Nr. 16«. flbonncmentS'Bedlngungen: tlbonnementZ- PreiZ pränumerando i Lierteljährl. S£0 Mä, monatl. 1,10 SRI, wöchentlich 28 Pfg. frei inä Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. uummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- '"reisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PoslabonnemeiNs nehmen an: Belgien, Dänemarl, Solland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrfAdat tZgl!» auCer moataa«. Verlinev VolksblÄkk. Die TnfertlonS'Gcbüfjr veträgt für die scchsgespaltene Kolonel- zelle oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Vcrsamnilungs-Anzeigen 80 Psg. „At-ine Snreigen", das erste ssctt- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- ftellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jcdcZ weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnet, Telegramm- Adresse: „S»lalilil»olira« Rellin" Zentralorgan der fozialdemokrati leben Partei Deutfchlande. Redaktion t SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 20. Juli 1909. Expedition: SRI. 68, Lindenstrasoe 69» Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981. Aahlrechts-Liigelmacher. Wie bringend nötig es ist, daß die Agitation für die preußische Wahlreform unter den Massen der Wahlentrechteten auch nicht einen Augenblick zur Ruhe kommt, daß vielmehr die Wahlrechtsbewegung das Fühlen der Massen völlig beherrscht und die Kundgebungen für das allgemeine gleiche Wahlrecht zu einem allgewaltigen, unwiderstehlichen Strome anschwellen läßt, beweist das heiße Bemühen der Konservativen, die ja doch nun einmal unvermeidliche Wahlreform von vornherein zu cineni Reförmchen der kümmerlichsten Art zu verkrüppeln. Daß die Krone ihr feierliches Versprechen einlösen und eine Wahlreform für Preußen schaffen muß, will sie nicht selbst in den loyalsten Kreisen ihr Ansehen in der schlimmsten Weise gefährden, liegt auf der Hand. Diese Anerkennung lag sogar in der Rede des Herrn v. Heydebrand. Der konser- vative Führer machte zwar aus seiner Feindschaft gegen eine Wahlreform kein Hehl, aber er sah sich doch dem Versprechen der Krone gegenüber zu dem Zu geständniS genötigt, daß auch das Dreiklasscnwahlrccht nicht den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht darstelle. Daß man auch sonst in einflußreichen konservativen Kreisen nicht hofft, das Dreiklassenwahlsystem in seiner ganzen skurrilen und empörenden Widersinnigkeit aufrechterhalten zu können, beweist die Wochenschau der„Kreuz- Zeitung", des führenden Organs der konservativen Partei. In dieser Wochenschau wird dargelegt, daß der Abgeordnete v. Heydebrand gerade heraus erklärt habe, daß die konser- vative Partei„nicht daran denke, zeitgeni ätzen Reformen in Wahlrechtsfragen sich zu wider- setzen".„Die Aufgabe der Regierung wird es also sein, in aller Ruhe und Stille die mittlere Linie nüt den Fraktionen zu suchen, mit d e n Fraktionen, die ehrlich gewillt sind, Re formen durchzuführen, nicht aber neuen Stoff für die Partei agitation zu schaffen." Das konservative Hauptorgan erklärt also, sich mit dem Gedanken einer preußischen Wahlreform ausgesöhnt zu haben. Freilich erklärt es nur solche Reformen für diskutabel, die „nicht neuen Stoff für die Parteiagitation liefern". Was es aber darunter ungefähr versteht, erhellt aus der dann folgenden weitläufigen Polemik gegen die allzu anspruchsvollen— Nationalliberalen. Ihre Aumaßlichkeit habe ihnen denn auch bereits ihre besten Männer gekostet und sie von der Höhe der ausschlaggebenden Partei jäh herabgestürzt. Das Blatt schließt seine Mahnung an die Baffermänuer: „Danach werden wohl die Nationalliberalcn einer Zeit streng ster Ncrvcnschonung bedürfen, che sie sich überzeugen, daß mit diesem doch recht liberal denkenden Kanzler auf absehbare Zeit gerechnet werden m u ß und daß auf einen Kanzler von„ent- schieden liberaler" Richtung vorläufig nicht gerechnet werden kann. Vielleicht werden sie dann umgänglicher und begnügen sich wie andere Parteien mit dem Erreichbaren. An dem guten Willen der Konservativen, die Parteischwierigkeiten zu überwinden, darf der Kanzler dagegen nicht zweifeln. Solange der Rechten nicht zugemutet wird, sich dem Kommando der Linken unterzuordnen, ist sie fügsam und fleißig und jedenfalls frei von allem Doktrinarismus." Man erkennt hier deutlich die konservative Taktik: Einen bedingungslosen Widerstand gegen die von der Krone ver- hcißene Wahlreform will man nicht riskieren. Man will ent- gegenkommend sein, sich de? Wahlreform„freundlich" an- nehmen, um aus dem Adoptivkind einen hilflosen Krüppel zu machen, vor dem sogar die Nationalliberalen einen leisen Schauder empfinden. Aber selbst diese Sorte Wahlrechtsfreundschaft, selbst dies von arger List diktierte Entgegenkommen geht der„Deutschen Tageszeitung" zu weit. Das Agrarierorgan will an der Treiklassenschmach schlechterdings nicht gerüttelt haben. Es wettert in seiner Abendnummer vom Montag: „iDie„Kreuzzeitung" bringt in ihrer letzten Wochenschau zwei Erörterungen, die wir nicht ganz unwidersprochen lassen möchten. Sie weist darauf hin, das; der Abgeordnete von Heyde- brand in seiner bekannten Rede crllärt hat, daß die konservative Partei sich„zeitgemäßen" Wahlrechtsreformen nicht widersetzen werde. Die Aufgabe der Regierung werde, so meint das konservative Organ, sein, in aller Ruhe und Stille mit den Fraktionen, denen es sachlich auf eine Reform des preußischen Wahlrechts ankomme, die mittlere Linie für diese Reform zu suchen. Wir wissen nicht, ob die„Kreuzzeitung" mit diesen Ausführungen den neuen preußischen Ministerpräsi- Kenten ermutigen wollte, die preußische Wahlreform dem» nächst in Angriff zu nehmen; sollten sie in diesem Sinne gemeint sein, so würden wir es nicht recht verstehen können, weshalb das leitende konservative Blatt in dieser Frage nicht den Grundsatz des guieta non movere befolgt hat. Wir möchten unsererseits sachlich nur bemerken: Für eine preußische Wahl- rcform müßten z w e i wichtige Gesichtspunkte maß- gebend sein. Sie müßte die gegenwärtige Wahlkreis- einteilung unberührt lassen.... Der andere Gesichts- Punkt für eine etwaige Wahlreform in Preußen wird das Bestreben sein müssen, den hauptsächlich st en Berufs- ständen auf irgendeine Weise eine angemessene Vertretung im preußischen Abgeordnetenhause zu sichern und auf keinen Fall einfach die Zahl und die Masse zum a u s s ch l a g- gebenden Faktor bei der Landtagswahl zu machen. In diesen beiden Forderungen dürfte die konservative Partei zweifellos auf demselben Boden stehen wie wir. Wir glauben aber auch, baß sie es bedauern würde« wenn die Regierung überhaupt durch Anschneiden der preußischen WahlrechtSsrage bald wieder ein Moment schwerer Beunruhigung in unser po- litisches Leben hineintragen würde." Dar Organ der Steuerscheuen und Liebesgaben- empfänger will also die Ruhe überhaupt nicht gestört haben. Es will keine neuen Beunruhigungen. Offenbar glaubt es, daß die durch die neuen Steuern erregte Unruhe allein schon für ein paar Jahre ausreicht. Zugleis aber sagt es unverblümt, daß, wenn denn schon einmal eine Wahlreform unvermeid- lich sei, zweierlei unerschüttert bleiben müsse: die skandalöse Ungleichheit der Wahlkreise zu- gunsten der Parteien des Schnapsblocks und das Ueber- gewicht der besitzenden reaktionären Min- d e r h e i t durch Schaffung eines st ä n d i s ch en Wahlrechts. Diese Stellungnahme der Konservativen und Agrarier zur Wahlreform ist ja nichts Neues. Aber die arglistige Nachgiebigkeit der„Kreuzzeitung" einerseits und das drohende Ultimatum der„Deutschen Tageszeitung" anderer- seits beweisen gerade, daß das Proletariat den Kampf um die Wahlreform mit verzehn- sachter Energie führen muß, will es nicht von der Reaktion in der schmachvoll st en Weise um seine Rechte geprellt werden! Die Zeit für einen erneuten Volkssturm ist bei der Empörung der Massen über die schamlose Steuerausbeutung günstiger denn je. Das Proletariat muß die Situation nützen. Es mutz die Führung im Wahlrechtskampfe erlangen und behalten. Es muß die Intrigen und Gegenaktionen der Wahlrechtsfeinde zuschanden machen! Der Kampf gegen den Schnapsblock ist nur dann mit Er- folg zu führen, wenn das blau-schwarze Kartell in seiner festesten Zwingburg, seiner durch die plutokratisch-agrarische Wahlrechtsschmach verschanzten sichersten Zufluchtsstätte an- gegriffen und geschlagen wird:..Im preußischen L a n dt a g I Der sozialpolitische ßcichshanzlcr. Die Christlichsozialcn, die in jedem neuen Minister den Träger einer neuen glückverheißenden Aera zu begrüßen pflegen, sind auch diesmal mit„Freude und Stolz" erfüllt,„daß ein Mann wie Dr. von Bethmann Hollweg zur Reichskanzlerschaft berufen wurde". Warum? Weil Herr von Bethmann Hollweg im Oktober 1907 auf dem Kongreß der christlichnationalen Arbeiter, jener gegen die Sozialdemokratie gerichteten Veranstaltung der christlichen Ge werkschaften, der konfessionellen Arbeitervereine und des anti semitischen Handlungsgehilfenverbandes, erschien und dort, wie daS „Reich" versichert,„machtvolle Worte über die Stellung des deutschen Arbeiters innerhalb der deutschen Volkswirtschaft und deS staatlichen Gemeinwesens sprach." Und wie lauteten diese„macht- vollen Worte"?" Wir nehmen das Protokoll deS genannten Kongresses zur Hand und finden dort, daß Herr von Bethmann Hollweg seine Freude aussprach über die Erstarkung der christlichnationalen Arbeiter- bewegung. Aber hier gelte der Satz, daß je größere Macht einer habe, um so höher seine Verantwortung steige. Gewiß sei es berechtigt, daß Arbeiter sich zu Vereinigungen sammelten und auf diese Weise mit allen Mitteln die Wirtschaft- liche, soziale und sittliche Wohlfahrt ihres Standes zu heben suchten. Aber der Mensch unterliege dabei leicht der Gefahr, die erlangte Mach.t zum Nachteil anderer auszunutzen. Die ganze Weltgeschichte sei Zeuge davon, und auch die Koalitionen seien dieser Gefahr unterworfen. Der Minister erinnerte an den T e r r 0 r i s m u S, der nicht nur den moralischen Halt der Menschen vernichte, sondern auch ganze wirtschaftliche Existenzen zu zer- trümmern geneigt sei; er erinnerte an die Sozialdemo- kratie, die Haß und Neid errege und jeden außerhalb ihrer Reihen als Todfeind ansehe. Man versteht allenfalls, daß nichtsozialdemokratische Arbeiter die letzten Sätze als„machtvolle Worte" ansehen, aber im all- gemeinen werden die Ausführungen de? damaligen Staats- sekretärS von jedem auch nur halbwegs selbbewußten Arbeiter als eine höchst anmaßliche Schulmeisterei empfunden. So etwa? lassen sich allenfalls unmündige Schulbuben, aber nimmermehr Männer gefallen, die da wissen, was sie sich und ihrer Klasse schuldig sind. Aber es kommt noch besser. Der Redner fuhr fort: „Sie, meine Herren, wollen, wie einer der Ihrigen e» bei der Eröffnung des ersten deutschen Arbeiterkongresses(Frank- furt 1903) ausgedrückt hat, daß unter den deutschen Arbeitern wieder die vier Grundpfeiler aufgerichtet werden, die ihre glückliche Zukunft sichern: Fleiß, Gottesfurcht, Nüchternheit und Zufriedenheit. Das mag eine weniger zugkräftige Parole sein als jene andere(die sozialdemo- kratische). und in den Kämpfen deS wirtschaftlichen LebenS, in denen es hart auf hart geht, tut sich Ihnen die Versuchung auf, ob sie es nicht jenen anderen gleichmachen, hinter ihnen nicht zurückstehen wollen in dem Umfange ihrer Forderungen und in der Rücksichtslosigkeit ihrer Vertretung. Ich würde es für ein schweres Verhängnis halten, wenn Sie dieser Versuchung er- lägen." Wie muß eS in den Köpfen von Arbeitern aussehen, die in der altväterlichen Ermahnung zum Fleiß, zur Gottesfurcht, Nüchternheit und Zufriedenheit, die angeblich das Glück und die Zukunft der Arbeiter sichern,„machtvolle Worte" zu erblicken und einen Mann, der den Arbeitern weiter nichts zu empfehlen, mit Freude und Stolz" zu begrüßen vermögen? Allerdings war eS jg Vicht der Herr von Bethmann Hollweg. der diese Tugevdev ent, deckt hat, er zitierte ja nur die Christlichen selber, die sich auf daS Gottesfurchts-, Nüchternheits- und Zufriedenheitsprogramm der- pflichtet hatten. Insofern trafen sich hier die Geister und Reichs- kanzler und christlichnationale Arbeiterbewegung sind einander würdig. Damals war in christlichen Kreisen das Schlagwort von der Einordnung der Arbeiterbewegung in die be- stehende Gesellschaftsordnung auf der Grund- läge der Gleichberechtigung im Schwange. Herr von Bethmann erinnerte sich des Wortes und erklärte sich bereit, mit- zuwirken an der Aufgabe,„die mächtige Arbeiterbewegung unserer Tage einzuordnen in die bestehende Gesellschaft". Hat das christliche Schlagwort allenfalls einen Sinn, so wird der Satz des damaligen Staatssekretärs und jetzigen Reichskanzlers zur inhaltlosen Phrase. Die Arbeiterbewegung ist auch ohne Herrn von Bethmann Hollweg eingeordnet in die bestehende Gesellschaft, das wesentliche der christ- lichnationalen Forderung, daß diese Einordnung stattfinde auf der Grundlage der Gleichberechtigung, hat der Mann der„machtvollen Worte" wohlweislich ausgelassen— was übrigens die Kongreßteil- nehmer nicht hinderte, der inhaltlosen Phrase„st ü r m i s ch e n, anhaltenden Beifall" zu spenden, ein Beweis, daß sie an ihren Forderungen auch dann Gefallen finden, wenn ihnen jeder Sinn genommen wird. Die sozialistische Arbeiterschaft ist nicht so beifallsfreudig und nicht so bescheiden, um sich an den Tugenden des Fleißes, der Nüchternheit, Gottessiircht und Zufriedenheit genügen zu lassen. Der neue Reichskanzler wird noch Gelegenheit haben, herauszu- finden, daß die„mächtige Arbeiterbewegung unserer Tage", die übrigens nicht auf chrisjlichnationaler Seite zu suchen ist, etwas höhere Ansprüche stellt. Zehn Zahre lozialdemoftratitcher Kämpfe in Finnland. Aus Helsingfors wird uns geschrieben: Am 20. Juli sind es zehn Jahre, daß die Vertreter der finnischen Arbeitervereine auf ihrem dritten Kongreß zu Äbo (sprich: Obo) den Beschluß faßten, in die Reihen der Jnter- nationalen Sozialdemokratie einzutreten. Von den aus 34 Arbeitervereinen entsandten 82 Abgeordneten stimmten 83 für und 3 gegen die sozialdemokratischen Grundsätze. Nach dem Kongreß schlössen sich noch weitere 30 Vereine an, so daß die junge Partei, die den offiziellen Namen„Die finnische Arbeiterpartei" an- nahm, am Schluß des Jahres 9446 Mitglieder zählte, darunter 1009 Frauen. DaS auf dem ersten Kongreß angenommene Programm bestand aus bloß 13 Punkten, die nur den Grundgedanken kurz ausdrückten und einige der Hanptforderungen fixierten. Erst 1903 wurde das eigentliche Programm und der Name „Sozialdemokratische Partei Finnlands" angenommen. Die ersten Jahre der jungen Partei waren außerordentlich schwer. Der Generalgouverneur Bobrikoff war 1898 nach Finn- land gesandt worden, um die Freiheiten, die das finnische Volk dank der alten Konsütution und der eingebürgerten demo- kratischen Gewohnheiten genoß, nach russischer Art zu be- seitigen. Polizei und Zensor wetteiferten jetzt in der Knebelung aller Aeußerungen des kulturellen Lebens. Alle Vereins- und Volksversammlungen wurden verboten. Die Neugrimdung von Vereinen war unmöglich. Selbst Vorstandssitzungen be- stehender Vereine mußten die polizeiliche Genehmigung er» halten. Spitzel und Späher drängten sich übernll ein. In der Presse war es verboten, das Wort„Sozialismus" zu gebrauchen! Die Preßpolizei überflutete die Rc- daktionen mit Vorschriften über das, worüber nicht geschrieben werden durfte. Die Zeitungen mußten ihre Spalten mit Schweinezucht, Mistausfuhr und etwa mit den Resultaten der Radiumforschung füllen. Das Parteiprogramm wurde konfisziert. Nur der praktische Teil konnte schließlich als„Nachdruck" veröffentlicht werden. Unter diesen schweren Umständen war es ganz natürlich, daß die Mitgliederzahl anfangs eine sinkende Tendenz zeigte. 1901 gehörten nur noch 31 Vereine mit 5849 Mitgliedern zur Partei. 1902 beginnt die Zahl der Vereine wieder zuwachsen: sie erreicht die Höhe von 41 mit 8151 Mitgliedern, steigt 1903 auf 66 mit 13 513, 1904 auf 99 mit 16 610, 1905 auf 177 mit 45 298 und 45 298 und 1906 auf 937 Vereine mit 85 627 Mitgliedern! Der folgende Jahresbericht— für 1907— verzeichnet 1156 Vereine, aber nur 82 328 Mitglieder.(Leider haben 197 Vereine ihre Mitgliederzahl nicht angegeben.) Für 1908 liegt noch kein Bericht vor. Die Partei dürfte aber an ihrem zehnten Jahrestage bereits über 100000 Mitglieder zählen. Der Kassenbestand von 1906/07 zeigt einen derart kräftigen Auffchwung. daß daraus auch auf eine starke Zunahme der Mitglieder gerechnet werden kann. Die Parteieinnahme ist von 1 080 875 Finnische Mark im Jahre 1906 auf 2 468 966 F. M.(1907) gestiegen I 1899 hatten 14 Vereine eigene Häuser, 1907 bereits 226. Die Lesezimmer. Bibliotheken und die Presse bilden die Rüstkammern des Kampfes der Aufklärung gegen den„Nn- verstand der Massen". Die Partei verfügt bereits über 40 verschiedene Preß- organe politischen und gewerkschaftlichen Inhalts, von denen das Zentralorgan„Työmies"(„Arbeitsmann") in 30 000 Exemplaren gelesen wird. Die Parteiliteratur, zum großen Teil Uebersetzungen der besten Werke der Schwesterparteien (hauptsächlich aus dem Deutschen) ist bereits ziemlich umfang- reich. Die Uebersetzung von Marx'„Kapital" ist in An- griff genommen und zwar— man höre und staune I— mit Hilfe staatlicher Unterstützung! Die Volksvertretung bewilligt nämlich alljährlich gewisse Summen zu literarischen Zwecken, und damit die Sozialdemokraten bei den Beratungen uicht immer betonen können, daß diese Gelder sehr parteiisch Ver- Wendung finden, entschlossen sich die bürgerlichen Herren, für die Uebersetzung deS„Kapital" Geld zu bewilligen. Den Verlag hat die Verlagsgesellschaft des Zentralorgans„Työmies" übernommen. Zur Ausbildung von Agitatoren wurden häufig Kurse und seminaristische Uebungen abgehalten. Die Nachfrage nach Agitatoren und tüchtigen Journalisten ist lebhast. Auf die Agitation unter den Arbeiterinnen wird großer Nachdruck gelegt. Auch wird für die Ausdehnung und Festigung der Jugendorganisationen nachdrücklich gearbeitet. Die gewerkschaftlichen Organisationen befinden sich gleich- falls in aufsteigender EntWickelung. 1899 zählte man 119 Ge- werkschaften, 1907: 507, die sich der Partei angeschlossen hatten. Im Jahre 1905 schlössen sich die ersten Frauen- vereine— 43 an Zahl— der Partei an; ihre Zahl stieg bis zum Jahre 1907 auf 105. Einen sehr ausgeprägten Charakter trägt schließlich noch die Bewegung unter den Zwergpächtern. 1905 traten der Partei 15 Torpanivereine (Pächtervereine) bei. 1907 war ihre Zahl auf 79 angewachsen. Diese Zahlen geben nur das trockene Gerippe des Lebens wieder, das die Partei seit ihrer Gründung beseelt. Ein zusammenfassendes Bild der Wirkung dieser unermüd- liehen Tätigkeit bieten die Wahlzahlen. Bis 1907 hatte die Partei bereits eine Wählermasse von 329 946 um sich zu sammeln vermocht. 1909 war die Zahl auf 336 893 an- gewachsen, d. h. 40 Prozent aller Wähler deS finnischen Volkes gaben ihre Stimmen dieser Partei, die erst 10 Jahre zuvor von den Vertretern der Arbeitervereine gegründet worden war: ein großarfiger Beweis für die werbende Macht der Sozialdemokratie. Gewiß hat die finnische Partei noch lange nicht erreicht, waS sie erstrebt. Aber in Anbetracht der außerordentlichen Verhältnisse, unter denen sie zu arbeiten gezwungen ist, muß man doch wohl anerkennen, daß ihre Fortschritte und ihre Erfolge ungewöhnlich sind. Ein einheitlicher, marxistischer Geist beseelt die Partei und ihre Organisationen. Sonder- strömungcn haben auf ihrem Entwickelungsgange keinen ein- schneidenden Einfluß ausüben können, obgleich es an Ansätzen dazu nicht gefehlt hat. Stehen die Finnen auch vor neuen schweren Kämpfen, die ihnen durch die blutige russische Reaktion aufgezwungen werden— die EntWickelung und die Erfolge der ersten zehn Jahre bürgen dafür, daß sie auch in der Zukunft in ihren proletarischen Kämpfen mit Mut, Begeisterung und Einsicht zur Partei stehen und ihr manchen Sieg erringen helfen werden. politilcbe deberftcbt« Berlin, den 19. Jult 1909. Herrn v. Heydebrands Utas. Die Leiter der konserativen ReichStagSfraktion sind verstimmt über ihre bei der Reichsfinanzsanierung erzielten Erfolge. Be- sonders scheint die Charakterisierung der konservativen Steuer- kampagne durch den gestürzten Kanzler den Herren v. Heydebrand, Normann u. Co. sauer aufgestoßen zu sein, denn tagtäglich bringt ietzt die„Konserv. Korresp." öffentliche Erlasie des Herrn Dr. o. Heydebrand und der Läse(Rittergutsbesitzer auf Klein-Tschun- !awe und Landrat a. D.). in denen die Mitteilungen Bülows und »er offiziösen Blätter für unwahr erklärt werden. Der neueste Lrlaß lautet: „Mitteilungen aus der Provinz zeigen uns. daß die offiziöse Presse fortfährt, in Waschzetteln und in Kreisblättern die Legende zu verbreiten, als ob der Rücktritt deS Fürsten Bülow die Folge eines unzulässigen und unpatriotischen Verhaltens der konservativen Reichstagsfraktion gewesen sei. Wir haben es hier vielleicht nur noch mit Rückständen früherer Pretzinformationen zu tun, denn seit der Reichstags- sitzung vom 10. Juli ist mit dieser Legende doch wohl so gründlich aufgeräumt worden, daß eine bemerkenswerte Schwäche der Auf- fassung oder des guten Willens dazu gehören würde, jene irre- führende Ansicht noch aufrecht zu erhalten. Wir hoffen deshalb, daß es uns erspart bleiben wird, die im Interesse unserer Partei sonst unbedingt erforderliche, wiederholte unzweideutige Wieder- logung vorzunehmen. Auck mutet es in den offiziösen jsreisblattartikeln seltsam an, mit Bezug auf die Erbanfallsteuer und den damit in sachliche Verbindung gebrachten Rücktritt des Fürsten Bülow den Hinweis zu finden, daß nur vier Millionen Wahlstimmen hinter den Gegnern, dagegen sieben Millionen hinter den Freunden der Regierung gestanden haben. ES wird nämlich dabei verschwiegen, daß die Hälfte dieser Wahlstimmen aus dem sozialdemokratischen Lager stammte, und es ist unS zweifelhaft, ob daS der Regierung sowohl sachlich, als aus allgemeinen politischen Gründen zum besonderen Rückhalt gereicht.,_, Wir wollen diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß die neue Reichsleitung es vermeiden möge, Spannungen aufrecht zu erhalten oder Ver- stimmungen zu erzeugen gegenüber politischen Faktoren, auf deren offene und v o r b eh a l t S l o s e Mitwirkung sie vielleicht nicht wird verzichten wollen, und die es ihrerseits begrüßen würde, nach der Erledigung sachlicher Streitfragen ein gewisses einseitiges Kokettieren mit der Linken, wofür einzelne Anzeichen zu sprechen scheinen, lieber vermieden zu sehen.". Als Ausdruck der Auffassung, die die konservativen Partei- Häupter von ihrer eigenen Machtstellung und der Schwäche der Bethmann Hollwegschen Regierung haben, ist besonder? der letzte Absatz des Ukas interessant, vor allem die Stelle, wo damit gedroht wird, daß die Konservativen der Regierung ihre Mitwirkung bei der Regiererei entziehen werden, falls nicht der neue Kanzler der offiziösen Presse verbiete, sich gegen die Taktik der Konservativen zu wenden und„einseitig" mit den Liberalen zu kokettieren. Deut- lich liegt in dieser Drohung die Forderung, daß die StaatSmaschi- nerie lediglich im Interesse der Konservativen zu funktionieren habe. Ergeben sich Differenzen zwischen Regierung und der kon- servativen Parteiführung, so hat sich einfach in allen Fällen die Regierung unterzuordnen. Wann treten die neuen Steuergesetze in Kraft? Vielfach besteht, wie verschiedene Anfragen au» unserem Leserkreise beweisen, noch immer Unklarheit darüber, wann die neuen Steuergesetze in Kraft treten. Wir wiederholen deshalb: ES tritt in Kraft am 1. AugustdieseSJahre» die Erhöhung des Kaffee- und Teezolls, die Steuer auf Beleuchtungsmittel. die Steuer auf Zündwaren, die Erhöhung des Effektenstempels, der Reichsstempel auf Grundstücksübertragungen, der neue Talonstempek, der Wechselstempel, die Erhöhung der Brausteuer und der Schaumweinsteuer, am 1ö. A u g u st die neue Tabalsteuer, am 1. September die neue Zigarettensteuer, am 1. Oktober die Erhöhung der Branntweinverbrauchsabgabe, der Stempel auf Schecks und Quittungen. Für die Einfältigen im Geiste. Das Organ deS Verbandes katholischer Arbeiter Westdeutsch« lands, die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung", die ver- schredentlich dem Zentrum wegen seiner Haltung in der Reichsfinanz- reform den Text gelesen hat, ist bereits wieder getröstet. Nichts mehr läßt das Blatt verlauten von dem Fallenlassen der Erbschafts- steuer, nichts mehr von dev Belastung der Massenkonsumartikel. auf die der Hauptteil der Last gelegt worden ist. Nur der Kaffeezoll, die Zündwarcnsteuer und die Besteuerung der vierten Wagenllasf« be- reiten dem Blatt noch einige Sorge— aber dergleichen ließ« sich nun einmal nicht vermeiden, wie es meint: „Die Zentrumspartei stand vor der Wahl: entweder eine Lösung der ReichSftnanzreform mit den konservativen Parteien zu finden und zu beenden, oder— sich selbst aufzugeben. Diese Perspektive soll sich namentlich in den letzten Wochen mit ab- soluter Sicherheit gezeigt haben. Daß die Partei die Wahl im Sinne einer zu politischer Arbeit gewillten und fähigen Partei entschied, müssen auch wir verstehen. Und können es. Im politischen Leben spielen eben noch ganz andere Dinge mit, Erwägungen, über deren Berechtigung und Richtigkeit eigent- lich erst die Geschichte entscheiden kann. Die Gründe, die den Führern unserer Zentrumspartei zwingend erschien, so zu handeln, wie sie getan, schließen auch unser Interesse als katholische Arbeiter mit ein.... Das Vertrauen zu unserer Zentrumspartei braucht darum keine Einbuße zu erleiden und wird es auch nicht, zumal die Jdeeneinheit der kaiholischcn Arbeiterschaft mit der Zentrumspartei tiefer wurzelt, wie in einer bloßen Uebereinstimmung nach der sozialen Seite hin." Noch besser weiß da» Blatt der süddeutschen katholischen Arbeiter- vereine, der in München erscheinende„Arbeiter", seine Leser zu trösten: „Wir haben gerade keinen Anlaß, uns zu bedanken für die Steuerkreuzer, die man uns aufbürdete— der zahlen muß, erstirbt überhaupt nicht gerne in Dankbarkeit—, wir haben aber auch keinen Grund, gar zu sehr erbost zu tun, daß und wie wir zur Steuerleistung herangezogen wurden. Es hat schon das eine gute, daß derjenige, der bezahlt, auch den Mund auf« machen darf, und nicht immer mitleidig als der unfähige Mensch angeschen wird, der nur durch die Unterstütz-ina der reichen Leute in den Stand gesetzt wird, im Staatswesen sich sortzufretten. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist vielleicht diese neue Steuerbelaftung des kleinen Mannes und nicht zuletzt auch des Arbeiters noch ein Vorteil: seine Unabhängigkeit und die Achtung der Besitzenden vor ihm wird zunehmen. Und eine Zentrumskorrespondenz, die ihre Erzeugnisse an die ländliche und kleinstädtisch« ulttamontane Presse abgibt, versucht das ZentrumSgefolge mit Gründen zu beruhigen, die dem Horizont der Insassen eine« JdiotenheimeS angepatzt sind. WaS das Reich braucht, muß eS haben, heißt eS da; andere Staaten hätten noch viel höhere Lasten; hohe Steuern seien immer noch einem Kriege vorzuziehen; geklagt werde immer, wenn eS zahlen heiße— und was dergleichen AltweiberweiSheiten mehr sind. Zum Schluß heißt es: „Gegenüber den unvermeidlichen neuen Lasten ist kein anderes Hilfsmittel gegeben als Fleiß und Sparsamkeit. DaS Reich fordert viel, aber es gibt uns auch viel, nämlich die Mög- lichkeit, in Frieden und Rechtssicherheit unserem Erwerb nach- zugehen. Wenn Handel und Wandel in gutem Stande bleiben, so werden die meisten Leute durch gesteigerten Fleiß sich das Nötige erwerben können, um den Preis- auffchlag auf Tabak, Bier. Branntwein. Kaffee zu decken. So lange das nicht gelingt, muß man in dem Verbrauch von Genuß- Mitteln sich etwas einschränken. Angenehm ist das nicht; doch gibt es noch viel schwerere Heimsuchungen und schlimmere Uebel auf dieser Welt." Wie gering muß die ehrsame Korrespondenz die Geisteskraft der katholischen Leser einschätzen, daß sie ihnen derartige� Gründe zu bieten wagt._ Ein„militärisches Geheimnis" vor dem Kriegsgericht. Das Kriegsgericht der 37. Infanterie- Division hat sich am Montag und Dienstag mit einer Anklage zu beschäftigen, die unter so strengem Ausschluß der Oeffentlichkeit ver- handelt wurde, daß nicht einmal bekannt gegeben worden ist, welcher Straftaten die Angeklagten beschuldigt werden! An- geklagt find ein Vizefeldwebel Gudde, ein Ser- geant Latza, ein Sergeant Sadlowski, ein Sergeant Rohde, ein Unteroffizier Stock, ein Unteroffizier Grape, sämtlich von der siebenten Kom- pagnie de» 146. Jnfanterie-RegimentS in Bischof» bürg Bei Beginn der Sitzung ist Grape nicht erschienen, so daß zunächst nur gegen die fünf erstgenannten Angeklagten verhandelt werden kann. Als Zeugen sind ziemlich ein halbes Hundert Personen geladen, zumeist frühere. Angehörige des Regiments. Die Der- Handlung findet in Berlin statt, weil die meisten der Zeugen, die die BischofSburger„Ferienkolonie" kennen zu lernen gehabt haben, in Berlin ansässig sind. AuS den Personalien der Angeklagten sei hier nur wiedergegeben, daß Stock vorbestraft ist mit drei Tagen Mittelarrest wegen vorschriftswidriger Behandlung eine» Unter- gebenen, den er in der Winterlälte auf dem Kasernenhof drei Stunden warten ließ. Sogleich nach der Feststellung der Personalien und noch vor Verlesung der Aull age kam der bei den KriegSgerichien übliche Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit l Nach der Beratung wurde vom Verhandlungsleiter der Beschluß verlllndet, daß er zu seinem„Bedauern"— so sagte er— für die ganze Dauer der Verhandlung die Oeffentlichleit ausschließen müsse, und zwar„mit Rücksicht auf dienstliche Jnter- essen"! Welches„militärische Geheimnis" da in„dienst- lichem Interesse" gehütet werden soll, darüber kann man nur Ver- mutungen haben. Noch«he die Untersuchung eingeleitet wurde, die jetzt zur Erhebung einer Anklage gegen Gudde usw. geführt hat. war unS bereits gemeldet worden, daß in der 7. Kompagnie des 146. Regiment» Mannschaften zuweilen sehr„vorschriftS- widrig" behandelt worden seien. Auch einiges andere wurde da mitgeteilt, waS Beftemden erregen mußte. Wir können nicht wissen. waS von den vorgebrachten Beschuldigungen schließlich übrig geblieben ist und worauf die jetzige Anklage sich stützt. Wird das dienstliche Interesse so weit reichen, daß auch bei der Verkündung des Urteils da» Dunkel nicht gelichtet werden darf?—_ Liberale Einigungsbestrebungen. Der Weitere Ausschuß der Deutschen Volkspartei nahm bor- grstrrn nach längerer Aussprache folgende Resolution einstimmig an: Der Weitere Ausschuß der Deutschen Lolkipartei spricht der Fraktion und ihren Führern den Dank für ihre Vertretung der VolkSintereffm und sein einmütiges vertrauen au». Der Ausschuß erachtet den Zeitpunkt für gekommen für die Schaffung einer einheit« lichen Partei durch die drei linksliberalen Par- t e i e n auf Grund eines freiheitlichen Programms mit einer die Bewegungsfreiheit der Parteigenossen der einzelnen Länder im Rahmen der Gesamtpartei gewährleistenden Organisation und beschließt einmütig. in diesem Sinne die Frage der Parteiverschmelzung auf die Tagesordnung des bevorstehenden Parteitages zu setzen.— Weiter wurde beschlossen, den diesjähngen Parteitag in Heidel- berg abzuhalten.—_ Die Betriebssicherheit auf der preußischen Eisenbahn erfährt eine eigenartige Beleuchtung durch Mitteilungen über dls Entgleisung des Schnellzugs Köln-Norddeich bei Köln-Worringen. die der„Stadtanzeiger" zur„Kölnischen Zeitung" nachträglich ver- öffentlicht. Nur durch Zufälle wurden Menschenleben nicht vernichtet, obwohl die Maschine und vier Wagen zertrümmert worden sind. Es befanden sich infolge des tagelangen Regenwetters nur vierundzwanzig Personen in � dem ganzen Zug, und diese saßen in dem Hinteren Wagen. Die Entgleisung des mit 90 Kilometer Geschwindigkeit fahrenden Zuges geschah, weil ein Beamter die Weiche falsch gestellt hat. Dieser Irrtum ist geschehen durch die häufigen Probefahrten von Maschinen auS der Hauptwerk st elle Köln- Nippes auf dieser Strecke, der den Betrieb auf dem Bahnhof Worringen sehr erschwerte. Et sieht der königlich preußischen Sparpolitik ganz ähnlich, daß mnu das Leben der Eisenbahnreisenden durch diese Benutzung einer von Schnellzügen befahrenen Strecke durch Probefahrten einer Reparatur- werlstelle in Gefahr bringt.—_ Aenderungen der Fahrkartensteuer. Die Fahrkartensteuer bleibt bekanntlich nach dem Beschluß des Schnapsblocks bestehen; doch soll sie ausgebaut und reformiert werden. Wie die„Post" hört, wird dem Reichstage in der nächsten Tagung diese Fahrkartensteuer-Reformvorlage zugehen. Die Vorschläge der Regierung zur Reform der Fahrkartensteucr werden sich an die Denkschrift der Regierung über die Fahr- kartensteuer anlehnen, die der Kommisiron auf ihr Verlangen vom ReichSschatzamte vor mehreren Wochen vorgelegt wurde. Tie Regierung hat einen 3'/, prozenligen Zuschlag unter Freilassung der Fahrkarten 4. Klasse zum Preise MS zu einer Mark in Anregung gebracht. In diesem Sinne wird die Regierung auch vom Reichstage die Reform der Fahrkartensteuer verlangen. Im Rechnungsjahre 1907/08 blieben die Erträgnisse der Fahr- kartensteuer um 10 Millionen hinter dem Voranschlage zurück. Im Rechnungsjahre 1908/09 wurde die Fahrkartensteuer mit 24 Millionen Mark eingestellt, hlach den soeben abgeschlossenen Einnahme- berechnungen hat sie aber nur etwas über 13 Millionen eingebracht. ist also um sechs Millionen hinter den erwarteten Einnahmen zurück- geblieben.—_ Eine gewundene Erklärung. Zum Lambrechter Bürgermeisterkonfltkt hat die bayerische Regierung, wie die„Frankfurter Zeitung' von unterrichteter Seite hört, die Entscheidung getroffen, daß prinzipiell kein Einwand gegen die Wahl von Sozialdemokraten zu Bürger- meistern oder Adjunkten erhoben werden könne, daß aber in diesem Falle auS Gründen, die in der P e r s o n deS Gewählten liegen, die Genehmigung versagt werden müsse. Eine wohlfeile Ausrede. Just wie die der preußischen Regierung im Fall S ch ü ck i n g.„Prinzipiell" hatte auch sie gegen Uberale Bürgermeister nichts einzuwenden, doch paßte ihr grade Herr Schücking nicht!—_ Eine Blüte des Byzantinismus findet man in dem neuesten Verzeichnis der immatrikulierten Studierenden der städtischen Handelsschule Köln. Wie sich das von selbst versteht, sind sämtliche Studierende in der sich durch da» Alphabet ergebenden Reihenfolge aufgeführt. Nur einen einzigen hat man auS der Reihe der 400 herausgenommen und ihn in Sperr druck an die Spitze des Verzeichnisses gesetzt, nämlich:„Heinrich XXXII. Prinz Reuß,Dua:chlaucht."— Aehnlich wie bei der neuen R�chl- schrcibung als einziges Wort der„Thron" sein„h" behielt, hat man in Köln für einen Prinzen das Alphabet außer Kraft gesetzt.—_ Wahlen im Reichslande. Kein Jahr vergeht, ohne daß in Elsaß-Lothringen politische Wahlen stattfinden. Voriges Jahr fanden die Gemeinderatswahlen statt, in diesem Herbst haben sowohl Wahlen zum LandeSauSschnß wie zu den Bezirkstagen stattzufinden. Der Termin für die Landes- auSschußwahlen ist bereits bekanntgegeben. Am 3. November wählcn die Gemeinderäte von 20 in Betracht kommenden Kreisen aus ihrer Mitte auf je 1000 Einwohner einen Wahlmann. Diese Wahlmänncr versammeln sich dann am 20. November am Kreishauptorte und wählen den Abgeordneten. Am gleichen Tage vollziehen auch die Gemeinderäte von Straßburg. Colmar, Mülhausen und Metz die Wahl je eine« Abgeordneten. An diesen Wahlen ist die sozialdemokrattsche Partei nicht beteiligt. Um so energischer wird sie sich an den Bezirks- tagSwahlen beteiligen. Wo immer die Organisationsverhältnisse es erlauben, wird in die Wahl eingetreten. Eine Reihe von Kandi- daturen sind bereits nominiert. Meistens handelt eS sich um Zähl- kandidaturen, doch hoffen unsere Genossen in Mülhausen- S üd bestimmt auf den Sieg. Wie sich die bürgerlichen Parteien zur Wahl stellen werden, steht noch nicht fest. Ein allgemeine? Kompromiß über daS ganze Land ist wenig wahrscheinlich. Die Liberaldemokraten haben am Sonntag, den 18. Juli, in Colmar eine Konferenz abgehalten, in der sie sich mit der einzuschlagenden Taktik befaßten. Die gefaßten Beschlüsse entziehen sich der Kenntnis der Oeffentlichkeit.>•» fpanhrdcb. Eine Nachwahl. Abbeville, 18. Juli. Bei der heute hier vorgenommenen Ersatz- wähl zur Deputtertenkammer wurde der Konservative DeS- l y o« s mit 8212 Stimmen gegen den radikalen Kandidaten. der 7606 Stimmen erhielt, gewählt. DaS Mandat befand sich bisher in den Händen eines Republikaners.— 6ngland. Der Kampf um das Budget. London, 17. Juli. Handelsminister Churchill hielt heute in Edinburgh eine Rede, in der er für das Budget eintrat und auf die letzte Rede LanSdowneS Bezug nahm. Der Minister erklärte, wenn da» Budget in dem Unterhause verabschiedet werde, müsse eS in einer endgiltigen Form auS den Beratungen deS Hause» hervor- gehen. Kein Zusatz oder Abstrich, der es ändere oder verstümmele. werde die Zustimmung der Regierung finden, und wenn LanSdown- und seine agrarischen Freunde ihre Haltung nicht änderten, würde da» Parlament aufgelöst werden.— Erledigte Sorgen. London, IS. Juli. Unterhaus. Auf eine Anfrage Pike PeaseS, ob der Lorschlag.-ine rnternationale Konferenz mit Rücksicht auf versch, ebene Punkte deS Balkanproblems abzuhalten, nunmehr endgültig aufgegeben sei, antwortete ein NegierungSvertreier in v e r n e r n e n d e m Sinne. Die kritischsten Fragen de» Balkanproblems seien in freundschaftlichem Sinne bei- gelegt; eS würden nur noch Verhandlungen über emen oder zwei Punkte von geringerer Bedeutung gepflyg«» hj, roit Artikel 29 bei Berliner vertrage» zusammenhängen. Rußland. Harting in Berlin. Das Petersburger Kadettenblatt„Retsch" bringt folgende Mitteilungen eines früheren Mitgliedes der rusfischcn Kolonie in Berlin. Nach seinen Worten war der Name Härtung vor fünf Jahren in der russischen Kolonie in Berlin gut bekannt.„Es bestand eine doppelte Beaufsichtigung der Nüssen; einerseits wurden sie von deutschen Spitzeln, andererseits von zugereisten russischen„Fileuren" bespitzelt. Unter dem Schutze der deutschen Polizei legten sich diese Fileure auch nicht den geringsten Zwang auf." Der Autor dieser Erinnerungen teilt ferner mit, daß er im Jahre 1V03 im Berein mit einigen anderen Personen Schritte unternahm, um die russische Spitzelorganisation aufzudecken. Es war zufällig bekannt geworden, daß ein gewisser Harting an der Spitze dieser Organisation stand. Im Adreßbuch war aber bloß ein„Kaufmann" Harting angegeben, der in der Nähe von Potsdam eine prächtige Villa besaß. Auf die erfolgten Recherchen wurde festgestellt, daß Harting, obwohl er als Kaufmann gemeldet war, im Adreßbuch der Gesandtschaft als Rittmeister Harting figurierte, der der Kaiserlichen Botschaft attachiert war.„Es er» nbrigt sich zu sagen," heißt es weiter,„daß Harting große Summen verausgabte und die Protektion der Berliner Polizei im umfassendsten Maße genoß. Auf seine Initiative wurden damals einige Verhaf- tungen und Haussuchungen bei Russen vorgenommen, wobei viele Papiere verloren gingen und einige Personen aus Preußen aus- gewiesen wurden. Soweit man von der Seite beurteilen konnte. genoß Harting und sein Stab das unumschränkte Vertrauen der Ge- fandtschast und der Berliner Polizei in allen Fragen, welche.ver» dächtige" Russen betrafen."— perften. Die neue Regierung. Köln, 18. Juli. In einem Telegramm an die„Kölnische Zeitung" aus Teheran heißt es u. a.: Eine der ersten Handlungen der neuen Regierung war ein nachmittags ver- kündeter Erlaß, der in aller Form bekannt gibt, daß an Stelle des abgedankten SchahS fein ältester Sohn Achmed Mtrza mit dem Titel Sultan zum Herrscher ausgerufen ist. Dieser Erlaß ist von den beiden Siegern des Bürgerkrieges, S i p a h d a r und Sardar Assad, gezeichnet. Der Titel Schah ist demnach abgeschafft. Das Mtnisterkabinett ist zum Teil geblldet. Nassr el Multz wurde aus der Schweiz gerufen, um in ba8 Kabinett als Finanzmtnister einzutreten, er soll auch das Präsidium übernehmen. Ein weiteres Telegramm auS Teheran berichtet, daß Saad Dauleh zum Präsidenten des Medschlts gewählt wurde. Das neue Wahlgesetz, das 38 Artikel umfaßt, wird demnächst veröffentlicht werden. Der Armenier Jsfraiem ist zum Polizeichef von Teheran ernannt worden. Der Polizeidtenst wurde den Kosaken ab» genommen. Die Truppen des Schah bei Sultanabad haben in 24 Stunden die Waffen niederzulegen, sonst erfolgt von hier aus ein Angriff. Es ist wahrscheinlich, daß der entthronte Schah binnen kurzem nach Rußland abreisen wird. Eine russische Note. PeterStmg, 18. Juli. Die russische Regierung hat den fremden Regierungen folgende Note zugehen lassen: Gestern morgen suchte Schah Mohammed Ali mit Familie und Gefolge Zuflucht in der Sommerreflbenz der kaiserlichen Gesandtschaft. Gemäß dem in Persien bestehenden Brauch wurde dem Schah Zuflucht und Gast» freundschaft gewährt und die gebührende Ehre erwiesen. Nach unserem Abkommen mit dem Londoner Kabinett wird die Person de« Schahs von vereinigten Truppen der russischen und der englischen Gesandtschaft bewacht, und über den von ihm bewohnten Räumen weht die russische und die englische Flagge. Die Tatsache, daß dem Schah Zuflucht gewährt wurde, berändert in nichts das in dem Zirkulartelegramm vom 3. Juli aufgestellte Prinzip unserer voll- ständigen Nichteinmischung in die inneren Angelegen» hellen und in den politischen Kampf in Persien. Die Russen tu KaSwin. Ka»wi«, 18. Juli. Da» LabinSki-KosakemegimeM ist vorgestern hier eingetroffen und hat mit Z u st i m m u n g S i p a h d a r» in dessen Garten ein Lager aufgeschlagen. Die Stadt ist ruhig. Unruhen. Teheran, 18. Juli. In Kirmanschah herrscht große Un- ruhe. Die Bevölkerung bildet zwei Parteien. In der Stadt wird viel geschossen; bis auf den Hof des russischen Konsulats flogen die Kugeln. Der Gouverneur ist außerstande, die Ordnung wieder- herzustellen Aus H a m a d a n wird gemeldet, daß die Stadt sich in den Händen der Revolutionäre befindet. Die Zahl der revolutionären Truppen steigt. Obgleich Barrikaden er« richtet werden, ist die Ordnung bisher nicht gestört. Eiu Artilleriekampf. Teheran, IS. Juli.(Telegramm der Petersburger Telegraphen- Agentur.) AuS A r d e b i l l wird gemeldet, daß zwischen R e» volutionären und den Gouverneurstruppen ein Artilleriekampf stattgefunden hat, unter dem die Stadt jedoch nur wenig z u leiden gehabt hat. Die Revolutionäre aber wie auch die regulären Truppen durchziehen plündernd und brennend die Stadt. Der russische Konsul hat infolgedessen seine Landsleute auf- gefordert, ihre Wertsachen in das Konsulat zu schaffen und auf ihren Häusern die russische Flagge zu hissen. Ruhe in Teheran. Teheran, 19. Juli. Hier ist jetzt wieder Ruhe ein- getreten. Die B a z a r e sind geöffnet und der Handels- verkehr ist wieder aufgenommen worden. Marokko. Ein neuer Kampf. Madrid, IS. Juli. Bei Melilla fand gestern ein Kampf statt, der nach amtlichen Meldungen einen recht heftigen Charakter annahm. Er begann heute nacht von neuem und dauerte noch am Morgen an. Die Berluste auf feiten der Spanier sollen bedeutend sein. Nach den bisher vorliegenden Angaben sind von Offizieren gefallen ein Oberstleutnant,«in Major und em Hauptmann.— Amerika. Die Einkommensteuer. SluS New g)or I wird uns geschrieben: Der Bundessenat in Washington hat den Unabhängig. keitstag in lauterem Patriotismus gefeiert, indem er einstimmig einer Resolution A l d r i ch zustimmte/ wonach die Verfassung der Vereinigten Staaten dahin geändert werden soll, daß Steuern aus dem Einkommen„ohne" Verteilung unter die Staaten erhoben »üten leanau Einstimmig, vril die Senatsmillionare die Frage der Vesitzsieuern damit auf die lange Bavk zu fchiebev glauben. Im Juni war für die Einkommensteuer bereits eine Mehrheit vorhanden, und um die„sozialistische" Gefahr von den Portemonnais der Besitzenden abzuwenden, bestellte sich Herr Aldrich die Botschaft des Präsidenten Taft, die eine Truststeuer empfiehlt, die zwar nur das Bruchstück einer Einkommensteuer ist und obendrein nach zwei Jahren wieder in Fortfall kommen soll, die aber bei alledem trefflich geeignet erscheint, der trustfeindlichen öffentlichen Meinung einen Possen zu spielen. Vor der Annahme einer Einkommensteuer hält aber der Präsident auf Herrn Aldrichs Geheitz eine Amendierung der Verfassung für richtig, die dem Oberbundesgericht verwehrt, diese Steuer nochmals als verfassungswidrig- zu beseitigen. Nach dieser Anweisung ist denn auch verfahren worden. Eine brutale Abwürgung der Besitz. steuern können sich die Besitzenden in diesem demokratischen Ge» meinwesen nicht leisten, dafür helfen sie sich mit einer gemeinen Fopperei. Denn das weitz der Senat, der auf einmal„einstimmig" für die Besteuerung der Einkommen(über 5000 Dollar) votiert, ganz genau, datz die Durchführung der Verfassungsänderung ein Unternehmen bedeutet, gegen da» der Panamakanal noch ein Kinderspiel ist: Zuerst haben zwei Drittel beider Häuser des Kongresses zu beschlietzen, dem Volke ein Amendement zur Verfassung zu unterbreiten, und dann müssen drei Viertel aller einzelstaatlichen Parlamente da» Amende- ment genehmigen, deren manche nur alle zwei oder vier Jahre zu. sammentreten! Erst wenn dieser grotze Wurf gelungen, wäre wieder der Kongreß an der Reihe, das Amendement endgültig zu genehmigen. Dann finge das Narrenspiel mit der Einkommen» steuer aber erst wieder von vorne an. Aber selbst angenommen, eS käme dann wirklich eine solche Steuer zustande, so wäre es immer noch möglich, daß die steuerfürchtigen Kapitalisten das Ge» richt dahin brächten, daS VerfassungSamendement samt Ein- kommensteuer für— verfassungswidrig zu erklären. Auch dafür wäre die Verfassungsgeschichte der„StateS" nicht ohne Beispiel. Die Sache wäre schon bedeutend weniger langwierig, wenn vor» geschlagen würde, die Einkommen unter B.00Ö Dollar zu besteuern l■(" v Südamerika. Erneuter Konflikt. Buenos Aires, 18. Juli. Infolge der Veröffentlichung von angeblichen Erklärungen deS Präsidenten von B o l i v t e n, die für Argentinien beleidigend sind, hat der Minister deS Aeutzern den Gesandten Fonseca angewiesen, La Paz zu Ver« lassen, wenn die Erklärungen sich bestätigen s ollten. Mus der partcü Zentralisation der proletarischen Bildungsarbcit. m. Am Sonntag, 18. Juli, tagte im Gewerkschaftshause zu Düsseldorf eine Konferenz der Bildungsausschüsse und jener Kor- porationen der modernen Arbeiterbewegung, denen die Betäti» gung der proletarischen Bildungsbestrebungen in Rheinland» Westfalen obliegt. Vertreten waren 18 Delegierte der BildungSausschüsse, 14 Vertreter der Gewerkschaftskartelle, b Vertreter der Partei, 8 Vertreter der Kartelle und Partei, sowie die Vertreter der AgitationskomtteeS der oberen Rheinprovinz, des NiederrhcinS, des westlichen Westfalens, des Agitationskomitees der rheinisch» westsältschen Gewerkschaften und des Bergarbeiterverbandes. Die aus 5 Mitgliedern, den Genossen Max König-Dortmund, Fey-Hagen, Schaal-Solingen, Klein-Mülheim und Wicgleb-Düssel» dorf(Obmann) bestehende provisorische Kommission hatte zuerst den Plan gefaßt, eine„Frei Volksbühne" mit eigenem Künstlerpersonal zu gründen. Von diesem Plan, gegen den sich auch der Zentral-BildungsauSschutz zu Berlin ausgesprochen hatte, ist man nachher wieder abgekommen. Genosse Wiegleb, der hier- über referierte, stellte sich selbst auf den Standpunkt, daß die Lösung der Theaterfrage auf dieser Grundlage zum minvesten verfrüht sei. Die Konserenz erklärte sich mit diesem Standpunkte einverstanden. Ueber die Errichtung einer Zentralstelle für daS Bildungswesen der Partei und Gewerkschaft im rheinisch-westfäli- schen Industriegebiet referierte in sehr ausführlicher Weise Genosse Max König-Dortmund. Einleitend wies der Redner darauf hin, datz man ja eigentlich nichts anderes beabsichtige, als die Be- schlüsse der Parteitage und der Generalversammlungen unserer Gewerkschaften auf Verbreitung der Volksbildung zu realisieren. Wenn auch zugegeben werden mutz, datz die Erfüllung der Volks- bildungSbestrebungen fast im ganzen Reiche noch viel zu wünschen übrig lasse, so sei daS ganz besonder? für daS westliche Industrie- gebiet der Fall, daß für die dort zusammengeballten Arbeiter. massen unter den gegenwärtigen Verhältnissen außerordentlich wenig geschehen könne. Die an den zahlreichen Jndustrieorten tätigen Genossen hätten wohl den guten Willen, für die Volks- bildung etwas zu tun und daS Unterhaltungsbedürfnis der Ar. beiter in bessere Bahnen zu lenken, aber es fehlten ihnen dazu in jeder Beziehung die Mittel. Eine Zentralisation der Korpo- rationen, denen die VolkSbildungSbestrebungen übertragen und die Schaffung einer Zentralstelle, durch welche wissenschaftliche Vor- träge uno künstlerische Arrangements vermittelt werden, könne hier von größtem Vorteil sein. Wenn es uns gelingt, im In- dustriegebiet den VolkSbildungSbestrebungen neue Bahnen zu er- öffnen, so haben wir ein großes Stück Kulturarbeit im Interesse der Arbeiterbewegung geleistet.„r. r In der hierauf folgenden Diskussion sprachen sich fast alle Redner im Sinne de? Referenten aus. Nur der Elberfelder Delegierte warnte an der Hand seiner Erfahrungen vor allzu großem Optimismus. Schließlich wurde fast einstimmig folgender Antrag angenommen: I. Zur Förderung de? Arbeiterbildungswesens in Rheinland- Westfalen bildet sich eine Kommission unter dem Namen: gen- tral. Kommission der BildungSausschüsse für Rheinland. Westfalen. II. Die besonderen Aufgaben der Kommission sind: 1. allerorts BildungSausschüsse ins Leben zu rufen; 2. daS Zusammenarbeiten der BildungSausschüsse zu fördern; 3. den BildungSauSschüssen bei ihren Unternehmungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, und zwar: -0 durch Mitteilung von Programmvorschlägen; b) durch Vermittelung von Kräften zu den Veranstaltungen wissenschaftlicher, künstlerischer und unterhaltender Art. III. Die Kommission besteht aus 8 Mitgliedern, wovon: 3 von den BildungSauSschüssen; je einer von den sozialdemokratischen Agitationskomitee» des NiederrheinS, de» Oberrheins und deS westlichen Westfalen«; 2 vom Agitationskomitee der Gewerkschaften für Rhein- land-SBestfalen gestellt werden. Die Wahl der Vertreter der BildungSausschüsse geht folgender- weise vor sich: Die Konferenz der Bildungsausschüsse wählt den Obmann der Zentralkommisston, und der BildungSauSschuh am Wohnort deS Obmannes wählt die beiden anderen Mitglieder. Diese drei bilden den geschäftSführenden Ausschuß der Zentral. kommission. Illb. Der Kommission steht ein von dieser zu ernennender Bei» rat zur Seite, der au» drei wissenschaftlich oder künstlerisch ge- bildeten Sachverständigen bestehen svll.— IV. Die Zentr'alkoKmissioN soll in der Regel alle Vierteljahr einmal zusammentreten, um ihre geschäftlichen Angelegenheiten zu regeln. Alljährlich hat die Zentralkommission eine Konferenz der BildungSausschüsse einzuberufen, zu welcher jeder Bildungs- ausschutz einen Vertreter entsendet. An Orten, wo keine Bildungs- ausschüsse-bestehen, einigen sich Partei- und Gewerkschaftsorgani- sation auf einen Vertreter. Ferner entsenden je einen Vertreter: 1. das sozialdemokratische Agitationskomitee für den Nieder- rhein; 2. daS sozialdemokratische Agitationskomitee für den Ober- rhein; 3. das sozialdemokratische Agitationskomitee für das westliche Westfalen, das Agitationskomitee der Gewerkschaften für Rheinland-Westfalen zwei Vertreter. Die Kosten der Vertretung hat jede der beteiligten Korpo- rationen selber zu tragen. V. Zur Bestreitung der Kosten det Zentralstelle haben bei- zutragen: I. die Gewerkschaftskartelle in Rheinland-Westfalen; 2. der Bergarbeiterverband; 8. das sozialdemokratische Agitationskomitee für den Nieder« rhein;-.. 4. das sozialdemokratische Agitationskomitee für den Ober» rhein; S. das sozialdemokratische Agitationskomitee für daS westliche Westfalen. Der Beitrag wird festgesetzt auf% Pfennig pro Kopf und Jahr her iw den genannten Korporationen organisierten Mit- glieder. Die Abführung des Beitrages erfolgt vierteljährlich. Seiner Festsetzung ist die Abrechnung des verflossenen Quartals zugrunde zu legen. Zum Obmann des ZentralbildungSauSschusseS wurde Genosse W i e g l eb gewählt und als Ort der Zentrale Düsseldorf bestimmt. Den gefaßten Beschlüssen haben die Organisationen noch ihre Zu- stimmung zu erteilen. Die Beiträge sind ab 1. Juli zu entrichten. Damit waren die Arbeiten der Konferenz erledigt. Zum Organisationsstatutentwurf nahm die KreiSgeneralver- fammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Stendal-Ofterburg folgende Anträge an: Zu§& des Entwurfs: Der wöchentliche Beitrag mutz mindestens 10 Pfennig für männliche und B Pfennig für weibliche Mitglieder betragen. Eventualantrag bei Ablehnung des Wochenbeitrages: Die Wahlkreise, die einen höheren Beitrag als den im Organisationsstatut festgesetzten erheben, brauchen an die Par- teikasse nur 2 0 Prozent des für die Gesamtpartei festge- fetzten Mindestbeitrages abzuführen. Weiter zu§ 5: Der Satz, wonach den Frauen die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern ist, ist zu streichen. Zu A 7: Zur Teilnahme am Parteitage sind berechtigt: 1. die Tele- " gierten der Partei aus den einzelnen Bezirksverbänden oder Landesorganisationen(§ 3) mit der Matzgabe, datz die Ge- famtzahl der Delegierten auf 300 festgesetzt wird. NaÄ den an den Parteivorstand abgelieferten Beiträgen wird die Mitgliederzahl und daraus die auf den Bezirks- bezw. Landesverband entfallende Verhältniszahl der zu entsendenden Delegierten alljährlich vom Parteivorstand festgestellt und ver- öffentlicht. Die Wahl der Delegierten erfolgt in den Bezirken(bezw. Landesorganisationen) mittelst U r a b st i m- mung durch die Parteimitglieder. Bei der Wahl ist die An- Wendung des Proporzes nach der Richtung zulässig, datz bei verschiedenen Vorschlagslisten die Mandate entsprechend dem Verhältnis der für sie abgegebenen Stimmen auf die Listen ver- teilt werden. Die näheren Bestimmungen hierüber haben die Bezirksverbände bezw. Landesorganisationen zu treffen. Die Kosten für die Delegation sind im Umlagever- fahren von den dem Bezirksverband bezw. der Landesorgani- sation angehörenden Wahlkreisorganisationen entsprechend ihrer Mitgliederzahl zu decken. Sozialed» Wer Mißstande nicht kritisiert, handelt pflichtwidrig! Eine'interessante Entscheidung fällte die 2. Strafkammer des Landgerichts Halber st ad t. Am V. März d. I. erschien im „Tageblatt" zu Aschersleben ein„Eingesandt", in dem verschiedene Vorwürfe gegen die AscherSlebener Schuldeputation erhoben wurden, insbesondere der, datz sie dem Verlangen der Lehrerschaft in AscherSlcben, den Vorsitzenden des LehrervereinS in die Schul- deputation gewählt zu sehen, Widerstand entgegensetze. Auf An- trag des Magistrats erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den verantwortlichen Redakteur wegen Beleidigung der Schuldepu- tation. Daraufhin meldete sich der Lehrer Pctzold als Verfasser des„Eingesandts", was die Staatsanwaltschaft veranlatzte, auch auf ihn die Anklage auszudehnen. Das Landgericht Halberstadt hat nun die Eröffnung deS Hauptverfahrens abgelehnt. Wenn auch der Artikel objektiv eine Beleidigung der Schulbeputation enthalte, so war doch dem Anac- schuldigten Petzold der Schutz deS§ 198 Str>G.-B. zuzubilligen. In der weiteren Begründung kommen dann folgende wichtigen Sätze vor: „Der Angeschuldigte Petzold ist Lehrer in Aschersleben und Mitglied des dortigen Lehrervereins, außerdem noch Vater schul- Pflichtiger Kinder. Als solcher hat er ein selbständiges Interesse daran, datz die Schulverhältnisse in Aschersleben sich günstig ge. stalten und daß die Mißstände in der Schule sowohl wie in der Schulverwaltung beseitigt werden. Mangelndes Interesse an der Wciterentwickelung der Schule kann bei ihm, dem Lehrer, fast zur Pflichtwidrigkeit werden, jedenfastS zugleich einen Mangel an BerufSeifer darstellen.— Als einen Mißstand in der Schul- Verwaltung durfte er auch, wie das allgemein in der Lehrerschaft geschah, den Widerstand der Schuldeputation gegen eine weitere Vertretung in ihr und die Art und Weise, wie die Deputation bei der Anstellung neuer Lehrer angeblich verfahren sollte, an- sehen. Im Interesse der Schule, für deren Wetterentwickelung zu sorgen er verpflichtet war, der Lehrerschaft, der er angehörte. und im eigenen Interesse als. Familienvater war er deshalb be- rechtigt, Kritik an diesen Mißständen ,ü üben, und zwar auch mit Hilfe der Presse, um mehr Erfolg zu erreichen. Dem Angeschuldigten Redakteur Eckardi mutz ebenfalls der Schutz des 8 193 Str.-G.-B. zugebilligt werden, da er als AscherSlebener Bürger und wegen seines besonderen Bcrhältntsscs zum Angeklagten Pctzold, der ihn mit der Veröffentlichung des Ar- tikelS beauftragt hatte, als berechtigt angesehen werden mutz, die deshalb auch ihn angehenden Verhaltnisse zu besprechen und, da eS auch zu den ersten Aufgaben der Presse gehört, oujl die Dlb- ftellung öffentlicher Mißstände hinzuwirken." Es kommt nicht alle Tage vor, datz deutsche Gerichte so ent- scheiden! Für vermehrten HauSarbciterschutz. Im württembergischen Landtage gelangte nach eingehender Begründung durch den sozialdemokratischen Abgeordneten Mattutat ein Antrag zur Annahme, der die württembergische Regierung auffordert, im Bundesrat für Schaffung eines gesetzlichen Haus- arbeiterschutzes und für Ausdehnung der Gewerbetnspcktion cruf diesen einzutreten. Dieser Antrag entspricht fast wörtlich einem von der sozialdemokratischen Fraktion bereit» 1907 gestellten An- trage, der inzwischen von einer Kommission beraten und jetzt vom Wnum einstimmig sanktioniert wurde.. Gewerfclcbaftlicbce. Weite juristische Zwirnsfäden gegen die Arbeiter- beweguug. Die galvanoplastische Anstalt von C. Behling der Leipziger Straße zu Berlin hat sich der Tarifgemeinschaft der deutschen Buchdrucker ferngehalten. Gleichwohl bezogen eine Reihe von tariftreuen Buchdruckereien ihren Bedarf an Stereotypen und Galvanos von der Firma, ohne zu bedenken, daß sie dadurch gegen den Tarifgedanken verstießen, da sie ja die Tarifuntreue durch Zuwendungen unterstützten. Der Vorstand des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer wies gelegentlich in den„Mitteilungen" des Gaues und in Vereinsversammlungen auf diesen Umstand hin, und die Ge- Hilfen tariftreuer Firmen setzten sich dieserhalb mit ihren Prinzipalen in Verbindung, was teilweise auch Erfolg hatte. Die Sache war mehr oder weniger vergessen, da wurde der Berliner Gauvorstand der Buchdrucker durch Zustellung einer Kammergerichtsentscheidung unangenehm an dieselbe er- innert. Die Entscheidung richtet sich gegen I. den Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Gauverein Berlin), vertreten durch seinen Vorstand Massini in Berlin; 2. Herrn A. Massini in Berlin, Engel-Ufer 14/1S, 3. den Redakteur und Verleger R. Albrecht in Berlin, Engel-Ufer 14/1S. Nach derselben hat der 19. Zivilsenat des königlichen Kammergerichts in Berlin durch den Kammergerichtsrat Dr. Kanold als Vorsitzenden und die Kammergerichtsräte Pohlmann. Dr. Ritter, Dr. Treuter und den Landrichter Koffka auf die Beschwerde der Klägerin gegen den Beschluß des königlichen Landgerichts I, 4. Zivilkammer in Berlin vom 27. April 1999 in der Sitzung vom 14. Juni 1999 be- schlössen: Der angefochtene Beschluß wird abgeändert. Den Beklagten wird im Wege der einstweiligen Verfügung untersagt: a) an Buchdruckereibesitzer die Aufforderung zu richten, Gal- vanos, Klischees, Platten und sonstige Stereotypieartikel nicht von der Klägerin zu beziehen, und zwar gleichviel, ob diese Aufforderung durch Druck oder Schrift, ob sie direkt oder indirekt— insbesondere auch durch Vertrauensmänner in den einzelnen Druckereien— an die Druckereibesitzer ge- richtet wird, b) an Buchdruckereigehilfen die Aufforderung zu richten, das Verdrucken von durch die Klägerin hergestellten Stereotypie- artikeln und Galvanos zu verweigern. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird den Beklagten eine Geldstrafe von 100— einhundert— Mark angedroht. So der Tenor. Die Entscheidungsgründe aber zeigen das Kammergericht in seiner ganzen Weltfremdheit und juristischen Gloriole. Ohne irgendwelche neuen Beweis- erhebungen kommt das Kammergericht zu der ihm gar nicht zufallenden tatsächlichen Feststellung, die Tarifgemein- schaft sei eine Organisation zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen! Freilich kleidet das hohe Gericht die Feststellung in diese Form: „Daß die Tarifgemeinschaft der Deutschen Buchdrucker(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) eine Ver- abredung zur Erlangung günstiger Lohn« und Arbeitsbedingungen ist, kann nicht bezweifelt werden." O bitte! W i r bezweifeln das s e h r! Die Tarifgemein- schaft ist zunächst nichts anderes als die Gemeinschaft derer, die den Tarif für sich als bindend anerkennen. Die Ange- hörigen dieser Gemeinschaft stammen aber aus zwei Gruppen: aus dem Lager der Unternehmer und dem der Arbeiter, für welche der Tarif in keiner Weise einheitlich eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen bedeutet. Sieht ein Tarif Erhöhung der Löhne vor, so bedeutet das für die Ar- beiter in der Tat eine Verbesserung, für die Unternehmer eine Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Umgekehrt ist das bei der Herabsetzung der Löhne. Die Ver- kürzung oder Verlängerung der Arbeitszeit wirkt ähnlich, aber immer bei der einen Gruppe im entgegen- gesetzten Sinne wie bei der anderen. Die Herren Kammergerichtsräte mögen nur irgendeinen Scharfmacher aus ihrem Bekanntenkreise fragen, ob Tarife und Tarif- gemcinschaften in der Tat für das Unternehmertum„eine Verabredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingungen" seien. Am verblüfstesten dürfte vielleicht im vorliegenden Falle Herr Behling, der Kläger, über das zu seinen Gunsten ausgesprochene Urteil sein. Was? Die Tarifgemeinschaft sollte den beteiligten Unternehmern„gün- stigere Lohn- und Arbeitsbedingungen" sichern? Dann träte Herr Behling derselben schon morgen ohne irgend welchen Zwang bei! Nein, er bleibt ihr ja fern, weil er günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen außerhalb derselben findet, weil er außerhalb derselben niedrigere Löhne zahlen, längere Zeit arbeiten lassen kann als die der Tarifgemein- schaft angehörenden Prinzipale. Die Tarifgemeinschaft ist also keine Verabredung zur Erlangung günstigerer Löhn- und Arbeitsbedingungen schlechthin. Der jüngste deutsche Gewerbegerichtsvorsitzende hätte den Herren im Kammergericht ein Priva- tissimum darüber lesen können, daß im Tarifvertrag ein Kompromiß zwischen den widerstreitenden Interessen der Arbeiter und Unternehmer geschaffen ist, wie im Grunde in jedem Vertrag, und daß die Tariforganisation lediglich die Jnnehaltung der im Vertrag niedergelegten Rechte und Pflichten übertvacht, aber keine„Verabredung zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen" ist. Aber ohne seine falsche Voraussetzung hätte ja das Kammergericht nicht zu' dem folgenden Falschschluß kommen können: „Da nun im Streitfall die Sperre über die Erzeugnisse der Klägerin mit Rücksicht darauf, daß sie als eine ihre sozialen Pflichten verkennende hingestellt wird, als ein„Verruf" anzusehen ist(Landmann, Anm. 2 zu§ 153), so liegen alle Voraussetzungen eines Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung vor. Es wird zwar von manchen noch erfordert, daß der Bestimmungsversuch von Arbeitern gegen Arbeiter oder von Arbeitgebern gegen Ar- beitgeber erfolgt sei, allein diese Ansicht findet im Gesetz keinen Anhalt, das allgemein verbietet,„ander e" zu bestimmen(ver- gleiche Reichsgericht Strafsachen 33, 236). Wenn man bei Be- ratung dieser Vorschrift solche Ansicht geäußert hat, so kam das daher, weil man damals Vereinigungen von Ar- beitgebern und Arbeitnehmern, wie die Heu- tigen Tarifgemeinschaften, noch nicht kannte, fondern nur solche von Angehörigen bloß dieser beiden Teile; zu denen konnten natürlich nur Berufsgenossen zum Beitritt ver- anlaßt werden. Man muß jetzt aber auch den Druck seitens der Arbeiter gegen einen Arbeitgeber und umgekehrt mit obiger Ent- scheidung des Reichsgerichts unter Z 153 fallen lassen." Wie Figura zeigt, kennt das Kammergericht die Tarif- gemeinschaften heute noch nicht, obgleich wir nicht bestreiten wollen, daß es schon von solchen gehört hat Der Berliner Gauödrstand des Buchdruckerverbandes hat selbstverständlich sofort die notwendigen Schritte eingeleitet, um im Klagewege die Aufhebung dieser höchst eigenartig be- gründeten„einstweiligen Verfügung" zu erreichen. Da die Verfügung zunächst jedoch rechtskräftig ist, so ersucht er die Vertrauensleute, bis zum Austrag der Klage jegliche Maß- nähme in der im obigen Gerichtsbeschluß bezeichneten Hin- ficht zu unterlassen. Er unterläßt es hoffentlich nicht, diese Mahnung recht oft zu wiederholen. Der„klägerischen" Firma kann ja nur damit gedient sein, wenn der beklagte Vorstand die Pflichten nicht vergißt, die ihm das Urteil auferlegt! Berlin und Umgegend. Achtung, Schlosser! Die Konferenz der Vertrauensleute findet nicht am Dienstag, sondern am Donnerstag statt. Siehe heutige Annonce. Die Kollegen ersuchen wir. die Vertrauensmänner auf diese Bekanntmachung aufmerksam zu machen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Folgen der neuen Tabaksteuer zeigen sich jetzt schon! Die Inhaber der Zigarettenfabrik„Mal-Kah".Compagny, Berlin, Teltower Straße 29, scheinen sich die gerade nicht sehr rühmliche Aufgabe gestellt zu haben, nach der Annahme der Tabak- steuer die ersten auf dem Kampfplcktz zu sein, um durch Vermehrung der Zigaretten-Maschinenarbeit ihre Handarbeiter in rücksichtsloser Weise auf das Stratzenpflaster zu setzen. Am 15. Juli d. I. teilte die Direktrize der Firma einem der dort beschäftigten Zigaretten-Handarbeiter mit, daß er entlassen sei. Nach der Ursache befragt, erklärte sie, daß dieses wegen der kommenden Tabaksteuer geschehe; ebenso dürften die anderen Handzigarettenarbeiter deshalb nur halbe Tage arbeiten. Die Handarbeiter wußten am 16. Juli früh, daß der Geschäftsführer Herr Voigt anwesend war und verlangten eine Unterhandlung mit demselben, welche ver- weigert wurde. Der Vertrauensmann der Fabrik mit dem zur Entlassung stehenden Kollegen verließen das Werk auf einige Minuten, um von dem Gehörten ihrer Organisation Mitteilung zu machen. Zur Fabrik zurückgekehrt, erklärte ihnen die Direktrize, daß nun beide entlassen seien. Wiederum verlangten die Arbeiter, den Geschäftsführer zu sprechen, was ihnen endlich gegen abend ge- währt wurde. Dieser erklärte, daß er überhaupt keine Zigaretten- Sperre auf das strengste innezuhalten. Handarbeiter mehr gebrauchen könne, da er sich wegen der drohenden Nachbersteuerung kein Lager halten wolle und er mit dem Jnkraft- treten der Steuer die bis jetzt noch mit der Hand hergestellten Zigaretten mit der Maschine herstellen will. Als nun die beiden Arbeiter ihre Ausführungen machen wollten, wurden sie mit: Raus, raus!" aus dem Kontor verwiesen. Die Vertreter des Ver- bandes Börner und Müller begaben sich trotzdem zu Herrn Voigt, dem Geschäftsführer. Auch ihnen gegenüber erklärte der Herr das oben schon in betreff der Steuer Gesagte, mit dem wieder- holt ausgesprochenen Zusatz:„Die Arbeiter sollen sich an den Staat wenden, derselbe entschädige sie ja." Als die Vertreter ihn darauf aufmerksam machten, daß diese Art doch ktine Unterhandlung sei, ägte er, er wolle auch nicht unterhandeln, er lasse von niemandem, auch von dem Verbände nicht, in sein Geschäft hinein- reden. Auch die Arbeiterschaft als Konfumenten habe er nicht zu ürchten, denn„Mal-5tah"°Raucher befänden sich nicht darunter. Dieser Herr glaubt, daß seine„Jacco",„Golde Eve",„Klub I und II" usw. nur von den oberen Zehntausenden geraucht werden. Als die Vertreter sich nun empfahlen, rief er ihnen laut nach,„am allerwenigsten lasse er sich von Leuten hineinreden, die nichts davon verständen". Als Börner ihm darauf lächelnd erwiderte, daß er das bei den beiden Vertretern nicht sagen könne, da beide schon länger in der Branche tätig seien als er, rannte er auf B ör n e r zu, als wenn er handgemein werden wollte. Er wurde mit Ruhe erwartet. Er schrie jedoch nur, man solle machen, daß man raus- komme, sonst müsse er von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Am Montag, den 19. d. M., haben sämtliche Fabrik-Hand- arbeite- die Arbeit nicht mehr aufgenommen. Wir ersuchen, die am 18. d. M. über die Firma verhängte Sperre auf das Strengste innezuhalten. Deutscher Tabakarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Lohnbewegung der Staaker. In der vergangenen Woche haben ich wieder 15 Firmen den Forderungen der Organisation unter- worfcn. Für die nächste Woche ist voraussichtlich ein ähnliches Resultat zu erwarten. Aus Spandau ist bis jetzt noch keine Unter- chrift eingelaufen, doch haben die Arbeiter der dortigen Firmen die Arbeit niedergelegt. Arbeitsberechtigungskarten werden von heute ab an Unorganisierte nicht mehr ausgegeben. Die Bauten in Spandau bleiben bis auf weiteres gesperrt. Bewilligt haben bisher folgende Firmen: G. Anders. Lübbenerstr. 10, Th. Arnold, Kremmenerstr. 7, A. B a r tz, ColhenülS- iraße 15, F. Fischer, Pankow, Florastraße 21. Alb. D ä d e l o w, Lychener Straße 16, Beruh. Fox, Bornholmer Straße 83, Aug. Höhne, Ober-Schöneweide, Westendstr. 27, Karl G u t s ch m i d t, Lüderitzstr. 58. Aug. Feiertag, Pfuelstr. 2, Schöne. Wilmersdorf, Badensche Straße 13, Otto Rümmer, Steglitz. Zimmermannstr. 14, Paul Kößling, Treptow, Grätz- 'traße 51, W. Zuch, Romintener Straße 52, Louis Ernst, Ryke- traße 32, M. S m o ln y, Finowstraße, Ecke Sckarnweberstraße, Ernst Kläge, Steglitz, Holstemische Straße, Paul Böhm, Nieder- Schöneweide, Britzer Straße 7, Chemidewski, Schönhauser Allee 177b, Fr. Herbst, Bamberger Straße 39, A. Schneider, Charlottenburg. Bleibtreustr. 3, Aug. Richter, Lüderitzstr. 7a, LZ. S ck m o l l, Liebenwalder Straße 16 a, Karl I b o r g, Krumme- iraße 62, Barenstrauch. Reinickendorf, Herbststr. 13, und Mlh. " e fe I e r, Kopernikusstr. 10. Deutkcbes Reich. Ein königlich preußischer Grenadier als Arbeitswilliger. In Sommerfeld, Bezirk Frankfurt a- O., stehen die Töpfer dexLirma Roll u. Kreutz seit Anfang dieses Monats im Abwehr« kämpf. Die Firma hatte das bestehende Tarifverhältnis, das übri- gens recht niedrige Löhne enthielt, gekündigt und suchte nun die schlechte Konjunktur dazu auszunutzen, den alten Tarif gleich auf weitere drei Jahre festzulegen, um so zu verhindern, daß die Töpfer bei zu erwartender guter Konjunktur erhöhte Forderungen stellen. Hierauf konnten die Gehilfen aber nicht eingehen, und sie traten deshalb in den Abwehrkampf ein. Von den zirka 40 Töpfern der Firma blieben nur zwei Arbeitswillige stehen. Die Firma sucht nun Arbeitskräfte heranzuziehen, was ihr jedoch erst in einem Falle gelungen ist. Und zwar ist dieser Arbeitswilliger ein Grenadier des 12. Infanterieregiments in Frankfurt a. O. Dieser Träger des kaiserlichen Rockes heißt Paul Brettschneider; er war vor Beginn seiner militärischen Laufbahn bereits Mitglied des Töpferverbandes, mußte aber wegen Restierens der Beiträge ausgeschlossen werden. Er ist in Sommerfeld beheimatet, hat 14 Tage Urlaub erhalten und nützt diese Zeit nun aus, indem er sich bei Roll u. Kreutz als Arbeitswilliger betätigt. Wir fragen: Ist der vorgesetzten Behörde des Brettschneider bekannt, daß der Grenadier in Sommerfeld Arbeitswilligendienste verrichtet und als Töpfer arbeitet? Erhalten Soldaten Urlaub, um in der Fabrik zu arbeiten? Die Vorgesetzten des arbeitswilligen Grenadiers werden auf diese Frage bald Auskunft geben müssen. Der Verbandsvoc- stand der Töpfer hat nämlich dieses seltsamen Vorfalles wegen beim Kommando deS 42. Grenadierregiments interveniert. Wir sind begierig, zu erfahren, ob von dieser Seite die Handlungsweise des Brettschneider gebilligt wird. Neun schwarze Liste« versandte der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller in der Zeit vom 26. Juni bis 10. Juli dieses JaHreS. Durch Angabe ihrer Personalien werden in Verruf gebracht 118 Betonarbeiter in Ham- bürg, 4 Schmiede der Anhalter Hufeisenfabrik in Roßlaü, 15 Müller der Malzfabrik A Heymann in Mannheim, 94 Knopfarbeiter und Arbeiterinnen in Frankenhausen und 52 Textilarbeiter und Ar- beiterinnen in Gefrees._ f Metallarbeiter und Maifeier. Mit den Beschlüssen der Ham- burger Generalversammlung in puncto Maifeier sind die Mit- glieder der Krefelder Filiale des Metallarbeiterverbandes nicht zu- frieden. In einer Versammlung der Filiale wurde nach einer aus- giebigen Diskussion einstimmig eine Resolution angenommen, in der es heißt:„Obgleich die Generalversammlung die höchste In- stanz ist, kann die heutige Versammlung die dort über den 1. Mai gefaßten Beschlüsse in keiner Weise anerkennen und stehen letztere in keinem Einklang mit den Beschlüssen der internationalen Partei- und Gewerkschaftskongresse. Die Versammelten geloben, nach wie vor, innerhalb der Organisation die Arbeitsruhe am 1. Mai als solidarische Kundgebung oes internationalen Proletariats zu pro- pagieren und nach besten Kräften durchzuführen." Ausland. Der Konflikt in der englischen Kohlenindustrie. London, 17. Juli.(Eig. Ber.) Der Versuch der schottischen Minenbesitzer, den Arbeitslohn um 12,5 Proz. herabzusetzen, droht, einen allgemeinen Streik der britischen Berg- leute zu entfesseln. Die Unterhandlungen haben bereits Monate gedauert und sie sind erfolglos geblieben. Binnen 8 Tagen soll die Aussperrung beginnen, wenn nicht inzwischen der Handels- minister Winston Churchill einen Ausgleich herbeiführt. Die schottischen Bergleute legten ihre Angelegenheit dem Ver- bände der britischen Bergleute vor, deren Vertreter in den letzten zwei Tagen in London zu einer Konferenz versammelt waren. Be- kanntlich gibt die Bestimmung 2 0 der Verbandssatzungen die Möglichkeit, zum Schutze der Löhne irgendeines dem Verbände an- geschlossenen Distrikts einen allgemeinen Sympathiestreik zu er- klären. Die Konferenz der Delegierten des Verbandes gab gestern als Resultat ihrer Beratungen folgende Erklärung an die Presse ab: Betreffend die Frage der schottischen Lohnherabsetzung um 12,5 Proz. wurde beschlossen, es dem Verbandsvorstande zu über- lassen, eine Resolution abzufassen, die der Konferenz vorgelegt werden sollte. Es wurden demgemäß folgende Resolutionen ab- gefaßt und der Konferenz vorgelegt, die sie annahm: „1. Angesichts der Beschlüsse, die auf der Jahreskonferenz in Wester und auf der folgenden Konferenz in London gefaßt wurden, daß die Löhne der schottischen Bergleute geschützt werden sollen gegen eine Reduktion, die sie unter 6 M. täglich bringen würde, so sind wir übereingekommen, eine Urabstimmung über die Anwendung der Bestimmung 20 vorzunehmen. 2. Bricht inzwischen der Kampf in Schottland aus, so sollen die schottischen Bergleute eine finanzielle Unterstützung von 10 Mark pro Mann und Woche aus der Verbandskasse erhalten. 3. Die Stimmzettel sind am 27. Juli an den Generalsekretär Mr. Ashton zurückzuschicken; am 28. Juli soll eine Spezial- konferenz in London tagen; alle sonstigen Maßregeln sind vom Vorstand zu ergreifen." Die Frage, die den Bergleuten zur Entscheidung vorgelegt wurde, lautet: „Sind Sie dafür, Ihren Arbeitsvertrag zu kündigen, um die Arbeit aus Sympathie mit den schottischen Bergleuten nieder- legen zu können?" Der Konflikt ist also so umfangreich, daß er die ganze Kohlen- industrie Großbritanniens lahmlegen könnte. Und eine Lahmlegung der Kohlenförderung würde einen großen Teil der anderen In- dustrien in Mitleidenschaft ziehen. Angesichts der Größe dieses Konflikts darf man annehmen, daß in den nächsten Tagen große Anstrengungen gemacht werden dürsten, einen Ausgleich herbei- zuführen. Der Handelsminister Churchill ist bereits mit den schottischen Minenbesitzern und Bergleuten in Verbindung getreten, um eine Einigung zustande zu bringen. Letzte]Vacbricbten und Dcpcfcbcn, Opfer des Militarismus. Blankenburg, 19. Juli. Gelegentlich einer Besichtigung der im Pionierdienst ausgebildeten Mannschaften des hiesigen Ba- taillons erhielten ein Unteroffizier und mehrere Mann den Auf- trag, als Patrouille den Mönche-Mühlenteich zu durchschwimmen. Obwohl alle(?) des Schwimmens kundig waren, gingen der Unter- offizier und zwei Mann in der Mitte des Teiches unter und er- tranken, obwohl zahlreiche Rettungsmannschaften in Kähnen her- beieilten._ Gegen die Wucherei. Prag, 19. Juli. Gegen die Lebensmittelteuerung fand gestern auf dem Heuwagsplatze eine Versammlung der Sozialdemokraten statt, an welcher 10 900 Personen teilnahmen. Nach Schluß der Versammlung durchzogen die Teilnehmer die Straßen der Stadt unter Schmährufen auf die Regierung und die Agrarier. Mit gefälltem Bajonett. Prag, 19. Juli. In tllachod sammelten sich, trotzdem eine Versammlung verboten worden war. Tausende von Textilarbeitern an, die demonstrierend durch die Straßen zogen. Als sie zur Be- zirkshauptmannschaft marschierten, machten 50 Gendarmen eine Attacke mit gefälltem Bajonett. Viele Personen, darunter 20 Frauen, wurden verhaftet._ Die Cholera. Petersburg, 19. Juli.(W. T. B.) Seit gestern sind an der Cholera 63 Personen erkrankt, 36 gestorben. Die Zahl der Kranken beträgt 852._ Angedrohte Katastrophe. London, 19. Juli.(W. T. B.) Der indische Agitator Shymajl Krishnavarma, welcher in Paris lebt, richtete an die„Times" einen Drohbrief, worin er erklärt, daß er, obgleich er keinen An- teil an dem jüngsten politischen Morde im Jmperial-Jnstitut habe, diesen doch billige. Zum Schlüsse des Briefes führt er aus, wenn England der Aufforderung Jungindiens keine Folge leiste, und Indien nicht räume, würde innerhalb kurzer Zeit für England eine Katastrophe eintreten, welche die Menschheit bestürzen werde. Spihel-Spitzbube. Ostende, 19. Juli. Die Polizei verhaftete den Russen Fleisch- mann, welcher vom Genfer Schwurgericht wegen Diebstahl zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Russische Revolutionäre behaupten, daß Fleischmann ein früherer Spion im Dienste Har- tings gewesen ist._ Dynamit und Schnellfeuergeschiiye. New Aork, 19. Juli. In Mc. Cees Rocks wurde bei den streikenden Arbeitern der Pressed Steel Comp. Dynamit entdeckt. Die Staatsbehörden trafen Vorkehrungen zur Aufstellung von Schnellfeuergeschützen._ Der Schießprügel gegen Streikende. New Uodk, 19. Juli. Bei dem Streik auf den S.�..oard Steel Car-Werken in Syndera(Pennsylvanien) machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Viele Personen wurden verletzt. 13 Streik- Verantw. Redakt.: Wilhelm Düwell. Lichtenberg. Jnjerate verantw.;»h. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstattHaul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungßbl. »m.».»w, i. KeW Ks Jotrairls" Iniinn Idbüitt. Diettstag, 20. Juli 1909. „Doppelte Moral." München, den 19. Juli. lTelegraphischer Bericht.) vor der 4. Straflammer des hiesigen Landgerichts begann heute der mit Spannung erwartete Prozeß gegen den Urheber des Reklame- Bluffs, der seinerzeit so großes Aufsehen erregt hatte, Peter Gant er. Am 19. Dezember brachte die Morgenpost in fast jedes Haus der Städte Berlin, München, Nürnberg. Magdeburg, Leipzig, Frank- furt, Mainz, Köln, Danzig, Dresden, Straßburg, Heidelberg, Bremen, Hannover u. a. einen säuberlich adressierten und kuvertierten Brief. Wenn der Empfänger den an ihn gerichteten Brief öffnete, konnte er sich an dem Inhalt den Kopf zerbrechen, denn der handschriftlich ge- schriebene Brief lautete: .Geehrter Herr(voller Name des Adressaten). Lesen Sie nur den Tendenzroman.Doppelte MoraN, das Tollste. waS bis heute dagewesen ist. Ein Skandal schlimmster Art, der uns gerade noch gefehlt hat. Der unausbleibliche Riesenprozeß, in den R. und H. leider auch hineingezogen sind, wird in seinen Folgen fürchterlich werden. Das anonym erschienene Buch hätte vor seuiem Erscheinen beschlagnahmt werden müssen, nachher rst es zu spät. In Eile Ihr(Unterschrist war unleserlich)." Was es mit dem angepriesenen.Tendenzroman" für eine Be- � wandnis hat, konnte derjenige, der ihn gelesen hatte, bald erfahren: Es ist ein Schund gewöhnlichster Sorte und hat mit den Angelegen- heiten der Briefempfänger nicht das mindeste zu tun. Der Roman erschien in einer Auflage von 200 000 Stück und sollte m feiner Ausstattung sehr einfach gehalten, 7,S0 M. bis B,50 M. kosten! Ganter hoffte daraus einen Riesenprofit zu ziehen, allerdings ist ihm sein Plan ja nicht gelungen; denn bevor eine nennenswerte Anzahl von Exemplaren abgesetzt war, wurde der Schwindel durch oie Zeitungen bekannt. Ganter hatte den.Schrift- steller" Georg Fleck in Berlin veranlaßt, nach seinen Angaben die Lcbensgeschichte eines Prinzen zu schreiben, in der daS Fideikommiß eine Rolle spielt. Er errichtete im April 1903 in Zürich eine Schreibstube, in der er 2i Personen mit der handschristlichen An- fertigung der Tausende und aber Tausende von Reklamebriefen beschäftigte. Leiter dieses Schreibbureaus war der Kaufmann Kurt Hamburg aus Mainz. Ganter hat sich daher wegen eines fort- gesetzten, mit Hamburg verübten Verbrechens der Privat Urkundenfälschung im rechtlichen Zusammentreffen mit einem Ber< gehen des Betrugs zu verantworten. Ganter ist auch noch wegen Vergehens gegen das Postgesetz angeklagt, weil er an eine aus> wänige Spediteurfirma eine Kiste mit Briefen, die mit 5 Pfennig marken frankiert waren, geschickt hatte. Die Anklage verKitt Staatsanwalt Dr. Gütermann, die Verhandlungen leitet Landgerichtsrat Lindner. Ganter wird vom Rechtsanwalt Beruft ein verteidigt. Den Angeklagten Hamburg verteidigt Rechtsanwalt Dr. Meherstein-Berlim Es sind 8 Zeugen zur Stelle, außerdem 2 Aerzte, sowie 2 Buchhändler als literarische Sachverständige. Nach dem Eröffnungsbeschluß find beide Angeklagte schuldig des Betruges, der Urkundenfälschung und der Beleidigung von 23 Personen. Im Eröffnungsbeschluß wird den Angeklagten zur Last gelegt, das Buch„Doppelte Moral", welches nach Inhalt und Form 50 Pf. bis 1 M. wert war, für 7,b0 bis 3,50 M. ver. kauft zu haben. Ferner ist eine Anzahl Personen getäuscht worden; sie wurden in den Glauben verfetzt, daß sie in eine schmutzige Affäre verwickelt feien. Die Lektüre des in 400 000 Exemplaren versandten Briefes hat weiter nach dem Eröffnungsbeschluß auf einige nervöse und herzlcidende Personen nachteilige Folgen gehabt. Ursprünglich wurde noch von 2 Personen Anklage wegen„Körperverletzung" gestellt. das Gericht hat jedoch das Verfahren eingestellt. Der Angeklagte Ganter ist wegen Urkundenfälschung und versuchten Betruges mit v Monaten Gefängnis und einem Jahr Ehrverlust bestraft, ferner wegen Unterschlagung mit 100 Ml Geldstrafe, zweimal wegen Beleidigung mit je 500 Mk. Geldstrafe, und wegen Nötigung mtt 7 Monaten Gefängnis. Ter Angeklagte Hamburg wurde im Jahre 1004 wegen Diebstahls und Urkundenfälschung zu 9 Monaten Ge- fängnis und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ueber den realen Untergrund des Buches„Doppelte Moral" macht Ganter folgende Angaben: Ein Herr„Müller"— ich will den richtigen Namen nicht nennen, ich habe nicht das Bedürfnis, noch mehr Sensation zu machen!— ein in Ehren ergrauter Herr, der mit dem Staatsdienst verwachsen ist, wurde durch einen Land- wirtschaftsminister(Podbielski) veranlaßt, eine fürstliche Besitzung zu kaufen. Es wurde ihm die fideikommissarische Bewilligung durch den König in Aussicht gestellt. Der Fürst hielt dem König einen Jmmediatvortrag und überbrachte dann Herrn„Müller" die Bot- schaft, daß der König die Auflösung des fürstlichen Fideikommisscs und die Neugründung des„Müllerschen" Fideikommisses bewilligt habe. Herr„Müller" bewirtschaftete die ziemlich heruntergekommene Besitzung ein Jahr lang und steckte 400 000 M. hinein. Der Land- wirtschaftsminister wurde gestürzt. Unter dem neuen Minister wurde eine Kabinettsorder erlassen, durch die Herrn„Müller" die allerhöchste Genehmigung wieder entzogen wurde. Mit Schmach und Schande wurde er von feinem Grund und Boden gejagt. Er wandte sich dann an mich, damit ich die Sache in die Oesfentlichleit bringe. Es wurde eine diesbezügliche Vereinbarung getroffen.— Vors.: Ich habe aber einen derartigen Bertrag nicht bei den Akten gefunden.— Angekl.: Dieser Vertrag ist das wich- tigste Schrift st ück im ganzen Prozeß, und das gerade fehlt! Ich bin sprachlos. In später Abendstunde wurden die Weiterverhandlungen auf Dienstag vormittag vertagt. kleines feuiUeron. Die Sccschlange, über die meist im Hochsommer Berichte auftauchen, gilt im allgemeinen als ein Phantasieprodukt der .Sauren Gurkenzeit". Mir Unrecht, wie wir in dem soeben in der Sammlung Wissenschaft und Bildung erschienenen Werkchen„Der Tierkörper"(Seine Form und sein Bau unter dem Einfluß der äußeren Daseinsbedingimgen, Verlag von Quelle u.Meyer in Leipzig.) lesen. Der Verfasser Dr. Neresheimer schreibt darin über die Fauna der Tiefsee: Und noch eine andere Erscheinung trägt dazu bei, uns die Tiefsecfanna fremdartig und altertümlich erscheinen zu lassen. Das ist die relative Häufigkeit solcher Arten, die in fast unheimlicher Weise das Größenmaß ihrer in flacheren Regionen wohnenden Verwandten überschreiten, ähnlich wie wir ja auch unter den längst ausgestorbenen Ahnen vieler Tiergruppen gigantische Vertreter antreffe». Ich erinnere nur an die Riesenfaulliere und Riesengürteltiere, die ungeheuren Molcharten und Saurier und die kolossalen Tintenfische der Vorzeit. Aehnliche Riefenarten find auch an« der Tiefsee in erheblicher Anzahl heraufgebracht worden. Die Hydropolypen z. B. sind im allgemeinen sehr kleine Formen; die ein- zelnen Individuen sind meist nur stecknadelkopfgroß. Aber in der Tiefsee findet sich der gewaltige, nicht in Kolonien lebende Hydro- polyp Branchiocerianthus Imperator, dessen leuchtend roter, von langen Fangarmen gekrönter Kelch von der Größe einer Sonnenblume auf einem bis über 2 Meter hohen Stiel emporragt. Auch eine andere Polhpengruppe, die Seeanemonen, die wir vom Flachwasser her als nicht gerade unansehnliche, eben- tuell die Größe eines Ouartglases erreichende Formen kennen, sind in der Tiessee vertreten durch Arten, die mrt Leichtigkeit einen Zylinderhut verschlucken könnten. Und solche Riesen kennen wir aus den verschiedensten Tiergruppen als Tiefseebewohner: Asseln von der Größe einer Ratte; Muschelkrebse, Pfeilwürmer, Asselspinnen und andere Formen von bisher unerhörten Dimensionen werden in den abhsfischen Tiefen gefunden. Noch zwei solcher Giganten der Tiefsee möchte ich besonders erwähnen. Einmal die Riesenkrabbe, ein aben- teuerlich aussehendes Ungeheuer, das auf langen, dünnen Beinen daherstelzt, mit denen es einen Raum von drei bis fünf Meter überspannt, mit enormen Scherenarmen droht und einen wahrhaft furchterregenden Eindruck macht. Jedoch ist das Tier im seichten Wasser hilflos und unwehrhaft, bei jeder Welle schwankt es auf seinen gespenstisch langen, dünnen Beinen und kann sich kaum austecht hallen, es ist eben als Tiefseebewohner nur auf absolut ruhiges Wasser eingerichtet. Vielleicht der gewaltigste Tieffeebewohner aber ist der Krake, von dein die Sagen aller meeranwohnenden Völker erzählen; der Riesentintenfisch, der mit seinen ungeheuren Armen Schiffe um- klammern und in die Tiefe ziehen soll. Und dieser sagenhafte Unhold existiert wirklich, wenn er auch selten zu sein scheint und noch seltener au die Oberfläche des Meeres kommt. Alles, was man von ihm kennt, sind einige enorme, bis zu 11 Meter lange Arme, die ab und zu an die japanische oder amerikanische Küste angespült wurden und die uns einen Begriff vii. Kongreß der christlichen Gewerit- schaffen. Köln, IS. Juli. Der diesjährige Kongreß der christlichen Gewerkschaften Deutsch. landS wird eingeleitet durch eine heute vormittag im großen Gürzenichsaale stattfindende öffentliche Versammlung, zu der als Redner einige Männer von Stellung und Namen gewonnen sind. Die christliche Gewerkschaftsbewegung legt bekanntlich Wert auf den Nachweis, daß sie auf dem Boden der gegenwärtigen Staats- und Gesellschaftsordnung steht, daß sie den Klassenkampf verwirft und die Interessen des„ArbeiterstandeS" im Verein mit den anderen„Ständen" vertteten will. Um daS auch nach außen zu bekunden, statten die Christlichen ihre Kongresse mit Ver- tretern bürgerlicher Kreise aus und beKauen sie mit Ansprachen, in denen sie sich das Zeugnis staatserhaltender und christlicher Ge sinnung ausstellen lassen. Wie der Vorsitzende des Ausschusses vom Gefamtverbande der christlichen Gewerkschaften, Reichstagsabgeordneter Schiffer, in seiner einleitenden Rede verkündete, haben sich die christlichen Gewerk- schasten im wirtschaftlichen und im öffentlichen Leben die wohlwollende Aufmerksamkeit der weltlichen und geistlichen Obrigkeit, der Männer der Wissenschaft insbesondere der Nationalökonomie erworben; es sei ihm eine Genugtuung, daß der Kongreß verschönt werde durch die Anwesenheit hoher Gäste und lieben Freunde: Staatsminister Freiherr v. Berlepsch, RegierungS- und Gewerberät Trilburg, Landes- rat Wittmann, die Abgeordneten Trimborn und Pieper usw.; morgen seien noch mehr hohe Gäste zu erwarten, so werde das ReichSamt des Innern und die Stadt Köln Vertreter senden. Die Versamm- lung begrüßte jeden Namen mit Beifall und Händeklatschen und stimmte zum Schluß in' das vom Redner ausgebrachte Hoch auf den Kaiser ein. Generalsekretär Stegerwald gab sodann einen Ueberblick über die seit dem ersten Kongreß(Mainz 1899) verflossenen zehn Jahre christlicher Gewerkschaftsarbeit. Als die Aufgabe der christ- lichen Gewerkschaften erklärte er: Anhänger aller bürgerlichen Parteien zu sammeln, um wirtschaftliche Aufgaben zu lösen in einer Form und mit Mitteln, die mit ihrer christlichen Ueberzeugung und Vater- ländischen Gesinnung im Einklang stehen. Die christlichen GeWerk- schaften feien entstanden, weil die Sozialdemokratie die GewerkschaftS- Bewegung mit parteipolittfchen und antichristlichen Fremdkörpern durchsetzt habe und jeden Arbeiter, der nicht auf ihrem Bode stehe, entweder als Idioten oder als Lumpen behandele. Den Kirchen- gemeinfchaften erkenne die christliche Gewerkschaftsbewegung einen weitgehenden Einfluß auf das Volksleben zu, müffe von ihnen aber die auch anderen Interessengruppen eingeräumte organisatorische Selbständigkeit beanspruchen. Die Betätigung auf politischem Gebiete müsse außerhalb der wirtschaftlichen Organisation erfolgen und zwar durch Beeinfluffung der bürgerlichen Parteien zugunsten der nach Durchsetzung in der Gefellschsftsordnung ringenden Arbeiterschaft. Die Unternehmer dürften nicht bloß als Ausbeuter und Scharfmacher angesehen werden, man müsse ihr hohes Verdienst um die ganze Volkswirtschaft, ihre Intelligenz und geistige Ueber- legenheit anerkennen. Die bisherige Tättgkeil der christlichen Gewerkschaften, die der Redner im einzelnen schildert, stelle ein von der furchtbaren Größe und Kraft dieses Untiers geben können. Vielleicht gibt die Existenz dieses Wesens auch die Erklärung für eine andere, immer wieder auftauchende Schifferfage: die Erzählungen von der Seeschlange. Denn wenn wir uns auch gewöhnt haben, die periodisch in den Zeitungen austauchenden Nachrichten über See- schlangen als„Enten" zu belächeln, so ergibt doch eine Sichtung der vorliegenden Berichte, daß es sich durchaus nicht um bloße Phan- tastereien und Lügen handeln kann. Sehr wohl aber ließe sich denken, daß der Anblick eines Armes eines derartigen Riesenkraken, der einnml an die Oberfläche emporgetaucht sein mag, zu einem Bericht über eine ungeheuere schwimmende Schlange Veranlaffung gegeben hätte. Ejnar Milkclscns Grönlandexpedition gescheitert. Mikkelsen, der sich gegenwärtig mit der„Alabama" auf der Fahrt von Thorshavn (auf den Färöern) nach Reykjavik(aus Island) befindet, hat seine sämtlichen Hunde eingebüßt, und damit ist das ganze Unternehmen in Frage gestellt. Nach einem Depeschenwechsel mit dem Ministerium sollte Mikkelsen das Schiff desinfizieren, was inzwischen ge- schehen ist. und auf Island versuchen, den Hundebestand zu erneuern. Sollte er dabei vom Eise ein« oder abgesperrt werden, wäre Rück- kehr nach Dänemark geboten. Inzwischen hat sich der Grönländer, der von Grönland gekommen war und der Expedition als Führer in den öden Gegenden dienen sollte, in Thorshavn krank gemeldet. weil er— Angst hatte. Die Expedition schien ihm mit einem Male zu gewagt. Mikkelsen ist also ohne Hunde und ohne Führer, und da es nach Ansicht des Ministeriums aussichtslos ist, in Angmagsalik 60 Hunde aufzutreiben, ist wohl die ganze Expedition für diesen Momeut als gescheitert zu betrachten und Ufte Rückkehr nach Dänemark unvermeidlich. Theater. Neues Theater:„Sein Sündenregister". Burleske in 8 Akten von Fritz Friedmann-Frederich. Drei Sünden- Erstens Herr Friedmann-Frederich, der die hat. Zweitens der Sommerdirektor Josef Schauspielern und dem Publikum den Und endlich der Träger der„Idee" des Stücks: Peter Heidkamp mit dem sträflichen Einfall, über seine zahl- losen Ehebrüche sein säuberlich Buch zu führen. Dieses Sünden- register ist das schwächliche Rückgrat der Mimik, die sich im übrigen drei Akte lang nur noch durch eine Handvoll obszöner Witzchen über Wasser hält, vornehmlich aber von Entkleidungen auf offener Szene lebt— Entkleidungen, durch die beide Geschlechter im Publikum auf die Kosten kommen sollen. Den Ehe- und Herzenbrecher mit dem Sündenregister gab ein Gast: HanS L a ck n e r. Er spielte flott, kam aber doch nicht recht zur Geltung, hauptsächlich wohl, weil seine Partnerin(Alice Lenz) versagte. Da« Publikum war sehr schlecht einstudiert: es klatschte viel, aber stets an verkehrter Stelle. G. D. Musik. .Hotel Amor' wurde am Sonnabend im Berliner Theater zum erstenmal aufgeführt. Das Stück Wird als. böcke auf einmal: „Burleske" fabriziert Stein. der seinen Schmarrn zumutet. großes Stück positiver Arbeit dar; er wünsche, daß die kommende Zeit ebenso arbeits- und opferfreudige, von wahrem Idealismus durchdrungene Kämpfer finden möge. Staaisminister v 0 n B e r l e p s ch, der sich vorstellt als einen Mann, der von Anfang an die hohe Bedeutung der christlichen Gewerkschaften voll anerkannt hat und bemüht war, sie nach Kräften zu fördern, hält eine lange einschläfernde Rede über alle möglichen Dinge aus dem Gebiete der Arbeiterfrage und der Sozialreform, Er erzählt aus feiner Zeit als Handelsminister, daß ihm nicht zehn-, nein hundertmal, wenn er Vorschläge sozialresormerischer Art gemacht habe, entgegengehalten worden sei, damit werde doch nur der Sozialdemokratie genützt. Dasselbe könne man jetzt wieder bei der Frage der preußischen Wahlreform beobachten. Da sei ei zu begrüßen, daß derartigen Einwürfen entgegengetreten Werder könne insofern, als es jetzt Organisationen außerhalb der Sozial- deinokratie gebe, die für derartige Forderungen eintreten.(Der Redner sparte sich den Nachweis, daß dadurch die Dinge besser aeworderi sind und die Arbeiterforderungen jetzt mehr Aussicht auf Erfolg haben). So lange die sozialdemokratische Partei die freien Gewerk- schaften als ihre Organe ansehe und so lange die freien Gewerk- schaften sich das gefallen ließen, sei an eine Verschmelzung mit den christlichen Gewerkschaften nicht zu denken. Dagegen empfahl der Redner den christlichen Gewerkschaften dringend den Versuch, mit den Hirsch-Dunckerschen eine engere Verbindung herbeizuführen. Die bisherigen Erfolge der deutschen Arbeiterbewegung feien beachtenS- wert, aber sie würden noch viel größer fein, wenn nicht die be> llagenswerte Zersplitterung vorhanden wäre. Da sollten sich, wo eir getrenntes Marschieren noch unvermeidlich fei, die verschiedener Organisationen wenigstens so weit zusammenfinden, daß ein vereinte! Schlagen möglich sei. Der Redner schließt mit der Hoffnung, das schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Einglieverunc des Arbeiterstandes in den staatlichen und sozialen Organismus ge- lingen möge, und wenn das im Wege der Reform, nicht der Revolution geschehe, so sei das nicht zum wenigsten der Einwirkung der christlichen Gewerkschaftsbewegung zu danken. Dr. BraunZ, Direktor des katholischen Volksvereins, rede! an Stelle des erkrankten Professors Hitze über die Triebkräfte der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Nach dem Redner waren eä religiös-sittliche Ideale, die den zwingenden Grund zum Entstehen der christlichen Gewerkschaften gaben. Die Bewegung wuchs spontan aus dem Proletariat heraus, weil den katholischen Arbeitern die marxistisch-sozialistische Ideenwelt mit ihrem krassen Materialismus, ihrem Klassenkampf, ihrer Unwahrheit und ihrer hetzerischen Propaganda zuwider war. Das Ideal der christlichen Geiverkschasten war die wirtschaftliche Solida- rität, weshalb sie Fragen der Religion, der Weltanschauung und der Parteipolitik aus dem Spiele lassen. Achtung vor der Bedeutung des privaten Unternehmertums, richtige Einschätzung des Verhältnisses von Kapital und Arbeit zu einander und ernstes Friedensstreben— das sind nach Dr. Brauns die Hauptvorzüge der christlichen Gewerk« schaften, die allein die Förderung des Gewerbes gewährleisten. Eine Gewerkschaft wie die christliche, in der sich Männer verschiedener Konfession und Parteirichtung auf dem Boden ihrer wirtschaftlichen Interessenvertretung einigen, deren Taktik sogar ein Sichzusammen« finden mit Gliedern anderer Bevölkerungsklasien ermöglicht und da- mit der Abschwächung politischer Gegensätze und der staatsbürgerlichen Einigung dient, kann sich nach des Redners Meinung mit Recht und mit Stolz.national" nennen. Der Derbaildstag der Tapesierer und vemandten Kervfg- genosseu Deutschlands. Am Sonntagabend 7 Uhr wurde der 4. ordentliche Verband». tag des Verbandes der Tapezierer und verwandten Berufsgenofsen Deutschlands eröffnet. Zur vorgeschlagenen Tagesordnung lag ein Antrag- Bremerhaven vor, die Frage der, Verschmelzung mit dem Holzarbeiterverbande als besonderen Punkt zu behandeln. Der Antrag fand nicht die Zustimmung des Verbandstages; die Frage soll jedoch bei dem Punkt:„Allgemeine Anträge" an erster Stelle beraten werden. Ferner stellten mehrere Delegierte den Antrag, die 'jfcf Maifeier> als besonderen Punkt auf die Tagesordnung zu fetzen. Demgegen- über wurde bemerkt, daß die Maifeier stets im Verbände propagiert worden ist, und daß es wohl möglich fei. die Frage beim Bericht Operette bezeichnet, kann aber ruhig zur Posse mit Gesang ge- rechnet werden. Hier tut man gut, nach keinen anderen„Unwahr- scheinlichkeiten" zu fragen, als nach solchen, die in einem Nach- lassen der eigenen Kraft des„geistreichen Blödsinnes" liegen. Daran leidet das Stück in feinem enttäuschenden Schlußakt und in seinen„Gesangstexten"(Couplets) von W. Höhne. Doch das alles hindert nicht die„enthusiastische" Aufnahme eines Stückes von dem TypuS, in dem durch burleske Tanzbewegungen, durch das Austreten eines„Narzissensextettes", durch Witze wie über den„Elektrotechniker" und durch Verwickelungskomik einem Miß- erfolge von Haus aus vorgebeugt wird. Im„Hotel Mohr" ist wegen Dalles Aufruhr. Der Ge- schäftsführer macht das Personal zu Gästen und die Narzissen zu Angestellten. Dadurch will er einen reichen Amerikaner, der daS schon vorher umbenannte„Hotel Amor" kaufen soll, und einen gemütlichen Onkel aus Königsberg, der seinen Neffen als Hotelier florieren sehen will, überlisten. Die beiden alten Herren hatten sich vor 23 Jahren mit einer Artistin eingelassen und suchen nun deren Tochter, die gar nicht existiert. Endlich wird die Ober» narzissin als solche vorgeschwindelt und macht gnten Schluß.— Dies der Text des„bewährten" Benno Jacobson. Die Musik des noch unbewährten Charles Philip ver- sucht immerhin einen Operettenanlauf, und zwar sowohl durch Spähe in der Verwendung von Instrumenten, wie auch dadurch, daß manchmal Chor und Solostimmen hübsch lebhaft ineinander gearbeitet werden. Sonst aber darf man von ihr schweigen. Am erfreulichsten ist in solchen Fällen meist die schauspiele- rische Gewandtheit der Darsteller. Um � ihr diesmal gerecht zu werden, müßten wir zu viel Raum beanspruchen; und auch einige Gesangskunst, die dabei betätigt wurde, sei nur eben mit allge- meiner Anerkennung erwähnt. Kurz: man unterhält sich, sz Humor und Satire. Zum Gedächtnis. Unter einer Zeichnung GulbranssonS, die einen Pfaffen als Scharfrichter und einen Junker als Gehilfen dar- stellt, liest man: Der Beschauer erblickt hier daS herzzerreißende Schicksal weiland des gesürfteten Reichskanzlers Bülow des Nord«- neyers, welcher im Junms durch einige Fuselbrenner vom hohen und Niedern Adel an die rachgierigen Eunuchen RomS ausgeliefert, auch von selben unter Mitwirkung eines wohlgeborenen Schnaps- adels öffentlich hingerichtet wurde. Seine Ueberreste werden nach Kleinflottbeck geschafft, und ist zur Erinnerung an fein grausames Los zum ewigen Angedenken diese Tafel errichtet worden im Jahre des siegreichen Diebstahls 1909. Die Parteien an der Leiche BülowS: „Er war kein Mann, nehmt alles nur in allem— Wir werden öfters seinesgleichen sehn I" Das einzige Glück. Wenn sie nicht Soldaten drauchteu, würden sie uns auch noch die Kinder versteuern. (.Simplicifsimus.'j ausführlich zu beWecheit. Ber Anlrag Tagesordnung wurde unverändert gut- vom Gewerkschaftskongre' wurde abgelehnt. Die! geheißen. In der Sitzung am Montagvormittog gab zunächst die Man- datsprüfungskommission ihren Bericht. Es sind 42 Delegierte an- wesend; ferner drei Vertreter des Verbandsvorstandes, einer des Ausschusses und fünf Gauleiter, sowie je ein Vertreter deS öfter- reichischen und d.es ungarischen Holzarbeiterverbandes, in denen auch die Tapezierer jener Länder organisiert sind. Als Vertreter der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands nimmt S a s s e n b a ch an den Verhandlungen teil. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes, der hierauf zur Verhandlung kommt, liegt in einer 64 Seiten starken Broschüre gedruckt vor. Der„Vorwärts" hat das wichtigste daraus bereit? am Sonntag mitgeteilt. Nachdem der Verbands- Vorsitzende Vesper, der Kassierer S p l i e d t und der Ausschuß- Vorsitzende Gruenwaldt den gedruckten Bericht durch mündliche Ausführungen ergänzt hatten, setzte eine sehr rege Diskussion ein. ES sind hauptsächlich die Organisationsverhältnisse und die Lohn- bewegungen an den verschiedenen Orten, die hier ausführlich be- sprachen werden. Die Fluktuation unter den Mitgliedern hat sich besonders stark in Rheinland-Westfalen geltend gemacht. ES hängt daS damit zusammen, daß dort der Zuzug von Arbeitskräften be- sonders zahlreich ist. Es herrscht unter deg Tapeziergehilfen viel- fach die Ansicht, daß in Rheinland-Westfalen immer noch am ehesten Arbeit zu erhalten sei. obwohl dies sich nur zu oft als Täuschung erweist. Außerdem wird bemerkt, daß dort der christliche Holz- arbeiterverband mit oft recht zweifelhaften Mitteln feinen Einfluß auch unter den Tapezierern geltend zu machen sucht, obivohl dieser Verband keinerlei praktische Erfolge aufzuweisen hat. Zur besseren Förderung der Agitation wird von Gruenwaldt- Hamburg unter anderem hervorgehoben, daß die Gauleiter ab und zu nach einem anderen Gau versetzt werden sollten. Damit werde man auch erreichen, daß den Gauleitern der Blick für daS große Ganze des Verbandes nicht verloren geht. Ferner wird in der Diskussion daS System der Beitragssammlung durch angestellte HauSkafsierer, das in den sechs größten Filialen, jedoch nicht in Berlin, eingeführt ist, besprochen. In der NachmittagSsitzung wurde die Debatte über den Vorstands- und den AnSschußbericht fortgesetzt. ES sind vor allem innere Organisationsangelcgenhelten, die zur Sprache kommen und sachlich erörtert werden. Irgend- wie einschneidende Streitigkeiten liegen nicht vor. Die Debatte wurde um Uhr beendet. Der Verbandsvorsitzende Vesper antwortet in seinem Schlußwort auf verschiedene Einwendungen. Er ist der Meinung, daß das Hauskassierungssystem für Berlin mit der Anstellung von zwei HanSkassierern sehr wohl durchführbar ist. und daß die Unkosten durch die zu er- wartende Steigerung der Beitragseinnahmen größtenteils gedeckt werden, während bei den Berlinern die Ansicht borherrscht, daß die Anstellung von vier Hauskassierern notwendig sein wird, um daS System durchzuführen, und die Unkosten so hoch sein werden, daß die Filiale allein sie nicht gut zu tragen vermag.— Der Verbandstag nahm eine Resolution an. die der Filiale Berlin dringend empfiehlt, daS HauSkassierersystem einzuführen, um der starken Riilgliederflulluation entgegenzuwirken. Sodann wurde dem Verbandsvorstand und Kassierer auf Antrag der RechnungSprüfungskominisston einstimmig Decharge erteilt. Hierauf kam der Bericht über die Presse zur Verhandlung. Die Auslage des Verbandsorgans ist feit dem vorigen Verbandstag, 1306, von 3800 auf 10503 Exemplare gestiegen. Die Gesamtkosten betrugen im Jahre 1306, als das Blatt nur 14- tägig erschien, rund 8500 M., 1307 bei achttägigem Erscheinen und nach Austelluilg eines besonderen Redalteurs 13 512 M. und im Jahre 1308 13 062 M. Zum Teil ist die Steigerung der Ausgaben für das Blatt auch aus die Erhöhung der Drnckkosten infolge der Erhöhung des Buchdruckertarifs im Jahre 1807 zurückzuführen. Der Redakteur Becker bemerkt dazu, daß man sich in der Zeit der Krise der größten Sparsamkeit in den Ausgaben befleißigle. Zi zwei Anträgen, die«ine bessere Berücksichtigung technischer Beruf? fragen im Verbandsorgan verlangen, hebt der Redner hervor, das bei dem geringen Umfang dieses Blattes nicht alle Wünsche didser Art befriedigt werden können. In der Diskussion über diesen Punkt sprachen mehrere Rednerssich dahin aus. daß es doch vor allem darauf ankomme, durch die Presse für grundsätzliche und auch für politische Aufklärung der Mitglieder zu sorgen, was hauptsächlich für solche Orte notwendig sei, wo die politische Arbeiterpresse noch wenig ver- breitet ist. Andere Redner wenden dagegen ein, daß, so wichtig.die? auch sei, doch junge Mitglieder weit leichter für die Zeitung zu interefsieren seien, wenn mehr fachtechnische Fragen behandelt würden. — Es liegen ferner zwei Anträge vor, von denen einer dahin geht, daS Verbandsorgan überhaupt wieder vierzehntägig erscheinen zu lassen, der andere dahin, eS in der flauen Geschäfts zeit des Jahres vierzehntägig, in der übrigen achttägig erscheinen zu lassen. Es zeigt sich jedoch, daß auf dem Verbands- tage sehr wenig Sympathie ftir diese Anträge vorhanden ist. Schon mit Rücksicht auf die Agitation halten die meisten Redner es für ge- boten, die Zeitnng das ganze Jahr über wöchentlich herauszugeben. Im übrigen liegt noch ern Antrag vor, den langen und nach Meinung der Antragsteller leicht zu Verwechselungen führenden Titel deS Organs.Korrespondenzblatt" usw. in.Der Tapezierer' umzu- wandeln.— Die Debatte, die im allgemeinen zeigt, daß an der prinzipiellen Haltung des Organs nichts auszusetzen»st, wird morgen fortgesetzt._ 14,60 Millionen Mark betragen, ist demnach um 3 Millionen Mark gewachsen. Bringen wir. um den Reinertrag des Gesamtkapitals festzustellen, die Verluste für jedes Jahr in Abzug, so erhalten wir für 1307 einen Gewinnüberschuß von 14,5, für 1308 einen solchen von 17,6 Millionen Mark. Der Ueberschuß hat sich also um 3.1 Millionen Mark erhöht. Eine Gcwinnsteigerung um 22 Proz. in einem Jahre hat außer dem Braunkohlenbergbau kein anderes Ge- werbe im Jahre 1308 aufzuweisen. Dabei sind die Abschreibun- gen usw. noch sehr reichlich bedacht worden. Sie haben sich gegen 1307 gleichfalls vermehrt und. erreichten insgesamt einen Betrag von 13,75 Millionen Mark. Im Jahre 1307 hatten sich die Ab- schreibungen bei der gleichen Anzahl Gesellschaften nur auf 11,63 Millionen Mark belaufen. 2 Millionen Mark mehr Ab- schreibungen und 3 Millionen Mark mehr Gewinn ergeben eine Summe von 5 Millionen Mark, die mit einem Aktienkapital von 113 Millionen Mark mehr erzielt worden sind. Die Ilse, Bergbau Akt.-Ges., verteilt 22 Proz. gegen 20 Proz., Eintracht, Braunkohlen� tverke, 27 gegen 24 Proz. Die konsolidierten Brannkohlenwerke Karoline 30 gegen-23 Proz. Da mögen die Aktionäre jubeln; die Bergarbeiter werden drangsaliert, ihre bescheidenen Forderungen er- fahren Abweisung und die Konsumenten beutet das Grubenkapital rücksichtslos aus._ Die geplante BierPreiSerhöhung. Daß die Brauereien und Wirte, so schreibt nun auch die „ArbeitSmarkt-K.", die neue Belastung vn-Z der Biersteuer auf den Konsum abwälzen würden, war vorauszusehen. Dagegen hätte sich wohl kaum Widerspruch erhoben. Daß aber die Gelegenheit wahr genommen werden soll, nicht nur die neue Steuer auf den Konsum abzuwälzen, sondern den Konsum um das Fünf- bis Sieben- fache deS SreuerbetrageS zu belasten, daS ist ein Vor- tehen, das auch für die Brauer und Wirte gefährlich werden mutz. )enn allzu scharf macht schartig. Die gesamte Steuer- belastung der eben angenommenen Finanz r e f o r m, über die so erregte Kämpfe stattgefunden haben, dreht sich um den hohen Betrag von 500 Millionen Mark. Brauereien und Wirte wetteifern mit dem s igcnden Bedarf des Reiches nicht nur, sondern sie gehen über die halbe Milliarde noch Hinang. Wenn die Absichten der Interessenten verwirklicht würden, so ergebe daS eine durchschnittliche Belastung von zirka 10 M. pro Kopf der Be- völkeruilg und da die Zahl der Biertrinker erheblich kleiner ist als die der Bevölkerung, steigt die Durchschnitts- belastung des Biertrinkers auf weit mehr als das Doppelte des genannten Betrages. Euq Inäultrie und Handel Preissteigerungen im Juni. Im Vergleich mit dem Monat Mai d. I. find im Juni die Preise für eine Reihe wichtiger Nahrungsmittel und anderer Agrar- Produkte kräftig gestiegen. Die»Statistische Korrespondenz" ermittelt folgende Durchschnittssätze nach den Marktpreisen aus 50 Orten: Großhandel Mai Juni Weizen.....(1000 kg Mark) 251 262 Roggen.....(»•,) 183 192 Braugerste....(,»,) 196 198 Futtergerste....(»»») 153 159 Haser......(»»») 191 198 Erbsen......(»«») 286 289 Speisebohnen...(»,.) 284 296 Linsen......(»»•) 829 332 Eßkartoffeln....(.»,) 71 73 Heu.,> 83 76 Richtstroh.....(»<»») 63 58 Krumm- und Preßstroh(»»») 41 45 Eier(ein Schock)....... 3,81 3,89 DaS find wieder enorme Steigerungen, aber dem blau-schwarzen Block war die Belastung deS BolkeS noch nicht hoch genug, er hat dafür gesorgt, daß nun auch noch für eine Reihe weiterer Artikel die Preise tüchtig in die Höhe schnellen. Rentabilität im Braunkohlenbergbau. Bei 36 Braunkohlenwerken, die ihre Bilanz so veröffentlicht haben, daß die Dividende mit der vorjährigen verglichen werden konnte, stellte fich daS Aktienkapital im Jahre 1S0S insgesamt auf 119,83 Millionen Mark. Auf dieses Aktienkapital wurden NN Jahre 1907 11,73, im Jahre 1908 aber 12,45 Millionen Mark an Dividende verteilt. ES ergibt sich im Durchschnitt für 1307 eine Dividende von 3,8 Proz., für 1303 eine solche von 10,4 Proz. Auch von 1806 aus 1907 war bereits eine Steigerung der Rentabilität eingetreten. Der Reingewinn stellte fich im Jabre 1308 auf 17.60 Millionen Mark; er hatte im Jahre.1907 Eue der frauenbewegung* Vom Kampfe um daS Fraueustimmrecht. Die englische Womsn's Freedom League(Liga für die Be- freiung der Frauen) erstrebt ebenso wie die Suffragettes das an den Nachweis bestimmter Einkommeiisqualifikationen gebundene Wahl- recht für die Frauen, lehnt aber die lärmende Agitationsweise dieser jüngsten Richtung in der bürgerlichen FrckUeiistimmrechtsbewegung Englands ab. Wahrend die SuffragerteS nach ihrer letzten großen Aktion vor den Toren deS Parlaments gegenwärtig im Zustande bcwaff- netcr Neutralität verharre», hat die Women'S Freedvm League den Kampf aufgenommen.»Aber dieser Kampf wird"— so schreibt die »Woman Worker"—»konstitutionell und legal geführt. Da gibt es keine Aufreizungen zu Zusaminenrottungen, leine Aufforderungen an die Menge, den Frauen zu folgen und Zeugen der gegen sie verübten Ungerechtigkeiten zu sein, da gibt eS kerne Zusammenstöße mit der Polizei, keine. Obstruktion". DaS Ziel der von der WomenS Freedom League in das Unter- hauS entsandten Deputation ist. das P e t i t i o n s r e ch t festzustellen oder für alle Fälle die gegenwärtige nebelige politische Situation zu klären. Durch ein Gesetz ans der Zeit Karls II. ist das Recht, einem oder mehreren Abgeordneten oder dem Könige selbst eine Petition zu überreichen, jedem Bürger gewährleistet, voraus- gesetzt, daß die Depmalion nicht mehr als zehn Personen zählt. Dieses Recht wurde später noch besonders sichergestellt durch die große revolutionäre Stechtsbill von 1633, die alle Verfolgungen oder Belästigungen bei der Ausübung desselben als ungesetzlich erklärte." — Bekanntlich haben Polizei und Gerichte sich über diese Gesetzes- bestimniiingen in letzter Zeit einfach hinweggesetzt, indem sie die SuffragctteS, die von den, PetitionSrccht Gebrauch machen wollten, wie gemeine Verbrecher ins Gesängiiis sperrten. AuS der Bewegung in Oesterreich. In Reichenbach wurde am 4. Juli eine sehr gut besuchte Frauenkonferenz abgehalten, die ein sehr erfreuliches Bild von der stetig fortschreitenden Bewegung unter den Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen Nordböhmcns bot. Einen Wink für die Agitation gaben die Machendorfer Genossinnen durch ihre Mitteilung, daß sie mit einer Hausagitation die Zahl der Mitglieder kräftig in die Höhe gebracht haben. Genossin Petrak berichtete, daß in Reichenberg eine lose gesangliche Verein! gung bestehe, die den Mangel einer Jugendorganisation für die Ar beitertnnen ersetzen soll. Genossin Neumann teilte mit, daß im Aussiger Bezirk über 700 Frauen organisiert sind, davon allein 400 in der Stadt Aussig. Bor einem neuen Redaktionswechsel steht das mehrfach von unS erwähnte Wochenblatt der englischen Arbeiterinnen«The Woman Worker". Nachdem Genosse Robert Blatchford daS Blatt etwa drei Monate lang redigiert, teilt er in Nr. 2 vom 14. Juli in einem humoristisch gefärbten Abschiedswort an die Leserinnen mit, daß er die Leitung niederlege und in die Redaktion deS„Clarion" zurück- trete. Nicht daß ein Frauenblatt nicht von einem Manne redigiert werden könne. Aber er fei nun einmal nicht der Mann, wäre eS nie gewesen und werde eS nie sein.„Ich passe in eine Frauen. zeituna, wie ein Walroß in einen Blumengarten. Darum wird mein Platz besser ausgefüllt, wenn ich ihn verlasse." Unter Blatchfords Leitung war die Auflage der„Woman Worker" anfangs rasch von 28 000 auf 32 000 Exemplare gestiegen, um in den letzten Wochen noch geschwinder auf 27 500 Exemvlare zu fallen. Nicht ohne Einfluß hierauf war jedenfalls Blatchford» verfehlter Versuch, die„Woman Worker" auS einem reintn Ar- beiterinnenblatt zu einer Zeitschrift für alle Frauen zu machen, wobei notwendig die Interessen der proletarischen Frauen zurück- gedrgngt werden mußten.<— <3encbtö- Zeitung» Flugblattverbreitung am Sonntag. Durch Flugblattverbreitung am Sonntag soll der Arbeiter Scheerbart in Danzig die VerfrommungSverordnung vom 31. Juli 1836 verletzt haben, welche an Sonn« und Feiertagen öffentlich be. merkbare Arbeiten verbietet. Das Landgericht ,n Danzig ver- urteilte ,hn. obwohl festgestellt wurde, daß S. die Flugblätter nur innerhalb der Häuser verteilt hat. Eine„Arbeit" nahm daS Ge- richt an, weil die Flugblattverbreitung mit einer gewissen„An» strengung" verbunden gewesen sei; die öffentliche Bemerkbarkeit leitete das Gericht daraus her, daß das Publikum auf den Mann, der m»t e,nem Packchen Blätter von Haus zu HauS ging, aufmerk. sam geworden sei. In der Begründung der Revision, mit der S. daS Urteil anfocht, betonte er. es müßte zwischen dem Gehen auf der Straße und dem eigentlichen Vertreiben in den Häusern unter. schieden werden. Die öffentlich bemerkbare Tätigkeit des Gehens aus der Straße vollziehe sich genau in derselben Weise wie bei jedem anderen Passanten, während das Verteilen in den Häusern nicht öffentlich bemerkbar sei. Der Ferienstrafsenat de? Kammer. gerichts verwarf jedoch am Sonnabend das Rechtsmitie! mit sol- gender Begründung: Es stehe fest, daß S. auf der Straße gesehen worden sei, wie er mit einem Paket von etwa 50 Flugblättern zum Zwecke des VerteilenS von Haus zu HauS ging. Wenn daS Land- geeicht eine öffentlich bemerkbare Arbeit annehme, so sei ihm darin beizutreten! Der Begriff der„Arbeit" sei nicht verkannt! DaS Verteilen der Flugblätter sei immerhin mit einer gewissen An- strengung verbunden gewesen und als Arbeit anzusehen. Diese „Arbeit" sei aber nach den Feststellungen des Landgerichts auch „öffentlich erkennbar" gewesen, da eS danach den Passanten auf der Straße hätte zum Bewußtsein kommen müssen, daß S. mit dem Verteilen von Zetteln beschäftigt gewesen sei. Das genüge! „Widerstand gegen die Staatsgewalt". Einen schweren Exzeß hatten die Arbeiter Paul König» Otto Lamprecht und Emil Schmidt verübt, die sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg wegen Beleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und groben Unfugs ver- antworten mutzten. Am 23. März waren die drei Angeklagten nach Steglitz gefahren. Als sie den Bahnhof verlassen wollten, begeg- nete ihnen auf der Treppe der Weichensteller Köhn, der einen soeben eingefahrenen Zug noch erreichen wollte, um rechtzeitig zum Dienst zu kommen. In der Hast streifte er aus Versehen den Aermel des Lamprecht, der über diesen harmlosen Zwischenfall in große Wut geriet. Er lief dem K. nach, wurde aber an der Bahnsteigsperre von dem Schaffner Barutzki angehalten, der ihn nicht auf den Bahn- steig hinauflassen wollte, da er kein Billett hatte. Lamprecht be- gann mit dem Beamten einen Streit. In dessen Verlauf fielen die drei Angeklagten über B. her, zerrten ihn aus dem SchutzhäuSchcn und schlugen auf ihn ein. Als dem Mißhandelten andere Bahn- beamte zu Hilfe eilten, kam eS zu einer wüsten Prügelei, der erst durch die Polizei ein Ende bereitet wurde. Schmidt widersetzte sich seiner Sistierung, warf sich zu Boden und schlug mit den Beinen um sich. Schließlich wurde er zur Polizeiwache geschleift und in Fesseln gelegt. Der Amtsanwalt beantragte Gefängnisstrafen von 4 bczw. 6 Monaten. DaS Gericht ging über diesen Antrag hinaus und erkannte gegen Schmidt auf 8 Monate und 1 Woche Gefängnis und 2 Wochen Haft, gegen Lamprecht auf 5 Monate und 1 Woche, gegen König auf 4 Monate und 2 Wochen Gefängnis. Schmidt wurde außerdem wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Vom Urheberrecht. Ter K 9 des Urhebergesetzes vom 10. Juni 1901 bestimmt:„Im Falle der Uebertragung des Urheberrechts hat der Erwerber, soweit nicht ein anderes vereinbat ist, nicht das Recht, an dem Werke selbst, an dessen Titel und an der Bezeichnung deS Urhebers Zu- sätze, Kürzungen oder sonstige Aenderungen vorzunehmen. Zu- lässig sind Aenderungen, für die der Berechtigte seine Einwilli- gung nach Treu und Glauben nicht versagen kann."— Wegen Uebertretung der Bestimmungen hatte das Landgericht II auf Grund des§ 38 desselben Gesetzes den Schriftsteller Dr. Pastenaci zu einer Geldstrafe von 3 M. und einer Buße von 20 M. verurteilt, weil er als verantwortlicher Redakteur des Gerichtssaals der„Täglichen Rundschau" einen ihm zugegangenen 35 Zeilen langen Artikel durch Aenderung beziehungsweise Kürzung aus 12 Zeilen gebracht und so veröffentlicht hatte. Der ursprüngliche Artikel, der eine Kammer. gerichtsentscheidung behandelte, wurde vom Landgericht als Aus- arbeitung wissenschaftlichen Inhalts angesehen, weil es sich nicht bloß um eine mechanische Wiedergabe des Urteils, sondern um eine zwar gedrängte, aber auf selbständiger geistiger Arbeit beruhende Darstellung des ganzen Prozesses in seinem Verlauf und Ergebnis handele. Die borgenommene Aenderung erklärte das Landgericht für unzulässig. Bei Beurteilung der Sache wären neben§ 9 des Urhebergesetzes auch mit in Betracht zu ziehen die ZI 13, 41 ff. und des Verlagsgesetzes. Danach fei für Zeitungen, in denen Beiträge ohne Namensnennung erscheinen, der Verleger befugt, Aenderungen der Fassung vorzunehmen, welche bei„Sammelwerken derselben Art", womit auch Zeitungen gemeint seien, üblich sind. Bei perio- bischen Zeitungen wäre als berechtigter und legitimierter Ver- treter des Verlegers der verantwortliche Redakteur zu erachten. Der I 3 des Urheberrechtsgesetzes sei dahin auszulegen, daß der Erwerber des Urheberrechts solche Aenderungen vornehmen körnte, bezüglich deren er gute Gründe, der Autor nach billigem Ermessen kein entgegenstehendes Interesse habe. Dazu gehörten Aenderungen der Orthographie oder Konstruktion. Ersatz von Fremdwörtern, AuSmerzungen beleidigender oder sittenwidriger Stellen und der- gleichen, also nur solche Aenderungen, die die Gedankentätigkeit des Autors, des geistigen Erzeugers unberührt ließen, soweit nicht gc- setzlich« oder anerkannt ethisch« Rücksichten einen weitergehenden Eingriff gestatteten.— Das Landgericht kam auf Grund dieser Erwägungen und unter Berücksichtigung eines Gutachtens der litc- rarischcn Sachverständigenkammer zu dem Ergebnis, daß die in den Inhalt jenes Artikels eingreifende Aenderung keine übliche Fassungsänderung sei und daß der Autor berechtigt gewesen sein würde, seine Zustimmung zu der Aenderung zu versagen, die aus der ursprünglichen Ausarbeitung eine bloße Nachricht gemacht habe. — Der zweit« Strafsenat de« KammergericktS verwarf die Revi- sion des Angeklagten: Die Vorentscheidung lasse einen Rechtsirrtum nicht erkennen. Insbesondere sei ohne Rcchtsirrtum festgestellt, daß es sich um eine Ausarbeitung wissenschaftlrchen Inhalts handelte und daß der Artikel gegen eine Kürzung geschützt war. welche sich nicht an die Fassung hielt, sondern zu einer Aenderung des Inhalts führte._ Vermischtes. Zweifacher Mord. Hann.-Münden/ 19. Juli. Nach einer Meldung der „Mündenschen Nachr." haben die beiden Mörder deS FabrikarbeiteiS Gieseler. namens Beuermann und Bode, eingestanden, auch die Luise Zänker ermordet zu haben. Schwerer Unglücksfall. Mannheim. 19. Juli. Im Stahlwerk Mannheim brach gestern Abend, als man bei der Montage eines jtzrane» ein 27 0 Zentner schweres Werkstück hervorzog, die Kette. Die herabfallende Katze zerbrach den Mast, an welchem da» Montage- aerüst befestigt war. Die darauf stehenden acht Arbeiter wurden herabgeschleudert. Sieben wurden verletzt, von diesen vier so schwer, daß sie in das Allgemeine Krankenhau» übergeführt werden mußten._ Fliegt er nicht, redet er. Friedrichshafen. 19. Juli. Der letzte Binder der großen Bauhalle der Zeppelin-Gesellfchaft wurde heute aufgerichtet. Es findet auS diesem Anlaß eine kleine Richtfeier statt, ber welcher Graf Zeppelin eine Ansprache halten werde. Fertig im Gerüst steht damit der bedeutende auS der Volksspende er- richtete Bau._ Die alte Geschichte. LudwigShafen. 19. Juli. Der Tagelöhner Peter Weber auS Frankfurt a. M. kam gestern hierher, um seine von ihm ge- trennt lebende Ehefrau zur Rückkehr zu bewegen. AIS diese sich weigerte, gab er vier Revolverschüsse auf sre ab. ohne jedoch zu treffen. Darauf richtete er dre Waffe gegen sich selbst und jagte sich eine Kugel in den Kopf, dre rhu sofort tötete. Zwickau. Sin schwerer Unglücksfall ereignet- sich in der Kaserne des 133. Jnf.-Regt. zu Zwickau. Am Sonnabendmittag explodier!- -in Speisekochkessel: 4 Soldaten wurden schwer verbrüht, einer davon soll bereit« verstorben fem. DaS Regiment und daS Brigadekom- numdo verweigern jede Auskunft. Karlsruhe. Wegen Untreue und Unterschlaaum Bürgermeister Meier in Schopfheim bei Tielenthal »raten Gefängnis verurteilt. wurde der en) zu 8 Mo- Für den Inhalt der Inserate librrilimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwortung €hcatcr. Dienstag, den SO. Juli. Ansang 7>/s Uhr. Neues königliches Operntheater. Othello. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Zu ebener Erde und im ersten Stock. Kammerspiele. Ein Skandal in Monte Carlo. Sessing. Die Dollarprinzesst». Berliner. Hotel Amor. vtenes Schauspielhaus. Moral. Schiller<».«Wallner. Theaier.) Madame Bonivard. Schiller Charlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich- BSilhelmstädt. Schau- spielhaus. Die Jüdin. Komische Oper. O diese LeuwantS. Neues. Sein Sündenregister. Thalia. Im Case Noblesse. Sustspielhaus. Familie Schimek. NeneS Operetten. Die Sprudelsee. Folies Caprice. Drei Fraüenbüte. Der Deserteur usw. Ans. 3>/« Uhr. Metroooi. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. Was eme Frau kann. Berliner Brater. Man lebt ja nur einmal. W. Noacks Theater. Der Schuster als Millionär. Apollo. Hartstein. Er oder Er. Speziautäten. Wintergarten. Spezialitäten. Pafiagc. Spezialitäten. Walhalla. Svezialiläten. Stadt-Theater Moabit. Spezialitäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Die Spreewald-Käthe. Spezialitäten. Reichs!, alle». Winter-Tymian. Urania. Taubeustrahe-ihUf). Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Sternwarte, Jnvalidenttr. 57 /«?. �essinx-l'kestet'. Gastspiel d. Neuen OPeretten-TheaterS. Anfang 3 Uhr. 1>lc Dollnrprinzesaln. Operette in 3 Allen von Leo Fall. öerliner l'keater. Operottea-Vaataplel. Note! Kmar. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: >»,«.». Mittwoch und folgende Tage: Lein �unäenrexister. kieues tlgl. opern-rbeater(Kroll). (jima-Oper. Gastspiel Karl Rorrlan. Zum l Male: Othello. Oper v. Guis. Verdi.— Anf.?1/, Uhr. Mittw.: Tristan. Bonn.; Tannhäuser. Freit.: Hollander. Sonnab.; Othello. Sonntag; Lohengrln. Mont.: Salome. Xeaea Operctten-Thcnter, Schiffdauerdamm 26, a. d. Luis eilst r. Ansang 8 Uhr: Dl« Sprackelkee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. friedrlch-Wilhelnistädtiscties Schauspielhaus. Dienstag. 20. Juli, abends 8 Uhr: Die Jüdin. «r. Oper in 5 Akt. o. Halbvy.(Kl. Preise.) Mittwoch: Oer Troubadour. Donnerstag: Olo 2audertllte. Freitag: Oae Wachllager»on Granada. Lustspielhausi Abend» 8 Uhr: 7amilis Sehimeh. «PMSniiEJlT «t. Frauksitrier Str. 132. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartenbühne Ansang»>/, Uhr. U.a.: llau didel daul Gr. Pantomime. Erstklassige Spezialttäteu. � Zlsnat»'�MS v kiv Zum SO. Male: 9.50 Hartstein Er o?«Er. vorher: JeEll Paill. Die O Yankee Doodle Girls. Bio lustigen Zecher. i0;8O io.SO in Hamburg. Ab 8 Uhr: DaS unübevtr. Progr. Brunnen-Theater vadstraste 68. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie taglich: y Erstklassige Spezialitäten! V Yovitttt! YovUiit! Eine ioüe Nacht. ®r. AuSstattungS.VolkSstück ntt Gesang und Tanz m 5 Bildern von Freund und Mannstädt. Kasseneröllnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. "Wissstischnftlicheg Theater. Taubenstraßo 48/19. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. OOiQCiSCHER I Täglich: Großes Militär-Doppel-Konzert. Eintr. 1 M., v. abends 6 Uhr ab 50Pf, Kind. n.lOJahr.d. Hälft. Passage- Panoptikum. Lebend! Die letzten weiblieben Wesen vom Stamme der Azteken! |R#a« die schwebende *l9al Junfffran. Ganz Berlin zerbricht Am« «ich den Kopf Uber"H*". Alles obne Extra-Eotree. Passage-Tlieater. Da. sensationelle Zwei Eingänge Unter den Linde»| i 1. Eingang sür Parkett und Sntree. J S. Eingang f. Logen, Terrassen, FauteuilS.] Die nene Theaterbar. I Eme Sehenswürdigkeit Berlins. melropol-Thestter nie ohergn Zehntausend. Amerik. Operette v. JuX. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anl 8 Uhr. Rauchen gestattet „Ls fia" in ihrer Novität: „Der Wellen Geist" sowie die allabendlicli stürmisch applaudierten 3n!i-jlttrabtionen. Reservierter Platz 2 M., Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe.) Königstadt-Kasino. toIzmartt»tr.7L(Ecke Alcxanderstr.) ägl. i hcrrl.Natur-Sommergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Gr. Thealer- u. 8pez.. Vorstellung. Wo die filebe hlnfUllt. Schwant m. Gesang v. H. Gontard. kdeibnor, Husoha llamb», Pilipp», La belle Therese, Stühs u. Schnell. Sladt-Tlieater Moabit. Alt-Moablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. b. Vorstellung Wochentag« 7 Ubr, Konzert S Uhr. Sonnt. 6 bezw. 6 Uhr. Gartencrössnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, SPezta. litäten und Soiree der»Lustigen Sänger-. Bei Regenwetter Vorstellung im großen Thcater-Saal._ Nene Welt Hasenheide �108/114. Spezialitäten. Jede Yaminor eine Attraktion. Or. Konzert. Anl. 4 Uhr. Enfcreo«5 Pf. Mittwochs: Erntefest. Donnerstags: Elitetag. fSchlller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Täglich: ISadaiue Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bissen und Antony Mar». Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. »m Lohrtor Bahnhof Neu erbaut: Fettalle Gartenrestaurant Konditorei und Cafd Militap. Komert ligl.». 4 Uhr ab Dejeuner» von 3.60 en bis 3 Uhr nachm. Dinare und Soupera v. 4.00 an Reicbsballen-Theater. Heute: Gastspiel Wlnler- Tymian mit seiner berühmt. 1. Herrengesellschast. Anf.Wochent.8Uhr Sonntags 7 Uhr. Sonntag, den 1. August: Wiederbeginn der Soiree» der Stettlncr Sttuger. Eiysltina Landsberger Allee 40/41. Ecke Petersburger Strafte. Heute sowie täglich-�5 im prachtoolleu Naturgarten: Vorstelluax abwechselnd von drei der bestrenoutmiertesteu Zällgtrgeskllschasttn. Goldene Jugend. AuSstaltungS-Operette in 2 Akten von Walter Gericke. Sowie IZ erstklassige Spezialitäten. Prilhis. Ansang 4 Uhr. Entree 80 Pf. Vereins- Brauerei Rlxdori, Hermannstr. 214/219. Ookonom: Max WendL jar TUßiich:-ma I Gr. Militär-Konzeit. Gr. Jeden Dienstag: Entr.lbPs. Mütze ed. Schärpe grat. VoikZgarlell-Ibealei' früher Weimanns Bolksgarten. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Borstellung. Das neue Juli-Programm. Gustav Eulenburg. X Trudl Truth. Geschw. Wledemann. Tho 8 Syburgs. Ter Branbsttfter von Berlin. BoltSst. m. Ges. u. Tan, b. Reisslwgcn !»»»»»»»««««««««»«»« GeweiM-GziiSli Am KönlgStor. Am FrledrichShaw rSgIlcl>S.Ä.''ÄÄ.' Tdesler-Ierslellapg Spezialitäten. D. neueJuliprogr.> Kinemalegraph, Volksbelustigung.! ÄDerSeekailettSÄ;'' Jed.llHfttrooeh: Klndertreudenfest., •—<>•»••••••••••—< Max Kliems Sommer- Theater lmd Festsäle Rudolf Krllger Hasenhelde 18/15. CroßeTÜQBzert! fheater lmd Spezialitäten-yarstellaDi. Art. Leitung: Waller Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elltetag. Während und nach der Vorstellung Tan.kriinnelxen.» Deutscher Holzarbeiter-Verband. -- Zahlstelle Rixdorf.- Donnerstag, den SS Juli, abends 8 Uhr, bei Hoppe, Hermannstraste 48: General- Vers ammlnng. Tages. Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Redakteurs Genossen Wermnth. 3. Verbandsangelegenheiten. 87/4 Die Ortsverwaltung. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Täglich: Der Biberpelz. Eine Diebeskomödie in 4 Alien von Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Mus Charles Maybach-Ufer an der Thielen- Brücke, Ecke Pflüger- und Pannierstr. Straßenbahnlinien 94, 46 u. 22. Drzlelt enorme Erfolge und tilg!, ausverk. Hann. Die Leistung, sind das heutige Stadtgespr. v. gz. Berlin. Allabendlich 8 Uhr; Elite-Gala-Vorstello. mit einem noch nie vorher hier gezeigten mannigfaltigen Sensations- Programm, jede einzelne Nummer eine Attraktion u. Schlager. Täglich abds. 10 U. ÄO Min.: Auftreten der weltberühmten EUwen-Doraptenoe Miss Charles mit ihren 84/3* 14 M Lira 14 einzig dastehend, ohne Konk. W.Woacks Theater Direltioii: Roh. Olli, finiimemtr. 16. ober: Das große Eos. Vorher und nachher: LpezIelilSien! Anf. 7 Uhr. Entree: 30 Pf. Donnerst.; Benefiz K. Reich. Preziosa. Sonnabend: SchuldbewuBt. »t/imin E Vahefe•Theater _ 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: Die grandiose» Spezialitäten. Im Garten: Ereikonzert. Vor der apanlechen Arena. berliner Prater- Theater! Kastanienallee 7—9.' Täglich: Alan iedt ja nur einmal!> Havemanns gröBle Raubtierschule d.Welt. Spezialität., Konzert, Ball. Ansang 4'/, Uhr. !'WMWW-WV (unsfgeigenbauer E. Toussaint BERLIN 0. Joachimstraik HC, liefert Reparaturen, aus Wunsch zugleich mit verzgl. Tdnverbesserung. Spezialität: Erzeugung deS alt- italienischen DimbreS sür große Säle an alten k und neuen Geigen, u UäHIges Honorar.* Konsum- Genossenscbaft Königs- Wusterhausen and Umgegend. S. S. m. b. H. Sonntag, den i. August 1909, nachmittag» S't, Uhr. im Lokal von Wedhorn, Konigs-Wusterhausen: AnOorordentllche General-Versammlung. Tagesordnung: Neuwahl des AusstchlSrake» und Vorstandes. Ewtrttt nur gegen LegittmattonSkarte. Der Vorstand. Wilhelm PleikieS. Otto Friedland. _ Heinrich Nerge._ 107/1 Zweiter 3Iablferei&». Heute, Dienstag, den 20. Juli, abends 8 Uhr: Allßmrdellllilhe Gciittllilittsliilllilliillh im großen Saale der Bockbrauerei. TageS-Ordnung: i. Bericht des Vorstandes vom verflossenen Halbjahr 2. Beratung deS neuen Parteistatuts. 8. Vereinsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. -.— Mitgliedsbuch legitimiert. al che 21/1 Der Borstand. 8l>2lMeml>krMelier Mkereln il« S. Lerliner WeliZisgZ-VMrekez. Dlklistilg, dtll 20. Juli, abends 8V2 Uhr: ZW-lf Mitgliedev-Uersammlungeu Tages-Ordnung in allen Versammlungen: t. Wahl der Delegierten zur VerbandS-Generalversamm- lung. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 1. Abteilung bei Obiglo, Schwedter Str. 23/24. Referent: Dr. Alfred Bernstein. 2. Abteilung in Arndts Festsälen, Belforter Str. 15. Refe- rent: Stadtverordneter Dupout. 3. Abteilung in den Arnim-Sälen, Schönfließer Str. 22. Referent: Genosse Dentzer. 4. Abteilung bei Wilke, Brunnenstr. 188. Vortrag über: «Wilhelm Hasenclever". Referent: GenosseMax Schütte. 8. Abteilung bei Köhler, Tieckstr. 24. Referent: Stadt- verordneter Ritter. 7. Abteilung in den Prachtsälen Nordwest, Wtclefstr. 24. Referent: Genosse Fritz Kuuert. 3. Abteilung bei Kirschkowski, Beusselstr. 9. Referent: Stadt- verordneter Ewald.(Bericht aus dem Roten Hause.) 9. Abteilung bei Funke, Triftstr. 63. Referent: Genosse Emil Dittmer. 10. Abteilung in den Pharus-Säle»(mittlerer Saal), Müller- stratze 149.„Welche Wirkungen haben die neuen Steuern." Referent: Genosse Max Grnnwald. 11. Abteilung im Neuen Klubhaus, Schulstr. 29. Referent: Genosse Wilhelm Ulm. 12. Abteilung bei Franke, Vadstr. 19. Referent: Stadt- verordneter Leid. 5. und 13. Abteilung im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Referent: Genosse Angust Täterow. GV mtglledabacb legitimiert. 229/2*____ Der Vorstand. SlrbeitönachweiS: Hos I. Ami 3, 1239. Bernialtnugsstelle Berlin. Hauptburea»: CharitestraBe 8- Hos III. Amt S, 1987. Mittwoch, den 21. Juli, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Rostkopf, Weistensce. König-Chaussee 58: Bezirks-Verfammlnng für Weißen see u. Umgegend. Tage«. Ordnung: 1. Jahresbericht der Bezirksleitung. S. Neuwahl dcrselbeu. 4 Ver> bandSangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 120/5 Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtsTerwaltnng. Die VertraueuSmäunerkonfereuz der Schlosser findet am Donnerstag, 22. Juli, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Meyer, Sebastianstr. 39, statt._ Borussia-Säle 4Äiiei:3 Telephon Amt III, 2874. ■ Inhaber: Ocorg WoifTgramm.———— empfiehlt seine 4 Säle, 100—1000 Peffonen fassend, zu Versammlungen u. BeremSf cftlichfeiten. August u. September mehrere Sonnabende U.Sonntage frei. Am Donnerstag, de» 88. Juli, nach Arbeitsschluft:- Oeffentl. Fliesenleger- u. Hilfsarbeiler?ersammlung in»Neuen Klubhaus-, Kommandanteustr. 7». TageS-Ordnung: Der Kampf gegen daS Subunternehmersystem.~ Diskussion. Kollegen l Euer Erscheinen muß Ehrensache sein. Die drei Fliesenleger- und HilfSarbeiterorganisattoueu. I. ll.: H. Waldheim, Schöneberg. Metntngerstr. 8. 128/11' Sprcchlokal: Hauptstr. 98. Telephon: Amt B, Nr. 2939. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 23. Juli, abends 8� Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelnf er 15: General= Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1000. 2. Bericht über das Resultat der Bautenkontrolle vom 28. Juni bis 1. Juli. 8. Bericht der Delegierten zur Gewerkschaftskommission und Neuwahl derselbe«. 4. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert: 188/12* Zahlreichen Besuch aller Kollegen erwartet vor SektionsTorgtand. Born wurde ildemokratlscher Walil?erelii 3e c? Bezirk Weißensee. Jf'/ 1 Den Genossen zur Nachricht, �c'&a6 unser Mitglied, der Genosse r föslÜNSNli fuKilNZlll, im Alter von siebzig Jahren am Sonnabend, den 17. Juli, ver- starben ist. Seine Beerdigung findet heute Dienstag, den 20. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des Weißenseer Friedhoses statt. Um rege Beteiligung ersucht 18/4 Der Borstand. Deotsclier Holzarbeiter-Yerband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Karl Lckol? am 17. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des FricdhojeS in Ahrensselde aus statt. Die Orteverwaitung. Allen Verwandten und Be- I kannten zur Nachricht, daß am! Sonntag, den 18. d. MtS., vor- mittags 10'/, Uhr, meine liebe Ecau, unsere gute Mutter nach{ lngen Leiden verschieden ist. DieS zeigt ttcsbetrübt an Fritz Bölke und Kinder. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 21. d. MtS., nachmittags S 51/, Uhr, von der Leichenhalle I deS neuen Jakobi. KirchhosS, f Hermannstraße, auS statt. s187gL I Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unsere liebe Tochter und Schwester Herta nach langem, schwerem Leiden im Alter von 21 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet ani Mittwochnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle zu Treptow, Neue Krug-Allee, aus statt. 5976 Franz Böttcher nebst Frau und Sah», Treptow, Grätzstr. 5. Todes-Anzeige. Am 19. Juli entschlief nach kurzem schweren Leiden mein mniggeliebter Mann und guter Bater, der Schriftsetzer Ulbert Kotze im 43. Lebensjahre. 18782 Um stille Teilnahme bitten Di» irauornilen Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des AndreaS-Kirchhoses in Wilhelms- berg aus statt. tVarme Wohnangen, 8, 2, 1 Stnbe u. Küche, Pankstr. 67. �Hygienische ßedinsarühfcl. Neuott. Katalog Empfahl. viel Aerzte u.Prof. grat. u.lS t H. Dnger, Gmnaiiwarenlabrik � fiBrlln NW~ Friedrichstraase 91/93 Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zweigverei» verlin. Unseren Mitgliedern zur Nachrich t, daß am Sonnabend, den 17. Juli, unser Kollege, der Fl.-K.-Nrbeiter Paul Lctineicler (Borussiabraueret) verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung erfolgt aus dem Ostkirchhose in Ahrensselde beute, Dienstag, nachmittags 2'/, Uhr. Rege Beteiligung erwartet 43/4 Die Drtsverwaitung. Für die herzliche Teilnahme und reichlichen Kranzspenden bei der Be- erdigung unseres lieben SohneS und Bruders ' Erich Eeitel sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Turnverew»Fichte� und den Kollegen der Firmen FritzAndree u.Co., Kuttner u. Hanst unseren herzlichen Dank. HcramBi» I-eitel nebst Frau und Sohn. 533b Sonnabend, den 17. Juli, der- ! starb nach kurzem. schwerem Leiden mein, geliebter Mann, unser| | guter Vater, der Töpser August Lorsalli I im 43. Lebensjahre. Um fülle Teilnahme bitten- Frau und Kinder. Die Beerdigung findet am ! Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von l der Leichenhalle deS St. Georgen- i Kirchoss, Landsberger Allee, aus statt. 5956 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former 'Karl Sprotte am Gehirnschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 20. Juli, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle deS neuen städüschen Friedhofes in Rixdorf, Zarien- dorser Weg, auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 120/6 Die Drlsverwaltung Klnmil- und ürantbiubmi von liobert Heyer,' uur Mariamlell-Stniße 2. Dr. Simmel Spezial-Arzt 62'9' für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Brueli- bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Otts- und HilsS-KranIenlassen. Berlin Jf.,* jetzt Liothringer Strafte 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe« loten, angenehm u. weich am Körper. Gelegtllhcitskiinf. Schillers Flucht von Stattgart and Aafentbalt In Mannbeim von 1782—1785 von Andreas Streicher. Mit Briefen Streichers und Auszügen aus der Autobiographie Hevens. Gut kartoniert Preis statt 2 Md. vur 50 Pf. 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Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- mduslrie das Vermittelungsbureau Ulankenfeldeftr. 4 und Ämster- damcrstratze 3 streng zu meiden. Für Einseber: die Bauten Leubachstr. IS. Kor» «eltusftrafte SS in Lankwitz und Windscheidtstr. 8 in Ehar- lottenburg. Für Korbmacher: Korner in NowaweS. Für Stellmacher: Berliner Molorwageafabrit in Remickendorf. Die OrtSverwaltnng. Stukkateure! Die Firma Coring dt Cteifiler, Schmargendorf, ist wegen Maßregelung gesperrt!» Bau Naffauischeftraste SS/SS, Bau Hähnelftrasje 8, Bau Wagnerplatz. Die Ortsvcrsraltang. Die Allgciil.OrtsIlraiikt«Ili>ssc m Rudorf. zirla 20000 Mitglieder, hat per sofort die Stelle des Nechnungs- und Kassenführers zu besetzen. ES wird nur aus tüchtige, in der ArbeiterverficherungSgesetzgebtmg und im Kastenwesen erfahrene, erste Kraft reflektiert. Geeignete Bewerber wollen ihre Offerten unter Beifügung von Zeugnstse» und Angabe von Referenzen biS spätestens I. August 1»0!) mit der Chiffre„Rendant-1 versehen an den Vorstand, Kassenlolal Jdeal-Passage 12. einsenden. 276/5» Rixdors. den 9. Juli 130». ver Verstand. 1. Heurneler, Vorsitzender. Lerantwortl. Äedakieur: WiMm Duwkll, Lick/ttliberg. Für den gnftratenteil verantw.: Th, Glocke. Berlin. Druck».Verlag.-Vorwärts jvuchdruckerei».TcrlaLKanitalt Paul Singer& Co« Lcrlis 5W. Nr. 166. 26. Jahrgang. � ttlintt loMotl Dienstag, 20. Inli 1909. €in schweres Anglück auf der Radrennbahn Botanifeber Garten hat flch am Sonntagnachmittag zugetragen, das von den flircht- barsten Folgen begleitet war. Fünf Personen find bereits tot, während 22 teils schwer, teils leicht verletzt sind, von denen mehrere in Lebensgefahr schweben. lieber das Unglück liegen eine ganze Reihe Berichte vor. Wir lassen zunächst den unseres Radrennberichterstatters folgen: .Anläßlich der Eröffnungsrennen der neuen Bahn ereignete sich beim„Stundenrennen", das von Contenet, Ryser, Stell- b r i n k und S t o l bestritten wurde, ein Unglück,- wie es bisher auf einer Rennbahn im gleichen Umfange zum Glück noch nicht da- gewesen ist. Stol, der in der 10. Minute Radschaden hatte und dadurch einen Verlust von mehreren Runden erlitten hatte, kam bald wieder ins Rennen und legte ein so scharfes Tempo vor, daß er den führenden Contenet passieren kann. In der 20. Minute platzt am Krügerschen Motor(Führer für Stol) der Hinterradreifen seines Motors und beide kommen in der Einlaufskurve zu Fall. Ryser mit seinem Motortandem folgt ihnen dichtauf. Um die Gestürzten zu schonen, biegen Borchert-Porte(die Führer von Ryser) nach oben. Durch die Geschwindigkeit, mit der sie fahren, wird das Tandem über die Barriere getragen, Ryser folgt durch den Luftdruck, und alle drei sausen im Bogen durch die Luft gerade in eine Menschengruppe hinein, die bort Aufstellung genommen hatte. Beim Aufschlagen Motors gerät das Benzin in Brand und eine helle Lohe schlägt empor. Beherzt springen zwei Soldaten, einer vom 2. Garderegiment und der andere vom Eisenbahnregiment, hinzu und retten ungeachtet der Gefahr und mit eigenen Verletzungen mehrere Ver- unglückte, die in Flammen umherirren. Leider geriet ein junges Mädchen unter den brennenden Motor und verkohlte bis zur Un- kenntlichkcit. Die Rettungstätigkeit gestaltete sich mangels Wasser- zufuhr sehr schwierig und erst die rasch herbeigeeilte Feuerwehr konnte den Brand löschen. Anerkannt sei auch die Hilfe mehrerer Zivilpersonen. Die Verletzten, die zum Teil schwere Brand- und Bruchwunden davongetragen, wnrdcn nach den Krankenhäusern transportiert, doch ist bei einigen keine große Hossming�an ein Aufkommen vorhanden. Am glimpflichsten sind die zunächst direkt Beteiligten davongekommen. Ryser trug Hautwunden davon, konnte aber ohne Hilfe seine Wohnung aufsuchen. Seine Schrittmacher haben Quetsch- und Brandwunden erlitten, Stol und Krüger sind ebenfalls ohne erheblichen Schaden davongekommen, ebenso Käser, der Schritt- macher von Stellbrink.— Von den zahlreichen Verletzten sind leider schon mehrere ihren Wunden erlegen.— DaS Hauptfahren gewann W. Arend vor Kudela, Carapezzi und Süßnnlch." Von einem anderen Augenzeugen, einem Schöneberger Kauf- mann, werden über das Unglück noch folgende Mitteilungen ge- macht: .Ich stand während des Rennens auf der Tribüne der östlichen Kurve, wo sich etlva 400 Personen befanden, darunter viele junge Mädchen und Frauen in duftigen Kleidern. Es mochte gegen 1/i 6 Uhr nachmittags fein— die Fahrer lagen in schärfstem Tempo dicht hintereinander und Contenet-Paris führte— als plötzlich der Ein- sitzermotor KrügerS durch Platzen des HinterreifenS stürzte und im Fallen den Fahrer Stol mit sich nach den, Jnnenraum hineinriß. Im nächsten Augenblick sah ich auch schon, wie die Führungs- Maschine von Ryser, auf welcher die Schrittmacher Porte und Borchert saßen, im Bogen aus die Barriere der Kurve, wo ich stand, auffuhr, und zwar derartig, daß die Maschine sich in der Luft drehte und niit dem Hinterrad in das Publikum hineinschlug. Das Vorderrad blieb an der Barriere hängen. Der in voller Fahrt befindliche Ryser wurde in meterhohem Bogen in die Zuschauer ge schleudert und riß im Fall eine Anzahl Menschen zu Boden. Ein dumpfer Knall ertönte und in der nächsten Sekunde schoß eine mächtige Feuersäule empor. Der Benzinbchältcr war geplatzt und die brcimciidc Flüssigkeit ergoß sich aus das an jener Stelle besonders dicht gedrängt stehende Publikum. Ein furchtbares Hilfegeschrei ertönte. am ganzen Körper brennende Menschen liefen umher oder wälzten sich am Boden, während die meisten Zu- schauer in wilder Angst die Flucht ergriffen. Nun fing auch die Tribüne zu brennen an und die Menschen, die auf Bretterstufen standen, stolperten und stürzten übereinander. So erklärt sich, daß eine große Anzahl Verletzter Quetschwunden davontrug. Leider fehlte es an Wasser, um die Löscharbeit intensiv aufnehmen zu können. Und doch wurden Heldentaten bei den Rettungsarbeiten vollbracht. Zwei Soldaten vom Eisenbahnregiment und ein Garde- infanterist warfen sich auf die brennenden Personen und erstickten in zahlreichen Fällen die Flammen. Der Gardeinfanterist brannte selbst am ganzen Körper, ließ aber von seinem RettungSwerk nicht eher ab, bis es ihm gelungen war, die beiden Schrittmacher Borchert und Porte unter den Trümmern des brennenden Motors hervorzu- ziehen. Dann wurde der mutige Netter selbst ohnmächtig, entfernte sich aber später. Die Schwerverletzten wurden in die Kabinen der Rennfahrer gebracht. Nach und nach verstummte das Stöhnen, da die meisten Verwundeten bereits bewußtlos geworden waren. Auch der Stellbrinksche Schrittmacher Josef Käser hat zwei Menschen- leben mit Aufopferung seiner selbst gerettet. Als er eine Sekunde nach der Explosion die Unfallstelle passierte, sprang ihm ein brennender, etwa ILjähriger Knabe, der sich vor den Flammen bergen wollte, entgegen. Der Kleine war über die Barriere ge- klettert und versuchte in seiner Angst, die Bahn hinunter zu rutschen. Um den Jungen nicht zu überfahren, ergriff ihn Käser in voller Fahrt mit der Hand und schleuderte den Kleinen nach dem Innen- räum, wo er ohne weitere Verletzungen niederfiel. Im nächsten Augenblick aber sprang ein korpulenter Herr über die Barriere, und auch dieser wäre unrettbar verloren gewesen, wenn nicht Käser, um »in Unglück zu verhüten, sich mit voller Wucht mit seinem Motor zu Boden geworfen hätte. Der mutige Schrittmacher geriet hierbei unter seine Maschine und erlitt erhebliche Quetschungen an der Brust und an, Rückgrat. Die Menschenmengen, die nach Bekanntwerden der Katastrophe nach dem Botanischen Garten strömten, zählten nach vielen Tauscn- den. Der Straßenbahnverkehr in der Potsdamerstraße mußte von ö.lö bis ö.SV Uhr gänzlich eingestellt werden. Der Eingang nach der White City wurde von der Polizei gesperrt, die Türen vernagelt." Die Rettungsaktion. Auf die Kunde von dem großen Unglück eilten sofort von allen RettungS- und Unfallstationen aus der Umgebung Aerzte und Heil- gehilfen mit Verbandsmaterialien herbei, um den Verletzten die erste Hilfe angedeihen zu lassen. Auch der Verband für erste Hilfe wurde alarmiert und bald fuhr ein Krankenwagen nach dem anderen herbei, um die Schwerverletzten nach dem Elisabeth-Krankenhaus in dkr Lützolvstraße zu transportieren. Ebenso war die Feuerwehr in mehreren Löschzllgen bald zur Stelle. Seitens der Polizei wurde I ein größeres Aufgebot berittener Schutzleute und Fußbeamten zur ! Unfallstelle gesandt. Die Bahn wurde abgesperrt und ein Betreten I streng untersagt. Beim Eintreffen der Feuerwehr war der Brand, der sich auf den Sattelplatz auszudehnen drohte, fast vollständig ge- löscht. Die Samariter der Wehr hatten im Verein mit den Aerzten und Heilgehilfen alle Hände voll zu tun. Nicht weniger als zwciundzwanzig Schwerverletzte wurden festgestellt. Zwei Frauen waren bereits tot und drei der Schwerverletzten sollten noch im Krankenhaus den Folgen der Wunden erliegen. Die meisten der Verunglückten mußten sofort nach dem Krankenhaus geschafft werden, da eine Operation un- bedingt notwendig war. Auf der Unfallstation in der Steglitzer Straße wurden etwa zehn Verletzte verbunden. Hierunter befanden sich auch leichter Verwundete. Durch die Panik, die unter dem Publikum entstand, wurden mehrere Personen getreten und verletzt. Eine ganze Reihe der Verunglückten war von dem schweren Motor getroffen und schrecklich zugerichtet worden. Einer Frau wurde die rechte Brustseite fast vollständig zerschmettert, einem jungen Manne war die linke Gesichtsseite in entsetzlicher Weise verstümmelt worden. Andere Verunglückte wurden durch Stichflammen gewoffen und schwer verbrannt. Die beiden erwähnten Frauen waren die vor- bersten in der Zuschauerreihe gewesen. Die Leichen wurden beschlag- nahmt und nach dem Schauhaus gebracht. Im Elisabeth-Krniikenhaus, wo die Schwerverwundeten Aufnahme fanden, spielten sich im Laufe des Abends herzzerreißende Szenen ab. Angehörige suchten nach eingelieferten Kindern, Kinder suchten ihre verunglückten Eltern auf, um sich über ihren Zustand zu erkundigen. Unter den Aerzten und Krankenschwestern herrschte ungeheure Aufregung. Der größte Teil der Verletzten war gar nicht vernehmungsfähig. Schwerverletzt waren folgende Personen: Rudolf Jacobh, Kyffbäuserstr. 2 in Schöneberg: Franz Schurich, Großbeerensw. 32; Max Lehmann, Bernauer Str. 72; Ernst Bollmann, Möckernstr. 71; Christian Schmidt, Thaerstraße; Kurt Rätsch, Potsdamer Str. 64; Reinhold Grund, Goltzstr. 30 in Schöneberg; Karl Buhl, Nostizstr. 49; Max Nietsch, Salzwedeler Str. 11; Walter Hermann, Steglitzer Str. 20; Hubert Krumpen, Scheffelsw. 21; Artur Pehlke, Krausenstraße; Franz Kriiger, Mauerstraße; Walter Hermann aus Steglitz; Julius Großmann; Adolf Charnikau, Putbuser Str. 8; Karl Benlersdorf aus Schöneberg; Helene Wienler; Auguste Schultz, Hagelberger- Str. 61; Paul Dittmann, Steintrüger, Erkstr. 18. Leichter verletzt sind: Clemens Eismann, Potsdamer Str. 13; Paul Neumann, Knesebeckstr. 16; Neinhold Weiser, Gleditschstr. 14; Albert Papel, Barnim« straße 31; Otto Koch, Birkensw. 28; Paul Meier; Kaspar Torwald, Fürbring erstr. 38; Erich Schmidt, Jnvalidenstraße; Bitsche, Mechaniker, aus der Brunnenstratze. In den beiden toten Frauen wurden festgestellt: Die 17jährige Anna Krüger, die bei ihrer Mutter in der Mauerstr. 61 wohnte, und die 47jShrige Emma Großmann aus der Emdener Swaße 49. Die im Kranlenhause verstorbenen Männer sind der Handlungs- gehilfe Friedrich Gehricke und der Arbeiter Franz Gutsche aus der Jakobystr. 65. Verstorben ist nachträglich noch Frau Anna Krüger, die Mutter des verstorbenen 17jährigen Mädchens. Einer der Verunglückten, der Mechaniker Bitsche, gibt über die Katastrophe folgende Beschreibung: „Wir waren gänzlich in das Rennen vertieft, als dicht vor uns auf der Rennbahn ein Radreifen platzte, und im nächsten Augen- blick kam Ryser mit seinen Schrittmachern, die sich dicht hinter Stol gehalten hatten, die steile Kurve schräg auf unS zu hinauf gefahren, um Stol zu überrunden. Die Schnelligkeit war außerordentlich groß und in der nächsten Sekunde erfolgte das Un- glück. Der Motor kam mit der Barriere in Berührung, die beiden Schrittmacher wurden im Bogen auf die Bahn herabgeschschleudert, während die Führuugsmaschine direkt auf uns zugestürzt kam. lvar ein unheimlicher Moment, als der schwere noch knatternde Motor auf unS loskam. Ich bückte mich tief und dies war mein Glück. Hätte ich nicht die Geistesgegenwart gehabt, so wäre ich jetzt viel leicht nicht inehr unter den Lebenden. Im nächsten Augenblick er- tönten Angst- une Schmerzensschreie. Die Verwundeten stießen sie aus. Um uns entstand eine Panik. Alles drängte nach dem Aus gang des Sattelplatzcs, der bereits vom Feuer ergriffen war. Gar mancher wurde zu Fall gebracht und mit den Füßen auf ihm herumgetreten. Eine Frau, die lichterloh brannte, stieß jämmerliche Weherufe aus. Viele blutige Gesichter sah man und einige der Ver wundeten stürzten durch Blutverlust erschöpft zu Boden." Der Brandschaden ist nur ein unbedeutender. Eine mehrere Quadratmeter große Fläche ist aus dem Sattelplatz her aus gebrannt, während die Barriere stark verkohlt wurde. Die Unglücksstelle ist nur wenige Quadratmeter groß. Die Bretter sind angekohlt, man hat begonnen, die Bretter zu entfernen. Dabei wurde unter andern auch noch ein Gebiß(Unterkicfergebitz mit zahlreichen Zähnen) ge funden, das der Radfahrer-Samariter, Herr Fr. Mandl, dl. 58, Am Falkplatz 3, in Verwahrung hat. Kommissionen sind tätig, um die Sachlage genau festzustellen. Der Minister des Innern hat Bericht eingefordert._ Partei- Hngelegcnbcitcn. Zum Lokalkampf in Ren-Zittau. In Neu-Zittau führen die Genossen einen Kampf um Erhaltung ihres Lokals. Dort stehen unfern Genossen die Lokale von Gustav Frenk und Gustav Bauer zur Verfügung. Durch den Unistand aber, daß in dem gesperrten Lokal»Zum Spreebad" sich die Dampfer- anlegestelle der Reederei Kahnt u. Hertzer befindet, wird leider dieses Lokal in einem Umfange frequentiert, daß die übrigen Lokale dabei ins Hintertreffen geraten, und sich die unS zur Verfügung stehenden Lokale kaum halten können, wenn nicht die Ausflüge unter- nehmenden Arbeitervereine uns durch Frequentierung des Lokals von Frenk unterstützen._ Achtung, zweiter Wahlkreis! Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet in der Bockbrauerei die außerordentliche Generalversammlung statt. Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer. Der Borstand. Dritter Wahlkreis. Am Sonnabend, den 24. Juli, veranstaltet der Wahlverein in der Neuen Welt. Hasenheide 108—114, ein Somnicrsest, bestehend aus Konzert. Spezialitätcuvorftellungen, Fackelvolonäse, Rcigenfahren, ausgeführt vom Berliner Arbeiter- Radfahrerverein. Programme und Bons zu Stocklaternen werden am Eingang gratis verteilt. Billetts a 26 Pf. sind noch bei den Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Rixdorf. Heute abend 8'/� Uhr findet in Hoppes Festsälen. Hermannstraße 49, die Generalversammlung des WahlvereiuS statt. Auf der Tagesordnung steht:„Der Parteitag in Leipzig". Referent: Genosse Dr. Herzfeld.— Anträge dazu.— Geschäfts- lind Kassen- bcricht.— Anträge und Wahl von Delegierten zur GrciS-Gcneral- »lud Verbands-Verfammlung von Groß-Berlin.— Vereiusangelegen- heiten.— Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert> Lichtenderg. Heute abend, pünktlich 8Vz Uhr, findet im Lokal der Gebr. Aruhold, Frankfurter Chaussee 6, die außerordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag. Referent: Ge- nosse Brühl. 2. Anträge. 3. Wahl der Delegierten. 4. Stellung- nähme zum Provinzialparteitag. Anträge. 5. Wahl von Delegierten. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Köpenick. Heute Dienstag, abends S'/p Uhr, im Stadttheater: Versammlung. Stellungnahme zum Organisationsstatut. Der Vorstand. Alt-Glienicke.� Heute, den 20. Juli, abends 8 Uhr. findet im Lokale des Herrn Troppens, Rudower Straße 64, die General- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre und der Gemeindevertretung. 2. Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalversammlung. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Aenderung des Organisationsstatuts der Partei. 6. Vereins- angclegenheiten. Königs-Wusterhimsen und Umgegend. Den Parteigenoffen aller Bezirke zur Kenntnis, daß die Wahlvereinsversammlung am Mitt- woch, den 21. Juli, abends 3 Uhr bei Wethorn stattfindet. Tages- ordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Parlciaugelegcnheiten. Der Borstand. Tegel. Heute Dienstag, abends 8l/z Uhr, findet im Lokal von Jul. Klippenstein, Spandauerstraße 4, die Mitgliederversammlung des Wahlvercins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Hans Block über„DaS Erfurter Programm"; Kassenbericht; Stellung- nähme zum Organisationsstatut; Vereinsangelegenheiten. Britz-Buckow. Heute abend 8� Uhr findet bei Weniger, Werder- straße 23, die Generalversammlung'statt. Tagesordnung: 1. Bcricht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Wahl von Delegierten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitinnert. Mittwoch, den 2l. Juli, abends 7 Uhr, von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. KarlShorst. Am Dienstag, den 20. Juli, abends 8'/« Uhr, findet bei Fr. Bartels„Zum Fürstenbad" die Mitgliederversammlung des Bezirkswahlvereins statt. 1. Stellungnahme zum Organisationsstatut. Referent: Genosse K. Bühler. 2. Kassenbericht. 3. Vereinsangelegen- heiten. Der Vorstand. Pankow. Heute abend 8% Uhr. findet bei Roczycki, Kreuz- straße 3/4, eine außerordentliche Generalversamm» lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Situations- bcricht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Stellungnahme zur Kreis-Gencralversammlung am 1. August. 3. Aufstellung eines Kandidaten zur Delegation'für den Parteitag sowie Wahl eines Ersatzdelegierten für die Kreis-Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Mariendorf. Heute abend b'/z Uhr findet bei Lukas, König- straße 12, eine Generalversammlung des Wahlvereins statt, zu welcher die Mitglieder vollzählig erscheinen wollen. Ruinmelsiurg. Heute, Dienstag, den 20. Juli, abends 8'/, Uhr. findet im Saale der Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 46, die ordent- liche Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Kassenbericht und Aufnahme neuer Mit- glieder. 2. Wahl eines zweiten Vorsitzenden und eventuell zweier Revisoren. 3. Stellungnahme zum Entwurf des neuen Parteistatuts wie zu der am 1. August stattfindenden Kreis-Generalversammlung. 4. Wahl der Delegierten zu den Kreis- und Verbandsversammlungen. 6. Vereinsangelegenheiten.— Mitgliedsbuch lcgitinriert. Der Lorstand. Ober-Schöneweide. Die zu heute abend angesetzte Versammlung kann umständehalber nicht stattfinden. Niedcr-Schöneweide. Heute Dienstag, den 20. Juli, abends 8>/z Uhr, findet im Lokal„Wirtshaus Loreley", Berliner Straße 101, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Der Vorstand. LerUner]Vacbncbten. Die Gcincindcwählcrliste Berlins zeigt für ihre drei Wählerabteilungen diesmal wieder eine gegenüber dem Vorjahr erheblich andere Ab- grenzung. Die Summe aller für die Abteilungsbildung zu- sammengctragcncn Steuern hatte im vorvorigen Jahr rund 652/3 Millionen Mark ausgemacht, war im vorigen Jahr auf annähernd 70 Millionen Mark gestiegen und wird für dieses Jahr mit etwas über 71'/« Millionen Mark angegeben. Als durchschnittlicher Steucrbetrag wurde herausgerechnct: im vorvorigen Jahr 178 M. 70"/ � Pf., im vorigen Jahr 187 M. 86«/.« Pf., in diesem Jahr 192 M. 72-°/,«« Pf. Da bei uns jeder, dessen Stcuerlcistung über diese Durchschnitte.nicht hinausgeht, zu den Wählern dritter Abteilung geworfen wird, so endet diesmal die dritte Abteilung mit dem Steuersatz von 192 M. 72--/,«« Pf. pro Jahr. Gegenüber dem vorigen Jahr ist hier die Grenze ivieder etwas hinaufgcrückt, hauptsächlich infolge der schärferen Heranziehung zahlreicher Arbeiter zur Besteuerung ihres Einkommens. Das Heer der Wähler, deren Steuerleisttmg nur für die dritte Abteilung langt, ist in Berlin über zehnmal so groß wie das Häuflein der bessersituierten Wähler, die sich in die zweite und die erste Abteilung teilen dürfen. Diese Teilung hat zu erfolgen nach dem Prinzip, daß die zweite und die erste Abteilung in den Steucrsummcn, die jede aufbringt, einander gleichwertig sein müssen. Hierbei ergibt sich dann der nochmalige Gegensatz, daß in Berlin sogar von den Wählern zweiter Abteilung ein volles Viertelhundcrt nicht schwerer wiegt als ein einziger Wähler erster Abteilung. Im vorvorigen Jahre hatte noch eine jährliche Steuerleistung von� mindestens 4181,40 M. die Zugehörigkeit zur ersten Abteilung gesichert, im vorigen Jahre war dieser Ehre nur derjenige teil- hastig geworden, der mindestens 5558,80 M. Steuern im Jahre hergeben konnte, und in diesem Jahre muß nun der bevorzugte Mitbürger, der den Auserlesenen der ersten Abteilung zugezählt werden will, mit mindestens 6450,80 M. in der Liste des Steuererhebers stehen. Hier ist, wie man sieht, die Grenze wieder beträchtlich hinaufgerückt worden, so daß der Gegensatz zwischen der er st en und der zweiten Abteilung und vollends zwischen der ersten lind der dritten noch mehr verschärft ist. lieber die Zahl der Wähler, die zu den einzelnen Abteilungen gehören, können für dieses Jahr auch keine bestimmten Angaben gemacht werden, weil ja die Listen erst ausgelegt sind und über die eventuell zu erhebenden Ein- Prüche noch entschieden werden muß. Schon jetzt aber darf als icher angenommen werden, daß auch hinsichtlich der Wählerzahl ne Schroffheit der Gegensätze, die durch das Dreiklassen- 'ystem des Gemeindewahlrechts bedingt werden, 'ich wieder noch verschärft haben wird. Nm so mehr Grund hat jeder Wähler dritter Abteilung, durch Prüfung der noch bis zum 80. Juli auSltegenden Listen sich zu vergewissern, ob auch er darin aufgeführt ist. Wer nicht in der Liste steht und es unterläßt, die nachträgliche Aufnahme zu fordern, darf nicht wählen und verliert somit auch das bißchen Wahlrecht, das unter dem Dreiklassensystem ihm gewährt ist._ Neue Straßenbahnlinie. Eine neue Straßenbahnlinie XJ eröffnet die Berlin-Charlottenburger Straßenbahn am Dienstag, den 20. Juli. Die Linie kommt dadurch zustande, daß die Linie T Halensee— Charlottenburg— Kupfergraben gegabelt wird. Diese geht vom Ningbahnhof Halensee über den Stuttgarter Platz und den Tiergarten nach dem Kupfergraben. Vom Dienstag an geht jeder zweite Wagen von der Ecke der Bismarck» und Leipnitzstraße durch die ganze Bismarckstraße bis zum Sophie-Charlotteplatz. Von dort geht sie weiter durch die Suarez-, Holtzendorfstraße usw. Der eine Wagen verfolgt denselben Weg wie bisher. Die neue Linie erhält die Bezeichnung LI Halensee— Sophie-Charlotteplatz— Kupfergraben. Die beiden Linie T und U ergänzen sich zwischen Halensee urw dem Amtsgericht Charlottenburg sowie zwischen der Ecke der Bismarck- und Leipnitzstraße und dem Kupfergraben, während der Hauptverkehrszeiten zu einer Wagenfolge von 7% Minuten. Der erste Wagen von D geht von Halensee 6.26, von U 6.47. Vom Kupfergraben geht der erste Wagen der Linie T 7.10, von U 7.32. Der letzte Wagen vom Kupfergraben geht bei Linie D 11.40, bei II 10.47. Der neue Betrieb gilt zunächst als ein Versuch._ Zwei Personen bei einer Bootskatastrophe ertrunken. Einen traurigen Abschluß fand eine Danipferpartie, die vorgestern von einem hiesigen Vergnügungsverein unternommen wurde. Die Teilnehmer hatten die obere Havel befahren und bei Nieder-Neuen- dorf nicht weit von Heiligensee Station gemacht. Vier der Teil- nehmer, ein Sergeant, dessen Cousine, ein neunzehnjähriger Mensch und ein fünfjähriges Mädchen bestiegen während der Ruhepause ein Ruderboot, um eine Fahrt auf der Havel zu unternehmen. Während- dessen setzte sich der Dampfer wieder in Bewegung und die vier Jnsasien des Bootes wollten nach dem Dampfer hinüberfahren. Kurz vor dem Dampfer kam daS Boot ins Schwanken und kenterte. Die vier Insassen stürzten in die Fluten und zwei von ihnen, der junge Mann und das kleine Mädchen wurden unter den Dampfer getrieben. Sie konnten nicht mehr gerettet werden. Auch die Cousine des Ser- geanten schwebte in der größten Lebensgefahr. Sie wurde nach längerer Zeit von Schiffern aus dem Wasser gezogen und war be- reits völlig bewußtlos. Der Sergeant konnte sich dadurch retten, daß er sich an einem der Kajütenfenster des Dampfers anklammerte. Die Leichen der beiden Ertrunkenen vermochte man bisher noch nicht zu landen._ Die Schießstände in der Jungfernhcide, die dem zweiten und vierten Garderegiment, dem Garde-Füsilierregiment, dem Luft- schifferbataillon und dem zweiten Garde-Ulanenregiment gehören, werden voraussichtlich schon im nächsten Sommer aufgegeben werden, da das betreffende Terrain nach Berlin eingemeindet werden soll und der Bebauung erschlossen wird. Die Ersatzschieß- stände werden in der Tegeler Forst zwischen dem Spandauer Schiffahrtskanal und dem Tegeler Weg angelegt werden. Daneben sollen auch neue Schießstände für das Königin Elisabeth Garde- Grenadierregiment Nr. 3 gebaut werden, da das Regiment seine alten Schießstände im Grunewald in der Nähe der Döberitzer Heerstraße aufgeben muß. Bom Fahrstuhl zerquetscht wurde am Sonnabendnachmittag der 63 Jahre alte Pförtner Karl Sackewitz im Physiologischen Institut in der Hessischenstr. 4. Sackewitz verließ den Fahrstuhl, weil eine Vleisicherung in der elektrischen Leitung durchgebrannt war. Ein Monteur ergänzte die Sicherung, und nun setzte sich der Fahrstuhl plötzlich wieder in Bewegung, klemmte den Pförtner ein und zer- quetschte ihm den Brustkasten. Nachdem die Feuerwehr den Wer- unglückten befreit hatte, starb er bereits auf dem Wege nach der Charitö. Eine aufregende Szene spielte sich Sonntag abend auf der Kleinen Müggel bei Rahndorf ab. Der Orchesterverein Wedding hatte einen Ausflug nach dem Restaurant Neu-Helgoland unter- nommen. Gegen abend vergnügten sich einige seiner Mitglieder mit Bootfahren. Ein mit sechs Personen besetztes Boot ivurde von einem den See passierenden Dampfer„Kronprinzessin Cecilie". so nahe angefahren, daß das kleine Fahrzeug durch die Schraube durch- löchert wurde. Mit entsetzlichem Schrei stürzten alle Insassen in die Fluten. Sofort wurde von allen Seiten Hilfe entsandt, und es ge- lang auch in wenigen Minuten, die mit den Fluten Kämpfenden sämtlich zu retten. Ernstere Folgen haben sich bei keinem der von dem aufregenden Vorfall Betroffenen gezeigt. Unter dem eigenen Fuhrwerk zermalmt. Einen entsetzlichen Tod fand der Fuhrunternehmer Adolf Hintze aus Golzow. H. wollte am Sonnabendabend ein mit schweren Lasten beladeneS Fuhrwerk nach Berlin schaffen. Während der Fahrt stürzte er vom Bock herunter und fiel so unglücklich unter den Wagen, daß ihm die Räder über Kopf und Brust hinweggingen. Der Körper des Bedauernswerte» wurde völlig zermalmt, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Folgen der Arbeitslosigkeit haben den 42 Jahre alten Rohr- leger Ferdinand Zimmermann aus der BurgSdorfstr. S in den Tod getrieben. Der Mann hatte sieben Monate lang feiern müssen. Um für seine Frau und sechs Kinder von 12 bis Iffz Jahren daS nötigste zu haben, war er gezwungen, Schulden zu machen. Vor 9 Wochen bekam er wieder Arbeit. Jetzt begann er gleich mit der Schuldentilgung. Erst am Sonnabend bezahlte er noch rlickständige Miete. Aber eS bedrückte ihn. daß er Geschäftsleute, die geborgt hatten, noch länger mußte warten lassen, weil er nicht alle mit einmal befriedigen konnte. In einem Anfalle von Schwermut und Verzweiflung machte er gestern seinem Leben ein Ende. Unter dem Vorwande, Holz hauen zu wollen, ging er nach dem Keller, schlug einen Nagel in sein Gerätebrett und erhängte sich daran. Als seine Frau ihn zum Mittagessen rufen wollte, fand sie ihn tot aus. Mit eigenen Wagen befördern jetzt die hiesigen Regimenter ihre Sünder zu„Vater Philipp" und„Vater Anton". Früher mußten sie. ein Päckchen mit einem Kommißbrot und einem schlechten Anzüge unter dem Arm und begleitet von einem Unteroffizier im Ordonnanz- anzuge, den weiten Weg mitten durch die Stadt z« Fuß zurücklegen. Diese Art Beförderung wurde nach einer lebhaften Agitation aus Bürgerkreisen endlich abgeschafft. Seit Jahren benutzten die Truppenteile geschlossene Droschken. DaS ist ihnen aber zu teuer geworden. Deshalb hat jetzt jedes Regiment einen eigenen zwei- spännigen Wagen, mit dem die Leute hingebracht und abgeholt werden. Die offenen Wagen werden zum Transport mit Leder von allen Seiten verhängt. Die Leute vom Garde-Kiirasster-, 4. Garde- Regiment z. F. und 1. Garde-Feldartillerie-Regiment gehen die paar Schritte nach den Arrestanstalten zu Fuß. Bon einem Droschkenautomobil überfahren wurde am Sonntag- mittag 12 Uhr in der Reichenberger Straße am Kottbuser Tor ei» Mann von ungefähr 85-- 40 Jahren. Derselbe stand auf dem Fahr- dämm und sah nicht, daß gleichzeitig hinter ihm eine Kraftdroscht« heransauste. Alle» Hupen und Bremsen de» Führers nützte nichts mehr, da» Auto rutschte— denn da» Steinpflaster war gesprengt— und im nächsten Moment erfaßte da« Auto den Unglücklichen von hinten und schob ihn einige Meter vor sich her, bis er zur rechten Seite herüberfiel und von dem Vorder« und Hinterrade überfahren wurde. Der sofort haltende Führer der Droschke und ei» hinzukommender Schutzmann hoben den anscheinend Schwerverletzten und im Gesicht Starkblutenden auf und fuhren ihn mit demselben Auto nach dem Krankenhaus«. Wie Augenzeugen behaupten, trifft den Führer der Droschke keine Schuld. Vorort- I�acfmcbtw. Nixdorf. Die Langsamkeit der Steuereinschätzungsbchördcn kann Personen, die zu unrecht eingeschätzt sind, recht viele Unannehmlichkeiten der- Ursachen. Wurde da der in Nixdorf, Lenaustr. 21, wohnende Tischler- lehrling B. zu einer Steuer von 4 M. jährlich veranlagt. Hiergegen legte B. Berufung ein mit der Motivierung, gar kein steuerpflichtiges Einkommen zu haben. Er ließ sich auch das von seinem Meister bescheinigen und wartete der Dinge, die da kommen sollen, d. h. auf ein Schreiben der Einschätzungskoiumission, daß er zu unrecht veranlagt worden sei. Ein solche« Schreiben ließ aber sich auf sich warten, vielmehr erhielt er einen Mahnzeitel, die Steuer zu bezahlen. Und als er dieser Aufforderung nicht nachkam, wurde gegen ihn daS Zwangsverfahren eingeleitet und beim Meister der„Lohn" beschlag- nahmt. Formell hat das Verfahren seine Richtigkeit, weil die Steuern eben einstweilen bezahlt werden müssen, auch wenn man zu unrecht veranlagt ist. Leute mit gesundem Menschenverstand werden da? natürlich kaum verstehen. Die StcuereinfchätzungS- behörden könnten aber wirklich etwas schneller arbeiten und damit derartige Belästigungen vermeiden. Charlottenburg. Elternverein für freie Erziehung(Verein Freier Kinder- garten). Auf den morgen Mittwoch, den 21. Juli, stattfindenden familienausflug nach Finkenkrug wird noch einmal ingewiesen. Treffpunkt Ö8/« Uhr vor dem Bahnhof Jungfernheide, für Nachzügler zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags im ForsthauS- Restaurant„Alter Ftnkenkrug". Schöneberg. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich Sonnabend nachmittags gegen 3 Uhr in der Hauptstraße in Schöueberg. Dort werden vor dem Haufe Nr. 25 gegenwärtig Kanalisationsarbeiten ausgeführt. Der an dem Bürgersteig sich entlang ziehende, etwa 10 Meter lange und 1 bis 2 Meter breite Graben war bereits in seiner ganzen Ausdehnung abgesteift, so daß die Arbeiter ungefährdet hineinsteigen konnten. Nur ein zirka 1 Meter breites und Iff, Meter hohes kompaktes Mauerstiick, das m dem Schacht hineinragte, konnte nicht genügend gesichert werden; und es war deshalb von der Bauleitung daS Verbot an die Kanalisationsarbeiter ergangen. An dieser Stelle hatte sich der in Schmargendorf wohnende, 29jährige Friedrich Sochert zu schaffen gemacht. Plötzlich löste sich das etwa 20 gentner schwere Mauerstück und begrub S. unter sich. Erst nach längerer Zeit gelang«S den vereinten Kräften der Arbeitskollegen des Verunglückten, ihn aus feiner entsetzlichen Lage zu befreien. Der Arbeiter, der schwere innere Verletzungen, Arm- und Beinbrüche davongetragen hotte, wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Schöneberger Krankenhause übergeführt. Bon einem Hunde zerfleischt wurde gestern der 10 Jahre alte Sohn Willy des in der Ebersstraße 58 wohnenden Eisenbahnarbeiter« Jensen. Der Kleine hatte mit anderen Kindern den Kohlenplatz von Rademacher am Priesterweg für einen Lugenblick betreten, als Plötz- lich eine große deutsche Dogge, oie ohne Maulkorb frei auf dem Ge- lände umherläuft, auf den Jungen zusprang, ihn zu Boden warf und entsetzlich zurichtete. Der Knabe erlitt schwere Bißwunden an der Brust, den Beinen und am Gesäß und mußte in bewußtlosem Zu- stände vom Platze getragen werden. Banmschulenweg. Den Arm abgefahren. Ein schrecklicher Unfall hat sich nachts auf dem Bahnhofe Baiunschulenweg zugetragen. Der Arbeiter Otto Böse ans der Hannemannstraße in Bntz war beim Auf« und Ab- schreiten des Bahnsteiges ohnmächtig geworden und auf die Gleise hinabgestürzt. Da der Borfall leider von niemand beobachtet worden war, so mußte der Unglückliche in seiner hilflosen Lage verbleiben. Als der Vorortzug Nr. 1634 herannahte, bemerkte der Führer nichts von dem Verunglückten und der Zug fuhr über B. hinweg. Der linke Arm, der über die Gleise hinweglag, wurde dern Aermsten voll- ständig abgefahren. Erst als der Zug die Station wieder verlassen hatte, wurden Bahnbeamte durch das Wimmern des Schwerverletzten aufmerksam gemacht. B. wurde nach dem Kreiskrankenhaus« in Britz geschafft. Weißensee. Mißglückt. In eine Staatsstellung aufzurücken mit Hilfe christ- licher Arbeiter hatte sich der Leiter der hiesigen Realschule, Professor Dr. Kemstes, vorgenommen. Im Jahre 1907 gründete der Herr Profeffor die hiesige Filiale des Vaterländischen Arbeitervereins. Trotz aller guten Fürsorge war die Leitung mit den Anschauungen des Herrn Professors nicht einverstanden und e« kam zu guter Letzt zum Bruch. Eine Serie von Polemiken im hiesigen Ortsblatte brachte nun auch folgende» Geschichtchen an» Tageslicht. Für Herrn Professor Dr. KemsieS wurde ein großer Schreibebrief angefertigt, worin über feine außerordentliche Tätigkeit für den Baterländifchen Arbeitsverband berichtet und ferner ge- bührend hervorgehoben wurde, Herrn Professor auf einen staatlichen Posten zu stellen, da er gewiß da» Zeug besitzt, auf dem Cebute der antisozialdemokratischen Organisation bedeutendes zu leisten. Dieser Brief ist datiert vom 17. Mai 1907 und war an den Reichskanzler Fürsten Bülow gerichtet. Für den bereits abgesägten Herrn Professor war e« allerdings schwer, die nötigen offiziellen Unterschriften für sein Empfehlungsschreiben zu erhalten, es fanden sich dennoch zwei Arbeiter, die im Namen der Vater- ländischen Arbeiterschaft Groß-BerltnS den Brief unterschrieben. Die ganze Geschichte wurde ruchbar und es kam zu einer erregten AuS- Iprache in dem Kreise der vaterländischen Arbeiterschaft. Es wurde sogar verlangt, Herrn Professor K. aus dem Verbände auszuschließen. Nur mit Rücksicht darauf, daß man sich nach außen hin keine Blöße aeben wollte, folgte man dem Rate des Gauvorsitzenden, vorläufig keine Schritte zu unternehmen. Bülow» Nachfolger sollte sich diese? Herrn wirklich annehmen, die Weißenseer Bevölkerung wird ihm keine Träne nackweinen und die Realschule würde dann einen Leiter finden, der sich ganz der Schule widmen könnte. Reinickendorf. Im Streit erstochen wurde gestern abend der 18 Jahre alte Arbeiter Paul Plaumann aus der Malplaquetstraße 28. Der junge Mann war an einer Schlägerei beteiligt, die um 9 Uhr abends vor dem Lokal von Schiller in der Eisbachstraße zu Reinickendorf statt- fand, und erhielt einen Messerstich in die Brust. Er wurde nach dem Paul-Gerhardt-Stift gebracht und starb dort um lO4� Uhr. Sein Gegner, der den verhängnisvollen Stich führte, ist ein ebenfalls 18 Jahre alter Arbeiter Steinbacher, der bei seinen Eltern wohnt. St. wurde verhaftet. Königs-Wusterhatlsen mid Umgegend. Was hat die Arbeiterschaft von den von der Firma Schwartz- kopff eingerichteten WohlfahrtSeinrichtungen, und warum kündigt die Firma einem Teil ihrer alten Arbeiter die Werkswohnungen? Die Frage wird in einer heute abend 8 Uhr im Lokale von Heiser stattfindenden Volksversammlung behandelt werden, zu der alle in der Kolonie wohnenden Männer und Frauen eingeladen sind. Fichtenau und Umgegend. „Die Ausraubung des Volke» durch neue Steuern lautete das Thema, über welches Genosse Bühler am Sonnabend in einer öffentlichen Versammlung referieren sollte. Aber eS kam wieder einmal ander». Dem Einberufer war eS nämlich unbekannt, daß ein in Schöneiche aufgegebener Brief vierundzwanzia Stunden braucht, um das Amtsbureau in Schoneiche zu erreichen und so kam eS, daß die mit Brief am Freitag, vormittags 0 Uhr, abae. sandte Anmeldung erst am Sonnabend früh, wie dem Einberufer erklärt wurde, in Händen de» Adressaten war. Im wohltuenden Gegensatz zu der Post steht aber nun unsere Polizeibehörde, eine Einrichtung, die ja bekanntlich ihre» gleichen sucht. Prompt er. folgte wegen zu später Anmeldung das Versammlungsverbot; prä» zise 3 Uhr erschien auch der Ueberwachende, um zu sehen, ob der Einberufer auch den nötigen Respekt vor polizeiliche Verfügungen hat. Aber trotzdem fand die Versammlung, allerdings als Wahl- Vereinsversammlung, statt und so konnten denn die Versammelten, nachdem der Vertreter der Polizeibehörde sein Tätigkeitsgebiet verlassen hatte, dem Referenten lauschen, der in kräftigen, poin- tierten Ausführütigen die gemeingefährliche Steuerpolitik unserer Schlot- und Krautjunker geißelte, an Hand eines reichen Materials die Steuerscheu der herrschenden Klaffen brandmarkte und die Anwesenden aufforderte, dieses neue Agitationsmittel mit allen Kräften zur Wirkung und Festigung unserer Organisation, zur Heranziehung immer neuer Massen zur Sozialdemokratie zu be- nutzen. Die Ausführungen fanden bei der gut besuchten Ver- sammlung lebhaften Beifall. Die nächste Volksversammlung soll mindestens drei Wochen vorher durch„Eilbrief" angemeldet werden, im Interesse der Ver- fammlungSbesucher wie der Polizeibehörde, die dann nicht un- nötige Verbote zu erlassen braucht. Potsdam. In der Wahlvcrcinsvcrsammlung hielt Genosse Staab einen ein- gehenden Vortrag über das neue Orgainfationsstatut. Ueber die obligatorische Lieferung der„Gleichheit", die Frage der Vertretung des„Vorwärts" und der„Neuen Zeit" auf dem Parteitag sowie über die Bestimmungen über die Einberufung eines außer ordenl« lichen Parteitages soll von den Potsdamer Delegierten in der Kreis- Generalversammlung in Nauen eine Aussprache herbeigeführt werden. Die letzten Vorgänge im Stadtparlamenl, speziell die Bodenpolitik der Stadtgcmeinde fanden eine eingehende Besprechung. Mit dem Prinzip ist die Arbeiterschaft vollkommen einverstanden. Sache der Stadtverordneten wäre es allerdings. darauf zu achten. daß nicht durch irgend welche Versprechungen— wie bereits von bürgerlichen Stadtverordneten behauptet wird— Projekte gemacht werden, die der Stadt unnütze Ausgaben verursachen, so daß dann später nicht einmal die Ankaufs- summen und Zinsen gedeckt werde» können. Schon die Einziehung der Bertinistraße soll solcher Borbeugung zu danken sein. Unter allen Umständen muß aber gefordert werden, daß die einschränkende Baubestimmung, nach der nur Villen gebaut werden dürfen, aufgehoben wird. Sache der Arbeiterschaft muß es im Herbst sein, sich endlich einmal Eintritt in das Stadtparlamcnt zu verschaffen. Dazu ist es schon jetzt nötig, daß sich jeder überzeugt, ob er in die vom 15.— 30. d. MtS. vormittags von 8—1 Uhr im Rathaus auLliegende Wählerliste aufgenommen ist. ßridTuften der Expedition. £. 99. Wir legen der Zeitung auch Prospekte bei, die nicht in unserer Druckerei hergestellt werden. Singegangenc Druchrebriften. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 21 des 19. Jahr- PeZ zugegangen. Sie bat solgenden Inhalt: Ausruf des Parteivor- es zum Parteitag.— Von der Frauenarbeit tn Preutzcn. II. Von gh. — Zur Frage der Zwangserziehung sllr weibliche Minderjährige. BonHdiLckerej jl, Vxxlagtzgnstzlp Pgijl Woger& Co« Berlig SW,-