Nr. 169. HbonnementS'Bedlngungen: Monncmcntä- Sßioiä. pränunicrando: >>crt«IjShrI. 3�0 Mr., monatr. 1,10 Mr., »öchcnllich 23 SB fg. frei in§ HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- »uiumer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pia. Post- ?!bonncmenl: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonncmcntS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CriaiclDt(93114) außer Clontass. 5?' Vevlinev Volksblatk. Die Insertion;-l-ebllhr Beträgt für die sechsgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewertschaftliche Vereins- und Versammlungs-Slnzeigen 30 Pfg. „ixieine Sn-eis-n", das erste tfett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Siumnicr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition Npgegcben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozlalileinoHrat RtrllD", Zcntralorgan der fozialdeinokratifcben Partei Deutfcblande. Rcdahtion: SRI. 68, Lindcnstrasge 69 Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Liemenceau. Paris, 21. Juli.(Eig. Ber.) Die Arbeiterschaft froh- lockt wie über einen errungenen Sieg, weil Clemenceau jäh- lings von der Höhe der Macht herabgestürzt ist. Das zeigt, lvie leidenschaftlich sie diesen Feind haßt, der alle Gewaltmittel des Älassenstaates mit vollkommener Rücksichtslosigkeit gegen sie angewendet hat. Blutspuren bezeichnen den Weg des Mi- nisters Clemenceau: Nantes, Narbonne, Raon l'Etape, Travcil, Billeneuve-St. George sind seine Stationen. Nie- nials seit der Konterrevolution von 1871 haben die Gerichte mit gleicher Wut gegen die politischen und sozialen Gegner des kapitalistischen Staats- und Wirtschaftssystems gewütet, nie waren die Polizeischikanen gegen die Bersamnilungs- freiheit so kleinlich, die Einschränkung der bürgerlichen Rechte der Staatsangestellten so gehässig und brutal. Tie Chronik der beendeten Aera ist mit Willkürakten jeglicher Art angc füllt, mit Konflikten, die das Leben der Gesellschaft in weitem Umkreis erschütterten. Und so ist die Befriedigung des Proletariats wohl verstehen, wenn auch die Sieger voil gestern nicht besser sind als der Besiegte und zu den Ruh- nießern von Clemenceaus Fall die Arbeiterschaft sicher nicht gehören wird. Vielleicht wird die Zukunft sogar zu einem billigeren Urteil über Clemenceau kommen, als es der noch fortbrennende Schmerz und Zorn über das Uebel, das er dem Proletariat angetan hat, zu formen vermag. Namentlich wenn sie die Enttäuschung nicht teilen wird, die jetzt noch über das Urteil mit einfließt und die notwendig am stärksten bei denen ist, die mit Clemenceau den Ausgangspunkt und die auf die Gesellschaft angewendete Betrachtungsweise gemeinsam haben. Die Anarchistenund Jnsurrektionellen mußten am meisten über das Renegatentum des Mannes empört sein, von dessen individualistischem Radikalismus sie soviel pro- fitiert hatten und von dem sie plötzlich als Kapitän des bür- gerlichen Staatsschifss seine Individualität in autoritärer Schrankenlosigkeit entfalten sahen. Und auch jenen Sozia- listen konnte die Erbitterung nicht erspart bleiben, die auf die Welle der Humanitären, für Gerechtigkeit um jeden Preis ein- tretenden Demokratie, die ihn emporgehoben hatte, Vertrauen setzten. Sie werden auch leicht geneigt sein, das Versagen der bürgerlichen Reformpolitik, das in der Verschärfung der Klassengegensätze seine notwendige Ursache hat, vor allem dem treulosen radikalen Minister zur Last zu legen und am Grabe des„großen Ministeriums" der radikalen Demo- kratie die Hoffnung auf ein kommendes besseres Geschlecht aufzupflanzen. Sicherlich, Clemenceau hat sein vollgerüttelt Maß politi- scher Sünden auf seinem persönlichen Konto. Am Verfall des Parlamentarismus, dessen die sozialistische Bewegung ebenso bedarf wie die Reaktion und den der anarchistische Kon- susionismus kompromittieren möchte, hat er mit Willkür und Korruption verhängnisvoll mitgewirkt. Die zynische Art, wie er mit seinem Anhang umsprang und umspringen konnte, hat der antiparlamentarischen Demagogie, in dem noch in sozialen Hoffnungen befangenen wie in dem herunter- gekommenen und in dumpfem revolutionären Gefühl umher- tappenden Kleinbürgertum viel Vorschub geleistet. Aber im ganzen hat er doch das vollbracht, was er als Geschäftsführer der Klasse, die ihn bestellt hatte, leisten mußte. Er war ein bürgerlicher Mini st er in einer Epoche, wo die ge- ängstigte Bourgeoisie Sicherheiten gegen die von der prole- tarischen Bewegung drohenden Umwälzungen und Strö- mungen erwartete. Daß er diese Erwartungen nicht enttäuscht hat, kann eigentlich nur jene verwundern, die an der Ansicht sesthaltcn, ein in das Gefüge des bürgerlichen Staatsegiments eingetretener Minister könne, wenn er nicht ein schmählicher Verräter sei, seine Grundsätze von ehedem verwirklichen, auch wenn sie den Interessen der bürgerlichen Klasse zuwiderlaufen. Clemenceaus Ministerschaft konnte in der Sphäre der inneren Politik nichts anderes als ein Regime der sozialen Reaktion werden. Sein in den Traditionen des demo- kratischen Bürgertums wurzelnder Chauvinismus aber hätte bei einer anderen politischen Konstellation und ohne vom Proletariat drohende Vergeltung schwere internationale Krisen entfesseln können. Als beim Amtsantritt Clemenceau an dieser Stelle ein solches Horoskop gestellt wurde, mochte die noch fortwirkende Zuversicht mancher französischer Ge- nassen auf die Verjüngung der bürgerlichen Demokratie darin einen ungerechtfertigten Pessimismus erblicken. Es ist eine merkwürdige Bestätigung des damaligen Urteils, daß Ge- nofse Jaurös in seinem Artikel über den Zusammenstoß zwischen Clemenceau und Telcassö das Wort Clemenceaus von der mangelnden Vorbereitung zum Krieg in den Augen- blicken von Faschoda und Algeciras in dem Sinn deutet, daß der Redner bei einem günstigeren Kräfteverhältnis den Krieg für angezeigt gehalten hätte. Indes muß man Clemenceau zugestehen, daß er gerade in der auswärtigen Politik sein Temperament zu � zähmen und Frankreichs internationale Situation durch eine Reihe von Abmachungen, zu denen be- sonders auch das Marokko-Abkommen mit dem Deutschen Reiche gehört, auf eine den Frieden befestigende Art ge- bessert hat. Sein Sturz ist das Werk seines zügellosen Tempera- ments, das ihm angesichts des mit kalter Berechnung atta- kierenden alten Feindes DelcassS durchging. Der Zorn der Anhänger der Friedenspolitik sowohl als auch der „Patrioten" schlug über seinein Haupt zusammen. Der Mi- nister, der den Pakt von Algeciras, diese Grundlage der deutsch-sranzösischen Politik, als Schmach für sein Land er- klärt hatte, war als politischer Chef der Republik unmöglich geworden. Aber es wäre zumindest voreilig, von diesem Zu- sammenbruch einer ermatteten politischen Persönlichkeit einen Wechsel des politischen Systems zu erwarten. Wenn in der internationalen Politik die Abenteuern ausweichende Ver- nunft hoffentlich die Oberhand behält, so ist eine Umkehr der Radikalen zu einer Politik der Zugeständnisse an das Prole- tariat gar nicht ivahrscheinlich. Die riesige Mehrheit, die die Regierung in der Abstimmung über die allgemeine Politik erhalten hat, war kein persönlicher Triumph Clemenceaus, sondern die Sanktion der sozialkonservativen Politik. Clemenceau liegt am Boden, aber die L a f f e r r e wittern jetzt erst recht Morgenluft. Es sieht nicht so aus, als ob die Erwartungen des„Temps", der auf die Fortsetzung der„anti- revolutionären" Politik und auf den Bestand der Koalition der Mittelparteien rechnet, unerfüllt bleiben sollte«. Die Ministcrkrise. Allem Anscheine nach wird sich die Lösung der Minister- krise in Frankreich ziemlich einfach gestalten. Der Sturz Clemenceaus bedeutet eben nur die Beseitigung einer Person, das System aber, die sozialreaktionären Be- strebungen unter dein Deckmantel des Radikalismus zu fördern, ivird bleiben. Und für dieses System ist der bisherige Justizministcr Aristide B r i a n d, der geschmeidige Streber, der es vom anarchistischen Generalstreiklcr zum Minister gebracht hat, der gegebene Mann. Er dürfte daher Clemenceaus Erbe, das er schon so lange heiß ersehnte, antreten. Zunächst wird allerdings die Minister- Präsidentschaft Herrn Löon Bourgeois, dem anerkaniiten Chef der radikalen Partei, angetragen werden, dessen Rück- kehr von einer Auslandsreise noch für gestern erwartet wurde. Man nimmt aber an, daß Bourgeois den Antrag zur Kabinettsbildung ablehnen ivird, angeblich aus Gesundheits- rücksichten, wahrscheinlich aber, um sich für das Amt eines Präsidenten der Republik nicht vorzeitig zu verbrauchen. Falls Briand Ministerpräsident wird, dürfte er selbst zu- gleich das Ministerium des Innern übernehmen und die meisten der bisherigen Minister beibehalten. Das Verbleiben des Finanzministers C a i l l a u x empfiehlt sich schon deshalb, weil das Projekt der von ihm eingebrachten Einkommensteuer noch im Senate zur Beratung steht und kein anderer so leicht diese schwierige Erbschaft übernehmen und vertreten will. Ebenso wünscht man das Verbleiben P i ch 0 n s im Ministerium des Auswärtigen, da Pichon im ganzen eine besonnene und erfolgreiche Auslandspolitik getrieben hat, und man auch Wert darauf zu legen scheint, zu demonstrieren, daß das erfolgreiche Auftreten Dclcassös keine Aenderung in der französischen auswärtigen Politik verursachen kann. Von anderer Seite wird allerdings erzählt, daß Briand beabsichtige, das Ministerium des Auswärtigen seinem Freunde Millerand anzubieten, der ihm ja die Entwickelung vom Sozialisten zum bürgerlichen Minister vorgemacht hat. Dagegen soll der Kriegsminister Picard und der Marineminister Picard ausscheiden. V i V i a n i würde das Arbeitsministerium, B a r t h 0 u das Bautenministerium beibehalten und auch der Handelsniinister Crupps und der Landwirtschaftsministcr Bruau ins neue Ministerium übertreten, das also ein.„Ministerium Clemen- ceau ohne Clemenceau" wäre. Dagegen würde Delcassö, der auf das Marineministerium gehofft hatte, ausgeschaltet bleiben. Endgültig erledigt ist Herr Simyan, der Unterstaats- sekretär für Post- und Telegraphenwesen, dessen Brutalitäten den Poststrcik provoziert haben. Die Abrechnung mit dem Schnapsblods. Zum Ausfall der Wahl in Landau-Neustadt wird uns noch geschrieben: In der Nhciiipfalz, der ehemaligen Hochburg des National- liberalismuS, haben die Nationalliberalen jetzt ihren letzten Reichs- tagssitz gegen die Sozialdemokraten zu verteidigen. Ehemals be« herrschten sie die ganze Pfalz, bis wir ihnen 1833 den ersten Sitz abnahmen. Andere Kreise gingen an die Wirtschaftliche Vereinigung und das Zentrum verloren. Und nun ist auch das letzte Mandat bedroht. Ausfallend ist der Stimmenrllckgang der National- liberalen besonders auch deshalb, weil sie sich im Wahl- kämpf als die Oppositionspartei aufgespielt und die Verantwortlich- kcit für die neuen Steuern dem Zentrum und den Bauernbündlern zugeschoben haben. Die Wähler haben aber erkannt, wie wenig ernst eS der Partei Drehscheibe mit ihrer Opposition gewesen ist, daß sie nur zu gerne bereit gewesen wäre, die geforderten und noch mehr Steuern zu bewilligen, wenn nur die Konservativen bereit gewesen wären, mit ihr statt mit dem Zentrum die Finanzreform zu machen. Die zur Schau getragene oppositionelle MaSke hat den Herren bei der Wahl nichts genützt. Auf die Erkenntnis der nationalliberalen Unzuverläi'sigkeit ist zweifellos die geringe Wahlbeteiligung der nationalliberal und bauenibündlerisch gesinnten Wählerfchichten zurück- zuführen. Wer sich noch nicht zu der Auffassung aufgeschwungen hat, daß die Sozialdemokratie die alleinige Vertreterin des Fort» Expedition: 8Rl. 68» Lindcnatraeae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. schritts auf allen Gebieten ist, oder wer aus seiner Haut sonst nicht herauskann, ist eben verärgert zu Hause geblieben. Wichtig ist auch, daß die Bauernbündler so jämmerlich schlecht abgeschnitten haben. Sie hatten geglaubt, mit den Nationalliberalen in die Stichwahl zu kommen und ihren Kandidaten mit Hilfe des Zentrums in den Reichstag zu bringen. Die wichtigste Erscheinung bei dieser Wahl ist aber der Rück» gang der Z en t rum s st i m m e n. DaS Zentrum besitzt wie fast überall auch im zweiten pfälzischen Wahlkreis eine gnte Organi- sation, die auch während deS Wahlkampfes und ain Wahltage selbst vorzüglich funktioniert hat. Und trotzdem ist ein ziemlich gleich- mäßig über den ganzen Kreis sich erstreckender Stimmenrnckgang eingetreten. Auch die kirchlich gesinnten katholischen Arbeiter fangen an zu begreifen, welch frevelhaftes Spiel das Zentrum mit ihren Jnteresje» getrieben hat. Ueberall in katholischen Orten, wo wir einen Stimmengewinn zu verzeichnen haben— und das ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, überall der Fall— hat das Zentrum entsprechend an Stimmen verloren. Bei der Stich- tvahl dürften noch zahlreiche Zentrumswähler dem Beispiel vieler ihrer Gesinnu'"�genosscn folgen und sozialdemokratisch wählen. Bei energischer Tätigkeit, an welcher es unsere Genossen bis zur Stich- ivahl sicherlich nicht werden fehlen lassen, kann der Kreis erobert werden. » Die Mannheimer„Volksstimme' würdigt den für die Sozialdemokratie so glänzenden WahlauSfall in folgender Weise: „Dabei ist zu bcdenkeu, daß der zweite pfälzische Kreis zum überwiegenden Teil ländlichen Charakters ist. Wein-, Ge- treibe-, Tabakbau und Forstwirtschaft sind die hauptsächlichsten ErwerbSzwcige, und die wenigen Städte und kleineren industriellen Bezirke verniögen an diesein Typus nicht viel zu ändern. Und doch die deutliche Absage an die agrarischen Parteien, den Bauernbund und das Z e n t r u m I Es läßt sich durch die lange Liste der nahezu hundert Gemeinden des Kreises von Ziffer zu Ziffer nachweisen, wie ins- besondere das Zentrum seine Wähler zu Hunderten an die Sozial» demokratie verlor, eine äußerst 10 irksame Widerlegung der so oft geäußerten Meinung, der ZentrumSturm sei un- e rsch ütterlich und die Partei der Spahn und Hertling habe ihre Getreuen unlöslich fest am Strange. Wenn irgend einmal, so hat sich gestern gezeigt, daß diese Auffassung eine Fabel, daß es unserer Partei sehr wohl möglich ist, auch in die scheinbar sichersten ZentrumSdomämcu einzubrechen und dort erfolgreich für unsere Ideen zu werben. Die Nationalliberalen, die bekanntlich auch die Unter» stützung der Freisinnigen genossen, mögen gestern mit einem blauen Auge davongekommen sein; so viel steht jedenfalls fest, daß Anlaß zu Jubelhymnen für.sie nicht vorliegt, wenn auch die eigentlichen Leidtragenden auf der' nichtklerikalen Seite der Bürgerlichen nicht sie, sondern ihre Verbündeten von 1307, die B ü n d I e r, sind, deren noch nicht einmal 2500 Stimmen ein geradezu klägliches Er- gebnis darstellen. Das Landvolk des zweiten Pfalzkreises hat der brutal grobagrarischen Politik des Bundes der Landwirte gestern eine deutliche Abjage erteilt, die man in den Reihen derer um die „Deutsche Tageszeitung' sehr schmerzlich empfinden wird. So stellt sich das gestrige VolkSurtcil von Landau-Neustadt als ein erfreulicher Lichtblick in der Trübnis der gegenwärtigen politischen Lage dar. Eröffnet es unS doch die Hoffnung, daß das Volk die Situation durchschaut und entschlossen ist, dem skandalösen Treiben des vereinigten Junker- und PfaffentumS ein Ende zu bereiten. Man hat in Berlin vor drei Wochen in der Tat gut daran getan, den Reichstag nicht heimzuschicken; den» wäre seine Gesamterneuerung nach dem Vorbild von Landau-Nenstadt ausgefallen, der schwarz- blaue Schnapsblock wäre aufs Haupt geschlagen auS dem Wahlkampf heimgekehrt, und die Sozialdemokratie wäre aus der Drei- Millionen- zur V i e r m i l l i 0 n e n p a r t e i geworden. Immerhin: man weiß nun auch so, wie draußen in den Massen des erwerbs- tätigen Volkes Stimmung und Wille gerichtet sind, und unsere Partei kann mit froher Siegeszuversicht und begeisterungsvollem Opfermut den neuen Kämpfen entgegensehen.' keitlchenhiede gegen Berliner Fiirsorgchinder. Der Prozeß Colander, der kürzlich zum zweiten Male aufgerollt wurde, hat ein erschreckendes Bild gezeichnet von der Art der Erziehung, der Fürsorgezöglinge unterworfen sind und von neuem die Lhpfmerksamkeit weiter Kreise auf die Erziehungs- Methoden gelenkt, die heute gegen die in Zwangserziehung ge- nommenen Kinder in Anwendung gebracht werden. Bekanntlich ist den Kommunen durch Staatsgesetz die Unterbringung der in Für- sorge genommenen Kinder auferlegt. Die Stadt Verlin kommt dieser Verpflichtung der Unterbringung dieser Kinder in der Weise nach, daß sie nur zum kleinen Teil eigene Anstalten unterhält und den größten Teil der Fürsorgezöglinge anderweitig in Privat- anstalten gibt. Im Vorjahre haben die städtischen Behörden leider mit dem evangelischen Verein für Waisenpflege in der Ostmark einen Vertrag geschlossen. Dieser Verein gründete auf dem Rest- gute Mielczyn(Kreis Witkowo, Provinz Posen) eine Erziehungs- anstalt für schulentlassene evangelische männliche Fürsorge- erziehungszöglinge, in der Pfarrer Dr. Breithaupt und In- spcktor Engel amtieren. Die Stadt hat nach dem Vertrage dem Ver- ein eine Belcgungsziffer von 100 Zöglingen gewährleistet, zu einem Pflcgegeldsatze von jährlich 500 M. pro Kohft sinkt die Ziffer unter 00, so erhöht sich das Pflcgegeld für den einzelnen rechnungsmäßig, so daß die Summe von 45 000 M. erreicht wird. Die Waisen- deputation hat ferner das Recht, der Anstalt zu einem Pflegegeld- satze von 450 M. noch 40 Zöglinge zu überweisen. Sollte die Waisendeputation beabsichtigen» dex Anstalt eine noch größexe An« gahl zu überweisen bis zu 200 Zöglingen, so ermäßigt sich daS Pflegegeld für jeden über die Zahl von 140 Zöglingen hinaus Ueberwiesenen auf 300 M. Als dieser Vertrag der Stadtverordnetenversammlung unter- breitet wurde, wandten sich unsere Genossen dagegen. Sie be- mangelten insbesondere die Uebertragung des ZüchtigungsrechteS an den Leiter der Fürsorgeanstalt in Mielczyn. Der Magistrats- Vertreter aber erklärte, er sei zwar auch kein Freund der Prügel» strafe, aber als ultima ratio müsse man dem Erzieher dieses Mittel lassen. Herr Stadtrat Iriedberg sagte wörtlich:»Die Herren können überzeugt sein, daß ein Mißbrauch nicht stattfindet." Nach einer Ausschußberatung, in der aber der Prügelparagraph nicht beseitigt wurde, gelangte die Vorlage zur Annahme. Wie sieht es nun in der Praxis aus? Die neue Anstalt ist erst seit einigen Monaten mit hiesigen Fürsorgezöglingen belegt und schon kommen Nachrichten über die ihnen zu teil werdende Behandlung, die einem das Blut in den Adern erstarren lassen. Die Prügelstrafe wird in Mielczyn mit einer geflochtenen Lederpeitsche vollstreckt. Dabei wird den zur Züchtigung Verurteilten das Hemd aus der Hose herausgezogen, außerdem werden die Zöglinge gefesselt, und zwar die Hände mit eisernen Fesseln auf den Rücken; die Füße werden besonders zusammengeschlossen. Die Zahl der Peitschenhiebe. ist verschieden. Uns werden mehrere Fälle berichtet, in welchen 100 Peitschenhiebe an einem Tage verabfolgt worden sein sollen. Ein Fall wird uns gemeldet, in dem ein junger Mensch an einem Tage einmal 75, dann noch 50 Hiebe, also 125 Hiebe bekommen hat. Die Zöglinge, die Prügel bekommen, müssen jeden Hieb laut nachzählen. Die Prügelprozeduren werden öffentlich vor zuschauenden Zöglingen der Anstalt und des Personals vollstreckt. Die jungen Menschen, die derart gezüchtigt werden, sind alle aus der Schule entlassen, 16, 17 bis 20 Fahr alt. Der Vollstreckung der Prügelstrafe folgen andere Strafarten. Gefesselt oft an Händen und Füßen werden die in dieser Weise Gezüchtigten in eine Zelle gesperrt und ihnen nur Wasser und Brot als Nahrung verabreicht. ES soll eine besondere Strafkolonne bestehen, in welche die hinein- kommen, die Fluchtversuche gemacht haben. Die in dieser Kolonne Beschäftigten laufen in Fußketten einher, um Fluchtversuche zu verhindern; sie erhalten als Nahrung Wasser und Brot, und zwar dreimal am Tage. Daß unter solchen Umständen Fluchtversuche häufig sind und trotz strengster Bewachung Entweichungen statt- finden, wird niemanden verwundern. Klagen werden auch über die Kost geführt. Uns ist mitgeteilt worden, daß-Zöglinge nach nur kurzem Aufenthalt in dieser Erziehungsanstalt ganz«uglaub- liche Gewichtsabnahmen zu verzeichnen haben. Diese Behandlung von Fürsorgezöglingen fordert zu schleunig- stem Einschreiten auf. Durch diese Art von„Fürsorge" werden nicht die körperlichen, geistigen und moralischen Fähigkeiten der Zöglinge geweckt, gefördert und zur Reife gebracht, sondern der letzte Nest von Menschenwürde wird in ihnen erstickt. Von der Stadt Berlin muß erwartet werden, daß sie schleunigst die nach Mielczyn verschickten hilflosen Menschen zurückholt und die Rechte ihrer Für- sorgezöglinge auf das energischste wahrt. ES gibt nichts Heiligeres als das Recht des Kindes. Sind dem Minister die Zustände in Mielczyn ebenso verborgen geblieben, wie es die Zustände in der Blohmeschen Wildnis waren? Das preußische Fürforgesystem ist an Haupt und GliÄern dringend reformbedürftig. politllcbe Gcberlicht Berlin, den 22. Juli 1909. Talonsteuer und Prozentpatriotismus. Während ein Teil der durch die neuen Steuergesetze betroffenen Industriellen und Händler nicht nur den ihnen auferlegten Steuer- betrag auf die Konsumenten abzuwälzen sucht, sondern die Gelegen- heit zu unverschämten Preistreibereien ausnutzt, trachtet ein anderer Teil danach, sich durch allerlei Machenschaften um die Bezahlung der demnächst in Kraft tretenden Steuern herumzudrücken. Zu den letzteren gehören vornehmlich die Herren von der Finanz, die, obgleich sie im Verhältnis zu den un- bemittelten Schichten bei der Steuervermehrung recht gut weg- gekommen find, doch keine Neigung verspüren, zugunsten des teueren, heißgeliebten Vaterlandes in ihre Geldbeutel zu greifen. Täglich kann man jetzt im.Reichsanzeiger" und verschiedenen Handels- blättern die Ankündigung von Aktiengesellschaften lesen, daß sie neue Dividendenbogen herausgeben und im Hinblick auf die drohende Talon- steuer um Bezug dieser Bogen bor dem 1. August bitten, damit dies- mal noch die Steuer umgangen werden kann, und zwar handelt es sich nicht blas um Dividenden» und Couponbogen, die in Kürze ablaufen, sondern auch um solche TalonS, die erst in drei. vier. fünf. sechsJahren durch neue zu ersetzen sein »vürden. Selbst der„Köln. Ztg." düntt trotz ihre? großkapita- listischen Charakters dieses Spiel zu bunt. Sie schreibt: „Gegen dieses Borgehen der Gesellschaften wäre selbstver- stündlich nichts einzuwenoen, wenn die alten Bogen bereits abge- laufen wären und die Hinausgabe der an sich fälligen neuen Bogen zur Ersparung der neuen Steuer noch vor Toresschluß bewirkt »uird. Es ist niemanden verwehrt, die vom Gesetze gebotenen Vor- teile wahrzunehmen, und die neuen Vorschriften bestimmen, daß vor deren Inkrafttreten ausgegebene Gewinnanteilschein- und ZinSbogen von der Stempelabgabe befreit sind. Dies trifft in- dessen nur auf die kleine Minderheit der auszugebenden Divi- denden- und Zinsbogen zu, und wenn jetzt bekannt gegeben wird, daß die Ausschüsse des Bundesrates zusammentreten sollen, um über diese Frage zu beraten.(Vergleiche„Kölnische Zeitung' Nr. 575, Handelsteil) so unterliegt es keinem Ztveifel, daß die Negierung Maßregeln plant, die die vorzeitige steuer- freie Ausgabe von Talons unmöglich machen oder die solcher Art ausgegebenen Talons doch zur Steuer heranziehen sollen. DaS von vielen Gesellschaften befolgte Verfahren vollzieht sich so, daß «in Teil derselben jetzt schnell noch neue Bogen ausgibt unter Einziehung der noch nicht fälligen Dividenden- oder ZinSfcheine; andere Gesellschaften lassen die noch laufenden Bogen im Verkehr und geben neue Bogen aus, deren erster Schein sich dann an den zuletzt fälligen Schein des noch laufenden Bozens anschließt. Wenn es zuträfe, daß die Befreiungsvorschrift auch auf die in dieser Weise vor dem 1. August ausgegebenen Talons Anwen- dung finden könnte, so würde in der Tat das Gesetz auf Jahre, vielleicht sogar aus Jahrzehnte. in seiner finanziellen Wirkung zu einem nichtunwesen tlichenTeilelahmgelegtwerden." Däe von der„Köln. Ztg." angekündigten Maßregeln haben bann auch nicht lange auf sich warten lassen. Die letzte Nummer der„Nvrddd. Allgem. Ztg." bringt bereits an ihrer Spitze eine Warnung, in der es heißt: „Nach Sinn und Wortkaut des Gesetzes kann darüber kein Zweifel bestehen, daß der Gesetzgeber nur die Unternehmungen von der Steuer freilassen wollte, deren Bogen im natürlichen Verlaufe der Dinge vor dem 1. August durch neue ersetzt werden mußten. Wenn jetzt die kurze Zeit bis zum Inkrafttreten des Gesetzes dazu benutzt wird, die bisher übliche» Formen der Ausgabe in künstlicher Weise von Grund auf umzugestalten, so ist klar, daß die mit der Ausführung des Gesetzes betrauten Or» gane sich nicht mit dem durch eine solche vorzeitige Massenaus- gäbe geschaffenen ungleichmäßigen, unbilligen und die Reichs- lasse schädigenden Zustand abfinden können. Es ist als sicher vorauszusetzen, daß bei der Hand. habung des Gesetzes durch die Behörden die nicht zweifel- hafte Absicht des Gesetzes zugrunde gelegt werden wird. Sollten sich der Ausführung Schwierigkeiten entgegenstellen, so wird im Herbst ohne Verzug eine authentische Erläuterung durch die ge- setzgebenden Faktoren herbeigeführt werden müssen. Diese könnte, da die Steuer den Dividendenschein und Zinsbogen rein körperlich erfaßt, voraussichtlich nur dahin gehen, daß die vor- zeitig ausgegebenen Bogen alsbald vom Zeitpunkt der Ausgabe an für die gesamte Zeit, für die sie Scheine ent- halten, zu versteuern wären. Auch sonst würden durch die Not- wendigkeit, die Bogen nachträglich zur Abstempelung einzureichen, den Beteiligten große Unzuträglichkeiten erwachsen. Es kann hiernach nur dringend geraten werden, von einem Vorgehen Abstand zu nehmen, welches zwar auch den Steuerbehörden Weiterungen, im Endergebnisse aber zweifellos den Interessenten die schwersten Nachteile bereiten würde." Für den Prozentpatriotismus der Herren vom mobilen Kapital, die sonst bei jeder passenden und nichtpassenden Gelegen. heit in Begeisterung für die weltpolitischen Aufgaben Deutschlands und die Verstärkung seiner Flottenmacht überschäumen, sind diese StoatsbemogelungSversuche höchst charakterisch. Allerdings hat ihnen zu diesen Versuchen die Unfähigkeit deS klerikal-konser- vativen Schnapsblock erst die Möglichkeit geliefert. Sehr leicht wäre eS gewesen, in das Gesetz einen Passus einzufügen, daß eine Befreiung von der Steuer nur bei jenen vor dem 1. August um- getauschten Zins, und Dividendenbogen eintritt, die nicht vor Ab- lauf ihrer Gültigkeit zum Zweck der Steuerhinterziehung aus- gegeben würden. Doch auf diesen einfachen Gedanken ist in der Hast ihrer Steuergesetzfabrikation keiner der genialen klerikalen und konservativen Gesetzgeber gekommen. So weit reichte ihre Ueberlegung nicht._ Die Ausführung der neuen steuergesetze. Wie die neuen Steuergesetze ausgeführt werden sollen, besonders in welcher Weise die Nachversteuerung und Nach- Verzollung vorgenommen werden soll, ist noch immer nicht geklärt. Erst am Sonnabend werden die vereinigten AuS- schüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen, für Handel. Verkehr und Rechnungswesen unter dem Vorsitz des neuen Staatssekretärs des Reichsschatzamts mit der Beratung der AuLführungSbestimmungen zu denneuenSteuergcsetzen beginnen. unächst werden die Brausteuer, die Schaumweinsteuer, die affee- und Teezölle und die Tabaksteuer beraten. Die Sitzungen werden sich voraussichtlich über mehrere Tage hin- ziehen. Nach ihrem Mschluß soll sofort die Bekanntgabe der AusfühmngLbestimmungen erfolgen. Das Ausnahmerecht gegen die Sozialdemokratie. Die„F r ä n k. T a g e S p o st" bemerkt zum Fall B t t s ch: „Herr v. Brettreich hat sich sicherlich ungeheuer viel Mühe gegeben, einen Weg zu finden, auf dem er nirgends und auf keiner Seite an stößt. Deshalb das salomonische Urteil. das auch bei eingehender Würdigung lediglich als feiges Kom» promiß erscheint. Aber gerade in einer solchen Frage mußte die Regierung jeden faulen Handel vermeiden. Die Frage der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung verträgt keine zweideutigen Antworten. Das prinzipielle Zugeständnis darf nicht im Verwaltungswege des Einzelfalle» umgeworfen werden. So kann diese talmudistisch-jesuitische „Entscheidung" für die Sozialdemokratie nur ein verstärkter Anlaß sein,«ine wirkliche Entscheidung herbeizuführen." Die Absicht, eine wirkliche Entscheidung herbei- zuführen, findet hoffentlich auch ihre Realisierung, da- mit jeder Argwohn beseitigt wird, wie er in folgender Be- merkung des„Hamb. Echo" vernehmlich durchklingt: „Natülich werden bei jedem künftig noch etwa zum Bürger« meister gewählten Sozialdemokraten persönliche Gründe vor- liegen,»veSwegen die Regierung blutenden Herzens die Bestätigung versagen muß. Aber das„ P r i n z i p' ist g e r e t t e t und nach wie vor können sich brave Leute, aber schlechte Musikanten für ihr ungeheueres Vertrauen zu der bayerischen Rcaiernng darauf be- rufen, daß in diesem Staat ein„freierer" Geist lebe. Beiläufig: Ueber den Ausgang der„AffäreHoff- mann", des wegen seines Bekenntnisses zur Sozialdemokratie gemaßregelten Lehrers, erfährt man immer noch nichts. ES scheint, doß diese Leistung des„freien" bayerischen Staates geflissentlich nicht mehr erwähnt wird." Der ultramontane„Bayrische Courier" unterstellt unseren bayerischen Genossen, daß sie, wenn sie auch einige Entrüstung markieren würden, herzlich froh wären,„wenigstens dem Grundsatz nach als gleichberechtigt mit Nichtrevolutionären bei Bewerbung um öffentliche Aemter an- gesehen zu»verdcn". Hätten sie dainit doch„ihre nord- deutschen Genossen und Bedränger wenigstens auf einen Vor- sprung hinzuweisen, den deren Radikalismus nicht zu erzielen vermochte". Wie wenig selbst pach bürgerlicher Ansicht unsere bayerischen Genossen Ursache hätten, sich des„Vorsprungs" der„prinzipiellen" Gleichberechtigung zu rühmen, geht aus folgender Aeußerung der liberalen„Münchener Neuesten Nachr." hervor: „Der Staat hat nur die Aufgabe, kaltblütig zu überwachen, daß das nicht zu Schaden kommt, was er im öffenilichen Interesse von jedem Bürgermeister und jeder Gemeinde fordert. Bequemer ist allerdings in solchem Falle v r i n- zipielle Nichtbestätigung, aber es geht auch so!" Wenn also die„entarteten Abkömmlinge deS Liberalismus", um mit unserem Münchener Bruderorgan zu sprechen, die gern dem„preußischen Junkertum willige Hausknechtsdienste" leisten möchten, erklären, daß es auch so gehe, wie es die bayerische Regierung gemacht habe, läßt sich allerdings mit der„prinzipiellen" Anerkennung der Gleichberechtigung der Sozialdemokratie nicht viel Staat machen!_ Die preußischen Junker als Reichsbüttel. ES ist begreiflich, daß unseren preußischen Junkern der Entscheid der bayerischen Regierung im Falle V i t s ch noch nicht reaktionär genug ist. Die Begründung der Nichtbestätigung des sozialdemokratischen Bürgermeisters ist ihnen nicht brutal genug. So spricht der Münchener Korrespondent der„Deutschen TageSztg." sein„lebhaftes Bedauern" darüber aus, daß die bayerische Re- gierung nicht ganz unumwunden die Zugehörigkeit eines Kandidaten zur Sozialdemokratie für unvereinbar mit den Auf- gaben eines Bürgermeisters erklärt habe. Die Redaktion des Junker« organS fügt dann noch auS Eigenem hinzu: „Die Entscheidung der bayerischen Regierung ist tatsächlich Seeignet, Aufsehen zu erregen. Wie wir seinerzeit mitteilten. ieß eS, daß die deutschen Bundesregierungen sich dahingeeiangt hätten, Sozialdemokraten auch als mittel- bar« Staatsbeamte grundsätzlich nicht zu bestätigen. Wir habe» zw« sofort eine formelle Abmachung dieser Art in Zweifel gezogen; aber man mußte doch annehmen, baß tat« sächlich eine Uebereinstimmung in dieser Frage vorlag. Nach der obigen Meldung ist auch das leider ein Irrtum. Und wir können nur unserem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die bayerische Regierung in dieser Frage eine Praxis befolgt, die nur Verwirrung in einer grundlegenden staalo- politischen Frage anrichten kann l" Leider begegnen diese Büttelgelüste unserer Ostelbier auch in den süddeutschen Bundesstaaten statt der gebührenden entrüsteten Zurückweisung der Gesinnungsverwandffchast schöner reaktionärer Seelen!_ Nach sächsischem Muster: DaS„Berk. Tagebl." schreibt: „Von einer Seite, die mit preußischen RegierungSkreiscn politische Beziehungen unterhält, wird unserem Dresdener Kor- respondeiitcn mitgeteilt, daß die preußische Wahlrcform davon ab- hängig gemacht werden soll(?!), wie sich das neue sächsische Wahlrecht bewährt. Dieses bleibt be- kanntlich»seit hinter den Erwartungen des sächsischen Volkes zurück. Aber immerhin wird es trotz seines ausgesprochenen Klassen- charakters den Arbeitern eine Anzahl Sitze in der Zweiten Kammer sichern. Auch schon»vährend der WahlrechtSlämpfe im letzten sächsischen Landtage wurde die Ansicht geäußert, daß Sachse n gewissermaßen als VersuchSland für Preußen gelten solle. Im Plenum ist diese Ansicht damals nicht weiter hervor- getteten; doch verdient erwähnt zu werden, daß die preußische Regierung amtlich um Material über die Zu- sammensetzung der Wahlen und ihre Stimm- abgaben in einzelnen Wahlkreisen ein gekommen ist.— Die sächsischen Landtagswahlen nach dem neuen Gesetz werden übrigens nickt, wie eS früher hieß, etwa um Mitte des Ottober, sondern erst gegen Ende Oktober stattfinden." Diese Meldung bestätigt nur, was längst vermutet und auch be- reit? ausgesprochen wurde. Kein Zweifel, daß auch die preußische Reaktion Preußen mit einem elenden Pluralwahlrecht nach sächsischem Muster beglücken möchte, wenn sich die Einlösung deS Wahlreformversprechens nicht mehr länger hinschleppen läßt. Demgegenüber kann nur immer wiederholt werden: Die Wahl- entrechteten in Preußen dürfen kein Mittel unbenutzt lassen, um diese Verhöhnung der proletarischen Wahlrechtsforderungen zu vereiteln! Sozialreform und Bundesrat. Im württembergischen Landtage wurden zwei Anträge der Sozial« demokratte und des Zentrums, welche die Regierung beauftragten im Bundesrat für Anstellung von Handelsinspektoren, die tunlichst aus dem Kauftnannsstande zu berufen find, einzutreten, der Regierung zur Erwägung überwiesen. Im Laufe der Debatte machte der Mnister des Innern v. Pischek einige sehr bemerkenswerte Mitteilungen über die Behandlung sozialpolittscher Fragen im Bundesrat. Die württem- bergische Regierung sei schon früher für besondere Beamte für die Handelsinspektion, die an die Gcwerbeinspektton anzugliedern toären. eingetreten; ihre Anregungen seien aber im Bundesrat bisher stet» abgelehnt worden. Nachdem der Bundesrat in den Jahren 1S04, 1905, 1906 und 1908 sich gcgcn die HandelSinspektoren entschieden habe, sei eS der württembergischcn Regierung in absehbarer Zeit nicht möglich, auf die Sache zurück- zukommen. Sie wolle sich mit ihren Ansichten im Bundesrat zlvar nicht verstecken, sie sei aber an die Mehrheitsbeschlüsse des Bundesrats, wenigstens für einige Zeit hinaus, gebunden. ES entspreche weder der allgemeinen Machtstellung der württembergischen Regierung, noch dem Gewicht ihrer Stimmen im Bundesrat, immer d i'e Rolle de» Hechtes im Karpfenteich zu spielen. Diese Ausführungen des württembergischen Ministers des Innern haben Bedeutung über die Grenze des einzelnen Bundesstaates hinaus. Die bestätigen die schon von jeher von sozialdemokratischer Seite vertretene Auffassung, daß sich die Sozialreform im Deutschen Reiche im Zustande der Stagnation be- findet. Nach den letzten ReichStagSwahlen soll bekanntlich das Wort geprägt worden sein:„Nun erst recht Sozialreform l" Was es damit aber auf sich hat, kann man daraus ermessen, daß ein einzelstaatlichc- Minister den Bundesrat in sozialpolitischen Fragen mit einem Karpfenteich vergleicht, der von Zeit zu Zeit durch einen Hecht aus- gestört werden muß. Wenn im übrigen die württembergischen An- träge im Bundesrat bereits so häufig abgelehnt worden sind, wie Herr von Pischek mitteilt, so erfährt man daraus, daß der Wider- stand gegen den Fortschritt der Sozialreform bei Preußen liegt, dessen Uebergewicht die Beschlußfassung deS Bundesrats beeinflußt. und daß eine fteie Lahn für den Fortschritt im Reich erst durch eine Demokratisierung Preußens geschaffen werden kann. Abänderung des württembergischen BrausteuergesetzeS. Die Regierung hat dem Landtage einen Entwurf zur AZ- änderung des württembergischen Bcansteuergesetzes vorgelegt. Ter von Württemberg an Stelle der Brausteuer an das Reich zu zahlende AuSgleichungSbetrag bezifferte sich für das Jahr 1908 auf 1 485 770 M. Er ist nunmehr durch die Neichsfinanzreform auf 6 435 626 M. erhöht worden. Dementsprechend schlägt die Regierung eine Mehrbelastung deS BiereS vor. Der Ertrag dcr Biersteuer wird nach der jetzigen Erhöhung unter Annahme eines VerbrouchSrückgangeS von lO Proz. auf rund 12 658 000 M. geschützt. was eine Mehrerhebung von 5 127 000 M. bedeutet, von denen nach Abzug deS Betrages für die Reichskasse für Württemberg noch rund 170 000 M. übrig bleiben. Die Steuererhöhung macht auf dcn Hektoliter Bier etwa 1,60 M. aus.— Die Reichstagsersatzwahl für Kobleaz-St. Goar. die wegen Beförderung des jetzigen Abgeordneten W e l l st e i n notwendig wird, ist auf den 14. September anberaumt, worden.. Dje LandtagSersatzwahl ist auf den 30. August festgesetzt, die Wahl- mannerwahl auf den 23. August. Der Wahlkreis gehört zum sicheren Bestand der Zentrumspartei. Bei der letzten Wahl erhielt der Zentrumskandidat 19 000, der Kandidat unserer Partei 2000 Stimmen. Ter Hansabund. Mit welchen seltsamen Mitteln Arbeiter zu Mitgliedern des Hansabundes gepreßt werden, lehrt ein Bericht deS„Proletariers", der Zeitung des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands, anZ Stettin. Nach seinen Mitteilungen zahlt die Stettiner Portland- ementfabril zu Züllchow Löhne von 25 Pf. pro Stunde an ihre rbeiter. Als Ergänzung dieser niedrigen Löhne trägt die Firma aber zu den im Betriebe vorhandenen Klimbimvereinen die Hälfte der Beiträge ans der Betriebskasse bei. In den letzten Tagen wurden die Vorstände der Klimbimvereine zusaminengerufen und über die Köpfe der Mitglieder weg wurde der Anschluß an dcn Hansabund beschlossen. Bon der Direktion wurde angeführt, daß niemand gezwungen werde, sich anzuschließen, jedoch habe jeder dann auch die Folgen zu tragen. Der Anschluß wurde darauf voll- zogen, ohne daß die Arbeiter ihre Zustimmung dazu gegeben hatten.—_ Oberschlefien unter dem neuem ReichSvereinSgesetz. Am 18. Juli sollte in Kriewald im Kreise Rybnik eine Berg- arbciterversainmlnng unter freiem Himmel stattfinden, die für die Arbeiter der fiskalischen Zeche Knurow berechnet war. Der Amts- Vorsteher von Schyalowitz erteilte auch sofort die Genehmigung, am anderen Tage aber schickte er an den Einberufer folgendes Schreiben: .Nachdem die Temeindedertretung von Kricwald einstimmig mich ersucht hat. die von Ihnen einberufene Versammlung zu verbieten, da.größere Unruhen zu befürchten sind', und nachdem ich auch weiterhin auf Grund von zuverlässigen Informationen die Gewißheit erlangt habe, daß cS bei dieser Versammlung zu ernsten Ruhestörungen und Tätlichkeiten kommen wird, sehe ich mich im Interesse der öffentlichen Ordnung ver- anlaßt, die Genehmigung zu der für Sonntag, den 18. d. MtS. nach Kriewald einberufenen Versammlung zurückzuziehen.' Tatsächlich hat die fiskalische Gmbenvcrwaltung auch sofort eine Sitzung der natürlich auch.fiskalischen' Gemeindevertretung von Kriewald veranlaßt, um die Versammlung zu hintertreiben. Mehrere hundert Arbeiter fanden sich indes am Versammlungsorte ein und als sie hörten, was vorgefallen, begaben sie sich in ein benachbartes AZirtshaus, wo etwa ö0 Mann der Belegschaft dem Verbände als neue Mitglieder beitraten._ Ter SozialisnmS als ErWecker der Arbeiter. In der Tübinger.Zeitschrift für die gesamte Staatswiffenschast' bespricht der Herausgeber Professor Karl Bücher»die Jugend« geschichte einer Arbeiterin', den.LcbcnSgang eines deutsch- tschechischen Handarbeiters' von Wenzel Holek und die von Levensteiu herausgegebenen Arbeiterbriefe„Aus der Tiefe". Am Schluffe der ausführlichen Besprechung kommt er zu nach- stehenden Bemerkungen: Das Maß von Bildung, das sich viele von ihnen(den deutschen Arbeitern) trotz mangelhaftesten Schulunterrichtes und fast nie abbrechender Nahrungssorge noch spät aneignen, ist gar uicht zu unterschätzen. Für alle aber bedeutet — das lehren die drei hier angezeigten Bücher in eindringlichster Weife— der Eintritt in die Gedankenwelt des Sozialismus den gewaltig st en inireren Fort« «schritt. Sie werden mit einem Male aus ihrer trostlosen geistigen Isoliertheit in ihrem dumpfen vegetativen Dasein emporgerissen und zum Nachdenken über die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge gezwungen. Sie erkennen sich selbst als ein Glied an einer großen Kette, ihr Schicksal als die Wirkung von Ursachen, die fast das ganze menschliche Getriebe beherrschen. Mag daS Licht, das ihnen so plötzlich aufgeht, viele mehr blenden als erleuchten, mag daS geistige Streben, das die neue Erkenntnis auslöst, für manche mehr zur Berbildung als zur Bildung führen, interessante Zeitbilder bleiben diese Bekehrungsgeschichten immerhin und darum feien sie der all- gemeinen Aufmerksamkeit empfohlen. Ei» schlagfertiger Unteroffizier. Vor dem Kriegsgericht der 88. Division m Erfurt stand am Mittwoch der Sergeant Albin Walther von der 1k). Kompagnie des 71. Infanterieregiments in Erfurt unter der Anklage der Soldaten Mißhandlung. Am » 6. Juni wollte der Musketier Gärtner aus der Kammer ein Paar Stiefel umtauschen; statt anderer Stiefel erhielt er aber von Walther eine kräftige Ohrfeige, der dabei noch rief:.Ist denn Euer Oberleutnant verrückt geworden, daß er meint, die Sachen kämen vom Himmel heruntergefallen I' Am Tage danach schloß sich Walther mit dem geohrfeigten Musketier ein und suchte ihn zu beeinflussen, von einer Beschwerde abzulassen. Das Kriegsgericht erkannte gegen den schlagfertigen Borgesetzten auf ISTageGefängnis. franhrdeb. Em reaktionärer Wahlsieg. Paris, 20. Juli.(Eig. Ber.) Eine Nachwahl, die am Sonn- tag in A b b e v i l l e(Dep. Somme) zu Ende geführt wurde, erregt ein starkes Aufsehen. Im ersten Wahlgang hatte der anti- republikanische Kandidat 09 7 3 Stimmen erhalten, ein Links- repudlikaner 4624, ein Radikalsozialist 3347 und der Kandidat der geeinigten Soziali st en 2074. Im zweiten Wahl- gang drang der Reaktionär mit 8212 Stimmen gegen 7006 des Linksrepublikaners durch, und die radikale Presse, vor allem aber auch die gemäßigte, die die völlige Abwendung der Radikalen von der Sozialreform und die Konzentration der Mittelparteien fördern will, behauptet, dieser Stimmenzuwachs stamme von den Sozialisten, die sich für die den Genossen Compere- M o r el und Mille gewährte klerikale Wahlhilfe revanchiert hätten. Richtig ist nun, daß die Stimmen des sozialistischen Kan- didaten, der sich ohne Ausgabe einer Stichwahlparole einfach zurück- gezogen hatte, ungefähr um ebensoviel abgenommen haben, als der Republikaner gewonnen hat. Trotzdem ist die Beweisführung gefälscht. Denn sie sieht von den Stimmen des Radikal» s o z i a l i st e n ab, der seine Kandidatur erst vier Tage vor der Stichwahl zurückgezogen hat und dessen Freunde zahlreich für den Reaktionär stimmen gingen. Die„republikanische Disziplin" ist also auch von den bürgerlich-radikalen Wählern nicht gewahrt worden. Es soll nicht bestritten werden, daß ein Teil der sozialistischen Wähler für den Reaktionär gestimmt hat. Dies gilt namentlich für den Ort F r e s s e n n e v i l l e, der vor nicht langer Zeit der Schauplatz heftiger sozialer Kämpfe war, bei denen sich das Kapital in Gestalt radikaler Fabrikanten und die Republik als Organ der Klassenherrschaft repräsentierte. Die Erinnerung daran war offenbar heftig genug, um die Arbeiterwähler zu einer Demonstration zu veranlassen, bei der ihnen der Gedanke an ein politisches Entgelt völlig fernlag. Die Behauptung von einer planmäßigen Unterstützung der Reaktionäre durch die Sozialisten ist aber eine bewußte Verleumdung. Die Parteidisziplin ist in Frankreich— leider!— überhaupt lange nicht fest genug, um bei der Stichwahl ein geschlossenes Operieren der Wähler in irgend- welcher Richtung, namentlich ohne offene Agitation durchzusetzen. Eine Kooperation mit den Reaktionären widerspräche aber auch der von den Parteitagen festgelegten takischen Grundregel für die Stichwahlen, die das Interesse deS Proletariats und der sozialen Republik maßgebend macht. Dieses Prinzip befreit die Partei von der Pflicht, die ihr manche Genossen auf- erlegen möchten, für die zweideutigsten Bourgeoiskandidaten zu stimmen, die den offiziellen Stempel des RepublikanismuS tragen, aber es schließt auch auS, daß die Sozialisten in ihrem nie ver- leugneten Kampf gegen den bürgerlichen Radikalismus der kleri- kalcn Reaktion Hilfe leisten. Wenn die Regierungspresse den Zu- ruf GueSdeS:„Bekämpfen Sie uns, wie wir Sie immer bekämpft haben!, mit dem unser Genosse in der Debatte über die allgemeine Politik die Radikalen apostrophiert hat, mit der— wenn man so sagen darf— Reflexbewegung der verelendeten und brutalisierten Proletarier von Fressenneville in Zusammenhang zu bringen sucht, so liegt die Entstellung auf der Hand. Die Stichwahl vom Sonntag könnte für die Radikalen eine nutzliche Lehre sein, wenn diese etwa? lernen wollten und könnten. Sie zeigt, daß die Wähler die Phrase vom„republi- kanischen Block" satt haben und an das Heil, das von der Parlamentsdemokratie kommen soll, nicht mehr glauben. Nur ist die von den Reaktionären mit Geschick betriebene und auf der anderen Seite vom anarchistelndcn Syndikalismus in revolutionärer Färbung variierte antiparlamentari sche Demagogie um nichts besser. In der Stichwahl von Abbeville kann man eine ' Demonstration gegen den immer tiefer sinkenden Parlamen- tariSmus sehen. Käß diesem die Ersetzung der Bezirkswahl durch das ListenfkrutlniuM, namentlich ohne den die politischen Parteien konsolidierenden Proporz» aufhelfen würde, ist freilich nicht sicher, da das Uebel im sozialen Organismus sitzt und nicht bloß auf formale Mängel seiner Vorrichtungen zu- rückzuführen ist. Indes würden doch die allgemein politischen Interessen nicht wie jetzt von den lokalen zurückgedrängt und die Rolle der Bczirkspolitiker würde durch die weiteren Parteiverdände eingeschränkt werden. Italien. Wieder ein sozialistischer Wahlsieg. Rom, 19. Juli.(Eig. Ber.) Wie wir seinerzeit de- richtet haben, hatte die Wahlprüfungskommission die Wahl des Genossen Quaglino in Biella für ungültig erklärt, wes- halb am 18. ds. eine Ersatzwahl stattfand. Da der sehr aus- gedehnte Wahlkreis im Sommer viele Saisonauswanderer nach Mitteleuropa entsendet, hofften die Gegner durch die Verminderung der sozialistischen Wählerschaft den Sieg davon- zutragen. Aber die Parteiorganisation von Biella bewegte über 490 Auswanderer zur Rückreise aus Frankreich, Deutsch- land und sogar aus Belgien. Die Wahl ergab dann auch für Genossen Quaglino 53l4 Stimmen und für den Ministe- ricllen Garlanda 3132; es fehlt das Ergebnis einer Sektion, das aber nur eine belanglose Veränderung bewirken kann. Bei den Hauptwahlen erhielt Genosse Quaglino, der Maurer ist, 4879 und sein Gegner 4612 Stimmen. Cnglanä. Rüstungen in Afghanistan. London, 21. Juli. Wie dem R-uterschen Bnreau ans Sinila ge- meldet wird, stellt ein afghanisches Blatt fest, daß ein äußerst reger Waffenhandel dem Emir und den Behörden von Kabul eine allgemeine Bewaffnung der Afghanen und der benachbarten VolkSstämme außerordentlich erleichtert. Eine große Anzahl von Repetiergcwehren ist von Kabul an die afghanischen Truppen in Herat und nach anderen Truppenplätzen gesandt worden. Der Emir hat den Lohn der Arbeiter in den Waffenfabriken erhöht und ihnen seine lebhafte Freude über die gute Beschaffenheit der von ihnen gefertigten Waffen ausgedrückt. Auch die benachbarten Stämme sind unentwegt bemüht, sich mit besseren Waffen zu versehen. Die ganze Angelegenheit ist ge- eignet, die indische Regierung zu beunruhigen. In der Landschaft Dir haben mit einzelnen Stämmen Kämpfe statt- gefunden. Der Mullah Powinda, der auf Malin auf Waziri »narschiert ist, ist vvn einigen 8000 Anhängern zum König aus« gerufen worden. Die Bnlkanpolitik. London» 22. Juli. Unterhaus. Bei der heutigen Debatte über den Etat des Auswärtigen übte Dille(liberal) Kritik an der Ballanvolitik Englands. Redner führte aus, indem England in Verbindung mit Rußland den Standpunkt vertrat, daß die Okku- pation Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich-Ungarn vorübergehender Natur sei, habe es sich in Gegensah gesetzt zu der allgemeinen Auffassung, daß diese Okkupation nicht eine tem- poräre sein solle. England habe zu sehr auf der Doktrin von der Heiligkeit des Berliner Vertrages bestanden, der doch von der Türkei ebenso sehr verletzt worden sei als von den anderen Mächten. Henderson(Arbeiterpartei) sprach sich gegen den beabsichtigten Besuch des Kaisers von Rußland aus und erklärte, der Kaiser und die russische Regierung seien untrennbar von der Verantwortung für die beklagenswerten Zustände in den russischen Gefängnissen und für die zahlreichen Hinrichtungen. Da die früheren offiziellen HöflichkeitSbezeugungen keinen Einfluß auf die russische Politik ausgeübt hätten, solle die britische Regierung sagen, sie halte jetzt mit ihrer Gastfreundschaft zurück, bis Rußland Ordnung in feinem Innern geschaffen habe, es sei denn, daß die britische Regierung die Beschuldigungen, die gegen die russische Politik erhoben worden feien, vollständig widerlegen könne. Die Arbeiterpartei werde darauf bestehen, daß über ihren Protest abgestimmt werde. In Verteidigung der englischen Politik auf dem Balkan sagte Sir Edward Grey: Als im nahen Osten die Schwierigkeiten auf. stiegen, haben wir uns durch nichts anderes als durch die Ab» machungcn deS Berliner Vertrages verpflichtet gehalten. Nach Abschluß dieses Vertrages waren alle früheren Abkommen hin- fällig. Wir sind Rußland nicht in allen Stücken gefolgt und haben unsere eigenen Ansichten gewahrt. Was unser Verhältnis zur österreichisch-ungarischen Regierung betraf, so hatten wir dieser gegenüber keinerlei moralische Verpflichtungen, auch ist von dieser während des ganzen Verlaufes der Verhandlungen eine solche Be- hauptung nicht erhoben worden. Seit der Rede von Dilke be- schäftigen sich meine Gedanken mit den Versicherungen, die im Jahre 1880 Gladstone gegeben worden und in einem von ihm veröffentlichten Briefe an den österreichisch-ungarischen Bot- schafter enthalten sind; es heißt dort: Eure Exzellenz sind so liebenswürdig, mir zu versichern, daß ihre Regierung nicht den Wunsch hegt, die im Berliner Vertrage erworbenen Rechte in irgendeiner Weise auszudehnen, oder ihnen irgendetwas hinzu- zufügen und daß irgendsolche Erweiterungen für Oesterreich- Ungarn durchaus nachteilig fein würden. IVlarokko. Ein erbitterter Kampf. Melilla, 22. Juli. General Marina ist mit seinem Stabe vom GcfechtSfclde hierher zurückgekehrt. Der General erklärte, der 20. Juli und die Nacht zum 21. feien die härtesten gewesen seit Beginn der Operationen. Er glaube, der gegenwärtige Konflikt werde länger dauern, als man angenommen habe. Eine Jnfanterielolonne, die das Gebirge auf Sidi-Moussa durchstreifte, habe vom Feinde nichts gesehen. Die spanischen Verluste. Madrid, 22. Juli. Nach einer Meldung der„Correspondencia de Espana" betrugen auf spanischer Seite die Verluste während deS Kampfes am Abend des 20. Juli 2 0 Tote» in der Nacht zum 21. Juli 3 0 Tote und 66 Verwundete. Gegen den Krieg. Madrid, 22. Juli. Als in der verflossenen Nacht ein Zug mit Truppen nach Malaga abgehen sollte, ver- suchten die Angehörigen der Soldaten die Ab- fahrt zu verhindern. Es kam zu Zusammen- stößen, wobei etwa 19 Personen verletzt wurden. 18 Per- sonen wurden verhaftet. Es sind energische Maßnahmen für die Beförderung weiterer Truppen getroffen worden. Gute Meuterei. Barcelona, 22. Juli. Bei T r u p p e n. die gestern nach Melilla abgehen sollten, ist es zu meuterischen Aus- t ritten gekommen. Ein Bataillon bedrohte einen Oberst und verschiedene andere Offiziere mit dem Bajonett, und erst dem Eingreifen in der Nähe befindlicher Unteroffiziere gelang es, die Nnhe wieder herzustellen. Den Mannschaften wurden sämtliche Patronen abgenommen. pcrften. Zurückziehung der türkischen Truppen. Konstantinopel» 22. Juli. Nach einer Meldung der„Jeni Gazeta" hat die Pforte an die WilajetS Van und Bagdad Befehl ergehen lassen, alle türkischen Truppen auS P ersten mit Ausnahme der Abteilungen zum Schutze der Konsulate in Urmia Salmas und Choi zurückzuziehen und keine Txuppeu mehr dorthin zu entsenden. Amerika. Die Kommunalwahlen in New Dork und die sozialdemokratische Partei.• New Jork, 6, Juli 1909.(Eigener Bericht.) Von sämtlichen Parteien war die sozialistische die erste, die auf ihrem Konvent am 4. Juli zu den Kommunalwahlen in New Aork, die anfangs November stattfinden, Stellung genommen hat. Die von dem Konvent angenommene Plotform(Programm) enthält neben einer scharfen Betonung der sozialistischen Grundsätze eine Reihe Forderungen, die sich auf die Selbstverwaltung der Kommune. Munizipalbetrieb. Arbeitslosenfürsorge, Versammlungsfreiheit und Redefreiheit, WohnnngSsürsorge, Schulwesen usw. beziehen. Noch selten waren die Aussichten für die Partei derart günstige wie gerade jetzt. Die demokratische Stadtverwaltung war ebenso korrupt, weitn nicht noch korrupter, als es die vorher am Ruder ge- wesene republikanische oder, wie sie sich nannte, Reform-Stadt« Verwaltung gewesen war. Jedes einzelne unter die Lupe genommene städtische Departeinent hat sich als oberfaul er« wiesen. Die Diebereien, die seitens städtischer Beamten während der letzten Jahre verübt worden sind, belaufen sich auf viele Millionen Dollars. Besonders schlimm wurde die Polizei kom- promittiert, die ein Erpressungssystem eingeführt hat, wie eS selbst in Rußland nicht ausgeprägter sein kann. Tammany Hall, die demokratische Parteimaschine, die gegenwärtig unumschränkt über New Uorl herrscht, fühlt die Schwäche ihrer Position. Und daS Bestrebe» der demokratischen Partei läuft deshalb einzig und allein auf die Aufstellung eines Kandidaten hinaus, der, nach amerikanischen Begriffen wenigstens, halbwegs ehrlich e r s ch e i n t, es aber bei- leioe nicht sein soll.________ Sozialea* Lehrlingszüchtcrei. Bilder aus dem Lehrlingselend entrollten zwei Prozesse, die gestern vor der v. Kammer des Gewerbegerichts geführt wurden. Verklagt war der Inhaber einer mechanischen Werkstatt G, Voigt in der Neuenburgcr Strasse 12. Zwei Lehrlinge verlangten, daß der Beklagte in die Auf- lSsung dcS LehrverhältnisseS zu williger verurteilt wird. Sie begründeten es damit, daß die beiden Söhne des Beklagten, Otto und Paul, die zeitweilig im Betriebe mitarbeiten, das dem Be- klagten zustehende Züchtigungsrecht überschreiten, sie in unange- brachter Weise beschimpfen und gröblich beleidigen. Die umfang» reiche Beweisaufnahme ergab, daß Schimpfworte wie Kamel, Affe, Ochse, Hammel» Esel» Schafskopf, Dussel, faule Sau und faules Aas im Betriebe des Bellagten gang und gäbe sind. Nicht selten wurden ohne recht ersichtlichen Grund die Lehrlinge geohr- fcigt. Wie die technische Ausbildung der Lehrlinge zu bewerten ist, zeigt der Umstand, daß bei 7 Lehrlingen nur 1 bis 2 Gehilfen beschäftigt werden. Das Gericht empfahl dem Beklagten, nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme freiwillig in die Auflösung der beiden Lehrverhältnisse zu willigen. Den Rat befolgte der Be- klagte. Hoffentlich werden nunmehr die Lehrlinge den famosen Lehrherrn auf Schadenersatz verklagen. Ausbildung oder Ausbeutung? Auf eine recht sonderbare Weise sucht der Inhaber einer Chauffeurschnle namens Jedtwapne zu billigen Arbeitskräften zu gelangen. Der Motorschlosser M. prozessierte gestern gegen ihn vor dem Gewerbegericht. Der Kläger war vom 8. bis 19. Mai beim Beklagten mit der Reparatur von Kraftfahrzeugen beschäftigt. Für seine Arbeit sollte er dadurch entschädigt werden, indem er das Fahren erlernen sollte. Der Beklagte hatte ihm auch die Prüfung als Fahrer sowie die Beschaffung eines Fahrscheines ver-. sprachen. Die Gebühr für den letzteren beträgt 21,60 M., die der Beklagte zahlen wollte. Wie ein Zeuge, der auf dieselbe Weise genasführt worden ist, bekundete, sind diese Versprechungen nicht erfüllt worden. Der Kläger ist nur ein einziges Mal ge- fahren, während die anderen Schüler, die Lehrgeld zahlten, dafür aber nicht zu montieren brauchten, vom Beklagten eingehend instruiert wurden. Der Kläger klagte deshalb auf Zahlung einer Entschädigungssumme in Höhe der Fahrscheingebühr. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Wölbling verurteilte den Beklagten, die 21,50 M. zu zahlen. In den Gründen sagt daS Gericht: Der Beklagte hat den Kläger als Fahrer ausbilden wollen. Bei dem Wollen ist es aber geblieben. Der Beklagte kann nicht verlangen, daß der Kläger erst vierzehn Tage lang in der Reparaturwerkstatt arbeitet und daß dann erst der Kursus' beginne. Da die Ausbildung als Entschädigung für die Arbeitsleistung er» folgen sollte, hätte der Kläger etwa einen halben Tag in der Werkstatt und die andere Hälfte des TageS mit dem Erlernen des Fahrens beschäftigt sein müssen. Dies ist aber nicht geschehen. Da der Kläger für seine Arbeit eine Entschädigung erhalten müsse, hat das Gericht der Klageforderung, zumal der Kläger nur die Summe von 21,50 M. verlangt, stattgegeben. Die Krankeukasscnärzte an den Bundesrat. Die im Leipziger Verbände organisierten Krankenkassenärzte be» reiten eine ausführliche Denkschrift an den Bundesrat vor. in der sie ihre Wünsche zum Entwurf der ReichsverstcherungSordnung äußern. Sie wenden sich hauptsächlich gegen die in der Regierungs- Vorlage vorgesehene Zusammensetzung der SchiedSauSschüsse und Schiedskammern und gegen die Bestimmmig. daß über Aerzte, die sich dem Spruche einer SchiedSkammer nicht fügen, Geldstrafen ver- hängt werden dürfe». Ferner wünschen die Aerzte, daß bei neuen Krankenkassen die Zulassung aller Aerzte des betreffenden Bezirk« unter vorber vereinbarten Bedingunden gesetzlich festgelegt werden soll. Die Eingabe des Leipziger Verbandes geht ganz, wie daS Vorgehen dieses Verbandes im allgemeinen, von der Voraussetzung aus, die Krankenversicherung sei keine Versicherung der Arbeiter gegen Krank- heitSgefahr. sondern eine Versicherung, die den approbierten Aerztcn bessere Einnahmen sichern soll. Trägt der ReichSverficherungS- ordnungscntwnrf bereit? weit über Gebühr den dahin ge- richteten Bestrebungen der Aerzte Rechnung, so ist leider bei der inr ReichSamt des Innern herrschenden, von dem Drängen der Aerzte beeinflußten Stimmung eine Nach- giebigkeit zu erwarten. Im ReichSamt wird die Frage erörtert, ob eS sich empfiehlt, im Falle der ArbeitSwcigerung der Aerzte zu dem Zustand der alten HilfSkassenzurückzulehren. die statt freier ärztlicher Behandlung Bewilligung erhöhten Kranken- geldeS zuließen. Da ein Kurierzwang der Aerzte auch Privaten gegenüber nicht besteht und da der Zweck der Krankenversicherung doch Wiederherstellung der Gesundheit sein soll, so wäre mit diesen: Wege dem Arbeiter nicht gedient. Es bleibt im Allgemein- interesse nur die Einführung deS Kurierzwangeö übrig, wenn man nicht zur Verstaatlichung des AerztewefenS übergehen will. GewcrhfcbaftUchee. Berlin und Umgegend« Gelbe ttttb Scharfmacher-„Bundes"-Genossenschaft. Wie versucht wird, aus allem Kapital zu schlagen, zeigt folgender Brief: Herrn Generalsekretär Nasse Dresdener Str. III. Da unser Arbeitsnachweis unerwartet viel Geld verschlingt und ich alles auslegen muß, weil unsere Arbeitgeberschaft die Kosten nicht trägt, so bin ich gar nicht imstande. Ihnen Ihr Honorar zurzeit auszuzahlen. Wäre es nicht möglich, dah die Bereinigung, nur um eine Subvention zu geben, aus IlXX) Exem- plare des.Bund" abonniert. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius. Dieser Brief ist in verschiedener Beziehung hochinteressant. Einmal ist daraus zu ersehen, an wie verschiedenen Stellen des Unternehmerlagers die Mitarbeiter des„Arbeiterblattes" „Der Bund" sitzen. Neben dem Angestellten der Hamburg- Amerika-Linie, Oberleutnant Hahn, nun auch der General- sekretär Nasse und außerdem noch andere Sekretäre der Unternehmer, die. weil sie Mitarbeiter des„Bund" sind, allein schon einen genügenden Beweis dafür bringen, daß es Heuchelei ist. wenn der„Bund" schreibt, er sei bestrebt, Arbeiterinteressen zu fördern. Dann aber zeigt der Brief auch, daß Herr Lebius eS versteht, seine Mitarbeiter, die Nasse und Genossen, scharf zu machen, um bei den U n t ern e h mero r g anisa- tionen Mittel lose zu beschaffen. Es geht ja deutlich ans dem Brief hervor und ist für Herrn Nasse gar nicht mißzuverstehen, daß L c b i u s ihm kein Honorar zahlt, viel- leicht auch nicht mehr als Mitarbeiter nimmt, wenn er, Nasse, bei den Unternehmern kein Geld für den„Bund" lose macht. Ob Herr Nasse bei evenwellen Bemühungen um Subvention für die„Gelben" den Herren Hegerwald usw. wohl gesagt hat. daß— wenn die„Gelben" nicht subven- tioniert werden— er. Nasse, kein Honorar von Lebius bekommt? Wir erlauben es uns, das zu bezweifeln, wie wir über- Haupt glauben, daß die Metallindustriellen keine Ahnung haben von den eigenartigen geschäftlichen Beziehungen zwischen den Herren Lebius und Nasse. Doch mag dem sein, wie ihm wolle. Dieser Brief spricht, wie die früher von uns veröffentlichten auch, eine so deutliche Sprache, daß kein Arbeiter im Zweifel sein kann über die arbeiterfeindlichen Absichten der„Gelben". Achtung, Fliesenleger! Die Zentralgeschäftsstelle aller Fliesenleger und Hilfsarbeiter Berlins befindet sich Berlin W. 30. Kyffhäuserstr. 26. Tel. VI. 1398. Folger meldet sich. Meldestelle für Arbeitslose. H. Waldheim. Dcutlchcs Reich. Die Kieler Stadtverordneten wollen keine Revision. Donnerstagnachmittag fand die auf Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten einberufene außerordentliche Stadtverordnetenversammlung statt, die sich mit dem Antrage der Sozialdemokraten, eine Kommission zur Kon- trolle der städtischen Betriebe zu wählen, beschäftigte. Unsere Ge- Nossen bgründeten den Antrag ausführlich, doch vermochten sie nicht, die bürgerliche Mehrheit auch nur zu einer Gegenäußerung zu bringen. Nur der Stadwerordnetenvorsteherstellvertreter D o e r i n g nahm das Wort und schützte gegen den Antrag staats. rechtliche Bedenken vor. Außerdem könne er. einem Antrage, der ausgesprochenes Mißtrauen gegen den Magistrat enthalte und der auS der Streikstimmung heraus entstanden sei. nicht zustimmen. Die geschlossene bürgerliche Mehrheit lehnte darauf den Antrag ab. Dann stellten unsere Genossen den Antrag, die Stadtverord- netenversammlung möge den Magistrat ersuchen, sofort festzu- stellen, wie hoch sich die durch den Streik und die Aussperrung verursachten außeretatsmäßige Kosten einschließlich des aus der- selben Ursache der Stadt zugefügten Schadens bis jetzt beliefen. Da der Antrag erst in der Sitzung eingebracht war. war zur Be- ratung die Beschließung der Dringlichkeit notwendig. Auch den Dringlichkeitsantrag lehnte die bürgerliche Mehrheit geschlossen ab. Die Aussperrung der Bauarbeiter im oberschlesischen Industrie- gebiet ist beendet. Montag haben die Maurer und Zimmerer in©er. sammlungrn dem Verhandlungsresultat chve Zustimmung: die Ge- neralversammlung des ArbeitaeberverbandeS hat gleichfalls zu- aestimmt. Dienstag konnte sodann die Unterzeichnung deS Wer- träges erfolgen. Die Arbeit wurde bereits am Dienstag morgen auf allen Arbeitsstellen wieder aufgenommen. Wer nach dem Gebahren der Arbeitgeber urteilen wollte, konnte glauben, es stehe ein gewaltig zäher Kampf in Aussicht. Wenn jedoch am Sonnabend die Einigung nicht zustandegekommen wäre, so wäre der Arbeitgeberverband am Montag aus den Fugen gegangen. Das war das Ende der mit großem Tamtam eingeleite- ten Der�vbschlutz dieser Bewegung ist für die Organisationen der baugewerblichen Arbeiter ein bedeutender moralischer Sieg und bedeutet einen nicht zu unterschätzenden materiellen Erfolg. Das sogenannte Vertragsmuster diente auch hier als Grundlage der Verhandlung. Als positive Erfolge kommen für die Arbeiter folgende in Betracht:..... 1. Das Geltungsgebiet ist zweckmäßig abgerundet und umfaßt jetzt das einheitilche Wirtschaftsgebiet. Die ftreiw Pleß, Rybnik, Tarnowitz und der Landkreis Gleiwitz find auf Drängen der Arbeiter dieses Mal auS dem Vertragsgebiet ausgeschieden worden.. 2. Der Stundenlohn ist von 40 auf 43 Pf. pro Stunde erhöht worden. 3. Die Junggesellen erhielten bisher im 13. Lebensjahre einen um 3 Pf. und dann bis zum 20. Lebensjahre einen um einen Pfennig geringeren Lohn. Jetzt ist die letzte Grenze auf 19 Jahre herabgesetzt. 4. Nachtarbeit wird mit IS Pf. und Sonntagsarbe,t mit S0 Proz. Zuschlag bezahlt. Bisher betrug der Zuschlag nur 10 Pf. pro Stunde. S. Die Zimmerer erhalten bei Karbolineums» und Turm» arbeiten eine Zulage von S Pf. 6. Eine erhebliche Verbesserung wird bei der Abschlagslöhnung und bei der Aufhebung des Arbeitsverhältnisses eingeführt. Der Vertrag erreicht am 31. März 1910 sein Ende. Leider war es nicht mögilch, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ver Bauhilfsarbeiter tariflich zu regeln. Die Arbeitgeber sträubten sich dagegen und führten als Grund die gegenwärtige Unsicherheit in der UebergangSperiode zur geordneten männlichen Hilfsarbeit an. Zurzeit sind nur wenige männliche erwachsene Hilfsarbeiter beschäftigt. Die HilfSarbeit wird überwiegend von Frauen und jugendlichen Arbeitern ausgeführt. Erst vom Jahre 1912 ab dürfen bekanntlich nur männliche Arbeiter beschäftigt werden. In Wirk- lichkeit konnten die Arbeitgeber den Bauhilfsarbeitern die ge- wünschte Regelung der Arbeitsverhältnisse nur deshalb verweigern, weil sie keine einflußreiche Organisation besitzen. Die anderen Or- Konisationen konnten aber eine protokollarische Erklärung durch setzen, die bestimmt, daß bei der Im Herbst beginnenden neuen Ver. Handlung auch die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Bauhilss- arbeiter mit festgesetzt werden. Die Vertreter der katholischen Fachabteilung wollten ebenfalls an der Verhandlung teilnehmen. Die Arbeitervertreter erhoben aber dagegen Einspruch, und die Arbeitgeber fanden für ihre Bundesgenossen von gestern kein Wort der Verteidigung oder des Schutzes, und so mußten die Herren abziehen. Wozu Jnmingsgelber da sind. Die Brcslauer Zwangszunft der edlen Ritter vom Teigtrog hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, 200 M. für den gelben Bund der meistertreuen Bäckergesellen zu bewilligen. Und zwar deshalb, weil der Herr Präsident dieses Bundes schöner Seelen— unter den Gesellen gemeinhin als der„gelbe Gustav" bekannt— eigens zum letzten Bezirkstage schlesischer Bäckermeister gekommen war und dort versprochen hatte, wenn seinem Bunde Unterstützung gewährt werde, dann wolle er in höchst eigener Person in Breslau eine gelbe Bundesfiliale gründen, und das sei dringend nötig, weil die Roten beabsichtigten, im nächsten Frühjahr in den Streik zu treten. Die Herren Zünftler berieten den Unterstützungsantraz mit solcher Heimlichkeit, daß selbst die bedienenden Kellner von dem würdigen Obermeister in eigener Person buchstäblich aus dem BeratungSraume herausgejagt wurden. Man wußte wohl auch warum. Ter Beschluß verstößt gegen die Gewerbeordnung und muß von der Aufsichtsbehörde verworfen werden. Dir Tischler haben in Essen den Unternehmern Forderun. gen unterbreitet. Man verlangt Verkürzung der Arbeitszeit von S6 auf S4 Stunden wöchentlich mit Lohnausgleich und eine Er- höhung der Stundenlöhne um 4 Pf. sowie Anerkennung des für Dortmund, Hagen usw. geltenden Bertrages. Zuzug von Tischlern und Maschinenarbeitern nach Essen ist streng fernzuhalten. � Die Steinsetzer in Dresden streiken nunmehr 13 Wochen bei den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes für das Steinsetzgewerbe. Bei 13 nicht dem Verbände angehörenden Arbeitgebern wird ge- arbeitet. Es handelt sich um die Einführung des Zeitlohnes an Stelle des Akkordlohnes, wodurch eine wesentliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen herbeigeführt werden würde. Es wird dringend vor Zuzug gewarnt. Die Damenschneider und Schneiderinnen von Leipzig stehen vor einem heftigen Tarifkampf. Die Unternehmer haben ihnen eine Tarifvorlage zugestellt, durch die beabsichtigt wird, den be- stehenden Zeitlohn durch Stücklohn zu verdrängen. Auf die Mit- teilung des Schneiderverbandes, daß gegenwärtig eine ungünstige Zeit zur Beratung des Tarifs sei, da zur Zeit in fast allen Ge- schäften die Damenschneider und der größte Teil der Schneiderinnen aussetzen müssen und demzufolge viele nicht am Platze sind, über d,e Köpfe der Betreffenden hinweg aber keine Tarifberatungen ge. pflogen werden können, antwortete der Unternehmerverband, er verlangt sofort die Tarifberatungen, andernfalls würde er den Stücklohntarif ohne Mitwirkung der Gehilsen einführen. Eine Versammlung der Schneider und Schneiderinnen hat nunmehr beschlossen, die Tarifverhandlungen aufzunehmen. B-m MaßregelungSburcau des bayerischen Metallindustriellen- Verbandes. Der Metallindustriellenverband hat eZ sehr eilig, den jüngst in Nürnberg gefaßten Beschluß in die Tat umzusehen und für die Metallarbeiter Augsburgs. Münchens und NürnberaS einen von den Unternehmern geleiteten und unterhaltenen Arbeitsnachweis zu errichten. So haben die Industriellen in Augsburg bereits zu diesem Zwecke ein Lokal gemietet und soll der Arbeitsnachweis am 15. August seine Tätigkeit beginnen. Um ja jeden Zweifel zu be- hf°en. als se, diese Einrichtung keine gegen die Arbeiterschaft ge- richtete Waffe, hat die Maschinenfabrik Augsburg bereits einen Beamten nach Hamburg geschickt, der die Einrichtung und den Be- ri. des berüchtigten Hamburger Unternehmernachweises studieren soll. Nach, einer Rückkehr soll er die Leitung des Augsburger Maß- regelungsbureaus ubernehmen. Forderungen der städtischen Arbeiter in München. Nachdem die Laternenwärter und GaSanstaltSarbeiter Münchens mit Forderungen hervorgetreten, hat am Sonntag eine Gesamtversammlung aller Kategorien städtischer Arbeiter infolge der neuen Lebensmittelverteuerungen und neuer Steuern Forde- rungen aufgestellt, die in folgender einstimmig angenommener Resolution zum Ausdruck kommen: - öm 18* Juli im„Kolosseum" tagende demonstrativ be- suchte Versammlung der städtischen Arbeiter erwartet von den städtischen Kollegien, daß angesichts der schon bisherigen und ins- besondere der durch die neue Steuergesetzgebung geschaffenen Ver- Feuerung aller Lebens- und Bedarfsartikel, sowie auch der Wohnungen, in den Etat für 1910 eine entsprechende Summe Sur Durchführung einer Aufbesserung von mindestens 30 Pf. täglich für s ä m t l i ch e st ä d t i s ch e n Arbeiter, sowie Ge- Wahrung der Vorrückung alle 2 Jahre und eines Mindesttage. lohneS von 4 M. eingesetzt wird. Ebenso ist die Einführung eines Drei sich ichtwechsels in allen durchlaufenden Be- trieben ein unabweisbares Bedürfnis. Die Ver- sammelten glauben annehmen zu dürfen, daß die Stadtver- waltung nach Lage der Verhältnisse diesen Forderungen Rech- nung tragen wird. Sie fordern alle städtischen Arbeiter auf, durch den Ausbau der Organisation diesen berechtigten Wünschen den nötigen Nachdruck zu verleihen." Dem Saarbrücker Scharfmachertum im Baugewerbe ist kein Mittel zu gering, die um 4 Pf. Lohnaufbesserung seit Pfingsten kämpfenden Bauarbeiter niederzuringen. Da ihre bisherigen Methoden wenig oder gar keinen Erfolg gezeitigt haben, greift man jetzt zur Denunziation des S t r e i k l e i t e r s. Der schlaue Plan selbst ist vielleicht einem Polizeikopf entsprun- gen, der vor einigen Tagen zu mehreren Unternehmern sagte: „Der Bauarbeit erstreik wäre bald beendigt. wenn man den Pchroth verhaften würde." Genosse Schroth ist Bezirksleiter des Maurerverbandes und Leiter des Streiks. Ihn kaltzustellen, wäre schon des Schweißes der Edlen wert. Aber im Rechtsstaate Preußen-Deutschland kann man doch ohne Grund selbst einen verhaßten Streikleiter nicht gut einsperren, also muß ein solcher Grund vorhanden sein. Zunächst denunzierte man Schroth, einen Arbeitswilligen geschlagen zu haben, obschon in Wirklichkeit Schroth den Arbeitswilligen vor Schlägen geschützt hat. Der Mensch rempelte eine Anzahl Bauarbeiter auf offener Straße an und als einem Kollegen die Geduld ausging, und er dem Streikbrecher zu Leibe gehen wollte, sprang Schroth dazwischen und verhinderte, daß die beiden handgemein wurden. Trotzdem denunzierte der Streikbrecher den Genossen Schroth bei einem Polizeibeamten, er habe ihn geschlagen I Das genügte der Staats- anwaltschaft, gegen Schroth ein Strafverfahren, natürlich im „öffentlichen Interesse" einzuleiten. Ihn aber zu verhaften, in Untersuchung zu sperren, dazu reichte es noch nicht auS. Am 20. Juli mußte Schroth bei der Kriminalpolizei erscheinen, wo eine neue Denunziation geschrieben und unter» schrieben vom Generalsekretär Ohlle vom Ar. beitgeberverband. vorlag, nach welcher Schroth in einer Versammlung am 12. Juli gesagt haben soll: „Haut nur auf die Arbeitswilligen ein so diel ihr könnt und macht dabei die Augen zu." Auf Grund dieser Denunziation soll gegen Schroth ein neues Strafverfahren wegen Aufreizung zu Gewalttätig- leiten eröffnet werden. Die Verhaftung hat die Staatsanwalt- schaff vorläufig nicht beschlossen. In Wirklichkeit hat Schroth, der im Rufe eines sehr besonnenen Mannes steht, so etwas nicht ge- sagt. Hus Induftne und F>ande!. Vom Roheisenmarkt berichtet die Zeitschrift„Stahl und Eisen", daß die Lage sich insofern wenig geändert, als Bedarf für dieses Jahr sich kaum noch bemerklich mache. Tagegen sei das Geschäft für nächstjährige Lieferung durch die Ermäßigung des Preises für Hochofenkoks um 1,50 M. für die Tonne, die das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat vorgenommen hat, äugen- fcheinlich nicht unbeeinflußt geblieben. Wenigstens seien neuer- dings eine Anzahl Abschlüsse für 1910 zu Preisen getätigt worden. die teilweise etwas unter den diesjährigen Notierungen liegen. Petroleummonopol. Die König l. Niederländische Petroleumgesell- s ch a f t, die ein halbe? Hundert Millionen Gulden Atiienkapital hat, ist neben dem Oiltrust die bedeutendste Gesellschaft für den Petroleumhandel. Sie hat überall eigene Verkaufsgesellschaften und Agenturen eingerichtet. Da» Rohpetroleum bezieht sie aus eigenen oder von ihr kontrollierten Oelquellen in Borneo, Java und Sumarra; und besitzt eigene Raffinerien. Bis jetzt bestand zwischen dieser Ge- sellschast und den Amerikanern ein stillschiveigendes Uebereinkomiyen dahin, daß man sich gegenseitig nicht inö Gehege kommen wolle. Nun ist eine Interessengemeinschaft geschlossen worden. Der Leiter der Niederländer ist in das Direktorium der Amerikaner eingetreten. Damit hat die Standard Oil Co. fast den ganzen asiatischen Petroleummarkt und den europäischen Benzinmarkt in ihre Hände bekommen._ Aliiminium-Syndikat. Bei den in Paris abgehaltenen Vorhand- lungen der französischen Aluminiumfabrikanten gelang die voll- ständige Einigung. Wenn Verhandlungen mit der Jndustrie-Aktien- gesellschaft in Neilhausen zu einem Ergebnis führen, ist die Grund- läge für die Neubildung des internationalen Syndikats gegeben. Das letzte Aluminiumsyndikat ist im Oktober 1903 aufgelöst worden. Letzte JVacbncbtcn und DepcFchcn. Eine tolle Brandstiftung beschäftigte am Donnerstag nach. mittag die Berliner Feuerwehr in der Markusstraße SV, Ecke der Wallnertheaterstrahe. Dort kam gegen#>4 Uhr in einem Keller Feuer aus. das schnell eine große Ausdehnung erlangte, so daß die Feuerwehr gelich bei ihrem Eintreffen mit mehreren Schlauch- leitungen Wasser geben mußte. In zwei von einander getrennten Kellerräumen brannten Heu, Hausrat usw., die, wie der Befund ergab, vorher mit Petroleum begossen war. Zum Glück gelang es, di« Flamme auf die Kellereien der Patent-Kartonnagenfabrik G. m. b. H. zu beschränken und die Gefahren für die v i e l e n in den zahlreichen Betrieben tätigen Personen abzuwenden. Di« Kri. minalpolizei hat sofort Ermittelungen angestellt und mehrere Sistierungen bereits vorgenommen. Ferner wurde gestern die Feuerwehr nach dem Märkischen Museum alarmiert, wo zwei Per- soncn in dem Fahrstuhl, der im Schacht stehen geblieben war, ein- gesperrt waren. Die beiden Personen sind mit dem Schrecken davongekommen und konnten bald befreit werden. Ferner hatte der 7. Zug einen Kellerbrand zu löschen, der nachmittags um 4 Uhr aus noch nicht ermittelter Ursache in der Petersburger Straße 6, einem großen Mietshause, auskam. Als di« Feuerwehr erschien, brannten eine Menge Papier, Verschlüge und Schaldecken. Der 1. Zug hatte dann in der Höchstestraße 13 zu tun, wo die Tür- bekleidung u. a. in einer Wohnung brannte. Dem schnellen Ein- greifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, wenn in diesen Fällen der Schaden nicht bedeutend war. Außerdem wurde die Feuer- wehr nach der Buchdruckerei von Wigankow, Chausseestraße 72, alar- miert. In dieser brannten Papierballen, Fußboden u. a. Ueber einen Steckleitergang verschaffte sich nach Einschlagen der Fenster die Wehr Eingang zur Brandstelle. Der Qualm konnte nun leicht abziehen und es gelang, die Flammen nach tüchtigem Wassergebcn auf ihren Herd zu beschränken. Der Schaden ist durch Versicherung voll gedeckt und der Betrieb nicht gestört. Die Entstehung ist nicht ermittelt. Abgestürzt. Zermatt, 22. Juli. Auf einem Spaziergang nach der Riffelalp ist heute Edmund Parmentier auS Brüssel in den reißenden, in einem tiefen engen Felfenbett zum Garnergletscher herabstürzenden Triftbach gestürzt. Die Bergung der Leiche wird kaum möglich sein. Eine böse Predigt. * Paris, 22. Juli.(W. T. B.) Das Zuchtpolizeigericht von Bordeaux verurteilte den neuen Erzbifchof von Bordeaux, Kardinal Andrieu, wegen feiner Antrittspredigt, in der er zum Ungehorsam gegen die Schulgesetze aufgefordert hatte, zu 600 Fvan! Geldstrafe. Die Lalkanpolitik. London, 22. Juli.(W. T. B.) Unterhaus.(Fort- fetzung. Anfang unter Ausland.) Hierauf besprach Staats- sekretär des Aeutzeren Grch verschiedene während der De- batte aufgeworfene Fragen und erklärte: Wir haben Spezial» abkommen, die aller Welt bekannt sind, mit gewissen europäischen Mächten, aber wir betrachten diese Abkommen nicht als«ine Schranke zwischen uns und anderen Mächten: wir sehen darin kein Hindernis für uns, mit anderen Mächten in guten Beziehungen zu leben. Mit anderen Worten: Die Interpretation, welche wir diesen Abkommen geben, ist die, daß kein Grund vorhanden ist, wegen dieser Vereinbarungen in schlechten Beziehungen zu stehen zu irgend einer anderen Macht; und wenn wir sehen, daß euro. päische Mächte Fragen unter sich in freundschaftlicher Weise er- ledigen, so sehen wir das mit auffichtigem Wohlwollen. Wir wollen an diesen Abkommen festhalten, da sie stets ein höchst schätzenS- wertes Mittel gewesen sind. Reibungen zwischen uns und den Mächten, mit denen wir Abkommen getroffen haben, zu beseitigen. Wir erwarten, daß diese Abkommen mit der gleichen frrundschaft- lichen Gesinnung von den anderen europäischen Mächten aufgefaßt werden. Frühstück-Shmpathien. London, 22. Juli.(W. T. B.) Bei einem heute zu Ehren der Abordnung des türkischen Parlaments von der Regierung ge- gebenen Frühstücks versicherte Staatssekretär Grey die Deputation des aufrichtigen Wohlwollens und der Sympathie Englands für die Türkei und sprach den lebhaften Wunsch aus, daß die gegenwärtigen freundschaftlichen Beziehungen aufrechterhalten werden. Heiliger Krieg. AlgeciraS, 22. Juli.(V. H.) Die Eingeborenen in der Um» gegend von Melilla erklären, daß im Sukgebiet der heilige Krieg proklamiert worden fei und man glaubt, daß zahlreiche Marokkaner sich der Harka anschließen werden. Wolkenbruch. Dnluth(Minnesota), 22. Juli.(W. T. B.) Durch einen Wolkcnbruch wurden hier gestern 29 Häuser fortgeschwemmt. Drei Personen kamen dabei ums Leben. Perantw. Redakt.: Wilhelm Düwell. Lichtenberg. Inserate verantw.; Ih. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSanstal» Paul Singer& Co.. Berlin S W. Liirzu2 Beilagen u. UvterbaltunaSbl. iL 169. 26. Iahrgaiy. 1. Kcilm Ks JotMrtü" ßctiiiitt AlksM Mas. 23. 1»li 1909. flußerordeDtllcber Oerbandstag der freien Gaftwlrte Deutfcblands. Wir tragen aus den vorgestrigen Verhandlungen die beiden Resolutionen nach. Die erste Resolution lautet: Durch die Reichsfinanzreform und die Beschlüsse des Ion. serbativ-klerilalen Blocks sind die Gastwirte so ungemein schwer belastet, daß es dem Gewerbe völlig unmöglich ist, diese Opfer allein zu tragen. Neben den 13l> Millionen Mark an Brausteuern, welche 1906 uns in der diesmaligen Steuerkampagne dem Gastwirtsgewerbe aufgebürdet wurden, lasten auf demselben weitere 125 Millionen Mark in Gestalt der Branntweinsteuer und der Schnapsliebes- gäbe. Es wird auch die Erhöhung der Tabaksteuer, des Kaffee- und Teezolles, sowie die Besteuerung des Schaumweines, der Zündwaren und der Glühkörper, die bei dem Bedarf der Gast- Wirte gut und gern mit 25 bis 30 Millionen als Unkosten in Rechnung gestellt werden müssen, den ohnehin schon kärglichen Verdienst der Gastwirte noch mehr herunterdrücken. Zu alledem kommt noch die enorme Verteuerung der Nah- rungsmittel, die ungerechte und rücksichtslose Steuerquetscherei der Einzelstaaten, der Kreise und Gemeinden, welche durch ihre Stempel-, Lustbarkeits-, Betriebs-, Konzessions- und Sonder- biersteuer das Menschenmöglichste aus den Gastwirten heraus. zuholen bereit sind. Namentlich die letzteren Steuerarten sowie die Belastung von 1906 sind von den Wirten bisher allein ge- tragen, es sind dadurch aber auch schon tausende braver Kob legen dem Ruin überantwortet worden. Trotz der geharnischten Proteste, nicht nur der Angehörigen unseres Berufes, sondern auch der Brau-, Branntwein- und Tabakindustrie hat die reaktionäre Mehrheit des Reichstages ihr Steuerdiktat mit aller Brutalität durchgedrückt. Deshalb sehen es aber auch die, anlätzlich des außerordentlichen Ver- bandstages der«Freien Gast- und Schankwirte Deutschlands" zu Berlin im großen Saal von Freher, Koppenstr. 29, äußerst zahlreich versammelten Angehörigen des Gastwirtsgewerbes als ihre Hauptaufgabe an, jede Gelegenheit zur tatkräftigen Agita. tion auszunützen, damit bei den nächsten Wahlen zum Reichs. tage und zu den Landtagen den Reaktionären aller Schattie- rungen eine Quittung ausgestellt werde, wie sie von den Volks- ausbeutern nicht erwartet wird. Die Versammelten fühlen sich aber auch gedrängt, dem Selbsterhaltungstrieb und der Pflicht gegen ihre Familien Rechnung zu tragen, und ersuchen darum die Delegiertenversammlung, Mittel und Wege zu suchen, welche eine einwandfreie Regelung der Abwälzungsfrage gewährleisten. Die zweite Resolution deckt sich in ihren ersten beiden Absätzen sachlich mit den Ausführungen der ersten drei Absätze in der oben wiedergegebenen Resolution und fährt dann fort: Soll ein allgemeiner wirtschaftlicher Zusammenbruch des Gewerbes verhindert werden, so kann dies nur durch Ueber- wälzung der hohen Lasten auf die Masse der Konsumenten ge- schehen. Als einziges Produkt, welches diese Ueberwälzung zu tragen vermag, sehen die Delegierten des Verbandstages daS Bier an. Demzufolge wird unter sorgfältiger Berechnung der steuerlichen und sächlichen Unkosten der Verkaufspreis für den Liter Bier unter Berücksichtigung örtlicher Verhältnisse zu er- höhen sein. Die Festsetzung der bestimi�ep Sätze muß bezirks- weise erfolgen. Als Grundlage dient die Bezirkseinteilung des Verbandes. Wo eine Einmütigkeit der Gastwirtsorganisationen auf vor- stehender Basis erreicht ist, kann und muß den Brauereien ein Bierpreisaufschlag nach Maßgabe der Verhältnisse gezahlt wer» den. Dafür haben die Brauereien Garantien mit rcchtsverbind- licker Kraft zu geben, daß ihrerseits jede Schleuder- und Schmutzkonkurrenz beseitigt wird; ebenso sollen sie angehalten werden, daran mitzuhelfen, die Schmutzkonkurrenz der Außen- seiter im Gastwirtsgewerbe wirksam zu bekämpfen. Ueber die Höhe des den Brauereien zu bietenden PreiSauf- schlages sowie über die sonstigen Verhandlungspunkte ist von den Bezirksleitern dem Hauptvorstande vor der Beschlußfassung ge- naue Mitteilung zu machen. Der Hauptvorstand ist verpflichtet, unverzüglich seine Meinung dazu zu äußern, sowie den Kollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sollten sich Gruppen von Brauereien oder einzelne der- selben weigern, zu einer Regelung der Dinge beizutragen, so muß dies als offene Kampfeserklärung aufgefaßt werden, und haben dann die Verbandsinstanzen darüber zu beschließen, welche kleines feuiUeton. Dettev von Lilieneron f. ES herbstelt im deutschen Poetenhain. Einer nach dem andern von der inzwischen altgewordenen Garde deS.Jüngsten Deutschland" wird abgerufen.... Jetzt auch Lilien- cron. Noch vor sechs Wochen haben sie ihn gefeiert, als er die Schwelle des 63. Lebensjahres überschritt? ja. die Kieler Uni- versität ließ sich herbei, den Dichter wie einen Knaben mit dem Titel eines„Ehrendoktors" zu bedenken. Ach, noch vor einem halb Dutzend Jährchen oder wenig früher war daS ganz anders. Von Freiligrath stammt das Wort:„Poeten— des Himmels Prinzen und der Erde Lumpen I„Das konnte einst auch von Liliencron gelten. Auch er war damals ein Proletarier. Und Schmock machte sich lustig über den Versbaron. Lasen wir nicht in der Münchener.Jugend" fJahrgang 1901) dies Pasquill: Ein Hanswurst von Adel. Fürs liebe Br?k�-. Tritt einer auf dem Ueberbrettt Sein bißchen Ehre in den Kot. Herein! Ein Clown mit zweiunddreißkg Ahnen, Der für Dich Purzelbäume schlägt... Dann schlug der Wind um. Aber nicht weil man mittlerweile erkannt hatte, daß Lilieneron ein großer Dichter war, sondern weil ihm plötzlich des Kaisers Gnadensonne leuchtete. Hunderte von Malen wurde damals der Sechzigjährige angedichtet, ankomponiert. angeböllert, antelegraphiert und anphotographiert— und so ist das geblieben bis an seinen Tod. Daß Lilieneron ehedem in zahlreichen Stachelversen die geistige Rückständigkeit und protzige Geldsacksmoral des deutschen Spießertums mit der satiri- sehen Hundspeitsche bedient hatte:— dies und manches andere suchte man ansetzt durch Lobeshymnen und Schweifgewedel vor ihm, dem souveränen Geißelschwinger vergessen zu machen. Ja, und lvie ehrlich hat er fie einst gehaßt, wie schneidig mit Fußtritten traktiert: diese pudelnärrische Feiglingssippe I Man lese doch sein .DichterloS in Kamtschatka"(„Geduld Poet und nicht gemuckst: So heißt die Pille, die du schluckst 1") Man lese seinen „Mäcen", und man lese, unzähliger anderer Püffe nicht zu ge- denken, seinen.Heidegänger". Bilder auf Bilder seines eigenen Not- und Kampslebens entrollt der Dichter vor unserem Auge. Da läßt er nacheinander einen Kritiker, einen Literaturprofessor, einen Moralisten, einen Narren, den Tod und sogar einen— Staats- a n w a l t erscheinen. Und ihnen allen gibt er eine derbe Züchtigung in Versen.... Lilieneron geboren 3. Juni 1844— kam über den preußischen Jnfanteriehauptmann zur Literatur. Sehr spät, kann man sagen; denn erst vor fünfundzwanzig Jahren erschien sein erstes Gedicht- buch:.Adjutantenritte". Nacheinander hat er uns nun mehrere Mittel zu ergreifen sind, um eventuell eine Regelung zu er- zwingen. v. d. Hey den-Köln. S ch u l z- Berlin, Emm er-Halle, Giermann- Nürnberg, Osterhof- Altona. Am 2. Verhandlungstag stand der Punkt Agitation und Organisation zur Beratung. Möckel-Berlin meint, der Passus im Z 2 des Statuts, wonach Mitglied des Verbandes nur der werden kann, der„sich mit den Grundsätzen der sozial- demokratischen Partei einverstanden erklärt und politisch organisiert ist", würde in der Agitation oft hinderlich sein. Man solle die Worte„und politisch organisiert ist" streichen, denn dieser Passus sei nicht mehr haltbar, andere wirtschaftliche Organisationen wür- den derartige Aufnahmebedingungen auch nicht stellen. Einzelne Redner stimmen Möckel zu, die Gastwirte könnten nicht alle poli- tisch� organisiert sein, sagte Schwab- Straßburg, die Mehrzahl wendet sich aber gegen seine Ausführungen. M a t t h e s- Berlin hebt hervor, Möckel habe nicht im Auftrag der Berliner gesprochen, diese seien anderer Meinung. Betont wird auch, daß der außer- ordentliche Verbandstag kein Recht zur Statutenänderung habe. Die Leitung des Verbandstages schlägt vor, diese Frage auf dem nächsten ordentlichen Verbandstage zu erörtern; dem wird zu- gestimmt. Festgestellt wird noch, daß von 90 vertretenen Zahlstellen 30 Gewertschaftskartellen angeschlossen sind. Der nächste Verbandstag findet 1910 in Linden bei Han- nover statt._ vi). Kongreß der christlichen Gmerk schatten. Köln, 21. Juli. Die Aussprache über die Reichsversicherungsordnung, die in Anknüpfung an das gestrige Referat erfolgte, füllte den ganzen heutigen Bormittag aus.|5Die Kritik im allgemeinen, die von den ein- zelnen Rednern an der Reichsversicherungsordnung geübt wurde, war nicht besonders günstig, sie gipfelte bei einigen besonderen Be stimmungen in einer entschiedenen Absage. Geheimrat D ü t t m a n n(Oldenburg), Vorsitzender der Landes� Versicherungsanstalt Oldenburg und Herausgeber des„VersicheruiigS boten", wird als„sachverständiger Gast" zum Wort zugelassen. Er tritt als Beschwichtigungsrat auf und ersucht den Kongreß, die Arbeiterabgeordneten nicht mit einem gebundenen Mandat aus zustatten, sondern ihnen das Recht zu wahren, das Für und Wider abzuwägen, besonder? auch bezüglich der Halbierung der Beiträge und Rechte in den Krankenkassen, die man wohl rechtfertigen könne. Auch die Landkassen, gegen die sich mehrere Redner gelvandt hatten, finden seinen Beifall. Die Konserbaliven würden de� Kranken- Versicherung der Landarbeiter nur zustimmen, wenn dies ohne die Ortskrankenkassen geschehe, dem müsse man Rechnung tragen, wenn nicht die Reichsversicherungsordnung scheitern solle. Geheimrat Düttmann wurde mehrfach durch Protestrufe unter- brachen, merkwürdigerweise fand er beim Abtreten immer noch Beifall. Die folgenden Redner erteilten ihm jedoch eine entschiedene Absage. Becker erttärt in seinem Schlußwort, daß er sich in seinem Bortrag mit Absicht sehr gemäßigt habe, um dem Borwurf zu ent- gehen, daß er die Anwesenden in ihrer Stimmung gar zu sehr be- einflußt habe. Der Protest sei spontan erfolgt und das sollte der Regierung und dem Reichstag zu denken geben, wie gefährlich es sei, diese Stimmung unter der christlichen Arbeiterschaft zu über- sehen. Der Redner glaubt übrigens nicht, daß sich im Reichstag eine Mehrheit für die Beschränkung der Lrbeiterrechte in den Krankenkassen finde. Die vom Referenten aufgestellten sehr umfangreichen Leitsätze werden zur weiteren Bearbeitung einer Kommission überwiesen, die die in%er Diskussion betonten Forderungen hineinfügt, worauf die Leitsätze in dieser Fassung angenommen werden. Den Schluß der Verhandlungen bilden zwei Referate der Ab- geordneten B e h r e n s und GiesbertS über das Verhältnis der christlichen Gewerkschaften zur christlich- nationalen Arbeiterbewegung. Die Referate und ebenso die sich daran fügende Aussprache behandeln die Stellung der christlichen Gewerkschaften zu den konfessionellen Arbeitervereinen, den Hirsch-Dunckerschcn Gewcrkvereinen und den katholischen Fach- abteilungen. Zu einer Klärung der mancherlei Beziehungen kam es nicht, es blieb bei unverbindlichen Aeußerungen, die beweisen, wie schwankend und unsicher das Verhältnis der in der sogen, christlich- nationalen Arbeiterbewegung befindlichen Organisationen zu einander noch ist. Bände Lyrik, auch Romane, Kriegsnovellen und Dramen geschenkt. Aber sein Bestes bleiben seine Gedichte und Balladen. Darunter besitzt eine hübsche Menge Dauerwert. Liliencron sang immer, wenn er mußte und wie'S ihm ums Herz war. Zwischen ihm und seinen Worten steht keine Scheide- wand, ganz so, wie auch Goethe unmittelbar packt. Eigene Laute brachte er in die deutsche VerSsprache hinein, originelle Bilder und Vergleiche. Alle? farbig, frisch, ftoh, gesund. Und ob er auch kein Verständnis für soziale Fragen gezeigt hat und immer nur ein Freiherr, ein altadeliger Sprosse sein wollte— für das Volk hat er doch viel Liebe und Mitgefühl besessen, wie ja manches seiner Gedichte zeigt. So steht er unZ nicht fremd gegenüber. Und so bleibt er auch uns unvergessen. E. K. Die Erhaltung der schwarzen Rasse. Zu den vielen falschen und übertriebenen Vorstellungen über afrikanische Verhältnisse, mit denen die Forschung neuerdings aufgeräumt hat, gehört auch die Annahme von nach vielen Millionen zählenden„Wilden", die den dunkeln Erdteil bevölkern. Tatsächlich ist die Bevölkerungsdichtigkeit auch der fruchtbarsten Länderstriche ganz unverhältnismäßig gering. So leben nach den neuesten amtlichen Schätzungen in Deutsch- Ostafrika, daS doppelt so groß ist wie daS Deutsche Reich, nur 4 847 000 Einwohner, in Kamerun, daS fast genau so groß ist wie Deutschland, nur ü'/z Millionen, in Deutsch-Südwest, das die anderthalbfache Größe deS Mutterlandes hat, sogar nur 200 000. Als Gründe für diese Dürftigkeit der Bevölkerungsziffern sind neben den Nachwirkungen der früheren Sklavenjagden, des Kannibalismus und der blutigen Vernichtungskriege der Neger- tämme untereinander, einerseits die geringe Fruchtbarkeit der chwarzen Raffe, andererseits die massenhafte frühzeitige Sterblichkeit anzusehen. Jene ist eine Folge der allzu frühen Heiraten, der verheerenden Geschlechtskrankheiten und der vielfach üblichen Vernichtung keimenden Lebens, diese beruht auf der geradezu grauenerregenden gesundheitlichen Vernachlässigung der Neu- geborenen, die nach der Entwöhnung von der Brust nur zu oald in ihrem eigenen Schmutz, in schwärenden Krankheiten oder infolge der widersinnigen Ernährung elend verkommen. Ueberhaupt spielt die unzweckmäßige Ernährung des Negers jeden Alters in Afrika eine verhängnisvolle Rolle und macht ihn zur leichten Beute infektiöser Darmkrankheiten, besonders der Ruhr. Seine primitive Bekleidung setzt ihn namentlich in der Regenzeit zahllosen Erkältungen, von leichteren Katarrhen bis zu Gelenk- rheumatismus und Lungenentzündung aus. Dazu kommt, daß nach den letzten amtlichen Medizinalberichlen auS den Schutzgebieten auch die Tuberkulose, die dort bisher noch so gut wie unbekannt gewesen war, als Schreckgespenst in der schwarzen Bevölkerung aufzutreten beginnt, und daß der Alkoholkonsum die Widerstandskraft des Negers fegen krankmachende Einflüsse herabmindert. Namentlich Pocken. -chlnfkrankheit. Lepra und Wurmkrankheit fordern zahlreiche Opfer. Allen diesen Gefahren gegenüber fordert ein alter Afrikaner. Stabsarzt Dr. Lion, in einem Artikel der»Kolonialen Rundschau" Die noch vorliegenden Anträge wurden sehr oberflächlich be- handelt, worauf der Kongreß nach einem Schlußwort des Vor- sitzenden vom Ausschuß des Gesamtverbandes, Schiffer, geschlossen wurde. Der Uerlillndstag der Copesierer mid vermMen Servfs- gtlwffkll Deutschliinds. Die bereits am Mittwochabend begonnene Beratung über zum Statut gestellte Anträge wurde in der gestrigen VormittagSsitzung fortgesetzt. Angenommen wird ein Antrag, wonach auf der Durchreise befindliche Mitglieder zur Zahlung örtlicher Zuschläge nicht verpflichtet sind, wenn sie ihre Beiträge bis zur Abreise voll bezahlt haben. Es werden noch ver- schiedene andere Aenderungen und Ergänzungen des Statuts be- schlössen. Zu erwähnen ist eine Bestimmung, wonach Mitgliedern, die ins Ausland reisen und dort der Gewerkschaftsorganisation angehören, bei ihrer Rückkehr die im Ausland geleisteten Beiträge angerechnet werden, sofern sie sich innerhalb vier Wochen melden und im Ausland ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Ist es Mitgliedern im Ausland nicht möglich, einer Gewerkschafts- Organisation anzugehören, so können sie die Mitgliedschaft im Verbände aufrecht erhalten und müssen ihre Beiträge der Haup!- kasse einsenden. Unterstützungen werden jedoch nach dem Ausland nicht gezahlt.— Der Verband paßtz sich mit diesem neuen§ 14a des Statuts den in der Internationalen Union der Holzarbeiter geltenden Bestimmungen an, der er angeschlossen ist.— Eine längere und lebhafte Debatte ruft ein Antrag des Hauptvorstandes hervor, der besagt, daß regelmäßige örtliche Zuschüsse, wenn sie über die Höhe des Wochenbeitrages hinausgehen, nicht mehr zu- lässig sein sollen. Der Antrag wird mit 21 gegen 20 Stimmen an- genommen. Ferner wird eine Bestimmung in das Statut aufge- nommen, wonach die Arbeitslosen sich täglich zweimal zur Kontrolle zu melden haben, Ausnahmen hiervon nur mit Zustimmung des Hauptvorstaudes zulässig sind, wogegen nach dem alten Statut die Regelung der Kontrolle den Filialen überlassen war. Außerdem werden noch einige andere kleine Aenderungen der Bestimmungen über die Arbeitslosenunterstützung beschlossen. Bei den Bestim» mungen über die Krankenunterstützung wird insofern� eine Ler- besserung beschlossen, als Mitglieder, die innerhalb vier Wochen nach ihrer Gesundmeldung von neuem erkranken, die Karenzzeit nicht von neuem durchzumachen haben. Ueber Gemaßregelten- Unterstützung bestimmt das alte Statut, daß ihre Höhe durch den Hauptvorstand festgesetzt wird. Dazu liegen Anträge vor, die Unterstützuugshöhe in der einen oder anderen Weise im«tatut zu bestimmen, sowie andere Anträge, die Festsetzung von Umzugs- Unterstützung für Gemaßregelte, die sich genötigt sehen, mit ihrer Familie ihren Wohnort zu wechseln, zum Ziele haben. Der Ver. bandsvorsitzende erklärt dazu, daß der Hauptvorstand bisher die Gemaßregeltenunterstützung um 3 Mk. höher als die Streikunter- stützung bemessen, und auch entsprechend den Anträgen über Umzugsunterstützung an Gemaßregelte gehandelt hat. Der Ver- bandstag verzichtet aus diesen Gründen auf die Festsetzung be- sonderer Bestimmungen und erklärt sich mit der bisherigen Praxis des Hauptvorstandes einverstanden. Die Beratung über die Anträge zum Statut wurde in der Vormittagssitzung beendet. Das neue Statut soll am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft treten. Die Nachmittagssitzung beginnt mit der Beratung des Reglements für Lohnbewegungen, wozu eine Reihe von Anträgen teils des Hauptvorstandes, teils der Filialen vorliegt. Zum ersten Absatz des bisherigen Streikrcglemtnts, der besagt, daß Arbeitseinstellungen nur mit Genehmigung des Vor- standes erfolgen können und daß sämtliche Streiks der Oberleitung des Hauptvorstandes unterliegen, schlägt der Hauptvorstand vor, das Wort„Streiks" durch»Bewegungen" zu ersetzen und einen Satz des Inhalts anzufügen, daß der Hauptvorstand über die Be- endigung der Bewegungen zu entscheiden hat, wobei möglichst eine Verständigung mit der Ortsverwaltung und den Streikenden herbeizuführen ist. Berlin beantragt folgenden Zusatz: „Erklären sich zwei Drittel der Mitglieder der Filiale in ge- heimer Abstimmung gegen die Beendigung, so gelten die bezüg- lichen Anträge des Hauptvorstandes als abgelehnt." Nach längeren Erörterungen wird der von Berlin vorgeschlagene Zusatz und ebenso der Vorschlag des Hauptvorstandes angenommen. Zbenfalls angenommen wird ein Antrag, wonach Angriffs- treiks mindestens drei Monate bor Beginn. beim B e« dringend und energisch die hygienische Erziehung des Negers nicht nur als selbstverständliche Menschenpflicht der unzivilisierten Rasse gegenüber, sondern auch im nattonalen Selbsterhaltungsinteresse. Dr. Lion rät vor allem zur systematischen Bekämpfung aller Krank- heften, deren Träger der Neger ist, da alle persönliche Hygiene der Europäer sonst nur problematischen Wert hätte, und empfiehlt Aufklärung der Bevölkerung— besonders durch die Schulen— über WohnungS- undKleidungShhgiene, Kinderernährung usw. DieJndolenz des NegerS in dieser Hinsicht ist allerdings groß, daß sie aber bekämpft werden kann, beweist sein Verhalten gegenüber der Schutz- Pockenimpfung, deren Nutzen schon weite Kreise der Bevölkerung be- griffen haben. Diese vom nationalen Profitinteresse diktierte Humanität des Hhgienikers kann über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß gerade die kapitalistische Kolonisation in unerhörter Weise die schwarze Rasse dezimiert hat. Die systematische Massenschlächterei in Südwestaftika ist denn doch noch in allzufrischer Erinnerung und der Mangel an«hygienischer Aufklärung" in Europa selbst allzu Himmel- schreiend, als daß man die»Negerhygiene" anders denn als blutige Ironie empfinden könnte. Humor und Satire. Die Weltreise des Zaren. Nachdem er durch Tischrvcken, aus dem Kaffeesatz und durch die Geister seiner Ahnen das Schicksal erforscht hat, beschließt der Zar sich auf die Reise zu begeben. Er ernennt Azew zum Kommandanten seiner Dacht»Standard" und befiehlt die Besatzung aus Polypen und Spitzeln zusammenzusetzen. Begleitet von den Wünschen seines Volkes schifft der Zar sich ein(in einem gepanzerten Automobil— das»Volk besteht aus Kosaken.) An der französischen Küste empfängt ihn ein Orkan von Zischen, aber Azew tröstet ihn:„Beunruhigen Sie sich nicht, Majestät; die Franzosen zischen, aber sie pumpen auch. In den englischen Gewässern rät ihm Eduard:„Du solltest lieber abreisen.... Wir haben gerade die Regatten und unsere Sportsleute haben kein Vertrauen.... Sie erinnern sich noch zu gut an Hull." Bei seiner Annäherung beginnt Italien bor Zorn zu erdbeben und der Aetna speit vor Abscheu. Mit Enthusiasmus wird der Zar— endlich— auf einer Insel Polynesiens empfangen von einem menschenfressenden Völkchen. Da er aber erfährt, daß eS kein Geld kennt, weigert er sich, an Land zu gehen. Am Nordpol glaubt er schließlich das verheißene Land gefunden zu haben, weil eZ dort keine Menschen gibt.... Er tritt eine Rund- reise um den Pol an. Sie wird lange, vielleicht... ewig dauern. Das ist wenigstens der aufrichtige Wunsch aller Russen. (»LAssiette au beurre.") stehen kündbarer Lohntarife jedoch mindestens zwei Sttonate vor dem Kündigungstermin, dem Hauptvorstand angemeldet werden müssen. Zu den Be- ftimmungen über Streikunterstützung stellt der Haupt- Vorstand einen Antrag, wonach Mitglieder mindestens 8 Wochen dem Verband angehören müssen, um Anspruch auf diese Unterstützung zu haben, wogegen Berlin vorschlägt,„4 Wochen" zu setzen. Der Berliner Antrag wird angenommen. Ferner wird beschlossen, daß die weiblichen Mitglieder 2/. der für die männlichen fest- gesetzten Streikunterstützung erhalten. Zu einem Antrage Berlins, daß bei Streiks und Aussperrungen arbeitslose Mitglieder berechtigt sein sollen, statt der Arbeirslosen- die Streikunter- stützung zu beziehen, und das auch auf ausgesteuerte Mitglieder auszudehnen ist, erklärt der Hauptkassierer S p l i e d t, dag dies nach Prüfung der Sachlage bisher schon so gehand- habt würde und auch in Zukunft so gehandelt werden soll. Auf Grund dieser Erklärung wird der Antrag zurückgezogen. Es folgt der Punkt: Die Neichsversicherungsordnung. Hierzu wird nach kurzem Referat des BerbandSvorsitzenden Vesper einstimmig folgende Resolution angenommen, die dem Bundesrat wie dem Reichstag zugestellt werden soll. Der 4. ordentliche Verbandstag des Verbandes der Tapezierer und verwandten Berufsgenossen Deutschlands kann in dem Entwurf der R.-V.-O. die Erfüllung der auf Vereinheitlichung, Erweiterung und Verbesserung der Arbeiterversicherung gerichteten Bestrebungen der Arbeiterklasse nicht erblicken. Für die Krankenversicherung bringt der Entwurf schwere Eingriffe in die Selbstverwaltung der Versicherten, be- fonders in den neu geplanten Landkrankenkaffen. Der Verbands- tag protestiert gegen jene EntrcchtungSversuche und weist dieselben mit gröszler Entschiedenheit zurück. Auch für die Unfallversicherung bringt der Entwurf, von geringfügigen Erweiterungen der Versicherungspflicht abgesehen, nur Verschlechterungen, so hinsichtlich der Gestaltung des Rechts- weges durch Beseitigung des Rekurses an das Reichsversicherungs- amt, des Begriffs der Erwerbsuufähigkeit, der Einführung von Renten auf Zeit, der Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes, des Ruhens der Renten, des Arbeitszwanges u. a. m. Der Verbandstag erklärt diese Bestimmungen für unannehmbar und fordert die Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle Lohn- arbeiter. Dringend notwendig ist insbesondere, dast für die Tapezierer und verwandten Be- rufsgenossen ein einheitlicher, zweifelsfreier RechtSzustand geschaffen wird, dadurch, daß alle Tapezierer, ohne Rücksicht auf die Größe des Betriebes und die Art der Arbeit, der Unfallversicherung unter st eilt werden. Für die Invalidenversicherung läßt der Entwurf zeitgemäße Reformen und Erleichterungen des Rentenbezuges ver- missen, vor allem die Angliederung der Pensionsversicherung der vorgeschlagene Lösung der iaisenversicherung hält der Privatangestellten. Die vom Entwurf Frage der W i t w e n- u n d" Vervandstag nicht den Anforderungen des vom Reichstage er- ledigten Gesetzes entsprechend; er fordert«ine Versicherung aller Arbeiterwitwen, ohne' Rücksicht auf daS Maß der Erwerbsfähigkeit der letzteren. Insbesondere protestiert der VerbandStag gegen die vom Entwurf geplante Belastung der Arbeiterversicherung mit einem kostspieligen Beamtenapparat, der eine stete Gefahr für die ohnehin geringen Selbstverwaltungsrechte der Versicherten be- deutet. Der VerbandStag fordert alle Bernfsangehörigen auf, ein- mütig gegen diesen Entwurf Stellung zu nehmen. Nicht Eist- rechtung der Versicherten, sondern Sicherung der Selbst- Verwaltung, nicht Verschlechterungen der Leistungen, fondern Er- Weiterung derselben soll das Leitmotiv einer gesunden Reform sein. Beim folgenden Punkt der Tagesordnung: Wahlen, wird zunächst über die Anstellungsbedingungen der besoldeten Beamten des Verbandes beraten. Hiermit hat sich bereits eine besondere Kom- Mission beschäftigt und Vorschläge ausgearbeitet, die Grunewaldt dem Verbandstage unterbreitet. Es wird darin unter anderem eine Gehaltsfkala vorgeschlagen, die einige Erhöhungen der Gehälter vor- sieht, wie sie schon durch die immer niehr zunehmende Teuerung not« wendig geworden sind. Hinsichtlich der Lokalbeamten schlägt die Kommisston bor: „Der Verbandstag spricht den dringenden Wunsch aus, daß die Orte, die Lokalbeamte haben, deren Gehalt auf 2000 M. erhöhen. Sollte die Erhöhung ans örtlichen Mitteln allein nicht aufzubringen sein, so ist der Verbandstag damit einverstanden, daß den Orten aus Verbandsmitteln Zuschüsse gewährt werden." „Im übrigen enthält der Kommissionsvorschlag Bestimmungen über Gewährung von 14 Tagen Ferien, im Jahre, Zahlung der Hälfte der Beiträge zur Unterstlltzungsvereinigung und Fortzahlung des Gehalts bei Krankheit auf 13 Wochen unter Verzichtleistung auf sonstige Leistungen aus der Verbandskasse.— Die KommiffionS- nach reger Debatte schließlich mit starker Mehr- samt der Resolntion über die Besoldung der den übrigen Bestimmungen für die Verbands- Vorschläge werden heit angenommen Lokalbeamten und beamten. Die Wahlen zum Hauptvorstand haben folgende» Ergebnis: An Stelle des bisherigen BerbandSvorsitzenden VeSper, der eine andere Stellung übernimmt, wird der bisherige Haupt- kasfierer S p I i e d t gewählt, als Hauptkassierer Engel- Dresden; als Redakteur wird Becker, als Gauleiter werden G a s ch- Frankfurt a. M. und Klein- Düffeldorf wiedergewählt. Der Sitz des Hauptvorstandes bleibt Berlin, der des Ausschusses Hamburg. Der nächste VerbandStag soll in Köln stattfinden. Es ist nun noch über allgemeine Anträge zu beraten, wobei nach einem am Anfang des VerbandstageS gefaßten Be- fchlutz die Frage der Verschmelzung mit dem Holz« arbeiterverband an erster Stelle behandelt werden soll. Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit wird jedoch von einer Erörterung der Frage Abstand genommen. Eine Resolution, die den Haupt- borstand beauftragen sollte, die Verschmelzungsfrage als besonderen Punkt auf die Tagesordnung des nächsten Verbandstages zu setzen. und im übrigen verlangt, daß die Frage im Verbandsorgan ein- gehend behandelt werde, damit die Mitglieder ihre Konsequenzen daraus ziehen könnten, wird abgelehnt. Von den übrigen Anträgen wird unter anderem ein Antrag Berlin angenommen, daß in Orten, wo Spezialkleber vor- hau den sind, diese Sektionen bilden sollen, deren Vorstände halbjährlich Bericht an den Hauptvorstand zu senden haben. Ein weiterer Antrag Berlin, in nächster Zeit eine Konferenz der Kleber Deutschlands einzuberufen, sowie ein Antrag Köln, Erhebungen über die Lage der Kleber und der Linoleumleger zu veranstalten, werden dem Hauptvorstand zur Berücksichtigung überwiesen. Nach Erledigung einiger anderer Anträge find die Arbeiten des Verbandstages gegen 7 Uhr beendet. Dem scheidenden Verbands- Vorsitzenden Vesper wird für seine eifrige und fruchtbare Tätigkeit im Dienste des Verbandes der Dank des VerbandstageS ausgesprochen. Hue der Partei. Im 6. sächsischen RcichStagSwahlkreiS (DreS&cn Land) ist im letzten Vereinsjahre trotz der wirtschaftlichen Krise die Mitglicderzahl deS sozialdemokratischen Wahlvereins von 10 400 auf 10 832 gestiegen. Das sind 32 Proz. der bei der letzten ReichstagLwahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen. Weib- liche Mitglieder zählt der Verein 1146 gegen 1114 im Vorjahre. Die Einnahmen beliefen sich auf 52 143,22 M., die Ausgaben auf 47 910,73 M. An Vereinsbeiträgen sind 46 838,53 M. eingegangen, an den Parteivorstand wrrden 10 100 M. abgeführt. In den Landgemeinden des Kreises hat die Partei 39 ansässige und 139 unansässige Gemeindevertreter. Von den 10 832 Mitgliedern sind 9167 gewerkschaftlich organisiert. Die übrigen Mitglieder sind Geschäftsleute, selbständige Gewerbetreibende und Ehefrauen. 8013� Mitglieder besitzen die sächsische Staatsangehörigkeit. Die Arbeiterpresse wird in 16 788 Exeniplaren gehalten. Für Zwecke der Jugendbildung hat der Verein größere Summen verauslagt. Im vergangenen Jahre haben 78 öffentliche, 6 Kreis- und 181 Mit- gliederversammlungeu stattgefunden.— Die Geschäfte deS KreiseS werden durch einen Parteisekretär verwaltet. Strafkonto der Partei. Gegen Genossen, die in der modernen Arbeiterbewegung tätig sind, wurden von deutschen Gerichten an Strafen er- kannt im Monat: April 5 Monate, 2 Wochen, 6 Tage Gefängnis, 1314 M. Geldstrafe� Mai 1 Jahr, 3 Monate, 4 Wochen, b Tage Gefängnis, 3214 M. Geldstrafe; Juni 5 Wochen Gefängnis, 2040 M. Geld- strafe._ Vermischtes. Zeppelin— redet.'____ Friedrichshafen, 22. Juli. Bei dem heutigen Besuch der württembergischen Landesstände auf den Werken der Luftschiffbau- Zeppelingesellschaft hielt Graf Zeppelin eine Ansprache, in welcher er hervorhob, daß das jetzige Luftschiff„Z. II." einer Wind- geschwindigkeit von 14 bis 15 Meter in der Sekunde Widerstand halte. Es fehle jetzt nur noch an der Ausbildung von Leuten zur Bedienung des Lustschiffes. Er möchte deshalb den Ständen ans Herz legen, eine Ausbildungsschule in Friedrichshafen zu schaffen. Wie England im Export von verschiedenen Maschinen einen Vor- sprung habe, so müsse Deutschland die besten Luftschiffe für die Welt liefern. Metz. 22. Juli. Die Nachricht, das Reichsluftschiff„Z. I be- absichtige demnächst eine Fahrt nach Trier, Straßburg und Köln zu unternehmen, bestätigt sich nicht. Größere Fahrten finden vorläufig nicht mehr statt, da die GaSfüllung dazu nicht mehr ausreichen würde. Ein Teil der Bemannung deS„Z. I." soll nach Friedrichs- Hafen kommandiert werden, um an der Ueberführung des„Z. IL' nach Köln teilzunehmen. Friedrichshafen, 22. Juli. Wie wir von zuständiger Seite er» fahren, wird mit den Probefahrten des„Z. II." am 28. Juli be- gönnen, am 1. August wird sodann die Ueberführung des Luft- schiffes nach Köln stattfinden. Am 28. August wird„Z. III." seine Reise nach Berlin antreten, um sofort von dort wieder zurück» zukehren._ Offenbach, 22. Juli. Ein '~* steil! Familienbrama. „amiliendrama ereignete sich gestern abend im Stadtteil Bürgel. Der Eisenträger Josef Blank, der schon früher in einer Irrenanstalt war, verwundete seine Frau durch Messerstiche schwer, sein kleiner Junge und die Schwieger. mutier, die der Frau zu Hilfe eilten, wurden ebenfalls durch Messerstiche verletzt._ Lammglück. In Dresden-Löbtau stürzte ein Baugerüst ein. Drei Arbeiter wurden darunter begraben, von denen einer sehr schwere, die beiden anderen leichte Verletzungen erlitten. DaS Gerüst soll nicht vorschriftsmäßig gebaut gewesen sein. Automobilunglück. Ein von Travemünde kommendes Automobil fuhr in eine Truppenabteilung, die von einer Nachtübung zurückkam; es riß eine Anzahl Soldaten nieder und verletzte zwei, stürzte dann in den Straßengraben, wobei der Chauffeur herausgeschleudert wurde._ Abgestürzt. Laibach, 23* Juli. Der Wiener Tourist, Lehrer Jaß, ist von der Triglwand abgestürzt und wt geblieben. Im Kampf«m die Lust. Gestern abend stieg bei Brüssel das von der Firma SouiS Budard in Paris erbaute Luftschiff„Belgique" auf. Nach 8/1 stündiger Fahrt kehrte eS zu der Halle in Boitssort zurück, ein Gelände, daß der Kommandant von Brüssel dem Erbauer des Luftschiffes zur Verfügung gestellt hat. Dieses neue belgische Luftschiff ist 60 Meter lang und mißt 10 Meter im Durchmesser. Die Cholera in Petersburg. Seit gestern sind 52 Neuerkrankungen und 81 Todesfälle an Cholera vorgekommen. Die Gesamtzahl der Kranken beträgt 7L9. Eine folgenschwere Explosion fand gestern nacht, wie ans Petersburg berichtet wird, in der chemischen Fabrik Fentelcw statt. Es explodierte ein Keffel mit Benzol. Das vierstöckige Fabrikgebäude wurde zerstört. Tie Explosion war so heftig, daß Trümmer des Hauses 150 Faden weit geschleudert wurden. Bei der Brandkatastrophe wurden 31 Feuer- wehrleute und Arbeiter sowie mehrere Personen aus dem Publikum verletzt, ein Feuerwehrmann getötet. Auch der Brandmajor wurde verletzt. DaS Feuer tonnte erst gestern nachmittag um 4 Uhr ge- löscht werden._ eingegangene Druckfchnftcii. Von der„Neuen Zeit-'(Swttgart, Paul Singer) ist soeben bni 43. tzest deS 27. Jahrgang? erschienen. ES hat solgenden Inhalt: Der Kanzlcrwechscl— Innere Kolonisation in der Provinz Hannover. Von E. Thomaser.— Die Arbeiterbewegung in Australien. Von einem deutschen Arbeiter m Melbourne.— Bürgerliche Wahrbettssanatiker. Von I. Stern. — Maiseier und MaiseiersondS. Von M. Kayser(Berlin).— Der Maifeier- fonds. Von Richard Schreiter(Zittau).— Der MaiseiersondS. Von Bern- Harb Wünschmann, Arbeitersekretär(Vegesack).— Literarische Rundschau: Dr. Gottlieb Schnapper- Arndt, Sozialstalistik. Von 51. dl. Von einem deutschen Soldaten. Zur Psychologie des Militarismus. Dr. Albrechl Negrioli. Rittmeister a. D., Militärische Rechtsanschauungen im zwanzigsten Jahrhundert. Von Hermann Wendel.— Zeitschrijtenschau. Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Kungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro rtal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. ßnefhafteti der Redaktion. Tie saristische SPrechsnmd» findet Linvenstraße 3, zweiter Hof. dritter Eingang, vier Treppe», Aahrftahl Wochentag!!..'! abends von 7V& bis Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist«in Bnchstaie»nd ein« Zahl als Mertzeichen brizufüae». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brteslastcn tönoc» 14 Tage vergehe». Eilige Fragen trage man w der Sprechstunde vor. R. K. 1v.— Steuer 1000.— Zigarre Treptow.— R.®. und viele andere: Die Aussührungsbestlmmungen zu den w aller Schnelligkeit unter Dach gebrachten Steuergesetze» sind noch nicht heraus, besonder» der Modus der Nachversteuerung und-Verzollung ist noch nicht geregelt. In der nächsten Woche werden diese Dinge von den verewigten Bundesrats- Ausschüssen für Zoll- und Steuerwesen, Handel usw. etappenweise beraten und erledigt werden. Erst dam» wird die Bekanntgabe der ttussührungs. besümmungen erjolgen._ Amtlicher Marktbericht der städlischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach. Geschäst flau, Preise sür Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäft lebhaft, Preise gut. Geflügel: Zusuhr genügend, Geschält etwas rege, Preise be. sriedigend. Fische: Zusuhr maßig, Geschäst etwa» lebhast, Preise im allgemeinen besriedigend. Butterund Käs«: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichllch, Geschäst sehr still, Blumenkohl»md Kirschen sehr schwer verläuflich, Preise mehrsach niedriger._ BSitterunqöubersicht vom SS. Juli 1909, morgen» 8 Ubr. Stationen Lwwemd«. 754 WSW 755 SW 756 SW 759 SW 762 SW 761 WNB lsrantf.a M. München Wien Setter 3bedeckt 4 bedeckt Übedeckt 5 wolkig 5 heiter 1 wolkenl ** U» !' wS> Ctationen 1 Haparanda 1 747 N Petersburg 748 WSW Seilitz ilberdee» Part» 761 WSW 759 Still 761 S Vetter 2'bedeckt 2 bedeckt 3 wolkig ibedeckt 2 halb bd. vi« e* i? w3j 11 13 14 14 17 Wetterprognose für Freitag, de« LS. Juki 1909. Ein wenig kühler, zeitweise ausllareud, vorwiegend trübe und regnerisch bei mäßigen westlichen Winden. Lerlioer Wetterbureau. WaflcrstandS. Nachrichten dir LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vorn Berliner Vetterbureau. Wasserstand Memel, Tilst« P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder. Ratibor „ Krassen , Frantsurl Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am seit 21. 7.I20. 7. am 232 —11 222 238 269 250 113 42 —24 90 1 295 250 am') -1-28 — 16 +3 +7 +1 0 -3 —18 —21 —23 -20 Wasserfland Saal«, Srochlltz Havel, Spandaus , Rathenow») Spree, Svremberg») . BeeStow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximflianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronu Main, Werthetm Mosel, Trier am 21. 7. am 73 44 20 86 98 — 80 — 13 690 387 421 85 167 128 seit 20. 7 cm —10 _ 2 -3 0 +2 —15 +5 —39 —25 —23 —13 +5 -23 »)+ bedeutet Wuch».— Fall.—•) Unterpeget. Für den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Bubtikum gegenüber keinerlei Berantwortuug. �Ikearer. Freitag, den 23. Juli. Anfang 8 Uhr. KeneS königliches Operntyeater. Der fliegende Holländer. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Mijni. Lesfing. Die Dollarprinzesfin. Berliner. Hotel Amor. Neues Schauspielhaus. Plorak. Schiller O.(Wallner« Theater.) Madame Bonioard. Schiner Charlottcnburg. Der Biberpelz. Friedrich- Wtlhelmstädt. Schau- fpielhauS. DaS Nachtlager von Granada. Komische Oper. O diese Leutnants. Neues. Sein Sündenregister. Thalia. Im Cass Noblesse. flustspielhauö. Familie Schimek. Neues Operetten. Die Sprudelsee. HolieS Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8»/. Uhr. Metrovol. Die oberen Zclmtalisend. Bernhard Rose. Was eine Frau kann. Berliner Prater. Man lebt ja nur einmal W. Noacks Theater. DerSchuster als Millionär. Apollo. Hartstein. Er oder Er. Spezialitäten. Wintergarten. Svezialitätev. Pastage. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Stadt-Theater Moabit. Spezla- litäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Die Spreewald-Käthe. Spezialitäten. Reichshallen. Winter-Thmian. Urania. Taubeustraste 48)49. Abend» 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Jnvaltdenltr.»7/62. �essinx-'niester. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theater». Ansang 3 Uhr. DI« Dollac-prlnzeaalB. Operette in 3 Akten von Leo Fall. fsisiMMIKsUlHös Schauspielhaus. Freitag, den 23. Juli, abends 8 Uhr: Das Naehtlaoer von Graoada. Rom. Oper in 3 Akten von T. Kreutzer. (Kleine Preise.) Somav.: Waffenschmied. Neu einstud. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Täglich: lSadame Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bisson und Antonh Mar». Anfang 8 Uhr. End- 10 Uhr. Schiller-Theater Charlottonburg. Täglich: Der Biberpelz. Eine DlebeSkomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10V, Uhr. Neues Kgt. Opera-Theater(Kroll). Qura-Oper. Der fliesende Holländer Von Eich.Wagner.— Anf. 8 Uhr. Sonnabend: Othello.(Anf. 7'/, Uhr.) Sonntag: Lohengrin.(Anf. 7 Uhr.) Montag; Salome.(Anf. 8 Uhr.) Berliner Theater. Opcrotten-Gastaplel. Hotel Amor. Tä Uhr: Neues Theater. Abends 8 Uhr: Sein Sündenregister Sonnabend und folgende Tage: Lew Lülläenrexlster. kASZSge-ftuMMiun. Lebend! Die letzten veleheD Uesen vom Stamme der Azteken! die sclmebende 9 Jungfrau. Ganz Berlin zerbricht Amm tich den Kopf über Hgaa Alles ohne Extra-Entree. Aga ZOOIOCISCHER GARTEN Täglich: 1 Großes Militär-Doppel-Konzert. I Eintr. 1 91., t. abends 6 Uhr ab 1 50 Pf-, Kind.n-lOJahr.d. Hälft.| Neues Operctten-Tbcater, Echissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: BI« Sprudelfee. Operette in 8 Akten 0. H. Reinhardt. Passage-Theater. Bas seasationelle Willi Präger. The Knbys. Küto Hjan. 12 Attraktionen. I AAhA. AtAbJ| Passage«Theater. Die neae Künstlerbar. l Eine Sehenswürdigkeit Berlins. � Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jui Freund. Musik t. Grust Kerker. In Szene gesetzt von vir Eich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Eaachen gestattet. Urania. Wissenschaftliches Theater. laubenstralle 48/49. Abends 8 Uhr: Deber den Brenner nach Venedig. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Tamilie Schimeb. BV Letzter Xlouat. 0.50 Zum 08. Male: 9.50 MartsteinErolTetEr. Vorher: Jean Paul. Die O Yankee Doodle Girls. Die lustigen Secher. 10.30 10.80 Schützenfeftzug in Hamburg. Ab S Uhr: Da» unübertr. Progr. 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[jtf Heute sowie täglich-WL im prachwollen Natnrgarten: Vorstellunx abwechselnd von drei der bestrenommierttsten Säugergestllschasttn. WBÖO>OOOOO>OOOO>OOD GolmeuA- Garten i J Am Königstor. Am Friedrichshaw TSnlipK 4 resp. 5 Ubr lagilCD Entree SO El. Theater-Vorstellang| i Spezialltaten. D. neue Juliprogr. l i Klneniatoerapd, Volkedelustigunri.l ! Jed. Mittwoch: Kinderfreudentesl.' dGOOOGOOOOOOOOOOOOOt Goldene Jugend. AuSstaltungs-Operette In 2 Akten von Walter Gericke. Sowie I? erstklassige Spezialitäten. Gustav Müller. Ansang b'/i Uhr. Entree 20 Ps. Königmtadt-Kasilno. Holzmarftslr.72(EckeAlexanderstr.) Tägl. i berrI.Natu»Som»iergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale 0r. Jdealer- u. Spaz.» Vorstellung. Wo die Ldebo hinfällt. Schwant m. Gelang v. H. Gontard. »eiZner, tiuseda llamby, ssillppo, da belle Tdorosa, Stühs u. Schnell. Auf, wochent. 8, Sonntags 5 Ubr. Brunnen-Ttieater Badstrafte 58. Direktion: Willi Voigt Heute fotuie täglich: X Erftklaifige Spezialitäten! X Novität! Novität! Eine tolle Kachtn Gr. Ausstattimgs-Volfsstilck Mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Freund und Mannstädt. Kasseneröstnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. IMckUMi lÄ».Ä«, SW., Kreuzdergstr. 48. Jeden Freitag s Hoflknanns Nord- dontnehe Sänger. Passep. u. VorzugSk. gültig. Jeden Sonntag: Gr. Spezialitäten-Vorstell. Entree frei. Verschied. Sonnab. an Vereine zuverg. Kwelgvercln Berlin und Umgegend. fohinng! pahrstuhlarbeiter! Sonntag, den 25, Juli, mittags 12 Uhr: OeffentUehe Versammlung für fönttlicfte an Fahrstühlen beschäftigten Kollegen itt Anton Bockers Festsäle», Weberstr. 17. Tages-Orbnung: 29/17* t Die Miftstände in unserem Beruf und wie find dieselben zu beseitigen? L. Diskussion. SGT Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Fahrstuhiarbeiters. in dieser Versammlung zu erscheinen.»er Zwclgvercinsvorstand. m „Sa Pia" in ihrer Novität: „Der Wellen Geist' sowie die allabeDdllch slUrmlsch applaudierten üuli-jlttraktionen. Reservierter Platz 2 M., Entree 1 M. (einaohl. Programm n. Garderobe.) joii iU 0 Sonnabend, den 24. Juli 1909: K Großes Sommer=Fest« in den Gesamträomen der Nenen Welt, Hasenheide. Konzert □ Spezialitäten-Vorstellungen □ Marionetten-Theater □ Fackelpolonäse Belgenfataren, ausgeführt vom Berl. Arbeiter-Eadfahrerverein(M. d. A.-E.-B. 8.) □ □ □ GROSSER BALL □ □ □ Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Billett 25 Pf.— Eröffnung 8 Uhr.— Anfang des Konzerts 4 Uhr. Programm an der Kasse gratis. Die Kaffecküche steht den geehrten Damen von S Uhr an zur Verfügung. Jedes Kind erhält am Eingang einen Bon zur Stocklaterne gratis. Zu zahlreichem Besuch ladet ein [213/16*] Der Vorstand. 10: r is A« tedliW! Herrenkonfektion. NM! Am Sonnabend, den 24. Juli 1909. abeiidS 8'/, Uhr. findet bei Schulz, Münzstrafte 17(Eingang am Köuigsgrabm) unsere regelmähige b ßranchcn-VcrFamtnlung s statt. Tage«. Ordnung: 163/2 1. �Welche Erfolge bietet uns die Organisation 7* Referent: Genosse PaMlooh. 2. Diskussion und Verschiedenes. Wegen der wichtigen Tagesordnung wird um pünktliches und voll- zähiiges Erscheinen ersucht. Die Kommission. r imr- ♦♦♦»♦»♦♦♦♦♦04 Anfang 8 Uhr. Ende 11 Uhr- Aus der Gartenbühne Ansang i'/, Uhr. U.a.; Raudideldaui Sr. Pantomime. Erstklassige Spezialitäten. Stadt-Theater Moabit. Ait-Boablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. b. Vorstellung Wochentag« 7 Udr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. b Uhr. Garteneröffnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag. Spezia- litöten und Solree der»Lustigen Vorstellung im Sozialdemokratiseher Wahberein des 6. SerL Keichstags-Wahtkreises. Heute Freitag, abds. 8'/» Uhr, im Gewerlschaftshause, Engelus« 11/15, � Saal 4(ArbettSlosensaal); Sitzung der Ortsverwaltung. Stellmacher. Sonntag, den 25. Juli» vormittags 10 Uhr: Gr. öffentliche Versammlung 87/0 im»Nosenthaler Hof-, Rosenthaler Strafte 11—12. Sämlliche Kollegen müssen erscheinen. Die Branchenkommifst»»« Sonntag, den 25. Juli 1909: 229/3* Großes Sommerfest im Schloß Weißensee. Fahrverbindungen mit der Stadtbahn(Nordring) n. den Straßenbahnlinien 59, 60, 61 u. 62. Mitwirkende: 20 Arbeiter-Gesangvereine X Freie Turner X Arbeiter- Athletenverein X Humoristische u. satirische Ensembles. Konzert m Gesang K Vorträge* Feuerwerk I Kammacher. Montag, den 26. Juli, abends 8l/a Uhr: Branchen- Versammlung im Gew erkschaftshause. Saal 8. Engeluscr 14/15, TT anz. Daran teilnehmende Herren zahlen SO Ft. nach. einer ist gegen eine Stocklaterne umzutauschen, der zweite Im Saale; Jedes Kind erbilt 2 Bons; gilt zur einmaligen Benatzung der Schaukel oder des Karussells. Die Kaffeokßche ist von 2 Uhr ab geöflnet. Tische u. Stühle dürfen nicht reserviert werden. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Anfang mittags 12 Uhr. Möbelpolierer. ßezirh SUclokten» Sllclen und SUdweftcn. Montag, den 26. Juli, gleich nach Feierabend: Branchen- Vcrfatnmlung im»Märkischen Hos*. Admiralstt. 18 o. : » iif I Weinbergsweg 19-20, Roaenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: Die grandiosen Spezialitäten. Im Garten: Erolkonsort. Vor der spanischen Arena. Vereins- Brauerei Rizdorf, Hermannstr. 214/219.{ Oekonom: Max Wandt. DM— Täglich:-Mß Gr. Militär-Konzert.! Jeden Dienstag: Gr. Wreuien-Fesl.! Entr.lS Ps. Mütze od. Schärpe grat.| MMMMR W.Koacks Theater Direktion: Rod. Olli, vrunnenitr. 16. Sänger« Lei Regenwetter groften Theater-Saal. Max Kliems wM-sbestef Vi! Festslle Rudolf Krüger� Hasenhe�e 18/18. Großes Konzert Ttieater dqi! Spezialitäten-forstelluiig. Art. Leitung; Waller Gravenitz. Irden Donnerstag: Elitetag. ISührend und nach der Vorstellung Tanzkränzchen. oder: Das große Eos. Vorher und nachher: Spezialitäten! �Ans. 7 Uhr. Entrce:»9 Ps. Sominbend: Graft« Extravorstellung. SchuldtaewuSt. Sittenbild in 3 Alten. AMMMt�d�MMMMMdl Xvuv HVvIC iiasendelde tgS/N«. TägUch: 8pöziäIiMn und Konzert. | Anfang 5 Uhr, Sonntag 4 Uhr. Entree 25 PI. | Jeden Mittwoch: Erntefest. Gr. Gratlsverlosung. 1 Jeden Donnerstag: Elitetag. Monstrc-FeHePwerb. Heute, sowie täglich: Separat-Vorfilhrung d. epochalen Erfindung d. Hm. Schaumann: Kugelsichere Fanzer, welche selbst den mod. Infant.- 1 Spitz-Geschossen widerstehen. kW» www www www»M II. IIMeiter Bezirk Westen und Sch5neberg Sonntag, den 25. Juli 1909: 13. Stiftungs-Fest in den gesamten Räumen der Nenen Bathans Säle, Meininger Str. 8(Inh.: C. Grosser). Großes Garten-Konzert, Humoristische Vorträge, Reigenfahren vom Arb.-Radfabrverein Schöneberg (M. d.A.-R.-B.„Solidarität«), Sonstige Ueberraschungcn �D�keiiettf61 Großer Kinder-Fackelzug Im grollen RAI I Herren, welche daran teilnehmen, Saale: zahlen 50 Pf. Die Kaffeekttche Ist von 8 Ubr an goUffaet. Eröffnung 3 Uhr. Anfang dea Konzerts 4 Uhr. Eintritt 80 Pf., Kinder unter 14 Jahren frei, dieselben erhalten einen Bon zur Stooklaterne gratis! 29/18 Sämtlich« Kollegen, Freunde und Gönner ladet freundlichst ein Das Festkomitee. r.i Kttliner Pratkr-THellter! Kastanienallee 7— S.| Täglich: Ban lobt Ja nur einmal!| Havemanns gröBte Raubtierschal«' d. Welt. Spezialität., Konzert, Ball., Ansang 4'/, Uhr.> ' PWWWWWWWWWWWWWWWWWW. I Volksgarten-Theater früher Weimann« Aolkögarten. Täglich: Konzert. Theater- und Spezialitäten-vorstellung. Sonja Suwarotf. X iölta Rosal». 7ns Oduros. X Hubelc-Trio. Der Brandstifter von Berlin. VolkSst. m. Ges. u. Tanz o. Reifflingen. Donnerstag, 19. Aug.: Gr.Gartenseft Bingtrst!- Bingtrei! Konkurrenzlos HSfri Nach altem, langjährig erprobtem Brauversahren her« gestellt, von ganz vorzüglicher Haltbarkeit im Ausschank, sowle Pipke's prima Tafel-Weiftbier. M- und Weiierbrauerei„Stern" Louis Pipke, Berlin N. 20, Prinzen-Allee 77. Bingtrei S. Bingtrei! ArlieitSnachwei«: Hos I. Amt 3, 1239. Berwaltungö, stelle Berlin. Hauptburea»: Gharitösirade Z. Hof HI. Amt 3. 1937. Sonntag, den 25. Jnli 1909, vormittags 10 Uhr: : Branchen-Versammlung: der Rohrleger and Helfer Berlins and Umgegend im GewerkschnftöhanS, Engclufer 15, Saal 4. Tagesordnung: 1. Vortrag de« Genosien Barge über:»Die Urgeschichte der Kultur*. 2. Diskussion. 3. DerbandSangeltgenhciten. 4. Verschiedenes. Wegen reichen Besuch. 120/8 der Wichtigkeit deS Vortrages ersuchen wir um recht zahl« Die Ortsverwaltung. JJg WWW Verbaut nur Im Fabrlkgcbändc! 0g Sie sparen Geld 1 wsr| Uljgl � Engrospreisen� I •3 1 H w■ 1#■ ü, dor Möbelfabrik IWMfoMIMlSSSl kaufen. Verkauf nnr im Fabrlkgebftnile— nnr eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 an Permanente Aiusterzimmer- Ausstellung.— 3 Eft Arbeiters Bekleidung- Berufskleidung. Größtes Spezialgeschäftsj Söhnen& Jöring, S't Alexanderstr. 12. Filiale»: Landsberger Alice 148. Wf« eröffnet! AA am Bixdorf: BergstraBo 60 R,ngbahnhaf. Deutscher IMetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. T,odcs• Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, | dag unser Mitglied, der Schlosser Ksft Umnack gestorben ist. Ehre seinem Rndenkeu: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle in Grimmen in Pommern aus statt. Den Kollagen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Rohrleger Mnanl! Zimmermann am 18. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 23. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth- Kirchhofes in Reinickendors- West, Kögelstrabe, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 120/9 vis Ortsverwaltung. Danksagung. Für die uns erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sage ich allen Verwandten und Bclanntcn meinen herzlichsten Dank. 1891L Fritz BUlke und Kinder. Pianinn erster Hoflieferanten-Firma ridmllU njeit unter Wert sofort ver- käuflich franrosisekestralle 15, I r. Todes= Anzeige. Am Dienstag, den 20. d. Mts., nachmittags S'/, Uhr, entschlief sanft nach längerem schweren Leiden meine innigst geliebte Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter ! und Großmutter MflIMC LOCk geb. Tank 1 im 51. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinterbliebenen Wilhelm LOCk nebst Kindern. Grüner Weg 46. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 23. d. Mts, | nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirohhofes, Landsberger Allee 21/23, aus statt. 620b IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Hnztergflltig In Konstruktion und Anslührung, gleich TorzUgllch für Hausgebrauch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. — j BERIilH, Leipziger Straße 98. i— ❖ 1 Läden in den verschiedenen Stadtteilen. 1 ♦ 6. Herl. Reichstags-Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 18. Juli verstarb uufer Mi- glied, der Maurer Mms Großmann Emdener Sir. 49. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 23. Juli, nachmittags ä'/i Uhr, von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhofes, Plötzcnfee, aus statt. 229/5 Um rege Beteiligung ersucht ver Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich hiermit allen Verwandten, Kollegen und allen, die sich daran beteiligt haben, meinen innigsten Dank. i89ol St. Manicki. Seit Jahren ist A. Heyers durch 4 goldene und 1 silberne Medaille ausgezeichnetes Bruchband ohne Feder (kein Guinuii-Rrnchband) für Leisten-, Schenkel- und Nabelbrüche bestens bei Aerzten und Laien eingeführt. Vorzüge: angenehmer, ruhigerSitz, kein Druck auf Rücken und Nieren, Tag und Nacht tragbar: anato- misch-elastischo, der Bruchpforto entsprechende Pelotton. " Zurückhaltung selbst größter Brüche.~VM9 Operationsbandagen, Suspensorien, Leibbinden. Beste Vorfallbandagen. —— Anfertigung nach Haß.■——— THEODOR VOGIiFR, Kandagcn-Spczlullst, BERLIN, Neuo KänigstraBo 40, 1. Etage. Am Alexanderplatz(kein Laden).— Fernspr. Amt VII, Nr. 2652. Wochentags v. 9 Uhr früh bis 8 Uhr abds. Sonnt, v. 12— 2 Uhr. A. Meyers Bandagen sind nur bei mir zu haben. Nachtragsbekanntmachung der Möbelfabrik„Berolina" Eingetragene 623b Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht. Im Geschäftsjahr 1908 hat sich das GejchästSguthaben und die Hastiumme der Genossen um je 30 Mark ver- mindert. Der Vorstand. Reioickenilorf, Mm M. im Denen Zenlmm, in nächster Nähe des Schillerparks und des Schäsersees vorzüglich gelegene, billige 3-, 2- und 1-Zimmcrwohuungen im Vorder- oder Gartcnhause, mit auch ohne Bad, Balkon pp. sosort vermietbar in den Neubauten der Schiller- Promenade, Brienzer Straße, Nütii-Straßc, Holländer- und Thuner Straße. i"•■ M ■■■" vT'''■■■ V'l' JeFlinep Meiler- RaiHahrer-fereiD" Mitglied deS Arbeiteve Radsahrer-BundeS .Solidarität«. Touren zum Sonntag, den 88. Juli. 1. Abt. 6 Uhr: Ketzin. 1 Uhr: Heiligensee(Waldschiog). Start: Bülowstr. 58. 2. Abt. 5 Uhr: Nauen(H-inzc). 1 Uhr: Hessenwinkel(Gesellschasls- haus). Start: Fontane- Prome- nade 18. 3. Abt. 5 Uhr: Streifzüge durch den Blumenthal. 12 Uhr: Strauß- berg(Rotläppchen). Start: Mari- aunenplatz. 4. Abi. 7 und l'/z Uhr: Johannis- thal(Schulz) Schnitzeljagd. Start: Küstrincr Platz. 5. Abt. 3 Uhr: Freienwalde. 10 Uhr: Tiefensee. Start: Elysium. 6. Abt. i'i; Uhr: Freicnwalde. 1 Uhr: Picheiswerder. Slart: Oder- bcrger Straße 28. 7. Abt. 24. abends 8 Uhr: Lübbenau. 25. 6 Uhr: Grünheide. 1 Uhr: Rahnsdorj. Start: Kösliner Straße 8. 8. Abt. 5 Uhr: Fehrbellin. 1 Uhr: Bötzow. Start: Waldftr. 8. 9. AbL nachm. 4 Uhr: Franz. Buchholz(Kähne). Start: Gewerl- schaflshauS. 11/9 10. Abt. 7 und 1 Uhr: Wannsee (Fürstenhos). Start: Weberstraße 6. Fahrrad-Haus„Frisch auf", Walter Wittig<& Co., Hmwtgesch.: BeriinN.3I,Brunnenstr.35 Filiale: Kottbuser Str. 9. empfiehlt„Frisch anf�- Fahrräder owie sämtl. Radfahrer-Bedarfsartikel. 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Firma Staats, Oberbaumstt. 5 und der Bau Winscheidstr. 8 in Char- lottenburg. Viosel, Marlannenstraß» 31/32. Sämtliche Betriebe in den Orten Rathenow. Fürstenwalde, MuS- kan, Nürnberg. Srgeberg (Holstein) und Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- industrie daS Vcrmittelungsbnreau Blaiikcnfeldcstr. 4 und Amster- damerstraste 3 streng zu meiden. Für Einsetzer: die Bauten Lenbachstr. IS, Kor» «cliusstrahe SO in Lankwitz und Windscheidtstr. 8 in Char- lottenbnrg. Für Korbmacher: Körner in NowaweS. Für Stellmacher: Berliner Mororwagenfabrik w Reinickendors. _ Tie OrtSverwaltung. In littbeck wird demnächst die Stelle eines Hrbeitcrkkretärs vakant. AnsangSgehalt 2200 M., steigend jährlich um 100 M. bis 2800 M. Geeignete Reflektanten werden gebeten Osterten mit Lebenslaus an Sah. Kliruer, Stitenstr. 26, bis zum 28. Juli a. c. einzusenden. 286/15 Die Aiifsichtsfoimnis/ion. Berantwortl. Redakteiui: WilZelm LMenberg. gür Sjj Lnftratenstkil verantw.: TH. Viocke, K.ruck u. Verlag: VyrMärtSBuchdruckprei u, Verlagsanftalt.Paul Singer& 6p., Berlin SW. Nr. 169. 26. Jahrgang. tilnp Ps LmSrls" Freitag, 23. Inli l90S. Partei-?Znge!egenKeiten. Mahlsdorf lOstbahn). Snr Sonntag, den 23. Juli, nachmittags Von 3 Uhr ab hält der Sozialdemokratische Wahlvercin sein dies- jähriges Sommerfest im Lokale des Herrn Linke, Grunowstrahe ab. Für gute Unterhaltung hat das Komitee bestens gesorgt. Billetts sind bei allen Bercinsmitgliedern zum Preise von 30 Pf. zu haben. Ta das Programm ein sehr reichhaltiges ist. mutz mit den Vor- stellungen und Aufführungen sehr zeirig angefangen werden. Es ist deSbalb erwünscht, datz die Genossen und Genossinnen sich rechtzeitig iinfindcn. Bernau. Morgen Sonnabend, 8'/z Uhr, findet bei Kunze, Bürgermeisterstratze, die Bczirksversammlung des Wahlvcrcins statt. Fortsetzung des Vortrages des Herrn Dr. Max Schütte steht u. a. auf der Tagesordnung. Der für Sonntag, den 23. d. M., geplante Waldausflug der Gewerkschaften, findet besonderer Unistände halber erst am Sonntag, den 1. August statt. Britz-Buckow. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen ans Handzettelverbreitung. Beteiligung aller Genossen wird erwartet. Stralau. Das Sommerfest des Wahlvereins findet am Sonntag, den 23. d. M., in der„Alten Taverne", Alt-Stralau 23, statt. ES wirken mit der Kraftturnverein„Süd-Ost"(Mitglied des Arbeiter- Aihletcnbnndes) mit seinen Spezialitäten, die Gesangvereine„Froh- sinn" und„Vorwärts VI"(M. d. A.-S.-B.)i autzerdem Reigen» fahren, Volksbelustigungen aller Art. Zu Rundfahrten auf der Obcrsprcc sieht ein Motorboot zur Verfügung. Beginn des Konzerts 3 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Billetts 20 Pf., an der Kasse 23 Pf. Da das Programm ersillafsig und äutzcrft reichhaltig ist, erwartet zahlreichen Besuch DaS Komitee. Falkcnhagcn-Scegcfeld. Der sozialdemokratische Wahlverein hält am Sonntag, 23. Juli, nachmittags 3 Uhr, seine Generalversammlung ob, und zwar in der Kolonie Ncu-Sccgcfeld, Eichenstr. 6. Auf der Tagesordnung stehen: DaS neue Organisationsstatut, Berichte der Funktionäre,' Wahl eineS Bczirksführers und die bevorstehende KreiS- Generalversammlung in Nauen. Nach der Versammlung gemütlicher Familienspaziergang nach Finkenkrug. Der Vorstand deS Wahlvereins. Lerlmer JMachncbten. Unterstützung von Familien der zu FriedenSübnnge» einberufenen Mannschaften. Nach dem Neichsgesetz vom 10. Mai 1892 erhalten Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften aus öffentlichen Mitteln Unterstützungen. Der Anspruch auf Unterstützung ist bei der Gemeinde behörde desjenigen Ortes anzubringen, an welchem der Unter- stützungsberechtigte zur Zeit des Beginnes des Unterstützungs anspruches seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat, und er lischt, wenn solches nicht binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung geschieht. Die täglichen Unterstützungen sollen betragen: a) für die Ehefrau 30 Proz. des ortsüblichen Tage lohnes für erwachsene männliche Arbeiter am Aufenthaltsorte des Einberufenen; b) für jede der sonst unterstützungsberechtigten Personen (Kinder) 10 Proz. des ortsüblichen Tagelohnes für er wachsene männliche Arbeiter am Aufenthaltsorte des Ein- berufenen mit der Maßgabe, daß der Gesamtbetrag der Unterstützung sechzig Prozent des Betrages des ortsüblichen Tagelohns nicht übersteigt. Für Berlin beträgt der orts übliche Tagelohn 2,90 M. Ter Anspruch auf Unterstützung ist von dem Einberufenen ober von derjenigen Person(Ehefrau), welcher in seiner Abwesenheit die Fürsorge für die Familie obliegt.', anzu melden. Die Zahlung erfolgt nach den Ausführungsvorschriften des Bundesrats vom 2. Juni 1892 a) vom Tage des Abganges deS Einberufenen zur Uebung für die Zeit bis zu Sclstuß des laufenden Halbmonats, b) für jeden folgenden in die Uebungszeit fallenden Halbmonat vom ersten Tage desselben im Voraus und c) vom ersten Tage des letzten Halbmonats für die Zeit bis zur Beendigung der Uebung, einschließlich der bestimmungs- mäßigen Tage für den Rückmarsch. Wird die Unterstützung erst nach Beginn der Uebung beansprucht, so ist für die abgelaufene Zeit die zuständige Summe zu ihrem vollen Betrage auf einmal zu zahlen. Die Uutcrstützung wird gezahlt für die Dauer der Ab Wesenheit einschließlich der Marschtagc. In Berlin ist die zuständige Stelle, an die sich Jnter- cssenten zu wenden haben, das Militärburcau des Magistrats. Klosterstraße 41. Ehefrauen von zur Uebung Einberufenen wollen bei ihrer Meldung um Unterstützung Hcirats- und Geburtsschein sowie die Geburtsscheine der Kinder mit nehmen._ In der Sänglingsfllrsorgestelle I., Blumenstraße 78, findet im August Unterricht in der Säuglingspflege mit praktischen Uebungen wöchentlich einmal statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich im Bureau des Kinderhauses, Blumenstraße 78, vorn links, pari., vom Monatg., den 28. Juli bis zum Sonnabend, den 31. Juli, von 2 bis 4 Uhr. Der Kampf«in die westlichen Schnellbahnen. Der Schnellbahnstreit zwischen Schöneberg und Char- lottcnburg wird den Provinzialrat zu Potsdam �chon im Laufe des August beschäftigen, da diese Beschlußbehörde keine Ferien macht. Inzwischen wird der Bezirksausschuß in einem besonderen Verfahren über die nach§ 6 des Kleinbahn- gesctzes an die Unternehmerin(Stadt Charlottenburg) zu stellenden Ansprüche entscheiden. Diese Ansprüche betreffen die Verpflichtung der Unternehmerin zur Unterhaltung und Wiederherstellung des benutzten Wcgctcils und das Entgelt für die Benutzung des Weges. Auch gegen den in diesem de- sonderen Verfahren gefaßten Beschluß des Bezirksausschusses ist der Weg der Beschwerde an den Provinzialrat zulässig. Der Falkplatz, welcher bekantlich im Zuge der Gleimstraße an der nvrdlichen Grenze des Exerzierplatzes zur„Einsamen Pappel" in Form einer größeren, mehrere Meter über dem Straßenniveau gelegenen Schmuckanlage eingerichtet wird, scheint zu seiner Fertigstellung noch mehr Zeit zu erfordern, als ehemals der Brunneuplatz in der Pankstraße vor dem Amtsgericht. Drei Jahre„murkst" man nun hier herum und hat glücklichcrivcise die eine Hälfte des zur Schinuckanlage bestimmten Geländes mit Strauchwerk und jungen Bäumen besetzt. Auf der anderen Hälfte wird seit vorigem Lahre das Erdreich umgewühlt, ohne daß man erhebliche Fortschritte bemerkt. Die Anwohner, welche jetzt zu ihrer Erholung auf den fragwürdigen Exerzierplatz angewiesen sind, hofften�in diesem Jahre bestimmt auf die Freigabe wenigstens der an der Schwedter Straße belegenen Hälfte, zu der auch schon gemauerte Treppenanfänge hinaufführen. Aber es war wieder nichts. Man arbeitet hier mit ejüer Langsamkeit und Schwerfälligkeit, die unserer Parkdeputation nicht gerade zum Ruhme ge- reicht. Hoffentlich werden die Arbeiten endlich so beschleunigt, daß im nächsten Frühjahr bestimmt die Freigabe der einen Platz- Hälfte erfolgen kann. Will man etwa warten, bis das Ganze fertig ist. dann dauert es noch drei Jahre. _ Die Rcichsdruckcrei beabsichtigt dem Bernehmen nach Rotations- Maschinen anzuschaffen, auf welchen der Druck der Briefmarken auf langen Papierstreifen erfolgen soll, so daß die entstehenden Marken- streifen aufgerollt werden können. Diese Neuerung entspricht einem durch die mehr in Aufnahme kommenden Briefmarke nauto- m a t e n entstandenen Bedürfnis• bei diesen werden die Marken bekanntlich nach Einwurf des Geldstückes im Apparat von der Rolle abgewickelt und abgetrennt. Bisher mufften diese Rollen aus Zehner- streifen mühsam zusammengesetzt werden. Da die Zahl der im Privatbesitz befindlichen und in öffentlichen Lokalen, Hotels usw. aufgestellten Automaten ständig zunimmt, so hat die Postverwaltung schon jetzt angeordnet, daff in allen Bezirken, wo nach Mitteilung der D. Abcl-Gesellschast solche Privatautomaten aufgestellt sind, Brief- markenrollen zu je 300 Stück an den Schaltern des zuständigen Postamts dem Publikum zum Verkauf gestellt werden. Steuerspekulantcn. Die Mehrzahl der Berliner Streichholz- fabriken teilt auf gedruckten Karten ihren Auftraggebern mit, daß Aufträge bis auf weiteres nicht mehr entgegengenommen werden können. Die sämtlichen Fabriken haben schon feit Ende voriger resp. Anfang dieser Woche ihre Lagerbestände geräumt und die Verkaufslokale geschlossen. Käufer der Zündhölzer sind vielfach Spekulanten, die jetzt die steuerfrei erworbenen Waren zu er- höhten Preisen in den Handel bringen. So werden hundert Pakete Streichhölzer seitens der Grossisten mit einem Aufschlag von 7 bis 8 M. verkauft. Kleinere Geschäftsleute, die sich zu spät bei den Fabrikanten gemeldet hatten, sind nicht mehr in der Lage� ihren Kundenkreis zu befriedigen. Aehnlich stark ist gegenwärtig der Handel in der Belcuchtungskörperfabrikatwn. Hier sind die Käufer allerdings zumeist Privatleute, da bei dem verhältnismäßig kleineren Steueranfschlag den Spekulanten keine Gelegenheit zu einem lohnenden Verdienst geboten wird. Dagegen ist die Nach- frage der Geschäftsleute nach Glükörpern eine außerordentlich rege und manche Geschäftsleute suchen ihren Privatbcdarf auf Jahre hinaus mit steuerfreier Ware zu decken.— Sehr stark ist gegen- wärtig auch der Umsah in der Zigarren- und Zigarettenbranche. Auch hier sind die Fabriken derartig mit Aufträgen überhäuft, daß sie teilweise nicht mehr in der Lage sind, neue Bestellungen ent gegenzunehmen. Auch hier ist der Vorratskäufer ausschließlich das Publikum, welches sich durch Ankauf größerer Posten Zigarren und Zigaretten für längere Zeit hinaus vor der Zollvertcuerung schützen will. Auch im Kaffeehandel macht sich das neue Steuer gesetz bemerkbar, während der Teehandel nur ganz unwesentlich durch die bevorstehende Verteuerung beeinflußt wird. Zwei ausländische Ballons bei Berlin gelandet.� Zwei Ballons, die am Mittwoch bei der Ballonwettfahrt des Belgischen Aeroklubs zur Feier des belgischen NationaltageS im Brüsseler Jubelpark aufstiegen, sind gestern vormittag in der Um- gebung der Reichshauplstadt glücklich gelandet. Während der französische Ballon„Emulation du Nord" im Grunewald landen konnte, wurde der belgische Ballon„Ville de Bruxelles" vom Ge- Wittersturm erfaßt und nach dem Norden abgetrieben, wo er später bei Buch landete. Ueber die Landungen der Ballons wird berichtet: Der französische Ballon„Emulation du Nord" und der belgische Ballon«Ville de Bruxelles", die zusammen in Brüssel um 8� Uhr abends aufgestiegen waren, fuhren während der Nacht über Düffeldorf fast Bord an Bord nach Osten, so daß sich die Insassen unterhalten konnten. Die gemeinsame Fahrt ging bis kurz vor Berlin. Um S Uhr vormittags erspähten die Führer deS franzö- fischen Ballons über dem Grunewald eine günstige Landungsstelle. In der Nähe des Bahnhofes Grunewald, in einer Schonung am Großen Stern gingen die Luftschiffer nieder. Die Landung ging glatt und ohne Beschädigung des Ballons vonstatten. Der Ballon wurde sofort zusammengepackt und zur Bahn befördert Die Führer des Ballons, van Eslande und Charles Crombez, be. gaben sich nach Berlin und werden noch heute die Rückreise nach Brüssel antreten. Nicht so ganz glatt ging die Weiterfahrt und Landung des belgischen Ballons vor sich. Er war in eine höhere Wolkenschicht gestiegen und wurde von dem heftigen Südwestwind nach Nord- osten abgetrieben. Der Ballon„Ville de Bruxelles", in dem sich drei Herren befanden, fuhr über Charlottenburg, Reinickendorf, Pankow und Blankenburg nach Buch, wo ihn ein heftiger Gewitter- schauer erfaßte. Der Ballon war gezwungen, sofort zu landen und ging um 10 Uhr vormittags links von der Bahn auf dem Ferienspielplatz der Berliner Gemeindeschüler nieder, so daß die Ferienkolonisten, die sich dort beim Spiel vergnügten, zu ihrer Uebcrraschung Zeugen des interessanten Schauspiels einer Ballon- landung waren. Die Landung deS Ballons, dessen Hülle eine silbergraue Farbe hat, ging glatt vonstatten. Der Führer, der in Belgien bekannte Luftschiffer Geerts, unternahm mit den beiden anderen Insassen die Verpackung des Ballons und gab auf dem Postamte in Buch sofort telegraphische Nachricht über die glückliche Landung des Ballons an den Aeroklub. Die Luftschiffer fahren am Nachmittag nach Berlin und treten am Abend die Rückfahrt nach Brüssel an. Der Ballon wird von Buch nach Brüssel be fördert. Ein KoutionSschwindler hat durch Aufgabe gefälschter Inserate zahlreiche Opfer gesucht und gefunden. Durch Annoncen in hiesigen Tageszeitungen suchte er für bekannte Etablissements Personal, das sich unter eine bestimmte Chiffre zu melden hat. Bei den Bewerbern erscheint dann ein 27 bis 30 Jahre alter gut- gekleideter Mann, der sich als Geschäftssührer usw. deS be- treffenden Etablissements ausgibt und auch mit den Bewerbern einen Vertrag abschließt. Der Geschäftsführer läßt sich zur Sicher heit sofort eine Kaution, sei es in barem Gelde, sei es durch Sparkassenbuch, geben und hat so in einzelnen Fällen 100 bis 150 Mark erbeutet. So hat er zuletzt für das bekannte Weinhaus „Kaiserkellcr" durch gefälschte Inserate Garderobieren engagiert. Der Schwindler ist etwa 1,80 Meter groß, schlank, blond, hat einen blonden Schnurrbart, schmales, verlebtes Gesicht, blaugraue Augen und schmale, lange Hände. Er trägt gewöhnlich hellen Semmerüberzieher mit dunklem Samtkragcn, hellen Jackettanzug und schwarze Schnürschuhe. Zur Nennbahnkatastrophe im Botanischen Garten. Die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Leichen der sechs Opfer der Rcnnbahnkatastrophe im Sportpark Botanischer Garten sind zur Beerdigung freigegeben worden. Die Leiche des Arbeiters Franz Gutsche wurde bereits gestern vormittag aus dem Elisabeth- krankenhaus abgeholt und nach der Halle des GethsemanetirchhofeS geschafft, wo voraussichtlich am Sonnabendnachmittag 3 Uhr die Beisetzung erfolgt. Die Leiche des Handlungsgehilfen Friedrich Gehricke wird nach Klietz, dem Geburtsort des Verstorbenen, über-. geführt und dort beerdigt werden. Ueber die Beisetzungstermine der übrigen vier Opfer sind endgültige Bestimmungen noch nicht getroffen.— Die Mehrzahl der im Elisabethkrankenhause unter- gebrachten Verunglückten befindet sich auf dem Wege der Besserung. Nur dem Kaufmann Willy Martin aus der Steinmetzstraße 3, bei dem eine Schädelöffnung vorgenommen werden mußte, dem Diener Schmidt und dem Fräulein Klara Wegener geht es an- dauernd schlecht. Der Monteur Kurt Ratsch aus der Potsdamer Straße 34 konnte gestern abend aus dem Rudolf-Virchow-5lranken- hause wieder entlassen werden. Er hatte nur nur einen plötzlichen Erreguugsanfall erlitten und erholte sich unter den Händen der Aerzte bald wieder. Das Befinden des Expedienten Karl Plan- mann aus der Müllerstraße 7a und des Arbeiters Karl Bengels- dorf aus der Holsteinischen Straße 13 gibt augenblicklich zu ernsten Besorgnissen keinen Anlaß. Neue Verletzte haben sich nicht mehr gemeldet. Die polizeilichen Vernehmungen, die sich auf alle beteiligten Rennfahrer und Schrittmacher sowie auf die Rennleitung er- streckten, sind jetzt abgeschlossen. Sie haben nichts Belastendes gegen einen der Beteiligten ergeben. Es ist jetzt sicher, daß nie- m a n d die Katastrophe verschuldet hat, sondern, daß sie durch mehrere unglückliche Zufälle herbeigeführt worden ist. Bei einer Nnderpartie ertrimken ist gestern nachmittag der Restaurateur und Villenbesitzer Ferdinand Lamprccht aus Wannsce. L., der im 34. Lebensjahre stand, hatte mit einem Kollegen auf seinem Boote eine Fahrt auf der Havel unternommen. Als das Boot auf der Heimsahrt die Einbuchtung nach dem Wannsce passierte, kam es infolge des Wellenganges eines vorüberkommenden Dampfers zum Kentern und die beiden» Insassen stürzten in die Fluten. Während es dem Freunde des L. gelang, sich so lange über Wasser zu halten, bis er durch andere Ruderer gerettet werden konnte, vcr- schlvand L. in der Tiefe und ertrank. Ein weiterer Bootsnnfall, wobei vier Personen in der größten Lebensgefahr schwebten, hat sich gestern gegen Abend auf der Ober- spree zugetragen. Ein mit zwei Herren und zwei Damen besetztes Ruderboot kam zwischen Ober-Schöneweide und Köpenick beim Wechsel» der Plätze während der Fahrt zum Kentern. Es schlug vollständig um und die vier Personen verschwanden in den Fluten. Zum Glück war ein Motorboot in der Nähe, dessen Besatzungs- Mannschaften es gelang, die Gefährdeten im Augenblick der höchsten Gefahr an Bord zu schaffen.. „Im Bade". Einen gewaltigen Menschenauflauf verursachte gestern nachmittag ein angetrunkener Arbeiter, der ans dem Alexanderplatz in das Bassin deS Springbrunnens geklettert war und dort ungeachtet, der auf ihn nieder- prasselnden Wassermaffen lustwandelte. DaS seltene Schauspiel wurde dadurch noch ergötzlicher, daß der sonderbare Badegast an die herbeieilenden Schutzleute ulkige Ansprachen richtete, die beim Publikum ungeheuere Heiterkeit auslösten. Erst als der im knie- tiefen Waffer hirumpatschelnde„Pripatetiker" dem Rande des Springbrunnens einmal zu nahe kam, gelang es den Wächtern der öffent- lichen Ordnung, ihn am Kragen zu packen und unter dem Halloh der Menge dem feuchten Naß zu entreißen. Er wurde dem nahen Polizeipräsidium zugeführt und dürfte ein Strafmandat wegen groben Unfugs zu gewärtigen haben. Die KindeSleiche im Tcltowkanal. Auf einen KindeSmord deutet ein Leichenfund, der im Teltowkanal gemacht wurde. In der Nähe von Treptow wurde der Leichnam eines neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts entdeckt und gelandet. Der tote Körper war in eine weiß, schwarz und blaukarierte Schürze eingewickelt. Durch die gerichtliche Obduktion dürfte festgestellt werden, ob das Kind einen gewaltsamen Tod gefunden hat oder nicht. „Die Insel Rügen" lautet der neue Vortrag, der am Mittwoch- abend zum ersten Male im wissenschaftlichen Theater der Urania, durch zahlreiche farbige Lichtbilder veranschaulicht, gehalten wurde. Der Vortragende des Abends, Herr Oskar Wagner, führt uns im Geiste nach jenen Stätten, die für den Archäologen und Geologen schon immer von großem Interesse gewesen sind, wo auch der Naturfreund auf seine volle Kosten kommt. Zunächst sehen wir auf unserer Wanderung Stralsund mit seinem Rathaus und eine vielhunderjährige Geschichte wird hier lebendig. Dann gelangen wir nach Altcfähr, nach Hiddensee, besuchen die Fischerdörfer Witt, Neuenhagen und Plogshagen. Dem Vortragenden folgen wir dann nach Arkona, wo ehemals die Wenden ihren Sitz hatten, und gelangen nach Darlegung der Küstenformation Rügens nach Stubbenkammer und Saßnitz. Die großen Kreidefelsen veranlassen den Redner, uns deren Entstehung vor Augen zu führen, auch uns zu zeigen, wie die Rohkreide verarbeitet wird. Wir werden in die prähistorische Zeit zurückgeführt, in der man die Metalle nicht kannte und der Feuerstein das Arbeitsmaterial zu Werkzeugen aller Art bildete. Bei Fortsetzung unserer Wanderung besuchen wir Binz, die Granitz, Putbus, Lauterbach, Sellin, Göhren, wobei wir einen kleinen Einblick in das Leben des armen, bedürfnislosen Fischervölkchcns erhalten. Die Reise schließt ab mit einein Be- suche der reizenden Buchenwälder der Stubnitz. Herrliche Vegetationsbilder sind es, die uns da zu Gesicht kommen und in manchem Zuhörer den Wunsch wecken, alles das, was im Bilde hier uns vorgeführt wird, in Natur zu sehen. Die Roßstrnße von der Schornsteinfegergaffe bis zur Gertraudten- straße wird behufs Asphaltierung vom 28. d. Mts. ab bis auf weiteres für den durchgehenden verkehr ganz und für den örtlichen Verkehr der Straße selbst zur Hälfte gesperrt. DaS Gebrüder Herrnfcld-Thcatcr eröffnet am Sonnabend, den 31. d. Mts. nach einer dreimonatlichen Pause seine 18. Spiclsaison. Als Novität gelangt die Komödie.Frau ElkanS Friseur" von Anton und Donat Herrnfeld zur Erstaufführung. Feuerwehrbericht. Der zwölfte Löschzug wurde gestern nach der Bülowstraße 58 gerufen, wo Spiritus in einer Distillation in Brand geraten war. Es gelang, den gefährlichen Brand mit einer Schlauchleitung auf seinen Herd zu beschränken. Durch Entflammung von Zelluloid kam in der Voigtstraße 33 Feuer aus, das auf einen Raum beschränkt blieb. Brennholz brannte in einem Keller Wilhelmstraße 27 und Teer auf dem Dache in der Müllerstraße 181. In der Ackerstraße 83 brannten Kohlen. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Köpenicker Straße 128 und Nieder- wallstraße 13-alarmiert, um Pferde aus Notlagen zu befreien. In der Elberfelder Straße wurde von der Feuerwehr ein Bienen- schwärm eingefangen. Vorort- l�acb nckten. Rixdorf. Zum gestrigen WahlvereinS« VcrslimmliliigSbcr'icht bittet nnS Genosse Fülle um Veröffentlichung dieser Zeilen: Noch der Auf- tellung in Nr. 8 des„MitteilmigSblatteS" sind nnS dem Vor» wärtsbetrieb an Maifcierbeiträgen abgeliefert worden: „VorwärlSbuchdruckcrei" 60;„ZeitungSabteilung Vorwärts' 00; „Werkabteilung(Mnschinensaal)' 19;«Buchbinderei" 44— 102. Hierzu kommen laut Angabe im„Mitteilungsblatt" Nr. 7:„Vorwärts- druckerei"20 Hilfsarbeiter(Abteil. NotationSmaschinensaal):„Diverse" 1— 80. Unter Hinzurechnung der obigen 192 ergibt sich also die Ziffer 222. Nicht eingerechnet sind dabei Redaktion, Berichterstatter, Boten, Expedition, Buchhandlung und Spediteure. Diese„amtlichen" Angaben machte ich in der Generalbersnmm- lnng gegenüber mehrfachen Zwischenrufern: Der größte Teil der „VorwärtS'-Bnchdrucker habe den Maifeierbeitrag nicht abgeliefert. In gleicher Sache wird uns aus dem TervandSbureau ge- schricöen: „Die Mittdllmgen, welche laut„Mitteilungsblatt" Nr. 7 in der NktioliSauSschubsitiiiiig öoiu 25. Juni gemacht wurden, daß von den zirka 300 im Vorwärtsbetriebe Beschäftigten bis jetzt(also bis 23. Juni) nur 153 dem Nürnberger ParteitagSbeschlujse nach« gekommen seien und den Tagesverdienst an die Partei- lasse abgeliefert haben, find als völlig korrekte zu be- zeichnen. Nach dem 25. Juni ist dann noch eine ganze Zahl der im Geschäfte Angestellten dem Beschlüsse gefolgt, sodaß heute, also am 22. Juli, 222 Genossen ihrer Partei« Pflicht genügt haben. ES waren aber im Vorwärtsbetriebe am 2. Mai 3vö Personen(die drei Lehrlinge ausgeschlossen) tätig, sodaß 85 der dort Beschäftigten keinen Maibeitrag an die Verbandskasse zahlten. Im Gegensatz zu Genossen Fülle, welcher ja im Solidaritätsgefühl mit seinen Nollegen die Buchdrucker in Schutz nahm, muß dennoch konstatiert werden, daß die„Richtzahler" oder vielleicht auch Unorganisierte unter den Werlsetzern, den im Maschinen- und Rotalionssaal(„Neue Welt") Angestellten zu suchen sind, während die Stcreolvpeure, Buchbinder, Kontor-, Handels« und Transportarbeiter, ja selbst die Scheuerfrauen, dem Parteitags- beschlnsje nahezu einhellig nachgekommen sind. Durch die Kollektivangabe„60 Berbandsmitglieder zahlen a 8 M. Maifondsbeitrag" war eine Feststellung der Einzelpersonen nicht möglich, war auch nicht beabsichtigt. "Der Aklionsausschuß beschloß: Die einzelnen Kreise mögen fich mit dieser Angelegenheit beschästigen und alle Genossen zur strikten Befolgung der Parteitagöbeschlüsie anhalten. Wer nicht Genosse ist, nicht der Partei angehört, sich nicht politisch organisiert hat�und dennoch in einenr Parteibetriebe arbeitet, kann zu nichts gezwungen werden, wenn ihn nicht seine Kollegen auf die m o r a- tischen Pflichten, welche ihm als Arbeiter obliegen, aufmerksam machen, nicht aber noch mühsam nach.Entschuldigungsgründen" hernmsuchen. Fünsundachtzig Arbeiter im„VokwärtZ" find entweder politisch nicht organisiert oder weigern fich. den Parteitagsbeschlüssen nach- zukommen. Das sagt mehr, als sich durch Worte ausdrücken läßt. Wir wollen selbst annehmen, daß eine größere Zahl der in Frage Kommenden am 1. Mai krank gewesen sind und die Nichtzahlung hiermit motivieren, immerhin bleibt eS bezeichnend, daß unter einer verhältnismäßig größeren Zahl in Parteibetrieben tätiger Arbeiter derartige„Unstimmigkeiten" zu Tage treten können. Bemerkt muß noch werden, daß die Zahl von 305 Angestellten, von welchen die Rede ist, nur die in der Druckerei Vorwärts Beschäftigten umfaßt; die sonstigen Parteiangestellten, Redakteure, Sekretäre. Personal der Expedition, Buchhandlung usw., waren besonders aufgeführt, haben auch sämtlich die Beiträge ge- leistet, über welche besonders quitkiert wurde." Schöneberg. Bon einem Hnnde zerbisse» wurde, wie wir dieser Tage meldeten, der zehnjährige Knabe des Eisenbahnarbeiters Jensen. Herr Nademacher bittet uns mitzuteilen, daß das Unglück nicht auf seinem Kohlenplatz passierte und auch nicht von seinem Hunde an- gerichtet wurde, sondern auf der Straße von dem seinem Nachbar Herrn Zastrow gehörigen Hunde. Lichtenberg. Die außerordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins nahm Stellung zum Parteitag. Genosse Bühler hielt daS Referat, das fich im wesentlichen auf die OrganisationS- frage bezog. Er legte die Gründe dar, die die Parteiinstanzen Groß-Berlins veranlaßten, Abänderungsanträge zu stellen. Auch die Maifeierfrage liege noch iin argen und bedürfe einer stärlcren Propagierung. In der Diskussion wandte sich Genosse Mir uS gegen den ZS, welcher besagt, daß den Geiiossinnen die„Gleichheit" gratis ge- liefert werden solle. Bei einem Beitrage von 20 Pfennig kommt die Partei in die unangenehme Lage, noch Geld zuzuzahlen. Was die Delegiertenwahl betreffe. wünscht er. daß sie in Mitgliederversammlungen vorgenommen werde. Durch dieses Wahlverfahren kämen nur die Genossen zum Parteitag, die daS Vertrauen der Mitglieder besäßen. Eingebracht wurden folgende Anträge: Im§ 5 die Worte:„Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern", zu streichen. Dieser Antrag wurde angeuoimne». Der Antrag, dem§ 7, Abs. 1 ist anzufügen: „Die Wahl der Delegierten ist in Mitgliederversammlungen vorzu- nehmen", gelangte ebenfalls zur Annahme. Mit großer Majorität wurde Genosse Brühl als Delegierter für den Parteitag vorgeschlagen. welcher der Kreisgeneralversammlung präsentiert werden toll. Für die Provinzialkonserenz kam Genoffe Koppcnhagen in Vorschlag. Johannisthal. Drr Gesangverein„Liederfreunde" veranstaltet am Sonntag, den 25. Juli, ein Wald- und Kinderfest, zu dem die Genossen eingeladen find, weil der Verein fich auch bei de» Parteifestlichkeiten beteiligt. Boxhagen- Rummelsbnrg. In der Genrralversammlmig des Wahlvereins erstattete Genosse O. John den Bericht des Vorstandes, danach ist ein gut Stück Arbeit geleistet worden. Den Kassenbericht gab Genvsie Lenzner. Die Ein- nahmen vom 2. Quartal betrugen 217S,v4 M., Ausgaben 1621,49 M., Bestand 555,45 M.— Zum Punkt Ausnahme neuer Mitglieder, wurde ein Antrag deS Genoffen König angenommen, dahingehend, eine Liste der Neuaufzunehmenden in den einzelnen Zahlabenden aus- zulegen, um unlauteren Elementen den Eintritt unmöglich zu machen. — Als 2. Vorsitzender wurde Genosse Louis Stein, zum Revisor Genosse Bode gewählt. Sodann wurde der Statutentwurf der vom Parteitag eingesetzten Kommission beraten. Ge- nasse Berger machte zum K 4 den Vorschlag, das Wort „müssen" zu streichen und dafür„können" zu setzen.§ 5 den PassuS „den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" gratis zu liefern" zu streichen. Ferner im§ 23 die Worte„wiederholt" und im Absatz 3 „OrtS" zu streichen. Sodann entspann sich eine längere Diskussion. Gen. Klotz ist gegen die Abänderungsvorschläge BergerS. Für den wöchentlichen Beitrag von 10 Pf. ist Redner unter der Bedingung, daß dann die Bons und Sammellisten abgeschafft werden. Zum Ausschlußparagraphen macht er den Vorschlag, einzuschalten:„wenn dieselben auch in anderen Arbeiterorganisationen ehrlos handeln". N o l l st a d t wünscht den Wahlmodus durch Urabstimmung vorzu- nehmen. Witzle beantragt, im ß 23„wiederholt" zu streichen. Ferner beteiligten fich an der Diskussion die Genossen König, Better. P. John und Kanich. Ter Entwurf der Kommission wird sodann gegen einzelne Stimmen mit großer Majorität angenommen, wodurch die. gestellten Ab- önderungsvorschläge abgelehnt wurden. Als Delegierter zum Partei« tag wurde Genosse Wächter und für die Provinziallonferenz Genosse Witzle einstiinmig in Vorschlag gebracht. Die Wahl der Delegierten zur Krcisgeneralversammlung ergab folgendes Resultat: Oehse. Kowalke, Vetter. Staffeld. Przibiller, Lorenz. Davineux. Georg Schulze, Alfred John, Wilh. Schulze und Frl. Schulz und als Ersatzmann Hugo John. Sodann wurden die verstorbenen Ge- nossen Roiy. Hilgert. Grouwald. Sapiatz, Sutor und Buchholz durch Erheben von de» Plätzen geehrt. MUtenwalde. Einen schaurigen Tod in einer Abortgrube hat der 70 jährige Schlächtermeister Adolf Hinniger auS Mittenwalde gefunden, der seit vierzehn Tage» vermißt wurde. H. hatte die Absicht gehabt, nach Berlin zu fahren, wollte vorher aber noch einige Kunden besuchen und eS konnte mir sestgcstellt werden, daß er sich in der Richtung nach dem Bahnhof enlfernt hatte. In Berlin war aber H. nicht cm- getroffen. Jetzt wurde nun seine Leiche in der Abortgrube deS Wirtshauses„Zur Schleuse" bei Mittcnwalde aufgefunden. Nach der Lage des Toten zu urteilen, muß dieser kopfüber in die Grube ge- fallen sein. Daß kein Verbrechen vorliegt, ist dadurch erwiesen, daß bei dem Verstorbenen der volle Geldbetrag aufgefunden worden und an dem Körper des Hinniger keinerlei Verletzungen entdeckt wurden. Perantwortl. Redakteur: Wilhelm Tüwcll, Lichtenberg. Für den Tempelhof. Endlich? Vor längerer Zeit forderte eine Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins die Errichtung eines Ge- Werbegerichts. Jetzt ist diese Angelegenheit soweit gediehen. daß die nächste Gemeindevertretersitzung sich mit der Sache be- schäftigen und darüber Beschluß fassen wird. Jedenfalls tun die freien Gewerkschaftler gut daran, sich schon jetzt auf Gewerbegerichts- Wahlen vorzubereiten. Spandaa. Bor dem Gewerbegericht wnrde am Dienstag unter anderem folgende Sache verhandelt: Es klagt der Schuhmachergeselle Hoot gegen den Schuhmachermeister G ö t s ch wegen Lohn für zwei Wochen, zirka 50 M. Kläger ist am 5. Februar ohne Kündigung entlassen. Der Beklagte wendet ein, daß er zur sofortigen Eni- lassung berechtigt war. da ihm der Kläger ein Paar Damenschuhe unterschlage». H. war Filialleiter und entnahm am 16. Januar ein Paar Damenschuhe aus dem Geschäft. Erst am 23. Januar, als der Meister durch seine Frau nach dem Schuhen frug, erklärte H., die habe er sich an demselben Tage entnommen und seiner Braut geschickt. Km 30. Januar bezahlte er dann die Schuhe. Der Beklagte hatte Strafautrag wegen Unterschlagung gestellt, der Staatsanwalt lehnte aber mangels genügenden Beweises ein Einschreiten ab. DaS Ge- Werbegericht nimmt trotzdem eine Unterschlagung an. namentlich aus dem Grunde, weil Kläger die Schuhe erst am 28. Januar buchte und der Frau sagte, er hätte die Schuhe erst an diesem Tage geHoll, während er sie tat- sächlich am 16. Januar schon entnommen. Kläger wird mit der Klage abgewiesen.— In einer anderen Sache klagt der Boot'sbauer Schulze gegen die Motorbootslverke wegen 36 M. Lohn. Er ist am 13. Juni vom Polier zum 22. Juni angenommen. erhielt aber am anderen Tage den Bescheid, daß er nicht eingestellt werden könne. Warum man den Mann nicht eingestellt bat, geht wohl aus einer Frage der Beklagten hervor, ob Kläger sich nicht nur deshalb um die Stelle beworben, um einen Streik zu iuszeuiereu. Die Klage endet durch Vergleich, indem sich Kläger mit der Hälfte des Geforderten einverstanden erklärt. Interessant ist hierbei noch. daß, als die Frage von einem Arbeitgeberbeisitzer gestellt wird, ob bei den Bootsbauern keine Tarifvereinbarung besteht, der Vor- sitzende, ein Assessor, nichts von solchen Tarifgemeinschaften und von wem sie abgeschlossen werden, wußte. Nachdem er ausgeklärt, war er der Ansicht, daß diejenigen, die den Verbänden, zwischen denen der Tarifvertrag abgescklossen, nicht angehören. doch auch nicht an die Tarifverträge gebunden sind. Eine Anficht, die die Beisitzer aus den bereits ergangenen Entscheidungen der Gewerbegerichte widerlegten._ Sericbts- Leitung. Der KriegSminister gegen den„Vorwärts". Im„Vorwärts" vom 4. August 1903 wurden die von Soldatenschindern begangenen Schandtaten be- leuchtet und die Möglichleit solcher Schindereien aus dem System der militärischen Disziplin erklärt, das in dem Gequälten den Mut zur Abwehr ertöte. Daß Soldaten» schindereien scheußlichster Art vorgekommen find, ist durch Urteile von Militärgerichten festgestellt worden. Gerade jener Artikel knüpfte an ein Urteil an, da« eben damals gegen einen Unter- offizier Thamm ergangen war und 600 Einzelfälle von Miß- Handlungen als nachgewiesen erachtete. Indes. die Ueberschrist „sSchinderknechte" sollte in Verbindung mit dem Inhalt be- leidigend sein, und so wurde gegen den„Vorwärts.«Redakteur Genossen D a v i d s o h n, der für die betreffende Nummer die Ver- antwortung übernommen hatte, Strafantrag gestellt. Er sollte gleich sämtliche Offiziere und Unteroffiziere des preußischen HeereS beleidigt haben, so behauptet die gegen ihn erhobene Anklage. Am 16. Februar 1909 wurde vom Landgericht I Berlin sSttafkammer 4 unter Vorfitz des LandgerichtSratS Fritschen, der damals für Landgerichtsdirektor Lehmann eingetreten war. weil Davidsohn diesen im Hinblick auf dessen Landwehroffizierqnalität als befangen abgelehnt hatte) Davidsohn der formalen Be- leidigung schuldig befunden und gegen ihn auf eine Geldstrafe von 900 Mark erkamtt. DaS war weniger als die vom StaatSanwall beantragte Gefängnisstrafe von drei Monaten, aber eS war— mehr, als das Gesetz erlaubt. Die Verurteilung wegen Beleidigung war erfolgt aus§ 185, der als Strafmaximtun, sofern auf Geldstrafe erkannt wird. 600 M. vorsieht. Die Staats- anwaltfchaft mußte wegen der Ueberfchreitung des Maximal- maßeS des Verurteilten Revision einlegen. Selbstverständlich hatte auch Genosse Davidsohn Revision eingelegt, um womöglich eine vollständige Aufhebung des Urteils zu erreichen. Das Reichs- g e r i ch t entschied aber, die dem LandgerichtSurteil zugrunde liegenden Feststellungen feien ausrecht zu erhalten, und bezüglich des Strafmaßes sei das Urteil aufzuheben und die Sache zu anderweitiger Entscheidung zurückzugeben. Hiernach hatte daS Landgericht I. vor dem gestern er- neut verhandelt wurde(vor Strafkammer 4, diesmal unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Horwitz), nur noch darüber zu entscheiden, wie hoch die Strafe zu bemessen sei. Der Artikel„Schinder- knechte" mußte noch einmal verlesen werden. Die zufällig im Zuhörerraum fitzenden Mitglieder einer japanischen Studien» kommission, bie gcaenwärtig Deutschland bereist, horchten gespannt auf. Davidsohns Verteidiger, Rechtsanwalt Siegbert Loewy, forderte Vorlesung auch eines .VorwärtS"-ArtilelS, der über die Militärgerichtsverhandlung gegen Unteroffizier Thamm berichtete, sowie eines weiteren„Vorwärts"» ArttkelS über Soldatenmißhandlungen, der noch nach dem 4. August erschien. Erst aus dem Zusammenhang all dieser Artikel werde der inlriminierte recht zu verstehen sein. Der Vorsitzende bemerkte. eS sei ja als bekannt vorauszusetzen, daß zahlreiche Prozesse wegen Soldatenmißhandlung stattgefunden haben und Verurteilungen erfolgt sind, auch dürfe ohne weiteres geglaubt werden, daß die Meinung verbreitet fei, man habe die Mißhandler zu milde bestraft. Doch seien gegenüber der Entscheidung de« Reichsgerichts, die die tatsächlichen Feststellungen de» Landgerichts aufrecht erhalte, weitere Feststellungen mtznläsfig. DaS Gericht be« schloß, den Antrag deS Verteidigers abzulehnen. ES folgten darauf die PlaidoherS. Der Staatsanwalt meinte, es könne zweifelhaft erscheinen, ob die von der Staats- anwaltschast eingelegte Revision als zuungunsten deS Angeklagten eingelegt gelten solle und demnach jetzt noch auf eine GesängniS- strafe erkannt werden könne. Ex selber wolle daS— dahingestellt sein lassen. Bezüglich deS StiafmaßeS sei zu beachten, daß der Ausdruck„Schinderknecht" in der Volksmeinung einen Menschen von besonders roher und niedriger Ge- sinnung bedeute, und daß diese Beschimpfung, die auf alle Offiziere und Unteroffiziere'bezogen werden müsse, gerade durch den„Vorwärts" eine besonders weite Verbreitung gefunden habe. Ueber den Angeklagten sei die höchstzuläsfige Strafe von 600 Mark zu verhängen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Loewy führte ans, daß die als notwendig erachtete Anweisung an die Staatsanwälte, bei Nevisionseiitlegung sich darüber zu erklären. ob sie zuungunsten oder zugunsten deS Angeklagten gelten solle. ausgeblieben sei. Doch im borliegenden Fall sei zweifellos auch von der Staatsanwaltschaft, weil ja die fest- gesetzte Geldstrafe die zulässige Höhe überschritt, zugunsten gnjeratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Lerlog: vorwärts i des Angeklagten Revision eingelegt worden. Aver abgesehen hier- von würde auch bei erneuter Prüfung nicht eine Gefängnis« sttafe festgesetzt werden können, weil Davidsohn, der selber noch im Militärverband stehe, berechtigte Interessen gewahrt habe, und weil der Artikel an einen Prozeß anknüpfe, der gerade damals stattgefunden habe. Genosse D o v i d s o h n wandte sich dagegen, daß wieder von der Staafesanwalischast so großes Gewicht auf die Ueberschrist.Schinderknecht" gelegt werde, die wohl allein den Anlaß zur Erhebung einer Anklage gegeben habe. Ein „Schinderknccht" sei eigentlich minder schlimm als ein .Soldatenschinder"; denn der Schindcrknecht vollstrecke nur einen Richterspnich, ein Soldatenschinder aber handle gegen Gesetz und Recht. Der Ausdruck.Soldatenschinder' sei sozusagen Fachausdruck geworden, den die gesamte Presse, auch die bürgerliche, gebrauche. Ob etwa auch der strafbar sein solle I Davidsoh» ver- sicherte nochmals, daß er selbstverständlich nur wirkliche Soldatenschinder mit dem Artikel und seiner Ueberschrist habe tresscn wollen. DaS Urteil lautete: 500 Mark Geldstrafe. Nach der Entscheidung deS Reichsgerichts sei daran festzuhalten, daß David- söhn alle Offiziere und Unteroffiziere d e S preußis chen HeereS beleidigt habe. Für die Straf- abmesiung komme als mildernd in Betracht, daß der Artikel an einen MißhandlungSprozeß anknüpfte. Als erschwerend falle ins Gewicht, daß darin„fast auf jeder zweiten Zeile"(der Artikel umfaßte 163 Zeilen. Red. d.„V.")„maßlose Uebertrcibungen" enthalten seien, deren Sinn und Zweck nur sein könne, die Offiziere und Unteroffiziere in ihrer Berufsehre zu kränken. Der für strafbar erklärte Artikel charakterisierte lediglich das System, das zu rohen, feigen und niedrigen Mißhandlungen an Soldaten geführt hat, sowie die Bcrüber dieser Mißhandlungen. Der Kriegsminister und der Staatsanwalt erachteten dadurch sämt- liche Offiziere und Unteroffiziere, einschließlich der Miß- h a n d l e r, für beleidigt. DaS Gericht ist dieser irrigen, für die Osfiziere, Unteroffiziere und daS Militärsystem nichts weniger als schmeichelhaften Auffassung gefolgt und hat lediglich den formalen Beleidigungsparagraphen unter Ausschluß des Wahrheitsbeweise zulassenden§ 186 deS Rctchsstrafgcsctzbtlchcs gegen unsere Kritik angewendet. Dadurch ist nicht ein Iota an unserer sachlichen, vollkommen berechtigten und notwendigen Ler- urteilung deS Militärsystems aus der Welt geschafft. In Wahrheit ist diese« selbst und seine Befürworter durch daS Urteil getroffen. Wer zum Schutz eines Systems, das zum Himmel schreiende Miß- Handlungen ermöglicht, nach Staatsanwalt und Strafgesetzbuch ruft, zeigt dadurch lediglich seine Ohnmacht, unsere Brüder im Waffcnrock vor den gemeinsten Scheusäligkeiten zu schützen. Uns können straf- gerichtliche Prozeduren, auch wenn sie wie das erste Urteil offensicht- lich das Strafgesetzbuch verletzen, von der rastlosen Kritik des für unser Vaterland verheerenden Systems nicht abhalten. Und das System selbst, dessen Krittk der KriegSminister, wie dieser Prozeß zeigt, fürchtet, wird gebrochen werden. Unter der Anklage der Unterschlagung mußte fich gestern drr Rechtsanwalt Erich Haack vor der 4. Feriensttafkammer de» Landgerichts I verantworten.— Der Angeklagte erkrankte im Sommer 1907 an einem Nervenleiden und war genötigt ein Sanatorium in Grünberg in Schlesien auf- zusuchen. In seiner damaligen Gemütsverfassung kam H. zu der ganz außergewöhnlichen Handlungsweise, seinem Bureau- Vorsteher Kellermann, der augenblicklich eine längere Gefängnisstrafe in dem Strafgefängnis Tegel zu verbüßen hat. Generalvollmacht zu erteilen. Kellermann unterschrieb nun mit dem Namen deS H. alle möglichen Schrift- stücke und Urkunden, verhandelte mit den Mandanten, schloß Verträge im Namen de» H. ab usw. Um jene Zeit hat� ein Fräulein H. einen AlimentationSprozeß gegen einen Offizier an- gestrengt, tn welchem e» schließlich zu einem vergleich kaut, der dahin ging, daß die Klägerin H. als Abfindung 500 M. erhalten sollte. Dieses Geld wurde an Rechtsanwalt H. per Post abgesandt und ging hier am 2. Januar vorigen Jahres in dem Bureau ein. wo es Kellermann in Empfang nahm. An demselben Tage telephouierte der Angeklagte von Grünberg aus an K., ob Geld ftlr die Bezahlung der Gehälter vor- Händen sei. AlS Kellermann dies verneinte, soll ihm, wie die An- Ilage behauptet, der Angeklagte den Auftrag gegeben haben, jene 500 M. zur Zahlung der Gehälter zu verwenden, wie die» auch tatsächlich geschehen ist. Dieser Sachverhalt gelangte zur Keimtitis der Staatsanwaltschaft, die das vorliegende Strafverfahren einleitete. In der gestrigen Verhandlung erhob Re-chtSanivalt Dr. Walter Jaffä den Einwand der örtlichen Un- Zuständigkeit, da sich die Tat selbst in dem damaligen Bureau des H. in dem südlichen Teil der Potsdamer Straße zu- getragen habe, der Angeklagte außerdem auch in Steglitz, also im Bezirk de» Landgerichts II, seinen Wohnsitz habe. Das Gericht mußte sich aus den angeführten Gründen für unzuständig erllären. Die Verhandlung wird demnächst vor dem Landgericht II stattfinden. Ein ElcndSbild. vor dem Spandauer Schöffengericht hatte fich am Mittwoch der Arbeiter Wilhelm Bockelmann zu Dallgow, ein Witwer mit vier Kindern, zu verantworten. Er hatte vom Ämtsvorsteher zwei Straf- Mandate von je 6 M. erhatten, weil er feine beiden Kinder im Mai diese» Jahre» unentschuldigt aus der Schule behalten hat. B erhob Einspruch und wendet ein: Infolge Arbeitslosigkeit habe er seine Miete nicht zahlen können und sei von seinem Wirt, dem Gast- Wirt Kurth, auf die Straße gesetzt. Da er eine andere Wohnung nicht erhalten konnte, habe man ihn mit seinen vier Kindern im Spritzenhaus untergebracht. Dort halte er aber seine Kinder nicht reinigen und ihnen kein warmes Essen machen können, und es könne ihm niemand zumuten, daß er seine Kinder ohne Reinigung und Zehrung zur Schule schicke. Als nach etwa acht Tagen die Gemeinde dafür gesorgt, daß die Kinder warme» Essen erhielten, Hab« er fie auch sofort zur Schule geschickt. Das Gericht beschloß Vertagung. ES soll der Gemeindevorsteher geladen werden._ Unser Kampf um daS Recht. DaS Braunschweiger Schöffengericht hat zu einer politische» Persammlnitg eine Gewerkschaftsversammlung gestempelt, die gar nicht stattgefunden hat. Der Bureauvorsteher Genoffe I ä n i ck e hatte zum 8. Juni d. I. eine öffentliche Versammlung der Bureauangcstelltcn einberufen, in der der Bureauvorsteher Bauer aus Beriin einen Vortrag über „Unser Kampf um das Recht" halten sollte. Ein zur Ueberwachung erschienener Polizeiwachtmeister wurde von dem Ein- berufer au» dem Lokale gewiesen. Er ging aber nicht, sondern löste die Versammlung als„politische" auf. Genosse Jänicke wurde dann gar noch mit einem Strafmandat über 30 M. bedacht, beantragte aber richterliche Entscheidung. Do« Schöffengericht stimmte der Meinung der Polizei zu und verurteilte den Angeklagten zu z e h n M a r k Geldstrafe, eventuell zw« Tagen Haft. J» der Versammlung ist zwar lein Wort gesprochen worden, der Referent hat seincit Vor- trag gar nicht einmal vegonnctt; tue Versammlung wurde vielmehr ausgelöst, noch ehe sie tn die CmjanMungen eingetreten war. Da» hat aber alle» nicht» zu sagen. Dt« Berfammlung wurde al» öffcut- liche politische und demgemäß anmeldepflichtige behandett, weil— aus der Fassung deS einladenden Inserats für Polizei und Gericht zweifellos hervorgehe, daß poliuichc Angelegenheiten in ihr behandett werdet, sollten. Das Braunschwetger Urtetl ist unhaltbar und macht dem politt- scheu, juristischen und psychologische« Scharsstn» deS Braunschwetger Schöffengericht» keine Ehre.' («chdruckerei u- verlagSanjtaU Paul Singer& Co„ Berlu» SW.