Nr. 180. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. " Ericheint täglich außer Montags. 040126. Jahrg. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengefuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Prügel- Liberalismus. Donnerstag, den 5. August 1909. das Vorleben der Mielczyner Fürsorge- 3öglinge angeordnet zu werden pflege. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. da in Arbeitszeugnissen sowie in schematischen Notizen des trodenes Brot und Wasser. Als Strafmittel verLichtenberger Anstaltsbeamten, dahingehend: dem pp. fehlt hängte der Pastor auch ein Sprechverbot. Wer gegen noch der sittliche Ernst", um ihn zur Erlassung oder um der dieses fehlte, wurde mit fünfzig Peitschenhieben Staatsanwaltschaft den Erlaß der dem Zögling auferlegten bedacht. Die Vertuschungsversuche des liberalen Magistrats der Strafe schon empfehlen zu können. Eingehende Gutachten von Stadt Berlin in der zum Himmel schreienden Mielczyner Pädagogen und Aerzten fehlen durchweg. So werden die der Zöglinge ist in Mielczyn nach keiner Richtung hinreichend Für die geistige, moralische oder körperliche Erziehung Affäre haben den Scherlblättern erneuten Mut zur Ver- Böglinge aftenmäßig mißhandelt. Und aus diesen Aften ge- Sorge getragen. An Stelle von Lehrern und Aerzten fungieren teidigung der Mißhandlung von Fürsorgezöglingen gegeben. nannten Wischen weiß der Berichterstatter des„ Tag" und der durch seine Handlungsweise als total unfähig zur Zur Verteidigung des Pastors Breithaupt veröffentlicht; der Lokal- Anzeigers" seinen Lesern ein Bild des Zöglings zu Erziehung erwiesene Pastor Breithaupt sowie elf Aufseher, Berliner Lotal- Anzeiger" und der Tag" eine entwerfen! Für wie gemütsroh und albern muß er doch für deren pädagogisches Talent selbst die stärksten BeweihReihe von Angaben, die die Blätter sich durch ihren nach der die Leser der Scherlpresse halten, um ihnen das bieten räucherer dieses entsetzlichen Unrechts, das in Mielczyn der Anstalt Mielczyn entsandten Berichterstatter haben mitbringen zu dürfen. Fehlte nur noch eine biedermännische Versicherung, Fürsorge Bedürftigen geschehen ist, nichts anzuführen gewußt Lassen. Pastor Breithaupt hat dem Wißbegierigen Einblick in daß die Fürsorgeerziehung nicht wegen zu guter Führung der haben. Die Fürsorgeanstalt Mielczyn ist die ärgste Karikatur 3öglinge gewährt, damit auch er sehe, wie schwer die dem Den Spezialberichterstatter übertrumpft noch im„ Tag" auf eine der Pflicht der Fürsorge genügenden Anstalt. Der Herrn Pastor anvertrauten Jungen zu behandeln seien. An- der sattsam bekannte Gesinnungsgenosse Dertelscher Dentart, Zweck des evangelischen Vereins für Waisenpflege in der fangs war ja Herr Breithaupt selber über das Vorleben Richard Nordhausen. Er meint, in Fürsorgeanstalten Dfimart", manches seiner Schußbefohlenen noch nicht hinreichend schicke Gesetz und Richter nur die fast hoffnungslos Ver- Berlin und Mielczyn geschlossen wurde, ist keineswegs ein der Vertrag zwischen der Stadt unterrichtet gewesen, was ihn freilich nicht hinderte, baldigst wahrlosten". Es seien das abgebrühte Bengel", die immer Fürsorgezweckt. Vielmehr soll die Anstalt Mielczyn mit zum gegen sie die Peitsche zu gebrauchen und eifrig darauflos zu nur an die wüst genossene Freiheit und das frühere Lumpen- fogenannten Germanisierungstampf gegen die Hauen. Inzwischen werden aber die Aften, um deren recht- leben zurückdeuten". Das kann nur ein Mensch schreiben, der jeder Polen dienen. Die Fürsorgezöglinge werden nach keiner Richtung zeitige Ueberweisung nach Mielczyn die Berliner Waisen- Kenntnis unseres Fürsorgewesens, der Fürsorgeanstalten und der hin zu dem schweren Kampf im Leben vorbereitet. Völlig verwaltung sich wenig Sorge gemacht hatte, dort wohl voll- Fürsorgetongreffe bar und unfähig ist, den sozialen Zu- ungenügende Schuster, Schneider- und Tischlerarbeit, die zählig angelangt sein. Pastor Breithaupt hat sie dem Ver- sammenhang der Dinge zu begreifen. Und doch gibt selbst lediglich den Zwecken der Anstalt dient, haben einige treter des Lotal- Anzeiger" vorgelegt, und der hat es für dieser zelotische Pharisäer gegen jugendliche Opfer der heutigen der Böglinge zu leisten, andere werden als land. feine Pflicht gehalten, darüber eingehend immer nur das zu Gesellschaftsordnung zu, daß in Mielczyn einigermaßen sinn wirtschaftliche Arbeiter verdungen. So zeigt berichten, was er zugunsten des jetzt so be- und ziellos geprügelt worden ist". es sich, daß freilich ganz im Geiste der Ausführungsdrängten Herrn Pastors daraus entnommen Den Bertuschungsversuchen der Mielczyner Greuel bestimmungen zum Fürsorgegeſetz die Ausnutzung der hat. Der Lokal- Anzeiger" scheut sich nicht, mehrere der in gegenüber fassen wir einiges von dem zusammen, das von uns durch die Gesellschaft Berwahrlosten zu ländlicher LohnMielczyn untergebrachten Jungen offen zu nennen und gleich enthüllt und dann vom Pastor Breithaupt und dem Inspektor ar beit ein zweiter Zweck der Anstalt Mielczyn ist. zeitig ihre Vergangenheit zu schildern. Angegeben werden da Engel in allem wesentlichen zugegeben ist. Das, was den Zöglingen gegenüber in Mielczyn begangen der Familienname, der Vorname, das Geburts- Eine Reihe von Zöglingen sind mit einer starten worden, ist eine Versündigung an den Zöglingen selbst jahr, sogar der Geburtstag mehrerer Zöglinge, und es Reitpeitsche, auch mit dem Krüd stod geprügelt. Es und an der gesellschaftlichen Pflicht zur Fürsorge. Durch wird dann mitgeteilt, welche Umstände und Handlungen den find 25, 50, 75, oft auch 100 Hiebe auf einmal ver- Gerichtsbeschluß sind die Zöglinge der Fürsorge zum überJungen in Konflikt mit den Strafgesehen gebracht und die abreicht. Die wehrlosen Jungen mußten sich teilweise mit großen Teil deshalb überwiesen, weil die zu ihrer Erziehung Ueberweisung in Fürsorgeerziehung nötig gemacht haben. einer Fessel an den Beinen über einen Schemel Berufenen ihre Pflicht nicht erfüllen konnten. Auch der Lokal- Anzeiger"-Mann, der von dem Pastor Breit- legen. Dann wurde unbarmherzig losgeprügelt. Die Die Behandlung der Fürsorgezöglinge in Mielczyn ist haupt bedient worden ist und ihm dienen zu sollen meint, hat Jungens mußten die Schläge zählen. Wenn sie durch das Strafgeset mit schwerer Strafe be - nach bewährtem Rezept- just die Zöglinge heraus- fich verzählten, wurde von neuem begonnen. Hernach ist das droht. Wird endlich die Staatsanwaltschaft gesucht, die ihm wohl als die bösesten bezeichnet worden waren. Bählen beseitigt, es wurde aber von vorne begonnen, einschreiten? Die Gesetzgebung hat eine Verschärfung Es gehört ein nicht gewöhnlicher Mut dazu, die wenn die Geprügelten widerspenstig" waren, also nicht ge- der Strafen für rohe Mißhandlung von Tieren in die Jungen in dieser Weise öffentlich zu brandmarten, buldig still hielten. Geprügelt hat der Pastor Breit- Wege geleitet. Sind Kinder Kinder deshalb, weil so daß ihnen nach ihrer Entlassung aus der sogenannten Für- h a upt selbst, bis selbst ihn ein Etel vor dieser Henters- sie arm sind, minderwertiger als Tiere? forgeerziehung das Fortkommen erschwert werden arbeit erfaßte. Mindestens zwei Monate hat es gedauert, Wären in ähnlicher Weise wie die Zöglinge Tiere oder muß. Die Wirkungen dieser durch den„ Lokal- Anzeiger" aus- bis dies Efelgefühl in dem Pastor rege wurde. Der Barbarei wohlhabende Kinder mißhandelt worden, längst hätte der geführten Brandmarkung können für die davon Betroffenen mußten die Böglinge zuschauen. Diese Zuschauerschaft Strafrichter einschreiten müssen. Worauf wartet denn derartige sein, daß feigste Niedertracht sie nicht schlimmer wurde erst beseitigt, als einer der nicht geschlagenen Zöglinge der Staatsanwalt? Hat die liberale Berliner Waisenwünschen könnte. gar zu arg weinte. Außer dem Pastor schlug der Inverwaltung noch nicht ihre Pflicht erfüllt, Strafantrag Das ist ein arger Mißbrauch, der mit den Aften der fpektor Engel und Engel und ein Aufseher robe L. zu stellen? Die liberale Waisenverwaltung hat ja, wie Mielczyner Zöglinge getrieben wird. Wer die Akten kennt Der Eretution schaute schaute auch wiederholt wir wiederholt wir leider mitteilen mußten, von ihrer Pflicht noch auch wir haben sie bei unserem Besuch in Mielczyn eingesehen die Anstaltsschwester Olga zu. Geschlagen wurde, immer feinen Gebrauch Gebrauch gemacht, den Vertrag mit weiß, daß sie in geradezu erschreckender Art die wirklichen ohne daß ein Arzt gefragt wurde und ohne daß Mielczyn zu kündigen, der den Berliner Steuerzahlern Gründe, die zu einer Verwahrlosung geführt haben, verschweigen. der Pastor über das Vorleben der Kinder Erkundigungen ein- 500-800 m. jährlich für die Pflege jedes Böglings auferlegt. Die Gerichtsbeschlüsse arbeiten fast durchweg nach Schema F: gezogen hatte. So kam es, daß u. a. ein Zögling geschlagen Die Nichtaufhebung des Vertrages und die Nichtzurückrufung der Wortlaut der Voraussetzungen, unter denen das Gesetz eine wurde, der sogar ausweislich der Aften psychopathisch war. aller Zöglinge seitens der liberalen Stadtverwaltung ist Fürsorgeerziehung zuläßt, wird aus dem Gesez abgeschrieben. Der Pastor entschuldigte sich damit, daß ihm die Akten seitens eine Begünstigung der Taten, die in Mielczyn begangen Keinerlei Eingehen auf die Jugendgeschichte des Kindes, auf die der Waisenverwaltung nicht geschickt waren, ebenso wenig die sind. Die Waisenverwaltung will eine bessere Sorte sozialen Verhältnisse seiner Erzieher und seine eigenen, keinerlei Verhaltungsordnung. Zöglinge nach Mielczyn senden. Sollen die etwa vom Pastor Eingehen auf die Ursachen, die die Erzieher zur VernachlässiMißhandelt wurde wegen der geringsten leinig Breithaupt erzogen" werden oder sollen sie den Pastor gung oder das Kind zur Begehung unmoralischer Hand- teit. Das Biel der Mißhandlung war einzig und allein: Breithaupt erziehen? lungen geführt haben. Und wie dehnbar sind die gesetzlichen den Willen der Zöglinge zu brechen, sie zu willenlos folg- Im Namen der Menschlichkeit, im Namen der Gerechtig Vorschriften! samen Geschöpfen umzugestalten. So wurde ein 3ögling mit feit verlangen wir wiederholt, daß die Stadt Berlin endlich 50 Peitschenhieben bestraft, weil er eine Pause in der sich auf ihre Fürsorgepflicht den ihr anvertrauten Kindern 1. Um die Verwahrlosung des Kindes zu verhüten, wenn das Arbeit gemacht und Zigaretten geraucht hatte. Ein geistig gegenüber besinnt. Dder fürchtet sie nach oben" anzustoßen, geistige oder leibliche Wohl des Kindes dadurch gefährdet wird, minderwertiger Bögling erhielt 50 Hiebe, weil er einen den Gönnern des„ evangelischen Vereins für Waisenpflege in daß der Vater das Recht der Sorge für die Person des Kindes Brotbeutel mit mehreren Broten entwendet und versteckt der Ostmark" zu mißfallen, wenn sie endlich ihre Pflicht mißbraucht, das Kind vernachlässigt oder sich eines ehrlosen oder hatte, um zu entfliehen. In der bürgerlichen Presse wird Kindern, armen Kindern gegenüber erfüllt? unsittlichen Verhaltens schuldig macht, oder wenn ähnliche Voraus- nach Angaben des Pastors mitgeteilt, es sei wegen Diebsetzungen in den Verhältnissen eines bevormundeten Kindes vor- st a hIs geprügelt. Auch wenn ein Diebstahl vorgekommen wäre, liegen, oder 2. zur Verhütung weiterer sittlicher Verwahrlosung eines sein sollte, wäre unter feinen Umständen eine Mißhandlung geMinderjährigen, wenn der Minderjährige eine strafbare Handlung rechtfertigt gewesen. Was es aber mit der Entschuldigung begangen hat, wegen derer er in Anbetracht seines jugendlichen auf sich hat, zeigen einige Beispiele. Ein Zögling hatte Die schwedische Arbeiterschaft ist, dem Rufe ihrer Führer Alters strafrechtlich nicht verfolgt werden kann und die Fürsorge- Bollen zu pflanzen, hierbei hatte er eine gegessen, folgend, heute in den Generalstreik eingetreten. Von den Arbeitern erziehung mit Rücksicht auf die Beschaffenheit der Handlung, die dafür erhielt er 50 Peitschenhiebe wegen Diebstahls. der Eisenhütten haben bisher 30 000 die Arbeit niedergelegt. Persönlichkeit der Eltern oder sonstigen Erzieher und die übrigen Zwei Böglinge arbeiteten auf einem auswärtigen Gehöft und Der Massenstreit ist überall in Vorbereitung. Nach den ArbeiterLebensverhältnisse erforderlich erscheint; nahmen jeder ein von einer Henne eben gelegtes Ei an zentren wurde Militär gesandt. Die Regierung erklärte eine Ver3. wenn die Fürsorgeerziehung außer diesen Fällen wegen sich. Dafür wurden sie mit je 100 Peitschenhieben mittelung für aussichtslos; sie wird für Aufrechterhaltung der Unzulänglichkeit der erziehlichen Einwirkung der Eltern oder sonstigen Erzieher oder der Schule zur Verhütung des völligen sittlichen wegen Diebstahls mißhandelt. Ein Knabe entnahm einer Ordnung sorgen, erkennt aber auch den guten Willen der Verderbens des jungen Menschen, der das 18. Lebensjahr noch 50 Peitschenhiebe wegen Schüssel eine Stulle. Dafür diktierte ihm der Pastor Arbeiterführer an, selbst Maßregeln zu treffen, um Aus- Diebstahls zu. nicht vollendet hat; schreitungen vorzubeugen. Von den Arbeitern werden überall 4. wenn ein Angeklagter, der das 12., aber nicht das Außerdem wurde eine Straftolonne eingerichtet. Ordnungsmänner gewählt. In Stockholm wurden 1500 18. Lebensjahr vollendet hatte, eine strafbare Handlung begangen Die größte Anzahl der in sie Gesteckten mußte mit Fuß- Arbeiter bestimmt, die dafür zu sorgen haben, daß die Dishat, aber freigesprochen ist, weil er die zur Erkenntnis der fesseln gehen. Die Mißhandelten erhielten zum größten ziplin unter den Ausständigen aufrechterhalten bleibt. BürgerStrafbarkeit erforderliche Einsicht nicht besitzt. Teil außerdem Arrest. Das Arrestlokal besteht aus einer liche Schüßenwachen, die nötigenfalls bewaffnet werden Fürsorgeerziehung ist nach dem Gesetz zulässig: Der Generalitreik in Schweden. Man sieht also, feineswegs ein Verschulden der kleinen halbdunklen Belle, in der die Gestraften sollen, haben den Auftrag, unter allen Umständen öffentliche 8öglinge ist mit Recht- Voraussetzung einer Für auf dem nur mit einer Decke bekleideten Boden liegen mußten, Beleuchtung und Reinigung sowie auch die Geldinstitute zu forgeüberweisung. Die Gerichtsbeschlüsse insbesondere auch teilweise an einen Ring angefesselt, angeblich damit schüßen. Die Polizei, die gleichfalls für Ruhe und Ordnung Berlins leiden an dem jedem psychologisch und sozial vor sie sich nicht aus dem Fenster stürzen können. Das forgen soll, geht in einer ziemlich provokatorischen gebildeten Menschen sofort auf das peinlichste auffallenden Fenster ist vergittert und so flein, daß ein Mensch Weise vor. Der Stockholmer Streitausschuß hat hiergegen Mangel einer Begründung der Ursachen der etwa vor- schwerlich sich hindurchzwängen tann. Mehrere Snaben wurden, energischen Protest erhoben. Das Spiritusverbot hat faſt Straftaten gefallenen oder sonstigen Untaten. Der als die Zellen geweißt wurden, in den Kartoffelteller überall begonnen. Der Minister des Innern, schematischste Bureaukratismus beherrscht diese Beschlüsse. Es geworfen, zwei von ihnen an den Füßen gefesselt Hamilton, droht den Eisenbahnern mit Entlassung ist absolut unmöglich, aus ihnen ein lebensvolles Bild des und die Hände mit einer sogenannten Acht und Lohntürzungen, wenn sie sich den Streifenden anBöglings, feiner Anlagen, seiner Fähigkeiten und seiner Ent- auf dem Rüden zusammengebunden. Die Fesseln schließen. Die Haltung der Buchdrucker ist noch sehr wickelungsfähigkeit zu gewinnen. Die sogenannten Aften, von wurden auch während des Essens nicht abgenommen. Die unsicher. Alle übrigen Arbeiterkategorien werden sich denen der Berichterstatter der Scherlblätter spricht, bestehen Stinder wurden von anderen Zöglingen gefüttert. Sie unverzüglich dem Massenstreit anschließen. Dieser wird dann in dem Ueberweisungsbeschluß, in dem Abgangs- und hier und erhielten nur zweimal am Lage Nahrung, und zwar nurlauch schon morgen eine ganz toloffale Ausdehnung erhalten. Das Wolffsche Depeschenbureau derbreitet folgende Nachrichten: Stockholm, 4. August. Nachrichten aus den Industriezentren und den Provinzorten besagen, daß der Streik bei weitem nicht allgemein ist und daß der Straßenbahnbetrieb aufrechterhalten werden konnte. Die kommunalen Arbeiter arbeiten wie gewöhn« lich, nur die Fabriktätigkeit ist lahmgelegt; es gibt aber doch auch hier Ausnahmen. Ordnung und Ruhe sind nicht gestört, die Geschäfte find geöffnet. Aus M a l m ö wird gemeldet, daß die Arbeit im Hafen, in dem wenige Schiffe liegen, größtenteils niedergelegt ist. Die Zahl der Streikenden in Schonen beträgt etwa 45 lXX), davon 8000 in Malmö. In Göteborg find etwa 200 arbeitswillige Hafenarbeiter aus Furcht vor Repressalien ausgeblieben, doch wurden die Hafenarbeiten in den letzten Tagen stark forciert, so daß die Routendampfer rechtzeitig abgehen konnten. Die notwendigen Ladearbeiten besorgt heute die Be- satzung der Schiffe. Die Zahl der Streikenden in Göteborg beträgt 10 000. Stockholm, 4. August. Die hiesigen Straßenbahn- beamten haben heute die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der Reisenden in Stockholm ist augenblicklich die geringste seit Jahren. Die Touristen haben die Stadt verlassen, der Straßenbahn- und Droschkenverkehr ist eingestellt. Die Gas- anstatt und die Elektrizitätswerke werden militärisch bewacht. Der Vorstand des Landessekretariats erklärte, auch die Arbeiter dieser Betriebe würden streiken, falls das Militär nicht zurück- gezogen würde. 0 Dem„Tag- wird aus Stockholm gemeldet: „Infolge des Generalstreiks stehen alleRäder still. ES ruht der Straßenbahnverkehr, die Droschken und Auto- mobile fahren nicht. Stockholm ist in Sonntagsstimmung. Die vielen Verdrießlichkeiten werden bis jetzt mit Humor ertragen. Zahlreiche Arbeiter mißbilligen den Streik; sie sind aber gezwungen, mitzumachen(??!) Die Arbeiterführer suchen den Mut der Streikenden durch Versprechungen aufrechtzuerhalten. Es sollen große Streikunterstützungen au? Deutschland eingetroffen sein.* Weiter meldet das Scherl-Blatt, daß die Banken massenhaft Revolver kauften. Ob aus blöder Furcht vor dem Proletariat, das gar nicht daran denkt, andere als wirtschaftliche Machtmittel in die Wagschale zu werfen, oder um die Horde der Streikbrecher nach berüchtigten Mustern damit zu bewaffnen, wird nicht mitgeteilt. Nach Meldungen anderer bürgerlicher Blätter soll die Zahl der Feiernden bereits 250000 betragen. Der„IPf)$n!x"'SI909 Januar——— 26.�-1,7 25.=2,9 23.= 4,2 Februar——— 23.= 1,6 22.= 2,7 20.= 4,1 März 31.= 2,0 31.= 1,6 81.= 1,1 30.= 1,3 28.= 2,5 27.= 3,5 April——— 27.= 1,3 25.= 2,8 24.= 2.9 Mai——— 25.= 1,4 23.= 2.8 22.= 2.8 Juni 30.= 2,1 30.= 1,5 30.= 1,2 29.= 1,4 27.= 2 9 26=28 Juli•—— 28.= 0,8 27.= 1,4 25.= 27— Aug.—— 25.=0,7 24.= 1,4 22.= 2,7— Sept. 30.= 1,8 30.= 1,4 29.= 1,0 28.= 1,4 26.= 2,7— Oktob.—— 28.= 1,1 26.= 1,6 24.= 2 9— Novbr.—— 24.= 1,1 23.= 1,7 21.= 32— Dezbr. 31.= 2.4 81.= 1,8 29.= 1,6 28.= 2,7 26.= 4,4— Ein Abflauen der Krise ist aus diesen Ziffern deutlich zu er- kennen. Fassen wir die einzelnen Verbände ins Auge, so zeigt es sich, daß an allen drei Stichtagen mit sehr hohen Arbeitslosenziffer» zu rechnen hatten die Bildhauer(13,4 Proz. am 26. Juni), die Friseurgehilfen(13,5 Proz.). Hutmacher(12.8 Proz.), Tapezierer(10,5 Proz.) und Glaser(6.9 Proz.) Immer noch recht hoch ist die Arbeitslosenziffer im deutschen Metall« arbeiterverband, wenn sie auch von 4,5 Proz. am letzten Stichtage des vorigen Quartals auf 4,3, 4,0 und 3,8 Proz. in die'em Quartal zurückgegangen ist. Günstiger haben sich die Verhältnisse beim Holzarbeiterverbande gestaltet, wo der Prozentsatz der Arbeitslosen von 4,5 am 27. März auf 3,8, 3,2 und 3,3 an den drei Stichtagen des letzten Quartals herabging. Sehr günstig ist diese EntWickelung im Fabrikarbeiterverband, der noch im vorletzten Vierteljahr sehr hohe Arbeitslosenziffern zu verzeichnen hatte, die bis zum 26. Juni auf 1.2 Proz. zurückgingen. Die niedrigste Arbeitslosenziffer mit 0.1 Proz. an allen drei Stich- tagen hatte wieder der Bergarbeiterverband mit seinen 110 018 Mitgliedern. Die Prozentziffer der Fälle von Arbeits» l o s i g k e i t, d. h. die durchschnittliche Häufigkeit der Arbeits- losigkeit pro Mitglied ist im letzten Vierteljahr gleichfalls herabgegangen von 12,7 auf 9.5. Und zwar beträgt sie bei den männlichen Mitgliedern 9,7, bei den weiblichen 6,7 Proz. Da die Gesamtzahl der Arbeitslosentage am Ort und ans der Reise 2 117 320 betrug, so kommt auf den einzelnen Fall von Arbeitslosigkeit eine durchschnittliche Dauer von ,17,8 Tagen (gegen 22,7 im vorhergehenden Quartal). Im ersten Vierteljahr 1909 war die Zahl der Arbeitslosentage noch 3 273 943, also mehr als anderthalbmal so groß wie im zweiten Quartal. Stehen wir sonach zweifellos vor einer Verbesserung der Arbeitsverhältnisse, so wird dieser Vorteil für die Lebenshaltung der breiten Bolksmasten schon wieder mehr als aufgehoben durch die neue ungeheure Steuer- bclastung, die wir dem einträchtigen Znsammenwirken der schwarz- blauen Volksfreunde verdanken. Berlin un«l Qm gegen ct. Der Kampf im Schlossergcwerbe ist jetzt auch in den Bau« und Kunstschlossereien offen ausgebrochen. Nach der Versammlung am Sonntag hatte die Leitung des Deutschen Mctallarbeiterverbandes mit den Vertrauens« männern verschiedener Betriebe und mit den streikenden Bau- schlossern— in einigen Werkstätten hatten die Arbeiter auf eigene Verantwortung einen Streik begonnen— eine besondere Besprechung abgehalten. Die Leitung wollte den Wünschen der Bauschlosser nach Möglichkeit gerecht werden; am Montag fanden 17 Betriebsbesprechungen mit geheimen Abstimmungen darüber statt, ob die Arbeiter des Betriebes sofort in den Streik eintreten sollten. In einigen Werkstätten wurde kein Streik beschlossen, in zehn Betrieben mit 530 Arbeitern begann am Dienstag der Streik. In der Versammlung der Streikenden, die am Mittwoch vormittag im Gewerkschaftshause stattfand, meldeten sich 13 Betriebe, wo gestreikt wird. Am Dienstagabend hatte sich eine VertrauenSmännerversammlung mit dem Stand der Dinge beschäftigt und die nötigen Maßnahmen beraten. Die Unternehmer haben ebenfalls Stellung genommen und drohen mit emer Aussperrung, die erst zu 50 Prozent und dann vollständig vorgenommen werden soll. Die Arbeiter fürchten den Konflikt nicht; sie haben sich lange genug um friedliche Beilegung der Tariffrage bemüht, aber die Unternehmer haben jedes Entgegenkommen ab« gelehnt und tragen die Verantwortung für den Ausbruch des Kampfes, der in den nächsten Tagen vielleicht noch eine größere Ausdehnung erfahren wird. Handle legte der Versammlung den neuen Tarifvertrag vor, wie er jetzt zur Anerkennung gebracht werden soll. Die Vertrauensmänner haben sich damit einverstanden erklärt, und auch die Versammelten gaben ihre Zustimmung, daß der Vertrag heute. Donnerstagmorgen, den Meistern einzeln vorgelegt werde. Die Arbeitszeit soll demnach neun Stunden betragen. Der Mindestlohn beträgt 55 Pf. pro Stunde. Im ersten halben Jahre nach Beendigung der Lehrzeit erhalten Schlosser 50 Pf., im zweiten halben Jahre 52>/z Pf., dann 55 Pf. Selbständig Arbeitende erhalten einen Mindestlohn von 65 Pf., Kolonnenführer einen solchen von 75 Pf. Diejenigen, welche durch diese Neuregelung nicht mindestens eine Erhöhung des Lohnes um 5 Pf. pro Stunde erhalten, werden soweit im Lohne aufgebessert, daß eine solche Lohnerhöhung erreicht wird. Hilfsarbeiter erhalten 45 Pf. pro Stunde. Für Arbeiten außerhalb der Werkstatt ist eine Zulage von 5 Pf. pro Stunde zu zahlen. Bei Arbeiten außerhalb des Betriebes ist die Hin- und Rück- fahrt sowie die darauf verwendete Zeit, gleichviel ob Lohn- oder Akkordarbeiter, ohne Rücksicht auf die Wohnung des Arbeitnehmers zu bezahlen. Fahrzeit nach Schlnß der Arbeitszeit wird als Ueber- stunde gerechnet. Bei Arbeiten außerhalb Berlins und außerhalb der Vororte. die Uebernachten erfordern, wird für jeden Arbeits-, Sonn- und Festtag eine Zulage von inindestens 3,50 M. pro Tag gewährt. ES wird erwartet, daß eine Reihe von Firmen den Vertrag unterzeichnen wird._____ Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnsergtenteil vergntto,» Handle gab den Streikenden noch die nötigen Anweisungen und ermahnte fie, ihre Pflicht in dem Kampfe zu tun, der mit großer Umsicht und Energie geführt werden müsse. Jeder Zuzug von Schlossern ist von Berlin fernzuhalten._ Der Streik der Mllllkutscher und Schaffner bei der Wirt- schaftsgenossenschaft, Depot Mühlenstraße, ist beendet. Infolge des Zugeständnisses, die drei gemaßregelten Kutscher wieder einzu- stellen, nahmen alle am Streik beteiligten Schaffner und Kutscher am Mittwoch die Arbeit wieder auf. Bezüglich Abschaffung der von dem Fuhrherrn Fricke verlangten Extrafuhren soll zwischen dem Arbeiterausschuß und den beteiligten Firmen unter Hinzu- ziehung von Verbandsvertretern noch verhandelt werden, wobei voraussichtlich eine Einigung erzielt werden wird. Achtung, Fliesenleger! Durch Verhandlung der Schlichtungs- kommission vor dem Gewerbericht wurde am 4. August ein Ab- kommen getroffen, welches unserer Forderung, die Subunter- nehmer bei der Firma Schachtsick u. Mellin zu beseitigen, entspricht. Die Sperren über sämtliche Bauten, welche von den Subunter- nehmern Roßbach, Schuhmacher und Schafsran übernommen waren, sind somit aufgehoben. Alle arbeitslosen Kollegen werden dringend aufgefordert, sich in der Geschäftsstelle des Verbandes zu mcwen, ohne Unterschied der Organisation, von welcher aus während der Bewegung die Arbeitsverteilung erfolgt. Fliesenleger und Hilfsarbeiter werden hier stets verlangt. Alle von hier kommenden Kollegen sind mit gestempelten Zetteln versehen. Die Baudeputierten sind gehalten, darauf zu achten. Geschäftsstelle der Fliesenleger. I. A.: H. Waldheim. Kyffhäuserstraße 26. Amt 6, 1393. DeutfcKes Reich. Scharfmacher im Baugewerbe. Folgendes Geheimzirkular hat der„Verband der Arbeitgeber des Baugewerbes für München und Umgebung" an seine Mit- glieder gerichtet: Sehr dringlich und wichtig! München, den 24. Juli 1909. An sämtliche dem Verbände angehörenden, Bauarbeiter beschäftigenden Firmen! Fortgesetzt gehen uns brieflich, telegraphisch und persönlich Beschwerden zu, daß in München auswärts streikende oder aus- gesperrte Arbeiter Beschäftigung finden. Besonders hartnäckig tob der Kampf beinahe schon zwei Monate im Gebiete des VierstädtebundeS(Hamburg- Altona. Wandsbeck- Harburg), ferner in Pforzheim, Baden, Saarbrücken(Elsaß- Lothringen s?Ij�(Geographie schwach! Anmerkung der Red.) und Würzburg CUnterfranken). Der Ausgang dieser Lohnbewegung hat unzweifelhaft seine Rückwirkung auf unsere nächstjährige Lohnbewe- gung; deshalb ist es ernsthafte Pflicht unserer Mit- glieder, Bauarbeiter, die aus diesen Orten zugereist, nicht zu beschäftigen. Eine Nichtbeachtung unserer Warnung würde sich bitter rächen und unzweifelhaft unsere Mitglieder selbst und auch unseren Verband schädigen. Die bestreikten Städte kämpfen auch für uns. Solange die Bau- arbeiterorganisationen es als ihr gutes Recht und ihre Pflicht halten, ihre Leute von den bestreikten Ortsckmften abzuschieben und in Versammlungen und öffentlichen Blättern vor Zuzug dorthin zu warnen, um den Kampf möglichst zu ihren Gunsten zu entscheiden, müssen wir alles daran setzen, die Unterbringung der Leute zu verhindern. Deshalb heißt es, bei Einstellung Obacht geben auf die geklebten Jnvalidenmarken! Unsere A r b e i t s n a ch w e i s b e a m t e n setzen fortgesetzt ihre Kontrolle fort! Halten Sie Solidarität und stehen Sie in dieser Be- ziehung nicht hinter Ihren Arbeitern zurück. Hochachtungsvoll Der 1. Vorsitzender, gez. i. A.: Georg Bergmüller. Dieses Geheimschreiben beweist zweifellos, daß die Scharfmacher im Münchener Baugewerbe es auf einen Kampf im nächsten Jahre abgesehen haben. Außerdem zeigt das Schriftstück aufs neue, daß entgegen allen scheinheiligen Beteuerungen der Unternehmer das Arbeitsnachweisbureau des Arbeit- gpberverbandes zu einem ausgesprochenen MaßregelungS- b u r e a u dienen soll._ Kündigungen von Tabakarbeitern infolge der neuen Tabak- steurr im 5. Gau des Tabakarbeiterverbandes(Westfalen, Lippe und Waldeck). In.Lenzinghausen kündigte die Firma Otte von 60 Arbeitern 50, in Eilshausen die Firma Andre ihren sämtlichen 180 Arbeitern, die Firma Krüger u. Blumenau ihren sämtlichen 45 Arbeitern. In Besenkamp kündigte die Firma Zülch u. Nietzsche ihren 20 Arbeitern. Die Firmen Rehling u. Blank und Steinmeister u. Wellensiek werden ihre Fabriken zum 15. August schließen. In Lippstadt haben zwei Firmen 27 Ar- beitern gekündigt. In Lage haben die Arbeiter die Kündigung erhalten, wovon einer getragen bezw. gefahren werden mutz. In Holsen kündigte die Firma Busch ihren sämtlichen 27 Arbei- tern. In Ostkilver hat die Firma Zülch u. Nietzsche sämtlichen Arbeitern gekündigt. In Langendreer haben ebenfalls sämt- liche Arbeiter der Firma Wiedelmann ihxe Kündigung erhalten. In drei Tagen sind also annähernd 400 Tabakarbeiter ihrer Exi- stenz beraubt worden._. Die staatSerhaltenden Unternehmer von Ahlen. In der Stadt Ahlen bei Hamm in Westfalen streiken zurzeit die Maurer und Bauhilfsarbeiter. Obgleich die Forderungen der Arbeiter sehr bescheidene sind, können die organisierten Unter- nehmer sich nicht zu einem Entgegenkommen verstehen. Dagegen versucht man alle möglichen Mittel, um die Streikenden zu Ge- walttätigkeiten aufzureizen. Da die persönlichen Anrempelungen der Streikenden in dieser Hinsicht keinen Erfolg haben, wurden die italienischen Streikbrecher, von denen eine Anzahl im Orte ist, zu Gewalttätigkeiten animiert.— Von den am Orte wohnenden Unternehmern haben drei die Forderungen der Arbeiter bewilligt, darob natürlich großer Zorn ihrer anderen Kollegen, der schließlich darin seinen Ausdruck fand, daß man dem Unternehmer H. Röte- ring nächtlicherweile sein Baumaterial zum Teil fortnahm, zum Teil durch Säuren unbrauchbar machte. Der Bestohlene veröffent- licht dazu im Stadt- und Landboten" folgende Erklärung: „Ahlen i. W.. den 30. Juli 1909. In der gestrigen Nummer des„Stadt- und Landboten" ver- öffentlichten Sie ein Notiz, wonach die nächtliche Abfuhr der Steine von der Baustelle der'evangelischen Schule mit schriftlicher Erlaubnis des Lieferanten, also zu Recht erfolgt sei.— Demgegenüber erkläre ich, daß ich die Steine von dem Ziegelei- besitzer Rötering rechtmäßig erworben hatte. Der Fuhrunter. nehmer Neuhaus hat die Steine aus meine Rechnung abgefahren. Nächtlicherweile sind die Steine nach den Angaben des Polizei- beamten Köttendrep von den Unternehmern Köppe, Quast, Th. Flürenbreck, Joh. Wulle, Eckel, Schulte und Karl Krämer abgefahren worden, während die auf dem Schulhofe abgeladenen Steine durch Uebergießen von Blausäure für die Autzenfront unbrauchbar gemacht worden waren." Eine neue Niederlage der„Gelben". Unter großartiger Wahlbeteiligung fand am Sonntag die Wahl der Vertreter der kaufmännischen und techiuschen Angestellten zur Handelskammer für Augsburg statt. Der Ausfall bedeutet eine "rh.Glvcke, Berlin. DruckülVerlag: Vorwärts Bnlhdr, u. Vkrlagsgnjtgf vernichtende Niederlage der in der Maschinenfabrik Angsbnrg sitzenden gelben Protektoren. Zu wählen waren acht kaufmännische und vier technische Angestellte Die Gelben erhalten trotz aller An- strengungen nur drei Sitze; die organisierten Angestellten jedoch neun.— Die Wahlbeteiligung betrug 80 Proz. Die Errichtung eines sogenannten VersöhnungsamteS be- schloffen die sächsischen Unternehmervereinigungen der Textil- und Bekleidungsindustrie. Das Versöhnungsamt soll als Schiedsgericht bei Lohndifferenzen neben den gegenwärtig vorhandenen Ver- mittelungsämtern(Gewerbegericht) in Täti�eit treten. Es wird zusammengesetzt sein aus einer gleichen Zahl von Arbeitern und Arbeiterinnen, die den verschiedenen Gewerkschaften angehören, und aus Unternehmern. Man hofft, daß durch die Einrichtung Streiks und Aussperrungen vermieden werden. Die Sägeheftemacher bei der Firma I. D. Dominikus Söhne in Remscheid haben die Arbeit niedergelegt. Die Differenzen haben ihren Ursprung in einem bedeutenden Lohnabzug, den sich die Arbeiter nicht gefallen lassen wollten. Zum Kampf im Hamburger Bangewerbe. Am Mittwoch fanden vor dem Einigungsamt in Hamburg Verhandlungen statt. Es wurde folgende Vereinbarung getroffen: 1. daß bis zum festgesetzten Termin keine Arbeitswilligen von den Unternehmern mehr angeworben werden dürfen; 2. die Arbeiterorganisationen dürfen bis zum 11. August keine neue Sperren verhängen. Die Verhandlungen sind noch nicht beendet; sie wurden auf Mittwoch, den 11. August dieses Jahres vertagt. Ueberall haben die organisierten Arbeiter in den nächsten Tagen besonders darauf zu achten, daß die Unternehmer sich an obige Abmachung halten. Wenn gegenteilige Wahrnehmungen ge- macht werden, ist der Streikleitung in Hamburg sofort Mitteilung zu machen, Versammlungen. Der Berband�der baugewerblichen Hilfsarbeiter, Zweigverein Berlin, hielt am Sonntag im großen Saale des Gewerschaftshauses seine Generalversammlung ab. Auf einen Vortrag des Reichstags- abgeordneten Zubeil mutzte verzichtet werden, da Genosse Zubeil infolge eines Unfalles zurzeit verhindert war, wie der Vor- sitzende der Versammlung mitteilte. Es wurde sodann die Ab- rechnung vom zweiten Quartal verlesen. Sie schließt mit der Bilanzsumme von 52 344,34 M. ab. Aus der Hauptkasse wurden unter anderem gezahlt: an Krankenunterstützung 2 777,55 M., Streikunterstützung 490 M., Sterbeunterstützung 500 M. Die Lokatkasse hatte, den alten Bestand mitgerechnet, 37 817,94 M. Einnahmen, die Ausgaben, darunter 1163,95 M. an die Mai- ausgesperrten, beliefen sich auf 7318,65 M.; der Bestand war am Quartalsschluß 30 499,29 M. Mitglieder hatte der Zweigverein am Quartalsschluß 2507.— Die Versammlung erteilte dem Kassierer Gräber auf Antrag der Revisoren einstimmig Decharge. Hierauf wurde über einige Ausschlußanträge heraten. Ausgeschlossen wurden wegen Vergehen gegen die Grundsätze der Organisation auf Antrag des Bezirks Rosenraler Vorstadt Eduard Fitzner, auf Antrag des Bezirks Weißensee Oskar Schuster.— Schließlich fand noch die Wahl eines Revisors der Zweigvereinskasse statt; gewählt wurde Kunze. Ter Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Be- rusSgenosse» Deutschlands, Ortsverwaltnng Groß-Berlin, hielt am 1. August die Ouartalsbersammlung ab. Der Kassenbericht ergab folgendes Bild: Einnahme vom 1. April bis 30. Juni 1909 9 900 M.> Ausgabe 10 453,61 M.; Mehrausgabe 553,61 M. Saldovortrag vom 31. März 1909 13 591,25 M., Kassenbestand anr 30. Juni 1909 13 037,64 M. Das Lokalvermögen besteht in Berliner Stadtobligationen 10 200 M., Anteil am Gewerkschaftshaus 2000 Mark, an bar 837,64 M. Aktives Vermögen 13 037,64 M., passives Vermögen 3000 M. Vorsitzender S ch W i t t a u wies eingangs seines Berichtes ans den Schlosserstreik hin und ersuchte die Anwesenden, jede Streik- arbeit strikte abzulehnen, sonst aber die Anordnungen der Ver» bandsleitung abzuwarten. In den Brauereien, besonders bei Pfefferberg, wird zurzeit bis 18 Stunden gearbeitet, während dort die achtstündige Arbeitszeit bestehen sollte und viele Kollegen arbeitslos sind. Die Organisation wird in allen diesen Fällen einschreiten. Müller erstattete den Bericht aus der Gewerkschafts- kommission. S ch w i t t a u gab noch einige' Ergänzungen und legte den Mitgliedern dringend ans Herz, ihre Kinder der freien Jugendorganisation und allxn sonstigen von der modernen Ar. beiterschaft für die Jugend bestimmten Institutionen zuzuführen. Einem Antrag, die vierteljährlichen Generalversammlungen nicht mehr am Sonntag stattfinden zu lassen, sondern am Sonn» abend, stimmte die Versammlung zu. Berufsgenossen, welche dem Verein der Maschinenmeister Berlins und der Umgegend als Mitglieder beitreten, soll das weitere Verbleiben als Mitglieder der Zahlstelle Groß-Berlins des Zentralverbandes versagt sein. Als zweiter Schriftführer wurde Ritter gewählt. In einer zur Annahme gelangten Resulution wird gefordert, daß bei Besetzung offener Stellen nur der Verbandsnachweis benutzt werden soll. Letzte JVacbncbten und Depcfcbcn. Vom schwedischen Generalstreik. Stockholm, 4. August.(W. T. B.) Die Totengräber auf dem Stockholmer nördlichen Kirchhof legten heute die Arbeit nieder. Auf dem südlichen Kirchhof wird die Arbeit noch fortgesetzt, doch ist der Streikanschlnß wahrscheinlich. Ans Land geschlichen. EowcS, 4. August.(W. T. B.) König Eduard und Kaiser Nikolaus gingen an einer einsam gelegenen Stelle an Land und begaben sich nachmittags im Automobil nach Osborw Blitzschlag in einen Eisenbahnzug. Krefeld, 4. August.(B. H.) Bei einem heftigen Gewitter schlug der Blitz in einen Zug der Kleinbahn Krefeld-Düffeldorf. Zwei Wagen sind verbrannt. Am Grabe vom Tode ereilt, Heidelberg, 4. August. tB. H.) Bei der Beerdigung des Ge- heimrats Adolf Hausrat brach der Geheimrat Professor der Tcheologie Adalbert M e r x, als er den Kranz der Fakultät am Grabe niederlegen wollte, tot zusammen. Neberfallene Kolonialtruppen. Saigon, 4. August.(W. T. B.) In der Nacht vom 2. zum 3. August griff ein Teil Bewaffneter aus dem Stamme der Muongs bei Hoabinh am Schwarzen Flusse eine französische Eingeborenen. truppe an, tötete den Inspekteur Ehaigneau und fünf Soldaten» außerdem wurden mehrere verwundet._ Paul Singer Lr Co.. Berlin LV/. HierzuLBeilftgen».Nvirrhaltungsbl. |r.l80. 26. Jahrgang. 1. KeW des Jotrairts" Krlim WM. Qmstik!, 5. JiijiiP 1909. Die berliner Nzhllerelie und der Parteitag. Die Parteigenossen der Berliner Wahlkreise nahmen am DienS tag in gut besuchten Versammlungen Stellung zum diesjährigen Parteitag und zu anderen aktuellen Parteifragen. Nachfolgend die Berichte der einzelnen Versammlungen: Erper Wahlkreis. Wolderski eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Einleitung und dem Verlesen der verstorbenen Mit- glieder, zu deren Ehren sich die Versammelten erhoben. Zur Pro- vinzialkonfcrenz hat der erste Kreis keine Anträge zu stellen. Drei Delegierte wurden gewählt, die Genossin Ketti Guttmann und die Genossen S t r e h l und Bloch. Eine teilweise sehr erregte Diskussion setzte bei der Besprechung des kommenden Parteitages in Leipzig ein, die sich bis nach Mitternacht hinzog. Wolderski, als Mitglied der in Nürnberg ein- gesetzten Kommission zur Aenderung des Organisationsstatuts, berichtete über deren Beratungen und ging die vorgeschlagenen Aendcrungen des Statuts im einzelnen durch. Der Absatz im§ 6, nach dem den Genossinnen die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern ist, wurde von der Versammlung abgelehnt. Ange- nommen wurde ein Antrag, an Stelle des Absatzes 2 in§ 7 zu setzen:»Eine Delegation der Reichstagsfraktion". In§ 23 soll es heihen:.Wer in bewußter Weise gegen die Parteitagsbeschlüsse verstößt, muß aus der Partei ausgeschlossen werden." Bezüglich der Maifeier erklärte Wolderski, daß ein Unterstützungsfonds für die von der Aussperrung Betroffenen durchaus nötig sei. Meist würden die besten Genossen aus den Betrieben entlassen, sie zu schützen und zu stützen, sei unsere Pflicht. Die Be- seitigung der Maiseier wäre für uns eine Bankerotterllärung. Die ffrage kann lediglich lauten: wie können wir den im Anfangs- sladium befindlichen Maifonds ausbauen? Sodann griff Gutt- ni a n n in die Diskussion ein. Kurz vor dem Parteitage hätten die Revisionisten wieder mal eine Streitfrage provoziert. Seien die früheren Fragen meist akademischer Natur gewesen, so handele es sich diesmal um Dinge, die die Interessen der Partei in brennendster Weise berührten. Die Zeiten, wo die Revifionisten sich nur theoretisch betätigten, seien vorüber, das zeige sich schon in dem Umstände, daß es bei der Finanzreform innerhalb der Fraktion zu scharfen Kämpfen gekommen sei. Der ganze Zug treibe nach rechts, das Streben ginge nach einem Bündnis mit dem Liberalismus. Unseren Abgeordneten insgesamt müsse gesagt werden, daß in ihren Reden nicht die Wut und Erbitterung der großen Masse gegen die Reichsfinanzreform zum Ausdruck gekommen sei, wie man es hätte erwarten dürfen. Statt rücksichtslose Obstruktion zu betätigen, habe man immer Rücksicht auf den Liberalismus genommen, um es mit ihm nicht zu verderben. Gegenüber dem Revisionismus in der Partei müsse endlich einmal die bündige Frage gestellt werden: Will die Masse der Genossen seine Tendenzen gutheißen? Er glaube das nicht. Es werde voraussichtlich eines Tages zu einem gewaltigen Sturm kommen. Unseren Führern aber hätten wir zu sagen: Ihr habt zu tun, waS wir wollen I Unsere Parteipolitik werde jetzt im„März" und anderen bürgerlichen Organen gemacht. Redner polemisiert heftig gegen Heine, Bern st ein, Frank, Maurenbrecher und andere. Wenn Heine für die Politik deS Zentrums schwärme, so müsse es ihm klargemacht werden: Wir sind keine Schachfiguren, mit denen die Führer nach Belieben spielen können. Wenn man sich heute schon von Königen abfüttern lasse und diese zum Danke a n h o ch e, was solle man dazu sagen? Und so was nenne sich noch sozialdemokratische Volksvertreter. Der Witz aber fei, daß der offizielle Witzemacher der Partei auch dabei war. Redner verliest eine dementsprechende Resolution und bittet um einstimmige Annahme derselben. In demselben Gedankengange wie obige Ausführungen spricht Bloch. Es solle endlich Klarheit geschaffen werden, welche Taktik die große Masse wolle. Nicht nur Lkautslys Broschüre»Der Weg zur Macht", sondern der ganze Marxismus werde von den Revisionisten als Privat- ineinung ausgegeben. Redner ist ebenfalls nicht zufrieden mit der Haltung der Partei bei der Reichsfinanzreform. Angesichts der Lage mußte der Generalstreik inszeniert werden. Obstruktion hätte auch sehr leicht gemacht werden können, man wollte aber nicht, dem Liberalismus zuliebe. Für uns gebe eö nur einen reaktionären Block. Ein weiterer Redner wendet sich gegen den LlutoritätSdusel. der sich in der Partei breit mache. Dalli meint, er verstehe die kleines Feuilleton. Die Vogelwiese. Die Dresdener Vogelwiese, die jetzt von einem so schweren Brandunglück heimgesucht worden ist, nimmt in der Geschichte unserer Volksbelustigungen eine besondere Stellung ein: sie ist sozusagen die Mutter aller Vogelwiesen, von der zwar nicht die Sache selbst, wohl aber der Name ausgegangen ist. Die Sitte deS Schießens nach dem Vogel ist im deutschen Volksbrauch uralt; man hat sie sogar mit der Gestalt deS Göttervaters Wotan und seinen beiden mythischen Botenvögeln in Verbindung gebracht und als ein altheidnisches Opferfest in ihrem Ursprung erklärt. Dies Vogelschießen nahm zunächst eine besondere Stelle in den alten Pfingstbräuchcn ein. Mit der Stärkung und EntWickelung eines Bürgergeistes im Mittel- alter, durch die Bildung wehrhafter Schützengilden wurde dann das Vogelschießen von den Pfingstbräuchen losgelöst und zu einem selb« ständigen sommerlichen Fest erhoben. Auch hier war das prächtig aufgerichtete Ziel zunächst noch ein Vogel aus der Stange. Je mehr Volk die Freischießen herbeizogen, je mehr sich diese Feste zu den großartigsten Vergnügungen des Mittelalters entfalteten, desto inehr Vögel mußten aufgestellt werden, drei oder sogar fünf; schließlich genügten sie den Schützen gar nicht mehr und die große Schießscheibe trat an ihre Stelle. Während sich so das eigentliche Preisschießen in anderen, engeren und feierlicheren Formen vollzog, blieb das Vogelschießen doch auch den großen Schützenfesten als eine hormlos gemütliche, volkstümliche Belustigung erhalten, und um den fröhlichen Vogel aus hoher Stange wuchs die so vielgestaltige Budenstadt deS Festes hervor, die ein not- wendiger Bestandteil jedes FreischießenS war. Von Anfang cm war mit dem Vogelschießen ein.Glückstopf" ver- bunden gewesen. Fahrende Gaukler, Akrobaten. Quacksalber sammelten sich hier aus allen Teilen Deutschlands und Schau- stellungen jeder Art fanden hier ihren Platz. Besondere Aufmerk- samkeit wurde im Mittelalter von den Fcslgebern auf die Kegel- bahnen gewandt, die damals noch eine Seltenheit waren; später boten das Puppentheater, das Wachsfigurenkabinett oder eine Menagerie die größten Sehenswürdigkeiten. Allmählich überwog viel- fach die Lustbarkeit den eigentlichen Zweck, das Wettschießcn. So erlangte denn bei manchen der jährlichen Schützenfeste gerade die auf einer bestimmten Wiese oder freiem Platz errichtete Budcnstadt besonderen Ruhm, und ganz besonders gut amüsierte man sich stets auf dem Dresdener Vogelschießen. In der frühesten Zeit war das Schießen auf der Ratswiese am Jüdenteich abgehalten worden; Kurfürst August verlegte es IS77 auf die Wiese vor dem Ziegeltor, wo nun der Vogel aufgestellt wurde und Buden und Zelte errichtet waren. Davon erhielt nun der Platz den Namen Vogel- wiese, der sich allmählich auf olle Festplätze der Schützenfeste und dann auf Vergnügungsparks jeder Art überhaupt ausdehnte. Bon der Erdbebenkatastrophe i» Mexiko treffen jetzt ausführlichere Meldungen ein, die die furchtbare Ausdehnung des Unheils erkennen lassen. In der Hauptstadt selbst währten die Erderschütterungen in Empörung der Vorredner über die Reichsfinanzreform. Doch sei der Vorwurf gegen die Fraktion unberechtigt und durch nichts be- wiesen. Eine Spaltung in der Partei herbeizuführen, könne er nicht befürworten. Die Revisionisten wieder nach links zu ziehen, sei unsere Aufgabe. Redner spricht sich für Beibehaltung der Mai- feier und Gründung einer Zentralstelle für den Maifonds aus. Bublitz erklärt, daß derjenige sich in einer Illusion befinde. der glaube, daß der Revisionismus nicht so groß ist. Debatten über diesen hätten schon immer im reichlichsten Maße stattgefunden und in zahllosen Resolutionen sei er totgeschlagen worden, stets aber lebe er wieder. Geschmacklosigkeiten jedoch wie die in Württem- berg, verstehe er nicht. Hier müsse endgültig gezeigt werden, welchen Weg die Partei gehen wolle. Das Interesse der Massen an den inneren Vorgängen der Partei müsse mehr geweckt werden. Der Beschluß über den Maifonds solle nicht nur bestehen, sondern weiter ausgebaut werden.— W o l d t: Fast sämtliche Redner hätten in derselben Richtung gesprochen, er müsse sich jedoch entschieden gegen einzelne Ausführungen und die verlesenen Resolutionen wenden. Diese enthielten ein beträchtliches Mißtrauensvotum gegen die Fraktion. Und was seien die Gründe hierfür? Der Vorwurf, die Fraktion habe mit dem Liberalismus paktiert, sei durch nichts bewiesen. Was Heine irgendwo schreibt, könne man nicht der Partei zuschieben. Unsere alten Parlamentarier, die schon so lange ehrlich und unverdrossen für uns kämpften, nähmen es wohl noch an gesundem Instinkt mit Guttmann und Bloch auf. Es sei immer Brauch bei uns gewesen, zu warten, bis die Fraktion Rechenschaft ablegt. Kein Mißtrauensvotum in Vorschuß, sondern das Ergebnis des Parteitages abwarten und die Resolution ablehnen. Damit war die Diskussion geschlossen. Die Anträge, auf die Tagesordnung dieses Parteitages noch den Punkt: Die Taktik der Partei zu setzen, weiter, den nächsten Parteitag in Berlin abzuhalten, wurden angenommen. Eine Resolution. die zum Ausdruck bringt, daß die sozialdemokratische Partei die einzige war, die daS Volksausplünderungsgesetz im Ernst bekämpft hat, jedoch bedauert, daß weder der Partei- vorstand noch die Fraktion zu schärferen Mitteln gegriffen, sich überhaupt zu wenig an die breite Masse des unterdrückten Volkes gewandt hat, wurde angenommen. Desgleichen eine Resolution Guttmann. die besagt, daß angesichts all dessen, was der Liberalismus schon verschuldet hat, die Zumutung sozialdemo- kratischer Reichstagsabgeordneter, mit dieser Sorte Liberaler zu- sammenzugehen und gar die Kritik aus taktischen Gründen einzu- schränken, wie eine blusige Verhöhnung der Partei anmuten müsse, und die Arbeiterschaft Mittel und Wege genug habe, ihren Willen aus eigener Kraft durchzusetzen. Annahme fand auch eine Resolution, die ihren Abscheu gegen die spanischen Grausamkeiten und die Shm- pathie der Versammlung gegenüber dem kämpfenden Volke aus- spricht. Zum Parteitag wurden gewählt: Wolderski und B i t t n e r. Zur Verbands-Generalversammlung die Genossen: Königs, vaumgarten, Neumann, Woigfch, Träger. Vollendorf, Sänke, Hohendorf, Christian und Guttmann. Die nicht erledigten Punkte wurden für eine spätere Versammlung zurückgestellt. Zweiter Wahlkreis. Die gut besuchte Generalversammlung tagte in der Bockbrauerei. Die Verbandsgeneralversammlung von Groß-Bcrlin betraf der erste Punkt der Tagesordnung. Dazu lag der von den Bezirksführern empfohlene Antrag eines Bezirks vor, eine umfassende Agitation für Partei nud„Vorwärts" nach dem Hamburger System zu entfalten. Das heißt, es sollen von den Gewerkschaften Abschriften ihrer Mitgliederlisten erbeten und dann unter den ermittelten Gewerkschaftlern die Agitation betrieben werden. Der Antrag wird angenommen. Ebenfalls von den Bezirksführern empfohlen wird ein Antrag Wendel, den Parteischülern aus Berlin einen Michergeldzuschuß in Höhe von 50 M. zu gewähren.— Genosse Pfannkuch ist der Meinung, daß die Beschränkung eines solchen Zuschusses auf die Berliner untunlich wäre. Ein Antrag, allen Parteischülern den Zuschuß zu gewähren, müßte beim Parteivorstand gestellt werden. Der Parteivorstand habe nun schon Erwägungen angestellt, den Partei- schülern eine höhere monatliche Zubuße zu geben. Die Höhe der Zulage sei noch nicht festgestellt. Für das ganze halbe Jahr werde der Betrag aber mehr ausmachen, als die beantragten 50 M. Des- halb könnte der Antrag abgelehnt werden.— Nachdem Genosse Wendel noch einmal für leinen Antrag eingetreten war, wurde dieser angenommen.— Die für die Verbandsgeneralversammlung kurzen Pausen nahezu 30 Stunden; erst am Sonnabend ließen die Stöße nach. Zeugen der Katastrophe berichten von Hunderten von Toten und zahllosen Verwundeten; der angerichtete Materialschaden kann einstweilen noch nicht abgeschätzt werden. Die prachtvolle alte Kathedrale der Stadt Mexiko ist nur noch ein trostloser Trümmerhaufen. Die Bevölkerung ist in höchster Aufregung; alle Häuser sind verlassen; in den Gärten, auf den großen Plätzen und in der Umgegend der Stadt kampiert die Menge unter offenem Himmel. Sie leiden furchtbar unter der Kälte, die ein plötzlich eintretender Regen mit sich gebracht hat. Um daS Unglück vollzumachen, brach in einem Stadtteile am Sonnabend Feuer aus. Die Feuerwehr war völlig wehrlos, da die Erdstöße deS Freitags die Wasserleitung zerstört hatten. Die Verwüstungen und daS Unglück scheinen in den Provinzen noch schlimmer zu sein als in der Hauptstadt. Von Jguala und Chilpanoinge fehlen bis jetzt alle Nachrichten. Man nimmt an, daß beide Städte völlig zerstört sind. Das letzte, was man vernahm, war die lakonische Meldung der. Telegraphenbeamten, die diese aufgaben, ehe sie ihren Posten verließen.„Alles in Trümmern" lauten übereinstimmend die beiden letzten Meldungen. In der Hafenstadt Atopulco sind sämtliche Häuser an der Hafenftont eingestürzt. Doch gelang es hier den Einwohnern, sich beizeiten zu retten. Am Abend wiederholten sich die Stöße, die Kirchen stürzten ein, zum Schluß war in der ganzen Stadt kein Haus mehr, daS nicht schwere Beschädigungen erlitten hat. Ebenso lauten die Nachrichten aus Puebla, Vera Cruz. Oexata, Tlacotalpam und Hachuca. In Acapulco ist sogar das mächtige alte Gefängnis zerstört, das bisher den schwersten Erdbeben getrotzt hatte. Die abergläubische Bevölkerung sieht in der Katastrophe einen � Wink GottcS und weigert sich, in die Stadt zurückzukehren. Das südliche Mexiko, das von der Katastrophe am härtesten heimgesucht ist. hatte schon in den Jahren 1877, 1880, 1387. 1902 und 1007 durch Erd- beben schwere Prüfungen zu bestehen. Die Hauptstadt Mexiko hat bisher gewöhnlich nur leichtere Erdbeben zu überwinden gehabt. In Südmexiko und Zentralamerika sind die Erderschütterungen gleich denen in Süditalien vulkanischen Ursprungs. Musik. »Miß Dudelsack". Operette usw., Musik von R. N e l s o n. Erste— anscheinend wirklich erste— Aufführung Dienstag, den 3. August, im Neuen Schauspielhaus(Nollendorfplatz). Ein schotsifcher Schloßherr verläßt sein Schloß und übergibt sein uneheliches Töchterchen dem Verwalter zur Pflege. Das wächst sich zu einem recht naturwüchsigen Wildfang aus:„Ich bin das Fräulein Dudelfack, Und paßt mir jemand nicht, Dann Hab' ich Takt und viel Geschmack Und sag's ihm ins Gesicht." Die spät eröffnete Verfügung deS Schloßherrn macht feinen Verwandten Hoffnungen auf das Gut und gibt den zwei Verfassern des Textes Gelegenheit, drei Akte mit einem Hin und Her zu füllen, das sich durch ein Zusammenfinden deS Wildfanges mit einem Leutnant aus der Verwandtschaft löst. Werden wir zu einer Operettenkomposition dieses Textes gerufen, so dürfen wir erwarten, daß die musikalische Art deS auch in vorgeschlagenen Delegierten wurden bestätigt. Anträge für die Provinzialkonferenz lagen nicht vor. Es folgte die Stellungnahme zum Parteitag in Leipzig. Genosse Pfannkuch referierte. Er hob die Be- deutung der Parteitage als Kristallisationspunkte des Parteilebens hervor und ging dann auf die Parteitätigkeit im letzten Jahre ein. Was die Arbeiten der Organisationskommission angehe, so stehe in Aussicht, daß� ein abgerundetes Ganzes vor den Parteitag kcmme. Das Bestreben der Partei, die Kräfte immer mehr zu- sammen zu fassen, werde dadurch weiter gefördert. In der Finanz- gebarung der Partei müßte seiner Meinung nach eine ähnliche Ilmwandlung eintreten, wie sie die Gewerkschaften durchgemacht hätten. Wer große Ziele erreichen wolle, müsse sich auch mit den« Gedanken vertraut machen, höhere finanzielle Opfer zu bringen. Um die Sozialdemokratie auf breiterer Grundlage mit immer festeren Wurzeln sich entfalten zu lassen, sei auf neuen Gebieten vcrgegangen worden. Das Preßbureau sei seit einem Jahre in Tätigkeit und habe seit dem 1. April auch seinen gewerkschaftlichen Redakteur, die Organisierung und Bildung der Jugend werde gepflegt und die Landarbeiterorganisation sei ins Leben gerufen. Bei allen drei Institutionen, die weiter zu entwickeln und auszu- bauen seien, habe sich die günstige Einwirkung des engeren Konnexes zwischen Partei und Gewerkschaften gezeigt. Auch bei der Parteischule mache sie sich bemerkbar.■— Die Partei habe in Deutschland alles daran zu setzen, um in geschlossener Stärke den Feinden gegenüberzustehen. Daher sei es notwendig, Streit und Zwist aus unseren Reihen zu verbannen zu suchen. Er glaube nicht, daß die Gegner mit ihren Erwartungen auf ihre Rechnung kommen.(Nal nal Württemberg!) Das sei-mehr eine lokale Sache, zu der der deutsche Parteitag, wenn es notwendig wäre, seine Meinung sagen werde, die aber nicht solche Bedeutung habe, daß sie zu tagelangen Debatten führen könnte.— Gegenüber den Behauptungen von Gegnern, daß die Partei zum Stillstand gelangt sei, stellte Redner fest, daß die Partei trotz der Krise um 45 000 Mitglieder zugenommen und nicht nur ihre Schulden be» zahlt, sondern einen anständigen Kampffonds von fast einer halben Million bereit habe.— Ein wunder Punkt sei die Maifeier. (Zwischenruf.) Wie der Parteivorstand erkenne auch die General» kommissson die Feier durch Arbeitsruhe als die würdigste an, aber über oie Wege und Mittel gingen die Meinungen auseinander. Der Parteivorstand habe den Auftrag erhalten, mit der Generalkom» Mission zu verhandeln, das heißt zu sehen, nach Möglichkeit die divergierenden Ansichten zu vereinigen. Wer einen solchen Auf» trag gebe, der müsse sich selber sagen, daß ein Resultat nur bei Konzessionen auf der einen und der anderen Seite möglich sei. Gemäß dem Auftrage des letzten Parteitages sei aufs neue ver» handelt worden. Zu einem Zentralfonds für die Maifeier habe der Parteivorstand die Zustimmung nicht erlangen können. Bor- behaltlich der Zustimmung der Konferenz der Zentralvorstände sei jedoch die Schaffung von Bezirksfonds für bestimmte wirtschaftlich zusammenhängende Gebiete zugestanden worden. Mit diesem Vor- schlage werde der Parteivorstand wohl kommen. Auf der General- Versammlung von Niederbarnim habe aus der Tatsache, daß als Maifeierreferent an Stelle Richard Fischers Genosse Müller vom Parteivorstand getreten ist, ein� Genosse den Schluß gezogen, die Frage solle noch unklarer gemacht werden. Diese Aeußerung, die in der Person den ganzen Parteivorstand treffe, weise Redner ganz entschieden zurück. Zum Schluß sprach Redner unter leb- kaftem Beifall die Erwartung aus, daß der Parteitag daran fest- halten werde, daß die Partei unbeirrt durch andere Parteibildungen ihren Weg weitergehen werde. Wer mit uns gehen will, muß in unsere Reihen kommen. Genosse C l a j u s verlangt, daß der Parteitag ein ernstes Wort mit den württembergischen Abgeordneten rede, die sich mit dem König an die Frühstückstafel setzten.— Genosse Feierabend ist derselben Meinung und läßt sich dann sehr skeptisch hinsichtlich der Durchführbarkeit der Maifeier aus. Es sei eine schöne Idee darin verkörpert, sie koste aber Opfer wie keine andere Idee. Vorläufig sei die Maifeier nicht durchführbar.— Genosse B ehrend ist der Meinung, daß Parteivorstand und General- kommission sich einig seien, daß die Maifeier nicht durchzuführen wäre. Es hätte aber keiner den Mut, dies zu sagen. Für die Gewerkschaften sei die Maifeier eine große Last. Aus seinen Er- fahrungen als Angestellter des Metallarbeiterverbandes könne er mitteilen, daß die mühsamen Errungenschaften der Organisations- arbeit in großen Betrieben durch die Maifeier auf lange Zeit immer wieder vernichtet worden seien. Mit Freuden habe er die bekannte Resolution des Metallarbeiterverbandes begrüßt. Man sollte endgültig den ganzen Kram aufheben, l— Genosse Müller Schottland üblichen DudelsackeS, der Sackpfeife, mit drolligstem Ulk ausgenützt werde. Der eine oder die mehreren stets gleichen Baßtöne und die darüberlicgenden etwa sechs Melodietöne könnten zur Charakterisierung der Titelfigur etwas beittagen, das in der Geschichte des musikalischen Humors einzig dastehen würde. Der Komponist hat nichts Derartiges versucht. Er gibt eine Musik, wie sie zu jedem Berliner oder Wiener oder brasilianischen oder neusee- ländifchen Operettentext ebenso gut passen könnte. Anfangs ist sie nicht mehr, als was man Sommertheater nennt; später nimmt sie nette Anläufe, die kurzatniig abreißen, allmälig nähert sie sich dem Opernhaften; das Orchester gellt; und schließlich triumphieren ein paar wirklich graziöse Duette. Das alles ergibt den bekannten Bombenerfolg. Ihn verringert weder, was die einen an Gesangskunst fehlen lasten, noch erhöht ihn. was beispielsweise Laura v. Karwinska durch vornehmes Singen und Spielen leistet. Mirzi F r e i h a r d t in der Titelrolle und Fritz Werner als ihr Partner entscheiden das»Einschlagen" des Stückes._ ez. Notizen. — Prof. Karl Sachs, der bekannte Lexikograph, ist über 80 Jahre alt, in Brandenburg a. H. gestorben. Er war lange Jahre Lehrer der neueren Sprachen am Realgymnasium in Brandenburg. Sein Name ist verknüpft mit dem besten existierenden Wörterbuch der deutschen und französischen Sprache, das er gemeinsam mit Prof. Villatte bearbeitete. Dieses Wörterbuch, daS m einer großen und noch mehr in einer kleineren Ausgabe weite Verbreitung fand. ist mustergültig für die ganze neuere fremdsprachliche Lexikographie geworden. — Neuerwerbungen des Kaiser-Friedrich- Museums. Von dem besten deutschen Porträtmaler deS aus- gehenden 18. Jahrhunderts, Anton Graff, wurden zwei Porttäts neu erworben. Sie stellen in der schlichten, treuen und charakteristtschen Art des wackeren Malers ein aristokratisches Ehe- paar dar. — Theaterchronik. Das Lessing-Theater eröffnet am 16. August die neue Saison mit BahrS Burleske»Die gelbe Nachtigall". Am 17. beginnt ein neuer I b s e n- Z Y k l u S. — Musikchronik. Offenbachs»Orpheus in der Unter- Welt", der am nächsten Montag zum ersten Male an der Gura- Oper gegeben wird, erscheint in einer textlichen Neubearbeitung und mit neuen Coupletstrophen versehen von Ludwig Renner. — Bühnenchronik. Alexander Girardi. der Volks- tümlichste deutsch-Lsterreichische Schauspieler, der die letzten Jahre fast ein Berliner geworden war, kehrt in der nächsten Saison ans Wiener Rai mundtheater zurück. Wir tverden ihn aber vorher noch bei uns sehen. Hoffentlich tritt er aber auch bei uns, wie er in Wien vor hat, in Anzengruber-Rollett auf. — Die beiden Wochenschriften:»Der Morgen' und „Die Neue Revue" sind an den Verlag von„Nord und Süd" über- gegangen und sollen als Wochen» und Halbmonats-AuSgabe dieser Monatsschrift fortgefiihrt werden. Pöffi ParteiSorstand' stellte fest, daß' ein sehr einfacher Grund iW zu dem Referat über die Maifeier verholfen habe. Genosse Fischer habe schon voriges Jahr erklärt, daß er nicht mehr das Referat übernehmen könne, weil er den größten Teil der Verhandlungen zwischen Parteivorstand und Generalkommijsion nicht mitgemacht habe. Der Vorredner sage nun, Parteivorstand und General- kommission haben nicht den Mut zu sagen, was sie dächten. So ständen die Dinge nicht. Die beiden Körperschaften seien der Meinung, daß die Abschaffung der Arbeitsruhe gar nicht zu den sfkagen gehörte, über die sie zu diskutieren hatten. Die Feier durch Arbeitsruhe beruhe auf internationalen Beschlüssen. So- lange daran nichts geändert sei, komme die Abschaffung gar nicht in Betracht. Er sei durchaus kein Optimist in bezug auf die Aus- dehnung der Maifeier. Aber etwas anderes sei es doch, ob man dort, wo trotz der Krise annehmbare Resultate erzielt seien, dazu übergehen sollte, zum Gaudium der Unternehmer die Maifeier durch Arbeitsruhe abzuschaffen. Davon könne keine Rede sein. In Betracht käme auch, daß wir noch andere Demonstrationen, die Opfer kosten, zu vollziehen hätten. Schon die Rücksicht auf die preußischen und sächsischen Wahlrechtskämpfe müßte uns abhalten, in der Frage der Maifeier abzurüsten. Parteivorstand und Generalkommission hätten sich lediglich mit der Frage zu befassen gehabt, wie die Unterstützung anderweitig zu regeln sei. Be- dauerlich sei es, daß gerade in der Zeit, wo die Verhandlungen schwebten, der Metallarbeiterverband den Zurückzieher gemacht habe. Es wäre taktisch richtiger gewesen, zu warten. Beschlüsse wurden hierzu nicht gefaßt. Als Delegierte zum Parteitag) wurhen gewählt die Genossen Hermann Fritze. Franz Staeger, Karl Schräder sowie Fritz M a r k e r als Ersatzmann. Zur Provinzialkonferenz wurden delegiert die Genossen Gustav Häufer, Clajus und Ewald j u n. sowie Ger- Hardt als Ersatzmann. Für die Wahl von Delegiertinnen zum Parteitag, die dies- mal noch in einer Frauenversammlung stattfindet, beschloß die Versammlung, die Genossin Ottilie Baader vorzuschlagen. Unter„Kreisangelegenheiten" wurden mehrere Bezirksführer bestätigt. Ferner murde beschloffen, für das Amt des Beisitzers im Parteivorstand(an Stelle des kranken Genossen Eberhardt), den Genossen Hermann Werner vorzuschlagen. > Folgende Resolution wurde angenommen:„Die Versammelten verurteilen aufs schärfste das Verhalten derjenigen Angestellten der ,.Vorwärts"-Druckerei, welche der sozialdemokratischen Partei angehören und verpflichtet waren, den Arbeitsverdienst des t. Mai an den Maifonds abzuführen, dies aber unterlassen haben. Ferner erwarten die Versammelten, daß die dort beschäftigten Genossen ihre Mitarbeiter durch geeignete Agitation dahin bringen, daß auch der letzte wie der gewerkschaftlichen so auch der poli- tischen Organisation angehört. Gerade in einem Betriebe wie der „Vorwärts"�Druckerei, deren Wirken nicht zuletzt dahin geht, ihren Lesern immer wieder den Wert der Organisation, in gewerk- schaftlicher wie in politischer Beziehung, vor Augen zu führen, sollte man annehmen, daß die dort Beschäftigten in erster Linie danach handeln." *• Dritter Wahlkreis. Die Generalversammlung fand im großen Saale des Gewerkschastshauses statt. Vor Eintritt in die TageS- ordnunq wurde das Andenken der verstorbenen Mitglieder in der üblichen Weise geehrt. Dem Vorschlage des Borsitzenden, zuerst über den Parteitag in Leipzig zu sprechen, stimmte die Versammlung zu. ES entspann sich zunächst eine kurze Diskussion über du Aende- tung des Organisationsstatuts der Partei. Zum§ 2 beantragte Genosse Ä e h r in a n n. daß man„Ortsgruppe" anstatt„Orts- verein(des Sozialdemokratischen Vereins) setzen sollte. Zur Be- gründung sührte er an. daß sich SchiviengkeiUn mit manchen Le- Hörden ergeben hätten, die unter„Ortsveremen" selbständige Gebilde annahmen und allerlei Scherereien machten. Die Versammlung er- klärte sich für die vorgeschlagene Aenderimg. � Den Änderungen, wie sie die Zentralvorstände von Groß-Berkin und Brandenburg empfohlen haben, wurde zugestimmt. Gegen den Passlis tm§ B, die freie Lieferung der„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder betreffend, erklärte sich auch eine Genossin. Der S 7 wurde dahin geändert, daß Absatz 2 heißen soll:.20 Pro,. der Mitglieder der Reichstagsfraktion". Im ß 12 soll Absatz 3 dahin aeändert werden, daß ein außerordentlicher Parteitag auf Antrag von mindestens 10(nicht IB) Vorständen der Bezirks- bezw. Landes- organisationen einberufen werden muß. Im K 23, den Ausschluß betreffend, sollen die Worte„in bewuvter Wesse" gestrichen weroen, da die Schädigung der Parteiinteressen in bewußter Weise sich kaum nachweisen läßt. �. Der§28 soll folgendermaßen lauten:„Der Antrag auf Wieder- aufnähme eine? aus der Partei Ausgeschlossenen ist an den Vorstand der Bezirls- resp. Landesorganisationen zu richten, ,n dem der Antragsteller wohnt, doch haben sich diese dann mit der Organisation in Verbindung zu setzen, bei der usw._,., Genosse Danziger wünscht, daß die zu wahlenden Delegierten in der M a i f e i e r f r a g e und in bezug aus die H o f g a n g e r e i der schwäbischen Genossen ihre Stellung präzisieren. Der Vorsitzeilde Genosse Pohl erklarte, daß d,e Delegierten über die Wünsche des Wahlvereins in der Maifeierfrage wohl keinerlei Zweifel haben dürften und demgemäß auch als Delegierte auf de», Parteitage Stellung nehmen würden. Das Verhalten der schwäbischen Hofgänger wurde von allen Rednern mehr oder minder scharf verurteilt....... Genosse W. MoebuS brachte die folgende Resolution em. die gegen eine Stimme angenommen wurde: „Die Generalversammlung des 3. Berliner Reichstagswahl- kreises erwartet vom Parteitag in Leipzig einen dahingehenden Beschluß, daß derartige Vorgänge wie sie sich unter württem- bergischen Landtagsabgeordneten abgespielt haben, für die Zukunft vermieden werden."......... �. Ein Genosse wünscht, daß die Delegierten dafür eintreten, baß der„Vorwärts" künftig nicht mehr so viel Raum zum Streit m,t den„Sozialistischen Monatsheften" verschwende. Andere Genossen traten diesen, Wunsche entgegen und hielten die Auseinandersetzungen für notwendig.� � P�teltag wurden gewählt die Genossen Alexander Fröhlich. Paul Jakob, Justin Braun und als Ersatzmann Gustav Müller. Als Delegierte zur Pro- vinzialkonferenz. deren Tagesordnung Genosse Gehrmann kurz be- leuchtet hatte, wurden gewählt die Genossen Gottfried Schulz. Karl Luickhardt, Gustav Müller und als Ersatzmann X 0 De 2 vorgeschlagenen 19 Delegierten zur VervandSgeneral- Versammlung wurden bestätigt.....,„ Genosse Pohl erstattete bann den Geschäftsbericht des Vor- standes vom Wahlverein. Er betonte die Notwendigkeit einer regeren Agitation. Die Genossen sollten die Versammlungen fleißiger� be- suchen und sich eiftiger als bisher an allen Veranstaltimgen beteiligen. Neun Versammlungen faiiden in dem verflossenen halben Jahr statt: 2 Kreislonferenzen, 12 Vorstandssitzungen, 72 000 Flugblätter ge- langten zur Verteilung. 1100 Märzzeitunaen""d 2700 Mmzeunngen wurde» umgesetzt. Am 30. Juni war der Mitgliederbestand 2030 (darunter 1L8 weibliche) Genossen. Abonnenten für den„Vorwärts wurden 3100. für die„Gleichheit" IIB gezählt. 6 Genossen und 2 Genossinnen gingen dem Verein durch den Tod verloren. Die Frage deS Maifeierlokals für den 3. KreiS wurde«och be- sonders lebhaft besprochen. Die VerbandS-Generalversammlung hatte beschlossen, daß der 3. Kreis im nächsten Jahre den Rixdorfer Genossen die„Neue Welt" zu überlassen habe. Die Funktionare haben sich dann wiederum mit der Frage beschnftlgt und waren in der Mehr- zahl nicht niit dieser Entscheidung zufrieden: sie machten den Vor- schlag, der 3. Kreis soll auch fernerhin in der„Neuen Welt die Maifeier abhalten, bis der abgeschlossene Kontralt abgelaufen ist(1013). Genosse K a w i e r legte der Generalversammlung eine Protestresolution vor, die nach kurzer Diskussion zur Annahme gelangte: sie wurde mit IM gegen U Stimmen angenommen und .lautet: „Die am 3. August im Gewerkschaftshause tagende General- Versammlung des 3. Berliner Reichstagswahlkreises erhebt Protest gegen den in der am 23. März 1009 tagenden Verbands- Generalversammlung von Groß-Berlin gefaßten Beschluß, laut welchem dem 3. Kreis das Recht abgesprochen wurde, in der„Neuen Welt" seine Maifeier abzuhalten. Die heutige Generalversammlung erklärt, sich diesem Beschluß nicht fügen zu können und erwartet, daß derselbe aufgehoben werde. Ferner erklärt die Generalversammlung, daß der erwähnte Beschluß in die Parteigeschäste der einzelnen Kreise eingreift, dies aber nach§ 14 des Verbandsstatuts nicht zulässig ist: Z 14, Absatz 1 spricht aus, daß jeder Kreis seine Parteigeschäste selb- ständig regelt." Genosse G e h r m a n n, der vor der Annahme dieser Resolution dringend gewarnt hatte, legte nach der Abstimmung sofort sein Amt als Mitglied des Zentralvorstandes nieder. Den Kassenbericht erstattete Genosse Albert H a r n d t. Die Ein- nahmen in dem ersten Halbjahr 1909 betrugen 9487,97 M.. die Aus- gaben 7979,80 M., bleibt somit ein Bestand von 1B08.17 M. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Zuletzt wurde noch ein Antrag angenommen, laut welchem den Genossen bei ihrem Ableben, wenn sie' ein halbes Jahr Mitglied des Vereins waren, eine Anzeige, und wenn fie zwei Jahre Mitglieder waren, auch ein Kranz gewidmet werden soll. ... Vierter Wahlkreis. Die nach Frehers Fesssälen, Koppenftr. 29, einberufene Generalversammlung war außerordentlich gut besucht. Der geräumige Saal und die Galerien waren dicht besetzt. Vor Eintritt in die Tagesordnung unterbreitet der Lorsitzende Genosse Paul Hoffmann der Versammlung einen Antrag der Kreis- konferenz, die Einführung von Urwahlen auf die Tagesordnung zu setzen. Melle begründet den Antrag. Hackelbusch und Barenthin, letzterer namens des MionsauSschusse«, bekämpften ihn vergebens. Die Versammlung stimmle dem Antrage der KreiSkonferenz zu. Barenthin referierte sodann über den Parteitag in Leipzig. Auf die letzten politischen Ereignisse, die die Arbeiterklasse schwer schädigende Wirtschaftskrise, die äußerst geringen Fort- schritte auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung hin- weisend, legte Redner dar, wie außerordentlich wichtig die Auf- gaben deS diesmaligen Parteitages seien. Die Gabelfrnhstückaffäre beim König von Württemberg und die Maifeier würden jedenfalls den Parteitag beschäftigen. Hinsichtlich der letzteren sei zu hoffen, daß der Parteitag keiner Abschwächung der Maifeier zustimmen werde. Für die Berliner Parteiorganisation von besonderer Be- deutung sei die Senderung deS Organisationsstatuts. Besonders wünschenswert sei die Beseitigung der Ungerechtigkeit, die darin be- teht, daß jeder Kreis, ob er 2000 oder 18 000 Mitglieder zahlt, >rei Delegierte zum Parteitag entsenden darf. An die beifällig aufgenommenen Ausführungen deS Referenten chloß sich eine kurze Diskussion. Darauf gelangen folgende Anträge zur Annahme: 1.„Der Beschlutz deS internationalen KongresieS von Paris im Jahre 1839 ist unter allen Umständen hochzuhalten. Zu diesen, Zwecke find mindestens vier Wochen vor dem 1. Mai öffentliche Volksversammlungen abzuhalten, um die Propaganda für die Arveitsruhe intensiv zu betreiben. 2. Entgegen den öffentlichen Bestrebungen in Gewerkschafts- kreisen, die Maifeier zu beseitigen resp. auf einen Sonntag zu verlegen, erklärt der Parteitag, daß nach wie vor die Arbeitsruhe die würdigste Form der Feier darstellt. Um nun dieser Feier die größtmöglichste Ausdehnung zu geben, wird der Parteitag beauf- tragt, noch einmal mit der Generalkommisfion in Verhandlungen zu treten zwecks Aufbringung der Gelder für die Opfer der Mai- feier." Ein weiterer Antrag an den Parteitag fordert, daß er die Ge- nosienschaftsstage behandeln soll. Der Entwurf deS Organisationsstatuts fand mit einigen Aende- rungen die Zustimmung der Versammlung, �m§ 5 soll die vorgesehene unentgeltliche Lieferung der„Gleichheit" an die weibliSen Mitglieder gestrichen werden. Desgleichen im ß S die Worte„der Anwesenden", die durch die Worte„der gewählten Delegierten" er- setzt werden sollen. Nach langer, lebhafter Diskussion wurde sodann im Prinzip die Einführung des Systems der Urwahlen beschlossen. Die beiden der Versammlung unterbreiteten Entwürfe eines Reglements hierfür wurden den Bezirken zur Beratung überwiesen. Infolge eines Be- fchluffes der Kreiskonferenz, die Vorschläge zu Parteitagswahlen auS den Bezirken entgeaenzilnehmen, anstatt wie bisher aus der General- Versammlung selbst, waren diesesmal die Vorschläge zu den De- legaiionen bedeutend zahlreicher. Zum Parteitag in Leipzig waren 33 Kandidaten aufgestellt, zur Provinzialkonferenz 25 Kandidaten. Die Feststellung des Wahlergebnisses war deshalb in der Versamm- lung nicht mehr möglich. Der nicht erledigte Rest der Tagesordnung wurde einer späteren Versammlung überwiesen. .* Fünfter Wahlkreis. Nach Eröffnung der Versammlung ge- dachte der Vorsitzende Friedländer der in letzter Zeit verstorbenen Mitglieder, besonders des Genossen Julius Bahr, der in schwerer Zeit Vertrauensmann des fünften Wahlkreise? war. Zur Tagesordnung übergehend gab Friedländer einen kurzen Ueberblick über die von der Provinzialkonferenz zu erledigenden Aufgaben. Als Delegierte zur Konserenz wurden Hauschede, Wegner und Schönburg geivählt. Die Stellungnahme zum Parteitag wurde durch ein Referat deS Genossen Zucht eingeleitet. Er sagte unter anderem, der Parteitag werde voraussichtlich die energische Haltung der Reichs- tagSfraktion bei de» Steucrdebatten billigen; denn die Fraktion habe ja getan, was sie nach Lage der Sache tun konnte. Vielleicht wäre es besser gewesen, unsere Genossen hätten in dritter Lesung für den Antrag Giesberts, betreffend Entschädigung der Tabakarbeiter, gestimmt, weil ja die Gegner, namentlich das Zentrum, unsere allerdings begründete Ablehnung des Antrages agitatorisch gegen uns aus- nützen.— Der Redner besprach den Entwurf des neuen Organi- sationsstatuts. Er billigte ihn in der Hauptsache, empfahl ober einige Aenderungen in einzelnen Punkten.— Hinsichtlich der Mai- [eier gab der Redner der Erwartung Ausdruck, daß der Parteitag iefelbe nicht abschwächen werde. Ohne ArbeitSruhe würde die Maifeier wertlos sein. Es müsse mehr für die Arbeitsruhe agitiert werden, dann würde sie auch eine größere Ausdehnung annehmen. — Während es bis vor kurzem schien, daß der Parteitag ruhig ver» laufen werde, habe sich doch in letzter Zeit Material zu Reibungen ergeben. Das sei die Teilnahme von sieben württembergischen Parteigenossen an dem Ausflug nach Friedrichshafen und dem Besuch des Königs von Württemberg. Bei der Besichtigung der Zeppelinschen Luftschiffbauanstalt hätten die Abgeordneten ja manches lernen können(Zwischenruf des Genoffen Friedländer: Besonders das Fliegen!), aber an dem Besuch des Königs hätten sie nicht teilnehmen sollen. Doch die württembergischen Genossen könnten sich ja auf das Beispiel der Berliner Genossen berufen, die als Stadlvcrordnete mitgingen nach London und auch zu dem König von England im Schlosse Windsor. Die württcmbergischen Ge- nossen hätten keine durchschlagenden Gründe für ihr Verhalten an- führen können. Robert Schmidt, der als erster Diskussionsredner sprach, begründete die Haltung der Fraktion zum Antrage Giesberts, denn dieser Antrag sei doch eine wesentliche Verschlechterung gewesen nicht nur unseres Antrages, der volle Entschädigung der brotlos werdenden Tabakarbeiter und Angestellten forderte, sondern auch des ursprünglichen Zentrumsantrages. Ucbrigens habe ja da? Zentrum mit den anderen Parteien auch gegen die von uns be- antragte Entschädigung der Arbeiter anderer Berufe gestimmt, die gleichfalls unter derSteuererhöhung zu leiden haben. Wenn dicFraktion einstimmig beschlossen habe, in zweiter Lesung für die Erbschaft«- jtener zu stimmen, so sei das deshalb geschehen, iveil wjz leine Bei» aulassung Habeis, eine Sieüdc abzulehnen, welche den Besitzende« auferlegt rvird. Dazu komme, daß ja die Erbschaftssteuer zu unscr.xn Programmforderungen gehöre. Schärfere Mittel habe die Fraktion bei den Steuerdebatten nicht anwenden können, denn die 1902 verschlechterte Geschäftsordnung mache die wirksame An- Wendung einer Obstruktion unmöglich. In der Agitation müsse immer darauf hingewiesen werden, daß unter der Herrschaft dcS allgemeinen Wahlrechts in letzter Linie die Wähler selber daran schuld seien, daß dem Volke so ungeheure Lasten aufgebürdet werden.— Hinsichtlich der Maiseier sagte der Redner, er hoffe, daß die Vereinbarungen, welche neuerdings zwischen dem Partei- vorstand und der Gcneralkommissioii getroffen würden, vom Parteitage angenommen werden. Diese Vereinbarungen� welche demnächst veröffentlicht werden würden, beruhten aus der Erkennt- nis, daß die Opfer der Maifeier von der Partei und den Geiverk- schaften gemeinsam und in gleichem Verhältnis getragen werden müssen.— Zu bedauern wäre es, wenn die letzten Vorgänge in Württemberg Anlaß zu erregten Debatten geben würden. Wir sollten uns daran gewöhnen, über Dummheiten, die der eine oder der andere von uns macht, hinwegzusehen. Es wäre besser, wenn wir solche Angelegenheiten unter vier Augen erledigen, als daß wir durch heftige Debatten unseren Gegnern Agitationsstoff liefern. Die weitere Debatte erstreckte sich hauptsächlich auf die Mai- feier, den Königsbesuch in Württemberg und die Frage, ob eine Obstruktion bei den Steuerdebatten am Platze gewesen wäre. En gel mann meinte, die Maifeier könnte und müßte ohne Unterstützung durchgeführt werden.— Karra bedauerte daö Ver- halten der sieben württembergischen Genossen und wünschte, daß so etwas nicht wieder vorkomme.— K a u sch k e vertrat die An- ficht, die Fraktion hätte doch versuchen müssen, im Reichstage Obstruktion zu machen, auch hätte ein Massenstreik von mehreren Tagen ins Werk gesetzt werden können. Wenn wir nicht alle Mittel versuchen, würden wir nicht vorwärts kommen.— Thiele begründete einen Antrag, welcher fordert, daß der„Vorwärts" täglich zweimal erscheinen soll.— Huhnfleisch hält eine Regelung der Unterstützung für die Opfer der Maifeier für notwendig, er begrüßt es, daß der Parteivorstand mit der Generalkommission in dieser Hin- ficht Vereinbarungen getroffen haben. Den Besuch von Partei- genossen beim König von Württemberg mißbilligt der Redner.— Z i p p e l billigte die Haltung der Fraltion bei den Steuerdebatten. Er hält die ArbeitSruhe am 1. Mai auch ohne Unterstützung für durchführbar und trat schließlich dafür ein, daß gegenüber solchen Handlungen wie die der sieben württembergischen Genossen sowie überhaupt hinsichtlich der MeinungSdiffercnzen innerhalb der !Zartei Duldsamkeit geübt werde. Man sehe doch, daß mit Reso- utionen gegen die revisionistische Richtung nichts zu machen sei, man solle sie deshalb nicht provozieren. Wels bemerkte zu diesen Ausführungen: Die Revisionisten seien cS ja, welche durch ihre Handlungen die radikalen Genossen provozieren. So handle es sich auch bei dem neuesten württem. berger Fall nicht, wie Robert Schmidt meine, um eine unüberlegte Dummheit, soiidern, wie Hildenbrand gesagt habe, seien ja die sieben Genossen zum König gegangen in dem Bewußtsein, daß ihr Verhalten Unwillen in der Partei hervorrufen würde, und trotz- dem seien sie hingegangen. Die Revisionisten sollten doch der Stimmung der Genossen Rechnung tragen und nicht fortgesetzt die Partei vor vollendete Tatsachen stellen, von denen sie wissen, daß unliebsame Debatten in der Partei die unausbleibliche Folge sind. — Daß die Reichstagsfraktion für die Erbschaftssteuer stimmte, sei zu billigen. Auch in der dritten Lesung hätten wir dafür stimmen müssen, denn eine cntwickelungSfähige Steuer des Be- sitzcs müßten wir bewilligen. Bei den Steuerdebatten aber hätte die Fraktion versuchen müssen, Obstruktion zu machen. Wenn der Versuch auch nicht gelungen wäre, so hätte doch daS Auftreten unserer Genossen im Sieichstage Eindruck im Lande gemacht. Da- durch würde schon während der Parlamentsverhandlungen die Er- bitterung über die neue Steuerbelastung in den Massen entfacht worden sein, die jetzt erst langsam die Massen sowohl in Arbeiter- wie in bürgerlichen Kreisen zu erfassen scheine. Hieraus wurde die Diskussion geschlossen und zum Statut folgende Anträge angenommen: Im ß 2 soll statt„OrtLverein" gesagt werden„Ortsgruppe".— Im§ b soll der Satz gestrichen werden, welcher sagt, daß den weiblichen Mitgliedern die„Gleich- heit" unentgeltlich zu liefern ist.— Im 12 soll gesagt werden. daß nicht 15, sondern 8 Vorstände der Bezirks- oder LandeSorgani- sationen die Einberufung eines außerordentlichen Parteitages ver- anlassen können.— Im§ 23 soll es heißen:„Auch kann der AuS- schlnß eines Mitgliedes erfolgen, wenn eS die Partciinteressen schädigt."(Die Worte„wiederholt" und„bewußt" sollen auS der Vorlage gestrichen Werdern)— Der Antrag auf Ausschluß aus der Partei soll nur von Wahlkreis-. Bezirks- oder LandcS-, nicht aber(wie in der Vorlage) von Ortsorganisationen gestellt werden können.—§ 28 soll dahin geändert werden, daß ein Antrag auf Wiederaufnahme eines Ausgeschlossenen an die Bezirks- oder Landesorganisation zu richten ist, in der der Betreffende wohnt, und daß sich diese Organisation dann in Verbindung zu setzen hat mit der Organisation, welche den Ausschluß beantragt hatte.— Der Antrag, das täglich zweimalige Erscheinen dcS„Vorwärts" zu ver- anlassen, wurde ebenfalls angenommen. Als Delegierte zum Parteitag wurden die Genoffen Hanisch, Gregor Wolf und Timm gewählt. Sechster Wahlkreis. Die Generalversammlung, die in den Germaniasälen abgehalten wurde, füllte den großen Saal bis auf den letzten Platz. Auch die Genossinnen waren zahlreich erschienen. Der erste Punkt der Tagesordnung, die Wahl der Dele- gierten zur Verbandsgeneralversammlung, war schnell erledigt, da die gedruckt vorliegende Vorschlagsliste der 13 Ab- teilungen mit ihren 189 Kandidaten ohne Debatte einstimmig gut- geheißen wurde. Zur Provinzialkonferenz lagen Anträge nicht vor. so daß sich auch über diesen Punkt keine Diskussion cnt- spann. Als Delegierte zur Konferenz wurden entsprechend de» Vor- schlügen der Kreiskonferenz die Genossen Rosenow, Obst und Werth gewählt.— Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung: D e r Parteitag in Leipzig, beschäftigte die Versammlung sich ausführlich mit dem Entwurf zur Aenderung des OrganisationSstatutö der Partei. Der Referent zu dieser Angelegenheit, Genosse Ernst, wies einleitend darauf hin, daß nicht das Statut, der Buchstabe es ist, was die Kraft der Partei ausmacht, sondern der Geist und die Tüchtigkeit der Parteigenossen, daß eS aber doch von großer Be« deutung und notwendig ist, daß die Partei sich feste Formen gibt. Der Redner begründete sodann den vorliegenden Entwurf mit den dazu von den Vorständen Groß-BerlinS und der Provinz Branden- bürg gestellten AbänderungSanträgen.— Es folgte eine rege Dis- kusflon. Zu der von den Vorständen beantragten Streichung dcS Satze? im§ 5:„Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern", begründete Genosse L i e b n i z einen Gegenantrag des 000. Bezirks, den Satz stehen zu lassen und den § B unverändert anzunehmen. Hiergegen wandte sich unter anderen, auch die Genossin M a t s ch k e. Wenn man bei dem niedrigen Beitrag den Frauen noch die„Gleichheit" gratis liefern wolle. bleibe kam» etwas für die Agitation übrig. Die Genossinnen wollten aber auch selbst ihr Teil zu den Unkosten der Agitation unter den Frauen beitragen.— Vom 715. Bezirk lagen zwei Anträge bor; der eine zu 8 7 Absatz 2 wünschte, daß die RcichStagSfraltion auf den Parteitagen durch eine Delegation vertreten werden sollte, und zwar so, daß auf je zehn Abgeordnete ein Vertreter käme; der andere Antrag hatte zum Zweck, den Absatz 3 des§ 12 so zu fassen:„auf Antrag von fünf- zehn Wahl kreis vorständen usw." Genosse Strunz ver- trat diese Anträge, die dann ebenfalls in die Diskussion einbezogen wurden. Im übrigen sprachen sich im Zusammenhang mit den ve- stimmungen des Entwurfs über das Ausschußverfahren besonders die Genössen L i e b n i tz, Gutmann und Ernst auf« schärfste gegen die Hofgängerei in Württemberg und andere revisionistische Seitensprünge aus.— Bei der Abstimmung wurde dann ein Antrag zu§ W angenommen, wonach der zweite Passus des erste» Absatzes faulen loll:„Auch kann der Ausschluß eines Mitgliedes erfolgen, wenn es wiederholt die Parteiintercssen schädigt/ so daß also die Worte„in bewußter Weise" fortsallen sollen. Zum Absatz 3 desselben Paragraphen wurde die Aenderung gutgeheißen, daß bei den in Klammern stehenden Worten„Orts-, Wahlkreis-, Bezirks- oder Landesorganisation" das Wort„Orts-" gestrichen wird, wie es die Borstände von Groß-Verlin und der Provinz beantragt hatten, damit nicht einer zu kleinen Gruppe von Mit- gliedern das Antragsrecht auf Ausschluß eines Mitgliedes zugestanden wird. Ebenfalls gutgeheißen wurde der Abändenmgsantrag der Vorstände zu z 28 des Entwurfs, wonach dieser lauten soll:„Der Antrag auf Wiederaufnahme eines aus der Partei Aus- geschlossenen ist an den Vorstand der Bezirks- resp. Landes- organisationen zu richten, in dem der Antragsteller wohnt, doch haben sich diese dann mit der Organisation in Verbindung zu setzen bei der usw." Außerdem fand auch der Antrag auf Streichung des Satzes in§ 5 über die unentgeltliche Lieferung der„Gleichheit� sowie ein Antrag zu 8 12, wonach auf Antrag von mindestens 10— statt 15— Bezirks- bczw. Landesorganisationen ein außerordent- licher Parteitag einzuberufen ist, die Zustimmung der Ver< sammlung. Der zum selben Passus gestellte Abänderungsantrag des 715. Bezirks wurde zurückgezogen. Der andere Antrag dieses Be- zirks, über die Delegation der ReichStagSsraktion wurde abgelehnt.— Die Versamnilung erklärte sich schließlich nach den gutgeheißenen Abänderungen gegen eine Stimme mit dem Entwurf einverstanden. Auf eine weitere Diskussion über die Tagesordnung des Parteitags Wurde verzichtet. Zur Wahl der Delegierten zum Parteitag machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß die Genossinnen diesmal noch nach dem alten Modus ihre Delegierten für sich wählen. Als weibliche Delegierte des Kreises ist die Genossin Lungwitz in Vorschlag gebracht, womit sich die Versammlung einverstanden er- klärte. Ferner wurden, entsprechend den Vorschlägen der Kreis- konferenz, als Delegierte die Genossen Henschel, Persch und Joseph gewählt und zwar einstimmig. Hierauf gab Genosse Henschel den Kreisbericht über das verflossene Halbjahr. Er gab zunächst eine Uebersicht über die AgiiationstStigkeit, die verschiedenen Versammlungen und sonstigen Veranstaltungen des WahlvereinS und seiner Organe. Es hat im allgemeinen ein recht reges Leben geherrscht. Auch die Angliederung der Frauen an die Organisation wurde im letzten Halbjahre zum Abschluß gebracht, und für jede Abteilung ist ein Leseabend eingerichtet, dem eine Genossin vorsteht.— Der Agitation für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen ist bekanntlich schon durch Verbreitung des Flugblattes zur Einsichtnahme in die Wähler listen vorgearbeitet worden. Für den 6. Kreis kommen in der 3. Abteilung die Bezirke 47, 43, SS, 37 und 31 sowie der Bezirk 42, der von einem Freisinnigen vertreten wird, in Betracht. Die Mit- gliederzahl des Wahlvereins betrug am Halbjahresschluß 24 791. nüm- lich 21 980 männliche und 2811 weibliche Mitglieder. Am Jahresschluß 1903 hatte der Verein 25 041 Mitglieder. Der Redner fordert zu eifrigster Tätigkeit für die Organisation auf, um den Rückgang wieder wettzumachen und die Organisation weiter zu stärken. Zum Ausschluß empfohlen wurden der Generalversammlung 10 Mitglieder, von denen nur eines, der Auktionator Paul Fiedler, gegen die Einleitung des Verfahrens protestiert hat. Die Abrechnung, die der Kassierer H. Müller verlaß, schließt in den Einnahmen mit der Summe von 55 107,29 M. ab. Die Ans gaben, darunter an die Verbandskasse 34 501,33 M., beliefen sich auf 53 409,80 M.. so daß als Bestand 1097,49 M. übrig blieben.— Genosse Beuthien beantragt im Namen der Revisoren Dccharge- erteilung für den Kassierer. An den Kreisbericht schloß sich eine rege Debatte, die sich nament- lich oder fast ausschließlich auf die Haltung der Rcichbtagsfraktion bei den Verhandlungen über die Rcichsreform bezog. Unter anderem äußern die Genossen Fritz Müller und ilt o s e n f e l d t, daß die Fraktion in dieser Angelegenheit etwas mehr und schärfere Oppo- sitton hätte treiben müssen. Genosse Ledebour hob demgegenüber hervor, daß in der sozialdemokratischen Fraktion von Anfang an die Meinung zum Durchbruch gekommen ist, dieser Finanzreform die schärfste Opposition entgegen zu stellen, und legte dann ausführlich dar, wie seinerzeit— was jetzt bekannt geworden ist: auf Anstiften des Fürsten Bülow— im Jahre 1902 durch die konservativ-klerikal- liberale Mehrheit jene bekannte Revision der Geschäftsordnung des Reichstages durchgepeitscht wurde, die eS nun auch wieder einer kleinen Minderheit wie der sozialdemokratischen Fraktion gänzlich unmöglich machte, eine irgendwie wirksanie Ob- struktion zu betreiben. Ferner trat der Redner der Meinung ent- gegen, daß die Fraktion geneigt gewesen wäre, bei einer dritten Lesung für die Erbschaftssteuervorlage zu stimmen, sowie der Ansicht, daß der Revisionismus in der Fraktion vorherrschend sei. Wohl sei der Revisionismus in der Fraktion stärker vertreten al» in der Masse der Parteigenossen, aber die Mehrheit habe er doch keines- Wegs. Es müsse aber fortdauernd von den Parteigenossen im ganzen Reiche dafür gesorgt werden, daß nur Genossen in den Reichstag ge« schickt werden, die ganz zuverlässig sind.— Nach Abschluß dieser Debatte wurde dem Kassierer einstimmig Decharge erteilt. Mit einem Beschluß der Kreiskonferenz, als Beisitzer für den Partei- v o r st and den Genossen F a h r o w in Vorschlag zu bringen, er- klärte sich die Versammlung einverstanden. Obwohl die Uhr bereits Uhr. wurde ein Antrag auf Vertagung der Versammlung abgelehnt, um noch �über den Ausschlußantrag gegen den Genoffen Paul Fiedler zu beraten. Genosse Richter führte hierzu aus, daß, nachdem die vorletzte, außerordentliche Generalversammlung das Ausschlußverfahren gegen Fiedler abgelehnt hatte, von neuem beim Borstand Ausschlußanträge wegen ehrloser Handlung und Schädigung von Parteiinteressen gegen ihn einliefen. Fiedler ist dann geladen worden, brachte aber als seine Zeugen politisch unorganisierte Per- sonen mit. die der Vorstand, einem geltenden Beschluß gemäß, nicht bei den Verhandlungen zulassen konnte. Der Vorstand war bereit. sie einzeln hereinzurufen und zu vernehmen, aber damit war Fiedler nicht einverstanden und verließ das Lokal. Nun war der Vorstand genötigt, sich mit der Vernehmung der antrag- stellenden Genossen ui begnügen, und kam nach dem vorliegenden Beweismaterial zu wer Ueberzeugung. daß der Antrag auf ein Schiedsgerichtsverfahren zum Ausschluß berechtigt sei. Fiedler suchte sich der Generalversammlung zu rechtfertigen, erging sich aber meist in Angriffen gegen die Leitung der Frei- religiösen Gemeinde und gegen den Genossen Adolf Hoffmann.~ Der Ausschlußantrag wurde gegen eine Stimme von der Ver- sammlung gutgeheißen. r m r�r.„ Sodann wurde auf Vorschlag der 4. Abteilung folgende Re- solution angenommen: Die Generalversammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem unsolidarischen Verhalten einer Reihe im„Vorwärts" beschäftigter Parteigenoffen, spricht ihre schärfste Mißbilligung über derenHandlungs- weise aus und erwartet, daß sie sich, wie jeder andere Paeteigcnosse, den Beschlüssen deS Parteitages fügen werden. Ferner erhebt die Generalversammlung energischen Protest dagegen, daß in der Partei- druckerei sich eine Reihe nicht politisch organisierter Arbeiter befinden. Sie erwartet, daß diese sich ihrer Pflicht bewußt und der sozialdemo- kratischen Partei anschließen werden. Außerdem erwartet die Ver- sammlung. daß der ArbeiterauSschuß seine Anschauungen über Arbeitcrinstitutionen revidiert und für die Zukunft nicht mehr Elemente in Schutz nimmt, die der Auffaffung sind, daß die Partei- geschäfte nur für sie selber geschaffen seien,»im Vorteile aus denselben zu ziehen. Die Versammlung ersucht deshalb alle Parteigenossen, die m ihren Bezirken wohnhaften, im„Vorwärts" beschäftigten Partei- genossen aufzufordern, sich den Parteitagsbeschlüssen zu fügen." PoleMche Einwanderer- Heloten der amerllianllchen Leiellschatt. Unser Newyorker Mitarbeiter schreibt unS: Die Nachrichten vom sozialen Kriegsschauplatz in PittSburg Lad oeeignet. das.Eotschen m Pm MModen der KrbeiteraM beulung in der amerikanischen Stahlindustrie jio'ch zfl beestefen. „Zweifellos werden die 8-100 in Mc. Kees Nock beschäftigten Stahl- arbeiter unmenschlich behandelt und förmlich ausgeplündert. Außerdem wird mit ihrem Leben in unverantwortlicher Weise gespielt. Alle ihre Beschwerden sind vollkommen gerechtfertigt. So erklärt sogar der österreichische Konsul in Pittsbur�, der drei seiner Leute zur Untersuchung der Arbeiterbeschwerden ins Streik- lager entsandt hat und das Ergebnis der Untersuchung auch dem Staatssekretär Knox und dem Präsidenten Taft offiziell unter- breiten wird. Das kapitalistische Spiel mit dem Arbeiterleben, das in den Vereinigten Staaten viel mehr Opfer verschlingt als selbst in Deutschland— zwei Millionen Getötete und Verkrüppelte im Jahre I— scheint in Mc. Kees Rock mit einer Frivolität ge- trieben worden zu sein, die selbst für amerikanische Zustände un-- gewöhnlich ist. Nach dem Bericht des dieser Tage aus dem Amte geschiedenen städtischen Leichenbeschaucrs zu Pittsburg haben die Preßstahl-Waggonwerke Mc. Kees Rock noch vor wenigen Jahren im Durchschnitt täglich einem Mann das Leben gekostet. Einmal mußte der Leichenbeschauer sechs bis sieben Beamte der Fabrik in Arrest stecken, um die Schuldfrage aufklaren zu können. Seit- dem ist die Sterblichkeitsrate der Stahlsklaven, in diesem Be- triebe um 35 Prozent heruntergedrückt worden. Daß diese Werk- itättcn aber noch immer„Menschenopfer unerhört" heischen, lehrt der Ausdruck, mit dem— nach einem Pittsburger Abendblatt der Volksmund die Fabrik belegt„Slaughter house"(Schlachthaus) k Dieses Massensterben der Stahlarbeiter— vor den Fabriktoren warteten die Arbeitsuchenden nur darauf, daß wieder ein Mann tot oder verstümmelt hinausgetragen wurde und dadurch ein Platz frei wurde! ist ebensowohl eine natürliche Folge der kapi- talistischen Verachtung des Arbeiterlebens, wie andererseits der babylonischen Sprachenverwirrung in diesen Betrieben. Eine andere volkstümliche Bezeichnung der Waggonwerke war:„tke Isst chance"(die letzte Oelung)! Die raffinierte Lohnpolitik der Preßstahlkapitalisten ließ ihre Opfer nämlich nicht mehr los, es sei denn, daß der Tod sie aus dem Arbeits- und Schuldverhältnis zu der Firma befreite. Nach den von den Streikenden veröffent- lichten Lohnlisten erhielt keiner mehr als 17 Cent Lohn die Stunde. Um existieren zu können, mußten die Arbeiter ihren Bedarf im Laden" der„Compagnie" auf Kredit entnehmen. In diesem Laden mußten die Arbeiter und Arbeiterfrauen teuerer bezahlen als auf irgendeinem anderen Platze Amerikas, so daß am Lohntage für die Arbeiterfamilie nur einige Cent übrig blieben oder die Gesellschaft schließlich sogar noch eine Forderung an den Arbeiter hatte! Dabei kam ein besonders mörderisches Akkordsystem zur Anwendung. Tie Arbeiter waren nach dem Grade ihrer„Tüchtig- keit" in drei Gruppen gesondert, deren jede ein Drittel der ge- samten erarbeiteten Lohnsumme unter sich verteilte. Natürlich wurde der Akkordsatz immer nach Maßgabe der Arbeitsmenge, die von der Gruppe der paar„tüchtigsten", das heißt, am tollsten schuftenden Arbeitern geliefert wurde, festgesetzt. Bei diesem spitzbübisch raffinierten System wußten die Arbeiter selbst bei der siindhaftesten Abrackerung nicht einmal, WaS am Ende für sie her- ausspringcn würde. Und dann hatte die Geschichte noch den Zweck, die Arbeiter untereinander zu verhetzen. Dazu kamen noch die„Einlagen" der neueingestellten Arbeiter, wovon die feine Firma die Vorarbeiter und Meister bezahlte, und die wieder dazu führten, die Opfer möglichst häufig zu wechseln, damit wieder neue„Einlagen" erpreßt werden konnten! Zu der Brutalität und Tücke des geschilderten Akkordsystems, zu der Bewucherung der Arbeiter im Fabrikladen, die nur eine andere Form des Truck- systcms war, gesellte sich der schmierigste WohnungSwucher. Die Gesellschaft berechnete den Arbeitern für„Wohnungen", die nach bürgerlichen Schilderungen unbeschreibliche ElendShölen sind, IL Dollar den Monat! Die Verruchthett dieser kapitalistischen Arbeiter,, wohlfahrts"pflege zeigte sich gleich bei Beginn des Streiks in voller Größe. Den Streikenden wurde der Warenkredit ent. zogen, und die gleichzeitige Exmittierung tausender Arbeiter- tamilien wurde nur dadurch verhindert, daß die Streikenden drohten, bei dem ersten Versuch dieser Art den Ort an allen vier Ecken in Brand zu stecken. Man muß hierbei bedenken, daß diese kapitalistische Herrschaft über Nahrung und Wohnung der Arbeiter. schaft unbeschränkt ist: in einem Umkreise von vielen Meilen hat die Firma alle Wohngelegenheit monopolisiert, alles Bauland auf- gekauft; keiner, der dem Wohnungswucher der Stahlkompagnie Abbruch tun könnte oder dem„Kompagnie"°Laden Konkurrenz machen wollte, darf hoffen, Bauland zu bekommen. Trotz alledem machte die empörte menschliche Natur sich schließlich doch LuftI Der Direktor der Werke heißt Hoffstädt, er entstammt also, seinem Namen nach, dem Vaterlande der Treue. Folglich verläßt er sich auf seine Konstabler, eine von den Kapitalisten im Namen der von ihnen gekauften Staatsmacht gebildete bewaffnete Bande. Auf die sansationellen Enthüllungen über die verbrecherische Wirt- schaft seiner„Kompagnie" will er sich nicht äußern, wohl aber be- stimmte er den Tag, an dem die Streikenden zur Arbeit zurück- zukehren hätten. Damit hat er sich zwar in die langen Finger geschnitten; es kamen nur ein paar hundert Handwerker, die nur gezwungcnerweise gefeiert hatten. Dagegen war sein Herren- wort dem Staatsgouverneur Grund genug, am Ohioufer eine die Waggonlverke beherrschende Stellung für die Artillerie abmessen zu lassen und gegenüber für Lagerplätze auch einiger Infanterie- und Kavallerieregimenter zu sorgen. Sie rufen den Geist von Home- stead I Es sind niedergetretene europäische Einwandercrmassen, aus deren Blut und Tranen die amerikanischen Kapitalsbanditen ihre Ricsenprofite schinden und in alle Ewigkeit weiter schinden möchten. Der europäische Kapitalist ist in der Industrie schließlich nur auf die Aneignung deS Mehrwerts beschränkt, sein amerikanischer Vetter kann sich aber noch die Hilflosigkeit der land- und sprach- fremden Arbeiter zunutze machen, und das Pittsburger Beispiel zeigt, mit welcher vollendeten Bestialität das besorgt wird. In ihrem Verzweiflungsausbruch haben die armen Opfer fast alles gegen sich, teilweise sogar die englischsprechenden organisierten Arbeiter, deren zünftige Borniertheit d:e Fremden nur als Kon- kurrenten auf dem Arbeitsmarkt verwünscht. Traten doch in Shndora(Pennsylvanicn), wo 3000 Arbeiter der Standard Steel Car Comp, in diesen Tagen ebenfalls streikten, die„echtamerika- nischen" Arbeiter sogar als Streikbrecher auf, ohne freilich den Sieg der Streikenoen verhindern zu können. Die sozialistische Presse beider Zungen steht aber einmütig dem geschundenen und kämpfenden fremden Arbeitervolk zur Seite, diesen Heloten der amerikanischen Gesellschaft, wie der„New Uork Call" die prole- tarischen Einwanderer nennt. Es wird ein Ruhmesblatt tu der Geschichte des amerikanischen Sozialismus sein, daß diese unter die Lasttiere degradierten Menschen, als sich die Menschennatur in ihnen gegen weitere Degradation zu Wehr setzte, Hilfe suchten bei der sozialistischen Parteiorganisation in PittSburgl » Von der Entsetzlichkeit der Zustände gibt ein ergreifendes Bild die Schilderung eines katholischen Geistlichen. Es heißt darin: Die Fabrik ist ein Schlachthaus. Die Männer werden gehetzt, be- raubt und hingcmordet und deren weibliche Angehörige mißbraucht in einer Weise schlimmer als der Tod. Und das alles ließen sie über sich ergehen, um ihre Arbeitsplätze zu behalten bei Löhnen, welche kaum den Hunger von der Türe halten. ES ist ein Platz der Infamie, wo Männer unter den Sklaven degradiert und gezwungen werden, ihre Weiber und Töchter den niederträchtigen Vorleutcn und anderen Angestellten preiszugeben. Vor einigen Jahren hatte ich die Erlaubnis, die Werke nach Belieben zu besuchen; ich sah Untaten, die eine Schande sind für ein zivilisiertes Land. Einem Menschen wird weniger Rücksicht geschenkt als einem Hund; um- gekommene Arbeiter werden einfach aus dem Weg geschoben. Die Beraubung durch die Vorleute, welche von den Arbeitern„ge- schmiert" werden müssen, damit diese ihre Plätze behalten, hat meines Wissens nirgends ihresgleichen. Täglich fast wurden Ar- bester getötet. Deren Leichen verschwanden, und als ich darüber Information verlangte, wurde mir der Zutritt zu den Werken untersagt. Ich stellte Untersuchungen an und fand, daß über die tödlichen Unglücksfälle nikLiüls legitiM Meldung an dix Behörde gewacht tvstrdch und Ich erhielt die Ueberzeugung, daß viele Ge- töteten nicht außerhalb der Anlagen bestattet worden sind. Ich weiß von mehreren Fällen, in denen Kameraden der getöteten Arbeiter diese nach Hause bringen wollten, doch schob der betreffende Vor- mann die Leiche einfach aus dem Weg und befahl den Arbeitern. bei der Arbeit zu bleiben. Diese Schilderungen geben ein ganz anderes Bild von den Arbeitsverhältnissen in Amerika, als die Darstellungen Gompers in der VrrsgMilung am Sonnabend im Gewxrlschastshaus. Huo der Partei. Fortschritte der Parteiorganisation. Trotz der Krise hat die sozialdemokratische Partei- organisation Deutschlands im abgelaufenen Geschäftsjahre einen Mitgliederzu wachs zu verzeichnen. In dem Bericht, den der Parteivorstand dem Leipziger Parteitag vor- legen wird und der nächste Woche erscheint, kann erfreulicher- weise festgestellt werden, daß die Zahl der politisch organi- sterten Genossen sich vom 1. Juli 1908 bis znifl 30. Juni 1909 von 557 878 ans 571050 und die der Genossinnen von 29458 ans 62259 vermehrt hat I Die Gesamtmitglicderzahl beträgt 633 309. Das ist eine Zunahme von 45 973 Mitgliedern— 7,8 Proz. Eine umfassende Flugblattagitation der sozialdemokratischen Partei klärt zurzeit die Massen über die Wirkung der Reichsfinanzreform und die Haltung der bürgerlichen Parteien bei der Beratung der neuen 500 Millionen-Steuergesetze auf. Die Flugblätter sind zum Teil in den Agitationsbezirken geschrieben und den besonderen lokalen Verhältnissen angepaßt, zum Teil vom Parteivorstand herausgegeben. Sofort nach Erledigung der Reichsfinanzreform wurde vom Parteivorstand daS Flugblatt: „Michel, wach' auf!" herausgegeben, dem die Flugschriften: „An das werktätige Volk in Stadt und La ird" und „Worte und Taten des Zentrums" sowie das Flugblatt: „Retchsfinanzreform, Soldatenlöhnung und B e- amtenbes oldung" folgten. Die Flugblätter finden überall gute Aufnahme._ Zum Parteitag. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins Nürnberg nahm mit Beifall von den Ausführungen des Partei- sekretärs Ries Kenntnis: Der Leipziger Parteitag möge sich mit der Finanzreform befassen und die zu erwartenden zwecklosen Dis- kussionen über die„Sozialistischen Monatshefte" und über die Königsaffäre der württembergischen Landtagsabgeordneten unter allen Umständen vermeiden. Der diesjährige Parteitag müsse an- gesichts der gegenwärtigen politischen Situation im Reiche dazu an- getan sein, die Agitation und Aufklärungsarbeit unter den Masten kräftig zu fördern. OedeS Gezänk einzelner Personen könne gerade jetzt der Gesamtpartei ungemein schaden. Neben einem Antrag, die Finanzreform auf die Tagesordnung zu setzen, wurde noch ein zweiter Antrag angenommen, der den Wunsch ausspricht, der Parteitag möge die Arbeit des Arbeiter- AbstinentenbundeS unterstützen. ... In Frankfurt a. M. beschäftigten sich die Parteigenoffen in sech» Versammlungen mit dem Parteitag in Leipzig. In einer Resolution wurde angeregt, in Anbetracht der politischen Lage den Kamps umS Wahlrecht in Preußen auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen._ AuS den Organisationen. In einer Parteiversammlung deS snchstschen Kreises Dresden wurde der Antrag der Vorstände der drei Dresdener Wahlkreise angenommen, wonach den Parteigenossen, die dem Beschluß des Nürnberaer Parteitages bezüglich der Ablieferung des Verdienstes vom 1. Mai nicht nachgekommen sind, Ehrenämter bis auf weiteres aberkannt werden. Den Parteigenossen, die das Geld entgegen den örtlichen Beschlüssen an die GcwcrkschaftSkasse abgeliesert hatten, wurde ein Tadelsvotum erteilt. Die Generalversammlung deS sozialdemokratische» Vereins für den 12. sächsischen Reichstagswahlkreis(Leipzig-Stadt) fand am 27. Juli statt. Der Verein hat sich trotz der Krise weiter entwickelt. Die Mitgliederzahl ist von 3375 im Vorjahr auf 3401 in diesem Jahre gestiegen. Die Bibliothek hatte nicht die Unterstützung und Beachtung gefunden, die sie verdiente. Entliehen wurden von 094 Lesern insgesamt 5591 Bände. Kosten hat die Bibliothek dem Ver- ein im vergangenen Jahre 2744 M. verursacht. Außerdem sind noch 081 M. vom Bildungsinstitut dafür verwendet worden. Der besonders für Kinder eingerichtete Biblivthekstag am Mittwoch und die Benutzung der Jugendliteratur entspricht noch nicht den Erwartungen des Vorstandes. Die EntWickelung des Bibliotheks- Wesens des 12. und 13. RcichStagswahlkreises steht im Vergleich zu anderen Bibliotheken trotzdem einzig da. Die Zahl der ausge- gebencn Bücher hat im ersten Onartal 1907: 17 411, 1908: 40 333 und 1900: 49 859 betragen. Die Unterrichtskurse Wurden von einem Teil der Teilnehmer nicht so regelmäßig besucht, wie es sein sollte. Der Zweck dieser mit großen Geldkostcn verknüpften Einrichtung wurde somit nicht voll erreicht. Eine strengere Prü- fung der zur Teilnahme an den Unterrichtskursen vorzuschlagenden Genossen soll vorgenommen werden. Zur Verschönerung der Feste ist vom Bildungsinstitut ein Spielleitcrkursus eingeführt worden. Trotz der wirtschaftlichen Krise ist auch der Abonnentenstani» der Parteipresse der gleiche geblieben wie im Vorjahre. Zum Bau- fonds deS VolkshauSsaalbaues ist vom Vorstand eine Summe von 1000 M. bewilligt worden. Bei der Stadtverordnetcnwahl im No- vcmber ist unsere Stimmenzahl wohl gestiegen, doch sind 4 Mandate in 2 Kreisen verloren worden. Genosse Kurze gab hierauf den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahr 18 104,75 M., darunter Mitgliedcrbei- träge 12 927,70 M.. die Ausgaben 13 280,74 M., darunter an den Parteivorstand 2000 M., an das Agitationskomitee 1900 M., für Zettungen.„Gleichheit".„Neue Zeit" 1430,94 M.. Bibliothek 787,05 In der Diskussion bemerkte Genosse Marquard: Er wünsche, daß ein Raum geschaffen werde ohne Trinkzwang, wo man mehr Geselligkeit finde, mehr mit LeidenSaenossen zusammenkommen, sich aussprechen und kennen lernen könne. Das Lesezimmer genüge nicht. Es müsse ein wirkliches Arbeiter. heim geschaffen werden. Das Renommee des Vereins wurde da- durch bedeutend gefördert werden. Genosse Thal he im wünschte Auskunft über die eingegangenen Maifondsgelder. Genosse Li« pi n S k t chemerkte, die Maifeierfrage sei noch nicht abgeschlossen, über die Gelder des MaifondS werde in der nächsten Parteiversammlung Bericht erstattet. Als Delegierte zum Parteitag wurden die Genossen Buhl mit 198, K I e c m a n n mit 198 und L i p i n S k i mit 209 Stimmen gewählt. Der sozialdemokratische Wahlverein für den Reichstagswahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück hielt am Sonntag tu Bielefeld ftiue Generalversammlung ab. Aus 13 Orten waren 209 Delc- ßtezts 8y.ttttj.PMvs ölUCSft'M« BWM Mite Kitt 20. Juni NcfeS Jahres 4655 Mitglieder, datukier 238 weibliche, gegen 4192 Mminllche Mitglieder am 30. Juni 1908, 3931 am 30. Juni 1907 und 2817 am 30. Juni 1906. Also trotz der Krise, die auch hier un Vorzähle scharf einsetzte, ein guter Fortschritt. Der Verein hatte an Einnahmen zu verzeichnen vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni �-11 667,60 M„ im Jahre 1907/08: 12 534.24 M. und im Jahre �66/07: 14 856,24 M. Die Ausgaben beliefen sich im Jahre �8/09 auf 13 805,52 M., im Jahre 1907/08 auf 12 338,68 M. und 1906/07 auf 9170,24 M. Der Kassenbestand betrug am 30. Juni dieses Jahres 6001,17 M. An den P a r te i v o rsta n d wurden an Pflichtbeiträgen abgeführt 1906/07: 1500,88 M., 1907/08: 1368,16 M. und 1908/09; 1874,80 M. Das Vereinsleben war ein reges. An schriftlicher Agitation yelQNHte lm Jotuuu in 41 000 Exemplaren im gnnzen Kreise ein Flugblatt„Vor der Entscheidung" zur Verbreitung, außerdem wurden über 3000 Exemplare der„Volkswacht" im Interesse der Agitation an bestimmte Adressen versandt. Die„Gleichheit" zählt 310, die„Arbeiterjugend" 250 Abonnenten. Für die Proletarier- fugend wurden öfter Ausflüge und Spiele veranstaltet, die sich guter Beteiligung erfreuten. Ein Vortragszyklus des Ge° nossen Hoffmann in Bielefeld über Kultuventwickelung zählte im Durchschnitt 158 Teilnehmer,. wovon allerdings nur 33 lgleich 20 Prozent) sämtlichen 13 Vorträgen beiwohnten. Der Abonnenten- stand der„Volksmacht" hat sich trotz der Krise auf der alten Höhe gehalten, nur die Inseraten- und Drucksacheneinnahmen sind etwas gefallen. An den Parteitag wurden verschiedene Anträge zum Organisationsstatut beschlossen. Zur M a i s e i e r wurde der Antrag:„Die Forderung der Arbeitsruhe am 1. Mai fallen zu lassen", in namentlicher Abstimmung mit 113 gegen 70 Stimmen angenommen. Zum Parteitag werden zwei Dele- gierte entsandt. Die Wahl erfolgt durch Urabstimmung. Schliesslich wurde folgende Resolution angenommen: „Der Parteitag wolle beschließen, von den Angehörigen der modernen Arbeiterbewegung zu fordern, sich jedes Genusses von Schnaps zu enthalten, um durch diese Steuerverweigerung energi- schen Protest gegen die ausbeuterische Steuerpolitik der Regierung einzulegen." Eine Kreiskonferenz des Reichstagswahlkreises Remscheid- Lennep-Mettmann fand letzten Sonntag in Ronsdorf statt. An- wesend waren 60 Delegierte, außerdem der Reichstagslandidat Ge- nosse Dittmann. Aus dem Geschäftsbericht des Kreiskomitees, den der Parteisekretär Faure gab, ist erwähnenswert, daß im Gegen- satz zu dem Abschluß des vorletzten Jahres trotz der Krise ein erfreulicher Aufschwung in den Organisa- tionsverhältnissen zu verzeichnen ist. Während zum Beispiel am 1. Juli 1908 ein Mitgliederbestand von 2708 zu verzeichnen war, betrug die Zahl der organisierten Genossen am Schlüsse dieses Jahres 3305. Davon entfallen auf die weiblichen Mitglieder 397. Dazu kommt, daß die Beiträge in bedeutend höherem Maße eingegangen sind, die Zahl der regelmäßig zahlen- den Mitglieder also zugenommen hat. In der Agitation wurde im letzten Jahre eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Es fanden 233 Vereins- und 54 öffentliche Versammlungen statt. Flug- b l ä t t e r und Flugschriften wurden insgesamt 152 000 verbreitet, außerdem kam der Volkskalender in 21 000 Exemplaren zur Verteilung. Im Kreise sind gegenwärtig 28 Gemeindevertreter vorhanden. Zur Weiterbildung der Genossen fand ein Unter- richtskursus statt, für den Genosse Duncker als Lehrer gewonnen war; es nahmen 61 Genossen und Genossinnen teil. Die Jugendbewegung macht im Kreise ebenfalls gute Fort- schritte. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 10 941,20 Mark, der eine Ausgabe von 9222,83 M. gegenübersteht. Die Kon- fcrenz erklärte sich mit der Tätigkeit des Kreiskomitees einver- standen. Zum Schluß hielt der Reichstagskandidat des Kreises, Genosse Dittmann, einen Vortrag über„Die Aufgaben des deutschen Parteitages unter besonderer Be- rücksichtiguna des Organisationsstatuts". Es wurde noch ein Antrag angenommen, wonach der Sitz des Kreiskomitees nach Remscheid verlegt werden soll. Die Mannheimer WahlkreiSkonferenz sH. badischer Reichstags- Wahlkreis) nahm Stellung zur Tagesordnung des Leipziger Partei- tages. Der Referent sieht einen ruhigen Verlauf der Verhand- lungen voraus; er empfahl, zur Frage der Maifeier eine ab- wartende Haltung einzunehmen und dem Organisations- st a t u t im allgemeinen zuzustimmen. Es wurde beschlossen, für den Wahlkreis zwei Delegierte zu entsenden. Deren Wahl findet am 23. August statt. Die Konferenz beschäftigte sich auf Anregung der Ladenburger Genossen mit dem Problem, durch einen beson- deren Wahlmodus einen Delegierten aus der Stadt Mannheim und einen aus der Parteigenossenschaft der Qandorte zu entsenden. Der Vorschlag, eine gesonderte Wahl nach den beiden abzugrenzen- den Gebieten vorzunehmen, fand keine Zustimmung; dagegen fand folgender Antrag die Billigung der Konferenz:„Als Gewählt gelten von den vorgeschlagenen Kandidaten nach der Wahl ein Delegierter der Stadt und einer vom Lande, und zwar jeweils derjenige, der die höchste Stimmenzahl in der für ihn maßgebenden Delegiertengruppe erreicht hat."_ pollzcilicbts, gerichtliche» ukw. Wegen Beleidigung des ReichsverbandSgeneralS Liebert wurde Genosse Quarck als verantwortlicher Redakteur der Frankfurter .Bolksstimme" zu 100 M. Strafe verurteilt. Soziales« Lehrverträge mit Minderjährigen. lieber die Hinzuziehung der Eltern des Lehrlings beim Ab- schluß des Lehrvertrages sprach sich die 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts in ihrer letzten Sitzung aus. Der beklagte Spediteur Hugo F. hatte mit der minderjährigen Klägerin Frieda B. vereinbart, daß sie bei ilyn gegen eine Monatsvergütung von 20 M. im Anfang und 25 M. im zweiten Halbjahr ein Jahr lernen sollte. Nach einiger Zeit blieb die Klägerin wegen eines Streites dem Geschäft fern und erhob Anspruch auf 6 M. ver- dientes Gehalt. Der Prinzipal dagegen erhob Widerklage auf 90 M. Schadenersatz. Er will den Schaden durch das Fortbleiben der Klägerin erlitten haben, indem er deren Arbeit von besser be- zahlten Angestellten habe ausführen lassen müssen. Der Vater des Lehrmädchens wendet ein, daß gar kein rechtsgültiger Lehr- vertrag geschlossen worden sei und er auch nie die Erlaubnis zum Abschluß eines solchen Vertrages mit dem Beklagten gegeben hätte. Demgegenüber will der Prinzipal.den Lehrvertrag als perfekt ab- geschlossen wissen, denn die Klägerin sei damit einverstanden ge- wesen. Es sei im übrigen nicht seine Schuld, wenn die Ein- willigung der Eltern fehlte; er habe dem Lehrmädchen mehrmals gesagt, der Vater möchte ihn besuchen, aber dieser sei nicht ge- kommen. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten, die geforderten 6 M. der Klägerin zu zahlen und wies ihn mit der Widerklage ab. Der Lehrvertrag hätte in rechtsgültiger Form ab- geschlossen werden müssen, nur dann konnte sich Beklagter auf ihn berufen. Der Beklagte hätte sich schriftlich mit den Eltern der Klägerin in Verbindung setzen müssen, wenn eine Verständigung anders nicht zu erreichen war. Die Entscheidung des Kausmannsgericht ,st zweifellos zu- treffend: Minderjährige können mit rechtlicher Wirksamkeit einen Lehrvertrag auch dann nicht schließen, wenn sie zum Abschluß eines Zlrbeitsvertrages von ihrem Vater oder Vormund ermächtigt waren. Der Vater oder der Vormund selbst muß den Lehrvertrag schließen oder nachträglich ausdrücklich genehmigen. Aus dem GasiwirtSgewerbe. Der Kellner A. war bei den Exelsior-Betrieben, G. m. b. H., al«. Oberkellner beschäftigt. Am 29. Mai wurde er unter Außer- achtlassung der vereinbarten dreitägigen Kündigungsfrist ent» lassen. Er klagte deshalb beim Geiverbegeticht aitf Ersah deS ihm erwachsenen Schadens von 30,50 M. Der Vertreter der Beklagten hält die sofortige Entlassung für berechtigt, da der Kläger die Gesellschaft um ein Diner im Werte von 1,25 M. habe betrügen wollen. Die Gesellschaft hat, wie die Beweisaufnahme erkennen ließ, nicht die rechte Ordnung in ihrem Betriebe. Der Kläger bestritt, daß er die Gesellschaft habe betrügen wollen, es könne sich lediglich um einen Irrtum handeln. Auf Anraten des Vor- sitzenden, Magistratsassessors Dr. Lehmann, ermäßigt.der Kläger seine Klageforderung um den Preis des strittigen Diners; der Beklagten empfahl das Gewerbegericht, da der von ihr behauptete Betrug keineswegs erwiesen sei, die Klageforderung von 29,25 M. anzuerkennen, da sie mit der Entlassung des Klägers überaus voreilig gehandelt habe. Die Beklagte befolgte diesen Rat. Religionsunterricht durch Gefängnisstrafe. Der katholische Pfarrer in Sulzfeld(Unterfranken) wollte einem Sonntagsschüler das Wort Gottes mit dem Stock einbläuen. Weil der junge Mann aber sich als verstockter Sünder weigerte, die Hände zum Draufhauen hinzuhalten, zeigte ihn der Diener Gottes an und der Junge wurde nun wegen„Widerstand gegen die Staatsgewalt" zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Befriedigt verließ der Diener Christi mit einem frommen Augenaufschlag den Gerichtssaal._ Auch Notstandsarbeiten. In Fürth hat der Magistrat beschlossen, wegen der großen Arbeitslosigkeit 6000 M. für Notstandsarbeiten auszuwerfen. Da schrieb ein Ziegeleibesitzer aus der Umgebung, man solle ihm 20 bis 30 Notstandsarbeiter schicken, um seinem Notstand abzuhelfen, denn bei ihm streiken sämtliche Arbeiter. Der Magistrat hatte für einen solchen Notstand selbstverständlich kein Verständnis und lehnte das Gesuch ab._ Unfallversicherung und Haftpflicht. Die Unfallversicherten erhalten bekanntlich im besten Fall zwei Drittel des Schadens ersetzt, während das Eisenbahnhaft- Pflichtgesetz vollen Schadenersatz vorsieht. Wird im Eisenbahn- betriebe ein der Versicherung unterstellter Arbeiter und ein Reisender in gleicher Weise verletzt, so erhält der Arbeiter stets mindestens ein Drittel weniger als Unfallrente wie der Reisende als Schadenersatz. Es beruht dies auf der Vorschrift des§ 135 Absatz 1 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes. Danach können die nach Maßgabe des Gesetzes versicherten Personen Anspruch auf Ersatz des infolge eines Unfalles erlittenen Schadens gegen den Betriebsunternehmer nur dann erheben, wenn durch straf- rechtliches Urteil festgestellt worden ist, daß der in Anspruch Ge- nommene den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat. Durch Absatz 3 dieses Paragraphen wird vorgeschrieben, daß für das über einen solchen Anspruch erkennende ordentliche Gericht die Entscheidung bindend ist, die in dem durch dieses Gesetz geordneten Verfahren über die Frage ergeht, ob ein Unfall vorliegt, für den aus der Unfallversicherung Entschädigung zu leisten ist und in welchem Umfang Entschädigung zu gewähren ist. Hierüber entscheidet dem Gesetz entsprechend zumeist die Berufsgenossenschaft. Für einen jetzt vom Reichsgericht entschiedenen Rechtsstreit koMnt in Betracht, daß nach 8 128 des Gewerbeunfallversichcrungs- gesetzes an Stelle der Berufsgenossenschaft der Staat resp. beschluß- fassend die Eisenbahndirektion zu Berlin trat, weil es sich um einen Eiscnbahnbetriebsunfall handelte. Der Kläger war als Bnuafsistent durch einen Privatdienst- Vertrag von der Eisenbahnverwaltung angestellt worden. Am 23. Februar 1906 ist er auf dem Bahnhof Stralau-Rummelsburg bei der im aufgetragenen Ueberwachung des Baues einer Bahn- steighalle dadurch verunglückt, daß eine hölzerne Steife, die zur Stütze des Tragarmes einer Hallensäule diente, umfiel und ihn am Kopfe traf. Infolge der hierbei erlittenen Gehirnerschütterung mit nachfolgendem Nervenleiden wurde dem Kläger durch Fest- stellungsbescheid der Eisenbahndirektion Berlin die Bollrcnte im Betrage von 1319,11 M. nach Maßgabe des Gewerbeunfallver- sicherungsgesetzes gewährt. Der Kläger behauptet nun, daß er im Betriebe der Eisenbahn verletzt worden sei, da die Steife infolge der Erschütterung durch einen vorbeifahrenden Zug umgefallen sei. Er beruft sich darauf, daß er als Bnreaubeamter mit einem 3000 M. übersteigenden Jahresverdienst angestellt gewesen sei und deshalb nicht unter die nach§ 1 Absatz 1 des Gewerbeunfallver. sicherungsgesetzes versicherungspflichtigen Personen falle. Infolge- dessen hatte er gegen den Eisenbahnfiskus Klage auf Grund des § 1 des Haftpflichtgesetzes erhoben, durch die er Zahlung einer Jahresrente von 1616,89 M. als Ersatz seines Mindereinkommens begehrt. Das Landgericht Berlin erkannte nach dem Klageantrage, in- dem es den beklagten Fiskus zu Zahlung der geforderten Rente bis zum vollendeten 65. Lebensjahre des Klägers verurteilte. Auf die Berufung des beklagten Eisenbahnfiskus kam das Kammergericht in Berlin zur Abweisung der Klage auf Grund des§ 135 des Ge- werbeunfallversicherungSgesetzes. DaS Kammergericht nimmt Bezug darauf, daß der Kläger nach§ 135 des Gewerbeunfallversicherungs. gesetzes nur dann von dem Betriebsunternehmer zu entschädigen sei, wenn der in Anspruch Genommene gemäß strafrichterlichem Urteil den Unfall vorsätzlich herbeigeführt habe. Im übrigen er- klärt das Kammergericht, daß es nach Absatz 3 an die Ent,cheldung der Eisenbahndirektion im Feststellungsverfahren gebunden sei. Eine Beschwerde gegen diese Enlscheidung hatte der Kläger damals nicht eingelegt.. Das Urteil deS Kammergerichts focht der Klager durch Revisionseinlegung beim Reichsgericht an. Die Revision des Klagers wurde vom 6. Zivilsenat zurückgewiesen. Ter erkennende Senat führt aus. daß sich das Berufungsgericht mit Recht durch lne in dem Feststellungsverfahren ergangene Entscheidung für gebunden erachtet und danach die Klage abgewiesen habe, weil es an der Voraussetzung des§ 135 Absatz 1 des Gewerbeunfallversicherungs. gesetzes fehle, daß der Betriebsunternehmer den Unfall vorsätzlich herbeigeführt habe.__ Hus Industrie und Kandel. Den Staat als Hausknecht ihrer Profitmacherinteressen in Anspruch nehmen wollen die Kali« industriellen. Zwecks Sicherung der Preispolitik des Kalisyndikats soll eine sogenannte Produktionssteuer eingeführt werden. Die Gefahr— für die ungerechtfertigt hohen Preise— liege darin, daß jedes Werk technisch in der Lage sei. daS mehrfache seine? bisherigen Anteils im Syndikat zu fördern. Bei eintretendem freien Wett- bewerb würden die Preise derart geworfen, daß für die Anteils- eigner, die zu hohen Kursen gekauft haben, kein Nutzen verbliebe. DaS Syndikat fordere 14,50 M. pro Tonne, die freien Verkäufe seien jedoch auf der Grundlage von 7,50 M. abgeschlossen worden. Dadurch würden dem Auslände jährlich 40 Millionen oder die Ver« zinsung von einer Milliarde geschenkt. Um d«i Preisrückgang zu unterbinden und Schranken auf« zurichten, an denen sich das„Ausland und die rücksichtslosen�Leute" die Köpfe einstoßen, soll eine gestaffelte ProduktionSsteuer für Kali auf folgender Basis eingeführt werden: DieFörderung in Höhe der letztjährigen mit einem 10- oder 20prozentigen Zuschlag bleibt steuerfrei und wird auf die einzelnen Werke im Verhältnis der von ihnen bereits akzeptierten Quote verteilt. Das steuerfreie Kon- tingent steigt jährlich um 10 bis 20 Prozent und wird auf die neuen fertigen Werls in Höhe der ihnen durch das neue Syndikat zugestandenen Minimalguote verteilt; der etlva ver- bleibende Rest kommt wieder sämtlichen Produzenten gleichmäßig zu« gute. Alles, was mehr produziert wird, unterliegt einer Produktlons- steuer, die so hoch gehalten sein muß, daß die Förderung über daS Kontingent hinaus unlohnend ist. Für Werke. welche nach dem 1. Juli 1909 mit dem Bau begonnen haben, muß für die ersten 5 Fördcrsahte eine gestaffelte Steuer der Gesamtproduktion eintreten, so daß dieselben erst nach 6 Förderjahreck in den Genuß ihres steuerfreien Kontingents gelangen. Die Industriellen verlangen also Sicherung des Gewinnes durch den Staat, von demselben Staat, der auf Arbeitslose schießen läßt, wenn sie Beschästignng verlangen. Und bei der Liebesgabenpolitik, die im Junkerland im Schwange ist, haben die Kalikapitalisten Aus- ficht, daß der Staat, der für Arbeitslose nur blaue Bohnen hat, ihren Wünschen große Geneigtheit entgegen bringt. Avanciert. Kürzlich zählten wir eine Reihe Staatsbeamte a. D. auf, die es für besser gehalten hatten, ihre Tage in Privatstellungen zu beschließen. Jetzt wird bekannt, daß der Wirkliche Legationsrat und Geheimrat Dr. Boye vom Auswärtigen Amt zum 1. September den Staatsdienst verläßt, um Syndikus der Berliner Handelsgesell- schaft zu werden. Die fürstliche Trustgesellschast hält sehr viel auf tüchtige Beamte mit guten Verbindungen. Was ei» kaiserlicher Gouverneur leistet. Die Geschichte der deutschen Kolonialpapiere wird immer interessanter. Vor einigen Tagen kam die Meldung vom Londoner Bureau der„South African Teritorries Co." an die großen Handelszeitungen, daß auf dem Gebiet dieser Gesellschaft reich« liche Diamantfunde gemacht worden seien. Die Wirkung stellte sich aber erst ein, als offiziös ein Telegramm des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika verbreitet wurde, welches besagte, daß im Bergwerksgebiete der„South African Teritorries Co." nach zuverlässigen Meldungen reichliche Diamanten gefunden worden seien. Ueber 1200 Felder seien schon belegt. Durch diese offiziöse Mitteilung wurde naturgemäß den Kurstreibereien in Kolonialanteilen Vorschub geleistet. Allerdings beeilte er sich nach- her, seine hoffnungsselige Meldung abzuschwächen, wiederum offi- ziös wurde erklärt, daß die Angaben über die neuesten Funde mit größter Vorsicht aufzunehmen seien; aber, da hatten die Speku- lanten ihr Geschäft schon gemacht. Der Kurs der Teritorries Shares, die vor einigen Jahren noch mit 7 Schilling erworben werden konnten, und die in den letzten Tagen zu 42 Schilling um- gesetzt worden waren, ging wieder zurück und stellte sich am Dienstag auf etwa 33 Schilling. Die ganze Kursbewegung in den Teritorries Shares sowie anderen Kolonialanteilen wird etwas klarer, wenn man bedenkt, daß bei einigen Gesellschaften Ver- waltungsmitglieder ihre besseren Informationen dazu benutzten, Spekulationsgewinne an der Börse zu machen. Daneben geht das Bestreben der englischen Gruppen, die Kolonialanteile mit mög- lichst großem Profit nach Deutschland abzustoßen. Scheitern des russischen Platinmonopols. Die Förderung des Platins ist fast ausschließlich, und zwar mit 95 Prozent, auf Ruß- land beschränkt. Den Preis diktiert aber das Ausland. Bestre- bungen, die bereits im Jahre 1898 ihren Anfang genommen haben, liefen auf die Monopolisierung des Platins mit Hilfe des Staates hinaus. Die russische Staatsbank sollte zu einem vorher festge- setzten Preise, der auch die Bearbeitung der ärmeren Lager Je- statten würde, sämtliches Platin ankaufen, es verarbeiten lagen und dann zu einem höheren Preise an das Ausland zu verkaufen. Die Hälfte des Ertrages zwischen der Ankauf- und Verkaufsumme sollte den Platinproduzenten zufallen. Das Projekt ist jetzt als gescheitert zu betrachten. Die russische Regierung hat selbst an dem Mißlingen des Planes mitgewirkt. Durch ihre Vermittelung ist zwischen der Verwaltung der Nishni-Tagilsker Werke, den be- deutendsten Platinproduzenten des Urals, und der Compagnie Industrielle du Platine, einer mit einem Kapital von 20 Millionen Franks arbeitenden französischen Gesellschaft, ein Vertrag abge- schlössen worden, demzufolge die letztere das Förderungsrecht der Tagilsker Werke auf 20 Jahre pachtet. Dieser Vertrag schließt das Zustandekommen eines russischen Staatsmonopols für Platin aus. Sein Zustandekommen hätte die Staatsbank zu einem Spekulanten psr excellence gemacht, und Kokowzew hat stets dos Bestreben ge» zeigt, der russischen Staatsbank ihren Emissionscharakter rein zu erhalten resp. sie von allen Sünden zu reinigen. Hus der f raiienbewegunci« Eine Kämpferin tot. Die deutsche Arbeiterbewegung hat eine der wenigen und rührigsten Agitatorinnen verloren. Auguste Kadett ist einer der tückischsten Berufskrankheiten, einer chronischen Bleivergiftung und Nierenentzündung, zum Opfer gefallen. In Königsberg i. Preußen geboren, verlor sie früh den Vater, die Not zwang nun die Kinder, der Mutter beim Broterwerb zu helfen. Sie wandte sich nach der Schulzeit der Zigarren- fabrikation zu. Später arbeitete sie in Korkfabriken und ging dann in Berlin zur Metallindustrie über. Bei dieser Arbeit holte sie sich den Todeskeim, sie kränkelte seit Jahren. Aber die Wochen des Krankseins hat sie benutzt, um zu lesen und unter Führung von kundigen Genossinnen sich herauszubilden zur Agitatorin zunächst für die Arbeiterinnen ihres Berufes. Ihr Lerneifer brachte sie bald weiter, daß sie fähig wurde, für Partei und Ge- werkschaft hinauszugehen. Immer fanden wir sie bereit zur Uebernahme jeder Arbeit. Bereits im Anfang dieses Jahres erkrankte sie unterwegs sehr schwer nach einer Versammlung in Flöhoe. Eine Gehirn. erschütterung fesselte sie sechs Wochen lang an das dortige Krankenhaus. Im Juni war sie als Delegierte in Hamburg auf der General- Versammlung der Metallarbeiter; von dort kam sie krank zurück, und nach sechs Wochen erlöste der Tod die 33jährige von ihrem Leiden. Wir und alle, denen sie mit ihrer Agitationsarbeit diente, werden unserer Mitarbeiterin ein ehrendes Erinnern bewahren. Kampf um das Frauenstimmrecht in Amerika. Die Agitation für das Frauenstimmrecht gewinnt auch in den Vereinigten Staaten Boden. Zu den proletarischen Stimmrechts- kämpferinnen und so überzeugten Vorkämpferinnen der Frauen- rechte, wie Emma Goldmann, gesellen sich jetzt Damen der„guten Gesellschaft", von denen man, wenn sie die Methoden des Londoner SuffragettentumS in Newyork vorführen, nicht weiß, ob sie wirk- lich aus politischer Begeisterung oder nicht bloß zum Sport mit- machen. Mit Tambourins und Leierkasten bewaffnet, fassen da z. B. am Park Row, unmittelbar vor City Hall(dem Newyorker Rathaus) Millionärstöchter der Stadt Posto, um dort ihren Schlachtruf„Gebt uns Frauen daS Stimmrecht" erschallen zu lassen und mit dem Leierkastenkonzert Pennies, Nickels und auch Dollars auf ihr Tambourin zu sammeln. Die Suffragetten ver- sammeln auf diese Weise eine riesige Menschenmenge um sich, was sie bei dem ritterlichen Sinn des amerikanischen Volkes, sogar des amerikanischen Mobs ohne persönliche Gefahr tun dürfen. Der Straßenmob hält sich dafür an dem Polizisten schadlos, den er nötigt, die streitbaren Damen unbehelligt zu lassen. Auch in Cony Island, der Jahrmarktsinsel der Newyorker, tauchen die Suffragetten mit ihrem Leierkasten auf. Sie tragen plakatgroße Abzeichen mit der Aufschrift:„Votes for Women"(Stimmrecht für die Frauen) l Offenbar machen sie Stimmung für ihre Sache und noch mehr Geld für die Kasse. Märtyrerlorbeer sammeln sie aber in diesem Lande nicht. Die Frau des Millionärs Mackah hat sich in Chikogo einen Extrazug zusammengestellt, von dem aus sie dem ganzen Lande die politische Emanzipation der Frauen— ihrer Klasse predigen will. Denn meist beschränken sich die bürgerlichen Suffragetten auf die Forderung des Stimm- rechts für die Grund, und Kapitalbesitzerinnen.— Ersterer ist schon die Bewegung, die sich im Juli in der internationalen Frauenstimmrechtskonvention in Seattle ein glänzendes Stelldich- ein gab. Die Federation amerikanischer Frauenvereine umfaßt jetzt 800 000 Frauen und steht seit einigen Jahren unter der Leitung einer radikalen Frauenrechtlerin, Frau Sarah Platt. � •— PerantwortliSer ÄÄÄt«uri fiaBI Mber, IexM. Für ptülJnsexgteLteflMgLts» SjbMifc/Aytfiv. S-lUt?; BöMgUsL urfjbiü&tei p. ByKgSgnMt Kgul.Singer& gA. Berlin SW, Jahrgang. Br. 180. 26. Jahr. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 5. Angus 1909. Partei- Angelegenheiten. Johannisthal. Freitag, den 6. d. M., abends 8 Uhr, findet Bei Senftleben, Friedrichstr. 48, eine Voltsversammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung:„ Die politische Lage". Referent: Genoffe Emil Unger- Berlin. Die Parteigenossen werden ersucht, für die Versammlung rege zu agitieren. Der Vorstand. Rüdersdorf, Kalfberge. sagen: das ist nicht amtlich. Es trägt den englischen Staatsstempel, Selbstmord auf den Eisenbahnschienen. Vorgestern nachmittag ist von einem Notar beglaubigt und vom deutschen Konsul ebenfalls. Ich forderte ihn auf, unverzüglich mit dem Schriftstück zu einem der Herren Direktoren zu gehen und mir alsbald meine Tasche auszuhändigen. Widerwillis nimmt er das Schriftstück und bewegt sich im Schneckentempo zur Tür hinaus in das Bureau des Direttors. Nach kaum zwei Minuten tam er zurück und sagte: Na, nehmen Sie Ihre Tasche!" verübte der Rentenempfänger Sch. dadurch Selbstmord, daß er sich auf der Stettiner Bahn in der Nähe der Wärterbude 46 unmittelbar vor einem Schnellzuge Berlin- Stettin auf die Schienen warf. Den Unglücklichen wurde der Kopf vom Rumpfe abgetrennt. Magazinstraße von der Alexander- bis zur Dircksenstraße sind mun Die Regulierungsarbeiten für den wichtigen Durchbruch der mehr beendet, so daß jetzt mit den Pflasterungsarbeiten begonnen werden kann. Inzwischen ist der Straßenzug provisorisch für den Daß der bureaukratische Zopf und preußische Strammheit in Am Sonntag, den 8. August, ver- einer so starten Dosis selbst in dem Bureau eines privaten Veranstalten die Parteigenossen von Rüdersdorf im„ Gasthaus zur fehrsunternehmens vertreten ist, hätten wir selbst nicht für möglich Fußgängerverkehr freigegeben worden. Linde"( Inh. Grewe, Heiniger Straße 19) ein Sommerfest, bestehend gehalten. aus Gartenkonzert, Theatervorstellung und Kunstradfahren. Die Parteigenossen von der Umgegend werden gebeten, das Fest unterstüßen zu wollen. Eintritt 15 Pf. Das Komitee. Tegel. Am Sonntag, den 8. August, findet das Sommerfest des Bezirks Tegel im Lokale W. Trapp( Inh. Gamm), Bahnhofstr. 1, statt. Gesangsaufführungen, Reigenfahren sowie turnerische Aufführungen füllen das Programm: Jedes Kind erhält eine Stoclaterne gratis. Kaffenöffnung 2 Uhr, Beginn des Konzerts 3 Uhr. 3ahl reiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Berliner Nachrichten. Im Berliner Asylverein für Obdachlose nächtigten im Monat Juli: im Männerasyl 15 338 Personen, wovon 8367 badeten; im Frauenasyl 4353 Personen, wovon 1927 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Kolberger Straße 30. Am 7. Juli d. J. wurde die Leiche des Hausdieners Mar Zwanziger, 20. März 1892 zu Berlin geboren, nachdem sie drei Tage im Wasser gelegen hatte, vor Nordufer 1 aus dem Spandauer Schifffahrtstanal gelandet. Personen, welche Zwanziger am Sonntag, den 4. Juli, abends nach 9 Uhr noch gesehen oder über seinen Verbleib sowie darüber, ob er überfallen oder verunglückt ist, Angaben machen können, wollen sich in einem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 331, 2 Treppen, melden, J.-Nr. 3127. IV. 60. 09. Die postalischen Verhältnisse in der nördlichen Schönhauser Vorstadt lassen seit langen Monaten sehr zu wünschen übrig. Schon starken Verkehr dieser in den letzten Jahren überraschend schnell immer war das Postamt 58 in der Danziger Strafte 3 für den aufgeblühten Gegend überlastet. Um es zu entlasten, wurde die 7 Uhr, wurde die Leiche eines unbekannten etwa 30 bis 35 Jahre Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 2. August, vormittags gegen in der Schönhauser Allee hinter dem Ringbahnhof belegene foge- alten, dem Arbeiterstande angehörenden Mannes im Nordhafen, uns nannte„ Postquetsche" am 1. April d. J. in ein Postamt 1. Klasse weit der Kieler Brücke, gelandet. Bekleidet war die Leiche mit mit selbständigem Postdirektor umgewandelt. Monate hat es ge- schwarzem Lüfterjackett, schwarzer Weste, dunkelbrauner Sommerhose, dauert und geharnischte Beschwerden waren nötig, bis dieses neue schwarzen Schnallenschuhen und grauer Sackschürze. Beschreibung Postamt 113 so eingerichtet wurde, daß es seine Bezeichnung mit der Leiche: 1,70 Meter groß, dunkelblouder Schnurrbart und Kopfder ersten Klaffe" einigermaßen verdient. Endlich sind wenig haar. Personen, welche nähere Angaben machen können, wollen sich stens alle drei Schalter meist gleichzeitig in Betrieb. Aber Rohr auf einem Polizeirebier oder auf dem Polizeipräsidium, Zimmer 331, postbriefe und Pafete müssen noch immer nach der erheblich ent- 2 Treppen, melden. J.-Nr. 2777. IV. 59. 09. fernten Danziger Straße aufgeliefert werden. Jetzt ist nun eine neue Einrichtung getroffen worden, welche die Interessenten dieser Immer wieder diefelbe Bummelei! Wieder mal ist es in einem dicht bevölferten Gegend nicht befriedigt. Postamt 58 ist seit der Krankenhäuser unserer Stadt passiert, daß der Familie eines 14 Tagen in der Hauptsache nur noch Bestellamt und sammelt feine Patienten eine Todesnachricht zuging, obwohl der Patient glücklicher- Briefe mehr ein. Vielmehr werden sämtliche Briefkästen vom weise am Leben war. Diesmal ist es das Urban- Kranken- Schönhauser Tor bis zur Pankower Weichbildgrenze durch das haus, dessen Bureau diese standalöse Bummelei verschuldet hat. Bellpostamt 54 in der Lothringer Straße am Rosentaler Tor geEine im Urban- Krankenhause liegende Frau M. war am Sonn- Stunden auseinanderliegen, scheint die Annahme, daß durch die Teert. Da die Entpunkte dieses Leerungsbezirks dreiviertel abend und Sonntag von ihren Angehörigen besucht und in leid jetzige Art der Veerung erhebliche Verzögerungen in der Bestellung Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der mit zahl lichem Zustande vorgefunden worden, am Montag aber erhielt entstehen, berechtigt zu sein. Namentlich wird darüber geflagt, daß reichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag" Kairo und die Pyras die Familie einen Brief der Krankenhausdirektion, der mit die kurz nach 7 Uhr abends. im Straßenbriefkasten aufgegebenen miden", der das Leben und Treiben im modernen Kairo mit ſeinen dürren Worten meldete, daß Frau M. am Morgen dieses Tages Brieffendungen nach außerhalb nicht mehr, wie bisher, die Eisen- Moscheen und Minaretts, mit den Denkmälern modernster Kultur verstorben sei. Da die Adresse stimmte und in dem Briefe bahnanschlüsse so rechtzeitig erreichen, daß sie mit der ersten Früh- und feinen Gärten von fabelhafter tropischer Ueppigkeit schildert und auch der Vorname der Frau M. sowie der Tag ihrer Auf- post bestellt werden. Auch sonst wird über die äußerst unzuverlässige in die altägyptische Totenstadt von Gize und Sakkara führt, heute nahme zutreffend angegeben war, so konnte an der Richtigkeit der Briefbestellung in den Postbezirken 58 und 113 lebhaft geklagt. An( Donnerstag) noch einmal zur Darstellung. Am Freitag wird der Nachricht, durch die die Familie aufs schmerzlichste überrascht wurde, den Briefträgern liegt es offenbar nicht, sondern an verfehlten Vortrag leber den Brenner nach Venedig und am Sonnabend Einrichtungen. der Vortrag Durch Dänemark und Südschweden" wiederholt. nicht gezweifelt werden. Der Sohn ging nach dem Krankenhaus, Die endgültige Einigung zwischen Schöneberg und Charlotten- Beim Sängerfest des Deutschen Arbeiter- Sängerbundes am wies den Brief vor und bat, die Leiche der Mutter ſehen zu dürfen. burg in der Streitfrage des Untergrundbahnbaues steht, wie eine 1. August im Moabiter Schüßenhauſe und im Infelreſtaurant find Im Bureau sagte man ihm, er solle zu anderer Zeit wiederkommen; Herr M. wollte aber die Leiche sofort sehen und begab Die Magistrate beider Kommunen haben sich darüber geeinigt, daß schuh, 1 Hutnadel, 1 Damenschirm, 1 Kinderschirm. Korrespondenz gestern abend zu melden wußte, unmittelbar bevor. gefunden worden: 1 Kinderjackett, 2 Schlüffel, 1 DamenhandAbzuholen bei sich nach dem betreffenden Pavillon, um auch der Oberschwester bezüglich der Weiterführung der Bahn durch die Mozstraße bis zum 3. Steffens, NO. 18, Langenbeckstr. 5, Querg. I, abends von 6 bis feine Bitte vorzutragen. Auf dem Wege dorthin begegnete er Nollendorfplatz ein gütliches Abkommen prozessualen Weiterungen Verloren wurden: 1 Herrenschirm( Naturkrücke), einer anderen Patientin, die er kannte. Als er ihr mitteilte, vorzuziehen ist. Es liegt ein Vertragsentwurf Schönebergs 1 Damengürtel( Stoff, fariert), abzugeben bei J. Steffens, Langendie Mutter sei gestorben, die Nachricht sei soeben eingetroffen, bor, der alle Streitigkeiten beseitigt. Schöneberg zieht den beckstr. 5, Querg. I; 1 Damenschirm( Naturstock, braun), abzugeben schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen. Sie sagte ihm, die von ihm gemäß§ 7 des Kleinbahngesetzes gestellten Antrag bei Schwefel, Carmen- Silva- Str. 163; 1 brauner Lederkoffer Mutter fei ja wohl und munter, und nun fand der in zurück und Charlottenburg nimmt von der angestrengten Feststellungs-( Inhalt: 1 filbernes Staffeesieb und 1 grünes Damenportemonnaie den Krankenfaal hineineilende Gleichzeitig verpflichtet sich Charlottenburg, bei mit ca. 1 Mart); abzugeben bei Lilienthal, Buchstr. 8 II. Sohn die Freudenbotschaft lage Abstand. bestätigt. Im Bureau gab es dann ein Staunen und auch etliche Charlottenburger Kanals zu stellen und darauf hinzuwirken, daß die betroffen, der auf dem Wege von der Hochbahnstation Kottbuser Tor dem Berliner Magistrat den Antrag auf Verlegung des Berlin- Von einem empfindlichen Verlust wurde am Montag ein Arbeiter Worte der Entschuldigung. Die Sache erklärte sich auf ganz ein- Verlegung sofort erfolgt. Ferner erklärt sich Charlottenburg bereit, über Warschauer Brücke nach der Gubener Straße ein braunes fache" Weise daraus, daß wieder mal eine Personen dem Schnellbahnbau Schönebergs nicht nur keinerlei Schwierig Portemonnaie mit etwas über 51 M. Inhalt verlor. Da es zu berwechselung vorgekommen war. in muß in der Tat an feiten in den Weg zu legen, sondern erforderlichenfalls an der Be- Teil Verbandsgelder sind, für die der Berlierer erfaßpflichtig ist, nehmen, daß manchen Bureaubeamten unserer Krankenhäuser das seitigung etwaiger Hindernisse mitzuwirken. Noch am heutigen wird der ehrliche Finder gebeten, das Gefundene an Paul Endler, Verständnis dafür fehlt, was es für die Familie eines Patienten zu Donnerstag werden trotz der Ferien die Stadtverordnetenkollegien Gubener Str. 37, of IV, abzugeben. bedeuten hat, wenn plötzlich und unerwartet die Nachricht von seinem beider Städte zu einer außerordentlichen Sigung zusammentreten, Ableben eintrifft. Die Entschuldigung, daß eben überall mal ein so daß der Vergleich bereits in den nächsten Tagen rechtsträftig in welcher die formelle Zustimmung zu dem Vertrage erfolgen soll, Versehen passieren könne, darf hier nicht gelten. Wenn es sich um werden dürfte. Absendung einer Todesnachricht handelt, dann muß alles getan werden, um einen Irrtum zu verhüten. wieder: St. Bureaukratius im Omnibus. Mit dem Bau des Fußgängertunnels, der die Wiener mit der Görliger Straße verbinden soll, ist jetzt begonnen worden. Bereits im Oftober 1907 hat die Stadtverordnetenversammlung die Errichtung dieses Tunnels zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse am Görlizer Bahnhof beschlossen und dafür 165 000 m. bewilligt. Der Tunnel foll 4 Meter breit und 2,65 Meter hoch werden. Treppenausläufe des Tunnels kommen auf die Bürgersteige der Görlizer und Wiener Straße. Die Deckenoberkante des Tunnels wird sich 60 Bentimeter unter den Gleisen der Bahn befinden, deren Betrieb übrigens beim Bau nicht unterbrochen wird. Die 7 Uhr. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht tam in der Friesens straße 14 Feuer aus. Vorhänge und Gardinen brannten dort. Möbel wurden in einer Wohnung in der Kruppstr. 5 ein Raub der Flammen. Ferner wurden noch Brände aus der Mittelstr. 47, Reichenberger Str. 24, Reinickendorfer Str. 102, Friedrichsberger Straße 29 und anderen Stellen gemeldet. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Arbeitsangeboten 4087 Nachfragen gegenüber. Die Gesamtzahl der Mitglieder der Ortstrantentasse betrug 20 509; davon waren 12 038 männliche und 8471 weibliche Mitglieder. Die Zahl der erwerbsunfähig frank Gemeldeten betrug 1123. Invalidenrente erhielten 49 Personen und Altersta ise vermehrte ihre im Umlauf befindlichen Sparkassenbücher von renten wurden 2 neu angewiesen. Die Städtische Spar 69 695 auf 72 768. Gleichzeitig stieg der Betrag der Spargelder von Die Zahl der in der Volksküche 41 517 520 9. auf 48 812 640 m. verabreichten Portionen betrug 59399 gegenüber nur 41716 im ersten Quartal der Vorjahre. Die Volksküche wird am 16. August wieder eröffnet. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht das Berliner Tageblatt" eine Buschrift eines hier weilenden Engländers, der das Pech hatte, eine kleine Handtasche im Omnibus stehen zu lassen. Der Fremde glaubte sich nur auf das Bureau der Omnibusgesellschaft begeben zu brauchen, um in kurzer Zeit seinen Verlust wieder die Bevölkerung von 163 491 auf 162 693 gefunten ist. Daß die Das Statistische Amt teilt in seinem Vierteljahrsbericht mit, daß querlangen. Von dem auf dem Bureau anwesenden Beamten wurde ihm aber klar gemacht, daß das so leicht nicht geht. Nachstehend Bevölkerung diesmal zurückgegangen, ist auf den geringen GeburtenEine große Empörung unter den Baffanten rief vor einigen überschuß zurückzuführen, ebenfalls ist die Bahl der Bugezogenen geben wir das einer gewissen Komit nicht entbehrende Schreiben Tagen ein Vorgang hervor, der sich am Helmholtplatz abspielte. geringer als in den Vorjahren. Die Zahl der Lebendgeborenen Ein in angetrunkenem Zustande von der verlängerten Raumerstraße betrug 800. Von diesen starben 521. Das städtische Kranken" Ich fuhr fürzlich mit einem Pferdeomnibus vom Potsdamer tommender alter Straßenhändler war eben im Begriff den Helmholtz- Haus nahm insgesamt 847 Bersonen auf; darunter waren 406 Plaz bis zur Ede Friedrich- und Leipziger Straße. Unglüdlicher plaß zu überschreiten, als sich ihm ein Wächter in den Weg stellte männlich und 441 weiblich. Die Rettungswache Teistete in weise ließ ich meine kleine Handtasche stehen. Auf die Ehrlichkeit und ihm das Ueberschreiten des Plages verbot. Da der alte Mann 209 Fällen Hilfe, die Unfallstation in 333 Fällen. Des des Publikums sowie auf die Aufmerksamkeit des Schaffners ver- diesem Verbot keine Folge leistete, packte ihn der Wächter am Arm infettionen wurden in 350 Fällen ausgeführt. trauend, tat ich am selben Tage teine besonderen Schritte, son- und versezte ihm einen heftigen Stoß, so daß er hinfiel und sich Die Bautätigkeit ist im Steigen begriffen. Am meisten dern wartete in Ruhe die Ankunft des nächsten Tages ab, um mich eine flaffende Wunde am Hinterkopf auzog. Nachdem der Wächter wurde in dem westlichen Teil am Bayerischen Platz gebaut. Der dann wieder in den Besiß meines unentbehrlichen Reisegefährten fah, was er angerichtet hatte, entfernte er fich schleunigst. Passanten Besitzwechsel in bebauten Grundstücken umfaßte 57 Grundstücke. setzen zu können. Ich erfundigte mich nach dem Bureau der Ge- nahmen sich des Schwerverletzten an und brachten ihn wahrscheinlich Der Umsatz betrug 16 Millionen Mart. Der Besizwechsel in un sellschaft und war am nächsten Morgen auch pünktlich dort, um nach einer Unfallstation. Ein in der dortigen Gegend wohnender bebauten Grundstücken umfaßte 63 Grundstücke. Der Umsatz meinen liegengelassenen Freund" zu reklamieren. Doch, die Ironie Leser teilt uns mit, daß der betreffende Wächter auch Kinder, die das betrug 14 Millionen Mark. Den Anlaß zu dem gewaltigen Ana des Schicksals lehrte mich bald, daß das gar nicht so schnell geht. Gras des Plages etwas betreten, oft mit seinem Stock schlägt, sodaß schwellen der Verkäufe boten die in die Berichtszeit fallenden BeDer diensthabende Beamte fragte mich zunächst in dem überall be- fie unter Schmerzen das Weite suchen. Es ist nicht anzunehmen, ratungen über die Wertzuwachssteuer, die inzwischen in Kraft gefannten preußischen Unteroffizierston: Was wollen Sie?" Ich daß dem schlagfertigen Wächter eine Instruktion erteilt worden ist, treten ist. behalte zum Glück die mir seit Jahren in England angewöhnte die sein Vorgehen Kindern sowie Erwachsenen gegenüber erklärlich Bei dem städtischen Arbeitsnachweis standen 3198 Ruhe und Besonnenheit, mache den Beamten aber höflichst und bes erscheinen läßt. Aufgabe seiner vorgesetzten Behörde ist es, dem scheiden darauf aufmerksam, sich vor Augen zu halten, daß er und wächter flar zu machen, daß er zwar in angemessener Form für seine Gesellschaft für das Publikum da wären und nicht umgekehrt. Drdnung zu sorgen, nicht aber Prügelprozeduren zu vollziehen hat. Nun erklärte ich ihm, daß ich gestern in einem Omnibus um diese und diese Zeit vom Potsdamer Plak bis nach Ecke Friedrichstraße Ueber die unhaltbaren Zustände im Stadt- und Vorortverkehr, gefahren wäre, aber unglücklicherweise meine braune Ledertasche die wir des öfteren und am 28. Juli in einer Notiz auf Grund hätte liegen lassen. Auch zeigte ich ihm noch den Fahrschein. Der eines Vorkommnisses auf dem Bahnhof Friedrichshagen beleuchteten, Beamte greift unter die Dede und siehe, mein Freund ist da! äußert sich die Eisenbahndirektion in einem uns überfandten Schon dachte ich, ihn zu haben, aber es tommt anders. Haben Schreiben wie folgt: Sie den Schlüssel dazu?"" Jawohl, aber die Tasche ist nicht ver-" Die Untersuchungen haben ergeben, daß sich der Vorfall in schlossen." Schon ist der Beamte daran, meines fleinen Freundes Friedrichshagen am Sonntag, den 25. Juli, nicht in der geschilBauch zu öffnen, als ich ihm noch rechtzeitig zurufen konnte: derten Weise abgespielt hat. Bei dem Zuge 2624 um 9,54 Uhr Bitte, nicht aufmachen. Um die Sache furz zu machen, will ich herrschte in Friedrichshagen allerdings ein starker Andrang. Nach Ihnen erst sagen, was darin ist, damit für Sie fein Zweifel mehr dem durch die Türschließer alle Abteiltüren geschlossen worden Die Ferienausflüge der Kinder nach dem Grunewald haben mit bestehen bleibt, ob ich der rechtmäßige Eigentümer bin. Also: die waren, rief der in der Nähe des Bugschlusses sich befindende Tür- Ablauf dieser Woche ihren Abschluß erreicht. Um den Schluß würdig Tasche enthält drei elektrische Apparate, zwei Miniaturmodelle von schließer laut Fertig" und" Zurücktreten". Den Ruf Zurück zu begehen, kommen die Ausflügler am Sonnabendnachmittag in Zeppelin- Luftschiffchen, ein Etui mit Kamm und Spiegel, auf dem treten" und" Burückbleiben" wiederholte er mehrere Male. Als der Schloßbrauerei, Hauptstraße 122, zum Staffee und Kuchenschmans Stamm steht unbreakable", und drei Stückchen Buder." Er öffnet der Zug anfuhr, versuchte noch ein Reisender sich in ein über- zusammen. Die älteren Knaben und Mädchen werden turnerische die Tasche, alles stimmt. Saben Sie eine Legitimation?" fragte fülltes Abteil zu drängen, wurde aber von einem im Abteil befind- Leistungen vorführen, an die sich Vorführungen der Mitglieder des er. Jch: Was verlangen Sie für eine Legitimation, ich habe lichen Reisenden durch einen Stoß zurückgeworfen, wobei er von Arbeiter- Turnvereins anschließen. Die jüngeren Kinder werden mit Ihnen doch eben alles aufgezählt, was die Tasche enthält, und da dem erwähnten Türschließer im Fallen aufgefangen wurde. Der den beim Spiel eingeübten Liedern die Anwesenden erfreuen. alles stimmt, ist doch keine weitere Legitimation mehr nötig." Er: Vorfall steht hiernach in feinem ursächlichen Zusammenhange mit Außerdem wird der Arbeiter- Radfahrerverein Schöneberg durch " Ohne Legitimation jiebts nischt. Haben Sie Militärpaß oder dem Wegfall des Rufes„ Abfahren" bei der Abfertigung der Züge. Sunst- und Reigenfahren die Feier des Abschiedsfestes verschönern Invalidenkarte?" Beinahe mußte ich lachen. Da im Lande Die Ueberfüllung einzelner Züge im Sonntagsverkehr tann, wie helfen. Auch die Angehörigen wollen sich an dieser Abschiedsfeier Preußen St. Bureaukratius" bom Militärpaß und der bunt be- die Erfahrungen in sämtlichen Großstädten beweisen, nicht immer lebhaft beteiligen. flebten Invalidenkarte ebenso unzertrennlich ist wie die Biene vom behoben werden, weil der Verkehr sich hierbei auf einen kurzen ZeitWilmersdorf. Honig, erklärte ich dem Beamten, daß wir in England von der raum zusammendrängt und innerhalb dieser Zeit sich in besonartigen Legitimationen nichts wüßten, fragte ihn aber höflich und ders großem Umfange) bald auf diesen, bald auf jenen Zug wirft. Ein außerordentlich verwegener Diebstahl per Automobil ist in bescheiden, ob er Englisch lesen könne. Gr:„ Wenn Sie feine Legi- Reisenden, die es vermeiden wollen, in überfüllten Zügen zu der gestrigen Nacht in der Uhlandstraße 77 berübt worden. Dort timation haben, die ich lesen tann, auch keinen Militärpaß oder Jn fahren, kann deshalb nur empfohlen werden, derartige Züge bor- befindet sich die Automobilabteilung der Bergmannschen Elektrizitätsbalidenkarte, kann ich Ihnen Ihren Koffer nicht geben." Nun zog überfahren zu lassen und einen weniger besetzten Zug abzuivarten. werte, in welcher nachmittags ein Bosten Gummimäntel eingeliefert ich meine Generalvollmacht aus der Tasche, die, nebenbei gesagt, Bei der dichten Zugfolge, die auf den Berliner Vorortbahnen vor- worden war. In der verflossenen Nacht furz nach 12 Uhr fuhr ein in Englisch geschrieben ist und deutete auf meinen Namen. Er ver- handen ist, ist ein zu großer Beitverlust hiermit nicht verbunden." Privatautomobil vor dem Grundstück vor und dem Kraftwagen ents tieft sich in das ihm absolut fremde und unbekannte Papier und Die Mahnung, die die Eisenbahndirettion am Schlusse ihres stiegen zwei elegant gekleidete Herren, welche jedenfalls mit einem fagte:" Das ist nicht amtlich." Nun aber wurde mir die Sache Schreibens an das Publikum richtet, wird wenig Verständnis Nachschlüssel die Türen zu den Geschäftsräumen öffneten. Passanten, denn doch zu bunt. Ich erklärte ihm, daß ich keine Zeit hätte, ihm finden. Denn wer des öfteren an schönen Sonntagen Ausflüge die den Vorfall beobachteten, glaubten, durch das sichere Auftreten erst englischen Unterricht zu erteilen, und da er gar nicht wüßte, was unternimmt, wird oft sehr lange warten müssen, bis die überfüllten der beiden Männer getäuscht, daß diese Angestellte der Bergmannschen bas Schriftstück eigentlich wäre, wie er sich erlauben tönnte, au Büge vorüber sind. Elektrizitätswerte seien und schöpften auch keinen Verdacht, als die beiden Gummimäntel aus den Geschäftsräumen Holten und auf das Auto luden. So gelang es den Dieben, 8000 Mäntel au rauben. Lankwiz. verurteilt. Das Verschulden des Angeklagten, der das Ausbleiben der Arbeiter in den Hintergrund. Er habe in Wirklichkeit gesagt, des Sohnes auf eingetretene Krampfanfälle zurüdführte, be die Maifeier beziehungsweise die Arbeitsruhe werde gegenüber gründete der Gerichtshof auf die nicht rechtzeitige Anbringung solchen Stämpfen in den Hintergrund gedrängt. einer Entschuldigung. Dieses Urteil focht der Angeklagte mittels Mit dieser Berichtigung würde die Sache für uns erledigt Weil er sich unschuldig verurteilt glaubte, hat sich der 58 Jahre der Revision an, in der Verkennung des Rechtsbegriffs des Ver- fein, wenn nicht Genosse Nitschte in seinem Schreiben der alte Landwirt Friedrich G. das Leben genommen. G. war bor schuldens an der Schulverfäumnis gerügt wurde. Der Ferienstraf- Meinung Ausdruck gegeben hätte, daß es sich hier nicht um ein einiger Zeit beschuldigt worden, ein Portemonnaie gestohlen zu fenat des Kammergerichts hat die Revision für begründet erachtet, Mißverständnis unseres Berichterstatters, sondern um eine durch haben. Er wurde auch vom Gericht für überführt erachtet und zu das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache zur ander- redaktionelle Kürzungen hervorgerufene Renderung des Sinnes bierzehn Tagen Gefängnis verurteilt. Er nahm sich dies derartig weiten Berhandlung und Entscheidung an die Vorinstans seiner Ausführungen handelt. Der Verdacht, den Genosse zu Herzen, daß er den Entschluß faßte, Selbstmord zu verüben. zurückverwiesen. In der Begründung dieses Urteils wurde Nitschke ohne Grund gegen die Redaktion des Vorwärts" ausBekannten gegenüber äußerte er, er wolle lieber in den Tod gehen, die Nichtanbringung einer Entschuldigung nicht für einen Be- spricht, erledigt sich durch den Hinweis, daß der betreffende Sat, als unschuldig im Gefängnis fiyen. Der Lebensmilde hat seinen strafungsgrund für die Verfäumnis erachtet. Nur diese sei gegen wie er im Bericht steht, von unserem Berichterstatter geschrieben Plan jezt auch zur Ausführung gebracht; gestern wurde seine Leiche die Eltern des Kindes strafbar, wenn sie infolge von Nachlässigkeit ist, und daß dieser noch heut der Meinung ist, er habe den Geaus dem Teltowkanal gelandet. ihre Kinder vom Schulbesuch abhalten. In der erneuten Verhande nossen Nitschke nicht falsch verstanden, um so mehr, da der vom Bohnsdorf. Auslung sei die Richtigkeit der von dem Angeklagten gemachten Angabe Genossen Nitschke berichtigte Satz fich seinen weiteren zu prüfen. Ist sie richtig, dann könne von einem Verschulden des- führungen, welche die Arbeiter geradezu als ohnmächtig gegen jelben nicht die Rede sein.. das Unternehmertum hinstellten, vollkommen logisch angliedern würde. Trotzdem ist unser Berichterstatter lohal genug, um die Möglichkeit eines Mißberständnisses auf seiner Seite zuzugeben und zu glauben, daß. Genosse Nitschte das, was er in seiner Berichtigung angibt, gemeint hat, wenn er sich, wie das einem Redner wohl passieren kann, auch anders ausgedrückt haben mag. Die lette Generalversammlung des Wahlvereins nahm zunächst den Vorstands, Kassen- und Speditionsbericht debattelos entgegen. Bein Bericht der Lokalkommiffion entspann sich eine rege Diskussion, in welcher das pflichtwidrige Verhalten einiger Genoffen, namentlich das des Genossen Klemm, entschieden gerüigt wurde. Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genoffen Rittert und Frau Weißensee delegiert. Außerdem wählte die Versammlung eine Agitations tommission, bestehend aus den Genossen Oppenborn, Baul und Weißenfee. Der Bäderboykott wurde aufgehoben. Alt- Glienicke. In der letzten Gemeindevertretersizung kam die Unduldsamkeit der Kirche recht kraß zum Ausdruck. Da die Gemeinde selbst keinen Friedhof ihr eigen nennt, sondern auf den Begräbnisplatz der Kirche angewiesen ist, so berlangt jetzt der Gemeindekirchenrat, wohl in folge der zahlreichen Austritte aus der Landeskirche, daß die Gemeinde fich einen fommunalen Friedhof anlegen solle. Es sei nicht angängig, daß die Mitglieder der Gemeinde, welche aus der Kirche ausgetreten find, inmitten gläubigen Christen zur letzten Ruhe bestattet würden. Die Vertretung war einsichtsvoll und ging über diesen Buntt zur Tagesordnung über. Borher fand die Einführung des Genossen Restaurateur Hermann Nike statt, welcher an Stelle des berzogenen Genoffen Gerlach bei der letzten Ersazwahl in der dritten Abteilung mit 222 gegen 9 Stimmen gewählt war. Friedrichshagen. Polizeieide. Freitrunk von Polizeibeamten spielte in einer am Montag vor der Ferienstraffammer des Dortmunder Landgerichts stattgehabten Verhandlung eine erhebliche Rolle. Angeklagt war der Wirt Schulte aus Unna wegen Schußmannsbeleidigung. Dem angeflagten Wirt war die Freundschaft verschiedener Polizisten doch zu läftig gefallen, und er hatte schließlich Anzeige erstattet, daß die Schuhleute Stoff, Kilian und Meinede lange Zeit nachts bei ihm verkehrt, ftets viel getrunken, aber nie bezahlt hätten. Es wäre wohl nicht zur Anzeige gekommen, aber der Wirt fühlte sich schifaniert; ihm war die Sache zu teuer erschienen und er hatte barum Punkt 11 Uhr sein Lokal abgeschlossen. Diese Maßregel scheint man ihm übel genommen zu haben. Der Wirt hatte sich in dem großen Irrtum befunden, daß auf Grund seiner Anzeige gegen die beschuldigten Polizisten vorgegangen werden müsse. Seine Unkenntnis mit den Gepflogenheiten der Behörden im Polizeistaat Preußen hatte zur Folge, daß nicht die Beschuldigten, sondern er selbst, der Wirt, auf die AnKlagebant fam, und zwar wegen Beleidigung der Schuyleute. Die Sache gelangte zuerst vor dem Schöffengericht in Unna zur Aburteilung, das auf Freisprechung erkannte, weil mehrere Personen aus dem Wirtschaftsbetriebe beschworen, daß die Schuhleute in der Tat viel getrunken und nie bezahlt hätten. Freitagabend 8%, Uhr im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Bortrag des Deutscher Arbeiter- Abstinenten.Bund. Ortsgruppe Berlin. Benoffen Balter Bimmermann:" Die geistigen Strömungen der Renaissance". Sozialdemokratischer Lefe und Diskutierklub" Johann Jacoby". Heute abend 82 Uhr bei Bugge, Kastanten- Allee 95/96: Situng. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub" Wilhelm Liebknecht". Heute Donners. tag, abends 9 Uhr, bei K. Eichhorn, Danziger Straße 93: Sigung. Gäste willkommen. Vermischtes. Ermordung eines Oberregierungsrates. In Brödel bei Gaschwiz ist, wie aus Leipzig berichtet wird, gestern morgen der Oberregierungsrat an der tönigl. Kreishauptmannschaft Leipzig, Freiherr v. Wöhrmann, mit zertrümmerter Schädeldede ermordet in seiner in einem einsamen Hinterhause Als mutmaßlicher Gegen dies freisprechende Urteil legte der Amtsanwalt vom gelegenen Wohnung anfgefunden worden. Der am Dienstag verstorbene Amts- und Gemeindevorsteher Schöffengericht in Unna Berufung ein. Wobei zu bemerken ist, Mörder tam zunächst der Portier des Hauses, Georgi, in Bürgermeister Wilhelm Klut wurde, wie uns in Ergänzung unserer daß der Amtsanwalt im Hauptamt Bürgermeister von Unna, Chef Betracht, der sofort verhaftet wurde. Er beteuerte aber seine furzen Meldung von gestern noch mitgeteilt wird, Ende der achtziger der dortigen Polizei und Borgeschter der angeblich beleidigten Unschuld und konnte schließlich sein Alibi nachweisen. Plötzlich Jahre zum Gemeindevertreter und bald darauf auch zum Gemeinde- Schuhleute ist. aber fand das Verbrechen seine Aufklärung. Bei dem Gemeinde schöffen gewählt. Im Jahre 1893 erfolgte feine Wahl zum Ge- Zum Berufungstermin in Dortmund hatte der angeklagte Wirt vorstand im benachbarten Hartmannsdorf meldete sich ein meindevorsteher und gleichzeitig seine Ernennung zum Amtsvorsteher umfangreiches Beweismaterial für seine Beschuldigungen bei junger Mann, der sich selbst beschuldigte, morgens um 25 Uhr den gebracht. Alle drei Polizisten beschworen wiederum, immer alles für den Amtsbezirk Friedrichshagen. Als Gemeindevorsteher ist Klut bezahlt zu haben, was fie getrunken. Im schroffen Gegensatz au Oberregierungsrat v. Wöhrmann ermordet zu haben. Er gab an, ſtets bestrebt gewesen, die Entwickelung der Gemeinde zu fördern diesen Aussagen stehen die Bekundungen anderer einwandfreier der Sohn Robert des Portiers Georgi zu sein. Der Gemeindeund das Interesse der Gemeinde nach jeder Richtung hin wahr- Beugen. Als der Schuhmann Stoff sich gegen die gegen ihn er- vorstano, der von dem Mord noch keine Kenntnis hatte, hielt ihn zunehmen. Unter feiner Amtsführung wurde das achtzehnklassige hobene Beschuldigung zu wahren suchte mit dem Einwand, er sei zunächst für irrfinnig, telephonierte aber sofort nach Brödel, worauf Knabens, das 24 klassige Mädchenschulhaus und das Realgymnasium Temperenzler, sagte ihm das Büfettfräulein des Wirts ins Gesicht, fich der dortige Gemeindevorstand um 19 Uhr in die Wohnung des erbaut. Mit Eifer betrieb er die Pflasterung der Straßen und die daß er stets getrunken, ohne zu bezahlen, und gerade er habe am Oberregierungsrats begab. Der Ermordete scheint bei dem Eintritt Errichtung der Wasserleitung und Kanalisation. Bureaukratische tiefften in die Zigarrenfifte gegriffen. des Täters, der nur einen Einbruch geplant hatte, erwacht zu sein. Alüren waren dem Verstorbenen fremd. Bon streng konservativer geladen war, bekundete, in Unna fei es nicht üblich, daß die Boli Es folgte dann ein heftiger Kampf, bei dem der Oberregierungsrat halben langen diden Knüppel erGesinnung, widerstrebte es doch seinem Charakter, als Polizei- siften bezahlten, was jie tränken. Das sei in Unna auch so bekannt, mit einem etwa einen halben Meter langen diden Knüppel erberwalter der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung daß die Spaten es von den Dächern pfiffen. schlagen wurde. durch Kleinliche Schikane Hindernisse zu bereiten. Nach Ablauf seiner zwölfjährigen Amtsdauer wurde Klut im Jahre 1905 von der Gemeindevertretung einstimmig auf fernere awölf Jahre zum Gemeindeborsteher gewählt. Tegel. Ein schwerer Automobilunfall hat sich vorgestern auf der Dranienburger Chauffee ereignet. In der Berliner Straße in Tegel fuhr eine Droschte beinahe gegen einen Straßenbahnwagen. Beim Aus weichen fauste das Automobil mit solcher Gewalt gegen einen Baum, daß der Kraftwagen vollständig zertrümmert und der Insasse, ein Kaufmann N. aus Berlin, schwer verletzt wurde. Der Verunglückte fand im Paul Gerhardt- Stift Aufnahme. Der Chauffeur war ohne Verlegungen davongekommen. Französisch- Buchholz. Ein begehrter Posten. Um die hiesige, durch den Abgang des bisherigen Inhabers zum 1. Oktober d. J. frei werdende Gemeindevorsteherstelle sind nicht weniger als 131 Bewerbungen eingegangen. Unter den Bewerbern befinden sich 40 Bürgermeister, 11 Stadt- und Magistratssekretäre, 9 Amts-, Gemeindes und Polizeisekretäre, 8 Gemeindevorsteher, 6 Kreisausschußsekretäre, 4 Magistratsassistenten, 4 Referendare, 3 befoldete Stadträte, 3 Amts- und Gemeindevorsteher, 3 Leutnants a. D., 3 Studenten, 2 Amtsvorsteher, 2 Rechtsanwälte, 2 Bureauvorsteher, 2 Magistratshilfsarbeiter, 2 Kandidaten und 27 sonstige Bewerber, worunter sich auch ein Oberstleutnant und ein Major a. D. befinden. Potsdam. Selbstmord eines Militärmusifers. Der freiwillig beim ersten Garde- Regiment dienende Mufiter Harry Wenzel hatte sich vor einigen Tagen vormittags nach Berlin zu seinen Eltern begeben. Da W. abends noch nicht zurückgekehrt war, wurde ein Unteroffizier beauftragt, nach Berlin zu seinen Eltern zu fahren und Erkundigungen einzuziehen. Bei dem Eintreffen des Unteroffiziers begab fich W. in ein Nebenzimmer und erschoß sich. Vor wenigen Tagen hatte sich W. erst verlobt. Gerichts- Zeitung. Trotz der bestimmten Aussagen der Entlastungszeugen hielt der Staatsanwalt seinen Strafantrag aufrecht und beantragte 50 m. Geldstrafe. Das Gericht schenkte jedoch den Bekundungen der EntTaftungszeugen Glauben und erkannte, wie die Borinstanz, auf Freisprechung. Oberregierungsrat b. Wöhrmann war Zivilvorsitzender der Königlichen Ersatzkommission I im Bezirk der dritten Infanteriebrigabe und Vorsitzender der Prüfungskommission für Einjährig- Freiwillige. Obwohl er sehr reich war, bewohnte er ein paar bescheidene Bimmerchen in dem Hinterhaus einer Villa. In dem unteren Nun darf man allerdings gespannt sein, was weiter erfolgen Teile des Hinterhauses befinden sich Wohnungen für Stalljungen wird, denn mit der Freisprechung des Wirts kann die Affäre boch und andere Gelasse. Der Schlüssel zu der Wohnung des Ermordeten nicht erledigt sein. Es ist doch eigentlich ein Unding, baß nach lag immer an einem fleinen Parterrefenster und konnte also von diesem Urteilsspruch die drei beschuldigten Polizisten noch im Amte bleiben. Und wie wird ein Strafverfahren gegen die Polizei- außen jederzeit erreicht werden. Die Aufwartung besorgte die Frau des Portiers Georgi. Ihr Sohn, der jetzt den Mord beging, befand beamten eingeleitet werden? sich seit langer Zeit ohne Arbeit und trieb sich im Voigtlande herum. Von einem Gemeindevorstand im Voigtlande ließ sich der junge Georgi das Geld zu seiner Heimreise nach Brödel geben. Am Sonnabend kehrte er nach Brödel zurück. Der voigtländische Gemeindevorsteher verlangte nun das verauslagte Geld in Höhe von 38 M. von der Gemeinde Brödel zurück, die sich aber die Kosten von Georgi felbst ersetzen lassen wollte. Der junge Georgi wußte nun nicht, wo er das Geld auftreiben sollte. Er schlich sich deshalb in der vergangenen Nacht in die Wohnung des Regierungsrats, um Geld zu stehlen. Dabei erwachte der Regierungsrat und wurde von Georgi niedergeschlagen. Der Mörder wurde in das Untersuchungsgefängnis in Leipzig eingeliefert. In der Verhandlung vor der Dortmunder Ferienftraftammer ereignete fich übrigens noch ein recht bemerkenswerter Zwischenfall. Bei der Vernehmung der Schußleute machte der Vorsitzende die Entdeckung, daß zwei der Polizisten mit Revolvern bewaffnet zum Termin erschienen waren. Der Vorsitzende fand das sehr befremdlich und ließ ihnen an Ort und Stelle durch den Polizeitommiffar Rotbart die Revolver fortnehmen. Zur Begründung der Entwaffnung erklärte er: erstens befänden sich die Schuyleute im Außenbezirt, und zweitens feien sie nicht im Dienst, sondern als Beugen erschienen. Sie hätten darum fein Recht, mit Revolvern bewaffnet nach Dortmund zu kommen, obendrein den Gerichtssaal mit Revolvern zu betreten. Schadenersatz bei Verwendung mangelhaften Baumaterials. Die Reparaturarbeiten des Zeppelin II" sind, wie eine Meldung aus Frankfurt a. M. besagt, soweit vorgeschritten, daß mit dem Wiederaufstieg desselben am heutigen Morgen gerechnet wird. Bermißter Dampfer. Einem Telegramm aus Yap zufolge ist das Vermessungsschiff Planet" dort eingelaufen, nachdem es in der Beit vom 15. bis 23. Juli bei den Louisiaden vergeblich nach dem vermißten Regierungsdampfer Seestern" Nachforschungen angestellt hat. Der Kreuzer Condor", der am 1. August von Auckland in Brisbane eintraf, soll gleichfalls nach dem„ Seestern" suchen. " Eingegangene Druckfchriften. Eine interessante Frage lag fürzlich dem Reichsgericht anläßlich eines Rechtsstreits der Witwe W. in Oberhausen gegen den Bauunternehmer P. daselbst bor. Letterer hat in den Jahren 1897 und 1898 auf Bestellen der Klägerin am Neubau ihres Wohn. Hauses die Maurer- und Verpuzarbeiten ausgeführt. Infolge schlechter Beschaffenheit der von ihm verwendeten Schutzbretter brach der Schwamm in dem Hause aus, und es mußten die hölzer nen Balfenlagen, Spalier- und Schußdecken sowie die Holzfußböden herausgenommen werden. Bei der Art der Schwammbildung und der wegen der Unmöglichkeit der Beseitigung aller vorhandenen Schwammsporen aus Nizen, Löchern und Fugen drohenden Gefahr einer weiteren Ansteckung war es erforderlich, nunmehr Eisen- und Betonkonstruktion zu verwenden. Auch die hierdurch und durch Verwendung von Linoleumbelag entstandenen Kosten hat die Klägerin bei Geltendmachung ihres Schadenersabanspruches vom Beklagten ersetzt verlangt und vom Berufungsgericht zugesprochen erhalten. Dabei hat dieses den Einwand des Beklagten, die lägerin müsse fich den Abzug des Betrages, um den ihr Haus Bon Lillie Oberwarth. Geh. 1 M. 20 31. Leipzig, Th. Griebens Berlag Mutterbriefe. Leitfaden zur Pflege und Ernährung des Säuglings. konstruktion objektiv wertvoller fei, gefallen laffen, als ungerechtenbericht für das Jahr 1908 des Berbandes der Porzellaninfolge der Ersetzung der früheren durch die neue Deden- Bon Lillie Oberwarth. Geh. 1 M. 20 f. Leipzig, Th. Griebens Berlag fertigt zurückgewiesen. und verw. Arbeiter und Arbeiterinnen.. Berlag: D. Goerte, Charlottenburg, Guerideftr. 21. Wissenschaft und Bildung. Bd. 46: Der Kampf um die Herr fchaft im Mittelmeer. Die geschichtliche Entwickelung des MittelmeerVoltstum, Kultur und Volksbildung. raumes. Von Dr. P. Herre. Bon Liz. K. Gombel. Bd. 54: Das Christentum im Weltanschauungs. tampf der Gegenwart. Von Prof. Dr. Qunzinger. 60 Pf. u. Meyer, Leipzig. Ein Ritter vom Kümmelblättchen, welcher einen biederen Des Rellners Ernst Leutlein unter der Anflage des Betruges vor Provinzialen völlig ausgeplündert hatte, mußte sich in der Person dem Schöffengericht Berlin- Mitte verantworten. Der Landarbeiter Paul Jordan hatte auf einem Gute in der Nähe von Berlin längere Gegen dieses Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf hatte Beit gearbeitet und wollte nun am 4. November v. 3. mit seinen der Beklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der 6. ZivilErsparnissen wieder seine Heimat, ein fleines Dörfchen in fenat des höchsten Gerichtshofes erkannte jedoch unter folgenden Schlesien, aufsuchen. Als er von seiner Arbeitsstelle auf dem Erwägungen auf Zurüdweisung der Revision:" Der Beklagte war Lehrter Bahnhof anlangte, wurde er von einem Mann, der sich vertragsmäßig verpflichtet, gutes, schwammteimfreies Holz zu verspäter als der jetzige Angeklagte entpuppte, angesprochen und um wenden; das hat er nicht gefan; infolgedessen ist der Schwamm irgendeine Auskunft gebeten. Als der Angeklagte hierbei bemerkte, ausgebrochen, und das hat weiter dazu geführt, daß zur ordnungsdaß Jordan Schlesier sei, erzählte er sofort, daß er nach Schlesien mäßigen Wiederherstellung des Hauses an Stelle der Holzfahren wolle. Jordan war hocherfreut, daß er einen„ Landsmann" fonstruktion nunmehr Eisenkonstruktion sowie Betondeden und gefunden hatte, und folgte gern der Einladung zu einem Glafe Linoleumbelag treten mußten. Die Wiederherstellung auf diese Bier. In einem Lokal in der Tieckstraße gefellte sich dann wie zu Weise hatte die Klägerin vom Beklagten zu fordern, weil er die fällig noch ein zweiter Landsmann" hinzu, und bald saßen alle Wiederherstellung unter Verwendung von Holzkonstruktion durch drei bei dem beliebten Schafskopfspiel. Als die beiden Kumpane fein eigenes Verschulden unmöglich gemacht hatte. Wirtschaftlich verloren, schlugen sie ein anderes Spielchen vor. Es war dies das ist dadurch für die Klägerin derselbe Zustand hergestellt worden, fogenannte Kümmelblättchen, bei dem Jordan im Handumdrehen wie sie ihn auf Grund des mit dem Beklagten abgeschlossenen über 70 M. berlor. Als er schließlich merkte, daß er Gaunern in Werfvertrages zu fordern gehabt hatte. Falls durch die Ver die Hände gefallen war, entfernten sich diese unter einem Bor- wendung der Eisenkonstruktion usw. der Verkaufswert des Hauses wande, vergaßen aber das Wiederkommen. Als Jordan einige in der Tat erhöht worden sein sollte eine Annahme, die dem Tage später den Angeklagten zufällig auf der Straße traf, ließ er Berufungsgericht nach Lage der Sache mit Recht nicht unbedenklich ihn verhaften. Der Amtsanwalt beantragte 1 Monat Gefängnis, erscheint so würde doch die Klägerin einen bei Berechnung ihres das Gericht erkannte jedoch mit Rücksicht auf die Gemeingefährlich Schadens zu kürzenden Vorteil dadurch nicht erlangt haben, weil keit derartiger Bauernfänger auf 2 Monate Gefängnis. fie das Haus nicht aus Spekulation, nicht zum Weiterverkauf, sondern um es zu bewohnen hat bauen laffen. Die Herstellung von Betonfußböden machte, da es sich um ein Wohnhaus handelte, die Verwendung von Linoleumbelag erforderlich." Ein interessanter Fall von Schulverfäumnis beschäftigte den Ferienstraffenat des Kammergerichts. Bereits beim Eintritt des Arbeitersohnes H. in die Volksschule machte der Bater den Lehrer darauf aufinerksam, daß der Knabe an Krämpfen leibe, die ihn wohl manchmal am Schulbesuch verhindern würden. In den Tagen vom 14. bis 17. November v. J. war H., ohne daß eine schriftliche Entschuldigung beigebracht war, dem Schulbesuch fern geblieben. Wegen dieser Schulversäumnis wurde der Water des Schülers strafrechtlich verfolgt und in der Tat auch von der achten Straffammer des Landgerichts Berlin I au einer Geldstrafe Verfammlungen. Zu dem Bericht über die Generalversammlung des Kreiswahl vereins für Niederbarnim schreibt uns Genosse Nitschte, er müsse berichtigen, daß er nicht gefagt habe, gegenüber den großen Stämpfen, die uns von den Unternehmern drohen, treten die Massen Protokoll der 11. ordentl. Generalversammlung des Verbandes der Lagerhalter und Lagerhalterinnen Deutschlands. 50 Pf.- Selbst. verlag, Leipzig. Briefkaften der Redaktion. Quelle Die furistische Sprechstunde findet indenstraße 3, zweiter Hof, britter Eingang, vier Treppen, Sahrul wochentäglic abends von 7% bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Ubr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Baht ats Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. -www Bis zur Miets Mr. B. 54. Die Anerkennung einer Forderung Hemmt die Ber jährungsfrist. Diefe fängt von der Anerkennung von neuem zu laufen an. E. B. 99. In beiden Fällen würde das Mitglied ein Recht haben, weil im Statut nicht zum Ausdruck gebracht ist, daß das ausscheidende oder mit den Beiträgen im Rückstande befindliche Mitglied an einen etwaigen Gewinn teinen Anspruch hat. 7. B. N. 27. In der geschilderten Sandlung liegt Hausfriedensbruch. Es tönnte aber Freisprechung erfolgen, wenn der Richter annimmt, der Berwalter habe geglaubt, im echt zu sein. Schloffer 15. Der Fortzug würde bom bertrag nicht entbinden. Der Wirt tönnte feine Rechte an den Möbeln geltend machen. F. F. 66. 1. und 2. Ja. 8. Nein. G. Gh. 42. 1. bis 3. Nein. 4. Jederzeit fann interveniert werden. Intervenieren fann der Eigentümer einer Sache, die wegen der Schuld eines anderen bet diesem gepfändet ist. Sie würden zwedmäßig tun, statt der allgemeinen Anfragen Ihren Fall zu schildern und an diese Ihre Frage ankommen laffen. Dieselbe ist allerdings wahrscheinlich. 6. 1907. Sie könnten es auf eine abermalige Ausweisung zu hüpfen. S. D. 13. Der G. A. 2. 14. Ja. Nowawes. 1. Nein, Neflamieren Sie bei der Kirchenbehörde. 2. Trot eie Ghemann haftet nicht für die Schulden des erſten. der Reflamation tönnte Ileider Pfändung vorgenommen werden. Witterungsübersicht vom 4. August 1909, morgens 8 12. Stationen 21. 23. 19. Stirbt der Mieter, so ist sowohl der Erbe, als der Vermieter| fichtslos. Vera 8. 1. Den Antrag um Dispens von dem Cheberbot berechtigt, das Mietsverhältnis unter Einhaltung der gefeßlichen Frist zu wegen Ehebruchs reichen Sie bei dem Landgericht ein, das die Scheidung fündigen. Die Kündigung fann nur für den ersten Termin erfolgen, für ausgesprochen hat. Zweckmäßig ist es, die Zustimmung des früheren EheKalkbrenner. 1. und 2. Ja. 3. Nein. den sie zulässig ist. Ist der Tod in diesem Quartal eingetreten, jo lönnen gatten beizufügen. 2. Ja. demnach beide Teile einen länger dauernden Bertrag bis am 3. Dftober A. F., Spandau. Ein Schadenersagprozeß wäre leider erfolglos, weil zum 31. Dezember fündigen. 2. 27. Der Vertrag würde nichts nügen. fein schriftlicher Bertrag vorliegt. Die Kündigung ist rechtzeitig erfolgt. Er wäre ungültig. Der Birt geht vor und würde, auch wenn die Sachen G. B. 31. Eine Klage der Arbeiter aus Bahlung für die in die auf einen Gläubiger überschrieben werden, sein Recht an diefen nicht legten zwei Jahre fallenden Sonntage hätte Aussicht auf Erfolg. berlieren. G. N. 62. Eine Reflamation hätte leider keinen Streitfrage. Der außereheliche Erzeuger hat auch dann Alimente zu zahlen, Swinembe. 763 ND E. S. 53. 1. Das Damburg 766 3 Erfolg. Sie hätten gegen die erste Beranlagung reflamieren müffen. wenn die Mutter es ablehnt, ihn zu heiraten. Berlin 763 N Reihn 250. In beiden Fällen würde das Geld nicht dem Komitee, Polizeipräsidium. 2. Die Eingabe ist zu detaillieren. 3. Heinrich. Der sondern den Angehörigen der Werkstatt gehören. B. M. 700. 1. Ja. Antrag hätte kaum einen 8wed und kostet im Falle der Betsilligung 50 M. Frank.a M. 766 S Münden 766 N Sie müßten aber angeben, daß Sie die Möbel auf Teilzahlung befizen. Sie müßten lage gegen das Kind erheben(§§ 1596, 1597 B. G.-B.), um 28ten 763 N 2 und 3. Nein. 4. Jm Offenbarungseid ist anzugeben, was man befigt. Ihren Bwed zu erreichen. B. J., Adlershof. Sie würden nach MaßDie Leistung des Eides hat auf das Wahlrecht feinen Einfluß. 5. Rein. gabe der schriftlichen Verpflichtung, deren Wortlaut Sie leider nicht mitW. S. 1867. Ja, an 6. Haben Sie nicht schriftlich Bürgschaft geleistet, so tönnen Sie nicht mit geteilt haben, Schadenersaz verlangen können. Erfolg berklagt werden. R. S. 500. Die Klage wegen Schaden- den Gemeindevorstand. H. M. Haben Sie den Arzt nicht rufen lassen erfat hätte Aussicht auf Erfolg. Die Gerichtsaften fönnen eingefordert und steht die betreffende nicht im Gefindeverhältnis oder dergleichen zu R. D. 49. werden. M. H. 30. Auch ohne Kündigung würde der Vertrag Ihnen, so sind Sie zur Zahlung nicht verpflichtet. am 1. Oftober sein Ende erreichen. 2. M. W. 1. Ja. 2. Nein. Nur nach Maßgabe der uns nicht befannten Police und Statuten. A. B. 100. Innerhalb eines Jahres nach Aufhebung des Verlöbnisses fann auf Rückgabe des Verlobungsringes geflagt werden. R. J. 100. 1. Die Klage hätte Aussicht auf Erfolg. 2. Nein. Reichen Sie zunächst die stlage beim Gewerbegericht ein und erst, wenn dies durch Urteil sich für unzuständig erklärt, flagen Sie beim Amtsgericht. wegs. A. B. 19. Die Klage werden Sie, falls Ihre Behauptungen crwiesen werden, voraussichtlich gewinnen. R. 2. 40. Nein. N. E. 100. 1. Der Antrag ist an das Polizeipräsidium zu richten. 2. 50 M.. S. 36. Nein. Sie würden aber mit Aussicht auf Erfolg auf InneR. L. A. haltung des Vertrages und auf Schadenersas flagen tönnen. Die Eröffnung des Testaments findet auf Antrag statt. Benden Sie sich an das Amtsgericht mit der Anfrage, St. N. 50. Keines Better Stationen Better Temp. n. T. Wo= 909 2 halb bd. 13 15 Saparanda 763 N 14 Betersburg 761 2 13 Scilly 765 SS 13 Aberdeen 1 Rebel 1wolkig 3bebedt 2 bebedt 3 bebedt 1 Regen 8 bebedt 11 Baris 3 polttg 15 Wafferstands- Nachrichten 14 15 760 SSB 770 NND 3 bebedt 14 1 bedeckt 11 der Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Basserstand Kroffen Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über Memel, Luft den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Bregel, Insterburg Zufuhr schwach, Geschäft füll, Breise unverändert. Bild: Bufuhr nicht Beisel Shorn Dder, Ratibor genügend, Geschäft rege, Preise fest. Geflügel: Zufuhr in Gänsen genügend, sonst knapp, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr knapp, Geschäft ziemlich lebhaft, Preise hoch. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Dbfi und Südfrüchte: Bufuhr meist über Bedarf, Geschäft anfangs leblos, später reger, jedoch wenig befriedigend. Preise gedrückt. ob ein Testament vorliegt. G. R. 40. Nur im Falle der Bedürftigkeit und falls Sie ferner zur Bahlung der Kosten ohne Beeinträchtigung Ihres eigenen und der Famille standesgemäßen Unterhalts imftande find, sind Sie zur Bahlung der Kur- am Tage etwas wärmer bei mäßigen füdwestlichen Winden. fosten verpflichtet. T. 20. Leider wäre eine weitere Beschwerde ausFür den Inhalt der Inserate bernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 5. auguft. Anfang 7%, Uhr. Nenes königliches Operntheater. Carmen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Ketten. tdal Sammerspiele. Gelbstern. Leffing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Neues. Sein Sündenregister. Bleues Schauspielhaus. Miß Dudelsac Komische Oper. Demimonde. Wetterprognose für Donnerstag, den 5. Auguft 1909. Bor übergehende Aufflarung, später wieder neue Trübung und Regen, Berliner etterbureau. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Ballner- Theater.) Täglich: Madame Bonivard. Schiller- Theater Charlottenburg. Täglich: Der Biberpelz. Gerhart Hauptmann. Anfang 8 Uhr. Ende 10%, Uhr. Schwant in 3 Alten von Alexander Eine Diebeskomödie in 4 Arten von Bisson und Antony Mars. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fidele Bauerte Leo Fall. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Anfang 8 Uhr: Die Sprudelfee. Operette in 3 Aften v. H. Reinhardt. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Donnerstag, 5. August, abends 8 Uhr: Luftspielhaus. Familie Schimet. Renes Operetten. Die Sprudelfee. Der Poftillon von Lonjumeau Kleines. Moral. Weften. Der fidele Baner. Schiller 0.( Ballner Theater.) Madame Bonivard. • Schiller Charlottenburg. Der Biberpelz. # Friedrich Wilhelmstädt. Schau. spielhaus. Der Postillon bon Lonjumeau. Luifen. Der stille See. Thalia. Jm Café Nobleffe. Rom.Oper in 3 ft. v. Adam. Neu einst. ( Kleine Preise.) Freitag: Die Afrikanerin. Sonnabend: Der Freischütz. Residenz- Theater Direktion: Richard Alexander. 8 Uhr! 8 Uhr! Folies Caprice. Drei Frauenbäte Kümmere Dich um Amelie. Der Deserteur usw. Anf. 8 Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. Apollo. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld- Theater. Frau Ellams Friseur. 28intergarten. Spezialitäten. Vasage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Der Mann mit der eifernen Maste. Walhalla. Spezialitäten. Berliner Prater. Man lebt fa nur einmal. Schwant in 3 Aften von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Diefelbe Vorstellung. Lustspielhaus. Abends Passage- Panoptikum. Aga! die schweb. Jungfrau. Ganz Berlin zerbricht sich wieder d. Kopf üher Aga. DerMann m.d.eisernen Schlund! Experimente d. IV. Dimension! Alles ohne Extra- Entree. Passage- Theater. Ein durchschlagender Erfolg! Alois Pöschl Edmondo Lucini The Lingtons und das großartige August- Programm! 12 erstklass. Variété- Attraktionen. Beser, Münden am feit am feit 3. 8. 2. 8. Bafferstand 8. 8. 2. 8. cm cm ¹) cm cm 220 +5 Saale, Grochlik 76 +12 15 -5 Habel, Spandau) 62+12 90 133 -2 Rathenow³) 25+7 -4 Spree, Spremberg') 153 Beeskow 82 96+1 163 +2 -60 42 0 Minden 50 14<-2 Rhein, Maximiliansau 498 -15 +2 Raub 271 34 +19 Köln 283 Dresden Barby Magdeburg -90 +10 Nedar, Heilbronn 50 142 +4 Main, Wertheim 123 128 +3 Mofel. Trier 50 )+ bedeutet Wuchs. Fall. 5) Unterpegel. Frantjurt Barthe, Schrimm Landsberg Neze, Bordamm Elbe, Leitmeri ORIGINAL An diesem Schild sind die Läden erkennbar, 19 in denen SINGER MAHMASCHINES SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Mustergültig in Konstruktion und Ausführung, gleich vorzüglich für Hausgebrauch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERLIN, Leipziger Straße 92. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. Arbeiter- Wanderbund Brunnen- Theater Die Naturfreunde Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: Wanderfahrten am Sonntag, ben S. Auguft 1909: Bauernpoffe in 3 Alten von Manz. 1. 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WalhallaAbends 8 Uhr: Sein Sündenregister Freitag und folgende Tage: Variete Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Im Theater: D.neuen Auguft.Spezialitäten Frei: Im Garten Konzert. Sein Sündenregister. eben u. Ereiben im Traumland. Neues Kgl. Opern- Theater( Kroll). Gura- Oper. Charles Dalmorès. Marion Ivell. Arm. Grabbé. Carmen. Frau Elkam's Friseur. Meine- Deine Tochter. Beide Komödien mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr. 216 7 Uhr: Promenaden- Konzert im schattigen Sommergarten und Pergola. W.Noacks Theater Berliner Prater- Theater Direftion: Rob. Oill. Brumenitr. 16. b 7 Uhr: D. neuen August- Spezialität. Hannchen Georgette X Karl Clon Max Alexander usw. Von Georges Bizet. Anf. 7 Uhr. 9%, Onkel Schlaumeier. 9% Freitag: Tannhäuser. Sonnabend: Lohengrin. Sonntag: Meistersinger. Stonz. 6, Staffeet. ab 3 U. Entree 30 Bf. Montag: Orpheus. Königstadt- Kasino. Solzmarktstr.72( Ede Alleganderstr.) Tägl. i herrl.Natur- Sommergarten bei ungünstiger Witterung i.Saale Gr. Theater- u. Spez. Vorstellung. Amor auf Irrwegen. Bosse mit Gefang von Tyrtowsti. Elly Burgois, Duett Herrmann, Heinz Heuer, Harves and Horves, LoeweLessen und ersttlaff. Spezialitäten. Unf. wochent. 8, Sonntags 5 Uhr. Sonnabend: Wie man eine Frau sucht. Staftanienallee 7-9. Täglich: Man lebt ja nur einmal! Havemanns größte Raubtierschule d. Welt. Spezialität., Konzert, Ball. Anfang 4%, Uhr. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108/114 Heute Donnerstag, den 5. August 1909: Großer Elitetag. Gala- Spezialitäten- Vorstellung. Großes Doppel- und Militär- Konzert. Monster- Brillant- Feuerwerk. Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf. Am Königstor. Um Friedrichshain 4 resp. 5 Uhr 30 Täglich Entree 80 PL. Theater- Vorstellung Spezialität. D. neue Auguſtprogr. Kinematograph, Volksbelustigung. Jed. Ab. 10 15: Leute von heute Rebensbild. Jed.Mittwoch: Kinderfreudenfest. Kl. Köris- Teupik- Gr. Köris. Abfahrt: 700 Uhr vorm. Görliger Bahnhof oder 6 Uhr borm. Schles. Bahnhof bis Johannisthal, an 70 Uhr, Umsteigen: Fernzug 711 Uhr ab. 2. Grünberg- Grundmühle- Forst haus Birkholzgrund Döringsbrüd- BerlorenerDrt- Schwante. Abfahrt: 5 Uhr vorm. Stettiner Fernbahnhof. 3. Buch- Schloßpart- penberge. Bepernid. Abfahrt: 10 Uhr nachm. Stettiner Borortbahnhof. Gäste willkommen. Volksgarten- Theater 1/6 früher Weimanns Volksgarten. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Ella Vera X Lola Droll X Otto Beyer The Horleys X Brothers Vollmer Der Aktienbudiker. Volksstück m. Gef. u. Tanz in 5 Bildern. Donnerstag, 19. Aug.: Gr.Gartenfest Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Todes- Anzeige. Am 29. Juli verstarb unfer Mitglied, der Arbeiter Paul Greiner Dänenstr. 12. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 5. Auguft, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/3 Der Voritand. Sozialdemokratischer Wahlverein 18. Bezirk. Boxhagen- Rummelsburg. Den Parteigenossen und Genoffinnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Genossin Frl, Auguste Kadeit nach langem, schwerem Leiden am 2. August im Alter bon 34 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Seute Donnerstag, den 5. August, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Freireligiösen Friedhofes, Bappelallee, aus statt. 8/9 Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zentralverband deutscher Brauerei- Arbeiter. Zweigverein Berlin, Sektion II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Stadt- Theater Moabit. ba ber Stollege Alt- Moabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Stonzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Anf. d. Vorstellung wochentags 7 Uhr, Garteneröffnung 3 hr. Beben Montag Glitetag, Svezia. litäten und Soiree der Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Borstellung im großen Theater- Saal. Max Kliems Sommer- Theater und Festsäle Rudolf Krüger Hasenheide 13/15. Täglich: Großes Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elite tag. 28ährend und nach der Vorstellung Tanzkränzchen. Micken meiden Menschen die in ihrem Waschwasser einige Tropfen Automors zusetzen.) 1921L Nur durch ganz hervorragend feine Qualität hat der Kapitän- Kautabak seinen guten Ruf erhalten. Der echte Kapitän- Kantabak( gesetzl. geschützt) wird nur noch in Etiketten verpackt zum 10 Pfennig Verkauf geliefert( in Rollen und Bündel). Unverpackte Ware ist, weil unecht, zurückzuweisen. Zu haben in Zigarrengeschäften usw., wo auch kleine Priemdosen gratis erhältlich sind. Vertrieb: Carl Röcker, Berlin, Grüner Weg 112( Amt 7, 8861). Ferdinand Krämer Schmied( Brauerei Stönigstadt) am Sonntag, den 1. August, ver ftorben ist. 43/5 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. August, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen. halle des Bartholomäus Kirchhofes, Weißenfee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Nachruf. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Gustav Kielmann Mitglied feit 4. September 1904, am 1. August 1909 an Herzschwäche 68/17 verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Stranz spenden bet der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters fagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten unseren herzlichen Dant. 8226 Marie Kunow nebst Stindern. Bon der Reise zurüc 88/3 Dr. Chajes. Vereins- Brauerei Rixdort, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. Täglich: Gr. Militär- Konzert. Borzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Entree 15 Pf. Oeffentliche politische Volksversammlung Freitag, den 6. Auguft, abends 8 Uhr, in den Germania- Sälen, Chauffeeftr. 1. Die Hölle Kommunalfreifinn. Tages- Ordnung: 110. von Mielczyn und der Berliner Referent: Stadtverordneter Genosse Dr. Alfred Bernstein. 2. Freie Diskussion. Die Genossen und Genossinnen ersucht um zahlreichen Besuch der Einberufer: Eugen Ernst, Wöhlertstr. 9. Dr.Simmel Deutscher Metallarbeiter- Verband O Spezial- Arzt 62/ 9* Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. für Haut- und Harnleiden. goj I. Amt 3, 1239. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Prinzenstr. 41, Moritzplatz, dicht am 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Gänse, Enten, gar. lebend Ant., 7 Monat alt, bollfommen ausgewachsen, vollfedrig, fleischig, schlachtreif. 10 St. ca. 8 Pfd. schwere Gänse 30 Mart.; 18 schwere Enten 27 Mart. 255/17 Streisand, Dzieditz, Schlesien 45. Ausflug 爱 Turn- Verein Mitglied des ..Fichte Berlin 99 Arbeiter- Turnerbundes. Sonnabend, den 7. August, in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114: Großes Sommer- Fest Konzert × bestehend in Spezialitäten x Turnerischen Aufführungen x Sommernachts- Ball Kinder- Belustigungen aller Art. Von 5 bis 7 Uhr: Kinderspiele unter Leitung von Mitgliedern d. Vereins. Um 9 Uhr: Großer Kinderfackelzug. Jedes Kind erhält zwei Bons gratis, gültig für eine Stocklaterne, Schaukel oder Karussell. Von 6 Uhr ab Herren zahlen in 50 Anfang 4 Uhr. In allen Sälen Tanz, Pf. nach. Programm an der Kasse gratis. 287/ 1* Eintritt 25 Pf. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr ab zur Verfügung. Schwarzer Adler Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 5( früher der in der Metallindustrie beschäftigten 121/5 Täglich: jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge am Sonntag, den 8. August, nach Pichelswerder zum alten Freund. Treffpunkt in Station Grunewald vormittags 10 Uhr. Die Vertrauensleute werden ersucht, unter den jugendlichen Arbeitern und Lehrlingen zu agitieren, daß dieselben sich an diesem Ausfluge beteiligen. Die Ortsverwaltung. Inh.: Gebr. Arnhold. 120). Gr. internation. Ringkampf- Konkurrenz um die Meisterschaft d. Prov. Brandenburg u. die Prämie 5000 M. in bar. Heute Donnerstag, den 5. August, ringen: Parschau- Ostpreußen gegen Axa- Australien. Michailof- Rußland gegen Huber- Schweiz. SchibilskiBerlin gegen Petitjean- Elsaß- Lothringen. Entscheidungskampf: Hißmann- Westfalen gegen Petersen- Dänemark. Bor den Ringkämpfen: Auftreten erstklass.Spezialitäten mit Fr. Sobanski. Trotz der allgemeinen Teuerung Fernsp. A. IV, Armin- Hallen 10155. Gebr. Mielitz Kommandantenstr. 58/59 große und Kleine Säle noch Sonnabende u. Sonntage in diesem und nächſtem Jahre frei. 8176* + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfohl.viel.Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. 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