Kr. 181. flbonnemntS'Btdlngnnsen: ttSonnemen«. Preis pränumerando i Bierteljährl. SP0 Mr, mon-UI. l.1v Mr.. wöchentlich 2a Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg. Eonnlagz. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' lv Pfg. Post- Zlbonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- ZsitungS- Bl-rSIifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat Postabonnements nehmen an; Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Porwgal. , Schweden und die Schwei», Cllitlflt tilzllS UtlT DSOtlSt *■ Vevlinev VolksblaK. S6. Iahrgs v?e snlerNonz-Sebiihf veträgt für die sechSgespastenc Kolonest geile oder deren Raum 50 Pfg., ffli politische und gewerkschaftliche Vereins- und BerfaminlungS-Anzeigen LO Pf» „Kleine Hnieigen", daS erste fleit» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiter». Wort 10 Pfg. Stellengeluche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort s Pfg. Worte über 1b Buchstaben zählen für zwei Wörter Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition gpgegcben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend» geöfjncp, Telegramm. Adresse: „SezUIdtatürii Rtrlin". Zentralorgan der rozialdemokratf feben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnstraase 69. Fernfprechert Amt IV, Rr. 1083- Stadt und Land. Zur prcuszischen Verwaltungsrcform. Eine aufrichtige Verwaltungsreform kann nur eine demo» kratische sein. Sie wird sich nicht, wie Herr von Moltke, der Minister des Innern, will, zuncichst mit den Landräten und Oberpräsidenten, also den politischen Beamten und der Er- Weiterung der Machtbefugnisse dieser Beamten, sondern vor allem mit der Gemeinde beschäftigen. Diese ist die Grundlage aller Verwaltung. Der preußische Junkerstaat will aber von der Gemeindereform nichts wissen. Er§äumt das Pferd beim Schwänze zuerst auf und beginnt mit der Reform der Aufsichtsbehörden, um eine Erweiterung der Rechte der Gemeinden und wirkliche Selbstverwaltung un- möglich zu machen. Eine wirkliche aufrichtige Verwaltungs- reform würde zunächst mal das Gemcindeprinzip einführen, also die berüchtigte Gutsbezirksverfassung im Osten aufheben. Noch bestehen Hunderte von Gutsbezirken, die schon 1848 auf- gehoben werden sollten. Daß die Aufteilung dieser Guts- bezirke in Gemeinden der erste Schritt einer Verwaltungs- reform sein muß, ist für jeden nicht reaktionär denkenden Menschen selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist es, daß die Gemeinden leistungsfähig sein müssen. Zwerg- gemeinden sind beinah ebenso schlimm wie Gutsbezirke. Un- sinnig sind auch die Doppelgemeindcn in Westfalen und Schleswig-Holstein. Es wäre wahrhaftig keine schwere Ar- beit, aus Gutsbezirken und Zwerggemeinden leistungsfähige territoriale Einheiten zu schassen. Die Möglichkeit, außer- dem noch Zweckverbände zu bilden, von der bisher so wenig Gebrauch gemacht wird, kann ja bestehen bleiben. Die ganzen Eingemeindungsschmerzen der Städte hören auf, wenn bei der Schaffung neuer Gemeindeverbände die wirtschaftliche Ent- Wickelung auch die der Zukunft— berücksichtigt wird. Was wirtschaftlich zusammengehört, muß zusammengelegt werden. Das ist ein Naturgesetz, dem die preußische Reaktion auch beim Schulgesetz sehr wider Willen Rechnung tragen mußte. Oesterreich ist 1849, 1859 und in späteren Jahren diesem Prinzip gefolgt und hat leistungsfähige Orts- gemeinden geschaffen. Bei uns ist die Schwierigkeit, daß der Kreis und der Landrat, dieser Vater aller Hindernisse, das größte Interesse an dem Fortbestand der Gutsbezirke, der Zwerggemeinden und der Eingemeindungsschwierigkeiten der Städte haben. In den Gutsbezirkcn macht man am lcich- testen reaktionäre Wahlen. Die leistungsunfähigen Zwerggemcinden leben von der Gnade des königlichen Land- rats, der ihnen fortgesetzt Regierungsunterstützungen ver- schafft, wofür sie ihm politisch zu Willen sein müssen. Die Eingemeindungsschwierigkeiten schätzt man, um die Städte gegen das platte Land und das letztere gegen die Städte aus- spielen zu können. Wo bliebe der Einfluß des Landrats, wenn Stadt und Land in Preußen einig wären und nicht sortgesetzt der Vermittelung des Landrats bedürften. Wo be- käme der Landrat Kreistagsmajoritäten, wenn er nicht fort- gesetzt nach dem Grundsätze des„Teile und herrsche" infolge des Unterschieds zwischen Stadt und Land arbeiten könnte. Diese künstliche Unterscheidung zwischen Stadt und Land ist unsinnig und kulturfeindlich, unmodern und gemeinschädlich. Daß Stadt und Land jetzt verschiedene Aufsichtsbehörden, verschiedene Rechte, verschiedene Verfassung, verschiedene Ver- waltung, verschiedene Jnstanzenzllge haben, gibt der Reaktion die festesten Stützen. Zunächst macht dies die ganze Verwaltung in Preußen so unübersichtlich und geheimnisvoll. Ferner wird durch die Unterschiede gewaltsam ein Abgrund zwischen städtischer und ländlicher Kultur aufrechterhalten. Der ganze agrarische Zug hätte keine so freie Bahn, das agrarische Bündlertum fände viel mehr Hindernisse, wenn das Land die- selbe freiere Verfassung hätte wie die Stadt. Das Land hat bei uns kein rechtes Gemeindeleben und deshalb kein ent- wickeltes Staatsbürgertum, von Demokratie ganz zu schweigen. In der Schweiz ist es selbstverständlich, daß die Landgemeinde keine Verfassung minderen Rechtes hat. Bei uns drückt man den Landbewohner mit allen Mitteln der Gesetzgebung und Verwaltung zu einem Wesen niedrigerer Kultur herab. Das fördert die feindselige Stimmung gegen die Städte und mit dieser Abneigung gegen die Städte arbeitet die Reaktion. Tie Landschulen sind im allgemeinen schlechter wie die städtischen. Auf dem Lande fehlen Bade- anstalten, Volkslesehallen, Arbeitsnachweise. Es gibt Leute, wie Sohnrey, die Bücher über„das Glück des Landmannes" schreiben und dem Bauern den Gedanken beizubringen suchen, er sei ein anderes Wesen wie der Städter. Am liebsten zögen die Reaktionäre bei uns den Landleuten ihre alten Trachten aus dem 18. Jahrhundert wieder an. Die Reaktion behält in den Landleuten ihre alte Kerntruppe nur dann, wenn sie bei ihnen jede Kulturentwickelung möglichst aufhält. Daß sich die Landlcute nicht baden, möglichst wenig lesen, von der Freizügigkeit keinen Gebrauch machen, ist für unsere konser- vativcn Reaktionäre höchst wichtig. Sie sind böse über jedes städtische Sofa, das sich ein Bauer anschafft. Der Bauer muß ungebildet bleiben, sonst könnte er anfangen, sich als Staats- bürger zu fühlen und demokratisch zu denken. In den Städten die Entwickelung aufzuhalten ist unmöglich. Des- halb schnürt man die Städte vorsorglich ab und sucht mittel- alterliche Grenzen zwischen Stadtgemeinde und Landgemeinde zu errichten. Diese Grenzen müssen fallen. Stadt und Land Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 6g» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. sind in ihrem Wesen nicht so verschieden, daß sie völlig ver- schiedener Verfassung bedürften. Das zeigt die Schweiz und Oesterreich. Die große leistungsfähige Landgemeinde hat die- selben Bedürfnisse wie die Stadt, soweit die Bildung und Geisteskultur der Einwohner in Betracht kommt. Auch das Land kann technische Kultur brauchen, Elektrizitätswerke, Wasserwerke, Sparkassen. Es ist völlig überflüssig, daß die Landgemeinde bisher in allem vom Kreise bevormundet wird. Diese Bevormundung würde in der großen freiheitlich ver- walteten Landgemeinde nicht länger ertragen werden. Die leistungsfähige Gemeinde würde autonom sein und wirkliche Selbstverwaltung haben. Die wichtigeren Funktionen der inneren Verwaltung müßten wie im österreichischen Rechte Bestandteile des selbständigen Gemeindewirkungskreises Werden. In Oesterreich ist die Gemeinde eine vollständig freie Persönlichkeit des öffentlichen Rechtes und nicht ein Staats- organ wie in Preußen. Die Gemeinde muß auch ihre poli- tischen Interessen wahren, sie muß Anwalt ihrer sozialen und wirtschaftlichen Interessen sein dürfen. Diese korporativ poli- tische Bewegungsfreiheit ist in den preußischen Städte- Ordnungen vorsorglich ausgeschaltet. Die Städte Preußens, die die politischen Rechte haben, sind meistens zurückhaltend und ängstlich. In Preußen wird alle administrative Tätigkeit der Gemeinde lahmgelegt durch den Umstand, daß sie außer in ihren Vermögensangelegenheiten nur Organ des Staates ist und daß ferner die im Namen des Königs gehandhabte Polizei in jede Angelegenheit, auch in viele Vermögensange- legenheiten, sich hineinmischen kann. Ein preußisches Polizei- gesetz nimmt der Gemeinde in Polizeisachen jede Selbstverwal- tungl Wo in reinen Vermögensangelegenheiten noch Frei- heit ist, da greift das Aufsichtsrecht lähmend ein. Wir brauchen also eine ausschließliche Gemeindepolizei, wie die Schweiz sie fast überall hat. Ist doch die autonome Handhabung der Polizei das älteste Gut auch der deutschen und preußischen Gemeinde bis zu den Zeiten des Absolutismus gewesen. Wir bedürfen ferner einer Fixierung des bisher kautschukartigen Aufsichtsrechts. In der Schweiz hat man die Fälle der Einmischung der Aufsichts- behörde in die eigenen Angelegenheiten der Gemeinde gesetz- lich festgelegt. Bei uns in Preußen kann der Regierungs- Präsident, wenn er Lust hat, die Kokspreise des städtischen Gaswerkes beanstanden. Die Ausübung des unumschränkten preußischen Aufsichtsrechts muß beschränkt werden auf die Fälle der Gesetzesverletzung, der Verfassungsverletzung und auf besondere Beschwerdefälle. Auch hier könnten öfter- reichische Bestimmungen herangezogen werden. An dieser Stelle braucht auch nicht erst des längeren nachgewiesen werden, daß die verlangten Verwaltungsreformen, so wichtig sie an sich sind, nur Stückwerk bleiben, bis nicht die politische Reform, die Erringung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts in den Selbstverwal- tungskörpern durchgesetzt ist. ver GeneralausStand in Schweden. Der große Kampf der schwedischen Arbeiterschaft hat kraftvoll eingesetzt. Bisher sind 250(XX) Arbeiter in den Ausstand getreten. Die Generalstreikprobe hat demnach die tatkräftigste Zustimmung der gesamten Arbeiterschaft gefunden. Während in der gewerkschaft- lichen Landesorganisation nur 165" perfien. Die Lage in Südpersien. London, V. August. Wie das Reutersche Bureau aus Teheran meldet, ist die Lage in Schiras weiter unbefriedigend. Saulet ed.Dopuleh steht jetzt zwölf Meilen vor der Stadt, er hat aber versprochen, mit seinem weiteren Vorgehen noch drei Tage zu warten, in der Hoffnung, daß seine Foßderung, einen neuen, besser geeigneten Gouverneur in Schiras einzusetzen, erfüllt wird. Die britische Konsulatswache ist durch fünfzig Sepoys und einige Marinesoldaten mit einem Maschinengewehr verstärkt worden, Amerika. Annahme des Zolltarifs. Wafhingto», 5. August.' Der Senat hat in seiner heutigen Sitzung die T a r i f b i l l mit 47 gegen 31 Stimmen in der Fassung des Konferenzkomitees angenommen.— Zur Yosgünger-Müre. ■ Zur württembergischen Hofgänger-Affäre tragen wir hiermit noch einige bedeutsamere Aeußerungen der Partei- presse nach. Die„Bremer Bürger- Zt g." schreibt: ..Wenn unsere Partei die bürgerlichen Parlamente beschickt, so ist sie dadurch zum geschäftlichen Verkehr mit den Mit- gliedern bürgerlicher Parteien gezwungen, und da ist es durch- aus angebracht, daß sich dieser Verkehr in den Formen gesell- schaftlicher Höflichkeit bollzieht. Dagegen wird kein Parteigenosse etwas einzuwenden haben. Innerhalb dieses ge- schäftlichen Verkehrs irgendwelche überflüssige Rauhbeinig- keit hervorzukehren, wäre gewiß verkehrt. Aber darüber hinaus mit den„Volksverrätern und Volkszertretern", mit denen„auf- zuräumsn" man die hungernden Massen eben feierlich aufge- fordert hat, auf offenem Markte feuchtfröhlich zu kneipen, das heißt in der Tat, der Sache der arbeitenden Klaffen einen sehr schlechten Dienst leisten. Die sieben Schwaben sollten sich doch nicht von jener Flora Gaß beschämen lassen, die Mätresse des „KreuzzeitungS"ritterS Hammerstein, der eben im Reichstage gegen die zunehmende Unsittlichkeit gedonnert hatte und nun beim Glase Sekt von ihr hören mußte: Kinder, was treibt ihr sür Komödie! Da die sieben Schwaben unseres Wissens zu den Revisionisten gehören, so wollen wir kein Hehl daraus machen, daß wir solche Dinge ebenso scharf verurteilen, wenn sie von r a d i k a l e n Mit- gliedern der Partei begangen werden. Wir denken dabei zum Beispiel an die Beteiligung sozialdemokratischer Stadtverordneter an der neulichen Festfahrt der städtischen Behörden Berlins nach Lonoon... Wir ziehen diesen Fall auch deshalb an, weil er zeigt, daß der Fall der sieben Schwaben keineswegs der- einzelt dasteht- Einem Teil der Parteigenossen, die als Vertreter der Arbeiterklasse in bürgerliche Körperschaften bele- giert sind, ist leider jener, um mit Marx zu svrechen,„einfache si t t l i ch e Ta k t" abhanden gekommen, der ihm gebietet, lieber sämtliche Potentaten der Welt und sämtliche ..Volksverräter und BolkSzertreter' vor den Kopf zu stoßen, als auch nur den gering st en Par- teigenossen zu ärgern. Und hier handelt cS sich nicht nur um den geringsten Parteigenossen, sondern glücklicherweise noch um die ungeheure Mehrheit der Parteigenossen." Der„V o l k s w i l l e" in H a n no v e r meint, daß über die Angelegenheit viel zw viel Geschrei erhoben worden sei:--'"' —„Mit den„Prinzipien der Sozialdemokratie" hat diese„Hof- gängerei", die gewiß besser unterblieben wäre, nicht das mindeste zu tun; sie ist ausschließlich eine Sache des Ge- schmacks und des Taktes. Ich stelle auch entschieden in Abrede, daß durch eine derartige, wohl nicht reiflich genug überlegte Handlungsweise einzelner Genossen die Massen in der Wertung des Klassenstaates irre werden. Davon kann gar keine Rede sein. Hätte der Stuttgarter Korrespondent des„Vor- wärts" recht, dann könnte die Dreimillionenpartei sich ruhig be- graben lassen. So oberflächlich sitzt bei den Massen das Klassen- bewußtsein glücklicherweise denn doch nicht, daß es durch solche unendlich bedeutungslose Vorgänge wie die Hofgängerei ins Wanken geraten könnte. Ich kann auch nicht glauben, daß die „sieben Schwaben" durch ihr Verhalten„wichtige Vorteile" für die minderbemittelten Klassen zu erringen hofften; denn dann verdienten sie, als Dummköpfe allerer st en Ranges des Mandats und aller Vertrauensstellungen für verlustig er- klärt zu werden. Völlig unbegreiflich ist mir, wie durch die Hof- gängerei der„Zwist neu geweckt" wird. Welcher Zwist? Der im Vorjahre zwischen Nord und Süd ausgefochten worden? Wenn dieser Zwist gemeint sein sollte, dann könnten sich die sieben Schwaben mit Recht darauf berufen, daß sie das Opfer etwelcher Berliner Genossen geworden, die anläßlich einer JnformationS- reise von Berliner Stadtverordneten nach London an einer königlichen Tafel speisten und bürgerlichen Blätter- Meldungen zufolge bei einen: Hoch auf den deutschen Kaiser von ihren Sitzen sich erhoben. Wochen sind darüber vergangen. Die Kritiker der Schwaben hüllten sich bis heute— mit ein oder zwei Ausnahmen— in tiefes Schweigen. Warum denn jetzt der Lärm? WaS einem Berliner Genossen, der noch dazu— Parteivorstandsmitglied, recht, sollte doch den biederen Schwaben auch nicht allzu schwer angekreidet werden." Selbst wenn es sich nur um eine„nicht reiflich überlegte" Handlung gehandelt hätte(nach den Aeußerungen Hilden- brands war die Handlung aber sehr wohl überlegt!), um einen Mangel parteigenössischen Taktes, so wäre das schon sehr bedauerlich. Auch begreifen wir nicht recht den uner- fchütterlichen Glauben an das Klassenbewußtsein der — zum guten Teile wirklich der Erziehung noch recht bedürf- tigen— Massen, wenn die führenden Genossen nicht einmal ihre Handlungen recht zu überlegen vermögen! Was aber den Berliner Fall anlangt, so liegt dieser denn doch wesentlich anders. So haben z. B. unsere Genossen nicht an der königlichen Tafel gespeist, der betreffenden Einladung vielmehr absichtlich keine Folge geleistet. Daß sie trotzdem in eine schiefe Lage gekommen sind, soll ebensowenig bestritten werden, wie wir einen Hehl daraus machen wollen, daß auch wir es lieber gesehen hätten, wenn die Genossen sich an der Reise nicht beteiligt hätten. Im übrigen würde sich zuletzt der„Vorwärts" das Recht haben nehmen lassen, die Londoner Reise der vier Berliner Stadtverordneten zu kritisieren, wenn er nicht nach Lage der Dinge die Ueberzeugung hätte hegen können, daß ein ähnlicher Fall sich kaum wieder ereignen dürfte. Leider liegt nach allen bisherigen Erfahrungen in Sachen der württembergifchen Landtagsfraktion Grund zu der gleichen Zuversicht nicht vor. Deshalb mußte scharfe Kritik geübt werden. Erfreulicherweise stellt sich jetzt auch das„N e ck a r- E ch o" und die„Schwöb. T a g w a ch t" auf den Standpunkt, daß der Besuch bei dem König besser unterblieben wäre. Trotzdem halten wir die ernsten Worte für überaus beherzigenswert und durchaus zeitgemäß, die das „Hamb. Echo" der Angelegenheit noch widmet: „Wenn gewisse schwäbische Abgeordnete jedesmal, tvenn sie für ihre Seitensprünge Rede und Antwort stehen sollen, ihre Mandate zur Verfügung stellen, so sollte man sie einfach beim Worte nehmen! Sie sind weiter nichts, als Be° auftragt« der Partei, in deren Sinn sie zu handeln haben. und wollen oder können sie das nicht— gut, so mögen sie ins Privatleben zurücktreten. Ein Mandat ist kein Frei- brief für„Anpassun g", sondern es legt Pflichten auf, deren Mißachtung nicht geduldet werden darf. Halten sich etwa die Hofgänger für unersetzlich? Halten sie sich für berechtigt, ihrer persönlichen Gelüste wegen die Partei zu kompromittieren? Sehr bezeichnend für die Art. wie diese Parlamentarie» zu debattieren pflegen, ist Hildenbrands Floskel,� er sei der„Leipzi- ger Volkszeitung" keine Rechenschaft schuldig. Er hat offenbar die„Leipziger Volkszeitung", die nun einmal die bete nc>ir der aufstrebenden Männer vom„bessern Ton" ist, gar nicht g e- lesen; unser Leipziger Bruderblatt hat nämlich gerade in der Sache der Hofgänger die äußerste Zurückhaltung geübt. Doch das nebenbei! Die Entdeckung Hildenbrands, daß die württem- belgische Verfassung das Königtum vorsehe, ist gewiß ein Beweis außerordentlichen Sckxirfsinns; aber enthält denn die Verfassung, der man sich � nach Hildenbrandl— unterwerfen mutz, auch die Vorschrift, daß man zum König frühstücken gehen müsse? Vielleicht schaffen weitere Verfassungsstudien darüber Klarheit- Doch imbitterenErnst: Sind wir richtig soweit, daß unsere Abgeordneten sich der Verfassung unterwerfen? Wir dachten immer, die Sozialdemokratie trachte danach, die Verfassungen von heute zu beseitigen, und sie füge sich einstweilen lediglich dem Zwange, etwa wie sie sich dem Zwange des Sozia- listengesetzes fügen mußte, wie sie sich dem Zwange der der- schiedensten arbeiterfeindlichen Paragraphen fü�en muß. Zum Schluß sei Hildenbrands Zugeständnis unterstrichen, man habe gewußt, daß es„Spektakel" in der Partei geben werde. In Leipzig werden aber die Leute von der bewußten Richtung wieder dm gewohnheitsmäßige Klage anstimmen, die„r a d i- kalen Störenfriede" hätten den Streit vom Zaune ge- brachen f". Huö der Partei. Sozialbemokratis cher»Terrorismus". In Ellrich— einem Städtchen im Wahlkreis Nordhausen— soll wieder mal sozialdemokratischer„TerrorismuS" verübt worden fein. Wenigstens nimmt die„Freisinnige Zeitung" am Mittwoch dieser Woche aus dem Wiemersprachrohr, der„Nordhäuser Ztg.", eine solche Legende auf und sorgt nach Reichsverbandsmanier für deren eiligste Verbreitung- Bei einer Arbeitergesang- v e r e i n s f e st l i ch k e i t, die am letzten Sonntag stattfand, sollen nämlich die Arbeiter von den Geschäftsleuten unter Androhung des Boykotts verlangt haben, sie müßten ihre Häuser schmücken. Kaufleute, Handwerker und Gastwirte sollen„terrorisiert" worden sein usw. Wer die Wahrheitsliebe der„Freis. Ztg." kennt, der war sich von vornherein nicht unklar darüber, daß es sich hier entweder um eine wissentliche Fälschung oder um Aufbauschung bedeutungs- loser Vorgänge handelt. Mit dem„Terrorismus" hat es nun folgende Bewandtnis: Der Arbeitergesangverein„Vorwärts" beging ein Fest, und lud dazu die Brudervereine der Umgegend ein, oa die Behörde, ent- gegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten, einen Umzug durch die Straßen freigab, so lag den Mitgliedern des„Vorwärts" daran, die Gäste durch geschmückte Straßen zu führen. Sie unter- breiteten deshalb den Geschäftsleuten(die bei patriotischen Feierlichkeiten keine Mühe scheuen, ihre Häuser zu bekränzen) ihren Wunsch und ersuchten, durch etwas Tannengrün, das vom Berein kostenlos abgegeben wurde, das Fest verschönern zu helfen. Dem ist auch nachgekommen worden. Natürlich befanden sich unter den Geschäftsleuten auch Per- jenen, die über da» pÄAttg vexlssfene Fest de»„toten Verein»" in heillose Wut gerieten. Da diese ihren Groll nichk anverZ ans« zutragen wußten, so erfanden sie für die freisinnige..Nordhäuser Zeitung" die Terrorismusmär, die in der Zimmerstratze zu Berlin aufgegriffen wurde und nun wohl in der bekannten Weise die Runde durch alle Klatschblätter machen wird. AuS den Organisationen.\ Die Jahrcskonferenz des 3. brannschwrigischen ReichstagSwahl- kreises(Holzmindeni tagte am Sonntag. Die Konferenz konsta- tierie, daß die EntWickelung der Partei im Wahlkreise den Wün- schen der Parteigenossen durchaus nicht entspreche. Es wurde be- schloffen, die Anstellung emes Sekretärs für den Wahlkreis zu ver- langen. Als Reichstagskandidat wurde Genosse Antrick aufge« stellt. Der sozialdemokratische Verein Breslau beschloß in einer stark besuchten außerordentlichen Generalversammlung, zum Parteitage den Antrag zu stellen, die Reichsfinanzreform als besonderen Punkt zu verhandeln und einen Schnapsboykott über das ganze Reich zu beschließen. Ferner: Ueber die Verhandlungen des Reichstages zur Finanzreform eine knapp gehaltene Broschüre herauszugeben, die für Massenverbreitung geeignet sei. Ein weiterer Antrag verlangt eine Hinwirkung auf die Errichtung von Dissidenten- schulen. Bezüglich der„Gleichheit" wurde ein Antrag ange- iwmmen, wonach diese in ihrer Eigenschaft als Hausfrauen« b latteine Erweiterung erfahren und achttägig erscheinen soll. Zum neuen Organisationsstatut wurde ein Antrag an- genommen, wonach Wahlkreise bis zu lOOO Mitgliedern(statt 600) berechtigt sein sollen, einen Delegierten zu entsenden, der Partei- vorstand die Kosten der Delegation tragen und diese in Form eines einmaligen Beitrages von 10 Pf. pro Jahr und Mitglied von den Bezirks- und Landesorganisationcn erheben soll. Aus der Generalversammlung des sozialdemokratischen Kreis- Vereins für den 1. württembergischen ReichStagswahlkreis(Stutt- gart Stadt und Amt) brachten wir am Dienstag Referat und DiS- kuffion zum Thema„Der Besuch bei Wilhelm II. von Württem- bcrg". Von den Berichten und den anderen Verhandlungsgcgcn- ständen tragen wir das Folgende nach: Der Mitgliederbestand ist zurzeit 5752. Die Einnahme der Kreiskasse betrug einschließlich eines vom Vorjahr übernommenen Kassenbestandes von 2631,00 Vi. zusammen 8575,23 M. Die Ausgaben 5133,80 M. Darunter befinden sich Ablieferungen an die Parteikasse in Berlin 1255,76 M., an die württembergische Landeskasse 2492,40 M. Es verbleibt ein Kassenbestand von 3441,34 M. An den Geschäftsbericht schloß sich eine längere Debatte, in der verschiedene Wünsche auf lebhaftere Agitation und Ausnutzung der gegenwärtigen politischen Situation geäußert wurden. Der bisherige Kreisvorsitzende Genosse Sä- m a n n- Stuttgart wurde mit 51 von 67 im ganzen abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Der Reichstagsabgeordnete des Kreises. Genosse Hilden- b r a n d referierte über das Thema:„Politische Wandlun- gen im Reichstage". Nachdem er das Verhältnis zwischen Konservativen und Zentrum bei den letzten Reichstagsverhandlun- gen gekennzeichnet hatte, führte er u. a. aus: Bündnisse abzu- schließen sei zwar für die Sozialdemokratie weder möglich noch nötig, aber es fei auch nicht erwünscht, daß wir isoliert sind, sondern die Sozialdemokratie dürfe sie nicht versagen, wo es gelte, eine antiagrarische Mehrheit zu bilden. Diese taktischen Gesichts- punkte würden in den nächsten Jahren neben den Bemühungen auf Ausbau unserer Organisation und Aufklärung der Massen zu beachten sein.— Zum Leipziger Parteitag wurde beschlossen, zwei Delegierte zu entsenden, die durch Urabstimmung gewählt werden. Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Partei in Bulgarieii., Die bulgarische Sozialdemokratie hielt dieser Tage ihren XVI. Kongreß ab. Aus dem bei diesem Anlaß herausgegebenen Partcibericht über die Entwickelung und Wirksamkeit der Be- wegung verdienen insbesondere folgende Daten hervorgehoben zu werden: Die Partei hat derzeit 54 Organisationen mit ins- gesamt 2427 Mitgliedern, darunter 86 Frauen. Interessant ist die Spezifikation nach der Beschäftigung. Danach waren 876 Hand- Werksarbeiter, 157 Landarbeiter, 130 Fabrikarbeiter, 285 Handels- angestellte, 774 Lehrer und Beamte, 106 mit freiem Erwerb. Es gab in der Partei nur 10 des Schreibens und Lesens Unkundige. Es wurden 1200 Organisations- und Agitationsversammlungen veranstaltet, außerdem 615 öffentliche Versammlungen. Bei den Wahlen wurden ftir die Partei von 6 Orten 4410 Stimmen abge- geben. Die Entwickelung der Parteiliteratur spiegelt sich in fol- gcnden Daten:,, Die Parteibuchhandlung hatte 1006 1007'' 1008 1000 Umsatz.... 41530 84 563 100 000 124 002 Kapital.... 4633 5 352 5 406 10 000 Gewinn.... 3107 8074 0309 16443 Man sieht, daß die aufklärende Parteitätigkeit von Jahr zu Jahr zunimmt. Periodisch erscheint das Blatt„Rabotniceski Djestnik", die Monatsschrift„Novo Vreme" und der Parteikalcndcr „Crveni naroden Kalendar", in einer Auftage von 15 000 Exem- plaren. Behufs Gründung einer eigenen Druckerei wurde ein spezieller Fonds angelegt, der jetzt 6066 Lew. beträgt. Das Mai- blatt erschien diesmal in 10 000 Exemplaren. An der Maifeier nahmen zirka 7000 Personen teil. Auch hier ist ein Zuwachs an Beteiligung zu verzeichnen. Die Parteikasse vereinnahmte und verausgabte über 20 000 Lew. Auf dem Kongreß hielt der serbische sozialdemokratische Abgeordnete Kaclerovic aus Kragujevac einen Vortrag über die Aufgaben der Sozialdemokratie aufdestBalkan,--'' Jugendbewegung. Kgl. preußische gelbe Jugendorganisationen! Wie sie bisher mit der Peitsche die arbeitende Jugend von ihren Organisations- bcstrebungen abhalten wollten und die bestehenden Jugendorgani- sationen zu zertrümmern suchten, so versuchen die preußischen Macht- haber jetzt mit Zuckerbrot die Arbeiterjugend zu ködern, um sie von ihren erwachsenen klassenbewußten Kameraden fernzuhalten. Der Regierungspräsident zu Düsseldorf versandte am 17. Juli ein Rundschreiben an die Oberbürgermeister und Landräte seines Bezirkes, das sie der Presse über- Mitteln sollten, damit diese verkünde, daß sich ein, Ausschuß zur körperlichen, geistigen und sittlichen Förderung der schulentlassenen Jugend" mit dem Sitz in Düsseldorf gebildet habe, der durch Vermittelung der Leiter der Fortbildungsschulen die Jugend zu guten Untertanen erziehen soll. ES heißt da in bezug auf die Jugend: � .Es soll in ihr ein Sinn geweckt werden, den sie don selbst unerfreulichen Einflüssen fernhält." Ferner: .Der Ausschuß darf hoffen, daß seinen so wichtigen Be- strebungen staatliche und private Mittel reichlich zufließen; haben doch Staat und die Leiter großer Werke das größte Interesse an Bestrebungen, die den deutschen Nachwuchs verderblichen Ein- sliissen fernhalten." Der ganze amtliche Apparat wird für diese kgl. preußische gelbe Jugendorganisation in Bewegung gesetzt, die Organisation funktioniert vorzüglich, fehlt also nur die— Jugend, und sie wird dauernd fehlen, denn die Arveiterjugend läßt sich so leicht nicht ködern 1 ©ewerkfcbaftUcbee. Der unpolitische gelbe LebinS« Die Dreistigkeit, mit der Herr Lebius die Oeffentlichkeit über das Wesen der„Gelben" immer wieder zu täuschen ver- sucht, ist nicht zu übertreffen. Am 19. Juli d. I. brachte die„Welt am Montag" eine Notiz über Bülow-Ehrungen. Darin war davon die Rede, daß Bülow auch von den, von den besseren Arbeitern ver- achteten„Gelben" und reichstreuen evangelischen Arbeiter- vereinen zum Ehrenmitglied ernannt sei. Diese Notiz hat den Zorn des Herrn Lebius entfacht. Im„Bund" seiner Frau Martha vom 24. Juli cr. schreibt er folgendes: Berlin. de vaterländischen Arbeitervereine haben den bisherigen Reichskanzler Fürsten Bülow zum Ehrenmitglied ernannt. und dieser hat die Ernennung in einen» Schreiben dankend a»»genommen. Die„Welt am Montag", die bekanntlich unter bürgerkich-demokratischem Deckmantel sozialdemokratische Politik treibt. mn»mt das Schreiben des Exreichskanzlers an die Vater- ländischen Arbeitervereine zum Anlaß, in gewohnter Weise ein Geschirnpfe gegen die„Gelben" loszulassen. Der sozialpolitische Sachverständige der„Welt am Montag" scheint also den Unter- schied zwischen den politischen„vaterländischen" und den un- politischen„gelben" Arbeitervereinen noch inimer nicht begriffen zu haben. Mancher lernt's eben nie, wenn er sich auch selbst für einen hervorragenden sachverständigen Sozialpolitiker hält. Zur Kennzeichnung der UnWahrhaftigkeit des„Bund" werden uns folgende Briefe zur Verfügung gestellt: Herrn Hoffmeister, R. Wölfische Werke, M a g d e b u r g- B u ck a u. Werter Bürger! Gestern wurde ich vom Förderungsausschuß angeklingelt und zu einer Audienz zu General v. Loebell tommanMert. Schriftlich war ich auch geladen. Ich bin aber nicht gegangen. Tele- Phonisch erkundigte ich mich bei Scheda, um was es sich handelte. Da erfuhr ich, daß man über Sie sehr empört ist, weil man Ihnen in die Schuhe schiebt, den Magdeburger reichstreuen Arbeiterverein zu uns herübergezogen zu haben. Ich erwiderte Herrn Scheda, ich verstände ihn gar nicht, weswegen er sich so errege. Die Gelben müßten ihm doch ebenso lieb sein wie die Reichstreuen und deswegen müßte es ihm doch ganz egal sein, ob ein Verein zu den Gelben geht oder bei den Reichstreuen bleibe. Ich habe hieraus entnommen, daß der Förderungsausschuß wohl niehr auf feiten der Reichstreuen steht. Nehmen Sie nur gar keine Rücksicht. Wenn ein Verein zu uns kommen will, so müssen wir ihm die Wege ebnen. Wann soll ich nach dort kommen? Schreiben Sie mir bitte recht genau und bald. Mit freundlichem Gruß Rudolf LebiuS. Auch der nachfolgende Brief ist recht bezeichnend. Herrn Prokurist Pfeiffer, Augsburg. Sehr geehrter Herr Pfeiffer I Ich nrache Sie darauf aufmerksam, daß es nicht im Interesse der gelben Arbeiterbewegung liegt, in der Oeffentlichkeit so sehr hervorzuheben, daß unsere gelben Arbeiter für die nationalliberale Parte» eintreten. Vielleicht haben Sie im„Vorwärts" gelesen, daß unsere Vertrauensleute in den Siemenswerken nationalliberale Flugblätter verteilt haben. Außerdem ist in Ihren Jahresberichten das Eintreten der Gelben für die pationalliberale Partei mit- geteilt worden. Wahrscheinlich in bezug hierauf ist der gelbe Verein der A. E.-G. aus dem gelben Arbeitsbund ausgetreten. Sie wissen wohl, daß die meisten Berliner Industriellen frei- sinnig sind und daß sie keinesfalls ein Aufgehen der gelben Arbeiterbewegting in der nationalliberalen Partei gern sehen werden. Wir haben außerdem auch einen großen Teil freikonservativcr Arbeitgeber, die ebenfalls nicht ohne weiteres damit einverstanden sind, daß unsere Gelben sich mit der national- liberalen Partei gleichbedeutend betrachten. Ich bitte mich nicht mißzuverstehen. Es ist selbstverständlich, daß die Augsburger Gelben für die Nationalliberalen eintreten, das müßte aber nicht von Vereinswegen geschehen, sondern müßte Privatsache sein der einzelnen Mitglieder. Auch ist eS besser, so etwas nicht an die Oeffentlichkeit zu bringen. Ich denke, Sie werden sich meinen Ausführungen anschließen müssen. Ich habe mich etwas darüber gewundert, daß Herr Chatelet, nachdem wir in Kiel Freundschaft geschlossen haben, meinen Brief, in welchem ich ihm un» sein Bild bat, nicht beantwortet. Meine Frau läßt sich für den Gruß bestens bedanken und er- widert diesen Gruß herzlichst. Mit vorzüglicher Hochachwng Rudolf Lebius. Nach diesen Briefen ist die Behauptung des„Bund" zichts als Spiegelfechterei und ein erneuter Versuch, über die Natur der Gelben zu täuschen. Herr Lebius charakterisiert die Gelben verschieden: Ein- mal sind sie neutral und unpolitisch, dann sind sie wieder das Gegenteil, je nachdem, wie es gerade dem Geldbeutel der„Bund"- redaktion zuträglich ist. Einmal werden die Unternehmer getäuscht, die mit den Bestrebungen des General v. Löbell nichts zu tun haben wollen, dann wieder wird der sogenannte Förderungsausschutz ge- täuscht, der nur politische und zwar„sogenannte reichstmie" (das sind nationalliberale oder freikonservative) Arbeitervereine bemuttert. In allen Fällen aber sind die Arbeiter getäuscht, die mißbraucht werden zur Unterstützung arbeiterfeindlicher Bestrebungen._ Berlin und Umgegend* Generalaussperrung der Schloffer Grost-Berlins. Eine starkbesuchte Versammlung der Schlosserinnungen von Berlin und Charlottenburg und des Arbeitgeberschutz- Verbandes für daS Schlossereigewerbe, die Mittwochabend bei Krebs, Niederwallstratze, tagte, faßte, wie eine Korrespondenz meldet, mit 92 gegen 33 Stiinmei» den Beschluß, am Sonn- abend dieser Woche abends sämtliche an der gegen- wärtigen Lohnbewegung der Schlosser be- teiligten Schlosser auszusperren, falls bis zum Freitagabend nicht der Deutsche Metallarbeiterverband die Streiks bei den Geldschrankfabrikcn und einzelnen Bau- fchlossereien aufgehoben hat. Wie in der Versammlung be- richtet wurde, wird neben den Geldschrankfabriken noch bei mehreren Firmen von dei» Bau- und Kunstschlossern gestreikt. Ein Antrag, zunächst nur 50 Proz. der Schlosser auszusperren, wurde abgelehnt zugunsten des Antrages, der die Gesamt- aussperrung verlangte. Die Aussperrung am Sonnabend wird sich zunächst nur auf die im Stundenlohn arbeitenden Schlosser erstrecken, die Akkordarbeiter sollen nach Fertig- stellung der Akkorde ebenfalls entlassen und neue Akkords zu- nächst nicht mehr ausgegeben werden.— Wenn die Aussperrung in Kraft getreten ist, wird der Lohnkampf der Berliner Schlosser nahezu 6000 Arbeiter in Mitleiden- schaft ziehen.__. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.r -'* Achtung, Schlosser! Heute abend findet eine Vertrauensmännerkonferenz statt (siehe heutige Versammlungsanzeige.) ix Die Kollegen werden ersucht, die Vertrauensmänner der Schlosserbranche darauf aufmerksam zu machen. . Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung» Töpfer! Wiegen Nichtbezahlung des Tarifes und Beschäftigung von Wilden und Hirschen sperren wir hiermit folgende Firmen: Otto R o s i n s k y, Tile-Wardenberg-Straße 2. In Betracht kommen die Bauten: Weitzensee, Langhansstratze 143, Sedanstraße 55 und Lichtenberger Straße. Weiter die Firma Strahl, Komman» dantenstraße 16, und zwar den Bau Charlottenburg, Suarezstraße. Desgleichen geben wir bekannt, daß die Firma Reinsberg in Seegefeld zum Spandaucr Jnnungsamt gehört und somit den Berliner Tarif, welcher für den Spandauer Bezirk ebenfalls in Frage kommt, zu zahlen hat. Da selbiger aber den Tarif nicht zahlt, ist auch Reinsberg hiermit gesperrt. Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands. Die Verbandsleitung. Achtung, Former und Gicßerciarbciter! In Magdeburg steht eine größere Anzahl Former, Kernmacher, Putzer, Gießereiarbeite: und Gießereischlosser im Streik. Wir ersuchen, den Zuzug nach dort fernzuhalten und auch ein wachsames Auge darauf zu haben, ob Agenten in Berlin sich zeigen, die versuchen, Arbeitswillige für Magdeburg anzuwerben. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. veurkekes Reich. Zum Streik der Kieler städtischen Arbeiter. Nachdem die Versuche, den Magistrat zu Verhandlungen unter unparteiischer Leitung zu bewegen, gescheitert sind, wurde am Dienstag eine Kommission der Streikenden beim Magistrat vor- stellig, um mit ihm über die Bedingungen wegen Wiederaufnahme der Arbeit zu beraten. Der Komrmssion wurde bedeutet, daß bei Wiederaufnahme der Arbeit den Ausständigen und Ausgesperrten ihre alten Rechte gewahrt bleiben sollten. Die Achtstundenschicht für die Ofenarbeiter der Gasanstalten werde ab 1. April 1916 ver- wirklicht. Bezüglich der allgemeinen Einführung des Neunstunder»- tages und der Verbesserung der Lohnverhältnisie könnten aber jetzt keine bestimmten Zusagen gegeben werden, da auf Grund des Streiks irgendwelche Zugestäi»dniffe nicht gemacht werden würden. Die Streikenden und Ausgesperrten beschäftigten sich mit den Vorschlägen des Magistrat. Es wurde beschlossen, dem Magistrat folgende Resolution zur Zustimmung zu unterbreiten: „Die Versammelten vertrauen den Zusicherungen des Ma- gistrats, wonach den Streikenden und Ausgesperrten bei Wieder- aufnähme der Arbeit ihre alten Rechte gewahrt bleiben, die Acht- stundenschicht für Ofenarbeiter, Brückenleute und Kesselheizer in den städtischen Betrieben ab 1. April 1916 verwirklicht wird, mit den in kürzester Zeit neuzuwählenden Arbeiterausschüssen über die Einführung des Neunstundentages für die nicht in Wcchselschicht stehenden Arbeiter, sowie über die Regelung der Lohnfrage in Verhandlung eingetreten wird, und je nach dem Ausfall der vorzunehmenden Abstimmung unter den bei der Stadtverwaltung beschäftigten Arbeitern, die wöchentliche Loh»». zahlung eingeführt wird. Unter diesen Voraussetzungen sind die Streikenden und Ausgesperrten bereit, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen." Die Resoluation wurde dem Magistrat unterbreitet. Der Magistrat hat nun in seiner Sitzung vom 5. August folgendes beschlossen: Die Einführung der Achtstundenschicht vom 1. April 1916 ab wird seitens des Magistrats nur für die Ofenheizer beantragt werden. Sonstige Verkürzungen der Arbeitszeit sind für den 1. April 1916 nicht zu erwarten. Eine generelle Erhöhung des Lohnes der städtischen Arbeiter zum 1. April 1916 kann nicht zugesagt werden. Gelegentlich der bevorstehenden Etatsberatungen erfolgt aber eine Prüfung, ob an einzelnen Stellen die Lohnverhältnisie einer Ausgleichung bedürfen. Die Einführung der wöchentlichen Lohnzahlung soll spätestens am 1. April 1916 erfolgen, jedoch unter der Voraussetzung, daß bei Abstimmung in den vereinigten Arbeiterausschüffen sich für die Einführung eine Mehrheit ergibt. Unter der Voraussetzung, daß seitens der früheren Arbeiter- schaft der Streik öffentlich für erledigt erklärt wird, wird eine Wiedereinstellung' der alten Arbeiter in die noch nicht endgültig besetzten Stellen erfolgen, und zwar durch den Magistrat nach Anhörung der Betriebsleiter. Berücksichtigt werden nur die- jenigen Arbeiter, die sich vor Beginn und im Verlaufe des Streiks vorwurfsfrei geführt haben. Die Wiedereinstellung er- folgt wie die von neueingestellten Arbeitern. Doch soll eine Wiedereinsetzung in die alterworbenen Rechte und sonstigen Vergünstigungen, wie der letztgezahlte Lohn, Fortzahl»tng des Lohnes in Krankheitsfällen, Urlaub, Urgehalt, Hinterbliebenen» Versorgung usw. am 1. April 1916 erfolgen, wenn bis dahin die mit dem Streik verbundenen Arbeitsstörungen und sonstigen Ausschreitungen sich nicht wiederholt haben. Im übrigen wird von den einzelnen wieder eingestellten Arbeitern eine einwandS« freie Führung vorausgesetzt. Eine kündigungslose Entlassung hat der Arbeiter namentlich dann zu erwarten, wenn er sich der Belästigung von Arbeitswilligen schuldig macht.— Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß die Arbeiter diesen Beschluß deS Magistrats wie eine Verhöhnu»»g ihrer Forde- rungen auffassen. Die Streikenden werden zu der Antwort des Magistrats Stellung nehmen und höchstwahrscheinlich die vom Magistrat gestellten Bedingungen ablehnen. Der Streik dauert also unverändert fort. Der Streik der Schneidemühlenarbeiter w Tilsit dauert min bald vier Wochen und noch ist kein Ende abzusehen, ob- gleich die Arbeiter mehrfach im Laufe des AuSstandes die Hand zum Frieden boten. Wie überall, so ist auch hier die Behörde den Unter« uehmeri» hilfreich beigesprungen, besonders die Polizeiorgane haben alles getan, daniit die„öffentliche Ruhe und Sicherheit" nicht gestört wird. Städtische Wächter und Polizeisergeai»ten überwachen die „Ordnung" im Streikgebiet, und dort, wo die meisten Mühlen stehen, in Splitter-Stollbeck, ist sogar Gendarmerie aus den benachbarten Ortschaften Gallus-Wilpien und Kawohlen unter Leitung eines Wachtmeisters stationiert. In vergangener Woche provozierten Streikbrecherbanden Zusammenstöße.„Militär mußte herbeigerufen lverden," schrieben die Provinzblätter,„und erst als das Kommando zum Feuern gegeben wurde, stoben die Ausständigen auseinander." Zu Verhaftungen ist es nicht gekommen, sicherlich ein Beweis von der harmlosen Bedeutung der„blutigen Krawalle". Die Ordi»ungs- blätter lassen aber nicht nach, über„Unruhen" Kunde zu geben. Schauergeschichten werden in Umlauf gesetzt. Das Ereignis, daß Tilsit zum erstenmal«inen großen Streik durchlebt, mutz doch aus- geschmückt werden. Tatsache ist, daß unter den Streikenden ein klassenbewußter Korpsgeist herrscht. Alle Lokale werden gemieden, in denen die Geschäftsinhaber der Streikleitung nicht gestatteten, die Unterstützungsgelder auszuzahlen; Tatsache ist auch ferner, daß einem Kaufmann der Militärbesuch entzogen wurde, weil er die Auszahlung der Streikgelder duldete. DaS ist natürlich kein Terrorismns. Am Ende der vergangenen Woche hatten die Ausständigen daS Gewerbe- gericht als EinigungSamt angerufen. Am Sonnabend um 5 Uhr nachmittags sollte Termin sein. Die Herren Arbeitgeber waren aber nicht gekommen. Jetzt wird eine weitere Einladung zu einem neuen Term»n durch den Vorsitzenden de» Gewerbegerichts erfolgen. Es sei hier noch erwähnt, daß durchaus nicht viel Arbeitswillige im Streikgebiet vorhanden sind. Nur teilloeise kann eine Verladung der Hölzer vorgenommen werden, die Mühlen selbst stehen fast immer still. '8$. Glocke, Berlin. Druck u. Berlsa: Vorwärts Litchdr. u. VerlogSansM Streik beendet. In Fürstenwalde an der Spree ist der Streik der Tischler nach 11 wöchentlicher Dauer, durch Abschluß eines drei« jährigen Vertrages mit der Tischlerinnung, beendet loordei». Der Vertrag bringt für die Tischler u. a.'folgende Vergiinsligungen: Die bisher 59 Stunden betragende wöchentliche Arbeitszeit lvird auf 57 Stunden festgesetzt. Eine»veitere Kürzung von je 1 Stunde bei Lohnausgleich, tritt ab 1. August 1916»ind 1911 in Kraft. Wird der Vertrag bei seinem Ablauf— 1. August 1912— nicht gekündigt, so gelangt ab diesem Datum die ölstündige Arbeitszeit zur Einführung. Die bestehenden Stundenlöhne werden sofort um 5 Pf. erhöht, der Mindeststundenlohn beträgt somit 45 Pf. Der Verband der Friseurgchilscn wurde vor 26 Jahren, im August 1889, gegründet. Wenn er es im ersten Jahrzehnt seines Bestehens noch nicht auf 1666, im zweiten Jahrzehnt nicht über 2666 Mitglieder gebracht hat, bei etwa 25 666 beschäftigten Gehilfen, so liegt dies an den im Bar- bier- und Friseurgewerbe bestehenden eigenartigen Verhältnissen. Die Gehilfen sind mit 23 Jahren schon zu alt, zu teuer, und werden als baldige Konkurrenten gefürchtet. Ihre Gehilfenzeit betrachten sie ohnehin als ein Uebergangsstadrum zur Meister- schaft. Die ungünstigen Arbeitsbedingungen veranlassen die Ge- Hilfen, sich so bald als möglich„selbständig" zu machen. Die Be- vorzugung der jüngsten, billigsten und willigsten unter ihnen zwingt sie dazu. Erst als„Selbständige" werden die meisten ge- wahr, daß sie vom Regen schlechter Arbeitsbedingungen unter die Traufe nicht minder mißlicher Existenzbedingungen gekominen sind. Doch dann ist es zur Selbsthilfe durch die Organisation auch schon zu spät. Die Gehilfenzeit währt in der Regel nur fünf Jahre, einschließlich der Militärdienstzeit. Die Organisation muß also ihren Mitgliederstand ständig erneuern; ihn außerdem zu ver- größern, ist eine recht schwierige und wenig fruchtbare Aufgabe. Die Jugend der Gehilfen, das patriarchalische Arbeits- und Be- Vormundungssystem, das Trinkgeldwesen, sowie das gairze Barbier- stubenmilieu führen dazu, das Leben von der leichtesten Seite zu nehmen. Natürlich hat die Organisation auch mit der Gegnerschaft der Meisterverbände zu rechnen, die nichts unversucht lasten, um die Organisation am Aufkommen zu verhindern. Bon den 44 966 männlichen und weiblichen Selbständigen, die bei der letzten Be- rufszählung im Haupterwerb den Beruf ausübten, sind über 25 666 in vier Verbänden vereinigt. Davon zählt ver Barbier- Jnnungsbund allein etwa 26 666 Mitglieder, die fast über ganz Deutschland verstreut sind und durch ihre Arbeitsnachweise den Arbeitsmarkt völlig beherrschen. Daß die Jnnungsnachweise zugleich als Maßregelungsbureaus für„unbotmäßige" Gehilfen fungieren, daraus macht dieser Bund kein Hehl. Im Gegenteil, er rühmt seinen„vorzüglichen Erkennungsdienst", dem außer dem Arbeitsnachweis ein Attestbuch dient, das die Gehilfen führen müssen, um nicht an freiwilliger Arbeit verhindert zu werden. Die Arbeitslosigkeit im Gewerbe ist ungemein groß. Nach den Angaben des Bundes befanden sich im Sommer vorigen Jahres unter seinen 19 881 Mitgliedern nur 16 413 Gehilfen; 9541 waren Lehrlinge. Im Winter werden noch einige Hundert Gehilfen weniger beschäftigt. Sonnabends und Sonntags dürfen die Stellungslosen aushelfen, doch im Winter können nicht einmal alle zur Aushilfe gebraucht werden. Viele müssen umsatteln und kommen dann als Fabrikarbeiter in Organisationen anderer Be« rufe. In den Verbänden der Metallarbeiter, Fabrikarbeiter usw. sind mindestens ebenso viele frühere Barbier« und Friseurgehilfen zu finden, wie im Friseurgehilfenverband. In Würdigung aller dieser Umstände hat(ES der Kölner®o». werkschaftskongretz für notwendig erklärt, daß die Mitglieder der Gewerkschaften die sich ihnen als Kunden der Friseurgeschäfte bietende Gelegenheit benutzen, um die Gehilfen auf ihre Organi. sation hinzuweisen, und den Geschäftsinhabern zu bedeuten, daß sie das Koalitionsrecht auch ihrer Gehilfen ,u respektieren haben. Heute ist es der Organisation noch unmöglich, ohne ständige moralische Unterstützung und Förderung durch die Gewerkschafts. und Parteigenossen vorwärts zu kommen. Mit der Zeit wird diese Unterstützung schon aus dem Grunde wegfallen und unmöglich werden, weil die mehr und mehr zunehmende Konkurrenz im Barbiergewerbe die Beschäftigung von Gehilfen in de» Arbeiter« vierteln überflüssig macht. Die schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen werden dabltr'ch charakterisiert, daß die tarifliche Mindestarbeitizett wöchentlich 75 bis 84� Stunden beträgt und daß erst an fünf Orten die o r g a- n i s i e r t e n Gehilfen reinen Geldlohn erhalten, dessen Höchstsätze 26 bis 23 M. betrage»». Obgleich verheiratete Mitglieder fast gar nicht in Frage kommen und die UnterstützungSeinrichtu»lgen des Verbandes verhältnismäßig recht gute sind, ist für viele Gehilfen der Wochenbeitrag von 56 Pf. zu hoch, weshalb der Verband eine zweite Beitragsklasse mit 36 Pf. einführt. Dadurch ist nun auch den schlecht Entlohntesten die Möglichkeit gegeben, sich organisieren zu können.— Wirken so alle Kräfte vereint für die Organisation, dann wird der Verband im dritten Jahrzehnt seiner Tätigkeit noch ersprießlicher für die Berufsgenossen wirken können. Letzte JVachnchten und Depefchen. Der Generalstreik. Stockholm, 5. August.(Depesche unseres Spe- zialkorrespondenten.) Die Arbeiter der Gas- und Elektrizitätswerke Stockholms haben soeben gegen den Willen deS Landessekretariats beschlossen, die Arbeit einzustellen, weil sie nicht unter Militärbewachung arbeiten wollen. Die Furcht vor de» Wahlern. München, 5. August.(B. H.) Gestern fand hier eine öffent- liche Versammlung von katholischen Arbeitern und Arbeiterinnen statt. In derselben sprach Dr. S ch ä d l e r. Dieser pries die christ- liche Arbeiterschaft und verteidigte die Finanzreform des neuen Blocks. ES wird behauptet, daß man eine Diskussion nicht zuge- lasten hatte,«eil die Befürchtung nahelag, daß aus den Reihen der christlichen Arbeiter Angriffe aus die Steuerpolitik deS Zentrums erfolgen könnten. Schiffskatastrophe. Kapstadt, 5. August. Von der Besatzung des schiffbrüchig ge» wordenen Dampfers„Maori" sind sechs Mann ertrunken. Heber den aus 54 Personen bestehenden Rest der Mannschaft liegen keine Nachrichten vor.(Siehe Vermischtes.) Das Wichtigste. Frankfurt a. M., 5. August.(B. H.) Gestern nachmittag wurde das Zcppelindenkmal auf dem Kornsand bei Lppcuhcim eingeweiht. Es liegt an der Stelle, wo Graf Zeppelig am 14. August 1968 seine erste Landung vorgenommen hat. Großftuer. Budapest, 3. August.(B. H.) In T ö V i S wütete gestern ein großer Brand. Vierzig Wohnhäuser und die dazu gehörigen Neben- gcbaud? wurden vernichtet. Zwei Kinder und ein Mann sind in den Flainmen umgekommen._ Paul Singer L: Co« Berlin LV/. Hierzu 2 Beilagen u-Unterhaltungsbl. m »>»« 1. jikilsZe drs„PoniiSrlä" Itiliii« llolliililiitt. Soziales* - Ein nichtiger Arbeitsvertrag- Ein Rechtsgeschäft, das gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, tst nach§ 134 B. G. B. nichtig, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt. Demnach ist ein Arbeitsvertrag mit einem Minder- jäsrigen, der kein Arbeitsbuch hat, oder die Ueberschreitung einer gesetzlichen Maximalarbeitszeit nichtig. Dennoch hat der Arbeiter auf Grund der Vorschriften über ungerechtfertigte Bereicherung (Z 816, 817, 818 B. G. B.) und über Schadenszufügung einen An- spruch in Höhe eines angemessenen Lohnes. Diese Rechtslage spiegelte sich in einem gestern vor dem Ge- Werbegericht verhandelten Prozeß wieder. Am 17. Juni hatte der Monteur Röhricht gegen seinen bisherigen Arbeitgeber, den In- stallateur für elektrische Licht- und Kraftanlagen Friedrich Dahl, Oranienburger Straße 12, beim Gewerbegericht auf Zahlung einer Entschädigung von 54 Mk. wegen fristloser Entlassung und auf Ausstellung eines Zeugnisses, in dem ihm bescheinigt wird, daß er als Monteur und nicht als Hilfsmonteur beschäftigt war, geklagt. Er hatte ein obsiegendes Erkenntnis erzielt. Dieses Erkenntnis focht der Beklagte an, indem er gestern vor der 5. Kammer des Gewerbegerichts auf Rückzahlung der Entschädigungssumme klagte. Damals suchte er die Entlassung R.s mit dessen ungenügenden Leistungen zu rechtfertigen. Gestern berief er sich darauf, daß das Arbeitsverhältnis nach§ 167 der Gewerbeordnung ein ungesetzliches war, das er nicht länger bestehen lassen durfte, wenn er sich nicht strafbar machen wollte- Er habe sich nämlich verführen lassen, den minderjährigen R. ohne Arbeitsbuch einzustellen. Dieser behauptet, daß er wohl im Besitz des Arbeitsbuches war, der Kläger habe es ihm nur nicht abgefordert. Dies sei aber kein Grund zur fristlosen Lösung des Arbeitsverhältnisses. Das Gericht unter Vorsitz de» MagistratSrats Dr. Wölbling wies die Klage ab. In den Gründen hieß es: Das Urteil vom 17. Juni ist rechtskräftig und demzufolge nicht anfechtbar. Trotz- dem hat das Gericht die Entscheidung nachgeprüft. Auch der ein- gewandte Mangel des Arbeitsbuches, der überdies vom Beklagten bestritten wird, vermag am Urteil nichts zu ändern. Es ist richtig, daß minderjährige Personen ohne Arbeitsbuch nicht beschäftigt werden dürfen. Hat sich aber der Kläger zu einem Verstoß gegen diese' Vorschrift verführen lassen, so mutz er die gesetzlichen Folgen tragen und auch den dem Arbeiter gebührenden Lohn zahlen., Zündholzschachteln als Agitationsmaterial. Ein drolliges Stückchen ist dem unter freisinniger Lei- tung stehenden Konsumverein in Görlitz passiert. In. folge des großen Andranges nach Zündhölzern konnte der Kon» sumverein unmöglich in Deutschland Zündhölzer erhalten. Er wendete sich darauf an eine Zündholzfabrik in Böhmen. Diese sandte auch einen größeren Posten Schweden. Der Freude hierüber folgte der Schreck, als die Sendung ausgepackt wurde. Sie ent» hielt— man denke sich den Schreck der freisinnigen Epigonen— „sozialdemokratische" Zündhölzer. Alle Schachteln trugen die Aufschrift unseres in Gablonz in Böhmen erscheinenden Bruderblattes: GebirgSbote Sozialdemokratisches Organ für da» Jser- und Riesengedirge, Verwaltung Gablonz a. N. Arbeiterl Agitiert für Eure Presse! 'Das war zu stark! Für ein sozialdemokratisches Blatt konnte man in einem unter freisinniger Leitung stehenden Konsumverein keine Propaganda machen. Also blieb nichts anderes übrig, als den Versuch zu machen, die Zündhölzer anderswo los zu werden, selbst wenn die eigenen Mitglieder darunter Schaden litten. So kamen denn die Herren auf den Gedanken, die gesamte Sendung der Leitung des Konsumvereins in Zittau anzubieten, von der man wußte, daß sie aus Sozialdemokraten besteht. Doch hier roch man den Braten ebenfalls. Eine Absage war die Ant- wort. Die freisinnigen ManneSgrößen werden es nun schon über sich ergehen lassen müssen, für ein sozialdemokratisches Blatt Pro- paganda machen zu müssen. Das Geschick ist eben stärker als der Wille bei diesen Herren. Diese originelle Art der Agitation durch Auffchriften auf Streichhölzern usw. wird in Oesterreich von unseren Genossen recht fleißig geübt und verdient Nachachtung. In Oesterreich ist es selbstverständlich, daß die Konsumvereine auch in sozialdemokrati» schem Sinne agitieren Bei uns hat man selbst während des Steuerlampfes hiervon seitens der Grotzeinkaufsgesellschaft nichts gespürt. Wollen die Genossen, daß endlich die Konsumvereine mehr kleines f eullleton. Tolstoi der Weltverbesserer als Familienmitglied. Dieser Tage ging durch die russische Presse eine Nachricht, die einen neuen Strich zu dem Charakterbilde Leo Tolstois fügt. Die Stadtverwaltung von Petersburg hatte die löbliche Absicht, für die Schüler der städti- schen Schulen eine Auswahl der hervorragendsten Werke des„großen Dichters der russischen Erde" herauszugeben; ein Beginnen, das um so löblicher ist, als es von der vielberufenen PeterS« burger Stadtverwaltung ausgeht. Wenngleich der Zweck der beabsichtigten Ausgabe den von Tolstei verkündeten Grund- sätzen durchaus entspricht, so wehrte sich doch die Gräfin Sofia Andrejewna Tolstaja geb. Bers gegen die Absicht der Stadt- Verwaltung, indem sie ausführte, daß die Veranstaltung solcher Aus- gaben den Erlös aus dem Verkauf der Werke threS Gatten schmälere. Nach diesen rein geschäftlichen Ausführungen bemerkt die Gräfin wörtlich:.Was speziell die Verteilung der Werke Tolstois an die Petersburger Schüler betrifft, so ist das Lew Nikolajewitsch voll- ständig gleichgültig, da seine Sympathien den bäuerlichen und nicht den stadtischen Kindern gehören." Mit dieser letzteren Bemerkung stellt die Gräfin ihrem hatten ein Zeugnis aus, das keineswegs schmeichelhaft ist. Nach dem Bescheid der Gräfin wandte sich das Stadtamt von Petersburg unmittelbar an den Grafen Tolstoi, mit dem Erbieten, ein zu bestimmendes Honorar zu erlegen. Auf diesen Brief an den Grafen erfolgte wiederum eine abschlägige Antwort von der Gräfin, in der sie nochmals betont, daß die Veranstaltung einer Schülerausgabe die Interessen ihrer Familie verletze. Tolstoi hat als Person auf den Ertrag seiner Werke, der ihm nach bürgerlicher Auffassung ja durchaus zusteht, verzichtet. Da er aber sein Vermögen auf seme Familie übertragen hat, so beansprucht diese das Verlagsrecht. Man sieht daraus, daß die individuelle Ge- sellschaftSform ein Ding der Unmöglichkeit ist, da Tolstoi mit seinen Ueberzeugungen ebenso an seiner Familie scheitert, in deren Schoß er verblieben ist. Und in der Tat ist der Kontrast zwischen Tolstoi als individuellem Menschen und Tolstoi als Familienmitglied allzu groß, um nicht zu befremden. Höhnisch weisen reaktionäre russische Blätter auf den Widerspruch hin: Tolstoi predigt die größte, an Selbstvernichtung grenzende Selbstlosigkeit; er geht barfuß umher und hüllt sich m bäurische Gewänder. Die Welt bestaunt den Philosophen von Jasnaja Poljana, und die Zahl seiner Anhänger ist Legion. Währenddessen entwickelt die Gräfin ihren regen Geschäftssinn. Sie vertreibt die der Nation zur Verfügung gestellten Werke ihres Gatten. Man weiß, daß die Bauern von Jasnaja Poljana für die Guts- ländereien die höchsten Pachten zahlen, daß sie von der Gräfin in jeder Weise geschröpft werden, und daß diese Bauern zu den ärmsten und unwissendsten deS Gouvernements gehören. Die Menschenliebe deS Grafen Tolstoi, die über den ganzen Erdball wärmend strahlt. erreicht seine Bauern nicht— sie bleiben in Dunkel und Armut. Der Sozialist wird in diesem Falle auch nur die ihm längst zum Bewußtsein gekommene Tatsache bestätigt finden, daß alle weit- von sozialdemokratischem Geist erfüllt werden, so sollten sie in größeren Massen den Konsumvereinen beitreten. Unstreitig ver- mag der Beitritt zu einem Konsumverein einen Teil der Teuerung weit zu machen und: je mehr Mitglieder den Konsumvereinen an- gehören, desto leistungsfähiger sind diese und desto«her wird die Konsumsleitung in sozialdemokratischem Sinne ausgeübt. Neue Maßregelung eines technischen Angestellten in Augsburg. Der Bund der technisch-industriellen Beamten teilt mit: Be- kanntlich wurde von der Maschinenfabrik Augsburg in jüngster Zeit ein gelber Beamtenverein gegründet, der gelegentlich der Wahlen zu den Angestelltenausschüssen der Handelskammern zum ersten Male in Aktion trat. Die von ihm aufgestellten Kandidaten fielen aber bei der am letzten Sonntag erfolgten Wahl glänzend durch. Dafür rächte sich die Maschinenfabrik Augsburg, indem sie den in ihren Dienst stehenden, von den organisierten Technikern gewählten Angestellten sofort ohne Einhaltung einer Kündigungs- frist entließ. Was sagt die bayrische Regierung dazu? Werden die bahri- schen Staats- und Kommunalbehörden nun endlich Matznähmen treffen, die verhindern, daß in Zukunft Arbeiten aus öffentlichen Mitteln Firmen übertragen werden, die die persönliche Freiheit und das Koalitionsrecht der Angestellten mißachten? Die alten Arbeiter. In einer der letzten Nummern des„Figaro" beschäftigt sich G. Labadie-Lagrave mit dem Schicksal der altgewordenen Arbeiter, die man unter dem Vorwande. sich ein Recht zur Ruhe erworben zu haben, schon in verhältnismäßig frühen Jahren allen Qualen eines untätigen Lebens überliefere. Wenn es sich auch nicht be- streiten läßt, daß etwa dreißig oder vierzig Jahre angestrengten Arbeiterlebens die Kräfte verzehren, so wird dieser Ausfall an Ar- beitskraft doch bei weitem durch den Ernst aufgewogen, mit dem der alternde Mann seine Pflichten erfüllt, und durch die reichen Erfahrungen, die er sich im Laufe der Zeit erworben hat. Einer der bedeutendsten englischen Großindustriellen, Sir John Brunner, hat, wie die„Worlds Work" mitteilt, auf Grund viel- jähriger Beobachtungen festgestellt, daß auf das Personal seiner Fabriken, soweit es sich in dem Alter von 13— 25 Jahren befindet, fast SVa Proz aller Unglücke entfallen, daß sich aber diese Zahl bei den Arbeitern, die das 26. Lebensjahr vollendet haben, auf 2sh Proz. ermäßigt. Im Anschluß an diese Statistik des englischen Fabrikbesitzers verfolgt nun Labadie-Lagrave den Gegenstand weiter, und berechnet auf Grund vieler ihm zu Gebote stehenden Statistiken, daß die Zahl der Unfälle für Arbeiter, die sich im vierten Lebensjahrzehnt befinden, also etwa 36— 35 Jahre alt sind, um 2,6 Proz. in diesen fünf Jahren sinkt. Von jetzt an geht es langsamer; wohl nehmen unter den älter werdenden Arbeitern die Unfälle ab, doch nicht in dem Maße, wie bisher. Eine Abnahme über das 51. Jahr hinaus ist überhaupt nicht wahrzunehmen, da auch die menschliche Klug- heit und alle Vorsichtsmaßregeln ihre naturgemäßen Grenzen haben. Wenn man nun die ausführlichen Arbeitsberichte der Worlds Work eingehend prüft, so wird man sehen, daß in den großen indu- striellen Betrieben vor allem die jugendliche Arbeitskraft ge- sucht wird und daß daher das Bestreben der großen Fabrikherren auf eine möglichst frühe Ausscheidung der älter werdenden Arbeiter gerichtet ist. Die Folgen dieses gewaltsamen Verjüngungsprozesses sind daher auch nicht ausgeblieben, denn die Zahl der durch jugend- lichen Leichtsinn und jugendliche Unerfahrenheit verschuldeten Un- glücksfälle ist in den letzten Jahren in einer geradezu beunruhigen- den Weise gestiegen. Nur auf einem Gebiet, dem der Grubenarbeit, zeigt sich die kalt berechnende Ausscheidung älter gewordener Männer nicht. Gerade hier, wo durch das natürliche Versagen der Kraft des Ein- zelnen der Tod von Hunderten hervorgerufen werden kann, hält man die Leute bis zur äußersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit im Dienst, ohne auf die Forderungen Rücksicht zu nehmen, tzelche die Sicherheit der übrigen Arbeiter gebieterisch erheischen, � Hus Induftrle und ftandel Schreckliche Gefahr. Auf eine schreckliche Gefahr für Staat und Gesellschaft, die in dem Wirrwarr der inneren und äußeren Krisen und sonstigen Belang- losigkeiten, wie die neuen Steuerlasten, leicht gänzlich hätte übersehen werden können, macht die.Deutsche Kohlen-Zeiwng" aufmerksam. Nein, sie trompetet loS, richtig von Angst gefoltert, aufl zum Kampf gegen das Fürchterliche. Sie quält sich ab zum Erbarmen für das Wohl des— Portemonnaies der Kohlenhändler! Davon gehen die Schmerzen aus, die zum heiligen Krieg wider Umsturz und Revo- lution alarmieren. Der Kohlenbezug durch Konsumvereine ist es, der das ftomme Gemüt in Auftuhr, den Staat an den Abgrund des Zusammenbruchs gebracht hat. Hören wir die um der Welt Wohl besorgte.Kohlen-Zeitung": In ihrer Nummer S1 orakelt sie also: „Konsumvereine tragen zweifellos rein sozialistische Tendenzen an sich. Der Weg der Konsumvereine führt in den Zukunftsstaat, der bekanntlich ohne Thron, ohne persönliche Autoritäten, ohne moralische und individuelle Qualitäten eingeleitet und erhalten werden soll. Konsumvereine sind die wirtschaftlichen Hilfsmittel, mit welchen die Sozialdemokratie ihrem Ziele unentwegt nach- strebt. Die Beamten in Staat und Kommune gehen ihrer Wirt- schaftlichen Sicherheit und ihrer persönlichen Vorteile von heute im Zukunftsstaate bestimmt verlustig; warum aber gründen sie selbst Konsumvereine und unterstützen solche. Sie sägen sich un- willkürlich den Ast vom Baume, auf dem sie jetzt selbst so fest sitzen.... Zuletzt die Regierungen und die heutige Gesellschafts- ordnung. Soll es nicht dahin kommen, daß eines Tages der Regierung und weniger Selbständiger nur noch die Masse der ' Unselbständigen(das ist so viel als ewig Unzufriedenen) gegenüber steht, so verbiete man einfach die Konsumvereine. Solche dürften den Fürsten auf ihren Thronen und den Kapitalisten eines Tages sehr gefährlich werden...." Nachdem das Blatt die Gefahren all in den kohlenschwärzesten Farben geschildert und den festen Preis für Gesinnungstüchtigkeit. Thronschutz genannt hat. rafft es sich noch zu folgendem Schlußgebet — in Fettdruck— auf: „Darum wehe den heutigen Machthabern, wehe den Politikern, Parlamentariern und Journalisten, welche sich vom Konsumvereins- rummel ins Schlepptau nehmen lassen oder für die allgemeine Vcrgenossenschaftung werben; sie alle leisten dem Staat und seinen Bürgern einen schlechten Dienst. DaS städtische Bürgertum degeneriert wirtschaftlich und alle kommunalen, sowie staatlichen Lasten müssen zuletzt von der Industrie allein aufgebracht werden. Die anderen liegen als Opfer des Systems auf der Wahlstatt und sind zu Proletariern und somit zu Feinden des Staates und der Gesellschaft geworden. Wird sich unter solchen Verhältnissen die Industrie auch noch halten können?" Wehe, wehe über den.Rummel"! Bierverteucruug. In einer Versammlung deS Vereins der Weißbierwirte wurde beschlossen, den Preis für die kleine Weiße auf 13 Pf., für die große Weiße auf 25 Pf. festzusetzen. Der Beschlutz entspricht der Vereinbarung, die zwischen den Brauern und Gast- Wirten in einer Konferenz am 16. Juli zustande gekommen ist. Der Vorsitzende deS Vereins, Stadtverordneter Zacharias, war gegen die Preiserhöhung und für eine Beibehaltung der alten Preise bei ent- sprechender Verkleinerung des SchankmatzeS. DaS neue Gesetz ver- bietet die Wasserzufuhr, nachdem daS Bier die Brauerei verlassen hat. Da man nicht weiß, wie viel Taufwasser ftüher verwendet worden ist und in welcher Proportion die Waschung jetzt in der Brauerei besorgt wird, läßt sich schwer ermitteln, in welchem Verhältnis der jetzige Aufschlag zu der Brausteuererhöhung steht. Zwischen den Weißbierbrauereien und den Vertretern der Gastwirts« vereine ist folgender Preistarif vereinbart worden: Der Mindestpreis für Faßbier beträgt für Wirte 13 Pf., für Private 15 Pf. pro Liter, so weit die Brauereien schon bisher kleine Fäßchen an Private verkauft haben. Diejenigen Brauereien, die den Kleinverkauf erst einführen wollen, haben von den Privaten mindestens 16 Pf. pro Liter zu nehmen. Für Jungbier ist beim Verkauf an Private ein Mindestpreis von 15 Pf. pro Liter fest- gesetzt. Im Flaschenbierhandel kostet der Kasten mit dreißig Flaschen 2,50 M. für Gastwirte. Private haben 11 Pf. für die Flasche zu zahlen. Beim Ausschank von Malzbier soll der Mindestpreis 10 Pf. für Liter betragen. In Fässern soll daS Malzbier pro Liter 15—16 Pf. kosten. Malzbier in Flaschen kostet für Wiederverkäufer bei 30 Flaschen 2,60 M.(erste Qualität) und 2,40 M.(zweite Qualität)' für Private beträgt der Preis 3,30 M. und 3,20 M. Die Preise sollen nur dann Geltung haben, wenn die Lagerbierbrauereien nicht durch Unterbietungen eine Herabsetzung erforderlich machen. Angeblich haben sich Brauereien und— GastwirtSorganisationen nun schon dahin geeinigt, von dem in Aussicht genommenen exor- verbessernden Ideen unfruchtbar bleiben müssen, wenn sie nicht von einer ganzen Klasse getragen und im Kampfe in eine durch die EntWickelung der ProduktionSkräfte ermöglichte Wirklichkeit überführt werden. Waldbrände. Die prächtigen Kiefer« und- Tannenforste an den steilen Hängen deö LischenagletscherS oberhalb TaraSp im Unterengadin find jetzt das Opfer eines gewaltigen Waldbrandes geworden, dessen mächtige Flammen bis zu einer Höhe von 2600 Meter emporwallten, aller menschlichen Gegenwehr spotteten und einen furchtbaren Schaden angerichtet haben. Zum Glück ist Europa verhältnismäßig selten der Schauplatz großer Waldbrände; in der Regel gelingt es, das Feuer bald einzuschränken. Die Heimat der großen Waldbrände, sind die gewaltigen Forste, die sich in Amerika und in Kanada über Millionen von Ouadratmeilen hin erstrecken; erst im vergangenen Jahre wurden diese Gebiete von einer furchtbaren Katastrophe heimgesucht, die wochenlang die kanadisch-amerikanischen Grenz- länder mit Grauen und Entsetzen erfüllten, ganze Städte zerstörten und Tausenden von Einwohnern da? Leben kosteten. In den„LectureS pour TouS" wird an das schreckliche Schicksal er- innert, das hierbei die Bewohner des kleinen Städtchens Metz er- eilte, bei dem die Mehrzahl der Bevölkerung, meist elsaß-lothringische Auswanderer, einen graufigen Tod fanden. Seit August war kern Tropfen Regen gefallen, die gewaltigen Waldregionen lagen dürr und ausgetrocknet, als im Oktober der Waldbrand kam und mit rasender Geschwindigkeit bis zu einer Breite von 300 Kilometern anwuchs. Alle Abwehr war vergebens, Flucht die einzige Rettung. Aber die Flammen stürmten mit furchtbarer Schnelligkert vorwärts und schnitten Tausenden von Menschen den Weg ab. Von dem Siedlerdorfe Posen aus jagte man einen Zug nach Metz, um den Bewohnern eine letzte Fluchtmöglichkeit zu geben. Als der Zug eintraf, hatten die Flammen bereits das Dorf ergriffen. In wilder Hast stürzten die Ueberlebenden sich in den Zug, der so- fort mit Bolldampf die Rückfahrt antrat. Aber auf dem Wege nach Millesburg versperrten verbrannte Baracken und ein in Flammen stehender Bahnhof die Fahrt. Weiterfahren hieß 200 Menschen dem sicheren Tode überliefern. Nur eine schwache Hoffnung blieb: zurück. Der Maschinist Forster gab Kontz:edampf und eine Minute später brauste der Zug mit den Flüchtlingen die Strecke zurück, auf der er gekommen. Plötzlich eine furchtbare Erschütterung: der Zug stieß gegen das durch das Feuer niedergeworfene Gebälk einer Brücke. Es war zu Ende. Inmitten eines Meeres glühender Flammen lag der Zug fest. In wenigen Sekunden standen die Waggons in Brand. Der Heizer flüchtete in das Wasserreservoir des Tenders. Man fand später eine völlig verbrühte Leiche. Am nächsten Morgen brachten zwei mit furchtbaren Brandwunden überhäufte Leute die gräßliche Kunde von dem Ende der Metzer Flüchtlinge nach Posen. Wie sie sich gerettet hatten, wußten sie selbst nicht zu sagen, aber ihre grauenvoll entstellten Körper zeugten von dem Verzwciflungskampf, den die beiden einzigen Ueberlebenden gegen die Flammen geführt hatten. Aus den kleinsten Anlässen heraus erstehen diese erschütternden Katastrophen, ein Funke, der der Tabakpfeife eines Jägers entfällt, ein vergessenes glimmendes Holzstückchen, daS in dem eilig gelöschten Lagerfeuer eines Trappers zurückbleibt, vor allem aber die Funken, die aus dem Schornstein der Lokomotive emporwirbeln und vom Winde weitergetragen werden: sie lassen die Waldbrände entstehen, die Millionen an Holz ver- schlingen, Dörfer und Städte einäschern und dann Zehntausende zwingen, ihr mühsam erworbenes Heim in hastiger Flucht zu ver- Streichhölzer a«S Stroh. ES ist zu erwarten, daß sich auf dem Gebiete der Streichbolzindustrie infolge der Verteuerung der bis- herigen Fabrikate die Erfindertätigkeit regen wird, denn wer jetzt dem aufgeregten Publikum im Preise der Streichhölzer um ein Weniges entgegenkommen wird, kann mit Sicherheit aus einen großen Erfolg rechnen. Schon ist die Neuigkeit von Zündhölzern mit zwei Zündköpfchen angekündigt worden, jedoch erscheint dieser Ausweg etwas bedenklich, einmal wegen der größeren Gefahr einer ungewollten Entzündung, die für die Umgebung recht unan- genehme Folgen haben kann. Zweitens, weil ein einmal abge- brannteS Streichholz in die Schachtel zurückgesteckt werden muß und dann leicht den Aerger verursachen kann, den die„Fru Pastern" in der„Stromtid" wegen dieser Gewohnheit täglich erleben mußte. Mehr Aussicht hat vielleicht der Vorschlag, das Stroh verschiedener Gräser und Getreidearten als Ersatz für daS Holz zu benutzen. ES würde in Stücke von geeigneter Länge durch Maschinen zu schneiden, dann zu kochen, zu trocknen und schließlich weiter nach dem gewöhn- lichen Verfahren zu behandeln sein. Humor und Satire- Aus dem Badeleben. Die eheliche Untreue. Der Liebhaber zur Geliebten, die den Besuch ihres Gatten über Sonntag erwartet:.Und dabei bleibt's, wie'S ausgemacht ist; keine Untreue". Die guten Eltern. Die elegante Mutter versichert ihren Badebekanntschasten:„Die Seelust bekam unserm Kinde nicht, da mußten wir es zu den Großeltern aufs Land schicken. Na, die werden eS schön verziehen."— DaS arme Kind wird derweil auf dem Lande verwahrlost und bekommt nicht satt zu essen und wird von der Kostfrau so angefahren:„Du Pariser Unrat, glaubst wohl, für die 80 Pfg., die der Geizhals von Deiner Mutter zahlt, könntest Du alle Tage Hühnerbraten kriegen?" Der Einheimische, der vom Fremdenverkehr nichts wissen will:„Verdammte Schmutzfinken. Sie werden uns noch die Fische vergiften, und unser Getreide durch ihren Atem verpesten". Städtische Kultur. Der Bordellwirt zur Unschuld vom Lande:.Ich wüßte einen guten Platz für Dich in Paris. Du hättest da gut zu essen, bekämst feine Kleider, gehörige Trinkgelder, könntest alle Woche einmal im Wagen ausfahren und sonst die meiste Zeit im Bett liegen."(.L'Assiette au beurre."i kitakken Preisaufschlag von S M. pro Heltoliter für die Wirte W- stand zu nehmen und sich mit 3,50 M. zu begnügen. Wir halten auch diesen Satz noch für zu hoch; die Steuererhöhung macht ja nicht mal 2 M. pro Heltoliter aus. Hus der frauenbcwegung. Mädchenhandel. New Dorl, 2. August. Sensationelle Enthüllungen über die Ausdehnung des Handels mit„weißen Sklavinnen" nach der Panamakanalzone werden durch die Vernehmung einer Frau Soll, alias Helen Spencer, erwartet, die unter der Anklage hierhergebracht wird, drei amerikanische Choristinnen von New Dori nach Panama gelockt zu haben, um sie dort einem Leben der Schande zu über- antworten. Die Mädchen, die sich im April außer Engagement be- fanden, wurden von Frau Soll unter Versprechung großer Gagen einzeln überredet, sie nach Colon zu begleiten, wo sie als Sängerinnen und Tänzerinnen im Navajo-Theater Anstellung finden sollten. Frau Soll bezahlte sür die Mädchen, die erst aus dem Dampfer miteinander bekannt wurden, nicht allein die Reisekosten nach Panama, sondern versah sie noch mit Taschengeld. Auf der Reise sprachen die Mädchen auch den Passagieren gegenüber sehr viel von ihren brillantes Aussichten und die Sache kam dabei auch dem Kapitän zu Ohren, oer Verdacht schöpfte und sich zum Eingreifen entschloß. Als das Schiff in Colon emtraf, übergab der Kapitän Frau Soll der Polizei, die sie unter der Anklage der Kuppelei in Hast nahm; die drei Mädchen wurden dagegen nicht zur Landung zuaelaffen, sondern blieben auf dem Schiff, bis dieses die Weiterreise antrat. Sie wurden dann in die Obhut des.American Women Club" gegeben und am 1. Mai mit dem Dampfer.Orinoco" nach New Jork zurück- gesandt. Die Kupplerin, die ebenfalls nach New Aorl zurücktransportiert werden sollte, war in der Zwischenzeit in Colon ent- flohen, wurde jedoch am 10. Juli in Guahaquil wieder verhaftet. C5ericbte- Zeitung* Die verletzte Beamtenautorität. Wegen einer Lappalie i— angebliche Beleidigung eines HilfS. gerichtsdieners— ist die königlich sächsische u n d die königlich preu. fcische Justiz in Bewegung gesetzt worden. Und das kam so: Genosse Bartels, Redakteur der in Chemnitz erscheinenden„Volksstimme", erschien als Privatbeklagter vor dem Amtsgericht Annaberg. Wahrend der Gerichtshof im Beratungszimmer war, rief der Hilfsgerichtsdiener Morgenstern die Sache auf. an der Bartels beteiligt war. Bartels, der sich im Zuhörerraum befand, hielt den Ton und die Art, wie Morgenstern ihn aufforderte, in den Berhandlungssaal zu kommen, für so verletzend, daß er zu Morgen. stern sagte:„Ich verbitte mir den Unteroffizierston."— Morgenstern fühlte sich dadurch in seiner Autorität gekränkt. Er teilte dem Amtsrichter den Vorfall mit, doch nicht— wie er später als Zeuge angab—, damit Bartels angeklagt und bestraft werde, sondern damit der Richter ihm auf der Stelle eine Rüge erteile. Doch der Vorstand des Annaberger Amtsgerichts, Amtsrichter Dr. Böhme, machte aus der Lappalie eine große Aktion, indem er Gtrafantrag wegen Beamtenbeleidigung gegen Bartels stellte. Nun Sing die sächsische Gerechtigkeit ihren Lauf. Die Staatsanwalt- Haft erhob Anklage und die Strafkammer des Landgerichts Chemnitz verurteilte Bartels zu einer Geldstrafe von 20 M. Diese Verurteilung teilte der„Vorwärts" in folgender Notiz von zehn Zeilen mit: „Die Autorität über alles. Wegen Beleidigung eines Hilfs» gerichtsdieners wurde Genosse Bartels-Chemnitz zu 20 M. Geld- strase verurteilt. Er hatte sich„den UnteroffizierSton" des Hilfs. gerichtsdieners verbeten. Diese Verwahrung wurde als eine schwere öffentliche Beleidigung deS Beamten angesehen, und im Interesse der gefährdeten Staatsautorität stellte der Gerichts- vorstand Strafantrag, erhob die Staatsanwaltschaft im öffent- lichen Interesse Offizialklage und tagte die Strafkammer des Landgerichts Chemnitz! Ja, in Deutschland hat der Bürger nicht aufzumucken, wenn er von Beamten angeschnauzt wird." Diese Zeilen gaben dem Amtsrichter Dr. Böhme Veran. lassung, eine zweite Aktion einzuleiten. Diesmal richtete sich die- selbe gegen den„Vorwärts". Dr. Böhme stellte Strafantrag gegen unseren verantwortlichen Redakteur, Genossen Mermuth, und die königlich preußische Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Be- amtenbeleidigung. Wieder soll der Hilfsgerichtsdiener Morgen- stern beleidigt sein. Wodurch? Darüber wird man sich beim Durch- Ixsen der Notiz vergebens den Kopf zerbrechen. In der Gerichtsverhandlung, die gestern vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I stattfand, erfuhr man, daß eS der letzte Satz der Notiz ist, welcher die Beleidigung enthalten soll. Es soll ehrverletzend für einen Beamten sein, wenn ihm nachgesagt wird, ec habe jemand angeschnauzt. Mermuth erklärte als Angeklagter, er könne nicht finden, daß die Notiz irgend etwas Beleidigendes, am allerwenigsten eine Be- leidigung des gar nicht genannten HilfsgerichSdienerS enthalte. Die Notiz sei ja nichts anderes, als eine Kritik der Staatsanwalt- fchaft, die wegen einer Lappalie öffentliche Anklage erhoben habe. Doch, so leicht, wie man es nach der hervorragende Haltlosig- heit der Anklage hätte erwarten sollen, kam die große Aktion nicht zum Abschluß. Mehrere Zeugen, die Mermuth benannt hatte, um zu beweisen, daß Genosse Bartels in der Tat durch den Gerichts- diener angeschnauzt worden sei, sind in Annaberg und in Chemnitz kommissarisch vernommen. Ihre Aussagen wurden verlesen. Sie bestätigten durchaus den eingangs angegebenen Tatbestand; auch hat MoMnsteen als Zeuge angegeben, daß ihm an der Bestrafung Mermuths nichts liege. Der angeblich Beleidigte hat anscheinend nicht ein so feines Empfinden für die in seiner Person verletzte Beamtenautorität wie es der Annaberger Amtsgerichtsvorstand, die sächsische und die preußische Staatsanwaltschaft haben. Der Staatsanwalt gab zwar zu, daß verschiedenes für die Angabe des Angeklagten spreche: Die Spitze der Notiz richte sich nicht gegen Morgenstern, sondern gegen die Justizbehörden. Dennoch beantragte der Vertreter der Anklage eine Geldstrafe von 100 M., denn, meinte er. Mermuth habe doch wissen müssen, daß nebenher auch Morgenstern beleidigt sein könne. Angesichts dieses Antrages sah sich der Verteidiger, Rechts- anwalt Dr. Kurt Rosenseld, genötigt, eingehend nachzuweisen, daß von einer Beleidigung des gar nicht genanten Gerichtsdieners keine Rede sein könne. Die Tendenz des Artikels richte sich ledig- lich gegen die Einleitung einer Anklage wegen einer Lappalie. Es sei auch erwiesen, Morgenstern habe Bartels angeschnauzt. Dem Angeklagten stehe der Schutz des§ 193 zur Seite. Aus allen diesen Gründen müsse er freigesprochen werden. Mermuth fügte dem noch hinzu: Er sei durch die Ausführungen deS Staatsanwalts bestärkt worden in der Auffassung, daß die Notiz nichts Strafbares enthalte. Er werde sich auch in Zukunft nicht zu der Höhe juristischer„Geistesschärfe" aufschwingen können, welche erforderlich sei, um in solchem Artikel einen strafbaren In- halt zu finden. Eine Bestrafung würde also bei ihm ihren Zweck verfehlen. Das Gericht erkannte auf Freisprechung mit der Begründung: Der Inhalt des Artikels lasse es zweifelhaft erscheinen, ob der Gerichtsdiener getroffen werden sollte. Jedenfalls sei sich der An- geklagte nicht bewußt gewesen, daß der Artikel für den Gerichts- diener beleidigend sein könne. Hoffentlich war das nun der Schlußakt der großen Aktion. in der sich weder der Strafantragsteller noch die Anklagebehörde Lorbeeren erworben haben._ Die genarrte Polizei« In eigenartiger Weise ist durch die Frechheit eines wiederholt vorbestraften Einbrechers Franz Schutzkow die Polizei genarrt und ein Unschuldiger verprügelt und verhaftet worden. Der gestern vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts I angeklagte Schutzkow war im Juni dieses Jahres arbeitslos. Um sich in den Besitz von Geld zu setzen, beschloß er einen Diebstahl nach Art der„Klingelfahrer" auszuführen. Als er mit einem Dietrich eine Wohnung in einem Haufe an der Ecke der Potsdamer und Lützowstraße öffnen wollte, wurde er bei der besten Arbeit überrascht und mutzte schleunigst die Flucht ergreifen. Als er sich von Hausbewohnern und Passanten verfolgt sah, wendete er den alten Diebeskniff an und schrie ebenfalls:„Haltet den Dieb!", um den Anschein zu erwecken, als sei er gar nicht der Dieb. Er be- gnügte sich jedoch nicht damit, sondern wendete einen wohl einzig dastehenden„Bluffer" an. Er lief plötzlich auf einen Hausdiener eines hiesigen Warenhauses zu, der in einem Hause in der Pots- damer Straße eine Bestellung erledigt hatte, und hielt den völlig Ueberraschten fest. Das Publikum war sofort der Meinung, daß dieser der Dieb sei und prügelte nun mit Stöcken und Schirmen aus den vermeintlichen„Verbrecher" loS, bis schließlich ein Schutz- mann erschien und den ganz Fassungslosen zur Polizeiwache brachte. Alle Unschnldsbeteuerungen wurden als leere Ausreden angeschen. Der Angeklagte setzte seiner Dreistigkeit noch die Krone auf, in- dem er ruhig mit zur Polizeiwache ging und sich hier mit einem falschen Namen als Zeuge meldete. DaS Mißverständnis klärte sich schließlich zur allgemeinen Bestürzung der Beteiligten dadurch auf, daß der unschuldig Inhaftierte den Nachweis führte, daß er mindestens eine halbe Stunde bei der betreffenden Firma gewartet habe und er deshalb als Dieb gar nicht in Frage kommen konnte. Nachdem durch telephonische Nachfrage dies bestätigt worden war, ließ man den unschuldig Verprügelten und Verhafteten schleunigst laufen. Den wirklichen Dieb hatte die Polizei vorher gehen lassen. Der Zufall fügte eS, daß der Hausdiener kurze Zeit darauf den jetzigen Angeklagten auf der Hochbahn wiedersah. Er erkannte ihn als denjenigen wieder, der zuerst auf ihn losgeschlagen hatte, und ließ ihn sofort festnehmen.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die ganz unerhörte Diebesfrechheit deS Ange- klagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahre und drei Monaten. DaS Gericht erkannte auf neun Monate Gefängnis, Schadenersatzklage eines Radfahrers. Als der Klempner V. in Rheydt am 9. November 1903, abends in der zehnten Stunde, die verkehrsreiche Provinzialstraße von Odenkirchen nach Rheydt auf dem Rade entlangfuhr, kam er zu Fall und zog sich eine Verletzung des rechten Handgelenks zu. Die Stadtgemeinde Odenkirchen ließ damals auf dieser in ihrer Ver- waltung stehenden Straße nicht unerhebliche Pflasterungsarbeiten ausführen. Der zu diesen Arbeiten zu verwendende Sand wurde jeden Morgen angefahren und. soweit er nicht bis zum Abend ver- wendet worden war, auf der Straße ausgebreitet. An jenem Abend reichte die Sandschicht bis in die Mitte der Straße und war gegen b Zentimeter hoch. Der nichts ahnende Kläger war auf diese Sandschicht aufgefahren. Der von ihm infolge der erlittenen Erwerbseinbuße erhobene Schadenersatzanspruch wurde von dem OberlandeSgericht Köln dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Und zwar nimmt das Oberlandesgericht folgendes an: Die Sandschicht habe eine Ge- fahr für Radfahrer geboten; eine besondere Beleuchtung sei nicht vorhanden gewesen; auch wenn die Straßenlaternen gebrannt haben sollten, so wäre die Gefährdung nicht beseitigt gewesen, da eine solche Beleuchtung nicht geeignet gewesen sei, die flach- liegende Sandschicht auf hinreichend große Entfernung erkennbar zu machen. Für die Folgen des Unfalls sei die Beklagte verant- wörtlich, gleichviel, ob sie die Arbeiten durch ihre eigenen Leute oder durch einen Unternehmer habe ausführen lassen; denn sie sei verpflichtet, für die Sicherheit des Verkehrs auf der Straße zu sorgen. Sie hätte daher geeignete Anordnungen treffen und deren Ausführung überwachen sollen; die Dienstinstruktionen hätten in jener Beziehung nicht genügt; es hätte mindestens eine allgemeine Anweisung an die mit der Ueberwachung der Verkehrssicherheit beauftragten Beamten ergehen müssen, verkehrsreiche Straßen- strecken, wenn auf ihnen den Verkehr beeinträchtigende Straßen- arbeiten vorgenommen werden, zu kontrollieren. Sie habe jedoch dahingehende Bestimmungen nicht aufgestellt; daher hafte sie nach § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuche». Ein Entlastungsbeweis nach § 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches, daß jene Beamten zu der ihnen übertragenen Funktion geeignet seien, stehe ihr nicht zu. Ein Verschulden des Klägers habe bei der Entstehung deS Schadens nicht mitgewirkt. Die gegen das oberlandesgerichtliche Urteil von der beklagten Stadtgemeinde eingelegte Revision wurde vom 8. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Der erkennende Senat spricht au?, daß die Darlegungen des Berufungsgerichts völlig zutreffend seien, weist dann die prozessualen Einreden als nicht stichhaltig zurück und führt noch folgendes auS:„Ganz verfehlt ist die Auf- fassung der Revision, daß ein Radfahrer eine Landstraße nicht ohne weiteres als hindernisftei ansprechen dürfe. Wer«ine dem öffentlichen Verkehr dienende Straße benutzt, darf davon ausgehen, daß sie hindernisfrei ist, soweit er nicht durch irgendwelche Zeichen auf Verkehrshindernisse hingewiesen wird. Daraus, daß an der Straße in erkennbarer Weise Pflastersteine aufgestapelt waren, konnte der Kläger nicht entnehmen, daß auch in der Mitte der Straße sich den Berkehr hindernde Baumaterialien befanden." Versammlungen. Protest der städtischen Arbeiter Die in der Parkverwaltung der Stadt Charlottenburg befchäf- tigten nichtständigen Gärtner und Gartenarbelter waren am Dienstag im Volkshause zahlreich versammelt, um gegen die Nichtberücksichtigung ihrer Forderungen be, der diesjährigen „Besoldungsreform" zu protestieren. Der Referent, Koll. Walter KwaSnik, Angestellter des Allgemeinen deutschen Gärtner- Vereins, hielt dazu daS einleitende Referat. Während den Beamten und ständigen Arbeitern der Kommune Charlottenburg eine Lohn- erhöhung zu teil wurde, sind die nichtständigen Gärtner und Ar- beiter vollständig leer ausgegangen. Es ist dies um so ungerecht- fertigter, als diese Arbeiter zum großen Teil nur während der Saison beschäftigt, dagegen im Herbst und Winter entlassen werden und dann monatelang arbeitslos bleiben. In der darauffolgenden Debatte sprachen alle Redner ihre Entrüstung über eine derartige Nichtberücksichtigung aus. Besonders betont wurde aber auch, daß es nicht hätte so weit kommen können, wenn die nichtständigen Gärtner und Gartenarbeiter sich früher in der für sie zuständigen Organisation, dem Allgemeinen deutschen Gärtner- verein zusammengefunden und dann durch diesen ihre Wünsche früher und energischer zum Ausdruck gebracht hätten. Aus der Mitte der Versammlung wurde eine Petition an den Magistrat und die Parkverwaltung unterbreitet, die dringend eine zehnprozentige Erhöhung des jetzigen Tagelohns mit rückwirkender Kraft ab 1. April 1909 fordert. Alle anwesenden nichtständigen Gärtner und Garten- arbeiter erklärten sich mit dieser Petition, die sie unterzeichnete», einverstanden. Die Zahl der Unterschriften beträgt 73, ein Zeichen, wie ernst allen Kollegen die Sache ist. Eine Kommission soll dem zuständigen Stadtrat die Wünsche dieser Arbeiter überbringen. Hoffentlich halten die Kollegen auch ferner so gut zusammen, am besten können sie dies, wenn sie sich in ihrer gewerkschaftlichen Or- ganisation, im Allgemeinen deurschen Gärtnerverein, einen festen Rückhalt schaffen._>- BrUfTtafteii der Redahtfon. Dl» itttiftlfdsi Sprechstunde findet Linden st raye B, zweiter Hof. dritter Eingang, vier Treppen, gs&- Fahrstuhl-IPhg w«<«utiiglich adendS von 7% bis 9 Vi Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um S Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl»IS Merkzeichen beizufiige». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten lönnk» Ii Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprcchstnnde»or. F. G. L8. Goiensah.— Di« pon Ihnen bezweifelte Mitteilung (Krise) ist dem dortigen Parteiblatt entnommen, dürste also den Tatsachen entsprechen�— Landschaftsgartner. Wenden Sie sich an die Vcrsicherungs. anstalt mit dem Antrag, den Arbeitgeber zum Nachileben für die letzten zwei Jahre anzuhalten. Würde insolge des Nichtllebens sür die srühcre Zeit der Frau die Invalidenrente nicht gewährt werden, so soll sie das Slrmenrccht zu einer Klage aus Schadenersatz gegen den Mann erwirkei� Der Arbeitgeber ist in vollem Umsange wegen unterlassener Klebep flicht schadenersatzpflichtig. Allerdings gehen die Entscheidungen der HSchstea Instanz über diese Frage auzcmander.— Spandau L8. 1. Wenden Sie sich unter Darlegung deS Sachverhalts an das VormundschastSgericht. 2. Soviel bekannt, nein._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion üb.r den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage, Fleisch: Zusuhr stark. Geschält rege, Preis» sür Kalb- und Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr nicht genügend, Geschäst lebhast, Preise fest. Geslügel! Zusuhr in Gänsen genügend, sonst knapp. Geschält lebhast, Preise besriedigend. Fisch«: Zusuhr knapp, Geschäst lebhast, Preise hoch. Butter und Käse: Geschäst lebhafter, Preise höher. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft an- sang« still, später lebhaster, Preise zmn Teil höher. Mr den Inhalt der Inserate »Hiernimmt die Redaktion dem tvubliknm gegenüber ketuerlei Berantwortung. �Ibeater. Freitag, den c. August. Anfang 7 Uhr. Neues königliches Operntheater. Tannhäuser. Anfang 8 Uhr. Deutsche?. Ketten. Kam IN erspiele. Ein Skandal in Monte Carlo. Lessing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Steues. Sein Sündenregister. NcneS Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Komische Oper. Asra. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Lustspielhaus. Familie Schimek. Neues Operette». Die Sprudelsee. Kleines. Moral. Westen. Der fidele Bauer. Schiller<».»Wallner- Theater.) Madame Bonivard. Schiller Charlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich> Wilbelmstädt. Schau- spielhans. Die Slsrikanertn. Luise». Der stille See Thalia. Im Casö Noblesse. Folies Caprice. Drei Frauenbflte Der Deserteur usw. Ans. 8'/, Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. Apollo. Spezialitäten. ,>;) Gebr. Herrnfcld-Theatse. Frau Elkams Friseur. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Die Grille. Walhalla. Spezialitäten Berliner Prater. Man lebt ja nur einmal. W. Noacks»heater. Onkel Schlau- meier. Spezialitäten. Stndt-Xheater Moabit. Spezia- litäten. Bolkögarten. Spezialitäten. Brunnen. Der Amerika- Sepp!. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Urania. Taube, ittrafte 4M/40. Abend» 8 Uhr: Ueber den Breuner nach Venedig. Sternwarte. Jnvalidenstr. 67/68. Lessing-Theater. Gastspiel d. Neuen Operetten-Theater». Ansang 8 Uhr. VI« Dollarprinxessln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Berliner l'keater. Heute 8 Uhr: Ein HerbetmunKTer. Morgen: Ein HerbstmanOver._ Heues Theater. AdendS 8 Uhr: Sein Sündenregister Sonnabend und folgende Tage: 8em Sündenregister. Neues Kgl. Opera-Theater(Kroll), Onra-Oper. Einlache Preise. Tannhäuser Von Eich, Wagner.— Anl. 7 Uhr, ßonnabend: Lohengrin. Sonntag; Meistersinger. Montag: Orpheus. Schiller-Theater. Schiller-Theater Charlotlanburg. Täglich: Der Blbcrpelu. Eine DiedeSkomödie In 4 Allen von Gerhart Hauptmann. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Täglich: nadame Bonivard. Schwank in 8 Akten von Alexander Bisson und Antonh MarS. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Nene« Operetten-Theater, Schissdauerdamm 26, a. d. Luisenstr. Anfang 8 Uhr: Die Spradeltee. Operette in 3 Akten o. H. Reinhardt. Frisdrlcli-Willielnistdiltiscbes Schauspielhaus. Freitag, 6. August, abend» 8 Uhr: Neu einstudiert: Die Afrikanerin. GrOp.tn 6 Akt.v.McyerbeerlKI.Preis«) sonnah: Aus Verlangen; Freischütz Ab 8 Uhr: Die ttfiten AttrMwnen. U. a.: Sine Harenisnacht. Marya Delvard. Triumph der Schönheit EtJiel VUiIteglde» u. o. m Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der Adele Bauer ÄÄ Residenz-Theater Direktton: Richard Alexander. 8 Uhr! 8 Uhrk IiimiMnnn Hinh nm imntin« 1 Schwank in 3 Akten von Fehdeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Lustspielhaus. Abend» 8 Uhr: ?amUie Schimek. i Ktttiuer Mkr-Thttckr Kastanienallee 7— S. Täglich: l Man lebt Ja nur einmal! ] Havemanns gröSta Raubtierschule ( d.Welt. Spezialität., Konrert, Ball. I Ansang l'J, Uhr. mwwmwwmwmwmmvwmmmww Urania. Wiesenechaftlichea Theater. Taubenatraße»8/49. Abenda 8 Uhr: Heber den Brenner nach Venedig. Passage- Panoptikum. Aga! die echweb. Jongfran. Ganz Berlin zerbricht Amm sich wieder d. Kopf Ober Mg«9a DerMann m.d.eisernen Schlund t Experimente d. IV. Dimension! Alles ohne Extra-Eutree. Passage-Theater. Ein durehscblagender Erfolg! Alois Pöachl Edmondo Laclnl Tbe K-lngtono und das großartige August-Programm! 12 eritklats. Varlätb-Attraktlonen. Metropol-Theater Die oberen Zehntausend, Ämerik. Operette ▼. Jul Freund. Musik t. Glast. Kerker. In Bzene gesetzt von vir. Bich. Schultz. Tänze von Mr. Bisbop. Anl. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Reichshalien-Tbeater. icr Säur Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direktion: Villi Voigt. Heute sowie täglich: ver �merika-5eppl. Bauernposse w 8 Akten von Manz. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans, i Uhr. ---------...... Jungfrau von KerUn. 12 eretklasslge Spezialiiäten. Slobaschly- Truppe. Ansang illt Uhr- Eiitree 20 Ps. OOIOCISCHER C ART EN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Zl., von»bends 6 Uhr ab 50 Pf.,| Kinder n. 10 Jahren die Hälfte. M»« Frau Elkam's Friseur. Meine- Seine Tochter. Beide Komödien mit den Slutoren Slnto» und Donat Herrufeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Vorveriaus 11—2 Uhr. Ab 7 Uhr: Promenaden-Konrert im »chattiflen Sommergarten und Pergola. !KN»AfiP ROSE THEA! Gr. SJtanffuricr Str. 138. Die Grille. Von Charl. Birch-Pseiffer. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Aus der Gartenbühn« Ansang t'/, Uhr. U. a.: Der aehetmntsvolle Xe. Taft Erstklassige Tpezialitäte«. Könietitadt-Kasino. Hohmavfl|tr.72(SdeAIexanderftr.) Tägl. i hcrrl.Natur-Sommergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Kr. Tdeater. u. Spez.- Vorstellung. Amor auf Irrwegen. Posse mit Gesang von TyrlowSk. 8II> SuegoIs.Ouelt Herrmann, Heinz Heuer, Harvee and Honte«, Loewe- Lessen und erstfiass. Spezialitäten. Ans. wochent 8, Sonntag« b Uhr. Baudsberger Allee 40,41. Ecke Petersburger Strafte. g�T Heute sowie täglich"W im prachtvollen Naturgarten: Vorstellung abwechselnd von drei der btstmimierttsten Siingergtsellschastkn. mimiEi vi yarfcfe-Theater I Weinbergeweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: D.ncuen August-Spezialitäteu Frei: Im Garten I4on»ei't. Leben u. Treiben im Traumland. I AsiIt-ItieÄes Uosdlt. Alt-Aoaklt 47,48. Täglich: Lpezislitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung Wochentag» 7 Ubr, Konzert s Uhr. Sonnt. K bezw. b Uhr. Sarteneröfinung 8 Uhr. Jeden Montag Elitetag. Spezia- fitsten und Soiree der»Luftigen Tanger-. Bei Regenwetter Vorstellung im groben Thcaler-Saal. OGGWIOOOOOOOOOOGGÖi ! ZedveiiA- Lgilöii Am Königstor. Am Frtedrichshatn TLnIioh Ansang 4 resp. 8 Uhr , layllCO Entree SO Pf. | Theater-Vorstellung Spezialität. D.neueAuguftprogr. Klnematograph, Volksbelustigung. ?omnLeiit6 von heute.' bub*' Jed.Mittwoch: Kinderfreudenfest. «»OSS00OOOOOOOO» Zs-t tft Max Klieras Somuier- Theater unil Festsäle Rudolf Krüger_ Hasenhe�e 13/18. firoßes lonzert,1 Theater und Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung: Walter Gravenllz. Jeden Donnerstag: Eiltet» g, Während und nach der Vorstellung iTaa-lzi-anneliea._ Vereins- Brauerei Rlxdort. Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max WendL xagiich:-mm Gr. Militär-Konzert. Borzugdfarteo haben wochentags Gültigkeit. Entree IS Pf. Volksgarten- Theater früher WeimannS Volksgarten. Täglich: Konzert. Theater,«ud Spezialitaten-Vorstellung. Elia Vera X Lola Oroll X Otto Beyer The Horleys X Brothers Vollmer Der Aktienbudiker. Volks stück m. Ges. u. Tanz in 5 Bildern. Donnerstag, 19. Aug.: Gr.Gartenfest W.Koacks Theater Direktion: Hob. Dill. Brunnenftr. le. Ab 7 Uhr: 0. neuen»ugust-bpezlalität. Hannohen Georgette X Karl CIÖO Max Alexander usw. s',, Onkel Schlaumeier. Konz. 0, Kaffeef. ab 8 U. Untre- 80 Pf. Sonnabend: Wie man eine Frau sucht. Garten. Besitzer O. Ernert, 8W., Kreuzbcrgstr. 48. Jeden Freitag: Hoffinanns Norddeutsche Sftnger. Passep. u. Vorzugs!, güttig. Jeden Sonntag: Cr. Spezialitäten- Vor stell. Entree sreL Verschied. Sonnab. an Verein« zu derg. Wn- Gebr. 10155."*"""«xmiwu Mielitz Konimundantcnstr. 58/50 große und kleine Säle noch Sollll- sdenäe u. Sonntage in diesem und nächstem Jahre(ret 817B* Arnold Scholz Neue Welt ■ Täglich:— Haseohelde 108/114 Spezialitäten K Konzert Anfang S Uhr.________ Entree SS Pf. Mittwochs: Erntefeste Donnerstags: Elite tag. Schwarzer Adlep Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 5(fSer Inh.: Gebr. Arahoid. Täglich: Gr. Internatlon. Ringkampf-Konkurrenz um die Meisterschaft d. Prov. Brandenburg u. die Prämie SOOO M. in dar. Parsehau. Schwarz-Berlin gegen Holland. Schlbilskl-Seriln gegen Charles le Marin-Franl Bor den Ringtämpsen: Auftrete« erftefafl.TpezfalitSten mit Fr.Sohanskl. Lelo�vsk�- Cigaretten bleiben nach dem Urteil aller Kenner unübertroffen! Spezialmarken: Bolero• Caruso• Zenith y �-r Partei- Speditionen: Zentrum: Albert ». Wahlkreis, i Auguststr. 60, Eingang Joachirnstraße. Sustao Schmidt. Kirchbachstr. 14. Hoch. Hahnis besten: Zarter»«.._ . Süden und Südwesten: Hermann Werner. Gneisenaustr. 72, Laden. ». Wnhlk?el»: St. Fritz. Prinzenstr. 81. Hos recht« Part. Robert W e n g e l S. AndreaSstraße 17.— Laufitzerplatz 14/15 4. Wahlkrel«: Cft en: Robert Weng Wilhelm Mann. Veiersbutgerplatz 4(Laden). 4. Wnhlkrel«, Südosten: Paul Böhm, (Laden). S. W»hlki>el«: Leo guchf, JmmanueMrchstr. IL(Hos). «. Wnhlhi-el» tMontolt und HanMivlertel): Karl Ander», Galzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiß«. Razareihflrchstrabe 49. Roaenthaler und Orunlenbarger Vorstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 3S, Eingang Antlamerstrabe. «ennndhrnnnen: F. Trapp. Eleittnersir. 10. hehvnhnn.er Vor.tndt: Karl Mars. Lhchenerftr. 128. Adlertthof: Karl Schwarz lose, Hostmannslr. 9. AIt-«I1enleke: Wilhelm Dürre, Rudowerftr. 88 H. Uaainttchnlenweg: H. Hornig, Martenthalerstr. 18, I, Itennuii-Kliintgent»!: Heinrich Bros«. Hohesteinstr. 74. Part. Bohmidorr und Enlkenbergt®. Pfeifer. Bohnsdorf.(Sc- Ctaasrloiuenbiirg: Guslao Scharnderg. Sesenheimerstroß« 1, Ecke Goethestraße, Laven. Elchwalde, Zeuthen, Iiiersdorf und Hankels Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprlnzenstr. 81. Erkner: Ernst H o s s m a n n. Friedrichshagener Chaussee.... Prledennn- 8tegllts-8ndende: H. Bernsee, �chloßstr. 119, os I. in Steglih Bestellungen nehmen entgegen in Btegllts: Mohr, Duppelstr. 82. und Fr. S ch ellh a s«, Nhornstr. lös. Prledrlehtthogen: Ernst Werfmann, Friedrichstr. 67. «»rtinau: Franz Klein, vahnhosstr. v III. Hohen-Al enendorf: Wllhetm T e n f s ch e r, Dtolperstr. 50 I. dnhnnnlsthal: Pie ticke, Kaiser-WilHelm-Vlatz 4. l4»rl«hor«t: Richard K ü i e r, Rödelstr> KOnlgs-W uaterhansen: Friedrich Baumo UUpenlck: Emil ß f fe I e t, Kietzersir. 6, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wllbclmsberg: Otto Seifei, Kronprinzenstraße 4, L Sfablsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdors, Walderseeftr. 14. Mnrlend»rf: August L e i p, Ehausteestr. 298. Hos. >en- WeNiensee: Kurt Fuhrmann, Sebanstr. 105, parterre. Hleder-Gehnnewelde: Paul Bengsch, Grünauerstr. 8. h'owawes: Wilhelm I a p p«, Friedrichstr. 7. Ober-8ebttneweldc: August H e nj e«, Lausenerstr. 2, I. Pankow-Vledersebvnbausen: Otto Riß manu. Mühlen- straß« 80._. Selnlckendarf»«st, Wilhelmsruh und Sehankola: P. G u r s ch, Kamekestr. 12, I. Nindorf: M. Heinrich. Neckarftrabe 2, im Laben. Nummelshurg, Nonhngen:A. Rosenfranz, Alt-Boxhagen 58. Mchrnorgendorf: Gustav Kaminsfy, Cunostraße 2. hchitneherg: WUH-lm Bäumler. Martin Lutherstr. 51, im Laden. hpandnu: Köppen, Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslust, Nermsdorf und Keinlckendorf-West: Paul Kienaft. Borsigwalde, Räufchsiraße 10. Teltow: Wilhelm Keßler, Hohersteinweg 7. Tempelhof: Albert Thiel, Friedrich Wichelmstr. 20. Treptow: Rob. Gramenz. Kiesholzstraße 4l2, Laden. Wllmersdorf-Nalensee: W i t t n e b e I, Lanbhausstr. 2? Sämtliche Partelltteratur sowie all« wissenlchastlichen Werf« werden geliefert. Annahme von Inseraten für den„Vorwärts". Bitte ausschneiden,-mm 245/1* an», vahnhosstr. 18. Freitag, den 6. Atipst. adkllhs 8 Uhr. in de» Germania Sälen, Chniisseeßr. M Tages-Ordnung: i. Die Hölle von Mielezyn nnd der Berliner Kommnnalfreifinn. Referent: Stadtverordneter Genosse vr. Alfred Berusteia. 2. Freie Diskussion. Die Genossen und Genossinnen ersucht um zahlreichen Besuch der Einberufer: Buxen Brust, Wöhlertstr. 9. Bureau- Engeluser 15. Zimmer 58. ZwsixvvreiN Berlin. Telephon Amt IV 4093. Freitag, den 6. August, abends 81/« Uhr: General-Versammlung aller Mannt and Zahlßellea des Znieigvereins im Berliner Gewerkschaftshause. Engel-User IS, Saal 1. TageS-Ordnung: 138/17* 1. Geschäfts- und Kassenbericht für daS 2. Quartal 1909. 2. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zlveigvereinsvorstand. NB. Nach§ 6 der Bibliothekordnung muß im Juli jeden Jahres eine Inventur über den Bücherbestand der Zweigvereinsbibliothek vorgenommen werden. Durch äußere Umstände der- anlaßt, kann dies in diesem Jahre erst im August geschehen und ersuchen wir alle Kollegen. die augenblicklich noch entliehene Bücher in Händen haben, dieselben bis Sonnabend, den 7. August, abzuliefern. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird bekannt gegeben werden. Die vibltothekskommission. Arbeitsnachweis: BerwaltnngSstelle Berlin. Hauptbureau: Hos 1. Ami 3. 1289. OhaHUstraL, 3. Hos m. Amt 3, 1987. Achtung! Schlosser. Achtung! Heute Freitag, den 6. August, abends 8% Uhr: Vertrauensmänner-Sitzung der Schlosser in Meiers Festsälen, Sebastianftr. 39. 181/6_ Die Ortaverwaltung. Heute Freitag, ubdS. 8»/, Uhr, im Gewcrlschaftshause, Engelufer 14/1S, Saal 4(Arbeitslosensaal): Sitzung der Ortsverwaltungs Einsetzer. Sonntag, den 8. August, vormittags 9 Uhr. finden die Bezirks« Versammlungen w den bekannten Lokalen statt. 87/19 vle Branchenkommlsslon. Bauliandwerker- Krankenkasse fttr Berlin nnd Umgegend. (Elngesehrlebene Hilfskase« Mo. IIS.— Bureau: 0. 54, StelnstraB« 88.) Sonntag, den S. August 1909. vormittags 19 Uhr. bei Witt«. Brunnenftr. 188: luJierorMiche Generalversammtang. Tag«»>Ordnung: 1. Abrechnung de» Kassierer» vom 1."' Reblsoren. 2. Bericht sämtlicher HllsSlassterer 38/4* vom Allgemeinen und Hiisslassenfongreb. \ 4. Innere Kassenangcleaenheiten. Der Vorstand. I. A.: Heinrich N Mitgliedsbuch legitimiert, i 1909 und Bericht der '8. Wahl MetzkB. Von der Waisenbriicke am Sonntag, den 8. August, ewzige diesjährige Sommernaehtsfalirt na« Teupitz (Tornows Idyll) Ablahri 7 Ubr moraen». 2014L Nahrpreis hin und zurück 2,20 M.. Kinder die Hälfte. Reederei Kahnt u. Herher, Siralau-Berlin, Tel.-Amt 7. 588 u. 18459. Abfnhrtstcll© Schillingsbrücke am Schleflfchen Bahnhof. Morgen Sonnabend, den 7. August: Gr. nampfer-Mondschein-Promenaden-Fahrt. 8 illuminierte Salon-Dmnpser mit Militijr-Mnfik. Rundfahrt aus dem Ä�tiiggelsee, dann zurück nach Bestanrant BlyfkhKnser, daselbst Sarten-Bonrert u. Ball. Abfahrt abends 9-10 Uhr. Rücksahrt srüh 4'/, Uhr. 2011L* Hin und zurück 50 Pf. Bobert Tismor. „Berlluer Irteiter- Raillalirer-Ferein'4 Mitglied de» Arbeiten Radsahrer.BundeS .Solidarität*. Touren zum Sonntag, den 8. August. 1. Abt.? Uhr: Freibad Wannsee. 3 Uhr: Familienfest(Anhalter Ressource) Start: Bülowstr. 58. 2. Abt. 7 Uhr: Schnitzeljagd. l Uhr: Familientour Hirschgarten(Keller). Start: Fontane-Promenade 18. 3. Abt. 7 Uhr: Schnitzeljagd. Sich- Walde. Start: Mariaiinenplatz. 4. Abt. 4 Uhr: Scharmützels««. l'/,Uhr: Kaulsdors. Start: Küstriner Platz. 5. Abt. 6 Uhr: Beelitz. 1 Uhr: PichelSwerder(Freund). Start: Elhsium. 6. Abt. 4 Uhr: JoachiinSlhal. 1 Uhr: JörSseld«(Gumlich). Start: Oderberger Straße 28. 7. Abt. 7 Uhr: Chorinsee. 1 Uhr Schönwalbe(Schulz). Start: KöS. liner Straße 8. 8. Abt. 7. abend» 3 Uhr: Spree- Wald. 8. 7 Uhr: Oranieuburg(Heider). 1 Uhr: Birlenwerber(Paradicsgarten) Start: Waldstr. 8. 9. Abt. 8 Uhr: Sarmund. 1 Uhr: Teltow. Start: Schtlluiastr. 15. 10. Abt. 7 Uhr: Oranienburg- Sandhaufen. lUhr: Glienicke. Start: Weberstraße 8. Donnerstag, den 12. August, abend» 9 Uhr: Samaritersttzung bei Genossen Schwenke, Oppelner Str. 8. Bezirk 21(Nlederdarnim). Sonntag, den 8. August: Agl- tattonstour nach Kalkberge(Reslau- ranl Grewe). Sammelstarl: 2 Uhr in Tasdorf. Starke Beteiligung er- wartet Die Bezirksleitung. Arbeiier-Radsahrerverew Manenselde. Sonntag, den 8. August, im Lokal des Genossen Adois Berger, Berliner Straße 114: 11/11 Sommer-Kest verbunden mit Korsosahrt durch den Ort. Di« umliegenden Verein« werden um rege BeteUigung gebeten. Der Vorstand. »'V rrad-Haus alter- WItdg"ik' Co ousi'. Hauptgesch.: BerllnN.3t,9runncn[tt.35 Filiale: Kotlbuser Str. 9, empsiehlt»Frisch auf»> Fahrräder owie sämtl. llaitiaheer.Seäaelsaeilkei. Reparatur-Werkstatt mit elck- irischem Krastbetrieb. 106/8' Voi-jithrlge ASWSM doohsIsgautB Anztlge und Paletots aus feinsten Maßstoffon, früherer Preis 60—90, jetzt 20—40, werden täglich im Kavalier-Kluli UntardenLindenGl," 1 1 n—■» verkanft. msBasi Von Set Reise zurück 8266 Dr. Vollmann, Schlefische Straße 40a. Von der Reise zurück 205/18 Dr. Wallbaclt, Str. 16. Dr. Simmei Spezial-Arzt 62'9* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, m'Ä, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2-4 Billigste Bezugsquelle für Kygiemsche Bedarfs-Artikel Drogerle Zarcmba, Berlin N., Weinbergsweg I. ------ Ein Versuch-----• führt zu dauernder Kundschaft. Achtung! Bewilligte Bäckerei. Der geehrten Nachbarschaft zur Kenntnis, bafj ich feit einiger Zeit Sie Bäckerei des Herrn Wagenknecht übernommen habe. Nunmehr sind die Forderungen des Berbandes der Bäcker erfüllt und erfuche id um gefällige Berücksichtigung. 825 A. Weber, Bäckermeister, Sprengelstrafte 4/5. Somit gilt obige Bäckerei als bewilligt. Der Bertrouensmann der Bäcker. Verbaul nur im Fabrikgebände!■BB 0 g Sie sparen Geld Hr g � Engrospreisen? UAJICrl in der Möbelfabrik H. Walter ikWHIi MaaB, ttg g. H kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur B ■ eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 bb Permanente Musterzimmer-Ausstellung. 35 -es Die Gänsesaison ist eröffnet. la Oderbruchsüänse aPhmd 75 Pf. la Bratgänse......»pw 70 Pf. Klein 90 Pf. 1,10, Keulen von 70 Pf. an. ITaatfett, Liesen, Leber, la Bttmpfe von 3 91. an.— Stückenfleisch a Pfund 70 Pt. Frische Gänsegrieven, frisches Gänseschmalz, garantiert rein. 81/4* Die Eröffnung meiner neuen Filiale NW., Lessingstraße 35, Ecke Flensburger Straße, findet Donnerstag, den IS. dieses Monats, statt. Fernsprecher Amt 4. 511. Max Schönwald, Berlin, Luckauer Str. 16, Spezialgeschäft für ff. Tafelaufschnitt und Mastgeflügel. � Schüneberg, Barbarossapl. 2, Fertisp.-Amt 6, 16852. Berlin NW., Lessingstr. 25, Fermp.-Awt 2, 1289. j Achtung! Zigarrenhändlerl Achtung! Die bestsortierte und billigste Einkaufsquelle in Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist Hii! 44 eigene Fischdanipfer. Seefische £ Nährwert! Ton frischen Fangen nnserer Dampfer •mpfehlen wir in la Qualität als ganz besonders billig t pro Pfund| pro Pfund 2. GCaheljau w» Anschnitt 25 pt 2. SchaBlf iscH im Anschn. 30 Pf. 2. Teslachs i-u Anschnitt 25 Pf.| 2. BratscheSSf ische 25 Pf. Deutsche Hochseefischerei-Gesellschaft„Nordsee" Hauptgeschäft: Berlin C., Bahnhol Börse 8/9. Telephon III, 8804. ■ Verkaufsstellen in Berlin:, C., Bahnhof Börse, Bogen 8-10. N., Invalidens tr. 131. O., Große Frankfurter Str. 85. 0., Madaistraße, Bogen 8— 9, Pruohtstraße gegenüber. S., Prinzenstraße 94. W., Potsdamer Straße 112c. In allen Verkanf«stellen gleiche Preise! NW„ Wilsnacker Straße 57. Charlottenbnrg: Wümers- dorfer Straße III. Spandau; Breite Straße 54. 2013L SeeflschkocbbUcher gratis! Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die niebste Nummer werden in den Annahm e- stellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Ubr, in der Haupt- Expedition. Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche:(seblerhaste) in allen Größen für die Hälfte des Wertes ' ichla im Tepp' Mar« 4. 1 „Vorwärts Rabatt.) zer Brunn, lahnhos Börse. ' erhalten I tackescher es er des Prozent 264/11* tttlossen zu Aoes Guyots und Sigismund Laeroix'.Di« wahre Ge- statt des Christentums', von August Bebel. Preis 75 Pf., billige Ausgabe 30 Pf. Expedition Lindenstraße 69, Laden. Borwärtöleser erhalten 5 Prozent Extrarabalt selbst bei nachstehend aus- qesührten Gelegenheitsfäuse». Teppich- Thomas, Oranienstrage 160, Oranien- platz. 237351* Teppiche, sarbsehlerhaste, spott- billig. Gardinen, Stores, Misterexemplare, sür halben Wert. Tchlafdeckeu, ein Posten, sür halben Wert._ Steppdecken, Musterstücke, spott- billig. Vorwärtsleser, stehende 5 Anzeigen. beachtet vor- Drehrollen, Buttermaschinen, Wiegeschalen,„Berlinea", Waßmann- straße 29(Katalog kostenlos). Gebrauchte Näh Bellmann, Gollnowstraße 26. billig. 1967K* Sofa-Teppiche, zirla 2 Meter lang, imitierte Perser 3,75, Tapestri-Brüssel 5,35, Arminster 4,65. Teppichhaus EmU Lesevre, Oranienstrage 158.* Hochvornehme Herrenanzüge, Herreupaletots, Herrenhosen auS semsten Maßstosien spottbillig der- kaust Deutsches Versandhaus Jäger« straße 63. 1 Treppe._ 2177K Verbrechen und Prostitution als oziale KrankheitSerschemungen von aul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 50 Mark. Expedition Vorwärts, Lindenstraße 69._ MonntSanzüge und Sommer- Paletots, von 5 Marl sowie Holen von 1.50, Gebrockaiizüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie sür lorputente Figuren. Reue Garderobe zu staunend billigen Preisen, aus Pjandleihen verjallene Sachen kaust man am billigsten bei Naß, Muiackstraße lt. Teppiche(Farbensehler), Stepp- decken, Gardinen. Tischdecken, Tull- bettdecken, Uebergardinen, Sosa- stofsreste spottbillig Fabriklager Mauerhoff, Große Franfsurierstrage 9, 'siureingang. VorwärtSIesern sechs 1614K* sirozent. Vorjährige hochelegante Anzüge und Paletots, auS feinsten Maßstoffen, früherer Preis 60—90, jetzt 20—40, werden täglich im Kavalier-Klub, Unter den Linden 61 II verkauft.* GaskocherhauS 1! t Geschlossene ZweilochgaSkocher I 5,00. Einloch- gaskocher I 0,80. Gasbrafbackosen! 8,00. GaSbiigelapParatl GaSplätt- eisen I spottbillig! GaSrohrlyren! 1,50. Woblauer, Wallnerfheateritraße 32.* Heruiannplan 6. Staunend billige Psänderverfäuse! Beltenvertäusel Aus- steuerwäsche I Taschenuhren l Frei- jchwinger I Gardmenvertaus! Plüsch- ttschdeckenl Steppdecken I Extrabillige SommerpaletotS l Jackettanzüge! Geh- rockanzügel Herrenhosen!.Jeder- manns Wareneinfaus, ebensallsSonn- tagS.*__ 104s* Bauernkrieg. Der deutsche, von Friedrich Engels. Broschierf 1.50 Marf, gebunden 2,— Mark. Expedittou, Lmdenstraße 69, Laden._ Damenhemden mit gestickter Paffe 1,20, Herrenhemden 1,15, AuSstat- tungen sowie Normalwäsche und Arbeiterhemden spottbillig. Wäsche- sabrif SalomonSfy, Dirckjenstraße 21, Alexanderplatz. 221/20 MoiiatSanzüge. SommerpaletotS, Gehrockanzüge, Herrenhosen von feinsten Mäßstoffen, spottbMig. Rosen- thalerstraße 48, II. 823b* Ranchtabake. Pseisen, Ersatzteile. Rixdors, Steinmetzstraße 30. 1-108* Vekanntmachnng I Humboldtleih. Haus nur Brunn enstratze 58, Eckhaus Sfralsunderstraße.SpottbilligsterPsän- derverfausl Riesengroßer Bettenver- kausi Brautbetten! Wunderbare AuS- steuerwüsche I Steppdecken I Gardinen! Plüjchtischdecken! Prachtteppiche! Hoch- elegante Herrengarderobe I Extra- billige Damenuhren I Herrenuhren I Wanduhren I Verlaus täglich, auch Sonntags. 2386K* Geschäftsverkäufe, Seisengeschäff wegen anderweitigem Unternehmen zu berkausen Charlottenburg, Schillerstraße 10. Sie verkaufen Ihr Geschäst, Grund- stück schnell und vorteilhasf durch Brömse& Fuchs, Lothringerstraße 18. Vertreter sofort. 8246* ftOi Zigarrengeschäft verlaust Witt- «ckerstraße 27._+52* Schanklokak, gutgehend und Ver> eine, ist wegen Uebernahme eines Grundstückes aus Teilzahlung zu ver- kaufen. Erfragen Greisswalder« straße 191, Eisengeschäst. 221/16 Butterhandlung, 90 Miete 1050, zwei Stuben, moderne Einrichtung, billig verläuft lich. Näheres JnstallattouSgeschäst, Dragonerstraße 45. 221/17 Deslillarion zu verlausen. Fa- briken. Zahlstellen und Wahloerein. Kraulstraße 3. f48 Möbel. Speisezimmer, wenig gebraucht, 500,00. Lolhringerstraße 26, Aus- bewahrungS-Speicher, Hos. 746b* Billiger als im Möbelgeschäft I Im AufbewahrungSsPeicher kommen billige Wohnungseinrichtungen, auch einzelne Möbelstücke zu lächerlich billigen Preisen zum Verlaus! Bitte aus 26 Lolhringerstraße zu achten, da in der Nähe mehrere Möbel- geschäsle wohnen! Nur Hos im Speicher, lein Laden! Lolhringerstraße 26.* Möbelgelegenheit I Wenig ge- brauchte, gulerhallene Möbel, auch neue, einsachste, eleganteste, beliehen gewesen, versallene spottbillig. Riesen- lager, Lombardspeicher, Neue König- straße 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Zahlungserleichterung.)* Polstermöbel- Fabrik Stargardt, Dresdenerstraße vertäust billig Paueelsosa mit Spiegel 60,00, elegante TaschensosaS 145,00, Herrenschrechtische 30,00, Säulen- trumeaus 28,00, Bettstellen mit Matratze 18,00, Waschtoiletten 20,00, Kleiderschrank 24,00, Ausziehtisch 15,00, lomplette WohnungS- Emrichtung 150,00 an, bunte Küchen sehr billig. uschelschränle 40,—, Ruhebetten, Bü sette, PlüschsosaS 30,—, Muschelbett- stellen inklusive Matratze 37,—, Stühle, moderne 3,70,—, ganze Wit tschasten riesig billig. Möbelspeicher Chaussee- straße 48, Hirschowitz. 238SK* Billige Möbel, gebrauchte, ver- liehen gewesene und neue. Kleiderspind, Vertiko 18, Ausziehtisch, Sosatisch 15, Küchenspind 10, Bettstelle mit Ma- tratze 13, Garderobenschrant. Herren- schreibtisch 36, Chaiselongue mit Decke 19, Sosa 22, elegante TaschensosaS 45, Paneelsosas 68, Säulentrumeau 30, NutzbaumbüsettS, Bücherspinde, englische Schlaszimmer, bunte Küchen 55, Waschtoiletten 20. Ratenzahlung. Transport frei. StargardtS Möbelspeicher, Lothringerstraße 69. 221/18 Fahrräder. <>cmnffl6rrnb. Damenwbrrad einmal benutzt 40,00. Holz, Blumen. straße 360.____ 168351* 400 Damenräder, 15,—, 20,—. 25—, 30,—. Neue 45,—, 50,—, 55,—, Machnow, Weinmeisterstraße 14. Ver- latigen Sie Prachtkatalog gralis und franko._ 2354K* 1000 Brennabor-, Adler-, Dürkopp- rüder usw, 5,—, 10,—, 15,—, 20,—, 25,—. Auch Einzelverkaus, Engros- Preise. FahrradgroßhauS Machnow, Weinmeisterstraße 14. Verlangen Sie Prachtlatalog gratis und sranlo.• Musik. Pianino. hohes, kreuzsaittg, 140,00, (auch Teilzahlung) Turmstraße 8 I. Bioliniinterrtcht(neue, doppelt fördernde Methode bis zur Vollendung) gibt erfahrener Künstler wöchentlich, aus Wunsch auch nur eine Lektion a 1.25 M., bei zwei Schülern je 75 Pf. Offerten unter D. 2 Expedition des .Vorwärts*.(* Verschiedenes. Sommerfrische am Grabowsee, Villa Rautendelew. FtiedrichStal i. Mark. 885/* Kunststopferet vo» Fran KoloSly Schlachlensee, Kurstraße 3, HI. PaicittaiiwaU Wesjel, Gilichiner- straße 94». 2555K* Englischen Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene, Einzelstunden und im Zirtel erteilt G.«wienty, Schöneberg, Sedanstraße 57. III.' Lernt die Muttersprache beberrichen Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Wort und Schrist der deunchen Sprache erlellt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhafter Privatlebrer. Die Stunde tostet eine Mark. Eine Unter. richlSslunde wöchenllich genügt Ge- fällige Angebote find unter Ö. 4 an Exvedttion des»Vorwärts* zu richten. Bereinszimmer, großes. Pank- straße 84, Ecke._ t93* Teilzahlung. Anfertigung eleganter Herrengarderobe. Marcus, Dragonerstraße 10a._ 221(12* Waschanstalt Heinrich Kobelt, Köpenick, Glienickerstraße 21, wäscht chlorsrei Leibwäsche 0,10, vier Handtücher 0,10, vier Taschentücher 0,10. Lieferung und Abholung MoutagS. Wer Stoff hat? Fertige Herren- Anzüge 15,00. Wagner, Schneider- meister, Lichtenbergerstraße 9. 88/6* Vermietungen. Wohnungen. S- und 1-Zimmerivohmmg, billig, Rtxdorf, Weigand-User 10. 2372Ä* �rbeitsmarkt. Stellenangebote, Berfilberer verlangt Max Leon- Harb, Weißensee, Lehderstraße 86. Geübte Farbigmacher aus Holz- leisten gesucht. Goldleistensabiik, Reichenbergerstraße 88._ f 16 Mamsells auf Kostüme, Paletots. Laß. Tristilraße 39. 827b* Srciiotnpistiiinen, flott und ge- wandt, zum sosortigen Antritt gesucht. Meldungen schriftlich mit genauen Angaben oder persönlich 1— 2 mittags oder 7—8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Belle-Allianeestraße t/2.* Lehrniädchen im Aller von 14 bis 16 Jahren aus achtbarer Fa- milie bei monatlicher Vergütung sofort gesucht.— Meldungen nur tu Begleitung der Eltern oder des Vor- mundeS 1—2 mittags oder 7—8 Uhr abends. A. Jandorj u. Co., Belle- Allianeestraße 1/2. 2339K* Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: für Tischler, Polierer und Ma. schinenarbelter Fräserei Scheudler. Blumenstraße. Firma Staats, Oberbaumstr. 5. Sämtliche Betriebe in den Orten Rathenow, Muskan, Sege- berg(Holstein) und Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- induftrie das Vermittelungsbiireau des gelben»Handwerkerschutz- verbande*S streng zu meiden. Für Einsetzer: die Bauten Kornelinsstrafte SO in Lankwitz und Windscheidtstr. 8 in Charlottenburg. Für Stellmacher: Berliner Motorwagenfabrik w Rewickendors. Die Ortsverwaltung. AM«»! Mtl. Wegm Nichtbewilligung unserer Forderungen find folgende Firmen gesperrt: Rotz: Bauten Mmdenerstraße, Ehar» lottenburg; Schneider: Bautm Mhosstraße, Steglitz i G u h l: Bauten Tegler Weg, Ehar- lottenburg; A l b u s ch a t: Bauten Stier- und Exerzierstraßen-Ecke, Friedenau; D e i m a n n: Bauten Michaeltirch. platz und Bergstraße, Steglitz; Wolter- Zehlendors: Bauten in Zehlendors, Hauplstr. 1, Secilien- straße und Riemerstraßen-Ecke, Elsen- und Lindenstr., Machnolver Chaussee, Seemannsheim, Erlen- weg und Winterseldtstraße; Walter- Rixdors: Bauten Knese» beckstraße und Hermannstraßen» Ecke, Mareschstraße, Käiser-Fried» rich-Straße, Tempelhos. 30/2 Vorstehende Sperren bleiben so lange bestehen, bis die Aushebung derselben an dieser Stelle seitens des ZweigvereinSvorstandes erfolgt. Der Zweigvereinsvorstand. Verantwortlicher Nedldteur: Hans Weber, Berlin. Für denJnieratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u, Lerlagsanstait Ba»! Sinaer& So.. Berlin SW- Nr. 181. 26. Jahrgang. 2. Kilm des, Amiirls" Arier Allislilitt. Mag, 6. Aagiiß 1909. tzevirer des eigenen Kindes! Die Hölle von Mielczyn, von der durch den„Vorwärts" der sie verhüllende Schleier hinweggezogen wurde, hat in ihrem grellen Schein dem entsetzten Auge die Schrecken der Für» sorgeerziehung gezeigt. Die Aufdeckung der himmelschreienden Zustände, die dort herrschten, wird hoffentlich bewirken, daß die Bevölkerung ihr Urteil über die Fürsorgeerziehung korrigiert. Der Gedanke einer Fürsorgeerziehung der in Verwahrlosung ge- ratenen oder von Verwahrlosung bedrohten Kinder ist an sich richtig, aber die Art der Ausführung fordert den schärfsten Widerspruch heraus. Solange für die Fürsorge- anstaltcn Erziehungsgrundsätze gelten, die in ihrer letzten Konsequenz Prügelleistungen wie die des Pastors Breithaupt ermög- lichen, müssen wir alle Eltern davor warnen, an den »Segen" der Fürsorgeerziehung zu glauben. Denn das ist das Tragische an dem Schicksal, das Zöglingen der Mielczyner Anstalt des Prügelpastors Vreithaupt und anderer An- stalten bereitet wurde, daß solche Opfer der Fürsorge- erziehung nicht selten durch die eigenen Eltern zur Schlachtbank geführt loorden sind. Wenn ein Junge unter der niangelhasten Erziehungskunst seiner Eltern misirät, wenn er immer wieder die Schule schwänzt, sich halbe und ganzeTage umhertreibt, dabei zur Befriedigung seines Etzbedürfnisses aus offenstehenden Läden allerlei Genietzbares mitgehen heitzt, dann läuft nur zu oft die ver- zweifelnde Mutter oder der erbitterte Bater zum Lehrer und zum Rektor, vielleicht auch zum Pastor, am Ende gar zur Polizei— und nun ist das Los des Jungen besiegelt. Schule, Kirche. Polizei sind rasch bereit, den nichtsahncnden Eltern die Fürsorgeerziehung als Heilmittel anzupreisen, das unanfechtbar die ersehnte Besserung btingcn werde. Flugs wird ein Antrag auf Ueberwcisung gestellt, die Eltern geben ihre Einwilligung und liefern sogar das Beweis- Material, die Sache gestaltet sich mithin sehr viel einfacher als sonst, und in Kürze ist der Ueberweisungsbeschlutz fertig. „Je mehr Sie über Ihren Jungen aussagen",, so war eine dieser törichten Mütter von dem ihre Aussage protokollierenden Kriminal- bcamten belehrt worden,„desto rascher kommt er weg." Manchmal wird es solchen Eltern wieder leid, daß sie selber die Hand dazu geboten haben, die Ueberweisung in Fürsorgeerziehung herbei- zuführen. Aber wenn der Ueberweisungsbeschlutz rechtskräftig ist, gibt eS kein Zurück mehr. In der Regel stellt der zur Fürsorgeerziehung verurteilte Junge sich nicht freiwillig, da erscheint denn eines Morgens um 6 oder um 6 oder auch noch früher bor der Korridortür ein Polizist, fordert in bekanntem Polizistenton sofortigen Einlaß— und nimmt den Jungen mit. Ach wie bald ist dann manchen Eltern die Er- kenntnis aufgedämmert, daß sie sozusagen Henker d e S eigenen Kindes geworden waren l Jene Mutter, die von dem freundlichen Kriminalbeamten ermuntert worden war, nur recht viel über ihren Jungen auszusagen, sah diesen Jungen nicht lange danach auS Mielczyn als Flüchtling zurückkehren. auf Gesäß und Rücken bedeckt mit Striemen und teils offenen, teils schon verschorften Wunden, die offensichtlich von Stock- oder Peitschenhieben herrührten. Als unser Genosse Stadtverordneter Dr. Alfred Bernstein, der ihn untersucht hatte, über den Befund an die Waisendeputation berichtete, war man dort nicht verlegen um eine Antwort. Der Junge könne, erwiderte man ihm. ja auch von anderen Zöglingen der Anstalt Mielczyn so zugerichtet worden sein. AuS dem Rathaus ist in die Presse die verlogen« Behauptung hinauSgcsandt worden, daß nicht ein einziger der geprügelten Jungen außer einigen blauen Flecken den geringsten Nachteil von den Prügeln gehabt habe. Die Borniertheit der liberalen Er ziehungSkunst, zu deren Verteidigung diese schamlose Lüge fabriziert worden ist, vermag nicht zu begreifen, daß die Striemen und die blauen Flecke und die blutigen Wunden, die auf den Körpern der geprügelten Fürsorgezöglinge entstanden und von dem Eifer der gottesfürchtigen Prügler zeugten, nicht die schlimmsten Folgen der dort geleisteten Peitschenarbeit sind. Schlimmer noch ist, daß dieses Treiben den Zweck der Fürsorgeerziehung nicht gefördert, sondern schwer gestört hat. Ein aus Mielczyn entflohener Zögling hat seiner Mutter geschildert, wie sein Eintritt in die Anstalt sich vollzog. Am Abend des ersten Tages wurde er mit anderen Zöglingen in einen Raum geführt, und nun spielte sich vor seinem staunenden und entsetzten Auge daS widerwärttg-brutale Schauspiel ab, daß eine Reihe Zöglinge nacheinander erbarmungS- los ausgepeitscht wurden. DaS war der erste Eindruck, den er von der Anstalt Mielczyn und dem„bessernden" Walten des Pastors Breithaupt empfing I„Mutter," so erzählte er später,„als ich daS sah, da sagte ich mir sofort: Hier bleibst du nicht!" Kann jemand daran zweifeln, daß solche Auspeitschungen verrohend wirken mußten? Und kann eS verwundern, daß die Jungen auS einer solchen An st alt immer wieder zuent- sliehen versuchten? Jeder Fluchtversuch gilt Leuten wie Breithaupt selbstverständlich als ein Beweis, daß die„Besserung" noch nicht eingetreten ist, und daraus ergibt sich dann eine immer erneute Hinausschiebung des Zeitpunktes der Entlassung auS der Fürsorgeerziehung. Wie sehr durch die Unfähigkeit mancher Vorsteher von Erziehungsanstalten der Stadtsäckcl samt der Zuschuß leistenden Staatskasse und in zweiter Linie das Portemonnaie der zur Erstattung genötigten Eltern geschädigt wird, daS wollen wir jetzt unerörtert lassen. Wichtiger ist uns im Augenblick die traurige Tatsache, daß durch unfähige Anstaltsvorsteher, die sich des Schutzes der liberalen Stadtverwaltung Berlins erfreuen, die an solche An- stalten überwiesenen Fllrsorgezöglinge um so länger den Gefahren einer falsch ausgeführten Fürsorge- erziehung ausgesetzt sind. Wer Neigung hat. selber sein Kind der Fürsorgeerziehung zu überliefern, der sollte diese Gefahren nicht unter- schätzen. Ein Junge, der in die„richtige" Prügelanstalt hinein- gerät, hat wenig Aussicht, so bald wieder aus der Fürsorgeerziehung befreit zn werden. Die Eltern rechnen auf ein Jahr, höchstens auf ein paar Jahre, aber sie können es leicht erleben, baß ihnen der Junge schließlich nicht vor Vollendung des 21. JahreS frei kommt — und dann für immer verdorben ist. Partei-?Zngelegenkeiten. Achtung! Heute, Freitag. 6. August, abends 8 U h r, findet in den Germania-Sälen, Chaussee- straffe 110, eine Volksversammlung statt, in welcher Genosse Stadtverordneter Dr. Alfred Bernstein über das Thema „Die Hölle von Mielczyn und der Berliner Koununnal-Frcisinu" referieren wird. Wir ersuchen, diese Versammlung zahlreich zu besuchen. Der Aktionsausschuß. Vierter Wahlkreis. Das Resultat der in der GeneralversamMl lung vorgenommenen Listenwahl ist folgendes: Zum Parteitag tmirdcn delegiert die Genossen Adolf Hoffmann, Brückner und Barenthin. Zur Provinzialkonferenz wurden delegiert die Genossen K. Bethge, Adolf Zeuner und H. Gries. Fünfter Wahlkreis. Die Frauen und Mädchen des fünften Kreises werden zu einem gemütlichen Kasfeekochen am DienStag, den 10. August, nachmittags von 3 Uhr an, nach dem Schwcizcrgartcn, Königötor, eingeladen. Zahlreiche Beteiligung erbeten. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für Teltow BeeSkow-Storkow-Charlottenburg. Die Kreis-Generalversammlung findet am Sonntag, den 8. August, mittags pünttlich um 1Ä Uhr, im groffen Saale des V o lks h a u s es zu Chav lottenburg, Nosinenstr. 3, statt. Tages-Ordnung. 1. Mitteilungen des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Kreis-Kassierers. 3. Der Parteitag in Leipzig: a) Das neue Organisation� statut; b) Allgemeines. Referent Fritz Zubeil. Anträge und Wahl der Delegierten. 4. Die Brandenburger Provinzialkonferenz. Anträge und Wahl der Delegierten. 6. Anträge zur Generalversammlung Grotz-BerlinS. 6. Sonstige Anträge und Verschiedenes. Die Delegierten der einzelnen Orte müssen mit Mandaten versehen sein. Als Gäste haben nur Mitglieder Zutritt; Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zentralvorstand. I. A.: Karl W o l l e r ni a n n, Charlottenburg, Rosincnsttaße 3. Rummclsburg. Am Sonntag, den 8. August, findet im Wahl- lokal von Klugmann, Köpenicker Chausfee, das vom hiesigen Wahl- verein veranstaltele so beliebt«„Kinderfest" statt. Die Kinder spiele und Belustigungen stehen unter bewährter Leitung. Für gr nügcnde Sitzgelegenheit ist diesmal auch in ausreichendem Maße gesorgt worden. Da die Teilnehmer am Kinderfest wie im Vorjahre in einem geschlossenen Festzuge unter Musikbegleitung nach dem Fest- lokale marschieren, so macht sich— um unliebsame Störungen beim Einmarsch zu vermeiden— die vorherige Versorgung mit Billetts äußerst notwendig. Abmarsch präzise 2s/t Uhr von Hauptstr. 4 aus. Eintritt 15 Pf. Kinder frei. Jedes Kind erhält mehrere Geschenke. Das Komitee. Schmargendorf. Morgen Sonnabend feiert der hiesige Wahl verein sein 18. Stiftungsfest in den Räumen deS.Schützenhauses", Hundekehlestr. 20. Da neben Konzert, Reigenfahren des Arbeiter Radfahrervereins usw. auch das„Berliner Ulk-Trio" auftritt, so er- wartet das Festkomitee eine rege Beteiligung der Arbeiterschaft. An- fang 8 Uhr. Entree 25 Pf. Neuenhagen und Umgegend. Am Sonntag, den 8. d. M., wird von den Parteigenossen des Bezirks im Lokal von Max Girke, Freders dorf, ein Sommerfest veranstaltet. Die Parteigenossen werden um rege Unterstützung gebeten. Einttitt Erwachsene 20 Pf., Kinder 10 Pf. Letztere erhalten hierfür eine Stocklaterne und Mütze. Beginn des Konzerts 3 Uhr. Das Komitee. Spandau. Der sozialdemokratische Wahlverein veranstaltet am Sonnabend, den 7. August, beim alten Freund in Pichelswerder ein Sommernachtsfest, verbunden mit Dampferfahrt. Von 8 Uhr an findet großes Gartenlonzert unter gütiger Mitwirkung des Arbeiter> gesangvereins„Hoffnung"-Spandau, große Verlosung und Tanz statt. 12 Uhr nachts erfolgt große Fackelpolonaise um den ganzen Werder. Abfahrt der Dampfer mit Musik von der Charlottenbrücke um T'/j. 8l/3 und Ö'/a Uhr abends. Billetts inkl. Dampferfahrt pro Person 30 Pf. Kinder frei. Die Berliner Genossen sind hierzu freundlichst eingeladen._ berliner JVacbncbten. Diener der Reaktion sind die liberalen Mannesseelen der Berliner Stadtverwaltung. Zu Dienern der Reaktion geben sie sich her, indem sie die von der Staatsregierung anbefohlene Drang- s'astierung der Arbeiter-TurnvereinI:. gehorsamst aus- führen. Die Schuldeputatton der Stadt ist daS Werkzeug, daS gegen den Berliner Arbeiter-Turnverein„Fichte" den Schlag zu führen hat. Der Verein„Fichte" war, wie bekannt, aufgefordert worden, auch für die Leiter derjenigen Turnabteilungen, zu denen Personen im Atter von weniger als 21 Jahren gehören, die sogenannten Unterrichts- Erlaubnisscheine zu beschaffen. DaS Turnen der Lehrlinge und überhaupt der jungen Leute von weniger als 21 Jahren wurde zum Unterricht gestempelt, so daß auf die Turnwarte dieser Abteilungen eine alte verstaubte Ministerialverordnung anzuwenden war. Der Verein„Fichte" wußte, was ihm nunmehr blühen würde: Turnwarte eines Arbeiter-Turn- Vereins, wie es der Verein„Fichte" ist, hatten auf Gewährung eines Unterrichts- Erlaubnisscheines nicht zu rechnen. Voraussetzung für die Gewährung dieses Erlaubnis- scheines ist eine gewisse„sittliche Qualifikation", die in der Regel nur dem zugetraut wird, der— wie die lieben„deutschen" Turner— gut Hurra schreien lann. Der Einspruch des Vereins„Fichte" gegen die ihm gestellte Zumutung blieb ohne Erfolg, und auch sein Ver- such, die Anerkennung des Turnunterrichtes als eines Gewerbes dem Unterrichtsministerium abzuringen, mißlang. Die Schuldeputation hatte schon im Frühjahr angekündigt, daß sie dem Verein für die in Betracht kommenden Abteilungen die Turnhallen entziehen werde, wenn er sich nicht füge. Die Debatte der Stadtverordneten- Versammlung über den von der sozialdemokratischen Fraktion ge- stellten Antrag, den Magistrat um Rückgängigmachung der An- ordnung der Schuldeputation oder um Gewährung anderer Turn- räume für den Verein„Fichte" zu ersuchen, ließ keinen Zweifel darüber, daß jene Drohung ausgeführt werden würde. Jetzt ist das geschehen; dem Turnverein„Fichte" ist von der Schuldeputation mit- getcilt worden, daß zum 1. Oktober den betreffenden Abteilungen die Turnhallen gesperrt werden. Zur Beleuchtung der neuesten Phase dieses Kampfes der Arbeiter-Turn vereine um„gleiches Recht" wollen wir ein paar Aktenstücke mitteilen. Zwei Mitglieder des Vereins „Fichte" hatten Gewerbe als Tuntwarte angemeldet, indem sie sich auf die Reichsgewerbeordnung beriefen. Die preußische Staatsregierung war anderer Meinung, und eS kam die bekannte Strafandrohung von 100 M. Da Klage hiergegen nicht zulässig war, so mußte Beschwerde beim Unterrichtsministerium eingelegt werden, bei demselben Ministerium, von dem die Verfügungen zur Drang- salierung deS Turnvereins„Fichte" veranlaßt worden waren. DaS Ministerium entschied als»Befchwerdkivltanz" in eigener Sachs so: die Reichsgewerbeordnung bestimme in ihrem allgemeinen Teil, daß sie keine Anwendung auf das Unterrichtswesel» finde; das Unter- richtswesen gehöre überhaupt nicht zur Zuständigkeit des Reiches, die Kabinettsorder von 1334 und die Ministcrialinstrultion von 1839, betreffend die Erteilung von Privatunterricht an jugendliche Personen, beziehe sich allgemein auf Erziehung und Unterricht, also auch auf das Turnen, das ja ein obligatorischer Lehrgegenstand der Volksschule sei; die Schulaufsichtsbehörden seien befugt und verpflichtet, die öffentliche Ordnung auf dem Unterrichtsgebiet zu wahren und jeden Eingriff z u b e s e i t i g e n; für den Fall der Zuwiderhandlung könne daS Provinzial-Schullollegium Exelutivftrafen androhen; es müsse bei der Anordnung des Provinzial-Schulkollegiums sein Bewenden haben. Nun wußte maus, was„Rechtens war", und es blieb nur noch übrig, die Probe zu machen, ob die Erteilung eines Unterrichts- erlanbnisfcheincs bewilligt werden würde. Schon war wieder mal ein bezüglicher Antrag gestellt worden, und— siehe, es kam vom Provinzial-Schullollegium folgende Antwort: Berlin, den 7. Juli 1909. Auf den Antrag vom 27. Mai d. I. Aus den in unserer Verfügung vom 5. November v. I.— IV. 7071— angebenen Gründen kann den von Ihnen bezeichneten Personen der Unterrichtserlaubnisschein für Turnen nicht erteilt werden. Dem weiteren Antrage, die Altersgrenze für jugendliche Personen von 21 auf 18 Jahre herabzusetzeu, lann nicht ent- sprochen werden. Mager. Gesuche um Erteilung eines Erlaubnisscheines an andere Mit- glieder des Vereins konnte man sich hiernach sparen. Man wartete, was jetzt die S ch u l d e p u t a t i o n tun würde. Sie ließ den Ver- ein nicht lange warten; am 31. Juli erhielt der Vcreinsvorsitzende Darmer folgende Zuschrift: Berlin, den 19. Juli 1909. Nach Mitteilung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums sind den Leitern derjenigen Abteilungen Ihres Vereins, zu denen Per- fönen unter 21 Jahren gehören. Unterrichts-Erlaubnisscheine nicht erteilt worden. Wir kündigen Ihnen daher die weitere Benntznng der nachfolgenden Turnhallen durch die vorgenannten Abteilungen vom 1. Oktober d. I. ab.(Folgt Aufzählung von 15 Turnhallen.) Hirsekorn. Also endlich! Man sage uns hier nicht, daß die Schuldeputatton gar nicht anders handeln könne, daß der Berliner Liberalismus sich zum Diener der Reaktion machen müsse. Die Debatte in der Stadt» verordnetenversammlung hat deutlich erkennen lassen, daß er nur zu gern sich zum Diener der Realtion machen lasten will. DaS Provinzialschulkollegium hat für diese Drangsalierung der Arbeiter- turner die B ill i g un g des Berliner Magistrats und der freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit. Der Oberbürgermeister erklärte kühl, man dürfe sich in den Streit zwischen Regierung und Turnverein„nicht ein- mischen"— und die Wortführer deS Liberalismus schwiegen! ES kennzeichnet die von den Freisinnsmännern beherrschte Schuldepntation, daß sie sich nicht einmal hat gedulden wollen, bis über die Frage der rechtlichen Zuläfsigkeit jener Anordnungen des Provinzial-Schul- kollegiums— bekanntlich ist im„Vorwärts" zum Ungehorsam gegen sie aufgefordert worden und der Gerichtstermin ist auf den 21. Sep- tember vertagt— die Gerichte entschieden haben. Bauunfälle in der Turbincnfavrik der A. E.-G. Eine Anzahl Bauunfälle haben sich in letzter Zeit auf dem Neubau an der Ecke Hutten- und Berlichingen Straße ereignet, wo die Dortmunder Stahlwerke Union. Abteilung für Brückenbau, für die Turbinenfabrik A. E.-G. zwei Maschinenhallen aufstellen läßt. So stürzte am Dienstag nachmittag durch einen Fehltritt der Monteur Leo Biogart 15 Meter tief hinunter, schlug mit dem Rück- grat auf das eiserne Gerüst auf und fiel auf die Erde. Bewußtlos wurde er zur nahen Unfallstation Erasmusstraße getragen, wo eine schwere Verletzung der Wirbelsäule festgestellt wurde. Dann mußte er in einem Krankenwagen nach dem Krankenhaus Moabit geschafft werden. Er dürfte bereits seinen Verletzungen erlegen sein. Am Mittwoch stürzte ein Verbindungsstück zwischen erstem und zweitem Pfeiler auS einer Höhe von 8 Metern herunter und traf den Arbeiter Johann Gutowsky auf die Schulter, wodurch dem- selben das Schlüsselbein gebrochen wurde. Schon vor einiger Zeit haben sich Unfälle ereignet. Wie uns von dort beschäftigten Arbeitern mitgeteilt wird, sind die Unfälle darauf zurückzuführen, daß bei dem Bau nicht für ge- nügende Schutzvorrichtungen Sorge getragen wurde. Schon längere Zeit ruft die Arbeit an diesen Hallen Aufsehen unter den Pasfanten hervor. Zu dem Mangel an den nötigsten Schutzvorrichtungen kommt, wie un» Arbeiter mitteilen, daß der Bau bis 1. Oktober fertiggestellt fein soll und deshalb die Arbeiten forciert werden. Aufgabe der betreffenden Behörden muß es sein, sich einmal zu in- formieren, ob den gesetzlichen Sicherheitsvorschriften auf diesem Bau Genüge geleistet wird._ DaS achte Opfer der Katastrophe im Botanischen Garten. DaS entsetzliche Unglück hat nunmehr noch ein Opfer, daS achte, gefordert. Vorgestern abend um 8'/« Uhr erlag der Diener Christian Schmidt, Thaerstr. 42, seinen schweren Verletzungen. Sch. hatte so schwere Quetschungen und Brandwunden erlitten, daß ihm das linke Bein amputiert werden mußte. Außerdem hatte er sich einen Bruch der Schädelbasis zugezogen, der nun auch den Tod herbeigeführt hat. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nnch� den» Schauhause gebracht.— Leider kann noch keineswegs mit Sicher- heit behauptet werden, daß alle übrigen im Elisabeth-Krankenhause untergebrachten Patienten außer Lebensgefahr sind, vielmehr gibt der Zustand einiger zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß, so daß es mit dem achten Opfer wohl kaum sein Bewenden haben dürfte. Besser steht es mit den Kranken im Urban-, Virchow- und Moabiter Kranken- Hause, die sämtlich auf dem Wege der Genesung sind und in einigen Wochen entlassen werden können. Eine deutsche Zwanzigpfennig-Post nach den Bereinigten Staaten von Amerika gebt von Europa wieder am 7. August ab. Sie benutzt den an diesem Tage abgehenden Dampfer der American-Line. Die Post wird dem Dampser cntiveder in Southampton oder in Eher- bourg zugcfühot. Die Postanstalten haben die für diese Dampfer vorliegenden Sendungen möglichst den Postämter» in Bremen oder Straßburg zuzuführen. Briefsendungen, die zu spät für Bremen oder Slraßburg aufgeliefert werden, gehen zuletzt mit den Bahn- Posten, die am 6. August abends 6.01 von Köln nach Southampton oder 10.45 von dort nach Cherbourg gehen. Von Straßburg geht die letzte Post 12.38 nachts. Befördert werden alle Arten von Brief- 'endungen gegen die Sätze des Weltpostvereins. Zwei schwere Einbrecher und Automobildicbe sind gestern früh von der Schöneberger Kriminalpolizei in der Person des Chaiiffcurs �ritz Seyfert und des Wagenwäschers Julius Nebel festgenommen worden. Wie wir meldeten, war in der vorgestrigen Nacht in der Elektrizitätsfiliale von Bergmann, Uhlandstr. 77, ein Posten Guinmi- Mäntel im Werte von 8000 M. gestohlen worden. Auf Grund der VeroffentNchung meldete sich bei der Kriminnlpolizei ein Chauffeur und teilte mit, daß zwei Herren seinen Kraftlvaaen gemietet hätten, mit der Angabe, sie seien Besitzer des Geschäfts in der Uhland- straße 77. Er habe die beiden dort hingefahren und sie dann mit der Diebesbeute nach der Hermannstraße in Rixdorf ge- bracht. Sofort fuhren mehrere Kriminalbeamte nach" der be- zeichneten Wohnung und kamen gerade dort an, als ein Teil der gestohlenen Waren auf einen vor der Tiir haltenden Wagen geladen wurde. Die Sachen wurden sofort beschlagnahmt und die beiden genannten Verbrecher, die gemeinschaftlich ein Zimmer bewohnten, in ihrer Stube festgenommen. Es wurden bei den Dieben eine größere Anzahl Automobilreifen vorgefunden, die, wie festgestellt werden konnte, aus verschiedenen Einbrüchen her- rührten. Die Verhafteten gestanden ein, daß sie seiner Zeit den Aufsehen erregenden Automobildiebstahl Unter den Linden verübt und den Kraftwagen auf dem Tempelhofer Felde abmontiert hätten. Außerdem haben sie noch an verschiedenen Stellen der Stadt Auto- mobile gestohlen und die Reifen von den Wagen entfernt. Auch der schwere Diebstahl in dem Automobilfuhrgeschäft von Franke u. Co., Kottbuser Damm 67 ist von den Verhafteten verübt worden. Sehfert hatte seine ausgedehnte Bekanntschaft in den Chauffeur- und Auto- niobilsportkreifcn benutzt, um die gestohlenen Reifen zu verkaufen unter der Angabe, daß er eine Vertretung für eine Fabrik über- nommen habe.— Personen, die von den oben genannten Verbrechern Automobilreifen gekauft oder denen solche zum Kauf angeboten worden sind, werden gebeten sich bei der Schöneberger Kriminal- Polizei in der Hauptstraße, Zimmer 1, vormittags zwischen 8 bis 10 Uhr zu melden. Eine Dauerfahrt unternahm am Mittwochabend das Militär- luftschiff„Groß II". 11 Uhr 20 Minuten war es auf dem Tegeler Schießplatz aufgestiegen und überflog gestern früh 2,/a Uhr Halle in der Richtung Korbetha; um S1/a Uhr passierte es Weißenfels. Um 7>/z Uhr passierte daS Luftschiff abermals Weißenfels auf der Rück- fahrt in Richtung auf Halle. Nach einer Meldung auS Halle erschien das Luftschiff um 8% Uhr über dem dortigen Marktplatz, den eS zunächst in einem halbkreisförmigen Bogen überfuhr. Es wurde von dem aus Anlaß des Markttages recht zahlreichen Publikum lebhaft be- grüßt. Wegen der starken Wolkenbildung war das Luftschiff nur schwach zu erkennen. Nachdem es eine Reihe weiterer Manöver aus- geführt hatte, verschwand es in der Richtung nach Südost. Das Wiedereintreffen in Berlin erfolgte gestern in der dritten Nachmittagsstunde. Um 2'/« Uhr sichtete man den Ballon über Schöneberg. Er befand sich in einer Höhe von etwa 800 Metern und fuhr in flottem Tempo über daS Potsdamer Viertel und den Tiergarten hinweg. Ueber dem Tiergarten machte„Groß II eine Wendung nach Nordwesten und flog sodann ohne wesentliche Veränderung seiner Höhenlage nach Tegel. Bon einem Schlächtcrwagen überfahren und tödlich verletzt wurde vorgestern nachmittag die löjghrige Tochter Elise des in der Tempel- hofer Straße Nr. 7 wohnhaften Kaufmanns Heiland. Das Mädchen hatte gegen 3 Uhr einen Straßenbahnzug des Südringes der Süd- lichen Berliner Vorortbahn benutzt und verließ vor dem elterlichen Hanse den in voller Fahrt befindlichen Waggon. Die H. kam zu Fall und geriet unter einen unmittelbar hinter dem Straßenbahn- wagen folgenden Schlächterwagcn, dessen Räder der Bedauernswerten über die Brust hinweggingen. In besinnungslosem Zustande wurde die Verunglückle zunächst nach der nahen elterlichen Wohnung ge- bracht, wo ein sofort herbeigerufener Arzt eine Zertrümmerung des Brustkastens, Bruch des linken Oberschenkels, schwere innere Ver- letzungen und Hautabschürfungen im Gesicht und an den Händen feststellte. DaS Mädchen wurde nach dem Schöneberger Kranken- hause übergeführt, wo eS in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Bon einem sonderbaren Geschick wurde am Sonntag der Arbeiter Karl H., Palisadenstraße, auf einem Ausflug in Nieder-Schöneweide betroffen. Nachdem derselbe im Lokal Barbarossa Einkehr gehalten, begab er sich zur Erholung in die Heide. Kaum hatte er sich hier niedergelassen, als plötzlich ein Mann mit einem Hammer vor ihm stand und ihn drohte niederzuschlagen, wenn er ihm nicht sofort folge. Im nächsten Augenblick traten noch zwei Männer hinzu, die H. packten und aus der Heide führten. Draußen angelangt, empfingen ihn weitere zwei Mann, von denen einer dem H. zwei derbe Schläge ins Gesicht versetzte. Jetzt wurde H. wieder nach dem Lokal Barbarossa zurückgeführt und ein Gendarm herbeigeholt. Dort hielt man ihm, trotzdem der Aermste beteuerte, ein vollständig unbescholtener Mensch zu sein, zwei Stunden fest. Erst nachdem man— wahrscheinlich auf telephonische Erkundigungen— festgestellt hatte, daß gegen H. auch nicht das geringste vorliege, ließ man ihn gehen. Auf wiederholtes Fragen des H., weshalb man ihn denn so behandle, erhielt er keinen Bescheid. Indessen war der so Behandelte schon froh, auch ohne daß man es ihm mitteilte, worum es sich handelte, die unheimliche Stätte verlassen zu können. Am nächsten Tage jedoch begab sich H. mit seinen Invaliden- Ouittungskarten nochmals nach dem Lokal, um die Besitzerin desselben zu befragen, was denn eigentlich die Ursache dieser ihm zuteil ge- wordenen Behandlung gewesen sei. Jetzt erst wurde ihm der Be- scheid, daß bei den anliegenden Laubenkolonisien in letzter Zeil ver« fchiedentlich gestohlen wurde und er durch die Verkettung einer Reihe Umstände in diebischen Verdacht geraten sei. H. machte uns von seinem Mißgeschick Mitteilung, damit das, was ihm passiert ist, nicht auch noch anderen in jener Gegend begegnet. Es ist in der Tat auch unerhört, daß ein Mensch in fo leichtfertiger Weise verdächtigt und obendrein noch mißhandelt wird. AuS dem vierten Stock gestürzt ist gestern der drei Jahre alte Sohn Erwin der Witwe Böller aus der Choriner Straße 28. Während die Mutter an einem Waschfaß stand, hatte sich der Knabe aus einem Fenster hinausgelehnt, verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe auf den Hof hinab. Er erlitt außer Schenkel- brächen eine Gehirnerschütterung und wurde von der Rettungswache in der Gaudhstraße nach dem Virchow-KrankenhauS gebracht. In den Nordhafen gefallen und ertrunken ist am Mittwoch der vierjährige Sohn dxS Schiffers Jahn. Die Leiche wurde bald darauf von der alarmierten Feuerwehr geborgen. Durch herabfallenden Stuck des Hauses Frankfurter Chausiee 156 wurde, wie uns nachträglich noch gemeldet wird, am Dienstagabend 7 Uhr der Anstreicher Karl Huppert, Frankfurter Allee 8 wohnhaft. schwer verletzt. H. wurde nach der Rettungswache in der Rathaus- ftraße gebracht, wo der diensthabende Arzt einen Schädelbruch fest- stellte. Nach Anlegung eines Notverbandes schaffte man den Ver« unglückten mittels Krankenwagens nach dem Krankenhause am FriedrichShain. Hier erlag H. kurz nach der Einlieferung seinen Verletzungen. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Das Kaiserin Auguste Bictoria-HauS in Charlottendurg, Moll- witzstraße, übernimmt neben der Pflege gesunder und kranker Säug- linae auch die Entbindung und Wochenpflege von Frauen, die schon einige Zeit vor ihrer Niederkunft aufzenonimen werden können. Nach der Entbindung gibt die Anstalt den Frauen Gelegenheit, noch einige Wochen mit ihren Kindern zusammen zu bleiben und ihnen die natürliche Nahrung zu geben, da besonders in der ersten Zeit die künstliche Ernährung, die nicht unter sachverständiger Leitung ge- geben wird, das Leben manches Kindes gefährdet und vernichtet hat. ES ist das Bestreben der Anstalt, der großen Säuglingssterblich- keit mit Erfolg entgegenzutreten. Ueber den bevorstehenden Sternschuuppenfall, der alljährlich in der Zeit vom 3. bis 12. August auftritt und dessen Ausgangspunkt im Sternbild des PerseuS liegt, spricht am Sonntag, den 8. August, nachmittags 5 Uhr, Direktor Dr. Archenhold in der Treptow-Stern- warte. An demselben Tage, abends 7 Uhr, findet ein Vortrag statt über den Planeten Mars, den man eine„zweite Erde" genannt hat. Am Montag, den 9. August, abends 9 Uhr, wird Dr. Archew hold einen Vortrag über„Kometen und Sternschnuppen� halten.— Die Vorträge sind leicht verständlich und werden den Hörern durch zahlreiche Lichtbilder eingehend erläutert.— Außerdem haben die Besucher Gelegenheit, im großen Fernrohr tagsüber die Sonne und abends Doppelsterne und Nebelwelten sowie auf der Plattform der Sternwarte an die erwähnten Vorträge den Augusp Sternschmippenschivarm beobachten zu können.— Ferner stehen den Besuchern der Treptow-Sternwarte kleinere Fernrohre zur beliebigen Benutzung zur Verfügung. Die Pankstrahe wird wegen Kanalisationsarbeiten sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Von Fahrradmardern geplündert wurden dieser Tage zwei Arbeiter. In einem Falle wurde auf dem Hofe des Verbandshauses Große Hamburger Straße 18/19 ein Fahrrad gestohlen. Erkeniiungs zeichen: niedriger Rahmen, birkig emailliert, gelbe holzartige Felgen, zwei verschiedene Pedale, neuer Tourensattel mit schwarzen Doppel- federn, Vorbaulenker und 24zölligem Vorderrad. Wer über den Verbleib deS Rades Anhaltspunkte angeben kann wird gebeten, sich an Kurt, Stendaler Straße 60 III, zu wenden.— Im zweiten Falle wurde das Fahrrad aus der Wohnung gestohlen. ErkennungS- zeichen: Marke Loerke, Nenner, harten Holzfelgen mit Dunkopp- Drahtreifen, rotem Rahmen, Doppelglockenlager, schwarz lackiert mit roten Strichen. branner Rennsattel, Zackenpedale, Doppel« dickendspeichcn, Lenkstange, nach oben gebogen und vernickelt, Leder- griffe, jedoch beschädigt, Vordergabel mit ganz leichtem flachen Tal- bot-Gabelkopf. Für die Wiederbringung angemessene Belohnung Mitteilungen über den Verbleib des Rades werden an Max Loerke Bevernstr. 4, erbeten. Feucrwchrbcricht. In der letzten Nacht kam in der Druckerei von Wasmuth, Architektur-Verlag-A.-G., Feuer aus. Nach mehr- stündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Fast gleichzeitig kam auf einem Kohlenplatz in der Bandelstr. 15 Feuer aus. Eine Bude stand dort in Flammen. Ferner hatte die Wehr in der Schönhauser Allee 57, wo Gardinen und anderes in einer Wohnung in Brand geraten waren, und in der Winsstr. 53 zu tun, wo wollene Decken, ein Korb usw. brannten. In der Ofener Str. 10 brannten Holzkasten und anderes. In der Derflingerstr. 14 wurden Möbel, Gardinen und anderes ein Raub der Flammen. Außerdem liefen noch Alarme auS der Lindower Str. 14 und anderen Stellen ein._ Vorort- JSacbricbtcm Rixdorf. Ein Gebäuderinsturz ereignete sich vorgestern abend gegen 7 Uhr auf dem Grundstück Richardstraße 21. Eine dortselbst befindliche Scheune des Landwirts Wenzel, die schon in hohem Grade baufällig war, sollte in den nächsten Tagen ausgebessert werden. Gestern abend nun brach plötzlich das Dach der Scheune sowie ein Teil der Seitenwände unter donnerähnlichem Getöse zusammen. Es ver- breitete sich das Gerücht, daß in dem Gebäude sich mehrere Per- sonen befunden hätten, und so wurde die Feuerwehr alarmiert, die jedoch alsbald feststellte, daß der Landwirt und seine sämtlichen Leute auf dem Felde waren und bei dem Einsturz niemand verletzt worden ist. Das stehengebliebene Mauerwerl wurde provisorisch ab- gesteift, weil die Gefahr vorlag, daß es nach dem nebenliegenden Grundstück hinüberstiirzen könnte. Mordversuch und Selbstmord. Ein blutiges LiebeSdrama spielte sich vorgestern um Mitternacht vor dem Hause Hermannstr. 122 ab. Der 22jährige Angestellte Mittelstädt, Delbrückstraße wohnhaft, schoß nach einem kurzen Wortwechsel auf seine Braut aus Britz und brachte ihr eine leichte Verletzung am Kopfe bei. Der Täter richtete hierauf die Waffe gegen sich selbst und verwundete sich durch einen Schuß in die rechte Schläfe so schwer, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhause verstarb. Schöneberg. Der hiesige BildungsauSschuß teilt mit: Am Sonntag, den 3. August, findet eine Besichtigung des Botanischen GartenS in Dahlem statt. Die Besichtigung wird unter Führung eines Botanikers vorgenommen und verspricht daher sehr belehrend und unterhaltend zu werden. Treffpunkt früh 9 Uhr an der Friedenauer Brücke, Hauptstraßen- und Ebersstraßen-Ecke. Jeder Jugendliche erscheine. Schöncdrrger Männerchor nennt sich der neugebildete Gesang- verein, der am Montag eine größere Anzahl neuer SangeSfteunde um sich versammelte. Zum Ausdruck kam, daß eS unbedingt not- wendig wäre, dem Verein mehr Beachtung zu schenken. Auch wird erwartet, daß die sangeskundigen Genossen mit dazu beitragen, den Männerchor zu verstärken und ihn zu einem leistungsfähigen zu ge- stalten. Dazu ist jedem Gelegenheit gegeben am Freitag, abends 9 Uhr. iin Lokal Puschmann. Vorbergstr. 9, wo der Männerchor tagt und einstweilen seine UebungSstunden abhält. Wilmersdorf. Sei» diesjähriges S-mmerfest veranstaltet am kommenden Sonntag, den 8. August, der örtliche Wahlverein im Gesellschafts- hause, Wilhelmsaue 112. Auch das diesmalige Arrangement des Vergnügens verspricht einige genußreiche Stunden, weshalb auf die weitgehendste Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft gerechnet wird. Treptow-Baumschulenweg. Grober Unfug durch Alarmieren der Feuerwehr wurde am Dienstagabend 9 Uhr durch Melder 7 der erst einen Tag im Be- triebe befindlichen Alarmvorrichtung verübt. Der erste Zug der Feuerwehr war auf den Alarmruf hin sofort ausgerückt, fand aber nichts vor. Als Attentäter wurde ein junger Mann aus der Wrangelstraße zu Berlin gefaßt. Dieses schnelle Festnehmen deS UebeltäterS ist auf die an den Meldern befindliche Alarnivorrichtung zurückzuführen. Diese Vorrichtung ist eine Klingel, die laut tönend die Nachbarschaft auf die Benutzung des MelderS aufmerksam macht. Nowawes. Am Sonntag, de» 8. August,»veranstalten die Jugendansschüsse von Brandenburg und Nowawes einen Ausflug nach Lehnin. Die Nowaweser Jugend versammelt sich um 7l/4 Uhr morgens im„Voltsgarten", Priesterstr. 3t. Abmarsch nach Potsdam 7»/, Uhr. Um 3� Uhr Abfahrt nach Werder. Gegen 11 Uhr treffen die beiden oben genannten Jugendorganisationen in Lehnin zusammen. Im Laufe des Nachmittags finden gemeinschaftliche Faust-, Schleuderball-, Tamburin- und andere Untcrhaltungsspiele statt. welche mit einer Preisverteilung enden. Abends 6 Uhr erfolgt der Rückmarsch nach Groß- Kreutz, wo sich die beiden Organisationen trennen, um sich vom Dampfer wieder zurück bringen zu lassen. Der Fahrpreis beträgt für beide Strecken 80 Pf. Wir ersuchen alle jugendlichen Arbeiter, Arbeiterinnen und Lehrlinge von Nowalve», sich an diesem AuSfluae zu beteiligen, damit derselbe eine recht agitatorische und demonstrative Wirkung ausübt. Ebenfalls richten wir an alle Parteigenossen und Freunde der Jugendbewegung die Bitte, für diese Veranstaltung eine rege Agitation zu entfalten. Der JugendauSschuß. Vcrmifcbtee» Der*3. H" in Köln. Nachdem bereits am Mittwoch die Reparaturarbeiten an dem Luftschiff beendet waren, erfolgte gestern früh 4'/, Uhr die Abfahrt desselben von Frankfurt a. M. nach Köln. Im Beisein einer großen Menschenmenge erhob sich daS Luftschiff bei leichtem Nordostwind in die Lüfte, beschrieb einen Bogen um den Flugplatz und verschwand dann in westlicher Richtung. Ueber den Verlauf der Fahrt liegen folgende Meldungen vor: Limburg a. d. Lahn, v. August, 6 Uhr 20 Min. früh. Soeben fuhr das Luftschiff„Z. II" in südwestlicher Richtung über Limburg in schneller Fahrt dahin. Frankfurt a. M., 5. August. DaS Reichsluftschiff„Z. II' passierte um 6 Uhr 25 Minuten EmS, 6 Uhr 45 Minuten Neulvied, 7 Uhr 23 Minuten Linz, 7 Uhr 30 Minuten Remagen, 7 Uhr 50 Minuten Bonn. Köln, 5. August, 9 Uhr 50 Minuten vormittags.„Z. II", dessen Eintreffen von 8 Uhr ab hier erwartet wurde, ist bisher nicht ein« getroffen. Um 8'/z Uhr wurde seine Anwesenheit aus Brühl ge- meldet, wo er aber deS dichten Nebels wegen nicht gesehen werden konnte.„Z. II" hat einen Abstecher nach Düren unternommen. Um 9 Uhr wurde er in Horrem gesichtet. Köln, 5. August. Um 10 Uhr 15 Minuten schwebte„Z. II' über Blatzheim zwischen Horrem und Düren. Im Rheinlande herrickte bis in den späten Morgen hinein dichter Nebel, sodaß das Luftschiff von vielen Ortschaften nicht gesehen, seine Anwesenheit aber durch daS Surren der Propeller festgestellt werden konnte. Doch ist infolge- dessen die Bestimmung des jeweiligen Aufenthalts bczw. der Fahrt- richtung des Luftschiffes schwierig. Köln, 5. August. Das Luftschiff„Z. II" erschien 10 Uhr 35 Min. vor der Ballonhalle in Bickendorf und nahm seinen Weg nach der Stadt Köln, wo eS um 10 Uhr 40 Min. in zirka 200 Meter Höhe gesichtet wurde. Kurz vor dem Kölner Dom senkte sich das Luftschiff und umfuhr den Dom in einer breiten Schleife. Die auf den Dächern und Straßen harrende Menschenmenge begrüßte sein Erscheinen mit jubelnden Zurufen. Sodann nahm das Luft- schiff, nachdem eS wieder höher gestiegen war, seinen Weg nach der LandungShalle in Bickendorf. Köln, 5. August. Da« Luftschiff„Z. II" landete glatt um 11 Uhr 38 Minuten an der LandungShalle in Bickendorf. Um 11 Uhr 45 Minuten befand sich„Z. II" bereits in der Halle. Der mutmaßliche Mörder der Witwe Kersten in Marxdorf soll durch die Polizei in Frankfurt a. O. verhaftet worden sein. Es handelt sich um den Reisenden Hermann Lipke, der Vertreter einer Grabdenkmalfabrik ist und auf dessen Spur, wie wir bereits ans- führlich berichteten, der Polizeihund„Prinz" geführt hat. L. be- bestreitet mit aller Entschiedenheit seine Teilnahme an dem Ver- brechen, doch soll sich inzwischen neues Belastungsmaterial gegen ihn ergeben haben. So haben sich Zeugen gemeldet, denen gegen« über der Reisende angeblich verdächtige Aeußerungcn gemacht hat. rner wollen zwei Männer, die den L. genau kenneu, ihn an dem Tage, an welchem der Mord verübt worden ist, mit einem anderen Manne auf der Chaussee zwischen Marxdorf und Fraulfurt a. O. gesehen haben. Ueber einen verhängnisvollen Bauunfall auf dem Personenbohn- Hof in Halle a. S. wird amtlich von gestern gemeldet: Heute vor- mittag ereignete sich auf dem Personenbahnhof zu Halle a. S. ein bedauernswerter Unfall. Die Hallenkonstrultion des Berliner Bahn- steigeS erhält zurzeit einen neuen Anstrich und zu diesem Zwecke ist an der Eisenkonstruktion der Halle ein Gerüst angehängt. AlS um S Uhr vormittags die Maler das Gerüst mittels einer Leiter verlassen wollten, brach eine Gerüststange und es fielen fünf Mann au» einer Höhe von 4—5 Metern auf den Bahnsteig. Von diesen erlitt einer, der Polier Otto Teschner zn Halle a. S., Mittelstraße 17 wohnhaft, eine schwere, die andern vier leichtere Verletzungen. Sie wurden sämtlich sofort der Universitäts- klinik zugeführt. Der Unfall ist in der Hauptsache auf über- mäßige Belastung zurückzuführen, da sich gleichzeitig 20 bis 30 Mann an der Bruchstelle zusammendrängten, die wegen der Frühstücks- pause das Gerüst verlassen wollten. Das Gerüst ist von den ver- einigten Malermeistern zu Halle a. S. geliefert und aufgestellt. Die amtliche Untersuchung ist im Gange. Schwere Havarie deS russischen MilitiirballonS. Der russische Mlitärlenkballon.Utschebry' ist einer Meldung aus Petersburg zufolge, bei seinem vorgestrigen Ausstiege verunglückt. Di/' Hülle ist geplatzt, zwei Schraubenflügel sind abgebrochen. Personen sind nicht verletzt worden. Schiffbruch. Nach einer Meldung aus Capstadt hat der Dampfer Maori von der Shaw Savill Linie, nach Neuseeland bestimmt, zwischen Capstadt und Cape Point Schiffbruch erlitten. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten sind von dem Schiff neun Personen gelandet und zwei ertrunlen. Einen Flug von zwei Stunden 10 Minuten machte, wie aus Chalons für Marne gemeldet wird, der Aviatiker Sommer gestern abend mit einem Farmanschen Zweidecker. Er landete wegen Benzinmangeis._ Eingegangene Druchfdmften. Von der„Reuen Zeit» sSwttgart, Paul Singer) Ist soeben da» 45. Heft deS L7. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalt: Zwischenfälle.— Ein„sozialistisches Echo'? Von H. Ströbcl.— Der Sozialismus in Serbien. Von D. Tutzowitsch.— Die Vertrustung deS Kleinhandels in den Vereinigten Staaten. Von Mgernon Lee.— Zur Situation in der Jugendbewegung. Von Karl Böttcher lBerlin).— Literarische Rundschau: Max Verwarn, Allgemeine Physiologie. Von LiPsiuS..Deutsche» statistisches Zentriublatt'. Von uck. br.— Zeil- schristenschau. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- handlungeu, Postanstalten und Kolporteure»um Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 23 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. «ZNtterunqSitderüiiit vom S.»liignst 1909. mor«e»S 8 Ubr. xwtneind«. Hamburg Per lin Franks.« N. München Wien B=1 i c 3 B~ 770® 771 WS« 770 NNW 770 SRO 768 NO 766 NW Setter 1 heiter 1 Nebel Ifieilcv 4 halb bd. 2 wollig 2 Regen WK »II S« Wie Vi"»i «tationen L S ?£ 5 a 2 Setter bi« |* «Ä Havaranda 754 WSW Petersburg 764« Scilly 1 765 DSD tiberde» 768 Still Part« 763 NO 4� Regen! 13 1 beberfi 1 15 Zwolkig! 16 bedeckt I 13 2wolkeiil 13 I Wetterprognose für Freitag, den 0. August 1900. Etwas wärmer, trocken und vielfach heiter bei meist schwachen Winden aus wechselnder Richtung. Berliner Vetterbureau. WalierstandS-Nachrichten der LandeSanstalt sür Gewästerwnde, mitgeteM vom Berliner Wetterbilreau. Wasserstand M e m e I. Tilstt D r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thon, Oder, Ratibor , Krassen , granksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg _____________«) 4- bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel._ Lergntworililher Makteuri Hanl. Mber. Für �LnjepateMeilpxigM� T;uiJ ii. iki; tu; Emsäitl L. Lcilaz-snstgft loul Ajstgip L-£c« SUtlin SW,"