertagen, sondern zu schließen. Matzgebend dafür soll der Wunsch sein, dem neuen Reichskanzler völlig fteie Hand zu lassen. Mit dem Schluß des Reichstages würden all die bedeutenden Vorlagen, die teilweise in den Kom- Missionen bereits durchberaten sind, unter den Tisch fallen und müßten bei Beginn der neuen Session dann neuerdings eingebracht werden. Von anderer Seite wird behauptet, daß der Schnaps- block aus dem Grunde die Schließung des Reichstages wünsche, damit im kommenden Herbst das Präsidium neu gewählt werden müsse, womit dann die Möglichkeit gegeben wäre, die Vize- Präsidenten P a a s ch e und K a e m p f von ihrem Amte zu ent- fernen. Es ist also kaum anzunehmen, daß die Konservativen darauf verzichten, den ersten Präsidenten zu stellen, und das Zentrum wird sich kaum damit einverstanden erklären können, wenn ihm als der stärksten Fration zugemutet werden sollte, sich mit dem ersten Vizepräsidenten zu begnügen. Schnapsblock und Antibeamtenblock. Einen„Antibeamtenblock" nannten bekanntlich die Wortführer der Beamten in jener denkwürdigen Berliner Beamtenversammlung den Block sämtlicher bürgerlichen Par- teien, die im preußischen Abgeordnetenhaus einmütig die weitergehenden sozialdemokratischen Forderungen nieder- gestimmt hatten. Durch das energische Auftreten der Beamten beunruhigt. beschloß nun am 4. Mai die Budgetkommission des Reichs- tages ebenso einmütig, den Forderungen der Beamten im Reiche weiter entgegenzukommen, als das in Preußen geschehen war. Aber diese Beamtenfreundlichkeit ist seitdem wieder bedenklich ins Wackeln geraten. Herr Erzberger hat bereits zweimal seine Bereitwilligkeit zur Preisgabe nament- lich der Unterbeamten erklärt. Und die„Kreuz- Zeitung" fordert heute gleichfalls mit aller Entschiedenheit die Preisgabe der Kommissionsbeschlüsse, d. h. der Unter- beamten. Sie schreibt: „Vor mehreren Tagen war die Rede davon, über die Vor- läge betreffend die Besoldungsaufbesserung für die Reichs- beamten sei zwischen den Fraktionen und der Regierung ein Kompromiß abgeschlossen worden. Diese günstige Nachricht er- wies sich als unzutreffend. Wie die gestrigen Beratungen in der Budgetkommission zeigten, sind vielmehr noch sehr erhebliche Differenzen zwischen den Vertretern des Reichstages und denen des Bundesrates vorhanden, Differenzen, die zum Scheitern der Vorlage führen müßten, wenn es nicht gelänge, sie auszu- gleichen. Im Interesse der Reichsbeamten, die das Recht haben, endlich die ihnen längst erteilten Zusagen betreffend die Erhöhung ihrer Bezüge erfüllt zu sehen, ist die Verabschiedung der Vor- läge in kürzester Frist dringend zu wünschen. Wir stehen des- halb nicht an, unsere Ueberzeugung dahin auszusprechen, daß diejenige Partei, die aus dem Banne der bisheri- gen Kommisfionsbeschlüsse heraustreten und sich zu einem Entgegenkommen an die wahrlich nicht ganz unberechtigten Forderungen der Regie- r u n g e n entschließen wollte, um das Scheitern der Besoldungs- Vorlage zu verhindern, sich ein hohes Verdienst gerade um die Beamtenschaft selbst erwerben würde." Und zum Schluß äußert das führende konservative Organ: „Wir können deshalb nur den dringenden Wunsch aussprechen, daß zwischen der Finanzreformmehrheit des Reichs- tags und der Regierung recht bald eine Vereinbarung erzielt werden möchte." Die„Kreuz-Zeitung" fordert also die Finanzreform- Mehrheit, den Schnapsblock, auf, sich baldigst auch zum Antibeamtenblock zusammenzufinden! Die Feinde der Erbschaftssteuer. Es ist sicher nicht ohne Interesse, an der Hand der Ab- stimmungsliste sich die Herren etwas näher anzusehen, die im Reichstage gegen die Erbanfallsteuer gestimmt haben. Ordnet man sie nach Berufen, so ergibt sich folgendes Bild: Gutsbesitzer 42, Rittergutsbesitzer 36, Geistliche 22, Richter aller Grade, vom Amts- richter angefangen bis hinauf zum OöerlandeSgerichts- Präsidenten Dr. Spahn, 20, Rechtsanwälte 16, Redakteure 12, Beamte 12, Handwerker 8, Rentiers 5, Professoren 3, Lehrer, Verbandssekretäre, Gewerkschafts- beamte. Kaufleute und Fabrikbesitzer je 2. Ferner is ein General a. D., Arzt, Bibliothekar, Bürgermeister, Mühlenbesitzer und Maler(Antisemit Bindewaldt). Betrachtet man sich das Bild nach den Titeln der Erb- schaftssteuergegner, so findet man dieses Resultat: ein Herzog, drei Fürsten, neun Grafen, sechs Freiherren und dreißig von ganz gewöhnlichem Adel. Die Mehrheit der Gegner der Erbschaftssteuer besteht somit vornehmlich aus Junkern. Gegen den Arbeitszwang in Preußen. Wie bereits telegraphisch gemeldet, haben die Sozial- demokraten im österreichischen Abgeordneten- haus über die Behandlung der österreichischen Arbeiter in Preußen eine Interpellation eingebracht. Dem jetzt vor- liegenden Wortlaut entnehmen wir folgende Stellen: Die Gefertigten haben schon wiederholt di-e Intervention der österreichischen Regierung zum Schutze der österreichischen Arbeiter im Deutschen Reiche, insbesondere in Preußen, der- langt und daraus hingewiesen, daß die Verordnung der prenßi- schen Regierung, durch welche den österreichischen Arbeitern die Pflicht auferlegt wurde, gegen Erlag einer Steuer von 2 Mark sich eine A u s w e i s k a r t e zu verschaffen, und die Praxis der preußischen Verwaltungsbehörden, die jeden österreichischen Arbeiter ausweisen, der nach ihrer Ansiaft kontraktbrüchig wird, dem Handelsvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche Widerspricht. Die schweizerische Gesandtschaft in Berlin hat mehrere in Berlin wohnende Schweizer Bürger angewiesen, sich dem Legitimationszwang nicht zu unterwerfen und daZ Weitere abzuwarten. In den letzten Tagen ist dieselbe Angelegenheit von dem Abgeordneten Turati in der italienischen Kammer zur Sprache gebracht worden. De« italienische Minister des Aeutzern, Herr T i t t o n i, teilte mit, daß die italienische Regierung bc- reits ihrem Botschafter in Berlin den Auftrag gegeben hat, Ver- Wahrung gegen diese Verordnung einzulegen. Tittoni er- klärte, seiner Meinung nach sei die Forderung einer Steuer von 2 M. und die Vollziehung der Ausweisung, die den kontraktbrüchigen Arbeitern angedroht ist. Vertrags- widrig. Die Regierungen des Deutschen Reiches hätten kein Recht, gegen ausländische Arbeiter Maßregeln anzu- wenden, die die inländischen Arbeiter nicht treffen. Die italic- nische Regierung plane, die Angelegenheit, falls sie durch die Verhandlungen mit den Regierungen des Deutschen Reiches nicht geordnet werden könne, einem Schiedsgericht vorzulegen. Die österreichischen Arbeiter sind durch die vertragswidrige Veroldnung der preußischen Regierung in demselben Matze gc- troffen wie die reichsitalienischen. Die Gefertigten verlangen daher, daß die österreichische Regierung nicht minder energisch als die italienische die Interessen der österreichischen Staats- bürger, die im Deutschen Reiche Arbeit suchen, vertrete. Aus diesen Gründen stellen die Gefertigten tie Frage: Ist die Regierung bereit, dem Abgeordnetenhause mitzuteilen, welche Maßregeln sie zum Schutze der österreichischen Arbeiter in Preußen bisher getroffen hat und was sie zu tun gedenkt, um die preußische Regierung zur Einhaltung des Handelsvertrages zu veranlassen? So bringt die Gefügigkeit der preußischen Regierung auch gegen die rechtswidrigsten Wünsche der Agraxier Deutsch- land im Auslande nur Schande und Schaden. Ein Massenmißhandlungsprozeß beschäftigte am Montag das Oberkriegsgericht des GardekorpS. Unter der Anklage der fortgesetzten Mißhandlung seiner Unter- gebenen hatte sich der Sergeant Riehmke von der 2. Kompagnie deS Kaiser Franz-Garde-Grenadier-RegimentS zu verantworten. Die Anklage nahm mindestens ISS Fälle von Mißhand- lungen, begangen im Dienste und teilweise unter Mißbrauch der Waffe, an. Monate hindurch hat der Angeklagte seine Untergebenen zum Teil in der rohsten Weise mißhandelt. Fast sämtliche Leute der Korporalschaft hatten unter dem Vorgehen des Sergeanten zu leiden. Einer der Grenadiere. Schwedeshagen. wollte die Mißhandlungen nicht mehr länger ertragen und i n d c n Tod gehen. Er wurde eine» TageS fahnenflüchtig und wollte sich erhängen, um auf diese Weise den Ausschreitungen seines Vor- gesetzten zu entgehen. Er wurde aber wieder ergriffen rnii wegen Fahnenflucht abgeurteilt. Erst durch diese Affäre kamen die Miß- Handlungen anS Tageslicht. Keiner der Geschlagenrn hatte es gc- wagt, sich zu beschweren. Sie alle glaubten, daß eS ihnen dann nur noch schlimmer ergehen werde und so schwiegen sie sämtlich. Tagtäglich sich lug Riehmke! Er traktierte die Leute mit Ohrfeigen, Faustschlägen, mit Fußtritten, Säbel- hieben usw. Das, wog ihm zunächst lag, benutzte er zur Aus- sührung seiner Mißhandlungen. Die Feststellung der einzelnen Fälle war gar nicht mehr möglich. Es mutzten Mindestfälle angc- nommen werden. Am meisten hatten die Grenadiere Schwedcs- Hagen und Meier zu leiden. Bei dem letzteren nahm die Anklage mindestens 50— 60 Fälle an. Schwedeshagen wurde etwa 16 Wochen hindurch wöchentlich drei- bis viermal mißhandelt. Er erhielt Schläge ins Gesicht mit dem Pantoffel, Stöße vor die Brust usw. Von besonderer Roheit zeugt ein Fall, der den Grenadier D e i ck e betrifft. Riehmke befahl dem Deicke, sich auf dem Schemel niederzulegen. Als sich Deicke sträubte, legte Riehmke ihn über den Schemel und schlug ihn mit dem Seitengewehr. Ein anderes Mal versetzte er dem Deicke, der infolge Ueberanstrengung im Dienst mit den Knien gezittert hatte, einen Faustschlag ins Ge- ficht, daß das Blut aus der Nase floß. Einer der Zeugen bc- kündete, daß der Angeklagte kaltblütig zugeschlagen habe. Dagegen sagten einige als Entlastungszeugen vernommene Unteroffiziere aus, daß der Angeklagte sehr nervös gewesen sei. Der frühere Unteroffizier Steinte hatte öfter Gelegenheit, die Mißhandlungen des Sergeanten zu beobachten. In einem Falle sah er, wie sich ein Grenadier vor Schmerz krümmte. Steinke vermochte die Mißhandlungen nicht mehr mit anzusehen und verließ das Zimmer. Die Angabe des Angeklagten, daß der Feldwebel ihn zum Schleifen der Leute aufgefordert habe, sei un» richtig. Dep Feldwebel habe gesagt, die Mannschafte» sollten etwas schärfer herangenommen werden, weil die Korporal- schaft zu schlapp sei. Vergeblich hatte der Zeuge den Angeklagten ermahnt, die Mißhandlungen zu unterlassen. Auch der als Zeuge vernommene Feldwebel bekundete, daß er immer wieder die Unter- offiziere ermahnt habe, die Leute nicht zu schlagen. Er habe den Angeklagten wohl angehalten, wieder Zucht und Ordnung in sein: verlotterte Korporalschaft zu bringen, aber niemals habe er ihr» gesagt, die Untergebene» zu schleifen oder gar zu schlagen. Wäh- rend der Vernehmung der Grenadiere kamen noch weitere Miß- Handlungsfälle ans Tageslicht. Fast alle Grenadiere bekundete» übereinstimmend, daß sie aus Furcht vor weiteren Mißhandlungen keine Anzeige erstatteten. Als einer der Soldaten eines TageS nach einer Mihhaydlung einem Gefreiten gegenüber äußerte, er Werve es jetzt zur Meldung bringen, erfuhr dies der Angeklagte. Er suchte den Grenadier auf und schlug ihm ins Gesicht. In den meisten Fällen hat der Angeklagte ohne jeden Grund auf die Leute los- gcschlajzcn. Die Mannschaften wußten gar nicht, weshalb sie von dem Vorgesetzten mißhandelt wurden. DaS Oberkriegögericht er- kannte auf eine Strafe von einem Jahr Gefängnis sowie auf Degradation!— Also auch hier brachte nur ein Zufall die skandalösen Massenschindereien an den Tag. Wie lange soll da noch die Reform des Beschwerderechts auf sich warten lassen?! Nach Lehrnann Oriola. Auch der hessische Graf Oriola hat jetzt seinen Austritt ans der nationalliberalen Partei erklärt. Er motiviert seineil Austritt damit, daß er sich der durch FraklionSbeschlüsse erfolgten Bindung in Fragen der Reichsfi nanzreform mit Rücksicht auf die seinen Wählern gegebenen Versprechungen nicht unterwerfen könne. Zudem sei ihn, mitgeteilt worden, daß sein Verbleiben als Landes- Vorsitzender des Bundes der Landwirte für Hessen der Fraktion als unvereinbar mit seiner Zugehörigkeit zur nationalliberalen Partei erscheine. Vor der Entscheidung gestellt, gebe er der Zugehörigkeit zum Bund der Landwirte den Vorzug. Zum Austritt der Abgg. Oriola und Lehmann schreibt die„Kölnische Zeitung": »Wir finden den Austritt durchaus verständlich und eS ehrt nur beide Herren, daß sie ihrer unwahren und falschen Lage ein Ende bcreitetcir. Allerdings müßten sie noch einen Schritt weitergehen und ihr Mandat niederlegen. Sie sind als Mitglieder der nationalliberalen Partei gewählt, und es wäre daher nur angemessen, daß sie nach Austritt aus dieser Partei ihren Wählern die Frage vorlegen, ob sie unter den veränderten Verhältnissen noch ferner ihr Vertrauen besitzen, eine Frage, die nur durch eine Neuwahl be- antwortet werden kann." Von der preuftisch-deutschen Ausweisungspraxis. In Metz wurde der Schreiner Kunze, ein Oesterreicher, aus- gewiesen. Er arbeitete seit fünf Jahren in Metz. Da wurde er drei Monate krank. Der Unternehmer gab ihm das Versprechen, daß er bei seiner Gesundung wieder an seinen alten Play gestellt werde. Der Unternehmer hielt aber das Versprechen nicht. Deshalb traten die Kollegen K.'S m den Ausstand, obwohl dieser gebeten hatte, seinetivcgen nichts zu unternehmen. Die Behörde aber sah in rhm den Hetzer und Aufwiegler und trotz seines Einspruches wurde K. ausgewiesen— binnen 24 Stunden mußte er Elsaß-Lothringen ver- lassen._ frauhmcb. Tie französischen Sozialisten und der Zarenbesuch. Paris, 3. Juli.(Eig. Ber.) Gestern führte Genosse I a u r ö s seine Rede über die allgemeine Regierungspolitik zu Ende und nahm hierbei die Gelegenheit wahr, die Mei- nung des französischen Proletariats über den bevorstehenden Zarenbesuch auszudrücken. Unser Genosse sprach in der Form sehr gemäßigt, trotzdem wurde er vom Präsidenten, dem be- rühmten Republikaner B r i s s o n, unterbrochen, und der Minister des Aeußern hielt sich für verpflichtet, durch einen wütenden Protest kundzutun, in welches Verhältnis die Bour» geoisrepublik zum Zarismus geraten ist. Genosse Jaurds erklärte zunächst, daß auch er das Prinzip der Nichteinmischung in die innere Politik anderer Staaten anerkenne und daß er sich auch den Zusammenkünften der Staatsoberhäupter, die der Festigung des Friedens dienen, nicht widersetze. Aber bei der Wahl des Augenblicks müsse man Rücksicht auf gewisse moralische Regeln nehmen, die man nicht ungestraft verletzen könne. Der Redner sagte darüber folgendes:„Darum waren meine Freunde und ich sehr erstaunt, als wir vor einigen Wochen erfuhren, daß der Präftdent der französischen Republik die Verantwortung einer Reise nach Rußland auf sich nehme, in einem Augenblick, wo dort unten die Pelotonfeuer sich ver- vielfachten, die Galgen allenthalben sich erhoben und die edlen Söhne des russischen Volkes gemartert wurden, weil sie für die Freiheit gekämpft hatten. Sie haben uns oft die Ar- beiterklasse Englands vorgehalten, als aus kühl bedächtigen Männern zusammengesetzt, die stets das nationale Interesse im Auge haben. Diese Leute aber haben sich in dem Fall, von dem ich spreche, nicht gefragt, ob es für England ein Interesse gebe, den offiziellen Repräsentanten Rußlands zu schonen. Sie haben sich nur einer einzigen Sache erinnert: der Füsilladen und der Greuel, die dort unten be- gangen werden, und darum wird man ebensowenig wie in Cherbourg in Cowes den Zaren landen sehen. D a s S ch i f f des mörderischen Zarismus wird gleich einem Strolch umher st reiche n." An dieser Stelle unterbrach wütendes Geschrei der bürgerlichen Abgeordneten den Redner. Brisson erklärte, diese Sprache sei gegenüber einem„Bundesgenossen" unzulässig, und Herr Pichon ver- sicherte, Frankreich sei glücklich, den Zaren zu empfangen. der nicht nur sein Freund sei, sondern auch wirksam für den internationalen Frieden arbeite. Jaurds erwiderte darauf nur kurz, daß die russischen Kämpfer und Märtyrer in Frankreich nicht minder als in den anderen Ländern leidenschaftliche Bewunderung erwecken. Daß die radikalen Herren der Republik vor dem Zaren öffentlich katzbuckeln, könnte man am Ende noch, wenn auch nicht rechtfertigen, so doch ans die mit politischer Unfähigkeit nicht selten verbundene„diplomatische" Korrektheit zurück- führen. Geradezu skandalös aber ist es, daß sie, statt be- schämt oder vorsichtig stillzuschweigen, sich noch anmaßen, ihre Würdelosigkeit als patriotisches Gesetz auszugeben. In der „Aurore", die von der Regierung über Wasser gehalten wird, vermutlich, damit Clemenceau nach seinem Sturz wieder sein altes Organ parat finde, beklagt heute der Deputierte C h a i g n e den Zaren, der zu soviel Vorsichtsmaßregeln ge- zwungen sei, weil seine Gegner vor Gewalt und Blut nicht zurückschrecken. Gewiß, meint der edle Demokrat, könne man nicht alles, was in Rußland geschehe, billigen, aber man solle doch Nikolaus Bemühungen um den inneren und äußeren Frieden nicht verkennen und an die Er- richtung der Duma und an die Haager Konferenz denken. Die „Nation" billigt fast einstimmig die Erklärungen Pichons. Man braucht diesen Auslassungen nichts hinzuzufügen. Sie enthüllen die ganze Verkommenheit des bürgerlichen Radikalismus._ Kulturkampf-Komödien. Paris, 4. Juli.(Eig. Ber.) Seit einiger Zeit betreibt die dourgcois-radikale Presse die Pfaffenfresserei wieder mit demonstra- tivem Eifer. Wenn man Blätter vom Schlag der„Lanterne" liest, wäre man versucht zu glauben, die Republik sei von einer Revolte der Bischöfe bedroht und nur Gewaltmatzregeln gegen die Geist- lichen und der Zusammenschluß aller Republikaner ohne Unterschied der Klasse und der sozialen Anschauungen könnte sie aus dieser Gefahr retten. In Wirklichkeit besteht die„Revolte" darin, daß die Kirche die ihr durch das TrennungSgefetz gewährte Freiheit an- wendet, auf ihre Anhänger mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln des seelischen Zwangs einzuwirken. Die Bischöfe„ver- dämmen" die antiklerikale Gesetzgebung, sie bedrohen die Käufer von liquidierten Kirchengütern mit der Exkommunikation,«ver- bieten" die Verwendung von Lehrbüchern, die ihnen mißsallen, in den katholischen Familien usw. Einige von ihnen sind deshalb bor Gericht gestellt worden, mit verschiedenem Resultat. Aber an diesen Verfolgungen kann nur die jakobinische Unduldsamkeit Gefallen finden. Denn mag das Vorgehen der Bischöfe den Gegnern der Kirche noch so unwillkommen s�n. so ist doch jedem, der das Prinzip der„freien Kirche im freien Staat" anerkennt, klar, daß eine Be- kämpfung des Einflusses der kirchlichen Oberen nur durch die fortschreitende Aufklärung der Massen möglich ist. Die Forderung nach gerichtlichem Einschreiten gegen die geistlichen Gegner der Trennungspolitik geht nicht selten von Leuten aus, die bei all ihren antiklerikalen Phrasen in der Tiefe ihres Gemütes oder doch in ihren gesellschaftlichen Konventionen von den kirch- lichen Vorschriften abhängig geblieben sind und die Freidenkerei gerne mit dem Anspruch auf die„Gnadenmittel" und die religiösen Zeremonien verbinden möchten. Im Grunde ist der Gedanke, daß man einen Bischof strafen solle, der jemandem die höllischen Strafen androht, nur bei einem Menschen möglich, dem diese Vorstellung wirklich eine gefährliche Drohung bedeutet. Die französischen Sozialisten haben jedenfalls keine Lust, eine Politik mitzumachen, die die Volksmassen für die von der Regie- rung verübten zahllosen Gesinnungsverfolgungen damit ent- schädigen soll, daß diesen außer den Gegnern der bürgerlichen Ge- sellschaft auch ein paar Reaktionäre zum Opfer fallen. Dies haben insbesondere die Genossen S e m b a t und Bracke in der „Humanite" deutlich ausgesprochen. Den Radikalen möchte eS ja sicherlich passen, wieder einmal das Volk in der antiklerikalen Politik festzuhalten, um sich der Einlösung ihrer sozialreforme- rischen Versprechungen zu entziehen, aber die Massen haben in den letzten Jahren Erfahrungen genug gesammelt, um zu wissen, daß es auch ein freidenkerisches Eiapopeia gibt, womit man«das Volk, den großen Lümmel", einlullen möchte. Neue Enihüllunsstn über russische Lockspitzel«. Paris, 6. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".)' In der„Humanits" veröffentlicht der Sozialrevolutionär B u r z e w, dem die Entlarvung des A z e w zu danken ist, einen Artikel, in dem er sich zu beweisen erbietet, daß der Chef der russischen Geheimpolizei in Paris, Harting, Ritter der Ehrenlegion, niemand anderes sei als ein gewisser Abraham Hekkelmann, der unter dem Namen Michael Landesen vor 19 Jahren in Paris als An- stifter eines Dynamitattentates gegen den Zaren Alexander III. zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Landesen, der damals als eifriger Revolutionär galt, hatte das Attentat vorbereitet und in Paris ein Laboratorium zur Anfertigung von Bomben eingerichtet. Die Pariser Polizei entdeckte„rechtzeitig" das Attentat und arretierte die Revolutionäre in ihrer Werk- statt. Aber Landesen war verschwunden und wurde nur in contumaciam verurteilt. Burzew behauptet, auf Grund jahrelanger Untersuchungen nunmehr die Ge- wißheit gewonnen zu haben, daß Landesen in Rußland unter oem Namen Harting zu dem orthodoxen Glauben über- getreten, in den Dienst der Polizei getreten und dem Person- lichen Sicherheitsdien st des Zaren zugeteilt wurde. Dann wirkte er im Ausland, auch in Berlin, und schließlich als Chef der russischen Geheimpolizei in Paris. Als solcher erhielt er auch das Kreuz der Ehrenlegion. Burzew hat in einem Brief an den Justizminister eine Untersuchung und eventuell die Verhaftung H a r t l i n g s verlangt. Clemenceau hat auf die Anzeige Burzews hin sich bereit erklärt, eine Unter» suchung einzuleiten, und der„TempS" erklärt, an- scheinend offiziös, im Falle, daß Burzew seine Anklagen be- weisen könne, werde die Regierung nichtzögern, Hart- ling auszuweisen und den Lockspitzel aus den Listen der Ehrenlegion zu streichen. Dieser neue Fall von russischer Korruption erregt hier großes Aufsehen und ist nicht gerade geeignet, die Stimmung für den bevorstehenden Zarenbesuch zu verbessern. " Deutsches Beispiel. Die S ch a u m w e i n st e u e r, die der schwarze Schnapsblock gestern angenommen hat, kam heute in der französischen Kammer zur Sprache. Bei Beratung des Zolltarifs erklärte der Präsident der Zollkommission Klotz gegen die geäußerten Befürchtungen, das Ausland werde gegen die erhöhten französischen Zölle Re- Pressalien anwenden:„Frankreich habe keine Repressalien zu befürchten, denn es zeige sich gemäßigter, als andere Na- tioncn. Besonders von feiten Deutschlands habe Frankreich keine Repressalien zu befürchten, da Frankreich bezüglich der Spe- zialisierungen nur dem Beispiele Deutschlands folge. Der Reichstag habe soeben in zweiter Lesung neue Abgaben auf Kognak und Champagner genehmigt; er, Redner, hoffe aber, daß in der dritten Lesung diese Abgaben nicht aufrecht erhalten würden. Klotz erklärte schließlich, Frankreich beschränke sich darauf, das zu tun, was alle Welt schon früher getan habe." Man sieht, die Schutzzöllner der verschiedenen Länder arbeiten sich gegenseitig in die Hände. Spanien., „Begnadigung". Gereizt und erbittert durch das Schreckensregiment übermütiger Kapitalisten, die Männer, Frauen und Kinder unsäglicher Ver- gewaltigungen aussetzten, eröffnete die spanische Arbeiterschaft vor sechs Jahren den berühmten Streik von Alcala del Volle ein, jenen Streik, der schließlich durch das Militär nieder- getrampelt wurde. Die Regierung hat damals fünf Mann inS Gefängnis geworfen. Am letzten Freitag endlich wurden die Opfer dieses tyrannischen Regierungssystem» fteigelassen. nachdem die eindringliche und energische Agitation der spanischen Arbeiterschaft zu gunsten der Eingekerkerten jahrelang fruchtlos geblieben war. Von den fünf Gefangenen konnten nur noch vier der königl..Gnade" teilhaftig werden— der fünfte, Salvador Mulero mit Namen, ist vor einigen Wochen im Kerker gestorben.... England. Gegen den Zar«,. Gegen den Besuch des Zaren hat die Fabian Society in einer großen Versammlung in der Londoner Memorialhalle folgende Resolution gefaßt: „Die Versammlung bedauert den Entschluß, dem russischen Zaren bei Gelegenheit seines Besuches auf der Insel Wright irgend einen offiziellen Empfang oder eine öffentliche An- erkennung zu teil werden zu lassen, denn diese Veranstaltungen sind geeignet, die Gefühle des Abscheues zu ber- dunkeln oder zu maskieren, mit denen das blutige und tyrannische System des russischen Absolutismus in England betrachtet wird." perfien. Zur Lage. lieber die neuesten Ereignisse liegen heute verschiedene Mel- düngen au? russischer Quelle vor. Danach rückte eine Abteilung dex in Kaiidsh stehenden Kosakenbrjgade gm letzten Sonn- abend aus taltischen Gründen nach Schahabab SuS, wo sie von den Fidais in ihrer Karatvanserei angegriffen wurde. Wegen der hohen Mauern dieses Standquartiers konnten die Kosaken von ihrer Artillerie keinen Gebrauch machen. Als aber die Revolu« tionäre von einem nahegelegenen Turme das Feuer eröffneten, stellten die Kosaken Durchbrüchc tn der Mauer her und eröffneten ihrerseits ein Artilleriefeuer, durch das sie den Gegner nach siebenstündigem Kampfe in die Flucht schlugen. Die Verluste der FidaiS betragen 12 Tote und IS Verwundete, auf feiten der Kosaken fielen 1 Offizier und 3 Mann. Die FidaiS konzentrieren sich in K a r i d s h, wohin sich S i p a h d a r begeben hat. Um den Vormarsch SipahdarS und seiner Bachtiaren aufzuhalten, hatten sich russische und englische Abgesandte in sein Lager begeben. Dieser versprach nur dann den Vormarsch einzustellen, wenn die Ford«- rungen der Endschumen völlig erfüllt würden. Diese laufen dar» auf hinaus, daß die Endschumen die ganze Macht an sich reißen wollen. Die Minister und Gouverneure sollen von ihnen ernannt, alle Arsenale und Truppen übergeben, alle Bürger mit Ausnahme der FidaiS entwaffnet werden und ein« Bachtiaren- abteilung und Fidais in Teheran als Hüter der Konstitution verbleiben. Ferner fordern sie den Abzug der Russen und Auflösung der Kosakenbrigade. In Teheran macht sich eine armenierfeindliche Ve- weg ung bemerkbar. Der armenische Erzbischof rief die Unter- stützung der russischen Gesandtschaft an. Die Panik in der Hauptstadt dauert cm, die Basare sind noch immer geschlossen. Die Som'merfrischen in der Umgegend sind in Gefahr. Der Fi- nanzminister Kawwan cd Dauley und der ehemalige Minister- Präsident Muschir es Sultaney hißten türkische Flaggen und er- klärten sich für türkische Untertanen. Der Postverkehr auf der russischen Straße ist eingestellt. Hus der Partei. Zum fünften Mal.» Am Donnerstag siegte in Moisling bei Lübeck in der Gemcindevorstandswahl unser Genosse Strub mit IVO Stimmen gegen den bürgerlichen Kandidaten, der 16 Stimmen erhielt. Es ist dies die fünfte Gemeindevorstandswahl in MoiS- ling die mit dem Siege des sozialdemokratischen Kandidaten endete. Bisher hat die Aufsichtsbehörde jedoch stets die Bestätigung versagt. AuS dem Wahlkreise Miilhausen». Elf. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Kreis- Vereins Mülhausen i. Elf., die am letzten Sonntage stattfand, beschloß einstimmig, das Bedauern darüber auszusprechen, daß die vom Landesvorstande in Straßburg auf den 1. August dieses Jahres nach Colmar einberufene Generalversammlung der sozialdemokratischen Partei Elsatz-Loth- r i n g e n s nicht als öffentliche Versammlung einberufen worden ist, wie es die vorjährige Landesversammlung vorgc- schlagen hatte. Die Kreisversammlung beauftragte die Delegierten, auf der Landesvcrsammlung mit aller Entschiedenheit für die volle Oeffentlichkeit späterer L a n d e s ver s a m m l u n g e n einzutreten. Referent und Diskussionsredner vertraten überein. stimmend die Ansicht, daß gerade das, was als Grund gegen die öffentliche Verhandlung angeführt wird, nämlich der zum Teil unbefriedigende Stand der Organisations- und Kassenverhältnisse, für die öffentliche Erörterung spricht. Nur durch öffentliche Be- sprechung der Zustände könne die Gleichgültigkeit der großen Masse im Lande überwunden werden. An den BezirkStagSwahlen im Herbste soll sich die Partei in allen Kantonen beteiligen, in denen die Arbeiterbevölke- rung ernsthaft in Betracht kommt und die Organisation entsprechend stark ist. Das ist in fast allen clsässischen Kantonen der Fall. Während inLothringen die Vartciorgamsation noch auf allzu schwachen Füßen steht._ Die Juacndgcschichte einet Arbeiterin. Die Genossin Zetkin wünscht zu wissen, welche Veranlassung zu unserer Erklärung in Nr. 14g des„Vorwärts" vorgelegen hat. Wir wollten durch die Erklärung feststellen, daß, wenn in dieser Sache Überhaupt ein Mißverständnis vorlag, es jedenfalls nicht uns zur Last fallen konnte. Da dies aus der in der„Gleichheit" veröffentlichten Erklärung nicht mit genügender Deutlichkeit zu ersehen war, haben wir eS ausdrücklich hervorgehoben. _ Buchhandlung Vorwärts. Der neue Borstand der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands. Da Keir Hardie. Ramsy, Macdonald. Phillip Snowden und Bruce Glasier ihre Acmter im Verwaltungsrat der Jndependent Labour Party(Unabhängige Arbeiterpartei) niedergelegt haben, war eine Neuwahl erforderlich. Es wurden gewählt: W. C. Anderson mit 64S1, Mary R. M c A r t h u r mit bgS2, I. R. ClhneS(Parlamentsmitglied) mit 4286 Stimmen und George LanSburh mit 4296 Stimmen. Aus dem russischen Partcileben. Vor kurzem fand eine Konferenz der Sozialdemokratie Lett- lands statt, auf welcher fast sämtliche städtischen Organisationen des lettischen Teiles der Ostseeprovinzen vertreten waren. Aus den Berichten der örtlichen Organisationen ist ersichtlich, daß sich die Bewegung erfreulicherweise fast allerorts festigt und ausbreitet. In den Städten werden annähernd 3000 und auf dem flachen Lande etwa 1800 organisierte Arbeiter gezählt, so daß die Zahl der Mitglieder der Sozialdemokratie Lettlands sich gegenwärtig fast auf 5000 beläuft. Besondere Fortschritte hat die Parteiorganisation in Riga zu verzeichnen, wo die Zahl der Mitglieder die Höhe von 2500 er- reicht hat. Die Organisation trägt trotz der unglaublich schwierigen polizeilichen Verhältnisse einen weit demokratischeren Charakter, als das vor 1905 möglich war. Das leitende Organ ist die städtische Konferenz, die alle anderthalb Monate zusammentritt und deren Mitglieder von je 150 Mitgliedern der Organisation gewählt werden. Auf der Konferenz wird das städtische Parteikomitee ge- wählt, das die praktische Tätigkeit leitet und die Verfügungen der Konferenz ausführt. Die propagandistische Tätigkeit wird von einer besonderen Institution geleitet. In den RayonS wird die Propaganda fast ausschließlich von Arbeitern allein geführt. Auch die Einnahmen der Organisation(300 bis 400 Rubel im Monat) be- stehen ausschließlich aus den Mitgliederbeiträgen der Arbeiter. Außer einer ganzen Reihe theoretischer Zirkeln, finden wöchentlich vier bis fünf größere Versammlungen organisierter Arbeiter statt, die insgesamt von 300 bis 400 Arbeitern besucht werden. DaS Zentralorgan der Sozialdemokratie Lettlands„Der Kampf", wird in Riga in einer Anzahl von etwa 2� Tausend vertrieben. Ferner wurden während der Berichtszeit etwa 30 000 Flugblätter in lettischer und etwa 15 000 in russischer Sprache verbreitet. AuS den Berichten auf der Konferenz ist ferner hervorzuheben. daß das Zentralkomitee der Sozialdemokratie Lettlands vom 1. Januar bis 1. Mai 230 000 Exemplare verschiedener Druck- schriften in seiner Geheimdruckerei angefertigt hat, die sämtlich wohlbehalten verbreitet wurden. Die polizeiliche Auf- Hebung einer Geheimdruckerei hat die weitere Heraus. gäbe von Druckschriften nicht verhindern können. polireikckc«, Oerlthtlidyea uTxo, Eine mißglückte Staatsaktion. Genösse Stolt in Königsberg erhielt kürzlich vom Schöffengericht 14 Tage Gefängnis, weil er bei den Wahl» rechtsdemonstrationen am Sonntag, den 31. Januar. die Schutzleute beleidigt, einen„Gefangenen" befreit und Wider» stand gegen die Staatsgewalt geleistet haben sollte. Die Be» rufungsinstanz sprach ihn am Montag von all diesen„Verbrechen" jrei und legte die Gericht-kolten der StagtSkasse aus, GcwcrhrchaftUchcg, Zusammengeschmiedet I Die Arbeiterschaft der badischen Staatsbahnen tvZb bisher in PSei Lagern organisiert oder getrennt. Der„Süddeutsche E.. Verband" entsprach einer freien Gewerlschaft, der „B a d i s ch e E.» V e r b a n d" entstand unter dem Protektorat des Zentrums oder der„Christlichen" im allgemeinen. Beide bekämpften sich heftig und erleichterten deshalb der Regierung oder General- direktion ihre Maßnahmen gegen die Lohnbewegungen der Arbeiter. schaft. Jetzt brachte der Kampf ums Dasein unter den gegen- wältigen finanzpolitischen Attentaten auf die Lebensfähigkeit des Proletariats die bisher getrennten Organisationen einander näher und sogar so nahe, daß eine Fusion zur unterschiedslosen Klassenkampftruppe eine Folge der kürzlich in einer Doppelver- sammlung gepflogenen Aussprache sein wird. Es geschah diese? einigende Konzilium im Anschluß an eine dreitägige Unterhand- lung. welche zu Karlsruhe zwischen der Generaldirektion der badischen Staatsbahnen und den Arbeiterausschüssen aller Bahn- Werkstätten vor sich ging. Die schnöde Abweisung der Ar- beiterforderungen. insbesondere der gegen das schädliche Akkord- system gerichteten einstimmigen Anträge beider Organisationen, seitens der Staatsbehörde erschöpfte die Lammesgeduld der badischen Eisenbahner; sie entschlossen sich in Versammlungen zum gemein- samen Kampfe für die längst erstrebte Werkstättenlohnordnung. Da die Generaldirektion ihr in der zweiten Kammer gegebenes Versprechen wieder nicht einlöste, unter Berufung auf die miß- liche Finanzlage des Staates, erblickt die Bahnarbeiter- schaft mit Recht in diesem neuesten Ausweichen eine Tendenz, das Einkommen der Arbeiter zu kürze.n und so weiter Ersparnisse an den durch das bisherige Akkordsystem ohne- hin in. ihren rechtmäßigen Bezügen gekürzten Lohnarbeitern des Staates zu machen. Der Appell geht nun einstimmig an das Ministerium; hier wird die Generaldircktion angeschuldigt, daß sie durch'erneutes Festhalten am Stücklohne eine große Anzahl Arbeiter an ihrem jetzigen Einkommen empfindlich schädige. Das Ministerium müsse dieser Schädigung die Zustimmung versagen. Das reine Taglohnsystem sei für die Reparaturwerkstätten auch in technischer Hinsicht das vorteilhafteste. Gehe die Einführung nicht plötzlich, so müßte das neue Akkordshstem nach den Anträgen der Arbeiterausschüsse modifiziert werden. Die Redner beider Organisationen fanden stürmische Zu. stimmung und es brauste ein Jubel durch die Reihen, als unser Genosse Schwall, der Gauleiter des„Süddeutschen Verbandes", die Arbeiter aufforderte, sich als eine gccinigte, festgeschlossene Klasse auf den Boden des Klassenkampfes zu stellen. Auch die Finanzwuchercr im Reichstage erhielten ihr Urteil, das dem Zentrum am wenigsten behagen wird. Mit dem Versprechen, ferner- hin im großen Ziele einig zu sein, trennten sich die vielen Hunderte der beiden Versammlungen. Schon seit 1302 kämpfte unsere sozialdemokratische Landtags- fraktion gegen die Hartnäckigkeit der Staatsbehörde, die berech- tigten Wünsche der Eisenbahner zu erfüllen. Im letzten Landtage ist zum Erstaunen der ganzen Kammer von unserer Seite der Nachweis erbracht worden, daß dieses angeblich verbesserte Lohn- system in seiner Wirkung vielfach eine fiskalische Ausnützung noch schlimmerer Art zu nennen ist. Es ging nun so lange Zeit, bis endlich die Regierung bezw. Direktion sich zu einem Meinungs- auStausch über die verhaßte Akkordmogelei mit den Arbeiteraus- schüssen einließ. Und sofort zeigte sich die schroffste Negation des Staate? und die Machtlosigkeit dieser Dekorationen von Arbeiter- ausschüssen. Bekanntlich wurde auf dem Nürnberger Parteitag bei der Be- fürwortung der Budgetbewilligung durch die badischen Genossen auch die entgegenkommende Stellung der badischen Regierung der Eisenbahnerschaft gegenüber ins Feld geführt; es sei dies„der Ausfluß der Erkenntnis, daß die Macht der Arbeiter- klaffen Gleichberechtigung und Berücksichtigung auf allen Gebieten des staatlichen Lebens fordert". Es müßten mit der Bud- getbewilligung Tausende von Eisenbahnarbeitern, die arme Teufel sind, gewonnen werden, da ihr Anteil am Gesamteinkommen des Landes erhöht worden sei. Nun sind diese Tausende gewonnen, aber dadurch, daß sie zu der Erkenntnis gelangten, daß die Negierung des kapitalistischen Klassenstaates auch durch ihre neuen Verordnungen in erster Reihe das fiskalische Interesse wahrte und den Arbeitern im Effekt unter der falschen Etikette eine Lohnverkürzung unterschob. Es würd� also die frühere Ablehnungsmethode bei der Beratung des Finanzgesetzes auch im jetzigen Falle von der Arbeiterschaft Wohl verstanden worden sein. Der badischen Eisenbahnarbeiterschaft und ihren Führern kann man zu dieser Erkenntnis und zu der daraus gezogenen Konsequenz bestens gratulieren, Jetzt gehttz voran. Lerlln und Qmgegenck. Die Gelbschrankschlosser nahmen einen Bericht über den Stand ihrer Bewegung in einer stark besuchten Versammlung entgegen, die am Montagabend bei Franke in der Badstraße stattfand. Otto Handle referierte. Mit der Vorlage der Geldschrankschlosser konnte sich die Kommission in ihren Verhandlungen mit den Arbeitgebern noch nicht be- schäftigen, weil die Beratungen über den§ 2 der Vorlage nicht herausgekommen sind. In der Vorlage werden zuerst die Arbeits- Verhältnisse der Bauschlosser behandelt. Der Tarif der Geld- schrankschlosser soll sofort zur Beratung kommen, sobald die Ge- legenheit dazu vorhanden ist. Handle gab eine Uebersicht über die Arbeiten der Kommission(siehe Versammlungsbericht in der Freitagsnummer des„Vorwärts"), wie er sie schon in der Schlosser. Versammlung am letzten Mittwoch gegeben hatte. Er verlangte, daß die Geldschrankschlosser gemäß den Beschlüssen dieser Ver- sammlung ebenfalls eine abwartende Haltung einnehmen sollten, bis ein Resultat der nach dem 19. Juli fortzusetzenden Verhand- lungen der Kommission vorliegt. In der Diskussion zeigte sich viel Ungeduld unter den Ar. beitern über den langsamen Gang der Verhandlungen. Einige Redner gaben der Befürchtung Ausdruck, daß die Forderungen der Geldschrankschlosser zu lange zurückstehen und schließlich nicht die gebührende Berücksichtigung finden würden. Solche Be- fürchtungen erklärte Handle als unbegründet; in der Kommission seien auch die Geldschrankschlosser vertreten und man müsse nur etivas Geduld haben, bis die Verhandlungen wieder aufgenommen werden können.— Die Versammelten nahmen trotzdem mit großer Majorität eine Resolution an, in welcher sie die sofortige Ein- sendung ihrer Tarifvorlage an die Arbeitgeber verlangten, damit dieie in ihrer Generalversammlung dazu Stellung nehmen könnten. Ende Juli soll dann eine Versammlung der Geldschrank. schlosser die eventuellen weiteren Maßnahmen beraten. Mit der Annahme dieser Resolution sollte, so wurde von mehreren Rednern hervorgehoben, der Kommission durchaus nicht ein Mißtrauens. Votum ausgestellt werden. Man hoffe nur, daß der Lauf der Dinge zugunsten der Geldschrankschlosser beschleunigt werde. p-emt den Arbeitgebern sofort die Tarifvorlage eingereicht wird. Vemtw. Redalt.; SiM» DAvrll, Lichtenberg. Inserate verantw.: Slchhtag, Metallarbeiter k Die Vertrauensleute deS 7. Bezirks Werden darauf aufmerksam gemacht, daß die heutige Konferenz nicht um Uhr, sondern um 6 Uhr abends beginnt. Wir er- suchen unsere Mitglieder, die betreffenden Vertrauensleute auf diese Notiz aufmerksam zu machen. Deutscher Metallarbeiterverbarck. Ortsverwaltung Berlin. Die Rahmenvergolder beschäftigten sich am Montag mit der Stellungnahme zum Vertragsablauf. Der jetzt bestehende Tarif läuft am 33. September d. I. ab. Es handelte sich somit um die Frage, ob dieser Tarif gekündigt werden oder weiterhin gelten sollte. Nach einer eingehenden Debatte über die Lohn- und Ar- beitsverhältnisse in der Rahmenvergolderbranche beschloß die Versammlung, die Angelegenheit vorläufig noch zu vertagen. Deutsches Kelch. «Der Landarbeiter". Die erste Nummer des Organs des neugegründeten, mit dem 1. Juni in Aktion getretenen Verbandes der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter verließ soeben die Druckerpresse, um nun in den nächsten Tagen die Mission der Aufklärung und Organisation unter den ländlichen Arbeitern zu vollziehen. Auf 8 Druckseiten bietet „Der Landarbeiter" in populärer Sprache viel des Interessanten und Wissenswerten für den Arbeiter auf dem Lande, der meist vom starken Pulsschlag der Arbeiterbewegung unberührt, resigniert unter der Fron des Junkers und Bauern ächzt. Hier wird ihm die frohe Botschaft verkündet, daß Gleichgesinnte im gemeinsamen Streben mit ihm, in einer Organisation vereint, gegen die durch- gängig miserablen Lohn- und Arbeitsbedingungen ankämpfen wollen, daß gemeinsam Sturm gelaufen werden soll, um die an die Feudalzeiten erinnernden Gesindeordnungen zu beseitigen. WaS der neugegründete Verband der Landarbeiter bietet, wird in einem besonderen Artikel behandelt und darin neben der Hilfe und Raterteilung bei Arbeitsverträgen und dem unentgeltlichen juri- stischcn Rechtsschutz auch der Unterstützungseinrichtungen deS Verbandes(Krankengeld und Sterbegeld) Erwähnung getan. Vom Arbeitsrecht lesen wir: Kurze Schilderungen über das Wohnungs- elend der Landarbeiter zeigen uns. daß das Landproletariat in allen Gegenden Deutschlands in Räumen wohnen mutz, die eigent- lich nicht für menschliche Behausungen gelten können.— Von der Agitation in Mitteldeutschland und erfteulichen starken organisa- torischen Ansätzen besonders in Süddeutschland wird berichtet und von den Lohnverhältnissen der Forstarbeiter in Bayern, die im bayerischen Landtage zur Sprache kamen anläßlich der Debatte über die Besoldungsverhältnisse der staatlichen Forstarbeiter. Ein Wort ist an die Stallschweizer besonders gerichtet, um auch sie für eine Besserung ihrer Arbeitsverhältnisse durch eine gemeinsame Organisation zu interessieren. Der übrige Teil des„Land- arbeiters" ist der Unterhaltung gewidmet; er enthält ein stim- mungsvolles Gedicht von Preczang und eine Erzählung aus dem Landarbeiterleben von Friedrich. Zum Schluß sind die Adressen der Angestellten des Verbandes angegeben, die auch Beitritts- erklärungen entgegennehmen. Zuschriften für den VerbandSvor- stand sind an Georg Schmidt, Berlin SO.Iö, Michaelkirchplatz 1, 2 Treppen zu richten, für die Redaktion an Fritz Faatz, ebenda- selbst. Die Adressen der Gauvorstände sind: Alfted Hille, Magde- bürg, Hohnepfortestr. 53, III, für Provinz Sachsen, Anhalt und die thüringischen Staaten; M. Keiditsch. München, Spitzwegstr. 10. 2 Treppen, für Bayern rechts des Rheines; F. Härder, Stuttgart, Kelterstr. 35, für das übrige Süddeutschland und Südwestdeutsch- land. So möge dcntj dieser neue Streiter in der deutschen Arbeiter- bewegung hinausgehen in alle Lande und den Enterbten und Ent- rechteten des Landproletariats die frohe Botschaft nicht unverhallt verkünden, daß organisatorischer Zusammenschluß, daß nur die Selbsthilfe der Arbeiterschaft zur Befreiung aus sozialer und politischer Knechtschaft führt I Unsere besten Glückwünsche begleiten ihn auf seinem mühevollen Wegel Die Beschlagnahme der Streikpostenliste in Kiel. wird in Kieler bürgerlichen Blättern, die von der Kieler Polizei inspiriert werden, sehr eigenartig begründet. Es sollen mit Hilfe dieser Listen, die angeblich die Namen der zur Anstiftung von Un- ruhen und Belästigungen der Arbeitswilligen abkommandierten Personen enthalten, die Anstifter und Ausführer der auf die Arbeits- willigen verübten Anfälle festgestellt werden. Daß die Polizei bei dem gegenwärtigen großen Polizeiaufgebote in Kiel die Urheber der Krawalle nicht feststellen kann, ist um so merkwürdiger, als sie dieselben wenigstens in einem Falle in Gestalt von Arbeitswilligen in den Fingern hatte. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Be- schlagnahme der Listen um einen Eingriff in das durch Reichs- gericht anerkannte Recht des Streikpostenstehens. Der Porzellanarbcitervcrband hat im vergangenen Jahre, wie der Jahresbericht für 1908 ausweist, eine schwere Zeit durchmachen müssen. Die Zahl der Mitglieder ging von 14 878 auf 11 240 zurück, die Zahlstellen verminderten sich um 2 und sind jetzt an 195 Orten vorhanden.— Die Gesamteinnahmen betrugen 489 781,33 M., darunter an Beiträgen für den Verband und für die Krankengeld. zuschußkasse 324 502,17 M. Den Einnahmen standen Ausgaben in Höhe von 435 244,98 M. gegenüber. Davon sind insbesondere hervorzuheben die Unkosten für Arbeitslosenunterstützung 120 189,50 Mark, Streikunterstützung 92 432,44 M., Maßregelungsunterstützung 12 879,20 M. und Krankengeldzuschuß 56 578,84 M. Unter Hinzu- rechnung der Ausgaben für Fahr- und Umzugsgelder, Sterbegeld und Wöchnerinnen-Unterstützung wurden 1908 für Unterstützungs- zwecke 294 873,53 M. verausgabt. Für Verwaltungsarbeiten wurden ausgegeben 33 471,27 M. persönlicher Art und 10 802,11 M. sachlicher Art. Das Vermögen betrug Ende 1907 206 094,49 M. und am Schlüsse des Berichtsjahres 107 022,62 M. Die Ursachen für diese Erscheinungen, die zeigen, daß der Porzellanarbeiterverband unter allen Gewerkschaften am stärksten im Jahre 1908 gelitten hat, sind einmal in der wirtschaftlichen Krise und zum anderen in den weitgehenden Unterstützungs- einrichtungen zu suchen. Die wirtschaftliche Depression machte sich in der Porzellan- industrie um so stärker geltend, als eine große Zahl von Porzellan- fabriken auf den Export ihrer Erzeugnisse nach Nordamerika an. angewiesen sind. Als die nordamerikanische Krise einsetzte, wurden die Porzellanfabriken, die in den von einer sehr armen und schlecht entlohnten Arbeiterschaft bewohnten Thüringer Gegenden liegen, stark in Mitleidenschaft gezogen. Das enorme Anwachsen der ge- zahlten Arbeitslosenunterstützungen von 34 467,91 M. im Vor- jähre auf 120 189,50 M. im Berichtsjahre läßt das deutlich er- kennen. Selbst in den Krisenjahren 1301 und 1902 entfielen auf den Kopf der Mitglieder nur 6,37 und 6,03 M. Arbeitslosenunter- stützung; 1908 aber waren es 9,26 M.! Dagegen fiel die Streik. Unterstützung im Gesamtbetrage um 84 712,75 M., aber da der Krankengeldzuschuß und die Matzregelungsunterstützung um 8689,15 M. und 3722,86 M. stiegen, ferner die Gesamteinnahmen um 6210,99 M. geringer als im Vorjahre waren, mutzte ein Defizit entstehen. Doch zum guten Teil ist diese EntWickelung der finanziellen Verhältnisse auch auf innere Zustände in dem Porzellanarbeiter- verbände zurückzuführen. Auch einem größeren Verbände würde !h. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftalt es nicht möglich fein, bei einem so stärk� äuSgdbildeicn Unke?- stützungSshstem Reserven hinterlegen zu können. So betrugen für 1908 die Einnahmen aus Beiträgen pro Kopf der Mitglieoer 26,22 M. Für Unterstützung wurden aber 22,71 M. pro Kops aus- gegeben, so daß zur Deckung anderer laufender Ausgaben, wie Verwaltung, Verbandsorgan, Agitation, Rechtsschutz usw. pro Kopf 3,51 M. übrig blieben. Die unverhältnismäßig hohe Unter- stützungsquote wird aber einigermaßen verständlich, wenn man hört, daß die Arbeitslosenunterstützung, im Einzelfalle bis zu 17 M. pro Woche betragend, bis zu 14 Wochen gewährt wird. Krankengeldzuschutz wird im Einzelfalle— je nach der Karenzzeit und Beitragsstufe— auf 26 Wochen a 10 M. gezahlt. Die Streik- Unterstützung, für deren Bezug bis zum 1. Oktober 1908 keine Karenzzeit vorgesehen war, konnte im Einzelfalle bis zu 20 M. pro Woche betragen und nicht selten wurden die Unterstützungem bis zu einer Dauer von 47 Wochen gegeben. Daß bei einem solchen Unterstützungssystem ein kleinerer Verband, der von einer sehr gut organisierten Unternehmerschaft mitunter arg bedrängt wird, auf die Dauer keine Reichtümer erwerben kann, dürfte erklärlich sein. Wenn er trotzdem sich aber so wacker wie bisher behaupten konnte, so ist das ein Zeichen kräftiger Energie und leistungs- fähiger Elastizität. Wegen Beleidigung eines„Gelben" wurde der Geschäftsführer deS Metallarbeiterverbandes Pichler in Mainz vom dortigen Schöffengericht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Ausland. Die Massenaussperrungen in Schweden. Die in der vorigen Woche angekündigte allgemeine Aussperrung in der schwedischen Papiermasseindustrie ist am Montag durchgeführt worden. Ungefähr 9000 Arbeiter, die teils dem Säge- Werksindustriearbeiterverband, teils dem Grob- und Fabrikarbeiter- verband angehören, sind an diesem Kampf beteiligt. Am selben Tage hat das Unternehmertum der Detailkonfektions- schneideret Schwedens eine allgemeine Aussperrung veran- staltet, die 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßt. Die Arbeiter- schaft der Engroskonfektion ist bekanntlich schon seit einem Monat ausgesperrt. Die Aussperrung in den Brauereien und Mineralwasserfabriken von Malmö sowie die in der Korkindustrie von Göteborg dauern ebenfalls noch an, und am nächsten Montag soll zu alledem die allgemeine Aussperrung in; Wege- und WgssxxhgugeEerbe Schwedens koinmen,**>- Soziales. f Vom Baugewerbe in Schlesisch-Poseff- Die Krisis im Baugewerbe machte sich im Bezirke der Schlesisch- Posenschen Baugewerks-Berufsgenossenschaft sehr deutlich bemerkbar. Die Zahl der versicherten Betriebe hat sich nach dem uns vor- liegenden Bericht dieser Berufsgenossenschaft wohl von 8423 auf 8475 erhöht, dagegen ist die Zahl der versicherten Arbeiter von 123 580 im Jahre 1307 auf 118 073 im Jahre 1908 zurückgegangen. Welche Hungerlöhne das Baugewerbe in diesen Gegenden Deutschlands noch zahlt und wie nötig dort die Organisation der Arbeiter ist, beweist uns folgende Stelle des Berichts: Für die einzelnen Sektionen war im Jahre 1903 der Durch- schnittslohn einer versicherten Person in der Sektion I(Breslau) 743,73 M., in Sektion II(Liegnitz) 681,83 M., in Sektion III (Oppeln) 628,62 M.. in Sektion IVj(Posen), 662,64 M., in Sektion V(Gnesen) 701,01 M. Die entsprechenden Zahlen in 1907 waren: 733,99 M-, 666,53 M.. 608,44 M., 666,78 M., 687,85 M. Gemeldet wurden im Berichtsjahre 4753 Unfälle gegen 5091 im Jahre 1907. In 1023 Fällen wurde jedoch nur eine Rente ge- währt. Auf 1000 Versicherte kamen somit durchschnittlich 40,14 Unfallanzeigen. 315 der entschädigten Unfälle sind durch Zusammenbruch, Ein- stürz, 213 durch Fall von Leitern, Treppen usw., 144 beim Auf- und Abladen eingetreten. Sehr lehrreich ist eine Zusammenstellung über die gemeldeten Unfälle, auf die einzelnen Branchen verteilt. Während z. B. auf 1000 Tapezierer durchschnittlich 19,14 Unfälle entfielen, kommen auf Maurer 39,50, auf Dachdecker 44,06, auf Fuhrwerk 103, auf Abbruchbetriebe gar 709 Unfälle. Das Glück der Berufsgenossenschaften iz? BcrnfSverfahren zeigt uns auch dieser Bericht. Zu Gunsten der Berufsgenossenschaft wurden 443 Berufungen und zu Gunsten der Verletzten nur 22 entschieden. Von den eigenen Rekursen der Verletzten wurden 129 abgewiesen und nur 10 zu gunsten entschieden, während die Ge. nossenschaft mit ihren Rekursen 8 Erfolge und 11 Mißerfolge hatte Ein großes Verzeichnis führt die Arbeitgeber auf, die ihre Bei. träge zu zahlen vergessen haben, unpfändbar waren. Die Berufs. genossenschaft hat auf diesem Wege 36 228 M. verloren. Die Ar. beiter und die Krankenkassen des Bezirkes werden demnach nock größere Verluste erlitten haben und die„Unternehmer" bauer doch lustig weitex, letzte JVacbnchtcn und Depefcben. Schildbiirgerei— oder<,, Frankfurt a. M., 6. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Stadtverordnetenversammlung beschloß mit 39 gegen 13 Stimmen, die Verträge mit zwei Gasgescllschaften auf weitere 20 Jahre zu verlängern. Die sozialdemokratische Fraktion hatte die Errichtung eines eigenen Gaswerks beantragt» Eine neue Talsperre. Barmen, 6. Juli.(W. T. B.) Die Stadtverordneten be- willigten für den Bau einer neuen Talsperre im Kerspctal bei Marienheide zur Wasserversorgung Barmens 8 Millionen Mark. Die neue Talsperre umfaßt 28 Quadratkilometer Niederschlags- gebiet, der Stauinhalt wird zirka 16 Millionen Kubikmeter fasse». Die Kosten sollen aus einer neuaufzunehmenden Anleihe gedeckt werden. Kalkulierte Grundsätze. Brüssel, 6. Juli. Der Führer der katholischen Partei, Woeste. äußerte sich über die Stellung seiner Fraktion zum Armeeorgani- sationSentwurf der Regierung, seine Freunde würden den Entwurf gern prüfen, um zu einer Einigung zu gelangen, aber nur für de» Fall, daß dadurch die Partei nicht Schaden bei den nächsten Wahlen erleiden würde. Sollten der Partei derartige Nachteile drohen, so würde die katholische Partei den Entwurf mit allen Mitteln bekämpfen._ Gefährliches Feuerwerk. New Dork, 6. Juli.(Auf deutsch-atlantischem Kabel.) Bei den Feuerwerken, die zur Feier deS UnabhängigkeitStageS im ganzen Lande stattfanden, sind gegen 45 Personen getötet und gegen 1575 verletzt worden. Paul Singer äe Co., Berlin LVk. Hierzu2Beilagen u.Nnterhaltungsl'Ü' Nr. 155. 26. Jahrgang. 1. Kkilsze des Jotniütiii" f 7. W MS. K.eicbstag. 276. Sitzung vom Dienstag, den 6. Juli, vormittags 11 Uhr. Am BundeSratstische: S t) d o w. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. die zollwidrige Verwendung von Gerste. Danach wird verboten, Malz aus Gerste, die nach einem niedrigeren als dem Zollsatz für Molzgerste verzollt ist, zu Brau- zwecken zu verwenden. Die Kommission hat hinzugefügt, datz die aus deni Ausland eingehende Gerste, auf welche der niedrigere Zoll- satz Anwendung findet, kenntlich zu machen ist. Abg. Dr. Südeknm(soz.) beantragt, diesen Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen. Der Antrag wird von der schwachbesetzten Rechten und dem eben so schwach besetzten Zentrum mit großem Lärm aufgenommen, und es werden schleunigst Boten ausgesandt, die noch fehlenden Konser- vativen und Zentrumsherren herbeizurufen. Dadurch gelingt eS, den Antrag abzulehnen. Abg. SpeckÄ?»nfer: H. Müller, RavcnSstr. 6. Eine angenehme Überraschung für viele Leute find die hübschen, pral- tischen Geschenke, die jedem Paket deS VeilchenseisenpulverS»Goldperle" beiliegen,— Kausen Sie nur Veilchen- seisenpulver»Goldperle"! » Fabrikant: Ledut-msnlcs. Earl Gentner, Göppingen. III Obacht wegen den vielen minderwertigen Nachahmungen III w brauchen Vergleiche mit anderen und vielfach teureren Marken nicht zu scheuen. 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Inli 190». vom Clend der Ziegeleiarbeiter. »DaS fast völlige Daniederliegen des Baumarktes in Deutsch- kdnd hatte zur Folge, daß der Absatz an Ziegelfabrikaten um ein Bedeutendes zurückging. So wurden viele Betriebe gezwungen, ihre Produktion einzuschränken und die Zahl ihrer Arbeiter zu vermindern, andere Unternehmer stellten den Betrieb überhaupt ein." So meldet uns der neueste Bericht der Ziegelei-Berufs- genossenschaft über das Geschäftsjahr 1908. Die armen Ziegelei- arbeiter haben natürlich in erster Linie die Zeche zahlen müssen. Im Jahre 1997 weren noch 11 692 Betriebe mit 293 972 Arbeiter versichert, im Jahre 1998 dagegen nur noch 11 561 Betriebe mit 277 997 Arbeitern. Am Schlüsse des Berichtsjahres war der Bestand an Betrieben um weitere 253 zurückgegangen. Gegen das Jahr 1997 wurden also 16 175 Arbeiter weniger beschäftigt. Dies hatte ein„beträchtliches Sinken der verausgabten Lohn- summen", wie der Bericht selbst bestätigt, zur Folge. Rechnet man die angeführten Lohnsummen pro Kopf der beschäftigten Arbeiter aus, so ergibt sich ein Durchschnittslohn von 713 M. im Jahre 1997, 669 M. im Jahre 1998. Die Löhne sind also tatsächlich ganz beträchtlich gesunken, unter 799 M. pro Kopf und Jahr schon herunter gegangen. Zieht man in Betracht, daß auch der allgemeine Arbeitsmarkt sehr ungünstig war, so wird man das Elend der Ziegeleiarbeiter hegreifen. , Die Zahl der Unfälle ist entsprechend der Beschäftigung auch etwas zurückgegangen und betrug im Berichtsjahre: 6464 gegen 7973 im Jahre 1997. Man wird nun bei der Berechnung der Löhne einwenden, daß die Ziegeleien nur einige Monate im Jahre in Betrieb sich befinden, im Winter ganz stille stehen. Ein Blick auf die Statistik der Unfälle beweist uns aber, daß wohl im Sommer naturgemäß die größte Produktion stattfindet, im Winterhalbjahre aber auch nach den Unfallziffern weiter gearbeitet wird. Welchen Anteil die Krankenkassen an der Heilung der Unfälle haben, zeigt uns die Zusammenstellung des Berichts: „Von den angemeldeten 6464 Unfällen haben ihre Erledigung gefunden: 1. durch Heilung innerhalb der ersten drei- zehn Wochen 3895, 2, durch Entschädigungsfeststellung 1479, 3. durch Ablehnung der erhobenen Ansprüche 785 Fälle, im ganzen 6159 Fälle." Die Verhandlungen oder Heilprozesse waren noch nicht ab» geschlossen in 395 Fällen. Entschädigt wurden 1824 Unfälle, das ist 28 Proz. der gemeldeten Fälle. Die Statistik über die Ursachen dieser Unfälle ist etwas objektiver als die der übrigen Berufsgenossenschaften, die schlankweg alle Schuld auf die Arbeiter abzuwälzen suchen. Es wird angeführt, daß 1925 dieser Unfälle auf insbesondere in der Gefährlichkeit des Betriebes be- ruhende Ursachen zurückzuführen waren, 192 auf mangelhafte Be- triebseinrichtungen, 348 auf Ungeschicklichkeit der Arbeiter usw. Ziemlich deutlich werden die Aufsichtsbeamten der Berufs- genossenschaft in ihren Schilderungen der Arbeitsverhältnisse in unseren modernen Ziegeleien, und lassen wir der Einfachheit halber ihre bezüglichen Ausführungen folgen. Großbetriebe seien im allgemeinen im Unfallschutz voran, zumal die dort beschäftigten Ingenieure sich ebenfalls mit der Konstruktion und Anbringung geeigneter Schutzvorrichtungen befaßten. »Am häufigsten geben die mittleren Betriebe zu Klagen Anlaß. Hier wirkt vor allem das A k k o r d w e s e n ungünstig auf die Durchführung der Unsallverhütungsvorschriften. Vielfach wurde in Tongruben, in denen die Arbeiter das Tongraben in Akkord übernommen hatten, unvorschristsmäßiger Abbau angetroffen. Um sich die Arbeit zu erleichtern, lassen die Arbeiter jede Gefahr außer- acht und bringen die Grubenwände durch Unterhöhlen oder unvor- schriftSmäßigeS Abkeilen zu Fall. Der Ziegelmeister, der meistens auch die Aufsicht in der Gräberei hat, verbietet wohl diesen Abbau, sobald er jedoch den Rücken gewandt hat, wird die gefahrvolle Arbeitsweise fortgesetzt. In vielen Fällen hat der Ziegelmeister die ganze Herstellung der Ziegel in Akkord übernommen. Dann hat auch er ein per- sönlicheS Interesse daran» daß viel geschafft wird. und er kümmert sich wenig darum, ob die oft als lästig empfundenen Vorschriften befolgt werden. Unternehmer kleiner Betriebe wollen häufig die Notwendigkeit von Schutzvorrichtungen in ihren Betrieben nicht anerkennen, mit dem Hinweise darauf, daß seit Jahren kein Unfall bei ihnen vorgekommen sei. Bei den wenigen beschäftigten Arbeitern kommen Unfälle zwar absolut in geringerer Anzahl vor, verhältnismäßig aber ebenso häufig als in großen Betrieben. Weit verbreitet ist bei diesen Unternehmern die irrige Ansicht, daß sie die Rentenlast der Unfälle aus Groß- betrieben zu tragen hätten." Geklagt wird auch, daß viele Arbeiter, um Bequemlichkeit, Borteil und Erleichterung zu haben, gegen die gegebenen Anwei- sungen auch handeln und angebrachte Schutzvorrichtungen ent- fernen. Stark übertrieben und die Energie der armen Ziegelei- arbeiter überschätzend aber sind folgende Ausführungen: .Die Unternehmer stehen den Arbeitern hier machtlos gegen- über. Bei den geringsten Vorwürfen oder bei der Verhängung von den in der Arbeitsordnung angedrohten Strafen legen jene die Arbeit nieder. Der Verlust von Arbeitskräften ist aber bei dem großen Arbeitermangel auf dem Lande, vor allem in den von größeren Städten entfernt liegenden Betrieöen schwer zu ersetzen." Wir wollten, es wäre so. wie der Beamte hier berichtet, daß sich die armen Ziegeleiarbeiter endlich auf ihre Klassenlage be- sonnen hätten und empfindlicher geworden wären. Leider ist aber das Gegenteil der Fall, und hätten die Beamten nicht so sehr auf die faulen Ausreden des Unternehmertums Wert legen sollen, wenn sie Entschuldigungen für ihre Betriebe vorbrachten. Sie haben sich ja sonst nicht täuschen lassen, sobald sie sich selbst von den Mißständen überzeugen konnten, denn sie berichten über die W o h n u n g s v e r h ä l t ni s s e der armen Ziegeleiarbeiter, vor denen sich die„geängstigten" Unternehmer so„fürchten", wie folgt: »Von anderen Mängeln, die nicht die Durchführung der Unfall- Verhütungsvorschriften betreffen, aber auch häufig angetroffen wurden, ist der unsaubere Z u st a n d der Schlaf- und E ß- räume zu erwähnen. Behältnisse für Kleider wurden nur selten angetroffen, meistens hingen die Sachen frei an den Wänden des Schlafraumes umher. Die Betten waren oft nicht geordnet und die Fenster auch an warmen Sommertagen meistens geschlossen, so daß ein unangenehmer Geruch in den Räumen herrschte. 5Die meist getrennt liegenden Wohnräume der Meister machen hiervon keine Ausnahme. Auch hier lagen die Betten manchmal am Nach- mittage nock ebenso, wie sie morgens verlassen waren, und auf den Tischen lagen Speisereste, Eierschalen und dergleichen umher. In einem Betriebe nahmen polnische Arbeiter kein warmes Mittag- brot zu sich, weil ihnen der vom Meister geforderte Preis von 49 Pf. zu hoch erschien. Dieselben Arbeiter wuroen in der Ton- grübe dabei betroffen, wie sie das angesammelte gelbe Lehmwasser in Flaschen füllten und tranken. Vielfach ist auch beobachtet worden, daß in größeren Betrieben mit guten Unterkunftsräumen, Kochgelegenheit, guten Bänken und Tischen die Arbeiter diese Einrichtungen nicht benutzen, weil sie Widerwillen gegen gemeinschaftliche Aufenthaltsräume empfinden. Lieber legen sie sich oben auf dem Ringofen auf Brettern zum Mittagsschlaf nieder, oder man findet sie während der Betriebs- pausen in den zugigen Trockenschuppen liegen. In einem Betriebe hielten Arbeiterinnen ihren Mittagsschlaf oben auf den Etagen- wagen. Auch über die Machtlosigkeit gegen den Brauch des Zu- sammenschlafens weibliche; Personen in einem Bett wurde stellen- weise Klage geführt. In Ziegeleibetrieben finden jugendliche und weibliche Arbeiter vielfach Verwendung. Die Beschäftigung an gefähr- lichen Maschinen oder mit besonders gefährlichen Arbeiten wurde aber nur in ganz vereinzelten Fällen beobachtet. So wurden in Sand- uno Kiesgruben, sowie beim Arbeiten im Ringofen zuweilen Frauen oder jugendliche Arbeiter angetroffen. Auch zum B e- schicken des obersten Walzwerkes wurden in einem Betriebe Frauen verwendet. Gesundheitsbeschädigungen wurden bei Arbeitern festgestellt, die längere Zeit im Entwicklerraum von Azetylengasapparaten gearbeitet hatten. Die Wirkung des Einatmens von Gas stellte sich erst nach dem Verlassen des Raumes in der freien Luft ein und äußerte sich in langandauernden Ohnmächten und Gehör- schwächung in der Folgezeit. Die zur ausgiebigen Lüftung des Cntwicklerraumes angeordneten Oeffnungen werden meistens bei eintretendem Frost zugestellt, damit ein Einfrieren der Apparate vermieden wird. Heizung mit Dampf läßt sich oft nicht durch- führen, solche mit offenem Feuer ist wegen Brand- und Explosions- gefahr nicht zulässig. Die Versicherten verhalten sich meistens gleichgültig, wenn nicht gar ablehnend gegen die getroffenen Schutzmaßnahmen. ES wäre sonst nicht möglich, daß ein großer Prozentsatz der Unfälle auf Fahrlässigkeit und groben Leichtsinn, ein anderer Teil auf Entfernung von Schutzvorrichtungen zurückgeführt werden kann. Hierbei sind ausländische Arbeiter besonders beteiligt. Ein großer Teil der Verantwortung fällt aber auch auf solche Meister, Aufseher und Vorarbeiter zurück, die bei der Beauf- sichtigung der ihnen unterstellten Versicherten ihre Pflicht vernach- lässigen. Es wurde sehr häufig beobachtet, daß Arbeiter wiederholt Gleiswagen ohne sicheren Stand sogar auf abschüssigem Gelände zur Mitfahrt benutzten. Auch wurden sie häufig beim Reinigen, Putzen und Schmieren bewegter Maschinenteile überrascht. Oft griffen sie mit den Händen in rotierende Walzen hinein, um störende Gegenstände ohne Benutzung geeigneter Geräte zu ent- fernen. Bei besonders groben Verstößen wurde Bestrafung der Versicherten beantragt. In einigen Fällen wurde die Bestrafung vom Unternehmer sogar gewünscht, mit der Begründung, daß, wenn er die Arbeiter selber bestrafe, sie ihm davonliefen. Vielfach war es den Unternehmern nicht bekannt, daß sie Arbeiter wegen grober Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften bei der Berufsgenofsenschaft zwecks Bestrafung zur Anzeige bringen können. Auf die Anzahl der Unfälle wirkt auch der Umstand ungünstig ein, daß in Ziegeleien viele ungeübte, zum Teil minder- wertige Arbeitskräfte verwendet werden, die durch Unachtsamkeit, Ungeschicklichkeit und Waghalsigkeit manchen Unfall herbeiführen. Galizier, Ruthenen und russischePolen werden in großer Anzahl beschäftigt und diese, oft dem Trünke ergebenen Ausländer erliegen infolge ihrer Gleichgültigkeit gegen alle Vorsichtsmaßregeln den Betriebsgefahren nur zu leicht." Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen uns neu zur Verfügung: In RüderSdorf-Kalkbcrge:»Glück auf", Jnh, C. Köppen, Schul- straße 18; in Conradshöhc, Bez. Tegel:»Oberhavel". Inhaber Höhne. Auf Wunsch der Zernsdorfer Genossen teilen wir mit, daß das dortige Lokal„Zur F r i e d e n S e i ch e" streng zu meiden ist.— In Maricndorf sind die Lokale: G r a ß I(fr.„Zum alten ASkanier"), Chausieestr. 305 und Zierock,»Zum Feldschlößchen". Kurfürstenstraße 44 gesperrt, alle übrigen Lokale sind für den Ver- kehr freigegeben. Der»Verein selbständiger Schuhmacher von Moabit und Umgegend" veranstaltet am 19. ds. Mts. eine Dampferpartie nach Nedlitz bei P o t S d a m. Da man ver- sucht, hierzu Billetts auch in Arbciterkreisen abzusetzen, weisen wir darauf hin, daß in Nedlitz sämtliche Lokale gesperrt sind. Alle Vereine, welche Spreewaldpnrtir» zu unternehmen be- absichtigen, ersuchen wir, sich vorher mit dem Genossen H. Hinze, Lübbenau, Recklinftraße in Verbindung setzen zu wollen. Die Lokalkommission. Steglitz. Sonntag, den 11. Juli, findet ein Ausflug der Ge- Nossen nebst Fannlien nach Schmargendorf(Schlltzenhaus) statt. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr am Wannsee-Bahnhof, für Nachzügler von'/zl Uhr ab im SchützenhauS. _ Der BildungSausschuß. Berliner JVacbncbten. Die Gemeindewählerlisten für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen sind fertiggestellt. Sie werdm vom 15. d. M. an öffentlich ausliegen, und zwar nicht nur im städtischen Wahlbureau in der Poststraße 16, sondern noch an folgenden fünf Stellen: in den städtischen Turnhallen Hagelbergerstr. 34, Waldemar- straße 77. Strausberger Straße 9, Oderberger Straße 57 und Ravensstr. 12._ Welches sind die Aufgaben der Gendarmerie? Uns wird geschrieben: Am Sonntag wurde ich unfreiwilliger Zeuge folgenden Vor- ganges: Die Königsheide entlang, allem Anscheine nach aus Rixdorf kommend, bewegte sich ein Zug junger Ausflügler beiderlei Ge- schlechtes. Arbeiterkinder waren es, man sah eS an der durchweg ein- fachen aber sauberen Kleidung und auch an den blassen, schon von der Not deS Lebens zeugenden Wangen. Sie waren mindestens der reinen, frischen Luft ebenso bedürftig wie diejenigen, die im Wagen einem Erholungsorte zustrebten und mitleidig auf die Ausflügler zu Fuß hcrabschauten. Aus den Augen der Jugend- lichen leuchtete Lebenslust und fröhlicher Gesang ertönte durch den Wald. Turnerlieder erschollen, allem Anscheine nach waren Turner bei der Partie. In musterhafter Ordnung bewegt sich der Zug vorwärts. Aus hin und wieder aufgefangenen Worten höre ich, daß das Ziel Adcershof ist. An meinem geistigen Auge zieht meine eigene düstere Kindheit und freudlose Jugend vorüber, und ein Gefühl der Freude bewegt mich, daß man der jetzigen Jugend mehr Gelegenheit für freie Bewegung gönnt wie früher. Wie erzieherisch diese Bewcgungs- freiheit wirkt, zeigen diese Jugendlichen, die von keinem konfman- diert ihre Straße ziehen. Da werden meine friedlichen Betrach- tungen durch einen Vorgang unterbrochen, der mich obige Frage aufwerfen läßt. Bei dem Einbiegen in die Chaussee kommt mit großen wichtigen Schritten, wie sie eben nur einem preußischen Beamten bei nicht wichtigen Anlässen eigen sind, ein Gendarm gelaufen. Er geht nicht den Ausflüglern aus dem Wege, so etwas tut nur daS zivile Volk, sondern mitten durch die Ausflüglerschar auf einen jungen Mann zu und greift ihn am Jackett: der junge Mann trug nämlich ein einex Fahnenstange ähnelndes Stück Holz, aber eine Fahne war nicht zu sehen. Natürlich bemächtigt sich der Anwesenden eine gewisse Erregung. Sollte man jetzt den Raubmörder gefaßt haben??— O nein, bei dem bekannten, nicht von überschüssiger Intelligenz zeugenden Mißgeschick hat man nur einen Lehrling gefaßt, dessen Beruf es sehr notwendig macht, die Lunge in reiner frischer Luft zu baden. Nach diesem Stück geht eS weiter— aber: der Ausflügler denkt und die heilige Hermandad lenkt I Kaum sind die Ausflügler 5 Minuten gegangen, ertönt der Ruf mehrerer Gendarmen: Auseinandergehen! Auseinander- gehen I Nun können sich selbstverständlich 59— 60 Personen nicht sofort unsichtbar machen dadurch, daß sie auseinandergehen. Natur, gemäß finden sich die Angehörigen wieder zusammen und benutzen auch den Bürgersteig. Mir entgegen kommt ein Gendarm, ich höre Worte, die ich so verstand:„Die Hunde müßte man doch von dem Bürgersteig..." Da, ein Gendarm hoch zu Roß auf dem Vürgersteig in einer Schar junger Mädchen; eines kommt dabei zu Fall, andere flüchten in ein Lokal, einen Hausflur usw. Das Pferd tat das vernünftigste, was es tun konnte: der Bürgersteig war ihm zu glatt, es rutschte aus und der Reiter machte unfreiwillige Bekanntschaft mit dem Pflaster. Ein Weilchen dauerte es, ehe der Reiter wieder in seinem Sattel saß; er hatte einen Erfolg zu verzeichnen, hatte er doch den Staat retten helfen, daß er die Ausflügler in Unordnung, pardon, ich wollte sagen: in Ord- nung hatte bringen helfen. Aber ein Schrecken überkommt einem doch bei ruhigem Nachdenken. Seit wann ist es verboten, Spaziergänge zu machen? Die groß- städtische Bevölkerung hat es doch gewiß notwendig, sich zu erholen. Sind die Beamten durch Ueberarbeitung so nervös, daß der An- blick roter Rosen sie irritiert, dann schicke man die Kranken ins Bad. Betont mutz noch einmal werden, daß die jungen Leute weder Lärm gemacht, noch Unfug verübt haben, wie ihn sehr oft buntbemützte Herrchen ausüben." Von anderer Seite wird uns berichtet, daß sich gegen Abend um%7 Uhr die jungen Leute, die an dem Adlershofer Ausflug der Jugendlichen teilgenommen hatten und nach Rixdorf wollten, zusammenfanden, um den Heimweg anzutreten. Es waren etwa 39 junge Mädchen und 129 junge Leute männlichen Geschlechts. Als sie Adlershof verlassen wollten und das Lied:„Spiele sind aus" sangen, wurden sie von berittenen Gendarmen aufgehalten, die in die Menschen hineinritten. Das wiederholte sich auf dem Wege nach Rixdorf noch zweimal. Verschiedene junge Mädchen stürzten dabei in den Graben, weil sie den Hufen der Pferde aus- weichen wollten. Eine große Auftcgung und großer Unwillen be- mächtigte sich der jungen Leute, denen durch dieses Verhalten der Polizei in der unglaublichsten Weise mitgespielt wurde. Man faßt sich unwillkürlich an den Kopf und fragt sich: Ist das die Aufgabe unserer Polizei? Sollte es nicht nützlichere Aufgaben für die Polizei geben, als Erholungsbedürftige und Erholungsuchende in solcher Weise zu„beschützen"? So wird schon unseren jungen Leuten die Wut und die Erbitterung eingeimpft gegen ein Staats» Wesen, das durch seine Organe jedes freie Wort ersticken, jeden Schritt überwachen will. Diese Saat wird aufgehen und Früchte tragen, an denen die Säemänner keine Freude erleben werden. Die Teltowcr Kreis-Jndustriebahn wird am 21. d. MtS. dem Verkehr übergeben. Gleichzeitig stellt die Kreisstraßenbahn Groß- Lichterfelde(Ost), Seehof und Teltow die Beförderung von Gütern ein. Die neue Kreisbahn übernimmt die Beförderung von Fracht» gütern jeder Art. Die Ver- oder Entladung von Sprengstoffen sowie die Annahme und Ablieferung von schwerwiegenden Gegen- ständen, zu deren Verladung eine Kopf, oder Seitenrampe er. forderlich wäre, ist indessen ausgeschlossen. Hingerichtet wurde gestern morgen um 6 Uhr auf dem Hofe des Strafgefängnisses zu Plötzensce der 28 Jahre alte Glashütten- arbeiter Rudolf König, der im September v. Js. im Walde bei Baruth seinen Freund, Arbeits- und Altersgenossen Albert Ficbel- korn hinterrücks mit einem Messer erstach und um seinen Wochen- lohn von 17 M. beraubte. Der Mörder wurde im Januar d. Js. vom Schwurgericht zu Potsdam zum Tode verurteilt und vor vier» zehn Tagen von Potsdam nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit übergeführt. Weil der König in diesem Falle von dem Rechte der Begnadigung keinen Gebrauch machte, so wurde gestern morgen das Todesurteil durch den Scharfrichter Groebler aus Magdeburg vollstreckt. Zu einer Panik gab am Sonntag, wie nachträglich berichtet wird, folgender Unfall Veranlassung: Nach dem Bahnhoß Lehnitz, der zwischen Birkenwerder und Oranienburg belegenen Station der Nordbahn, kam wenige Minuten vor i419 Uhr abends ein aus mehreren Hundert Personen bestehender Kriegerverein mit Gesang heranmarschiert. Die Barrieren zu dem Bahnübergang waren her- untergelassen, weil ein Vorortzug nach Oranienburg, der um 9.36 Uhr fällig war, jeden Augenblick erwartet wurde. Einige angc- trunkene Ausflügler machten sich nun den Scherz, die rechtsseitige Barriere hochzuheben und nun ergoß sich die Menschenmasse, ge. stoßen und geschoben von den Nachfolgenden, auf den Bahnkörper. In diesem Augenblicke brauste der Zug heran und fuhr in die Station ein. Die wenigen Beamten, die auf dem Bahnhof'Lehnitz stationiert sind, waren der Menge gegenüber machtlos. Sie wußten sich keinen Rat und vermochten keine Ordnung zu schaffen. Nur der Stationsvorsteher, Herr Wendlandt, hatte die Geistesgegenwart, mit der brennenden Laterne auf die Menschenmenge loszustürzen und unter lauten Zurückrufen auf die Leute einzuschlagen und sie so mit Mühe und unter eigener Lebensgefahr von den Gleisen her- nnterzudrängen, so daß der Train, der auf Station Lehnitz nicht hielt, hart an den Ausflüglern vorbeisauste. Die Szenen, die sich während der wenigen entsetzlichen Augenblicke abspielten, waren unbeschreiblich. Zahlreiche Frauen fielen in Ohnmacht oder in Weinkrämpfe. Leider konnten die übermütigen Ausflügler, welche die Schranken emporgehoben hatten, nicht ermittelt werden. Auf der Nnfallstation verstorben ist gestern vormittag gegen 19 Ilhr eine etwa 24jährige, anscheinend den besseren Ständen an- gehörende Frau, deren Personalien bisher noch nicht festgestellt werden konnten. Die Unbekannte hatte in der Volksbadeanstalt im Jnselpark kalt gebadet und sich dann auf einer Bank in den Anlagen niedergesetzt, wo sie von Unwohlsein befallen wurde. Durch einen Schutzmann wurde die Erkrankte mittels Droschke nach der Unfallstation am Spittelmarkt gebracht, wo sie unmittelbar nach ihrer Einlieferung infolge Herzschlages verstarb. Bekleidet war die Tote mit schwarzwciß gestreiftem Rock, weißer Bluse, blauem Hut; sie hat blandes Haar, blasses hübsches Gesicht und trug einen Sonnenschirm bei sich. Die Leiche wurde nach dem Schauhause übergeführt. Der Verein für Kinder-BolkSküchcn hat in der Zeit vom 1. April 1999 bis 1. Juli 1999 an bedürftige Schulkinder 338 829 Portionen Mittagessen verteilt. Ferner sind von dem Verein auf Veranlassung der AuSkunfts- und Fürsorgestelle für Lungenkranke, der städtischen Säuglingsfürsorgestellen und anderer Wohltätigkeits- vereine 84 793 Portionen Mittagessen an nichtschulpflichtige Kinder verabreicht worden, welche von den bedürftigen Familien nach Hause geholt wurden. Wegen einer Gasvergiftung wurde gestern früh um 8 Uhr die Feuerwehr nach der Havelberger Straße 4 alarmiert. Dort hatte sich die Frau Witwe Rüftow wit ihren Kindern, einer Tochter ünS einem Sohn mittels Gas vergiftet. Die am schiversten ver- giftete Tochter wurde mit einem Bratschen Sauerstoffapparat er- folgreich behandelt. Alle drei wurden dann auf ärztliche?lnordnung nach dem städtischen Krankenhause in Moabit gebracht. Das Motiv zur Tat ist nicht bekannt. Nur dem Umstände, daß Hausbewohner durch den Gasgeruch beunruhigt wurden, sofort die Feuerwehr alarmierten und diese gleich mit Rettungsapparaten erschien, ist die Rettung der Familie zu verdanken, Ein Waldbrand verursachte gestern nachmittag im Forst bei FriedrichShagcn nicht unerheblichen Schaden. Nicht weit von der Station Hirschaarten kam das Feuer zum Ausbruch. Die alar- mierte Friedrichshagener Feuerwehr hatte längere Aeit mit dem Löschen des Brandes zu tun. Wahrscheinlich liegt fahrlässige Brand- stiftung vor. Da» Feuer dürfte durch ein achtlos fortgeworfenes brennendes Streichholz hervorgerufen worden sein. Ein Bodenirand kam gestern in dem Hinterhause Lindenstr. 69 s, vorwärts"-Gebäude) ans nicht ermittelter Ursache ouS. Das hier lagernde, in Brand geraten« Papier verbreitet« einen solchen Onalm, daß di« sofort herbeigerufene Feuerwehr zunächst mit dem Rauch- Helm nach dem Brandherde vordringen mußte. Die Gefahr war bald beseitigt, vernichtet sind zahlreiche Abdrücke für die Wochenschrift .In Freien Stunden". Ein Feuerivehrmon« war vom Rauch sehr mitgenommen, erholte sich ober in der frische» Luft bald wieder. Da? Walhalla-Bariett-Theater setzt auch in den Hund»tagen seine Borstellungen fort. Da» neue Programm«»thält eine Reihe recht guter Nummern. Als leistmmsfähige ÄesangS-Duettisten er- weisen sich Leopold und Falkoni. Auf dem Gebiete der Gymnastik betättgt sich das Trio Bernhardt und die Chinesinnen Li Chon Fou und Magin«, letztere in geradezu formvollendeter Weist. Besonders hervorgehoben feien die Leistungen von Gerhardt Mohr als Springer, Dieser jung, Mann springt mit Leichtigkeit über lg hintereinander mit aufgepflanztem Bajonett ausgestellt« Soldaten hinweg. Von Interesse ist die im Garten erfolgende Vorführung eines von einer Dame gerittenen, gut dressierten Stieres. Im Apollotheater bilden nach wie vor Haxtsteln in seiner Ver- wechSlimgSkomödt«; Er oder Sr und der Humorist Jean Paul mit feinen Schlagern den Clou des Abend». Daneben sind aber auch »och einige ander« tüchtig» Kräfte tätig. Herr Schindler leistet auf musnalischtm Gebiets vorzügliches. Mit Hilf« ganz ei, stacher Mundharmonikas spielt der Künstler die schwierigsten Konzertstücke. Die v n c a s produzieren sich als elegante Handstaiidlünstler, wobei die Dam« Kräfte entwickelt, die die Redensart von dem schwachen Geschlecht zu schänden machen. Wer ist der Tote? Am 2. Juli er. ist im Grunewald-Forst. Jagen 70, in der Nähe des Freibades ein etwa 40 Jahre alter Mann erschossen aufgefunden worden. Die Leiche war bereits stark verwest, das Gesicht unkenntlich. Sie mag annähernd zehn Wochen dort gelegen haben. Der Mann ist etwa 1,70 Meter aro«, die Zähne sind vorn vollständig. Bekleidung: Schwarzes Beinkleid, grau aus- geschnittene Weste und Jackett, Grauer Somnierllberzieber, graue Strümpfe, Zugstiefel mit zerrissenen Sohlen, grüner Schlapphut. graue« Trikothemd, weißleinene» Chemisett, schwarze klein« Schleife. Anscheinend handelt e« sich um einen Kellner. Vorgefunden hat man bei der Leiche einen Revolver, runden Taschenspiegel, kleine» Taschenmesser mit Perlmutterschalen, weißes Taschentuch ohne Zeichen. Die Leiche befindet sich in der Leichenhalle Schildhorn. Eventuelle Nachrichten über die Persönlichkeit des Toten werden zu 2SS0. IV 16. 09 an das Polizeipräsidium erbeten. Sin»raune» Lederpertemonnaie mit Inhalt ist gestern gefunden worden. Da der Inhalt darauf schließen läßt, daß ein armer Teufel der Verlierer war, möchte der Finder dem Verlierer wieder zu seinem Eigentum verhelfen und soll sich der letztere bei Döhling, Brunnenstr. 79 melden. Em gleicher Fund wurde auf einem Sand- hausen am Nordufer gemacht. Dieser Verlierer soll sich im Hause Buchstr. 6 melden. Arbelter-Sainariterkolonne. Mittwoch, abends 9 Uhr, Vor- tragSabend der b. Abteilung in Rixdorf bei Kaufhold, Erkftraße ö. Vortrag über Verbrennungen— Erfrierungen— Hitzschlag— Blitzschlag— Beschädigungen durch Elektrizität. Daran an- schließend praktische Uebungen. Donnerstag, abends. 3. Abteilung in Schöneberg bei Wielach, Grunewaldstr. 110. Es spricht Herr Dr. Max Großmann, Speierstx. 1« über Herzkrankheiten.' Vorort- fliaebnebten. Rixdorf. Durch einen Radfahrer nm sein Leben gekommen ist der 41 Jahre alte Kaufmann Paul Schmidt aus der Hermannstraße 64 zu Ripdorf. Der Mann wurde am Sonntag vormittag um 10 Uhr auf dem Hermannplatz von dem IS Jahre alten Gymnasiasten Wolfgang W. so unglücklich angefahren, daß er hinfiel und be»- sinnungSloS liegen blieb. In seiner Wohnung starb er an einem Schädelbruch und Bluterguß in das Gehirn. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Sonderbare Ferienkolonien. Aus Rixdorf wird uns ge- schrieben:»Mein Junge ist Ostern in Rixdorf eingeschult. Kurz vor den großen Ferien, Anfang voriger Woche, wurde in der Klasse bekanntgemacht, daß sich jedes Kind, welches an der Ko- lonie teilnehmen will, mit 1,S0 M. für eine Woche oder 6 M. für die ganze Zeit Montag früh 8 Uhr in der Lessingstraße im Schul- Hof einzufinden habe. Jedes Kind sollte täglich L Liter Milch er» halten und unter Aufsicht bis 2 Uhr nachmittags stehen. Um die Milch war es mir nicht zu tun,— das starke Quantum kam mir bei den berühmten sozialen Verhältnissen Rixdorfs schon verdächtig vor,— sondern, daß der Junge unter Aufsicht an die Luft kam. Außerdem war noch gesagt, daß vom zweiten Tage an die Kinder sich bezirksweise versammeln sollten. Nach alledem mußte man annehmen, daß Ausmarsch und Spiele im Freien geplant waren. Es kam anders. Groß und klein wurde auf den Schulhof gesperrt. Die größeren Kinder vergnügten sich mit Fußball, die kleineren sahen trübselig da, erhielten einen Becher Milch und konnten sich über die tüchtige �pädagogische Kraft, die mit einem Nohrswck de- waffnet unter den Kindern umherführ, amüsieren. Da» nannte sich Ferienkolonie. Mein Junge, der fehr gut erzogen und in der Klasse der beste Schüler ist, ging mit einem anderen Leidens- geführten aus Verzweiflung und Langeweile vom Schulhof her- unter. Der andere Junge wohnte in der Nähe, fand sich also nach Hause. Meiner jedoch irrt« in Nixdorf weinend umher, bis ihn eine mitleidige Frau per Omnibus nach Hause expedierte. Und für diesen Tag bezahlte ich 1,50 M. Kann man vom Rixdorfer Magistrat auch kein soziales Verständnis verlangen, so muß doch gefordert werden, daß in Zukunft wenigstens solche skandalösen Vorfälle unterbleiben." Es ist dringend erforderlich, daß sich die zuständigen Stellen über diese sonderbare Ferienkolonie äußern. Lichtenberg. Vom Gewerbe- und KaufmannSgericht. Die Zahl der im Jahre 1908 eingegangenen Klagen belief sich aus 363, gegenüber dem Jahre 1907 ein Mehr von 59. AuS dem Borjahre mußten noch 17 Klagen übernommen werden. 378 der Kläger waren Arbeitnehmer und 4 der Kläger Arbeitgeber. 340 Kläger waren männlichen, 42 weiblichen Geschlechts, während in IS Fällen mehrere Kläger gemein- schaftlich klagten. Mehr als zwei Drittel aller Kläger(272) klagten wegen rückständigen Lohnes. Welter klagten 93 Kläger auf Entschädigung wegen lingerechtferiigter Entlasiung, während im Vorjahre nur S1 solcher Klagen angestrengt wurden, also eine Zunahme von 90 Proz.— Das höchste Klageobjekt war die Summe von 513,70 M., während oas niedrigste 0,43 M. betrug. Bald die Hälfte(157) der Klagen wurden durch Bergleiche erledigt, ein weiterer Teil(70) schied wegen nicht Erscheinen« resp. nicht Verhandeln« au«, während 67 Ver- säumnisurteile gefällt wurden. 6 Klagen wurden durch Anerkenntnis- urteil erledigt, 12 der Klagen endigten mit der Verurteilung nach dem Klageantrags und 8 derselben mit teilweiser Verurteilung, 59 Kläger wurden gänzlich abgewiesen. Von den 133 SitzungStageu des Gerichts fanden 112 ohne und 21 mit Beisitzern statt. In den Sitzungen ohne Beisitzer standen im Durchschnitt 4 Klagen zur vir- Handlung. In den Sitzungen ohne Beisitzer standen im Durchschnitt 4 Klagen zur Verhandurng, in den Sitzungen mit Beisitzern "Vz Klagen. Das Baugewerbe stellte 14g Kläger, 33 waren Fuhr- lente, 39 Fabrikarbeiter und 31 Schneider, Puvmacher, Näherinnen. 198 Klagen wurden in einer Woche erledigt, 73 in 1~2 und öl in 2—3 Wochen. In 199 Fällen fand nur ein Termin statt, in 235 Fällen zwei Termine, in fünf Fälle» fünf Termine und mehr. Das Kaufmanusgericht hatte 48 Sachen zu erledigen, da? höchste Objekt betrug 3211,40 M., da» niedrigste 2.67 M. 89 Kläger verlangten Provision oder rückständige» Gehalt. 46 Gerichtstage waren notwendig, wovon nur fünf mit Beisitzern. Gegen die Rechtögültigkeit der Wahlen der Arbeitgeber im Februar 1908 im 4. Bezirk wurde Beschwerde erhoben, dws« aber vom Bezirksausschuß in Potsdam abgewiesen. Auf der Verbandsversammlung deutscher Gewerbe- und Kaufmannögcrichte am 27., 28. und 29. August in Jena war daS berichtende Gericht mit vier Personen vertrete». Von dem Gerlchtskostensoll von 173,13 M. wurden nur 71 M. bezahlt, 45,75 M, kannten nicht beigetrieben werden und 58,40 M- standen am Schlüsse de» Berichtsjahres noch aus, Vteglitz. Mit der GetverbegerichtSwahl befaßt sich am Donnerstag, abend» s Uhr, eine von der Gewerkschostskommissi?» nach dem Birkenwäldchen einberufene Versammlung. Nieder-Schönhitusen. I« der letzten WahlvereinSversammlunz referierte Genosse Ritter. Leider entsprach der Besuch keineswegs den Wünschen. ES sei darauf aufmerksam gemacht, daß auch tu Zukunft die Ver- sammlungen unter»Parteinachrtchten" im.Vorwärts" bekannt« gegeben werden. Die Genossen werden gebeten, darauf zu achten, daß die Mitgliederversammlungen regelmäßig am letzten Dienstag des Monats stattfinden und daß die Hinweise am Sonntag vorher im»Vorwärts" erfolgen. Zohlendorf. Eine fehr gnthesnchte Volksversammlung fand am Sonnabend im Miekschen Lokal statt. Genosse Zubeil hatte da» Reierat über..Volks- ausplündernng und Weltmachtpoutik" übernommen. Mit regem Interesse folgten die Anwesenden den Ausführungen des Referenten, der in seinem zweistündigen Vortrage die Haltung der herrschenden Parteien, ins- besondere der Junker und oeS Zentrums geißelte. Am Schluß der Versammlung ließen sich eine größere Anzahl Parteigenossen in die Organisation aufnehmen. Oravtenburg. Ein entsetzlicher Unglücksfall, bei welchem ein Kind dm Tod fand, trug sich gestern am hiesigen Orte zu. Die dort in der Berliner Straße 67 wohnenden Bierfahrer Roggeschen Eheleute waren vormittags fortgegangen, um einige Besorgungen zu machen und hatten ihre zwölfjährige Tochter allein in der Wohnung zurück- gelassen, die das Mittagessen bereiten sollte. Um schneller Feuer zu erhalten, goß das Mädchen Petroleum aus einer Kanne auf, wobei letztere explodierte. Die Kleider der Kleinen fingen Feuer und im Nu stand die Bedauernswerte in dichten Flammen. Als auf die Hilferufe der Unglücklichen Nachbarn herbeieilten, lag die R. über und über mit Brandwundon bedeckt besinnungslos auf dem Fuß- boden. Ein sofort herbeigerufener Arzt ordnete die Ueberführung der Schwervorletzten nach dem Krankenhause an, wo da« Mädchen unter entsetzliche» Schmerzen nach einigen Stunden verstarb. Kalkberge- Rüdersdorf. In einer gut besuchten Versammlung, die am Sonntag im Gesellfchastshause„Glückauf" tagte, sprach Genosse D ü w e l l über „Die Annen und die Neichen". Dem sehr beifällig aufgenom» menen Referat, in dem die verschiedenen Formen der Ausf«utung und der Reichtumshäufung in den verschiedenen GesellschastS» Perioden Skizzierung erfuhren, folgte eine interessante Diskussion. Mehrere Herren von der Freisinnigen Vereinigung hatten sich, ein- gefunden, und sah sich der Führer', mehrfacher Aufforderung zu» folge, schließlich veranlaßt, das Wort zu ergreifen. Von der AuS- schaltung des Kapitalismus aus dem WirtschaftSprozeß und vom Sozialismus wollte er natürlich nichts wissen. Ohne Kapital könne überhaupt nicht produziert werden. Wenn das Kapital sich ganz zurückziehe, müsse der Arbeiter verhungern, meinte der sehr rede- gewandte Herr, aber im übrigen sei er mit den Darlegungen des Referenten wohl einverstanden. Nur einen Vorwurf müsse er zu- rückweisen. Der Referent habe gesagt, ein Kleinunternehmer, und das sei der Handwerker, erziele ein Einkommen von 6000 M. Das gebe es gar nicht. Unter Heiterkeit der Versammlung wies Genosse Düwell nach, daß der Diskussionsredner gerade in dem einen Punkte sehr begriffsstutzig sei. Er(Redner) habe hypothetisch davon gesprochen, daß, wenn ein Kleinunternehmer, der selber einen Betrieb leite, ein Einkommen von 6000 M, erziele, das wohl als Entgelt für wirklich geleistete Arbeit angesprochen werden könne, aber das sei ausgeschlossen bei den Dividendeneinkommen, denen keine Spur von körperlicher oder geistiger Arbeitsleistung für das in Betracht kommende Unternehmen gegenüberstehe. Der Irrtum des Vorredners sei nur möglich geworden, weil ihm da» Wesen des Kapitalismus noch völlig fremd geblieben und er noch nicht erkannt habe, daß der mit Leihgcld arbeitende Handwerker dem Kapital gerade so gut tributpflichtig sei wie jeder andere Ar. bciter. Der Aufforderung des Referenten, durch Eintritt in die Reihen der modernen Arbeiterbewegung krästig mitzuarbeiten zur Herbeiführung einer vernünftigen Gesellschaftsordnung, folgte de- geisterte Zustimmung. Der ausgezeichnete Verlauf der Ver- sammlung rechtfertigt wohl die Erwartung, daß ihr gute Erfolge für unsere Bewegung erwachsen werden. Ober-Schöneweide. Amts- und Gemeindevorsteher Eckardt sollte nach einer unS zu- gegangenen Meldung im Disziplinarverfahren in letzter Instanz freigesprochen worden sein. Die„Bosstsche Zeitung" wird um Auf- nähme der Mitteilung ersucht, daß ein Termin in dem Disziplinar- verfahren, das in zweiter und letzter Instanz bei dem genannten Gericht anhängig ist, noch nicht stattgefunden hat. Eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts liegt noch nicht vor. Klein-Schönebeck-Fichtena». Der Kampf gegen den Gemeindevorsteher Wittstock wird von den Grundstückspelulanten ohne Ermüdung weitergeführt. Nach dem Prinzip„es bleibt doch etwas hängen", werden immer neue Fäden gesponnen. Jetzt muß die.Wahrheit" des Herrn Wilhelm Bruhn herhalten. Unter der Spitzmarke„Gemeinde-Zwist" bringt sie in ihrer letzten Sonnabendnummer eine Notiz, in der die Wahrheit mit der Dichtung vereint auf den Gemeindevorsteher losgelassen und dieser jetzt u. a. alö„antinational" denunziert wird. ES heißt dort:»Die erbitterte Stimmung in der Gemeinde(d. i. ein Bäcker- dutzend, vor deren Portemonnaie die Gemeindevertretung nicht in Ehrfurcht ersterben tvill) wird noch dadurch gesteigert, daß der Gemeindevorsteher Wittstock mit dem Bürgerverein Fichtenau, in dem sich vielfach politisch radikaleElemente betätigen, in einem recht freundschaftlichen Verhältnis steht, während er mit dem Grund- besitzervercin, zu dem nur gut nationalgesinnte Einwohner gehören, in einem tveniger guten Einvernehmen lebt." Der Bürger- verein, der keine Sozialdemokraten in sich duldet— ist politisch radikal I Derselbe Bürgerverein, dessen Leiter auch im Kriegerverein die Führung haben, die im Hurraschreien bei allen möglichen und unmöglichen mordspatriotischen Festen den Rekord drücken, die mit durchgedrückten Knien bei Sedanseiern!«. Straßenpflaster rammen— politisch radikale Elemente l Ran sieht, aus dem Gebiete der polt- schen Intrige gelten alle Mittel. Ist auch die Qualität gleich Null. die Masse muß es bringen, sagen sich die Gegner de» Gemeinde« Vorsteher» Aittstock._ Sericdts- Leitung. Der Geheimrotsprozeh. Der Prozeß gegen den Wirklichen Geheimen LegatlonSrat Dr. Hamman», den Leiter des offiziösen Preßbureaus, wegen Reineid endete gestern mit Freisprechung. Die Staatsanwaltschaft hatte Verneinung der Schuldfrage beantragt. Der Vertreter des Prof. Schmitz, Justizrat Bernstein, plädierte aus Bejahung der Schuld, frage. t Der Wahrspruch der Geschworene» lautete auf Nichtschuldig. DaS Gericht sprach darauf den Angeklagten frei und legte auf Grund der 503, 504 der Strafprozeßordnung die Koste« de» Verfahren» emschließlich der dem Angeklagten erwachsenen Auslagen dem Privatkläger Professor Bruno Schmitz auf. Damit ist die schmutzige Affäre in erster Instanz beendet. Wie leichtfertig mitunter mit dem Zeugeneide umgegangen wird, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, mit der sich gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieben»»» die 3. Strafkammer de» Landgericht» III zu beschäftigen hatte. Unter der Anklage der Verleitung zum Meineide muht« sich der Kaufmann Emtl Salomen au» Retnickendorf veranwortcn, während dt«.Ehefrau Helene S, wogen fahrlässigen Falscheibes angeklagt war. Der Angeklagte war schon einmal verheiratet. Die Ehe war nicht glücklich, so daß die Eheleute sich schließlich trennten. Während das Ehescheidung«. Verfahren schwebte, lernte S. sein« jetzig« Frau auf eine etwa« „romantische" Weise kennen. Bei einem Spaziergang im Walde bei Tegel machte er die Bekanntschaft einer jungen Dam« namenS Helene Buchholz, die gerade nichts geringeres vor hatte, als sich au» Schmerz über die Treulosigkeit ihre» Geliebten da» Leben nehmen zu wollen. Der Angeklagte erwteS sich als ein guter Tröster, denn das damalige Fräulein B. zog schon nach drei Tagen al» Wirtschafterin zu ihm- Die erst« Frau gab später dt« B. als Zeugin in ihrem Ehescheidungsprozeß an. Diese sagt« u. a. unter ihrem Eide aus, daß sie sich mit Solomon nie„geduzt" habe. Diese Angabe soll nach Behauptung der Anklage unwahr sein. In der gestrigen Verhandlung traten auch zahlreiche Zeugen auf, die be. kündeten, daß die B. fich mit ihrem jetzigen Ehemann stet» geduzt hatte. Der Ehemann S. wurde ferner beschuldigt, eine Frau Sausen zu einem Meineid anzustiften versucht zu haben. D«r Staatsanwalt beantragte gegen den Ehemann S. 1 Jahr Zuchthaus, gegen die Frau 2 Monate Gefängnis. Das Gericht hielt bezüg. lich de» Ehemanne» zwar einen dringenden Verdacht für Vorliegens, kam jedoch mangels genügender Aufklärung zu einet Freisprechung. Bezüglich der Ehefrau erklärte sich die Strafkammer für unzu- standig, da diese dringend de» wissentlichen Meineide» verdächtig erschien. Die Lerhgwdlung gegen sie Vtzrdv dkm Schwurgericht überwiese»._ Ausweisung. Welche Unbill in der preußischen AusweisungSpraxiS liegt. zeigte eine dieser Tage vom OoerverwaltungSgericht entschiedene Klage. Der Bankbeamte Möller, der in Scherrebeck lebte, war am 26. Februar mit einer Aueweisungsverfügung bedacht worden. Bis zum 31. März sollte er Preußen verlassen, weil er sich lästig ge. macht habe. ES wurde angenommen, daß er kein Preuße sn, ob« wohl er im preußischen NordschleSwig geboren und erzogen ist, Preußen auch nie auf längere Zeit verlassen hat. Nach vergeblichen Beschwerden beim Regierungspräsidenten und Oberpräsidenten klagte Möller beim OberverwaltungSgericht. Er machte geltend, daß«r durch Abstammung Preuße sei. Sein im Kreise HaderSleben 1846 geborener Vater habe zwar für Dänemark optiert, nachdem Schleswig zu Preußen gekommen war, die Option sei aber nicht rechtswirksam geworden, weil sein Vater sich nicht nach Dänemarl zurückgezogen habe. Allerdings sei der Vater«ine Zeitlang in Dänemark gewesen. Dort hätte er jedoch nur«ine landwi�tschaft» liche Schule besucht. 1871 sei er wieder zurückgekehrt. Der Vater sei dann auch wegen Desertation bestraft worden. Im März 1871 habe man ihn jedoch für untauglich befunden. Sein Vater sei später auch Gemeindevorsteher gewesen und als solcher vereidigt worden.— Der Kläger selber sei als Einjährig-Freiwillig« beim Seebataillon gewesen? erst gegen Ende der Dienstzeit habe man ihn allerdings entlassen, indem man ihn nicht als Inländer ancr- kannte. DaS OberverwaltungSgericht wies die Klage ab. ES führte auS: Die entscheidende Frage sei: Wie waren die Verhältnisse des VaterS mit Bezug auf die StaatSzugehörigkeit? Da stehe fest, daß er für Dänemark nach dem Wiener Frieden optiert habe. Die Option werde erst wirksam, wenn ein Auswandern nach Dänemark hinzukomme. Da» sei aber anzunehmen. Vor dem Kriege mit Frankreich habe sich der Vater nach Dänemark begeben. Wenn er auch nachher zurückkam, läge doch ein Auswandern vor. Au» der Tatsache, daß ihm die dänische Regierung ausdrücklich auS der dänischen StaatSzugehörigkeit entließ, gehe hervor, daß auch däni. scherseitS ein Einwandern angenommen wurde. In Betracht kommen könnte noch die Apenrader Konvention von 1872, welche die Optaenten behandle, die aus Anlaß des Ausbruchs des Krieges nach Dänemark gegangen und später zurückgekehrt sind. Diese setze fest, daß individuell bestimmte Personen in den preußischen Staatsvcrband zurücktreten. Die betreffende Liste führe den Vater des Klägers nicht auf. Alle andern angeführten Momente seien unerheblich. ES stehe fest, daß Möller Vater die preußische Staats. zugehörmkeit verloren hatte, aus der dänischen entlassen war und die preußische nicht wieder erworben hatte. Demnach sei der Sohn nicht Preuße, sondern Ausländer, und habe als solcher überhaupt nicht das Recht, zu klagen._ Zur Schadenersatzpflicht des Automobilführers. Als der Kläger am 11. Oktober 1907 die Alleestraße in Düffel» darf, eine verkehrsreiche Straße, überschreiten wollte, suchte er sich Deckung zu verschaffen, indem er neoen einem Straßenbahnzuge, der au» einem Motorwagen und einem Anhängewagen bestand, herschritt. Das Auto des Beklagten fuhr in raschem Tempo, wie daS Oöerlandesgericht feststellt, die Alleestraße entlang, bog etwas seitwärts und fuhr um den Anhängewagen herum, diesen fast streifend. Hierbei überfuhr es de» Kläger, der am Ende des Wagens ging und infolge des UeberfahrenS erhebliche Verletzungen erlitt. Wegen zu schnellem FahrenS wurde der Automobilist mit einer Geldstrafe von 300 M. bedacht. Die später vom Kläger erhobenen Schadenersatzansprüche wurden vom Gericht in allen drei Instanzen dem Grunde nach als gerechtfertigt erklärt. Das Oberlandesgericht erblickt in dem Verhalten des Beklagten ein grobes Verschulden. Angesichts des die Fahrbahn verdeckenden Straßenbahnzuges hätte er damit rechnen müssen, daß hinter dem Straßenbahnwagen Leute herkamen, die er nicht rechtzeitig sehen konnte. Infolgedessen hatte er nicht so hart hinter dem Straßenbahnzug die Gleise schneiden dürfen. Wenn er vor dem Zuge nicht mehr hinüber kam, so hätte er so langsam fahren müssen, daß er daS Auto sofort zum Stehen bringen konnte, falls sich Gefahr für irgend jemand zeigte. ES liege alfo Verletzung des§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches vor. Den Klager treffe ein Mitverschulden an dem Unfälle nicht. Dieser habe annehmen dürfen, daß er im Schutz des in gleicher Richtung fahrenden Straßenbahnwagens den Fahrdamm werde ungefährdet überschreiten können. Damit, daß ein Automobil so schnell hinter dem Straßenbahnwagen herumfahren werde, habe der Kläger nicht zu rechnen brauchen. Er habe sich vielmehr darauf verlassen können, daß ein Automobil anhalten oder langsam fahren werde, um die Fußgänger nicht zu gefährden. Das Benehmen des Klägers unmittelbar vorher, ehe ihn das Automobil niederriß, habe darauf hingedeutet, daß er das Gefühl hatte, von dieser Seite her könne iW keine Gefahr d'ko'hen. iveil üjn d'ee Slkaßenba'hnkva'gen wie ein Schild decke. Im weiteren legt das Berufungsgericht noch dar, daß die Feststellung, dah der Beklagte Zeichen mit der Hupe gegeben habe, die Schadenersatzpflicht nicht ausschließe. DaS Reichsgericht verwarf die gegen das Urteil deS Ober- landesgexichts eingelegte Revision. Unlautere Konkurrenz. Einen Sieg erzielte am Montag vor dem S. Zivilsenat des Reichsgerichts die Konfektionsfirma Peiser in Berlin gegen die Kon- kurrenzfirma Putzrath in Berlin, in einer Schadencrsatzsache in Höhe von ILVOO Mark. Die beklagte Firma soll der anderen die Arbeit nebst 26 Schneidern abspenstig gemacht haben, die sich bei 600 M. Konventionalstrafe durch Revers verpflichtet hatten, auf längere Zeit für einen von der Firma Peiser zu Putzrath über. gegangenen Konfektionär nicht zu arbeiten, wenn letzterer aus jenem Geschäft ausscheidet. DaS erstrichterliche Urteil hatte die klägerische Firma abgewiesen, da solche Abmachungen gegen die guten Sitten verstoßen und die Schneider als freie Gewerbe- treibende ,mmer kür verschieden« Firmen gearbeitet haben. Das Berufungsgericht traf gegenteilige Feststellungen und gewann die Ueberzeugung, daß gerade in der Saison und in Anbetracht der großen Zahl Arbeitskräfte die Klägerin sehr Wohl schwer geschädigt werden mußte, wenn auch nicht direkt nachgewiesen sei, daß Vc- klagte die Leute wegbrachte, um Konkurrenz zu machen. Der Per- dacht wäre vorhanden gewesen und Notwehr geboten. Die ganze Existenz des Klägers sei gefährdet worden, dazu komme, daß der Könfe-tionär die Seele des Betriebes ist und er sein Vertrags- t-rrhattniS vorzeitig gelöst hat.— DaS Reichsgericht perwarf die Revision mit der Begründung, daß die Konkurrenzfirma in Ber- teidiaiingSstelliing war und sich durch die angewendeten Mittel in den Grenzen de» Erlaubten gehalten hgbe. flws der fraiienbewcgimg. TaS Frittienstilumrecht vor dem prensiischen Junkerparlament. Wie tief das preußische Dreiklassenhau» in der Reaktion steckt, erwies wieder einmal jene Debatte, in welcher kürzlich im Vor- übergehen die Frage der politischen Gleichberechtigung der Frau berührt wurde. Ein im Herbst vergangenen JahreS von dem linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung abgehaltene Volksversammlung hatte Frau Eauer beauftragt, dem Landtage ein« Petition zu überreichen, in der die Einführung fortschrittlicher Neuerungen auf dem Gebiete der Schule und Sozialpolitik, außerdem aber auch die Abschaffung des Drerklassenwahlrechtes und die Ersetzung desselben durch da» all» gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht für b�ide Geschlechter gefordert wurde. Diese Vetiiion stand in der öS. Sitzung de» Abgeordnetenhauses zur Diskussion. Der freikonservative Abgeordnete Dr. Wagner trat als Berichterstatter der Kommission für Uebergang zur Tages- ordnung ein, um damit kundzugeben, daß erstlich die über» wiegende Mehrheit des Hauses„nicht bereit fein will, das all- gemeine, gleiche, geheime unv direkte Wahlrecht, wie es für den Reichstag besteht, für Preußen zu empfehlen; zweitens aber, um durch den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung zu bekunden, daß sie ebensowenig für das Frauenstimmrecht zu haben sein wird, soweit es die Vertretung im Parlament betrifft". DaS hohe HauS vermochte dem Gegenstande nur geringes Interesse entgegenzubringen. Sehr begreiflich I Handelte es sich doch diesmal nicht um Fragen der Jagd oder der Pferdezucht, die an dieser Stelle immer de» liebevollsten Verständnisses, das sich in lang auSgesponnenen Debatten dokumentiert, sicher find. Nationalliberale, Freikonservative und Zentrum begnügten sich mit wenigen kurzen Bemerkungen, ihre energische Gegnerschaft gegen da» Frauenwahlrecht zu erklären. Um so gewundener waren die Erklärungen, mit denen der freisinnige Abgeordnete Rosenow sich namens seiner Partei au» der Affäre zu ziehen versuchte. Der Freisinn hat die Forderung de» Bürgerrechts ver Frau be» kanntlich immer noch nicht für würdig erachtet, um sie seinem Programm einzuverleiben. Wohlwollende, aber unverbindliche Redensarten einiger Führer waren bestenfalls alles, was man aus freisinniger Seite für die politischen Emanzipationsbestrebungen der Frauen bisher übrig hatte. Dem Gros der Freisinnigen ist das Frauenwahlrccht Hekuba. Wo sich bisher in den Parlamenten eine Gelegenheit bot, haben die Abgeordneten de» Freisinn» stet» das Unzeitgemäße der Bürgerrechtsforderungen der Frauen be» tont unv die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen schnöde im Stiche gelassen. So geschah es auch diesmal im preußischen Abgeordneten- hause. Der FreisinnSmann erklärte, daß seine Fraktion einem sozialdemokratischen Antrage, die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen, nicht zustimmen ivnne.„Wir wollen nicht erkennen lassen, daß wir auch für diese Forderung jetzt ohne weiteres eintreten," heißt e» wörtlich im stenographischen Bericht. Für absehbare Zeit sei sie doch nicht er- reichbar. Weshalb sollte man sich also in Unkosten stürzen um einer Sache willen, die noch in so weitem Felde liegt? ES charakterisiert die Wertschätzung der politischen Frauen feiten» b'et freisinnigen Volksp'arteiler, daß ihnen die schlichte Heber- Weisung der Petition an die Staatsregü mng als Material angemessen schien. Welche neue, grausame Enttäuschung für alle die im Heer- bann deS Liberalismus einhertrottenden Frauenrechtlerinnen, die trotz aller energischen Fußtritte von dieser Seit? doch immer noch auf Gegenliebe vom Freisinn hofften I Es erübrigt sich zu betonen, daß die kleine sozialdemokratische Fraktion des Dreiklassenhauses dem Parteiprogramm getreu un- eingeschränkt für die Forderung der frauenrechtlerischen Petition eintrat, wie sie dies in dem erwähnten Antrage bereits bekundet hatte. Die reaktionäre Mehrheit brachte ihn bei der Abstimmung zu Fall und drückte ihre Nichtachtung gegenüber der demokratischen WahlrechtSforderung für beide Geschlechter in der Annahme des Antrages auf Uebergang zur Tages- ornung aus. Noch einmal wurde die Frage des FrauenstimmrechtS in der. selben Sitzung gestreift, als die Petition eines Herrn v. Deutsch, Traubenberg zur Debatte stand, der nichts Geringeres auf dem Herzen hatte, als die Abschaffung des Reichßtagswahlrechtes und seinen Ersatz durch ein bis in die reaktionärsten Konsequenzen entwickeltes Pluralivahlrecht, in dem auch der Frauen gedacht ist. Aber wie! Erst»ach dem Schwabenalter, mit dem 4b. Jahre, soll die politische Reife der Frau beginnen und mit dem 60. Jahre wieder erloschen. Vor dem 45. Jahre soll der Man» für seine Frau stimmen dürfen. Ueber 60 Jahre hinaus wären die Damen nicht mehr so recht in der Lage, politische Ansichten mit Erfolg vertreten zu können. Der Redner der Sozialdemokratie, Dr. Karl Liebknecht, traf den Nagel auf den Kopf, als er diesen Vorschlag als ein ganz groteskes Gebilde einer naiven, mittelalterlich- politischen Phantasie kennzeichnete und Uebergang zur Tages- ordnung beantragte. Tat nichts! Gerade um seiner gegen das Versammlttnge« Vera« statt»«« gen. Bttbalid der Hmlsangestellten. Mittwoch, den 7. Juli, S'/s Uhr: Dienstbotenversammlung in den.Auguste Viktoria- Sälen", Lutherstratzs öl/SS. Tagesordnung:„Di» Rechtlosigkeit der Dienstboten". Referent Herr Adolf Ritter. Freie Jugendorganisation. Abteilung Lichtenberg-Rummelsburg. eute Mittwoch, den 7. L»li, abends 8 Uhr. bei Petzesand, Goethestr. 8 1 erjaminlung. Bortrag, Kollege Heinzelmann:«Leben und Tod". ReichstagSwahlrecht gerichteten Tendenz willen beschlossen' Junker und Junkergenossen seine Ueberweisung an die StaatSreglerung als Material. So zeigte diese merkwürdige Sitzung des MgeordnetenhauscS klar und deutlich alle Arten von offener und versteckter Gegnerschaft, die inerhalb der bürgerlichen Parteien den ihre politische Mundig, keitSerklärnng verlangenden Frauen gegenüber vorhanden sind, vor der einfachen, brutalen Ablehnung ihrer Forderungen durch Konservative, Nationalliberale und Zentrum, von der offenbaren Verhöhnung der Frauenforderungen in dem possenhaften Einfall des Edlen von Deutsch-Traubenberg bis zu der feigen Drückebergerei der Freisinnigen. Die Eroberung des FrauenstimmrechtS auf der BasiS des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts kann und wird auch allein nur geschehen durch die Sozialdemokratie. Es stimult nicht! Wie wenig zuverlässig bürgerliche Blätter informieren, be- im„Praktischen Ratgeber für jede Familie" über Eingegangene vruckfchriften. Nechtspmsts der Krankenversicherung. Band 1. Entscheidungen 1905—1907. Von Dr. jnr. v. Koebke.— Band 8- Entscheidungen 1908. — Krankenkossen-Bibliothek. Hcst 8. Anleitung für Kassenärzte. Von R. Weck.— Cavette. Ein stetes Wort an die deutsche Aerzstschast. Von Dr. k?. Döring. Verlag> Dr. E. Schnapper, Frankfurt a. W. Die Nachlasjsteuer als Erzieherin. Von P. Heile. Sonderabzuz au» dem Jahrbuch slir Gesetzgebung. Verwaltung und Vollswirtschast. Bon G. Gchmollcr. Verlag: Duncker u. Huniblvt i" Leipzig. Die Seelenschmtede von Redbill. Eine Musteranstalt slir v»r« wahrloste Knaben. Von Dr. C. Abel-Mtwgrave. 1 M. Neues Lrqnkjurtes Verlag, Frantsurt a. W. Reichcgesetz über die Sicherung der Banforderungen. Bom 1. Juni»Svv. Kommentiert und mit Etnl-ttung von Rechtsanwalt Dr. Ernst Hagelberg. Verlag F. Bahlen, Berlin IV., Linkstraße IS. Geb, 1,50 M. Wein sind die österreichisch. ungarischen Seeinteresse» an- vertraut? Von M. Schloß. 40 Sehen.— Ins Bad. Roman von Maria von Berts. 181 Seiten.— Blätter für Zwangserziehung und Fürsorge. 6. Band, 1. Hest. Verlag von E. Kviiegen(®, Stülpnagel), Wien. Wissenschaft und Bildung. Band 40. Der Tierkörper. seine Form und sein Bau unter dem Einfluß der äußeren Daseinsbedingungen. Von Privatdozent Dr. Nccresheimer.— Band öl. Dl« Bolkskrank- Helten n»d ihre Bekämpfung. Von Dr. W. Rosenthal.— Band 53. Kulturgeschichte Roms. Gesammelte Skizzen von Prosessor Dr. Tb. Bist.— Land 09. Kohle und Eisen. Von Dr. il. Binz. Einzelbano geh. 1 M., geb. 1.85 M, Quelle u. Meyer, Leipzig. Landeskunde der Provinz Brandenburg. Unter Mitwirkung hervorragender Fachleute berausgegebsn von Ernst grledel und Robert MIelke. S starke Bände z» je 400 Seiten mit etwa 1000 Abbildungen, zahlreichen Spezlaltarten und der großen siinssarbigen Karte der Provinz Brandenburg 1: 300000. Prets broschiert 80,— 88., elegant in y.»... a,——(fjß 9{e-----'----- Leinwand gebunden 85,— 8». Dietrich Reimer(E. Bohten). Berlin SW. 48. Jahresbericht de» Arbcitersckretariats des Gewerkfchafts- kartrllS Straßburg t. Elf. 1907/08. 104 Seiten. Aewerkjchajtslact-II Straßburg. Das t as" Ei des Kolumbus. Sozialer Roman von M. Ammon. 438 Seiten. Zeilbilder-Verlag, Leipzig. Bunte Bücher. Herausgegeben von der Freien Lchrerverelnlguna in Berlin. Nr. L/Z. Zweierlei Urkunden von I. Frey.— Nr. 4. Eine rheinische Schmugglergcschicht« von W. Q. v. Horn.»" Einzelnummer 10 Ps. Ensslin u, LaibliuS in Reutlingen. weist ein Artikel die Blumenarbciterin. ES heißt da unter anderem:„Es hat sich in den Großstädten aller zivilisierten Länder eine große und recht rentable Industrie entwickelt, in welcher Tausende von Blumen» arbeitorinnen ihre auskömmliche lO Existenz finden." Und weiter:„Erlernt werden kann die Blumenarbcit gegen ein ent- sprechende» Lehrgeld in den einschlägigen Ateliers. Die Be- zahlung erfolgt nach etwa ein- bis anderthalbjähriger Lehrzeit, je nach Leistungen. Im Durchschnitt verdient eine Blumenarbciterin beispielsweise in Berlin etwa 18 bis 20 M. wöchentlich. Etwas mehr verdienen diejenigen Arbeiterinnen, welche besondere Geschick- lichkeit im Arrangieren von Buketten für Vasen und dergleichen be- sitzen." Wer in der Blumenindustrte auch nur oberflächlich orien- tiert ist und diese Zeilen liest, der staunt über solche Behauptungen. Man könnte annehmen, die Notiz stamme aus Untcrnehmcrkreisen, die an der Verschleierung der wahren Tatsachen interessiert sind. Tatsächlich herrscht fast in leiner anderen Branche so bitteres Elend, wie gerade in der Blumenindustrie. Schon daß dieser Erwerbs- zweig in hohem Maße von der Saison abhängt, macht die Lage der in ihr Beschäftigten nicht zur rosigsten. Nach den Feststellungen des Berliner Heimarbeiterschutzkongresses gibt es in Deutschland zirka 19 000 Arbeiterinnen und 1000 Arbeiter in Blumenfabriken. Ferner 20—25 000 Heimarbeiterinnen dieser Branche. In seinem Be- ?üßung«wort an den Kongreß wies L c g i e n auf die tieftraurige Tatsache hin, daß Arbeiterinnen, die künstliche Blumen herstellen, 5— 5% Pf. pro Stunde verdienen. Ob das als„auskömmliche" Existenz angesehen wird? Die Saison in dem Berufe umfaßt un- gefähr 7 Monate des Jahres. In der Zwischenzeit ist die Mehrzahl der Arbeiterinnen brotlos, nur die besten Kräfte haben etwas Ar- beit. Jedoch bekommen sie nur sogenannte„S o m m e r l ö h n e". die 15— 20 Proz. weniger betragen als die in der Saison üblichen. 8— 9 Stunden beträgt in der guten Konjunktur die Arbeitszeit in der Fabrik, jedoch wird zu Hause noch bis in die sinkende Nacht weitcrgeschufteet. Diese Arbeit nach Feierabend wird wiederum weit niedriger bezahlt als die in der Fabrik hergestellte. 30, 40 bis 50 M. wurden damals als Monatseinkommen einer Blumen- machcrin angegeben, deren Lage sich bis tzum heutigen Tage nicht wesentlich verändert hat. Noch erschreckender sind die Zustände auf dem Lande, wo bei unendlich ausgedehnter Arbeitszeit Wochen- einkommen von 2 M. an zu verzeichnen sind. So sehen in Wirklich- keit die Arbeits- und Lohnverhältnisse in der Blumenindustrie aus. WltterungSüberstcht vom K. Juli 1909, morgen» 8 Uhr. etaUenen Jß ch E S3 Swtnemde. Hamburg verlw Franis.a.M. München Wien 750 SD 758 SO 760 SB 759 SW 761 SW 761 Still § Seilet 2 wolkig 2 bedeckt 2 bette». 5 bedeckt 2 halb bd. ia(6 bd. ui» dt »II t? Mi Ctottonen B"= ga Haparanda PcterZburg Scillh «berde« Pari» 763 0 753 WSW 751 WNW 760SSW Wette» 2, bedeck» 4Negen 2bedeckt 2, bedeckt "! 4 II .S Mi i 17 13 12 14 Wetterprognose für Mittwoch, den 7. Juli 1909. Ziemlich wann, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich bei mäßigen süd- westlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. tetterbureau. WasserstaudS-Rachrichte» ber LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteM vom Berliner Weiterbnreau. Wasserstand M e m e l. TiljU Vregel, Jnsterburg Weichsel. Thoru Oder, Ratibor , Krassen . Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau1) , Rathenow') E pre», Spremberg') , Biestow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximllicmSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim' Mo et. Trier am 5. 7. ein 116 38 42 116 64 —96 —26 646 314 324 107 139 128 seit 4. 7, cm +11 +1 0 -64 +1 -4 +12 —24 +84 +41 -15 +14 —9 l)+ bedeutet Wuch».— Fall.—•) Unterpegel. Nach telegraphischer Meldung war die Oder bei Rattbor heute srüh schon aus 279 cm Befallen und fällt weiter. cr-l» den Inhalt der Inserat« lüirrnimmt die R ,?nr Redaktion dem Bubliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. Mittwoch, den 7. Juli. Ansang 7'/, Uhr. NcneS kSniglicheS Operntheater. Der stiegende Holländer. Anfang 3 Uhr. TentscheS. Zu ebener Erde und im ersten Stock. Kammerspiele. Ein Skandal in Monte Carlo. Lessing. Die Dollarprinzesssn. Berliner. Ein Herbstmanöver. ReneS Schauspielhaus. Moral. Schiller<»., Wallner- Thcmer.) Madame Bonivard. Schiller Chorlottendurg. Der Biberpelz. Friedrich- Wilhelmstädt« Schau- spielhaus. Martha. komische Oper. O diese Leutnants. fteueö. Der Hoteldieb. Thalia. Im Cafä Noblesse. bustsPielhauS. Der fesche Rudi. Neues Overetten. Die Sprudelsee. Lunsen. Die Sünde deS Priesters. tlelieS Caprice. Drei Frauenbüte. Der Deserteur usw. Ans. 8'/, Uhr. rymtrouoL. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rote. DeS Meere» und der Liebe Wellen. Berliner Prater. Man lebt{o nur einmal. W. Noacks Theater. Verbotene Wege. rlpatlo. Hartsteln. Er oder Er. Spezialitäten. TLlntcrgartcn. Spezialitäten. •i-iiiingf. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Stadt- Theater Moabit. Gpezia- lttäten. Boltsgarten. Spezialitäten. vrnnuen. Die Spreewald-Kälhe. Spezialitäten. llteichSballen. Stettiner Sänger. Der Kompagnieball. Urania. Tanveunralie 48/49. Abend» 8 Uhr- Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Steruioarte. Jnvalidenstr. 57/62. L-essirix-'nieater. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theater». Anlang 3 Uhr. Vtv vollnrpi'tnne»»!»». Operette w 3 Akten von Leo Fall. EterHner Theater. Operetten-Gastspiel. fHT Täglich 8 Uhr:-M» Bin Herbstmanöver. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: 3er Noteldisb. DonnerStaglund folgende Tage: Der Hoteldieb. FriedriGh-Wilhelmstädtiscbes Schauspielhaus. Mittwoch, 7. Juli, abends 8 Uhr: Martha»it Der Markt züRiehinoml Romant. Oper in 4 AN. von Flotow. (Kleine Preise.) Donnerstag: Undine.(Kl. Preise) Hetropol-Theater Dia oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul Freund. Musik v. Gast. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Bich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Ast 8 Chr. Bauchen gestattet. ScMller-TIieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Täglich: üludamo Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bisson und Antonh Wars. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Schiiler-Tfaeator Charlottenburg. Täglich: Der Biberpelz. Eine Diebeskomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10>/, Uhr. Arnold Scholz lißUe Welt Hasenheide 108-114 Heute, ÜHttwoeh, den 7. Juli 10O9: Erstes groSSes Erntefest. Bonbonregon. X Kindei-helustigungan aller Art. X Fackelzug. Großer Erntefestzug mit Erntewagen, Reitern u. Dromedaren. Grotte Gratl»-Verlosung."3*9 > Je 1 goldene Uhr I. Mädchen uTKnaben. Eintritt 15 Pf. Urania. WiBsenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Glatscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Hauptge Anfang 4 Ehr,_ 'ieues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Gura-Oper. Der fliegende Holländer v. Bichard Wagner. Anf. 71/, Uhr. Holländer: Herr Demuth(Wien). Donnerstag u. Sonnabend: Tann- h&user(7 Uhr). Freitag: Don Juan. Sonntag: Meistersingor(5 Uhr). Stadt-Theater Moabit, Alt Moabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater-Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Udr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bczw. 5 Uhr. Garteneröffnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, Spezia- lttäten und Solree der„Lustige« Sänger". Bei Regenwetter Borstellung im großen Theaier-Saal. LustspieHliaiis. Abends 8 Uhr: Der fesche Rudi. „£a Dw" in ihren Phantasie- Tänzen. Verona Cycle-Troupe ÜSix Juggling-Girls!! so wie die sensationellen Attraktionen des Juli-Programms. Reserviert. Platz 2 M. Entreo I M. (einschl. Programm u. Garderobe.) Z pOLOCiSCHER Täglich: Großes Milltär-Ooppel-Konzert. I Eintr. 1 M., v. abends 6 Uhr ab SO Pf., Kind, n. 10 Jahr, d. Hälft.; Ncncs Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Anfang 8 Uhr: »le Spriidelfee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. 8«hr- DieneaenSpezialitäteii. Prolongiert I Jean Paul Proiongicrll Die O Yankee Doodle«Irl». Novität I 9 Uhr: Novität! Die lustigen Zecher. Original-Sketsch von Leo Billward. um 71. Male:-TtzB« oder|Ü|i* mit Kartstein nmoKH Gr. Frankfurter Str. 132. Gastspiel Ann» Berg, Des MeereS und der Lieb« Wellen. Trauerspiel in 5 Akten v. Grillparzer. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartcndühne Ansang 4'/, Uhr. U. a.: W i l l i A g o st o n in Berlin auf Stelzen. Paul Coradini usw. Spezialitäten. ! Voiabergswag 19-20, Rosenth.7 Ansang 8 Uhr. Im Theater: | Die grandtosen Spezialitäten. Im Garten: Freikonzert. Vor der spanischen Arena. Volksgarten-Theater früher Wcimanns Volksgarten. Täglich: Konzert. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Das neue Juli-Brogra-ilm. Qustav Eulonburg. X Trudi Truth. Qoschw. Wiedcmann. The 3 Sybin ns. Der Brandstifter von Berlin. BolkSst. m. Ges. u. Tanz v. Reifflmgm. M�nigstadt-Kasino. tolzmarktstr.72(Ecke Zllexandcrstr.) ägl. i.herrl.Natur-Sommergartcn bei ungünstiger Witterung i.Saale Sr. Theater- u. Spoz.- Vorstellung. Eise fÄ Kiste �Änunt1- Meißner, Oemby, Los Mignons, ""lssige Spezialitätei 6 Uhr. Byron u. erfttlassige Spezialitäten. �Ans�wochenl�S�Somitaaz Maybach-Ufer I an der Thielen■ Brücke. Straßenbahnlinien 94, 46n. 22. Abends 8 Uhr: 408b mit einem noch nie vorher hier gezeigten mannigfaltigen Sensations- Programm, jede einzelne Nummer eine Attraktion u. Schlager. Täglich abends 10 U. 20 Min. Auftreten der weltberühmten liUwen-Domptcnso Miss Charles mit ihren 14«öS Löwen 14 einzig dastehend ohne Konkurrenz. Aehhinfl! PutZGPi ÜElysiimi Landsberger Allee 40|41, Ecke Petersburger Strafte. DM- Heule sowie täglich"TSSsg im prachtvollen Naturgarten: VorstellunZ abwechselnd von drei der btstrensimniertesten Siillgergksellschlisttn. KeiehshsüLll-Iheater. r (Meysel, Britton, Schräder naw.) Ansang 8 Uhr. Freitag, den 16. 7; 1. Gastspiel Winter- Tymian. Donnerstag, den 8. Juli 1909, abends 6'/z Uhr, in der Koppenstr. 29 /„ mittags 2 Uhr: nach DklllNlk Dllflvkls j Sorge. I Neue Mühle.»'VF--! Üt mnS'.'iii"-»-Msilersdoifer Zchielist.| Ä'7.a§:2.'S Restaurant Kyffhäuser 4046 Einfache Fahrt: Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Ps. Dampfer- Fahrgäste zahlen kein Entree.—— Robert Tismer. Rauchen 5i istM ifearel�ü. Devise: QualiläMstdiebeskEmpFehlun� Verband der Haler, Saeklerer, Unstreicber ete. I�üclienmöbeibranclie. Freitag, den 9. Juli, abends 8'/, Uhr. im Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15, Saal 5: Spaneben» Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag de? Kollegen E. Jakobclt. 2. Diskussion. 3. Branchen. angelegcnheiteu. 129/4* Zahlreiches Erscheinen der Kollegen erwartet_ Der Obmann. Zentraiverband der Lederarbeiter. = Filiale 1 Berlin.--------- Donnerstag, den 8. Juli, abends Punkt 8 Uhr. im Saale des Herrn Schmlckt, Prinzen-Allee 33: Mglieder- Versammlung aller in der Leder- und Handfchuhfabrikatio» beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: l. Bericht dcS Vorstande». 2. ErgänzungS- wähl des Komitees zum StiswngSsest. 3. VerbandSangelegenheiten. Zahlreiches sowie pünktliches Erscheinen erwartet 144/10_ Der Vorstand. Achtung! Bewilligte Bäckerei! Hiermit dem geehrten Publikum die Nachricht, daß jetzt die Bäckerei von Frlta Hanke nebst den Filialen Elbinger Str. 79, Hufeland- strafte»4 und Barnimstr. 10 als bewilligt gilt, da die Forderungen der Gesellen erfüllt sind. 40/3 Johann Renner, Vertreter, Marlenhurgcr Str. 7, Stammgeschäst. Achtung! Bewilligte Bäckerei! Die Differenzen zwischen unterzeichnetem Meister und dem Verband der Bäcker und Konditoren sind geschlichtet und gilt somit diese Bäckerei wieder als taristreu l B. Dreier, Bäckermeister, Wiescnstr. 19a- 4116 Der Vertrauensmann der Bäcker. Tiilililllirbkitn-Gcmijseuschlist, Haiulilirg Generalvertrirb und Fabriklager Berlin SO., Köpenicker Strafte SOa Vertreter: Udo Staufenberg"9!«�' Niederlage der Nordhäilser Kautabakarbciter-Genossenschaft .Zigarren— Zigaretten— Kantabako zu Fabrikpreisen. Wald- und LandparzelBen, Vorort herrlich gelegen, verlaust von 200 Mark an pro Palzelle. Auch Teilzahlung. 4126 KasiskC, Palisadenftraße 89. Passage-PaDoptikum. Eebend! Die letzten weiblieben Wesen vom Stamme der Azteken! Qr.Schaustellungen Vitascop-Iheater usw. Alles ohne Extra-Entree. Täglich: Große Theater- d. Spezialitälen-Vorstellong. Heute: Großer Elitetag. ?The 5. Baues Brother? usw. Sm Elite-Ball'n 0rche8,er' Pracht-Saal Beginn 4'/g Uhr. musik. Entree 30 Ps. Kerliner proter-Thkaterl Kastanienallee 7—9. t Täglich: Man lebt Ja nnr einmal! Spezialitäten ersten Ranges. Konzert nnd Ball. Ansang i'l, Uhr. J Danksagung. Für die herzliche Teilnabme bei der Beerdigung unseres lieben Sohne», Bruders und Bräutigams 414b kicksrd Damerow sagen wir allen Verwandten und Bekannten, sowie dem Gesangverein „Unverdrossen" unseren besten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen (Z. Damerow. Louise Schröder. flamme Volkspark-Theater UUlimiU Landsberger Zlllce 74/77. Große Vorstellung des ilMflisElien Künstler-Ensembles nebst Austreten erstkl. Spezialitäten. Zum erste» Ntale in Berlin. Jeden Mittwoch: Kinderfest. Schweizer- Garten 1 e Am KönigStor. Am Fricdrichshain 0 Ö Töniirh Ansang 4 resp. 5 Uhr< §l ilglN-U Entree SO I'k.' � Iveater-Vorsleilung 5 Spezialitäten. D. neucJuliProgr. S kinemalograph, Velksbelustigong.t 0 Jcb.Mittrooch: Kinderfreudonfest, g Max Kliems Sommer-Theater üBi Festsäie Rudolf Krüger Hasenheide 13/15. »sp- Täglich--sag Groües Konzert, Theater und Spezialitäten-Iforstellüng. Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elitcto g. Während und nach der Vorstellung Vanzkrunzchen. f S d Vereins- Braoerei Rixdorf, Hermannstr. 214/219. j Oekonom: Max Wendt. __ Täglich: lUB Gr. Militär-Konzert. Jeden Dienstag: p Gr. iier-Fnü-FesU Entr. 15 Pf. Mütze od. Schärpe grat. f f. l! Haben Sie Stoff? /ch fertirr davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, danerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Lab und, Nette Promenaden, II.( Stdtb. Börse). "1 t) "f I Billigste BezugsqneUe 1 geäieg.TraiiEriarflerohei IWestmanns! Trauer-Magazin 1 Berlin W., Mohrenstr. 37a I | NO., Gr. Frankf. Str. 115.[ Genaue Beachtung | meiner Firma u. 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SlaubmäDtelWetterleste Paletots, Wasserdichte Lodeaeapes Jacketts! Kimonos! Pichus! I Hia Dreien. Frühere Preise bis M. 20.—, bis M. 30.—, bis M. 45.—.bis M. 75.— ,bis M. 120.— usw. bis M. 600.— | Vergleichen Sie bitte die Preise:heutig6 � z,TeiiM.4.-; M. 6.-, M.9.-, M. 15.-, M. 24—. bis hl. 120... Schon bei M. 15.— Einkauf gratis an jeden Käufer; eine Beig�abe! Sozialdemokratischer Wahlverein des 8. Berl. Relehstags-Walilkreises. Todes-Anzelge. Am Sonnlag, den 4. Juli, ver- starb unser Mitglied, der Gastwirt Ksrl Schulze, Dunckerstr. 90. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Juli, nach« mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt.[228/16 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Gliz!8ll!MkMeh.Wnhl?mini RixÄttrL. Am 1. Juli verstarb infolge Un- falls unser Mitglied, der Brunnen- arbeiter Robert Schütze. (14 Bezirk.) Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heilte! Mittwoch, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des neuen 1 Rixdorser Friedhofes(Marien- dorser Weg) au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 235/11 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser heoa Ratajczak an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Juli, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- halle des St. Sebastian-KirchhofeS in Reinickendors-West aus statt. Ferner starb unser Mtglled, der Bauanschläger Paul(Haubitz an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 8. Juli, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen-! Halle des Zentral- Friedhofes in FriedrichSselde aus statt. Ferner starb unser Mtglied, der Former Priedrieliifcnipiieiitol am 27. Juni an Gehirnerschütterung. Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 7. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von dck. Leichen- Halle des PauIS-Kirchhoses, See- straße auS statt. Ehre ihrem Andenke«! Rege Beteiligung erwartet 119/13 Die Ortsverwaltung Zentral-Vertiand der Maurer Deutseblandi Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern deS Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Kar! Schulze am 4. Juli im Alter von 59 Jahren an Nierenentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Juli, nach- mittags 4>/, Uhr, von derLeichen- balle deS Zentral- Frledhoses in Friedrichsselde aus statt. Um reg« Beteiligung ersucht 134/7 Der Vorstand. Am 1. Juli entschlief nach langem schweren Leiden meine inniggelicbte Frau, Misere gute Schwester, Schwägerin und Tante Therese Unbehauen geb. Knlpport im 45. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Wilhelm Cnbchaaen nebst Verwandten. Die Beerdigung findet heute, den 7. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- KirchhossKermannstraße, auS statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir ollen Bekannten und Genossen sowie meinen Kollegen von der Berliner Genossenscha/ts- Bäckerei unseren herzlichen Dank. Theodor Koppelt ___ nebst Kindern._ Dr. SimrneS Spezial-Arzt«2/9* für Haut- und Harnleiden. Prluzenslr, 41, ÄÄ, ■2, 6—7. Sonntags 10— 12, 8—4 10 Lerantwortl. Redakteur: Wilhelm Diiwell. Lichtenberg. Wr den Inseratenteil verantw�: Th. Glocke, Berlin, Druck».Verlag- Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW.