Gxpedition: SM. 68, Lindenatrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Dr. ISS. BDonncmenfs-Bedlngungen: Monnements- Preis pränumerando i Wiertcljährl. Z�o üJtt,, monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 SPfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. »unimcr nnt illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psa. Post. Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. Postabonncmcnts nehmen an: Belgien, Tänemar!, Holland, Jtalieti, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. CridKlnt täglich sicher montags. Zentralorgan der fosialdemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktton: SM. 68, Lindcnotrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983» Sonntag, de» 11. Juli 1909. 96. Jahrg. Die TniertionS'GcbüIsr Beträgt sür die sechSgespaltene Kolonel, geile oder deren Raum M Psg., sür politische und gcwerlschaftliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigen A> Pfg. „KUine Hnicigcn". das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittagSindcr Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SozialiUmoHrat Berlin". Der Steuer Raubzug ist uollliracht! Auch der letzte Rest der volksbelastendcn Steuern, die von der konservativ-klcrikalen Mehrheit ausgeklügelt waren, wurden heute in die Scheuern gebracht. Natürlich mit der überhasteten Geschwindigkeit, die auf eine ernstliche Begründung vollständig verzichtet. Aber ehe es an die eigentliche Ernte- arbeit ging, kam es noch zu einer General- debatte über die Steuerpfuscherei an sich sowohl wie über die politische Lage überhaupt. Daß diese General- debatte nicht bei Beginn der dritten Lesung vorgenommen sondern da mitten hinein nach definitiver Bewilligung von drei wichtigen Steuern, eingeschaltet wurde, ist auch eine der Rechtswidrigkeiten, durch welche diese verworrene Gesetzes- macherei sich auszeichnet. Doch das ist immerhin eine Neben- sächlichkcit. Bezeichnend für den Zustand, in welchen die maßgebenden Politiker die Reichspolitik versetzt haben, war es, daß bei dieser wichtigen Aktion ein Verantwortlicher Reichs- kanzler nicht zur Stelle war. Tatsächlich wird das Deutsche Reich augenblicklich völlig verantwortungslos regiert. Denn daß Bülow sich hat bereitfinden lassen, die formelle Verantwortung sür einen Akt der Gesetzgebung zu übernehmen, den er an sich durchaus mißbilligt, ist nur eine Maske für die Tatsache, daß ein leitender Staatsmann nicht vorhanden ist, der wirklich, nicht nur dem Namen nach, die volle Verantwortung für diese Steuerpfuscherei trägt. In Vertretung des bereits völlig außer Kurs gesetzten Bülow war der übliche Stellvertreter Herr v. B e t h m a n n- H o l l w e g auch diesmal erschienen. Seine kläglichen Be- schönigungsversuche dafür, daß nicht nur Bülow, sondern auch seine Ministerkollegen ihrer Ueberzeugung entgegen eine Politik durchführten, die sie anfangs für durchaus unannehmbar er- klärt haben, sind ja für den Gang der Politik völlig belanglos. Es wäre unnütz, ein Wort der Kritik daran zu verschwenden. Sollte es wirklich wahr sein, daß dieser durch seine Mitschuld an der Bülowiterei völlig diskreditierte Herr voo Bethmann- Hollweg auf den Reichskanzlerposten befördert würde, so würde das nur der Tatsache Ausdruck geben, daß diese Regierungsbureaukraten nunmehr völlig darauf verzichten, den Schein anstecht zu erhalten, als ob sie noch irgend welche Ueberzeugung vertreten. Entscheidend für die Richtung des RegierungskurseS, der künftig in Deutschland gesteuert werden soll, ist ja die Politik, für welche die klerikal-konservative Koalition sich entscheidet. Und deshalb sind die Ausführungen der Führer des schwarz- blauen Blocks wichtiger als verlegene Ministerreden. An- scheinend müßte es als ein Einlenken in konstitutionelle Bahnen sogar mit Genugwung begrüßt werden können, daß die Anschauungen einer Rcichstagsmehrheit maßgebend sind für die Reichspolitik. Das Bizarre an dem gegen- wärtigen Zustand ist aber, daß die gegenwärfige Mehrheit keines- Wegs das Recht hat, sich als Vertreterin der Volksmehrheit auszugeben oder auch nur einer Mehrheit entspricht, die nach dem gegenwärtigen Wahlsystem von dem Volke in den Reichs- tag hineingeschickt werden würde, wenn es sein Urteil über die sogenannte Finanzreform bei allgemeinen Neuwahlen aus- drücken könnte. Weil die Regierung und die nunmehr Herr- schenden Parteien eine solche Mehrheit fürchten, wurde ja gerade der Reichstag nicht aufgelöst. Darin liegt aber das offene Eingeständnis, daß die Regierung gegen den Willen des Volkes weiter wursteln will. Aber auch das ist unvereinbar mit dem Geiste parlamentarischer Einrichtungen, daß die herrschende Parteikonstellation zwar maßgebend ist für die Regierungspolitik, daß aber ihre verantwortlichen Führer nicht berufen werden, die Regierung selber zu übernehmen, um die volle Verantwortung fiir die Politik zu tragen, sondern daß irgend welche farblose, mit Ueberzeugungen nicht be- schmorte Bureaukraten diese Politik machen sollen. Was sagten nun die verantwortungslosen Führer der regierenden Parteien? Für die Konservativen sprach Herr v. Heydebrand und derLase, der sonst nur im preußischen Abgeordneten- hause als Führer der Konservativen das Wort zu nehmen pflegt, während er im Reichstag gemeiniglich die konservative Vertretung anderen Vorkämpfern des Junkertums und der Agrarier überläßt. Darin prägt sich die Taffache aus. daß den Konservativen das preußische Abgeordnetenhaus als Hochburg gilt und nur nebenbei das Reich von ihnen mitregiert wird. Don seinem Standpunkt aus sprach Herr v. Heydebrand zweifellos geschickt und wirkungsvoll. Er suchte die Fiktion auftecht zu erhalten, daß man in Deutschland wie in Preußen eine über den Parteien stehende Regierung habe, die aus innerer Erleuchtung dem Volks- wohl diene, und daß der Monarch die Zentralsonne dieses unübertrefflichen Regierungssystems sei. Er nahm auch jetzt noch für den Kaiser das Recht in Anspruch, sich den Reichskanzler ganz unbeeinflußt nach eigenem Gutdünken zu wählen. Die Verschleierung derTatsache dafür, daß in Preußen und Deutschland nach konservativen Grundsätzen regiert wird und daß die Konservativen sich auch durch den Kaiser und König von diesem Recht nichrs abzwacken lassen, mußte allerdings voll- kommen mißlingen. Die letzten Ereignisse haben es doch hin- reichend erwiesen, daß für Junker und Junkergenossen unver- brüchlich der Grundsatz gilt:„Und der König absolut, wenn er uns den Willen tut". Geradezu rührend hörte es sich an, als der Wortführer der agrarischen Junker, die stets rücksichtslos ihre LAassen- vorteile verfolgen, darzulegen versuchte, welche Opfer die Agrarier bei dieser sogenannten Steuerreform gebracht hätten. Aus Patriotismus hätten sie auf die Herabsetzung der Zucker- stcuer verzichtet, aus Patriotismus sogar der Branntwein- schuererhöhung zugestimnit, die ihnen bekanntlich 40 bis 50 Millionen Mark Liebesgaben jährlich dauernd verbürgt. Mit diesen Ausführungen erweckte er im Hause denn auch nur auf der Rechten verständnisinnige Heiterkeit, auf der Linken offenes Hohnlachen. Eine bittere Pille für die Liberalen war es aber, als ihr ehemaliger Blockbruder, der sie so unsanft aus dem Regierungsblock hinausbefördert hatte, ihnen rund- weg erklärte, daß eine dauernde Gemeinschaft zwischen Konservativen und P Liberalen doch unmöglich sei, und daß die Liberalen nur so lange einer solchen Gemein- schaft gewürdigt wurden, als sie sich dazu bereit fanden, kon- servative Politik zu machen. Es ist eben das trübe Schicksal des Liberalismus, daß die Liberalen das nicht selbst erkannt haben. Die Kernfrage der kommenden Kämpfe berührte Herr von Heydebrand jedoch, als er darauf zu sprechen kam, daß die Erbschaftssteuer, abgesehen von sonstigen Bedenken, schon deshalb nicht die Zustimmung der Kon- servativen finden könne, da man einem Parlament des allgemeinen Wahlrechts eine so gefährliche Waffe nicht in die Hand geben dürfe. Die Feindschaft gegen das allgemeine Wahlrecht, von dessen Einführung in Preußen die Junker eine Erschütterung und schließlich den Sturz ihrer Herrschaft zu erwarten haben, ist schon gegenwärtig das Leitmotiv für die Politik der Konservativen und wird es mehr noch in der Zukunft sein. Daß der Junkerführer seinem Abscheu vor der Sozial- demokratie Ausdruck gab, versteht sich am Rande. Er wählte dafür aber die eigentümliche Form, sein antisozialistisches Empfinden in eine Lobeserhebung für den gestürzten Bülow zu kleiden, indem er bewundernd versicherte, die schönen Reden dieses zitatenfrohen Diplomaten hätten von Rechtswegen eigentlich der Sozialdemokratie völlig den Garaus machen müssen. Wenn Herr v. Heydebrand mit der Methode Bülowscher Sozialistenbekämpfung so sehr zuftieden ist, so be- weist er in dieser Beziehung immerhin eine Bescheidenheit, die ihresgleichen sucht. Die gebührende Antwort auf diese Darlegung der Junker- poliffk zu erteilen, war dem Genossen Singer vorbehalten Denn der Freiherr v. H e r t l i n g, der als Vertreter der Zentrumspartei nach dem parlamentarischen Brauch vorher zu Wort hätte kommen müssen, hatte sich als vor- sichtiger Mann weiter zurückstellen lassen. Singer wies treffend darauf hin, daß die Liberalen durch ihre der- blendete Wahltaktik im Bülowblock die Konservativen selbst in die Position gebracht hätten, jetzt mit den Anti- scmiten, Polen und Zentrumsleutcn zusammen eine rcak- tionäre Wirtschaftspolitik zu treiben und die Liberalen an die Wand zu drücken. Die Regierung bestehe ja nur noch aus Marionetten des neuen schwarzblauen Blocks. Die Feindseligkeit, mit der Herr von Heydebrand das allgemeine Wahlrecht behandelt habe, liefere aufs neue den Beweis, wie notwendig ein Kampf auf Tod und Leben gegen die reaktionären Anschauungen sei, die wir da zu hören bekommen hätten. Singer wies dann an den bewilligten Steuern nach, in wie stevelhafter Weise die arbeitenden Massen des Volkes ausgeplündertwürden. DenLiberalen könne der Vorwurf nicht er- spart bleiben, daß sie ebenso bereit gewesen seien, 400 Millionen indirekter Steuern zu bewilligen, wie ihre klerikal-konservativen Konkurrenten. WaS aber der Schnapsblock geleistet habe, übertreffe doch alles, was man für möglich gehalten hätte. Indes der Tag der Vergeltung werde kommen; das Volk werde es satt werden, sich zur Bestreirung der Kosten für das wahnsinnige Wettrüsten noch weiter so in seinen unentbehr- lichsten Lebensbedürfnissen besteuern zu lassen. Der nationalliberale Dr. H i e b e r suchte sich in erster Reihe das Zentrum für seine Polemik aus. Konnte er doch aus früheren Zentrumsschristen Stellen zitieren, die zeigen, wie völlig die Zentrumspartci ihre Steuerpolitik ge- ändert hat, nur um auf diese Weise wieder Einfluß auf die Regierung zu gewinnen. Aus seiner Rede leuchtete aber auch die Hoffnung hindurch, daß es den National- liberalen nochmals gelingen könne, in ein Bundesverhältnis zu den Konservativen zu kommen. Das eröffnet allerdings wenig Aussicht darauf, daß die Nationalliberalen zu einem ernstlichen Kampf gegen die Reaktion sich aufraffen können. Schärfere Töne schlug der Freisinnige Dr. W i e m e r an, doch hielt auch er nock) immer die Bildung des Bülowblocks für eine preisenswerte Tat. Selbst die brutale Absage des Herrn von Heydebrand hat die Liberalen also nicht völlig kuriert. trümmert mit der sachlichen klerikalen Der Vorsitzende der Zentrumspartei, Freiherr v. Hert- ling, schwelgte im Triumph der neugewonnenen Position. Er machte kein Hehl daraus, daß er und seine Freunde von Anfang an versucht hätten, die konservativen Freunde, nnt denen gewisse Grundanschauungcn sie gemeinsam verbänden, für die Wiederherstellung des alten klerikal-konservativen Bünd- nisses zurückzugewinnen. Um die Rechtfertigung der un- gcheuerlichen Steuern mühte er sich nicht weiter ab. Doch konnte man aus seinen Ausführungen die Ueberzeugung schöpfen, daß das deutsche Volk eine Acra reaktionärer Wirtschafts- Politik über sich ergehen lassen muß, so lange das un- geschriebene Bündnis des Zentrums mit den Konservativen nicht bei allgemeinen Neuwahlen durch das Volk selbst zer- wird. Der Pole v. Czarlinski begnügte sich üblichen kurzen Erklärung, daß aus rein Gründen feine Fraktion sich, dem konservativ- Steuerblock angeschlossen habe. Er machte aber nicht den geringsten Versuch, es zu erklären, weshalb die Polen dieser Regierung, von der sie bis aufs Blut ge- peinigt wurden, 500 Millionen neuer Steuern bewilligen, von denen in der Ueberzahl die polnischen Proletarier genau so schwer getroffen werden wie die deutschen. Schließlich variierten noch einige freikonscrvative und antisemitische Redner das konservative Programm in etwas abgeschwächter Form. Ohne noch einen zweiten sozialdemokratischen oder frei- sinnigen Redner zum Wort zu lassen, schloß nunmehr der Schnapsblock brutal die Generaldebatte. Dann wurden mit der gewohnten Hast und ohne Rast auch die über- gebliebenen Steuergesetze, Kaffeezoll, Teczoll, Zündwarcnsteuer, Wechselstempel usw. in dritter Lesung angenommen. Die Mehrheit reagierte mit unartikulierten Lauten des Unwillens auf die Ankündigung, daß die Sozialdeniokratie insgesamt sieben Anträge auf namentliche Abstimmung bei den Einzel- steuern gestellt hatte. Aber es blieb ihr nicht erspart, daß ein jeder Schnapsblockbruder sich zur Annahme dieser Volks- schädlichen Steuern bekennen mußte. Eine ernstliche Debatte gab es noch über einen Antrag des Grafen Westarp, der es fertig gebracht hatte, für die dritte Lesung des Stempelgesetzes noch einen Passus zu formulieren, der eine Wertzuwachs st euer spätestens zum 1. April 1912 verlangt. Dieser Antrag war wieder so unausgereift und un- klar, daß er berechtigten Spott und Hohn bei den Oppositions- Parteien hervorrief. Für ihn sprach allein der Antragsteller Graf Westarp. Der freisinnige Abgeordnete Cuno wies nach, wie die Durchführung dieses Antrages den Gemeinden die größten Ungelegcnheiten bereiten müßte. Genosse Süd cs- kum verlangte energisch, daß ein Vertreter der sogenannten Regierung erklären solle, welche Stellung sie dazu einnehme. Diese letzte Pfuscharbeit setze doch geradezu dem ganzen Steuer- pfuschwcrk die Krone auf. Dieser kräftige Appell brachte denn endlich den Schatzsekretär S y d o w auf die Beine. Er kain zögernd mit dem Eingeständnis heraus, daß er der eigentliche Vater des auf den Namen Westarp getauften steuerlichen Wechselbalges sei. Das Zcntruni war vorsichtig genug, sich nicht durch kein Wort der Empfehlung dafür ins Zeug zu legen, genierte sich aber nicht, mitsamt den übrigen Schnapsblockparteien dem Unding zur A n n a h m e zu per- helfen. So ist denn das Steuerbündel des Schnapsblocks mit dem Segen der Regierung in die Reichsscheune eingebracht. Wie die einzelnen Steuern unklar in der Fassung, sind sie unberechenbar in ihren Folgen. Verhängnisvoll für das deutsche Volk wird diese Plünderung der Nnbe- mittclten unter Schonung der Wohlhabenden aber jedenfalls wieder ausfallen. Nur ist zu hoffen, daß dadurch die Massen endlich zu einer Empörung auf- gerüttelt werden, die dem gesamten herrschenden RcgieriingSshstcm mit seinen agrarischen Ausbeutungsinethoden ein für allemal ein Ende macht. Deutscher Jammer. Der Raub der halben Milliarde, der heute geborgen wurde, ist nicht nur ein Verbrechen an der Wohlfahrt des deutschen Volkes, ein Abbruch an der Lebenshaltung der arbeitenden Massen, ein Verhängnis für zehutauscndc Arbeiter. die die Beschlüsse des Reichstags in das Elend der Arbeits- losigkeit stoßen. Außer dem sozialen Elend. das diese Finanzreform der Gewissenlosigkeit und Raffgier bedeutet, enthüllen die Verhandlungen dieser Tage auch das ganze unsagbare politische Elend des deutschen Volkes. Ein Volk, dessen Arbeiterklasse dem Proletariat der ganzen Welt zum Muster geworden ist durch die Hingebung an das große Ideal der sozialen Befreiung, durch die Klarheit seines politi- schen Wollens, durch den Eifer in dem Ausbau seiner starken Organisationen, ist ausgeliefert der Herrschaft einer kleinen Klasse von Grundrentnern, die durch die ökonomische EntWickelung längst in den Hintergrund gedrängt, die politische GewaU mißbrauchen, um eine Diktatur aufzurichten, die dem fort- geschrittensten und stets rascher fortschreitenden Industrielande des Kontinents immer unerträglicher wird, die längst gestürzt zu Voden läge, Iväre das Bürgertum aus Angst vor dem Proletariat nicht inuner wieder in den Schutz dieser seiner Prätorianer geflüchtet. Herr v. H e y d e b r a n d, der„heimliche König von Preußen", der in Wirklichkeit erreicht hat, was Wilhelm H. wie Fürst Bülow vergeblich erstrebt haben: zugleich Kaiser und Kanzler zu sein, Herr v. Heydebrand hat heute ini Reichstage gesagt:„Die Partei, die nichts anderes für sich hätte und für ihre Macht, als die formalen Bestimmnngen eines Wahlgesetzes, würde auf die Dauer doch keinen festen Grund haben." Der kon- servative Führer hat recht I Die parlamentarische Macht der Konservativen und des verbündeten Zentrums ruht allerdings auf den formalen Bestimmungen eines Wahlgesetzes, auf der Ungerechtigkeit der Wahl- kreiseinteilung im Reiche, die es zuläßt, daß die Er- wählten von vier Millionen die von sieben Millionen überstimmen. Sie beruht auf den Bestimmungen des preußischen Dreiklassen Wahlrechts, das die Gegner der Junker zu einer hoffnungslosen Minorität ver- ewigt, das ihnen die Herrschaft in Preußen, die preußische Ver- waltung und Regierung und damit die Führung im Bundes- rate gcivährt. Wenn aber diese Bestimmungen zu so„festem Grunde" werden konnten, daß die Partei, die im Reichstag 63 Mandate besitzt, ihren Willen als oberstes Gesetz dem deutschen Volke auferlegen kann, dann trägt die Schuld das deutsche Bürgertum, das inimer wieder die Arbeiter im Stiche läßt, wenn es den entscheidenden Kampf gilt. Nie hätte Herr v. Heydebrand sein gewagtes Spiel gegen das deutsche Volk gewinnen können, hätte er nicht die Gewißheit gehabt, daß seine bürgerlichen Gegner es bei ohnmächtigen-Protesten bewenden lassen, daß sie sich der parlamentarischen Zufallsmajorität beugen und eher das Junkerjoch sich auferlegen als von der parlamentarischem Majorität den Appell an die überwältigende Majorität des Volkes zu wagen und den Kampf zu entfesseln, der allein die Junkerherrschaft zerbrechen kann: den Kampf um die volle und- uneingeschränkte politische Demokratie im Reiche und den Bundesstaaten, diese Demokratie, die heute dem deutschen Bürgertum sofort die Stacht geben würde, aber freilich auch dem deutschen Prole- tariat freie Bahn zur Lösung seiner großen historischen Mission, dem Aufbau der neuen Gesellschaft. Aber eben deshalb sinkt dem deutschen Bürgertum, so oft die Stunde ruft, der Mut. Nicht erkämpfen, erlisten möchte es sich die Macht und so wird es immer wieder zum Besiegten. weil es die Macht will ohne den Mut, die Mittel, die zum Ziele führen, zu gebrauchen. So sind die Vertreter des deutschen Proletariats allein geblieben in diesem langen Kampfe. Sie blieben allein im Beginn, als alle bürgerlichen Parteien sich weigerten, den Kampf gegen die neue Belastung der arbeitenden Klassen aufzunehmen. Sie blieben allein, als es zu Ende ging, als der schwarze Schnapsblock seinen Sieg in Sicher- heit bringen wollte, und als es den Versuch galt, ihm im letzten Moment den Sieg zu entreißen. Die Reichstags- auflösung wäre zu erzwingen gewesen, wenn die sozial- demokratische Fraktion, die zum Kampfe bereit war. die immer wieder versuchte, der Durchpeitschung der Steuern entgegenzutreten, von den liberalen Parteien die für den Erfolg unentbehrliche Unterstützung erhalten hätte. Sie blieb versagt; denn lieber ertragen deutsche Liberale die härtesten Unbilden von oben, bevor sie es wagen, sich den Unteren anzuvertrauen. Lßeber politisch in die Knechtschaft zurückstürzen, als mit dem gefürchtcten Proletariat im Bunde zu siegen, das ist der bürgerlichen Weisheit letzter Schluß gewesen, wie immer so auch heute. Herr v. Heydebrand hat recht: nicht die for- malen Bestimmungen des Wahlgesetzes allein, das Versagen des deutschen Bürgertums ist es, das die Junker zu Herren Deutschlands macht. Die bürgerliche Feigherzigkeit, die um die Macht zu gewinnen, nichts den Einsatz der politischen Befreiung wagt, die allein den Sieg verbürgt, das ist der Grund des deutschen Jammers. Was aber kann diesen Jammer besser beleuchten, als die unglaubliche Tatsache, daß die schon durch ihr Ausmaß bei- spicllose und durch ihre sozial verderblichen Wirkungen ein- schneidenste Steuervermehrung zustande gekommen ist ohne eine Regierung, die dafür die politische Verantwortung tragen will! Zwischen liberalen und konservativen Blättern ist eine heftige Fehde darüber entbrannt, ob Fürst Bülow die Finanzreform verantwortlich unterzeichnen soll oder nicht. Kann die Jämmerlichkeit unseres Konstitutionalismus noch heller beleuchtet werden? Unterzeichnet Fürst Bülow, so verleugnet er selbst den Sinn seiner Demission, die ja be- deutet, daß er die Verantwortung für das Werk des Schnaps- blocks nicht übernehmen kann; vollends lächerlich wirkt aber die Unterzeichnung durch einen neuen Mann, der nachträglich verantworten soll, worauf er keinen Einfluß genommen hat. In Wirklichkeit aber zeigt dieser Streit, daß die angeblich über den Parteien stehende Regierung gar nicht existiert, nie existiert hat. Doch wäre es sehr gefehlt, deshalb von Parlamentsherrschaft zu sprechen. Was wirklich ist und bleibend ist die Herrschaft der Junker und nur das Instrument dieser Herrschaft wechselt. In nor- malen— für Deutschland normalen Zeiten— herrschen sie durch die Krone und durch die Regierung. Lockert sich aber diese Herrschaft einen Moment lang, so stürzen sie die Regie- rung durch das Parlament, wie sie umgekehrt daS Parlament auflösen lassen, wenn es ihnen für die Erfüllung ihrer Forde- rangen nicht mehr geeignet erscheint. Und nur das unter- scheidet die politischen Perioden voneinander, ob die Junker ihre Herrschaft stützen lassen von klerikalen oder l i b e- ralen Helfern! Daß das aber keine konstitiltionelle parlamentarische Regierung ist, das beweist gerade die Art, wie jetzt sich der Regierungswechsel vollzieht. Man ivartet, bis das Parlament vertagt ist. Dann wird der Kaiser nach Berlin kommen und irgend jemand wird Reichskanzler. Das Parlament hat nichts zu sagen, es wird aus den Zeitungen die Er- nennung des einzig Verantwortlichen Ministers erfahren, wie andre Zeitungsleser auch. Monatelang wird Deutschland von einem Manne regiert werden, den heute niemand kennt. Er mag ein Genie oder ein Dummkopf sein— das entscheidet das Schicksal und der Geschmack Wilhelms II. Das deutsche Volk and seine Vertretung hat darauf keinen Einfluß. Man hat das deutsche Regierungssystem Schein- konstitutionalismus getauft. Man sollte es besser Schein- »bsolutismus nennen. Denn selbst das persönliche Regiment ist bloße Form. Dahinter verbirgt sich aber als Wirklichkeit der Absolutismus der Lunker, der als fester Grund bleibt, wie immer auch die �oed,Ächo zu wandeln sich scheint. Wie lange noch? Der Kampf um die Finanzreform ist zu Ende. Und so be- ginne denn heute der W a h l k a m p f. Als ob dieser Reichs- tag schon a u f g e l ö st wäre, so wollen wir jetzt a r- betten, agitieren und organisiere«. Der Wahltag mutz des deutschen Volkes, der deutschen Arbeiter Zahltag werden lUttZiDSDiZDe Arbeiter-,.Oertrcter". Die Wandelbarkeit der Zcntrumsabgeordneten ist selten so drastisch aufgezeigt und gebrandmarkt worden wie vorgestern an der Person des christlich-katholischen Herrn G i e s b e r t s. Die Einzelheiten der Prozedur an diesem„Arbcitcrdertreter" können im Bericht über die Reichstagsverhandlungcn nachgelesen werden. Wir wollen hier nur hervorheben, daß der..Arbeitervertreter" Giesbcrts seinen Namen hergab für einen Antrag, den selbst der nationalliberale Abgeordnete Stresemann, bekannt- lich Sekretär der sächsischen Industriellen, als einen arbeiterfeinb- lichcn Bcrschlechterungsantrag brandmarkte. Der freisinnige Ab- geordnete Dr. P o t t h o f f drückte ebenfalls seine Entrüstung dar- über aus, daß ein Mann, der selbst Arbeiter war, von Arbeitern als Gewerkschaftsbeamter besoldet wird, Verschlechterungsanträge stellte und eifrigst solche Anträge bekämpfte, die einer Petition der christlichen Tabakarbeiter entsprechen! Die sozialdemokratische Fraktion machte sich zum Fürsprecher für die christlichen Arbeiter. wünsche, und der Fraktionsredner Frank verabreichte dem„Ar- beitcrvertreter" Giesberts, der seinen notleidenden Klassen- und Glaubensgenossen Fußtritte versetzte, die verdiente Züchtigung. Wie Giesberts die Interessen der Arbeiter während des Steucrraubzuges vertreten hat, das kann glücklicherweise mit den eigenen Worten des Mannes nachgewiesen werden. Als im Herbst v. I. die Steuerpläne der Regierung bekannt wurden, beschäftigte sich die Zentrumspresse sehr kritisch mit den angekündigten Vorlagen. Die ursprünglich angekündigte Besteuerung der Erbschaften war bekanntlich aus- gedehnter geplant, als die später herausgegebene erste Vorlage vor- sah. Im Vergleich zu der zweiten Erbschaftssteucrvorlage der Re- gierung war die im Herbst v. I. angekündigte immerhin noch als eine diskutable Besitzsteuer zu bezeichnen. Gerade zu der Zeit nun, als die steuerlichen Kundmachungen der offiziösen Presse eine weit stärkere Heranziehung des Besitzes zur Deckung der Rcichsausgabcn wahrscheinlich machten, hielt der Verband we st deutscher katholischer Arbeitervereine in Essen einen Tele- giertentag ab. Auf dem Delcgiertentag hielt Herr Giesberts ein Referat über die Finanzreform. Wie sich Herr Giesberts da vor den katholischen Arbeitern benahm, darüber lassen wir uns am besten fein Parteiblatt, die„Essener Volks- z e i t u n g", berichten. Das Zentrumsblatt schrieb in seiner Nummer vom 14. Oktober 1808: Ueber die Reichsfinanzreform referierte Herr Abgeordneter Giesberts. Redner verbreitete sich in eingehender Weise über die Finanzlage des Reiches und die Steuerprojekte der Regie- rung und gab seinem lebhaften Bedauern Ausdruck über den mangelnden Versuch der Regierung, die besitzenden Klassen stärker zur Steuer heranzuziehen. In der Diskussion wurde die Resolution, die in einer gemeinsamen Besprechung der Ar- beitersekretäre in Düsseldorf gefaht und dann an die Zentrums- fraktion des Reichstages abgesandt wurde, zur Verlesung ge- bracht. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: „Die in Düsseldorf versammelten katholischen Arbeiter- sekretäre glauben der Meinung der katholischen Arbeiter, wie sie dieselbe in Versammlungen, in persönlichem Verkehr in betreff der in Aussicht stehenden Reichsfinanzresorm kennen ge- lernt haben in folgender Weise der Leitung der Zentrums- Partei zur Kenntnis geben zu müssen. ES berührt die Arbeiterschaft sehr befremdend, daß fast der ganze Betrag der zur Erhaltung des Reiches notwendigen Steuern von der breiten Masse des Volkes getragen werden soll, wie daS in der geplanten Erhöhung der Steuern auf Tabak, Bier und Branntwein zutage tritt. Gegen- über der Notlage des- Deutschen Reiches verkennt die Arbeiter- schaft durchaus nicht die nationale Pflicht, eine Gesundung der Reichsfinanzen herbeizuführen, indessen muß dagegen Einspruch erhoben werden, daß der größte Teil der Steuern wiederum auf die breiten Massen des Volkes abgewälzt wird» während kein ernsthafter Versuch zu erkennen ist, die besitzenden Klassen, ent- sprechend ihrer Leistungsfähigkeit» zur Bestreitung der Bedürf- nissc des Reiches heranzuziehen. Das ist um so mehr geboten, weil die arbeitenden Stände durch den gegenwärtigen Nieder- gang der Industrie in besonderer Weise betroffen werden und auch schon durch eine Reihe indirekter Steuern belastet werden. Um so mehr ist eine Erfassung der leistungsfähigeren Kreise des Volkes durch direkte Steuern geboten, als dieselben durch indirekte Steuern in besonderer Weise nur wenig getroffen werden können, da sogenannte Luxusstcucrn geringe Einkünfte abwerfen." Der Verbandstag erklärte einstimmig seine Zu- st i m m u n g zu dieser Resolution." Als es noch den Anschein hatte, daß die Finanzreform eine weit stärkere Belastung der Besitzenden durch eine Besteuerung der Erbschaften bringen würde, als das jetzt der Fall sein wird dank der Herrschaft des Schnapsblockes, wetterte also Herr Giesberts vor den katholischen Arbeitern gegen die Regierung, weil sie keinen ernsthaften Versuch mache, die Besitzenden zu belasten. Giesberts protestierte dagegen, daß«fast der ganze Betrag der zur Erhöhung deS Reiches notwendigen Steuern von der breiten Masse des Volkes getragen werden soll". Die Delegiertenversamm. lung beschloß einstimmig auf Betreiben des Herrn Giesberts, die Zentrumsfraktion zu ersuchen, gegen die geplante Vermehrung der indirekten Steuern zu kämpfen. So trat Herr Giesberts vor den katholischen Arbeitern auf als ein unentwegter Beschützer der Schwachen, als ein Dränger nach einer Finanzreform, die den größten Teil der neuen Lasten den Besitzenden auferlegt. Im Reichstage aber half Herr Giesberts chfrig mit, eine noch weit ungerechtere Steuerbelastung, als die von der Regierung geplante, zustande zu bringen! Er stimmte mit für die skandalösesten Steuergesetze, ja, er ließ sich von den Machern im Schnapsblock sogar für die Bekämpfung bercch- tigter Wünsche der um einige Nachsicht bittenden, elend be- zahlten christlichen Tabakarbeiter gebrauchen! Von einem Unternehmersekretär mußte sich der«Arbeiter» sekretär" Giesberts festnageln lassen als ein Geschäfte- macher des AgrariertumS, das sich hartnäckig weigert, die von dem Tabakstcuergesetz schwer geschädigten Arbeiter und Angestellten ge- bührend zu entschädigen! Von den vielen abstoßenden Szenen in dem Plünderungszug auf die Taschen der Besitzlosen ist am empörendsten zweifellos die, die den Arbeiterführer Giesberts als den Wortführer der fkrupel- losesten Arbeiterschädiger zeigt! La; Parlament in Gefahr. Aus Wien wird uns vom S. Juli geschrieben: An einem Haare hängt nun das Leben des österreichischen Abgeordnetenhauses. Wenn die agrarische Obstruktion ihren Willen behauptet und der Reichsrat vorzeitig und ergebnislos heimge- schickt werden mutz, so ist das Haus des allgemeinen und gleichen Wal?!- rechtes im Mdrke getroffen. Denn dann haben sich die Hoffnungen, die man an die Wahlreform geknüpft hat, als trügerisch erwiesen, und das demokratische Parlament steht in der Stärke seiner Wider- standsfähigkeit gegen die zentrifugalen Tendenzen nicht höher als das Kurienparlament. Was man von der Wahlreform gewärtigt hat, war nicht weniger, als daß das Volkshaus den Völkern als ein so hohes Gut erscheinen und von ihnen als ein so bedeutsamer Besitz gewerkt werden wird, daß der nichtigen Obstruktion, die die parlamentarische Arbeitsfähigkeit angreift und zerstört, durch sein Dasein ein Damm gesetzt sein wird. Wenn aber diese Obstruktion, die frivoler und gewissenloser ist als jede vor ihr, Recht behält und das Parlament ihr unterliegt, so ist sein Zusammenbruch besiegelt. Denn dann wird es aus der Gefahr der Obstruktion nie mehr herauskommen. Sachlich betrachtet ist diese Obstruktion einfach unverständ- lich, und sie wird demjenigen, der die psychologischen Antriebe der parlamentarischen Berufsstreber nicht kennt, schlechthin als aber- witzige Tollheit erscheinen. Ohne Widerspruch hat die slavische Union, die Bereinigung der Tschechen und Südflaven, den Staat!- Voranschlag erledigen lassen. Nun ist aber gerade der Staats- Vorschlag, als eine nicht zu missende Bewilligung, die Achillesferse jeder Regierung. Da aber die slavische Opposition die Budget- erledigung werktätig förderte, so erschien die Obstruktionsgcsalir wirklich gebannt, und die Erledigung des restlichen Arbeitspro- gramms durchaus gesichert. Zumal da dieses Arbcitspro- gramm nur noch wichtige wirtschaftliche und soziale Gesetzesfragen umfaßt, mit deren Vereitlung der Regierung eine tödliche Wunde nicht beigebracht werden kann. Wohl befindet sich unter diesen Borlagen auch der Handelsvertrag mit Rumänien und ein Ermächtigungsgesetz. wcdurch die Regierung ermächtigt werden soll, die noch außen- stehenden Handelsverträge, insbesondere mit Serbien und mit Montenegro abzuschließen und in Kraft zu setzen und die Ob- struktio» mag auch sicherlich der Erwägung entsprungen sein, mit der Verhinderung der Handelsvertragsvorlage eine dem skrupellosen Agrariertum genehme Tat zu vollbringen. Doch hat es sich die Regierung so viel losten lassen, dem agrarischen Widerstand die Grundlage zu entziehen— bietet sie dcch als Entgelt nicht weniger als für jedes Jahr dieser Verträge eine außertourliche Subvention an die Landwirtschaft von sechs Millionen Kronen, also insgesamt von 54 Millionen an— daß auch die ausgcbildeteste agrarische Selbstsucht nicht ausreicht, die Obstruktion zu erklären. Und nebst dem Ermächtigungsgesetze, das Handelsverträge mit den von den österreichischen Slaven so patro- nisierten Balkanstaaten vorsieht, sollte noch eine ganze Reihe Wirt- schaftlicher(eine Lokalbahnvorlage, die Sanierung der galizischen Rohölindustrie und sozialpolitischer Gesetze(Unfallversicherung der Bauarbeiter, Vertrag der Handlungsgehilfen, Arbeitszeit der Handelshilfsarbeiter) erledigt werden, die zu obstruieren doch ein- leuchtendcrweise nicht den geringsten Sinn hat, deren Obstruicrung aber die Empörung weiter Kreise der Bevölkerung wecken muß. Trotzdem in das Abgeordnetenhaus von der Slavischen Union mit fünf Dutzend der berüchtigten.Dringlicksteitsanträge" überzogen worden, die nach der Geschäftsordnung„sofort" in Verhandlung zu ziehen sind, und so steht vor der Tagesordnung eine Mauer, die abzuräumen Zeit. Ausdauer und Entschlossenheit bedingen würde. Der sozialdemokratische Verband war dazu natürlich, bereit und hat den Kampf gegen die frivolen Obstruktionisten sofort aufgc- nommen, indem er die dringlichsten Gcsctzcsvorlagen in Form von Tringlichkeitsanträgen einbrachte und damit der Obstruktion wenigstens eine zeitliche Grenze gesetzt hat. Aber den bürger- lichcn Parteien fehlt die Energie, die zu diesem Kampfe nötig wäre, und so ist heute die traurig-erbitternde Möglichkeit gang nahe gerückt, daß das Haus einfach heimgeschickt und die Kapi- tulation vor der vermessenen Obstruktion Tatsache wird. DaS soll � sich nach einem letzten Versuch der Vermittlung, der gestern ange- fangen wurde, morgen nachmittag entscheiden. Die eigentlichen Motive der Obstruktion sind freilich p o l i- tischer Natur: es ist die Wut der enttäuschten Slaven. die sich durch das Regime Biernerth zurückgesetzt fühlen, und durch das Gewaltmittel der Obstruktion die Beachtung erzwingen wollen. Mit der Regierung Biernerth ist eS nämlich sehr merkwürdig be- stellt: sie ist«ine ganz gewöhnliche Bureautratenregierung, ein Kabinett von der Qualität, von der zwölf auf ein Dutzend gehen, national ganz geschlechtlos; aber sie ist als eine„deutsche" Re- gierung gemarkt, und dieser Schein genügt, die. deutschen Parteicu zu verblenden, die slavischen zu erbittern. Es wäre natürlich keine Hexerei, mit dieser Obstruktion, die nur darauf ausgeht, irgend- etwas zu erreichen, die also auch einen Scheinerfolg hinwegnchmcn würde, fertigzuwerden; aber da liegt die Schwierigkeit wieder in der Person des Ministerpräsidenten selbst, der aus seiner persön- lichen Not die politische Tugend macht: also, weil er es nicht zn Wege bringen würde, die Hindernisse zu bewältigen, die Dinge zu meistern, die Theorie verkündet, daß ihn die Schwierigkeiten des Parlaments nichts angehen, seine Aufgabe es vielmehr nur sei,„fest" zu bleiben und die unentwegte staatliche Autorität zu posieren. Wozu als Allermerkwürdigstcs noch kommt, daß Herrn v. Biernerth diese Theorie geglaubt und seine Methode, die im Wesen daraus hinausläuft, nichts zu tun, als tieffinnige Staats- männerei bestaunt wird. Taffächlich hat der Ministerpräsident dieser zweiwöchigen Krise ganz tatenlos zugesehen und als er sich gestern zum erstenmal entschloß, die Obstruktionsführer zu emp- fangen, hat er ihnen eigentlich nichts mehr zu sagen gewußt, als daß er auf ihre unterschiedlichen Forderungen nicht eingehen kenne, obwohl es keinen besonderen Scharfsinn erfordert hätte, zn erkennen, daß diese Forderungen mehr oder minder dekoratives Beiwerk sind. Ein Parlament wie das österreichische, das durch die nationalen Verschiedenheiten ein Problem für sich, von ganz be- sonderer Art ist, kann der planmäßigen Führung durch die Regie- rung nicht entbehren. Aber die Regierung Biernerth ist unfähig. die Konfliktkeime rechtzeitig zu ersticken und jede Schwierigkeit wächst unter ihren ungeschickten Händen riesengroß heran. Au: so ist es zu erklären, daß diese sinn- und zwecklose Obstruktion bisher nicht ausgerottet werden konnte und das HauS deS allgemeinen Wahlrechtes vor der Gefahr steht, an der Streberei von der einen und der Unfähigkeit von der anderen Seite zugrunde zu gehen. Die letzte Hoffnung ruht nun darauf, daß sich die Leben», kraft des Parlamentes doch als stärker erweisen wird und die großen Interessen, die eS verkörpert und die von seiner Arbeits- fähigkeit abhängen, eine Reaktion noch im letzten Augenblicke aus- lösen werden. Daß die sozialdemokratischen Abgeordneten alles daran setzen werden, um das Parlament zu retten, und es auf die Bahn ersprießlicher Arbeit zu führen, ist selbstverständlich. Wenn eS gerettet wird, so wird ihre Zuversicht und ihre Entschlossenheit dabei am meisten mitgewirkt haben. Der Zusammenbruch. Wien, 10. Juli.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Das Parlament ist heute zusammengebrochen, und der Rcichsrat wird morgen geschlossen werden. Die Obstruktion war bereit, die Dringlichkeitsanträge zurückzuziehen, dem Appell der Sozialdemokraten zu folgen und das Parlament zu retten; sie verlangte nur einen präzisen Beschluß des Hauses dar- über, daß den Forderungen der bosnischen Agrarier nicht nachgegeben werde. Die Regierungsparteien waren bereit, zuzustimmen, Ministerpräsident Bienerth aber, der sein Prestige retten zu müssen glaubte, widersprach, wodurch die Vermittelungsaktion glatt scheiterte. Die Regierung hat den Zusammenbruch durch ihre Eitelkeit herbeigeführt oder aber: sie hat ihn eben g ew o lt!_ Die internationale Codsfpltzele). Die Affäre Harting ist rasch ein internationaler Polizeistandal geworden, in dem, wie eS scheint, nicht nur die französische Polizei zur Mtschuldigen des infamen russischen SpitzelsystcmS geworden ist. Deren Mitschuld steht allerdings außer Zweifel. Burzew macht sich nämlich zum Beweise crbötig, daß die Untersuchenden im M i n i st e r i u m d e S I n n c r n selbst sehr leicht einenHarting betreffenden Akt finde it können, der besagt, daß dieser Mensch 1830 in Frankreich verurteilt worden ist. Wenn es erforderlich ist, werde er die Persönlichkeiten der französischen Polizei nennen, die die Existenz und den Inhalt dieses Aktes genau kannten. Was er schon heute sagen könne, sei. daß daS Geheimnis dcS Generals Harting seit langem bekannt war, und zwar ebenso den Autoritäten der französischen Polizei als einigen hervorragenden Beamten in Rußland. Vsmerkeuslvert ist auch, daß Herr H a m a r d, der vor zwei Tagen noch erklärte. Har- ting nie gesehen zu haben, plötzlich sein Gedächtnis wiedergefunden hat und zugibt, daß ihm Harting einmal in sein Bureau wichtige Auskünfte über in Paris lebende Russen zugetragen und gleichzeitig eine Intervention für eine Person erbeten habe. Damit wird der Harting» Skandal zu der prinzipiellen Frage, ob eS noch länger geduldet werden soll, daß die politische Polizei der europäischen Staaten dem russischen System der Perfidie und Provokation auch noch ferner ihre schmachvolle Unterstützung leisten will. Darüber schreibt JauröS heute in der»Humanitü": „Burzew hat recht behalten: der elende Provokateur Landesen ist derselbe Mann wie der General Harting, der Chef der russischen Polizei in Paris. An diesem Polizeisystem ist also die anitliche französische Polizei entweder die M i t s ch u l d i g e. wie im Jahre 1830, oder mindestens doch die Helferin. Mit dieser Schande muß ein Ende gemacht werden, eS handelt sich hier nicht um einen Streit mit dem Ministerium Clemenceau, das dieses System übrigens nicht geschaffen hat, es handelt sich vielmehr um dieses Regime selbst, das seit zwanzig Jahren in Frankreich funktioniert und die Vasallenschaft beweist, zu der unser Land herabgesunken ist.' Sehr merkwürdig scheint die Rolle gewesen zu sein, die die deutsche Polizei gegenüber dem Provokator gespielt hat. Die Wiener„Neue Freie Presse' berichtet nämlich folgendes: „Harting war vor einigen Jahren anläßlich des Zarenbesuches nach Swinemünde gekommen, um für die Sicherheit des Zaren zu sorgen. Den Leitern der deutschen Polizei, die sich über die Qualität des Herrn Harting vollkommen im klaren waren, machten damals die russischen Terroristen, die etwa ein Attentat auf den Zaren hätten verüben können, weit weniger Sorge als Harting und seine Agenten, denen sie wohl zutrauten, daß sie ein Attentat inszenieren und durch dessen Entdeckung die Wachsamkeit der russischen Geheimpolizei wieder einmal glänzend dokumentieren könnten. Die Leiter der deutschen Polizei hielten es daher für ihre Pflicht, in Swinemünde vor allem Herrn Harting und seine Leute bewachen zu lassen. Insbesondere der Chef der deutschen Polizei war sehr eifrig um Herrn Harting bemüht und ließ Herrn Harting keinen Augenblick aus den Augen.' Harting selbst hat seine Sache übrigens aufgegeben und ist aus Brüssel geflüchtet, wie eS heißt, kurz bevor er seine Absicht, ein neue? Pseudokomplott zu inszenieren, ausführen konnte. Politilcbe deberficbt. Berlin, den 10. Juli 1009. Bulotvs Sturz: ein Werk der Konservativen. In der„Südd. Reichs-Korr." wird das Ende des Kanzlers in einem Artikel besprochen, dem man leicht anmerkt, daß Bülow selber dem Schreiber das Material geliefert hat. Die Rolle der Konservativen als der Ministerstürzer wird mit aller Schärfe und aller Deutlichkeit gekennzeichnet. So heißt es zum Beispiel: „Es ist nicht richtig, wenn behauptet wird, Fürst Bülow habe sich den Liberalen verkauft. Allerdings hat er sein Schicksal mit einem Zusammenarbeiten von Konservativen und Liberalen an den parlamentarischen Aufgaben verknüpft. Eine andere Grundlage für die Führung der Geschäfte mit dem Reichstage hatte Fürst Bülow nicht mehr. Das wußten die Kon- servativen; sie wußten auch, daß, wer dem Reichskanzler diesen Boden unter den Füßen fortzog, ihn selbst zu Fall bringen mußte. Sie wußten es nicht bloß, tvie hier schon einmal gesagt worden ist, auS ihrer Kenntnis der politischen Lage, sie wußten eS, wie heute hinzugefügt fein mag, auch durch ausdrückliche an sie gerichtete Mitteilungen deS Kanzlers! Bereit? im April dieses JahreS hat Fürst Bülow den Führern der Konservativen erklärt, daß er zurücktreten werde, wenn sie bei ihrer ab. lehnenden Haltung gegen die ErbschaftS- steuer beharren und dadurch eine für ,hn un. annehmbare politische Konstellation herbei- führen würden. Auch in der seitdem verflossenen Zeit hat eS an deutlichen Hinweisen auf den Kanzlerwechsel als Folge einer Zertrümmerung des Blocks in der Frage der Reichs- finanzreform nicht gefehlt. Die letzten Worte des Fürsten im Reichstage waren nicht mißzuverstehen. Die Konservativen konnten nicht überrascht sein. Sie durften von einem ehr- liebenden Staatsmann nicht denken: er hat zwar gesagt, er geht; aber er geht doch nicht.' Daß Bülow den Konservativen seinen Sturz verdankt, ist jetzt sozusagen dokumentatisch fe st gelegt. Liberale Einigung. Die freisinnige Presse erörtert wieder einmal lebhaft die Frage der liberalen Einigung, da aus den Kreisen freisinniger Pariamen- tarier heraus wenigstens die Berschmelzung der drei freisinnigen Parteien gefordert worden ist. Und in der Tat sollte um» meinen, daß gerade jetzt, nach dem kläglichen Scheitern der Illusionen der �freisinnigen RegierungSfähigkeit, eins Zusammenschweißung der drei»linksliberalen' Parteien möglich fein müßte. Aber die.vossische Ztg.' und andere Blätter äußern lebhaste Bedenken. Speziell innerhalb der Freisinnigen Vereinigung habe sich ' ein„Individualismus' der einzelnen Abgeordneten eingebürgert, der der Zusammenfassung in einen festen Parteirahmen widerstrebe. Das Organ des männlichen Freisinns tut also so. als ob ihm Leute, wie die Pachnicke und Heckscher, als zu unsichere Kan- tonisten erschienen. Als ob nicht umgekehrt die Gothein und Potthoff alle Ursache hätten, in keine allzu enge Gemeinschaft mit einem Fischbeck, Kopsch oder Wiemer zu treten. Sollte es aber doch früher oder später zu einer Einigung des Freisinns kommen, so würde das schließlich nur auf eine Kaltstellung oder die Herausdrän gung der wirklich noch ent> schieden liberalen Elemente hinauskommen. DaS befürchtet auch die freistnn-demokratische„Volks-Ztg.', die über die Gefahren der Hansabündelei schreibt: „Das allgemeine liberale EinigungSgerede ist Verhängnis- voll für den deutschen Freisinn. Zuerst wurden die radikaleren Elemente der Freisinnigen Bereinigung mundtot gemacht, denn man mußte doch auf die gemäßigteren Volksparteiler Rücksicht nehmen, die von einem Zusammengehen mit der Sozialdemokratie nichts hören mochten. Jetzt hat sich die gesamte Freisinns- gemeinschaft nach den Ratio nalliberalen zu richten. Nur stille und kein Geräusch gemacht, daß ihr die Gefolgsleute Basser- inanns bei ihrer Entwickelung nach links nicht stört und durch übertriebenen Radikalismus abschreckt I... Sich nach dem Liberalismus dieser Elemente orientieren, heißt eben auf jede Energie verzichten und heißt die Hoffnung, daß der Freisinn, nachdem sich die goldenen Pforten des Blocks hinter ihm geschlossen haben, eine kampfbereite OppositionS- stelluiig einnehmen werde, auf ein Minimum reduzieren. Er wird mit seinen Taten bis zu den Neuwahlen waren. Jetzt nicht, aber in zwei Jahren will er mutig sein und dann soll auch das Volk aufgerufen werden. Als ob Be- geisterung eine Heringsware wäre, die sich bis zu dem für ihre Entladung gesetzlich festgesetzten Termin einpökeln ließe. Wer weiß, was bis zum Jahre 1311 alles geschehen m a g? ES wird schon dasür gesorgt werden, daß der deutsche Michel eingelullt wird und vergißt. Bis dahin reift vielleicht auch eine neue„nationale" Parole. Die Notwendigkeit einer F l o t t e n v e r m e h r u n g, der sich der Freisinn nicht entziehen wird, und anderes mehr.'_ Beamtcnprotcst gegen den Verrat des Schnapsblockes. Gegen 3333 mittlere und untere Postbeamte erhoben am Freitagabend in der Brauerei Friedrichshain geharnischten Protest gegen die Beschlüsse der Budgetkommission in der Beamte nbesoldungSsrage. Als erster Referent führte ein Oberpostassistent aus, daß man den letzten Beschlüssen der Budgettommission sprachlos und voll Erbitterung gegenüberstehe. Noch im vorigen Jahre hätten zahlreiche Abgeordnete der verschiedensten Parteien den Beamteuvertrctern versichert, daß sie mit aller Energie die berechtigten Ansprüche der Beamten im Reichstage vertreten ivürden. Jetzt aber habe es den Anschein, als ob es bei diesen Herren keinen Glauben an deutsches Manneswort und deutsche Treue mehr gebe. Die Konservativen und das Zentrum hätten bisher ihre angebliche Fürsorge für die Beamten laut betont, doch zeige ihr Auftreten in der allerjüngstcn Zeit nur zu deutlich, daß man ihrer Beamtenfreundlichkeit wenig Glauben bcimeffen dürfe. Am meisten zu verurteilen sei die Haltung des Zentrums, und die Beamtenschaft in den katholischen Ländern sollte sich diesen Um fall für spätere Zeit besonders merken./z Jahren weiter gesichert waren» da vergaßen sie ihre Versprechungen, ihre Reden auf Bcamtcntage» und stimmten aus Furcht vor dem Unannehmbar der Regierung der Zurücksetzung der Postas sistenten und Untrrbeamten zu!(Sehr richtig I b. d. Soz.) Dabei würde einem Block gegenüber, der ihr 500 Millionen Mark zuschanzt, die Regierung es nicht wagen, wegen 4'/, bis 5 Millionen die Be- soldungsvorlage nicht zu verabschieden.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Wenn die Majoritätsparteien festbleiben würden, so könnte auch die allerinächtigsle Regierung es nicht wagen, einer Besoldungs- ordnung zu widerstehen, welche durch die Berteuerungspolitik not- wendig geworden ist, die Regierung und Reichstag beim Zolltarif getrieben haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.> Es steht somit außer Frage, daß diese Finanzresorm eine dauernde Sanierung der deutschen Finanzen nicht herbeiführt. Deutschland eilt dem finanziellen Zusammenbruch ent- gegen, wenn nicht mit den wahnsinnigen Ausgaben für Militär und Kolonien innegehalten wird. (Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Eine Vereinigung aller Völker zur Beseitigung dieser wahnsinnigen Rüstungen ist, was uns not tut, und wenn die Verbündeten Regierungen Deutschlands sich ein wahres, patriotisches Verdienst um des deutschen Volkes Wohlfahrt erwerben wollen, so mögen sie bei den übrigen Regierungen Schritte zu dieser Verständigung tun. DaS wäre ein wirklicher Kulturdienst für daS eigene Volk und die ganze Kulturwelt!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das wäre ein Schritt, den der Beifall der ganzen Welt begrüßen würde; das wäre in Wahrheit, um mit Fürst Bülow zu sprechen:. Deutschland in der Welt voran!" (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die polnisch-klerikal-konservative Finanzreform von lt)()S bedeutet für die Junker ein Geschäft, für das Zentrum einen Triumph, für den Reichskanzler daS Ende, für das Volk eine neue Ausplünderung. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir lehnen diese Finanzreform bei der Gesamtabstimmnng in all ihren Teilen ab. Wir verlangen direkte Stenern, Vermögens» und Erbschaftssteuer. Und wir stimmen solchen Steuern zu. auch wenn sie unserem Steuer- ideal durchaus noch nicht völlig entsprechen. Darum haben wir in der zweiten Lesung für die Effeklensteuer und ähnliche Steuern gestimmt. Wir lehnen aber alle die Steuern ab, die den Verkehr einschränken und dadurch, daß sie Handel und Industrie in ihrer vollen Entfaltung beeinträchtigen, ungünstig auf die breiten Massen des Volkes zurückwirken. Angesichts der allgemeinen Situation lehnen wir aber in der Gesamtabstimmmig auch die direkten Steuern ab, denen wir sonst zugestimmt haben würden, weil wir der lleberzeugung find, daß diese 120 oder 140 Millionen so- genannte direkte Steuern nicht» sind als«in Vorspann für die 400 Millionen indirekter Steuern.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir verweigern dieser sogenannten Steuer- resorm unsere Zustimmung, weil wir sonst ein Verbrechen an den breiten Vollsmassen begehen würden.(Erneute lebhafte Zustimnnmg b. d. Sozialdemokr.) Die McHrHcitSparteien werden diese Steuerreform unbekümmert um unsere Ausführungen annehmen. Sie werden das Odium dafür zu tragen haben. An dem Tage, an dem das Volk zum Urteil über die Steuerdrllckebergerei der Besitzenden, über die Aufhalsung von 400 Millionen indirekter Steuern auf die Wirtschaft- lich Schwachen aufgerufen wird, an diesem Tage wird das Volk vernichtend Gericht haltui l(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) � Abg. Dr. Hicber(natl.): Was heute durch die neue Mehrheit geschaffen wird, ist keine Finanzresorm, sondern ein Steuerbukett. Von einer organischen Neuordnung des Reichsfinanzwesens ist keine Rede mehr.(Leb- hafte Zustimmung links.) Mit dem Grundgedanken ihrer Reform hat die Regierung eine Niederlage erlitten.(Sehr richtig! links.) Das Zusammengehen mit dem Zentrum und auch mit den Polen hat Herr v. Heydebrandt als sehr harmlos hingestellt. Dabei er- klärt ein maßgebendes polnisches Blatt, daß die polnische Fraktion nur gegen die Erbschaftssteuer gestimmt hat, um Rache(wie das Zentrum) am Fürsten Bülow zu nehmen für seine antipolnische Politik!(Lebhaftes Hört! hört! bei den Nationalliberalen.) Der Mittelstand in Stadt und Land hat sich dahin ausge- sprachen, daß er durch die Erbschaftssteuer weit weniger getroffen werde als durch die jetzt beschlossenen Steuern. Diese Steuer hat jetzt in den weitesten Kreisen des Volkes ihren Siegeszug gehalten, und wenn sie hier auch mit kleiner Mehrheit totgeschlagen ist, so wird sie doch wiederkommen!(Sehr richtig! links.) Der Vorwurf, daß wir im Schmollwinkel gesessen hätten, ist ganz unberechtigt. Unter der Voraussetzung einer allgemeinen Besitzsteuer waren wir bereit, an indirekw» Steuern noch mehr zu bewilligetk.(Hort! hört? und Sehr richtig? bei den National« liberalen.) Was aber ein nationales Werk werden sollte, ist schließ- lich ein einfaches Geschäft geworden!(Sehr wahr! links.) Den Block hat Herr v. Heydebrandt wenig freundlich verab- schiedet. In dem Herrn Reichskanzler sehen wir mit Bedauern einen von konstitutionellem modernen Geist erfüllten Staatsmann von der Leitung der Geschäfte zurücktreten.(Bravo! bei den Na- tionalliberalen.) Auf das Leitmotiv des Blockgedankens, das in Hunderttausenden von Patrioten freudigen Widerhall erweckt hat, wird vielleicht ein späterer Nachfolger des scheidenden Reichs- kanzlers wieder zurückzugreifen sich veranlaßt sehen. Nicht das schlechteste Zeichen für den guten Gedanken der Blockpolitik ist das Mißfallen, das sie bei der Sozialdemokratie erweckt hat. Wenn Herr Singer meinte, liberal und konservativ könnten nie zu- sammen kommen, so kann ich ihn nicht für kompetent halten, zu entscheiden, was liberal ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Zwischen den Nationalliberalen und der Sozialdemokratie herrscht eine tiefe unüberbrückbare Kluft.(Zuruf im Zentrum: Baden!) Wir— und auch die Regierung— sind bei diesem Kampfe die Be- siegten. Aber die Reform bleibt Stückwerk und schreit nach Perbesserung. Bei der wirklichen Finanzreform der nächsten Jahre werden die Besiegten von heute die Sieger fein.(Lebhaftes Bravo! bei den Nationalliberalen, Lachen rechts.) Abg. Frhr. v. Hertling(Z.): Wir könnten auch jetzt schweigen und die Tatsachen reden lassen.(Abg. Singer: Gewiß! Große Heiterkeit.) Die aus den Wahlen von 1S07 hervorgegangene Blockmehrheit hat bei der Finanzreform versagt, und das große Werk hat nicht ohne Hilfe des Zentrums beendigt werden können. Das Zentrum hat in der ganzen Aktion konsequent und zielbewußt gehandelt.(Stürmische Heiterkeit links.) Wir haben nie eine Politik der Verärgerung getrieben, und wir waren von Anfang an entschlossen, am Werke der Sanierung der Reichsfinanzen mitzuarbeiten. Wir haben uns alsdann in der Kommission überzeugen lassen, daß der ge- forderte Betrag von 500 Millionen völlig gedeckt werden mußte. Was verschlagen dagegen die mehr oder minder temperamentvoll vorgetragenen Bedenken gegen Einzelsteuern? Ich erkenne an, daß der Rcichsschatzsekretär stets die Hilfe aller Parteien in An- spruch genommen hat(sehr richtig im Zentrum), auch der Reichs- kanzler hat nicht ausdrücklich die Mitwirkung des Zentrums aus- geschaltet, und einmal sogar, wenn ich mich nicht irre, an sämtliche bürgerlichen Parteien appelliert.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Anders klang es aus der Blockpreffe, namentlich aus dem liberalen Teil derselben. Die„Kölnische Zeitung". Herr v. Payer in der„Frankfurter Zeitung" erklärten: Die Finanz- reform muß vom Block gemacht werden. Trotzdem hat das Zen- trum mitgearbeitet. Der Antrag Herold bezeugt es. Dann aber kam der Besitzsteuer-Kompromißantrag Gamp. Es war äugen- scheinlich, daß das Zentrum ausgeschaltet werden sollte. Aus- drängen wollten wir unsere Mitwirkung nicht.(Sehr richtig! im Zentrum.) Es ist nicht leicht, im Deutschen Reiche eine Finanzreform zu machen. Indirekte Steuern sind naturgemäß unpopulär, und sie in einem Hause zu machen, das aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegangen, ist doppelt schwierig. Uns wäre es auch lieber, wenn wir nur die Besitzenden treffen könnten. Wer man soll doch auch nicht vergessen, daß in den Einzelstaaten direkte Steuern bezahlt werden, und deshalb ist es nicht richtig, daß im Deutschen Reich die Hauptmasse der Steuern Steuern auf die Besitzlosen sind. Unsere Mitarbeit ist uns durch manche Umstände erleichtert. Die Steuern, gegen welche wir in der ersten Lesung gesprochen haben, die Nachlaßsteuer, das Branntweinmonopol, die Tabak- banderole, die Elektrizitätssteuer, waren in der Kommission abge- lehnt worden. Unsere positive Mitarbeit war nur an der Seite der Konservativen möglich, mit denen uns die Ablehnung der Be- steuerung des Erbes der Deszendenten und Ehegatten gemeinsam ist. Die Minderheit gegen die Erbschaftssteuer ivar nur deshalb so groß, weil auch die äußerste Linke dagegen stimmte. In den bürgerlichen Kreisen lechzt man keineswegs danach, das KindeS- erbe zu besteuern.(Zustimmung bei der Mehrheit, Rufe bei den Sozialdemokraten: Auflösen!) Aus dem Branntwein wollten wir mehr herausholen, aber das Monopol lehnen wir ab. und deshalb stimmten wir der Liebesgabe zu, die kein Geschenk an de» Groß- grundbesitz, sondern einen Schutz der süddeutschen kleinen Brenne- reien bedeutet. Der Aeutzernng eines Führers der Rechten, ma» »verde doch schließlich zu einer NeichSeinkommen» und Vermögenssteuer kommen, widerspreche ich aufs entschiedenste! Unsere Fi- nanzreforin ist Stückwerk genannt worden. Aber das ist alles Menschenwerk.(Sehr richtig! im Zentrum.) Noch einige allgeineine Bemerkungen: Ein konservativ-kleri- kales Bündnis oder eine konservativ-klerikalc Alliance gibt es nicht und kann es nicht, geben. Die konservative Partei ist die Partei des altpreußischen Grundbesitzes. Darin besteht ihr Recht und ihre historische Bedeutung, und das bedingt auch ihre homogene Zu- sammensetzung. Das Zentrum dagegen ist verschiedenartig zu- sammengcsetzt: aus Rheinland-Westfalen und Süddeutschland. Ferner gibt es bei uns auch große soziale Unterschiede: unsere Wähler sind sowohl unter den Arbeitern zu finden wie bei dem aufstrebenden, selbstbewußten Bürgertum; bei den Fragen, die das inoderne Leben aufwirft, werden wir daher stets eine andere Stcl- lung einnehmen als die Konservativen. Und nun der polnische Einschlag des sogenannten Bündnisses. (Heiterkeit bei der Mehrheit.) Wir sind immer Gegner der gegen die Polen gerichteten Politik gewesen. Mit doppelter Bewunderung erkennen wir an, daß die Herren von der polnischen Fraktion trotz ihrer schwierigen Lage hier entschlossen positive Arbeit geleistet haben.(Lebhaftes Btavo! bei der Mehrheit. Zuruf bei den Sozial- demokraten: Vivst Polonia!) Und die Liberalen dürfen sich doch über die Polen nicht wundern. Denken Sie doch an die Ostmarkcnzulage und das Ver- einsgesetz?(Stürmisches Sehr gut! im Zentrum, bei den Polen und den Sozialdemokraten.) Warum ist denn eigentlich 1906 der Reichstag aufgelöst worden? Doch nicht aus Verärgerung über eine Kritik unsererseits oder über die gutmütige Protektion einiger untergeordneter Subaltern- bcamtcn durch einige meiner Freunde. So tief schütze ich die Klug- heit des leitenden Staatsmannes nicht ein. Um was es sich damals handelte, war: das Aufkominen eines liberalen Regimes im Reich und Preußen zu fördern.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ich unter. schätze den Liberalismus nicht. Er ist die Anschauung vielleicht des größten Teils deS besitzenden Bürgertums. Er verfügt über Geld und über die Presse. Er verfügt aber nicht mehr über die großen Wählermasscn.(Lebhaftes Sehr richtigl) Die Verhältnisse haben sich seit den 70er Jahre» gründlich geändert. Die Zeiten, Ivo die bürgerlichen liberalen Parteien eine Mehrheit im Reichstage hatten, tucrden nie wiederkehren; dafür sorgt die äußerste Linke.(Sehr richtig!) Sollte dem Liberalismus die Vorherrschaft noch einmal für längere oder kürzere Zeit verschafft werden, so könnte das nicht mehr aus eigener Kraft geschehen, sondern nur auf dem Umwege des Blocks. Gleich nach den Wahlen sagte ich zu einem Konscrva- tiven: Wenn diese Politik gelingt, haben Sie die Zeche zu bezahlen. (Heiterkeit.) Als der Jubel über die Ausschaltung deS Zentrums ausbrach, ist ein Punkt übersehen worden: Im alten Reichstag war in Wirt- schaftlichen Dingen eine Mehrheit ohne die Nativnallibcralen nicht vorhanden, iin neuen Reichstag ist dies der Fall.(Abg. Ledebur: Das hat der Liberalismus verschuldet durch die Unterstützung der Konservativen! Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube auch nicht an den Block von Bebel bis Bassermann, ich glaube auch nicht, daß Herr Bassermann dabei wäre!(Heiterkeit.) Aber gründen Sie diese große liberale Partei! Dann wird bei der großen konservativen Partei, die dann entsteht, das Zentrum an der Stelle sein!(Lebhaftes Bravo! im Zentruin.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Pp.): Bei der Finanzresorm vor drei Jahren hat das Zentruin eben- falls deg Ausschlag gegeben. Aus der ganzen Linie aber hat diese FinSUzreform Fiasko gemacht. Das Zentrum hat eS also enkwever nicht verstanden oder nicht den Willen gehabt, eine gesunde Finanz- reform zu machen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Diese Erfahrung bestätigt die Richtigkeit der Auffassung, daß auch die gegenwärtige Finanzreform nicht ein Werk von dauernder Bedcu- tung sein wird.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Die Form, die jetzt die Branntweinsteuer angenommen hat, ist geradezu unerträglich.(Sehr richtig! links.) Herr v. Hertling scheint über die Wirkung der Liebesgabe noch im unklaren zu sein, die großen Spiritusbrenner wissen aber sehr genau, weshalb sie dieser Steuer zugestimmt haben.(Sehr wahr! links.) Sehr charak- teristisch war die Abneigung gegen das allgemeine Wahlrecht, die aus den Worten des Herrn v. Hehdebrand hervorleuchtete. (Sehr richtig! links.) Es sprach aus diesen Worten das Miß- trauen gegen das Zentrum, das doch für das allgemeine Wahlrecht ist, und, wenn er von der„Expropriation der Besitzenden" sprach, auch das Mißtrauen gegen die Regierung, als ob sie bereit sein würde, mit vollen Segeln in den Sozialismus hineinzusegeln. (Sehr gut! links.) Wenn man den Freisinnigen vorwirft, an ihnen sei die Fi- nanzreform gescheitert, so ist das ein sachlich unwahrer Vorwurf und ein unehrliches Spiel, das denen, die es betreiben, nicht zur Ehre gereicht.(Sehr richtig! links.) Alle Dialektik des Herrn Hertling wird die Wähler des Zentrums nicht darüber hinweg- täuschen können, daß das Zentrum die Interessen des Mittelstandes und der Wähler bei dieser Finanzreform gänzlich außer acht ge- lassen hat.(Sehr richtig! links.) Herr v. Hehdebrand war so gnädig, zuzugestehen, daß auch liberale Männer in die Verwaltung kommen dürften, aber er fügte hinzu:„wenn sie danach sind", das heißt also: wenn sie in ihrer öffentlichen Wirksamkeit von ihren liberalen Anschauungen keinen Gebrauch machen! Wollten doch die Konservativen nicht einmal dulden, daß ein Mann der Selbstverwaltung wie Schücking von seinen politischen Anschauungen öffentlich Gebrauch machte! (Sehr wahr links.) Herrn Singer bemerke ich, daß wir keinen Anlaß haben, mit Bedauern auf die Zeit des Blocks zurückzublicken. Was geschaffen ist mit unserer Mitwirkung, kann auch vor der Kritik bestehen. (Bravo! bei den Freisinnigen.) An der Wahlreform in Preußen halten wir nach wie vor scst und erwarten, daß, was in der preußi- schen Thronrede zum Mißvergnügen der Konservatiben versprochen ist, recht bald durchgeführt wird. Wenn Herr v. Hehde- brand sagte, die Konservativen hätten in nationalen Fragen nie versagt, so erinnere ich an das Wort des Fürsten Bismarck:„Die Herren von der„Kreuzzeitung" haben mir das ministerielle Leben recht sauer gemacht; die schlimmsten Verdächtigungen sind von ihnen ausgegangen, sie ließen mich im Stich, als es darauf an- kam, zunächst einmal das Deutsche Reich vor der Welt auf die Beine zu stellen."(Hört! hört! links.) So haben auch jetzt die Konservativen den Fürsten Bülow im Stich gelassen, als es galt, die Finanzen des Reiches auf die Beine zu stellen.(Sehr wahr! links.) Fürst Bülow hat Verständnis für die konstitutionellen Forderungen der Zeit gehabt. Er hat es verstanden, die Stellung Deutschlands zu wahren und den Frieden zu erhalten. Auch hat er sich eingesetzt für die Gleichberechtigung des Liberalismus. Des- halb wird sein Name mit Ehren genannt werden.(Bravo! bei den Freisinnigen.) DaS gleiche kann man von der Haltung der Verbündeten Regierungen nicht sagen; sie haben eine bedauerliche Schwachheit gezeigt und das Ansehen des Bundesrats aufs schwerste geschädigt. An den Block von Bebel bis Bassermann glaube ich auch nicht. Wohl aber hoffe ich auf die weitere Einigung der liberalen Parteien; nicht eine Verschmelzung ist notwendig, aber einiges Handeln der liberalen Parteien. Herr v. Hertling spottete, daß uns die großen Wählermassen nicht mehr zur Verfügung stehen. Gewiß hat uns die agrarische und sozialdemokratische Bewegung einen Teil der Wähler ent- fremdet, aber mehr Wähler als das Zentrum haben wir immer noch.(Lebhafte Zustimmung bei den Liberalen.) Unsere jetzige Haltung wird uns weitere Wählerkreise gewinnen, unsere Nieder- läge von heute wird die Ursache unseres Sieges in der Zukunft sein.(Lebhaftes Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Dirksen(Rp.): Die Gesundung der Finanzen ist eine Lebensfrage des Reiches. Wir haben es daher als patriotische Pflicht erachtet, hierbei mitzuwirken, zuerst mit der Mehrheit, die sich bei den Wahlen auf nationaler Grundlage gefunden hat. Als sie sich zu unserem größten Bedauern nicht zusammenhalten ließ, hat unser politisches Pflichtgefühl uns geboten, die Mitarbeit bei einer anderen Mehrheit nicht zu versagen. �(Lebhaftes Bravo! bei der Mehrheit.) Abg. v. Czarlinski(Pole): Wir Polen sind bei unseren Be. schlüssen selbständig und aus sachlichen Erwägungen vorgegangen. (Bravo! bei der Mehrheit.) Der konservative Redner erklärte, für die deutschen Kulturgüter auch ferner einzutreten. Auch wir wollen für unsere Kulturgüter eintreten und nicht durch AuS- nahmegesetze unterdrückt, sondern als gleichberechtigte Bürger be- handelt werden.(Bravo! bei den Polen.) Abg. Raab(Wirtsch. Ver.): Besonders freue ich mich über die Börsenstsuer, wie über Talonsteuern und Effektenstempel. Nach dem großen Kanzler Bismarck ist Bülow der markanteste und erfolg- reichste Kanzler gewesen. Die Finanzreform wird zum Wohl des Reiches nach außen und innen dienen.(Bravo! bei der Mehrheit.) Abg. Zimmermann(Antisemit): Wir haben für die Erb- schaftssteuer gestimmt. Nachdem sie aber gefallen war, wollten wir nicht in der Verneinung beharren, sondern haben weiter mit- gearbeitet an dem nationalen Werk. Besonders freuen wir uns, daß es dabei gelungen ist, das Großkapital und die Börse heran- zuziehen.(Bravo! bei der Mehrheit.) Hierauf wird ein Antrag auf « Schluß der Debattö angenommen. Die Matrikularbeiträge und die Besteuerung der Wertpapiere werben nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen, die Wertzuwachssteuer wird debattelos abgelehnt. Beim Kaffeezoll beantragt Abg. Dr. Rösicke(k.) den Zoll für gebrannten Kaffee auf 85 M(statt 80 M.) zu erhöhen. Dieser Antrag wird angenommen. Darauf wird der Kaffeezoll von tili M. und auf gebrannten Kaffee von 85 M. pro Doppelzentner in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 158 Stimme» bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Die Erhöhung des Teezolls von 25 M. auf 100 M. pro Doppclzentner wird in namentlicher Abstimmung mit 214 gegen 143 Stimme» angenommen. Die Besteuerung der Beleuchtungsmittel wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. Ebenso in namentlicher Abstimmung die Züudholzsteuer mit 190 gegen 157 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Die Hinausschiebung der Herabsetzung der Zuckersteuer wird mit 217 gegen 121 Stimmen mit 15 Enthaltungen beschlossen. Der Antrag der Sozialdemokraten auf Abschaffung der Fahr- lartensteuer wird mit 295 gegen 149 Stimmen abgelehnt. Als Zeit des Inkrafttretens wird für den Kaffee. und T e e z o l l der 1. Angust 1909 M die Steuer auf Beleuchtungsmittel und auf Zündwaren der 1. Oktober 1909, m übrigen der Tag der Verkündung des Gesetzes festgelegt. Berantwortl. Redakteur: Wilhelm Diiwell, Lichtenberg. Für den Hierauf wird das Gesetz betr. Aenderungen im Finanzwesen in der Gesamtabstimmung mit 22K gegen 127 Stimme« angenommen bei 2 Stimm- enthaltungen. j lieber die Schaumweinstcuer wird nach einem Antrag v. Richthofen(k.) namentlich abge- stimmt; die Steuer wird angenommen mit 232 gegen 120 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen. Beim Umsatzstempel auf GrundstÄcksübertragungen beantragt Abg. Graf Westarp(k.), zu beschließen, daß bis zum 1. April 1912 eine Reichswertzuwachssteuer eingeführt werden soll, die min- bestens 2V Millionen Mark jährlich betragen soll. Abg. Cuno(frs. Vp.): Die Wertzuwachssteuer ist tot; es lebe die Wertzuwachssteuer! Von Ihren sogenannten„Besitzsteuern" war die Wertzuwachssteuer die beste. Das Hinausschieben dieser Steuer muß schwere wirtschaftliche Nachteile haben. Da aller mög- liche Wertzuwachs bor dem 1. April 1912 realisiert werden wird, so wird die Steuer auf Jahrzehnte keinen Ertrag bringen.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Südeknm(Soz.): Ich hätte erwartet, daß endlich ein Vertreter der Regierung zu dieser Sache Stellung nimmt und vor allem ein Vertreter der Einzel st aaten einmal das Wort ergreift.(Sehr gut! links.) Sie wissen alle, daß der Reichskanzler mit dem Packen seiner Uten- silien beschäftigt ist und demnächst abziehen wird. Und hier wird nun der Persuch gemacht, den kommenden Reichskanzler— wer es sein wird, wissen wir alle nicht und vielleicht auch die Herren von der Regierung nicht, vielleicht ahnt er es selbst noch nicht, daß er Reichskanzler werden wird(Heiterkeit)— festzulegen auf ein be- stimmtes, demnächst vorzulegendes Gesetz. Wenn er nun etwa ein Gegner der Reichswertzuwachssteuer ist, so wird dann dieser An- trag Westarp im Jahre 1912 wieder aus dem Reichsstempelgesetz entfernt werden. Das ist ein Wechsel auf die Zukunft, über dessen Güte wohl niemand im Zweifel ist. Und wenn wir noch ein paar Stunden länger diskutieren, wird ja auch dieser Antrag Westarp wieder durch einen neuen Antrag Westarp abgeändert.(Heiter- keit und Sehr gut! links.) Wir haben schon bei der zweiten Lesung erklärt, daß wir dem Gedanken der Reichswertzuwachsstcuer prinzipiell zustimmen mit dem Vorbehalt aber, daß der Ausbau der Wertzuwachssteuer für die Gemeinden dadurch nicht unmöglich gemacht wird. Das geschieht durch den Antrag Westarp. Außerdem wird durch ihn der staatsrechtliche Grundsatz verletzt, daß alle Steuerträger gleichmäßig belastet werden müssen, von dem bisher bei uns nur immer zu- gunsten der Agrarier Ausnahmen gemacht werden. Die Ge- meinden, die schon vor dem 1. April 1909 eine Wertzuwachssteuer haben, werden durch ihn bevorzugt, und die anderen werden auf das empfindlichste geschädigt. In den letzten Jahren sind den Ge- meinden durch die Einzelstaaten wie durch das Reich andauernd Lasten zugewälzt worden, und auf der anderen Seite hat man ihnen die Selbstverwaltung beschränkt. Die Gefahr, die durch eine Modernisierung des Grundstücks- Verkehrs infolge des Antrags eintreten kann, glaubt Graf Westarp dadurch bannen zu können, daß er sagt, wir werden bei dem kom- Menden Gesetz eine Nachstcuerpfkicht einführen. Warum ist das dann nicht in den Antrag aufgenommen? All das sind Bedenken, die wir gegen diese saloppe Art der Gcsetzcsmacherei haben. Wir legen Protest ein gegen diese Galoppschusterei, diese Gesetzesfabri- kation der Dampfwalze und lehnen den Antrag im Interesse des Gedankens einer wirklichen Reichswertzuwachsstcuer ab.(Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Sybow: ES ist ein merkwürdiges Schauspiel, was sich jetzt hier abspielt. (Stürmisches Sehr richtig! links.) In der Kommission waren alle Parteien mit der Einführung einer Wertzuwachssteuer etnver- standen, und die Parteien der Linken haben dann auf das schärfste mit mir Stellung genommen gegen eine sofortige Einführung dieser Steuer. Insbesondere Herr Cuno hat dagegen mit ätzendem Spott gesprochen, und jetzt beklagt er sich darüber, daß man die Steuer nicht sofort einführt.(Hört! hört! rechts.) Ich habe den Weg, den Graf Westarp jetzt vorschlägt, bei der zweiten Lesung selbst empfohlen.(Hört! hört! links.) Wenn die Gemeinden, die die Steuer bereits haben, bevorzugt werden sollen, so ist das eine Bestimmung, die wir alle Augenblicke treffen: daß wir den Besitz- stand durch Uebergangsbestimmungen schonen. Was die Spekulation anlangt, so werden wir Mittel und Wege finden, um, wenn sich Mitzbräuche herausstellen, ihnen zu begegnen. Ich werde mich natürlich hüten, zu sagen, wie ich mir das denke. Davon würde die Spekulation nur Vorteil haben.(Bravo! rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Mllller-Meiningen(fteis. Vp.): Die Einbringung dieses Gesetzes ist ein ganz unerhörter Vorgang. Sie geben damit zu, daß Ihre Gesetzesmacherei unter Bruch der Geschäftsordnung zu Unmöglichkeiten führt. Sie nehmen die Wertzuwachssteuer aus den Gesetzen wieder heraus und wollen sie nun in einigen Jahren erledigen. Das nennen Sie dann„Finanzreform" oder „Finanzordnung"! Eine babylonische Finanz u n o r d n u n g wäre der richtige Name.(Stürmischer Beifall links.) Abg. Dr. Südeknm(Soz.): Ich freue mich, daß eS mir gelungen ist, dem Schatzsekretär Sydow den Mund zu öffnen. Aber es mutz unterstrichen werden, daß er gesagt hat. die Gemeinden sollen jede Hoffnung aufgeben, aus der Wertzuwachssteuer hohe Beträge zu erhalten.(Stürmische Unterbrechungen rechts: Das hat er nicht gesagt!) Jawohl, das hat er gesagt, und Ihr beliebtes Kontingcntierungsverfahrcn, das Sie auch hier wieder anwenden, soll ja die Gemeinden hindern am Ausbau der Wertzuwachssteuer.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Ich glaube nicht, daß sich ein Reichstag finden wird, der die wichtigste Stcuerquelle der Gemeinden verstopfen wird. (Abg. Singer: Da kennen Sie Ihre Pappenheimer schlecht! Seiter- keit.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Gras Westarp wird in namentlicher Abstimmung mit 222 gegen 128 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angc- nommen. Abg. Graf v. Carmer-Zieserwit?(kons.) begründet einen An- trag, daß auch Fideikommisse, Lehn- und Stammgüter alle 30 Jahre einen Stempel von H Proz. des Wertes zu zahlen haben, der auch auf die 30 Jahre verteilt werden kann. Der Antrag wird cinstiminig angenommen.(Stürmisches Bravo! rechts, Heiterkeit links.) Das RcichSstempelgesev und dann das Wechfelstempelgeseii werde» in der Gcsamtabstiinmung angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr.(Besoldungsgesetz, Schank- gefäßgesetz, Beihilfen für Kriegsteilnehmer, Wahlprüfungen.) Schluß%7 Uhr._ Hub der Partei. DaS vierzigjährige Jubiläum feierte der Sozialdemokratische Verein Stuttgart am 8. Juli dieses Jahres. Bis 1869 hatte die sozial- demokratische Agitation in Württemberg so gut wie keine Erfolge erzielen können. Der Verband der württembergischen Arbeiter- vereine wurde von den Großindustriellen und Börienhcrren Gustav Siegle, Kilian Steiner und Eduard Pfeiffer entscheidend beeinflußt, bis der Verbandssitz nach Göppingen verlegt wurde. Der Stuttgarter Arbeiterverein, in dem die Vorarbeiter und Meister der Siegleschen Farbenfabriken die erste Violine spielten, blieb auch dann noch den Großinstriellen Untertan._ Jnsepgtxntkjl peranttv.i Th. Glocke, Berlin, Krucku. Verlag: VorWärtS DaS änderte sich um Pfingsten 1869. Der Schreiner L e i ck» Hardt kehrte aus Hamburg, wo er als Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins eine fruchtbare Agitation entfaltet hatte, nach Stuttgart, seiner Vaterstadt, zurück. Sofort nahm er hier die Parteiarbeit wieder auf. Am 8. Juli 1869 fand im Saale des Paul Weiß eine Arbeiterversammlung statt, in der Zimmerer L ü b k e r t über„Die Prinzipien Lassalles" referierte. Leiter der Versammlung war Leickhardt. Nach ziemlich heftiger Diskussion wurde die Gründung einer Mitgliedschaft des„Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" vorgenommen. Ganze s e ch s�M a n n traten der Organisation bei. Das war der Ansang der Stuttgarter sozialdemokratischen Organisation. Die Sechse, von denen Leickhardt noch heute der Stuttgarter Organisation angehört, haben wacker gearbeitet. Die Mitglicderzahl nahm schnell zu. Auf einer Versammlung im De- zember des Jahres erklang bereits kräftig das trotzige Kampflied der klassenbewußten Arbeiterschaft Deutschlands, Audorfs„Arbeiter- Marseillaise". Im August 1869 fand der Eisenacher Kongreß� statt, der zur Spaltung der sozialistischen Arbeiterschaft in„Lassalleaner" und „Eisenacher" führte. Im November 1869 sprach B e b e l in Stuttgart. Im Anschluß an diese Versammlung bildete sich auch eine Mitglied- schaft der„Eisenacher", während der zuerst gegründete Verein beim „Allgemeinen Dentscken Arbeiterverein" ausharrte. Im Jahre 1875 verschmolzen sich die„Eisenacher" und „Lasialleancr" zur„Sozialdemokratischen Arbeiterpartei". Auch in Stuttgart einten sich die beiden Richtungen. Und nun ging eS mit Riesenschritten vorwärts. Schon 1871 stellten unsere Genossen einen eigenen Kandidaten auf, der e? auf 491 Stimmen brachte. Bei der ReichstagSwahl 1874 wurden in Württemberg 9918 sozialdemokratische Stimmen abgegeben, dank der energischen Agitation, die hauptsächlich von Stuttgart aus betrieben wurde. Es kam das Sozialistengesetz. Die Organisationen wurden aufgelöst, die. Genossen verfolgt. Be- sonders tat sich ein Stuttgarter Polizist namens Enderle bei der Verfolgung unserer Genoffen hervor. Aber aller Spürsinn der Polizei konnte nicht hindern, daß die Genossen ihre Arbeit fort- setzten. Unter ihrem Führer, dem Schreiner Karl Kloß, dem Vor- sitzenden des Holzarbeiter-(damals noch Schreiner-)VcrbandeS, schlugen sie der Polizei manches Schnippchen. Endlich, im Jahre 1887, gelang eS Karl Kloß, die Organisation auch öffentlich wieder zur Anerkennung zu bringen. Er gründete den H e S l a ch e r Arbeiterverein. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes konnte die Werbearbeit wieder offen aufgenommen werden. Im Jahre 1690 gelangte Kloß bereits mit dem deutschparteilichen Reichstagskandidaten in die Stichwahl. Die bürgerliche Linke gab den Ausschlag zugunsten des Deutschparteilers. 1895 er- oberte die Sozialdemokratie Stuttgarts zum ersten Male den Landtagssitz von der Deutschen Partei, die Cannstatter Genoffen entsandten ihren Kandidaten Glaser in den Landtag. Glaser starb l'/g Jahre später, das Cannstatter Mandat ging verloren. Kloß hat seinen Sitz bis zu seinem Tode behauptet. 1893 eroberte Kloß auch das Stuttgarter Reichstagsmandat, das ununterbrochen bis zum heutigen Tage im Besitz der Sozialdemokratie geblieben ist und jetzt vom Genoffen Hildebrand getragen wird. Ueber das Anwachsen der Stuttgarter Organisation geben folgende Zahlen Auskunft: 1900: 1403 Mitglieder; 1902: 1970; 1904: 2875; 1906: 3649; 1903: 4946. Jetzt find die 5000 längst überschritten. Und wie in Stuttgart, so im ganzen Lande. Die Sozialdemo- kratie ist, sowohl was die Mitgliederzahl ihrer Organisationen wie die bei der Reichstagswahl abgegebenen Stimmen betrifft, zur stärksten Partei des Landes geworden. Dank der treuen, opferreichen Arbeit unserer Vorkämpfer, die den Grund gelegt haben zu dem stolzen Vau. Einige wenige können sich noch des flegreichen, un- widerstehlichen Vormarsches der Sozialdemokratie freuen. Tausende deckt bereits der grüne Rasen. So bleibt den Jüngeren vorbehalten, das Werk zu vollenden, das unsere Alten unter ungeheuren Schwierig- leiten begonnen und fortgeführt haben. Besonders der Stuttgarter Organisation stehen noch große Auf- gaben bevor. Sie wird diese Aufgaben um so besser lösen, je mehr die Erfahrungen des vierzigjährigen Kampfes mit dem gesamten Bürgertum nutzbar gemacht werden, je klarer die Wahrheit dcS Wortes begriffen wird, daß die Befreiung des Proletariats auS den Banden des Kapitals nur daS' Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann._ Eine Konfereuz der BildungSausschüsse findet am 18. d. M. im Gewerkschaftshanse zu Düsseldorf statt. Sie bezweckt, durch Er- richtung einer Zentralstelle das Bildungswesen im rheinisch-west- fälischen Industriegebiet wirtschaftlich-praktisch zu organisieren. , Deutsche und österreichisch-ungarische Sozialdemokraten in der Schweiz. bilden bekanntlich schon seit langen Jahrzehnten eine Landes- organisation. Ihr in Zürich sitzender leitender Ausschuß, hat soeben in Broschürenform den Jahresbericht pro 1908 veröffentlicht, der von erfreulichen Fortschritten zeugt. So zählte die Landesorgani- sation anfangs 1903 2581 und Ende des Berichtsjahres 3408 Mit- glieder, welche bedeutende Vermehrung auf den Anschluß von Vereinen zurückzuführen ist. Davon sind 1833 Deutsche, 578 Oesterreicher und 2.89 Schweizer, während sich der Rest auf ver- schiedene Nationalitäten verteilt. Die Bibliotheken der ange- schlvssenen Vereine zählen zusammen 11 657 Bände, von denen 4740 ausgeliehen wurden. Sozialistische Schriften und andere Literatur wurden für 10 046 Franken verkauft. Die in bar oder Natura gewährte Reiseunterstiitzung an zugereiste Genossen belief sich auf 3804,15 Franken. Die Einnahmen der Zentralkasse betrugen 5170,64 Franken einschließlich 2462 Franken aus der Berliner Parteikasse. Die Ausgaben 3454,28 Franken. Der Vermögens- bestand 3353,18 Franken. Der Fonds zugunsten politischer Flücht- linge hatte 906,82 Franken Einnahmen und 681,95 Franken Aus- gaben. Der Kaffabestand beträgt 311,95 Franken. Der ständige Sekretär, Genosse Tasse, hat eine erfolgreiche agitatorische und organisatorische Tätigkeit entfaltet, leider aber tritt er mit dem 1. August 1909 von seinem Posten zurück. Die Einzelberichte der Sektionen zeugen von lebhafter Tätigkeit und erfolgreichem Vor- wärtsmarschieren. Mehrere Vereine haben allerdings unter dem Einfluß der Krise einen Mitgliederrückgang erlitten, der in Zu- kunft durch neuen Mitgliederzuwachs wieder ausgeglichen werden wird. Warnung. Der angebliche Techniker, auch Matrose, Ernst Calson zieht in Deutschland herum und brandschatzt Parteigenossen und russische Studenten, wobei er erlogene Angaben macht. Ernst Calson stammt angeblich aus Olai bei Riga, ist von mittelgroßer Gestalt, hat längliches Gesicht, graue entzündete Augen, blondes Haar; er trägt ein randloses Augenglas und fällt durch einen grünen Gummi- mantel auf. Das letzte„Arbeitsfeld" dieses Schwindlers war Berlin. Wir warnen hiermit alle vor ihm. Die Parteizeitungen werden um Abdruck der Wamung ersucht. WitterungSüberstcht vom 10. Juli 190», morgens 8 Uhr. Wetterprognose für Sonntag, de» 11. Juli 1909. Ziemlich kühl, zeitweise heiler, aber jehr veränderlich mit Regenschaucr» und irischen westlichen Winden. _ verliner Detterbureau. Buchdruckerei u, VerlagSanstalt Paul Singer Si Co., Berlin SW. Nr. 159» 26. Jahrgang. 2. KeilM des Jonättf Kerlim JolbHult. Zoiuckg, IL Itli 1909. 9er Dritte im Bunde. Zu den Genossen Leuthner und Maurenbrecher gesellt sich in der neuesten Nummer der„Sozialistischen Monatshefte" der Ge- nosse Wilhelm Schröder. Er ist so gütig anzuerkennen, dast sich die scharfe Zurückweisung, die Leuthner und Maurenbrecher in der gesamten Parteipresse gefunden haben,„psychologisch" erklären lasse; nach den Verfolgungen, die das preutzisch-deutsche Polizei regiment über die sozialdemokratische Partei verhängt habe, „gelte es fast als ein Angriff auf die parteigenössische Ehre, wenn nian einem die Zumutung stelle, irgend etwas zur Befestigung des preußischen Staatswesens zu tun", aber das sei nicht immer so gewesen. Es klinge wie ein Märchen, aber auch die deutsche Sozialdemokratie habe ihre„regierungsfreundlichen Tage" gehabt. Tage, wo im sozialdemokratischen Teile der Arbeiterschaft„ein geradezu kindliches Vertrauen zu den preußischen Staatslenkern vorhanden gewesen sei; im Gegensatze zu dem Teile des deutschen Proletariats, der bürgerlichen Politikern angehangen habe. Da das Bestreben der„Sozialistischen Monatshefte", die leb» hafte Freude der bürgerlichen Parteien zu erregen, indem sie der kämpfenden Arbeiterklasse Knüppel zwischen die Beine werfen auch in diesem Falle mit dem erstrebten Erfolge gekrönt worden ist, so kann man sich nicht der unerfreulichen Aufgabe entziehen, den Knüppel auf dem Rücken derer tanzen zu lassen, die ihn schleudern. Deshalb seien kurz die tatsächlichen Beweise beleuchtet, Ne Genosse Schröder für seine in der Tat„märchenhaften" Be- sauptungen beibringt. Zunächst beruft er sich auf die fünf Bismarcks artikel, die Schweitzer im Jahre 1865 veröffentlichte. In diesen Artikeln wurde nachgewiesen, daß die Lösung der nationalen Frage nur auf zwei Wegen möglich sei. Einmal dadurch, daß die deutsche Nation durch eine Revolution sich selbst helfe, und das sei die für jeden Sozialdemokraten selbstverständliche Lösung der deutschen Frage m oeutschem Sinne, oder dadurch, daß der preußi sche Staat, getreu seinen historischen Ueberlieferungen, da? übrige Deutschland verspeist. Diese historischen Ueberlieferungen schilderte Schweitzer vollkommen richtig, aber er beging dabei den Miß» griff, sie mit einer Lebendigkeit darzustellen, die einer VerHerr- lichung des BorussentumS zum Verwechseln ähnlich sah. Es ist bekannt, daß ihm deshalb Marx, Engels und Liebknecht die Mit- arbeit kündigten. So begreiflich diese Absage in jener Zeit war, so unbegreiflich ist es, daß Genosse Schröder, um die„Regierungsfreundlichkeit' nicht etwa nur Schweitzers, sondern der damaligen sozialdemo kratisch gesinnten Arbeiterschaft überhaupt nachzuweisen, nicht eine objektive Analyse der Bismarckartikel gibt, sondern nur die an- fechtbaren Sätze aus allem Zusammenhange reißt, um dadurch die, wie er selbst weiß, unwahre Behauptung zu erhärten, daß Schweitzer sich„rückhaltlos für eine Politik erklärt" habe, wie sie ein Jahr später von Bismarck eingeschlagen worden sei. Wie er selbst weiß— denn wenn man selbst zu Ehren des Genossen Schröder annehmen wollte, daß er die allgemeine Tendenz der Artikel überhaupt nicht verstanden habe, so bleibt doch keine mil- dernde Erklärung übrig für den Umstand, daß er hundert Zeilen daran wendet, um die in ihrem Tone, wie gesagt, höchst anfecht bare Schilderung der preußischen Politik wörtlich mitzuteilen, aber dann abbricht, wo er nur noch die zehn Zeilen hinzuzufügen gehabt hätte:„Von diesem Streben ist fundamental unterschieden dasjenige, worauf die Gesamtnation hinarbeitet, einen deutschen. wesentlich auf modernen Ideen beruhenden Volksstaat herzustellen. Aeußerlich haben beide Bestrebungen das Gemeinsame, daß bisher getrennte Teile der Nation einheitlich. zusammengefaßt werden sollen, innerlich unterscheiden sie sich dadurch, daß in dem einen Falle die Vereinigung blosses Mittel im Dienste der dynastisch- partikularistischen Interessen, im anderen Falle höchster nationaler Selbstzweck sein würde." Genosse Schröder will nun weiter beweisen, daß auch der Allgemeine deutsche Arbeiterverein die„regierungsfreundlichen" Ansichten Schweitzers geteilt habe. Er zitiert zu diesem Zweck zunächst den.Rechtsanwaltschreiber Tölcke, der bald darauf ein halbes Jahr lang das Präsidium des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins führte". Erstens habe Tölcke am 22. März 1865 in einer Iserlohner Parteiversammlung den König von Preußen hochleben lassen. Mit welchem Maße von gutem Glauben Genosse Schräder diese Behauptung aufstellt, mag man daraus entnehmen, daß er, wie sich noch zeigen wird, meine Parteigeschichte kennt, wo der tatsächliche Hergang dieses angeblichen Hochs dargestellt ist wie folgt:„Der Bürgermeister Hülsmann war entschloffen, die Arbeiterbewegung in Iserlohn nicht aufkommen zu lassen; wo er einen Schimmer von ihr zu sehen glaubte, verbot, verfolgte, verhaftete er darauf loS. Unter anderem hatte er angeordnet, daß die überwachenden Polizeibeamten jede Versammlung auf. zulösen hätten, in der von„Arbeitern" oder„Arbeitervereinen" ge. sprachen würde. Die Blicke der höheren Bureaukratie ruhten natürlich mit Wohlgefallen auf dem gesinnungstüchtigen Streber. Jedoch Tölcke verstand eS, ihn zahm zu kriegen, mochte er mitunter auch dem verzweifelten Uebel mit verzweifelten Heilmitteln auf den Leib rücken. So ließ er am 22. März den„Arbeiterverein in Iserlohn" einen telegraphischen Glückwunsch zum Geburtstage des Königs Wilhelm absenden und berief für den Abend eine „fröhliche Zusammenkunft" der Mitglieder, um die königliche Antwort zu empfangen. Sie traf pünktlichst und huldvollst ein, aber die Polizeibeamten verboten ihre Verlesung, da sie an einen „Arbeiterverein" adressiert sei und dies Wort laut bürgermeister» lichen Befehls nicht öffentlich ausgesprochen werden dürfe. Nun mußte der Landrat heran, der die Verlesung nicht zu verbieten wagte, und damit wider Willen dem getreuen Knechte HülSmann einen derben Nasenstüber gab." Man mag über den Geschmack dieses Ulks streiten, aber daraus, daß Tölcke mit dem alten Wilhelm samt dessen Landräten und Bürgermeistern ein wenig Schindluder trieb,„regierungsfreundliche" Absichten der deutschen Sozialdemokratie herzuleiten, ist unter allen Sterblichen wohl nur dem Genossen Schröder gegeben. Zweitens soll Tölcke diese Absichten Schweitzer? dadurch unterstützt haben, daß er im Oktober 1866 für eine„vollständige Einigung Deutschlands zu einem Hohenzollernschen Kaiserreich mit voller politischer und gewerblicher Freiheit" eingetreten sei. Leider verschweigt nur Genosse Schröder, daß gerade Schweitzer, sozusagen«x olücio, diese private Leistung TölckeS scharf zurückgewiesen hat, namentlich durch den Nachweis, daß„alle trügerischen Lobpreisungen der Machthaber" aus dem Hohenzollernschen Kaiser- reich keine„freiheitliche VolkSregierung" zu machen vermöchten. Aber nicht nur Tölcke, sondern auch die Masse des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins soll die„regierungsfreundliche" Politik Schweitzers unterstützt haben. Genosse Schröder erzählt uns, im Jahre 1867 hätten bei den Wahlen zum konstituierenden Reichs. tage die Elberfelder Arbeiter in der Stichwahl zwischen Bismarck und Forckenbeck für Bismarck entschieden. Die Tatsache | an sich ist richtig, aber bei ihrer Würdigung läßt Genosse Schröder i seinen„psychologischen" Scharfblick leider vermissen. Zunächst L hatten die Elberfelder Arbeiter beschlossen, sich der Stimme bei der " Stichwahl zu enthalten, da sie aus prinzipiellen Gründen nicht für die Kandidaten der konservativen Partei eintreten, aber wegen des beispiellos gehässigen Verhaltens der Fortschrittspartei für dieses Mal auch mit ihr nicht zusammengehen könnten. Dieser Beschluß war unter den damaligen Umständen völlig korrekt, zu- mal da Forckenbeck sich eben aus einem grimmigen Fortschritts- mann zu einem gehorsamen Schleppenträger Bismarcks mauserte. Wenn aber die Elberfelder Sozialdemokratie entgegen ihrem ersten Beschluß handelte, so geschah es unter den Streichen der Hunger- peitsche, womit die liberalen Fabrikanten sie traktierten, und auch deshalb, weil die Wahl Bismarcks, der inzwischen das Mandat eines altmärkischen Wahlkreises angenommen hatte, eine reine Formsache war. Bismarcks Wahl in den Reichstag bedeutete tat- sächlich nur die Eröffnung eines neuen Wahlkampfes, worin die Arbeiter ihre Revanche nehmen sollten. Alles das verschweigt Ge- nosse Schröder. Es versteht sich, daß er dann auch die bekannten Kämpfe zwischen den Elsenachern und Lassalleanern für seine Zwecke und auf seine Weise verwertet. Indessen können wir ihn hier nicht auf Schritt und Tritt eskortieren, wenn dieser Artikel nicht eine un- gebührliche Ausdehnung gewinnen soll. Es mag an der Bemerkung genügen, daß es sich bei dem Streite der beiden Fraktionen um historische Fragen handelte, die mit„Regierungsfreundlichkeit" oder„Regicrungsfeindlichkeit" überhaupt nichts zu tun hatten, es sei denn, daß man auch die heutige sozialdemokratische Politik als„regierungsfreundlich" rühmen will, was selbst nicht einmal Genosse Schröder fertig bringt. Um was damals der Streit ging, war in erster Reihe die Frage, ob der proletarische Klassenkampf auf dem Boden des verpreußten Deutschlands zu führen sei oder nicht, und sie ist eben dadurch in bejahendem Sinne entschieden worden, daß die Hoffnung, die Bismärckische Schöpfung noch recht- zeitig durch eine revolutionäre Volksbewegung zu zertrümmern. sich leider als trügerisch erwies. Ebensowenig hat eS etwas mit „Regierungsfreundlichkeit" zu tun, wenn im Juli 1870 die sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten für die Kriegsanleihe stimmten, bis auf Liebknecht und Bebel, die sich der Abstimmung enthielten; es handelte sich dabei nicht um die Unterstützung Bis. marcks, sondern um die Abwehr Bonapartes. Selbstverständlich ver- schweigt Genosse Schröder auch hier, daß nach dem Sturze Bona- partes, als eS sich in der Tat um die Unterstützung der borus- fischen Eroberungspolitik handelte, die zweite Kriegsanleihe von allen sozialdemokratischen Abgeordneten verweigert wurde. Daß die von ihm behauptete„regierungsfreundliche" Politik der Sozialdemokratie etwa aus„unlauteren Motiven" entsprungen sei, glaubt Genosse Schröder widerlegen zu können, indem er auf das Urteil hinweist, das ich in meiner Parteigeschichte über Schweitzer fälle. Leider darf ich mich in dem gewiß„Märchen. haften" Glück, vom Genossen Schröder als Autorität anerkannt zu werden, nicht sonnen. Was Genosse Schröder an Tatsächlichem zu erzählen hat, steht freilich wohl in meinem Buche, aber es steht auch alles darin, was er weise verschweigt. Seine Geschichts- klitterungen haben einen würdigeren Vater als mich; der Aufsatz des Genossen Schröder ist nichts als ein platter Abklatsch der anmutigen Pamphlete, die Eugen Richter mit vierzigjähriger Lügenkraft zusammengebraut hat. um die„regierungsfreundlichen Tage" der Sozialdemokratie zu beweisen. Freilich erfand der selige Mann all diesen Klatsch und Tratsch, um die Sozialdemokratie herabzusetzen und zu schmähen� Darin war selbst er noch ehrlich und konsequent. Genosse Schröder aber bietet Richter? Abhub als lautere Wahrheit aus, um die Politik der Genossen Leuthner und Maurenbrecher zu verklären. Man wäre versucht zu sagen: Höher gehtS wohl nimmer, aber die bisherigen Leistungen der«Sozialistischen Monatshefte" berechtigen niemanden zu der Annahme, daß ihre Leistungsfähigkeit in dem von ihnen betriebenen Gewerbe irgendeine Grenze haben könne. _ F. Mehring. Huö Induftm und Kandel. Steuerabwälzuug. Die Düsseldorfer Röhrenindustrie-A.-G. Dllsseldorf-Oberbilk, die Mtglieb des Röhrenshndikats ist, gehört unter den 15 angeschlossenen Werken zu den dreien, die die Herstellung nahtloser Röhren noch nicht eingeführt haben. Die kürzlich stattgefundene General- Versammlung beschloß nun die Erhöhung des Aktienkapitals um 1 300 ovo M., damit dieser Zweig der Röhrenfabrikation eingeführt werden könne. DaS Bankenkonsortium, welches dies Finanzgeschäft übernommen hat, die Deutsche Bank, der Schaaffhausensche Bank- verein und die Tochtergesellschaft der ersteren, die Bergisch-Märkische Bank, hat sich bereit erklärt, die Aktien zu 116 Prozent zu über- nehmen und fie den alten Aktionären zu 120 Prozent anzubieten; eS will auch sämtliche Unkosten der Börseneinführung usw. tragen, jedoch unter der Bedingung, daß die Banken die neuen Reichssteuern, die inzwischen kommen sollten, nicht zu tragen haben. Die Krise spiegelt sich auch in der Kohlenversorgung der Reichs- Hauptstadt. Die Zufuhr von Steinkohlen, Koks und Briketts an den Bahnhöfen und Hafen in Berlin stellte sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres auf 085 401 Tonnen gegenüber 1 078 041 Tonnen in der gleichen Vorjahrszeit und 970 820 Tonnen in den ersten fünf Monaten de» Jahres 1007. Abzüglich des Weiterversandes verblieben in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres in Berlin 808 060 Tonnen gegen 1 000 785 Tonnen in der entsprechenden Vor- ahrSzeit. Die Zufuhr englischer Kohle verminderte sich von 338 428 Tonnen im Januar bis Mai 1903 auf 249 527 Tonnen im Januar bis Mai 1909. Der dies- ährige Ausfall, den allein die Zufuhr englischer Kohle zu ver- zeichnen hat, kommt der Verringerung der Gesamtkohlenzufuhr SerlinS, die 142 640 Tonnen beträgt, fast gleich. Außerhalb des Weichbildes von Berlin wurden den Bahnhöfen und Häfen in der gleichen Zeit zugeführt insgesamt 517 613 Tonnen(im Vorjahre 676 522) Steinkohlen, Koks und Briketts. An Braunkohlen und Braunkohlenbriketts wurden in den ersten fünf Monaten 1909 an den Bahnhöfen und Häfen in Berlin 575 200 Tonnen(591583) und an den Bahnhöfen und Häfen außerhalb deS Weichbildes von Berlin 237 028 Tonnen(228 376) zugeführt. künfte von der Handwerkskammer, der Gewerbedeputation und dem Tarifamt der Kupferdrucker und Chemigraphen eingefordert. Die beiden ersten Korporationen teilen mit, daß dem Beklagten die Befugnis zum Ausbilden der Lehrlinge verliehen worden ist! Dem Tarifamt ist die Firma nicht bekannt; es sagt, daß sich gegen die Ausbildung von Lehrlingen nichts einwenden ließe, wenn die durch den Tarif festgesetzte Lehrlingsskala von der Firma Beachtung findet. Auf Befragen gab der Vertreter der Beklagten an, daß ein Aetzergehilfe und ein Aetzerlehrling sowie außer dem Sohn des Klägers noch ein Photographenlchrling beschäftigt werden, der aber in Kürze auslernt. Die Ausbildung des SohneS des Klägers wurde, da Photographengehilfen nicht beschäftigt werden, von dem bald auslernenden Lehrling mit besorgt! Das Gericht verurteilte daraufhin die Beklagte in die Auflösung des Lehrverhältnisses zu willigen. In den Gründen wurde gesagt: Ob die Behörde einen Fehler gemacht habe, als sie dem Beklagten die Befugnis zum Ausbilden von Lehrlingen verlieh, unterliege nicht der Nachprüfung durch das Gericht. Es sei nur zu prüfen gewesen, ob die in der Klage angegebenen Gründe berechtigt seien. Diese sind als berechtigt anzuerkennen, nachdem zugegeben ist, daß der Geschäftsführer der Beklagten im kaufmännischen Berufe tätig ist und die Ausbildung des Sohnes des Klägers einem anderen Lehrlinge anvertraut war. Entschädigung für Aussetzen. Gestern klagte vor der 8. Kammer des Gewerbegerichts der Kesselreiniger K. gegen das Ncinigungsinstitut Zabel. Er hat QVs Tage lang ausgesetzt und ist danach entlassen worden. Kläger forderte nun eine Entschädigung für die 6% Tage und eine weitere Entschädigung für 14 Tage wegen fristloser Entlassung für den gehabten Lohnausfall. Das Gericht unter Vorsitz des Magistrats- assessors Schultz sprach ihm die Entschädigung im Betrage von 39 M. für die 8V2 Tage, an denen er aussetzen mußte, zu, weil ihm der Beklagte die Papiere auszuhändigen unterlassen hatte, wies aber die Mehrforderung ab, weil im Reinigungsgewerbe der Kündigungsausschluß ortsüblich ist. Soziales. Berechtigte Lösung eines Lehrverhältnisses. Auf Lösung des Lehrverhältnisses klagte der Vater des Photo. -zraphenlehrlings H. gegen die Graphische Kunstanstalt L. Reimann. Der Kläger machte geltend, daß sein Sohn eine genügende AuS- bildung:m Gewerbe unmöglich bei der Beklagten finden könne. denn der Ehemann der Geschäftsinhaberin, der Geschäftsführer deS Betriebes ist, sei kein gelernten Photograph, und Gehilfen werden nicht beschäftigt, Das Gewcrbegericht hatte deshalb Aus- Klus der frauenbemgung. Spott für Arbeiterinne«. Wie die Bürgerlichen sich zur Kellnerinnenfrage stellen, erhellt aus einem Artikel, der durch die bürgerlichen Blätter die Runde macht. In Bingen ist nämlich die Verordnung ergangen, daß die Wirtschaften, die Damenbedienung haben, um 19 llhr abends schließen sollen. Deshalb streiken die Kellnerinnen.„Die Heben", wie es im bürgerlich-spöttischen Tone heißt, haben Bingen verlassen. Kein Wort zum Schutz der in ihrem Beruf bedrohten Kellnerinnen. Nichts als Gespöttel und Hohn, wie man eS in bürgerlichen Kreisen der Arbeiterin gegenüber gewöhnt ist! Für daö Frauenstimmrecht. DaS österreichische" Frauenstimmrechtskomitee ließ dem Paria- ment durch den Reichstagsabgeordneten Dr. Ofner im Abgeordneten- hause eine Petition auf Aufhebung des§ 30 des Vereinsgesetzes überreichen. In der Petition heißt eS, daß die meisten europäischen Staaten den Frauen bereits das freie Vereins- und Bersammlungs- recht zuerkennen, sogar das konservative Preußen habe im Vorjahre, bei der Schaffung des neuenZReichsvereinsgesetzes, den Frauen ein Vereins- und Versammlungsrecht gewährt.— Auch ein Lob. In Oesterreich petitionieren die Frauen schon seit 15 Jahren um die Beseitigung des Wortes„Frauensperson" aus dem§ 30 des Vereinsgesetzes. DaS Frauenstimmrechtskomitee hat im letzten Jahre schon eine Petition mit 40 000 Unterschriften von Frauen und Männern dem Abgeordnetenhause eingereicht. Nun wiederholt das Komitee die Forderung und verlangt von der Volksvertretung, daß sie den Frauen endlich da» ursprünglich sie Bürgerrecht'im konstitutionellen Staate, das Recht auf freie Meinungsäußerung im politischen Vereinsleben, zugestehe. Versammlungen— Veranstaltungen. Der Auöflug der Genossinnen des zweiten Kreises(West) findet nicht am 13., sondern, gemeinsam mit den Genossinnen des Südens, am 22. d. Mts. statt, und zwar als Dampferfahrt nach Woltersdorfer Schleuse. Mocden-Splelplan«le? ßerlfner Cbcatcr. NeneS kSnigl. Opern-Theater. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Anlang 5 Uhr.) Montag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Norma. Mittwoch: Der fliegende Holländer. Donnerstag: Tannhäufer.(Anfang 7 Uhr.) Freitag: Lohengrin.(Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang v'/- Uhr.) Sonntag: Tannhäufer.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Norma. Deutsches Theater. Bis aus weiteres täglich: Zu ebener Erde und im ersten Stock.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater.(Kammerspiele). vis aus weiteres täglich: Ein Skandal in Monte Carlo.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Bis aus weitere» täglich: Dt« Dollarprinzesfin. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. BIS aus wellereS täglich: Ein Herbstmanöver. (Ansang 8 Uhr) Nene» Theater. BIS aus weiteres täglich: Der Hoteldieb.(An« fang 8 Uhr) Neues Schauspielhans. Bis aus weiteres täglich: Moral.(An- sang 8 Uhr.) Komische Oper. BIS aus weiteres täglich: O diese Leutnants.(An- sang 3 Uhr.) LustsPielhauS. Bon Sonntag VIS Donnerstag: Der sesche Rudi. Freitag bis Montag: Familie Schlmek.(Ansang 3 Uhr.) NeneS Operetten- Theater. BiS auf weiteres täglich: Die Sprudelsce.(Ansang 8 Uhr.) Schillcr-Theater«. BiS aus weiteres täglich: Madame Bonward. (Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Eharlottenburg. Bis aus wettere« täglich: Der Biberpelz.(Ansang 3 Uhr.) Friedrich> WilhclmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag: Nach. mittags 3 Uhr: Undine. Abends 8 Uhr: Der Troubadour. Montag: Obcron. Dienstag: Martha. Mittivoch: Die Jüdin. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Das Nachtlager von Granada. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: Nachmittag» 2 Uhr: Undine. AbendS: Marwitz. Oper. Montag: Morwitz-Oper. Thalia- Theater. Bis aus weiteres täglich: Im Casö Noblesse.(An» sang K Uhr.) Bernhard Rose< Theater. BiS auf weiteres täglich: WaS eine Frau kann.(Ans. 8 Uhr.) Folios<5aprice. Allabendlich: Drei Frauenhüte. Der Deserteur. (Anfang 8'/, Uhr.) Rpollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Aictropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(An- sang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Netchshiillen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Der Kompagnieball.(Ansang 3 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Passage- Theater. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Palaft-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania-Theatcr. Taubenswaxe 48/49. Sonntag und Montag: Durch Dänemark und Südschweden. DienSrag: Die Mosellande und ihr Wein- bau. Mittwoch: Kairo und die Pyramiden. Donnerstag: Rom und die Campagna. Freitag: Die deutsche Ostsecküste. Sonnabend: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sonntag: Rom und die Campagna. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Königl. Opernhaus. Geschlossen. Königl. Schauspielhaus. Geschlossen. ssur de» Inhalt der Inserate «ilierniiiimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Werautwortnng. �essinx-'skeater. Tastspiel d. Neuen Operetten-Thcaters. Ansang 8 Uhr. Nie Operette in 3 Akten von Leo Fall. Neues Theater. Abends 8 Uhr: 9er Koteldieb. Montag und folgende Tage: Der Hoteldieb. Berliner Theater. Operetten-Gastspiel. JT" Täglich 8 Uhr:"TWS Ein llcrbstinanUver. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll) Gura»Oper. Die Meistersinger von Diirnlierg von Kichard Wagner. Anf. 5Uhr. S'l, Uhr Souperpauso. Hans Sachs: Herr Demuth-Wien. Montag; Lohengrin. Dienstag: Norma._ friedrich-Wilhelmstädtiscties Schauspielhaus. Tonntag, den 11. Juli, nachm. 3 Uhr Und ine. Abends 8 Uhr: Der Troubadour. Montag: Oberon, König der Elfen. Kcuett Operetten-Theater. Schijsbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Zlnfang 8 Uhr: VI« pipi-utkelkev. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. I.ustspielbsns. Abends 8 Uhr: Ter fesche Rudi. [RMPKOSiiTliCAT (Ar. Krantsnrlcr Str. 132. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartenbühne Ansang 4'/, Uhr. U. a.: W i l l I A g o st o n in Berlin aus Stelzen. Paul Coradint usw. «pezialttäteu._ Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Auf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Panoptikum. liebend! Die letzten weibiiehen Wesen vom Stamme der UzteUen! JH»— die Hchwebcnde Junefraa. Ganz Berlin zerbricht A#.«. sich den Kopf über"H®" Alles ohne Extra-Enlree. Max Riiems Sonimer- Theater und Festsäle Rudolf Krüger Hasenheide 13/15. Täglich: Großes Konzert, Theater und Spezialitäten-Vorsteiliing. Art. Leitung: Waller Gravanitz. Jeden Donnci-swg: R 1 i t c t a g. ZS ährcnd und nach der Vorstellung A'ans-lei-iln.oben. „ZA W in ihren Phantasie- Tänzen. Chine». Gaukler Tan Kwai-Tripe Garcias • sowie die sensationeilen Attraktionen des Juli-Programms. Brunnen-Theater Badstrasze 58. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: X Erstklassige Spezialitäten! X Xovitat: Movitüt! Eine tolBeKacbtn Gr. AusstaltungS-Volksslück mit Gesang und Tan, in 5 Bildern von Fleund und Mannstädt. tkasscncrögiiuiig 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Stadl-Theater Moabit. Alt-JIoabif 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Udr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bczw. 5 Uhr. Gartenerössnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetng, Spezia- litäteu und Soiree der„Lustigen Sänger�. Bei Ncgenwelter Vorstellung im gr-'-n Tbeatcr-Saal._ Iksgarten- Theater früher WeiUtannS BolkSgarten. Täglich: Konzert. Theater- und Spezialitäten-Borstellung. Das neue Juli-Progrninm. Gustav Eolendurg. X Trudi Truth. Geschw. Wiedomann. tho 3 Syburgs. Der Brandstifter von Berlin. Volkssl. m. Ges. n. Tanz v. Rcifslingcn. W,]$oaeUs Theater Direktion; Rab. Dill. Srunnenitr. id. Verbotene Wege. Vorher: Spezialitäten! Ans.(> Uhr. Konzert: 5 Uhr. Entree: 30 Ps. Donnerstag: Die Liebesprobe. Sonnab.: Der Schuster als Millionär. 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten. Prolongiert! Jean Paul Prolongiert! Die O Yankee Doodlc Girls. Novität! Novität! Sie lustigen Zecher. 9.50: jraf Zum 81. Male:"-Etl Kartstein in En* oder Er« fTMirnri SS Variete-Theatir 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenth.tor. I 1 Ansang 8 Uhr. Im Thealer: | Die grandiosen Spezialitäten. Im Garten: ReelkonaBei-t. Vor der spanischon Arena. iiSchwoizer- Garten i; Am Käuigslor. Am Friedrichshain. TLnIifK Ansang 4 resp. 5 Uhr I agnui Bntrcc 30 P«. j) || Theater-Vorstellung ü Spezialitäten. D. neueJuliprogr.> Kinemalograpb, Vclksdelusligung. Jed.Millwoch: Kindertreudeniesi. Elysiiim Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Strasse. MM- Heule sowie täglich"9$ im prachtvollen Naturgarten: Vorstelluax abwechselnd von drei der btstrenninmiertesten SängrrgkstDsdjnftt». Hoizmarttslr.72(EdeAlexanderstr.) Tägl. i berrl.Natnr-Somniergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Gr. 7boator- u. Spez.- Vorstellung. Einei«e�Ä.r MeiBner, Oemby, Les Mignons, Byron u. erstklassige Spezialitäten. Aiismvcchent��Soimwgs��Ibr� Volkspark D(iet-) Landsberger Allee 80/91. In der Ricscn-Kunst-Arcna Sonntag, den 11. Juli: Herausforderungs-Ringkampf berühmter Mcisterschattsringer. Im Volkspark-Thcatergartcn Landsberger Allee 76/77; Spezialitäleiivorstrllung u. Tanz. d Serlinkr Nrnirr-Thenter» j Kasiauienalleo 7—9. (■ Täglich: < Man lebt ja nur einmal t j Havcmann» grSEto Raubticrschule j d.Wolt. Spezialität., Konzert, Ball. Ansang i'l, Uhr. j Cwjw•• www< Reichshallen-Theater. Wx- Rente; Letzte Sonntags-Soiren der vor ihrer Ferienreise. Ansang 8 Uhr. Ereilag. den 16. 7: 1. Gastspiel Winter- Tymian. Sclil 11 er-Th eat er. Schiller-Theater Charlottenburg. Täglich: Der ItibcrpclK. Eine Dicbeskoinvdie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater.) Täglich: Mndanic Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bisson und Aiilony Mars. 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Jnll, nachmittags 4 Ehr: S? Großer Sommerpreis. � Verbist. Tbeile. Robl. Contenet. Salzniann. Gcsamtpreisc: 11 500 Mk. Große Fliegerkonkurrenz. Maybach-Ufer ] an der Thielen- Brücke. | Straßenbahnlinien 94, 4ß u. 22. HeuteSonntag, nachm. 4 u.abds 8U.: |2 Brillante Vorstellünp 2 Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder unter 14 Jahren auf allen Platzen halbe Preise. In jeder Vorstellung das mannigfaltige Scusations- Progranim, wobei jede einzelne Kummer eine Attraktion u. Schlager. In beiden Vorstellungen: Auftreten der weltberühmten EOwcn-Dompteuse Miss Charles mit ihren 14«!! IM 14 einzig dastehend ' ohne Konkurrenz. 3& föSärkischep IHSof Admiralstr. 18c.* Säle und Bercinszinimer zu Bersammhmgen und Festlichkeiten. Einige Sonunbende noch frei zu SommcriiachiSbäll. u. Herbswcrgnüg. Jeden Sonntag: Großer Dali. Um geneigten Zuspruch ersucht Dtto GraßhoflT, Fcrnsp. IV, 4594 Markgrafendamm 34. Amt VII 4277 Jnh. Hermann Schölts. 8.,Ä: Cr. Ball. I enle sür 100—1000 Personen zu[ 1 Festlichkeiten und Versammlungen. S Kegeihahnea.* !♦!- Udler Schwarzer Friedrichsberg Slaritbahnstathn Frankf. Allee. Inh.l QöbV* �iVtlllOld. Fernspr. Friedrichsberg No. 8. Frankfurter Chaussee 5 (früher ILO). Großes Künftlcr-IConzert Sonntag, den 11. Juli: unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Xamcnlos", Berlin. Theater- uiul �pezialitäteii-Torstelinng mit Franz Sobanski. X Güuzlich neues Programm. Lenor 4 Berad, die weltbekannten Grotosk-Duettistcn. X Max Bollini, an der asiat. Lyra. Gud Gormanolli-Duo, die hochamüsanten Scherenschleifer. Im Saale: Großer Ball.-Mg Im herrl. Lindcngartoa jeden Aben T UnierhaBiungsmusik. Bo�männ. Alhambra Walllier-THoalerstrage 13. Großer Ball Jeden Sonntag: Grobes Orchester. Ansang SomUags 5 Uhr. A. Xi»»»eitat. Dr. Strahlt Ambulatorium j Operationslose Behand- llungr ohne Berufsstörur.j| Sprechzeil: 10— ta und 3-5 Uhr, Sonntags nur Vorm. Prosp. gratis I Berlin N 34 4i Hygienische «i. nouaii. xv.naio-i D. 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Bei ungünstiger Witterung-MM finden die Aufführungen im Saale statt. 2 linden Umsonst tujed� EkApparatJI ZetSähi titf AWMW Wo liegt e.s.? % Minuten vom Bahnhof Stralau- Rummelsburg: Vellevnv" m RWineiziiiii'gef 8« Groster schattiger BoNspart. 16772* -W- Jeden Sonntag: MkZ KOnZCH �rch?ft?r"' fipczlalltttten.— Jeden Donnerstag: Klnderlent. Familien können Kaffee kochen. Großer giudersport. Gute Küche. Grob« Unterfunstshallen.— MM- Also heute dahin I MM Zahlreichen Besuch erwartet Ciaztav Tempel. ?> Wo amüsieren wir uns? Im Krug zum grünen Kranze OberaSchöneweide, Waldstr« 74. KDcha u. Keller yorzüglich. Vereinen u. Gesellschaften bestens empfohlen. Ernst Höflich. 18492* Sophien-Säle SophiensMe 17/18 QuerstraBe der Rosonthaler StraOe— am Hackeschen Markt* Inhaber: Panl Kautz===== empfiehlt seine von 60—2000 Personen sassenden Säle zu Versammlungen. Vortrag?- u. Kunstabenden usw. Vorzügl. Zlflistif. Kulant. Entgegenkommen Treptow! tmm® Inhaber: R. Müller. 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IO.50, 12.50, 14.50 Fimer ite>«�ert 4.50 un-i 5.50 Punde Wannen»arseeen l.io bie 2.25 Ovale Wannen I.25 3.40 Eimer 63, neublmu 75, weiss 80, marmoriert 65 Pf, NICKEL- UND STAHLWAREN B Grössen 60 Pf. bis 1.10 • Grössen 30 Pf. bis 80 Pf. 6 Grössen 55 Pf. bis 1.20 6 Grössen 65 Pf. bis 1.35 4 Grössen 1 Mk. bis 1.75 4 Grössen 1 Mk. bis 1.75 0 Grössen 50 Pf. bis 1 Mk. 2 Grössen 1 Mk. und 1.25 1.73 6 Grössen 20 Pf. bla 40 pf. 1 Mk. B Grössen 1 5 Pf. bis 28 Pf. 35 pf. 1 ,80, marmoriert 2 Mk. 1.25 bis 40 Pf. bis 80 Pt Saftkannen meMl' 70 n Kakesdosen IRek*1' 80 k Weinkannen m� 4 Mk. Tortenplatten qs« i or Majoük« mit NickelbeacUag O K, I.OO Brotkörbe v�et-k,» 35 k Zuckerschalen«iä�ZLg55 k Teemaschinen Kopf« 3«° Kaffee-Servlce 6.75 Tischbestecke Ar. Rr. mit ichwars. Griff.n, Pau T"L/, DU, /OK Teelöffel Brltsnaiamatan ESSlÖffel Briten niamttmll 8 K 18 rt EISENWAREN Fleischmühlen 1.00, 2.25, 4.oo Fruchtpressen v«. 4.75 Messerputzmaschinen 4.00, 5.75 Petrol.-Kocher s ar. l.öObuÖMk. Petrol.-Gas-Kocher 2.75 Spiritus-Gas-Kocher i Loch 5 Mk. Spiritus-Gaskocher sLochl 2.50 Spirituskocher 20 k Plätteisen 1.60«. 2.25 Plätteisen �mi-k-i« 2.20«. 2.80 Rasenmähmaschinen 3 M«ii.r 16, 17, 18 Mk. Splralfussabtreter 1.40 Gas-Kocher 2 Loch 8 Mk Gas-Kooher»«vhw-»- 9.50 HOLZ- UND BORSTENWAREN Schuhputzgarnitur Waschbretter 45 k Waschbretter 1 35 Holzstoffsohüsseln 45 pl Wandkaffeemühlen 4 Mk. Messerputzmaschinen „Frauenlob" 1.15 Aermelbretter d.,°g« 40 k Aermelbretter rar R«,» 80 k Gardinenspanner 1 0.50 Gazespinden 5.25, 6.25. 7.50 In der Abteilung Herren* und Knaben-Konfektion: c Herren-Loden-Capes ca. 120 cm lang, dunkel, grau und oliv 10,50 Knaben- Wasch-Anzüge 2.50 2.75 3 Mk. dunkel gestreift mc Knaben-Beinkleider dunkelblau Satin, für ca. 3-9 Jahre 1.15 Loden- Capes dunkelgrau und oliv........ D.öü 7.50 Ö.ÖÜ (eraniraortl. Redakteur: Wilhelm Tiiwell, Lichtenberg. Für den Lnseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Truck u,Ler!ag:vorwärt« Buchdruckerei u. VerlagSnnstalt Paul Singer Sc Co., Berlin SW. Nr. 159. 26. Jahrgang. 3. Keilißc i>cs Jonoirts" Kcrlim JnlWlatt Sonntag, 11. Juli 1909. AirtichsMicher Aochendericht. Berlin. 10. Juli 1909. � Ein altes Lied.— Anzeichen einer Besserung.— Hemmungen »virtschaftlichen Aufschwunges.— Kohlcnaußenhandel.— Brcnn- materialienmarkt.— Noheisenerzeugung und Versand des Stahl- werksverbandcs.— Eisenindustrie.— Verhinderte Notstands- Milderung. ?eit Jdl/r und Tag hört man die Litaneien von dem Anbruch einer neuen Hochkonjunktur. Da die Krise nicht ewig dauern kann, umffcn die Propheten ja schließlich auch einmal recht haben. Und zeHt machen sich anscheinend verschiedene Ansätze zu einem Wirt- schaftlichen Wiederaufleben bemerkbar. In einzelnen Industrien und Branchen hat eine etwas lebhaftere Produktion eingesetzt. Das ist erklärlich. Nach der teilweise schon ziemlich lange anhaltenden Stockung in der Erzeugung muß sich endlich die Nachfrage regen, macht sich Bedarf für den Konsum geltend. Diese ganz natürliche Erscheinung kann sehr leicht, weil der Wunsch Vater des Gedankens ist, überschätzt werden. Gewiß, wenn nicht noch besondere, unge- tröhnliche Zwischenfälle, die das Wcltwirtschaftsgetriebe stören können, der Entwicklung Lauf hemmen, dann stehen wir vor einem neuen, gewaltigen Aufschwung industrieller Expansion. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens eröffnen sich bedeutungs- volle Perspektiven; die Elektrizitätsindustrie hat Probleme aufgerollt und theoretisch gelöst, die gebieterisch die Anwendung in der Praxis erheischen. In der Eisenindustrie vollziehen sich organi- satorische und produktionstechnische Umwälzungen, die ganz natur- gemäß eine gewaltig gesteigerte Warenerzeugung auslösen. In der besseren Erschließung der Balkanstaaten, des russischen Reiches, des japanischen Staates, des chinesischen Reiches für den weltwirt- schaftlichen Verkehr findet erweiterte Gütererzeugung Anreiz und Absatzmöglichkeit. Der größere Rahmen für die Gütervcrteilung gibt auch für eine gewisse Zeit erneut die Möglichkeit, über den Widerspruch zwischen Produktivität und Konsumkraft hinwegzu- kcmmen. Daran ist also nicht zu zweifeln: über kurz oder lang wird eine neue, die verflossene an Extensivität vielleicht über- ragende Welthochkonjunklur einsetzen! Aber auch darüber sollte kein Zweifel sein: in Deutschland sind die Aussichten in bezug auf den Anteil an dem Wiederauf- blühen durch unsere Wirtschaftspolitik stark gehemmt! Zeitlich, indem hier der Aufschwung später einsetzt, quantitativ und quali- tativ, weil unsere Zoll- und sonstige Absperrungspolitik die Kon- kurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt stark herabmindert. Die wirtschaftlich oder parteipolitisch Jnter- essierten, denen wir diese Schädigung verdanken, find es auch, die durch die neue Reichsfinanzreform den Beginn wirtschaftlichen Auflcbens hinausschieben. Zu den mehr mechanischen, für uns schädigend wirkenden Faktoren treten die natürlichen, die wir in den ungünstigen Ernteaussichten erblicken. Nach den letzten Schätzung«- und Saatenstandsberichten darf man die Erwartungen ja wieder etwas höher spannen, aber im allgemeinen erscheint die Gesamtsituation doch noch wenig hofnungsvoll. Die derzeitigen Vorräte lassen eine Zuversicht auf baldige, fühlbare Preisnachlässe nicht recht aufkommen. Nach einer Aufstellung des„B. T." wurden 3 B. per 1. Juli folgende sichtbaren Weizenbestände ermittelt— in Europa und Amerika zusammen in 1CKX1 Quarters: 1904 1905 1906 1907 1908 1909 12115 11 670 13 020 16 680 9835 9050 Demnach ist der diesjährige Bestand noch geringer als der schon außerordentlich ungünstige des Borjahres. Eine' schlechte Welternte und anhaltend hohe Lebensmittelpreise beeinflussen lähmend die industrielle Beschäftigung. Das ist bekannt und unbe- stritten. Daß alle die Hemmungskräfte jetzt schon in raschem Zuge überwunden werden, zu solcher optimistischen Anschauung ver- mögen wir uns noch nicht aufzuschwingen. Die augenblickliche günstigere oder als solche angesehene Gestaltung in einzelnen Industriezweigen erscheint uns noch nicht sicher als Ausfluß einer beginnenden allgemeinen Hochkonjunktur. Unter dem Einfluß der Krise auf dem Inlandsmarkt wuchs die deutsche Kohlenaussuhr im laufenden Jahre schnell und weit über die der Vorjahre hinaus. Im ersten Halbjahr 1909 war die Ausfuhr um rund% Millionen Tonnen größer als in der Ver- gleichszeit 1907; die Zunahme macht fast 5 Prozent aus. Die er- höhten Mengen wurden auf den Auslandsmarkt geworfen, weil die inländischen Verbraucher sie nicht aufnehmen konnten. Aus dem- selben Grunde ging die Einfuhr zurück. Im ersten Viertel des laufenden Jahres blieb sie um rund 400 000 Tonnen oder um 20 Prozent hinter der Einfuhrmenge der Vergleichszeit 1907 zu- rück. Seit April hat aber die ausländische Kohle in verstärktem Maße in Deutschland Aufnahme gefunden, so daß für das erste Halbjahr 1909 gegenüber 1903 nur noch ein Einfuhrminus von 139 053 Tonnen vorhanden ist, und seit Mai blieb auch die Aus- fuhr gegen die vorjährige zurück. Diese Verschiebung ist nicht die Folge gesteigerten Jnlandskonsums, sondern verschärften Wctt- bewerbes auf dem Weltmarkte. Die Lage in der deutschen Kohlen- und Koksindustrie hat sich noch nicht günstiger gestaltet. Jetzt endlich wollen die Koks- Produzenten durch Preisnachlaß den Verhältnissen in der Eisen- industrie Konzessionen machen. Aber keine ausreichenden. Man hoffte auf einen Abschlag von 2— 3 M. pro Tonne, das Syndikat ermäßigte den Kokspreis aber nur um 1,50 M. So unzureichend die Herabsetzung ist, so wird sie doch wohl etwas anregend wirken. Leider kommt sie dazu reichlich spät; sie ist den Kohlenmagnaten direkt aufgezwungen. Man weiß nicht mehr wohin mit der schon um 40 Proz. eingeschränkten Erzeugung. Entweder weitere Pro- duktionsverminderung oder Absatzsteigerung durch Preisnachlaß, das war das Ultimatum, das den Kokswerken die Entscheidung aufdrängte. Daß bei der Preisfrage der Interessengegensatz zwischen reinen Zechen und Hüttenzechen eine nicht unwesentliche Rolle spielt, ist ja bekannt. Will man als Beurteilungsmaßstab für die Gesamtlage die Produktion der Hochofen- und Stahlwerke gelten lassen, dann müßte im Juni tatsächlich eine Besserung eingetreten sein. Sowohl die Roheisenerzeugung als auch der Versand des Stahlwerksverbandes figurieren mit größeren Ziffern. Wir machen über die Ver- änderungen folgende vergleichende Zusammenstellung. Es betrug: Versand des StahlverbandcS � Ö 9 SSrnbufte A tn 1000 Tonnen 1907 1908 1909 Produkte A in Tonnen 1907 1908 1909 Januar.. 1062 1061 1022 489 571 Februar.. 973 994 950 449 264 März... 1099 1047 1073 503 309 April... 1078 980 1047 481974 Mai... 1094 1011 1090 483 307 Juni... 1044 956 1067 514 663_ Insgesamt. 6355 6049 6249 2 927 088 2 455 404 2 481306 Die Endresultate ergeben, daß die Roheisenerzeugung im ersten Halbjahr 1909 um rund 200 000 Tonnen über die in der gleichen Zeit des Vorjahres hinausgegangen ist, und sie nur um 106 000 Tonnen hinter der aus der Vergleichszeit 1907 zurück- 383 056 409 191 420 508 397 635 436 463 520 811 371 956 364 669 414 355 378 000 378 361 411 000 bleibt. Dabei sind die Erzeugungsmengen der beiden letzten Monate im laufenden Jahre größer als im Jahre 1907. Nicht im Einklang mit dieser Entwickelung, die ja auch einen Rückschluß auf stark gewachsenen Verbrauch erlaubte, stehen die Versand. resultate des Stahlverbandes in feinen Produkten A. Allerdings, auch hier ergibt das Jahr 1909 eine etwas größere Ziffer als das Vorjahr; ferner ist im letzten Juni ein viel größeres Quantum zum Versand gelangt als im Jahre vorher, dafür war aber das Resultat des Vormonats im laufenden Jahre viel ungünstiger als im Jahre 1908, und das Gesamtergebnis für dieses Jahr steht dem vom Jahre 1907 um noch 451 782 Tonnen, gleich 15,4 Proz., nach. Leider legt sich der Stahlverband bei seinen Publikationen eine sehr große Diät aus, so daß man nicht weiß, in welcher Weise der Außenhandel die Versandziffern beeinflußt. Der Verband wird wohl besondere Gründe für seine Verschwiegenheit haben. Für die Gestaltung der deutschen Ein- und Ausfuhr in den ersten fünf Monaten, und zwar für Roheisen und Halbzeug machen wir nach amtlichen Angaben folgende Zusammenstellung: Einfuhr Ausfuhr in Doppelzentnern 1908... 1070 514 956 505 1909... 544 169 1 576 343 Die Einfuhr ist auf fast die Hälfte zurückgegangen, dagegen stieg die Ausfuhr um 619 838 Tonnen. An die Stelle des vor- jährigen allerdings minimalen Einfuhrüberschusses ist ein Aus- fuhrüberschuß von über 1 Million Doppelzentnern getreten. Die Verschiebung im Außenhandel mit Rohluppen, Rohschienen, Roh- blöcke, Brammen usw. veranschaulichen diese Angaben: Einfuhr Ausfuhr in Doppelzentnern 1903... 39 386 1530 424 1909... 34849 1 803810 Dem Einfuhrrückgang von 4537 Doppelzentner steht eine AuS- fuhrsteigerung von 273 396 Doppelzentner gegenüber. Wie ungünstig im allgemeinen die Verhältnisse in der Eisen- industrie noch liegen, erhellt schon daraus, daß noch vielfach mit weiter anhaltenden Betriebseinschränkungen gerechnet werden muß. Wenn auch in einzelnen Branchen der Beschäftigungsgrad sich etwas gehoben hat, so vermindern dafür Lohnkürzungen das Einkommen der Arbeiter. Für weite Kreise von ihnen summiert sich das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren zu einem recht empfindlichen Notstand. Diesen zu mildern, waren die Forde- ruugen der sozialdemokratischen Fraktion betreffend Getreidezölle und Einfuhrscheinwesen geeignet. Die im Interesse des Volks- Wohles dringend notwendige Milderung verhindert zu haben, dürfen sich diejenigen rühmen, die des Volkes Rücken nun sogar noch mit neuen Steuern belasteten— Agrarier und Zentrümlerl Deren Taten sind Stockschläge auf den Magen der Arbeiter. V. eingegangene Druchrcbnften. Karl Georg Winkelblech(Karl Marios. Sein Leben und sein Werk, von Dr. Biermann. Band I: Leben und Wirken bis zum Jahre 1849. Leipzig 1903. Zl. Dcichertsche Verlagsbuchhandlung. 387 S. 7,80 M. „Stuft im Jus". Ein lustiges Buch von Juristen und schweren Ver- brechern. Herausgegeben von 21. Moszkowskt. Verlag der„Lustigen Blätter", Dr. Eysler u. Co., Berlin SW. 68. 1,50 M. Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Hest 10. eerausgegcben von Pros. Dr. Fr. Umlaust. A. Hartlebens Verlag in Wien. ährlich 12 Heste. 1,15 M. Kurorte und Kurpfuscher. Von Dr. Karl 2llexander. Allgemeine Medizinische Verlagsanstalt G. m. b. H., Berlin SW. 48. 1 M. Gewaltige Preisherabsetzungen guter, besonders für die Reise- 3Gllü!]WärOO isdelloser Beschaffenheit und Ferienzeit geeigneter bietet Ihnen unser Räumungsgerkauf � doppelten Rabattmarken! Der Verkauf findet nur in unseren folgenden Geschäften statt, worauf wir im eigenen Interesse genau zu achton bitten. N., Reinickendorfer Straße 12 N., Badstraße 23 N., Brunnenstraße 42 NW., Turmstraße 55 W., Potsdamer Straße 54 S., Kottbuser Damm 5 0., Andreasstraße 47 0., Frankfurter Allee 144 Charloltenburg, Wilmersdorfer Straße 121 Sciiöueberg, Hauptstraße 159 n ii ii ii Darunter empfehlen wir, solange die Vorräte reichen n i> n■■ Herren-Sehnör-Sliefel braun, mit Kingbesatz Wert 8,50 Herren-Sehnür-Stiefel Chevr. Korse m. Laokkappe Wert 7,50 Herren-Sciinür-Scliube Stoff mit Ledergamitur Wert 4.50 Berren-Haus-Schuhe Chagrinleder, niedr. 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Unserem Genossen 18252 | Ällisrt Mrowka nobot Fnra S die herzlichsten Glückwünsche V zur silbernen Hochzeit. ö Die Genossen und Genossinnen des 227. Bezirks, Teil II. «sssSSSSS� w Die herzlichsten Glückwünsche zur silbernen Hochzeitsseier K j' unseres Kollegen uno Schanl- V � Wirts vi) Albert Mrowka nebst Frau 4L sendet B. L. 5' «SSSSSKSSSSSS«« Frau SozialiieniokratisctierWaliiyereio des 8. Berl. Relchstags-WaMIffeises. Totles-Anzelge. Am Freitag, den g. Juli, ver- starb unser Mitglied, der Arbeiter Karl Holzkamm, Zechlinerslrasse 1. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle deS städtischen Friedhoses, Müllerstrasse 44/45 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Vv? Vvi'si.nncl. Todes- An zeige. Am 9. Juli starb unser lang- jähriges Verbandsmitglied, der Ledcrjärbcr 48Zb Karl Holzkamm. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nachmittag« S Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhojs, Müller- slrajze 45/49 aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Die OrtSverwaltun der Lederardeiter. Berlin.) (Male I § iferliantl der Littiograp SSteiflHef u. verw. B Allen Kollegen, Freunden und Bekannten mache» wir hierdurch die traurige Mitteilung, dafi unser nnvergehlicher Kollege und Freund Max Obier Mitbegründer des Verbandes, langjähriger Nedatteur der Ver- Handszeitung und in den letzten Jahren Sekretär beim Hauhtvor- stand am Freitag, den 9. Juli, nachmittags'/-L Uhr, nach langem schweren Herz- und Nierenleiden im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Seine unermüdliche Tätigkeit sür unser» Verband sichert ihm ein dauerndes Andenken I Die Beerdigung findet von der Leichenhalle des Pankowcr Kirch- Hofes(Schönholzcr Heide) am Dienstag, den 13. Juli, nach- mittags ö Uhr statt. 280/7 Zahlreicher Beteiligung sehen entgegen Der Hanptvorstand und die Berliner Ortsvorstände des Verbandes. Mnnsi'-GeaangMeili „Senefelder". Am Freitag, den 9. Juli, ver- starb nach längerem Leiden unser Mitglied und Mitbegründer unseres Vereins, der Steinbruder Max Obler. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des Pankower Kirchhoscs (Schönholzcr Heide) aus statt. Um rege Beteiligung bittet S1/2 Der Borstand. Allen Genossen und Freunden! zur Nachricht, daß mein lieber j Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Tischler KarB Pehlka am Freitagnachmittag sanft ent- ichlasen ist. 484b �rau reWK« nebst Kindern. Beerdigung Dienstagnachmittag 3'/z Uhr vom Krantenhause am Urban aus aus dem Friedhos der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Ällee. traurige Hiermit ersülle die Pflicht, Verwandten, und Bekannten das Hinscheiden meine« VaterS Freunden m Richard Kempfe anzuzeigen. 481b Die lranerude Dochter Witwe Illolen« Schreiber geb. Xempfe. Die Bestattung erfolgt Dienstag, den 13. Juli, nachmittag 31/. Uhr, aus dem Zentral- Friedhos m Frledrichsseloe. Mkkf sMMMM.sMi!. Ortsverwaltung Berlin It. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Lagerarbeiterin Emma Kurth I am Freitag, den 9. d. MtS., im j Alter von 57 Jahren an Gehirn- | schlag gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet am I Montag, den 12. d. M. nach- I mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des Gemeinde- Kirchhofes | zu Britz, Triststratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht j 68/11 Die Berwaltung II. Uerlmd der Schlirider und Schueidtriuutu. Tillole Berlin I. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern geben wir I hiermit bekannt, daß der Kollege| Otto Schulze 1 am 7. Juli im Alter von 36 Jahren j � gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute I ! Sonntag, den 11. Juli er., nach- i mittags 5 Uhr, von der Halle! der Simeons- Gemeinde, Tempel- i | hoser Weg, aus statt. 163/1 s Die Ortsverwaltung I Veriiand der Steinsetzer (Pflasterer) und Berufsgenossen Deutschlands. I Unterbezirk Nixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Stein- setzer 175/10 j Karl Scheuncmatm im Alter von 28 Jahren am 3. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Rixdorser Fried- hoseS am Mariendorser~~ aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Mtii-Vetod der Maurer DeutssMands. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied �.uxust Klebsch (Bezirk Westen) am 8. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Be- gräbnisplatzcs der Gemeinde Schöneberg, Tempelhoser aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/7 Der Vorstand. Deutscher I Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dafj unser Kollege, der Drechsler .Josek Horvath am 9. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Halle des Weifienseer Kirchhoscs in der Rölckestratze aus statt. 85/17 Die Ortoverwaltuug. Am 9. Juli starb nach langem! schweren Leiden meine liebe Frau l�osa geb. Herzberg. Dieses zeigt tiesbetrübt an der trauernde Gatte Gottirlecl Woelk, Petersburger Str. 72a. Die Beerdigung findet am 12. d. MtS., nachmiltags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhoses in FriedrichSselde aus Dauksaxuux. Für die bei der Beerdigung mewes lieben unvergetzlichen MauneS, des Brunnenarbciters Robert Schübe erwiesene Teilnahme und herrlichen Kranzspenden sage ich allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten, iiisbesondere den trüberen Kollegen der Firma Andrzejewskh, den Kollegen und dem Chef Herrn Galweit sowiedcm sozialdemokratischen Wahloerein, Be- zirk 14, und dem Sparverein„Ge- mütlichkeit" meinen herzlichsten Dank. Witwe Emilie Mvhtltze _ geb. Runge._ Genossenschaft sucht noch zwei tüchtige Tischler als Mitglieder mit Kapital 82/12 Adrellen unter A. B., Postamt 34. Verband der Sattler und Portefeuiller. = Ort sverwalfung 3evUn.== Donnerstag, den 15. Juli, abends 8'/. Uhr, in de«„Armin- hallen", Kommandantenstr. 58/59: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht und Abrechnung vom 2. Quartal 1909. a) Sattler: b) Portcseuiller. 3. Bericht der Delegierten der Berliner Gewerkschaftskommisfion. 4. Reuwahl derselbe». 5. Verschiedenes. DP- Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 10.... 157/1' Sie Ortsverwaltnng, Sonntag, den 25. Juli 1909: Großes Sommerf est im Garten der, „Kranere: Friedrichshaw", Am KSmgstor. Großes Garten-Konzert ausgeführt von der 39 Mann starken Kapelle des»Berliner Sinfonie- Orchesters«(Dirigent M. Fischer). Gesaiigvorträge des„Berl. Männerchor 1905" 04 510 9« 805«3 14220« 325 775 819 02 85«1 I<38 50 143)50 275 109 7« i200| 89 443 644 848 940 79 14547« 559 111 33 58 1 4 6429 53 594 854 88«[100] 147,55 58 548 908 28 31 148,49[100] 73»64 433 4» 69» 87| 74» 149»««»M«1» 703[800]» ,3«74 88 150,35 451 702 41 804 151187 249 64» 52 955 152050 90 02 159 558 440 82 88 624 80[300] 810 96» 153109 270 372 624 763[400] 154184 72 241 465 513 «20 51[100] 708 843 1 55229 69 571[100] 90 612[1000] 156152 214 88 407 29 685[100] 940 1 5 7019, 2, 84 584 96, 158,44 23» 413 159,53 695 785 84»[,00] 9X 911[,09] 23 160133 99[100] 820 430 533 813 1 6 1 39» 505 93«04 763 831 44 1 62,78[,00]»17 164 1 63051[300] 231 472 605 792 818 1 64138 257 402«03 711 813 88 165073 107 838 SM 77[100] 700 166651 635 90 167 294 99 306 49 4C3 501 37 CM 740 71 999 1 68,98 374[100] 551 5» 655 740 SC« 942 16912» 417«3 llOOj 70 527«44 56 715 852 170343 67 735 1 7 1 292 500 899 1 72592 697 780 173380«00«3 90« 28 174138[ 300] 315 409 733[100] 838 1752«, 869 66« 167 802 75 927 35«4 176181 21» »29 682 800 1 77030 493 590«13 97 880 922 38 1 7 809» ,59 2,1 309 81 487 503 57 72S 923 1 79018 55 125 272 304 67 506 43 18O012 108 255 309 458 027 98» 18 1 065 79 853 450 68 741 851 933 1 82167 247 1 83359 421 80 633 89 «43 772 70 SCO 184118 450 53«8 31 542 71« 185853 534 [100] 831 186020 220 28 45 457«15[100] 924 64 1 8 724» 547 609 39 113[100] 920 SO 188003 30 237 413 81 7» 824 33«9 1 89034 211 579 190138 290«20 662 814 902 191302 408«IT 81 <10 98 192340 84 501 97 720 39« 83 89 922 1 93 234 380 439 519 793 1 94020 217 422 604 832 39 1 95132 838 13 6027 65 375 782 86 1 9 7022 181 320 433 520 53 822 928 82 99 1 98194 078 1 99064 287 310 537 793 200340«86 46« 66 551 94[100]«33 201178 280 »91 479 508 91 603 725 90 2 0 2044 344 462 83 511 74 601 20 3049 215 335 423 535 61 GL2 63 2 04 ,00 280 82] 761 20 5,79 824 35 50 66 419 909 48 2 0 6038 63 9« 594 1,00] 2O7063 610 3, 75 711 2 0 8003 141 323 71 643 153 62 881 2 0 9(116 161 322 532 CS« 742 80 989 2 1 0013 214 49 78 93[100] 413 2! 502 639 737 211000 259 53 60 948 06 2 1 2003 296 479 888 2 1 3141 389 662 83 85» 903 71 214082 815[500] 624 710 215014 182 21021» 11«02 97 721[100] 87 21703« 160 316 59 420[100] 58 89 719 824«79 2 1 8093 116 73 ÜOO] 214 472 770 963 2 1 9076 162 369 751 22O009 85 134 506 48 85 611 793 643 2 2 1 00« 7» 93 476 550 894 940 2 2 2097 212 557 63 478 653 757 22 3193 668 831 2 2 4 024 208 5-71 634 770 851 2 2 510» 425 601 743 865 2 261M 94 203 334 411«90 938 227276 4SI 71 700«99 932 2 2 8101 441 503 006 53 819 229083[100] 92 105 310 405[300] 72 525 94 719 803 220009[190] 61 78 114 893 23 1 090 210 3» 90 »1» 47 435 707[100] 45 2 3 2097 369 88 9! 570 80 965 «7 233079 077 23408» 232 50 815 641«17 905 21«1 235031 7« 195[100]»51[100]«00 962(lOO) 230065 130 534 612 63 764 90 851«0 924 72 2 3 7 377 46! 771 238101 344 430 82 942 239025 126»14 447«02 6»[190] 240,8«[200] 261 453[200] 685 705 241002 427 561 739 813 51 950 2 4 2065 l'r! 471 805 943 2 4 3034 121 371 860 24440! 5 90[100] 692 724 800 944 50 24520« 369 405 511 062 039 2 4 6,69 310 49 721 28 73 2 4 7010 296 491[100]«1» 18 706 93 81» 59 96» 24 8309 433 593 5 92 656 94 107 24S9«» 338[200] 4»!, «8 5,2-0 40 678 81» 250092 2?» 850«9 967[100] 251021[lOOl» 49 »92 587«31 750 83 94 848 2 52 ,84 426 28 77»M 624 70 2 5 3086 95 127 875 420 41 2 5 4632 384 87 412 63 73 510 48 50 650»60 250003 93 185 867«37 78» 813 27 «2 2 5 6004 345 820 91« 2 5 7 005 368 365 4!««25 40 873 2 5 8000 294 316 453 521 761« 830 951 2 5 9 079 100 3» 331[1061 480 44 82» 039 2 60123 93 269 336 37 434 68 51» 50 TOS 851 64 261376 50! 50 637 727 806 2 62035 334 539 720 8a» 078 2 6 3029 75[100] 96 233 436«9 58« 89 759 36 214415» [100]»23 678 920 2 6 5239 576 670 713 70 913 22 LSSll» 41» 896 2870O7 196 294 384«9« 794 0U2 66 268380 848 269U40[100] 08 144 230 537 618 71 810 841 917 5» 27O063 673 635 271101 23 41 549 74«95 914 63 1209] 27244» 80 750«3 71 969 273305 430 85 743 274081 343 448 70»6 99 563«74 861 76 2 7 509» 11« 843 5» iSOO] 89«72 728 878 004[lOO] 36 276050 289 430 667 818 34 2 7 7048 143 240 77 352 468 550 692»32 278338 604[100] 730 279251 301 443 601 869 953 280052 60 64 351 557 682 753 884>91 281030 125 53»48 368 43» 50« 33 65« 8t[100] 28 2,70 43» 58 58« «63 916 2 8 3299 Sil 651 625 58 798 903 45 2 84178 98 328 84 557 2 8 5424 28 66 539 41 2 8 6044 200 15 431 694 287171 40» 44 UDO) 679 635 49 7 4 03 2 8 8234[190] 356 702 968[200) 289110 375 403 594 901 70 29016»»83 99 743 944 291,20[100] 206 35 471 2920!» 59 801 51« 82[ 200]«11 68 792 803 38 991[400] 293200 52 355 88 5t2 99 652 742 919 7 3 2 9 4074 120 370 90«67 768 851 942 2 9 503» 142 58 72 258 395 525 29 6046 192 233 740 98 2 9 7253 79 341 392 618 95«58 29815» 235 77 631 753 2 0 0129 254[200] 525 785 300134 200 44 69 390 585 623 TS 730 35 96 55 825 3O1007 1« 208 612 802 302057 ZOS 41 32Q 721 3Q3011 [100] 2» 716 24 952 2. Ziehung I.KI. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. Juli nachmittags, Nur die Gewinne Uber 50 Mark sind den betrettendea Nummern In Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) « IM 221 2« 583«33 W 953 7» 1008 233 463 71 511 «CO 739[100] 832 2170 291 700 40 3110 46« 753 98[200] 81! 4017 120 5« 297 351 97 401 4« 879 970 5305 43 456 785 fW 42 901 6080 113 450 94 754 906 52 7MS 80 127 305 42! 510 627 8171 223 433 53 9053 350 752 1O303 547 8! 790>17 825 11:06»2 497 61» 954 12»» »49 13039 62 78»67 538 602 6 845 1 4173 217 339 444 «4 96 598 912 1 5255 839[lOO] 465 72 683 1 610«(300) •21 75 724 74 87 817 951 17C96 191 82« 908 18181 704 684 1 9051 94 188 235 374 77 119»34 2OÖO0 210 590 667 703 39 21141 48»45[100] 11 419 512 50 626 776 922 2 2049 78 338 80 701 2 3011 ,69 297 »53 513 21 24201 32 331[100] 64 81 653 606 66 77 636 25300[100] 430 517«3 726 39 844 990 2 6090 171 561 «62 833 99 27020« 78 770 634 2 3011 87 199 324 469 522 641 778 887 29,61 290 352 7 6 442 679 793 30191 91 379 425 54 649 31024»45 450 84 588 7« 820 918 3 2102 35« 594«92 982 3 3033 170[600]«7 689 891 3 4002 312 494 604 710 3 5039 73 78 262 329 97 400 608 63 753 832 41[1000] 917 3 6397 439 545 611 700 19 844 67 80 3 7387 849 610 71«*3»54 3812«[10000] 480 727 899 97« 3 9580 750 975 4O037 493 651 717 33 847 72 942«2 41077 141 807 48 487 664 624 42,08 218 31, 745 8"5 954 43,19 363 «5 077 94 4 4,80 91 858 516 4 5089 73 811 610 875 067 4 6708 914 47:58 93 381 418 667 739 063 48011[100] 520 80 608 881 94! 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Klasse 221. KSnlgl. Preuss. Ktassca-Loitcrio tiadet»tau am 13. u. 14, August 11 03, HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ Diese Woche— soweit Vorrat FRANKFURTER ALLEE Ausserordentlich preiswerte Angebote Damen- Konfektion Weisse Batist- Ol■ lOOJm ÄXÄ.r. 1 25 265 4 Woil-Musselin-DI UOCti i................ 325 4 75 Leinen'Kostüme 125018 Staub- u-Reisemäntel 490 95012501875 Loden-Capes 87512501450 Leinen-Röcke Wasch-Jupons Alpaka-Jupons /; Schuhwaren ausserordentlich preiswert Damen-Schnür- und Knopfstiefel JQ25 pr. Boxcalf, Goodyear Welt, auch mit Lackkappe, Abs. amerlk, hoch u. engl.....■— � Damen-Spangenschuhe echtChevreauxfameri.• R 75 kanische Absätze................................... ...... 21/26 27/30 31/35 36/42 43/47 bÜte Form � Z20£50 050 Damen-Chevr.- Halbschuhe 1150 schwarz u.farb.,feinsteAusfühp,, darunterWien. Fabrikate, Wert b. 1 6.50 I I 12 25 Alleln-Verkauf des Hassia-T riumph-Stiefels Herren-Schnür- u. 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Bezoeki Äufarbeiter and Einlagen von 90—120 Pfg. verz. £JQr Znsendung in Berlin kostenfrei und schnellstens.-Mg } Besichtigen Sie bitte im eigenen Interesse f meine anerkannt große Auswahl Verantwortl. Redakteur: Wilhelm Düwell, Lichtenberg. Für den Inseratenteil berantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Hinger St Co, Berlin SW, 9t. 159. 26. Mm, 4 KeillM des Jotiltlö" Kerliner MIKsblM.«.?-« m». MkllstWdkild mn 6'iz Uhr an: KluMattVeritreitung lflittwoch: ZaUlabend in Berlin und Vororten. von den bekannten Stellen aus. Partei- Angelegenheiten. Die Provinzialkonferenz der Provinz Brandenburg> findet am Sonntag, den 29. August 1999, im Gewerkschafts- Haus statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht und Diskussion. 2. Die Verwaltung in Preußen. 3. Die politische Lage. 4. Anträge. Referenten werden noch bekannt gegeben. Anträge sind bis zum 15. August an den Sekretär Otto Welz, Linden- straße 69, einzusenden. Die Agitationskommission. Das Flugblatt der Freien Volksbühne, welches der Juli- Nummer des„Mitteilungsblattes" in einer größeren Zahl von Exemplaren beiliegt, machte dieses Mal vielfach Paketversand nötig, wo sonst Post, oder Streifband-Expedition genügte. Ein erheblicher Teil der Auflage wird daher erst am Montag bei den Empfängern eintreffen, was wir hiermit, um Reklamationen zu ersparen, bekannt geben. Das BerbandSbureau, An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint Anfang August. Wir ersuchen daher, alle Aendcrungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 25. Juli, an die nachverzeichneten Kom- missionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch, NW. 23, Lessingstraße 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder. S. 53, Bärwaldstraße 47. Für den HL Wahlkreis an den Genossen Karl König, S. 69, Urbanstraß« 93. für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, O. 34, mannstraße 29. Für den V. WahNreiS an den Genossen Albert Hahnisch, 0. 54, Augliststraße öl, Ouergeb. IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 58, Ueckermünder Straße 17, N. Für Rieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, O. 112, Blunienthalstraße 24. Für Teltow-BeeSkow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchower Straße 16—18, IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen August Paris, Belten, Bahustraße 8. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borsiveuden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelegenheiten für Groß-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die ü b r i g e n Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.>— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfcrenzcn der Lokaltreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreise» einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor» gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. ?llle nach dem 25. Juli einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vor wärt s". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt sVergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: RichardHenschel, Berlin N. 58, Ueckermünder Straße 17, II. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 18. Juli: Ausflug mit Familie nach Restaurant Heidekrug, Mahlsdorf-Süd(Kiekemal), Station Köpenick. Abmarsch vom Bahnhof Köpenick lOVa Uhr. Für Belustigung aller Art ist bestens gesorgt. Zahlreiche Be- teiligung erwünscht. Der Vorstand. Pankow. Am Dienstag, den 13. Juli, abends 7zh Uhr, findet eine Flugblattverbreitung von den bekannten Zahlabend- lokalen aus statt. Wir erwarten von den Mitgliedern des Wahl- Vereins, daß sie ihrer Parteipflicht nachkommen und sich vollzählig und pünktlich zur Erledigung dieser Arbeit einfinden. Gleichzeitig machen wir auf den am Mittwoch stattfindenden Zahlabend aufmerksam und ersuchen auch hier um vollzähliges Erscheinen. Der Vorstand. Pankow. Am nächsten Sonntag, den 18. Juli, von nachmittags 2 Uhr ab findet im„Kurfürsten", Berliner Straße 192, das Sommersest des Wahlvereins statt. Da durch ge- eignete Arrangements(Volksbelustigungen aller Art, Spezialitäten ersten Ranges, Kinder-Fackelpolonäsc usw.) für Amüsement und Unterhaltung bestens gesorgt ist, wird zahlreiche Beteiligung der Genossinnen und Genossen mit ihren Angehörigen erwartet. Ein- trittskarten zum Preise von 25 Pf. sind bei den Funktionären sowie in den bekannten mit Plakaten belegten Lokalen erhältlich. Das Festkomitee. Schöneberg. Die Flugblätter zu der am Dienstag, den 13. d. Mts., stattfindenden Flugblattverteilung sind in der „Vorwärts"-Spedition, Martin-Luther-Str. 61, abzuholen. Die Parteigenossen wollen zur schnellen Erledigung der Arbeit sich pünktlich in den bekannten Lokalen einstellen. Der Vorstand. Steglitz. Heute, Sonntag. Ausflug nach Schmargendorf, Schützenhaus(Hundekehlenstraße). Die Genossen mit ihren Fa- milien treffen sich um 2 Uhr nachmittags, Bahnhof Steglitz. Treff- punkt für Nachzügler im Schützenhaus, von si>4 Uhr ab. Der BildungsauSschuß. Steglitz. Am Montag, den 12. d. Mts., abends 8Va Uhr, findet im Restaurant Schellhase unser zweiter Diskussionsabend über die Broschüre Kautskys:„Der Weg zur Macht" statt. Alle Mitglieder sind eingeladen; die Bezirksführer sind verpflichtet zu erscheinen. Weißensee. Die am Dienstag, den 13. Juli cr., abends über Groß-Berlin angesetzte Flugblattverbreitung findet auch in unserem Orte von den bekannten Zahlabendlokalen aus statt. Heute, Sonntag, den 11. Juli cr., begeht in Backhaus Volks- garten, Uckermarkstr. 8/9, der sozialdemokratische Wahlverein ein Sommerfest, verbunden mit einem Festzug durch den Ort. Die Aufstellung des Festzugcs beginnt um 2 Uhr nachmittags am Lindenplatz, unweit des Schloß-Etablissements. Von 4 Uhr ab großes Gartenkonzert, Gesangs- und sonstige Vorträge, großer Kinderfackelzug. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Im Saale Ball. Herren zahlen 69 Pf. nach. Großes Kaffeekochen, Liter 69 Pf. Eintrittsgeld bei sehr reichhaltigem gutem Pro- gramm 20 Pf. Tempelhof. Der Wahlverein Tempelhof veranstaltet am Sonntag, den 11. d. Mts., ein gemütliches Beisammensein im Lokal des Genossen Sielaff, Gottlieb-Dunkel-Straße 69. Tempelhof. Da die Mitgliederversammlung des sozialdemo» kratischen Wahlvereins im Juli ausfällt, ist es Pflicht der Ge- nossinnen und Genossen, alle am Zahlabend zu erscheinen. Nowawes. Mittwoch, den 14. Juli, abends 814 Uhr. findet im Lokal des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 41/43, die Ver- sammlung des Wahlvereins statt.■,■ lkt. Französisch-Buchholz. Die Genossen werden ersucht, am Dienstag, abends 8 Uhr, bei Kähne recht zahlreich zur Flugblatt- Verbreitung zu erscheinen. Am Mittwoch fällt in allen Bezirken der Zahlabend auS und findet dafür bei Kähne die Generalversammlung statt. Reinickendorf-West. Heute feiert der Wahlverein sein 4. Stiftungsfest in Gördes„Waldschlößchen", Ecke der Eichborn- und Waldstraße, bestehend aus Konzert, Gesang und Auftreten der Volkssängergesellschaft H. Lewandowskh. Für die Kinder finden Kinderbelustigungen statt. Anfang des Konzerts 4 Uhr, Tanz 5 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Straßenbahn- Verbindungen der Linien 26, 26 und 31 bis Eichbornstraße, der Linie 28 bis zur Waldstraße. Mit der Eisenbahn vom Stettiner Bahnhof bis Station Eichbornstraße. Es verkehren ab Stettiner Bahnhof folgende Züge: 2,29, 2,46, 3,19, 3,39, 4,19, 4,69, 6,19 Uhr; ab Eichbornstraße 19,24, 19,44, 11,44, 12,44, 1,66 Uhr. Da wirklich etwas Gutes geboten wird, bittet um regen Besuch Das Komitee. Zernsdorf. Am Sonntag, den 11. Juli, nachmittag? 2 Uhr. findet die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins Zernsdorf und Umgegend im Lokal Knor statt. Johannisthal. Dienstag, den 13. d. Mts., abends 8'� Uhr. findet bei Schulz, Friedrichstr. 19, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Friedrichsfelde. Dienstag, den 13. cr.. abends ViB Uhr, findet von den Bczirkslokalen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Die Genossen wollen sich hierzu recht pünktlich und zahlreich einfinden.' Der Vorstand.' berliner I�acdricdten. Geistliche Sündenböckr. Ueber die Lebenshaltung der Berliner Pastoren brachte der „Vorwärts" in Nr. 148 nach einem Leitartikel der„Vossifchen Zeitung", der von einem Berliner Theologen verfaßt war, eine Kritik, die schon wegen der Bezeichnung dieser Lebenshaltung als „Schlemmerei" dem Vorstand des Berliner Pfarrervereins stark auf d-ie Nerven gefallen zu sein scheint. Auch auswärtige sozial- demokratische Blätter und selbst die„Köln. Volks-Ztg." haben die Sache aufgegriffen und den angeschuldigten Pastoren noch deut- licher als jener Theologe den Text gelesen. Der genannte Pfarrer- verein versteigt sich zu einer spaltenlangen Erwiderung in der Tante Voß und greift dabei auch den„Vorwärts" an. Er hätte besser getan, sich nicht die Finger zu verbrennen. Die üppige Lebensweise tatsächlich sehr vieler evangelischer und auch katholischer Geistlichen ist so allgemein bekannt, daß es einfach lächerlich wirkt, die erhobenen Vorwürfe auf die abgesägten Pfarrer Werkenthin und Diestelkatnp ablvimmeln zu wollen. Um eine mit dem Amtscharakter und noch mehr mit dem Evangelium nicht in Einklang stehende üppige Lebensweise zu führen, braucht man doch nicht gerade immer Geldgeschäfte durch Spekulationen zu machen. Der Pfarrerverein gibt selbst zu, daß„einige" Berliner Pastoren vermögend sind oder sonstwie besonders große Einnahmen haben und eine kostspieligere Lebenshaltung führen,„was im Grunde niemanden interessiere". Nirgends ist behauptet worden, daß die sämtlichen 399 Berliner Pastoren oder auch nur die Hälfte davon über ihre Verhältnisse hinaus leben. ES genügt aber auch schon, wenn ein paar Dutzend sich Extravaganzen leisten, die zu der Not Hunderter aus der Gemeinde in krassestem Widerspruch stehen, und es sollte nicht schwerfallen, diese paar Dutzend be- fcnderS zu zeichnen. Freilich mag sehr vielen, wenn nicht den meisten Berliner Pastoren nicht das als„üppige Lebensweise" und„Schlemmerei" erscheinen, was das notleidende, ausgepreßte Volk dafür ansehen muß. Die Herrschaften sind eben seit Jahr- Hunderten so sehr an ein behagliches Leben gewöhnt, daß Sekt und Austern ihnen noch lange nicht als etwas Außergewöhnliches vorkommen. Wie die Herren darüber denken, sieht man ja klar an der Aeußerung ihres Vereinsvorstandes, daß das Einkommen der Berliner Geistlichen ein„sehr mäßiges" sei. Im Gegenteil— die Herren stehen sich durch die Bank so vortrefflich, daß die un- längst zum Gesetz erhobene, von sozialdemokratischer Seite energisch bekämpfte Psarrerbesoldungsvorlage der Regierung für die Geistlich- keit einen weitere reine Liebesgabe, ein Geschenk aus dem geplünderten Beutel des Volkes war. Wenn sie nach dem so gern ins Vorder- treffen gestellten Evangelium leben wollten, könnten sie sehr wohl mit der Hälfte ihrer heutigen Einnahmen und noch weniger bequem auskommen. Aber selbst zu leben und anderen. Leuten die Mäßigkeit predigen— daS war schon immer die schwächste Seite der Gottesmänner. Naiv meint der Pfarrerverein:„Die Steuerbefreiung der Geistlichen ist doch nun mal Gesetz." Ebenso naiv ist es, wenn der Pfarrer- verein Beweise unter Angabe einzelner Fälle fordert, daß„die meisten Pfarrer zu stolz sind, um in eine sozialdemokratische Ver- sammlung zu gehen, weil dort ihr Stand unsanft kritisiert werden könnte". Nun, die Berliner Geistlidjfeit ist wiederholt und noch vor gar nicht so langer Zeit öffentlich aufgefordert worden, sozial- demokratisch« Versammlungen, in denen kirchliche Fragen zur Be. sprechung standen, zu besuchen. Man hat den Herren sogar aus- drücklich vollste Redefreiheit bei selbstverständlicher Wahrung der unter anständigen Menschen üblichen Umgangsformen zugesichert. Aber nicht ein einziger hat den Mut gehabt, seine Anschauungen vor dem Gegner Auge in Auge zu vertretenl Allenfalls schickte man irgendeinen Kauderwelschmann aus dem christlich-sozialen Lager ab. Der Borstand des Berliner Pfarrervereins hat also gar keine Ursache, sich jetzt mit gewundenen und zum Teil ganz haltlosen„Erklärungen" aufS hohe Pferd zu setzen. Sehr richtig bemerkt die„Vossische Zeitung", daß der Pastorenstand, der eS als sein Recht betrachtet, allen anderen Ständen die Richtlinien ihres Wohlverhaltens zu ziehen, sich auch die öffentliche Kritik des eigenen Verhaltens gefallen lassen müsse. Jener Berliner Theologe, der seinen Kollegen die schöne Suppe eingebrockt hat, riskiert jetzt, vielleicht aus Besorgnis vor Rache seiner besser gestellten Amtsbrüder, einen traurigen Rückzug, setzt sich aber dabei in die Nesseln. Er bezeichnet es kühn als ein Fälscherstück, daß andere Blätter seine beschränkende Betrachtung verallgemeinert haben. Der Herr mag sich vor allem gesagt sein lassen, daß seine Ausführungen nicht nur nichts Neues besagen, sondern daß sie von jenen anderen Blättern aus eigener Wissen- schaft ergänzt und erweitert worden sind. Was mehr als ein offenes Geheimnis ist, bedarf nicht erst der„Fälschung". Er sagt: „Bestimmte einzelne Persönlichkeiten wurden von mir nicht be- zeichnet(Werkenthin, Diestelkamp? Die Red.); aber jedes Wort des Artikels schöpft allerdings aus einer Fülle tatsächlichen Materials, und vieles blieb ungesagt..." Na alsol Will der Herr Theologe, der sich seiner engen Beziehungen zu hervorragend- sten Berliner Geistlichen rühmt, uns einreden, daß diese Fülle und das Ungesagte sich nur auf einige wenige Berliner Pfarrer bezogen hat? Der Artikelschreiber vom geistlichen„Bau" sollte mit der Bezeichnung„Fälscherstücke" doch etwas vorsichtiger um- gehen und nicht nachträglich die blasse Furcht zeigen, welche für viele aus seinem Berufsstande so charakteristisch ist, sobald man—- nicht aus sicherer Deckung seine Pfeile versenden kann. Wolf-Becher-ErholungSstätte vom Roten Kreuz. Wenige Minuten von der Station Eichkamp bei Grunewald hat der Volks- Heilstättenverein vom Roten Kreuz, Abteilung für Erholungs- stätten, ein« neue vorzüglich ausgestattete Wald-Erholungsstätte für Kinder errichtet, die zum Andenken an den früh gestorbenen Begrün- der der Erholungsstätten den Namen„Wolf-Becher-Erholungsstätte" erhielt. Wie in den übrigen Kinder-Erholungsstätten vom Roten 5treuz in Schönholz und Sadowa bleiben auch hier die Kinder tagsüber in voller Verpflegung und Behandlung daselbst. Sie erhalten alle Mahlzeiten, werden von Kindergärtnerinnen und einer Krankenschwester beaufsichtigt und beschäftigt, machen Liege- kuren, erhalten im Bedarfsfälle Soolbäder und stehen in ständiger ärztlicher Behandlung. Zur Aufnahme gelangen Kinder, die zu krank für die Ferienkolonien, aber imstande sind, frühmorgens und abends mit der Stadtbahn den Weg hin und zurück in die Er- holungsstätte zu machen. Die Verpflegungsgebühren betragen für den Tag 59 Pf., im Bedarfsfälle übernehmen die Stadtgemcinden, borwiegend Berlin und Charlottcnburg. die Kosten. Anträge sind an das Bureau, Fricdrichstraße 297, Hos rechts 2 Treppen, geöffnet von 19— 1 Uhr vormittags, zu richten. Mehr Reinlichkeit in den Gastwirtschaften verlangt eine be- merkenswerte Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten zu Potsdam. Sie schreibt u. a. vor, daß waschbare Servietten. ehe sie nach ihrer Benutzung wieder einem Gaste zur Verfügung gestellt werden, durchzukochen oder unter Anwendung von heißer Seifenlauge durchzuwaschen sind. Trink- und Eßgeschirr soll nach der Reinigung noch besonders in reinem Wasser nachgespült und das Personal, insbesondere das Küchen- und Kellerpersonal, zu peinlich st er Sauberkeit angehalten werden. Interessant ist ferner die Vorschrift für Gast. wirtschaften mit Fremdenl�herbung, nach welcher die Bett- zudecken entweder völlig in waschbare Bezüge ein- zuHüllen oder mit leinenen Laken zu versehen sind, die derart befestigt werden, daß eine Berührung des Körpers mit dem Bett selb st verhindert und ein Verschieben der Laken vermieden wird._,,, i Die Verwaltung der Berliner Wasserstraßen, die bisher der Ministerialbaukommission unterstand, ist jetzt dem Polizeipräsidenten von Berlin übertragen worden. Die Kabinetts- order des Kaisers, die an den Finanzminister, den Handels- minister, den Eisenbahnminister, den Landwirtschaftsminister und den Minister des Innern gerichtet ist, hat folgenden Wortlaut: Auf den Bericht vom 11. Juni d. I. will ich genehmigen, daß die Verwaltung der Wasserstraßen, soweit sie gegenwärtig zur Zuständigkeit der Ministerialbaukommission zu Berlin gehört, auf den Polizeipräsidenten daselbst übertragen wird. Neues Palais, den 18. Juni 1998. j Wilhelm K. Freiherr v. Rheinbaben. Delbrück. Breitenbach. v. Arnim. v. Moltke. Dem Polizeipräsidenten von Berlni unterstand schon bisher ein Teil der Verwaltijng der Wasserstraßen im Innern Berlins, durch die Kabinettsorder sind seine Befugnisse erheblich erweitert worden. Dem Antrag, die Berbessernng des komninnalc» Wahlrechts auf die Tagesordnung des diesjährigen Brandenburgischen Städtetages zu setzen und demgemäß zu verhandeln, kann nicht entsprochen werden, loeil bereits jetzt schon die Tagesordnung derartig umfangreich sei. daß es unmöglich wäre, weitere Gegenstände zu behandeln. Damit ist gezeigt, wie ängstlich man bemüht ist, dieser Frage aus dem Wege zu gehen. Ein jeder wird gespannt sein, was die Antrag- stcller nunmehr unternehmen werden, damit die Angelegenheit nicht ruhen bleibt. Die Wahlen stehen vor der Tür und da muß den Wählern vor Augen geführt werden, was für ManneSmut vor- Händen ist. Daß gerade dieser Antrag, der sicher einer der wich« tigsten ist, von der Tagesordnung verschwindet, war für jeden Kenner der einschlägigen Verhältnisse klar. Wenn trotzdem damit gerechnet wurde, ihn wenigstens als eine» Punkt auf der Tagesordnung zu sehen, dann doch nur aus dem Grunde, daß auf dem nächsten Städtetage der Antrag als einer der ersten erscheinen würde. Aber ganz und gar abzufallen, das muß den Herren Liberalen doch zu denken geben, ob derartige Anträge dorthin gehören. Geldschrankeinbrccher erlitten in der Nacht zum Sonnabend im Bureau dex Norddeutschen Textilberufsgenossenschast in der Güncblirget Stratze 21 eine Enttäuschung. Sie fantien dort zkvci Schränke und glaubten, das; beide Schätze bergen müßten. Mit guten Werkzeugen machten sie sich über de» einen her, der ihnen am locuigsten»viderstandsfähig zu sein schien. Sie bewältigten ihn auch, aber er enthielt außer den Geschäftsbüchern nur die Porto- lasse mit 11,90 M., zu wenig für ihre schwere Mühe. Das zweite Spind zu bearbeiten, hatten sie nun keine Zeit mehr. Ein streikender Briefmarkenautomat auf dem Postamt 23 war am Montag gegen Abend nicht zu bewegen, Marken herzugeben. Ein Arbeiter, der für seine dem Automaten anvertrauten 10 Pfennig nichts bekam, meldete das am Schalter. Als nach einer Viertel- stunde noch kein diensthabender Beamter erschienen war, bat er einen Postboten, doch Abhilfe zu schaffen. Nach weiteren 10 Minuten kam ein Beamter. Einigen Personen wurdenMarken ausgehändigt, demArbeiter aber nicht. Es ginge nicht; das Geld müsse erst nachgezählt werden. Dabei waren einige Zeugen anwesend, die gesehen hatten, wie der Arbeiter seine 10 Pf. dem Automaten anvertraut, aber keine Marken be« kommen hatte. Wir fragen: Was ist das für eine Art der BeHand- lung des Publikums? Einmal diese unterschiedliche, dann aber diese bureaukratische Behandlung. Bureaukratische insofern, als der Arbeiter aufgefordert wurde, seine Adresse abzugeben, um dann, wenn sich herausstellt, daß die 10 Pf. übrig find, wieder nach dem Postamt 23 zu kommen und fich die zwei Fünfpfennigmarken abzuholen. Ferien- und SonntagsnachmittagSeinbrecher treiben auch wieder ihr Unwesen. Einem Magistratsbeamten in der Raumer- straße, der mit seiner Frau in der Provinz weilt, öffneten sie mit Nachschlüsseln Wohnung und Behältnisse und stahlen für 800— 900 Mark Wäsche und Wertsachen. Bei einem Kolonialwarenhändler in der Boyenstraße erbeuteten sie 200 M. bareS Geld und zwei Sparkassenbücher. Einem Kellner Max K. aus der Elsasser Straße räumte ein Kerl, dem er erst kürzlich aus Mitleid ein Nachtquartier gewährt hatte, zum Dank dafür die Wohnung aus. Er nahm sich einen Helfershelfer an und schleppte seinem Wohltäter, während dieser bis zum frühen Morgen in seinem Geschäft im Zentrum der Stadt zu tun hatte, Kleider und andere Sachen im Werte von 2000 M. weg. Der Bestohlene sah am nächsten Tage zwei Kerle mit Kleidungsstücken auf den Armen aus einer Kaschemme kom- wen, versäumte aber, sie festnehmen zu lassen. Bald darauf wurden sie dann aber doch in der Wohnung des einen ergriffen. Es sind ein wohnungsloser Arbeiter Edmund Akiewicz und ein Kellner Eduard Wenger aus der Borsigstraße. Bei diesem wurde noch der größte Teil der Beute in der Wohnung gefunden. Offizier und Oberkellner. Das aufsehenerregende Intermezzo, daS sich seinerzeit in einem der ersten Hotels Unter den Linden zwischen einem Offizier und einem Oberkellner abgespielt hat, bc° schäftigte gestern noch einmal das Militärgericht. Die Vorgänge, die dem Prozeßverfahren zugrunde lagen, seien hier kurz erwähnt: Am Abend des 28. März kehrten mehrere zur Kriegsakademie ab- kommandierte Offiziere in die Weinstuben eines Hotels Unter den Linden ein. Erst in vorgerückter Stunde wurde zum Aufbruch ge- mahnt. Als fich Oberleutenant Eckehard Freiherr v. Dallwig er- heben wollte, um sich zu entfernen, bedrängten ihn seine Käme- raden, doch noch etwas zu verweilen. Um rhu noch zu längerem Sitzen zu bewegen, versteckte man ihm die Mütze. Vergeblich suchte dann Freiherr v. D. nach seiner Mütze. Der Oberkellner hatte dies beobachtet und als auch er ohne Erfolg mitsuchte, rief er einem der Kcllne-r zu, er gebe einen Taler Belohnung für das Fin- den der Mütze. Kaum hatte die? Freiherr d. D. gehört, so trat er an den Oberkellner heran und versetzte ihm eine Ohrfeige. Der Mißhandelte entfernte sich nun nach dem Nebenzimmer, da er dort gerufen wurde. AlS er nach kurzer Zeit wieder zurückkehrte, fragte er den Offizier, warum er ihn geohrfeigt habe. Er erhielt keine Antwort und verabfolgte im nächsten Moment dem Jreiherrn v. D. eine so kräftige Ohrfeige, daß dieser zu Boden taumelte. Der Offizier hatte den Oberkellner auch noch durch die Worte:»Sie un» verschämter Lümmel I" gereizt. Am folgenden Morgen erschien Freiherr v. D. in dem Hotel, um sich von dem Oberkellner Genug- tuung zu verschaffen. Er wurde von dem Hotelbesitzer in em Privatzimmer geführt, wo er sich mit dem Oberkellner aussprechen sollte. Doch kaum hatte der letztere das Zimmer betreten, so fiel der Offizier über ihn her und schlug ihn mit einem Reitstock, den er bei sich geführt hatte, über den Kopf. Die Folge dieser Vor» gänge war, daß Freiherr v. D. seinerzeit wegen tätlicher Beleidi- gung und gefährlicher Körperverletzung durch hinterlistigen Ueber- fall von dem Kriegsgericht der Kgl. Kommandantur zu 200 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Mit ihm zugleich hatte sich Ober- leutnant Stempel vom 138. Infanterieregiment wegen Anstiftung zu verantworten. Das Urteil gegen ihn lautete ebenfalls auf 200 Geldstrafe bezw. 20 Tage Gefängnis. Gegen diesen Urteils- spruch wurde sowohl seitens des Angeklagten als auch seitens des GerichtSherrn Berufung eingelegt. Da» Urteil gegen Freiherrn v. D. ist inzwischen rechtskräftig geworden. Das Oberkriegsgericht de? Kgl. Gouvernements, vor dem die Berufungsverhandlung gestern stattfand, gab dem Antrage des Gerichtsherrn auf höhere Bestrafung des Angeklagten nicht statt. Nach längerer Berhand- lung wurde folgender Urteilsspruch verkündet:„Die Berufung des Gerichtsherrn wird verworfen. Auf die Berufung des Angeklagten wird das kriegsgerichtliche Urteil vom 17. Juni d. I. aufgehoben und der Beschuldigte von der Anklage der Anstiftung frei- gesprochen. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend schließt ihr 10. Geschäftsjahr mit einem Gesamtumsatz von 8 031S00 M. ab, davon entfallen auf das eigene Geschäft 2 805 800, auf das Liefe- rantengeschäft etwa 255 700 M.; im Vorjahr betrug der Gesamtumsatz 2238 505 M.. das sind 792 995 M. Zunähme, während der Umsah im eigenen Geschäft um 727 310 M. zunahm. Der Monat Juni brachte einen Umsatz von 312 886,05 M. gegen 208 353,99 M. im Vorjahre, also ein Mehr von 104 532,03 M. Von den Hausanteilen sind jetzt 106 000 M. abgesetzt. Am 30. Juni wurde vorbehaltlich der am 3. August stattfindenden außerordentlichen Gcneralver- sammlung in der Rittergutstraße in Lichtenberg ein Terrain von 11 800 Quadratmeter gekauft, auf welchem in der 100 Meterlangen Front 5 Wohnhäuser und auf dem Hinterlande links ein Kontor- und Lagergebäud«, in der Mitte nach hinten zu ein« Kraftzentrale und Automobilschuppen für 8— 10 Autos und auf der rechten Seite eine Großbäckerei errichtet werden, welche bei vollständigem Aus- bau mit 20 Doppelauszugöfen den vor kurzem im„Vorwärts" be- schriebenen.�Hammerbrotwerken" in Wien entsprechen dürfte. Durch den Bahnanschluß, der infolge der Lage des Grundstücks er- möglicht wird, ist das Heranfchasfen der Waren besonders er- leichtert. Ein stiller Kämpfer, der Großdestillateur Genosse Fritz Schröder, dessen Leben ein Schlaganfall endete, wurde am Sonnabend zur letzten Ruhe geleitet. Das zahlreiche Gefolge war ein Beweis für die Liebe und Achtung, deren er sich erfreute. Wie so viele, wurde auch er Gastwirt, weil die Pforten der Fabriken ihm verschlossen waren. Obwohl einer der tüchtigsten Former in Berlin, wurde er ein Opfer der ersten Mai- feier. Seine Einstellung hätte der Fabrikant mit 1000 Mark Konventionalstrafe büßen müssen; so wollte es der Arbeitgeber- verband.— Schröder war ein allezeit hilfsbereiter Genosse, ein guter Mensch und Familienvater. Wegen eines gefährlichen Kellerirandcs wurde am Sonnabend der 17. Zug nach der Prinzeustraße 103 alarmiert. Benzol war dort in Brand geraten. Brandmeister Grabow ließ kräftig Wasser geben, wodurch der Brand auf den Keller beschränkt wurde. Gleich- zeitig mußte in der Charlottenstraße 63 ein Feuer gelöscht werden, das in einer Wohnung ausgekommen war und Papier, Tische usw. ergriffen hatte. Zu dem Bericht über die Ausschufsthung des Arbeiter-Sängerbundes in der Donnerstagnummcr ersucht uns Genosse Wutzky- Rixdorf um Aufnahme folgender Richtigstellung:,, „Wir haben zunächst— wie es selbstverständlich ist— einen Verein des Arbeiter-Sängerbundes um Mitwirkung bei unserem Sommerfest(des Gemeindearbeiterverbandes) gebeten. Dieser lehnte jedoch wegen anderwciter Verpflichtungen ab. Da inzwischen die Frist bis zum Fest äußerst knapp geworden war Und die Billetts heraus mußten, kamen wir in eine Zwangslage. Kein Tag war mehr zu verlieren und so setzte ich mich aus Ersuchen des Kollegen, der unsere Feste arrangiert, stehenden Fußes mit einem Genossen in Verbindung, von dem ich wußte, daß er Mit- glied des auch in Arbeiterkreisen bekannten ausgezeichneten Männerquartetts Harmonie früher war. Dieser erklärte, daß sie sich zwar einem anderen Berein angeschlossen hätten, im übrigen aber so wie ehedem Geschäfte übernehmen. Ein solches wurde dann von unserem Festarrangeur abgeschlossen, der, wie gesagt, damit aus seiner Bedrängnis herauskam. Wir haben also weder einen Gesangverein„Liederfreunde", wie in einem Schreiben des Ar- beiter-Sängcrbundes gesagt wird, noch einen Gesangverein „Sangesfreude" aus Rixdorf, wie es in der„Vorwärts"-Notiz heißt, noch überhaupt einen Verein engagiert, sondern uns eben so gut es ging aus der Klemme gezogen. Das ist alles! Daß ich damit eine schwere Parteisünde auf mich geladen habe, vermag ich nicht einzusehen." Eine dieser Tage im Zentralvorstand von Groß-Berlin in der vorstehenden Sache erfolgte Aussprache endete, wie wir bemerken wollen, damit, daß erklärt wurde, in Zukunft sich der Hilfe der Bundesvereine zu bedienen. Arbriter-BilbungSschule Berlin. Am Sonntag, den 18. Juli, Faimlicnausflug nach dem Grunewald. Treffpunkt von 21h Uhr nachmittags ab Restaurant..Schützenhaus", Hundekehlenstr. 20, iu Schmargendorf. Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Der Zoologische Garten hat in den letzten Tagen noch recht reichliche Nachzucht erhalten. Sowohl bei den cubanischen Baum- ratten als auch bei den südamerikanischen Mara's haben sich Zwillinge eingestellt, die bis auf die Größe den Eltern völlig gleich, letzteren sofort durch ihre Abteilungen in der Nage- tieranlage überallhin nachfolgen. Besonders interessant und wert- voll ist der Sprößling des B u n t b o ck p a a r e s, der den leuchtend braun, schwarz und weiß gefärbten Eltern in seinem fast einfarbig gelblichen Kleide in nichts ähnelt. Ter Duntbock ist eine südafrikanische Antilopenart, die in freier Wildbahn für aus- gerottet gilt und zurzeit tn ihrer Heimat noch in halbwildem Zustande erhalten wird, so daß daher die Tiere bei uns außer- ordentlich selten und kostbar sind. Vermißt wird der Arbeiter Johann Kraasch, Berlin, Kreutziger- straße 22. Am Freitag, den 2. Juli, nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr, verlieh er seine Arbeitsstelle in der Palisadenstraße 73 und ist seitdem spurlos verschwunden. K. trägt Vollbart und volles dunkles Kopfhaar. Der Mittelfinger der linken Hand ist ver- krüppclt, die Haltung des Körpers gesenkt. Bekleidet war K. mit schlvarzem Jackett, grauer Hose, weißem Strohhut und Schnallen« schuhen. Seine Angehörigen vermuten geistige Umnachtung und bitten zweckdienliche Angaben an oben bezeichnete Adresse gelangen zu lassen. Der Buchdnickerelhilfsarveitrr ZygalSkh, MheinSberger Str. 14, bittet uns mitzuteilen, daß er mit dem wegen UeberfalleS verhasteten Gelegenheitsarbeiter gleichen Ramens— wir berichteten am Freitag unter Rixdorf über den Raubanfall— nicht identisch ist. FeuerwehrSericht. Der erste Zug wurde gestern nach der Prenz- lauer Str. 29 alarmiert, wo in einem Keller Spiritus u. a. brannte. Der dritte Zug hatte gleichzeitig in der Rügen« Straße 21 zu tun, wo ebenfalls Spiritus usw., und zwar in einer Apotheke, durch Fahr- lässigkeit in Brand geraten war. Wegen eines Küchenbrandes er« folgte ein Alarm nach der Ackerftr. 84. In der Gaudystr. 40 mußte ein Brand gelöscht werden, der in einem Badezimmer ausgekommen war. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Lindenstr. öS u. a. Stellen gerufen. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr 1. Ab- teilung, Dresdenerstr. 45, und Donnerstag abend 4. Abteilung in Lichtenbergs Samariterstr. 11 bei Beckmann. Jq beidül Abteilungen praktische Uebungen und Wiederholung. � Vorort- JVacbnchtem Rixdorf. Der Freiwillige Erziehungsleirat für Rixdorf schickt uns unter Hinweis auf unsere Notiz in Str. 155:„Sonderbare Ferienkolonien' eine längere Zuschrift, deren Aufnahme auf Grund des§ 11 des PretzgesetzeS gefordert wird. Obwohl der Inhalt dieser Berichtigung keineswegs dem angezogenen Paragraphen entspricht, wollen wir die« selbe doch im Interesse der Sache zum Abdruck bringen. Sie lautet: 1. ES ist unwahr, daß jedes an der Kolonie teilnehmende Kind 1,50 Mark pro Woche oder 3 Mark fiir die ganze 4 Wochen währende Zeit zahlen muß. Von den 90 Knaben der Kolonie zahlen nur vier freiwillig 1,50 Mark pro Woche, während die übrigen Frei- stellen haben. f 2. Es ist unwahr, daß jedes Kind zwei Liter Mich für den Tag erhalten sollte, vielmehr ist pro Kind durchschnittlich ein Quantum von einem Liter bestimmt worden, und dasselbe hat sich bis dahin als vollkommen ausreichend erwiesen, ja, es müssen sogar die Kinder durch vieles Zureden zum reichlicheren Trinken veranlaßt werden, damit keine Milch übrig bleibt. 3. Es ist unwahr, daß die Kinder vis 2 Uhr nachmittags unter Aufsicht stehen sollten, vielmehr ist den Eltern mitgeteilt, daß die Fericnkolomsten um 12 Uhr entlassen werden. 4. Von einem bezirksweisen Versammeln der Rixdorfer Kinder ist nicht die Rede geweien; eS ist anzunehmen, daß dem Einsender des Artikels Berliner Verhältnisse vorschwebten. 5. Die Kinder werden in der Tat zum Spiel im Freien an- gehalten und beim Spiel beaufsichtigt; ein Spielzwang findet jedoch aus pädagogischen Gründen nicht statt. Spaziergänge werden nur bei ausgesprochen günstigem Wetter und unter Berücksichtigung der zum größten Teil kleinen und schwächlichen Kinder auf vielfachen ausdrücklichen Wunsch der Eltern nur in beschränkter Zahl unternommen. 3. Die Behauptung, groß und klein werde auf dem Schulhofe eingesperrt, ist unverstandlich, da den Kindern ein SckmlHoj und ein freiliegender großer, schattiger Spielplatz zur Verfügung stehen, deren Eingänge offen gehalten werden. 7. Vom Fußballspiel kann keine Rede sein, da der Kolonie ein Fußball nicht zur Verfügung steht. Es ist wohl selbstverständlich, daß etwa„trübselig" dasitzende Kinder seitens des Leiters ermuntert und nach Kräften aufgeheitert werden. 8. Es ist geradezu empörend, wenn behauptet wird, die Kinder amüsierten sich über die tüchtige pädagogische Kraft, die, mit einem Rohrstock bewaffnet, unter den Kindern umherfuhr.' ES sei hier vielmehr der Wahrheit gemäß ausdrücklich und öffentlich festgestellt. daß der in Frage kommende Leiter keinen Rohrstock mitgebracht hat und auch nicht eine einzige körperliche Züchtigung hat eintreten lassen, trotzdem letztere vielleicht bei Vergehen, wie Beschädigungen von Strälichem und Bäumen trotz wiederholten Verbots, am Platze gewesen wäre. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die hiesige Ferienkolonie keinesfalls eine Einrichtung des Rixdorfer Magistrats, sondern eine solche des von letzterem unabhängigen Vereins, nämlich des»Frei- willigen ErziehungSbeiratö für die Jugend in Rixdorf', ist. Ewald Nendza, Leiter der Knaben-Ferienkolonie Rixdorf. Die vorstehende Berichtigung beschränkt sich nur zum Teil auf die von uns veröffentlichte Notiz. J» derselben war mitgeteilt, daß den Kindern in der Klasse das gesagt worden sei, was von uns mit- geteilt wurde. Das kann der Erziehungsbeirat gar nicht be- richtigen, da er davon nichts weiß. Wenn es nicht stimmt. so rönnen doch d«e Eltern nicht dafür. Jedenfalls sind Eltern von ihren Kindern in der von uns angegebenen Weise unterrichtet worden. Wir geben gern zu. daß diese Art der Mitteilung zu erheb- lichen Mißverständnissen Veranlassung_ geben kann und es wäre sicher« gewesen, wenn den Kindern eine schriftliche Mitteilung an die Eltern mitgegeben worden wäre. Das ändert aber nichts an der Kernfrage, daß die Kinder in der Kolonie nicht die Aussicht finden, die verlangt werden niuß. In dem von uns veröffentlichten Falle sollte ein in diese Kolonie ge- geben« Knabe um 12 Uhr durch ein Mädchen abgeholt werden. Es stellte sich aber heraus, daß der Knabe nicht mehr zu finden war. Er irrte in dieser Zeit bereits in Rixdorf umher und mit ihm»och andere Kinder im Alt« von 3— 7 Jahren. Es mag sein, daß bei 90 Kindern es nicht leicht ist, alle zu beaufsichtigen, das beweist ober nur, daß es mit dieser Kolonie nicht gerade sehr weit her zu fein scheint. WaS nun. wenn den in Rixdorf umherirrenden Kindern etwas passiert wäre? WaS die Schlußbemerkung betrifft, daß die Rixdorfer Ferren- kolonie keine Einrichtung des Rixdorfer Magistrats ist, sondern eine solche des von letzterem unabhänglgen Vereins, des„Freiwilligen Erziehungsbeirats für die Jugend in Rixdorf'. so ist das richtig, vergessen ist nur zu sagen, daß der Magistrat von Rixdorf den Verein subventioniert. Ans d« Magistratsfii-ung. Die lleverlassung eines Schul« rauiyes im Schulhause Erkstraße für Zwecke der katholischen Präpa- randenanstalt wird den Rektoren Marquardt und Bänsch gegen Erstattung der Kosten bewilligt.— Die im Schreiben der königl. Eisenbahdirektion Berlin berechneten Zuschüsse für Verbreiterung der Herthabrücke auf 16 Meter nutzbare Breite und Ausführung der Straßendamm- und Bürgersteigbefestigung sollen übernommen, die Kosten hierfür im Betrage von 65000 M. aus einer neu aufzunehmenden Anleihe bestritten werden.— D« Magistrat beschließt die Verlange- rung des mit dem Restaurateur Mietke über den Ratskeller ge- schlossenen Mietsvertrages um drei Jahre üb« den 1. April 1910 hinaus zum bisherigen Pachtpreise.— Der Magistrat nimmt Kenntnis von dem Bericht betreffend die Revision der All- gemeinen Ortskrankenkasse, welche einen Fehlbetrag von 27 010 M. mfolge der Unterschlagungen des früheren Rendanien(König) ergeben hat, und von den zur Verhütung von Unterschleifen angeordneten Maßnahmen.— Der Magistrat beschließt die Instandsetzung des StakctenzauneS auf dem Friedhof au der Rudower Straße. Charlottendurg. Achtung; Gemeindewähler: Nach einer Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts wird nur derjenige in die Ge- meindewählerliste aufgenommen, der bis zur Ausstellung der Lifte seine Steuern gezahlt hat. Um denjenigen Genossen entgegenzukommen, die durch Arbeitslosigkeit oder sonstige Umstände nicht in der Lage gewesen sind, ihre Steuern zu entrichten und ihnen das Wahlrecht zu sichern, haben die hiesigen Genossen bei dem Genossen Alfred Will, Kirch st r. 30 im Zigarren- g e s ch ä f t. eine NeklamationS, teile«richtet. Jeder Ge- meindewähler, der seine Steuer gestundet oder davon befreit zu werden wünscht, findet dort dann die erforderliche Unterstützung. Aber hier tut Eile not, da die Gemeindewähler- listen bereits vom 15. August bis 30. August im Statistischen Amt, Berlin« Str. 71, auSliegen. Und mir die in dieser Zeit geltend gemachten Einsprüche gegen die Wählerliste können berücksichtigt werden. Es sollte also kein Arbeiter zögern, fich sein Gemeindewahlrecht zu sichern. Schöneberg. Der Jugendbildungsausschuss hat zu heute, den 11. Juli, einen Ausflug geplant. Treffpunkt früh 8 Uhr, Bahnhof Ebersstr. nach Bahnhof Westend(Fahrpreis 10 Pf.), von da zu Fuß nach Span- dauer Bock. Von hier unter Leitung eines Geologen nach dem Stößen-See, Havel, Pechs«« usw. Nachzügler treffen sich nachmittags um 2 Uhr Bahnhof Eich- kamp. Wir richten di« Bitte an alle Jugendliche, sich recht zahl- reich an diesem Ausflug zu beteiligen. Erwachsene' sind ebenfalls sehr gern gesehen.. � Mariendorf-Südende. In der Gemcindevertretersitzung wurde beschlossen/ an den Eisenbahnsiskus für den Umbau der Straßenunterführung am Bahnhos Maitzendorf einan Kostenzuschuß von 154 000 M. zu. zahlen, wohingegen nochmals versucht werden soll, eine Beihilfe zu diesen Kosten durch den Kreis zu erlangen.— Der geplanten Herstellung einer Ueberführung für Lokomotiven über den Teltow- lanal— auf der Brücke in der Ringstraße— stimmt« die Mehrheit der bürgerlichen Vertreter zu. Diese folgte blindlings dein eifrigen Befürworter des Projekts, dem Gemeindevorsteher, un. geachtet der Einwände des Genossen Reichardt, daß dadurch ein «hebliches Hindernis für den Fußgänger- und Fuhrwerksverkehr geschaffen werde.— Weiter wurde die Anstellung eines Nacht- Wächters für den Ortsteil Südende beschlossen. Di« Genossen Weber und Reichardt wünschten, daß endlich der Tagesdienst dieser Bcamtenkategorie geregelt werden möchte. Diese Beamten wür- den zu allen möglichen Dienstleistungen am Tage herangezogen, so daß von einer Ruhe und Pflege, wie sie zur Erhaltung der Ge- sundheit nötig ist. gar nicht gesprochen werden kann. Der Ge- nreindevorsteher sagte eine solche Regelung zu, aber— für später.— Schließlich lag noch ein Antrag unserer Genossen vor, dahingehend, die für den Monat September in Aussicht genommc- neu Gemeindewahlen an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Genosse Reichardt befand sich in der angenehmen Lage, gewichtige Gründe für den Antrag ins Feld führen zu können. ES würde, wenn die Wahlen an einem Sonntag stattfänden, dies nicht nur, wie man glaubt annehmen zu müssen, der Arbeiterschaft allein, sondern auch andcven Wählern zugute kommen. So gehen z. B. die meisten Bäckermeister Mariendorfs ihrem Gewerbe in Berlin nach. Diesen werde es unmöglich gemacht, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Auch würden doch vielfach Beamte und Lehrer von den Herren Bürgerlichen zu Schlepperdiensten heran- gezogen. Es könnten also die Aussichten auf einen Wahlerfolg bedeutend erhöht werden, wenn an einem Sonntag die Wahlen stattfänden. Was bei den Kaufmanns» und Gewtzrbegcvichts- Wahlen möglich ist, sei Wohl auch bei den Gemcindcwahlen durch- führbar. Der Gemeindevorsteher erklärte, die Festsetzung des Wahltages stehe allein ihm zu. und er könne nicht in Aussicht stellen, daß er einen Sonntag dazu festsetzen werde.—- Steglitz. Der Jugendausschuß für Steglitz veranstaltet für die arbeitende Jugend in nächster Zeit Spielpartien usw., und zwar sind vorläufig in Aussicht genommen: am Sonntag, den 18. Juli, Ausflug nach Wannsee(Badepartie). Treffpunkt Bahnhof Steglitz, früh 8 Uhr.— Sonntag, den 25. Juli und 1. August, SpielauSflüge nach dem Grunewald. Treffpunkt Bahnhof Steglitz, Vz3 Uhr. Mit diesen Ausflügen soll der arbeitenden Jugend beiderlei Geschlechts Gelegenheit gegeben werden, mit gleichgesinnten Gefährten einige frohe Stunden in frischer und reiner Luft zu ver- bringen. Der Jugendausschuß darf daher erwarten, daß die Jugend- lichen sich recht zahlreich an diesen Ausflügen beteiligen. An die organisierte Arbeiterschaft sei ganz besonders das Ersuchen gerichtet, ihre schulentlassene Jugend diesen Veranstaltungen zuzuführen und, wenn möglich, auch selbst daran teilzunehmen. Marienfelde. Aus der Gemeindevertretung. In der am Mittwoch, den 7. Juli, stattgefundenen Gemeindevertreiersitzung wurde das An- gebot der Lampenfabrik Erich u. Graetz-Trcptow auf probeweise Aufstellung von zwei Graetzinlampcn in der Pumpstation angc- nommen. Die Aufstellung erfolgt unentgeltlich ohne gegenseitige Verbindlichkeit.— Ter Amtsborsteher hatte seinerzeit die Ge- meiude aufgefordert, di« unhaltbaren Zustände des Bürgerstcigs in der Lankwitzstraße zu beseitigen; die Zäune stehen dort zum Txil so dicht an der Bordschwelle, daß man sich die Klej.der zerreißt, Die Verkttküng faßte such seinerzeit'einen dahingehenden Be- fchluß. Da aber die nieisten der Herren Grundbesitzer das ab- zutretende Land bezahlt haben wollen, wird wohl der gegenwärtige Zustand noch lange erhalten bleiben, denn von einer Enteignung wurde Abstand genommen. Im Bebauungsplan von Groß- Berlin war die� Berliner Strohe mit 30 Meter Breite vor- gesehen, die Straße nach Lichtenrade sollte 36 Meter breit werden� die letztere führt durch vollständig unbebautes Terrain. Vor einiger Zeit hatte man beschlossen, jede der beiden Straßen um 6 Meter zu schmälern. Nun will der Landrat die Gründe wissen, die diesen Beschlutz notwendig gemacht haben; da man nun keine stichhaltigen Gründe hatte, wurde eine Kommission gewählt, um dieselben zusammenzustellen und dem Landrat mitzuteilen. Der Borsteher meinte: Meine Herren! Je breiter die Straße, desto weniger bleibt für den Verkauf übrig, denn an den neuanzulegenden Straßen muß das dazu gehörige Land lasten- und kostenfrei auf- gelassen werden. Bei der Beratung über den Neubau einer Schule wurde beschlossen, auf dem alten Schulgrundstück einen Anbau von 8 Klassen aufzuführen. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob dies von der Aufsichtsbehörde gestattet wird, denn wenn in den vorderen Ge- bäuden Feuer ausbricht, besteht für die Kinder die größte Lebens« gefahr. Zum Schluß brachte der Vorsitzende der Vertretung zur Kenntnis, daß der Vertreter der 1. Klasse,' Herr Behrodt. sein Man- dat sowie alle Kommissionsämter niedergelegt hat. angeblich wegen geschäftlicher Behinderung. Für Eingeweihte sind es aber andere Gründe; unter anderem war der Schulhausneubau der Haupt- grund seines Rücktritts. Herr Behrodt wollte nämlich- von der An. bauerei auf dem Schulhof nichts wissen,(diese Ansicht wird von den meisten Einwohnern geteilt) sondern wollte gleich ein mo- dernes, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechendes Schulhaus bauen. Da er mit dieser vernünftigen Idee keinen Anklang fand. legte er seinen Posten nieder. Der Gemeindevorsteher meinte. es wäre seinerzeit zweckmäßig gewesen, den Antrag des sozial- demokratischen Wahlvereins anzunehmen und die Vertreterzahl zu erhöhen, damit nicht die einzelnen Mitglieder so vielen Kom- misstonen anzugehören brauchen. Die Erhöhung der Zahl ist zum nächsten Jahre sicher zu erwarten. Gerichts-Leitung. .. De« de» räuberischen Ueberfalles auf de» GeldbrieftrSgcr Eulenburg verdächtige Schneider Emil Drechsler hatte gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I noch ein anderes Schuldkonto zu begleichen. Unter der Anklage des gemeinschaftlichen schweren Diebstahls hatte sich Drechsler in Gemeinschaft mit dem Händler Johann Dernbach vor dem Strafrichter zu verantworten. Am «onntag, den 9. Mai d. I., wurde in der Wohnung des Kauf- manns Meier in der Stralauer Allee 33 ein Einbruchsdiebstahl verübt, bei welchem den Tätern etwa 60 M. Bargeld, verschiedene Kleidungsstücke und ein Fahrrad in die Hände fielen. Als Diebe kamen zwei MVnner in Betracht, die vorher nach Art der„Klingel- fahrer" an verschiedenen Wohnungen geläutet hatten, um fcstzu- stellen, ob die Wohnungsinhaber anwesend waren. Bei einer Hausbewohnerin, die geöffnet hatte, fragten die beiden Unbe- kannten nach einem Postsekretär, der angeblich in dem Hause ivohncn sollte. Als Täter wurden die beiden Angeklagten fcstge- iiommcn. Diese Festnahme brachte auch gleichzeitig etwas Licht in die Affäre des Ueberfalls auf den Geldbriefträger Eulenburg. Als Drechsler in dem„grünen Wagen" zum Polizeipräsidium ge. schafft wurde, befand sich zufällig auch der Handlungsgehilfe Kahser, der wegen des kürzlich mitgeteilten Ucbcrfalles auf einen Kaufmannslehrling verhaftet worden war. Drechsler glaubte nun, daß er in dieser Sache verhaftet sei und legte ein offenes Ge- ständni» ab, � daß er auf Anstiften des Kahser den Geldbriefträger überfallen hätte. Dieses Geständnis widerrief er später und spielte im Untersuchungsgefängnis den„wilden Mann".— In der vor- liegenden Sache bestritten die Angeklagten jede Schuld und traten einen Alibibeweis an, der die Ladung weiterer Zeugen erforderlich machte. Die Sache fiel deshalb einer Vertagung anhcim. Musterhafter Stadtdiakon. Dreiste Erprcssungsversuche fielen dem Kaufmann Gustav Weiße zur Last, der gestern aus der Untersuchungshaft der dritten Strafkammer des Landgerichts II vorgeführt wurde. Der An- geklagte, der wegen Unterschlagung mit l'/z Jahren Gefängnis vorbestraft ist. war seinerzeit in Leipzig als sogenannter Stadt- diakon für die innere Mission tätig und ist dann nach Berlin übergesiedelt. Hier lernte er ein Dienstmädchen kennen, der er die Ehe versprach und die ihm ihre sauren Ersparnisse völlig überließ, da er behauptete, daß er da-? Geld als Kaution für eine von ihm einzunehmende kaufmännische Stellung gebrauche. Als er sein Eheversprechen einlösen sollte, fehlte es ihm an den nötigen Geldern zur Beschaffung der Wirtschaftseinrichtung und da kam er auf den Gedanken, sich die erforderlichen Mittel auf verbrecherische Weise zu beschaffen. Aus seiner Tätigkeit in Leipzig waren ihm Damen der Gesellschaft bekannt, die auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege tätig waren und an diese wandte er sich mit Erprcsferbriesen. Er erklärte ihnen, daß er aus ihrem intimen ehelichen und außerehelichen Leben allerlei Vorgänge kenne, deren Be- kanntaabe sie auf das äußerste kompromittieren würde und forderte für sein Schweigen nicht unbedeutende Geldbeträge, die ihm an eine von ihm bezeichnete Berliner Postnnstalt unter bestimmter Chiffre zugestellt werden sollten. In Leipzig hat er drei Damen durch der- artige dreiste, örtlich erfundene Angriffe auf ihre weibliche Ehre in Angst und Schrecken zu setzen versucht, ohne daß er sein Ziel er- reichte. Hier in Berlin hat ihm sein Geschick erreicht, als er die Unverschämtheit hatte, einen solchen Erpresserbrief auch an die Witwe eines hochstehenden Staatsbeamten zu richten. Die betreffende Pastanstalt war schon eine geraume Zeit durch die Kriminalpolizei observiert worden, ohne daß es gelang, des Erpressers habhaft zu werden. Dieser muß die ihm drohende Gefahr erkannt haben und so blieben die nach Verabredung von den zu brandschatzenden Damen abge- sandten Chiffre-Briese auf der Post liegen, ohne daß sich ein Empfänger meldete. Die Krinnnalpolizci ließ die Postanstalt aber weiter ourch zwei Beamte überwachen und es gelang eines TageS, die Braut des Angeklagten zu sistieren, die dort erschienen war und nach den Briefen fragte. Der Angeklagte verschwand noch auf kurze Zeit, hat sich dann aber selb st der Polizei gestellt.— Das Gericht verurteilte ihn zu 1 Jahr 6 Monaten Ge- f ä n g n i s._ Verleitung zum Meineid. Eine hohe, aber nicht ungerechte Strafe wurde dem Kauf- mann Karl Hübner zudiktiert, welcher sich gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II wegen Verleitung zum Meineide zu verantworten hatte. Der Angeklagte war früher Leiter einer Filiale der bekannten Meierei Bolle in der Habs- burgerstratze. Er wurde jedoch wegen verschiedener Unregelmäßig- keilen entlassen. Eines Tages wurde seinem Nachfolger in der Filiale telephonisch mitgeteilt, daß zwei Bollesche Milchmädchen an- geblich betrunken auf der Straße lägen und Allotria trieben. Der Filialletter schloß sofort seinen Laden zu und eilte nach der ge- nannten Straße, wo sich herausstellte, daß die ganze Geschichte er- funden war. Nichts Gutes ahnend, eilte er zurück und konstatierte, daß während seiner kurzen Abwesenheit ein Paket Quittungen durch eine zufällig offen gebliebene Türklappe entwendet woroen war. Als Täter kam nur eine Person in Frage, die mit den örtlichen Verhältnissen genau vertraut war. Es wurde festgestellt, daß der jetzige Angeklagte die gestohlenen Quittungen einkassiert hatte. Er wurde deshalb von dem Schöffengericht zu 2 Monaten Gefängnis wegen Diebstahls verurteilt. Hiergegen legte er e r u f u n g ein und bezog sich auf das Zeugnis einer Frau Zeit der Verübung des Diebstahls in Weiß, die ihn angeblich zur einer ganz anderen Stadtgegend gesehen haben sollte, so daß er als Täter gar nicht in Frage kommen könne. In der Verhandlung vor der Bcrufungskammcr gab die Frau Weiß an, daß der Angeklagte an sie herangetreten sei und versucht habe, sie gegen Zahlung von 20 M. zu verleiten, fälschlich auszusagen, daß 'ie mit ihm um jene Zeit gesprochen habe. Hübner wurde seinerzeit iofort verhaftet.— Das Urteil gegen ihn lautete wegen ver- suchter Verleitung zum Meineide auf 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Strafbarer Boykott im Geschäftsleben. Wegen versuchter Erpressung ist am 3. April vom Land- gerichte Zwickau der Färbereibcsitzer Otto Busch in Rixdorf zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er gehörte als Schrift- ührer dem Verein der Färbereien und chemischen Waschanstalten n Berlin an. Die Färberei von D. u. W. in Glauchau er- richtete in Berlin eine Filiale. Der Verein beklagte in einer Sitzung die ihm dadurch erwachsene schwere Konkurrenz und beauf- tvagte den Angeklagten, an D. zu schreiben, er möge die Filiale wieder aufgeben. Der Brief sollte ebenso lauten wie ein früherer an eine andere sächsische Firma. In dem Briefe wurde der Firma angekündigt, daß man die den VereinSmitgliedern verursachte Schädigung durch gegenseitige Schädigung beantworten werde, und zwar mit großer Energie. D. nahm an, daß man seine Firm« mrch Errichtung von Filialen in Glauchau würde schädigen wollen, ließ sich aber nicht abschrecken, sondern reiste sofort nach Berlin und verlängerte seinen Mietsvcrtrag.— In seiner Revision rügte der Angeklagte Verkennung des Begriffes der Drohung. Es sei nur mit Konkurrenz gedroht tvorden, daS sei aber etwaS. wozu jeder Mensch ein Recht habe. Das Reichsgericht verwarf am Freitag die Revision. indem es ausführte: Die Statthaftigkeit eines Kampfmittels ist in erster Linie danach zu beurteilen, welches Ziel im Kampfe ver- folgt wird und welche Art der Führung des Kampfes angedroht wird. Im vorliegenden Falle ist als das Ziel des Konkurrenz- kampfes deutlich zu verstehen gegeben, dem Gegner überhaupt den Gewerbebetrieb unmöglich zu machen da, wo er ihn ausüben wollte. Das ist ein Eingriff in die auch nach dem Gesetze jedermann ge- währlcistete Gewerbefreiheit. Matzregeln, durch welche ein solcher dem Gesetz zuwiderlaufender Zweck erreicht werden soll, können nicht als zulässig gelten. Daß aber die Führung eines solchen Kampfes nicht mit den Mitteln eines lauteren Wettbewerbes be- wirkt werden sollte und konnte, liegt auf der Hand. Das Land- gerecht hat danach keineswegs verkannt, daß es sich um die An- drohung eines Ucbels handelt. Auch die übrigen Tatbestands- merkmale der versuchten Erpressung sind in bedenkcnfreier Weise festgestellt worden._ Zwei Jahre Zuchthaus wegen 36 Pfennige! Vor dem Landgericht in Oldenburg hatte sich der Arbeiter Ziegenbein aus Delmenhorst wegen Diebstahls zu verantworten. Gelegentlich einer Auktion hieß er einen Kasten mitgehen und verkaufte ihn sofort wieder für 30 Pf. Der Angeklagte ist bereits 21 mal vorbestraft, darunter 12 mal wegen Diebstahls. Weil er ein unverbesserlicher Dieb sei. beantragte der Staatsanwalt zwei Jahre Zuchthaus. Das Gericht erkannte demgemäß. Wenn Ziegenbein ein halbes Dutzend Medizinalräte mit- gebracht und das Glück einer schweren Krankheit mit überzeugendem Anfall vor Gericht gehabt hätte, könnte er jetzt wohl nach Hause fahren. Aber wenn du gar nichts-hast, Lump, so lasse dich be- graben im Zgchthauje. Vermischtes. Gefährliches Spiel. Gleiwitz, 10. Juli. Beim Spielen mit einem Jagdgewehr erschoß junger Waldarbeiter eine 20jährige Bauerntochterr im Schirat- »tzer Walde._ Sin Drama. Magdelurg, 10. Juli. In der Nähe der Etrombrücke stürzten sich heute vormittag zwei junge Frauen, die anscheinend von aus-- Ivärts gekommen waren und nach ihrer Kleidung den besseren Ständen angehörten, in die Stramelbe. Sie nahmen ein etwa vier- jähriges Kind mit sich ins Wasser. Von einem in der Nähe liegenden Dampfer wurden sofort Rettungsversuche unternommen, die aber infolge des zeitweiligen Hochwassers leinen Erfolg hatten. Bis jetzt sind die Leichen noch nicht gesunden worden. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Marltballen-Dkeltion über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäst rege' Preise unverändert. Wild: Zusuhr knapp, Eeschäst rege, Preise sest. Geflügel: Zufuhr ausreichend, Geschäst rege, Preise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ziemlich ledhaft, Presse wenig verändert. ein low «LafferftandS-Nachrichtru der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M e m e l, Tilfit B r e g e l, Jnsterburg W e i ch f e I, Thor» Oder, Rattbor , Kroflen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Barbh• » Magdeburg Wasserstand Saale. Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Sprcmberg') , Beeskow W e f e r, Münden , Minden Rhein, MaximiliaiiSm» , Kaitb Köln Neckar, Hellbron» Main. Wertheim Mosel. Trier am S. 7. cm 82 42 34 86 72 -60 2 560 287 307 115 121 seit 8. 7 cm. +2 +1 —5 —10 +2 4-38 -1-32 4-36 +1 0 —5 +7 «)+ bedeutet Wuch«,— Fall.—*) Unlerpegel.—*) höchster Wasserstand: 352 cm am 9. um 1 Uhr nachts. Nach langem, schwerem Leiden verschied am Sonnabend, den 10. Juli, mein lieber Mann und Vater, der Schneider (Zustsv Lis. Im Namen derHinlerbltebenen: Lmm» l.1», geb. ZShrIng und Lotte Friedrichstr. 210. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Juli, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirchhofes w Rixdors, Hermannstr. 84-90, auS statt. �ntlress- Pestsäle Andreasstraße 21, T-i.- vn. lasse. WM" Achtung! Vereine! Im September und Kovembcr sind je ein Sonn- abend frei geworden.— Ferner empfehle meine 30—1000 Personen sassendcn VereinSzimmer u. Säle zu Bersammlunge». 16858* Herrn. Korgiiiiinn. Ü "«M £0 29 29 GardinenhauS Bernhard Schwartz. Wallstr. 29 (FIur-Eina.) Gros& Detail. 29 23 p. Ztr. 0.80 M. 0.80.. 0.87„ 0.89. 0 95. 0.78. X iiisoaie-Preise X von 10 Zentner au ab Pia«, bis»1. Juli p. Ztr. Ferdinand Salon.... 0.80 M Ockwitz....... Marie........ Pfännerochaft..... Anhalt. Kohlenworke u. JUe Halbsleine...... Anthraoit....... 2,15 Kok*,. Steinkohlen uuw. zu billigsten Tagespreisen. Hand« langen stehen gratis zur Verfügung. 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