Ar. 163. BbMHKUKftlS'Beflngnnä«»; MonnemenIS> Preis pränumerando: Vicrtcljährl. 3£ü SD!I, monatl. 1,10 Ml. IvöchcnUich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- uummer mit illustrierter Sonnlaos- BcUage»Di« Neu« Beit* 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pr» Monat. Eingetragen w die Post. Zcitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, fflr das übrige Ausland 2 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark. .Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. CrMtlut tZglich suBcr Ontist. Nerlinev Volksblcttk» Die Tnlertlons'Gebflfir Beträgt für die fcchsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Uleine Snreigcn". das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zahlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöifnej, Telegramm-Adresfe: „Sgzlaldcmolirat BerliD-. Zentratorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfcblandd. Redaktion: 8Rl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: LLll. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der neue Kanzler und das preukilche Wahlrecht. Herr von Bethmann Hollweg war von jeher ein Protegs des Fürsten Bülow und das ist ihm auch jetzt zu statten gekommen. Fürst Bülow hat seinen Nachfolger dem Gcheimrat H a m m a n n empfohlen, dem geschickten Händler in öffentlicher Meinung, und so findet der neue Neichskanzler fast eine ebenso gute Presse wie der alte. Wurde uns Fürst Bülow unaufhörlich als feinste Blüte europäischer Kultur vorgeführt, so muffte der Chef des offiziösen Preffbureaus allerdings für den etivas trockeäieren Bnreaukraten, der jetzt zufällig leitender Minister des Deutschen Reiches geworden ist, ein neues Schema anlegen. War Fürst Bülow geistreich, so ist Herr von Bethmann Hollweg gründ lich. Hatte Fürst Bülow alle Dichter gelesen, so der neue Herr— man denke 1— alle Philosophen. Verstand Bülow graziös zu plaudern, so versteht Bethniann ernste Weltan schauungen von sich zu geben. Kurz auch der neue Herr ist ein Ausbund von Bildung und Weisheit. Das Schema, das heute so ausgearbeitet und vollendet ist, wurde schon angelegt, als Herr von Bethmann Hollweg als preuffischer Polizeiminister nicht davor zurückschreckte, Immanuel Kant zu zitieren, mit deni die große geistige Revolution unserer deutschen klassischen Philosophie anhebt und die die einzige geblieben zu sein das politische Unglück Deutschlands ausmacht. Es war in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 23. März 1906. Auf der Tagesordnung stand jene Ab änderung des Dreiklassenwahlrechts, die die Obstruktion bei den Wahlen unmöglich machen sollte. Da- mals erklärte Herr v. Bethmann Hollweg unter stürmischem Beifall der Rechten die Einführung des Reichs- tagswahlrechts für Preußen für unannehm- bar. Dann führte er die politische Unlust im Reiche als ein Argument gegen das Reichstagswahlrecht an, um daran folgende Ph'9ppika gegen die Massen zu halten: „Wenn die Geschichte einst ihr Verdikt über unser Zeitalter abgeben wird, so wird sie rühmend de» Grundzug unserer Zeit anerkennen, die niederen und ärineren Schichten in erhöhtem Maße an den Segnungen der Kultur und Zivilisation teilnehmen zu lassen, aber sie wird uns den Tadel nicht ersparen können, daß wir bei diesem Streben in Abhängigkeit von den Stimmungen der Masse geraten sind sSiürmischer Beifall rechts), die nicht mehr zu ertragen ist. Es ist ein Unheil, daß wir jede politische Aktion abhängig machen von den Wirkungen, die sie auf die Sozialdemokratie ausübt.(Sehr wahr I rechts.) Es ist ein Unheil, wenn großartige sozialpolitische In« stitulionen in parteipolitischem Interesse gemiß- braucht werden, es ist ein Unheil, daß unsere Presse in ihrer großen Gesamtheit nicht mehr das Echo einer selbständigen und unabhängigen Parteipolitik ist. sondern uingekehrt teilweise eine Diktatur auszuüben beginnt, die nicht frei von Rücksichten auf die aura popularis ist.(Bravo I rechts.) Diese bessere Bierrede ist wirklich des Herrn ganze Philosophie. Und darauf gründet Herr Geheimrat Hammann den Ruf seines neuen Chefs als eines Philosophen I Und tvcil er Kant als einen„Geistesaristokraten" bezeichnet hat, was eine Bezeichnung ist, die vielleicht für einen Oskar Wilde oder einen anderen dekadenten Dichter passend wäre, müssen ivir daran glauben, daß der neue Neichskanzler ein Zögling der deutschen Philosophie ist l Dieses Jammet'n über die Rücksichtnahme auf die Massen kann erst dann recht gewürdigt werden, wenn man sich er- innert, daß diese Rede in dem preußischen Privilegieuparla- ment gehalten wurde, wo die Vertreter dieser Massen sämtlich ausgeschlossen waren, und aus Anlaß eines Wahl- gcsetzes, das bestimmt war, den Massen auch weiterhin die ihnen gebührende Vertretung zu rauben. Dann aber wurde der Polizeiminister philosophisch. Er identifizierte das gleiche Wahlrecht einfach mit Gleichmacherei und schwafelte folgender- lMffen: „Wenn man lediglich die Stimmen hört, die sich auf dem Markt der Oeffentlichkeit hervordrängen, könnte man vielleicht glauben, daß wir einer allmählichen Nivellierung des Besten, was wir haben, entgegeneilen, oder daß es gerade unsere ideellen und geistigen Güter, welche wirklich das Leben schaffen, die vielleicht das Dichterauge vor sich sah, wenn er von ihnen sagte, daß sie der Gottheit lebendiges Kleid wirke», so unendlich weit fernstehen, so unendlich wenig in das Gewoge der Polilik hinausdrängen(Lebhafter Beifall rechts.) Und doch sind diese Kräfte vorhanden, und was sie wollen, das ist bei Gott nicht das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht.(Heiterkeit und Bei- fall rechts.) Die Herren der Industrie, die Erfin- der auf dem Gebiet der Chemie und Physik, der erobernde Fleiß unseres Kaufmannes, die Entw'ickelung unserer Landwirtschaft und, so paradox es klingen mag, das gewaltige Anstürmen unserer Arbeiterschaft, was anders sind sie als Zeichen dafür, daß Triebkräfte in unserem Volke arbeiten, welche nicht nivellieren, nicht gleich machen wollen, svndcrn welche höher hinaus, welche das Beste aussuchen wollen. Es mag sehr schwer sein in einer Zeit der Gärung wie der unseligen, eine Prognose stellen zu wollen. Aber wenn man herauszulesen sucht, was unsere Schriftsteller, die Besten des Volkes, vollen, wenn man eine Erklärung dafür sucht, warum denn die religiösen Dinge unserer Zeit so beschäftigen, uns innerlich aufregen, wenn man sieht, wie unsere Philo« sophie langsam, aber allmählich dem großen Aristokraten des Geistes, Kant, die Wege bahnt, wie auch unsere Naturphilosophie in ihrer Entwickelungslehre den Kern dessen, was sie will, weniger zu sehen beginnt in dem Anfangspunkt der Ent« Wickelung, als in der Gewißheit, daß wir immer zu Höherem hinaufstreben müssen, ist es dann wirklich eine weltfremde Himmelsstürmerei, wenn man sagt, daß Kräfte für unsere Ent- Wickelung bestimmend sind, die nicht die Höhen gleich- machen, sondern zu den Höhen hinauf st reden wollen? (Leibhafter Beifall rechts.) Man sieht, der Unterschied zwischen dem Fürsten Bülow und Herrn v. Bethmann ist wirklich nicht allzu groß. Fürst Bülow zitierte die klassischen Dichter und redete bisweilen wie ein halber Liberaler. um die Unterstützung der Libe ralen für die ganze Reaktion zu gelvinnen. Herr v. Bethmann zitiert die klassischen Philosophen zu dem selben Zwecke. Ob auch mit demselben Erfolg? Wenn man die liberale Presse liest, muß man es beinahe glauben. Die Ernennung der neuen Minister wird von ihr sehr hoffnungsvoll begrüßt. Kein Wort der Kritik über die Art dieser Ernennung, bei der der Reichstag völlig ans geschaltet wurde, kein Wort, das energischen Kampf ankündigt gegen die Fortsetzung eines Systems, das nichts anderes ist als die Vertretung jener Politik, die die Junker vorzeichnen, das nichts wissen will von einer wirklichen Kontrolle der Volksvertretung über die Regierung und daher sofort zusammenbrechen muß, wenn die Junker ihm ihre Stütze entziehen. So wird unsere Auffassung bestätigt, baß die Liberalen aus dem Zusammenbruch des Blocks nicht das gering st e gelernt haben. Gestern haben sie auf Bülow gehofft, heute hoffen sie auf Bethmann.„Es hätte noch schlimmer kommen können", tröstet sich die„Voss. Ztg.". Und wirklich, käine es nur auf die Liberalen an, so könnte es auch noch schlimmer kommen. Denn alles von oben hoffen, heißt, auf jeden Kampf verzichten, und heißt, den Junkern die Herrschaft über Deutschland uneingeschränkt ausliefern. Und doch ist ein Kanipf gegen diese Herrschaft nie dringender gewesen als jetzt. Die Konservativen suchen bereits die Früchte ihres Sieges einzuheimsen. Sie haben Bülow gestürzt, um jede Aenderung des Wahlrechts in Preußen zu der- hindern, und nun fordern sie die Unterwerfung unter ihr Gebot. Klar spricht dies der konservative„Reichsbote" aus: „Zunächst wird man daraus die Erwartung schöpfen dürfen, daß der neue Reichskanzler sich auf das liberale Drängen auf Einführung des ReichStagswahlrechts in Preußen nicht einlassen wird; die meisten Linksorgane bringen eS ihm heute freilich wieder als angeblich dringendste Aufgabe zur Morgengnbe dar und verraten damit aufs neue ihre lebhafte Sehnsucht nach Einführung des parlamentarischen Systems. Hier« gegen ist aber ein grundsätzlicher Widerstand die einzige Abwehr." Herr von Bethmann hat als Feind des Reichs- tagswahlrechts debütiert. Aber die Liberalen wollen abwarten, statt zu kämpfen. Sie werden freilich lange warten müssen. Vielleicht gelingt es einem ausländischen Journalisten, den einzigen verantwortlichen Minister über seine Politik zu interviewen, und vielleicht erfährt so das deutsche Volk etwas von den Absichten, die der neue Mann mit ihm vorhat. Vielleicht aber auch nicht. Der Reichstag tritt ja erst im Spätherbst zusammen und bis dahin braucht das deutsche Volk nicht zu erfahren, was ihm bevorsteht. Und geschieht unterdessen zufällig ein Unglück, so mag es sich an dem Trost begnügen lassen: Eshättejanochjchlimmer kommen können. Oder vielleicht doch nicht? Hie(Treffe über den Kanzlerwecbfel. Die„Germania" beantwortet Bülows grimmige Anklage gegen das Zentrum und seine«Handlanger", die Konservativen, mit der boshaften Bemerkung: „Der Exkanzler Fürst Bülow scheint dem so oft von ihm zitierten Fürsten Bismarck auch darin nachahmen zu wollen, daß er„nörgelnd und polternd hinter dem Reichs- w a g e n h e r l ä u f t". Es ist sonst nicht üblich, daß Minister und Kanzler nach ihrer Entlassung öffentlich das Wort nehmen, um ihren Aerger über ihren Sturz auszulassen. Fürst Bülow aber hat schon in einer Reihe von Fällen entweder direkt zu Vertretern der Presse und zu dem Zweck der öffentlichen Ver- breitung sich über die Gründe seines Rücktritts usw. verbreitet, oder in offiziösen Blättern Artikel unterbringen lassen, die Zweifel- los auf ihn zurückzuführen waren. Bei den e n g e n B e z i e- Hungen, die er lange Jahre zur Presse gehabt, und dem großen Werte, den er stets auf die Beeinflussung derPresse in einem ihm gün st igen Sinne gelegt hat, ist das ja weiter nicht zu verwundern. Es ist nur bei uns bisher nicht so üblich gewesen." Die„Deutsche Tageszeitung", die an der rich- tigen Wiedergabe des Bülow- Interviews gezweifelt hatte, kommt ihrem Versprechen, auf Bülows Auslassungen zurück- zukommen, einstweilen nicht nach, obwohl der Wortlaut der Ausführungen Bülows, da er von keiner Seite richtig gestellt worden, jetzt als zweifellos authentisch gelten kann. Dafür rächt sich das Agrarierorgan durch einen Artikel aus der Feder eines ehemaligen Vertrauten Bülows. der zwar die agrarischen Verdienste des von den Agrariern Gestürzten anerkennt, dabei aber in einer kühlen Analyse der Persönlichkeit und der Fähigkeiten des Exkanzlers mancherlei schlecht verhaltenen Spott einfließen läßt. Es heißt in dem Artikel: „Fürst Bülolv war in erster Linie Diplomat. Das zeigte er auch in der i n n e r e n P 0 l i t i k. Er war nicht der fortreißende Führer, der vorwärts drängende�HZfadfinder, son- dern der kluge, gewandte Vermittler, dessen Streben darauf ging, Gegensätze auszugleichen, Klüfte zu überbrücken, eine mittlere Linie zu suchen. Im Grunde seines Geistes und Herzens dachte und fühlte er konservativ. Daraus machte er kein Hehl. Aber sein Konservatismus war mit einem ziemlich starken Tropfen modernliberalen Oeles gesalbt; diese Beimischung war so stark, daß sie oft seiner politischen An» schauung das bestimmende Gepräge aufdrückte. Die meines Er» achtens unmögliche„Vermählung" des konservativen mit dem liberalen Geiste war sein Ziel, lange bevor er die Blockpolitik äußerlich und tatsächlich begann. Die Vorgänge der letzten Wochen werden ihm gezeigt haben, daß dieses Ziel unerreich. bar, ein Traum ist. Große(!) Persönlichkeiten pflegen zu scheitern, wenn sie aus ihrem Wesen heraus- gehen. Wäre Fürst Bülow auch bei der Finanzreform und bei der sogenannten Blockpolitik der Diplomat geblieben, hätte er die Parteikonstellationen mit dem ihm sonst eigenen Geschicke und Wirklichkeitssinne benützt, statt sich und seine Politik mitein- ander auf Gedeih oder Verderb unlösbar zu verbinden, so würde er vielleicht nicht zu dem Entschlüsse gekommen sein, den wir heute bedauern.... Was von dem Politiker Bülow gesagt wurde, das gilt zum Teil auch von dem Redner Bülow. Seine unzweifelhaft große und feine Beredsamkeit ist nicht wuchtig, nicht fortreißend, nicht niederschmetternd, sondern weich und geschmeidig, fesselnd und gewinnend. Auch wenn er mit seinen und des Reiches schärfsten Gegnern die Klingen kreuzte, führte er nicht den derben Hieber oder den scharfen Säbel, sondern das elegante, feingeschliffene Flor et. Trotzdem tut man ihm unrecht, wenn man ihn einen weichlichen oder gar weibischen Redner nennt. Das eigentlich Süßliche, das sogenannte Feminine ist seinem Wesen und seinen Reden fremd. Ihn anzuhören, ist auch für den Mann, den weibisches Wesen an- widert, ein ästhetischer Genuß. Als Redner sind Bismarck und Bülow Gegensätze: dort mühsames Ringen mit dem Worte, scharfgeprägte Wendungen mit Knorren und Kanten, Grollen und Wettern,— hier glatter Fluß, fein abgewogene Sätze mit netten Antithesen, Spielen mit dem W 0 rte l" Die beispiellose Bescheidenheit des Freisinns spiegelt sich in folgenden Ausführungen der„Freis. Ztg.": „Zur Höhe seines Ruhmes führte den Reichskanzler der Ausfall der letzten ReichstagSwahlen, aber der Sieg, den die Politik des Fürsten Bülow damals errungen, trug bereits den Keim der späteren Niederlage in sich. EL ist hier nicht der Ort. über die nach den Wahlen von 1997 eingeleitete Blockpolitik ausführlich zu sprechen. Der Liberalismus hat, wie der Redner der Freisinnigen FraktionS- gemeinschaft bei den jüngsten Verhandlungen im Reichstage mit allem Nachdruck betont hat, keine Veranlassung, mit Bedauern auf die jetzt abgeschlossene Aera der Blockpolitik zurück- zublicken; was in dieser Zeit unter Mitwirkung der Liberalen geschaffen worden ist, kann die Kritik in Ehren bestehen. Auf liberaler Seite ist man niemals darüber im Zweifel gewesen, daß die„konservativ-liberale Paarung" nur eine Ehe auf Zeit sein konnte. Aber was dem Fürsten Bülow unvergessen bleiben soll, ist. daß er die Gleich- berechtig ung der liberalen Staatsauffassung anerkannt und daß er zum Teil mit gutem Erfolg versucht hat, dem Liberalismus in der Gesetzgebung und in der Ver» waltung die ihm gebührende Stellung einzuräumen." Klingt nicht durch diese Verherrlichung der Blockära, diesen Preisgesang auf den den Liberalismus mit„gutem Er- folg" protegierenden Blockkanzler eine wehmütige Sehnsucht nach den schönen Tagen, wo sogar freisinnige Parlamentarier mit dem Roten Adlerorden vierter Klaffe beglückt wurden? llie Cochfpltzel'ExzelleDZ in Berlin. Die Entlarvung des Chefs der russischen Auslandspolizei Harting hat die Frage aktuell gemacht, in welchem Maße die Regierungen der Staaten, die der russische Spitzclgeneral und Provokateur mit seiner Anwesenheit beglückte, das schänd- liche Treiben der russischen Geheimpolizei förderten und be- günstigten. Nicht nur im verbündeten Frankreich, auch in Belgien und vor allem in Deutschland konnte Harting seine intensive Tätigkeit entfalten, die einen ausgeprägt ver» brecherischen Charakter trug. Die offiziöse„Nowoje Wremja", deren Informationen offenbar aus bestuntcrrichteten Quellen stammen, teilt mit, daß Harting sich während seiner Anwesenheit in Berlin„in beständigen Beziehungen mit den deutschen Behörden" befand. Diese Mitteilung bestätigt die Richtigkeit der Anklagen, die der„V 0 r w ä r t s" im Jahre 190-1 gegen die russische Spitzel- Wirtschaft in Deutschland erhob, die bald darauf den Gegen- stand der Verhandlungen im Reichstage bildete. Am 3. Januar 1901 schrieb der„Vorwärts" unter der Spitzmarke „Preußen— eine russische Spitzelprovinz" über Harting folgendes: „Der Oberspitzel ist ein Herr, der von seinen Untergebenen ehrfurchtsvoll als„Exzellenz" angeredet wird. Sein Gehalt, das er von der russischen Regierung bezieht, ist in der Tat das einer Exzellenz, er bekommt jährlich 36 099 M., also genau so viil. vis ern pxeußischex WuMer." Weiter wird in dem Artikel auf die Agenten und die hervorragendsten Taten Hartings hingewiesen. Da figu- rieren solche Ehrenmänner, wie Michel, genannt Baron oder Graf, Karl Woltz, genannt Hansen, Neuhaus, genannt Seit- mann usw., die von der russischen Regierung einen Monats- gehalt von 123 bis WO M. beziehen. Die hervorragendste Tat, die der Spitzel Woltz iin Auftrage und Einverständnis mit der„Exzellenz" vollbrachte, war der Einbruch in die Woh- nung des russischen Genossen Dr. v. Wetschcsloff in Herms- darf, der zu Spionagezwecken unternommen wurde. � Diese Angaben des„Vorwärts" wurden nicht dementiert. Am 19. Januar wurde im Reichstage über folgende sozial- demokratische Interpellation verhandelt: „Ist dem Herrn-Reichskanzler bekannt, dah die russische Regierung im deutschen Reichsgebiete Polizeiagenten zur lieber- wachung russischer und deutscher Staatsangehöriger unterhält; datz zu diesem Zwecke russische Polizeiagenten Verbrechen verübt und auch versucht haben, andere Personen zu Verbrechen zu be- stimmen?� _ Genosse H a a s e schilderte im Anschluß daran>dis Ausbreitung des russischen Spitzelwesens in deutschen Städten, das Treiben dieser erbärmlichen Subjekte, die in die Woh- nungen eindrangen, zu Postsälschungen provozierten, Post- briefe und Drucksachen unterschlugen. Er wies darauf hin, daß deutsche Behörden mit diesen Spitzeln in Verbindung traten: daß Grenzzollbehörden, Polizeibehörden, Justiz- behörden, Universitäten Mitschuldige wurden an der schmachvollen Tätigkeit der russischen Spitzel. Staatssekretär Freiherr v. R i ch t h o f e n, der die Interpellation beant- wortete, blieb seinen früheren Erklärungen treu und der- herrlichte den Russendienst im gesamten Umfange. Am 19. März 1993 hatte er sich dahin geäußert, daß die russische Polizeiwirtschaft in Deutschland von der Regierung„gerne gestattet" wurde. Und am<9. Januar 1994 erklärte er: „Dem Reichskanzler ist bekannt, daß ein zur hiesigen russi- schen Botschaft gehöriger russischer Beamter von seiner Regie- rung damit betraut ist, das Tun und Treiben der russischen An- archisten(I), die sich in Teutschland aufhalten, zu beobachten ind die russische Regierung darüber fortlaufend zu unterrichten. ... Eine Beseitigung des bestehenden Zustandes erscheint dem Reichskanzler nicht angezeig t." Denselben Standpunkt vertrat B ü l o w am 29. Februar tm Reichstage, als diese Angelegenheit nochmals zur Sprache gebracht wurde. Er trieb die... Offenherzigkeit soweit, die Geheimnoten des Fürsten Bismarck aus den achtziger Jahren zu zitieren, uin, entgegen der irrtümlichen Berufung auf Bismarck, nachzuweisen, daß auch Bismarck, um die Gunst des Zaren zu erwerben, schmähliche Russendienste geleistet hatte(Auslieferung von Leo Deutsch und Stanislaus Mendel- söhn). Mit vollem Recht konnte hierauf Genosse Haase erklären: „Es ist unwiderleglich festgestellt worden, daß in Berlin eine russische Spionageorganisation existiert. Nur Herr v. Ham- merstein(preußischer Minister des Innern) weiß nichts davon. Ich habe ihm die Namen der Agenten genannt, er hat aber die Augen dagegen geschlossen, er will sie nicht sehen, oder er soll sie nicht sehen, dafür sprechen die Ausführungen des Reichs- kanzlers." Im Jahre 1993 verließ Harting Berlin, nachdem er für seine Verdienste, die er sich in Deutschland, namentlich als leitender Geist des K ö u i g s b e r g e r Prozesses, er- warb, den Orden des heiligen Wladimir und das Anrecht auf den Titil Exzellenz empfangeil hatte. Wie die„Nowoje Wremja" mitteilt,„suchte er eine selbständige Tätigkeit und richtete seine Blicke nach Paris, dem Zentrum der russischen Detektivpolizei". Aber auch seine Tätigkeit in Berlin war nicht spurlos verstrichen. Die halbe Million, die er jährlich hier aufwendete, sicherte ihm genügend„Seide für. seine Zwecke". Was von seinem verbrecherischen Treiben in die Oeffentlichkeit drang, bildet wahrscheinlich nur einen kleinen Bruchteil seines Wirkens zu Nutz und Frommen der inter- nationalen Lockspitzelei. Interessant ist auch, was das„Berliner Tageblatt" über die Beziehungen Hartings zu A s e w berichtet. Asew hielt sich, wie der„Vorwärts" übrigens seinerzeit festgestellt hatte, häufig in Berlin auf. Er hatte oft heimliche Besprechungen mit Harting, in denen er ihm Material über die in Berlin lebenden Russen auslieferte. Asew hat unter dem Protektorat Hartings unter den Russen eine terroristische Propa- g a n d a getrieben, um die Beteiligten in den Augen der Berliner Polizei zu kompromittieren und Gründe zur Ausweisung zu schaffen. Es ist � sicher, daß Asew mit Harting in-Berlin Bomben fabrizierte und einige Mit- glieder der russischen Kolonie hierzu herangezogen hat.... Hartings Hauptziel bestand darin, die Russen in ganz Europa zu kompromittieren, damit sie nirgends eine Zu- fluchtsstätte haben könnten. V e r I i n wählte er als seinen Wohnsitz lediglich deshalb, weil er hier für seine Intrigen den besten Boden zu finden hoffte. Man wird abwarten müssen, wie die deutsche Regierung es zu rechtfertigen versuchen wird, dieses Lockspitzel- treiben geduldet zu haben. Jedenfalls wird dafür gesorgt werden müssen, datz im Reichstag dieser Skandal zur Sprache kommt. Heiteres und Weiteres. Der Artikel des„Vorwärts": Au waih, ich habe gewonnen, hat auf die Wahrheitsliebe der„Freisinnigen Zeitung" leider keinen günstigen Einflutz geübt. Sie antwortet darauf unter anderem: „Herr Mehring hat offenbar„vergessen", datz er seine letzte Vorstrafe vor einigen Jahren als Schriftleiter der„Leipziger Volkszeitung" erhalten hat und datz die vorhergehenden aus einer Zeit stammen, nämlich aus dem Jahre 1890, in der Herr Mehring zwar Redakteur der„Berliner Volkszeituna' war, aber im schärfsten Gegensatze zu der damaligen Deuffch-freisinnigen Partei stand, so daß er deswegen kurze Zeit nachher die Redaktion niederlegen mutzte." Selbst wenn diese Behauptungen wahr wären, so würden sie nichts an dem Tatbestand ändern, der die ganze Affäre über den Rang eines gleichgültigen Bagatellprozesses heraushebt. Es bliebe dabei, datz die freifinnigen Herren Levin, Kopsch und Mugdan politische Vorstrafen eines ProzetzgegnerS in moralisch herabsetzender Weise benutzt haben, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Aber da die Behauptungen der„Freisinnigen Zeitung" erfunden worden sind, um den prinzipiellen Punkt der Sache zu verschleiern, so mutz ich schon darauf eingehen. Um bei dem Ende zu beginnen, daß ich nämlich die„Berliner Volkszeitung" im schärfften Gegensatze zu der damaligen Deutsch- freisinnigen Partei redigiert haben soll und deswegen die Redaktion habe niederlegen müssen, so will ich den damaligen Vorsitzenden des AufsichtSrate» der„Berliner VolkSzeitung" sprechen lassen, den Reichstagsabgeordneten Otto Hermes, der in jener Zeit an der Spitze der Deutsch-freisinnigen Partei stand, wie er heute an der Spitze der Freisinnigen Vokkspartei steht. Er schrieb am 6. Oktober 1899 in einem Privatbriefe(die Sperrungen rühren von mir her): „Auf Ihre gefl. Anfrage vom 3. Oktober erlaube ich mir er- gebeust zu erwidern, datz wir Herrn Ledebour aus Gründen ge- kündigt haben, welche mit dem Falle Lindau gar nichts zu tun haben. Herr Mehring hat seine Stellung zum 1. April nächsten Jahres gekündigt, ohne die Gründe dafür dem Aufiichtsrate anzugeben. Die Notiz im„Börsen- Courier" ist falsch. Der Kurs der„Volks-Zeitung" bleibt der alte, und ich hoffe, datz auch Herrn Mehrings Kraft nach dem 1. April der Zeitung erhalten bleibt. Ich werde dieserhalb schon morgen mit ihm verhandeln und denke, datz er bereit sein wird, als verantwortlicher Redakteur zu zeichnen. Ich bitte Sie also, Ihr Interesse der„Volks-Zeitung" nach wie vor zu erhalten. Die Differenzen, welche kürzlich unter den Redakteuren— wie ja manchmal unvermeidlich— eintraten, sind ausgeglichen, und bald werden Sie sich überzeugen, datz die schneidige Haltung keine Einbutze erlitten hat." Und am 11. Oktober erklärte derselbe freisinnige Herr Hermes als Vorsitzeuder des Aufsichtsrats öffentlich(die Sperrungen rühren von mir her): „Gegenüber den in der Presse verbreiteten Gerüchten sehen wir uns veranlaßt, zu erklären, datz ein Personenwechsel in der Redaktion der„Volks-Zeiwng" nicht stattgefunden und die b i s- herige redaktionelle Haltung das zum 1. April 1891 erfolgende Ausscheiden von zwei Redakteuren nicht herbeigeführt hat. Die bisherige Tendenz der Zeitung wird unverändert bleiben." Noch mehr l Da der AufsichtSrat meine redaktionelle Tätigkeit durch eine Reihe von Maßregeln(Sperrung der NedaktionS- Korre- spondenz, Kassierung von mir in Druck gegebener Artikel u. a. m.) lahmlegte, so litt darunter die„bisherige Tendenz" der Zeitung, worüber Herr Hermes seiner sittlichen Entrüstung am 13. Oktober in einem Privatbriefe folgenden Ausdruck gab(die Sperrungen rühren von mir her): „Wenn Sie finden, daß eine abgeschwächte Haltung in der Zeitung zum Ausdrucke kommt, so ist der Aufsichtsrat außer Stande, etwas anderes zu tun, als Herrn Dr. Mehring darauf aufmerksam zu machen. Das istauch�ge- fchehen. Sie können nunmehr nicht den AufsichtSrat, sondern nur Herrn Dr. Mehring für den Tenor der Zeitung verantwort- lich machen. Herr Dr. Mehring hat es abgelehnt, nach d em 1. April 1891 mit der Zeitung noch in irgend einer Verbindung zu bleiben." Und mit alledem noch nicht genug I Da die Klagen der Leser über die„abgeschwächte Haltung" der Zeitung nicht aufhörten, so teilte mir Herr Hermes am 18. November mit, der Aussichtsrat ent- höbe mich meiner Tätigkeit, weil ich die mir obliegenden Verpflich« tungen nicht erfüllte. Zugleich sperrte mir der AufsichtSrat daS mir bis zum Ablauf meiner Kündigungsfrist zustehende Gehalt. Wenn sich nun ein Mann von dem feinen und sichern Rechtsgefühl des Herrn Hermes zu dieser rechtswidrigen Handlung, von der ich ihn übrigens alsbald durch ein gerichtliches Urteil kurierte, hinreitzen ließ, aus lauter Kummer darüber, datz ich die„bisherige Tendenz" der„Volksztg." angeblich abschwächte, so ist damit die eine Be« Häuptling der„Freisinnigen Zeitung" als dreiste Lüge erwiesen. Die andere Behauptung der„Freisinnigen Zeitung" geht dahin, ich hätte vor Gericht meine Leipziger Vorstrafe„vergessen". ES tut mir leid, daß sie auch dadurch den berühmten Ruf ihrer Wahrheits- liebe schmälert. Ich habe, als mich der Vorsitzende des Schöffen- gerichts nach meinen Vorstrafen fragte, ausdrücklich erklärt, ich sei vor zwanzig Jahren mehrmals und vor zwei Jahren einmal ge- richtlich bestrast worden. DaS war ein ganz überflüssiger Akt von Großmut, da ich durchaus nicht verpflichtet war, meine Vorstrafen anzugeben. In der Tat zog eS der Vorsitzende vor, sie aus den Akten festzustellen, wobei er sich auf die fünf oder sechs Fälle be- schränkte, in denen ich als Redakteur der„Berliner Bolkszeitung" wegen politischer Kritiken reaktionärer Regierungsmatzregeln, die von irgendwelchen Behörden als„Beleidigungen" verfolgt wurden, zu Geldbußen verurteilt worden war. Einzig und allein von diesen Vorstrafen ist in der Verhandlung gesprochen worden; auch die Gegenpartei hat den Leipziger Fall gar nicht erwähnt und ebenso lehnte daS Schöffengericht den Antrag des JustizratS Lewin, wegen meiner zahlreichen Vorstrafen auf Gefängnis zu erkennen, mit der Begründung ab, um zwanzig Jahre zurückliegende Vorstrafen könnten nicht als erschwerender Umstand gelten. Doch selbst wenn der Leipziger Fall, den ich, wie gesagt, allein in den Verhandlungen erwähnt habe, während weder das Gericht noch die Gegenpartei sich darauf berufen haben, mit herangezogen würde, so ist damit natürlich wieder nichts an der Tatsache geändert, datz die steisinnigen Herren Lewin, Kopsch und Mugdan eine Reihe von politischen Verfolgungen, denen ich im Dienste ihrer politischen Richtung vor zwanzig Jahren ausgesetzt gewesen bin. zu meiner moralischen Herabwürdigung benutzt haben, um mich inS Gefängnis zu bringen; Herr Lcwin sprach davon, ich sei ein Geschwür am Leben deS Volkes, daS ausgeschnitten werden müsse; kein ehrbarer Staatsbürger könne mehr ruhig schlafen, aus Angst, mit dem Morgengrauen von mir moralisch geschlachtet zu werden und was solcher sittlichen Empörung mehr war. die beiläufig diesen prächtigen Herrn nicht gehindert hat, noch achtundvierzig Stunden früher in dringlichster Weise Vergleichsverhandlungen mit dem„Geschwür" zu betreiben. Gewiß will ich diese Leute nicht wieder beleidigen und erkenne gern an, datz sie getan haben, was sie für anständig halten. Dadurch wird aber wiederum nichts an der Tatsache geändert, datz die von ihnen beliebte Kampfweise bisher in allen Pur- teien bis in die reaktionärsten hinein als ehrlos gegolten hat. Insofern erinnert die„Freisinnige Zeitung" mit Recht an den Leipziger Fall, als selbst Herr Liman sowohl stillschweigend auf die moralische Verwertung meiner politischen Vorstrafen, als auch mit ausdrücklichen Worten auf jeden Antrag wegen des Strafmatzes verzichtet hat. Aber vielleicht hat die ehrenvolle AnSzeichmmg, deren Herr Liman jüngst gewürdigt worden ist, die Herren Kopsch, Mugdan und Lewi» angespornt zu zeigen, daß sie mehr können als Liman. F. M e h r i n g. poUtffcbc deberlicbt. Berlin, den 13. Juli 1909. Freiherr von Rheinbaben als Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums. Herr Delbrück ist zwar zum Staatssekretär des Innern, aber bisher nicht zum Vizepräsidenten deS preußischen StaatsministeriumS ernannt worden. Bisher war v. Bethmann Hollweg zugleich auch Vizepräsident. Jetzt ist dieser Posten einstweilen verwaist. Die Entscheidung über seine Neubesetzung soll vertagt sein, und zwar wird angenommen, datz diese Vertagung erfolgt ist, weil Herr v. Rheinbaben bei der Ernennung der neuen Staatsmänner über- gangen worden ist. Freiherr v. Rheinbaben fühlte sich schon über- gangen, als im Juni 1907 v. Bethmann Hollweg zum Vizepräsi- deuten befördert wurde. Damals wurde ihm ein Zeichea der per- sönlichen Anerkennung des Kaisers zuteil and farnft ein Pflaster auf die brennende Wunde gelegt. Diesmal rechnet er mit Bestimmt- heit darauf, datz ihm und nicht Herrn Delbrück das Vizepräsidium übertragen wird._ Ein Brandmal! Mitte Oktober 1903 veröffentlichte die„Essener Volks- zeitung", das Zentrumsorgan im Wahlkreise des Abgeord- neten Giesberts, einen Artikel über die damals verhandelte Reichssteuerreform. Darin hieß es: „llustiti» rsAnorum tunckamsutuml Wenn man diesen Wahlspruch auch in Steuerfragen gelten lassen wollte, müßte es ein Leichtes sein, der jetzigen Finanzkalamität des Deutschen Reiches ein Ende zu machen. Man brauchte nur einmal die Leistungsfähigen in mätzigen Grenzen für die Reichsbedürfnisse heran zu- ziehen und sofort wäre alle finanzielle Not des Reiches verschwunden. Anstatt eine solche Lösung zu suchen, hat man sich bisher in den matzgebenden Reichsämtern und Finanzministerien der Bundesstaaten in der Hauptsache nur bemüht, im alten Gleise der mehr oder minder als Kopfsteuern wirkenden Finanzzölle und Verbrauchsabgaben eine Erhöhung derReichs- einnahmen zu suchen. Immer wieder wird an diesen Stellen der Versuch gemacht, die steigenden ReichsauSgabe» für Heer, Flotte, Kolonien, Pensionen und Verzinsung der Reichsschuld auf die große Masse des um sein tägfich Brot arbeitenden Volkes in Form von Bier-, Branntwein- und Tabak st euererhöhungen ab- zuwälzen, während man niemals einen Versuch macht, die großen Einkommen und Vermögen zu ent- sprechenden Leistungen für die Reichsbedürs- nisse heranzuziehen." Der Artikel hebt sodann hervor, datz im Jahre 1909 das Zentrum bereits den Vorschlag einer ReichSerbschafts- st euer gemacht habe; sodann folgt eine Berechnung, was das Reich an Ausgaben für Heer, Marine und Kolonien leiste und was jetzt wieder an neuen Bedürfnissen verlangt werde, worauf es dann heißt; „Die stärkere Belastung der Verbrauchs- und Genutzmittel der breiten Volksmassen ist ver- sperrt. Mit Ausnahme der Konservatiden, Freikonservativen und eineS Teiles der Nationalliberalen haben sich die Parteien vor den Wahlen gegen eine noch weitergehende Belastung dieser Steuerobjekte ausgesprochen, datz sie eine solche nur noch ablehnen können. Diese Ablehnung ist gegen- über dem beliebten System, die Kapital- kräftigen zu schonen und die Leistung s- unfähigen über Gebühr zu belasten, durchaus am Platz!" Es folgt darauf eine Berechnung, in welchem Matze die in- direkten Steuern die verschiedenen Bevölkerungsklassen belasten, wobei festgestellt wird, datz„die Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerung vorzugsweise belastet sind, die ent- sprechenden Bedürfnisse der Neichen wenig oder gar nicht", dah z. B. der Arbeiter mit einem Jahres- einkommen von 949 M. 3 P r o z. feines Einkommens an indirekten Reichssteuern und Finanzzöllen auf Nahrungs- und Ge- nutzmittel zahlt, der Kapitalist mit einem Einkommen von über 129 999 M. jährlich noch nicht einmal V« P r o z. Der Arme war also— so heißt es wörtlich— für das Reich im Verhältnis zu seinem Einkommen genau 199 mal so hoch besteuert als de r Reiche." Zum Schluß wird darauf hingewiesen, datz die erhöhten An- forderungen, die die Weltpolitik an das Reich stelle, wieder zur Be- fchaffung größerer Einnahmen zwängen, und eS entstehe die Frage. wer diese neuen Lasten tragen solle: „Sollen auch diesmal wieder die Leistungs« fähigsten, der Grotzbefitz, die Großindustrie und das Großkapital leer ausgehen, soll die Last auch jetzt wieder den Enterbten, Besitz- losen, im Kampfe um die tägliche Existenz Ringenden nahezu ausschließlich auferlegt werden oder werden die Verbündeten Regierungen einen Weg finden, dem Wahlspruch folgend: ckustiti» rsZuorurn fundamenturn?" So das Effener ZentrumSblati im Oktober 1993. Und vier Jahre später arbeitet der Vertreter des Essesipr Wahlkreises im Verein mit seinen Gesinnungs- und Parteigenoffen daran, den Enterbten, Besitzlosen, um ihr täglich Brot Ringenden eine Last aufzuerlegen, die alles bisher auf diesem Gebiete Gewohnte über- steigt. Jeder Satz, jedes Wort des damaligen Artikels in dem Effener Zentrumsblatle bedeutet ein Brandmal im Gesicht derer. die in diesen Tagen an dem schmählichen Arbeiter- und Volksverrat mitgewirkt haben._ Als Streber und Intrigante« charakterisiert der Führer der Freikonservativett, Freiherr v. Zedlitz und Neukirch, also sicherlich ein Ein- geweihter, die führenden Staatsmänner des Reiches. So schildert er die Situation bei Bülows Antritt der Kanzler- chaft im Jahre 1999 folgendermaßen: ./Dazu in Preußen Miquel, dessen heißer Drang zur Herr. schaft in umgekehrtem Verhältnis zu seiner rasch abnehmenden Kraft stand, und im Reiche Graf Posadowsky, dessen Ehrgeiz. nachdem er sich mit bewundernswerter Willens, und Arbeitskraft von einem mittelmähigen Landesdirektor zum Vizekanzler emporgearbeitet hatte, ihn nach der höchsten Stellung streben ließ. Miquel» entledigte sich Fürst Bülow, indem er ihm die von ihm dringend gewünschte Gelegenheit bot, sich durch eine zweite Kanalkampagne das in der ersten verlorene Vertrauen des Kaisers wiederzuerwerben. Der vorauszusehende Mißerfolg mutzte notwendig Miguels Sturz nach sich ziehen. Graf Posa- dowskts hatte die Vorbereitungen für die Erneuerung der Hau- delsverträge im hochschutzzöllnerischen Sinne wohl in der Hoff. nung geleitet, als Vertrauensmann der Landwirtschaft und schweren Industrie fich für die Nachfolge Hohenlohes zu empseh- len. Als diese Hoffnung unerfüllt blieb, warf er die Hochschutz- zöllnerei, als nunmehr unnützen Ballast, entschlossen über Bord und schwenkte bis zu deren gänzlicher Verleugnung in die von dem Kanzler vorgezeichnete gemäßigt fchutzzöllnerifchc Richtung ein, um sich für künftige Fälle, getragen von dem Ver- trauen der„regierenden" Partei, möglich zu erhalten. Als so die Bahn frei war, hat Fürst Bülow die Leitung der inneren Politik im Reiche wie in Preußen kräftig in die Hand ge- nommen."' Eine nette Schilderung aus so eminent staatserhaltendem Munde! Der Handlanger bei der Umsturzvorlage als Kultus- " minister. Die„Tägliche Rundschau" schreibt::< „Am überraschendsten aber hat die Besetzung deS Kultusministeriums durch den königlich preußischen Kammerherrn und brandenburgischev Lderpräjjdenten v. Trott zu Solz auf die Oeffentlichkeit gewirkt. Ob er bisher die geringsten Beziehungen zu den geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten gehabt hat, mögen andere zu untersuchen sich bemühen. In politischer Hinsicht ist er wenigstens so weit bekannt, daß er, wie wir schon erwähnten, 1895 die vom Reichstage abgelehnte Um st ur.z Vorlage be- arbeitete und im Reichstage vertrat, was nicht jeder- mann als die geeignete Vorbildung für einen preußischen Kultus- minister anzusehen geneigt sein würde." Die Studt und Holle haben also offenbar einen würdigen Nach- folger gefunden) Sächsische und preußische Konservative. Die sächsischen Konservativen können sich mit der politischen Taktik ihrer preußischen Gesinnungsgenossen noch immer nicht ab- finden. In der letzten nur Mitgliedern zugänglichen Versammlung des Dresdener Konservativen Vereins wurde, wie die„Franks. Ztg." niitteilt, nur mit Mühe eine schroffe Erklärung gegen die preußischen Konservativen wegen ihrer Stellung zur Reichsfinanzreform ver- hindert. Man gibt sich ersichtlich alle Mühe, eine weitere Ver- schärfung des zwischen preußischen und sächsischen Konservativen hervorgetretenen Gegensatzes zu vermeiden. Es ist jedoch fraglich, ob es möglich sein wird, eine Erörterung dieses Gegensatzes in der Ende dieses Monats stattfindenden Landesversammlung zu verhindern._ Württembergs Finanzlage. Ebenso wie das Reich leiden auch die Einzelstaaten unter fast trostlos zu nennenden finanziellen Verhältnissen. Das kommt gegenwärtig bei der Beratung des Etats im württembergi- fchen Landtag besonders stark zum Ausdruck. Da die Etats- bcratung jetzt ihrem Ende zugeht und über die Belastung der Einzelstaaten durch die Reichsfinanzreform Klarheit besteht, so ist der Zeitpunkt gekommen, zu bestimmen, in welchem Maße d i e Einkommensteuern und die Ertrags steuern er- höhtwerden müssen, um die Staatseinnahmen auf die durch die beschlossenen Ausgaben bedingte Höhe zu bringen. Bei der Be- ratung dieser Frage in der Zweiten Kammer teilte der Finanz- minister v. Geßler zunächst mit, daß er dem Landtage in wenigen Tagen eine Vorlage bezüglich Erhöhung der Biersteuer entsprechend den Beschlüssen des Reichstages zugehen lassen werde. Dann ent- warf er ein trostloses Bild von den vermutlichen Steuereinnahmen in der Etatsperiode 1999/19. Da eine schlechte Ernte zu er- warten sei und auch keine Besserung der industriellen Verhältnisse in Aussicht stehe, so werde man vermutlich weniger Einnahmen haben als in den Etat eingestellt seien. Z. B. hat die Grund- stücksumsatzsteuer im Rechnungsjahre 1998 nur 2 821 999 Mark gebracht, während sie mit 3 259 999 M. eingestellt war. In- folgedessen mutzte auch für den Etat 1999/19 eine weitere Herab- setzung des Ertrages vorgenommen werden. Die Malzsteuer wies im Jahre 1993 einen Rückgang von 1994 999 M. gegen das Vor- jähr auf, so daß ihr Ertrag für 1999/19 um weitere 1899 999 M. heruntergesetzt werden mußte. Dadurch wird es immer Zweifel- hafter, ob mit der von der Regierung vorgeschlagenen Erhöh- ung der Einkommensteuer und der Ertrags- steuern um 19 Proz. wird auszukommen sein, obgleich bereis diese Erhöhung, namentlich in den unteren und mittleren Steuerstufen, sehr schwer empfunden werden wird. Der Berichterstatter der Finanzkommission, Genosse Dr. Linde- mann, stellte infolgedessen den Antrag, bei der beabsichtig- ten Steuererhöhung eine Abstufung in der Art eintreten zu lassen, daß die unteren Stufen von der Erhöhung freibleiben und die mittleren in geringerem Verhältnis herangezogen wer- den als die großen Einkommen. Der Minister äußerte Bedenken gegen diese Anregung. Die Entscheidung darüber wurde zurückgestellt, bis eine genaue Feststellung über die Höhe des Staatsbedarfs vorliegen wird. In den nächsten Tagen wird das der Fall sein. Ein widerliches Schauspiel. Die feige Heuchelei der bürgerlichen Parteien— allen voran daS Zentrum— hat sich so recht wieder in ihrer Stellungnahme bei Erhöhung der Bcamtenbesoldung gezeigt. Erst wurde die Vorlage der Regierung in der Kommission als durchaus unzureichend be- zeichnet, und es wurden die Gehaltssätze erhöht, wobei dann in un- ehrlicher Weise berechnet wurde, daß von der Erhöhung der größere Prozentsatz auf die Unterbeamten entfalle. Dieses falühe Bild entstand, indem verschwiegen wurde, daß die Zahl der Unterbeamten viel größer ist als die der mittleren und oberen. Auf den Kopf umgerechnet, beträgt die Erhöhung des GehaltS für den Unterbeamten jährlich etwa log m. und steigt bei der obersten Beamtenklasse bis zu 1199 M. Als die Regierung wegen der in der ersten Lesung der Kommisfion über die Regierungsvorlage hinaus vorgenommenen Gehaltserhöhungen Einspruch erhob, fielen die Mchrheitsparteien glatt um: der Abgeordnete Erzberger machte die tollsten Kapriolen und bewies mit der an ihm gewohnten„logischen Schärfe" das Gegenteil von dem. was er früher als das allein Richtige und Not- wendige erklärt hatte. Diese in der Kommission aufgeführte widrige Komödie hat den Herren so gut gefallen, daß sie sie auch im Plenum des Reichstags vor der breitesten Oeffentlichkeit zu wiederholen sich nicht ver« sagen konnten. Am Montag wurden die Kommissionsbeschlüsse der ersten Lesung in drei namentlichen Abstimmungen wiederher- gestellt und am Dienstag mit der gleichen Verve wieder aufgehoben! AlS„Grund" für den Umfall wurde hier wie dort angegeben, daß die Negierung sonst die ganze Vorlage würde scheitern lassen. Bei der Erbschaftssteuer haben die Herren die Negierung bekanntlich nicht ernst genommen und auf deren Drohung gepfiffen. Wie recht sie von ihrem Standpunkt aus hatten, das hat oie Erfahrung gelehrt. Aber angenommen, sie glaubten wirklich an den Ernst der Drohung und sie fühlten nicht die Kraft in sich, einen Tanz mit dieser geschundenen und gestäupten' Regierung zu wagen, wozu war es dann notwendig, die Komödie im Plenum ?u wiederholen?— Doch nur. weil man seine angebliche Beamten- reundlichkeit in eine gute Beleuchtung rücken und den Beamten weismachen wollte, daß man sich— mit dem bekannten schweren Herzen natürlich— einem Zwange der Regierung habe fügen müssen! Von dieser Fiktion ausgehend, haben auch die Herren Ge- Werkschaftsbeamten im Zentrum und ihr evangelischer Kollege Herr Bohrens geglaubt, für die Aufhebung der von ihnen tags zuvor mitbeschlossenen Gehaltserhöhung für eine Reihe schlecht b e- soldeter Unterbeamten stimmen zu sollen. Selbst den Polen, von denen man doch eigentlich eine besondere Vorliebe für die deutschen Beamten nicht verlangen kann angesichts der Behandlung, die sie von ihnen vielfach— wenn auch auf Geheiß der preußischen Regierung— erfahren, selbst den Polen verbot eS die Achtung vor sich selber. eS dem Zentrum, den Konservativen und Nationalliberalen gleichzutun: sie enthielten sich wenigstens der Stimme. Wenn den Beamten angesichts jener neuesten Vorgänge die Augen noch immer nicht ans- und übergegangen find, wenn sie noch immer nicht wissen, wo ihre wirklichen Freunde und wo ihre süß- mäuligen und darum doppelt gefährlichen Feinde sitzen, danrr ist ihnen in der Tat nicht zu helfen. Die Tabaksteuer und die Tabakfavrikante«. Unter dieser Ueberschrift brachten wir in der Mittwochnümmer des„Vorwärts" einen Aufsatz, wonach die Nordhäuser Tabak- fabrikanten von den Arbeitern verlangten, die Arbeitszeit um zwei Stunden zu verlängern, um dadurch der Nachverzollung zu ent- gehen und dann auf die Löhne zu drücken, wenn die Läger von fertigen Fabrikaten vollgestopft sind. Den Arbeitern ist es gelungen, dieses Ansinnen abzuschlagen. In sämtlichen Fabriken wurden am Dienstag Kommissionen vor- stellig und gaben unzweideutig zu verstehen, daß sie es ablehnen, tatenlos zuzusehen, wie ihnen ihr Grab gegraben werde. Wohl oder übel mutzten die Fabrikanten einlenken. Sie zogen ihr Ver- langen zurück, und es bleibt bei der bisherigen 19stündigen Arbeitszeit. Ausnahmerecht gegen Sozialdemokraten. Dem Metallarbeiterverbande, OrtSverwaltung Braunschweig, ist ein Festzug durch die Straßen der Stadt von der Polizeidirektion Braunschweig mit der folgenden„Begründung" verboten worden: „Braunschweig, den 22. Juni 1999. Auf die dringende Ein- abe vom 19. d. Mts.: Da nach den Vorgängen am 2. Januar v. I.(Wahlrechtsdemonstration) bei Veranstaltung öffenllicher Aufzüge von Angehörigen der sozial- demokratischen Partei wegen der zu be- fürchtenden Ausschreitungen und Verkehrs- störungen Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht, kann die von Ihnen namens des Deutschen Metall- arbeiterverbandeS, dessen Mitglieder vorzugsweise der sozialdemokratischen Partei angehören, beantragte Erlaubnis zur Veranstaltung eine? Aufzuges auf öffentlichen Straßen der hiesigen Stadt am Nachmittag des 13. Juli cr. nicht erteilt werden. v. d. Busch." Der Metallarbeiterverband ließ eS bei dieser Abweisung nicht bewenden. Er glaubte nicht, daß dieser Bescheid mit seiner Be- gründung vor den Richtern bestehen würde. Das Verwaltungs- gericht als oberstes Gericht des Herzogtums hat ihn jedoch eines anderen belehrt. Am Mittwoch, den 14. d. M., hatte eS sich mit der Klage des Metallarbeiterverbandes zu beschäftigen. Der R e- gierungsrat Sommer als Vertreter der Polizeidirektion be- gründete den Standpunkt derPolizeidirektto« mündlich folgendermaßen: Partei und Gewerkschaften seien eins, das habe erst kürzlich Genosse Rieke noch in der Stadtverordnetenversammlung erklärt. Mitglieder de? Metallarbeiterverbandes feien auch bei der Wahlrechts- demonstrasion beteiligt gewesen. Der Metallarbeiterverband hatte seine Versammlungen in demselben Lokale ab wie die Partei; er lasse sich auch von Sozialdemokraten Vorträge halten; ja der Geschäftsführer des Verbandes sei selbst Sozialdemokrat, der AgitationSreden halte und auf sozialdemokratischen Parteitagen als Delegierter fungiere. Da an dem Umzüge wohl tausend Personen teilnehmen würden, so sei der Umzug als Demonstrations- zug zu betrachten. Zwar gehören von dem Metallarbeiterverbande in Braunschweig leider nur ein Drittel der Mitglieder der sozialdemokratischen Partei als Mitglieder an, allein eS handelt sich ja bei der Ablehnung des Fest- zuges überhaupt nur darum, die Masse der Arbeiter von der Straße fern- zuhalten. Bon diesem Gesichtspunkt aus ließ sich denn auch zweifel- los das Gericht leiten, es machte sich die„Begründung" deS Regie- rungsrats zu eigen und wies die Klage ab. Genosse Fischer hatte vollkommen recht, als er am Dienstag im Reichstage behauptete, daß die braunschweigische„Freiheit" der mecklenburgischen in nichts nachstehe. Er kann weiter prügeln! Vor dem Kriegsgericht in Thorn war am 14. Juli der Sergeant Thomas Schott von der 8. Kompagnie 176. Infanterie- Regiments wegen Mißhandlung Untergebener in 33 Fällen, sowie wegen vorschriftswidriger Behandlung und Be- leidigung eines Untergebenen und wegen Anmaßung einer Befehls- befugnis angeklagt. Die Beweisaufnahme ergab, daß er einmal einem Musketier mit der Faust einen solchen Stoß vor die Brust versetzte, daß derselbe zur Erde fiel. Einen anderen Untergebenen hat er mindestens zehnmal gcohrfcigt und fünfmal Fußtritte gegen das Gesäß verabreicht. Sehnliche Mißhandlungen erlitten auch andere Leute. Zu diesen Ausschreitungen gesellten sich noch einige be- sonders schlimmer Natur. Als Schott einmal auf einer Stube einen dorthin nicht gehörigen Spaten vorfand, ergriff er diesen und schlug dem Musketier Schäfer mit dem Spaten st iel« siebenmal über den Rücken. Ein anderer Musketier wurde von Schott mit dem Seitengewehr- k o p p e l, und zwar mit dem Schnallenende, ins Gesicht geschlagen. Beim Unterricht warf der Angellagte ein Buch gegen die Leute. Die Anmaßung einer Befehlsbefugnis bestand darin, daß er eine Korporalschaft eigenmächtig feldmarschmäßig antreten ließ. Der Vertreter der Anklage beanttagte gegen Schott drei Monate Gefängnis und Degradation. Der Gerichtshof erkannte auch auf diese Gesängnisstrafe, nahm aber mit Rücksicht auf die bis- herige sehr gute Führung des Angeklagten von der Degradation A b st a n d l____ Brotversorgung an der deutsch-französischen Grenze. In Aumetz an der lothringisch-französischen Grenze wurde der BrotpreiS am 12. Juli abermals um 4 Pf. pro Laib erhöht. Jetzt beträgt der Preisunterschied zwischen dem Brot in Frankreich und in Lothringen 3 2 Pf. b e z w. 2 8 Pf., da der Händler, der aus Frankreich an die Grenze kommt, infolge des großen Zulaufs eben« falls den Preis für den Laib Brot um 4 Pf. erhöht hat. Am 12. Juli entstand an dem Brotwagen eine regelrechte Balgerei zwischen den alten regelmäßigen Brotabnehmern und den neuen Kunden, da der Händler auf den infolge der Preiserhöhung in Deutschland gewaltig verstärkten Ansturm nicht eingerichtet war. Zu so skandalösen Zuständen hat eS die deutsche Zoll- und Wirtschaftspolitik unter der Herrschaft der Junker und des Zentrums gebracht l frankrcidh. Die Wahl tu der Arbeiterkonföderation. Paris, 13. Juli.(Eig. Ber.) Gestern wurde die Ersatz- Wahl für die beiden durch den Rücktritt der Reformisten Niel und T h i l erledigten Sekretärposten in der Arbeitskonföderation vorgenommen. Von 65 dem Verband angehörigen Föderationen waren nur 55 vertreten. Gewählt wurden Jouhaux (Zündhölzchenarbeiter) und L e f ö v r e(Goldarbeiter) mit 35 Stimmen, 20 reformistische Delegierte enthielten sich der Abstimmung, Jouhaux und Lefövre werden zu den revolu- tionären Syndikalisten gerechnet, sind jedoch noch wenig her- vorgetreten. Niel hat das ihm vom Eisenbahnerverband angetragene Sekretäramt angenommen. Diese Wahl ist eine Demonstratton gegen die Anarchosyndikalisten in der Konföderation, die Niels Rücktritt erzwungen haben. Staatsverwaltung and Sörseukapltak. Paris, 13. Juli.(Eig. Ber.) Die„Humanitö" veröffentlicht heute im Facsimile ein Dokument, das beweist, daß der französische Staat heute nicht nur im übertragenen Sinne ein KommiS des Kapitals ist. Es ist eine Bekanntmachung der Telegrophenverwaltung an die Beamten, die sie anweist, die täglich eintreffenden Nacht- telcgramme aus Buenos AyreS für»SesostriS-Hamburg" und„SesostriS-Antwerpen" mit besonderer Auf- merksamkeit zu behandeln und für ihre schnelle und sichere Expedierung zu sorgen. Der gleichen Sorgfalt werden die aus Brest nach DreyfuS-Genua adressierten Telegramme empfohlen. Alle die drei angegebenen Adreffen bezeichnen Filialen deS Bankhauses Brüder Drehfus, deren Direktor Louis Dreyfus ein regierungstreuer Deputierter und ein per fön« licher Anhänger ClemeneeauS ist. Er ist auch derjenige, der beim ersten Poststreit die Unterredung zwischen dem Minister- Präsidenten und den Streikenden vermittelt hat, die dann, nach dem Berbleiben Symians im Amt, Gegenstand einer parlamentarischen Diskussion wurde. Die Telegramme des vornehmlich im Getreide- Handel engagierten Hauses betreffen die Weizenkurse und es ist klar, welcher Profit bei dieser— ohne Uebertaxe geleisteten— Bevorzugung gegenüber ihren Konkurrenten für die Firma heraus- springt.— Die Regierung, der Jaurös gestern da» Dokument unter- breitet hat, sucht sich damit auszureden, daß der von der„Humanitö" publizierte Erlaß noch vor seiner Publikation durch einen anderen ersetzt worden sei. Sicher aber ist auch die bloße.Borbereitung" zu einer solchen offiziellen Begünstigung von Privatgeschäste» höchst merkwürdig. England. Das indische Attentat. � London, 12. Juli.(Eig. Ber.) Die Untersuchung des vöm indischen Studenten Dinghra ausgeführten Attentats scheint bereits abgeschlossen zu sein. Der Angeklagte legte ein volles Ge- ständnis ab, in dem er sagt«, sein Motiv war rein politisch. Die Engländer seien in Indien fremde Tyrannen, und es sei die Pflicht jede? indischen Patrioten, sie zu vernichten, da sie Indien aussaugen und ruinieren. Jeder Engländer würde ahn. lich handeln, wenn deutsche Beamten, noch einer erfolgreichen deutschen Invasion, England beherrschten. Die Engländer, die sich aller fremden Unterdrückten annehmen, seien Heuchler und Farceure, da sie gleichzeitig Indien unterdrücken, ausbeuten und der Vernichtung anheimfallen lassen. Er sei bereit zu sterben, um die noch indifferenten Hindus gegen die englische Herrschaft aufzureizen. Er rechne aus die Stütze amerikanischer und deutscher Freunde.... �-t' i Die Hauptverhandlung dürfte in wenigen Wichen vor- gWWWL TlldW.,' � �- pcrUcn. Die Kämpfe um Teheran..... Teheran, 14. Juli. Im Laufe des Abends ist in dem Kampfe kein Still st and eingetreten. Die perfischen Kosaken setzten ihr Geschützfeuer unaufhörlich fort. Einige ihrer Geschosse trafen die Häuser von Europäern in einer Straße in der Nähe der britischen Gesandtschaft, vermutlich, weil Häuser dieser Straße von nationalistischen Schützen besetzt waren, die von den Dächern her feuerten. Die Truppen des Schahs bombardieren von einer Stellung außerhalb der Stadt das Parlamentsgebäude. Der englische und der russische Gesandte drangen heute in den Schah, sich mit den Nationalisten zu verständigen; der Schah weigerte sich jedoch. Es verlautet, daß gegen Sonnenuntergang ein Sekretär der russischen Gesandtschaft sich bei dem Parlamentsgebäude einfand und Sipahdar und Sardar Assad im Namen deS Obersten Liachoff und seiner persischen Kosaken Vorschläge übermittelte, in denen zugleich Bürgschaften für deren eventuelle Unterwerfung verlangt wurden. Die re- volutionären Führer hätten geantwortet, sobald die Offiziere und die Kosaken ihren Vertretern ihre Waffen ausgeliefert hätten, dürften sie unbehindert sich heimbegeben oder in neutraler Eigen- schaft in den Kasernen verbleiben. Den Kosaken werde gestattet sein, unter der konstitutionellen Regierung zu dienen. Allen werde Sicherheit gewährleistet.___' Einstellung des Feuers. Teheran, 15. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) ES verlautet, daß Oberst Liachoff Befehl gegeben habe, das Feuer einzustellen. Die Kosaken haben in den letzten Stunden nicht mehr geschossen. DaS Gewehrfeuer zwischen den Leuten deS Schah und den Bachtiaren und das Geschützfeuer der Nationalisten hat beinahe gänzlich aufgehört. Truppen des Schahs haben gestern abend das Nordosttor angegriffen, sind aber von den Nationalisten mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden. Waffenstillstand? Teheran, 15. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Abends traf hier die Meldung ein, daß der Schah in einen Waffen still st and einwilligte, und daß die Truppen des Schahs nach Saltanabad zurückgegangen seien. Während des Schießens fielen auch einige Kugeln in die russische Gesandtschaft, doch wurde niemand verletzt.=- Hmerffta. Ausstand der Stahlarbeiter. Pittsburg(Pennsylvanien). 15. Juli. Fünftausend An- gestellte der Pressed Steel Car Company befinden sich im Ausstand.� Gestern nachmittag kam es zu Aus- schreitungen. Die Polizei zerstreute die Menge, indem sie ihre Revolver in die Lust abfeuerte. Viele Per- sonen wurden durch Stockschläge und Steinwürfe verletzt. Am Abend kam es zu weiteren Unruhen. Hundert Personen sollen hierbei durch Pistolenschüsse der Polizei oder Myrfgeschojse v.on Streikenden verletzt sein.- Südamerika. Beilegung des Konflikts.'! Buenos Aires, 15. Juli. Bolivia erklärt in einer Note an die argentinische Regierung, eS bedauere tief die Zwischenfälle von La Paz. Die Regierung habe sich bemüht, sie zu unterdrücken, und beklage die Haltung der Presse. Die Er» eignisse würden sich nicht wiederholen, da Bolivia von aufrichtiger Achtung gegenüber Argentinien und dem Präsidenten von Argentinien erfüllt sei. Die argentinische Regierung erklärte» diese Aste gebe ihr Aszlitgt»«vs. BerufszäWang und Steaerftatlftlk. Die Resultate der letzten Berufszählung ergaben für die Ge- ' saintbevölkerung eine starke Zunahme an»hauptberuflich Erwerbs- , tätigen"; nach der Zählung von 189ö betrug der Anteil 42, OS von Hundert, nach der letzten Zählung 47,48 von Hundert. Danach darf man ohne weiteres auf eine wenigstens nominelle Ein- kommenssteigerung der Steuerpflichtigen schließen. In sehr vielen Fällen hat eben die Zahl der in einer Familie Erwerbstätigen bei nur einem Steuerzahler zugenommen, indem die Frau oder auch Kinder sich der Erwerbsarbeit hingaben. Das ist ein Um- stand, der bei Würdigung der steuerstatistischen Ergebnisse meist übersehen wird, aber für die gewonnenen Resultate gewichtiger Bedeutung nicht entbehrt. Die Steuerstatistik, für sich allein be- trachtet, verführt leicht zu einer irrigen Ansicht über die Hebung der sozialen Lage der Arbeiterschaft. Weil die Zahl der Steuer- Pflichtigen mit Einkommen von über 900 M. stärker angewachsen ist, als die Bevölkerungsdermehrung ausmacht, glaubt man nach diesem Verhältnis auf günstigere Gestaltung der Lohnverhältnisse schlußfolgern zu dürfen. Daß bei einer Bevölkerungszunahme in Preußen von 20,64 Proz. während der Zeit von 1895— 1907, die Zahl der physischen Zensiten in dem Zeiträume von 1892— 1907 um 121 Proz. sich vermehrte, und die mit Einkommen von 900 bis 3000 M. Veranlagten gar um 123 Proz., wird leicht als unwider- leglicher Beweis enormen sozialen Aufstiegs angesehen. Ein an- dereS Ergebnis resultiert schon die Vergleichung der Hauptberuf- lich Erwerbstätigen mit den Steuerpflichtigen. Setzt man die entsprechenden Resultate der Berufszählung von 1895 und 1907 mit denen der Einkommensteuereinschätzung von 1892 und 1907 in vergleichende Beziehung, dann kommt man zu folgendem Er gebnis: Nach den vorletzten Ermittelungen war von je 5,43 Er- werbstätigen einer steuerpflichtig; die letzte Zählung und Ein schätzung ergab, daß auf je einen Steuerpflichtigen 3,33 Erwerbende entfallen. Die nach dem Verhältnis der Bevölkerungszunahme gewaltige Vermehrung der Steuerpflichtigen gleich 128: 20,64 schrumpft erheblich zusammen in der Relation zu den Erwerbs- tätigen— 5,43: 3,33. Bringen wir— immer nach den Angaben des Statistischen Jahrbuchs für den Preußischen Staat 1903— die statistisch gewonnenen Zahlen in eine Tabelle vergleichend zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: 1395-02 Bevölkerung........ 31490315 Erwerbstätige im Hauptberuf. 13 242 253 Zahl der physischen Zensiten.. 2 435 8S8 deren veranlagtes Einkommen in Millionen Mark.... 5704 Einkommen von 900— 3000 Mark Zahl der physischen Zensiten.. 2 118 969 deren veranlagtes Einkommen in Millionen Mark.... 2912 Einkommen über 3000 Mark Zahl der physischen Zensiten.. 316 889 deren veranlagtes Einkommen in Millionen Mark.... 2792 Diese Zusammenstellung rückt die Einschätzungsergebnisse in ein noch ungünstigeres Licht. Die Summe des Einkommens bei allen Zensiten ist weniger stark gestiegen als die Zahl der Pflich. tigen. Die Herausgreifung der Zensiten mit Einkommen von 900 bis 3000 M. läßt dasselbe konstatieren, während bei den Einkommen von über 3000 M. die Steigerung des Einkommens kräftiger ist als die Zahl der über Dreitausendmark-Männer. Deutlicher bringen das diese Zahlen zur Darstellung: Es betrug im Durchschnitt das Einkommen pro Zensit mit Einkommen: 1892 1907 M. M. von 900—3000 M...... 1374 1366 von über 3000 M...... 8810 9216 Durch daS Einrücken violer Zensiten in die Klasse von 900 bis 3000 M., mit niedrigem Einkommen, ist der Durchschnittssatz ge» funken, dagegen zeigt sich bei den höheren Einkommen eine kräftige Zunahme des Durchschnittssatzes. Unter Berücksichtigung dieser Umstände sieht daS steuerstatistische Ergebnis für die arbei- tende Bevölkerung weniger günstig auS. Dazu treten noch Fehler- quellen bei der Einkommenschätzung und veränderte Kaufkraft deS Geldes als Faktoren, die den ziffernmäßigen Ergebnissen ein ganz anderes Gesicht geben. Bei den Resultaten der Einkommen von 900—3000 M. handelt eS sich zu einem guten Teil um die schärfere Erfassung, wird doch jetzt, infolge deS Verdienstnachweises durch die Unternehmer, der letzte Pfennig veranlagt. Auch kommt in den nominellen Ein- kommen die veränderte Kaufkraft nicht in Erscheinung, und zweifellos sind von der Verteuerung der Lebenshaltung gerade solche Einkommen, die in der Hauptsache zur Befriedigung des nackten Lebens dienen, viel schärfer betroffen als die den höheren Steuerstufen angehörenden Zensiten, bei denen die Wer. fchleierung des Einkommen» zum Nachteil der Einschätzung sicher zugenommen hat. Ein weiteres Manko bei Benutzung der Steuerstatistik als Wertung der sozialen EntWickelung ist die Außerachtlassung der immens gestiegenen Produktivität der Arbeit. Aber diesen Fehler- quellen soll hier nicht nachgegangen werden. Diese Arbeit soll nur zeigen, daß die Steuerpolitik, so bedenklich ihre Anwendung als soziales Barometer im allgemeinen erscheinen muß, in Beziehung zur Erwerbstätigkeit der Bevölkerung gesetzt, eine wesentlich andere EntWickelung zeigt glS in Vergleichung mit der Bevölkerungs- bewegung. r_ Gewerfefcbaftlicbea. BcrUn und Qmgegend« Verfehlte Reklame. & Mit dem„Deutschen Metallarbeiter". vo'M 19. d'. Mts., dem Organ der Christlichen, versandte der Leiter der Berliner Filiale dieser Organisation eine Anzahl Reklamezettel mit s°Ig-»d°- Gebrauchsanweiiung: �„,)m Werter College! Der diesmaligen Nr. deS Verbandsorgans liegen einige Flugblattexemplaren, die laut Vorstandsbeschluß zum ankleben an geeignete Stellen Verwendung finden sollen. bei. Du wirst freundlichst ersucht dies« Flugblätter mit gutem Kleister an solche von Metallarbeitern stark begangenen Stellen, an welchen sie auffällig ins Auge fallen anzukleben. Das An- kleben muß zur späten Wend- oder zur frühen Morgenstunde geschehen. Auf diese Weise die Anklebung durchgeführt, ist es unseren Gegnern, den Kindern und eventuell Schutzleuten nicht so leicht möglich, die Plakate abzureißen. Die Anklebung ist nach Bedarf von Zeit zu Zeit zu wieder- holen. Gebe uns bitte an an welche Straße du noch weitere gebrauchst, Ich ersuche dir dringend deine ganze freie Kraft ein- Herqntw. Repgkt,.: KilhM DLwkll, LiMMxg. ZnsgrgtxtzergRthu f? mal Swn»ftBotkiSg zu leihen ML Sirtch Reklam? tfitö StoTfoHoR für unseren Verband dazu beizutvagen, daß das gesteckte Ziel — 400 Mitglieder— bis zum Jahresschluß erreicht ist. In der Erwartung, daß du dein Möglichstest tun wirst, grüßt kollegial . Der Vorstand. I. Auftr Jakob Minter Vorsitz. Das Flugblatt prahlt in reklamehafter Weise mit Zahlen, die den Christen groß erscheinen mögen, anderen aber lächer- lich gering vorkommen müssen und deswegen wohl nirgends imponieren werden. So heißt es in Beziehung auf dep christ- lichen Metallarbeiterverband: Hat zirka 3l)M) Mitglieder und ist in etwa 359 deutschen Städten vertreten. Hat 759 VW Mark Kasienvcrmögen Im Vergleich wollen wir nur erwähnen, daß allein die Berliner� Filiale des Deutschen Metallarbeiterver- bandes weit über 69 999 Mitglieder, mehr als doppelt so viele als der christliche Verband in ganz Deutschland hat. Wenn also der christliche Wunsch nach 400 Mitgliedern in Berlin auch in Erfüllung gehen sollte, wäre mit diesen 400 den über 60 000 gegenüber kein Staat zu machen. Wie es aber bei den Christen ja nicht anders sein kann, ist dieser ihr Wunsch natürlich ein frommer Wunsch und wird es noch lange bleiben. Im übrigen werden die Berliner Metallarbeiter bedauern, daß die Gewerkschaftschristen ihre Reklamen so sorgfältig an- kleben und dadurch selbst verhindern, daß dieselben„an ge- eignete Stellen Verwendung finden". Achtung, Kürschner und Schneider! Bei der Firma Jakob u. Bräutigam, Markgrafeustr. 58, haben wegen deS Werkführers sämtliche Kollegen und Kolleginnen die Arbeit niedergelegt. Die Werkstatt ist streng zu meiden. Da sich die Firma unter Deckadressen um Leute bemüht, so ist bei An- nähme von Arbeit höchste Vorsicht geboten. Verband der Kürschner.— Verband der Schneider, Die Ortsverwaltungen. DeutTchee Reich. Der Streik der Schneidemühlenarbciter in Tilsit hat natur- gemäß eine Menge unsauberer Elemente nach dem Ausstands- gebiet gelockt, die sich als„sogenannte Arbeitswillige" dem be- drohten Kapital zur Verfügung stellen wollen. Die Unternehmer können aber mit diesem Material nichts ausrichten, und sie selbst mußten einen Teil der Streikbrecher wieder abschieben. Andere, die durch die„königlichen Versprechungen" der Mühlenbesitzer nach Tilsit gelockt worden waren, traten sofort die Rückreise an, als sie erfuhren, daß ein Streik am Orte ausgebrochen sei. Die Ordnungsblätter fühlen sich selbstverständlich berufen, wie überall, so auch hier, dem heiligen Geldsack schützend beizuspringen. Sie tun das bekanntlich in der Weise, daß sie tapfer Lügen über den Streik verbreiten und durch geeignete Notizen die Streikenden selbst in der öffentlichen Meinung herabzusetzen suchen. So wissen sie vom Terrorismus der Ausständigen gegen Arbeitswillige gruselige Geschichten zu erzählen; sogar Militär hätte einschreiten müssen, um einen Transport Streikbrecher vor dem drohenden An- griff der Ausständigen zu bewahren; die Schutzmannschaft hätte gar nicht ausgereicht. So wird geschwindelt, daß sich die Balken biegen. DaS neueste ist, daß die Provinzblätter die Lüge der- breiten, daß der Streik schon nächste Woche Montag sein Ende er- reichen werde, da besonders die„älteren Arbeiter" erklärt hätten, länger nicht mehr mitmachen zu wollen. In einer Notiz schreiben sie, daß der Betrieb im kleinen Matze schon wieder hat auf- genommen werden können, in der anderen, daß in Tilsit, Splitter und Stollbeck alle Mühlen stillstehen. Die„Tilsiter Allgemeine Zeitung", die größte Zeitung im Streikgebiet selbst, wagt doch nicht so dreist zu schwindeln, weil sie befürchtet, am Orte durch Tat- fachen gleich berichtigt zu werden, dagegen leisten aber die anderen Blätter, so z. B. das nationalliberale„Memeler Dampfboot", das Leiborgan des Herrn Schwabach, desto mehr. Die Streikenden selbst sind voller Kampfesmut, obgleich sie zum erstenmal im Feuer stehen. Sie hoffen, durch innigste Solidarität den Sieg davon- zutragen. Der Ausstand in der Rhcinschiffahrt droht zu einer Aussperrung im Hafen Manuheim-LudwigShafen zu führen, weshalb Zuzug von Hafenarbeitern und Maschinisten nach dorthin strengstens fern» zuhalten ist._ Eine christliche Gewerkschaft auf dem Bettel. Unter den christlichen Gewerkschaften befindet sich eine, die den ganz besonderen Stolz der Christlichsozialen bildet, weil er eine spezielle Gründung der Stöckerleute ist: der GeWerk- verein der Heimarbeiterinnen Deutschlands. Er ist im Oktober 1900 durch die Frauengruppe der kirchlich- sozialen Konferenz gegründet worden und zählt heute, nach neun- jährigem Bestehen, rund 6000 Mitglieder. Nach außen ist der Per- band noch nicht hervorgetreten, er führt unter christlichsozialem Schutz ein recht kümmerliches Dasein. Jüngst ist nun die Haupt» schriftführerin des Verbandes, Frl. de l a C r o i x, gestorben, deren materielle Lage günstig genug war. daß sich die Dame un- entgeltlich der Verbandssache widmen konnte. Nun, da sie ge- starben ist, sieht sich die Organisation genötigt, den Klingelbeutel in Bewegung zu setzen, um eine jährliche Einnahme von 2000 M. zu erzielen, von der die Nachfolgerin von Frl. de la Croix be- soldet werden kann. In einem Aufruf in der christlichsozialen und ultramontanen Presse wird um die Aufbringung eines Kapitals von 50 000 M. gebeten.„Wenn 50 Menschenfreunde— so heißt es da—, Freunde der Heimarbeiterinnensache, je 1000 M. zeichnen, so ist die quälende Sorge von uns genommen. 10 X 100 M. oder 100 X 10 M. ergeben auch 1000 M. Ja, jede kleinste Hilfe wird freudigen Herzens angenommen. Helft, Ihr lieben Menschen, die Ihr uns noch nie im Stich gelassen habt, und helft bald!" Niemand wünscht sehnlicher als wir, daß das Elend der Heimarbeiterinnen gemildert wird; aber Organisationen, die derart auf die Mild- tätigkeit anderer angewiesen sind, können nicht als das richtige Mittel dazu betrachtet werden. � Die Organisationen der Privatbeamten im Jahre 1908 find zwar durch die ungünstige Konjunktur in ihrem Fortschreiten behindert worden, haben aber sonst nur vereinzelt einen erheblichen Verlust an Mitgliedern zu verzeichnen. Die fünf verschiedenen Gruppen zählten zusammen rund 750 000 Mitglieder, darunter die Kaufmännischen Vereine 494 000, die Technikerverbände III 000, die Verbände der Bureauangestellten 12 000 und die der landwirtschaftlichen Ange- stellten 10 000 Mitglieder. In verschiedenen Vereinen ringen, gewählt. Huö Industrie und Kandel. Der Kampf um ein-Weltmonopol. In jahrzehntelanger äußerst geschickter Arbeit hat der Standard- öltrust ein Monopol für Petroleum in seine Hände bekommen. Wo auch neue Erdölquellen entdeckt wurden, es dauerte nicht lange und die Standard Oil Company hatte sie in ihrem Besitz. Die ein- zige Petroleumindustrie, die sich bis jetzt von dem amerikanischen Trust unabhängig halten konnte, ist die in OestWreich-Ungarn. Die Mehrheit der österreichischen Raffineure sind in der Aktien- gesellschaft für österreichisch-ungarische Mneralölproduüte orga- nisiert. Ihre Rohöle beziehen die Raffineure aus der galizischen Rohölindustrie, die in den letzten Jahren ganz gewaltig gewachsen ist und ihr billiges Rohmaterial lieferte. Der Plan der Ameri- kaner war, die österreichisch-ungarische Petroleumproduktion in ihre Hände zu bringen. Sie gründete 1898 in Budapest eine Petro- leumgesellschaft, die Vakuum Oi! Co. Diese hatte zunächst nur 200 000 Kronen Aktienkapital. Allmählich wurde das Aktienkapital erhöht, 1905 in Oesterreich und in Ungarn je eine eigene Rafft- nerie errichtet und im besonderen scharf gegen die österreichischen Raffineure gekämpft. Jetzt hat das Unternehmen 20 Millionen Kronen Aktienkapital. Die Deutsch-amerikanische Petroleumgesellschaft, eine andere Tochtergesellschaft deS Oeltrusts, organisierte in Deutschland den Kleinverkauf an die Konsumenten. Die Oesterreicher hatten bis dahin nur an die Großhändler verkauft. ES begann ein erbitterter Preiskamps, der die Petroleumpreise fortgesetzt herabdrückte. Die Amerikaner kauften die Berliner Großhanoclsfirmen, wie Stob- Wasser, JoSke, Norddeutsche Eiswerke usw., auf. Die Oesterreicher gründeten eine Verkaufsgesellschqft für Deutschland; man schloß Verträge ab, in denen sie sich verpflichteten, das Petroleum immer Es ist gebirgig und bietet den Herden während deS Sommers fette Weideplätze. Die Bachtijari stehen in ganz Mittelpersten im Rufe, Handels- karawanen radikal auszuplündern. Reisende, die einsam durchs Leben ziehen, bekommen keinen kleinen Schreck, wenn sie plötzlich den zylindrischen Kopfputz der Leute vom Bachtijaristamm austauchen sehen. Vor etwa zwei Jahren war der von Teheran nach Jspahan führende Weg recht unsicher, und die königliche Post wurde jeden Monat mindestens einmal ausgeraubt. Um solche Räubereien zu verhüten, betraute der jetzige Schah die Bachtijari mit der Be« wachung des Weges. Seit damals kann mau die Straße sorglos und ungehindert benützen; die Briganten sind also Gendarmen ge- worden und legen sich energisch für die Sicherheit der Reisenden ins Zeug. Bis 1850 waren die Bachtijarfitämme bollständig un- abhängig und erkannten keinerlei Autorität an. Obwohl die Bachtijarihäuptlinge vom Schah ernannt werden, lasten sich die Stämme von ihm nichts befehlen; um sie wenigstens einigermaßen in Zucht zu halten, zwang man sie, Soldaten für seine Leibgarde zu stellen: das waren seine Geiseln, die er für alle Ruhestörungen im Bachtijariland verantwortlich machen konnte. Die Reisen der Störche. Die Wege und die Ziele der wandernden Vögel zu erforschen, ist schon seit langem als eine wichtige Aufgabe der Vogelkunde erkannt worden. Eine besonders praktische Methode hat zu diesem Zweck die von der deutschen Ornithologischen Gesellschaft bei Rositten auf der kurischen Nehrung errichtete Vogelwarte angewendet. Man fängt dort während der Zugzeit manche der dort in großen Scharen eintreffenden Wander- vögel und kennzeichnet sie durch- einen um den Fuß gelegten leichten Metallring, auf dem die Jahreszahl und eine Nummer vermerkt sind. Dann läßt man dte Vögel wieder frei und sucht nun Kunde zu erlangen, wo und wann diese Vögel gesehen oder erbeutet werden. Auf diese Weise sind schon schöne Resultate erzielt worden. Neuerdings haben die Versuche in Rositten nach der Königsberger„Hartungschen Zeitung" Aufklärung über den Reiseweg gebracht, den die�norddeutschen und ostpreußischen Störche nach ihren aftikanischen Winterquartieren nahmen. Bis Ungarn war die Sttaße bereits ermittelt, dann begann aber eine gewaltige Lücke bi» zum blauen Nil. Am 24. April 1909 wurde nun ein durch Ring gekennzeichneter Storch 110 Kilo- meter nordöstlich von Damaskus. am Karawanenwege nach Palmhra. angetroffen. Die Zugstraße führt also durch Kleinasien. Syrien, das Niltal aufwärts. Der betreffende Storch war im Juli 1907 in Kullmen-Jennen bei Piktupönen. Kreis Tilsit, gezeichnet worden. Weiter ist festgestellt worden, daß die ostpreußischen Störche auf ihren Wanderungen bis zur äußersten Südspitze Afrikas vordringen. denn im Februar 1S00 wurden zwei ostpreußische Ringstörche im Basutolande. etwa 30 Grad f. Br., �von Eingeborenen erbeutet. Die Strecke, die von diesen beiden, etwa neun Monate alten Störchen »rückgelegt worden ist. beträgt 9600 Kilometer. Ferner wurden Frühjahr 1909 Ringstörche an folgenden Orten Ostpreußens ge« £■ um einen halben Pfennig billiger zu verkaufen» als die Ameri- kaner. Die Standardgesellschaft, als sie merkte, daß ihre Zeit gegen die österreichifch-ungarischen Raffineure noch nicht gekommen war, änderte ihre Taktik. Zwischen dem Landesverband der galizischen Rohölproduzenten und den Vertretern des Oiltrustes wurden wochenlange Verhandlungen gepflogen, die bei den Amerikanern der Absicht entsprangen, den Galiziern die Macht über die Rohöl- Produktion abzuzwingen. Der Bau von Reservoieren mußte in Angriff genommen werden, aber Geld war nicht vorhanden. Schon jetzt sind die Produktionen an Heizöl für die Staatsbahnen, soweit sie in den Jahren 1910 und 1911 fällig sind, beliehen. Und für die nächste Zukunft wird die Situation eher noch schwieriger werden, denn jetzt sind schon wieder 80 Bohrlöcher in allernächster Zeit produktionsfertig, davon 80 in den besten Petroleumgebieten gelegen. Es ist also nichts Absonderliches, daß die Rohölproduzenten auf Verhandlungen ein- gingen. Der Oiltrust schlug vor, 100 Reservoire zu bauen, mit einem Fassungsraum von 100 060 Doppelzentner. Die Kosten würden die Amerikaner tragen. Innerhalb von fünf Jahren, für so lange war der Vertrag vorgesehen, sollten die Rohölleute Ein- lagerungsgebühren bezahlen, die bei völliger Füllung der Erst- reservoire gerade die Baukosten ausmachen. Dann sollen 50 Reser- voire in ihr Eigentum übergehen, nach einigen weiteren Jahren nochmals 25, die übrigen 25 wollte der Oeltrust für sich behalten resp. seiner österreichischen Tochtergesellschaft überweisen. Die staatliche Entbenzinierungsanftalt sollte die Vakuum Co. ebenfalls übernehmen, den Galiziern aber bestimmte Preise garantieren. Darin war für die Amerikaner ein besonderer Vorteil enthalten, der ihnen bei besonderen Umständen 65 Proz. des österreichischen Inlandsbedarfes an Rohöl in die Hände gespielt hätte. Die Dinge lagen so, daß für jeden Tag die Annahme der Abmachungen zu erwarten war. Da kam im letzten Moment etwas hinzu, waS für die Arbeiter von besonderem Jntereffe ist. Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des österreichischen Reichs- rates brachte die sozialdemokratische Fraktion eine Resolution ein, durch die an die Regierung die Aufforderung ge- richtet wurde, eine Verschiebung des Vertragsabschlusses der Roh- ölproduzenten mit der Standard Oil Co. zu bewirken. Die Regie- rung hat auf diesen Mahnruf gehört. Sie machte sofort verlaut- bar, daß die Genehmigung zum Bau der Erdrcservoire, der auf fiskalischem Boden erfolgen muß, damit noch nicht gegeben sei, daß die Rohölproduzenten den Bertrag mit den Amerikanern ab- schlössen. Darauf verzögerten sich dann die Verhandlungen. In den letzten Tagen deS Juni ist im Reichsrate die Vorlage Gesetz geworden, nach der die Regierung einen 5h:edit von 8 Millionen Kronen bekommt, der zum Bau von Erdreservoiren verwendet werden soll. Da in der Begründung betont wird, daß der Verkauf der Reservoire an Private ausgeschloffen sei und daß die Regie- rung auch sonst noch kontrolliere, erscheint eis zukünftiges Petroleummonopol für den Staat als möglich. Konzentration. Die Magdeburger Privatbank arbeitet zlöar mit nur 35 Millionen Mark Aktienkapital, aber sie versteht das Fusionieren ganz gründlich. Jetzt kommt die Mitteilung, daß sie den Vorschuß- verein zu Hersfrlde(Regierungsbezirk Kastel) mit allen Aktiven und Passiven übernommen hat. Der Umsatz dieses Institutes betrug im letzten Jahre rund 81 Mllionen Mark. Die Magdeburger Privatbank wurde 1856 mit wenigen Millionen Mark Kapital ge- gründet. 1894 übernahm sie ein Privatbankhaus in Magdeburg, 1906 wurde die Nordhauser Bank übernommen, 1907 das Bank- Haus Unger in Erfurt, oaS Bankhaus Tiele in Merseburg, die Spar- und Leihbank in Wittenberge, der Sangerhäuser Bankverein. der EiSlebener Bankverein, die Kreditbank A.-G. in Eisenach, die Vereinsbank in Mühlhausen, die Torgauer Bank und die Wermge» roder Kam.-Gesellschaft. 1903 ging es in diesem Tempo Wetter. Erst kam die Wechslerbank in Hamburg daran, dann die Firma Sonnenthal in Dessau, ferner noch ein Erfurter Bankhaus. So werden die Provinzbanken aufgesaugt, die Geldinstitute, die der „kleine Mann" benutzt, in der Meinung, bei seinem„Bankfreund" guten Rat zu bekommen. In Wirklichkeit hat eine Großbank alle Fäden in der Hand und reguliert das Getriebe, wie eS ihrem eigenen Geldbeutel praktisch erscheint. Der Magdeburger Bank- verein hat nun 43 Niederlassungen in den verschiedensten Städten; seine Direktoren und Aufsichtsräte sitzen in den verschiedensten Unternehmungen, in Banken, Brauereien, 5taliwerken, Zement- werken, Mehlfabriken, Jutefabriken, Versicherungsgesellschaften usw. Die Bank hatte 1902 einen Umsatz von 1042 Millionen Mark, 1907 waren es schon 4040 Millionen Mark und ein Jahr später» trotz der wirtschaftlichen Depression, 5375 Millionen Mark. sehen: bei Drugehnen und in Nadrau im Samlande, sowie in TolkS- dorf bei Hogendorf. An den betteffenden Oertlichkeiten waren in den Jahren vorher Etorchmarkierungen vorgenommen worden. Das Erscheinen von Ringstörchen an den Nestern ist für die Zugforschung von höchstem Interesse. Die Vogelwarte bittet, solche Fülle immer umgehend mitzuteilen. Die Vogelwarte Rositten vergibt auch jetzt wieder Storchringe auf Ersuchen unentgeltlich an die Storchnest- besitzer. Ein neue? Niesenteleskop. Das ungeheure Teleskop, das feit Jahren für Mount Wilson in Arbeit war, ist jetzt fertiggestellt und sowohl mit dem bloßen Auge wie durch photographrsche Nepro- duktion geprüft worden. Das Resultat ist ein glänzendes, denn das kolossale Instrument hat sich als vollkommen erwiesen. Es steht, wie die astronomische Zeitschrift„Sirius" berichtet, ohnegleichen da. Der Spiegel hat einen Durchmesser von 1520 Millimeter, die gußeiserne Basis eine Länge von 4,57 Meter, eine Breite von 2,13 Meter; ihre Tiefe beträgt 47 Zentimeter und ihr Gewicht 6350 Kilogramm. Die beiden Träger der Polarachse wiegen 4275 und 907 Kilogramm, die Achse selbst ist 4,6 Meter lang und zwischen 38,1 und 45,7 Zentimeter dick, aus Nickelstahl gefertigt und wiegt 4140 Kilogramm. Die Bewegungsrichtung für die tägliche Rata- ticn des Teleskops ist mit größter Genauigkeit hergestellt und schließt selbst die kleinste Unregelmäßigkeit aus. Der Reflektor ist in eine gewaltige Kuppel gestellt, die aus Stahl besteht und durch Motoren bewegt wird. Ihre Beobachtungsöffttung hat eine Breite von 4,9 Meter. Ein Windschirm schützt das Instrument bor Er- schütterung durch Wind und vor seitlichem Licht. Der Erbauer, G. W. Ritcheh, erwartet von den Leistungen dieses größten Teleskops das Höchste, aber weniger wegen der enormen Maße, die allein noch keine Bedingung für seine Güte wären, als vielmehr wegen der außerordentlichen Exaktheit, die durch alle Teile geht. Sie ist so groß, deiß ein Stern einige Minuten lang von den Fäden im Okular halbiert erscheint ittld ohne jedcA Zittern scharf sich dem Blick tadbietet._ Notizen. — Da« Leipziger Stadttheater, das verpachtet ist. renttert sich nicht. Der Pächter erklärte, daß er den Verttag nicht erfüllen könne. Die Stadtverordnetenversammlung erließ ihm daraufhin die Pacht vom 1. Januar ab und gewährte außer der Uebernahme des Fundus einen jährlichen Zuschuß und eine Er« höhung der Eintrittspreise. — Abgeordnete als Büchermarder. Der Präsident deS ungarischen Abgeordnetenhauses verfügte, daß den Abgeordneten. die aus der Parlamentsbibliothek Bücher entliehen, aber trotz aller Mahnungen nicht zurückgaben, entsprechende Abzüge von den Diäten gemacht würden. Diese Abzüge erreichten zum Teil eine namhafte Höhe.— Leider gibt es auch außerhalb der Parlamente Leute . genug, gegen die gleiche Maßnahmen angebracht wären. w-::rrvif■ I etngegangene Dritckfchnftm, Bon der»Neuen Zeit»(Stuttgart, Paul Singer) ist soeden da» ß. Heft de» 27. Jahrgang» erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Der Schnapsdlock.— Die Wiedergeburt von Reggio und Mesftna. Von Oda Olberg-Rom.— Ein.sozialistische» Echo'. Von NdolsHepner.— Di« bayerische Äemeindeverfassung. Eine Richtigstellung von Georg Gärtner« Rürnb«ß.— Setverkschasten vnd redolustonZre Entwlckelung. Von Hugo Laut»«.— Literarische Rundschau: Zur EntWickelung der Arbeiterfrage im Königreich Polen. Von Karl Rädel. Max Verwarn, Dt« Frag« nach den Grenzen der Erkenntnis. Von Ltpsiu». Dr. Ludwig Reinhardt, Die Ge- schichte de» Leben» der Erde. Von ew. Paul Rohrbach, Deutsch-Chinesische Studien. Von Karl Rädel. Die.Neu« Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Such« Handlungen, Postanstalten vnd Kolporteure zvr bei der Post nur pro Quartal pro jMW Preffe von 8,86 St. zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei de! i werden. Da» einzelne Heft kostet 25 Pf. Vrobenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Fredmans Episteln. Von C. M. Bellmann. Au» dem Schwedischen von F. Niedner. Emjührung von G. Raeche. Brosch. 3 M., geb. 4 M- E. Diederich, Jena. Für den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbtater. >»»»tag, de« 16. JvH Ansang 8 Uhr. ReueS königliches Opernkheater. Lohengrin.(Anfang 7 Uhr.) Deutsches. Zu ebener Erde und im , ersten Stock. ' Kammer spielt. Ein Skandal in Monte Carlo. Lessing. Die Dollarprinzesstn. Berliner. Ein Heristmanover. NeueS Schauspielhaus. Moral. Schiller«.«Wallner» Thealer.) Madame Bonivard. Schill»» Eharlottenbnrg. Der Biberpelz. Abiedrich- WilhelmftSdt. Schau. spielhaus. DaS Nachtlager von Granada. Komische Oper. O diese Leutnants. Nene». Der Hoteldieb. Dhalia. Im CasS Noblefie. Luftsptelhaus. FamMe Schimek. Neues Operette«. Die~ AolieS Capriee. Drei Der Deserteur usw. Metropol. Die oberm Bernhard Rose. WaS kann. Berliner Prate». Man lebt ja nur einmal. W. NoackS Theater. Lerbottt» Wege. Apollo. Hartstein. 9t»der Er. Spezialitäten. Wintergarte«. Es Vollage. Spezialitäten. »Walhalla. Spezialitäten. Ttadt-Theater Moabit« Spezta- Ittäten. BolkSgarte«. Spezialitäten. Brnnnon. Die Spreewald-Käthe. alitäten. Urania. WiBsonschaftliches Theater. Tanbenstraße 48/49, Abends 8 Übi: 'et. raucnhüte. hj. 8-,. Uhr. ntausend. «ine Frau Epezialii ! Aeichshalle«. WInter-Thmtan. Urania. Taubenstrnis« 4«/S». \ Abend» 3 Uhr: Die deutsch« Oftseeltiste. �Sternwarte, Invaliden str. 57/62. . �essinx-l'keater. Gastspiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Ansang 8 Uhr. � IM® Dollarprlnneaaln. s Operette in 3 Alten von Leo Fall. öerliner Theater. Heute 8 Uhr: Mite» HerbstmantfTer. Morgen, zum 1. Male: Hotel Awer. Heues Theater. AvendS 8 Uhr: Der Hoteldieb. Sonnabend, zum 1. Make: Sein Sündenregister. Sonntag: Sein Sündenregister. Zt/OlOniStHER GARTEN Täglich: QroDes Mllltär-Doppel-Konzert. Eintr. 1 IS., y. abends 6 Uhr ab I SOPf-, Kind, u. 10 Jahr, d. Hälft.[ Schiller- SchfltBr- Idealer 0.(Wallner-Theater.) Täglich: Madame Bonivard. Schwank in 3 Alten von Alexander Bisson und Antony MarS. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Vbeatei'. Schiller-Theater CharletlMlvg. Täglich: Der Blberpel«. Eine DiebeSkomödie in 4 Alten von Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10' I, Uhr. K AbtatartsteUe K IV Schiilingsbrücke Ml am Schlefische» Bahnhof.«LWÜWS, öiltige lZwpsös.fenmfzM mit AnnUr oach ggflillgs StMll Tii glich früh 9l/i, mittag 2 Uhr.(Gosener Berge). Hin und zurück nur 80 Pf._(•)_ Bobert Tlsiuei*. Deutscher Jltetailarbeiter-Verband -(Bezirk Ober-Schöneweide).-- Sonnabend, den 17» Juli 1909 Großes Sommerfest lltfrnern Blnmensarton. Garten-Konzert TolKsbelnstignng.-. Ball. Ansang 4 Uhr. Antritt SS Pf. »Sa Pia" in ihren Phantasie- Tänzen. Golemanns ifiS slsters,«Ii.»on> ud Unaos, eowio die sensationellen Attraktionen des iuli-Programins. Reservierter Platz 2 II., Entren I M. (einschl. Programm n. Garderobe.) Terkanl nur im Fabrikgebäude! Sie sparen Qeld! w"m nHltfni Engrospi � Möbelfabrik Engrospreisen I äH. Waller nWilli MaaD,,SS35| ■ kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur■ eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 Permanente Musterzimmer-Ausstellung, qq 35 Brunnen-Tboater Badstrahe 58. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: X ErfätaMe Spezialitäten l X IVovttht l S'avlttlt k Linv ioNoHsvktn Gr. AusstattungS-VolkSstück mit Gesang und Tanz m S Bildern von Areund und Mannstädt. Kasteneröfftmng 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. IVi Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. i Ansang 8 Uhr. Im Theater: \ Die grandiosen Spezialitäten. Im Garten: Fr«ika»ii«®rt. Vor der-panisohen«renn. ilölropol-Tbesler vlo oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. JuL Freund. Musik t. Gnst. Kerker. In Szene gesetzt voll Dir. Rieb. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Mer. Heute: Eröffnung der neuen Sainou im gänzlich umgebauten und renovierten Theatereaal. Ppemiepo:| Hde. Capelle Pensionats-Mädel. Willi Prager, The 4 Babys. 1» Debats. Nene* Kgl. Opern-Tbeater(Kroll). Gura-Oper. fiohetigrin von Rieh. Wagner.— Anf. 7 Uhx. i Sonnabend; Melsteralnger. I Sonntag: Tannhäuaer. | Montag: Horma. Lustspielhaus. Abend« 8 Uhr, zum 1. Male: 7amiHe ScHimek. frlsdrieli-WHlieltnstadtiscbes Schatispielhatis. Freitag, 16. Juli, abend» 8 Uhr: Das liaMigef von Granada. Romant. Oper in 3 Auszügen von Konradin Kreutzer.(Neu einstudiert.) (Kleine Preist) Eonnabend: Der Freischütz. kK&gv-ftMptlKiull. I liiyiltll Entree SO PI.«» | Theater-Yorsteliung� • Spezialitäten. D. neueJuliprogr.»>) Kmemalograph, Volhshelustlgung.c? Jed.Mittwoch: Kinderfreudenfest. t8MVV8VVVV&»»0 Vereins- Brauerei- Rixdorl, Hermaonstr. 214/219. Oekonom: Max Wandt. l GstMiär-Konzert. I Jeden Dlen.tssg: i Or. Mu-WeiMi Sntr.lö Pf. Mütze od. Schärpe grat.>> Billigste Bezugsquelle für ienisehs VvSi Fw" Li Lelisrfz- Artikel ve'OLer'le Sarernba, Leriiu N., Weinbergsweg I. = Ein Versuch-----» führt zu dauernder Kundschatt. Men-ünterstStznDBS- M Begräbnisverein der Bau- u. gewerb!. Billsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 18. Juli, vormittags I01/, Uhr, im Lokal Langestr. KS: lZellersI-VerssmmIullg. Tagesordnung: I. Nbrechnung vom II. Quartal 1909. 8. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Arbeiter jeden BeruseS, welche daS IS. Jahr erreicht und das SV. Nicht Sberlchritten haben, werden in der *>ci,-irfimlnng ausgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. _ Der Yorstand. Orts- Krankenkasse der Tvliinivll«. Sonnabend, den 24. Juli 1909, abendS 81/, Uhr, bei Tabert, MarkuSstratze 14 (Eingang Grüner Weg): �.aosrorSaatll«!»« IZeiiösgi'Velzsliiliilliiig. Tagesordnung: 1. Erhöhung der Beitrage. 2. Ver> schiedencS. Um zahlreiches und pünttlicheS Er- lchemen ersucht ven Toratand. 276/9 J. A.: Ad. Pilgrint, Vorsitzender, Admtralstr. 24. FrieiikllW und Umg. Eing. Benosienschast m. b. Hastpflicht. Infolge UebertrittS zur Konsum- aenoslenschast Berlin und Umgegend beschloß die Generalversammlung vom S. Juli ct., in Liquidation zu treten. Wir bringen dies hiermit zu» öffent- lichen Kenntnis. Gleichzeitig ersuchen wir etwaige Gläubiger, ihre Forde» rung alSbald in unserem GeschästS- lokale Moselstr. 7 einzureichen. Friedenau, den 16. Juli 1909. Die Liquidatoren. «to Meyer. Ewald Günther. Gottsr. Döring. 1VS/17» Jeriluer Irlleiter- P.adfilirer-FereiB- Mitglied des Arbeiter» Siadsahrer-SundeS .Solidarität«. Touren zum Sonntag, den 18. Juli. 1. Abt. S Uhr: Fürstenwald«. 1 Uhr Hessenwinkel. Start: Bülowstr. 68. 2. Abt. 17. abends 7',. Uhr: Wör- litz. 13. S und 1 Uhr: Wannsce (Fürstenhos). Start: Fontane- Pro- mcnade 18. 3. Abt. 4 Uhr: Scharmützelsee (Reichenwalde bei Storkow, Baschin). 1 Uhr: Müggelheim(Große Krampe). Start: Mariannenplatz.: 4. Abt. S Uhr: Kloster Sehnin. VI, Uhr: Wilhelmsruh(Kollmaun). Start: Küstriner Platz. L. Abt. 6 Uhr: Zwiebusch. 1 Uhr: Müggelheim(Große Krampe). Start: Elysium. 6. Abt. S Uhr: Teltow(Preuß). ftraße 28. 7. Abt. 6 Uhr: Beelitz. 1 Uhr: Baumwerder. Start: KöSliner Str. 8. 8. Abt. 7 und 1 Uhr: Schönwalde. Start: Waldstr. 8. 11,8 9. Abt. 7 Uhr: Wandlitz. 1 Uhr: Bernau(Wald tat er). Start: Prenz- lauer. Ecke Danziger Straße. 11. Abt., Sektion der Gastwirts- l-bilsen, 22. K Uhr: Wendisch-Buch- olz. Start: Große Hamburg«? 'lraße 18-19.(Gäste will' Glindow. 1 Uhr: Start: Oderberger- Fahrrad-HaoS„,**1 Walter Wittig -Frisch auf". tlg A Co., Hauptgesch.: BerllnN.31 ,Brunnenstr.3S Filiale: Kottbufer Str. 9, empfiedll.Arisch auf«- Fahrräder owie sämll kalitsdrse-öodartsaeiikel. Reparatur-Werkstatt mit elek- irischem Krastbetrieb. 106,3' Auf vielseitige Nachfrage teil« meinen werten Gasten und Vereinen mit, daB Ich das Geschäft meines verstorbenen Mannes in der selben Weise wie bisher weiterführe, und bitte ich, das Vertrauen, das sie meinem Manne geschenkt, auch auf mich übertragen zu woilanj Einem gütigen Zasprach entgegensehend 318/20 EochachtnngsroU Wwe. Gärtner, Zwiebusch, (Berliner Schweiz, Gosener Berge). Seltene Gelegenheit. Schöne, modern eingerichtete Bäckerei Familienverhältnisse halber sofort für zedcn Preis zu oerkaus« künden. Kasse durchsl Osserten unter ,28' Ästßneweide. Zweiter Berliner Reiebstags-Valiikreis. Sonnabend, den 17. Juli I909y in den Gesamtraumen der Berliner Bock-Brauerei(Tempelhofer Berg): Sommerfest. mtwirkende; Berliner Sinfonie-Orchester(Dirigent: Kapellmeister Maximilian Fischer) X Mitglieder des Arbeiter-Tumer-Bundes X Kinematograph (Leiter: Edgar Schubert) X Clown Alberid, genannt„Onkel Pelle". Ton 6 Uhr ab Im m 1| Herren, welche daran teilnehmen. großen Saale sa B 1. cahlen SO PI. nach. Ton'/,s—'1,7 Uhr frf■ni'lonenncklca»tatt unter E,eltang von finden die �■■■»■ISa Tnrnerlnnen nnd Turnern. Alle sonstigen Kinderbelustiguugen werden von„Onkel Pelle" geleitet. Bei eintretender eewflwe,».— C sar�l# aIm-bim wozu Jedos Kind eine Dunkelheit■nliBölSP�r aCKBIZUg Stocklaterne gratis erhülL W Die Kaffeeküche ist von 2—6 Uhr geöffnet, Billetts im Vorverkant 20 PL Billetts ao der Kasse 30 PL Um recht zahlreiche Beteiligung bittet 810/19* Das Komitee. Anfang 4 Uhr AnfangLj 4 Uhr H Sozialdemokratischer Zentralvahlverein Teitov-Beeskov-Storkov-Chariottenburg. Sonntag, den 18. Juli 1909 in □ □ □ TREPTOW □ □ □ Ludwigs Viktoriagarteo und Redlichs Keglerschlößcheo Köpenicker Landstraße 25-~27; Grosses Volksfest Doppel-Konzert° fflancn'Gefänge Turnerische Aufführungen Berliner Ulk*Trio □ Rixdorfer Hamor-Trio ■•■■ BALL.■■•■ Fackel-Polonäse □ Kasperle-Theater Kinderbelustigungen aller All Besondere Ueberraschungen für Jung und Alt Historisches Museum. Neue Treptower Sternwarte unbor Leitung des Direktors Achtohold. aes den OBW. USW. üloi �en« 5 dir: In beiden liokalen s Früh-Konzert. Ols KaffeekOche Ist von 8 Uhr morgen* bis 0 Uhr abends gelffnot. Jedes Kind erhält am Eingang swel Bons, von denen der eine zur Empfangnahme einer Stooklateme nnd der andere zur beliebigen Bentttsung des Karnaseis oder der Schaukel berechtigt. 250/14 AuefDhrlicha Programme mit Llederterten werden an dar Kasse gratis verabreloht. Eintritt LS PI., Kinder unter 14 Jahren frei. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. Ifiqnldatlonsbllanz Möbelfabrik Fichte, ÄSSÄSSÄ Aktiv». SozialileniöltfßlisclisF WaWyerein! für den 3.1 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse (justav Bareinz Gastwirt, Brückenstr. 7, jetzt wohn» hast Charlottendurg, verstorben ist. Ehre seinem Andenke« l Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Juki, nachmittags S'l, Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoseS Müller- straße 43 aus statt. Der Borstnnd. SozIidtakratiseherWaMvereiii des 6. Herl. Relchstags-Waltrelses. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 14. Juli, der- Istarb unser Mitglied, der Rohr- leger Franz Winzer Hochmelsterstr. 19. aus | statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwalmng. Sozialileüki'ät. Mmelo Bezirk Liehtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anstreicher Hermann Koch verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet heule Freitag, den 16. Juli, nach. mittags S Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoseS, Bornitz- straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/6 Der Borstand. ä Allen Freunden und Bekannten i zur Nachricht, daß unser lieber! Sohn und Bruder Lrich nach langem, schwerem Leiden! im Alter von IS Jahren ver- starben ist. 533b Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle d«S Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Allee aus statt. herman Leite! nebst Frau und Sohn, RummelSburg, Simplonftr. 1.! Danksagung. Verwandten, Freunden und Kalle« gen, die meinem verstorbenen Vater die letzte Ehre erwiesen haben, meinen herzlichsten Dank. Helene Schreiber geb. Kernpke. cvür die U hevrlld ahlreiche Beteiligung und jen Kranzspenden bei der Beerdigung' meines lieben Mannes, unseres herzensguten Vaters, Sohnes, Bruders und Schwagers sagen wir allen Verwandten, Freunden, Be. kannten, den Genossen de? 6. Wahl- kreises, dem Deutschen Metallarbeiter- verband, den Kollegenund Kolleginnen der A. E.-G., Abteilung Mslr. Tiede» mann, unseren herzlichsten Daist. Wwe. Ella Scheiske 5346 nebst Kindern. Dr. Simmei Spezial-Arzt 62/9* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10—2, 6— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 ]>aiik8agimg. Heratioh innigen Dank allen denen, die meinem liehen, unvergelllichen Mann und unserem guten Vater, dem Verben dssekret&r nnd Gemeindeveitreter Max Obier das letzte Oeleit gaben und ihm und uns während seiner langen Krankheit Beistand leisteten. Besonderen Dank seinen Kollegen vom Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, sowie den Partei» fenossen Pankows, dem Gesangverein„Senefelder" nnd er Gemeindevertretung Pankows, für die herrliehen Blomenspenden nnd die Teilnahme an der Trauerfeier. Pankow(Sohmidtstr. 19), den 16. Juli 1909. Die tieftrauernde Witwe Obler 286/11 und Kinder. türchlervemn 6. f). 89. Sonaabcnd, den 17. Jnlt, abends 81/, Uhr, Melohlorstr. 18 General- Versammlung. Kassenbericht vom 2. Bierteljahr und Ausgabt der Billetts zum Sommer. fest In der.Neuen Well- am 24. Juli 1909. Um regen Besuch ersucht 199/2 Der Borstand. Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. - autglledschaft Berlin.> Mitglieder-Tersammlimg Sonntag, den 18. Jnll 1900, vormittags 10 /, Uhr Im KSnigstadt-KasIno, HolzmarktstraSe 72. TageS-Ordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder, Abrechnung vom 8. Quartal 1909. 2. Berbandsangilegenhelten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. 19/8 Um rege Beteiligung ersucht_ Der Borftand. Kassa-Kontv..... Wechsel-Konto..... Spar- u. Leihdank-Konto KautionS-Konto.... Deditoren-Konto... Jnventar-u.Werkzeug-Kto> FabrilatwnS'" Passiva. Kreditoren-Konto.., 10 863 SU. Akzepten-Kouto.... 2 424. 345 SR. 300. 600. 150. 2 776.«Hto« 6 064, Passiva 13 618. 23 753 SR. Die I-lquldatoren. Paul Thormann. Otto Hauzbalk. E. Paeeotb. 18287 M. 28 753 SR. 13 287, 10466 SR. lsen. 120 Beutel- '[ttüttich 40 M. ltamt Ober- Krmberg-FesMIe iicJ tarleiL».tt«, SW, Kreuzbergftr. 48. Jeden Freitag: HoITmanns Mord dontscho Shnger. Passep.u. Vorzugsk. gültig. Jeden Sonntag: Gr. Spezlalitäten-Vorslell. Sntree frei Btrjchith. Solmab. an Bereine zu d erg. (Zesunclheit ist Reichtum! ggf Bade Berlin-Ost 1PO Im• „Bad Frankfurt" Große Frankfurter Str. 136. Medizinische BSder aller Art in werktäglich unnnterbroohen geöffneten Sander-Abteilungen für Damen 466L und Herren. 8 Wannenbäder mit je 2 Handtüchern 78 PL(40 Minuten Badezeit.) Lleteranl sllntllcber Krankenkassen. Bekanntmachung. Die Möbelfabrik.Fichte«,«in- getragene Genossenschast mit be- schränkter Haftpflicht, Frankfurter Allee 161/162, ist hiernstt ausgelöst. Die Gläubiger werden aufgefordert, sich zu meiden. Die Liquidatoren. Paul Thormann. Ernst Paisotb. Otto Hausbalk. Machtrag der BObellabrlk Fichte. Eingetragene Genossenschast mit be- schränkter Hastpflicht. Die Gesamtsumme und da» Ge- schästSguthaben betrugen am Schlüsse des G-schästSjahres 1908 je 680 Mark und haben(ich um je 240 Mark erhöht. 106/20 Set Vorstand. Paul Thormann. Ernst Patsoth. 50 Mark Belohnung! Großer, weißer Jagdhund mit dunkelbraunen Platten, Hundemarke Nr. 82360, aus den Namen Greis hörend, am 14. Juli abend» Nähe Bötzowstraße— Arnswalder Platz ent- lausen, ttbi'-------- straße 14 Verwaltung Berlin. Die Optsverwaliungs-Sitzung fällt wegen der Volksversammlungen heute aus. 87/t Reinickendorf, SeMztr MI, i nemo Ui in nächster Nähe dcS Echillerpark» und de» Schäsersees vorzüglich gelegene, billige 3-, 2- und t-Zimmerivohnu»gen im Vorder- oder Gartenhause, mit auch ohne»ad, Ballon pp. sofort vermietbar tu den Neubauten der Schiller- Promenade, Brienzer Straße, Rütli-Straße, Holländer- und Thuner Straße. Arbeiter* Bekleidung- Berufskleidung. Größtes Spezialgeschflft. Kühnen& Jöring, KM Alexanderstr. 12. Filiale»: Landsberger Allee 148. «et« eröffnet!«« am Blxdert: BergstraUe«v Riugbahnyof. Freitag, den 16. Juli 1909, abends 8 Uhr. I. Wahlkreis: Vr&svls Lokal, Nene Friedrichstraße 35« O. Wahlkreis: Boek-Braaerel, Tempelhofer Berg. Dl. Wahlkreis: Ciewerkschaftshan», Engelnfev 15. IV. Wahlkreis: Andreas-Festsäle(Borgmann), Andreasstr.SI. V. Wahlkreis: Brauerei Lipps, Am Friedrichshain. VI. Wahlkreis: Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Lichtenberg: Stahwarzer Adler, Frankfurter Chanffee 5» Rixdorf: Neue Welt, Hasenheide. Unser Tages-Ordnung: im Rekbsta Diskussion. Referenten: Die Reichstagsabgeordneten MolkeiMr, Rieh. Fiseher, Heine, Singer, Roll. Schmidt, Ledebonr, Stadthagen und Znheil. Für Massenbesuch ist zu agitieren! D« Embnufer- Eltge« Ernst, W-hlertstr� 9. Jedes Wort 10 Pfennig. Da, erde Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Ptg.j das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN fOr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedltlon, Llndenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. GeschaftsverkSufe. Restauration, voller billig, Löwestrabe 29. Schani, -�34» Parteilokal und Baugeschäfi billig zu verlausen Lüiticherstraste 65. Zigarrengeschäft, gutgehend, an- schliegende Wohnung,"—"—' löuflich.---- Köpenickl AuSkunsi Köpenickerstratze 20a. preiswert der» Stanzend er�, lNSdol. Walle» Sie-ine billige Ein« richtung oder einzelne Möbelstücke kaufen, so muh man Lothringer« strahe 26 hingehen I Billiger wie im Möbelgefchäst. Berkauf nur 1. Hos und 6 Etagen. Komplette Einrichtung mit moderner Küche 250, bessere 325-375—450—525-600 BIS 1500. Kolossal billig! Ankl-ideschränke. Gar« niluren, PlüschsojaS, Bettstellen, SäuIentrumeauS, Ausziehtische, Teppiche, moderne Küchen, UmbauS, Büfetts, Schreibtische, Bücherschränke! Lothrwgerstrahe 26, Hos, Speicher. Bitte'''...... 6. Litte aus Hausnummer zu achten l Z. HauS vom Schönhausertor, 470b' Möbelgeleaenheitt Wenig ge« brauchte, gutcrhaltene Möbel, auch neue,«insachste, eleganteste, beliehen gewesen, versallene spottbillig. Riesen- lager, Lombardspeicher, Neue König- strahe 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(ZahmngSerleichterung.)» Fahrräder. Herrenfahrrad. Damenlahrrad einmal benutzt 40,00. Holz. Blumen. strage 36 b. 16S3K» rräder. Teilzahlungen. In« validenstrahe 20. L.talitzerstrahe 40. Turmsttahe 31. 1L20K' 409 Damenräder, 15,—. 20,—. 25.—. 30.—. Reue 45.—. 50.—. 55,—, Machnow, Wetnmeisterstrahe 14.» Musik. Rustbaumptanino, 8 Monat alt, wegen TodeSsall sofort, Garantie« schein Stiege» Wtidenweg 20. 83/5*i4cicwztf mw vg.tcpimcnei.]U.UBc X-*. OOUO_ Lerantwottl. Nedakttttr.; Wilhelm Tttwcll, L-Htenberg. Zur den Inseratenteil v-ravw.: Th. Glocke, Berlin, Krucku-Berlag: verwarlS Buchdruckerei u, B-rlazSanstalt Pgul Singer&®PW Berlin SW, Pianiuo. hervorragende Klangfülle, Hoflieserant, fast neu, billig zu verkausen. Warschauerstrahe SS, Quer- gebäude I._ 83/6 Biolinunterricht(neue, doppelt sördernde Methode biS zur Vollendung) gibt erfahrener Künstler wöchentlich, auf Wunsch auch nur eine L-ktton a 1,25 M., bei zwei Schülern je 75 Ps. Offerten unter D. 2 Expedition des .Vorwärts'.[* Verschiedenes. Pateutauwalt veffel, Gitlchwer« strahe 94»._ 25S5K' Lernt die Muttersprache beherrschen Erjoigreichen, leicht sahlichen Unterricht m Wort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchttger und gewissenhaster Privatlehrer. Die Stunde tostet eine Mark. Eine Unter« richtSswnde wöchentlich genügt Ge- fällige«lngebote find unter Ö. 4 au Expedition des.vorwärts» zu richten. Kunftstopferei von grau KotoSlh Schlachtenfee, Kurstrahe 8, HI. Teilnehmer an einem englische» Zirkel(monaUich 4 Mark) werden ge« sucht. Privatstunden für Ansänger und Fortgeschrittene werden erteilt. ,G. Swienty, Schölteberg, Scdan- " 67, m. 1003K» Jdeen» Erfindungen arbeitet prak« tisch aus. auch Modelle billig, Rosenke, Berlin, Dronthcimerstrahe 21a. HS1» Restaurateure erhalten von erst- klaisiger Attiendraucrei Einrichtung, Kausbeihilse. AuSsührlich« Offerten Bierverlrcter, Postamt 9._ 6105* Piatina. Gold, Silber, Gebisse, Kehrgold, Gold walten sowie sämtliche gold« und filberhalttgen Abfälle kaust Gold« und Silberschmelze Köpentcker. strahe 29, Telephon 4 6958. 218,19» Wer Stoff hat? Ferttge Herr«. Anzüge 15,00. Wagner, Schneider« Meister, Lichtciibergcrstrahe 9.* Waschanstalt Heinrich Kabelt, Köpenick, Glienickevstrahe 21, wäscht chlorsrei Leibwäsche 0,10, vier Hand« " 0,10, vier Taschentücher 0,10. serung und Abholung Montag». Die beleidigenden Aeuherungen gegen die Eheleute Schönknecht nehme ich mit Bedauern zurück. Karl Zühlke, Kirchhosstraße 49. fioe Parteigenossen und Kollegen zur Nachricht, daß ich Edison-Goldguh- walzen 1,00 Mark, desgleichen Phono- graphen vertreibe. Bei Bedarj bitte um gütige Berücksichtigung. Karl Seher, Buchdrucker-Jnvalide, Skafitzer. strahe 41._ 5295 Damenkleider, Kinderkleider fertigt 'ick an Modistin, Rosenthaler« ahe 23 HI. 5355 'S Vermietungen. Wohnungen.- Kaiser.FriedrichstrKe 178, Rix« dors, 2 Zimmer, Zubehör, GaSanlage 27,00, sofort Monat mtetesret um- ständehalber._ 4375* Umzngsvergütnng. Laden, außerdem 2- und 1-Zimmerwohnung, billig, Rixdorf, Wetgand-User 10. 2274K* �inimer. MSblterteS Zimmer findet Herr oder Dame 1. August 1909. Preis i,00. Oranienftrahe 147, Kurtel« 18,( wiez. m Schlafstellen. Schlafstelle für Mädchen vermietet billig Kurkelewicz, Oranienftrahe 147. Eine 55, 6. utfchkowSki. �Schlafstelle, möbliert. griedeuftrahe 63. saubere Schlasstelle Bülow- ' Ausgang parterre, HSS Bürger. HS4 �rheitsmarkt. Stellenangedote. Leimertn aus PHvtozrapHie-RaHmen verlangt Stalls chreiberstrahe 58 IV. gsaltenftcckeri», Sattessalten, Wie« dersportrack-Arbettermnm auch Lernen Eremmenerftrahe 14 S30t Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» kosten SO Pf. die Zeile. Wir suchen per sofort einen NIMfiilI°lV(|fgsMös ijere Pneu�cparatur-Bulkani- stalt und Gleitschutz-Fabrik. für uns sitr-Anl Ll-nitit. Ileln�v A~ Co., l.elpzlg-lteudnltz. Heizungsmonteure' erfahrene, selbständige Arbetter stellt ein p, Otto Richter, Dessau. Achtung! Holzarbeiter Wege» Streik»nd Differenzen find gesperrt: für Tischler. Polierer Mtd Ma- fchinenarbeiter Firma Staats. Obcrbaumstr. 5 und der Bau Winscheidstr. 3 in Char« lottenburg. Mosel, Marianncnstrahe 31/32. Sämllichc Betriebe in den Orlen Rathenow. Fürstenwalde.Mus- kau und Nürnberg. Gleichzeitig ersuchen Wir die Kollegen aller Branchen der Holz- wdustrie daS BermittelungSbureau Blankenfeldeftr. 4 streng zu meiden. Für Einsetzer: der Bau Lenba-bstrasse IS. Für Korbmacher i Körner in NowaweS. Die OrtkZ'-MaltUNg. Achtung! Achtung! Kürschner und Zchneider! Bei der Firma 102/13» �»kod& Br&ntlgain, Markgrafcnstr. 58, haben wegen des Verhaltens deS WerssührerS sämtliche Kollegen und Kolleginnen die Arbeit niedergelegt. Es wird daher die Sperre vcr- hängt. Voi-Knn«! der KUrschner. Verband der Schneider. Die Kr. 163. 26. Jahrgang. 2. Inlngt i>cs Jutmlils" Kcrlim WksblR Ittifas, 16. luli 1909. Unser Kampf im Reichstage! lautet das Thema in den zu heute abend in den acht Wahlkreisen Groß-Berlins einberufenen Volksversammlungen. Partei- �ngelegenkeiten. Schöneierq. Die Genossinnen werden dorauf aufmerksam ge- macht, daß der Volksversammlung wegen der Diskutierabend mit dem von Groß-Berlin zusammen stattfindet. Der Vorstand. Pankow. Am kommenden Sonntag, den 18. Juli, von nach- mittags 2 Uhr ab findet im„Kurfürsten", Berliner Straße 102, das Sommerfest des Wahlvereins statt. Eintrittskarten zum Preise von 25 Pf. sind bei den Funktionären sowie in den be- kannten mit Plakaten belegten Lokalen erhältlich. Das Festkomitee. Britz-Buckow. Laut Beschluß der Vereinsversammlung vom 15. Juni beteiligt sich der Wahlverein in oorpors am Kreisfest am 18. Juli. Dasselbe findet statt im„Vikloriagarten" und„Kegler- schlößchcn", Treptow, Köpenicker Landstraße 25—27. Die Teilnehmer treffen sich im Lokal von E. Weniger, Werderstr. 28. Abmarsch 1 Uhr mittags. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Am Sonntagvormittag findet eine Flugblattverbreitung im Orte statt. Die Genossen haben sich ihren BezirlSführern zu diesem Zwecke zur Verfügung zu stellen. berliner JVachricbtm Die Wirkungen der neue« Steuer«. Kaum hat eine reaktionäre Reichstagsmehrheit ein ganzes Bündel neuer Steuern beschlossen und schon werfen diese Be- schlüsse ihre Schatten voraus. Die Zündholz st euer, welche von der Hausfrau vielleicht am rücksichtslosesten empfunden wird, macht sich, obwohl sie amtlich noch nicht in Kraft getreten ist, praktisch schon jetzt bemerkbar. Die großen Zündholzfabriken geben ihre Ware, wie wir schon gestern mitteilten, bereits mit Aufschlag ab, so daß die Klein- Händler nicht mehr, wie bisher, das Paket zu 10 Schachteln mit 10 Pfennig verkaufen können. Zwei Pakete kosten jetzt schon fast überall 25 Pfennige, das einzelne Paket 13 bis 15 Pfennige. In kurzer Zeit wird natürlich der Preis noch steigen bis auf das Vierfache des früheren Kosten- Punktes. Die erste Folge dieser Teuerung eines der notwendigsten Haushaltungsartikels wird sein, daß man sich im Verbrauch von Streichhölzern, mit denen wegen der bisherigen Billigkeit allerdings sehr flott umgegangen wurde, so weit als möglich einschränkt. So wollen die Gast- Wirte nicht mehr jeden Tisch mit Streichholzbüchsen besetzen. sondern Zündhölzer nur noch in mäßiger Menge oder auf speziellen Wunsch zur Verfügung stellen. Andere durch die Beutegier des Schnapsblocks zur Streichholzsparerei gezwungene Menschen werden sich das Feuer zur Zigarre künftig aus- borgen. Wenn jeder, der mit den Pfennigen rechnet, sich in diesem einen Artikel auf das äußerste beschränkt, fällt mehr als der halbe erwartete Erfolg der Zündholzsteuer durch den verringerten Gesamtverbrauch ins Wasser. So müßte es. mag es auch dem Einzelnen schwer fallen, mit anderen in der Besteuerung hochgeschraubten Verbrauchsartikeln ebenfalls gemacht werden. Die Biersteuer veranlaßt schon jetzt Brauereien, sich mit kleineren Gefäßen einzurichten, vor allen Dingen macht sich das im Flaschenbierhandel deutlich bemerkbar. Auch die Glühkörper werden teurer werden infolge der Beleuchtungssteuer. Wenn wir erst noch einige Monate weiter sein werden, werden erst weite Kreise am eigenen Leibe wahrnehmen, was ihnen der Reichstag beschert hat. Dienstiotenvermittclung. Unter diesem Titel lesen wir in der„Täglichen Rundschau' folgende beachtenswerte Ausführungen über die Stellenvermittelung: „Während sich die gewerbliche Stellenvermittelung während der letzten fünfzehn Jahre außerordentlich vervollkommnet hat. läßt die Dienstbotenvermittelung noch immer recht viel zu wünschen übrig. Wenn wir zum Beispiel aus den nahe der Reichshauptstadt ge- legenen Dörfern hören, daß hier für die Beschaffung einer Dienst- magd 55 M. an Vermittelungsgebühr an einen privaten Stellen- vermittler gezahlt werden müssen, so ist das offenbar ein unbegreif- licher und unhaltbarer Zustand. Aber auch in der Großstadt herrschen vielfach noch ungesunde Zustände, obwohl die städti- schcn Verwaltungen bemüht gewesen sind, durch Schaffung städtischer Arbeitsnachweis st ellen den mit der Stellen- vermittelung verbundenen Belästigungen Einhalt zu gebieten. Frei- lich erreichen die Gebühren in den Städten bei weitem nicht die SIeiche Höhe wie auf dem Lande; immerhin sind es auch hier er- ebliche und ungerechtfertigte Beträge, welche die Dienstboten- Vermittlerinnen ziemlich miiheloS in ihre Tasche gleiten lassen. Man fragt erstaunt: WeShalb bedienen sich unsere Damen nicht der städti- schen Arbeitsnachweise, die doch die Vermittelung für einen sehr geringen Preis übernehmen? Wir haben es hier mit Vorurteilen zu tun. die sowohl die Arbeitgeber- wie die Arbeitnehmerinnen zurzeit noch in viel zu ausgedehntem Matze beherrschen. Viele Hausfrauen, inS- besondere solche, welche einen großen JahreSbedarf an Dienstmädchen verzeichnen, hält eine gewisse, aber nicht zu rechtfertigende Scheu ab. das öffentliche VermittelungSbureau allzu oft in Anspruch zu nehmen; sie bilden sich wohl auch bisweilen ein. für höhere Vermittelungs- gebühr besseres Dienstbotenmaterial zu erhalten und wenden sich deshalb lieber an die privaten Vermittlerinnen, mit denen sie ge- legentlich auch über interne Angelegenheiten schwatzen können. Was die zuwandernden Dienstmädchen betrifft, so sind diese häufig schon auf dem Lande für eine bestimmte Stellenvermittlerin„fest- «emachr". Es werden ihnen alle möglichen Märchen aufgebunden, kurz, die Stellen, welche die Stellenvermittlerin X oder g) zu vergeben hat. in den glänzendsten Farben geschildert. Von den städtischen Arbeitsnachweisstellen erfährt so ein unschuldiges Dienst- mädchen vom Lande so gut wie nichts, und darum wäre es wohl angebracht, wenn sich Behörden und die ländliche Presse energisch dieser wichtigen Angelegenheit bemächtigen wollten. Ebenso müßten in den Städten mit öffentlichen Arbeitsnachweisen die Hausfrauen mit der alten Gepflogenheit brechen, die privaten Stellen- vermittl-rinnen über das notwendigste Maß hinaus zu beanspruchen. Eine private Stellenvermittlerin hat das größte Interesse an einem häufigen Dienstbotenwechsel, und schon deshalb wurde von dieser Seite viel Unheil angerichtet. Die städtische Arbeits- vermittelung trägt jetzt auch der Tatsache Rechnung, daß eine Haus- frau lieber mit einem weiblichen Angestellten verhandelt, als mit einem männliche«, und stellt deshalb m steigendem Maße weibliche Beamte an. Also' auch nach dieser Richtung wird den Wünschen der Hausfrauen Rechnung getragen. Diese sollten nun bald ihre Jnter- essen richtig einschätzen und sowohl im Interesse ihres Portemonnaies als auch aus Rücksichten aus die allgemeine öffentliche Wohlfahrt die zu diesem Zwecke geschaffenen Einrichtungen benutzen." So weit es sich in der vorliegenden Notiz darum handelt, die Stellenvermittelung des Arbeitsnachweises für Dienstboten in der Linistraße in Anspruch zu nehmen— im Gegensatz zu den privaten Vermittelungsbureaus— kann man ihr nur zustimmen. Die SäugliiigSfürsorgestelle» befinden sich an folgenden Stellen: Nr. 1, Blumeustr. 78, umfassend die Stadtbezirke 1— 10, 145—166, 168—188, 189a, b, c, 190b, c, e, 195—101.— Nr. 2, Elsasser Straße 27, umfassend die Stadtbezirke 202—245, 251—253, 255 bis 259, 264—274.— Nr. 3, Markthalle am Arminiusplatz, Bugenhagen- straße 7, umfaffend die Stadtbezirke 11—14 und 279—304.— Nr. 4, Naunynstr. 63, umfassend die Stadtbezirke 15—19, 22— 28, 72—74, 76—144, 167a, b, c.— Nr. 6, Pankstr. 15, umfassend die Stadtbezirke 254, 260—263, 275-278, 305—326.— Nr. 6. Groß- beerenstr. 10. Ecke Tempethofer User 13. umfassend die Stadtbezirke 20, 21, 29—71, 73a. b.— Nr. 7, Prenzlauer Allee 33 I, umfassend die Stadtbezirke 189Ä. 190a und 190d, 191—194, 246-250. Mütter von Säuglingen im Aller bis zu einem Jahre erhalten an diesen Stellen Rat über Säuglingspflege, auch werden an selbst- stillende bedürftige Mütter Unterstützungen in Form von billiger Milchlieferung oder auch an barem Gelde gewährt. Schützt den Baumbestand. Diese Mahnung kann man ange- sichts der Waldverwüstungen in und um Berlin, ja im ganzen Reiche nicht laut genug ertönen lassen. Alte, schöne und völlig gesunde Bäume werden mit einer Leichtigkeit, um nicht zu sagen Leichtfertigkeit, beseitigt, die unbeschreiblich ist. Zwischen Birken- Werder, Stolpe und Hermsdorf werden zurzeit ganze Waldungen abgeholzt. An das Wiederaufforsten wird nicht gedacht. Wo soll das noch hinführen? Vom Groß-Schiffahrtsweg Berlin— Stettin. Die bei Nieder« finow vorzunehmenden Erdarbeiten werden durch Erdrutschungen sehr erschwert, so daß die rechtzeitige Fertigstellung der Anlagen in Frage gestellt wird. Die Dienstgebäude sind so weit vollendet, daß die Verlegung des Streckcnburcaus und des Maschinentechnik schen Bureaul des Großschiffahrtskanals von Oderberg nach Niederfinow erfolgen kann.— Auf dem Großschiffahrtswege, der vcraussichtlich 1912 eröffnet werden wird, ist ein Tagesbetrieb von 15 Stunden vorgesehen, die Speisung des Kanals wird jeden falls von der Havel aus erfolgen können. Die Triebwerke am Finowkanal sollen auf keinen Fall durch Wasserentnahme geschädigt werden. Vorläufig wird bei Niederfinow nur eine Schleusen. treppe angelegt werden. Ob außerdem, wie beabsichtigt war, auch ncch ein Hebewerk, welches die Durchschleusung ohne Wasserver brauch ausführt oder eine zweite Treppenschleuse zur Errichtung gelangen soll, ist gegenwärtig noch nicht feststehend, da die Hebel werksysteme sich bis jetzt noch als sehr wenig geeignet erwiesen haben. Ladestellen an dem neuen Kanal sollen nur auf Kosten der betreffenden Gemeinden hergestellt werden. Die auf der ganzen Strecke des Großschiffahrtsweges zu erbauenden Brücken sollen so eingerichtet werden, daß sie den Interessen der Klem- schiffahrt dienen. Die Schleusen werden so breit angelegt, daß sie bequem zwer Zillen zugleich Durchlaß gewähren. Der Siegeszug des Achtuhrladenschlusses. Nachdem erst vor kurzem die Ortschaften Karlshorst und Friedrichsfelde die Ein» führung des früheren Geschäftsschlusses vom 1. August ab be- schlössen haben, wird nunmehr auch in dem benachbarten Birkem Werder der Achtuhrladenschluß vom 19. d. M. ab in Wirksamkeit treten. Eine männliche Leiche wurde vorgestern nachmittag in der königlichen Forst bei Grotz-Besten aufgefunden. Es handelt sich um einen etwa 25 Jahre alten, anscheinend den besseren Kreisen angehörenden Mann, der zweifellos Selbstmord verübt hat. In der Sand hielt er einen Revolver, aus dem er sich zwei Schüsse in die linke Brustseite gejagt hatte. Die Leiche mutz bereits längere Zeit im Walde gelegen haben, da sie stark in Verwesung übergegangen war. Ueber die Persönlichkeit des Lebensmüden konnte nichts ermittelt werden. Die Leiche wurde nach dem Fried- Hof in Groß-Besten gebracht. Auf dem Heimweg vom Spielen überfahren und getötet wurde gestern nachmittag die vier Jahre alte Tochter Therese des Fabrik- arbeiters Weber aus der Fruchtstraße 41. Eine Nachbarin der Eltern hatte die Kleine nach der Friedenstraße mitgenommen. Dort spielte sie eine Zeit lang. Als sie dann auf dem Rückweg an der Ecke der Frieden- und Palffadenstratze andere Kinder sich noch tummeln sah, ritz sie sich plötzlich von der Hand ihrer Führerin loS, um hinüber zu lausen und weiter zu spielen. Hierbei geriet sie. einem Radfahrer ausweichend, unter einen Bierwagen, der aus der entgegengesetzten Richtung vom Weidenweg hergefahren kam. Die Räder gingen der Aermsten über den Kopf. Der Kutscher, dem keine Schuld trifft, brachte sie schleunigst nach der Rettungswache in der Koppen- straße. Hier konnte aber der Arzt nur noch den Tod feststellen. Gemeinsam in den Tod gegangen sind ein 19 Jahre alter Drogist Willi Loh, der ohne Stellung in der Wnllenweberstraße 12 wohnte, und ein 16 Jahre altes Dienstmädchen Martha Bock aus der Lüne- burger Straße 3. Weil die Eltern des Mädchens gegen die Be- ziehungen der jungen Leute waren, so vergifteten sich beide im Spandauer Stadtforst. Beim Rollschuhlaufcn schwer verunglückt. Unter den Rollschuh- läufern, die in immer größerer Zahl auftauchen, hat sich bereits eine Unsitte breit gemacht, die oft recht verhängnisvoll werden kann. ES bandelt sich um das Anhängen an Fuhrwerke. AlS gestern nach- mittag ein etwa 18 jähriger Rollschuhläufer in der Bellevue-Allee im Tiergarten nicht recht vorwärts kommen konnte, hängte er sich an eine vorüberkommende Automobildroschke an. Beim Einbiegen in die Charlottenburger Chaussee wurde der Unvorsichtige mit solcher Gewalt von dem Kraftwagen abgeschleudert, daß er zu Boden stürzte und mit dem Kops auf den Fahrdamm schlug. In besinnungslosem Zustand mußte der Unbekannte, der eine schwere Gehirnerschütterung und anscheinend auch innere Verletzungen erlitten hat, nach dem Krankenhause gebracht werden. Einen frivolen Streich hat sich ein Unbekannter mit den Eltern deS dieser Tage bei einem Bootsunfall auf dem Tegeler See Er- trunkenen erlaubt. Kommt da in die Wohnung der um den Tod ihres Sohnes trauernden Eltern in der Voltastraße 45 ein Mann und erzählt, er sei Fischer. Der junge Mann sei nicht weit von der Unglücksstelle gefunden worden, die Eltern möchten doch kommen und ihren Sohn sehen, ehe er nach dem SchauhauS kommt. Wie die Angehörigen nun hinkommen, stellte sich heraus, daß kein Wörtchen an der Mitteilung zutraf, eS war überhaupt niemand gefunden worden. Möglich, daß es dem Burschen, der den Eltern die Mit« teilung überbrachte, nur um den Botenlohn zu tun war. oder daß er die Wohnung leer haben wollte, um zu stehlen; jedenfalls sollte der Vorfall Veranlassung geben, Ueberbringern von Nachrichten mit Borsicht zu begegnen. Ein Berliner erfroren. Auf der Birnlücke am Groß-Venediger. so wird aus Bozen telegraphiert, ist der Rektor Karl Geisier aus Berlin von einem Schneesturm überrascht worden und erfroren. Unfug getrieben wird in Parteikreisen mit einem Mitgliedsbuch des Wahlvereins für den fünften Kreis mit der Nummer 728 aus den Namen Max Kretschmer, Georgenkirchstraße 52. Dieses Buch ist kürzlich verloren gegangen und der Finder geht mit diesem Buch Parteigenossen um Unterstützung an. Es wird gebeten, falls der jetzige Besitzer dieses Buches dasselbe weiter zu Schnorrzwecken ver- wenden sollte, denselben anzuhalten, ihm das Buch abzunehmen und eS an den Genossen Karl Kirste, Keibelstraße 9 abzuliefern. Radrennen im Sportpark Botanischer Garten, 14. Juli. Die Eröffnungsrennen konnten am Mittwoch abend bei günstigem Wetter abgehalten werden. Die Fliegerrennen hatten eine große Betcili- tung gefunden, das Programm wies gegen neunzig Namen auf. >er große Einweihungspreis über 1000 Meter erforderte acht Vorläufe, von denen die Ersten am Sonntag die Zwischenläufe und den Endlaus bestreiten werden; die Vorläuse gewonnen K. Müller. Uhl, Schmittchen. Süßmilch, Hitzler, Kudela, Carapezzi und Willi Arend, zu denen sich S a l d o n und Schwab, die beiden Ersten des Hoffnung«- laufeS, gesellen.— Der große Erösfnungspreis, ein Dauerrennen mit Motorführung über 50 Kilometer, 1000, 800, 600, 400 Mark, wurde von dem Berliner Hermann Przhrembel in 38 Minuten 21� Sekunden von P. Günther (Kölns, 60 Meter, E. BouhourS(Paris) 1980 Meter und I. Stol (Amsterdams 2910 Meter zurück, gewonnen. Stol, der bis nach dem 20. Kilometer an erster Stelle lag, blieb durch das Versagen seiner Führungsmaschine zurück; dadurch wurde der Weg für Przhrembel und Günther frei, die sich bis zum Schluß einen erbitterten Kampf lieferten, dem der Berliner nur mit 60 Meter Vorsprung zu seinen Gunsten entschied. Der Franzose Bouhours litt gleichsalls unter Motordefekten, doch konnte er noch den dritten Platz vor dem weit zurückendenden Stol retten.— Den Schluß bildete ein von 30 Fahrern in einem Lauf bestrittenes Prämienfahren über 5 Kilometer (40, 30. 20, 10 M.s, das Sützmilch vor Kürzmeier, Stechun und Saldon gewann. Prämien zu 10 Mk. für jede zweite Runde holten sich Fr. Hoffmann, Uhl, Stechun, Saldon, Sldallwig, Schmittchen und Süßmilch. Die Rennen verliefen ohne Unfälle, einige Stürze blieben ohne nachteilige Folgen für die Betreffenden. Die bei dem Dauerrennen erzielte Geschwindigkeit ist keine bedeutende, doch muß man berücksichtigen, daß die Fahrer infolge ungenügender Borbe- reitung sehr vorsichtig fuhren. Feuerwehrbericht. Lebensgefährliche Brandwunden am ganzen Körper erlitt in der letzten Nacht der Arbeiter Paul Witzle in der Wilsnacker Straße 57 bei der Explosion einer Petroleumlampe. Das herumspritzende Petroleum ergoß sich zum Teil über die Kleider des Mannes, die sofort brannten. Obgleich schnell Hilfe zur Stelle war, trug der Mann so schwere Brandwunden davon, daß er nach dem Krankenhause Moabit gefahren werden mußte. wo er lebensgefährlich krank daniederliegt. Gleichzeitig wurde die Wehr nach der Ackerstratze 28 alarmiert, wo Jalousien und anderes brannten. In der Markusstraße 1? mußte ein Brand gelöscht werden, der Möbel erfaßt hatte. Wegen eines Küchenbrandes er- folgte ein Alarm nach der Wiener Straße 30. Kohlen, Kästen und anderes brannten dort und in der Swinemünder Straße 29 Gardinen, Kleider. Möbel' usw. Vorort- JSadmcbtem Schmargendorf. Die Kirche braucht Geld. Auf Beschlutz der kirchlichen Gemeinde- körperschaften ist die Kirchensteuer für das Steuerjahr 1909 von 10 auf 15 Proz. erhöht worden. Der Etat der Kirchengemeinde schließt für 1909 in Einnahme und Ausgabe mit rund 18000 M. Bis zum Jahre 1907 gehörte Schmargendorf zu den Gemeinden, in welchen nur eine geringe Kirchensteuer erhoben wurde, es gelangten nämlich 7,5 Proz. der Staatseinkommensteuer als Kirchensteuer zur Erhebung; für 1908 trat eine Erhöhung auf 10 Proz. ein. WilhelmSruh-Rosenthal-Niedcrschönhausen-West. Ferienspiele. Die von Genossinnen geleiteten Spiele, welche regelmäßig Dienstag und Freitag von 2—6 Uhr stattfanden, fangen für die Zukunft um 3 Uhr an. Treffpunkt:„Waldschänke", Restaurant Kollmann. Spielgeräte stehen den Kindern in genügender Menge zur Verfügung. Die geehrten Eltern werden gebeten, den Kindern Gettänke mitzugeben. Jedes Kind ist willkommen 1 Rahnsdorf. Im Streit erschlagen wurde gestern in Rahnsdorf der«1 Jahre alte Kutscher Gustav Schade. Er war in einem Restaurant, in dem er sein Fuhrwerk eingestellt hatte, mit einem Kollegen, dem Kutscher Wegener aus Friedrichshagen auS nichtiger Ursache in einen Streit geraten, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Plötzlich versetzte W. seinem Gegner einen derartigen Fußtritt in den Unterleib, daß Schade besinnungslos zu Boden stürzte. Ein sofort herbeigerufener Arzt ordnete die Ueberführuna des Verletzten nach dem Kranken- Hause an, doch verstarb der Kutscher bereits auf dem Transport, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der Täter wurde verhaftet und dem AmtSgefängniS in Köpenick zugeführt. Eine Ge- richtSkommiffion ist bereits an Ort und Stelle eingetroffen. Ueber die vorgenommene Obduktion der Leiche ist jedoch noch nichts be- könnt._ Gericbtö- Zeitung* Auf den Scheidenständen erschösse«. Die verhängnisvolle Schießaffäre, die sich seinerzeit in der Jungfemheide abgespielt hat und bei der der Sohn des Oberlehrers und Hauseigentümers Schöfisch den Tod fand, beschäftigte gestern das Kriegsgericht der 1. Gardedivision. Unter der Anklage der fahr- lässigen Tötung steht der Vizefeldwebel Schmidtchen von der 8. Kompagnie des Gardc-Füsilierregiments. Der Angeklagte ist Scheibenmeister auf den Schießständen in der Jungfernheide. Er hat dort auch seine Wohnung. Am 27. Mai unternahm der Oberlehrer Schöfisch, Türkenstr. 15 wohnhaft, mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern, dem 13jährigen Sohn Helmut und einer 10jährigen Tochter einen Spazier- gang in der Jungfernheide. Ein Schulkamerad des jungen Sch. hatte sich angeschlossen. Die beiden Knaben tollten herum und im Uebermut kletterte der kleine Sch. über den Zaun deö angrenzenden Jnfanterie-SchicßplatzeS. Wenige Sekunden später vernahmen die Eltern des Knaben einen Schuß und unmittelbar darauf einen lauten Schrei. Der Sohn des Ehepaares hatte ihn ausgestoßen, er hatte einen Schutz in die Brust erhalten. Es stellte sich herauS, daß die Kugel von dem Vizefeldwebel Schmidtchen ob- gefeuert worden war. Schmidtchen, der in der Nähe des Tatortes einen Hühnerstall besitzt, hatte die Hühner durch einen Schreckschuß fit ton Stall trefBtn ivdllen. Die flutet, die er aus einem Desching abfeuerte, sollte unglücklicherweise den Knaben treffen. Aus einer Entfernung von etwa 1S0 Schritt hatte das Geschoß den Knaben erreicht und durchbohrt. Bald nach der Einlieferung st a r b das an- geschossene Kind im Paul Gerhard-Stift an den Folgen der Schuß- Verletzung. Nach ausgedehnter Beweisausnahme führte der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Dr. Ullmann aus, daß der An- geklagte in unverantwortlichem Leichtsinn gehandelt habe. Durch seine grobe Fahrlässigkeit sei ein Elternpaar um seine einzige Hoff- mmg, den Sohn gebracht worden. Er beantragte eine Gefängnis- strafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie Degradation. Das Gericht erkannte nur auf sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte, hieß es in dem Urteil, mußte damit rechnen, daß nicht nur Berechtigte sondern auch Un- berechtigte das offen stehende Tor passieren konnten. Er hat also in grober Fahrlässigkeit gehandelt. Ein Nachspiel zum Prozeß der„Neuen Damengemeinschaft". Gegen den Gerichtsbeschluß, der die Untersuchung der wegen Meineids angeklagten Frau Katz anordnet, ist Beschlverde eingelegt. Frau Katz war übrigens, wie infolge des Ausschlusses der Ocffent- llchkcit angenommen war, nicht Mitglied der Damengemeinschaft. wohl aber eine Zeugin. Die Ehe der Frau Katz wurde auf Klage und Widerklage geschieden, beide Teile für schuldig erklärt. Frau Katz hatte für den Artikel, der zu der Anklage und Freisprechung des Redakteurs der»Großen Glocke" führte, das Material ge- liefert._ Schutz vor Schutzleuten« Wegen Nötigung und Mißhandlung im Amte hatte sich am Mittwoch bor der Strafkammer des Zwickauer Landgerichts der Polizeiwachtmeister Oskar Edmund Tröger auS Oberplanitz zu verantworten. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Bergarbeiter Texter in Oberplanitz, der zurzeit noch die Fortbildungsschule besucht, war auf einer öffentlichen Tanz- belustigung angetroffen und deshalb in Strafe genommen worden. Die ihm auferlegte Geldstrafe wollte der Fortbildungsschüler am 2t>. Oktober auf dem Polizeiamt entrichten. Er ging in die Wachtstube und behielt den Hut auf dem Kopfe. Der anwesende Polizeiwachtmeister forderte den jungen Mann auf, den Hut abzu- nehmen, wobei er die Bemerkung machte:„Nehmen Sie doch den Hut ab und stellen Sie sich nicht in so frecher Weise hier hin!" Der Fortbildungsschüler soll darauf erwidert haben:„Ich bin nicht frech, Sie sind frech I" Der Polizeiwachtmeister geriet in große Erregung und versetzte in Gegenwart eines Schutzmannes dem Arbeiter zwei schallende Ohrfeigen. Nach den Bekundungen des FortbildunaSschülers soll der Wachtmeister in seiner Erregung e,ne Peitsche ergriffen und gedroht haben, den jungen Mann zu schlagen, wenn er nicht den Mund halte. Er habe zwei heftige Ohrfeigen erhalten, so heftig, daß der Schutzmann Lange sie im Nebenzimmer gehört habe. Der Gemeindevorstand Müller in Lberplanitz bekundete, der Polizeiwachtmeister sei ein gewissen- hafter Beamter. Er habe allerdings einen gewissen Uebereifer in seinem Amte gezeigt, sei auch infolge des anstrengenden Dienstes nervös und leicht reizbar geworden. Mit seinen Schutzleuten habe er häufig Differenzen gehabt, da er diesen gegenüber eine zu scharfe Kontrolle ausgeübt habe. Er habe ihm früher'schon Mätzi- gung in seinem Eifer empfohlen. Demgegenüber bemerkte der Angeklagte, daß er fortwährend Aerger im Dienst gehabt habe. Seine eigenen Schutzleute seien mit dem Notizbuch herumgelaufen und hätten sich aufgezeichnet, wenn er einmal in der Kneipe gesessen habe. DaS Gericht verurteilte den Wachtmeister wegen Miß>» Handlung unter Annahme mildernder Umstände zn ILst M. Geld- strafe oder zu 2Q Tagen Gefängnis., Ein ruhestörender Hund. Wegen Erregung ruhestörenden Lärms war Frau Herz vom sandgericht Bochum auf Grund des§ Söll Ziffer 11 zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie nicht verhindert hatte, daß ihr auf dem Hofe gehaltener Hund nachts fürchterlich heulte. Das Kammergericht verwarf die Revision der Angeklagten mit folgen- der Begründung: Das Landgericht habe festgestellt, daß die Ge- samtheit der Anwohner in ungebührlicher Weise durch das nächt- liche Hundegebell belästigt worden sei. Der Vorsatz der Angeklagten, oen die Bestrafung voraussetzte, sei auch festgestellt. Sie habe ge- wüßt, daß der Hund nächtlicherweile diesen Lärm machte. Sie hätte es geduldet, anstatt eS eventuell durch Abschaffen des Hundes zu verhindern. Zum mindesten sei mit dem cloluz eventualis zu rechnen. Mädchenhandel vor Gericht. Das schimpfliche Gewerbe des Mädchenhandels blüht leider äfnch in Deutschland. Namentlich sind es die Grenzländer Ober- schlesien und Reichslande, die mit ihrer national gemischten Be- sölkerung einen günstigen Boden für das Treiben der Mädchen- Händler bieten. Von hier aus werden insbesondere die süd. amerikanischen Republiken, aber auch Belgien und Holland mit frischer„weißer Ware" versorgt. Die Verhältnisse in den Reichs- landen wurden grell beleuchtet durch einen Prozeß vor der Metzer Strafkammer, vor der sich der Hotelier Hahnen aus Oberhausen, »er Italiener Zannoni aus Metz und dessen Geliebte, die Witwe Marie Riemersma, eine Schwester des Angeklagten Hahnen, am Mittwoch zu verantworten hatten. Die Anklage lautete auf einen vollendeten und zwei versuchte Fälle der Verleitung weiblicher Personen zur Auswanderung, um sie der Unzucht in die Arme zu führen. Der Angeklagte Hahnen hat im Rheinlande als Kellner gelernt und ist schon viel in der Welt herumgekommen. Nachdem er in verschiedenen Ländern Europas in seinem Berufe tätig ge- wesen, verheiratete er sich und übersiedelte nach Buenos Aires, dem Dorado für öffentliche Häuser. Hier trennte er sich von seiner Frau, weil diese angeblich eine Liebschaft mit einem argen. tinischen Offizier hatte. Im Jahre lövö kam er nach' Deutschland zurück, trat aber bald wieder die Reise nach Argentinien an, und zwar hatte er sich zwei Schiffskarten auf den Namen eines Ehe. paareI Hahnen besorgt. Unter dem Namen seiner Ehefrau reiste ein Dienstmädchen Schmidt aus Styrum. Nach den Ermittelungen der Berliner Polizei befindet sich die Schmidt noch gegenwärtig in einem Bordell in Buenos Aires. Nachdem dieser Coup geglückt war, kam Hahnen wieder nach Deutschland und suchte weitere Opfer. Er hatte zunächst ein Mädchen aus der Gegend von Nancy im Auge, über das er eine Art romantischen Schimmer zu ver- breiten suchte. Der Angeklagte will von seiner Schwester erfahren haben, daß sich jenseits der Grenze ein wunderschönes Mädchen aufhalte, das früher Nonne gewesen und jetzt als Kellnerin tätig sei. Sie sei hoch gebildet, spreche vier Sprachen und würde sich als Frau für ihn, den Angeklagten, sehr gut eignen. Die Anklage nahm zunächst an, daß diese Nonne eine Erfindung des Angeklagten sei. Verschiedene Kassiber, die der Angeklagte aus dem Unter- suchungsgefängniS senden wollte, sprachen aber auch von dieser Nonne. Die Kassiber wurden alle aufgefangen und bildeten mit ein wichtiges Belastungsmaterial.— Unter den Zeugen befanden sich viele Ausländer aus den Nachbarstaaten. Ein luxemburgischer Auswandereragent bekundete, daß Hahnen seine Ankunft mit der Schmidt in Buenos Aires mittels Kabeltelegramms avisierte. Das Telegramm ist nach den Recherchen des deutschen Generalkonsuls in Buenos AireS an ein öffentliches Haus gerichtet gewesen.— Verschiedene Zeuginnen, meistens Kellnerinnen, bekundeten, daß sie von den Angeklagten aufgefordert worden seien, nach Süd- amerika auszuwandern. Dort könne ein Mädchen bei geringer Arbeit mit Leichtigkeit SV Dollar pro Tag verdienen. Nötig sei, daß die Mädchen als Frau oder Schwester des Angeklagten Hahnen nach drüben reisen. Einer Zeugin ist aufgegeben worden, sich -brend der Ueberfahrt das Haar heller zu färben und sich gut pflegen, da korpulente Personen beliebter seien. Der An» geklagte Hahnen behauptete demgegenüber, daß er den Mädchen Lerantwortl. Vedakteur� Wilhelm Düwkll« LichtxMrg. Für den nur gesagt habe, in Südamerika könng sich ein d'eutscheZ Mädchen leichter verheiraten als hier. Das Gericht verurteilte Hahnen zu 3%', die beiden anderen Angeklagten zu je Jahren Zuchthaus und den üblichen Neben- strafen. Eue der Frauenbewegung. Eine irische Frau als Beamter. Vom Distriktsrat der irischen Grafschaft ist vor einiger Zeit auf Grund des irischen Arbeiter- gesetzes eine Frau als Rentenerheber bestellt worden. Die vor« gefetzte irische Zentralbehörde gab dem Distriktsrat auf. die Frau des Postens zu entheben und sie durch einen Mann zu ersetzen. In den„Gründen" hieß es: Frauen seien nicht geeignet, so schwierige Rechtsgeschäfte, wie Rentenklagen und dergleichen zu führen! Der Distriktsrat beschloß einstimmig, bei seinem Beschlüsse zu beharren, und die Zentralbehörde gab nach. Letzten Sonnabend lief beim Distriltsrat in Belfast ein Schreiben ein, in dem es heißt: Fräulein Carrs Beamtung sei für einen Zeitraum von 12 Monaten versuchsweise genehmigt!_ Versammlungen— Veranstaltungen. Bierter Wahlkreis. Mittwoch, 21. Juli: Kaffeekochen im„EMium", Landsberger Allee. Moabit, 7. und 8. Abteilung. Montag, den IS. Juli, nachmittags 3 Uhr: Kaffeekocheu bei Gieshoit,'Juselrestaurant, Plötzensee. Berlin für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den IS. Juli, nachmittags von 3 Uhr ab in Plötzensee, Insel- restaurant, Inhaber Gieshoit: Kaffeekochen usw. Lichtenderg. Montag, den 19. Juli: Ausflug nach Baumschulenweg- Königsheide. Treffpunkt morgens 8'/. Uhr bei Tempel, Alt- Boxhagen, Ecke Bahnhofstraße. Für Nachzügler: Nachmittags 3 Uhr Speers Festfäle, Baumschulenweg, Baumschulenstraße. Leseabende. Wilmersdorf. Freitag, den 16. Juli, 3'/, Uhr. ssm Gesellschaftshaus, Wilhelmsaue 112. Vermifcbtes. Zum Hinzdorfer Doppelmord, über den wir gestern berichteten. hat sich jetzt in der Person des Schiffers Starke zu Altenplatow beim Gemeindevorsteher zu Hinzdorf ein Augenzeuge gemeldet. St. bekundete, daß er den Besitzer Platz, den Mörder, als Angreifer sah, hinter dem sein Sohn stand. Drei Schüsse fielen zuerst, die Hinrichs und Langwisch zu Boden streckten. St. konnte an die Mordstelle nicht gelangen, da eine Sandbank die Landung verhinderte, und das Loswerfen des Schleppzuges erforderte zu viel Zeit. Starke benach- richtigte aber die auf der Elbe arbeitenden Fischer. Inzwischen hat die Behörde weitere Feststellungen gewoffen. Platz hat danach geschossen, ehe die beiden Ermordeten das Land betreten konnten. Beim Herannahen des Fischers Gudke war Platz noch bei den beiden beschäftigt, die er in die Elbe werfen wollte. Der Kahn war übervoll vom Blute der Opfer. Auf den Anruf GudkeS:»Mann, was haben Sie gemacht", ergriff der feige Meuchelmörder die Flucht. In seiner Gesellschaft befanden sich seine Söhne Wilhelm, der beim Militär dient, und Ludwig, der erst vierzehn Jahre alt ist. Man nimmt an, daß zwei Personen geschossen haben. Bei der Verhaftung in Klein-Beuster versuchte Platz noch einen sechsläufigen geladenen Revolver zur Seite zu bringen, was jedoch die Wachsamkeit des Gendarmeriewachtmeisters verhinderte. Ein tragisches Geschick ereilte eine Familie in SoSnowice. Die Tochter sollte in acht Tagen Hochzeit feiern. Gestern erhielt sie die Todesnachricht von ihrem Bräutigam, der im Bade weilte. Das Mädchen nahm Gift mit den Worten:»Ich will mit ihm sterben I" und war in 16 Minuten eine Leiche. Der S0 fährige Vater erlitt angesichts der Leiche seines einzigen Kindes einen Herzschlag und starb sofort._ Ei» englische? Unterseeboot gesunken. London, IS. Juli. Ein unbekannter Dampfer brachte gestem bei Lowestoft das Unterseeboot»0 11" samt der ganzen Besatzung zum Sinken. Die Mannschaft eines zweiten Unterseebootes, das gleichfalls beschädigt wurde, konnte sich retten. Verband deutscher Gastwirtsgebilfen. Ottsverwalwna Berlin. Donnerstag, den 22. Juli, nachmittags S Uhr, im Saale der„Armmhallen", Kommandantenstrahe SL/SS: Oessentliche Verlammlung. Tagesordnung: 1. Die neuen Steuern und ihre Wirkung aus daS Gastwirtsgewerbe. 2. Die kommenden Jnnungswahlen(am 26, Juli). Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 2g) Hamburg. Filiale Nummelsburg. Sonnabend, den 17. Julh 8>/, Uhr, be, Oskar Blume, Alt-Boxhagen, Ecke der Neuen Bahnhofswatze.— Filiale Nieder-Schöneweide. Sonntag, den 18. Juli, vorm. 19 Uhr, bei Fr. Nabe, Wühelminenhosstr. 43. Eingegangene vruckfckriften. Die Mtstregierung der Konservativen unter Kaller Wilhelm II. Von L. E. Schücking. Geh. IM.— Jesus. Sein Kampf, seine Persön- lichleit und seine Legende. Von R. v. Delius. Geh. 2,59 M.— Karl Asenkofers Flucht und Zuflucht« Von K. B. Heinrich. Geh. 3 M.— A. Langen, München. Weltgeschichte. Lieferung 54—57. Herausgegeben von Prosessor Dr. I. v Pflugl-Hartung. 80 Lieserungen a 60 Pf.— Ullstein u. Co., Berlin SW. 68. Dritter Bericht des SkrveitersekretariatS für Gelsenkirchcu und Umgegend(1996, 1297, 1993). Selbstverlag. 112 Seiten. Neunter Jahresbericht(1998) des ArbeitersekretariatS Bremen (nebst Berichten Über Stand, Leistungen und wirtschastliche Kämpse der Gewerkschaslen, das Gewerlschastskartell, den Blldungsausschutz, das Ge- Werbegericht). Selbstverlag. 76 Seilen. Relyenschaftödericht pro 1998. Herausgegeben vom Kau Rhein- land-Westsnlen des Verbandes der Deutschen Buchdrucker. III Seiten. Der Leipziger Student 1499—1999. Von Dr. W. Bruchmüller. Verlag B. G. Tcubner, Leipzig.(Aus Natur und GeisteSwelt. Band 273.) 142 Seiten. Geh. 1 M.. geb. 1,25 M. Deutsche Moose und Farne. Don Pros. Dr. M. Migula. Verlag von Strecker u. Schröder, Stuttgart. 141 Seiten. Geh. 1 M., geb. 1,49 M. (Naturwissenschastliche Wegweiser. Serie A. Band 5.) »Lust-, Roman von Gabriel« d'Annunzio. Band 10/11 von Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane.(S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 1,69 M., geb. 2 M. Das heutige Spanien unter dem Joche des Papsttums. Von Padre Don Josö Ferrandiz. Uebersetzt von Don Jbero. Geb. 3,59 M. Neuer Franlsurtcr Verlag. Franksurt a. M. Bericht des Vorstandes und der Kommissionen de? Soziald. Vereins Bochum-Gelsenkirchen-Haltinaen-Witten. 1998/99. 35 Seiten. Selbstverlag. Die Luftschisfahrt. Von R. Nimsühr.(Aus Natur und GeisteSwelt Bd. 399.) Geh. 1 M., geb. 1,25 M. B. G. Teubner. Leipzig. Die Organisation der Welt. Von W. Schücking. 1 M. � Der kranke Krieg. Von A. H. Fried. 1. M. A. Kroncr, Leipzig. Techntsch-volkSwirtschaftliche Monographie», herauSgegeben von Prof. Dr. L. Sinzheimer. Bd. 5: Die volkswirtschaftliche Bedeutnag der technischen EntWickelung der Zelluloidinduftrie von I. Ertel.— Bd. 6: Die wirtschaftliche und soziale EntWickelung der deutschen Ziegelinduftrie von B. Seinemann.— Bd. 7: Die volkswirtschaftliche Bedentnng der technischen EntWickelung der deutschen Wollindustrie von A. Wachs.— Bd. 8: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der technischen Entwickelung in der Schuhindustrie von F. Behr.— Bd. 9: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der technischen Eni- Wickelung in der Papierfabrikation von F. Schäfer. Verlag: Dr. W. Klmlbardt. Leipzig. Die meschuggene Ente. Die 299 ulkigsten Enten. Von F. Schloemp. Vor- und Nachwort von O. I. Bierbaum. Umschlag von C. O. Petersen. Geh. 2 M., geb. 3 M. G. Müller tn München._' Lnjcigtevtkil vttLntw» Th, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag! Vorwärts Straubes Karte: Umgegend vom Müritzsee. 1,50 R. Selbstverlag, Berlin. Borträge und Redner der BortragSorganisatto» deS sDarsschen Monistenbnndes. 39 Ps. Selbstverlag, Berlin W. 57. 7. Geschäftsbericht des HiisSverems der Deutschen Juden. 155 Sellen. Selbstverlag. Berlin 1999. Das Gesetz der Bestie. Erzählungen von A. v. Vestenhof. Geh. 2 M. — Wie wir einst so glücklich waren! Novelle von W. Speyer. Geh. 1,59 M.— Folke Filbyter. Erzählung aus dem Mittelalter. Geh. 4 M-, geb. 5,50 M. A. Langen, München. ßrUfkatten dev Redaktion. Tie surlstlsche Spreqstunde findet«indenstratze 3. zweiter Hof« drlticr Eingang, vier Treppen,§jlgf Fahrstuhl"PBß wochentägllch abends von 7'/, bis 9 Vi Uhr statt. Gräfsnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Ansragc ist ein Buchstabe un» eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten lüiinc» 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. H. W. Ihr Sohn mühte bis zur Vollendung seines 21. LebenSjabreZ warten.— W. Pl. 2. 1. und 2. Ja.— Stcu-rreklamation. Der Inhalt des Bescheides entspricht dem Gesetz.— O. B. 07. Wenden Sie sich an den Handels- und TranSPortaibellerverband.— D. 1. alter Abonnent. Klagen Sie beim Amtsgericht auf Einräumung des Laden? und aus Schadenersatz.— M. K. 18. 1. und 2. Ausgeklagte Forderungen verjähren in 39 Jahren. Von jeder Zwangsoollstreckungshandlung ab be« ginnt die Verjährungssrist von neuem zu lausen. 3. Leider nein.— A. T. 43. Falls Kost der Auswärierin neben dem Bargeld versprochen ist, so muß sie auch für die Zell der Reise gewährt werden. Ms Ersatz sür Früh- stück und Vesper ist etwa 59 Pf. angemessen.— W. W. 13. DaS von Ihnen Angesührte ist kein Scheidungsgrund.— Wipper 25. 1. Nein. Nein: der Abzug sür Fahrgeld ist allgemein zulässig; ewige Behörden lehnen aber den Anspruch, der nur indirekt aus dem Gesetz zu folgern ist, ab. Leider gibt es ew Rechtsmittel an das Oberverwaltungsgericht gegen die Entscheide nicht mehr.— G. F. 3«. Der Wirt ist im Recht. MarlvitzIA. B. 1. Sie sind zur Zahlung verpflichtet. 2. Die Kinder sind, sobald Sie dazu ohne Beeinträchtigung ihres Unterhalts und deS Unterhalts ihrer eigenen Familie im Stande sind, gesetzlich zur Unterstützung der Eltern verpflichtet.— Kostüm 22. 1. Sie müßten die Herrschast am Orte ihres Wohnfitzes also in Berlin verklagen. Die Bescheinigung, daß sie zur Tragung der Kosten außer Slande ist. läßt Ihre Tochter_ sich von der hiesigen Armendirektion erteilen. Dann stellt sie unter Beifügung dieses Attestes unter Klarlcgung des Sachoerhaltes und der Ansührung der Be- weismittel bei dem Amtsgericht den Antrag auf Bewilligung des Armen- rechts. 2. Ja. 3. krankenversicherungSpflichlig ist Ihre Tochter nicht. Aber die Herrschast ist verpflichtet, sür die Dauer von sechs Wochen sür Kur und Verpflegung zu sorgen und kann nur den aus die Dauer der Krankheitszeit entjallenden Teil des Lohnes in Gegenrechnung bringen.— O. 4. Steuer» p stich tigkeit liegt nicht vor.— T. 81. Versuchen Sie es auf diesem Wege. — Niederlehme 234. 1. Eine solche Stistung ist uns nicht bekannt. 2. Die Wählbarkeit besteht nach dem Gesetz.— Vorwärts 199. 1 und 2. Ja. — M. G. 18. Die eingetragene Genosienjchast, nicht deren einzelne Mit« glieder, hat die Beiträge zu zahlen.— S. T. 3- M. R. 87. Nein.— K. 30. Die Polizeibehörde ist zuständig.— Grete. Wenden Sie sich an die Versicherungsanstalt Berlin, Köllnischcr Park. Die Versicherungsanstalt ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, Zahngebisse zu gewähren.— L. K. 199. Wenn nachgewiesen wird, daß die Mitglieder gemeinsam das Bier elnkausen und unter sich abgeben, so wird Freisprechung erfolgen.— P. 8. 102. Der Einwand und Nachweis, daß während der EmpsängniSzcit mehrere betgewohnt haben, beseitigt daS Recht deS Mädchens und deS KwdeS, falls nicht etwa der in Anspruch Genommene zu öffentlicher Urkunde ...... anerkannt hat.— H. B. 47. Die Firma Klage aus Zahlung der rückständigen Raten ge- Sie eine Einigung herbeizuführen.— M. N. Ja. 1. Nur der aus Ihren Bruder entjallende Erbteil hastet 2. Der Pflichtteil(die Hülste der gesetzlichen Erb- Portion) muß belassen werden. 3. Der Anspruch aus Mimente verjährt in 39 Jahren. 4. Für die Krankenhauskostcn müßte der Vater auskommen. 5. Ein Verkauf oder dergleichen ist nicht zu empseblen.— G. M. 1. Für den Fall einer Klage wurden Sie voraussichlltch zur Zahlung ver- urtellt werden.— Antim. Legen Sie die Sache so dar, wie Sie sie uns dargestellt haben. Sollte dennoch Anklage erhoben werden, so setzen Sie UNS von dem Termin rechtzeitig in Kenntnis. — E. K. 99. Uns nicht bekannt.— F. St. 19. 1. Ja. 2. Die Reklamation erfolgt an den geschäftssührenden Ausschuß der Berliner, Stadt- shnode, Neue Friedrichstr. 69. 8. Verjährung tritt erst in dreißig Jahren von der letzten Zwangsvollstreckungshandlung ab gerechnet ein.— E. E. 78. Eine Klage gegen den Meister auf Herausgabe des Buches sowie auch eine Schadensersatzklage wegen der durch Verlobung des Lehrvertrages herbeigeführten Schädigungen hätte Aussicht aus Erfolg.— A. S. 499. Nach- dem der Sühnetermin erfolglos ausgefallen ist, muß nunmehr die Ehe- scheidungsklage durch einen Rechtsanwalt beim Landgericht erhoben werden. — L. 135. Der Anspruch ist erloschen.— Rnmmelsburg 77. Nein. — Pankow. S. 2. Die Kündigung ist verfrüht. Ein Miels- oder Pacht- vertrag, der sür länger als ein Jahr geschlossen worden ist, bedarf der schrist- lichen Form. Ist er nur mündlich geschlossen, so gilt er als für unbestimmte Zeit geschlossen. Die Kündigung ist jedoch nicht sür eine frühere Zeit als sür den Schluß des ersten Jahres zulässig; bei Pachtverträge!! hat die Kündigung spätestens am ersten Werktage des halben Jahres zu erfolgen, mit dessen Ablauf die Pacht endigen soll.— A. S. I. G. Der Stempel ist zur Gültigkeit eines Verirages nicht erforderlich. E» tritt aber eventuell Strasbarkeit wegen Stempelhinterziehnng ein.— Streitende 99. 1. Im dritten Falle. 2. Die Mindeststrase für Diebstahl ist ein Tag Gefängnis. Für Diebstahl im Rückfalle drei Monate Gefängnis. 3. Gewerbs- oder gewohnheitsmäßige Hehlerei ist mit einer Zuchthausstrafe von einem Jahre bedroht.— v. L. 199. Wegen bei WandergcwerbescheineS wenden Sie sich an die Polizeibehörde. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-DIrektton über den Großhandel in den Zenttal-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufubr stark, Geschäft schleppend, Preise sür Kalb- und Schweinefleisch nach- gebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäft lebhast, Preise fest. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft lebhast, Preise besriediaend. Fische: Zufuhr knapp, Geschäft lebhast, Preise steigend, Krebse nachgebend, gute Seefische stark gefragt. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschalt schleppend, Preise gedrückt. seine Vaterschast würde mit einer Winnen. Suchen — Alimente 2. sür dessen Schulden. Wttterungöüberflcht vom 15. Juli 4999, morgen» 8 llbr. 17 IS 14 13 14 Wetterprognose für Freitag, den IS. Juli 1999. Mäßig warm, vielfach heiter, aber veränderlich bei ziemlich lebhaften südwestlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterburea» C-» WafferstandS-Nachrichten der Landes anstalt für Gewässerkunde, mitgeletlt vom Berliner Wetterbureau. Wafferfland M e w e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Rattbor » Kroffen , Frankfurt Wa r t h e, Schrim« » Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leittneritz , Dresden » Bardo , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximflianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Weriheim Mosel, Trier ')+ bedeutet Wuchs,- Fall.—») Unterpegel.*) höchster Wasser. stand am 14. zwischen 5 und 7 Uhr morgens: 553 cm. LuSdruckerei u. VerlogsanitaU ä&ul Swger& Güu Berlm SW.,