Nr. 168. flbonnementS'Bedlngungen: Monnements- Preis pränumerando! Siertcljährl. 3�0 Md. monatl. 1,10 Ml. »vöchenWch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg.(Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Poff. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ofötlnt tlglld) anBer montags. Ä6. Jahrg. Derlinev VolksblAtt. Die TnferüonS' Gebühr vekägt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum BO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versanunlungs-Anzeigen 30 Psg. „Ulelne Snreigcn", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- fiellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übe« 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreffe: „SozialikraoHrat RtrliB* Zentralorgan der fosi aldemokrat» feben partes Deutfcblande. Rcdahtton; 8MI. 68, LttidcnetTassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 22. Jnli 1909. Sxpedttton: 8M. 68, Lindenstraeac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Llemenceaus Sturz, Die französische Kammer hat der politischen Welt noch kurz vor ihrem Eintritt in die Ferien eine Sensation ver- schafft. Im Verlauf der langwierigen und nachgerade etwas langweiligen Debatten über die Mißstände in der Marine verfetzte sie das Ministerium bei einer Abstimmung in die Minorität, und die Ministerfchaft Clemeneeaus hatte plötzlich ein Ende. Man hat Clemenceau den Diktator Frankreichs genannt, und in der Tat hat dieser Radikale, der einst ein so gefürchteter Ministerstnrzer war, eine für französische Ver- bältnisse ungewöhnlich lange Ncgieruugszeit erreicht. Zwei Jahre neun Monate war er Ministerpräsident, nachdem er schon vorher im Kabinett Sarricn Minister des Innern ge- wesen. Nur Waldcck-Rousscau, der die Dreyfus-Asfäre zu liquidieren und die Trennung der Kirche vom Staat anzu- bahnen hatte, übertraf, da er drei volle Jahre regierte, unter den Ministern der dritten Republik die Dauer des Mi- nisteriums Clcmeuceaus. Diese lange Ministerschafl ist kein bloßer Zufall. Sie erklärt sich nicht allein aus der taktischen Geschicklichkeit des schlagfertigen und skrupellosen Parlanientäriers, nicht aus der unleugbaren Geistesgegenwart und geschickten Beredsam- keit des jetzt gestürzten Ministers. Clemenceau war der Nutznießer einer sozialen Entwickelung, die er geschickt zu benutzen wußte, um sie für sich in politische Macht umzusetzen. Tie Affäre D r e y f u s hatte einen großen Teil des repu- blikanischen Bürgertums die Augen über die Gefahren ge- öffnet, die ihrer Herrschaft in der bürgerlichen Republik von der klerikalen und monarchischen Reaktion drohten, die sich anschickte, das Offizierkorps und damit die Armee als Werk- zeug in den Dienst ihrer Machtbestrebungen zu stellen. Die bürgerliche Demokratie nahm notgedrungen den Kampf auf und suchte für diesen beim Proletariat Hilfe, die ihr sehr bereitwillig, vielleicht allzu bereitwillig und unter politischen Formen, die sich später rächen mußten, geworden ist. Waldeck- Rousseau, der Millerand in sein Kabinett aufnahm, und nach ihm Conibes, der ehrliche Radikale, führten den Kamps mit der klerikalen Reaktion zu einem vorläufig siegreichen Ende. Ter Aufschwung des bürgerlichen Radikalismus führte bei den Wahlen zum Siege und brachte den Radikalen eine starke Majorität in der Kammer. Jetzt aber begann das Trauer- spiel des bürgerlichen Radikalismus. Das Proletariat hatte seine Schuldigkeit getan, jetzt schien es entbehrlich. Mit großen sozialen Reformversprechungen waren die Radikalen in den Wahlkampf gezogen, doch als es zur Ausführung kommen sollte, da scheute die bürgerliche Demokratie vor der Durchsetzung ihres eigenen Programms zurück. Für diese Politik des Wortbruchs war Clemenceau der richtige Mann. Ohne schöpferische Ideen, ohne ernste Ueberzcugung von der Notwendigkeit der sozialen Reformarbeit, aber ein Machthungriger, der nie verlegen war um taktische Aushilfs- mittel, wurde er der Führer der sozialen Reaktion. Von den großen Reformen, die er einst ankündigte, ist heute nichts Wesentliches fertig. Weder das Altersversiche- rungsgesetz noch das Einkommensteuergesetz ist erledigt. Nicht einmal das alte Versprechen aus der Dreyfuszeit, die Reform der Militärgerichte, ist bisher eingelöst. Dafür hat Clemenceau um so eneogischer den Kampf gegen die Arbeiterklasse geführt. Freilich, die Methoden der deutschen Scharfmacher sind auf das republikanische Frank- reich nicht leicht zu übertragen. Aber um so virtuoser hat Clemenceau die Kunst geübt, die Arbeiterklasse zu spalten und zu verwirren. Während er die geeinigten Sozialisten, die unbequemen Mahner an die radikalen Reform- Versprechungen, nicht genug mit Hohn und Spott überschütten konnte, benutzte er das Strebertum des einstigen Sozialisten Briand, seines Hustizministers, und die Naivität des ehr- licheren Vi Viani, um die antiparlamentarischen Strö- mungen, die in dem Mißtrauen der so oft verratenen fran- zösischen Arbeiter gegen die bürgerlichen Parlamentarier wurzeln, die das Proletariat als Schemel für ihre Macht- crhöhnng benützen, zu verstärken. Während die völlige Sterilität seiner Regierung in bczug auf soziale Reformen die syndikalistischen und anarchistischen Tendenzen stärken mußte, wußte Clemenctzau zugleich die anarchistischen Groß- sprechereien geschickt dazu zu benützen, um dem französischen Spießbürger eine Heidenangst einzujagen und sich als Mann der starken Regierung den wildgewordenen K leinbürgern immer aufs neue zu empfehlen. Herr Clentenceau und die Syndika- listen haben sich gegenseitig immer Reklame gemacht, und sie verstanden sich beide sehr gut darauf. Ihre Unbesonnenheiten waren es, die Herrn Clemenceau erlaubten, solange den Mann der Ordnung zu spielen, und als einer der schlimmsten Ordungsmcnschen der dritten Republik hat Clemenceau regiert. Auf seinem Andenken lastet die Blutschuld von D r a v e i l, lastet die Perfidie, den P 0 st st r e i k zueist durch die Brutalitäten Siinyans provoziert, dann brutal unterdrückt und schließlich an Hunderten von Beamten seine Nachsucht befriedigt zu haben. So weckt sein Fall nur Befriedigung. Die Schroffheit, die Clemenceau vor allem gegen die Arbeiter hervorgekehrt hat, weckte schließlich auch bei denjenigen Radikalen, die ein- sahen, daß eist sozigles Reformvrogrgmm nicht gegen.und nicht ohne, sondern nur mit dem organisierten Proletariat durchzuführen sei, stets wachsenden Widerstand. Zu ihnen gesellten sich diejenigen, die in der französischen Kammer immer so zahlreich sind, stets geneigt, ein Ministerium zu stürzen, weil sie damit für sich selbst freie Bahn zu schaffen Höffen. Als Clemenceau durch sein ungestümes und pro dozierendes Auftreten die günstige Gelegenheit gab, brachte ihn die Kammer zu Fall, und dem ersten Gefühl der Ver- blüffung folgte das Gefühl der Befriedigung und Erleichte- rung, Frankreich von einem Manne befreit zu haben, der weder seinem Staate noch seiner Partei einen Dienst er- wiesen hat. Aber freilich, mehr als persönliche Befriedigung kann dieser Ministersturz nicht wecken. Auch in Frankreich ist der Klassengegensatz schon zu stark, ist die kleinbürgerliche Demo- kratie zu sehr vor der Furcht vor dem Sozialismus erfüllt, als daß ein S y st e m w e ch s e l zu erwarten wäre, der dem französischen Proletariat eine Aera sozialer Reformen bringen würde. Nicht von der Regierung, sondern nur von der eigenen Organisation, von dem richtigen Gebrauch vor allem auch der politischen Machtmittel, für die die Befreiung von dem Anarcho-Sozialismus die Vorbedingung ist, hat das fran- zösische Proletariat eine Besserung seiner Lage zu erwarten. Da ist es der französischen Arbeiterschaft in einer Hinsicht leichter gemacht wie der deutschen. Während in Deutsch- land sich der Kanzlerwechsel vollzog, nachdem der Reichs- tag nach Hause geschickt worden war, ist ein solches Beiseiteschieben der Volksvertretung in Frankreich ausge- schlössen. Das Parlament darf nicht vertagt werden, bevor das neue Ministerium ernannt ist und sich der Kammer vorgestellt hat. Der Präsident der Republik kann nur einen Minister wählen, der im Sinne der Majorität regiert und nur solange regiert, als er das Vertrauen der Volksvertretung besitzt. Die Art, wie sich der französische Ministerwechsel vollzieht, zeigt dem deutschen Volke, wie not- wendig es ist, auch im Deutschen Reiche Zustände zu schaffen, die allein eines reifen Volkes würdig sind. Die entscheidende Sitzung. Paris, 20. Juli. In der Sitzung der Deputiertenkammer übte D e l c a s s e herbe Kritik an der Flottenpolitik der drei vorher- gehenden Minister und erhob den Vorwurf, daß für den Bau kleiner Schiffe, durch die häufige Aenderung der Pläne für die großen Kreuzer und durch schlechte Auswahl der Schiffskessel, eine große Vergeudung getrieben worden sei. Die Regierung habe ihre Pflicht verletzt, indem sie nicht geeignete Maßnahmen ge- troffen habe, um Unglücksfälle wie bei der„Jena" zu verhüten. Die Kammer habe die Pflicht, Garantien zu fordern, bevor sie die von ihr verlangten Mittel bewillige. Nach der Kritik Delcasfes gegen die Marinebcrwaltung erhob sich Mini st erpräsident Clemenceau und wandte sich in scharfer persönlicher Rede gegen Delcasse, indem er sagte, die Kammer möge erklären, ob Delcasse, welcher durch seine Politik Frankreich zu der Demütigung von Algeciras geführt habe, das Recht habe, einer Regierung den Vorwurf der Erfolglosigkeit in bctrefs der Vorbereitungen der na- tionalen Verteidigung zu machen. Delcasse erwiderte mit heftigen Angriffen auf die parlamentarische Vergangenheit CIc- menceaus und erwähnte dessen Feindseligkeiten gegen F e r r h und rechtfertigte sodann seine eigene auswärtige Politik. Hieraus wurde zur Abstimmung geschritten und die Priorität der Tagesordnung I 0 u r d e, in welcher der Regierung das Ver- trauen ausgesprochen wird, mit 212 gegen 176 Stimmen ab- gelehnt.(Große Bewegung.) Ministerpräsident Clemenceau und die übrigen Minister verließen hierauf den Sitzungssaal. Der Eindruck in Frankreich. Paris, 21. Juli. In der gesamten Presse spiegelt sich die Ueberraschung wieder, die der Sturz des Kabinetts Cle. m e n c e a u hervorgerufen hat, dessen Stellung gerade infolge der jüngsten Kammerabstimmung, insbesondere nach der Debatte über die allgemeine Politik, von neuem als sehr fest angesehen worden war. Vielfach wird erklärt, daß Clemenceau durch seine Be- merkung über die Demütigung von Algeciras, mit der er die Angriffe Dclcasses zurückzuweisen versuchte, das patri- otische Gesühl der Kammer verletzt und dadurch seinen Sturz selbst herbeigeführt habe. Die Mehrheit, die der Regierung das Vertrauen ver» weigerte, setzt sich aus 63 Radikalen, 6 Republikanern der Linken, 18 unabhängigen Sozialisten, 45 geeinigten Sozia- listen, 76 gemäßigten Republikanern, 51 Nationalisten und Kon- servativen zusammen. Die Minderheit besteht aus 113 Radikalen, 63 Republikanern der Linken, 11 gemäßigten Republikanern, 8„unabhängigen Sozialisten"(I) und einem Konser- bativen. 26 Deputierte enthielten sich der Abstimmung, 17 5 De- Putierte waren beurlaubt. Man behauptet, daß auch die erst vor einigen Tagen beschlossene persönliche Ab st im- mung wesentlich zur Niederlage Clemenceaus beigetragen habe, da sich gerade unter den Beurlaubten, namentlich bei der unter der Führung D'Estournelles de Constants nach Schweden und Däne- mark abgereisten parlamentarischen Abordnung viele seiner An- Hänger befinden. Mit wenigen Ausnahmen äußert sich die Presse sehr scharf über Clemenceau. Die„Aurore" schreibt: Dieser ungestüme Kämpfer hat diesmal jedes Akaß überschritten und sich selbst in den Abgrund gestürzt. Die„Republicque francaise", da? Organ des früheren Mi- nist�rpräsidenten Melnze?� mejnt: Diese Sitzung bildet.eine glgn- zende Vergeltung für Ferry und so viele andere republi- kanische und patriotische Ministerien, welche Clemenceau einst wie Kartenhäuser umgeworfen hat. Der„Figaro" schreibt: Der allgemeine Eindruck ist, daß Cle- menceau sich selbst gestürzt hat. Es ist nicht das erste Ministerium, das er zu Fall gebracht hat, aber zweifellos dasjenige, welches ihm am teuersten war. In betreff der Nachfolgerschaft für das Mini- sterium Clemenceau liegen vorläufig noch keine ernsten Anhalts- punkte vor— Clemenceau verließ gestern die Kammer mit einem Scherzworte, indem er zu den ihn umringenden Journalisten sagte:„Sehen Sie, welch ein Vorteil es ist, nicht im Ministerium zu wohnen. Ich bin mit einem Regenschirm gekommen und ziehe mit einem Stock davon. Ich spare mir die Umzugskosten,— eine Lehre für meine Nachfolger." s Das Urteil Jaures. Paris, 21. Juli. Jaures sagt in der„Humanite: Die Kammer war von einer Art dramatischer Verblüffung erfaßt, als ob sie einem plötzlichen Wahnsinnsausbruch beiwohnte. Der Mann, der sich gestern zu so unerhörten Unbesonnen- h e i t e n hinreißen ließ, hat sich jede Rückkehr zur Macht selbst abgeschnitten. Er hat zu sehr gezeigt, mit welchen Gefahren er Frankreich bedrohte. Aber die gestrige Sitzung darf kein Mißverständnis hervorrufen, sie bedeutet, daß die Kammer in internationalen Beziehungen eine kluge und friedliche Po- litik will. Die Kammer hat Clemenceau nicht gestürzt, um sich den einstens von Delcasse begangenen Unvorsichtigkeiten anzu- schließen. Sie hat durch ihr Votum erklären wollen, daß sie in den internationalen Verträgen, welche den Frieden gerettet haben, keinerlei Demütigung erblickt. Clemenceau über seinen Sturz. Paris, 21. Juli. Fallieres hatte heute eine Unter- redung mit Clemenceau über die politische Lage und empfing danach den Senatspräsidenten. Im Laufe der Unterredung mit dem Präsidenten Fallieres erklärte Clemenceau, das Mißtrauensvotum der Kammer richte sich gegen ihn per» s ö n l i ch und nicht gegen die übrigen Mitglieder des Kabinetts, dessen Politik zu wiederholten Malen von einer großen Mehrheit gebilligt worden sei. Clemenceau ist der Ansicht, daß die Mehrzahl der Minister in ihren Ae intern ver- bleiben sollten; der neue Ministerpräsident mühte aus ihrer Mitte gewählt werden. Präsident Fallieres beabsichtigt, die Krise rasch zur Lösung zu bringen, um bei seiner Reise nach Cherbourg zur Begrüßung des Kaisers.von Rußland am 31. Juli von den neuen Ministern begleitet zu sein. Vielfach wird Briand als Nachfolger Cle- menceaus genannt. Die Ministerwahlcn. Paris, 21. Juli.(Meldung der Agence Habas.) Im Laufe der Besprechung, die zwischen Fallieres und Clemenceau im Elhsee stattfand, dankte der Präsident den Mitgliedern der Regierung für die Dienste, die sie dem Lande während der drei Jahre geleistet hätten, in denen das Kabinett Clemenceau am Ruder war. Bezüglich der Wahl der Politiker, die am meisten geeignet sind, die Krisis zu entwirren, herrscht große Ungewiß- h e i t. Der Name Leon Bourgeois wird allgemein in den Vordergrund geschoben, aber es ist wahrscheinlich, daß Bourgeois seine erschütterte Gesundheit die Rückkehr zu den Staatsgeschäften verbietet. Man muß deshalb mit seiner Ablehnung rechnen. Im Laufe des Abends nannte man ferner die Namen Briand. Poincare, Pichon. Barthou und andere. Die besten Chancen scheint Briand zu haben. Sehr wahrscheinlich ist. daß Pichon und Barthou auch dem kommenden Kabinett an-- gehören werden. Von einer Reihe von Deputierten wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß das M a r i n e m i n i st e r i u m Delcasse anvertraut werde. Jubel bei den Arbeitern. Paris, 21. Juli. Delcasse wurde heute nachmittag vom Präsidenten Fallieres empfangen. Aus Anlaß des Sturzes Clemenceaus wurde die ArbeiSbSrfe von den Führern der Syndikatsbcwegung beflaggt. Unter den Post- und Telegraphenbeamten wurde die Demission des Unterstaatssekretärs Simhan mit lauten Freuden- kundgebungen aufgenommen. Sie Quittung kür die Steuersuspiiiuderung. Die Ersatzwahl im zweiten pfälzischen Reichstags-Wahlkreise N e u st a d t- L a n d a u ist ein gewichtiges Zeichen der Empörung, die durch die Steuerplünderung des Schnapsblocks ausgelöst worder ist. Denn das Resultat der am 20. Juli vollzogenen Wahl ist eir gewaltiges Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen, während du drei bürgerlichen Parteien, in erster Linie der Bund der Land. Wirte und das Z e n t r u m, die Parteien des Fuselblocks, abei auch die Nationalliberalen, einen ebenso gewaltigen Stimmenverlust zu beklagen haben. Nach der letzten Meldung haben nach amtlicher Berechuuug erhalten: O eh ler, der n a t i o n a l li b e r a I e Kau- didat der„Bereinigten Liberalen", 8857; Siben. der Kandidat de� Zentrums, 7123; Lehmann, Bund der Landwirte 2088 und Hnber, der sozialdemokratische Kandidat. 83c Stimmen. Bei der letzten Wahl erzielte die Sozialdemokratie nur 631 Stimmen, während die koalierten Nationalliberalen und Landbündl« 14 613 und das Zentrum 8767 Stimmen auf sich vereinigten. Do heißt: Nationalliberale und Bund der Landwirte haben zusamme 3609, das Zentrum 1600 Stimmen verloren, während df Sozialdemokratie 2000 Stimme» gewavul_ Dies Wahlergebnis verrät. Ivelcher Ingrimm und welche EinpörlMg unter den Wählerinassen aufgespeichert ist. Wäre der Reichstag aufgelöst worden: das Neustadt-Landaner Resultat wiirde sich als typisch erweisen, die Neuwahl der Sozialdcmolratie einen enormen Zuwachs an(Stimmen gebracht haben. Dies hat ja Biilow euch selbst zugegeben. Lediglich aus Furcht vor der Sozialdemokratie unterwarf er sich schmählich der Diktatur des Blocks der Steucr- briganten! Die Nationalliberalen haben also nur S—VOO Stimmen mehr aufgebracht als die Sozialdemokratie, mit der sie in Stichwahl kommen, lieber den Ausgang der Stichwahl läßt sich daher etwas Bestimmtes noch nicht sagen. Die Natioualliberalen selbst setzen ihre Hoffnung auf die Mobilmachung von Reserven, da ja die Wahl- beteiligung diesmal erheblich— um zirka 3200 Stimmen— geringer ist als bei der letzten Wahl. Auf eine ins Gewicht fallende Unter» stützung durch die ausgefallenen bürgerlichen Parteien Ivagt die „National-Zeitung" nicht zu rechnen. Sie nimmt an, dag sich so- wohl Zentrum als Bund der Landwirte neutral Verhalten werde». Daß sich das Zentrum in der gegenwärtigen Situation für einen Nationalliberalen nicht ins Zeug legen wird, ist selbstverständ- lich. Aber auch der Bund der Landtvirte dürfte kaum geneigt sein, seinem Bundesgenossen von ISO? aus der Patfche zu helfen. Um so weniger, als die nationalliberale Kandidatur Oehler eine eigentümliche Vorgeschichte hat. Trotzdem am 3l. Mai d. I. die Bnndler des Kreises eine Resolution angenommen halten, dajz sich der neue Kompromitzkandidat in bezng auf die R e i ch s f i n a n z- r e f o rm auf das b ü n d l e r i s ch e Programm verpflichten müsse, kam unter Bestimmung der Bündler die nationalliberale Kandidatur Buhl zustande. Buhl akzeptierte das agrarische W i r t s ch a f t s- Programm, wogegen die Bündlcr die Frage der E r b s ch a f t S« st e u e r als durch die RcichStagSbeschlüffe erledigt ansahen. Während des Wahlkanipfes ging jedoch— namentlich infolge der unaushör- lichen Anbohrungen der Sozialdemokrate— die so mühsam zustande gebrachte konservativ-liberale Paarung in die Brüche, und die Nationalliberalen überrumpelten nach dem Verzicht Bubis die Bündler mit der Kandidatur Oehler. Die erbosten Bündler stellten nunmehr ihre Sonderkandidatur auf und bekämpften den neuen nationalliberalen Gegenkandidaten mit den rück- sichtslosesten Mitteln. So ivarfen sie ihm vor, datz er sich zu Unrecht den Titel eines WcingutSbcsitzcrS zugelegt habe, um die Winzer zu täuschen, dast er ferner als Arbeitgeber seine Leute schäbig bezahle. Die bündlerische Leitung kann also wirklich nicht gut ihre Wähler für den so bekämpften Gegner zur Urne schicken. Die Situation hat die„M ü n ch e n e r Post' bereits vor der Stichwahl charakterisiert, als sie schrieb: „Die Arbeiterschaft des Wahlkreises, bei der das Zentrum noch Anhänger hat, fühlt sich von der betrügerischen Haltung des Zentrums bei der Finanzreform verraten, der Mittelftand, der unter den hohen Lebensmittelpreisen seufzt, mutz auch in unserer Partei die einzige Rettung von weiterem Steuerdruck sehen, die Winzer trauen weder den Bündlern noch den Nationalliberalen, weil beide Parteien in der Frage der Wein- steuer unsichere Kantonisten sind. So hoffen wir, mit einem schönen Erfolg aus dem Wahlkampfe hervorzugehen." Sicherlich werden unsere Genossen alles aufbieten, um die halbe Niederlage der Nationalliberalen bei der Stichwahl zu einer voll- ständigen zu machen. Leicht wird das allerdings nicht sein, denn auch die Nationalliberalen wollen«S nicht an den äutzersten An- strengungen fehlen lassen, den seit 1808 in ihrem Besitze befindlichen Wahlkreis noch einmal zu retten. Wie aber auch die Würfel fallen mögen: Die Abrechnung mit dem Schnapsblock hat begonnen! Sache des deutschen Proletariats ist eS, daS Strafgericht zu einem exemplarischen zu machen l Kampf auf der ganzen Linie. Kampf bis zur völligen Niederwerfung des Gegners mutz die Losung sein l_ Der Derband der freien Gastwirte Deutschlands und die Erhöhung der Eierpreiie. In Berlin fand heute ein VerbandStag der freien Gastwirte Deutschlands statt, auf dem 115 Delegierte, die 8g Zahlstellen vertraten, erschienen waren. Litfin- Berlin referierte über die gemeinschaftlichen Verhandlungen des Schutzverbandes der Brauereien mit den verschiedenen Gastivirtsorganisationen. DaS Resultat dieser Beratungen sei die einstimmige Annahme einer Resolution ge- Wesen, in der erklärt wird,„datz in Anbetracht der erhöhten Brau- steuer, der gesteigerten Selbstkosten und des zu erwartenden weiteren Konsumrückganges, für die Brauereien eine Erhöhung des Bier- Preises um 6 Pf. pro Liter, und für die Gastwirte eine Er- höhung um 7 bis 10 Pf. pro Äter notwendig ist, unbeschadet eines Spielraumes in Rücksicht auf lokale Verhältnisse." Die Debatte über die Frage der Abwälzung der Bier- steuer gestaltete sich sehr lebhaft. Der Hauptvorstand des Ver- bandeS vertritt die Ansicht, datz die Gastwirte neben der Brau- steuer auch die anderen Lasten— die zusammen für die Wirte unerträglich seien— die ihnen seit 1900 auferlegt worden seien—, auf das Publikum abwälzen müssen. Das könne nur durch Erhöhung der Vierpreise geschehen und deswegen müsse d i e Preiserhöhung auch über die Brau st euer hinaus- gehen. Diesem Standpunkt schlietzen sich eine Reihe Delegierter an, während andere betonen, man dürfe nicht alle La st en. auf keinen Fall aber mehr, als wie die Brauftener ausmache, auf die Konsumenten abwälzen. Den Brauereien wolle man nur i oder 4,25 M. Aufschlag pro Hektoliter zugestehen. Von anderer Seite wird darauf hingewiesen, datz nicht nur mit der Brau» steuer zu rechnen sei, sondern auch mit dem Kaffee-, Tee-, Zünd- holz-, Tabak-, Glühkörper- und anderen Steuern. Ein Aufschlag der Bierpreise in der vorgeschlagenen Form sei deshalb notwendig. Von verschiedenen Rednern wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, datz die Erhöhung der Bierpreise zu Kämpfen mit den Konsumenten führen würde. Man müsse deshalb die Arbeiterschaft über die traurigen Verhältnisse der Gastwirte aufklären. Die GcwerkschastShäuser dienten ja als Beweis dafür, wie schwer eS heute ist, eine Wirtschast zu halten. Einzelne Redner polemisieren auch gegen die Ausführungen in der Partei- presse, in denen gesagt werde, die Gastwirte wollten mit den Brauereibesitzern einen Raubzug auf die Taschen der Konsumenten ausführen. Sie bringen eine Resolution, die dagegen pro- testiert, ein. Schließlich wird eine Resolution angenommen, die sich für eine allgemeine Erhöhung des BierpreiseS ausspricht: die Festsetzung der Preissteigerung aber den Bezirken unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse überlätzt. Den Wortlaut dieser ziemlich langen Resolution sowie eines Protestes gegen die Beschlüsse des Schnapsblocks veröffentlichen wir morgen.—_ „Che Cand of che free".') New Uork, 10. Juli.(Eig. Ber.) In der EinwandernngSstation ElliS Island, dem amerikanischen Haupteingangstor für die Ein- Wanderer, weht feit dem iürzlichen Amtsantritt deS EinwanderungS- „Dds Land of tho Froa"(DaS Land der Freien) lautet eine Ver-zeile der amerikanischen Nationalhymne. kommissärs William Williams ein scharfer Wind. Die Zurück- Weisungen der Ankömmlinge aus Europa mehren sich erschreckend, ebenso die Zahl derjenigen, die aus nichtigsten Gründen von den Einwanderungsbehörden„detiniext", das heißt in der EinIvanderungSstation zurückgehalten werden und über deren Landung langwierige Verhandlungen vor dem sogen. JnyuisitionS- auSfchutz gepflogen werden. In dem kurzen Zeitraum vom 26. Juni bis 7. Juli einschließlich wurde der Rücktransport von 008 Personen, die die Reise über den Ozean unternommen hatten, nach deren Heimatland versügr. In fast allen Fällen erfolgte der Rücktransport auf Grund eines vor etwa zwei Wochen ergangenen UkaS des Kommissärs Williams, daß Auswanderer im allgemeinen im„Lande der Freien" nur dann willkommen find, bzw. vor den Augen sder EinwanderungSbcamten Gnade finden dürfen, wenn sie über mindestens 25 Dollars(100 Mar!) Bargeld und, so- fern New-Dork nicht ihr Ziel ist, außerdem über daS erforderliche Reisegeld bis zu ihrem Bestimmungsorte verfügen. Die Wirkungen der Verfügung waren umso härter, als die bis jetzt davon Be- troffencn beim Verlassen ihrer Heimat von der im EinwanderungS- gesetz nicht vorgesehenen Bestimmung keine Kenntnis haben konnten. In welcher verzweifelten Lage die Auswanderer find, die in der Heimat ihr gesamtes Hab und Gut verschleudert haben und sich nun durch den Willkürakt des EinwandernngSkommissärS Williams in ihrer letzten Hoffnung getäuscht sehen, erhellt am besten auS den Briefen, die diese Lcrmsten an ihre Freunde oder an Zeitungen ge- richtet haben. Einer der Briefe, der die Situation besonders grell beleuchtet und in dem in jüdischem Jargon erscheinenden Parteiblatt „Vorwärts" abgedruckt ward, lautet im wesentlichen: „Wir, Ihre unglücklichen Brüder, die wir augenblicklich auf ElliS Island zur Deportation zurückgehalten werden, bitten Sie, unseren Brief zu veröffentlichen, damit unsere Brüder in Amerika erfahren, was wir hier zu leiden haben. ES sind hier Leute aller Nationalitäten, die meisten russische Juden. Viele können auS politischen Gründen nicht nach Nußland zurück- kehren. Viele Familien haben auch ihr ganzes Hab und Gut in der alten Heimat verkauft, um damit die Ueberfahrt nach den Ver- einigten Staaten zu zahle». Sie sind jetzt ohne Mittel an Ihren Gestaden gelandet in der Erwartung, daß Freunde ihnen helfen würden, das Leben in diesem Lande neu zu beginnen. „Niemand weiß besser als der russische Jude, welche Leiden der Einwanderer erdulden muß, bevor er den hiesigen Boden sicher be- treten kann. Zunächst muß er unter steter Gefahr der Verhaftung und durch Bestechung sich über sdie Grenze schmuggeln. Dann gibt es noch einige Tage Elend in einer Hafenstadt, bevor er an Bord des Schiffes gehen kann. Die Leiden des unbemittelten Zwischendeck- Passagiers sind zu bekannt, um einer Schilderung zu bedürfen. Und nun, im Begriffe hier zu landen, sehen wir uns unerwartet folgender Order gegenüber: 25 Dollar in bar oder dahin zurück, woher Ihr gekommen! Hätten wir dies vorher gewußt, wir hätten es wohl auf die eine oder andere Weise ermöglichen können, die verlangten 25 Dollar zusammenzuscharren. „Die Lage in diesem unfern Gefängnis(auf ElliS Island) zu beschreiben, ist beinahe unmöglich. Aber einiges müssen wir Ihnen doch mitteilen. Wir sind alle zusammengesperrt in einem Räume, der bestenfalls 200 Menschen faßt. Augenblicklich sind so ziemlich 1000 darin untergebracht. ES ist so eng. daß wir kaum Platz genug zum Niederlegen haben, um ein Weilchen der Ruhe zu pflegen. Der Fußboden ist feucht, schmutzig und mit AuS- wurf bedeckt. Diejenigen, die am längsten hier sind, konnten nicht einmal ihre Wäsche wechseln, weil wir nicht an unser Gepäck herankönnen. Irgendwo in dem Saale hört man fort- währendes Weinen. Das Weinen und Wehklagen der Frauen und Kinder in dem benachbarten Räume können gewöhnliche Nerven kaum aushalten. Die verhafteten Väter können ihre Frauen und Kinder nur aus der Entfernung sehen. Untersteht sich jemand, während der Mahlzeiten mit seinen Lieben zu sprechen, so erinnert ihn ein grober Befehl oder noch Schlimmeres, daß er immer noch ziemlich weit vom freien Amerika entfernt ist. Wir hatten am 4. Juli(dem Tage der Feier der Unabhängigkeit Amerikas. D. B.) einen Tag der Ruhe. Heute am 5. Juli werden wieder viele zur Schlachtbank geführt. Und wer weiß, wie viele Menschen- leben das kosten wird? Eine ganze Anzahl hat offen erklärt, daß sie, sobald sie in sicherer Ent- fernung vom Lande sein werden, über Bord springen werden. Lieber den Tod auf See, als Tortur in Rußland. „Dieser Brief ist unterzeichnet von vielen Einwanderern, die noch soviel Kraft haben, eine Feder zu führen. Viele sind derart schwach, daß eS beinahe zu schwer für sie ist, ihn zu unterschreiben. Diese Zeilen sind von einem Einwanderer namens Alexander Rudnoff geschrieben, einem Studenten der Petersburger Universität. Frauen können den Brief nicht unterzeichnen, weil es uns nicht erlaubt ist, sie zu sehen." Es folgen dann SO NamenSunterfchriften. Aehnliche Briefe von Deutschen und Oesterreichern. denen es ebenso wie den Russen erging, hat die New Dorker„Staats- Zeitung" während der letzten Tage wiederholt veröffentlicht, und dieser Verzweiflungsschrei veranlaßte nicht nur die Partcipresse sondern auch bürgerliche Blätter zu energischen Protesten gegen solche einer„freien" Republik unwürdige Barbarei. Und leider— das darf nicht verschwiegen werden— tragen die amerikanischen Gewerkschaften an diesen barbarischen Verhältnissen die Mitschuld. Haben doch die Gewerlschafien und ihre Führer G o m p e r S und Mitchell feit Jahren eine planmäßige Hetze gegen die„ForsiZners"(Ausländer) geführt. Wiederholt haben die Konvente der Federatio» of Labor nicht nur die Ausschließung der Asiaten, sondern auch eine möglichste Beschränkung der Einwanderung aus Europa gefordert. Williams folgt also nur den von Engherzigkeit diktierten Geboten der amerikanischen Gewerkschaftsführer und ihres Beifalles kann er des- halb sicher sein. An die Arbeiter in Deutschland aber kann nicht eindringlich genug die Mahnung gerichtet werden, ihre AnSIvanderungSlust zu bezähmen und den glänzenden Bildern, die gewissenlose Agenten von den hiesigen Verhältnissen entwerfen, keinen Glauben zu schenken._ poUtifcbe deberltcbt Berlin, den 21. Juli 1909. Wahlunterstütznngcn des Zentralverbandes dentscher Industrieller. Die rheinisch-westfälischen Großindustriellen haben wieder- holt angekündigt, daß sie, wenn die nationalliberale Partei nicht in allen den Arbeiterschutz betreffenden Fragen ihren Weisungen folge, ihr die bisher gezahlten UnterstützungSgelder entziehen und nach dem Vorbilde deS Bundes der Landwirte einen„Bund der Industriellen" gründen würden, der alle jene Neichstagskandidaten im Wahlkampf mit Geld und Agitation»- Mitteln unterstützen solle, die sich zur Abwehr der den Groß- industriellen nicht passenden sozialpolitischen Gesetze ver- pflichten. Bisher haben sich die Herren Großindustriellen mit der Drohung begnügt; jetzt machen sie aber den Ansang da- mit. ihr schönes Projekt wenigstens zum Teil zu verwirklichen. Wie die„Rh.-Westf. Ztg." meldet, hat der Zentralverband deutscher Industrieller an seine Mitglieder ein Rundschreiben über einen zu schaffenden Wahlfonds erlassen. In dem Hund- schreiben heißt es u. a.: Der Wahlfonds soll dazu dienen. ohne Ansehung der politischen Partei, der sie angehören, die- jenigen Wahlknndidaten zu unterstützen, von denen a n- aenomnien werden kann, daß sie in Wirt- s'ch a f t l i ch e n u n d sozialpolitischen, besonders in allen die Arbeiter betreffenden Fragen Ansichten vertreten. die nn t den Ä e- strebungen und Beschlüssen im Zentral- verbände übereinstimmen. Das Vorgehen bedeutet einen starken Druck auf�die Nationalliberalen; denn was ist diese Partei ohne die Sub- sidien der Großindustriellen!— Die Wirkung der neuen Steuern. Wie ist die durch die neue Tabaksteuer bedingte Erhöhung bei Zigarrenpreise durchzuführen? Mit dieser Frage beschäftigte sich vorgestern im jSitzungssaale der Berliner Handelskammer eine Konferenz der größeren Zigarrenhändler Grotz-BcrlinS. Vertreten waren 30 Firmen, sowie die Vorstände des Vereins aller Tabak- interessenten Deutschlands, des Deutschen ZigarrenhändlerbundeS, des Vereins deutscher Tabakfabrikanten und-Händler und des Hamburger Verbandes deutscher Zigarrenladen-Jnhaber, Zweigverein Berlin. Nach längerer Diskussion wurde einstimmig beschlossen, die durch die neue Steuer erfolgende Verteuerung durch eine Verschiebung der Preise auf die Käufer abzuwälzen. Danach wird sich die Preislage etwa wie folgt gestalten: die bisherige ö-Pfennig-Zigarre kostet vom 10. August ab 0 Pf., die O-Pf.-Zigarre 7 Pf., die 7-Pf.-Zigane 8—9 Pf., die 8-Pf.-Zigarre 10 Pf., die lO-Pf.-Zigarre 12. die 12-Pf.- Zigarre 15, die 15-Pf.-Zigarre 18 Pf. usw. Den Hausfrauen wird sich besonders die am I. August in Kraft tretende Zollerhöhung auf Kaffee und Tee fühlbar machen. Erhöhl wird der Zoll für Rohkaffee von 40 auf 00 M., für gebrannten Kaffee von 80 auf 85 M. und für Tee von 25 aus 100 M. pro Doppelzentner. Kaffee und Tee, die am 1. August sich im freien Verkehr befinden, unterliegen der Nachverzollung(Kaffee 20 M„ Tee 75 M. pro Doppelzentner). Kaffee und Teevorräte im Haushalt unter 10 Kilogramm sind von der Nachverzollung befreit. Bisher war eS eine Streitstage, wie roher und wie gebrannter Kaffee nachverzollt werden sollen. Jetzt ist sie, wie die Äerliuer „Kolonialwaren-Delikatcssen-Zeitung" meldet, dahin entschieden, daß die Nachverzollnug für gebrannten und ungebrannten Kaffee gleich- mäßig mit 20 M. per Doppelzentner, also mit 10 Pf. per Pfund vorgenommen werden wird.— Tie drohende Arbeitslosigkeit in der Tabakindustrie. Die vor kurzem in Berlin abgehaltene Hauptversammlung teS Deutschen Tabakvereins(hat sich auch mit den voraussichtlich infolg« der neuen Tabaksteuercrhöhung nötig werdenden Produktions- einfchränkungen und Arbeiterentlassungen beschäftigt. Die Lösung der Arbeiterfrage machte sich der Tabakverein sehr' leicht. ES wurde angeregt, im Notsalle nicht die Arbeits- zeit zu verkürzen, sondern d i e Z a h l d e r A r b eit c r zu verringern. Diese Forderung wurde damit motiviert, daß es im Interesse der Arbeiter vorzuziehen sei. den Beschäftigten den vollen Verdienst zu erhalten und die Arbeitslosen aus die Er!» schädigung durch die Reichskaffe anzuweisen, anstatt den Verdienst aller Arbeiter zu schmälern. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, man will den Bezirksvereinen die Entscheidung überlassen. Die 200 000 Tabakarbeiter und Hilfsarbeiter, die die Haupt- zeche bei dieser Steuer zu tragen haben, sind, wie übcr- Haupt in keinem Falle, auch bei dieser Frage von der Regierung nicht befragt worden. Die Arbeiter sind gan.z anderer Meinung, als die Fabrikanten, sie haben bei Einführung der Zigarettenbanderolesteuer überall, wo die Organisation!- Verhältnisse eS gestatteten, dahin gewirkt, daß nicht Arbeiter- entlassungen. sondern Beschränkung der Arbeitszeit für alle Bc- schästigten eintrat, eine Solidarität, die einzelne Fabrikanten be- wunderten, die aber nötig war. damit nicht nur einzelne die voll: Arbeitslosigkeit und den Hunger ganz zu ertrage» hatten. Ans diese Weise könnte wieder Verfahren werden. Die Reichskaffe müßte auch bei verkürzter Arbeitszeit„unterstützen". Die Berechtigung der Ansprüche müßte von den Fabrikanten ohne weiteres bescheinig: werden. Warum wollen nun die Tabakfabrikante» die Entlassung der Ueberzähligen? Doch wohl, um besser die Löhne drücken zu können und die unliebsamen Elemente, das sind die Organisierte». auf die Landstraße werfen zu können. Der Kapitalismus bleibt sich in allen Lagen gleich.—_ Aus der Hexenküche der Stenermacher. Unter dieser Ueberschrift schreibt die„Köln. Ztg.": „Einen bezeichnende» Beweis für die überstürzte Arbeit der konservativ-klerikalen Steuermacher liefert die tragikomische Geschichte der Termine sür daS Jnlraftlreten der neuen Steuern, namentlich der Steuer auf BeleuchtungSmittcl. Unmittelbar nach dem Ab- schluß des Werkes wiirde angegeben, die BeleuchtiingSstener trete ain 1. Oktober in Kraft. Einige Tage später wurde der 1. Angns: für daS Jnkrafttrelen dieser Steuer genannt. Wir haben diesc Meldung als zuverlässig weitergegeben, bemerkt die„Kölnische Zeitung", da man bis jetzt im Deutschen Reiche gewöhnt war, GcsetzeSangaben unbedingte Glaubwürdigkeit ziiznsprechen. Bon den verschiedensten Seiten liefen aber Anfragen über die Richtigkeit dieses Sleuertermins ein, insbesondere wurde darauf hingewiesen, daß die BeleuchtiingSmittelfabriten an amilicher Stelle die Auskunst erhalten hätten, die Steuer trete am 1. Oktober in Kraft.— Wir haben un5 inzwischen bemüht, diesen Zwiespalt der Auffassung z» klären, nnd können nun auf Grund amtlicher Auskunft mitteile», daß die Steuer erst vom 1. Oktober ab erhoben wirb. Die Fassung dcS Artikels 0 soll nämlich, wie es in der AiiSklinfi heißt, zu Mißdeutungen und zu der irrtiinilichen Annahme Anlaß gegeben haben, daß sie schon am 1. August in Kraft trete."— Ein Ausnnhmerecht gegen die Sozialdemokratie nennt auch die„Münch. Post" die Nichtbestätigung deS zum Bürgermeister von Lambrecht gewählten Genosseil B i t s ch. Unser Münchener Parteiorgan schreibt: „Diese Entscheidung entspricht dem System Brettreich, zu dem sich offenbar die ganze Regierung jetzt bekennt. Sie ist eine Halbheit und beschönigt diesen Mangel an Charakter durch eine Begründung, die ebenso unanständig wie jämmerlich genannt werden muß. Auf die Erfindung vom Unterschiede zwischen dem unabhängigen und braven Sozialdemokraten und dem„von seiner Partei abhängigen" bilden sich die Weisen der Regierung gewiß noch sehr viel ein. Sie übersehen dabei nur, daß sie n a ch w i e v o r c i n A u S n a h m e r e ch t gegen die Sozialdemokratie erlassen, denn nur sür diese gelten doch ihre Vorbedingungen. Die wirtschaftliche und parteipolitische Ab- hängigkeit eines Mitgliedes irgendeiner bürgerliche it Partei ist für die Regierung kein Grund zur Nichtbestätigung, te!c ja auch Set frühere Bürgermeister von Lambrecht ckn oon den Fabrikanten völlig abhängiger Färber meist er war.... Auch die Bestätigung des Adjunkten verwischt den üblen Gindnick dieser Entscheidung nicht. Nun weiß, zwar das Ministerium des Innern genau so gut wie alle anderen Ministerien es wissen, baß überall, wo Sozialdemokraten eine öffentliche Funktion auszuüben haben, auch nicht die geringsten Klagen aufgekommen sind. Nicht nur beim Gewerbegericht, sondern bei allen Institutionen der Rechtsprechung, bei allen öffentlichen VertretungSkörpcrn sind die Mitglieder der Sozialdemokratie als völlig unparteiisch und der Sache dienstbar erprobt worden. Weil aber die Staatsregierung das weiß, weil ihre Vertreter es wiederholt anerkannt haben, ist die B e° mäntelung ihres Mangels an Mut doppelt unanständig."_ Die„Gehaltszulagen" für die kleinen Beamten haben nach der Zuschrift eines Postschaffners eine putzige Wirkung. Er schreibt:„Wir werden schon seit Jahrzehnten mit 900 M. und 150 M. Teuerungszulage angestellt. Seit zwei Jahren bekommen wir dazu 100 M. außergewöhnliche Zulage, bis unsere Aufbesserung im Reichstage geregelt war, also zusammen 1150 M. Nach der„Aufbesserung" bekamen wir 1100 M., also 50 M. weniger." Bei den Gehaltszulagen für die kleinen Beamten, hat der Reichstag sehr geknausert. Der schwarzblaue Block ließ be° kanntlich die beabsichtigte Erhöhung von 1100 auf 1200 M. wieder fallen, sonst hätten die kleinen Beamten wenigstens » 50 M. Zulage zu verzeichnen gehabt. Die Postschaffner mögen sich also beim Block für diese„Zulagen" bedanken. Die„liberale Anslegung" des Vereinsgesetzes wird wieder mal beleuchtet durch ein Schreiben des Polizeipräsidenten von Köln. Der sozialdemokratische Verein m Kalk beabsichtigte ein Sommerfest zu feiern und wollte mit Musikbegleitung zu einem auf Kölner Gebiet liegenden Gartenlokale ziehen. Das Bürgermeisteramt Kalk genehmigte den„Aufzug" anstandslos; der Kölner Polizeipräsident aber versagte die Ge- nehmigung. trotzdem der Zug von der Kalker Grenze aus nur noch ein kleines Stück über die u n b e b a u t e Landstraße hatte. Er sagt in dem ablehnenden Bescheid, der Aufzug sei„zweifellos eine Kundgebung gegen die heutige staatliche und wirtschaftliche Ordnung", eine„Massendemonstration", bei der durch da?„Ausstoßen aufreizender Rufe", durch politische Lieder, Fahnen und Abzeichen„alle der Sozialdemokratie abgeneigten Kreise der Bevölkerung mit Unruhe und Er- bitterung erfüllt würden. Die aus diesen Gegensätzen sich er- gebende Spannung lasse die Entstehung von„Ausschreitungen bedenklich st er Art" besürchten. Trotz des neuen VereinSgesctzes die alte preußische P o l i z e i p r a x i S, die sich nicht scheut, zu der abgestandenen Phraseologie der schandgesetzlichcn Zeit zurückzugreifen. Das Jnter- esianteste an der ganzen Sache ist aber, daß durch die Abwickelung dcS Aufzuges auf Kalker Gebiet die ganze polizeipräsidiale„Be- gründung" Lügen gestraft worden ist. Es handelte sich um einen mehr als harmlosen, vergnüglichen Festzug von Männern, Frauen und Kindern, die, kaum 3iX) Personen stark, ohne Rufen, ohne Singen und ohne Fahnen �friedlich zum Festlokale zogen. An der Kölner Grenze wurde jedoch der Zug durch ein Kommando von Fuß- und berittenen Schutzleuten zum Auseinandergehen ge- ztvungen: ein echt preußisch-russischeS Kullurbild!— Leibhusaren als Aushilfskellner. Königlich preußische Soldaten scheinen zu allen Dingen, nicht nur zu Erniearbeiten, brauchbar zu sein. Dieser Tage streikten im Hotel Werninghoff in Z o p p o t die Kellner. Kurz vor dem Diner wurde der Ausstand proklamiert. Der Hotelbesitzer telegraphierte daraufhin an das Kasino der Leibhusarenbrigade in Lang- suhr„ von wo alsbald zur Aushilfe achtzehn Husaren nach Zoppot eintrafen, die in Uniform init langen Stieseln und Sporen die Bedicmmg der Gäste übernahmen. DaS ist denn doch ein geradezu grotesker Fall von militärischen Streikbrecherdiensten. Die Arniee ist doch nicht dazu da, die Unternehmer bei ihren Konflilien mit ihren Arbeitern mit Streikbrechern zu versorgen. Selbst von den Parteien des Schnapsblocks dürfte wenigstens das Zentrum Bedenken hegen, diese immer mehr um sich greisende militärische Praxis zu billigen! Das fehlt« noch, daß man erst das Proletarial mit nnerrrüglichen Steuern belastet, um den stetig wachsenden Ansprüchen des Militarismus genügen zu können, und dann den Militarismus dazu benutzt, die ausgepiünderten Arbeiter daran zu hindern, sich durch Erkämpfung eines höheren Lohnes einen Ausgleich für die Steuer- ausplünderung zu schaffen I—_ Ein Opfer des Militarismus. Einer Meldung aus Cleve zufolge ist daselbst vor einige» Tagen der Feldwebel Schröder von der 12. Kompagnie des 56. Jnfantörieregimeuts beerdigt worden, der Selbstmord b e- ging, weil er die ihm von seinem Hauptmannzu- gefügten Beleidigungen nicht habe ertragen können. Wie nunmehr gemeldet wird, ist der betreffende Haupt- mann beurlaubt worden. Die Beerdigung fand unter großer Teilnahme der Einwohnerschaft statt. Die Behörde hatte an- gesichts der Erbitterung, die sich iveitgehender Kreise bemächtigt hatte, den Friedhos abgesperrt. Englanck. Der Kampf um die Finanzreform. London, 20. Juli, Mitternacht. UnterbauS, Obgleich sich die Debatte über die F i n a n z v o r l a g e in der gestrigen Sitzung bis 6 Uhr früh hinzog, ist zu erwarten, daß sich die heutige Sitzung ebenfalls außerordentlich ausdehnt, da die Regierung angclündigt hat. daß sie entschlossen sei. die Artikel acht und neitn vor SitzlmgS- fchlnß zur Erledigung zu bringen.. Diese Artikel umfassen den Ab- schnitt des Gesetzes, der sich auf die Erhöhung der direkten Steuer bezieht. Von der Opposition wurde gegen dieses Vor- gehen der Regierung bei der Erledigung der Finanzvorlage nach- drücklicher Widerspruch erhoben. RiilZlÄnck. Harting als Baro» von Sternberg. AuS Petersburg wird uns geschrieben: Der Pariser Korrespondent der„Nowoje Wremja" weiß aus eigenen Erlebnissen die interessante Frage zu beanitvorten, wie der Baron von Stcrnberg, der jetzt als v. Harting eine Welt- berühmtheit geworden ist. seinerzeit den Händen der Polizei hat entkommen können. In Brüssel ivußte man nämlich Lenan, wer der Baran war", der in L ü t t i ch Bomben verteilt und mehrere Anschläge mit tödlichem AnSgang zur AuS- führung gebracht hatte; man hatte in Erfahrung gebracht, daß er mit einem gewissen Leonard in Korrespondenzwcchscl stand, daß dieser Leonard der Chef der geheimen russischen Polizei im Auslände war und daß der Baron sich feine Postsachen an die Adresse tue Grenelle 79, das heißt in das Gebäude der russischen Botschaft, hatte adressieren lassen. Der Staatsanwalt erklärte darum, daß der Prozeß, den die Bombcnattentate zur Folge hatten, nicht gegen das blinde ausführende Werkzeug, sondern gegen die russische Polizei gerichtet war. Der Baron von Ungern-Sternberg war unterdes der russischen Polizei„ausgeliefert".„In jenem Sommer", erzählt der genannte "Korrespondent,„fuhr ich nach Griechenland, wo sich unsere Eskadre unter Kommando des Admirals Avellan aufhielt. Da erzählte mir der Adjutant des Admirals, Graf Tolstoi, daß Avellan in Salonili vom dortigen russischen Konsul gebeten worden war, den politischen Häftling Ungern-Steniberg auf sein Schiff zur Ueberführung nach Rußland mitzunehmen. Der Admiral war nicht abgeneigt, diesem Wunsch nachzukommen, aber die Offiziere erklärten eindringlich, daß sie keine Neigung verspürten, ein russisches Kriegsschiff in ein Gefängnis zu verwandeln. Darauf faßte man den Entschluß, den unbequmen politischen Verbrecher auf ein Schiff der Freiwilligen Handelsflotte führen zu lasten. Die Ehre wurde den» Dampfer Tschichatschow zu teil. In Begleitung eines russischen Agenten wurde der augebliche Baron aufs Schiff trans- portiert und in der zweiten Klaffe untergebracht, während sein Be- gleiter einen Platz in der ersten erhielt. Kaum war das Schiff abgedampft, als der Verbrecher erklärte, daß«3 ihm langweilig fei, und die Zuweisung eines Platzes in der ersten Klasse forderte, um seinem überwachenden Agenten näher zu sein. Also geschah es auch. Zur Verwunderung aller Passagiere waren die Beziehungen zwischen dem Gefangenen und seinem Begleiter sehr freundschaftliche. Sie spazierten auf dem Verdeck zusammen herum, sie lachten laut und lustig, tranken Kognak und Champagner und hatten das Aussehen von zwei Freunden, die eine gemeinsame Vergnügungsreise nnteruahmen, und am wenigsten sahen sie einem Gefangenen und seinem Wächter ähnlich. Als sie nach Odessa kamen. übernahmen den Gefangenen Gendarmen. Nach einigen Tagen aber sah der Kapitän des Schiffes den„Baron" nebst seinem Begleiter auf der Terrasse eines Kaffeehauses. Sie delektierten sich an den« vor ihnen stehenden Bier und führten iviederum freund« schaftliche Gespräche miteinander. Was nun weiter geschah, ist klar. Also lüftet sich das Geheimnis auch von diesem unaufgeklärten Kapitel der Hartingaffäre._ Die Ermordung des Mörders von Herzeustein. Kurz vor der Prozeßverhaudlung. die sich in Finnland in den nächsten Tagen wieder einmal mit der Affäre Herzenstein zum so- undsovielten Male zu befassen haben wird, kommt daS in dieses Kapitel recht hineinpassende Gerücht, daß L a r i t s ch k i n, der Haupt- mörder HerzeusteinS, von seinen eigenen GesiunungS- genossen ermordet worden sei. Laritschkin hatte nämlich in der neuesten Zeit den Wunsch kundgegeben, sich dem finnischen Gericht zu stellen, und damit die schuldbeladenen Kreise des Ver- bandes des russischen Volkes in tiefste Aufregung versetzt. Die Eventualität neuer Enthüllungen verbreitete in ihrem Lager Schrecken und Verzweiflung. Seitdem ist Laritschkin verschwunden und niemand selbst im Lager der Verbändler glaubt mehr, daß er noch sam.Leben ist. 5)erNen. Einberufung des Parlaments. Köln, 21. Juli. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Teheran von heute telegraphiert: Ein Handschreiben des Schahs an den Regenten befiehlt die beschleunigte Einberufung des Ab- geordnete nhaufes und des Senats zur Beruhigung des Volkes.— Ein Erlaß des Ministers des Innern regelt die morgen stattfindenden Krönungsfeierlichkeiten. Ein anderer Erlaß verbietet daS Waffe»tragen. Das Ministerium ist endgültig gebildet. DaS Aeußere übernimmt N a S r e l M ü l k. Marokko. DaS spanische Volk gegen daS Abenteuer. San Sebastian, 21. Juli. Ans Madrid wird gemeldet, daß dort eine außerordentliche Erregung herrscht. Die allgemeine Meinung ist gegen Kriegsunter- nehmungen in Marokko. Es fanden lärmende Kund- gedungen gegen das Ministerium statt. Frauen drangen in den Südbahnhof ein, um die A b s a h r t d e r T? u p p e u z u v e r h i n d e r n. An mehreren Punkten kam es zu Zusammenstößen._ Das letzte Gefecht. Madrid, 21. Juli. Nach amtlichen Berichten aus Melilla war der gestrige Kampf äußerst" hartnäckig. In ununter- brochenen milden Angriffen versuchten die Mauren von 6 Uhr abends ab die Hauptstellung des Generals Marina zu nehmen. ES gelang ihnen auch, bis an die Minenbahn, loelche die Stellung mit dem spanischen Lagerplatz verbindet, durchzustoßen, doch wurden sie schließlich am frühen Morgen mit sehr großen Verlusten zurückgeschlagen. Auch auf seilen der Spanier sollen die Verluste recht erheblich sein._ Fortsetzung des Kampfes. Madrid, 21. Juli. Nach den neuesten amtlichen Meldungen aus Melilla dauert das Geschützfeuer von den von General Marina besetzten Höhen seit heute vormittag unaufhörlich fort. Die Mauren sollen ihre Taktik geändert haben und ver- suchen die Höhen von Alalyon zu umgehen und Melilla selbst direkt anzugreifen. Die erste Brigade der verstärkten Division in Madrid wird mobil gemacht. SiiäammKa. Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Buenos Aires, 21. Juli. Argentinien hat dem boli- vianifchen Gesandten, der Weisung erhalten hat, innerhalb 24: Stunden abzureisen, seine Pässe zugesandt. Die Regierung hat ferner ihren Gesandten in La Paz angewiesen, sofort nach Argentinien zurückzukehren. Der Abbruch der diplomatische» Beziehungen zu Bolivia ist verursacht worden durch die Weigerung Boliviens, den Schiedsspruch des argentinischen Präsidenten in dem Grenzstreit zwischen Bolivia und Peru anzuerkennen und dadurch, daß eS von Argentinien übel vermerkt worden ist. daß der bolivianische Präsident in Rundschreiben an die Präsektcn sich unfreundlich über Argentinien geäußert hat._ Soziales« Dreißig Pfennige Tagcslohu für eine» Handlungsgehülfen. Die schlechte soziale Lage der Versicherungsvertreter wird durch einen Fall illustriert, der dieser Tage das Berliner Kauf- mannsgerichi beschäftigte. Der HaudlungLgehülfe K. erhob gegen die V c r s i ch c r u n g s g e s e I l s ch a f l., W i l h e I m a" trttnge auf 100 M. Gehaltszahlung für einen Monat. Er bc- hanptet, daß ihn der Subdirektor B. mit diesem Gehalt engagiert hat. B. habe gesagt. � er solle nur sofort fleißig akquirieren, er werde schon dafür sorgen, daß die Direktion da? Engagement bestätige. Daraufhin sei er 14 Tage lang ntiermüdlich treppauf, treppav gelaufen und habe auch etntge Versicherungen abgeschlossen. Dann sei er-aber ohne weiteres grimd- las vor die Tür gesetzt worden, ohne daß man ihn für seine niühe- volle Arbeit entlohnte.— In der Verhandlung erklärte der als Zeuge erschienene Subdirektor B., daß er den Kläger weder an- gestellt habe noch berechtigt sei, fest anzustellen. Er habe mir versprochen, seine Anstellmig bei der Direktion zu befürworten. Bis zum definitiven Engagement sollte K. nur auf Provisiaii arbeiten, und für die zwei perfekten Abschlüsse wolle man ihm auch 4 M. geben. Da 93. bereit war. seine Aussage trotz lebhaften Widerspruchs des Klägers zu beschwören, so gab letzterer sich nnt 4 M. zufrieden, was einer Entlohnung von noch nicht dreißig Pfennigen pro Tag gleichkommt. Der Subdirektor erklärte noch, er kömie sich gar nicht irren, denn er verhandle in derselben Weise mit täglich zwölf bis sünfzehn Herren. Der Fall." daß stellungslosen und anstellungsuchenden HandlnngS- gehilfc» feste Anstellung in mehr oder weniger verklansulierter Form von Subdirektoren oder Generalagenten versprochen wird, die sich nachher hinter die ihnen übergeordnete Direktion verschanzen, kommt im Versicherungsfach so außerordentlich häufig vor. daß den Stellen- suchenden nur dringend geraten werden kann, ausschließlich schrist- l i ch e Verträge zu schließen._ Ei» Varietedirektor. Gegen den Direktor einer Variötsgesellschast, F u l d n e r, klagt« gestern die Soubrette Frau L. Sie will vom Beklagten für du Zeit vom 15. bis 25. Mai gegen 4 M. Gage pro Tag engagier! worden sein. Doch am 21. Mai wurde sie bereits entlassen. Sie fordert deshalb 16 M. Entschädigung. Der Beklagte bestritt, daß ei mit der Klägerin ein Engagement bis zum 25. Mai verabredet habe. Der Ehemann der Klägerin, der bei dem Engagement zugegen war. bekundete, daß der Beklagte die Klägerin bis zuin 25. Mai engagiert hat. Das Engagement sollte eventuell auch länger dauern. Ein Zeuge, den der Beklagte stellte, wollte wissen, daß mit der Klägerin tägliche Kündigung verembari worden sei. Als das von der Klägerin entschieden bestritten wurde, gab der Beklagte aus Befragen zu, daß die Bekundungen dcS Zeugen nicht zutreffend sind. Beklagter erachtete sich zur Entlassung der Klägerin für berechtigt, weil sie sich während der Arbeitszeit so ungebührlich betragen habe, daß sich die Gäste darüber anfhielten: sie ist während der Vorträge in der Nähe der Bühne sehr laut ge- Wesen. DaS Gewerbegericht unter Vorsitz deS Ma- gistratsassessors Dr. Lehmann verurteilte den Veklagteu, an die Klägerin die geforderte Entschädigung zu zahlen. In den Gründen hieß eS: Klägerin hat den Beweis erbracht, daß ein Engagement bis zum 25. Mai vereinbart war. Der� vom Be- klagten gellend gemachte Grund berechtigt zur Vertragslösung nicht, da in Singspielhallen erfahrungsgemäß die auftretenden Spielerinnen vom Publikum traktiert werden, wobei eS dann in der Regel'lant zugeht. DaS laute Benehmen der Klägerin gehört doch schließlich zum Geschäft und kann als bedeutende Störung desselben nicht in Frage kommen._ Vom Akkordlohn. Nach§ 124lz der Gewerbeordnung können die Arbeitgeber, wenn Gesellen oder Gehilfen die Arbeit rechtswidrig verlassen, als Eni- schädiguug für den Tag des Vertragsbuchs und jeden folgenden Tag der vertragsmäßigen oder gesetzlichen Arbeitszeit, höchstens aber sür eine Woche, den Betrag des ortsüblichen Tagclohnes forden». In diesem Falle ist der Nachweis des Schadens mcht erforderlich. Der für da? Tischlergewerbe bestehende Tarifvertrag sieht weder feste Stücklohnsätze vor, noch garantiert er den Arbeitern bei Akkordarbeit die vorgesehenen Minimalstundenlöhne. Dies benutzen die Arbeitgeber zur Herabdriickung der Löhne der Arbeiter. In den seltensten Fällen können die Arbeiter vor Beginn einer Arbeit mit Gewißheit erkennen, ob sie bei dem für die Arbeit festgesetzten Lohn auch zurecht kommen werden. Ist die Arbeit nun einmal angefangen und eS zeigt sich dann, daß der festgesetzte Akkordlohn viel zu niedrig bemessen ist, so müssen die Arbeiter dennoch die Arbeit fertig stellen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, an den Arbeitgeber noch bareö Geld als Entschädigung für begangenen Kontraktbruch zahlen zu müssen. Einige Beispiele aus den am Montag vor dem Jnnungsschieds- gericht verhandelten Prozessen mögen hier angeführt werden. Die Firma Haferkorn u. Co. klagte gegen den Tischler R. auf Zahlung von 17.40 M. wegen KontraktbruchS. Der Beklagte sollte eine Arbeit im Akkordlohn ausführen. Beim weiteren Fort- schreiten der Arbeit erkannte er, daß er bei angestrengter Arbeits- leistung höchstens 45 Pf. die Stunde verdienen würde. Eine Vesser- stellung des Lohnsatzes war von der Firma nicht zu erreichen, der Arbeiter nahni deshalb seine Entlassung. Das Schiedsgericht verurteilte ihn. Am 10. Juli stellten zwei Tischler bei der Firma Lennig u. I a tz k Y die Arbeit ein, weil sie am Lohntage anstatt wie bisher 27 M. nur 15 M. Kostgeld erhielten. Sie klagten ans Zablnng der restlichen 12 M. Die Firma forderte von jedem 17,40 M. wegen KontraktbruchS. Die Kläger wurden mit ihrem Anspruch ab- gewiesen, weil sie selbst zugaben, daß ihnen ein Kostgeld in Höhe von 27 M. nicht garantiert war. Nach Ansicht des Schiedsgerichts haben sie darauf nur Anspruch, wenn auch die Arhrir dementsprechend vorgeschritten ist. Infolgedessen stelle auch ihr Verlassen der Arbeit einen Kontraktbruch dar; sie wurden ver- urteilt an die Firma die geforderten Entschädigungssummen zu zahlen. Beim Tischlermeister A. PeterS legten am 10. Juli zwei Tischler die Arbeit nieder. Bisher erhielten sie im Zeitlolm 35 Mark für die Wowe. Die letzte Woche hatten sie aber Arbeiten im Akkordlohn auszuführen; sie erhielten nur 27 M. Kostgeld. Ihr K l a g e a n s p r u ch auf Nachzahlung der 8 M. wurde abgelviese n. Gegenklage war nicht erhoben worden. Der Bautischlermeister A. Bünger hatte zwei Ge- sellen am 10. Juli entlassen, weil er mit ihnen über den Stücklohn nicht einig wurde. Die Gesellen klagten nun auf Zahlung des AkkordresleS. Die Arbeit war hier vorbehaltlich der weiteren Wer- cinbarmig in Angriff genommen worden. Nach der Ansicht des Vor- sitzenden hätten beide Parteien die Schlichtungskommijsion um Fest- setzung deS Lohnes angehen müssen. Da auch jetzt noch der Lohn- satz strittig ist, will das Schiedsgericht eine Auskunft der Schlichtungskommission einfordern. Die Verhandlung wurde deshalb verlagt._ Hiitekiudcr» Den Agrariern gilt der Mensch, der nichts besitzt, oder nichts oder weniger als 20 000 M. ererbt hat, nicht"als ein Wesen, dessen geistige und körperliche Fähigkeiten auszubilden Pflicht der Gesellschaft ist, sondern lediglich als Arbeitsvieh. Bildung für Kinder des Volks erscheint ihnen schädlich. Die Kinder sollen lediglich zu willigen und billigen Arbeitskräften aufgezogen werden. Deshalb rauben sie ihnen selbst die Möglichkeit einer Erziehung. Die zarten Kinder, deren körperliche und geistige Pflege erste Pflicht jedes gesitteten Gemeinwesens sein sollte, werden als Arbeitssklaven verdungen, die ugend ihnen geraubt. Massenhaft werden jetzt wieder schulpflichtige inder als Hütelindcr verdungen. So verließen allein daS hinter- pominersche Städtchen Rügeniualde 64 Kinder als Hütclinder. Der Verdienst dieser armen Kinder stellt sich für den Sommer auf 26 bis 30 M. und außerdem erhalten sie einige Zentner Kartoffeln. Arme Eltern, die ihr Kind einen Tag der Schule fernhalten, werden wegen Schulvcrsümnnis bestraft. Die Hütetinder werden aber ohne Bestrafung der Agrarier, die die Kinder der Erziehung entziehen, in so arger Weise ausgebeutet. Perfügte doch die Iiegie-" rung in Gumbinnen, daß Hütescheine an Kiuder bedürftiger Eltern verteilt werden können. Bor sechs Jahren hat der Reichstag den Reichskanzler auf- gefordert, das Kind in ähnlicher Weise vor Ausnutzung durch Icuidr wirtschaftliche Arbeit zu schützen, wie eS daS Gesetz über" die Bc� schäftigung von Kindern in gewerblichen Betrieben anbahnt. Wich der neue Reichskanzler solche,» Verlangen gegenüber ebenso taul, bleiben wie der durch die Junker fortgejagte Kanzler?;: GeieperklckaMicbes. Berlin und Qmgezend. Moderner Sklavenhandel und-Transport. Die Srreikbrecheragenten in Deutschland haben unzweifel- �aft den Sklavenhaltern manchen Geschäftskniff trefflich ab- zeguckt. Die von ihnen angeworbenen weißen Arbeitssklaven werden verladen und verschickt, ohne eigentlich recht zu wissen, wohin sie kommen, zu welchen Arbeiten sie verwendet werden sollen und welchen Lohn sie erhalten. Den Beweis dafür bietet uns die Schilderung einiger Arbeiter über ihre von Streikbrecheragenten geschehene Anwerbung, ihren Transport and schließlich ihre Verwendung als Streikbrecher. Auf dem Rhein streiken die Maschinisten und Heizer. Agenten suchen nun Arbeiter nach dort als Streikbrecher zu entsenden. Wie sie dies machen, geht aus folgender Schil- derung einiger als Arbeitswillige verschickter Arbeiter hervor: „Wir lvurden am Mittwoch, den 14. Juli, tum dem Agenten H e ß b e r g bezw. dessen Stellvertreter Delfing in Essen a. Ruhr als Arbeiter angeworben. Es wurde uns von den Agenten gesagt, daß wir Montagezivecke, Hochbau, Eisenkonstruktiou ausführen sollten. Wir mußten dann in Essen im Bureau des Agenten Delfing, Parallelstraße 8, unsere Legiliniationspapiere ab- gebe». Um 6 Uhr 18 Minuten Mittwoch abends wurden wir in Essen auf die Eisenbahn gebracht; das Reiseziel wurde uns der- schlviegcn. ES wurde uns nur die Andeutung gemacht, daß die Reise.nach der Schweiz zu" geht. In Worms wurden wir in einen anderen Zug geschafft und ging die Reise direkt nach Straßburg zu. Unterwegs, in Winden, mußten einige von uns umsteigen nach Maximitiansau. Dort wurden wir dann auf ein Boot gebracht, um als Heizer Dienste zu tun. Dieses Boot hatte den Namen„Colonia 7". Die anderen wurden nach Markelsheim (Elsaß) befördert und von dort nach Sasbach auf das Boot „Colonia 8" gebracht.— In Essen wurden uns 6 M. als wahr- scheinlicher Tagelohn und je 1 M. für die Ueberstunde versprochen. Als wir an Bord kamen, frngen wir, was es für Lohn gibt. Darauf wurde uns die Antwort, daß eS 26 M. und 2 M. Zulage pro Woche gibt. Davon müßten wir uns selbst beköstigen. Für diese Lohnbedingungen wollten wir jedoch nicht arbeiten. Die auf .Colonia 8" Gebrachten stellten darauf an den Agenten Werner von der„Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft" in Köln, dem das Boot„Colonia 3" gehört, die Forderung auf Ausfertigung eines Kontraktes mit höherem Lohn. Das geschah denn auch. DieArbeit war uns jedoch zu schwer. Wir waren nicht in der Lage, diese schwere Arbeit dauernd zu verrichten.— Wir von„Colonia 7" unterzogen unö der uns gegen unseren Willen zugemuteten Arbeit. Wir er- hielten aber nur den Lohn von 26 M. pro Woche. Wenn wir in Esicn gewußt hätten, daß wir solche schwere Arbeit verrichten sollten, dann wären wir nicht auf das Ansinnen der Agenten Heß- berg und Delfing eingegangen. Nur durch Verschweigen des wahren Sachverhalts seitens der Agenten Heßberg und Delfing ließen wir uns bestimmen, von Essen wegzufahren." Wenn den skrupellosen Stellenvermittlern und Agenten, die besonders im Gastwirtsgewerbe ihr unheilvolles Wesen treiben, erst einmal durch den Gesetzgeber das unsaubere Hand- werk gelegt würde, werden diese souderbaren Philantropen von Streikbrecheragenten auch ihre Geschäfte schließen müssen. veutkcbes Reich. Die Photographen werden lebendig i Zu den Arbeitern, auf denen die kämpfehindernde Last des so- genannten Knnstgewerblertums ruht, gehören auch die Photographen. Sie müssen wie die proletarischsten Schichten unorganisierter Arbeiter mit den niedrigsten Löhnen zufrieden sein, sie müssen mit der längsten und unbeschränktesten Arbeitszeit, die sogar den Sonntag zu den Arbeitstagen rechnet, vorlieb nehmen. Dazu kommt noch der Arbeitskräfte ausbeutende Kleinbetrieb, der unglaublichste Lohndruck durch weibliche Arbeitskräfte, kurz alle Zeichen unmodernster Arbeitsverhältnisse. Zurzeit findet in Dresden eine inter- nationale photographische Ausstellung statt. Auf dem vor einigen Tagen stattgefundenen Photographentag. der ebenfalls international war, hat man es fertig gebracht, nur über fachtechnische Fragen zu diskutieren. Wirtschaftliche Probleme zu diskutieren, wurde strikt verhindert. Weiter tagt in Dresden auch der Zentralverband deutscher Photographenvereine. Hier, wo die Unternehmer beisammen sind, wird es an Diskussionen über Fragen wirtschaftlicher Natur sicher nicht fehlen. Das Resultat wird aller Wahrscheinlichkeit ein festgefügter Iliiternehmerverband sein. Jetzt werden nun auch die Photographen- Gehilfen lebendig, sie wollen auch zusammen kommen, um sich über ihre Berufslage und über die Mittel zur Verbesserung zu unterhalten; dringend noiwendig ist es. Damit dort, wo die Leistungen der photographischen Industrie ausgestellt sind, dort, wo gezeigt wird, was in der photographischen Technik heute alles geleistet wird, auch die Träger dieser Arbeit zu Worte kommen, die Träger, deren An- erkennmig ja ausdrücklich durch die Ausstellungsleitung abgelehnt worden ist. Aus allen diesen Gründen ist für den 1. und 2. August eine allgemeine Photographengehilfen- Konferenz nach Dresden einberufen worden. Die Zusammenkunft soll nicht nur eine Aussprache für die organisierten Kollegen sein. Die ein- berufende Kommission, die aus zwei organisierten und einem un> organisierten Photographen besteht, betont ausdrücklich. daß die Delegierten in ganz Deutschland bezirksweise in öffentlichen Photogrophengehilfen-Versammluiigen gewählt werden sollen. ES soll. dadurch unbedingte Parität geschaffen werden, um eine wirklich auSgiebige Diskussion unter allen Gehilfen der Photographie zu ermöglichen. Auf der Tagesordnung steht außer einem Vortrage über die Internationale photographische Ausstellung in Dresden und ihren künstlerischen und wirtschaftlichen Wert für die Kollegenschaft, Berichte über die Lage in den einzelnen Bezirken. Dann soll debattiert werden, wie die Gehilfenschaft sich gegen den Niedergang im photographischen Gewerbe schützen kann und wie eine wirkliche und tatsächliche Sonntagsruhe durchzuführen ist. Anträge, die aus einzelnen Städten oder Bezirken, aus öffentlichen Photographen- gehilfen-Versammlungen kommen, sollen ebenfalls mitberaten werden. Die Photographen werden also lebendig. Jetzt heißt eS, an die Arbeit zu gehen und dafür zu sorgen, daß jeder Photograpben- gehilfe im Deutschen Reiche aufmerksam darauf gemacht wird, daß in Dresden Fragen behandelt werden, die für ihn von der ein- schneidendsten Wichtigkeit sind. Die organisierten Photographen werden sich selbstverständlich auch alle Mühe geben, ihre Meinung mit zum Ausdruck zu bringen._ Eine wahrhaft staatserhaltende Tat verbrachte Sonntagabend in Rathenow der dortige zweite Bürger. meister Koblanck. Ein österreichischer Tischler, der während des Tischlerstreiks in Rathenow Arbeitswilligendienste leistet, kehrte von einer Fahrt nach Berlin zurück. Um sich den Vorstellungen der in der Nähe des Bahnhofes aufgestellten Streikposten zu ent- ziehen, wandte er sich an den im Wartesaal 2. Klasse anwesenden Polizeikommissar um Schutz. Der wollte aber gerade verreisen und verwies ihn an den zufällig anwesenden zweiten Bürger- meister. Nachdem des letzteren Bemühungen um eine Droschke vergeblich waren, wanderten Bürgermeister und Arbeitswilliger zu Fuß nach dem Polizeibureau. Hier wurde schleunigst ein Polizei- sergeant requiriert, der das„nützliche Element" unversehrt an den betreffenden Unternehmer ablieferte. Wäre der Ausländer em Streikender gewesen, so hatte man sich jedenfalls nicht soviel Umstände mit ihm gemacht._ Die S perre über das Eisen- und Stahlwerl Hösch in Dortmund, die vor etwa zehn Wochen von verschiedenen Organisationen verhängt ivurde, ist jetzt aufgehoben worden, weil die Behandlung der organi- sierten Arbeiter auf dem Werke eine weit bessere geworden ist. Da» Werk gab serner die Erklärung ab, daß in Zukunft die organisierten Arbeiter genau die Behandlung erfahren sollen, wie die un- organisierten. Gelbe Organisationen für Krankenkassenangestellte wuchern auch in Baden empor. Zu«onntag, den 18. dieses Monats, war nach Karlsruhe eine„Zusammenkunft von Krankenkassenangestellten des Großherzogtums Baden" einberufen worden. Aus der Ver- schickung der Einladung nur an einzelne Krankenkassen, noch mehr aber aus der F o r m der Einladung war gar bald zu erkennen, um was es sich handle. Es hieß in dieser Einladung: „Nur solche Beamte von badischen Kassen können Mitglieder in dem neuen Landesverband werden, die sich auf den Boden der Reichsversicherungsordnung stellen und deren Gesinnung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung nicht entgegen steht." Als die Zusammenkunft im RathauSsaal in Karlsruhe er- öffnet wurde, zeigte es sich, daß nicht alle Anwesenden mit einer Einladung bedacht worden waren. Einige Pforzheimer Vertreter des schon bestehenden Verbandes hatten sich eingefunden. Sofort war das Signal zur Ausweisung gegeben. Die braven Leute mit der staatserhaltenden Gesinnung wollten unter sich sein. Obwohl drei Angestellte von Karlsruher und Mannheimer Krankenkassen sich für die Zulassung der Nichteingeladenen aussprachen, beschloß man trotzdem ihre Entfernung. Daraufhin verließen auch die er- wähnten drei Angestellten(ihnen war eine Einladung zugegangen, da man gute Gesinnung bei ihnen jedenfalls voraussetzte)' den Saal. Die Organisation der gelben Krankenkassenbeamten Badens wurde daraufhin gegründet. Hiisland. Der Streik der Arbeiter am Bruggwaldtunuel hat nach mehr- iägiger Dauer und infolge des Eingreifens der Regierung in St. Gallen mit einem schönen, wenn auch nicht vollen Erfolge der Arbeiter geendet. Die Arbeitszeit beträgt demnach 16 Stunden außerhalb des Tunnels, 8 Stunden im Tunnel und 4 Stunden für die Arbeiter bei der Bergung der Leichen, der Lohnabzug für Kranken- und Unfallversicherung 4 Proz., bei Unfall wird der volle Lohn ausbezahlt, die Lohnkaution umfaßt 4 Tagelöhne, der Bezug der Lebensmittel ist freigegeben, Unterlassung jeder Maß- regelung und Wiedereinstellung zweier entlassener Arbeiter. Die Löhne sind so festgesetzt: Im Tunnel Maurer 6 Fr., Mineure I. Kl. 5,ö0 Fr., II. Kl. 5,30 Fr.. Handlanger 4,50 Fr.. Pflasterbuben 3,70 Fr.; außer dem Tunnel: Maurer 5.30 Fr.. Zimmerer 5,80 Fr., Mineure 4,80 Fr., Handlanger 4,30 Fr., Pflasterbuben 3,50 Fr., Maschinisten I. Kl. 7,50 Fr.. Maschinisten II. Kl. 6 Fr., Heizer 5 Fr., alles Minimallöhne, die aber viele Arbeiter nicht befriedigten. Die Mehrheit stimmte aber schließlich doch trotz anarcho-syudikalistischer Umtriebe den Veränderungen zu und wird nun wieder gearbeitet. DieBerlin-Anhaltische Maschinenfabrik hat den streikenden Arbeitern in St. Gallen Stundenlöhne von 65 bis 70 CtS. für gelernte Arbeiter, 50 bis 55 Cts. für Handlanger und Entschädigung der Regentage zugestanden, worauf die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Konflikt beendet. Frankfurt a. M., 21. Juli. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus New Dork meldet, ist der Ausstand bei den Standard Steel- werken in Lyndora(Pennsylvauien) durch ein Schiedsgericht beigelegt worden. Hus Indiiftnc und ftandel* Die Große Berliner Straßenbahn. Die Gesellschaft muß eine rückläufige Bewegung bei den Betriebs- einnahmen konstatieren, während der Kurs ihrer Aktien fortwährend steigt und jetzt 183,50 notiert. Die Magdeburger und Posener Straßenbahnen zahlen'/« Proz. Dividende mehr als die„Große". ihre Aktien aber stehen zirka 20 Proz. niedriger im Kurs. Den KurStreibern der„Großen" ist natürlich die sinkende Einnahmeziffer recht unbequem und wurde daher in die Tagespresse eine Notiz lanciert, die den ungünstigen Eindruck verwischen soll. In dieser Notiz wird gesagt: „Wie wir von zuständiger Seite hören, haben sich im ersten Semester die Ausgaben im Verhältnis zu den Einnahmen recht günstig gestaltet dank verschiedener Matznahmen. die Er- sparnisse im Betriebe erbracht haben, ohne das Publikum oder die Angestellten zu belasten. Was die Einnahmen anlangt, so sind sie bekanntlich im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr ungünstig gewesen, weil einmal die Geschäftslage Anfang 1908 noch besser war und der Boykott des Omnibusses der Gesellschaft viele Fahrgäste zuführte. ES ist deshalb anzuuehmen, daß im kommenden Semester das Minus gegenüber dem Vor- jähre verschwinden wird, da dann die VcrgleichSziffern aus 1908 nicht mehr so hoch sein werden. Uebrigens möchten wir noch darauf aufmerksam machen, daß in diesem Jahre die Aus- faben für die Kosten des Schiedsgerichts fort- allen." Der Einnahmeverlust soll also durch Ersparnisse wettgemacht worden sein; ob das richtig ist, wissen wir nicht. Wir glauben aber, daß das Steigen der Unglücksfälle und Karambolagen eine Folge des Sparsystems ist. Die Gesellschaft hat im Mai d. I. gegen das Vorjahr 825 405 Personen weniger befördert, und trotzdem Kurssteigerung I Da scheinen Interessenten an der Arbeit zu sein. Vielleicht denkt man mit den hohen Kursen die Behörden in der Angelegenheit de» schwebenden Ergänzungsverfahrens zu imponieren. Und man erfreut sich auch an einflußreicher Stelle gewisser Sympathie. Wurde doch kürzlich dem Vertreter einer Vorort- gemeinde, die in Eigenregie ein Verkehrsmittel einzurichten und zu unterhalten in Aussicht genommen hatte, vom Dezernenten des Berliner Polizeipräsidiums kategorisch erklärt, für die geplante Ver- bindung könne auf eine Konzessionierung bis zum Alexanderplatz, aber nicht darüber hinaus, über die König- und Leipziger- straße bis zum Potsdamer Platz, gerechnet werden. Gleich- zeitig wurde der„gute Rat" erteilt, die Gemeinde solle sich doch lieber mit der in Betracht kommenden Gesellschaft wegen Einrichtung des gewünschten Verkehrsmittels in Verbindung setzen. Im Berliner Polizeipräsidium scheint man von den Plänen und Zielen der„Großen" keine Ahnung zu haben, andernfalls könnte der gute Rat als Versuch aufgefaßt werden, den Absichten der Ge- sellschaft, der Stadt Berlin und den Bororten ein nahezu wert- loses Verkehrsmittel zu hohem Preise„freundlich" zu überlassen. nachdrückliche Förderung angedeihen zu lassen. ES ist natürlich nicht Aufgabe der Polizei, den Kommunen den Kampf gegen die„Große" ganz unnötigerweise zu erschweren. Daß diese auS jeder Blume Honig zu saugen weiß, erkennt man an dem Hinweis auf die aus- fallenden Schiedsgerichtskosten. Das Schiedsgericht in dem Streit mit der Stadt Berlin hat feiner Zeit das Streitobjekt sehr hoch fest- gesetzt. Beide Parteien waren je zur Hälfte zur Tragung der Koste» verurteilt. Die„Große" hat ihren Anteil so- fort bezahlt. Ihr gefiel das Urteil ja auch sehr gut, die Stadtgemeinde aber erhob gegen die Festsetzung der Werthöhe des Streitobjekts Widerspruch, und zwar mit Erfolg. Der Wert des Objekts ist wesentlich herabgesetzt worden. Die„Große" wird den zuviel gezahlten Anteil zurückerhalten. Gilt daS etwa als eine die KurSgestaltnng rechtfertigende finanzielle Entlvickclung? Im Interesse der Verkehrssicherheit sollte die Polizei sich übrigens einmal sehr eingehend mit den neuen Spareinrichtungen der„Großen" be- schästigen. Grundstücke Hektar 52 960 6131 57 933 6652 — 90Z6 Der Tabakbau in Baden. Nach der soeben erschienenen amtlichen Statistik für das Ernte» jähr 1907/08 erfuhr der Tabakbau Badens gegenüber 1906 eine ziemlich kräftige Ausdehnung, wie diese Zahlen ergeben: Tabakpflanzer S 1906..... 32187 1907..... 34 486 1897(Höchststand) 46 264 Der Durchschnitt der bebauten Fläche betrug zuletzt pro Pflanzer 19 Ar. Folgende Angaben illustrieren die Größenklassen der Anpflanzungen: Ar Pflanzer Ar Pflanzer bis zu 1.. 97 10— 25... 16752 1— 5.. 1456 25—100... 6940 5—10.. 8994 darüber... 247 ES herrscht also der Kleinbetrieb im badischen Tabakbau vor. Der Hektar Baufläche lieferte durchschnittlich 2159 Kilo- gramm dachreifen trockenen Tabak(gegen 2201 im Jahre 1906). Tie Gesamternte stellt sich auf 143 653 Doppelzentner(Jahrzehnt- durchschnitt 152 487 Doppelzentner). Bei einem Mittelpreis von 97,88 M. pro Doppelzentner<86.38 M. im Jahrzehntdurchschnitt) stellt sich der Gesomterlös auf 14 060 817 M. Baden steht in der Tabakprodukiion an erster Stelle im Reich; eS leistet die Hälfte der Gesamtproduktion(283 393 Doppcl- zentner) und erzielte im Berichtsjahre bei einem den Reichs- durchschnittspreis um 4,21 M. übertreffenden Marktpreis mehr als die Hälfte des Gesamterlöses(über 27 Millionen Mark) der deutschen Ernte und einen um 287 Kilogramm höheren Hektarertrag als den Reichsdurchschnitt. Zweifünftel(43 Proz.) der mit Tabak bepflanzten Reichsfläche(15 404 Hektar) entfielen auf Baden, aber nur 36 Proz. der deutschen Pflanzerzahl(96 868). Die größte Flächenbebauung ist in den Steuerbezirken Offenburg, Emmendingen und Mannheim (944— 940— 890 Hektar), die wichtigsten Ernten mit 2,5— 1,2 Millionen Mark erzielten die Bezirke Achern, Lahr, Mannheim, Karlsruhe und Offenburg._ Ein Notschrei. In einer der„Kolonialwaren- und Delikateffenzeitung" ziige- gangenen Zuschrift heißt es u. a.: „Die schamlose Art und Weise, wie man nun von neuem und in verstärktem Maße die Spiritus verarbeitenden Industrien aus- plündern will mit Hülfe des in zweiter Lesung angenommenen Branntweinsteuergesctzes, ist unerhört. Sämtliche Spiritus verarbeitenden Industrien, insbesondere das DestillationSgewerbe, leiden, verkümmern und verannen seit etwa zehn Jahren unter dem Drucke der Spirituszentrale. Dieser Spiritustrust konnte nur durch das ungerechte. einseitig nur die Großbrennereien allein begünstigende Gesetz von 1837 entstehen, das den Besitzern von landwirtschaftlichen Großbrennereien große Gewalt in die Hände gab. Nach dem Tode des großen Kanzlers genügte den Besitzern der Großbrennereien di« so- genannte Liebesgabe nicht mehr. Die Macht, die ihnen das Gretz von 1887 verlieh, wurde nunmehr mißbraucht und dieser Spiritus» trust gebildet, welcher nun seit fast zehn Jahren herz-, Mitleid- und erbarmungslos alle Spiritus verarbeitenden Industrien knechtet und auszieht, so daß schon sehr, sehr viele Existenzen bezw. achtbare Familien zugrunde gerichtet worden sind und sehr viele nahe daran sind, der vollständigen Verarmung zu verfallen. Alle Spiritus-Jnteressenten haben seit Jahren gehofft, daß ein neues Branntweinsteuergesetz diese gefährliche Macht brechen und Abhilfe und Erlösung auS dieser entwürdigenden Knechtschaft bringen würde, doch vergebens, wie die letzten Reichstagsbeschlüffe beweisen. Der Unwille gegen die herrschenden Parteien ist im Volle groß. Hiermit aber sollte die Regierung rechnen. Jetzt ist eS noch Zeit dazu. Es kann aber sehr bald die Unzuftiedenheit im ganzen Volke ins Ungeheure steigen, deren Tragweite im voraus nicht zu über- sehen ist." Wenn schon die Destillateure zu solcher Klage und Empörung über die junkerlich- klerikale Plünderpolitik glauben berechtigten Anlaß zu haben, wie müßte da die in viel schamloserer Weise aus- gewucherte Arbeiterschaft in tiefgreifendem Zorn gegen die moderne Wegelagerei aufbegehren. Sie muß den festen, unbeugsamen Willen. die rücksichtslose Entschlossenheit auslösen, endlich mit der Herrschaft der volksverräterischen Kliquen aufzuräumen. Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Eisenbahngemein- schaft haben im Juni d. I. im Personenverkehr 1,4 Millionen Mark— 2,51 Proz. weniger, im Güterverkehr 7,1 Millionen Mark— 7,53 Proz. mehr, insgesamt einschließlich der sonstigen Ein- nahmen 5,1 Mill. Mark— 3,21 Proz. mehr als im gleichen Monat des Vorjahres betragen. Der Juni hatte in diesem Jahre einen Werltag mehr und einen Feiertag weniger als im Vorjahre. Letzte JVacbricbtcn und Depcfcbcn. Selbstbeweihräucherung. Norderney, 21. Juli.(W. T. B.) Fürst Bülow wurde bei seiner Ankunft in Norderney von über 10 000 Menschen enthusi- astisch begrüßt. Auf die Begrüßungsrede des Bürgermeisters, der lebhafte Sympathie für den Fürsten und schmerzliches Bedauern über seinen Rücktritt aussprach, erwiderte der Fürst, er sei auch diesmal mit seiner Frau gern nach dem ihm seit vielen Jahren lieb gewordenen Norderney gekommen. Dann fuhr er etwa fort:„Ich beziehe Ihre Kundgebung nicht auf mich, sondern auf den nationalen Gedanken, dem ich nach bestem Wissen und Gewissen gedient habe. Der nationale Gedanke verkörpert sich für uns in dem Hause der Hohenzollern, das dem deutschen Volke die Wege gewiesen hat vom Großen Kurfürsten bis zum großen König, unter dessen Szepter ja auch Norderney gestanden hat, und von dem großen König bis zu unserem guten alten Kaiser. Im Dienste des na- tionalen Gedankens steht auch unser jetzt regierender Kaiser mit seinem edlen Herzen, seinem auf das Beste gerichteten Willen. Solange Kaiser und Nation einig sind, können w i r getrost in die Zukunft blicken. Wenn mir anläßlich meines Rücktrittes von Ihnen, wie von vielen anderen, ein wohlwollendes Abgangszeugnis ausgestellt worden ist, so glaube ich dies darauf zurückführen zu dürfen, daß Sie fühlen, wie ich nie einen anderen Leitstern gc- kannt habe, als das Wohl des Landes, das Staatswohl und daö Wohl der Dynastie, die unauflöslich miteinander verknüpft sind. Denn die Zukunft des deutschen Volkes ruht auf den Schultern des Hauses der Hohenzollern, und was nützlich und notwendig ist für die Nation, das wird auch immer dem wahren Wohle der Krone frommen. Unser Kaiser und unser liebes Vaterland leben hoch!" Wie's scheint, kann der Lehrer Hammann nun vom Schüler Bülow lernen, wie man für ihn Reklame macht. Revolutionär— Polizeichef. Petersburg, 21. Juli.(W. T. B.) Der neue Polizeichef in Teheran Jefrenn ist ein ehemaliger russischer Revolutionär, welcher sich im Jahre 1907 an der Revolution beteiligt und die Tifliser Polizeimiliz befehligt hat. Der Artilleriekommandant der persischen Revolutionäre soll ein ehemaliger Matrose vom russischen Kriegsschiff„Potemkin" sein. Ein Stadtteil unter Wasser. New Jork, 21. Juli.(W. T. B.) In Galveston in Texas hat ein schwerer Orkan gewütet; der westliche Teil der Stadt steht sieben Fuß unter Wasser. urde, ist jetzt aufgehoben worden, weil dl« Behanotung oer orgam- icyaiugen.___ t»eoen �ug unier«vager._ Persniw' Nedgkt.: Wilhelm Düwell, Lichtenberg. Anträte.vKrgnt!v,i>z,Gl»Sr. Berlin. Druck u.Berl<-g:PorwgrtsBuchdr.U.BLrlS2?gnM» PMlSingerLcCp,.BerlinL.W. KierznZLtil»«««.VMeMltungSbÜ' Nr. 168. 26. Jahrgang. 1. Irilut des JntiMrts" Donnerstllg, 22.|iilil909. „Doppelte Moral." In ist gestrigen Verhandlung in München in dem Prozeß gegen Peter Ganter schilderte Oberpostrat Bauer eingehend die Verhandlungen des Verkehrsministeriums mit Ganter und dessen Rechtsanwalt Mauermeier. Letzterer sei Anfang Dezember im Auftrage Ganters in das Verlehrsministerium gekommen und sagte, es handle sich um die Versendung von Reklamckarten nach verschiedenen Orten. Er wollte wissen, ob es zulässig ist. diese in Kisten zu versenden. Bei dieser Gelegenheit sagte mir Rechts- anwalt Mauermeier, es handle sich um eine Art amerika- nische Reklame. Ich bedeutete ihm, daß bei der bayerischen Post eine Bestimmung bestehe, wonach die Briefe einen Vermerk tragen müssen, aus welchem Orte die Briefe stammen. Die Reichs- Postverwaltung habe keine besonderen Bestimmungen hierüber er- lassen. Am anderen Tage kam dann Herr Ganter selbst. Er sagte, sein ganzes Vermögen stehe auf dem Spiele. Er habe all sein Geld in die Sache hereingesteckt. Er habe Hunderttausende Mark in die ganze Sache hineingesteckt, er sei verloren, wenn es nicht möglich wäre, die Briefe an einem Tage, und zwar als Ortsbriefe gleich- zeitig aufzugeben. Wir haben vom Amt aus, von der Ober- postdirektwn� ein Telegramm an die Reichspostvcrwaltung aufge- geben, des Inhalts, daß eine hiesige Verlagsanstalt an einem bc- stimmten Tage 350 000 Reklamebriefe aufgeben werde und Wert darauf lege, daß von dem in der bayerischen Postordnung vorge- schriebenen Vermerk der Angabe des Aufgabeortes abgesehen werde. Ganter wurde bei dieser Gelegenheit auch gefragt, was für eine Reklame das eigentlich sei. Ganter sagte, es handle sich um eine Reklame für einen politischen Roman, der von einer norddeutschen Exzellenz geschrieben sei. Der Roman sei im streng konservativen Sinne gehalten. Von vier Juristen sei der Inhalt der Reklame auf ihre Zulässigkeit geprüft worden und sie hätten nicht die geringsten Bedenken dagegen gehabt. Bon dem Inhalt der Reklame haben wir selbst keine Kenntnis gehabt. Als die Sache publik wurde, hat man uns allerdings von der Reichspost aus bedeutet, wir hätten einer schönen Sache Vorschub geleistet. Aber wir mutzten, da ein angesehener Jurist im Auftrage des Herrn Ganter mit uns ver- handelte, annehmen, datz er über die Sache informiert sei und datz die Sache einwandfrei ist. Wir erhielten dann von der Reichspost- Verwaltung die tclegraphische Antwort, datz von der Vormerkung des Aufgabeortes Abstand genommen werden soll, wenn angegeben wird, welche Postanstalten in Frage kommen, damit diese bcnach- richtigt werden können. Ter Oberpostrat Kleber bezeichnete die Versendung der Briefe in Kisten für unzulässig. Sie hätten nach Erklärungen Ganters angenommen, datz dieser auf eine Massenauflieferung verzichtet habe und die Briefe in München zur Absendung bringen wolle. Der Rechtsanwalt Mauermeier ist nicht erschienen; er befindet sich auf seiner Hochzeitsreise in Hamburg. Strafanträge sind von 23 Personen gestellt. In denselben ist darauf hingewiesen, datz sich die Antragsteller beunruhigt und be- lästigt fühlten, teils durch die Unterstellung, datz sie in eine Skandalaffäre verwickelt seien, teils durch die Unterstellung, datz sie Enthüllungen über ihr Vorleben befürchten müßten. Sie er- blickten darin schwere Beleidigungen. Als Sachverständiger legt Dr. Freiherr v. Schrenk-Notzing ausführlich dar, datz Ganter psychopathisch und erblich belastet und geistig minderwertig, aber nicht zurcchnungs u n fähig ist. Die Bedingungen des§ 51 Str.-G.-B. seien deshalb nicht gegeben. Große Heiterkeit erweckt die Mitteilung des Sachverständigen, datz Ganter außer anderen Eingab?» an alle möglichen Behörden aus dem Gefängnis eine an den Reichskanzler gerichtet hat, in welcher er diesem ein Mittel angeben will,„um die Sozialdemo- kratie aus der Welt zu schaffe n". Ter Oberarzt der Irrenanstalt Eglfing Dr. Ungemach nimmt an, datz der An- geklagte als Psychopath durch die Haft sehr mitgenommen ist und für die in der Haft begangenen Handlungen nicht verantwortlich sei. Ganter sei erblich hysterisch-degeneriet. Im übrigen schließt sich der Sachverständige dem Gutachten seines Kollegen an. Ueber den Ausgang der Verhandlungen, die noch einige Tage in Anspruch nehmen dürften, werden wir berichten. Der Derbandstag der Tapezierer und oemandten Dervfs- genossen Deutschlands. Die gestrige Vormittagssitzung begann mit der Beratung über die finanzielle Lage des Verbandes. Wie schon der gedruckte Rechenschaftsbericht zeigt, überstiegen die Einnahmen im Jahre 1906 die Ausgaben um 51000, blieben aber kleines feuilleton. Die teueren Zündhölzchen. Die durch Verabschiedung der ReichSfinanzreforin Gesetz gewordene Steuer auf Zündhölzchen, die schon mit dem 1. Oktober in Kraft tritt, ruft eine gewaltige Preis- steigerung dieses unentbehrlichen und in Deutschland bisher äußerst billigen Gebrauchsartikels hervor. Am teuersten sind Streichhölzer selbstverständlich in den MonopoNändern, besonders in Frankreich. das das Zündhölzchenmonopol 1872 einführte und bei einem Roh- ertrage des Monopols von 39 Millionen Frank im Jahre 1903 jedem Einwohner durchschnittlich 1 Fr. zugunsten des Steuer- fiskus abjagte. Die bekannten Folgen davon sind die maß- los schlechte Ouatität der französischen Ware und das Kargen damit in Wirts- und Kaffeehäusern, das bei einem Detailpreise von 10 ZentimeS für eine Schachtel mit durchschnittlich 60 Stück wohl begreiflich ist. Auch Italien, das unter seinen Konsumabgaben seit 1894 die Zündholzsteuer kenitt, hat sowohl für die geringen Mengen dort verbrauchter Zündhölzer wie für die allgemein üblichen„csrinr" «Wachszündfäden) enorm hohe Preise. Auch Rußland, das im Jahre 1884 eine Steuer von>/« Kopeke'/z Pfennig aus die Schachtel von 75 Stück legte und im Jahre 1900 daraus eine Einnahme von 14 Millionen Rubel— 30 Millionen Mark erzielte, ist ein Land der teuren Streichhölzer, während in Oesterreich die Detailpreise über die deutschen nur bis etwa 50 Proz. hinausgehen. Für unseren inländischen Verbrauch ist es unausbleiblich, daß eine Schachtel Schweden mit 60 bis 70 Stück Inhalt, die bisher einen Pfennig kostete, sich auf mindestens 2>/z bis 3 Pfennige ver- teuern wird. Es ist deshalb ein nur recht magerer Trost, wenn man einen Blick auf die Preise wirft, die in den Anfängen der Erfindung herrschten. Die ersten Zündhölzchen, die an dem geschwefelten Ende mit einer Mischung von Zucker und chlorsaurem Kali überzogen waren und bei Eintauchen m ein Fläschchen mit konzentrierter Schwefelsäure aufflammten, wurden, obwohl man sich mit der herumspritzenden Säure reichlich Löcher in Kleidung un» s�aut brannte, im Jahre 1812, um den Preis von einem Gulden für 100 Stück angeboten und willig gekaust. Auch die von dem öfter- reichischen Techniker Stefan Jrimje um 1830 erfundenen ersten Reib- Hölzchen kosteten wegen der hohen Phosphorpreise und weil sie Hand- arbeit waren, um 1333 in Wien noch immer einen halben Gulden für 100 Stück. Ein prachtvolles Nordlicht ist auf der berühmten Wetterwarte de» Blauen Hügels bei Boston beobachtet worden. Die Erscheinung war in mehrfacher Hinsicht besonders merkwürdig. Zunächst ist zu berücksichttgen. daß Boston ungefähr in der geographischen Brette von Rom liegt und das Auftreten eines Nordlichts in so großem Abstand vom Pol in Europa niemals gesehen worden ist. Ferner war auch die Jahreszeit ungewöhnlich, nämlich Mitte Mai, und endlich ist die Erscheinung besonders glanzvoll gewesen. Nach in den beiden folgenden Jahren hinter den Ausgaben zurück, und zwar 1907 um 50 776 Ai. und 1908, obwohl im selben Jahre 14 474 M. durch Extrabeiträge aufgebracht wurden, immer noch um 13 727 M. Die Einnahmen find zwar von Jahr zu Jahr auch stark gestiegen, aber nicht in dem Matze, wie die Ausgaben für Streiks und Unterstützungen. Stiegen doch die Ausgaben für Streiks von 16 914 M. im Jahre 1906 auf 102 335 M. im Jahre 1907, und wenn auch 1908 nur 35 230 M. für Streiks ausgegeben wurden, so ist doch damit zu rechnen, datz in den nächsten Jahren wiederum höhere Summen dafür erforderlich sein werden. Außer- dem sind die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung beständig ge- wachsen, und zwar in den letzten drei Jahren von 23 234 M. aus 47 211 M. und auf 83 510 M. Daneben erforderten auch die Reise- und die Kranken- sowie die Sterbeunterstützung immer höhere Ausgaben. Datz unter diesen Umständen Steigerung der Ein- nahmen notwendig ist, erscheint selbstverständlich, und in den meisten Filialen hat sich denn auch schon die Erkenntnis Bahn gebrochen, datz Beitragserhöhung unvermeidlich ist. Es liegen dazu verschiedene Anträge vor. Einige Filialen und auch der Hauptvorstand schlagen Erhöhung des Wochenbeitrags für männ- liche Mitglieder von 50 auf 60 Pf., für weibliche von 25 auf 30 Pf. vor, andere wollen den Beitrag der männlichen Mitglieder auf 65 Pf. erhöht wissen, und die Filiale Hannover auf 70 Pf., für weibliche Mitglieder auf 35 Pf., wofür die Unterstützungseinrich- tungen verbessert werden sollen. Einzelne Filialen schlagen Staffelung der Beiträge nach der Lohnhöhe vor, und zwei Filialen wollen den Beitrag wie bisher belassen. Von einer Zahlstelle wird vorgeschlagen, datz Mitglieder unter 20 Jahren nur den halben Beitrag zu zahlen brauchen. Im übrigen liegt eine große Anzahl von Anträgen auf Verbesserung oder Ausbau des Unterstützungs- Wesens vor.— Der Verbandskassierer©p liebt, der als Referent die Finanzlage des Verbandes ausführlich klarlegte, begründete den Antrag des Hauptvorstandes auf 60 Pf., der für die Haupt- lasse eine Steigerung der Jahreseinnahmen um ungefähr 35 000 M. bringen werde. Das werde zunächst genügen, um den bevorstehenden Aufgaben und Kämpfen gewachsen zu sein. Er- höhung oder Ausbau der Unterstützungen könne dabei jedoch nicht durchgeführt werden. Den Beitrag auf 65 oder 70 Pf. zu er- höhen, sei wohl für die großen Städte recht gut möglich, aber mit Rücksicht auf die kleineren Filialen nicht zu empfehlen. Die An- träge, Staffelbeiträge einzuführen, halte der Hauptvorstand für unannehmbar.— Die Generaldebatte, die SV* Stunden in Anspruch nahm, entsprach im allgemeinen den vorliegenden Anträgen. Jedoch zeigt es sich, datz die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Beitragserhöhung noch weiter verbreitet ist, als man nach den Anträgen annehmen konnte. So wird z. B. ausgeführt, datz, während Mannheim gegen die Beitragserhöhung ist, sämtliche kleineren Filialen der weiteren Umgegend im Sinne des Haupt Vorstandes dafür sind. Einzelne Redner sprachen sich dafür aus, datz eine, wenn auch geringe Verbesserung der Unterstützungen mit der Beitragserhöhung verbunden werden möge. Die Abstimmung über die verschiedenen Anträge ergab zu- nächst Ablehnung der Staffelung der Beiträge gegen eine Stimme. Die Anträge auf Erhöhung oder Erweiterung der Arbeitslosen-, der Reise-, der Kranken- und der Sterbeunterstützung sowie auf Einführung von Umzugsunterstützung wurden sämtlich abgelehnt und zwar gegen geringe Minderheiten von 3 bis 6 Stimmen. Von den Anträgen auf Beitragserhöhung wurde der, den Bei- trag der männlichen Mitglieder auf 60 Pf. festzu- setzen, mit 33 gegen zwei Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen, und gegen zwei Stimmen lvurde die Erhöhung des Beitrages der weiblichen Mitglieder auf 30 Pf. beschlossen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, wonach invaliden Mitgliedern bei 20 Pf. Monatsbeitrag das Verbandsorgan ge- liefert und, unter Anrechnung ihrer Beitragsleistung, die statuta- rische Sterbeunterstützung zugesichert wird. Sodann kommen verschiedene Anträge aus Leipzig, München, Köln auf Gründung einer besonderen Abteilung und eitragsklasse für Lehrlinge zur Beratung, sowie ein Unterantrag München, wonach die Filialen verpflichtet werden. dahin zu wirken, datz die Beschlüsse des Hamburger GeWerk- schaftskongresses über die proletarische Jugendbewegung in die Tat umgesetzt werden. In der Debatte tritt allgemein die Ueberzeugung hervor, datz es unbedingt notwendig ist, sich der Lehrlinge anzunehmen. Wie das geschehen soll, darüber sind die Meinungen geteilt. Die Filiale Leipzig macht bestimmte Vor- sihläge über Einführung eines Wochenbeitrages von 20 Pf., ent- sprechender Kranken- und Sterbeunterstützung, nach beendeter Lehrzeit Reiseunterstützung und Anrechnung ihrer Beitragsleistung für die übrigen Unterstützungen des Verbandes. Der Hauptvor- dem im neuesten Heft der Wochenschrift„Science' beröffent- lichten Bericht begann das Schauspiel kurz vor 9 Uhr abends mit der Bildung von drei getrennten leuchtenden Flecken, von denen die beiden hellsten nahe am Zenith standen. Zehn Minuten später vereinigten sich diese beiden zu einer großen bläulichgrauen Masse von ungewöhnlicher Helligkeit. Danach wechselte die Licht- erscheinung mit reißender Schnelligkeit von Augenblick zu Augen- blick, während die Form sich nur wenig veränderte, die ganze Masse aber langsam gegen Süden und Westen sich verschob. Für ungefähr eindreiviertel Stunde hatte der Hauptteil die Form einer Schöpfkelle mit langem Griff, welch' letztere so stark an den Schweif eines großen Kometen erinnerte, daß die Erscheinung von vielen Leuten überhaupt für einen Kometen gehalten wurde. Etwas nach 10»/, Uhr waren fünf gesonderte Lichtflecken zu sehen; sie vereinigten sich nach wiederum zehn Minuten zu einem ununter- brochenen Bogen, der von Westen nach Osten fast über den ganzen Himmel zog und mit seinein höchsten Punkt den Zenith beinahe erreichte. Nach 11 Uhr brach der Bogen wieder in einzelne Teile auf, die von Zeit zu Zeit ihren Glanz wechselten, aber allmählich schwächer wurden. Um ll'/z Uhr war das ganze Schauspiel vei- schwunden. Sehr eigentümlich lvar die Tatsache, datz der Südrand der Lichtmasse während der ganzen Zeit in einer deutlichen Linie scharf abgeschnitten war, während der nördliche im Gegenteil stets einen unbesttinmten, verschwonnnenen Verlauf hatte.� Die Breite der leuchtenden Fläche schwankte zwischen 10 und 35 Grad. Die Farbe war ein blasses Blaugrau ohne jedes Spiel von Regenbogen- färben. - Das Ende der Soldatcnmalerei. Im nationalistischen„Echo de Paris' jammert ein patriotischer Kunstkritiker über das Absterben der Militärmalerei. Die Schuld daran gibt er dem Fortschreiten der Zriedensideen und besonders des Internationalismus. daneben dem Impressionismus, der die Farbenflecken an die Stelle der Linien gefetzt und die Anekdote aus der Malerei verdrängt hat. Auch in den wenigen Darstellungen militärischer Stoffe in den letzten Ausstellungen hat der Kritiker den„Realismus' des Kriegs, nämlich das blutige Handgemenge vermißt.„Nirgends sieht man gespaltene Schädel, offene Wunden, zufammeugelrampste Glieder, im Todeskampf verzerrte Gesichter. Wenn nran Leichen sieht, so scheinen sie zu schlafen.' Ein einzige« Bild im Salon des ArtisteS FrangaiS zeigte Kürassiere in kriegerischer Bewegung. Aber das Bild hatte oen Titel:„Die Emeute' und der„Feind', dem der Angriff drohte, waren streikende Arbeiter, Die Letzten der„Mvhikanek". Man schreibt der«Franks. Ztg." aus Winnipeg(Kanada): In wenigen Wochen oder Monaten, je nachdem das Einfangen längere oder kürzere Zeit in Anspruch nehmen wird, darf Kanada'die größte Büffelherde sein eigen nennen. Von den paar Dutzend dieser Tiere, die sich in den Parks bei Winnipeg und Banff(Alberta) befinden, ganz abgesehen, waren bis vor kurzem noch 600 Stück Büffel auf einer Reservation stand ist jedoch der Ansicht, datz die Verhältnisse viel zu verschieden und zu wenig einwickelt sind, die Schwierigknien zu groß find, um auf solcher oder ähnlicher Grundlage Jugendabteilungen im Verbände zu gründen, und diese Meinung scheint auch unter den Delegierten vorherrschend zu sein. Das ergibt auch die Absrim- rnung. Der Antrag Leipzig wird gegen 6 Stimmen abgelehnt. Angenommen wird gegen eine Stimme auf Vorschlag des Haupt- Vorstandes folgende Resolution: „Der Verbandstag verpflichtet die Verbandsmitglieder, sich mehr als bisher der Lehrlinge anzunehmen. Besonders ist da- hin zu wirken, datz die Lehrlinge sich in den Veranstaltungen der örtlichen Ausschüffe zur Bildung der Jugend beteiligen. Die Filialleitungen sind verpflichtet, dafür zu sorgen, datz der Frage der Lehrlingsausbildung und des Lehrlingsschutzes eine größere Aufmerksamkeit zugewandt wird, damit die Beschlüsie des 6. Gewerkschaftskongresses über die Jugendbewegung in die Tat umgesetzt werden. Allen jugendlichen Personen, die innerhalb zwei Wochen nach beendeter Lehrzeit dem Verbände der Tapezierer beitreten, kann, wenn sie nachweislich mindestens 52 Wochen ununterbrochen einer proletarischen Jugendorganisation angehört haben, sofort Reiseunterstützung bis zur Höhe von 15 M. gewährt iverden. Alle etwa bis zum Uebertritt geleisteten Beiträge sind, in 60 Pf.-Beiträgen umgerechnet, auf die sonstige Bezugsberech- tigung im Verband anzurechnen. Die solchergestalt Ueber- tretenden sind von Zahlung eines Eintrittsgeldes entbunden. Ferner wurde beschlossen, datz jugendlichen Mitgliedern bis zu 19 Jahren die„Arbeiter-Jugcnd" gratis geliefert wird. In der Nachmittagssitzung konmtt zunächst der Punkt die Ganeinrichtungcn des Verbandes zur Verhandlung. Hierzu liegt, außer verschiedenen Anträgen der Filialen, ein Vorschlag des Hauptvorstandes vor. der eine Revision und Ergänzung der gesantten statutarischen Bestimmungen über die Gauorganisation und ihre Tätigkeit zum Ziele hat. Der Verbandsvorsitzende Vesper begründet diesen Vorschlag, der in der Hauptsache folgende Aenderungen und Neuerungen gegenüber dem alten Statut enthält: Statt der bisher regelmäßig zweimal in der Zeit von einem zum anderen Verbandstag abzuhaltenden Gautage sollen Gautage in Zukunft nach Bedarf und nach Verständigung zivischen Gauvorstand und Haupt« vorstand stattfinden. Zur Förderung der Agitation sind die Gana durch die Gauleitung in Bezirke einzuteile», mit einem Bezirks- leiter an der Spitze, der. vom Bezirksvorort gewählt, im Ein- Verständnis mit der Ganleitung die Agitation im Bezirk zu betreiben und die Ganleitung in der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen hat. Die Bezirke sollen nach Be- darf BezirkSkonfercnzen abhalten, die von der Gauleitung einberufen werden.— Derartige Bezirkskonferenzen haben sich schon jetzt eingebürgert, obwohl sie bisher nicht im Statut vorgesehen sind.— Erweist es sich als notwendig, so kann der Hauptvorstand gemeinsam mit dem Ausschuß eine Aenderung in der Einteilung der Gaue oder eine Verlegung des Ortes, wo der Gauvorstand seinen Sitz hat, vornehmen. Die vollbesoldeten Gauleiter sollen durch den Hauptvorstand und Ausschuß gewählt werden, die nicht besoldeten sowie die übrigen zwei Gauvorstandsmitglieder durch die Mitglieder des GauborortS. Zur Deckung der AgitationS» und VerwaltungSkoftsn sollen den Gauen von jeder in den Filialen verkauften Beitragsmarke 2 Pfennig au» der Haupt- kasse überwiesen werden.— Die Anträge der Filialen weichen in verschiedenen Punkten von dem Vorschlage deS Haupt- Vorstandes ab; unter anderem verlangen vier Filialen, daß auch die besoldeten Gauleiter nicht durch Hauprvorstand und Ausschuß, sondern durch die Mitglieder oder die Gautage oder Bezirkskonferenzen ge- wählt werden sollen, während ein Antrag Stuttgart wohl dem Hauptvorstand und Ausschuß die Wahl der besoldeten Gauleiter überlassen will, aber mit der Bedingung, daß die beiden Körperschaften vorher mit den Ortsverwaltungen Rücksprache nehmen. Die übrigen Anträge beziehen sich meist auf die Deckung der Unkosten, die Verwaltung der Gaue und die Vertretung auf den Gautagen. Ein Antrag Berlin, der von S t r a s s e r begründet wird, besagt. datz, wenn in Filialen Sektionen bestehen, diese auf den Konferenzen vertreten sein müssen. Im Laufe der sehr eingehenden Debatte wird von Sande r-Berlin ein Antrag eingebracht, wonach die besoldeten Gauleiter durch die Verbandstage gewählt werden, und wenn einer in der Zeit zwischen zwei Verbandstagen ausscheidet, die Ersatzwahl durch Verbandsvorstand und Ausschuß nach Rücksprache mit der Gau- leitung und den betreffenden Filialen erfolgen soll. Dieser Antrag, mit dem sich in seinem Schlußwort auch der Verbands- Vorsitzende einverstanden erklärt, wird bei der nach dreistündiger bei Lamont.(Nord-Alberta) eingezäunt; sie bilden einen Teil der verschiedentlich auf 700 bis 800 Stück geschätzten Büffel- Herde, die die kanadische Regierung vor etwa zwei Jahren von einem Rancher in Montana, namens Pablo, kaufte und deren Transport nach Kanada mit ziemlich großen Schwierigkeiten verknüpft war. Von den etwa 500 Büffeln bei Lamont sind nun vor etwa 14 Tagen 380 Stück nach einer neu eingerichteten Reservation in der Provinz Sasketchewan verladen worden; eS war keine leichte Arbeit, die Tiere in die Eisenbahnwagen zu bringen, aber schließ- lich gelang es doch, und die ansehnliche Herde ist nun in dem neuen Heim glücklich angekommen. Sie fühlt sich hier wohl— die Reservation bei Wainwright ist etwa 75 englische Ouadratmeilen groß, sicher eingezäunt und enthält• reiche Prairiewiesen, viel Wasser und genügend' Gebüsch, gerade die Art von Weide, wie sie die Herden Büffel von früher her in Kanada gewohnt loaren.— Ein weiterer Transport von Büffeln aus der Pablofchen Ranch in Montana nach Wainwright geht jetzt langsam vor sich; es handelt sich dabei um den Rest der von der Regierung gekauften Herde, der auf etwa 300 Stück geschätzt wird; nach einem tagelangen Kesseltreiben wurden letzie Woche etwa 100 Stück zusammengebracht. Obgleich diese Montanaer Büffel nicht mehr zur urwilden Rasse gehören, sondern durch Kreuzungen niit zahmem Vieh„gebildeter" geworden sind, haben die Tiere jetzt doch, wohl infolge der diesjährigen fetten Weide, einen gewissen Grad von Wildheit angenommen, der es fraglich erscheinen läßt, ob der Rest der Herde noch in diesem Jahre eingefangen und nach Canada gebracht werden kann. Notizen. — Verdis Othello, das reife Werk des italienischen Meisters, das von seinen Fortschritten über den überkommenen italienischen Opernstil so beredt Zeugnis ablegt, vermittelte uns die Gura-Oper am Dienstag. Da die beiden Hauptpartten zuletzt noch umbesetzt werden mußten, soll heute nur auf die trotzdem nicht unbefriedigende Aufführung hingewiesen und das Bemühen der Gura-Oper, uns ein mannigfaltiges Repertoire vorzuführen, dankbar anerkannt werden. Am Sonnabend wird die Oper in der ursprünglich geplanten Besetzung(mit Burrian und Frl. Hummel) wiederholt. — Ein R a d i u m k o n g r e ß in Brüssel. Im nächsten Jahre soll in Brüssel ein großer internationaler Kongreß für Radio- logie stattfinden. Zum ersten Male seit der Entdeckung des Radiums und der Radioaktivität werden sich hier die Gelehrten der ganzen Welt versammeln, uni die bisher gewonnenen Resultate der Forschung vorzulegen und künfttge Probleine zu beraten. Die Aeranstaltuiig geht von der belgischen Regierung und von der französischen Gesellschaft für Physik auS; ihre Teilnahme an den Vorbereilnngen und an dem Kongreß selbst haben n. a. zugesagt Sir William Ramsay, Sir William ErookeS, Svante Arrhenius, Lenard, Rutherford und Mme. Eurie. Debatte erfolgenden Abstimmung gegen zwei Stimmen angenommen. Zm übrigen wird die Vorlage des Hanptvorstandcs hinsichtlich der Bestimmung über Aenderung in der E i n t e i l u n g d e r G a u e and Verlegung des Gau Vororts noch durch Einfügung »er Worte:»nach Anhörung der Filialen uird Gau- » e i t u« g" ergänzt und mit einigen anderen kleineu Abänderungen gutgeheißen. Der Antrag Berlin über Sektionsvertretung auf den Konferenzen wurde abgelehnt. Hierauf wird über die Frage beraten, welcher Anteil des Verbandsbeitragcö den Filialen zur Deckung der örtlichen Busgaben verbleiben soll. Angenommen wird ein Antrag des Haupt- Vorstandes, wonach den Filialen>/, deS Beitrages verbleibt. Ferner wird beschlossen, daß Ausgelernte, die innerhalb 4 Wochen nach be- endetcr Lehrzeit aufgenommen werden, vom Eintrittsgeld befteit sind. Im übrigen werden noch einige andere Aenderungcn oder Er- gänzungen des Verbandöstatuts beschlossen, die sich meist auf die Ver- waltungSpraxis beziehen. So wird unter anderen, beschlossen, daß die Mitgliedsbücher Eigentum des Verbandes bleiben, und daß aus anderen Organisationen übertretenden Mitgliedern die dort geleisteten Beiträge in der Weise angerechnet werden, daß niedrigere Beiträge »uf die Beiträge deö Verbandes umgerechnet, gleich hohe und höhere '.n voller Zahl übertragen werden. Auch die Bestimmung, daß Aus- zelernte, die der Jugendorganisation angehörten und innerhalb vier Wochen nach Beendigung der Lehrzeit dem Verbände beitreten, vom TintrittSgelde befreit sind und ihnen die in jener Organisation ge- leisteten Beiträge verrechnet werden, wird in das Statut auf- zenommen. Die Arbeiten des Verbandstages konnten in der gestrigen Sitzung, obwohl sie bis 7 Uhr ausgedehnt wurde, noch nicht erledigt verde». Hus der parte!« Kolmrg. Am Sonntag, den 18. Juli, fand in Neustadt bei Koburg die diesjährige Landeskonferenz für Koburg statt. Aus IS Orten waren 36 Delegierte erschienen. Der Geschäftsbericht deS Vorstandes ergab ein Anwachsen der Organisation und ein Steigen der Abonneutenzahl.— Ueber den Entwurf des neuen OrganifationS- statuts für die Partei referierte Genosse B a u d e r t in eingehender Weise. Die dazu vorliegenden Anträge, welche auf den Beitragssatz und die ParteitagSdelegationcn Bezug nehmen, wurden nach ein- gehender Diskussion dem Genossen Baudert, der Mitglied der Statutenkomnrission ist. für die weiteren Beratungen derselben als Material überwiesen.— Zum Parteitag in Leipzig wurden die Genossen Elegner-Koburg und Zietsch gewählt. In bezug auf ihre Abstimmung über die einzelnen Bestimmungen des Organisationsstatuts auf dem Parteitag wurde den Delegierten freie Hand gelassen.— Im Mittelpunkt der Beratungen auf der Konferenz stand das Referat des Genossen Zietsch über die politische Lage und die für Koburg bevorstehende Reichstags- ersatzwahl. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen; von einer Diskussion nahm man Abstand und verpflichtete den neugewählten Vorstand, sofort in die erfordere lichen Wahlarbeiten einzutreten. Schon am Abend desselben TageS fanden dann in einigen Orten deS Kreises die ersten Wählerversammlungen statt. Die Genossen Baudert und Zietsch referierten. Die Versammlungen waren sehr gut besucht. Während auf feiten der bürgerlichen Parteien»och alles im Schlummer liegt und man sich noch um die„geeignetsten" Kandidaten streitet, haben wir bereits das Gefecht eröffnet._ Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie i» Oesterreich findet Heuer vom IS. bis 24. September in Reichenberg, der Wiege der sudctenländischen Arbeiterbewegung, statt. Auf der von der Parteivertretung veröffentlichten vorläufigen Tagesordnung stehen die Berichte der Parteileitung(Parteisekretär Abg. Skaret), des Kassierers Abg. Dr. Ellenbogen, dann Referate über die Organisation(Abg. Skaret und Abg. Seliger-Teplitzf, über die indirekten Steuern und die Teuerung(Abg. Dr. Renner), über auswärtige Politik und Rüstungen(Abgeordneter Dr. Viktor Adler), über die Parteipresse(Chefredakteur Austerlitz und Administrator Enunerling von der„Arbeiterzeitung") und über die bekanntlich nicht vom Fleck kommende Sozialversicherung(Abg. Eldersch, Sekretär der Reichskommission der Krankenkassen und Genossin Adelheid Popp). Unter den Berichten sind noch die über die parlamentarische Tätigkeit zu vermerken. Ueber den Reichs rat berichtet Abg. Seitz, über die Tätigkeit in den Land tagen Abg. Refel- Graz und über die kommunale Abg. W i n a r s k y. An' den Parteitag schließt sich die erste Reichökonferenz deutscher sozialdemokratischer Gemeindevertreter an, die von der Fraktion des Wiener Gemeinderats einberufen ist. Der Parteitag findet aus Grund des 8 2 des Versammlungsgesetzes statt, wodurch jede behördliche Ueberwachung ausgeschlossen ist. Diese Bestimnmng deS Versammlungsgesetzes bezieht sich auf solche Versammlungen, die auf geladene Gäste beschränkt sind. Die Sdresse des Lokalkomitees, die bei der Lage Reichenbergs an der preußischen und sächsischen Grenze manchen unserer Leser inter- essteren dürfte, ist Abg. Anton Schäfer. Reichenherg. Wind- Laffe 14._ Hiio der f rauenbewegung* Die Lohnarbeiten« und die Wahlurne. Unter obigem Titel bespricht eine New Aorkerin im letzten Heft der„Ethischen Kultur" amerikanische Verhältnisse mit und ohne Frauenlvahlrecht.„Es ist eine sehr beachtenswerte Tatsache", führt sie aus,„daß in den Staaten, die das Frauenstimmrecht haben, die Arbeiterinnengesetze viel strenger durchgeführt werden als in jenen, wo die alleinherrschende Männerstimme die Interessen und Bitten der stimmlosen Arbeiterin übertönt." Dasselbe gelte vom Kinderschutz. Während es in den Staaten ohne Frauenstimm- recht zur Durchführung von Kinderschutzgesetzen erst einer großen Agitation bedürfe, sagt Wand Nathan,—- wurde in Colorado, dessen weibliche Bevölkerung seit zirka 1l> Jahren stimmberechtigt ist, gleich nach dem ersten Versuch, auf Grund des südstaatlichen Arbeits- sisstenls kleine örinder in einer Baumwollspinnerei zu verwenden. ein strenges Äinderarbeitsgesetz herbeigeführt. Der Richter, der für das Zustandekommen des Kinderschutzgesetzes eintrat, werde hauptsächlich durch das weibliche Stimmrecht im Amte gehalten. Daß in Colorado das Schutzalter der Mädchen auf 18 Jahre fest- gesetzt wurde, ist einem weiblichen Mitgliede der Staatslegislatur zu verdanken. In Nordkarolina dagegen sei— trotz der vielgerühmten Ritterlichkeit der südstaatlichen Männerwelt gegen das schwächere Geschlecht!— das Schutzaltcr nur— 10 Jahre! Dort, wo die Frauen kein Stimmrecht haben I In bezug auf Boltserziehung beständen, wo Frauenstimmen be- teiligt seien, viel günstigere Verhältnisse. Die Volkszählung ergab im Jahre 1000 für die sechs bedeutendsten Industriestaaten 20 775 Analphabeten im Alter von 10—14 fahren, hier spräche zum Teil die Einwanderung mit. Aber auch in Georgia und Alabama, wo zahllose kleine Kinder zur Fabrikarbeit herangezogen würden, hat man 120 401 Wesen von 10—14 Jahren gezählt, die weder lesen noch schreiben konnten. Zu derselben Zeit gab es im ganzen Staate Wyoming, wo das Franenstimmrecht schon seit vier Jahrzehnten eingeführt ist, nur 72 jugendliche Analphabeten,— denn die weib- lichen Wähler hatten sich für gute Schulen eingesetzt und auch für die Kinder auf den entferntesten Farmen durch Entsendung von Wanderlehrern gesorgt. So wird auch für genügenden Unterricht aller Kinder viel mehr Sorge getragen, wo Frauen in Schul- angelegenheiten das Stimmrecht haben. Zn Boston, der einzigen nordamerikanischen Großstadt, wo dieses Recht den Frauen zusteht, genießen sämtliche schulpflichtige Kinder vollstäudigeu Unterricht, während eS in den nieisle» Großstädten der Vereinigten Staate» er- schreckend viele Kinder mit nur halber Schulzeit gäbe, in New Ä'wk ollem 60 000. Aus dem Umstände, daß die Bürgerinnen verschiedener kleiner Städte ihr Schulwahlrecht nicht ausübten, schließe man häufig, be- richtet Maud Rathan, daß die Frauen sich auch um politische Wahlen nicht sonderlich kümmern würden.„Als ob die Männer", führt sie fort,„z. B. an den Präsidentenwahlen nicht in weit größeren Mengen teilnähmen, als an den Gemeindewahlen I" Bei der vorjährigen New Dorker Munizipalwahl hätten sich rund 60000 eingetragene Wähler von der Wahlurne ferngehalten.„Warum hat man diesen Männern nicht das politische Wahlrecht entzogen?" fragt sie.„Es waren eben Männer und nicht Frauen I" ist ihre Antwort darauf. ' AuS ihren Erfahrungen und Untersuchungen auf dem Gebiete der weiblichen Lohnarbeit resultiert sie. daß, wenn die Frauen an die Wahlurne treten könnten, viele Mißstände, unter denen die Arbeiterin leidet, verschwinden würden. So z. B. im Punkte der geringeren Entlohnung weiblicher Angestellter des Staates und der Gemeinde. Sie zitiert beistimmend folgenden Ausspruch des Volks- Wirtschafters und ReichSarbeitSkommissarS Carroll D. Wright:„Der Mangel an unmittelbaren politischen Rechten bildet einen der ge- wichtigsten Gründe deS Tiefstandes der Fraucnlöhne." AuS einer Unterredung mit dem Gouverneur von Albany, die den Zweck hatte, ihn für das Schicksal der Fabrikmädchen zu interessieren, berichtet sie, daß er rundweg erklärte, er interessiere sich nicht für die Fabrikmädchen, da sie nicht stimmberechtigt seien. Woher soll ihnen Schutz und Abhilfe kommen! Es nütze nichts, wenn schon in der Union gemeinnützige Gesetze unter Mitwirkung der besten fsrauen geschaffen würden, und in der Praxis doch nicht zur Durch- Uhrung gelangten! Angesichts der Füll« von Versuchungen, welche an die armen Mädchen herantreten, sei der Grad des Lasters tmd der Verbrechen noch verbältnismäßig gering.„Es sei erstaunlich," fährt Maud Nathan fort,„wieviel GesinnungSadel, Charakterstürke, ja Heldenmut man in den Kreisen finde. Man biete Hungerlöhne bei 10- bis ll'/zstüildiger Arbeitszeit, und lege den Arbeiterinnen nahe, das fehlende„in anderer Weise" zu verdienen." Daß die elenden Löhne Schuld trügen an dem vorhandenen großstädtischen Laster und Ver- brechen, hätte auch Bischof Brooks anerkannt, was ihn zu der Ueber- zeugung brachte, daß zur Erlangung einer Abhilfe das politische Wahlrecht eine Notwendigkeit sei. Bersammlnugeu— Veranstaltungen. Rixdorf, 10. und 20. Bezirk. Heute Donnerstag, den 22. d. MtS., abends 8Vz Uhr, im Restaurant.Karlsgarten", KarlSgarten- straße S/Ii": Vortrag. Genossin Frau Schuch:„Welches Interesse hat die Frau als Mutier an der Politik?" Sericdts- Leitung. Eine Mcineidsfrage steht im Mittelpunkt der Verhandlung einer Anklage wegen Beamtenbeleidigung, die gegen den früheren Bild- Hauer Wilhelm Werver erhoben worden ist. Werber war im Jahre 1892 des Meineids angeklagt worden und hatte eS einer eidlichen Aussage deS damaligen Kriminalkommissars Oskar Krause(Charlottenburg) zu danken, daß das Gericht ihn schuldig sprach und eine Strafe von zwei Jahren Zuchthaus über ihn verhängte. Seitdem hat W., der fortgesetzt beteuerte, daß er schuldlos verurteilt worden sei, eine lange Reihe von Versuchen gemacht, durch Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens oder durch Anzeige gegen Krause sich die Rehabilitierung zu erzwingen. Eine seiner hierauf ab- zielenden Eingaben führte zu einer Anklage wegen Beleidigung Kr/s und brachte ihm eine Verurteilung zu vierzehn Tage» Gefängnis, die in eine Zusatzstrafe von sieben Tagen Zucht- Haus umgewandelt wurden. Auch die Anklage wegen erneuter Beleidigung des inzwis chen zum Kriminal- inspektor aufgerückten Herrn Krause, die am Mittwoch vor dem Amtsgericht Berlin«Mitte(160. Abteilung) gegen Werber verhandelt wurde, geht wieder auf zwei Eingaben solcher Art zurück. In den letzten Jahren hatte W. seine Be- nmhungcn. die bisher erfolglos geblieben waren, ziemlich aufgegeben. Als aber W. wegen jener Verurteilung zu zwei Jahren ZuchlhauS und fünf Jahren Ehrverlust noch im Jahre 1008 den gesetzlichen Bestimmungen zuwider in die Landtagswählorliste nicht eingereiht worden war, bemächtigte sich feiner oufS neue eine große Erregung, und er nahm den BerzweifiungSkampf um seine Ehre wieder auf. Einen Meineid sollte Werber geleistet haben in einer BeletdigungS- klage, die eine Frau Gädke gegen ein« Frau Stahl angestrengt hatte. Aus Anlaß eines Prozesses Werbers gegen Frau Stahl, die Herrn Krause nahe stand, war zwischen dieser Frau Stahl lind der Frau Gädke, die Herrn Werber nahe stand, es im Gebäude des Amtsgerichts Charlotienburg zu einer erregten Szene gekommen. In der Beleidigungsklage Gädke wider s-tahl, vie hieraus hervorging, war Werber Zeuge für Frau Gädke und Krause Zeuge für Frau Stahl. W. behauptet, daß damals vor Gericht nicht von ihm. sondern von Krause Unrichtigkeiten ausgesagt worden seien und daß Krause aus Rachsucht ihn zu verderben gesucht habe. Die beiden Eingaben W.s, die den Gegenstand der erneuten Beleidigmigs klage gegen ihn bilden, behaupteten in den stärksten Ausdrücken, Krause habe bewußt das Recht gebeugt, und forderte, man solle gegen ihn (Werber), damit er den Wahrheitsbeweis führen könne, ein Verfahren einleiten. Das ist denn auch geschehen. In dem Termin am Mitt- woch wurde durch Werbers Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknechl.vor Eintritt in die eigentliche VerHand lung die ganze Vorgeschichte des Prozesses dargelegt. Was Werber damals beschworen habe, das sei leider sehr schwer festzustellen ge- wesen, weil seine Aussage nicht protokolliert worden>ei. Das Urteil aus der Beleidigungsklage Gädke wider Stahl habe ausdrücklich erklärt, daß die Aussage Werbers belanglos gewesen sei, da er nichts habe bekunden können. Werber selber habe, so führte Liebknecht weiter aus, in dem Meineidsprozeß als Angeklagter versichert, daß von ihm nur bekundet worden sei, von jenem Streit zwischen den beiden Frauen habe er nichts gehört, weil er sich nicht in ihrer Nähe besundcn habe. Dem An- geklagten Werber jsei das damals nicht geglaubt worden, es werde aber jetzt Beweis dafür angeboten, daß der Sachverhalt tatsächlich so gewesen sei, und daß die von dem Zeugen Krause ge- gebene anderslautende Darstellung nicht zutreffe. Der Borsitzende warf ein, hiernach lause wohl das ganze Verfahren darauf hinaus, zu entscheiden, ob Krause es sei, der einen Meineid geleistet habe. Der Verteidiger antwortete, er selber gebe ja hier Zeugenaussagen den weitesten Spielraum in bezug auf Abweichung von der Wahrheit, aber das ganze Verhalten Krauses habe ihn doch so stutzig gemacht. daß, wenn Krauses Aussage als unrichtig erwiesen werde, mit einem hohen Grad von Wahrschemlichkett eine wissentliche Abweichimg von der Wahrheit angeuonnnen werden müsse. Den angebotenen Beweis durfte das Gericht dem Angeklagten nicht abschneiden. Da aber eine wichtige Zeugin, Frau Gädke, nicht zur Stelle war. so blieb nur übrig, die Sache zu vertagen. Bevor das beschlossen wurde, fand auch Herr Krause Ge- legcnheit zu einigen vorläufigen Aeußerungen. Der Vorsitzende ließ ihn hereinrufen. damit er selber sage. wer denn sonst noch dabei gewesen sei, als er(Krause) jenen Eid leistete. Krause antwortete mit der Bitte, nicht zu vertagen, sondern gegen einen „so gemeingefährlichen Menschen", von dem er„n« n s e i t f a st 2 0 I a h r e n verfolgt" werde, sosort zu verhandeln. Man solle doch diejenigen Zeugen, die erschienen seien, ruhig ver- nehmen. Er habe eben draußen gehört, daß sie gar n i ch t s w i s s e n. Ob etwa der Zeuge Krause selber sich bei ihnen darüber informiert habe, frag» hier der Verteidiger. Der Herr Kriminalinspektor verneinte paS. In dem sich weiter fortsetzenden Wortgeplänkel rückt« er dann plötzlich mit der Meldung heraus, auch das habe er draußen gehört, daß der Verteidiger sich einen Zeugen habe kommen lassen. Liebknecht wies in scharfem Ton diese Behauptung zurück, und auch der Vorsitzende untersagte Herrn Kraute, dergleichen hier vorzubringen. Schließlich sprach der Verteidiger de:: Wunsch ans. daß der Herr Kriminalinspektor darauf aufmerkiam gc- macht werden möge, wie sehr eS sich für ihn empfehle, bis zun? nächsten Termin nicht mit anderen Zeugen über die Angelegenheu zu reden.„Da? weiß ich als Beamter selber", sagte Herr Kr. „aber ich darf doch dabeistehen und zuhören." Als der Verteidiger fortfuhr:„Ich bitte, daß Sie sich gänzlich von den Zeugen fern- halten", brauste Herr Kr. auf:„Bin ich denn der An- geklagte!?"„Es werden hier", lautete die Antwort..Be- schuldtgungen gegen Sie vorgebracht, daher einpsiehlt sich's, daß S.c das beachlen." Der Borsitzende schloß mit der Feststellung, daß der Standpunkt des Verteidigers korrekt sei, und sprach dann die Vertagung aus._ Ein Vampyr, der fortgesetzt Erpressungen unter Drohungen mu einer Anzeige wegen Vergehens gegen den§ 175 Str.-G.-B. deriib? hatte, wurde gestern in der Person des mit IVz Jahren Gefängnis wegen Erpressung vorbestraften Paul Lemke von der siebenter Ferienstrafkammer dcS Landgerichts I wegen Erpressung und Er- Pressungsversuchen mit zwei Jahren und sechs Monatei Gefängnis bestraft._ Fälschung eincS Lehrvertrages. Vom Landgericht Chemnitz ist am 0. März der Stellmacher meister M. wegen Urkundenfälschung und versuchte: Betruges zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. De? Knabe F. sollte bei ihm gegen ein Lehrgeld von 50 M. in die Lehrt treten. Der Angeklagte füllte, um den Lehrvertrag herzustellen, drei Exemplare deS Lehrvertrages der Innung aus, wovon einer für die Innung bestimmt war. Für den Fall, daß der Lehrling die Lehre abbrechen wollte, waren in dem Formulare Konventional- strafen' freigelassen. Der Angeklagte füllte hier keine Summen auc, Nachdem die drei Exemplare von den: Vater des Knaben unterschrieben worden waren, merkte der Angeklagte erst, daß cr nicht wie sonst die Konventionalstrafen ausgefüllt hatte. Eigen- mächtig fügte er nun die Summen von 100, 150 und 200 M. für das erste, zweite und dritte Jahr ein. Dann sandte er die drei Schriftstücke an den Vorsitzenden der Innung, der sich von der Uebereinstimmung des Textes auf allen dreien überzeugte und eins als Beweismittel für streitige Fälle zurückbehielt und die beiden anderen dem Angeklagten zurückgab. Die Revision des An- geklagten wurde am Mittwoch vom Reichsgericht verworfen. Bnefhaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde siudet L i« d e u st r atz eS,»weiter Hü', dritter Eingang, vier Treppen, 3�" Fahrstuhl wachtntäg» n abend» von 7>4 HiS OM Uhr statt. Geöfsnrt 7 Uhr. SonuabeiivZ besinn« die Sprechstunde uin L Uhr. Jeder«nfrage ist ein Buchslade und eine Zahl an'- Mertzeichen beizufügen. Brieflich- Antwort wird nicht«rieUt. Bis»:>- Beantwortung im Briefkastc» tönnru 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. V. 79. 1. Lag lein Testament vor, so würde der Ehemann nic.sl Alleinerbe fein. In welchem Maße Verwandte der verstorbenen Frau mi!- erben, richtet sich danach, wann und wo die Frau verstorben ist und welche Verwandle sie hinterließ. Wiederholen Sie die Ansrage unter Ergänzung nach diesen Richtungen. S. Sie können noch jetzt gerichtliche Erbleilung b:- antragen. 8. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe des Objcki t. — 1656. 1. Rein. 2. Ist Ihre Frau großjährig, so ist sie dem Vectra-? entsprechend zur Zahlung versuchtet. Sie als Ehemann hasten kür die Schuld nicht.— F. B. 53. Ihnen steht ein Anspruch ans Hinterleg«! � oder Ausrechnung der Summe nicht zu. wohl aber erscheint ein« Klage Ihres Schwiegervaters aus Hinterlegung der Suinme durchführbar. Ihrem Schwiegervater gegenüber sind Sie nicht unterhaltspslichtig.— 91. R. Für die Besichtigungszeit kommen in erster Reihe die Abreden in Betracht, die im Vertrage vereinbart sind. Fehlt es an solchen, so ist in angemessener Zeit dle Wohnung zur Besichtigung frei zu stellen. Was angemessen ist, iit im Streitfälle vom Gericht zu entsch-iden. Für Berlin liegen Gericht'. mtclle vor, die die Zeit von 9—6 an Wochentagen, von 9— 1 an den Svn>'- A. S. 199. 1. u. 2, Dagegen fft nichts zu tun. 3. Für den Unterhalt der Ehcsrau, die sich gegen den Willen des Ehemannes außerhalb d.-r Ehewobnung aushält, hat der Ehemann nur zu sorgen, wenn die Ehefrau gerichtlich seslftellen läßt, daß sie berechtigte Gründe zum Getrenntleben ho:. 4. Sie können den Hnnd selbst abschatten. 6. Der Vertrag gilt, da Monat-- miete vereinbart ist, vom Ersten zum Ersten. Sie dürfen bis am 15. zu solgeuden Ersten kündigen.— H. L. 67. Warten Sie ein« polizctlicc Aussorderuna ab.— P. 3. 1910. Wette 5. Ja.— Gustav. 1 Zum Beitritt würden wir nicht raten, 2. Sind Sie schon längere Zeit Mitglied, ist es raisam, weiter zu zahlen,' Ob etwa«in'Anspruch aus Rückzahluiig. vielleicht nach zwei Jahren, besteht, müssen die uns nicht bekannten Vc.- sicherungsbedingungen und die Police ergeben.— Ernst, Peter'- Hage». Beides ist verboten und strafbar.— O. R. 99. New. — Rixdorf 666. 1. Nein. 2. Der mündliche Verlrag ist gültig. Es könnte mit Ersolg aus Herausgab« geklagt werden.— T. 48. Die Fordc- rungen gegen eine Svarlasje oder gegen eine Bank kann ebenso wie jede andere Forderung aus Betreiben eines Gläubigers beschlagnahmt werden � R.®. 1. Nein. 2. Ja. 3. Wenden Sie sich mit einer Ansrage an dal Vormundschastsgertcht.— Karl 26. 1. Frtedrichftr. 207. 2. Wenn d: Unterstützung iniierhnlb des letzten JahreS ersvlgt, aber nicht zurückgezahlt worden ist, jg.— Vorwärts 196. Nein.—(£. 6. 68. Ulm. Wen» kein Testament vorliegt, würbe jedeS der Kinder die Hälste de» Nachlasses erben. — O. St. 24, 1. Ja. 2. Für die Klage ist däs Amtsgericht, in destcu Bezirk der zu Bertlagende wohnt, zuständig, vie Klage können Sie schrist- lich einreichen oder aus der Anmeldestube(Grunerstraße)»» Protokoll aeb.m. 3. und 4.: Wenden Sie sich an die Waisevbirektion.— M. 17. 1. Die Ge- ureinde, in der jemand wohnt, hat darüber zu bestimmen, ob die Unte.- siützung zu zahlen ist. Ihr sieht eventuell ein Regreß gegen die Gemeüid:, in der der Betresscnde früher gewohnt Hut, zu. 2. Um nicht doppelt Sleuern zahlen zu müssen, muß der am l. Oktober nach auswärts Ziehende deni Magistrat der Stadt oder dem Borstand der Gemeinde, aus der er verzieh', so»eilig schristlich mitteilen, daß und wohin er verzieht, daß der Magistr.u oder der Gemeuidevorstand die Mitteilung spätestens am 80. September in Händen hat. Auch wenn er der Polizei schon vor dem 1. Oktober die AS- Meldung übergibt, kann doppelt die Gemeindesteuer verlangt werben, wenn die Polizei dem Magistrat oder dem Gemeindevorstand erst nach den? 30. Seplember Kenntnis von der Abmeldung gegeben hat. 8. Orts- angehörigkeit tritt ohne weiteres mit der Niederlassung ein. Sie meiuen wohl Erwerb des UnterstützungswohnsitzeS. Der Unterstutzungswohnsip wird erworben, wenn der neu Anziehende ein Jahr langin der Guneiude gewohnt hat. ohne Unterstützung erhalte» zu haben.— M. M. 1. Reist. — A. P. 9.'Ansprüche wegen unbefugten Austritts aus der Lehre lou-". der Lehrherr gegen den HauoluugSledrling nur geltend machen, wenn de. Lehrvertrag schrifllich geschlossen ist. Ihre Tochter lönnte demnach die Lehre verlassen, ohne daß Ansprüche gegen sie geltend gemacht werden könu-n. Hat der Baier sich zur Ersüllung des Lehrvertrages verpslichtet, so könnlcu allerdings ihm gegenüber seitens des Lehrherrn Schadensersatzmijprüche gellend gemacht werden. Indessen kann der Bater der Klage gegenüber einwenden, daß berechtigte Gründe zur Aushebung des Lehrvertragcs vor- liege», z. B. die Ersüllung seiner Pslicht als Vater, die Rücksichtnahme ans die Gesundheit oder das gute Fortkommen des Kindes. Auch wenn ein schristlicher Lehrvertrag geschlossen ist. kann der gejetzliche. Vertreter des Lehrlings oder, wenn der Lehrling großjährig ist, dieser selbst die schriftliche Erklärung abgeben, daß er»u einem anderen Gewerbe oder zu eine".? anderen Berus übergehen werde. In diesem Falle endigt das Lehrlings- verhältnls, ialls der Lehrherr den Lehrling nicht jrüher entläßt, nach deui Adlaus eines Monats seit Uebergabe der Erklärung. Wenn der Lehrling in solchem Falle der abgegebenen Erklärung zuwider vor dem Ablaut von neun Monaten nach der Beendigung des LehrlingsverhältmiseZ in ein anderes Geschalt alS Handelslehrlmg oder als Handelsaehiije eintritt, so ist er dem Lehrherrn zum Ersatz deS diesem durch die Beendigung deS Lehrverhältnisses entstandenen Schadens verpflichtet. K. Von der Koise zurück[37)9 Dr. N.luerbaeli, _ Alcxanderstr. 14a._ W asserniann, Photograph. 6136 W., Plalzburgerstr. 8, empfiehlt sich zu Aufnahmen jeder Art. Iii». Simm» Spezial-Arzt«W für Haut- und Harnleiden. Prinzeustr. 41, 10—2, 6-7. Sonntaga 10—12, 2—1 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion Nubliknm gegenüber Aerautwortniig. dem keinerlei �Keater. DovnerStag, den 22. Juli. Ansang T'/j Uhr. Neue? königliches Qperntheater. Tannhäuser.(Ansang 7 Uhr.) Anfang S Uhr. Deutsches. Ketten. Kammers viele. Mimi. Lessing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Hotel Amor. StciieS TchausPielhaiiS. Moral. Schiller t».«üSallncr. Thealer.) Madame Bonivard. Schin-r Tharlottenbnrg. Der tZiberpclz. Friedrich. Wilhelmsindt. Schau. spiclhaus. Zauberflöte. Komische Oper. O diese Leutnants. Neues. Sein Sündenregister. Thalia. Im Casö Noblesse. Lustspielhaus. gamilie Schimek. Neues Operetten. Die Sprudelsee. FolieS Kaprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Zins. 6'lt Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. Bernhard viosc. WaS ein« Frau kann. Berliner Prater. Man lebt ja nur einmal. W. Noacks Theater. Preziosa. Apollo. Hartslein. Er oder Er. Spezialitäten. ISintergarte». Spezialitäten. Baiiage. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Stadt-Theatcr Moabit. Spezia- litäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Die Spreewald-Käthe. Spezialltätm Rcichshallen. Winter-Thmian. Urania. Taiideuitrahr tM/40. Abends 8 Uhr: Die Insel Rügen. Sternwarte. Jiivalidenur.&Tiäi. Urania. WißsenschafÜichea Theater. TaubenstraCs 18/19. Abends 8 Uhr: Die Insel Rügen. Lessing-Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Ansang 3 Uhr. IM« DolIarprlnxesBln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. berliner l'keater. �"/Ar: tlote! �mor. Heues Theater. Abend, 8 Uhr: SeieSfedeoregister Freitag und folgend« Tage: Lern Sündenregister. Neues Kgl. Opern•Theater(Kroll). Qura-Oper. Tannhänser Von Ricb.Wagner.— Anf 7 Uhr. Freitag: Oer fllenende Hoiläniier. Sonnabend; Othello. Sonntag: Lohangrln. Mont.: Salome S oucK Öperctteu-Thoater, Schijjbauerdamm 25, a. d. Luisen str. Ansang 8 Ubr: VI« dtpruUvir««. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. Üusispisiksus. Abend» S Uhr: 7smMs Zvkimsk. fsjeljsieit-MIItsIittitgiüischez ZLltsllLpiölltZUZ. Donnerstag, SZ. Juli, abends 8 Uhr: Die Zanberflöte Oper in Z Akt. v. Mozart. Neu einstud. (Kleine Preiie> Freitag: Otis Naohtlager von Grenada. Gonnab.; Waffenschrniad. Neu einstud. MMPROMTHiH iMr. grantiurler Str. 132. IsieFrantai. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartenbühne Ansang i'l, Uhr. U.a.: Raudidaldaul Gr. Pantomime. Erslklnsiige�Spe.ialitiiten. Garten I Am KönigStor. Am Friedrichshain\ Tänliph Ansang 4 resp. 5 Uhr t 1(ty 11CO Entree SO Pf. Theater-Vorstellung; i Spezialitäten. D. ncueFuIiprogr I Ied Mittwoch: Kindortraudentast. «GGGGGGGGGGGGGGGGOOs W.KoacUs Theater Diretiion: Rob. Oill. Srunnenitr. IS. Benefiz! Kllte. Rei«h. Unter Mitwirkung uamh. Gaste. H'l, llur. S'/i Uhr. Preztosn. vorher und nachher: SpazialllStaal Ans. 1 Uhr. Entree: 30 Pf. Seliiiler' Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Täglich: lladamc Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Lisson und Antonh MarS. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. ?assage-?anoptillum. O-odon«! k m letzten weilctien wen! vom Stamme der jlzteken! Umn die schwebende i S�|fC3S| Jnn�fraa. Ganz Berlin zerbricht fleaa sich den Kopf über MJJ« Alles ohne Extra-Eafree. Passage-Theater. tel ffi Das sensationelle Willi Prager. 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Heute: Gastspiel Tluler- TxmiÄll alt seiner berühmt mit selner berühmt. Herrengesellschast. Ans. wochcnl.8Uhr Sonntags 7 Uhr. Sonntag, den 1. August: lkviederbeginu der Soiree» der Stettlaer SUnger. Brunnen-Theater Badstral,« 68. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: X Erstklassige Spezialitäten! X Novitilt! Novität! Eine tolBeNaohts Gr AuSstattungS-BolkSstüd mit Gesang und Ten, in S Bildern von Freund und Mannslädt. Kasteneröstnung 2 Uhr. Ans. 1 Uhr. ! Kerliner pmter- Theater! \ fiaftnmeimCec 7—9. Täglich: < Han lebt Ja nur einmal! ] Havemanns gröBte Raubtiersohula , d. Well. Spezialität., Konzert, Ball- < Slnsang l1/, Uhr. Max Riiems Somniep- Theater und Festshle Rudolf Krüger Hasenheide 13/15. MT Täglich:-MZ GroBes Konzert Theater und Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung: Waller Graveaitz. Jeden Donnerstag:Elltetag. ZSährend und nach der Vorstellung lOaazArÄnrcbcn. Mus Kksrlsz Mayhach-Hler an der Thielen• Brücke, Ecke Pflüger- und Panniorstr. Straßenbahnlinien 94, 46 u. 22. Brzlclt enorme Erfolge und tftgl. ansverk. Hans. Die Leistung, sind das heutige Stadtgcspr. v. gz. Berlin. AUabendlich 8 Uhr: Elite-Gala-Vorstellg. mit einem noch nie vorher hier gezeigten mannigfaltigen Sensations- Programm, jede einzelne Nummer eine ittraküon u.Schlager. Täglich abds. 10 U. SO Min.: Auftreten der weltberühmten Edwen-Domptense Miss Charles mit ihren 84/3* 14 Än Löw 14 einzig dastehend, ohne Konk. Stadt-Theater Moabit. Alt-Boablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Borstillung wochentags 7 Ubr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Gartencrösfnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag. Spezia- litäten und Soiree der„Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im großen Thcater-Saal._ E Variete-Theater IWeinborgtwsg 19-20, Roienth.Tor.| Ansang 8 Uhr. Im Theater: Die grandiosen Spezialitäten. Im Garten: Pr«lkon»«rt. Vor der spanischen Arena. Volksgarten-Theater früher WeimannS AolkSgarten. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten. Aarstellung. Sonja Suwaroff. X Mita Rosalll. Tne Odaros. X Hubele-Trlo. Ter Brandstifter von Berlin. vollSst. m. Ges. u. Tanz v. Reislingen. Donnerstag, 19. Aug.: Gr. Gartenfest Colllene Tugend. AuSstaitungS-Operette ln 2 Akten von Walter Gerlcke. Sowie IZ erstklassige Spezialitäten. The 3 Berlings. Ansang S1/, Uhr. Entree 80 Ps. ttgst olzmarttstr 72(EdeAlexanderstr.) Sgl. i herrl.Natur-Iommergarten bei ungünstiger Wstterung i. Saale Gr. Theater- u. Spez.-Vorelellung. Vi u die Xilcbe blatUIIt. Schwank m. Gesang o. H. Gontard. UeiBner, Husoba 0omdx, flllppe, l.a delleThereee, Slilha u. Schnell. An! niochent 8, Sonntanj 5 Uhr. �lysinm Landsberger Allee 40/41. Ecke Petersburger Strasse. ZM- Heute sowie täglich-Mg im prachtvollen Naturgartm: VorsteUunx abwechselnd von drei der bestreuommierttstev Siiugtrgeseilschastkn. Vereins- Lrsuerei! I Rixdorf, Hermannstr. 214/2)9. OekoBom: Max Wandt jap- Tfigllch:-M» i Gr. Militär-Konzeit. 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Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags S Uhr, von der Halle des nenen Jakobt- tirchhoseS, Hermannstraße, aus statt. 235/14 Der Torstand. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes Baal 8cba«ldei> sage meinen besten Dank, besonders dem Zentral- oerband der Brnuereiarveiter und den Kollegen sowie den Herren ChesS der Borussia-Brauerei" 6158 FrauTVllhelmino Schneider nebst Kinder». JIS- Dl« alten Tlltgllcdslral-ton müssen zum Umtausch in der bisherigen Zahlstelle abgegeben werden. Der letzte Abholnngstermln für die nenen Mit�Ucdskavtcn ist der 5. August. Ueber die bis zu diesem Tage nicht abgeholten Karten wird anderweitig verfügt. Werbet Mitglieder für iie neuen Abteilungen. 241/8 Der Torstand; In Vertr. G. Winkler. Abfahrtstelle Schillingsbrücke «IN Schtesischen Bahnhof. Täglich"'"ü Mittags 2 Uhr mit Musik Hin»nd zurück nur«9 Pf. m»»WmmBWWMmMüW neben I 602b* Robert Tlsmer. Nur durch ganz hervorragend feine QnaUt&t hat der Kapitän-Kautabak seinen guten Ruf erhalten. Der echte KapltAn-Kantabak(gesetzt, geschätzt) wird nur noch in Etiketten verpackt zum 10 Pfennig- Verkauf geliefert(in Rollen und Bündel). Unverpackte Ware Ist, weil nnecht. znrfickzuwelsen. Zu haben in Zigarrengeschäften usw., wo auch kleine Priemdosen gratis erhältlich sind. Vertrieb: Carl Röcker, Berlin, GrOner Weg 112(Amt 7, 3861). Zentral-ferlianil lief veckedlM. Zweigverein Berlin. Sektion dor Gips- u. Zementbranche Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rabitz- spanner Auxust /Vierten am 18. Juli, im Wer von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beetdigung findet heute Donnerstag, den 22. JUU. nach- aittags 4 Uhr, von der Leichen- alle deS Sebastian-Kirchhofes in Reinidendors-West.Humholdstraße, aus statt.~ 138/13 Um rege Beteiligung ersucht Der SektionSvorstaud. Deutscher Bachbmder-Verband. Zahlstelle Berlin. Am 18. d. MtS. verstarb unser Mitglied, dteBuchbtnderelarbelterin LJna Schwanz. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet heute Donnerstag, den 22. Juli, nach- mittag» 4 Uhr, von der Halle des Markuslirchhoses in Wilhelms- berg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht OrtsverwaK 24/2 Die iltuag. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsverwaltung Berlin. Am Dienstag, den 20. Juli, ver- starb unser Mitglied, der Mappen- arbeiter Muxo Freitag (Werkstatt Moses). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen f reitag, den 23. Juli, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes, Rixdorf, Hermannstraße 179—181, aus statt. 157/16 Die Ortsverwaltung. Gescliäftsjalir der Gnindliesjtz- u. Hypotheken-Bank O. m. b. H. Danksagung. Für die so herzliche Teilnahme und überau» reichen Blumenspenden an- läßlich de§ HeimgangS meines einzig geliebten ManneS 84/9 Gustav Bareinz spreche hiermit allen meinen lies- empfundenen Dank aus. In tief empfundenem Schmerz Lotte Bareinz. Charlottenburg, 21. Juli 1909. Berlin, P Leipziger Str. 127. Aktiva. Kassa-Konto Bestand........ Konlo-Korrent-Konto Debitoren 38,921 77 Abschreibungen.. 8j92177 Wechsel-Konto Bestand... Gesellschasts-Konto 75 Prozent Rückstand Jnventarien-Konto Anschasjung 1 422,70 Abschreibung... 1�42�70 Grundstücks-Konto, Zinshaus Bodeltr. iö, AnschasjungSpreis bis Dato Debet. Passiva. Konto-Korrent-Konto Kreditoren... Gesellschasts-Konto Stammkapital... Hvpotheten-Konto Bodestr. 15, Hypotheken Akzepte-Konto diverse Akzepte.... Geivinn-Bortrag laut Verteilung... M. 3128 30 00» 162 917 12 20» 37 342 Ys 27 72 58 Unkosten-Konto Verdri GeschästS-Konw Verbräm, DtStont- und ZInsen-Kont'o Verbrauch Abs chreibungen Jnventarien-Konto Anschassungen 1 422,70 Abschreibungen... Konto-Korrent-Konto Abschreibungen.. Gewinn-Vortrag......... Berlin, den 15. August 1908. 316533157 Kredit. GrundftückS-ProvtfionS-Konto Ertrag. 'ppotheken-ProvistonS-Konto Ertrag. finanziorungS-Konto Ertrug M-Konta Ertrag... Der Torstaad,(gez.) Georg Gericke. Die Uebereinstimmung deS Gewinn- und Berlust-ÄontoS, sowie Bilanz-KontvS mit dm ordnungsmäßig geführten Büchern der Gesellschast bescheinige hiermit Berlin, dm 27. August 1908 (gez.) Hermann Banm, beeidigter Bücherrevisor. Seefische we» llähwert! Ton frUchen FUngen unserer Dampfer empfehlen wir in la Qualität als ganz besonders billig! Ia große fette Scbollen rvom mit zs pf., 4 Pfd. für 90 Pf. Scholle gekocht oder gebraten ist eine Delikatesse! Außerdem empfehlen wir• pro Pfund SchelBf isch im Ansohn. 35 Pf. s. BratscheBlf ische 25 h. ----- pro Pfund ff. im Anschnitt ZA Pf. S. TovISvthS im Anschnitt ZF Pf._____ �______________ Deutsehe Hochseeflscherei-Gesellsehaft„Nordsee" Größte Hochseefischerei.— Seefisch-Qroßhandluna. Hauptgeschäft: Berlin C., Bahnhof Börse 8/9. Telephon III, 8804. . Verkaufsstellen in Berlin;, O., Bahnhof Börse, Bogen 8-10. N., Invalidenstr. 131. 0„ Große Frankfurter Str. 85. O., Madaistraße, Bogen 8—9, Fruohtstraße gegenüber. 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Bericht der Delegierten zur Gewerkschaftskommission und Neuwahl derselben. 4. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! 138/12* Zahlreichen Besuch aller Kollegen erwartet »er Sit späteste«! abend! 8 Uhr. denn et ist die höchste Zeit. Die Preise sind herabzeseht und fabelhaft billta. die Lager find ttbersstllt. SI kommen«um Verlauf: Herren- Anjltge. Herren, Hosen. Herren» Paletots, unier anderem ein großer Posten Mouatt- Garderobe, in den seinsten AerlstäUen aearbeitel, au! prima.Stoffen (teil! aus Seide), für sedermann passend, auf Lager., slllis e ackert. Älnjuge..... 8 13 14 18 LH. i Rock Anziige...... 10 14 18 3« M. ommer. Paletots.... 7 13 14 18 M. lSctirork.Anziiae..... 14 18 33 3« M. Herren.Hofcn...... 3 4 S 7 M. I GefellschastS-Anzüge spottbillig. Ei«, eine Jacketts, Röcke, Fracks usw. J H H D Haupigeschcift:«rohe Frankfnrter Straße 11«,�-» der»ndrealstraß«. äst: Chaulfeeftratze 8», III. Geschäft: Brmucnftrahe 17S. �sdMs-killiWmliiilö ksriin. Donnerstag, den SS. Juli ISSS, abends 8'/, Uhr, im Schnllokal» Erenadierstr. 37: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. deS Lehrer-KollegiumZ und der Revisoren. 2. Schulangelegenheiten. 3. Verschiedenes. SjSS~ Mitgliedsbuch legitimiert."TW Beiträge werden entgegengenommen. 8/12* Sonntag, den 25. Juli 1909, vormittags 9'/z Uhr: Ziödöiile vlllölitlieiie l-mls!-Vranuiitoni! in den»Rittersalc»". 8W., Ritterstr. 7S., Tages- Ordnung: 1. Geschäftsbericht: Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Berluftrechnung. 2. Bericht der Revisoren»nd Genehmigung der Bilanz, sowie Beschlußfasiung über die Verteilung des Gewiuiies. 3. Bericht von der Vcrbandsreviiion. i. Neuwahlen des Vorstandes. 5. Eriahwahlen zum Aussichtsrat. 6. Antrag des Gc- nosse» Huber. 7. Verschiedenes. Genossen! Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es"«CM :::: Pflicht eines jeden Genossen, bestimmt zu erscheinen!::::"TE Niemand darf fehlen! Nur Mitglieder haben Zutritt l Lhne Mitgliedsbuch kein Einlast! � 1■ Die Bilanz nebst Gewinn- und Berluftrechnung sind in der Gcschästs- stelle, 89,, stottduser Uter 44, Not roobts, I linlts, in den Kasienstundcn, vormittags 8— 1v und nachmittags von 4'/,— 7 Uhr, einzusehen,— Etwaige Anträge der Mitglieder müssen bis spätestens Dienstag, de» SS. Juli, schristlich beim Vorstande eingegangen sein. Die Vcrsamm- lung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand: L. Dornos. Fr. Wernicke. A. Reinecke. 107/2 Arnold Scbolz NdflG ÜWgS� Hasenbeide 108 114 Heute Donnerstag, den SS. Jali lOOO: JMifn Tot. Das hervorragende neue Programm. U. a.: lO'/.Übr: ClllC'lny. Das Tagesgesprlich: Möns. Partes ilöllen- fahrt mit dem Zweirad durch die Luft im Feuermeer. Doppel- n. Militär-Konzert.— Monsfer-Brillant-Feuerwerk. Anfang 5 Uhr.- Eatroe 50 Pf. Sensationell! Separatvorführung Sensationell! der epochalen Erfindung des Herrn Schaumann aus Memol: Kugelsichere Panzer, welche selbst den modernsten Infanterie-Spitzgeschosson widerstehen. Vorführung und Besichtigung 9 Uhr. Eintritt 50 Pf. Arbeiter-Wanderbund Die Naturfreunde Wanderfahrten am Sonntag, den SS. Jnli IVOS: 1. Mälchow— Eichborst— Werbellin. Abfahrt: Steltincr Bahnhof früh 6 Uhr. 2. Spandau— Schwanenkrug— Hcn- nigsdorf— Hcrmsdors. Treffpunkt: Spandau 8 Uhr vor- mittags. 3. Gcrinicc— Bernau. Abjahrt: Stcttiner Bahnhof nach- mittags 1 Uhr._ 1/4 Ortskrankenkasse für das Geldscluniedegewerbs zn Berlin. Bekanntmachung. Durch Beschluß des Bezirfsaus- schusses vom 29. Juni 1999 ist die durch die Generalversammlung vom 19. April 1909 beschlossene 1. Ab- änderung des Statuts betreffend Zahlung der Beiträge für freiwillige Mitglieder genehmigt und tritt mit dem ersten Montag nach dieser Be- kanntmachung in Kraft. 278/13 Berlin, den 22. Juli 1909. � H. Hertz, 0. Asmendlnger, SchristsüHrer._ Vorsitzender A Ul I 297'9' Achtung! Smnatra hell, zweite Länge, schncowelß brennend, per Pfd. verz. 1,50 Wiirger MIM- Filiale; Berlin N. Brunnenstraße 190. Ällein-Bertrieb für die Stadt Berlin bezw. größere Bezirke für die gejctzlich geschützten Etuis für[avaüileDkäften, Aufrechnmigsbescheinigungen usw.— Abnehmer jeder Versicherter— zu vergeben. Off. erb. an Belnr. Krelnert, Leipzig, Bahrijchestr. 65. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme» stellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenslrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Rcstaurnnt mit Saal usw., großer Fabrikhof, billig zu verlausen, weil alleinstehend, durch Gesch, Grüner Weg, Ecke Markusstraße, Zigarren- gkschäst. 146 Möbel. 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Holzarbeiter Wegen Streit und Differenzen find gesperrt: für Tischler. Polierer und Ma- fchinenarbeiter Fräserei Schendler, Blumenstratze. Firma Staats, Oberbaumstr. 5 und der San Winscheidstr. 8 in Char- lottenburg. Mosel, Marianneiistratze 31/32. Sämtliche Betriebe in den Orten Rathenow, Fürsteuwalde.Mus- kau. Nürnberg. Segeberg (Holstein) und Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz» industrte das VermMelungsburcau Blankcnfeldestr. 4 und Amfter- damerstrafie 3 streng zu meiden. Für(Sin sehet: die Bauten Lenbachftr. IS. Kor- ueliuSstraffe 30 in Lanlwiü und Windscheidtstr. 8 tu Char- lottenburg. Für Korbmacher: Körner in RowaweS. Für Stellmacher: Berliner Mororwagenfabrik in Rcinickendors. Tie Ortsverwaltung. Parteisekretär für den Wahlkreis L.Üdeek 1. September d. I. gesucht. Derselbe mutz agitatorische und organisatorische Fähigkeiten befigc« und hat auch die Kassettgeschäfte mit zu erledigen. Zlnsangsgehall 2200 M. 286,: 4' /Bewerbungen, mit der Anffchrist»Parteisekretär« sind b/5 zum 1. August d. I. an den Genossen Baal l-uwigt, Johaunisjtr. 46. zu richten. Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle, Reichen bergerswatze 115. Bertig. 11-__ Nerftu, Krvck U.Verlag: LomärtSKuchdruckcrei u, Vcrlagsgnjtalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW. Nr. 168. 26. Jahrgang. 2. KnIiP des Jmirts" Kerlim JolbWilt Donnerstag, 22. Juli 1909. Stadtverordnetenival)! 1909. Im Herbst dieses Jahres finden die regelmäßigen Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Deshalb richten wir an die Wähler die dringende Auf- forderung: Sekt die Mäklerliften ein! Die Wählerlisten liegen nur noch bis zum 30. Juli ans und zwar an den Wochentagen von nachmittags 3 bis abends 8 Nhr, an de» Sonntagen von vormittags 10 bis nachmittags 4 Uhr. Der Magistrat hat in diesem Jahre endlich mehrere Auslegestellen geschaffen, in denen die Listen ausliegen, so daß den Wählern der Gang nach der Poststraße erspart wird. Diese Stellen sind folgende: In der Turnhalle der 108./116. Genieindeschule in der Hagelbergerstraße 34 liegen für die Stadtbezirke 1— 78 c die Listen aus. In der Turnhalle der 20. Gemeindeschule in der Waldemar- straße 77 sind die Listen für die Stadtbezirke 79—144 ein- zusehen. In der Turnhalle der 23. Gemeindeschule, Strausberger Straße 9. können die Listen für die Stadtbezirke 145— 2Ö1 eingesehen werden. In der Turnhalle der 200./214. Gemeindeschule, Oderberg er Straße 57, liegen die Listen für die Stadtbezirke 202—215, 218—267, 277 und 321 aus, und in der Turnhalle der 70./202. Gemeindeschule, Ravenöstr. 12, können die Wählerlisten für die Stadtbezirke 216, 217, 268 bis 276, 278—3200 und 322—3261) eingesehen werden. Schon bei der bisherigen Durchsicht der Listen haben sich erhebliche Mängel herausgestellt, weshalb kein Wähler ver- säumen darf, die Listen einzusehen. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist, Ivcnn er seit mindestens einem Jahre in Berlin wohnt und im letzten Jahre keine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat und wenn er mindestens zur zweiten Stcucrstufe(660 bis 900 M.) eingeschätzt ist und die Steuern — sofern er über 900 M. eingeschätzt ist— bezahlt hat. Der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln gleichgeachtet wird die eigene Krankenhausbehandlung oder die Verpflegung An- gehöriger im Krankenhause ini letzten Jahre, für deren Unterhalt der Betreffende zu sorgen hat. Selbständig ist jeder, der einen eigenen Haushalt oder die selbständige Verfügung über einen Raum hat. Chambregarnisten sind Wahl- berechtigt, Schlafburschen nicht. Wahlberechtigt ist aber«ur, wer in der Wähler- liste steht. Deshalb darf kein Parteigenosse, kein Arbeiter versäumen. die Wählerliste einzusehen. Wer die Voraussetzungen der Wählbarkeit erfüllt und trotzdem nicht in die Wählerliste ein- getragen ist, der erhebe in der Zeit bis 30. Juli Ein- Wendungen gegen die Richtigkeit der Wählerliste. Spätere Einwendungen als in dieser Zeit gemachte bleiben un berück- sichtigt. Wer die Liste nachsieht, nehme die letzte Steuer- quittung mit. Arbeiter! Parteigenossen Berlins! In einer gründlichen Vorbereitung des Kampfes liegt das Geheimnis des Sieges!_ partci- Hngelcgcnbeitcn. Schiincrlinde, Bezirk Pankow. Sonntag, den 25. d. M., nachmittags 4 Uhr. findet im Lokale des Genossen Karl Sczprelinski eine Volksversammlung statt, in welcher Genofle Kubig über die politische SiVation sprechen wird. Sämtliche Genossen von Pankow find hiermit extra eingeladen. Abfahrt von Pankow-Schönhauscn nachmittag? L'/z Uhr bis Buch. Lichtenberg. Ilm Sonnabend, den 24. d. M., veranstaltet der sozialdemokratische Wahlvcrein, Bezirk Lichtenberg, im Lokal von P. Schwarz, Dorfstraße 26. ein großes Sommerfest unter Mit« Wirkung des gesamten dort engagierten KüustlerpersonalS. Parteigenossen und Genossinnen sowie Interessenten werden er- sucht, sich stark daran zu beteiligen. Beginn 4 Uhr. Eintritt 2V Pf. Berliner JVacbricbtem Die Armenpflege der Stadt Berlin hatce im Jahre 1908 und besonders im Winter 1908/09 eine rasche und sehr bedeutende Mehrung der Hilfe- suchenden zu bestehen gehabt. Offensichtlich war das eine Folge des Beschäftigungs mangels, unter dem ein großer Teil der Arbeiterbevölkerung litt. Wohl oder übel mußten die Organe der Armenverwaltung sich dazu bequemen, diesen Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen. Sie faßten seufzend ein bißchen tiefer in den Beutel der Stadt, um etwas mehr als bisher zur Linderung der Not herzugeben. So kam's, daß bis zum Februar 1909 die Zahl der laufend unterstützten Almosenempfänger sich auf 34 732 erhöhte, das war um 1576 mehr als im Februar des Vorjahres. Die Zahl der Pflegekinder(der bei den Müttern belassenen Halbwaisen, für die eine laufende Unter- stützung gezahlt wird) stieg bis zum Februar 1909 auf 13580. was gegenüber demselben Monat des Vorjahres ein Plus von 183o ergab. Die Mehrung gegenüber dem Vorjahr be- rechnete sich bei den Almosenempfängern auf ziemlich 5 Proz., bei den Pflegekindern auf über 15 Proz. Noch größer war sie bei den sogenannten Extraunterstützungen, mit denen die nicht laufend unterstützten Personen abgespeist wurden. Ini Februar 1909 mußten 9532 Unterstützungen dieser �Art gezahlt werden, während im vorjährigen Februar nur 7461 gezahlt worden waren. Das war gegenüber dem Vorjahre ein PluS von 2071, d. h. von fast 23 Proz. Gestiegen war schließlich auch die Zahl derjenigen Extraunterstützungen, die für inanche Almosenempfänger und Pflegekinder als Zugabe zu den laufenden Unterstützungen gezahlt iverden. Inzwischen ist nun diese A u f w ä rt s b e w e g u n g wieder zum S t i l l st a n d gekommen. Gewiß spricht hier der Umstand mit. daß bei Beginn der wärmeren Jahreszeit der Beschäfiigungsmangel sich wieder ein wenig gemildert hat. Wir haben aber Grund zu der Vermutung, daß die Organe der Armen- Verwaltung tüchtig mitgeholfen haben, die Schaar der Unter st ützten zu verringern. Ueber den Erfolg dieser eindämmenden Tätigkeit liegen jetzt amt- liche Angaben vor, die erst bis zum Mai reichen. Bei den Almosenempfängern wie bei den Pflegekindern hatte schon im März eine Minderung eingesetzt. Sie hat seitdem ununter- krochen angedauert, so daß im Mai nur noch 34 298 Almosen- empfänger und 12 385 Pflegekinder unterstützt wurden. Das ist aber doch immer noch sehr viel mehr als im Mai vorigen Jahres, um 987 mehr bei den Almosen- empfängern. um 983 mehr bei den Pflegekindern. Bei den Extraunterstützungen für nicht laufend Unter- stützte trat der Umschwung erst im April d. I. ein. Im März war ihre Zahl zunächst noch weiter hinaufgerückt, auf 10256, um 2765 mehr als im vorjährigen März. Dann kam auch hier eine Herabminderung zustande, so daß im Mai nur noch 7874 solche Unterstützungen gezahlt wurden. Freilich steht aber auch diese Zahl immer noch um 1766 höher als die aus dem vorjährigen Mai. Bei den an Almosenempfänger und Pflegekinder gezahlten Extraunterstützungen fiel die höchste Ziffer sogar erst in den April, und erst im Mai wurde hier die Flut zum Stehen gebracht. Gegenüber den Hilfsbedürftigen jetzt möglich st wieder den Daumen auf denBeutel zuhalten, das muß den Organen unserer Armenverwaltung leider als Pflicht gelten. Ungeachtet der Mehrung der Hilfesuchenden, die im Jahre 1908 eingetreten war, sind die Mittel des Armenetats für 1909 nur in einer Höhe bemessen worden, die unmöglich genügen kann, wenn nicht die Zahl der Unterstützten kräftig herabgedrückt wird. Unter solchen Umständen läuft die Armen- pflege fast auf ein bloßes Rechenexempel hinaus. Verlegung von 7 Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, die westliche Glciskreuzungsanlage der Leipziger- und der Charlottenstraße auszuwechseln. Die Arbeiten geschehen während der nächtlichen Betriebspause. ES läßt sich aber nicht vermeiden, daß in einigen Nächten die zwischen 2 Uhr nachtS und 6 Uhr früh der- kehrenden Wagen umgelenkt werden. ES betrifft dies die letzten und ersten Züge der Linien 6 Moabit— Kiiftriner Platz, S Moabit— Schlefifchcr Bahnhof, 74 Kniprodostraße— Schöncberg, 78 Frankfurter Allee— Wilmersdorf. 99 Schlesische Brücke— Friedenau und 91 Gvrlitzer Bahnhof— Halensee. Sie werden von der Leipziger Straße durch die Charlotten-, Französische und Maucrstraße sowie umgekehrt umgelenkt. Die Wagen der Linie 81 ab Charlottenburg 1.31 und 1.46 fahren durch die Leipziger, Mauer- und Französische Straße zum Schinkelplatz und aus demselben Wege sofort zurück. Die Um- lenkung erfolgt in den Nächten vom 23. zum 24., 29. zum 30. Juli, b. zum 6. und vom 6. zum 7. August. In dem Schnellbahnstreit Schöneberg kontra Charlottenburg hat der Bezirksausschuß nach kontradiktorischer Verhandlung folgenden Beschluß gefaßt: Soweit bei der Ausführung und dem Betriebe der von Schöneberg geplanten Untergrundbahn von der Hauptstraße nach dem Nollendorfplatz innerhalb der Gemarkung Charlottenburgs öffentliche Wege benutzt werden sollen, wird die Zustimmung der aus Gründen des öffentlichen Rechts Wegeunterhaltungspflichtigen Gemeinde Charlottenburg zu dieser Bahn hiermit ergänzt. Die Fest setzung eines Entgelts für diese Zustimmung gemäß K 6 des Kleinbahngcsetzes bleibt einem besonderen Verfahren vor behalten. In der Begründung führte der Regierungspräsident, der den Vorsitz im Bezirksausschuß führte, insbesondere aus, das Projekt diene dem öffentlichen Interesse und entspreche den Voraussetzungen, unter denen eine Ergänzung der Zu stiinmung des Wegeunterhaltungspflichtigen nach dem Klein- bahngesetz mit Rücksicht aus die Verkehrswürdigkeit des Projekts erfolgen solle. Der Bezirksausschuß war weiter der Ueber zeugung, daß das Ergänzungsverfahren ausschließliche Anwew dung finde und daß somit die Ansicht Charlottenburgs, wonach Schöneberg nur im Enteignungswege die Straße erwerben könne, unrichtig sei. Das Verlagsrecht an der Zeitschrift„Neue Militärische Blätter'. Wochenschrift für Armee und Marine, Berlin, das natürlich nur geringen oder gar keinen Wert besitzt, soll heute Donnerstag, den 22. Juli, in der Pfandkaituner Neue Schönhauscrstr. 17/18 mit sechs Kuxen der Gewerkschaft Fürstenberg und acht Kuxen der Gewerkschaft Maximilianshall öffentlich meistbietend zwangsweise gegen sofortige Barzahlung durch den Gerichtsvollzieher Damm II, Bendlerstr. 13, versteigert werden. „Noble Passionen" haben den 39 Jahre alten Steuererheber R. hinter Schloß und Niegel gebracht. R., ein Junggeselle, der bei der städtischen Steuerkasse II in der Fricdrichstraße beschäftigt war, liebte Wein. Weib und Gesang mehr als ihm zuträglich war. Biel Geld kostete ihm auch die Rennbahn. Weil sein Einkonunen diesem Aufwände nicht entsprach, so vergriff er sich an den Kassen- gcldern. Nachdem er 2700 M. unterschlagen hatte, verschwand er. Ohne feste Wohnung hiell er sich bald in Berlin, bald auswärts, u. a. in Braunschweig verborgen, bis ihm jetzt am Halleschen Tor ein ehemaliger Amtsgenosse begegnete und seine Festnahme ver- anlaßte. Man fand bei ihm von dem veruntreuten Gelde noch 926 Mark. Zu dem Unglück auf der Radrennbahn wird mitgeteilt, daß noch zwei Schwerverletzte, die bisher in ihren Wohnungen ärztlich be- handelt wurden, gezwungen waren, ein Krankenhaus aufzusuchen. Der Verwalter Karl Planmann, der von der Müllerstraße 7 b nach dem Krankenhause Moabit gebracht wurde, hat Knochenbrüche und innere Verletzungen erlitten, der Barbier Otto Koch au? der Beller- mannstraße 23, der nach dem Virchow-Krankenhause kam, schwere Brandwunden. In dem Befinden der anderen Verunglückten ist keine Verschlimmerung eingetreten. Auf die Zustände in der Charitö wirst folgendes Vorkommnis ein recht sonderbares Licht: Gestern niorgen um 2 Uhr 30 Minuten erkrankte eine Frau plötzlich infolge einer Fehlgeburt; sie lvurde mit einem Kraukenlvagen des Verbandes für erste Hilfe nach der Charit« gebracht. Hier wurde die Frau von einem Unterarzt untersucht und dann nach der Aufnahmestation geschickt. Hier mußte sie etwa eine Stunde warten: die Frau lag in ihrem Blute auf der Krankenbahre, aber kein Arzt ließ sich lehen. Endlich fragte der Transporteur des Krankenwagens, ob denn kein Arzt komme. Die Schwester von der Station ging zum Arzt und meldete nochmals die Aufnahme. Räch einer Bicrtelsümde erschien die Schwester wieder und sagte, der Herr Doktor habe gesagt. eS wäre für die Patientin kein Platz, sie solle in einem anderen Krankenhause Ausiiabme suchen. Die Frau war um 3 Uhr mit dem Krankenwagen in der Charitö an- gekommen, um 4 Uhr 22 Minuten mußte sie wieder nach dem Virchowkrankenhanse abfahren, wo sie endlich um 2 Uhr ankam. Hier fand die Kranke, die laut jammerte und um Hilfe bat, endlich Auf- nähme. 2>/z Stunden war die Frau unterwegs, um endlich Hilfe zu finden. Beide Beine abgefahren. Auf dem Stettiner Fernbahnhofe wurden gestern früh kurz vor 6 Uhr von einer Maschine, die an den Zug heranfuhr, dem 26jährigen ledigen Hilfsweichensteller Otto Harz, Schwartzlopffstr. 3 bei Frau Graeve wohnhaft, beide Beine ab-. gefahren, eins bis ans Knie, bei dem anderen der Fuß. Erste Hilst lvurde ihm auf der Unfallstation in der Eichendorffstraße zuteil. Ei wurde dann nach dem LazaruS-Krankenhause gebracht, hatte starker Blutverlust, lebte aber mittags noch. Ein großer Dachstuhlbrand, der auf Brandstiftung zurückzuführen ist. beschäftigte am Dienstag die Feuerwehren von Boxhagcu- Rummelsburg usw. Dort stand der Dachstuhl des neuen Eckhauses Viktoriaplatz l/2 in großer Ausdehnung in Flammen. Diese sollen an mehreren Stellen gleichzeitig ausgekommen sein. Die freiwilligen Feuerwehren fanden bei ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vor und hatten stundenlang zu tun, bevor die Gefahi beseitigt war. Mehrere Mieter, die nichts versichert haben, sind durch den Brand hart betroffen. AuS dem Fenster gestürzt. Ans einem Fenster deS dritten Stock Werkes des Hauses Lindenstraße 63 an der Jerusalemer Kirche hat sich am Mittwoch, nachmittags um 3>/z Uhr, das Fräulein Else Meye gestürzt. Leblos blieb das 22 jährige hübsche junge Mädchen ans dem Bürgersteig gegenüber der Feuerivache liegen. Von dieser wurden sofort Samariter entsandt, die das Mädchen mit einem Tendei unverzüglich, auf eine bequeme Tragbahre gebettet, die von Fester Wehrmännern gehalten lvurde, nach dem Krankeiihaufe fuhren, wl man schwere äußere und innere Verletzungen feststellte, so daß wenig Hoffnung besteht, Fräulein Meye am Leben zu erhalten. Als Ursach- des Falles wird angegeben, daß Fräulein Meye nach einem vorher- gegangenen Zwist mit ihrem Verlobten kurz entschlossen aus dem Fenster gesprungen sein soll. Durch einen völlig neuen Schwindeltrick versucht ein Gauner Angehörige verstorbener Geschäftsleute zu prellen. So erschien Dienstagmittag in einem hiesigen Dctailgeschäft, dessen Inhaber vor kurzem verstorben, ein sehr elegant gekleideter junger Mann und präsentierte eine Rechnung über ein von dem Verstorbenen auf- gegebenes Inserat, llm die Leute völlig sicher zu machen, war zu der Rechnung ein mit Firmenstempel versehenes Formular benutzt. Die Augehörigen, denen die Jiisericrung zweifelhaft erschien, baten den Herrn zu Worten und frugen einen nebenan wohnenden und zufällig anwesenden Geschäftsfreund, ob ihm hiervon etwas bekannt wäre. Dieser verneinte und erbot sich, telephonisch Nachfrage anzustellen. Nach dem Fortgange des Geschäftsfreundes frng der junge Mann, wer der Herr gewesen. der seine Papiere mitgenommen habe, und erklärte, dem Herrn sofort folgen zu müssen, weil er diesem seine Papiere nicht überlassen könne. Er verließ nun das Geschäft, trat auf die Straße und winkte einem anderen jungen Manne. Sich umwendend, gewahrte er jedoch jetzt, daß er aus beiden Läden von zwei Herren verfolgt wurde. Da sahen sich die Schwindler vor ihrer Entlarvung und suchten ih? Heil in der Flucht, die ihnen leider trotz eifrigster Ver- folgung gelang. Die auf dem Rechnungsforinulare angegebene Telephonnumnier war die eines Sargmagazins, in welchem nichts bekannt war. Der Schwindler führte einen großen Stoß aus- geschriebener Rechmingen mit sich, hatte sich anfänglich vergriffen und auch falsche vorgelegt, so daß zu befürchten ist, daß daS Schwindlerpaar die Sache im großen betreibt. Der Fahrradmarder im Polizeipräsidium. Einen sehr dreisten Streich spielte gestern mittag ein Fahrraddieb dem Meisterfahrer Artur Stellbrink. Dieser fuhr mit einer Stehermaschine, die er so- eben erst aus der Fabrik bezogen hatte, nach dem Polizeipräsidium, um sich über das Unglück im alten Botanischen Garten vernehmen zu lassen. Für Radfahrer, die bei der Polizei zu tun haben, be- findet sich am Haupteingang gegenüber der Stadtbahn, in der Ein- fahrt zu dem großen Hofe, über den man auch nach der Alexander- straße gelangl, ein fester Stand. Jndiesen stellte auch St. seine funkel- nagelneue Maschine ein. Sichern konnte er sie aber nicht, weil er kein Schloß mitgebracht hatte. Als er nach geraumer Zeit vonderVernehmuno zurückkehrte und wieder nach Hause fahren wollte, war sein Rat verschwunden. Ein„Marder" hatte es entführt. Ein Schutzmanns- Posten, der vor dem Eingang steht, konitte nicht auf jeden achten unt nicht wissen, daß ein Fremder sich des Rades widerrechtlich be> mächtigt hatte. Das gestohlene Rad, das Stellbrinl auf der Fahrt nach dem Polizeipräsidium zum erstenmal benutzte, ist eine Steher- Maschine mit kleinem Vorderrad, Marke Brennaoor. Vorort- ZVackrickten. Rixdorf. Zum Parteitag in Leipzig nahm am Dienstag die General- Versammlung des Wahlvereiiis Rixdorf Stellung. Der Referent, Genosse Dr. Herzfeld, widmete den größten Teil seiner Aus- führungen dein Entwurf des OrganisatiousstatutS und erklärte sich in allen loesentilchen Punkten mit demselben einverstanden. Dock hält er es nicht für zweckmäßig, daß die Gratislieferung dei „Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder durch Statut auSge- sprachen werde. Es sei das eine Angelegenheit, deren Regelung in der einen oder der anderen Weise auch ohne statutarische Be- stimmung erfolgen könne. Bedenken äußerte der Redner gegen die Bestimmung des Entwurfs, wonach jemand ausgeschlossen werden kann, der wiederholt in bewußter Weise die Interessen der Partei schädigt. Das sei eine kautschukartige Bestimmung, die gegen jeden angewandt werden könne, der eine Meinung vertrete, welche der Parteimehrheit nicht gefalle. Namentlich in Zeiten innerer Partcikämpfe könne diese Bestimmung zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung benutzt werden. Im übrigen sei der Entwurf, weil er der Rechtslage und den Verhältnissen der Partei Rechnung trage, zu begrüßen. Aus der Diskussion wurde die Besprechung deS Statuten. entwurfs ausgeschieden, weil sich eine frühere Mitgliederversamm- lung bereits damit beschäftigt und beschlossen hat, die Gratis- lieferung der„Gleichheit" möge abgelehnt werden, ebenso die Be- stimmung, daß wiederholte bewußte Schädigung der Parteiintcr» essen als Ausschlußgrund gelten solle. Ferner hat sich die Mit. gliederversammlnng dafür ausgesprochen, daß nur politisch Orga- nisierte zu ParteischiedSrichtern bestimmt werden dürfen. Dieser Beschluß ist mit Rücksicht darauf gefaßt worden, daß ein wegen Streikbruch Auszuschließender als seine Schiedsrichter Streikbrecher bestimmt hatte. Die Debatte in der Generalversammlung erstreckte sich nur auf drei Anträge, welche zum Parteitag vorlagen. Der erste An- trag: Die Genossenschaftsfrage auf die Tagesordnung des Partei- tages 1910 zu setzen, wurde widerspruchslos angenommen.— Eine längere Diskussion rief ein Antrag hervor, welcher besagt, daß in Parteigcschäften nur politisch organisierte Genossen be- schäftigt werden dürfen.— Wie aus den Darlegungen der Befür- worter des Antrages Hervorging, ist derselbe aus dem Anlaß ge- stellt worden, daß ein großer Teil der im Betriebe des„Vorwärts" Beschäftigten dem Parteitagsbeschluß, betreffend Ablieferung des Tagesverdienstes vom 1. Mai, nicht nachgekommen ist. ES wurde ausgeführt: Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß es selbst in Partei- geschäften Arbeiter gäbe, die einen Parteitagsbeschluß nicht er- füllen. Da man aber nur von Parteigeuosseu die Beachtung der Parteibeschlüsse verlangen könne, so ergebe sich als Konsequenz, daß nur politisch organisierte Genossen in Parteigeschäften be- schäftigt werden dürften.— Gegen den Antrag wurde von mehreren Rednern eingewand: Es sei gewiß zu wünschen, daß in Partei- geschäften nur Parteigenossen beschäftigt würden, aber das dürfe inan nicht auf die Weise zu erreichen suchen, wie es die Antrag. steiler wünschen. Wenn man die Eiiistellung von Arbeitern davon abhängig machen wollte, daß sie Parteigenossen sind, so würde daS ein Verstoß sein gegen die berechtigte gewerkschaftliche Forderung, daß die Arbeitsvermittelung durch den Arbeitsnachweis nach der Reihe der Eintragung zu erfolgen habe. Wegen der politischen Geswnung dürfe niemand gemaßregelt werden. AuZ diesen Gründen müsse der Antrag abgelehnt werden. Was die Antrag- steller wollen, das müsse man dadurch zu erreichen suchen, daß die in den Betrieben beschäftigten Parteigenossen, wie es ihre Pflicht sei, ihre Kollegen durch Agitation und Aufklärung zu Parteigenossen machen. In dieser Hinsicht täten aber viele im Betriebe des„Vor- wärts" beschäftigte Genossen ihre Pflicht nicht. Im Laufe der Debatte führte Genosse Fülle aus, es seien nicht die Buchdrucker, denen man die Nichtbeachtung des Parteitagsbeschlusses zur Last legen könne, denn nach den im„Mitteilungsblatt" veröffentlichten Abrechnungen seien alle Zeitungssetzer und deren Hilfsarbeiter sowie 70 Setzer aus der Werkabteilung, im ganzen 222 Personen im „Vorwarts"-Betriebe dem Parteibeschluß nachgekommen. Un- richtig sei es. wenn in der letzten Nummer des„Mitteilungsblatt" gesagt werde, von den 300 im„Vorwärts" Beschäftigten hätten nur 153 ihren Beitrag zum Maifonds entrichtet.— Gen. Heinrichs bezeichnete diese Zahlenangaben als einen Irrtum Fülles, denn unter den 222 Personen seien auch eine Anzahl von Parteiange- stellten, die nicht zum„Vorwärts"-Betriebe gehören.— Fülle blieb jedoch ganz bestimmt bei seiner Angabe.— Der Antrag wurde schließlich mit großer Mehrheit abgelehnt.— Ein dritter Antrag, der von Partei wegen eine einheitliche Regelung der für die Be- teiligung an der Arbeitsruhe am 1. Mai ausgegebenen Nachweise (Marken, Stempel) fordert, wurde abgelehnt.— Der Kreis- Generalversammlung soll als Delegierter zum Parteitag Genosse Scholz und als Delegierter zur Provinzialkonferenz Genosse Feller vorgeschlagen werden. Hierauf erfolgte die Erstattung des Geschäfts- und Kassen berichts für das zweite Quartal. Aus demselben ist folgendes hervorzuheben: Am Anfang des Quartals hatte der Verein eine Mitgliederzahl von 8007 männlichen und 603 weiblichen. Der Zugang beträgt 43-1 Männer und 120 Frauen, der Abgang 516 Männer und 11 Frauen. Danach hatte der Verein am Schluß des Quartals 8615 männliche und 802 weibliche, zusammen 0417 Mitglieder. Die Einnahme betrug 6544,11 M., die Ausgabe 1850,75 M., an die Kreiskasse sind 4362,74 M. abgeliefert, bleibt ein Bestand von 321,62 M. Gemäß den Vorschlägen der Bezirke wählte die Versammlung 16 Delegierte zur Kr« iS-Generalversammlung und 40 Delegierte zur Verbands-Generaloersammlung. Schließlich stimmte die Versammlung ohne wesentliche Debatte folgendem Antrage zu: „Die Funktionäre des ersten Bezirks halten die persönlichen Auseinandersetzungen in den Spalten des„Vorwärts" während der letzten Wochen über die Geldquellen der„S. M." nicht für geeignet, besonderes Interesse in den Reihen der Parteigenossen zu wecken und ersuchen die Redaktion des„Vorwärts", mit dem Raum desselben für derartige Zwecke etwas sparsamer um- zugehen". Beim Leimkochen schwer verunglückt ist gestern der Kochmeister Gustav Feustel, der in der Lackfabrik von Gebrüder Pfanne in der JnliuSstraße 64 in Rixdorf angestellt ist. F. wollte einen Kessel init Lack vom Feuer heben, dabei schlug das Gefäß u>» und die siedende Flüssigkeit ergoß sich über den Kochmeister, der schwere Brandlvunden am ganzen Körper, namentlich iin Gesicht und an den Armen erlitt. DaS durch das Umstürzen des Kessels entstandene Feuer konnte durch daS Personal der Firma gelöscht werden. Die Leiche eineS achtjährigen Schulknaben ist gestern aus dem Rixdorfer Schiffahrtskanal gelandet worden. In dem Toten wurde der Sohn Artur des Maurers Franz Jetziowski aus der Nostizstr. 37 ermittelt. Der Knabe wurde bereits seit mehreren Tagen von den Eltern vermißt. Auf welche Weise er in den Kanal geraten ist. konnte bisher noch nicht aufgeklärt werden. Daß er sich selbst das Leben genommen haben könnte, dürfte wohl wenig wahrscheinlich sein. Eher ist anzunehmen, daß er mit anderen Schulkameraden nach dem Schiffahrtskanal gewandert und dann beim Spielen von der Uferböschung in den Kanal gestürzt ist, ohne daß seine Gefährten etwas davon bemerkt haben. Tchöneberg. Die Bautätigkeit hat wieder eingesetzt, und eS entstehen vollständig neue Häuserviertel, deren Wohnungen allen modernen An- sprächen genügen. Am meisten bebaut wird der Teil, der an den Stadtparl grenzt und von der Untergrundbahn berührt wird. Das ist der westliche Teil der Grnnewaldstraße. Obwohl hierbei eine größere Anzahl Arbeiter beschäftigt werden, melden sich im Arbeits- Nachweis täglich Arbeitslose. Trotzdem beschäfligt ein Unternehmer, der die Abfchachtnng am neuen Rathaus ausführt, feit einiger Zeit mehrere Frauen, denen geringere Löhne gezahlt werden als den dabei tätigen Arbeitern. Da der Unternehmer die Arbeiten im Austrage der Stadt ausführt, muß dafür gesorgt werden, daß gefaßte Beschlüsse nicht umgangen werden dürfen. Dem Unter- nehmer sind dieselben bekannt. Durch eingehende Untersuchung wird festzustellen sein, warum dem nicht nachgekomnien wird. Solange noch Familienväter arbeitslos sind und ihnen Beschäftigung nicht gewährt wird, dürfen auswärtige Arbeiterinnen nicht herangeholt werden. Karlshorst. I» der Wahlvcreinsversammluug am 20. Juli hielt der Partei- sekretär Genosse B ü h l e r ein Referat über das neue OrganisationS- statnt der Partei. Der Vortrag fand Beifall. Genosse Becker wendet sich gegen den Antrag des Vorstandes der Berliner Wahlvereins, den Ortsorganisationen das Recht zu nehmen, Aiisschlußanträge zu stellen. Auch er vertritt die Ansicht, daß die Fassung des Z 23 in der Vorlage der Kommission unklar ist und deshalb geändert werden müsse. Der folgende Antrag wurde angeiioinmen: „Zur Partei kann nicht gehören, wer gegen die Grundsätze deS Parteiprogramms handelt, oder sich einer ehrlosen Handlung schuldig macht. Der Ausschluß aus der Partei muß erfolgen, wenn ein Mitglied wiederholt die Parteiinteressen schädigt. Der Antrag auf Ausschluß aus der Partei muß durch eine Parteiorganisation,— Bezirk-, Distrikts-, Orts- oder Wahlkreis- organisatiou— gestellt werden. Ueber die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet der Gcsamtvorstand des zuständige» Wahlkreises, der auch den Beschluß des erfolgten Ausschlusses entsprechend bekannt zu machen hat. § 24 Abs. 1. Gegen die Entscheidung'des Wahlkreisvorstandes können die Beteiligten innerbalb vier Wochen nach Zustellung des Beschlusses beim Parteivorstand die Einsetzung eines Schiedsgerichts beantragen. Ferner wurde ein Antrag des Genoffen Weinschild angenommen, dem§ 55 einzufügen:„daß mindestens 20 Proz. vom Gruudbeitrag an die Zcntralkaffe der Partei abzuführen sind". Der örtliche Zu- ichlag über den im OrganisationSstatut festgesetzten Mindestbeitrag soll den. Organisationen verbleiben. Als Kandidat für die Delegiertenwahlen zur Provinzialkonferenz wie zum Parteitag wurde Genosse G. Becker aufgestellt. Petershagen b. Fredersdorf. Bor dcn Augen Hunderter von Ausflügler» ertrank gestern nach- nrittag im Kirschsee zwischen PeterShagen und Rüdersdorf der 17jährige, einzige Sohn des Eigentümers Ring aus Petershagen. Gestern hatte eine größere geschlossene Gesellschaft einen Ausflug nach PeterShagen unternommen und N., der zahlreiche Bekannte dabei hatte, schloß sich den Ausflüglern bei dem Marsch nach dem See an. Hier wollte R. ein Bad nehmen, ging in das Wasser und schwamm, von seine» Freunden beobachtet, nach der Mitte zu. Nach etwa zwei Minuten verschwand er plötzlich in den Fluten und die Zuschauer der Szene glaubten, daß N.. der ein vorzüglicher Schwimmer war, absichtlich untergetaucht sei. Da er aber nicht wieder zum Vorschein kam, befürchtete man schließlich doch ein Unglück und cS wurden nun Rettungsversuche unternommen, die leider vergeblich waren. Der junge Mann>var anscheinend von einem Herzschlage betroffen worden und ertrunken. Seine Leiche konnte auch bis zum gestrigen Spätabend nicht geborgen werden. Fredersdorf a. d. Ostbahn. Em schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern in der Bohmschen Fabrik in Fredersdorf. Dort war der 16jährige Lehrling Max Vehr bei dem Aufstellen eines großen eisernen Wasserbasfins beschäftigt. Plötzlich geriet das 13 Zentner schwere Eisenstück aus unbekannter Ursache ins Rollen und B. geriet unter die schwere Last, die ihn buchstäblich zerquetschte. In hoffnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach der Wilhelmshagener Heilanstalt gebracht. Potsdam. Tödlicher BanunfM. Ein Opfer seines Berufes wurde der 23 Jahre alte Dachdecker Oskar Hubrich aus Berlin, Wiclefstr. 23 wohnhast. Hubrich war in Wildpark bei Potsdam auf einem Neu- bau beschäftigt und stürzte bei der Arbeit gestern von einem Gerüst herab. Er wurde schwer verletzt von seinen Kameraden mit Not- verbänden ausgestattet und dann in das St. Joseph-KrankenhauS transportiert, wo er bewußtlos ankam. Er hatte einen Schädel basisbruch, einen komplizierten Bruch deS rechten Oberschenkels und einen rechrsseitigen Schenke lhalsbruch erlitten. An den Folgen seiner schweren Verletzungen starb heute der Verunglückte. Er hinterläßt eine Witwe. Seine Ehe war kinderlos, Versammlungen. Zweiter Berliner NeichStagSwahlkreiS. Am Dienstag fand die außerordentliche Generalversammlung des Kreises statt. Den Bericht des Vorstandes vom verflossenen Halbjahr erstattete S ch w e m k e. Dieses war der Agitation und Organisation gewidmet. Die Demonstration am 24. Januar sei musterhaft verlaufen. In den abgehaltenen Versammlnngen wurden von Referenten die verschiedensten Thematas bc handelt. Flugblattverteilnngen fanden mehrmals statt. In einem Bezirk kann konstatiert werden. daß mehr Frauen als Männer emgetragen sind. Ein Beschluß wurde gefaßt, demzufolge neugewählte Bezirksführer in der darauffolgenden Generalversamm- lung bestätigt werden müssen. Der Vorsitzende richtete an die An- wesenden ein ernstes Mahnwort, sich von den ungünstigen Zeit- Verhältnissen nicht entmutigen zu lassen, vielmehr mit erneuter Kraft und Energie sich der Agitation zu widmen. Der Genosfin Pietz und dem Genossen H e n s ch k e wurde je eine Rüge erteilt, des- gleichen dem Genossen Müller, Schuhmacher. Der Mitglieder- bestand betrug am I.Januar 1008 5293. Aufgenommen wurden im Laufe des JahreS 1321, aus anderen Kreisen traten über 265, macht zusammen 6870 Mitglieder. Es zahlten(Kranke, Arbeitslose aus- genommen) 5466, restierende Mitglieder 1413. Restanten wurden gestrichen 305, nach andern Kreisen sind verzogen 300 Mitglieder, verstorben 33, freiwillig ausgeschieden 23— 775. Somit zählte der Kreis am 31. Dezember 6114 Mitglieder, darunter 242 Ge- n o s s i n n e n. Die Abrechnung vom 1. Januar bis 30. Juni 1000 ergab: Bestand vom Jahre 1008 569,73 lvi. Einnahme: 12 443,44 M. ins- gesamt, darunter von der Polizei zur Agitation 120 M.— Ausgabe: 11 673,00 M.— Transport: 12 443,44 M.— 12 538,84 M. Abschluß: 864.04 M. Ueberswuß. In der Diskussion teilt ein Genosse mit. daß der Genoffe H e n s ch k e sich bei dem gefällten Schiedsspruch nicht beruhigen werde. Reimann geht auf die voir� S ch w e>n k e im Bericht erwähnten Fragebogen ein, die als Kontrolle in den Zahl- abenden ausgefüllt iverden sollen, und gibt der Meinung Ausdruck, daß diese Einrichtung in der Theorie sich sehr gut ausnehme, in der Praxis aber schwer auszuführen sei. T a nnh ause n er- klärt, er wäre früher auch der Meinung des Vorredners gewesen. habe jedoch eingesehen, daß diese Fragebogen sich sehr wohl be- währen könnten, sofern der gute Wille vorhanden sei. Ewald bespricht nochmals den Fall H e n s ch k e und moniert die Nicht« Hinzuziehung von Genossen aus dem betreffenden Bezirk zur Schiedssitzung. S ch w e m k e erwidert, die Mitglieder des Schieds- gerichts wären von der Generalversammlung ernannt worden und über den Fall unterrichtet gewesen. Uebrigens habe der Genosse versprochen, in Zukunft sein Bestes zu tun. und damit möge man den Fall also erledigt ansehen. Hieraus leitete Schwemle die Be- ratung des Organisationsstatuts ein. Vom 150. Bezirk war der Antrag eingelaufen, den ersten Absatz deS§ 4 zu streichen. Bracht vertrat den Antrag, indem er geltend machte, daß dieser Absatz. Nach dem„Organisationen, denen Weib- liche Mitglieder angehören, diesen eine Vertretung im Vorstand gewähren in ü s s e n", gegen das demokratische Prinzip verstoße. Diesen Ausführungen trat mit großer Wärme und Entschiedenheit Genossin Baader entgegen. Von einem Verstoß gegen das demokratische Prinzip könne keine Rede sein, es handle sich lediglich um eine Arbeitsleistung, nicht um irgendwelche Vor- rechte. Es solle die Zulassung der tntigen Genossinnen nicht dem guten Willen der einzelnen Vorstände überlassen werden. Und'hätte der zweite KreiS heute vielleicht 242 Genossinnen aufzuweisen, ohne die Regsamkeit und Arbeit der Frauen? Man lasse den Absatz be- stehen zum Nutzen und Gedeihen der Organisatiou.(Lebhafter Beifall.) Der Antrag wird abgelehnt.§ 6 entfesselt eine längere Debatte, die mit der Streichung des Satzes: „Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" unentgelt- lich zu liefern" endet. Ferner werden im 8 23 die Worte bewußter und Orts gestrichen, im übrigen der Entwurf des Statuts angenommen. Unter Punkt„Verschiedenes" kommt noch da§ ablehnende Verhalten eines Teils der im ,Vorwärts"-Bctriebe Beschäftigten gegenüber dem Maifeierbcschluß zur Sprache, wozu eine Resolution von» 07. Bezirk vorliegt, die von F e ch n o w vertreten wird. Hierzu spricht Max G r u n w a l d: In der Kritik dieser Vorkommniffe seien sich wohl alle Genoffen einig. Jedoch liege die Sache nicht so einfach, wie die Vertreter der Reiolution es sich dächten. Wir würden den Betreffenden damit auch viel zu viel Ehre antun. Den Arbeiterausschuß wollen wir absolut nicht zur Denunziation der in Betracht kommenden Leute verleiten, deren Namen übrigens auch so schon bekannt seien. Kö ckeritz gibt eine Anfstellimg über die Abführung deS Tagesverdienstes vom 1. Mai im„Vorwärrö"-Betriebe und betont sehr anerkennend, daß gerade die in den unteren Lohnklassen stehenden Beschäftigten und selbst die Vi a l e r, die in der Zeit gerade un Betriebe Arbeiten aus- führten, ohne alle Umstände dem ParteitagSbeschlutz nachgekommen seien.(Lebhaftes Bravo!) Genoffe Wurm griff edensalls in die Debatte ein und wies darauf hin, daß eS sich nicht nur um die Buchdrucker im„Vorwärts", sondern aller Parteibetriebe Deutschlands handele. Wir können von dcn in diesen Betrieben Beschäftigten nur verlangen, daß sie gcwcrkschastlich, nicht aber, daß sie politisch organisiert sind. Wir hätten aber auch gar nicht nötig, nach dieser Richtung zu recherchieren. Der bewußte Beschluß sei von der Partei und den Gewerkschaften gemeinsam gefaßt worden. Der Gewerk- schaft der Buchdrucker käme eS demnach zu. zu fragen, ob ihre Mit- glicder sich dem Beschluß gefügt haben. Wir aber hätten einfach in den Bezirken festzustellen, wer von den in Betracht kommenden Parteimitgliedern seinen Verdienst abgeführt hat. DaS Weitere habe dann die Partei zu beschließen. Wer sich nicht fügt, muß die Konsequenzen ziehen. Wir können unserem Bedanern Ausdruck geben, aber einer Resolution hierzu bedürfe eS nicht. Diese wurde auch mit großer Majorität abgelehnt. Lese- und Diskntierklnb„Wilhelm Liebknecht". tag, S Uhr, bei K. Eichhorn, Danziger Straße 03. Heute Donners- XcvmikhtcQ. Ehrcnknabcn. Dessan, 21. Juli. Die hiesige Strafkammer verurteilte 5 Hörer des Herzog-Friedrich-Polhtechnikums, welche«ach durchzechter Nacht in einer Scheune eine Mensur auSgefochte» haben, wegen Zweikampfs zu je 3 Monaten Festung. Opfer der Gruvenkataflrophe. Bochum, 21. Juli. Wie die Gewerkschaft ManSfeld mitteilt, sind von den dem KraiikenhauS überwiesenen Schwerverletzten des gestrigen Unglücks in der vergangenen Nacht«och zwei gestorben, so daß sich die Zahl der Getöteten auf fünf belauft. Die übrigen Verletzten befinden sich den Umständen nach wohl und dürften am Leben bleiben._ Erschossen. Magdeburg, 21. Julk. Gestern nacht wurde in der Nähe der Stadt der Feldhüter Schmidt aus Fermersleben auf einem Dienst- Wege von einem Fremden niedergeschossen. Er starb im Krankcnhause an seiner schweren Verletzung. Von dem Mörder fehlt jede Spur._ Vermißt. Köln, 2t. Juli. Zwei junge Damen, die Tochter».fler Maiors- lvitwe aus Neuwied und ihre Freundin, die am Montag mit dem Dampfer„Gillenberg" der Preußisch-Nheinischen Dampfschiffahrts- gesellschaft von Godesberg nach Rolandseck fuhren, werden, wie die „Rhein- und Wiedzeitung" meldet, seitdem vermißt. Da ihre Hüte gefunden worden sind, wird angenommen, daß sie bei dem Uirsall des Dampfers un, gekommen sind. Auf den Grtini». Bremen, 21. Juli. Der deutsche Dampfer„Derfflinger" ist auf der Reise nach Ostasien gestcm nachmittag eine Meile nordlvcstlich von den Needlcs auf der Shingles-Sandbank auf Grund geraten. Von Southampton und Portsmoulh sind Schleppdampfer zur Hilkc- leistung abgegangen. Man hofft, das Schiff mit Hochwasser wieder flott zu machen. Die Passagiere sind an Bord geblieben. Geborgene Leiche».— Im Schnee umgekommen. St. Gallen, 21. Juli. Nach vier Wochen, wurden heute in dem verschütteten Bruggwald-Tunnel die ersten zwei schrecklich ver- stümmelten Leichen der sieben begrabenen Tunnelarbeitcr geborgen. — Auf der Maicnfelder Furka ist ein Italiener in einem Schnee- stürm umgekommen._ Ein Ballon geplatzt. Brüssel, 2l. Juli. Im Cinquantaine-Park fand heute aus An- laß der belgischen Nationalfeicr ein internationaler Ballonaufstieg statt, der durch einen schweren Unfall gestört wurde. Als der fran. zösische Ballon„Kosmos" aufstieg, wurde er von einem heftigen Windstöße gegen eine Steinsäule gclvorfen und platzte. Ter Führer, der französische Aeronaut Vermanchelle, sowie seine beiden Begleiter stürzten aus großer Höhe auf einen anderen Ballon, der des Ausstiegs harrte. Als die drei Verunglückten gerettet wurden. waren sie dem Erstickungstode nahe. Sie wurden sofort ins Spital gebracht.___ Bom Preisrennen-Unfug. Brüssel, 21. Juli. Auf der Radrennbahn Karreveld wurde der Rennfahrer Verbist von dem nachfolgenden Motorrad eines Schrittmachers überfahren und getötet. Attentat auf einen Postzug. Petersburg, 21. Juli. Auf der Bahnstrecke nach Witebsk, 154 Kilometer von Petersburg entfernt, versuchten Räuber einen Postzug zum Entgleisen zu bringen. Die Lokomotive stieß jedoch die über die Schienen gelegten Balken zun Seite, so daß der Zug ungehindert seine Fahrt sortsetzen konnte. Mord. Saloniki, 21. Juli. Eine albanesische Bande ermordete auf der Landstraße Filat-Pechuvitza zwei Dorfbewohner und einen Popen._ Der Flieger. Washington, 21. Juli. Orville Wright unternahm gestern bei Fort Mtjers einen Flug, der 80 Minute» dauerte. Er un,- kreiste den Exerzierplatz 83mal und führte eine Anzahl Figuren in der Form einer Acht aus. Die Landung erfolgte ohne Zwischenfall. Eingegangene vrucksckritten. Tirol und SSorarlber«, Bayerisches Hochland und Allgäu, Salzburg, Ober- und Niedcrösterreich. Steiermark, Kärnten und Krain. Von Th. Traut- wein. Bearbeitet von öl. Edlinger und H. Heß. Mit 80 Karten und Plänen. Innsbruck, A. Edlingers Verlag. Geb. 8 M. Briestascheuaus- gäbe 9 M.- Der neue Heiland. Roman von Wilhelm Wallot? Jugenheim a. d. Bergstraße 1909, Sueviavcrlag. 415 Seiten. Brosch. 4 M., geb. 5 M. Die Bauk. 7. Hcst. Monatsheste für Finanz- und Banlwesen von A. Lansburgh. Einzelh. 1,50 M. Selbstverlag, Charlottenburg. Soll ich Milch trinke»? Wann und wo? Wie und warum? Von Pros. Dr.' Kamp. 10 Ps. L. Schwann, Düsseldorf. „Der Baunicister". MonatSbesto für Architektur und Baupraxis. SerauSgegebeu von Jansen u. Müller. Viertels. 6 M., einzelne Hejte 8 M. erlag von Georg D. W. Callwey, München. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Dircktlon iider den Großbandel in dcn Zenlrai-Marltbnllen. Marktlage: Fleisch: Aufubr schwach, Gcschait still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Äeichäst rege, Preise bcsriedigend Geflügel: Zusuhr nicht genügend, Keschäst lebhaft, Preise steigend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft lebhast, Preise wenig verändert, sür Aale nachgebend. Butterund Köie: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t-: Znsuhr meist über den Lebars, Bestäube vielsach nicht geräumt, Preise gedrückt._ WitteriniqSiiderstcht vom 21. Juli l909, morgens 8 Nftr. Stationen X 8= S ä 5 p-2| i|y »=■1 Letter Sivinemde. 7S0 WSW" 3 bedeckt Hainburg 1 760 SW Berlin 762 S Franif.a M. 764 SD Münch«,! 764 SO Wien!765S io« *i! 5 a» Wo Stationen L 5 a ll!|l Setter os Ä il xvt Havaranda 749 NNO Petersburg 745 SSW Sctllq 1763 WSW ötbcrdeen 751 W Pari» 765 SSO 14 5 bedeckt 14 2 halb bd. 15 1 Dunst � 13 Lwolkenl! 16 1 heiter> 13 Wctterprvgnoie für Donnerstag, den 22. Juli lilOS. Zunächst meist beitcr, nachts eboas wärmer, am Tage wieder küllcr mit Rcgensüllen und frischen westlichen Winden: später langsam ausklareud. Berliner Wette rbureau, i 4 bedeckt 11 2 bedeckt � 11 3 bedeckt! 16 I halb bd. 16 lwolkenl 15 I! Wasserstands-Nachrtchten der LandeS anstalt für Gewässerkunde, mitgetew vow Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m- l. Tilsit B r e g- l. Jnfterbmg Weichsel. Thon» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Ritze, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, WaximiiianSau , Kaub Köln Neckar, Hcilbronu Main, Wrrtheim Mosel, Trier ')+ bedenket Wuchs.— Fall.—«) Unlerpegek. Berantwortl. Mdaktetir.: Äilhelm Tüwell, LichtxMrg. Für dtln Jnsergtellttil vxrMtw� Th, Glocke, Perlin. Druck u. Bc;lag:Poxl?ärtSvtlSdr.uckerei L.BcriaLöai'.staIt Paul Singer Sc Co.. SJeilio SW-