Ur. 163. HbonnementS'Bedlngungcn: Wonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3£0 Md, monatL 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntaas. nummer mit illustrierter Sonntags- Beitage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Llbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, CrtiMnt tlalld) anStr ffiontag». 36. Jahrg. Verlinev Volksblskk. vle MertisnZ-Lebiihi' beträgt sür die sechsgcspaltcne Kolonel- zcile oder deren Rauin 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bercins- nnd Bersmnmlungs-Anzeigcn 30 Pfg. „Kleine Snreigen", das erste(seit. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort k Pfg. Wort- über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gevfsilet. Telegramm- Adresse: ,,S«Äi>Illtlii»Iirst kerlio". ZentraXorqan der fozi aldcniokrati fdxn parte» Deutfcblande. Redaktion: SM. 68» Lindenstrasae 69» Fernsprecher: Amt IV, Str. 1S8S. Donnerstag» den IS. Juli 1909. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. ISLI» Gin Kanzlerstnrz. Eine Extraausgabe deS„Deutschen ReichsanzeigerS und Königlich Preußischen Staatsanzeigers" meldet: Seine Majestät der Kaiser und König haben Aller- gnädigst geruht: dein Reichskanzler. Präsidenten des Staats- Ministeriums und Minister der auswärtigen An- gelegenheiten Fürsten von Bülow die nachgesuchte Entlassung aus seinen Aemtern unter Verleihung des hohen Ordens vom Schwarzen Adler mit Brillanten zu erteilen und den Staatssekretär des Innern, Vize- Präsidenten des Staatsministeriums, Staatsminister Dr. von Bethmann Hollweg zum Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten zu ernennen, den Staatsminister Delbrück zum Staatssekretär des Innern zu ernennen und mit der allgemeinen Stell- Vertretung des Reichskanzlers zu beauftragen, den Staatssekretär des Reichsschatzamts, Staats- minister S y d 0 w von seinen Dienstgeschäften zu ent- binden und den Unterstaatssekretär im Reichsaint deS Innern, Wirklichen Geheimen Rat Mermuth zum Staatssekretär des Reichsschatzamts zu ernennen, den Staatsminister Delbrück von der Verwaltung des Ministeriums für Handel und Gewerbe zu entbinden und den Staatsminister S y d 0 w zum Minister für Handel und Gewerbe zu ernennen, dem Staatsminister und Minister der geistlichen pp. Angelegenheiten Dr. Holle die nachgesuchte Dienstentlassung unter Belassung des Titels und Ranges eines StaatSministers und unter Verleihung des Roten Adlerordens erster Klasse mit Eichenlaub zu er- teilen, den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, Kammerherrn von Trott zu Solz zum Staats- minister und Minister der geistlichen pp. Angelegen- heiten zu ernennen und den Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei Kammer- Herrn von Loebell unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat„Ex- zellenz" zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg zu ernennen. Das Spiel ist aus. In dem Kampf um die Finanzreform hat sich das Geschick des vierten Kanzlers vollendet und unter den Trümmern seiner Politik liegt der Mann am Boden, der so lange an der Macht war und so zäh um ihren Besitz ge- rungen hat. Doch keinen Unerschrockenen tragen die Ruinen. Fürst Bülow ging, als es Pflicht war zu bleiben und dem Kampfe nicht auszuweichen, den die, die ihn stürzten, dem deutschen Volke angeboten hatten. Und so ist sein Fortgehen doch nur eine Flucht und ein Bekenntnis seiner Schwäche geworden. Fürst Bülow war stark, solange ihn die stützten, deren Machtinteresse er gegen das Lebensbedürfnis des deutschen Volkes vertreten hat. Als sie ihn verließen, da stand seine eigene reaktionäre Vergangenheit gegen ihn auf und der Kanzler, der stets ein Kanzler der Junker und der Kapitalmagnaten und nie ein Diener des deutschen Volkes gewesen ist, konnte den Appell an das Volk nicht wagen. Den„glückhasten Kanzler" hat man den Fürsten Mlow genannt. Am 20. Oktober 1897 wurde der damalige Bot- schafter in Rom auf Verwendung des Fürsten Eulenburg Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und damit bei der Schwäche des greisen Hohenlohe der Leiter der äußeren Politik. Am 17. Oktober 1900 wurde Fürst Bülow deutscher Reichskanzler. Wenn man heute diese lange Kanzlerschaft überschaut und nach den Gründen ihrer Dauer forscht, so wird man erkennen, daß das Wort: Weh Dir, daß Du ein Enkel bist, auf diesen Spätgekommenen keine An- Wendung findet. Denn des Kanzlers Glück bestand gerade darin, daß er in der inneren Politik Früchte ernten konnte, in deren Erwartung die Früheren sich ver- brauchten, während er in der äußeren Politik Anfänge setzte, an deren verhängnisvollen Folgen erst die Späteren schwer zu tragen haben werden. Es war der Kanzler einer Ueber- gangszeit, wie er in seiner Person selbst den Uebergang dar- stellt von dem preußischen Bnreaukraten. der mit Polizei und Gendarmerie die Autorität verteidigt, zu dem parlamentarischen Minister, der kein Mittel parlamentarischer Demagogie in den Dienst großkapitalistischer Interessenvertretung zu stellen unterläßt. Fürst Bülow hatte in der inneren Politik die Methode der Diplomatie des 18. Jahrhunderts, jener Diplo- matie, die sich zu den Zeiten ausbildete, als es der Re- gierungsweisheit letzter Schluß war, das Gleichgewicht Europas zu erhalten. Man wollte keine Erschütterung,> weil man zwar wußte, wie solche beginnen, aber nicht, wie' sie enden. Diese Methode war in der auswärtigen Politik zusammengebrochen in den Umwälzungen der revolutionären Epoche der bürgerlichen Revolutionen, die mit der Errichtung der großen Nationalstaaten beschlossen wurde, aber sie blieb die'Methode des Fürsten Bülow in der inneren Politik. Schon C a p r i v i und Hohenlohe haben versucht, alle bürgerlichen Parteien auf eine mittlere Linie zu einigen, und Miguel hatte das Wort von der Sammlungspolitik ge- prägt. Sie alle scheiterten, weil die wirtschaftlichen Gegen- sätze zwischen den bürgerlichen Schichten noch zu groß waren, weil die Zeit noch nicht erfüllt war, um die Jnteressengegen- sätze innerhalb der bürgerlichen Welt zu überbrücken durch den gemeinsamen Gegensatz gegen den Ansturm des Proletariats und das gemeinsame Interesse an einer weitausgreifenden, expansiven imperialistischen Weltpolitik. Bülow kam später und hatte Erfolg, wo die anderen gescheitert waren. Die Partei des Proletariats war von Sieg zu Sieg geeilt. Ihre wachsende Stimmenmacht bedrohte immer mehr alle bürgerlichen Parteien und am meisten den städtischen Liberalismus, während eine durch die wirtschaftliche Entwickelung sich automatisch verschlechternde Wahlkreis- einteilung die agrarischen Kreise der Konservativen und des Zentrums weniger gefährdet erscheinen ließ. Die Feindschaft gegen die Sozialdemokratie verstärkte sich bei den liberalen Parteien immer mehr und näherte sie immer mehr ihren früheren bürgerlichen Gegnern. Gleichzeitig wuchs die gewerkschaftliche Organisation des Proletariats. Immer größer wurde ihre Macht, immer fühlbarer ihr Einfluß auf die Arbeitsbedingungen. Der Handwerker und der Kleinkapitalist sah immer wütender die Ein- schränkung seiner Ausbeutiingsfreiheit und erblickte in den großen Industriellen, den mächtigsten Gegnern der Sozialpolitik und der Arbeiterorganisationen, seinen Bundesgenossen im Kampfe gegen das Proletariat. Der mächtige industrielle Aufschwung, der 1895 einsetzte, eine Wirkung der größeren Handelsfreiheit, die unter Caprivi durchgesetzt worden und noch mehr der raschen Erweiterung des Weltmarktes schwächte auf der einen Seite den Gegensatz zwischen Mittelstand und Großkapital, der in der Zeit der Krise stets so scharf hervortritt, und brachte für den Großgrundbesitz die Zeit der Leutenot, den Zug vom Lande nach der Stadt. Die Sym- pathien oder auch nur die Gleichgültigkeit, die einst die Aristo- kratie für die Sozialpolitik in der Industrie gehabt hatte, wich einer wachsenden Feindschaft gegen die Lebenshaltung des städtischen Proletariats, die die Landarbeiter in die Stadt lockte und die Zurückbleibenden immer„begehrlicher" machte. Zugleich machte die steigende politische Macht der Sozialdemo- kratie sie zu einer immer gefährlicher werdenden Feindin des junkerlich-bureaukratischen Regierungssystems, zur selben Zeit, als die Beherrschung der politischen Macht für die Junker die Lebensbedingung auch ihrer ökonomischen Existenz geworden war. So schmiedete die Feindschaft gegen das Proletariat ein Band der Interessengemeinschaft um alle bürgerlichen Parteien. Aber noch hielt sie der Gegensatz in der Wirtschaftspolitik und damit der im Dienste der jeweiligen Wirtschaftspolitik stehenden auswärtigen Machtpolitik ausein ander, als Fürst Bülow Kanzler wurde. Dieser Gegensatz mußte deshalb zuerst ausgekämpft werden. Diese Kämpfe erfüllen die erste Periode der Kanzlerschaft des Fürsten Bülow. Als er zur Regierung kam, fand er eine Situation, die eine geivisse Aehnlichkeit hatte, mit der, die zur jüngsten Krise geführt hat. Es war die Zeit der Kanal rebellion. Die Junker leisteten den Notwendigkeiten der in dustriellen Entwickelung einen unbeugsamen Widerstand. Es imponierte ihnen nicht im geringsten, daß die Krone ihre Autorität gegen sie einzusetzen versuchte. Die Kanalvorlage fiel. Bülow, der zunächst gezögert hatte, beugte sich der Juukermacht. Er beendete den Kanalstreit durch ein„Kom promiß", das in Wirklichkeit einen Triumph der Junker be deutete, und versöhnte, wie er sich immer wieder rühmte, die Konservativen mit der5krone. So wurde er der agrarische Reichskanzler, weil er die Macht der Konservativen kennen gelernt hatte, und als solcher hat er zunächst die Wirt- schaftspolitik des Reiches in den Dienst agrarischer Interessen gestellt. Doch nicht agrarischer allein; denn auch in seiner Wirtschaftspolitik war Fürst Bülow der Sammelpolitiker, der die Früchte der ökononnschen Entwickelung in seine Scheuern zu bringen wußte. Mit dem agrarischen Interesse an Erhöhung der Lebensmittelpreise verband sich das Schutzzollinteresse der schweren Industrie, der kapitalissisch entwickeltsten Produktionszweige, die den Schutzzoll freilich nicht als Schwache gegen übermüttge ausländische Kon- kurrenz brauchten, sondern ihn als Starke'zur Errichtimg und Festigung der Kartelle, zur Erhöhung der Inlandspreise und zu Exportprämien für die Erleichterung der Konkurrenz auf dem Weltmarkt ausnützen wollten. So kam jener Zoll- t a r i f zustande, der für die arbeitenden Massen eine so schwere Belastung bedeutete, aber die ländliche Grundrente um zirka eine halbe Milliarde jährlich steigerte und den kartellierten Kapitalmagnaten eine berauschende Verniehrung des Reichtums auf Kosten der Gesamtheit brachte, von der freilich bei der Steucrsuche wenig die Rede war, als es galt, die Kosten dieser Politik aufzubringen. Bedeutete aber der Zolltarif eine schwere ökonomische Schädigung der Volksmassen zugunsten der Besitzenden, so endete der Kampf um seine Durchsetzung mit einer schlimmen Beeinträchtigung der wenigen politischen Rechte der Minder- heit. Der Rechtsbruch, der die Geschäftsordnung zertrümmerte, hat den deutschen Reichstag zum ohnmächtigsten Parlament gemacht und dem Absolutismus jeder Zufallsmajorität alle Schranken aus dem Wege geräumt. Der Kampf um die Finanzreform war dafür der Beweis und den Triumph des schwarzen Blocks hat Fürst Bülow an jenem Tage vorbereitet, als mit seinem Einverständnis die Lex Kardorff dem Reichs- tag auferlegt wurde. Der Zolltarif aber bedeutete den Bund der wichtigsten Zweige des industriellen Kapitels mit den agrarischen Schichten. Konservative, Zentrum und Nationalliberale schienen auf Gedeih und Verderb mit der Regierung Bülows verbunden und dieser Bund wurde nur noch fester, als das deutsche Volk bei den Wahlen von 1903 sein Urteil fällte. Die riesige Zunahme der Sozial- demokratie trieb die im Wahlkampf Besiegten umso enger zu- sammen und vereinigte sie in der Forderung einer Politik gegen die Sozialdemokratie, für die Fürst Bülow stets bereit war. Der Rest der bürgerlichen Opposision aber, der Freisinn, sah sich zu einer hoffnungslosen und bedeutungs- losen Minorität verurteilt. Die innere Politik des Fürsten Bülow schien damit dem Ziele nicht mehr fern. Mit der Durchsetzung des Zolltarifs waren die großen wirtschafts- politischen Kämpfe zunächst ausgekämpft: zugleich waren Großindustrie und Großgrundbesitz mit einander verbündet und im Gefolge dieser ökonomisch führenden Schichten war ein großer Teil des städtischen und ländlichen Mittelstandes. Abseits standen nur die politisch nicht ausschlaggebenden kapitalisüschen Schichten, die am Freihandel interessiert waren, der Exporthandel, das Börsen- und Bankkapital mit ihrem Anhang in den Großstädten. Ihre geringe politische Macht mußte ihr Einrücken zu den Regierungsparteien nach Beendigung der Zollkämpfe nur als Frage der Zeit erscheinen lassen. Bülows sozialpolitischer Kurs war durchaus nicht geeignet, diese Einigung der bürgerlichen Parteien gegen die Arbeiter- klaffe zu stören. Graf Posadowskys Sozialpolitik erstickte zu einem Teil im Burcaukratismus, zum andern wußte sie den Widerstand der großkapitalisttschen Gegner, die im preußischen Ministerium ihre Sachwalter fanden, nicht zu überwinden und Fürst Bülow hütete sich, an diesen Zustünden etwas zu ändern. So wurde hier und da ein Flicken auf- gesetzt, ohne daß je ein Ganzes zustande kam. Diese Politik entsprang der Rücksicht auf die demagogischen Interessen des Zentrums, aber keineswegs dem Bewußtsein von der Not- wendigkeit einer großzügigen Sozialreform. Die Wendung in der inneren Politik kam aber schließlich nicht aus innerpolitischen Verhältnissen allein, sondern als Rückwirkung der auswärtigen Politik. Der Uebergang zur Schutzzollpolitik führt mit sich das Streben nach dem Besitz von Kolonien. Denn der Schutzzoll bedeutet die Absperrung der nationalen Wirtschaftsgebiete von dem freniden Wett- bewerb. Ein Schutzzollsystem aber erzeugt das andere und so tritt diese Absperrungspolitik in Widerspruch mit einer Lebensbedingung der kapitalistischen Produktionsweise, ihrer ständigen Expansion. Der Widerspruch wird überwunden durch Einbeziehung neu erschlossener und zu erschließender Märkte in das eigene Wirtschaftsgebiet, also durch Eroberung von Kolonien. Die Kolonialpolitik wird zum Angelpunkt der auswärtigen Politik, und Fürst Bülow hat von Anfang an seine Politik in den Dienst des kapitalisüschen Expansions- interesses gestellt. Schon als«Staatssekretär sprach er von dem„größeren Deutschland" und von dem„Platz an der Sonne", den er dem Reiche verschaffen wollte. Deutschland aber war zuletzt unter den Völkern zu politischer Einigung und Macht gekommen. Als Konttnentalmacht hatte es nie an Kolonial- erwerb Interesse. Die neue Politik mußte daher auf den Interessengegensatz der anderen Kolonialmächte stoßen, vor allem auf die Gegnerschaft Englands und Frankreichs. Es war klar, daß eine solche Politik, sollte sie überhaupt Erfolg versprechen, den Einsatz stärkster Machtmittel forderte. So wurde dem deutschen Volke neben den Kosten für die stärkste Landmacht noch die stets und in beängstigendem Tempo wachsen- den einer starken Seemacht aufgebürdet. Zu diesen finanziellen Opfern trat die Gefährdung des Friedens durch die wachsende Eifersucht der rivalisierenden imperialistischen Mächte. Der laute, herausfordernde Charakter, den diese Politik durch das Eingreifen des persönlichen Regiments annahm, gab den Im- perialisten des Auslandes die Gelegenheit, die Feindschaft gegen Deutschland noch zu vennehren. Die Offiziösen des Kanzlers haben oft erklärt, daß ihr Herr gegen diese geräuschvolle Politik angekämpft, bisweilen noch Schlimmeres verhindert habe. Allein die Worte hätten nicht so viel geschadet, wenn nicht die Taten gewesen, für die der Kanzler allein verantwortlich war. Dawar die Besetzung Kiautschous, der Hunnen- und Walderseefeldzug, die unglückliche Einmischung in den Frieden von Shimonoseki, die Rußland half, Japan den Siegespreis über China zu ent- reißen und uns so die aufstrebende Macht feind machte, ohne dem deutschen Interesse zu dienen. Und ebenso fehlte der Erfolg den anderen Aktionen der Weltpolitik. Die Marokko- Politik verschärfte den Gegensatz zu Frankreich zweimal bis zur Kriegsgefahr und trieb es an die Seite Englands. Zu Eng- land selbst aber wuchs der Gegensatz beständig und hier hat Fürst Vülow durch die Ablehnung eines Vertrages über die Einschränkung der Rüstungen dem deutschen Volke schweren, in seinen Folgen noch unabsehbaren Schaden getan. Aber diese Rüstungs- und Weltpolitik wurzelt so tief in den ökonomischen Interessen des Hochkapitalismus, daß das Bürgertuni diese Politik auch auf jede Gefahr hin unterstützt. Der imperialistischen Politik haben alle bürgerlichen Parteien in stets wachsendem Umfang zugestimmt und schon vor der offiziellen Proklamierung der Blockpolitik hatte auch der Frei- sinn seine Opposition fast völlig aufgegeben. Konnte er wider- stehen, als Fürst Bülow ihn einlud, auch den Schein dieser Opposition aufzugeben? Das Motiv der Blockpolitik, die die letzte Phase der Kanzlerpolitik bildete, ist nicht völlig klar. Doch soviel scheint sicher. In seiner ersten Phase hatte Fürst Bülow die schwer- wiegendsten wirtschaftlichen Kämpfe im Sinne der Agrarier and des Großkapitals zu Ende geführt und in der äußeren Politik als Kanzler des Jniperialismus Deutschland in der Weltpolitik engagiert. In der zweiten Phase stand nach den Wahlen von 1903 der Kampf gegen die Sozialdemokratie im Vordergrund der ,inneren Politik. Die dritte Phase ist ausgefüllt mit dem Kampf um die Steigerung und Erhaltung der eigenen Macht. Der Imperialismus aber war die bewegende Kraft der Politik auch dieser Epoche. Imperialistische Politik be- deutet wachsende Gefahren für die Aufrechterhaltung des Friedens, steigende Belastung des Volkes, Stillstand der Sozialpolitik, Konzentration aller militärischen und finanziellen Kräfte in den Dienst einer Expansionspolitik, deren Erfolge nur dem Großkapital zufallen. Sie verträgt daher kein Zögern, keine nörgelnde Kritik des Kleinbürgertums; sie ist keine Politik der halben Mittel. Gerade das aber war die Taktik des Zentrums, das im Großen bewilligte und im Kleinen abstrich, das prinzipiell bejahte und in Nebensachen verneinte, das die Kosten nur bewilligte, wenn ihm Kon- Zessionen gewährt wurden, die zwar gleichgültig, aber für die Vureaukratie doch eine Einschränkung ihrer Selbstherrlichkeit waren und das Ansehen und die Stellung des Kanzlers bei dem Kaiser schwächten. Die Ausnützung der imperia- listischen Stimmung konnte diese Opposition schwächen und zugleich gestatten, die letzten oppositionellen Elemente des Bürgertums an die Regierungsparteien anzugliedern. Zu- gleich konnte dadurch die Sozialdemokratie bei der Verteilung der Mandate geschädigt werden. Zudem blieb Bülow, dessen Stellung erschüttert war, keine Wahl und so wurde das Experiment mit der Reichstagsauflösung gewagt. Der Kanzler organisierte im Bunde mit dem Liebert vom Reichsverbande und dem General Keim vom Flottenverein jene Hottentottenwahlen, die zu der Block- Politik geführt haben, deren klägliches Ende nun auch das Ende ihres Erfinders bedeutet, die aber nicht vorüber- gegangen ist ohne bedeutende Aenderungen in dem Charakter der bürgerlichen Parteien. Der Freisinn hat seine oppositionelle Vergangenheit völlig liquidiert; er hat jeden Widerstand gegen den Militarismus und Marinismus, gegen Kolonial- und Weltpolitik aufgegeben. ES wäre verfehlt zu meinen, daß seine jetzige Oppositions- stellung die Rückkehr zu dem verratenen Programm be- deutet. Im Gegenteil scheint er gerade jetzt auch zu einem allmählichen Preisgeben seines freihändlerischen Stand- Punktes bereit, um sich damit die Wiederkehr als Regierungs- Partei zu erleichtern. Das Zentrum hat die Blockpolitik nicht als Oppositionspartei besiegt, sondern dadurch, daß es den Liberalismus an reaktionären Zugeständnissen noch über- trumpft hat und jede Rücksicht auf seine oppositionellen Elemente aufgegeben hat. So gehen diese beiden alten Oppositions- Parteien aus der Blockpolitik verwandelt hervor. Sie sind beide Regierungsparteien geworden und ihre Kämpfe zu bloßen Kon- kurrenzkämpfen um den größeren Einfluß. Die entscheidenden Wirt- schaftlichen Gegensätze aber sind überbrückt. Wenn Fürst Vülow an der Blockpolitik gescheitert ist, so nicht deshalb, weil die wirtschaftlichen Gegensätze den Block gesprengt haben, sondern weil die preußischen Konservativen ihre Macht be- haupten wollten gegen einen Kanzler, der ihnen zu mächtig geworden war. Fürst Bülow hatte in dem Block eine wie es schien so zuverlässige Majorität, wie kein Kanzler vorher. Das Zentrum im Hintergrunde garantierte jeder- zeit die Willfährigkeit der Liberalen. Die andere Einschränkung seiner Macht, daS persönliche Regiment. aber war schließlich, nachdem Fürst Bülow alle Mittel seiner Diplomatie erschöpft hatte, in den Novembertagcn, durch die Empörung der öffentlichen Meinung zunächst zurück- gedrängt worden, Fürst Bülow schien freie Bahn zu haben, und er wollte seine Macht befestigen, indem er dieselbe Konstellation, die ihn im Reiche so unumschränkt schalten ließ, durch Aenderung des Dreiklassenwahl- rechts zugunsten der Nationalliberalen auf Preußen über- tragen, auf die Stelle, wo schließlich die Geschicke Deutsch- lands sich entscheiden. Das war es, das die Kon- servativen in den Kampf trieb, der nur bei der Reichs- finanzreform entschieden werden konnte. Die Erbschafts- steuer wurde das Kampfobjekt. Gekämpft wurde um die Frage, ob die Diktatur der Bureaukratie. die sich in Bülow verkörperte, oder die der preußischen Junker siegen sollte, und gerade deshalb konnte sie mit keinem Kompromiß enden. Aus dem gleichen Grunde aber ist Fürst Bülow gefallen. Er kämpfte nur für die Sache, ebenso wie seine Gegner. Die Sache des Volkes war beiden feind. Bülows Kampf mit den Junkern war kein Kampf um ein Prinzip, sondern nur ein Kampf um die Herrschaft. Agrarisch ist Fürst Bülow stets gewesen und ebenso Vertreter des Großkapitals. Zugleich aber wollte er die ökonomischen Bedürfnisse dieser Schichten für seine eigenen Zwecke ausnützen und dabei geriet er mit den Herrscher- interessen der' Junker in den Konflikt, den auszukämpfen er nicht imstande war. Da er nur der eigenen Sache diente, konnte er nicht an das Volk appellieren, dessen Interesse die Beseitigung jeder Diktatur verlangt, das der Politik des Kanzlers nicht minder feind ist als der Politik der Junker. Wenn Fürst Bülow selbst erklärt, er hätte nicht auflösen können, weil die Stärkung der Sozialdemokratie das Werk der Steuerbelastung gefährdet hätte, so ist dies eben das Geständnis, daß seine Politik im Gegensatz gestanden hat zu den Interessen der deutschen Arbeiter. An diesem Gegensatz ist Fürst Bülow schließlich zu- gründe gegangen. Die Verhältnisse, die zum Sturze Bülows geführt haben, sind auch bestimmend für die Politik seines Nachfolgers. Der neue Kanzler, Herr v. Bethmann Holl- weg, hat bisher wenig Proben von politischer Selb- ständigkeit gegeben. Während der Finanzreform hat er die wenig angenehme Aufgabe gehabt, den Umfall der Verbündeten Regierungen zu verkünden. In seiner Stellung als der Sozialpolitiker des Reiches hat er in den zwei Jahren seiner Tätigkeit keinen positiven Erfolg aufzuweisen. Die sozialpolitischen Gesetzentwürfe, wie das Arbeitskammergesetz und die Ordnung der Arbeiter- Versicherung, erfüllen dringende Wünsche der Arbeiterklasse nicht und verraten die verhängnisvolle Absicht, die Selbständig- keit und Freiheit, die die unerläßliche Vorbedingung jeder ersprießlichen Betätigung der Arbeiter sind, zugunsten bureau- kratischer Bevormundung einzuschränken. Es zeigt auch nicht von Verständnis für die Notwendigkeiten der gewerkschaftlichen Organisationen, daß der neue Kanzler die christlichen Arbeiter- organisationen gegen die steten Gewerkschaften auszuspielen versucht hat und so die Spaltung der Arbeitergewerkschaften aus politischen Rücksichten zu fördern bemüht war. Auch spricht es nicht für ihn, daß er dem Schluß des Reichstages, der alle Arbeit an den sozialpolitischen Vorlagen vernichtet, keinen Widerspruch entgegengesetzt hat. Vor allem aber findet der neue Kanzler eine Situation vor, die für die Regierung wenig günstig ist. Die Kapitulation vor dem schwarzen Block hat die Reste der Autorität einer deutschen Regierung völlig vernichtet. In den weitesten Kreisen erwachte die Erkenntnis, daß die deutsche Regierung nur ein gefügiges Werkzeug in den Händen der preußischen Junker ist. Man muß bezweifeln, ob Herr v. Bethmann Hollweg der Mann dazu ist, nicht etwa diesen Zustand aus eigener Kraft zu ändern, aber wenigstens den Kampf gegen die Junker- Herrschaft, der von den breiten Volksmassen aufgenommen werden muß, nicht allzu sehr zu hindern. Diese Zweifel müssen umso stärker werden, da Herr von Bethmann Hollweg als preußischer Minister sich als Feind des gleichen Rechts in Preußen bekannt hat und damit in dieser Kardinalstage unserer politischen Zukunft auf die Seite der Junker getreten ist. Herrn Bethmanns Nachfolge übernimmt der bisherige preußische Handelsminister. Herr v. Delbrück hat sich erst in der letzten Zeit bei der Beratung der Berggesetznovelle als ein Mann gezeigt, der auf die Wünsche der Unternehmer weit- gehendste Rücksicht nimmt und mit einer Energie, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, allen sozialdemokratischen Verbesserungsanträgen entgegengetreten ist. Herr von Mermuth übernimmt die unglückselige Erb- schaft des Herrn v o n S y d o w. Er hat als Fachmann in handelspolitischen Dingen einen guten Ruf, den er in Finanz- angelegenheiten erst wird erwerben müssen. Im übrigen ist er ein streng konservativ gesinnter Beamter. Sein Vorgänger im Reichs- schatzamt ist preußischer Handelsminister geworden. Ob damit gesagt sein soll, daß das preußische Handelsministerium für jemand, der als Schatzsekretär völlig versagt hat. eine geeignete Zufluchtsstätte ist, wissen wir nicht. Vielleicht be- deutet diese Ernennung nur den Uebergang zu der endgültigen Kaltstellung. Auch daS preußische Kultusministerium, das solange verwaist war, ist endlich einmal besetzt worden. Herr v. Trott gilt als konservativer, kirchlich orthodoxer Mann. Seine Ernennung wird also an dem Kurs, den Herr Dr. Schwartzkopff bestimmt, nichts ändern. Im ganzen macht das neue Ministerium den Eindruck eines bureaukratischenGeschäftsministeriums. Die wirklichen Entscheidungen werden wie in den letzten Wochen in den Händen des konservativ-klerikalen Bundes liegen. Eine Aenderung kann nicht von oben, sie kann nur von unten kommen, und dies ist um so nötiger. als auch diese Ernennung wieder beweist, wie sehr wir in Deutschland noch von konstitutionellen Verhält- nissen entfernt sind. In den wichtigsten Regierungs- stellen ist ein völliger Wechsel erfolgt, aber der Reichstag ist geschlossen und wird erst nach Monaten zu diesen bedeutsamen politischen Vorgängen Stellung nehmen zu können. Die Ohnmacht der Volksver- tretung kann nicht wirksamer demonstriert werden. Um so dringender ist es aber auch, an die politische Arbeit z u g e h e n, um an die Stelle des Scheinkonstitutionalismus endlich die parlamentarische Regierungsform zu setzen, die allein eines reifen Volkes würdig ist. Külm gegen die Konservativen. Biilow hat es sich nicht verwinden können, vor seiner formalen Verabschiedung seinem Herzen noch einmal gründlich Lust zu machen. Und zwar in einer langen Rede voll stachlichcr Spitzen und voll vibrierenden Grimmes gegen diejenigen, die ihn gestürzt: gegen die Leitung der konservativen Partei. Diese Rede, die eine fulminante Anklage gegen die Konservativen und eine leidenschaftliche Erwide- rung auf die Ausführungen des Herm v. Heydebrand darstellt. wurde leider nicht da gehalten, wohin sie gehörte, nämlich im Reichstag, sondern einem journalistischen Mittelsmann, dem Chefredakteur deS nationalliberalen.Hamb. Korr." in die Feder diktiert. Wir geben die Philippika Bülows im folgenden in den wichtigsten Stellen wieder. Keine Reichstagsauflösung aus Furcht vor der Sozial« dcmokratie. Bülow begann:.Sie werden nicht von mir verlangen, daß ich mich gegen den albernen Vorwurf verteidige, es hätte mir dazu an persönlichem Mut gefehlt. Ich habe lang« genug im politischen Kampfe gestanden, habe so viele Aktionen des letzten Jahrzehnt« im Kampfe durchgesetzt, daß man mich mit solchen An- klagen verschonen sollte. Wenn ich eS nicht für richtig gehalten habe, dem Kaiser die Auflösung vorzuschlagen, so haben mich sachliche Gründe bestimmt. Ich mutzte anderen Erwägungen folgen alt der Parteimann. Ich mutzte auch die Zukunft im Auge behalten. Ich konnte mich nicht für einen Wahlkampf begeistern, der nach recht« hätte geführt werden müssen und zum notwendigen Ergebnis eine gar nicht abzuschätzende Verstärkung de« Radikalismus und speziell der Sozialdemokratie gehabt hätte. Die Auflösung hätte zudem eine Verschiebung der Reichsfinanzreform zur Folge gehabt, und niemand weitz mehr wie ich, wie sehr die Einzel- staaten die endliche Erledigung der Sache herbeisehnten, wie autzer- ordentlich sie unter einer weiteren Verzögerung zu leiden gehabt hätten. Und dann: hätte denn ein im Kampfe gegen rechts zu- sammengebrachter Reichstag eine Mehrheit für eine im Sinne der Reichsregierung brauchbare Reform zur Verfügung gestellt? Vom Standpunktekder Befürworter der Auflösung wäre günstigstenfalls eine liberal-sozialdemokratische Mehrheit zu erwarten Sewesen. Sie werden mir zugeben, datz wir von einer solchen Mehrheit 400 Millionen indirekter Steuern nicht hätten erhalten können. Nach Lage der Dinge konnte in diesem Augenblick die Auflösung für die Verbündeten Regierungen nicht in Frage kommen.� Das Opfer des ZentrumshasseS. »Datz daS Zentrum", fuhr der Fürst fort,.die Erbschafts steuer zu Fall gebracht hat, das hat mich nicht gewundert. Dai Zentrum hat sich über die unbestreitbaren Vorzüge dieser Steuer über die Tatsache, datz viele seiner namhaftesten Vertrete ebenso wie leitende Zenirumsblättcr seit Jahren für dies Steuer eingetreten sind, über die Tatsache, datz fsie sozial polinsch und steuertechnisch dem Zentrumsprogramm entspricht— über alles das hat sich das Zentrum in dem Augenblick mit de. ihm eigenen taktischen Elastizität hinweggesetzt, toi es hoffen konnte, die Konservativen zu sich herüberzuziehen un! mir damit ein Bein zu stellen. Ich nehme das den Zentrum auch gar nicht übel. Ich nehme das dem Zentrum st wenig übel, wie ich die gleiche Haltung den Polen übelnehme, dit auch, obwohl an und für sich Freunde der Erbschafissteuer. au- Hätz gegen mich gegen die Erweiterung der Erbschaftssteuei gestimmt haben. A la guerre cornrna ä la guerre. Von d e> Seite hatte ich es nicht anders erwartet." Tie Konservativen als Zentrumshandlanger. .Die Haltung der Konservativen", erklärte der Fürst mit sehr ernstem Gesicht weiter,„ist mir weniger ver- st ä n d l i ch gewesen, und es wird auch nicht gelingen, sie dem Landt verständlich zu machen. Der Eindruck wird unverwischbar haften. datz die Konservativen dem zur ausschlaggebenden Stellung zurück- gelangten Zentrum Handlangerdienste geleistet haben Wenn die Konservativen jetzt erklären lasten, sie hätten die grund- sätzliche Ausschaltung des Zentrums für einen politischen Fehlet gehalten, so kann damit nur die Blockpolitik gemeint sein. Denn den politischen Fehler der grundsätzlichen Aus- schaltung deS Zentrums habe ich nie begangen. Wenn aber die Konservative» die Blockpolitik für einen Fehler gehalten haben, so verstehe ich nicht, warum sie zweieinhalb Jahre hindurch diese Politik mitgemacht und durch Stellung des ersten Präsidenten im Reichstag sanktioniert haben. Ich vermag hier politische Logil und Konsequenz nicht zu entdecken... Die Ausdehnung der Erb schaftssteuer, deren Prinzip sie ja schon anerkannt hatten, das\] nicht eine Frage, die konservative Grundsätze berührt, von der Sei, oder Nichtsein' der konservativen Partei abhängt. Diese Frage is künstlich aufgebauscht worden. Und wenn man jetzt nachträgliö daS Prinzip des RcichstagZwahlrechts in diese Debatte wirft, in einem Moment, wo man den Massen kons um erheblich belastet, so fürchte ich, hat mann» Wasser auf die sozialdemokratischen Agitations- mühlen geleitet. Das Land wird auch mehr und mehr erkennen datz, wenn die Haltung der Konservativen eine andere gewesen wäre die Finanzreform in einer nicht nur quantitativ, sondern auä qualitativ befriedigenden Weise ohne Sprengung des Blocks, ohw Wechsel in der Regierung, ohne Preisgabe der Errungenschaften un! Hoffnungen des Wahlkampfes vom Januar 1307, des schönen Lust schwungs von damals, sehr wohl zustande kommen konnte. Der Ueberwinder der Sozialdemokratie! Nach weiteren Klagen über die treulose Taktik der Agrarier un! die gegen ihn in Szene gesetzte.Altion", die ihn zum Rücktrit zwang, fährt Bülow fort: „Ob sie richtig und für das Land ersprietzlich war, wird sich aucl bei den nächsten Wahlen zeigen. Ich kann doch wohl füi mich in Anspruch nehmen, datz ich die Sozialdemokratie nicht nur in ihrenFührern rednerisch überwunden sondern ihr eine schwere, praktisch und politisch be- deutungsvolle Wahlniederlage beigebracht habe Indem die Fraktion von 80 aus 40 Sitze heruntergedrückt wurde ist der Beweis geliefert worden, datz die Sozialdemokratie auä ohne Ausnahmegesetze und Polizeimatzregel: bekämpft und besiegt werden kann. Wir werden sehen, ol dies bei den nächsten Wahlen wieder gelingt. Du Sozialdemokratie befindet sich jetzt in rückläufiger Bewegung. Wn werden sehen, ob die lozialdcmokratische Flut weiter zurück gehen wird.... Wenn dies gelingt, so wird sich niemand mehi darüber freuen als ich. Denn ich werde darin die Bestätigung erhalten, datz ich mit meiner Politik auf dem richtigen Wege war datz sie sich durchsetzt trotz der Fehler der Konser- v a t i v e n. Wenn nicht, so wird man darin daS schlimme Ergebnis der Haltung der Konservativen zu sehen haben, du dann als frivoles Spiel mit den Jntercffen der Monarchie «nd deS Landes erkannt werden würde. Bei Philtppi sehen wir unk wieder." Die Konservativen wollte« Bülow stürze«! .Es können Situationen entstehen, wo ein Minister, der Heber- zeugungen hat und es ernst mit seinen Ueberzeugungen nimmt, nicht im Amte bleiben kann. Datz eine solche Situation für mich em< stehen könnte, darauf habe ich die Konservativen recht- zeitig hingewiesen, im Reichstage und unter vier Augen, offen und ehrlich, in einer Weise, die jeden Zweifel aus- schloß. Solche Zweifel haben auch bei der konservativen Partei- leitung gar nicht bestanden. Sie war sich über den Charakter meiner Warnungen durchaus im klaren. Sie wußte, datz ihre Taktik mich zum Rücktritt zwingen mutzte. Indem sie meinen Warnungen keine Rechnung trug, hat sie mit Bewußtsein eine Lage herbeigeführt, in der ich nichi bleiben konnte... Es ist endlich irrig und unrichtig, und es ist irreführend, die Sache so darzustellen, als hätte ich meine Entlastung lediglich aus dem Grunde genommen, weil die Erweiterung der Erb- »schaftssteuer nicht durchgegangen ist. Gewitz, das würde allen Tra- ditionen widersprechen, wenn ein Minister ginge, weil eine von ihm vorgeschlagene Gesetzesvorlage vom Parlament abgelehnt wird. Das ist aber gar nicht der Grund meiner Entschlietzung. Ich habe mich zum Rücktritt entschlossen, weil durch die Haltung der konservative» Partei eine politische Konstellation herbeigeführt worden ist, welche unter Trennung von den liberalen Parteien und sogar von den Waffenbrüdern des alten BiSmarckschen Kartells d i e Konservativen zum engsten Bunde mit dem Zentrum und mit den Polen geführt und dadurch das Zentrum wieder zur ausschlaggebenden Partei gemacht hat. Die Folgen dieser Haltung der Konservativen und die hierdurch herbeigeführte Kon- stellation haben mein Verbleiben im Amte unmöglich gemacht." Tie schwarze Gefahr. „Jedermann weitz, wie fern mir auf konfessionellem Gebiete Un- gerechtigkeit, Vorurteil und Voreingenommenheit liegen. Wir waren von der Möglichkeit eincS Kulturkampfes nie weiier eulfernt, als während meiner Amtszeit. Aber datz eine Partei, die auf kon- sessioneller Basis steht, durch koufessiouelle GesichlSpunkte zusammen- gehalten wird und die dabei die konfessionelle Minderheit verlritt. datz diese Partei den ausschlaggebenden Einfluß ausübt im Deutschen Reichstag und diesen Einfluß so mißbrauchen kann, wie das am 13. Dezember 1306 der Fall war, daS halte ich aller- dings für einen f ck> m e r e n Schaden. Ich glaube, das ist kein Glück für die religiösen Jutercsseu der katholischen Kirche in Deutsch- land. und ich glaube, datz es ein Unglück ist für die politischen Interessen des ganzen Landes. Auch darin wird mir die Zukunft recht geben. Wenn gesagt worden ist, die konservative Partei hätte gar nicht das Zentrum zur ausschlaggebenden Partei gemacht, sondern ihm nur einen Platz in Reih und Glied einräumen wolle», so ist das eine Fiktion, die niemand täuschen kann. Von dem Augenblick an, Ivo die konservative Partei die Brücken zu den Liberalen mit solcher Schroffheit abbrach, ist das Zentrum mit seinen 10S Mitgliedern und seinem polnisch- elsässischen Anhang von weiteren 30 Abgeordneten gegenüber 60 Konservativen wieder in die ausschlaggebende Stellunjg eingerückt." Der Triumph der Polen. .Sie wissen weiter, datz ich der Vertreter und Träger einer festen, entschlostenen und vor allem einer stetigen Ostmartenvolittl «ar, weil ich glaube, daß Schwankungen und Schwäche auf diesem Nebiete die preußische und die deutsche Macht, die Lebensinteressen «er preußischen Monarchie und des Deutschen Reiches an ihrer Wurzel berühren. Das Zusammengehen der Konservativen mit den Polen muß auch die Deutschen imOsten aemoralisieren. Namentlich jetzt, wo sich das Zentrum inniger als je zuvor mit den Polen verbrüdert hat. Wäre die Sache nicht so ernst und so traurig, so würden die krampfhasten Bemühungen, das Verhalten der Polen als etwas ganz Harmloses und die Abstimmung der Polen gegen die Erbschaftssteuer als nur oon sachlichen Momenten eingegeben hinzustellen, uneingeschränkte Heiterkeit erregen. Ob es wohl irgend einen Menschen auf der Welt gibt, der wirklich anuinnnt, daß die Polen mit den Konservativen gegangen sind und gegen die Erweiterung der Erbschaftssteuer gestimmt haben, weil sie glaubten, aus diese Weise dem Deutschen Reich und dem preußischen Staat einen Dienst zu erweisen? ßisum teneatis amici! Die Polen haben gegen die Erbschaftssteuer votiert,, lediglich und aus schließ- lich weil sie wußten, daß sie damit den Reichs- kanzler zu Fall bringen würden.... Was mich angeht, so koiinte und wollte ich jedenfalls nicht von der Gnade der polnischen Fraktion abhängen. Ich konnte eine Ent- Wickelung nicht mitmachen, bei der die polnische Fraktion eine solche Rolle spielt, wie jetzt bei der gegenwärtigen parlamentarischen Mehrheit... *•* Soweit Bülows Anklage gegen die Konservativen und � sich selbst. Denn wenn Bülow von dem Siege des Schnapsblocks so fürchterliche Gefahren für die Reichspolitik befürchtet— warum hat er denn nicht einfach den Kampf gegen die blau-schwarze Koalition aufgenommen? Bülow sieht sich um die Erfolge seiner ganzen weisen Politik betrogen, er malt die Schrecken einer staats- auflösenden Alleinherrschaft des Zentrums an die Wand, er sieht die Säulen der glorreicheu Ostmarkenpolitik wanken, er sieht überall das drohende Gespenst des inneren Feindes wieder aufleben: die rote Gefahr, die polnische Kaninchenwirtschaft, den Welfenschreck— und er, der Tapfere, der Weitsichtige, der Testamentsvollstrecker des .großen Kanzlers" zieht sich„tapfer" aus der Schlacht- linie zurückl Und er hätte es doch so leicht gehabt, die Gefahr abzuwenden. Er hätte nur den Reichstag aufzulösen brauchen, um Konservative und Zentrum aufs Haupt zu schlagen. Ein Appell an die Wähler hätte genügt, um die Mehrheit des Schnapsblocks zu zertrümmern! Warum aber griff Bülow nicht zu diesem ebenso nahe-. liegenden wie sicheren Mittel? Weil er nicht den Kampf gegen die Rechte aufnehmen wollte. Weil er die preußische Junkerherrschast nicht erschüttern wollte! Weil er, trotz aller liberalisierenden Höflichkeitsphrasen selbst Fleisch vom Fleisch der Junker, den Staat für eine Organisation des Junkertums hielt und das Staatswohl zu gefährden wähnte, wenn er den Junkern wehe tat! Weil ihm die Paarung des Liberalismus mit dem Junkertum nur ein Mittel war, den Liberalismus zu entnerven und mit den Junkern zu einer kapitalistischen Schutztruppe gegen das ar- beitende Volk zusammenzuschweißen. Und als die Junker in ihrer brutalen Grobheit jeder auch nur formalen Rücksichtnahme auf die liberalen Blockheloten überdrüssig wurden und sich wieder dem art- und gesinnungsverwandten Zentrum in die Arme warfen, gab der geniale Staatsmann lieber seine grandiose Paarungspolitik und sogar seinen vielgeliebten Kanzlerposten dran, als daß er den ihm so brüsk hingeworfenen Fehdehandschuh aufgenommen hätte. Und dann wundert fich dieser geniale Staatsmann noch über die brutale Rücksichtslosigkeit der Junkersippe I Wie sollten die Ostelbier auch nur den geringsten Respekt vor einem Reichskanzler hab.n, der keinen stärkeren Trumpf auszuspielen hat, als daß er nicht mehr mitspiele, wenn man allzu unsanft mit ihm umspringe. Dessen durchschlagendstes Argument das ist, daß die Junker einen agrarischeren Kanzler unmöglich wieder- kriegen könnten I Als ob die Junker nicht wüßten— und durch den Sturz Bülows von neuem bewiesen hätten!— daß kein Kanzler gegen sie und ihre agrarischen Interessen regieren kann, heiße er Bülow, Bethmann Hollweg oder wie sonst immer. Und um den junkerlichen Hochmut vollends zu stärken, erklärt jetzt Bülow. daß er als seiner Verantwortung bewußter Staatsmann nimmermehr den Reichstag habe auflösen können, weil die Neuwahl eine sozialdemokratische Hochflut erzeugt haben würde. Das heißt mit anderen Worten: Ihr Junker könnt machen, was Ihr wollt, kpnnt mit der Regierung Schindluder treiben, wie es Euch be- liebt, ohne befürchten zu müssen, zur Rechenschaft gezogen zu werden, denn das Votum des Volkes ist der Regierung noch zehnmal unerträglicher, als Eure anmaßlichste Frechheit. Und da soll Bülows Nachfolger noch etwas gegen die Junker ausrichten können! Die Heidenangst Bülows vor der Sozialdemokratie kontrastiert übrigens gar possierlich mit BülowS duftenden Ruhmredigkeiten seiner „rednerischen" Vernichtung der Sozialdemokratie. Es hieße einen Bebel wirklich beleidigen, auch nur eine Parallele zwischen ihm und dem seichten Schönredner Bülow ziehen zu wollen, dem man noch viel zu viel Ehre antat, wenn man ihn einen Feuilletonisten nannte. Dort eine elementare Redegewalt, die historischer Einsicht, sozialer Leidenschaft entströmte, bei Bülow ein prätentiöses Prunken mit allerhand diplomatischen Anekdötchen, Lcsefrüchtchen, Zitätchen. Aber es ist wieder kennzeichnend für die politische Genialität des ver- brauchten Handlangers der Agrarier, daß er sich in demselben Atem- znge seiner rednerischen Siege über die Sozialdemokratie und der glorreichen Strategie der Hottentottenwahlen rühmt, in dem er bekennt, daß er nur deshalb den Kamps gegen die frivole Politik des AgrariertumS nicht habe aufnehmen können, weil er ein ungeheures Wachstum der„vernichteten" Sozialdemokratie habe befürchten müssen l Dies Wachstum der Sozialdemokratie befürchtet Bülow übrigens auf alle Fälle, und zwar gerade als Erfolg der Politik des Schnaps- blocks. Nun, dann hätte es Bülow schon auf die Reichstagsauflösung ankommen lassen sollen. Denn wenn die Sozialdemokratie bei den Neuwahlen auch große Erfolge gehabt hätte, so wäre ja Bülow— nach seiner eigenen Versicherung— doch der Mann gewesen, die Sozialdemokratie von neuem„rednerisch" zu vernichten. Daß Bülow sich so kräftig Luft gegen die undankbaren Kon- servativen gemacht hat, ist ja menschlich begreiflich. Aber eine staats- männische Tat ist es nicht. Die Junker werden ihm mit höhnischem Achselzucken die Schimpffreiheit des Geprügelten einräumen und das Zentrum gar wird mit boshaftem Behagen aus dieser ohnmächtigen Kundgebung feststellen, wie verärgert der Gestürzte ist und wie nahe ihm sein Sturz ging. Immerhin ist sich Fürst Bülow treu geblieben. Wie er mit dem Flittergold seiner Reden die Abgründe der unsäglichen inneren und namentlich auch äußeren Politik überspann, wie er mit seinen Reden die Sozialdemokratie„übenvand", so räumt er jetzt seinen junkerlich- pfäfsischen Widersachern tatlos, aber redend das Feld. Kein Held des Geistes oder des Schwertes, aber ein Held deS Wortes! poUtifcbe OeberHcbt Berlin, den 14. Juli 1909, Der Abschied mit Brillante». � An der Spitze des„Deutschen Reichsanzei- gers" von Mittwochabend ist zu lesen; Mein lieber Fürst! Aus Ihrem erneuten Gesuche habe Ich zu Meinem schmerz- lichsten Bedauern ersehen, daß Sie entschlossen sind, von Ihren verantwortungsvollen Aemtern als Reichskanzler, Präsident deS Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegen- heiten zurückzutreten. So schwer es Mir fällt, auf Ihre be- währte Kraft bei der Leitung der Reichs- und Staatsgeschäfte zu verzichten und das Band vertrauensvollen Zusammen- Wirkens, das Mich so viele Jahre mit Ihnen verbunden hat, zu lösen, habe Ich doch in Würdigung der gewichtigen Gründe Ihres Entschlusses geglaubt, Ihrem dringenden Wunsche Mich nicht länger verschließen zu dürfen. Ich habe daher Ihrem An- trage entsprochen und Ihnen die erbetene Entlassung gewährt. Es ist Mir aber ein Bedürfnis des Herzens, Ihnen bei dieser Gelegenheit für die Hingebung und Aufopferung, mit denen Sie in den verschiedensten Aemtern und Stellungen Ihrer ehren- vollen und segensreichen Dienstlaufbahn Meinen Vorfahren, Mir und dem Vaterlande so hervorragende Dienste geleistet haben, Meinen wärmsten Dank auszusprechen. Gott der Herr schenke Ihnen nach einem so taten- und arbeitsreichen Leben noch viele Jahre ungetrübten Glückes. Indem Ich Ihnen als äußeres Zeichen Meiner Dankbarkeit, Anerkennung und Zuneigung den hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten verleihe und die Jnsignien desselben hierneben zugehen lasse, verbleibe Ich Ihr Ihnen stets wohlgeneigter, dankbarer Kaiser und König. Berlin im Schloß, den 14. Juli 1909. Wilhelm, l. R. Der Kaiser hat dem Scheidenden die bittere Pille so süß eingezuckert� daß Bülow sich diesen Abschiedsbrief vielleicht gar in güldenem Rahmen übers Bettlein hängt. Die Reisespesen des neuen Kultusministers. Das„Berliner Tagebl." berichtet, daß Herr Trott zu Solz häufig an den Verhandlungen des ProvinzialschulkollegiumS teil- genommen habe, wodurch sich öfter ein längerer Aufenthalt in Berlin notwendig machte: feine hierdurch verursachten Reisespesen in Höhe von 5000 M. jährlich führten in diesem Winter zu einer lebhaften Aussprache in der Budgetkommission des Abgeordneten- Hauses.... Wird der Herr zu Solz entgegen dem alten Trott im preußischen „Kultus" auch für die Voltsschule hinfort recht hohe Spesen fordern? Oder wird er— wie seine Vorgänger— der Mann der Ostelbier sein, die sich ja eines guten Verständnisses für hohe Liebesgaben erfreuen?— Der Radbodprozest gegen die„Bergarbeiterzeitung". Vor der Strafkainmer des Bochumer Landgerichts fand am Mittwoch der Prozeß gegen den verantwortlichen Rcdak- teur der„Bergarbeiterzeitung", Genossen Wagner, statt. Die Beleidigung des Zcchendirektors Andr6, der als Neben- klüger zugelassen wurde, soll in der Wiedergabe eines Dialogs enthalten sein. Danach soll der Berginspektor Holländer am Unglückstage zu Andrs in der Grube gesagt haben:„Hier sind noch Lebende, was ist zu tun?", worauf Andrs erwidert habe:„Was lebt, das lebt, wir müssen hinaus!"— Um aus dieser einfachen Wiedergabe des Dialogs die Absicht der Beleidigung konstruieren zu können, hatte die An- klageschrift auf den Inhalt des ganzen Artikels Bezug ge- nommen, in dem auch von der Schuldfrage die Rede war. Im Hinblick auf die von der Verteidigung für den ganzen In- halt des Artikels gestellten Zeugen erklärte der Erste Staats- anwalt, daß es nur auf den Dialog ankomme! Da der hier- für geladene Hauptzeuge Krotischka nicht zur Stelle war— er ist zurzeit im Waldenburger Revier beschäftigt— tauchte die Vertagungsfrage auf. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heine-Berlin, setzte aber durch, daß dennoch verhandelt wurde. wurde. Der Angeklagte erklärte, er wundere sich, daß er gerade wegen dieser verhältnismäßig nebensächlichen Sache angeklagt worden sei, während die„Bergarbeiterzeitung" doch ebenso vor wie nach jenem Artikel die bestimmten Anklagen über die Schuldfrage an dem Unglück gegen die Verwaltung erhoben habe, ohne daß bisher ein Verfahren eingeleitet worden sei!— Der Zeuge R ü h n aus Gottesberg i. Schl. sagt aus: Er habe an jenem Morgen während der Rettungs- arbeiten das in Rede stehende Zwiegespräch gehört: Der- eine der Herren sagte, es seien noch Lebende da. Das stimmte — sagt Rühn, und er fährt fort: Ich fragte Krotischka. ob er die Aeußerung gehört habe. Er sagte: Ja und bemerkte, der andere Herr habe erwidert: Was lebt, das lebt, wir müssen hiuanb!— Rühn sagt weiter: Meiner Ansicht nach hätte man die Leute noch holen können; aber wir wurden aus dem Süden zurückgetrieben und sind dann mit ausgefahren. Angeklagter Wagner stellt durch Befragen des Zeugen Rühn fest, daß der Wetterstrom über den Bruch hinwegging, und daß somit der Bruch ohne Gefahr hätte weggeräumt werden können.— Der vom Nebenkläger geladene Zeuge Hirschfeld sagt aus, er habe gehört, wie einer der Herren ge- sagt habe: Wenn auch noch Lebende da sind, wir können nichts machen, wir müssen hinaus!— Der Zeuge Peter Thomas hat am Füllort des Schachtes II Geräusch gehört, das von Lebenden her» r ü h r t e; der Generaldirektor Jansen habe aber erklärt, jeder vernünftige Mensch könne sehen, daß nichts mehr zu machen ist; sonst ist die ganze Zeche verloren; wir müssen hinaus! Nach dieser Vernehmung wurde die Verhandlung vertagt bis zur Erledigung des Strafprozesses, der gegen den Be- triebsführer der Zeche an der Strafkammer des Landgerichts zu Münster anhängig gemacht ist. Der Militarismus im wirtschaftlichen Kampfe. In Liegnitz streiken die Musiker von fünf der größten Etablissements. Den Wirten gelang eS, Militärmusiker als Arbeitswillige zu erlangen. Auf eine telegraphische Beschwerde des Vorsitzenden des Musikerverbandes beim Kriegsminister be- traute dieser das Generalkommando in Posen mit der Prüfung der Beschwerde. Jetzt, nach 14 Tagen, ist von dort ein Bescheid ergangen, und zwar billigt der Kommandeur deS ö. Armeekorps. Graf Kirchbach, den Streikbruch, weil die Streikenden keine eigentlichen Zivilberufsmusiker, sondern zumeist Handwerker seien, die das Musikergewerbe nur als Nebenbeschäftigung ausübten und nach Mitteilungen deS Liegnitzer Magistrats keine Gewerbe- steuer als Musiker zahlten. Daraus wäre zunächst zu folgern, daß die Militärmusiker genau so schlecht bezahlt sind als die Handwerker, und ferner, daß sie nun als Sonntags-Zivilmusiker auch Gewerbesteuer zahlen. Gegen diesen Bescheid ist natürlich ebenfalls wieder Be- fchwerde beim Kriegsminister erhoben worden. Gegen die Sonderbesteuerung der Konsumvereine. Der Verband der Konsumvereine von Bayern, Württemberg, Baden und den angrenzenden Bundesstaaten, der soeben in München keine Hauptversammlung abhielt, hat eine Resolution mir Steuer- sonderbestimmung oer«oniumvereine angenommen, in der erklärt wird, daß die Besteuerung der Konsumvereine in Preußen usw. den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit keine Rechnung trage. Gegen eine solche Steuerpolitik müsse man umso bestimmter Wider- spruch erheben, als die den Konsumvereinen auferlegte Steuer die Minderbegüterten des deutschen Volkes treffe. Entschiedene Ver- Währung legt der Verbandstag gegen eine steuerliche Gleichstellung der Konsulnvereine mit den Warenhäusern ein. Landbündler-König. Der Borsitzende des Bundes der Landwirte, Frhr. v. Wangen- heim, will nach einer Zeitungsmeldimg von seinem Amte zurück- treten. An seine Stelle soll der Rittergutsbesitzer A u S dem Winkel treten, der bisher in Schlesien als Führer deS Bundes der Landwirt« besonders tätig war.— 8ngland. Parlamentarische Nachwahl. London, 11. Juli.(Eig. Ber.) Eine interessante parlamenta- rische Nachwahl, die bereits zahlreiche Kommentare hervorruft und wahrscheinlich auch in der sozialistischen Presse Deutschlands zur Sprache kommen wird, findet am 15. d. M. in Mid-Derby- s h i r e statt. Das Mandat war bis vor zwei Wochen in liberalen Händen. Der liberale Vertreter deS Wahlkreises, Sir Alfred Jacoby, starb, und an dessen Stelle trat ein Beamter de? Ver- bandes der britischen Bergleute, I. G. Hancock, als Kandidat auf, während die Konservativen(Unionisten) und Darifreformcr (Schutzzöllner) S. Creßwell aufstellten. Für das Uebergangsstadium, in dem die britische Arbeiter- bewegung sich befindet, ist es bezeichnend, daß Hancock sowohl von den Liberalen wie von der Arbeiterpartei in Anspruch ge- nommen wird, aber doch gezwungen ist, die Statuten der Arbeiter- Partei zu unterschreiben und sich zu verpflichten, in die Arbeiter- fraktion einzutreten und zur Opposition zu gehören. Es wird an Sttmmen nicht fehlen, die behaupten werden, daß ein Kompromiß zwischen Liberalen und Arbeiterpartei zustande gekommen sei. Allein es liegt kein Grund vor, sich diese Ver- mutung zu eigen zu machen. Im Wahlkreise Mid-Derbyshire sind die Bergleute stark vertreten. Der frühere liberale Kandidat verdankte das Mandat den Bergleuten, die stets als liberal galten. Im vorigen Jahre schloffen sich aber die Bergleute der Arbeiter- Partei an und sind verpflichtet, die Arbeiterfraktion zu unter- stützen. Diese Verpflichtung ist aber nicht rückwirkend: die im Jahre 1996 gewählten Bergarbeiterabgeordneten bleiben noch bis zu Ende der Legislaturperiode in der liberalen Fraktion, dagegen müssen die neugewählten zur Arbeiterfraktion gehören. Hier haben wir vor uns einen Uebergang eines großen Teiles der liberalen Partei zur Arbeiterpartei, aber der Uebergang voll- zieht sich so sprunglos, daß das Alte und Neue sich berühren. Die„Times" bemerken hierzu:„Auf eine ähnliche Weise voll- zog sich der Uebergang der Whigs zu den Liberalen. Jetzt geht ein Teil der Liberalen in der Arbeiterpartei unter. Die Folge wird sein, daß der andere Teil der Liberalen zu den Konser- vativen übergehen wird." Die Lage in Mid-Derbyshire ist jetzt die, daß liberale Ar- beiter- und sozialistische Parlamentarier zusammen für Hancock agitieren. Es ist selbstverständlich, daß es in der Arbeiterpartei Mitglieder gibt, denen dieser Uebergangsprozeß als ein„Liberal» Labour"°Mschntasch erscheint. Und ich gebe zu, daß die Lage nicht ohne Bedenken ist, aber eine Beschleunigung dieses Uebergangs- Prozesses und eine Klarstellung der Grenzen könnten herbeigeführt werden, wenn alle britischen Sozialisten sich der Arbeiterpartei anschließen und sozialistische Erziehungsarbeit leisten würden, qn- statt draußen zu bleiben und auf ihre Prinzipienreinheit zu pochen.— Im Jahre 1906 war dort das Wahlresultat: Für Jacoby (liberal) 7965 Stimmen und für Creßwell(kons.) 3475 Stimmen. Wir werden wahrscheinlich sehen, daß ein großer Teil der Libe» ralen— die bürgerlichen Elemente— für den Konserdativ:» stimmen werden. Die allgemeine Wehrpflicht. London, 13. Juli. Oberhaus. Der Antrag Lord Robert» auf Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der Territorialarmee wurde mit 123 gegen 193 Stimmen a b g e- lehnt, während der Abänderungsantrag Lord Northumber» l a n d s, der die Notwendigkeit einer starken Territorialarmee im allgemeinen anerkennt, angenommen wurde. Cürfcei. Die kretische Frage. Petersburg, 13. Juli. Aus Anlaß der für den 27. Juli ge- planten Räumung Kretas von den Truppen der Schutzmächte ließen diese der Pforte heute eine Note überreichen, in der u. a. gesagt wird, daß die Schutzmächte den gegenwärtigen Zustand auf Kreta nicht als eine endgültige Lösung der Frage betrachten. Gleichzeitig erklären die Negierungen der Mächte, daß sie sich das Recht vorbehalten, zu einem geeigneten Zeitpunkt mit der Türkei über das fernere Schicksal der Insel zu verhandeln. In einer Proklamation an die Behörden Kretas wird darauf hingewiesen, daß der Beschluß der Mächte, ihre Truppen aus Kreta abzuberufen, auf der Ueberzeugung beruhe, daß die kretensi- scheu BeHorden imstande seien, die Ordnung auf der Insel auf. rechtzuerhalten und die Garantie für die Sicherheit der mohammedanischen Bevölkerung zu übernehmen. Mit der Zu. sicherung, daß sie sich auch in Zukunft wohlwollend mit der Kreta- frage beschäftigen werden, erklären die Regierungen der Schutz. mächte schließlich, daß sie sich daS Recht vorbehalten, im Falle von Verletzungen der Ruhe und Ordnung Maßnahmen zu ergreifen, die für notwendig erachtet werden würden. Konstantinoprl, IL. Juli. Die heute überreichte Note hat in amtlichen Kreisen unverkennbare Enttäuschung hervorgerufen. Der Minister deS Acußern erklärte, die Regierung werde mit den Schutzmächten weiterverhandeln. Der Großwestr hatte mit dem Kriegs- und dem Marineminister Besprechungen wegen Kreta. perlien. Die Nevolutioniire in Teheran. Teheran, 14. Juli. Im Laufe des seit gestern und während der ganzen Nacht ununterbrochen dauernden Kampfes der Nationali st en gegen die Stellungen der K o s a k e n ge- lang es ihnen, einen dicht beim Hause des Obersten L i a ck o ff gelegenen Garten zu besetzen, wo sie jetzt dem besonderen Infanterie- und Artilleriefeuer der Kosaken ausgesetzt sind. S i p a h d a r und S a r d a r Assad haben an den eng- l i s ch e n und den russischen Geschäftsträger in Gulhak folgende Botschaft gerichtet: Trotz der Tatsache, daß die russische Flagge über dem Hause des Obersten L t a ch o w weht, sehen sich die Nattonalisten gezwungen, auf das Haus zu feuern, da Kosaken unter dem Dach des HauseS Ausstellung genommen haben.-— Die Truppen des Schahs versuchen, wie berichtet wird, von Norden her in Teheran einzudringen. GewerkfcbaftUcbeQ. Berlin und Umgegend* Die private Konkurrenz von Gtaatsangestellte« macht sich für die betroffenen Berufe nie empfindlicher bemerk- bar, als zur Zeit der Krise. Wie bekannt, haben darunter namentlich die Musiker, vielfach die Gastwirtsangestellten zu leiden, denen beiden kleine Beamte und Staatsarbeiter Ab- bruch tun, weil sie mit ihrem kümmerlichen Einkommen keine Familie ernähren können. Aber auch die Transportarbeiter haben, bei Umzügen beispielsweise, öfters die Konkurrenz von Soldaten, Feuerwehrleuten usw. zu beklagen. Neuerdings scheinen kapitalistische Firmen den Staats- angestellten neue Gebiete für die Konkurrenz mit der freien Arbeit erschließen zu wollen. Als solche Firma wird uns das Warenhaus A. W e r t h e i m in der Leipziger Straße ge- nannt. Schon von Ostern bis Pfingsten wurden in diesem Warenhause 25 Angestellte der Reichsdruckerei beschäf- tigt, die nach Beendigung ihrer Arbeit in diesem Institut von 5 Uhr bis zum Geschäftsschluß im Warenhaus als Packer tätig waren. Die Firma W e r t h e i m zahlt diesen Leuten für jede Minute einen Pfennig. Früher wurden die Ueber- stunden der Packer und Hausdiener die Stunde mit 60 Pf. bezahlt, auch jede angefangene halbe Stunde wurde für voll gerechnet. Dieses gilt auch wohl noch heute für die Fest- angestellten. Wenn nun die Firma den Leuten aus der Reichs- druckerei jede Minute bezahlt, d. h. nur jede Minute die sie gearbeitet haben, so ersieht man daraus, daß es ihr nur darauf ankommt, so sparsam wie möglich zu wirtschaften. Ob das aber die rechte Methode ist, scheint uns doch zweifelhaft. Früher bezog die Firma W e r t h e i m ihre Hausdiener und Packer durch den Arbeitsnachweis des Transportarbeiterver- bandes; jetzt werden die Leute in der Hauptsache auf Emp- fehlung durch Offiziere, Schutzleute und andere einflußreiche Herrschaften hin eingestellt. Diese aus allen Richtungen der Windrose zusammengelesenen Leute können natürlich die Arbeit der geübten Packer nicht leisten, und so muß man sparen, mehr sparen, indem man die aushilfsweise Tätigkeit der Reichsdruckereiangestellten zu einer dauernden Institution macht. Auch zur jetzigen Zeit werden immer noch 15 Mann derselben beschäftigt. Leider haben die Hausdiener und Packer der Firma W e r t h e i m an dieser Entwicklung der Dinge selbst mit Schuld durch ihre Gleichgültigkeit der Organisation gegenüber. Nur indem sich die Handelshilfsarbeiter ohne Ausnahme ihrer Organisation, dem Deutschen Transportarbeiterverband, an- schließen, ist es möglich, in allen Warenhäusern bessere Zu- stände zu schaffen, die es den Handelshilfsarbeitern ermög- lichen, ein menschenwürdiges Dasein zu fristen. Achtung, Schlosser! Die Vertrauensmännerkonferenz der Schlosser findet heute nicht statt. Die Einladung zu der nächsten Konferenz erfolgt schriftlich. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Der„Gelben" Klage! lieber die Hetzjagd bei der Großen Berliner Straßenbahn wurde in der letzten Versammlung der Freien Vereinigung der Ausschußmitglieder des Angestelltenvereins lebhafte Klage geführt. Bei den gegenwärtig verkürzten Fahrzeiten auf den meisten Linien sei auch die Haltezeit zum Teil erheblich verkürzt, die Angestellten könnten jedoch mit solch kurzen Haltezeiten ganz unmöglich aus- kommen. Es gebe Linien mit 60 und 70 Minuten Fahrzeiten, bei denen jedoch nur 8— 10 Minuten Haltezeit vorgesehen ist. In den Ver- kehrszeiten kämen die Wagen fast immer mit Verspätungen auf den Endstationen an. Rechne man nun das Rangieren, das mit Anhänger 4 bis 5 Minuten in Anspruch nehme, so müsse viel- fach schon mit Verspätung abgefahren werden, und so gehe es meist den ganzen Tag. Es sei eine wahre Kalamität. Wo und wann sollten sie bei solchen Verhältnissen ihre Mahlzesiren einnehmen, wann sollten sie einmal ein unbedingt erforderliches Bedürfnis verrichten? Dieses könne immer nur auf Kosten der Pünktlichkeit geschehen. Solche Zustände seien jedoch auf die Dauer unHalt- bar. Man gebe sich alle erdenkliche Mühe, mit den vorge- schriebenen verkürzten Fahrzeiten auszukommen und sich so den öffentlichen Verkehrsbedürfnissen anzupassen; jedoch muß dabei pro Stunde Fahrzeit auch die vereinbarten 12 Minuten Haltezeit wirklich gewährt werden, denn mit der Verrechnung der fehlenden Haltezeit auf der Strecke sei nichts anzufangen, diese müsse tatsächlich gewährt werden. Alle Redner waren einig darüber, es werde unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr lange dauern und ein großer Prozentsatz der Straßenbahner werde nerven- und magenkrank werden. Alle Redner führten Linien ihrer Bahnhöfe an, bei denen die Haltezeiten zu kurz bemessen sind. Die Fahrer führten lebhafte Klage über die Behandlung der Zeitzähler-Resultate und ihre Wirkung auf die Fahrer. Ob- wohl in den„Amtlichen Mitteilungen" Nr. 184 vom 21. November 1308 noch besonders darauf hingewiesen»verde, daß trotz der Zeitzähler die bisherigen Schalt- und Fahrvorschriften in keiner Weise geändert, ebenso die Weichen und Kreuzungen nach wie vor langsam zu befahren seien, werde von Fahrmeistern viel- fach das Gegenteil verlangt; auch werde den Fahrern zugemutet, in voller Geschwindigkeit an eventuelle Hinder- nisse heranzufahrcn. Im Mai habe man ältere Fahrer mit dem Lehrwagen auf die Strecke geschickt und dabei seien vorgemerkte Uebelstände durch Fahrmeister von den Fahrern verlangt ivorden. Es sei ferner vorgekommen, daß Fahrer wegen zwei Zeitzähler- Resultaten über normal vorgeladen wurden; ebenso solche, die längere Zeit immer unter normal gehabt hätten. Im allgemeinen war man der Ansicht, daß die Zeitzähler die Fahrer nicht genau nach den Leistungen beurteilen.— Was hier die Gelben beklagen, ist lange vor ihnen von den , im Transportarbeiterverband organisierten Straßenbahnern vor- ausgesagt. Jedoch der gelbe Angestelltenverein wird hieran wenig ändern können. Dazu bedarf es einer unabhängigen Organisation!_ Deutfcbes Reith. Zum Streik der Tischler in Magdeburg. In dem Organ des Arbeitgeberschutzverbandes für die Tischler- meister und Holzindustriellen,„Die Fachzeitung", wird versucht, es so darzustellen, als hätten die Magdeburger Unternehmer im vorigen Jahre den Leipziger Schiedsspruch akzeptiert und als sei der Abschluß eines Vertrages nur daran gescheitert, daß vom Holz- arbeiterverband etwas anderes verlangt worden sei, als die Leip- ziger Verhandlungen und der dort gefällte Schiedsspruch ergeben haben. Diese Darstellung entspricht nicht den Tatsachen und ist nur auf Irreführung der öffentlichen Meinung berechnet, um es dem Unternehmerschutzverbande zu ermöglichen, den Magdeburger Unter- nehmern trotz ihres organisationswidrigen Verhaltens wieder bei- springen zu können. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß der Schutzverband im Juni vorigen Jahres versucht hat, den Holzarbeiterverband mit dem Bemerken, die Magdeburger Unternehmer erkennten jetzt den Leip- ziger Schiedsspruch an, zur Unterzeichnung eines Vertrages zu bewegen, der eben den Leipziger Abmachungen und dem SchiedS- spruch nicht entsprach. Dieses Ansinnen hat der Holzarbeiter- verband selbstverständlich entschieden zurückgewiesen. Auf einer im September zu Frankfurt a. M. stattgefundenen Konferenz von Vertretern der beiden Zentralvorstände, zu der der Schutzverband die Anregung gegeben, wurde nochmals über die Angelegenheit verhandelt, was doch nicht nötig gewesen wäre, wenn„Die Fach- zeitung" mit ihrer jetzigen Tarstellung im Recht wäre. Obwohl der Holzarbeiterverband auf jener Konferenz, um die Vertrags- frage überhaupt zur Erledigung zu bringen, in bczug auf die be- sonders umstrittene Frage des Durchschnittslohnes Entgegenkommen zeigte, haben auch dann noch die Magdeburger Unternehmer die Anerkennung des Vertrages abgelehnt und sich somit außerhalb ihrer Organisation gestellt. Wenn es der Schutzverband nun als seine Aufgabe betrachtet, ein solches disziplinwidriges Verhalten seiner �Mitglieder zu beschönigen und zu unterstützen, so ist das seine Sache; es trägt dies aber jedenfalls nicht dazu bei, auf feiten der Arbeiter Zutrauen zu einem Vertragsverhältnis mit ihm zu erwecken. Der„Fachzeitung" aber steht es schlecht an, von einem schnöde vom Zaune gebrochenen, ungerechtfertigten Streik der Tischler in Magdeburg zu reden. Zum Streik der Maschinisten und Heizer auf dem Rhein. In Straßburg, Karlsruhe und Mannheim liegen eine Anzahl Boote still. Auf dem Rhein abwärts von Mannheim ist der Streik noch nicht erklärt. In Mannheim verhält sich die Polizei passiv. Dagegen wurden den Streikenden in Karlsruhe und Straßburg Schikanen bereitet und die Streikposten aus dem Hafengebiet fortgewiesen. Die Reeder suchen von auswärts Leute zu bekommen. In Straßburg und Mannheim ist eine Anzahl solcher von den Unternehmern nach dort gelockten Leute nach er-, haltener Aufklärung des Sachverhaltes wieder abgereist.— Die Reeder machen dem Personal jetzt die größten Versprechungen und wollen die alten Löhne weiterbezahlen, aber den Tarifvertrag mit der Organisation wollen sie nicht unterschreiben. Die Einigungsverhanblungen im Hamburger Baugewerbe gescheitert. Das Einigungsamt des Gewerbegerichts in Hamburg trat Mittwoch vormittag 10 Uhr zusammen. Die Verhandlungen haben bis �1 Uhr gedauert; dann trat eine einstündige Pause ein. Nach dieser Pause hat das Einigungsamt folgenden Vermittelungs- Vorschlag gemacht: Der Baugewerbeverband hat sofort die Aus- sperrung aufzuheben und das Material freizugeben. Die Arbeiter aller Berufe nehmen zunächst bedingungslos die Arbeit wieder auf. Der Baugewerbeverband verpflichtet sich ferner, vom 14. November dieses Jahres ab in Verhandlungen über eine Lohnerhöhung ein- zutreten. Zu diesem Vermittelungsvorschlage erklärten die Vertreter der Arbeiter, auf dieser Basis nicht weiter verhandeln zu können. Der Vertreter der Arbeitgeber weigerte sich, eine Erklärung zu diesem Vermittelungsvorschlage abzugeben. Alsdann hat das Einigungsamt kurze Beratung unter sich gepflogen, und hierauf erklärte der Vorsitzende Rat B o y s e n, daß er sich enthalte, seine Stimme abzugeben und somit könne ein Schiedsspruch nicht gefällt werden.— Die Verhandlungen, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfanden, sind somit re- sultatlos verlaufen._ Der Choristenstreik. Die kaltblütige Mitteilung des Bremer Operettendirektors über die„fteiwillige" Rückkehr und entsprechende„Erklärung" eines Teiles der Streikenden wird von der im Ausstand verharren- den Mehrheit der Choristen mit folgender Entgegnung erwidert: „Wenn einzelne von den Mitgliedern ihre Tätigkeit beim Tivoli wieder aufgenommen haben, so waren sie, die gänzlich mittellos, durch ihre traurige Lage leider hierzu gezioungen. Unter dem Druck der Verhältnisse haben sie auch dem Verlangen des Direktors nachgegeben und eine von ihm diktierte Erklärung unterzeichnen müssen, wonach sie irregeleitet in den Streik eingetreten seien und bedauerten, diesen Schritt unter- nomlnen zu haben. Di e ausständigen Mitglieder, welche sich zu einer solchen Erklärung auf keinen Fall ent- schließen konnten, da sie von ihrem guten Recht über- zeugt sind, machen unter den obwaltenden Umständen selbstver- ständlich den Kollegen durchaus keinen Vorwurf daraus, daß sie, der Not gehorchend, zu einem Neuengagement sich entschlossen. Sie bemerken ausdrücklich, daß diese ihre Erklärung ihr letztes Wort in der hier fraglichen Angelegenheit ist, selbst wenn Herr Direktor Alvarez eine dem Vorstehenden wider- sprechende Gegenerklärung abgeben sollte." Leider sind die Streikenden, die ohne vorherige Einholung der Zustimmung ihres Zentralvorstandes die Arbeit einstellten, jeder Unterstützung bar. Ihr Standhalten verdient um so größere Anerkennung. Bisher haben die Operetten mit größerem Chor ncch nicht wieder auf dem Spielplan erscheinen können. Die Streikenden planen, um etwas verdienen zu können, ein Konzert. Da sie aber unvorsichtigerweise in der Wahl des Lokals und der mitwirkenden Musiker einen Fehlgriff getan haben(gerade wegen des„Kasinos" und der dort spielenden Mitglieder des 1871er Ver- bandes schweben Streitigkeiten, die der Arbeiterschaft dieses Lokal verbieten), so ist leider auf keinen allzu großen Ertrag dieses Konzertes zu hoffen._ Gegen das vom bayerischen Metallindustriellenverband geplante Maßregelungsbureau nahm am Montag eine von über 2000 Per- sonen besuchte öffentliche Metallarbeiterversammlung in A u g S- bürg Stellung. Der bayerische Metallindustriellenverband hat beschlossen, noch in diesem Jahre für die Metallarbeiter in Augs- bürg, München und Nürnberg Arbeitsnachweise nach berüchtigtem Muster zu errichten, deren eigentlicher Zweck weniger die Ver- mittelung von Arbeitern als vielmehr die Maßregelung und Aus- hungerung der organisierten Arbeiter sein würde.— Nach einem mit stürmischem Beifall aufgenommenen Referat des Genossen Landtagsabgeordneten S e g i tz fand eine Resolution einstimmige Annahme, in der gegen die Errichtung dieser Maßregekungsbureaus entschieden protestiert wird, da diese geeignet sind, die Interessen der Arbeiterschaft schwer zu schädigen. Als geeignetes Mittel, die Errichtung solcher Arbeitsnachweise zu erschweren, erblickt die Reso- lution in dem Ausschluß der an diese Nachweise angeschlossenen Unternehmer von Arbeiten des Reiches, des Staates und der Ge- meinden, sowie die Errichtung paritätischer gemeindlicher Arbeits- nachweise unter Kontrolle von Unternehmern und Arbeitern. Erwähnt sei noch, daß die Maschinenfabrik Augsburg ver- schiedene Abteilungen bis abends 8 Uhr arbeiten ließ, um diesen Arbeitern den Besuch der Versammlung unmöglich zu machen.— Die Versammlung brachte eine große Anzahl Neuaufnahme" jn den Metallarbeiterverband. Tarifabschluß der Konditoren in München. Nach monatelangen Unterhandlungen ist es gelungen, mit den Münchener Jnnungszünftlern in den Konditoreien einen Tarif- vertrag abzuschließen. Es dürften kaum jemals mit Unternehmern, die sich so hartnäckig gegen jeden zeitgemäßen Fortschritt sträubten, wie es hier der Fall loar, Verhandlungen gepflogen worden sein. Zu ihrer Entschuldigung dient freilich, daß allüberall im Lande die Gehilsenschaft sich noch immer in stumpfer Gleichgültigkeit die traurigsten Arbeitsbedingungen bieten läßt und tarifliche Ver- einbarungen mit Konditorinnungen nirgends bestehen. Auch in München selbst hat ein großer Teil der Konditoren noch abseits gestanden, und so ist es kein Wunder, wenn die Zugeständnisse wiederum äußerst minimal ausfielen. DaS wenige, was für di« nächsten drei Jahre errungen ist, wurde aber nur durch das uner« müdliche Drängen und unter Führung der Organisation erreicht. Die Hauptpunkte des Tarifcs find: Gehilfen über 18 Jahre er- halten einen Minimallohn von 23 M., wovon aber 13 M. für Kost und Logis in Anrechnung gebracht werden können. Es soll mög- lichst Sorge getragen werden, daß das Wohnen beim Arbeitgeber wegfällt. Die Lohnzahlung hat nicht mehr monatlich, sondern wöchentlich am Schlüsse der Sonntagsarbeit zu erfolgen. Die Ge- Hilfen, die außer Hause essen, haben auf eine Stunde, die anderen auf eine halbe Stunde Mittagspause Anspruch. Ueberstunden sollen während des Dezember und 14 Tage vor Ostern mit 30 bis 50 Pf. pro Stunde(je nach dem Alter des Gehilfen) bezahlt und für die sonstigen Ueberstunden in der folgenden ruhigeren Zeit Freistunden gewährt werden. Freie Tage wurden außerdem nach Weihnachten, Ostern und Pfingsten noch zugestanden oder können in ruhiger Zeit zusammenhängeich als Ferien genommen werden. Die Arbeit wird durch das städtische Arbeitsamt oder das Fachblatt vermittelt; Maßregelungen wegen Zugehörigkeit zur Organisation dürfen nicht stattfinden. Streitigkeiten aus dem Tarif sind einer Schlichtungskommission. in zweiter Instanz dem dortigen Gewerbe- gericht als Tarifamt zu überweisen. Unternehmerorganisationen. Der Verband thüringischer Industriellen soll nach drei» monatigem Bestehen schon 500 Firmen mit ungefähr 80 000 be- schäftigten Arbeitskräften umfassen. Der Verband sächsisch. thüringischer Webereien hatte am Ende des vierten Berichtsjahres einen Mitgliederbestand von 263 in 6 Ortsgruppen organisierten Mitgliedern, die 36 000 mechanische Webstühle beschäftigen.— Diese starken wirtschaftlichen Vereinigungen der Unternehmer sind eifrig bestrebt, auf die Regierungen und die Gesetzgebung starken Einfluß auszuüben, um ihre selbstsüchtigen Interessen durch- zusetzen. Die Malcraussperrung in Oldenburg ist am Mittwoch nach 17wöchentlicher Dauer beendet worden. Alle bisherigen Verhand- lungen, selbst die vor dem Einigungsamte, waren resultatlos ver- laufen. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe, dem die Malermeister angehörten, verhinderte den Frieden. Eine am 13. Juli stattgefundene JnnungSversammlung der Malermeister von Oldenburg nahm erneut Stellung zu dem Lohnkampfe und be- schloß,„daß unter Hinzuziehung des Vorstandes des Arbeitgeber- Verbandes für das Malergewerbe"— nachdem die gleiche Versamm- lung den Beitritt zu dieser Organisation beschlossen hatte— Verhandlungen mit dem Verbände der Maler, Lackierer usw. Deutsch. lands eingeleitet werden sollten, um ein Einigung herbeizuführen. Diese am 14. Juli aufgenommenen Verhandlungen führten zum Abschluß eines Tarifvertrages für dieses Jahr. Die tägliche Arbeitszeit wird von 10 auf 31b Stunden herabgesetzt und tritt eine Lohnerhöhung von 4 Pf. pro Stunde ein. Der Vertrag tritt mit dem 15. Juli in Kraft. Ausland. Im Baugewerbe zu W i n t e r t h u r tobt seit sieben Wochen ein heftiger Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden. Die Baumeister sind eifrig bemüht, Streikbrecher auf- zutreiben, in der Schweiz, in Italien, bisher ohne Erfolg. In Tirol war es ihnen gelungen, etwa 60 Arbeiter zu finden, die sich unter der Vorspiegelung, der Streik sei beendigt, nach Winterthur locken ließen. Bei ihrer Ankunft mußten die Leute erfahren, daß man sie in gemeiner Weise angeschwindelt hatte; mittellos mußten sie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Dieser Tage sind die Streikbrecheragenten wieder auf die«aiche gegangen, haben sich nach Süddeutschland und nach Oesterreich gewandt. Wir bitten deshalb die Genossen, ihre Solidarität zu beweisen, indem sie in B a u a r b e i t e r k re i s e n aus den Streik in Winterthur hinweisen und verhindern, daß Bauarbeiter nach dort abreisen. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind im dortigen Baugewerbe tieftraurige; übermäßig lange Arbeitszeit und niedrige Löhne, die in keinem Verhältns stehen zu der teuren Lebenshaltung, sind üblich. Die Streikbrecheragenten offerieren jetztStundenlöhne von 72— 7591p. pro Stunde, während die streikenden Maurer einen Minimallohn von 65 Rp. pro Stunde verlangen; ein Begehren, das aber von den protzenhaften Baumeistern rund- weg abgelehnt wurde. Ganz besondere Beachtung ist den Streik- brcheragenten zu schenken und ihnen der gebührende Empfang zu bereiten. Etwaige auf obiges Bezug habende Mitteilungen bitten wir zu richten an das Arbeitersekretariat Winterthur. Die allgemeine Aussperrung in der schwedischen Wege- und Wasserbauindustrie ist am Montag durchgeführt worden und um- faßt ungefähr 1300 Arbeiter. Veranlassung zu dieser Gewalt- Maßregel gab den Unternehmern ein kleiner Streik beim Bau eines Kraftwerkes zu Mockfjärd in Mittelschweden. Keine Massenaussperrung in der norwegischen Eisen, und Metallindustrie. Verhandlungen zwischen der Arbeitgebervereinigung und dem Eisen- und Metallarbeitcrverband haben zu einer Emigung über den Konflikt in der Armaturfabrik geführt. Die Streikenden erklären sich damit einverstanden, daß die 14tägige Lohnzahlung vorläufig beibehalten wird, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß mit dem Inkrafttreten des neuen Fabrikgesetzes unbedingt die 8tägige eingeführt wird. Damit ist, wenn auch nicht sogleich, doch für die Folge das erreicht, was die Arbeiter wollten. Die ange- kündigte Massenaussperrung ist damit hinfällig geworden, der von den Unternehmern veranstaltete Boykott der arbeitslosen Ver- bandsmitglieder wird aufgehoben, ebenso wie die zur Abwehr der- anstalteten Streiks.<,_> v" Letzte JVacbricbten und DepeFcben* Die Krise. Mainz, 14. Juli.(B. H.) Die ungünstige Konjunktur macht sich hier sehr bemerkbar, die Waggonfabrik Gastell sieht sich genötigt, einen Arbeitsmodus einzuführen, der bisher hier noch nicht be» stand. Da fällt nämlich der Montag als Arbeitstag bis auf. weiteres ganz aus und wird jede Woche nur fünf Tage lang ge, arbeitet._ Ueberfchwemmungsgefahr. Speyer, 14. Juli.(B. H.) Der Rhein ist rapid gestiegen. In Jik- grimm steht die Einwohnerschaft, was seit vielen Jahren nicht der Fall war, als Dammwache bereit. Bei Wörth sind beide Strecken durch den Altrhein überflutet, der viel Heu wegschwemmt. j- Er fliegt wieber. Metz. 14. Juli.(W. T. B.) Das Reichsluftschisf„Z. I' ist unter Führung des Hauptmann George um 8 Uhr 45 Minuten aufgestiegen. Die Fahrtrichtung ist unbekannt. > Zu Tode geprügelt. Paris, 14. Juli.(W. T. B.) Aus Fes wird vom 1. Juli ge- meldet, der Scheik Rbib, der Führer der aufständigen Benimtirs. wurde gefangen genommen und nach Fes gebracht, wo er die Bastonnade erhielt. Es heißt, er sei daran gestorben._ Ferantw. Redakt..: Wilhelm Düwell, Lichtenberg. Inserate verantw.-Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. VerlagSanstgll Kgul Singer Lc Co., Berlin L1V. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsbl. Kr. 162. 26. Iahrglmg. 1. Stil«« te jOTiitte" Kerlim JoltelWt. Boamstag, 1Z. JulilW. Sie ssreile über den Kanzlcnvccl)fcl. ..Germania": .Das ist der Anfang vom Ende, dürften alle einsichtigen Politiker sich im stillen gesagt haben, als Fürst Bülow Ende 1906 plötzlich die Block- und Paarungspolitik als höchste politische Weis- heit proklamierte. Es läßt sich ja hübsch theoretisieren über den Ausgleich der Parteigegensätze, den großmütigen Verzicht auf ein- seitige Forderungen, und das opferwillige und patriotische Zu- sammenarbeiten für das Gesamtwohl. In der Praxis sehen die Dinge aber anders aus. Selbst in England, wo Konservative und Liberale kaum noch recht wissen, wodurch sie sich grundsätzlich von- einander unterscheiden, ist das Parteiwesen nicht aufzulösen oder zu verwischen, sondern bildet das eigentliche staatliche Lebens- element. Wie viel weniger ist bei uns in Deutschland an ein Ver- kleistern oder Verschwinden der Parteigegensätze zu denken, wo tiefgehende politische Meinungsverschiedenheiten sowohl wie materielle und Machtfragen Konservative und Liberale voneinander trennen. Der Gedanke, beide im Block zu„paaren" und aus ihnen eine selbstlose, zu gegenseitiger Nachgiebigkeit stets bereite Mehr- heit zu bilden, mit der sich die parlamentarischen Geschäfte glatt führen ließen, konnte daher nur ein Strohhalm sein, nach dem Fürst Bülow in der Verzweiflung griff, weil er dem Ertrinken nahe war. In der Tat wird heute auch gar nicht mehr ernstlich bestritten, daß er Ende 1996 den Reichstag nur aufgelöst und dem Zentrum den Krieg erklärt habe, weil er sich vor einflußreichen Gegnern, die ihm das Zusammenarbeiten mit den„Ultramontanen" nicht verzeihen konnten, sonst nicht mehr zu retten wußte." Ueber„die neuen Männer" schreibt die „Märkische Volkszeitung": Der Wechsel in den obersten Regierungsstellen im Reich und in Preußen bringt als Ueberraschung die Ernennung des Pots- damer Oberpräsidenten von Trott zu Solz zum Kultus- minister und die Verabschiedung des Reichsschatzsekretärs Shdow. Der neue Kultusminister ist bisher politisch zwar nicht besonders hervorgetreten— ein sogenanntes unbeschriebenes Blatt—, er hat sich aber während seiner Präsidialzeit in Potsdam hervorgetan durch scharfe Verfügungen gegen gewisse linksliberale Strömungen in den seiner Aufsicht unterstellten städtischen Gemeinden. Allzu- viel Freude wird der Liberalismus an ihm nicht haben. Die Verabschiedung Sydows wird man Wohl auf der liberalen Seite auslegen als einen Ausdruck der Unzufrieden- heit des Kaisers mit dem Finanzreformwerk in seiner jetzigen Gestalt. Richtiger wird Wohl die Auffasiung sein, daß der bis- herige Reichsschatzsekretär, wie er es in. den letzten Wochen öfter erklärt hat. schon amtsmüde ist. Die Ernennung Delbrücks zum Staatssekretär des Innern ist keine Ueberraschung. Delbrück ist der in allen Sätteln gewandte Mann, der das besondere Vertrauen des Kaisers besitzt. Der Umstand, daß er im Abgeordnetenhause eine Berggesetznovelle vorgelegt hat, die den Wünschen der Berg- arbeiter weit entgegenkam und den Konservativen und National- liberalen viel zu weit ging, so daß sie wesentliche Einschränkungen vornahmen, läßt uns hoffen, daß die Sozialpolitik unter dem neuen Staatssekretär weitere Fortschritte machen wird. Daneben wird— dafür bürgt Delbrücks Wirken im preußischen Handels- Ministerium— auch der Mittelstand nicht zu kurz kommen. Was nun schließlich den neuen Reichskanzler angeht, so brauchen wir wohl nicht nochmals zu betonen, daß es durchaus falsch ist, anzunehmen, das Zentrum werde ihn mit Mißtrauen aufnehmen. Der neue Kanzler hat seine Bereitwilligkeit, mit allen Partien zu arbeiten, in den letzten Wochen bewiesen und in seiner Erklärung zu dem Finanzkompromiß der Mehrheit klar ausgesprochen. Mehr verlangen wir nicht." „Kreuz-Zeitung": „Auch der flüchtigste Ucberblick über die zehnjährige Wirksam- keit des Fürsten Bülow als Reichskanzler läßt erkennen, daß sie rn Erfolgen friedlicher Arbeit den Vergleich mit der des Fürsten Bismarck nach 1871 wohl aushalten kann. Während der Kanzler- schaft des Fürsten Bülow ist der Wohlstand des deutschen kleines feuiUeton. Volt Preußens Königlicher Bibliothek. Zu dem Artikel „Preußens Rückständigkeit im Bibliothekwesen" schreibt uns ein Les:r:„In der Königlichen Bibliothek in Berlin ist lückenlos nur die Literatur aus den alten preußischen Provinzen— also mit Ausnahme der 1866 annektierten Provinzen— enthalten. Von anderwärts verlegten Werken und Zeitschriften ist wohl auch ein reichhaltiger Bestand vorhanden, und es werden auch von Neu- erscheinungen die bedeutendsten angeschafft, aber doch nur in be- schränktcin Maße. Daher sind viele Zweige nur sehr lückenhaft vertreten. Dazu kommt, daß für die bei altpreutzischen Verlegern erschienenen Werke nnd Zeilschriften für die Lieferung der Pflicht- exeinplare keine Fristbestimmung existiert. Nur innerhalb des Jahres der Erscheinung müssen sie geliefert werden, zufolge- dessen gehen die Werke vielfach nur alle Vierteljahre oder gar erst gegen Ende des Jahres ein. wo das Interesse für die Benutzung oft nicht mehr vorhanden ist. Wenn aber der Verlag einer bisher auf diese Weise unentgeltlich erhaltenen Zeitschrift nach einem abaabefreien Orte verlegt wird, so wird sie nicht weitergeliefert und auch nicht gehalten. Verfasser sehr wertvoller und teurer Werke, deren Herstellung Hunderte von Mark pro Exemplar lostet, wählen sich vielfach Verleger außerhalb Preußens, weil sie dann das Pflichtexemplar sparen. Solche Werke findet man daher oft nicht in der Königlichen Bibliothek. Die Lückenhaftigkeit dieser Bibliothek hat sich besonders auch in verschiedenen Zweigen der technischen und der Sozialliteratur fühlbar gemacht. Zwar können für erstere die Bibliotheken der technischen Hochschule und des Patentamtes oft aushelfen, aber diese sind doch eigentlich nur für Angehörige dieser beiden Institute bestimmt. Man'hat dieser Lückenhaftigkeit der Königlichen Biblio- thek neuerdings durch einige Privatunternehmungen abzuhelfen ge- sucht. Für die Techno-Bibliographie hat sich durch Zusammen- treten der 14 größten Ingenieur- und technischen Organisationen 1908 ein internationales Institut gebildet, das eine möglichst voll- ständige Sammlung. Sichtung und Katalogisierung der gesamten internationalen technischen Zeitschriften, und Bücherliteratur schaffen will. Auch für die sozialen Wissenschaften ist ,m Jahre 1905 ein besonderes Institut für internationale soziale Biblio- graphie gegründet worden, das auch eine möglichst unparteiische kritische Monatsschrift herausgibt und aus Reichsmitteln jährlich mit 15000 M. subventioniert wird. Es sammelt hauptsachlich die Neuerscheinungen auf wirtschaftlichem Gebiete und erteilt darüber Auskunft. Für andere Gebiete, wie das der Pädagogik und der Medizin wären solche Ergänzungen der Königlichen Bibliothek sehr zu wünschen. Der Kinematograph in der Chirurgie. Der Kinematograph scheint an die Stelle der Theateraufführung treten zu wollen. Wird es wirklich so weit kommen? Wir wollen es nicht wünschen. Ab« der Kinmatogrgph kß® wichtigere! und wertvollere Diöiste Volkes trotz wiederholter wirtschaftlicher Rückschläge so gewaltig gestiegen, daß auch' das Ausland mit Staunen und Bewunderung auf die schnelle und stetige EntWickelung des deutschen Gewerbes und Handels auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit blickt. Um dies Emporblühen Deutschland� hat sich Fürst Bülow dauernde Ver- dienste erworben durch die Zolltarifreform, die Handels- Verträge, den Schutz der Grenzen gegen die Uebertragung verheerender Viehseuchen. Besonders die Landwirtschaft, die Grundlage unseres wirtschaftlichen Gedeihens, verdankt seiner Politik nach langer Vernachlässigung eine gesicherte Existenz. Wir haben beim Rücktritte des preußischen Landwirtschaftsministers v. Podbielski und des Staatssekretärs Grafen Posadowsky deren großen Anteil an dem Zustandekommen der Zoll- tarifreform hervorgehoben. Unbeschadet des Ruhmes dieser Mitarbeiter des Fürsten Bülow gebührt aber ihm das größte Ver- dienst an dem für die heimische Produktion so überaus förderlichen Werke; denn von seinem Amtsantritt hat Fürst Bülow die Not- wendigkeit der Zolltarifreform klar erkannt; er ist es gewesen, der die Zustimmung des Kaifers dafür gewonnen und mit den Ver- kündeten Regierungen und dem Reichstage das segensreiche Werk zum Abschluß gebracht hat.... Eine Stimme aus dem Zentrum hatte in recht unüberlegter Weise Herrn v. Bethmann Hollweg als parlamentarisch ungeeignet für den Kanzlerposten in dieser Zeit bezeichnet. Diesem Einwände sind wir nachdrücklich entgegengetreten. Es entspricht nicht der geschichtlichen EntWickelung und den Grundsätzen unserer Ver- fassung, daß bei der Ernennung eines verantwortlichen Reichs- kanzlers auf die Wünsche einer der möglichen Parteigruppierungen im Reichstage Rücksicht genommen werden müßte; am wenigsten aber kann eine einzelne Partei den Anspruch erheben, bei der Er- nennung des Reichskanzlers gehört zu werden. In dem Augen- blicke, da sich die Meinung festsetzen will, Fürst Bülow sei einer von ihm perhorreszierten Mehrheitsbildung gewichen, würden wir es für geradezu gefährlich halten, wenn bei der Ernennung seines Nachfolgers der Ansicht Vor- s ch u b geleistet würde, als bahne sich in Deutschland daS parlamentarische Regierungsshstem a n." Das Agraricrorgan hat noch keine Zeit gefunden, Bülow den üblichen Nachruf zu widmen. Es begnügt sich einstweilen damit, Bülows Philippika gegen die 5ivnservativen wiederzugeben— ebenfalls ohne Randglossen. Es begnügt sich mit der Bemerkung, daß einzelne der Bülowfchen Ausführungen derart seien, daß man an eine unrichtige Wiedergabe glauben möchte, und ver- spricht, auf das Interview zurückzukommen._ Ueber den neuen Kanzler bemerkt die „Deutsche Tageszeitung": „Die Ernennung des bisherigen Staatssekretärs v. B e t h- mann Hollweg zum Reichskanzler war feit einiger Zeit er- wartet worden, wenn auch die endgültige Entscheidung erst kürzlich erfolgt zu sein scheint. Der nunmehrige Reichskanzler hat sich in seiner bisherigen amtlichen Tätigkeit als ein hochbegabter, kenntnis- reicher Staatsmann von großer Arbeitskraft und großem Arbeits- ernst erwiesen, von dessen Geschick und Klugheit wir eine erfolg- reiche Fortführung unserer Reichspolitik auf bewährten nationalen Bahnen erhoffen. Wir sehen seiner Amtsführung mit voller Un- befangenheit entgegen und geben uns der Zuversicht hin, daß Herr v. Bethmann Hollweg auch in Fragen, die seinen Blick bisher ferner lagen, die richtigen Wege zu einer gedeihlichen Leitung der Reichspolitik finden wird. Insbesondere hoffen wir auch, daß er in der auswärtigen Politik das Erbe, das ihm sein Vorgänger in gutem und erfreulichem Zustande übergeben hat, erfolgreich verwalten und unsere auswärtigen Geschäfte nach den großen Traditionen der Bismarckischen Zeit führen werde." „Vossische Zeitung": Es war bald genug zu merken, daß Reaktion und Konflikt nicht zu den Methoden des Staatssekretärs gehörten, der als Nachfolger des Fürsten Hohenlohe Reichskanzler wurde. Eher konnte man ihm das von ihm nachdrücklich verleugnete Wort„Keine inneren Krisen!" zutrauen. Er war ein Scharfmacher. Er suchte über- Haupt den Kampf nicht, wenn er ihn auch nicht scheute. Er hätte am liebsten mit allen Parteien in bester Eintracht gelebt und immer zwischen ihnen vermittelt. Er war auch nie geschickter, als wenn er sänftigendeS Oel auf die Wogen schüttete. Die Konser- leisten. Der Student der Medizin lernt, wenn man vom Opera- tionssaal und der Klinik absieht, die Krankheiten, ihre Erschoi- nungsformen und ihren Verlauf gewöhnlich nur aus Vorträgen der Professoren oder aus dickleibigen Büchern kennen; er kann sie nicht aus eigener Anschauung in ihrer Entwickelung verfolgen, und seine Studien weisen daher eine Lücke auf. Durch Bildertafcln und durch Photographien hat nian Abhilfe zu schaffen gesucht, aber unbewegliche graphische Darstellungen können das lebendige Krank- heitsbild nicht ersetzen. In jüngster Zeit ist nun Professor Walter Chase von Edinburgh auf den Gedanken gekommen, den Kinemato- graphen für die Medizin nutzbar zu machen. Seine kinemato- graphischen Aufnahmen bieten ein Gesamtbild der anormalen Be- wegungen, die bei der Diagnose der Krankheiten als offensichtliche Krankhcitszeichen festgestellt worden sind. Nichts ist dabei außer acht gelassen, und man sieht z. B. sämtliche Krankheitserscheinungen der Epilepsie an sich vorüberziehen. Von der hohen Bedeutung der Arbeit des Dr. Chase erhält man einen Begriff, wenn man er- fährt, daß die Erscheinungsformen der Epilepsie 500 Meter Films erfordert haben: man findet darauf 22 500 minutiös exakte Posen des Epileptikers. Eine sehr kostspielige Methode, aber ein höchst interessanter Fortschritt.— Die Ahnen der Parlamentsstenographen. Die Parlaments- stenographen, die in aufreibender Tätigkeit jahraus jahrein die Beredsamkeit der Volksvertreter aufs Papier bannen, rüsten sich jetzt zum wohlverdienten Sommerurlaub. Wer war der erste, so fragt da die„Gazetta del Popolo", der diesen Märtyrerberuf er- fand und ausbildete? In Frankreich waren im Jabre 1789 alle Augen auf die Nationalversammlung gerichtet, wo tcmperamcnt- volle Redner in leidenschaftlicher Rhetorik für eine Umwandlung der Staatsform plädierten. Maret, der spätere Herzog von Bassano, pflegte die Verhandlungen aufmerksam zu verfolgen, machte sich dabei Notizen und erzählte mit deren Hilfe abends im Freundeskreise das Vorgefallene. Seine Berichte stießen auf so lebhaftes Interesse, daß Maret sich eines Tages entschloß, seine Notizen in einen gedruckten Bericht umzuwandeln. Damals gab es noch keine Journalistentribüne; das Bulletin wurde in der Nacht gedruckt; wenn der Verfasser die letzten Korrekturen gegeben hatte, eilte er zur Nationaloersammlung und setzte sich vor die Tür, um am Morgen beim Oeffnen des Hauses einen guten Platz zu be- kommen. Später wurde dann eine kleine Tribüne unmittelbar hinter dem Sessel des Präsidenten errichtet: Maret� engagierte zwölf junge Leute, die hier an einem Tische Platz nahmen. Jeder dieser ersten Parlamentsberichterstatter hatte einen Stoß kleiner zugeschnittener Papiere vor sich liegen, die die Nummer des Schreibenden trugen. Der Berichterstatter Nr. 1 merkte sich nun die ersten Sätze des Redners; wenn seine Fassungskraft zu Ende ging, gab er Nr. 2 ein Zeichen, der die folgenden Sätze aufnahm und wiederum dann Nr. 3 das Zeichen gab, weiter zu verfolgen. So arbeiteten zwölf junge Leute daran, das langsame Schreiben mit der raschen Rede in gleichen: Tempo zu halten. Die kleinen Zettel wurden dann nach den Nummern geordnet und so in die Druckerei gegeben. Mit der Zeit klappte alles leidlich, die Schreiber hatten sich eingearbeitet. Das waren die ersten„Parlaments- stenographen". vativen waren bitterböse auf die Caprivischen Handelsverträge; nun gut, sie sollten versöhnt werden. Die Industrie bekämpfte den lückenlosen Doppeltarif; nun gut, es ließ sich ein Mittelweg finden. Das Zentrum ist voller Sorge vor einem neuen Kulturkampf; also feiert mau die Bischöfe, macht Herrn Spahn zum Oberlandes- gerichtspräsidenten und hebt§ 2 des Jesuitengesetzes auf. Die Liberalen haben mancherlei sehr berechtigte Wünsche: Fürst Bülow ist bereit, zu tun, was er kann. Die Verwaltung muß weniger bureaukratischen, mehr kaufmännischen Geist zeigen, ruft das Bürgertum, und ein Bankdirektor wird Kolonialstaatssekretär. Ja, wenn nur die Sozialdemokratie trätabler sein wollte, wenn sie nur hierzulande einen Millerand hätte, der leitende Staatsmann hätte ebenso gern mit ihm verkehrt, wie Bismarck mit Lassalle, und der Partei sachlich mancherlei Zugeständnisse gemacht. In dieser Taktik der Ausgleichung schloß er vielleicht bisweilen mit sich selbst ein Kompromiß. Beispielsweise gestand er den ungestüm drängen- den Ostmärkern zögernd die Erweiterung des Enteignungsrechts zu, nicht ohne daß er die Erwartung hegte, es werde nicht zur An- Wendung der neuen Befugnis kommen brauchen... So aber ging er, und er konnte gehen, weil er die Dinge einigermaßen gesichert sah auf dem Gebiet, wo der Schwerpunkt seiner Wirksamkeit und seiner Erfolge lag, in der auswärtigen Politik. Sein Name ist dauernd verknüpft mit neuen kolonialen Erwerbungen, mit dem„Platz an der Sonne", mit der Zurück- Haltung in der Kretafrage, der„Flöte auf dem Konzcrttisch", freilich auch mit der von ihm nicht gewollten Aenderung der Be- ziehungen zu England— Chamberlain„beißt auf Granit"—, mit der Marokkoaffäre, zuguterletzt der Bewährung unbedingter Bruder- treue gegen Oesterreich-Ungarn in den Orientwirren. Fürst Bülow fühlte sich hier durchweg als Schüler Bismarcks, dem er die voll- endete Gedenkrede gehalten hat, des„größten aller Deutschen", wie er ihn noch dieser Tage bezeichnete. In seinen Wegen glaubte e" zu wandeln, in seinem Geiste zu wirken. Jedenfalls steht heut Deutschland stark und geachtet im Staatenreigen und darf unge achtet alles Geredes von Einkreisungsplänen auf die.Erhaltung de; Friedens auch in Zukunft rechnen, Zentnims-Grundtätze. Um die Unzufriedenheit der katholischen Arbeiter mit der Steuerpolitik des Zentrums zu beschwichtigen, greift die klerikale Presse zu den verlogensten Entstellungen. Bald sucht sie es als sittliche Pflicht der Arbeiter hinzustellen, zu den Zwecken des Staates möglichst beizutragen; denn der Staat und die Aus- gestaltung seiner Aufgaben entsprängen der von Gott geschaffenen Natur des Menschen; bald wieder versucht sie den Arbeitern plau- sibel zu machen, daß sie durch die neuen Steuern nur in ganz gc- ringem Mäße getroffen würden, zumal ja die infolge der Ein- führung des neuen Tabaksteuergesetzes etwa arbeitslos werdenden Tabakarbeiter reichlich entschädigt würden— dank des großherzigen Eintretens des Zentrums, besonders der Arbeiterabgeorb- neten Giesberts, für die Interessen der Tabakarbeiterschaft. Gegen- über diesen frivolen Verklcisterungsversuchen scheint es angebracht, auf die im Jahre 1906 nach dem Abschluß der damaligen Finanz- reform von dem Zentrumsabgeordneten Dr. Eugen Jäger im Verlage der Zentralstelle des„Volksvereins für das katholische Deutschland" veröffentlichte Broschüre„Die Reichsfinanz- reform von 1906 und ihre neuen Steuern" hinzu- weisen. Wie diesmal, hatte auch 1906 das Zentrum sich eifrig an der Steuersuche beteiligt und dadurch in einem Teil seiner An- Hängerschaft offene Und versteckte Proteste hervorgerufen. Diese Proteste zu beschwichtigen und die Murrenden zu überzeugen, daß das unter der Aegide des Zentrums zustande gekommene Steuer- ragout den„gerechten Ausgleich" der widerstreitenden Interessen bedeute, deshalb wurde damals von der M.-Gladbacher Jesuiten- kolonie die Jägersche Broschüre vertrieben. Die Situation war also für das Zentrum eine ähnliche wie heute— um so inter- essanter ist es, die damalige Argumentation mit der heutigen zu vergleichen. Musik. Die Gura-Oper bei Kroll hat uns mit mehrfachen Auf- führungen neuerer deutscher Opern erfreut und will nun auch einige italienische aus älterer Zeit bringen. Den Anfang davon mi! V. Bellinis„Normo" zu machen. war eine berechtigte Huldigung vor diesem wohl wertvollsten Werk aus der musikalischev Bühnenwclt Italiens— wenigstens aus der älteren Zeit vor G. Verdis Fortschritten. Eine Tcxtdichtung, von der mindestens die Anlage groß und echt ist; eine Musik, die zwar weder auf der Höhe deutscher Ausarbeitungskunst steht, noch auch der eigenartigen historischen Stimmung des Textes eine eigenartige Sprache widmet wohl aber solider durchgearbeitet ist, als sonstiger Singsang des Landes der„Rosinen", und einen wirklich zu Herzen gehender Gesang entfaltet. Inmitten der gallischen Druidenwelt mit ihren: Mond- und Kräuterkult und mit ihrer Priesterin, die dem römischen Verführer sich schließlich selbst zum Opfer bringt, gewöhnen wii uns bald an das Marsch- und Tanzartige der Gesänge und genießen den Ernst des Werkes am ehesten, wenn die Heldin des Stückes von einer an tragischer Kraft reichen Künstlerin dargestellt wird. Eine solche ist Frau Lili Lehmann. Merkwürdig: was immer ihi an Rückgang ihrer durch die Jahrzehnte hindurch siegreichen Stimmc nachgesagt werden könnte— an den dramatischen Höhepunkten gilt es doch wieder nicht; hier erstrahlt ihre sinnliche Kunst im Dienste der geistigen am vollkommensten. Unter den nicht wenigen Vorzügen der Aufführung konnte be- sonders auffallen, daß man diesmal die Worte einigermaßen gut verstand; und unter den verschiedenen Ursachen dessen darf die beut- liche Aussprache mehrerer Sänger hervorgehoben werden. Di: .Stimmriesen" bewähren sich darin oft am wenigsten; dagegen läßt z. B. die bescheidenere Stimme von Frau Fink den Text um sc besser verstehen, als bei ihr der Vokalklang nicht den Konsonanten- klang überflutet. Für ein akustisch so verbesserungsbedürftiges HauS. wie den„Kroll", lohnt sich gerade die Beachtung solcher Elemente der Raumakustik._ ez. Notizen. — Kunstchronik. Zeichnungen Albrecht DürerS und seiner Schule sind im Ausstellungssaal des Kupferstichkabinetts(in den tat Museen) ausgestellt. — Sein Lebenswerk auf dem T o t'e n b e t t beendet hat, wie aus New-Iork berichtet wird, der berühmte amerikanische Astronom Professor Simon N e w c o m b, dessen Tod bereits ge- meldet wurde. Noch vor zwei Jahren führte der greise Gelehrte trotz seiner 72 Jahre einen Aufstieg auf das Matterhorn aus. Pro- sessor Nowcomb erkrankte bereits im vergangenen Herbst in Harvard. Vor vier Wochen war sein Gesundheitszustand so trostlos, daß die Aerzte alle Hoffnungen aufgaben. Man verständigte den Gelehrten von seinem Zustand. Als er erfuhr, daß der Tod unabwendbar sei, bestand er darauf, auf einer Matratze nach Washington gebracht zu werden, wo er sofort eine Anzahl Stenographen engagierte und ihnen in aller Eile das Werk diktierte, dessen Abschluß sein Leben krönen sollte, seine große Arbeit über den Mond. Es war ihm die Genug- tuung vergönnt, noch wenige Tage vor seinem Tode den letzten Bogen dem Drucker übergeben zu können. Bekanntlich trmrbe 1900 die von der Negierung borgeschlagene Tabaksteuererhöhung abgelehnt. Trotzdem behandelt sie Herr Dr. Jäger in seiner Broschüre sehr ausführlich. Warum? Sie diente ihm nämlich als Demonstrationsobjekt, um den Zentrumsarbeitern zu zeigen, wie sehr sie als Produzenten durch die von der Regie- rung vorgeschlagenen Steucrerhöhungen geschädigt worden wären, und wie väterlich deshalb das Zentrum für sie sorgt«, als es diese Vorschläge ablehnte. Damals rechnete Herr Jäger aus, daß durch die Annahme der Regierungsvorschläge an zwei Millionen Men- scheu in ihrem Erwerb beeinträchtigt worden wären, denn in der Tabakindustrie und ihren Hilfszweigen würden allein über 180 000 Arbeiter beschäftigt, und zu diesen kämen noch 120 000 Tabakpflanzer mit ihren Familien usw. Damals war noch die Ablehnung der Tabaksteuererhöhung eine Großtat des Zentrums, mit der es vor den christlichen Tabak- arbeitern stolz paradierte; jetzt— nach Verlauf von drei Jahren — hat es für Erhöhungen gestimmt, die zum Teil be- trächtlich höher sind als die damals vorgeschlagenen. Nur die Zigarettensteuer fand damals Annahme. Die sozial- demokratische Reichstagsfraktion stellte daraus den Antrag, die Zigarettenarbeiter, die durch die Steuererhöhung und ihre Folgen, d. h. durch die zu erwartende Verbrauchseinschränkung, arbeitslos würden, zu entschädigen. Während aber vor wenigen Tagen das Zentrum eine Entschädigung der Tabakarbeiter verlangte, aller- dings nur eine ganz unzulängliche, wollte«S damals absolut nichts von einer Entschädigung wissen. Damals er- klärte Dr. Jäger im Reichstag(am 7. Mai 1906): „Ich glaube, die Verhältnisse liegen nicht so, daß man die Leute entschädigen mutz; denn so gefährlich ist die Sache nicht, wie die Herren sagen, und außerdem können wir schon wegen der Konfeauenzen nicht auf die Frage eingehen." Und in seiner Broschüre schrieb er: „Die Sozialdemokraten wollten zuerst die Heimarbeit ganz oerboten haben, und als dies im Interesse der Arbeiter selbst vom Reichstag abgelehnt worden war, beantragten sie Entschädigung der durch dieses Gesetz arbeitslos Gewordenen. Auch dieser Antrag mußte abgelehnt werden, weil der Zusammenhang der Arbeitslosigkeit mit diesem Gesetz sehr schwer einwandfrei fest- zustellen ist, weil die Annahme des Antrages zu un- übersehbaren Folgerungen führen würde und weil überhaupt eine derartige Maßregel bisher noch niemals ins Auge gesaßt und durchgeführt wurde." Damals war eine derartige Mußregel etwas Unerhörtes und ganz Unmögliches. Jetzt hat daS Zentrum selbst für eine solche unmögliche Maßregel gestimmt— wenn auch nicht aus Wohlwollen für die Tabakarbeiter, sondern rntr, um ein Mittel zur Be- schwichtigung der rebellierenden christlichen Tabakarbeiter zu haben. So schnell ändern sich Zentrumsüberzeugungen! Doch das Schönste kommt noch. In seiner Steuerbroschüre tritt Herr Dr. Jäger für höhere Erbschaftssteuern auf große Ver- mögen ein und erhebt gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf, daß die von ihrer Reichstagsfraktion vorgeschlagenen ErbschaftS- steuersätze die großen Vermögen noch zu m ä tz i g belasteten. Da- mals schrieb er, ohne daß irgendein Zentrumsblatt ihn desavouiert hätte: „Die Sozialdemokraten wollten die Erbschaftssteuer be- deutend verschärft haben und stellten daher in der Kommission und im Plenum entsprechende Anträge. Dabei wollten sie nicht bloß die großen Vermögen belasten, sondern griffen schon stark in die Reihen der Minderbemittelten und Arbeiter hinein; eine Erbschaft von 2001 M. sollte(Antrag Nr. 30) bereits 1 Proz. bezahlen. Bei einem Gesamtvermögen von 25 000 M.. also bei einem mittleren Bauer(nach süd- und' Westdeutschen Verhält- nissen), sollte die Steuer bereits 4 Proz. betragen. Dabei war nirgends Rücksicht genommen auf die Zahl der Kinder, die sich in so kleine Erbmassen zu teilen hätten. Bei einer Erbmasse von 1— 6 Millionen erreichte die Steuer 14 Proz., bei 10 Mil- lionen ihr End- mit 10 Proz. Der Ertrag war auf 100 Mil- lionen geschätzt. Die Sozialdemokraten hätten also die kleinen Vermögen sehr schwer und die größeren mähig be- l a st e t." Diesmal hat daS Zentrum sogar gegen das abgeschwächte Erb- anfallsteuergesetz gestimmt, weil ihm selbst dessen lächerlich niedrige Steuersätze noch als eine zu hohe Belastung der Wohlhabenden er- schienen. So ändern sich im Handumdrehen UeberMglsngev. Grundsätze Wd ArguMejÜStiLn.en heig, Zentrum. Soziales. Ortskrankenkassen-Versammlung. Der Zentralverband von Ortskrankenkassen im Deutschen Reich hält seine 10. Jahresversammlung vom 8. biS 10. August in Bremen ab. Auf der Tagesordnung steht u, a. die.Besprechung der Reichsversicherungsordnung". Kann Nichtimpfenlassen wiederholt bestraft werden? 8 14 Absatz 2 des JmpfgesetzeS von 1874 bestimmt:„Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebefohlene ohne gesetzlichen Grund und trotz erfolgter amtlicher Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Gestellung entzogen geblieben sind, werden mit Geldstrafe bis zu 50 M. oder mit Haft bis zu drei Tagen bestraft."— Wegen Uebertretung dieser Vorschrift war der Schriftsteller Hello v. Gerlach vom Landgericht II in Berlin zu einer Geldstrafe von 20 M. verurteilt worden. Er hatte die vom Berliner Polizeipräsidenten ausgehende Aufforderung, seinen impfpflichtigen Sohn Wolfgang impfen zu lassen, nicht befolgt. Einem Schutzmann, der bei ihm erschien, erklärte er im Januar 1909, er lasse als prinzipieller Jmpfgegner seinen Sohn nicht impfen.— Seinen Einwand, daß er wegen NichtimpfenS desselben Kindes schon einmal 1908 bestraft sei, lieh daS Gericht nicht gelten. Durch eine neue Bestrafung werde nicht der Grundsatz ne bis in iclem verletzt. Jeder Fall von Ungehorsam gegen eine amtliche Aufforderung im Sinne des Z 14 Absatz 2 stelle eine besondere Straftat dar, so daß die Nichtbeachtung der Aufforderung von 1909 eine neue Straftat sei. Der Angeklagte legte Revision ein. In der Begründung des Rechtsmittels rügte sein Anwalt Verletzung des ß 14 Absatz 2 des Gesetzes durch falsche Anwendung und führte aus, daß der Stand- Punkt deS Landgerichts die Anerkennung eines Impfzwanges be- 4 denk, den das Jmpfgesetz nicht habe einführen wollen. Herr v. Gerlach selber bemerkte in der Verhandlung vor dem Kammergericht am 13. Juli, es würde zu unerhörten Konsequenzen fuhren, wenn die Polizei es in der Hand hätte, durch Wiederholung solcher Aufforderungen so oft wie möglich eine Bestrafung herbei. zuführen. Und zwar soziale Konsequenzen. Die armen Leute würden durch wiederholte Strafen gezwungen werden, zu tun, was sie nach ihrer Ueberzeugung nicht möchten, und sie würden damit einem Impfzwangs unterliegen. Dagegen würde«? es bemittelte Leute nicht tun, sondern die Geldstrafen über sich ergehen lassen. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts wies am Dienstag die Revision mit folgender Begründung ab: Das Kammergericht halte den Standpunkt des Landgerichts für zutreffend. Allerdings habe ja die Frage, ob eine wiederholte Bestrafung auf eine wieder- holte Aufforderung zulässig sei, zu Kontroversen geführt. Die Mehrzahl der Oberlandesgerichte bejahe aber die Frage. Auch spreche die Entstehungsgeschichte des Gesetzes dafür. Die Regierung wollte von vornherein die zwangsweise Impfung. Das sei im Reichstag gefallen. Aber die Absicht des Reichstages sei gewesen, ein Gesetz zu machen, das Erfolg habe. Und Erfolg könne das Gesetz nur haben, wenn durch Geldstrafen indirekt die Impfung erzwungen werden könne. Daß dies die Absicht gewesen sei, habe ein Gegner des Gesetzes, der damalige Abgeordnete Windthorst, aus- drücklich ausgesprochen. Er habe gegen das Gesetz gestimmt und dies bei der dritten Lesung damit begründet, daß ein indirekter Impfzwang im Gesetz verblieben sei.— Stenglein erkläre die wiederholte Bestrafung auf wiederholte Aufforderung ebenfalls für gewollt. Die Absicht des Gesetzes sei, den Ungehorsam gegen das Gesetz zu brechen, wenn auch mit durch den Reichstag abgeschwächten Mitteln.— Wenn Angeklagter sage, das Gesetz werde gegen die Armen und nictzi gegen die Reichen wirken, so sei solche Wirkung bei verschiedenen Gesetzen vorhanden. Der Z 14 Absatz 2 des JmpfgesetzeS sehe aber auch Haft bis zu 3 Tagen als selbständige Strafe vor(nicht bloß als Eventualstrafe). Da könne der Wider- stand der Reichen, die die Geldstrafen zahlen wollten, sehr wohl gebrochen werden.—_ Mißlungene Ausrede. Ein Kompagniegeschäft, für das unter anderen auch die Ar- beiter das Risiko tragen sollten, unterhielten die Töpfermeister Winzer und Bardeleben. Das Geschäft rentierte sich nicht recht und so flüchtete Bardeleben vor den Gläubigern. Sein gegen- wärtiger Aufenthalt ist noch nicht ermittelt worden. 17 Arbeiter, die für diese beiden Kompagnons tätig waren, klagten am Dienstag von dem Jnnungsschiedsgericht auf Zahlung rückständiger, recht er- heblicher Lohnbeträge. Der Beklagte Winzer war zum Termin er- schienen, wollte aber nicht Betriebsinhaber sondern nur am Rein- gewinn beteiligt gewesen sein. Das Schiedsgericht ließ diese Aus- rede nicht gelten, sondern verurteilte ihn zur Zahlung der einge- klagten Lohnsummen._ Landarbeiterelend. Wieder ist ein Landarbeiter durch seinen Arbeitgeber tot- geschossen worden. Das Drama ereignete sich im Dorfe Thiergart bei Elbing. Dort war der Melker und Viehfütterer Barkowski mit dem Hofbesitzer Knorr in Meinungsverschiedenheiten geraten. Der Arbeiter forderte schließlich seine Entlassung und den rückständigen Lohn. Der Besitzer war aber nicht geneigt, den vollen Lohn aus- zuzahlen, sondern wollte einen größeren Betrag als Sicherheit»- summe zurückbehalten. Im Verlauf des Streites will der Besitzer von Barkowski mit einem Messer bedroht worden sein und in Angst um daS eigene Leben den Arbeiter über den Haufen ge- schössen haben. Der Schwerverletzte wurde nach dem Elbinger Krankenhaus gebracht, verstarb dort aber am letzten Sonntag, 24 Stunden nach seiner Einliefcrung. Der Hofbesitzer Knorr be- hauptet, er habe in Notwehr gehandelt. Man darf gespannt sein, welches Resultat die behördliche Untersuchung ergeben wird, ob die amtlichen Organe auch Notwehr feststellen werden. Ein zweiter Vorgang zum Kapitel der Leutenot, dessen Verlauf glücklicherweise kein Menschenleben zum Opfer forderte, fand dieser Tage seinen einstweiligen Abschluß vor der Strafkammer in Königsberg in der Berufungsinstanz. Der Tatbestand ist kurz folgender: Eine Landarbeiterfrau mußte auf dem Gute des Besitzers Albert Meller in Groß-Lindenau bei Königsberg i. Pr. während der Krankheit ihres Mannes das Vieh des„Gnädigen" füttern. Eines Tages kam der Besitzer in den Stall und machte in scharfen Worten der Frau den Vorwurf, daß sie daS Vieh nicht richtig behandle, besonders lasse die Abfütterung alles zu wünschen übrig. Die Frau knickte nicht gleich demütig vor dem Gestrengen in die Knie. Darauf rief der Besitzer der Frau zu, sie solle sich zum Teufel scheren. Die Frau wollte diesem frommen„Befehl" deS„christlichen Arbeitgebers" nachkommen, verlangte aber für ihren Mann die Weiterzahlung des kontraktlich vereinbarten Lohnes. Da packte der Besitzer das„freche Weib", wie er geschmack- voll sagte, im Genick und wollte die Widerspenstige an die frische Luft setzen. Die Frau entwand sich seinen Händen, ergriff eine Wruke, so groß wie eine kleine Kegelkugel, und warf sie dem Be. sitzer an den Kopf. Die Wruke verlebte die Oberlippe des „Gnädigen", er will mehrere Tage lang be,m Essen und Sprechen Schmerzen gehabt haben. Nun warf der Besitzer, ein Hüne von Gestalt, die schwächlich« Frau zweimal zu Boden und versetzte ihr einige Schläge gegen den Kopf, so daß sie noch heute klagt, seit jenem Vorfall dauernd Schmerzen zu haben. Die Frau verklagte den Besitzer, der Besitzer die Frau wegen Körperverletzung. Der Herr Besitzer wurde vom Schöffengericht zu— 3 M. Geldstrafe verurteilt, aber in der Berufungsinstanz freigesprochen. Die Frau erhielt 20 M. Geldstrafe und die von ihr eingelegte Berufung wurde in der oben erwähnten Strafkammersitzung verworfen. llngültigkeit von Krankenkassenwahlen. Die Legitimation bei Wahlen in Krankenkassen betrifft eine bemerkenswerte Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts. Die Mitglieder der Ortskrankenkasse der Bauhandwerker in Lüden- scheid hatten am 20. November 1907 die Delegiertenwahlen zur Generalversammlung vorgenommen. Gemäß den vom Vorstand erlassenen Ordnungsvorschriften wurden zur Wahl nur diejenigen zugelassen, die ihre Mitgliedskarte vorzeigten. So kam es, daß verschiedene tatsächlich wahlberechtigte Mitglieder, die ihre Mit- gliedskarte nicht bei sich hatten, zurückgewiesen wurden.— Der Magistrat als Aufsichtsbehörde entschied auf Einsprüche von Zurückgewiesenen, daß die Wahlen ungültig seien, und zwar ledig. lich wegen der Zurückweisung derjenigen Wahlberechtigten, die ihre Mitgliedskarte nicht bei sich hatten beziehungsweise nicht dem Wahlvorstande vorzeigten. Der Magistrat vertrat den Stand- Punkt, daß Ordnungsvorschriften für die Wahlen ja zulässig seien, daß sie aber nicht soweit gehen dürften, wahlberechtigten Mit- gliedern die Ausübung des Wahlrechts unmöglich zu machen. DaS sei hier geschehen, indem jede andere Legitimation als die Mit- gliedskarte ausgeschlossen worden sei.— Der Vorstand der Kasse, dem der Magistrat die Beanstandung der Wahlen eröffnete, klagte beim Bezirksausschuß und erzielte, daß dieser den Bescheid des Magistrats außer Kraft setzte. Das Bezirksgericht führte unter anderem auS: Das vom Wahlvorstand geübte Verfahren sei ge. rechtfertigt. Die Wahlleitung müsse als berechtigt angeschen werden, eine Legitimation der Mitglieder zu fordern. Wenn als solche die Mitgliedskarte angesehen wurde, so sei nichts dagegen zu sagen. Jede? Mitglied hätte diese Legitimation sofort zur Verfügung haben oder auch, wenn vergessen usw., die Karte schnell herbeiholen können. Die Wahlen seien gültig. Der dritte Senat des OberverwaltungsgcrichtS hob jedoch dies Urteil auf und wies die Klage des Kassenvorstandes ab, indem er gleich dem Magistrat die Wahlen für ungültig erklärte. Gründe: Dem Kassenvorstand stehe an sich ein Klagerecht zu. Ihm sei vom Magistrat gesagt worden, daß die Wahlen ungültig seien. Wenn daS richtig war, so folgten daraus für den Vorstand eine Reihe von Verpflichtungen. In der Sache selbst sei unzweifelhaft, daß erstens nur wahlberechtigte Mitglieder wählen dürften und daß der Vorstand verlangen könne, daß die Mitglieder, die sich aus der Liste ersehen lassen, die Identität ihrer Person nachweisen. wenn sie dem Wahlvorstande nicht so bekannt seien. Hier aber habe der Vorstand gesagt, daß nur zugelassen werden solle, wer die Mitgliedskarte bei sich habe. Cr habe also ganz außer Betracht gelassen, ob sich das Mitglied sonstwie legitimieren könne. Dazu sei der Vorstand nicht berechtigt. Die Legitimation durch die Mit- gliedskarte möge ja das Wahlgeschäft erleichtern. Es sei jedoch durchaus unzulässig, nur die Mitgliedskarte als einziges Legitimationsmittel zuzulassen. Somit wären die Wahlen un- gültig. ✓ Hus Indurtrie und RandcU Neue Steuern als Profitquelle. Die Abwälzung der neuen Steuern soll anscheinend gründlich besorgt werden. Anstatt 400 Millionen wird dem Volke vielleicht das Doppelte abgeknöpft. Die Brauereien haben die Abwälzung fo gründlich vorbereitet, daß man sogar mit einer Steigerung der Rentabilität der Unternehmen rechnet. Heute wird uns eine Flasche von der Schultheißbrauerei präsentiert, die äußerlich den anderen gleicht, aber trotzdem zirka 30 Proz. weniger faßt als die früher ge- lieferten. Die Biertrinker, will man anscheinend ordentlich bluten lassen. Noch toller sollen die Streichholzverbraucher geschröpft werden. Schon jetzt fordert man im Kleinhandel um 59 Proz. erhöhte Preise. Wie wir hören, können Kleinhändler von den Fabriken vorläufig größere Posten Hölzer nicht mehr bekommen. angeblich sind sie für Warenhäuser auf längere Zeit beschäftigt. Diese geben natürlich nun auch nur noch kleine Mengen ab, um nach dem 1. August, wenn die Zündholzsteuer in Kraft tvitt, auch einen ordentlichen Preisaufschlag vorzunehmen. Aehnlich werden die Abwälzungen der Mehrbelastungen für Tabak und Branntwein vorgenommen werden. So bekommt die breite Masse die konservativ-klerikale Steuerpolitik gründlich zu kosten. Dafür hat man sich bei den Hottenwttenwahlen für die Jnteressenvertreter des Kapitals einfangen lassen. Süße Dividenden. Die Zuckerfabrik Guhrau in Schlesien verteilte für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von dreißig Prozent. Diese Höhe hatte man bisher noch nicht erreicht. Die Aktien befinden sich durchweg in den Händen um- wohnender Gutsbesitzer. � Die bösen Handelsverträge. Der Papierindustrieverein klagt in seinem Jahresbericht über die schädlichen Wirkungen der neuen Handelsverträge. Die Aus- fuhr ist zurückgegangen. Insbesondere ist dies nach den Ländern der Fall gewesen, mit denen Deutschland im Handelsvertrags- Verhältnis steht. Der Schaden, der die deutsche Papierindustrie trifft, ist ein doppelter; einmal geht der Export aus Deutschland zurück, und zweiten? wird die ausländische Industrie durch den erhöhten Zollschutz gestärkt und konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt._ Vom amerikanischen Zolltarif. Ueber weitere Zollerhöhungen, die sich gegen die ausländische Textilindustrie richten, wird berichtet, daß der Ruhm Mc Kinlftjs, welcher durch den nach ihm benannten Tarif die Grundlage für das Aufblühen einer Weitzblech-Jndustrie gelegt hat, wodurch den britischen Fabrikanten das bisherige Monopol im hiesigen Markte entrissen wurde, anscheinend Payne„nicht schlafen lasse." Um jenem Beispiele nachzuahmen, habe er Spitzen und Stickereien aus- ersehen, wovon Europa jährlich für 35 bis 40 Millionen Dollars nach drüben liefere, während die amerikanischen Spitzen- und Stickereien-Jndustrien nur erst wenig entwickelt seien. Dem soll nach der Ansicht Pahnes anläßlich der diesmaligen Tarifrevision abgeholfen werden und zwar durch solche Erhöhung der Zollratcn, daß dadurch ein großer Teil der bisherigen Jmportationcn ausge- schlössen werden soll, und sodann durch zeitweilige Freigabe der Einfuhr von Spitzen, und Stickereicn-Maschinen. Die Payne Bill sieht daher auch für letztere für zwei Jahre Zollfreiheit vor, und wenngleich die Aldrich Bill diese Bestimmung eliminiert hat, so heißt es doch, es werde in dem Konferenzkomitee die Bestimmung der Payne Bill wieder hergestellt werden. Die Ausführung des Plan«? würde die Kosten deS JmportierenS erhöhen und die Konkurrenz sowohl für den einheimischen als auch den �aus- ländischen Fabrikanten vermehren, während die Kosten natürlich der Konsument tragen müßte, und zwar die am wenigsten zk.hlungS- fähigen, da billige Ware hauptsächlich betroffen werden würde. Auch Aldrich ist noch weiter an der Arbeit, um die Zollmauer recht hoch zu ziehen. Er versucht die Zollsätze auf Spitzen und Stickereien noch um 10 Proz. zu erhöhen, womit die Belastung 70 Proz. bc- tragen würde._ Kunstdüngertrust. Ueber einen neuen Kunstdüngertrust in Amerika berichtet die„New Uorker Handelszeitung": Bekanntlich waren die Bemühungen, eine Verschmelzung von etwa 50 Kunst- düngersabriken des Landes mittels Gründung einer mit 50 000 000 Dollars kapitalisierten Korporation zustande zu bringen, unlängst aufgegeben worden. Augenscheinlich sind Bemühungen, dasselbe Resultat auf andere Weise herbeizuführen, von neuem ausge- nommen worden, und sind dieselben soweit fortgeschritten, daß es bereits zur Jnkorporierung einer anderen Gesellschaft gekommen ist, welche jedoch soweit nur ein nominelles Kapital von 1000 Dollars hat. Dasselbe soll schließlich jedoch auf 15 000 000 Dollars erhöht werden. Die Organisatoren sind Thomas C. Meadows und Waldemar Schmidtmann, welche unter den Gesetzen deS Staates Newhork die International Agricultural Corporation gechartert haben. Dieselbe tritt in das Leben als Besitzerin großer Kali- gruben in Deutschland, welche von dem zweitgenannten Herrn kontrolliert werden, von Phosphatgruben in Tennessee und Florida, sowie mit Kontrakten für die Ausbeute der Tennessee Copper Co., der Ducktown Copper Co. und der Sulphur u. Iran Co. an Schwefel- säure, welche Ausbeute sich pro Jahr auf etwa 1000 000 Tonnen belauft. Syndikate und Regierung in Rußland. Zu der von uns mit- geteilten Ablehnung der russischen Regierung, dem russischen Eisen. syndikat die unverschämten Preise zu zahlen, teilt daS B. T. aus Petersburg über die Stellung der russischen Regierung zu den Syndikaten daS folgende mit:„Das Finanzministerium er- klärte offen, daß es eine Monopolisierung des Marktes niemals dulden und jede künstliche PreiStrcibung mit einer Entziehung der Kronaufträge beantworten würde." In Deutschland hat es die Regierung noch nicht zu einer solchen Erklärung gebracht, die ver- handelt mit wirtschaftlichen Jnteressenoraanisationen wie der Loko- motivenkonvention, dem Stahlwerksverband, dem Kohlensyndilat usw. und läßt sich ordentlich einseifen. Bier Milliarde» Mark Ueberschuß. Die Standard Oil Co. wird für das letzte Jahr sKätzunsjSweise wieder rund 40 Millionen Dollar Dividenden ausschütten, bei einem Ueberschuß von rund 80 Millionen Dollar. Seit seiner Begründung ergeben sich folgende Gewinnziffern: Ueberschuß Dividenden in Dollar 1909........ 80 000 000 89 335 320 1908........ 80 000 000 89 335 820 1907........#85 000 000 89 385 320 1906........ 88 122 261 89 385 320 1905........ 67 459 346 39 336 320 1904........ 61 670 110 85 188 266 1903........ 81 836 994 42 877 478 1902........ 64 613 963 48 861 956 Total....... 593 202 064 318 694 800 1882 bis 1901 inkl.... 466 240 000 351 833 000 Total....... 1 049 442 064 670 427 300 Sofern Präsident John D. Rockefeller, wie man wissen will, 25 Prozent der Aktien der Gesellschaft besitzt, so stellt sich seine Dividendeneinnahme für die Zeit auf 175 000 000 Dollar» Hus der frauendewegung. Frauen in der Kommunalverwaltung. Sämtliche Frauenbereine kn Erlangen, einschließlich der Frauenabteilung des sozialdemokra- tischen Wahlvereins, haben sich zu einem Verbände zusammen- geschlossen, um vereint die Zulassung der Frauen zur Armen« und Waisenpflege durchzukämpfen. Politische Flüchtlinge. Moskau, 14. Juli. In der Nacht auf Mittwoch flohen zwölf wegen politischer Vergehen verurteilte Frauen, eine Kriminalverbrecherüi und eine Aufseherin aus dem Frauen- gefängniS._ Leseabende. Tteglftz. Der Leseabend für Juli fällt auS. Ccricbtö- Zeitung. Sammeln freiwilliger Beiträge für Wahlzwecke. Freiwillige Beiträge zur Deckung der Unkosten der Landtags- lvahlen halte Genosse Aßmann in Rixdorf unter Benutzung einer Liste des„Sozialdemokratischen Zentralwahlvereins für Teltow- BeeSkow-Charlottenburg" in Gastwirtschaften gesammelt. Die Sammlung verteilte sich auf einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen. Am 2. Mai 1908 wurde ihm die Liste in einer Wirtschaft ab- genommen. Er erhielt eine Anklage und wurde später vom Land. gericht II wegen Ausführung einer nicht genehmigten, aber ge- nchmigungspflichtigen öffentlichen Kollekte von Haus zu HauS zu einer Geldstrafe von 20 M. verurteilt. Für unerheblich erachtete es das Gericht, ob er lediglich Parteigenossen die Liste vorgelegt habe oder auch anderen Personen, welche sich in den 13 Gastwirtschaften aufhielten, wo er im Laufe der genannten Zeit gesammelt hatte. — Ferner wurden die Genossen Strasser und Schrciter wegen Bermittelung der Kollekte zu Geldstrafen verurteilt: Schreiter, weil er an Strasser mehrere Sammellisten, darunter die de» An» geklagten, übergeben hatte, und Strasser, weil er die Listen am Zahlabend auslegte, wo Aßmann die von ihm benutzte in Empfang nahm. Die Angeklagten legten Revision ein. Rechtsanwalt Dr. Herz- feld rügte Verkennung des Begriffs der öffentlichen Kollekte. Für die GenchmigungSpflicht könnten nur Sammlungen von Haus zu Haus in Frage kommen, und zwar müßten die Häuser zum Zwecke des Sammelns aufgesucht werden. Selbst wenn man nun ein Gehen von Wirtschaft zu Wirtschaft, wie ein Urteil des Kammer- gcrichtS es tut, hierin einbeziehen wollte, so läge hier eine öffent- liche Kollekte doch nicht vor. Es sei nicht festgestellt, daß Aßmann an einem Tage zum Zwecke des Sammelns von Wirtschaft zu Wirtschaft gezogen sei. Wenn er�wie er selbst angab, die Liste einmal bei einer„Bierreise" mit hatte, dann sei eben in diesem Falle das Sammeln nicht der Zweck gewesen, sondern die Bierreise. Im übrigen aber habe sich sein Sammeln in den Kneipen auf vier bis sechs Wochen verteilt und sei auch nur ein solches bei Gelegenheit des Wirtshausbesuches gewesen, komme also nicht als ccrbotene Kollekte in Frage.— Ferner wandte sich der Anwalt gegen die Annahme des Landgerichts, daß Straffer und Schreiter eine Kollekte vermittelt hätten. Der erste Strafsenat des Kammergerichts hob am Montag die Vorentscheidung bezüglich aller drei Angeklagten auf und der- wies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück. Es wurde ausgeführt: Die gegen die Angeklagten an- gewandte Verordnung des Regierungspräsidenten in Potsdam, welche die Veranstaltung, Ausführung und Bermittelung nicht ge. nehmigter öffentlicher Kollekten mit Strafe bedroht, sei rechtsgültig. Eine Kollekte in ihrem Sinne setzte allerdings ein Sammeln von Haus zu Haus voraus. Zu den Häusern gehörten nun auch Wirt- schaften und es sei auch gleichgültig, ob sich die Sammlung inner» halb der Angehörigen einer Partei hielt. Durch eine solche Be. schränkung werde, wenn die Menschenzahl eine unbegrenzte bleibt, der Charakter der öffentlichen Kollekte nicht ausgeschlossen. Die Strafkammer sage, Aßmann hätte die Gastwirtschaften einer ganzen Gegend systematisch aufgesucht. DaS könnte ja so gedeutet werden. daß er lediglich zum Zwecke deS EinsammelnS von Wirtschaft zu Wirtschaft, von HauS zu Haus gegangen sei. Eine andere AuS» führung deS Landgerichts mache es jedoch zweifelhaft, ob das Gericht nicht doch den Begriff der Kollekte verkannt habe. Mit Bezug auf die erwähnte Bierreise sage das Landgericht, es wäre nicht von Belang, ob A. an jenem Tage die verschiedenen Gast» wirtschaften zum Zwecke des KollekticrenS besucht habe oder ob er nur nebenher gesammelt hätte. Das Landgericht erkläre es für maßgebend, daß er verschiedene Wirtschaften nach einander auf- suchte und in ihnen sammelte. DaS sei nach Annahme deS Kammergerichts rechtsirrig. Das Gehen von Haus zu HauS be- ziehungsweise von Wirtschaft zu Wirtschaft müsse vielmehr zum Zwecke des Sammelns erfolgen. Demnach müsse die Vorentschei- dung aufgehoben werden, damit das Landgericht in jener Richtung eine Nachprüfung vornehme. Die Aufhebung müsse die„Ber- uiittlcr" ebenfalls ergreifen. In der neuen Verhandlung werde eventuell auch ihr subjektives Verschulden nochmal zu prüfen sein. Das Landgericht habe bei ihnen nur eine Fahrlässigkeit festgestellt. Das genüge nicht. Mindestens müßte der ckolus eventualis vorliegen.>_ Eine Polizeipflanze...... Der aus dem Leckert-Lüvow-Prozeß bekannte jetzige Buch- Halter Heinrich Leckert hatte gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II noch ein kleines Schuldkonto zu begleichen. Unter der Anklage der Unterschlagung und Urkundenfälschung mutzte sich L. vor dem Strafrichter Verantworten. Der Angeklagte sitzt zurzeit in dem Tegeler Strafgefängnis in Strafhaft, wo er eine ihm zu- diktierte Gefängnisstrafe von 2 Jahren verbüßt. Diese Strafe hatte er wegen Urkundenfälschung in 12 Fällen und fortgesetzter Unterschlagung erhalten. Leckert war bei einem Kaustnann I. in der Schönleinstraße als Buchhalter engagiert gewesen und hatte hier längere Zeit kleinere Beträge anstatt in die Geschäftskasse in seine eigene Tasche fließen lassen. Diese Unterschlagungen ver- deckte er dann durch Fälschungen von Quittungen und falsche Buchungen. Gestern hatte sich der Angeklagte wegen eines noch nachträglich ermittelten Falles zu verantworten. Das Gericht er- kannte auf eme Zufatzstrafe von einem Monat Gefänonis. eingegangene Dmehfebriften. von 33. Ostwald. 5. Spira. 6 K. Manzsch« 1 M. Wider das Schnlelend. Ein Notruf Akademische VerlagSgesellschast, Leipzig. Die Wahlpflicht. Studie von Dr. Univcrsitäts-Buchhandlung, Wien. Jahresbericht 4008 deS ZentralverbandeS der Lederarbeiter und Arbeitcrinnen Deutschlands. 60 Seiten. H. Mahler, Berlin SO. 33. Preis 0,80 M., für VerbandSmitglicder 0,10 M. Archiv für Volkswohlfahrt. Hest S. Monatsichrist. Vierteljährlich 6 M.— Selbstverlag, Berlin W. 30. Der Heilige Garten. Beiträge zur Erforschung der Kindbeit. Archiv für Altersmundarten und Sprechsprache. Herausgegeben von C. Rößgcr und Th. Scheffer. Monatlich ein Hest. Halbjahr 2 M. K. G. Th. Scheffer, Leipzig. GeschlechtSmoral und LcbenSglüS. Von I. P. Müller. Broich. 6 M.. geb. 7,50 M.— St. F. Köhler. Leipzig. Aus Natur«»d Geistesweit. Band 76. Ehemie in Küche nnd Haus. Von G. Abel.— Band 243. Oesterreichs innere Geschichte 1848— 1907. Von R. Charmatz.— Band 257. Die Lehre von der Energie. Von A. Stein.— Band 258. Antike Wirtschaftsgeschichte. Bon O. Reurath. Einzelband geh. 1 M., geb. 1,25 M.- B.®. Teubncr, Leipzig. Der Mensch und die Erde. Lieferung 76—81. Herausgegeben von H. Krämer. 120 Liescrungen a 60 Pf.— Bong u. Co., Berlin. 30 Ansichtspostkarten(Serie) von der Schweizerischen Heim- arbeiterausstellung. 15. Juli bis 15. August 1909. Zürich, Im Hirschengraben(Schulhaus). Die Fackel, Nr. 283— 284, herausgegeben von K. Kraus, Wien. VerwaltungSbcricht der Bereinigte» Ortstrankenkasse tn Darm- stadt. 1908. 72 Seilen. Die Schundliteratur. Von A. Heidt. 75 Pf.— Glosse« über die Universalsprache Esperanto. Von Zenko Kraft, Edlen von Hehnhacker. 13 Seiten.— Resorm-Verlag(K. Engelschmidt), Leipzig. gtechenschaftöbericht des Verbandes der Tapezierer und verwandter Berussaenoffen DeutschlnndZ. 54 Seiten.— O. Vesper, Berlin, Käpenicker Straße 49. Freiland. Nr. 1. Monatsschrift, jährllch 3,60 M.— Selbstverlag tn Koblenz. Gartenstadt. Mitteilungen der Deutschen Gartenstadtgesellschast. Heft 5.— H. Kampffmeyer. Karlsruhe. Jahrbuch 1008 des Zentralverbandes ber Maurer Deutsch- lands. 243 Selten.— Selbstverlag, Hamburg 1909. Kunst nnd Künstler. Hest 10. Monatsschrist sür bildende Kunst und Kunstgewerbe. Vierteljährlich 6 M.— B. Eassircr, Berlin. Jahresbericht des Sozialdemokratische» BereinS Bremen. 1. Juli 1908 bis 30. Junt 1909. 48 Seiten.— Jahresbericht vom Btldungsausschuft des GewerkschaftskartellS Bremen. 1903—1909. 15 Seiten.— ÄerlagSanstalt I. H. Schmalseld u. Co. tn Bremen. Protokoll über die Berbandlnngcn des Parteitage? der Sozialdemokratische» Partei Badens(27. und 23. Februar 1909). Mannheim 1909. Verlag des Landesvorstandes der Sozialdemokratischen Partei Badens. 96 Seiten. LriefKaltai der Redahtion. Die kurlftifche sprcchstvnde findet LInbenstraße 3,«welter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Bgg" Fahrstuhl lvochentägli-h adrndS von 7V4 bis Sli Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Spreehstund« um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und«ine Zahl als Mertzeiche» beizufügen. Briefliche Antwert wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 1t Tage vergehen. Eilise Fragen tröge man in der Sprechitnnde vor. D. M. 64. Sie haben nach dem Gesetz die Miete sür die voll« Dauer deS Vertrages zu zahlen. Sie sind aber bercchligt, die Benutzung der Wohnung durch den Wirt zu untersagen.— 100, Köpenick. 1. Der Be- klagte hat nicht mehr zurückzuzahlen. Die Erstattung der Zwangs- Vollstreckungskosten können Sie von ihm verlangen. 2. Sie können das Geld einklagen und dann eintragen lassen.— A. 100. Die Bestimmungen deS alten Vertrages gelten in Ihrem Falle auch sür die neue Wohnung, insbesondere auch die Kündigungsbedingungen.— H. 35. Sie dürjen da» Siegel nicht entfernen.— Ä. SK. 1. Nein. 2. Schiasburfchen ebenso wie Chambregarnisten haben, wenn sie monatlich mieten und nicht» anderes vereinbaren, spätestens bis am 15. zum 1. zu kündigen.(Nicht umgekehrt bis am 1. zum 15.) Wird verspätet gekündigt, so kann der Wirt den vollen folgenden Monat bczablt verlangen.— M. N. 179. Nein. — Weistensre 100. Der 1500 Mark nicht übersteigende Jahreslobn ist auch sür Gcrichtskosten nicht psändbar. Welche Möbel im einzelnen psänd- bar sind, sagt das Gesetz nicht. Es erklärt nur die unentbehrlichen Möbel für nicht psändbar. In Ihrem Falle werden die von Ihnen angeführte» Möbeln voraussichtlich sür unpsändbar erachtet werden.— O. B. 4. Nixdorf. Das Steuergesetz spricht nicht ausdrücklich auS, datz Fahrgeld abzu- ziehen ist. Es soigt die Abzugsähigkeit daraus, daß da» Fahrgeld in ähn- ltcherwcife wie der Dienstauslvand bei dem Beamten zu betrachten ist.— — F. B. 16. Legen Sie gegen den Psändungsbeschlug unter Darlegung der Verhältnisse Beschwerde ein. Dieselbe hat nicht viel Aussicht aus Erfolg, aber erscheint auch nicht ganz aussichtslos.— N, N. 1—3. Sic können einen gerichtlichen oder notariellen Vertrag mit Ihrer Frau abschließen, aber auch in diesem Falle müßte Ihre Frau einen Jntervcntionsprozeß sür den Fall einer etwaigen Psändung anstrengen.— Nähmaschine 108. Die Antwort des VaterS ist nicht rechtsgülttg. Wenn Sie sich nicht einigen können, so müßten Sic gerichtliche Erbtellung beantragen.— I. H. Die Kündigung ist nicht gültig.— A. 11. Innerhalb vier Wochen nach der Uebung müssen Sie bei dem Gemeindevorsteher Ihres Wohnortes den Antrag aus Zahlung der FamMenunterstützung stellen. Erhalten Sie die Auszahlung nicht, so legen Sie beim Landrat Beschwerde ein. — W. K. 100. Eine Einziehung wäre in Ihrem Fall bis zum 27. Jahre zulässig, aber sehr unwahrscheinltch.— T. O. 36. Da» ist möglich. Die Kinder sind den Eltern gegenüber nach dem Gesetz so weit unterstützungs- pflichtig, als sie hierzu in der Lage sind, ohne ihre sonstigen Verpflichtungen zu gefährden.— G. Sch. 23. Der Einwand der Verjährung würde voraussichtlich durchdringen.— Hossnnng 13. Der Austritt aus der Kirche würde das Recht der Frau nicht beeinträchtigen.— A. B. 16. Das Gesetz spricht sich hierüber nicht aus. Die Entscheidungen der Behörden sind wechselnd. Unseres ErachtcnS ist das Fahrgeld auch dann abzuziehen, wenn der Arbeiler nicht an«inen bestimmten Wohnort gebunden ist. — K. 1890. 1. Eine ScheidungSllagc aus dem von Ihnen angesührten Grunde wäre nicht aussichtslos. 2. Solange die Scheidung nicht ausge- sprechen ist, ja.— P. 100. 1. Nein; sie ist Gewerbegehilftn. 2. Nein.— F. 100. In solchem Falle wären die sämtlichen Pflanzen und auch die Bäume gepachtet.— P. 3000. Der Vertrag ist sür Sie bindend. Wenn der Vernneler Sie nicht freiwillig von demselben entbindet.— 31. B. 20. 1. Sie leben auch ohne Vertrag außer Gütergemeinschaft. 2. Ihre Mutter kann Ihre Frau zum Erben einsetzen.— A. W. 800. 1. Ja. 2. Nein. — Bererle, Tegel. 1. Nein. Sie müssen ausdrücklich persönlich Ihren Austritt erklären. 2. Leider ja. 3. Nein.— S. M. 27. 1. Ja. 2. Ja, aber die Behörden entscheiden sehr verschiedenartig.— M. E. 69 1. bis 3. Sie könnten sich an den Magistrat und an den Oberpräfldenten wenden. In welcher Zeit Antwort erteilt wird, können wir nicht wissen. 4. Ja. - Sch. Th. N. 1878. 1. Hinz. Prinzenstr. 66, Berlin. 2. Die ge. schiedene Ehefrau behält nach der Ehescheidung den Familiennamen deS Ehemannes, jedoch hat der Mann für den Fall, daß die Frau für allein- schuldig erklärt worden ist, das Recht, ihr die Fortsührung seines Namens in einer öffentlich beglaubigten Form zu untersagen. 3. Der Aushang erfolgt an beiden Orten.— Hermann B. 799. 1. und 2. Ja. 3. Nein. —(C. H. 1000. Abfindungen sür Unsallrenten durch Kapital können nur stattsinden gegenüber Witwen, Ausländen, sowie solchen Unsallrentnern, die unter 15 Proz. Rente erhalten.— E. L. 32. Die junge grau bleibt bis zum vollendeten 21. Lebensjahre unter Vormimdschaft, kann aber, wenn sie das 18. Lebensjahr überschritten hat, beim Vormundschastsgcricht Voll- jährigleitserklärung beantragen.— H. K. 86. Nein, der Anspruch ist durch das Nichtkleben verjährt.— G. H. 79. Sie müßten sich noch ein- mal stellen.— P. St. 109. Leider nein.— K. H. 28. Nehmen Sie die Beschwerde nicht zurück, wenngleich sie wenig Aussicht aus Ersolg hat. Einen weiteren Weg gibt es leider nicht.— O. R. 100. 1. Ja. 2. Nein. — O. H. 1. Die Erbschaftssteuer beträgt 4 Proz. für leibliche Eltern, voll- und halbbürtige Geschwister sowie für Abkömmlinge ersten GradeS von Geschwistern, 6 Proz. sür Großeltern und entsernicre Voreltern, sür Schwieger. und Stiefeltern, Schwieg«- und Stteslinder. für Abkömmling« zweiten Grade« von Geschwistern, sür uneheliche vom Bater anerkannte Kinder und deren Abkömmlinge, sowie sür an KindeSstatt angenommene Personen und deren Abkömmlinge, 8 Proz. für Geschwister ber Eltern so. wie sür Verschwägerte im zweiten Grad der Seitenlinie, 10 Proz. in den übrigen Fällen. Bei Erbschaften über 20 000 Marl«rsolgen Zuschläge. 2. 39 Mark.— Sangcslust. Eine solche Beglaubigung ist nicht ersorder» ltch. Sie müffen aber ein Zeugnis Ihrer Heimatsbchörde beibringen, daß nach dortigen Gesetzen Ihrer Heirat nicht» Im Wege steht.—<5. T. 16. Sic könnten sich lediglich beschwerdeführend an da» ReichSversicheruiiaSamt wenden. 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Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz» industrie das VermittelungSbureau Blankenfeldeftr. 4 streng zu meiden. Für Einsester: der Bau Lenbachstraste IG. Für Korbmacher: Korner in NowaweS. Tie OrtsverwalMno» Nr. 162. 26. Jahrgang. 2. Keilm Ks Lmiirls" Kerlim KcksM Donnerstags 15. Juli 1969. Zur Einsichtnahme in die Gemeinde- Wählerliste fordert ein Flugblatt auf, das am Dienstagabend von unseren Genossen in Berlin verbreitet wurde. Die Aufforderung, die Wählerlisten einzusehen, ist durchaus am Platze und es ist dringend notwendig, daß jeder Gemeindewähler dieser Auf- forderung Folge leistet. Die Wählerlisten enthalten sehr viele Mängel. Manche, die in der Liste stehen sollten, fehlen, andere wieder sind eingetragen, aber oft unter Entstellung der Namen. Wer also sich sein Wahlrecht sichern will, und das sollte jeder Parteigenosse, überzeuge sich davon, daß sein Nckme in der Liste steht und achte darauf, daß er auch richtig in die Liste eingetragen ist. Die Wählerliste liegt aus in der Zeit vom 15. bis einschließlich 30. Juli d. I. an den Wochentagen von«achmittagS 3 bis abends 8 Uhr, an den Sonntagen von vormittags 10 bis nach- mittags 4 Uhr. Der Magistrat hat in diesem Jahre endlich mehrere Aus legcstellen geschaffen, in denen die Listen ausliegen, so daß den Wählern der Gang nach der Poststraße erspart wird. Die Auslegung der Wählerlisten erfolgt für die Wahl- abteilung Stadt- verordneten- Wahlbezirk Stadtbezirke, aus denen die Stadt- verordnetenwahlbezirke gebildet sind III II I III II l III II I III II l III II l 1—10 1— 7 1—11 11—19 8—10 12 20—28 11—12 13 29—38 13— 14 14 39-48 15-16 15-10 1— 78C] 1— 78c;. 1— 78C j 79—144\ 79-144!.... 79-144 j 145—201] 145—201}..., 145—201 J 202—215, 218-267, 277 und 321 l 202—269} 202— 254E j 216, 217, 268—276, 278— 320C 1 und 322—3261) I 270—3261) i 256—3261) f In der Turnhalle der 108/116. Gemeindeschule 20. Gemeindeschule 23. Gememdeschule 200/214. Gemeindeschule Straße 70/202. Gemeindeschule Hagelberger Straße 34 Waldemarstraße 77 Strausberger Straße 9 Oderberger Straße 57 Ravenestraße 12 Wer keine Zeit hat, die Listen selbst einzusehen, be- auftrage einen auf den Flugblättern namhaft gemachten Parteigenossen mit dieser Einsichtnahme. Bekanntlich darf nur der sein Wahlrecht ausüben, der in der Liste steht. Wer nicht eingettagen ist, lvird am Wahltage von den Wahlvorstehern zurückgewiesen und ist seines Wahl- rechtes verlustig. Nun ist das Kommunalwahlrecht ohnehin ein sehr be- schränttes, einmal durch die Einteilung der Wähler in drei Klaffeu und andererseits durch das den Hausbesitzern gewährte Privilegium, nach welchem die Hälfte der Stadtverordneten Hausbesitzer sein müssen. Deshalb darf kein Wähler ver- säunien, sich jetzt sein Wahlrecht zu sichern. Die Stadtverordnetenwahlen finden im Herbst Anfang November statt. Von der 3. Abteilung kommen zur Wahl: 2. Wahlbezirk(Stadtbezirke 11—20 und 24); 5. Wahlbezirk (Stadtbezirke 43—44 und 47A— 49); 8. Wahlbezirk(Stadtbezirke 67—74); 13. Wahlbezirk(Stadtbezirke 95—104); 14. Wahlbezirk(Stadtbezirke 105— 108B); 17. Wahlbezirk (Stadtbezirke 123-126 und 131—134); 18. Wahlbezirk(Stadt- bezirke 122, 127—130, 135 und 143—144); 24. Wahlbezirk (Stadtbezirke 167.A.— E und 175A— 178B); 25. Wahlbezirk (Stadtbezirke 161 und 179A-181J); 28. Wahlbezirk(Stadtbezirke 182— 183 und 196—200); 39. Wahlbezirk(Stadtbezirke 268—272 und 274A und B); 42. Wahlbezirk(Stadtbezirke 284A, B, 287A— 289 und 302); 43. Wahlbezirk(Stadtbezirke 290A-292C) und 47. Wahlbezirk(Stadtbezirke 309-3141) und 325A— 326D). Wir möchten noch besonders darauf hinweisen, daß nicht nur die Wähler der in diesem Jahre zur Wahl stehenden Be- zirke die Listen nachprüfen, sondern alle Wähler. Es macht sich oft durch Tod, Verzug, Niederlegung des Mandatsinhabers im Laufe des Jahres eine Nachwahl notwendig, bei der die jetzt vorliegende Wählerliste zugrunde gelegt wird. Beherzige also jeder Wähler die Mahnung, die Wähler liste einzusehen und versichere sich seines Wahlrechts. 8 Volksversammlungen in Groß-Berlin finden morgen, Freitag, abends 8 Uhr statt. Genossen! Agitiert für zahlreichen Besuch. » Achtung! Vierter Wahlkreis! Plötzlich eingetretener Umstände halber kann die bereits auf einem Teil der Säulenplakate angezeigte Versammlung vom Freitag, den 16. Jnli, nicht bei Keller stattfinden und muß in den Andreas-Festsälen(Inhaber Borgmann), Andrcasstr. 21, abgehalten werden, wovon wir Notiz zu nehme» bitten. Der Vorstand. Partei- j�ugelegetikeiten. Teltow- Beeötow. Das diesjährige K r e i s f e st findet am kommenden Sonntag in Ludwigs Viktoriagarten und R e d l ich s Keglerschlößchen, Köpenicker Landstraße 25 bis 27 statt. Vom Festkomitee ist in gewohnter Weise Sorge ge- tragen, das Fest zu einem recht genußreichen zu gestalten. Billetts a 25 Pfennig sind bei den örtlichen Funktionären zu haben. Morgens von 5 Uhr ab in beiden Lokalen Frühkonzert. fNäheres im Inserat in der FreitagSnummer.) Hoffentlich werden die Genossen sich angelegen sein lassen, für einen guten Besuch des Festes zu wirken._ Lokalboykott und Zrntral-Raucherbund. Vom Vorstand des Wahlvereins in Mariendorf wird uns ge- schrieben:„In der Nr. 135 des„Vorwärts" vom 4. Juli ist unter Parteiangelegenheiten eine Zuschrisr des Vorsitzenden vom„Zentral- Raucherbund" veröffentlicht, in der u. a. bemerkt ist, daß der Rauch- klub„Gemütlichkeit" in Mariendorf sein Vergnügen deswegen in dem vorher schon gesperrten Lokal von Zierock abhielt, weil vor der Sperrung des Lokals schon die Abmachungen mit dem Inhaber des Lokales bestanden, die dann durch die inzwischen erfolgte Sperrung nicht mehr rückgängig gemacht werden konnten. Die nun eingezogenen Erknndignilgen haben ergeben. daß keinerlei vorherige Abmachungen bestanden. Wenn nun die Bundes- leitung auf demselben Boden stehen will, den der Arbeiter- Raucherbund für sich in Anspruch nimmt, so konnte sie hier den besten Beweis geben. Hier liegt der Fall so, daß der Lokalinhaber sein Lokal den Arbeitern verweigert hat. Der dem Zentral-Raucher- bund angeschlossene Verein„Gemütlichkeit" hätte sich sofort mit den Arbeitern solidarisch erklären und ans dem Lokal gehen können. Nichts ist aber geschehen. Im Gegenteil. Der Rauchklub„Gemüt- lichkeit" tagt heule noch in dem Lokal." Zum Lokalboykott in Marrendorf. Ernen ernsten Lokalkampf führt die Mariendorfer Arbeiter- schast. Obgleich in dem Ort beinahe nur Arbeiterbevölkerung wohnt, steht ihr kein Saallokal zur Verfügung. Durch Besitzwcchsel ging das Lokal„Zum alten Askanier", Chausscestraßc Ecke der Eisenacher Straße, in die Hände des Gastwirts Graßl über, der das Lokal„Zum Gesellschaftshaus" taufte. Die erste Tat des neuen Besitzers war die Verweisung der Arbeitervereine aus dem Lokal. Be) der dcynals gepflogenen AtisejnaAderfetzung Mit der Lplafc kommission erklärte Herr Graßl, daß die Arbeiterschaft ruhig ihre Maßnahmen treffen könne; die Arbeiter mögen Karten verteilen oder was sie sonst tun wollen, er würde sie nicht daran hindern, die Arbeiter besuchten sein Lokal doch. Heute ist Herr Graß! anderer Meinung geworden. Die Mariendorfer Arbeiterschaft nahm den Kampf auf, gespannt darauf, ob Herr Graßl ruhig zu sehen würde. Schon am ersten Sonntag, als Genossen durch Ver- teilung von Karten die Ausflügler auf die Gesinnung des Herrn Graßl aufmerksam machten, holte der Herr flugs die Polizei zu Hilfe, die sich auch sofort zur Verfügung stellte. Die Partei- genossen ließen sich aber nicht irre machen. Ruhig und bestimmt führten sie ihre Arbeit aus. Wurde einer sistiert, waren dafür sofort zwei andere am Platze. Als die Polizei einsah, daß sie gegen diese Taktik nicht durchkam, erschien sie am nächsten Sonntag in Zivil. Aber auch dadurch konnte sie nur zwei Genossen„zur Strecke" bringen. Bald waren die Zivilbeamten bekannt und wurden nicht mehr aus dem Auge gelassen, so daß sie wieder den Platz räumen mußten. Ging es so nicht, dann geht es vielleicht anders, sagten sich die Herren. So wurden junge Leute gewonnen, weniger intelligent, aber doch schon groß genug, um unsere Ge- nassen reinzulegen, indem sie sich Karten geben ließen und dann der aus dem Versteck erschienenen Polizei die Betreffenden denun- zierten. Ruhm und Erfolg hat auch diese Taktik nicht gebracht. Die Parteigenossen stehen immer noch kampfesmutig da und werden unbeeinflußt aller Maßnahmen, die der Besitzer treffen mag, ihre Macht anwenden. Der Gastwirt Zierok, Kurfürsten� straßc, der der Arbeiterschaft ebenfalls sein Lokal entzogen hat, kapituliert dadurch, daß er schnell sein Lokal verkaufen will, weil beinahe keine Gäste mehr zu sehen sind. Anders steht es mit dem Graßischen Lokal. Dort verkehren hauptsächlich Berliner Aus- flügler. Hier kann die Berliner Arbeiterschaft viel helfen, wenn sie streng und konsequent die getroffenen Maßnahmen unterstützt. Ist das größte Lokal erst wieder frei, werden auch die anderen größeren Lokale bald folgen. Das liegt nicht allein im Interesse der Mariendorfer Arbeiterschaft, sondern auch im Jnter esse der Berliner. Es ergeht deshalb die dringende Bitte an die Berliner Arbeiterschaft: Unterstützt die Mariendorfer Arbeiterschaft in ihrem Lokalkampf. Wer uns seinen Saal nicht zu Versainuilungen gibt, verzichtet auch sonst auf jeden Pfennig von klassenbewußten Arbeitern. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Druckerei-Nachtarb e i t e r. Zahlmorgen am Sonntag, den 18. Juli, bei Jul. Meyer, Oranienstraße 103. Vortrag:„Sozialdemo- kratische Gegenwartsforderungen." � Referent Genosse Paul John. Die Bezirksführer. Grofj-Lichterfelde. Das von den Parteigenossen attangierte Volksfest findet am Sonntag, den 18. Juli, in Wahrendorfs Gesell schaftShaus. Baekestraße 22— dem schönsten Garten des Ortes am Teltowkanal— statt. In anbetracht des vorzüglichen Festprogramms wird auf zahlreichen Besuch der Genossen und Genossinnen gerechnet. Beginn 4 Uhr. Trebbin. Am Sonnabend, den 17. Juli, abends 8'/, Uhr bei Wolf Wahlvereinsversammlung. Ncuenhagcn und Umgegend. Die Generalversammlung des Wahlvercins findet am Sonntag, den 13. Juli, nachmittags schon um 3 Uhr bei Girke, Fredersdorf statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und Ersatzwahl. Vortrag des Genossen Stimming: „Schule und Klasienstaat". Verschiedenes. Am Sonntag, den 18. Juli, früh 3 Uhr im ganzen Bezirk Flugblatt- und„Fackel"-Verbreitung. Das Material ist vom Ge- nossen Schlosser. Wolterstr. 2 abzuholen. Der Vorstand. Oranienburg. Sonntag, den 18. Juli, früh 7 Uhr Flugblatt- Verbreitung für alle drei Bezirks vom Lokal von Hei de r, Mühlenstraße aus. Die Genossen, welche nach außerhalb gehen, treffen sich im selben Lokal um 6 Uhr. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, sich daran zu be« teiligen. Nachmittags 5 Uhr Generalversammlung des Wahlvereins im Lokal Waldhaus, Sandhausen. Der Vorstand. FrederSdorf-Petcrshagen. Donnerstagabend 8 Uhr Zahlabend im Lokal von Max Girke, Fredersdorf Bezirk Waidmannslust. Die Mitgliederversammlung für sämtliche Bezirksorte findet Sonnabend, den 17. Juli, abends 8 Uhr, in Glienicke bei Schulz. Hauptstraße, statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag:„Was hat das Volk jetzt zu tun?" Referent Genosse Dr. M a x S ch ü t t e. 2. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins findet am Freitag, den 16. Juli, abends 8>/z Uhr, im Lokal von Fritz Böhle, Havclstraße 20, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Bildungsausschustes und Neuwahl desselben. 3. Stellungnahme zum Entwurf des neuen Organisations- statuts der Partei. 4. Stellungnahme zu der am 15. August in Nauen stattfindenden Kreisgeneralversammlung. Anträge dazu. Wahl von drei Delegierten. 5. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 17. Juli, findet in dem Lokal von Rud. Deter die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Bernau. Heute Zahlabend in den bekannten Lokalen. Lerlmer JVacbricbtcn. Die Renommiermedaille. Bekanntlich tragen die Berliner und auch andere Kriminal- beamte als äußeres Zeichen ihrer staatlichen Würde in der Westentasche oder an der Uhrkette eine bronzene Erkennungs- medaille, die alle Türen öffnen und diejenigen Leute, denen sie vor die Nase gehalten wird, zu unweigerlichem Gehorsam verpflichten soll. Na, ganz so schlimm, wie man sich das „oben" denkt, ist die Sache doch nicht. Auch die Rechte der Kriminalbeamten sind gesetzlich beschränkt, und es ist ihnen vor allem nicht gestattet, im Verlaß auf ihr Auszeichen zu schalten und zu walten, wie sie wollen. Wenn nian in den meisten Fällen die vorgezeigte Medaille der entsprechenden Ehrfurcht würdigt, so geschieht es, um der Gefahr des leicht konstruierten Widerstandes gegen die Staatsgewalt aus dem Wege zu gehen. Nicht alle im Exekuttvdienst der Polizei beschäftigten Amtspersonen tragen diese Medaille. Vielmehr erhält der Kriminal-Polizeianwärter sie erst dann, wenn er ein halbes Jahr lang im Kriminaldienst prakttsch tätig war. Wie kommt es nun, daß dennoch Kriminalbeamte herum- laufen, die eirie Erkennungsmarke bei sich tragen, obwohl sie dazu nicht berechtigt sind? Das geht, wie ein ehemaliger Kriminalbeamter in einer schwachen Stunde ausgeplaudert hat, sehr einfach zu. Die jungen Anwärter sind ungemein „gieprig" auf die Medaille. Damit kann man in Gesellschaft, am Bierttsch, aus dem Tanzboden, vielleicht srnar in der Kaschemme oder sonstwo so schön renommieren."Denn einen anderen Zweck kann es doch nicht haben, daß sich Anwärter die Medaille von älteren Beamten ausborgen. Nur ungern tun das die älteren Beamten, aber sie tun es, namentlich wenn der Anwärter einer höheren Beamtenkategorie angehört. Unser Gewährsmann hat erklärt, daß er immer herzlich froh war, wenn er die Medaille wieder in der Westentasche hatte, weil er selbst sich ohne dieselbe wie zur Tatenlosigkeit ver- urteilt vorkam und auch fürchtete, daß niit seiner Medaille Mißbrauch getrieben werden könnte. Wenn dem Herrn Polizei-Präsidenten und dem Chef der Berliner Kriminalpolizei diese Dinge, was wir voraussetzen, nicht bekannt sind, so möge schleunigst verfügt werden, daß der grobe Unfug aufhört. Die Erkennungsmedaillen der Kriminalbeamten sind weder zum Verpumpen noch zum Renommieren da. Wie leicht kann ein Angeheiterter, der aus lustiger Gesellschaft kommt, mit Hilfe der ihm nicht zu- stehenden Medaille eine Verhaftung Vonrehmen. Es geht aber auch nicht an, daß sich solche Leute mit der Medaille Eingang verschaffen zu Orten, an die sie nach dem untergeordneten Grade ihrer Amtsstellung nicht hingehören. Dabei braucht man noch nicht mal an Nassauerei denken, sondern es kann sich neben der Renommiersucht um bloße Neugier handeln. Das Rathans wird jetzt im Innern einer gründlichen Reno- Vierung und zum Teil einem Umbau unterzogen. DaS Tiefbau- bureau mit der Plankammer ist nach dem Stadthause verlegt worden. Gleichzeitig haben Baurat Krause, die Stadträte Alberli und Düring dort Amtszimmer bekommen, so daß nunmehr sechs Stadträte(Marggraff, Hoffmann, Krause, Kalisch, Alberti und Düring) im Stadthause und nicht im Rathause zu sprechen sind. DaS Vereinigte Bureau, das bisher im Erdgeschoß untergebracht war, erhält Räume, die bis vor kurzem vom Tiesbauburean benutzt wurden. Die Bureaus für die Schulen, Kirchen, das Finanz- und Generalburcan, sowie das Stadtverordnetenbureau werden eriveitert. Die Stadt- Hauptkasse erhält größere Räume im Erdgeschoß an der Spandauer Straße. Die Amtszimmer mehrerer Stadträte werden vom ersten nach dem zweiten Stockwerk verlegt. Für den Bürgermeister Dr. Reicks und den Stadtkämmerer Dr. Steiniger werden Vorzimmer eingerichtet und für die Stadtverordneten besondere Sprechzimmer. Briefe, die ihn nicht erreichten. Unbestellbaren Briefen wendet die deutsche Post besondere Sorgfalt zu. Bekanntlich besteht bei jeder Ober-Postdirektion ein Ausschutz zur Eröffnung solcher Briefe, um daraus nach Möglichkeit wenigstens den Absender festzustellen. Ehe die Briese an diesen Ausschuß gelangen wird alles versucht, um sie ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen. Auch für die weitere Behandlung von Briefen, von denen die Absender nicht fest- gestellt werden können, bestehen genaue Vorschriften. Zur Sicherung dieser Maßnahmen und um sie möglichst den Absendern zuzuführen, sind vom Reichspostamt neue, abgeänderte Bestim- mungen getroffen worden. Bei den zurückbehaltenen Briefen, von denen der Absender nicht hat ermittelt werden können, hat der Postrat in regelmäßigen kurzen Fristen Stichproben daraufhin vorzunehmen, ob alle Mittel zur Aumndung des A�l-nders erschöpft sind. Die zurückbehaltenen Briefe werden nicht wieder ver- fchlossen, sondern, nach den einsendenden Postanstalten geordnet, in einem Schrank unter Verschluß aufbewahrt. Die Zeugnisse, Ur- künden, Pfandscheine, Wertpapiere usw. enthaltenden Briefe sind besonders zu kennzeichnen und getrennt von den übrigen Briefen zu halten. Die im vierten Monat vorher eingegangenen Briefe sind zur Vernichtung bereit zu stellen. Vor der Vernichtung hat wiederum der Postrat die Briefe mit Zeugnissen, Urkunden, Pfand- scheinen, Wertpapieren usw. nochmals durchzusehen und zu be- stimmen, ob und welche von diesen Briefen oder den darin cnt- haltenen Zeugnissen usw. etwa noch länger aufbewahrt werden sollen. Die Vernichtung der Briefe geschieht in Gegenwart eines bei de.r Eeöfsnung tzjw. der Mbefiellbgren Postseüduvgeil nicht is* teMgtcn Dureaubeamten 1. Klasse durch Feuer, llebar die Ber- nichtung wird eine kurze Verhandlung aufgenommen. Die Vorschriften lesen sich ganz schön. Uns sind aber schon wiederholt Fälle bekannt geworden, aus denen auf eine allzu große Findigkeit nicht geschlossen werden kann. Arme Kinder. Unter dieser Ueberschrist lesen wir in einigen bürgerlichen Zeitungen:„Die Untersuchungen der für die Ferien- kolonien angemeldeten Kinder haben auch in diesem Jahre wieder ein tieftrauriges Ergebnis gezeitigt. Ein großer Teil konnte für die Anmeldungen nicht berücksichtigt werden, weil die Körper- konstitution der Kinder nicht einmal einen Aufenthalt auf dem Lande zuließ. Aus anderen Städten wird ähnliches berichtet. So wurden z. B. in Altenburg von 245 untersuchten Kindern nur lS Knaben und 5 Mädchen als gesund befunden. Da es in Altenburg und anderen Orten, wie Brandenburg a. H., Spandau usw. nicht an reiner Luft fehlt, kann es nur an ungenügender Nahrung liegen. DieS wird auch von sozialdemokratischen Blättern unum- Wunden zugegeben. Statt nun aber gegen die überhandnehmende Vergnügungssucht, das Wirtshausleben u. a. zu Felde zu ziehen, wird die Schuld anderen Faktoren, z. B. den hohen Lebensmittel- preisen beigemessen." Der Anwurf, der im Schlußsatz der vorstehenden Notiz gegen sozialdemokratische Blätter erhoben wird, qualifiziert sich als ein echter reichsverbändlerischer. Die sozialdemokratische Presse hat wirklich nicht nötig, gegen die überhandnehmende VergnügungS- sucht, das Wirtshausleben u. a. zu Felde zu ziehen, weil diese Be- hauptungen gänzlich unbegründet sind, es sei denn, daß man dem arbeitenden Volke jede wie immer geartete noch so bescheidene Freude gänzlich rauben will. Daß das Proletariat nicht zu üppig wird, dafür sorgt schon eine reaktionäre Politik, die es nach und nach dem Hungertode entgegentreibt. Den Beweis für eine immer größere Degeneration des Volkes liefert die obige Notiz wider Willen. Bon der Milchzentrale. Die alte Milchzentrale, die unter Leitung des verstorbenen Amtman« Ring den Berliner Milchhandel monopolisieren wollte, um dann nach Belieben die Milchpreise diktieren zu können, ist be- kanntlich elendiglich verkracht. Es ist aber eine neue gegründet worden, der aber auch kein längeres Dasein beschieden sein dürste. Ueber diese neue Milchzentrale wird der„Täglichen Rundschau" geschrieben: „Durch Nachforschung beim Registerrichter des Amtsgerichts Berlin-Mitte ergab sich, daß die von Ihnen bereits ausgesprochene Vermutung über die Natur des neuen Unternehmens durch die Tatsachen bei weitem übertroffen ist. Unter Nr. 6654 ist die neue Gesellschaft mit beschränkter Haftung„Interessengemeinschaft mär- kischer Milchproduzenten" eingetragen: die einzigen Gesellschafter der Firma sind— der bisherige Geschäftsführer der gescheiterten Milchzentrale, Fritz Krause, und deren Liquidator Richard Graven- stein. Nach der vom Gesetz vorgeschriebenen Erklärung des Gesell- schafterS Krause über die Barmittel soll als Geschäftskapital die Summe von 5000 M. eingezablt sein, nämlich von Krause 1250 M. und von dem Gesellschafter Gravenstein 3750 M. Die Wahl des Herrn Fritz Krause zum Geschäftsführer ist allerdings am 29. Juni 1909.einstimmig" erfolgt, nämlich durch die einzige Stimme seines einzigen Mitgesellschafters Gravenstein. Gegen die bei dieser Sach- läge etwas eigentümliche Wahl der pomphaften Firma„Interessen. gemeinschaft märkischer Milchproduzenten" ist übrigens bereits zu den Registerakten von anderer Seite Beschwerde eingelegt worden. Zum Vergleich diene die Erinnerung daran, daß die Gründung der ersten Milchzentrale durch ungefähr 4000 Landwirte erfolgte, die allerdings mit verschwindenden Ausnahmen durchweg die schwersten Verluste als Folge dieser Beteiligung erlitten haben. Die neue Gründung der Herren Krause und Gravenstein mit dem Barkapital von 5000 M. agitiert inzwischen durch ihre Agenten unter den märkischen Landwirten, denen sie die Unterzeichnung eine? VcrtragSformularS ansinnt, in dem die Milchproduzenten ihre Milchproduktion auf 5 Jahre an das neue Unternehmen ver- pachten sollen, während der Pachtpreis ohne jede vorherige feste Vereinbarung sich nur danach richten soll, waS die Herren Krause und Gravenstein alljährlich bei Verwertung der Milch erzielen würden. Ich glaube, daß Sie sich hiernach durch entsprechende Auftlärung der märkischen Landwirte ein großes Verdienst er- werben würden." Nach diesen Darlegungen zu urteilen, dürfte diese neue Gründung nicht weit kommen. Sauerstoffexplosion in Birkenwerder. Ein entsetzlicher Unglücksfall, dem leider ein blühendes Menschen- leben zum Opfer gefallen ist, hat sich Dienstag nachmittag gegen V Uhr in dem Laboratorium der Rapidin-Aktiengesellschast in Birken- Werder ereignet. Dort weilte zur genannten Zeit der 33jährige Fabrikdirektor Max Steinhardt. Gleichfalls im Laboratorium befand fich feine jugendliche Braut, Fräulein Erna Wilczek aus Hamburg. sowie ein dreijähriger Neffe. Direktor Steinhardt experimentierte mit einem Sauerstoffapparat in Form eines starken Stahlzylinders. Der gewandte Fachmann plauderte mit ber jungen Dame und dabei fiel der Sauerstoffbehälter zn Boden. Durch die Erschütterung und den enormen Jnnendrnck explodierte daS Gefäß unter starker Detonation. Der schnell entweichende Sauerstoff wurde durch die plötzliche Aus- dehnung und die damit verbundene Temperaturerniedrigung flüssig und im nu war der ganze Raum in ein Feuermeer verwandelt. Die Explosion war eine so gewaltige, daß die Fenster herausgeschleudert wurden und die Tür in Trümmer ging. Direktor Steinhardt erlitt durch die Stichflammen entsetzliche Brandwunden am ganzen Körper. Minder schwer verletzt wurden Fräulein Wilczek und der Knabe. Die noch in dem Betriebe anwesenden Arbeiter drangen in das brennende Zimmer und holten die drei bewußtlosen Personen herau». Ein aus Birkenwerder hinzu- gerufener Arzt, sowie die alarmierte fteiwillige SanitätSkolonne leisteten die erste Hilfe. Mittels telephonisch requirierter Koppscher Krankenautomobile wurden die Verunglückten nach Berlin geschafft, Direktor St. in die kgl. Universitätsklinik in der Ziegelstraße über- geführt, wo der Bedauernswerte gestern morgen gegen 6 Uhr unter entsetzlichen Leiden verstarb. Fräulein W. und der Kleine wurden in das Rudolf Birchow-KrankenhauS eingeliefert und befinden sich beide auf dem Wege der Besserung. Zu dem BootSunfall auf dem Tegeler See wird un» geschrieben: Wer die Verhältnisse auf dem Tegeler See kennt, wird sich gewundert haben, daß von dort nicht öfter Bootsunfälle gemeldet werden. Die Unglücksstelle, an der das Boot überrannt wurde, ist etwa 25 bi« 30 Meter breit und davon muß man noch einige Meter abrechnen, da das Ufer auf der einen Seite sehr flach ist. Außerdem macht die Fahrstrecke an dieser Stelle einen Bogen, so daß jedes vom See kommende Boot einen nach dem See fahrenden Dampfer erst in ganz naher Entfernung sehen kann. Dasselbe tft_ natürlich der Fall bei entgegengesetzten Fahrtrichtungen. Sie mäßigen ein wenig ihre Geschwindigkeit, und wer nicht solch feines Gehör hat, �aß er das Wasserrauschen der entstehenden Wellen vernimmt, wird oft in Gefahr kommen, umgestoßen zu werden. Da ich gerade mit der ,Stern"-Gesellschaft zu tun habe, so möchte ich noch auf einen anderen Umstand hinweisen, der Sonntag für Sonntag unzählige Menschenleben in Gefahr bringt, in« Wasser zu fallen und eventuell zu ertrinken. Und zwar handelt eS sich um die Dampfer„Charlotte"..Otto nie" und „Erna". Diese Dampfer vermitteln Sonntags den Berkehr von Tegel nach Saatwinlel. Ihre Bauart, die für daS Schleppen ein- gerichtet ist, läßt sie beim schnellen Fahren einen derartigen Wellen- gang verursachen. daß die Boote mit Wasier gefüllt werden. Bor 14 Tagen sah ich ein Ruderboot, das vorschriftsmäßig die Wellen schnitt, dermaßen Waffer bekommen, dd£ ein Ktsasle halb durchnäßt war. Such in msw kleines Segelboot, das eine Länge von 5 Meter besitzt, bekomme ich stets Wasser hinein. Wenn schon Boote, die die Wellen richtig nehmen, Eimer voll Wasser hineinbekommen, so muß es doch anderen des Nuderns nicht so kundigen Personen weit schlimmer ergehen. Schließlich ist aber der Tegeler See nicht nur für die„Steru"-Gesellfchaft da. Es wäre angebracht, daß sich die Strompolizei die Sache etwas genauer ansehen würde. Aus dem Warenhaus für Heer und Marine werden uns Zu- stände berichtet, die dringend einer Reform bedürfen. Es werden in diesem Betriebe unter anderem zirka 37 junge Leute im Alter von 14—16 Jahren— nur einzelne sind etwas älter— als Boten, Kanzleidiener usw. beschäftigt. Die Arbeitszeit beginnt morgens püukrlich 5 Minuten vor l/a8 Uhr und endigt— oder richtiger ge- sagt— soll um VzfJ abends beendigt sein. Diese Arbeitszeit wird von drei Pausen, Frühstück, Mittag und Vesper, unterbrochen, von denen die beiden ersteren je eine halbe Stunde dauern, die letzte dagegen nur 10 Minuten währt. Livree und Mittagseffen erhalten die jungen Leute neben einer MonatSentschädigung von 30 M. frei. Das Mittagessen wird deshalb gegeben, damit die Jungen nicht nach Hause brauchen, was in einer halben Stunde auch nicht möglich wäre, da viele von ihnen weit entfernt wohnen. Die Verwaltung des Instituts scheint demnach mit den gesetzlichen Bestimmungen für jugendliche Arbeiter nicht vertraut zu sein, sonst könnte dort nicht die Einrichtung einer halbstündigen Mittags- pause bestehen, was bei jugendlichen Personen gesetzlich un- zulässig ist. Der Umstand aber, worüber man sich wundern muß und der auch zu lebhaften Klagen von Seiten der in Betracht kommenden Eltern Anlaß bietet, besteht in der völlig ungeregelten Festsetzung des Feierabends. Während die Herren aus den Kanzleien um 5 Uhr nachmittags nach Hause gehen können, müsse» junge Leute oft 2�2 bis 3 Stunden länger bleiben. Damit aber noch nicht genug, werden sie teilweise nach Feierabend Wischen 1lß und 8 Uhr mit einem oder mehreren Paketen bAadcn nach allen Windrichtungen. ja selbst bis in die weit entlegenen Vororte Berlins beordert und ersetzen somit dem Institut die Post. Die Jungen kommen infolgedessen oft genug erst um 9, 10 oder auch gegen 11 Uhr nachts völlig erschöpft nach Hause und sind dann meist so müde, daß sie kaum noch ihr Abendbrot zu sich nehmen. Dabei werden Ueberftunden nicht vergütet und morgen» müssen sie nichts- destoweniger wieder pünktlich zur Stelle sein. Zieht man in Betracht, daß viele der jungen Leute weit weg wohnen und früh von Hause weg müssen, so kommt es, daß sie täglich 15—17 Stunden unter- Wegs sind. Daß dies entschieden zu lange ist für Jugendliche, müßte eigentlich die Verwaltung auch einsehen. An den Tagen, wo der Fortbildungsnnterricht stattfindet, nehmen die Jungen ihre Pakete gleich mit zur Schule. Ferner wird uns berichtet, daß diejenigen Jungen, die keine Pakete mitbekommen, seit einiger Zeit allabendlich durchsucht werden, weil einmal eine Brosche entwendet wurde. Der betreffende erhielt seine Entlassung. Damit wäre nach unserer Ansicht der Sache Genüge geschehen und den anderen könnte man eine so beschämende Prozedur erlassen. Lebhafte Klage wird über das Verhalten von Schutzleuten ge- führt, die vor der Ausgabestelle des Arbeitsmarktes am Bahnhof Wedding die Ordnung regeln sollen. Bekanntlich müssen sich die Personen, die vor diesen Ausgabestellen erscheinen, in Reih und Glied stellen, damit die Ausgabe der Zeitungsblätter glatter vor sich gehen kann. Dabei soll aber gegen Leute, die daneben stehen, in einer Weise vorgegangen werden, die über das erträgliche Maß hinausgeht. Am Dienstag kam eS wiederholt zu recht unangenehinen Auftritten. Ein Mann, der nach dem Bahnhof wollte und an der Stelle ahnungslos vorbeikam, wurde recht unsanft am Kragen ge- packt, u. a. wurde ein Schmied, dem die Hand verkrüppelt ist, zur Erde geworfen, daß eine allgemeine Empörung entstand. Wieder andere, die ein Wort über das Benehmen der Beamten äußerte», wurden sistiert, und als einige andere Personen, die den Sistierten ihre Adressen geben wollten, nicht sofort den Bürgersteig verließen, wie da» die Beamten glaubten fordern zu können, wurden sie gleich- falls sistiert. Unserer Meinuiw nach ließe sich das vermeiden, wenn Beamte mit mehr Takt an diese Stelle gestellt würden. Hebammen-Gedührenordnung. Die Gebühren der Hebammen richten fich, falls keine Ver- einbarung vorliegt, für den Umfang des LandeSpolizeibezirkes Berlin nach folgender auf Grund des Gesetzes von, 10. Mai 1908 unter dem 25. September 1908 vom Polizeiprädenten festgesetzten Ge- bührenordnung: 1. Für den Beistand bei einer regelmäßigen oder ftühzeitigen Geburt für die Dauer bis 12 Stunden 7,50 bis 30 M. Für jede folgende Stunde 0,50 bis 2 M. 2. Für den Beistand bei emer ZwtllingSgeburt, einer regelwidrigen Geburt, einer mit Blutungen und deren Folgen oder mit Ellaiiipsie, mit Lösung der Nachgeburt oder mühsamer Wiederbelebung des Kmdes verbundene» Geburt 12 bis 45 M. 8. Bei einer Entbindung, zu der ein Arzt zugezogen wurde, erhöhl sich die Gebühr um 2 bis 8 M. 4. Für den Beistand bei einer Fehl- oder unzeitigen Geburt oder bei der Abnahme einer Mole für die Dauer bis zu sechs Stunden 5 bis 15 M. Für jede folgende Stunde 0,50 bis 2 M. 5. Für jeden vorgeschriebeneu Wochcnbeiuch, für jede angefangene Stunde bei Tage 1 bis 2 M., bei Nacht 2 bis 4 M. 6. Für jeden sonstigen Besuch einschließlich der dabei erfolgenden Untersuchungen und Verrichtungen für jede aiigefangene Stunde 1 bis 5 M.. bei Nacht 2 bis 10 M. 7. Für eine Tagewache außer- halb der GeburtSzeit sBesuch eingeschlossen) 4 bis 8 M., für eine Nachtwache 5 bis 10 M., für eine Tag- und Nachtwache 10 bis 16 M. 8. Für eine Raterteiluna in der Wohnung der Hebamme bei Tage 0.50 bis 1.50 M., bei Nacht 1 bis 3 M. 9. Für eine Untersuchung in der Wohnung der Hebamme 1— 4 M.. bei Nacht 2—3 M. 10. Für ein schriftliches Zeugnis außer der Gebühr für die Untersuchung oder den Besuch 0,75—2 M. 11. Für den Beistand bei einer ärztlichen Operation für die angefangene Stunde 1—6 M. Als Nacht im Sinne vorstehender Vorschriften gilt in den Monaten April bis September'die Zeit von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens, in den anderen Monalen die Zeit von 9 Uhr abends bis 8 Uhr morgens. Die Auslagen für Fahrgelder sind der •Hebamme zurückzuerstatten. Die baren Auslagen für die bei ihrer Hilfeleistung verwendeten Desinfektionsmittel und Verbandsstoffe sind der Hebamme zu ersetzen. Die Verschiedenheit innerhalb der so festgesetzten Gebührenhöhe richtet sich nach den Vermögensverhältnissen der Betreffenden. Der Satz von 7,60 M. wird nur für die Stadtarmen für den Beistand einer regelmäßigen oder friihzeitigeniGeburt berechnet. Sonst liquidieren die Hebammen nicht unter 10 M. für eine Geburtsleitung bis 12 Stunden und nicht unter 16 M. bei einer regelwidrigen Geburt. Die Heb- ammen dürfen nicht unter der Taxe arbeiten und sind geholten, sich genau nach den Vorschriften des Lehrbuches und der Dienstanweisung in ihrer Berufsführung zu richten. Der Eispalast hat seine Pforten wieder geöffnet. Am Dienstag entwickelte sich an dieser Stätte wieder em bunteS Leben und Treiben. Wer ein Interesse am Eissport hat. wird zweifellos durch das gebotene. Kunstlaufprogramm auf seine volle Kosten kommen. Arbeiter< Bildungsschule Lerlm. Am Sonntag, den 18. Juli Familienausflug nach dem Grunewald. Abfahrt des Zuges Potsdamer Ringbahuhof 1.46 nachm. Treffpunkt Bahnhof Halensee. Von 2'/» Uhr ab: Restaurant„SchützenhauS", Hundekehlestr. 20 j» Schmargendorf. Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Vorort- JVaebriebtem Charlottenbnrg. Die Zusammensetzung der neuen Wahlbezirke. Für die im Herbst vorzunehmenden Stadtverordnetenwahlen werden bereits die neuen Wahlbezirke gelten, so daß sich die Wähler beizeiten mit den neuen Verhältnissen vertraut machen müssen. Die einzelnen Wahlkreise find in AbjtimmllNgSbezirke geteilt. Der T., 2., 5., 6., 7. und 8. Wahlbezirk zählt je drei AbstimmungS« bezirke, während der ö. und 4. Wahlbezirk je vier Abstimmung- bezirke zählt. Zum Wahlbezirk 1 gehören im Abstimmungsbezirk'A die Stadtbezirke Westend und Am Spandaucr Berg; zum Abstimmungs. bezirk ö Schloßviertel 4 und 5; zum Abstimmungsbezirk C Schloßviertel 6, 8 und 9. Der Wahlbezirk 2 besteht aus: Im Abstimmungsbczirk A Schloßviertel 1 und Innere Stadt 8; im Abstimmungsbezirk B Schlo�iertel 2 und 3; und im Abstimmungsbezirk C Schloß- viertcl 4. Der räumlich größte Wahlbezirk 3 umschließt im Abstimmungs. bezirk A KalotvSwcrder, Nonnendamm, Königsdamm; im Ab- stimmungsbezirk B Martinikenfelde; im Abstimmungsbezirk C Halbinsel 1 und 2; und im Abstimmungsbezirk D Lützow 3 und 4. Im Wahlbezirk 4 liegen im Abstimmungsbezirk A Lietzen- sce 1; Abstimmungsbezirk B Lictzcnsee 2; Abstimmungsbezirk C Lietzensee 3; und zum Abstimmungsbezirk O gehört Innere Stadt 11 und 12. Der Wahlbezirk 5 umfaßt im Abstimmungbezirk A Lützow 1 und 2; im Abstimmungsbezirk B Innere Stadt 2 und 3 und Hoch- schulviertcl 7; im Abstimmungsbezirk C Innere Stadt 4 und 5. Für den inmitten der Stadt liegenden Wahlbezirk 6 kommen in Betracht im Abstimmungsbezirk A Innere Stadt 1 und 11; Abstimmungsbezirk B Innere Stadt 6 und 7; Abstimmungs- bozirk C Innere Stadt Ö und 10. Dem Wahlbezirk 7 gehören an für den Abstimmungsbezirk A Hochschulviertel 3, 4 und 6; für Abstimmungsbezirk B Hochschul. Metel 5 und Kurfürstendamm 3 und 4; und für den Abstimmungs- bezirk C Kurfürstendamm 5 und 6. Der Wahlbezirk 8 ist zusammengesetzt im Abstimmungsbezirk A Ostviertel 1 bis 3; im Abstimmungsbezirk B Ostviertel 4 bis 7; und im Abstimmungsbezirk C Ostviertel 8, Kurfürstcndamm 1 und 2 und Hochschulviertel 1 und 2. Bei der dritten Wählerabteilung sind neun Vertreter zu wählen. Turnusmäßig scheiden aus unsere Genossen Hirsch, Vogel, Gebert, Wilk, Ewald und Sellin; ferner die bürgerlichen Stadwerordneten Otto und Spiegel. Letzterer wurde zum Stadtrat gewählt. DeS weiteren ist eine Ersatzwahl für den Genossen Liebe nötig, der sein Mandat niedergelegt hat. Unsere ausscbeidenden Genossen sind im 1.. 2.. 3.. 4., 5. und 6. Bezirk gewählt worden. Bei den bevorstehenden Wahlen sind in der dritten Abteilung drei Hausbesitzer zu wählen. Zwei für den dritten, einer für den zweiten Bezirk. Rixdorf. Für die schulpflichtigen Kinder finden auf dem Turnplatz der „Freien Turnerschaft" sGrenzallee, gegenüber dem Sport- und Lust- bad) Spiele statt. Die Spiele werden jeden Montag und Donners- tag von 3—6 Uhr veranstaltet. Erster Spieltag heute Donnerstag. Sehr erwünscht wäre es, wenn sich die Genossinnen, welche als Ordnerinnen auf dem Spielplatz tätig sein wollen, bei der Genossin Jeetze heute auf dem Spielplatz melden würden. Im Interesse der guten Sache wird zahlreiche Beteiligung erwartet. Beim Sommcrfest de? Wahlvereins Rixdorf am Sonnabend, den 10. Juli, ist eine Tasche mit Portemonnaie und Schlüssel verloren gegangen. Es wird gebeten, dieselbe in der»Vorwärts"-Spcditiov Neckarftr. 2 abzugeben. Pankow. Die Beerdigung des Genossen Obier. Am DienStag wurde unter außerordentlich großer Beteiligung unser Genosse, Gemeindevertreter und Verbandsselretär Max Obier zu Grabe getragen. Neben seinen Berufs- und Verbandskollegen waren die Parteigenossen zahlreich erschienen. Luch die Gemeindevertreter mit dem Bürgermeister hatten sich vollzählig eingefunden, ein Beweis der Achtung, die unserem Obier auch von seinen politischen Gegnern gezollt wurde. Mit Gesang leitete der Gesangverein„Seneselder". dessen Mit- gründer Obier seinerzeit war, die Trauerfeier ein. Hieraus gab Genosse Sillier, der Zentralvorsitzende des Verbandes de, Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe in kurzem vmriß einen Ueberblick über das aufopfernde Wirken Obiers für die Arbeiterklasse und den Verband der Luhoaraphen. Steindrncker und verwandten Berufe im besonderen. Max Obier, am 26. Oktober 1859 zu Berlin geboren, erlernte den Steindruckerberuf. Im Alter von 26 Jahren, also 1886, war er Mitbegründer des Fachvereins der Steindrucker. in dem er seine ganze Kraft entwickelte. Im Gesang- verein„Seneselder" pflegte er den kollegialen Geist. 1891 mußte er Berlin verlassen und mit seiner Familie in Detmold als Steindrucker Stellung annehmen. Die Arbeitgeber Berlins schlugen seine Arbeitskraft aus. Auch in Detmold, wo später Obier Konsunilagerhalter und auch Landtagsabgeordneter wurde, wirkte er in den vordersten Reihen der kämpfenden Arbeiterklaffe. Wiederum mußte Obier mit seiner Familie den Wohnsitz wechseln. Wir sehen ihn dann in Karlsruhe, immer wieder als Kämpfer in erster Reihe. Im Februar 1902 wurde er zum Redakteur der „Graph. Presse" und Verbandsverwalter nach Leipzig berufen, von wo er nach erfolgreichem Wirken im August 1907 nach Berlin übersiedelte, um als Berbandssekretär im Hauplbureau tätig zu sein, wo er bis zu seinem Krankenlager verblieb. Kurz vor diesem berief ihn das Vertrauen der Genossen in die Gemeindevertretung, Ivo er, wie überall, durch seine sachliche Mitarbeit Achtung und An- erkemrung fand. Sillier dankte dem körperlich scheidenden Freund für sein Kämpfen um die Acbeitersache mit dem Gelöbnis in seinem Sinne weiter zu wirken. Zahlreich Ivaren die am Grabe niedergelegten Kranzspenden, die vom Hauptvorstand, Ausschuß, den Gauen: Sachsen-Thüringen, Rheinland-Westfalcn, DreSden-Chcinnitz, ?ftankstlrt a. M., Niiruberg-Fürth, Württemberg und Schlesien-Posen, owie den Mitgliedschaften Berlin, Leipzig, AscherSleben. Hamburg, Magdeburg, Hannover. Karlsruhe usw. gewidmet waren. Weitere Zeichen der Trauer waren die Kränze der Redaktion der„Graphischen Presse", der Expedition derselben, der sozial- demokratischen Fraktion der Gemeindevertretung, sowie des Bezirkes und des Wahlvereins Pankow. Gebührend sei erwähnt, daß auch die Gemeinde Pankow durch Niederlegung eines Kranzes durch den Bürgermeister ihres verstorbenen Gemeindevertreters gedachie. Mit einem schlichten Grabgesang schloß die ergreifende Trauerfeier. Max Obier ist nicht mehr unter uns, seiner und seiner Erfolge für die Arbeiterschaft werden wir stets gedenken I Teltow. Die Liste der stimmfähigen Bürger der Stadt Teltow zur Stadt- verordnetenwahl liegt vom 16. Juli bis 30. Juli im hiesigen Rat« hauS. Zimmer Nr. 6 zur Einsicht aus. Einsprüche gegen die Richtig- keit dieser Liste sind in der AuSliegezeit beim Magistrat anzubringen Genossen, welche verhindert sind. Einficht zu halten, können sich melden beim Genossen W. Bonow und G. Franke. Neinickendorf. Ein schwerer Autom-bilunfall trug sich am Dienstagnachmittag in der Berliner Straße in Remickendorf zu. Der Hausbesitzer Weiß aus der Fnedrichstraße in Berlin hatte mit Frau und Tochter in seinem Kraftwagen einen Ausflug nach Wittenau unternommen Als er sich auf der Rückfahrt vor dem Hause Berliner Straße 12! befand, stieß daS Auto infolge Versagens der Steuerung geger einen Baum und stürzte um. Die drei Insassen wurden aus der, Wagen geschleudert; während W. und seine Tochter mit unerhebliche» Hautabschürfungen davonkamen, geriet Frau Weiß unter dal schwere Gefährt und wurde von den Trümmern vollständig begraben Die Situation war um so gefährlicher, als bei dem Umstürzen del Autos sich daS Benzin entzündete und den Kraftwagen in Branl setzte. Mit Hilfe herbeieilender Passanten wurde die Verunglückt mit vieler Mühe aus ihrer entsetzlichen Lage befreit. Sie Haitz außer schweren inneren Verletzungen erhebliche Brandwunden in Gesicht und an den Armen und Beinen erlitten. Nachdem Frai Weiß von einem Arzt einen Notverband erhalten, wurde sie insttelt Automobils nach rmer Privatllinik in Verlin übergeführt. Vernrifcbtes» Uebcr einen Doppelmord Wird aus Wittenberge berichtet. Am Elbufer bat der Kleinbesitzer Platz zwei Arbeiter erschossen und zwar die Werlstattschlosser der Witrenberger Werkstätte Karl Hinrichs und Otto Langwisch. Die Einzelheiten, die jetzt bekannt werden, lassen die Tat als eine ganz besonders niederträchtige erscheinen. Die beiden Ermordeten wollten dem Fischer Gutke beim Ein- ziehen der Aalhamen behilflich sein. Gutke ist Eigentümer eines am allmärkischen Elbufer gelegenen Brakes, daS zur Heuernte an den Platz verpachtet ist. Platz, in Klein- Beuster wohnhaft, gilt als ungemein rachsüchtiger und gemeingefährlicher Mensch, dem jeder aus dem Wege ging. Er ist 52 Jahre alt und Vater von S Kindern. Seine beiden ältesten Söhne, deren einer als Soldat bei der Artillerie dient, waren Zeugen des Vorfalles. Platz schwor jedem, der sein Wiesengrundstück betrete, Rache und legte sich in der Nacht auf die Lauer mit einem Jagdgewehr, das sein Sohn herbeigeholt hatte, bewaffnet. Als Hinrichs und Langwisch in der frühen Morgenstunde kamen, um Gutke zu helfen, wurden sie durch Schüsse niedergestreckt. Eine Gerichtskommission aus Seehausen stellte über die Einzelheiten der Mordtat fest, daß der Mörder den Hinrichs nicht sofort getötet hat. Um ihn.kalt" zu machen, schlug. er dem hilflosen blutüberströmten Opfer die Schädeldecke ein und gab dann noch aus unmitlelbarer Nähe im Kahn auf den halbtoten Hinrichs einen Schuß in die Bauchaegend ab, wobei er das Gewehr an den Leib des Opfers hielt. Langwisch wurde durch einen Herzschuß sofort getötet. Um seine Mordtat zu verdecken, legte er die Leichen in den Kahn und kippte diesen um, damit die Leichen elbabwärts treiben sollten. Sein Plan wurde jedoch von Gutke vereitelt, der mit dem Fischer Kuh- blank die Leichen aus dem Wasser holte. Der Mörder war nach der Tat gleich nach Klein-Beuster geflohen, wo er sich noch häuslich be- tätigre. Dann setzte er sich aufs Sofa. Dort erfolgte auch seine Verhaftung. Ueber die Tat befragt, erklärte Platz, er habe in Notwehr gehandelt. Wie aber inzwischen fest- gestellt, ist der Doppelmord ein Racheakt wegen des Be- tretens der Wiese. Vor seine Opfer gesührt, legre Platz einen unglaublichen Zynismus an den Tag. Nur ein größeres Gendarmerie aufgebot konnte den Mörder und feinen Sohn vor der Lynchjustiz des erregten Volkes schützen. Vater und Sohn wurden gefesselt nack dem Stendaler Untersuchungsgefängnis gebracht. Während Langwisch erst vor kurzem geheiratet hat, ist Hinrichs Vater von vier Kindern im Alter von zwei bis acht Jahren. Hinrichs war auch die einzige Stütze seiner Mutter, die bereits eine Tochter durch Ertrinken ver- loren hat._ Eiscnbahnuilfall. Köln, 14. Juli. sAmtlicbe Meldung.) Heute vormittag 9 Uhr 18 Min. entgleiste Eilzug 147 Köln— Norddeich auf Bahnhof Wor- ringen infolge Ablenkung in ein Nebengleis. Lokomotive umgestürzt. Packwagen und 2 Personenwagen zertrümmert. Von dem gering besetzten Zuge nur ein Reiseuder und der Heizer leicht verletzt. Beide Elelje nach kurzer Störung wieder fahrbar. Hochwasser. Im Odergebiet ist durch anhaltende Regenfälle erneutes Hoch- Wasser eingetreten. In Ratibor ist der Strom seit gestern von 369 Zentimeter auf 549 Zentimeter gestiegen. Die Weichsel ist in der letzten Nacht im österreichisch- schlesischen Grenzgebiet über die Ufer getreten. Der Verkehr zwischen den preußischen und österreichischen Landesteilen wird durch Kähne aufrechterhallen. Lese- und Diskutierklnb„Wilhelm Liebknecht". Heute Donners- tag, 3 Uhr, bei K. Eichhorn, Danziger Strohe 93. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter lE. H. 29) Hamburg. Filiale Tegel. Sonnabend, den 17. Juli, L Uhr, bei Fritz Kalies, Berliner Str. 92. *Lüiiiiu>cz Marktbericht der städtischen Markthallen-Direttion über den Groghandel in den Zentral-Martthallen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend, Geschäft lebhast, Preise sest. Geflügel: Zufuhr teilweise über Bedarf, Geschüst still, Preise nicht befriedigend. Fische: Zusuhr mätzig, Geschäjt etwas lebhaster, Preise wenig verändert, Krebspreise nachgebend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäjt slau, Preise nach- gebend. ffnr den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. €bcatcr. Donnerstag, den 15. Juli Anfang 8 Uhr. Neues königliches Operntheater. Tannhäuser.(Ansang 7 Uhr.) Deutsches. Zu ebener Erde und im ersten Stock. Kammer spiele. Ein Skandal in Monte Carlo. Lesstug. Die Dollarprinzesfin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Neues Schauspielhaus. Moral Schiller O. iWnllner- Thrairr.) Madame Bonivard. Sch'Nrr Gharlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich. Wilhelmftödt. Schau. sptelhaus. Der Troubadour. Komische Oper. O diese Leutnants. Neues. Der ßotclbieb. Thalia. Im Gase Noblesse. Luftspielhaus. Der sesche Rudi. Neues Operetten. Die Sprudelsee. Luisen. Die Sünde deS Priesters. 1 Folies Capricc. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8Y« Uhr. Metrovol. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. Was eine Frau kann. Berliner Prater. Man lebt ja nur einmal. W. Stoacts Theater. Verbotene Wege. AP»»». Hartstein. Er oder Er. Speziabtäten. Wintergarten. Spezialitäten. Paiiage. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Stadt-Theater Moabit. Spezla litäten. Voltsgarten. Spezialitäten. Vruunen. Die S Spezialiiäten. Reichölinlten. Stettiner Der Kompagnieball. ltranta. Tnuveniirnfte 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Tter»n>nr>e. Jnvalidenlk. 57/82. vPreewald-KSlhe. Sänger. LxLsinx-Tkeater. Gastspiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Ansang 8 Uhr. Vtv Dollnrprinzensln. Operette in 3 Alten von Leo Fall. berliner bester. Lperelten-Gastspiel. Täglich 8 Uhr: T_ in HcrbstinanUvcr. Neues Tbeater. Abends 8 Uhr: iDes* HoteSdiebn Freitag: Der Hoteldieb. Sonnabend, zum 1. Male» Sein Sündenregister. .Neues Kgl. Opern•Theater(Kroll). Gura-Oper. Tannehäuser. von Eich. Wagner.— Anl, 7 Chr. Einfache Preise. Freitag: lohengrin. Sonnabend: Meistersinger. Sonntag: Tannhäuser. Lusispielhaus. Abends 8 Uhr; Ter fesche Rudi. nmRlmM Gr. grantsuner Str. t3S. MM» Komödle in 4 Akt. v. Horst u. Flüggen. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartenbühne Ansang 4>/, Uhr. Zum letzten Male: Berlin aus Stelzen. BiUtNgoltoa. Sveätalititte». Urania. Wissenschaftliches Theater. Tauhenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. OOIOCISCHER I Täglich: Großes Militär-Doppel-Konzert. Eintr. 1 M., y. abends 6 Uhr ab 50 PI. Kind, u. 10 Jahr, d. Hälft. 4 dl Friedrich-WiilMlnistadtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 15. Juli, abends 8 Uhr: Oer TYoubndour. Gr. Over in 4 Akt. v. Verdi(Kl.sPrelse.) Freitag: Nachtlager von Granada. (Neu einstudiert.) Sonnabend: Der Freischütz._ Menes Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Anfang 8 Uhr: IMe Sprudclfce. Operette in 8 Akten v. H. Reinhardt. Uetropol-Idekter vis oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Eich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anl 8 Uhr. Rauchen gestattet KMi Letzter Tlonut. MM» 0.50 Zum 86. Male: 9.50 Kartstein in El* oder E|*a Vorher: Jean Paul. Die 9 Tankee Doodle Girls. Die lustigen Zecher. Original-Skeisch von Leo Billward. Ab 8 Uhr: Das übrige phiinomeiiale Programm. „La Via" in ihren Phantasie» Tänzen. Verona L�cle-Iroupe l l Lix �uxZünz-lZirls!! so-wie die sensationeiien Attraktionen des Juli-Programms. Reservierter Platz 2 M., Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe.) Goldene Jugend. AuSstaltungS- Operette von Walter Gerickfc Sowie 12 erstklassige Spezialitäten. Gustav Müller. Beginn ilU Uhr. Gälte: 90 Pl- Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-THeater.) Täglich: Hadame Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bisfon und Anlony MarS. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Schiller-Theater Charlottenburg. Täglich: Der Biberpelz. Eine Diebeskomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. i Neue Wefit Hasenheide 108-114 Tligllch: Erstklass. Spezialitäten u. Konzert. Uente, Donnerstag, TCyi«• den 15. Jnll 99:-BCiAliei/eSg. gggT- X3as hervorragende Juli-Programm. Hl Doppel- und Militär-Konzert t% Monster-Brillant- Feuerwerk.%• Anlang 5 Uhr._ Entree SO Pf. Abtahrtstelle Schillingsbrücke am Schlesischen Bahnhof. Billige Bampser-Ferlensahrl mit mwiknach Täglich früh 9'/,, mittag 2 Uhr.(Gosener Berge). Hin und zurück nur 00 Pf._(*)_ Robert TUmer. Berliner Schweiz ildtchon macht ein zartes, reines Gesicht, rosiges jugendfrischeL AuS- sehen, weiße sammetweiche Haut und blendend schöner Teint. Alles dies erzeugt die allein echte Steckenpferd- Lilienmilch-Seife vonvergmann�eo.. RadeDeill. ÄSl.50Pfg. überall zu habe». AAAAAAAAAbAAAAAAAdi Brunnen-Theater Badstratze 58. Direktion: Willi Voigt Heute sowie täglich: X Erstklassige Spezialitäten k X Xovltiit I JVovltät! Eisrae toBBe flacht. Gr. AnSstaltungS-Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Freund und Mannstädt. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Pässagö-PanoMlüim. Ecbend! Die letzten weihlietieD lesen vom Stamme der Azteken! n M— die Nchwebende Sz J Jungfrau. Ganz Berlin zerUrioht Amm sich den Kopf über fittSJsaB Alles ohne Extra-Entree. Passage-Theater.| Morgen, Freitag, 16. Juli: Eröffnung der neuen Saison j im günzllch umgebauten I und renovierten Theatersaal. 2 Eingänge] von Unter den Linden. Das sensationelle Eröffmings- Programm. 1 Kerliuer Prater-Theater ] Kastanienallce 7—9. Täglich: i Dan lebt Ja nur einmal! ! Havemanns gröSte Raubtierschule ! d.Welt. Spezialität., Konzert, Ball. J ( Ansang 41/, Uhr. rouieTnngoit v crit aj t uout 1%« Juu 1. Ji)"* ntot-ocuv o Uf)r* Stationen smtnnnbe erlin Franks.a M. München Wien A 5 c s Bf 7ß0W 783 WSW I Setter 3 bedeckt 3 wolkig 763 WNW! 3 bedeckt 766 SW 768 SW 766 W «bedeckt 4 bedeckt 2 wolkig vi« »!l Stationen 3« Havaranda 750 N Petersburg 747 WNW Scillh j 766 WNW Slberdeen Paris 759 SW 768 SSW Wetterprognose für Donnerstag, de» 15. Juli 1900. Zunächst etwas wärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit leichten Regensällm und ziemluh lebhasten westlichen Winden� später wieder etwas kühler. LerUuer Wetterbureau. WasserftandS-Nachrichten ')-f- bedeutet Wuchs,— Fall.— ft Unterpegel. Die alten Dltglledskarten müssen zum Umtausch in der bisherigen Zahlstelle abgegeben werden. Der letzte Abholnngstcrmln für die nenca Dltglledskarten ist der 5. Angnst. Ueber die bis zu diesem Tage nicht abgeholten Karten wird ander- weltig verfügt. Werbet Mitglieder für die neuen Abteilungen. 241/8 Der Vorstand: In Vertr. G. Winkl**. Stadt-Theater Moabit. Alt-Doablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Udr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Garteneröfinung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, Spezialitäten und Soiree der»Luftigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im grogen Theater-Saal. �axhach-llker an der Thielen- Brücke, Straßenbahnlinien 94, 46 u. 32. Tel Amt E 1418. Abends 8 Uhr: Elile-Gala-Vorstellg. mit einem noch nie vorher hier gezeigten mannigfaltigen Sensations- Programm, jode einzelne Nummer eine ÜUraktiODu.Selilager. Täglich abds. 19 U. SO Min.: | Auftreten der-weltberühmten littwen-Domptcnse Miss Charles mit ihren 14«W LÖH 14 ag. ohne Konkurrenz. Verband der Kater, Saekierer, Anstreicher«. Melchiorstras/o 28. Mals LsrUn. Fernsprecher Amt lV Nr. 4787. Am Sonnabend, den 17. Juli 1909, findet in der Brauerei„Friedrichshain" am KSnigStor das diesjährige Sommerfest der Meie yroA-Ssrlin unter Mitwirkung der SsZeNsekest Sfmlewiez statt. Konzept. O Bali. Kludttfackthng, Twwe'Ätto'ertSIf' 1 Gratisverlofung ftr die Damen. Die Kaffeeküche ist den Damen von S Uhr ab geöffnet. Q Beginn deS Konzerts um 5 Uhr. Billett» sind ans allen Zahlstellen, im Verbandsbnreau sowie bei dm HauSkassiereru zu haben.— Um rege Beteiligung ersucht slSS/äl Die Ortavorwaltung. A» diesem Tmmabevd falleo die Zahlabende aus. Tkester virettion: Hob. Ol». Sruimmstr. IS. Zum letzten Mal«» Die �iebesprode. Charatter-Lnstspiek in 3 Akten. Vorher: Erstklassige Tpeztalltäten» Ansang 7 Uhr.«ntre» SO Ps. Sonnab.: 0er Schuster als Uillisalr. Kelebsdalieu-Iiisatei'. Beate: I-etzte Gelree dir AM ZW Marge», Freilag, den IS. 7: 1. Gastspiel Winter- Tynlan m. seiner berüHmlHerrengcsellichast Volksgarten-Tbealer früher WcimannS Volksgarten Täglich: Konzert, Dhcater. nitt TPezialitäten-VorsteUnng. Das neue Juli-Programm. Gustsv llulonburg. X Trudl Truih Gesohw. Wledomann. The 3 Syburgs Der Brandstifter von Berlin. VolkSst. m. Ges. u. Tanz v. Reisslwgen ZiSnigstadt-iiastn». 5olzmarktstr.72(Ecke Alexanderstr.) tägl. t henlNatiir-Sommergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Gr. Theater, a Spar.-Vorstellung. Eine Meie Kiste Meißner, Demby, Lea Mignons, Byron u. erstklassige Spezialitäten. Tust�ochen�g�Sonnta�S�UHk Max Kliems Soni'- Theater nnd Festsäle Rudolf KrDger� HasenheWe 13/19. Großes Konzert,'Theater Vi Spezialitäten-Iforstellimg. Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Blltetag. Während und nach der Vorstellung Tanzkrttnzclien. o®eeeeeaeeeeeeee»e#o i Schweizer- Garten 1; Am KSnigStor. Am Friedrichshaw Tonliph Ansang 4 resp. 5 Uhr G » tSgllvll«ntzee»«Dl." ! Ideater-Vorsteiliillg>! Spezialitäten. D. neueJuliprogr. Kinemategrapst, VoIlcsbcliisUgun-i NKWiMttZ.Äu Jed.Mittwoch! KlBdtrfreudenfMl iMUMMMMMMMMMMMl I Weinbergsweg 19-20, Rostnth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: Dir grandiasrn ispezialriäten. � Im Garten: Vor 6er spanischen Arena. Oamais««f■ Landsberger Allee 76(77, a. d. Ringb. Ab Freitag, den Ik. Juli: Beginn ein er Internationale» «iaxksng'pL-«(onlcurren?. wozu die namhaftesten Ringer des In» und Auslandes ihre Teilnahme zugesagt haben. Bor d. Ringt.: Spe�ialität.-ZZorst. Elysisim Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Strasse. SC* Heute sowie täglich 9� im prachtvollen Naturg arten: Vorstellung abwechselnd von drei der btstrtnsmmieriestell SängergesellsHasteu. VereillZ-srskMl. litxllori. llermaanstr. 214/219. � Oekonom: lsar Wendt. SV* Täglich:~WB Gr. Militär- Konzert. l Jeden Dienstag: Gr. UrMenM Entr.lSPs. Mütze od. Schärpe grat. �Vaset»= Maschinen dir. v. Fabr.-Nied. auf Teilzahlung! 1 M. pro Woche 1 jähr. Garantie. A. Wiener BERLIN SW. Alexand rinen- StraBe 27 p. Platz-Vertr. ges. Dianinn erster Hoslieseranten< Firma nanmu weit unter Wert sofort oer. läuflich FranzösischestraBe 16, I c. »«»«MM» Soeben erschienen! Don J. Stern. Der Verfasser der vorliegenden Schrift, Genosse Stern, wendet sich in beredten Worten gegen die Todesstraje, die sich aus der Bar- barei bis in unsere Tage erhalten hat. Stern führt die Gründe an, welche die Aushebung der Todes- strafe notwendig machen, und er belegt diese Aufforderung durch zahlreiche Aussprüche hervorragen- der Denker. Einige einleitende Worte der Broschüre sind der hiswrischenEntwickelung der Todes- strafe bei den verschiedenen Völlern gewidmet. Preis SO Pf. Bereinöauögabe 20 Pf. tpliitiGD des„Vorwärts" Berlin SW. Ltndenstr.(50, lliaden. >»wwwwow wurwwwww w t JB. Cr. m. b. H. Sonntag, den 25. Juli 1909, vormittags 91/3 Uhr, = Siebente ordentliehe Generalversammlung= in den„Rittersälen",«W., Ritterstratze 75. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht: Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Berlustrechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz, sowie Bcschlustfassuug über die Bcrtcilung des Gewinnes. 0. Bericht von der Berbandsrevision. 4. Neuwahlen des Bor- standeö. 5. Ersahwahlen zum Auffichtsrat. 6. Eventuelle Anträge der Genossen. 7. Verschiedenes. 106/16 Genossen! Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es Pflichteines jeden Genossen, bestimmt zu erscheinen! Niemand darf fehlen! Nur Mitglieder haben Zutritt! Ohne Mitgliedsbuch kein Einlatz! Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung sind in der Geschäfts- stelle, LG., Kottbuser User 44, Hos rechts, I links, in den Kassenstunden, vor» mittags 8—10 und nachmittags von 4>/,— 7 Uhr, einzusehen.— Etwaige Anträge der Mitglieder müssen bis spätestens Dienstag, den 20. Juli, schriftlich beim Vorstande eingegangen sein. Die Versammlung wird pünktlich erüfsnet. Der Borstand. G. D o r n e S. F r. W e r n i ck e. A. R e i n e ck e. Deutscher Holzarbeiter-Verband. JStockarbeiter! Achtung! Heute, Donnerstag, den IS. Juli, abends S Uhr, In den „Nittersälen"(Inhaber Berchts), Ritterftrafte 7S: Branchcn-�crfamtnluiig« Tagesordnung: K/20 1. Meister- und Arbeiter-Organisation. 2. Freie Diskussion. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist eS dringend notwendig, daß sämtliche Kollegen erscheinen. Zu dieser Versammlung sind unsere Meister freundlichst eingeladen. Die Branchenleitung. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsverwaltnng Berlin. Achtung! Untttärsattler. Achtung! Freitag, de« 16. Juli, abends präzise 6 Uhr: Außerurdcutliche Krunchcnvcrsuinmtuug im Saal I des Clewerhschaittdiantie», Engelufer 15. Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei der Firma Brnno Wiedermann. 2. Bericht von den Verhandlungen mit den Fabrikanten bezüglich Fest- legung der Akkordpretse bei den anzufertigenden Militär- Kummeten. 3. Verschiedenes. 167/13 Kollegen! Die Wichtigkeit der TageS-Ordnung erfordert, daß alle zurzeit aus Militärarbeit beschästigten Kollegen diese Versammlung besuchen. Die Branebenleitnng. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: CharitistraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987. Ansflng: der in der Metallindustrie beschäftigten jugendlichen Ardeiter und Lehrlinge am Sonntag, den 18. Juli, nach Sadewa— Pferdebncht. Tresspunlt in Sadowa, Waldschenke, 10 Uhr.___ »Mb Für Nachzügler bis 1 Uhr: Pferdebncht.-MM Die Vertrauensleute werden ersucht, unter den jugendliche» Arbeitern und Lehrlingen zu agitieren, das? dieselben sich an diesem Ausflug beteiligen. Vom Schlesischen Bahnhof gehen die Züge 8.23, 8.53 und 9.23 Uhr, von Stralau-Rummelöburg 8.27, 8.57 und 9.2? Uhr. 119/20 Die Hauptbibliothek ist geschloffen und werden die- jenigen Kollegen, welche sich noch im Besitz von ent- liehenen Büchern befinden, ersucht, dieselben schleunigst ab- zuliefern. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird dem- nächst bekanntgegeben werden. Die Ortsvcrwaltung. Waid- und Landparzellen Borort» Nähe Lehnitz- u. Grabowsee, verlaust von 200 M. an pro Parzelle(auch Teilzahlung) Ba«lnke II, Palisadeustr. 86. Das unverfälschte rein amerikanische Sicherheits- Petroleum Upania- Salonöl ist in allen Geschäften erhältlich, wo das bekannte Plakat mit dem Indlanerkopt aushängt. 255/12* SMA ßriuaiteSidiiimSlIftrfdift! l» spätesten» abend« 8 Uhr. die Säger sind üb-rsilllt.~ antenin P Aeit. Di« Preise sind herabgesetzt und fabelhaft billig, .erren- Anzüge. Herrenr Hosen, Herren-jßaletol», unter 14 18 18»S denn et ist die höchste E» kamgie» zum Perlauf:___________________________ ein graßer-Posten Monat»» Sarderobc, in den feinsten W-rlstätt-n-:geardeitet, au» prima., Stoffen .,; it-U» aus Seide), für jedermann paffend, auf Lager. �<-»[17115 Jackett Auzstg«..... 8 1« 14 18 M.> Rai» Aiiziige...V.. lO" Samm-r.Paletot».... 7 1« 14 18 AI. Gehrork-Aiizüa«..... 14 H»r»«,.Hol-n...... 3 4 5 7 II». I igefellschafts-Änziia- spottdilltst. . Einzelne Jacketts, Röcke, FrackS usw. 3. Mi Ä Efi ö 7 Hauptgeschäft: Graste Frnuksurtar Siraste 116,. an der«ndreatstraße. ■« ti j TB-ichäst: Ehaufseeftrahe 8». III. S-schäft: Brmineuftrafle 171». .: MMWNa»»»' jT- so an. «« an. Ii An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Mnstergilltlg in Konatrnktion and Ansftthrang, gleich vorzüglich für Uaasgebraach«. Indastrle. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. 3BKJ{I.! leipziger Straße 98. j— Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I+ Bekanntmachung. Der im Bauklempnergewerbe zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern bis zum 31. März 1909 geltende Tarifvertrag war von den Arbeitgebern rechtzeitig gekündigt worden. Da über einen neuen Tarisvertrag eine Einigung nicht erzielt werden konnte, vielmehr am 1. April 1909 die Aussperrung der Klempner seitens der Arbeitgeber und der Streik der Klempner ersolgte, hatte die schlich- iungs-Kommifsion das Gewerbegericht Berlin als Einigungsamt zur Erledigung der Tarissrage an- gerufen. Nach längeren Verhandlungen ge- langte das Einigungsamt in der Sitzung vom 16. Juni 1909 zu nach- stehendem Schiedsspruch, der den anwesenden Vertretem beider Parteien verkündet wurde: § 1- a) Die Arbeitszeit beträgt neun Stunden pro Tag. Vom 1. No- vcmber bis 1. März kann die Arbeitszeit verkürzt werden. So- bald die Arbeitszeit verkürzt wird, mutz dieselbe für Bau und Werk- statt möglichst gleich sein. d) Sonnabends kann die Arbeitszeit um eine halbe Stunde weniger als an anderen Wochenlagen be- tragen. Am letzten Arbeitstage vor Ostern, Pfingsten und Weih- nachten kann zwei Stunden srüher Feierabend gemacht werden. Dies gilt auch bei verkürzter Arbeits- zeit. Nur die wirklich geleistete Arbeitszeit ist zu bezahlen. Die Lohnzahlung mutz bis Schlutz der Arbeitszeit beendet sein. Warte- zeit ist als Arbeitszeit zu bezahlen. § 2. Die Arbeit kann sowohl! in Zeit- lohn als auch in Akkord ausgesührt werden. Hierunter sind alle Ar- beiten aus und für Bauten zu Per- stehen. Bei Akkordarbeit ist der Swnden- lohn als Mindestvergütung zu ge- währleisten. Die Auslösung de» ArbeUSv erhält. nisieS kann auch bei Akkordarbeit jederzeit ohne Einhaltung einer Kü:"- digungSfrist und ohne Angabe von Gründen erfolgen. Erfolgt die Aus- lösung durch Verschulden des Arbeit- nehmerS, insbesondere wegen Ver- zögerung der Akkordarbeit, so hat er nur Anspruch aus den sür die bis dahin ausgewendete Arbeitszeit tarifmäßig zu gewährenden Stundenlohn. s 3. Der Mindestlohn beträgt vom 1. April 1909 bis 1. Oktober 1910 721/2 Pf. pro Stunde, voft da ab 74 Ps. pro Stunde. Jungausgelernte, d. h. Klempner. gesellen, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, erhalten als Mindestloh» bis zum vollendeten 18. Lebensjahre 50 Pf., bis zum 19. Jahre 55 Ps., bis zum 20. Jahre 60 Ps. und bis zum vollendeten 21. Jahre 65 Ps. pro Stund«. s 4 Uebcrstunden dürfen nur in drin- gcndcn Fällen gemacht werden. Bis 9 Uhr abends sind 25 Proz. Aus- schlag zu zahlen, von 9 Uhr abends ab und bei dringender Sonntags- arbeit sind 50 Proz. Aufschlag zu zahlen. Die Nachtarbeit beginnt um 9 Uhr abends und darf nur 3 Stunden dauern. Jeder Ausschlag wird erst nach neunstündiger Arbeitszeit ge. Für die Vergütung von und Fahrzeit ist ohne Rück> die Wohnung des Arbeiters aus schließlich maßgebend die jedesmalige Entscrnung der Arbeitsstelle vom Geschästslokal. Ist die Arbeitsstelle mehr als 4 Kilometer vom Geschäft enlsernt, so ist dem Arheitnehmer das Fahr- geld sür die täglich einmalige Hin- und Rückfahrt zwischen Geschäfts. und Arbeitsstelle mit dem vom Arbeitgeber zu bestimmenden Ver« kehrsmittel zu vergüten. Ist die Arbeitsstelle mehr als 15 KUometer vom Geschäft entfernt, dann ist außer den: Fahrgeld die Fahrzeit, rcsp.(soweit eine Fahrt- Verbindung nicht vorhanden ist) die Laufzeit von 15 Kilometer ab, und zwar sür den Hin- und Rückweg als Fahrgeld cksicht aus Arbeitszeit zu bezahlen. Mindestens ist dafür täglich eine Stunde Lohn zu vergüten. s S. Bei Arbeiten, wo der Wohnort abends nicht zu erreichen ist, sind pro Tag 2,50 M., auch sür Reise-, Sonn- fund Feiertage zu vergüten. In Badeorten, oder wo der Unter- alt sehr teuer ist, ist entsprechend öherer Zuschlag zu gewähren. Bei solchen Arbeiten tst sür Hin- und Rückfahrt der Stundenlohn zu zahlen. Fahrgeld ist sür die dritte Wagenilasse zu gewähren. Bei längerem Aus- enthalt ist dem Arbeiter jedes Viertel- jähr Hin- und Rücksahrt zu bezahlen. Zeitentschädigung und Reisekosten fallen jedoch hierbei weg. Wird der Arbeitnehmer vom Arbeit. geber aus Gründen des H 123 Abf. 1, 2, 3, 4 und 6 der G.-O. entlassen, oder legt er die Arbeit selbst nieder, hat der Arbeitnehmer die Kosten sür die Rückfahrt selbst zu tragen. Bei" den in diesen Paragraphen vorgesehenen Arbeiten hat der Arbeit- geber den aus dem Lohngebiet Berlin kommenden Klempnern den in diesem Tarif vorgesehenen Lohn zu zahlen. Für die an dem betreffenden Orte eingestellten auswärtigen Klempner ist der Arbeitgeber hieran nicht go bunden. 8 7. Auf Bauten ist sür genügende Schutzrüstung zusorgen. Die Rüstungen müssen als Arbeitsrüstungen benutzt werden können. Für einen verschließ: baren, im Winter mit Fenster ver- sehenen Raum soll Sorge getragen werden. 8». Für den Transport des Werkzeuges hat der Arbeitnehmer� ohne jede Zeit- cntschädigung selbst sorge zu tragen, und nur dann, wenn der Arbeiter den Auftrag erhält, während der Arbeitszeit die Arbeitsstelle zu wechseln, gilt diese Zeit als lohnanrechnungs tähig. 8 S. Zur Beilegung von sireittgkeiten aus diesem Tarisvertraae wird eine paritätische SchltchtungSkommission ge- bildet, bestehend aus 4 Arbeitgebern und 4 Arbeitnehmern, unter dem Vorsitz eines Unparteiischen. Für den Behinderungssall eines der Arbeit- geber oder Arbestnehmer werden je 4 Stellvertreter gewählt. Gcwerk- schaftsbeamte dürfen Mitglieder der Schiichtungskommission sein. Die Wahl der Mitglieder hat innerhalb 4 Wochen nach Unterzeichnung dieses Vertrages zu erfolgen; ebenso ist beim Aus- scheiden eines Mitgliedes oder Stell- Vertreters binnen 4 Wochen die Neu- wähl je eines Ersatzmannes vorzu- nehmen. Die Kommission soll auch vor Ablauf dieses Tarifvertrages einen neuen Vertragsentwurs sür die Parteien vorbereiten. Der Entwurj ist 8 Wocheft vor Ablauf des Ver- träges den Parteien vorzulegen. Falls in der Schlichtungskommission eine Einigung über eine Streitigkeit aus diesem Vertrage nicht erhielt werden kann, und ebenso, falls über den nächsten Vertragsentwurf eine Einigung nicht erzielt wird, ver- Pflichten sich die Parteien, unmittelbar nach Vorlegung des neuen Ent- wurseS, beziehentlich nach Slblehnung sonstiger Vorschläge der Kommission, zur Beilegung der Streittgkeiten beiderseitig das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts anzurufen. Sobald die Schiichtungskommission auch nur von einem Teile angerufen wird, muß diese innerhalb einer Woche zusammentreten. Die in Frage kommenden Parteien sind in zedem Falle verpflichtet, vor der Schlichtungskommission zu erscheinen. 8 19. Maßregelungen sind unstalthast. 8 11. Der Tarisvertrag hat zunächst bis zum 1. April 1912 Gültigkeit und mutz 2 Monate vor Abiaus gekündigt werden, widrigenfalls der Vertrag als aus je weitere zwei Jahre verlängert gUl. gez. v. Schulz. gez. glaschhauer. gez. Dr. G. Mielenz. gez. Behrend. gez. Kürsten. Vorstehendem Schiedssprüche haben die Arbeitgeber sich unterworfen, während die Arbeitnehmer die Unter- wersung abgelehnt haben. Berlin, den 8. Juli 1909. Der Vorsitzende des EinigungZamtes. gez. v. Schulz. Nur durch ganz hervorragend feine Qanlltat hat der Kapitän-Kautabak seinen guten Ruf erhalten. Der echte Kapitün-Kantabak(gesetzL geschützt) wird nur noch in Etiketten verpackt zum 10 Pfennig- Verkauf geliefert(in Rollen und Bündel). Unverpackte Ware tst, weil unecht, zurflckzuwelsen. Zu haben in Zigarren�eschäften usw., wo auch kleine Priemdosen gratis erhältlich sind. Vertrieb: Carl Bücker, Berlin, Grüner Weg 112(Amt 7, 3861). Die glückliche Geburt eines gesundes Jungen zeigen Hocherfreut an lZzvin ltobn und Frau Lisf geb. Erepp Schöneberg, Sachsend! ernan. amm 54 II. zeute früh Tl. Uhr verschied 3 j nach langem, schwerem Leiden« j mein innigstgeliebter Mann, mein fi i liebes Kustel, der frühere Brauer, i s jetzige Gastwirt 518b s Gustav Bareinz 1 in seinem am 9. d. Mts. voll- | endeten 49. Lebensjahre. Dies zeigt ttefbetrübt an Die trauernde Gattin Anna Bareinz geb. Zwanziger. | Charlottenburg, den 13. Juli 1909. Franklinstr. 16. Die Beerdigung findet am) Freitag, den 16. d. Mts., nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen. Halle des städtischen Friedhoses,! Berlin, Müllerstr. 43/44, aus statt, j „jm der ki« Gast- und; Schankwirte fleutseblands. Ortsverwaltung Charlottenburg. , Den Kollegen zur Nachricht, | daß unser Mitglied, der Gastwirt i Gustav Bareinz | am 13. Juli nach langem schweren! I Leiden verstorben ist. Ehre seinem Slndenken! Die Beerdigung findet morgen! Freitag, den 16. Juli er, nachmittags 3'/. Uhr, von der Leichen- fhalle des städtischen Friedhofes, Müllerstr. 43, aus statt. Um recht rege Beteiligung wird gebeten. 75/2 1 Die Ortöverwaltung. Allen Verwandten, Freunden ! und Bekannten die traurige Nach- | richt, daß unser lieber Sohn knmo Weiche! im Alter von 12 Jahren am Mon- tagabend Tl. Uhr von einem Lurusauto aus der Landsberger Allee überfahren wurde und dabei seinen Tod erlitt. Um stille Teil- nähme bitten die trauernden Eltern Zlax Weiehel nebst Frau und Geschwistern, Heidenseldstr. 10. Die Beerdigung findet am Frei- tag. nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der AuserstehungS- Gemeinde, Weißensee, aus statt. 1 Allen Freunden und Bekannten(1 die traurige Nachricht, daß unser � lieber Kollege, der Schristsetzer Hermaim Zerbe am 11. Juli im Moabiter Kranken« I Hause verstorben ist. Sein tolle- 1 gialer Sinn, sein ehrenhafter und! biederer Charakter werden ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 15. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Sophien- kirchhoses, Berg- und Invaliden- straßen-Ecke, aus statt. 519b Kollegen der Buehdruekerei Beyer«fc Boehmc. Die Allen Verwandten, Freunden, Be- kannten sowie den Kollegen der Firma Rohmann und dem Gesangverein der Schneider sage ich meinen herzlichsten Dank. Emma Lis, geb. Zähring. Örtskrankeiässe der Gastwirte ::: ond verwandten Gewerbe::: zu Berlin. Bekanntmachung. Die 6. Abänderung zum Kassenstatut, nach welcher im A 15 in der dritten Zeile die Worte.oder durch TrunIfälligleiP gestrichen sind, wurde durch Beschluß des Bezirksausschusses vom 15. Juni d. I. genehmigt. Diese Abänderung tritt mit dem 15. Juli d. I. in Kraft. 276/6 Berlin, den 10. Juli 1909. I>er Vorstand. Poppe, Braun, Vorsitz end er. Schrislsührer. Arbeiter-Wanderbuud Die Naturfreunde Wanderfahrten am Sonntag, den i». Juli 1909: 1. Zepernick— Liepnitzsee—Prenden— Lanke— Bernau. Absahrt; Stettiner Borortbahn- hos 6" Uhr vormittags. 2. Tiesensee— Leuenberg— Nördlicher Gamengrund— Cöthen— Falkenberg. Abfahrt: Wriezener Bahnhof 5" Uhr vormittags. 3. Neu-Babelsberg— Potsdam. .Kinder-Ausflug". Treffpunkt: Schlesischer Bahnhof— Wedding— Jerusalemer Kirche 8 Uhr vormittags.___ 1/3 Or. Simmel Spezi al- Arzt �2/9' für Haut- und Harnleiden. Prinzeiistr. 4!, mXZz, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 � Hygienische . Neuest, Kaialo;) CA. Empfehi.vioi. Aerzte u.Prof. grat. , B. Ungar, Graamiwareni&krü 6er Un NW~ FnedncbAtrasse 91/flö vcrantwortl. Rcdaftxur: Milhelm Dsiwell, LiKteMexg. Mr pßfi ßnieifitenteii vtiantw.: Tß.V.ivckk»MxM. Z�uclu. Verlttg: Vorwärts Buchdpuck.erei u. Lerlagsgnstalt Paul Sing»& 6p., Berlin SW» 7