Nr. 178. Abonnements-Bedingungen: Monnementö» Preis pränumerando; Llerteljährl. 8L0 Mk, Mona». l.IV Md. köchenllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrfltdBt Wich anßtr msntist. Verlinev Volksblatt» Ole Tnlertlons'GebüIjr BcltUgt für die scchSgcspaltene Kolons- «eile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzcigen 80 Pfg. „KUlnc Hnreigen", das erste(sclt. xcdruate) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen t>iS»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends gMiict. Telegramm-Adresse: „SsziMdMürat Rcrlio". Zcntralorgan der rozialdemokrati fchen parte» Deutfchtands. Redaktions 8<33. 68, Lindenstrasee 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Zu den IKIaHenlräinpfeD in Schweden. Am Mittwoch, den 4. August, beginnt in Schweden ein Riesenkampf, wie ihn in dieser Art auf rein gewerkschaft- l i ch e m Gebiete die Arbeiterschaft noch in keinem Lande ge- führt hat. Der Aussperrungstaktik der Unternehmerverbände, der zufolge bereits 80000 Arbeiter auf die Landstraße gesetzt worden sind, begegnen die Gewerkschaften mit dem ein- mutigen Beschluß, den Gcneralausstand sämtlicher in der Landcsorganisation vereinigten Gewerkschaftsmitglieder ab 4. August zu proklamieren. Von den zirka 230(XX) organi- sierten Arbeitern des Landes gehörten am 31. Dezember 1908 insgesamt 161 000 der Landesorganisation an. Aber auch die übrigen 70000 Arbeiter stehen mit Ausnahme von zirka S000 auf„liberaler" Grundlage organisierten Sonderbündlern durchaus in innigstem Konnex mit den in der Landesorganisation vereinigten Zentralverbänden. Lediglich taktische Rücksichten halten sie am Anschluß an die Landeszentralc ab, nicht prinzipielle Motive. Viele davon sind in den einzelnen Orten dersozialdemokratischen Arbeiterpartei angeschlossen. Prinzipielle Trennungsgründe sind also nicht vorhanden. Daher wird der gewerkschaftlichen Generalstreikparole auch von einem guten Teile dieser Organisationen Folge geleistet werden. Und selbst der„liberale" Arbeiterverband hat beschlossen, Solidarität zu üben. Darüber hinaus aber sind auch große Massen der Unorganisierten von der allgemeinen Empörung über die brutale Taktik des Unternehmertums ergriffen worden, große Massen strömen in diesen Tagen den Gewerkschaften zu, um in dem allgemeinen Selbsterhaltungskampfe der Arbeiterschaft als Kämpfer in Reih und Glied zu marschieren. Bei diesem gewaltigen sozialen Drama, das sich in dem größten der skandinavischen Länder abspielt, verlohnt es sich, das KampfeSterrain ein wenig zu sondieren. Schweden hat territorial eine gewalttge Ausdehnung, vom südlichen Oeresund erstreckt es sich bis hinauf zum Polar- kreis. Der Umstand jedoch, daß die schwedische Nation bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts eine im wesentlichen ackerbautreibende war, erklärt die geringe Bevölkerungsziffer. Die große Hälfte des Landes ist infosge der nördlichen Lage für den Ackerbau wenig geeignet, während Mittelschweden und insbesondere die südlichen Gebiete einen teilweise sehr hoch- getriebenen Ackerbau aufweisen. Dagegen hat das nördliche Schweden alle natürlichen Voraussetzungen für die Entwickc- lung einer großen Industrie. Es hat freilich lange gedauert. bis diese EntWickelung einsetzte. Einige der Ursachen werden wir noch kennen lernen. Für die ackerbautreibende Nation waren die Möglichkeiten der Volksvermehrung demnach naturgemäß beschränkte. Im Jahre 1904 betrug die Gesamtbevölkerung erst 6,3 Millionen Köpfe. Im Verhältnis zu Deutschland müßte Schweden, legt man das Areal der Berechnung zugrunde, eine Bevölkerungs- ziffer von mehr denn 40 Millionen aufzuweisen haben. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 411 0l1,93�Ouadrat- kilometer, während die Deutschlands sich auf 545 135 beziffert. Auf 1 Quadratkilometer kamen 1901 in Deutschland 104, in in Schweden nur 12,5 Einwohner. Seit 1750 ist folgende EntWickelung der Bevölkerungsziffer pro Quadratkilometer in Schweden zu verzeichnen: Jahr: 1750 1800 1850 1870 1880 1890 1900 Einlv. pro qkm 4 6 9 10 11 11,6 12,5 Erst seit 1850 ist also eine etwas raschere EntWickelung der Bevölkerungsziffer eingetreten. Bedeutsam ist sie immer noch nicht. Ein großer Teil des Geburtenüberschusses ist immer noch auf die Auswanderung angewiesen, weil der Ackerbau nur eine beschränkte Ernährungsmöglichkeit bieten kann, die Industrie aber erst in den letzten Jahrzehnten größere Fortschritte machte. Während in Deutschland im Jahre 1900 zirka 48 Proz. der Gesamtbevölkerung auf die Städte entfielen, waren es in Schweden 1901 nur 22 Proz. Dabei waren selbst diese Städte industriell größtenteils bedeutungslos. Nur 3 hatten mehr als 50000 Einwohner, während in Deutschland 73 Städte diese Ziffer überschritten hatten. Die prozentuale Verteilung der Bevölkerung Schwedens auf die verschiedenen Erwerbszweige geht aus folgenden Zahlen hervor: Prozent der Bevölkerung 1870 1880 1890 1900 81,80 78,66 73.92 67.39 9,55 11,94 15,81 22.01 2,03 3.43 4,31 5,43 6.57 5,97 5,96 5,17 Expedition: 8Äl. 68» I�indenstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Erwerbsgruppen Landwirtschaft usw. Industrie.... Handel und Verkehr Oeffentl. Dienst usw._ Summa...... 100 100 100 100 Seit 1900 ist die EntWickelung zum Industriestaat schneller vorgeschritten und besonders in den letzten' vier Jahren be- reitet sich eine völlige Umwälzung des schwedischen Erwerbs- lebenS vor. Die Ausnutzung der ungeheuren Wasserkräfte des Landes für industrielle Zwecke hat begonnen, die Emanzipation der Industrie von der englischen Steinkohle wird dem Lande Millionen an Kapital ersparen, die jetzt ins Ausland wandern und das Handelsbudget verschlechtern. Daß die industrielle Entwickelung in Schweden so lange auf sich warten ließ, ist beileibe nicht Schuld der schwedischen Arbeiterklasse, wie es die schwedischen Kapitalisten mit großer Vorliebe und ebenso großer Heuchelei zur Beruhigung des eigenen schlechten Gewissens behaupten. Der schwedische Arbeiter ist im Gegenteil im Auslande seit Jahrzehnten als brauchbare Arbeitskraft geschätzt,' und besonders die aincrikanische Industrie hat ihn stets niit offenen Armen empfangen. Seit 1866 ist die Auswanderung eine sehr große gewesen. Sie ist nur ausnahmsweise unter 15000 Köpfen pro Jahr herabgesunken. wohl aber bis zu 40 000 und mehr wiederholt gestiegen. 1903 reisten von 39 523 Emigranten 35 439 nach Amerika, 329 nach Kanada, 478 nach Deutschland, 1389 nach Dänemark und 1066 nach Norwegen. Sehen wir von den 2300 nach Dänemark und Norwegen Auswandernden ab, deren Ziffer sich zweifellos ausgleicht durch die Einwanderung aus diesen beiden Ländern, so ist die amerikanische Auswanderung allein die ins Gewicht fallende..Sie erfaßte im gleichen Jahre eine be- deutende Zahl qualifizierter Arbeiter oder 7245 gewerbliche, 1081 Berg- und Hüttenarbeiter, 11 469 Arbeiter nicht fest- gestellten Berufes usw. sowie 10947 landwirtschaftliche Arbeiter. Diese Auswanderung beweist dem wirtschaftlich Vcr- ständigen zur Genüge, wie Ivenig auf das Geschwätz der Ka- pitalistcn und deren Presse zu geben ist. Unbrauchbare Arbeits- kräfte sind auf dem industriellen Arbeitsmarkte Amerikas konkurrenzunfähig. Wie die obige Ziffer aus dem Jahre 1903 zeigt, handelt es sich zudem direkt um bcrufsqualifizierte Ar- beiter in größerer Zahl, die also durchaus nicht als industrielle Hilfsarbeiter in Frage kommen. Dafür bürgt außerdem das kulturelle Niveau der schwedischen Arbeiter, deren Schul- und Allgemeinbildung zweifellos sie auf die Stufe der besten europäischen Arbeiter erhebt. Allein die schwedischen Arbeiter lassen sich heute nicht mehr mit einem Almosen als Arbeitslohn abspeisen und sie lassen sich ebensowenig eine tyrannisierende Behandlung von den Unternehmern und deren Beauftragten gefallen. Sie haben die Macht der unverbrüchlichen Solidarität erkannt, haben im Sozialismus die große Mission der Arbeitcrklaffe kennen gelernt und sind dadurch zu tapferen Kämpfern um ihre Rechte geworden. Das ist es, das ihnen den Haß der schwedischen Kapitalisten eingetragen hat, die zu faul und zum großen Teil gänzlich unfähig sind, auch die Ivenigen Aufgaben zu erfassen, die innerhalb der volkswirtschaftlichen Entwickelung dem Kapitalbesitzer zufallen. Wenig Unternehmungsgeist, eine jeder Beschreibung spottende Borniertheit und Trägheit sind die Merkmale der schwedischen Bourgeoisie. Wer sie bei ihrer Lieblingsbeschäftigung sehen will, muß sie an der Eßtafel und am Punschtische suchen. Der durchschnittliche Bourgeois kennt seinen Betrieb meistens nur von außen; von innen nur dann, wenn die Erträgnisse des Betriebes für seine Lieblingsvaganzen nicht ausreichen. Das sind keine Uebertreibungen, wenngleich natürlich AuS- nahmen von der Regel vorhanden sind. Aber diese Ausnahmen reichten bisher nicht aus, um das industrielle Erwerbsleben erfolgeich zu organisieren. In überseeischen Handelshäusern des Konttnents und Londons, in denen Geschäfte mit Skandinavien gemacht werden, wird man die Bestätigung erhalten, daß es manchmal auf unüberwindliche Schwierig- ckeiten stößt, mit dem schwedischen Kaufmann oder Industriellen in Geschäftsverbindungen zu kommen. Wichtige Briefe, An- fragen, Angebote bleiben monatelang oft gänzlich un- beantwortet. Kaufmännisches Talent geht dem schwedischen Durchschnittsburgeois ebenso ab wie die Fähigkeit der richtigen Leitung eines modernen Industriebetriebes. Stößt man auf tüchtige Industrielle und Kaufleute, so meistens nur deutscher, dänischer oder jüdischer Abstammung, die größten- teils aber auch das Protzentum des schwedischen Durchschnitts- bourgeois sich angeeignet haben. Dieser Geist der schwedischen Bourgeoisie erklärt aber auch zum Teil die geradezu wahnsinnigen Kämpfe, die sie auf wirtschaftlichem Gebiet der Arbeiterschaft aufzwingt. Nicht Prinzipicnfragen führen hier in der Regel zu jenen Macht- kämpfen zwischen Kapital und Arbeit, die wir in den letzten fünf bis sechs Jahren kennen gelernt haben, sondern die lumpigste Lohnerhöhung um 1 bis 2 Oere die Stunde werden zum Gegen- stand vomKämpfen, die das Tausendfache von dem Betrage kosten, die die Lohnerhöhung selbst ausmachen würde. Jede Kalkulation darüber, was der Kampf kostet und was zu gewinnen steht, fehlt. In der geringfügigsten Lohnforderung der Arbeiter sieht der Bourgeois lediglich den momentanen Verlust für sich; Erwägungen darüber, ob nicht durch bessere Betriebs- leitung und technische Vervollkommnung größere Rentabilität zu erreichen steht, kommen ihm nicht in den Sinn. Die „Frechheit" der Arbeiter, von ihm etwas zu fordern, empört ihn dermaßen, daß er alle Stränge reißen läßt, kann er den Arbeitern nur den Fuß auf den Nacken setzen. Genau vom gleichen Geiste sind die Unternehmer- organisattonen des Landes. Der Apfel fällt nicht weit vom Bauni. Anstatt prakttsche Industrielle beKauen sie Juristen und Bureaukaten mit ihrer Führung. In den Händen dieser Sippe droht die Unternehmerorganisatton zu einem Hemmnis der industriellen Entwickelung des Landes zu werden. Den deutschen Banken und Finanziers, die heute die schwedische Industrie finanzieren, kann nicht dringend genug empfohlen werden, einmal eine Kontrolle in dieser Richtung vor- zunehmen. Schon allein die offizielle Aussperrungsstatistik würde ihnen, wenn sie die Rubrik„Ursachen" studieren, ein gelindes Grausen über das endliche Schicksal ihrer Kapitalien einflößen. Dort ist auf einige wichtige Ursachen der langsamen in- dustriellen Entwickelung in einem Lande hingewiesen, das geradezu ausgezeichnete Vorbedingungen für eine erstklassige Großindustrie besitzt. Große Naturwäldcr und reichhaltige Erzlager in der nördlichen Hälfte des Landes sind dazu zu rechnen. Die Nation selbst erzeugt genügend und zuvcr- lässige Arbeitskräfte, die heute in einer Zahl von 30000 all- jährlich auf den ausländischen Arbeitsmarkt geworfen werden. Mit deutscher und englischer Hilfe sind immerhin größere industrielle Fortschritte in neuerer Zeit gemacht worden. Die Eisenerze werden zwar immer noch zum guten Teil im Rohzustände exportiert. Die Holzveredelung hat indes große Fortschritte gemacht. Das Heer der industriellen Arbeiterschaft ist stetig gewachsen. Man schätzt zurzeit die in Industrie, Handel und Verkehr tätigen Arbeiter auf 530000. Demgegenüber stehen 861000 männliche und weibliche Arbeitskräfte der Landwirtschaft. Ueber die Verteilung der Arbeiter auf die verschiedenen Industriezweige stehen uns nur die Zahlen von 1903 zur Verfügung, die in der Zwischenzeit zweifellos eine Erhöhung erfahren haben. Folgende Tabelle unterrichtet über die Arbciterzahl in Industrie und Handwerk im Jahre 1903: ErwerbSgruppen Nahrungs- und Genußmittelindustrie, Textilindustrie......... Lederindustrie......... Del, Teer und Gummi...... Holzindustrie......... Papier- und Papiermasscnindustrie.. Blumen- und Blättcrinduftrie,.„ Steine und Erden usw...... Chemische Industrie,...... Metallindustrie......... Schiffs-, Wagen- und Maschinenbau. Graphische Industrie.«,«... Fabrikbetriebc JnSges. Arbeit. 82557 88010 7475 2980 69313 9127 614 45557 2870 i 22784 81179 8682 Davon iveibl. 7671 25419 2189 1331 4027 2896 270 2191 641 1780 57» 1530 Handwcrtsbctr. IZahl d. JnSgcs. Arbeit. ielbstän» digcn Handw. 8663 7496 7602 8434 5455 729 119 5481 5 7113 1335 309 7729 8575 11105 3070 8779 379 168 4398 9 6756 1869 240 Sa. 271157 50524�477541 53077 Die Gesamtzahl der in der Industrie und der cigent- lichen Handwerksproduktion beschäftigten Arbeiter betrug demnach 318 898. Die Zahl der selbständigen Handwerker ist größer als die der Handwerksarbeiter, ein Beweis dafür, daß unter diesen„Selbständigen" die Mehrheit im Grunde ge- nommcn proletarischen Charakters ist. Der Mangel einer systematischen Berufsstatistik wirst leider die verschiedenen Berufe bunt durcheinander. Einen Teil der baugewerblichen Arbeiter muß man unter Steine und Erden usw. suchen, die Zimmerer unter Holzindustrie usw. Daher müssen die verschiedensten Statistiken zu Hilfe genommen werden, will man die Zahl der Arbeiter aus den verschiedensten Erwerbszweftjen feststellen. Auf diesem Wege gewinnen wir zu den obigen noch fol- gende Zahlen: Im Bergbau und in der Hüttenindustrie wurden im Jahre 1994 insgesamt 39 869 Arbeiter beschäftigt. Die Zahl ist seit 1999 konstant geblieben. Im Handels- gewerbe wurden im gleichen Jahre 37 343 Personen bcschäf- tigt. Die Zahl der Angestellten und Arbeiter bei der Post, Telegraphie, den Eisenbahnen usw. belicf sich 1999 auf 26 912 männlichen und 1741 weiblichen Geschlechts. Die seefahrende Bevölkerung zählre zu gleicher Zeit 27 699 Köpfe. Die Zahl der Beamten und Arbeiter in kommunalen Diensten betrug 5863. Die Schätzung von 539 999 in Industrie, Handel und Verkehr Beschäftigten wird demnach im wesentlichen zutreffen. Von diesen sind zirka 239 090 organisiert. Der Wert der industriellen Produktion wurde im Jahre 1993 auf 1,2 Milliarden Mark geschätzt. Die bedeutendsten Industrien sind: Holzindustrie, Metallindustrie, Steine und Erden, Textilindustrie und die Nahrungsmittelindustrie. Mit Ausnahme der Textilindustrie sind diese zugleich die wich- tigsten Exportindustrien, wozu der Bergbau mit einem größeren Export an Roheisen und Erzen kommt. Der Wrt der Ausfuhr betrug 1994 insgesamt 414 724 410 Kronen, der der Einfuhr 578 453 187 Kronen. In wenigen Tagen wird nun die Industrie mit einem Schlage stillgelegt. Die Machtfrage zwischen Kapital und Arbeit muß im Kampfe entschieden werden. Das Unter» nchmertum fordert eine erhebliche Lohnreduktion in einzelnen Industriezweigen. Aber das ist schließlich nicht allein des Pudels Kern. Man will viel mehr, nämlich das Mit- bestimmungsrecht der Arbeiter an den Lohn- und Arbeits- bedingungen beseitigen und dazu die offizielle Zustimmung der Arbeiterorganisationen haben. Zu diesem Zwecke werden die Arbeitervertreter zu Verhandlungen gnädigst zugelassen, sie sollen ja durch Verträge gebunden werden. Aber irgend- einen Einfluß gesteht man ihnen nicht zu. Friß Vogel oder stirb, das ist die Alternative, die das organisierte Unter- nehmertum mit seiner neuen Aussperrungstaktik der Ar- beitcrklasse stellt. Der jetzt ausbrechende Kampf wird die Entscheidung bringen, ob für die nächsten Jahre diese Taktik des Unter- nehmertums beibehalten werden soll oder nicht. Ein rein gewerkschaftlicher Kampf zwar, aber ein Kampf, der den Lebensinteressen der schwedischen Arbeiterklasse gilt. Gegen- über diesem Objekt des Kampfes kann der Sieg fcufftt ztt teuer erfochten werden. • � m Das Landesselretanat der schwedischen Gewerkschaften hat am Sonnabend ein neues Rundschreiben an die Arbeiterschaft erlassen, worin die bisher zur Unterstützung der Ausgesperrten erhobenen Extrabeiträge aufgehoben und allen den Mitgliedern, die nach der allgemeinen Arbeitsniederlegung am 4. August noch genötigt sind, die Arbeit fortzusetzen, eine wöchentliche Extra st euer von 4 Kronen für die vollzahlenden und 2 Kronen für die halbzahlenden Mitglieder auferlegt wird. Selbst unter den Arbeitern der BeleuchtungS-, der Wasserwerke und der Strabenreinigung, die ja nach der Massenstreikproklamation weiterarbeiten sollen, scheint die Neigung vorzuherrschen, sich dem Streik anzuschließen. Auch die StaatSarbeiter wollen sich trotz aller Drohungen der Vorgesetzten nicht abschrecken lassen, mit in den Kampf zu ziehen. Eine Massenversammlung der Telegraphenarbeiter Stockholms hat sich ein- stimmig für die Arbeitsniederlegung erklärt. Der Generaldirektor hat ihnen für diesen Fall die Entlassung in Aussicht gestellt, was auch dem für sie geltenden Arbeitsreglement entspricht. Aber das gleiche war bei dem politischen Massenstreik von 1902 der Fall, den die Telegraphenarbeiter ebenfalls mitgemacht haben, und zwar ohne entlassen zu werden. Der Eisenbahnerverband hält eine besondere Konferenz ab. um über seine Stellung zur Massen st reik» Proklamation zu beschließen. An mehreren Orten, wie auch in Stockholm und Göteborg, haben die Eisenbahner sich schon für die Arbeitsniederlegung ausgesprochen. Das Landessekretariat der Gewerkschaften fordert m einem zweiten Rundschreiben sämtliche Ange st eilten der Arbeiter- bewegung, also der Partei, der Gewerkschaften und der Arbeiter- genossenschaften. auf, für die Zeit des Generalstreiks zur Unterstützung der Opfer ihren vollen Lohn beizusteuern. Von den Unternehmerorganisationen hat nun auch der »Zentrale Arbeitgeberverband', der hauptsächlich die Bauindustrie umfaßt, seine Stellung zum Generalstreik kundgetan. Er droht mit Gegenmaßregeln, was um so merkwürdiger ist, als in dem vor kaum einem Monat abgeschlossenen Reichstarifvertrage für das Baugewerbe auf Drängen der Unternehmer ein Passus ein- gefügt ist, wonach Streiks und Aussperrungen, wenn fie von der einen oder anderen der vertragschließenden Organisationen gut- geheißen wurden, auch während der Vertragsdauer zulässig find, so daß also die Teilnahme am Generalstreik für die Arbeiter dieser Beruf« keinen Vertragsbruch in sich schließt. Vom Auslande sind der schwedischen Arbeiterschaft bereits hohe Unter st ützungsbeiträge zugesichert. Die Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften hat beschlossen, in jeder Woche 20 009 Kronen zu senden, und ungefähr die gleiche Summe werden die norwegischen Gewerkschaften für ihre schwedischen Vruderorganisationen direkt aufbringen, so daß allein aus Nor- wegen auf einen wöchentlichen Beitrag von 40 000 Kronen zu rechnen ist. Stockholm, 2. August. Dreißig Fachveretne haben gestern Niederleguug der Arbeit beschlossen. Zur Leitung des Streiks wurde ein Kontitee von 23 Mitgliedern ernannt. Das Landessekretariat hat an die nicht organisierten Arbeiter eine Aufforderung zum Anschluß an die Organisation gerichtet. Jeder, der sich bis zum 13. August in die Organi- sation aufnehmen läßt, soll alle moralischen und ökonomischen Unterstützungen erhalten, die die alten Mitglieder zu beanspruchen haben und die den Folgen vorbeugen sollen, die diese große Kraftprobe mit sich führen dürfte. Stockholm, 2. August. Die von der Arbeitgebervereinigung ins Werk gesetzte Aussperrung, die bisher 50(XX) Mann um- faßte, ist heute auch auf etwa 30000 Eisenhütteuarbeiter aus- gedehnt worden. Sie spanische Revolution. Die amtlichen Meldungen versichern immer wieder, daß '■in Barcelona Ruhe herrsche..Ein spanisches Blatt, das natürlich nur amtlich zugelassene Nachrichten verbreiten darf, brachte am Sonntag nach wochenlanger Unterbrechung die ersten Depeschen aus Barcelona. Danach fehlt es noch immifc an Lebensmitteln; solche, die auf dem Seewege ein- treffen, werden zu unerschwinglichen Preisen verkauft. Der Generalkapitän von Catalonien hat der Regierung mitgeteilt, daß Verstärkungen nicht mehr notwendig seien. Die letzten amtlichen Nachrichten aus Barcelona besagen gleichfalls, daß die R u h e /wie d er h e r g est e l lt ist, namentlich in der inneren Stadt, wo die meisten Läden wieder geöffnet sind. Auch in einigen Fabriken wurde die Arbeit schon aufgenommen. Die Zahl der Opfer ist noch nicht genau bekannt. Gegenwärtig ist man dabei, dje übrig- gebliebenen Teile der Barrikaden zu beseitigen. Die Zahl der Opfer ist aber sicherlich eine furchtbar hohe. Nach privaten Angaben soll das Artilleriefeuer, das gegen die von der Kavallerie zusammengedrängten Menschen- Massen eröffnet worden war, allein 3000 Personen ge» tötet oder verwundet und 23 Häuser zerstört haben. Mit dem Massenmord der Artillerie scheint sich aber die spanische Regierung nicht begnügen zu wollen. In der Festung Montjuich sollen 40 Aufständische, darunter Emiliano Jglesias. ohne vorhergegangenes gerichtliches Verfahren erschossen worden sein. Und neue Ordnungsbestialitäten sollen folgen. Sind doch bereits Kriegsgerichte eingesetzt worden, die die Blut- arbeit fortsetzen sollen. Und doch hat all das Morden nicht vermocht, den Wider- stand dieses heldenhaften Volkes zu brechen. Nach einem Be- richt des„Daily Telegraph", den uns ein Privattelegramm unseres Londoner Korrespondenten übermittelt, sind zahl- reiche Revolutionäre aus Barcelona entkommen und wirken in der Provinz. Viele sind auch in die Gebirge entflohen, und ihre Zahl nimmt rasch zu. In Catalonien selbst hat die Zentralgewalt aufgehört zu funktionieren. Die Provinz ist in selbständige Kommunen auf- gelöst, die von Republikanern und Revolutionären geleitet werden. Die Führer der Revolution haben den König und den Mini st erPräsidenten Menza zumTodeverurteilt. So müssen die Truppen anstatt nach Melilla nach Catalonien geschickt werden. Die spanische Sozialdemokratie hat den Generalstreik in ganz Spanien proklamiert, der Montag in M a d r i d begonnen hat. Die Regierung hat mit der Verhaftung unseres Genossen Pablo Jglesias und mit der von anderen 130 Vertrauensmännern des Prole- tariats geantwortet. Gleichzeitig soll auch in Bilbao und im Vergwerksdistrikt von La Rionja der Generalstreik be- ginnen. Die Zensur. San Sebastian, 1. August. Der Zivikgouberneur hat den Straßenverkauf von französischen Zeitungen untersagt und erklärt, er werde eventuell die Zeitungen an der Grenze mit Beschlag belegen lassen mit der Begründung, daß in ihnen ungenaue oder übertriebene Meldungen über den Krieg enthalten seien. Der Eisenbahnverkehr. San Sebastian, 2. August. Der Eisenbahnverkehr zwischen Barcelona und Cerböre, Saragossa und Valencia wird Diens- tag wiederhergestellt sein. Der Nahverkehr um Barcelona ist bereits wieder in Betrieb. Die Nachricht, daß Massenhinrichtungen vollzogen seien, ist unzutrefiend. Die Urteile des Kriegsgerichts harren noch der Bestätigung des Ministers. Vor Melilla. Madrid, 1. August. Amtlich wird aus Melilla vom gestrigen Tage gemeldet: Ein Proviantzug wurde in der Nähe der zweiten Station am Abend vom Feinde angegriffen, doch konnte der Zug ohne Zwischenfall nach Melilla zurückkehren. AuS ver- schiedenen Batterien wurden die Schluchten des Gurugu, wo zahl- reiche Gruppen der Harka sich fortdauemd ansammeln, beschossen. Melilla, 2. August. Bei einem Angriffe auf einen Proviantzug in der Nähe der ersten Station der Bergbahn wurde ein spanischer Hauptmann getötet und zwei Soldaten verletzt. Die Angreifer wurden in die Flucht geschlagen. Eine bevorstehende Schlacht. Melilla, 2. August. Zwei Züge mit Lebensmitteln und Munition, die von einer starken Truppenabteilung geschützt waren, und drei Gebirgsbatterien find gestern aufgebrochen, um die vorgeschobenen Posten mit Proviant zu versehen. Zahlreiche Kabylen- abteilungen haben sich vereinigt und schicken fich, wie man glaubt, an, die Harka zu verstärken, um eine größere Schlacht zu liefern. Englische Torpedos. Cadix, 1. Augnst. Mehrere englische Torpedoboote d nach der Küste von Melilla in See gegangen. Mkchulclig An der Iflklczyner Prügelwlrttchaft ist die Weisenverwaltung der Stadt Berlin. Mit» schuldig ist sie. weil sie dem„Evangelischen Verein für Waisen» pflege in der Ostmark" und seinem Pastor Breithaupt die Berliner Fürsorgezöglinge nach der Anstalt Mielczhn gab, ohne sich viel darum zu lümmern, wie sie dort behandelt wurden. Als im März. d. IS. unsere Stadtverordnetenversammlung dem mit diesen ..Deutschtumsförderern" abzuschließenden Vertrag zustimmen sollte, wurde von sozialdemokratischen Stadtver. ordneten aufs eindringlichste davor gewarnt, einem solchen Verein die Fürsorgezöglinge Berlins auf Gnade und Ungnade auszuliefern. Aber vom Leiter der Waisenverwaltung wurden alle möglichen Zusicherungen gegeben, es wurde erklärt, daß man alles tun werde, um eine geordnete Erziehung zu gewährleisten— und so kam der Vertrag zustande. Wie diese Versprechungen gehalten worden sind, daS hat sich nunmehr gezeigt. Nach§ 4 des Vertrages sollte dieDienstvor- schrift für die Berliner Anstalt zu Lichtenberg auch in der An st alt zu Mielczyn„sinngemäß" an- gewendet werden. Der Stadtverordnetenausschuß, der den Vertrag vorzuberaten hatte, wurde belehrt, daß in dieser Dienst. Vorschrift folgende Strafen für die Zöglinge festgesetzt seien: 1. Versagung des Besuches der Angehörigen. 2. Strafarbeiten, 3. Entziehung der Arbeitsbelohnung, 4. Entziehung des Urlaubs, 5. Arreststrafen= und erst beim Versagen all dieser Strafmaß. regeln 6. körperliche Züchtigung mit einem Rohrstock bis zu zehn Hieben, in besonders schweren Fällen bis zu 20 Hieben. In diesen Fällen und bei schwächlichen oder kranken Zöglingen müsse zuvor der Anstaltsarzt gehört werden. Alle Strafen seien in ein Register einzutragen, daS halbjährlich dem Vorsitzenden der Waisendeputation zu übermitteln sei. Und nun sehe man sich an, was der Pastor Breithaupt getan hat! Hat er erst beim Versagen aller anderen Strafmittel geprügelt? Hat er die Prügel- strafe mit einem Rohrstock vollstreckt? Hat er sich an zehn und in besonders schweren Fällen an 20 Hieben genügen lassen? Hat er zuvor einen Arzt über die Zulässigkeit seiner Prügelexekutionen befragt? Und hat er der Waisenverwaltung durch Führung eines Registers die Kontrolle ermöglicht? Nichts von alledem! Hiebe waren das Mittel, zu dem er schon bei geringen Ver- fehlungcn griff. Hiebe teilte er aus mit der Peitsche und mit dem Spazierstock. Hiebe sausten auf die Jungen nieder in einer Zahl, die weit über 20 hinausging, hinaufging bis zu bv, ja, man behauptet: bis zu 100. Kein Arzt wurde zuvor gefragt, und kein Register wurde über die Prügelleistungen geführt. Warum unter- blieb das alle»? Weil der peitschenschwingende Pastor die In- struktion für Lichtenberg gar nicht kannte. Weil der Leiter der Waisendeputation sich nicht darum gekümmert hatte. ob sie dem bewährten Gottesmann zugeschickt worden war. Daß der jetzt seine Taten hiermit noch entschuldigen darf, das ist eine Schmach für die Waisenverwaltung unserer Stadt. Und wie steht eS um die psychiatrische Untersuchung der Zöglinge von ihrer Ueberweisung an Privatanstalten? Sie wurde versprochen, als damals Stadtverordneter Genosse Dr. Bernstein forderte, daß auch dem Irrenarzt ein Mitbestim» mungsrecht eingeräumt werde. Haben solche Untersuchungen stattgefunden? Sind ihre Ergebnisse dem Pastor Breithaupt mit- geteilt worden? Da ist ein fünfzehnjähriger Junge, der Anfang Juni aus der Anstalt Mielczyn entlaufen war und zerhauen in Berlin ankam. Als der im Februar d. Js. durch Gerichtsbeschluß zur Fürsorgeerziehung verurteilt wurde— nach den Mielczyner Vorgängen muß man in der Tat sagen: verurteilt!— wurde in der schriftlichen Ausfertigung des Beschlusses gesagt:„Bei der Ausführung der Fürsorgeerziehung wird zu berücksichtigen sein, daß sowohl sein Lehrer wie der Strafrichter von ihm den Ein- druck psychopathischer Veranlagung gehabt haben, auch die Mutter ihn als von Kindheit an schwach beanlagt be- zeichnet hat." Tatsächlich war der Junge mit dem 14. Lebensjahre aus einer Nebenllasse für Schwachbefähigte abgegangen. Pastor B r e i t h a u p t selber hat uns jetzt bei unserem Besuch in seiner Anstalt erklärt, daß er von all dem nichts gewußt habe. Die Waisenverwaltung hatte ihm keine Instruktion geschickt, sie hatte ihn auch nicht hinreichend über das Vorleben solcher Zöglinge informiert. Aber das entschuldigt freilich nicht ihn! Gerade da, wo er über das Vorleben eines Zöglings im Unklaren war, hätte er eS sich versagen müssen, zu dem stärksten Mittel schwerer Körperstrafe zu greifen. Gerade daß er das tat, daS kennzeichnet ihn und das Rlaß seiner Befähigung zum Erzieher. Jetzt will man ihm die schwer zu behandelnden Zöglinge abnehmen und ihm die leichter zu behandelnden lassen. Soll er an ihnen lernen, wie man Mrlargezöglinge erzsthtj Daß die berankMrtlichen Männer unserer StaMerwaltung sich selber mitschuldig fühlen, das verrät sich in den Ver- tuschungsversuchen der liberalen Presse. Die Art, in der da von manchen Blättern des Liberalismus die Prügel- leiswngen des Pastors beschönigt werden, ist teils albern, teils perfide. Aus dem Rathause lassen sie sich erzählen, es habe fich dort„ganz zufällig" ein von Mielczyn beurlaubter Zögling ein- gefunden, wirklich„ganz zufällig", und der habe, als man ihn fragte, die Anstalt gelobt. Er selber war allerdings nicht geschlagen worden, da mag das begreiflich scheinen. Er soll auch erklärt haben. die den anderen Jungen verabreichten Prügel seien nicht schlimm gewesen. Dieser Junge wird nun als Ehrenretter für die Berliner Waisenverwaltung und ihren Schützling Breithaupt ausgespielt W i e arg in Mielczyn gehauen worden ist, das könnte einwandfrei fest- gestellt werden, wenn die Waisenverwaltung den Mut hätte, die Staatsanwaltschaft um Untersuchung zu bitten. Auf Be- schönigung und Vertuschung zielen auch jene aus dem Rathaus versandten Zeitungsnotizen ab, die das Vorleben der Mielczyner Zöglinge in schwärzesten Farben schildern. Nicht darauf kommt es hier an, was zu ihrer Ueberweisung in Fürsorgeerziehung ge- führt hat, sondern darauf, weshalb sie in der Anstalt Mielczyn zcr- schlagen worden sind. Und da ist es nicht aus der Welt zu schaffen. daß zugehaue» worden ist auch wegen ganz ge- ringe r Vergehen, die mit einem verwestenoen Wort er- ledigt werden konnten. Wir wollen übrigens öffentlich feststellen, daß schon in der ersten Hälfte des Juni der Waisendeputation von unserem Genossen Bernstein mitgeteilt wurde, wie zerhauen ein aus Mielczhn entlaufener Zögling in Berlin angekommen war. Man antwortete ihm mit der empörten Frage, woher er denn wisse, daß es der Pastor sei, der den Jungen so zerhauen habe? Der Berliner Liberalismus, der die Mielczyner Prügel- Wirtschaft zu beschönigen und zu vertuschen sucht, findet liebevollstes Verständnis bei dem führenden Blatt der A g r a r i e r, der«Deut- schen Tageszeitung" Knuten-Oertels.„Viel Lärm um— zu wenig Schläge!" so überschreibt Knuten-Oertel eine Beschönigungsnotiz, die er aus dem Rathause bezogen hat. Die Ueberschrift könnte ebenso gut im Rathause selber verfaßt sein, so sehr trifft sie die Meinung und Stimmung, die dsrt herrscht. ver fkliich bei Wilhelm II. von Württemberg. Die Kreisgeneralversammlung des 1. württembergischen ReichStagöwahlkreises, die am Sonntag, den 1. August in Stuttgart tagte, beschäftigte sich unter anderem mit dem Besuch der sieben sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten im Schloßgarten zu Friedrichshafen und dem Gabelfrühstück bei Wilhelm II. von Württemberg. Genosse Hilden b ran d hatte die Aufgabe über- nommen, die Frage nach den Gründen der Beteiligung zu beant- Worten. Er schlug sofort einen stark persönlichen Ton an: Man sei schon daran gewöhnt, daß solche Gelegenheiten benützt würden, um MißtrauenScrklärungen anzubringen. Die Kritik der Partei- presse baue sich nur auf Aeußerungen und Berichte der bürgerlichen Presse auf usw. Verschiedene Male kam es infolge der aggressiven Tektik des Genossen Hildenbrand zu stürmischen Szenen. Das schon wiederholt erprobte Rezept, den Parteigenossen die Mandate zur Verfügung zu stellen, gelangte auch wieder zur Anwendung, diesmal allerdings will Genosse Hildenbrand den Ablauf der Mahl- Periode abwarten. Die Kritik der Genossen in der Versammlung suchte Hilden- brand dadurch zu entkräften, daß er die Kritiker als Kandidaten zum Landtag ansprach. Die sachlichen Gründe, die er vor- brachte, um die Teilnahme an der Fahrt zu rechtfertigen waren sehr widerspruchsvoller Art. So führte er aus, eS habe sich keines- Wegs um eine hurrapatriotische Festlichkeit gehandelt, sondern nur um eine gesellschaftliche Veranstaltung, wie sie die beiden Kammern deS Landtages alle zwei Jahre regelmäßig arrangieren, wie sie jede Stadtverwaltung und auch ein Konsumverein bisweilen veranstalte.... Das Fernbleiben von jener Festlichkeit würde nichts genützt haben und von den bürgerlichen Parteien nur un- angenehm vermerkt worden sein. Die Gelegenheit. Zeppelins Werft zu besichtigen, hätte man nicht ungenützt vorübergehen lassen wollen. Uebrigens sehe die württembergische Verfassung den König bezw. das Königtum als Institution vor, wie den Landtag auch! Wenn man in den Landtag eintrete, sei man gezwungen, sich der Ver- fassung zu unterwerfen. Es habe sich schließlich nur um den ge- sellschaftlichen Anstand gehandelt! Als seinerzeit Bebel in Stutt- gart sprach, habe er(Bebel) eine Einladung zum bürgerlichen Reichstagsabgeordneten Siegle erhalten, und dieser Einladung habe Bebel Folge geleistet. Kein Mensch werde Bebel daraus einen Vorwurf machen. Das Präsidium des Landtages habe, ohne das; die sozialdemokratische Fraktion zunächst Kenntnis davon gehabt habe, Verhandlungen gepflogen, um auch der sozialdemokratischen Fraktion die Teilnahme an dem Ausflug nach Friedrichshafen zu ermöglichen. Deshalb sei jede offizielle Form des Besuches des SchloßgartenS, jeder politische Charakter ausgeschlossen worden. Man habe gewußt, daß es„Spektakel" in der Partei geben werde, wenn sich Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion an der Fahrt beteiligten. Der„Leipziger Volkszeitung" sei man aber keine Rechenschaft schuldig. Es handle sich hier um die Frage, ob die sozialdemokratische Fraktion nicht nur bei politischen, sondern auch bei gesellschaftlichen Aktionen beiseite gestellt werden solle. Sollen die Sozialdemokraten sich von jedem gesellschaftlichen Verkehr mit den Gegnern ausschließen? Wie sollen denn die Massen gewonnen werden? Die Sozialdemokratie könne ihre Macht nicht voll aus- nützen, wenn sie sich von den bürgerlichen Gegnern derart abschließe. So naiv, wie der Stuttgarter Korrespondent des„Vorwärts" an- nehme, sei die Fraktion aber nicht, daß sie etwa beabsichtigt haben sollte, durch ihre Teilnahme an der Fahrt Einfluß ausüben zu wollen. Die Teilnahme an der rein gesellschaftlichen Veranstal- tung habe ihm persönlich keinen Spaß gemacht, die Parteigenossen hätten eS aber nicht verstanden, wenn sich die sozialdemokratisch�: Fraktion ausgeschlossen hätte; denn es sei doch etwas ganz anderes, ob es sich um Wilhelm II. von Preußen oder um den württem- bergischen Wilhelm II. handle. Es sei abgemacht worden, daß in Konstanz beim Miiiagsmahl keine Reden gehalten werden sollten. Als das dann doch der Fall war. haben sich die Sozialdemokraten beim Hoch auf den Großherzog von Bade» als anständige Männer erhoben, in das Hoch aber nicht mit eingestimmt usw. In der Diskussion sprachen sich die Genossen Schu- macher, Schäfer, Hammer und We st meyer scharf gegen die Teilnahme der Abgeordneten an der Fahrt aus. Leider machte die Annahme eines Antrags, der während der Debatte ge- stellt wurde(die Redezeit auf fünf Minuten zu bemessen) sowie der kurz darauf zur Annahme gelangte Antrag auf Schluß der Debatte eine genügende Aussprache unmöglich. Sodann wurde, hauptsächlich durch die ländlichen Delegierten, ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung angenommen. Damit war eine Resolution, die die Teilnahme der betreffenden Abgeord- neten an der Fahrt bedauert, gegen eine starke Minderheit für exledW erklärt-- ©SBit! ist Sie Angelegenheit für Sic GesamWrlei selbststei. ständlich nicht erledigt. Nochmals mutz festgestellt werden: Die betreffenden sozialdemokratischen Abgeordneten haben sich ohne zwingende Gründe an einer Veranstaltung beteiligt, die— wie unsere Genossen wußten— zu einer Huldigung vor der Monarchie benutzt werden würde. Sie haben es getan, obgleich sie wußten, daß ihre Teilnahme an der Fahrt zu peinlichen, unsere Aktionskraft schwächenden Auseinandersetzungen innerhalb der Partei führen mußte. Und das zu einer Zeit, da die Geschlossenheit der Partei notwendiger ist denn je. Zu einer Zeit, da im Bundes- rat gerade die württembergische Regierung, vertreten durch den Mini st erPräsidenten des Königs von Württemberg, ihren ganzen Einfluß aufgeboten hat, um dem Volke die 500 Millionen Mar! neuer Steuern befchexetk zu helles!,_ poUtircbc GcberUcbt Berlin, den 2. August 1909. Unterstiitznng arbeitsloser Tabakarbeiter. Der Bundesrat hat die Bestimmungen festgesetzt, wie und unter welchen Bedingungen diejenigen Tabakarbeiter, die durch die Ein- führung der neuen Tabaksteuer und die dieser voraussichtlich folgende beträchtliche Produktionseinschränkung arbeitslos werden, die ihnen durch das Gesetz zugebilligte Entschädigung erlangen können. Die Bestimmungen besagen: .Tabakarbeiter und HauSarbeiter, die Anspruch auf Unterstützung auf Grund des Artikels IIa des neuen Tarifsteuergesetzes erheben. haben ihre Gesuche bei dem Hauptzollamt ihres Bezirkes schriftlich einzureichen. Die Gesuche müflen enthalten: Vor«, Zunahme, Alter. Familienverhältnisse sledig, Zahl der Kinder) und Wohnsitz des Gesuchstellers; Art der Be- schäftigung in den letzten 14 Monaten sowie Name und Wohn». ort des letzten Arbeitgebers; Gesamtbeträg des im Vorjahre verdienten Lohnes; bei Arbeitslosigkeit Angabe des Grundes der Eni- lassung aus dem letzten Dienstverhältnisse, bei Verdienstschädigung deren Anlaß, Art und Umfang; Angabe, was als Nachweis dafür vorgebracht werden kann, daß die Arbeitslosigkeit oder die Verdienst« fchädigung infolge des Inkrafttretens des neuen Gesetzes erfolgt ist; welche Schritte zur Wiedererlangung eines Arbeitsverdienstes oder zur Erhöhung des geschmälerten Arbeitsverdienstes unternommen worden find. Die Gesuche find von dem Hauptzollamt einer be- schleunigten Prüfung daraufhin zu unterziehen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für die Gewährung einer Unterstützung vorliegen. Zur Feststellung dieser Voraussetzungen kann die Polizeibehörde in Anspruch genommen werden. DieS soll jedoch nur dann, wenn die Feststellung auf anderem Wege nicht möglich ist und nur in dem für den vorliegenden Zweck unbedingt notwendigen Um- fange geschehen. Wird der Anspruch auf Unterstützung als be- gründet erkannt, so ist in dem Falle der Arbeitslosigkeit eine wöchentliche Unterstützung in Höhe von drei vierteilen deS im Durchschnitte des Vor- fahre» im Tabakgewerbe verdienten Wochen. lohne» zu zahlen. In geeigneten Fällen kann die Zoll- direktivbehörde die bewilligte Unterstützung auf den vollen Betrag des früheren Durchschnittslohnes erhöhen. Liegt nur eine Verdienst- fchädigung vor, so kann die zu bewilligende Unterstützung so hoch bemessen werden, daß fle zusammen mit dem jeweils bezogenen Wochenlohne drei Bierteile deS von dem Gesuchsteller im letzten Jahre im Tabakgewerbe durchschnittlich verdienten Wochenlohnes erreicht. Die Unterstützung kann bis zu einem Zeitraum von höchstens zwei Jahren bewilligt werden. Die gewährte Unterstützung hat für den Empfänger nicht die Bedeutung einer Armen- Unterstützung aus öffentlichen Mitteln im Sinne des Wahlgesetzes für den Reichstag. Klerikale Steuerhinterzieher. Während die klerikale und konservative Presse entrüstet über die Aktiengesellschaften räsoniert, die sich durch Ausgabe neuer Dividendenbogen vor dem 1. August der Talonsteuer zu entziehen suchen, treiben es die sich zum Konservativismus und KlerikaliS- muS bekennenden Kapitalisten genau so wie ihre liberalen Kol- legen. Die Aktiengesellschaft„Kölner Bürgergesellschaft", der die zahlungsfähigen Klerikalen von Köln und Umgegend angehören und an deren Spitze neben anderen ultramontanen Größen auch einige Stadtverordnete stehen, hat dieser Tage ein bei Bachem ge- druckte? Zirkular versandt, das zur Umgehung der vom schwarzen Block beschlossenen Talonsteuer auffordert. In dem Zirkular werden die Aktionäre der Gesellschaft, die einen riesigen Weingrotz- Handel hat, aufgefordert, die neuen Talons mit Dividendenbogen für die Geschäftsjahre ISOS bis 1918(I) einschließlich„sofort, jedenfalls vor dem 1. August d. IS., zu erheben. A m 1. August tritt das neue Talongesetz in Kraft und behalten wir unS vor, denjenigen Aktionären, die ihre neuen Dividendenbogen nach dem 31. Juli erheben, die darauf etwa zu zahlende Steuer zu berechnen." Man will also die Steuerkasse gleich auf ein ganzes Jahr- zehnt um eine von der eigenen Partei beschlossene Steuer betrügen. Wird man den Vorstand der schwerreichen Kölner Bürgergesellschaft mit seinen Justizräten, Stadtverordneten usw. nun an den Schandpfahl heften, den die Zentrums- presse für alle Aktiengesellschaften gefordert hat, die sich durch vorzeitige Ausgabe neuer Zinsscheinbogen der Steuer entziehen? Zur Reichstagsersatzwahl in Halle a. S. hahen die Freisinnigen den Stadtverordneten Reimann- Berlin aufgestellt. Wie jetzt aus Halle berichtet wird, erklärte der Bund der Handwerker die Kandidatur des Herrn Reimann für unannehm- bar, da Herr Reimann auf eine Anfrage nach seinem Programm keine ausreichende Antwort gegeben habe. Der Bund ersucht den Liberalen Verein, einen andere» Kandidaten zu proklamieren, widrigen- falls eine Zersplittenmg der bürgerlichen Kräfte unvermeidlich sei. Liberalismus und Sozialdemokratie. Die freisinnige„HarwngscheZeitung" bespricht die eventuelle Einigung der drei liberalen Parteien und schreibt: .... Bleibt als Hauptbedenken das Verhalten zur Sozial- demokratie. Hier kann es für den Liberalismus keine Schranke rmd keine Zweideutigkeit, kein Experimentieren und keine Jllusions- Politik geben. Der Liberalismus würde fich selbst und seine Zukunft aufgeben, wenn er sich in seiner Stellungnahme zur Sozialdemokratie nicht treu bleibt. So wie die Sozialdemokratie ist, kann e S mit ihr keinen Pakt, keinen Waffen still st and geben... Die unversöhnliche Gegnerschaft zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie ist eine Natur- Notwendigkeit, über die kein Reden und Schreiben, kein Philosophieren und Debattieren hinweghilft. Das hindert nicht, baß im Parlament von Fall zu Fall, wie bei der Reichsfinanz- reform, die gesamte Linke sich zu gemeinsamer Abwehr gegen die Reaktion zusammenschließt. Darüber hinaus aber gibt es keine Gemeinschaft zlvischen Bürgertum und Sozial- demokratie. Wenn der Liberalismus aufhören sollte, mit derselben Entschiedenheit nach links wie nach rechts zu kämpfen, würde er Selbst- mord begehen. Aber felbft, wenn die Führer kurzsichtig genug wären. eine solche Parole auszugeben, dieWähIerwürdenihnen nicht folgen, sie würden sie im Stiche lassen. Die erfteuliche Entwickelung, daß Mittelstand und Bauernstand, daß Handwerk und Beamtet, stand sich wieder dem Liberalismus nähern, wäre im Keime erstickt, wenn der Liberalismus der Sozialdemokratie gegen- über seine Stellung auch nur um Haaresbreite ver- schieben würde. Hier also heißt eS ein Halt gebieten den Elementen, die das Heil des Liberalismus in einer Umarmung der Sozialdeinokratie erblicken.... Militärischer Misthandlungsprozetz in Thorn. Der große militärische Mißhandlungsprozeh gegen einen Feld- webel, einen Sergeanten und drei Unteroffiziere von der 3. Kom- pagnie 173. Jnfanterie-RegimentS, den der Unteroffizier der Reserve, jetzige Hoteldiener Müller aus Berlin durch Veröffent- lichung einer Zuschrift in der„Königsberger Volkszeitung" ver- anlaßte, wurde gestern in Thorn vor dem Oberkriegsgericht deS 17. Armeekorps noch einmal aufgerollt, da vier der Verurteilten wegen der Höhe deS Strafmaßes und zugleich auch der Gerichts- Herr Berufung gegen das erste Urteil eingelegt hatten, und zwar letzterer deshalb, weil die erkannten Strafem viel zu milde seien und in keinem Verhältnis zu der Schwere der Verfehlungen der fünf Angeklagten ständen. Dies treffe insbesondere bezüglich des Feldwebels Stanislaus Stefanski zu, der durch seine rohe Art der Behandlung der Leute den Unteroffizieren und Sergeanten seiner Kompagnie ein sehr übles Beispiel gegeben. Stefanski wurde in der kriegsgerichtlichen Verhandlung der Beleidigung Untergebener in fortgesetzter Handlung, der vorschriftswidrigen Behandlung in zwei und der Mißhandlung Untergebener in zehn Fällen für schuldig erachtet. Dafür hatte das Kriegsgericht 97 Tage gelinden Arrest in Ansatz gebracht, die Strafe aber auf 14 Tage gelinden Arrestes zusammengezogen. Gegen den Sergeanten Johann Dahlke war wegen Beleidigung in fortgesetzter Handlung und wegen vorschriftswidriger Behandlung in zwei Fällen auf 4 Tage mittleren Arrestes erkannt worden. Der Unteroffizier Friedrich Dohse hatte wegen Beleidigung in fortgesetzter Handlung, Miß- Handlung in zwei Fällen und vorschriftswidriger Behandlung in einem Falle 12 Tage Mittelarrest erhalten, welche aus 23 Tagen Einsatzstrafe zusammengezogen waren. Beim Unteroffizier Oskar Pusch wurde Beleidigung in fortgesetzter Handlung, vorschrifts- widriger Behandlung in drei und Mißhandlung in fünf Fällen als erwiesen angenommen und auS 49 Tagen Einsatz st rafe auf 14 Tage Mittelarrest erkannt. Der Unteroffizier Gustav Wroblewski hatte wegen vorschriftswidriger Behandlung und Miß- Handlung in je einem Falle 9 Tage Mittelarrest erhalten. Die erneute sehr umfangreiche Beweisaufnahme vor dem Ober- kriegsgericht ergab im ganzen dasselbe Bild wie vor dem Kriegs- gericht. Es wurde bekundet, daß von den Angeklagten die Mus- ketiere mit schweren Schimpfworten, als„infamer",«dreckiger Lump".„Hund",„Mistpflltze",„Mistbauer",.Mistschwein",„Sau. lümmel" belegt worden sind. Manche Leute erhielten Ohrfeigen, Faustschläge gegen das Kinn und gegen die Brust. Andere wurden beim Appell mit einer Mütze oder einem Brotbeutel oder einer Drillichhose ins Gesicht geschlagen. Einem Musketier wurde der Helm so kräftig auf den Kopf gesetzt, datz der Sturmriemen abriß. Ein anderer wurde ans Ohr gefaßt, an einen Tisch herangezogen und ihm dabei zugleich eine brennende Zigarre unter die Nase gehalten. Mehrere Aussagen bereits entlassener Leute, die verlesen wurden, lauteten dahin, daß die Angeklagten keine sog.„Soldaten- schinder" seien, der Feldwebel StefanSki wurde als ein guter Vorgesetzter bezeichnet. Auch der Hauptmann der 3. Kompagnie stellte allen fünf Angeklagten ein gutes Zeugnis aus. Der Vertreter der Anklage hob hervor, daß bei der 3. Kompagnie deS 176. Jnfanterie-RegimentS sicher eine weit größere Anzahl Fälle von Mißhandlungen usw. vorgekommen seien, als die jetzt zur An- klage stehenden, doch sei er in Uebereinstimmung mit dem Kriegs- gericht der Meinung, daß es sich bei allen Mißhandlungen um „minder schwere Fälle" handele. Beleidigungen wie die bekundeten seien überhaupt beim Militär nicht so hoch anzuschlagen als sonst im Leben; eS würden solche von den Leuten auch nicht so schwer empfunden und von den Unter- gebenen nicht so hoch bewertet. Doch beantragte der Anklagever- treter für alle Angeklagte höhere Strafen, nämlich für den Feld- webel Stefanski 6 Wochen gelinden Arrest(für jeden Mißhand- lungsfall 14 Tage Einsatzstrafe und die sich ergebenden 153 Tage in 3 Wochen zusammenzuziehen), für den Sergeanten Dahlke eine Woche Mittelarrest, für die Unteroffiziere Dohse 4 Wochen. Pusch 6 Wochen. Wroblewski 15 Tage Mittelarrest. Indessen nahm da» Oberkriegsgericht, das aus zwei Oberkriegsgerichtsräten und fünf Offizieren zusammengesetzt war. nur hinsichtlich des Feld- wcbels Stefanski eine Erhöhung der Strafe auf drei Wochen gelinden Arrest vor und beließ es für die anderen vier Angeklagten bei dem vom Kriegsgericht verhäng- ten milden Strafen._ Verschlechterung des Neichsvereinsgesetzes. Das sächsische Oberverwaltungsgericht entschied, daß e» zulässig sei, daß Polizeihcamte bei nicht anmeldepflichtigen Gewerkschafts« Versammlungen anwesend sind, un, festzustellen, ob die Bestimmung des Reichsvereinsgesetzes, datz keine politischen Angelegenheiten be- sprachen werden dürfen, nicht verletzt wird. In einer öffentlichen Fabrikarbeiterversammlung in Garsebach bei Reißen entfernte sich ein Schutzmann trotz mehrmaliger Auf- forderung des Vorsitzenden nicht. Die bei der Kreishauptmannschaft eingelegte Beschwerde wurde verworfen, und daS OberverwaltungS- gericht hat sich dem angeschlossen. Das neue Schankgefäßgesetz. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht daS Gesetz wegen Aenderung deS Schankgesäßgesetzes. Nach dem neuen Gesetz sind nur Schank- gefäße zuzulassen, deren Sollinhalt einem Liter oder einer Maßgröße entspricht, die vom Liter aufwärts durch Stufen von einem halben Liter, vom Liter abwärts durch Stufen von Zehnteilen und vom halben Liter abwärts durch Stufen von Zwanzigteilen des Liters gebildet wird. Die Schaumgrenze bei Schaukgefäßen für Bier muß künftig 2—4 Zentimeter betragen, doch ist bis zum 1. Oktober 1913 der Gebrauch von Schankgefäßen für Bier mit einem Mindest- abstände von einem Zentimeter gestattet. DaS Gesetz tritt am 1. August 1900 in Kraft._ Die polizeiliche Willkür» die augenblicklich in Kiel herrscht, trat deutlich in einem Prozeß zu- tage, der sich am Donnerstag vor dem Kieler Schöffengericht ab- gespielt hat. Angeklagt war ein Maurer, weil er einen Arbeits- willigen verhauen haben soll. Vor Gericht erklärte ein Schutzmann, der als Zeuge vernommen wurde, auf eine Frage des Verteidigers, daß er nicht verpflichtet fei, ihm zu antworten. Als er vom Verteidiger und vom Vorsitzenden darauf hingewiesen wurde, daß er zur Aussage verpflichtet sei, er- klärte er, den Schutzleuten sei von der vorgesetzten Behörde die Jnstniktion erteilt worden, auf Fragen der Rechtsanwälte nicht zu antworten, weil sie dadurch zu sehr in die Enge(setrieben würden. Nach einer Zurechtweisung deS Vorsitzenden mußte er dann doch auf die Fragen des Verteidigers feine Aussage machen. Eine Demonstration der niederrheinischen freien Jugendorganisation. In Barmen hatte in der letzten Woche unter zahlreicher Assistenz von Geistlichen die 17. internationale Konferenz der evangelischen JünglingSvereine getagt. Diesen Sonntag fand in Barmen eine von der freien Jugendorganisation veranstaltete wohlgelungene Gegendemon st ratio n statt, zu der Delegationen auS einer Reihe anderer Orte des mederrheinischen Bezirks erschienen waren. Lange vor der angesetzten Zeit war der Saal überfüllt. 1200 Personen, von denen vier Fünftel der Jugend angehörten, waren anwesend. Als Referent war Genosse Dr. Karl Liebknecht erschienen, der über «Das Recht der Jugend" sprach. Die Ausführungen fanden leb- hasten Beifall. Pfarrer Körber- Elberfeld versuchte dem Referenten entgegenzutreten und das Prestige der Konferenz der Jünglings- vereine zu retten. Cr wurde von Liebknecht abgefertigt und ver- schwand. Vor Beginn des Vortrages wurde auf Beschluß der Versamm- lung ein Kriminalbeamter entfernt, der sich eingeschlichen hatte. Dänemark. NeergaardS Abschied. Kopenhagen, 1. August.(Eig.©er.) Gestern hat die Regierimg Neergaard, mit Ausnahme des Landwirtschaftsministers, der NeergaardS Festungspläne nicht billigt, endlich ihr Abschieds- gesuch eingereicht. ES ist ein langes Schriftstück, worin die gänzlich verfahrene Lage der„Landesverteidigungsfrage" ans- führlich dargelegt wird.„Alle nach unserer Meinung gangbaren Wege sind nun versucht— ohne Resultat, und die einzige Möglichkeit, die noch vorhanden, ist, zu probieren, ob eine andere Regierung bessere Bedingungen findet, die Sache durchzuführen." Das abtretende Ministerium hat allen Grund, daran zu zweifeln, daß den nun zu ernennenden neuen Regierungsleuten die Lösung der Frage im Sinne der Militaristen gelingen wird. Das einzige Mittel, Klarheit zu schaffen, wäre Durchführung der sozialdemokratischen Anträge auf eine versassungSgemäße, gerechte Wahlkreiseinteilung und auf dieser Gnmdlage Neuwahl des Reichstages. Damit würde aber der Militarismus eine Nieder- läge erleiden und die Festungswerke Kopenhagens wären gefallen. Die Ministerkrise hat noch am selben Tage zu einer Spaltung der Linken-Reformpartei geführt, zu einer Spaltung, die allerdings tatsächlich schon vorhanden war. Diese Partei, die seit 1901 Regierungspartei gewesen war, ging bekanntlich bei den FolkethingSwahlen dieses Frühjahrs von 57 auf 35 Mandate zurück. Aber von diesen 35 Abgeordneten schloffen sich 8 besonder? militaristisch gesinnte Neergaard an, während 27 Mann zu Christensen hielten. Diese acht sind nun auch formell auS der Reformpartei ausgeschieden und haben zusammen mit drei militaristischen Wilden eine eigene neugemäßigste Folkethingsgruppe gebildet. Das Folkething besteht nun aus 27 Reformparteilern, 24 Sozialdemokraten. 21 Konscrva- tiven, 20 Radikalen und antimilitaristischen Wilden, 11 Altgemäßigten und 11 Neugemäßigten. Die beiden letzten Gruppen vertreten im wesentlichen die gleichen Ansichten in der Militärfrage, so daß in Wirklichkeit mit fünf Parteien zu rechnen ist, die ungefähr gleich stark sind. ES gehören also mindestens 3 Gruppen dazu, eine Regierungsmehrheit zu bilden. Dieser unhaltbare Zustand ist eine Folge der ungerechten WahlkreiSeinteilung. Der König hat nun auf morgen vormittag die FraktionS- Vorsitzenden sämtlicher Parteien— auch der sozial- demokratischen— zu einer Konferenz über die Situation zusammenberufen, und zwar auf NeergaardS Rat. Es soll dabei über die Zusammensetzung deS neuen Ministeriums beraten werden. C h r i st e n s e n, der ja als Vertreter der immer noch relativ stärksten Partei der nächste dazu wäre, hat wenig Aussicht, an die Spitze der neuen Regierung zu treten, denn die Konservativen drohen ihm immer unverhüllter mit der ReichSgerichtSanklage. Ein Etatsrat schreibt in»Vort Land":„Ein solcher Schritt hätte sicherlich sofort, als e S f i ch zeigte, daß Herr I. C. Christensen der Landes- Verteidigungssache ein Bein stellen wollte, getan werden müssen." Mit zynischer Offenheit wird hier auSge- sprachen, daß nicht die verbrecherische Begünstigung AlbertiS selbst, sondern seine politische Parteistellung es ist. weswegen die konscr- vativen Patentpatrioten Christensen ans Meffer liefern wollen.— Rußtand. Ungeheuerliche Korruption. Petersburg, 1. August. Senator Garin, der vom Kaiser mit der Revision der Militärintendan- tur beauftragt wurde, hat ein über ganz Rußland verbreitetes Bestechungssystem auf dem Gebiete der Armeelieferungen durch eine Haussuchung bei dem Direktor einer russischen Versicherungsgesellschaft Alafusow, der zugleich Inhaber einer der größten russischen Armecausrüstungsfirmen ist, aufgedeckt. Aus den beschlag- nahmten Dokumenten geht hervor, daß seit Jahren eine regelmäßige Auszahlung von Be- stechungsgeldern nahezu an sämtliche ein- flußreichere Beamte der Militärinten- d a n t u r erfolgte. Besonders schwer sind die Intendantur- bezirke Petersburg, Moskau, Kaukasus, Sibirien und Kasan sowie verschiedene Armee- und Marinebehörden belastet. � perlten. Ljachow. Als die Nachricht kam, daß der Kosakenoberst Ljachow, die stärkste Stütze des entthronten Schahs, der im vorigen Jahre das persische Parlament in Trümmer legte, auf die Seite der neuen Machthaber getreten sei. bemerkte daS Oktobristcnblatt„GoloS Prawdy", das die Raubpolitik LjachowS stets unterstützt hatte, daß dieser Uebertritt LjachowS zu den Nationalisten eine„Posse mit Kostümwechsel" sei. Diese Bezeichnung erscheint in An- betracht der letzten Mitteilungen aus Persien als vollkommen zu- treffend. Ljachow weigert sich nicht nur, die für die Kosakenbrigade im Auslande bestellten Kanonen der neuen Regierung auszuliefern, er begibt sich auch, wie die offiziöse Petersburger Telegraphen- agentur meldet, in nächster Zeit nach Petersburg, um dem Zaren persönlich über die Lage der persischen Kosakenbrigade Bericht zu erstatten. DaS muß um so mehr Besorgnis hervorrufen, als die russische Regierung noch kürzlich offiziell mitgeteilt hat, daß Ljachow auS russischem Dienst ausgeschieden sei. Nach dem Sinn der am 23. Juni 1879 abgeschlossenen russisch-persischen Konvention sollte die persische Kosakenbrigade, die von russischen Jnstruktoren geleitet wurde, allerdings als Mittel dienen, um die Eroberung Persiens in die Wege zu leiten. Aber seitdem Swßland im Verein mit Eng- land in Persien„arbeitet", hat eS mehrfach und noch in jüngster Zeit darauf hingewiesen, daß die Kosakenbrigade nicht daS geringste mit Rußland gemein habe. Um so erstaunilcher erscheint es jetzt, daß die russische Regierung den gegenwärtigen Moment als günstig betrachtet, dieser Komödie ein Ende zu machen. Im Anschluß daran ist eS von Interesse, auch auf die früheren Aktionen der russischen Regierung hinzuweisen, die ihre Haltung gegenüber der persischen Kosakenbrigade kennzeichnen. In einem Geheimbericht LjachowS an den kaukasischen Generalstabs- chef erzählt er, welchen Enthusiasmus es bei seinen Offizieren hervorgerufen habe, als er ihnen die Mitteilung des Generalstabs vorlas, der Zar habe auf daS Telegramm, das ihm die Aktion der Kosakenbrigade gegen das persische Parlament mitteilte, eigen- händig die Worte geschrieben:„Bravo, Kosaken; meinen Dank den braven Offizieren!�. l Klmerlka. Der Zolltarif. Washington, 1. August. Das Repräsentantenhaus hat gestern den T a r i f b e r i ch t des Konferenzkomitees mit 195 gegen 173 Stimmen aagensmmen. GewerkfcbaftUcbe*). Vom Versammlungsrecht i« Oderschlesien. Der Bezirksleiter des Bergarbeiterverbandes, Genosse Danisch, hatte für Sonntag, den 23. Mai, eine Versammlung zu Dzietzkowitz unter freiem Himmel angemeldet. Die Ver- sammlung wurde vom Amtsvorsteher verboten. Auf die Be- schwerde an den Herrn Justizminister ist folgender Bescheid eingegangen: ,.P letz, den 28. Juni 1909. Ihre an den Herrn Justizminister gerichtete Beschwerde vom 22. borigen Monats ist an mich zur zuständigen Erledigung ab- gegeben worden. Nach Prüfung derselben eröffne ich Ihnen, dah ich mich nicht in der Lage befinde, die Verfügung des Herrn Amtsvorstehers in Dzietzkowitz vom 2l. vorigen Monats, durch welche Ihnen die Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel daselbst versagt wurde, aufzuheben. Alach dem Bericht des Amtsvorstehers hatte der O r t S» Pfarrer von der Kanzel herab gegen die Teil- nähme an der Versammlung gesprochen. Es bil- beten sich infolgedessen zwei Parteien, von denen die grössere energisch gegen die geplant gewesene Versammlung protestierte. Ferner war zu beachten, datz am 23. Mai d. I. im benachbarten polnischen Orte Jelen ein grosses Vereinsfest stattfand, und dass crfahrungsgemäh die Teilnehmer an Festen daselbst immer nach dem gegenüberliegenden preussischen Wirtshause in Jast-Dzietzko- Witz herüberkommen. Da die von Ihnen beabsichtigte Versammlung auf einer Wiese unweit Jast stattfinden sollte, war mit Bestimmtheit an- zunehmen, datz auch eine grosse Anzahl Galizier an dieser Ver- sammlung teilnehmen würden. Der Herr Amtsvorsteher befand sich somit im Recht, wenn er «S für unausbleiblich hielt, dass die Beratungen und Verhand- lungen in der Versammlung zu scharfen Auseinandersetzungen und Zusammenstötzen unter den an derselben teilnehmenden drei Parteien führen würde. Es bestand also erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit, welche die Ablehnung der Genehmi- gung seitens des Herrn Amtsvorstehers rechtfertigt. Unterschrift unleserlich. Bemerkt sei, daß im galizischen Orte Jelen kein Ver- ewsfest an dem betreffenden Tage stattfand. Uebrigens ist die landesrätliche Befürchtung wegen der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit total grundlos gewesen; denn die Ver- sammlung hat trotz des Verbotes stattgefunden, und zwar als eine Belegschaftsversammlung aus der Przemsagrube. Die Ausführungen unserer zwei Genossen in dieser Versammlung wurden mit großem Beifall aufgenommen. Von einer Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hat kein Mensch etwas gemerkt._ Berlin und Umgegend. Die Bewegung der Schlosser. — Die Schlosserversammlung, die am Sonntag morgen um 9 Uhr im Feenpalast stattfand, war nicht minder stark besucht als die Ver- sammlung am Mittwochabend. Es handelte sich um eine Fort- setzung dieser Versammlung, die den allgemeinen Streik verlangte und eine Resolution, welche die Verhandlungskommission vorlegte, rundweg abgelehnt hatte. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde ein Kriminalbeamter, der sich in diese Mitgliederversammlung des Deutschen Metall- arbeitervebandes eingeschlichen hatte, aus dem Saale gewiesen. Otto Handle, Bevollmächtigter des Verbandes, erklärte der Versammlung, dass nach eingehenden Beratungen der Kom- Mission und der Ortsverwaltung die verantwortlichen Stellen nichts anderes tun könnten, als die Annahme der Resolution von neuem dringe, rd zu empfehlen. Handle erläuterte und begründete die Resolution. In verschiedenen grösseren Betrieben habe man dies bereits eingesehen und der Verwaltung die volle Zustimmung zu ihrer Haltung ausgedrückt. Die Kommission fordere von den Mit- gliedern volles und unbedingtes Vertrauen, sonst könne sie unmög- lich zum Besten der Gesamtheit arbeiten. Der einzelne Mann in der Masse könne nicht verlangen, dah ihm die Taktik bei einem Kampfe offenbart werde, die Leitung sei gewählt, dah sie den rechten Weg einschlage. Beim besten Wille könne die Leitung nicht den allgemeinen Streik empfehlen; dagegen sei sie bereit, zum Angriff vorrücken zu lassen, wo immer die Situation es gebiete. Man gebe der Leitung freie Hand durch die Annahme der vor- geschlagenen Resolution. Gegen die ersten Teile derselben, die dahin lauten, datz das Anerbieten der Meister, den Vertrag auf drei Jahre zu verlängern, abgelehnt werde, habe wohl niemand etwas einzutvenden; ebenso werde jeder damit einverstanden sein, den Streikenden die volle Sympathie zuzuwenden. Es könne sich nur um den Passus handeln, der Agiwtionskommission und der Streikleitung Vollmacht zu geben,„geeignete Massnahmen zu treffen, um die Tarifbcwegung erfolgreich zu beenden". Diese Vollmacht sei unbedingt notwendig. In einer lebhaften Diskussion wurde wieder der allgemeine Streik nachdrücklich verlangt. Die Versammlung wurde so unruhig, datz sie mehrmals vertagt werden mutzte. Man wollte nichts von der Resolution wissen, weil der Streikbeschlutz nicht darin ent- halten war. Adolf Cohen erklärte, die Unternehmer warteten auf einen Stveikbeschluss, um aus grossen Verlegenheiten den Geld- schrankfabrikanten gegenüber herauszukommen. Diese forderten die allgemeine Aussperrung; das patzte aber den Jnnungsmeistern gegenwärtig schlecht. Die dadurch drohende Uneinigkeit würde durch einen allgemeinen Streik der Ar- kiter sofort ausgeglichen. Diese Lage der Dinge, wie noch andere Gründe, seien für die Haltung der Kommission massgebend ge° Wesen. Die Versammlung lehnte trotzdem die Resolution, wenn auch diesmal gegen eine starke Minderheit ab. Unter ungeheurer Aufregung wurde die Versammlung auf eine halbe Stunde vertagt. Die Kommission wollte zu einer Be- ratung zusammentreten. Nach der Wiedereröffnung der Versammlung teilte Rosenkrg als Berichterstatter mit. dass die Kommission nach bestem Wissen und Gewissen keine anderen Vorschläge machen könne und ge- zwungen sei, ihre Aemter niederzulegen.— Damit war die Ver- sammlung jedoch nicht-einverstanden; die Kommission soll nicht zurücktreten, sondern dem Wunsche nach einem allgemeinen Streik Rechnung tragen. Handle erklärte unter grosser Unruhe, datz der Verband nicht seine Zustimmung zu einem Streikbeschluss geben könnte. Er kündigte für Dienstag eine Ver- trauensmännerkonferenz an. Wieder wurde eine Vertagung der Versammlung notwendig. Nach Wiedereröffnung erklärte Handle, dass die Kommission in der Weigerung der Versammlung, ihre Mandatsniederlegung anzuerkennen,«in Vertrauensvotum erblicke und zum Weiterarbeiten bereit fei. '.» „Schlosser verlangt", so heißt eS an den Berliner Anschlag. faulen. Die Geldschrankfabriken suchen Streikbrecher, denn seit dem 27. Juli sind die Geldschrankschlosser in einen Streik getreten; sie kämpfen um kssere Arbeitsbedingungen. Kein Arbeiter sollte in einer Geldschrankfabrik, wo der Streik erklärt ist, tn Arbeit kreken. Die Plakate an den Anschlagsäulen sollten nur die Beachtung finden, welche sie verdienen; kein Schlosser darf sich verleiten lassen, den Streikenden in den Rücken zu fallen. DeutTebes Reich. Vom Streik der städtischen Arbeiter in Kiel. In recht eigenartiger Weise wird versucht, dem Magistrat Arbeitskräfte zuzuschanzen. Armenvorsteher und Vertreter öffent- licher Einrichtungen vermitteln der Stadtverwaltung Personal. Der Arbeitgekrverband tut ein übriges, indem er seine Mitglieder verpflichtet, keine streikenden chnd ausgesperrten Arbeiter der Stadt Kiel in Beschäftigung zu nehmen; im Uebertretungsfalle sind in jedem Einzelfalle und für jeden Mann 60 M. Konventionalstrafe verwirkt. Zu solchen Mitteln wird gegriffen, um die Arbeit in den städtischen Betrieben leisten zu können, die allerdings laut Nachrichten der bürgerlichen Presse schon längst wieder ordnungs- mäßig ksetzt sein sollen. Das Streikpostenstehen ist durch das Vorgehen der Polizei fast vollständig illusorisch gemacht. Selbst wenn die Streikenden, ohne stehen zu bleiben, ruhig ihres Weges gehen, werkn sie sistiert und stundenlang inhaftiert. Strafmandate regnet es nur so. In richterlicher Entscheidung ist zwar in zwei Fällen schon Freispruch erfolgt, das hindert die Polizei akr nicht, in altgewohnter Weise zu operieren. Einem Streikposten, der von den Arbeitswilligen ükrfallen worden war und hierbei schwere körperliche Verletzungen davongstragen hatte, wurde auf feine Anzeige bei der Staats- anwaltschaft hin der lakonische Bescheid, dass das Versahren eingestellt sei; ausserdem habe er ja die erlittenen Verletzungen selbst verschuldet, da er entgegen der Warnung des Polizeipräsidenten in kr fraglichen Zeit die Gutenbergstrasse nicht gemieden, sondern dort als Streikposten gestankn habe. Der Herr Staatsanwalt scheint demnach die Auffassung zu haben, daß das Streikpostenstehen ungesetzlich ist und die Streikposten der Rauflust der Streikbrecher schutzlos preisgegeben sind. Es wird daher notwendig sein, obere Gerichtsinstanzen zu kranlassen, datz auch sie ihre Meinung hierüber äussern, damit nicht noch grössere Rechtsunsicherheit ge- schaffen wird. Man darf sich sonst nicht wundern, wenn im Volke immer mehr die Meinung Verbveitung findet, daß bei uns zu- lande wirklich Gewalt bor Recht geht. Lohnbewegung der Binnenschiffer. In Magdeburg beschloß eine stark besuchte Versammlung der Binnenschiffer, Maschinisten und Heizer kr Flußschiffahrt in eine Lohnbewegung einzutreten. Es wurde einem Tarife zugestimmt, der kn Elbschiffahrtsgesellschaften und den Reekreien vorgelegt werden soll. Der Entwurf sieht feste Monatslöhne vor, und zwar für erste Steuerleute auf Dampfern 165 M., für zweite Steuer- leute 160 M., für Elbschiffahrtssteuerleute 150 und für Bootsleute 120 M.— Es soll versucht werden, kn Tarif schon zum 1. Sep- tember zum Abschluß zu bringen. Der Streik der Bauhilfsarbeiter in Landsberg a. W. ist nach elfwöchentlicher Dauer siegreich beendet. Der Streik umfaßte eine der ärmsten Arbeiterkategorien im Bau- beruf. Der Lohn für gewöhnliche Bauhilfsarbeiter betrug 30 Pf. pro Stunde und darunter.__ Die diesjährigen Forderungen betrafen in der Hauptsache die Lohnerhöhung. Der Arbeitgeberverband lehnte aber diesen schlecht- gelohntesten Arbeitern jede Lohnaufbesserung ab. Diese Gruppe umfaßt nahezu 200 Mann. Dagegen boten sie den besserbezahlten Kalk, und Steinträgern, die bereits einen Stundenlohn von 45 Pf. erreicht haben— die Gruppe ist nur 12 bis 15 Mann stark— drei Pfennige Lohnerhöhung an. DaS heißt, aber nur für die Zeit, wo sie keine Trägerbeschäftigung haben und dann ge- wöhnliche Bauhilfsarbeit ausführen. Das ist in der Regel nur eine Zeit von wenigen Tagen. Damit konnte sich die Organisation nicht zufrieden geben. Ihr mutzte es vielmehr darauf ankommen, das Lohnniveau der grösseren Menge der Berufsgenossen zu heben und besonders den schlechtgestelltesten ein höheres Einkommen zu erwirken. Mit erfreulicher Einmütigkeit haben die„Ungelernten" zu- sammengehalten und die verwandten Berufsgenossen haben nach Kräften geholfen, soweit es ohne Verletzung der bestehenden Tarif Verträge möglich war. Die materielle Errungenschaft ist trotzdem nicht besonders gross. Die Lohnerhöhung für gewöhnliche Hilfsarbeiter beträgt 2 Pf., so datz nun der Lohn die bescheidene Höhe von 32 Pf. er- reicht. Den Trägern wird aber jetzt nur fstx gewöhnliche HilfS- arbeit eine Lohnerhöhung von einem Pfennig zu teil und beträgt deren Lohn bei dieser Beschäftigung 36 Pf., während der Lohn beim Materialtransport 45 Pf. verbleibt. Ausserdem sind einige wesentliche Verbesserungen für Akkordarbeit erreicht worden. Erheblich grösser ist der moralische Erfolg. Der Arbeitgeber- verband hat es bisher in zünftlerisch-hartnäckiger Weise abgelehnt, mit der Organisation der„ungelernten" Arbeiter eine Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen vorzunehmen. Diese Arbeitergruppe erschien den Herren zu bedeutungslos, zu gering und auch nicht bündnisfähig genug. Die wirkliche Ursache war, daß die Organisation immer noch nicht stark genug war, um den Herren vom Zopf Achtung und Respekt abzuringen. Von dieser ablehnenkn Haltung ließen sich die Herren auch nicht von den Vertretern der Maurer- und Zimmererorganisation abbringen, die anläßlich der letzten Tarifverhandlungen vor zwe, und vier Jahren mit Nachdruck darauf hinwiesen, datz es im allgemeinen Interesse liege, wenn auch für diese Arbeiter im Baubetriebe eine tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen erfolge. DaS nützte aber nichts. Wenn der starre und zähe Sinn der Arbeitgeber am Warthestrand in eine andere Richtung gedrängt werden soll, dann bedarf es schärferer Belehrungsmittel als Worte es sein können. Das haben Maurer uyd Zimmerer bereits vor einem Jahrzehnt erfahren müssen. Auch sie mutzten harte Kämpfe um ihre Anerkennung führen und haben um dieses Recht mehrere Streiks und Aussperrungen über sich ergehen lassen müssen. Ebenso erging es den Bauhilfsarbeitern. Leider endeten uiehrere Streiks mit negativem Erfolg. Der Arbeitgeberverband machte auch dieses Mal alle An- strengungen, den Einfluß deS Streiks zu brechen. Hatten sie früher einen Streik der Maurer und Zimmerer durch ungarische Streikbrecher gewonnen, so versuchten sie diesmal, die Bauhilfs- arbeit durch Insassen der Arbeitshäuser zu ersetzen. Ausserdem sollten Maurerlehrlinge sowie Maurer und Zimmerer die Arbeiten der Hilfsarbeiter ausführen. Natürlich übten die verwandten Berufe strenge Solidarität. So gelang es endlich, den Widerstand der Arbeitgeber zu brechen. Das äussere Merkmal des erfolgreichen Kampfes stellt sich in Gestalt eines abgeschlossenen Tarifvertrages dar, der ebenso wie die Verträge der Maurer und Zimmerer am 31. März 1910 ablä'uft. Nunmehr dürfen die Lands- berger„ungelernten" Bauhilfsarbeiter den Arbeitgebern in Zu- kunft würdig und beachtenswert genug erscheinen und als gleich- berechtigte Organisation anerkannt werden. Am Freitag wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Fliesenleger! Die Nürnkrger Fliesenleger stehen im Kampfe gegen das Zwischenmeistersystem. Gesperrt sind die Geschäfte von O st e r t a g und H e r b st und die kr Zwischenmeister Freuden. be rg und Oswald. Zuzug von Fliesenlegern nach Nürnberg ist streng zu krmeiden. Deutscher Holzarbeiterverband, Zahlstelle Stettin. In kr „Nordkutschen Bürstenindustrie", Jnh. Goldbach u. Co., Stettin- Grünhof, stehen sämtliche Arkiter und Arkiterinnen wegen Lohn- disserenzen im Streik. Es wird ersucht, Zuzug streng fernzuhalten. Schallplattenarbeiter. Wie der Verband der Arbeiterschaft der Papier-, kr chemischen und Gummiindustrie Oesterreichs(Sitz Wien) mitteilt, versucht die Schallplattenfabrik Dr. Albert Grün- bäum in Wien, Pfeifergasse 3, in ihren Betriekn Lohnreduzierun- gen durchzusetzen. Zu diesem Zwecke sucht sie in Deutschland, be- sonders in Berlin, Hannokr, Leipzig, Schallplattenarbeiter. Die deutschen Kollegen werden gewarnt, den Lockungen Folge zu geben. Zlusland. Ter Sieg der schottische» Bergleute. London, 31. Juli. De« Konflikt im schottischen Kohlen- distrikt schloß mit einem Siege kr Bergleute. Der Lohn wird nicht herabgesetzt. Der Mindestlohn soll nun- mehr 6 Mark täglich ktragen, oder 50 Proz. über kr Basis vom Jahre 1884. Um diese Angaben zu verstehen, ist eS nötig zu wissen, datz im Jahre 1904 zwischen den Bergbesitzern und den Bergleuten eine Einigung zustande kam, nach welchem der Lohn nicht unter 39,5 Prozent unter, noch 100 Proz. ükr der Basis vom Jahre 1884 k- tragen darf. DieBasiswar4Mark; das Minimum 5,50 M., das Maximum 8 M. In kn letzten Monaten betrug kr Lohn 6 M., also 50Pro» zent über der Basis. Da die Kohlenpreise fielen, beantrag- ten die Bergbesitzer eine Reduktion ks Lohnes auf 5,50 M. oder auf 39,5 Proz. über der Basis. Gegen dies« Reduktion kämpften die Bergleute, indem sie den Mindestlohn auf 50 Prozent über der Basis festgesetzt wissen wollten. Die gestern zustandegekommene Einigung, zu kr kr Handels- minister Winston Churchill viel beigetragen hat, stieß also das Ab- kommen vom Jahre 1904 um und machte die Basis vom Jahre 18L4 plus 50 Proz. zum Minimum. Die Presse segnet das Abkommen mft gemischten Gefühlen. Sie ist zufriekn, dass ein Streik vermieden wurde, aber sie ist über die von den Bergleuten Grossbritanniens manifestierte Macht geradezu bestürzt. Versammlungen. Verband der Töpfer. Aus dem Geschäftsbericht, den der Filiak- borsitzende Segawe in der am Freitag abgehaltenen Generalver- sammlung erstattete, ist folgendes hervorzuheben: Im zweiten Quartal wurden 99 Streitfälle wegen Tarifdifferenzen auf Bauten geregelt. Acht Sperren wurden verhängt über Arbeitgeber, welche den Tarif nicht innehalten. Tee Statistik des Arbeitsnachweises zeigt, dass die Lage des Arbeitsmarktes in den Monaten Mai und Juni günstiger war, als in denselben Monaten des Vorjahres. Augenblicklich ist die Konjunktur etwas ungünstiger, doch sind An- zeichen vorhanden, daß im Herbst wieder mehr Arbeitsgelegenheit sich bieten wird. Das hängt anscheinend damit zusammen, daß nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes, die Sicherung der Bauforderungen ktressend, die Bauten, für welche die Bauerlaub- nis bereits erteilt ist, vor dem 1. Oktober angefangen werden müssen.— Nach dem Beschluß einer früheren Versammlung soll von einer Kündigung des Tarifs abgesehen werden. Eine Scharf- machergruppe unter kn Arbeitgekrn trat für die Kündigung des Tarifs durch die Meister ein, sie ist aber mit ihrem Verlangen nicht durchgedrungen. Am 29. Juni hat der Vorstand der Arbeitgeber der Verbandsleitung geschrieben, datz er beschlossen habe, den Tarif weiter bestehen zu lassen, doch wünsche er, dass die aus Vertretern kider Seiten bestehende Kommission ükr strittige Punkte des TarifeS in Verhandlung trete. Die Verhandlungen haben kreits begonnen.— Ein Teil der Arbeitgeber bezahlt nicht nach dem Tarif, es gibt auch eine Anzahl Ofensetzer, welche bei diesen Meistern unter dem Tarif arbeiten. Das sind natürlich Nichtver- bandsmitglieder. Wenn das Treiben dieser Leute nicht verhindert werden würde, so wäre es schließlich auch den tariftreuen Meistern" nicht mehr möglich, die Konkurrenz mit den unter dem Tarif Arbei- tenden zu bestehen. Im Interesse des Verbandes ist es deshalb notwendig, den Meistern, welche den Tarif nicht halten, die Arbeits- kräfte zu entziehen. Das wird sich aber nur durchführen lassen unter der Voraussetzung, dass die Tarifbrecher, welche jetzt als „Wilde" herumlaufen, wieder in den Verband aufgenommen werden, soweit sie sich nicht schwerer Verstösse gegen die geWerk- schaftlichen Grundsätze schuldig gemacht haben. Die Versammlung ermächtigte die LohnkommisswN, die Tarif- Verhandlungen fortzusetzen und das Resultat einer Mitglieder- Versammlung zur Beschlussfassung vorzulegen.— Eine Anzahl früherer Mitglieder, die sich wieder zur Aufnghme gemeldet hatten, wurden als aufgenommen erklärt. Letzte JVacbrichtcn und Dcpcrcben. Die Zarenreise. PariS, 2. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die gestrige Begegnung in Cherbourg ist dadurch charakterisiert, dass der Zar nsicht wagen durfte, an Land zu kommen, da feind- selige Manifestationen nicht zu verhüten gewesen wären. Die gewechselten Trinksprüche, in denen das Bündnis, das Frankreich schon so viele Milliarden gekostet hat, als Unterpfand des Friedens gefeiert wurde, bewegen sich in dem üblichen'Rahmen und entbehren besonderer politischer Bedeutung. Die spanische Revolution. Cerbere, 2. August.(W. T. B.) Nach einer Meldung aus Barcelona sind die Aufständischen in San Feliü de GuixolS, P a l a m o s und Casa de la Selva noch immer Herren der Lage; der Kampf gegen sie wird fortgesetzt. Madrid, 2. August.(W. T. B.) Nach Aussage des Minister- Präsidenten ist die Ruhe in ganz Spanien wiederhergestellt; auch in Melilla herrscht Ruhe. Brandkatastrophe aus der Vogelwiese. Dresden, 2. August.(W. T. B.) Auf kr Vogelwiese brach gegen 6 Uhr abends Großfeuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff und in kurzer Zeit 60 Zelte, 10 Karussells u. a. m. ein- äscherte. Der gesamten Feuerwehr Dreskns gelang es gegen 7 Uhr den Brand einzudämmen. Dresden. 2. August.(W. T. B.) Wie bis 9 Uht abends fest- gestellt, sind bei dem Brande auf der Vogelwiese 10 Personen schwer und 60 leicht verletzt, doch niemand getötet worden. DaS Feuer»st jetzt kwältigt. Der dritte Teil der Bogelwiese ist niedergebrannt. Dresden, 2. August.(W. T. B.) Wie bis QM Uhr amtlich festgestellt wurde, ist ki dem Brand auf der Vogelwiese niemand ums Leben gekommen. Die Bogenschützengesellschaft hat beschlossen, daS Schiessen nach km grossen Vogel morgen zu unterbrechen, im übrigen soll kr Betrieb kr Vogelwiese aufrecht erhalten bleiben. Die Cholera. Calcutta, 2. August.(W. T. B.) Unter den S ch w e st e r n kS Presidency-Hofpitals ist die Cholera ausgebrochen. Sechs europäische Schwestern und vier europäische Patienten sind der Krankheit erlegen.__ verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Ah. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftall Paul Singer Lc Co., Berlin L1V. Hierzu2 Beilagen«.Unterbaltuugsbl. 8t 178. 26. Iahrganz. 1 f tilnw des Jomärts" Serlim 3. Der Krel$wal)lvereln für lilederbarnim hielt feine Generalversammlung am Sonntag in Rummelsburg ab. Der Borsitzende Brühl erstattete den Geschäftsbericht für das letzte Halbjahr. Daraus ist folgendes hervorzuheben: Der Mitglieder- bestand ist trotz der schlechten Konjunktur nicht zurückgegangen, sondern hat sich noch ein wenig gehoben. Am 31. Dezember v. I. betrug die Mitgliederzahl 11 103, am Schluß des ersten Halbjahres 1909 waren 11132 Mitglieder vorhanden. Die Zunahme kommt jedoch nur auf Rechnung der weiblichen Mitglieder, die Zahl der männlichen dagegen hat abgenommen. Es sind 9927 männliche und 1223 weibliche Mitglieder. Wenn auch die Zahl der weiblichen Mit glieder nicht den gehegten Erwartungen entspricht, so ist ihre Zu »ahme doch erfreulich.— Die geichäftlichen Angelegenheiten des Kreises wurden erledigt in zwei Generalversammlungen, sieben Kreiskonferenzen, elf Vorstandssitzungen, außerdem fanden noch viele Sitzungen in den Bezirken statt.— In sechs Orten des Kreises find Bildungsausschüsie vorhanden. Es würde sich empfehlen, daß das Bildungswesen von Grotz-Berlin aus ein- heitlich geregelt wird. Jugendausschüsse bestehen in neun Orten, doch zeigt sich meist, daß ihre praktischen Arbeiten durch Mangel an Geldmitteln sehr beeinträchtigt werden. In drei Orten bestehen Kinder- schutzkommissionen. Da dieselben sehr wichtig sind, so ist zu wünschen, daß auch diese Angelegenheit von Groß-Berlin geregelt würde. Eine gedruckt vorliegende Aufstellung weist nach, daß den Genossen im Kreise 203 Versammlungslokale zur Verfügung stehen. In der Zeit vom 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909 fanden 138 öffent- liche und 231 Mitgliederversammlungen statt. Bei 18 Flugblatt- Verbreitungen kamen 361 900 Exemplare zur Verteilung. 113 Agitationstouren wurden unternommen. In 22 Orten des Kreises haben wir 100 Vertreter in den Gemeindevertretungen.— Im Kreise bestehen 24 Bibliotheken mit 4923 Bänden. Die Diskussion drehte sich fast ausschließlich um die Frage, wie das Bildungswesen und die Jugendagitation am besten zu organi sieren ist. Vereinzelt wurde vor einer Zentralisation der Bildung� und Jugendausschüfie über Groß-Berlin gewarnt, da eine zu weit gehende Zentralisation leicht ihren Zweck verfehlen könnte. Auch dem Bibliothekswesen müsse der Bildungsausschuß seine Auf- merksamkeit widmen. Es müßten Einrichtungen getroffen werden, die es ermöglichen, daß allen Orten des Kreises gute Bücher, darunter auch Jugendschristen zugänglich gemacht werden.— Zu dieser An- gelegenheit wurde ein von M i r u S gestellter Antrag angenommen. Er lautet: .Die Generalversammlung möge beschließen, daß ein Bildungs- auSschuß für Groß-Berlin, bestehend aus Delegierten von der Partei und den Gewerkschaften, eingesetzt werde." Im übrigen ist auS der Diskussion noch anzuführen, daß Wessel, dem sich auch Käming anschloß, die Ansicht vertrat, die durch die Reichsfinanzreform geschaffene Situation hätte agitatorisch viel mehr ausgenutzt werden müsse. Hieraus erstattete Seikel den Kassenbericht. Derselbe verzeichnet einschließlich des alten Bestandes eine Einnahme von 14768,46 M., eine Ausgabe von 12 445,21 M.. bleibt ein Bestand von 2323,23 M. Der Kassierer wurde entlastet. Der Parteitag i» Leipzig lautete der nächste Punkt der Tagesordnung. Der Referent Stadthagen führte hierzu unter anderem aus: Aufgabe unserer Parteitage ist es, unsere Waffen zu prüfen und zu schärfen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir auch die Arbeiten des bevorstehenden Parteitages betrachten. Es scheint, daß bei der Debatte über den Borstandsbericht die Frage im Vordergrund stehen wird, ob die von gewisser Seite gemachten Versuche, unseren Kampf ab- zuschwächen und die Partei nach rechts zu drängen, gebilligt werden sollen. Es wäre verkehrt, wenn man glauben wollte, daß die Liberalen, nachdem sie aus dem Block hinausgedrängt sind, eine entschiedenere Haltung einnehmen werden, und daß wir uns deshalb freundlicher zum Liberalismus stellen müßten. Wir haben keine Ursache, uns den liberalen Parteien zu nähern. DaS schließt natür- lich nicht aus, daß wir in gewissen Fragen mit ihnen zusammen- gehen, beispielsweise wenn sie für Verbesserung des Wahlrechts ein- treten sollten. Zu einer Aenderung unserer Taktik haben wir keine Ursache. Ich glaube, daß der Parteitag dieser Meinung AuS- druck geben und aussprechen wird, daß wir nicht daran denken, unsere Taktik abzuschwächen. Wie alljährlich, so wird auch der diesjährige Parteitag zur Maifeier Stellung nehmen. Ich würde es lebhast bedauern, wenn die Arbeitsruhe, nachdem wir sie einmal festgelegt haben, abgeschafft würde. Das Aufgeben der Arbeitsruhe würde uns einen Rückschlag in der polittschen und gewerkschaftlichen Bewegung bringen. Wer die Abschaffung der Arbeitsruhe verlangt. der vergeht sich nicht nur an der nationalen, sondern auch an der internationalen Arbeiterbewegung. Wenn auch in einem Jahre die Beteiligung an der Arbeitsruhe geringer ist, wie sie in früheren Jahren war, so darf das kein Grund sein, die Arbeitsruhe aufzuheben, sondern es muß uns veranlassen, sie noch mehr zu propagieren.— Einen breiten Raum wird der parlamentarische Bericht auf dem Partei- tag einnehmen. Unsere Aufgabe im Parlament ist in erster Linie, agitatorisch zu wirken. Bei der Beratung der Finanzreform wäre eine Obstruktion am Platze gewesen, doch die Liberalen waren dafür nicht zu haben ugd wir allein hätten sie nicht durchführen können. Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob wir nicht schon in der zweiten Lesung gegen die Erbschaftssteuer hätten stimmen müssen. Es kam für uns nur darauf an, wie wir die Finanzreform sprengen können. Durch unsere Abstimmung hatten wir uns im Prinzip für die Erbschaftssteuer erklärt, ohne uns hinsichtlich unserer Abstimmung in der dritten Lesung zu binden. Für die dritte Lesung hatten wir uns unsere Stellung vorbehalten. Zur dritten Lesung der Erbschaftssteuer ist es ja nicht gekommen, und die Fraktion hat deshalb keinen Beschluß über ihre Stellung gefaßt. Ein Teil der Fraktion, dem auch ich angehöre, hätte in der dritten Lesung gegen die Erbschaftssteuer gestimmt oder sich der Stimme enthalten, selbst wenn die Fraktion beschlossen haben sollte, für dieselbe zu stimmen. Wir sind der Meinung, daß die Erbschaftssteuer nur ein Sprungbrett bilden sollte, um dem Volke 400 Millionen indirekter Steuern aufzuerlegen.— Es fragt sich, ob wir im Parlament mehr hätten erreichen können, wenn draußen eine rührige Agitation entfaltet worden wäre. Zu einer Auf' lösung des Reichstages wäre es nicht gekommen und zu einer Ab- lehnung der Vorlage auch nicht. Es fragt sich also nur, ob wir die Gelegenheit nicht hätten benutzen sollen, um durch eine lebhafte Agitation den MassenZIklarzumachen, was auf dem Spiele steht und sie für den Gedanken des Klassenkampfes zugänglich zu machen. Weiter bemerkte der Redner, anstatt der Reichsversicherungsordnung hätte er lieber die Landarbeiterfrage auf der Tagesordnung des Parteitages gesehen. Im übrigen erwarte er, daß der Parteitag unsere Waffen schärfe und daß die Delegierten des Kreises in diesem Sinne wirken.(Beifall.) Sonnenburg erstattete den Bericht der MandatprüfungS' kommission: Es find anwesend 114 Delegierte, und zwar 16 Vor standsmitglieder, 23 Bezirksleiter. 73 Delegierte. Es fehlen je ein Delegierter aus Mahlsdorf, Pankow und Stralau, je ein Bezirks' leiter auS Herzfelde und Oberschöneweide. Hierauf wurde die Diskussion über den Parteitag eröffnet. Kämering begründete einen Antrag des Bezirks Mahlsborf: »Der Parteitag findet alle zwei Jahre statt." Sasse befiirwortete einen Anttag des Bezirks Pankow: »Der Parteitag wolle die Frage entscheiden: Ist ein Kreis' Wahlverein berechtigt, einen Bezirkswahlverein auszulösen?" Der Redner führte aus, daß dieser Antrag aus den verflossenen Pankower Streitigkeiten entstanden ist. Die Genossen, welche jetzt noch abseits stehen, wollen eine grundsätzliche Entscheidung der im Antrage ausgedrückten Streitfrage herbeigeführt wissen. Masfa: Ich hoffe, daß auch das Verhalten der Hofgänger auf dem Parteitage gewürdigt wird. Eigentlich haben wir keine Veranlassung, uns über die Hofgänger zu beschweren, solange es vorkommt, daß Leute aus bürgerlichen Kreisen, die erst ganz kurze Zeit in unserer Partei sind, Mandate und andere Ehrenämter er- halten.— Die Maifeier wird dadurch geschädigt, daß sie von der Unterstützung abhängig gemacht wird. S e v i ko w: Ich teile nicht die Hoffnung des Genossen Stadt' Hägen, daß der Parteitag unsere Waffen schärfen werde, denn es scheint, daß in der Reichstagsfraktion die Stimmung die Oberhand gewinnt, es mit den bürgerlichen Parteien nicht zu verderbe n. � Zur Maifeier hatte sonst Rich. Fischer das Referat. Jetzt ist Genosse Müller als Referent aufgestellt. Das läßt darauf schließen, daß an Stelle der bisherigen unklaren Beschlüsse noch unklarere gefaßt werden sollen. Es kann leider dahin kommen, daß der Parteitag dem Maifeierbeschluß des Metallarbeiterverbandes Rechnung tragen wird. Aber die große Masse der Parteigenossen ist nicht gewillt, sich die Maifeier nehmen zu lassen. Die große Masse muß auf dem Parteitag be- stimmen. Deshalb müssen wir einen Wahlmodus einführen, der es gestattet, daß der Wille der großen Masse auf dem Parteitag zur Geltung kommt. Den Hofgängern muß gesagt werden: Ihr habt in der Partei nichts mehr zu suchen. Unsere Delegierten sollen dahin wirken, daß die Partei nicht nach rechts, sondern nach links geschoben wird. N i t s ch k e: Den Maifeierbeschluß des Metallarbeiterverbandes halte ich für voreilig und kann ihn nicht billigen. Ich bezweifle aber, daß es die größte Niederlage für uns wäre, wenn die Arbeitsruhe beseitigt würde. Wer sind denn die Gegner der Arbeitsruhe? Sind es die Leiter der Gewerkschaften oder sind es die Arbeiter selbst? Als Mitglied einer großen Gcwerk- schaft, welche sich stets für die Arbeitsruhe erklärt hat, habe ich ge- sehen, daß es die Kollegen in den Werkstätten und abriken waren, welche im Gegensatz zu dem eschluß ihrer Gewerkschaft ein paar Tage vor dem 1. Mai beschlossen, die Arbeit nicht ruhen zu lassen. Die Massen wollen eben nicht feiern.(Widerspruch.) Daran kleines feuilleton. LUiencrouS Popularität. Nach den Nachrufen der Zeitungen zu «echnen, müßte man LiliencronS Werken eine sehr große Verbreitung zusprechen. In Wirklichkeit ist es aber damit nicht so weit her. Das meistgekaufte Buch LiliencronS sind seine Kriegsnovellen, von denen mehr als 100 000 Exemplare verbreitet sind. Die übrigen Prosa- werke, darunter vier Roman- und drei Novellenbände erlebten ins- gesamt gegen vierzig Auflagen. Hiervon erreichte LiliencronS letztes(ziemlich schwaches) Werk, dem er den Titel»Leben und Lüge, em biographischer Roman", gab, die größte Verkaufsziffer. Den Prosabüchern gegenüber steht die Verbreitung seiner Lyrik zurück. obivohl doch gerade der Lyriker Liliencron am meisten gefeiert wurde. Immerhin haben auch seine Gedichtbände, von denen vier zu der im Jahre 1904 veranstalteten Gesamtausgabe gehören, gegen 100000 Käuser gesunden. Am meisten aber lag dem Dichter an einem wirklich machtvollen Durchdringen seines kunterbunten EpoS„Pogg- sred", dessen achte Auflage Ende vorigen Jahres in einer gegen den ursprünglichen Umfang fast verdoppelten Stärke erscheinen konnte. „Kriminal- Preisausschreiben". Wir lesen im»Kunstwart": Unter der Ueberschrift»Verschlungene Spuren" veröffentlicht das verbreitetste Volksblutt, das es wohl in Deutschland überhaupt gibt, Scherls»Allgemeiner Wegweiser", ein»Kriminal-Preisausschreiben", das»über einen Zeitraum von fünfzehn Wochen" die»männlichen und weiblichen Bewerber'»in den Geist und die Lage von prattischen Kriminalisten zu versetzen suchen' soll. Die Preis- bewerber sollen der Redaktion von Etappe zu Etappe mit- teilen:»was ist nun zu tun?" immer mit drei Wochen Zeit, um über die neueste Sachlage nachzudenken.»Erster Abschnitt: An der sächsisch-böhmischen Grenze, auf königl. sächsischem Gebiet, ist in den ersten Tagen des September ein grausiger Fund gemacht worden. (Es folgt nun eine genaue Beschreibung des»grausigen Fundes" mit allen Begleiterscheinungen, die so gewählt sind, daß das Hirn des Lesers aus der Spannung und dem Gruseln nicht herauskommt. Die Red. d.„Vorw.".) Die beiden ersten Fragen lauten nun: 1. Welches Motiv kann für das Verbrechen m Betracht kommen? 2. Welche Maßnahmen resp. Recherchen wären zuerst vorzunehmen? Ueber dieses Preisausschreiben ist nun der.Kunstwart" sehr ent- rüstet. Umsomehr, da sein Herausgeber bisher alle Scherlschen„Kultur- Projekte" für bare Münze genommen hat und sogar jetzt noch die Emporlesebibliotheken für»eine vortteffliche Leistung ernstesten vollScrzieherischen Willens" hält. In der Naivität des echten Scherlschwärmers, dem die gemeinnützige Ehrlichkeit dieses»Industrie- kapitänS" unwiderlegt gilt, richtet die gute Seele eine sehr beweg- liche Aufforderung an den Gewaltigen in der Zimmerstraße, doch seine Illusionen ja nicht länger zu stören. Auf die Bekehrung Scherls zur reinen Ethik wird man ebenso lange warten können, wie aus die Fähigkeit bürgerlicher Ideologen, die Anpassungsfähigkeit kapitalistischer Unternehmungen zu durch- schauen. Zeitungsunternehmer im Stile Scherls haben nur das eine Interesse der höchsten Profitrate; ob sie katholische oder jüdische Geschäfte machen; ob sie vornehme Tageszeitungen oder erbärmlichen Schund produzieren, spielt dabei gar keine Rolle. Das gleiche Unter- nehmen kann gleichzeittg den„Tag", die„Woche", den„Wegweiser" betreiben, es könnte auch ebenso gut Kolportageromane oder christ- liche Traktätchen verlegen. Das einzige Geschäft, das das Kapital haßt, ist das schlechte Geschäft. Elektrische Fahrrichtnngsweiser. Jedem Berliner sind die auf allen Stadtbahnstationen befindlichen Fahrrichtungsweiscr bekannt, die dem Publikum anzeigen, nach welcher Richtung der nächst fällige Zug fahren wird. Diese Apparate werden vom Bahnpersonal auf den Bahnsteigen mit der Hand bedient. Falls nun aus irgend welchen Ursachen die fahrplanmäßige Zugfolge geändert wird, muß dieses Personal erst entsprechend ver- ständigt werden. Bei der dichten Zugfolge und den weiten Ent- fernungen dieser Fahrrichtungsweiscr, die oft auch auf verschiedenen Punkten der Bahnsteige stehen, haben sich oft Unzuträglichkeiten er- geben und das Publikum wurde dann durch falsche Schilder irregeführt. Um dem abzuhelfen, sind vor- läufig auf dem Wannseebahnhofe in Berlin zweihundert Meter von einander entfernte elektrisch betriebene Fahr- richtungsweiser aufgestellt worden. Sie werden nach einer Mit- teilung von Schwerin in der„Elektrot. Zeitschrift" vom Stellwerk aus elektrisch betättgt. Der elektrische Antrieb geschieht durch kleine Motoren, ähnlich wie bei dem Betrieb von Weichen und Signalen in elektrischen Stellwerksanlagen. Im Stellwerk befindet sich eine kleine Schalttafel mit verschiedenen Schaltknebeln, die die den Schildern der Fahrrichtungsweiser entsprechende Aufschristen tragen. Durch Umlegen dieser Knebel wird das gewünschte Signal gezogen, wobei noch der Stellwerkwärter durch Verlöschen einer Kontrollampe davon benachrichtigt wird, daß das entsprechende Schild auch tatsächlich gezogen wurde. Der Stellwerk- Wärter, der über die Zugfolge jeweils vollkommen orientiert wird, ist nun in der Lage, immer das richtige Schild erscheinen zu lassen. Der für den Betrieb erforderliche geringe elektrische Strom wird für diese Anlage, die die erste in ihrer Art ist, der nahe ge- legenen Kraftanlage für das elektrische Stellwerk auf dem Pots- damer Fernbahnhofe entnommen. sind die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Taktik der Unternehmer schuld. Gegenüber den großen Kämpfen, die uns von den Unternehmern drohen, treten die Massen der Arbeiter in den Hintergrund. DaS wollen wir ruhig zugestehen und über die Maifeier sachlich dis- lutieren. Schmidt- Pankow: Bei unserem Antrage handelt es sich nicht um die Frage, wer in dem Pankower Streit recht hat. Der Antrag soll nicht die Streitfrage selbst wieder aufrollen, sondern nur eine bindende Entscheidung darüber herbeiführen, ob ein ort- sicher Wahlverein durch den Kreisvorstand aufgelöst werden darf. Sasse- Pankow vertrat denselben Standpunkt. Dann wurde ein Schlußantrag angenommen. Stadthagen(Schlußwort): Der Wert der Maifeier geht verloren, wenn ihr der Grundgedanke: die Arbeitsruhe genommen wird. Die Feier ist notwendig für unser Vorwärtskommen. Im Reichstage können wir nicht viel mehr leisten wie bisher, deshalb ist der außerparlamentarische Kampf notwendig. DaS allgemeine Wahlrecht kann nicht nur im Parlament erobert werden. Ein Mittel, die Massen zur Aktton außerhalb des Parlaments zu erziehen, ist die Maifeier. Wenn wir dies Mittel, das wir uns selbst geschaffen haben, aus der Hand geben, so ist das ein Selbst- mord der Partei und Gewerlschaft. Ich bin der Ansicht, daß es zum Generalstreik kommen wird, um politische Rechte zu erobern. Wie soll die dazu nöttge Opferfreudigkeit und AgitattonSmöglichkeit erlangt werden, wenn versucht wird, das waS wir haben, aufzugeben. Leisetreterei ist hier nicht angebracht. Ohne Opfer kein Sieg. (Bravo I) Der Antrag Mahlsdorf wurde abgelehnt, der Antrag Pankow angenommen. Ueber den Entwurf des neuen OrganifationS- st a t u t S referierte B ü h l e r. Nach einer kurzen allgemeinen Be- trachtung ging er auf die Einzelheiten des Entwurfes ein. Er sagte unter anderem, die Festsetzung eines Mindestbeitrages sei berechtigt und werde dazu führen, daß den in Süddeutschland hervorgetretenen Bestrebungen, durch Festsetzung eines niedrigen Beitrages und eines Lokalzuschlages die Parteikasse zu schädigen, der Boden entzogen werde. Die Lieferung der„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder setze höhere Beittäge derselben voraus. Die Lieferung der.Gleichheit" müsse aus dem Statut gestrichen werden. Die Wahl der Delegierten nach einem gemäßigten Proporz sei an- nehmbar. Die Wahlen müßten aber durch Urabstimmung vorgenommen werden. Das Recht der Reichstagsabgeordneten, ohne Ausnahme am Parteitage teilzunehmen, sollte man nicht beschränken. Der Redner sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß die Partei eine immer straffere Zentralisation bekommen möge. Es lagen eine Reihe von Anträgen zu verschiedenen Paragraphen des Statuts vor. Nachdem die Anträge der Reihe nach eingehend diskutiert worden waren, wurden die folgenden Anttäge angenommen: Im H 5 sind die Worte zu streichen:»den weiblichen Mitgliedern ist die.Gleichheit" gratis zu liefern". Im ß 7 hinter dem ersten Absatz als zweiten Absatz anzufügen: »Die Wahlen werden innerhalb der Wahlkreise durch Urabstimmung vorgenommen. DaS Wahlreglement sowie Bestimmungen über das Vorschlagsrecht werden vom Parteivorstande ausgearbeitet und mit Bekanntgabe der Tagesordnung des Parteitages veröffentlicht." Zu§ 12, Absatz 3 anstatt ,15 Landesorganisationen" zu setzen »der Bezirks- beziehungsweise 10 Landesorganisationen". Zu§ 23. Der zweite Absatz soll lauten:„Auch kann der Ausschluß eines Mitgliedes erfolgen, wenn eS die Parteiinteressen schädigt". § 23 soll lauten:„Der Antrag auf Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen ist an die Kreisorganisatton seines Wohnsitzes zu richten. Vor der Entscheidung ist die Organisation. die den Ausschlußantrag gestellt hat, zu hören". Gewählt wurden als Delegierte zum Parteitag: Brühl, Massa und Wessel, als Ersatzmann Hirschmeier.— Delegierte zur Provinzial- konferenz: Rühl, Teuber und Becker, als Ersatzmann Koppenhagen. An Stelle des Genossen Dentzer, der verzogen ist, wurde Seikel zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Auf einen von der Genossin Arendsee begründeten Anttag wurde beschlossen, daß die Genossinnen berechttgt find, in einer besonderen Versammlung eine Delegierte zum Parteitag zu wählen. Damit waren die Arbeiten der Generalversammlung erledigt. Hus der Partei. Ein Zeugniszwangsverfahren wurde am Sonnabend vor dem Schöffengericht Opladen(Kreis Solingen) gegen den verant- wortlichen Redakteur der„Bergischen Arbeiterstimme" zu So- lingen, HanS Deisel, verhängt. Ende April 1909 erschienen in der»Bergischen Arbeiterstimme" eine Reihe Artikel, die sich gegen den katholischen Pfarrer Gießen, der in der Gemeinde Humor und Satire. Juli 1909. Die Schöpfung Gottes ist dieses Jahr Ein niederträchtiges Pissoir. Schnecken und Frosch' und Wasserwürm' Brauchen sogar einen Regenschirm. In der verschleimten Sommerflur Rotzt die gesamte Kreatur, Und das weise Weltensystem Ist aus Dreck und aus feuchtem Lehm. Auch im Himmel schweigt GotteS Lob. Dieses Wetter ist viel zu grob. Georg, Michel und Gabriel Möchten miteinander in die Höll', Denn sie meinen, es wär' wohl gut In der ewigen Flannnenglut. Oven frieren die Zehen starr, PetruS hat einen Blasenkatarrh. Und dem Erzvater Abraham Wächst am Hintern ein Fliegcnschwamm. (Peter Schlemihl im»Simplicisflmus".) Notizen. — Dr. H. Kretzschmar ist zum Direktor der akademischen Hochschule für Musik in Berlin ernannt worden. Kr. tvar als Lehrer und Dirigent lange Jahre tättg, zuletzt bekleidete er eine Professur für Musikgeschichte m Leipzig. — Das Richard-Wagner-Theater in Berlin, über das kürzlich einige Enthüllungen laut wurden, soll bereits bis zum Erwerb eines Bauplatzes(Ecke Friedrich- und Puttkamerstraße) ge« langt sei». — DiePfaffen-Zensur. Im bayerischen Bade Brückenau wurde nach dem»Verl. Tagebl." Max Halbes„Jugend" ver- boten. Einige katholische Geistliche hatten gegen die Aufführung Stimmung gemacht. — DaS größte Bild der Welt. Bisher konnte als die größte Malerei das Paradies von Tintoretto gelten, das im Dogen- palast von Venedig den Saal des großen Rates ziert und das eine Größe von 22: 7 Metern hat. Diese Maße werden jetzt überboten durch das große dekorative Gemälde, das Malo-Nord für das Rat- haus in Paris geschaffen hat. Mit einem Flächeninhalt von nicht weniger als 300 Quadratmetern wird dieses Werk dekorativer Maleret einstweilen das größte Gemälde der Welt sei», SHlekiltsH'fftrtis Solingen)' wniieit, tichteken. NM„Seel. sorger" wurde in den Artikeln der Vorwurf gemacht, daß er sein Amt mißbrauche, um sich zu bereichern, und daß er nach eigenem Gutdünken in der Gemeinde schalte und walte. Außer Gebühren- Lberhebung wurde dem Gottesmann ferner vorgeworfen, daß er Erbschleicherei und diverse andere Dinge getrieben habe, die die Ortseinwohner aufs tiefste erbitterten. Schon seit Jahren wurde dem Pfarrer vergebens gedroht, daß, wenn keine Aenderung ein- trete, man an die Oeffentlichkeit gehen würde. Kirchenvorstand und kirchliche Gemeindevertretung wandten sich wiederholt an das erzbischoflische Generalvikariat in Köln und an den Regierungs. Präsidenten in Düsseldorf und legten dar. daß der Pfarrer Gießen .sein Amt zum eigenen Vorteil mißbrauche. Der wackere Gottes- streiter machte sich aber nichts daraus. Die schlimmsten Dränger, die nach Ordnung in der kirchlichen Vermögensverwaltung usw. trachteten, wurden von dem Pfarrer bei seinen vorgesetzten Be- Hörden einfach als Sozialdemokraten verschrien! Im Frühjahr dieses Jahres wandten sich die Bewohner des katholischen OrteS, nachdem alle Eingaben an weltliche und christ- liche Behörden nichts gefruchtet hatten, an die Redaktion der „Bergischen Arbeiterstimme", die nach wochenlangen Ilntech. suchungen die Beschwerden als berechtigt anerkannte und zur Ver- öffentlichung verschiedener Artikel schritt, die in dem ausgesprochen katholischen unteren Kreise Solingen großes Aufsehen erregten. Die Klerikalen schäumten vor Wut und beriefen am 0. Mai dieses Jahres eine Versammlung in den Ort Schnorrenberg bei Schlebusch ein. um zu dem„Fall des Pfarrers Gießen" Stellung zu nehmen. In dieser Versammlung redete ein Kaplan Zünndorf aus Schlebusch, der alle gegen den Pfarrer Gießen aufgestellten Behauptungen als Lügen bezeichnete, ohne sich die Mühe zu geben, diese„Lügen" zu widerlegen. Die Gegner, be- sonders die Sozialdemokraten, wurden in dieser Versammlung in der gemeinsten Weise angegriffen, aber man war zu feige, ihnen das Wort zu erteilen. Nicht einmal die Ortseinwohner, die be- stätigen wollten, daß die in der.Bergischen Arbeiterstimme" er- schienenen Artikel auf Wahrheit beruhten, ließ man reden, und der Kaplan griff seine eigenen Glaubensgenossen in der heftigsten Weise an und verdächtigte sie. Einer der Verdächtigten, der Schmiedemeister PeterS zu Neuboddenberg, strengte Privatklage gegen den Kaplan Zünndorf und den Schmiedemeister Hüll- strung in Schlebusch an. Beide Privaiklagen wurden am Sonn- abend vor dem Schöffengericht in Opladen Erhandelt. Der ver- antwortliche Redakteur der„Bergifchen ArMterftimme". Genosse Deisel, wurde im letzten Augenblick telephonifch als Zeuge ge- laden. Ter Vorsitzende Richter, ein ZentrumSmann, wollte von unserem Genossen wissen, wer alles ihm Material zu den Artikeln geliefert Habel Deisel erklärte, daß er der Verfasser der Artikel sei, im übrigen aber jede Aussage verweigere und nur dann reden werde, wenn Pfarrer Gießen gegen ihn klagbar vorgehen würde, was ihm sehr angenehm wäre, denn die aufgestellten Behauptungen würden sämtlich bewiesen werden. Nach diesen Darlegungen beantragte der Vertreter deS beklagten Kaplans, Rechtsanwalt Höver in Opladen(ebenfalls ein strammer Zentrumsmann), gegen den Genossen Deisel das ZrugniszwaagSverfahren einzuleiten und eventuell Zwangshaft zu beschliehen! Das Gericht beschloß, den Zeugen Deisel wegen Zeugnisverweigerung in eine Geldstrafo von 28 M. zu nehmen, und die Sache wurde daraufhin zu weiterer Zeugenladung vertagt. i o» Die zweite Klage endete mit demselben Resultat. Wieder Sollte man von Deisel die Gewährsmänner wissen. Als er aber- mals da» Zeugnis verweigerte, nahm der Anwalt de» Beklagten Gelegenheit, zum zweiten Male zu beantrage nz gegen den Zeugen das ZeugniSzwangSverfahren «inzuleiten, eventuell Zwangshaft igu bei- schließen. DaS Gericht erkannt abermals auf eine Geldstrafe von 28 M. eventuell fünf Tage Haft. Gegen die Straffestsetzung wird> selbstverständlich B e- Ich werde eingelegt werden. ** Mit de, Erbschaftssteuer- und der Maifeierfrage befaßte sich am Sonntag die Konferenz des 1. pfälzischen ReichStagswahlkreises und nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, daß die Frak- tion ganz recht gehandelt habe, als sie in zweiter Lesung für die Erbschaftssteuer stimmte. Die Erbschaftssteuer sei eine program- matische Forderung der Partei und daraus ergebe sich die Notwen- digkeit, für sie zu stimmen. Bei der Schlußabstimmung konnte die Fraktion durch die Ablehnung auch der Erbschaftssteuer dem schwarz-blauen Block die Verantwortung für die ganze söge- nannte Finanzreform überlassen. Zur Frag« der Maifeier wurde eine Resolution angenommen, in der verlangt wird, daß der Parteitag in Leipzig endlich eine all- seitig befriedigende Lösung dieser Frage bringt. Die Konferenz hält es für zweckmäßig, die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai festzulegen. Die Landeskonferenz für da? Herzogtum Oldenburg und Ost- frieSland tagte am Sonntag in Oldenburg. Anwesend waren 34 Delegierte, die Reichstagskandidaten der einzelnen Kreise und die Landtagsfraktion; vom Parteivorstand in Berlin war Genosse Müller anwesend. Zu dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht be- merkte Genosse Hug-Bant, daß sich das Parteisekretariat als sehr nützlich erwiesen habe. DaS Bestreben, die grauen für die Ideen des Sozialismus und für die politische Organisation zu gewinnen, war äußerst erfolgreich. Die Mitgliederzahl der männlichen Ge- nassen stieg um 2K4 auf 8187, die der weiblichen um 411 auf 940; insgesamt wurden 2197 Mitglieder aufgenommen, denen 1719 Ab- gänge, meist infolge der Krise, gegenüberstehen. Sozialdemokratische Gemeindevertreter sind vorhanden im 1. oldenburgischcn Wahlkreis in 4 Orten 28, im 2. oldenburgischen Wahlkreise in 6 Orten 32, im 3. oldenburgischen Wahlkreise in 4 Orten 13; weiter sind in diesen Wahlkreisen zahlreiche Genossen in den Schulausschüssen, Schulvorständen und Amisräten vertreten. Zur Agitation wurden etwa 80 000 Flugblätter und 18 000 Broschüren verbreitet. An 40 Mitgliedschaften wurden auf Kosten der Landesorganisation Bibliotheken geliefert. Die Aufklärung der Arbeiterjugend ist energisch betrieben, und eö find in allen größeren Orten Jugend- organisationen resp. Jugendausschüsse gegründet worden. Ganz gehörig wurde mit dem Reichstagsabgeordneten Ahlhorn vom 1. oldenburgischcn Wahlkreise abgerechnet, der natürlich seine mehr- fache Behauptung im oldenburgischen Landtage, die soztaldemo- kratische Partei habe bei der letzten Reichstagswahl Wahlschiebun- gen vorgenommen, trotz mehrfacher Aufforderung nicht hat be« weisen können. Der Landcsvorstand erklärte ihn öffentlich für .einen Verleumder schlimmster Art, bis er seine Behauptungen Heweise. Zur Zentralisation deS BildungSwesenS sind Schritte ein- geleitet. Der Bericht der Preßkommission konstatierte, daß die Abonnentcnzahl des„Norddeutschen Bolksblattes" konstant ge- blieben ist. Nach einem Vortrag über den neuen Organisations- entwurf wurden.folgende Anträge angenommen: Im§ 8: Der wöchentliche Beitrag beträgt für männliche Mitglieder 10 Pf., für weibliche 8 Pf.; im 8 12, Abs. 3: auf Antrag von mindestens 7 Vor- ständen usw.; als Abs. 4: auf Antrag der ReichstagSftaktion; im 8 23 die Worte„in bewußter Weise" zu streichen; im Abs. 2 zwischen «zuständigen Bezirks." das Wort„Vereins-" einzuschalten. Ueber die neue Qandarbciterorganisation referierte Genosse Schulz-Bant. Eine Resolution, dieser rege Unterstützung zuteil werden zu lassen, wurde einstimmig angenommen. Als Vorort wurde Bant, als Vorsitzender der LandcSorganisation Genosse Hug wiedergewählt. *„Der Bibliothekar"(Nr. 8) ist soeben erschienen. Die Nummer enthalt; Ewführuyg ft] den tMensAzstlichw SoMismus von Julian Btfrthardt. Kleine Geschichten vLN Gustav MovgknstSrft. — Die technische Fachpresse von Richard Woldt.— Buch-Eignerzeichen(ex libris) von Jhl, mit Illustrationen.— Bücherbesprechun- gm.— Bibliothektechnisches.— Bibliothekberichte: Limbach und Nordhausen. Notizen und Sprcchsaal. Berichtigung. Am Freitag wurde von unS die Zahl der im sozialdemolratischen Verein Nürnberg organisiertm Mitglieder mit 13 800 angegeben. Wie unS aus Nürnberg mitgeteilt wird, belief sich am Schluß des Geschäftsjahres(Juni d. I.) der Mitglieder- bestand— amWießlich der 693 weiblichen Organisierten— auf 14226. �"_ V Soziales. Der Kampf der Wertheims um das Personal, .'(Wegen Raummangels zurückgestellt.)! Noch bevor der neue Wertheim-Palast des jüngsten Bruders Wolf Wertheim seine Pforten geöffnet hat, ist zwischen letzterem und seinen älteren Brüdern ein erbitterter Kampf um das Per- sonal ausgebrochen, der in der letzten Sitzung vor der ersten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts seinen Anfang nahm und ,wie gleich vorweg bemerkt sei. zu einer vorläufigen Nieder- läge des alten Hauses führte. Die unter dem Vorsitz deS MagistratSratS Techow geführte Verhandlung, in welcher die Firma A. Wertheim gegen die jetzt noch in ihren Diensten befindliche Berkäuferin Tora T. Klage erhob, ergab folgendes: Den Angestellten des Hauses A. Wert- heim waren früher durch Konkurrenzklausel nur die Warenhäuser Jandorf, Tietz und diejenigen Unternehmnugen, die mit einem der Inhaber der vorgenannten Häuser im Beteiligungsverhältnis stehen, verschlossen. Nach Separierung von Wolf W. wurden die Angestellten von A. Wertheim durch einen Nachtrag zur Kon- kurrenzklausel verpflichtet, sich auch jeglicher Tätigkeit für da? Warenhaus W. Wertheim sowie für die damit in Verbindung stehende„Internationale Warenhausgesellschast" zu enthalten. Eine erhebliche Anzahl von Angestellten hat nun, dem Verbote zu. wider, Stellung im neuen Warenhaus W. Wertheim angenommen. Die Firma A. Wertheim will mit den schärfsten, ihr gesetzlich zu- stehenden Mitteln den Massenübertritt ihres Personals zu ver- hindern suchen. Sie beantragte darum in dem ersten zur Ver- Handlung gekommenen Fall, der den anderen Abtrünnigen ge. wissermaßen als warnendes Beispiel dienen sollte, der beklagten Verkäuferin eine Strafe von zwei Tagen Haft für jeden Tag der Tätigkeit im Hause W. Wertheim aufzuerlegen, so daß das Per- sonal vor der Alternative stünde, entweder auf die Stellung zu verzichten, oder immer umschichtig, einen Tag arbeiten und zwei Tage„sitzen". Der Vertreter der klägerischen Firma erklärte auch, trotz Anratens des Vorsitzenden, diesen Antrag auf keinen Fall zurücknehmen zu wollen, und begründete daS wie folgt: ES sei bekannt, daß bei Verhängung von Geldstrafen für Verletzung des Konkurrenzverbotes diese Strafen von dem nachfolgenden Arbeit- geber getragen werden. Der eigentliche Zweck der Konkurrenz- tlausel, nämlich der Zuwiderhandlung vorzubeugen, werde da- durch illusorisch gemacht. Die Firma müsse auch darum ganz be- sonders so scharf vorgehen, weil Wolf Wertheim noch vor der Vol- lendung der Separation äußerte, er werde alles tun, um seine Brüder zu schädigen. Die ganze Gründung sei darum nicht etwa erfolgt, um eine möglichst hohe Verzinsung des Vermögens herbei- zuführen, sondern nur um den Brüdern Schaden zuzufügen. Der Vertreter verwies noch auf eine kürzlich ergangene landgerichtliche einstweilige Verfügung, nach welcher einem ihrer früheren An- gestellten vierzehn Tage Haft angedroht ist. falls er weiter ver- sucht, Personal zum Uebertritt zu veranlassen. Den Ausführungen der klägerischen Firma hielt die Beklagte entgegen, daß sie sich an die Konkurrenzklausel nicht für gebunden halte, weil sie dadurch in ihrem Fortkommen zu sehr behindert werde. Die Firma A. Wertheim wollte sie verlassen, weil sie sich, ihren Fähigkeiten entsprechend, nicht genügend entlohnt fühle. Da sie jahrelang nur in der Konfektion tätig war. so konnte für sie nur ein» der vom Verbot betroffenen großen Warenhäuser in Frage kommen. Sie hätte also geradezu aus Berlin auswandern müssen und nahm um so lieber die Stellung bei W. Wertheim an, als sie dort durch kein Konkurrenzverbot in ihrer wirtschaftlichen Freiheit eingeengt werde. Da» Kaufmannsgericht wies zutreffend die Firma A. Wert- heim mit ihrer Klage ab. Die Konkurrenzklausel der Firma gehe zu weit, und es müsse als eine Art Schikane angesehen werden, wenn die Beklagte in der Ausübung ihrer Tätigkeit derartig unterbunden werden sollte. Den Wert des Streitgegenstandes setzte das Gericht auf 1000 M. fest, so daß Berufung zulässig ist. Gewerbegerichtswahl in Gelsenkirchcn. Bei der am 23. und 29. Juli getätigten Gewerbeaerichtswahl in Gelsenkirchen wurden Stimmen abgegeben für: Freie Gewerkschaften 761, Christliche 876, Hirsch-Dunckersche 312. Bei der letzten Wahl 1908 erhielten Stimmen: Freie Gewerkschaften 823, Christliche 1284, Hirsch- Dunckersche 433. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen ist gegen 1908 um 371 zurückgegangen. Trotz dieses Rückganges haben die Freien Gewerkschaften 233 Stimmen gegenüber der letzten Wahl zugenommen, die Christlichen 408 Stimmen und die Hirsch. Dunckerschen 121 Stimmen verloren. Ein schöner Erfolg der Ge- Nossen. Da in Gelsenkirchen die Verhältniswahl besteht, werden die 16 Beisitzer sich auf die drei Parteien wie folgt verteilen: Freie Gewerkschaften 6, Christliche 7, Hirsch-Dunckersche 3. vom Baugewerbe in Sachsen. Die KrisiS im Baugewerbe machte sich auch schon im Borjahre in Sachsen deutlich bemerkbar. Nach dem erschienenen Bericht der Sächsischen BaugewerksberufSgenossenschaft für 1908 sind die Löhne um 6 878 069 M. oder 6.86 Proz.. die Zahl der beschäftigten Arbeiter um 8606 od«; 6,98 Proz. zurückgegangen. Den stärksten Rückgang hatte anscheinend der Bezirk Leipzig mit fast 3 Millionen Mark an Arbeitslöhnen, ihm folgt Dresden mit fast 2 Millionen Mark, dann Zwickau mit 1200 000 M. Während in allen übrigen 5 Sektionen der Genossenschaft die Durchschnittslöhne der Arbeiter noch etwas gestiegen sind, im Bezirk Gera sogar um 17 M. pro Kopf, ist im Bezirk Zwickau der Durchschnittslohn sogar noch um 2,19 M. gefallen. Versichert waren im Berichtsjahre insgesamt 12 830 Betriebe (77 mehr als im Jahre vorher). Ueber die Lage der Arbeiter gibt uns folgende Tabelle des Berichts Auskunft:_ Sektion I. Dresden II. Leipzig III. Zwickau IV. Chemnitz V. Bautzen VI. Gera 3 5 •O C7 8$ 25692 29428 17126 18946 12231 6703 «•f S Ul P C M. 22990285 27658720 13507432 15841966 8827185 4443803 Gegen das Vorjahr M. - 1928327 - 2831673 - 1236471 . 451787 . 367082 - 87475 Pro,. -7,74 -9,29 — 8,39 -2,77 — 3.99 — 1,03 fe f«! M M. vi 894 939 788 836 721 779 Gegen da» Borjahr M. -I- 8.62 + 141 — 2,19 + 6,79 +14,19 +17,00 + 0,41 + 0,12 — 0,28 + 0,82 + 2,01 + 2,23 Summa 109129 93269391- 6902815— 6,89 854 69+ 8,37+ 0,40 Ein Durchschnittslohn von nur 8S4 M. für Sachsen... Un« fälle wurden 4S81 neu gemeldet(420 weniger als im Vorjahre.) Davon wurden jedoch nur 663 entschädigt. Auf 1006 Versicherte entfielen somit 40,52 Unfälle. Ueber die Tätigkeit der technischen Aufstchtsbeamten der Be» rufSgenossenschaft erfahren wir kurz nur, daß dieselben 8456 Be- triebSrevisionen vorgenommen haben. ES heißt dann:„Zur Rcvi- sion der Betriebe soll hier nur erwähnt werden, daß nicht selten Anzeigen von Arbeitern über Verstöße gegen die UnfallverhütungS- Vorschriften seitens der Unternehmer eingehen. Denselben wird fetK«if Piß Grund gegangep, gbcr w Pia md&n ZMen eisen sich di« Angdbkn der Anzeigen als übetkriebcn oder überhavpk nicht zutreffend." Sehr wahrscheinlich klingt die Behauptung nicht. Der- artige„Feststellungen" ohne Zuziehung von Arbeitervertvetern sind völlig wertlos.______ 1 Huö Induftrie und ftandcL Hohe Berwaltnngskosten und hohe Dividenden. Nach einer Aufstellung iu der„Köln. Ztg."(Nr. 807) erzielten im letzten Geschäftsjahr 26 Lebensversicherungsgesellschaften in Deutschland 332 722 000 M. Einnahmen aus Prämienzahlungen und 113 078 000 M. an Zinsen usw.; mithin zusammen 445 800 600 M. Die von den Gesellschaften verteilte Dividende beträgt im Mittel 2V'/» Proz. Die höchste Dividende stellt sich auf 62'/, Proz. In Wirklichkeit macht die Rente in einzelnen Fällen aber über 160 Proz. aus. Bei den Versicherungsgesellschaften wird gewöhnlich nur ein Teil — gewöhnlich 25 Proz.— des nominellen Aktienkapitals eingezahlt; der übrige Teil ist garantiert, durch Hinterlegung von Wechseln usw. Die Dividende berechnet sich aber auf das nominelle Kapital, so daß die Divende manchmal tätsächlich 80 Proz. ausmacht, wenn fie auf 20 Proz. lautet. Das ist schon ein glänzendes Geschäft, aber die Beisicherungsquelle sprudelt hier für die Hauptakteure noch viel reichlicher. Diese fungieren nämlich auch als Direktoren usw. und ge- nehmigen sich Riesengehälter und dito Spesen. Erklärlich daher auch, daß die Verwaltungskosten ganz ungewöhnlich hoch find. Bei den erwähnten Gesellschaften machen sie sogar 18,8 Proz. der Prämien» einnähme aus, oder rund 62'/, Millionen Mark. Bei einzelnen Gesellschaften verschlingt die Verwaltung bis 56 Proz. der Prämien- einnähme. Da arbeiten die gewerkschaftlichen Organisationen mit ihren vielfachen Aufgaben doch viel billiger. Würde der Staat dem Kapital diesen Zweig der Gewinmnacherei entziehen, den Versicherten könnten viele Millionen Mark erspart bleiben, oder eS könnten ge- waltige Summen, die nun in Gestalt der Riesengehälter und Spesen, als Ergänzung der ohnehin schon ungewöhnlich hohen Dividenden in die Taschen einzelner Leute fließen, dem Allgemein« wohl dienstbar gemacht werden. Obwohl der fiskalische Betrieb auch ziemlich teuer ist, würde er doch sicher um 60 Proz. billiger arbeiten als die Privatgesellschaften im Versicherungswesen. Bessere Ernteschatzung. DaS Ergebnis der ErMeschätzung der Preisberichtstelle des deutschen LandwirtschaftsratS vom 1. August d. I., ausgedrückt in Prozenten einer Mittelernte, ist für Winterroggen 96,6 gegen 92.2 am 1. Juli d. I., Winterweizen 89,0 gegen 99,7 am 1. August 1908. Sommerweizen 93,4(94,3), Winterspelz 98,6(99,9), Gerste 99,8(94,7), Hafer 100,8(38,1), Kleeheu 68,3 und Wieienheu 66,4. Die reichen Niederschläge im Juli haben das Wachstum der Halm- und Hack- ftüchte zwar sehr gefördert, doch ist jetzt beständiges und sonniges Wetter für die schon drei bis vier Wochen verspätete Ernte dringend erforderlich, da sonst die Qualität der Ernte gefährdet fem würde. Harmonie der Interessen. Auf dem Bochumer Verein Gußstahlfabrik in Bochum, find seit einem Jahre die Löhne verschiedentlich kräftig beschnitten worden. Manchmal stellten sich die Ermäßigungen auf 15 Proz. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse sollten solche Maßnahmen zwingend not- wendig machen. So hieß es. Es war somit der Schluß zulässig. daß die Ueberschüsse des Unternehmens auch kräftig zurückgehen Ivürden. An der Börse schätzte man in der letzten Zeit die zu er- wartende Dividende denn auch auf„nur" 16 Proz. Für das voraufgegangene Geschäftsjahr waren 15 Proz. verterlt worden. Nun zeigt fich, daß die Lohnknapserei ihre Früchte getragen hat. Die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit erkennt man darin, daß diese die Kosten der Krise tragen muß. Die Inhaber der Gußstahlaktien erhalten nämlich für daS letzte Jahr nicht 16 sondern 12 Prozent Dividende. Jedenfalls eine ganz respektable Krisenrente, der gegenüber sich die teilweise um 26 Proz. gekürzten Löhne sehr„harmonisch" ausnehmen. Und die Gesellschaft könnte eine noch höhere Dividende ausschütte». Man hat es jedoch vorgezogen, für Abschreibungen eine ge�en das Borjahr um 339 314 M. und gegen 1906/07 um rund'/, Million Mark erhöhte Summe abzusetzen. Der Bruttoüberschuß ist nur von 6 Will. Mark auf 5'/4 Mill. Mark zurückgegangen. Seit 1899/1900 hat die Gesellscbaft folgende Dividenden verteilt: lO�/g, 13% 7, 7, 10, 12, 15, 16% 15, 12 Proz. Aus dem Bochumer Berein ist der ll stündige Normalarbeitstag noch nicht abgeschafft, dafür werden die Löhne gekürzt, die gewerkschaftliche Organisation hat erst wenig Eingang gefunden. Will man eine Harmonie finden, kann es nur diese fem: indifferente Arbeiter, schlechte ArbeitSberhälwisse,— Riesen» gewinne._ Hub der frauenbewegung. Wo bleiben die Dienstboten während der Reisezeit? Ucber dieses Thema sprach Redakteur Paul John in einer vom Zentralverband der Hausangestellten Teutschlands einberufenen Versammlung. Der Referent führte aus: Wenn wir zu Beginn der Reisezeit, der großen Ferien in die Zeitungen sehen, lesen wir, daß abgehetzte Müschen Ruhe suckzen, sei es an der See, in den herrlichen Wäldern oder hoch im Gebirge. Der Zweck solcher Reise soll nun sein, frisch und kräftig mit neuer Lebens- und Schaffens- kraft wieder zurückzukehren. Da taucht die Frage auf. ob es nicht sehr oft angebrachter wäre, wenn dies« Erholung und Erneuerung der Lebenskräfte denen, die zurückbleiben müssen, zukäme? Unter den Abgereisten befindet sich eine große Anzahl, die sich das ganze Jahr erholen, während für die Arbeitenden selten mal eine Aus- spannung winkt. Bei den Dienstboten wäre eine Erholung erst recht angebracht. Zum Schutze der Arbeiter hat schon vielfach die Gesetzgebung eingegriffen, aber noch niemals für die Dienst. boten. Die diversen Gesindeordnungen, die alle nach dem Muster der preußischen zugeschnitten find, rauben den Dienstboten das Recht, nach freiem Ermessen über ihre Zeit zu verfügen. Es hängt ganz von dem mehr oder weniger guten Willen der J&errschaft" ab, wieweit sie in dieser Hinsicht Freiheit gewähren will. Dabei ist der Dienst in der Regel nicht leicht. Morgens muß der Dienstbote. wenn die Herrschaft noch in den Daunen liegt, auf sein und abends ist die Arbeitszeit unbegrenzt. Die„Gnädige" hat jederzeit das Recht,„nervös" zu sein, die Mädchen dürfen sich jedoch eine so vornehme Krankheit nicht gestatten.(Heiterkeit.) Reist jene ins Bad, so mögen die Dienstboten sehen, wo sie bleiben. Die Gesinde- ordnung kennt wohl Pflichten der Dienstboten, aber keine der Herr- schaften. Doch eine, um gerecht zu bleiben: nach§ 84 hat die Herrschaft ihre Dienstboten— zum Kirchenbesuch anzuhalten. (Große Heiterkeit I) Aber auch dem kommt man nur nach, indem man den Mädchen„gestattet", in die Frühmesse oder Nachmittags- predigt zu gehen, da die Herrschaft auch am Sonntag das Personal nicht entbehren will. Bei Erkrankungen erkennt die Gesindeordnung eine Pflicht der Herrschaft nur dann an, wenn der Dienstbote„bei der Arbeit" erlrankt ist. Was geschieht jedoch, wenn die Herrschaft verreist? Manchmal wird das Mädchen ja mitgenommen, es muß jedoch im Bad ebensoviel oder noch mehr arbeiten als zu Hause. und für Erholung bleibt keine Zeit übrig. In anderen Fällen werden sie zu ihren Eltern oder Verwandten geschickt und erhalten eine oft sehr mäßige Entschädigung. Bleiben sie aber in der Woh- nung zurück, so wird auch hier für Arbeit gesorgt oder sie müssen für befreundete Familien der Herrschaft arbeiten. Meist aber wer- den sie zur Reisezeit einfach entlassen. Man spricht immer von Dicnstbotennot, aber hier geht man leichtsinnig mit den Arbeits- kräftcn um. Redner streift noch die Bestimmungen der Gesindeord- nung, nach denen der Dienstbole völlig der Willkür der Herrschaft ausgesetzt ist und sich sogar noch prügeln lassen muß, sofern dies nicht in einer das„L4ben gefährdenden Weise" geschieht. Dabei KaHfi» dir Hrrrschasten nsch d« leidende Teil sein..(Zuruf von �ärgerlichen«nwesenven:„Sehr richtig l») M. sebr richtig, meine Kerreri, wurde im Landtag auch gerufen.(Lauter Beifall der Ver» sammlung.) Die Herrschaften brauchten ja blojj Dienstbote zu werden, dann können S i e ja tyrannisieren.(Hände- klatschen und lebhafte Zustimmung.) Die Damen könnten eigent» lich nichts besseres tun als sich verdingen. Die bürgerlichen Par- teien haben sich bei den Versuchen der Sozialdemokraten, die Ge- srndeordnung zu beseitigen, gesträubt. Wir werden aber immer wieder kommen. Jedoch müssen die Dienstboten selbst helfen, in dem sie dem Verbände der Hausangestellten beitreten. Erst wenn die mittelalterliche Gesindeordnung fällt, werden auch die Dienst. boten zu ihrem Menschentum gelangen I(Stürmischer Beifall.) .i.em Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an, in die Fräulein Arndt sowie die Vorsitzende I. Baar wirkungsvoll eingriffen, und eine Anzahl Mädchen aus der Mitte der Versammlung ihre Erlebnisse in schlichter und ergreifender Weise schilderten. An einem Tische saßen einige Herren und eine Dame, die sich schon während des Vortrages in unliebsamer Weise bemerkbar gemacht hatten. Bei den ergreifenden Schilderungen der Rednerinnen, die sehr ruhig und sachlich sprachen, zeigten sie durch Lachen und zynische Zwischenbemerkungen den Tiefstand ihrer GemütSver- fassung. Ein liberaler Redner, Herr Oppenheim, meinte, der Referent habe zu schwarz gemalt und die guten Herrschaften, die es doch auch gäbe, nicht erwähnt. Es könne doch nicht so schlimm sein, sonst würde niemand mehr Dienstbote werden. Er sei schon längst für Aenderung(!) der Gesindeordnuna und be- fürworte den Feierabendschluß für Dienstboten um S Uhr abends. Ida Baar wies diesem Redner treffend nach, daß zum Ver» gnügen niemand in Dienst gehe, sondern immer nur um Brot zu erwerben. Einen Arbeitsvertrag, der eine lüstündige Arbeitszeit vorsieht, ferner gesunde Schlafräume und sonstige notwendige Ver- besserungen bringen soll, zu unterschreiben, weigern sich die Herr- schaften. Das sei bezeichnend. Nur durch die Organisation und durch Druck auf die Gesetzgebung könne etwa? erreicht werden. In seinem Schlußwort war es dem Referenten leicht, die Kritik des Herrn Oppenheim zu entkräften. Besonders aber erklärte er in bezug auf einen bestimmten Abendschluh durch das Gesetz, daß dies heute nicht möglich sei. Die Mädchen seien fast immer allein bei der Familie, es fehle ihnen daher, besonders wenn sie noch jung seien, der Mut, die gesetzliche Bestimmung durchzudrücken und schlimmstenfalls die Polizei anzurufen. Eine Kontrolle wäre also ganz undurchführbar. Erst wenn das Kost- und Logiswesen ein- mal beseitigt sei, würden die Dienstboten auch zu ihren Rechten kommen. Dazu brauchen wir aber keine neue Gesindeordnung und keine Aenderung derselben» die ein Verbrechen an denen sei, die ihr unterstehen. Menschen wie andere wollen die Dienstboten sein, weiter nichts l(Lebhafter Beifall.) Ei» internationaler Kongreß. In Toronto in Kanada(Britisch-Nordamerika) tagte jüngst die vierte Generalversammlung des internationalen Frauenbundes(International Council of Wornen), dem zahlreiche Vertreterinnen der deutschen bürgerlichen Frauenbewegung beiwohnten. Im Vorder- gründe der Debatten stand diesmal die Frage der Abschaffung deS internationalen Mädchenhandels und die Propaganda für die Friedensbestrebungen. Da» Ergebnis der Diskussion' über das letzte Thema war eine einstimmig angenommene Resolution, in der die trauen aller Nationen ersucht werden, auf die Einführung solcher chullieder und Lesebücher hinzuwirken, welche historische Ereignisse in möglichst wenig gefährlicher Weise darstellen, und zu versuchen, ein lebendiges Interesse für die modernen Bestrebungen friedlichen Ausgleichs internationaler Zwistigkeiten zu wecken. Man wird den bürgerlichen Friedensdilettantinnen zugestehen müssen, daß diese Forderung zur Bekämpfung de» Völkermorde» sehr bescheiden ist. Besser lag den Damen die Frage der Zulassung von Frauen zu öffentlichen«emtern. Der Kongreß verpflichtete die angeschlossenen Nationalorganisationen, in allen öffentlichenKörperschaften und Spezial- kommissionen in Staat und Gemeinde für die Heranziehung von Frauen zu sorgen. Zwei interessante Tatsachen verdienen au» den Berichten der einzelnen Nationen erwähnt zu werden: Der bevorstehende Ein- tritt einer Nation in den Bund, deren Frauenwelt lange al« un- zulänglich für moderne Emanzipationsbestrebungen galt! e» ist dies der nationale Bund türkischer Frauen. Noch bemerkenswerter aber war der«»Stritt einer anderen Organisation des Bunde» der Frauenvereine von Neu-Seeland. Dieser hat sich aufgelöst, weil die Frauen Neu-Seelands in vollem Umfange erreicht zu haben glauben, was sie erstrebten: nämlich die volle Gleichberechtigung mit dem Manne auf allen Gebieten. Die Gewerkschaftsorgaiiisation der Arbeiterinnen Dänemarks, der„Weibliche Fachverband'', der dieser Tage in Kopenhagen seinen vierten Verbandstag abhielt, hat seinen Mitgliedern in den letzten drei Jahren durch Lohnbewegungen und Lohnkämpfe rechnungS- mäßig rund 177 000 Kronen Erhöhung der Jahreseinkommen ver- schafft, woran 1781 Mitglieder teilhaben. Der Verband hat zurzeit SS Abteilungen oder Filialen mit zusammen 28S1 Mitgliedern. In der dreijährigen Berichtsperiode ist die Mitgliederzahl um rund 300 Sewachsen. Die Zunahme wäre weit stärker, wenn nicht häufig lrbeiterinnen, die durch den Weiblichen Arbeiterverband für den Organisationsgedanken gewonnen sind, sich nachher den Berufs- verbänden ihrer männlichen Kollegen anschlössen. Für Streiks und Aussperrungen hat der Verband zur Unterstützung setner Mitglieder 70 500 Kronen ausgegeben, an den Gesamtverband der GeWerk- schaften Dänemarks 3857 Kronen und für Kämpfe im Ausland 2500 Kronen. Der Verband sprach sich einstimmig für die Gründung einer ArbeitSlosenkass« au», die die staatliche Anerkennung und damit auch die Staats- und Gemeindebeiträge erhalten soll. Als Ver- bandsvorsitzende wurde Frau Olivia Nielsen einstimmig wieder- gewählt._______ Gcricbta- Zeitung. Pokorny gegen Spiirkel. Wegen des anonymen Zirkulars, das von Mitgliedern des christlichen Bergarbeiterverbandes gegen Pokorny vom Berg- arbeiterverband verbreitet war, hatte Pokorny gegen den Bezirks- leiter d«S christlichen Bergarbeiterverbandes Peter Spürlel Be- leidigungSklage erhoben. Die Sudelei griff einiges nichts»veniger als Ehrenrühriges auS dem Leben Pokornys heraus und mengte dazu eine Fülle verleumderischer und beleidigender Angriffe. Der Prozeß kam am Mitttvoch vor dem Schöffengericht in Buer zur Ver- Handlung. Einen Vergleich lehnte Pokorny im Termin in Buer mit dem Bemerken ab, daß er ein hohes Jntereffe daran habe. daß über sein Vorleben Klarheit geschaffen werde. Er kenne den ihm angedichteten angeblichen Geburtsort Lückwatcn nicht, sondern fei in Schwelm bei Hagen in Westfalen geboren. Im Jahre 1887 jei er mit seinen Eltern von Gelsenkirchen nach dem Kreise Niede« rung(Ostpreußen) verzogen, von dort auS sei er anfangs 1820 nach dem Ruhrbecken zurückgekehrt und habe zuerst in einer Fabrik ge- arbeitet, wo er wegen der Maifeier entlassen worden sei. Dann sei er einige Monate auf Bauten beschäftigt gewesen, bis er im Sommer auf Wanderschaft ging, wo er dann zweimal wegen Bei- telns, einmal mit drei, ein andermal mit vier Tagen Haft bestraft worden sei. Von der Wanderschaft zurückgekehrt, habe er dann Arbeit im Ruhrbecken gefunden und später, aber noch im selben Jahre auf der Zeche..Joachim" bei Schonebeck als Bergarbeiter angefangen, erst als Pferdetreiber. Wenige Wochen später sei er Schlepper geworden und habe dann fast ohne Unterbrechung auf dieser wie auf anderen Gruben gearbeitet. 18S4 sei er auf Fürst Hardenberg Lehrhauer geworden. Ali solcher habe er auf Blumen- thal auch angefangen, später wäre er Hauer gewesen. Er habe die Dcrgarbett in 1890—1897 nur kurze Zeit unterbrochen und auch nur dann, wenn er wegen seiner politischen und gewerkschaftlichen Ueberzeugung auf» Straßenpflaster geflogen war. Um nicht zu» gründe zu gehen, habe er dann Arbeiten angenommen, wo er sie erhielt, auch als Knecht— so einmal im Jahr« 1898, dsS andezx Mal Tffl Jahre 1895. Die Jahbe in Ostpreußen 1887-1890 Hab? er bei seinen Eltern verbracht. Außer den vorgenannten Haft- strafen auf seiner Wanderschaft, habe er nur noch sogenannte poli- tische Strnfen erlitten. Um aber Herrn Spürkel wie dem Gericht Gelegenheit zu geben, ihn, Pokorny, auszufragen, sei er bereit, über sein Borleben jede Anslunst zu geben, die man wünsch». Mehr Entgegenkommen könne man doch vor Gericht nicht verlangen. Das Zirkular bezeichne er als ein infames Schwindelblattl Die christlichen GcwerkvereinSführer wüßten genau, daß sie das, was sie im Zirkular über ihn schrieben, nicht verantworten könnten. Daß er Knecht gewesen sei, schäme ihn nicht. Und daß er auf der Wanderschaft bestraft worden sei, könne seiner Ehre auch nicht» antun. Tausende andere, die in Ehrenstellen, auch in der Zen- trumspartei sitzen, ist es ebenso ergangen. Dennoch sei es ein« Nichtswürdigkeit, ihm das vorzuhalten und obendrein ihn mit den übrigen auS den Fingern gesogenen verlogenen Angriffen zu über- schütten. Spürkel retirierte in jämmerlicher Weise. Er wollte nur an 17 seiner Vertrauensleute im Bezirk das Zirkular versandt haben, er habe in gutem Glauben gehandelt. Nur Verräter unier seinen christlichen.Kameraden könnten Pokorny Kenntnis von der Per- breitung de« Zirkular» gegeben haben. Der Rückzug war so wider- lich wie die Kühnheit, mit der Herr Spürkel früher im Berg- knappen Erklärungen abgab. Mit völlig leeren Händen stand der Mann da, ein Bild deS Jammers. Das Material habe er von dem verstorbenen Hasser der Arbeiterbewegung Rudolf Qnandel. Einen Wahrheitsbeweis trat der Beklagte nicht an. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten zu 50 Mark Geldstrafe. Das Machwerk habe offenbar, hieß eS m der Urteilsbegründung, den Zweck gehabt, durch seine Verdächtigungen und Entstellungen den Kläger für die Oeffentlichkett unmöglich zu machen. Verbotene Liebe, der er durch einen Zufall auf die Spur gekommen war» hatte der frühere Gastwirt Otto Engelmann zu einer Er- Pressung auszunutzen versucht, die ihn gestern vor die 4. Ferien- straskammer des Landgerichts II führte.— Ein Student stand zu einer verheirateten Frau in intimen Beziehungen. Die Korrespon. denz zwischen der treulosen Dame und ihrem Galan fand durch postlagernde Briefe, die nach einem hiesigen Postamt bestellt wurden, statt. Durch ein Versehen eines Postbeamten wurde nun ein zart duftendes Briefchen jener Dam«, welches einen recht kompromitti« renden Inhalt hatte, dem Angeklagten, der ebenfalls postlagernde Brief« abholte, ausgehändigt. Di« so zufällig erlangte Kenntnis der ehebrecherischen Beziehungen brachte den bisher unbescholtenen Angeklagten auf den Gedanken, hieraus Kapital zu schlagen. Er schrieb an den Studenten einen Brief, in welchem er mit Ent- hüllungen drohte, wenn ihm M. nicht ein Darlehn von 8000 Mark beschaffen würde. M. ging scheinbar darauf ein, wandte sich aber an ein Detektivinstitut, welches ihm den Rat gab, dem Er- preffer eine Falle zu stellen und ihm per Postanweisung einen kleinen Betrag zu schicken. Als sich der Angeklagte das Geld von der Post abholen wollte, wurde er verhaftet. StaatSanW.-Assessor S y d o w beantragte mit Rücksicht auf die große Verwerflichkeit aller erpresserischen Handlungen eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten, auf welche das Gericht auch erkannte. Versammlungen. Die Tabakarbeiter nahmen in ihrer am Mitttvoch abgehaltenen Mitgliederversammlung einen Vortrag des Genoffen Eugen Bruckner über Tarifverträge entgegen. Im Anschluß daran gab Börner einen Bericht über die Gaukonferenz, die sich, ebenso wie alle anderen Gaue des Tabakarbeiterverbandes, mit der Tarif- frage beschäftigte. Das Bestreben des Verbände» geht dahin, Tarif- vertrage mit den Fabrikanten abzuschließen und dann dahin zu wirken, daß Konsumvereine, Gastwirte und Händler, welche vor- wiegend auf Arbeiterkundschaft rechnen, nur Waren aus tariftreuen Fabriken führen. So würde es gelingen, durch vereintes Vor- gehen der Gewerkschaft und der übrigen Arbeiterschaft die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Tabakarbeiter auf einer leidlich er- träglichen Höhe zu halten, was angesichts der verderblichen Wir- kungen der neuen Tabaksteuern eine Notwendigkeit ist. Es soll eine lebhafte Propaganda für die Verwirklichung deS Tarifge- dankens entfaltet werden. Die Versammlung besprach ferner die Maßnahmen, welche der Verband getroffen hat, um den Entlassungen, welche als Folge der Steuererhöhung zu befürchten sind, möglichst vorzubeugen. Den Mitgliedern wurde dringend empfohlen, bei den Fabrikanten, welche Entlassungen vornehmen wollen, dahin vorstellig zu werden, daß statt der Entlassungen eine Verkürzung der Arbeitszeit Platz greifen solle. In der Zigarettenindustrie, die viel mit Maschinen arbeitet, dürfte dann allerdings auch im Maschinenbetriebe die Arbeitszeit nicht länger sein wie die der Handarbeiter. Wenn die Fabri- kanten nicht auf das Ersuchen der Arbeiter eingehen, dann mühten die Entlassenen sofort die nötigen Schritte tun, um die gesetzliche Unterstützung zu erlangen. Spezielle Verhaltungsmaßregeln für die Mitglieder sollen demnächst von einer Vertrauensmännerver. sammlung aufgestellt werden.— Die Tabakarbeiter sind der An- sicht, daß eS nicht in ihrem Interesse liegt, wenn die Fabrikanten, wie sie beschlossen haben, statt die Arbeitszeit zu verkürzen, sogleich die überflüssigen Arbeiter entlassen, damit diese in den Genuß der Unterstützung kommen. Die Arbeiter wollen die Einschränkung der Produktion, welche als Folge der Steuererhöhung sicher zu er- warten ist, möglichst gleichmaßig verteilt wissen, so daß die Schwere der Arbeitslosigkeit nicht nur einen Teil der Arbeiter und Arbeite- rinnen mit voller Wucht trifft, sondern von allen gemeinsam ge- tragen wird. So hoffen sie am besten die ihnen bevorstehende schwere Zeit tragen zu können. DaS war die übereinstimmende Meinung der Versammlung. Die Mahregelungen bei der„Victoria" beschäftigten am Donnerstag eine vom Transportarbeiterverband einberufene öffent- liche Versammlung der Einkassierer und Kassenboten. E» handelte sich in erster Linie um die Kennzeichnung der in der Donnerstag- nummer des„Vorwärts" mitgeteilten Maßregelung des Ver- trauensmanneS, der die gewerkschaftlichen Funktionen des Ver. bandes unter den Einkassierern der Versicherungsgesellschaft „Victoria" zu versehen hatte. Der ungewöhnlich starke Besuch der Versammlung zeigte, daß diese Matzregelung in den Kreisen der Berussangehorigen berechtigtes Aufsehen erregt und lebhaften Un. willen hervorgerufen hat. Nicht nur dieser Einzelfall, sondern die ganzen Verhältnisse der Einkassierer wurden vom Referenten Breiten born beleuchtet.— Wenn auch die zuständigen Or. gane der Direktion nicht zugeben, daß es sich im vorliegenden Falle um eine Maßregelung handelt, so sprechen doch verschiedene Tat» fachen, die in der Versammlung angeführt wurden, dafür, daß nur die gewerkschaftliche Tätigkeit des Betreffenden der Grund seiner Entlassung ist. Er hat in einer Versammlung seiner Kol. legen die Zustände, mit denen sie unzufrieden sind, kritisiert und hat wenige Tage später seine Entlassung erhalten.— Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Maßregelung der Vertrauensleute deS Deutschen Transport- arbeiterverbande» durch die Versicherungsgesellschaft„Victoria". Diese Handlungsweise der nach außen so vornehm glänzenden Gesellschaft steht im krassesten Widerspruch mit den in Jahres« berichten und Prospekten so häusig gelobten Wohlfahrtseinrich- tungen für die Angestellten der Gesellschaft. Die Vertrauensleute sowohl als auch die heutige Bersamm. lung stellen fest, daß nur das intensive und energische Wirken der beiden Kollegen für ihre Organisation der einzige Grund der Entlassung ist. Das Ablehnen der Verhandlung mit der Verbandsleitung muß als BrüSkierung der gesamten Arbeiterschaft aufgefaßt werden. Die Arbeiterschaft wird aber die Quittung darüber geben, und zwar derart, daß Versicherungen aller Art vnr NvA mit prgqnisiuteo Kassier««, abgeschloss«, werden. Für die WS bereis» zv?ei! geTorvene Unkerstüßimg der Ar« Heiterschaft sprechen die Versammelten ihren Dank aus, erwarten aber von der gesamten Arbeiterschaft Deutschlands, daß dieselbe in Zukunft mehr auf die vom Transportarbeiterverband heraus- gegebenen braunen Kontrollkarten achtet.— Beim Bedarf von Möbeln, oder Nähmaschinen, beim Abschluß von Versicherungen aller Art verlange man stets diese Karte. Wer nicht im Besitz einer solchen ist, dem weise man ohne weiteres die Tür." Hierauf besprach die Versammlung die Zustände der Ein- kassierer bei der Nähmaschinenfabrik Singer u. Co. Auch hier werden im wesentlichen dieselben Beschwerden angeführt wie in bezug auf die„Victoria". Geklagt wird besonders über die An- stellungsverträge, die den Angestellten zu einem willenlosen Werk- zeug des Unternehmers machen. Wer das erwartete Pensum in der Akquisition nicht leistet, wird ohne Umstände entlassen. Ange- stellte, die viele Jahre ihre volle Schuldigkeit im Dienste der Ge- sellschaft getan haben, sind entlassen worden. ES ist vorgekommen, daß Angestellte nach ihrem Abgange noch jahrelang warten mußten, ehe sie den einbehaltenen Teil ihrer verdienten Provision erhalten haben. In einem Falle erhielt jemand erst sechs Jahre nach seinem Austritt die Restprovision ausbezahlt und auch erst, nachdem er ganz energisch auf Bezahlung gedrungen hatte. Es erging der dringende Appell an alle Einkassierer, sich der Organisation anzn- schließen, um mit Hilfe derselben für die Verbesserung der äußerst ungünstigen Verhältnisse zu sargen. Kürschncrverbanb. In der am Mittwoch abgehaltenen General- Versammlung der Filiale Berlin erstattete der Kassierer den Rechenschaftsbericht für das zweite Ouartal. Die Einnahmen be- trugen 4905,94 M., die Ausgaben 4584,24 M., darunter 1563,60 Mark Streikunterstützung, 263,90 M. Krankenunterstützung, 171,30 Mark Rechtsschutz.— Der Mitgliederbestand belief sich am Anfang deS Quartals auf 343 männliche und 509 weibliche, zusammen 845. Am Schluß de? Quartals waren 363 männliche und 530 weibliche, zusammen 893 Mitglieder vorhanden.— Aus dem vom Vorsitzenden Regge erstatteten Bericht über die Frequenz des Arbeitsnachweises ist zu entnehmen: Im Laufe des Quartals ließen sich 248 Arbeitsuchende eintragen. 292 offene Stellen waren gemeldet, besetzt wurden 122.— An Stelle des zurückgetretenen Beisitzers Wenski wurde Jäckel in den Vorstand gewählt.— Ausgeschlossen wurden Baum, Storkmann und Bork. Regge gab einen Bericht über die internationale Kürschner- konfenenz, welche am 15. und 16. dieses Monats in Brüssel ab- gehalten wurde. Er konstatierte, daß die internationalen Be- Ziehungen der Kürschner seit der vorigen Konferenz erfreuliche Fortschritte gemacht haben.— Die Diskussion über den ein- gehenden Bericht wurde auf die nächste Versammlung verschoben, weil eine ausgiebige Debatte darüber zu erwarten ist, ob die Berliner Mitglieder damit einverstanden sind, daß ihr Angestellter Regge von der Konferenz zur Uebernahme des internationalen Sekretariats bestimmt wurde.— Schließlich trat der Versamm- lung in eine kurze Besprechung ein über die im„Vorwärts" bereits mitgeteilte Arbeitsniederlegung bei Bräutigam. Die Differenz mit der Firma hat sich derart gestaltet, daß die Arbeiter die Ent- fernung deS Werkführers verlangen, weil dieser in der rigorosesten Weise gegen die Arbeiter vorgeht und ein geregeltes Verhältnis unter seiner Geschäftsführung nicht zu erwarten ist. Tie Sperre über die Werkstatt Bräutigam bleibt nach wie vor bestehen. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Kohlenarbeiter. Zu dem in der Nr. 174 deS„Vorwärts"«c- schienenen Versammlungsbericht der Kohlenarbeiter wird uns mit- geteilt, daß nicht im AufenthaltsMum von der Firma Lichtenstein. sondern in den hier in Frage kommenden Räumen von den Firmen Simon und L. Schulze, PI. II, Ratten den Arbeitern das Frühstücksbrot aus den Röcken gefressen haben.— Bezüglich der Aborte auf dem Kohlenbahnhof Wedding möchten wir darauf hinweisen, daß für 75—100 Arbeiter nur ein Abort zur Verfugung steht (Tonnensystem), der sich in einem skandalösen Zustande befindet. Die Umgebung leidet unter großem Gestank. Angeblich hat die Eisenbahnverwaltung für die Aborteinrichtung zu sorgen. Sozialdeinokratiseher Verein im 5. Berliner Haiitkreise. Am 31. Juli verstarb unser Mitglied, der Ztgarrenarbeiter Heimsrm Noak (429. vezlrt, 8. 816%). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitlwoch, den i. August. 11 Uhr vormittag», von der teiodenkall» des JQdischon Friedhofes, Weifion- see, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 223/ t Der Borstand. veulLever Holzarbeiter-Verbanil Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Ktste»- mach« Emil Kunow am 80. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 3. August,»ach- mittag« S Uhr, von der Halle de« Hellt g. Kreuz- KlrchhoseS w Mariendors au« statt. 87/18 Die Ortsverwaltung. Deutscher | Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstellt Berlin. Todes- Anzeige. . Den Kollegen zur Nachricht, | daß unser Mitglied, der Schlosser Georg Heinemann am 29. Juli an Freitod gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. August, nach- mittags» Uhr, von der Leichen- Halle deS Heilig- ZkreuzfirchhoseS in Mariendors aus statt. Rege Beteiligung erwartet 01« OrtsverwaltuRB. Zurückgekehrt 8116 Dr.A. Halm, MOllerstr. 22a. KlnmtN' und fulünbuldkm oon Robert Meyer,* «tu Mamuuen-Strkjje 2. Zeutral-Kerbaud der Schmikde. BerwaltnngSstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolleg« Kai-I Paeschel am 80. Juli d. I. an Magenkrebs im Alter von 62 Jahren ver- starben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den 3. August, nach. mittags S Uhr, von der Leichen« halle de» Georgen-KirchhoseS in Weißensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 176/13 Die OrtsveimalUmg. Invaliiien-llDterstiltziingskasse ii.St8inMeru.Litbop{iben. Die Beerdigung deS am 31. Juli er. verstorbenen Lühs graphen Wülx Ary findet statt am Dienstag, den I 3. August, nachmittags 4 Uhr, I von der Leichenhalle der Trini- 1 tafiS- Gemeinde. Reinickendors- 1 West, Scharnwebersiraße 1—2. DaS Komitee. Für die Teilnahme bei der Beerdi- gung meiner Itcben Frau und unserer guten Mutter Aei-ti» ISoire sagen wir allen Bekannten sowie den Genossen deS 7b. Bezirks der ersten und zweiten Abteilung unseren besten Dank. 810b Karl Dowe nebst Kindern. Danksagung. Für dt« herzliche Teilnahm« bei der Beerdigung meine» lieben Manne» und unseres guten BatcrS sagen wir allen Verwandten, Bekannten und Freunden, besonder« dem Vor- stand undAngcstellten der Slllgemcwen OrtSkrankenkass-, dem Verband der Bureauangcslelltcn, dem Vorstand deS zweiten Berliner üteichstagswahikreilcs sowie den Genossen de» 152. Bezirks unseren herzlichsten Dank. 20VSL Witwe Walter nebst Kindern. vi". Simmkl 8pe?jaktot 6216* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, wt« 10—2, 6—7. ßonotags 10—12, 2—4 Für den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. €bcater. DienStag, den 3. A u g u st. Hnfang VI, Uhr. Neues königliches Operntheater. Di« Meistersinger von Nürnberg. Ansang ö'/, Uhr. Anfang S Uhr. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Sin Skandal in Monte Carlo. Lesstng. Die Dollarprwzesfin. Berliner. Ein Herbsttnanöver. Neues. Sein Sundenregister. Neues Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Komische Oper. Demimonde. Refidenz. Kümmere dich um Amelie. Lnftspielhaus. Familie Schimek. Neues Operetten. Die Sprudelsee. Kleines. Moral. Weste«. Der sidele Baner. Schiller O. l Wallner. Theater.) Madam« Bonward. Schiller Charlottenbnrg. Der Biberpelz. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Die Zauberslöte. Luisen. Der stille See. Thalia. Im CasS Noblesse. Folies Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8',« Uhr. Metropot. Die oberen Zehntausend. Apollo. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau EllamS Friseur. Wintergarten. Spezialit Stell. Passage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Was eine Frau kann. Walhalla. Spezialitäten. Berliner Prater. Man lebt t» nur ewmal. W. Roacks Theater. Onkel Schlau« meier. Spezialitäten. Stadt-Theater Moabit. Epezia» litäten. BolkSgarte«. Spezialitäten. Brunnen. Ein« tolle Nacht. Spezialitäten. RetchShalle». Stetttner Sänger. Urania. Taudenftrahe 4MJ49, Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korsu. Sternwarte. Jnvaltdenllr. S7/SS. 8vI»tKIer>'riteatvi'. Sclilllsr-Idestsr 0.(Wallner-Theater.) Täglich: lilnSa»»« Bonlvard. Schwant in 3 Akten von Alexander Bisson und Antony Mars. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Schiller-Theater Charlotten&arg. Täglich: Der Biberpeln. Eine DIebcSlomödie in 4 AtttN von Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10',, Uhr. Urania. WiflBenBchaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abazzia bis Corfu. Lessing-Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Ansang 8 Uhr. Die DollarprlnneMln« Op erette in 3 Akten von Leo Fall. berliner T'Keater. Heute 8 Uhr: Gin BTerbHtmanOver, Morgen: Ein Neues Theater. Abends 8 Uhr: SeinSündenregister Mittwoch und folgende Tage: Sein Sündenregister. Neues Kg). Opern-Theater(Kroll). Dnra-Oper. Einfache Preise. Die Meistersinger von Herg Von Bich.Wagner.— Ank. ö'/i Uhr. Mittwoch: Salome. Donnerstag; Carmen. Freitag: Tannhäuser. Sonnabend: Lohengnn. Sonntag: Meistersing erMontag�Orpheua_ Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: DerfldeleBauerÄI'n Nenes Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Ubr: Die 8pru»lelfee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. frjgMMHKöMdtisliiios Schauspielhaus. DienStag, 3. August, abends 8 Uhr: Die Zanberflöte. Mittwoch: Fra Diavelo. Donnerstag: Postillon vonLonjumeau. Freitag: Die Afrikanerin. Sonnabend: Der FreisehDtr._ r Pranbfiirter Chanssee 5 (früher 120). Stadtbahnstation | Frankfurter Allee. Fernsprecher FriedrichsbergNoB i Friedrichsberg Inh.; Gebr. Arnboli Täglich: Große interulitionutt Kinghampf-Konhumllj ! um d. Meisterschaft d. Fror. llrandenhg. und die Prämie 5009 M. In bar.| ■HM Vor den Ringkämpfen:"ME ' Anftreten erstklassiger Spezialitäten mit Franz Sobanski. ?assage-?aoopt!jlum. Bigal die schweb. Jangfran. Ganz Berlin zerbricht||Mm sich wieder d.Kopf über DerMann m.d.eisernen Schlund! Experimente d. IV. Dimension! Alles ohne Extra-Entree. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. « Uhrt 8 Uhrt i t« Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen mld solgende Tage: Dieselbe Borstellung. XiüstsplelliaiiSo Abends 8 Uhr: jfatniHe Schimek. V fütiPU CT Vanete-Theafer IWeinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: D-ueuen August-Spezialitäte« I Frei: Im Garten llannert. Leven u. Treiben im Traumland. U! Passage-Theater. Ein durebseblagender| Erfolg! Alois POschl Gdmondo Cnclnl The Glngtons und das iugust-Programm! 12 erstklass. Varittt-Attraktlonen Hetropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. JuL Freund. Musik v. Qnst. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Bich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ab 8 Uhr: Die venen �Attrahtmea. 8ine Karenisnaelit. Marya Delvard. Triumph der Schönheit Ethel Whitcsldes u. a. m. ERUWROSfnifÄTE (Är. Frankfurter Str. 132.| Was eioeFrim kann. L. Anfang 8 Uhr. Ende lO1/. Uhr. Aus der Gartenbühne Ansang 4'/, Uhr. ll. a.: Mr. Tat«, der Welt-Jllustonist I Spezialitäten ersten Sianges tiffgi clzmarktstr.72(Ecke Alexanderstr.) Sgl. i.herrl.Natur-Sommergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Gr. Thealer- u. 8pez.» Vorstellung. Amor Hilf Irrwegen. Posse mit Gesang von Tyrkowstt. Ell/ Gurgois, Duett Herrmann, Heinz Heuer, Harves and Horves, Loewe- Lessen und erstklass. Spezialitäten. Ans. wochent. 8, Sonntags 5 Uhr. Theal'ep Frau Elkam's Friseur. Hierzu: Kleine- Keine Tochter. Beide Komödien mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anf. 8Uhr. Ab 7Uhr: Promen.-Konzert im sehati.Sonimergarien und Pergola. llOiOOWOOOKOOO—< !; Schweizer• Garten Am Königstor. Am Friedrichshain\ TSnlinh Ansang 4 resp. 5 Uhr( » 1 agilen Gntree 30 Pf.' ! Thealer-Yorslellung Spezialität. 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Erscheinen aller Mitglieder erwarten _ Die Vorstände. Wilmersdorf-Halens«. Heute, Dienstag, den 3. Nugust, findet im GesellschaftshauS, WilhelmSaue 112, die Generalversainuilung des Wahlvereins statt. Genosse B ö S k e referiert über den kommenden Parteitag. Trcptow-Baumschulenweg. Heute, DienStag, abends 8>/z Uhr, in Baumschulenweg. Speers Festsäle: Generalversammlung des Wahl- Vereins. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. (Garten und rief dort hinein, wenn jemand dort anwesend sei, so möge er herauskommen. Es kam aber niemand heraus. Dagegen rief eine Stimme:„Albert", und Thurow erkannte die Stimme des Kutschers Wulff. Somit wurde seine Anwesenheit im Garten er- wiesen. Das deckt sich auch mit den Angaben jenes Mädchens, das Wulff vom ersten Stock aus gesehen hat. Außerdem wurde ein Freund des Wulff ermittelt, dem dieser das zur Tat benutzte In strument schon früher gezeigt hat. Bei der Gegenüberstellung der Zeugen hat er dann schließlich eingeräumt, daß ihm das Werkzeug gehöre. Wulff wurde gestern mittag vom 91. Polizeirevier dem Polizeipräsidialgebäude zugeführt. Nachmittags wurde eine örtliche Besichtigung durch den Unter suchungsrichter vorgenommen. Dazu wurde Wulff vom Polizei Präsidium nach dem Tatort gebracht. Er blieb auch vor dem Untersuchungsrichter bei seiner ersten Aussage, daß er von dem Augenblick, wo er an der Tür seiner Stube den Schlag in das Gesicht erhalten, sich in einem Dämmerzustand befunden habe und nichts mehr wisse. Die Möglichkeit, daß er die Schneider er- schlagen habe, gibt er auch dem Nichter gegenüber zu. Kerlwer JVacbncbten. Ein Franenmord. Aus dem Norden der Stadt wurde gestern eine Bluttat ge meldet, welche die Kriminalpolizei schon in der frühesten Morgen stunde an den Tatort rief. Den Schauplatz des Mordes bildet das Grundstück Gericht- straße 69, auf dessen Hof sich die Stallungen des Molkereibesitzers Flörecke und daran anschließend ein kleiner Garten befinden. Diese grenzen an die Feuerwache des 16. Zuges in der Pankstratze. Bei dem Molkereibesitzer wurde seit dem 3. Mai dieses Jahres der am 25. März 1887 in Friedrichsfelde geborene Stallmann und Kutscher Ernst Wulff beschäftigt. Dieser hat in der vergangenen Nacht eine Frauensperson, die von der Kriminalpolizei als die am 17. Mai 1888 in Bublitz geborene unverehelichte Berta Schneider aus der Neuen Hochstraße 43 bei Heller festgestellt wurde, in der Chausseestraße getroffen, in seine über dem Kuhstall belegene Kammer mitgenommen und dann, nachdem ein Streit und Kampf stattgefunden hatte, mit einem schmiedeeisernen, schweren, schlag ringartigen Gegenstand getötet. So lautet das vorläufige Gut achten des Gerichtsarztcs Dr. Fränkel. Durch die Schläge wurde der Schädel zertrümmert. Wulff selbst hatte Biß- und Kratzwunden davongetragen. Der Kampf begann nach den behördlichen Fest stcllungen in dem Schlafraum und zog sich bis auf den davor be� lcgenen Futterboden hin. Hier zeigt ein mit Häcksel gestillter, blutdurchtränkter Sack die Stelle, wo das Opfer gelegen hat. Nach dem Wulff die Schneider erschlagen hatte, steckte er den nackten Körper in einen Sack und schleppte die Last die Treppe hinab am Kuhstall vorüber nach dem kleinen Garten, um dort das Opfer zu verscharren. Dabei aber wurde er von dem Fischermeister Friese und dem Fabrikanten Messer, die schon um 2 Uhr früh auf dem Hof zu tun hatten und vom Garten her Geräusch vernahmen. gestört. Beide Personen sahen durch den den Garten umschließenden Lattenzaun hindurch, daß auf dem Erdboden der nackte Körper einer weiblichen Person lag. Wulff war nicht wahrzunehmen, weil ihn das Strauchwerk des etwas winkligen Garten? verdeckte. Im ersten Stock des Hauses war auch da? Dienstmädchen Hannebohm wach geworden und bemerkte, daß sich ein kleiner Mann aus dem Garten an der Mauer des Kuhstalles entlang schlich und nach der Kutscherwohnung begab. Sogleich wurden nun Polizeirevier und Kriminalpolizei benachrichtigt. Revierbeamte fanden bei den Nach- forschungen nach dem Täter auf dem Dach des StallgebäudcS einen Mann, der auf dem Schornstein saß und den Mond zu betrachten schien. Er hatte sich ein weißes Tuch um den Hals geschlungen� In ihm wurde der Täter vermutet. Die Feuerwehr holte ihn vom Dach herunter, und man erkannte in ihm den Kutscher Wulff. Er war mit Blut völlig besudelt und wurde nach der Polizeiwache gebracht. Inzwischen traf der stellvertretende Leiter der Kriminal- Polizei, Regierungsrat Dr. Lindenau, der Kriminalinspektor Klatt vom Erkennungsdienst und die Sonderkommission ein. Bei der Aufnahme des Tatbestandes fand man auf dem Hof und in der Stallung blutige Abdrücke nackter Füße, die von Wulff herrühren; wahrscheinlich hat er sich Gesicht und Hände dort gewaschen. Das Instrument, mit dem die Tat ausgeführt wurde, lag an einer Mauer, die das Grundstück nach dem Nebenhause 61 abschließt. — Eine nähere Durchsuchung des Wohnraumes ergab das Vor- handensein von Bildern nackter Personen, Detektivgeschichten und Jndianerromanen. Wulff selbst ist ein kleiner, aber sehr musku- löser Mann, der seine Kräfte besonder? geübt hat. Er sagt aus, daß er vorgestern abend um 11 Uhr weggegangen und durch den Genuß von Bier und Kognak in mehreren Wirtshäusern ange- heitert gewesen sei. In dpr Invaliden- oder in der Chausseestraße sei er mit einem Mann zusammengetroffen, mit dem er noch mehrere Kneipen besuchte; dann habe er das Mädchen in der Chausseestraße angesprochen. Da? Mädchen hatte abgelehnt, mit beiden Männern in die Wulffsche Behausung zu gehen. Darum habe er dem fremden Mann die Schlüssel zum Haus und der Wohnung zugesteckt. Dieser habe aufgeschlossen, er selbst mit dem Mädchen sei nachgekommen. Nachdem er dem Mädchen vier Mark eingehändigt hatte, sei er weggegangen, und der Fremde, der sich in der Nachbarschaft versteckt gehalten habe, sei zu dem Mädchen gegangen. Bald habe er Hilferufe gehört, aber an der Tür zu seinem Raum einen Schlag in das Gesicht erhalten, als er hinzu- eilen wollte. Dann habe ihn die Besinnung verlassen. Er wisse nicht, was aus dem Mädchen geworden, wie es in den Garten, und er auf das Dach gekommen sei. Die Möglichkeit seiner Täterschaft gibt er aber zu, da er an Wutanfällen leide und nicht wisse, was er tue. Wulff ist mehrfach wegen Körperverletzung bestraft, zuletzt mit 16 Monaten Gefängnis.>— Die Leiche- der Erschlagenen wird im SchauhauS gerichtsärztlich geöffnet werden. Die Biß. und Kratzwunden, die Wulff erlitt, wurden gleichfalls photographisch festgelegt. Gesunden wurde auch noch ein blutiges Zweimarkstück, daß er wohl dem Mädchen hat wieder abnehmen wollen. Wie weiter berichtet wird, dürfte Wulff der Tat überführt sein. Der Kutscher Albert Thurow, der auf demselben Grundstück bei dem Händler Lohse beschäftigt ist und kurz nach 2 Uhr früh mit seinem Gespann vom Hof fuhr, bemerkte jemand in dem DaS„Gemcindeblatt", das vom Magistrat herausgegeben und vom Stadtrat Kalisch„redigiert" wird, bringt in seiner neuesten Nummer 31 vom 1. August den allwöchentlichen Bericht über die H e i m st ä t t e n fr e q n e n z zum ersten Male in einer anderen Form als bisher. Der in voriger Woche vom„Vorwärts" gegebene Hinweis auf die Konfusion, die da herrschte, hat schneller gefruchtet, als wir es erwartet hatten. Die Heimstätte Gütergotz war bis gegen Ende 1908 mit brustkranken(b. h. lungenkranken) Männern belegt worden, wurde seit Januar 1999 mit genesenden Männern belegt und führte von da ab in den durch das„Gemeindeblatt" veröffentlichten Wochenberichten die Bezeichnung einer Heimstätte„für genesende Männer". Im Gegensatz hierzu wurde in den Monatsberichten, die alle vier bis fünf Wochen an derselben Stelle veröffentlicht wurden, Gütergotz nach wie vor als Heimstätte„für brustkranle Männer" bezeichnet, so daß die F r e g u e n z st a t i st i k dem Unkundigen ein ganz falsches Bild geben mußte. Irrig war zunächst nur die Angabe in den Monatsberichten, später entsprach aber auch die Angabe in den Wochew berichten nicht inehr den tatsächlichen Verhältnissen, weil inzwischen in Gütergotz eine Anzahl Betten wieder zur Belegung mit Männer», die an geschlossener Tuberkulose leiden, bestimnit worden war. In der neuesten Nummer des„Gemeindeblatt" finden wir nun Gütergotz bezeichnet als Heimstätte„für genesende und an ge schlossener Tuberkulose leidende Männer", und über die Frequenz wird jetzt gesagt, belegt seien mit Genesenden 56 Betten, mit Lungenkranken 49 Betten, frei seien für Genesende kein Bett, für Lungenkranke 2 Betten. Jetzt bleibt nur noch zu wünschen, daß auch der nächstfällige Monatsbericht entsprechend korrigiert wird und daß man die unbewußt gefälschten Berichte über die früheren Monate durch korrigierende Nachträge ergänzt. Einbruchsdievstahl im Kaiscr-Fricdrich-Mnsenm. In der Nacht zum Sonntag ist in dem Kaiser-Friedrich-Museum an der Monbijoustraße ein Einbruchsdiebstahl verübt worden, bei dem Kunstgegenstände von recht bedeutendem Werte erbeutet wurden. Der Diebstahl erinnert lebhast an den Einbruch, der seinerzeit im Zeughause ausgeführt wurde. Ebenso wie damals so hat sich auch vorgestern nacht der Täter eines Strickes bei seiner Flucht bedient. In dem westlichen Teil des Museums liegt das Münzkabinett, das aus zwei Räumen besteht. In diesen beide» Sälen find wertvolle Münzen und andere goldene und silberne Kunstgegenstände untergebracht. Während der eine Raum von der deutschen und ausländischen Bildergalerie zu betreten ist, führt der zweite Raum nach dem runden Foyer. Der Täter ist jedenfalls da durch ungehindert in das Münzkabinett gelangt, daß er sich am Nachmittag in dem Museum einschließen ließ. Er hat sich an, Schluß der Besichtigungszeit an einer versteckten Stelle verborgen gehalten und ist dann gegen Mitternacht aus seinem Versteck heraus- gekommen, um an die„Arbeit" zu gehen. Er stahl aus den beiden Sälen des Münzkabinetts eine Reihe silberner Barren sowie einige aus Gold getriebene Kunstobjekte. An einer Strickleiter ließ sich der Eindringling dann wahrscheinlich nach der Westseite zu aus dem Fenster herab. Den Weg durch das Portal hat er nicht benutzt. Ein Wächter des Museums hatte allerdings Verdacht geschöpft, als er des Burschen ansichtig wurde. Er stellte ihn auch zur Rede, ließ ihn dann aber wieder laufen, da er ja nicht ahnen konnte, daß der Unbekannte einen Einbruchsdiebstahl in dem Museum ausgeführt hatte. Gegen 2 Uhr nachts wurde dann der Diebstahl entdeckt und die Polizei benachrichtigt. Die Kriminalpolizei hat die Verfolgung des Einbrechers noch in der Nacht aufgenommen. Das Münzkabinett war am Sonntag für die Besucher des Museums gesperrt. Auf die Ermittelung der Täter setzt das Polizeipräsidium eine Belohnung von 599 M., die Verwaltung des Kaiser-Friedrich-MuscumS eine solche in Höhe von 1999 M. aus. Amtlich wird über den Einbruchsdiebstahl gemeldet: Im Kaiset Friedrich-Museum ist in der Nacht zum 1. d. M. zwischen 12 und 12� Uhr ein Einbruch verübt worden. Hierbei wurden gestohlen massive Gold-, Silber- und Kupferbarren, zwei goldene Ketten mit Gehänge aus Süd- rußland(Mittelalter), eine goldene Schale aus dem 12. bis 13. Iaht hundert, gefunden in Tiflis, sowie eine silberne Schale. Die Gegenstände, die einen Gesamtwert von 19 999 M. haben, befanden sich in den Sälen 9. 19 und 15 in verschlossenen Glasschränken. Mittels Stemm eisen sind die Schränke erbrochen. Abgesehen hatten es die Täter zweifellos auf die sehr wertvollen Goldmünzen in Saal 15. Die mit Stahljalousten verschlossenen Schränke haben die Einbrecher jedoch nicht zu öffnen vermocht. Deshalb haben sie sich mit den weniger wertvollen Gegenständen begnügen müssen. Die Täter, zwei junge Leute im Alter von ctlva zwanzig Jahren, sind von dem Museumswächter Nowack auf dem Gelände des Museums unter der Stadtbahn gesehen worden. Der Wächter hat dort mit dem einen auch gesprochen, ihn aber nicht festgehalten, weil er ihm angab, er habe sich sein Handwerkszeug vom Platz geholt. Der Mann hat dem Wächter auch ein Stemmeisen gezeigt. Der andere Täter ist von dein Wächter Heil, der die Tür an der kleinen MuseumSstraße schließt, vom Platz fortgelassen worden. Zehnpfcimigposten nach den Bereinigten Staaten von Amerika gehen im Laufe des Monats August im ganzen zehn und zlvar entweder von Cuxhaven oder Hamburg am 3., 5., 19., 12.. 17., 19., 21., 24., 26. und 31. Die Dampfer, die am 5. und 19. von Cuxhaven abgehen, sind keine Schnelldampfer und brauchen zur Ueberfahrt neun bis zehn Tage. Alle anderen Dampfer sind Schnell- dampfer, die New Aork von Bremerhaven in sieben Tagen erreichen. Die letzten Bahnposten nach Bremerhaven gehen jeden Morgen vor Abgang des Dampfers von Hannover 3,47, von Osnabrück 3,21, von Bremerhaven 7,99. Nach Cuxhaven geht die letzte Post von Berlin 11,56, von Magdeburg 12,17, von Hannover 3,37 und von Osnabrück 3,21. Nur diese erfordern das ermäßigte Porto von 19 Pf. für Briefe bis zu 29 Gramm. Auch Briefe, die diesen Dampfern über England oder Frankreich nachgeschickt werden, kosten 29 Pf. Im übrigen gelten die Taxen des Weltpostvereins für andere Brief- sendungen nach Amerika. Ein entsetzlicher Straßcuunfall hat sich am Sonntagvormittag in der Badstraße zugetragen. Der siebenjährige Schulknabe Erich Breilich, Putbuser Str. 12, hatte seine Geschwister, die im Humboldt- Hain weilten, aufsuchen wollen. Als er den Fahrdamm der Bad- straße überschritt, übersah er das Herannahen eines Milchwagens. Ehe er sich in Sicherheit bringen konnte, hatte ihn das Fuhrwerk erfaßt und zu Boden gerissen.'Die Räder gingen dem unglücklichen Kinde derartig über Brust und Hals hinweg, daß der Leib förmlich aufgerissen wurde und die Eingeweide hervortraten. Der Hals wurde schwer verstümmelt. Sterbend wurde der Knabe nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht. Gcrüsteinstnrz im Liitzowvicrtel. In der Dörnbergstr. 6 brach gestern vormittag ein Teil des Baugerüstes zusammen, wobei der vierzigjährige Maler Kuhn schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich, verletzt wurde. Seitenflügel und Onergebäude sollen an den Fassaden renoviert werden, und es sind zu diesem Zweck Leitergerüste auf« geführt worden. Zwei dieser Leitern, die nicht genügend mit der Wand befestigt waren, gerieten ins Wanken und stürzten zusamnien. Der Maler wurde aus der Höhe deS ersten Stockes in die Tiefe ge« rissen und hat dabei neben Verstauchungen anscheinend auch innere Verletzungen davongetragen. Auf seinen Wunsch wurde er nach keiner Wohnung gebracht. Die schon häufig gerügte Unsitte mancher Ausflügler, Flaschen im Walde zu zerschlagen und die Scherben fortzulverfen, hat am Sonn- tag wieder im Grunewald zu einem Unglücksfall Veranlassung ge- geben. In der Nähe der Saubucht spielte eine Gruppe von Aus- flüglern, wobei eine der Teilnehmerinnen, ein junge? Mädchen. stürzte. Die Dame fiel so unglücklich mit dem rechten Arm auf einen Glasscherben, daß ihr das Fleisch aufgeschnitten und die Puls- ader verletzt wurde. Glücklicherweise befanden sich bei der Gesell- schaft zwei im Samariterdienst ausgebildete Männer, die durch fach- gemäßes Unterbinden des Armes die Gefahr einer Verblutung vcr- hinderten, worauf dann die Verletzte mit der Bahn nach Berlin gebracht wurde. Der Berliner Arbeiter-Siadfahrerverein war am Freitag bei Wille in der Brunnenstraße beisammen. Aus dem Geschäfts- bericht, den der Vorsitzende Genosse Palm erstattete, ist zu ent» nehmen, daß zur Erledigung der laufenden Geschäfte im ver- flossenen Quartal zahllose Sitzungen der verschiedenen Körper« schaften und Kommisionen stattgefunden haben, in ganzen nicht weniger denn 41. Die Agitation wurde durch Verbreitung von Flugblättern an die organisationslosen Fahrer betrieben. Diese Agitation wird über Groß-Berlin ausgedehnt, auch verfolgten die Fahrten nach Werder zur Zeit der Baumblüte den gleichen Zweck; da Werder an Sonntagen das Ziel taufender Radfahrer ist. Das lliesultat dieser Tätigkeit war kein ungünstiges, obwohl ein besseres erhofft wurde. Es wurden 65 neue Mitglieder auf diese Weise gewonnen. Natürlich war diese Arbeit insofen mit Schwierig- leiten verknüpft, als die Polizei gerade den Arbeiter-Radfahrern sehr auf den Hacken sitzt. Drei Strafmandate mußten in Kauf genommen werden. In mehreren Fällen wurde Rechtsschutz ge- währt, wobei besonders darauf hingewiesen wurde, sich wenn irgend möglich, wie bei Ueberfahrcn u. dgl. eine Anzahl einwandsfreier Zeugen zu sichern, um nicht aussichtslose Prozesse führen zu müssen, die viel Geld kosten. Unfälle haben sich 9 ereignet, für welche 528,75 M. Unterstützung gezahlt wurde. Der Kassenbericht wies ein sehr günstiges Ergebnis auf und es wurde beschlossen, eine größere jetzt vorhandene Summe— über 1000 M.— im Fahrradhaus„Frisch auf" anzulegen. Ueber den Wert der Flugblattverbreitung, speziell über die Werderagitation, waren die Meinungen geteilt, ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Ueber die Stellung der Radfahrer zur Partei entspann sich eine längere Debatte, in welcher größere Berücksichtigung der Ar- beiter-Radfahrer in unserm Blatt gewünscht wurde. Von einem Vertreter der Redaktion wurde dargelegt, daß den Arbeiter-Rad- fahrern weit mehr durch Notizen allgemeiner Natur genützt werde, als durch Veröffentlichung interner fast ausschließlich die Rad- fahrer interessierender Versammlungsberichte, es wurde aber Be° rücksichtigung der Berichte zugesagt, die die Oeffentlichkeit an- gehende Angelegenheiten betreffen. Von Wichtigkeit für die Rad- fahrer tvar die Mitteilung des Vorsitzenden, daß in der Klage gegen den Polizeipräsidenten wegen Erhebung von 59 Pf. für Fahrradkarten die Berufungsinstanz das Urteil erster Instanz, das aus Zurückzahlung von 39 Pf. lautete, abgeändert und dem Polizeipräsidenten Recht gegeben hat. Rund um Berlin. Ain Sonntag gelangte zum 19. Male die Straßen-Radferufahrt Ruud um Berlin zum Austrag. Der Start erfolgte um 7>/g Uhr morgens in Bornim bei Potsdam und führte die Fahrt über Nauen, Herzberg, Löwenberg, Oranienburg, Bernau. Alt-Landsberg, Erkner, Mittenwalde, Zossen, Trebbin nach Klein- Machnow<243 Kilometer), woselbst sich das Ziel befindet. Die Zahl der Teilnehmer an dieser Fernfahrt ist seit Jahren in stetem Steigen begriffen und zeitigte diesmal 448 Nennungen, von denen 499 ain Start erschienen. Das Wetter, das für diese Fahrt ein sprichwörtlich schlechtes ist, schien auch diesmal sich wieder einzuregnen, hielt 'ich aber doch, wenn auch teilweise die Straßen in chlechtem Zustande waren. Das Ergebnis der Fahrt ist wlgendes: 1. G. S ch u l z e(Trebbin) 9 St. 12. Min. 13 Sek.; 2. W. thom Süden(Hamburg) 9 St. 12 Min. 14 Sek.; 3. H. Schulten(Gronau) 9 Std. 12 Min. 46 Sek. Dieser hatte 299 Meter vor dem Ziel Kcttcnschaden und kam im Laufschritt über Band. Nach 13 Minuten folgten in geringen Abständen Kotsch, Zander, Nackow, Sprung, Trunz, dann nach emer Pause Scholz und Funk usw. Das Nennen selbst verlief ohne ernstliche Zwischensälle, ivenngleich mehrere Favoriten durch Sturz und Radschadcn aus dem Rennen schieden. Am Ziel hatten sich zahlreiche Zuschauer ein- gefunden, die die Fahrer begrüßten. Radrennen zu Treptow. Der„Große Preis von Berlin", der am Sonntag in drei Läufen über 19, 29 und 39 Kilometer von dem Engländer Tommy Hall, dem Kölner Peter Günther und dem Bcr- liner Hermann Przyrembel hinter Zweisitzerführung bestritten wurde. eigte, daß die Rennen auch ohne daS Geknatter der Motoren pannend verlaufen können. Der Wechsel der Schrittmacher, deren jeder Fahrer drei Mannschaften zu seiner Verfügung hatte, ging gut von statten: an ermunternden Zurufen der zahlreichen Zuschauer ehlte es nicht. Tommy Hall zeigte sich als der Bessere; er gewann die beiden ersten Läufe und nur dem Umstände, daß er im dritten Laufe kurz vor dem Schluß Reifenschaden hatte und er dadurch ge- zwungen war, das Rad zu wechseln, hatte Günther in diesem Laufe >en Sieg zu verdanken. Das wackere Fahren des kleinen Engländers 'and verdienten Beifall. Die Ergebnisse sind folgende: I.Lauf(19 Kilometer): 1. Hall in 13 Min. 32� Sek., 2. Günther 159 Meter, 3. Przyrembel 189 Meter.— 2. Lauf(20 Kilometer): 1. Hall in 26 Min 593/5 Sek., 2. Przyrembel 199 Meter, 3. Günther 159 Meter.— 3. Lauf(39 Kilometer): 1. Günter in 41 Minuten, 473/z Sek., 2. Hall 39 Dieter, 3. Przyrembel 45 Meter.— DaS Hauptfahrcn über 1299 Meter gewann Fr. Hoffmann vor Kendel- mchcr, W. TheiS und TschirpS.— Im Prämienfahren über 5999 Meter legte Ganzevoort vor Kendelbachcr, Götze und Natzmer.— DaS Vorgabefahren über 1599 Meter wurde von W. TheiS(40 Meter Vorgabe) vor Ganzevoort(29), v. Natzmer(49) und Kendelbacher(29) gewonnen.— Die Goldene Armbinde von Treptow konnte von dem �(nhaber Patvke erfolgreich gegen Stabe in einem VerfolgungSrcnucn über 5999 Meter verteidigt werden. Die Rennen verliefen bei gutem Wetter ohne jeden Unfall. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 29. Juli er. gegen 6 Uhr nachmittags sprang ein unbekannter, an- scheinend dem Arbeiterstande angehörender, etwa 35—49 Jahre alter Mann von der LessingvrMe in die Spree und ertrank. Derselve ist 1,65 Meter groß, hat rötlich-dlondes Haar und Schnurrbart und als besonderes Kennzeichen an der rechten Mundseite eine sogenannte Hasenscharte. Bekleidet war der Selbstmörder mit schwarzem steifen Hut, brauner Hose und Jackett, dunkelbraun karierter Weste, braunen Segeltuchschuhen und blauer Schürze. Die Leiche befindet sich im Schauhause. Mitteilungen über die Persönlichkeit des Verstorbenen werden bei der Kriminalpolizei und auch auf den Polizeirevieren zu 2751. IV. öS. 09. entgegengenommen. Z» dem Selbstmordversuch eines Dienstmädchens, über den wir am Sonnabend berichteten, teilt uns der Schlächtermeister Otto Balzer, Gofilerstr. 18, bei dem das Mädchen in Dienst stand, mit, dafi es keiner schlechten Behandlung durch ihn oder seine Frau ausgesetzt gewesen sei. Darüber befragt, welchen Grund das Mädchen wohl zu dem Selbstmordversuch gehabt habe, wußte er keine Ursache an- zuführen. Eine„Bulkanologische Sammlung" ist im Lesesaal der Urania neuerdings zur Aufstellung gelangt. Es handelt sich um Aschen, Lapillis, vulkanische Bomben, Laven in verschiedenster Gestaltung und Ausbildung, sowie um Suolimationen resp. Ausscheidungen von Salmiak, Schwefel usw., die eine gedrängte Uebersicht der mineralogischen und petrographischen Bildungen geben, die am Krater eines Vulkans, auf Laven-Decken und in Spalten, an heißen Quellen usw. angetroffen werden. Die vorgeführten Belegstücke stammen vom Vesuv, vom Aetna und von den Eruptionsgebieten Islands. Das Material ist von der Linnaea zur Verfügung gestellt. Feurrwchrbericht. In der gestrigen Nacht erfolgte Alarm nach der Bremer Straße 43, wo man eine Anschlagsäule in Brand ge- steckt hatte. Vorher war die Feuerwehr nach der Prenzlauer Allee 84 und Prinzen-Allee 84 gerufen. Hier brannte eine Kiste mit Zelluloid und ausströmendes Gas aus einer offenen Gasleitung. Zum Glück war die Gefahr gleich bemerkt worden. Wegen einer LeuchtgaSvergistung, der zwanzigsten innerhalb acht Tagen, wurde der 20. Zug nach der Königstraße 7, Ecke der Poststraße, an, Sonntagnachmittag um S Uhr alarmiert. Leider zu spät. Es konnte nur noch der Tod des Geschäftsinhabers Sommer festgestellt werden. Ein Arzt konnte auch nicht mehr helfen. Der Tod war schon einige Zelt eingetreten. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt.— Elektrischer Kurzschluß in einer Leitung alarmierte die Feuerwehr nach der Matthäikirchstr. 4. Polstermatenalien brannten Manteuffelstr. 84 und Wollballen in einer Fabrik in der Pappelallee 8. Der 15. Zug hatte einen Laden- brand in der Stromstr. 8 in Moabit nachts um 12 Uhr zu löschen. Papier und anderes brannte gleichzeitig in der Königstr. 47. Wegen eines Schaufensterbrandes rückte oie Feuerwehr nach der Pückler- straße 20 aus. Ferner hatte die Feuerwehr in der MarkuSstr. 27, Bredow-, Ecke Wicleffstraße, und an anderen Stellen zu tun. Vorort- stlacbrickten. Tchöneberg. Tödlicher Bauunfall. Auf dem Neubau Eifenacher Straße Ecke Hauptstraße stürzte am gestrigen Montag kurz vor 12 Uhr ein Stein- träger mit samt der Last aus der vierten Etage an der Giebelseite ab und schlug unten mit dem Kopf auf einen eisernen Träger auf. Der Unglückliche war sofort tot. Ein Schutzdach war, wie man uns mitteilt, an dieser Stelle nicht vorhanden, sonst wäre der Sturz be- deutend abgeschwächt worden. Der Bau wird von der Banfirma Ernst Krause ausgeführt. Nixdorf. Arbeiter-Samariterkolonne, K. Abteilung. Morgen, Mitttvoch- abcnd, ö Uhr, bei Kaufhold, Erkstr. 8, Vortrag über:„Vergiftungen und gefahrdrohende KrankheitSzustände"« Daran anschließend praktische Uebungen. Steglitz. Eine Rettungswache zur Hilfeleistung bei plötzlichen Unglücks- fällen ist in der Gem e i n d e s ch u l e Sch loßstr. 4 3 in Be- trieb genommen worden. In der Zeit von früh 8 Uhr bis abends v Uhr steht die Wache ständig mit einem der hiesigen Aerzte in Ver- bindung. Telephonischer Anruf kann unter den Nummern 880. 881, 382 und 383 erfolgen. Unter erschwerenden Umständen vollzog sich die Einführung des neugewählten zweiten besoldeten Schöffen. Die zu diesem Zweck einberufene außerordentliche Gemeindevertretersitzung war zunächst nicht beschlußfähig und wurde um eine Stunde vertagt. Nach dieser Zeit war es mit vieler Mühe gelungen, noch zwei der Herren Gemeindevertreter nach dem Rathause zu lotsen, so daß nunmehr die Verpflichtung und Einführung des Herrn Rechnungs- direktors Jochem in sein neues Amt erfolgen konnte. Treptotv-Banmschulenweg. Zwölf Feuermelder, und zwar acht im Berliner OrtSteil und vier in Baumschulenweg, sind von der Firma Siemen? u. HalSke aufgestellt und von der Gemeindeverwaltung abgenommen worden. Alle zwölf sind mit der Zentrale im Amtshause und mit den Depots verbunden. Gleichzeitig sind Leitungen nach den Wohnungen der Feuerwehrmänner gelegt worden. Am Tage wird der Alarmruf durch die Sirene und durch Glocken, des Nachts nur durch Glocken gegeben. Die Mannschaftsnot, welche sich bisher oftmals bemerkbar machte, ist zum Teil beseitigt, da der größte Teil der Straßen- reinigungsmannschaften in den freiwilligen Feuerlöschdienst ein- gestellt worden ist. Durch einen Hund gestellt wurde vorgestern nachmittag ein Fahrraddieb, der in einem Lokal in Treptow ein Zweirad gestohlen hatte. Der Diebstahl wurde aber gleich darauf bemerkt; mehrere Nadfabrer unternahmen die Verfolgung deS Spitzbuben, der jedoch einen so bedeutenden Vorsprung hatte, daß es kaum möglich schien, ihn einzuholen. Einer der Verfolger hetzte seinen schottischen Schäferhund auf den Fliehenden, dem Tiere gelang es in der Köpenicker Landstraße den Fahrradmarder einzuholen. Der Hund sprang derartig gegen den Radler an. daß dieser mit der Maschine stürzte, wobei sich der Dieb eine leichte Fußkontusion zuzog, die ihm die weitere Flucht unmöglich machte. Der Festgenomniene, ein schon mehrfach vorbestrafter Fahrraddieb wurde der Polizei übergeben. Nuntmelsbnrg. Vereitelte Brandstiftung eines Geisteskranken. Um sich an dem Anblick eines großen Feuers weiden zu können, wollte vorgestern der Kulscher David Urban das Hau? Markgrasendamm 10 in Brand stecken. Der Hausverwalter kam gerade hinzu, als U. auf dem Boden die Borbereitungen traf. Streichhölzer, Kleinholz, Stricke und Kerzen hatte der Brandstifter in Mengen mitgebracht. U. wurde nach der nächsten Polizeiwache und von dort auf Veranlassung des Kreisarztes nach dem Jrrenhause gebracht. Ein Lcichcnftind, der noch der Aufklärung bedarf, wurde gestern Nachuiittag in der Neuen Bahnhofstraße gemacht. Bewohnern deS Hauses Neue Bahnhofstraße 22 war eS aufgefallen, daß sich auf dem Treppenflnr ein intensiver Leichengeruch bemerkbar machte. Man benachrichtigte'die Polizei, die bald feststellte, daß der Geruch aus der Wohnung des Hausdieners_ Wilhelm Wellnitz herausdrang. Durch einen Schlosser ließ die Polizei die Korridortür zu oer W/schen Wohnung öffnen. In seinem Bett fand man dann den W. tot auf. Die Leiche war schon teilweise in Ver- wesung übergegangen. Der Tote hat fast eine Woche hindurch in der Wohnung gelegen. Infolge der vorgeschrittenen Verwesung konnte noch nicht ermittelt werden, auf welche Ursache der Tod des W. zurückzuführen ist. Die Frau des Verstorbenen, die bei Verwandten in Drossen zur Erholung geweilt hatte, wurde sofort benachrichtigt und nach Berlin gerufen. Die Leiche des W., der im 28. Lebens- iah« stand, wurde beschlagnahmt und nach der Halle des Gemeinde- Friedhofes gebracht. Zossen. Mit der Klagesache gegen den früheren Kassenbeamten der hiesigen Ortslrankenkasse Aeskulap, Berrtheld, der seiner Zeit wegen unordentlicher Buchführung und eines bei der Revision festgestellten Fehlbetrages entlassen wurde, beschäftigte sich neben anderen An- gelcgenhetten die letzte Generalversammlung genannter Kasse. Wie berichtet wurde, hat B. den Fehlbetrag ersetzt. Dem jetzigen Kassen- beamten Golmar ist für die Regulierung der Bücher der Betrag von 125 M. zugebilligt worden, für welchen die Kasse B. ersatzpflichtig machen will. B. hat sich geweigert diesen Betrag zu zahlen, wes- halb die Kasse beim Amtsgericht den Klageweg gegen B. beschritten hat. Da B. bestreitet, die Bücher nicht ordnungsmäßig geführt zu haben, sollen dieselben durch einen vereideten Sachverständigen ge- prüft werden. Nowawes. Zu einem gewaltigen Protest gegen die Steuerpolitik deS„Schnapsblocks" gestaltete sich eine am Donnerstag im„Volksgarten" statt- gefundene Volksversammlung. Zirka 1000 Personen füllten den großen Saal und viele Besucher kehrten wieder um, da sie nicht einmal einen Stehplatz erhalten konnten. Eingeleitet wurde die Ver- sammlung durch ein stimmungsvolles Lied, welches der„Freie Männcrchor" zum Vortrag brachte. Dann nahm der Genosse Fritz Zubeil das Wort, rpn in zweistündigen Ausführungen den Ver- sammelten ein fesselndes Bild der politischen Zustände in Deutsch- land und der Kämpfe im Reichstage bei der Steuerberatung zu entrollen. In scharfer Weise brandmarkte Redner die Haltung der Regierung und die Feigheit der bürgerlichen Parteien, die fich aus Angst vor der„niedergerittenen" Sozialdemokratie nicht getrauten, gemeinsam mit dieser die Auf- lösunjj des Reichstages zu erzwingen. So schwer das arbeitende Volk mdes an den neuen Steuern zu tragen haben wird, sei es doch sicher, daß dieser Finanzreform infolge der steigenden Militärlasten in einigen Jahren eine neue folgen ivird, die wieder die Arbeiter- klaffe belasten wird, wenn das Volk nicht in energischer Weise Front gegen das herrschende Regierungssystem macht. Um diesen Kampf erfolgreich führen zu können, sei es Pflicht der Männer und Frauen des Proletariats, sich den sozialdemokratischen Organisationen an- zuschließen. �Stürmischer Beifall.) Nach einigen den Vortrag er- gänzenden Ausführungen des Vorsitzenden Genossen Gruhl, in denen er zum Eintritt in den Wahlverein und zum Abonnement auf die Parteipresse aufforderte, wurde die imposante Versammlung mit einem begeistert aufgenonimenen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Vermischtes. " Typhusfälle in Buckow. In Buckow(Mark. Schweiz)' sind elf Thphusfälle vorgekommen. Von amtlicher Seite wird folgendes mitgeteilt: Nachdem seit zwei Jahrzehnten, von etwa vier ver- einzelten Fällen abgesehen, Typhus in Buckow nicht vorgekommen ist, sind neuerdings elf Personen an Typhus erkrankt, von denen sieben im 5drankenhaus zu Müncheberg untergebracht sind. Der Tätigkeit sämtlicher in Frage kommenden Organe der Stadt wie Kreis- und Bezirksverwaltung ist es gelungen, den in Buckow be- findlichen Herd der anscheinend eingeschleppten Krankheit in einem hiesigen Milchgeschäft zu ermitteln und unschädlich zu macken. Seit Schließung des Milchgeschäfts, die am 27. Juli erfolgte, sind neue Erkrankungsfälle nicht vorgekommen. Bei der Ermittelungstätig- keit der Gesundheitskommission und der Vertrauenspersonen der Polizeiverwaltung ist es gänzlich ausgesdjloffen, daß unangemeldete Fälle von typhösen Erkrankungen oder Fälle, in denen der Verdacht einer solchen besteht, in Buckow vorhanden sind. Eine Verseuchung der Gewässer Buckows und seiner Ilmgegend, auch des Grund- waffers, wurde nach einstimmiger Ansicht der zuständigen Medizi- nalbeamten für ausgeschlossen erachtet. Irgendein Grund zur Be- unruhigung, insbesondere auch der Sommergäste Buckows, liegt, wie auch sämtliche zuständige Medizinalbeamte erklärten, nicht vor. Die Weiterfahrt des„Zeppelin II" nach Köln. Ueber die Abfahrt wird auS Frankfurt a. M. weiter gemeldet: Schon vom frühen Morgen umrahmte eine gewaltige Menschen- menge den in weitem Bogen abgesperrten Festplatz. DaS Luftschiff „Z. II" war mit der Spitze gegen die Stadt gekehrt. Die beide Gondeln ruhten auf dem Rasen. ES wurde zunächst Wasserstoff zugefüllt, Wasserballast und Benzinvorrat ergänzt. Um 10 Uhr 7 Minuten fingen die Propeller an zu arbeiten, und unter brausen- dem Jubel erhob sich der Luftkreuzer ruhig und sicher in die Lüfte und schwebte der Stadt zu, die er im Bogen umflog, um sich dann nordwestwärts zu wenden. Ueber den weiteren Verlauf der Fahrt orientieren nachstehende Telegramme: Mainz, 2. August. Das Lustschiff„Zeppelin II" überflog kurz nach 11 Uhr unter brausenden Jubelrufen einer großen Menge in der Richtung nach Wiesbaden die Stadt. Bingen, 2. August. Das Luftschiff„Zeppelin II" hat um 11 Uhr 30 Minuten die Stadt passiert. AuS Bingen wird gemeldet, daß das Luftschiff, daS�um 11)4 Uhr gesichtet wurde, oberhalb Bingens verschiedene Manöver auS- führte; um 12% Uhr passierte es die Stadt rheinabwärtS, um 1 Uhr überflog das Luftschiff Hirzenach zwischen St. Goar und Boppard. Neuwied, 2. August. Seit 1)4 Stunden schwebt„Zeppelin II" über Neuwied und Umgebung. Ein heftiger Gewitterregen ver- zögert die Weiterfahrt. Augenblicklich kreist es auf freiem Felde zwischen Andernach und Wcißenthurm. Remagen, 2. August. Das Luftschiff„Zeppelin II" wurde hier um 4 Uhr 20 Minuten gesichtet. Köln, 2. August. Nachdem das Luftschiff„Zeppelin II" von 4 Uhr 55 Minuten ab längere Zeit über Remagen, Kripp und Linz manövriert und mit heftigem Winde zu kämpfen hatte, wurde es um 5 Uhr 10 Minuten oberhalb Honnef gesichtet. Entgleist. Amtlich wird vom gestrigen Tage aus Hann oder gemeldet: Heute früh 4 Uhr 58 Minuten entgleiste der nicht mit Reisenden besetzte hintere Teil deS Personenzuges Nr. 502 von fannover nach Altenbeken in Kilometer 7,5 der Strecke Hannover— inden. Personen sind nicht verletzt, der Materialschaden ist nn- bedeutend. Die Reisenden wurden mit dem vorderen Teil des Zuges weiterbefördert. Die Ursache ist noch nicht aufgeklärt. Die Züge zwischen Hannover und Linden fahren über Wülfel und werden von da auf der Güterumgehungsbahn nach Linden weiter geleitet. Die Züge haben Verspätung biS zu 25 Minuten. SeemannSlos. Am Vietzker Strand, Kreis Stolp, sind dem mit elementarer Gewalt herrschenden Sturme drei Fischer- boote mit zwölf Jnsaffen zum Opfer gefallen. Während die Boote kieloben am Strande gefunden wurden, fehlt von den Verunglückten jede Spur._ Ttraßenbahnkatastrophe in Amerika. Unweit Eoenred'Alana stießen gestern zwei elektrische Straßenbahnwagen zusammen, wobei 20 Personen getötet und über 70 schwer oder minder schwer verletzt wurden. DaS Erdbeben in Mexiko. Ein Telegramm aus Acapulco besagt, daß die heftigen Erd- stoße auch am Sonntag andauerten. Die heftigste Erschütterung erfolgte am Sonnabendnachmittag, als das Waffer im Hafen 33 Fuß zurückging und später wieder ungestüm daherbrauste und die Piers verschlang. Die beschädigten Häuser wurden mit Dynamit gesprengt. Mexiko, 2. August.(Auf deutsch. atlantischem Kabel.) Eine Depesche des Konsuls der Vereinigten Staaten in Acapulco von gestern abend stellt fest, daß die heftige'Erderschütterung am Sonn- abend die Stadt vollkommen zerstört habe. Tausende von Menschen find ohne Obdach und wohnen aus der Straße, Dom Erdstoße folgte eine Flutwelle, tvelchs die niedriger gelegenen Teile der Stadt überschwemmte, Es fehlt an Lebensmitteln. Die FcucrSbrunst in Osaka, über die wir bereits berichteten. konnte erfolgreich bekämpft werden. Wie ein Telegramm auS Osaka meldet, ist es vorgestern früh gelungen, die dort wütende Feuersbrunst einzudämmen. 13 000 Häuser sind zerstört worden. Eingegangene Druckfckriften. Von der„Gleichheit--, Zeitschrist sür die Interessen bei Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 22 des!£). Jahrganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Des Schnapsblockcs Werk. Von I. Karski.— Von der Frauenarbeit in Preußen. III. Von xb.— Der Tiroler Aufstand im Jahre 1803. I. Von Dr. Wilhelm Hausenstcin.— Gegen das Recht der Textilarbeiterinnen.— Ein Fluch den Zinsen und Zehnten. Von-id. G.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Politische Rundschau. Von II. H.— Gewerlschastlich« Rundschau.— Genossenschastüche Rundschau. Von H. FL— Nolizentcil: Dienstboten- srage.— Kellnerinnensrage.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauen« bewegung im Ausland.— Frauenbewegung. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Waldesstimnie. Von Peter Hille.— Aus dem alten Buderbuche der Natur. Von Hanna Lcwin-Dorsch.— Nervosität und psychogene Störungen bei Schulkindern. Von Dr. B. Steininger.— Feuilleton: Wach aus! Von Klara Müller. Paris. Von Honorö de Balzac.(Fortsetzung.) Für unsere Kinder: Sommertraum. Von Emma Döltz. (Gedicht.)— Hüter der Ordnung. Märchen von Eugen Lewtn-Dorsch.— Aus dem Reiche der Technik: IV. Die alte Dampfmaschine. Von Richard Woldt.— Die Roggenmuhme. Von Jakob Löwenberg.(Gedicht.) Vixcn, eine Mutter. Von Ernest Selon Thompson.(Fortsetzung.)— Till Eulenspiegel als Bauernknecht.— Hänselein. Von Hossmann v. Fallersleben.(Gedicht.) Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSPreiZ vierteljährlich ohne Bestellgeld Bö Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2, öv M. »Der Wahre Jacob-- ist weben in der 16. Nummer des 26. Johr- ganges erschienen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden sarbigen Bilder„Herrlichen Zeiten führe ich euch entgegen l" und„Dem neuen Reichskanzler gewidmetl" sowie die Illustrationen.Hansabund",„Die türlische Finanzrcsorm",„Schnapsblockbrüder".„Ein schwieriger Fall".„Die Ausplünderung",„Besürchtungen",„Die sieben christlichen Suppenkaspar", Bühnenclcnd-- und„Im Ruhesland". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Puppenspiel",„Die Fronde",„Frommer Wunsch", AuS dem Zentrum",„Zahle, Michel, zahle!",„Der Standpunlt",„Elegie eines Liberalen",„An den Steuerzahler" und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„v. Bclow-Plcitenburg an v. Arnim-Schnodderhcim" und„Aus der Sitzung einer zukünsligcn Runlpskommission" von Rudolj Franz. Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Ps._ Bnefkaften der Redahtfon. Tie juristische Sprechstunde flndet Liode» straße 8, zweiter Hot, dritter Eingang, vier Treppen, Qtf Fahrstuhl wochrntiigllch abends von 7% diS 9% Uhr statt. Geöstiict 7 Uhr. Sonnabciids beginnt die Sprechstunde um ö Nhr. Jeder Anträge ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beijnsllgcn. Brieslichc Antwort wird nicht ertcil». BiS zur Beantwortung im Briefkasten können 1t Tage vrrgehcn. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde«or. 91. H. 80. 1. DaS uneheliche Kind hat nur dann einen Erbanfprnch gegen seinen Vater, wenn es ausdrücklich im Testament als Erbe eingesetzt ist. Die Alimente können noch innerhalb dreißig Jahren eingellagt werden. 2. Der Vormund ist zur Herausgabe der Papiere verpflichtet und kann mit Erfolg aus Herausgabe der Papiere verklagt werden. Ist die Forderung bereits ausgeklagt, so kann ohne weiteres Zwangsvollstreckung vorgenommen werden. 3. Nein.— Dh. M. 0. Ihren Wunsch können Sie nur durch einen Adoptionsvcrwag zur Erfüllung bringen. Der Vertrag ist mit der Mutter Und dem Vonnund� des KindcS gerichtlich oder notariell zu schließen und bedarf der Genehmigung deS VormundschastsgcrichtS. Der Kostenpunkt bcläust sich aus etwa 50 M. Elne Adoption ist nur zulässig, wenn Sie selbst keine ehelichen Kinder besitzen.— W. 40. 1. Der Mann kann als Zeuge vernommen und auch vereidigt werden. 2. Nein.— I. S. 23. Das Einkommen der Frau wird dem Einkommen deS ManncS zugerechnet. ES erfolgt nur die eine Einschätzung des HaushaltungSvorstandeS. — Heinrich 40. H. A. 42. 1. Die B e s i ch« i g u n g der Woh» n u n g muß in der im Vertrag vereinbarten Zeit zugelassen werden. Fehlt es an solcher Abrede, so muß die Wohnung in angemessener Zeit gezeigt werden. Im Strcilsalle hat aus Anrusung der Richter zu c»t- scheiden, waS angemessene Zeit ist. Es sind in Berlin Erkenntnisse er- gangen, welche die Zeit von 3—6 an Wochentagen und 3—1 am Spuntag sür angemessen erachtet haben. Indessen kann in jedem einzelnen Fall eine andere Regelung erfolgen. Ist man behindert, in der Wohnung zu sein, so ist man verpflichtet, durch Bereitstellung der Schlüssel oder durch Gcjälligkeit des Nachbars Gelegenheit zur Besichtigung der Wohnung zu geben. 2. Der Mieter ist nicht verpflichtet, die Genehmigung zur früheren Benutzung der MielSwohnung zu geben. Erklären Sie dem Wirt, daß Sie ohne Abstandsgeld mit der srühcren Einräumung der Wohnung nicht einverstanden sind.— W. M., Wilmersdorf. 1. und 2. Nein. — Dissibent 00 und<£. 100. Wenden Sie sich an das Bureau des Berliner KinderfchutzveremS, Bülowstr. 70.— H. H. 7. Melden Sie sich bei der Steuer-Zeiitralstclle, Berlin C. 2, Klostcrstr. 41, oder Zcntralburcau der Gaswerke, Berlin 0. 2, Klosterslr. 68 I. Die Gchaltsvcrhältnisse sind uns nicht bekannt. Derartige Stellen nachzuweisen sind wir nicht ln der Lage.- I. R. III. O. R. 21 und B.«. 22. 1. bis 3. Wenden Sie sich an das Bureau sür Auswanderer, Schellingstr. 4.— E. G. 30 und K. B. 100. Am besten ist, wenn Sie sich persönlich an das SliswngSbureau, Berlin 0. 2, Poststraße 16 I, um Auskunst wenden.— F. D. 1. Melden Sie sich bei Hern» Trabt, Frantsurtcr Allee 37. Direktor der 2. Handiverkerschule. Diele befindet sich Andreas. straße 1/2.— H. K. L Dabei können wir Ihnen leider nicht dienen. Amtlicher Marktbericht der stödtiichen Markthallen-Dtrektion über den Großhandel in den Zentral-Maritballen. Wtarktlage: Fleisch: Zusubr stark, Gelchäst flau, Preis« sür Hammel- und Schweinefleisch an- ziehend, für Kalbsteisth nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr nicht genügend, Geschalt ziemlich lebhast, Preise etwas nachgebend. G e« (Iii g ei: Zusuhr in Gänsen genügend, sonst knapp, Geichäst ziemlich lebhast. Preise bestiedigend. Fische: Zusuhr mäßig, Geichäst ziemlich lebhast bei hohen Preisen. Butter und Käie: Geschäjt ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr zum Teil knapp, Geschäft rege, Preise anziehend. WttteruugSuberftcht vom 2. August 1000. morgen« 8 Ubr. Stattonen kwinemd«. Hamburg Berlin Franks.» M. München Wie» l1 55 IJL s— �= = o m« "■c 762©91® 762 SSO 762 Still 759 NO 760 SO I762NO Wetter 2woMg 2 bedeckt wolkig 3 halb bd. 2wolkig 1 heiter w« ä* »II i? w5> Stationen LS -- 5 != S R— II Haparanda 753 N Petersburg 748 NNO Scilla 1766 NN® Aberdt». 763 in Pari- 70123 Vetter "f c* Ü 4 bedeckt 1 bedeckt 3 heiter 2 bedeckt 1 bedeckt 11 15 17 11 16 Wetterprognose für Dienstag, den 3. August 1000. Nachts wärmer, am Tage wieder etwas trüber, vorherrschend wolkig mit Regen und müßiger Luslbewegung. Berliner W e t t er bar e au. SSasserftandS-Rachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgctelU vom Berliner Wetterbureau. vasserstaud Kernel, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Wa r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leittneritz „ Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saal«, Srochlttz Havel, Spandau') _, Rathenow') Spree, Spremberg') , veeskow Leser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Hcilbronu Main, Wertheim Mosel, Trier am 1. 8. cm 66 46 18 64 36 —68 611 276 201 63 122 08 seit 31. 1. cm —2 0 n 0 _ 2 —9 —3 -1-3 —3 0 —1 y+ bedeutet Wuchs.— Fast.—») Unterpegel» Verband sozialdemokratiseher Wablvereine. Dienstag, den 3. August, abends 8% Uhr: General-Nersammwnge«wWlihI«miUi,wßßklllmKmsT I. Wahlkreis: I>räsels liokal, Neue Friedrichstraße 35* II. Wahlkreis: Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. UI Wahlkreis: iiieTeerksekattskaiis, Engelnfer 15. IV. Wahlkreis: Keller(Iah. Freyer), Koppenstraße Ä9. V. Wahlkreis: Altes Sclmtzenkans, Linienstr. 5. VI. Wahlkreis: Oermania-£>äle, Chansseestr. 110. 08/12* �(jgCssDrbttUng:(soweit nicht schon in einzelnen Kreisen erledigt) 1. Wahl oder Bestätigung der Delegieren zur Verbands-General- 4. Der Parteitag in Leipzig. Versammlung."" 5. Wahl der Delegierten. 2. Die Provinzialkonferenz. 6. Kreisberichte. 8. Wahl der Delegierten. 7. Kreisangelegenheiten. Das IWtgtkdsbucb legitimiert. Das Erscheinen aller Mitglieder erwarten Die Vorstände. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung; Berlin. IWittwoch, den 4. August 1909, abends SV» Uhrs Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Sranehen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Bericht der Werkstattvertraucnslente. 8. Berbandsangelegeaheiten. Alle Werkstätten muffen vertreten sein. = Mitgliedsbuch legitimiert. Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet, Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauensmännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks- vcrtrauensmännerversammlung. Die versammwngSlokale find folgende: 87/17 Tisckler. Süd-Westen Habel, Bergmannstr. 5/6. Süden ici GUeHlnc, Wofiertorstr. 68. SüdOSten I U. II in den Xannyn-Festsalen, Rounynftr. 6. OSteU I bei Borgriuann, Andrrakstr. 21. OSteO II bei PIrnnu, frankfurter Allee 106. Osten III bei Berfiuanii, B-xhagcncr Strafte 26. Oesllicbe Yororle' N0rd0St6n bei Bockcr, Weberstr. 17. Jede Sargtifchlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Bersamm- lung senden. kosentdsler n.SeköndauserVorstodt Wedding u. Moabit b« Kaczorawski, Ravensst». 6. Bautischler. Bez. 1; Südwesten, Süden, Südosten,«bÄr*ß'i8c. (Diese Versammlung beginnt um 8ll, Uhr.) BeZ. 2! 0St6n, bei Zletx, Warschauer Strafte 61. Bsz. 3; Korden u. nördl, Yororle,««ÄSÄ.«. Bez. t! Gesundbrunnen, Wedding und Moabit, bei Sachse, Lindower Strafte 26. Sßöbelpolierer und Beizer. OSten bei Booker, Weberstr. 17. SUdOSten im �Märkischen Hof«, Admiralftr. 18a. Norden bei«aather, Brunnenstr. S6. Die Tischler werden gebeten, die Polirrer ihrer Werkstatt auk diese Versammlung aufmerksam zu machen. Maxazinardeiter bei Wilhelm Kutaner, Schüftenftr. 18/10. Drechsler, Treppengeländer- und Luxusmöbelbranche Norden bei F»»hlln,.«runneastr. 70. Osten bei Gchnoia«�, griedeustr. 67. Südosten ü. Südwesten»-« Stramm, Wüterhr. 123. Maschinenarbeiter im Gewerkschaftshause. Eingang g, parterre, RrbeitSlasenraum. Musikinstrumenten- Arbeiter um 8 Uhr aßcnbä im CicwerkHChaftshanso, Engelufer 15, Saal 8. Modell- und labriktisebter um 8 Ithr im Verbandshause der Gaftwirtsgehilfen, Gräfte Hamburger Strafte 18/10. Einsetzer um 8 Uhr im„Oerverk.cliaftshansc'*, Engelnfer 15(Saal 10). Zu dieser Versammlung sind besonder» eingeladen die Kollegen der Firmen BtüUer«. Platoiv, Tempelhoser Strafte: Kühn, Koltbuser Damm: Eugelmaun, Babelsberger Strafte. BoNenlexer. im OewerkachaftHhaa«o. Engelnfer 15. Dte Kollegen der Firmen Elbiuger und Rnftack sind besonders ein- geladen. Stellmacher bei Bahn, RosentHaler VereinShauS, Rosenthalrr Strafte 57. Kistenmacher bei Banckach, Breslauer Strafte 28. Korbmacher bei Eichhorn. Koppenstrofte 17. Bürstenmacher bei Prcafi(Hilsebein-Zlusschank), Holzmarkrstrafte 05. Kammacher bei Lohmann, Neue Jricdrichstr. 1. Vergolder bei Klnge, Lange-Strafte 53. Jalousie �Arbeiter bei Walter, Adalbertstr. 62. Perlmutt-, Horn- n. Steinnußarbeiter um 6 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5. Bilderrahmenmacher um Q Uhr bei Miatteroth, Ritterstr. 32. Stockarbeiter um 61/, Uhr bei Lehmann, Neue Friedrichftr. 1. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos l. Amt 3, 1239. Charilestraße 3. Hof III. Amt 3. 1987. Heute Dienstag, 3. August, abends 8� Uhr: Vertrauensmänner-Konferenz der Schlosser in Meiers Festsülen, Sebastians. 39. Änsflngf ISS der in der Metallindustrie beschäftigte« 121/2 jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge am Sonntag, den8. Slugnft, nach Pichelswerder zum alte« Freund. Treffpunkt in Station Grunewald vormittagö 16 Uhr« Die Vertrauensleutc werden ersucht, unter den jugendlichen Arbeiter» und Lehrlingen zu agitieren, daft dieselben sich au diesem Ausflüge beteiligen. Dl« Ortsvorwaltims:. Zentralnerband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und l/mjrof'and. Mittwoch, den 4. August, abends 8'/, Uhr, bei Bachmann» Berlin 30., Eisenbahnstr. 36o: HU- Zusammenkunft"MS dn»»szesperrikn Ziimkrer mis K«»birz Tterbaudsbiich legitimiert. Um zahlreiche» Ericheinen ersucht 254/11 Her Vorstand. Montag, den 9. Anaust: Mitgliederversammlungen der Branchen und Bezirke. Tagesordnung: Beratung der Ylnträge zur Generalversammlung. Mittwoch, den 18. August: SM- Generalversammlung. NB. Die Zahlstelle 73 wird am 7. August von RnmmelSburger Straft« 20 nach Frankfurter Ehanffee 115 verlegt. Bio Ortsverwaltane. lochten Ekzeme nml Ulinllehe Haatübel, namentlich wenn sie nässende Stellen oder Borken hervorrufen, sind dem Einfloß von Zucker'» Patent-Medizinal-Seife besonders zugänglich, doch ist gerade bei diesen Uebeln unter allen Umständen der Arzt zu Bäte zu ziehen. Nach den vielseitigen Erfahrungen, die eine große Keihe von Aerzten und ein Heer von Leidenden gemacht haben, bringt Zucker'» Patent-31c dizinal- Seile meist sofortige Linderung des Juckreizes, wenn der dicke, cremeartige Schaum, wie in der Gobrauchs- anwoisung vorgeschrieben, nach dem Waschen einige Zeit auf den botreifenden Stollen liegen bleibt. Es kommt nämlich hierbei darauf an, die durch das Uebel entarteten und massenhaft absterbenden Hautteilohen zu beseitigen und dadurch den ein starkes Jucken erzeugenden Eantreiz zu stillen, die Haut zur Neubildung anzuregen und Nässe, sowie Borken auszutrocknen, Wird Znchcr's Patent- Jlcdizinal- Selle längere Zeit angewendet, so tritt zumeist bald eine lebhafte Abstoßung der obersten Hautschioht ein und eine neue, gesunde, zarto Haut kommt zum Vorschein. Dieselbe wird dann zweckmäßig mit einer hervorragend guten und milden Hautcreme, die aber nicht fetten soll, längere Zeit bestrichen, bis sie einer besonderen Behandlung nicht mehr bedarf. Am besten hierfür ist die Zuck«"*»-Creme geeignet. Man beachte folgende Unterschiede bei Bestellungen: Zucker'» P»tciit-Medl»lnal-Selle, 35 ig ist die am stärksten wirkende Horm, auch ist das Bsifensttick am größten. Preis pro Stück M. 1,50. 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