Ar.«55. � mwnnemenfS'BedlngOftgen; HBonnementä- Preis pränumerando i »ierteljährl. z�o Mk., Mona«. l,10 MI., wSchcnNich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags. »ummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Seit" 10 Pfg. Po«. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, fliunätiicn, Schweden und die Schweiz, Crfitdot tlsOA»Bcr Blontasi. Jahrg. Vevlinev Volksblakt. vle snler»sn!-S«bahs betrügt für die sechsgespaltene Kolmep zeile oder deren Raunt 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- Und Versammlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnzeigcn", das erste(feit. gedrmlte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ztcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., .jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Rttiia". Zentralorgan der foztaldemohratifchen Partei Deutfcblands. Kcdaktton; SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Zwei Parlamente. Aus Wien wird uns vom 16. geschrieben: Den Deutschen Reichstag hat dasselbe Geschick ereilt, das dem österreichischen Abgeordnetenhause beschieden war: er ist geschlossen worden und wenngleich die Schließung der Session keine so ausgesprochene Strasmatzregel war, wie die gleiche Maßregel in Oesterreich, so ist sie doch vollzogen worden gegen den bestimmten und einstimniigen Beschluß des Senioren� konvents, also gegen den Reichstag selbst, ist sie unverkennbar ein Akt der absolutistischen Macht der Krone, die ihren Willen gegen den der Volksvertretung setzt und erfüllt. Daß dem Reichstag die Erfüllung des bescheidenen Wunsches der- sagt worden ist, nachdem er eine halbe Milliarde neue Steuern bewilligt, also eine„Opferwilligkeit" betätigt hat, die in der Geschichte der Parlamente ohne Beispiel ist, erscheint wohl als ein zwingender Beweis dafür, daß die Machtverteilung zivischen den vcr- fassungsmäßigen Gewalten im Reiche sehr zu Ungunsten des Reichstages gelagert ist. Denn obgleich die Verfassung die Befugnis zu der Entscheidung, ob der Reichstag vertagt oder geschlossen werden soll, der Krone übergibt und die End schließung formell nicht angefochten werden kann, so steckt in allen Formfragen auch eine Machtfrage, und daß über den Willen des Reichstages weggegangen werden konnte und das Gegenteil verfügt wurde, was er als sein Recht in Anspruch nahm, beweist wohl zur Genüge, daß seine Macht nicht weit reicht und über die Berechtigungen des Gesetzes zu erheben sich nicht vermochte. Bei dem österreichischen Abgeordneten- Hause ist die Schließung der Session allerdings nicht mehr als die Strafe dafür, daß es als arbeitsfähiges Parlament versagt und zu einer er- sprießlichen Tätigkeit im Augenblicke unfähig geworden war. Wohl eine eigentümliche Strafe, denn sie trifft nicht nur das ganze Parlament, sondern auch Staat und Volk, obwohl schuldig nur eine kleine Gruppe gewissenloser Obstruktionisten geworden war. denen eigentlich ihr Wille geschieht, während die überwältigende Parlamentsmehrheit vergewaltigt wird. Aber von allen zufälligen Begleiterscheinungen abgesehen, wird es doch so sein, daß die Schließung der Session in beiden Parlamenten, die sich sonst so unterscheiden, eine Schwäche aufdeckt, die für beide am besten durch den Vergleich er- kannt wird. Worin die Schwäche des österreichischen Abgeordnetenhauses liegt, weiß man: in der durch den Nationalitätenstaat bewirkten Zersplitterung, die zu einem ungesunden Minderheitsrecht ge- führt hat, durch das der parlamentanschen Jnstitutton die Freiheit. Stetigkeit, Sicherheit verkümmert und geraubt wird. Der Staat wird in Oesterreich immer mehr das Sekundäre, denn vor ihm stehen die Nationen, die ihre Interessen und Bedürfnisse über die staatlichen Notwendigkeiten setzen, so daß der österreichische Staat allmählich den Charakter einer Zwangsorganisatton empfängt, in die sich die Nattonen nur widerlMig schicken. Das österreichische Parlament wäre also immer ein Parlament sonderbarer Art, aber seine natürlichen Schwiengkeiten und Bedingtheiten verschärfen sich ins Un- erträgliche, weil die Geschäftsordnung die Ausprägung des Mindcrheitsrechtes bis ins Unnatürliche ermöglicht. Diese Geschäftsordnung macht zwanzig Abgeordnete. den fünf- undzwanzigstcn Teil des Hauses, zu Herren des Parlamentes; und wenngleich diese absolute Macht der Obstruktion durch die auch in Oesterreich nicht ganz abgeschafften Gesetze der Logik und Vernunft beschränkt wird, so'mutz das Gleichgewicht des Parlaments immerzu künstlich erhalten werden; ohne diese vorsorgende Tätigkeit(an der es jetzt durch die Bienerthsche Politik, die halb Hochmut, halb Unfähigkeit ist, so sehr gebricht) gerät die Maschinerie sogleich ins Stocken und bleibt, wenn nicht rasch nachgeholfen wird, auch ganz stehen. Wie es das Problem Oesterreichs ist, den Staat zur Zusammenfassung der Nationen zu erheben, also so zu organisieren, daß die Nationen in ihm nicht das Hindernis, sondern die Gewähr ihrer EntWickelung erkennen, so ist es das Problem des österreichischen Abgeordnetenhauses, als Gegenkraft zu den zentrifugalen Tendenzen, die au dem Bestand des Parlamentes unausgesetzt zerren und reißen, einen Gemeingeist zu entwickeln, aus dem das gemeinsame Parlament als Gut und Besitz des Volkes erkannt und geschont wird. Eine Einheit kann man aus den Nationen im Staate und ans den Parteien im Parlamente natürlich nicht destillieren. und um die entschwundene schwarzgelbe Einheit wird auch niemand trauern; aber was nottut, ist die planmäßig zu- sanimenfassende Arbeit, die das Parlament, das einzig Ge- meinsame dieser widersprechenden Kräfte, als Jnstitutton dem Bereiche der Widerstände und Anfeindungen entzieht. Geradezu umgekehrt scheint es uns um den Deutschen Reichstag zu stehen, als dessen Krankheit dem fernstehenden Betrachter eine wunderliche Verehrung des Mehrheitsgedankens auffällt. Im Reichstage gibt es nur eine Frage: ob für die Vorlage eine Mehrheit da ist; dann ist die Sache entschieden; die Minderheit, und wäre sie noch so groß, existiert einfach nicht. Aber die parlamentarische Majorität ist mehr oder minder immer eine Fiktion; sie repräsentiert wohl die Majontät der Wähler, aber sie muß sie nicht sein. Das nun ist im Reichstag allmählich die Regel geworden. Mit Recht ist während der Verhandlung der Finanzrcform darauf hingewiesen worden, daß die Parteien, die die Mehr- heit für die neuen Steuern bilden, nach ihren Wählermassen analysiert, die entschiedene Minderheit sind, wogegen die Parteien, die von Abstimmung zu Abstimmung überstimmt, und zwar ohne die bescheidenste Rücksichtnahme überstimmt wurden, im Gegenteil in der Abstimmung der Wähler eine zweifellose Mehrheit besitzen. Was bedeutet es also, daß im Reichstag ein bedingungsloses Majoritätsrecht gehandhabt wird, ein Majoritätsrecht, das sich jeder Rücksicht- nähme auf die Wünsche, Einwendungen und Forde- rungen der Opposition cntschlägt? Daß der Schein über das Wesen der Dinge siegt! Nun entscheidet freilich in allen parlamentarischen Körperschaften die Mehrheit; aber die Minderheit entscheidet mit, indem sie � imstande ist, der Durchsetzung des Mehrheitswillcns eine Grenze zu setzen. Diese Möglichkeit wird umsomehr ein wahres Er- fordernis des Konstituttonalismus, wenn das Wahlrecht die Machtverhältnisse innerhalb der Wählerschaft nicht richtig reproduziert, sie vielmehr im Gegenteil umzufälschen vermag, wie es beim Reichstag mit seinen ungleichen Wahlbezirkrtl so sehr der Fall ist. Soll dann der Parlamentarismus nicht eine Karikatur des Mehrheitsprinzips werden, so muß die Minderheit wenigstens die Möglichkeit haben, gegen den Willen der Mehrheit ihren Willen zu setzen: nicht bloß als plato- nischen Wunsch, als ziemliche Bitte um Berücksichttgung, sondern als Kraft, die die Mehrheit an rücksichtsloser Willkür hindert. Das Ueberwuchern des Minoritätsrcchtes ist ein Unglück für das Parlament, aber das Ueberspannen des Mehrheitsrechtes kann leicht ein Unglück für das Volk werden. Das nun scheint uns die Schwäche des Deutschen Reichs- tages: in diesem Parlamente bedeutet die Minderheit gar nichts, und ihr parlamentarischer Einfluß ist damit erschöpft, daß sie gegen die Vorlagen reden darf. Deshalb braucht die Regierung nur mit der Majorität zu rechnen, und da jede Majontät zum Servilismus neigt(worüber die Episode der Finanzreform nicht täuschen kann), wogegen nur die Oppo- sition den Willen des Volkes ungebrochen und unverfälscht darstellt, so bewirkt die Schwäche der Minorität auch eine Schwäche des Reichstags selbst, aus dessen Willens- bildung das radikale Element dadurch ganz aus- geschaltet wird. Denn im Reichstag genießt die Fiktton des Mehrheitsrechtes einen Respekt, der selbst über die geschäftsordnungsmäßigen Verpflichtungen hinausgeht. Wohl ist schon diese Geschäftsordnung, die der Minorität jede Möglichkeit einer ernsthaften Gegenwehr nimmt und die ge- wünschte Abstimmung mit einer automatischen Sicherheit herbeiführt, ein wahres Unikum; aber es geht doch nachgerade kein großes Gesctzgebungswerk ohne die gröblichsten Ver- letzungen der Geschäftsordnung durch; der berüchtigten„Ver- bindung" aller Positionen des Zolltarifes zu einer Ab- sümmungsftage reiht sich die Unterschlagung der ersten Lesung der in der Finanzkommission ausgeheckten Steuern würdig an. Aber jede dieser Verletzungen der Geschäftsordnung, die in weniger in Zucht und Sitte eingeschworenen Parlamenten die stärkste Erregung auslösen würde, geht im Reichs- tage durch: natürlich nicht ohne Grollen und Protest, aber doch durch imd ungefährdet ans Ziel. Das ist natürlich nur möglich, weil im legalen Wege die Opposition sich nicht wehren kann, ein illegaler aber, der freilich gegen G e- s ch äfts 0 r d nun gs v erle tz u n g der sachgemäße wäre, durch die anerkannte Ordnung des Hauses aus- geschlossen ist. Natürlich wird es uns nicht beifallen, dem Reichstage die Konstttutton des österreichischen Abgeordneten- Hauses zu wünschen, aber auch im Zerrbild sind die richtigen Grundlinien noch zu erkennen. Und so zeigt vielleicht der Blick auf das österreichische Abgeordnetenhaus, was dem Reichs- tage fehlt: das Recht der Minderheit, das über das Mitreden und Mitstimmen hinausgeht, sich vielmehr auch als Wille äußern kann, der der Herrschsucht der Majorität und dem Uebermut der Regierenden Grenzen setzt und Schranken auferlegt. vle Wirkung der neuen Steuern. Bereits machen sich die vom klerikal-konservasiven Schnapsblock bewilligten neuen Verbrauchssteuern in einer beträchtlichen Steige- rung der Preise für Zündhölzer, Bier, Branntwein und Zigarren geltend. Besonders mutz mit wesentlich erhöhten Bierpreisen gerechnet werden, da Brauer, Bierhändler und Gastwirte sich nicht mit einem dem Steuerbetrag entsprechenden Aufschlag auf die bisherigen Preise zu begnügen gedenken, sondern sich anschicken, die Gelegenheit zu einer Extraschröpfung des Publikums zu benutzen und die Bierpreise ungefähr um den dreifachen Betrag der neuen Steuer zu erhöhen. In einem Gutachten über die Folgen der neuen Steuergesetze für die Brauindustrie, das aus hiesigen beteiligten Kreisen stammt, veröffentlicht in der„V. Ztg."(Nr. 323), heißt es im Ein- gang: „Natürlich ist das neue Brausteuergesetz an sich nichts weniger als angenehm für die Brauindustrie. Denn wenn es diesmal auch hcitzt, daß die neue Steuer die Brauereien nicht belasten, sondern als Konsumsteuer von dem Verbraucher gewogen werden solle, so hat die Erfahrung gezeigt, datz diese Ueberwälzung mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Dennoch dürfte das neue Gesetz einen Wendepunkt in der EntWickelung der Brauindustrie Expedition: QUJ, 68, Lindcnstraaac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. bilden, weil seine Verabschiedung den Brauereien endlich die Bahn ftei gibt, um ihre Verkaufspreise den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend zu regulieren... Dieser für die Aktionäre glückliche Wendepunkt ist für die Konsumenten sehr bitter; diese sollen nicht nur die Mehrbelastungen tragen, sondern auch den spekulativ in die Höhe getriebenen Kurse» der Brauereiaktien entsprechende Gewinnsteigerungen aufbringen. Brauereien und Verschleitzer arbeiten zusammen, um eine gründliche Ab- wälzung vorzunehmen. In einer am Freitag in Berlin abgehaltenen, vom Schutzverband der Brauereien der norddeutschen Brausteucrgemein- schaft und verwandter Gewerbe einberufenen Versammlung, die von zirka 200 Vertretern aller Brauerei- und Gastwirtsverbände besucht war, beriet man über die infolge der Erhöhung der Braustcner um 109 Millionen Mark notwendig gewordenen Maßnahmen zur Abwälzung auf den Konsum. Wie berichtet wird, wurde für die Brauereien eine Erhöhung des BierpreiseS um 5 Pfennige pro Liter und für die Gastwirte eine solche von 7 bis 1(1 Pf. beschlossen. Zur Durchführung der hierzu erforderlichen Maßnahmen sollen zwischen Gastwirten und Brauereien auf Gegenseitigkeit beruhende Garantien geschaffen werden, deren nähere Vereinbarung unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse den Bauereien und Gast« Wirten in den einzelnen Bezirken überlassen bleibt. Was bei solcher Abwälzung herauskommt, dafür einige Angaben: Nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich betrug für das Jahr 1903 der berechnete Bierverbrauch im deutschen Zollgebiete (einschließlich Luxemburg) 72 842 000 Hektoliter. Legt man diese Menge zugrunde, dann bedeutet die beschlossene Preiserhöhung für die Brauereien eine Mehreinnahme von rund 334 Millionen Mark; für die Wirte und die sonstigen Bierverschleitzer kommt eine Mehreinnahme von 583 Millionen Mark heraus, wenn man einen durch- schnittlichen Aufschlag von acht Pfennig pro Liter im Kleinverkaus annimmt. Praktizieren alle Hanseaten den Kampf gegen die un- erträgliche agrarische Wirffchaftspolitik so wie die Brauer und Wirte, dann hat die Arbeiterschaft zu dem schlimmen Plünderbunde einen noch schlimmeren hinzubekommen. Auch die Preise"der Zigarren beginnen bereits zu steigen, wenn auch vorläufig noch die meisten Zigarrcnhändler an den früheren Preisen festhalten. Vielfach haben sie sich in letzter Zeit gut verproviantiert und ihren Vorrat auf den drei- und vier- fachen Bestand gebracht. Meist finden sie guten Absatz, da die Raucher sich noch vor dem Inkrafttreten der Steuer(am 15. August) möglichst gut„einzudecken" suchen, denn die neue Steuer wird bald eine Erhöhung der Zigarrenpreise um 25 bis 35 Proz. nach sich ziehen. Daß in Berlin bereits in den letzten Tagen die Preise der Zündhölzer um 50, teilweise sogar um 100 Proz. gestiegen sind, haben wir schon gemeldet. Pakete, die vor 14 Tagen noch 10 Pf. kosteten, werden mit 15 und 20 Pf. bezahlt, und nach der Ein- führung der vom Zentrum in Gemeinschaft mit ddn Konser- vativen durchgesetzten Zündholzsteuer wird der Preis voraussichtlich auf 30 und 35 Pf. steigen. Da die Händler.für ihre Vorräte noch die alten Preise bezahlt haben, machen sie ein großartiges Geschäft. Ihr„Nutzen" auf simple Streichhölzer beträgt zurzeit weit über 100 Proz. Natürlich wollen die Spiritusbrenner nicht zurückbleibet:. Der Gesamtausschuß der SpirituS-Zentrale hat in seiner heutigen Sitzung ebenfalls beschlossen, die Verkaufspreise um 10 M. pro Hektoliter zu erhöhen, abgesehen von denaturiertem Spiritus, dessen Preis unverändert bleibt. Begründet wird diese-Preiserhöhung von der Zentrale folgen- dermaßen: �' „Die Erhöhung erwies sich als unabweislich im Interesse der geordneten Abwickelung der Geschäfte. Die schon seit längerer Zeit sehr lebhafte Nachfrage hat, offenbar in Erwartung günstiger Ausführungsbestimmungen für die Nachversteuerung, in der letzten Zeit einen geradezu stürmischen Charakter angenommen. Die technische Leistungsfähigkeit der Reinigungsanstalten und die vorhandenen Transportmittel drohten unter diesen Um- ständen zu versagen. Der Versuch einer Beschränkung der Auf- träge auf den regelmäßigen Bedarf scheiterte, weil sich hcrmis- stellte, daß der Maßstab des üblichen Bedarfes in solchen Zeiten des Ueberganges nicht ohne Härten und ungleiche �Behandlung der Abnehmer anwendbar ist. Bei dieser Sachlage mußte die Absicht unveränderter Preisstcllung, die nach der Verabschiedung des Branntweinsteuergesetzes zunächst durchgeführt wurde, wieder aufgegeben werden." Doch diese Preissteigerungen' sind nur der Anfang; weitere werden folgen. Das Volk bekommt jetzt die Wirkungen der „segensreichen" Tätigkeit der klerikal-konfervativen Steuer- koalition zu spüren I Ä..._ Der Kampf gegen die lugend-Orpnifaflon. Nach einem wohldurchdachten Kriegsplan ward und wird der behördliche Kampf gegen die Jugend-Organisationen und gegen alles, was mit ihnen in Zusammenhang gebracht werden kann, organisiert und durchgeführt. Es geht alles nach Vor- schnft und nach Anordnung, und die unteren Verwaltungs- organe versuchen, wie das in Preußen-Deutschland üblich ist, noch reaktionärer oder— Wenn man will— noch aggressiver zu sein, als die oberen anordnenden Organe. Das Räder- werk des vielgestaltigen preußisch-deutschen Verwaltungsappa- rates greift aber selten s 0 vorzüglich ineinander, wie gerade bei der„Staatsattion" gegen die Jugendorganisattonen. Es ist eben wie's immer war: Wenn es sich um Entzug oder Verkümmerung von Rechten oder alten Gewohnheiten handelt. da funMoniert die sonst recht schlecht geölte, knarrende und rasselnde preußisch-deutsche Staatsmaschine tadellos: die vielerlei Arten von Stockungen und Betriebsstörungen treten nur dann ein, wenn es sich mal um geringfügige Verbcsserungen oder um Aufrechterhaltung der Volks- und Bürgerrechte handelt. Wie lange dauert es z. B. und wirds noch dauern, bis die geringfügigen Erleichterungen, die das Reichsvereins- gesetz mit sich bringt, vom preußischen Bureaukratismus der- standen und nicht mehr illusorisch gemacht werden l— Um nur einen vollgültigen Beweis dafür zu liefern, wie gut der preußisch-deutsche Regierungs- und Verwaltungs- apparat funktionieren kann, sobald es sich darum handelt, den Jugendorganisationen das Leben schwer oder gar unmöglich zu machen, drucken wir einige Schriftstücke ab. die uns auf den Schreibtisch geweht sind. Die Lektüre der Dokumente wird in dem ehrsamen Spießer das Gefühl der Sicherheit gegenüber dem gefürchteten„Umsturz" erneuern, dem auf rechten Bürger aber wird die Schamröte ins Gesicht steigen. Wir geben die Aktenstücke in chronologischer Folge: Erfurt, den 19. Mai 1903. Königliche Regiermig. Abteilung für Kirchen- und Schulsachen. Wie der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal angelegenheiten uns mitgeteilt hat. hatten unlängst einige der Sozialdemokratie angehörende Personen in einer größeren Stadt eine Art Jugendunterricht eingerichtet in der Absicht, den Lehren ihrer Partei schon bei der schulpflichtigen Jugend den Boden zu bereiten. Zu diesem Zwecke wurden Gesangsübungen mit einer Anzahl schul» Pflichtiger Kinder beiderlei Geschlechts in einer Gastwirtschaft ab- gehalten. Zum Vortrag kamen Lieder, welche sozialdemokratische Tendenzen verfolgen. Im Anschluß an diese Gesangsübungen wurden den Kindern Märchen aus einem„Märchenbuch für die Kinder des Proletariats" vorgelesen. Gegen diese Veranstaltungen ist demnächst in geeigneter Art eingeschritten worden. Falls auch in Orten unseres Bezirkes der Versuch gemacht Verden sollte, ähnliche Veranstaltungen einzuführen, welche den Zweck verfolgen, die deutsche Jugend mit sozialdemokratischen Ideen zu erfüllen, so erwarten wir baldigen Bericht. gez. v. Nahm er. »#* D U Geheim! Erfurt, den 7. Mai 1906 Der Regierungspräsident. Zu Ende des Jahres 1904 ist von bekannten Sozialdemo- kraten in Berlin ein„Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter" gegründet worden, dessen Aufgabe es ist, die jugeud- lichen Elemente zu zweck- und zielbewußten Parteigenossen heran- zubilden. In den Satzungen wird als Vereinszweck angegeben: die Wahrung der wirtschaftlichen, rechtlichen und geistigen Interessen der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen— und eS ist weiter angeführt, daß dieser Zweck erreicht werden soll durch Gewährung von Rechtsschutz und sonstigen Unterstützungen, Er- richtung von Stellennachweisen, Errichtung von Bibliotheken und Veranstaltung von Unterrichtskursen und Vorträgen. Durch diese Fassung der Satzungen hat sich der Verein gegen die Anwendung der Bestimmungen deS§ 8 des Vereinsgesetzes zu schützen gesucht. Der Verein besitzt ein eigenes Organ, welches unter dem Titel„Arbeitende Jugend" monatlich erscheint. Die sozialdemokratische Partei und Gewerkschaft leisten dem Verein ossen ihre Unterstützung; gleiche Vereine sind auch an anderen Orten entstanden. In den süddeutschen Staaten besteht eine ähnliche Orga- nisation der Lehrlinge usw. Dieselbe dezeichnet sich offen als politische Vereinigung. Von einer Verbindung mit der nord- deutschen Organisation ist seither wegen der Verschiedenheit der Vereinsgesetzgebung abgesehen worden. Auf dem vor einigen Tagen abgehaltenen Parteitag der sächsischen Sozialdemokratie ist die Gründung einer Jugend- organisation auch für das Königreich Sachsen angeregt worden. Den Polizeibehörden werden den Bemühungen der Sozial- dcmokraten um die Organisation der Jugend nicht entgangen sein, ich mache dieselben aber nochmals aufmerksam und veranlasse sie, die fraglichen Vereine sorgsam zu überwachen und gegen sie einzuschreiten, wo Verstöße gegen das Gesetz nach- weisvar sind. In dem zum Ib. September fälligen nächsten Jahresbericht über die allgemeine Lage der Sozialdemokratie ist unter besonderem Ab- schnitt zu crörtern, ob und welche Jugendorganisationen im dortigen Bezirk bestehen und in welcher Weise sich dieselbe» seither betätigt haben, sowie ob und wie ihnen von behördlichen oder privaten Seiten entgegengewirkt worden ist. �ez. von Fiedler. Streng geheim! Erfurt, den 10. Juni 1906. Der Regierungspräsident. ES ist mir erwünscht, mit tunlichster Beschleunigung und mit möglichster Genauigkeit Angaben zu erhalten über Namen und Wohnort der sozialdemokratischen Agitatoren in führender Stellung, der Vorstände der Ägitationskvmitces, der Borstäude der sozio- listischen Wahlvcreine und der Parteisnilktioiläre. der Arbeiter- sekrctäre, der Verleger, Redaktcure und Drucker sozialdemokratischer Preßerzeugnisse. gez. von Fiedler. » �» Geheim! Berlin, den 6. Oktober 1908. Der König l. Preußische Polizeipräsident. Eine beträchtliche Anzahl DPersonen, welche in die Anarchistenliste haben aufgenommen werden müssen und noch jetzt als Anarchisten geführt werden, entzieht sich zum Teil schon seit geraumer Zeit der Kontrolle der Ueberwachungsbehörde», weil entweder ihr Auf- enthaltsort bei der Notierung nicht bekannt war oder weil sie von dem letzten Ort, an welchem sie überwacht worden sind, sich ohne Angabe deS Reiseziels entfernt und dort, wo sie schließlich Wohnung genommen haben, als Anarchisten nicht erkannt worden sind. Ich gestatte mir in der Anlage ein Verzeichnis dieser Personen zur gefälligen vertraulichen Kennt- n i s n a h m e und mit dem Ersuchen ergebenst zu übersenden, mir gefl. Mitteilung machen zu wollen, falls eine oder die andere Person im dortigen Bezirk wohnt oder Wohnung nehmen soll. Im Auftrage: (Unterschrift unleserlich.) Die letzten beiden geheimen Aktenstücke, die nur angefügt I So tritt auch Persien tn die Reihe jener Staaten, die An den ersten beiden Aktenstücken, in denen indirekt zur Unterdrückung der Jugendorganisation aufgefordert wird und aus denen klar hervorgeht, welchen Ursprungs die ungezählten behördlichen Nadelstiche sind, ist noch interessant, daß je am 15. September ein Jahresbericht über die Lage der Sozialdemokratie„fällig" ist. Die örtlichen Polizeiorgane müssen den Landräten bc- richten, und diese geben die Berichte an die Regierungs- Präsidenten weiter, die sie dann der Landesregierung über- Mitteln. Bei der bekannten Unkenntnis über unsere Grund- sähe und Anschauungen in den Kreisen dieser Ver- waltungsorgane kann man sich ungefähr ein Bild machen von der Zuverlässigkeit dieser„Jahresberichte". sind, um zu zeigen, daß wir noch immer unter einer Art Ausnahmegesetz stehen, beweisen, daß das Spitzel- s y st e m nicht etiva nur in Berlin in„Blüte" steht. Auch in der Provinz wird nach denselben sauberen Grundsätzen wie in der Reichshauptstadt die Sozialdemokratie„vernichtet".— Das letzte Aktenstück betrifft zwar angeblich nur die Anarchisten, aber mir wissen, daß nicht bloß sehr naive Spießer, sondern auch die unteren und oberen Bureaukraten oft keinen Unter- schied machen zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus. Unsere Genossen allerwärts werden aus dem Inhalt der vorstehenden Aktenstücke die Lehre ziehen, das es um Deutschland schlimm bestellt sein muß, wenn Behörden zu solchen Mitteln greifen, um sich zu schützen vor der bei der letzten Reichstags- Wahl„uicdergerittencn" Sozialdemokratie. Unsere Genossen sollen aus den Aktenstücken auch herauslesen, daß sie gewissen, sich an die Parteiorganisation herandrängenden Personen immer scharf auf die Finger zu sehen haben. Es ist nun'mal nicht zu ändern, daß die deutsche Polizeibureaukratie zur Bekämpfung einer auf der geschichtlichen EntWickelung basierenden wirtschaftlichen und kulturellen Bewegung nicht anders als mit dem Büttel und dem Spitzel zu arbeiten vermag. „Solästenbsuern." Die sich ständig mehrende Landflucht brachte naturgemäß die zahlreichsten Vorschläge, dieser„drohenden Gefahr für die Landwirtschaft" abzuhelfen. Beschränkung der Freizügigkeit bis zur Einführung des landwirtschaftlichen Unterrichts im Heere usw. wurde von unseren„Freunden der Landwirt schaft" eifrig diskutiert. Den Höhepunkt erreichte wohl die „Debatte", als sich auch die preußische Heeresverwaltung ent schloß, dem Beispiels der Bayern zu folgen und den ständigen Unterricht in landwirtschaftlichen Fragen im Heere einzu führen,„um den Folgen der Entfremdung der jungen, ihre Dienstpflicht im Heere erfüllenden jungen Leute gegenüber dein Lande, das sie hervorgebracht und bis dahin ernährt hat, entgegenzutreten". Die entlassenen Mannschaften sollen dann durch eine besondere Arbeitsvermittlungsstelle schnell der Landwirtschaft wieder zugeführt oder nach dem schlauesten Plane«nach Beendigung ihrer Dienstzeit nicht am Stand- orte, sondern bei der Behörde ihrer Heimat" ent- lassen werden. Der Reservist wird also nach allen Regeln „militärischer Kunst" wieder auf dem Land«— abgeladen und muß sich dort wohl fühlen. Eine Beschränkung der Frei- zügigkeit soll dies aber trotzdem nicht sein! Nun kommt ein funkelneuer Vorschlag des Geschäftsführers der Landwirt- schaftskammer für die Provinz Pommern Dr. Bischofs aus Stettin: Die„Soldatenbauern" zu schaffen. Um auch der Entfremdung der Soldaten vom Lande entgegenzutreten, schrieb dieser Herr ein Büchlein:„Was kann das Heer zur Minderung der Landflucht tun?", dessen Inhalt der„West- deutsche Landwirt", die Beilage der„Kölnischen Volksztg." vom 14. Juli d. Js. wie folgt wiedergibt: „Er meint, neben den soeben erwähnten Matzregeln müsse „ vor allem auch die Ansiedelung von Soldaten nach ihrer Dienst- zeit gefördert werden. Zu diesem Zweck verlangt Dr. Bischofs, der Staat solle genügend Mittel bereit stellen, um den zur Enlassung kommenden Reservisten die Erwerbung eines Arbeiter-RcntenguteS, gewissermaßen als Be» l 0 h n u n g für die Rückkehr zum Lande, zu erleichtern. Diesen Reservisten soll, nach einem Antrage der LandwirtschaftSkammer für die Provinz Pommern, ein für die Zeit ihres Besitzes, längstens aber zehn Jahre, zinsfreies Darlehen von je 2000 M. zum Erwerb eines solchen Rentengutcs gewährt werden. Neben der Ansiedelung von Reservisten soll aber auch den alten Unteroffizieren nach der Ableistung ihrer gesetzlichen Dienstzeit an Stelle der bisherigen Fürsorge eine erhöhte Summe von 2000 M. und ein Rentengut, vielleicht im Werte bis zu 20 000 M., unter folgenden Bedingungen gegeben werden: Während die Rentenbauern im allgemeinen eine Anzahlung von etwa ein Viertel des Wertes machen und den Rest mit 8� Proz. verzinsen und mit Vi Proz. tilgen müssen, zahlen die Unter- ofsiziere, die sich gut geführt haben und nicht in der Lage sind, eine Anzahlung zu leisten, in den ersten zehn Jahren nur 2Vt Proz. Zinsen. Die Tilgung setzt erst nach zehn Jahren ein. Diese Vergünstigung soll aber nur denen zuteil werden, welche tatsächlich im Besitze deS Gütchens bleiben. Durch die Annahme dieser Vorschläge würde also eine neue Klasse von Bauern, die Soldatenbauern, geschaffen. Diese würden im den ersten zehn Jahren bei einer Wirtschaft im Werte von 20 000 M. eine Rente von S00 M. zu zahlen haben, gegen 600 M., welche ein anderer Ansiedler aufzubringen hat, welcher 2b Proz. angezahlt hat. Erst nach zehn Jahren, wenn die Wirt- schaft gut ist, würden Verzinsung und Tilgung im Jahre 800 M. erfordern, wenn nicht schon in den vorhergegangenen Jahren ein Teil des vorgestreckten Geldes hat abgezahlt werden können. Dr. Bischoff meint, da die gemeinnützigen AnsiedelungS- gesellschaften die Wirtschaften mit Vorräten und Ernte über» geben und Inventar meisten? sehr preiswert abgeben, würden die 2000 M., welche die Heeresverwaltung zahlt, bei der Uebcr- nähme genügen zur Beschaffung des nötigsten Inventars. Die Unteroffiziere würden so ohne Anzahlung günstig zu einer Wirt- schaft kommen; der Staat würde zehn Jahre 1 Proz. Zinsen verlieren, höchstens also 2000 M. und die ZinseSzinsen." Die schwarzen Agrarier finden es nun ganz in der Ordnung, daß der Staat diese zinsfreien Darlehne für die „Soldatenbauern" hergibt, nachdem man kaum den Reichs- dalles auf Kosten des arbeitenden Volkes wieder zu beseitigen suchte, glauben aber, daß„in der Zeit der schlechten geldlichen Lage des Reiches", dieser schöne Plan noch nicht zur Aus- führung gelangen könnte. Sollte der Artikel vor der Ab- stimmung über die fatnose Finanzrcform schon geschrieben wor- den sein? Jetzt geht ja bekanntlich das Reich„besseren Zeiten" entgegen und werden sich schon Unteroffiziere finden, die als Militäranwärter keine Aussicht auf passende Anstellung sehen. auch„in der Auswahl ihrer Frauen ent- sprechend vorsichtig" waren, nachdem sie dies bei der Wahl ihrer Eltern versäumt hatten!! Man sieht auch hieraus, daß unsere Agrarier in ihren Forderungen maßlos sind. Sie wissen, daß diese„Soldaten- dauern", je nach ihrer Religion und Heimatgemeinde— „treue und zuverlässige" Wähler der agrarischen Partei werden können. Klappt die Sache nicht, so hat wohl der Staat ja„höchstens 2000 M. und die Zinseszinsen" ver- loren, der noch ärmer gewordene Landarbeiter ist aber an die Scholle gefesselt, ein g ü n st.i g e s Aus- beutungsobjekt geworden! vie sibäankung in Schahs. Den Verbrecher hat sein Schicksal erreicht und der Schutz Rußlands hat dem persischen Schah den Thron nicht zu retten vermocht. Dem Manne, der das Parlament bombardierte, folgt sein zweiter Sohn, der aus den Händen der siegreichen Revolutionäre die Krone empfängt. Der zwölfjährige Knabe wird unter der Vormundschaft eines Regenten ein gefügiges Werkzeug der erfolgreichen Konstttutionalisten sein. dem Beispiel Japans folgen und die Notwendigkeit erkanm haben, zu europäischen Versassungsformen zu greifen. um sich die finanziellen und militärischen Hilfsquellen zr eröffnen, als Mittel, die nötig sind zum Widcr> stand gegen die drohende europäische Invasion, Macht mittel, wie sie nur ein nach europäischem Muster eingerichteter und auf kapitalistischer Produktion ruhender Staat diesen Völkern gewähren kann. Auch die persische Revolution ist ein Akt in jenem spannenden welthistorischen Drama des Er- Wachens des Ostens. Jahrtausendelang schlummerten die asia- ttschen Despotien, die sich auf der Unterlage agrarischer oder oft noch halb nomadischer Wirtschaftsweisen erhoben. Jetzt fallen auch sie den revoluttonären Wirkungen des Kapitalismus zum Opfer, der auch hier die alten Bindungen aufhebt, die alten Gesell- schaftsformen zersetzt und das so lange Ruhende in immer stärkere Bewegung stößt. So werden diese alten Reiche und Völker, die so lange nur die Objekte europäischer Machtpolitik gewesen sind, allmählich Herren ihres eigenen Schicksals und treten selbst- bestimmend in die Geschichte der Menschheit ein. Es ist ein Vorgang, der vor allem für die europäische Kolonialpolitik von unabsehbarer Bedeutung ist. Japans Macht hat dem Vormarsch Rußlands im Osten ein Ende mit Schrecken bereitet und hat der expansiven Poliii! europäischer Großmächte in China unüberschreitbare Grenzen gezogen. Die Revolutton in der Türkei hat einem verfallenen Staat, der nur eine Beute fremder Mächte noch schien, neues Leben eingehaucht und Kleinasien fremden Eroberungs- Plänen entzogen. Jetzt hat auf den russisch-englischen Vertrag, der in Wirk- lichkeit die Vorbereitung zu einer Aufteilung Perstens war, die persische Revolution geantwortet, die trotz der unendlicher Schwierigkeiten, mit denen das verfassungsmäßige Leben in Persien zu rechnen haben wird, trotz alledem eine Zusammen.- fassung der Volkskräfte bedeuten kann, die den Eroberungs- Plänen Rußlands und Englands schwer zu überwindenden Widerstand zu leisten vermag. Die persische Revolution ist eine unmittelbare Folge der russischen und der türkischen Revolution, deren Er- fahrungen auf die Führer der persischen Verfassungsbewegung von größtem Einfluß gewesen ist. Sie ist aber nur ein Akt in dem größeren Prozeß, an dessen Ende der Uebergang Chinas zu einem modernen Verfassungsstaate und die Emanzipation Indiens von der englischen Unterdrückung steht. So schafft der europäische Kapitalismus, der ja die imperialistische Politik der großen Nationen erzeugt hat, indem er die ökonomischen und polittschen Verhältnisse der zurückgebliebenen Nationen umwälzt, zugleich das Hindernis, an dem die imperialistische Politik scheitern muß. Der Imperialismus ist aber der letzte Ausweg, der dem europäischen Kapitalismus noch offen steht vor dem Ansturm des Sozialismus. Und so ergibt sich auch hier eine revolutionäre Jnteressensoli- d a r i t ä t des europäischen und amerikanischen Proletariats mit den revoluttonären Bewegungen, die Asien erschüttern und den schlummernden Nationen den Weg in die Weltgeschichte bahnen. Der«eue Schah. Teheren, 16. Juli. Eine Nationalversammlung, be- stehend aus den hervorragendsten Mitgliedern deö Parlaments, aus zahlreichen Notabeln und den Führern der Nationalisten und deö Militärs, hat heute in Gegenwart einer großen Volksmenge beim Parlamentsgehäude den Kronprinzen zum Schah uu! ferner Azad el Mulk zum Regenten und Sipa/jdai zum Kriegsminister und Gouverneur von Teheran aus- gerufen. Ein Aufruf. Konfiantinopel, 16. Juli. DaS hiesige persische End- s ch u m e n hat an sämtliche diplomatische Missionen einen Auf- ruf gerichtet, in dem der Kampf der persischen Nationalisten gegen den Schah, die widerrechtliche Okkupation der Provinz Aserbeidschen durch die Russen, die Beschießung der heiligen Stätte Mesched und das Vordringen der Bachtiaren gegen Teheran geschildert und die von Rußland unterstützte Thronkandidatur des Prinzen Zill eS Saltanch, des Onkels des Schah, mißbilligt wird. In dem Aufruf wird Rußland für die kommenden Ereignisse verantwortlich gemacht und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die legitimen Reklainationc» des persischen Volkes seitens der Kulturnationen Beachtung finden werden, widrigenfalls die Perser fest entschlossen seien, der Welt das Schauspiel einer Feuers brunst von ganz Persien zu geben. Unter russischem Schutz. Teheran, 16. Juli. Der Schah war, als er sich heute früh in die russische Gesandtschaft begab, von seiner Gemahlin und dem Thronerben begleitet. Der Schah hat an den Kaiser von Rußland ein Telegramm gerichtet, in dem er mitteilt, daß er sich und seine Familie unter den Schutz des Kaisers stelle- Der Schah in der russischen Gesandtschaft. Teheran, 17. Juli. Der Schah, der zu Pferde in Begleitung seiner Kinder in der russischen Gesandtschaft erschien, wurde von dem russischen Geschäftsträger und dem Personal der Gesandt- schaft empfangen. Gleich nach der Anlunst trafen Spahls aus der englischen Gesandtschaft ein. Ein Kosal und ein Spahi bezogen die Wache vor den Geinächern des Schahs. Auf der russischen Gesandtschaft wehen die russische und die englische Flagge. Die ganze Nacht über dauerte die Ueberführung der dem Schah gehörenden Sachen aus dem PalaiS in die russische Gesandtschaft. Gegen öOO Soldaten und eine große Zahl von Bedienten des Schahs fände:» ebenfalls ein Unterkommen in der Gesandtschaft. Die Stadt ist ruhig. Mit Unterstützung der Kosalenbrigade treffen S i p a h d a r und Sardar Assad energische Maßnahme zur Wiederherstellung der Orb« nung, Verfolgung von Marodeurm und zum Schutze der Ausländer. Die provisorische Regierung. Teheran, 16. Juli. Die ersten Dragomane der englischen und russischen Gesandtschaft begaben sich heute vormittag nach dem Per- lament und baten S i p a h d a r und Sardar Assad um Anö« kunft, welche Behandlung der Kosakenbrigade zuteil werden würde. Die Führer der Nationalisten erklärten, die Brigade solle die Waffen behalten und unter dem Befehl L i a l 0 w-Z bleiben, der jedoch direkt dem Kriegsminister unterstellt sein solle. ES sei beabsichtigt, die Kosaken mit den nationalistischen Truppen zu vereinigen, um Polizeidienste in der Stadt auszuüben und den Pöbel, der noch iinmer weiter schießt, unschädlich zu machen. Es wird eine vorläufige Regierung gebildet werden, zu deren Mitgliedern S i p a h d a r und Sardar Assad gehören werden. DierussischenTruppen sind heute frühin Kaswin eingetroffen, von wo sie zweifellos ohne Verzug zurückkehren werden, da ihr Erscheinen in Teheran zur» zeit nicht erforderlich ist. politifcbe Qcbcrlicbt. Berlin, den 17. Juli 1909. Verlogene Mache. Wir berichteten bereits gestern von einem Geheimzirkular, durch das von der M.- Gladbacher Zcntrumszentrale die katholischen Arbeitersekretäre Westdeutsch- l a n d s zu einer Konferenz nach Köln eingeladen werden, um dort„Anweisungen und Winke" zu empfangen, wie sie die ihnen anvertrauten katholischen Arbeiter über die neuesten Steuerbewilligungen der Zentrumspartei„auf- klären" können. Das Zirkular ist so hochinteressant, daß wir es wörtlich folgen lassen. Es lautet: »Westdeutsche Arbeiterzeitung' G. m. b. H. Dr. O. Müller, Direktor. Sehr geehrter Herr Arbeitersekretär! Wie Sie vielleicht erfahren haben werden, findet auf An- regung einer Konferenz der Arbeiterselretäre der Erzdiözese Köln eine Konferenz der katholischen Arbeitersckretäre Westdeutschlands statt zwecks Aussprache über die gegenwärtige politische Lage. Es sollen auf dieser Konferenz den Arbeitersekretären Anweisungen und Winke gegeben werden, wie fie die Agitation der Sozial- demolratie, die jetzt nach Erledigung der Reichsfinanzreform in dritter Lesung gegen das Zentrum voraussichtlich einsetzen wird. erfolgreich abwehren. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Ueberblick über die gegenwärtige durch die dritte Lesung erledigte Reichsfinanzreform und die Geschichte ihres Zustande- kommens. Referent: Redakteur Ivos. 2. Welche Beweggründe haben das Zentrum in seiner Stellung- nähme zur Reichsfinanzreform beeinflußt? Referent: Abgeordneter Giesberts. Ich bitte Sie, mit Ihrem Herrn Bezirkspräses, dem ebenfalls von der Tagesordnung Mitteilung gemacht worden ist, Rücksprache zu nehmen, ob er es Ihnen möglich machen kann, auf Kosten des Bezirksverbandes die Reise zu machen. Es empfiehlt sich die Reise um so mehr, als ja zu derselben Zeit auch der Gewerkschaftskongreß in Köln tagt. Mit freundlichem Gruße Dr. O. Müller, DiözesanpräseS. Es kann kaum noch wundernehmen, daß man auch den Arbeiterabgeordneten Giesberts als Referenten auf der Tagesordnung findet. Der andere Referent ist der Redakteur der M.-Gladbacher„Westdeutschen Arbeiterzeitung", auch eine Zentrumsgröße onno pbraos. Geradezu ungeheuerlich ist es, daß die katholischen Arbeitervereine auch noch die Kosten der Reise nach Köln tragen sollen. Wenn man diese Kosten wenigstens der Hauptkasse der Zentrumspartei entnähme, der doch diese Konferenz ganz allein nützt. In dem Geheimzirkular heißt es ausdrücklich, daß die Konferenz für die westdeutschen Sekretäre auf Anregung einer Konferenz der Arbeitersekretäre der Erzdiözese Köln stattfindet, das heißt der nämlichen Leute, die im Oktober 1903 in einer gemeinsamen Besprechung in Düffel- dorf einstimmig folgende Resolution beschlossen und a n die Zentrumsfraktion des Reichstages ab- gesandt haben: Die in Düsseldorf versammelten katholischen Arbeiterselretäre glauben der Meinung der katholischen Arbeiter, wie sie dieselben in Versammlungen, in persönlichem Werkehr in betreff der in Aussicht stehenden Finanzreform kennen gelernt haben, in folgender Weise der Leitung der Zentrumspartei zur Kennwis geben zu müssen: ES berührt die Arbeiterschaft sehr befremdend, daß fast der ganze Betrag der zur Erhaltung de» Reiches notwendigen Steuern von der breiten Masse des Volkes getragen werden soll, wie das in der geplanten Erhöhung der Steuern auf Tabak. Bier und Branntwein zutage tritt. Gegenüber der Not- läge des Deutschen Reiches verkennt die Arbeiterschaft durchaus nicht die nationale Pflicht, eine Gesundung der Reichsfinanzen herbeizuführen, indes muß dagegen Einspruch erhoben werden, daß der größere Teil der Steuern wiederum auf die breiten Massen des Volkes abgewälzt wird, während kein ernsthafter ver« such zu erkennen ist, die besitzenden Klassen, ent- sprechend ihrer Leistungsfähigkeit, zur Bestreitung der Bedürfnisse des Reiches heranzuziehen. Das ist um fo mehr geboten, weil die arbeitenden Stände durch den gegenwärtigen Niedergang der Industrie in besonderer Weise betroffen werden und auch schon durch eine Reihe indirekter Steuern belastet werden. Um so mehr ist eine Erfassung der l e i st u n g s- fähigeren Kreise des Volkes durch direkte Steuern geboten, als dieselben durch indirekte Steuern in besonderer Weise nur wenig getroffen werden können, da sogenannte Luxussteuern geringe Einkünfte abtverfen, Die Zentrumsabgeordneten haben sich um diese Resolution, die nachher noch von dem Delegiertentag des Ver- bandes der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands nach einen: Referate Giesberts(I I) ein- stimmig gutgeheißen und bekräftigt worden ist, nicht im gerinsten gekünrmert. Zum Danke dafür gehen diese nämlichen Arbeitersckretäre hin, um die Zentrumsfraktion den katholischen Ar- beitern als arbeiterfreundlich hinzustellen. Die Lehrergehälter in Berlin und den Vororten. Die Lehrergehälterfrage will noch nicht zur Ruhe kommen. Be- kanutlich bleiben die von den städtischen Körperschaften Berlins für ihre Lchrpersonen festgesetzten Gehälter hinter denen zurück, die Charlottenburg und Schöneberg beschlossen haben. Um nun zu verhindern, dag die Berliner Lehrer sich auf ihre besser gestellten Kollegen in den genannten Orten fortgesetzt berufen können, wird jetzt versucht, die Aussichtsbehörden zu veranlassen, ihre Zustimmung zu den Be« fchlüssen der Vororte zu verweigern! Die»Berliner Politischen Nachrichten' schreiben: „Die Beschlüsse der Berliner städttschen Behörden über die den Berliner Lehrern zu gewährenden Ortszulagen sind verschiedentlich Gegenstand der Kritik gewesen. Man hat be- mangelt, daß die Gehaltssätze zu weit hinter denen der Magistrats- sekreläre und zum Teil auch hinter den in den westlichen Vor- orten von Berlin beschlossenen Gehaltssätzen zurückbleiben. Was diese letzteren anlangt, so bedürfen bekanntlich die Beschlüsse von Schulverbänden über die Bewilligung von Ortszulagen der Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde, gegen deren Bescheid Beschwerde an den Provinzialrat gegeben ist. Die Bewilligung von Ortszulagen ist auch innerhalb der Höchstgrenze nicht in das Belieben der Schulverbände gestellt. Solche Ortszulagen dürfe» vielmehr nur gewährt werden, wenn und soweit die besonderen Berhältnisse des OrteS dies bedingen. Diese Einschränkungen hängen dannt zusammen, daß die Orts- zulagen lediglich dazu bestimmt sind, einen Ausgleich in solchen Fällen zu bieten, in denen das Normalgehalt nach den besonderen LebenS- Verhältnissen des Ortes zu einer standesgemäßen Lebenshaltung s nicht ausreicht. Auch in dem vorliegenden Falle werden daher die mit der Staatsaufsicht betrauten Behörden zu prüfen haben, ob in den Vororten, welche höhere Gehaltssätze bewilligt haben als die Stadt Berlin, solche besonderen Verhält- nisse obwalten, daß ein Hinausgehen selbst über die von der Reichshauptstadt für ausreichend geholte nenGehaltss ätze gerechtfertigterscheint. Auch wird in Betracht zu ziehen sein, daß bis zu einem gewissen Grade Groß-Berlin ein einheitliches Wirtschaftsgebiet bildet und daß, wenn in dem einen oder anderen Falle eine Abweichung von den allgemein beschlossenen Gehaltssätzen verlangt wird, der Nach- weis der besonderen dafür sprechenden Gründe zu erbringen sein wird. Wie bereits erwähnt, liegt die Entscheidung ausschließlich in der Hand von Provinzialbchörden, die Ministerialinstanz ist von dem Gesetzgeber absichtlich ausgeschaltet? der auf Beschwerde ergehende Beschluß des Provinzialrats ist endgültig." Zunächst möchten wir feststellen, daß die in Berlin beschlossenen Ortszulagen nicht die Grenze erreichen, die im preußischen Lehrer- bcsoldungsgesetz festgelegt ist. DaS ist für die Freisinns- in e h r h e i t im Rathause umso bezeichnender, als gerade freisinnige Abgeordnete es waren, die im preußischen Landtage nicht laut genug über denFstädtischen Bremserlaß wettern konnten, der ihnen bei Einstellung von Lehrern so enge Grenzen zöge! In der Praxis sind diese Herren aber nicht einmal bis an die Grenze gegangen, die ihnen selbst das Gesetz läßt! Daß einige Vororte liberaler als Berlin handelten, soll nun gerochen werden, indem die Aufsichtsbehörde gegen die höheren Sätze mobil gemacht wird. Die„ V o s s i s ch e Zeitung", das Organ des Stadlhausfreisinns, druckt die Meldung der„Berliner Politischen Nachrichten" nach, ohne auch nur ein Sterbenswörtchen dazu zu sagen! Im Grunde ihres Herzens scheint es also der Tante Voß gar nicht unlieb zu sein, wenn die Lehrer der Vororte aus die gleichen Sätze gestellt werden wie in Berlin! Unsere Lehrer aber werden nach wie vor sich als treue Schutz- truppe des Freisinns betätigen! Für Herabsetzung der militärischen Dienstzeit plädiert O b e r st G ä d k e im„Berliner Tageblatt". Und zwar fordert er die Herabsetzung der jetzt dreijährigen Dienst- zeit für die Kavallerie auf zwei Jahre. Daß diese Forderung eine äußerst bescheidene und sehr wohl durchführ- bare, beweist er an dem Beispiel der Schweizer Miliz- kavallerie. Er sagt darüber: „Gerade jetzt, wo wieder einmal unsere uniformierten Bureaulraten die Fortdauer der dreijährigen Dienstzeit bei unserer Reiterei als ein Kräutlein Riihrniichnichtan erklären und alte Offiziere der Waffe, die anderer Ansicht sind, wegen ihrer mangeln- den Einsicht verhöhnen zu dürfen glauben, gerade jetzt ist es recht anziehend, einen Aufsatz eines preußischen Generals über die Schweizer Milizkavallerie im»Militär-Wochenblatt' zu lesen. Wir finden dort folgendes Urteil:„Nun etwas über die AuSbildungsart des schweizerischen ReiterS. Den Grundstein hierzu hat der ehemalige Waffenchef der Kavallerie. Oberst Wille gelegt; in seinem Sinne wirkt der gegenwärtige AbteilungSchef(General- Inspektor) Oberst Wildholz, der die Waffe auf den Punkt erhoben hat, den sie heute einnimmt. Da die Schweiz nur ein Milizheer unterhält, mutz die Ausbildung natürlich eine wesentlich andere sein als bei stehenden Heeren. Man kann der Schweiz trotzdem aber das Kompliment machen, daß sie unter den obwaltenden schwierigen Verhältnissen ihre Waffen ganz sachgemäß ausbildet und bis zu einer anerkennenswerten Höhe bringt." Dieses Urteil stimmt durchaus mit dem überein. das der ftanzösische General LangloiS, ein Soldat von europäischem Rufe, vor«inigen Jahren auf Grund eigenen Augenscheins ge- fällt hat. Nun mutz man sich hierbei vor Augen halten, daß die Dienst- zeit des Schweizer Kavallerierekruten nur neunzig Tage, das heißt den zwölften Teil unserer Dienstzeit, beträgt, daß die Zahl der Berufsoffiziere(Jnsiruktoren) eine sehr gerinae, noch geringer die der Unteroffiziere (HilfSinstruktoren) ist, und daß die eigentliche Ausbildung durch- aus in den Händeit der Milizoffiziere selb st liegt, die hierzu aus ihren bürgerlichen Berufen eingezogen werden. Für jede Schillschwadron von 70 bis 80 Mann ist nur ein einziger Berufsoffizier vorhanden.' Oberst Gaedke zeigt auch, daß diese ungemein rasche Aus- bildung einer durchaus tüchtigen Kavallerie keine Hexerei, sondern ganz einfach den vernünftigen Einrichtungen der Schweiz zu dankeu ist. Treten doch die Rekruten nicht völlig unvorbereitet in die Armee ein, sondern erhalten sie doch be- reits auf der Schule einen tüchtigen gymnastischen Unterricht mit militärischem Anstrich und sodann eine weitere Aus- bildung in zahlreichen Schieß-, Reit-, Turn-, Pontonnier- und Fahrvereinen, wozu schließlich noch der durchschnittlich gute Stand der Volksschulbildung kommt. Bekanntlich wird von militärischer Seite die Notwendig- keit der dreijährigen Dienstzeit der Kavallerie gewöhnlich da- mit begründet, daß das Einreiten der Remonten bei einer Herabsetzung der Dienstzeit nicht möglich sei. Gaedke, der ja als ehemaliger Kommandeur eines Feldartillerieregiments auch etwas von diesen Dingen versteht, weist nun darauf hin, daß man in der Schweiz dem Rekruten sofort eine junge— allerdings von geübtem Personal angerittene— Remonte zum Reiten übergibt. Und nach dem Urteil des preußischen Generals hat man damit durchaus gute Erfolge erzielt. Oberst Gaedke zieht aus dem Schweizer Beispiel folgenden Schluß: „Wir dürfen daraus schließen, daß man auch mit einer sehr kurzen Uebungszeit recht brauchbare Ergeb- nisse erzielen kann, wenn nur alle Einrichtungen folgerichtig und zweckmäßig diesem Ziele entsprechen. Dabei ist die eid- genössische Reiterei des Auszuges gar nicht so gering; ihre 24 Schwadronen würden im Verhältnis zur Bevölkerung 450 deutschen Schwadronen entsprechen. Wir werden in Wirklichkeit im nächsten Jahr« deren 510 besitzen. Berücksichtigt man all das, so kann es gar keinem Zweifel unterliegen, daß man auch bei uns mit einer zweijährigen Dienstzeit sehr wohl eine festgefügte, gut aus- gebildete, tüchtige Reiterei herstellen könnte. Es kommt nur auf die Einzelheiten der Durchführung an. Denn wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Aber am Willen fehlt es bis jetzt." Wir unsererseits gehen in unseren Folgerungen noch er- heblich weiter als Oberst Gaedke. Wenn man in der Schweiz in einem Viertel jähr brauchbare Kavalleristen ausbilden kann, so würde für Deutschland sicherlich ebenfalls eine noch viel geringere Zeit als zwei Jahre ausreichen, um die notwendige kavalleristische Ausbildung zu erzielen. Denn nichts hindert ja Deutschland, gleichfalls jene Vorbedingungen zu schassen, die eine solche Herabsetzung der Dienstzeit er- möglichen. Aber wie Oberst Gaedke sehr richtig sagt, es fehlt bei uns am guten Willen. Man will bei uns den Soldaten nicht zur Kriegstüchtigkeit, sondern auch zum Ka- davergehorsam erziehen. Tie Landrats-Bureaukratte. In welchem Maße die konservative Partei die landrät- liche Bureaukratte hinter sich hat, zeigt deutlich die Tatsache, daß die von dem konservativen Reichstagsabgeordnetcn Dr. b. Hehdebränd bei der dritten Lesung der Reichsfinanz- reform gehaltene scharfe Rede gegen das Bülowsche Regiment zurzeit von einer Reihe amtlicher Kreisblätter als Beilage verbreitet wird. Mit Recht bemerkt dazu die„Nationall. Korresp.":„Angesichts der Tatsache, daß eine solche Oppositions- rede als gut und nützlich zu lesen, von der Regierungspresse weitergegeben wird, erneuert sich die Frage, die ntan auch sonst Wohl auszuwerfen Gelegenheit hätte; wer regiert eigentlich in Preußen und Deutschland? Das, was man in wohl- klingender Allgemeinheit die„Verbündeten Regierungen" nennt und darauf häufiger, als der Rechtsautorität lieb sein kann, die Znniptische Genusregel anzuwenden wäre:„Kommune ist, was einen Mann und eine Frau bedeuten kann?" Oder der Herr Landrat als Wahlmacher und Vertreter der konservativen Partei?"_ Die Gärung unter den Zentrumsarbeitern. In MingolSheim bei Bruchsal in Baden erstatteten die Zcntrumsabgeordneten Benefiziat Dr. Schofer und Baron von Monzingen in einer Versammlung Bericht über ihre Tätigkeit in der letzten Session des badischen Landtages. Als erster Redner ging Dr. Schofer auf die Reichspolitik unp die Finanzreform em und warnte die Zuhörer, doch ja dem allerwärts gebrauchten „Schlagwort von der Erbanfall st euer" keinen Glauben zu schenken, im nahenden Landtagswahlkampfe müsse man standhast zur Fahne des Zentrums halten. Die zahlreich anwesenden christlichen Arbeiter schienen wesentlich anderer Meinung über das„Schlagwort von der Erbanfall- steuer" zu sein, einer von ihnen erklärte, nachdem das Zentrum die Erbanfallsteuer im Reichstage niedergestimmt habe, hege man keinen Glauben mehr zu den Versprechungen der Partei, die Besitzlosen mit neuen Steuern verschonen zu wollen. Auch in der T a ba k st e u e r f ra g e— in Mingolsheim wohnen viele Tabakarbeitcr— habe sich die Zentrumspartei und speziell ihre Arbeitervertreter, wie Giesberts, wenig interessenfreundlich gezeigt. Das wirkte wie eine kalte Dusche auf den geistlichen Referenten; aber es kam noch besser. Als der Baron v. Wenzingen, der eigentliche Vertreter des Kreises, auf seine L-andtagStätigkeit einging und auch die Tabaksteuervorlage verteidigte, trat ihm wieder«in christlicher Arbeiter kategorisch entgegen und versicherte, „die Arbeiter hätten auch zu den adeligen ZentrumSkandidaien kein Vertrauen mehr. Der Benefiziat Dr. Schofer solle nur ver- suchen, den Baron in einem anderen Wahlkreise unterzubringen. Die Arbeiterschaft des ganzen Bezirks sei mobil gemacht und werde sich von der Zentrums- leitung in Zöhr ingen(Wohnsitz des Zentrumsführers Wacker) leinen Kandidaten präsentieren lassen. Sie verlangten einen Vertreter der Arbeiter und ließen sich durch leere Versprechungen nicht mehr irre- machen." Vergeblich suchten die beiden Referenten die VersammlungS- teilnehmer zu beschwichtigen. DaS hätten sie in einem Orte wie Mingolsheim, woselbst bei der letzten LandtagLwahl neben 25 sozialdemokratischen und 61 nationalliberalen Stimmen 2 6 6 Z e n- tru ms stimmen abgegeben wurden, nicht für möglich gehalten. Selbst der Vorsitzende versicherte, er habe noch nie eine solche Versammlung miterlebt.— Vielleicht ist es nicht die letzte ihrer Art, denn in Baden ist mehr als der fünfte Teil der gesamten Tabakarbeiterschaft Deutschlands beschäftigt. Ein angebliches Kaisertvort. Der»Bayerische Kurier", das Mllnchener Zentrumsblatt, bringt unter der Ueberschrift:„Ein hübsches Kaiserwort" folgende Mel- dung:„Aus �uter Quelle hört man, daß der Kaiser angesichts der Abstimmung über die Erbschaftssteuer sich dahin äußerte,„es wäre mir ein leichtes gewesen, eine Anzahl konservativer Abgeordneter zu gewinnen, daß sie für die Erbschaftssteuer gestimmt hätten; aber Bülow sagt« mir, daß er alles allein»nachen könne." Die„Neue politische Korrespondenz" ist ermächtigt, festzustellen. daß dieses angebliche Kaiserwort eine blanke Erfindung ist. Sollte die„gute" Quelle nicht das qualmende Talglicht von Biberach sein, Herr Mathias Erzberger? Schweiz. Ein neiier Fall Wassilieff. Genf, 16. Juli.(Eig. Skr.) In Genf ist wieder ein junger Russe, namens Viktor Wassilieff, wegen des„Versuchs" der Plünderung und des Mordes in NawatscherkaSk, Provinz Don, von der Polizei verhaftet worden. Im Verhör soll Wassilieff die meisten der ihm vorgeworfenen„Missetaten" zugestanden haben. Hoffentlich kommt eS nicht wieder zu einem neuen Handlanger- dienst der Schweiz für den blutigen Henkerzaren! Englancl. DaS Oberhaus gegen das liberale Budget. London, 17. Juli. In einer von den Konservativen in London abgehaltenen Versammlung referierte Lord Lans- d o w n e über die von den Liberalen aufgestellte Behauptung, daß das Oberhaus verfassungsmäßig nicht b e- fugt sei, auf die Bugetgestaltung einzuwirken. Lord Lansdowne führte aus, eS sei undenkbar, in einem Lande, das zwei gesetzgebende Kammern habe, es ganz und gar dem Ermessen nur einer von ihnen zu überlassen, der Nation ungeheure Lasten durch eine unbillige Besteuerung aufzuerlegen und ein neues Steuersystem, das auf den Um'- stürz der bestehenden Gesellschaftsordnung abziele, einzuführen. DaS Oberhaus würde an diese Frage freimütig herantreten, ohne sich durch Drohungen oder große Worte abschrecken zu lassen. Die Konservattven wollen also das Oberhaus als Sturm- bock gegen die Besitzsteuern in dem Budget der liberalen Regierung benützen. Die Abänderung des Budgets durch das Oberhaus könnte nur durch die Auflösung des Parlaments und die Befragung der Wähler beantwortet werden. Dies eben wollen die Konservattven bewirken, die durch Neu- ivahlen mit imperialistischer Wahlparole die Majorität zu er- langen hoffen. Eine Flottcnschau. London, 17. Juli.(W. T. B.) Die fast vollzählig an der Flottenschau auf der Themse teilnehmenden Schifte der heimischen und der atlantischen Flotte, an Zahl 150, haben heute ihre Stellungen eingenommen. Die Flottenschau, die eine Woche dauert, erstreckt sich von Shoeburgneß. wo die Schlachtschiffe und großen Kreuzer ankern, bis nach Westminster, wo angesichts der Häuser des Parlaments die Unterseeboote festgemacht haben. Sie stellt die mächtig st eBereinigungvonÄ«iegsjchiffen dar, die jemals zesammengebracht worden sind Klmerlka. Taft für Zollermäßigung. Washington, 17. Juli. Eine offizielle Kundgebung de? Prä- sidenten zur Tarifbill, in der Taft erklärt, daß er eine Herabsetzung der Zollsätze für unbedingt erforde r- l i ch halte, hat unter den Senatoren und Mitgliedern des Reprä- sentantenhanseS großes Aufsehen erregt. Bei beiden Körperschastcn gibt sich die Meinung kund, daß der Präsident seinen ganzen Ein- fluß auf die endgültige Gestaltung der Tarifbill zur Geltung bringen werde. SeMMcbaftlicbes. Gewerkschaftstyrannei. > Unter der Ueberschrift„Die Sozialdemokratie iils Ursache der Auswanderung" brachten die „Berliner Neueste Nachrichten" gestern eine Notiz, wonach von amtlicher schwedischer Seite kürzlich unter den schwedischen Einwanderern auf Long Island in Nordamerika eine Um- frage darüber veranstaltet wurde, weshalb sie aus Schweden ausgeivandert seien. Darauf sollen nicht weniger als 83 Prozent geantwortet haben, daß ihnen die in der Heimat von soziali st ischen Fachvereinen ausgeübte Gewaltherrschaft unerträglich gewesen sei. Dieser Schwindel— denn um etwas anderes handelt es sich nicht—, den das Scharfmacherorgan hier seinen Lesern auftischt, ist von schwedischen Blättern derselben Richtung und „Zuverlässigkeit" zuerst verbreitet worden, aber diese haben sich bereits genötigt gesehen, die Notiz zu dementieren. Derjenige, der die Umfrage veranstaltete, sollte der schwedische Gesandte Lagercrantz geivesen sein. Dieser hat nun eincni Mitarbeiter von„Aftonbladet" in Stockholm mit aller Entschiedenheit erklärt, daß weder von ihm persön- lich.noch vonseinen Untergebenen irgend eine derartige Umfrage oder Statistik veranstaltet worden i st und daß er darum auch gar nicht zu einer solchen Angabe von den 83 Proz. oder dergleichen kommen konnte. Dagegen gab er die Aufklärung, daß eine Anzahl Schwcdisch-Amerikaner in letzter Zeit nach ihrem Heimatland reisten, um sich dort ansässig zu niachen, aber aus dem einen oder andern Grunde wieder nach Amerika zurückkehrten. Unter diesen seien, wie der Gesandte gehört habe, wirklich einzelne gewesen, die erklärt hätten, daß die Arbeitsver- Hältnisse in Schweden unter sozialistischem Druck litten und daß sie deshalb nicht dort bleiben wollten. Aus diesen„einzelnen", von denen der Gesandte etwas „gehört" haben will, hat also die Unternehmerpresse eine 'statistisch festgestellte Zahl von 83 Proz. zurechtgelogen, die gleichsam aus Angst vor der gewerkschaftlichen Tyrannei in ihrem Heimatlande die Flucht nach dcni„freien" Amerika ergriffen haben sollten. Als ob dort drüben keine Gewerkschaften existiertenl„Sollen wir es bei uns auch soweit kommen lassen", fragen die„Neueste Nach- richten" entrüstet. Wir nieinen, es muß mit der GeWerk- schaftsbewegung noch viel weiter kommen, wenn nicht fort- dauernd immer größere Massen durch die elenden Lebens- Verhältnisse aus ihrer Heimat vertrieben werden sollen, um, überdrüssig der unerträglichen Tyrannei des Junkertums und Unternehmertums, sich drüben eine bessere Existenz zu suchen. Lertin und Umgegend. Die„Große Berliner" uiid ihre Angestellten. Bon unterrichteter Seite schreibt man uns zu der Erklärung der Direktion in unserer letzten Nummer: „Die Unzufriedenheit bei dem Personal der„Großen" ist im Gegensatz zu den Behauptungen der„Berichtigung" gestiegen, denn die Haltezeit steht lediglich auf dem Papier und selten trifft der Wagen pünktlich an der Endstation ein. Die Gründe dieser Verspätung sind nicht bloß die verkürzte Fahrzeit, sondern auch die vielen Notgleise, welche an Baustellen zu passieren sind und wo des öfteren 3— 5 Minuten gewartet werden muß. Wir wollen hier nur einige Beispiele anführen: Die Wagen der Linie 17 kommen mit weniger Ausnahme mit Verspätung an, ebenso Linie 8, 11 usw. Zutreffend ist, daß durch Einführung der Stromzeitzähler die Fahrer besonders zu leiden haben, denn sie werden nicht nur belehrt und ermahnt, sondern die Gesellschaft scheut sich nicht, Geldstrafen zu verhängen wegen starken Strom- Verbrauchs Beispiel:' ' Berlin W., Leipziger Platz 14, den..... 1909. An den Fahrer Herrn P. P., Bahnhof.... Trotz wiederholter Ermahnungen und Belehrungen haben Sie sich in Ihren Fahrleistungen nicht gebessert. Sie haben an- dauernd ganz schlechte Zählerergebnisse, die weit unter dem Durchschnitt Ihrer Kollegen liegen. Da Sie es hierbei auch offen- bar an dem guten Willen fehlen lassen, wäre jetzt eigentlich Ihre Entlassung geboten. Wir wollen jedoch noch einmal hiervon ab- sehen und als letzten Versuch Sie in eine Ordnungsstrafe von 1 M. nehmen. Sollte auch diese Maßnahme ohne den gewünschten Erfolg bleiben, so müssen wir Sie als ungeeignet für unsere Dienste entlassen. Die Direktion. Meyer. Der betreffende Fahrer hat noch Glück gehabt, denn verschie- bene Leidensgenossen von ihm mußten wegen desselben Vergehens an ihre wohlwollende Direktion 3— 5 M. entrichten. So rücksichts- „voll", wie diese..Millionen-Gesellschaft" gegen ihre Angestellten vor- geht, verhält sie sich auch dem Publikum gegenüber. Wer am frühen Morgen auf die Große Berliner angewiesen ist, um zu seiner Arbeitsstelle zu gelangen, der muß jetzt während den Ferien des öfteren 20— 30 Minuten warten, um überhaupt mitzukommen. Aus Sparsamkeit hat die„Große" nämlich ihren Betrieb bedeutend ein- geschränkt. Auf Linie 1, 14, 04 usw., wo sonst die Wagen mit 7� Minuten berkehren, hat man jetzt 10 Wnuten-Verkehr ein- gerichtet und dann gehen die Wagen die erste Tour, wo nur Arbeiter in Frage kommen, ohne Anhänger. Es ist eigentümlich, daß unsere sonst so schneidige Verkehrs- Polizei nichts davon merkt, wenn die„Große" ihrem Vertrag mit der Stadt Berlin nicht nachkommt. Das Wohltätigkeits-Lohnsystem. Die Direktion der„Bedag" hat setzt für die Automobilfahrer in ihrem Betriebe ein neues Lohnsystem — angeblich ans Wohltätigkeit, um die Fahrer für die Ein- richtungen zu begeistern— eingeführt, nachdem ihnen seit etwa einem Jahre Lohnaufbesserungen versprochen waren. Um die Fahrer einmal zu beruhigen, führte die Direktion zu Weihnachten vorigen Jahres eine sogenannte Altersdienstprämie ein. Diese schien sich aber nicht zu bewähren, denn ein großer Teil so.prämiierter" Fahrer verließ trotzdem den„Wohltätigkeitsbetrieb" und mehrere alte folgten. Im Frühjahr d. I. wurden den Fahrern 20 Proz. von der Gesamteinnahme mit der Bedingung versprochen, daß die Fahrer soviel ihrer Kollegen für diesen Betrieb besorgen sollten, damit alle Wagen doppelt besetzt werden könnten. Doch auch hiermit war es wieder nichts und die Direktion klügelte ein neues Wohl- tätigkeits-Lohnshstem aus. Dieses neue ganz moderne System erblickte in folgender Form SaS Licht der Welt: Bekanntmachung. „Die Gesellschaft beabsichtigt, den Fahrern und zwar probe- weise, d. h. jederzeit widerruflich vom 5. Juli ab in Berücksich- tigung der damit getätigten großen Aufwendungen zugunsten der Fahrer unter Fortfall der zu Weihnachten eingeführten Alters- dienstprämie für E i n z e I f a h r e r: bei einer Bruttoeinnahme von 28 M.= 0,50 M. bei einer Bruttoeinnahme von 33 M.= 1,— M. für D oppekfahrer: bei einer Bruttoeinnahisie von 20 M.= 0,50 M. bei einer Bruttoeinnahme von 23 M.— 1,— M. zu gewähren. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß der Durch- schnitt pro Kilometer nicht schlechter werden darf, und daß die Prämie nur den Fahrern nach den oben angegebenen Sätzen gewährt wird, die einen Durchschnitt von 38 Pf. pro Kilo- meter haben. Fahrer, die einen schlechteren Durchschnitt haben. bekommen die Prämie nicht. Aendenmgen des Durchschnitts pro Wagen und pro Kilometer können nach der jeweiligen Geschäftslage jederzeit vorgenommen werden. Verlin, den 3. Juli 1909. l BEDAG Schönfeld. Krügel. Doch auch dieses System war eine Mißgeburt. Stunden- lang mußten sich die Inspektoren über die Pfennig- und Kilometer- rechnung den Kopf zerbrechen, ehe eine Schichtabrechnung fertig war. Hatten die Fahrer zu ihrer täglichen Arbeitszeit noch zirka eine Stunde Wartezeit zugegeben, so konMen sie endlich, wenn sie Glück hatten, mit 50 Pf. Mehrverdienst nach Hause gehen. So sieht also ein Lohnsystem im Zeichen des Haftpflichtgesetzes aus, auf den Unverstand der Fahrer spekulierend. Jetzt ist im Droschken- gewerbe die sogenannte Saure Gurken-Zeit. Nach dieser Zeit folgt eine andere. Bis dahin werden auch die Köpfe der Fahrer im gelben Verein, die bisher noch als Schutztruppe und Stützen des Betriebes dienen, erhellt sein und die Leute Werdensich nicht länger amGängel- bände führen lassen. Die Militärsattler beschäftigten sich am Freitag mit dem Streik bei der Firma Wiedermann, der seit Montag be- steht. Es handelt sich um die Neuanfertigung von Kummeten, deren Preise eine andere Regelung erfahren sollten. Am Donners- tag hatten nun die Vertreter der Arbeitnehmer mit mehreren Fabrikanten, darunter auch der Inhaber der Firma Wiedermann, verhandelt. Die ersteren legten dar, daß die neuen Kummete bc- deutend mehr Arbeit erforderten gegenüber den früheren. Dem- zufolge müsse auch mehr an Arbeitslohn gezahlt werden. Die Verhandlungen, die sich ziemlich in die Länge zogen, erzielten, wie Riedel berichtete, für die Streikenden nicht das erhoffte Resultat, immerhin war es das höchste, was nach Lage der Sache auf fried- licher Vereinbarung herauszuholen war. Der provisorische Ver- trag, der ausgearbeitet war und in der Versammlung zur Debatte stand, weist folgende Positionen auf: Vereinbarung für die An- sertigung von Kummeten nach Modell 72. Rohbau: Rand nähen, Faden selbst machen, Leib anheften in Lohn 0,35 M. Rand füllen, Stroh selbst machen 0,45 M. Rand zusammensetzen 0,28 M. Strohbau, Stroh selbst machen 1,05 M. Hären und fertig machen bis zum Beziehen 2 M.— Beziehen: Belag mit Maschine nähen, selbst umreiben 0,10 M. Belag zusammensetzen 0,08 M. Belag aufnähen 0,40 M. Eine Strippe und drei Kappen aufnähen 0,28 Mark.— 6 Haftstiche 0,20 M. Stößel 0,12 M.— Bügelriemen mit Schieber 0,12 M. Kummetdecke 0,17 M. Knopfriemen 3 Stck. a 1 Pf. 0,03 M.— Der Faden wird vom Arbeitgeber geliefert. Gegen diese Aufstellung machte sich aus der Versammlung eine lebhaste Opposition geltend und verschiedene Redner äußerten auf Grund ihrer Erfahrungen große Bedenken, daß bei diesen Preisen die Arbeiter auf ihren Lohn kommen könnten. In Betracht kämen 5 Firmen, die diesen Artikel anfertigen. Eine vorgenommene Ab- stimmung ergab die A b l e h nu n g dieser Aufstellung. Es sollen nun aus den Werkstuben, die für die Arbeit in Betracht kommen, Kommissionen gebildet werden, die neue Preise auszuarbeiten und den Fabrikanten vorzulegen haben. Achtung, Zigarettenarveiter! Ueber die Zigarettenfabrik Mal-Kah Company, Berlin, Teltowerstraße 29, ist wegen Maßregelung von zwei Arbeitern die Sperre verhängt. Ein ausführlicher Bericht über das Vorgehen der Firma erfolgt noch im„Vorwärts" und„Ham- burger Echo". Deutscher Tabakarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Deuvfekes Rctch. Verband der Land-, Wald- und Wcinbergarbeiter. Der Aus- schuh des neugegründeten Land-, Wald- und Weinbergarbeiter- Verbandes hat sich konstituiert und hat seinen Sitz in München. Als Vorsitzender wurde Genosse Johann Nimmerfall, Alt- Heimereck 19, gewählt. Ferner wurden in den Ausschuß gewählt die Genossen Vollnhals, Staimer und Raith, außerdem ein Waldarbeiter._ Wie die Unternehmer Tarifverträge halten! Der Gauleiter des Zentralverbandes der Zimmerer Deutsch- lands, Gau Südbahern, erhielt nachfolgendes Schreiben: Verband der Arbeitgeber für das Baugewerbe für Mühldorf und Umgebung. Mühldorf. 20. Juni 1909. Herrn Gauleiter Kemmer, München. Vor einem Jahre wurde in Mühldorf ein Tarif bez. der Löhne mit den Zimmerern vereinbart. Was haben wir heute für einen Nutzen? Wir, welche die Löhne zahlen, stehen isoliert da und die Zimmerpoliere Sachs und Schörghuber haben die ganzen Zimmermannsarbeiten und wir, ich und Kirchmahr, können den Baupolieren zuschauen und fürs Fenster sitzen. Ich zahle von heute ab, wie es mir beliebt, denn bei anderen arbeiten die Leute um 2,70, 2,80, höchstens 3 M. Dies zur Kenntnis. Hochachtungsvoll Schicklmaier, Vorsitzender. Das ist ja recht nett vom Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe. Wenn die Unternehmer sich gegenseitig Schmutzkonkurrenz machen, soll der Arbeiter das Bad aussaufen. Die Zimmermeister von Mühldorf und Umgebung zahlen den horrenden Lohn von 33 Pf. in der Stunde! Mit nichtssagenden Phrasen suchen die Herrschaften ihren Tarifbruch zu beschönigen. Wie stellen sich denn die Scharfmacher des deutschen Baugewerbes zu diesem Vertragsbruch? BlusUrnd. Die Berlin-Anhaltische Maschinenfabrik erstellt im St. Galler Gaswerk einen neuen Gaskessel und beschäftigt dabei 16 Arbeiter zu Stundenlöhnen von 50 Cts. für Handlanger und 53 bis 65 CtS. für Kesselschmiede und Schlosser. Die Arbeiter verlangten nun Er- höhung der Löhne auf 55 und 65 Cts.. worauf es aber zum Streik bezw. zur Aussperrung der Arbeiter durch den Richtmeister Lange gekommen ist. Der Herr aus Berlin muß eben die Erfahrung machen, daß auch in der Schweiz die Arbeiter keine willenlosen Lohnstlaven mehr sind._ Unternehmerstreik und-vohkott. s Das Unternehmertum Dänemarks behauptet immer wieder, daß die Arbeitslöhne in diesem Lande allzu hoch seien und daß deswegen Arbeiten, die Tausenden dänischer Arbeiter Beschäftigung bieten könnten, im Ausland angefertigt werden müßten, oder daß, wo dies, wie z. B. im Baugewerbe, nicht möglich ist, manche Ar- beiten überhaupt nicht ausgeführt werden könnten, weil sie zu teuer würden. Auf diese Weise wollen die Unternehmer den Arbeiterorganisationen, die in Wirklichkeit durchaus keine über- mäßig hohen, sondern nur einigermaßen auskömmliche Arbeits- löhne erkämpft haben, die Schuld an der großen Arbeitslosigkeit zuschieben. In den letzten Tagen sind jedoch wieder einmal durch „Socialdemokraten" Vorgänge bekannt geworden, die beweisen, daß die Unternehmer diejenigen sind, die vermöge ihrer Organisation die Arbeiten unverschämt verteuern und zwar in einer Art, die ___ selbst nach den in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung geltenden_______ Perantw. Redakt.: Wilhelm Diiwell, Lichtenberg. Inserate verantw.i Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. VerlagSanftall Paul Singer& Co., Berlin S Begriffen nicht mehr als ehrlich geltösi fanlk/*' In Kopenhagen wird jetzt bekanntlich das 1886 abgebrannte Kristiansborg-Schlotz wieder aufgebaut, teils als Reichstagsgebäude, teils als Repräsen- tationsgebäude für den König und die Regierung. Bei Submission der Maurerarbeit war nun die Maurerinnung darauf bedacht,' dem Staat so viel wie möglich Geld abzuknöpfen. Nicht nur die Firma, die die Arbeit ausführte, sollte reichlich daran verdienen. sondern auch alle die, die darauf verzichteten, sollten daran Profi- tieren. Man kam übercin, daß 20 Meister ihre Angebote ein- reichen sollten, bestimmte aber zugleich, daß die Firma S ch u- macher m Rothe die ganze Arbeit übernehmen sollte. Ein Maurermeister L a r s e n hatte die Arbeit auf 840 000 Kronen bc- rechnet, er wurde aber durch Drohungen und das Versprechen einer Entschädigung von 1300 Kronen gezwungen, 85 000 Kronen mehr zu fordern. Obwohl er darauf einging, zeigte es sich schließ- lich, daß sein Angebot für den südlichen Flügel des Gebäudes noch um 38 000 Kronen niedriger war als das Schumachers. Larsen erhielt diesen Teil der Arbeit in Auftrag. Aber damit gab sich der Ring der Unternehmer nicht zufrieden. Larsen wurde zweimal hintereinander gezwungen, die Bau» Verwaltung um Befreiung von der Arbeit zu er- suchen, das eine Mal unter dem Vorgeben, daß er sich verrechnet habe, das andere Mal mit der Begründung, daß er die aus- bedungene Kaution von 16 000 Kronen nicht zahlen könnte. Die Bauverwaltung verlangte jedoch unter Androhung einer Schaden- ersatzklage, daß er seinem Vertrage gemäß die Arbeit ausführt. Wenn er die Kaution nicht stellen könne, solle über diese Sache das Ministerium entscheiden. Inzwischen hat er denn auch nach kurzer Unterbrechung die Arbeit wieder aufgenommen. Das ganze Verfahren gegen ihn wurde durch ein„Ehrengericht" der Maurer- innung eingeleitet. Am Dienstag beschäftigte sich nun eine Generalversammlung der Innung mit der Sache und hier wurde beschlossen, daß Larsen, wenn er nicht, dem Beschluß des„Ehren- gerichts" entsprechend, die Arbeit am Schloß aufgibt. für jeden Tag 25 Kronen Buße zahlen soll, und wenn er sich dessen weigert, aus der Innung ausge- schlössen wird. Dieser Ausschluß würde bedeuten, daß kein Arbeitgeber mehr mit Larsen zusammenarbeitet und daß kein Lieferant, der Mitglied der Arbeitgebervereinigung ist, ihn� Material liefern darf. Es sollen also sämtliche organisierten Unternehmer das ganze Bauwerk boykottieren und gleichsam den Streik proklamieren, wenn es sonstwie nicht möglich erscheint, der Staatskasse weitere 38 000 Kronen abzuknöpfen. Wenn eS sich bei der ganzen Sache darum handelte, die Schmutzkonkurrenz aus- zuschalten, könnte man das Vorgehen vielleicht für berechtigt er- kläten. Aber tatsächlich ist es nach einer Erklärung des Verkehrs- Ministers Jansen-Sönderay so, daß die Maurerarbeit am Kristiansborg-Schloß auch jetzt schon um 106 600 Kronen teurer kommt, als sie unter Berücksichtigung eines reichlich bemessenen U n ter n ehm er gew i nn s von den fach« verständigen Architekten berechnet worden ist. Der Vorsitzende jenes„Ehrengerichts" der Maurerinnung ist antisozialistischer Stadtverordneter und fungiert als baukundiger Sachverständiger der Gemeinde Kopenhagen. Uebrigens hat sich diese unverschämte Ausbeutung der Auf» traggebcr durch Unternehmerringe schon bei manchen anderen Ar» beiten geltend gemacht. So ist z. B. beim Bau eines Tuberkulosen- sanatoriums festgestellt durch Zeugenverhör, daß die ausführende Firma 30 andere Firmen, die sich nur zum Schein an der Sub- Mission beteiligt hatten, 17 000 Kronen Entschädigung zahlen sollte. Für die Steinhauerarbeit am neuen Personenbahnhof in Kopcn- Hagen hatten die Ringfirmen 50 000 Kronen mehr gefordert als ein Outsider usw.«_ Die Parade der Sieger. In New Dork wurden in der jüngsten Zeit verschiedene erfolg» reiche Streiks geführt. In der Kleiderindustrie brachen viele große Kämpfe aus und in den meisten Fällen gelang es, die Forderungen der Union zur Anerkennung zu bringen. Auch die Bäcker haben sich wieder gerührt und bessere Arbeitsbedingungen nach einem Streik von sieben Wochen erkämpft. Ihren Sieg feierten jie Bäcker durch eine große Parade in den Straßen von New Dork. 5000 Bäcker zogen in weißen Kappen und Jacken, mit Musik und Fahnen durch die Stadt. Sie führten allerlei Plakate im Zuge, auf welchen der Arbeiterpresse öffentlich der Dank für die Unter- stützung, die den Streikenden zuteil geworden, ausgesprochen wurde. Die„weiße" Gefahr! Auf den Sandwichsinseln hatten die amerikanischen Unter- nehmer bisher willisse und billige Arbeiter in den Japanern. Diesen aber wurde schließlich die Ausbeutung gar zu drückend, sie begannen sich zu organisieren und inszenierten bor einiger Zeit einen großen Streik. Darauf holten sich die Kapitalisten die Ein- geborenen von den Philippinen, die nun den Japanern auf den Sandwichsinseln verderbliche Konkurrenz machen. Gegen die japanischen Gewerkschaften wurde mit großer Brutalität vor- gegangen; man setzte die Führer gefangen, beschlagnahmte die Bücher und machte Anstalten zu einem Hochverratsprozcß gegen die leitenden Personen in den Gewerkschaften. Manche Leute glaubten, die japanische Regierung würde sich einmischen, aber diese hat bekanntgeben lassen, daß sie in solchen Fällen, wo es sich um eine Bekämpfung der Gewerkschaften handele, nicht inter- venieren werde, denn die Gewerkschaften fangen in Japan selbst an, der Regierung„Ungelegenheiten" zu bereiten. Wenn es gegen die Arbeiterorganisationen geht, halten die herrschenden Mächte überall fest zusammen, da verständigt man sich schnell und leicht. Letzte JVachricbten und Deoefeben. Großfeuer. Lübeck, 17. Juli.(SB. T. B.) Das lauenburgische Dorf Siebeneichen wurde heut« von einer großen Feuersbrunst heim- gesucht. Wie die„Lübecker Anzeigen" mitteilen, sind die Kirche, das Schulhaus und mehrere Bauerngehöfte niedergebrannt. Tie Ursache des Brandes, der durch den starken Wind sich sehr schnell ausbreitete, ist noch nicht bekannt. Bergarbeiter-AnSstanb. Mährisch-Ostrau» 17. Juli.(B. H.) Die Belegschaft des Bettina-Schachtes in Dombrau ist in den Streik getreten. Man bc- fürchtet, daß die Streikbewegung sich auf das ganze Ostrau- Carwiner Revier ausdehnen wird. Die reaktionären Konstitutionellen. Konstantinopel, 17. Juli.(W. T. B.) Die Kammer beendete die zweite Lesung des Gesetzes betreffend Ausstände und nahm den Artikel an, der die Bildung von Arbeitersyndikaten verbietet. So- dann begann die erste Lesung der Vorlage über die Regelung der Schulden des frühere« Sultans Abdul Hamid. Im Kampfe gegen den Stahltrust. New Nork, 17. Juli.(B. H.) Bei der Pressed Steel Co. kamen weitere Unruhen vor. Einer der Hauptgründe des Streiks und der Erbitterung der Arbeiter ist der unzureichende Schutz gegen Betriebsunfälle. Der amtliche Leichenbeschauer erklärte, die Werke forderten täglich ein Menschenleben.— Die Republik Iran and Steel Co. bewilligte die vom Arbciterbund verlangten Lohnsätze. Hierzu 3 Beilagen« it. 165. 26. 1. KilM des Jraüärts" Kelim Wsb>M Sonntag, 18. InlilM. Die BeamtenfreundDc�liett des Zentrums. Nach Set in bürgerlichen Kreisen allgemein geltenden An- schauung werden die Beamten nicht nach ihren Leistungen be- soldet, sondern nach dem Range, den sie ihrer Stellung gemäh ein- nehmen. Dir Höhe der Besoldung richtet sich eben nicht nach der Tüchtigkeit des Inhabers einer Stelle, sondern danach, ob viel oder wenig Beamte unter oder über ihm stehen. Nach außen wird die bessere Bezahlung der oberen Beamten mit ihrer angeblich höheren Verantwortlichkeit begründet, was in unseren komplizierten Betrieben schon um deswillen nicht zutreffend sein kann, weil eins in das andere greift und daher auch nicht das kleinste Rädchen ausgeschaltet werden kann, wenn der Betrieb nicht ins Stocken geraten soll. Der schlechtbezahlte Weichenwärter trägt keine geringere Verantwortung als der Lokomotivführer oder der Stationsvorsteher, der das Signal zur Einfahrt gibt. Was für die Eisenbahn gilt, gilt mehr oder minder für jeden anderen, gilt namentlich auch für den komplizierten Postbetrieb. Am letzten Ende hängt es doch z. B. von dem Briefträger ab, ob die Adressaten pünktlich in den Besitz ihrer Postsachen gelangen. Wie sehr nun aber die bürgerlichen Kreise geneigt sind, den Wert der Beamten nicht nach den Leistungen zu beurteilen, erhellt von neuem aus der Abstimmung im Reichstag über die Erhöhung der Beamtengehälter. In der Sitzung am 12. Juli wurde über einen Antrag Beck abgestimmt, der die Landbriefträger um eine Stufe besser, das heißt s o gestellt wissen wollte wie die Schaffner und Bremser bei den Reichseisenbahnen. Es sollte der Beschluß der ersten Lesung der Kommission wiederhergestellt werden. Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrages mit 172 gegen 161, also mit. nur 11 Stimmen Mehrheit. Eine am gleichen Tage vor- genommene Abstimmung über die Hinaufsetzung der Höchstgehälter der Bureaubeamten 2. Klasse der Postverwaltung, der Lagerver- Walter, der Oberpostassistenten usw. von 3366 auf 3300 M. wurde im Gegensatz zu der ersten Abstimmung mit 226 gegen nur 114 Stimmen angenommen. Interessant ist nun, daß 50 Abgeordnete den Landbriefträgern die Aufbesserung nicht gönnten und mit Nein stimmten, dafür aber für die Hinaufsetzung des Höchstgehalts der immerhin besser bezahlten Mittelbeamten eintraten. Dieser Vorgang ist so charakteristisch für die„Beamtenfreundlich- teit" gewisser Volksvertreter, daß es geboten ist, sich diese Auch- Volksvertreter etwas näher anzusehen. Es waren dies vom Zentrum die Abgeordneten: Herzog von Arenberg, Dufsner, Faß- bender. Fritzen(Rees), Hamecher, Hauser, Hug, Kirsch. Nacken, Dr. Pfeiffer, Roeren, Schiffer, Schirmer, Schmid(Jmmenstadt), Schmidt(Warburg), Schwarze(Lippstadt), Trimborn.— Die Zentrumsabgeordneten Beck(Aichach), Telsor, Erzberger, Fehren- bach, Dr. Fleischer, Frank(Ratibor), Gerstenberger, Glowatzki, Göring, Gröber, Häusler, Hebel, Herold, Dr. Hitze, Hirschberg, Horn(Neiße), Hubrich, Hug, Lialkhof, Klose, Kohl, Krebs, Lehemeir, Dr. Lender, Mayer(Kaufbeuren), Mayer(Pfarrkirchen), Müller (Fulda), Nauck, Graf v. Oppersdorfs, Ranner, Dr. Ricklin, Schädler, Schefbeck, Schneider, Schüler, Sir, Dr. Spahn, Spindler, Stamm, Steindl, v. Strombeck, Freiherr v. Thünefeld, Uebel, Dr. Vonder- scheer, Freiherr von Wolsf-Metternich, Dr. Zehnter, waren konse- quenter und ehrlicher, indem sie auch gegen die Besserstellung der anderen Stellen stimmten. Eine noch nie dagewesene Geschloffen- heit bekundete bei dieser Gelegenheit übrigens die Wirtschaftliche Vereinigung: sie stimmte von Behrens angefangen bis zu dein Württemberger Voigt(Crailsheim) geschlossen gegen die Besser- stellung der Landbriefträgerl Daß die Konservativen gleichfalls gegen die Aufbesserung der Proletenbeamten stimmten, bedarf keiner Erwähnung. Der ganze Vorgang zeigt, daß der Beamte, ze niedriger er im Rang und danach im Gehalt steht, um so weniger von den bürger- Iiichen Volksvertretern zu erwarten hat. Uebrigens wurden ja schließlich die ganzen Beschlüsse am folgenden Tage einfach über den Haufen geworfen, so daß a l l e Beamten, die unteren wie die mittleren, leer apsgehen. kleines f emlleton. Gewohnheit. „Ja," pflegte die Geheimrätin zu sagen,„es ist alles Ge- wohnheit. Man kann so leben und so. Wie man's gelernt hat. Sie können es glauben, es ist nur Gewohnheit." Neben diesem Grundsatz, der sie ihr Leben hindurch begleitet hatte— fünfzig Jahre hindurch— gab es nur einen, der sich mit ihm an Bedeutung messen konnte— den vom„Verdienst". Alles was in der Welt vorging und zu ihren Ohren kam, sei es, daß jemand Millionär wurde oder sich das Bein brach, daß der eine ein gutes Weib hatte und der andere ein böses—, es war alles „Verdienst". Das Wort selbst sprach sie ganz eigen aus, gemessen und weihevoll, wie etwa manche„Gott" oder„Schicksal" sagen. Sie war der festen Ueberzeugung, daß ihr Mann, der Gchcimrat, ein Durchschnittsbeamter, im Ministerium saß nicht etwa durch Fürsprache, sondern„aus Verdienst". Daß sie ihm die Millionen in die Ehe gebracht nicht etwa dank des weiten Gewissens ihres Papas, sondern dank seiner Tüchtigkeit—„aus Verdienst". Sie bewohnte ihre Villa„aus Verdienst", hatte das Auto„aus Ver- dienst" und machte den ganzen Tag Besuche— bei Frau Direktor, Frau Profeffor, bei der Exzellenz—„aus Gewohnheit". Die beiden—„Verdienst" und„Gewohnheit"— waren die Hebel ihres Lebens. „Diesem Menschen geht es gewiß schlecht." sagte man zu ihr. „Sehen Sie bloß!" Sie nahm das Lorgnon, sah hin, lächelte. „Sie irren. Das ist Gewohnheit." Oder sie kam heim und war müde. „Denken Sie nur," sagte man zu ihr,„wenn Sie mal arbeiten sollten!" „Warum?" fragte sie erstaunt. „Nun, nehmen wir mal zum Spaß an: als Zofe. Von 6 Uhr früh bis—" „Aber—!* sagte sie.„Ich bitte Sie! Was für Vergleiche! Das ist doch Gewobnheit!" Manchmal dachten wir an Gewissen. Aber es waren wohl doch nur die Jahre, die sie gelehrt hatten, diese Wendungen zu ge- brauchen. Nie versprach sie sich, nie unterlief ein Irrtum. Nie trat an Stelle des„Verdienstes" die„Gewohnheit", nie umgekehrt. Sie ging ganz sicher. Einmal nur kam es zu einer Verwechselung. Aber das war ein Ausnahmefall. Der Geheimrat hatte einen Orden bekommen. Einen hohen Orden. „Man muß ein Diner geben," sagte sie. „So." „Man ist es den Leuten schuldig." Kein Muskel zuckte. „Warum hat man wohl dem Geheimrat den Orden gegeben?" „Aber—!" sagte sie.„Ich bitte Sie! Das ist doch— Gewohnheit!"_ W. P. L. Die„blaue Blume". Nicht nur romantische Dichter suchen die blau« Blume, sondern sie ist such Jdegl und Streben der modernen stmernranismus In der deutschen Tndultriepolitils. Der Kapitalismus ist international und zeugt in seiner Eni- Wickelung in jedem Lande die gleichen Erscheinungen. Nur das Tempo dieser EntWickelung ist verschieden. Je nach der Eigenart des Landes und seiner Bewohner haben sich die alten Handwerk- lichen Vetriebsformen mit verschiedenem Erfolg der kapitalistischen EntWickelung entgegenstemmen können. Demgemäß zeigt sich in den Kulturländern ein ganz verschiedenes Kräfteverhältnis zwischen den alten kleingewerblichcn Wirtschaftsgebilden und den neuen groß- industriellen Unternehmungsformen. Die bisher höchste kapitalistische Reife hat Amerika erlangt. Durch besondere Bedingungen unterstützt, hat sich dort am reinsten der kapitalistische Erwerbsgcist durchgesetzt. Amerika ist von jeher Land der Europamüden. Alle denen in der Heimat die Verhältnisse zu enge wurden, gingen hinüber, um dort ihr Glück zu versuchen. Was sie mitbrachten, war, um mit Jul. West zu reden, ein rastloser Drang nach Betätigung, nach wirtschaftlichen Erfolgen; was sie zu Hause ließen, waren die ge- druckten Gesetze, Verordnungen und Vorschriften ihrer Heimat. Auf jungfräulichem Boden wurde dort eine kapitalistische Kultur aufgebaut. Es entstand der Typ des amerikanischen Arbeiters, der in seinem Erwerbssinn nur von heute auf morgen rechnet, dessen krasser Einzelcgoismus kein Gemeinsamkeitsgefühl und keinen Klassenegoismus aufkommen läßt. Aus dem gleichen Holz ist auch der amerikanische Unternehmer geschnitzt. Der dortige Fabrikant vereinigt in sich alle„Vorzüge" des echten kapitalistischen Ausbeuters. Die amerikanische Fabrik- organisation ist ein scharfsinnig und raffiniert ausgeklügeltes System von Erfahrungswerten, das dem ausgesprochenen Zweck dient, den Arbeiter zu höchster Leistung anzuspornen, ihm zu rest- lcser Hergabe seiner Arbeitskraft aufzupeitschen. In der deutschen Fachpresse sind die amerikanischen Arbeits- Methoden in den letzten Jahren vielfach besprochen worden. Eine ganze Literatur ist darüber entstanden. Der amerikanische Unter- nehmer eroberte sich auf dem Weltmarkte eine führende Stellung. Der deutsche Fabrikant glaubt nun. den Wettbewerb mit der amerikanischen Konkurrenz dadurch erfolgreich führen zu können, indem er amerikanische Arbeitsmethoden übernimmt. Der praktische Erfolg der Amerikaliteratur wird darin bestehen, daß in deutschen Betrieben jene Methoden der Arbeitskontrolle und Arbeitsorga- nisation eingeführt werden, die in amerikanische» Werkstätten bereits„erprobt" worden sind. Aus der Fülle der neueren einschlägigen Publikationen ver- dient die Arbeit von Fred. Taylor„Sgop Management"(Verlag I. Springer, Berlin; Preis 5 M.; übersetzt von Professor Wallichs)� ganz besondere Beachtung, weil sie das Wesen der modernen Fabrik- organisation am klarsten zum Ausdruck bringt. Taylor will in seinem System, denn um ein solches handelt es sich hier, eine ver- schärfte Arbeitskontrolle durch die sogenannte Zeitstudie und durch das sogenannte Funktionsmeistersystem erreichen. Taylor stellt folgende drei Grundregeln auf: 1. Jeder Arbeiter soll solche Arbeit zugewiesen bekommen, für wclcbe seine Kenntnisse, seine persönliche Geschicklichkeit, nicht zuletzt aber seine körperlichen Kräfte(!) eben noch ausreichen. 2. Der Arbeiter soll veranlaßt werden, das höchste zu leisten; als Höchstes wird jene Menge von Arbeit zu bezeichnen sein, die ein allererster, tüchtiger Mann seines Faches erreichen kann. 3. Der Arbeiter soll seiner erhöhten Leistung entsprechend 30 bis 100 Prozent höher bezahlt werden, als sonst der Durch- schnittsarbeiter seiner Branche. Taylor ist weiter darauf bedacht, für die verschiedenen vor kommenden Arbeiten einheitliche Akkordtarife festzustellen. Seiner Ansicht nach gibt es für jede Arbeit eine kürzeste Zeit der Er- ledigungsmöglichkeit. Er sagt:„Die allerkürzeste Zeit wird selbst Blumenzüchter. Viele Züchter haben sich heiß bemüht, eine blaue Dahlie oder blaue Nelke zu erzielen,"aber obgleich die Blumen- kultur so außerordentlich weit vorgeschritten ist, sind alle ihre Ver- suche gescheitert. Wie Professor Hildcbrand in einem Aufsatz der „Umschau" ausführt, ist die Gartenkultur ganz abhängig von der inneren Anlage der Pflanzen. Der Gärtner kann nur die Dis- Position der Blume zur Farbenänderung benutzen, um sie zur Er- schcinung und weiteren Ausbildung zu bringen. Dies gelingt mit loechselndem Erfolg. Die Züchtung einer rein blau gefärbten Primel ist z. B. jetzt erreicht. Während sie in wildem Zustand nur in zitronengelber Färbung erscheint, hatte man zwar in der Kultur teils hellere, teils dunklere Blumen hekommen, aber zunächst keine andere Färbung erreicht. Jetzt gibt es Primeln, die vom hellsten Himmelblau bis zum dunklen Blau der Kornblumen alle Skalen dieser Farbe durchlaufen. Auch bei den früher nur weiß und rot gezüchteten Gartengladiolen sind jetzt blaublumige Formen er- zogen. Die Gartenaster erstrahlt in einer ganzen Reihe neuer Farbtöne bis zum grellen Kupferrot. Allgemeine Bewunderung erregt durch ihr reiches Farbenspiel eine unter dem Namen„The Shirley" verbreitete Sorte des Klatschmohns, die in allen Tönen zwischen Weiß, Rosa und Zinnoberrot schillert. Blaue und violette Farben fehlen aber vollständig. Ueberhaupt gibt es eine große An- zahl von Blumen, wie Levkojen, Goldlack und Balsamincn, bei denen sich keinem rein blaue Färbung erzielen läßt. Bei anderen Blumen wieder, z. B. beim Rittersporn, ist die gelbe Farbe nicht zu erreichen. Es gibt auch Blumen, die trotz langjähriger Kultur ihre Färbung fast gar nicht verändern, jedenfalls keine wirklich neue Farbe hervorbringen. Hierher gehören die Fuchsien, die Alpen- vcilchenort Exclamen persicum und das Alpenvergißmeinnicht. Man hat wohl ein lachsfarbenes Alpenveilchen erzogen, aber nie ein gelbes. Wirksame Fliegenbekämpfung. Der Wunsch, die lästige Fliegenplage zur Sommerszeit einzuschränken, ist dringend und allgemein verbreitet auch bei solchen, die'von dem unentschiedenen Streit über die Bedeutung der Hausfliege als Krankheitsüber- trägerin nichts wissen. Als Fliegcnvertilgnngsmittel von ganz bc- sonderer Wirksamkeit empfiehlt ein in Südfrankreich lebender Mit- arbeiter der„Nature" das Formaldehyd. Zwei Teelöffel Formalin in einem mit Wasser gefüllten Suppenteller sind ausreichend, um einen Raum von Fliegen zu säubern. Namentlich am frühen Nach- mittag ziehen die Fliegen heran, um davon zu trinken. Ein Teil fällt in den Teller selbst oder stirbt in seiner Nähe, während andere auf dem Fensterbrett oder aus dem Fußboden umkommen. Eine einzige solche„Falle" vernichtet in einem Raum täglich Hunderte von Fliegen. Das Formalinwasscr läßt zudem die unnütze Grau- samkcit vermeiden, wie sie bei anderen Fangvorrichtungen vor- kommt, an denen die Tiere sich buchstäblich zu Tode zappeln. Irgendeine besondere Anziehungskrast übt übrigens die Formalin- lösung nicht auf die Fliegen aus. Stellt man zwei einairder genau gleichende Gesäße auf, deren eins die Formalinlösung enthält, während das andere mit reinem Wasser gefüllt ist, so verteilen sich die trinklustigen Fliegen ganz gleichmäßig auf beide Gefäße, ohne eines zu bevorzugen. Auffallend ist immerhin der Umstand, daß die sehr geringe Menge von FormgldehYd, die beim Trinken tigen und eingearbeiteten Mann erreicht werden. Diese kürzest« Zeit stellt gewissermaßen das Ideal dar, man wird dahin strebe» müssen, es möglichst zu erreichen. Deshalb wird man zum Zweck« der Zeitstudie einen Mann heranziehen, der als tüchtig bekannt ist, und ihn besonders anspornen(etwa durch Prämien oder der, gleichen), sein Aeußerstes zu leisten." Dieser Mann wird während der Arbeit beobachtet, und geschieht diese Beobachtung„am besten mit der Uhr in der Hand, oh man das sichtbar oder den Augen des Arbeiters unsichtbar machen will, ist Gefühlssache;(!)> ge- wöhnlich wird das letztere gar nicht möglich sein"! Bei dieser zuchthausmäßigen Kontrolle, mit der Uhr in der Hand, wird nicht nur der Fortgang der Arbeit während der ganzen Herstellungszeit kontrolliert, sondern es werden auch die notwendigen Pausen festgesetzt. Außerdem wird die Arbeit in ihre Elemente zerlegt, d. h. für jede Teiloperation die erforderliche HerstellungS- zeit beobachtet. Der Aufsichtsbeamte führt ein genaues Protokoll, er läßt die gleiche Arbeit von mehreren besonders dazu quali- sizierten Arbeitern ausführen und berechnet den Durchschnitt der dafür notwendigen Arbeitsstunden. Dieser Durchschnitt bildet die Grundlage für Festsetzung des Akkordsatzes. Dadurch, daß bei jeder Zeitstudie für die Teiloperationen die Einzelzeiten festgelegt und dafür Tabellen angefertigt werden, stellt der Aontrvllbeamte für alle Arbeiten die Arbeitszeiten und damit die Akkordpreise zusammen. Diese Art der Preisfeststellung soll das unzuverlässige, rein gefühlsmäßige Schätzen der Akkordpreise ausschalten. Die durch dieses sogenannte Differentialrateshstem gefundenen Erfahrungssätze liefern den Maßstab sowohl für die einfache Akkordarbeit als auch für die Prämien-Entlohuungssorm. Taylor ist Anhänger des Prämiensystems, welches er in Verbindung mit seiner Zeitstudie empfiehlt. Die Mittel, die er anwendet, um zum Ziel zu gelangen, sind echt amerikanisch. Gefügige Arbeiter werden als kontrollierbare Arbeitsmaschinen gebraucht, um die niedrigsten Akkordpreise ausprobieren zu lassen. Der gleiche Erfolg wird mit dem sogenannten Funktions- meistersystem zu erreichen gesucht. Während in der gewöhnlichen Organisation die Arbeiter in Gruppen eingeteilt, stets nur einem Meister unterstehen, von dem sie alle Befehle und Anweisungen er- halten, sind sie in dem neuen System mehreren Meistern gleichzeitig unterstellt, von denen jeder nur für gänz bestimmt abgegrenzte Gebiete verantwortlich ist und nur in diesen mit den Arbeitern unterhandelt. Die Arbeiter empfangen ihre Unter- Weisungen in größeren Fabriken beispielsweise von acht verschiedenen Meistern. Von diesen halten sich vier zur Boaussichtigung und Anleitung der Arbeiter stets in der Werkstatt auf, während die anderen nur im Arbeitsbureau sitzen, die schriftlichen Arbeiten er- ledigen usw. In der Werkstatt arbeiten nebeneinander der Vor» richtungsmeister, der Geschwindigkeitsmeister, der Prüfungsmeister und der Jnstandhaltungsmeister. Die Vorrichhmgsmeister haben die Arbeit vorzubereiten und dafür zu sorgen, daß dem Arbeiter die für seine Arbeiten notwendigen Werkzeuge, Vorrichtungen, Hilfseinrichtungen usw. rechtzeitig geliefert werden. Die Ge- schwindigkeitsmeister sollen dahin wirken, daß die vorgeschriebenen Arbeitsgeschwindigkeiten, Schnittiefen und Vorschubgrötzen inne- gehalten werden, der Arbeiter den richtigen Gebrauch von seinen Werkzeugen macht und er so die Arbeit in der kürzesten Zeit her- stellt. Die Prüfungsmcister sind für die genaue Ausführung der Ar- beitsstücke nach den vorgeschriebenen Maßen verantwortlich; sie haben die Fabrikate während und nach der Bearbeitung zu kon- irollieren. Die Jnstandhaltungsmeister sorgen für die Reinhaltung, Schmierung und Wartung der Maschinen, überwachen den Zustand der Autriebsmotoren, Rinnenbetricbe usw. und achten auf Sauberkeit und Ordnung im Fabriksaal. Die vier Meister des Ar- beitsbureaus sind der Arbeitsoerteiler, der Anweisungsbeamte, der Zeit- und Kostenbcamte und der Aufsichtsbeamte. Der Arbeitsver- tciler schreibt, nachdem die Reihenfolge der zu erledigenden Auf- träge in großen Zügen vom Betriebsleiter festgelegt ist, die tag- lichen Anweisungen, um insbesondere den Gang der Arbeitsstücke über die Werkbänke zu regeln. Diese Anweisuugslisten sind das Hauptmittel, um die Erzielung der täglich vorausbestimmten Arbeit zu sichern. Der Anweisungsbeamte unterrichtet sowohl die Meister als auch die Arbeiter über alle Einzelheiten der Arbeit. Die lieber» mittelung der Anweisungskarten in die Werkstätten und die Be» seitigung der in der Befolgung der Anweisung«ruftretenden Schwierigkeiten übernimmt ein„Anweisungsoberbeamter". Der genommen wird, dazu ausreicht, die Fliegen zu töten, um so mehr, als recht erhebliche Mengen erforderlich sind, wenn das Formalin in Dampfform dazu verwandt werden soll, ein Zimmer von Fliegen frei zu bekommen. Man muß zu diesem Zweck so viel Formalin» dämpfe entwickeln, daß die Luft auch für den Menschen un> atembar»st. � Humor und Satire. Zündholz-Steuer. Ich Hab' mir's allerdings seit langem Gedacht: ein Ende nimmt der Stolz I Wir sind zu üppig umgegangen Mit dem bewußten Schweselholz! Wie? Spielten wir nicht schon als Kiu&a Damit, so oft eS eben gung? Und schädigten als Hofanzünder Die Mobiliarversicherung? Wie? Brannten wir nicht Zigaretten, Zigarren, Pfeifen damit an, Als ob wir Zündholzsch.... r hätten? Als lüg' an ihnen nichts daran? Geschah'S nicht, daß wir uns bedienten DeS tltan-Lvakol-ootukoskor, Sogar, um Lampen anzuzünden? Und Ofenfeuer, wenn uns fror? Ja ja! So hat man sich benommen! Doch jetzt, gottlob, sind drüber her Der Junker und der Pfaff gekommen Und sprachen: So was gibt's nicht mehr l Das Zündholz muß verteuert werden! Denn wißt, das allzuviele Licht Ist nur gefährlich hier auf Erden— — Und wir, die Eulen, brauchen? nicht. _(»Jugend".) Notizen. — M u s i k ch r o n i k. Verdis große Oper„Othello" ist die nächste Novität der G u r a- O p e r. In diesem Werk des älteren. zu neuzeitiger Kunst gereiften Verdi steht der wandlungSfähige Kom» ponist zum ersten Male ganz auf der Höhe eines modernen dra- matischen Schaffens, beeinflußt, aber, als wahres schöpferisches Genie, doch unabhängig von Wagner. Das großzügige Werk, das in Berlin lange nicht gegeben ist, geht am Dienstag in Szene, mit Karl Burnan als Othello, Gura als Jago und Frl. Hummel als DeSde« mona. Käpellineistcr Gille hat die musikalische Leitung. — Ein sonderbares Angebot hat Direktor Bode ge- macht,«im das altlölnische Bild, das die„Madonna«nit der Wicke nblüte" darstellt, als echt zu erweisen. Er bot der Stadt Köln für das als unecht erklärte Bild 16 000 M. Selbstverständlich wußte Bode genau, daß das Bild unverkäuflich ist. Zudem ist das Angebot lächerlich niedrig— falls Bode daS Gemälde wirklich für echt hält. 8eH« äW> Kostsnbeamte regelt die Vorschriften über die Arbeitszeit und die Eintragungen in die Zeitkonten durch die Arbeiter selbst, sorgt dafür, daß diese Angaben täglich rechtzeitig eingehen und pünktlich an die Kalkulation weitergegeben werden. Dem Auf- sichtsbeamten obliegt die Aufrechterhaltnng der nötigen Disziplin, er straft bei wiederholter Pflichtverletzung, prüft die eingelaufenen Beschwerden, setzt die Strafen für Zuspätkommen fest und spricht das letzte Wort über etwaige Veränderung der Lohnsätze. So ist alles, toas bisher ein Meister zu erledigen hatte, unier die Funktionsmeisterschaft aufgeteilt. Durch diese Einteilung er- reicht es der Unternehmer, datz die acht Meister sich auch gegen- seitig kontrollieren und anspornen. Jeder Meister hat sein be- stimmtes Pensum vorschriftsmäßig zu leisten, jeder Arbeitsfehler oder jede Unregelmäßigkeit muß von den anderen Kollegen dem Betriebschef gemeldet werden. Die einzelnen Funktionen greifen so kunstvoll ineinander, daß jede Stockung im Arbeitsprozeß sofort zutage tritt. Das Buch von Taylor wird gegenwärtig von der Fachpresse den Unternehmern sehr warm empfohlen. Die deutschen Arbeiter haben aste Veranlassung, von diesen Publikationen Kenntnis zu nehmen, um nicht von unliebsamen Neuerungen überrascht zu werde«. �_ R. M. Hus der Partei. Di« sozialistischen Parlamentsfraktionen gegen die Militär- ausgaben. Rom, den 15. Juli.(©ig. Skr.) Der Sekretär der italienischen Parteifvaktion, Genosse Morgari, hat sich an die sozialistischen Fraktionen der verschiedenen Länder gewandt, um sie über ihre Stellungnahme gegenüber den Militärausgaben zu befragen. Der „Avanti" vom 15. d. M. veröffentlicht die bisher eingetroffenen Antworten. Aus England schreibt I. Parker, dag die „Labour Party" seit dem Jahre 1906, dem Zeitpunkt ihres Ein- tritts in das englische Unterhaus, jede Vermehrung der Ausgaben für Heer und Marine bekämpft und wiederholt Motionen für eine Herabsetzung dieser Ausgaben eingebracht hat. Genosse Max G r u n w a l d antwortet, daß die deutsche Partei ebenso wie die Parlamentsfraktion immer und systematisch die neuen Militär- forderungen zurückgewiesen haben. Nur einmal, bei der ersten Lesung der Forderungen zur Unterdrückung des Hereroaufstandes, enthielt sich die Fraktion der Abstimmung. Für die öfter- reichischen Sozialisten schreibt Viktor Adler, daß die österreichische Fraktion stets gegen alle Militärausgaben gestimmt hat und durch das Parteiprogramm verpflichtet ist. dies auch in Zukunft zu tun. Gegen die neuen Forderungen bereite die Partei energischen Widerstand vor, nicht nur im Parlament, sondern auch' im ganzen Lande. Der Sekretär der sozialistischen Partei S e r b i e n s teilt mit, daß die serbische Parlamentsfraltion nie, auch nicht während der nationalen Krise, die durch die Annexion Bosniens und der Herzegowina heraufbeschworen wurde, gezögert hat, dem kapitalistischen Staat die Bewilligung von Militäraus- gaben zu verweigern und in Zukunft ebenso verfahren werde. Der Sekretär der sozialistischen Fraktion des Schweizer Bundesrats antwortete, daß in dem Zeitraum von 1900 bis 1904 die Fraktion nicht systematisch die Militärforderungen abgelehnt aber sich be- müht hätte, die Ausgaben zu vermindern und besonders die für die SZefestigungswerke zu bekämpfen. In Zükunst werde jedoch die Haltung der Fraktion energischer sein, und sie würde z. B. gegen die neue Forderung von 15 Millionen stimmen, wofür auch der Umstand ausschlaggebend sei, daß die Arbeiterversicherung, die die Bevölkerung lebhaft herbeiwünscht, immer weiter aufgeschoben wird. Aus Holland wird geschrieben, daß die Opposition systematisch war und in Zukunft veMeiben werde. Genosse H j a l- mar Branting schreibt für die norwegische Fraktion, daß die Partei immer den neuen Marineforderungen entgegengetreten sei und eine Politik der Neutralität und der internationalen Schiedsgerichte vertreten habe. Es wäre wünschenswert, daß die italienische Bourgeoisie von diesen Antworten Kenntnis nähme, damit sie endlich aufhört, unserer Partei vorzuhalten, daß die Sozialisten der anderen Länder patriotisch gesinnt seien und einzig die italienischen gegen die Ausgaben für die„Größe und Macht ihres Vaterlandes" Stellung nähmen. Genosse Paul Augustine, Nationalsekretär der„Socialist Labour Party"(der Partei De Leons) ersucht uns namens des Exekutiv- komitees um die Richtigstellung unserer gelegentlichen Angabe, daß es in den Vereinigten Staaten nur zwei Tagesblätter gebe und macht uns darauf aufmerksam, daß als ältestes sozialistisches Tageblatt der„Daily People" erscheint, der von der„Socialist Labour Party" ins Leben gerufen worden ist. Uns war dies bekannt, doch tvar damgls nur von der„Socialist Party" und ihrer Presse die Rede, i'">.—- Sozialed. Beschlüsse der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Zu dem Bericht über die Konferenz der deutschen landwirt- fchaftlichen Berufsgenossenschasten in Gera, die zur Reichsversiche- rungsordnung Stellung nahm, sind noch folgende Beschlüsse nach- zutragen: 1. Es empfiehlt sich nicht, den Berufsgenossenschaften die Be- fugnis zu übertragen, Einrichtungen zur Regelung des Arbeits- Nachweises und der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für Unfall- verletzte zu treffen. 2. Der Vorschlag, daß die Rente ruhen soll, solange der Ver- letzte von einer angemessenen Arbeitsgelegenheit keinen Gebrauch macht, kann nicht gebilligt werden. 3. Ebensowenig: daß die Rente ruhen soll, solange und soweit das Entgelt, das der Verletzte erhält, zusammen mit der Rente den Betrag übersteigt, den er ohne den Unfall bezogen haben würde. 4. Die bisherigen Bestimmungen des landwirtschaftlichen Un- fallbersicherungsgesetzes und die der Reichsversicherungsordnung enthalten insofern eine Lücke, als den Berufsgenossenschaften nur das Recht gegeben ist, innerhalb der ersten 13 Wochen nach Eintritt des Unfalls ein Heilverfahren für Bersicherte zu übernehmen. während eine entsprechende ausdrückliche Bestimmung bezüglich der Betriebsbeamten sowie der versicherten Unternehmer und ihrer Familienangehörigen fehlt. � 5. Für die Krankenversicherung der ländlichen Bevölkerung wurde verlangt, daß die ärztliche Versorgung der Erkrankten tun- lichst durch gesetzliche, in die Reichsversicherungsordnung aufzu- nehmende Bestimmungen sichergestellt werde. 6. Mit Rücksicht auf den in manchen Gegenden des platten Landes bestehenden Mangel an Aerztcn wurde, über§ 222 des Entwurfes hinausgehend, gefordert, daß Hilfeleistung durch Land- krankenpflegestationen auch für solche Fälle zuzulassen ist, in denen die Ueberführung in ein Krankenhaus nicht erforderlich ist. 7. Betriebsbeamte sollen bis zu einem Jahresarbeitsverdienst von 3000 M. nicht nur unfallversicherungs-, sondern auch kranken- versicherungspflichtig sein.(Verbesserung des§ 197 des Entwurfes.) 8. Die Ausfchluhfrist, innerhalb der der Anspruch auf Unfall- entschädigung geltend zu machen ist. soll, wie bereits früher be- antragt, von 2 auf 1 Jahr herabgesetzt werden. 9. Wenn dem Verletzten bei der ersten Feststellung eine Rente von ein Fünftel der Vollrente(20 Proz.) oder weniger auf Zeit bewilligt worden ist, so muß das Verlangen auf Weitergewährung der Rente wegen Ausbleibens der Wiederherstellung binnen einer bestimmten kurzen Ausschiußfrist geltend gemacht werden. 10. Daß die Berufsgenossenschaft, die freiwillig innerhalb der ersten 13 Wochen nach dem Unfälle das Heilverfahren übernimmt, dem Verletzten außerdem noch angemessenen Ersatz für den ihm entgehenden Verdienst leisten soll, ist unbillig; dieses Recht des Verletzten(§ 672 Abs. 3 des Entwurfes) müsse beseitigt werden. 11, Die Abfindung des 20 Prpz. dex Vollrente oder weniger beziehenden Verletzten soll nicht, wie Z 705 des Entwurfes bestimmt, mit Zustimmung, sondern nur nach Anhörung des Bersichcrungs amtes zulässig sein. 12. Die Befugnis der Versicherungsämter, neben den Be- rufsgenossenschafcn fortlaufend darüber zu wachen, daß die Leistungen der Versicherung dem Gesetz und den tatsächlichen Ver- Hältnissen entsprechen, und die Befugnis der Bersicherungsämter» in ihren Bezirken die Dnrchführung der llnfallverhütungsvorschriften zu überwachen, ist zu beseitigen. 13. Bei der Regelung von Streitigkeiten zwischen dem Ver- letzten und der Berufsgenossenschaft, von Streitigkeiten über Ersatz- ansprüche nach 8 1576 des Entwurfes, von Streitigkeiten zwischen Versicherungsanstalt und Berufsgenossenschaft über Ersatzansprüche gemäß§ 1588 des Entwurfes, von Streitigkeiten zwischen Kranken- lasse und Berufsgenossenschaft, von einer Reihe anderer Streitig- leiten(ZZ 1590—1599 des Entwurfes) soll dem Versicherungsamte keine entscheidende, sondern nur eine vorbereitende Tätigkeit zu- gewiesen werden. In jedem Falle sei die endgültige Entscheidung durch das Versicherungsamt in Streitigkeiten zwischen Kranken- lasse und Berufsgenossenschaft nach 8 1576 Abs. 2 des Entwurfes zu beanstanden. 14. Der berechtigte Ausländer soll nicht mit einem„ent- sprechenden" Kapital abgefunden werden können, sondern nur, wie jetzt, mit dem dreifachen Betrage der Jahresrente. 15. Nach 8 948 des Entwurfes kann das Reichsversicherungs- amt auch die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften verpflich- ten, technische Aufsichtsbeamte zur Ueberwachung der Betriebe an- zustellen. Hierzu wurde beschlossen, daß die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschasten, wie gegenwärtig, zur Anstellung der tech- nischen Aufsichtsbeamten nur befugt, nicht verpflichtet sein sollen. 16. Der Entschädigungsanspruch(des Verletzten auf Rente) soll von den Berufsgenossenschaften ganz oder teilweise abgelehnt werden können, wenn der Unfall durch bewußt verbotswidriges Handeln herbeigeführt worden ist. Dem bewußt verbotswidrigen Handeln muß es gleichstehen, wenn der Verletzte das Bestehen des Verbotes hätte kennen müssen. 17. Ten Beteiligten sollen nicht nur(nach 8 1193 deS Ent- Wurfes) die Kosten des Verfahrens ganz oder teilweise auferlegt werden, die sie durch Mutwillen oder durch ein auf Verschleppung oder Irreführung berechnetes Verhalten veranlaßt haben, sondern auch die Kosten, die durch unbegründete Anträge verursacht worden sind. 13. Kinder unter 7 Fahren sollen überhaupt nicht als Arbeiter im Sinne der Unfallversicherung(8 1002 des Entwurfes) angesehen werden. Erleiden Kinder, die das 7. Lebensjahr vollendet haben, einen Betriebsunfall, so ist der Entschädigungsanspruch nur dem Grunde nach festzustellen. Die Rentenzahlung muß jedoch bis zum 14. Lebensjahre ausgesetzt werden. Erst dann soll nach dem Grade der von dem Unfälle herrührenden Erwerbsfähigkeitsbeschränkung die Rente festgesetzt oder versagt werden. Sei das nicht zu erreichen, so sei wenigstens eine Abstufung des Jahresarbeitsvcr- dienstes und damit der Unfallrente bis zum vollendeten 16. Lebens- jähre in das Gesetz aufzunehmen. 19. Ein Vorschlag, die Versicherung der landwirtschaftlichen Unternehmer und ihrer Familienangehörigen reichsgesetzlich gleichmäßig zu ordnen, fand keinen Anklang. Auch erklärte man sich gegen die reichsgesetzliche Einbeziehung der kleineren landwirt- schaftlichen Unternehmer in die Krankenversicherung. 20. Einen Vorschlag, den Landkrankenkassen eine wirkliche Selbstverwaltung zu geben, lehnte man ab. Heimarveitsausstellung in Zürich. Am Donnerstag ist in Zürich in Anwesenheit zahlreicher Ver treter der Arbeiterorganisationen, insbesondere der Zentralvorstände der Gewerkschastsverbände sowie mehrerer Kantonsregierungen und städtischer Behörden die HeimarbeitSanSstellung eröffnet worden. Die Eröffnungsrede hielt unser Genosse Lang, der Präsident des Schweizerischen Ärbeiterbundes. Aus seinen Ausführungen sei namentlich die Betonung der Schwierigkeiten für die Beschaffung der Ausstellungsgegenstände erwähnt. Unternehmer scheuten sich sogar nicht, ihre Heimarbeiter mit straftechtlicher Verfolgung für den Fall zu bedrohen, als sie an der Heimarbeitsausstellung mitwirken sollten. Die maßregelnde Entlassung ist in dieser Drohung selbstverständlich ebenfalls enthalten. Und solche kapitalistische Terroristen erdreisten sich dann, von„sozialdemokratischem Terrorismus" zu schwindeln. Die Heimarbeitsauöstellung selbst bietet eine reichhaltige, nach Industrien geordnete Sammlung, die wie ihre Vorgängerinnen in Berlin, Frankfurt a. M, London usw. ein ergreifendes Bild des Heimarbeiterelends vorführt. Die Ausstellung wird sehr wirksam vervollständigt durch die Vorführung von Arbeitsstätten der Heim arbeiter, in denen Weber,. Schneider und Schneiderin, Schuhmacher, Schnitzler, Bürstenbinder, Korbmacher, Zigarrenmacher, Stroh- arbeiterin, Stickereiarbeiter schaffen und die in den meisten Fällen auch die Wohnräume und Küche sind. Graphisch-statistische Tabellen und zahlreiche Photographien von Heimarbeitsstätten zieren die Wände zu weiterer Aufklärung und Information. Auf jeden Fall wird diese Ausstellung wieder ein Stück bürgerlich-kapitalistischer Illusionen zerstören und nüchterne kritische Aufklärung über das verbreiten, was wirklich ist. Hus Incluftrie und ftandeL Preissteigerung am Getreidemarkt. Ganz unerwartet schnellte am Mittwoch der Chicagoer Preis für Juliweizen um 7 Cents pro Bushel in die Höbe. Gleichzeitig tauchte da« alarmierende Gerücht auf, Patten, der berüchtigte Spe- kulant, habe sich von neuem der Tätigkeit am Getreidemarkte zu- gewandt und sehe seine spezielle Aufgabe darin, von neuem einen regelrechten Corner zu inszenieren. Am Donnerstag verlor der Weizenpreis in Chicago wieder die Hälfte seiner Aufwartsbewegung. Die europäischen Märkte haben bisher Amerika die Gefolgschaft ver- sagt. Das Preisniveau der Berliner Börse hat aber doch eine ÄufwärtSbewegung um mehrere Mark erfahren. Die Preisveranderungen waren im einzelnen folgend«: Berlin: 10. IS. Weizen(Juli) 259'/. 261 (Sept.) 231V4 233 Roggen(Juli) 192 192V« (Sept.) 184'/« 170'/, Hafer(Juli) 131'/� ISl'/. Mais(Juli) 153'/� 154'/, Mehl(Juli) 23.80 23.80 Die Weltproduktion an Roheisen stellt sich nach einer Statistik der Firma Watson u. Co. auf rund 43 Millionen Tonnen im Jahre 1908, gegen 60 Millionen Tonnen im Jahre vorher und 58Via Millionen Tonnen im Jahre 1906. Den größten Rückgang von 1907 auf 1908 hatten die Vereinigten Staaten, wo die Er- zcugung von 259« Millionen Tonnen auf 16 Millionen Tonnen sank; in Deutschland ging die Produktion von 13 Millionen Tonnen auf 119- Millionen Tonnen zurück, England hatte einen Rückgang von rund 10 Millionen Tonnen auf 9*4, Millionen Tonnen, Frankreich von 39h Millionen Tonnen auf 39h Millionen Tonnen. Ruß. land steigerte seine relativ geringfügige Produktion von 2 748 000 Tonnen im Jahre 1907 auf 2 759 000 Tonnen im Jahre 1908; auch in Oesterreich-Ungarn nahm die Erzeugung zu, von 1 789 000 Tonnen auf 1953 000 Tonnen. Belgien verzeichnet einen Rück- gang von 1 428 009 Tonnen auf 1 182 000 Tonnen, Schweden von 603 000 Tonnen auf 563 000 Tonnen. Spanien konnte seine Er- zeugung steigern von 381 000 Tonnen auf 430 000 Tonnen, Japan erzielte eine Steigerung seiner Produktion von 43 000 auf 147 000 Tonnen. Warenpreise. Einer in der Zeitschrift„Die Bank" regelmäßig veröffentlichten Preistabelle entnehmen wir diese Zusammenstellung. Es notierten am Ende des Monats: Weizen(Berlin).. „(New York). Roggen(Berlin).. Mais(New Uork).. Baumwolle(Bremen) Wolle(Amsterdam). Zucker(Magdeburg). Kaffee(Hamburg). Petroleum(New Dork) Salpeter(Hamburg). Schmalz(Chicago). Silber(London).. Kupfer(London).. Zinn(London)... Zink(London)... Blei(London) Juni 1903 209,75 95»/« 188,73 79% 58,00 4,70 10,33 81,00 8,75 9,50 9,32 24»/« 56% 124«/« 18% 12% Juni 1909 259,75 126-/« 193,50 71'/« 58,75 5,82 10,50 31,00 8,40 8,92 11,70 24,00 68% 132,00 22% 12% 4" lmJuni 1909 mehr+ weniger— + 50,00 + 31'/13 6,23 8% 0,73 1,12 0,15 0,35 0,42 2,38 2»/I % Mit Ausnahme für Mais(New Dork), Petroleum(New Dork) und Silber(London) find die Preise für alle Artikel gestiegen, nur Kaffee, der zeitweilig teurer geworden war. ist wieder auf den vor- jährigen Satz zurückgegangen. Hirn der frauenbewegung. Die Gleichberechtigung der Frauen als Ausbeutungsobjekte. Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen treten gegen im Storthing vorgeschlagene besondere Schutzbestimmungen für Ar- beiterinnen. vor allem auch gegen das Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen auf, und verlangen, die ganze Vorlage solle dem nächsten Storthing überwiesen werden, wo die Damen selbst infolge des neugewonnenen politischen Frauenwahlrechts ein Wort mitreden können. Unsere Parteigenossinnen, und mit ihnen die große Masse der aufgeklärten Arbeiterinnen, verlangen dagegen Erledigung der Vorlage samt den Frauenschutzbestimmungen noch in dieser Saison. Das Odelsthing, die größere der beiden Abteilungen deS Storthings, das sich in den letzten 14 Tagen mit dem Gesetz be» faßte, war dem Verlangen der Arbeiterinnen insofern nach- gekommen, als es einen Antrag auf Aussetzung der Beratung des Gesetzes mit 54 gegen 37 Stimmen ahlehnte. Nach diesem Beschlutz mußte man annehmen, daß die Mehrheit des Parlaments auch für die Vorschläge der Mehrheit des Sozialkomitees zu haben sein werde. Es zeigte sich aber bald, daß mit der ersten Ab- stimmung nur der Schein der Arbeiterfreundlichkeit gewahrt werden sollte, denn in der weiteren Verhandlung fand sich für die wichtigsten sozialen Reformen keine Mehrheit. Das Verbot der Frauennachtarbeit wurde mit 2Stimmen Mehr- heit abgelehnt. Im übrigen war der wichtigste Punkt in der Vorlage die Einführung des zehnstündigen Normalarbeitstages. Unser Parteigenosse Säbö verlangte den Achtstundentag. Dieser Antrag wurde gegen 12 Stimmen abgelehnt, ebenso der Zehn- stundentag, und zwar mit 53 gegen 39 Stimmen. Eine Anzahl Liberaler, die ihrem Programm und ihren Ver- sprechungen nach für soziale Reformen und für den Ausbau der kommt, hat die Steuer für 10 Jahre, und zwar auf Kosten der Staatskasse, gespart. FranenrechtSgegner in der Schweiz. Der Schweizerische kaufmännische Verein führt seit Jahren einen ebenso kleinlichen und verbitterten wie erfolglosen Kampf gegen die Vermehrung der weiblichen Konkurrenz. Zu den kleinlichen Kampf- Mitteln dieser Stehkragenproletarier gehört auch die Sperre der Stellenvermittelung für ihre weiblichen Kollegen. Auf der jüngst stattgefundeneniGencralversammlung des Vereins beantragte die Mehr- heit seines Zentralvorstandes, die Stellenvermittelung auch auf das iveibliche kaufmännische Personal auszudehnen, insofern der Besuch einer Sekundär- oder Realschule oder einer Handelsschule während zwei Jahren und die Beherrschung der Stenographie und des Maschinen- sihreibens nachgewiesen werden könne. Die Minderheit des Zentral- Vorstandes beantragte die Ablehnung des Antrages, die denn auch mit III gegen 61 Stimmen beschlossen wurde. Versammlungen— Veranstaltvngen. 2. Wahlkreis. Dampferfahrt nach Woltersdorfer Schleuse, Donners- tag, den 22. d. M, vormittags 9 Uhr, von der Schillingsbrücke aus. Die Genossinnen werden ersucht, um%9 sich dort einzufinden. 3. Wahlkreis. Montag, den 19. Juli: Kaffeekochen k» Plötzensee, Jnsel-Restaurant(Inhaber Gieshoit). Linie 12. 6. Wahlkreis. 4. und 5. Abtcilimg. Mittwoch, den 21. Juli, Aus- flug nach Tegel. Treffpunkt vormittags 10 Uhr dortselbst bei Trapp, Bahnhofstt. 1. Dann Waldpartie. Für Nachzügler nach- mittag? 4 Uhr im selben Lokal. Gäste willkommen. Rummelsburg. Im Juli kein Vortrag. Am 21. Juli: SuSflug nach Sadowa. Restaurant„Waldschänke", gemeinsames Kaffeekochen. Abfahrt Stralau-Rummelsburg nachmittags'/„2 Uhr. Borfigwaldc-Tcgel. Mittwoch, den 21. Juli in Trapps Festsälen: Kaffeekochen._ Witter.u»gSnberstcht vom 17. Juli 1909, morgeuS 8 Uhr. ßtatwnen Sww-md». Hamburg Berlin ffrankf.a M München Wien Sa S= | g if 756®» 758 WSW 758 SW 753 SW (765 SB 1764 SES» Detter Gedeckt 4 bedeckt 2 Regen 5Regcn 5 bedeckt Ibcdeckt bis dV Ä W-O etailonen Haparanda Petersburg Scillh Werde» Paris 750 SW 756 SW 766 W 757 S» 766 WSW Detter e* »ii I» HÄ Brnoltciil; 18 1 oedeckt j 15 4 bedeckt 14 Ihaw bd/ 14 2 bedeckt I 16 Wetterprognose für Sonntag, den 18. Juli 1909. Zeitweise heiter, nachts etwas kühler, am Tage wieder etwas wärmer aber noch veränderlich mit geringeren Regensällen und ziemlich lebhasten westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. eSasserstandS-Nachrtchten 0 ff- bedeutet Wuchs,— gall.— ft Unlerptgel.—•) höchster Baffer. stand: 140 cm am 15. um 4 Uhr nachmittag. Sozialdemoltratischer Wahlverein des 6. Serliner Beiehstags-Wahlkreises. Dieustag, den 20. Juli, abeuds SVa Ifjjt: Zwölf Mitglieder Uerfammlungeu Tages-Ordnung in allen Versammlungen: 1. Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversamm- lung. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 1. Abteilung bei Obiglo, Schwedter Str. 23/24. Referent: Dr. Alfred Bernstein. 2. Abteilung in Arndts Festsälen» Belforter Str. 15. Refe- rent: Stadtverordneter Dnpont. 3. Abteilung in den Arnim-Sälen, Schönfließer Str. 22. Referent: Genosse Dcntzer. 4. Abteilung bei Wille, Brunnenstr. 188. Vortrag über: „Wilhelm Hasenclever". Referent: Genosse Max Schütte. 6. Abteilung bei Köhler» Tieckstr. 24. Referent: Stadt- verordneter Ritter. 7. Abteilung in den Prachtsälen Nordwest, Wiclefstr. 24. Referent: Genosse Fritz Knnert. 3. Abteilung bei Kirschkowski» Beusselstr. 9. Referent: Stadt- verordneter Ewald.(Bericht aus dem Roten Hause.) 9. Abteilung bei Funke, Triftstr. 63. Referent: Genosse Emil Dittmer. 10. Abteilung in den Pharns-Sälen(mittlerer Saal), Müller- straße 149.„Welche Wirkungen haben die neuen Steuern." Referent: Genosse Max Grunwald. 11. Abteilung im Neuen Klubhaus, Schulstr. 29. Referent: Genosse Wilhelm Ulm. 12. Abteilung bei Franke, Badstr. 19. Referent: Stadt- verordneter Leid. 5. und 13. Abteilung im Swinemünder Gesellschastshaus» Swineniünder Straße 42. Referent: Genosse Augnst 22912* Täterow. SUtglicdsbnch legitimiert. Der Vorstand. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortevcnvaltung Berlin. Mittwoch» den 21. Juli, im„Englischen Hof", Neue Roßstr 3. KroiliriomoN'Krancho- Donnerstag, den LS. Juli, im Nosenthalcr ixtllvttiltuli-DilUllHi» VercinshauS, Roscnthaler S trage 57. Snoleilmltger u. �ppidjiintjfr: lUnnon llroncho« GewerkschnftsbauS» Engeluser 15, Saal 3, Vortrag gvllgi lt'DlUtllHl» des Äoll. Blum:»Die Krise und die Gewerkschaften�. Eisklimöbel a. Ftderstilhipoltler:«datd�Ä66' Sfbtinn Ehttlotteuburg: iKonta3' benK" iüoirö0',Mfe' Portefenitter u. Ztelseartikel-Kraiiche: Graumann, Nauiiynstr. 27. Vortrag des Sott. Weinschild:.Das ! TarisverhältniS in der Berliner Lederwaren-Industrie". Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwarten 157 Ii Die Branchenleltangen. Filialen Berlin.: Freitag, den£3. Juli, abends S1� Uhr: n a r t a 1 j$-Te r js a mm 1 n n g e n Filiale I; bei Meyer, Oranienstraste 103. Filiale II- bei. R ö w e r. Elisabethkirchstraste 14. Filiale III: GewerkschastShaus, Engeluser 15, Saal 7. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom IT. Quartal. 2. Bericht von der Generalversammlung in Hamburg. 3. Verschiedenes. 177/L Recht zahlreichen Besuch erwartet Hie Ortsverwaltang. ir Dienstag, de» 20. Juli 1900, abends 81/, Uhr t s General- Versammlung in Hoppes Festsälen, Hermanustr. 49. TageS-Ordnung: 1.„Der Parteitag in Leipzig." Reserent: Genosse vr. Nerrtekil, Anträge dazu. 2. Geschäfts, und Kassenbericht.— Diskussion. 3. Anträge und Wahl von Delegierten zur KreiS-Gcneraloersammlung. 4. Einträge und Wahl von Delegierten zur VerbandS-Generalversammlung von Gross- Berlin, b. Bereinsangelegenheiicn.— Verschiedenes. 235/13 -!— Mitgliedsbuch legitimiert.—— Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Verstand. Verdstid der Kürschner Zahlstelle Berliu. Bureau u. Arbeitsnachweis: Barnimstrasse 21. Tel.: Amt VII«789. Mittwoch, den 21. Juli, abends 8 Uhr, im«tlteu SchützenhauS, Linienftr. b: 102/12 General- Verfammlmtg. TageS-Ordnungi 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Bericht von der internationalen Konserenz in Brüssel. 3. Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes. 4. Die Arbeitsniederlegung bei der Firma Jakob u Bräutigam. S. Verschiedenes. : Mitgliedsbuch legitimiert!---------- Um zahlreiche Beteiligung an der Urabstimmung sowie an der General-Versammlung ersucht Die Ortsverwaltung. Orts-Krankenlmfle der tttr Kb Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Ldsriisstrsgo 3. Hos III. Amt 3, 1987. Dienstag, den SO. Juli 1909, abends präzise 8 Uhr: Branchen-Versammlung der Mechaniker, Uhrmacher, Optiker usw. sowie aller in den mechanischen Betrieben beschäftigten Kollegen und Kolleginnen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Saal I. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Beschlüsse der Hamburger General. Versammlung. Rcserenten find die Kollegen veSgee und Gutsoiis. 2. Dislussioii. 3. Branchenangclegenheiten und Verschiedenes. Hitgiiedslmel» legitimiert."MW Dienstag, den SO. Juli 1909, abends G'/z Uhr: Bezirks-Versammlnng fus* Spandau und Umgegend im Lokale von Gottwald, Schönwalder Straße 80. TageS-Qrdnung: Berbandötag. Reserent: Kollege link. genheiten.i 120/4 »buch legitimiert. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet vi« Ortsverwaltung. 1. Berichterstattung vom Verband Diskussion. 3. VerbandSangelcgenheiten.! Mitgliedsbuch legi UisM Iii In Miali Zwelgvcreln Berlin. Sektion der Ptltzei*. Am Mittwoch, den 21. Juli, abends 8 Uhr, finden in den de« kannten Lokalm sür Berlin und Umgegend die «all. Bezirks-Sitzungen Die Tagesordnung wird in dm Sitzungen bekannt gegeben. Vollzähliges und pünktliches Erschewen ist Pflicht aller Mitglieder. Die Okleate. r (Hetzeische Kasse). Sonntag, den SS. Juli, vormittags 10 Uhr: General-Nersammlung in Wilkes Saal, Brunnenstt. 183. TageS-Qrdnung: 1. Verlesung des Protokolls der Geuerolvcr' vom 24. Januar 1909. 2. Kassenbericht des Rendanten pro I. Halbjahr 1909 und Bericht der Revisoren. 3. Feslsetzung der Publikationsorgane fiir 1809/19. 4. Bericht über die geplante Erhöbung des Sterbegeldes. 5. Verschiedene Kassmangelegenheltm. ----------------- Mitgliedsbuch legitimiert.------------------- 886/8» Der Vorstand. Otto Winkler. Her,»i» und verwandter Gewerbe zu Berlin. Die für das Jahr 1909 gewählten Vertreter der Oris-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und oer. wandter Gewerbe zu Berlin werdm zu der am Montag, de» 26. Juli 1993, abends«'/.Uhr. in I-ammers Festsdlen (Neues KlubbauS), Kommandanten- strasse 72, stattfindenden Venerkil-VerLAmmIullg hiermit eingeladen. 276/12 TageS-Ordnung: 1. Bericht vom Krankenkassenkongress. 2. Erhöhung dcS durchschnittlichen TagelohneS»nd der UnterstützungS- sätze! Abänderungen der§§ 12, 13 und 20 des KassmstatutS. 8. Verschiedenes. Berlin, dm 17. Juli 1909. Glastav Kahtow. Vorsitzender. Paul Dorits, Schriftführer. Bekanntmachung. Durch Beschluh vom 15. Juni 1909 S Bezirksausschusses zu Berlin ist ll). Nräniteriiiig zum Statut der Ortskrankenkasse der Tabakfabrikarbeiter zu Berlin betreffend Erhöhung des Sterbe- getdes aus den vierzigfache» Betrag des durchschnittlichen Tagelohns (8 12) genehmigt worden und tritt am Montag, den 19. Juli 1909, in Kraft. B e r l i n, den 15. Juli 1909. 276/10 Der Vorstand. Bekanntmachung der Gemeineii OrtsMenkasse lilr Mariemlort ami Dmgegeiui. Am Montag, dm 26. Juli 1909, nachmittags 6'/z Uhr, findet im Restaurant Uwenbagea zu Marlen- dort, Chausseestrasse 27, eine .AaSerordentllel»« General-Versammlung statt, zu der die Herren Delegierten hierdurch crgebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Beschlusssassung zum Schreiben des Herrn Landrats des Kreises Teltow vom 30. April er. Nr. V. I 929, in Sachen der Abzweigung der Ort- schalt Lankwitz von dem diesseitigen Kassenbezirk. 276/7 2. Verschiedenes. Marieudors, de» 14. Juli 1909. P. Gacdlcr Baechler Schristsührer. Vorsitzender. Krankenunterstdtzungs- und Begräbnis-Verein gewerblicher Arbeiter. Vounavend, den 24. Juli, abends 8'/, Uhr: General- Versammlung in den Industrie- Festsälen, Beulhstr. 20. TaaeS- Ordnung: 1. Abrechnung pro II. Quartal 1909. 2. Mitteilungen deS Vorstandes. 3. V-rlchledeneS. 286/12 Gäste, auch Damen, willkommen. Einen recht regen Besuch erwartet Der Vorstand. I. A.: Irledr. Freudenreich, Vorfitzender. S. 59, Wissmannstr. 30, IL Koujimlitttiii Friedkim lliid Umg. Eing. Genossenschast m. v. Hastpslicht. Jnsolge UebertrittS zur Konsum- genossenschast Berlin und Umgegend beschioss die Generalversammlung vom 3. Juli er., in Liquidation zu treten. Wir bringen dieS hiermit zur össent- tichm Kenntnis. Gleichzeitig ersuchen wir etwaige Gläubiger, ihre Forde- rung alSbald in unserem Geschäfts- lokale Moscistr. 7 einzureichen. Friedenau, den 15. Juli 1909. Die Liquidatoren. Otto Mever. Ewald Günther. Gottst. Döring. 106/17» S&rfoKfne JSöfttfn <5tan6 schon flr 9 iufcerp�njfpih? �inidfmöorlf rsir-is1 WÄ5."' BPO Vcr\ [o m«\ o f; 1 1 1 S�PräzisiOKS-Ühr 51; da« ät'i> vertüss Sik'« * Utr l�r-VVclt! mjElCÜ illu ttri» s HertAlo�esüberWrlM'J V Ii-; Lt nuhret-.Gold»«* Silberwar erL.MC« ttian. Rinjfe vi ßriJlaixlre*v, etc.draili«: Vertreter� �e�udbd? ottojacob, . � � v«en,.ja| JftriedeÄVtr.O| IScxün 505 flusnatzme-Prdte. Abnahme bis Ende Juli. �LLoeM* Kohlengrosshandlung. Kontor und Lager(Amt II, 1454): Kohlcnbahnhof Wedding Fennstraste 22/2«. Plast 1. Presse vom Lager von 10 Zentner an: Pa. Halbst. Vulkan. Ztr. 78 Ps. »» Hetze.•„ 85„ „ Anhalt. Kohlmw.„ 95„ „ Ilse Salon..„ 95„ „ Hetze m..» 89» „ s�ielitz«.. ff 89„ , Marie Senstenberg, 79„ Koks, Steinkohlen usw. zu den billigsten Tages-KonventionSpreis. Aniieserung sret Keller je nach Quant, pro Zentner 10—15 Pf. mehr. 557b» Wagen zum Transport gekauster Kohlen werden verliehen. Die HamleideD Ibre Oefabren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. 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Dvrlla l1416L»j lVvrv YorU Cenkester-Zigaretfen Deutsche sowie amerikanische Zigarettenrauoher sind einig in der Beurteilung dieser hervorragenden Zigarette. In Zlgarrongeschttften so haben. Ortskrankenkasse der Gastunrte«nd verwandten Gewerbe zu Berlitt. Kassenlokal: S. 14, Jnselstrasse 6.— Kasscnstunden: Wochentags 9—1 Uhr. - Kaffenrechnung pro 1S08. Mark Einnahme.- 1. Kossenbestand am Ansang deS RechNUNgS- jahreS............ 33602,14 2. Ziissen............. 17 620,28 3. Eintrittsgelder|.......... 29 585,55 4. Beiträge............ 620 612,77 5. Erlatzletstung Drsttersür gewährte Kranken» Unterstützung.......... 6. Ersatzleistiingm von BerusSgenossm« schasien, Untentehinen,. sVerficheruiigS. ansiatten sür gewährte krankmuiiter» stütziing............ 7. AuS verlausten Wertpapieren und Ab« Hebungen von Einlagen bei der Deulschm Bank............. S. Sdilstige SijiNsihiiienZ......-. 10 056,33 671,90 172 125,65 5 995,45 1. Arzt-Honorar IV Ausgabe. 2. Slrznet und sonstige Heilmittel, 3. Krankengeld: a) an Mitglieder b)' Marl I . SS 165,60 . 84 794,72 . 191 909,95 d) an Angehörige... 4 345,33 4, Wöchnerinnen.......... 11 164,75 5. Sterbegelder.......... 6 919,23 6. Kurkostcn an Krankenhäuser inkl. Für« sorge sür Rekonvaleszenten..... 201 269,47 7. Ersatzleiswngen an Dritte sür gewährte... Krankeniiniorstützung:" n) nach 1' 57 und 57» 11 Gcw-Uns-Vcrs.-Gcs... �. 18 Juv..Vers.-Ges..... 8. Zurückgezahlt- Beiträge...... 9. Für Kapitalanlage und Bankeinlagen. 10. VerwaltungSdstm: a) persönliche.. d) sächliche)... 11. Sonstige Ausgaben»........ 12. Kasscnbestand am Schluss deS RechnmtgS» jahreS «1 201,75 . 125,60 ■ 886,35 554,10 181 086,— 56 549,70 17 547,28 8 031,90 31 2fä,29 890 270,01 890 270,07 Das Gesamtvermögen der Kasse beträgt....... 524 343,59 Marl Nach dem vorjährigenAbschluß betrug das Gcsamtvermögen 5l4 628,94, BerinögrnSzunahme. 9?14/:ö Älart Berlin, den 31. Januar 1909. Der Vorstand. Poppe, Vorsitzender. Branu, Schristsührer. Siaiiifiier, RendanL Vorflehende Kassefitcchnung ist von UNS geprüst und vlit Büchern ruid Belegen üdereinsMmcssd bestWd.cn worden ■ Berlin, den 29. März 1909. Die Revisionskommission. � Bttrrmavn.• 876/8. LEIPZIGER STRASSE Diese Woche Strumpfwaren schwarz meliert Damenslrfimpfe W."".d. r. Damenstrümpfe Fi| d�cosiesjoui- Herrensocken....... Fild'EcosseiJour Damenstrürnpfe Herrensocken F" aEco"- ringelt.... Schweissecken s*"/. Pfennig Damenstrümpfe Herrensocken m»«» und tarbig.125 Kioderstrümpfe u. Söckchen Damenstrümpfe<.rb>du.E.rlnen<, Herrensocken....... Schweissocken 35 Pfennig 48 Pfennig ALEXANDER PLATZ Damen- Wäsche Besonders preiswert ___ Hemden Achsel- und Fassonschnitt........ � Beinkleider xm-torn, mn suc-rci........ Nachtjacken In Sommer- und WlnterttofTen Hemden........................... Beinkleider........................ Nachtjacken...................... Hemden........................... Beinkleider........................ 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Von 8663 am Schluß des 2. Quartals 1908 ging der Verband auf 7844 Mitglieder am Schluß des 4. Quartals zurück. Im Jahres- durchschnitt stellte sich der Verlust weniger ungünstia. Die Mitgliederzahlen des Verbandes im Jahresdurchschnitt waren folgende: 1903: 7931, 1907: 8304, 1908: 8275. Die Fluktuation, der Ein- und Austritt von Mit- gliedern, ist außerordentlich groß, betrug doch die Zahl der Ein- tritt« im Jahre 1903: 4838, im Jahre 1907: 4285 und im Jahre 1903 trotz der Krise immer noch 3113. Den Eintritten steht eine fast ebenso große Zahl von Austritten und Ausschlüssen gegen- über: 1906: 3585, 1907: 3814, 1908: 3748. Den Mitgliederver- lüften im Fahre 1908 steht aber eine zu geringe Zahl von Ein- tritten gegenüber. Der Hauptverlust an Mitgliedern war in Berlin zu verzeichnen und dieser Umstand wird im Rechenschafts- bericht des Vorstandes darauf zurückgeführt, daß die Beitrags- kassierung in Berlin völlig ungenügend organisiert ist. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse ist die Stabilität m Mtgliederbestand des Verbandes im allgemeinen gestiegen. Während im Jahre 1905 die Zahl der Mitglieder, die über 52 Wochen dem Verbände angehören, bei einer absoluten Mitgliederzahl von 3337 nur 3585, in Pro- zeuten 53,1 betrug, stieg diese im Jahre 1908 auf 74,8 Proz., d. h. von 8275 Mitgliedern im Jahresdurchschnitt gehörten 5871 dem Verband über 52 Wochen an. Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß der Verband in den letzten drei Jahren eine Gesamtcinnahme von 575 733,24 M. hatte, davon entfielen auf Eintrittsgelder 3118,40 M, laufende Beiträge 541 817,50 M., Extrabeiträge 14 474,50 M., Zinsen 8937,28 M., sonstige Einnahmen 5382,58 M. Demgegenüber steht eine Ausgabe von 589197,99 M. Davon behielten die Filialen 133 382,81 M.. für Reiseunterstützung gab der Verband 21 343 M. aus, für Arbeits- losenunterstützung 153 955,83 M. Davon entfallen auf das Jahr 1908 allein 83 513,33 M. Für Krankenunterstützung 23 212,15 M., für Sterbegeld 8835 M., für Streikunterstützung 149 239,33 M., Gcmaßrcgeltenuntcrstützung 1448,13 M., Notstandsunterstützung 2418,75 M., Sonstiges 1408,71 M. In der Hauptkasse: für Zeitung 28 435,78 M., Gehälter 23 442,58 M.. Verbandstag 1903 3918,85 M.. Sonstiges 31 000,95 M. Zu den Gesamteinnahmen kam ein Bs- stand von 83 451,34 M., so daß der Verband am Schluß des Jahres 1908 noch über ein Vermögen von 39 983,89 M. verfügen konnte. Der Verband hat in den letzten Jahren eine ganze Anzahl "schwerer.. Lohnbewegungen durchgekämpft. Im Fahre 1907 wurden in 34 Orten in 1333 Bs- trieben mit 4739 Beschäftigten Forderungen gestellt. In 18 Orten mit 337 Betrieben und 1240 Beschäftigten wurde die Bewegung ohne Arbeitseinstellung erledigt. In 13 Orten wurde gestreikt, betroffen wurden 533 Betriebe mit 2439 Beschäftigten. Der Verlust an Arbeitszeit betrug für zusammen 2294 Be- teiligte 40 833 Tage und an Arbeitsverdienst 204 375 M. Erreicht wurde für 2488 Beteiligte eine Verkürzung der Arbeitszeit von 3897 Stunden pro Woche. Zusammen wurde für 4353 Personen eine Lohnerhöhung von 10 134 M. pro Woche erreicht. Im Jahre 1908 wurden in 23 Orten in 499 Betrieben mit 1336 Beschäftigten Forderungen gestellt. Der Verlust an Arbeitszeit betrug für 713 Beteiligte 13 537 Tage und der Verlust an Ar- bcitsverdienst 58 789 M.— Erreicht wurde für 258 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von 933 Stunden pro Woche und eine Lohn- erhöhung für 1050 Personen von 1922 M. pro Woche. Im allgemeinen kann der Verband der Tapezierer trotz der wirtschaftlichen Misere der letzten Jahre auf eine fruchtbare Tätig- keit zurückblicken. Den Arbeitslosen war der Verband in schwerer Zeit eine Stütze, hat er doch enorme Summen als Unterstützung ausbezahlt. Der Verbandstag wird sich denn auch hauptsächlich mit der Finanzfrage beschäftigen, ferner mit der Frage der Lohn- kämpfe und Tarifverträge. laterafilcbes. Die Entwickelung der chemischen Industrie in Deutschland seit dem Jahre 1875. Von Dr. Hermann Schultz«. Verlag von Tausch u. Grosse, Halle a. S. Preis 10 M. Die chemische Industrie gehört zu den jüngsten Industriezweigen Deutschlands, trotzdem hat sie in verhältnismäßig kurzer Zeit eine ganze Reihe ihrer älteren Schivestern in bezug auf wirtschaftliche und technische EntWickelung überflügelt. Die Ursache des außer- ordentlich schnellen Emporblühens der chemischen Industrie lag zunächst in der engen Fühlung, in welche die Technik der Fabrikation und die Naturwissenschaft miteinander getreten waren. Allerdings äußerten sich die gewaltigen Fortschritte, welche durch die Anwen- dung des exakten Verfahrens in der Technik erreicht worden sind, auch hier zunächst im allgemeinen in einem rapiden Preisstürze, welchen fast alle chemischen Produkte im Laufe der Jahre erfahren haben. Um nur einiges herauszugreifen: im Jahre 1814 kostete in England die Kristallsoda, als sie noch aus der Äsche von Meeres- salzen gewonnen wurde, 1200 M. pro Tonne. Nach Einführung des chemisch». n Verfahrens von Leblanc stellte sich der Preis 1823 auf 330 M. Er ermäßigte sich schließlich 1850--1860 auf 220 M, und vurch die Konkurrenz des bedeutend einfacheren Ammoniak- sodavcrfahrens sank der Preis 1885— 1883 sogar auf 95— 80 M. pro Tonne. Im Jahre 1873 kam das künstliche Vanillin zu einem Preise von k000 M. pro Kilogramm in den Handel. Aber schon 1877 stand der Preis auf 4000 M., 1880: 1300 M.. 1890: 700 M.. 1895: 560 M., und nach Ablauf der Patente war es 1900 für 80, 1902 für 30 M. pro Kilogramm erhältlich. Ein anderes Bild! An- f-rngs 1839 bclicf sich der Verkaufspreis für 1 Kilogramm 100 pro- zentigcs Alizarin auf 270 M., 1873 war durch die technische Ver- besserung der Preis auf 120 M., 1878 auf 23 M., 1902 endlich auf 3,30 M. herabgcgangen. Einen deutlichen Fingerzeig für die Produktionszunahme gibt die Ausfuhrstatistik. Abgesehen von einem geringen Rück- gange in den Jahren 1884, 1889 und 1892 weist die Ausfuhr der Fabrikate einen steten Fortschritt auf, und zwar ist sie der Menge nach um 311,5 Proz., dem Werte nach aber nur um 137,3 Proz. ge- stiegen. Für das Unternehmertum bedeutete eine derartig immense ProduktionSsteigerung eine wahre Goldflut in Gestalt riesiger Unternehmergewinne. Während für gewöhnlich gesteigerte Pro- duktion und verbesserte Technik ein langsames Sinken der Profit- rate für das Unternehmertum zur Folge hat, verstand es die chemische Industrie, ihre Gewinnquote stets auf einer außerordent- lichen Höhe zu halten. Das kommt vor allem in den ausgeschütteten Dividenden der führenden Aktiengesellschaften zum Ausdruck. Es betrug z. B. die Dividende der Badischen Anilin, und Sodafgbrik im Jahre 1883: 15 Proz., 1890: 22 Proz., 1895: 26 Proz., 1900: 24 Proz., 1901: 27 Proz. Die Aktiengesellschaften der deutschen chemischen Industrie ergaben an Erträgnissen: -rni»» Gesell- m».-.»-i, Dividenden- Durchschnitts- 2051 schaften Akt.enkap.tal fummc dividende 1882 46 88,950 Mill. 11,441 Miss. 12,879 1892 89 215,233„ 25,364„ 11,92 1902 133 382,976„ 45,455„ 11,879 An der Spitze der gesamten chemischen Industrie stehen mit ihrer Rentabilität die Teerfarbenfabriken. Seit den 90er Jahren ist die Durchschnittsdividende nicht unter 20 Proz. hinabgegangen. Namentlich die Nebenfabrikation pharmazeutischer Spezialitäten hat große Verdienste abgeworfen. So haben z. B. die Höchster Farbwerke während der ganzen Dauer des Patentes bis 1898 das bekannte Fiebermittel Antipyrin für 120 M. pro Kilogramm in den Handel gebracht, während die Selbstkosten nur auf 20 M. ge- schätzt werden. Heute kostet es je nach Fabrikmarke 15 bis 25 i pro Kilogramm. Ebenso hat die Sprengstoffindustrie bisher sehr hohe Erträgnisse geliefert. Von 1883— 1899 ist die � hschnitts dividende stets über 13 Proz. gewesen. Aber trotz aller technischen Entwickelung war eine oerartig hohe Ertragsquote in der chemischen Industrie nur durch ein ganz außerordentlich ausgebildetes und rücksichtslos durchgeführtes Kartell- und Shndikatsshstem herauszuholen. Die Technik allein hat es nicht getan! Angeblich bezwecken auch in der chemischen In dustrie die Kartelle nur, den Schäden der extremen Konkurrenz� kämpfe entgegenzuwirken. In Wahrheit aber sind sie eine Ver bindung zum Hochschrauben der Verlaufspreise und zum Nieder halten der Produktionskosten, vor allem des variablen Faktors der selben, der Arbeitslöhne. Der Verfasser behauptet zwar,„daß die Höhe der bisher erzielten Gewinne keinen Anlaß zu der Annahme gibt, daß diese Kartelle den Unternehmern auf Kosten der Kon- sumenten übermäßigen Profit sichern", muß aber selbst wenige Seiten später die Vorwürfe wiedergeben, welche gegen die Preis- Politik der Kartelle und ihr System, die Preise im Jnlande künstlich hochzuhalten, während zu einem billigeren Preise exportiert wird, erhoben werden. Wie sehr das Großkapital der chemischen Industrie seine wirtschaftliche Machtstellung ausnutzt, dafür gibt der Ver fasser trotz ersichtlicher Zurückhaltung genügend Beispiele. Ich verweise nur auf die Praktiken des Thomasmehlsyndikats. Und in der chemischen Industrie bestehen nicht lveniger als 45 Kartelle, von denen das kleinste 2, das größte 85 Mitglieder hat! Bei deren straffer Organisation ist die Widerstandskraft der Konsumenten gegen die Kartellpolitik gleich Null. Daher vor allem die fetten Dividenden!! Einen ungefähren Einblick in die Erwerbsverhältnisse der Arbeiter gewährt nach den Veröffentlichunzen der chemischen Be- rufsgenossenschaft folgende Angabe. Es betrug der Durchschnitt des Jahrcsverdienstes eines versicherten Arbeiters im Jahre 1898: 923 M, 1900: 989 M.. 1902: 932 M., 1904: 995 M.. 1905: 1013 M. Sicher war bei solchen Schundlöhnen der Nettopvofitertrag pro Kopf der Arbeiter in vielen der Betriebe größer als der den Arbeitern gezahlte Lohn! Auch Frauenarbeit ist in der Industrie, trotz ihrer Gesund- heitsgefährlichkeit, recht reichlich vertreten. Mit dem Anwachsen der Großbetriebe und der Gewinne nahm, entsprechend der kapita- listischen Wirtschaftsweise, die billigere Frauenarbeit natürlich in immer steigendem Maße zu. Es waren in der chemischen Industrie beschäftigt: 1875... 45 860 Männer, 5 838 Frauen= 11,8 Proz. 1882... 63373. 7626„== 10,6. 1895... 98155„ 16 285„= 14,2„ Diese Kehrseite der Entwickelung in der chemischen Industrie ist nichts weniger als erfreulich. Sie zeigt auf das grellste den tiefen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, der unser heutiges Wirtschaftsleben durchzieht. Während die Arbeit darbt, füllt sich das Kapital von ihrem Schweiße die Tasche I s. a. Versammlungen. Verband der Sattler und Portefcuiller. Die OrtSber waltung Berlin hielt Donnerstag ihre Generalversammlung ab. Den Geschäftsbericht vom 2. Quartal gab Schulze für die Sattler. Bei der Geschirrfirma Döhring u. Schwytal waren die Gehilfen in den Streik getreten. Die Löhne standen da noch ziemlich niedrig, auch herrschte dort noch die 57stündige Arbeitszeit. Ein Schreiben der Ortsverwaltung an die genannte Firma sandte diese zerrissen zurück. Jedoch mußte sie durch die geschlossene Haltung ihrer Sattler nach 1�4 Tagen Streik folgende Bedin- gungen zugestehen: Verkürzung der Arbeitszeit von 57 auf 53 Stunden. Bei Akkord eine Garantie für 55 Pf. pro Stunde. Mindestlohn 50 Pf. pro Stunde. Erhöhung des Wochenverdicnstes um 5 Proz. Ferner hatte sich der Verband wieder einmal mit der Firma David Scheper(früher ein sehr„rühriges" Mit- glied des Sattlerverbandes) zu befassen, was zur Folge hatte, daß diese Firma ihre Unterschrift unter den bestehenden Vertrag setzen mußte. Auch sonst liegt die Organisation noch zurzeit mit ein- zelnen Geschäften in Differenzen, so daß von ruhiger Entwickelung innerhalb der Branche nicht gesprochen werden kann. Ueber den Kassenstand der Sattler berichtete Weyher. Die Depression im Berufe dauert immer noch an. Wenn die Einnahmeverhältnisse in diesem Quartal etwas günstiger wie sonst scheinen, so darf man sich doch nicht über den Umstand hinwegtäuschen, daß diese Hebung der vor der Verschmelzung erledigten Restbestände der Kollegen- schaft zuzuschreiben ist. In die Lokalkasse haben ihren Tagelohn für den 1. Mai abgeliefert: Weyher, Schulze und Sassen- dach. Von der Hauptverwaltung steht der Bericht noch aus. Ueber die Geschäfte der Povtefeuihler vom vergangenen Quartal berichtete Hauptmann. Der Kassenbericht liegt mit dem der Sattler gedruckt vor. Besondere Vorkommnisse sind nicht zu verzeichnen. Die Arbeitsvermittelung ging gegen das erste Quartal etwas flotter, jedoch war die Dauer der besetzten Stellen im allgemeinen in diesem Quartal kürzer. Sodann berichtete Schulze eingehend über die Tätigkeit in der Gewerkschafts- kommission. Aus der Wahl eines Revisors ging Kämmet her- vor. Beim Punkt Gewerkschaftskommission kam es zu einer er- regten Debatte. D ö h n e r t wandte sich dagegen, daß stets vor- wiegend Beamte in die Gewerkschaftskommission delegiert würden. Es sollten in Zukunft genügend Kollegen aus der Mitte der Ver- sammlung berücksichtigt werden. Weyher protestiert gegen das immerwährende Hervorheben des Beamtentums. Sie seien voll- berechtigte Kollegen, die jederzeit in treuer Pflichterfüllung ihre ganze Kraft für die Organisation hingäben. W e i n s ch i l d er- klärt die ewigen offenen und versteckten Angriffe gegen die Ge- werkschaftsangestelltcn als einer aufgeklärten organisierten Arbeiter- schaft für unwürdig. Sassenbach meinte, es sei kein Grund zu solcher Erregung vorhanden. Es sei lediglich zu untersuchen, ob die Anregungen Döhnerts berechtigt sind. Es sei nichts anderes, als eine Frage der Zweckmäßigkeit. In der Gewerkschafts- kommission würden nur praktische Fragen erörtert, deshalb wäre es gut, wenn Personen aus der Verwaltung dort mitraten. Eine Beamtenhetze könne er jedoch aus der Anregung durchaus nicht hervorleiten. Der Kassenbericht der Sattler ergibt folgendes Bild: Kassenbestand auf der Ortsverwaltung am 1. April 1909 295,93 M. Gesamteinnahme 11819,83 M. Ausgaben: Maßrcgelungsunter- stützung 83,05 M., Reise- 93 M., Arbeitslosen- 3239,30 M, Kranken- 2029,75 M., Beerdigungs- 335 M., Umzugs- 18,60 M, und Not- fallsunterstützung 25 M. Oertliche Verwaltungskosten 2304,53 M., an die Hauptkasse gesandt am 3. Juli 1909 3358,60 M., macht zusammen 11 819,83 M. Die Lokalkasse hat zu verzeeichnen. Einnahmen: 26 583,81 M., Ausgaben: 3182,39 M., bleibt Be-- stand am 30. Juni 1909 23 401,42 M. Benutzung des Arbeits- Nachweises: Eingeschriebene Arbeitslose sind zu verzeichnen 546, davon 18 nicht organisiert. Im April 172, Mai 188, Juni 183. Verlangte Arbeitskräfte 283. April 94, Mai 97, Juni 92. Besetzte Stellen 219. April 72, Mai 39, Juni 78. Berliner Verwaltung: Einnahme: 3523,07 M., Ausgaben 2863,51 M., Bestand am 30. Juni 1909: 664,56 M. Mitgliederbestand am 1. April 1909: 1952, darunter 85 weibliche Mitglieder. Mitgliedersiand am 30. Juni 1909: 1935, darunter 86 weibliche Mitglieder. Ab- rechnung der Portefeuille r. Zentralkasse. Ein- nahmen 3419,80 M. An Ausgaben sind zu verzeichnen: Arbeits- losenunterstützung 306,50 M., Kranken- 572,25 M., Reise- 18,25 M., Maßregelungs- 389,85 M., Sterbeunterstützung 50 M., mit allem zusammen: 3419,80 M.— Lokalkasse. Einnahmen 2322,19 Mark. Ausgaben 820,03 M. Bestand 1502,16 M. 121 Billetts zur Sternwarte a 80 Pf. 93,80 M., an Darlehen 10 M., macht zusammen 1308,96 M. In die Gctverkschaftskommission wurden gewählt, nachdem die zuerst vorgeschlagenen Verbandsangestelltcn sich wieder zur Annahme bereit erklärt hatten: Schulze, Hauptmann, Weyher, Kammel und H of m a n n. Zum Obmann des Vergnügungskomitecs ernannte die Versammlung Habermann, zum Kassierer Langer. Der Punkt Entschädi- gung der Branchenfunktionäre soll erst noch den einzelnen Branchen zur Beratung unterbreitet werden. Stallschweizcr-Vcrsammlung. Am Freitag fand bei Wilke in der Brunnenstraße eine Versammlung der Stallschweizer von Berlin und Umgegend statt, die von dem Verbände der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter einberufen war. Genosse Faß hatte das Referat übernommen. Er schilderte die traurige Lage der Stallschweizer und Viehfütterer und zeigte, wie die hier noch herrschenden rückständigen Verhältnisse nur durch eine gewerkschaft- liche Organisation verbessert werden können. Weiter schilderte der Referent die elenden Wohnungsverhältnisse, unter denen die Schweizer besonders zu leiden haben, da noch überall das Kost- und Logiswesen im Hause des Unternehmers üblich sei. Wohl seien die Schweizer heute schon in verschiedenen Ver- bänden organisiert; aber die Verbände seien gegründet von Stellen- Vermittlern, damit deren Weizen bei der Stellenvermittlung besser blühe. Die Stellenvermittlung im Schwcizerberufe sei für diese Leute ein einträgliches Geschäft. Diese Verbände seien nicht in der Lage, die Interessen der Arbeiter im Schweizerberufe zu ver- treten. Dies sei auch nicht der Zweck der Verbände; sondern das Gegenteil sei der Fall. Man will mit diesen Vorhänden den Schweizer von der Arbeiterbewegung fernhalten. Es ist unmög- lich, daß ein Verband, an dessen Spitze ein Unternehmer steht, die Interessen der Schweizer wahrnehmen kann. Die Schweizer seien auch nur deshalb in diesen blauen Verbänden Mitglied, weil eS die Stellenvermittler bis jetzt verstanden haben, sich die Ober- Herrschaft über die Schweizer zu sichern. Die Schweizer haben es bis jetzt an dem nötigen Ernst fehlen lassen, um die Wahrnehmung ihrer Interessen selbst in die Hand zu nehmen. Der Referent machte die anwesenden Schweizer auf die Ziele des Verbandes der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter auf- merksam. Was die gewerbliche und industrielle Arbeiterschaft sich durch ihre Organisationen erkämpft hat, das können auch die Schweizer erreichen, wenn sie alle dem Verbände der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter beitreten. Das Referat wurde sehr bei« fällig aufgenommen. Ein großer Teil der Versammlungsbesuchcr ließ sich in den Verband aufnehmen. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen und wäre damit der Grundstein zu einer frei-gcwerkschaft- lichen Organisation fiir diese ausgebeutete Arbeiterschicht gelegt. An den Mitgliedern liegt es nun, für den neu gegründeten Verband Propaganda zu machen, damit noch alle Fernstehenden beitreten. An die Arbeiterschaft von Berlin und Umgebung richten wir die dringende Bitte, wenn sie mit Stallschweizern in Berührung kommen, diese auf den Verband der Land-, Wald- und Weinbergs- arbeiter aufmerksam zu machen. Hier ist auch der Arbeiterschaft in den Großstädten Gelegenheit geboten, für den Verband zu wirken. Die Adresse des Verbandes ist: Berlin SO. 16, Michaelkirchplatz 1 II. Mocken- Spielplan der Berliner Cbeatcr. König!. OPerndmiS. Geschlossen. König!. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues königl. Qpcrn-Thcatcr. Sonntag- Tannhäuser.(Anfang 7 llhr.1 Montag: Normo.(Ansang 8 Uhr.) Drenstag: Othello.(Aiisana 7'/. Uhr.) Mittwoch: Tristan.(Ansang 6'/, Uhr.) Donnerstag: Tann- Häuser.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Der fliegende Holländer.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Othello.(Ansang 79, Uhr.) Sonntag: Lohenann. (Ansang 7 Uhr.) Montag: Salome.(Anlang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Von Sonntag bis Dienstag: Zu ebener Erde und im ersten Stock. Bon Mittwoch oiS aus weiteres täglich: Kelten. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater.(K a m m e r s p i e l e). Von Sonntag bis Mitt- moch: Ein Skandal in Monte Carlo. Donnerstag und Freitag: Mimi. Sonnabend: Ein Skandal in Monte Carlo. Sonntag und Montag: Minii. (Ansang 8 Uhr.) Lcssiug-Theater. BIS aus weiteres täglich: Dt« Dollarprinzessin. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. BIS aus weiteres täglich: Hotel Amor.(?ln- sang 8 Uhr.) Neues Theater. Bis aus weiteres täglich- Sein Sündenregister. (Ansang 8 Uhr) Neues Schauspielhaus. Bi» aus weitere» täglich: Moral.(An- sang 8 Uhr.) Komische Oper. Bis aus weiteres täglich: O diese Leuwant».(An- sang 8 Uhr.) LustsPielhauS. Bis aus weiteres täglich: Familie Schimek.(An- sang 8 Uhr.) Neues Operetten< Theater. WS auf weiteres täglich: Die Sprudelsce.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater». Bis aus weiteres täglich: Madame Bonivard. (Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Bis aus weiteres täglich: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- WilhelniftödtischeS SchanfPielhauS. Sonntag: Nach. mittags S Uhr: Der Trompeter von Säkkingen, Abends 8 Uhr: Oberon. Montag: Martha. Dienstag: Die Jüdin. Mittwoch: Der Troubadour. Donnerstag: Die Zauberflöte. Freitag: Das Nachtlager von Granada. Sonnabend> Der Waffenschmied.(Ansang 8 Uhr.) Thalia< Theater. Bis aus weiteres täglich: Im Casö Noblesse.(An- sang 8 Uhr.) Bernhard Rose- Theater. BIS aus weiteres täglich: Was eine Frau kann.(Ans. 8 Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Drei Fraucnhüte. Der Deserteur. (Ansang 8>/« Uhr.) Slpollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Metropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(An- sang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen. Theater. Allabendlich: Gastspiel Winter- Tymian. (Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Passagc-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theatcr. Allabendlich: Spezialitäten. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. lirania-Theater. Taubcnslraße 48/43. Sonntag: Rom und dle Ennlpagna. Montag: Die Gletscher der Hochgebirge und dle Eiszeit unserer Heimat. Diensrag: Rom und die Campagna. Mittwoch und Donners- tag: Die Insel Rügen. Freitag: lieber den Brenner nach Venedig. Sonn- abend: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Für de» Inhalt der Inserate libernimnet die Redaktion Publikum gegenüber Aerantwortnng. dem keinerlei l�essinx.-'nieatei'. Easl spiel i. Neuen Opeeetten-TheaterZ. Ansang 8 Uhr. VI« Dollarprlnzeasln. Operette in 3 Akren von Leo Fall. Neuss Kgl. Opern-Theater(Kroll). (jrnra-Oper. Tannhausep. Von Bich. Wagner.— Anf. 7 Uhr. Einriebe Preise. Montag; Nonna. Dienstag; Othello. Mlttw.: Tristan. Donn.: Tannhäuser. Breit.: Holländer. Sonnab.: Othello. Sonntag: Lohengrin. Mont.: Salome. Neues Tbeater. Abend? 8 Uhr: leinSWenregisler Montag und folgende Tage: 8em Sündenregister. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: famitie Schimek. Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v. Grast. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Eich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Ant 8 Uhr. Bauchen gestattet. Friedrich-Wilhelmstadtisciies Schauspielhaus. Sonntag, den 18. Juli, nachm. 3 Uhr: Der Trompeter von Säckinpn. AbendS 8 Uhr: Oberon, König der Elfen Montag; Martha.(Aug. Bockmann.) _ Dienstag: Die Jüdin. berliner Tkenter. Operetten-Gastspiel. *8 Ufr, Hotel Amor. Kcncs Oporottcn-Tboater, Schissbauerdamm 25, a. d. Lutsenstr. Ansang 8 Uhr: Die hlpmUelTee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. „Ls fia" in ihrer Novität: „Der Wellen-Qeist" sowie die allabendlich stlirmiscli applaudierten ZM-MMinen. Reservierter Platz 2 M., Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe.) SSV liotzter Monat. 0.50 Zum 89. Male: 9.50 Hartstein Er 0lbneVEr. Vorher: Jeatl Paul. Die O Yankee Doodle Girls. Bis lusügen Zecher. ko.ao lo.ao Tchüt?e»festzug in Hamburg. Ah 8 Uhr: Das unübertr. Progr. !'PWilge-ikssiei.\ Im gänzlich umgebauten und renovierten Theatersaal. Heute: Zwei Vorstellungen. Nachmittags 3— 7 Uhr kleine Preise.. Abends 8-11 Uhr.» Das grofiartlge| Mine. Capells ' 9 Pensionats-Mädel WIHI Präger. Xlie 4 Rnbys. I 12 interessante Debüts.|| Stadt-Theater Moabit. Alt-Moabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Ubr, Konzert 8 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Gartenerössnung ö Uhr. Jeden Montag Elitetag, Tpezta- lltäten und Soiree der»Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im groben Thealer-Saal. kWW««l Gr. Frantsurter Str. t32. Anfang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartcnhühne Ansang 4 Uhr. U.a.: Raudldeldau! Gr. Pantomime. Erstklassige Spezialitäten. W.Koaeks Theater Direktion; Rob. Oiil. Önmneuitt. lö. 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Schweizer- Garten i I Am Königstor. Am Friedrichshain TänllPh Ansang 4 resp. 5 Uhr lapilUI Entree 30 Pf. Tbeater-Vorslellungil Spezialitäten. D. neueJuliProgr. Kinomatograph, Volksbelustigung.! fÄDerWadettrÄ1!! Jed. Mittwoch: Kinderfreudenfest Max Kliems ZoniiM'-ThM und Festsäle Rudolf Krüger Hasenheide IS/18, CW Täglich:-Wg Großes Konzert, Theater und Spezialitäten-lforstellung. Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag:Elltetag. Während und nach der Vorstellung Yan�ki-ttnaiebon. j 18-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: \ Die grandiose» Spezialitäten. Im Garten: Erelkonsert. Vor der spanischen Arena. Volksgarten-Thealer früher WeimannS Volksgarten. Täglich: Konzert. Dbeater« und Spezialitäteu-Vorstellung. Das neue Juli-Programm. Gustav Eulenburg. X Trudl Truth. Geschw. Wiedemann. The 3 Syburgs. Der Brandstifter von Berlin. Volksst. m. Ges. U. Tanz v. R-ifflingen. 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Juli 1909: 229/3* Oroßes Sommerfest im Schloß Weißensee. Fahrverhindungen mit der Stadtbahn(Nordring) u. den Straßenbahnlinien 59, 60, 61 u. 62. Mitwirkende: 20 Arbeiter-Gesangvereine X Freie Turner X Arbeiter- Athletenverein X Humoristische u. satirische Ensembles. Konzert» Gesang ü Vorträge K Feuerwerk Im Saale: T UtlZ» Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Pf. nach. Jedes Kind erhält 2 Bons; einer ist gegen eine Stocklaterne nmzutanschen, der zweite gilt zur einmaligen Benutzung der Schaukel oder des Karussells. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geöfinet. Tische u. Stühle dürfen nicht reserviert werden. Billetts Im Vorverkauf SV Pf., an der Kasse 95 Pf. Anfang mittags 19 Php. s El Sonnabend, den 24. Juli, in Kliems Festsälen, Uasenhcide 14—15: n 18. Stiftungsfest des Zweigvereins bestehend ans Konzert, tbeater- und Spezlalitätenomtellina unter freundlicher Mitwirkung des Gesangvereins Berliner Maurer. Dirig.: Herr Ostermeyer, In drei Sälen: Großer Ball. ErölTnung 3 Php.— Anfang des Konzerts 4 Php. Die Kalfeektiche steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung. PM Bei ungünstiger Witterung ist für 1500 Sitzplätze unter Zelten gesorgt. Hierzu ladet freundlich ein Das Komitee. Billefts zum Preise von 50 Pf. für Herren inkl. Tanz und 25 PI. für Danven sind bei allen Obleuten und Hnuskassierern sowie im Verbandsbureau, Engelufer 15 III, Zimmer 53, zu haben. NB. Das Bureau des Zwclgverelns: Engclnfep 15 III,'Zinimep 53, Ist am Nachmittag des 94. Juli, also am Tage des Stif tangsfestes, geschlossen _ jfrC fQesellschaltshaus Nordend, EmÄ�J | Blankenfelder Straße 16—17, vis-ä-vis dem Gethsemane-Kirchhof, J S cnipsichlt(ein Lofal allen Genossen u. Vereinen bei Beerdigungen u. AnZ-, fingen. Gut gepsfegle Biere u. vorzügliche Speisen. Kaffee in Kannen u. f t Tassen. Garten u. Saal 600 Pers. sass. Emil Ney, Tel. Amt Pankow 506. i mwwwmwwwww>wwtwwwwwwwwwwwwmmwwwwmwwmwwwwä Berliner yik-Tria Stralsunderstr.l fleinricu Franck Tel.: Amt HI 4352. 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Verlag: VorwärtSBnchdruckerei n, BerlagSanstalt Paul Singer&$o„ Berlin SW, fr-165- � 3. Keilllge des Lömiilts" Kerlilln Nslksdlstl. � w m. Seht die Wählerlisten ein! Wer sich sein Wahlrecht sichern will, benutze die Zeit, die Wählerliste einzusehen, die bis zum 30. Juli ausliegt und zwar an den Wochentagen von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr, /z Uhr, findet im Lokale des Genoffen W. Bonow unsere regelmäßige Mitglieder- Versammlung des WahlvereinS statt. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist aller Erscheinen dringend notwendig. " Versäume kein Genosse, Einsicht in die Wählerliste zu nehmen. Dieselbe liegt jetzt beim Genossen W. Bonow zu jedermanns Ein- ficht aus. Borfigwaldc-Wittenau. Am Dienstag, den 20. d. M. bei Schulze Wittenau, Mitgliederversammlung. Genossin Martha Jcetze spricht über:„Wie wird sich die wirtschaftliche Lage der Frauen nach den neuen Steuergesetzeu gestalten?"— Montag abend Handzettel- Verbreitung._ Lerlmer JVacbncbten. Mohrchcus Abschied. Nun hat die liebe Hundeseele Ruh'. Mohrchcn, das Pudel- närrische Reichsvieh a. D., hat ztvar in der Wilhelmstraße lange nicht die würdevolle Rolle gespielt wie sein ebenfalls vierbeiniger Vorgänger Tyras, aber es hatte bei seinem Reichs- steuermann einen Stein im Brett, und findige Llusfragcr wollten sogar in den Augen dieses Pudels lesen, wie die Reichsaktien sta»ideu. In letzterer Zeit hatte sich Mohrchen, das zur Statistenrolle herabgesunken ivar, hart über mangelnde Hochachtung zu beklagen. Die schwarzkutttgcn Zweibeine mit dem falschen Doppelgesicht waren ja mit dem Gehege seiner spitzen Zähne schon längst hinausgebellt worden, aber mit den frisch geadlerten Bürgerlichen, dieser undankbaren Sippe, ließ sich doch zur Not Ivieder anbändeln. Gott, so'n Reichsköter ist nicht wählerisch. Er wedelt auch die verramponiertesten Gestalten an, wenn sie ihm für seine Liebeszwecke Passen. Und plötzlich mieden fast alle diese sogenannten guten Freunde, die sich so oft bei Reichskanzlers an Sekt und Austern ans Generalunkosten delektiert hatten, die einst so gastliche Stätte wie die Ratten das sinkende Schiff. Mohrchen wurde heute von heller Raserei, morgen von tiefer Melancholie befallen. Das schönste Liebesgirren des gequälten Hundcherzens ver- fing nicht mehr, und als kurz vor dem großen Reichs- Wettersturz einer der alten Champagncrbrüder beim Reichs- Pudel seine Visitenkarte abgab, murmelte er wie der Zauber- lehrling des großen deutschen Dichters:„Ach, nun wird mir immer bänger— welche Miene, welche Blicke I" Mohrchcn war„tatterig" geworden und kaum mehr zu verdauen. Da ihm der Büchmann nicht gleich zur Pfote lag, gab der Reichs- Pudel nur ein undefinierbares Knurren von sich. Aber aus dem hintersten Hinterzimmer zitierte er selbst, der vom „Draht" gestürzte große Seiltänzer, mit Grabesstimme das alte ivahre Wort:„Es ist viel mehr vom Hunde im Menschen, als man glaubt!" Wütend sucht Mohrchen jetzt umsonst nach freisinnigen Wadenstrümpflern, an denen es seinen Aerger dafür auslassen kann, daß ihm die schönen Volksmarkknochen von den parlamentarischen Zweckessen nicht mehr zugute konimcn sollen. Sogar vor Wafferstieflern und Dreschflegeln würde der mutige Pudel nicht wie sein Herr den Schwanz einkneifcn, aber geadelte Schnapsbrüder werfen ja nur aus sicherem Hintergrunde mit Kuhmist. So denkt denn Mohrchen in ohnmächtigem Zorn wie Goldschmieds Junge und tröstet seinen aus der Innung gegraulten Meister damit, daß geteilter Schmerz halber Schmerz ist. Eine seiner letzten hundeamtlichen Taten war es, einem durch die verschlossene Hintertür geschlüpften schwarzen Schleicher die feste Versicherung zu geben, daß der vielgeliebte und noch besser gehaßte Bernhard auch diesmal nicht wie ein Schloßhund geheult habe. Sonst hätte es Mohrchen als Fach- mann ja wissen müssen. Mittlerweile hat Langohrchen seine�gute Laune und eine Geistreichigkeit wieder entdeckt. Der exmittierte Rcichspudel fand es nur etwas komisch und wenig geschmackvoll, daß die glücklichen Erben seiner Doniäne es gar so eilig haben, ihn: den Stuhl vor die Tür zu setzen, und schon neu- gierig Umschau hielten, als die große Welt noch nicht wußte. was hinter den Rcichskulisscn zusammengemimt war. Er freut sich sogar schon, die italienischen Kollegen kennen zu lernen, und studiert zum Abschicdsbellen das schöne Lied ein: So leb' denn wohl, du altes Haus, wir zieh'n hier...ohne Ruhm heraus!_ Keine Unüberlegtheit! In der FreitagSversamnAung des fünften Berliner Wahlkreises ereignete sich eine kurze Episode, auf welche ich die Aufmerksamkeit unserer Berliner Freunde und Genossen lenken möchte. In der Diskussion sprach der Barthianer Schipny von der löblichen Absicht seiner„Partei", unS bei den Landtagswahlen unter- stützen zu wollen und die sozialdemokratischen Wahlmänner in den vier zur Wahl stehenden Bezirken sofort und direkt zu wählen. Der Redner fügte aber noch hinzu, die„demokratische" Partei in Berlin werde bei den nächsten Stadtverordnetenwahlen„eigene Kandidaten" aufstellen und so die Wahl von sogenannten Frei- sinnigen zu vereiteln trachten. Robert Schmidt gab in seinem Schlußwort unserer Auf» fassung den treffendsten Ausdruck, indem er ausführte, die Absichten der Herren seien vielleicht gute, bei der notorischen Berlotternng unseres Bürgertums könnten aber ihre Maßnahmen mit großem Gleichmut von uns aufgenommen werden, schon weil ihre Aktionen von gar keinem merklichen Einflüsse auf das Wahlresultat sein würden. Gelten übrigens die von Schipny geäußerten Ansichten auch für die von der dritten Abteilung zu wählenden Stadt- verordneten, so bedeutete das praktisch eine Kampfstellung gegen die Sozialdemokratie und müßte zur Folge haben, daß wir die Herren als Gegner betrachten und als solche behandeln. Ich verweise darauf, daß wir bei der Reichs tags wähl des Jahres 1393 gleichfalls mit einem Eingreifen der da- maligen sogenannten Demokraten zu rechnen hatten. Besonders im fünften Wahlkreise führte dies unüberlegte Vorgehen zum Verlust des Kreises. Auch damals versicherte der Demokrat Herr Roß, seine Kandidatur sei nur aufgestellt, u n S den Wahlkreis zu erhalten. WaS wir aber in der damaligen Wahlbewegung vorausgesagt hatten. wurde durch die Wirklichkeit bestätigt: die Zersplitterung führte zur Stichwahl und zum Verluste des Mandates fiir die Partei. Roß. der in praktischen Organisationsfragen schon 1893 nicht belehrbar war, erhielt unter 21 132 abgegebenen Stimmen ganze 242, die Zersplitterungstaktik aber führte zur Stichwahl, in welcher wir unterlagen. ES hat dann im Kreise einer schweren und mühe- vollen Arbeit bedurft, ehe wir die Fehler dieser Herren wettmachen und das Mandat 1903 wieder erobern konnten. Herr Roß. der auch heute wieder bei den Barthianer» seine Rolle spielt, scheint die damals geübte Praxis jetzt aufs neue in Schwang bringen zu wollen. ES wäre gut, wenn sich die Partei- freunde des Herm Roß ihre Taktik rechtzeitig gründlich überlegten. > Leopold Liepma nu. In Sachen der Schönberger Untergrundbahn fand am Freitag vor dem Bezirksausschuß eine mehrstündige Be- sprechung statt, an der Vertreter der Städte Schöneberg und Eharlottenburg teilnahmen. Dem Vernehmen nach sprachen sich alle Beteiligten dahin aus, daß die Angelegenheit bei dem äußerst schwierigen Charakter der vorliegenden Streit- fragen zunächst weit mehr zur Klärung im Wege gut- licher Verständigung geeignet sei. Insbesondere erklärten die Vertreter der Stadt Schöneberg, daß sie den Zeitungsnachrichten, die die Angelegenheit so darstellten, als ob sie durch Charlottenburg verschleppt würden, voll- kommen fernständen,' Schöneberg wünsche zwar, daß das von ihm beantragte Verfahren nicht verzögert, aber auch nicht, daß die Entscheidung übers Knie gebrochen werde. So- nach steht zu hoffen, daß in der für den Südwesten von Groß-Berlin nicht unwichtigen Verkehrsfrage(es handelt sich um eine Untergrundbahn vom Schöneberger Süden bis zum Nolleudorf-Platz) eine gütliche Einigung zustande kommt und das Zwangsverfahren eingestellt wird. Der Fernsprechverkehr in und mit dem Rathause sowie mit den einzelnen städtischen Vertoaltungen bürgert sich immer mehr ein. Die Zahl der Fernsprechhauptanschlüsse beträgt jetzt schon rund 200 und die der Fcrnsprechneüenanschlüsse bereits 511. Um diese zahlreichen Anschlüsse zu bedienen, ist im Rathause ein be- sonderes Amt eingerichtet, das einem Verwalter des städtischen Fernsprechamtes und der Zentralmeldestelle für Krankenbetten unterstellt ist. Mehrere Damen sind auf dem Amt Tag und Nacht beschäftigt. Mit der Ausdehnung des Fernsprechverkehrs wächst naturlich auch die Zahl der Gespräche ständig. Heute ist diese Ein- richtung, da sämtliche Krankenanstalten, Irren- und Siechenhäuser, stadtischen Güter usw. mit dem Rathause und dadurch unterein- ander verbunden sind, unentbehrlich geworden. Einen schrecklichen Tod im Dienste erlitt gestern nachmittag um Uhr der 29 Jahre alte Rangierer Max Foth aus der Tegeler Straße 4; Er kam auf dem Lehrter Güterbahnhof so un- glücklich zu Fall, daß ihm die Räder eines Wagens über den Leib gingen und seinen Körper in zwei Teile zerschnitten. Trotz dieser furchtbaren Verletzung war der Verunglückte auf dem Wege nach dem Augustahospital, wohin seine Kameraden ihn trugen, noch bei Bewußtsein und klagte über seine Schmerzen. Im Krankenhause starb er bald unter den Händen der Aerzte. Der Verunglückte lvar kinderlos verheiratet. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich in der Nacht zum Sonnabend gegen 11 Uhr an der Ecke des Kurfürstendamm und der Wielandstraße. Der 4gjährige Kaufmann Friedrich Kern, Schöneberger Straße wohnhaft, fuhr mit einer Verwandten, einem Fräulein F., in einer Automobildroschke, von Halensee kommend, nach seiner Wohnung. An der Ecke der Wielandstraße wollte der Chauffeur einem anderen Kraftwagen ausweichen, dabei versagte die Steuerung und das Gefährt stieß gegen einen Baum. Durch den Anprall wurde K. mit dem Kopf gegen die vordere Fenster- scheide geschleudert und erlitt erhebliche Verletzungen. Das Ge-- ficht des Verunglückten war durch Glassplitter fast völlig zer- schnitten, die Nase der Länge nach gespalten und die Höhlung des rechten Auges bloßgelegt. Fräulein F. hatte nur geringe Ver- letzungen davongetragen. Die beiden Passagiere wurden nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht und erhielten dort die erste Hilfe. Dann wurde Kern, der durch den großen Blut- Verlust sehr geschwächt war, mittels Krankenwagens nach der könig- lichen Klinik in der Ziegelstraße übergeführt. Die Freitagsversammlnngen, in denen die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Rechenschaft gaben, sind alle recht glänzend verlaufen. Am besten war der Besuch im sechsten Kreise, wo die Versammlung in der Brauerei Königstadt stattfand. Nach Schluß derselben stimmten die Besucher Arbeiterlieder an. die auf der Straße ihre Fortsetzung fanden. Da der größte Teil der Genossen aus dem hohen Norden war, war es ganz naturgemäß, daß nach der Ver- sammlung— wenigstens 1000 Personen— der Schönhauser Allee zustrebten, um nach ihren Wohnungen zu kommen. Weil aber 1000 Personen nicht einzeln gehen können und weil aus der Menge Rufe: „Nieder mit dem Schnapsblock I" erschollen. macht der„Lokal- Anzeiger" einen nächtlichen DemonstrationSzug daraus. der nach dem Exerzierplätze durch die Wollinerstraße ziehen wollte. Das hätte aber die Polizei verhindert, die den Demonstranten entgegengetreten sei und sie auseinandergetrieben hätte. Uns ist von einem geplanten Zuge nach dem Exerzierplatze nichts bekannt. Richtig ist, daß die Massen friedlich bis zur Eberswalder Straße kamen, wo allerdings Schutzleute von dem hier belegenen Revier einschritten. Das war aber ganz überflüssig, da zahlreiche Versammlungsbesucher in der Sinemünder-, Bernauer Straße und auf dem Gesundbrunnen loohnten. Die vor dem Versammlungs- lokal postierte Polizei benahm sich sehr taktvoll, weshalb sich auch alles mit größter Ruhe vollzog. Unter den Rädern der Straßenbahn. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern gegen 5 Uhr nachmittags an der Ecke der Französischen und Friedrich. straße. Dort versuchte ein Herr Jiomhata Julinni aus der Berliner Straße in Tempelhof unmittelbar vor einem herannahenden Wagen der Straßenbahnlinie 80(Richtung Schlesischer Bahnhof) die Gleise zu überschreiten. Er wurde jedoch von dem Vorder» perron des Waggons erfaßt, umgestoßeil und geriet unter den Schutzrahmen. Mittels mitgeführter Winden wurde der Bahn- wagen angehoben und der Verunglückte innerhalb weniger Minuten aus seiner entsetzlichen Lage befreit. Er wurde nach der Unfall- station in der Kronenstratze gebracht, woselbst ein komplizierter Schädelbruch festgestellt wurde, und von dort nach Anlegung eines Notverbandes nach der Charite übergeführt.— Ein zweiter schwerer Unglücksfall im Stratzenbahnbetrieb hat sich auf dem Gesund- brunnen ereignet. In der Badstrahe versuchte der Schlosserlehrling Artur Tasch, Gleimstrahe 9 wohnhaft, kurz vor dem Herannahen eines Straßenbahnwagens die Gleise zu überschreiten. Er wurde umgestoßen und mit solcher Gewalt gegen die Seitenwand des Waggons geschleudert, daß er ebenfalls einen schweren Schädel. bruch erlitt. In äußerst bedenklichem Zustand fand T. im Virchow- Kraukenhaus Aufnahme._ Ein Logisschwindler in Lackstiefeln hat eine arme Frau, die selbst nichts hat, die Witwe Pyritz in der Vorsigstraße 21, geprellt. Er mietete dort vorgestern abend ein Zimmer unter der Vorspiege- lung, daß er Kellner in einer vornehmen Wirtschaft sei, und ließ sich ein gutes Abendbrot auftragen. Gestern morgen sollte die Frau die Miete und ihre Auslagen erhalten. Der Schwindler schützte aber jetzt vor, daß er noch einmal weggehen müsse, um seinen verreisten Prinzipal zu vertreten, und dann Geld mit- bringen werde. Während dann Frau Pyritz eine kranke Tochter besuchte, verschwand er und kam nicht wieder. Der armen Frau stahl erst kürzlich ein Logisschwindler den Regulator. Nicht weniger als vierzig Kesseldiebstähle sind in kurzer Zeit im Osten der Stadt verübt worden. Es hat hier jedenfalls eine Bande von„Flatterfahrern" ihre Hand im Spiel, die speziell auf die Erbeutung von wertvollen Kupferkesseln ausgeht. Die Täter brechen die Böden aus und durchsuchen sämtliche Verschlüge sowie die Waschküchen nach Kesseln. Durch die Hausbesitzer und Ver- Walter wird den Dieben das Handwerk sehr erleichtert. Häufig werden die Vorbodentüren gar nicht verschlossen und die einzelnen Bodenverschläge, die nur durch dünne Latten abgegrenzt sind, sind mit Leichtigkeit aufzubrechen. Auch im Norden und Süden der Staot sind in letzter Zeit vielfach Kesseldiebstähle ausgeführt worden. Durchgebrannt. Unter Hinterlassung bedeutender Schulden von weit über 200000 Mark flüchtig geworden ist der etwa 35 Jahre alte Architekt und Maurermeister Otto Weyhe,'Eigentümer des Hauses Neue Kantflraße 23 zu Eharlottenburg und Lebetz Owstrasje 20 sowie mehrerer Grundstücke am Schillerpark. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie ein 12 jähriger Junge am Montag abend zwischen 7— T'/a Uhr von einem Luxusautomobil in der Landsberger Allee überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Max Weiche!, Heidenfeldstr. 10 ge- langen zu lassen. Arieiter-BildungSschule Berlin. Heute, Sonntag, den 18. Juli, findet ein Familienausflug nach dem Grüne- Wald statt. Abfahrt des Zuges Potsdamer Ringbahnhof 1.45 Uhr nachmittags. Treffpunkt Bahnhof Halensee. Von Uhr ab: Restaurant„Schützenhaus", Hundekehlestr. 20 in Schmargendorf. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder und Freunde der Schule er- wartet Das Komitee. Feuerwehrbericht. Ein Kellerbrand beschäftigte die 2. Kom- pagnie in der Langestr. 63. Holz, Späne u. a. brannten dort. Ferner hatte die Feuerwehr in der Prenzlauer Straße vor dem Hause Nr. 15 ein Verkehrshindernis zu beseitigen und in der Möckernstraße, Fürsten walder u. a. Straßen kleinere Brände zu löschen. Arbeiter-S»mariicr-Kolonne. Montag abend 9 Uhr, 2. Abteilung, Brunnenstr. 154 Wiederholung und praktische Hebungen. Mittwoch Vortragsabend in Rixdorf bei Kaufhold, Erlstr. 8. Vortrag über Er- trink?», Ersticken und Bewußtlosigkeiten. Vorort- JVacbncbtem Rixdorf. AuS der MagistratSsibung. Der Magistrat beschließt die Ver- Wendung des aus dem Verwaltungsgebäude, dem vorderen Teil der Holzbaracke und dem PförtnerhauS bestehenden Teils des alten KranlenhausgrundstückeS(unter Einzäunung dieses Teils) für Zwecke der Waisenhausverwaltung. Der Operationsraum soll für Zwecke der Rettungswache zur Verfügung gestellt werden und Zugang von der Cannerstraße erhalten. Der Zugang zur DeSinfekttons- anstatt soll von der Böhmischen Straße hergestellt werden. Das Hochbauamt wird ersucht, ein genaues Projekt der Umänderungen mit Kostenanschlag aufzustellen.— Der Vorsitzende gibt Kenntnis von den Verfügungen der königlichen Regierung zu Potsdam auS Anlaß des in Kraft getretenen Lehrerbesoldungsgesetzes und von den sür Rixdorf in Betracht kommenden Ausführungsbestimmungen. Ferner Ivird davon Kenntnis gegeben, daß die auf Grund des Lehrer- besoldungsgesktzeS von 1897 der Stadtgemeinde zu zahlende staatliche Ausfallentschädigung im Betrage von 33 000 M. nach den Be- stimmungen des neuen Gesetzes bestehen bleiben wird, da ihr Be- trag höher als 2 Proz. des Einkommensteuersolls nach dem Stande vom 1. Januar 1909 ist, daß dagegen die bisherigen Staatsbeiträge künftig in Wegfall kommen.— Zum Vorsteher des Arbeitsnachweises wird der ArbertsnachweiSbeamte Zensch auS Rixdorf gewählt.— Der Magistrat genehmigt die AnPachtung des Geländes der Luisenstadtkirchengemeinde auf ein Jahr zum Pachtzinse von 3500 M. jährlich sowie die weitere Unterverpachtung der von den betreffenden Personen beziehungsweise Bereinen bereits -etzt gepachteten Grundstücksteile zu den vereinbarten Preisen.— Die Arbeitszeit für den städtischen Marktdienst soll nach dem Vorschlage des Dezernenten geregelt und eine weitere Hilfsperson eingestellt werden.— Der Magistrat beschließt, der Uebernahme des Leichenfuhrwesens in städtische Regie nach dem Vorschlage der Friedhofsdeputation näher zu treten.— Das Hochbauamt wird mit der Aufstellung eines Entwurfs ür ein Krematorium nebst Urnenhalle beauftragt. Die Beschluß- fassung über die Platzftage bleibt vorbehalten. Schöneberg. Ein„schwerer" Diebstahl ist auf dem Schöneberger Stadtpark- gelände verübt worden. Dort werden gegenwärtig die Arbeiten für Sie von der Stadt Schöneberg zu erbauende Untergrundbahn in Angriff genommen. Um die Betonfundamente des anzulegenden Bahnhofs gegen die Einflüsse des feuchten Bodens zu schützen, werden die kiefernen Holzbalken mit starken Asphaltpappen bekleidet, von denen auf dem Bauterrain große Posten aufgestapelt sind. In der verflossenen Nacht sind nun mehrere Stapel derartiger Asphalt- pappen im Gesamtgewicht von etwa zehn Zentnern gestohlen worden. Die Diebe, drei arbeitslose, bereits mehrfach vorbestrafte Gelegenheitsarbeiter aus Berlin, sind bereits ermittelt worden. Sie hatten versucht, ihre Beute bei einem Althändler in Schöneberg zu verschäöfen. Dieser schöpfte jedoch Argwohn, benachrichtigte die Polizei und diese konnte die Spitzbuben, als sie bei dem Pro- duktenhändler erschienen, um das Geld in Empfang zu nehmen, verhaften. Eharlottenburg. Eltrrnverein für freie Erziehung.'(Verein Freier Kindergarten.) Mittwoch, den 21. Juli, veranstaltet der Verein aus Wunsch zahlreicher Mütter einen Familien-Aus- flug nach Finkenkrug. Man trifft sich um 9?L Uhr vor- mittags vor dem Bahnhof Jungfernheide. Treffpunkt für Nach- zügler Forsthaus-Restaurant„Atter Finkenkrug", zwischen 3 und 4 Üljr nachmittags. Der übliche Waldausflug nach der Jungfernheide fällt infolge der größeren Veranstaltung dieses Mal aus. Die Freie Jugendorganisation Eharlottenburg hielt am letzten Sonntag ihre Halbjahres-Generalversammlung im„Volkshaus" bei gutem Besuche ab. Die Beteiligung der Mitglieder an den Veranstaltungen ist gegen früher eine gute zu nennen. Mit Opfer- freudigkeit verrichten die Bezirksführer ihre mühevolle Arbeit und geben die Verwaltungssitzungen, in denen die geschäftlichen An- gelegenheiten erledigt werden und an denen zirka 25 Funktionäre teilnehmen, ein Bild der ernsten Tätigkeit für die arbeitende Jugend. Erwähnenswert ist, daß es der Organisation gelungen ist, den Jugendlichen des Sonntags Aufenthaltsräume ohne Trink- zwang zu bieten, in denen sie sich zusammenfinden können zur Unterhaltung, zum gemeinsamen Spiel und Gesang. Zimmerspiele aller Art stehen dort zur Verfügung. Lesegelegenheit ist geboten. Die des Sonntagabends stattgefundenen Spiel- und Unterhaltungs- abende erfreuten sich allgemeiner Beliebtheit. Die Zimmerspiele wurden unterbrochen durch Gesang und Rezitationen. Dem folgten dann die Gesellschaftsspiele. Alle Veranstaltungen fanden gemein- sam für beide Geschlechter statt und ist die Beteiligung der Kalle- ginnen verhältnismäßig stark zu nennen. In der wärmeren Jahreszeit wurden fast jeden Sonntag Ausflüge und Spielpartien veranstaltet. Daneben besuchten die Mitglieder noch die Arbeiter- Wohlfahrtsausstellung und zwei Vorstellungen im Charlottenburger Schiller-Theater. Es wurden im Halbjahr 13 Versammlungen ab- gehalten, in denen 10 Vorträge gehalten wurden, die alle Wissens- gebiete behandelten. In 19 Verwaltnngs- und Vorstandssitzungcn wurden die geschäftlichen Angelegenheiten besorgt. Zur Erledigung der besonderen Aufgaben der Organisation fanden außerdem Sitzungen der Jugendschutz-, Agttations- und Spiel» und Sport- kommissionen statt. Die Mitgliederzahl ist im Halbjahr um 50 gestiegen und beträgt dieselbe jetzt 160. Das Winterprogramm gestattet sich folgendermaßen: Es sollen allmonatlich an den Sonn- tagen Mitgliederversammlungen mit Vorträgen, Theaterbesuche, Be- sichtigung von Museen und gewerblichen Betrieben und jeden Sonntagabend Spiel- und Unterhaltungsabende stattfinden. An einem bestimmten Wochentag wird ein Kursus in Volkswirtschaft eingerichtet. Bon befreundeter Seite wird ebenfalls ein Kursus in Naturwissenschaft für einen Teil der Mitglieder in Privat- räumen veranstaltet. Im Herbst findet ein Fest statt, zu dem die arbeitende Fugend unentgeltlich Zutritt haben soll. Den Jugend- lichen sollen die des Sonntags zur Verfügung stehenden Räume auch woHentags zugänglich gemacht tperöen. Da Bedürfnis vor- handen, foirb" eine besondere Jugendbibliothek eingerichtet. Der! Vorsitzende schloß seinen Bericht mit der Aufforderung zur regen Agitation unter den noch Fernstehenden. Sind doch die Gegner wieder an der Arbeit. So beraten die Fortbildungsschullehrer die Errichtung eines neuen Lehrlingsheims und die Jnnungsmeister laufen Sturm gegen die Fortbildungsschule. Alles zum Schaden der Jugend.— Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 260,31 Mark und eine Ausgabe von 179,53 M. auf, so daß ein Bestand bleibt von 80,78 M.— Die Jugendschutzkommission hatte 10 ihr zur Erledigung überwiesene Fälle zu bearbeiten mit teilweisem Erfolg. Es handelte sich meist um Uebertrctung der Schutzbestimmungen für Jugendliche, wie übermäßig lange Arbeitszeit, Nichtinnehaltung der gesetzlich festgelegten Pausen und sonstige Mißstände.— Außerdem wurden noch die Berichte der Agitations- und Spiel- und Sportkommissionen gegeben.— Nach den vorgenommenen Er- gänzungswahlen setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: 1. Vor- sitzender Paul Schiller, 2. Vorsitzender Alfred Gerlach, 1. Kassierer Fritz Winkler, 2. Kassiererin Frida Schulz. 1. Schriftführerin Lucy Schulz, 2. Schriftführer Erich Dieckmann, Beisitzer Bruno Müller. Revisoren sind G. Schiller, K. Schleef, K. Ullerich.— Alle Zuschriften, den Jugendschutz betreffend, und Betritkserklärungen sind zu richten an die Adresse des Vorsitzenden, Potsdamer Straße 38.— Am 18. und 25. Juli finden Spielpartien nach der Jungfernheide statt. Treffpunkt am 18. nachmittags 2 Uhr, am 25. morgens 7 Uhr am Wilhelmplatz. Jeder Jugendliche willkommen. Stralau. In der letzten Generalversammlung deS Wahlvereins wurden 5 Neuaufnahmen vollzogen. Nach dem Bericht des Borsitzenden fanden im verflossenen Halbjahr fünf Mitgliederversammlungen und eine öffentliche Versammlung statt. Die Bezirksleitung hielt neun Sitzungen ab. Die Zahl der„Vorwärts'leser beträgt 251 gegen 260 zu Anfang deS Jahres. Die Mitgliederzahl beträgt 303 gegen 309 am 1. Januar 1903; hiervon sind 268 männliche und 35 weibliche Mit- glieder. Die Agitation unter den Frauen wurde besonders eifrig betrieben, in den Leseabenden wurden regelmäßig den Frauen leicht verständliche Referate gehalten. Der Leseabendbesuch der Frauen war prozentual besser wie bei den männlichen Mitgliedern. Im Herbst soll mit der Diskussion über das Parteiprogramm im Lese- abend begonnen werden. Den Kassenbericht gab Genosse Gundlach. Die Einnahmen im ersten Quartal betrugen 638,65 M., die Aus- gaben 403,45 M., im zweiten Quartal Einnahmen 466 M., Ausgaben 180,45 M., bleibt Bestand 285,55 M. In der Bibliothek sind 115 Bände vorhanden. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung und Groß-Berlin wurden gewählt die Genossen Wessel und Aschen- dorf, als Ersatzmann Aue. In die Agitationskommission für den Bezirk Herzfelde wurden die Genossen Ferd. Aschendorf, Stender und Rud. Hamann delegiert. Als Delegierter zum Parteitag wird Genosse Wessel der Kreisgeneralversammlung in Vorschlag gebracht. Pankow. Die gestohlenen Denkmäler. Zweimal von Dieben heimgesucht wurde in den beiden letzten Nächten der Park des Pank-Sana- toriums in der Breiten Straße in Pankow. In den Anlagen stehen zwei Denkmäler, von denen das eine einen um Almosen flehenden Knaben, das andere einen Engel darstellt. Dreiste Diebe haben beide Figuren gestohlen. Steglitz. Achtung, Gcwerbegerichtswahlen! Die Wählerlisten liegen noch bis morgen Montag abend 7 Uhr im Rathause, Zimmer Nr. 2l, zur Eintragung aus. Wer sich nicht eintragen läßt, darf nicht wählen. Die Bezirksführer werden ersucht, die zu diesem Zwecke aus- gegebenen Listen bis spätestens heute, Sonntag abend, bei dem Gen. Hagen, Friedenau, Rheinstratze 10 III, abzugeben. Heute Ausflug(Babepartie) der Jugendlichen nach Wannscc. Treffpunkt Wannseebahnhof früh 8 Uhr. Es wird erwartet, daß die arbeitende Jugend sich recht zahlreich beteiligt, desgleichen ist die Teilnahme der Erwachse.n.en erwünscht. Dei Jugendausschuß. Teltow. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern in der Teltower Holz» industrie. Der Maschinenarbeiter Schulz, der in dem genannten Betriebe seit 14 Tagen beschäftigt ist, kam beim Fensterkehlen in die Maschine, die ihm zwei Fmger der linken Hand buchstäblich abriß. Trebbin(Kreis Teltow). In der letzten Stadtverordnetensitzung nahm zunächst vor Ein- tritt in die Tagesordnung Herr Ribbek das Wort, um festzustellen, daß es ungehörig sei, wenn einem Stadtverordneten seine Haltung in gewissen Angelegenheiten nachgetragen werde, wie es ihm bei der Vergebung des städtischen Turnplatzes an den Landwehrvereiu ergangen sei. Der Stadtverordnete Haase als Vorsitzender des Ver- eins soll Herrn Ribbek, der Bahnhofswirt ist, den Boykott erklärt haben. Herr Haase bestritt das, was er persönlich tue, sei seine Sache. Genosse Hiebsch führte Beschwerde über den Dezernenten der Marktkommission, der bei Vergebung der Stände zu dem Land- wchrfest die Konimissionsmitglieder ausgeschaltet und versucht habe, Bürger, die sich um Stände beworben hätten, abzuschieben. Da der Dezernent nicht anwesend war, wurde die Debatte beendet.— Tie Aufnahme einer Anleihe von 150 000 M. bei der Sparkasse des Kreises Teltow für den Schulhausneubau, mit 4 Proz. Verzinsung und 114 Proz. Tilgung, wird einstimmig angenommen. Die Ber- liner Chaussee am alten Kirchhof bedarf dringend einer Verbreite- rung. Der Gemeindekirchenrat beschloß die unentgeltliche Hergabe des benötigten Geländes unter der Bedingung, daß die Stadt die Kosten für die Zurücksetzung des Einganges und des Zaunes über- nimmt. Diese dürsten zirka 190 M. betragen und werden bewilligt. Weiter beschließt die Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, zwecks eiliger Regulierung der Straße recht bald Verhandlungen mit der Frau Röseler und Fräulein Götze einzuleiten zwecks An- kaufs der Vorgärten. Genosse Kärgel stellte den Antrag, jedem Mit- gliede die Tagesordnung mit kleinen Erläuterungen zuzusenden. Der Antrag wurde nach längerer Debatte angenommen. Genosse Ritter ftug an, ob durch den Umstand, das; der Maurermeister Haase, der den Zuschlag erhalten hatte, die Badeanstalt wicht baut, sondern Herr Buchner, Mehrkosten entstehen. Der Herr Bürger- meister antwortete mit einem schroffen„Nein!" Gen. Schönsee wandte sich gegen diese kurzabweisende Antwort. Stadtv. Ribbek erklärte, daß es sich um zirka 150 M. handeln werde. Herr Haase teilte mit, daß er die vorgeschriebenen Träger nicht zur bestimmten Zeit hätte bekommen können. Seriedts- Leitung. Soldatenfreuden. Infame Soldatenmißhandlungen in Görlitz bildeten den Hintergrund einer Verhandlung, die am 15. d. M. in Hannover vor dem Oberkriegsgericht des 10. Armee- korps stattfand. Der aus Görlitz gebürtige 21jährige Unter» offizier der Reserve Felix Fuhrig von der zweiten Kompagnie deS 2. Pos. Infanterieregiments(von Courbiere) Nr. 19 erhielt Ende Oktober v. I. Kenntnis, daß ein Offizier sich über seine Rekrutenabteilung tadelnd geäußert habe. Sofort gewann er die Ueberzeugung, die Leute doppelt zwiebeln zu müssen. Als er sie am 31. Oktober v. I. abends zu den Brausebädern führen mußte, jagte er sie zunächst aus der Stube aus den Korridor hinaus, wo sie sich mindestens zehnmal hinlegen und dann wiederholt an- dauernd Kniebeugen machen mußten. Nach dem Baden ließ er die Leute mindestens vierzigmal sich lang hinlegen und wieder ausstehen, auch war er so raffiniert, bei dieser Schleiferei die „kleinen Kniebeugen" nicht zu vergessen. Der Schluß dieser Uebung brachte den gepeinigten Rekruten nsch das Vergnügen einer der. schlossenen Küche. Dabei wären die Leute„völlig alle", die meisten hatten Atembeschwerden und Zittern in den Knien, der Rekrut Przewisny erlitt sogar als unmittelbare Folge eine Ohnmacht. Nur dadurch, daß dieser Rekrut hinter- her erkrankte und wegen L u ng �n s p i tzeiust a tu�nh und Herzschwäche im Lazarett Aufnahme finden mustte, ist der empörende Vorfall bekannt und seine Meldung ermöglicht worden. Pr. ist schließlich als d i e n st u n t a u g l i ch mit 100 Proz. Er- werbsunfähigkeit entlassen worden!! Die Kompagnie zog die Konsequenzen und verzichtete auf den„schneidigen" Unteroffizier, der am 17. Dezember v. I. den Dienst verließ und jetzt als Gold- schmiedegchilfe in Einbeck tätig ist. Mannigfacher Umstände wegen kam der Fall erst am 15. Juni d. I. in Pose n vor dem Kriegsgericht der 10. Division zur Verhandlung. In letzterer wurde festgestellt, daß das unglückliche Opfer des Unteroffiziers den Keim zu seinem Leiden schon vorher in sich getragen haben könnte und daß dann der Ausbruch des Leidens infolge der inkriminierten„Behandlung" einen bedauerlichen unglücklichen Zu- fall darstellen würde. Immerhin erschienen die unter Anklage ge- stellten Handlungen des Unteroffiziers dem Kriegsgericht derartig bedenklich, daß es ihn wegen Mißhandlung eines Untergebenen doch zu 6 Monaten Gefängnis und Degradation ver- urteilte. Gegen dieses Urteil erhob Fuhrig, der sich zu hart bestraft fühlte, Berufung unter Anfechtung der Strafhöhc. Mit der Erledigung der Berufung wurde das Obcrkricgsgericht des 10. Armeekorps beauftragt. Letzteres hat der Berufung statt- gegeben, das erstinstanzliche Urteil aufgehoben und neben der Degradation eine Gefängnisstrafe von drei Monaten als aus- reichende Sühne erachtet. Es müsse, so wird in den Gründen ■ dieses Erkenntnisses. ausgeführt, als besonders strafmildernd be- rücksichtigt werden, daß der Angeklagte das„Pech" hatte, in seiner Abteilung in der Person des Pr. einen an und für sich schwächlichen und kranken Mann zu haben, und daß ferner die bedauerlichen späteren Krankheitserscheinungen möglicherweise auch ohne sein Zutun eingetreten wären!! Unvorsichtiges Beladen von Holzfuhrwerkcn und Hastpflicht des Unternehmers für seinen Fuhrknecht. Infolge eines Holztransportes des Holzhändlers D. war der Zimmermann Z. tödlich verunglückt. Seine Hinterbliebenen machen Schadenersatzansprüche gegen den Holzhändler geltend, da der Holz- lransport in fahrlässiger Werse vor sich gegangen war. Es war ein vier Meter langer und ein Meter breiter Wagen in der Weise beladen worden, daß darauf zunächst Balken, Dielen und Latten in Länge von vier bis sechs Metern, auf diese aber drei Balken von je elf Meter Länge gelegt wurden. Diese längeren Balken ragten über ihre Unterlage vorn etwa 2, hinten etwa ö Meter hervor. Die ganze Ladung war dann mit zwei Ketten unischlungen. Schon ehe der Wagen an die Unfallstelle— eine zur Ableitung von Wasser dienende Rinne— gelangt war, lagen die drei langen Balken mindestens mit ihrem binteren Teile insgesamt auf der rechten Seite des Wagens, und die hintere Kette scheuerte bei der Bewegung des Wagens an dessen Hinterrade. Infolge des Stoße? beim Ueber- queren der Rinne, aber auch infolge davon, daß die langen Balken den obersten Teil der Ladung bildeten und in der erwähnten Weise auf der rechten Seite des Wagens lagen, schlug der Wagen nach der rechten Seite um. Hierbei war der Verunglückte durch einen herab- fallenden Balken am Kopf getroffen worden. Vom Landgericht Mülhausen wurde der Schadenersatzanspruch gegen den beklagten Holzhändler zu zwei Dritteln dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Diese Entscheidung hatten beide Teile vor dem OberlandeSgericht Kolmar als Berufungsinstanz angegriffen. Das Oberlandesgericht wies die Berufung der Kläger zurück und er- kannte atlf die Berufung des Beklagten abändernd dahin, daß eS ihn nur zur Hälfte dem Grunde nach verurteilte. Gegen dieses Urteil hat der Beklagte noch Revision beim Reichsgericht eingelegt, die aber mit der Maßgabe zurückgewiesen wurde, daß der Anspruch als dem Grunde nach zur Hälfte für die Zeit zu gelten habe, in welcher der Verunglückte während der mutmaßlichen Dauer seines LebenS den Klägern zur Gewährung ihres Unterhalts verpflichtet gewesen sei. Das Reichsgericht bestätigt in seinen EntscheidungSgründcn die Annahme des Oberlandesgerichts Kolmar dahin, daß die Beladung des Wagens in mehrfacher Beziehung fehlerhaft gewesen sei. So hätten Balken von einer Länge von 11 Bietern auf einem Wagen, der nur vier Meter lang war, überhaupt nicht befördert werden dürfen, keinesfalls aber in der Weise, daß sie auf die unteren, weit kürzeren Hölzer gelegt wurden. Ebenso sei die Umschnürung der Ladung fehlerhaft gewesen, so daß diese Balken durch die Erschütterung während der Fahrt alle auf die rechte Wagenseite hätten gleiten können. Kautionsschwinbel. Zwei gefährliche Schwindler mußten sich unter der Anklage des Betruges vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg verantworten. Der Kaufmann Fritz Seifert und der Maurermeister Schmidt aus Friedenau, zwei völlig mittellose Leute, kauften im September 1908 das in der Hauptstraße in Schvneberg gelegene chemische La- boratoriurn von Hofer zum Preise von 15 000 M. In diesem „Laboratorium" wurde lediglich ein Haarwasser fabriziert, welches einen Wert von einigen Pfennigen hatte, aber zum Preise von 1 M. pro Flasche an diejenigen,„die nicht alle werden", verkaust wurde. Dieses demnach sehr gutgehende und rentable Geschäft wurde von den Angeklagten gegen zwei Wechsel über je 2500 M. gekauft, der Rest von 10 000 M. sollte in der Weise getilgt werden, daß die An- geklagten von-jeder verkauften Flasche 5 Pf. an den früheren Be- sitzer des Laboratoriums abzuführen hatten. Da die beiden Haar- wassersabrikanten nun völlig mittellos loaren, kamen sie dahin libcrein, sich das übrige Betriebskapital auf dem Wege des Kautionsschwindels zu beschaffen. Sie suchten durch Inserate Bureaudicner, Kassenboten, Buchhalter usw., denen sie eine Kaution von 1000 M. abnahmen. Dies wurde damit begründet, daß sie sich gegen einen„Verrat des Fabrikationsgeheimnisses" des Haarwassers schützen wollten, welches sie übrigens gar nicht selbst fabrizierten. Es fanden sich Leute, die auf den Leim gingen und ihre mühsam gemachten Ersparnige opferten. Eine Zwangsvollstreckung blieb fruchtlos, da die sämtlichen Bureauutensilien, wie es in solchen Fällen üblich ist, der Ehefrau Schmidt gehörten. Das Gericht erkannte unter Berücksichtigung der Gemeingefährlichkeit des Treibens der Angeklggten auf je 4 Monate Gefängnis, VerrniseKtLS. I« der Affäre von Zeuucr hat, wie aus Stendal berichtet wird, die Untersuchung ergeben, daß Zeuner tatsächlich von dem Ein- jährigen Baumgart erschossen worden ist. Nach der Tat begab sich Baumgart, nachdem er versucht hatte, noch einen zweiten Schuß ab- zugeben, in das gegenüberliegende Zimmer des Einjährigen Voß und würgte diesen,'wurde jedoch von der auf den Schuß herbei- geeilten Kasernenwache festgenommen. Baumgart will, wie das „Altmärkische Jntelligenzblatt" meldet, sich der Tat nicht mehr er- innern, nur will er durch Neckereien, daß er nicht Gefreiter geworden sei, erregt gewesen sein. Drei Kinder verbrannt. G r a u d e n z, 17. Juli. Im benach- harten Pastwisko sind, wie der„Gesellige" meldet, drei Kinder des Milchfahrcrs Kichn verbrannt. Das zehnjährige Mädchen machte in Abwesenheit der Eltern mit Petroleum Feuer an, wobei die Kanne explodierte._ Erdbeben in Griechenland. Athen, 17. Juli. I» der Provinz EliS dauern die Erdstöße an. Bei dem Dorfe Pouhioti, in dem sämtliche Hänser eingestürzt und 50 Personen verwundet sind, darunter 10 tödlich, fließt die Lava aus einem Erdriß von 25 Zentimeter Breite. AuS Pozaiti werden 2 Tote, aus Daunza 4 Tote und 24 Verwundete gemeldet. Amalias ist zn drei Vierteln unbewohnbar. Die Einwohner der heimgesuchte« Dörfer übernachten im Freien., V 9 iv W O % �£€666««»«»SSSSSS� � Das Fest der silbernen Hoch- w zeit seien, beute Sonntag, den 18. Juli, die Eheleute M-ll'll.MMlitjneWme Berlin N., Schwedenstr. 18. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Polierer Mred Perschode am 15. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. Markus-Kirch- Hofes in Wilhelmsberg auS statt. Am 18. Juli starb uofer Kollege, | der Polierer August Kunz. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den IS. Juli, nach- mitlags 3'/, Uhr, auf dem städti- schen Friedhof in der Müller- slratze stall. Um rege Beteiligung ersucht 87/3 vi« Ortsverwallung. Tantsagiing. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung nieincs lieben BruderS, de» SchristsetzerS be7b Otto Weinhold sage ich allen seinen Freunden und Kollegen vom Verlag„Sporn", vom Verlag Strauß sowie vom Verbmid der Buchdrucker und Schristgießer meinen herzlichsten Dank. Her-nrniin Welnhold. Bhunen-u.Kränzliinderei Aug. Krause» Wiener Straße 7, liefert Vereinskränze usw. billigst.* Mami der LitboppheD, SleiDörueker u. verw. Berufe. Mitgliedschaft Berlin III.(Lithogr.) Am 14. Juli verstarb unser Mitglied, der Lithograph Georx Hernp in Wittsiock an der Lungen- schwiiidsuchtimAItervonLSJahrcn. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt Sonn- tag, den 18. Juli, nachmiitags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kemewde.Frtedhofes in RummelS- bürg, Verlängerte Lückstraße, aus statt. 286/13 Um rege Beteiligung ersucht DI« Verwaltung. Derband der Maler. Lackierer, Anstreicher usw.! Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer �iclisrc! Atericte am Donnerstag, den 15. Juli Ivos verstorben ist. 129/8 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Juki, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhofes in Friedrichsseide auS statt. Nege Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben SohneS IZra»» Welche! sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 5896 Max Weichet"Äfc? Heidenscld-Straße 10. Turnverein„Fichte". Am Mittwoch, ben 14. Juli, verstarb unser Turngenosse IBridi Leltel Mitglied der in. LchrlingS-Wt. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Juki, nachm. 4 Uhr. von der Halle des Fried- hofeS der Frcirellgiöfen Gemeinde, Pappclallce 15-17, auS stait. Um reg« BeteUigung ersucht 55Sb Iber Vorstand. taiMder lÄÄÄ �ZeDtralveM d. Stukkateure Deutsebiaods. Die Beerdigung des Kollegen danovraltl findet morgen wegen Beschlagnahme des Leichnams nicht statt. Bio Ortsverwaltung, Dr. Hans Sello9 Spezialarzt für Ohren-, Hals- und Nasenkranke, wohnt jetzt Medffreße W Sprechstunde: 9- Wi.-A. 7917. '/-II.'/.5-6. 1 Billigste Bozngsqnelle I gedleg.Twgame IWestmannsl Trauer-Magazin 1 Berlin W.LMohrenstr. 37a 1 | NO., Gr. Frankf. 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Firma Staats, Oberbaumstr. 5 und der Bau Winscheidstr. 8 in Char- lottenburg. Bkosel, Mariannen straße 31/32. Sämtliche Betriebe in den Orten Rathenow, Fürftcnwalde.Mus- kau. Nürnberg und Magde« bürg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- induslrie das Vermittclungsbureau Blankenfeldestr. 4 streng zu meiden. Für Einsetzer: der Bau Lcnbachstraffe 16. Für Korbmacher: Körtier in Nowawes. _ Tie OrtSverwaltung. Stukkateure! Die Firma Coring<& Geißler, Schmargendorf, ist wegen Maß- regctung gesperrt k* Bau Nassauischeftraste 52/53, Bau Hähnclstrastc 8, Bau Waguerplatz. IDieOrtsvfcrn-altnng. FTIcfcnkger und Hilfsarbeiter. Wegen Nichtanerkennung und Um- ehung des Akkordtarffes sind folgende (imtm und Subunternehmer g c> p e r r t: 138/9» Gebr. Vogel: Sub. Holzwarlh u. Lehmann. Bauten: Charlotten- bürg: Neue Grolman-, Ecke Bis- marckstraße; Eiienzahnstr. 41', Bcr. liner Str. 33. Schöueberg: Berch. tesgadener Straße, Bau Anker, unk Berliner straße, Ecke Landhausstraße Lichtenberg: Weichsel-, Weser- und Oderstraßcn-Ecke. Dü»eber bei Rosenseld: Reichs- Militär- Ger. Lictzensee, Kaiserdainm 8, Franks. Allee, Kloster- und Königstraßc, Ecke, Lindenstraße Versicherung Bam, bergerstraße 32; Klaus, Groth straße, Westend. Bielefeld bei Villeroy u. Boch- Jagow-, Ecke Menzeistraße, Grüne. Wald. Bauten: Wangenh. und Lina- straße, Ecke Grunewald-Olivaer-Platz. Boßbacb b. Schachtzick u. Meli»: Johanncsslist, Hakensclde b. Spandau. Börr: Sub: Hamdors, Meher. Wüsthos, Gronski u. Hochgräse; Span- daucr Bockbraucrei, Gerlrandenstraße; Mosdors- Straße- Treptow; Kaiser- Allee- Friedenau; und Stippstraße- Zentrum. Schnialisch JfcBelow; Sub: Lähme, Motzstr. 2;� Landhausstr. k und 50,- Baoiberger Str. 33. Schöne. berg. Charlottenburg: Winscheio. straße, Bau Schräder, Paulsborncr und Westphälischcstraße 70, Halc ffee, Münzstraße 40 bei Hackepeter/ Fric denau: Stubenrauch-, Ecke Goslar- straße: Ztr. Münzstraße bei Hackepeter. Im Austrage der drei Fliesenleger- HilssarbeitcrOrganisationen Berlins H. IValdheim, Schöiiebcrg, Meininger- straße 8, Sprechlokal: Haupt str. 98. Tel.: Amt VI 2934. Einem Teile unserer heutige»» Auflage— für Norde« und Nordosten— lieg» cü» Prospekt des Warenhauses Bax I-ascrstein, Berlin Bf,, Wörther. Straste 39 bei. Sur den Inseratenteil verantw.: Tj,Vl?ike. Berlin, DruSu-Verlag: BorwärtsBuÄdruckerei u. Verlagsanstalt.Parti Singer& Cq°�rlis SW»