Dr. 174. Hbonnfments-Btdlngungcn: Nbonnements. Preis pränumerando i Llcrtcliährl. 3�0 Ml. monatl. 1,10 M5.. wochenilich 28 Pfg, frei WS Haus. Emzelne Nummer S Pfg, Eonwag«. nummcr mit illustrierler Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg, Post. Monnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Post-Zciwngs. , Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postavonncnicnls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Numänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. äfchdnt IZgiich auStr montigi. * � Verlinev Volksblatt. Die Tnlertlons-Gebüftr Betrügt für die sechsgespaltene sloloneT» zeilc oder deren Raum bv Pfg.. für politische und gcwerlschastliche Bercins- und Bersamntlungs-Anzcigen 30 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stcllengefuchc und Schlaf- ftellcn-Nnzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg, Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei«orte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition itt bis 7 Uhr abends geöffnet. Zielegramm-Adresse: „SczlallUmoBrat Rtrlin", Zcntralorgan der Jozialdemohrat» fehen parte! Deutfcblands. Rcdahtton: SRI. 68, Linden Strasse 69, Fernsprecher; Amt IV, Nr. 1983, Das böle Geiviffcn. »Nach der halatistischen Scilla die sozia- l i st i s ch e C h a r y b d i s"! Mit diesem prophetischen Wort schließt ein gewisser Franz Morawski eine Broschüre, die den sensationellen Titel trägt:„Der kommende Tag." Der oben zitierte Schlußsatz ist kennzeichnend für Inhalt und Tendenz der Broschüre, die den Junkern als rächende Nemesis für die Ostmarkenpolitik die Schrecken der Enteignung des Großgrundbesitzes, des Zusammenbruchs der konservativen Herrschaft ankündigt. Die Siedelungspolitik in den Ostmarken. die Zerschlagung polnischen und deutschen Großgrundbesitzes zum Zwecke der Ansiedelung von Bauern, vor allem aber die Annahme des Zwangscnteignungsgesetzes habe in den Siede- lungsprovinzen eine Stimmung geweckt, die ihren drastischen Niederschlag bereits in einem„Bolksliede" gefunden habe: Michel sagt zu seinem Sohne: Hol der Teufel die Barone, Ob sie deutsch sind oder Polen, Alle soll der Teufel holen. Auch folgender„Vorgang" sei charakteristisch: „Ende März dieses JahreS, etwa eine Woche nach der Gnesener Aitsiedlerversammlung, fand auf dem Rittergute C. im Kreise Gostyn ein Termin zwecks parzellenweiser Verpachtung von Außen- schlagen statt. Als die Interessenten sich nicht über den Pachtpreis einigen konnten, erhob sich bäuerlicherseiks die Drohung, der Rittergutsbesitzer möge nicht so viel Umstände machen, d a d i e Enteignung doch bald kommen und der ganze Grund und Boden den Bauern zur Verfügung stehen würde." Ob nun die Schilderung der in Bauernkreisen herrschenden Stimmung zutrifft oder nicht: die„K r e u z- Z t g." nimmt den Alarmruf durchaus ernst und beschwört bereits die Negierung, alles zu tun, um die„kommunistischen Gefahren" abzuwenden. Daß sie deshalb auch die von Morawski an die Wand gemalten„kommunistischen" Gefahren wirklich für so große hält, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Die Kon- e-id oen dürften die rote Gefahr vielmehr nur vorschieben, lim sich vor weit harmloseren Unbequemlichkeiten zu schützen. Unbequem ist den Junkern aus alle Fälle das bisherige Tempo der Siedelungspolitik geworden. Unsere Ostelbier unterstützten diese Siedelungspolitik, solange ihnen daraus unverkennbare Borteile envuchsen: enorm in die Höhe getriebene Preise für verschuldete Güter und die Seßhaftmachung ländlicher Arbeitskräfte. Da nun aber jetzt die bäuerlichen Ansiedler rebellisch werden, gegen die Konservierung des aufgekauften Großgrundbesitzes durch Restgüter protestieren und stürmisch die Schmälerung des politischen Uebergewichts der Junker in Geineinde, Kreis und Provinz fordern, halten es unsere Ostelbier für höchste Zeit, der Siedelung Einhalt zu tun. Das haben die Konservativen ja auch bereits bei der letzten Ostmarken- debatte im preußischen Abgeordnetenhause offen ausgesprochen. Und die„kommunistische Charybdis" Morawskis ist den„Kreuz- Zeitungs"-Rittern nur ein willkominenes Schreckmittel, der Regierung die Siedelungspolitik und ein Entgegenkomnien gegenüber den Forderungen der Ansiedler zu verleiden. Immerhin mag freilich auch den Junkern das böse Ge- wissen schlagen. Denn darin dürfte Morawski— mag seine Broschüre auch zehnmal nur den Zweck haben, die Konser- vativen gegen die Anti-Polenpolitik zu stimulieren und auf diese Weise die polnischen Schnapsblockhandlangerdienste für die Polen fruktifizieren zu helfen— nicht so unrecht haben, daß die ländliche Besitzverteilung eine so aufreizende und em- pörende ist, daß es keiner allzu intensiven Agitation bedürfte, um den„Neid der Besitzlosen" gegen die Junker zu erregen. Es ist in der Tat ungeheuerlich und dem Rechtsempfinden des ländlichen Proletariers, des Kleinbauern, unfaßlich, daß beispielsweise in Schlesien 178 Majorate den siebenten Teil des ganzen Landes umfaffen, daß die Familie Hohenlohe in dieser Provinz 400000 Morgen, der Fürst Pleß 200000 Morgen, die Familien Henckel-Donnersmarck und Graf Schaff- aotsch nicht viel weniger, zahlreiche andere Grafen, Fürsten und Herzöge je 60000—100 000 Morgen Landes besitzen. Wer sollte' es einem Landarbeiter oder Kleinbauern nicht nachfühlen können. wenn er die Art des„Teilens" nicht für richtig hält, die folgende Besitzverteilung ergeben hat: 2 048 000 ländliche Betriebe mit weniger als 2 Hektar Fläche. d. h. 62 Proz. aller Betriebe in Preußen, umfaßten 1907 nur 4*'5 Proz. der landwirtschaftlichen Betriebsfläche, während 20000 Großbetriebe von mehr als 100 Hektar allein 30 Proz. der gesamten Betriebsfläche umfaßten. Oder wenn wir die Betriebe mit 2—5 Hektar hinzunehmen. so umfaßten rund 21/a Millionen Kleinbetriebe noch nicht volle 13 Proz. der Betriebsfläche, während auf knapp 200 000 Betriebe von mehr als 20 Hektar nicht weniger als 60 Proz. der gesamten landwirtschaftlichen Betriebsfläche entfielen! Aber selbst wenn wir alle landwirtschaftlichen Neben- betriebe ausschalten und nur die Hauptbetriebe berücksichtigen, d. h. die Wirtschaften, deren Inhaber nach der Berufs statistik „selbständiger Landwirt im Hauptberuf" lvar, so ergibt sich nach der neuesten Betriebszählung vom Jahre 1907 folgendes Bild: Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Betriebsgröße bis 2 Hektar 2-5.. 5—20„ 20—100„ über 100„ Zahl der Betriebe 225 000 355 000 533 000 171 000 18 773 in Proz. ! Betriebs- Lahl. Gesamt I aröhe der tn Proz. Wirtschaft» � grvve SWHefii. fläche 17,26 442 000 Hektar 1,71 27,28 1639 000„ 6,34 40,87 7145 000„ 27,66 13,15 8 600 000„ 32,90 1,44 8111000„ 31,39 Also noch nicht volle 15 Proz. der Betriebe umfassen mehr als 64 Proz. der gesamten Wirtschaftsfläche l Es ist vollends ungeheuerlich, daß eine Handvoll Groß grundbesitzer, noch nicht 20 000 an der Zahl, ein Drittel der gesamten Wirtschaftsfläche ihr eigen nennt. Und auf diesem agrarischen Besitz, so führt Morawski mit Recht aus, basiert die Allmacht unserer Junker „Der ganze hochmoderne ReichsmechanismuS hat feudale Lenker, dient feudalen Herren. Seine soziale und Wirt- schaftliche Entwickelung wird von den Konservativen ge- leitet. Die Junker und ihre politischen Freunde bilden den mäcktigsten Faktor, wenn nicht im Reichstage, so doch tatsächlich im Reiche.... Ihnen gehört die Armee, die ganze obere Beamtenschaft, ihnen der Einfluß bei Hofe. In der ganzen Welt gibt eS kein Land, in welchem der Adel und die Konservativen eine so bevorzugte Stellung einnehmen wie in Preußen. Die Wurzel aber, auS der die Junker ihre Macht ziehen, bildet der Großgrundbesitz, der zum großen Teil unmittelbar in ihren Händen, und wenn bürgerlich, dennoch mit ihnen prinzipiell verbündet ist. Wer den Einfluß der Konservativen, wer die Adels- Herrschaft in Preußen-Deutschland brechen will, der hat vor sich ein schier unüberwindliches Bollwerk— den Großgrundbesitz." Und an einer anderen Stelle sagt Morawski, daß alle freisinnigen Artikel gegen die Junker„Hiebe in die Luft sein werden, solange in Ostelbien der Adel weit über zwanzig Millionen preußische Morgen besitzt, solange bei einem Diner von 20 Personen eine halbe Million Hektar vertreten sein kann". Das sei ein Einfluß, reeller als der ganze Zcitungs- Liberalismus, das sei wahre, wirkliche Macht, und diese Macht sei noch innner im Steigen begriffen, das beweise die Zu- nähme der Fideikommisse. Diese Junkerherrlichkeit aber sieht Morawski durch die Früchte der unseligen Ostmarkenpolitik bedroht. Die Erhebung gegen die Junker soT nach ihm in den Siedelungsgebieten bereits die bedrohlichsten Formen angenommen haben. Zun: Beweis dafür zitiert» den Ausspruch eines Redners auf der Gnesener Versammlung daß alle diejenigen Großgrundbesitzer enteignet werden müßten, die sich nicht in der Ostmark auf- halten, einerlei, ob Polen oder Deutsche. Stürmischer, nicht endenwollender Beifall habe diese Worte begleitet. Man könnte glauben, es gäbe für unseren Liberalismus keine schönere Aufmunterung zur Vernichtung der Junker- macht durch zwangsweise Auskaufung des Großgrundbesitzes, als die Nachweise Morawskis über das Fundament der Junkermacht und den Hebel, sie umzustürzen. Aber unser Liberalismus wird sich hüten, der Junkermacht ernstlich zu- leibe zu gehen. Unsere Liberalen werden sich zehnmal be- denken, den Stein ins Rollen zu bringen, von dem sie nicht wissen, wie weit er rollt. Morawski sagt ja selbst:„Was ist Groß grnndbesitz? Der eine läßt ihn bei hundert, der andere bei fünfzig Hektar anfangen. Ein dritter noch niedriger, je nach der Gegend. Und dementsprechend steigt auch die Aufteilungsgelegenheit ins Unendliche." Unsere liberalen Junker-Vekämpfer werden sich um so vorsichtiger hüten, die Frage der„Teilung" auf dem Lande akut werden zu lassen, als dadurch ja auch die„Begehrlich- keit" in der Stadt geschürt werden müßte. Das mobile Kapital wird im eigensten Interesse dem immobilen weit- gehendste Schonung zubilligen, auch wenn dadurch die Macht des Junkertums stabilisiert wird. Wohl aber kann und wird bei der sozialistischen Landagitation in Zukunft die schreiende Ungerechtigkeit der Bodenverteilung eine innner wirksamere Rolle spielen I peillchenhiebe gegen süriorgelilnäer. Unsere Mitteilungen über die grauenvolle Behandlung von Für- sorgezöglingen in Mielczyn haben zu einer amtlichen Unter- s u ch u n g sowohl von feiten der Regierung wie der Waisenverwalmng geführt. Bon der Regierung war Re- gierungsassessor Wehrmann aus Bromberg, von der Waisenverwaltung Assessor Vogt und unser Partei- genösse Dr. Alfred Bern st ein an Ort und Stelle ent- sendet. Die Untersuchung hat unsere Angaben in vollstem Maße bestätigt und gezeigt, daß wir noch in sehr mildem Lichte das„Fürsorgcshstcm" in Mielczyn durch unsere Aufsehen erregende Veröffentlichung gekennzeichnet haben. Die Leitung in Mielczyn hat der Prediger B r e i t h a u p t, der die Prllgelmethode bei v. Bodelschwingh erlernt zu haben scheint. Inspektor ist ein Herr Engels, ebenfalls bei Bodelschwingh aus- gebildet. Geprügelt ist durch de» Pastor selbst bis zu 50 Hieben worden, dann wurde durch den Inspektor fortgefahren, der manchmal auch allein 100 Hiebe austeilte. Geschlagen wurde mit der Peitsche oder einem Krückstock des Pastors, auch mit Gummiknüppeln. Den Pastor hat vor kurzem ein Ekel vor der Prügelei ergriffen. Er hat seitdem die Exekutionen durch den Inspektor ausführen lassen. Die Prügel- Prozeduren wurden in erster Zeit öffentlich vor zuschauenden Zöglingen der Anstalt und des Personals vollstreckt. Diese barbarische Art wurde erst beseitigt, als ein Zögling, der zuschaute, gar zu erbärmlich weinte. Der Pastor und Inspektor meinten, die Geprügelten hätten nicht nachzählen brauchen, aber es sei von vorne angefangen, wenn der Junge„widerspenstig" war. Ein Zögling sSchwarzenberg), der als Epileptiker in Wuhlgarten gewesen war, schlug aus Verzweiflung bei der Prügelei das Fenster ein. Darauf wurde er von einer Reihe Aufsichtsbeamter mit Stöcken, der Peitsche und Gummiknütteln mißhandelt. Die Bestrafung trat wegen geringer Delikte ein. So wurde ein Zögling mit der grausamen Prügel bedacht, weil er einen Beutel mit Nahrungsmitteln ent- wendet und versteckt hatte. Ein anderer erhielt 25 Peitschenhiebe, weil er geraucht hatte. Als Schwarzenberg in seiner Verzweiflung das Fenster zerschlug, zog der Inspektor Engels den Revolver, rief:„seht Euch vor, wir sind gegen alles gewappnet". Zöglinge wurden gefesselt, teilweise an Händen und Füßen, teilweise nur an den Füßen. Die Hände wurden durch eine Handschelle gc- fesselt. Die Knaben, welche Fußfeffcln tragen mußten, behielten sie auch während der Prügelprozedur. Ein Teil von den Kindern wurde nach dem Prügeln in eine Zelle gebracht, wo sie fast nur Wasser und Brot als Nahrung erhielten. Einige Zöglinge wurden, weil die Zelle geweißt wurde, in den Keller geworfen. Dort mußte das Kind an den Füßen, hin und wider auch an den Händen gefesselt liegen. Ein Kind erhielt 50 Peitschenhiebe, weil es eine Stulle aus der Schüssel genommen hatte. Ein Epileptiker erhielt dafür, daß er sich gebrüstet hatte, er wird zu Pfingsten auf See sein, erst 15 Hiebe auf die Fußsohlen» dann wurde die Bastonade auf die Fusisohlcn um noch 25 erhöht. Ein Kind teilte dem Regierungsbeamten mit, daß es in den paar Monaten, wo es in der Ouälanstalt war, 660 Peitschen- und Stockhiebe erhalten habe. Dies Kind erhielt unter anderem 75 Peitschenhiebe wegen Essens während der Arbeit. Im ganzen sind in der Anstalt 54 Kinder. Die 11 Aussichts- Beamten sind sämtlich aus dem christlichen Verein junger Männer in Berlin und aus der inneren Mission. Eine S t r a f l i st e wird in der Anstalt nicht geführt. Seit Eröffnung der Anstalt, die erst wenige Monate zurückliegt. sind Tausende von Peitschenhieben verabreicht, wenn man auch nur die Zugeständnisse des Pastors und Inspektors in Rechnung zieht. Ein Zögling ist von einem Aufseher mit einem Gummischlauch über dem Kopf geschlagen. Gummiknüppel sind mehrere vorhanden. Mehrfach erhielt ein Zögling 100 Peitschenhiebe. Trotz dieses Tatbestandes suchen die„Posener Neuesten Nach- richten" die zum Himmel schreiende Behandlung der Kinder zu beschönigen. Die Fesselung sucht dieses Organ damit zu ent- schuldigen, daß ja auch auf dem Transport von Lichtenberg nach Mielczyn die Kinder an der Hand teilweise zwei mit einer losen Acht zusammengesesselt tranportiert wurden. Das Blatt muß aber selbst zugeben, daß in Posen bei Bürgern und Beamten dieser Art des Transportes den lebhaftesten Unwillen erregt hat. Gewiß trägt die Berliner Waisenverwaltung ein gut Stück Schuld an der Möglichkeit, daß Fürsorgezöglinge einer solchen haarsträubenden Behandlung unterworfen werden konnten. Höchste Zeit ist es, da- mit die Kinder nicht geistig und körperlich vollständig durch„Für- sorge" verwahrlost werden, die Kinder schleunigst aus der Anstalt zu entfernen. Aber nicht nur uni Berliner Fürsorge. kinder handelt es sich. Das betätigte System fordert dringend, daß die Anstalt überhaupt geschlossen und der Pastor und Jnspek- t o r unter Anklage gestellt werden. Sie revolutionäre Keutegung in Spanien. Selten ist von einer Regierung ein Krieg leichtsinniger und frivoler angezettelt worden als von den spanischen Macht- hadern der Krieg mit den Riffkabylen. Es genügte, daß in der Nachbarschaft der Besitzungen Spaniens in Nordmarokko Erzlager entdeckt, daß eine kapitalistische Gesellschaft die Kon- zession zur Ausbeutung der neuen Minen verlangte und das spanische Ministerium erklärte sofort, die Oberhoheit Spaniens auch auf jene Gebiete erstrecken zu wollen. Es ließ unter militärischer Bedeckung den Bau einer Bahn durch das fremde, von den trotzigen Bcrgstämmcn, die sich auch der Herrschaft des Sultans nicht beugen, bewohnte Land beginnen. Die Stämme erkannten, daß ihre Unabhängigkeit bedroht sei und vereinigten sich zu gemeinsamer Abwehr. Ihre Absicht ist, bevor noch genügende Verstärkungen aus Europa kommen, die Spanier aus Marokko zu werfen, und deshalb konzentrieren sie ihre Angrifie auf die Festung Melilla, die sie mit großer Uebermacht mutig und ausdauernd belagern. So hat sich aus dem Kolonialabenteuer ein ernster Krieg entlvickelt und die verbrecherische Regierung schickt sich jetzt an, Zehntausende von spanischen Soldaten dem mörderischen Klima und den wilden Angreifern zum Opfer zu bringen, um dem Kapital ein paar neue Erzlager zu erobern. Sie appelliert an die Opferwilligkcit des Volkes, dieses Volkes, dem die elende Mißwirtschaft der Klerikalen die nötigsten Reformen stets verweigert hat, das von der Pfaffen- Herrschaft in materiellem Elend und geistiger Verkümmerung niedergehalten wird. Da ist es geradezu eine Erlösung, zu sehen, wie auch die schlimmsten Verbrechen einer Regierung die Lebenskraft eines Volkes nicht vernichten und seine Widerstandskraft nicht völlig lähmen, daß selbst das klerikale Verdummungssystem die Einsicht der VolkZmassen nicht irreführen kann. Dieses geknechtete Volk besitzt doch noch so viel Kraft, um sich gegen das Acußcrste zu wehren und mit wilder Energie die Zumutung zurückzuweisen, für kapitalistische Profitinteressen sein Leben zu opfern auf Gcheis; einer volksfeindlichen Re- gierung, die unfähig war, die Tragweite ihrer Handlungen zu erkennen. In Barcelona, der alten Stätte revolutio- närer Erhebungen, erhob sich die zum Teil noch unter anarchistischem Einfluß stehende Arbeiterschaft zum Protest und proklamierte den General st reik. Die Regierung aber behandelte die streikenden Spanier fast noch schlimmer als die kämpfenden und wenigstens gut bewaffneten Marrokakner. Sie verhängte den Belagerungszustand und ließ den Säbel hauen, die Flinte schießen. Bald wird die Zahl der auf Geheitz der spanischen Regierung ermordeten Spanier grötzer sein als die durch die Marokkaner und den Krieg getöteten! Aber das Wüten der Regierung ist zu- nächst vergebens; die Bewegung greift immer weiter um sich und nimmt immer ausgesprochener revolutionäre Formen an, wie die nachstehenden Telegramme zeigen: In Barcelona. Barcelona, 28. Juli. Beim Nathans fand ein Z u s a m m e n- st o tz zwischen Arbeitern und der Gendarmerie statt. Auf beiden Seiten gab es viele Verletzte. Bedeutende Truppenmassen kamen in Katalonien an. Madrid. 23. Juli. Die Lage in Barcelona ist noch immer ernst. Die Menge griff heute ein Nonnenkloster an. Berhiuderung des Eisenbahnverkehrs. Perpiguau, 87. Juli. Auf der Eisenbahnlinie Cerbdre-Barcelona sind in der Richtung nach FigueiraS die Eisenbahnschienen an mehreren Stellen aufgerissen worden. Die Au»« ständischen verhindern jeden Eisenbahnverkehr und überwache» die Bahnlinie. Angriff auf einen Eiseubahnzng. Ccrbdre sOstpyrenäen), 23. Juli. Der gestern früh 6 Uhr von Barcelona abgegangene Zug kam nnt einer Schutzwache von 2ö Mann erst 10 Uhr abends in Portbon(Provinz Gerona) an. Auf der Station Zigueiras war der Zug von der Menge an- g.e g r i f f e n worden, die Wache hatte gefeuert und zwei Personen verwundet. Die Verbindungen zwischen Verona und Barce« lona sind unterbrochen. Ausdehnung deS Generalstreiks. San Sebastian, 28. Juli. Wie aus Bilbao gemeldet wird. herrscht im ganzen Minen di strikt starke Erregung. Die Soziali st enkomiteeS in der Provinz BiSlasa be- schloffen, den Generalstreik zu erklären. Der Belagerungszustand. Madrid, 23. Juli. Eine offizielle Note rechtfertigt die Per« hängung des Belagerungszustandes über die Pro- vinzeu Barcelona, Tarragona und Gerona mit Wühle« reien anarchistischer und revolutionärer Elemente, welche daS Zeichen zum allgemeinen Ausstände gegeben, Gewalttätigkeiten aller Art verübt und sämtliche Verbindungen abgeschnitten hätten, um die aufständische Bewegung zu erleichtern. Madrid, 29. Juli. Der König unterzeichnete heute ein Dekret, durch das die konstitutionellen Garantien für ganz Spanien aufgehoben werden. Rücktritt des Ministeriums. Sa» Sebastian, 28. Juli.(Meldung der Agenee HavaS.) Meldungen aus Madrid sprechen von dem bevorstehenden Rücktritt des Ministeriums Maura und seiner Ersetzung durch ein militärisches Kabinett, da die Ereignisse in Bar- celona einen rntschicden revolutionären Charakter angenommen Hendaye, 28. Juli. AuS Madrid wird gemeldet: Die strenge Zensur isoliert Madrid und daS übrige Spanien. Da genaue Nachrichten aus M e l i l l a fehlen, wächst die grotze Auf« r e g u n g. Seit 24 Stunden hat man auch kein« Nachrichten au» Barcelona. Di« Blätter berücksichtigen die Weisungen des Ministeriums des Innern, aber alle, selbst die gemäßigten kritisieren die überaus scharfen Matznahmen gegen die liberale Presse. „vorrospondonoia",„El Pais",„Abo,„Diwio univarsal" protestieren scharf gegen ein Voigehen. das der Verfassung widerspreche. Die„Oorrosxiyndsaoia" wurde gestern beschlagnahmt,„El Paio" bisher jede» Tag. Der Krieg mit den Kabyle«. Hendaye(Dep. Basses-Phrinäe»), 27. Juli. AuS Meltlla wird gemeldet: Der Kampf vom 23. b, M. war der erbittertste seit dein Beginn der Feindseligkeiten. Eine spanische Abteilung wurde in einem Hohlweg überrascht und von den auf den benach« karten Höhen im Hinterhalt liegenden Mauren dezimiert. Die Verluste betragen m ehr al« 400 Tote und Ber« w u» d e t e. Ein Offizier erzählt, auch die Verluste in den Kämpfen am 20. und 2t. Juli seien viel höher gewesen, als der amtliche Bericht angab. Es erscheint unverineidlich, 14 000 Mann V«r- stärkungen nach Mclilla zu schicken und sich deS Gurugu-VergeS zu bemächtigen, an dem die Mauren einen Stützpunkt haben. Mclilla, 27. Juli. Der Kampf hat von neuem begonnen. General P i n t o s und mehrere Offiziere sind gefallen. Eine amtliche Meldung. Paris, 28. Juli. Einem amtlichen Bericht aus Melilla zu- folge haben die Marokkaner die Schienen der nordafrika- nischen Eisenbahn entfernt und dadurch den Zugverkehr ge- hindert. Zwei spanische Abteilungen trieben die Marokkaner zurück und stellten den Zugverkehr wieder her. Die Verluste der Marokkaner waren zahlreich, auch di» auf spanischer Seite bedeutend. Sie Lage in Angsr». AuS Budapest wird uns geschrieben: Die aus den koalierten Parteien deS ungarischen Reichstags gebildete Regierung hat am 26. April ihre Demission gegeben. Die Demission wurde damit begründet, daß die Auffassungen der ver- schiedenen Parteien angehörenden Minister über die Lösung der Bankfrage auseinandergehen. Oesterreich-Ungarn hat, wie bekannt, eine gemeiusaine Notenbank, deren Privileg alle zehn Jahre erneut werden muh. DaS jetzt geltende Privileg läuft am 31. Dezember 1010 ab. und erlischt automatisch, wenn »S auf parlamentarischem Wege nicht erneut wird. Di« Trennung der Bank ist nun eine spezifische Forderung jener Los- von- Oesterreich. Ideologie, die in der gänzlichen LoSreihung Ungarns von dem anderen Staate der Donaumonarchie gipfelt und darin das Universalheilmittel für jegliche Wunden de? ungarischen politischen und sozialen Leben? erblickt. Di« Un- abhängigkeitspartei, deren Programm diese staatsrechtliche Selbständigkeit Ungarns fordert, erlangte in den Wahlen 1906 die Mehrheit des Parlaments. Wäre Ungarn ein nach den Grundsätzen des Parlamentarismus regierter Staat, so hätte der Unabhängigkeitspartei, nachdem ße die Mehrheit de? Parlaments wurde, auch die ganze Regierungsgewalt zufallen muffen. Der von der Unabhängigkeitspartei vertretenen Trennungspolitik stehen aber sehr große, nach den vorhandenen Machtverhältnissen unüber- windliche Hindernisse im Wege: Teils die auf das gemeinsame Heer sich stützende Dynastie, welche von der Lockerung des GefügeS der beiden Staaten eine Schwächung ihrer Grohmachtstellung und ihres Prestiges befürchtet, teils mächtige österreichische Jnter- essengruppen, so die österreichische Industrie, welcher eine radikale Trennung mit dem Verlust ihre» besten und größten Absatzgebietes droht, und außerdem die von dem einheitlichen Reichsgedanken be- herrschten Feudalen und christlichsozialen Demagogen. Der Zu- sammenschluß dieser außerungarischen Machtfaktoren verlegte der ungarischen ReichStagSmehrheit den Weg zur Regierungsgewalt, und sie konnte einen Teil derselben nur erreichen, wenn sie auf die Durchsetzung ihrer alten Forderungen verzichtete und sich außerdem unter die Vormundschaft jener Politiker und Parteien begab, welche die Aufrechterhaltung des geltenden Staatsrechtes fordern. So entstand die ungarische Koalitionsregierung und Mehrheit, in welcher die Minderheitsparteien— die klerikale Volkspartei und die den Großgrundbesitz vertretende konservative Verfaffungspartei— die Bürgen für das tadellose Benehmen der Unabhängigkeitspartei abgaben. ES war eine Blockregierung und Blockmehrheit mit der eigentümlichen Zusammensetzung, daß eine der Blockparteien die Mehrheit, die zwei übrigen aber das Vertrauen der Krone und di« Verläßlichkeit— nach oben besaßen. Wie es den radikalen bürgerlichen Parteien überall ergeht, so erging eS der Unabhängigkeitspartei in Ungarn: Der Preis der Regierungsgewalt war die PreiSgebung ihrer Prinzipien— wenn auch nicht eingestandenermaßen, so doch tatsächlich. Als Regierungspartei bewilligte sie alles, waS sie jahrzehntelang be- kämpfte: Rekruten für das gemeinsame Heer, das gemeinsame Zollgebiet und dergleichen mehr. Sie, die um die ungarische Kommandosprache einen zähen Kampf führte und der deutsch kom- mandierten Armee keinen Mann und keinen Pfennig bewilligen wollte, machte die größten Anstrengungen, um das Rekruten- kontingent der von ihr so ungestüm bekämpften Armee erhöhen zu können, was ihr jedoch bisher nicht gelang. All dies vollbrachte sie in der Hoffnung, daß ihr, die so viele Proben ihrer„Per- läßlichkeit* lieferte, die ganze Regierungsgewalt übertragen würde, um so die Beutepolitik auf eigene Faust und zu eigenem Nutz und Frommen fortführen zu können. Sie brauchte die Re- gierungSgewalt um so notwendiger, als der von ihr geübte Prinzipienverrat ihr große Massen ihrer Anhänger abspenstig zu machen drohte, und sie vor der Gefahr stand, eines Tages ihre Wähler verloren, ohne die RegierungSgewalt gewonnen zu haben. Das Verhältnis der verbündeten Parteien verschlechterte sich auch von Tag zu Tag: jede wollte ihren eigenen Anhängern die besten Aemter, die fettesten Pfründen verschaffen und so ihre Position im Lande stärken. Dazu kam noch«ineS und vielleicht daS wichtigste: die W a�l- resorm muhte irgendwie in Angriff genommen werden. Die Vorbereitung und Durchführung der Wahlreform oblag dem auS der Verfaffungspartei hervorgegangenen Minister deS Innern, dem Grafen A n d r a s s Y, der mit seiner schändlichen Vorlage nicht nur dem Proletariat und den nichtmagyarischen Nationen, sondern auch der Unabhängigkeitspartei zu Leibe rücken wollte. Die Feindschaft des Grafen Andrassy gegen die Unabhängig- keitSpartei entsprang verschiedenen Quellen, gesellschaftlichen Vor- urteilen, dem alten Wettbewerb zwischen der Aristokratie und der Gentry, hauptsächlich aber der im ganzen richtigen Einsicht, daß das gegen die Dynastie und Oesterreich gerichtete Programm dieser Partei den Zusammenbruch der Klassenherrschaft deS grundbesitzenden Adel» heraufbeschwören kann. In dem vor drei Jahren ausgebrochenen VerfassungSlonflikt zwischen dem ungarischen Parlament und der Krone, in dessen Verlauf die Krone auf die Forderung der ungarischen Parteien nach der ungarischen Kommandosprache mit der Verheißung des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes antwortete und dadurch die feudale Rebellton zur Unterwerfung zwang, wurde nämlich die Ohnmacht deS ungarischen Parlamentes vor jedermanns Augen offenbar. Greift daS ungarische Klassenparlament irgendeine ge- meinsame Institution an, dann droht man ihr mit der Mobil- machung der geplünderten Bauern, unterdrückten Proletarier und geknechteten nichtmagyarischen Nationen. Den Drahtziehern der Wiener Politik ist zwar an der Demokratie, sogar an einer „cäsaristischen Demokratie", verflucht wenig gelegen: aber sie haben herausbekommen, daß man die ungarischen Hexren mit nichts so sicher zu Paaren treiben kann, als wenn man sich ihnen gegen« über al» die Schutzherren der Demokratie aufspielt. Nachdem diese» Liebäugeln mit der Demokratie in den vergangenen drei Jahren für die Hofpolitik so treffliche Dienste geleistet hatte, hat man sich auf diese Taktik festgelegt: Erbebt man in Budapest irgend- welche in den Kram der Reichspolitik nicht paffende Fordsrungen, so präsentiert man der ungarischen Oligarchie in Wien den fälligen und uneingelösten Wechsel des allgemeinen Wahlrechts. Bei dem Wesen der Unabhängigkeitspartei sind aber solche Forderungen unetnlöSbar. Darum ist sie. solange sie die Mehrheit besitzt,.eine stete Bedrohung der ungarischen Klassenherrschaft. Fordern nämlich nur das Proletariat und die nichtmagyarischen Nationen das Wahlrecht, so kann der Adel sie niederschlagen. Wird aber daS allgemeine Wahlrecht auch noch von Wien aus ge« fordert, dann kann der Adel den Kampf auf zwei Fronten un« möglich führen. Nachdem der Adel weiß, daß ihm in dem Prole- tariat und den Nationen ein unversöhnlicher Feind erwächst, sucht er durch Fallenlassen der Trennungspolitik die Krone zu ge- Winnen. Diesen Verteidigern der Klassenherrschaft entstand aber in einer mehr von dem Partetintereff« al» vom Klasseninteresse be- herrschten Gruppe der Unabhängigkeitspartei ein grimmiger Feind. Die Gruppe sah, daß die uneingeschränkte Regierungs- gewalt ihr trotz allem nicht übertragen wurde. Und nun versuchte sie dasjenige, wa» sie durch braves Benehmen nicht erreichte, durch schlechtes zu erreichen. Sie warf sich auf die Bankfrage und erhob da Forderungen mit der Absicht, diese sich gegen die Aue- lieferung der Macht abhandeln zu lassen. Die dem Ministerium angehörenden Mitglieder der Unabhängigkeitspartei, K o f s u t h und A p p o n y i, und das Gros der Partei folgten dieser kleinen, aber sehr geschickt manövrierenden Gruppe nur mit Widerwillen. denn sie wußten, daß da Geister heraufbeschworen werden können, die man dann nur schwer bannen kann. Aber die alte Trennung»- ideologie und die Volkstümlichkeit einer jeden sich gegen Oester- reich richtenden Bewegung zwang sie dazu. Der Bewegung ge» lang e», die Koalition zu sprengen, das Ministerium Wekerle zu stürzen. Aber etwas anderes oder mehr als dies konnte sie nicht erreichen. Die Krone konnte keine Regierung ernennen: di« ganze RegierungSgewalt wollte sie nicht der Trennungspartei über. antworten, und ohne dieses Ziel erreicht zu haben, wollte die Un- abhängigkeitspartei in der Bankfrage nicht abrüsten. Darum griff man zu einem Verlegenheitsmittel: man setzte da» demissio- nierte Ministerium Wekerle provisorisch ein und vertagte die Aus- tragung de» ganzen Konflikte» bis auf den Herbst. Die arbeitenden Klaffen tn Ungarn haben dabei nur ein Interesse: mit tatkräftiger Agitation eine Lage zu schaffen, welche alle Wege ber Enkwirrllng verlegt, und nur denjenigen offen läßt, der zur Gewährung des allgemeinen Wahlrechts führt. poUtifcbc(leberllckt. Berlin, den 23. Juli 1309. Feudale Steuerdrückeberger. Ultramontane und konservative Blätter entrüsten fich Tag für Tag darüber, daß eine Anzahl von Aktiengesellschaften vor dem 1. August noch ZinSschcinbogen herausgeben, um ihre Aktionäre auf Jahre hinaus vor der Talonsteuer zu bewahren. Die Entrüstung wirkt jedoch recht komisch, wenn man sieht, daß die ultramontaneii und konservativen Herren die Steuerdrückebergerei selbst betreiben. In dem echt katholischen und zentrumstreuen.Münsterischen Anzeiger" befindet sich nämlich dieses Inserat: Gerbaulet-Aktien. Unsere Aktionäre werden ersucht, die in ihrem Besitze befindlichen Talons und Coupons unverzüglich bei uns einzuliefern zum Umtausch gegen neue Talons und Coupons für die GeschäflSjahre 1909 bis 1918. Mit dem 1. August d. I. tritt das Talonsteuergefetz in Kraft. Talons, welche nicht vor dem 1. August abge« hoben werden, sind stempelpflichtig, und wir sind daher genötigt, diejenigen Aktionäre, welche die Talons nicht vor dem 1. August in Empfang genommen haben, mit der Talonsteuer zu belasten. Münster, 23. Juli 1909. Hotel z. König v. England. vorm. Gerbaulet(A.-G.). Die Aktien dieser Gesellschaft befinden sich vornehmlich in den Händen konservativer und ultramontaner Adliger deS Münsterlandes. Vorsitzender der Gesellschaft ist der kgl. Kammerherr Landrat a. D- Wirkl. Geh. Rat Frhr. v. Landsberg in Drensteinfurt, und zu den Aktionären gehören u. a. der kgl. Landrat und Kammerherr v. Schorlemer in Ahaus, der kgl. Kammerherr Landtag?» abgeordneter Freiherr v. Twickel in Stovern. der kgl. Kammerherr Graf Droste in Darfeld, der kgl. Landrat Graf v. Westphalen in Münster, der kgl. Kammerherr Gras Hatzfeld in Bemburg bei Münster, der Kreiödcputierte Freiherr v. Kerkering-Borg in Rinlerode, der Reichstagsabgeordnete Herzog v. Arenberg in Nordkirchen. Man darf es wohl als selbstverständlich ansehen, daß die maß- gebenden Parteiinstanzen schleunigst auf die feudalen Herren ein- wirken, damit diese ihre Zinsbogen erst nach dem 1. August erheben. Die Presse des Steuerblocks hat nach einem Schandpfahl geschrien, der errichtet werden müsse, und e» wäre doch jammerschade, wenn auch feudale, hochedle Namen an diesen Schandpfahl angenagelt werden müßten._ Der ntsfische Henker auf deutschem Bode«. Der blutige Zar ist auf seiner Reise auch nach Deutschland gekommen. Wie di« gesamte Internationale, so protestiert auch die deutsche Sozialdemokratie gegen diesen Besuch deö Henkers seines Polte». Den Kieler Arb eitern war die Aufgabe zugefallen, durch eine mächtige DemonstrationSversammlung diesem Protest Ausdruck zu geben und sie haben sich ihrer Aufgabe tn Wirkung?- voller Weise entledigt. Die Versammlung war in den großen Saal der»Waldwicse" einberufen. Jedoch schon um 7 Uhr, eine Stunde vor dem an- gesetzten Beginn, war es klar, daß der Saal die Masse der Er- schienenen nicht fassen könne. Vorfichtigerweise hatte man noch die Genehmigung zu /wer Versammlung unter freiem Himmel eingeholt, und die Ver- sammlung wurde dann auf dem Sportplatze desselben LolaleS ab- gehalten. Gegen 10000 Mens che» hatten sich eingefunden, die in atemloser Spannung, von Zeit zu Zeit in stürmische Beifalls« kundgebungen ausbrechend, dem zweistündigen Referat Genossen Liebknecht lauschten. Der Referent brandmark!- da» abscheuliche russische Regime, für da» der gar als Repräsentant der russischen Regierung verantwortlich sei. Er geißelte die deutsche, besonders die preußische Liebe- dienerei gegen Rußland, die Leute wie Azew, Harting usw. Gastfreundschaft erwiesen, di» Besten Rußlands, die ihr Leben mit dem Streben für da« Glück des russischen Volke» ausfüllen, aber von Ort zu Ort hetzt und den russischen Schergen ausliefert. .Kämpft gegen den preußischen Absolutismus, der in der russischen Reaktion seine Stütze findet, und nieder mit dem Zarismus!" schloß der Redner unter stürmischem Betfall sein Referat. Die Versammlung faßte einstimmig eine Resolutton, in der st««rkiärt: Der Besuch de» russischen garen ist eine Angelegenheit. welche all« gesitteten Menschen Europas angeht, und mit den: tiefsten Abscheu abgelehnt werden muß. Nikolaus ist nicht nur der verlreter eines Systems, das 300000 Menschen in engen Schmutzkcrkern ver- kommen läßt, unschuldig Taufende in grauenhafter Weis« hin- geopfert, der zweimal einen niederträchtigen Staats- st r e t ch gemacht hat. Er hat durch Duldung und Förderung des niederträchtigen Lockspitzelsystems in«wem schon vorher rechtlosen Lande einen Zustand geschaffen, in dem nur di« Willkür diktiert. Er deckt mit seiner Person alle diese Schandtaten und ist auch als Person veraut- wortlich für die Barbarei und Korruption in Rußland, vor allem für die rechrswidrige Polizeiwillkür, mit der Europa, be- sonders Deutschland, beständig von Osten her angesteckt wird. <* AuS Flensburg wird un« telephonisch berichtet: Di» BertrauenSleute deS soziaidemokratischen Verein« hielten am DiensiSgobend eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, fol- gendes Telegramm an die Proieslversainmlung in der.Waldwiese" in Kiel zu senden: Die heute abend versammelten Vertreter der sozialdemokrati- schen Partei Flensburgs schließen sich dem Protest der Kieler Genossen gegen die Anwesenheit des„Mörderzaren" in unserem Vaterlande an und erheben ebenfalls den Ruf: Nieder mit dein Tyrannen! Die Beförderung des Telegramms wurde von der Telegraphen- Verwaltung wegen d-S Inhalts abgelehnt. Die Telegraphen- Verwaltung in Flensburg will also ihre schützende Hand über Z.ir Nikolaus II. halten. Sie wird die Verachtung nicht verringern können, die alle gesitteten und freiheitlich gesinnten Deutschen über den Zaren und seine Anwesenheit in Deutschland empfinden. Wenn der Zar reist. Außer Patrouillen Wandsbeckerund Schleswiger Husaren. die den garen auf seiner Fahrt durch den Kanal begleiten, find zwei vollständige Jnfanterie-Regini enter zum Schutze des geheiligten Lebens de» Zaren in Anspruch genommen worden. Das Infanterieregiment Nr. 84 aus Schleswig ist Montag- morgen, da« Jiisantencregiiiient Nr. 103 aus Neumünster Mittwoch- morgen nach dem Kanal abgerückt. Alle 300 Meter stehen drei Mann Posten,«in Mann patrouilliert dazwischen. Alle Zugangs- straßen zum Kanal werden mit Unteroffizierposten refp. Doppelposten besetzt, die Hochbrücken von Offiziersposten. Sämtliche im Kanal kegenden Schiffe werden mit Militär besetzt. Auf ebener Fläche dürfen Zuschauer nur auf 10 Meter, im hügeligen und bewaldeten Gelände nur 50 Meter an den Kanal hinauskommen. Der Eckern« färder Hafen ist während der Anwesenheit dcS Zaren auf Gut Emmelmark für den gesamten Nuder- und Scgelbootsverkehr voll» ständig gesperrt. Torpedoboote sorgen für Aufrecht- erhaltung dieser Matzregel. Auf dem Gute selbst wimmelt es von russischen und deutschen Geheimpolizisten. Neue Enthüllungen über die Spitzel-Exzellenz. Wie ein Mitarbeiter deS OktobristenblatteS„Golos MoSkwy" mitteilt, ist Burzcw im Besitz der Abschrift eines Briefes, den Harting kurz nach der Entlarvung AzewS an einen Freund in Berlin geschrieben hat. In diesem Brief schreibt er u. a., daß er, wenn„das Gewitier vorüberziehen würde", seinen Abschied einreichen werde, und bittet den Berliner Freund, den bekannten Oberspitzel Ratschkowsky darauf vorzubereiten. Weiter ist in diesem Brief ein Passus ent- halten, aus welchem hervorgeht, daß Harting von Paris auS die Tätigkeit seiner Berliner Kollegen, die dieselben Funktionen wie er ausübten, leitete und überwachte. Er macht nämlich seinem Berliner„Freunde" Vorwürfe, daß dieser die Anwesenheit zweier politischer Flüchtlinge in Berlin, die von der russischen Regierung gesucht wurden, verschlafen habe. Er habe von A z e w erfahren, daß sich die betreffenden Flucht- linge einige Tage in Berlin aufgehalten hatten. Wie werden eS die russischen und deutschen Geheimpolizisten bedauert haben, daß ihnen die schöne Gelegenheit entgangen war, noch einige„lästige Ausländer" auszuliefern. Das Zentrum»nd die Schaumtveinsteuer. Die klerikalen Blätter prahlen damit, datz die Zentrums staktion im Reichstage für die Zollerhöhung auf ausländischen Champagner und die Steuererhöhung auf inländische» Champagner gestimmt hat; denn dadurch habe das Zentrum bekundet, datz nicht nur der Ar- beiter mit neuen Verbrauchssteuern belastet werden dürfe, sondern auch der Reiche zum Steuerzahlen herangezogen werden müsse. Die ganze Schwätzerei zeugt von echt jesuitischem Geiste. Denn nach der vom Schnapsblock selbst vorgenommenen Schätzung bringt die Erhöhung der Schaumweinzöll« und»Steuern jährlich dem Deutschen gleiche nur ungefähr fünf Millijonen Mark ein. während die breite Volksmasse durch die Erhöhung der Tabak-, Bier- und Branntweinsteuern, die Erhöhung des KaffeezolleS, die Einführung der Schwefelholzsteuer uswZ um fast das Siebzig» fache belastet wird. Zudem aber war vorauszusehen, datz die Erhöhung de» Zolles auf französischen Champagner um 60 Mark pro Doppelzentner sich kaum werde durchführen lasten, da Frankreich dann auch den Zoll auf deutsche Biere erhöhen würde. Es wurde deshalb denn auch von dem Echnapsblock selbst dem Bundesrat die Ermächtigung erteilt, den Schaumweinzoll, wenn sich dies als nöttg erweisen sollte, wieder herabzusetzen. Diese Notwendigkeit ist nun bereits eingetreten, ehe noch die höheren Zölle überhaupt in Kraft gesetzt werden konnten. Die Franzosen haben nämlich den Boykott der deutschen Biere angedroht und allem Anschein nach wäre dieser Boykott auch noch auf andere Waren deutscher Herkunft ausgedehnt worden. Das hat den Bundes» rat veranlatzt, den Zollsatz auf Schaumwein von 180 M. per IVO Kilo auf 180 M. herabzusetzen. Der seitherige Zollsatz betrug 120 M.. so datz die ganze Erhöhung 10 M. bettägt, das macht pro Flasche 20 Pf.-- Auch die Zölle auf Kognak und Liköre mutzten ermäßigt werden. Den Schaden hat die mit höheren Steuern belastet« deutsche Schaumwein- und Spirituosen-Jndustrie, denn natürlich wird da- durch den französischen Schaumweinfabriken die Konkurrenz mit den deutschen wesentlich erleichtert. Selbstverständlich wird die Erhöhung deS Zolls und der Steuer auf Schaumwein nun dem Reich auch nicht die erhofften vsMtllionen Mark einbringen, sondern beträchtlich weniger, so datz diese Steuer gegenüber der den unbemittelten Schichten aufgebürdeten Riesenlast gar nicht mehr in Betracht kommt. Das neue Zentrnm. Die„Germania" fühlt sich durch die beiden Leitartikel „DaS neue Zentrum" in der Sonntag- und Dienstag- uummer deS„Vorwärts" unangenehm berührt, denn sie widmet der„Widerlegung" eine lange Auseinandersetzung. Allerdings ist diese Widerlegung etwaö sonderbarer Art � denn auf die Erörterung der von uns angeführten Tatsachen läßt sich da» Blatt gar nicht ein; es versichert nur. daß das Zentrum niemals, auch zur Zeit des Kulturkampfes nicht, eine Politik der Nur-Opposition und Verärgerung getrieben, sondern stets sachlich mitgearbeitet habe, daß. wenn die Zentrums- fraktion des Reichstages zurzeit mehr Angehörige des hohen Adels in ihrer Mitte habe alS jemals früher, so doch auch andererseits mehr Arbeiter, Arbeiterführer und Handwerker Zentrumsmandate erlangt hätten, daß sowohl Rom als der deutsche Episkopat dem Zentrum völlig freie Hand ließen und lediglich zwischen den Bischöfen und manchen Zentrums- abgeordneten herzliche Freundschaftsverhältnisse bestünden. AlleS altbekannte Redensarten, deren Erörterung sich um so weniger lohnt, als der am Rhein neu auSaebrochene Kampf zwischen der„Köln. Volksztg." und den Teilnehmern der Osterdienstagsversammlung unter Führung der Zentrums- abgeordneten Bitter und Roeren die Ausführungen unserer beiden Leitartikel in jeder Hinsicht bestätigt. Worum handelt eS sich in deni Streit? Wie die„Köln. Volksztg." selbst sagt, darum, tn der Politik deS Zentrums die katholische Welt- anschauung schärfer zum Ausdruck zu bringen und das Zentrum zu einer rein konfessionellen, spezifisch katholische Politik treibenden Partei zu gestalten. Was heißt das aber anders. als die Zentrumspartet noch mehr als bisher unter die Auf- ficht des Episkopats zu stellen, denn über die Fragen der katholischen Weltanschauung und der Kirchenpolitik entscheidet ausschließlich der hohe Klerus, nicht das Laienelement. Tatsächlich handelt es sich bei den Bestrebungen der Teil- nchmer an der Osterdienstagsversammlung lediglich darum, den Einfluß des KleruS auf die Zentrumspolitik noch mehr auszudehnen als bisher und zugleich jene Elemente, die sich nicht auf streng konfessionellen Boden stellen— zu verstehen sind darunter vornehmlich die christlichen Gewerkschaften— auszuschalten. Mag auch heute noch die„Germania" es im Parteiinteresss für nützlich halten, diese Bestrebungen wider eigenes besseres Wissen zu leugnen, so werden doch vielleicht schon bald die Tatsachen die Richtigkeit unserer Auffassung beweisen._ Nationalliberales Liebestverben. Herr Bassermann ist im Wahlkreis Neustadt-Landau erschienen, in dem Freitag die Stichwahl stattfindet, um die Leute vom Bunde der Landwirte zu bewegen. Mann für Mann dem Nationalliberalen ihre Stimme zu geben. Als da« einigende Moment zwischen Bündlern und Nationalliberalen bezeichnete er die scharfe Bekämpfung der Sozialdemnkratie. Datz die Bündler diese» Lockungen folge», ist sicher, denn auch umgekehrt würden die Nationalliberalen ohne Zioeifel für einen Bündler eintreten, wenn sie dadurch einen Sieg der Sozialdemokratie verhindern können. So scharf auch der Ritz ist, der momentan Konservative und Nationalliberale trennt, sobald es gegen die Sozialdemokratie geht, sind sie einig. Damit erweisen sich aber auch die Phantasien einiger liberaler Geschäftspolitiker von dem kommenden Block der Linken als völlig verfehlt Verbot der Ueberarbeit in Zigarrenfabriken. Die Besitzer von Zigarrenfabrtkcn lassen jetzt Tag und Nacht arbeiten, um noch so viele Zigarren als nur möglich auf den Markt zu bringen, ehe die Tabaksteuer in Kraft tritt. Die Folge mutz natürlich sein, datz mit diesem Termin sofort eine große Arbeits- lofigkeit eintritt, denn die Lager sind gefüllt, die Konsumenten haben sich mit teils erheblichen Mengen versorgt und autzerdem geht der Konsum zurück. Die badische Regierung hat nun die Ueberarbeit in Zigarren- fabriken verboten, soweit diese Ueberarbeit mit der Tabaksteuer zusammenhängt. Für das Verbot dürften rein fiskalische Gründe bestimmend gewesen sein._ Die Scharfmacher im Hansabund. DaS Direktorium des Hansabundcs ist gewählt, und wir be» gegnen in der langen Liste der Vorstandsmitglieder so manchem Namen, der in Scharfmacherkreiscn einen guten Klang hat. Wir nennen nur: Landrat a. D. Rosiger in Essen, Ballin- Hamburg. ilger. Geh. Bergrat in KönigShütte, Kirdorf-Gelsenkirchen, Rieppel- ürnberg, Röckling-Saarbrücken und Vogel-Ehemnitz, bestens bekannt aus den Kämpfen in Crimmitschau. Diese Herren werden schon dafür sorgen, datz der Hansabund in das richtige Fahrwasser kommt. Ein Ungeheuer! Da» Oberkriegsgericht in Dresden verurteilte den im 11. Dienstjahre stehenden Vizefeldwebel Schwarz vom 177. Jnfanterir-Regimeitt in Freiberg wegen Sittlichkeits- verbrechen in Tateinheit mit Körperverletzung und B e- leidigung zu 5 Jahren 2 W o ch e n Zuchthaus, Degra» d a i i o n, LuSstotzung auS dem Heere und 5 Jahre EhrenrechtSver- lust. Der Angeklagte hatte sich an zwei erst sieben und n e u n Jahre alten Mädchen eine« Arbeiters vergangen und das jüngere autzerdem noch mit einer ekelhaftenKrankheit an- gesteckt. Das Kriegsgericht hatte aus 8 Jahre 6 Monate erkannt. Die höhere Strafe wurde auf Berufung des Gerichtsherrn aus- geworfen. Der Angeklagte ist verheiratet und Bater von zwei Kindern.— Eine neue deutsche Kaiserjacht. Wie die.Kölnische BolkSzeltting' aus sicherer Quelle erfahren haben will, wird der kommende Marine-Etat auch die Forderung für den Neubau einer kaiserlichen Dampfjacht bringen, wen die„Hoheit- zollern" den Anforderungen nicht mehr entspreche, die an ein moderne« Schiff gestellt werden müssen. Die Jacht, die nach den eigenen Angaben und Wünschen de« Kaiser« erbaut werden soll, wird ungefähr 8 Millionen Mark kosten. Da« Modell soll bereit« auf der kaiserlichen Werft fertiggestellt sein. Der Neubau einer Jacht für Wilhelm ll. ist selbstverständlich da» dringendste Erfordernis des TageS. Das Reich hat so Viel Geld, datz es nicht weitz, wohin damit. Cürkei. Die griechische Flagge auf Kreta. Conen, 28. Juli.(Meldung des Neuterschen Bureaus.) Die griechische Flagge, die gestern auf der Festung geweht hatte. ist heute durch eine a n d e r e F l a g g e. die ein wcitzeS Kreuz auf blauem Grunde zeigt, ersetzt worden. Die griechische Kriegs- flagge zeigt zwar dasselbe Muster, hat aber in der Mitte deS Kreuzes noch eine Krone._ Miuisterwechsel. Koustantinopel, 28. Juli. Der Minister deS Aeutzern R i f a a t Pascha hat seine Demission gegeben. Konstantinopel, 28. Juli. Die türkische Preffe ist wegen der Meldung von der Hissung der griechischen Flagge auf der Festung in Cauea in Unruhe versetzt. Der Groß wesir erklärte in einem Interview mit dem Herausgeber der.Sabah", die» könne keineswegs die türkischen Rechte schädigen, und auch Griechenland sei dafür nicht verantwortlich. Die Türlei werde ihre Rechte verteidigen. Wenn die Kreter auf die Schutzmächte nicht hören, werde dieTürkeidaSRötigetun. Venezuela. Ein deutscher„Revolutionär". Caracas, 27. Juli. Der deutsche Untertan Theodor Hauer und sein Anwalt Porpacen sind gestern in Maracaibo verhaftet worden. Hauer versucht« als Castro« Vertreter angeblich Venezola« nische Aktien desselben zu verkaufen, organisierte aber in Wirklichkeit eine Revolurion zugunsten Castro«, was Korrespon» denzen und ein Geheimcode, die bei ihni gefunden und beschlag» nahmt wurden, bewiesen. ES werden wichtige Verhaftungen erwartet. Castro« Anhänger im Kongretz sind beunruhigt. Das Gaklfrühltiicft beim Monarchen. Unser Stuttgarter Korrespondent schreibt nn«: Die beiden Kammern de« württembergischen Landtage« haben am Donnerstag vergangener Woche den üblichen SonmierauSflug gemacht, diesmal an den Bodensee. Von den 02 Abgeordneten der Zweiten Kammer beteiligten sich etwa 80 an der Fahrt. 8S Mit- glieder der Ersten Kammer waren mit von der Partie, die sechs Staatsministcr nicht zu vergessen. Im Programm war neben der Besichtigung der Zeppelin- Luftschjffbauaiistali auch der Besuch des königlichen Schlotzgarten« in Friedrichshafen vorgesehen. Bei der Aniunft in Friedrichshafen selbstverständlich Rede deS Herrn Bürgermeisters, Ehrenjungfraiien, Deklamation, Blumen usw. Graf Zeppelin geleitete die Herren sodann zur Luftschiffbauanlage. Darauf ging'S zum Schlotzgarten. Der König von Württemberg, Wilhelm II., begrützte die Teilnehmer des Ausflug« sehr herzlich. Von den sieben sozialdemokratischen Abgeordneten, die sich an der fahrt beteiligt haben, zog der König die Genossen Hildenbrand, auscher, Heymann und Dr. Lindemann ins Gespräch. Den Aus- flüglern wurde ein Gabelfrühstück angeboten. Die Weingartener Regimentskapelle konzertierte im Garten. Nach etwa einstündigem Aufenthalt wurde Abschied genommen. Der Präsident der Ersten Kammer, Graf y. Rechberg, hielt eine DankeSrede für die freund- liche Aufnahme. Die Rede schlotz mit einem Hoch auf den König. Minister und Ständemitglieder fuhren sodann vom Scklotzhafen aus mit einem Salondanipfcr zur Reichsbaüouhalle. Hier wurde „Z. Il" besichtigt. Dann ging die Fahrt weiter nach Konstanz. Im Jnselhotcl wurde zu Mittag gespeist. Die beiden Präsidenten der Kammern hatten vereinbart. datz beim Mahle Reden nicht gehalten werden sollten. Der badische Minister v. Bodman» war von dieser Abmachung wohl nicht unterrichtet. Er begrützte die Minister und Gtändemitglieber auf badischem Boden. Seine Rede klang au»- in ein Hoch auf dm König von Württemberg. Nun mutzte der württembergische Ministerpräsident v. Weizsäcker auch reden. Er Uetz zum Schlutz de» Grotzherzoa von Baden leben. Das die Historie, die»ch letzter Tage auf schwäbischem Boden zugetragen hat. Die Teilnahme der sieben sozialdemolratischen Landtagsabgeordneten an dem Ausfluge wird unter den Partei» genossen Württembergs lebhaft erörtert. Datz die bürgerliche Presse den Vorgang mit hämischen Glossen kommentiert, ist selbstverständlich. Durch welche Gründe die sieben Genossen veranlatzt worden sind, die Fahrt mitzumachen, ist noch nicht bekannt. Sie haben noch keine Gelegenheit gehabt, sich öffentlich darüber zu äutzern. Dringend zu wünschen ist, datz aus der Erörterung, die nicht mehr zu ver» meiden ist, alle« Persönliche ausgeschieden wird. Denn die An» gelegenhett erfordert eine sachliche Behandlung. Haben sich nun die sozialdeinokraiischen Teilnehmer a» der Fahrt auch noch nicht über ihre Motjpe geäutzert, so hält eS doch nicht schwer, ihre Beweggründe zu erraten. Es werden etwa die folgenden sein: König Wilhelm II. von Württemberg ist ein persönlich sehr anständiger und liebenswürdiger Mensch, frei von jedem Dünkel, al« Mann geachtet von den Mitgliedern aller Parteien. Majestäis- beleidigungen sind in Württemberg unbekannt. Als Monarch hält er sich streng an die Verfassung. Niemals hat er sich der Erweite- rung der Volksrechte widersetzt, im Gegenteil bei der Vcrfassungs- reform seinen grotzen Einflutz eingesetzt, um das Werk zustande zu bringen. Die Nichtbeteiligung der sozialdemokratischen Landtags- frakiion an dem Besuch hätte der Monarch als persönliche Kränkung empfinden müssen. Ihm diese Kränkung zuzufügen, lag nicht der geringste Anlatz vor. Da» Volk hätte nicht verstanden, warum die sozialdemokratische Fraktion jenem HöslichleitSalte ausweicht. Da» der eine Grund. Ein zweiter ist wohl der: die parlamentarische Tätigkeit zwingt zur Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien. Allein ist die sozialdemokratische Fraktion zu schwach, ihren Willen zur Geltung zu bringen und den gewollten Einflutz auf Gesetzgebung und Per- waltung auszuüben. Will man, datz die Fraktion durch ihre Mit- arbeit im Parlament herausholt, was irgendwie zu holen ist, so darfman sich an solchem Beiwerk wie gemeinsame Ausflüge usw. nicht stotzen. Auch sie sind Mittel zu dem Zweck, den Einflutz der Sozialdemokratie zu stärken und neue Erfolge vorzubereiten. Entweder man hängt das„Parlamenteln" überhaupt an den Nagel, oder man schluckt mit dem Angenehmen auch das Unangenehme, wenn es sein mutz, sogar ein Gabelfrühstück mit Äönigöhoch. Da» etwa werden die Gründe sein, die wir von den sieben Genossen der Fahrt demnächst zu hören bekommen werden. Selbst- verständlich können noch eine ganze Reihe sonstiger Beweggründe für die Fahrt ins Treffen geführt werden. Sie alle ausfindig zu macheu, ist nicht unsere Aufgabe. Nur die beiden hauptsächlichsten Momente— unserer Kenntnis nach— haben wir skizziert. Datz König Wilhelm II. von Württemberg ein persönlich hochachtbarer Mann ist, der sein Amt unparteiisch und streng rechtlich zu führen sucht, wird von nieniand bestritten. Die Person zu kränken, liegt jedem fern. Hier handelt es sich aber nicht um die Person. sondern um die Institution. AIS Vertreter und Vorkämpfer der Demokratie müssen wir die Monarchie bekämpfen, ganz gleich- gültig, wer zufällig daS Szepter trägt. Darum hat sich der Sozial- demolrat, wenn nur irgend möglich, von Veranstaltungen fern- zuhalten, die mit Huldigungen für Monarch und Monarchie verknüpft sind. Das hätte auch der Gegner verstanden. Auch Wilhelm II. von Württemberg. Daß es der Sozialdemokratie fern liegt, gegen ihn persönlich zu demonstrieren, weiß Wilhelm II. so gut wie jeder andere auch. Dem verlogenen Geschrei der bürgerlichen Preffe hätte man leicht trotzen können und ein neuer Zwiespalt unter den Partei- genossen selbst wäre vermieden worden. Weiter scheint eine, unseres ErachtenS. total falsche Auffassung vom Parlamentarismus al« Kampfmittel der Sozialdemokratie gegen den Klaffenstaat unsere Genossen bewogen zu haben, so zu handeln, wie sie gehandelt haben. Einig sind wohl alle Genossen darin, datz das Parlament uns nicht nur der Ort ist, aufklärende und begeisternde Reden an« Volk zu halten, sondern datz auch an praktischen Resultaten erzielt worden soll, was möglich ist. Aber über die Taklik, die von unseren Parka» mentariern einzuhalten ist, herrschen grundverschiedene Auffassungen, die ihren Ursprung haben in einer grundsätzlich verschiedenen Auf- saffung vom heutigen Staat und vom Parlamentarismus. Gewiß ist Württemberg nicht zu vergleichen mit dem Polizeistaat Preußen. Der Württemberger hat zum Beispiel ein besseres Landtags- Wahlrecht als der Reichsdeutsche zum Reichstag. Der Einfluß de» Adel» ist trotz der Ersten Kammer längst nicht so groß als in Preußen. Das hat seine Gründe in den wirtschaftlichen Verhältniffen und in der historischen EntWickelung des Landes. Aber trotzdem und alledem ist auch der Bundesstaat Württemberg nur ein Teil der staatlichen Herrschastsorganisation der besitzenden Klassen. Der kapitalistische Klassenstaat druckt auch dem württcmbergischcn Parlament seinen Stempel auf. So groß und schätzenswert die praktischen Erfolge im Parlament den Parka- mentariern selbst erscheinen mögen, gegen das Lebens- und Herrschaftsinteresse der besitzenden Klaffen wird die bürgerliche Mehr- heit des Parlaments vom Konservativen bis zum Bolksparteiler nie verstoßen, es sei denn, datz sie gezwungen wird. Wir schätzen die gesellschaftlichen Talente unserer Parlamentarier, die Ueber- rcdungskunst unserer Abgeordneten hoch ein. Aber die lieb- lichste Beredtsamkeit wird wirkungslos bleiben da, wo ein wichtiges Jntereffe der besitzenden Klassen in Frage steht. Wichtiger. weit wichtiger als die durch solche Mittel erzielten parlamentarischen Erfolge ist, datz die Massen nicht irre werden in- der Wertung des KlassenstaateS. Und sie werden irre, wenn sie sehen, datz unsere Vertreter im Parlament, statt den Klaffenstaat unerbittlich zu bekämpfen, sich anzuschmiegen und anzupassen suchen. Sicherlich in der festen Ueberzengung. so dem Proletariat mehr zu nützen al« durch starres Festhalten an der entschiedensten Opposition gegen alle Institutionen, die wir programmgemäß zu belämpsen haben. ES mutz offen anerkannt werden, datz unsere Genoffen der Meinung sein konnten, wichtige Vorteile— so z. B. bei der württembergischen„Swuerreform", auf deutsch: Stenererhöhung— könnten den minderbemittelten Klaffen verloren gehen, wenn sie die bürgerlichen Parteien durch Ablehnung der Einladung zur Teilnahme am Ausflug verstimmten. Uns scheint allerdings diese Befürchtung nicht stichhaltig zu sein. Denn schließlich bestimmt nicht da» iiiehr oder minder angenehme Verhalten unserer Parlamentarier die Taktik unserer Gegner, sondern das Interesse der besitzenden Klassen und die Furcht vor dem aufgeklärten, organisierten und kampserprobten Proletariat. Wohin die OpportnnitätSpolitik führt. lehrt »n» ja daS Schicksal der bürgerlichen Demokratie. Und- gerade jetzt, da bei der Reichsfinanzreforin sich alle bürgerlichen Parteien ans das schmählichste gegen das Wohl der arbeitenden Klaffen vergangen haben, da in den Mafien die Empörung über die volksverräierische Politik der Reichs» regierung, des Bundesrats mit Einschlich Württembergs sowie sämtlicher bürgerlichen Parteien wächst und wächst, da die sozial- demokratische Partei zum schärfsten Kampf« rüstet, gerade jetzt mutzte alle« vermieden werden, waS die Massen wankend machen kann in ihrer Ueberzeugnng von der grundsätzlichen unerbittlichen Gegnerschaft der Sozialdemokratie geaen die kapitalistische Herrschaft. Gerade jetzt. da uns Einigkeit und Geschlossenheit not tut wie kaum jemals zuvor, hätten unsere Genossen im württembergischen Landtag alle» ver» meiden müssen, was den alten Streit neu entflammen mutz. Keinem Parteigenossen wäre e» eingefallen, den Parlamentariern einen Vor» wurf zu machen, wenn sie sich an de« Fahrt nicht beteiligt hätten. Nun aber ist der Zwist neu geweckt. Unsere Vertreter im württem- bergischen Landtag haben die Parteigenosscnschaft und die Partei» presse gezwungen, sich mit der Angelegenheit von neuem zu be» schäftsgen und Stellung zu nehmen. Wir wünschen, datz die un- verineidlich gewordene Auseinandersetzung mit peinlicher Sachlichkeit geführt wird, datz aber da» Resultat auch den letzten Zweifel über den Willen der Parteigenossenschaft beseitigt. Gewcrkfcbaftlicbc� ßerltn und Qmgegend. Die Lohnbewegung der Staker ist jetzt im allgemeinen als beendet zu betrachten. Es haben nun bereits mehr als 40 Firmen die Forderungen unterschriftlich be- willigt, und zwar die leistungsfähigsten und kapitalkräftigsten. Es kann sich jetzt nur noch um eine Nachlese handeln, um einen Kleinkrieg, durch den auch die wenigen noch übrigen kleineren Arbeitgeber des Berufs zu dem Tarifvertrag herangezogen werden. Die wichtigste Aufgabe der Staker ist aber— wie Noak am Montag in der autzerordentlichen Mitgliederversammlung betonte — dafür zu sorgen, daß der Tarifvertrag nun auch überall unvcr- kürzt innegehalten wird. Sollten irgendwo Verstöße vorkommen. so hat sich keiner damit zufrieden zu geben, und wenn der per- sönliche Einspruch dagegen erfolglos bleibt, sofort die.Organi- sation in Kenntnis zu setzen. Ferner ist überall darauf fort- dauernd zu achten, daß kein Staker ohne Berechtlgungskarte arbeitet. Der Redner machte noch darauf aufmerksam, daß es für die Staker wie für alle anderen Arbeiter notwendig ist, eifrig die Arbeiterpresse zu lesen, um jederzeit den Kämpfen gewachsen zu sein, die auch in Zukunft nicht ausbleiben werden.— Einstimmig wurde folgender Beschluß gefaßt: � „Die Versammelten nehmen Kenntnis vom Stande der Lohnbewegung und sind davon überzeugt, daß sie am Shlusse der Bewegung angelangt sind. Jedoch haben alle Kollegen, die noch nicht zu den neuen Bedingungen arbeiten, ihren Unter- nehmern die Verträge vorzulegen. Wo sie nicht unterschrieben werden, ist sofort die Arbeit einzustellen. Alle Kollegen, die zu den neuen Bedingungen arbeiten, haben sich in den Besitz der Berechtigungskarte zu setzen." In der Zeit vom 12. bis 24. Juli haben noch folgende Firmen bewilligt: Metze, Stolinski, Berka. Schlößer, Kolzing. Butschke, M i ck n a u s- Friedenau, Barsch- Eharlottenburg. K a w i g- Spandau, L o r e n z- Rixdorf und Geier- Alt-Glienicke. Als gesperrt gelten die Firmen: Abuschet, Bauten: Friedenau, Stierstraße und Exerzierstraße.— W e i m a n n. Bauten: Michaelkirchplatz und Steglitz, Bergstraße.— Schne,- der in Steglitz.— Wolter in Zehlendorf, Bauten: Haupt- straße 1. Sizilien- und Riemerstraßen-Ecke, Elsen- und Linden- allee-Ecke, Machnower Chaussee Seemannsheim. Erlcnweg und Winterfeldtstraße.— Walter in Rixdorf, Bauten: Knesebeck- und Hermannstraßen-Ecke. Märschstraße, Tempelhof, Kaiser Jriedrichstraße 4.— W o l f in Wilmersdorf. Bauten: Grätzstraße in Treptow, Bregenzstraße in Wilmersdorf, Suarez- und Pesta- lozzistraßen-Ecke in Charlottenburg, Raumer- und Seneselder Straßen-Ecke. Danziger und Prenzlauer Straßen-Ecke, sowie Kiautschoustraße(Wedding) in Berlin. Maßregelung bei der„Viktoria". Die bekannte Versicherungsgesellschaft..Victoria" hat den seit fünf Jahren im Betriebe fungierenden Vertrauensmann der„Ein- kassierer" auf das Straßenpflaster geworfen. � Vor geraumer Zeit begründete die Gesellschaft Ent- lassungen in der Regel mit der ungenügenden Aquisttion. Diesmal konnte man diesen Entlaffungsgrund nicht anwenden, da der betreffende Einkassierer einer der tüchtigsten Arbeiter war. Folgendes Schreiben beweist das: Herrn........ Hierdurch bestätigen wir Ihnen den Empfang Ihrer Tätig- kcitsberichte Nr. 39 und 40. Ihre Resultate sind er- treulich, bleiben Sie so bei. Berlin, 19. 10. 08. Die Direktion. Gerstcnberg. Am 16. Juni 1909 bekam der betreffende Kollege allerdings eine anderslautende Mitteilung: Hierdurch bestätigen wir Ihnen den Empfang Ihrer Tätig- keitsberichte Nr. 21—23. So geringe Resultate, wie in diesen drei Wochen, sind wir von Ihnen nicht gewöhnt; hoffentlich holen Sie alles wieder nach. Streben Sie auch nach Erfolgen in der Lebensversicherungsbranche. Die Direktion. Gerstenberg. Welche Wochen hat nun hier die Direktion ausgesucht? Woche Nr. 1: die Wochen vor den Pfingstfeiertagen, wo kein Mensch mehr Geschäfte abschließt. Woche Nr. 2: in dieser Woche hatte der Kollege Urlaub, war gar nicht in Berlin anwesend, konnte also keine Versicherungen abschließen, oder steht die Direktion auf einen an- deren Standpunkt, daß der Einkassierer den spärlichen Urlaub auch zum Acquirieren(Versicherungen abschließen) benützen soll. Woche Nr. 3: in der dritten Woche hat der Kollege bereits wieder « Versicherungen abgeschlossen. Ja. es lebt sich herrlich an den Fleischtöpfen der„Victoria", nur der Appetit geht dabei verloren. Am 26. Juni 1909. also 10 Tage nach der unzufriedenen Mit- teilung erhält der Kollege die Kündigung folgenden Wortlauts: Herrn Einnehmer.. Hierdurch kündigen wir Ihnen das b-zlehende Vertragsverhältnis zum 31. Juli und suspendieren Sie, unter Zahlung des Gehalts bis zum 31. Juli 1909. sofort vom Dienst. Den Empfang dieses Schreibens bitten wir uns gefälligst zu be- stätigen. Hochachtend „Victoria", Versicherungsgesellschaft. Gerstenberg. Also, nach fünfjähriger zufriedenstellender Tätigkeit auf das Straßenpflaster geworfen. So sieht die beim Engagement versprochene Lebensstellung aus. Wir sind aber in der Lage, den Grund der Entlassung genau angeben zu können. Die unermüdliche und aufopfernde Tätigkeit für den TranS- Portarbeiterverband war es, welche den Herren Direktoren schon lange im Magen lag, nur konnte man gerade an diesen Kollegen nicht heran, weil er in jeder Beziehung seine volle Pflicht und Schuldigkeit auch für die„Victoria" getan hat. Eine Verhandlung mit der Organisation lehnte die Direktion ohne weiteres ab. Die organisierten Einnehmer der„Victoria" sind im Besitze einer braunen Kontrollkarte, welche monatlich abgestempelt sein muß. Nur mit diesen schließe man neue Geschäfte ab. Auch warnen wir die Arbeiter, ohne vorherige Erkun. digung bei der„Victoria" Stellung anzunehmen. Die Genossen F. Luckow, Berlin 14. 37, Fehrbelliner Straße 3 und Ferd. Breitenborn, Köpenick, Gutenbergstraße 21, geben bereit- willigst Auskunft. Die Parteipresse ersuchen wir um Abdruck dieser Zeilen. Die Agitationskommission der Einkassierer und Kassenboten. I. A.: Friedrich Luckow, Berlin 14.. Fehrbelliner Str. 3. Tc.« Parkarbeiter der Stadt Berlin »ketten am Monv eine Versammlung ab, wo der Referent P o l e n s k e unter anderem darauf hinwies, daß die Parkarbeiter der Stadt Berlin in Lohn und in der Arbeitszeit schlechter ge- stellt sind, wie die Arbeiter in allen übrigen städtischen Betrieben. Während in diesen den Handwerkern ein Mindestlohn von 4�0 M. gezahlt wird, erhalten die bei der Parkverwaltung beschäftigten gelernten Gärtner einen Tagelohn von nur 4M. Der Anfangs- lohn der ungelernten Vollarbeiter betragt 3,75 M., der Saison- arbeiter 3.50 M.. der Invaliden 3 M.. der Arbeiterinnen 2 bis 2.25 M. jäBie der Referent an der Hand von Zahlen nachwies, erhalten nicht nur die Gärtner, sondern auch alle anderen Varl- arbeiter in den Varortgemeinden Lichtenberg, Schoneberg, Rix- darf und Eharlottenburg höhere Löhne wie die Gärtner und Park- arbeiter der Stadt Berlin. In den Vororten sind nicht nur die Anfangslöhne höher wie in Berlin, sondern auch die Steigerung nach dem Dienstalter erfolgt in kürzerer Zeit. Während in allen jtädtischen Betrieben Berlins die neunstündige Arbeitszeit allge- Verantw.««t»rt.i MW» Düwe«, LiKeubexg. Jni�rat? pergntw.j mein durchgeführt ist, müssen die bei der Parkverwaltung beschäf- tigten Arbeiter 10 Stunden arbeiten.— Schon im vorigen Jahre haben die Parkarbeiter an die Verwaltung die Forderung gestellt, daß ihnen ein Mindestlohn von 24 M. wöchentlich und der neun- stündige Arbeitstag gewährt werde. Diese Forderung ist in der Hauptsache abgelehnt worden. Nur ein kleiner Teil der in Frage kommenden Arbeiter hat eine Zulage von 25 Pf. täglich bekommen. Da es unmöglich ist, mit den Löhnen, welche die Parkarbeiter er- balten, auszukommen, so beschloß die Versammlung, die im vorigen Jahre an die Verwaltung gestellten Anträge zu wiederholen. Auch wird noch gefordert, den Arbeitern nach einjähriger Beschäftigung eine Woche Ferien zu gewähren.— Die Arbeiter erwarten, daß der Magistrat sich den berechtigten Forderungen nicht verschließen wird, denn, was die Vorortgemeinden ihren Parkarbeitern ge- währen, das muß doch die Stadt Berlin auch bewilligen können. Weiter wurde in der Versammlung lebhaft darüber geklagt, daß die Parkverwaltung in den letzten Tagen 28 Arbeiter ent- lassen hat. Mangel an Arbeit ist nicht die Ursache der Ent- lassungen, denn Arbeit ist an verschiedenen Stellen genug vor- handen, aber die verfügbaren Mittel gehen zu Ende. Deshalb werden Arbeiter entlassen und die Arbeiten bleiben unvollendet liegen. Die Arbeiter sind der Meinung, daß bei umsichtiger Ver- waltung die Entlassungen wohl vernrieden werden könnten. Sollten in einem Revier Arbeiter entbehrlich werden, so könnten sie in einem anderen Revier oder im Schillerpark beschäftigt werden. Das geschieht aber nicht, weil die Leitung eines jeden Reviers bei den Entlassungen vollkommen selbständig vorgeht, ohne sich um die Lage in anderen Revieren zu kümmern.— Zur Angelegenheit der Entlassungen wurde folgende Resolution an- genommen: „Die im„Englischen Garten" zahlreich versammelten Gärtner, Arbeiter und Arbeiterinnen der städtischen Parkver- waltung bedauern auf das lebhafteste die in einzelnen Revieren erfolgten Arbeiterentlassungen. Die Versammelten appellieren an das soziale Empfinden der städtischen Körperschaften, angesichts der noch immer wäh- renden wirtschaftlichen Krise und der durch die neue Steuer- gesetzgebung immer mehr steigenden Verteuerung der notwen- digsten Bedarfsmittel, nicht durch umfangreiche Entlassungen städtischer Arbeiter die Zahl der Arbeitslosen zu vermehren und die Entlassenen dem Hunger und Elend preiszugeben. Die Versanimelten erwarten, daß die schon erfolgten Ent- lassungen rückgängig gemacht werden, oder die Entlassenen Ar- beiter an anderen Stellen beschäftigt werden. Sie beauftragen den Arbeiterausschuß alle Wege zu beschreiten, die zur Er- reichung dieses Zieles notwendig sind." Deuvkches Reich. Neue Bereinbarungc» zwischen Tnvokarbcitcrn und Fabrikanten. N o r d h a u s e n, den 27. Juli. In Nr. 163 vom 16. Juli brachten wir die Mitteilung, daß das Ansinnen der Nordhäuser Tabalfabrikauten— die Arbeiter sollten bis zum 15. August mit verlängerter Arbeitszeit arbeiten— infolge deS einmütigen Zusammenstehens der Fabrikarbeiter abgeschlagen wurde. Die Situation hat sich jetzt anders gestaltet. Auf Grund der eingelaufenen und kaum zu bewältigenden Auf- träge traten die Fabrikanten erneut mit der Forderung von Ueber- arbeit an die Arbeiter heran. Die Arbeiter setzten sich deshalb mit der örtlichen Verbandsleitung in Verbindung, die mit Genehmigung des Hauptvorstandes in die Ueberarbeit willigte unter der Voraussetzung, daß die Fabrikanten das ehrenwörtliche Ver- sprechen abgeben, nach dem 15. August keinen Tabakarbeiter zu entlassen. Sollte nach diesem Tage eine Verminderung der Produktion eintreten, was aller Wahrscheinlichkeit nach der Fall sein wird, dann soll die Arbeitszeit verkürzt, im schlimmsten Falle die Fabriken ans kurze Zeit geschlossen werden.— Dieser Beschluß geht konform mit der von den Vorständen deS Deutschen Tabakarbeitcr- und Sortiererverbandes soeben veröffent- lichten Kundgebung. Bis zur Stunde haben zwei bedeutende Firmen dem neueren Beschluß der Arbeiter Rechnung getragen und das gewünschte Ver- sprechen abgegeben._ Achtung, Maschinisten und Heizer! Die Firma Dykerhoff u. Widmann, Biebrich am Rhein, Bahnhof-Neubau Aachen-Süsterfeld, ist wegen Tarifbruch für Baggcrmeister, Löffelführer, Maschinisten und Heizer gesperrt. Zuzug ist streng fern zu halten. Zentralverband der Maschinisten und Heizer Deutschlands. Kaiserliche Matrosen alS Streikbrecher. Kürzlich haben die unter dem Kommando von Mackensen in Langfuhr stehenden Leibbusaren in Zoppot den Streik der Kellner in der Sportwoche gebrochen. Nun ist ihnen in Danzig auch die kaiserliche Marine gefolgt I Der Personen- dampferverkehr auf der Mottlau, der Weichsel und� der Ostseeküste wird monopolistisch von der Aktiengesellschaft„Weichsel" beherrscht, die natürlich freisiunig- hanseatisch geleitet wird. Die Monopolstellung der Gesellschaft bekommt nicht nur das Publikum, sondern zuerst die Angestellten zu fühlen. Deren Verhältnisse find so ungünstig, daß selbst die Hirsch- Dunckerschen, die leider noch einen größeren Teil in ihren Vereinen haben, ihre Harmonie- gekühle in die Ecke werfen und zum Streik griffen. Am Sonnabend, den 24. Juli, forderten die Boots- und Steuer- leute eine Lohnzulage von 50 Pf. pro Tag. Die Direktion lehnte ab und verweigerte ein Eirtgegenkommen. Darauf wurde unter der Hirsch-Dunckerschen Führung, ohne andere Organi'ationen auch nur zu benachrichtigen, beschlossen, am folgenden Sonntag zu streiken. Die Herren Harmonieapostcl griffen zu der Taktik, den Streik nur den Steuer- und Bootsleuten zu empfehlen, das ebenfalls bei ihnen.organisierte" Maschinen- und Heizer- personal aber weiter arbeiten zu lassen.. Die Direktion ersuchte nun das Kommando des neuen Kreuzers„Emden" um die Ueberlassung der erforderlichen Anzahl von Marine- Mannschaften und erhielt diese auch sofort gestellt I Das Erscheinen der Matrosen, erweckte beim Publikum nicht gerade die freundlichsten Gefühle. Auch soll der Arbeitseifer dieicr Ersatz- kräfte die Direktion sehr enttäuscht haben. Sie zog es deshalb doch vor, den Ausständigen gegen Mittag eine kärgliche Lohnzulage von — 20 Pf. zu gewähren. In ihrer völlig isolierten Situation, ohne jede Verbindung mit der übrigen Arbeiterschaft, blieb den Streikenden nichts anderes übrig, als diesem ganz unzulänglichen Angebot zuzustimmen. Das Matrosenkommando wurde daraus am Mittag wieder zurückgezogen. Die Lokalpresse rügt, trotz ihrer in- timen Freundschaft mit der Hirsch-Dunckerei, in keiner Weise die unerhörte Verwendung des Militärs. Die unparteilichen Danziger„Neuesten Nachrichten' konstatieren sogar noch vergnügt, daß die militärischen Arbeitswilligen auf Ersuchen der„Weichsel'-Direktion von„Emden"„sofort bereitwilligst" gewährt wurden. Es ist einfach unerhört, daß die Arbeiterschaft das Militär jetzt auch noch dafür bezahlen muß, um den Unlernehmem jederzeit kostenlos Arbeitswillige zur Verfügung zu stellen. Husland. Die Lage im englischen Bergbau. Die Konferenz zwischen den Grubenbesitzern und den Berg- arbeitern zur Verhütung eines Ausstandes trennte sich am Diens. tagabend ergebnislos. Eine neue Konferenz tritt heute in London zusammen._ & Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. verlagsgnffgtt" Bor dem Generalstreik in Schweden-—~- Die am Montag vom schwedischen Unternehmertum durch- geführte Aussperrung erstreckt sich auf die Arbeiter der Holz- fchleifereien und Sägewerksbetriebs, die im Norden des Landes ihren Sitz haben, ferner auf die Textilindustrie mit 25 Fabriken in Norrköping, 20 in Boras bei Göteborg und einer geringeren Anzahl Fabriken in Malmö, Stockholm und anderen Städten. In den Aussperrungsdiftrikten haben am selben Tage Massenversamm- lungen stattgefunden, und überall zeigte es sich, daß die Arbeiter- schaft fest entschlossen ist, im Kampfe auszuharren. Die Arbeitgeber haben vielfach durch Plakatanschlag den Arbeitern mitgeteilt, daß sie trotz der Aussperrung weiterarbeiten könnten, wenn sie nur aus ihrer Organisation austreten wollten. Das hat jedoch nichts anderes zur Folge, als daß, wo noch Unorgani- sierte vorhanden sind, sich diese den Verbänden anschließen. So ist es namentlich auch in der Textilindustrie, wo noch unorganisierte Arbeiterinnen in größerer Zahl zu finden waren. Die Erbitterung der Arbeiterschaft über die Gewaltmaßregeln des Unternehmertums ist groß und wächst mit jedem Tage. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß der auf den 4. August anberaumte Generalstreik mit aller Kraft durchgeführt wird. Die General- streikproklamation des Landessekretariats schließt von der allge- meinen Arbeitsniederlegung die Arbeiter aus, die in der Kranken- pflege, mit der Wartung von Tieren, in den Belcuchtungswerken, den Wasserwerken und bei der Stroßenreinigung tätig sind. ES handelt sich hierbei jedoch nur um einen geringen Teil der Mit- glieder der Landesorganiastion. Jedenfalls wird dieser gewerk- schaftliche Generalstreik umfangreicher und auch etwas langwieriger werden, als der politische von 1902, wo 120 000 schwedische Ar- beiter um das allgemeine Wahlrecht streikten. Die Landesorgani- sation zählte Anfang dieses Jahres rund 170 000 Mitglieder, und außerdem ist damit zu rechnen, daß auch die ihr nicht angeschlossenen Gewerkschaften sich an der allgemeinen Arbeitsniederlegung be- teiligen. In der Proklamation werden ausführlich die Gründe dargelegt, die zum Generalstreiksbeschluß führten. Es ist die seit über einem Jahre betriebene höchst rücksichtslose und aggressive Äaktik des organisierten Unternehmertums. Schon im vorigen Jahre, als die Wirtschaftskrise eintrat, kamen die Unternehmer Schlag auf Schlag, oft der kleinsten Konflikte wegen, mit immer umfassenderen Aussperrungsbeschlüssen. Damals gelang es jedoch. durch immer neue Verhandlungen, einem allgemeinen Kampf zu entgehen, und man hoffte nun, daß die Unternehmer für einige Zeit von der Aussperrungsraserei geheilt seien. Aber mit dem Jahre 1909 ging es von neuem los. So hatte der„Zentral-Arbeit- geberverband" in diesem Frühjahr die allgemeine?lussperrung in 0er Bauindustrie des ganzen Landes beschlossen, und für die Bau- Materialienindustrie wurde dieselbe Maßnahme beschlossen und auch durchgeführt. Durch geschicktes Eingreifen der Organisation»- Vertreter der Arbeiterschaft, unter anerlennenswerter Mitwirkung der Schlichtungsbeamten, gelang es, diese Konflikte beizulegen. Aber da trat die„Schwedische Arbcitgebervcreinigung", die streit- süchtigste unter den Unternehmerverbänden des Landes, wieder auf den Kampfplatz. Die ihr angeschlossenen Grossisten der Herren- konfektion veranstalteten am 24. Mai, die Detaillisten der- selben Branche am 5. Juli ihre allgemeine Aussperrung. Am 12. Juli folgte die allgemeine Aussperrung in der Papier- masseindustrie und am gleichen Tage die der We g e- und Wasserbauarbeiter. Daran schlössen sich nun am Montag die schon erwähnten weiteren Aussperrungen, die am 2. August auf die Eisenwerke, und danach weiter in der Ordnung, wie es der Unternehmervorstand für gut befindet, ausgedehnt werden sollen.— Im Anschluß an die Schilderung dieser Ereignisse sagt die Pro- klamation u. a.: „Vollständige Einigkeit herrscht in der Repräsentantschaft der Landesorganisation darüber, oaß die fortgesetzte rück- sichtslose Aussperrungstaktik der Arbeit- geber nicht länger geduldet werden kann oder darf, vor allem nicht in der Form, daß unter dem Druck dieser Aussperrungsdrohungen Abmachungen getroffen werden sollten mit verschlechterten Arbeitsbedingungen. Be: dem Umfang, den die nun proklamierten Aussperrungen annehmen werden, w/rde die Landesorganisation nur mit äußersten Anstrengungen die ausgesperrten Massen notdürftig unterstützen können, und bei der Stimmung, die sich zurzeit unter den organisierten Arbeitern gegen lange und aufreibende Kämpfe mit hohen Extrabeiträgen geltend macht, konnte die Repräsentantschaft in diesem Fall nicht die bisher in unseren Organisationen angewandte Kampfesweise empfehlen." Es folgen dann die Beschlüsse der Repräsentantschaft. Zunächst der. daß die zur Zeit der Konferenz ja noch nicht endgültig ge- scheiterten Verhandlungen fortgesetzt werden sollten, und dann der über die allgemeine Arbeitsniederlegung über das ganze Land. Mit dieser Ausdehnung des Kampfes hört alle regelmäßige Unterstützung auf. Für diejenigen, die als Gemaßregelte auf dem Kampfplatz bleiben werden, wird jedoch ein Fonds gesammelt. Die Proklamation schließt mit der Aufforderung zu kühl überlegtem, ruhigem und zielbewußtem Handeln, unter Hinweis darauf, daß es sich bei diesem Kampf um Sein oder Nicht- sein der ganzen schwedischen Gewerkschaftsbewegung handelt. Letzte JVachncbtcn und vepelcben. Immer noch mehr Blutarbeit. Kursk, 28. Juli.(W. T. B.) Das hiesige Militärgericht verurteilte heute in dem Prozeß gegen die revolutionäre Or- ganisation in Schtschigrij neun Angeklagte, unter ihnen das Mitglied der zweiten Duma Pjanych zum Tode, fünfundzwanzig, unter ihnen das Mitglied der ersten Duma Merkulow und einen Geistlichen zur Zwangsarbeit und 34 Angeklagte zur Ansiedelung; zwanzig Angeklagte wurden freigesprochen._ Straßenkämpfe. Madrid, 28. Jutt.cS sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Fürstentum Lippe tagte am Sonntag in Lage. Von 13 Orten waren 39 Delegierte anwesend. Der Verein zahlte Ende Juni 693 Mitglieder, darunter 23 weibliche. Mit dem Kassenbestand von 69,76 M. waren im ersten Halbjahr 799,36 M. Einnahme zu verzeichnen; dem stand gegenüber eine Ausgabe von 665,95 M. Zur Tilgung des Defizits von der Landtagswahl sollen Sammellisten ausgegeben werden. Am 1. August soll im ganzen Lande ein Flug- blatt, betitelt ,599 Millionen neue Steuern' Verbreiter werden. Zum Parteitag werden folgende Anträge gestellt: zur Maifeier: »Der internationale Kongreß möge beschließen, die Arbeitsruhe am 1. Mai fallen zu lassen.' Zum Organisationsstatut:»Das Minimum des Beitrags auf 29 und 19 Pf. bestehen zu lassen.' Als Reichs- tagskandidat wurde wieder Konsumgeschäftsführer Gen. Becker- Lemgo aufgestellt._ Wahlsieg. Bei der Beigeordnetenwahl in Rüsselsheim siegte Genosse Jung mit 354 gegen 278 Stimmen der Gegner. Ob er die Bestätigung der hessischen Regierung findet? I Das Votum der Konföderation der Arbeit gegen de» Zarenbesuch. Rom, 26. Juli.(Eig. Ber.) Der Ausschuß d:r Konföderation der Arbeit hat in seiner letzten Plenarsitznng über die Stellungnahme zum Zarenbesuch beraten und einstimmig die folgende Tagesordnung votiert: »Angesichts der Möglichkeit eines Zarenbesuches in Italien erklärt der Ausschuß der Konföderation der Arbeit, daß eS ihm fern liegt, das nach Freiheit strebende russische Volk mit dem offiziellen Rußland der Despotie zu verwechseln und die Pflichten der Dankbarkeit zu vergessen, die die Arbeiter Italiens den russischen Matrosen schulden, die als erste den Opfern des Erdbebens zur Hilfe eilten. Gegenüber der Notwendigkeit, die wirksamste Form dcS Protestes zu bestimmen, die anzuwenden wäre, falls die Regierung wirklich das Empfinden deS italienischen Volkes durch den Zaren- besuch beleidigen sollte, spricht der Ausschuß zunächst seine Genug- tuung auS über die allgemeine Auflehnung, die die bloße An- kündigung des Besuches in allen VollSklassen hervorgerufen hat; er erachtet jedoch den Generalstreik im ganzen Lande als in keinem Verhältnis zu dem zu erreichenden Ziele stehend und sieht außerdem in ihm eine Maßnahme, die den italienischen Zaren- freunden die Handhabe bieten könnte, die wahre Bedeutung deS Protestes zu fälschen und die üblichen Methoden brutaler Re- pression anzuwenden. kleines feuilleron. Vlöriot. Blöriot. der vor nicht langer Zeit noch als der Pech- �ogel unter den Luftschiffern bekannt war, ist durch seinen Kanalflug plötzlich zum Helden des Tages geworden. Wohl war er seit langem einer der eifrigsten Pioniere des Flugsports, aber das Glück war ihm, dem begeistertsten Verteidiger des Monoplans �Eindeckers), nicht günstig. Noch als er vor etwa l'/z Jahren mit Farman zusammen Flugversuche in Jssy-leS-Moulineaux unternahm, zog er den kürzeren: er hat innerhalb von nicht ganz zwei Jahren zwölf Flugmaschinen unter sich zerbrochen, und ein ständiger Scherz war, daß er, wenn auch keinen anderen Rekord, so doch den Rekord in Unglücksfällen aufstellen werde. Aber kein Mißgeschick konnte seinen Mut und seine Tatkraft lähmen..Aus Unglücksfällen lernt man am meisten', pflegte er zu sagen. Und dann kam langsam der Erfolg und Plötz- lich der Weltruhm... Energie und Mut, das sind die entscheidenden Eindrücke, die von diesem Manne sogleich ausgehen. Aus seinen mehr als fünfzig Unglücksfällen ist Blöriot ohne ernsthaftere Verletzungen hervorgegangen; er hatte aus ihnen ge- lernt, sich selbst beim Fall zu schützen. In seinen einmal gefaßten Wlänen hat ihn ein widriges Geschick nie aufhalten können. Als er am Mittwoch Paris zu dem Kanalfluge verließ, beschwor ihn seine Frau, doch wenigstens zu warten, bis eS mit seinem schlimmen Fuß besser ginge; aber Bloriot erwiderte, seine Maschine warte auf ihn in Calais, und wenn er erst bei ihr wäre, dann würden schon die Schmerzen in seinem Fuß nachlassen. Seitdem Bloriot auf der Ecole Centrale sich dem Jngenieurstudium gewidmet, war sein heißes Bemühen darauf gerichtet, eine Flugmaschine zu konstruieren. Er erwarb sich ein großes Vermögen durch Fabrikation des Blöriot- Motorwagens und hätte sein Leben in Muße und Beschaulichkeit verbringen können, wenn er gewollt hätte. Aber sein erfinderischer Geist ließ ihn nicht rasten noch ruhen. 1S01 konstruierte er einen Monoplan von recht exzentrischer Form, mit dem er keine Erfolge erzreite; dann baute er noch zwei weitere Maschinen von demselben Typ und widmete sich von nun ab fünf Jahre lang mit unermüd- lichem Flerß der Wissenschaft des Flriges und der Prüfling all der Erflndungen, die bisher zur Eroberung der Luft gemacht waren. Im September 1996 verband er sich n,it der Firma Voisin zur Kon- struktion seines ersten Zweideckers mit elliptischen Flügeln. Im folgenden Jahre baute er einen grotesk geforn,ten Monoplan, der den Beinamen»Dre Ente' erhielt und mit dem er einen recht unglück- lichen Flugveriuch machte. Erst im Juli 1997. also sechs Jahre nach seinem ersten Versuch, begannen Blsnots Erfolge. Er flog auf In der Ueberzeugung, daß, um den Protest wuchtiger zu ge- gestalten, die Gewerkschaften und Arbeitskammern im Einklang mit den politischen Parteien vorgehen müssen, beschließt der Aus- schuß, den einzelnen Organisationen die Art ihres Protestes frei- zustellen, und ruft ihnen die Notwendigkeit ins Gedächtnis, vor unb_ während des Zarenbesuchs durch Schriften und öffentliche Versammlungen das italienische Volk über die Schrecken des russischen Despotismus und über die Opfer aufzuklären, unter denen das russische Volk um Freiheit und Kultur ringt. Der Ausschuß beauftragt schließlich das Exekutivkomitee, einen Aufruf an die Bevölkerung zu erlassen: sich in Verbindung mit den Vor- ständen der politischen Parteien und dem Landeskomitee gegen den Zarenbesuch zu halten und, im dringenden Falle, alle ihm geeigner erscheinenden Mittel in Anwendung zu bringen, soweit sie sich in den Grenzen der vorliegenden Beschlußfassung halten.' Wie man sieht, hat weder der Parteivorstand noch die Kon- föderation eine Norm für ganz Italien zu diktieren gewagt. Das ist um so bedauerlicher, als man in Arbeiterkreisen zu jeder De- monstration, auch solcher, die große Opfer auferlegt, bereit wäre l Die sich täglich häufende Zahl von Tagesordnungen zugunsten des Generalstreiks beweist dies. Und das Proletariat hat gerade von Konföderation und Partei die Parole erwartet. Dringlich ist die Sache nachgerade auch geworden, da eine offizielle russische Kor- respondenz den Zarenbesuch für die letzte Septemberwoche russischer Rechnung in Aussicht stellt. Der Besuch soll in einem italienischen Hafen stattfinden. Auf italienischen Boden traut sich Nikolaus nicht. pollieUicbes, Sericbtlicbes ulw. Wegen Beleidigung der Beamten des Arbeitsnachweises des Ar- bcitgcber-Bcrdandes Harburg wurde am Dienstag nach l'/zstimdiger Verhandlung der verantwortliche Redakteur Genosse Zielke vom Hamburger Schöffengericht zu 299 M. Geldstrafe verurteilt. Der Mitangeklagte Geschäfrssührer der„Volksblatt'-Druckcrei, Genosse Martens, erhielt 19 M. Geldstrafe, gewissermaßen— wie sich der Vorsitzende ausdrückte— als Ordnungsstrafe. TZiis Industrie und Kandel. Hungerpreise. Ueber die Entwickelung der Preise verschiedener wichtiger Nahrungsmittel im Juni macht die»Statistische Korrespondenz" u. a. folgende Angaben: Die Getreidepreise sind im Berichtsmonate weiter gestiegen. Insbesondere hob sich der Preis für Weizen mittlerer Qualität im Durchschnitt der BcrichtSorte gegen den Vormonat um 11 M. für die Tonne; er ist damit seit Januar dieses Jahres bereits um 69 M. in die Höhe gegangen. Der Roggenpreis stieg gegen den Monat Mai dieses Jahres um 9, der Haferpreis um 7 M., ersterer mithin seit Januar um 27, letzterer um 33 M. Die Großhandelspreise für Hülsenfrüchte, Eßkartoffeln, Heu und Stroh sind durchweg im Gesamtdurchschnitte gestiegen, am meisten die für Speisebohnen(um 12 M.), demnächst die für Heu(um 8 M.); andererseits zeigen die entsprechenden Kleinhandelspreise für Hülsenftüchte und Kartoffeln gegen den Vormonat eine Aufwärts- bewegung nur bei den Erbsen. Der Butterpreis ist im Berichts- mouate zum erstenmal im Januar etwas zurück-, der Eierpreis emporgegangen. Die schon seit einiger Zeit beobachtete Preiserhöhung für Mehl und Brot hat, abgesehen vom Roggenmehl im Großhandel, dessen Preis gegen Mai unverändert geblieben ist, im Berichts- monate angehalten._ Vom Kohlensyndikat. In der»Deutschen Bergwerkszeitung' wird in einem anscheinend inspirierten Artikel versucht, die Konsumentenfreundlichkeit des Kohlen- syndikats nachzuweisen. Es werde viel darüber geschimpft, heißt es da. daß die Kohlen- und insbesondere die Kokspreise für die Eisen- industrie nicht genügend herabgesetzt worden feien. Warum man nnt den Preisen nicht zurückgehe, ergebe aber ein Blick auf die Gestaltung der Roheisenpreise. Die Verbilligung des Koks habe auch die Preise für Eisen sinken lassen I I» den Kreisen des Rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats sei das mit gemischten Ge- fühlen aufgenommen worden. »Wenn die Dinge auf dem Roheisenmarkt sich in dieser Weise weiter entivickcln, s o hat das Entgegenkommen des Kohlensyndikates, das von der besten Gesinnung dem Roh- eisenmarkt gegenüber eingegeben war, seinen Zweck voll- ständig verfehlt. Das Kohlensyndikat hat die Ueberzeugung, daß eS, so viel an ihm lag. nichts unversucht gelassen hat,„zu einer Besserung des Roheisenmarktes beizutragen. Man wird daher billigerweise nicht von ihm erwarten können, daß eS dem Roheisenmarkte durch seine Preispolitik noch einem Monoplan deS Langley-SystemS 149 Meter bei Bagatelle. Am 13. Juli 1999 gewann er dann den Wanderpreis des Aeroklubs von Frankreich und zeigte dabei deutlich die Vorzüge seines kleinen leichten Monoplans. Der Apparat Blsriots braucht zur Aufbewahrung keinen großen Schuppen. Mit zusammengefalteten Flügeln nimmt er nicht mehr Raum ein als ein mäßig großes Automobil. Er kann einfach an einem Motorwagen befestigt und so weite Strecken mit- geschleppt werden. In weniger als einer halben Stunde ist er völlig flugbereit gemacht. Ueber die Eindrücke während seines Fluges berichtet Blöriot im Pariser„Motin" selber:»Alles ist bereit. Dem Reglement des Preises entsprechend habe ich den Sonnenaufgang abgewartet. Leblanc sagt mir, daß auf der Düne eine Flagge geschwenkt wird. Das ist da« Signal. Eine leichte Aufregung bemächtigt sich meiner in dem Augenblick, wo ich meinen Apparat besteige. Doch das sind Gedanken von kurzer Dauer. Alles bewegt sich, alles vibriert I Auf mein Zeichen lassen die Monteure den Apparat los. In einem Augenblick bin ich hoch. Ich nehme schnurgeraden Kurs und gehe stetig meterweise höher. Jetzt schwebe ich über dem Meere und lasse den Torpedojäger zu meiner Rechten. Ich fliege ruhig weiter, ohne jede Erregung, ohne irgend loelche reellen' Eindrücke. Ich wähne mich im Luftballon. Völlige Windstille gestattet mir, die Steuer in Ruhe zu lassen._ Wenn ich die Betätigungsorgane fest- stellen könnte, dürfte ich mir gestatten, beide Hände in die Taschen zn stecken. Ich glaube nicht rasch vorwärts zu kommen. Das liegt wohl an der Einförmigkeit des Meeres. Ich bin mit meinem Apparat zufrieden, feine Stabilität ist tadel- loS. Ich habe während der ersten halben Stunde mein Weißbrötchen llegessen. Zehn Minuten hindurch blieb ich allein, isoliert inmitten des unendlichen Meeres, ohne einen Punkt am Horizont oder ein Schiff zu erblicken. Diese nur durch das Kirattern des MotorS gestörte Ruhe hatte ihren gefährlichen Reiz, der mir»sohl zum Bewußtsein kam. Diese zehn Minuten dauerten mir gar lange, und ich war glücklich, als ich am Horizont eine graue Linie sichtete, die sich scharf vom Meere abhob und zusehends anwuchs. Kein Zweifel, es ist die englische Küste." Die erreichte Geschwindigkeit gibt Bloriot selbst mit 63 Kilometer mr die Stunde an. Er sieht in seinem Erfolg einen Erfolg seines Erndeckersystems und meint bereits Monoplane für zehn Personen bauen zu können. Uebrigens wird man bald Gelegenheit haben, die Leistungsfähigkeit BlsriotS und feines Apparates weiter zu prüfen, da er sich um den Gordon Bennett-Preis in Rennes be- werben und vielleicht auch an dem Wettflug von London»ach Manchester teilnehmen wird. weitere Mittel in die Hand gibt, den ungesunden Wettbewerb, der durch die Auflösung deS Roheisensyndilaies entstanden ist, ins U n g e in e s s e n e zu steigern." Das Syndikat, das kräftig dahin gewirkt hat, das Roheisen- syndikat auffliegen zu lassen, indem es durch seine Preispolitik ver- schiedene reine Werke vor den Bankrott brachte, stellt sich jetzt hin und sagt: Wir können euch nur durch— hohe Kokspreise Helfelt. Eine tollere Verhöhnung kann man sich kaum noch vorstellen. Die Kohlenproduktion im Deutschen Reiche hat nach den neuesten Ausweisen im Juni gegen den gleichen Monat im Vorjahre einen starken Anstieg zu verzeichnen. Die Steinkohlenförderung betrug 11974 932 Tonnen gegen 11 179 243 Tonnen im Juni 1993, das sind fast 899 999 Tonnen(über 7 Proz.) mehr. Auch bei den anderen Kohlensorten sind durchweg viel höhere Förderzahlen bcob- achtet worden, so daß die Gesamtförderung Januar bis Juni ein- schließlich in diesem Jahre schon wieder so hoch ist wie im Vor- jähre, obwohl die vorangehenden Monate dieses Jahres gegen das Vorjahr erheblich zurückblieben. Am meisten ist noch die Stein- kohlenförderung zurück, um fast 899 999 Tonnen. Trotzdcnr über- traf die Ausfuhr an Steinkohlen Januar/Jiiui 1999 mit 19 329 519 Tonnen diejenige in der gleichen Zeit des Vorjahres mit 9 838 175 Tonnen um 482 344 Tonnen, also um fast 5 Proz. Die Stein- kohleneinfuhr nach Deutschland war dabei geringer als im Vorjahre. Schädigung der deutschen AnsichtSkartenindustrie. Von einem Importeur sind der„New D orker H. Ztg.' folgende Mitteilungen gemacht worden. „Für die deutschen Fabrikanten, welche dem amerikanischen Markt in den letzten Jahren enorme Quantitäten von Ansichts- Postkarten geliefert haben, liegt die Aussicht herzlich schlecht. An die Stelle der bisherigen Zollrate von 5 Cents pro Pfd. soll nun eine solche von 15 Cents Plus 23 Proz. od valorem treten, und sofern sich nicht noch irgend etwas Unvorgesehenes ereignet, scheint es ziemlich sicher zu sein, daß dieser enorme Zollaufschlag in Kraft treten wird. Das würde natürlich den Ausschluß der hier große Popularität genießenden deutschen Ansichtspostkarten, abgesehen von feinerer Ware, bedeuten und damit schweren Verlust für die deutschen Fabrikanten, welche das Geschäft aufgebaut und dazu kostspielige Einrichtungen getrosten haben. Bereits hört man, daß von der Seite geplant wird, die Fabrikation und die Maschineneinrichtungen nach hier zu verlegen; um von dem hiesigen hohen Zollschutz selbst Nutzen zu ziehen. Anstatt daß somit die einheimischen Fabrikanten durch die übermäßige Zollcrhöhung, die sie anscheinend durch- gesetzt haben, die Ansland-Konkurrcnz ausschließen, steht ihnen ver- mehrte Konkurrenz bevor. Des weiteren hört man, daß die hiesigen Fabrikanten beabsichtigen, den Zollaufschlag zu einer erheblichen Preiserhöhung zu benutzen, was dann auch!den nach hier zu ver- legenden deutschen Fabrikbetrieben zugute kommen würde. Ebenso sicher läßt sich jedoch annehmen, daß dann die hiesigen Arbeiter mit höheren Lohnforderungen hervortreten und, falls mit denselben nicht erfolgreich, Streiks inszenieren werden. Es scheint daher fraglich, ob die amerikanischen Fabrikanten mit ihrer Agitation gegen die Ausland-Konkurrenz schließlich viel gewinnen werden.' Höhere Dividende. Der amerikanische Stahltrust schüttet für das letzte Quartal auf die oomraou sbarss 3/t Proz. Dividende aus gegen Vs Proz. früher._ Hirn der fraiienbewegimc� Das Verbot der Frauennachtarbeit in Norwegen. In der verflossenen Woche hat sich das Lagthing, die aus einem Viertel der Storthn:gsabgeordneten bestehende kleinere Ab- teilung des norwegischen Reichstags, mit dem Fabrikgesetzentwurf befaßt. Das im§ 23 des Entwurfs enthaltene, aber vom Obels- thing abgelehnte Verbot der industriellen Nacht- arbeit der Frauen wurde vom Lagthing mit 16 gegen 15 Stimmen angenommen. Ob das Verbot, das übrigens für die Fisch- und Fischkonservenindustrie Ausnahmen zuläßt, Gesetz wird, ist noch zweifelhaft, da die endgültige Entscheidung dem ge- samten Storthing überlassen bleibt.— Der im �Entwurf vorgesehene allgemeine Normalarbeitstag von 19 Stunden, Sonnabends sechs Stunden, wurde im Odelsthing und im Lagthing mit 22 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Für den von unseren Genossen vorgeschlagenen Achtstundentag stimmten nur die drei sozialdemokratischen Lag- thingsmitgliedor._ Ein sozialdemokratisches Frauenblatt in Norwegen. Auf der letzten Jahresversammlung des Frauenverbandes der Norwegischen Arbeiterpartei wurde der.Vorstand beauftragt, für die Gründung eines sozialdemokratischen Frauenblattes zu wirken. DaS Blatt soll vom 1. September dieses Jahres an erscheinen, und zloar-monatlich. Es wird den Titel„Kv luden"—„Die Frau" Humor und Satire. Das Pferd als Raucher. Ein altmärkisches Kreisblatt, so«vird der„Franks. Ztg." berichtet, bringt in allem medizinischen Ernste eine Betrachtung über die Pferdekolik und deren Behandlung, die von ganz besonders origi- nellein Inhalt ist. Nachdem von den im Grünfutter vorkommenden Giftpflanzen und deren Wirkung ans Gänse und anderes Hausgelier die Rede war, geht der Verfasser ausführlicher auf die Pferdekolik ein, der„wohl die Mehrzahl der davon betroffenen Pferde erliegt". Zeitig dagegen angewandt, erwiesen sich aber sogenante Rauchklystiere recht wirksam. Zu dem Zwecke müsse eine passend hergestellte Tabakpfeife mit der Spitze eingeführt werden, worauf die Darmtätigkeit die Pfeife in Brand erhalte und den Rauch ins Darminnere einziehe. Das bislang von großen Schmerzen gequälte Pferd lasse sofort erkennen, wie schmerzlindernd und wohltuend das Mittel alsbald wirke, und nehme auch gleich mit Behagen einen Hochstand des Vorder- körperS ein. Die Rauchkur müsse allerdings stundenlang fortgesetzt werden, wenn sie den gewünschten günstigen Erfolg haben solle. Zum Beweise für den Erfolg wird folgender Fall angeführt: Der Wärter eines kolikkranken, mit Rauchtabak behandelten Pferdes war eingeschlafen und hatte den Haltestrick fallen lassen. Darauf nahm der Patient—„nebenbei bemerkt ein ungewöhnlich kluges Pserd"— an entfernterer Stelle auf einem Trittstein selbst die von ihm als heilsam erkannte Stellung bis zum Verschwinden der letzten Krank« heits, zeichen ein. Man darf erwarten, daß die Junker für die rauchenden Pferde alsbald eine Herabsetzung der Tabaksteuer beantragen werden. Notizen. -» Bühnenchronik. Anna Mildenburg hat ihren Ver» trag mit der Wiener Hofoper gelöst; sie wird im Herbst im Deutschen Theater zum Schauspiel übertreten und die Klytämnestra in HofmannSthals„Elekrra" spielen.— Erika W e d e ki n d, das frühere Mitglied deS Dresdener HoftheaterS, wurde für die Komische Oper als Gast verpflichtet. lo — Theaterchronik. Im S ch i ler- Th e ater Char- .Ottenburg begeht Haupttnanns Diebskomödie«Der Biber- pelz" am Donnerstag die 59. Aufführung.— Das Kleine Theater, das einer Unigestaltung unterzogen ist, wird am 1. August wieder_ mit Ludwig Thomas Komödie„Moral", die bei dieser Ge- legenhett zum 250. Male gegeben wird, wieder eröffnet. <=- führen. Die Redaktion ist einem Komitee übertragen, bestehend vus den Genossinnen Frau Fernanda Nissen. Frau G u n- h i l d Z i e n e r und Fräulein Helga Thorsen,- Zur Lage der Frane« in Indien. In einem vor einigen Monaten erschienenen sehr interessanten Vuche über Indien„lTdo nsw Iii di a" von I Hönes finden wir folgende Angaben über die Lage der Frau. Die Frau ist bis jetzl als ein unreines, verachtungswürdiges Geschöpf angesehen. Die Anhänger der reformerischen Slrömungen verlangen Reformen auch auf dem Gebiete der Frauenfrage. Speziell wenden sie sich gegen folgende Barbarei. Mädchen im Alter von 6 bis 8 Jahren werden verheiratet an alte Wüstlinge. Stirbt ihr »Mann", bevor sie die physische Unschuld verloren haben, so werden sie als Witwen betrachtet und dürfen nach indischen Sitten nicht mehr heiraten. Für die Lage der Frau in Indien ist es charakteristisch, dafi die Reforma- toren keinen Mut haben, das gesetzliche Bestrafen dieser Kinder- schändung zu verlangen, sondern sie begnügen sich mit der Forderung, eine Heirat mit einem Kinde, das noch keine zehn Jahre zählt, solle als Verlobung gelten, d. h. nach dem Tode des Wüstlings solle das Mädchen das Recht haben, zu heiraten. Wie Jhones weiter berichtet, würden jährlich tausende und abertausende Mädchen an die Tempel vergeben, wo sie als Bajaderen Prostitution treiben. Das sind Zustände, mit welchen die Engländer sich abgefunden haben. Sie haben es gewiß nicht aus Rücksichtnahme für die sittliche Eigen- ort der Inder getan, sondern darum, weil das Verkaufen der Kinder an Wüstlinge und Tenipel sich nicht ausrotten läßt, solange das ungeheure Elend der indischen Bevölkerung herrscht, das sie durch ihre Ausbeutungsherrschaft herbeigeführt haben. Soziales. Erkrankung während des Urlaubs. Die Buchhalterin V., die bei der beklagten Speditionsgesellschaft F. U. K. in Stellung war, hatte um einen achttägigen Urlaub auf eigene Kosten gebeten, den sie zur Pflege ihrer erkrankten Mutter verwenden wollte. Sie erhielt auch unter diesen besonderen Umständen und Bedingungen den Urlaub bewilligt, erkrankte aber selbst schwer während der Urlaubszeit. Die Buch- halterin stellte Ansprüche auf Gehalt für sechs Wochen, die Firma weigerte sich indessen, nicht nur für die Urlaubswoche, sondern auch für die darauf folgenden fünf Wochen Gehalt zu zahlen. Die Beklagte begründete ihre Weigerung damit, daß zur Zeit der Erkrankung der Klägerin gar kein Arbeitsverhältnis bestand, denn dieses war auf deren eigenen Wunsch auf eine Woche unter- brachen worden. Der dem Handlungsgehilfen das Gehalt für sechs Wochen im Erkrankungssalle sichernde§ 63 des Handelsgesetzbuchs setze aber voraus, daß ein Dienstverhältnis bestehe. Das KaufmannSgericht wies die Klägerin mit ihrem Anspruch für die U r l a u b s w o ch e ab, sprach ihr aber mit Recht das Gehalt für die übrigen fünf Wochen z u. Erste Vor- missetzung des§ 63 sei allerdings, daß das Dienst- Verhältnis noch bestehe. Im vorliegenden Fall sei aber das Arbeitsverhältnis s nicht aufgelöst, sondern nur durch Urlaub unterbrochen worden. Besteht noch ein Dienstverhältnis, so ist es gleichgültig, ob die Erkrankung während oder außer- halb der Dienstleistungen erfolgte. Damm steht der Klägerin das Gehalt für die Krankheitszeit, mit Ausnahme der Urlaubs- woche, zu. Für diese Woche hat die Klägerin keinen Anspruch. Sie hatte freiwillig auf Gehalt für diese Zeit verzichtet und hätte demnach auch bei normalem Verlauf ihrer Urlaubszeit kein Gehalt für die Woche bezogen._ Die Merkblätter der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, sowohl das für Männer wie das für Frauen und Mädchen bestimmte, sind, nachdeni sie von dem Ausschuß der Gesellschaft einer umfassenden Umarbeitung unterzogen worden sind, jetzt neu erschienen und durch die Geschäftsstelle der Gesellschaft, Berlin, Jnselstraße 13», für Aerzte und Aerzte-Vereinigungen gratis zu beziehen._ LoS des LandpreletarierS. Bei dem Rittergutsbesitzer v. Braunschweig auf Lübzow bei Ctolp war ein Arbeiter Timreck drei Jahre beschäftigt. Mithin hatte er daS Heimatsrecht erworben. Im Jahre 190S erhielt er, da er durch seine Arbeit zum Krüppel geworden war, eine Hungerrente in Höhe von 14.30 Mark. Der Gutsbesitzer verwies den Rentner kurzerhand auS der früheren Wohnung, trotzdem in einem Schreiben des Kreisausschusses vom 12. Dezember 1908 unter dem Zeichen»X. A. 15 036" dem Timrcck mitgeteilt worden war, daß ihm vom Gutsarmenverband fteie Wohnung und Feuerung gewährt werden mutz. Weil nun der Unglückliche nicht auf der Straße liegen wollte, ging er auf Suche nach einer Wohnung. Doch vergeblich, keiner wollte diesen ausgemergelten Landproletaricr aufnehmen. Und so war er ge- zwungen. wie ein Landsweicher bald hier, bald dort um Nachtquartier ?u bitten. Als nun der vom Hunger Geplagte sich unterstand, auf ceiem Felde in einem ausgeworfenen Loche etwas Feuer anzu- zünden, um sich etwas Warnies zu bereiten, wurde er als Brand» stifter verhaftet. Im Gefängnis erhielt er nun Obdach. Im Ge- fängnis erhielt er ein Schreiben, betitelt.Haftsache". Dieses lautete:„Auf Anordnung des königlichen Amtsgerichts werden Sie benachrichtigt, daß die Verlängerung Ihrer Haft bis zum 2. Juni 1909 einschließlich beschlossen worden ist", und am 24, Mai erhielt er ein gleichlautendes Schreiben, worin ihm mit- geteilt wird, daß die Haft bis zum 16. Juni 1909 einschließlich be- schlössen ist. Nun war der Bedauernswerte zufrieden. Er hatte Unterkunft bis auf weiteres gefunden. Doch es sollte anders kommen. Am nächsten Tage bekam er den Laufpaß mit den Worten:.Es geht nickt, daß wir Sie hierbehalten können." Nun stand er wieder •auf der Straße. An das Siechenhaus wandte er sich. Dort erhielt er zur Antwort:.Für 14,30 M. können wir keinen aufnehmen." Bemerkenswert ist noch ein Schreiben des KreisauSschusseS vom 16. Februar 1909, das Timreck auf seine Beschwerde über den Gutsarmenverband erhielt. Wir wollen es im Original den Lesern mitteilen als Beweis, wie sich die Welt in den Köpfen unserer herrschenden Kreise malt. Es lautet wörtlich:„Ihre erneute Beschwerde niuß als unbegründet zurückgewiesen werden. Es liegt keine Veranlassung vor, den Gutsarmenverband zur Ge- Währung von Unterstützung anzuhalten. Ihre Invalidenrente in Höhe von 14,30 M. mutz zur Bestreitung Ihres notwendigen . Lebensunterhalts ausreichend erachtet werden. Feuerung ist Ihnen inzwischen angefahren worden. Den Keller, in dem sich angeblich Wasser befinden soll, benötigen Sie nicht, da Ihnen ein Stall zur Verfügung steht." Auf eine Beschwerde erhielt der Arbeiter folgende Antwort:.Der Vorsitzende des KreisauSschusseS deS Land- kreiseS Stolp. K. A. 9278. Stolp, den 22. Juni 1909. � Ihrem an den Regierungspräsidenten gerichteten und an ' mich abgegebenen Gesuch um Gewährung eines 'Obdaches seitens des Gutsarmenverbandes iLübzow kann nicht entsprochen werden, da der§ 28 ideS Unterstützungswohnsitzgesetzes maßgebend ist. Da Sie sich zur- i�zeit in Jeseritz i Kreis Stolp) aufhalten, ist der dortige Gutsverband verpflichtet, Ihnen Obdach vorläufig zu gewähren, vorbehaltlich des AnfpnlcheS auf Erstattung der Kosten durch den Gutsarmenverband, wo Sie Ihren Unterstützungswohnfitz erworben haben. Ich gebe Ihnen daher anheim, sich zunächst an den dortigen Armenverband, dessen gesetzlicher Vertreter der Gutsvorsteher ist. zu wenden. Gegen dessen abweisenden Bescheid steht Ihnen Beschwerde beim Kreis- ausschuß offen." Man sieht, es geht von Pontius bis Pilatus und dann wieder umgekehrt. Der Gutsvorsteher iu Jeseritz weigert sich nun ganz entschieden, den Arbeiter aufzunehmen. Run ist wieder Beschwerde eingelegt. Man kann gespannt sein, wie die Ant- tvort jetzt lauten wird, die schon vier Wochen lang erwartet wird. Ein Wunder ist eS, daß dieser Arbeiter noch nicht wegen Land- streichenS verhaftet ist. Der Landrat rührt iu Nr. 26 deS Kreis- blattes amtlich die Reklametrommel für einen„hinterpommerschen Haus- und Familienkalender". Der Landrat bittet alle Geistlichen und Lehrer sowie alle mit den örtlichen Verhältnissen des Stadt- und Landkreises vertraute Herren, Beiträge geschichtlichen Inhalts der Druckerei zu überweisen. Dadurch bekäme der Kalender eine örtliche Färbung und es würde die Liebe und Anhänglichkeit an die Heimat hierdurch in den Herzen der Bevölkerung geweckt und gefördert." Wir empfehlen dem Landrat, den geschilderten Vorfall zu vertuenden. Es wird sicher die Liebe zur Heimat hierdurch geweckt. Gibt eS wirksame Trunksuchtsheilmittcl? Hierauf gibt daS vom Kaiserlichen Gesundheitsamt bearbeitete „Gesnndheitsbüchlein" in seiner stark veränderten 13. Auflage von 1908 folgende Antwort:.Arzneimittel, deren Anwendung allein von der Trunksucht zu heilen vermag, gibt es nickst: auch von den hier- für vielfach angepriesenen, meistens recht kostspieligen Reklame- und Gcheimmitteln darf man keinen Erfolg erwarten. Die Behandlung ausgesprochener Trunksucht geschieht am besten in einer der hierfür besonders eingerichteten Anstalten". Der Rat der Aufnahme in eine Anstalt ist freilich wertlos, so lange solche Anstalten nicht unentgeltliche Aufnahme gewähren. Hier könnten die Landesversicherungsanstalten eingreifen. Sie handeln in ihrem eigensten Interesse, wenn sie der Bekämpfung der Trunksucht in ihren Ursachen und Wirkungen Aufmerksamkeit schenken. Denn jeder Trinker ist in Gefahr, frühzeitig invalide zu werden und damit der Versicherung anheimzufallen. Die Versicherungsanstalt für die Rheinprovinz ist auf dem Wege zu unentgeltlicher Aufnahme in Anstalten. Der Vorstand dieser Landesversicherungsanstalt gewährt: 1. jeder Trinkerfürsorgestelle ihres Bereichs eine namhafte Jahres- beihilfe; 2. jedem versicherten Trinker nach einem gewiffen Ver- ficherungszeitraum die Wohltat des Heilversucks in einer eist- sprechenden Anstalt: 3. jedem Abstinenzverein für solche geheilten Trinker, die mit feiner Hilfe gebessert oder durch ihn nach der Anstaltskur vor Rückfall dauernd bewahrt geblieben sind, Jahres- Prämien. Gerichte- Zeitung* Amateur-Kriminalstudent. Der Agent Karpe hatte schon viel von„Bouillonkellern", „Kaffeeklappen" und anderen Verbrecherschlupfwinkeln gehört und kam eines fchönen Tages auf den Gedanken, eine Reise durch das dunkle Berlin zu machen, um sich jene Schlupfwinkel an Ort und Stelle anzusehen und kriminalistische Studien zu machen. Mit seinem ältesten Anzug bekleidet, um möglichst wenig aufzufallen, begann er seine Fahrt in einem Lokal in der Linienstraße, welches den Namen„Die Melone" trägt. Von hier wanderte er nach einem Bouillonkeller in der Gollnowstraße. Er achtete nicht darauf, daß eine der mit ihren Beschützern anwesenden Frauen ihren Freunden allerlei verstohlene Zeichen und Winke gab. Es war dies eine unter dem Spitznamen„Piraten- Anna be- kannte Prostituierte Müller, die sich bald darauf mit ihrer „Freundin", der Angeklagten Moldcnhauer, an den Tisch des Karpe setzte, der ahnungslos den Grund seines Aufenthalts in der Kaschemme erzählte. Die Mädchen boten sich an, ihn noch durch schlimmere Lokale zu führen. In einem anderen Bouillonkeller wurde in einem verschwiegenen Hinterstübchen trotz des Verbots auch Bier ausgeschenkt. Hier kamen wie zufällig auch die drei gestern in Gemeinschaft mit den vorbestraften Hermann Lüdecke, Fritz Ellisen und Julius Skowronsky, Angeklagten hinzu, welche die schönen Spitznamen„Schneider-Hermann",„Athletenfritz" und der„polnische Julius" trugen, sowie ein bisher unermittelt ge- bliebener„Arbeiter" Daske, der den Spitznamen„Kelle" trägt. Der Amateur-Kriminalstudent geriet nun in eine recht fatale Lage, da seine Begleiter ihn mit Bier und Schnaps traktierten und er gezwungen wurde zu trinken. Wie K. behauptet, müsse man ihm hier irgend etwas in das Bier gegossen haben, denn er wurde plötzlich sehr müde und fast willenlos. Er war deshalb froh, als ihm feine Begleiterinnen den Vorschlag machten, ein anderes Verbrecherlokal in der Kieler Straße aufzusuchen. Er folgte ahnungslos und ließ sich in die menschenleere Gegend des Nord- Hafens verschleppen. Hier erhielt er plätzlich von hinten einen wuchtigen Schlag auf den Kopf, der ihn zu Boden streckte. Ein Mann hielt ihm den Mund zu. um ihn am Schreien zu.hindern, während ihn zwei andere Männer und die beiden Frauenspersonen völlig ausplünderten.— Von den Tätern fehlte anfänglich jede Spur, bis der Kriminalschutzmann Grallag zufällig in einer Ka- schemme etwas von einem Raubanfall am Nordhafen hörte. Er ging der Spur nach und konnte einen nach dem anderen der An- geklagten festnehmen. Die Strafkammer erklärte sich nach kurzer Verhandlung für unzuständig, da die Angeklagten des gemein- schaftlichen Straßenraubes für dringend verdächtig erachtet wurden. Die Verhandlung wurde deshalb dem Schwurgericht überwiesen. Zwei Wahre Gefängnis tstgen«in Kind! Ein drakonisches Urteil gegen einen 14jährigen Lehrling fällte am Dienstag die Strafkammer zu Erfurt. Am 23. Juni d. Js. brannte in Witzleben bei Arnstadt in Thüringen das den Schuhmachermeister Mertenschen Eheleuten gehörige Gehöft nieder. Der Brand gefährdete auch das Leben von Menschen. Als Brandstifter wurde der 14 Jahre alte Schuh. macherlehrling Guido Jahn, der bei Merten in der Lehre war, er- mittelt. Der Junge gab an, die Tat verübt zu haben, um schnell aus der ihm nicht zusagenden Lehre zu kommen. Am Dienstag stand der Junge vor der Strafkammer in Erfurt, die ihn zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte; der Staatsanwalt hatte gar fünf Jahre Gefängnis beantragt. Lebhaft bezweifeln mußten wir die Zurechnungsfähigkeit des Kindes. Sicher ist, daß eine Gefängnis- strafe von so ungeheuerer Höhe den Jungen nimmer bessern, sondern lediglich dem Elend überantworten kann. Vom Reichsgericht freigesprochen. Die Entwendung von RahrungS- und Genußmisteln von un« bedeutendem Werte oder in geringen Mengen zum alsbaldigen Ge- brauch nennt man Mundraub, das Strafgesetzbuch bestrast diesen nicht als Diebstahl, sondern als Uebertretung. Uebertretungen ver- jähren in drei Monaten. Hieran hat die Staatsanwaltschaft und die Strafkammer in Ldck erst nach der Verurteilung gedacht. DaS Reichs- gericht korrigierte oie Vergeßlichkeit der staatSanwaltlichen und richter- lichen Beamten ams Montag: Das Landgericht Lyck hat am 25. Mai den Schlosser K a r r a s ch und den Arbeiter Zander wegen Mundraubes zu je einer Woche Haft und den Arbeiter D o r r a ck wegen eines(hier nicht inter- essierenden) schweren Diebstahls und außerdem gar wegen Hehlerei zu drei Monat vier Tage» Gefängnis verurteilt. In dem ünvcr- schloffenen Speicher einer Brauerei lag ein Faß Kognak. Karrasch öffnete den Spund mit einem Meißel und Zander holte einen Schlauch. Mit dessen Hilfe zapften sie etwa 1 Liter Kognak ab, dessen Wert 1,20 M. betrug. Sie tranken selbst und ließen Dorrack ebenfalls trinken. D. wußte, daß es sich um entwendete Ware handelte.— Auf die vom Staatsanwalt zugunsten der drei Angeklagten und außer- dem noch von Karrasch selbst eingelegte Revision erkannte daS Reichsgericht wie folgt: Karrasch und Zander werden von der Anklage des Mundraubes, Dorrack wird von der Anklage der Hehlerei freigesprochen. Der Mundraub war Ende Oktober 1903 be- gangen; die erste richterliche Tat gegen die Angeklagten ist im März 1609 erfolgt. DaS Landgericht hat demnach übersehen, daß die Straftat verjährt war. Auch Dorrack konnte nicht bestraft werden, weil ein Ansichbringen deS Diebstahlsobjektes nicht festgestellt ist und in dem bloßen Mitgenießen nach der bestehenden Rechtsprechung des Reichsgerichts der Tatbestand der Hehlerei nicht zu erblicken ist. Es ist ein immerhin starkes Stück, daß fünf gelehrte Richter und ein gelehrter Staatsanwalt nicht nur die Verjährungsvorschrift außer Acht ließen, sondern gar jemand als Hehler bezeichneten, der lediglich als Mttäter in Betracht kommen konnte. Unkenntnis de? Gesetzes schützt den einfachen Bürger nicht vor Strafe— sie ist Reservatrecht deS Juristen, der doch zur Anwendung des Gesetze? berufen sein soll. Sind dazu in der Tat»gelehrte" Richter und Ankläger nötig? Versammlungen. Die Mechaniker, Uhrmacher, Optiker sowie alle in den mechanischen Beirieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, die im Deutschen Metallarbciterverbaud organisiert sind, versammelten sich am Dienstagabend im GewerischaftShaufe. Der Bericht über die Be- schliisie der Hamburger Generalversammlung stand zuerst aus der Tagesordnung. Der Referent G u t s ch e gab eine vollständige Uebersicht über die Verhandlungen, er verweilte bei den Kämpfen, die der Verband in Mannheim und Stettin zu bestehen hatte, er besprach dann den Maifeierbeschluß und erläuterte besonders die Aenderungen der Statuten, die zum Teil sehr einschneidender Natur sind. Zwei Diskussionsredner griffen unter dem Beifall der Ver- sanimelten die Beschlüsse des Verbandstages scharf an und beklagten sich auch über die zu knapp gehaltenen Berichte im.Vorwärts" wie auch in der Verbandszeitung. Die Haltung des Verbandsvorstandes gegenüber den Streiks in Mannheim und Stettin sei schwer zu tadeln; mit der Acndemng der Statuten müßten die Mitglieder unzufrieden sein, und bedauernswert sei. daß die Frage der Mai- feier nicht in dem Sinne beantwortet wurde, wie es die Arbeiter- schaft zu erwarten hatte. Die Maifeier werde im Verbände durch eine Gcgenagitation geschädigt und man brauche sich nicht zu wundern, wenn die Beteiligung an der Feier abnimmt. Adolf Cohen trat in einer längeren Rede der Kritik an den Beschlüssen energisch entgegen. Es sei eine alte Erfahrung, daß hinter jeder Generalversammlung viel raisonniert werde; man liebt eS beionders, auf die Beamten des Verbandes loszuhacken. Diese aber haben mit den harten Tatsachen in erster Linie zu rechnen. Sie taten ihre Pflicht in Mannheim und Stettin, die Kritik an den Maßnahmen deS Borstandes sei ungerecht. Die gerügte Aendemng der Statuten mußte vorgenonimen werden, weil die Kassenverhältnisse eine derarstge Regelung, wie sie vorgenommen wurde, allein schon verlangten. Gerade die Berliner sollten ihre Ansprüche nicht so hoch schrauben, denn ihre Beitragsleistung ist im Verhältnis zu vielen anderen Gegenden Deutschlands eine sehr mangelhafte. Zu der Frage der Maifeier bemerkte Cohen, daß eine Feier und eme Resolution zu feiern da nichts bedeuten, wo es an einer Organisation fehle. Es handle sich darum, ob die Gemaßregelten unterstützt werden könnten. Sei man dazu nicht imstande, solle man lieber die Feier fallen lasten.— Nach Cohens Rede wurde die DiSkusfion mit Rückficht auf die vorgerückte Zeit geschloffen. Einige Branchenangelegenheiten kamen dann noch zur Erörterung. Eine gutbesuchte Versammlung der Kohlenarbeiter von den Plätzen des Bezirks Moabit und Wedding tagte am Dienstag bei Schwarz, Tegeler Straße. Nach einem von Werner gehaltenen Vortrage über die Einwirkung der Krise auf das Erwerbsleben der Kohlenarbeiter wurde im Lause der Diskussion von den verschiedenen Rednern Klage darüber geführt, daß eine ganze Anzahl Kohlen- großhändler, die es sehr gut verstanden, durch die Berliner.Brikett- Konvention" die Preise auch während der Krise hochzuhalten, die Löhne um 5 Pf. pro Stunde reduziert haben. Leider seien jedoch die augenblicklichen Verhältniffe nicht geeignet, seitens der Arbeiter- schaft so vorzugehen, wie es sich in solchen Fällen gehört. das heißt, durch eine eventuelle Arbeitsniederlegung die Reduktion rückgängig zu machen. Ferner wurden die weitgehendsten Klagen über sanitäre Mißstände auf den Berliner Kohlenplätzen im allge- meinen und auf den Plätzen am Wedding im besonderen vorgebracht. Es herrschen auf den Plätzen Zustände, die jeder Beschreibung spotten. Bei der Firma L. Pauly Nachfolger, Dorkstraße, dien: für 30—40 Arbeiter ein Pferdeeimer als Waschvorrichtung. An Waschvorrichtungen fehlt es auf den meisten Plötzen überhaupt. Die Kloscttverhältnisse sind noch viel trauriger. Durch eine statistische Ausnahme seitens des Transportarbeiter- Verbandes konnte festgestellt werden, daß von 41 Firmen n»r 13 Klosetts mit Wasserspülung aufzuweisen haben. Bei 12 Firmen ist das sogenannte Tonneiifystem vorhanden. Dagegen ist auf 16 Plätzen keinerlei Vorrichtung vorhanden, welche den Arbeitern Gelegenheit gäbe, ihre Notdurft zu verrichten. Die Arbeiter find gehalten, zu diesem Zwecke Gastwirtschaften aufzusuchen und von ihrem kärglichen Lohn noch Ausgaben zu macheu. Auch fehlt eS auf den meisten Plätzen an AufenthaltSräumcn, so daß die Arbeiter bei Wind und Wetter ihre Mahlzeiten unter fteiem Himmel einnehmen müssen. Da, wo Aufcnthaltsräume vorhanden sind, befinden sich diese oft in einem Zustand, der eS einem anständigen Menschen un- möglich macht, diese zu benutzen. Verschiedene derartige Aufent- haltSräume werden von Ratten benutzt. Bei der Firma Lichtenftein auf dem Kohlenbahnhof Wedding haben Ratten den Arbeitern das Frühstücksbrot aus den Röcken, die in den sogenannten Aufenthalts- räumen hingen, aufgeftessen. Die Versammelten brachten zum AuS- druck, daß die Unternehmer, welche auf diese Mißstände hingewiesen wurden, sich nicht herbeilassen, Abhilfe zu schaffen.— AuS- gesprochen wurde, daß es endlich an der Zeit sei, daß die hier i» Frage kommend« Aufsichtsbehörde, die Polizei, die Mißstände auf den Berliner Kohlenplätzen in Augenschein nehme und dafür Sorge trage, daß der 8 l20b der Reichsgewerbeordnung von den Berliner Kohlenhändlern beachtet und durchgeführt werde. ßnefkaften der Rcdahtfon. Tic juristische Sprechstunde findet Linden st raste S, zweiter Hos, dritter Eina-ng, vier Treppen, MM- Nastrftnstl-Mg wocheotSgli.i, adcndS von 7� Iis 914 Upr statt. Geöfsiict 7 Uir. SonundendZ trglnnt dit Sprechstunde um 6 Udr. Jeder Ansrage«st ein Bnchstabr»nd eine Zahl-lS Merkzeichen bctznsi-acu. Briefliche Antwort tvlrd nicht erteilt. vis zur Bcnntworwnz im Briefkasttn löiuie» 1t Tage vergehen. Eilig« Fragen trag« man in der Sprechstunde vor. A. B. 79. 1 und 2. Ja. 3. DaS Amtsgericht Charlottenburg ist zu- ständig, 4, Die Zuziehung eine» Anwalts ist nicht notwendig, aber zweck. mäßig,— G. H. 100. Die Unfallrente kann nur dann erhöht oder er- nicdrigt werden, wenn die ErwerbSfähigkeit sich verschlechtert oder verbessert hat. Der Umstand, daß der damalige geringe Taaelahn zugrunde gelegt -var, hat leider leinen Einfluß.— L. 77. A. ft. Lassen Sie eä auf eine Klage ankommen. War die Ware zum Privatgebrauch entnommen, nicht zum Weiterverkauf, so würde Verjährung vorliegen,— W. V. 74. Ter Abzug wäre kemeSwegS zulässig. Eine Klage hätte Aussicht aus Erfolg,— G. B. 1001. Die Beglaubigung der HcimatSurkunde wäre zwecklos. Ein Auslandspaß ist zweckmäßig, aber nicht ersordcrlich,— St. Lk. Die Neklamation wird nicksichtlich des Abzüge» für die zweite HUIskasse Erfolg nicht haben, vielleicht aber wegen des Fahrgeldes,—€. C. 10. Nein, — Müller, Neuterstrafie. Wenden Sie sich an den Gewerbeinspektor, Ealvinstr. 32, oder noch besser an den Vorstand Ihrer Organisation.— R. 100. 1. Die Krankemmtcrstütznng ist so lange zu zahlen, wie die Statuten es vorschreiben. Der Empfang einer Invalidenrente entbindet die Kasse von ihrer Verpflichtung nicht, 2. Auch in diesem Falle ist die Krankenunterslützung weiterzuzahlen.— Krüger. Soweit ersichtlich, ist der Abzug und das Vorgehen gegen Sie ungerechiserligt. Ohne genaneie' Kenntnis des Sachverhalts ist es aber immöglich, Ihnen genauen Bescheid zu erteilen.— F. 18. 26. Reichen Sie die Klage ein.— R. V. 34. Nein, Nur die Witwe und die hinterlasscncn Kinder unter 15 Jahren haben das Recht, die Hälfte des Klebcmarkenbetrages zurückzuverlangen, sallS der Vater stirbt, ohne in den Besitz einer Invalidenrente gelangt zu sein. — G. G. 1000. Die Kinder auS erster Ehe können ihr Pflichtteil ver- langen, DaS, was die Frau miterarbeitet hat, gilt mangels-Ines besonderen Eheocrtrages als zum Nachlaß deS Mannes gehörig. Der Pflichtteil der Kinder(daS ist die Halste der gesetzlichen Erbportion, also in Ihrem Falle ein Sechzehnte! des Nachlasses) kann nicht gekürzt werden. Die Geichwistcr und anderen Verwandten erben in Ihrem Falle nicht mit.— X. 10. Die Klage hätte Aussicht aus Ersolg.— O. K. 24. Die Hebammengebührcu. ordnung für Berlin haben wir auSsührlich In der Nummer vom IS, Juli unter Berliner Nachrichten mitgeteilt,— K. 2060. 1. Sie find nicht Wahl- berechtigt. 2. Ersatz der verlorenen Ouittungskarte müssen Sie bei der Polizei- brhörds beantrngea. Di« Verlust müssen Sie glaubhast machen Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. UKeater. Donnerstag, den LS. JtZli. Ansang 61/, Uhr. Renfts königliches Operntheater. Die Meisterfinger. Ansang S Uhr. Deutsches. Ketten. Kammersviele. Mmi. Sessiiig. Die Dollarbrinzessin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Neues Schauspielhaus. Moral. Schiller t». lWallner> Ihealer.) Madame Bonward. Schlier Charlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich- Wtlbelmstädt. Schau spiclhaus. DaZ Nachtlager von Granada. Komische Oper. Demimonde. Stcuev. Sein Sündenregister. Thalia. Im Cass Noblesse. Lustspielhans. Famüie schimek. Neues Operetten. Die Sprudels«. Folics Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8'/, Uhr. Mrtrovot. Die oberen Zehntausend. Bernhard Rose. Die Grille. Berliner Pratcr. Man lebt ja nur einmal. W. Noacks Theater. Schuldbewubt Spezialitäten. vpett». Hartsteu». Er oder Er. Spezwlitäten. Wintergareen. Speziallläten. ivusiagr. Spezialitäten. Walhalla. Svezialitäten. Stadt-Thcater Moabit. Spezia litäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Eine tolle Nacht. Spe- zialitäteu. Rcichshallrn. Winter-Thmian. Urania. Ta»br»>ir»sic«X/tv Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge. Ste>uui»ric, Invaliden str. 67/62. Lessing=Theater. Gastspiel d.NeueiiOperetten»Theaters> Ansang 8 Uhr. Die DoIlarprlnEessln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. kerliner l�keater. Heute 8 Uhr: Nln Herbstmanövcp. Morgen: Ein Neues Theater. Abends 8 Uhr: Sein Sündenregister Freitag und folgende Tage: Lein dünäeareZistef. bleues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Oara-Oper. Vis Meistersinger von Mrnderg Von Rioh.�okner.— Anf. 6'/, DTir. Freitag: Salome.(8) Sonnabend: Othello.(71/») Sonnt.: Lohennrin.(7) Montag: Tannhäuser. 7 Uhr. Kenca Operetten-Xheatep, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisen str. Ansang 3 Uhr: Dl« Sprudelfee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. Theater des Westens. Voranzeige t Wiedererlffnung Sonntag, 1. August. Der Adele Ilaner. Bon Leo Fall. Friedricti-Wiitieimstftjtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 29. Juli, abend! 8 Uhr: Das Nachilaser von Granaila. Rom. Oper in 3 Akten von C. Kreutzer. (Kleine Preise.) Freitag: Oberen, König der Elton. Sonnabend: Morwiü-Oper._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Tamiiie Sehirnett. EMRPROSfTIlfÄT l(|| Gr. Franksurler Str. 132. Die Grille. Bon Tharl. Birch. Pfeiffer.. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Garlenbühne Anfang 4>/, Uhr. U.a.: 8au dldel dsul Gr. Pantomime. Paul Coradinl. Spezialitäten. "Reiehshallen-Theater. Heute: Gastspiel Wioter- rmian mit seiner berühmt Herrengcsellschast. Anf. wochent.SUhr Sonntags 7 Uhr. Sonntag, de» 1. August: Wiederbeginn der Soireen der Stettiner Sttnger. JJi Li I Weinbergsweg 19-20, Hooenth.Tor. 1 Anfang 8 Uhr. Im Theater: Tic grandiosen Tpezialitüten. Im Garten: Freikonzert. Vor der spanischen Arena, Urania. Wiesenechaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. (TOtOCIStHER Tfiglioh: Großes Militär-Doppel-Konzert.| Eintr. 1 91., v. abends 6 Uhr ab M Passage- Panoptikum.! Lebend! Die letzten wilielieii Wesen i vom Stamme der ftzteken! Ans» die«chtvcbende: "S"? Jnngfran. Ganz Berlin zerbricht£%***» sich den Kopf über"§§*■ Alles ohne Extra-Entree. 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Vorverlaus ab heute. >V.Ztoaoits Theater Direktion: Roh. Dill. Lruimenitr. 16. Schuldbewußt, s-,. Eharaktcrgemäld« a. d. Verl. VolkSleb. Vorher: 20 Hummern d.n. Programms. Ans. 7. Kaffeek. 3� Uhr. Entrec»0 Ps. Sonnabend: Große Extravorstellung. Er, sie und er. Pariser Sittenbild. Golden« Jugend. Operette in 2 Akten von G e r i ck e. 12 erstklassiKe Spezialitäten. Gustav 91 tiller. Ansang 51/- Uhr. Enttee 20 Pf._ ScMlier Schlllcr-Theater 0.(Wallner-Theatcr.) Täglich: SXadatne Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alexander Bisson und Antony Mars. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. K.öm|rstndt-Iia.sino. HolzmarkttIr.72(EckeAlcxanderstr.) Sägt, i herrl.Natur-Sommcrgartcn bei ungünfttger Witterung i. Saale Gr. Iheater- u. 8pez.- Vorstellung. leb danke, Herr Frank«. Schwank in 1 Akt von O. Richter. Meiüner, Dumby, Stelninger.Fiiippo La helle Therese, Stuhr u. Schnell. Anf. wochent. 8, Sonntags 5 Uhr. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt. Honte sowie täglich: X Erstilassige Spezialitäten k X Yovitilt k Novität! Eine toiSeläaciit. Gr. AusstattungS-V olksstück mtt Gesang und Tanz in 5 Bildern von Freund und Mannstedt. Kassenerössnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. TKn|ip|l Nnsang 4 resp. 5 Uhr f lityillll Fntrec 30 PI.® Theater-Vorslellung > Spezialitäten. D. neueJuliprogr. t l Kincmatograph. Volksbelustigung.! i?fii?;;llDserEolijoB08g"2'a:I ! Jed.Mittwoch; Kinderfreudenfest, j Elysium Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Strasse. gy Heute sowie täglich im prachtvollen Naturgarten: Vorstellung abwechselnd von drei der bestreutilllllllertesteu Siingergtsellschasttn. Kerliner Prater- Theater» Kastanienallee 7—9. Täglich:> 9Ian lebt ja nnr einmal!> Havemanns größte Raubtierschule! | d.WelL Spezialität., Konzert, Ball. Ansang 4'/, Uhr. i wovoowJ Stadt-Theater Moabit. Alt-Doablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. b. Vorstellung wochentags 7 Uvr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Gartenerössnung 3 Uhr. 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Allen Verwandten, Freunden i und Bekannten die ttnurige Nach- 1 richi, daß meine liebe Frau, unsere! gute Mutter, Tochter, Schwester l und Schwiegermutter 7136( Anna Felgnsr geb. Gloxin am Montag früh um 51/. Uhr I nach langem, schwerem Leiden' sanft entschlafen ist. Dies zeigen mit der Bitte um! stille Teilnahme ticsbetrübt an die ttauernden Hinterbliebenen Reinhard Eelgner u. Kinder Boxhagener Chaussee 11. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle dcsParochialkirchhoses, Boxhagener Chaussee, aus statt. veulseder tiolZAi'deiler-VerdAvd Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Modell- tischler Karl Zell am 25. Juli gestorben ist. Ehre seinem Slndenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Jnlt, nachmittags 3l/t Ubr, von der Halle des Philippus-Apostel-KirchhoseS in der Seestraße aus statt. 87/12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Tellnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Btt« Eisclier sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie den Kollegen des Deutschen Metallarbciter-BerbandeS und Arbeitskollegen der Firma Sentker ansercn besten Dank. 1947L_ Familie Fischer. P Nur hat der durch gana hervorragend feine tyiaUtat Kapitän-Kautabak seinen guten Ruf erhalten. Der echte Kapitän-Kantabak(gesetzl. geschützt) wird nur noch in Etiketten verpackt zum 10 Pfennig- Verkauf geliefert(in Roileu und Bündel). Unverpackte Ware Ist, weil unecht, znrflckznwelsen. Zu haben in Zigarrengeschäften usw., wo auch kleine Priemdosen gratis erhältlich sind. Vertrieb: Carl Bäcker, Berlin, Grüner Weg 112(Amt 7,1 ISozialilemokratisehJalilvErelß des 16. Herl Reichsfapalreisss, Todes- Anzeige. Am 27. Juli entschlief nach I langen Leiden unser altcS Mit- ! glied, der Nestaurateur Lmil ESökI Voltastr. 43. Ehre seinem Nndenke»! Die Beerdigung findet am Zreitag, den 30. Juli, nachmittags i Uhr, von der Leichenhalle deS I Zentral-Friedhoses in Friedrichs- | selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Boritaud. Todes-Anzeige. Am Dienstag, den 27. Juli, verstarb im 55. Lebensjahre unser Bezirksgenosse, der Nestaurateur Emil Böhl Voltastt. 43. Seine jahrzehntelange Partei- tätigkeit und sein stets bewiesener Opserwille sür die Partei sichern ihm ein ehrendes Andenken und sollen uns stets vorbildlich sein. Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- jclde aus statt. vie Genossen des 585. Bezirks. Mantl t!er Buch- und SleiniWepei-Bilfsarheiter il Arheileiinen Deutschlaniis. = Ortsverwaltung Berlin.— r— Am Dienstag, den 27. Juli, j verstarb nach kurzem Leiden, in j noch nicht vollendetem 22. Lebens- jähr, unser langjähriges Mitglied> Fräulein Margarethe SchmldÜ Ein ehrendes Andenken wird ihr stets bewahren 7VSb I Die Ortsverwaltung Berlin. Die Beerdigung findet morgen» Freitag, nachmittags 3>/, Uhr, von! der Leichenhalle de» Georgen-! Kirchhofes. Landsberger Allee,! aus statt. Deutscher Metallarboiler-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur NachAcht, daß unser Mitglied, der Bau- anschläger 'Theoclor Otto am 26. Juli an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Donnerötag, den 29. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Nikolai> Kirchhofes in W e i ß e n s e e, Frankcnbcrgstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet. 120/16 Die Ortsverwaltung. KM* Ocfr Die beste mediz. Seife zur Herstellung und Erhaltung eines rosigen, fugendfrischen Aussehens» einer weissen, sammetweichen Haut, eines reinen, blendendschönen Teint, sowie gegen Sonttncr* sprossen und alle Hautunreinigkeiten ist unbedingt nnr die allein echte yteeienpferd- iSilienmileh• pfeife. 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UüllipBlb „Die Gewerkschaftsbewegung diesseits und jenseits des Ozeans". Wir ersuchen die Partei- und Gewerki'chaftsgenossen uin recht regen Besuch. 300/6* Der Ausschuß der Kerliner GeVtrhschastsKoulmisflou. U Achtung Töpfer! � Die zu Freitag, den 3«. Juli 1S0S, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause angesetzte GeneralYersammlung des Verbandes kann umständehalber dort nicht stattfinden und findet deshalb nun in* IdOnls Kellers Festsälen, Koppenstraße SS statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Bericht des Vorstandes vom zweiten Quartal. 2. Verschiedenes. Da unter Puntt 1 sehr wichtige Tarif- und Organisations-Angelegenheiten zu erledigen sind, ist es Pflicht aller Kollegen zu erscheinen.— Mitgliedsbuch legitimiert. Anfang ganz präzise."VNZ Der Vorstand. Ifonsumpossenscliaft Berlin und Umgegend. Treitag, den S. August, abends B1� Uhr, im großen Saale des Gewerbsehaftshauses, 8ngel-U|er 15: Austerordentl. Generalversammlung. Tagesordnung: 107/5 1. Beschlust über den Ankauf eines Grundstückes. 2. Bericht von den Genossen- schaftstagen in Potsdam und Mainz. 3. Bericht über die stattgefundene ordentlishe Revision durch den Verbandsrevisor. 4. Eventuell eingegangene Anträge. Der Vorstand: R. I u n g e r. C. M ü ck e. NB. Anträge, welche in dieser Versammlung zur Verhandlung kommen sollen, sind bis zum 9. August beim Borstand, Grüner Weg 1l. einzureichen._ TYPOÖRAPH1A Wegen Mitwirkung bei dem zu Ehren des Vorsitzenden der amerikanischen Gewerkschaften, Mr. G o m p e r s, stattfindenden Begrüßungsabend am Freitag, den 30. Juli, abends S1� Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 4, 61y3' kann der Verein an der Uebungsstunde des Arbeiter-Sängerbundes in der Brauerei Friedrichshain nicht teilnehmen. Statt dessen werden die Sänger ersucht, sich recht zahlreich und pünktlichst zu der oben angegebenen Feier einfinden zu wollen. Der Vorstand. Die altera ülitglicdskartcn müssen zum Umtausch in der bisherigen Zahlstelle abgegeben werden. Der letzte Abholrangstermln für die nenera SUtglicdskarten ist der 5. Anlast. Ueber die bis zu diesem Tage nicht abgeholten Karten wird anderweitig verfügt. 0 Werbet UtitgUeder | für die neuen Abteilungen. 8 241/8 Der Torstand: In Vertr. Q. Winkler. s rum (E. H. No. 2 Hamburg.) Oertliche Verwaltung Berlin. Freitag, den 30. Juli, abendS 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung im tiiewerhseNaftsIianse, Engelufer 15, Saal L TageS-Ordnung: I. Abrechnung vom zweiten Quartal. S. Berichterstattung von der 14. Generalversammlung. 3. Antrag aus Errichtung einer Zahlstelle im Schönhauser Viertel. 4. Wahl des Vorstandes. �»»»»»» Mitgliedsbuch legitimiert t—■ Der Vorstand. 259/5* I. II.: Richard Schröder, Berlin O., Tilsiter Str. 7, t». IV. Irbeiter-Vanderband Die Naturfreunde jlbteilnngssitznngen Donnerstag, den 5. Angust er., abends 8'/, Uhr: Abt. I(Naturwissenschaslltche).Gc> werkschastshaus�, Engeluser 15 (Saal IX). Freitag, de« S. Angust et*, abends 9'/» Uhr: Abt. n(Norden) bei H. Heise, N., Boyenstr. i9. Abt. III(Osten) bei Hüll er, O., Gr. Franlsurterstr. 137, H. l! Abt. IV(Süden) im �Gewerkschasts- haus*(Saal Xl). 1/5 Wanderfahrten am Sonntag, den I. August 1009: ILlegel—Papenberge— Marwitz(Nacht- lager). Schwante— SchloßSommcrs- walde— Dörwgsbrück— Helgoländer Forst— Scstcrsteerosen— Sachsen« hausen— Oranienburg. Abfahrt: Sonnabend, den Zl.Zuli, abends 6" Uhr(Stern-Dampjer Station Tegel). Velten— Marwitz(stehe oben). Abfahrt: Sonnabend, den31.JuIt, abends 9» Uhr(Stettmer Fern« bahnhof). Schwante—(stehe oben). Abfahrt: Sonntag 7°* vormittags (Stettiner Fernbahnhos). 4. Bernau— Waldkater— Lanke— Liep» nitzwerder—(längere Baderast)— Bernau. Abfahrt: Sonnabend, den 31. Juli, abends 10" Uhr(Stettmer Vorortbahnhos). . Hcrmsdors— Stolpe— Birkenwerdcr Absahrt: Sonntag 12" Uhr nach- miitags(StettinerBorortbahnhos). Gäste willkommen. Berliner II IK-Trio. Felix Scheuer Strtlsunderstr.l. 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B�daktWr.: Wilhelm Mwxll« LWMerg. Für den LnftrMMsi vergntw.l TH-GIockk, Berlin. Dtttck n.«erlag i Byrwqrt««Mdruckerei u. BerlagScmstalt Paul Singer«: Co, Berti« LVi- Nr. 174» 26. Jahrgang. 2. Iriliif des Jjtwrts" Serlintt pllistilalt. Donnerstag, 29. Juli 1909. Die Gemeindcwäljlerliiten liegen nur noch bis zum 30. fuli aus. Partei- Hugelegenheiten. Biertcr Wahlkreis. Die Generaldersammlung unseres Wahl- Vereins findet am DienStag, den 3. August, abends S'/z Uhr. in Kellers Festsälen, Kappenstr. 29, statt. Der Vorstand. Die Kreis-Gencralversammluiig deS sozialdemokratischen Wahlvereius für Niederbarnim findet am Sonntag, den I.August, mittags 12 Uhr, im Cafs Bellevue zu Nunlinelsburg, Haupt st r. 2 statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Halbjahresbcricht des Vorstandes. 2. Der Parteitag in Leipzig: a) Allgemeines. b) Das neue Organisationsstatut. 3. Die Brandenburger Provinziallonferenz. 4. Kreisangelegenheitcn. Zur Teilnahme sind verpflichtet: Die gewählten Dcle- gierten, die Bezirksleitcr und die Vorstandsmitglieder. Die Parteimitglieder, die den Verhandlungen als Gäste beiwohnen»vollen, haben als Legitimation ihr Mit gliedsbuch vorzuzeigen. Verlimr jNacbncbtcn. Tie Lnndtagswahlen in Berlin werden, wie eine Korrespondenz zn berichten weiß, gegen Mitte Oktober stattfinden. Die Wahllisten werden vom Berliner Magistrat von Mitte August ab aufgestellt werden, nachdem nnnmehr alle Einschätzungen der Steuerzahler bc kannt sind._ DaS Zwischenmeistersystcm im Berliner Baugewerbe. Längst ist aus dem Baugewerbe Berlins wie auch dem anderer Großstädte die Zeit geschwunden, wo ein Unternehmer den ganzen Bau in allen seinen Einzelheiten herstellte. Im Laufe der letzten anderthalb Jahrzehnte sind die Spezialbernfe im Baufach außerordentlich zahlreich geworden. Für alle die Arbeiten, die früher der den Rohbau ausführende Maurer meister mit seinen mehr oder minder auf die ein- zelnen Spezialarbeiten eingeübten Arbeitern ausführte, wie die Verputz-, Beton-, Rabitz-, Zement-, Stuck- usw. Arbeiten werden heute von Zwischenunternehmern besorgt, die sich zwischen den Rohbauunternehmer und die Arbeiter schoben. Dadurch entstand ein bedeutender Nachteil; weniger für den Maurermeister als für die Arbeiter, denn die Mittel, die der neue Unternehmer für seinen Betrieb braucht, müssen jetzt von einer kleinen Anzahl Arbeitern ver- arbeitet werden. Daß dabei auch der Mehrwert für den neuen Kapitalisten zu seinem Rechte komnit, versteht sich von selbst. Anderenfalls konnte sich auch der Spezial- Unternehmer nicht mit dem knappen Gewinn zu- frieden geben, den der Universalunternchmer aus der Teilbranche zog. Die Differenz muß also durch intensivere Ausbeutung der Arbeiter ausgeglichen werden. Wir gehen dabei ganz von den neuen Systemen in der Baukunst ab, wie solche z. B. die außerordentlich gestiegene Hebung des Sand- steinbaues, die Verbreitung des Tiefbaues und des Eisen- betonbaues darstellen. Daß die einzelnen Spezialisten sich auch untereinander zu neuen Interessengruppen vereinigten, hauptsächlich zu dem Zweck, ihre mittlerweile auch zu Spe- zialisten gewordenen Arbeiter gegen ihre Ausbeutungsgelüste widerstandsunfähig zu machen, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist, daß zwischen diesen Spezialisten und ihren Arbeitern heftige Kämpfe entbrennen müssen, man denke nur an die Bewegungen der Fliesenleger, der Rabitzer und jetzt wieder der Putzer. Bei letzteren ist der Druck fast unerträglich geworden. Erst wenige Jahre ist es her. seit die Putzer ihre Arbeiten noch selbständig übernahmen. Heute ist durchweg der Zwischenmeister vorhanden, der in rigorosester Weise seinen Vorteil wahrnimmt, und der sich ob dieses Ver- Haltens die allgemeine Empörung der Putzer zugezogen hat. Da diese, wollen sie die früher verdienten Löhne weiter verdienen, sich mit einer intensiveren Ausnutzung ihrer Arbeitskraft vertraut machen müssen, so sehen sie sich gezwungen, gegen die Zwischen- meister, die also nicht nur in der Textil- und Spiclwarenindustrie ihr Unwesen treiben, Sturm zu laufen; ja möglicherweise ihre gänzliche Ausschaltung durchzusetzen. Den angeführten Tendenzen entspricht es auch durchaus, daß diese Spezialistenarbeiten durchweg im Akkord ausgeführt werden, während im Maurerberuf selbst in der übergroßen Mehrzahl noch immer die Zeitlohnarbeit vorherrscht. Der Bruchteil, der die Arbeit im Akkord verrichtet, gilt äugen- eucklich als„mustergiltig", sowohl was das moralische Verhalten anbetrifft, als auch auf dem Gebiete der Preisdrückerei und Herabsetzung der Akkordsätze. Während noch vor zwei bis drei Jahren 6 Mark und 6,50 für das Verarbeiten von tausend Mauersteinen gezahlt wurden, haben es die Unternehnier verstanden, den Raus- reißern vom letzten Berliner Maurerstreik Akkordsätze von 4,50 M.. 4 M., ja sogar 3.73 M. pro tausend Mauersteine aufzuzwingen. Also in der kurzen Zeit einen Preis- druck von rund zwei Mark für eine Arbeitsleistung. die ein einzelner Maurer in einem Zeitraum von sechs bis sieben Stunden erledigt. Wollen die Berliner Akkordmaurer bei diesen Sätzen noch den Wochcnlohn der Stundenlohnarbeiter erringen, so ist dieses eben nur mit einem Verstoß gegen alle ethischen, hygienischen und sanitären Gebote möglich. Die Herstellung des Hauses und sein Wert müssen darunter leiden. Das geben auch die Akkordmaurer in einem Flugblatt, in welchem sie die genannten Tatsachen konstatieren, und die Kollegen zum Abwehrkampf auffordem, ganz offen zu. Hier können es die Zwischenmeister ganz besonders wagen, ihre„spezialisierten" Arbeiter zu Boden zu drücken, da diese Elemente von der ehrlichen Lohnarbeit gewissermaßen als Renegaten und moralisch minderwertige Elemente betrachtet werden. Ani krassesten aber entfaltet sich augenblicklich das Zwischen- Meistersystem im Stein- und Mörtelträgerberuf. Hier, Ivo man dieses noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten I hätte, vollzieht sich eine Umwälzung, die alles Bisherige in Schatten stellt. Die Muldenträger, die mittelbar vom Bau- ausführenden beschäftigt wurden, stehen auf dem Aussterbeetat und an ihre Stelle treten mehr und mehr die Fahrstuhl- träger. Auch diese waren anfänglich vom Bau- meister angestellt und der Fahrstuhllieferant wurde für die gewerbsmäßige Lieferung desselben entschädigt; also schluckte schon der neue Zwischenmeister— Fahrstuhllieferant— einen Gewinn. Dabei blieb es nicht. Aus dem Liefern der Fahrstühle für Neubauten ist ein Gewerbe geworden, das mehr und mehr im Großen betrieben wird. Und da das bloße Verleihen der Fahrstühle nicht allzuviel einbrachte, geht man nun dazu über, die Träger von dem Fahrstuhllieferanten aus anzustellen und zu bezahlen. So haben wir jetzt die Tatsache zu verzeichnen, daß einzelne dieser neuen Spezialisten 20—30 Fahrstühle besitzen und sie mit der entsprechenden An zahl Träger versehen, auf den Bauten in Funktion treten lassen. Das Fazit ist eine Verdrängung der Muldenträger und infolge der gesteigerten Ansprüche wie überall eine intensivere Ausnützung der Arbeitskraft zugunsten des Zwischenmeisters; denn die Tagesleistung der Träger ist gestiegen, aber die Wochen löhne sind durchweg im Rückgänge begriffen. Vergeblich ver suchen sich auch hier die Arbeiter gegen die über Nacht enb standenen Ausbeuter zu wehren. Wie Polypen breiten die Zwischenmeister ini Berliner Baugewerbe ihre Arme aus, mit dem Erfolg, das Handwerk zu korrumpieren, die Arbeits leistung in ungesundester Weise zu steigern und die Löhne herabzudrückeu. Daß demgegenüber nur eine gute Organi sation helfen kann, braucht hier wohl nicht besonders gesagt zu werden._ Verlegung des städtischen MilitärüureauS. Das in der Kloster siraße 41 befindliche städtische Militärburean, das auch die Unter stüyungszahlnlig an die Familien der zur Uebung eingezogenen Mannschaften leistet, wird Sonnabend, den 31. Juli, nach Kloster- straße 68, Eingang Waisenstraße 27, verlegt. Am Umzugstage ist das Bureau geschlossen. Fahrkartenkontrolle auf der Nordbahn. Auch am letzten Sonn- tag hat bei dem durch da» schöne Wetter verursachten Riesenbahn- verkehr auf der Nordbahn, namentlich zwischen Tegel— Berlin und Hermsdorf— Berlin, wieder eine umfassende Fahrkartenkontrolle in der zweiten Wagenklasse stattgefunden. Der..Vofi. Ztg." wird darüber geschrieben:„Obwohl erst zu Pfingsten auf derselben Strecke mehrere hundert Fährgäste zur Bestrafung festgestellt worden sind, wurden wieder in jedem Abendzuge Dutzende von Personen betroffen, die mit Fahrkarten dritter Klasse in den Ab- teilen der zweiten Klasse saßen. Es handelte sich zumeist um voll- bewußte Uebertretungen. da die Abteile zweiter Klasse von Un- berufenen auch dann betreten werden, wenn in denjenigen dritter Klasse noch Platz ist. Die Kontrollbeamten beschränkten sich am letzten Sonntag darauf, die abgefaßten Personen einfach aus den Abteilen hinauszuweisen, weil zur namentlichen Feststellung sämt- licher Betroffenen gar keine Zeit blieb. Nur vereinzelt wurden Personen mit Fahrkarten dritter Klasse herausgegriffen und fest- gestellt." Wir möchten bezweifeln, ob in der Tat noch der dritten Klasse Platz gewesen ist, um das Besteigen der zweiten Klassenabteile für Verurteilens- wert zu halten. Nach unserer Kenntnis der Dinge sind gerade die Züge auf der Nordbahn an Sonntagen derart besetzt, daß in einem Coupe oft bis 20 Menschen aneinandcrgepfercht sind. Will die Bahnverwaltung das Besteigen der zweiten Klassenabteile durch Passagiere mit Fahrkarten für die dritte Wagenklasse an Sonn- tagen bestrafen, so sorge sie auch dafür, daß das fahrende Publikum in der dritten Klasse Platz findet; im anderen Falle muß das Vor. gehen der Bahnbehörde, wenn auch dem Buchstaben der Bestim- mungen entsprechend korrekt, doch nach Lage der Sache als rigoros bezeichnet werden. Beschwerden über Militärkonzerte äußert jetzt auch daS sogenannte bessere Publikum, das sich bekanntlich sonst in der Beweih- räucherung der Militärkapellen, sobald diese in öffentlichen Lokalen für hohes Eintrittsgeld konzertieren, nicht genug leisten kann. Vielleicht erst durch diesen förmlichen Uniformkoller dazu beran- laßt, geben sich manche Militärkapellen beim Spielen lange nicht mehr dieselbe Mühe wie früher. Sie blasen ihr Programm ziemlich mechanisch herunter und legen auf die künstlerische Ausführung recht wenig Wert. Schon die Auswahl der Musikstücke laßt sehr zu wünschen übrig. Manche Musikdirigenten haben die Angcwohn- heit, möglichst viel mit klassischen Stücken zu glänzen, sind aber dieser schwierigen Aufgabe nicht immer gewachsen. Wenn daS ganze Programm nur aus klassischen Sachen oder nur aus patrio- tischem Klingklang besteht, so wächst das dem Publikum, das doch nicht bloß aus Musikkcnnern oder aus Hurrapatrioten zusammen- gesetzt ist, zum Halse heraus. Als„Einlage" nach jedem Teil wurden frühere besonders wirkungsvolle Stücke gespielt. Heute haspelt man irgend einen Marsch herunter, um möglichst schnell an die Schänke zu kommen. Verschiedene Musikmeister haben die Ein- läge schon ganz unter den Tisch fallen lassen. Ein weiterer Miß- stand, an dem vielleicht auch die Inhaber der betreffenden Konzert- lokale unschuldig sind, betrifft den Druck der Programme. Schreiber dieser Zeilen hat in Berliner Vororten wiederholt Programme er- halten, die den an mehreren Sonntagen zuvor ausgegebenen voll- ständig glichen. Immer dieselben Stücke zu hören, macht doch wenig musikalisches Vergnügen. Oder sind die betreffenden Kapellen, in Gegensatz zu den sehr vielseitigen Zivilmusikern, nur auf ein ver- hältnismäßig kleines Repertoir eingeschworen? Es ist auch wiederholt mißfällig beobachtet worden, daß das Programm an der Spitze eine Regimentskapelle ankündigte, die überhaupt nicht konzertierte, und daß dann der halbe gedruckte Teil mit der Ausführung nicht übereinstimmt. Trotzdem muß man für solche fragwürdigen Zettel seine 10 Pf. abladen. Bei Konzerten von Zivilkapellen kommt so etwas nicht vor. Das Publikum würde hier auch sofort Protest erheben, während es die Militärkapellen trotz des hohen Eintrittsgeldes verhimmelt. Emil Böhl, ein alter eifriger Parteifreund, ist gestorben. Er war einer von den Alten, deren Reihen sich immer mehr lichten. Nahezu ein volles Mcnschenalter hat Emil Böhl zu uns gestanden. In der schwersten Zeit, die je die Partei durchzumachen hatte, stand der Verstorbene treu und unerschrocken in unseren Reihen: keine Opfer scheuend, war er immer da, wennS der Partei galt. Wieder- holt stellten ihn die Genossen zum Kandidaten zur Stadtverordneten- wähl auf. Und als ihm sein körperlicher Znstand nicht mehr erlaubte, die so wichtige, die Erfolge unserer Partei verbürgende Kleinarbeit mitzumachen, suchte unser Freund die Partei soweit wie möglich materiell zu unterstützen. Run ist auch er dahingegangen, der früher lange Jahre im 4. Kreise, zuletzt im 6. Kreise sein Domizil aufgeschlagen hatte. Alle die Genossen, die den guten Emil Böhl kannten, werden ihm sicher ein gutes Andenken bewahren. Ucbungsfahrt des Militärluftschiffes. Unter Führung des Majors Sperling stieg gestern vormittag lO3� Uhr der Militärballon„Groß II" nack, längerer Pause vom Tegeler Schießplatz aus zu einer UebungSfahrt auf. die über das Zentrum Berlins hinweg nach dem Tempelhofer Felde führte. Dort führte das Luftschiff, in dessen Gondel außer dem technischen Per- sonal noch mehrere Offiziere Platz genommen hatten, in einer Höh- von etwa zweihundert Metern mehrere gelungene Lenkmanöver in horizontaler und vertikaler Richtung aus und fuhr dann über das west- liche Berlin nach dem AussiiegSvrt zurück. Dort manövrierte es VU Stunde lang, um die Einwirkung des Regens zu probieren. Die Höhen- und Seitensteuer funktionierten ausgezeichnet. Dann flog das Militärluftschiff nach Spandau und kehrte über Charlotten- bürg und die westlichen und nördlichen Vororte zurück. Tw Landung erfolgte uin 1 Uhr nach äVJtiilrdigcr Fahrt. Ter „Groß H" hatte mit einem sieben Meter starken Wind zu kämpfe,,. Der Ballon ist in der Mitte um acht Meter verlängert worden. Die Führung hatte Major Sperling. In der Gondel befanden sich ins- gesamt acht Personen._ Vor den Augen seiner Brüder ertrunken ist der bjährige Sohn des am Kottbuser Damm wohnenden Schlossers Reich. Der Knabe spielte am Freitag mit seinen beiden älteren Brüdern und mehreren anderen Kindern am Mahbach-Ufer. In einem Augenblick, al» niemand auf den Kleinen achtete, war dieser plötzlich spurlos ver- schwunden und alle Nachforschungen nach seinem Verbleib blieben vergeblich. Es wurde zunächst angenommen, daß an dem Kinde ein Verbrechen verübt worden wäre. Diese Vermutung hat jedoch keine Bestätigung gefunden. Gestern wurde die Leiche des Jungen in dem Landwehrkanal nahe der Kottbuser Brücke aufgefunden. Die Leiche zeigte keinerlei Spuren von Verletzungen. Vermutlich war der Knabe auf die Böschung geklettert und, ohne daß jemand hiervon etwas bemerkte, in das Wasser gestürzt. An die Verwaltung der Straßeiircinigung richtet sich eine Klage, die uns von Bewohnern des Gesundbrunnens zugeht. ES wird über geringe Besprengung der Straßeii� geklagt. Den Bewohnern der Stetriner Straße ist es in diesem Sommer aufgefallen, daß die ge- nannte Straße nicht einmal an heißen Tagen besprengt worden ist. Wenn einmal ein Auto diese Straße durchfährt, wird man in eine dicke Staubwolke eingehüllt. Es wird die Frage aufgeworfen, aus welchem Grunde eine solche Vernachlässigung gerechtscrtigt werden soll. Schließlich sind es doch auch Steuerzahler, die hier wohnen und die auch etwas Berücksichtigung verlangen können. Bei einem Rettungswerk den Tod gefunden hat der Schiffer Adolf Rolf, der auf einer Steinzille angestellt war. Das Fahrzeug befand sich vorgestern auf der Fahrt nach Berlin in der Nähe von Erkner, als plötzlich der 4jährige Sohn des Schiffseigners beim Spielen über Bord fiel. Rolf, der den Unfall bemerkte, sprang sofort nach und es gelang ihm auch, das Kind, bevor es irgend welchen Schaden genommen hatte, zu retten. Etwa 10 Minuten später wurde der Schiffer, wahrscheinlich infolge der Aufregung, von einem Schlaganfall getroffen und starb, ehe aus Erkner ein Arzt zur Hilfe gerufen werden konnte. Einbruchsdiebstahl am Kurfürstcndamm. Ein großer Einbruch ist bei einem hohen Beamten am Kurfürstendamm verübt worden. Der Beamte, der vor einiger Zeit eine Urlaubsreise antrat, halte feinen Wohnungsschlüssel beim Pförtner abgegeben, bei dem er an einem Brett hing. Diese Gelegenheit benutzte ein 10 Jahre alter Bursche Wilhelm Vollmer aus der Dorotheenstraße. der früher einmal in dem Hause als Diener beschäftigt war und Bescheid wußte. Der schwächtige junge Mann schlich sich in das HauS und benutzte einen geeigneten Augenblick, sich den WohnungS- schlüssel anzueignen. Er schloß dann auf und fand in der Hinicr- treppentür den Schlüssel von innen stecken. Diesen steckte er ein. während er den Vorderschlllssel wieder an seine Stelle hängte. Am nächsten Tage drang Vollmer mit dem richtigen Schlüssel durch die Hintertür ein, fand in einem offenen Schranke die Schlüssel zum Geldspind und erbeutete daraus mehrere hundert Mark in barem Gelde, für mehrere tausend Mark Wertpapiere und Juwelen von hohem Werte, darunter auch ein kostbares Perlenhalsband, Brillanten und Uhren. Nachdem der Dieb für 5000 Mark Papiere an mehrere Banken verkauft hatte, begann Vollmer ein flottes Leben. Das Geld gab er mit vollen Händen aus, die Schmucksachen verschenkte er an weibliche Stammgäste der Bars und Nachtcafös. In der Wohnung eines Mädchens m der Borsigstraße wurde der Einbrecher gestern ermittelt und verhaftet, nachdem der Pförtner den Verdacht auf ihn elenkt und seine allzu große Freigicbigkeit auf seine Spur geführt atte. Außer ihm wurde auch sein 18 Jahre alter Bruder Karl festgenommen, der sich der Hehlerei schuldig gemacht hatte. Man fand bei dem Einbrecher noch Wertpapiere und 750 M. bares Geld. DaS siebente Opfer des RennbahnunglückS ist der Kaufmann Willi Martin aus der Steinmetzstraße jetzt geworden. Er hatte außer anderen Verletzungen einen Schädelbruch und eine Gehirncrschüttcrnug erlitten, so daß eme Schädeltrepanation vorgenommen werden mußte. Auch diese konnte keine Rettung bringen. Jetzt liegen noch lebenö- zefährlich danieder: der Diener Christian Schmidt, der Klempner Max feietsch und Fräulein Klara Weacner. Inzwischen ist, so schreibt der „L.-A.", von der Behörde bestimmt worden, daß zur Sichernug des Publikums auf der Rennbahn die Barrieren verstärkt werden müssen, außerdem sollen sie höher sein als bisher. Weiler wurde vom Polizeipräsidium der Radrennbahn im Botanischen Garten die Erlaubnis erteilt, auf der Bahn trainieren zu lassen. Die vollständige Freigabe dürfte am Sonnabend erfolgen, so daß am kommenden Sonnlag bereits Rennen abgehalten werden könnten. Allerdings dürfte es sich dam» nur um Rennen mit Taudemsührung handeln, da. selbst wenn das Verbot der Motorschrittmacher aufgehoben würde, dies keinesfalls vor vier Wochen geschehen könnte." Jugeudattsflüge. Der JuaendauSschutz für Groß-Berlin veranstaltet am Sonntag, den 1. August, drei Jugcndausflüge. 1. Gruppe Südost: Grünau— Gosen— Müggelberge. Treffpunkte: Görlitzer Bahnhos san der Sanitätswache) 7 Uhr; Moritzplatz lan der Normaluhr) O'/z Uhr; Hohenstaufenplatz(an der Normaluhr) ö1/« Uhr. Gemeinsame Fahrt vom Görlitzer Bahnhof nach Grünau. Frühstück im Restaurant„Zur Palme". Fahrgeld 40 Pf. 2. Gruppe Nordost: Friedrichshagen— Gosencr Berge(Berliner Schweiz)— Grünau. Treffpunkte: Alexanderplatz(an der Bcrolina) 7 Uhr, Landibergcrplatz(an dem Denkmal) 7 Uhr, Schlcsischer Bahn- hos(Koppenstraße, Ecke Madaistraße) O'/z Uhr. Gemeinsame Fahrt bis Friedrichshagen. Von da Wanderung durch den Wald über Rahnsdorf, Wilhelmshagen(Frühstück im Walde), Erkner, Neu-Zittau, Gosen(MiltagSrast). Besteigen der Gosener Berge. Im Restaurant Zwiebusch Kaffeepause(Tasse 10 Pf.) Dann Fortsetzung der Wan» derung über Schmöckwitz nach Grünau. Von Grünau Rückfahrt. Fahrgeld 40 Pf. 3. Gruppe Norden: Spielpartie nach Tegeler Forst. Treff- punkte: Nettelbeckplatz(an der Normaluhr) mittags 1 Uhr. Fahrt mit der Straßenbahn nach Tegel. Schwedeiistraße(an der Normaluhr) mittags 1 Uhr. Fahrt vom Bahnhof Schönholz nach Tegel. Gen, einsamer Treffpunkt in Tegel an der Humboldtiniihle, da«» Wanderung nach Tegelgrund. Wir Bitten die Teilnehmer, ihre Jugendliederbilcher mitzu« Bringen. Alle Jugendlichen sind zu diesen Ausflügen freundlichst ein- geladen. Auch bitten wir die proletarischen Eltern, unseren Wer- anstaltungen ihr Interesse zuzuwenden. Der Jugendausschuß für Groß-Verlin. Warnung vor einem Schwindler. Der Vorstand des Männer» chors„Fichte-Georginia" schreibt uns: In letzter Zeit ist es einem Schwindler gelungen, ein Mitglied unseres Vereins sowie auch den Dirigenten um Beträge von l— S M. zu prellen. Derselbe benutzt die Abwesenheit der Betreffenden, um bei deren Nachbarn oder Hauswirt säuberlich eingepackte wertlose Gegenstände, unter dem Vorgeben, es seien Partituren oder Stiminpseifen, abzugeben, wobei er sich den Betrag, natürlich auf gefälschten Rechnungen, gleich einhändigen läßt. In dem Falle des Dirigenten handelte es sich um eine gefälschte Nota der Firma Bote u. Bock; in dem anderen Falle um eine gewöhnliche Nota, unterzeichnet: I. Loewen- thal,„Kreuzberger Harmonie", ohne natürlich Mitglied dieses Vereins zu sein. Da der Schwindler diesen Trick wahrscheinlich besonders bei Sangesbrüdern wiederholen wird, so sei hiermit vor demselben gewarnt. Bekanntmachung betreffend Prüfung von Kraftfahrzeugen und deren Führer. Der Polizeipräsident teilt mit: Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß ich als amtlichen Sachverständigen, welcher befugt sein soll, gemäß Z 4, Abs. 2, und§ 14, Abs. 1, der Polizeiverordnung, betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, vom 2g. September IVOS, Kraftfahrzeuge und Führer von solchen zu prüfen und darüber Gutachten und Zeugnisse auszustellen, außer den in meiner Bekanntmachung vom 15. Juni ISOg genannten Herren noch den Diplomingenieur Mar Preuß, In- genieur des Da m p f k e s fe l- R e vi s ionS v e r e i n s „Berlin", in Berlin dl W. 23, Lessing st r. 34, anerkannt habe. Zweiter Wahlkreis. Am Sonntag ist auf dem Waldfest eine Halskette gefunden und eine Krawattennadel verloren worden. Aus- kunft gibt Genosse Karl Renneri, Jahnstr. 18. Gefunden wurden am Montag beim Familienfest des vierten Kreise« in Ludwig» Biktoriagarten, Treptow, einige Gegenstände, die im Bureau de« Wahlvereins Stralauerplatz 1/2 in Empfang genommen werden können. Arbeiter-Samariterkolonne. Heute abend ö Uhr Dresdener Straße 45: Monatssitzung der diensttuenden Abteilung. Die Arm- binden müssen umgetauscht werden. Da viel Bestellungen ein- gelaufen sind, müssen alle Mitglieder erscheinen. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht kam in der Gräfe- siraße 31 Feuer aus, das bei Ankunft deS 11. Zuges schon eine größere Ausdehnung erlangt hatte. Die Flammen schlugen an mehreren Stellen aus dem Dache empor, so daß von mehreren Seiten vorgegangen werden mußte. Brandmeister v. Borch ließ vier Schlauchleitungen von Dampfspritzen vornehmen und es gelang durch kräftige» Wassergeben den Brand auf den Dachstuhl, der nicht mehr gerettet werden konnte, zu beschränken. Die Entstehung des Brandes, der großen Schaden verursacht hatte, konnte bei der Ausdehnung der Brandstelle nicht mehr festgestellt werden. Gleich- zeitig wurde aus der Köpenicker Straße 157 ein Küchenbrand ge- meldet. Etwas später brannten in der Koppenstr. 84 Betten und Möbel in einer Wohnung. In der Borsigstr. 11 mußte nachts um 1 Uhr ein Feuer gelöscht werden, das durch Unvorsichtigkeit in einem Zimmer ausgekommen war. Gestern früh um 5 Uhr brannten in der Gottschedstr. 18 Kohlen und Möbel in einer Küche. Der 15. Zug hatte in der Stromstr. 32 zu tun. wo«in Keller in Flammen stand. Erst nach längerem Wassergeben gelang es. die Gefahr zu beseitigen. Ferner wurde der 11. Zug nach der Bockbrauerei auf dem Tempelhofer Berge, der 3. Zug nach der Schönholzer Straße V und der 6. Zug nach der Admiralstr 5 alarmiert, um Hilfe zu leisten. Vorort- IVadmdrten» Charlotkenburg. Die mißlichen BerkehrSverhältnisse am Charlottenburger Bahnhof scheinen vorläufig noch keine Aenderungen zum Besseren zu erfahren. Seit der baulichen EntWickelung des Stuttgarter Platzes, dem faßt vollständigen Ausbau der Kaiser Friedrichstraße und des südlichen Teile» der Windscheidstraße ist der Charlotten. burger Bahnhof in seiner jetzigen Anlage immer mehr zum Ver- kehrhinderni» geworden. Dazu kommt, daß auch der südlich vom Stadtbahnkörper gelegene Bezirk, die Gervinus-, Mommsenstraße usw., eine ungeahnte schnelle EntWickelung durchgemacht hat, so daß bessere Verbindungen zwischen den nördlich und südlich des Bahnkörper» gelegenen Straßen dringend nötig erscheinen. Denn jetzt sieht e» damit recht traurig au». Die nächste Unterführung vom Stuttgarter Platz ist im Zuge der Kantstraße gelegen. Das erschwert den Verkehr ungemein. Seitens der ilnwohner werden daher die Wünsche nach dem Bau von Unterführungen im Zuge der Kaiser Friedrich« und der Windscheidstraße wiederholt ge- äußert. Nach dem was verlautet, ist vorderhand an eine Unterführung im Zuge der Kaiser Frieorichstraße nicht zu denken. Diese? Projekt könnte am praktischsten nur in Verbindung mit dem Bau einer geplanten Untergrundbahn gelöst und zum anderen abhängig gemacht werden von den Plänen der Eisenbahnverwaltung in bezug auf den Neubau deS Bahnhofs. Den Wunsch, den schon jetzt bestehenden Durchgang von der Nord- nach der Südseite, der die einzelnen Perronaufgänge des Charlottenburger Bahnhofs verbindet, unter Aurfhebung des BillettzwangeS für den öffent- lichen Verkehr frei zu geben, soll die Bahnverwaltung aus be- triebstechnischen Gründen abgelehnt haben. Ebenso aussichtslos dürfte wohl die Anlage eines BilletischalterL an der Südseite sein, wenn, wie behauptet wird, zutrifft, daß nämlich die Eisenbahn. Verwaltung die Errichtung dieses Billettverkaufsstandes von der Uebernahme einer beträchtlichen Garantiesumme durch die Stadt oder durch die Interessenten abhängig macht. Aber das äußerst geringe Entgegenkommen de? Bahnfiskus gegen noch so berechtigte Wünsche im Publikum kann nicht mehr überraschen. Tagegen sollen für den Bau einer Unterführung im Zuge der Windscheidstraße bessere Aussichten bestehen. Wann sie jedoch erfüllt werden, läßt sich nicht voraussagen, so daß man sich die jetzigen Zustände schon noch eine geraume Zeit wird gefallen lassen müssen. Eine Zentral-Bakuum-Anlage? Wie Märchen lesen sich die phantastischen Schilderungen BellamhS in seinem„Rückblick aus dem Jahre 2800". wenn er in denselben die kompliziert ange- legten zentralisierten Einrichtungen aller Art schildert. Und doch hat Bellamy damals, als er seinen Rückblick tat, noch lange nicht an alles das gedacht, was man schon vor dem Jahre 2800 bei uns zentral einrichten will. Ist eS wohl selbst Bellamy eingefallen, daß man die Zimmer in einer Wohnung, in einem Hause, ja in der ganzen Stadt von einer gemeinsamen Stelle aus reinigen könnte? Eine Gesellschaft bei Düsseldorf will diese» Problem durch die Einrichtung einer zentralen Entstaubungsanlage für ganz Charlottenburg lösen. An der Zentralstelle würde ein großer Be. hälter luftleer gepumpt werden, von diesem Behälter ging ein Rohrnetz durch die ganze Stadt. Wie die Ga». und Wasserröhren liefen die Leitungen unter der Erde hin. Jedes Haus und jede Wohnung und darin jedes Zimmer könnte an die Rohr- oder Schlauchleitung angeschlossen werden. An den LeitungSmündungen in den Wohnungen befindet sich der Aufsauger. Mittels eines Hahne» würde die Leitung geöffnet. Anstatt, daß wie beim Gas- rohr da» Gas hinauSströmt, sauge hier die luftleere Leitung die Luft und damit den Staub auf. In einem kleinen Sammelkessel würde für jedes Haus der Staub und Schmutz besonders aufge- fangen und dann beseitigt werden können. Die Sache ist also ganz einfach. Zu der Ausführung dieses Projektes bedarf die Gesellschaft jedoch die Zustimmung der Gemeinde zur Benutzung der Straßen. Davon also wird es abhängen, ob wir schon jetzt Bellamys Phan- tasten überholen können oder ob wir damit noch warten müssen. lieber einen Raubanfall wird berichtet: Montag abend zwischen '/z bis 12 Uhr sind zwei Herren, vom Zoologischen Garten kommend nach der Berliner Straße gehend, unmittelbar in der Nähe des KnieS in der dunkeln Querstraße an der Akademie für Musik von drei Strolchen überfallen worden. Dieselben hielten den beiden Herren einen Revolver vor und ein offenes Messer mit den Worten: Geld oder Leben I Daraufhin wurden den beiden Herren die Taschen revidiert und eine Barschaft von 388 M. abgenommen. Nachdem die Räuber das Geld hatten, sagten sie: Nun können sie gehen. aber keinen Laut von sich gebe», sonst schießen wir. Die drei Strolche waren im ungefähre» Alter von 25 bis 38 Jahren. Sie hatten Schnurrbärtc, zwei trüge» schwarze steife Hüte, der dritte einen schwarzen Schlapphut. Ihre Größe betrug ungefähr 1,78 Meter. Sie verschwanden nach dem Ueberfall in der dunklen Querstraße in ein Hau» durch einen Ausgang nach der Hardenberg- straße. Die Ueberfallenen sind zwei Ausländer, einer von ihnen ein Mechaniker. Rixdorf. TodeSsturz eines KindcS. Ein beklagenswerter Unglücksfall hat sich gestern aus dem Grundstück Weserstr. 38 zugetragen. Die Ehe- frau des im dritten Stockwerk wohnhaften Arbeiters Kühling hatte auf dem Boden Wäsche getrocknet und währenddes ihr drc» Jahre altes Kind allein in der Wohnung zurückgelassen. Die Kleine kletterte nun aus dem Bettchen heraus, stieg auf das Fensterbrett hinauf und sah auf dem Hofe den, Spiele der Kinder zu. Sie beugte sich dabei zu weit aus dem Fenster heraus, verlor das Gleich- gewicht und stürzte in die Tiefe. Der Körper deS unglücklichen Ge- ichöpfeS wurde förmlich zerschmettert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. RummelSburg. Aus der Gemeindevertretung. Die letzte, nur schwach besetzte Gemeindevcrtretersitzuug bot in ihren Verhandlungen über die beiden Hauptpunkte der Tagesordnung: Errichtung eines Sonnabend- Abendmarktes auf dem Boxhagener Platz, wie bei der Er- örterung der Erhaltung des an der Prinz- Albert- Straße und Schlichtallee belegenen„Spielplatzes" so recht das Bild eines rückständigen Dorfparlaments. Der jetzige MarktftandSpächter hat der Gemeinde ein Angebot von jährlich 18888 M. für diesen neu einzurichtenden Markt gemacht. Der Gemeindevorstand hat diese« Angebot auch einstimmig gutgeheißen und der Gemeindevertretung zur Annahme empfohlen. Die interessierten Gemeinde- Vertreter als Hausbesitzer und Geschäftsleute geiferten in einer Art und Weife gegen die Errichtung dieses Marktes, als weim tatsächlich der Untergang aller seßhaften Geschäftsleute und Hausbesitzer die unvermeidliche Folge hiervon wäre. Auch wurde von diesen Herren mit den bekannten Phrasen von Unreellilät und der schlechten Ware auf den Wochenmärkten gehörig herumgeworfen. Nachdem unsere Vertreter die gegnerischen Einwürfe in gebührender Weise beleuchtet und auf ihr richtiges Maß zurückgeführt hatten— vertraten dieselben den Standpunkt, daß die Einrichtung dieses Marktes auf dem Boxhagener Platz sehr im Interesse der Allgemeinheit liege, und daß von einer angeblichen Schädigung einiger etwa in Betracht kommender Ladeninhaber kaum die Rede sein kann— da bereit» zwei Sonnabendabendmärtte ganz in der Nähe des Boxhagener OrtSteils auf Lichtenberger Gebiet stattfinden. Auch kämen doch die 18888 M. der Gemeinde bei der derzeitigen schlechten Finanzlage zu gemeinnützigen Zwecken sehr zu statten. Der kollegialische Gemeindevorstand ließ da» Für und Wider gegen seine Vorlage passieren, ohne selbst einen festen Standpunkt hierzu zu vertreten— und so trat denn auch bei der Abstimmung das ergötzliche Schauspiel ein— daß zwei Gemeindevorstandsmitglieder gegen ihre eigene einstimmig eingebrachte Borlage stimmten und dieselbe dadurch selbst zu Falle brachten. Genosse John ließ denn auch diesen Augen blick. der dem es einige recht verdutzte Gesichter abgab, nicht vorübergehen, ohne diese» Gebaren noch besonders zu kennzeichnen. Ein fast noch beschämenderes Resultat ergab die von der öffentlichen der geheimen Sitzung überwiesene.Spielplatz"-Angelegenhe>t. Der —--— j--------—£-----—>---— t r rt--- ki/ zwischen der Prinz-Albert-Str. und der Schlichtallee gelegene große Spiel- platz, welcher bereits seit 1885 besteht und seit dieser Zeit mit Bäumen bepflanzt ist, und der auch sonst lvegen seiner ruhigen und guten Lage und schönen Umgebung(doppelreihige Baumallee) sehr beliebt und von Jung und Alt besucht wurde— geht nun durch Beschluß der Gemeindevertretung am 1. Oktober d.J. ein. DieStadtBerlin, der dieses Terrain gehört, verlangt in Zukunft als Pachtzins statt der bis- herigen 580 M. den für diese» Terrain jeweilig zu zahlenden der Grundwextsteuer gleichkommenden Betrag(zurzeit 1885 M.) als Pachtzins. Wenn dieser Pachtzins für ein Spielplatzgelände auch hoch erscheint, so darf aber nicht verkannt werden, daß bei einer Verpachtung zu gewerblichen Zwecken ein noch höherer Pachtzins erzielt werden kann. Die Vorlage des kolleg. Gemeindevorstandes, um der tausend Mark halber auf die Weiterpachtung dieses schönen und einzigen Spielplatze» im Orte zu verzichten— sucht in ihrer Rück- ständigkeit wohl seinesgleichen� und ist noch um so unbegreiflicher, als ständig von allen Schichten der hiesigen Bevölkerung über den Mangel an öffentlichen Tummelplätzen sehr geklagt wird. Um die Vorlage nun wohl nicht gar zu rückständig und unvernünftig erscheinen zu lassen— soll das RathauSgrundstück an der Marklstraße wie das Gemeindegrundstück in der Wilhelmstraße als Ersatz für die gleichen Zwecke hergerichtet werden. Die Herstellungskosten betragen aber hierfür allein auch mehrere tausend Mark. Im übrigen war schon früher von unseren Genossen die Errichtung eines Spielplatzes auf dem Rathaus- grundstück für die Boxhagener Jugend angeregt worden— ohne bei den bürgerlichen Vertretern em Verständnis hierfür zu finden. Unsere Vertreter traten trotz der Erhöhung des Pachtzinses warm für die Beibehaltung des jetzigen Spielplatzes, welcher für Alt und Jung der einzige ungeniette Erholung», und Tummelplatz ist. ein. Auch wiesen unsere Vertreter eindrllcklichst darauf hin, daß daS Eingehen diese« Spielplätze« bei allen Ein- wohnern allgemeines Befremden erregen wird. Auch die bürger- lichen Diskussionsredner vertraten den Standpunkt, daß es nicht gut möglich sei, den alten Spielplatz wegen der erhöhten Pachtsumme aufzugeben. Nach dieser Diskussion war cS recht auffällig, daß die Vorlage des Gemeindevorstandes mit 11 gegen 7 Stimmen zur Annahme gelangte. Beide Abstimmungen zeigten die betreffenden bürgerlichen Vertreter wie auch die betreffenden Vorstandsmitglieder so recht in vollem Glänze ihres UnverständnisseSisür daS Wohl und die Interessen der Allgemeinheit. Auf der einen Seite wird im Interesse von ein paar Geschäftsleuten und Hausbesitzern, die Masse der Bevölkerung geschädigt und die Gemeinde noch obendrein jährlich um 10 888 M. gebracht, und auf der anderen Seite wird um tausend Mark halber ein äußerst notwendiger Erholungsplatz der Bevölkerung entzogen. Köpenick. Eine verfehlte Spekulation. Ein Unternehmer hatte dem Magistrat von Berlin und der Stadtverwaltung Köpenick den Plan unterbreitet, die Wühle, welche von den Falkenberger Rieselfeldern noch der Spree fließt, in einen Stichkanal umzuwandeln. Der Unter« nehmer hatte, um den Plan auSznftihren, bedeutende Terrains an der Wühle erworben und sich bei anderen Besitzern das Borkaufs- recht gesichert. Nachdem die Stadt Berlin eine Unterstützung de» Projektes abgelehnt, hat sich nun auch der Magistrat von Köpenick gegen das Unternehmen ausgesprochen und damit ist der ganze Plan hinfällig geworden, Zossen. Eine Straßendemonstration fand am Sonntag am hiesigen Orte statt. Allerdings handelte«s sich nicht etwa um Sozialdemokraten, sondern um Patrioten. Anläßlich des Schützenfestes fand ein Umzug durch die Straßen deS OrlS statt unter polizeilicher Begleitung; natürißch fehlte auch die Musik nicht. Die Leute marschierten durch die Stadt mit Teschiug und Seitengelvehr, als wären sie ganz allein da. Unter den Schützeubrüdern befinden sich viele Geschäftsleute, die dafür gesorgt halten, daß an diesem Tage offenbar zur be- sonderen Weihe die Geschäfte bis abends 7 Uhr geöffnet sein durften; für die Angestellten kein besonderes Vergnügen. Wir wollen sehen, ob auch den Sozialdemokraten bei der nächsten Gelegenheit ähnliches gestattet wird. Wir zweifeln. Falkcnhagen- Seegefeld und Staaken. In der am Sonntag stattgcfundcnen Generalversammlung beZ Wahlvereins referierte Genosse L e i d n e r über d a s neue Organisationsstatut der Partei. Hierauf folgten die Berichte der Funktionäre über das verflossene Halbjahr. Des fehlenden Lokales wegen konnte nur eine öffentliche Versammlung abgehalten werden. Die Mitgliederzahl ist etwas gestiegen. Die Bibliothek umfaßt 418 Schriften nnd wurde in 183 Fälle» benutzt. Zum BezirkSfnhrer in Nen-Tecgefeld wurde Genosse Schulz gewählt. Ein Antrag zwecks Agitation in der Umgegend wurde dem Vorstand überwiesen, auch fand ein Antrag zur KreiS-Gencralvcrsammluug Annahme. Als Vertteter zur KreiSversammlung wurden die Genossen Leidner und MeweS gewählt. Der Vorsitzende schloß die Verfamm- lung mit dem Wunsche, daß der Wahlverein bald ein festes Obdach finden möge. Spandau. In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung des GcwerbegerichtS standen vier Sachen zur Verhandlung an, davon endete eine durch Vergleich, die anderen durch Urteil. Bemerkenswert sind folgende Sachen: Der Kutscher E. klagt gegen den Kaufmann Mühlen- beck auf Zahlung von 8,15 M. Lohn für eine Woche, 14 M. für Kost und 2 M. für Logis. Kläger war beim Beklagten gegen einen Monatslohn von 88 M. nebst freier Station beschäftigt. Er wurde am 4. Juni diese» Jahres ohne Grund plötzlich entlassen. Der Beklagte behauptet, er fei zur Entlassung berechtigt gewesen, da der Kläger an dem Tage stark betrunken war. DaS Gerichi verurteilt den Beklagten zur Zahlung von 24.15 M. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, die Trunkenheit be» rechtige wohl zur Kündigung, aber nicht zur sofortigen Emlassnng. Es klagt ferner der Zimmermann Preukfchat gegen die Firma Friedrich wegen 7,17 M. Lohn für einen Tag. Er behauptet, er fei am 13. Mai erst abends 7Vz Uhr entlassen worden, al» er sich bereits auf dem Bahnhofe befunden, um nach Hause zu fahren. Dort habe ihm der Lehrling Karte und Lohn übergeben. Er habe anderen TagcS wieder nach Spandau fahren müssen, um fein Geschirr zusammenzu- holen, und sei ihm dadurch der ganze Tag verlorengegangen. Der Beklagte stützt sich auf den Tarif, nach welchem er seine Arbeiter zu jeder Stunde. auch am Tage entlassen könne. Der Tag als Entlassungseinheit fei im Tarife nicht vorgesehen. DaS Gericht kommt zu dem Urteil, daß. wenn auch im Tarif der Tag als EntlaffungSeinheit nicht angegeben fei, man doch nach Treu und Glauben annehmen müsse, die Mitteilung der Entlassung habe so rechtzeitig zu erfolgen, daß der Arbeiter noch sein Werkzeug am selben Tage zusammen- holen könne, um am anderen Tage eventuell gleich wieder in andere Arbeit eintreten zu können. Der Beklagte wurde zur Zahlung der 7.17 M. verurteilt._ Vermischtes. Fortschreitende Industrialisierung Lothringen». In Malancourt(KreiS Metz) wurden 46ö 888 M. Gemeindewastz an die Gesellschaft JakobuS verkauft, die in den benachbarten Orten St. Marie-aux-Chönne», St. Privat und Boncourt ebenfalls Lande- reien erwarb, um diese zu industriellen Unternehmungen und zum Bau von Lrbetterwohnungen zu verwenden. Gründung einer Luftschifferschul». Wie der„Schwäbische Merkur" berichtet, hat der deutsche Luftflottenverein vom preußischen Kriegs- Ministerium einen Beitrag von 8888 M. zur Gründung einer Luft- schifferschule in Friedrichshafen erhalten. Die Schule soll am 1. Oktober zunächst mit 8 jungen Leuten im Alter do» etwa 13 Jahren gegründet werden._ Lutomobilunglück. Elberfeld, 28. Jult. Heute morgen gegen 4 Uhr fuhr da» Auto- mobil des Fabrikanten Brunsehler-Welbert auf der Chaussee Elber- feld— Neviges, nahe Walmichraih gegen einen Telegraphenmast. DaS Automobil wurde vollständig zertrümmert, von den vier Insassen wurden der Sohn de» Besitzers und der Chauffeur getötet, einer schwer, einer leicht verletzt. «Mtltcher Marttbertcht der ftädtilchen MarNhallen-Dtrektton über den Großhandel in den gentral-MarNhallen. Marktlage: Fleisch, Zusuhr schwach. Geschält ruhig, Preis« unverändert. Wild: Zusnhr nicht genügend, Selchäst lebhast, Preise besriediaend. Geflügel! Zusnbr ge. nügend, Gelchäst ziemlich rege, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft lebhast, Preise wenig verändert, stl r« b s e wenig gefragt. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ods» und Südfrüchte! Zusuhr reichlich, Gejchüst sehr still, Preise wenig verändert. «ttternngSüberstch» vom SS. Jult ISNS, morgen« S Uhr. CtaUffncn Twtnemd« 750®® Hamburg 7 SS SO Berlin 750 SO Franfl.a K 758 SW München 1 760 Still Sien 176160 Ii BS Vetter L wollig 3 Regen L wolkig 1 bedeckt wolkig 1 halb bd. »K ri» »II ts» «2> Stationen Ii Ii Ii "0 Havaranda 750 NO Petersburg 75LW Eetllh----- Ad erde Bart» 763 NNW 760 NNW 750 SSW Vetter «sjt ts* t- ak 2 halb bd. 16 llhedeät 1 14 3 wolkig 1 wolkig 3 wolkig! I! 12 12 17 evetterprognofe für Donnerstag, den LS. Juli IVOS. StwaS kühler, zunächst meist trübe mit leichten Rcgensällen und ziemlich frischen westlichen Winden: später langsam aufklarend. Lerltner W«tterdureau. »er Lande» anstatt «SasserftandS.Nachrtchten Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M« m« i. nint Brezel, Jnsterbmg weichsei, Thom Oder, Rattbor « Krassen » Frankfurt Warthe. Schrtmm , Landsberg Netz», Vordamm Elb«, Letwieritz , Dresden , Bardo , Magdeburg ür Gewässerkunde, mttgetetkt vom 8-f. bedeutet Buch».— Fall.—•) Unterpegel. Lerantwortl. Redalteur� Wilhelm Tüwkll. Lichtenberg. Für den Inseratenteil perantw� TH.Glvckc, Berlm, Z!v;iifu.Verlag: VoripgrtS Buchdrucker;» u, VerfagSimstgst Paul Singer& Co« Verlig S,Wt