Nr. 171« 86. ZalM. BbonncmcntS'Bcdlngnngen: BIMnTerflons'GeMljf- M°nnements. PretZ pränumerando: W W fHl W f» I �«riräßlfür die fechsgest>°It°neK°I0N-. Bicrteljährl. z�o Mr.. Mona». I.lo Mt.«W HR Ba f HB // W» H VW HM WM f Mi/ I.„f Seile oder deren Raum eo Psg., für wöchentlich 23 Psg. frei ins Haus. HBI HM B f A KS«Q DU KU WU IM f/ W> H politische und gewerlschasiNche Vereins. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. �flgSj Irtmä KS kW MW w) fES ÜH 8m MQ HH KC(A CgJ MSl f— 7/ und Versammlungs-Anzeigen SO Psg. numincr mit illustrierter � Sonntags. MWK h�WS HBS BI bBPI W MW BS W) W HB //„Kleine Hnxctgcn", das erste(fett. Zö!>nnem?m-I°m Märl WW|W HB H WWW W W W-�W �«edrucktel Wort 20 Psg. jedes weitere Einge?r�en in die Post v�jmnas- vW W WWW W. Wl� W WWW W WWM? Wart 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf. PrJM Unter Kreuzband s M W M�W. J&S» Ml W«tellen-Anzeigen das erste Wort lO-Pfg» Deutschland und Oesterreich. Ungarn MI KM � BMI // KW jedeS weitere Wort K Pfg. Worte über 2 Mark, für das übrige Ausland �w/ Zj S � // BHI 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. S Marl Pro Monat. PostabonnementS HHBU �W/,—S zY Y // WU Inserate für die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien Dänemarf.\ V/ I VIS S Uhr nachmittags in der Expedition ««s«?-«-�svsäää?"' «.e»«.«»..«. Vevliner Volktsltlakk«.Sw». Zentraiorgxn der fozialdemokratl feben Partei Deutfchlande. — gagaHOTB»aBM3MMlM IUE»,MBMM8MM�HMMMHPM«MM�MMMMMBBMgMMBnMMMMMMM�M——— �MM— MM— ��——— �MMMMM— BMMBBM■ Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IY, Nr. 1983. Das neue Zentrum. I. Die Auflösung des liberal-konservativen Blocks hat die politische Lage wesentlich verändert. Durch seine der Reichs- sinanzreform gegenüber befolgte perfide Taktik hat das Zentrum erreicht, wonach es nach seiner Ausschaltung als Mit- glied der Regierungsmehrheit skrupellos strebte. Es ist aus der ihm wider Willen aufgezwungenen Oppositionsstellung herausgelangt und hat sich die Bahn geöffnet, auf der es wieder zu seiner früheren Macht zu gelangen vermag. Der Stratege der konservativen Obstruktion, Herr von Heyde- brand, hat zwar im Reichstage bestritten, daß die konservativ- klerikale Steuerkoalition zur Wiederherstellung der einstigen Borherrschaft des Zentrums führt: aber Fürst BUlow hat ihn in der Herzenserleichterung, die er sich vor dem Chefredakteur des„Hambg. Korresp." leistete, sofort dementiert, indem er ausführte, daß durch die politischen Vorgänge der letzten Wochen das Zentrum mit seinem Anhange von Polen und Elsässern wieder zur ausschlaggebenden Bedeutung gelangt wäre. Und tatsächlich ergibt sich die Wiederherstellung der früheren Machtstellung des Zentrums mit zwingender Folge- richtigkeit aus der jetzigen politischen Lage. Sollte der neue Geschäftskanzler sich über diese Konsequenz täuschen, wird ihm die Entwickelung der Dinge bald die Notwendigkeit einer Einfügung des Zentrums in den Regierungskonzern lehren. Nach der schmählichen Kapitulation der Regierung vor dem Diktum der Konservativen kann in den nächsten Jahren im Reich nur konservativ regiert werden. Die heutige politische Lage degradiert den fünften Kanzler und seine ininisteriellen Gehilsen zu bloßen Geschäftsträgern des Agrar- konservatismus, mögen sie, wie die liberale Presse in ihrer naiven Ideologie zu rühmen weiß, philosophisch noch so weit über die engherzigen Anschauungen des ostelbischen Junker- tums erhaben sein. Stärker als persönliche Neigungen sind die politischen Machtverhältnisse. Um die Geschäfte im Sinne des erstarkten Agrarkonservatismus zu führen, gebrauchen aber die ministeriellen Geschäftsführer unbedingt die Unter- stützung des Zentrums, und diese finden sie nur, wenn sie dem Zentrum gewisse Entschädigungen für seine Hilfe bieten. Nach den Versicherungen klerikaler Blätter hat zwar das Zentrum sich in seiner Stellungnahme zu der Reichs- sinanzreform lediglich von patriotischen Rücksichten leiten lassen: doch gehört diese Verwechselung des Parteiinteresses mit den sogenannten vaterländischen Interessen zu den üb- lichen konventionellen Lügen der bürgerlichen politischen Argumentation. Auch die Konservativen haben, wie ihre Blätter versichern, nur aus vaterländischen Gründen gegen die Erbschaftssteuer rebelliert, um dem Vaterland einen wohl- habenden königstreuen Bauernstand zu erhalten, eine Vendäe, die den Ansturm der revolutionären Wogen bricht. Im Grunde genommen vertritt jede Partei lediglich ihre beson- deren � teressen, vor allem das Zentrum, dessen Schwer- punk.: nicht auf rein politischem, sondern auf konfessio- nellem Gebiet liegt und das seine politischen Befehle durch einen von Rom abhängigen Klerus empfängt, dessen Streben lediglich auf die Machtstärkung seiner kirchlichen Organi- sation gerichtet ist. Das Zentruni wird deshalb, wenn nicht heut und morgen, so doch bei nächster günstiger Gelegenheit seine Rechnung präsentieren, und die Regierung wird sie ohne Rabattabzüge bezahlen müssen. Damit soll nicht gesagt sein, daß sich in allen Teilen dasselbe Spiel wiederholen wird, das vor der Auflösung des Reichstages am 13. Dezember 1906 das Zentrum aufführte. Hat die Aera der konservativ-liberalen Blockpolitik den Charakter des Freisinns dermaßen verändert, daß der Rück- weg zu seiner einstigen Oppositionsstellung gegen den Mili- tarismus und die imperialistische Weltpolitik ihm verschlossen erscheint, so geht auch des Zentrum aus dem liberal-konser- vativen Interregnum als eine in seinem innerlichen Gefüge veränderte Partei hervor. Seine Ausschaltung aus der Re- gierungsmehrheit hat in ihm eine innere Verschie- bung der Machtverhältnisse, Stimmungen und Bestrebungen ausgelöst, die es hindern, das politische Spiel in alter Weise wieder aufzunehmen. Die feudal-reaktionären Elemente haben in seinen Reihen seit den letzten Reichstagswahlen ihren Einfluß wesentlich erweitert, und vor allem hat der hohe Klerus eine Machtstellung gegenüber dem Zentrum er- langt, wie es ihn seit den Kulturkampf- tagen nicht besessen hat. Was seit dem Fall des Kirchenstaats in Italien Brauch geworden ist, das hat nun auch in Deutschland Geltung erlangt: Die Führerschaft der katholischen Partei empfängt ihre Direktiven von den Bischöfen, deren Ansicht auch bei der Aufstellung der Wahl- kandidaten entscheidet..- Es ist durchaus unrichtig, das heutige Zentrum nach den Leistungen seiner Jugendtage, nach der Sturm- und Drang- Periode der Kulturkampfzeit, zu beurteilen. Mehr noch wie so manche andere Partei hat das Zentrum seine„Jugend- eseleien" abgestreift. Als nach der letzten Reichstagsauflösung und dem Beginn der Deklamation der liberalen Presse gegen das„kaudinische Joch" in manchen Blättern die Ansicht auf- tauchte, das Zentrum würde nun zu seinen Kulturkämpfe Sonntag, den 23. Juli 1909. I traditionen zurückkehren, haben wir diese Auffassung sofort l als eine völlige Verkennung der seit jenen Tagen ein- 'getretenen historischen Entwickelung der Zentrumspartei be- kämpft, und die Geschichte der letzten beiden Jahre hat unsere Voraussage in allen Teilen bestätigt. Das Zentrum ist zu keiner entschiedenen Oppositionsstellung wieder gelangt. Seine schwächliche Opposition der letzten Zeit richtete sich nicht gegen den Regierungskurs an sich, sondern nur gegen den verhaßten Kanzler und seine gelegentlichen liberalen An- Wandlungen. Und selbst in seinen Angriffen auf Bülows Hausmeierpolitik hielt das Zentrum streng darauf, sich jeder- zeit die Möglichkeit offen zu halten, wieder in die Regierungs- Mehrheit einschwenken zu können. Die politischen Lebensbedingungen des Zentrums haben sich eben seit den Kulturkampftagen wesentli� verändert und damit auch seine politische Lebensauffassung. Das Zentrum begann seine Existenz im wesentlichen als konfessionelle Mittelstandspartei und wurde groß als Oppositionspartei. Als zu Beginn der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts die großindustrielle Entwickelung in Westdeutschland kräftig einsetzte, bekamen die städtischen Mittelschichten ihre Kon- kurrenz sehr fühlbar zu spüren. Und auch für die dortige Landwirtschaft gestaltete sich der Umschwung schmerzhaft. Die aufblühende Industrie zog einen großen Teil der Ar- beiter an sich, führte zur Auswanderung der Arbeiter in die Jndustriebezirke und erhöhte das Lohnniveau. Zugleich er- schien die amerikanische Getreidekonkurrenz auf dem deutschen Markt und drückte auf die Getreidepreise. Im Widerstand gegen diese Herabdrückung ihrer wirtschaftlichen Lage wurden die Mittelschichten oppositionell und„demokratisch" � demokratisch insofern, als sie gegenüber der großindustriellen Schicht und ihrem kommerziellen Anhang das Schwergewicht der Masse, die zahlenmäßige Ueberlegenheit zur Geltung zu bringen suchten und deshalb für politische Eirtfichtungen eintraten, die ihnen gestatteten, ihr uumeriMes Uebergewicht gegen die liberalen Forderungen der aussteigenden neuen Schicht in die Wagschale zu werfen. Ein Demokratismus also, der das Uebergewicht der Zahl verlangte, nicht um die in der wirtschaftlichen Entwickelung zum Durchbruch kom- Menden Tendenzen zu fördern, sondern um sie zu hemmen — um die alten rückständigen, handwerksmäßigen Betriebs- weisen zu erhalten. Zu dieser Reaktion der Mittelschichten gegen die neu- aufkommende Wirtschaftsweise trat der Kulturkampf, in dem die katholische Kirche der oppositionellen Zentrumspartei ihre ganze gewaltige organisatorische Macht, ihre die Gläubigen beherrschende religiöse Autorität und ihre streitbaren geist- lichen Mannschaften zur Verfügung stellte. Der Widerstand der katholischen Kirche gegen die kulturkämpferischen Maß- nahmen der Regierung, der Haß der Mittelschichten gegen die neue liberal-plutokratische Wirtschastsära, die Unzu- friedenheit der ausgebeuteten Arbeitermassen, der Parti- kularismus der Kleinstaaten, die mannigfachen Gegensätze zwischen den Wirtschaftsformen und den historischen Tradi- tionen des katholischen Westens und des protestantischen Ost- elbiens vereinigten sich zu einer machwollen Opposition, die dem Zentrum in den verschiedenartigsten Volkskreisen einen wachsenden Anhang verschaffte. Doch mit der Beendigung des Kulturkampfes und dem siegreichen Vordringen des Kapitalismus in den katholischen Gegenden änderte sich auch die Konstitution des Zentrums. Kirche und Zentrum machten den Wandel der Zeiten mit und paßten sich den Anforderungen des Kapitalismus an, den sie nicht mehr zurückzuhalten vermochten. Die geschwächten Mittelstände verloren nicht nur ihre ausschlaggebende Be- deutung, sondern auch ihre„demokratische" Gesinnung, ihre Auffassung, daß die größere Zahl politisch zu entscheiden habe: denn neben sich sah sie immer mehr eine Lohnarbeiter- masse heranwachsen, die sie vielerorts bereits an Zahl über- flügelte und, falls sie in Staat und Gemeinde dieses zahlen- mäßige Uebergewicht ungehindert zur Geltung zu bringen vermochte, den Mittelstand politisch zu erdrücken drohte. So verlor sich der eigenartige konservative„Demokratismus" der Mittelschichten des Zentrums. Zugleich übte auf die innere Struktur des Zentrums der sich mächtig entfaltende Kapitalismus seine einerseits aus- gleichenden, andererseits neue Gegensätze zeugenden Wir- kungen aus. Die wirtschaftliche Verbindung zwischen Ost und West, zwischen Nord und Ost und die sich daraus ergebende Gleichartigkeit mancher Wirtschaftsinteressest schwächte den Partikularismus. Die gleichen Wirtschaftsgruppen des Ostens und Westens fanden sich in gleichen Interessen- bestrebungen zusammen. Innerhalb der Zentrumsreihen entwickelte sich eine kapitalistische Bourgeoisie und neben ihr eine sich stetig ausdehnende industrielle katholische Ar- beiterschaft. Der wirtschaftliche Gegegensatz zwischen der proletarischen Jndustriearbeiterfchast und der kapitalistischen Bourgeoisie trat auch im politischen Anhang des Zentrums immer schärfer und schärfer hervor, besonders als sich im Zollkampf der Jahre 1878—1880 Großindustrielle und Groß- grundbesitzer zusammenfanden und einen gemeinsamen Pakt schlössen. Natürlich blieb das Zentrum auch von den agrarischen Kämpfen njcht unberührt. Zur Zeit des Kulturkampfes hatte sich nicht nur die völlig unter dem Einfluß des Klerus stehende katholische Bauernschaft, sondern auch größtenteils der kleri- kale Adel den Kampfesxeihen des Zentiums angeschlsssen. Expedition: 8Al. 68» Lindenetrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» teils aus religiösen Gründen, teils weil er sich in den über- wiegend protestantischen Staaten, besonders in Preußen, im Staatsdienst zurückgesetzt fühlte. Als nun Ende der siebziger Jahre infolge der ausländischen Getreidekonkurrenz die Be- wegung für die Einführung der Agrarzölle einsetzte, wurden auch die landwirtschaftlichen Kreise des Zentrums mehr und mehr von dieser Agitation ergriffen. Wollte das Zentrum diese Schichten nicht verlieren, mußte es deren Zoll- bestrebungen Rechnung tragen. Durch seine Nachgiebigkeit hielt es zwar den adligen und bäuerlichen Grundbesitz bei seiner Fahne, geriet dafür aber in steigendem Maße unter die Botmäßigkeit der agrarischen Elemente, die mehr und mehr eine beherrschende Stellung im Zentrumslager erlangten, zum Teil deshalb, weil das Zentrum einen wachsenden Teil seiner Mandate aus ländlichen Kreisen holte. So entstand im Zentrum eine Reihe in ihren wirtschaftlichen Interessen mannigfach differierender Bevölkerungsgruppen. Der städtische Mittelstand trat in der Gesamtpartei und ihren Parlamentsfraktionen mehr und mehr zurück; dafür aber gewann der Grundbesitz und die industrielle Bourgeoisie an Einfluß, und neben dieser entwickelte sich ein immer zahl- reicher werdendes Jndustrieproletariat, das Berücksichtigung seiner Arbeiterinteressen fordert und dessen Mithilfe nicht ent- behrt werden konnte, da bei der Reichstagswahl das Gewicht der Zahl entschied. Das sogenannte„Ausgleichen" und-„Versöhnen" der Gegensätze innerhalb der eigenen Reihen wurde zur wichtig st en Aufgabe der Zentrumsleitung. Damit aber gewann der Klerus, der schon im Kulturkampf die Leitungsfäden in die Hand genommen hatte, die aus schlag. gebende Stellung im Zentrum. Nur der Klerus als Vertreter der heiligen katholischen Kirche kann die gegen- sätzlichen Elemente des Zentrums zusammenhalten: nur er vermag die breiten proletarischen Schichten au das Zentrum zu fesseln, indem er in ihnen den religiösen Fanatismus ent- facht und ihnen die heutige Eigentumsordnung als in Gottes, Willen begründet darstellt: nur er besitzt aber auch allein die Autorität, die feudalen und kapitalistischen Teile des Zen-, trums zu gewissen sozialpolitischen Zugeständnissen an die Arbeiterschaft zu bewegen, indem er ihnen diese Maßnahmen- als Gebote weiser Kirchenpolitik und der eigenen Selbst- erhaltung erscheinen läßt. Je mehr aber diese Tätigkeit des'. Klerus zu einer Grundbedingung der Existenz des Zentrums als politischer Partei wurde, um so mehr geriet das Zen. trum in Abhängigkeit vom Klerus, zumal in den letzten Jahr. zehnten die Gegensätze zwischen der hohen und der niederen. oft demokratische Allüren hervorkehrenden bäuerlichen und' kleinbürgerlichen Pfarrgeistlichkeit hinter der strengen Dis. ziplin und dem gemeinsamen Streben nach Ausdehnung der kirchlichen Macht mehr und mehr zurücktraten. Die Auflösung des Reichstages und die Ausschaltung des Zentrums als Regie- rungspartei hat! diese Machtstellung des. Klerus im Zentrum noch mehr gestärkt, r W» Doch darüber in einem zweiten Artikel.. j- Das lifinifterlum Brian! Herr B ri an d hat sein Ministerium nunmehr fertig. Er selbst übernimmt neben dem Präsidium das Innere und den Kultus. Der bisherige Minister für öffentliche Arbeiten B a r t h 0 u wird Justizminister. der Minister des Aeußern P i ch 0 n behält sein Portefeuille, ebenso der Ackerbau- minister R u a u, der Arbestsminister V i v i a n i und der Unterrichtsminister D 0 u m e r g u e. Als neue Männer treten ins Ministerium Milleran d, der das Ministe- rium für öffentliche Arbeiten, Post und Tele- graphie übernimmt. Jean Dupuy als Handelsministcr. Trouillot als Kolonialminister und als Finanzminister C 0 ch e r y. Das Kriegs- und Mattneministerium erhalten nicht' mehr Parlamentarier, sondern der General Brun und der. Admiral Bouö de Lapeyröre. Unterstaatssekretär der Finanzen wird Renault, des Krieges S a r r a u t, der Manne C h s r 0 n und der Schönen Künste Dujardin- B e a u m e tz, die sämtlich der radikalsozialiftffchen Partei an- gehören. Das neue Ministettum trat Sonnabend vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen und wird sich Montag oder Dienstag der Kammer vorstellen. B r i a n d sucht in seinem Ministerium alle republikanischen Gruppen— mit Ausschluß natürlich der Sozialdemokraten— zusammenzufassen und so weist das neue Kabinett in seiner Zusammensetzung gegenüber dem Ministenum Clemenceau, in dem nur die radikalen Gruppen vertreten waren, einen deutlichen Zug nach rechts auf. Dafür spricht namentlich die Aufnahme C 0 ch e r y s ins Ministerium, der den sogenannten Progressisten, der reakttonären Gruppe des Herrn Ribot an- gehött, die seit dem letzten Wahlsieg der Radikalen keine Ver- ttetung in der Regierung mehr hatte. Diese Neubesetzung des Finanzministeriums bedeutet zugleich, daß das E i n k 0 m m e n- steuerprojekt Caillaux' fallen gelassen wird. Das ist aber eine Kapitulation vor dem Widerstand der Besitzenden, die nut allen Mitteln sich gegen die Einkommen- steucr gewehrt haben. Ebenso bedeutet die Besitzung des Kriegs- und Manneministeriums mit Militärs an Stelle von Parlamentären ch« Khnzxsffon an reaktionäre Strömungen. Damit erledigt sich schon das sensationelle Gerede bon dem„Sozialisten als Ministerpräsidenten". Herr Vriand ist sicher ein außerordentlich begabter Advokat von großer Energie und Rednertalent, aber eine feste Welt- anfchauung hat er nicht besessen und die Politik war ihm nie etwas anderes als ein Mittel zu persönlichen Erfolgen. Freilich hat der glänzende Verteidiger auch einmal für den Generalstreik Arguments angeführt und 1902. von den Sozialisten in die Kammer gewählt sich selbst vielleicht für einen Sozialisten gehalten, wobei er in kurzer Zeit inner- halb der Partei von der äußersten Linken zur äußersten Rechten glitt. Als sich ihm aber dann unter dem Ministerium Sarrien vor bald 3'/z Jahren die Aussicht bot, Unterrichtsminister zu werden, da ging er eben aus der Partei und in das Ministerium. Sein Werk hauptsächlich ist das juristisch und politisch aus- gezeichnete Gesetz über die Kirchentrennung gewesen und diesem Gesetz verdankt er es auch, wenn Clemenceau ihn als Justizminister in sein Ministerium übernahm. Briand blieb Minister, obwohl gerade dieses Ministerium mit aller Schärfe die Arbeiter bekämpfte und obwohl er daniit zum Mit- schuldigen an den blutigen Unterdrückungsmaßregeln gegen streikende Arbeiter und Postbeamte wurde. So hat Briand mit dem Sozialismus schon lange nichts mehr gemein und es war sicher ganz aufrichtig, als er einer Deputation der Radi- kalcn, die leise Zweifel an seiner bürgerlichen Zuverlässigkeit ausdrückte, erstaunt erwiderte, er gehöre ja schon lange keiner Partei an. Und wirklich, Herr Briand gehört keiner Partei an, sondern er er gehört nur seinem Ehrgeiz und seinem Trieb zur persönlichen Macht. Die französische Arbeiterklasse hat allen Grund, diesem Ministerium Mißtrauen entgegenzubringen und dies umsomchr als Herr Mtllerand, dem es endlich wieder gelungen ist, Minister zu werden, schon einmal den Versuch gemacht hat, Verwirrung in die Reihen der Arbeiter zu tragen und durch seinen autoritären Gesetzentwurf über gewerbliche SchiedS- geeichte der gewerblichen Aktion Abbruch zu tun. Aber solche Bestrebungen haben heute, nach den Lehren, die der bittere Klassenkampf der letzten Jahre dem französischen Proletariat gegeben hat. weniger Aussichten auf Erfolg als je. Das Ministerium Briand wird nicht nach den glatten Worten seines Präsidenten, sondern nur nach seinen Taten beurteilt werden, und unsere Genossen werden mit gewohnter Energie auch von dem neuen Ministerium die Einlösung der alten längst fälligen Reformen fordern. DaS Regierungsprogramm. Paris, 24. Juli. DaS neue Kabinett soll in seiner Er» klärung vor der Kammer, wie die»Agence HavaS' meldet, den festen Willen bekunden wollen, das von dem Kabinett Clemenceau begonnene Werk mit allen Kräften fortzusetzen, in erster Linie die von der Negienmg auf dem Gebiete der Altersfürsorge für die Arbeiter ge» planten Reformen. Ebenso würde eS sich die Reform der Kriegsgerichte angelegen sein lassen und sich bemühen, in großem Maßstabs in gemeinsamer Arbeit mit dem Parlament die sittliche rmd materielle Hebung des ArbeiterstandeS zu fördern. Die Erklärung der Minister soll ferner den Willen der Regierung zum Ausdruck bringen, unverzüglich den durch die parlamentarische Enquete in der Organisation der Marine aufgedeckten Schäden abzuhelfen, um das Land mit einer Seemacht auszurüsten, die allenGefahrenzutrotzen vermag. Am Schlüsse der Erklärung würden die Minister den aufrichtigen Wunsch aussprechen. auch ferner an der Befestigung des Friedens mitzuarbeiten und an den Bündnissen und Freundschaftsverhältnissen treu festzuhalten Ueber die Angelegenheit der aus Anlaß des Streiks entlassenen Postbeamte» würde die Erklärung kein Wort enthalten. Die erste Interpellation. Paris, 24. JuN. Der radikale Deputierte Laferre, Obmann des Aktionsausschusses der radikalen Partei, hat dem Ministerpräsi» deuten Briand auf dessen Befragen erklärt, daß die Zusammen- setzung des Kabinetts seine Partei nicht befriedige, da sie fast gar nicht darin vertreten sei. Er halte es für notwendig, Auf- klärung Über die Haltung des neuen Ministerium» zu erlangen und werde deshalb am nächsten Dienstag eine Interpellation über dessen allgemeine Politik einbringen. „fiirioi'ge" äuech Peitschenhiebe. Unsere Mitteilungen über die Behandlung von Fürsorge- zöglingen in Mielczyn werden nun auch von der„Freisinnigen Zeitung" wiedergegeben, die in diesem Falle objektiv referiert, strenge Untersuchung und ein energisches Einschreiten fordert, falls die von unS berichtete Behandlung stattgefunden hat. Die Berliner„Morgenpost" läßt sich telegraphieren, daß an zuständiger Stelle in Posen von Massenmißhandlungen nichts bekannt sei. Damit ist natürlich gar nichts gesagt. Wer ist denn diese„zuständige Stelle"? Was versteht die zuständige Stelle unter Massenmißhandlungcn? Der„Lokal- Anzeiger" ist heute genötigt, folgende Mitteilungen zu machen: Zu den gemeldeten Mißhandlungen, deren Opfer Berliner Für- sorgezöglinge in der Anstalt zu Mieclzyn geworden sein sollen, er- tahren wir in Ergänzung unserer gestrigen Mitteilungen folgendes: „Der löjährige Fürsorgepfleglina, der die Hilfe eine» zur sozialdemokratischen Stadtverordnetensraktion gehörenden Arztes, Dr. Bernstein, in Anspruch genommen hatte, zählt zweifellos zu jenen bedauernswerten Geschöpfen, welche die Wissenschaft als „psychopathisch" bezeichnet. ES sind geistig minder» w e r t i g e Personen, die einer ganz besonderen Für- sorge bedürfen. Me wir erst kürzlich meldeten, plant die Stadt Berlin, eine besondere Anstalt für solche Personen zu errichten. Der betreffende junge Mensch war in der Schule einer Nebenklasse überwiesen worden, beging dort Diebstähle, hat den Unterricht ver- säumt und sich umhergetrieben und so in jeder Weise sich als minderwertig erwiesen. Seine ArbeikSscheu, den Hang zum Bagabondieren und zum Stehlen behielt er auch in späteren Jahren bei, so daß mit Einwilligung der Wem das Gericht die Fürsorgeerziehung bei der Stadt beantragte. Im Mai d. I. kam der junge Mensch nach Mielczyn. Sind die Verletzungen. die der erwähnte Arzt bei ihm feststellte. Folgen der Züchtigungen, die ihm unter der Autorität der An» stalt zuteil geworden, so würde ein solches Verfahren um so berdammenswerter sein, als der Pflegling bei seiner Einlieferung ausdrücklich als ein psycho- pathisch Kranker bezeichnet und als solcher besonderer Fürsorge empfohlen wurde. Der Vertrag, den die Stadt Berlin mit Mielcyn abgeschlossen hat, enthält auch die Bedingung, daß zu den Aerzten ein Psychiater gehöre. Die Stadt hat dabei eine Einrichtung auf Mielczyn übertragen, die sie in ihrer Lichtenberger Anstalt durch Anstellung eine? Psychiaters geschaffen hat. Gewiß sind diese Bekundungen dcS ArzteS über seinen Befund unanfechtbar. Dennoch bedarf eS durchaus noch der Aufklärung darüber, ob die schweren Verletzungen in der Tat auf Mißhandlungen zurückzuführen sind, die dem jungen Menschen m der Anstalt widerfahren sind. ES darf nicht vergessen werden, daß ein Hauptkennzeichen dieser Unglücklichen der Hang zur Lügenhaftigkeit ist, und wer mit dem Fürsorgewesen vertraut ist. weiß, zu welchen ungeheuerlichen Behauptungen dieser krank- hafte Hang die Pfleglinge oft verleitet und was sie sich selbst an- zutun vermögen, um ihren Behauptungen eine Stütze zu geben. Hierüber und vor allem auch über die bisher nur von dem jungen Menschen einseitig erhobene Behauptung, daß sein Fall nicht ver- einzelt dastehe, wird die Untersuchung die nötige Aufllärung bringen." Was die vorstehenden Mitteilungen betrifft, so ist eS zunächst falsch, wenn von einem neunzehnjährigen Für- sorgezögling die Rede ist, der dem Stadtverordneten Dr. Bern- stein vorgestellt wurde. Der hier erwähnte Fall, der auch uns bekannt ist, liegt mehrere Wochen zurück; so traurig er ist, gab er uns gleichwohl nicht den Anlaß unserer Veröffent- lichungen. Er hätte aber schon vor Wochen zu einer Untersuchung Anlaß geben sollen! Von einer solchen hörten wir jedoch nichts. Inzwischen erhielten wir von anderen Seiten in einer Reihe von Fällen Kenntnis von der Art Fürsorge, wie sie in Mielczyn an Fürsorgekindern geübt wird. Erst jetzt entschlossen wir uns, durch Ver- öffentlichung die zuständigen Stellen zum Anschreiten zu drängen. Für den„Lokal-Anzeiger" kennzeichnend ist es, daß er die— angeblich ihm hinterbrachte— Meldung, Dr. Bernstein sei zur Erholung fortgereist, und deshalb habe der Dezernent(das soll im Augenblick wohl Stadttat Gericke sein?) die Reise nach Mtlczyn noch nicht angetreten, noch nicht zurückgenommen hat! UebrigenS wird am Montag eine Kommission, zu der auch Dr. Bernstein gehört, sich zur Untersuchung an Ort nnd Stelle begaben. Wir können nur wünschen, daß die Unsersuchung recht gründ- ltch vorgenommen wird und nicht ähnlichen Trübungen der Wahrheit Vorschub leistet, wie die„zuständige Stelle". Die„Vossische Zeittmg" und das„Berliner Tageblatt" haben bis heute ihren Lesern noch kein Sterbenswort von den Zuständen in Mielczyn mitgeteilt. Harting als Grzletzer. Am 27. Februar 1904 sprach der preußische Kultus- minister Schönstedt während der Russendebatte im Reichstage die denttvürdigcn Worte:„Dun res asitur."(Um deine Sache handelt es sich.) Mit brutaler Offenheit ent- hüllte er das Innerste der preußischen Russenpolitik, indem er erklärte, daß die revolutionären Bestrebungen gegen das Regime des Zaren rückwirkende Kraft auf Preußen- Deutschland ausübten und darum im eigensten Interesse zu verfolgen seien. Zu einem Zeitpunkt, wo selbst bürgerliche Kreise sich angewidert fühlten von dem schamlosen Treiben der russischen Spitzel in Deutschland und den eifrigen Dienstest, die deutsche Behörden ihnen leisteten, prokla- mierte der preußische Justizminister den Grundsatz: „russische Sache ist preußische Sach e". Je stärker die revolutionäre Bewegung in Deutschland einsetzte, um so bereitwilliger wurde die Hilfe Preußens. Seit den Tagen der heiligen Mianz hatte sich die preußische Regierung nicht so weit vor Rußland erniedrigt wie im Jahre des Königsberger Geheimbundsprozesses. „Exzellenz" Harting, der damalige Chef der russischen Spitzel- organisatlon in Berlin, war gerade der rechte Mann, um die reaktionären Tendenzen der Preußen-Deutschland beherrschen- den Junkerkaste und die Furcht der Regierung vor der russischen Revolution in seinem Interesse auszubeuten. Russische Spitzel richteten sich in deutschen Städten ein: die preußische Polizei wurde von ihnen benutzt; Grenz- Zollbehörden, Justizbehörden, Universitäten leisteten ihnen die unrühmlichen Handlangerdienste; gegen preußische Staats- angehörige wurde zum erstenmal in der Geschichte Preußens Anklage erhoben wegen Hochverrats gegen Rußland und wegen Beleidigung des Zaren; russische Spitzel und preu- ßische Polizeiagenten suchten Postbeamte zur Verletzung des Dienstgeheimnisses zu veranlassen, in mehreren Fällen mit Erfolg.(Wir erinnern bloß an den Fall Wetschesloff, wo sich der Spitzel W o l tz widerrechtlich Kenntnis von zwei Telegrammen verschaffte, an den Fall Karfunkelstein, wo sich ein preußischer Polizeiagent im Postzimmer Einsicht in die Korrespondenz des letzteren zu verschaffen suchte, an den Fall in Königsberg, der vom Genossen H aa s e im Reichstage vorgebracht wurde.) Die Russen, die sich in Preußen auf- hielten, wurden der elementarsten Rcchtsgarantien beraubt und wie gemeine Verbrecher behandelt(die Vogelfreiheit der Russen in Preußen wurde offiziell bestätigt in einem Bescheid des Oberpräsidenten und der Staatsanwaltschaft im Falle Krassikow); endlich wurde das Ausweisungsrecht in ein Auslieferungsrecht verwandelt, wobei die Kreaturen Hartings die ausschlaggebende Sttmme hatten und die Aus- Weisung resp. Auslieferung von Personen veranlaßten, die nach ihrer Ansicht der russischen Regierung unbe- quem waren, sich aber gegen die deutschen Gesetze nicht ver» gangen hatten. Der energische Kampf, den die Sozialdemokratie im Reichstage und in der Presse gegen die Schmach des Ruffen- kursus führte, hatte nur den Erfolg, daß sich sowohl die preu- ßische Regierung wie der Reichskanzler offen zu ihrer Praxis bekannten. Im übrigen blieb alles beim alten. Die Unter- suck>ung, über deren Resultate die Herren Schönstedt und Hammerstein im Abgeordnetenhaus triumphierend Mit- teilung machten, sprach allen Gesetzen der Vernunft und der Gerechtigkeit Hohn.„Exzellenz" Harting oder wie seine Nach- folger hießen, konnten ungestört weiter arbeiten, denn ihre Sache war preußische Sache. Die nachfolgenden Jahre führten noch zu einer Ver- scharfung dieses Kurses. Die Maffenausweisungen und der Fall Schönc-Brockhausen im Jahre 1900, die Verhaftungen und Ausweisungen in den Jahren 1907 und 1908, der Prozeß Trofimoff, der Dresdener Geheimbundsprozeß sind Mark- steine dieser EntWickelung, an denen der„erzieherische" Ein- fluß Hartings unverkennbar ist. Wenn während des Königs- berger Prozesses die Hilfe des russischen Konsuls in Königs- berg nötig war, eine gefälschte Uebersetzung lieferte, so war schon im Dresdener Prozeß ein Beamter der VII. Ab- teilung in Berlin imstande, eine Uebersetzung zu liefern, die verteufelt schwer von einer Fälschung unterschieden werden kann. Und wenn die preußische Regierung 1904 noch den Versuch machte, die Russenverfolgungen durch den Hinweis auf die internationale Anarchistengefahr zu rechtfertigen, so begnügte sie sich 1906 mit solchen„Verbrechen" wie der Be- such einer sozialdemokratischen Versammlung, das Lesen eines sozialdemokratischen Blattes usw. Als der freisinnige Abg. Traeger am 12. Mai 1906 anläßlich der Interpellation über die Russenausweisungen im Abgeordnetenhause von der „Mischehe zwischen Polizeistaat und Rechtsstaat" sprach und darauf hinwies, daß„wir Sekundant Rußlands auf unlerem eig?nen GrunS und Boden waren", erklärte der damalige preußische Polizeiminister v. Bethmann Hollweg mit eisiger Ruhe, daß er die Russenaktion der Polizei vollständig decke. Auf seine Anweisungen hin seien die Ausweisungen erfolgt. Alle russischen Flüchtlinge, die mittellos seien oder im Verdacht ständen, sich an revolutio- nären Umtrieben beteiligt zu haben, würden unnachsichtlich der Ausweisung verfallen. Höher als alle Interessen der Humanität ständen die Interessen des eigenen Staates— will sagen des preußischen Junker- und Polizeistaates. Zugleich mit dieser„Entwickelung" des Russenkurscs voll- zog sich auch eine unverkennbare Umwandlung in der öffent- lichen Meinung des deutschen Bürgertums. Wenn die bür- gerlichen Parlamentarier sich 1904 gegen die allzu auffällige Spitzelwirtschaft Hartings aussprachen, wenn die bürgerliche Presse noch zuweilen Sympathie für die russischen Freiheits- kämpfer heuchelte, so konnte sie sich nach dem Siege der Konterrevoulution in Rußland nicht genug tun an schmäh- lichen Ausfällen gegen die russischen Revolutionäre und ging Hand in Hand mit der Polizei gegen die russischen Flücht- linge vor. Selbst der Harting-Skandal vermochte sie nicht aufzurütteln. Mit einem Behagen, dem man das sieges- sichere Selbstbewußtsein des Spießers ansieht, werden die Ent- hüllungen über die Solidarität der französischen Bc- Hörden mit den Kreaturen Hartings breit getreten. Ueber die Intimität deutscher Behörden mit diesen Ge- sellen, über die sich täglich mehrenden Spuren ihrer Tätig- keit in Deutschland, über den ganzen Charakter der deutschen Geheimpolizei— kein Wort. Ja noch mehr. Der Polizei- offiziöse Verdunkelungsversuch im„Berliner Tageblatt" vom 17. Juli, laut welchem„das Bestehen eines„schwarzen Kabinetts" zur Ueberwachung des Briefwechsels hiesiger Russen sowie irgendwelcher ähnlicher Polizeiinstitutionen russischer Provenienz" seit dem Verschwinden Harting- Landesens aus Berlin„ins Reich der Fabel" gehöre, findet in der bürgerlichen Presse kein Wort der Kritik. Und doch ließe sich manches darüber sagen. Abgesehen davon, daß diese offiziöse Erklärung die Existenz der erwähnten Institutionen während der Berliner Tättgkeit Hartings, also für die Zeit von 1901 bis 1905, zugibt, steht sie in bezug auf die nach- folgende Zeit in krassem Widerspruch mit den Tatsachen. Als der Abgeordnete T r a e g e r am 12. Mai 1906 im preußischen Abgeordnetenhaus davon sprach, daß„Rußland in unserem Lande eine selbständige Polizei hat mit einer Spitze, die sogar den Titel Exzellenz führte", wurde ihm von Herrn v. Bethmann Hollweg nicht widersprochen. Und als die Angeklagten im Dresdener Geheimbundsprozeß den Beweis- antrag stellten, daß die russische Regierung eine besondere organisierte Polizeiabteilung in Deutschland unterhalte, die mit den deutschen Polizeibehörden zur Ueberwachung der in Deutschland lebenden russischen Staatsangehörigen zu- sammenwirke, nahm das Richterkollegium— wohl um nicht den Wahrheitsbeweis zulassen zu müssen— diese Behauptung als wahr u n t e r st e I l t an. Hier muß auch an das Verbrechen des Harting erinnert werden, das Genosse H a a s e am 19. Januar 1905 im Reichstage zur Sprache brachte. Harting fälschte zur Zeit des Königsbergcr Prozesses ein Postformular, um die Korrespondenz des Genossen Herbert in Stettin abzufangen. Die Regierung sah sich aber nicht veranlaßt, gegen den Spitzel einzuschreiten, und die Unter- suchung wurde auch in dieser Angelegenheit nach Hammer- steinscher Manier geführt. Der ganze preußische Polizei- apparat versagte gegenüber dem russischen Spitzclgeneral— ein weiterer Beweis für die große Intimität der preußischen und russischen Geheimpolizei., Es spricht also alles dafür, daß die Hartingschen Kreaturen nach wie vor in Deutschland ihr Wesen treiben, und das zu einer Zeit, wo Frankreich und Belgien sich anschicken, dieses verbrecherische Gesindel über die Grenze zu jagen. Es tttt dringend not, daß in diese Frage schleunigst Klarheit hineingetragen wird. Sonst steht zu befürchten, daß Preußen-Deutschland, das sich mit allen Kräften dagegen wehrt, politischen Flüchtlingen Zuflucht zu gewähren, zu einer Zufluchtsstätte für russische Spitzel wird und daß diese eine noch intensivere Tätigkeit entfalten, wie das bisher der Fall gewesen ist. politilcke(lederllckt. Berlin, den 24. Juli 1900. Protest gegen das Auönnhmerecht gegen Sozialdemokraten. Der Lambrechter Stadtrat nahm am Freitag Stellung zur ministeriellen Entscheidung über die Wahl deS Genossen Bits ch. Er protestierte gegen den Vorwurf, als ob es dem Genossen Bitsch an dem nötigen Pflichtgefühl mangele und er das Amt eines Bürgermeisters einseitig zugunsten einer bestimmten Partei ver- walten würde. Die Entscheidung sei eine Beleidigung für den ganzen Stadtrat, dessen Objektivität damit angezweifelt werde. Die Ausführungen fanden allseitig Zustimmung, nicht nur bei den Sozialdemokraten, sondern auch bei den Zentrumsmitgliedern deS Stadtrates. Der Stadtrat beschloß einstimmig, beim Bezirks. amt eine Neuwahl des Bürgermeisters zu beantragen; diese wird wahrscheinlich im Laufe der kommenden Woche stattfinden. Daß wieder ein Sozialdemokrat der Negierung als Bürger- meister präsentiert wird, ist außer Zweifel, und es wird sich zeigen, ob der Bescheid des Ministerium? nur eine leere Ausrede war, um sich aus dieser unangenehmen Situation zu befreien. Goldene Internationale. Bückebnrg, 24. Juli.(B. ß.) Die seit drei Jahren schwebenden Verhandlungen deS Fürsten von Schaumburg-Lippe mit ungarischen Kapitalisten über den Verkauf seiner ungarischen deutsch- sprachigen Besitzungen sind am Dienstag in Agram zum Abschluß gelangt. Der Fürst erhält für seine am 1. August in ungarischen Besitz übergehenden Güter insgesamt einen Kaufpreis von vierzig Millionen Kronen. Der regierende Landrat. Ein niedliches Beispiel für da« Machtbewußtsein der preußischen Landröte weiß die„Frankfurter Zeitung' aus der Nähe Hamburg? zu berichten. Seit längerer Zeit schweben Verhandlungen über die Eingemeindung der Landgemeinde Stcllingen-Langenfclde in die Stadt Altona. Der Landrat von Piirneberg hatte vom Gemeindevorsteher von Stellingen- Langenfelde eine Abschrist des Entwurss deS Eingemeindcabkommens„zwecks Berichterstattung' verlangt und erhalten. Später wurde dem Landrat mitgeteilt, daß die Gemeindevertreter in der öffentlichen Sitzung vom 18. Juni mit 9 gegen 4 Stimmen den Entwurf mit einigen Aendcrungcu, die dem Landrat gleichzeitig bekannt gegeben ivurden, bei Stimmenthaltung des Vorstehers angenommen hätten. Darauf kam aber ein Bescheid deS LanbrateS, daß der KreiSauSschuß finde, der Vertrag dürfe nicht genehmigt werden. Ueber die Gründe verlautet, man habe zu den Personen, die für die Eingemeindung stimmten, nicht das Vertrauen, daß sie die Jnteresim der Gemeinde wahrten; es find bler Sozial- demokraten darunter. Nun beschlob die Gemeindevertretung, dah eine Kommission eine Antwort an den Landrat verfassen und dem Plenum borlegen solle. Hierzu wurde dann eine zweite Sitzung ein« berufen, aber bevor sie stattfinden konnte, gab der Herr Landrat dem Gemeindevorsteher telephonisch„den Befehl", die Sitzung abzubestellen, und diesem Befehle folgte ein Telegramm des Landrats, das den Ge- meindcvorsteher«anweist", die Sitzung sofort abzusagen. Der Bor« steher tat das unter Bekanntgabe der Gründe. Nunmehr fand eine Sitzung der Kommission statt, zu der weitere Mitglieder der Majorität hinzugezogen wurden, und es wurde beschlossen, die Ant- wort der Kommission sofort dem Landrat zugehen zu lassen. Außer- dem wurde telegraphisch Beschwerde beim Regierungspräsidenten er- hoben, sowohl über das Verbot der Sitzung, als auch über die Beanstandung des Entwurfes. Es ist zu bemerken, daß die Sache den Kreisausschuß eigentlich gar nichts angeht; nach den gesetzlichen Bestimmungen bedarf es bei der Eingemeindung in eine Stadt nur der Zustimmung des Bczirksausschufies, der vom Kreistag lediglich ein Gutachten einzu- fordern hat._ Der Kampf gegen die sozialdemokratischen Organisationen. Die Dokumente, die wir am 13. d. M. veröffentlichten, um zu zeigen, daß die proletarische Jugend sich bei der deutsch-borusfischen Polizei einer ganz besonderen„Beachtung" erfreut, haben die bürgerliche Preffe— wie gewöhnlich— nicht aus ihrer Ruhe ge- bracht. Handelt es sich doch nur um Proletarierkinder, die da beobachtet und bespitzelt werden, während die Herren Jungen und die Mägdelein der ehrenwerten Bourgeoisie unbehelligt durchs Leben stapfen dürfen. Die Lektüre der Dokumente könnte naive Gemüter auf die Vermutung bringen, daß es fich nur um gelegentliche Be- zeugungen der„Fürsorge" handelt, die VerwaltungS- und Exekutiv- behörden hierzulande den Organisationen der Sozialdemokratie an- gedeihen lassen. Wir heben demgegenüber nochmals ausdrücklich hervor, daß unsere Partei weit besser behütet ist, als der Durchschnitts- Untertanenverstand es sich träumen läßt. Verfügungen wie die der königlichen Regierung(Abteilung für Kirchen- und Schulsachen) vom 19. Mai ISOS oder des Regierungspräsidenten von Fiedler(Erfurt, den 7. Mai 1906) werden den Polizei- behörden der Regierungsbezirke alljährlich aufs neue ins Gedächtnis getrommelt. Ueber jeden Personenwechsel in den Vorständen der sozialdemokratischen Wahlvereine, in den Arbeiter- sekretariaten, Redaktionen, Verlagsgeschästen usw. wird von den Polizeibehörden sofort an die Regierungspräsidenten Bericht gegeben. Jede Neubesetzung wird unter Angabe deS früheren Berufes der betreffenden Person in den Jahresberichten besonders hervor- gehoben.(All daS erstreckt sich natürlich auf alle preußischen Regierungsbezirke.) Wir brachten am 18. auch eine scheinbar nur gegen„Anarchisten" gerichtete geheime Verfügung des Berliner Polizeipräsidenten(vom 6. Oktober 1903). Dieser Verfügung war ein Verzeichnis von 142 Personen angefügt I Nach dem Parteitag von Jena(1905) erließ der Oberpräsident der Provinz Sachsen an den Regierungspräsidenten zu Erfurt eine Verfügung, in der eS hieß: Die Sozialdemokratie wolle laut Be- schlug des Jenaer Parteitages die Maifeier im nächsten Jahre(1906) besonders imposant gestalten zur Erringung deS allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts I Der Oberpräsident gebe daher dem Regierungspräsidenten die Anweisung, falls die Sozialdemo- kraten dort den Versuch zu Demonstrationsumzügen machen sollten, sofort dagegen einzuschreiten! . Die Bereithaltung von schußfcrtigen Kanonen in Magdeburg am 21. Januar 1906 ist übrigens auch auf Anweisung des Ober- Präsidenten erfolgt. Nach dem Nürnberger Parteitage hat der Regierungspräsident zu Erfurt an die Polizeibehörden seines Regierungsbezirks eine Ver- fügung erlassen, in der er sofortiges Einschreiten gegen die Bcr- anstaltung von RekrutenabschicdSabrnden forderte! ES wurde in der betr. Verfügung gesagt, daß die Sozialdemokraten den jungen Rekruten„nur den Dienst verekeln' wollten I Maifeierumzüge werden vom Regierungspräsidenten zu Erfurt unter keinen Bedingungen genehmigt! Der besorgte Herr verlangt sogar telcgraphischen Bescheid, falls irgendwo Störungen vorkommen. .Besonders aber— wie ja die von uns veröffentlichten Doku- mente beweisen— sind die Jugendorganisationen ein Dorn im Auge der Regierung. Wo die Sozialdemokratie die Bildungs- bestrebungen durch populäre Vorträge fördern, die Jugend über die Rechtlosigkeit des Arbeiters im Klassenstaate aufklären will, steht ein konfuses Polizeihirn gleich umstürzlerische Neigungen. Ob die Herren— und nicht in letzter Linie der Magdeburger Oberpräsident, der sich be- sonders eifrig zeigt in der Bekämpfung der Sozialdemokratie— ob die Herren noch einmal kapieren werden, daß der Sozialdemokratie mit Verfügungen, geheimen, streng geheimen und allergeheimsten Zirkularen doch nicht beizukommer ist?-» Zur Ersatzwahl in Halle. Aus Halle wird gemeldet, daß von den Liberalen als gemein- samer Kandidat für die bevorstehende ReichStagsersatzwahl der Stadtverordnete Kaufmann R e i m a n n aus Berlin aufgestellt worden ist.— Von der sozialdemokratischen Partei ist wiederum Genosie Fritz Kunert als Kandidat proklamiert worden. Tabaksteuer und Arbeitslosigkeit der Tabakarbeiter. Eine amtliche Feststellung der Arbeitslosigkeit im Tabak- arbeiterberufe, soweit sie sich aus der neuen Tabaksteuer ergibt, wird in Baden eingeleitet. Am 24. Juli fand im Bezirksamt zu Mannheim zwischen dem Leiter der badischen Fabrikinspektion Dr. Bittmann und Vertretern der Tabak- arbeiter eine Aussprache darüber statt, in welcher Form die Feststellung der Arbeitslosigkeit erfolgen soll. Es wird der Versuch gemacht werden, einwandsfrei festzustellen, welche Wirkung die neuen Steuern auf die Arbeitsverhältnisse der in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeite- rinnen ausübt. Die Erhebungen werden unter Mit- wixkttng der Gewerkschaften gemacht. Italien. Gegen den Zarenbesuch. Rom, 22. Juli.(Eig. Ber.) Am 20. d. Mts. hat das Landeskomitee gegen den Zaren besuch in Italien seine erste Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, ein Manifest zu veröffentlichen, um dem italienischen Volke die Gründe der Agitation gegen den Zaren darzulegen. Weiter kam man dahin überein, ein Rundschreiben an alle wirtschaftlichen und politischen Arbeiterorganisationen des Landes zu richten, um sie zur Bildung von Lokalkomitees zur Verschärfung der Agitation aufzufordern. Schließlich wurde folgendes Telegramm an das Internationale sozialistische Bureau in Brüssel abgeschickt: Das Landeskomitee gegen den Zarenbesuch, das sich im Sinne Eures Aufrufes in' Rom gebildet hat, spendet Eurer Initiative Beifall, die dem Mörder deS russischen Volkes die Gastfreundschaft aller Kulturvöller entziehen will. � Ein zweites Telegramm wurde an das revolutionäre russische Auslandskomitee geschickt. Es lautet: Bei Aufnahme seiner Arbeiten sendet das italienische National- komitee gegen den Zarenbesuch den russischen Brüdern solidarischen Gruß und wünscht schnelle Besteiung des russischen Volkes von seinem Henker. Cnglanä. Die Demonstration gegen den Zarenbesnch. London, 22. Juli. Die letzten Vorbereitungen zur De- inonstration gegen den offiziellen Empfang des Zaren in Cowes sind bereits gemacht. Die Versammlung findet am 25. Juli um 1IA Uhr nachmittags auf dem Tra- salgar Square statt. Die Arbeiterpartei ist die Einberuferin und Leiterin der Demonstration. Der Sockel der Nelsonsäule wird in vier Tribünen vciwandelt, auf denen die Arbeiter- abgeordneten Hardie, Macdonald, O'Grady und Roberts den Vorsitz führen werden. Als Redner werden auftreten: Fräulein Bondfield(Laden- gehilfin); Fräulein Macarthur(Organisatorin derArbeiterinnen); Frau Macdonald(Arbeiterinnenbund); Bernard Shaw(Fabian Society); Ben Tillett(Dockarbeiter); Andersen, Ensor und Harley(Unabhängige Arbeiterpartei); Hhndman, Queich, Fairchild(Sozialdemokratische Partei); Headingly, Green (Freunde der russischen Freiheit); Aladin, Soskis, Wolchowsky (russische Flüchtlinge); Lansbury(Sozialistische Liga der anglikanischen Kirche); I. Macdonold(Londoner Gewerkschafts- artell)._ Die Arbeiterpartei und die Finanzbill. London, 22. Juli.(Eig. Ber.) Um die Regierung in ihrem Kampfe für die neuen Grundsteuern zu unterstützen, findet am Sonn- abend eine Demonstration im Hyde-Park statt. Die Arbeiterfraktion beschloß, an der Demonstration teilzunehmen, und erläßt zu diesem Zwecke folgende Bekanntmachung: „Die Arbeiterfraktion nimmt ernsten Anteil an der Demonstration. DaS OrganisationSkomitee überläßt der Partei eine Tribüne im Hyde-Park, auf der die folgenden Arbeiterabgeordneten sprechen werden: Hardie, Robetts, Scddon und Richards. Von unseren Rednern wird folgende Resolution vorgeschlagen werden: „Diese Versammlung begrüßt die Bestimmungen des Etats, die die Besteuerung der Monopole und des gesellschaftlich erzeugten Reichtums und besonder? eine Steuereinschätzung des Grund und Bodens im Vereinigten Königreiche bezwecken. Sie ist der Ansicht, daß diese Bestimmungen wesentlich sind für eine wirkungsvolle Polittk der Verstaatlichung des Grund und Bodens und für die Pläne der Sozialreform, die vom Finanzminister entworfen wurden. Sie fordert die Regierung auf, die Vorschläge nicht verstümmeln zu lassen, sondern sie weiter zu entwickeln und auszudehnen, um allen britischen Bürgern die Benutzung ihres Landes und den Genuß ihres vollen. Arbeitsertrages zu ermöglichen.' MroKKo. Zurückweichen der Spanier. Melilla, 23. Juli. Nach einem Bericht des Generalstabes richtete sich der Kampf gegen die Stellung des Generals Jsa vornehmlich gegen S i d i- M o u s s a. Eine anS sechs Kompagnien und einer Abteilung Artillerie bestehende Kolonne warf den Feind zurück und verfolgte ihn zwei Kilometer. Die spanischen Truppen besetzten die Linie der vorgeschobenen Posten. Ein Oberst, ein Salgitmann und zwei Leutnants sind gefallen, 13 verwundet. Das cwchrfcuer dauerte nachmittags an. Nach einer späteren amtlichen Meldung gaben die spanischen Truppen die vorgeschobenen Stellungen, die sie im Laufe des gestrigen und heutigen Kampfes besetzt hatten, wieder auf, weil es unmöglich war, sie wirksam zu befestigen. ..IllilltMche Zucht and Ordnung?" zu Ende gekommen. Die Anklage war hergeleitet worden aus Vor- gängen, die 1906 und 1907 sich heim 116. Jnfanterieregi« ment in Bischofsburg abgespielt haben. Auf der Anklage- bank saßen: Vizefeldwebel Gudde, Sergeant Latza, Sergeant Sadlowski, Sergeant Rohde, Unter- offizier Stock, alle von der 7. Kompagnie des 146. Regiments. Die Oeffentlichkeit war sogleich am Montag so voll- ständig ausgeschlossen worden, daß nicht einmal die An- klageschrift vor unberufenen Ohren verlesen wurde. Den Unein- geweihten blieb daher zunächst verborgen, welcher Art die Vorgänge ioaren, die da so sorgsam geheim gehalten werden» sollten. Erst am Sonnabend taten— unerwartet— die Türen des Gerichtssaalcs sich auf, nach Schluß der Beweisaufnahme mit all ihren Zeugen- aussagen, aber noch vor Beginn der Plädoyers, so daß die Ocffent- lichkeit von dem Gegenstand der Anklage doch noch mehr erfuhr, als in der Regel aus Urteilen und ihren Begründungen zu ersehen ist. Der Anklagevertreter empfand jetzt das Bedürfnis, die An- deutung zu machen, daß bei dem Verfahren nicht Irgend- welche Rücksichten auf außenstehende Persönlich- ketten genommen worden seien. Er sagte das im Anschluß an seine einleitenden Bemerkungen darüber, daß der Haupt- belastungszcuge— wie inzwischen vor Gericht sogleich am ersten Vcrhandlungstage von ihm selber und freiwillig bekundet worden war— die gegen Gudde, Latza usw. erhobenen Beschuldigungen schon vor Jahresfrist dem„Vorwärts" mitgeteilt habe. Dieser Zeuge hat selber hinterher Anzeige beim Gericht erstattet. Die Anklage geht hauptsächlich auf vorschriftS- widrige Behandlung von Untergebenen, bezw. Miß- Handlung, gegen Latza auch noch auf Unterschlagung, gegen Stock auch noch auf Achtungsvcrletzung. Der Anklagevertreter K r i egs g er i ch t S ra t Bergsträßer sprack nahezu drei Stunden. Er hob hervor, alle Mannschaften seien über ihr Beschwerderecht unterrichtet worden, aber keiner der Zeugen habe während seiner Dienstzeit seine Klagen vorgebracht. Von einigen der Zeugen sei das jetzt damit erklärt worden, daß sie sichvonBeschw erdenkeinen Erfolg versprochen hätten. Auf Grund der Beweiserhebung, in der manche Zeugen so unsicher ausgesagt hatten, daß sie nicht vereidigt wurden, schied der Vertreter der Anklage von vornherein eine Reihe von Fällen als unbewiesen oder widerlegt aus. Gr selber sagte, daß er darin„schon sehr weit gegangen" sei.— und doch ist, was übrig blieb und ihm als bewiesen galt leider noch mehr als genug. Zu den Fällen, die er gehörte auch die Anordnung, daß Mannschaften di- raachttopse und Uri, wimer reinigen mußten, die durchaus; gewesen le). AuS dem, was ihm als bewiesen galt, wollen>r»e r e»ne � jütenlese geben. Gudde habe bei Schießis»"""-,""te tnißhandelt, indem er Ohrfeigen gab, ins Kreuz„''"e aus dem Foden liegende Schießer mit seinem in den Fich e.Öe steckxuden Säbel über das Gesäß schluch Ginige Zeugest hatten versichert, wehe habe es nicht getan, mithin war es/nu� vorschriftswidrige BeHand- luna. Einzelne hatten auch erNärt, pw Schläge seien nicht ernst gemeint gcwel»». Zur Begründung führte einer der Geschlagenen an, es sei i-« tt'tz Grund zum Schlagen gewesen, ein anderer, er habe cS d-tch verdient. Bewiesen sist ferner, daß Gudde bei Bajo- nettie. iKwng'i" nach dem Gesicht eines Soldaten ge- spuck r habe, so daß der Speichel an cher das Gesicht schützenden •r hängen blieb, daß Gudd� zj« Gewohnheit gehabt habe, aus-, zuspucken ütid Unkergebene zu nötigen, sich t n den Speichel zu legen. Schlechte Schützen habe er über Gebühr lange vor der Scheibe knieen lassen, einen zirka lS Minuten, mich habe er Kniebeugen mjt Gewehrstrccken machen lassen, einen noch in Maske und Panzer. Geschimpft habe er„Du Plumpnasiger",„Du Hund verfluchter",„Du Aas, wo ich hinspucke, mutzt Du Dich hinlegen". Latza habe einem Manne den Nummernknopf von der Achsel gerissen, ihm alle Sachen aus dem Spind geworfen und ihm be- fohlen, im Spind„nach Würmern zu suchen". Als der erklärte, keine finden zu können, habe Latza ihn angewiesen, hierzu eine Schießbrille aufzusetzen. Eines Tages habe Latza, weil es ihm auf der Stube nach Karbol zu riechen schien, die Geschlechtsteile seiner Leute untersucht, um„einen etwa Geschlechtskranken zu ermitteln". Von einem seiner Untergebenen habe er 60 Zigarren, die angeblich der Vater geschickt hatte, als Geschenk angenommen. Ein beliebtes Verfahren scheine es bei ihm gewesen zu sein, den Leuten bei Uebungen ein Bein zu stellen. Als dabei einer fiel und ihm der Gewehrkolben abbrach, habe Latza erklärt, melden werde er den entstandenen Schaden selber. Er habe im Unterricht Leute auf den Schemel steigen und das Bein hochheben lassen, habe sie genötigt, auf einen Zaun zu klettern und„kickeriki" zu krähen, habe sie aufgefordert, zu singen, und die unters Bett gejagt, die nicht singen konnten. Einen Wann habe er Kniebeugen mit Gewehrstrecken so lange machen lassen, bis ihm das Gewehr zu entfallen drohte. Ein anderer habe auf dem Rücken liegend Griffe machen müssen. Latza habe stark geschlagen, auch mit der Klopf- peitsche, habe Ohrfeigen gegeben— einer erklärte sie für„Scherz" — habe einem mit der Faust einen Stoß vor die Stirn versetzt — Latza sagte, er habe„an den Kopf getippt"— so daß er Kops- schmerzen bekam, einen anderen mit der Faust ins Genick gestoßen, so daß er mit der Nase aufs Visier aufschlug. Einem habe er eine Exerzicrpatrone ins Gesicht geworfen, so daß der unterm Auge eine blutige Schmarre davontrug.„Was wirst Du," habe er geforscht, „jetzt sagen, wenn der Hauptmann Dich fragt?" Auf die Erklä- rung:„Ich werde sagen, der Sergeant Latza hat mich geworfen," habe Latza ihm geantwortet:„Du bist wohl verrückt!?" Er habe dann immer wieder gefragt, bis der Mann erklärt habe, er werde melden, daß er selber sich gestoßen habe. Die Meldung sei schließlich über- Haupt unterblieben. Einem Mann habe er das ihm zukommende Brot zunächst vorenthalten, indem er ihn scheuern ließ, damit er„sich erst fein Brot verdiene". Unrcgel- Mäßigkeiten bei Ausgabe von Brot und Essen, wie sie sonst noch gegen Latza behauptet wurden, seien nicht erwiesen. Als erwiesen sei aber anzusehen, daß er als Küchenunterosjizier Kaffee unbe- rechtigtcr Weise abgegeben und Reste von Holz und Kohlen nicht abgeliefert habe. Bezüglich Sadlowskis führte der Anklagevertreter aus, er habe„Schweinehund" und„Sau" geschimpft, habe Leute aus den Betten gejagt, sie niederknien, sie so auch Gebete sprechen lassen,— doch scheide der letztgenannte Punkt aus. Als Kammer- Unteroffizier habe er Leuten die Sachen um die Ohren geschlagen, den Helm in schmerzerregender Weise aufgepaßt, mit einem Stock auf sie eingehauen. Einigen habe er den nicht gut schließen- -den Kragen mit Gewalt geschlossen, anderen habe er das Knie vor den Leib gestemmt, um ihnen den Rock zu schließen. Einen, der sich bückte» habe er am Ohr in die Höhe gezogen und ihn so hinausgeführt. Es sei wohl Borsatz gewesen, all diese Leute so zu schikanieren, darum sei eine fort» gesetzte Handlung anzunehmen. Als der noch am niindesten Schlimme wurde Rohde ge- schildert. Er habe sich besonders einen wohl schwach begabten und auch körperlich zurückgebliebenen Polen vorgenommen, habe ihm die Stiefelschäfte um die Ohren geschlagen, ihn auf die Füße ge» treten, ihn mit dem Drahtende des Zylinderputzers gehauen, daß eS blaue Flecke gab. ihn an ber Nase gezogen. Stock habe„Schwein" und„polnische Sau" geschimpft, mit dem Seitengewehr geschlagen, einen Mann durch seine Kameraden mit Bürsten abscheuern lassen, im Winter einen Mann auf dem Schießstand mit den Fingern in der Erde nach Kugeln Wülsten lassen, eine Turnabteilung sich hinlegen und mit den Köpfen aneinander stoßen lassen, in der Putz- stunde eine Geldsammlung unter seinen Leuten veranstaltet und für den Erlös Schnaps holen lassen, den ein Mann austrinken mußte. Als der Chef dieser 7. Kompagnie, der Hauptmann S t a a tS, einmal bemängelt habe, daß Staub unter den Betten lag, habe Stock hinterher zu seinen Leuten geäußert, er wolle mal sehen, ob es bei des Hauptmanns Frau ebenso sauber unter den Betten sei. Das wurde ihm als A ch t u n g S v e r l e tz u n g an. gekreidet, die allein 4 Wochen Mittelarrest verdiene. Sehr viel niedriger wurde die Fülle der übrigen Vergehen bewertet, die der Anklagevertreter gegen die fünf Angeklagten als erwiesen ansah. Als Strafen wurden insgesamt beantragt: gegen Gudde 6 Wochen gelinder Arrest, gegen Latza, Sadlowski, Stock je 6 Wochen Mittelarrest, gegen Rohde 6 Wochen Mittel. arrest, gegen Latza überdies Degradation wegen des Vertrauens- bruchs, den er als Küchenunteroffizier begangen habe. Der Verteidiger, ein Oberleutnant, sah sehr viel weniger als erwiesen an. Auch er klagte, daß keiner der Leute sich beschwert habe, weil allen der Mut gefehlt habe. Dadurch seien die Unteroffiziere sicher gemacht worden, so daß sie die Leute weiter mißhandelten, statt sie zu melden. WaS übrigens damals den Leuten lieber gewesen sein würde, das wisse er nicht. Indirekt sei so den Zeugen selber die Schuld an den Mißhand- lungen zuzuweisen. Auch sei jetzt vor Gericht von manchen zu- gegeben worden, daß sie den Vorgesetzten absichtlich Sck, Widrigkeiten bereitet hätten. Man wisse ja, daß das Material aus Berlin, das das 146. Regiment bekomme, in bezug auf Dienstfreudigleit und Achtung vor Vorgesetzten nicht das allerbeste sei. Der Verteidiger ging dann die einzelnen Punkte der Anklage durch. Cr sprach von einer Kabinettsorder, nach der nicht schon jeder derbe Ausdruck eine vorschriftswidrige Behandlung sei. Nicht der Buchstabe des Gesetzes, sondern der Geist der militärischen Zucht und Ordnung müsse aufrecht erhalten werden. Von diesem Gesichts- punkte aus fand er dann in seiner etwa anderthalbstündigen Rede eine Entschuldigung für manches, was dem Anklagevertreter un- entschuldbar schien. Nach mehrstündiger Beratung wurde abends gegen 8 Uhr das Urteil gesprochen. Das Gericht war noch NJeiter gegangen als der Anklagevertreter und hatte noch eine Reihe anderer Fälle als widerlegt oder nicht erwiesen angesehen. Die Urteilsbegründung war leider so karg, daß nicht recht klar wurde, wieviel nun eigent- lich übrig geblieben war. Einzelne der hier als Zeugen ver- nommcncii Leute hätten, so führte der Verhaudlungsleitcr auS, sich selber dienstliche Verfehlungen zuschulden kommen lassen. Das habe die Verhandlung ergeben, und ihre strafrcchkliche Verfolgung werde nunmehr crfor- derlich sein. Von den Angeklagten seien wohl Ungehörig-. leiten, aber keine systematischen Roheiten begangen ivorden. So habe Gudde die auf dem Boden liegenden Leute mit seiner Säbelscheide nur„angetippt". Auch habe er— ebenso wie die anderen Angeklagten— sich zu Schimpfwortcn oder Schlägen nur hinreißen lassen,.venu die Leute Fehler gemacht hatten. Latza habe die Geschlechtsteile seiner Leute sich nur aus wohlwollender Absicht vorzeigen lassen. Von Unt-rschlagung könne bei ihm keine Rede sein. Sadlowski habe als Kammerunteroffizier eine schwere Stellung gehabt, Rohde sei über die Schwerfälligkeit des Polen erregt gewesen. Erkannt wurde auf folgende Strafen: gegen Gudde ans 3 Wochen, 3 Tage gelinden Arrest wegen Mißhandlung, vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung, aegen Latza auf 6 Woclvn Mittelarrest wegen Anmaßung der Befelch-getoali, iahrlässigen Ungehorsams, Mißhandlung, vorschriftswidriger Behandlung, Be- leidigung, Geschenkannahme, gegen Sadlowski auf 3 Wochen Miltelarrest wegen Mißhandlung und vorscl'ristswidrigcr Behandlung. gegen Rohde auf l4 Tage Mittelarrest wegen vorichriftS- widriger Behandlung, Wtißhandlung und Beleidig.'.ng, gegen Stock auf 4 Wochen Mitielarrcst wegen borschrists.i,ibriger Bc- Handlung, Beleidigung, Ungehorsam und Achtungsverletzurig. GewcrhfcbaftUcbc� Ein Gewerkschaftsführer durch einen Offizier verhaftet. Ende vorigen Monats besichtigte die Bauarbeiter- Schutz kommission in Mainz die Arbeitsplätze und fand, daß die Schutzvorrichtungen mancherlei zu wünschen übrig ließen. Zu den Bauten, die derartige Mängel zeigten, gehörte auch das bei Kastel gelegene„Fort Vichler". Nachdem die Bau Polizei und die Berufsgenosscnschast vor einiger Zeit von den Mißständen in Kenntnis gesetzt worden waren, beschloß die Bauarbeiter- Schutzkommission, sich zu überzeugen, ob den Mängeln abgeholfen worden sei. Freitag früh begab sich der Angestellte des Maurervcrbandes, I. Lehn, nach der Baustätte des„Fort Bichler", um sich von dem Polier die Erlaubnis zur Besichtigung der Bauhütte geben zu lassen. Auf einem Stege, der über einen Wallgraben führt, begegnete ihm der Bauführer Jacobi in Gesellschaft von zwei Offizieren Jacobi rief:„Das ist der Hetzer, der Verführer, der muß ab> gewiesen werden l" Darauf ließ einer der Offiziere Lehn vcr haften. Lehn wurde alsdann von drei Soldaten auf die Wache des Forts eskortiert, wo er, obgleich er sich genügend ausweisen konnte, von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr mittags behalten wurde. Um diese Zeit erschien dann ein Schutzmann, der Lehn in Enipfang nahm, um ihn nach Kastel zu führen. Dort wurde er von dem Polizeikommissar vernommen und dann, nach sechs Stunden Freiheitsberaubung, entlassen. Berlin und Umgegend* Die Handlungsgehilfen und die Reichsfinanzreform. Zu denjenigen Abgeordneten, die im Reichstage zugunsten der Agrarier für die neuen, Handel und Gewerbe belastenden Steuern stimmten, gehört der Antisemit W. Schack, Vorsteher des deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes. Ist diese Stellungnahme für den Leiter einer Handlungsgehilfenorganisation schon be- fremdlich genug, so war es noch verwunderlicher, daß derselbe Abgeordnete zugleich gegen jene Anträge stimmte, die eine Unter- stützung der durch die neuen Steuern geschädigten Angestellten und Arbeiter bezweckten. Für alle diese Unterstützungsanträge stimmten neben den Sozialdemokraten die Freisinnigen und Na- tionalliberalen. Der Abgeordnete Schack aber stimmte gegen die Unterstützung der durch die neue Branntwein- und Brausteuer geschädigten Angestellten und Arbeiter. Bei der Beratung des Tabaksteuergesetzes stimmte Schack zwar für den schwächlichen Unterstützungsantrag des Zentrums zugunsten der Arbeiter, aber Iftgen einen weitergehenden Antrag, der auch die Unterstützung der geschädigten Angestellten aussprach. Es ist begreiflich, daß die Haltung Schacks in den Kreisen der kaufmännischen Angestellten das größte Aufsehen erregt und viel besprochen wird. Der Zen- tralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands (Sitz Hamburg) hat ein Massenflugblatt herausgegeben, in dem- die Haltung Schucks charakterisiert und aus seiner antisemitischen Parteirichtung erklärt wird. Es ist zu erwarten, daß diese neueste Leistung des antisemitischen Handlungsgehilfenführers seinen An- hängcrn zu denken geben wird und daß sie ihrerseits aus dem Ver- halten Schacks die richtigen Konsequenzen ziehen werden, nämlich dessen Verbände den Rücken zu kehren und der gewerkschaftlichen Organisation, dem Zentralvcrbande der Handlungsgehilfen und »Gehilfinnen Deutschlands(Sitz Hamburg) sich anschließen werden. Hausdiener und K-nkuerenzNausel. ES war bisher ein etwa? zweifelhafter Vorzug, den die Handlungsgehilfeu und Bureauangestellten vor den von ihnen und dem Unternehmertum weniger geachteten Handelshilfsarbeitern voraus hatten, daß man sie durch eine sogenannte Konkurrenzklausel än das Geschäft zu fesseln suchte. Namentlich Warenhäuser haben ja hierin bedeutendes geleistet und ihren Angestellten das Fortkommen dadurch um so mehr erschwert, als die Besitzer von Detailgeschäften den aus Warenhäusern komnlenden kaufmännischen Angestelllen mit einem gewissen Vorurteil begegnen, so daß die Zahl der offenen Stellen für diese Leute ohnehin beschränkter als für Angestellte anderer Geschäfte ist. Jetzt hat die Firma W e r t h e i m, die sich nicht scheut, den Hausdienern das Brot durch Nach-Feierabend-Beschäftigung von ReichSdruckereiarbeitern zu schmälern, den Mut beseffen, folgenden Bertrag zur Unterschrift vorzulegen: Ich verpflichte mich, binnen einem Fahre vom Tage der Beendigung meines Engagementsverhältmsfes bei der Firma A. Wertheim G. m. b. H. ab keine Stellung mit oder ohne irgend- ein Entgelt bei den Firmen Warenhaus W. Wertheim G. m. b. H. und Internationale Warenhausgesellschaft m. b. H. anzunehmen oder für dieselben eine geschäftliche Tätigkeit auszuüben. Dieses Abkommen findet keine Anwendung, wenn die Firma A. Wertheim G. m. b. H. mir meine Stellung kündigt, ohne daß ein erheblicher, von nur verschuldeter Anlaß zur Kündigung ge- geben ist oder daß mir die Firma A. Wertheim G. m. b. H. durch vertragswidriges Verhalten Grund zur Aufhebung des Dienstverhältnisses ohne Kündigung gibt. Selbst gelesen, genehmigt und unterschrieben. Berlin, den........ 19.. Unterschrift.................. Vor- und Zuname.............. Der Vertrag ist namentlich älteren Dienern borgelegt worden. Und wer ihn nicht unterschreiben will, der ist natürlich für die Firma W e r t h e i m nicht mehr der brauchbare Mensch, der er früher war. Ob freilich dabei nicht etwa der Erfolg eintritt, daß das Haus Wertheim damit gerade den charaktervollsten und dann ge- wohnlich auch intelligentesten und brauchbarsten Teil seiner Angestellten hinauSgrault und dadurch in die Arme der gefürchteten Konkurrenz treibt, ist eine andere Frage. Wir finden diese Aus- Nutzung der wirtschaftlichen Macht dem Angestellten gegenüber unerhört. Eine wirksame Verteidigung dagegen haben die kauf- männischen Angestellten, die Handlungsgehilfen und die Handels- Hilfsarbeiter nur in ihrer Organisation. Es rächt fich bei den Haus- dienern der Firma Wertheim, daß sie glaubten, daS außer acht laffen zu können._ Der Streik der Zimmerer in Birkenwerder wurde nach viertägiger Dauer durch Abschluß eines zweijährigen Vertrages er- folgreich beendet. Die vorher stattgefundenen Verhandlungen ver- liefen resultatlos, den gemachten VermittelungLvorschlägen waren die Unternehmer nicht zugänglich. Durch das geschlossene Vorgehen der Arbeiter sind jetzt die eingereichten Forderungen voll anerkannt worden. Der Lohn erhöht sich von öS auf 70 Pf. pro Stunde bei neunstündiger Arbeitszeit. Nur ein kleiner Unternehmer: Böhm in Hohen-Neuenborf, weigert sich, den Tarif anzuerkennen, weshalb dessen Geschäft nach wie vor gesperrt bleibt. veutkebes Reich. Berechtigte Animosität. vor dem Schöffengericht Magdeburg-Neustadt hatten fich drei junge Mädchen und eine verheiratete Frau wegen Ver« gehen? gegen Z 153 der Gewerbeordnung und wegen öffentlicher Be- leidigung zu verantworten. Sie sollten gelegentlich der Schuhmacher- aussperrung bei d'.r Firma Bühring u. Co. mehrere arbeitS- willige Arbeiterinnen durch Drohungen zu veranlassen versucht haben. sich den Ausgesperrten anzuschließen. Weiter sollten sie Schimpf- reden gebraucht und u. a. gesagt haben:.Wenn eS erst dunkel ist. dann bekommr Ihr Eure Tracht!" DaS Gericht sprach zwei der An- gellagtcn el tsprechend dem Antrage deS Amtsanwalts frei und ver- urteilte die beiden anderen zu 20 resp. 39 M. Strafe, jedoch nur ss wegen Beleidigung. Der Amtsanwalt bezeichnete in seinem Plädoyer die gefallenen Aeußcrungen als aus berechtigt erAnimosität gegen die Arbeitswilligen hervorgegangen. Der Maurerstrcik in Heriorn(Bez. Wiesbaden) wurde nach siebenwöchentlicher Dauer mit vollem Erfolge für die Arbeiter be- endet. Alle Forderungen wurden erfüllt. In der Schuhfabrik von Katta in Offenbach ist am Frei tag sämtlichen Arbeitern gekündigt worden. Ueber die Gründe dieser Maßnahme ist man sich in den Kreisen der Arbeiter nicht recht klar. Zuzug von Schuhmachern aller Branchen ist fernzuhalten! Kusiand. Der Streik der Maurer und Handlanger in Winterthur, den die Untcrnehmerpresse schon längst totzulügen versuchte, dauert seit 1. Juni unverändert fort. Auf den meisten Bauplätzen herrscht Totenstille: angefangene Bauten stehen einsam und verlassen da oder sehen Ruinen gleich. Den Baumeistern ist eS trotz ihrer In und Auslandsreisen bis jetzt nicht gelungen, eine größere Anzahl Streikbrecher zu finden. Mit ein paar Lumpenproletariern, die nur dann arbeiten, wenn andere um die Verbesserung der Existenz bedingungen kämpfen, müssen die Herren Baumeister jetzt vorliebnehmen. In ihrer verzweifelten Notlage erheben sie ein Zeter- und Mordio geichrei, beschimpfen und insultieren die Streikenden bei jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit. Unter Zuhilfenahme der Behörden, der Machtmittel des Staates(Polizei und Militärgewalt) glauben sie den Streik unterdrücken zu können. Diese Bestrebungen iverden ihnen wenig nützen, die Erziehungsarbeit der Organisation ist in der Schweiz soweit gediehen, daß die Streikenden sich zum größten Leidwesen einiger Scharfmacher des Baumeister- Verbandes nicht provozieren lasten. Eine Anzahl kleinerer Bau Unternehmer haben erklärt, daß sie die Forderungen der Streikenden gern bewilligen würden: aber sie fürchten den Terrorismns des Schweizer Baumeisterverbandes, der durch die Material- sperren, den Entzug des Bankkredites usw. zum Ausdruck kommt, Wir ersuchen die Genossen, jeden Zuzug von Bauarbeitern nach Winterthur fern zu halten, in Bauarbeiterkreisen für die nötige Aus- llärung zu sorgen und uns über etwa vorhandene Arbeitsgelegenheit für Maurer und Handlanger zu orientieren. Auf obiges bezug- habende Mitteilungen sind an das Arbeitersekretariat Winterthur, Telephon 909, zu machen._ Die Wiener TischlerauSsperrung beendet. Nach einer Aussperrung von 24 Wochen ist Dienstag der große Kampf im Wiener Tischlergewerbe beendet worden. Ein be- deutender Sieg der Arbeiter ist das Ende dieses zur Niederringung der Organisation von den Scharfmachern herauf. beschworenen Riesenkampfes. Alle krasse Parteilichkeit der Ge- Werbebehörde, des Wiener„christlich-sozialen" Magistrats und der Staatspolizei, alle Drangsalierungen der Streikposten, selbst die den Scharfmachern zu Gefallen vom Wiener Magistrat verfügte Enthebung der Funktionäre des genoffenschaftlichen Gehilfenaus. schusses, um so den Führern der Arbeiter den Einfluß auf die Führung des Kampfes möglichst zu entwinden, all das konnte den Mut der Arbeiter ebensowenig brechen, als daS Einziehen von Not und Elend in die Wohnungen, das trotz der ununterbrochenen Leistung der Streikunterstützung durch den Holzarbeiterverband beziehungsweise die spezielle Widerstandsorganisation der Wiener Tischlergehilfcn innerhalb des Verbandes, nicht verhindert werden kennte. Selten noch ist ein so großer Kampf mit einer so geringen Absplitterung auf beiden Seiten geführt worden; wer nicht mitten drin stand, war bis in die letzten Tage nicht imstande, das Ende des Kampfes vorauszusagen. Erst vor wenigen Wochen sind Verhandlungen an der Protzigkeit eine? der Hauptscharfmacher, des Professor Schmidt, gescheitert. Die Kosten der Wiener Tischleraussperrung übersteigen auf Seite der Arbeiter eine Million Kronen! Zum Teil war der Kriegsschatz schon vor Beginn des Kampfes aufgespeichert, zum Teil wurde er von befreundeten Organisationen zur Verfügung gestellt, als Darlehen natürlich; handelte eS sich doch um eine wahre Machtprobe zwischen den Organisationen der Arbeiter und der Unternehmer, denen die Hauptstelle der österreichischen Arbeit- geberverbände mit aller Kraft beistand. Ihre Vertreter waren es, die alle Forderungen befürworten wollten, wenn nur der Versuch der Herabdrückung der Arbeitszeit unter den Neunstundentag unterlassen würde, und was wurde erreicht? Daß die Arbeits. zeit tatsächlich unter den Neunstundentag heruntergedrückt, unter die 54-Stundenwoche gebracht werden konnte, dadurch daß die Arbeit am Sonnabend so schließt, daß die Wiener Tischler fortan die 39stündige Sonntagsruhe haben. Auch die Löhne wurden erhöht und das schwierige Problem der gesteigerten Entlohnung der Ueberstundenarbeit der Akkord- arbeiter gelöst, es werden da außer dem Akkordlohn 10 Heller pro Ueberstunde gezahlt. In dem Kollektivvertrag, der bis zum 31. März 1313 mit drei- monatiger Kündigung gilt, werden die Mindestlöhne in zwei Staffeln(h�S und ab 1. Juli 1911) folgendermaßen festgesetzt: SuSgelernte Gehilfen....... 40 Heller, 40 H. ftündl. mit 2 Gehilfenjahren 45', 46 „»„6 a 50, 50,, m»„5„ 50„52,, Maschinenarbeiter d. Bau- u. Möbelbranche 44, 47„, Weibliche............ 25„ 28,„ Arbeitzeit: 7 Uhr früh bis 3�6 Uhr nachmittags, Sonnabendschluß 4 Uhr. Ueberstunden der Zeitlohnarbeiter werden mit 25 Proz. Zuschlag für die erste, 30 Proz. für die zweite, 50 Proz. für alle folgenden, bis Mitternacht, später mit 100 Proz. Zuschlag bezahlt. Feiertagsarbeit 25 Proz. Zuschlag. Von den zahlreichen anderen Bestimmungen des Vertrages, für die in der politischen Presse der Raum mangelt, sei bloß die für reichsdeutsche Leser besonders interessante erwähnt, daß den Gehilfen aus der Maifeier keine Nachteile erwachsen dürfen. Ist auch der eigentliche Kampfpreis.der Fünfuhrschluß an den Wochentagen, nicht erreicht worden, so sind dennoch die Erfolge so große, insbesondere auf dem Gebiet der Verkürzung der Arbeitszeit, daß die Wirkung des RiesenkampfeS sich zweifellos sowohl in einer starken Ernüchterung jener Unternehmer, die sich durch den Terror der Oberscharfmacher in diese Aussperrung mit allen ihren schweren Opfern stürzen ließen, wie in der tiefsten Einwirkung auf die Massen der indifferenten und unorganisierten Arbeiterschaft wird äußern müssen. Für Oesterreich aber, mit der steten Gefahr der nationalen Gewerkschaftszersplitterung, ist eS von besonderer Bedeutung, daß dieser Kampf lehrt, daß nur ein- heitliche und starke Verbände mit Hohen Beiträgen imstande sind, dem immer stärker rüstenden Kapital erfolgreich entgegenzutreten. Die gesamte Arbeiterschaft kann mit stolzer Genugtuung auf diesen Kampf zurückblicken, zu dessen Beendigung immer wieder die Unternehmer, die ihn begannen, die Initiative ergriffen. Die amerikanischen Glasarbeiter hielten kürzlich ihren 32. JahreS- kongreß in Brooklyn, New Aork, ab. 194 Delegierte aus den Ver- einigten Staaten und Kanada waren anwesend; sie vertraten 9000 Mitglieder, bl* s>« auf 137 Lokalverbände verteilen. Stark gewachsen.ist seit dem Aaljre die Branche der Glasschneider. nämlich von 373 üuf 1508 Ml-alieder. Das Verbandsvermögen beträgt 191 000 Dollar- Die Glasarbeiter haben oftmals anderen Organisationen in ihre? Kämpfen beiaestanden. selbst aber, wie der Präsident in einer Ansprache betonte,«och leine Hilfe in Anspruch zu nehmen brauchen._ Soziales. UnzulSsfigkeit der Ansirchnung gegen den Lo»«. Nach§ 1 des L.. (Lohn. Gehalt, Honorar usw für Ärbeiten'oder�Äenste, wAau? Perantw. Redakt.: Wilhelm Düwell, Lichtenberg. Inserate verantw.;Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bucht LerlagSanstall P.aul Singer Lc Co.. Berlins W. Grund eines Arbeits- oder Dienstverhältnisses geleistei werden, sofern dies Verhältnis die Erwerbstäligkeit des VergütungS berechtigten voll- ständig oder hauptsächlich in Anspruch nimmt, zum Zweck der Sicher« stellung oder Befriedigung eines Gläubigers erst dann mit Beschlag belegt werden, nachdem die Leistung der Arbeiten oder Dienste erfolgt und nachdem der Tag. an welchem die Vergütung zu entrichten war, abgelaufen ist, ohne daß der Vergütungsberechtigte dieselbe ein- gefordert hat. Diese Vorschrift kann nach§ 2 desselben Gesetzes nicht mit rechtlicher Wirkung ausgeschlossen oder beschränkt werden. Soweit danach Zdie Beschlagnahme unzuKssig ist, ist auch jede Verfügung durch Zession. An- Weisung. Verpfändung oder durch ein anderes Rechtsgeschäft ohne rechtliche Wirkung. DaS Lohnbeschlagnahmegesetz findet keine An- Wendung auf die Beitreibung von Steuern, sofern diese nicht seit länger als drei Monaten fällig geworden sind, ferner auf Alimenten- forderungen, und endlich„insoweit der Gesamtbetrag der Vergütung die Summe von 1500 M. für das Jahr übersteigt". Ist demnach der Lohn bis zum Jahresbetrag von 1500 M. dem Zugriff von Gläubiger» entzogen, so blieb streitig, ob auch eine Ausrechnung seitens des Gläubigers auf Grund des Lohn« beschlagnahnlegesetzes verboten sei. Die überwiegende Zahl der Gerichte verneinte diese Frage, wiewohl die Bejahung logische Konseanenz des Beschlagnahmeverbotes gewesen wäre. Dieser Rechts- zustand ist zugunsten des Arbeiters endlich durck das Bürgerliche Gesetzbuch beseitigt.§ 394 B. G.-B. bestimmt: Soweit eine Forderung der Pfändung nicht unterworfen ist, findet die Aufrechnung gegen die Forderung nicht statt. Gegen die aus Kranken-, Hilft- oder Sterbekassen, insbesondere aus Knappschaftskassen und Kassen der KnappschaflSvereine zu beziehen- den Hebungen können jedoch geschuldete Beiträge aufgerechnet werden. Dieses Verbot der Lohnauftechnung ist zwingender Natur, kann daher auch nicht durch Vertrag oder Fabrikordnung abgeändert werden. Trotzdem versucht eine nicht geringe Zahl von Unter- nehmern. den 8 394 durch Vertrag oder Fabrikordnung zu be- fettigen. So Nagte gestern vor der VIll. Kammer des Gewerbegerichts der Buchbinder P. gegen die Briefordnerfabrik Aberle u. B i r k. Dem Kläger ist ein Lohnabzug von 12,50 M. gemacht worden. Damit nicht einverstanden, gab er seine Stellung auf und wandte sich rechtsuchend an daS Gewerbegericht. Der Vertreter der Beklagten behauptete, der Kläger habe durch seine Fahrlässigkeit etwa 1000 Mappen verdorben und dadurch der Firma einen reinen Materialschaden von 25 M. zugefügt. Nur die Hälfte dieses Schadens sei dem Kläger in Anrechnung gebracht worden und auch der Lohn für die nicht verwendbare Arbeit sei ihm ungekürzt gezahlt worden. Die vom Kläger unterschriebene Arbeitsordnung berechtigt die Beklagte, den vorsätzlich oder fahrlässig verursachten Schaden bei der nächsten Lohnzahlung in Abzug zu bringen. Der Kläger bestritt sein Verschulden an dem Schaden. Dieser fei den Mängeln der frag- lichen Maschine zur Last zu legen. Das Gewerbegericht unter Vorsitz des M a g i- strats-Assessors Schultz verurteilte die Beklagte, an den Kläger die einbehaltene Lohnsumme von 12,50 M. zu zahlen. Es habe sich durch die Beweisaufnahme nicht davon überzeugen können, daß den Kläger ein Verschulden an dem Schaden trifft. Da der zu der Arbeit benutzten Maschine tatsächlich Mängel anhaften, aus die der Kläger den Werkführer der Be- klagten aufmerksam gemacht hat, die Abstellung dieser Mängel aber unterblieben ist, so sei mit Wahrscheinlichkeit der Schaden auf das Konto der mangelhaften Maschine zu setzen. Ueberdies sei aber, wenn dem Kläger ein Verschulden träfe, ein Lohnabzug nach 8 394 B. unzulässig. Die entgegenstehende Bestimmung der Arbeits- ordnung ist rechtsunwirksam, weil sie der zwingenden Vorschrift de« 8 394 des B. G.-B. und des Lohnbeschlagnahmegesetzes zu- widerläust._ Vom Reichsversicherungsamt. Wie die Rechtsprechung des ReichsvcrficherungSamtS sich der- fchlechtert und wie wertlos in vielen Fällen die Jnvalidenversichc- rung ist, zeigt auch folgende in Nr. 7 der amtlichen Nachrichten des Reichsversicherungsamts abgedruckte Entscheidung. Einem Dienst. mädchen war Dezember 1895 infolge ocS Verlustes des linken Unterschenkels die Invalidenrente bewilligt. Sie hatte inzwischen die Schneiderei erlernt. Der Vorstand der Versicherungsanstalt entzog ihr darauf die Rente. Das Schiedsgericht mißbilligte dies, da nicht dargetan war, daß der Verdienst der Klägerin als Schneiderin mindestens J4 des Verdienstes gesunder Schneiderinnen betrage. Das ReichSverslcherungsamt hob diese Entscheidung auf und entzog dem armen Krüppel die Rente. In den Gründen wird angeführt: Bei freier Würdigung deS Sachverhalts hat der Senat un» bedenklich angenommen, daß die Klägerin sich seit der Zuerkennung der Rente immer mehr an den Verlust des linken Fußes und den Gebrauch deS künstlichen Beines gewöhnt hat. Hierin und in der während deS Bezugs der Rente erfolgenden Erlernung der Schneiderei ist eine Veränderung in den Verhältnissen der Klägerin im Sinne des 8 47 Abs. 1 des Jnvalidenversicherungsgesetzes zu erblicken. Daß die Klägerin infolge dieser Veränderung wieder im- stände ist, das für sie nach vorstehendem maßgebende Verdienst. drittel durch Lohnarbeit zu erwerben, ergeben ihre eigenen An- gaben. Denn sie führt selbst aus, daß sie durchschnittlich 60 bis 70 Pf. täglich durch Schneiderarbeit verdienen könne, und macht nur geltend, daß sie infolge des großen Wettbewerbes nicht jeden Tag Schneiderarbeit habe. Für die Frage der Erwerbsfähigkeit aber ist der Mangel an Arbeitsgelegenheit ohne Bedeutung. Da die Klägerin, abgesehen von dem Verluste deS linken FußeS, völlig ge- fund ist, und die Schneiderarbeit Gehen und Stehen nur in ge- ringem Umfang erfordert, so unterliegt eS keinem Bedenken, daß die Klägerin das nach ihrem früheren Beruf als Dienstmagd gu bemessende Berdienstdrittel wieder zu erwerben vermag. Es ist sogar mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen» daß sie auch im» stände ist, ein Drittel desjenigen zu verdienen, was gesunde Schneiderinnen in derselben Gegend zu verdienen pflegen, und daß sie auch tatsächlich diesen Verdienst hat, sobald sich ihr aus- reichende Arbeitsgelegenheit bietet. Dabei ist berücksichtigt, daß ihre Leistungsfähigkeit als Schneiderin immerhin erheblich dadurch beeinträchtigt wird, daß ihr das Maschinenähen durch den Verlust de? linken Fußes erschwert wird." Nun ist für den armen Krüppel gesorgt: 60 bis 70 Pf. täglicher Verdienst, wenn die Aermste Arbeit hat, reicht aus, um ihr die ver- meintlich durch Entrichtung von Beiträgen zur Jnvalidenversiche- rung erworbenen Rechte zu entziehen I So ist für den Arbeiter ge» sorgt bis an sein Lebensende. Letzte INfacbncbten und Depefcben. Drama auf der See. Frederikfiad, 24. Juli.(W. T. B.) Die heute hier eingetroffene Eisenbark.Gladis' hat vorgestern bei der Doggerbank einen englischen Fischdampfer übersegelt; er ist quer durchgeschnitten worden und sofort mit der ganzen, an« neun Mann bestehenden ve- fatzung untergegangen._ Entgleist. Passau, 24. Juli.(W. T. B.) Der heute vormittag von Wien abgegangene Wien-Frankfurter Schnellzug ist heute nachmittag im Bahnhofe Passau bei der Einfahrt mit 2 Wagen entgleist. Ein Reisender wurde schwer verletzt. Der Verkehr wird aus einem Umleitungsgleise aufrechterhalten. Großfeuer. Nendorf(Komitat ZiPS), 24. Juli.(W. T. B.) In Schmoergcn sind 60 Wohnhäuser mit Nebengebäuden sowie die Kirche und die Schule niedergebrannt. Ein Mann fand den Erstickungstod, ein Knabe ist in den Flammen umgekommen._ Hierzu 3 Beilageu. UUTL 26. löfjfgung. l. KcilM des Lmirts" Kerlim WksdlR ZMtag, 23. WIM. Eva der parte!« Der„Neue Welt-Kalender" für 1910 (Hamburg bei Auer u. Cie). 80 Seiten, 0,40 Mk. Zum 34. Male tritt unser Parteikalender seinen Weg SN, der ihn in Dorf und in Stadt, in Hütte und Mietskaserne führt. Er war und er ist unser guter Freund, und einem guten Freunde sagt man nicht bloß Schmeicheleien, man rückt ihn auch zurecht, wenn man sieht: hier oder da fehlt es; denn den guten Freund will man ja immer schöner, immer besser haben. Also: unser ..Neuer W e l t- K a l e n d e r" ist im Laufe der Zeit ein präch- tiger Kerl geworden, nur etwas gar zu ernst, und— die Illustrationen verderben einem noch immer ein wenig den Geschmack an dem vielen Guten, das der Kalender sonst bringt. An interessanten statistischen Darlegungen, wie sie auf Seite 16 gegeben werden, haben die Arbeiter im Lause der Zeit erfreulicher weise Geschmack gefunden, und es wäre zu wünschen, daß die— ebenso anschauliche wie lehrreiche— graphische Darstellung (ähnlich wie bei der Nebeneinanderstellung von Luftschiffen und hohen Bauwerken auf Seite IS) hierbei immer wieder heran- gezogen würde. Jene Darstellungen könnten vielleicht auch Artikeln zugute kommen, wie Molkenbuhrs„Wer schützt die nationale Arbeit?", oder Dr. Müllers„Konsumvereine und So- zialdemokratie", oder Robert Schmidts„Die volkswirtschaftliche Krise und ihre Wirkung". Aus diesen Artikeln quillt eine Fülle von Aufklärung und Belehrung, neben der aber auch das Unter- Haltungsbedürfnis des Kalenderlesers zu seinem Rechte kommt. Ernst Zahn und Clara V i e b i g sind es diesmal, deren tüchtiger Erzählerkunst sich der Leser erfreuen darf>— nux� daß der Illustrator den Dichter und die Dichterin arg im Stich läßt, und daß neben jenen beiden tiefernsten Novelletten der humoristische Plauderer gar nicht vertreten ist, außer in der unbedeutenden und schablonenhaften Skizze„Blinder Eifer schadet nur". In der Mitte zwischen belehrender und erzählender Dar- stellung steht Bölsches Plauderei„Die Rückseite des Mondes", stehen auch K. Gs. russische und Frohmes deutsche Spitzel („Erlebtes und Erlittenes"). Es liegt in der Natur der Sache, daß die Arbeiter gerade solche Reminiszenzen aus der Geschichte ihrer Partei mit besonderem Anteil lesen. Uebrigens trifft n den Don, auf den unsere ErinnerungSliteratur gestimmt sein soll, bei der Darstellung des Lebensgangs Franz Josef Ehrharts überaus glücklich.— Von anderen, die Beiträge für den Kalender gesteuert haben, verdienen noch Ida Baar(„Vom Gesinderecht zur modernen Dienstbotenbewegung") und Franz Diederich („Bildschmuck fürs Arbeiterheim") hervorgehoben zu werden. Das beste Gedicht hat dieses Jahr Alexander Voigt ge liefert: ein kräftiges Poem(„Streik"), das auf Arbeiterfesten recht oft vorgetragen werden sollte; es wird, gut rezitiert, seine Wirkung sicherlich nicht verfehlen.— Sehr angenehm fällt am„Neuen Welt- Kalender 1910" auf, daß er den Ereignissen in der Welt nicht raehr gar so sehr nachhinkt wie früher. Heinrich Cunow erzählt z. B. vom Balkan und den Balkanwirren; die Tragödien von Messina und von Radbod sind in Wort und Mld verewigt, und scgar Bülow, der tote Schneemann, lacht uns noch im Sturz mit sanftem Grübchen entgegen. Von den Illustrationen sind zu nennen: de? Worpsweders Modersohn wunderklarer„Winterabend", und von Hans Thoma, dem alten-ewigjungen: der klassische„K i n d e r r e i g en", und das großzügige skulpturscharfe Bild„Schnitter". Der„Neue Welt-Kalender 1910" ist(wir haben unsere kleinen Schmerzen nicht verhehlt) ein vorzügliches Büchlein, an dem sich hoffentlich viele Tausende und Tausende von Prole- taricrfrauen,-männern und-lindern erbauen und belehren werden. _ G. D. Hus Industrie und Handel. Verteuerung der Lebenshaltung. Infolge der Veränderungen auf dem Warenmarkt zeigen im laufenden Jahre die Ausgaben für die Ernährung eine ausgesprochen ansteigende Tendenz. Seit Januar dieses Jahres bewegte sich die S t a n d a r d z i f f e r, die den wöchentlichen Nahrungsmittelaufwand für eine vierköpfige Familie in Mark an- gibt, wie folgt: Januar Februar März April Mai Juni 22.46 22,37 22,47 22,69 22,87 23,81 von April auf Mai hat die Erhöhung 28, von Mai auf Juni aber nicht weniger als 34 Pfennige betragen, und gegenüber Januar ? stellt sich die Steigerung auf 76 Pfennige wöchentlich oder auf gut ?3 Marl monatlich. Veranlaßt ist die Steigerung hauptsächlich durch 1 die Preisbewegung auf dem Getreidemarkt. Die Mehl- und Brot' preise sind allmählich, aber doch immer unverkennbarer und allgemeiner in Mitleidenschaft gezogen worden. Gegenüber Januar, in welchem Monat der Durchschnittspreis für Brot noch 30 Pf. pro Kilogramm betrug, ist der Brotpreis bis 30. Juni all' mählich um 3 Pf. oder um 10 Proz. in die Höhe gegangen. Und zwar hat sich die Steigerung ganz besonders im Mai und Juni durchgesetzt. Denn im Durchschnitt aller berücksichtigten Plätze stellte sich der Brotpreis von Februar bis April noch auf 31 Pf. für das Kilogramm und ging im Mai auf 32, im Juni auf 33 Pf. hinauf. Die Erhöhung der Brot- und Mchlpreise hat wesentlich, freilich nicht ausschließlich zu der Steigerung des Nahrungsmittelaufwandes bei' getragen._ Konzentration. Nachfolgend bringen wir eine kleine Auswahl von Kartell- Syndikats- und Vereinigungsgründungen, Verschmelzungen und Verlängemngen von Produzentenorganisationen der verschiedensten Art. Die Zusammenstellung macht natürlich nicht Anspruch auf kleines feuilleton. Ein Selbstbekenntnis Lilienerons. Als vor etwa emem Jahr- zehnt der jetzt Heimgegangene Dichter vom«Literarischen Echo" um eine autobiographische Skizze ersucht wurde, antwortete er in einer Weise, die für seine natürliche Bescheidenheit nicht minder charak- tcristisch ist, wie für seine Lebensironie und feine enthusiastische Freundschaftsfähigkcit.«Am liebsten", schrieb er,«grübe ich mich in eine Höhle in die Heide und schrieb darüber: Lot mi tofreeden. Hier wohnt Herr Friedrich Wilhelm Schulze. Eintritt verboten! Ach. müßte daS herrlich sein l Da sähe ich nicht den Wirrwarr des Tages. Wer in Höhlen wohnt, sieht nicht mehr die Schmutzhaufen des Neides und des Scheelsucht, die endlosen Steppen der Geduld. alle die Myriaden Vexierspiegel der Heuchelei, die leeren Tonnen des Ruhmes, die regelrechten, rechtwinkligen Gärten des Philistertums, die lungernden Hunde der Ehrabschneidung, die bluttriefenden Sporen oer Herrschsucht«.... Eine Autobiographie ist wohl in den meisten Fällen ein Spiegel der Eitelkeit. Was auch foll ich von mir erzählen, dessen Leben dahingegangen ist wie das un- gezählter anderer Menschen, ohne irgend etwas besonderes. Wie sagt Marc Aurel:«DaS menschliche Leben gibt mir oft nichts weiter, als daS Bild einer Haus- oder Feldmaus. die erschrocken hin- und herläuft." Ehrgeiz(daS ist schade) besitz' ich nicht. Nun also? Mit 35 Jahren schrieb ich mein erstes Gedicht und blieb bis heute Verseschreiber. Gottseidank wird bei mir die lästige, ja ich möchte sagen ordinäre Angewohnheit. Gedichte zu machen, mit jedem Jahre nachlassender. In meinem hundertund- fünften Jahre„gedenke" ich moderner Dramatiker zu werden. Da gibts a Göld und a Ahnsehn. Hoch lebe der Mammon, nieder mit der Kunst— wenn sie nichts einbringt. Und in meinem hundert- nndfünfunddreißigsten Lebensjahre werde ich klassischer Romancier. Was ich bisher an Prosa„geliefert" habe, ist Schund. Ja, bis an seinen Tod als einfacher tcutscher Lyriker(da gibt's ka Göld und ka Ahnsehn) herumzubummeln, ist recht, recht lang- weilig. Ueberhaupt steht inir jeder Laternenanstecker höher als ein Versemacher. Alle Deutschen schreiben Verse, kein Deutscher liest sie. Warum auch I Unsere Zeit ist wahrlich nicht dazu angetan, Gedichte zu lesen. Niemals war die Dichtkunst so„herunter" wie jetzt, wo- mit ich sagen will, daß niemals ein Gedicht weniger galt als heute. Ter Versifex ist nicht eine, sondern die lächerliche Person der Gegen- wart. Ich möchte wohl eine Lanze brechen für die„Handwerker" des Verses, überhaupt für die überaus große Zahl der Schriflsieller ums Geld. Sie sind als ebenso ehrenwert zu erachten, wie jeder Vollständigkeit. Berücksichtigt sind nur die allerletzten Monate. Das Deutsche Walzdrahtsyndikat schloß einen Schutzvertrag mit der Splintdrahtfabrikanten-Vereinigung. In der Wellrohrbranche niachte sich eine deutliche und scharfe Preiserhöhung bemerkbar. Die einfache Ursache dieses Vorganges ist die Gründung eines Wellrohrverbandes. Die Preise für Kupferbleche stiegen ebenfalls. Der Kupferblech verband ordnete die Preiserhöhung an. DaS Tuben- und Spritzkorkensyndikat wird sich mit Jahresschluß auflösen. Das Syndikat hat die Preise in den letzten Jahren recht gut gehalten, es sind aber immer neue Fabriken gegründet worden, die als Außenseiter dem Syndikat bei den hohen Preisen Konkurrenz machen können. Jetzt wird man das Syndikat auflösen, in der aus gesprochenen Absicht, durch den offenen Preiskampf eine Anzahl kleinerer Fabriken zu vernichten und dann die Preise wieder hoch zu treiben. Die deutsche Lokomotivkonvention wurde nach einigermaßen schwierigen Verhandlungen auf vorläufig drei Jahre verlängert. Der preußische Staat hat an sie, wie auch der«Vorwärts" berichtete, einen schönen und rentablen Lieferungsauftrag gegeben. Der Aus landsverband der Lokomotivkonvention ist noch nicht definitiv sicher' gestellt. Die oberschlesischen Ziegeleibesitzer gründeten kürzlich ein ober' schlesisches Ziegelsteinsyndikat. In Staßfurt wurde ein Verkaufsverein mitteldeutscher Kalk' mergelwerke als G. m. b. H. gegründet. An den Preisen sollen es die Abnehmer auch schon gemerkt haben. Da der alte Färberring aufgelöst worden ist. sind die sächsisch thüringischen Färbereien daran gegangen, eine neue Färbcrkonvention zu bilden. Die Berliner Baumwollgrossisten haben sich ebenfalls zusammen geschlossen und einen Verein für die Interessen der Baumwollwaren Händler gegründet. Die Tapetenfabriken, die sich vor nicht langer Zeit noch erbittert mit der Tapetenindustrie-Aktiengesellschaft in den Haaren lagen, sind ebenfalls wieder einig geworden; man ist brüderlich bei der Arbeit, durch eine Preiskonvention die gegenwärtig geschlagenen Wunden wieder zu heilen. Die Kosten zahlen die Konsumenten. In der Papierindustrie hat sich ein Verband der Falzschachtel- fabrikanten gebildet; er ist ein Glied in der Organisation des Verbandes der Unternehmer im deutschen Steindruckgewerbe. Da das Deutsche Unfall- und Haftpflichtsyndikat in absehbarer Zeit zu Ende geht, wird jetzt schon fleißig an der Erneuerung gearbeitet. Die? sind einige der Industrie- und Handelskonzentrationen der letzten Monate. Die Arbeiter müssen gründlich arbeiten, um da gleichen Schritt zu halten._ Kalisyndikat. Die Verhandlungen im Kalisyndikat habeg zu einer Verständigung geführt. Etos der f rauenbewegung* An die falsche Adresse. Die unerhörte Teuerung aller notwendigen Lebensmittel, die nach den Zollkämpfen des Winters von 1902 mit Hochdruck ein- setzte und in letzter Zeit noch künstlich verschärft wurde durch die Bäcker, Schloffen usw., die schwer ihr Geld verdienen für sich und ihre Kinder. Wenn ihnen von den Familienblättern, die als Bilderbücher nicht ohne Verdienst sind, Bestellung zugeht, ihnen eine Illustration zugesandt wird, damit sie dazu ein Gedicht, eine Skizze, eine Erzählung, eine Schilderung liefern: warum nicht, wenn sie dazu das Zeug haben. Ich beneide diese Schriftsteller. Mir fehlt jedes Talent dazu. Und das ist mein steter Aerger. Von uns lebenden(zurzeit bekannten) Künstlern des Verses wird keiner auf die Nachwelt kommen. Nur ein einziger: Richard Dehme!. Das ist meine felsenfeste Ueberzeugung." Humor und Satire. FalliöreS auf der Ministersuche. FalliöreS(allein):«ES läßt sich nicht mehr abstreiten. ES ist eine Krisis. Ich, der ich so ruhig war, bin plötzlich in die schönste Unruhe hineingeraten. Sie werden mir sagen:„Aber weshalb denn so viel Getue? Weshalb lassen Sie denn nicht sofort den Mann kommen, der Ihnen zur Bildung eines Kabinetts am geeignetsten erscheint?" Sie haben ja recht, aber es ist nicht parlamentarisch. Man muß die parlamentarischen Bräuche unter allen Umständen respektieren. Ich muß da, sehen Sie, zuerst meine früheren Minister rufen lasten und sie bitten, ihre Portefeuilles zu behalten. Sie werden das ablehnen, ich weiß es ganz genau, aber eS ist nun mal obligatorisch..."(Die Minister erscheinen).«ES ist also be- schlossene Sache, meine Herren, Sie wollen mich durchaus verlassen? Und wenn ich Sie recht herzlich bäte zu bleiben?"—„Es wäre verlorene Mühe, aber Sie würden unhöflich sein, wenn Sie es nicht täten."—«Ich tue cS also."—„Und wir lehnen es also ab."— „Wir sind jetzt nun wohl fünfzig Minuten beisammen. Die Zeitungen werden zufrieden sein, das Parlament auch, Ihre Demission ist angenommen."(Die Minister gehen ab durch die Mitte.) FalliercS: «Jetzt muß ich den Scnatspräsidenten rufen lassen. Ich habe ihm absolut nichts zu sagen...(Zu Herrn Dubost, welcher ins Zimmer tritt): «Sie haben mir wohl nichts zu sagen?"— Dubost:„Genau so wenig, wie Sie mir."— Fallisres:„Na. dann setzen Sie sich und rauchen Sie mit mir ein Pfeifchen. Ich will inzwischen die Zeitung lesen, und in vierzig Minuten können Sie nach Hause gehen. Vierzig Minuten für den Senat ist, wie ich glaube, mehr als genug.(Dubost geht ab.) FalliöreS:„Jetzt der Kammerpräsident, das ist bei uns so Sitte..."(Zu Herrn Brisson, der ins Zimmer tritt):«Ich habe Ihnen absolut nichts zu sagen und Sie auch nichts zu fragen.— Briston: «Ich könnte Ihnen auch absolut nichts antworten."— FallisreS: «Bei Ihnen zu Hause alles wohl?"— Brisson:»Danke für gütige Nachfrage..— Fallisres:«Ich plaudere mit Ihnen nun schon fünfzig Minuten, zehn Minuten länger als mit Herrn Dubost."— Brisson:«Die Kammer wird das zu würdigen wissen. Jetzt gehe ich aber."— FalliöreS(allein):«So, noch etwa zehn Personen zu empfangen, und dann kann ich mir endlich den Ministerpräsidenten, den ich im Auge habe, wählen..."(Puck im»Gil Blas".) schamlosen Getreideausfuhrpraktikcn der agrarischen Schnapphähne« hat den Hausfrauen und Müttern in den besitzlosen Volksschichten ihr ohnehin schweres Leben noch schwerer gemacht. Wo man nicht an der Ormntität der Lebensmittel knappsen konnte, da mutzte an der Qualität gespart werden, um doch alle Familicnglieder satt zu machen. Man lebte eben noch schlechter als sonst, schränkte den Fleischkonsum auf das äußerste ein, kaufte nur die billigsten groben Gemüse und griff zu Surrogaten, wo man konnte. Die Folge davon ist bei der armen Bevölkerung dauernde Unterernährung, die sich nicht nur an den Erwachsenen durch allmähliche Verminde- rnng der Arbeitskraft, sondern auch an der jungen Generation» die blaß und schwächlich heranwächst, bitter rächt. Allgemeine De- kadenz muß schließlich die Konsequenz der ggrarischen Auswuche« rung der Massen sein. In dieser Zeit der schweren Not geht ein in der„Zeitschrift für ärztliche Fortbildung" erschienener Artikel über„Mängel der deutschen Küche" kritiklos durch verschiedene Zeitungen, in dem der bekannte Berliner Hygicnikcr und Physiologe Prof. Rübner mit dem ganzen Gewicht seiner Autorität die deutschen Hausfrauen für die mangelhafte und unrationelle Ernäh- rungsweise in den Familien verantwortlich macht. Die Kunst der Spcisenherstellung, meint Rubner, sei in vielen Küchen auf eine sehr niedrige Stufe heruntergekommen. Er tadelt, daß Suppen, Gemüse, Mehl- und Reisspeisen sowie Obst nicht ge- nügend auf dem täglichen Tisch erscheinen, um für die physiologisch so notwendige Abwechselung in der Kost zu sorgen; sei doch die Ab- wechselung der einzelnen Speisen eine Versicherung gegen fehler- hafte Ernährung. Wo ist die frühere gut bürgerliche Küche geblieben, wo man auch einen aparten Bissen bekam? Die Kochkunst ist den mittleren Ständen abhanden gekommen. Am schlimm- ste n aber steht die Sache bei den niederen Ständen. Da ist die Erau Fabrikarbeiterin, sie hat zu Haus nichts gelernt, sie weiß in üche und Haushalt nicht Bescheid, sie kann nicht auS- kommen. Sie weiß nicht, was sie kaufen soll, was preiswert und nährend ist usw. Kurz: das alte Klagelied von der unwirt- schaftlichen Arbeiterfrau. Im Verlaufe seines Artikels gibt Pro- fcssor Rubner dann eine Reihe von Winken über die richtige Zu- sammenstcllung der Kost unter Hinweis darauf, daß ein ver- nünftigcs und zweckmäßiges Essen für unser Leben und seinem gesunden Verlauf von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Diese' letztere Ansicht dürfte nirgendwo bestritten werden, und jeder wahre Freund des Volkes, den der sichtliche physische Niedergang der schlecht genährten Männer, Frauen und Kinder in den mittleren und unteren Schichten mit Trauer erfüllt, wird den heißen Wunsch hegen, daß sie alle diesen ärztlichen Vorschriften nachleben könnten. Wie ist das aber möglich bei einem Volke, in dem nach Ausweis der Einkommensteuerstatistik nahezu 61 Proz. der Steuerzahler ein Einkommen von weniger als 900 Mark, 40 Proz. ein solches von 900—3000 M. haben? Der durchschnittliche Jahres- verdienst der Industriearbeiter beträgt pro Jahr etwas über 900 Mark, der der Landarbeiter etwas über 400 M. Das große Heer der Heimarbeiter und-Arbeiterinnen vermag bei angestrengtestem Fleiße kaum mehr als 400, 600, 600 M. im Jahre au verdienen. Im„goldenen" Mainz hatten nach den Jahresberichten der Ge- werbcaufsichtsbeamten im Jahre 1906 weniger als 1,26 M. täglichen Arbeitsverdienst 1677 Arbeiter und 2134 Arbeiterinnen. Andererseits ist wissenschaftlich festgestellt, daß in normalen Zeiten das zur Erhaltung der Arbeitskraft unerläßliche tägliche Quantum an Nahrungsstoffen(112 Gramm'Eiweiß, 76 Gramm Fett, 484 Gramm Kohlenhydrate) in großen Städten pro Kopf einschließlich der Zubcrcitungkosten einen Aufwand von 70 bis 76 Pf. erfordert. Für eine aus 2 Ertvachscncn und 3 Kindern bestehende Familie würden sich die jährlichen) Ausgaben für Er- nährung demnach auf rund 770 M. belaufen. Da nun der Ar- beiter, der kleine Beamte usw. nicht mehr als 66 Proz.— also wenig mehr als die Hälfte seines Gesamteinkommens— für die Beköstigung ausgeben darf, so müßte die Mindesthöhe seines Ein- kommens— wohlgemerkt in normalen Zeiten!— sich auf ungefähr 1400 M. belaufen. Wie wenige sind aber in dieser relativ gün- stigen Lage? Man kann rechnen, daß drei Viertel unserer Bcvöl- kcrung gar nicht die Möglichkeit haben, sich das von der Wissen- schaft geforderte physiologische Kostmaß zu gönnen, geschweige denn für die— wie Rubner sagt— physiologisch s o notwendige Abwechselung in der Kost zu sorgen. Gewiß würde unser armes Volk statt der ewigen Kartoffeln und Hülsenfrüchte, swtt des zähen Abfall- oder Hottehühfleisches in Talgtunke, statt der billigen und schlechten Wurst weit lieber kräftige Suppen, saftige Braten, zarte Gemüse, gediegene Mehlspeisen, erfrischende Früchte und Salate verzehren. Heute sind diese von Rubner geforderten Bestandteile einer rationellen Ernährung sogar für weite Kreise des Mittelstandes kaum erschwingliche Delikatesten geworden. Notizen. — Detlev v. Liliencron wird am Sonntag w feinem Wohnort Alt-Rahlstedt bei Hamburg bestattet werden. Richard Dehme! hält die Gedächtnisrede. Aus dem Nachlasse dürften noch Novellen und ein Gedichtband veröffentlicht werden. — DaS Neue Schauspielhaus ist vom 1. Scp- tember 1909 ab von Direktor Halm, dem bisherigen Leiter, auf zehn Jahre gepachtet. Alle Verträge bleiben aufrecht erhalten und das Theater wird in der bisherigen Weise weitergeführt. — Eine neue Schiller-AuSgabe. Zur 160. Wieder» kehr von Schillers Geburtstag im November d. I., bereitet der Leipziger Klassikerverlag Max Hesse eine neue historisch-kritische Ausgabe von„Schillers sämtlichen Werken" vor, die unter Mit- Wirkung namhafter Literarhistoriker herausgegeben wird. Die neue Ausgabe soll vollständiger als alle in den letzten Jahren erschienenen großen Schiller-Ausgaben sein und wird ein dreifaches General- register aufweisen. — Asew, Harting n. Co. Unter diesem Titel wird im August ein Buch gleichzeitig in französischer, englischer, deutscher Sprache usw. erscheinen, das, größtenterls auf dem Oriainalmaterial der russischen Oppositionsparteien aufgebaut, zum ersten Male in kurzen Umrissen eine Gesamtübersicht über die gegenwärtige Tätig- keit der russischen Geheimpolizei im Kampfe mit ihren Gegnern gibt. Man erfährt hier, wie die Organe der Geheimpolizei vollständig un- abhängig von den anderen russischen Verwaltungsorganen arbeiten und daß sie selbst den Ministern gegenüber in schrankenloser Willkür ihre Macht zur Geltung bringen. Man erhält hier auch das vollständige aktenmäßige Material, daß die Ermordung Plehwes und des Groß- fürsten Sergius mit Misten und Willen, ja auf Veranlassung dieser gefährlichen Repräsentanten russischen Bcamtenwms stattgestmden hat. Ein besonders interestanter Abschnitt des Buches ist das Protokoll über die Sitzung des Schiedsgerichts der russischen RcvolutionSpartei, in dem Burzew den Lockspitzel Asew in seiner doppelzüngigen Eigenschaft enthüllte. Die Verfasser des Buches sind Jean Longnet, Redakteur der „Humanitö", und Charles Silber. Burzew selbst hat ein Vorwort zum Buche geschrieben und Jean JauröS eine Einleitung beigesteuert. — DaS Völkergemisch New UorkS. Nach den jüngsten Schätzungen der Behörden hat New Dork jetzt 4 600 000 Einwohner, also eine Million mehr als bei der letzten vor vier Jahren vor- genommenen Zählung. Davon sind 1800 000 Deutsche oder Kinder von solchen, so daß New Uork nach Berlin die größte deutsche Stadt ist. 1 200 000 Einwohner sind Jrländer, an Juden zählt die Stadt 760 000, an Italienern 460 000 Seelen. Dann folgt eine Reihe anderer Nationen. Neben diesen Zahlen muß aber doch bemerkt werden— nieint die„Rundschau für Geogr. u. Stat."— daß eS in New Aork auch Amerikaner gibt. Dsrüln Itäfl! cB im ftUgsmetneTf, sie selbst bort so selten mehr auf den Tisch kommen, und nicht an der mangelnden Kochkunst der Hausfrau. Rubner selbst könnte das größte Finanzgenie und der größte Kochkünstlsr in einer Person sein und würde doch mit all seiner Wissenschaft und allen Talenten kläglich Schiffbruch leiden, wenn er mit einem kleinbürgerlichen oder gar proletarischen Haushaltungsbudget eine Familie nach seinen Grundsätzen rationell beköstigen sollte. Gewiß sind obligatorische Haushalts- oder Koch- schulen, von denen der Herr Professor alles Heil erwartet, eine sehr schöne Sache, die sozialdemokratischerseits stets>varm bcfür- wartet wurde, aber an der brutalen Tatsache, daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung die große Masse zum Darben und Entbehren verurteilt, damit eine kleine Minderzahl in allen Genüssen des Lebens schwelgen kann, ändert sie blutwenig. Nie waren solche in bedenklichem Grade nach der Studier- stube schmeckenden Auslassungen weniger am Platze als im gegen- wältigen Moment, wo Junker und Junkergenossen die arbeitenden Massen für die Folgen der unsinnigen Reichsfinanzpolitik büßen lassen, wo dem Volke in Gestalt von Verzehr- und Verkehrsteuern neue Opfer und Entbehrungen in endloser Zahl auferlegt werden. Mit Sorgen und Bangen sehen unsere Hausfrauen in eine Zukunft, die grau in grau vor ihnen liegt. Und nachdem soeben mitten in der Zeit der Krise und der verminderten Arbeitsgelegen- heit daS Unerhörteste an Volksausplünderung Gesetz geworden, be- kommt ein berühmter Vertreter der Wissenschaft es fertig. Vor- würfe zu erheben, die durchaus an die falsche Adresse gerichtet sindl Eine menschenwürdige Ernährung zu schaffen, bei der unsere Kinder kräftig heranwachsen, unsere Männer und Frauen gesund und«rcbeitstüchtiK bleiben, ist nur zu einem kleinen Teile in die Hand der Hüterin des häuslichen Herdes gegeben. Von ausschlag. gebender Bedeutung ist vielmehr eine vernünftige Wirtschafts- Politik, welche die Zollschranken aufhebt» billiges Brot und billiges Fleisch schafft, die Mästung einer kleinen Gruppe von Nichtstuern durch Liebesgaben aller Art verwirft und die Steuerlasten in erster Linie den wirklich tragfähigen Schultern der Besitzenden auf- bürdet; ferner eine Sozialpolitik, welche diesen Namen mit Recht verdient, die vor allem durch Verkürzung der Arbeitszeit den be- ruflich tätigen Hausfrauen die nötige Zeit zu ihren häuslichen Verrichtungen gibt. Daß die Löhne steigen müssen, versteht sich nach den vorher erwähnten steuerstatistischen Tatsachen von selbst. Auf diesem Wege käme man einer rationellen Ernährung des Volkes schon näher. Wollen die Volksmassen aber die Forderungen unseres HygienikerS in allem Umfange zu den ihrigen machen, so wäre ihre Voraussetzung nicht mehr und nicht weniger als— eine totale Umwälzung unserer heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse._ Leseabende. Zweiter Wahlkreis, Westen. Montag, den 29. Juli. 8'/, Uhr. im Lokale„Anhalter Ressource". Mölkernstr. 114, bei Lehmann.— Süden: bei Heinp, Urbanstr. 170, Dritter Wahlkreis. Montag, den 26. Juli, im Gewerkschafts- häufe, rechter Seitenflügel parterre(Holzarbeiter). Sechster Wahlkreis. Montag, den 26. Juli, in folgenden Lokalen: 1. Abteilung: Obiglo, Schwedter Str. 23/24. 2. Abteilung: Kelsch, Schönhauser Allee 134a. 3. Abteilung: Gliesche. Kopenhagener Straße 74. 4. Abteilung: Leppin. Brunnenstr. 30. S. Abteilung: Hübner, Wattstr. 7.(5. Abteilung: Heyse, Boyenstr. 19. 7. Ab- teilung: Lamprecht, Putlitzstr. 10. 8. Abteilung: Stark, Waldstr. 8. 9. Abteilung: Funke. Triftstr. 33. 10. Abteilung: Kant, Brüsseler Straße 9. 11. Abteilung: Fritsch. Drontheimer Str. 4. 12. Ab- teilung i Franke, Badstr. 19. 13. Abteilung: Lerche. Gleimstr. 33. Tegel. Montag, den 23. Juli, bei HalfeS, Brunowstr. 23, 6cncbt9- Zeitung. Gelegenheit macht Diebe. Zum„Leichenfledderer" ist der Kaufmann Friedrich Aumüller auS Lichtenberg geworden, welcher sich unter der Anklage des Dieb- stahls vor dem Strafrichter zu verantworten hatte. Der Angeklagte war bor einiger Zeit mit einem Kaufmann Paul Repelin, dessen Geschäft er kaufen wollte, in Verbindung getreten. AIS die Ver» kaufSverhandlungen zum Abschluß gelangt waren, fühlte sich der Verkäufer veranlaßt, den Angeklagten zu einer Bierreise cinzu- laden. DieS hatte den Erfolg, daß R. schon nach kurzer Zeit einen MordSrausch hatte. In später Nachtstunde kehrten beide noch in einem Lokal in der Frankfurter Allee ein. Hier beobachtete der Chauffeur Ritter, wie sich der Angeklagte in verdächtiger Weise an dem schwerbezechten Repelin zu schaffen machte. Der Verdacht, daß eS hier auf eine Ausplünderung des Betrunkenen abgesehen war, veranlasste den Chauffeur, den beiden, die ebenfalls eine Auto- droschke benutzten, unauffällig zu folgen. Im Vorbeifahren be- merkte er, wie Aumüller dem Schlafenden das Portemonnaie aus der Tasche zog. Als die beiden dann in einem Cafö in der Großen Frankfurter Straße saßen, machte Ritter einen Kriminalschutz- mann auf den Vorfall aufmerksam. Der Beamte nahm den An- geklagten fest, der sich höchst entrüstet gegen diese„unerhörte" An- schuldigung verwahrte. Als A. dann auf der Polizeiwache visitiert werden sollte, yriff er plötzlich in die Tasche und warf zwei Hundertmarkscheine und ein Zwanzigmarkstück auf den Tisch. ES war dies der Inhalt des gestohlenen Portemonnaies.— DaS Gericht erkannte gegen Aumüller auf 1 Woche Gefängnis. s Magermilch ist zu kennzeichnen. I vi Der Molkereibesitzer Lewin war in zweiter Instanz vom Land- gericht in Berlin wegen Uebertretung der Verordnung deS Ber- liner Polizeipräsidenten vom IS. März 1902 zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er Milch als Magermilch feilgehalten habe, ohne daß daS Gefäß, eine Kanne, mit der Aufschrift„Magermilch" und einem roten Streifen versehen war. Der Angeklagte hatte zwar behauptet, daß der Inhalt der auf einem Stuhl von der Polizei vorgefundenen Kanne zum eigenen Gebrauch bestimmt ge- wesen sei. DaS Landgericht schloß aber auS verschiedenen Um- ständen, daß er die fragliche entrahmte Milch als Magermilch ver- kaufen wollte und sie deshalb im Laden stehen hatte. Darin sei aber ein Feilhalten zu sehen. Nach den Vorschriften der Verord- nung hätte die Kanne mit der Aufschrist Magermilch und einem roten Streifen versehen sein müssen. DaS Kammergericht verwarf gestern die gegen daS Urteil eingelegte Revision und erklärte die Verordnung für rechtsgültig. Sie fei auch richtig angewendet. Verstößt die Uebertragung von Werken der Tonkunst auf Grammophon- platten gegen das literarisch« Urheberrecht? Diese Frage verneinte dieser Tage daS Reichsgericht anläßlich einet Klage der Inhaberin des Urheber- und Verlagsrechts sämt- licher Kompostttonen des Musikers Waldmann gegen die Deutsche Grammophon-Aktiengesellschaft ,n Berlin. Der Streit drehte sich besonder« um die Komposition des Hehseschen Gedichtes „Sei gegrüßt, du mein schönes Sorrent" und um die der Operette „Inkognito". Die Klägerin begehrte Unterlassung der lieber- tragungen. Vernichtung der Platten und Zahlung von 3000 M. als Schadenersatz. In den Gründen des Reichsgerichts wird dargelegt:.Das Landgericht hat angenommen, daß bei dem Grammophon das Tonwerk durch das Instrument nach Art eine? persönlichen Vor- träges wiedergegeben werde. DaS Kammergericht ist mit Siecht anderer Ansicht. Es erkennt an, daß nach der Auffassung der ReichStagSkommisston daS unterscheidende Merkmal in der musi- kalischen Wirkung gesucht werde. Es hält diese Er- wägung aber nicht für ausschlaggebend, lveil der Wort- laut deS ß 22 Schlußsatz.durch die das Werk... nach Art eines persönlichen Vortrages wiebergegeben werben kann" auf Phonograph- und Grammophone nicht passe. Das Charakteristische deS persönlichen Vortrages besteht darin« daß der Vortragende in Zeitmaß. Tondauer und Tonstärke wechseln könne. Beim Grammophon fehle aber jede Möglichkeit, das Tonwerk zu nuancieren.„So wie das Werk in den Apparat hineingekommen ist, bleibt es für die ganze Dauer der Verwendbar- keit der Platte starr und unabänderlich fixiert." Die gegenteilige Ansicht führe überdies zu dem praktisch unverwertbaren Resultat, daß man je nach der Vollkommenheit deS einzelnen Instruments es unier den Schlußsatz des§ 22 des Urheberrechtsgesetzes fallen lassen müsse oder nicht. Der Auffassung de? Kammergerichts ist beizutreten. Das Gesetz hebt aus der gewöhnlichen mechanischen Wiedergabe deS Musikwerkes. wie zweifelsohne auch durch Phonograph und Grammophon bewirkt wird, eine besondere Art heraus; nämlich diejenige, bei welcher das Musikwerk hinsichtlich der Stärke und Dauer des Tones und hinsichtlich des Zeitmaßes nach Art eines persönlichen Vortrages wiedergegeben werden kann. Es sagt nicht.wiedergegeben wird", sondern„wiedergegeben werden kann" und weist damit auf die Möglichkeit hin, die Wiedergabe nach Art eines persönlichen Vortrages zu beeinflussen. Dies gerade ist auch beim Pianola das Charakteristische. Der Vortragende ist hier in der Lage, die Wiedergabe des Musikwerkes nach seiner persönlichen Auf- fässung in den vom Gesetz hervorgehobenen Richtungen zu be- stimmen. Hierdurch wird die Wiedergabe in gewissem Maße selbst eine persönliche, eine individuelle. Sie wirkt nach Art eines persön- lichen Vortrages. Beim Grammophon und Phonographen ist dies unmöglich; alles Persönliche ist bei der Vorführung des Phonographen ausgeschaltet; nur das Mechanische ist in Wirksamkeit; eine Beein- flussung der Wiedergabe des Musikstücks bei Vorführung des Phono- graphen ist ausgeschlossen, wenn nicht die Wiedergabe selbst zerstört werden soll. In dieser Weise ist die Gesetzesbestimmung auch in den beteiligten Kreisen aufgefaßt worden. Bolkmann bezeichnet in seiner Broschüre„Zur Neugestaltung deS Urheberschutzes gegenüber mechanischen Musikinstrumenten"(Leipzig 1909) die im Schlußsatze des§ 22 bezeichneten Instrumente kürz als die„einwirkungS- möglichen". Die EinwirkungSmöylichkeit ist beim Pianola gegeben. sie ist ausgeschlossen beim Phonographen, welcher daS auf der Platte fixierte Musikstück stets nur in ganz derselben Weise mechanisch wiedergibt, wie eS bei Herstellung der Platte auf- genommen wurde. Hiernach war die Revision als unbegründet zu verwerfen und hinsichtlich der Kosten nach 8 99 der Zivilprozeß- ordnung zu erkennen."_ VermUebtes. Feuer ans dem Main-Neckar-Bahnhof i» Darmstadt kam gestern nachmittag 4 Uhr auS. DaS Feuer ist im Uhrenraum entstanden, in welchem die Uhr bei eintretender Dunkelheit elektrisch erleuchtet wird, vermutlich durch Kurzschluß, und wurde bemerkt, als der Dachstuhl in Flammen stand. Eine Abteilung Militär wurde zum Absperren kommandiert. Der Verkehr wird durch Umsteigen und teilweises Umleiten der Züge aufrechterhalten. Verschiedene Züge dürften erhebliche Verspätungen erleiden. Der Mittelbau, in dem sich die Wartesäle und Bureauräume befinden, gilt für verloren. Den angestrengten Bemühungen der Feuerwehr, die auch einige Lokomotiven als Dampfspritzen verwandte, war eS um 6% Uhr gelungen, daS Feuer auf seinen Herd zu beschränken. DaS Feuer hat den Uhrturm und die beiden oberen Stockwerke des Treppenhauses des Mittelbaues vernichtet. Der Wartesaal 1. und 2. Klasse ist nur wenig beschädigt; ebenso sind die Schalterräume erhalten geblieben. Der Zugverkehr ist um b�j Uhr wieder in vollem Umfange aufgenommen worden. Auf falschem Gleise. Lennep, 24. Juli.(Amtliche Meldung.) Heute vormittag fuhr der Sonderzug deS Zirkus Blumenfeld auf der Fahrt von Lüden- scheid nach Wermelskirchen bei der Einfahrt in den Bahnhof Ohl- Röhnsahl infolge falscher Wcichenstellung auf ein totes GleiS, zer- trümmerte den Prellbock am Ende dieses GleiseS und fuhr noch etwa 30 Meter weiter auf den Bahnsteig, wobei eine Wand deS Stellwerksgebäudes beschädigt wurde. Personen sind nicht verletzt, die Maschine und einige Wagen sind beschädigt worden. Der Sonderzug konnte seine Fahrt mit dreistündiger Verspätung fort» setzen._ Die betrogene Stadt. In Magdeburg wurde der Magistratsbeamte und ver- eidigte Wieger der Ratswage am städtischen Packhof, F. Schmidt, wegen fortgesetzter Betrügereien verhaftet. Gleichzeitig mit ihm wurde der Streckenwärter und Vorwäger Müller von der be- kannten Kohlenfirma W. Engel in Haft genommen. Schon seit einer Reihe von Jahren waren das Anschwellen der Rechnungen für Kohlenlicferungen an die Stadt und die ewigen Nachbewilli. gungen für den gleichen Zweck Gegenstand von Auseinander- setzungen im Etat- und Schulausschuß. Vergeblich versuchte man, eine rationellere Verwendung der Kohlen herbeizuführen; auch die vor einigen Jahren erfolgte Anstellung eines besonderen HeizungS- ingenieurS nützte nichts. Ein Vorschlag von sozialdemokratischer Seite, die Kohlen der Stadt direkt von den Gruben zu beziehen, fand keine Gegenliebe, angeblich, weil dadurch die Kohlen noch teurer zu stehen kommen würden. Endlich kam man dahinter, daß der vereidigte Wäger der Stadt das Gewicht der angelieferten Kohlen immer zu hoch angegeben hat. Die Stadt mußte infolge- dessen der Firma Engel mehr Kohlen bezahlen, al» sie geliefert be» kam. Der Inhaber der Firma hat bereit» erftärt, daß der ver- haftete Schmidt von ihm keine Zuwendungen als Entgelt für das betrügerische Wiegen erhalten habe. Danach muß man annehmen, daß Schmidt lediglich mit Müller unter einer Decke gesteckt und sich mit ihm den Rebbach geteilt hat. Die von Schmidt geführten Bücher wurden beschlagnahmt, ebenso wie seine„Ersparnisse", die sich auf 40 000 M. belaufen sollen. Schmidt wollte sich in nächster Zeit pensionieren lassen. Die falschen Eintragungen, behauptet er, seien auf Nervosität oder verzeihliche Irrtümer zurückzuführen. Gegenwärtig werden die während der jetzigen Ferienzeit an die Schulen gelieferten Kohlen wiedex auS den Kellern hervor- geholt und nachgewogen._ Flugunfall.' Frankfurt a. M., 24. Juli. Auf dem Fluggelände der Luft. fchiffahrtsauSstellung wollte heute nachmittag Oberleutnant a. D. Trützschler v. Falkenstein vor einer großen Zuschauermenge Flug. versuche mit Gleitfliegern unternehmen. Im. Moment, wo Trützsch. ler mit dem Apparat anlief, wurde die Maschine von einem heftigen Windstoß erfaßt, hochgehoben und umgestürzt, worauf sie mit großer Wucht zur Erde flog. Trützschler erlitt jedoch nur leichtere Ber- letzungen, während der Apparat schwer beschädigt wurde. Familiensinn. Landau, 24. Juli. In Knittelsheim bekam gestern nachmittag der 28 Jahre alte verheiratete Ackersmann Heinrich Sigrist mit seinem Schwager Franz Braun auf dem Felde Streit. Er eilte nach Hause und holte sich einen Revolver. auS welchem er zwei Schüsse auf seinen Gegner abgab, die diesen schwer verletzten. Sigrist erschoß sich später selbst in seiner Wohnung. Braun wurde tödlich verlebt ins Krankenhaus gebracht. Familienangelegenheuen sollen den Grund zu dem Streit gegeben haben. Ein vermißter Dampfer. Der Regierungsdampfer.Seestern", der dem kaiserlichen Gouvernement von Deutsch-Neu-Guinca gehört, ist am 3. Juli von Brisbane über Samarai nach Adolfhafen in See gegangen. Die Fahrt dahin nimmt etwa zwei Wochen in Anspruch, der Dampfer ist aber bis heute noch nicht in seinem Bestimmungshafen ange- langt, so daß über sein Schicksal ernste Besorgnisse gehegt werden. Der zweite Dampfer des Gouvernements von Reu-Guinea „Delphin"« der Llotzddampker„Waldemar" M oul üci» schiedemn Kurseti fn See gegaflM, um Nachforschungen nach dem Verbleib des„Seester»" anzustellen. Das australische Marine- dcpartement hat den Regierungsdampfer„Merrie England" ausgesandt. Der Dampfer..Seestern" wird vom Norddeutschen Lloyd gefahren; von diesem ist auch die gesamte Schiffsbesatzung gestellt. >- Arbeiterrisiko. Auf den HuldschinSkischen Werken bei Gleiwitz nrurden gestern früh von einem Staatsbahnzuge, der auf ein falsches Gleis geraten war, zwei Arbeiter überfahren. Einer war sofort tot« der andere verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhause. Auf den Schienen getötet. Schroba» 24. Juli. Der Spediteur Stroinski, welcher mit Frachtgut vom Bahnhof nach der Stadt wollte, wurde soeben von dem Personenzug Kreuzburg-Posen Nr. 822 überfahren und ge- tötet._ Die Pest in Zanzibar. I In Zanzibar ist nach einer telegraphischen Meldung des Gou- Verneurs von Deutfch-Ostafrika der Ausbruch der Pest amtlich fest- gestellt worden. Der Gouverneur hat die erforderlichen Ouaran- tänemaßregeln getroffen._ Allgemeine Familten-Sterbekasie. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Wernicke, flöhet Wiesenthal, und Maiiannenjtr. 48 im Restauiant von 3-3 Uhr._ eingegangene Druckrdmften, ang vorliegende Neue Welt-Kalender für uchdruckerei und VerlagSanstalt Auer u. Co. Der In seinem 34. daS Jahr 1S10(Hamburger in Hamburg) enthalt u. a.: Kalendarium.— Postalisches.— Beachtenswerte Adressen.— Statistisches. — Rückblick.— Messen und Märkte.— Im Kreislaus des Jahres.— Wer schützt die nationale Arbeit? Von Hennann Molkenbuhr.— Streik. Gedicht von Alexander Voigt.— Die Prangerbank. Erzählung von Ernst Zahn (mit Illustrationen).— Konsumvereine und Sozialdemokratie. Von Dr. Lluaust Müller(mit Illustrationen).— Zwischen den Aehren. Gedicht von Julius Zcrsaß.— Die Rückseite oe» MondeS. Von Wilhelm Bölsche (mit Illustrationen).— Zitat.— Spitzel. AuS der russischen Kontenevolution. Erzählt von K. G(mit Illustrationen).— Neue Saat. Gedicht von Franz Diederich.— Erlebtes und Erlittenes. Ein Beitrag zur Geschichte des soziallstengesetzlichen PolizeiunwescnS von Karl Frohme(mit Porträt).— Proletariernnder. Bilder aus der Agitation. Von O. B.— Die Wasser- ratte. Erzählung von Klara Viedig(mit Illustrationen).— Vom Gesinderccht zur modernen Tienslbolenbewegung. Von Ida Baar.— Bildschmuck sürs Arbeilerbeim. Ein Nachweis guter Bilder. Von Dr. Franz Diederich(mit Illustrationen).— Der Alle. Gedicht von Ludwig Lessen.— Zwei Katastrophen(mit Illustrationen).— Die wirtschastliche Krise und ihre Wirkung. Von Robert Schmidt.— Der Balkan und die Balkanwirren. Von Heinrich Cunow(mit Illustrationen).— Unsere Toten(mll Porträts). — Fliegende Blätter.— Blinder Elser.— Für unsere Rätselloser.— Außer- dem vier Bilder: Winterabend— Liebesleute aus dem Lande— Kartoffel- ernte— Schnitter.— Ein Bierjarbendruck auj Kunstdruckpapler: Em- geschlafen.— Ein Wandkalender. Briefkasten der Redaktion. Die jurisiiiche Sprechstunde findet Ltndenstraß« 3, zweiter Hof, dritter Eingang,»irr Trrpprn, Jgtf Fahrstuhl-Mg! wochentäglich abends von 7V& bis 9', 4 Uhr statt. GeSssnet 7 Uhr. Soniiabrnds beginnt die Sprechstunde um S Uhr. Jeder Anfrage ist«in Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen»eizufilgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BIS zur Beantwortung tm Brieslasten tönnrn 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in de» Sprechstunde vor. H. Paul. Ihrer grau steht für die Dauer Ihrer Aufnahme im Krankenhause das statutenmäßige Krankengeld zu. Verklagen Sie die Kassc eventuell auf Zahlung bei der Gewerbeoeputation zu Berlin, Stralauer Straße 3.— B. St. 17. 1. Eine ausgeklagte Forderung verjährt erst in 30 Jahren. Die Frist beginnt mit jeder Pfändung von neuem. 2. Ja. 3. Nein.— Sl. K. 100. Leider nein.— 91. S. P. 86. Ja. Der Erzeuger eine» Kinde» hat Alimente sflr da» Kind sowie Entbindung»- und SechSwochenkoften sür die Mutter auch dann zu zahlen, wenn die Mutter ihn zu heiraten ablehnt.— H. ivt. 38. Die Reklamation hätte keine Aus- ficht aus Erfolg; die früher pro Kopf des Kindes abgerechneten 50 Mark werden bei der neuen Berechnung zunächst in Ansatz gebracht.— A. l. Ja. — Grete. 1. Wenden Sie sich unter Vorlegung der Karten an die Ver- sicherungSanstalt. Dieselbe ist zur Lieferung eines Gebisses berechtigt, aber nicht verpflichtet. Zweckdienlich ist die Beibringung eines ärztlichen Zeug- nifseS, daß durch Fehlen des Gebisses gesundheitliche Nachteile entstehen. 2. Di« Klage wäre leider auSfichtsloS.— B. T. L. Leider ja.— H. H. 1. Da» Handeln würde wahrscheinlich mit etwa 3 Mark bestrast werden.— 9S. U. O. 1. Wenn ein notarieller oder gerichtlicher Vertrag vorliegt: ja. 2. Etwa 23 Mark. Sie müßten vereinbaren, daß der Unternehmer die Kosten zu tragen hat. 8. Zustimmung ist nicht erforderlich.— P. S- D. W. 1. Nein. 2. Nach dem Gesetz nein. 3. Nein. Besoldete Gemcindebeamte sind nach§ S3 der Landgemeindeordnung als Gemeindtoerordnete nicht wählbar. 4. Mindestens'/, der Mitglieder der Gemeindevertretung müssen Angesessene sein. Es Ist danach möglich, daß statt eines Angesessenen ein Nichiangesessener gewählt werden kann, weil genügend Angesessene in der Gemeindevertretung sitzen. 6. Genzmer. Die Landgemeinoeordniliig. — H. R.»9. Der Lohn ist. soweit er den Jahresbetrag von>500 M. nicht übersteigt, nicht pfändbar, gleichviel ob es sich um Forderungen privater oder um Gerichtskosten oder dergleichen handelt. Eine Ausnahme von der Regel der Uiipsändbarkeit machen nur AlimcntcnsorderunIen und Steuer. rückstände. Wegen der letzteren ist der Lohn nur dann psandbar, wenn sie seit länger als drei Monaten fällig geworden sind.— Polizei 109. Gegen den falsch Anschuldigenden würden Sie In ihrem Falle mit einer Feststellungs. und Schadenersatzklage wohl durchdringen. Die Klage ohne Anwalt zu führen, ist nicht ratsam— F. P. 78. I. Wenn Sie den Kosten- Vorschuß im Krankenhause bis am 30. Juli zahlen, stnd Sie zweisellos wahlberechtigt. Unseres Erachten» sind Sie es auch, wenn Zahlung nicht ersolgt. 2. Der Einspruch ist beim Magistrat einzulegen. Legen Sie jedenfalls Einspruch ein. Ueber denselben hat bann die Stadtverordneten- Versammlung zu entscheiden.— W. 18. Ein Versuch würde nicht schaden. — P. R. I. B. 1. Ja. 2. Für Sie. 3. u. 4. Wenden Sie sich an die Versicherungsanstalt(Am Köllnischen Park). Bis zu zwei Jahren kaini Nachkleben angeordnet werden. 3. Nein.— O. L 30. Soweit ersichtlich nein. Indessen ist die Frage ohne genaue Kenntnis der vustordennig, wieder einzutreten, nicht sicher zu beantworten.— H. B. 38. 1. Ja. 2. Nein.— O. B. 38. Der Name des GeschästSinhaberS muß am Laden angebracht sein; die Beamten sind also im Recht l Entfernen Sie Ihren Vornamen au» dex Aufschrift aus der Scheibe.— O. L. 80. 1. Ja. 2. Kann selbst klagen. 3. Da« ist möglich l Die Miete hastet. 4. Die Frau hastet nicht.—«. SP. 88. Nein: Der Anspruch aus Rückzahlung hätte innerhalb eine» Jahre« nach der Heirat gellend gemacht werden müssen. Zu ralen ist aber, welterzukleben. Wenn Sie innerhalb je zwei Jahre »nmoesten» 20 Marken irgend einer Klasse kleben, so halten Sie Ihre Rechte auS der Versicherung aufrecht. Ilmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen.Dtrektion über den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr schwach, Geschäft still, �Preise unverändert. Wild! Zusuhr� nicht genügend, Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Geflügel: reichlich, Geschäft lebhast, Preise gut. Fische: Zufuhr etwas Geschäft ziemlich lebhast, Preise wenig verändert. Butt er und Geschäft ruhig. Preise unverändert. Gemüse, Ob st und j r ü ch t«: Zufuhr genügend, Geschäft lebhast, Preise unverändert. eSasserstandS.Ra«artchten «er Landesanstalt sür Gewässerkunde. mllgeteM vom Berliner Wetterbureau. Zusubr reichlich Käse- Süd. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l. Jnsterbmg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen » Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, verdamm Elbe, Leistneritz , Dresden ,«arby , Magdeburg am 23. im seit . 7. 22. 7. am cm') —20 212 192 288 266 118 46 —21 32 —50 250 223 — 12 —18 -siS +2 +3 +4 4-2 —28 -29 —20 —7 Wasserstand Saale, Grochlftz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden R h e l a, RiaximUianSau , Kaub » Köln Neckar, Heilbron» Main. Wettheim Mosel, Trier am 23. 7 cm 75 46 18 86 100 —91 -16 564 352 378 74 -157 'VI seit 22. 7. am +3 +3 —2 0 +1 —8 —3 —12 —12 -24 —6 0 -17 + bedeutet Wuchs-— Fall.— Unterpegel. jT' Zweigverein Berlin und Umgegend. Aehtnng! Pahrstuhlarbeiter! Sonntag, den 25. Juli, mittags 12 Uhr: Oeff entliehe Versammlung für sämtliche an Fahrstühlen beschäftigten Kollegen in Anton Bockers Festsälen. Weverstr. 17. Tages-Ordnung: I. Die Mihstände in unserem Beruf und wie sind dieselben zu beseitigen? 29117* 2. DisKission. __ Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eZ Pflicht eines jeden FahrswhlarbeiterS, in dieler Versammlung zu erscheinen._ Per Zwcigvereinsvorstoml. Deutscher Ketallarbelter-Verbanä. — Vsrwnltnngsstsllv Berlin.----------------- Arbeitsnachweis: Hos 1. Amt UI, 1239. Charitestraste Z. Hanptbureau- Hos NI. Amt IN. 1387. �vktungZ FlvktungZ UelckseltrsnksMossarZ Montag, den ÄS. Juli, abends S'!- Uhr, in kVsnIros FestsaSen, Badstr. 19: Versammlung stmllichtr in deit Gtldslhralikstbrilieil dtschWgtc« Arbeiter. TageS- Ordnuug- 1. Bericht über den Stand unserer Bewegung. 2. Diskussion. iebtang! Schlosser! iehtang! Mittwoch, den Ä8. Juli 1999, abends 8 Uhr: AIIgsmsVNv Versammlung der Schloffer Berlins und Umgegend im Palast-Theater(früher Feen-Palast), Burgstraße 24, vis-a-viZ der Börse. TageS-Ordnung, 1. Bericht über die letzten Verhandlungen mit den Arbeitgebern 2. Diswssion. Zahlreichen Besuch erwartet_ 180/11_ Die Ortaverwaltniig. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittwach, S8. Juli, abends 9� Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 38/30(großer Saal): Leneral-Varsammlung. TageS-Ordnung- 1. AbrechmiNg vom 2. Quartal 1909. 2. SituationSberscht. 8. VcrschiedmS. Mltglledabnch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. 134/9 Um zahlreiches und PünlilicheS Erscheinen ersucht Der Vorstand« ß. A.: E. Sciudza Q|t„ f Die Mitglieder werden auf das Stiftungsfest am Tonnabend. den zi. J«lt, Hingewiese«, welche? im„Schweizergarteu" am Friedrichs- haiu 3S/3S. stattfindet.(Siehe Slnnonee am Mittwoch.)_ Meißners Volksgarleu Pankow,©chloBftr. 2. Tel. Pankow 68. Jed. Sonntag Freikonzert, im Saale Tanz-Rsumon. Kafjeeküche Liier 0,80. Charlottenburg(Wabberein). Am Mittwoch, den 88. Juli, abeudS'/,S Uhr, finden in allen Gruppen Gruppen-Versammlungen statt, in denen solgende Tagesordnungspunkte zu erledigen find- Die Neunntkilnng der WahlbeMe und Gruppen. Nelnvlih! der Gnippenführer. Die bevorstehkilden Studtvemduetenivlihlen. In diesen Versammlungen referieren die Stadtverordneten Genoffen Bartsck, Dr. Borchardt, Gebert, Hirsch, Scharnberg, Sellin, Vogel, Wilk und Zietsch. Die Versammlungen finden statt für die 1. Gruppe- Roßtrappe, Spandauer Ehauffee. 2. Gruppe: SCtlUlZ, Kaiser-Friedrich-Straße 24, kleiner Saal. 6. Gruppe: VOlkShaUS, Roflnenstr. 3, groster Saal. 4. Gruppe: LeilUeF, Windscheidslr. 24/25. B. Gruppe: VOlkSlläUS, Roflnenstr. 3, kleiner Saal. 6. Gruppe: SCllülZ, Kaiser-Friedrich-Straße 24, oberer Saal. 7. Gruppe: ThüUaCk, WIelandstr. 4. 8. Gruppe- ÄUgUSlB-VlklOrla-Säle, Lutherstr. 31. Sllle Mitglieder werden gebeten, in diesen Versammlungen zu erscheinen. Die Mitgliedsbücher sind mitzubringen und jedes Mitglied hat in die Versammlung der Gruppe zu gehen, in die eS nach der Neueinteilung der Bezirke gehört. [250/15*] Der Vorstand. Verband der Tapezierer. =====3 Filiale Berlin.■ Am Donnerstag, den SS. Juli, abends 8'/z Uhr, bei Mendt. Beuthstr. S1: Sä? Qmartals-Versammlnng.* TageS-Ordnung: ' 1. Bericht deS Vorstandes und des Kassierers. bandSangelegenheiten und Verschiedenes. Pflicht aller Kollegen ist eS, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortovcrwallnng. m Schöneberg:.■ Sozialdemohratiseher WaMnerein DienStag, den S7. Jnli, abends 8'/, Uhr: General- Versammlung w den Neuen Nathaussiilen, Mcininger Sttaße 8. TageS-Ordnung: 1. Vorstand», und Kassenbericht. 2. DaS OrganisationSstawt nebst Anträgen. 3. Llnträge zum Parteitag. 4. Wahl der Delegierten: zum Kreis, Groh-Berlin, Prooinzialkonserenz, Parteitag. 5. BereinSangclegen- Helten. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen ist unbedingt erforderlich. BIS Mitgliedsbuch legtttmiert. Per Verstand. Verband derbaiigewnrbl. Hilfsarbeiter Deutschl. Zweigverriu Berlin und Umgegend. 8ektKoiU der I8taker! Montag, den S«. Juli ISO», abends 8'/- Uhr: AnAsroräenffiehs MgUeder- Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13(Saal 3). TageS-Ordnung: 1. Bericht über den Stand unserer Bewegung. 2. DiSkusston. Zahlreichen Besuch erwartet 23/19*_ Der Einberuser. I der sr 177/7 2. Diskussion. 8. Ver- Mriil-Kraiibkn-mdStcrbtbltjstdttMliln Filiale Berlin. Bureau t flldchiorrtr. 28, part. —— Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags.> Montag, dea 26. Juli, abends 8l/3 Uhr, im Gcwerkschaftshause Engelufer 15: Mitglieder-Versantmlnng TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1909. 2. Verschiedenes. 888/17 Die Ortsverwaltnng. Zahlstelle Berlin. Bureau: Blanbcnfoldestr. 10. Mittwoch, den 28. Juli, abends 81/z Uhr, bei Boekor, tlSeberstrafte 17 i General- Versammlung üü TageS-Ordnung- 1. Geschäfts- und Kassenbericht pro II. Onartal-I 2. Distussiom 3. Verschiedenes. 169/18_ Ple Ortsverwaltnng. Rae/c/tf' � neunion-Cigaretten .Harmowe'- 2fT,v Genau nach CalroAr� yOiETA'lMü arß Deutsciier Holzarbeiter-Verband. —— Zahlstelle Berlin..- IWSbelpolierer. Dienstag, den 87. Jnll, abens 8 Uhr: im Oewerksohaftshanse, Engeluser 16, Saal 8« Branchcn-Vcrfamtnlutig« Tagesordnung- 1. Beratung der von der gewählten KommWou gesteve»«nträg, betreffend Aenderung der Arbeitsvermtttelung auf dem pmWti scheu Arbeitsnachweis. 2. DiSkusfioa. 3. Verbands- und vranchemmgetegen. Helten. Die«rh.eltsl«>sen beilegen«-erden ersnekt, an dieser Versammlung teUeunebmen. 87/3_ Die Brm-chcmkoouMwA. Stellmacher. Sonntag, den 25. Juli, vormittags 10 Uhr* Grs öffentliche ¥ersammlisitg im»Rvseuthaler Hof«, Rosenthaler Straffe 11—12. MgliLller-VerZMMnnW: Kammacher. Montag, den 26. Juli, abends 8>/° Uhr, im Geworkschattshanse, Engeluser 14/15, SM& TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen 8el»l«mmtngvr wer«»Dte deutsche Steurrpolttlk*. 2. Brauchmangelegeuhetten. Möbelpolierer. Bezirk Südosten, Süden und SVdvestG. Montag, de« 26. Juli, gleich nach Feierabetch im„Märkischen Hos«, Admtralstt. ISo. TageS-Ordnung: 1. Die Rechte und Pflichten der Delegierten zur Geueral- Versammlung. 2. Stellungnahme zu der jetzt einsetzend«: Konjunstur. 3. Werkstattangelegenheiten. Korbmacher Montag, den 26. Juli, abends 8 Vä Uhr, im Gewerkschaf tshause, Engelufer 14/15, Saas 7. Ta ges- Ordnung: 1. Vortrag. 2. BranchenangelegeichMm. Sürsts«- und IMnsdmaclter. Mittwoch, den 28. Juli, abends 8 Uhr, bei FrcnO, Holzmarktstr. 65. JalouslexArheiter Mittwoch, den 28. Juli, abends»Uhr, bei Becker, WSeberstr. 17. Bodenleser. Mittwoch, den 28. Juli, abends 8 Uhr, lm Gewerkschaltshanse, Engelufer 14/15, SM 1 Perlmutt-, Horn--. Steinnußarbeiter Mittwoch, den 28. Juli, abends 6 Uhr(gleich nach Feierabend) im Gewerkschaf tstaansc, Engelufer 11/16, Saal 5. Klavierarbeiter. Die am 26. Juli fällige Branchenversammlung fällt ans. Vensemmlungen Im slugust- Mittwoch, d. 4. August: Vertvanensmannervcrsammlnngcn der Branchen und Bezirke. Montag, den 9. August: Bitglledcrversammlangoil. für die __________________:< GewerkschaftShanfe. Beratung der Anträge jür die Generalversammlung� Mittwoch, den 1«. August: Generalvorsammlang im AßM— Zl n t r n g e Statut biS 4. August 1 für die Generalversammlung muffen laut eingegangeu sein. Achtung, Werksfattvertrauensmänner! burger Ttraste SO nach Frankfurter �llee 14» bei Franz Venmann verlegt. Die Ortsverwaltung. i Dräsels Vestsäte Meine Säle mit Theaterbühne, 200—600 Personen fassend, find 'neu Sonnabenden uud Sonntage» m den Mo- noch an verschiedenen �............ natcn September, Ottober und November zu vergeben. 19082 HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE OtaM Wochfl ALEXANDERPLATZ Versand nach außerhalb unter Berechnung der Verpackung FRANKFURTER ALLEE 6oweK Vorrat 3 Waggon Glas und Porzellan Aufierordentlich preiswert Besonders preiswert: Porzellan-Teetassen 00 dGnne, mit Klee-Dekorat StQek fcfc Pt. Dekoriert Porzellan Abendbrotteller... stock 13 pf. Butterglocken.... stock 45 Pf. Obstteiler m. Erdbeerd. stock 2 8 Pf. Fruchtschalen a. fu« stock 1 50 Kaffeebecher m.Buchst.8tek. 2 3 pf. Kaffeetassen m.Qoidr. stock 20 p». Schleifglas Wassergläser....... stock 1 8 pf. Wasserkaraffen— stock 6 5 pt. Sturzkaraffen...... stock 45 p, Kompotteller........ stock 22 pt Salatschalen....... stock 95 pf. Weissbiergläser____ stock 95 pt. Zuckerschalen...... stock 45 pf. Butterdosen........ stock 65 pf. Käseglocken........ stock 48 p«. Cognacschalen...... stock 1 4 pf. Victoria- Becher 23 Emaille Eimer ca, 28 cm.................... 65 Eimer Bilt 0«cK»I und MdMinebUcel................... 250 Mülleimer m» Aut.ehri«................. 95 pf. 235 Toilette-Eimer Por*elI«nfomi mit RohrbUg«).......... 2®° Waschgarnituren Por2«ii.ntorm............ 750 950 Aufwaschwannen......................... 90 p». Brotkörbe.................................. 75 pt Braunemaill. Geschirre mit Hohignffe Schmortöpfe........ 35, 45, 55, 65, 80 pf. Kasserollen................. 30, 35 w. 60 p,. Eierkuchenpfannen... 30, 35, 40>», 55 p,. Wasserkessel....................... 1so w. 200 Kaffeekannen..................... 65?,. bul10 Besonders preiswert: Satz Milchtöpfe Q R fein dekoriert, Satz= 6 Stock Pt Einmachegläser„Adler" >/, Uter s/4 Liter 1 Liter l1/» Liter 2 Liter 28, 33, 38, 45, 50«. Einmachegläser„Perf e kt" V« Ltr. 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CENTRALE: WcinC« Berlin NW., Wullenwebersfr. 6« LiC|UeUre EIGENE FILIALEN: O, Frankfurter Allee 185 Königsbergerstrasse 28 Madaistrssse 13 (Sebleaisoher Bahnhof) Froakanerstrasae 11 Warschaueratraase 24 "Weidanweg 64 (am Balten- Flata V. BadBtr.l2(neb.d.UBrktbalIe) Brunnenstrasse 96 Danzigerstrasse 8 Invalidenstrasse 168 Kopenhagen eratrasse 4 Müllerstrasse 156h (gegenüber der Antonstr.) Eeinickendorferstraase 7 ( W edding-Platz) Schönhauser Allee 187 (am Schönhauser Tor) Scnwedenstrasse 17 a Seestrasse 68 f Swine münderstrasse 50 Wiohertetrasse 159 KO. Landsberger Allee 45 Lippehnerstraase 9 NW. Beuiselstrasse 53 Huttensbrasse 2 Waldstrasse 7 Wilanaokerstraase 67 fEingang Dreyaeatrasse) "Wullenweoerstrasse 6 W. BtUowstr&sse 6 (am Nollendorf-Plati) Joaobimsthalerstrasse 85 S. Kottbusar Damm 16 8W. Bergmannstrasse 24 Blücherstrasse 14 Lindenstraase 103 (neben der Marktballe) SO. Dresdenerstrasse 16 Falokensteinstrasse 41 Orardenstrasse 14 a (Heinriob-Plats) SO. Püoklerstraase 17 Eaichenbergorstrasse 115 Stralauer Allee 22a TOBORTE Charlotteaborg: Pestalozzistrasse 78 Wilmersdorferstrasse 10 Erlcdricl»»!»»««»« Friedrichs tr. 79. Nosrasr«! Bisenhahns tr. 10 Pankow« Berliners tr. 9 Rlxdorlt Bergstrasse 65(56 Herrn annplatz S Hermannstrasse 69170 Rommelsbnrgi TOmohmidtstrasse 89 SchAnebergt Oolbzstrasse 43 Tempelboferstrasse 28 (Boke Hauptetrasse) Weisse naee« K&nigs-Chanssee 47 b (Kaiser Wilhelm-Platz). Tegels Bnmowstrasse 89 Es ist die höchste Zeit zum Einkauf! Afoch gelten meine bisherigen billigen Preise 70 pf. S Moselblümchen vi nasche ÖO KÖnigSmOSel Flasche St. Jllhen Bordeaux. Vi Flasche 90 Germania-Sekt,.«a nasche 1.50 10 Flaschen Vorrat sind frei von Nachsteuer. inkl. Pf. Glas inkl. Pf. Glas M. inkl. Olas n. Steuer Bei Abnahme von 10 Flasch. 1 Flasche gratis. COgnaC L Anatole& Co...; I Vi Flasche 2.50 3.oo 4.oo COgnaC Jas, Prunier& Co.. inkl. M. Olas COgnaC Boutillier, G. BHand& Co. Vi Fl 3.00 M. ffi COgnaC Dubols& Co....... Vi Flasche . Vi Flasche 4.50 inkl. M, Glas mkl M. Glas Berrnttwortl.' Redakteur: Wilhelm Diiwell, Lichtenberg. Für den Jnseratent-ilverantw.: Th.Gl-cke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtS�Zuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer k Co.. Berlin SW. Nr. 171 26. Iahrgaog. 2. KcilU des, Amiirls" Knlmr WlkMM Sonntag, 23. Inli lWS. Vlrllchsttlichei' Vochendericht.{ Berlin. 24. Juli 1909. Der Arbeitsmarlt.— Eisenbahnriunahmcn.— Außenhandel Deutsch- lauds im Juni.— Getreideprcise.— Weizenproduktion und Volks- Vermehrung.— Die neue Milliardenlast.— Aussichten. DaS auf Grund der Arbeitsnachweisstatistik gewonnene Bild Von der Lage am Arbeitsmarkt gfigt für den Monat Juni wieder etwas mehr Schatten, nachdem es rm Mai im Vergleich mit früheren Perioden in freundlicherem Lichte erschien. Im Mai 1903 kamen auf je 100 offene Stellen 156,3 Arbeitsuchende, im Mai dieses Jahres jedoch nur 151,1. Demnach war in diesem Jahre ziffernmäßig eine Besserung zu verzeichnen. Für den Monat Juni zeigt sich jedoch wieder eine andere EntWickelung. Der Andrang ist auf 154,4 pro 100 offene Stellen angewachsen, von 147,2 im Juni des vorigen Jahres und 94,4 im Juni 1907. Aus der Verschiebung von 1908 auf 1909 schließt die.Arbeitsmarkt-Korrespondenz" auf eine tat- sächliche Verschlechterung der Wirtschaftslage. Wir können das Zahlenmaterial aber nicht als zu solchem unbedingten Urteil be- rechtigenden Maßstabe anerkennen. Gegenüber allzu optimistischen An- sichten über die Konjunkturentwickelung, zudcnendie besseren Zahlender Arbeitsnachweise im Mai die Brücke bildeten, machten wir geltend, daß der Beobachtungskreis zu eng gezogen und das aus kurzfristigen Zusammenstellungen gewonnene Resultat ferner zu stark von Zufällig- leiten abhängig sei, um letzteres als zuverlässiges Wertmaß an- sprechen zu können. Es war verkehrt, zu glauben, nun müßten alle, von der durch die Arbeitsnachweisstatistik festgestellten„Tatsache" eines energischen Umschwunges am Arbeitsmarkt bestimmt, in das Fahrwasser des kritiklosen Optimismus hineingondeln. Wir müssen uns aber auch gegen die ebenso falsche Schlußfolgerung aus den Juniergebnissen wenden. Die vergleichenden Zahlen stellen einen viel zu bescheidenen Bruchteil der Gesamtarbeilerschaft dar. sie sind dabei zu sehr von sekundären Faktoren abhängig, als daß sie ein getreues Spiegelbild des ganzen Arbeitsmarktes geben könnten. Bei der letzten Berufszählung— im Juni 1907— wurden Deutschland bereits 18 Millionen hauptberuflich Erwerbstätige gezählt; jetzt dürste die Zahl infolge natürlichen Zuwachses um noch eine Million größer sein. Die Statistik der Arbeitsnachweis« für Juni 1903 umfaßt aber nur 106 720 Stellenangebote und 164 794 Nachfragen. Das letztere macht nicht einmal 1 Proz. der Arbeitsfähigen aus. Ein sehr großer Teil dieser kommt naturgemäß für die Arbeitsnachweisstatistik überhaupt nicht in Betracht, aber auch der Kreis derer, die die öffentlichen Arbeitsnachweise in An- spruch nehmen, ist ein stark wechselnder. DaS gilt sowohl für Arbeitsuchende als auch für Unternehmer und Dienstherrschaften. Nach der Statistik der dem.Arbeitsmarkt" angeschlossenen Kranken- lassen die mit ihren zirka SVa Millionen Versicherten schon eine breitere Beobachtungsbasis darstellen als die Arbeitsnachweise, hat auch tatsächlich, absolut genommen, der Beschäftigungsgrad im Juni 1909 gegenüber dem vergleichenden Monat des Vorjahres nicht abgenommen. Nach den Berichten aus den verschiedenen Industrien standen geringen Abschwächungen der Produktion in einigen Gewerben mäßige Steigerungen in anderen gegenüber, so daß im allgemeinen eine Verschiebung kaum eingetreten sein dürfte. Vom Eilenmarkt wurde teilweise flottere Beschäftigung gemeldet, die auch jetzt noch m verschiedenen Gewerben anhält, wahrscheinlich aber nicht von langer Dauer sein wird. In der Textilindustrie hat die Produktionstätigkeit wieder abgenommen, während im Baugewerbe das mäßige Tempo � L?gt"man für die Beurteilung der Marktlage die Eisenbahn- einnahmen zu Grunde, dann könnte man für den Monat Juni sogar auf eine ziemlich erhebliche ProduktionSsteigerung schlußfolgern. Die deutschen Eisenbahnen erbrachten nämlich im Juni d. I. aus dem Güterverkehr eine Einnahme von 128>/z Millionen Mark. Gegen die Vergleichszeit des Vorjahres ist die Einnahme um über 9 Millionen Mark, das ist über 7 Proz., gestiegen. Es wäre natürlich verkehrt, von den monatlichen Einnahmen der Eisenbahn auf eine parallele Bewegung der Gütererzeugimg södließen zu wollen. Auch hier können Zufallsfaktoren die Resultate sehr stark beeinflussen. Aber der Schluß, daß bei den stark gestiegenen Einnahmen der Eisen- bahnen aus dem Güterverkehr die Warenproduktion im Juni nicht „achgelassen hat, dürfte doch wohl zulässig sein. Ein gleiches Urteil kann man auch aus der Gestaltung unseres Außenhandels gewinnen. Für die hauptsächlich in Betracht kommenden Jndustrieprodukte ergeben sich für den Monat Juni diese Zahlen: Einfuhr Ausfuhr 1908 1909 1908 Z909 in 1000 Doppelzentner Chemische und pharmazeutische Er- zeugnisse......... 7 932 8 902 11 707 13 238 Spinnstoffe und Waren daraus.. 1 140 1 237 1 366 1 456 Leder, Lederwaren usw..... 70' 70 163 180 Schnitz- und Formerstoffe.... 190 189 383 382 Papier, Pappe und Waren daraus 334 401 1 803 1 870 Waren aus Steinen...... 3 176 2 571 637 619 Glas und Glaswaren..... 94 88 791 680 Eisen und Eisenlegierungen... 2 845 2117 18 257 18767 Blei, Zink, Kupfer und Legierungen daraus......... 1 424 1 392 1 000 955 Maschinen usw........ 499 421 2 384 1190 Als ein schlechtes Zeichen für die Verhältnisse am Weltmarkt kann die Abnahme des Exports von Maschinen gelten. Dem Ausfall ist auf dem heimischen Markt ciir Ausgleich sicher nicht erwachsen. Für verschiedene andere Artikel hat sich der Außenhandel günstiger gestaltet. Alles in allem genommen kann man sagen: In der Lage deS Arbeitsmarktes ist eine weitere Verschlechterung nicht eingetreten, aber der Wirtschaftskörper hat auch die Krise noch nicht überwunden. Das ist wenig trostreich I Was aber als noch schlimmer bözeichnet werden muß, ist die Möglichkeit eines Rückschlages, Da spielt zu- nächst die Frage der diesjährigen Ernte für uns eine große Rolle. Gute Erträge garantieren zwar keine niedrigen Preise, die verhindert das oft erwähnte System der Einfuhrscheine in Verbindung mit den hochgetriebenen Zöllen, aber schlechte Welternten machen sich in Deutschland dank der Schutzzollmauer ganz sicher in Gestalt von außerordentlich hohen Preisen unaiigenehm fühlbar. Und nach den bisherigen Ernte- und Saatenstandsberichten muß mit einem wenigstens nicht guten Erträgnis gerechnet werden. DaS„B. T." untersucht das Verhältnis zwischen Weizen- verbrauch und-Produktion und kommt zu dem Resultat, daß die Menge der Ernten nicht in demselben Maße wie die Bevölkerung gewachsen sei. Die Zunahme der Bevölkerung im letzten Jahrzehnt macht für Europa. Amerika und Australien über 14 Pro,, aus. Die Weltweizenernte dagegen weist eine Produkiionssteigerung auf, die noch nicht 10 Proz. ausmacht. In Millionen Ouarters wurden nämlich geerntet: 1893 1900 1902 1904 1906 1907 1908 365 314 400 400 423 390 395 Die Verhältnisse am Getreidemarkt lassen befürchten, daß der für d,e Ernährung aufzuwendende Anteil vom Einkommen sich kaum wird ermäßigen lassen, so daß dieAuSgaben für andere Lebensbedürfniffe nicht gesteigert werden können. Die Nachfrage bleibt somit schwach. Nun kommen, die Lage verbösernd. die neuen und erhöhten Verbrauchs- steuern hinzu, die in ihrer Wirkung noch uiiheilvollet sich zeigen, als zunächst nach dem Resultat der Steuermacherei des Anti-ErbschaftS« steucrblocks angenommen wurde. Daß die breite Masse durch weitere Belastung mit zirka 400 Millionen Mark Abgabenerhöhung in der Konsumkraft geschwächt wird, ist schon schlimm genug, nun sollen die Konsumenten sich die neue Stencrlast also um das Doppelte und mehr erschwert, aufbürden lassen. Anstatt der 400 werden es vielleicht 1000 Mil- lionen, die sie aufbringen müssen. Wie sich für einzelne Artikel die höhere Steuer tn Belastung für die Konsumenten umsetzt, sei in folgendem skizziert: Die Spirituszentrale hat den Preis bereits um 10 Proz. gesteigert. Die Destillateure erklären, ebenso wie die Wirte, für sie seien die Ver- Hältnisse so unleidliche geworden, daß, wollten sie nicht verarmen, eine energische Abwälzung notwendig sei. Man sieht wohl nicht zu schwarz in der Annahme, daß für die Konsumenten die Verteuerung ungefähr das Doppelte der neuen Steuer, also 160 Millionen Mark ausmachen werde. Vorausgesetzt, die Wirte und Brauer hätten in der ersten Hitze des Gefechts etwas zu scharf geschossen, und sie würden, anstatt eine Verteuerung des Bieres um 7 bis 10 Pf. pro Liter vorzunehmen, sich mit einem durchschnittlichen Aufschlag von 6 Pf. für die Gcsamterzeugung begnügen, so stellt sich die Belastnng der Konsumenten auf 433 Millionen Mark, bei 100 Millionen veranlagter Steuerlast. Kaffee und Tee sollen zu- sammen 37 Millionen Mark aufbringen. Schon jetzt sind den Kon- sumenten Aufschläge von 30 bis 40 Pf. pro Kilogramm angekündigt. Rechnen wir mit einer durchschnittlichen Verteuerung von 25 Pf. pro Kilogramm Rohkaffee, dann erwüchse den Konsumenten eine Mehr- belastung von rund 50 Millionen Mark. Der Tee dürfte im Durch« schnitt um 1 M. pro Kilogramm im Preise steigen, das ergäbe eine Mehr« belastung von rund 4 Millionen Mark. Auch die Zündhölzer werden im Kleinhandel über die Steuerbelastung hinaus versteuert, so daß der Konsument anstatt der veranlagten 25 Millionen Mark vielleicht 30 Millionen Mark ausbringen muß. Danach stellt die Rechnung sich so, daß bei einer Steuerbclastung von 242 Millionen Mark auf Branntwein, Bier, Kaffee, Tee und Zündhölzer die Konsumenten mit 682 Millionen Mark belastet würden. Nimmt man weiter an, die neue Belastung des Tabaks werde in ähnlicher Weise abgewälzt wie die Branntweinsteuer, dann wären, bei einer Steuer von 285 Millionen Mark, die Konsumenten schon mit 763 Millionen Mark belastet. Bei den billigen Zigarren macht der in Aussicht genommene Aufschlag zirka das vierfache, bei den mittleren das dreifache und bei den feineren Sorten das zweifache der Steuer aus. Wir gewinnen dieses Bild: Steuer Belastung der Konsumenten in Millionen Mark Branntwein......... 80 160 Tabak........... 43 86 Bier............ 100 438 Kaffee und Tee........ 37 54 Zündhölzer......... 25_ 30_ 285 768 Zusammen Selbst wenn durch Konsumeinschränkung ein Teil dieser be- rechneten Mehrbelastung nicht wirksam werden sollte, bedeutet die Finanzreform doch eine weitere Schwächung der Konsumkraft. Es muß gespart werden an den mehr belasteten Genußmittcln und an anderen Artikeln. Das hält auch wieder die Belebung in der Warenerzeugung zurück und die Produktionseinschränkungen setzen erneut Arbeitskräfte frei, die in dem Streben, ihre Hände zu verkaufen, den Druck auf das Lohnniveau verschärfen. So erwächst gerade dem arbeitenden Volke aus der industriefeindlichsn blau- schwarzeu Steuerpolitik eine Summe schädigender Faktoren, die seine Lebenshaltung empfindlich zu verschlechtern droht. 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Der Magistrat hat in diesem Jahre endlich mehrere Aus- legestcllen geschaffen, in denen die Listen ausliegen, so daß den Wählern der Gang nach der Poststraße erspart wird. Diese Stellen sind folgende: In der Turnhalle der 108./116. Gemeindeschule in der Hagelbergerstraße 34 liegen für die Stadtbezirke 1— 78 c die Listen aus. In der Turnhalle der 20. Gemeindeschule in der Waldemar- straße 77 sind die Listen für die Stadtbezirke 79—144 ein- zusehen. In der Turnhalle der 23. Gemeindefchule, Strausberger Straße 9. können die Listen für die Stadtbezirke 145—201 eingesehen werden. I» der Turnhalle der 200./214. Gemeindeschule, Oder- berger Straße 57, liegen die Liften für die Stadtbezirke 202—215, 218—267, 277 und 321 aus, und in der Turnhalle der 70./202. Gemeindefchule, Ravenöstr. 12, können die Wählerlisten für die Stadtbezirke 216, 217, 268 bis 276, 278—3200 und 322—3261) eingesehen werden. Schon bei der bisherigen Durchsicht der Listen haben sich erhebliche Mängel herausgestellt, weshalb kein Wähler der- säumen darf, die Listen einzusehen. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist, wenn er seit mindestens einem Jahre in Berlin wohnt und im letzten Jahre keine Unterstützung auS öffentlichen Mitteln erhalten hat und wenn er mindestens zur zweiten Stcuerstufe(660 bis 900 M.) eingeschätzt ist und die Steuern — sofern er über 900 M. eingeschätzt ist— bezahlt hat. Der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln gleichgeachtet wird die eigene Krankenhausbehandlung oder die Verpflegung Angehöriger im Krankcnhause im letzten Jahre, für deren Unterhalt der Betreffende zu sorgen hat. Selbständig ist jeder, der einen eigenen Hanshalt oder die selbständige Verfügung über einen Raum hat. Chambregarnisten sind Wahl- berechtigt, Schlafburschen nicht. Wahlberechtigt ist aber nur, wer in der Wähler- liste steht. Deshalb darf kein Parteigenosse, kein Arbeiter versäumen. die Wählerliste einzusehen. Wer die Voraussetzungen der Wählbarkeit erfüllt und trotzdem nicht in die Wählerliste ein- getragen ist, der erhebe in der Zeit bis 30. Juli Ein- Wendungen gegen die Richtigkeit der Wählerliste. Spätere Einwendungen als in dieser Zeit gemachte bleiben uuberück- sichtigt. Die Genossen werden freundlichst gebeten, bei der Einsichtnahme, wenn möglich, eine Steuerqnittung mit zur Stelle zu bringen. Das Vorzeigen derselben erleichtert das Aufsuchen der Namen und etwaige Reklamationen ganz ungemein. Partei-?Znge!egenkeiten. Das Familienfest des 4. Kreises findet am Montag, den 26. Juli, in dem zu diesem Tage besonders dekorierten Gartenlokal des Herrn Ludwig, Treptow, Köpnicker Landstraße, statt. Jedes Kind erhält je einen Bon für Stock. laterne, Kopfbedeckung und Karussell gratis. Außer den sonstigen Unterhaltungen werden vornehmlich für die Kinder unter Leitung von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte" Spiele mit Verteilung von Bonbons arrangiert. Bei dem niedrigen Eintrittspreis von 20 Pf. für Erwachsene— Kinder sind frei— wird auf starken Be. such gerechnet._ DaS Vommrrfest des sechste» Wahlkreises findet am heutigen Sonntag, den 25. Juli, im Schloß Weißensee statt. Die Veranstaltungen sind so getroffen, daß jeder Besucher aus seine Kosten kommen dürfte. Ein gutes Konzert wird durch die Mitwirkung von 20 Arbeiter-Gesangvereinen eine wirksame Ergänzung erfahren. Freie Turner und der Llrbeiter-Athletenverein werden Gewandtheit, Schönheit und Kraft vertreten. Daß der Humor und die Satire zur Geltung kommen, dafür wird das Berliner Ulk-Trio sorgen. Im Saale kann das Tanzbein geschwungen werden. Für die Kleinen ist gesorgt, indem jedes Kind zwei BonS erhält, einer gilt für eine Stocklaterne, der andere zur Schaukelbenutzung. Feuer- werk wird das Fest beschließen. Natürlich kann alles das bei dem geringen Eintrittspreise von 20 Pf. nur geboten werden, indem auf Massenbesuch gerechnet wird._ Charlottenburg. Wie aus dem Annoncenteil der heutigen Nummer ersichtlich ist, finden am Mittwoch, den 2 3. Juli. in den neuen Gruppen Gruppenversammlungen statt. in denen jedes Mitglied des WahlvereinS der sehr wichtigen Tages- ordnung wegen anwesend sein muß. Zu welchen Gruppen und zu welchem Wahlbezirk die Mit- glieder künftig gehören, erfährt jedes Mitglied durch das ihm zu» gestellte Straßenverzeichnis.. In diesen wruppcnversammlungen darf kein Mitglied fehlen. Der Vorstand. Lichtenberg. Dienstag, den 27. d. M.. findet im Lokal der Gebr. Arnhold. Frankfurter Chaussee 5. die Generalversanunlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Be- richt des Vorstandes: Anträge. 2. Verschiedenes. Das Mitglieds- buch legitimiert. Alt-Glicnlcke. Dienstag, den 27. Juli, abends 8 Uhr, findet der Leseabcnd für Frauen und Männer im Lokale des Herrn Troppcns, Nudowcrstr. 54, statt. Brib-Buckow. Heute morgen, 8 Uhr, findet von den bekannten Stellen auS eine Handzettelvcrbreitung statt. Dienstag abend, 8 Uhr, im Landhaus, Chausseestr. 97, Volks- Versammlung. ES ist Pflicht jedes Genossen, für regen Besuch zu agitieren. Der Vorstand.. j Lankwitz. In der am Mittwoch, den 28. Juli, abends 8� Uhr, b2i Ebel, Marienfcldcr Straße 7, stattfindenden Mitgliederver- ssammlung des hiesigen Wahlvereins hält Dr. M>. Schütte einen historischen Vortrag über Karl Marx. Diskussion und Kassen- bericht. Der Vorstand. Schönebcrg. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 27. d. M., abends 8V2 Uhr, in den Neuen Nathaussälen, Mciningerstr. 8, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Das Organijationsstatut nebst Anträge. 3. Anträge zum Parteitag. 4. Wahl der Delegierten: a) zum Kreis, b) Groß-Berlin, c) Provinzialkonferenz. d) Parteitag. 5. Vereinsangelegenheiten. Die Genossinnen und Genossen wollen pünktlich und zahlreich erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Ober-Schöneweide. Dienstag, den 27. d. M., abends 8 Uhr, im Wilhelminenhof: Volksversammlung. Genosse Bühler spricht über „Die Ausraubung des Volkes durch die neuen Steuern". Aus Anlaß dieser Versammlung findet Montag abend, 7 Uhr, eine Flug- blattverbrcitung von den Bezirkslokalen aus statt. Niemand fehle. Der Vorstand. FriebrichShagen. Dienstag, den 27. d. M., findet abends 816 Uhr, int Restaurant Witive Lerche, Friedrichstr. 112, die Wahl» vercinsvcrsammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Unger über Kirche und Christentum. Diskussion. Vereinscmge- legenheiten. Schmargendorf. Dienstag, den 27. Juli, abends 8Vs Uhr, findet im„Lindenbaum", Spandauer Straße 40, die Gcneralver- sammlung des Wahlvereins statt. Das Erscheinen aller Genossen und Genossinnen erwartet der Vorstand. Mühlenbeck, Schünfließ, Bezirk Nieder-Schünhausen. Sofintag, den 25. Juli 1909, nachmittags 4 Uhr. findet bei Maier die Mit- gliedervcrsammlung statt. Durch Kreisbeschluß gehören die Schönfließer Genossen zum Bezirk Nieder-Schönhausen, darum ersuchen wir die Genossen, sich rege an der Versammlung in Mühlenbeck zu beteiligen. Die Nieder- Schönhauscner Genossen treffen sich um 2 Uhr bei Bratvogel, Nordend. Wilmersdorf-Halensee. Die am Dienstag, den 27. d. M., fällige Mitgliederversammlung findet umständehalber erst am Dienstag, den 3. August, statt. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß Mittwoch, den 28. d. M., in den Spichernsälen eine öffentliche Dienstbotenversammlung vom Zentralverband der Hausangestellten stattfindet, und bitten wir die Parteigenossen und Genossinnen, in Verwandten- und Bekanntenkreisen für regen Besuch dieser Ver» sammlung zu agitieren. Grost-Lichterfelde. Dienstag, den 27. Juki, abends 8�6 Uhr, im„Kaiserhof". Kranoldplatz, Versammlung deS sozialSemokrati« schen Wahlvereins. Tagesordnung sehr wichtig. Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. Zehlcndorf. Dienstag, den 27. d. M., WahIvereinSversamm« lung bei Mickley. Tagesordnung: Wahl des 1. Vorsitzenden und Kassenbericht. Vortrag über das Organisationsstatut. Alt-Glienicke. Heute, Sonntag, den 25. Juli 1909, nachmittags 3 Uhr, findet im Terrassen-Restaurant bei Troppens, Rudowcr Straße 54, das Sommerfest des sozialdemokratischen Wahlvereins statt, bestehend in Gartenkonzert, Spezialitätenvorstellung, unter Mitwirkung der örtlichen Arbeitersportvereine. Für Belustigungen aller Art für Jung und Alt ist bestens Sorge getragen. Entree 20 Pf. Kinder frei in Begleitung Erwachsener. Die Kinder er- halten am Eingang Stocklaternen. Von 4 Uhr ab im Saale großer Ball. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Biesdorf. Dienstag, den 27. Juli, Zahlabcnd bei Gustav Berlin. Pünktliches Erscheinen sämtlicher Parteigenossen ist Pflicht, eS wird ein Bortrag gehalten. Der Vorstand. Nieder-Schönhausen-Nordend. Dienstag, den 27. Juli, abends 8% Uhr, findet im Lokal des Genossen Radseck, Kaiser- Wilhclmstraße 10, die Generalversammlung des Wahlverems statt. Tagesordnung: Geschäfts- und Kassenbericht. Stellungnahme zum Entwurf des neuen Parteistatuts. Vereinsangelegenheiten. Ver- schiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Die Mitglieder werden auf die Verlegung des Versammlungslokals aufmerksam gemacht. Der Vorstand. FriedrichSfrlde. Dienstag, den 27. Juli, abends 8� Uhr, findet die Generalversammlung unseres Bezirks im Lokal von Bausdorf, Berliner Straße 18, statt. 1. Bericht der Funktionäre. 2. Der Parteitag. 3. Verschiedenes. Zum Eintritt berechtigt das Mitgliedsbuch. Friedenau. Mittwoch, den 28. Juli, abends W Uhr, Mitgliederversammlung bei Schellhase, Steglitz,?lhorn- straße 16a. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Regel über „Genossenschaftswesen". Berichte. Organisationsstatut. Wahl von Delegierten zur Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. An- träge und Verschiedenes. Keiner darf fehlen. Steglitz. Die nächste Versammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 27. Juli, abends 8� Uhr, bei Schellhase, Ahorn- straße 15a, statt. Relnickendorf-Wcst. Dienstag, den 27. d. M., abends 8 Uhr. findet im Lokal von Schiller, Eichbornstr. 60. die Generalversammlung des Bezirkswahlvereins statt. Die Tagesordnung wird in der Ver- sammlung bekanntgegeben. Die Bezirksleitung. ßerlimr IMachncbtm Di« Natur im Juli. Er hat sich verhaßt gemacht, in höchstem Maße, der heurige Julianus, der unter normalen Witterungsverhältnissen ein wirklich sonne- und wonnespendender Freund sein kann. Aber wie gesagt, dieses Jahr hat er seine Mucken. Hat sich's vorgenommen, die da draußen weilen, in der Sommerfrische (das Wort- buchstäblich genommen), gründlich zu ärgern. Handelt nach dem Rezept feines launischen Bruders April, läßt an jedem Tage zwanzigmal regnen und zwanzigmal— oft auch gar nicht— die Sonne scheinen. Zwingt uns mit konstanter Bosheit, bei jedem Gang als unzerttenn- liche Begleiterin die leidige„Mußspritze" mitzunehmen. Aber wenn durch die trostlos graue Wolkenkuppel ein paar Sonnenstäubchen huschen, so freut man sich um so herzlicher des Sommers, und etliche gute Eigenschaften müssen gerechter- weise dieser Dauerregenzeit zugestanden werden. Die Mücken, die uus sonst gequält und uns die schönen Abende vergällt hatten, sind zu Tode erfroren, die Raupen, die auf unserem Nacken verheerende Streifzüge unternahmen, mußten kläglich ersaufen, und erst der Staub. dieser lästige, flüchtige Geselle, der init seinen Billionen von todbringenden Bazillen alle furchtsamen und lebensfrohen Gemüter in tausend Aengsten jagt, kommt in dieser feuchten Zeit absolut nicht auf. Und die Baumkronen wiegen sich stolz im Winde und lassen ihr schmuckes Grün über dem Grau der Straßen fröhlich leuchten. Da draußen aber im Felde, da treibt und sproßt und keimt es in strotzender Kraft und üppiger Fülle. Wohl hat manches unter dem vielen, allzuvielen Himmelsnaß gc- litten, doch könnte jetzt noch ein sonniger Wetterumschlag das meiste wieder gut machen. Auf den Kornfeldern schwanken die Halme manneshoch, schon klingt der Hammerschlag, der die Sensen gebrauchsfertig macht. Die Kartoffeln blühen und treiben mächtig ins Kraut, an den Obstbäumen reifen langsam die Früchte. Die Linden sind im Verblühen, nachdem sie die Bienen gesättigt und mit ihrem süßlichen Dufte die Lüfte geschwängert haben. Die Vogelwelt hat ihre neue Generation großgepäppelt, so daß die jungen Kiekindiewelt mit keckem Flug allein auf Abenteuer ausgehen können. Die jungen Spatzen sind schon gerade so„keß" wie ihre Alten, und die junge Staarensippe nimmt es im Kirschbäumeplündern getrost mit den flinken, waghalsigen Bauernbuben auf. Wie ein goldgestickter Teppich leuchtet zwischen den Rüben- und Gctreidcäckern ein Lupinenfeld auf, aus dem er- schreckt eine Schar Krähen mit lautem Geschrei emporflattert. Gevatter Lampe hoppelt eilig über den Feldweg unter das schützende Kleedach, denn in der Ferne rasselt ein Bauern- wagen heran. Ueberall Leben und Wachstum, Reichtum und Segen, harrend der Hände, die da ernten werden. Der Künstler. Durch das rastlose Gewühl und das tausendstimmige Summen klingen weiche, schmelzende oder auch wuchtige Akkorde. Musik, lebendige, warmbeseelte Musik. Nicht das ohrenzcrreißende, schnarrende Gekrächze der Phonographen, auch nicht die hämmern- den Klänge der automatischen Lärm Instrumente, nein, schöne, rein» klingende Musik flutet durch die Riesenräume des Warenhauses und quillt durch die verschiedenen Etagen und läßt so manches Ohr einige Sekunden erstaunt und erfreut aufhorchen. Oben, in der zweiten Etsge. im Musikalienlager vergraben, sitzt der Mann, der die schönen Weisen hervorzaubert, am Flügel und die schlanken Finger gleiten leicht und elegant über die Tasten hin. Und er, der Künstler, starrt wie in Andacht versunken«zur Decke empor und spielt—„und spielt mit kühnem Schwung die Götterdämmc- rung." Dunkle, glänzende Locken fallen über die weiße, hohe Stirn, kein Nerv zuckt in dem bleichen Gesicht. Sein langer, schwarzer Gehrock berührt den Boden, rings um den Musiker huschen Käufer, er aber sieht nichts, er spielt in weltvergessener Ruhe. Hinter dem Berg von Scidenjupons glänzen die blauen Augen der kleinen Verkäpferin und im Liberthlager läßt die schlanke Brünette ihre niedlichen Füßchen wie im Walzertakt drehen. Da bricht er ab mit einer schrillen Dissonanz und springt auf. Mit einer energischen Kopfbewegung schleudert er die Locken zurück. Jeder Zoll ein Genie. Dann geht er stumm und wortlos durch die Umstehenden._ Klagen über die Gefangenen-Sammeltransporte. Die Be- fördcrung von Gefangenen geschieht seit einigen Jahren in sog. Gefangenen-Sammeltransporten. Diese verkehren nach einem be- stimmten Fahrplan auf bestimmten Wegen. Bei dieser Einrichtung ist von den Polizeibehörden darüber Klage geführt worden, daß Gerichte und Staatsanwaltschaften ihnen die Unterlagen nicht immer mit der nötigen Vollständigkeit zugehen lassen, wie sie zur Ausführung der Transporte mittels der Gefangencn-Sammcl- wagen, insbesondere zur Ausfüllung der Transportzettel erforder» lich sind. Es entstehen dadurch zeitraubende Rückfragen und un- erwünschte Verzögerungen. Um diesen Unzuträglichkeiten abzu» helfen, hat der Justizminister in einer besonderen Verfügung den Gerichten und Staatsanwaltschaften zur Pflicht gemacht, bei Be» arbcitung der Transportangelegenheiten mit größter Sorgfalt zu verfahrt». Sie sollen der Polizei oder im Falle der Rechtshilfe den ersllchten Justizbehörden die Unterlagen, die zur Ausführung des Transports, insbesondere zur Ausfüllung der Transportzettel nötig sind, stets in der nötigen Vollständigkeit zugehen lassen. Die Gesuche sollen womöglich so zeitig an die Polizeibehörden gerichtet werden, daß die Transporte mittels der Gefangenen-Sammelwagcn ausgeführt werden können. Rücksichtslostokeit in städtischen Zwangsvollstreckungssache». Uns wird ein in Quartformat gehaltenes Zettelschreiben eines Berliner städtischen Vollziehungsbeamten, mit dem eine hiesige Verlagsfirma zur Begleichung einer größeren Schuld unter Androhung des Abholen? bereits gepfändeter Sachen aufgefordert wurde, beschwerdeführend übersandt. Der Zettel, der etwa keine unbeschriebene zweite Seite zeigt, war nur einmal gefaltet, so daß man trotz des Verschlusses mit Klebestoff den Inhalt genau lesen konnte. Er zeigt über der Adresse auch den Aufdruck„Magistrat, Kommission für Zwangs- vollstreckungssachen". Mit Recht fragt der Empfänger des Zettel« briefeS, ob es unmittelbar nötig ist, ihn in dieser halboffenen Form vor dem Briefträger und vor den Angestellten zu blamieren. Im Schreibwerk der städtischen Behörden soll allerdings gespart werden. Aber das Sparstzstem darf nicht da einsetzen, wo alsdann berechtigte Interessen der Einwohner gefährdet sind. Auch sollte es unstatthaft sein, solche magistratlichen Zuschriften, deren Form nicht bloß den Geschäftsmann, sondern auch den kleinsten Privatmann empfindlich schädigen kann, durch ihren Aufdruck noch anrüchiger zu machen. WaS im vorliegenden Falle gilt, trifft auch auf das öffentliche Mahnverfahren durch die Steuererheber zu, die Mahnzettel, die sie nicht abgeben können, einfach offen an die Tür heften. Interessante Sprengungen wurden gestern durch die Garde- Pioniere an der Hennigsdorfer Chaussee auf Veranlassung des Kanalbauamtes I des Großschiffahrtsweges Bcrlin-Stettin vorgc. nommen. Der Kanalbau hat die Beseitigung der alten HennigS» dorfer Chausseebrücke erforderlich gemacht, die auch jetzt abgetragen ist, doch verursachte die Entfernung der gewaltigen Steinwidcrlagcr der alten Brückenköpfe erhebliche Schwierigkeiten, zu deren Hebung militärische Hilfe herangezogen wurde. Nachdem bereits vor- gestern die Bohrungen durch Mannschaften der Pioniere borge- nommen waren, wurden gestern die Bohrlöcher mit Patronen ge- füllt und um 10 Uhr die Sprengung der Pfeiler vorgenommen. Während derselben war die Chaussee in weitem Umfange gesperrt. Die Sprengung ging glatt vonstatten. Die Widerlager wurden auseinandergerissen, so daß ihre Beseitigung nun mit leichter Mühe erfolgen kann. Abneigung gegen das Hospital hat die 71 Jahre alte Tischler?- witwe Charlotte Weber aus der Wassertorstraße 14 zum Selbst» mord veranlaßt. Die alte Frau, die seit 22 Jahren die Hausreini- gung besorgte, war seit drei Jahren brustleidend und wurde von Nachbarinnen unterstützt. Auf Veranlassung der Hauswirtin sollte sie gestern in ein Hospital gebracht werden. Dagegen hatte sie aber stets eine große Abneigung bekundet. Lieber ging sie in den Tod als in die Anstalt. Vor den Augen von Nachbarn, die ihr gcgenüberwohnen, ihr Beginnen aber nicht verhindern konnten. sprang sie gestern früh aus dem 3. Stock auf die Straße hinab. Ein Schtztzmaqn des 42. Reviers fand fix mit zerschmettertem Schädel und gebrochenen Beinen daliegen und wollte sie nach dem Kranken- Haus Am Urban bringen; sie starb aber schon auf dem Wege dort- hin in der Droschke. Kein M-torschrittmacher mehr. W. T. B. meldet: Radrennen mit Motorschrittmachern sind auf den preichischen Rennbahnen bis auf weiteres verboten worden._ Aus dem Straßenverkehr. Skalpiert wurde gestern der neunjährige Sohn Albert des Händlers Schumann aus der Müllerstraste. Der Knabe spielte mit anderen Kindern in der Reinickendorfer Straste und rannte dabei gegen einen vorbeifahrenden Geschäftswagen, wurde niedergerissen und fiel so unglücklich, daß ihm das rechte Vorderrad über den Kopf hinwegging und die Kopftjaut vollständig abriß. Außerdem erlitt der Junge, wie auf der Unfallstation in der Lindower Straße festgestellt wurde, schwere innere Verletzungen und mehrere Wunden am Kopfe. In hoffnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Rudolf Virchow-Krankenhause übergeführt. Von einer Airtoinobildroschke überfahren wurde an der Ecke der Leibniz» und Bismarckstraße die 69 Jahre alte Kochfrau Puckardt. Sie hatte einen Straßenbahnwagen vorüberfahrcn lassen und wollte dann den Fahrdamm überschreiten. Dabei übersah sie die Annäherung einer Kraftdroschke, deren Chauffeur das Unglück nicht mehr verhindern konnte. Frau P. erlitt Unterleibs- und Beinquetschungen, die sich glücklicherweise als ungefährlich heraus- stellten.— Im Krankenhause gestorben ist der Kutscher Adolf Panier, der am Donnerstag am Lützow von seinem eigenen Wagen überfahren worden war. Ihm waren beide Unterschenkel zermalmt worden. Im Krankenhause Westend wurden ihm die Gliedmasten abgenommen, doch gelang es nicht, den Kutscher am Leben zu er- halten. Ein Radier von einem Lastwagen überfahren und getötet. Bei einem verhängnisvollen Unglücksfall hat der 20jährige Schlächter- geselle Wilhelm Reitze! aus der Proskauer Straße 37 den Tod ge- funden. N. hatte auf seinem Zweirade eine Bestellung in Rum- melsburg besorgt und an der Ecke der Karlshorster und Prinz Albertstraste geriet er mit einem anderen Radfahrer derart zu- sammen, daß beide Maschinen zu Fall kamen. N. wurde von einem nachfolgenden Sandwagen überfahren und so schrecklich zugerichtet, daß er bald darauf starb. Den Kutscher triff» an dem traurigen Vorgang keine Schuld._ Durch Sturz aus dem Fenster hat sich in der Nacht die Lehrerin Eugenie Wildt, Lenbachstraste 11, das Leben genommen. In einem Anfall von starker Nervenüberreizung stürzte sich die W. aus dem Fenster ihrer im dritten Stockwerk belegenen Wohnung. Auf dem Transport nach dem Krankenhaus am Friedrichshain erlag die Lebensmüde den schweren Verletzungen. In einer trostlosen Lage wurde vorgestern die Arbeiterfrau B. aus Berlin mit ihren fünf Kindern bei Oranienburg aufgefunden. Die Unglückliche gab an, daß sie ihren Mann suche, der außerhalb Arbeit angenommen habe, doch wisse sie nicht, wo er beschäftigt sei. Da ihr Mann kein Geld schicke, habe sie die Absicht, ihn aufzusuchen. Ihre Wohnung in Berlin habe sie aufgeben müssen, weil sie die Miete nicht mehr habe bezahlen können und wäre jetzt mit ihren Kindern obdachlos. Die Oranienburger Polizei veranlatzte den Rücktransport der Bedauernswerten nach Berlin. Das zweite Opfer des schweren BootSnnfalls bei Heiligensee am vorigen Sonntag, die fünfjährige Lude Lange, ist am Freitag in der Havel bei Papenberae gelandet worden, nachdem bereits am Donnerstag die Leiche des Schlossers Naffin fast an derselben Stelle aufgefunden worden war. Beide Leichen sind in der Halle des Kirchhofes in Heiligensee aufgebahrt worden. In einer Strafsache gegen eine Frau D., der ein Streit mit dem Rektor der 199. Gemeindcschule in der Tilsiter Straße wegen Schulangelegenheiten ihres Sohnes zugrunde liegt und der sich am 6. Januar mittags abgespielt hat, wird die Adresse der Arbeiter- frau gesucht, der Frau D. auf der Straße von ihrem Streit mit dem Rektor erzählt hat; auch der Herr, der Frau D. ansprach, wird gebeten um Angabe der Adresse an Frau Dobberke, Boxhagener Straste 26 v. III. Auf dem Wege von der Adalbertstraste nach Oranienstrahe 179 ist einem armen Buchbinder, welcher von den Kollegen die Gewerk- schastsbeiträge einkassiert hatte, ein Portemonnaie mit zirka 46 M. Inhalt verloren gegangen. Derselbe ist ersatzpflichtig und wird der ehrliche Finder gebeten, dasselbe an Neumann, Skalitzer Straste 147, abzugeben. Feucrwehrbericht. Gestern früh um 6 Uhr wurde der 16. Zug nach der Fennstraß« 31 alarmiert, wo zwei Automobile brannten. Der 16. Zug mußte gestern nach der Gotzkowskistraße 8V ausrücken, wo Betten in einer Wohnung brannten. In der Charlotten- straste 16 brannten in einem Keller Kisten, Schmieröle u. a., und Monbijouplah 1 ein Schornstein. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Friedrichstrahe 8b gerufen, wo eine große Schaufensterscheibe auf die Straße zu fallen drohte. Die Wehr beseitigte die Gesahr. Vorort- JVacbncbtem Charlottenlmrg. Einen Selbstmordversuch durch Oeffncn der Adern beider Unter- arme unternahm am Mittwoch der 61 Jahre alte Schneidermeister Paul Lerandowicz aus der Sefenheimer Straße 9. Der Mann schnitt sich mit einem Brotmesser die Adern beider Unterarme auf. nachdem er in die eine Hand ein Gebetbuch und in die andere einen Rosen- kränz genommen hatte. Eine Hausbewohnerin, die das Röcheln vernahm, fand ihn in einer Blutlache liegend auf. Lerandowicz wurde auf Anordnung eines Arztes nach dem Krankenhaus ge- bracht. Gegen L. schwebte ein Verfahren wegen Sittlichkeitsvergehen, begangen an schulpflichtigen Mädchen. Pankow. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich am Freitag in der Wagenfabrik von Gebr. Wienicke Nachfolger, Pankow, Breitestr. 17. Daselbst geriet der L3jährige Stellmacher Stäcker mit der linken Hand in die Abrichtmaschine. St., welcher wahrscheinlich mit der Konstruktion einer solchen Maschine nicht recht vertraut ist, hat an- scheinend versucht, die Späne unter der Maschine hervorzuholen und ist dabei mit der Hand in die Maschine geraten. Dem Be- dauernswerten wurden dabei vier Finger vollständig abgerissen; wahrscheinlich wird die Amputation des ganzen Unterarmes not- wendig werden. Warum wird an einer solchen Maschine nicht ein perfekter Maschinenarbeiter angestellt Z Weiftensee. Im Lager der Hausbesitzer herrscht seit langer Zeit große Auf- reguug. Die Schuld wird den Mitgliedern der Grunowert-Ein. schätzungskommission zuerkannt, da angeblich in diesem Fahre die Grundwerte ganz besonders angezogen sind. Die Kommission be- steht überwiegend aus Gemeindevertretern und soweit sie den beiden Hausbesitzcrvereinen angehören, mußten sie unter dem Ge- schimpfe schwer leiden. Eine große Protestversammlung hinter verschlossenen Türen fand statt, von der sogar die Ortspresse aus- geschloffen war. Das Ergebnis war eine Resolution gegen die Kommission und den Gemeindevorstand. Eine Deputation mußte den Gang zum Bürgermeister vollziehen, um fast unverrichteter Sache abzugehen, denn die einzige richtige Antwort war, daß die Rektamationcn aufs eingehende geprüft werden sollen und soweit die Einschätzungen zu hoch sind, werden diese Berücksichtigung finden. Mit diesem Resultat waren die Hausagrarier aber nicht zufrieden und in der Hauptsache ist der Hausbesitzerverein des alten Ortsteils der Schieber. Dieser beschlost in seiner letzten Sitzung, eine Gemeindevertreter-Ueberwachungskommission zu wählen, die sorgsam zu achten hat, daß die Gemeindevertreter nicht über die Stränge hauen. Ueberhaupt wird man bei der nächsten Wahl ganz besonders geeichte Herren ins Gemeindcparlament ent- senden. Es mußten bei der ganzen Angelegenheit selbstverständlich auch die verhaßten Roten herhalten, die mit dem Gemeindevorstand durch dick und dünn gehen. Es dürfen nur zwei Gemeindevertreter in der Sitzung nicht anwesend sein, dann ist die rote Majorität mit dem Gemeindevorstand fertig. Und daher die Ueberwachungs- kommission. Auf eine Denunziation mehr oder weniger, die gegen eine bestimmte Person gerichtet ist, kommt es hierbei nicht an. Unseren Genossen wird auch dieser Streit im Lager der Hausbesitzer nur zum Vorteil gereichen. Lichtenberg. JugendauSschnß Lichtenberg. Die Parteigenossen und Gc- nossinnen ersuchen wir, die Jugend aufzufordern, an dem heute stattfindenden Ausflugc teilzunehmen. Treffpunkt 1 Uhr nach- mittags am Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde, von da aus nach Pferdebucht(Sadowa). Nachzügler werden um 4 Uhr im Lokal daselbst erwartet. Tegel. Die letzte Mitgliederversammlung beschäftigte sich mit dem Statutenentwurf der Parteiorganisation. Zu verschiedenen Paragraphen sollen Abänderungsanträge zur Kreisgeneralver- sammlung gestellt werden. So zu den§§ 6, 7 und 23 des Statuts. Genosse Grell gab den Kassenbericht vom letzten Quartal, der mit einem Ueberschuß von 231,63 M. abschließt; 100 M. wurden für Bibliothek- und Bildungszwecke bewilligt. Eine eingehende Diskussion entspann sich über diejenigen Genossen, welche dem ParteitagSbeschluß nicht nachgekommen sind, einen Tagesverdienst an den Maifonds abzuliefern, sofern sie am 1. Mai gefeiert haben und keinen Lohnausfall hatten. Von allen Rednern wurde betont, daß diejenigen, welche sich den ge- faßten Beschlüssen nicht fügen, sich abseits der Partei stellen und ebenso wie alle anderen ausgeschlossen werden müssen.— Als Delegierter zur Provinzialkonferenz wurde Genosse Bräuer und zum Parteitag Genosse Mass« nominiert. Britz-Bnckow. Der hiesige Wahlvercin hielt am 20. Juli seine Generalver. sammjsung ab. Nach dem Vorstandsbericht fanden im zweiten Quartal: 4 Vorstandssitzungen(eine engere), 3 Vereinsver- sammlungen seine in Buckow), 2 öffentliche Versammlungen, 1 Flugblatt, und 1 Handzettelverbreitung, 1 Landagitationstour und ein Besuch von L. Späths Baumschule. Der Mitglieder- bestand am 1. Juli betrug 39 Frauen und 264 Männer. Der Ein- nähme des Vereins von 216,60 M. stand eine Ausgabe von 71,60 Mark gegenüber. Der Bibliothekskassenbestand betrug 4,43 M. Entliehen wurden 17 Bände. Zur Kreisgeneralversammlung am 8. August wurden die Ge- nossen Beuthmann und Raatz delegiert und zur Generalversamm- lung von Groß-Berlin am 22. August ebenfalls einstimmig die Genossen Prenzlow und Trebus. Die Diskussion über..Aenderung des Organisationsstatuts der Partei" drehte sich hauptsächlich um die ZK 6, 7 und 12. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, doch war die Mehrheit(zwei Drittel) der Anwesenden für obligatorische Lieferung der„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder. AIS eventueller Delegierter für den Partei- tag wurde Genosse Händel nominiert. Beschlossen wurde noch, für den 27. Juli eine öffentliche Versammlung einzuberufen, in der Reichstagsabgeordnetcr Genosse Fritz Zubeil über:»Unser Kampf im Reichstag" referieren wird. Steglitz. Der JugendauSschuß teilt mit: Heute, Sonntag. Spielpartie der Jugendlichen. Treffpunkt Wannseebahnhof nachmittag? 2 Uhr. Vom BilbungSauSschuß wird bekanntgegeben: Am Sonntag, den 8. August, findet als Ferienabschluß ein FamilicnauSflug nach Beelitzhof statt. Treffpunkt früh 8� Uhr Wannseebahnhof. Die Genossen iverden schon jetzt darauf hingewiesen, damit sie sich für diesen Tag dafür frei machen, um sich möglichst zahlreich mit ihren Familien daran beteiligen zu können. Alt-Glienicke. In der WahlvereinSgeneralversammlung am 20. Juli im Lokale TroppenS erstattete der Kassierer Genosse Karl König den Kassenbericht vom letzten Quartal. Gesamteinnahme war 186,04 M., Gesamtausgabe 193,43 M. Den Gemeindevertreterbericht gab Ge- nosse Max Winkelmann, auS dem hervorging, daß 6 Gemeinde- vertretersitzungcn im letzten Quartal stattgefunden haben. Nach dem Bericht der Zeitungsspedition betrug die Einnahme 679,82 M., die Ausgabe 626,64 M., mithin verbleibt ein Ueberschuß von 48,69 M. Genosse Wilh. Dürre wies auf die Notwendigkeit hin, mehr für die Verbreitung der„Arbeiterjugend" zu tun. Als Dele- gierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Richard Lehmann und Heinrich Tietz, zur Verbandsgeneralver- sammlung von Groß-Berlin die Genossen Welsch und Wilh. Dürre gewählt. Nieder-Schönelveide. In der Generalversammlung des Wahlvereins am Dienstag, den 20. d. M., erstattete Genosse Bengsch den Vorstandsbericht, aus dem zu entnehmen war, daß in der Berichtszeit gut und mit Er- folg gearbeitet wurde. Den Kassenbericht aab der Genosse Matern an Stelle des erkrankten Genossen Voß. Die Einnahmen betrugen 110,76 M., die Ausgaben 110,64 M. Die Mitgliederzahl stieg von 102 auf 126, darunter 18 Genossinnen. Die Zahl der„Vorwärts"» leser stieg von 166 auf 186. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Bengsch und Grädnitz, zur VerbandSgeneralversamm- lung die Genossen Land und Dehme! delegiert. Die Genossin Bch- rendt wurde als Beisitzerin in den Vorstand gewählt. Die Biblio- thek befindet sich von jetzt ab> beim Genossen Stahlberg, Berliner Straße 123, welcher auch gleichzeitig die Verwaltung übernommen hat, wodurch die Bibliothek den Genossen zu jeder Tageszeit zur Verfügung steht. In den Jugendausschuß wurden die Genossen Land, Töpfer und Riefenstahl gewählt. Oranienburg. Parteigenossen! Seht die Wählerliste zur Stadt- verordnetenivahl ein I Dieselbe liegt für die stimmberechtigten Wähler Oranien- burgs nur bis' znin 30. Juli im Polizeibureau aus. Wer nicht in der Liste steht, kann nicht wählen. Für diejenigen, welche keine Zeit haben!, sehen die Genossen Fr. Heider, Mühlenstraße 31. und E. Schumann, Schützcnstraße 34, die Liste ein. Die letzte Steuerquittung ist mitzubringen. Die Berliner Parteigenossen bitten wir, so weit sie mit in Oranienburg wohnenden Genossen zusammenkommen, diese darauf aufmerksam zu machen. Der Vorstand. Zossen. Die letzte WahlvereinSversammlnng war gut besucht, auch Frauen waren anwesend. Genosse Dentzrt- Berlin referierte über die Kommunalpolitik. Derselbe verbreitete sich in seinem zirka zlveistündigen Referat über alle Gebiete der Kommunalpolitik. An der Hand von statistischem Material führte er den Anwesenden vor Augen, in wie ungerechter Weise die Wahlen zu den Kommunen gemacht werden, daß durch diesen WahlmoduS nur der„Verein zur Erhebung der Miete" zu seiner Vertretung käme und der größte Teil der Wählerschaft fast völlig einflußlos bleibe. Gerade jetzt, wo wir am hiesigen Orte vor den Stadtverordnetenwahlen stehen, sei eS Zeit, weiteren Kreisen die RechtlosigkeA vor Augen zu führe» und dafür zu wirken, daß auch endlich in diesem Hinter- land Bresche in die Hochburg der Geldsacksvcrtreter gelegt werde. Als Bibliothekar wurde Genosse Ridziewski, zum Bezirks- führer für den 3. Bezirk der Genosse Edler gewählt. Zum Schluß wies der Vorsitzende auf die bevorstehenden Stadlverorb- netcnivahlen hin und forderte die anwesenden Genossen zur fleißigen Mitarbeit, wie Ausfüllen der Hauslisten usw. auf. Bon der Frauenorganisation. Am Montag, den 19. Juli, fand im Verkehrslokale eine Frauenversammlung statt. Auch einige Genossen hatten sich eingefunden. Frau I e e tz e- Berlin sprach über:„Kampf um Brot und Recht". Die Genossiii verstand es in ihrem zweistündigen Vortrage die Anwesenden so zu fesseln. daß man wohl annehmen kann, die Frauenbewegung am hiesigen Orte wird nun festen Fuß fassen. Einige Frauen ließen sich in den Wahlverein auftlebmen. An den Frauen liegt es nun, das Gehörte weiter zu verbreiten, den„Vorwärts" und die„Gleichheit" eifrig zu lesen und die bürgerlichen Wurstblätter aus dem Hause zu werfen. Spandau. Aus dem Gewerkschaftskartell. In der am 22. d. M. ab» haltcnen Sitzung des Gewerkschaftskartells hielt zunächst der Ge- nosse Schubert einen Vortrag über Straftecht. Er wies nach, daß das Strafrccht immer je nach den Ansichten der herrschenden Klassen umgewandelt werde und betonte die Nottoendigkeit, dah das Getverkschaftskartell anstrebe, daß in die Listen der Schössen auch Arbeiter, und zwar organisierte Arbeiter aufgenommen werden, dast die Gewerkschaften geeignete Personen auswählen und dem Gewerkschaftskartell zum Vorschlag zu übermitteln. Dieser Vor- trag fand die volle Zustimmung deS Kartells. Den Kassenbericht vom 1. Halbjahr erstattete Genosse Schmidt. Die Einnahmen betrugen inklusive eines Bestandes von 16,71 M. vom 2. Halbjahr 1908 308,48 M., die Ausgabe stellte sich auf 291,05 M., so dast ein Bestand von 17,43 M. verbleibt. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Im Anschluß hieran erstattete Genosse M a n k e r den Be- richt deS BilimngsauSschusseS. Dieser Bericht ist bereits in dem Bericht über die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins veröffentlicht. Es hat sich bezüglich der Zahlen aber eine Unrichtigkeit ergeben. Die Einnahmen betrugen 666,60 M., die Ausgaben 638,90 M., so daß ein Bestand von 27,96 M. ver- bleibt. In den Bildungsausschuß werden vom Kartell gewählt Ge« nosse G a d i s ch k e vom Holzarbeiterverband und Genosse Kol» berg vom Verband der Böttcher. Unter Verschiedenes teilt der Obmann Genosse R i tz m a n n mit. daß der Land- und Wald- arbeiterverband gegründet worden ist und daß Aufnahmeschcine von ihm zu entnehmen sind. Es sind dann noch mehrere Schreiben rcsp. Zirkulare eingegangen. Das eine betrifft die Wahlen zu den unteren Verwaltungsbehörden seitens der Krankenkassen. Die Delegierten nehmen davon Kenntnis. Das zweite betrifft eine Be- schwerde der Zentrale der Jugendorganisation darüber, daß in Spandau fast nichts für die Jugendorganisation getan werde. Man erkennt die Beschwerde für berechtigt an und soll Abhilfe geschaffen werden. Ein Schreiben vom Verband der Deutschen Gastwirts- gehilfen, die Legitimationskarten der Kellner, weiß mit blauen Feldern, zu prüfen, soll ebenfalls Beachtung finden. Ein Zirkular, betreffend Einrichtung von Beschwerdestellen für gewerbliche Ar- beiterinncn soll mit dem örtlichen Parteivorstand besprochen werden. Es wird dann noch die Frage des Herbergswesens angeschnitten und erklärt man sich damit einverstanden, daß in der Herberge die Namen der Vorsitzenden, Kassierer und der Zahlstellen ausgehängt werden. Es fand bei jedem Punkt eine anregende Diskussion statt und wurde die Sitzung um �12 Uhr geschlossen. Im Gcneralversammlungsbericht vom Mittwoch, den 21. Juli 1909, in welchem es heißt, dast den Herren Müller und Radcmacher die Aufnahme in den hiesigen Wahlverein verw�hert wurde, wird auf Ersuchen einiger Genossen gleichen Namens hiermit bekannt- gegeben, daß Fritz Müller, Maler, Staakener Straste 8c. und Franz Rademacher, Lackierer. Staakener Straste 10s, gemeint sind. _ Der Vorstand. Mocken-Splelpwn de? ßcrUmr Cheater. Königl. Opernbans. Geschlossen. Königl. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues königl. LPern-TSeatcr. Sonntag: Lohengrin. sAnfang 7 Uhr.) Montag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) DlenStaa: Der fliegende tolländer.(Ansang 8 Uhr.) Alittwoch- Tristan.(Ansang 6'/, Uhr.) ionnerStag: Meistersinger.(Anfang 6'/, Uhr.) Freitag: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Othello.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonntag! Lohengrln. (Ailsailg 7 Uhr.) Montag: Tannhäuser.(Ansang 7 Uhr.) Deutsches Dhcater. Bis aus weiteres täglich: Ketten. Deutsches Theater.(Kammersptele). Sonntag und Montag: Mimt. Dienstag: Ein Skandal in Monte Carlo. Mittwoch und Donners- tag: Mimi. Freitag: Ein Skandal in Monte Carlo. Sonnabend und Sonntag i Miini.(Ansang 8 Uhr.) Lessing. Theater. Bis aus weitere» täglich: Die Dollarprinzesfln. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Bis ans weiteres täglich: Ein Herbstmanöver.(An- sang 8 Uhr.) Neues Theater. Bis aus weiteres täglich: Sein Sündenregister. (Ansang 3 Uhr) Neues Schauspielhaus. BIS aus weiteres tägNch: Moral Nächsten Sonntag und Montag: Miß Dndclsack.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Vom Sonntag bi» Mittwoch: O diese LeuinantS. Vom Donnerstag bis aus weiteres täglich: Demi-Monde.(Ansang 3 Uhr.) LnstiPielhauS. Bis aus weiteres täglich: Famllie Schlmek.(An- sang 8 Uhr.) Neues Operette»- Theater. Bis aus weitere» täglich: Die Sprudclsee.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. BiS aus weiteres täglich: Madame Lonivard. �"schMer. Theater Charlottenburg. Bis auf weiteres täglich: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- WtlhelmstädttscheS Schauspielhaus. Sonntag: Nach- mittags 3 Uhr: Obcron. Abends 8 Uhr: Martha. Montag: Die Zauber- flöte. Dienstag: Der Troubadour. Mütwoch: Undwe. Donnerstag: Das Nachtlager von Granada. Freitag: Oberon. Sonnabend: Unbestimmt. Sonntag: Fra Dtavolo.(Ansang 8 Uhr.) Thalia, Theater. Bis aus weiteres täglich: Im Casö Noblesse, filu« sang 8 Uhr.) Bernhard Rose< Theater. Vom Sonntag bl» Mittwoch: Mas eine Frau kann. Vom Donnerstag bis aus weiteres täglich: Die Falschmünzer. (Ansang 8 Uhr.) Folieö Capriee. Allabendlich: Drei Frauenhüte. Der Deserteur. (Ansang 8'/, Uhr.) Npollo-Theater. Allabendlich: Spezlalltäte». Metropol, Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(Anfang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen> Theater. Allabendlich: Gastspiel Winter- Thunan. (Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Pnssage-Theater. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania-Tlieater. Taubenstraße 48/49. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Bon Abbazla bis Korsu. DienSrag: Siom und die Campagna. Mittwoch: Die Insel Rügen. Donnerstag: Die Gletscher der Hochgebirge und die SiSzeit unserer Heimat. Freitag: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonnabend: Der Montblanc. Sonntag! Die Insel Rügen. Montag: Unbesttmmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 67— öS. WltterungSüberstcht vom 24. Juli 1909. morgens 8 Nftr. Wetterprognose für Sonntag, de««B. Juli 1909. Etwas kühler, vieliach heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen- schauern und frischen westlichen Winden. Berliner»etterdurea«. �€€€€€€€€€€€€€«€«1«SSSSSSASKAKSSSSS� W' Unserem werten Parteigenossen Alex. Fröhlich 50. Wiegenfeste die herzlichsten Gltickwiinsche. Kreises. i» t» <0 � zn seinem DW \ Hehrere Parteigenossen des III________ 2*;v, Unserem Freunde und Ge- �> Nossen 13042 0 Z Alexandfer Fröhlicli Grcisswalder Str. 43a d zu seinem heutigen 50. Ge- V burtstage die herzlichsten Glück- O wünschet W Mehrere Genossen des III. Rejchstagswahlkreises. SozialdemokratlsclierWalilfefeiBl für den |Uerlii!erHeieIistapali!la,eis[ GSrlitzer Viertel. Bezirk 161. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Paul ksrtsck Waldemarstr. 33 geflorven ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den LS. Juli, nachm. ö Uhr, von der Leichenhalle dcS neuen Michael-KirchhoseS, Marien- borset Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Der Linn taub. ZeDtraMreM der Haiirer veiitzedlM. Zweigverein Berlin. (Bezirk Süden.) Den Kollegen zur Nachricht, das} unser Mitglied Pau! Bartsch am 23. Luli an Lungenblutcn im Alter von 32 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den LS. Juli, nach« mittags S Uhr, von der Leichen- Halle des Michael-KirchhoseS in Mariendorl, Rixdorscr S trage, aus statt. 138/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Hierdurch die traurige Nachricht, p aß unser lieber Sohn und j Bruder, der Maurer Paul kartsck am 23. Juli verstorben ist. DIeS zeigt betrübt an im Namen der Hinterbliebenen Karl Bartsch. Die Beerdigung findet am Montag, den LS. d. M., nach« mittags S Uhr, von der Leichen- halle deS neuen Ct. Michael- KirchhoseS, Martendorser Weg, aus statt. llazzendüdei'��-�"�"-''- Die glückliche Geburt eineS strammen Jungen zeigen hochersreut an Schöneberg, Harchtstraße 20 Nr. JLeopold Sommerfeld _ und Frau. 6856 SözialöemokratissliJalilYerein des. 6. Herl. Reieiistap8lreises.j Todcs-Anzelge. Am 22. Juli verstarb unser Mit- glied, der Maler Gustav Guhert Pntbuserstr. 21. Ehre seinem Sludenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag, den LS. Juli, nachmittags| 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Kirchhofes der Himmclfahrts-Gc« meinde, Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/8 Ter Boritand. ilerbaud der ZUnter, LMirrtr,Austieichtrlisui.! Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler (i. Guhert am Donnerstag, den 22. Juli 1909, verstorben ist 129/9 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den LS. Juli, nach- mittags S Uhr, von der Halle des Friedhoss der Himmelsahrts- Gemeinde in Nteder-Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Tie OrtSvertualtung. lad, KZpenickcrstr. 00 Allen Verwandten und Be« kannten die traurige Nachricht, daß mein inniggclicbter'Mann, unser guter Bater, der Maler Gustav Guhert im 38. Lebensjahre nach kurzem, schwerem Krankenlager am 22. Juli oerstorben ist DieS zeigen, um stille Teil« nähme bittend, an Die trauernde Witwe .4nna Onhcrt geb. Linse nebst Kindern, Putbuscr Straße 21. Die vcerbigung findet am Montag, den 28. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS FriedhoseS der Himmel- sahrt-Gemeinde in Nieder-Schön« Hausen auS statt. 6276 Für die herzliche Teilnahme und reichlichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes Fsidinanl! Zimmermann sage allen Freunden und Bekannten, insbesondere seinen Kollegen und der Firma Karl Bergmann, Schöneberg, unseren herzlichsten Dank. 1907L Wwe. Zlmmermaiin und Kinder. lAMWlll'MkerMMüii für den 4. Herl. Reiröstays-Walreisj Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 365. Den Mitglledern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Karl Etenck Liebigslr. 43 gestorben ist 219/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Juli. nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Fricdhoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Der Vorstand. Allen Bekannten die traurige Nachricht, daß am 23. Juli 09, meine liebe Frau, unsere gute Mutter Berta Powe verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Juli, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Luther-KirchhoseS in Lankwitz aus statt. Ter trauernde Gatte nebst Kindern. Mgeigenbaner E.Toussaint BEELIN C. Joachimstraße HC, liefert Reparaturen, aus Wunsch zugleich mit vorzgl. Tonverbesserung. Spezialität! Erzeugung des alt- italienische» Timbres für groß« Säle an alten :: und neuen Geigen, a MäBiges Honorar.* Deutscher Holzarbeiter-Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Karl Bank. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Frie- drichsjelde aus statt. 87/8 Die Ortsverwaltung. Ifeitöto Transportarlieiter-Yerliant Ortsverwaltung Berlin I. Todcs-Anzeige. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Pau! Burnus Mitglied seit 13. Mai 1902 am 21. Juli 1909 an Lungenschwindsucht gestorben ist. 08/13 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den LS. d. M., nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Johannis» Kirchhofe?, Plötzcnsee, aus statt. unser Nachruf. Am 17. Juli verstarb Mitglied Pau! �Vachs. Ehre seinem Andenken! Di- Beerdigung fand am 20. Juli statt. Die Ortsverwaltung. Deutsciier Metaliarbeiter-Verband| Verwaltungsstelle Berlin. Todcs-Anzelge.* Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Otto Hscker am 18. d. M. ertrunlen ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am i Sonntag, den 25. Jnli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Pauls-Kirchhoses � in der Sccstraßc aus statt. Rege Beteiligung jerivartet. 120/12 Oie Ortsvorwaltung Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme nnd Kranz- spenden bei der Beisetzung meiner lieben unvergeßlichen Fimi, unserer herzensguten unvergeßlichen Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Marie Eooli geb. Tank sagen wtr hiermit unseren herzlichsten Dank. 1909L Wilhelm Eioefe nebst Kindern, Grüner Weg 46, Vorjährige hochelegante Anzüge und I Paletots ans feinsten! Maßstoßen, früherer Preis 60— 90, jetst 20— 40,| worden tSglich im Kavalier-Klub UnlerdenLiniM,"! verkauft., Billigste Bezugsquelle> gedieg-Tracergafilefohe iWcstmanns! Trauer-Magazin I Berlin W., Mohrenstr. 373 1 j NO., Gr. frankf. Str. IIS. j I Genaue Beachtung I 3 meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Gclcgculicitsllltitf. 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