S-.ns. noaiMRntS'Bedlnsnnsen: (IBomaraen»■ Preis pränumerando: Lierteyährl. 8�0 Mä. monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« Beilag«»Die Neue Weit' 10 Pfg. Post- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn s Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S6. Jahrg. vlftw tlfiitd) inSlr niontast. Vevlinev Volksblcltt. Die TnfertlonS'GebQDr kelrägt für die scchsgcspallenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerllchastliche Verein?- »tnd BcrfammlungS-Anzcigen L0 Psg. „Kleine?n:eig-n". das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg.. fedcS westers Wort 10 Pfg. Slellengclnchc und Schlaf- stcllcn-Anzeigcn da? erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über J5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen vi» S Uhr nachmittags in der Expedition aogegcbcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnct, Telegramm- Adreste: „ZialaliiliMiiiüi BcriiD*. Zentralorgan der fozJaldemokratifchen Partei Deutfcblande. Redaktion: SM. 68» Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Mittwoch, den 4. August 1»0». Expedition: SM. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Parteigenossen! ! nische volksparteiliche Presse, wie z. B. das„Dziennik Ber- ' linsli" der Gnesener„Lech",„Dziennik Kujawski" in Hohen - Laut Beschluß des Nürnberger Parteitage? findet dir die?» jährige Parteitag in Leipzig statt. Auf Grund der ZI 11, 12, 13, 14 und 15 des Organisationsstatuts beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 12. September, abends 7 Ahr, nach dem Saale des Polkshauscs in Leipzig, Z eitzer. st r a ß e 32, ein. An die Punkt 7 Uhr abends erfolgende Eröffnung schließen sich die Konstituierung des Parteitages, die Festsetzung der Ge» schäfts- und Tagesordnung und die Wahl der MandatsprüfungS- Kommission an. Die Verhandlungen der folgenden Tage finden in dem gleichen Lokal statt. - Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 2. 3. «. v. S. Berichterstatter: Kaden. Ä. L e d e. 7. S. s. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. H. Molkenbuhr, A. G e r i s ch. Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: A. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: bour. Bericht der Kommission wegen Aenderung des O r g a n i- sationsstatuts. Berichterstatter: Fr. Ebert. Maifeier. Berichterstatter: H. Müller. Reichsversicherungsordnung: a) Allgemeine und Krankenversicherung. Berichterstatter: G. Bauer. b) Unfallversicherung. Berichterstatter: Robert Schmidt. c) Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung. Berich! erstatterin: Luise Zieh. Internationaler Kongreß in Kopenhagen. Berichterstatter: Paul Singer. Sonstige Anträge. Wahl des ParteivorftandeS, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. r Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Parteitag — die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen rechtzeitig. Die Anträge müssen spätestens am 13. August im Besitze des Parteivorstandes. Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SV/. 68, Lindenstraße 69, fein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen de?§ 14 Abs. 2 des Organisationsstatuts im„Vorwärts" veröffentlicht und in die ge druckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen be. gründen zu lassen. Die Delegierten werden ersucht, von ihrer Delegation dem Parteivorstande und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und sonstige Mitteilungen zu gehen können. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: Richard Lipinski, Leipzig, Elsterstraße 14. Die Mandatsformulare werden vom 13. August ab durch das Parteibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 88, Lindenstraße 89, versandt. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Sie polnische Fraktion als ycindin der polnischen Arbeiter. Die Stimmung der polnischen Arbeiter ist im Gegensatz zu der des polnischen Bürgertums infolge des Eintretens der polnischen Fraktion für die Reichsfinanzreform und die neuen indirekten Steuern eine sehr erbitterte. Fast die gesamte polnische volksparteiliche und nationaldemokratische Presse macht den polnischen Abgeordneten den schweren Vorwurf. daß sie entgegen den elementarsten Grundsätzen der polnischen Nationalpolitik und der einfachsten politischen Klugheit für die Reichsfinanzrcform gestimmt hätten. Das ist nach Ansicht der polnischen Presse ein schwerer nicht wieder gut zu machender Fehler, der sich in Zukunft bitter rächen muß. Es sei vom polnischen Standpunkt aus zwar verständlich, wenn die pol- nische Fraktion aus taktischen Gründen gegen die Erbanfall- steuer gestimmt habe, um dadurch den Fürsten B ü l o w, den Inspirator des neuen Kurses der Antipolenpolitik. zu stürzen und den konservativ-liberalen Block zu zertrümmern: aber mit dem Fall Bülows mußte auch die Aufgabe der Polen im Reichstage erledigt sein. Sie hätten unter keinen Umständen noch weiter gehen dürfen: sie mußten sich bei der Abstimmung über die anderen Steuern zumindest passiv Verhalten, wenn sie nicht direkt gegen die Steuern stimmen wollten. Die pol- 'linski"______ salza. die„Garetz Bydgoska" in Bromberg kritisieren also sehr scharf das Verhalten der polnischen Reichstagsfraktion und verlangen eine offizielle Erklärung von der Fraktion, damit sie den erbitterten Massen der polnischen Arbeiter, die schon jetzt mit der Flucht in das sozialistische Lager drohen, eine Beruhigungspille verabreichen könnten. Die polnische Reichstagsfraktion ließ jedoch erklären, daß sie keine offizielle Erklärung in dieser Angelegenheit erlassen werde, daß aber in dem amtlichen Organ der Fraktion, dem im Verlage des Reichstagsabgeordneten Napieralski ev scheinenden„Poset Andu" eine offiziöse Erklärung erfolgen werde. Diese Erklärung genügt aber den Polen nicht, am wenigsten denen, die in Berlin und dem rheinisch-westfd tischen und oberschlesischen Jndustriebezirk agitatorisch tätig sind, weil diese polnischen Agitatoren mit einem politisch aufgeklärten Arbeiterstand zu tun haben und zudem mit Rüd ficht auf die Sozialdemokratie schon mehr als nur Ausreden vorbringen müssen. So schreibt z. B. das„Dziennik Bcrlinski" folgendes: „Was sollen wir angesichts dieser Stellungnahme der polnischen Fraktion dem polnischen Arbeiter, der tagtäglich ge zwungen ist. mit sozialistisch gesinnten Arbeiterkollegen zu der kehren, sagen, wie sollen wir ihm diese Situation erklären, wie ihm verständlich machen, warum die Polen für die neue Be- lastung des Volkes eingetreten seien? Wir müssen also eine Erklärung der Fraktion haben, um eine Waffe zu besitzen gegenüber den schon jetzt laut werdenden sozialdemokratischen Anzapfungen." Dies enthüllt unzweideutig die schwierige Situation, die das Eintreten der polnischen Abgeordneten für die Reichs- finanzrcform geschaffen hat. Wie groß muß die Erbitterung in den polnischen Arbeiterkreisen sein, wenn anderen pol- nischen, z. B. oberschlesischen Blättern, angst und bange wird um den Ausfall der künftigen Reichstagswahlen in den pol- nischen Gebietsteilen. Da das gespannte Verhältnis zwischen der polnischen Fraktion und der polnischen Gesellschaft schon seit einem Jahre andauert, hat die gegenwärtige Situation zu einer schweren Krisis geführt, so daß es zwischen der Fraktion und der polnischen demokratisch gesinnten Gesellschaft zu einem offenen Bruch alsbald kommen dürfte. In den liberalen polnischen Kreisen wird man den polnischen Abgeordneten das Zusammengehen mit den Konservativen, den Erz- feinden des Polcntums, nicht verzeihen. Man wird auch die Erbitterung, die sie in den Reihen der linksliberalen deutschen Parteien durch ihre Stellungnahme zu der Reichsfinanz- reforni hervorgerufen haben, nicht zu entschuldigen wissen. Die polnische volksparteiliche Presse weiß über inter- cssante Vorgänge in der polnischen Fraktion zu erzählen. So schreibt das„Dziennik Berlinski" und andere Blätter, daß in der polnischen Reichstagsfraktion schon seit geraumer Zeit eine völlige Desorganisation herrsche: der Vor- sitzende Fürst R a d z i w i l l befinde sich ständig auf Reisen, das Prinzip der Solidarität stehe nur auf dem Papier, die polnischen Abgeordneten machten, was. sie wollten, die kon- servativen Polen hätten in der Fraktion das Uebergewicht und tanzen nach der Pfeife der Zentrumsmänner, während die in der Minderzahl befindlichen demokratisch ge- sinnten Abgeordneten entmutigt durch den in der Fraktion herrschenden Wirrwarr den parlamentarischen Arbeiten fern- bleiben. Ihre Tätigkeit, meinten diese Herren, habe sowieso keinen Zweck, denn sie würden in den Fraktionssitzungen von der konservativen Mehrheit überstimmt. Soweit die pol- nische volksparteilickie Presse, die wohl nur der Not gehorchend nicht dem eigenen Triebe diese interessanten Interna ans Licht der Oeffentlichkeit zerrt. Ueber die ausschlaggebende Parlamentssitzung, in der in dritter Lesung die sogenannte Reichsfinanzreform angenommen wurde, schreibt den pol- nischen Blättern ein demokratischer Abgeordneter, daß mehrere polnische Abgeordnete nur lediglich auf Grund fal- scher Informationen ihre bejahende Stimme abgegeben hätten: und daß diese falschen Informationen wissentlich von einem Führer der Partei, der sich konservativen Einflüste- rungen zugänglich zeigte, erteilt worden seien, um die be- treffenden Abgeordneten zur Stimmenabgabe für die in- direkten Steuern zu gewinnen. Von den 29 Polen waren 13 im Reichstage anwesend, 11 stimmten dafür, während die Abgeordneten K o r f a n t y- Kattowitz und Rechtsanwalt S e y d a- Gnesen vor der Abstimmung den Sitzungssaal verließen. Unter den Abgeordneten, die sich f ü r die neuen schweren Belastungen des Volkes ausgesprochen haben, befand sich auch Redakteur B r e j s k i, einer der Machthaber der polnisch- westfälischen Arbeiterorganisationen, sowie der Redakteur Napieralski- Beuthen, der es sogar ver- stand, in den in seinem Verlage erscheinenden Blättern diese Steuern zu bekämpfen, während et selbst dafür stimmte. Das nennt man politische Gewissenhaftigkeit. Vielleicht huldigt dieser Abgeordnete dem jesuitischen Grundsatz: Was du theoretisch bekämpfst, kannst du noch immer praktisch ausführen! In der gesamten polnischen Presse fand sich, abgesehen von dem Organ der polnischen Agrarier, dem„Dziennik Posnanski", nur ein einziges volksparteiliches Blatt, nämlich die im Verlag des Allgeordneten K u l e r s k i in Graudenz erscheinende„Gazetta Grudziadika", die den Standpunkt der polnischen Fraktion verteidigte. Dieses Blatt nennt sich volksparteilich-demokratisch, erscheint in einer Auflage von zirka 69 909— und hat sich von jeher durch seine rüde Ton- art ausgezesihnet. Der Verteidigungsartikel dieses Blattes enthält aber so viele gemeine Schmähungen und Veleidi- gungen der übrigen volksparteilichen Presse, daß selbst die Polen den Herrn Kulerski vor den Kadi zitieren und die Hilfe des Schiedsgerichts des polnischen JournalistenvereinS in Gnesen wegen dieser Veröffentlichung angerufen hatten. Die polnische Presse wendet sich nunmehr scharf gegen das Blatt Kulerskis, dessen Vater, nebenbei gesagt, als ehemaliger preußischer Schullehrer hakatistischcn Stimmungen huldigt, und meint, daß man das polnische Volk von den verderblichen Wirkungen des Giftes, das das Organ des Abgeordneten Kulerski verzapft, beizeiten noch retten müsse. Und nun der erwähnte Artikel selbst: Das Blatt Kulerskis sucht in spaltenlangen Legenden nachzuweisen, daß die Polen für die Steuern stimmen mußten, weil die ge- waltigen, aber notwendigen Reichsausgaben eine Aufbesse- rung der Reichsfinanzen erforderten. Das Eintreten der Polen für die Tabaksteuer sei nicht nur aus politischen, son- dern vor allem auch aus hygienischen Gründen der Volks- gesundheit als eine Tat anzusehen, für die daS polnische Volk seinem Abgeordneten dankbar sein müßte. Warum? Das ist für das Blatt des Abgeordneten Kulerski ganz klat. Die Polen rauchen viel und geben viel zu viel Geld für den Tabak- genuß aus, sie täten besser, dieses Geld zu sparen, um polnisches Land aus deutscher Hand wieder zu erwerben. Der Tabakgenuß leiste der Verbreitung der gefährlichsten Volks- seuche, der Schwindsucht, Vorschub. Es ist also ganz klar: Die Polen haben für die Tabaksteuer und die anderen Steuern gestimmt, um auf diese Weise die Schwindsucht wütend zu bekämpfen. Auch ein Beitrag zur politischen Humoristik. Die polnischen Bauern aber, die den langen, mit patriotischer Würze schmackhaft geniachten Artikel deS Abgeordneten Kulerski lesen, werden erschüttert sein von der sozialpolitischen Weisheit dieses Herrn. Die übrige Presse jammert im Gegensatz zu den Ausführungen des Kulerski- organs, daß die Polen durch das Eintreten für die Tabak-, steuer und die Zigarettenbanderole die polnische Z i g a- rettenindustrie ruiniert hätten und nun H u n- derte von Arbeitern beiderlei Geschlechts brotlos' werden. Das schönste bei der ganzen Geschichte ist, daß der Wortführer der Polen bei der Reichsfinanzreform, der Abgeordnete Graf Mielzynski, ein Herr ist, der den Ruf eines volksparteilichen demokratischen Politikers genießt. Sein agrarisches Herz— er ist Rittergutsbesitzer— hat ihn trotz seiner demokratischen Prinzipien auf die schiefe Ebene des Bündnisses mit den Konservativen getrieben. Er war auch derjenige, der durch Kulistentricks die widerspenstigen pol- nischen Abgeordneten seinen Wünschen gefügig zu machen wußte. Ein Musterexemplar eines, polnischen Demokraten. Für unsere polnischen Genossen aber erwächst die Auf- gäbe, mit aller Energie daran zu gehen, um die günstige Situation nach Kräften für die Verbreitung unserer An- schauungen auszunützen. Der Slablausfall in IMtadt-Candau. Man schreibt uns:„Der Wahlausfall hat die Liberalen all« gemein verblüfft. Denn daß wir rund 43 � Eine Rücksichtnahms aus das russische Parlament, so bedeu- tungslos natürlich solche Phrasen für die innere EntWickelung Ruß. lands bleiben, ist für die englischen politischen Sitten ilmnerhin charakteristisch._ Die Luftschiffe im Kriege. London, 2. August. In der heutigen Sitzung des Unterhauses kamen die Etatsforderungen für Luftschiffahrt zur VerHand- lung. Kriegsminister Haldane äußerte sich über die in dieser Angelegenheit von der Regierung unternommenen Schritte und agte, eine wirkliche Kriegsbrauchbarkeit der Luft- chiffe sei noch nicht erreicht worden. Für die Zwecke 'er Marine sei beim gegenwärtigen Stand dieser Wissenschaft wohl nurdaSstarreLuftschisf von wirklichem Wert, für daS Land- Heer dagegen das unstarre das beste. Der Aeroplcm könne für die Armee wertvoll werden, doch müsse er zu RekognoSzierungS- zwecken viel höher aufsteigen und auch mehr in der Hand des Luft- schifferS sein. Ein starres Luftschiff von sehr großen Abmessungen, mindestens von der Größe deS Zeppelinschen, werde- in den Werken von Vickers-Barrow gebaut und zur Aufnahme von zwanzig Mann eingerichtet. Der Bau eine» Luftschiffes des unstarren Systems sei militärischerseits in Angriff genommen. Auch die Regierung hoffe, bald im Besitz zweier Aeroplane zu sein, mit denen Versuche an- gestellt werden sollen. Schließlich erklärte Haldane, die Regierung habe 78 909 Pfund Sterling zum Studium der Luftschiffahrt in diesem Jahre ausgeworfen, und eS bestehe gar keine Gefahr, daß England in dieser Frage hinter anderen Rationen zurückstehen werde,-> �- Rußland. Aus dem Reiche Nikolaus Aus Petersburg wird uns geschrieben: Di« mehrfach offiziell bestätigte„Beruhigung" in Nußland wird durch folgende Daten der Gerichtschronik charakterisiert. Nach den Mitteilungen der offiziösen Telegraphenagentur und der Petersburger Zeitungen allein sind im I u n i von den Militär- gerichten 123 Todesurteile gefällt worden. Davon entfielen auf Jekaterinoslaw 21, Warschau 19, Charkow 14, Kiew S, Tambow 9 usw. Insgesamt sind vom 1. Januar bis zum 3 0. Juni dieses Jahres 739 Todesurteile gefällt worden, von denen nach den unvollständigen Angaben der TageSpresse 347 vollstreckt wurden. Während desselben Zeitraumes wurden den Redakteuren ver- schiedener Preßorgane. ungerechnet der zahlreichen gerichtlichen Prozesse»und Verurteilungen, auf administrativem Wege 90 Strafen in der Höhe von insgesamt 47 675 Rubel auferlegt. Außer den angeführten Zahlen werden die Zustände in Ruß- land am besten durch die kurze Wiedergabe der TagcSchronik illustriert. Wir geben diese Angaben für die letzten zwet Tage wieder. 2 8. Juli. Im Rigaer KreiSmikitärgericht beginnt der Prozeß der 51. die angeklagt sind, im Jahre 1905 die Dorfbehördcn abgesetzt zu haben. Allen Angeklagten droht die Todesstrafe. In KrassnojarSk find zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen worden. In I e k a t e r i n o d a r ist der Gehilfe deS Polizeiministers auf gerichtliche Verfügung verhaftet worden. In BlagöwetschenSk ist der Chef der Geheim- Polizei al« Expropriateur entlarvt worden, der in Polizeiuniform Räubereien in Privatwohnungen verübt hat. In K i e w hat sich der zum Tode verurteilte Protschenkow mit Zyankali im Gefängnis vergiftet. In Jelissawetgrad hat eine Schildwache einen Ge- fangenen schwer verwundet. In Eupatoria sind die Arbeiter einer Tischlerwerkstatt, die infolge eines Streikes zu drei Monaten Gefängnis verurteilt waren, auf administratievem Wege ausgewiesen und unter Polizei. aufsicht gestellt worden. In Jekaterinoslaw hat der Gouverneur die Führer eines Streikes auf den Petrowski-Werken zu drei Monaten Ge- fängniS und zur Ausweisung verurteilt. 29. Juli. In Wologda hungert die politische Gefangene Sawadskaja. die in den Karzer gesetzt wurde, schon den neunten Tag. In Nowo- Moskwa wurde der Gefangene Bondarenko. der an da» Fenster seiner Zelle trat, schwer verwundet. In KurSk verurteilte da» Kriegsgericht wegen Zugehörig. keit zum Bauernbund: 9 Personen zum Tode(darunter das Mitglied der zweiten Duma Pjanych), 25 Personen zur Zwangsarbeit(darunter das Mitglied der ersten Duma Mqrlulow) und 34 Personen zur Ansiedelung in Sibirien._ Eine Harting-Kreatur. Im Februar diese» Jahres erregte eine Mordtat großes Auf- sehen, die in Rom entdeckt wurde: In einem Koffer fand man die Leiche eine? jungen Mannes, der schließlich als ein Russe namcn» Rensitzky rekognosziert wurde. Es tauchten damals allerlei Ver- mutungen auf. daß e» sich um einen politischen Mord handle, nur wußte man nicht, ob der Getötete ein Agent der russischen Polizei war, den die Revolutionäre abgetan, oder ein Revolutionär, dessen sich die russischen Polizisten entledigt hatten. Erst später stellte sich heraus, daß es sich um einen Provokateur handelte. Jetzt erfährt die römisch«„Tribuna" durch ihren Petersburger Korrespondenten nähere» über den Mord und seine Motive. Danach steht die Angelegenheit in Verbindung mit der— Affäre Harting I Wie die.Russkoje Slowo' zu berichten weiß, wurde Rensitzky, damals noch Mitglied der revolutionären Partei, im Jahre 1904 zugleich mit mehreren anderen Revolutionären in Warschau ver» haftet. Als er freigelassen war, stellte er sich der russischen Ge» Heimpolizei zur Verfügung, und Petersen, der Direktor der russischen Geheimpolizei, gab dem biederen Rensitzky einen Empfehlungsbrief an Harting, der damals in Paris hauste. Als Rensitzky sich eine Zeitlang in Krakau aufhielt, kam ihm zu Ohren, daß er durch die Studentin Wanda RuchijewSka entlarvt werden solle. Um seine Entlarvung zu verhüten, tötete er die RuchijewSka auf offener Straße. Nunmehr verlegte Rensitzky das Feld seiner Tätigkeit nach Paris, wo er unter Harting und Azew eine große Anzahl russischer Revolutionäre an Väterchens Pariser Polizei verriet und mehrere französische Anarchisten an die Behörden der gastlichen Republik auslieferte. In Rom ereilte ihn sein Geschick: Die Revolutionäre bekamen den Verräter in ihre Gewalt und bereiteten ihm dgs verdiente Ende. Olrkel. Der ewige Belagerungszustand. Konstantinopel, 2. August. Die vom Kriegsgericht vorgeschlagene Verlängerung des Belagerungszustandes für Konstantinopel bis zum März 1911 ist vom Ministerrat ge- n e h m i g t worden. An der türkis ch-montenegrinischen Grenze be- lagerten 300 Montenegriner eine türkische Grenzstation, von der aus ein Montenegriner wegen Ueberschreitung der Grenze er- schössen worden war. Die Montenegrinzr zogen erst ab, alS die türkische Etgtioa Verstärkung erhixlt.■ GewerltfcbaftUchce. Merkwürdiges aus den Musteranstalten.'. Nuf dem Berliner Ostbahnhof, Werkstätten- inspektion IIa, erhielten die Arbeiter vor Ostern eine Zulage von 10 bis 20 Pf. pro Tag. Daß die geringe Zulage von den Arbeitern— namentlich bei der jetzigen Teuerung— mit Freuden aufgenommen wurde, ist wohl leicht begreiflich. Um so größer war die Enttäuschung, als bei der nächsten Lohn- Zahlung den Arbeitern nicht nur die erstmalig gezahlte Zu- läge n i ch t m e h r verabfolgt, sondern die vorher ausgezahlte Zulage wieder abgez.ogen worden war. Ob nun der Geheime Oberbaurat aus eigenem sozialen Empfinden diese Zulage gemacht hatte oder ob von„oben herab" eine all- gemeine Verfügung schon ergangen war, konnten die Be- teiligten bisher nicht in Erfahrung bringen.— Gewiß eine recht merkwürdige Geschichte. Sollte inzwischen vielleicht eine Organisation der„Zu- friedenen" gegründet worden sein, die ihren Einfluß geltend machte!? Bei Gott und der preußischen Staatseisenbahn ist kein Ding unmöglich.— � Kürzlich wurde von einem oldenburgischen Eisenbahner berichtet, daß er allen Ernstes die Verwaltung ersucht habe, ihm keine Zulage zu machen, da er mit seinem Lohn sehr gut auskomme und andere könnten es auch. Berlin und Umgegend« Die streikenden Geldschrankschlosser haben ihren veränderten Tarif den Fabrikanten vorgelegt, die sich nicht durchaus ablehnend verhielten. Viele bedauerten den Konflikt, sie erklärten jedoch, sie müßten abwarten, was der „Schutzverband' beschließe. Eine Firma schloß sogleich Frieden, eine andere wünschte noch eine Besprechung mit dem Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes. In einer Versammlung der Streikenden, die am Dienstagmorgen bei Franke in der Bad- straße stattfand, wurde beschlossen, in den Fabriken, wo der Tarif- vertrag anerkannt wird, die Arbeit am Montag wieder aufzu- nehmen. Die Unternehmer versuchen eifrig, Streikbrecher anzu- werben, aber ohne sonderliche Erfolge. Bei Panzer wurde dem Portier, der dort schon dreizehn Jahre lang angestellt ist, die Eni- lassung angedroht, wenn sein Sohn, der zu den Streikenden gehörte, nicht die Arbeit aufnehmen würde. Der Sohn gehorchte diesem Druck.— Die Monteure wurden bei Panzer zu einer besonderen Besprechung eingeladen, und man versuchte sie— vergeblich natürlich—, zu bewegen, die angefangenen Arbeiten zu beendigen. Ein Direktor kam zu einem Streikenden per Auto nach der Wohnung gefahren, um ihn als Streikbrecher zu gewinnen, aber die Mühe war vergebens. Die Plakate an den Anschlagsäulen hatten keinen Erfolg.— Die Streikposten berichteten von zahl- reichen Schwierigkeiten, die ihnen von der Polizei bereitet werden. Der Schutzverband hat in der bürgerlichen Presse Nachrichten ver- breitet, nach welchen die Geldschrankschlosser 2400 M. Jahres- verdienst haben oder 00 Pf. pro Stunde erhalten. Diese Angabe ist irreführend, denn in diesen Zahlen wird nur der Höchstlohn, den eine kleine Anzahl erreicht, angeführt. Den Vorwurf des Tarifbruchs, der den Arbeitern gemacht wird, weist die Streik- leitung entschieden zurück. Die Arbeiter haben durchaus korrekt gehandelt und sich nach den Erklärungen gerichtet, die der Meister- kommission abgegeben worden sind.— Die Arbeiter können mit dem Stand des Streiks vollständig zufrieden sein. MUllkutschcr und Schaffner. Bei der Wirtschaftsgenossenschaft, Depot Mühlenstraße, ist es zu Differenzen gekommen, welche am Dienstag zur Arbeitsniederlegung führten. Der Fuhrherr Fricke, der für das Depot die Gespanne stellt, verlangte von den Kutschern, daß sie nach Erledigung der täglichen Müllabfuhr abends noch Steine, Sand oder sonstiges Baumaterial fahren sollten, und ztoar für eine Bezahlung bis zu b0 Pf. pro Stund«. Abgesehen davon, daß der Lohn für diese Ueberstunden niedriger ist, als der übliche Tagesverdienst, lehnten die Kutscher es ab, diese Extrafuhren zu leisten, weil sie mit der Erledigung der Müllabfuhr so angestrengt zu tun haben, daß sie weitere Fuhren nicht mehr erledigen können. Eine Kommission von drei Kutschern, welche dem Vertreter des Fuhrherrn Fricke von dem Beschluß in Kenntnis setzen wollte, wurde sofort entlassen. Es haben dann am Montag Verhandlungen stattgefunden, die folgendes Ergebnis zeitigten: Herr Inspektor Wend von der Firma Fricke verpflichtete sich dem Vertreter Wer- ner vom Transportarbeiterverband gegenüber durch Handschlag, die drei entlassenen Kutscher am Dienstag früh wieder einzustellen, mit der Maßgabe, daß am Dienstag weitere Verhandlungen in der Sache mit Vertretern der Wirtschaftsgenossenschaft und Herrn Fricke stattfinden sollten. Da die drei Kutscher aber am Dienstag trotz des gegebenen Versprechens nicht wieder eingestellt wurden, erklärten sich die übri- gen Kutscher und Schaffner des Depots— 84 Mann— mit den Gemaßregelten solidarisch und legten einmütig die Arbeit nieder. Im Laufe des Dienstags haben erneut Verhandlungen swttgefun- den, in welchen die Wirtschaftsgenossenschaft Zugeständnisse ge- macht hat, zu denen die Streikenden in einer Abendversammlung Stellung nehmen werden. Wir ersuchen alle Arbeiter und Kutscher, die strengste Solidari- tat zu üben und bei der Wirtschaftsgenossenschaft und ihren Fuhr- Herren Arbeit nicht anzunehmen, solange der Konflikt nicht bei» gelegt ist. Die Bezirksleitung Groß-Berlin des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes. Eine Maßregelung wurde am Montag in einer Versammlung flon Arbeitern der Firma Steffens u. Nölle sEisen- konstruktion) besprochen. Wie aus den Darlegungen verschiedener Redner hervorging, handelt es sich um folgendes: Ein Kranführer wurde am 24. Juni entlassen, und zwar unter Umständen, die darauf schließen lassen, daß der Kranführer wegen seiner Zuge- Hörigkeit zur Gewerkschaft gematzregelt worden ist. Arbeiter, die mit dem betreffenden Meister auf gutem Fuße stehen, haben schon am Vormittag des Entlassungstages im Betriebe erzählt:„Heut abend wird eine Großschnauze entlassen, und andere werden folgen." Die Betriebsleitung behauptet zwar, die Entlassung sei lediglich deshalb erfolgt, weil der Kranführer in der Arbeit die Nichtorganisierten vernachlässigte und die Organisierten bevor- zugte. Ein Beweis für diese Behauptung liegt jedoch nicht vor, kann auch nicht erbracht werden. Daß es sich hier um nichts anderes als um eine Maßregelung handelt, davon ist nicht nur der Entlassene überzeugt, sondern die große Mehrheit aller im Betriebe beschäftigten Arbeiter ist derselben Meinung. Auf deren Veranlassung hat eine Vertretung der Organisation mit dem Direktor verhandelt. Dieser zeigte sich bereit, den Entlassenen wieder einzustellen. Als sich daraufhin der letztere bei der Be- triebsleitung vorstellte, wurde ihm gesagt, eS bleibe bei der Eni- lassung. Dies Verhalten der Direktion sowie die Maßregelung selbst wurden in der Versammlung scharf verurteilt. Es wurde auch darauf verwiesen, daß schon früher Maßregelungen gewerk- schaftlicher Vertrauensleute im Betriebe vorgekommen seien und daß für die Meister der Wahlspruch gelte: Wer organisiert ist, fliegt hinaus!— Die Versammlung stellte sich auf den Standpunkt, daß sich die Arbeiter der Firma Steffens u. Nolle in Zukunft der- artiges nicht mehr gefallen lassen. Eine entsprechende Resolution fand einstimmige Annahme._ Tabakarbeiter-Entlassung. Zu der Notiz des„Vorwärts" vom 24. Juli d. I. betreffend Entlassung von Heimarbeiterinnen bei der Firma Gustav Kaphun schreibt uns Herr Kaphun:_ Verantw. Redakteur: HanS Weber» Berlin, Inseratenteil verantw.: l „Zu dieser Notiz bemerke ich:„Am Donnerstag, den 12. August, haben sämtliche Heimarbeiter Ihre Tabake, soweit sie nicht aufge- arbeitet wurden, wieder abzuliefern, damit die Firma Gustav Kaphun den gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Nach- Versteuerung bezw. Nachverzollung genügen kann. Um die neuen Sorten vorzubereiten, bedarf der Betrieb einer kurzen Frist, es ist daher der Arbeiterschaft mitgeteilt worden, daß eine Pause von 10— 14 Tagen eintreten wird. Da um die Zeit des 1. September dieses Jahres herum die Fabrikation der fast gänzlich geräumten Läger wegen in vollem Umfang wieder aufgenommen werden mutz, so liegt es auf der Hand, daß von einem rigorosen Vorgehen gegen die Arbeiter gar keine Rede sein kann." Erfolgreicher Abschluß der Tarifbewegung der Steinholzleger. Der Tarifentwurf für das Steinholzlegergewerbe ist nach den Verbesserungsvorschlägen der Steinholzleger von den Arbeitgebern anerkannt worden. Der neue Tarifvertrag, der vom 2. August ab gilt, enthält in der Hauptsache folgende Bestimmungen: Die Ar- beitszeit beträgt wie bisher 9 Stunden täglich; Sonnabends ist 1 Stunde, am Tage vor den hohen Festen 3 Stunden früher Feier- abeijd, jedoch wird der volle Arbeitstag bezahlt. Der Lohn der Leger und Werkstellenarbeiter, bisher 70 Pf., beträgt jetzt 75 Pf. und vom 1. April 1910 ab 80 Pf., der der Hilfsarbeiter, bisher 50 Pf., jetzt 57 Pf. und vom 1. April 1910 ab 00 Pf. Für neu in den Beruf eintretende Hilfsarbeiter ist der Mindestlohn in den ersten drei Monaten S0 Pf. Für Ueberzeitarbeit wird ein Zuschlag von 25 Proz., für Sonntags- und Nachtarbeit von 50 Proz. bezahlt. Bei Arbeit in einer Reihe von im Tarif aufgeführten Vororten wird ein Zuschlag in der Höhe des Stundenlohnes, in ebenfalls aufgeführten anderen Vororten in der Höhe des doppelten Stunden- lohnes bezahlt. Die Landzulage, die bei Arbeit in Fernorten gezahlt wird, beträgt für Ledige 2,25 M., für Verheiratete 2,75 M. den Tag, wobei Sonn- und Feiertage mitgerechnet werden. Für Arbeit in Bade- und Ausstellungsorten sind besondere Verein- barungen zu treffen; ebenso, und zwar schriftlich, für Arbeit im Auslande. Jeder Leger und Arbeiter ist berechtigt, nach Ablauf eines Vierteljahres auf Kosten des Arbeitgebers nach Hause zu reisen, was selbstverständlich auch für Weihnachten, Ostern und Pfingsten gilt. Akkordarbeit ist gänzlich ausgeschlossen. Die Ar- beitgeber erkennen den Arbeitsnachweis der Arbeitnehmerorgani- sation an und verpflichten sich, ihre Arbeitskräfte von dort zu beziehen; können sie ihren Bedarf in dieser Weise nicht decken, so sind sie berechtigt, sich Arbeitskräfte anderweitig zu beschaffen. Bei Streitigkeiten in einem Betriebe ist zunächst zwischen dem Arbeitgeber und einer Betriebskommission der Arbeitnehmer zu verhandeln und wenn das nicht zur Einigung führt, wird die An- gelegenheit der aus Vertretern der Organisationen beider Par- teien zusammenzusetzenden Schlichtungskommission überwiesen.— Der Tarifvertrag, der im übrigen noch einige andere Be- stimmungen über Fahrgeld- und Fahrzeitvergütung, Beschaffung von Waschgelegenheit sowie von heizbaren und verschließbaren Räumen ufw. enthält, gilt bis zum 1. August 1911 und, wenn er nicht rechtzeitig gekündigt wird, um ein Jahr weiter. Die Kün- digungsfrist ist noch nicht endgültig festgelegt. In der außerordentlichen Versammlung der Steinholzleger und Hilfsarbeiter, die am Montag bei Freiheit in der Dragoner- straße stattfand und den großen Saal füllte, wurde über den Stand der Tarifbewegung berichtet. Alle Firmen, mit wenigen Aus- nahmen, hatten den neuen Tarifvertrag teils schon schriftlich aner- kannt, teils sich telegraphisch bereit erklärt, ihn zu unterzeichnen, so daß an der allgemeinen Durchführung nicht mehr zu zweifeln ist. Sollten sich jedoch bei einzelnen Firmen noch Schwierigkeiten herausstellen, so werden die nötigen Maßnahmen ergriffen.— In der regen Diskussion äußerten sich mehrere Redner mißbilligend über einzelne Bestimmungen des Tarifvertrages, dieser wurde jedoch schließlich von der Versammlung gutgeheißen. Der Verbandsvorfitzende Lange verlas sodann zwei Schreiben, eines vom Landessekretär der schwedischen und eines von der Generalkommission der deutschen Gewerkschaften, in denen auf den gewaltigen Abwehrkampf der schwedischen Ar- beiterschaft aufmerksam gemacht wird. Zu Unterstützung der Schweden beschloß die Versammlung, aus der Kasse der ja nur kleinen Berufsgruppe 100 M. zu bewilligen. Im übrigen werden sich auch die Steinholzleger an der für denselben Zweck bestimmten Sammlung eifrig beteiligen. Oeutfd,«» Reich. Die Binnenschiffer der Elbe sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Besonderes Interesse ver- dient die Forderung der Arbeiter betreffend die Nacht- und Sonn- tagsruhe. Seit 24 Jahren ist die Regierung mit den Erhebungen beschäftigt, dann aber vor dem Geldsack mutig zurückgewichen. Diese Erhebungen zeitigten kein positives Resultat. In einer Sitzung der Kommission für Arbeiterstatistik erklärte der Referent: „Die schriftlichen Erhebungen hätten bereits eine Anzahl ge- wichtiger Momente ergeben, welche es fraglich erscheinen lassen könnten, ob für die Segelschiffe überhaupt oder allgemein an eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit gedacht werden könne und ob eine solche geboten sei." Auf die unablässige Agitation der Verbände(Hafenarbeiter und Maschinisten und Heizer) ist dann noch einmal eine schriftliche Erhebung veranstaltet worden,- bei der ausnahmsweise auch die Arbeiter zum Wort kamen. Die Forderungen, die die Binnenschiffer auch in ihrem Tarif- entWurfe aufgenommen haben, sind folgende: 1. Arbeitszeit und Nachtruhe. a) Die Nachtruhe beträgt 6 Stunden und fällt in die Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Die Ruhepause muß in sechs aufeinanderfolgenden Stunden stattfinden, ohne daß Anfang und Ende tariflich bestimmt wird. Ausnahmen dürfen nur statt- finden bei Havarien, Hochwasser, Sturmwind und plötzlicher Eis- gefahr; in solchen Fällen muß die Ruhezeit nachträglich gewährt respektive ergänzt werden. b) In allen Häfen, Umschlagsplätzen und auf in freiem Fahr- Wasser löschenden oder ladenden Fahrzeugen währt die Arbeits- zeit von 6 bis 6 Uhr, inklusive einer halbstündigen Frühstücks- pause und einer einhalbstündigen Mittagspause. 2. Sonntagsruhe. a) An den drei höchsten Feiertagen, Ostern, Pfingsten und Weihnachten» wird je ein freier Tag gewährt. b) Den Boots- und Steuerleuten der Schlepp- und Güter- dampfer wird alle drei Wochen ein fteier Sonntag gewährt, bei den Bugsierdampfern jeden Monat zwei freie Sonntage. c) Die Sonntagsruhe ist an den Dampfer gebunden. 6) Wenn ein Elbschiff voraussichtlich 48 Stunden und länger in einem Umschlagsplatz oder einer sonstigen Lösch- oder Lade- stelle verweilen muß, so tritt völlige Sonntagsruhe ein, begin- nend Sonnabends um 6 Uhr abends und endigend Montags früh 6 Uhr. e) Schiffe, die während der Sonntagsruhe an einem Um- schlagsplatz oder einer sonstigen Lösch- oder Ladestelle ankommen • und daselbst bis Montag früh 6 Uhr oder länger verweilen, treten in die Sonntagsruhe ein. Im weiteren sieht der Tarif eine geringfügige Lohnerhöhung vor und die formelle Regelung der Arbeitsverhältnisse. Die starke Organisation der Binnenschiffer— seit Januar wurden 1050 Neuaufnahmen gemacht— bürgt für die nachdrückliche Vertretung ihrer Wünsche. Insgesamt kommen bei der Bewegung 3000 Binnenschiffer und 1900 Maschinisten und Heizer in Frage. Achtung, Former! Bei der Firma Wolf in Magdeburg sind Differenzen ausgebrochen; 75 Former legten die Arbeit nieder. Zur Lohnbewegung der Zigarrenarbciter in Nordhausen ist heute zu berichten, daß die Firma Walther u. Levin eine Lohnzulage von 5 bis 7 Proz. bewilligte. Die übrigen Fabrikanten gaben auch zu, daß die Zigarrenmacherlöhne recht niedrig sind, aber lh. Glocke. Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstgU sie lehnen eS ab, bor dem 15. August Zugeständnisse zu machen. Der Inhaber der allerorten bekannten Firma G. A. Hanewacker meinte, es sei doch nicht seine Schuld, wenn die Zigarrenmacher nicht ftüher niit Lohnforderungen gekommen seien. Klingt das nicht wie Hohn? Der Zuzug nach Nordhausen ist nach wie vor fernzuhalten._, Versammlungen. Die Sektion der Putzer des Zentralverbandes der Maurer hielt am Mittwoch im großen Saal der Arminhallen eine General- Versammlung ab, in der nach Verlesung der an 60 neuaufgenom- menen Mitglieder die Abrechnung vom zweiten Quartal vorgelegt wurde. Sie schließt für die Hauptkasse mit der Bilanzsumme von 11397,71 M. ab; an die Zweigvereinskasse sind 8465 M. abgeliefert. Die Lokalkasse hatte, den alten Bestand mitgerechnet, 63 840,62 M. Einnahmen; die Ausgaben betrugen 5 572,21 M., so daß der Be- stand am Quartalsschluß 58 268,41 M. ausmachte. Die Mitglieder- zahl der Sektion war am Quartalsschluß 1821.— Im zweiten Punkt der Tagesordnung berichteten zunächst die Leiter der in den letzten Wochen veranstalteten Agitation über ihre Tätigkeit. Es sind 54 Baustättensitzungen einberufen worden, und rund 1800 Putzer nahmen an den Sitzungen teil. Der Erfolg war im allge- meinen besser, als man erwartet hatte. Es wurde eine beträcht- liche Anzahl neuer Mitglieder gewonnen, und auch manche Putzer, die dem Verbände untreu geworden waren, ließen sich wieder auf. nehmen. Andererseits mußten die Agitationsleiter mancherlei bittere Erfahrungen machen. Es zeigte sich, daß hier und da Putzer vorhanden find, die für die Organisation nicht zu haben sind und zum Teil auch dem Alkohol dermaßen fröhnen, daß sie für die Kulturbestrebungen der Arbeiterklasse nicht mehr brauchbar sind. — In der Diskussion über die Berichte wurde die eifrige Tätigkeit der Agitationsleiter anerkannt. Sodann gab Ernst S ch u lz e den Bericht über die Lage im Berufe. Am 8. Juli wurde bekanntlich in öffentlicher Putzerversammlung eine Resolution gefaßt, die eine Bewegung gegen die Nebenarbeit und die mit dem Abschlagslohn von 8 M. nicht in Einklang stehenden, allzu niedrigen Akkordpreise einleitete. Der Verband der Baugeschäfte hat daraufhin sofort ein Rundschreiben erlassen, um die Unternehmer scharf zu machen, und, wie übrigens auch die bürgerliche Presse es tat, die Beschlüsse der Putzer entstellt wiederzugeben. Die Bewegung ist gleichwohl nicht ohne Erfolg geblieben. Es sind auf verschiedenen Bauten, teils auf friedlichem Wege, teils durch Sperre des Baues, Verbesserungen erzielt worden. Jedoch hat andererseits auch eine Streikbrecher- organisation, die„Freie Vereinigung der Putzer", ihren Verderb- lichen Einfluß geltend gemacht, nämlich auf dem Bau in der Beuth- straße 1— 3, wo zum 1-. Oktober ein großes Cafe eröffnet werden soll. Bei den Verhandlungen erklärte hier der Bauführer schließ- lich, Wenns schlimmer komme, werde man sich 50 ,K a s ch u b e n" annehmen. Der Verband der Baugeschäfte, der auch hier dahinter steckte, ersuchte dann den Vorsitzenden der„Freien Vereinigung", Gustav Kotte, sofort 15 Außen- und 20—30 Jnnenputzer nach dem Bau zu senden. Dieser Kotte, von dem Sektionsvertreter ge- fragt, ob er denn den Kollegen wirklich in den Rücken fallen werde, erklärte, er nähme die Arbeit unter allen Umständen an; und die Streikbrecher kamen. Mit ihnen kam auch die Polizei, der, eigen- tümlicher Weise vom Verband der Baugeschäfte, be- richtet worden Mar, daß die Arbeitswilligen belästigt würden. Diese von den Unternehmern„Kaschuben" genannten Schützlinge der Polizei, von denen einer einen Streikposten anfauchte:„Wenn Du nicht weggehst, jag ich Dir das Messer durch den Bauch!" brachten es dann auch fertig, den Bau zu besetzen. Die Arbeit kommt der Firma nun um drei- bis viertausend Mark teurer, als wenn sie sie von ehrlich organisierten Putzern hätte ausführen lassen. Die Streikbrecherarbeit hat auch bereits zum Einsturz einer Rüstung geführt, vobei einer verunglückte.— Am Schlüsse der Versammlung warnte der Vorsitzende vor Annahme von Arbeit nach Hamburg. Letzte J�achricbtcn und Depcfcbcn. Rückgratfeste Stadtväter. Lamprecht(Pfalz), 3. August.(B. H.) Nachdem der sozial. demokratische Bürgermeister Witsch nicht bestätigt worden ist, fand heute nachmittag eine Neuwahl des Bürgermeisters statt, bei welcher der Konsumvereinsverkäufer Peter Kölsch mit 18 von 19 Stimmen zum Bürgermeister gewählt wurde. Auch dieser gehört der sozialdemokratischen Partei an. Die spanische Revolution. Cerbere, 3. August.(W. T. B.) Der Eisenbahnverkehr mit Spanien ist wieder regelmäßig. Aus Barcelona wird berichtet, daß jetzt dort vollkommene Ruhe herrscht, doch beabsichtigen die Re- volutionäre wieder zu den Waffen zu greifen, falls die Gefangene« nicht in Freiheit gescht werden sollten. Die amtlichen Meldungen über die Verluste auf Seiten des Militärs beziehen sich nicht auf die Genbarmen, dir eine ganz bedeutende Zahl Toter und Bcrwun- deter hatten. Die Eisenbahner und der Generalstreik. Stockholm, 3. August.(W. T. B.) Die Repräsentanten des Verbandes der niederen Eisenbahnbeamten verhandelten gestern und heute über die Stellung des Verbandes zum Generalausstand und beschlossen, daß die Verbandsmitglieder vorläufig nicht an dem Ausstande teilnehmen sollen, solange dieser den Charakter eines gewerklichen Streites zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf den einzelnen Gebieten hat. Unterschleife bei einem Militärproviantamt. Magdeburg, 3. August.(B. H.) Umfangreiche Materialunter- schleife im hiesigen Militärproviantamt führten zur Ber- Haftung mehrerer Angestellter der hiesigen Militärbäckerei. Wie verlautet, sind seit längerer Zeit Betrügereien bei der Brot- und Mehllieferung begangen worden. vom Auto überrannt. Nordenstadt, 3. August.(B. H.) Während des Gewitters er- eignete sich gestern in der Nähe des Ortes ein schwerer Unglücksfall, verursacht durch ein dahinsausendes Auwmobil.»Das Automobil fuhr direkt in ein mit zehn Feldarbeitern besetztes Fuhrwerk, wobei der Wagen umgeschleudert, die Leute herausgeschleudert und zum Teil schwer verletzt wurden. Dem Automobil gelang es, unerkannt davonzukommen. TyPhuScpidemie. Alfeld a. b. Leine, 3. August.»(W. T. B.) Hier und in der Umgebung ist der Typhus in bedrohlichem Umfange aufgetreten. Bisher sind bereits 17 Fälle in der Stadt zur Anmeldung ge- kommen. Auch in den umliegenden Dörfern mehren sich die Krank- heitsfälle. In der Kownie DeSdemona find 16 Fälle fest- gestellt._ Weitergreifen der Cholera. Petersburg, 3. August.(W. T. B.) Seit gestern sind an der Cholera 31 Personen nenerkrankt, sieben gestorben; die Gesamtzahl der Kranken beträgt 519. Die Städte Riga und Witebsk sowie das Gouvernement Kowno sind für cholerabedroht erklärt worden. ;ul Singer Sc Co.» Berlin SW, Hierzu S Beilagen«. UnterhaltungSbl. Ar. 179. 28.Iahrgavs. 1. KMt des Lmiirls" Kerlim WIIMM M«och, i. Avst 1909. Die geeverlilchsstllche Bewegung diesleits und jentelts des Ozeans. Von dem Vortrage, den Samuel Gompers am Sonn- vibend im Berliner Gewerkschaftshause hielt, geben wir im nach- stehenden die wesentlichsten Grundzüge wieder. Einleitend bemerkte der Redner, er könne im Rahmen eines Vortrages natürlich nicht alle Seiten seines Themas beleuchten, denn dazu sei dasselbe zu umfassend. Er gab dann eine kurzgefaßte Darstellung von der EntWickelung der amerikanischen Industrie und dem Entstehen der Gewerkschaftsbewegung. Die ersten An- fange der Gewerkschaftsbewegung, die bald nach dem Sklaven- Befreiungskriege und dem Emporkommen der Industrie einsetzten, sielen aus Mangel an einem einheitlichen Prinzip in sich zu- sammen. Manner, welche die Verhältnisse kannten, betrieben die Gründung einer neuen gewerkschaftlichen Organisation, die sich frei hielt von der Vertretung politischer Interessen und sich nur die Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterklasse zur Aufgabe machte. Auf dieser Grundlage haben die amerikanischen Gewerkschaften bis jetzt gearbeitet. Sie befolgen die Taktik, sich immer nur eins vorzunehmen, dies erst zu verwirk- lichen und sich dann neuen Arbeiten zuzuwenden. Durch diese Taktik sind die Gewerkschaften groß geworden und haben einen großen Einfluß auf allen Gebieten des Lebens bekommen. Wir bilden uns nicht � ein, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung habe ihre Mission bereits erfüllt. Wir sind noch nicht zufrieden mit dem, was wir ereicht haben, wenn wir auch sagen können, daß wir uns mit unseren Erfolgen sehen lassen können. Wir haben für einen großen Teil der Arbeiter den Achtstundentag durch- geführt. Die Gesetzgebung hat ihn uns nicht gebracht, sondern wir haben ihn durch unsere Gewerkschaften erkämpft. Gegen- wärtig haben die Tischler und das ganze Baugewerbe den Acht- stundentag und den freien Sonnabendnachmittag. Daß natürlich der Sonntag ganz frei ist, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Doch die Arbeiter werden sich bei diesen Erfolgen nicht beruhigen, sie sind dabei, weitere Verbesserungen zu erringen. Auch die Buchdrucker haben nach einem Kampfe, der 17 Monate währte und 16 Millionen kostete, den Achtstundentag erlangt. Die Gewerk- schaft der Zigarrenarbeiter, der ich selbst angehöre, hat seit dem 1. Mai 1886 den Achtstundentag. Die Bergarbeiter führten 1897 einen großen Streik, der 24 Wochen anhielt. Der Erfolg war die Einführung des Achtstundentages im ganzen Süden und eine Lohnerhöhung von 33 Prozent. Einen ähnlichen Erfolg erreichten die Hartkohlenarbeiter. Sie waren zwar nicht organisiert, aber die organisierten Arbeiter anderer Gewerkschaften halfen ihnen und sie erkämpften in zwei großen Streiks eine Lohnerhöhung von 26 Prozent, die Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden und die Abschaffung des Trucksystems. Dreiviertel aller Bergarbeiter haben den Achtstundentag und ein Viertel, nämlich die Hartkohlen- arbeiter, den Neunstundentag, dem hoffentlich bald die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit folgen wird. Wir wissen, wie wichtig die Verkürzung der Arbeitszeit ist. Wir wissen, daß wir den Arbeitern ein wertvolles Gut zu eigen machen, wenn wir ihnen einen kurzen Arbeitstag und damit eine ausreichende Ruhe- und Mußezeit schaffen.(Beifall.) Denn um die Aufgaben, die wir uns gesteckt haben, durchzuführen, dazu brauchen die Arbeiter freie Zeit. Haben wir die erst, dann können wir an die Lösung anderer Probleme der Arbeiterbewegung gehen. Wir haben nicht nur Erfolge errungen, sondern wir haben auch verstanden, sie in schwerer Zeit festzuhalten. Als die Börsen- panik ausbrach und ihr die wirtschaftliche Krise folgte, da warnten wir die Unternehmer vor einer Herabsetzung der Löhne und Ver. schlechterung der Arbeitsbedingungen. Wir sagten ihnen, wir würden uns jedem Versuch der Verschlechterung energisch wider- setzen. Die Unternehmer haben infolgedessen nicht gewagt, den Arbeitern Verschlechterungen zu bieten. Das kann ich mit Ge- nugtuung sagen.— Wir wissen, daß wir alles. waS wir erreicht haben, nur unseren gewerkschaftlichen Aktionen danken.— Nicht immer war die amerikanische Gewerkschaftsbewegung einig. Es hat Mühe gekostet, eine einheitliche Bewegung zustande zu bringen Aber heut stehen unsere Gewerkschaften so da, daß sie den Unter. nehmern geschlossen gegenübertreten können. Die Tatsache, daß unsere Agitatoren die Einigkeit aller Arbeiter kleines Feuilleton. Die Deutsche Anthropologische Gesellschaft hält seit Montag in Posen unter zahlreicher Beteiligung von Forschern aller Art ihre 10. allgemeine Jahresversammlung ab. In dieser Gesellschaft sind die Wissenschaftler vereinigt, die sich mit der Erforschung des Menschen beschäftigen: die Anthropologen, die den Körper und besonders den Schädel zum Ausgangspunkt nehmen, die Ethnologen, die die ver- schiedenen Rassen und Völker behandeln, und die Vertreter der Urgeschichte. Trotz der überragenden Bedeutung aller dieser Gebiete für die Erkenntnis der menschlichen EntWickelung werden sie in den offiziellen Wissenschaftsanstalten sehr nebensächlich behandelt, zumeist im Nebenamte. Um so größeres Interesse aber pflegen die natur- wissenschaftlich aufgeklärten Laien ihnen entgegenzubringen. Aus den bisher in Posen gehaltenen Vorträgen geben wir hier zwei wieder, die beide Fragen von allgemeinem Interesse behandeln. Ueber Riesenwuchs(Akromegalie) sprach Prof. L u s ch a n. Unter den verschiedenen Arten des Riesenwuchses ist die weitaus die seltenste, bei der alle Dimensionen ganz gleichmäßig vergrößert sind. Häufiger find die Formen mit unproportioniert langen Beinen, wie bei vielen Eunuchen, oder die Formen von übermäßigem Längenwachstum, wie es rassenmäßig in Ostafrika be- obachtet wurde. Verhältnismäßig am häufigsten sind aber jene Riesen, bei denen es sich um schwere Ernährungs- störungen handelt, die man mit Akromegalie bezeichnet. Bei dieser Krankheit handelt es sich um bestimmte Erscheinungen, zu denen Veränderungen des Hirnanhanges, der HypophhsiS, anscheinend die häufigste Veranlassung geben. Nicht selten scheint aber auch eine Verletzung für das Auftreten der Krankheit verantwortlich gemacht zu werden. Unter den einzelnen Symptomen überwiegt bald die Ver- größerung der Hände und Füße, bald allgemeines Riesenwachstum. Manchmal erscheint auch die Zunge sehr vergrößert, immer aber ist eine oft ganz ungewöhnliche Vergrößerung des Unterkiefers vorhanden, meist auch eine starke Vergrößerung des Hirnanhanges, nicht selten auch eine Hirngeschwulst, die ihren Ausgang von letzterer genommen hat. Man hat mit überraschendem Erfolge derartige Geschwulste operativ entfernt. Auch durch innerliche Behandlung hat man solche Fälle zu heilen'oder wenigstens zu bessern versucht. Stets handelt es sich um ein schweres Leiden, das oft zu einem frühen Tode führt. Meistens kommt es dazu zu enormem Körperwachstum. Und in der Tat war mindestens die Hälfte der untersuchten Riesen mit Akromegalie behaftet. Neben dem Riesenwuchse besteht fast immer auch Jnfantilismus(Zurückbleiben auf einer kindlichen Stufe)— in geistiger, moralischer und sexueller Beziehung. Die Berliner königlichen Museen haben kürzlich einen schönen Marmorkopf des römischen Kaisers Maximinus erworben. AuS der monströsen Bildung des Unterkiefers ergibt sich, daß der bekannte Riesenwuchs deS Kaisers eine Folge von Akromegalie ist. Leichtere Grade dieser Krankheit können mit einer anderen Erscheinung verwechselt werden, die als Caput, progenaeurn bezeichnet wird. Bei diesen.Vorderkauern" ragen bei richtig auseinandergesetzten Backen- zählten die Schneidezähne des Unterkiefers über die des Oberkiefers vor. predigen, sichert unserer Bewegung weitere Erfolge. Luft- schlösser bauen wir nicht. So etwas darf es in der Gewerkschafts- bewegung nicht geben. Wir arbeiten so, daß wir alles, was mög- lich und erreichbar ist, durchsetzen können. Wir sind bestrebt, alle Arbeiter in die Organisation zu bringen, denn wir wissen, daß das die Voraussetzung aller Erfolge ist. Ich war zugegen, als die Generalkommission der Gewerk- schaften Deutschlands dem schwedischen Gewerkschaftsvertreter Branting für den bevorstehenden Generalstreik die Unterstützung der deutschen Arbeiter zusicherte. Ich freue mich über diesen Be- schlutz, denn es ist Sache aller Arbeiter, das angegriffene Koalitions- recht der schwedischen Arbeiter verteidigen zu helfen.(Beifall.) Ich wünsche nichts sehnlicher, als daß wir die Macht hätten, ihnen zum Siege zu verhelfen.— Der Kampf in Schweden ist ja hervor- gerufen durch die Tarisbewegung. Auch wir in Amerika haben Tarife mit den Unternehmern abgeschlossen. Aber wir wissen, daß durch die Tarifgemeinschaft der Friede nicht gesichert ist.(Zu- stimmung.) Wir wissen, daß wir unsere Organisationen stärken müssen, um weitere Erfolge zu erringen. Schon vor vierzehn Jahren war ich einmal in Deutschland, Jetzt sehe ich, daß die deutsche Arbeiterbewegung seitdem große Fortschritte gemacht hat. Ich beglückwünsche Sie hazu. Ich bin überzeugt, jemehr die deutschen Arbeiter ihre Kräfte sammeln in den Gewerkschaften, um so mehr wird auch ihr Einfluß auf ökonomischem und politischem Geb'iet wachsen.— Unsere Kämpfe gelten ja nicht nur den Verbesserungen, die von heut auf morgen erlangt werden können, sondern wir wollen den Arbeitern eine bessere Zukunft erkämpfen. In diesem Sinne haben die Arbeiter aller Länder gemeinsame Interessen. Weil ich davon überzeugt bin, deshalb werde ich auch an dem bevorstehenden internationalen Gewerkschaftskongreß teilnehmen. Ich hoffe, daß uns gestattet werden wird, die amerikanischen Gewerkschaften der inter- nationalen gewerkschaftlichen Zentrale anzuschließen. Die amerika- nischen Gewerkschaften sind zu verschieden von denen anderer Länder. Sie sind den politischen und Lkono- mischen Verhältnissen unseres Landes an- gepaßt. Wenn wir nach unserer bisherigen Methode weiter- arbeiten können, so werden wir in der internationalen Zentrale Schulter an Schulter mit den Arbeitern aller anderen Länder kämpfen. Ich möchte noch bemerken, daß eine hiesige Zeitung(der „Lokal-Anzeiger") mir Worte in den Mund legt, die ich nicht ge- sprachen habe. Ich soll nach dieser Zeitungsnotiz die deutsche Arbeiterbewegung kritisiert haben. Was die Notiz in dieser Hin- ficht sagt, das stimmt nicht. Ich wünschte, daß ich noch länger hier bleiben könnte, um Ihre Bewegung noch näher kennen zu lernen. Aber ich muß weiter reisen. Ich danke Ihnen für die Liebenswürdigkeit, mit der mich die Männer und Frauen hier empfangen haben. Ich weiß, das galt nicht meiner Person, sondern der amerikanischen Arbeiter« schaft. Bei meinem Abschied aus Amerika wurde mir aufgetragen, Ihnen die Grüße der amerikanischen Arbeiter zu überbringen. Es sind die besten Wünsche für das fernere Gedeihen der Arbeiter- bewegung der ganzen Welt, für eine Verbrüderung der Arbeiter aller Länder.(Stürmischer Beifall.) Nach dem Vortrage wurden an GomperS Anfragen gestellt, zu denen er sich äußerte. Sickert wünschte Auskunft darüber, weshalb die amerikanischen Gewerkschaften für das Einwanderer- gesetz gestimmt haben, auf Grund dessen den mittellosen Ein- Wanderern eine so harte Behandlung zuteil werde, wie es kürzlich im„Vorwärts" geschildert wurde. Gompers antwortete, er habe die betreffende Notiz im „Hamburger Echo" aber nicht im„Vorwärts" gelesen. Danach solle jeder Einwanderer, der nicht 190 M. aufweisen könne, wie ein Gefangener behandelt und zurückgeschickt werden. Das— sagte Gompers— ist nicht wahr. Hier sitzt ein Mitglied des amerika- nischen Buchdruckerverbandes und ein Berichterstatter der sozia- listischen„New Dorker Volkszeitung", beide bestätigen, daß ich recht habe.— Jeder, der als Einwanderer nach Amerika kommt und sich als Mitglied einer Gewerkschaft legitimieren kann, wird in unsere Gewerkschaften aufgenommen. Unsere Stellung zur Ein- Wanderung ist die: Wir wollen nicht, daß alle Länder der ganzen Welt ihre minderwertigen Elemente an uns abgeben, die als Lohndrücker zu uns kommen, unsere gewerkschaftlichen Erfolge bedrohen und die wir schließlich noch ernähren müssen. Sollen denn die Gewerkschaften nicht das, was sie errungen haben, gegen die Massenverschlechterung verteidigen? In jedem Ein- Bei höheren Graden kann auch der ganze Unterkiefer stark ver- größert sein, wie bei vielen Habsburgern. Die exzessivsten Formen dieser Art kommen bei den Bulldoggen und Mopshunden zur Beobachtung. Das berühmte Porträt Karls V. von Amberger im Berliner Kaiser-Friedrich-Museum ist die denkbar beste Illustration für diese Bildung. Heute ist der König von Spanien der bekannteste Vertreter dieses Typus. Akromegalie ist meist mit Impotenz oder mit Sterilität verbunden. Doch sind Fälle von Vererbung bekannt. jedoch kann sie sich niemals durch so viele Generationen vererben wie die Progenie. Neuholländische Typen behandelte Prof. v. L u s ch a n in einem weiteren Vortrage. Die Urbevölkerung von Neuholland ist im wesentlichen einheitlich. Am meisten interessieren uns die Neuholländer durch ihre primitiven Eigenschaften und seit langem auch deswegen, weil man die ältesten bekannten Reste des europäischen Menschen gerade mit ihnen verglichen hat. Das geschah schon vor 20 Jahren mit dem Schädeldach des Neandertal-Meuschen, und jetzt ist es der nahezu vollständig erhaltene Schädel von La Ehapelle aux Samts, der uns durch seine große Aehnlichkeit mit Schädeln aus Neuholland überrascht. May muß sich fragen, waS diese Aehnlichkeit bedeutet, ob sie auf bloßem Zufall beruht oder ob ihr eine wirkliche Ver- wandtschaft zugrunde liegt. Von der Zeit der paläolithischen(alt- steinzeitlicheit) Menschen trennen uns ungezählte Zehntausende von Jahren, und die Neuholländer sind unsere Zeitgenossen. Trotzdem muß ein direkter Zusammenhang angenomnten werden. Die Toala auf Celebes, die Schädelah aus Ceylon, viele dunkele Stämme in Indien, auch solche, die heute arische Sprachen reden, zeigen schon jetzt den Weg. auf dem ein solcher Zusammenhang später einmal wird sicher und einwandfrei nachgewiesen werden können. Andererseits zeigen aber auch die beiden Schädel von Syp, wie groß die Unterschiede auch innerhalb der paläolithischen Rasse von Europa gewesen ist. Trotz der Spärlichkeit des bisher vor- liegenden Materials scheint es also schon jetzt nahezu gesichert, daß ein Teil der heutigen Europäer von dent Menschen der Neandertalrasse abstammt und daß dieser wiederuin eines Ursprünge? mit dem heutigen Australier ist. Für die Rekonstruktion deS paläolithischen Typus von Europa kommen aber neben dem Australier noch die alten TaSmanier in Betracht, die gleichfalls viel primitive Eigenschaften bewahrt haben. Der Sturm auf den Südpol. Aus London wird berichtet: Das erfolgreiche Werk des Leutnants Shackleton wird bereits in nächster Zeit durch einen anderen britischen Südpolarforscher fortgeführt werden: Kapitän Scott ist entschlossen, in kürzester Frist eine neue britische Südpolarexpeditton auszurüsten. Kapitän Scott hat bereits die berühmte Antarktische Expedition geleitet, die mit der „Discovery" von 1961— 1904 im ewigen Eise de? Südens der Wissen- schaft wertvolle Erkenntnisse eroberte. DamalO lvtiernahm auch Shackleton unter Scotts Leitung seine erste Smlpokarfahrt, die er wegen eines Lungenleidens unterbrechen mußte. Die„Discovery" wurde dann vom Eis umschlossen, und zwei Rettungsexpeditionen mußten nach ihr ausgesandt werden. Auf dieser Fahrt erreichte auch Kapitän Scott in seiner Schlittenreise den südlichsten Punkt, der später durch Shackleton überholt wurde. Aber nicht nur in England setzt sich die BegeistxxMg für die Südpolarforscher in Wanderer, der nicht unsere Lage verschlechtern will, sondern bereit ist, mit uns für die Verbesserung der Lage der Arbeiter zu wirken, sehen wir unseren Bruder.(Beifall.) D i t t m e r fragte, wie Gompers sich zu den bürgerlichen Parteien stelle, er solle sich bei den Wahlen für eine bürgerlich«' Partei ins Zeug gelegt haben. Warum gingen die amerikanischen Gewerkschaften nicht mit der sozialistischen Partei? Gompers: Ich habe versucht, Ihnen einige Ideen, Ge- danken und Tatsachen aus der amerikanischen Arbeiterbewegung zu übermitteln. Ich habe aber nicht von meiner Person gesprochen und meine Person nicht zur Diskussion gestellt. Für meine Taten bin ich den amerikanischen Arbeitern verantwortlich. Ich muß es ablehnen, auf eine Frage zu antworten, die nicht hierher gehört. Meine Tätigkeit wurde von der gesamten Arbeiter- schaft Amerikas gutgeheißen, gleichzeitig wurde ich aufgefordert, in derselben Weise weiterzuwirken.(Beifall und Widerspruch.) Legten: Die Frage, die Dittmer stellte, war überflüssig. Wenn ein Vertreter einer anderen Nation uns sagen würde, wir seien ungeschickt in der Politik und müßten eine andere Taktik ein- schlagen, dann würden wir sagen: Das machen wir, wie wir es für richtig halten. Ich kenne Gompers seit 12 Jahren und weiß, daß er genau so denkt wie wir. Ob es angebracht ist, in Amerika eine sozialistische Gewerkschaft zu schaffen, das ist eine Frage, die wir nicht entscheiden können. Einig ist Gompers mit uns darin, daß das Kapital bekämpft werden muß und daß in diesem Kampfe alle Arbeiter zusammengehören. Natürlich muß GomperL so arbeiten, wie es die Verhältnisse seines Landes bedingen. Was würden wir in Deutschland tun, wenn alljährlich Millionen indifferenter Arbeiter zu uns hineingeworfen würden, denen wir machtlos gegen- überständen. Wir haben ja etwas derartiges gehabt. Italiener, Böhmen, Polen, Russen sind als Lohndrücker zu uns gekommen. Aber wir sind in der Lage, unsere Agitation zu diesen Arbeitern zu tragen und sie aufzuklären, ehe sie zu uns kommen. Das können die amerikanischen Arbeiter nicht, sie müssen sich also in anderer Weise gegen die Lohndrücker schützen. Meistens sind es ja nicht die besten Elemente der Arbeiterschaft, die nach Amerika hinübergehen. Die Elite der Arbeiterschaft führt den Komps um Verbesserung ihrer Lage im eigenen Lande.— Worauf es vor allem ankommt, das ist, die Arbeitermassen zu vereinigen. Wer ist wahrhaft revolutionär? Vielleicht der, welcher sagt, Du hast Unrecht getan, daß Du zum Gabelfrühstück gegangen bist, oder der, welcher die Arbeiter vereinigt, um mit der kompakten Masse die heutige Gesellschaft zu beseitigen? Der wahre Revolutionär ist der, der die Masse zu vereinigen sucht. Wie wir diesen Versuch in Deutsch- land machen, so tut cs in Amerika die Federation of Labor, deren Präsident Gompers ist.— Die Diskussion hier durste nicht unter- Kunden werden, denn wir wollten nicht, daß der„Vorwärts" berichtet, die Diskussion wurde abgeschnitten und Gompers keine Gelegenheit gegeben zu antworten. Freie Diskussion soll sein, aber was hier in der Diskussion vorgebracht wurde, das gehört nicht hierher. Wir freuen uns, daß es endlich gelingt, die amerikanischen Gewerkschaften mit uns zu vereinigen. Wenn wir so urteilen wollten, wie es aus der Fragestellung her- vorgeht, dann müßten wir die Franzosen von unferer internatio- nalen Verbindung ausscbließen, denn die französischen Gewerk- schaftsführer sind Anarchisten, welche die sozialdemokratische Partei bekämpfen. Im Vergleich mit diesen stehen uns die amerikanischen Gewerkschaften viel näher. Wir haben trotz ihres politischen Standpunktes die französischen Arbeiter mit uns zu vereinigen ge- sucht, wir nehmen auch die Amerikaner auf in dem Gedanken: Vereinigt Euch, dann habt Ihr die Macht. Wenn wir von diesem Standpunkt aus die Frage betrachten, dgnn dienen wir dem Inter- esse der Arbeiter.(Beifall.) Dittmer: Was Legten über Vereinigung aller Arbeiter sagte, ist selbstverständlich. Wenn sich die Amerikaner der Inter- nationale anschließen wollen, dann ist der Wunsch wohl berechtigt, über ihre Stellung zu den politischen Parteien etwas zu hören. Wenn Gompers diese Frage nicht beantworten will, so ist das seine Sache und sein Recht.(Beifall.) Gompers: Die Frage, die mir Herr Dittmer vorlegte, ist in Amerika hundertmal und öfter an mich gerichtet worden. Dort habe ich sie beantwortet. Hier tue ich es nicht, denn Sie kennen unsere Berhältmsse nicht und können deshalb nicht beur- teilen, ob meine Antwort zutreffend ist. Den amerikanischen Ar- beitern hat meine Antwort immer genügt und sie haben mich beauftragt, so weiter zu arbeiten. Dadurch ist das ein-Auftrag der Taten um, auch Amerika will sich an dem Kampfe um die Er» oberung des Südpols beteiligen. Die einflußreiche amerikanische philosophische Gesellschaft ist jetzt an die Bundesregierung heran- getreten mit dem Plane, eine amerikanische Expedition auszurüsten, die im Auftrage der Regierung und unter Leitung amerikanischer Marineoffiziere das Wagnis unternehmen soll, zum Südpol vorzudringen. Die amerikanische geographische Gesellschaft hat den Plan mit Eifer aufgegriffen, so daß wohl binnen kurzem auch die amerikanische Expedition ihre Fahrt wird antreten können. WaS Pflanzensamen aushalten. ES ist bekannt, wird der„Franks. Ztg." geschrieben, daß manche Samen starker Austrocknung und Ab« kühlung widerstehen, ja daß sie unter Bedingungen lebensfähig bleiben, unter denen die Möglichkeit der Atntung ausgeschlossen ist. Sind bei solchen Samen die Lebensvorgänge nur aufs äußerste verlang- samt oder sind sie zeitweilig völlig aufgehoben? Diese Frage suchte Paul Beequerel auf experimentellem Wege zu beantworten. Ueber seine Bersuche berichtet er: Samen der Luzerne, des weißen Senfs und des Weizens wurden, nachdem deren Schale, unt sie durchlässig zu machen, durchbohrt worden war, zu- nächst sechs Monate im luftleeren Raum bei einer Temperatur von 40 Grad ausgetrocknet. Danach kamen sie in kleine, luftleer ge« machte und zugeschmolzene GlaSröhrchen und wurden drei Wochen lang der Temperatur der flüssigen Luft(— 191 Grad) und darauf noch siebenundsiebzig Tage der des flüchtrgott Wasserstoffs (— 253 Grad) ausgesetzt. Als sie danach bei 23 Grad zum Keimen angelegt wurden. gingen sie säintlich mit Ausnahme eines einzigen WetzensamenS auf, ohne daß sich ihre Keimung von der normaler Kontrollsamen irgendwie unterschied. Ein wenn auch noch so sehr verlangsamtes Leben ist unter den geschilderten Bedingungen schwerlich möglich; cS muß in jenem Samen völlig aufgehoben und die Kontinuität der Lebenserscheinungen tinter- brachen sein. Danach wäre anzunehmen, daß in gewissen Fällen völlig leblos gewordene Organismen zu neuem Leben erweckt werden können. Die Eibe eines berühmten Staatsmannes. Ein Mitarbeiter des„Figaro" schreibt: Heutzutage braucht man keine politischen Eide mehr zu schwören.(In den deutschen Vater- ländern und auch anderswo blüht der politische Eid immer noch. Die Red.) Man hat sich im Laufe deS 19. Jahrhunderts wahrscheinlich gesagt, daß niait sie sonst zu oft erneuern müßte. Ein Historiker hat sich eines Tages den Spaß gemacht, zu zählen, wieviel Eide, kirchliche und politische, Talleyrand im Laufe seiner langen staatsmännischen Laufbahn geschworen hat. Er schwur: 1. Clemens Xlll., als er zum Priester geweiht wurde; 2. Clemens XIV., als er zum Bischof von Autun ernannt wurde; 3. Ludwig XVI. im Jahre 1789 bei der Einberufung der General- staaten; 4. dem König und der Verfassung; 2. dem Directoire im Jahre 1792; 0. demselben Directoire im Jahre 1796 als Minister der auswärtigen Angelegenheiten; 7. den drei Konsuln Bonaparte, Sieyes und Ducas; 8. Napoleon, als er allein Konsul ioar; 0. Na- Poleon, als er Kaiser wurde; 10. Ludwig XVIII. im Jahre 1814; 11. Ludwig XVIII. im Jahre 1812; 12. Karl X. im Jahre 1834; 13. Ludwig Philipp im Lahre 1330.... «Sfttifantfcfjeft Arwikerschaft selbst. Vier lattft die FvZge nicht mit dcr Gründlichkeit, die notwendig ist, beantwortet werden. Wenn ich Sie fragen würde, wie kommt es, datz Sie in Deutschland neben den sozialistischen Gewerkschaften noch Christliche, Hirsch- Dunckersche und Gelbe haben, so könnte Herr Dittmcr diese Frage auch nicht in einer halben Stunde beantworten.(Heiterkeit und Beifeill.) Der Versammlungsleiter K ö r st e n richtete Worte des Dankes an den amerikanischen Gast, gab, der Befriedigung Ausdruck über die Vereinigung mit den amerikanischen Arbeitern, an die er durch ihren Präsidenten Gompers die Grütze der deutschen Arbeiter zu übermitteln ersuchte; er wünschte den schwedischen Arbeitern einen vollen Erfolg in ihrem Kampfe und schloß mit einem Hoch auf die internationgle Arbeiterbewegung. ».' Nachschrift der Redaktion: Ueber den Vortrag des Herrn Gompers wäre gar manches zu sagen; doch da der Leiter der American Federation of Labor kein Sozialdemokrat ist, so haben wir mit ihm über seine unsozialistischen Anschauungen in der Ein- wandererfrage usw. nicht zu rechten. ES kann sich nur darum handeln, das, was er sachlich verschoben hat, ins Gleichgewicht zu rücken. Datz Herr GomperS den Mut fand, die Meldungen sozial- demokratischer Blätter über die rigorose Behandlung, die den Einwanderern durch die amerikanischen Behörden in letzter Zeit zw teil wird, rundweg für falsch zu erklären, das kann nur den in Er- staunen setzen, der Herrn Gompers nicht kennt: den Gompers, der es z. B. fertig bekam, im November 1S im In- und Auslände, bringt jn ihrer Nummer vom 1. August 1 eine Zusammenstellung der Kremäkorien In Deutschland' nebst Arl-I gäbe, welche Papiere für Auswärtige erforderlich sind, an wen die Eingabe zu richten ist und wie hoch die Gebühren sind. 17 Orte weisen Krematorien auf: Gotha, Heidelberg, Hamburg, Jena, Offenbach a. M., Mannheim, Eisenach, Mainz, Karlsruhe in Baden, Heilbronn a. Neckar, Ulm a. Donau, Chemnitz, Bremen, Stuttgart, Koburg, Pößneck und Zittau. Die Gebührenhöhe schwankt zwischen 25 und 180 M. Gotha verlangt 55 M. ein- schließlich der Ueberführung der Leiche vom Bahnhof nach der Be- stattungsanlage und des Aschenbehälters; Heidelberg 71,50 M., bei Benutzung der Leichenhalle 86,50 M.; Hamburg für Vereins- Mitglieder 60 M., für von auswärts kommende Leichen bei An- Meldung durch einen Verbrennungsverein einschließlich des Harmoniumspiels und des Leichenwagens 30 M.; Jena: 1. Klasse 73 M., 2. Masse 60,50 M., 3. Klasse 50 M.; Offenbach: 1. Klasse 74,50 M., 2. Klasse 68,50 M., 3. Klasse 48,50 M.; Mannheim 75 Mark, bei Benutzung der Leichenhalle 90 M.; Eisenach 66 M. bei Benutzung der Leichenhalle; Mainz 100 M.(für Vereinsmitglieder von Mainz und Wiesbaden 70 M.); Karlsruhe 50 M., für Mit- glieder der Vereine Karlsruhe. Durlach und Baden-Baden 25 M.; Heilbronn 34 M. für Heilbronner Vereinsmitglieder, 40 M. für NichtMitglieder, S— 5M. für Kinder; Ulm 55 M. für Mitglieder oer Feuerbestattungsvereine Ulm, Neu-Ulm, München, 75 M. für Nicht- Mitglieder; Chemnitz 57 M.(für Harmoniumspiel und kirchliche Feier 20 bis 30 M. mehr); Bremen: für Mitglieder deS Bremer Vereins ist die Einäscherung unentgeltlich, für NichtMitglieder beträgt die Gebühr 30 M. Fahren der Leiche nach dem Krema- wrium. 1. Klasse 130 M.. 2. Klasse 120 M., 3. Klasse 70 M., 4. Klasse 35 M., 5. Klasse 17 M.; Stuttgart für Vereinsmitglieder in und um Stuttgart unentgeltlich, 40 M.(einschließlich Aschen- gefäß) für auswärtige; Koburg 57,25 M.(mit kirchlicher Feier 33,70 M. bis 63 M. mehr); Pößneck für Einheimische 32 M., für Auswärtige 57 M.(kirchliche Feier 10 M., Harmonium 5 M. mehr), Zittau 50 M. Einäscherungsgebühr für Mitglieder eines Feuerbestattungsvereins, 75 M. für Nichtmitglieder. Preußen gestattet eine Feuerbestattung noch nicht, weil das Oberverwaltungsgericht in der von uns mitgeteilten, an Wort- k lauberei reichen, an Richtigkeit armen Entscheidung angenommen hat, solange die Gesetzgebung nicht geändert sei, sei ein Verbrennen der Leichen an Stelle des EinbuddelnS in Preußen nicht zulässig. Hiis Induftric und ftendd. Praktiken der Brauereien. Die Brauereien scheinen allen Ernstes entschloffen zu sein, die angekündigte ungeheuerliche Preissteigerung durchzusetzen und zu diesem Zwecke vor keinem Mittel zurückzuschrecken. Die„Volks-Zeitung"— Nr. 358— macht folgende Mitteilungen: „Die von den Ringbrauereien beschloffene koloffale Bierpreis erhöhung scheint auch diesmal zu einem Bierkrieg führen zu sollen. Nachdem schon in der bekannten Berliner Konferenz die allgemeine Preiserhöhung für Lagerbier vereinbart worden war, haben m aller Stille weitere Verhandlungen zwischen den Berliner Brauereien über die Durchführung der Erhöhung in Groß-Berlin stattgefunden. Die dem Ring angeschlossenen größeren Brauereien haben sich schon geeinigt. Sie haben nicht nur einen festen Preistarn vereinbart. sondern sie wollen die Durchführung der höheren Preise dadurch sichern, daß sie jede ringfteie Konkurrenz unterdrücken und jeder einzelnen Berliner Brauerei das Maß ihrer Produktion vor- schreiben. Es handelt sich also um die Schaffung eines regel- rechten Biersyndikats. Nun stehen aber noch verschiedene Brauereien außerhalb deS Ringes, vor allem auch die von GastwirtSvereinen gegründeten Genossenschaftsbrauereien. Diese Brauereien find von den Ring- brauereien gestern zu einer Konferenz geladen worden. Man hat sie vor die Wahl gestellt, entweder dem Ringe beizutreten und sich den Borschriften über BierpreiS und Höchstproduktion zu fügen oder sich durch die Macht deS Ringes ruinieren zu lassen. Den„widerspenstigen" Brauereien wurde in der Kon- ferenz vom Ring angedroht, man würde sie durch Kampfpreise und andere Repressalien zwingen, sich dem Ring anzw schließen, wenn sie nicht gutwillig folgten. Borläufig haben die ringfreien Brauereien noch eine Galgen frist; ist diese verstriche� dann wird der Bierkrieg zwischen den Brauereien beginnen. Denn verschiedene Genosienschaftsbrauereien wollen mit Rücksicht auf die Entstehungsgeschichte und den Zweck ihrer Gründung sich dem Ring nicht unterwerfen. Die Gastwirtsorganisationen sind bisher in dieser Angelegen heit noch nicht gefragt worden. Erst wenn der Plan deS Ringes geglückt sein sollte, will man sie vor die fertige Tatsache stellen. Die in die neue Brausteuer aufgenommene Kontingentierung er- leichtert allerdings dem Ring sein Vorhaben; immerhin dürften aber die ringfreien Brauereien im Bunde mit den Gastwirts' vereinen doch den Plänen deS Ringes kräftigen Widerstand env gegensetzen können, zumal die Sympathien des Publikums, das gegen die Preispolitik der Großbrauereien von lebhaftem Unwillen ergriffen ist. auf ihrer Seite sein werden." Leider muß konstatiert werden, daß nun gerade die Wirte- organisation, die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen will, anscheinend nichts Besseres zu tun weiß, als sich für die Interessen der Brauereien ins Zeug zu legen. Die GenoffenschastS brauerei ist gegründet worden, um dem TerroriSmuS der großen Aktienbrauereien etwas Widerstand entgegensetzen zu können, durch ihr jetziges Verhalten Hilst die freie Wirteorganisation, die Wirte samt ihrer Brauerei zu einem Spielball des Großkapitals im Brauerei- gewerbe zu machen._ Allgemeine Plünderet. Wie die Brauereien usw. so wollen auch viele Kaffeehausbesitzer einen Rebbach machen mit der Abwälzung der neuen Steuern. Eine Reihe CnfSs hat den Preis für eine Taffe Kaffee sowie für Tee um 5 Pf. erhöht. Rechnet man mit nur tatsächlicher Verteuerung durch den Großhandel von 15 Pf. pro Pfund Kaffee und nimmt an. daß ein Pfund nur 40 Tassen liefert. dann ergibt sich folgendes Resultat: Verteuerung pro Tasse 0,375 Pf., Preisaufschlag 5 Pf. Der Ausschlag übersteigt die Verteuerung des KaffeeS um das 13fache. So werden die Konsumenten geschröpft. Die kleiue Bierflasche. Von der Direktion der Schultheiß Brauerei geht uns in der angeschnittenen Frage der kleinen Bier- flasche folgende Sachdarstellung zu, deren Richtigkeit der Arbeiten ausschuß bestätigt: „Alle dem Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend angchörigeÄ Brauereibetricbe bringen seit über Jahresfrist in Berlin nur eine und zwar die sogenannte„Einhcitsflasche" in den Handel, welche einen Rauminhalt von zirka 3ö Zcntilitern auf- weift, und die Hütten sind aufs strengste angewiesen, dieses ihnen vorgeschriebene Raummatz möglichst auf das genaueste einzu- halten. Da nun die Flaschenfabruation zurzeit noch als Hand- arbeit betrieben wird, so kann naturgemäß nicht jede Flasche akkurat so ausfallen, wie die anderen, und es wird sich nicht immer vermeiden lasten, daß die eine oder die andere Flasche um ein geringes, das heißt zirka 3 bis 4 Zentiliter, nach oben oder nach unten in ihrem Rauminhalt von der anderen abweicht. Dies ist aber in den Vereinbarungen zwischen dem Brauerei- berein und den Glashütten als die höchste Fehlergrenze bezeichnet, und wir führen bei jeder einzigen Lieferung der Hütte genaue Kontrolle in der Weise aus, daß eine größere Anzahl der ge- lieferten Flaschen durch Nachmessung auf die Vorschristsmäßigkeit ihrer Höhe, ihres Gewichtes und ihres Rauminhaltes geprüft werden. Um ferner der Möglichkeit vorzubeugen, daß auf dem Wege durch die Kundschaft bei Zurücknahme der leeren Flaschen nicht etwa solche Flasche», die dem Normalmaß nicht entsprechen, in unseren Betrieb gelangen, werden auch in unseren Kellereien selbst die leer eingeholten Flaschen, ehe sie zur Wieder- Verwendung gelangen, wiederholt nachgeprüft und auch die mit dem Abfüllen deS Bieres beauftragten Leute sind angewiesen, für den Fall, daß ja einmal sich eine abweichende Flasche bis zu dieser Stelle hindurchgeschlängelt haben sollte, ihr Augenmerk hierauf zu richten, um derartige Durchläufer auszurangieren. Von einer Absicht, kleinere Flaschen zur Verwendung zu bringen, kann keine Rede sein, solche könnten auch gar nicht hereuigcnommen worden sein, da uns während der letzten zwei Monate neue Flaschen überhaupt nicht geliefert worden sind, und solches Vorhaben würde auch für jede der Vereinsbrauereien voll- ständig illusorisch sein, denn die Einheitsflasche, die heute bei einer Vereinsbrauerei zur Anlieferung gelangt, und von dieser gefüllt in den Handel gebracht wird, kehrt nicht etwa leer bestimmt in denselben Betrieb zurück, sondern sie wird von den Fahrern einer anderen Brauerei mitgenommen, um von dieser gereinigt, gefüllt und wiederverkauft zu werden. Es würde also die Einführung einer kleineren Flasche für eine einzelne Brauerei vollständig wertlos sein, da sie, wie nach Vor- stehendem erklärlich, hiervon selbst Nutzen nicht haben würde, und daß zufolge der Brausteuererhöhung die allgemeine Einführung einer kleineren Flasche seitens der Brauereien Berlins nicht geplant ist, haben wir Ihnen bereits früher bemerkt." Demnach ist es auS technischen Gründen noch nicht möglich, ein ganz bestimmtes Raummaß der Flaschen zu erzielen. ES konimen Flaschen mit 11—12 Proz. Uebermaß und solche mit 11—12 Proz. Untermaß in den Handel, so daß, wenn zufällig eine der größten und eine der kleinsten Flaschen verglichen werden, tatsächlich eine Differenz von zirka 25 Proz. herauskommt. Nimmt man an, daß die geschilderten Vorsichtsmaßregeln doch nicht daS Durchschlüpfen einzelner Flaschen, bei denen die Maximal- und Minimalraumgrenzen nicht innegehalten sind, verhindern, dann können sogar noch größere Differenzen herauskommen. Nach der vorstehenden Sachdarstellung liegt dabei aber keine böse Absicht zugrunde, sondern entspringt den technischen Verhältnissen. Ausverkauf! Wie die Moskauer Zeitung„Rutzkoje-Skoloo" berichtet, ist in den Regierungskreisen beschlossen worden, die Nord- bahnen an belgische Kapitalisten zu verkaufen. Für den Verkauf haben sich bereits Stolypin und der Eisenbahnminister ausgesprochen. Alle Bedingungen des geplanten Verkaufes werden strengstens ge- heimgehalten.________ Hub der Frauenbewegung. Eine Frauenforderung. Unter den Forderungen der Frauen nimmt die Frage dec Beseitigung der Strafbestimmungen zum„Schutze für das keimende Leben", eine besondere Stellung ein. Während die Frauen über das Problem der Prostitution, des Mädchenhandels unter sich einig sind, gehen die Ansichten über die Aufhebung der hier in Betracht kommenden Gesetzesbestimmungen weit auseinander. Die Frage der sittlichen Bewertung der Abtreibung scheint nur auf den ersten Blick einsach. Schon die alten Römer bestraften die Abtreibung. wohl hauptsächlich weil ihre steten großen Kriege viel Menschen verbrauchten, angeblich aber wegen der— Heiligkeit des Lebens. Die christliche Religion, und die aus dieser herausgewachsene Rechts- anschauung, verlangen Bestrafung der Abtreibung, weil auch daS ungeborene Leben von Gott komme und nur dieser das Recht habe, eS zu vernichten. Wie verhält es sich aber mit der Heiligkeit des Lebens und all den anderen Argumenten, wenn eine Frau ver- gewaltigt wird, eine Schülerin verführt wurde oder eine Arbeiterin das Opfer ihres Arbeitgebers geworden ist? Wie sollte die Ab- treibung unsittlich sein, wenn Mann oder Weib oder gar beide die Zeugung in trunkenem Zustande vollbrachten? Oder wenn vererbte geschlechtliche Krankheiten das Leben des Kindes nach seiner Geburt bedrohen? Oder wenn es sich um Erhaltung der Gesundheit der Frau oder gar des Lebens handelt? Eltern können nach reiflicher Erwägung zu dem Entschluß der Abtreibung gelangen, weil ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es nicht erlauben, eine vergrößerte Familie zu ernähren. Auch in juristischer Beziehung ist die Entscheidung dieser Frage nicht so einfach. Dem ungeborenen Kind eignen weder in straf- rechtlicher noch in zivilrechtlicher Beziehung Rechtsgüter. Es wird nicht als eine Person anerkannt, die Rechte besitzt und trotzdem ist es strafrechtlich geschützt. Die Gesellschaft, die nichts gegen den scheußlichen Kindermord durch Ausbeutung. Lebensmittel- und Wohnungswucher tut. den sie alltäglich vollführen sieht, hat nicht das Recht, den einzelnen zu bestrafen, wenn er daS von ihm ge- zeugte Leben zerstört, noch bevor eS geboren wurde. ES sterben viel mehr Kinder durch Hunger und Not als durch Abtreibung der Leibesfrucht zerstört werden. Da sollte die Gesellschaft eingreifen, da gibt es noch viel vorhandenes Leben zu schützen, zu erhalten. Leseabende. Spandau. Heute S'/z Uhr bei F. Böhle, Havelstr. 20. FriedrichShagen. Leseabend Donnerstag. 4. August, 8'/, Uhr, bei Singuhr, Seestr. 36._ Versammlungen— Veranstaltungen. Verband der Hausangestellte». Donnerstag, 5. August, abends 9 Uyr. in Zemters Festsälen. Kommandantenstraße 62: Vereins- Versammlung. Willi Kühne spricht über„Zweck und Ziel der Gewerkschaftsbewegung". Gericbts- Leitung. Die verschluckte Uhr.. Gestern hatte sich die Kellnerin Marie Schneider bor dem Strasrichter wegen einer ettvas eigenartigen Pfandentziehung und wegen Widerstandes gegen die � Staatsgewalt zu verantworten. Die Angeklagte hatte bei einem Abzahlungsgeschäft in der Rosenthaler Straße eine mit Perlen besetzte goldene Uhr im Werte von 250 M. auf Ratenzahlung entnommen. Nachdem sie einige Monate lang ihren Verpflichtungen nachgekommen war, blieb sie die fälligen Raten schuldig. Die Folge war, daß sie von der Firma auf Zahlung oder Herausgabe der Uhr verllagt und verurteilt wurde. Als sie trotzdem die Uhr nicht herausgab, leitete die Firma die Zwangsvollstreckung ein. Eines Morgens wurde die Beklagte von dem Gerichtsvollzieher aus den Betten geholt, welche sie erst kurz vorher aufgesucht hatte. Der Beamte fand anfänglich nicht die Uhr, als er aber die Handtasche der Beklagten einer Revision unterziehen wollte, sprang sie plötzlich auf ihn zu und entriß ihm die Tasche. Jn den nächsten Sekunden ereignete sich etwas, an das der Gerichtsvollzieher nicht gedacht hatte. Die Angeklagte nahm die Uhr aus der Tasche und steckte sie in den Mund. Nach einigen Würgctönen war die allerdings sehr kleine Damenuhr spurlos verschwunden. Nun war guter Rat teuer. Nachdem sich der Beamte von feinem Erstaunen erholt hatte, requirierte er sofort einen Arzt. Diesem gelang eS, der Angeklagten mit vieler Mühe klar zu machen, daß sie sich durch ihre törichte Handlungs- weise unter Umständen in schwere Gefahr für ihr Leben gebracht habe, da sich doch wohl erhebliche„Verdauungsstörungen" einstellen würden. Nunmehr bekam es die Angeklagte mit der Angst zu tun. Sie genoß auf Anraten des Arztes einen ganzen Berg ge- lochter Kartoffeln, um den in ihrem Magen befindlichen„Fremd- körper" einzuhüllen. Sodann wurden ihr einige recht drastisch wirkende Mittel verabfolgt, die schon nach einer halben Stunde ihre Wirkung hatten. Die nun folgende Szene, die sich in Gegen- wart des Gerichtsvollziehers und des Arztes abspielte, entzieht sich der näheren Darstellung. Der kostbare Wertgegenstand erblickte dann auch nach einiger Zeit in einem etwas veränderten Zustand und unter recht schmerzlichen Empfindungen der Angeklagten wieder das Licht der Welt. Die Uhr wurde dann sorgsam ein- gehüllt der Firma wieder überreicht.— Die Pfändung mit Hinder- nissen hatte für die Angeklagte noch recht unangenehme Folgen, da gegen sie Anklage erhoben wurde. Das Gericht erkannte,'da die Mgeklagts ihre Handlungiweise schsft selb? sehr schmerzlich hatte büßen müssen, auf die Mindeststrafe von einem Tage Gefängnis. Ei»«»getreuer Krankenkassenrendant. Vor der Elberfelder Strafkammer hatte sich am Freitag der frühere Rendant der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Remscheid» Max Röttger, wegen Unterschlagung zu verantworten. Die Spuren seiner Tätigkeit wußte der Angeklagte mit einer Raffinesse zu der- decken, daß selbst die amtlichen Revisoren nichts von den Unter- schleifen merkten. Röttger arbeitete nach einem bestimmten, ziem- lich gefahrlosen System. Zu einer ihm gelegen dünkenden Zeit steckte er größere Summen der von den Arbeitgebern eingezahlten Beiträge rn seine Tasche. Die Quittungen versah er mit einer falschen Journalnummer und die Journale selbst ließ er entweder für kurze Zeit unter der Hand verschwinden, oder er trug auch nachträglich, wenn eine Entdeckung nicht mehr so leicht zu be- fürchten war, die Beträge in die Rubriken nach. Die sogenannte Restantenliste kam ihm hierbei sehr gut zustatten. Die Beträge, die er so unter der Hand verschwinden ließ, bewegten sich im all- gemeinen zwischen 20 bis 100 und 200 M. In einem Fall blieben ihm sogar 1000 M. an den Fingern kleben. Insgesamt begaunerte er auf diese Weise nach den gerichtlichen Feststellungen die Kasse um 14 700 M. Die wirkliche Summe dürfte jedoch höher sein, denn noch nach Abschluß der gerichtlichen Untersuchung wurde das Fehlen größerer Beträge festgestellt. Als Röttger das Ende seiner Herrlichkeit nahen sah, ergriff er die Flucht, nachdem er dem Kassenfonds noch 2700 M. entnommen hatte. Durch ein Telegramm an seine Frau verriet er seinen Aufenthalt, und er wurde in Barmen verhaftet. Der Angeklagte bekannte sich für schuldig. Er erklärte, schon im Jahre 1904 mit den Unterschlagungen begonnen zu haben, trotzdem er ein Gehalt von 3300 M. nebst freier Wohnung hatte. Er mußte zugeben, daß er einen über seine Ver- hältniffe hinausgehenden kostspieligen Haushalt geführt und auch mit anderen Damen verkehrt hatte. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr und 4 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte aus 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Es mag hier wiederholt bemerkt werden, daß es sich hier nicht um einen„sozialdemokratischen Krankenkassenrendanten" handelt, wie die Reichsverbandspresse noch vor einigen Wochen in die Welt hinausposaunte, sondern um einen strammen Patrioten, der gegen den sozialdemokratischen Krankenkassenvorstand bei der Aufsichts- behörde konspirierte und seinerzeit mit dazu beitrug, daß die Auf- fichtsbehörde den sozialdemokratischen Krankenkassenvorstand seines Amtes enthob. Sie mußte den Vorstand später wieder in sein Amt einsetzen, weil die vom freisinnigen Abgeordneten Eickhoff im Reichstag verteidigten Maßnahmen des Remscheider Oberbürger- meisterS vom Oberlandesgericht als ungesetzlich gekennzeichnet wurden. Versammlungen. Die Printer und die Printenmaler Berlins wären für den Donnerstagabend nach den„Arminhallen" zu einer öffentlichen Versammlung berufen worden. Printen nennt man die rohen photomechanischen Vergröße- rungen von Photographien, die Printenmaler sind diejenigen, die dann das Bild durch Ueberzeichnung verbessern und fertig machen. Die Printenfabrikation hat in dem letzten Jahrzehnt immer größeren Umfang angenommen. Die Eigentümlichkeit des Ver- triebes solcher Vergrößerungen hat im Laufe der Jahre ein Händlertum großgezüchtet, welches in seinem Konkurrenzkampf die unglaublichsten Blüten und Auswüchse möglich gemacht hat. In allererster Linie haben darunter die Printenmaler zu leiden, dann natürlich auch die Printen selbst. Dazu kommt, daß es direkt systematisch erreicht worden ist, jede xbeliebige Arbeitskraft für diese Produktion zu verwenden. Gegen ein bestimmtes Lehrgeld werden durch skrupellose Interessenten Leute ausgebildet, die dann selbstverständlich, und wenn die erlangten Fähigkeiten auch noch so minimal sind, es doch versuchen in dem in wenigen Wochen erlernten Berufe ihr Fortkommen zu finden. Dies geschieht natürlich zuerst so, daß billiger gearbeitet wird. Die Verhältnisse sind so, zumal auch die weibliche Arbeitskraft stark benutzt wird, geradezu himmelschreiend geworden. Das Publikum, welches sich durch den Reisenden einen Auftrag für eine Vergrößerung er- ledigen läßt, würde sichÄ: staunen, wenn es wüßte, unter welchen Verhältnissen und unter welchen Verdiensten die Arbeiten her- gestellt werden. In guten Zeiten gab es noch für des Printen» malers Arbeit pro Stück 2 M. Jetzt ist der Preis bis auf 00 Pf. und noch weniger herabgedrückt worden! Da wird aber trotzdem absolute Aehnlichkeit, sauberste und— der reine Hohn— künst- lerische Ausführung gefordert. Die Printer selbst müssen heut auch ganz riesige Leistungen schaffen. Es ist schon vorgekommen, daß ein Printer pro Tag tausend solcher Vergrößerungen herge- stellt hat. Die Printenmaler arbeiten in vielen Fällen zuhause, es sind Heimarbeiter. So kommt auch das typische Elend des Heimarbeiters mit dazu, um die traurige Lage dieser groß- städtischen Berufsgruppe zu vervollständigen. Da gibt es völlige Abhängigkeit von den Launen des Herrn Chefs, selbst liefern müssen des Materials usw. Wurde doch in der Versammlung etr, Fall erwähnt, wo ein spekulativ veranlagter Herr im Norden eine Stube mit Küche gemietet und diese dann in„Unterpacht", pro Standplatz 1.00 M. die Woche, vermietet hat. Da zeitweise in diesen Riesenräumen bis zu 10 Printenmaler gearbeitet haben, ist die Miete recht schön herausgekommen. Um alle solche Dinge in Zukunft unmöglich zu machen, waren die Printer und Printenmaler schon kürzlich einmal zusammen- gekommen, sse hatten d'änn eine Kommission gewählt, die sich darüber entscheiden sollte, wo der Anschluß an eine Organisation am besten erfolgen könnte. In Frage kamen außen den Photo- graphen, die selbst im Verband der Lithographen, Steindrucker, Chemigraphen usw. organisiert sind, noch die Maler und die Porzellanarbeiter. In der Versammlung am Donnerstag wurde nun festgestellt, daß man sich nach gründlicher Aussprache mit den in Frage kommenden Organisationen dahin entschieden habe, dem Verband der Lithographen und Steindrucker beizutreten. Dieser Entschluß fand auch allgemeine Zustimmung. Sie wurde nur da- durch getrübt, daß im Malerverband seit langem organisierte Kollegen, ob im offiziellen Auftrage ließ sich nicht feststellen, trotz des Entscheides der Kommission, den Verband der Lithographen und Steindrucker bekämpften, für eine eigene Organisation, und für einen späteren eventuellen Anschluß an den Verband der Maler sprachen. Für ganz Berlin— außer Berlin sind es nur noch ganz wenig Städte, wo Printer und Printenmaler in nennenswerter Zahl vertreten sind— kommen ungefähr 500 Personen in Frage, schon aus dem Grunde wurde aus den Reihen der Versammlung heraus dieser Vorschlag abgelehnt, zumal früher gemachte Erfahrungen dagegen sprachen. Die Versammlung, die sich teilweise recht stürmisch gestaltete, und sogar zu einer vor- übergehenden Sezession der Printer führte, kam aber doch endlich zu dem Beschluß, sich im Verband der Lithographen und Stein- drucker zu organisieren, wo sie ja auch ihre engeren Photographen- kollegen findet, und einen vorläufig provisorischen Vorstand zu wählen, der aus drei Printern und aus drei Printenmalern besteht und unter Vorsitz des Zentralvorsitzenden der Photographen Deutschlands tagt. Jetzt ist es nun die Aufgabe aller Printer und Printenmaler, energisch für ihre Organisation zu wirken, damit auch unter diesen traurigen Verhältnissen gründlich Wandel geschafft werden kann. Selbstverständlich kann hier im besonderen die Allgemeinheit sehr viel mithelfen, einer recht schlecht gestellten Branche zu besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verhelfen, wenn sie nicht wahllos bei ihren Bestellungen vorgeht, sondern erst kon- trolliert, wie die Verhältnisse der Arbeiter in den betreffenden Anstalten sind. Lese- und Diskutierklub»Südost«. Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei Neidhardt, Görlitzer Straße 58. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Karl Marx«. Heute abend 8h, Uhr bei Hummel, Sophienstr. 5: Quartals-(Mitglieder-) Versammlung. Freie Jugendorganisation. Abteilung VI. Heule abend 8 Uhr findet bei Grumbach, Schönleinstr. S, eine Versammlung mit Vortrag statt.— Abteilung Lichtenberg-Rummelsbura. Heute abend 8 Uhr in Rummelsburg, Goethestr. 9, bei Setzesand: Versammlung. Vortrag. Deppiche k(sehlerhaste) in allen Größen für die Halste deS Wertes im Tcppichlager Brünn, Hackescher Markt 4. 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Verschiedenes. BerUncr JVaebnehtm Der Tod im Jrrenhause. Im Krankenhause ist Majestät Tod ein rücksichtsloser Gebieter. Von den Tugenden, die den Herrscher zieren sollen, verleugnet er hier recht viel. Und die Menschen, die er noch verschont, sehen eS ihm getreulich ab. Wie der Tod schreiten sie rücksichtslos über Leichen... DaS Krankenhaus ist freilich nimmer der Ort, um Lbermäbigen Gefühlsregungen fielen Lauf zu lassen. Die Ueber- lebenden haben recht. Mit Borzugsrecht dürfen sie verlangen, datz ein haarscharfer Strich gesetzt werde zwischen das Lebende und das Verwesende. Da« ist praktisch, ist hygienisch. In solchem Lichte er- scheinen die nicht verstunimenden Klagen über die Behandlung Toter im Krankenhause um etliche Nuancen milder. Nur unmenschlich darf das Verfahren nicht werden, nicht roh. Man soll nie vergessen, daß auch der Tote, der im Leben der Aermsten einer war, ein Mensch gewesen ist wie alle anderen Menschen. Unter allen Krankenanstalten macht man mit den Toten die wenigsten Umstände sicher im Jrrenhause. Das Spital hat zu viele scharf beobachtende Augen. Es sind Zeugen, die bei jedem Verstoß gegen die Humanität oder Pietät noch etwas gelten. Für das Irrenhaus fällt diese Befürchtung gemeinhin fort. Die Zeugen, die hier zum Verräter und Ankläger werden könnten, sind im Ernstfalle »nicht einwandfrei". In jedem nur einigermaßen modern ein- gerichteten allgemeinen Krankenhause kennt man Bettschirme, die das schauerliche Bild des Todeskampfes den übrigen Patienten möglichst verbergen sollen. Die vielgerühmte Humanität des Irren- Hanfes hat sich zu solcher Einrichtung noch nicht auf- geschwungen. Dort sehen ein halbes Dutzend und mehr Patienten grinsend zu, wie ein schon Glücklicherer sich mit dem Auf- bäumen der letzten Kraft nach dem Jenseits hinüberarbeitet. Wenn über den oft fürchterlichen Anblick einer der geisteskranken Zuschauer in Krämpfe oder Tobsucht verfällt, so ist man ja hier an derartiges gewöhnt und dagegen abgestumpft. Auch auf dem Seziertisch haben Geisteskranke etwas voraus. Sie dürfen noch im Tode beweisen. wie viel oder richtiger wie wenig Geist sie beseffen haben. Das Sektionsrecht des Arztes ist im wissenschaftlichen Interesse ein sehr weitgehendes. Hunderttausende wissen nicht, daß fie der Leichenöffnung eines Angehörigen nur durch einen voll- gültigen Einspruch, der vor dem Tode oder innerhalb Tages- frist nach dem Tode erhoben sein muß. vorbeugen können. Welche Schiebungen dabei möglich sind, wenn der Arzt den dringenden wissenschaftlichen Wunsch zur Sezierung hat, das leuchtet ohne weiteres ein. Ungezählt sind die Fälle, in denen die Benachrichtigung vom Tode so spät eintraf, daß besagter Einspruch gar nicht mehr möglich war oder in der ersten Aufregung verabsäumt wurde. Be- kanntlich ist eS ja auch nichts allzu Seltenes, daß Angehörige die Todesnachricht erst erhalten, wenn der Verstorbene längst unter der Erde liegt. Für Abgeschiedene, die auf Armenkosten der« pflegt waren, fällt jedes Einspruchsrecht gegen die Sezierung überhaupt fort. Aus dem Jrrenhause find nur sehr wenige Fälle bekannt, in denen die Schädelöffnung unterblieb. Viel öfter wird auf die ollgemeine Sezierung verzichtet, weil diese dem Psychiater wenig des Interessanten bietet. An Leichen jüdischer ReligionS- angehöriger findet die Leichenöffnung nur in seltenen Ausnahmefällen statt. Dieses ärztliche Entgegenkommen stützt sich auf den jüdischen RituS, ist aber gleichwohl ein gegenüber Andersgläubigen nicht zu billigender Vorzug. Daß der Leichenhausdiener, also ein medi- zinischer Handlanger, zum Bchufe der Sezierung Verrichtungen vor- nimmt, die, genau genommen, nur dem Arzte zukommen, also die Oeffnung der Bauchhöhle und die Bloßlegung des Gehirns. ist wohl allgemein üblich. Man kann, da eS sich hier in der Regel um sehr geschickte Leute handelt, auch kaum etwas dagegen einwenden. Durchaus zu verurteilen ist jedoch die Hinzu- ziehung geisteskranker Kalfaktoren zu diesen sozusagen technischen Vorarbeiten. Die SektionSprotokolle«erden während der Sezierung nach Diktat von geisteskranken Bureaugehilfen geschrieben. Das ist bequem für den Arzt, aber zu verteidigen ebensowenig. Geistes- kranke haben in dem verfänglichen«ktenmaterial des Irrenhauses absolut nichts zu suchen. Wenig bekannt dürfte eS sein, daß früher manchen Leichen, die dem Arzte ein hohes wissenschaftliches Interesse boten, der ganze Schädel entnommen wurde. Es gibt nämlich ein Verfahren, um diese Präparierung, die fast die Bezeichnung einer Leichenschändung verdient, so kunstvoll vorzunehmen, daß der Laie an dem mit Holz und Gips ausgestopften Kopfe selbst in den Ge- sichtSzügen keine allzu auffällige Veränderung wahrnimmt. Angeblich geschieht das nicht mehr. Trotzdem werden die wiffenschaftlich ja hochinteressanten Schädelsammlungen, über welche jedes große Irren- haus und zuweilen auch privatim irgendein hervorragender Psychiater verfügt, nicht gerade kleiner. Wo kein Hahn nach dem einsam und berkaffen gestorbenen Geistes- kranken kräht, kann man eben mit ihm so ziemlich machen, waS man will. Das ist nun mal das Schicksal der sogenannten»Anatomie- leichen'. Hier im Jrrenhause werden sie wenigstens noch einiger- maßen ordnungsmäßig bestattet. Ohne Umstände auf einem Haufen Sägespäne oder Holzwolle zwar nur, aber doch immer zwischen sechs gelbgestrichenen Breitem. Ist das nicht alle Ehre für den Amwn? Andere, die total zerfetzt in der Eierkiste nach dem Ver- brennungSofen kommen, haben es nicht so gut. Im gestreckten Galopp geht'S nach dem Anstaltskirchhofe. Hinunter in die schmale Gruft, ohne Sang und Klang, selbst ohne die drei Hände Erde... eine Nummer'. Dumpf poltem die Schollen... Der Humanität und �Pietät des Irrenhauses ist Genüge geschehen. Scherl-Jllusionen! Scherl baut nicht nur Eisenbahnen über die Dächer der Stadt Berlin, nein, er gibt auch unseren städtischen Kommissionen den Anstrich moderner Anschauungen. Vorige Woche befand sich folgende Notiz im„Lokalanzeigcr": Eine Dame als stellvertretende Armenvorsteherin— diese Tatsache verdient in der Berlinder Lokalgeschichte besonders her- vorgehoben zu werden. Die Armenkommission 81c(Blumen- straßc) hat diese Wahl vollzogen und hiermit den Beweis er- bracht, daß wir noch sozialdenkende Männer in den Armen- kommissionen haben, die nicht aus kleinlichen Rücksichten die Frauen von einem Amt ausschließen wollen, für das diese nach dem Urteile aller Sachverständigen auf dem Gebiete der Armen- pflege vorzüglich befähigt sind. Ueber die Kämpfe, die wegen der Zuziehung der Frauen zur Armenpflege jahrelang statt- gefunden haben, ist oft an dieser Stelle berichtet worden. Es ist der Armendirektion auch bis zum heutigen Tage nicht ge- lungen, die große Mehrheit der Armenkommissionen zu bekehren, die von den Frauen als Mitglieder absolut nichts wissen wollen. Unter nichtigen Vorwänden wurde die Mitgliedschaft abgelehnt; einer der stichhaltigsten Gründe war noch der, daß man in Gesell- schaft der Damen nicht— rauchen könne. Der oben gemeldete Beschluß der Armenkommission 81c bedeutet daher nicht etwa das Ende eines langen Zwistes, sondern lediglich eine erfreuliche Ausnahmecrscheinung, die im öffentlichen Interesse bald zur Regel werden möge! Da wir unsere Pappenheimer kennen, gingen wir der Sache auf den Grund, und was stellte sich heraus? Es handelt sich nicht um die 81c- sondern 8la-Armcnkommission, derselben Kommission, von der vor einiger Zeit Genosse Hoffmann im Rathaus so wenig erbauliche Dinge zu berichten wußte. Sämtliche bürgerliche Mit- glieder der Kommission mit Ausnahme des Armenvorstehcrs und eines anderen Herrn hatte», weil Genosse Hoffmann als recherchierender Stadtverordneter zwei Damen als Mitglieder der Kommission vorgeschlagen und bestätigt erhalten hatte, nachdem das erstemal das Hineinkommen einer Dame von der bürgerlichen Mehrheit hintertrieben war— ihre Aemter niedergelegt; an ihrer Stelle wurden nun vom Genossen Hoffmann andere vor- geschlagen und gewählt. Dadurch erhielten die Sozialdemokraten die Mehrheit in der Kommission und wählten an Stelle des aus- geschiedenen Stellvertreters die Genossin Gerndt als stellvertretende Armenvorsteherin, welche auch durch die Armendircktion bestätigt wurde. Also wie gewöhnlich ist genau das Gegenteil von dem wahr, was das Schcrl-Blatt berichtet. Nach dem Ende eines langen Zwistes haben wieder einmal die Sozialdemokraten bahnbrechend gewirkt. Das sollte für alle Einsichtigen bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen ein doppelter Ansporn sein, für eine größere Anzahl Sozialdemokraten Sorge zu tragen, denn in gleichem Maße wächst auch der Einfluß„der Einsichtigen", um mit Scherl zu reden, in den Kommissionen, wo es so bitter not tut. Zu der Bluttat in der Gerichtstraße ist mitzuteilen, daß der Kutscher Ernst Wulff gestern der Staatsanwaltschaft vorgeführt wurde und zwar wegen Mordes. Da festgestellt werden konnte, daß das zu der Tat benutzte Werkzeug am Tag: vor der Ausführung auf einem Spind in seiner Stube gelegen hat, wird angenommen, daß er das Mädchen mit Vorsatz und Ueberlegung getötet habe. Wulff hielt auch gestern seine fiüheren Angaben aufrecht. Die gerichts- ärztliche Leichenöffnung fand gestern nachmittag im SchauhauS statt. Dazu wurde der Täter an fein Opfer geführt. Das Unwetter, welches in der gestrigen Nacht über Berlin hinwegzog, hat großen Schaden verursacht. Im Osten und Süd- osren wurden zahlreiche Keller, Grundstücke, Straßen und Plätze überschwemmt. In vielen Fällen wurde die Feuerwehr alarmiert. Sie war bis um 1 Uhr nachts ununterbrochen beschäftigt. Unter anderen wurde sie gegen Mitternacht nach dem Schiller-Theater 0. in der Wallner-Theater-Straße 45 gerufen. Sofort rückten zahl- reiche Löschzüge dorthm aus in der Annahme, daß eS sich um einen Brand im Theater handelt. Es war aber nur ein Wasserrohr ge- platzt, weshalb die Feuerwehr sofort nach Absperrung der Wasser- lcitung wieder abrückte. Fast gleichzeitig liefen dre'i Alarme aus der Frankfurter Allee 19, 121 und 143 ein, wo Keller unter Wasser standen. Auch nach der Warschauer Straße 80 und 58, der Romintener Straße, Ecke Cadiner Straße, Posener Str. 5, Naunynstr. 3 und 196, Koppenstr. 5, Thaerstr. 56, Palisadenstr. 69, Pücklerstr. 9,GrünerWeg111 und 121, Revaler Straße mußte die Feuerwehr ausrücken und dort, wo Gefahr vorhanden war, das eingedrungene Wasser wieder ent- fernen. Der 3. Zug wurde ferner nach Ripdorf alarmiert, wo eben- falls Wassersnot herrschte. In der Schinkestraße war u. a. ein Wasserrohr am Bürgersteig geplatzt. Die Straße stand teilweise unter Wasser. Außerdem wurde die Feuerwehr noch nach der Wils- nacker Str. 57 alarmiert, dort war aber keine Gefahr zu entdecken. Der Feucrmeldende, ein Arbeiter Max Gerschel aus der Wilhelms- havener Str. 26. gab an, daß sein Komplize, der Kellner Bruno DeeS aus der Kleiststr. 40, den Melder gezogen habe, während dieser wieder die Schuld auf den Arbeiter abzuwälzen suchte. Auch sind erhebliche Störungen des Straßenbahn- betriebes in verschiedenen Stadtteilen herbeigeführt worden. Infolge Ueberschwemmung der Straßenzüge mutzte in der Bergstraße am Ringbahnhof Rixdorf der Verkehr von 10.05 bis 12.15 Uhr nachts gesperrt werden. Die dort verkehrenden Linien 7, 47 und 48 legten am Bahnhof um. Ferner entstanden Störungen von 10.36 bis 11.21 Uhr in der Cannerstraße in Rixdorf, von 11 Uhr abends bis zum Schluß des Betriebes in der GreifSwalder Straße, von 11 Uhr bis 1.52 Uhr nachts an dem Rathaus in Rummelsburg und von 11.07 bis 11.40 Uhr in der Uorkstraße. Ueberall mußten die Straßenbahnlinien umgeleitet werden. Der Herr Polizeileutnant im Freibad. Eine sonderbare Episode spielte sich bor einigen Tagen im Frei- bad Grünau ab. Die hier weilenden Badegäste, denen eine Bade- reise nach irgend einem Badeort unserer honetten Gefellschaft in Ermangelung der nötigen Moneten nicht möglich ist, waren plötzlich Augenzeugen eines RencontreS zwischen einem Polizeileutnant in Zivil und einem Gendarm. WaS war die Ursache dieses RencontreS? Inmitten einer lustigen Gesellschaft hatte der Herr Polizeileutnant per Motorboot eine Vergnügungsfahrt unternommen. Bei dieser Gelegenheit nun wollten die Herren im Freibad Grünau eine Photo- graphische Aufnahme machen. Die kühnen Fahrer überfuhren mit ihrem Boot plötzlich die abgesteckten Schranken des Bades und begaben sich in dichte Nähe der Badenden. Der die Aufsicht habende Bademeister forderte die ungebetenen Gäste auf, ihr Vorhaben zu unterlassen und sich sofort aus dem fürFahrzeuge verbotenen Bereiche zu entfernen. Doch die Gesellschaft leistete dieser Aufforderung keine Folge, man sah sich daher genötigt, den Gendannen zu holen. Als dieser nun erschien und gleichfalls zum sofortigen Verlassen des Badebereiches aufforderte, erklärte plötzlich einer der Herren:»ich bin der Polizeileutnant P. ans Berlin, worauf ihm der Gendarm erwiderte, daß er der Gendarm so und so aus Grünau sei. Im nächsten Augenblick nahm der letztere sein Buch heraus und notierte sich den unbotmäßigen Ausflügler. Wie man uns aus Leserkreisen mitteilt, führt der Herr Polizeileutnant in seinem Polizeirevier im Südosten Berlins ein strenges Regiment. Die in seinem Macht- bereich wohnenden sozialdemokratischen Gastwirte und kleinen Geschäftsleute können Zeugnis ablegen. daß der in dem Freibad Grünau so rigoros die Schranken der Ordnung übertretende Herr P. in seinem Revier auf strenge Ordnung hält. Wer sich auch nur die geringfügigste Ueber- tretung zu schulden kommen läßt, ist sicher, daß er eine Anzeige erhält. Hatte doch ein Schankwirt des Reviers in kurzer Zeit ein Dutzend Anzeigen erhalten, sodaß er im Bewußtsein seines Rechtes gerichtliche Entscheidung anrufen mußte, um von diesen Schikane» befreit zu werden. Der Herr Polizeileutnant sorgt aber dafür, daß seine polizeilichen Vorschriften streng beachtet werden. Es wäre wirklich von großem Interesse zu wissen, ob auch den Herrn Polizeileutnant wegen seiner erheblichen Uebertretung der Ordnung der strafende Arm der Gerechtigkeit ereilen wird. Der Museum-Einbrccher gefaßt. Der Einbrecher, der in der Nacht zum Sonntag das Kaiser-Friedrich-Museum heimsuchte, ist gestern ermittelt worden, auch konnten die gestohlenen Kunstschätze mit Beschlag belegt werden. Der Täter ist der am 14. Dezember 1889 in Zernitz geborene Musiker Waldemar Döring, wohnhaft Alt-Moabit 133.— Am Sonntagnachmittag um 1 Uhr erschien ein junger Mensch in der Gold- und Silberschmelze von Broh, Köpenicker Straße 29, um einen Teil der gestohlenen Schätze zum Kauf anzubieten. Die allein anwesende Frau kaufte die Sachen, kannte aber den Wert nicht und gab nur eine Anzahlung von 8 M. Döring äußerte zu der Frau Broh, daß einer seiner Freunde den Chinafeldzug mitgemacht habe. Von diesem habe er die Sachen erworben, er würde wiederkommen. Gestern— Dienstag— nachmittag gegen 6 Uhr begab sich Döring wieder nach der Schmelze. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch Kriminalbeamte verhaftet. Eine Durchsuchung seiner Wohnung brachte die noch fehlenden Kunstsachen zum Vorschein. Daß bei Entnahme von Flaschenmilch die größte Vorsicht am Platze ist, geht aus der Zuschrift eines BuchdruckcrcibesitzcrS Herrn St. hervor, dessen Personal von der Meierei C. Bolle Milch bezieht. Im vorigen Jahre passierte es dem Meister des Betriebs, daß er plötzlich beim Trinken der Milch Schmerzen im Schlund verspürte, was ihn veranlasste, den soeben genommenen Schluck zurückzuhalten. Er fand in der Milch eine Anzahl Glassplitter, und eine noch größere Anzahl derselben befand sich am Boden der Flasche. Auf Anraten begab sich der Meister zur Unfallstation, wo der Arzt eine blutige Entzündung der Schlundhaut feststellte. Ein nachwirkender gesundheitlicher Schaden trat bei dem Verletzten glücklicherweise nicht ein. Nunmehr wandte sich der Meister be- schwcrdeführend an die Meierei, welche ihm ein Sühncgeld von 16 M. zusandte mit der Versicherung, daß so etwas niemals mehr vorkommen würde. Dieser Vorfall hat sich indessen wiederholt. Diesmal war es Herr St. selbst, der eines Tages beim Trinken von Kephhr einen schmerzhaften Riß im Mund erhielt. Bei der Untersuchung des zurückgehaltenen Schluckes wurden einige Glas- splitter gefunden. Entrüstet teilte Herr St. der Firma Bolle dieses abermalige Vorkommnis mit, worauf dieselbe einen Vertreter schickte, der den Sachverhalt möglichst abzuschwächen suchte. Herr St. übergab indessen dem Vertreter die in dem Glase vorgefundenen Glassplitter mit dem Ersuchen, ihm dieselben wieder zurück- zuerstatten. Bisher ist dies noch nicht geschehen. Während im ersten Falle die Firma Volle ein Sühncgeld zahlte, lehnte sie im letzteren die Forderung des Verletzten, 75 M. an einen von ihm bezeichneten Unterstützungsverein zu zahlen, ab und unterbreitete die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft. Wir haben von der Zuschrift Notiz genommen, um beim Trinken von Flaschenmilch zur Vorsicht zu mahnen. Ein Zusammenstoß zwischen Autobus und Straßenbahn ereignete sich gestern vornnttag in der Oranien-, Ecke der Kommandanten- straße. Durch die anhaltende Nässe war der Omnibus 1391 der Linie 11 Moabit— Rixdorf ins Schleudern geraten und mit voller Ge« walt gegen den Hinterperron eines Straßenbahnwagens der Linie 95 Hasenheide— Behrenstraße geschleudert worden. Zwei Damen erhielten durch die umherfliegenden Glassplitter leichte Verletzungen. Der aus dem Hinterperron des Straßenbahnwagens stehende Kaufmann Klee- feld aus der Urbanstr. 32 stürzte herab und erlitt Abschürfungen im Gesicht und an den Armen. Im Gewittcrsturm gekentert sind vorgestern nachmittag auf dem Müggelsee zwei Boote, deren Insassen jedoch glücklicherweise gerettet werden konnten. In der Nähe des Rahnsdorfer Gemündc wurde ein Ruderboot, in dem sich drei Herren und eine Dame be- fanden, von dem Gcwittersturm überrascht. Die hochgehenden Wellen schlugen in das Fahrzeug und brachten es zum Kentern. Glücklicherweise befand sich der Privatdampfer„Paul" dicht an der Unfallstelle. Die Mannschaft warf Rettungsringe aus, und es gelang ihr auch, nach längerem Bemühen die vier Verunglückten an Bord z» nehmen. Ferner kenterte gegenüber von Friedrichs- Hägen ein Segelboot, in welchem sich zwei Herren befanden. Auch in diesem Falle konnten die beiden Gefährdeten durch die Mann- schaft eines Tourendampfcrs gerettet werden. Posten nach Dcutsch-Tüdwcstafrika gehen im Laufe des Monats August im ganzen 12. Die erste verläßt die Heimat am 4. mit dem Dampfer der Deutschen Ostafrika-Linie bei seiner westlichen Rund- fahrt. Briefe werden nach Bestimmung deS Absenders auch am 5. August in Rotterdam dem fälligen Wörmann-Dampfer zugeführt. Am 6. August geht dann von Köln abends eine Post über Southampton und Kapstadt, von wo sie ein Küstendampfer der Wörmann-Linie nach Swakopmund befördert. Die am 8. und 9. gehen nach Antwerpen und nach Southampton. Nachversandte zu dem genannten Dampfer der Ostafrika-Linie. Am 13. folgt wieder eine Post über England und Kapstadt. Die nächste Post geht dann erst wieder am 18. von Hamburg mit dem fälligen Dampfer der Wörmann-Linie. Am 20. geht dann wieder eine Post über Southampton und Kapstadt. Von dort zurück mit der Houston- Linie. Ein zweiter Dampfer der Deutschen Ostafiika-Linie wird am 25. von Hamburg benutzt. Am 27. geht wieder eine Post über Southampton und Kapstadt nach Lüderitzbucht. Am 29. und 30. endlich gehen die beiden letzten Posten des Monats als Nachversandte nach Antwerpen und Southampton, wo sie dem deutschen Dampfer übergeben werden, der am 25. Hamburg verlassen haben wird. Eine Störung der Schiffahrt zwischen Berlin und Hamburg ist durch die Versandung der Havel infolge des FrühjahrhochwasscrS herbeigeführt worden. Der Wasserstand des Flusses ist in den letzten Tagen erbeblich gefallen und infolgedessen ist die Fahrstraße in den Krümmungen der Unterhavel derartig eingeengt, daß die größeren Schleppzüge nur mit Schwierigkeiten verkehren können. Die Ne- gierung hat schleunigst Dampfbagger nach den Krümmungen.geschickt, um die durch die Versandung eingeengte Fahrstraße zu verbreitern und jedenfalls dürfte in einigen Tagen das Verkehrshindernis beseitigt sein. In der Zwischenzeit ist der Tiefgang der die Stelle passierenden Schiffe auf 1,30 Meter festgesetzt; die Fahrzeuge, welche die Krümmungen passieren, müssen daher denientsprechend entlastet werden. Die öffentliche Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur. Rungestr. 25/27, ist im Monat Juli von 8176 Personen be- sucht worden. In der Lesehalle wurden außer Zeitungen und Zeit- schriften 766 Bücher gelesen; nach Hanse entliehen 3205 Bände, zusammen 3971, von denen 1053 wissenschaftlichen oder belehrenden Inhalts waren. Die Lesehalle ist werktäglich geöffnet von 12 bis 3 Uhr mittags, 6—10 Uhr abends, Sonntags von'MO— 1 und 5-10 Uhr. Eine Gartenstadt vor den Toren Berlins bilden die Häuser der Baugenossenschaft.Freie Scholle" in Tegel an der HermSdorfer Straße. ES sind jetzt 55 Wohnhäuser mit insgesamt 134 Wohnungen hergestellt. Auf dem bisher unbebauten Gelände beabsichtigt die Genossenschaft bis zum 1. Oktober nächsten JahreS zwölf weitere Häuser mit insgesamt 35 Wohnmigen zu erbauen, die dann an Mitglieder vermietet werden. Zur Förderung der Bautätigkeit gibt die Genossenschaft(Geschäftsstelle Tegel,„Freie Scholle" Nr. 20) 4prozentige Schuldverschreibungen auch an NichtMitglieder aus. Vorort- J�acbncbtem Eharlottenburg. Die sozialen Einrichtungen der Stadt Charlottenburg geben dem hiesigen Magistrat und der„liberalen" Mehrheit der Stadt. verordnetenversammlung bei jeder passenden und unpassenden Ge» legenheit billigen Anlaß, das tiefe soziale Verständnis der gegen- tvärtigen Stadtregierung über den grünen Klee zu loben. Und wie man immer behauptet, daß in der sozialen Fürsorge Deutsch- land in der Welt voran marschiere, so bilden sich die Charlotten- burger„Liberalen" und der ebenfalls von demselben„liberalen" Geists durchströmte Magistrat ein, Charlottenburg stehe mit seiner sozialen Fürsorgebetätigung an der Spitze der deutschen Städte. Angesichts dieser Eigenbelobhudelei ist nun ein Bericht, den der Dezernent der Armenverwaltung über seine Informationsreise nach Schweden gibt, besonders interessant. Der betreffende Stadtrat machte diese Reise, welche von der„Zentralstelle für Volkswohlfahrt" veranstaltet wurde, im Auftrage der Stadt Char- lottenburg mit. Die Reise führte durch eine Reihe schwedischer Städte, in denen die Volkswohlfahrtseinrichtungen in besonderem Maße berücksichtigt wurden. Außer Malmö. Göteborg und Stock- Holm wurden noch vierzehn andere Orte besichtigt. Und der Be- richterstatter ist voll des Lobes über das Gesehene. Wir sehen dabei ab von dem, was in dem Bericht über die schwedische Küche, über die vielen und guten Frühstücke, die den Herren geboten wurden. gesagt wird. Auch dürfte es dem ernsten Leser solcher Berichte wenig interessieren, wie oft den Besuchern die„Wacht am Rhein" vorgesungen wurde, oder wer die schwungvollsten Reden bei einem der«opulenten",„einfachen" oder„kurzen" Frühstücke gehalten hat. Ob das die„lange Exzellenz" Moeller oder sonst jemand tat, bietet keinen Reiz. Von Wichtigkeit in dem Bericht dagegen ist. wag über Schweden, über das Volk, seine Gewohnheiten und sein Leben gesagt wird. So wird bor allen Dingen auf die vorzüglichen Ein- richtungen auf der schwedischen Eisenbahn hingewiesen. Dann wird geschildert, in welchem umfassenden Maße in Schweden der Tuberkulose entgegen gewirkt wird. Auch der Bodenpolitik der größeren Städte wird gedacht. So zeichnen sich besonders Malmö, Stockholm und Göteborg durch eine, namentlich in den letztver- gangenen Jahren sehr geförderte Wohnungspolitik aus, die auch den ärmeren Einwohnern billige und gesunde Wohnungen der- schaffen soll. Wie es damit in Deutschland und insbesondere in Charlottenburg aussieht, dürfte bekannt sein. Aber dafür besteht auch in den schwedischen Gemeinden nicht das Vorrecht der Haus- besitzer, und in der Stadtverwaltung stehen nicht wie bei uns be- zahlte Magistratsbeamte an der Spitze, sondern die Kraft und das Rückgrat der Verwaltung liegt bei den Stadtverordneten. Dazu wird noch kommen, daß man in Schweden auch nicht die spezifisch preußisch-deutsche Spielart des Gemeindeliberalismus kennt, wie sich dieselbe auch in Charlottenburg recht unangenehm breit macht. Vor allen Dingen wird in dem Bericht jedoch auf die allge- meine Bildung des schwedischen Volkes hingewiesen. Und was in dem Bericht in bezug aus die Volksschulen, den ländlichen Hoch- schulen, den Fach- und Gewerbeschulen und auch über die Universi- täten in Schweden gesagt wird, läßt die Volksbildung in Deutsch. land noch recht zurückgeblieben erscheinen. So hat auf alle Teil- nehmer dieser Studienreise— und es gehörten dazu nur sehr „lohalgesinnte" Herren, die zumeist Staatsbeamte sind— die hohe All- gemeinbildung des schwedischen Volkes einen derart tiefen Eindruck gemacht, daß einer der Studienreisenden, der Professor Dr. von Erdberg, mit dem Geständnis herausplatzte:„Schweden habe nicht die großen Aufgaben zu lösen gehabt wie andere Völker, aber darum die größere auf sich nehmen können, sich selbst zu finden und den Geist des Volkes lebendig zu erhalten und weiter zu ent- wickeln". Deutschland hingegen— so hätte der Redner hinzusetzen können— will die ganze Welt erobern, verpufft ungezählte Milli- onen in Heer- und Marinerüstungen und mit seinen Volksschulen und mit' seinen sozialen Fürsorgeeinrichtungen ist es um so trauriger bestellt. So bietet der Bericht manche interessante Stelle, durch die erkennbar wird, daß nicht nur Deutschland, sondern auch Char- lottenburg gar keinen Anlaß zur Selbstbeweihräucherung haben. Die«Liberalen" Charlottenburgs haben in letzter Zeit diel gegen„unnötige" Repräsentationen und Reisen der Magistrats- Mitglieder und städtischen Beamten gesprochen. Angeblich aus Sparsamkeitsgründen. Denn auch die„Liberalen" wollen sparen. Einmal glauben sie wahrscheinlich, damit einen guten Eindruck bei den Wählern zu erzielen, denn die Wahlen stehen wieder be- vor. Zum anderen aber tritt die Unzulänglichkeit der eigenen Für- sorgebetätigung nicht so sichtbar in die Erscheinung, wenn man nicht zu hören bekommt, daß man wo anders schon viel weiter ist. Und die„Liberalen" sind doch so stolz auf ihr sozialpolitisch so fortgeschrittenes Charlottenburg! Dreitaufend Gcmeinbcwähler ohne Wahlrecht! In der Wählerliste sür die bevorstehende Stadtverordnetenwahl im Herbst dürften infolge der bielfachen Steuerreste gegen 80 Wähler, die sonst zum Wählen berechtigt wären, nicht enthalten sein. Von diesen Steuerrestanten entfallen gegen 2700 auf die dritte Wähler- abteilung. Damit ist ein erheblicher Teil der Arbeiterschaft, der infolge langer Arbeitslosigkeit die Steuern schuldig bleiben mußte, um das Wahlrecht gebracht. Da aber, wie die Erfahrung lehrte, auch sonst noch eine große Zahl von Gemeindewählern nicht in die Liste eingetragen ist, sei das aus Versehen oder sonstigen Ursachen geschehen, so ist jeder Wähler verpflichtet, Einsicht in die Wählerliste, die vom Ib. A u g u st bis zum 30. August von g Uhr bis 3 Uhr im Statistischen Amt, Berliner Straße 71, ausliegt, zu nehmen. Alle diejenigen, deren Namen nicht in der Liste steht, sollten sofort Einspruch dagegen erheben. Zu diesem Zwecke schreibt man: „An den Magistrat zu Charlottenburg- Gegen die Richtigkeit der Liste der stimmberechtigten Bürger erhebe ich hiermit Einspruch. Ich bin in der Liste nicht verzeichnet, obwohl ich die zur Erwerbung des Bürgerrechts im Z 5 der Städteordnung aufgezählten Vorbedingungen erfülle. Ich beantrage des- halb meine Aufnahme in die Gemeindewählerliste. Name, Stand und Wohnung." Da der Einspruch aber nur in der Zeit der Auslegung der Liste geltend gemacht werden kann, so darf kein in der Liste über- sehener Wähler säumen« rechtzeitig diese Reklamation ein- zureichen. Fertige Formulare stehen jedem Wähler bei dem Genossen Alfred Will, K i r ch st r. 30, unentgeltlich zur Verfügung. Die Charlottenburger Gewerkschaftsr-mmission nahm in ihrer, am 30. Juli stattgehabten Sitzung, zunächst den Kassenbericht vom 2. Quartal 1300 entgegen. Inklusive eines am Schlüsse des 1. Quar- tals vorhandenen Kassenbestandes von 307,04 M. bezifferten sich die Einnahmen auf 418,40 M., die Ausgaben auf 04.80 M.. so daß am Schlüsse des 2. Quartals ein Bestand von 853,00 M. verblieb. An Stelle des ausgeschiedenen Ausschußmitgliedes Genossen Bernhardt wurde einstimmig der Genosse Tobias, Porzellanarbeiter, gewählt. Genosse Flemming gab hierauf einen Bericht über die Kon- ferenz der Vertretungen von Gewerkschastshäusern. auf welcher er reiche Erfahrungen gesammelt habe. An den Bericht schloß sich eine Diskussion an, in welcher die Genossen Paget, Lehmann, Graudenz. Ahrens und Tobias sich zu- stimmend über das Ergebnis der Konferenz äußerten. Man beschäftigte sich nunmehr mit den kommenden Wahlen zu den sozialpolitischen Körperschaften, als da sind: die Wahlen zur unteren Verwaltungsbehörde« die Delegierten-, und Vorstands- wählen zur hiesigen Allgemeinen Ortskrankenkasse und die Ge- werbegerichtSivahlen. Bezüglich der Frage der Erhöhung des Beitrages von 15 Pf. auf 20 Pf. wünschte der Vertreter der Schneider, Genosse Schitzkat, daß die Unterkommission in Verbindung mit dem Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission dahin wirken möge, daß hier am Orte eine Rechtsauskunftsstelle errichtet werde. Dieses sei für einen so großen Ort wie Charlottenburg sehr notwendig. Andere Redner schlössen sich dem an. zugleich erinnerten sie an das Ver- sprechen, welches von der Berliner Gewerkschaftskommission bei der Anschlußfrage gemacht worden ist. Ein Antrag zur Verwirklichung dieser Angelegenheit wurde angenommen. Es gelangte zuletzt noch eine Angelegenheit des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte, die der Genosse Thunack zur Sprache brachte, zur Aufklärung und beiderseitigen Verständigung. Der Sitzung ferngeblieben waren die Delegierten der Brauerei- arbeiter, Friseure und Putzer. Friedenau. Uebcr Konsumgenossenschaftswesen referierte in der letzten Mit- gliederversammlung des Wahlvereins Genosse Kegel. Er erläuterte eingehend das gesamte Genossenschaftswesen und zeigte an der fach- fischen, der Hamburger und vor allem der englischen Genossen- schaftsbewegung die Entwickelungsfähigkeit und den besonderen, vielseitigen Wert der Genossenschaften für die Arbeiter. Auf die örtlichen Verhältnisse eingehend, wies er auf das verfrühte Froh- locken der Friedenauer Krämer hin, daß der Friedenauer Konsum- verein in Liquidation sei. Diese Leute hätten übersehen, daß der Verein in Liquidation getreten ist, um sich der Berliner Genossen- schast anzuschließen und hierdurch leistungsfähiger und größer zu werden. Die Freude der kleinen Profitmacher kommt daher zu früh. Genosse Kegel forderte die Genossen auf, überall die Ge- nossenschaftsbewegung zu unterstützen.. Hierauf erstattete Genosse Richter einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes und die EntWickelung des Vereins. Stillstand ist Rückschritt, daher heißt es überall arbeiten und agi- tieren für die Partei. Genosse Dietrich gab hierauf den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen 167.85 M.. an den Zentralvorstand wurden abgeliefert 111,30 M., die örtlichen Ausgaben betrugen 55 M. Für Broschüren wurden abgeliefert 56,20 M. Zur Lokalfrage berichtet Genosse Pöhlmann, daß der Wirt de? Kaifer-Wilhelm-Gartens sein Lokal der Arbeiterschaft noch immer verschließt. Er möchte wohl gern sein Lokal für die Ver- gnügungen der Arbeiterschaft hergeben, aber für Versammlungen sei er nicht zu haben. Wahrscheinlich werde der Herr seine Ansicht ändern, wenn er durch die Eröffnung des„RheinschlosseS" Kon- kurrenz bekommt. Als Delegierter für die Kreisgeneralversammlung am 8. und die Verbandsgeneralversammlung am 22. August wurde der Ge- nosse Otto Meyer gewählt. Das in Aussicht genommene Kaffee- kochen in Gr. Lichterfelde wurde auf den 15. August verschoben. Zehlendorf. In der Mitgliederversammlung des WahlveremS wurde zu- nächst an Stelle des Genossen Scheeler, der von seinem Posten zurückgetreten ist. Genosse Max Hecking zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der sodann erstattete Kassenbericht des Genossen Stein- dorn zeigte, daß die Krise auch in unserem Orte nicht ohne Ein- fluß auf die hiesige Bewegung ist. Es ist dies um so bedauerlicher. als dadurch unsere Aktionskraft am Orte schwer leidet. Alle Ar- beiter und Proletarier sollten sich auch in Zehlendorf klar werden. daß sie gegen sich sündigen, wenn sie die politische Organisation vernachlässigen. Ein sodann entgegen genommenes Referat über das neue Organisationsstatut zeitigte eine lebhafte Diskussion. Beschlossen wurde, den Frauen die„Gleichheit" nicht gratis zu liefern. Im Z 23 sollen die drei Worte„in bewußter Weise", sowie das Wort„Orts" gestrichen werden. Das Recht, ein Ausschlußver- fahren einzuleiten, soll nur den Zentralvorständen vorbehalten bleiben. Der Vorsitzende macht dann noch darauf aufmerksam, daß am Sonntag, den 8. August, das Erziehungsheim am Urban be- sichtigt werden soll. Treffpunkt bei Miel, Karlstr. 12« um%3 Uhr, und hofft auf starke Beteiligung der Mitglieder. Friedrichshagen. In unserer letzten Mitgliederversammlung beS WahlvereinS hieli Genosse Unger über„Kirche und Christentum" einen Vortrag. Als Delegierter zum Parteitag wurde Genosse Köhler vorgeschlagen. Ferner wurde ein Jugendausschuß gewählt. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß 23 Jugendliche fich zur Aufnahme gemeldet haben. Dann brachten die Genoffen Kurt und Bartel die An- gelegenheit mit dem Dürerbund zur Sprache. Genosse Kurt stellte fest, daß nicht, wie behauptet werde, der Bildungsausschuß an den Dürerbund herangetreten sei, um gemeinschaftlich zu arbeiten, son- dern der Dürerbund sei es gewesen, der dies gemeinschaftliche Arbeiten haben wollte. Was oen Dürerbund sonst anbetreffe, so sei zu sagen, daß der Arbeiter mit dem Dürerbund nichts geinein haben könne, denn der Vorsitzende ist ein Herr Dr. Peters, der beute die schärfsten Reden gegen die Arbeiter halte. Bei einer Feier des KriegervereinS hat er eine Rede vom Stapel gelassen. die sich auch gegen das arbeitende Volk richtete. Er meinte, der Kriegerverein sei ein Symbol gegen den äußeren und inneren Feino, und behauptete ferner, daß eS heute keinen Arbeiter mehr gebe, der weniger als 18 M- verdiene. Genosse Bartel betonte, für uns sei der Dürerbund abgetan. Bürgermeister Klüt ist gestern früh nach längeren Leiden im 61. Lebensjahre gestorben. Er stand feit 1833 im Dienste der Ge- meinde. Sticder-Schönhause«. Die Halbjahrsgeneralversammlung des WahlvereinS erfreute sich eines zahlreichen Besuches. Den Geschäftsbericht für das ver- flossene Halbjahr erstattete Genosse Hellrich. Es wurden abgehalten 12 Vorstandssitzungen, 5 Mitglieder- und 2 öffentliche Versamm- lungen. Außerdem fanden statt 4 Flugblattverbreitungen und zwei Agitationstouren aufs Land. Im Bezirk stehen unS 14 Lokale zu Versammlungen zur Verfügung. Die Zahl der Vorwärtsleser ist 3t 0, während sich die 25l männlichen und 21 weiblichen Mitglieder auf die einzelnen Orte wie folgt verteilen: Nieder-Schönhausen 201 männliche und 21 weibliche Mitglieder, Mühlenbeck 23 männ- liche, Zühlsdorf II« Schildow 8 und Blankenfelde 8 Mitglieder. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 518,38 M. und eine Ausgabe von 383,34 M., Bestand 134,44 M. Die Berufsstatistik zeigte, daß unser Verein so ziemlich alle Berufe der arbeitenden Bevölkerung umfaßt. Zu einer lebhasten Aussprache kam eS bei dem§ 5 des Organisationsstatuts der Partei, der sich auf die un- entgeltliche Lieferung der„Gleichheit" bezieht. Beim§ 23 frug Genosse Brand an, ob ein Mitglied ausgeschlossen werden könne, wenn eS den Boykott breche. Er wurde vom Genossen Hellrich darauf verwiesen, daß jeder Boykott für die Mitglieder bindend sei. Allerdings bestehe zurzeit keiner, der von Partei und Gewerl- schastskartell gemeinsam verhängt sei und eS bleibe jedem Mit- gliede überlassen, ob er die Bekanntmachungen des Bäckerverbandes beachte, denn der offizielle Boykott fei schon seit tVs- Jahren aufgehoben. Die von der Genossin Weiß unter den Frauen der Mit- glieder betriebene Agitation hatte den Erfolg, daß sich 3 Frauen zum Beitritt angemeldet haben und aufgenommen wurden. Ein Genosse ist zugezogen, einer ist ausgetreten, und einer wurde aus- geschlossen. Um eine gewisse Stetigkeit des BersammlungSbesucheS zu erzielen, wurde beschlossen, von nun an den Lindenstarten in der Lindenstraße als Versammlungslokal zu wählen. Die Einladung durch Handzettel fällt fort. Dafür ist aber für immer festgelegt, daß am letzten Dienstag im Monat in dem genannten Lokale die Versammlung abgehalten wird. Bei Errichtung eines Jugend- ausfchusses wies Genosse Bratvogel darauf hin, daß jetzt gerade in den nördlichen Vororten die Jugendwehr darauf ausgehe, die Be- einflussung der jungen Leute im hurrapatriotischen Sinne zu forcieren. Der Borstand wurde beauftragt, sich nach geeigneten Personen umzusehen« welche imstande sind« eine Jugendbewegung mit Rat und Tat zu fördern. Zu einer sehr erregten Aussprache kam es über das Lokal von Ney, Gesellschaftshaus in Nordend. Wegen der Haltung des Wirtes, der sich in wiederholten Fällen zum Angeber hergegeben habe, herrschte eine große Erbitte- rung, und es wurde die Sperrung des Lokales verlangt. Der Vor- stand wird sich noch weiter mit der Sache beschästigen. VerrniscKtes. Der Brand der Dresdener Bogelwiese. Da? gestern bereits von uns gemeldete Riesenfeuer brach, wie jetzt festzustehen scheint, im„Nürnberger Bratwurstglöckle" aus, einem Unternehmen, das von dem bayerischen Festarrangeur Lang, der auch in Berlin durch seine Bockbierfeste bekannt ist, geleitet wird. Gegen öVa Uhr abends entzündete ein achtlos emporgeschleuderter Feuerwerks- körper die bunten Papiergirlanden, die man in dem Zelte zur Dekoration verwendet hatte. Im Augenblick stand das Zelt in Flammen, und mit unglaublicher Schnelligkeit griffen die Flammen auf die benachbarten Zelte über. Teile des Segeltuches, mit dem die Zelte überdacht waren, flogen in die Lust und fielen brennend auf die umliegenden Zelte, die sofort in hellen Flammen standen. ES dauerte kaum eine halbe Stunde, und die Hälfte der umfangreichen Festwiese war ein wildes, wogendes Flammenmeer geworden, dessen heiße Gluten alles, was sich in ihrem Bereich befand, vernichtete. Entsetzlich war der Augenblick, als ein Dampfkessel und ein Karbidgasbehälter fast zu gleicher Zeit explodierten. Der Menschen bemächtigte sich eine furchtbare Panik- Die Meuschenmauern drückten bei ihrer Flucht die Umzäumung des Festplatzes ein, und Hunderte von Menschen wurden ohnniächtig. Die Menschen riefen verzweifelt nach Hilfe, die Flammen knisterten an allen Ecken, die wildgewordenen Bestien in der Menagerie von Hagenveck brüllten vor Angst, und die sengende Glut und der dicke Qualm verhinderten die Menschen am Atmen. Die Besitzer vieler Schaubuden haben ihr gesamtes Vermögen verloren und suchten gestern in den Trümmern, ob sich nicht doch vielleicht hier und da ein vom Feuer verschontes Ueberbleibsel vorfindet. Aber das Feuer hat gnaden- los alles in Asche verwandelt. Weit über die Hälfte des umfangreichen Platzes ist ein wüstes Durcheinander von qualmenden Holzpfählen, ganze Reihen von verräucherten und ausgebrannten Buden, KarusselS mit verbrannten Holzpferden stehen traurig umher, mächtige verbogene Eisenstäbe starren in bizarren Formen in die Lust, sie sind die ehemaligen Gerüste einer Riesen- schaukel; die Trümmer und Ueberreste von verbrannten Balken, Fässern, Biergläsern, zerfetzten Fahnen. Tausende von zerbrochenen Tischen und Stühlen, alles liegt durcheinander. Für die Opfer der Brandlatastrophe auf der Vogelwiese ist, wie eine Meldung aus Dresden besagt, eine allgemeine Geld- sammlung eingeleitet worden._ Propellerbrnch am„Z. II." Die Msichi des Grafen Zeppelin, am Moniagabend mit feinem Ballon Köln zu erreichen, ist infolge des herrschenden UnivetterS vereitelt worden. Die Stürme zwangen das Lustschiff zur Umkehr nach Frankfurt a. M., wo die Landung um S Uhr glatt erfolgte. Die für gestern früh geplante Fahrt nach Köln, zu der das Luftschiff um 10 Uhr aufgestiegen war. mußte wiederum aufgegeben werden, da der rechte hintere Propeller gebrochen ist. Nachstehende Meldungen orientieren über den mißglückten Verlauf der Fahrt: Frankfurt a. M., 2. August. DaS Luftschiff ,Z. II' kam hinter Remagen in ein südwestwäris gehendes schweres Hagelwetter und vermochte gegen die Windböen nicht mehr aufzukommen. Der Graf beschloß daher umzukehren und den Landungsplatz in Frankfurt wieder aufzusuchen. Die Rückfahrt erfolgte ohne Zwischenfall. Beide Motore arbeiteten bis zum Schluß tadellos. Um 8 Uhr 50 Min. landete das Luftschiff glatt auf dein Landimgsplatz der„Jla". Frankfurt a. M., 8. August. Nachdem das Wetter fich gebessert hatte, ist der Zeppelinballon heute vorniittag kurz nach 10 Uhr vom Flugplatz der„IIa" au? aufgestiegen. Er nahm seine Richtung in einer Höhe von etwa 100 Meter nach dem Rebstöcker Wald zu. Da plötzlich fiel ein Gegenstand vom Ballon herab. Das Luftschiff machte sofort halt und kehrte dann, indem nur der eine Motor arbeitete, nach der Aufsticgstelle zurück, wo die Landung glatt er- folgte. Wie die vorläufige Untersuchung ergeben hat, ist der rechte hintere Propeller gebrochen. Da Reserveersatzteile erst mw Friedrichshafen geholt werden müssen, kann die Weiterfahrt nicht vor morgen erfolgen. Zum Word der Witwe Marie Kcrste». Wie bereits gemeldet, ist in der vorigen Woche in dem märkischen Dörfchen Marxdorf (Kreis LebuS) die 75 Jahre alle Witwe Marie Kerstcn ermordet aufgefunden worden. Der Mord wurde in der Küche verübt und die Frau von dem Täter nach dem Keller geschleppt. Verdächtig er- schienen zlvei Männer, die von Ortsbewohnern in der Nähe des Hause» gesehen wurden. Kriminalwachtmeisler Frank aus Schöneberg wurde mit dem Polizeihund Prinz nach Marxdorf entsandt. ES wurden ihm mehrere Gegen- stände übergeben, die von dem Mörder berührt worden waren. Der Hund erhielt von diesen Gegenständen Witte» ru»g und nahm eine vor dem Hause befindliche Fußspur auf. die in der Richtung nach Frankfurt a. O. führte. Diese Spur wurde weiter verfolgt. Sie führte nach einem Hanse in Frankfurt a. O., in welchem der Reisende L. wohnt. Dieser ist seit Ende voriger Woche unbekannt verreist. Dem Polizeihunde wurde nunmehr das Beil, welches als Mordinstrumenr gedient hat, zur Witterung vorgeholten. Das Tier leitete die Beamten in die Wohnung de« L. und führte sie nach dem Schlafzimmer, in dem zwei Betten stehen. Das Tier.verbellte' hier das Bett deö Mannes, während es daS Bett der Frau unbeachtet ließ. Unter dem Bett stand cm größerer Karton, in dem sich Stiefel der Frau wie des Mannes be» fanden. Prinz apportierie einen Stiefel des Reisenden. Hieraus wurde mit Sicherheii geschlossen, daß L. der Mörder der Greisin sein muß. Diese Annahme hat auch dadurch eine Bestätigung gefunden, daß sich bei der Polizei in Franlfurt a. O. ein Man» meldete, mit der Angabe, daß der Flüchtige ihn Ansang voriger Woche zur Er- mordung der Witlve Kerstcn anstiften wollte. Lnekkatten der Rcdahtion. Sit luristllch« e»r-chftu»de«indet Lludenftra»« 3,«Utütt Pos, dritter Eingang,»Irr Trrnpen, ZMx- Fahrstuhl"TpQ wachen täglich adendS von 7>,,g Uhr statt. l�eSffnet 7 Nhr. eonnadrndS begtun« die Sprechstunde um« Nhr. Jeder«»frage ist rta Buchstabe und eine Zahl als Merfzriche» briznfvgrn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. vt« jur Beantwortung i« Brlefiaftrn ri>»uea 14 Tage vergehe». Eilige Frage» trag« man t» der Sprechstunde vor. L. 180. Wenn die 14täaiae Kündigungsfrist eingehallen ist. allo spätesten« ain 17. Jull dem Chef bekannt geworden ist. nein.— U.HB. IVO. Im Kaiser Friedrich- Museum, oder in einer guten Kunsthandlung. — Sl.®. 15. 1. Ein viertel des Nachlasse«. L. Ein CiuerbunqSgrund liegt nicht vor. Durch Testament kann aber der Mann aus da« Pslichlteil, also aus ein Achtel des Nachlasses gesetzt werden.— Or.®. 62. Wenden Sie sich an den Rektor.— M. 5. Leider steht der Schule die« Recht zu. — I. H. Die Kündigung ist güllig, wenn Sie die Acutzerung des Wirte« beweisen können.— K. Tch. 53. t. Der Wirt ist im Recht. Der Vertrag ist maßgebend.— 2. Wenn Sie in der Wählerliste eingetragen stehen, haben Sie auch da« Wahlrecht, g. Etwa«0 000. 6. 412 957!— L.«., Rixdorf. Dir Schule ist nach der herrschende» Anficht berechtigt, Erteilung de« Religionsunterricht« zu verlangen.— BS. BS. IV«. Ein Antrag der Frau an da« Gericht, ihr zu gestatten, getrennt von dem Ehemann zu lebrn und eine Klage auf Zahlung von etwa ISO M. MonatSalimente hätte S Ihrem Falle Aussicht aus Ersolg.— W. 12. Fa. Sie müssen zahlen. — N. B. 100. Ja.— Langjähriger Abouueut. 1. Ja.% 3a. 8. Nein. 4. Der Antrag ist an den StadtauSschug zu richten.— 3720.. Svür die Miete hastet in Ihrem Falle die Shesrau nicht. Wer dem Wirt sieht das Retentionsrecht zu.— Britz lOl. Leider nein.— E. B. IltO.. Zuständig ist daS Amtsgericht Schöneberg. Die Forderung verjährt erst in zwei Jahren. Zweckmäßig ist es. daß Sie beim Fortgang erklären, das Sie Are Rechte sich vorbehalten.— P. E. 61. Ja. Ein Grundstücks- kausvertrag bedars zu seiner Gültigkeit der notariellen oder gerichtlichen Form oder der Auslassung.— ft. H. 53. Der Antrag aus Bestrasung loegen Beleidigung muß innerhaw drei Monaten bei Gericht, Staatsanwalt- ichast oder Polizeibehörde gestellt sein, nachdem der Beleidigte von der Be» Icidigung Kenntnis erhallen hat.— 21. 8t., Rixdorf. 1. Gcwskrnfi:. 2. Wenden Sie sich an Genossen Hoffmann. BlumMstr. 14.— K. 2. SO. 1. Ja. 2. Nicht immer. Ihr Bater sollte mit der Sterbekasse die Ver- einbarung tresscn, das das Geld an Sie aezahll wird.— O. 8t. New. — 21. K. 71. Auswnst erhalten Sie durch Herrn Schröder, städtischer Gütcrdirettor. Neues Berliner Verwaltungsgebäude, Eingang Stralauer Straße.— O. P. 56..Schwimmer-Zeitung". Gustav Zepmeisel, Nixdorf, Hermannstr. 177.— Beethoveu V. O. 33. 1. und 2. Vwr einer solchen Beurlaubung ist uns nichts bekannt. 3. Das kann geschehen, kommt aber so gut wie gar nicht vor.— G. K. 22. 1..Neue Welt", SW. 68, Lindenstr. 69, 2 In der Nummer vom 24. Juli haben wir die deutsche Parteivreff» verösfentlkcht. — 21. 33. Leider ist eS unS bis jetzt noch nicht möglich gewesen, die Adresse zu ermitteln.— Tch. 32. Aus die Ausgestaltung dieser Abende hat die Redaktion keinen Einfluß.— E. T. 55. Erkundige»-sie sich bei den Firmen, welche Sie im 2. Band des Adreßbuchs Teil 4, seile 232 ver» zeichnet finden.— Streichhölzchen S. Ja. PhoSphorfeSquisulfid S Teile, llaliumchlorat 24 Teile, Zinkweiß 6 Teile, roter Ocker 6 Teile, Glaspulver 6 Teile, Leim 18 und Wasser 34 Teile.— Mar Wolter. Am 2l. Juni 186V.— Jugendorganisation 16. Aus Nachweisung von Tanzschulen können wir unS nicht einlassen.— W. 78. Knecht, Sklave. Diener. AIS Gruß: Ihr Diener.— B. B. 100. Für Berlmer Einwohner die Friedr kch-Wilhelm-Anstalt für Arbeitsame. Für Ihren Ort sind UNS der- artiger Institute nicht bekannt.— Otto 101. Erkundigen Sie sich bei einer der Wasserwagensabriken, welche Sie im 2. Band des Zldreß- bucheS- Teil 4, Seite 471 verzeichnet finde»— F. R. 8, Erscheint in Brrlin.WilmerSdorf.— E. R. 70. Die nichtpolierte Seite mit Bcnxw bestreichen, mit Benzin getränkte Baumwolle in die Bohrlöcher stopf, m. oder das Benzin hineinspritzen. Auch bringt man sünsprozentiges Karl.iolwasser mittels eines Pinsels wiederholt in die Löcher.— Junaske, Lie'ienwalder Strafte. Jedes volle Hundertjahr, dessen Ziffer nach Ab- streichung der beiden Nullen mit vier teilbar find, sind Schaltjahre, z. B. die JWjre 2000, 2400, 2800 usw. Dagegen find die Jahre 1700, 1800, lllf/O. 2100 usw. keine Schaltjahre.— K. W. N. 100. In dieser Sache miuffen Sie sich an Ihre Organisation wende» So lauge die Arbeiter nicht duarch Anschluß an die Organisatton dem Unternehmer ihre vereinte Krajt zeigen können, wird er sich derartige Handlungen immer wieder erlauben. WittcrunqSnberiickit vom 3. August 1»«». morgen« 8 Uhr. «tatkonen ?£ 1« s s »= SwMemde 7S6 NO Hamburg! 760 NW Beriw! 767 RS Franks. a.M. 762 NW München!'61 W Wien I— s— 1 Vetter 3 Regen 2 bedeckt 2 bedeckt 3wolt>g 2 bedeckt — I— t»£ 2« »ili 1» Üi Stationen h-| Sil »=1 nH Bf ä oaranda 76tN IcrSburg 757 NB Scillh Werdern Part« 767 NO Vetter 4 bedeckt twolkenl Iwolkig 769 WEW� 4 wolkig 767 N! 3 bedeckt tö« Hl «etterprognofe für Mittwoch, den 4. August X909. Zunnchst autflareno. Gm Tage wärmer bei mäßigen iudweMHeu Swden, spater wieder zunehmende Bewölluug ohne erheüluhe Niederschlage. Berliner Wetterburea» 2lmtlicher Marktbericht der städtische» Markthallen-Dtrektion übe» den Großhandel in den Zentral-Markthalle» Marktlage: Fleisch: Zusuhr reichlich. Geschalt ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr etwas reichlich, Geschäft rege, Preise besriedigend. Geflügel: Zusuhr in Gänsen genügend, sonst knapp, Geschäft still, Preise besriedigend. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäst lebhast, Preise hoch, für See- fische stark nachgebend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert. WasierstaudS-Nachrichte» der LatideSaustalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea» Wasserstand M» m e l. Tilsit Pregel. Jnsterdurg Weichsel, Thor» Oder. Rattbor , Kroßen , Frm:kfurk Warthe, Schrium» , Landsberg Netze, Bordamm Elb«, Leihneritz . Dresden # Barbv , Magdeburg am 2. S. om 215 20 92 137 154 16t 42 16 —17 15 —100 138 125 seit 1. 8. cm') +11 +27 —6 +1 0 —5 0 —9 +2 —11 —7 +1 +7 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') , BeeStow Weser, Münden , Minden R h« i o, MaximstianSau , Kaub Köln Neckar, Hcflbrotm Mai», Wertheim Mosel. Trier »)+ bedeutet Buch«.— Fall.—») Uuterpegel. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion de« lliublikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheatcr. Mittwoch, den 4. August. Anfang S Uhr. Neues königliches Operntheater. Salome. Deutsches. Ketten. Kammerfpiele. Gelbster» Lesshig. Die Dollarprinzessi» rbstmanooer. Berliner. Ein He Sienes. Sein Sündenregister. ins. Miß Neues Schauspielhau Dudelsack. Koiiiische Over.«Sra. Residenz. Kümmere dich um vmelie. Lustspieihaus. Familie Schmitt. Neues Operetten. Die Sprudelte«. Kleines. Moral. Weste». Der fidele Bauer. Schiller 4».«Wallner» Thealer.) Madame Bonivard. Schiller<5harlotteuburg. Der Biberpelz. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- sPtelhauS, Fra Diavolo. Luisen. Der stille See. Thalia. Im Casö Noblesse. Folies Gaprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8'/, Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. Zlpollo. Spezialttäte» Gebr. Herrnfeld-Dheater. Elkams Friseur. Wintergarten. Spezialttäte» Bassage. Spezialitäte» Bernhard viose. Was eine Frau kann. Walhalla. Sp-ziawite» Berliner Prater. Man lebt ja nur einmal. W. NoackS Theater. Onkel Schlau- meier. Speziallläte» Stadt-Thcater Moabit. Spezla. litäten. Bolksgarteu. Spezialttäte» Brunnen. Eine tolle Nacht. Spe- zialitäten. ReichSdallen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbenftraft« 48/40. Abend» 8 Uhr: Rom und die Campagna. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67/82. Frau Urania. W iflflenachaftliche« Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Lessing-Theater. GastlPiel d. Neuen Operetteu-TheaterZ. Ansang S Uhr. VI«»vllui prln»«a»li». Operette w 3 Akten von Leo Falk. öerllner l'keater. Heute 8 Uhr: Kl» HcrbstmundTer. Morgen: Ein Herbstmandver. Heues Theater. Abend« 8 Uhr: Sein Sündenregister Donnerstag und folgende Tage: Lein dündenfexister. kieues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Gnra-Oper. Alna Acktö. Salome. Von Bich. Strauß.— Ant 8 Uhr. DonnorBt.: Carmen. Proitag: Tann- tiäuser. Sonnab.; Lohengrin. Sonnt.: Meistersinger. Montag: Orpheus. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: DerfldeleBauerÄSn. Priedrich-WilbelmsMisches Schauspielhaus. Mittwoch. 4. August, abends 8 Uhr: Fra Diavolo. Kom.Op.w3Akt.v. Ander.(KleinePr.) Donnerstag: stostillon von honjumsau. Frettag: 0ie 4krIIn. Sonnabend: Der FrelschBü. Schiller- Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theate») Täglich: Uuckesrn« Il«i»lv»irck. Schwank m 3 Alten von Alegattder Bisson und Antony Mars. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Sohiller-Theater Charlottendurg.- Täglich: Der Biberpelz. Eine DiebeSkomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptman» Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Passage- Panoptikum. Aga! die achweb. Jnngfran. 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Rauchen gestattet ZOOIDCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 9L. von abends 6 Uhr ab 50 PI, Kinder u. 10 Jahren die Hälfte. Elysimn Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Strafte. DM- Heute sowie täglich"VQ im prachtvollen Raturgarteu: Vorstellung abwechselnd von drei der bestrentlmmierttsten Zäugergeftttschastell. Reiehshallen-Tbeater. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag« 7 Uhr. Max Kliems Somer- Theater und Festste Rudolf Krüger Hasenheide 18/ 16. ■V* Täglich:-VS Großes Konzert, Theater iiüd SpeziatitäteB-VorsteUimg. Ott Leitung; Walter ßravenifz. Jeden Donnerstag: E 1 1 1 e t«, g. ! Sähren d und nach der Vorft«R,mg Tk«» U rAnnob« m. Thht'r1 Frau Elkam's Friseur. Hierzu: Meine■ Seine Tochter. Beide Komödien mit den Autoren Auto» und Donat Herrnfeld in den Hauptrolle» Auf. 8 Uhr. Ad 7 Uhr: Promen.-Konzert Im schatt.Ssmmertz arten und Pergola, | Weinbergsweg 19-20, Rosenth,,. Anfang 8 Mr. Im Tfm'tx:. D.ueuenAngnstSPezialt jäten Frei: Im Garten Leben» Treiben im Traun, land - ii— am (StitfftiilftMfijiif. Gesaffiilte Higi von Jebn Henry Miickay. Mit derPhowgravüred� Dichter». — 630 Seite»==. SWt4-P.iiw2.-91. - 846/16* Ssanin. Sittrnroman an« den Tagen der russische»'P.cvolutio» Vollständige Ausgabe. u B mal MrtatxB gewesen:: Preis nur 2- M. Eipeii des Ms BERUfl SW. 88 Lindenstraqe 09, Laden CONRAD TACK& Cie. Schuhfabriken in Burg b. 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Tägl. i herrl.Natur-Sommergarten bei ungünstiger Witterung t. Saale 6r. Iheater- u. Lpaz.- Vorstellung. Amor auf Irrwegen. mit Gesang von Tyrkowsll. Posse Ell» 8. ;»7 Burgois, Duett Herrmann, Heinz Heuer, Harves and Hönes, loewe- lessen und crstllass. Spezialitäten. Ans. wochent. 8, Sonntags 5 Uhr. Stadt-Theater Moabit. AU-3I«abU 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Uhr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezm. 5 Uhr. Garteneröffnung 8 Uhr., Jeden Montag Etitetag, Spczia» litäten und Solre« der»Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im groß« Theater-Vaal. Bninnen-Mer Badstraße 58. Direktion; Willi Voigt. Heute Mittwoch, den 4. August: Senefi; für Hsri Frledau. rilii-M Bauemposse mit Gesang und Tanz m 3 Alten von Mauz. Kassenerössiiuiig 2 Udr. Ans. 4 Uhr. Kerlmrr Prater-Theuter Kastanienallee 7—9. Täglich: Ivdt ja nnr vinmal! Havemanns gräBte Raubiferschule d. Welt. Spezialität., Konzert, Ball. Ansang 41/, Uhr. joczecom SchweizEr- Garten; [ Am KönigStor. S£m FriedrichShain ! Heute tKinherfreuhellfeß Theater, Spezialitäten, Belustigungen, Fackelzug. Kasperletheat Zirk..+!impa!lch-.X Gr.Bull. 'Ä Uhr:!.eulL voll.�Ule.�bitd� Anfang 5 Uhr. Enttee 30 Pf. Sommerkarten haben Gültigkeit 2 nnja £ Sonn «»»»> W.Koacks Theater Dtretiion: Roh. Dill. Brmmenstr. in. Ab 7 Uhr: 0. neuen August-Spezialität Hannchen Goorgetta X Karl Clön Max Alexander usw. n Gultel Schlatt itteier. n Konz. 6, Kasseek. ab 8 U. EntteellVPs. Sonnabend: Wie man eine Frau suohk, Rauchen Sie l£are>te Devise QualitäMsidiebesicEmpFchliini) Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale 1 Berlin.=- Dounerstag. den S. August, abends pünktlich 8 Uhr, im Lokal drS Herrn ScUmlSt, Prinzenallee 33: Mitglieder-Versammlung alter in der Leder- und Handschuh-Fabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageZ-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal beider Kassen. L. Bericht über die obligatorische Erhebung des LolallassenbeitrageS. 3. Wahlen. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 144/11 Der wichtigen Tagesordnung wegen ist zahlreiches wie auch pünvIicheS Erscheinen notwendig. Der Borstand. KttM dttMerMiem.Wttichkr>c. Melchiorstrabe 28, Part. Filiale Berlin. Fernspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, den S. Augnst ISO», abends 8'/, Uhr: Sektions-Vessanimlung der Lackierer im Gewerkschaftshause, Eugelufer IS. Tage?- Ordnung: l. Vortrag des Kollegen I a l o b e t t: der Lohn- und ArbeitSverhäl 2. Diskussion. 127/8 „Welchen Einfluß hat die Organisation anf dw Gestaltuno " Sltnisse der Arbeiterklasse?" 3. Vereinsangelegenheiten. 'Kollegen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen eines jeden einzelnen« vi« Sektlonsleltnng, Arnold Scholz NOUG Wdt Hasenheide 108/114 Heute Mittwoch, den 4. August 1909: Großes Ernte-Fest. Bonbonregen. X Belustigungen aller Art. X Fackelzug. Erntefestzug mit Wagen und Reitern. He GraMoag.=«wui'ÄÄ- Anfang 4 Uhr. Eintritt 15 Pf. Schwarzen Adler Lichtenborg, Frankfurter Chaussee 5(fiS9r Inh.: Gebr. Arnhold. Täglich: Gr. internation. Ringkampf-Konkurrenz m» die Meisterschaft d. Prov. Brandenburg«. die Prämie 5000 M. in bar. Heute Mittwoch, den 4. August, ringen: legommd- Bordeaux, gegen Lcltwarz- Berlin. Michailof- Rußland gegen Parschau- Ostpreußen. Dirk v. d. Berg- Holland gegen Hitzler• Bayern. Goksch- Breslau gegen Petersen-Dänemart. Bor den Ringlämpsen: Auftrete» rrftklast.SpezialitÜten mit Fr.Sobanski. Volksgarten-Theater früher Weimanns Volksgarten. Täglich: Konzert, Theater-«nd Speztalitäten-Borstellung. Ella Vera X Lola Droll X Otto Beyer The Horleys X Brothers Vollmer Der Aktienbndiker. Vollsstück m. Ges. u. Tanz in S Bildern. Donnerstag, 19. Aug.: Gr. Gartenfest Inngfrau oon Kerlin. lZ erstklszslge Spezialitäten. Denfels-Fnbrt. IKS ilnfang 4'/, Uhr. Entree 20 Ps. Vereins- Brauerei Rixdorl, Hermaonstr. 214/219. l Oekonom: Max Wandt. 1 äglicb:-MU Or. 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Freitag, den 6* August, abends SV» Uhr: General= Versammlung: oilkl Sckmkll vnd Zllhlßkiien des ZVtWkrtlilS im Berliner Gewerkschaftshause, Engel-User 15, Saal 1. Tages- Ordnung: 138/17« 1. Geschäfts- und Kassenbericht für das 2. Quartal 1909. 2. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zweigvereinsvorstand. NB. Nach§ 6 der Bibliothekordnung muß im Juli jeden Jahres eine Inventur über den Bücherbestand der Zweigvereinsbibliothek vorgenommen werden. Durch äußere Umstände der- anlaßt, kann dies in diesem Jahre erst im August geschehen und ersuchen wir alle Kollegen, die augenblicklich noch entliehene Bücher in Händen haben, dieselben bis Sonnabend, den 7. August, abzuliefern. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird bekannt gegeben werden. Die Bibliothekskommissio». Verlelh-InBtltnt: Friedricksl.l 16/1. a.Orabg. -Tor. El«g. Frack, Gehrock l,r,0,£ofel,00, Weste 50Pf. Große Firma vergibt durch Privaihand Berken jeder Art, GarOlnen, Store», Portleren, Wüsche, Bilder und Ehren. 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August, starb nach längerem Leiden der Genosse 233/17 »Johannes Maier. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- sriedhoses in Tegel statt. Zahlreiche Beteiligung der Ge- nassen und Genossinnen erwartet Die Bezirksleitung. illgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (®. H. Nr. 29, Hamburg). Filiale Tegel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjährige» Mitglied der Ortsverwaltung »Jokarmes Maier am Sonntag, den 1. August, nach langem Leiden verstorben ist. Seine stets bewiesene Arbeits- sreud'gleit sichert ihm ein ehren- des Andenken und soll uns stets vorbildlich sein. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. Avgust. nach mittags 5 Uhr, von»er Leichen halle in Tegel, Hermdorser Straße, aus statt. 818b Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Ten Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Paul Gremer am 29. Juli an Freitod gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. Ferner starb unser Milgsied, der Silberarbeiter Germ. Kauschke am 1. August an Herzleiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. August, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen PaulS-KirchhoseS in Plötzen- fee aus statt. unser Mitglied,; Ferner starb der Dreher «Jokarmes Maier am 1. August an Lungcnleiden. Die Beerdigung findet am\ Mittwoch, den 4. August, nachm 5 Uhr, von der Leichenhalle des s TcgelcrKirchhoss inTegel aus statt. Ferner starb unser MIglied, die Arbeiterin �uxuste Kadeit am 2. August an Nierenleiden. Die Beerdigung findet am DoimerStag, den 6. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- balle deS Freireligiösen Friedhofs, Pappel-Allee, anS statt. Syre ihrem Andenken l Rege Beteiligung erwartet 121/3 Bie Ortsverwaltung. Zentral-Verbarxl der Zimmerer Deutschlands.! Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 188. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied' Kar! Garbrecht am Sonntag, den 1. August, ver- starben ist. 254/12 i Ehre seinem Andenken l> Die Beerdigung findet heute I Mittwoch, den 4. d. M.> nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Luisen- ikirchhoseS am! Fürstenbrmmer Weg. Westend, i auS statt. Um rege Betelligung ersucht _ Der Borstand. Danksagung. Für die herzliche Tellnahme bei der Beerdigung � meines lieben Mannes und unseres guten Vaters sagen wir allen Verwandten, Bekannten und Freunden? besonders den» Vorstand und Angestellten der Allgemeinen OrtSkrankenkafie, dem Verband der Bureauangestellten, dem Vorstand des zweiten Berliner ReichStagSwahllrciseS, sowie den Genossen deS 152. Bezirks unseren herzlichsten Dank. 20062 Witwe Wolter nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme und Kranzspenden, besonders den Mietern des Hauses LiegnitzerSkaß« 5, bei der Beerdigung unserer lieben Tochter und Schwester Ann» sagen wir hiermit unsere» herzlichsten Dank. Karl Lohrmann nebst Frau and Soho. 20102 Von der Reise zurück Sauilalsral Dr. Böhm Spezialarzt für Wasserheilv erfahren, Charlottenstr. 14. 88/1 _■ vg-ijaiumeimi. Akt. Mr�nWortW» gsiatleuti fiflaTffitfsr. fifilm. LüFdwVnftratenteil bwantoj Tfl.«lacke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts»uchdruckerei u.WertagSanMt Raul Singer Sa So, Berlin SW.