Nr. 183. übonnementS'Bedlngnngen: WonnementS- Preis pränumerando: Bicrteljöhil. 3£0 SDff, monatl. 1,10 Mk„ wöchmllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntngs- nummer mit illusiricricr Sonntags- Beilage.Die Neue Weit" 10 Pfg. Post- Zlbonnement: 1,10 Wart pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeistmgs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnenientS nehmen an: Belgien, Dänemark, .«äolland, Italien, Luxemburg. Portugal, Siumünien, Schweden und die Schweiz. S6. Jahrg. Slchklii» IZzIIch auOer ffisntjs*. Verlinev Volksblatt. vle Insertion;-Ledilhi' Vetrügt für die scchsgespaltcne Kolonel» zcile oder deren Naum w Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bercins- und Bersammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Aleine Anreizen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuinincr müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SöÄiilöemositi» Rerli»*. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S83. Sonntag, den 8. Angnst 1»««. Expedition: SM. 68, I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1984. Schweden im Generalftreik. Stockholm» den 6. August. Unser nach Schweden entsandter Mitarbeiter schreibt uns: Wer in diesen Tagen durch Schweden reiste kann auf den Ge- danken kommen, daß ein blutiger Krieg ausgebrochen sei und man überall vor dem Feind auf der Hut sein müsse. Immer von neuem sieht man an den Eisenbahngleisen Militärpatrouillen auftauchen, und auch an den Brücken und Viadukten stehen sie, die Söhne des Volkes im Waffenrock, kriegerisch ausgerüstet, mit umgehängtem Gewehr, nach dem Feind auszuschauen— der nicht da ist und nicht kommt. Denn man sucht ja diesen Feind in den Massen des eigenen Volkes, in der Arbeiterschaft, und die ist nicht so dumm und töricht, der bewaffneten Macht eine Handhabe zum Einschreiten zu bieten. Sie will nur vorläufig einmal nicht mehr arbeiten, und das ist es, was der Negierung und ihren Auftraggebern solche Furcht einflößt. Hier in Stock- Holm fahren Militärpatrouillen auf Automobilwagen umher, und gestern sah man das hierorts ganz ungewöhnliche Schaustück, daß eine Abteilung Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett durch die Straßen marschierte. Beim städtischen Gas- und Elektrizitätswerk hat, wie schon mitgeteilt, die Militärbewachung den Grund zur Arbeitsniederlegung gegeben. Das Landessekretariat der GeWerk- schaften hatte bekanntlich in der Massenproklamation die Arbeiter im Beleuchtungswesen aufgefordert, die Arbeit nicht niederzulegen Angenehm war das den Arbeitern nicht gerade. Aber sie beschlossen. sich den Wünschen der Leitung zu fügen. Jedoch wollten sie es nicht dulden, sich bewachen zu lassen, als wären sie Streikbrecher. Hätten sich die Direktion des Werkes und der Oberstatthalter damit begnügt, das Werk wie andere derartige Betriebe von außen mit Miiltärposten zu umstellen� so hätten die Arbeiter sich damit ab- gefunden. Nun aber brachte man die Soldaten im Betriebe selbst auf dem Hof unter, und zwar an 109 Mann. Die Ar- beiter ersuchten erst und forderten dann unter allen Umständen, daß das Militär von diesem Posten zurückgezogen werde. Aber es nützte nichts. Das Militär blieb wo es war, und auf ein Schreiben des Landessekretärs antwortete die Direktion des Werkes, daß ihre Maßnahmen jedenfalls zum Schutz des kostbaren Werkes vor Ge- walttaten notwendig wären. Das ist natürlich nichts anderes als eine Verdächtigung der Arbeiter des Werkes selbst, denn irgend- welche anderen Leute, von denen man Schandtaten erwarten könnte, werden ja nicht hineingelassen. Es war auch offenbar darauf ab- gesehen, die Arbeiter mit Hilfe des Militäraufgebotes gleichsam zum Streik zu zwingen. Viel Gas und Elektrizität wird ja in diesen Tagen, wo alle Arbeit in Handwerk und Industrie ruht, nicht gebraucht.— In der ganzen Stadt herrscht seit dem 4. August ganz un° gewohnte Äuhe. Es ist nicht nur wie Sonntagsruhe, sondern viel- mehr wie die Ruhe eines Friedhofs. Keine Straßenbahn fährt mehr, keine Droschke, kein Automobil. Es ist eine seltene Ausnahme, wenn man einmal auf den Straßen Leute fahren sieht. ES sind wenige Privatfuhrwerke. Sonst ist jeder, der irgendwo hinwill, auf seine Beine allein angewiesen. Am ersten Generalstreiktage hielten es viele Leute offenbar für unmöglich. einen weiten Weg zu Fuß zurückzulegen; man sah tagsüber nur wenige Menschen auf den Straßen. Aber nach und nach hat man sich an den Gedanken gewöhnt, daß. man zu Fuß gehen mutz, wenn man vorwärts will, und findet sich damit ab, in der Hoffnung, der Zustand werde nicht allzulange dauern. Ob die Hoffnung berechtigt ist. scheint sehr zweifelhaft. Vorläufig ist jedenfalls noch nichts von einer Vermittslung zwischen den Parteien bekannt. Vielmehr muß man damit rechnen, daß die paar Berufe, die noch arbeiten, sich dem Generalstreik anschließen, so daß die Unannehm- lichkeiten und die Verlufte, die der Kampf mit sich bringt, immer größer werden. Es ist auch damit zu rechnen, daß von n ä ch st e r Woche ab keine Zeitung mehr erscheint. Gestern wurde in den bügerlichen Blättern viel Geschrei von einer Arbeitsniederlegung der Totengräber gemacht. Man entrüstete sich furchtbar über die Schmach und Schande, daß nicht eimnal mehr die Toten unter die Erde gebracht werden sollten. es sei denn, daß das vielgenannte bürgerliche Schutzkorps die Ar- beit ausführte. Aber der Streik der Totengräber lag keineswegs in der Absicht der Generalstreikleiwng. die auch sofort dafür gesorgt hat, daß die ja schon im Interesse der Gesundheit unvermeidliche Arbeit nach wie vor ausgeführt wird. Die Leichen haben selbst- verständlich auch das seltenste Vorrecht, gefahren zu werden; das Gefolge muß allerdings zu Fuß gehen. Die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln wird natürlich immer schwieriger. Wohl hat man sich große Massen auf Lager gelegt, aber die werden ja mit der Zeit auf- gezehrt, und auf die Zufuhr frischer Waren muß man mehr und niehr verzichten. Einige Restaurants bedienen nur noch ihre Stammgäste, die auf Umwegen durch die Küchen und Vorrats- räume hineingelassen werden, während die Bördereingänge ge- schlössen sind. Die Krankenhäuser werden jedoch nach wie vor mit dem Nötigen versorgt. Die Arbeiter, die dabei tätig sind, haben von der Organisation Erlaubniskarten erhalten, damit sie den Streikenden gegenüber jederzeit nachweisen können, daß man sie nicht etwa als Streikbrecher ansehen kann. Im Volkshause herrscht selbstverständlich reger Verkehr. Aber die Massen der Streikenden halten sich selbstverständlich dort nicht auf. Der größte Teil bleibt zu Hause oder begibt sich nach aus- wärts. Tausende gehen mit der Angel fischen, so ziemlich die einzige Beschäftigung, die noch etwas einbringt. Von den guten Fischen im Mäliar und Skärgaard läßt sich loben, wenn man ge- nügend davon erwischt. Das Fischen ist jetzt ertragreicher als sonst, denn der Dampferverkehr, der sonst in diesen Gewässern so lebhaft ist, ruht fast gänzlich. Nur die größeren Schiffe, die weitere Touren machen, fahren noch. Die Seeschiffahrt leidet stark unter dem Generalstreik. Den Schiffen, die in der vorigen Woche ankamen, ist es noch gelungen. zu löschen und zu laden. Auf den Schiffen, die nach der allgc- meinen Arbeitsniederlegung ankamen, wird, wenn überhaupt, nur mit eigener Mannschaft gearbeitet. Seit Mittwoch hat' überhaupt kein größeres Schiff den hiesigen Hafen verlassen können. Die Haltung der Streikenden ist im ganzen Lande musterhaft. Nach den Polizeiberichten kommen hier in der Hauptstadt weniger Vergehen vor als sonst. Von Straßenunruhen ist keine Spur zu entdecken, und wenn die Unternehmerpresse irgendeine derartige Nachricht verbreitet, so erweist sie sich bald als S ch w i n d e I. Nicht einmal einen Betrunkenen findet man auf den Straßen. Uebrigens ist der Alkoholausschank im ganzen Lande für die Zeit des General. streiks, wo nicht gänzlich verboten, so aufs alleräußerste beschränkt. Hier in der Hauptstadt erhält man nur ein Glas Bier, wenn man warmes Essen dazu bestellt hat. Die Arbeiterschaft Schwedens hat sich auf den großen Kamp' vorbeneitet in dem Bewußtsein, daß eine Unterstützung der un- geheuren Massen der Streikenden nicht möglich ist. Anders steht es beim Unternehmertum. Wohl hat auch die Leitung der Ar beitgebervereinigung von den Mitgliedern verlangt, daß sie auf die übliche Unterstützung verzichten sollten. Aber es nützte nichts. Wie der hier weilende Mitarbeiter von Kristianias„Sozialdemo- kraten" von durchaus zuverlässiger Seite aus dem eigenen Lager der Unternehmfcr erfahren hat, ist die Arbeitgebe�vereinigung gezwungen, allen ihren Mitgliedern für jeden strei. konden oder ausgesperrten Arbeiter eine Krone pro Tag zu zahlen. Das macht für jeden General- streiktag mehr als eine Viertelmillion Kronen aus. Um diese Aus- gaben bestreiten zu können, hat die Arbeitgebervereinigung bei der Schwedischen Bank ein Darlehen von 8 Millionen aufgenommen. Als Sicherheit mußte jedes Mitglied der Vereinigung eine Bürg- schaft von 199 Kronen auf jeden bei ihm beschäftigten oder vielmehr jetzt streikenden Arbeiter leisten. In Wirklichkeit lebt also die Untier nehmerorganisation nur noch auf Kredit. Die Unterstützung, die der einzelne Unternehmer erhält, wird für ihn zu einer wachsenden Schuldenlast. Es hängt von den Banken ab, wie lange die Miassenaussperrungen aufrechterhalten werden und damit auch der Massenstreik fortdauert. Aus derselben zuverlässigen Quelle kommt die Mitte-rlung, daß das„freiwillige bürgerliche Schutzkorps", das Polizeioutorität er- halten soll, tatsächlich im Solde der Arbeitgeberver- e i n i g u n g steht. Diese hat nämlich den„Freiwilligen" nicht allein freie Verpflegung und Unterkunft, sondern auch denen, die sich -damit nicht begnügen, einen bestimmten Tagelohn garantiert. Die„freiwillige" Schutzgarde, deren Opferfreudigkeit im Interesse der Kapitalistenklasse in den bürgerlichen Blättern so sehr ge- rühmt wird, ist also in Wirklichkeit ein Söldnerheer.— • Bereit? vier Tage dauert nunmehr der Ausstand und seine Wirkungen beginnen sich jetzt erst zu zeigen. Abgesehen davon, daß in den Großstädten, besonders in Stockholm die Lebensmittel knapp werden, zeigt sich auch die Effektivität deS Streikes in einer völligen Stillegung des sonstigen Güterverkehrs. Obgleich die Eisenbahner dem Wunsche der Ge- werkschaftcn entsprechend die Arbeit nicht eingestellt haben, sind dennoch schon am dritten Streiktage nicht weniger als fünfundzwanzig Güterzüge in Stockholm ausgeblieben. Der Großschiffahrtsverkehr ist genau so stillgelegt, wie der Lokalverkehr. Ein glänzendes Zeichen der organisatorischen Disziplin ist die Ruhe der Streikenden. Die Parole der Leitung, weder selbst Ruhestörungen zu dulden, noch sich provozieren zu lassen, hat überall in der Arbeiterschaft volles Verständnis gefunden. Es handelt sich eben um eine Arbeiterschaft, die in wirtschaftlichen Kämpfen geschult, nian könnte fast sagen, aufgewachsen ist, und die mit größter Ruhe ihre Arme kreuzt.„Wir arbeiten einfach nicht, seht zu, wohin ihr ohne unS kommt"— das ist die Mahnung, die daS schwedische Bürgertum jeden Tag während des Streiks aufs neue erfährt. Nicht minder herzerfrischend ist die Solidarität, die von allen Kreisen der Lohnarbeiterschaft und des Beamtentums geübt wird. Die arbeitenden Eisenbahner zahlen sämtlich per Woche und Mann 5 Kronen an die Gewerkschaftszentrale, wie wir bereits gestern berichten konnten. Nun haben die Forst- bcamten sich dem angeschlossen. Sie bekunden ihre volle Sympathie mit der Arbeiterschaft und wollen mindestens pro Woche einen Tagclohn opfern. In Stockholm werden für die Ausständigen von dem Ar- beiterinstitut einer bürgerlichen Einrichtung mit Staats- und Konimunalzuschüssen Vorlesungen veranstaltet. Im übrigen machen die Ausständigen Ausflüge und vertreiben sich die Zeit mit allerhand für sie nützlichen Dingen. Spät- sonimerferien. Hätten die Unternehmer nach eigenem Ermessen darüber entscheiden dürfen, so würden diese Ferien für die meisten erst vier Wochen später gekommen sein. So haben die Arbeiter selbst entschieden, wann sie aus sdcn Betrieben gehen wollten. Und können nun den lachenden Sonnenschein genießen... Ueber die Situation am Sonnabend geht uns folgende Privatdepesthe zu: Stockholm» den 7. Auanst. Die Ruhe ist wie an den vorher- aehenden Tagen nirgends gestört,> Gegenteilige Meldungen bürgerlicher Blätter sind Schwindel. Die gleichen Blätter vcr- suchten noch den Bluff, die Arbeit würde in den nächsten Tagen aufgenommen werden. Auf die Ausständigen machte anch dieser Schwindel nicht den geringsten Eindruck, da sie entschlossen sind, nur ihrer eigenen Leitung zu folgen» die keinerlei Ursache hat, mit dem bisherigen Resultat ihrer Generalstrcikparole«nzu» frieden zn fein. Die Arbeiter der Stockholmer Gaswerke beharren im Aull- stände. Sie werden unter militärischer Aufsicht die Arbeit nicht aufnehmen. Die Fortführung des Betriebes leidet einstweilen keinen Schaden, da die Ingenieure im Betrieb sind. Die bürgcr- liche„Schntzwehr" ist zum Betrieb nicht zugelassen. Die Versuche der Buchdrucker, das Streikverbot aus dem Tarifverträge zu entfernen, sind gescheitert. Die Buchdruckcrci- bcsiber verweigern die Zustimmung. Der Vorstand des Buch- druckervcrbandeS hat sich jetzt entschlossen, die Mitglieder im ganzen Lande zur Teilnahme am Ausstände aufzu- fordern. Er hofft dadurch eine größere Pression auszuüben und damit zu einer schnelleren Verständigung zwischen den beiden Parteien beizutragen. Besonders bemerkenswert ist die Haltung eines Teiles des Militärs. Aus mchrcren Regimentern kommen von den Soldaten Sympathiekundgebungen für die Strei- k c n d e n. Die Soldaten singen die„International c" und bekunden auch sonst» daß sie im Militärrock Söhne des Volkes sind. Die Haltung des Militärs, von der unser Privattele- gramm meldet, ist von sehr großer Bedeutung. Bei ent- sprechender Stärke der Arbeiterorganisation verliert in einem Lande mit allgemeiner Wehrpflicht das Militär seine Beden- tung als Schutzwehr gegen den„inneren Feind". Das zeigt sich jetzt auch in Schweden. Sind es zunächst auch erst einige Truppenkörper, die mit der Arbeitersache sympathisieren, mit der Zeit werden es mehrere sein. „zn Landskrona hatte man den Versuch gemache, M Husaren als Streikbrecher bei der Pulverfabrik zu verwenM?. Sie sollten Pulver für Export ins Ausland laden. Als aver der Regimentskommandeur von der Sache Kenntnis erhielt, untersagte er entschieden die Verwendung seiner Untergebenen als Streikbrecher. Unter den Eisenbahnern gärt es, weil das Militär nicht von den Bahnhöfen zurückgezogen wird. Die Eisenbahner haben versprochen, den Betrieb aufrechtzuerhalten, aber die Regierung hatte auch versprochen, sie nicht durch das Militär zu belästigen. Bricht die Regierung ihr Versprechen, so sind die Eisenbahner von ihrem Versprechen befreit. Der Kampf könnte unter solchen Umständen eine Ausdehnung erfahren, die nicht beabsichtigt war und für die lediglich die Regierung die Verantwortung trägt. Ueber die weiteren Wirkungen des Ausstandes berichtet die schwedische Presse u. a., daß auch die Güterzüge in Südschweden, besonders in Schonen, einge- stellt werden müssen, weil keine Güter zum Transport vorhanden sind. In Nordschweden häufen sich an den Flußmündungen die Flöße— die Arbeiter fehlen eben, die sie aufnehmen und weiter transportieren. Zur Unterstützung der Kämpfenden machen die Arbeiter ln Dänemark und Norwegen alle Anstrengungen. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ver- öffentlicht, wie unsere Leser weiter unten finden, einen Auf- ruf an die deutsche Arbeiterschaft, den Kampf in Schweden durch sofortige allgemeine Sammlungen zu unterstützen. Wir sind überzeugt, daß dieser Aufruf bei der deutschen Arbeiter- schaft die größte Sympathie finden wird. Die altbewährte Opferwilligkeit der deutschen Arbeiter wird in diesem Falle zweifellos nicht versagen, das gebietet schon ihre Stellung in der Arbeiterinternationale. Aber hier gilt, bei der Natur des schwedischen Kampfes, daß schnelle Hilfe doppelte Hilfe ist! Ein solcher Kampf kann sich nicht Monate hinziehen, er muß in Wochen entschieden sein. Aber es kann der Arbeiterinter- nationale nicht allzu schwer fallen, 300 000 Arbeiter über Wasser zu halten. Wir erwarten für Deutschland jedenfalls, daß trotz der Krise der Aufruf unserer Gewerkschaftszentrale einen neuen Beweis ihrer Opferfreudigkeit liefern wird. » DaS schwedische Bürgertum sucht sich mit Brot aus dem Auslande zu Verproviantieren und hat bereits den Versuch gemacht, in den norddeutschen Städten Verbindungen in dieser Beziehung anzu- knüpfen. So wird aus Lübeck gemeldet, daß nicht nur an alle größeren Bäckereien, sondern auch an die dortige Geschäftslcitung der Genosscnschaftsbäckerei(Vereinsbäckerei) die Anfrage gerichtet wurde, wieviel Brot eventuell auf einige Wochen nach Schweden geliefert werden könne! Die Arbeiterschaft in den Bäckcreibettieben achte also sofort darauf, daß sie nicht für Streikarbeit mißbraucht wird! Aufruf zur Unterstützung der Ausspemmg und des all- gemetnen Streiks der Gewerkschaften Schwedens. Den Gewerkschaften Schwedens ist durch das organi- ierte Unternehmertum das letzte Mittel aufgezwungen worden: -»er allgemeine Streik, der am 4. August begonnen hat. Auf den Widerstand der Arbeiter in der Konfektion und in der Zelluloseindustrie antworteten die Unternehmer mit Aussperrungen der gesamten Arbeiter dieser Berufe. Darauf stellte der Schwe- dische Arbeitgebcrverein, die Zentrale der größten Unternehmer- verbände, den Gewerkschaften das Ultimatum, daß am Lg. Juli die Arbeiter der Holzschleifereien, Sägewerke und der Textilindustrie ausgesperrt würden, denen am 2. Axigust die Arbeiter der Eisenwerke folgen würden, falls nicht Bis dahin die Konflikte zu den UnternehmerBedingungen Beendet seien. Diesen Aussperrungen sollten weitere Lockonts folgen. Die Gewerkschaften Schwedens beschlossen auf einer Vorstände- konferenz, die Friedensverhandlungen weiterzuführen, auf die Ver- wirklichung der Generalaussperrung am 26. Juli und 2. August aber mit der allgemeinen Arbeitseinstellung aller Gewerkschaften am 4. August zu antworten. Von der Arbeitsniederlegung sollen unberührt blerbcn die Arbeiter, die bei der Wartung kranker Menschen, bei Pflege der Tiere und bei der öffentlichen Beleuchtung, Wasserversorgung und Reinigung beschäftigt sind. Jede statuta- rische Unterstützung während dieses Kampfes wird eingestellt; die vorhandenen Mittel bleiben reserviert, um der dringendsten Not zu steuern. Den in Arbeit verbleibenden Mitgliedern wird ein hoher Extrabeitrag auferlegt. Die Aussperrungen am 26. Juli und am 2. August find dem Programme des Ardeitgebervereins gemäß erfolgt, worauf der allgemeine Abwehrstrcik der Gewerkschaften am 4. August seinen Anfang nahm. 83 666 Arbeiter sind ausgesperrt; 256 666 dürften insgesamt am Kampfe beteiligt werden. Die Landeszentrale der Gewerkschaften Schwedens ist sich voll- ständig klar darüber, daß ein Kampf von solcher Ausdehnung in kürzester Frist entschieden sein muß, und daß selbst die größten verfügbaren Mittel nicht ausreichen würden, alle Kämpfer genügend unterstützen zu können. Gleichwohl appelliert sie an die Solidarität der organisierten Arbeiter aller Länder, ihre Brüder in Schweden in diesem ihnen auf- gedrungenen Kampfe nach besten Kräften zu unterstützen. Denn ein Riesenkampf, wie dieser, hinterläßt selbst bei kürzester Dauer tiefe Wunden- Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands hat unverzüglich alle Schritte eingeleitet, um diese Hilfe ins Werk zu setzen und die Vorstände der Zentralver- bände haben dem Antrage der Generalkommission auf sofortige Einleitung einer Sammlung für die kämpfende schwedische Arbeiter- schaft zugestimmt. Wir richten nunmehr an die organisierte deutsche Arbeiterschaft die dringende Bitte, rasch und willig zur Unterstützung ihrer Kampf- genossen in Schweden beizutragen. Keiner entziehe sich dieser Pflicht der Arbeitersolidarität. Die Gewerkschaftskartelle werden ersucht, die Sammlung an ihrem Ort zu zentralisieren. Alle Geldsendungen sind zu richten an H. Kube, Berlin 80. 16, Engrlufer 14. Auf den Post- abschnitten ist anzugeben, daß der Betrag für Schweden be- stimmt ist. Mit Gruß Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, C. Legten. Zar aller Reußen und Preußen! Bekanntlich hatte Nikolaus der Blutige das Bedürfnis empfunden, auf seiner letzten Reise deutschen Boden und deutsche Gewässer zu berühren. Wie die deutschen Arbeiter über diese„Ehre" dachten, hat ja die Protestresolution be- wiesen, die die zu Zehntausend versammelten Kieler Arbeiter einstimmig angenommen hatten: Eine Resolution, die mit aller Ungeschminktheit dem Abscheu des arbeitenden deutschen Volkes vor dem blutigen Henker des russischen Volkes Aus- druck gab. Es versteht sich am Rande, daß Nikolaus der Blutige sich höchst unsicher fühlte und alle Vorkehrungen treffen ließ, um sein teures Leben zu schützen. Was aber von deutschen Zivil- und Militärbehörden an Maßregeln zum Schutze des unerbetenen Gastes geleistet wurde, über- trifft alles, was die kühnste Phantasie sich an Seltsamkeiten und an Belästigungen des deutschen Publikums auszumalen vermag. Was das deutsche Volk sich dieses Blutmenschen wegen ge- fallen lassen mußte, verdient wirklich für den künftigen Kulturhistoriker aufbewahrt zu werden. Um sich von den Strapazen und Aufregungen der See- reise zu erholen, machte der Zar in der Eckernförder Bucht einen Abstecher nach dem Gut He mm el mark. Ueber diesen Besuch melden die„Kieler Neuesten Nachrichten", ein sthrigens höchst loyales und hyperpatriotisches Blatt: „In Hemmelmark vollzieht sich der Besuch der Zarenfamilie inzwischen in aller Abgeschlossenheit. Der Sicherheitsdienst wird in strengster Form ausgeübt, auf dem Lande von Gens» idarmerie, Seesoldaten und zahlreichen Geheim- p o l i z i st e n, auf dem Wasser von dem Kreuzer„Undine" und mehreren patrouillierenden deutschen Tor» pedobooten. Der Ruder- und Segelverkehr auf der ganzen Eckernförder Bucht ist untersagt. Dieses erregt berechtigtes Mißfallen der Bevölkerung." Die Vorsichtsmaßregeln warm mit einer derartigen Sorgfalt getroffen, daß, nach der Meldung der genannten Zeitung, selbst der Landrat Freiherr von der Recke über die Landungsart im unklaren gelassen war. Der Landrat harrte vergebens des Zaren, der sich auf einem anderen Wege schleunigst ins Schloß Hemmelmark ge- flüchtet hatte. In einem anderen Artikel schreiben die „Kieler Neuesten Nachrichten": „Die Sicherheitsmaßregeln waren übrigens staunen. erregend. Alle Organe, die dafür zu sorgen hatten, daß der Zar mit heiler Haut von bannen kam, müssen erleichtert auf» atmen. Der Welt um den Zaren herum war für eine Weile Stillstand geboten. Die F i s ch e r in Eckernförde konnten während seines Aufenthaltes in der Bucht n i ch t f i s ch e n. Da konnten sich wirklich„die Flundern wundern". Auf dem Felde zwischen Borbh und Hemmelmark herrschte unfreiwillige Sonn. t a g s r u h e. Jeder friedliche Bürger— und es gibt sicherlich keine Bombenwerfer unter unseren biederen Holsten an der Waterkant— mußte sich legitimieren, wenn er über den Straßen» dämm ging." Einem uns zur Verfügung gestellten Privatbrief ent» nehmen wir noch folgende Einzelheitm über die zum Schutze des Zaren getroffenen Maßregeln: „Während des Zarenbesuches wurde die Jacht„S t a n- dart" bewacht von dem russischen Kreuzer„Admiral Makarow" und zwei russischen Torpedobooten sowie von dem deutschen Kreuzer„Undine" und vier Torpedo» booten, die sich im Kreise um die Zarenjacht verankert hatten. Abwechselnd patrouillierten Torpedoboote und Pinassen um den„Standart" herum. Alle Privat» und Fischerboote wurden zurückgewiesen, und als die Fischer auf dem deutschen Kreuzer um die Er» laubnis baten, ihre Netze einziehen zu dürfen, wurde ihnen eröffnet, daß die Netze schon gezogen wären; sie befanden sich an Bord des deutschen Schiffes und zwar gänzlich durcheinander gewühlt, so daß sie einst- weilen unbrauchbar waren. Wo immer ein Netz sich zeigte, war es fortgenommen. Jedenfalls hat man an- genommen, es könnten im Wasser statt Netze verankerte Minen vorhanden sein. Lächerlich so etwas! Wer aber bezahlt nun den Fischern den Verlust an Netzen, Fang und Zeit?... „In Borby, das als Badeort auf Fremdenverkehr an- gewiesen ist, wurde den Vermietern aufgegeben, d r e i T a g e lang keine Fremden zu beherbergen. Natürlich verließen die Badegäste den Qrt. Uber mit der einfachen Versicherustg, es seien keins Fremden im Haus, begnügte sich die Polizei nicht; sie hat bei einem Tischler in der Werkstatt die Hobelspäne durchsucht; bei einem Bauer den Backofen nachgesehen und selbst die Viehställe mit ihrem Besuch nicht verschont. Fischer, die ihre Netze zum Trocknen aushängen wollten, wurden vom Strande fortge- jagt. Ueberhaupt waren die Fischer die Hauptleidtragenden; sie durften die Förde nicht befahren: ihre Netze waren ruiniert; an den Strand konnten sie nicht kommen, und so- bald sie Badegäste im Logis hatten, mußten sie diesen kündigen. Wer kommt für diesen Schaden auf? Die Stimmung für den Selbstherrscher ist selbst unter den harmlosesten Spießbürgern eine derartige, daß man das be- kannte platte deutsche Wort anwenden könnte:„Wie seht leewer sin Hacken als sin Tee n"." Diese ungeheuerlichen Verkehrshinderungen und Frei- heitsberaubungen fanden ihre Fortsetzung, als die Zarenjacht ihre Reise ein paar Tage darauf durch den Kanal von Holtenau nach Brunsbüttel fortsetzte. Ueber die Sicherheitsmaßregeln berichten wiederum die hyper- patriotischen„Kieler Neuesten Nachrichten" folgendermaßen: „Zur Bewachung des Kaiser-Wilhelm-Kanals waren außer je zwei Schwadronen der Wandsbeker und der Schleswiger Husaren sowie dem in Schleswig garnisonierenden Bataillon des Schlcswig-Holsteinischen Infanterieregiments Nr. 84 auch das Schleswig-Holsteinische Infanterieregiment Nr. 163 in Neu- Münster herangezogen worden. Abgesehen von den Streif- Patrouillen waren alle Zugangsstraßen nach dem Kanal von Unter- offiziers- und Doppelposten besetzt, die Hochbrücken mit Offiziers- Posten; auch wapen sämtliche Privatschiffe, die im Kanal lagen, mit Militär besetzt. Am Kanal(der eine Länge von zirka 166 Kilometer hat, Anmerkung der Redaktion) standen alle 866 Schritt Posten von je 3 Msann und zwischen je zwei benachbarten Posten patrouillierte ein Soldat hin und her, während außerdem die HusarendieFlotilledenganzenKanalentlang zu beiden Seiten reitend eskortierten. Für den allgemeinen Verkehr war der Kanal gesperrt.... „AuS privaten kaufmännischen Bureaus am Kanal mußte das Personal sich entfernen, um seine Schemel und Schreibtische Geheimpoli- zisten einzuräumen. Ganze Bataillone von Militär waren in der Kakiuniform hinter den Büschen postiert, um ungesehen vom Zaren schützend über ihn zu wachen. Schritt für Schritt wurde der„Standart" von patrouillierenden Trupps auf der Kanalfahrt weiter signalisiert, und kein Schiff durfte sich von Brunsbüttel bis Holtenau blicken lassen, während sich das Ereignis der Zaren- fahrt vollzog." Es ist geradezu unerhört, daß Tausende von deutschen Soldaten in Bewegung gesetzt werden, um das gekrönte Haupt der schwarzen Banden zu schützen, daß Tausende und Abertausende von deutschen Bürgern in ihrer freien Bewe» gung, ja sogar in ihrem Broterwerb behindert werden, nur damit der Zar deutschen Boden betreten, deutsche Gewässer kreuzen kannl Das deutsche Volk verzichtet mit tausend Freuden auf solchen Besuch. Wenn aber schon einmal der Mann, der durch seine Kreaturen sogar auf deutschem Boden russische Freiheitskämpfer überwachen, hetzen und der beut- schen Polizei zur Ausweisung denunzieren läßt, das Recht der Gastfreundschaft für sich in Anspruch nehmen will, so mag er dies auf seine eigene Gefahr tun. Wir pro- testieren mit aller Entschiedenheit dagegen, daß auch nur e i n deutscher Soldat in Bewegung gesetzt, nur ein Pfennig aus Staatsmitteln dafür verschleudert wird, das Sicherheits- gefühl des vom bösen Gewissen gepeinigten Mörders der russischen Freiheit zu erhöhen I Kelter nicht; 17 Gegen den Mielczhner Poftot Breithaupt hat nun endlich der Berliner Magistrat sich zu einer Entschließung aufgerafft, die wenigstens— so aussieht, wie wenn es diesem Mann doch noch an den Kragen gehen sollte. Ab- gesehen von dem Beschluß, der Mielczhner Anstalt nur noch die leichter zu behandelnden Zöglinge zu belassen und die Strafbefug» nisse des Leiters einzuschränken und durch genaue Bestimmungen festzulegen, will der Magistrat bei der Verwaltung des Fürsorge- stiftes Mielczhn darauf bestehen, daß der derzeitige Anstaltsleiter Pastor Breithaupt möglichst bald abberufen werde.»Es mag zugegeben werden, daß— so sagt eine aus dem Rathaus stammende Mitteilung, die wir der „Boss. Ztg." entnehmen— nur ein mißverstandenes Pflichtbewußt- sein des Anstaltsleiters zu den Ueberschreitungen geführt und daß seine Maßnahmen von dem Glauben an die Wirksamkeit solcher Zuchtmittel und von der Ueberzeugung. daß andere Mittel ohne Wirkung bleiben würden, geleitet worden sind. Allein, es ist nicht zu verkennen, daß die Ueberschreitungen so gröbliche gewesen sind, daß eine weitere gedeihliche Einwirkung aus die Zwecke der Anstalt von dem jetzigen Leiter der Anstalt nicht mehr erwartet werden kann." Wenn der Magistrat seinen Wunsch, Breithaupt abberufen zu sehem den für die Anstalt Mielczyn maßgebenden Persönlichkeiten in ebenso zarter Form vorträgt, wie in dieser Notiz die Taten des Herrn Pastors immer noch beschönigt werden, dann wird dem Herrn Pastor wohl kein Härchen gekrümmt werden und nach wie bor wird er Leiter der Mielczhner Anstalt bleiben dürfen. Fast könnte man daran zweifeln, ob der Magistrat selber ernstlich darauf rechnet, daß feinem Wunsch Erfüllung werde. Besser wär'S schon, er machte reinen Tisch mit diesen ostmär. kischen GermanisierungSleuten und forderte Auflösung des Vertrages, den Berlin mit dem dortigen Evangelischen Ver» ein für Waisenpflege geschlossen hat. Und auch das sollte der Ma- gistrat von Berlin als eine selbstverständliche Pflicht ansehen, daß er die Staatsanwaltschaft um ein Einschreiten gegen Breithaupt zu ersuchen hat, damit möglichste Klarstellung des Sach» Verhaltes erreicht werden kann. Von Vertragsauflösung will der Magistrat nichts hören; er erklärt die„an sich gewiß beklagens- werten" Vorkommnisse aus Fehlern, die bei Neueinrichtung der Anstatt gemacht seien, aber künftig vermieden werten könnten. Auch die Staatsanwaltschaft wird er nicht bemühen wollen; er selber bescheinigt ja seinem Breithaupt das»mißverstandene Pflicht- bewußtsein". Einstweilen muß daher die„liberale" Berliner Stadtverwaltung immer noch den Vorwurf hinnehmen, daß ihr mit einer Vertuschung der Wahrheit über Mielczyn gedient sei. Ja, einstweilen muß sie andererseits sich auch von dem Pastor Breithaupt bieten lassen, daß dieser Mann die von der Ber- liner Kommission geführte Untersuchung als — parteiisch verdächtigt. Der frcundwillige Beistand, den er bisher in Berlin fand, hat ihm den Mut so gestärkt, daß er sich erkühnt, in einem den„Posencr Neuesten Nachrichten" übe» sandten Brief anzudeuten, die vom Magistrat geführte Untersuchung sei nicht einwandfrei gewesen, man habe ja nur B e lastungszeugen gehört, nur solche Zöglinge, die„infolge der erlittenen Züch» tigungen begreiflicherweise in den schwärzesten Farben mallen". Pastor Breithaupt im Lichte der verfolgten Unschuld— jawohl, so mußte es kommen! Zum Schluß wettert er übrigens gegen die „Feinde jeder staatlichen Ordnung", die„Verhöhner christlicher Zucht", die„Verächter der Vaterlandsliebe", die„Bcgeiferer alles dessen,' was auf Gesundung der Gesellschaft abzielt", die„Par- tei des Umsturzes". Da wird der liberale Berliner Ma- gistrat ihm versöhnt die Bruderhand reichen. politische(leberticht. Berlin, den 7. August 1903. Der neue sozialpolitische Kurs. Die„Berliner Börsenzeitung" stellt es als ganz sicher hin, daß dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritt wiederum eine GewerbeordnungSnovelle zugeht. Die weiteren Ausführungen des Blattes lassen aber erkennen, daß nicht die Getverbeordnungs- Novelle wieder eingebracht werden soll, die in einer Kommission dcS Reichstages eine gründliche Borberatung erfahren hat, sondern eine andere Novelle. Es solle geregell werden: die Schanlkonzessionsftage, in Verbindung mit der Zulassung weiblicher Bedienung, eine Regelung der Marktverkehrsbestimmungen und der Konzessionen für Singspielhallen und ähnliche Unternehmungen. Die Beschlüsse der Kommission zur GewerbeordnungSnovelle sind von dem damaligen Staatssekretär des Innern, Herrn v. Bethmann Hollweg, dem jetzigen Reichskanzler, als unannehmbar bezeichnet worden, und der Druck der Unternehmer auf die Regierung ist offenbar so groß, daß endgültig darauf Verzicht geleistet wird, diese für die Arbeiterschaft so überaus wichtige Gewerbeordnungsnovelle wieder einzubringen. Man beachte dabei das Spiel mit Motten: Zuerst wurde be- behauptet, die Gewerbeordnungsnovelle werde nicht wieder ein- gebracht, dann wurde halbamtlich erklärt, diese Meldung beruhe auf Erfindung, denn eS werde dem Reichstage wieder eine Gewerbe- ordnungsnovelle zugehen. Jetzt stellt sich heraus, daß letzteres zwar richtig ist, daß die nun dem Reichstage zugehende GewerbeordnungS- Novelle aber ganz andere Materien behandelt, als die im Reichstage bereits durchberatene und durch den Schluß der Session nun unter den Tisch gefallene Gewerbeordnungsnovelle behandelt hat. �-j Zentrumsarbeiter gegen den Abgeordneten Giesberts. Der Abgeordnete GiesbertS hat bekanntlich hinter verschloffeneu Türen den Zentrumsvertrauensleuten Bericht über seine Tätigkeit bei der Reichsfinanzreform erstattet. Die Essener ZentrumSblättcr berichteten über diese Rede anderthalb Zeitungsseiten, die Diskussion unterschlugen sie vollständig. Jetzt erfähtt em nationalliberales Essener Blatt aus dieser Sitzung folgendes: „Fast alle Redner gingen mit Herrn GieSBetts hatt ins Gericht; besonders scharf wurde er von den Gewcrkschaftssekretäreu Strunk und Bissel angegriffen. Man machte dem Essener Ab- geordneten den Vorwurf, daß die Arbetterintereffen in der Zentrumsfraktion nicht gewahrt worden seien. Ueberhaupt neige die Partei zu sehr nach rechts. Heute gäbe es nicht mir evangelische Konservative, sondern auch zahlreiche katholische Ab- geordente konservativer Couleur. Statt mehr Arbeiterabgeordnete zu wählen, stelle man einen Adligen nach dem anderen auf. Die Stellungnahme Giesbetts habe der ZentrumLpattei im hiesigen Wahlkreise sehr geschadet. waS die nächsten Wahlen beweisen werden. Herr GieSBetts erklärte auf diese Vorwürfe u. a., daß ihn, die heutige Politik schon lange keine Freude mehr mache. Wenn man meine, daß er gefehlt und der Partei geschadet habe, so solle man bei der nächsten Wahl ruhig einen anderen Kandidaten stellen. Ihm selbst und seiner Familie würde es nur erwünscht sein, wenn er die Last des Mandates nicht länger zu tragen brauche." Die vier Berliner Landtagsersatzwahlez» im 5., 6., 7. und 12. Berliner Landtagswahlbezirk finden, wie wir bereits gestern mitgeteilt haben und heute auch eine offizielle Bekanntmachung des Berliner Magistrats mitteilt, an den von uns bereits mitgeteilten Terminen statt. Die Wahlmännerwahlen werden bekanntlich beretts am 26. Oktober vorgenommen werden. Der Freisinn hat unlängst bereits für den 12. Berliner Landtagswahlkreis ein Flugblatt verbreitet. Die Vorbereitungen für die Wahl und der Wahlkampf werden demnächst wohl lebhafter einsetzen. Pflicht der Ge- nassen ist es. schon jetzt mit allen Mitteln und bei allen Gelegenheiten die Wahl- agitation zu betreiben! Talonsteuer— Schuldensteuer. Die Talonsteuer wird nicht nur vielfach umgangen, sie ist auch in den allermeisten Fällen eine bloße Schuldensteuer, nicht eine Steuer auf den Besitz. So hat der Stadtrat in Karlsruhe beschlossen. die Couponsteuer für seine Kommunal-Obligationcn bei der Ausgabe selber zu enttichten. DaS Zentralblatt, der»Beobachter", hatte den Stadtrat deshalb angegriffen und die Entttchtung der Steuer von den Inhabern der Schuldverschreibung im Interesse der städtischen Steuerzahler verlangt. In einer Zuschrift an den„Beobachter" teilt nun Oberbürgermeister S i e g r i st mit, daß die Städte gar keine rechtliche Möglichkeit hätten, anders zu verfahren. Denn die Stempel- abgäbe sei zu entrichten, bevor die ZinSbogen ausgegeben werden, und müßten den zu dem Zwecke der Abstempelung befugten Amt!- stellen vorgelegt werden. »Nach den Bedingungen", heißt eS dann wörtlich,»der bestehenden Anlehen ist die Stadt verpflichtet, auf Vorlage der Talons neue Couponbogen für zehn Jahre»kostenftei' auszufolgen. Da nun auch das Gesetz der Stadt nirgends das Recht gewährt, von den Besitzern, der Schuldverschreibungen Ersatz der vom Gesetz dem Ausgeber auferlegten Steuer zu verlangen, so hat die Stadt keinerlei recht- liche Handhabe, diesen Ersatz von den Besitzern der Schuld- berschreibungen zu erwirken: wollte sie es gleichwohl versuchen. so würde sie sicherlich bei jedem Gericht damit abgewiesen. Denn die Gerichte werden eben nach dem Gesetz und nach dem Dar- lehensvertrag entscheiden müssen und keine Rücksicht aus die politische Erwägung nehmen können, daß das Gesetz unter diesen Umständen keine„Besitz"-, sondern eine»Schulden»- Steuer auferlegt. Formell anders liegt die Sache bei den künftigen Anlehen. Hier besteht wohl die rechtliche Mög- lichkeit, in den AnlehenSbedingimgcn zu bestimmen, daß die Er- Werber oder Besitzer der Schuldverschreibungen der Stadt Coupon-(Talon-) Steuer zu ersetzen haben. Die Stadt- Verwaltungen müßten aber sehr unerfahrene und unkluge Ge- schästsleute sein, wenn sie übersehen würden, daß die Stadt da- von nicht nur keinen Vorteil, sondern bedeutenden Nachteil haben würde. Denn selbstverständlich würde die Steuerpflicht der Coupon? nicht nur den Uebernahme-Kurs der städtischen Anlehen drücken— und zwar aller Wahr- scheinlichleit nach um mehr, als die Steuer aus- macht—. sondern sie würde das Publikum auch vor dem Ankauf der städtischen Schuldverschreibungen abschrecken, was wieder auf den Tageskurs drücken würde. Die Stadt kann also im wohlverstaudencii eigenen Interesse und somit in dem de,' städtischen Steuerzahler nichts besseres tun, als auch hier in den sauren Apfel beißen und die Couponsteuer auf sich behalten; sie wählt dabei von zwei Uebeln das kleinere. Zum gleichen Ergebnis ist man meines Wissens auch in allen anderen Städten gekommen. Dieses Ergebnis wird allerdings die städtischen Steuerzahler nicht befriedigen, wie es mich auch nicht Be- friedigt. Es wäre aber Bitteres Unrecht, darüber den Stadt« Verwaltungen Vorwürfe zu machen. Die Vorwürfe find vielmehr, wenn man solche erheben will, gegen diejenigen zu richten, welche für solche— gelinde gesagt— unüberlegte Gesetzgebung verant- wortlich find." Diese oberbürgermeisterliche Zuschrift läßt an Deutlichkeit über die verpfuschte Besitzsteuer nichts zu wünschen übrig. Der schwarz- blaue Blocl wollte eine Besitzsteuer schaffen und brachte eine Schulden- steuer zuwege. Aerger hat sich kaum je eine Parlamentsmehrheit blamiert. Die Kündigung des deutsch-amerikanischen Handels- abkommen? steht bevor; sie ist die unmittelbare Folge des neuen amerikanischen Zolltarifs. Es soll die längste KündigungSftist angewendet werden; das bedeutet für Deutschland ein Ziel von 6 Monaten. Ob während dieser Zeit ein einigermaßen befriedigendes Resultat zu erzielen sein wird, ist von verschiedenen Seiten stark angezweifelt worden. Die Schutzlofigkeit deutscher Reichsangehöriger in Ruhland. Am 16. Mai v. I. wurde der deutsche ReichSangehörige Thrun nebst seinem Schwager Ugniwenko nach einer Haussuchung, die Von total betrunkenen Polizisten und Gendarmen in ihrer Wohnung in Je katerin o dar vorgenommen wurde, auf der Straße meuchlings erschossen. Der Polizeikommissar Golowko. der die Abteilung befehligte, und der Gendarmerieoffizier entfernten sich sofort, während die Polizisten die Leichen der Ermordeten nach dem nächsten Friedhof brachten. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß die Unglücklichen ohne jeden Anlaß ermordet worden waren. Obgleich seitdem mehr als ein Jahr verstrichen ist. hörte man von dieser Angelegenheit nichts. Die örtliche offizielle Zeitung be- gnügte sich damit, den Mord mit dem in Rußland üblichen Hinweis zu entschuldigen, daß die Verhafteten bei einem Fluchtversuch er- schössen wurden. Das war die einzige Konzession, die die Ad- ministration der öffentlichen Meinung in Deutschland schuldig zu sein glaubte. Nun wird aus Jekaterinodar mitgeteilt, daß der Polizeikommissar Golowko, der inzwischen zum Gehilfen des Polizeimeisters avanciert ist, nebst zwei Schutzleuten auf Verfügung der Gerichtsbehörden verhaftet worden ist. Die Verhaftung steht in Verbindung mit der Ermordung Thruns und Ugniwenlos. Es hat also länger als ein Jahr gedauert, ehe die Schuldigen zur Verantwortung gezogen wurden. Es wäre interessant zu erfahren, welche Schritte die deutsche Regierung in dieser Angelegenheit getan hat und ob es ihr nicht möglich gewesen ist, die Untersuchung in diesem Falle zu beschleunigen._ Aus der Arbeit gerissen. Wie die ArbeitcrlegitimationSkarten, deren Einfühmng selbst gegen die Staatsverträge verstößt, zum Kontraktbruch und zur Ärbeitslosmachung von Ausländern mißbraucht werden, zeigt folgender Fall: Der Mafchinenschloffer Wladimir Slawnicki, in Berlin wohn- hast, stand seit L�/z Jahren bei Borsig in Tegel in Arbeit. Im Juni verlangte die Berliner Polizei von ihm, er solle sich eine Legitimationskarte beschaffen, sonst müsse er ausgewiesen werden. Er stellte darauf bei dem Tegeler Amtsvorsteher den Antrag auf Ausstellung solcher Karte. Nach etwa einem Monat teilte ihm die Tegeler Behörde mit, er könne keine Legitimationskarte er- halten, da er Pole sei. Er legte dar. daß er Oesterreicher, und zwar Nuthepe ist, und reichte seine Geburtsurkunde ein. Die Tegeler BeHorde lehnte trotzdem die Erteilung einer Legitimationskarte ab und verlangte von der Firma Borsig, den Arbeiter zu entlassen. Die Firma glaubte. diesem Verlangen nachkommen zu müssen. Dem Arbeiter wurde vom Konsul, an den er sich hilfesuchend wendete, geraten, sich an die Feldarbeiterzentrale zu wenden. Die Feldarbeiter- zentrale stellte ihm auch am 6. August gegen Zahlung von 5,15 Mark eine gelbe Legitimationskarte aus. Die Tegeler Behörde blieb dabei, er dürfe bei Borsig nicht in Arbeit treten, in der Provinz Brandenburg dürften Polen und Ruthenen in industriellen Betrieben nicht be- schäftigt werden. Feldarbeit aber können sie machen. Die Firma bedauerte, den tüchtigen Arbeiter infolge des polizeilichen Verbots nicht wieder aufnehmen zu können. Selbstverständlich hat der österreichische Arbeiter, der ein ge- prüfter Maschinist ist, keine Veranlassung. Feldarbeit anzunehmen. Das polizeiliche Verbot, daß Polen oder Ruthenen in industriellen Betrieben beschäftigt werden, verstößt klar gegen den mit Oester- reich geschlossenen Staatsvertrag. Indessen, was tut's? Kontrakt- bruch Arbeitern gegenüber ist ja das Ideal der Agrarier. Unerhört ist es, daß der Arbeiter gar noch dafür, daß er behördlich aus der Arbeit gebracht ist, dem privaten Vermittelungsinstitut 5,15 M. zu zahlen hatte. Werden endlich die österreichisch-ungarische und italienische Re- gierung mit dem Verlangen ernst machen, daß das Haag er Schiedsgericht eine Entscheidung dahin trifft, daß der in deutstchen Partikular st aaten, insbesondere in Preußen, eingeführte LegitimationS karten zwang aufs krasseste das Völkerrecht und die Staats- Verträge verletzt?__ Heil, Gompers, Dir! Das„Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerk» schaften Deutschlands" bringt in seiner Nummer vom 7. August den ganzen und genauen Wortlaut der Rede, die Herr Gompers am 31. Juli im Berliner Gewerkschaftshaus hat halten dürfen. In einem Nachwort moniert die Redaktion des„Correspondenz- blatt..." an Hand einer eingehenden statistischen Feststellung, daß der„Vorwärts" in seiner Nummer vom 4. August die Gompers-Rede mit 123 und die Diskussion mit 112 Zeilen „abtat", dagegen in einer Nachschrift von 121 Zeilen gegen Seine Majestät Herrn GomperS zu polemisieren wagtet Wir haben die statistische Zeilenberechnung deS„Correspondenzblatt" nicht nach- geprüft, unterstellen sie aber mit Vergnügen als ebenso bedeutsam wie richtig. Nur sehen wir nicht, worauf der Vorwurf gegen uns hinaus soll. Meint das„Correspondenzblatt", auch wir hätten die Verpflichlung gehabt, unseren Lesern den ganzen Gompers zu- zumuten? Oder meint es, für eine Frage, die(wie ja gerade der Verlauf der Diskussion an jenem Abend bewies) den deutschen Ar- beitern sehr am Herzen liegt, dürften wir nicht 121 Zeilen opfern? Oder aber sollten wir so bescheiden sein wie das„Correspondenz- blatt", das von GomperS' Speech keine Silbe unterschlägt, die Rede deS Genossen Legien aber— leider— mit 14 Zeilen„abtut"? Doch dies alle» ist schließlich nicht so wichtig. Festnageln aber müssen wir doch, daß nach und trotz unseren Feststellungen vom 4. August das„Correspondenzblatt" keinen Wert darauf legt, da- � von Notiz zu nehmen, daß GomperS, der ehrenwerte Mann, den man in Amerika„JudaS Jfcharioth-GomperS" taufte, die Ge- werkschaftShauSvcrfammlung am 31. Juli in der EinwanderungS- frage einfach angelogen hat! Die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" preist Herrn Gompers in ihrer Nummer vom 8. August: er ist— so meint sie-- samt seiner Gefolgschaft auS ganz anderem Holze geschnitzt als die europäischen Gewerkschaften. Nun, wenn dem guten Gompers der Coup gelänge, den er vor hat, dann würde das Holz der deutschen Gewerkschaften sehr bald ebenso dürr sein wie das der ameri- konischen Föderation of Labor. Stellt doch die Chemnitzer„Volks- stimme" fest, Legien habe sich, als er nach Gompers das Wort ergriff, über den Begriff des„wahrhaft Revolutionären" so un- geschickt ausgedrückt, daß man auf den(falschen) Verdacht ge- raten konnte,„als stehe er ganz auf dem amerikanischen Stand- punkte und sehe gewissermaßen die Sozialdemokratie als eine lästige Störerin einer einheitlichen Gewerkschaftsaktion der deutschen Arbeiter an". Wir bekämpfen die Versuchung, zur Frage„Die Gewerk- schaftsbewegung diesseits und jenseits des Ozeans" noch das eine und das andere sonst zm sagen, damit uns das«Correspondenz- blatt" nicht wieder die Zeilen in den Mund zählt. Die Reichsverfassnng und die indirekten Steuern. Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: Ihre Notiz über die Rede des Zentrumsabgeordneten Gies- berts, der glauben machen will, daß die direkten Steuern ver- fassungsmäßig den Bundesstaaten vorbehalten sind und das Reich nach der Verfassung auf die indirekten Steuern angewiesen ist, gibt Veranlassung, auf den Artikel 58 der Reichsverfassung hin- zuweisen. In diesem Verfassungsartikel ist ausgesprochen, daß die Kosten des gesamten Kriegswesens des Reichs„von allen Bundes. staaten und ihren Angehörigen gleichmäßig zu twgen" sind, so daß„weder Bevorzugungen noch Prägravatio- nen einzelner Staaten oder Klassen grundsätzlich zu- lässig sind." Es ist in dem Artikel 58 weiter ausgesprochen, daß alle etwaigen Ungleichheiten„nach den Grundsätzen der Gerechtji gleit" im Wege der Gesetzgebung auszugleichen sind. Dies ist das verfassungsmäßige Steuerpro- gromm für das Deutsche Reich. Da die Kosten des gesamten Kriegswesens des Reiches den bei weitem größten Teil aller im Reiche überhaupt zu deckenden Aus- gaben bilden, so folgt hieraus, daß die im Reiche vorherrschende indirekte Besteuerung geradezu verfassungswidrig ist. Denn die indirekten Steuern bedeuten eine Bevorzugung der be- sitzenden Klasse und eine Prägravation(d. h. eine im Vergleich zu anderen Volksklaffen ungleiche Belastung der Arbeiterklasse. Daß die indirekten Steuern auch allen„Grundsätzen der Gerechtigkeit", von denen die Verfassung spricht, ins Gesicht schlagen, kann nicht ge- leugnet werden. Es ist demnach das gerade Gegenteil von dem, was Herr Gies- berts behauptet hat, richtig._ Betrügereien auf der kaiserlichen Werst in Danzig. Umfangreiche Unterschleife sind, wie ein Teil der Provinz- presse SBestjjreußcnS meldet, auf der kaiserlichen Werft vorge- kommen. Der Werftbuchführer Ewert, der im Annahmeamt tätig ist, wurde plötzlich verhaftet. Apparate, Eisen und Kupfer in be- deutenden Mengen wurden von dem Biedermanne beiseite ge- schafft und später verkauft. Auf der sogenannten Holminsel fand nian ein ganzes Lager solcher gestohlenen Wertgegenstände. Der Verdacht gegen Ewert bestand sckzon lange. Der aus der Kieler Unterschlagungsangelegenheit bekannte Kriminalkommissar Wan- nowski aus Berlin war mit der Entdeckung beauftragt und weilte schon seit Mitte Mai d. I. zu dem Zwecke auf dem Werke. Be- zeichnend ist, daß vor der Verhaftung Ewerts eine Revision der Annahmestelle vom Reichsmarineamt stattgefunden hatte, die aber für den später Verhafteten nichts Belastendes ergab. Bald darauf lief ein anonymer Brief bei der Direktion ein, der bei näherer Nachprüfung der Bücher und Bestände im Annahmeamte dann zur Festnahme des Ewert führte. Die„Danzigcr Zeitung" beeilt sich nun in höchst auffälliger Weise, die Angelegenheit als durchaus harmlos hinzustellen, obwohl die Untersuchung durchaus noch nicht abgeschlossen ist; während andere Zeitungen wieder die Verun- trcuungen Ewerts auf mehrere Tausend Mark angeben. Wieder- holt sollen Waggons mit mehr Material abgegangen sein, als de« klariert war. Spanien. Ein neuer spanisch-marokkanischer Zwischenfall. Paris, 7. August. Petit Parisien meldet aus Tanger: Aus T e t u a n wird ein Zwischenfall gemeldet, der von dem spanischen Konsul verursacht seip soll und der ernst zu werden droht. Das spanische Konsulat, in daS einige Beamte des Rhogi geflüchtet waren, die der Machsen festnehmen lassen wollte, wurde von Wächtern und Soldaten deS Machsen umringt. Diese hatten den Befehl erhalten, die Angeschuldigten zu verhaften, sobald sie sich blicken ließen. Der spanische Konsul, ärgerlich über die Be- lagerung, feuerte nachts Revolverschüsse auf die Wächter ab, ohne jedoch jemand zu treffen. Das Feuer wurde nicht erwidert. Der Konsul hat sich an seine Regierung gewandt und die Ausstellung von Schutzbriefen für die Eingeborenen gefordert._ Ununterbrochene Kämpfe. Madrid, 7. August. Wie der„Heraldo" aus Alhucemas meldet, wurde gestern der Dampfer„Sevilla" durch heftiges Gewehrfeuer der Mauren gehindert, Lebensmittel, Wasser und Munition an Land zu schaffen. Das von den Batterien auf die Mauren eröffnete Feuer war wirkungslos. Das Ge- wehrfeuer dauert ununterbrochen seit dem 23. Juli an. Cnglanck. Die Rehabilitation der liberalen Regierung. London, 5. August.(Eig. Ber.) Vor einem Jahre schrieben wir an dieser Stelle, die liberale Regierung würde große reformatorische Anstrengungen machen müssen, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das ihr die Mehrheit der Wähler im Jahre 1906 geschenkt hatte. Wir schrieben ferner, die Liberalen würden gegen das Oberhaus kämpfen müssen, wenn sie nicht untergehen wollen. Das scheint sich bewahr- Herten zu wollen. Der Etat und die Tätigkeit von Lloyd George und Minister Churchill haben der Regierung viel Prestige beim Volke wieder erworben, so daß jetzt die widerspruchslose An- nahmedes Etats durch dieLordssicher ist. Die Vertrauensleute der konservativen Partei ließen ihrer Partei- leitung die Mitteilung zugehen, der Etat sei sehr populär, und es wäre eine schlechte Taktik, jetzt auf eine Auflösung des Parlaments hinzuwirken und in Neuwahlen einzutreten. Unter dem Einflüsse dieser Mitteilung ist auch die konserva- tive Obstruktion im Uuterhause zusammengebrochen. Im letzten Grunde dreht sich alles um die Arbeiter- k l a s s e. Die liberale Regierung muß reformatorisch wirken, um nicht alle Arbeiter und alle Reformer zum Anschluß an die Arbeiterpartei zu veranlassen, und die Konservativen und die Lords können keine Gewaltstreiche gegen die liberale Re- gierung unternehmen, da sie wissen, daß die Arbeiter für Re- formen sind. Das Schicksal des festländisch-europäischen Llberallsmus ist eine ständige Warnung für den englischen Liberalismus. Dieser weiß jetzt, daß es für ihn nur die Alternative gibt, ent- weder sozialpolitisch und demokratisch zu wirken, oder abzu- sterben. Die sozialistische Bewegung, die scheinbar in England schwach ist, übt hier tatsächlich eine größere Gewalt auf die Regierung aus als in irgend einem anderen Lande. Der soziale Liberalismus ist in D e u t s ch l a n d nur eine literarische Spielerei geblieben: der soziale Radikalismus ist in F r a n k r e i ch nur eine politische Phrase. Hier in England wird damit vielleicht ernst gemacht werden; hier nennt man diese Gedankenrichtung: konstruktiver Liberalismus. Die Lage der britischen Arbeiterpartei wird zwar dadurch nicht leichter. Die Hauptsache ist jedoch vorläufig, darauf zu sehen, daß die Reformen, die der konstruktive Liberalismus schaffen will, keine Scheinreformen bleiben. Gesetzliche Arbeitszeit der Ladengehilfen. London, 6. August.(Eig. Ber.) Das im Jahre 1904 ange- nommene Gesetz betreffend die Kürzung der Arbeitszeit der Laden- gehilfen ist ein toter Buchstabe geblieben, da es nicht obligatorisch war und von dem guten Willen der Lokalbehörden und der Laden- bcsitzer abhing. Inzwischen hat der Verband der Ladengehilfen, der der Arbeiterpartei angeschlossen ist, seine Agitation fortgesetzt, die die Regierung zwang, an die Ausarbeittmg einer neuen Vor- läge heranzugehen. Mr. Gladstone, der Minister des Innern, legte gestern dem Unterhause die Grundzüge der neuen Vorlage vor, die wohl einen Fortschritt über das Gesetz vom Jahre 1994 be- deuten, aber doch noch vieles zu wünschen übrig lassen. Die neue Vorlage setzt die Arbeitswoche der Ladengehilfen auf das Maximum von 69 Stunden fest. Sie gestattet 69 lieber- stunden im Jahre. Die Ladengehilfen müssen während der Wochen- tage einen halben Tag frei haben. Mit der.Beratung der Vorlage soll erst nächstes Jahr be- gönnen werden. Orkei Die kretische Gefahr. Während in der Türkei die Kriegslust zunimmt, haben sich die vier Schutzmächte Kretas, namentlich aus die Initiative Frankreichs hin. das seiner schon durch finanzielle Interessen ge- botenen Friedenspolitik im Orient treu bleiben will, zu einem entschiedeneren Vorgehen entschlossen. Die Pforte wird in einer Note ersucht werden, ihre herausfordernde Haltung gegenüber Griechenland aufzugeben, dessen Gebaren gegen- über der ottomanischen Regierung niemals herausfordernd oder drohcttd gewesen sei. Gleichzeitig werden die Kretenser be- nachrichtigt, daß die Schutzmächte unter keinen Umständen die Hissung der griechischen Flagge auf öffentlichen Gebäuden dulden werden. Endlich wird an die griechische Regierung das Ersuchen gerichtet, die griechischen Offiziere, die in kretischen Diensten stehen, endgültig aus den Listen der griechischen Armee zu streichen. Unterdessen hat die Wrkei an Griechenland eine Reihe Forde- rungen gerichtet, die sehr nach Provokation aussehen. Nach einer Meldung der„Jeni Gazetta" hat der türkische Gesandte in Athen Weisung erhalten, der griechischen Regierung heute eine Mit- teilung zu machen, in der Griechenland vorgeworfen wird, durch seine widerrechtliche Haltung in der Kretafrage die heutige Lage geschaffen zu haben. Die Pforte fordert Griechen- lind auf, der türkischen Regierung ausdrücklich zu erklären, daß es keine Eroberungsabsichten auf Kreta habe und jede Aktion zurückweise, die als Annexions- aktion aufgefaßt werden könne. Falls die griechische Regierung nicht in bestimmter Frist antworte, werde der türkische Gesandte mit dem ersten Sekretär auf unbestimmte Zeit abreisen und den zweiten Sekretär zur Erledigung der gewöhnlichen Ge- schäfte zurücklassen. Das ist also beinahe ein Ultimatum. Doch darf man noch immer hoffen, daß schließlich bei der türkischen Regierung die Be- sonnenheit Oberhand gewinnen wird und daß nicht frivolerweise ein Krieg angezettelt wird, der an sich ohne Berechtigung, den europäischen Frieden wieder auf eine harte Probe stellen würde. Die türkische Regierung weiß wohl, welche Gefahren der Krieg für die Türkei bedeutet. Aber sie ist von der Kriegsagitation beständig zurückgewichen. Die Intervention der Mächte gibt ihr die Möglichkeit, gegenüber der jungtürkischen Agitation darauf hinzuweisen, daß sie sich in einer Zwangslage befindet und daß es Wahnwitz wäre, gegen den einmütigen Willen Europas in den Krieg zu gehen. So darf man von dieser diplomatischen Aktion wohl einen Erfolg erwarten._ Bohkottierung der Griechen. Konstantinopel, 7. August. In Gaklipoli hat ein Bohkottsynöikat von morgen ab den Boykott gegen den grie, chischen Handel und Schiffsverkehr verhängt. Der neue Minister. Konstantinopel, 7. August. Der Vizepräsident der Kammer, T a l a a t, ist zum Minister de» Innern ernannt worden. Diese Ernennung ist eine Konzession an die radikalere Richtung unter den Jungtürken. perNen. Ljacholv bleibt auf seinem Posten. Die„Nolvoje Wremja" dementiert auf das energischste die Nachricht, daß der Kosakenoberst L j a ch o w aus Persien ab- berufen werden soll. Nach den Worten deS offiziösen Blattes wird nichts derartiges geplant. Ljachow fei einfach nach PetcrS. bürg abgereist, um wegen der Ereignisse in Perfien Bericht zu erstatten, und werde wahrscheinlich in kurzer Zeit nach Teheran zurückkehren. � Japan. Der Konflikt mit China. Tokio, 7. August. Japan hat China eine Note überreicht, Worin zur Begründung des japanischen Verfahrens unter anderem gesagt wird, China wolle durch frivole Einwürfe den durch den Pekinger Vertrag von 1995 vorgesehenen Ausbau der Militär. bahn Antung-Mukden in eine allen Nationen offenstehende Handels- und Verkehrsbahn verhindern; es habe nach der üblichen Verschlcppungspolitik am 24. Jmii in einer Weise ge» antwortet, die den Vertrag von Peking vernichtet; da Japans Ver- suche, tm Interesse der Erhaltung guter Beziehungen eine An» erkennung seiner im Vertrage von Peking klar umschriebenen Rechte herbeizuführen und China zur Erlaubnis des Baubeginns zu veranlassen, erfolglos geblieben seien, so beginne Japan den Bau der Bahn sofort ohne Rücksicht auf die chinesische Behörde. HtoieHks. Die Handelsverträge. Washington, 6. August. Bezüglich des Ablaufs der Handelsabkommen mit auswärtigen Staaten hat das Staatsdepartement beschlossen, die längste Kündi- gungZfrist anzuwenden, die durch das Gesetz über das Inkrafttreten des neuen Tarifs gestattet wird. Das bedeutet für Deutschland und Großbritannien 6 Monate, für Italien, Spanien und die Niederlande 12 Monate von heute ah gerechnet, für Frankreich 6 Monate vom 20. April.-' GewerkfcbaftUcbe�* Vereinbarung in der Brauindustrie, Der Reichstagsschnapsblock hat belanntlich den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Entschädigung bezw. Unter- stützung der Arbeiter der Brauindustrie, die durch die Folgen der Brausteuererhöhung arbeitslos werden, niedergestimmt. Wie groß der Konsumrückgang an Bier sein wird, läßt sich nicht voraus- sagen; Interessenten schätzen ihn auf LS bis LS Prozent. Wie groß die Zahl der Arbeiter ist. die bei einem solchen Konsum- rückgang in der Brauindustrie überflüssig werden, läßt sich dem- nach leicht berechnen.„Das Brausteuergesetz geht über Leichen," daS erkannte auch der konservative Abgeordnete Gamp-Massaunen an; nichtsdestoweniger stimmte der Schnapsblock für die Bram steuer und gegen die Entschädigung der arbeitslos werdenden Av beiter, unbekümmert darum, was mit diesen geschieht. Der Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter und verwandter Berufsgenossen hat es deshalb für seine Pflicht erachtet, Schritte einzuleiten, um die Schädigungen, die einem großen Teil der Arbeiter der Brauindustrie drohen, von diesen abzu- wenden oder wenigstens zu mildern. Er ist zu diesem Zwecke an die in der Brauindustrie bestehenden Unternehmerorganisationen herangetreten, mit dem Ersuchen, ihre Mitglieder zu veranlassen, Entlassungen von Arbeitern infolge eines Konsumrückganges, wenigstens auf eine bestimmte Zeit, wenn nicht ganz zu unter lassen, so doch wenigstens nach Möglichkeit einzuschränken. Hier- bei leitete den Brauereiarbeiterverband auch ferner die Absicht, den Arbeitsmarkt nicht noch mehr zu belasten, das Arbeitslosen- Heer nicht noch zu vergrößern. Die Verhandlungen fanden am 3. August statt. Die Ver treter der Unternehmerorganisationen:„Schutzverband der Brauereien der norddeutschen Brausteuergemeinschaft und ver wandter Gewerbe" und„Deutscher Bohkottschutzverband für Brauereien, Versicherungsvereine A.°G. zu Berlin" erkannten das Berechtigte des Verlangens der Vertreter des Braucreiarbeiter- Verbandes an, zumal der Reichstag nicht, wie bei dem Tabak- steuergesetz für eine Unterstützung der arbeitslos werdenden Kräfte aus Reichsmitteln gesorgt habe. Das Ergebnis der Verhandlung war die Vereinbarung: „Daß der Böykottschutzverband deutscher Brauereien und der Schutzverband der Brauereien der norddeutschen Brausteuer- gemeinschast sich bereit erklärten, an ihre Unterverbände bezw Mitglieder die dringende Empfehlung zu richten, die Entlassung von Arbeitskräften in ihrem Betriebe bis zum 1. Mai ISIS möglichst einzuschränken. Das Maß dieser Einschränkung soll einerseits nach dem in den einzelnen Bezirken bezw. Betrieben eintretenden Konsumrückgange und andererseits unter Berücksichti- gung der für die verschiedenen Betriebe maßgebenden besonderen Verhältnisse erfolgen, die Einzelheiten aber sollen durch VerHand. lungen zwischen der Bezirks- bezw. Lokalorganisation der Ar- beitgeber bezw. Arbeitnehmer in die Wege geleitet werden. Diese Vereinbarung findet keine Anwendung auf Konsum rückgänge, welche infolge von Boykotts entstehen." Inzwischen haben schon Verhandlungen zwischen Bezirks- bezw. LokalorganisatioKen der Brauereien und dem Brauerei- arbeiterverband stattgefunden, die in Kürze schon zum Abschluß kommen und hoffentlich zu einem befriedigenden Resultat führen werden._ Der Wert internationaler Verbindung zeigt sich auch durch den Anschluß, welchen die Porzellan- und Steingutarbeiter Englands, Dänemarks, Frankreichs. Italiens, Oesterreichs und Deutschlands gefunden haben. Diese inter- nationale Verbindung wurde am 1ö. Juli ISSS in Limoges in Frankreich beschlossen. Dort, in dem Zentrum der französischen Porzellanindustrie, fand der erste, internationale Kongreß der Keramarbeiter statt, welcher durch eine, von den französischen, dänischen, österreichischen und deutschen Kollegen beschickten Kon- ferenz in Berlin 190S vorbereitet wurde. Jetzt zählen zu dem inter- nationalen Sekretariat, das seinen Sitz in Deutschland hat, L7 7SV Mitglieder. Wenn diese internationale Verbindung auch nicht groß in der Zahl ihrer einzelnen Mitglieder sein kann, so hat. sie in den ersten drei Jahren die Notwendigkeit ihres Be- stehens oft genug bewiesen. So durch die vielfachen Auskünfte über Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Betrieben der ver- schiedenen Länder. Ferner durch mehrmalige Geldsammlungen, durch deren Erträge es mit gelang, die italienischen Kollegen in ihren schweren Kämpfen in Laveno und Viareggio kräftig zu unterstützen und den ausgesperrten französischen Kollegen in Val- lauris nach mehr denn LSwöchiger Dauer des Kampfes zum Siege zu verhelfen. Ebenso vorteilhaft erwies sich die inter« nationale Verbindung in bezug auf die Fernhaltung von Streik- blechern. Deutsche und französische Fabrikanten bekamen das zu fühlen.— In diesem Jahre traten auch die hölländischen organisierten Porzellan- und Steingutarbeiter der internationalen Förderation bei, während die Amerikaner die Entscheidung über den Beitritt noch bis zum nächsten Jahre verschoben haben.— Der zweite internationale Kongreß der feinkeramischen Arbeiter findet anfangs September in Florenz in Italien statt. Serltn und ümgcgend. Die Bewegung der Schlosser. Mit dem Aussperrungsbeschluß der Unternehmer beschäftigte sich am Freitagabend eine VertrauenSmümrerversammlung der Schlosser, einberufen vom Deutschen Metallarbeiterverband. Man wird in Ruhe die Wirkung des Beschlusses abwarten. Auf die schriftliche Mitteilung, die der Streikleitung zuging, hat diese geantwortet und die Verantwortung der Folgen einer Aussperrung den Unternehmern überlassen, indem sie darauf hinwies, daß die Arbeiter auch bereit wären, auf dem Wege der Verhandlungen den Konflikt zu beenden. Man hätte auch auf einen Waffenstill- stand eingehen können wie bei der Bewegung der Bauanschläger. aber die Arbeiter haben mit den Schlossermeistern zu schlechte Er- fahrungen gemacht. Sie haben geduldig auf den Wunsch der Meister einige Wochen gewartet, bis zum 19. Juli, um dann arg enttäuscht zu werden. Wenn die Unternehmer jetzt fordern, daß der Streik aufgehoben werde, so muß ein solches Verlangen zurückgewiesen werden. Es kann auch keine Rede davon sein, daß die Akkord« arbeiter erst ihre Aufträge erledigen, ehe sie sich aussperren lassen. Dies Verlangen hat viel Heiterkeit unter den Arbeitern erregt. In einer Versammlung der Streikenden aus den Bau- und K u v st s ch l o s s e r e i e n, die im Gewerkschaftshause am Sonn- abendmorgen stattfand, erklärte Handle, daß b Firmen, die 75 Arbeiter beschäftigen, den Tarif unterzeichnet haben; dazu kommen noch einige Geldschrankfabriken. Der Streik, der in einer Reihe von Bauschlossereien ausgebrochen- ist, hat unter den Mei- stern eine große Erregung hervorgerufen. Man erwartete den allgemeinen Streik und war zornig, als er nicht eintraf. Im Aerger darüber verfügte man nun die Aussperrung. Ueber die Versuche der Unternehmer, Streikbrecher heranzuziehen, berichtete Handle noch, daß auch der öffentliche Arbeitsnachweis t« Pankow den bedrängten Schlossermcistern gefällig sein möchte, daß aber die Arbeiter, denen die Sireikarbeit zugemutet wurde, diese zurückgewiesen haben. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes hat beschlossen, daß auch die Unorganisierten und diejenigen, die noch nicht vollberechtigte Mitglieder sind, eine Streikunterstützung erhalten sollen. Handle gab die nötigen Anweisungen und er- mahnte die Anwesenden dringend, ihre Pflicht zu tun. Ueber chie zwei Betriebe, die zu Anfang der Bewegung auf eigene Verantwortung die Arbeit niedergelegt haben, ist zu bemerken, daß in dem einen Betriebe die Forderungen bewilligt wor- den sind, und in dem anderen die Arbeit wieder aufgenommen wurde, bis ein neuer Konflikt ausbrach und der Streik gemeinsam mit den übrigen Betrieben begann. »• • Wie schon in der Freitagsnummer des„Vorwärts" veröffent- licht, haben die Schlosserinnungen von Berlin und Charlottenburg wie auch der Arbeitgeberschutzverband für das Schlossergewerbe bc schlössen, eine allgemeine Aussperrung vorzunehmen. So mutig dieser Beschluß gefaßt wurde, so sehr hapert es mit der Ausführung desselben. Bis Sonnabend haben sich nur etwa 230 Schlosser als Ausgesperrte bei ihren zuständigen Organisa- tionen gemeldet. Die GaSanstaltsarbeiter CharlottenburgS waren am Donners- tag zahlreich im„Volkshause" versammelt, um über eine neue, von der Gasanstaltsdirektion ausgearbeitete Arbeitsordnung zu be raten. Genosse Zabel wies nach, daß in den Bestimmungen wohl Verschlechterungen für die Arbeiter vorgesehen sind, von Verbesse rungen dagegen nichts zu finden sei. Besonders tritt eine Ver- schlechterung bei der Bewilligung des Urlaubs ein. Jetzt erhalten die Arbeiter zu den kommunalen oder sonstigen Wahlen ohne weiteres Urlaub. In Zukunft soll über die Urlaubserteilung der Direktor befinden. Dieses wird leicht zu einer Gesinnungs. schüffelei führen. Der Erholungsurlaub soll in Zukunft ebenfalls nur„bei guter Führung" und„auf Antrag" gewährt werden. Auch entscheidet hier der Direktor. Das Aufrücken in eine höhere Lohn- stufe wird, obwohl ganz bestimmte Lohnskalen vorgesehen sind, dem Herrn Direktor überlassen. Von irgendwelchen Rechten der Ar- beiter ist in der ganzen Vorlage nichts zu finden, dafür sind aber die Strafbestimmungen um so schärfer. Kann doch die Direktion für das geringste Vergehen Strafen bis zur Hälfte des Tagelohnes festsetzen. Dieses«Muster" einer Arbeitsordnung entspricht nicht einmal den Bestimmungen der Gewerbeordnung. Der§ 134b be- sagt, daß in einer Arbeitsordnung Anfang und Ende der Arbeits zeit sowie die während letzterer stattfindenden Pausen enthalten sein müssen. Die Direktion erklärt in ihrer Vorlage, die Arbeits- zeit regelt sich nach einer Lohnordnung. Eine solche ist den Ar- beitern bis heute noch unbekannt. Auch der 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist fast völlig außer Kraft gesetzt. Die Vorlage muß für die Arbeiter als unannehmbar bezeichnet werden. Eine Reihe Atänderungsanträge wurden eingebracht. Die Arbeiter ersehen, wie versucht wird, Verschlechterungen einzuführen. Den besten Schutz dagegen gewährt eine starke Organisation. Pflicht aller GaSarbeiter muß es sein, noch mehr als bisher für die Stärkung ihrer Organisation, dem Verbände der Gemeinde- und Staats- arbeiter, einzutreten._ Achtung, Schlächter! Dem Generalstreik in Schweden werden, wie dem Zentral- verband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands vom schwedischen Schlächtereiarbeiterverband depeschiert wird, sich nun auch die organisierten Schlächtereiarbeiter anschließen. Es wird dringend bor Zuzug gewarnt. Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. Oeotfches Reich. Ueber 50 Strafmandate wegen—„Anrempelung". Die Saarbrücker Polizei tut im Kampfe gegen die ausständigen Bauarbeiter vom Standpunkt des Unternehmertums ihre volle Pflicht und Schuldigkeit. Jeder Streikposten, der es wagt, einen Arbeitswilligen anzureden, wird mit einem Strafmandat wogen Anrempelung" oder„Belästigung" in Höhe von 3 bis 30 M. be- dacht. Bis jetzt sind schon 50 Strafmandate allein gegen Mit- glieder des Maurerverbandes verhängt worden. Die Unternehmer und ihre Agenten, die ständig den Bahnhof umlagern, dürfen jeden, den sie für einen Maurer halten, ungeniert aichalten. Wenn es dem Agenten gelingt, einen Arbeiter zu angeln, so ist die Polizei ihm sofort behilflich, ihn nach der Baustelle zu schleppen. Die meisten auf solche Art gewonnenen Arbeiter verlassen aber bald wieder die Arbeitsstätte. DaS Fahrgeld nach dem Ort, von dem sie hergekommen sind, oder wo ihnen sonst Arbeit geboten wird, erhalten sie von der Organisation. Die am Bahnhof stehenden Schutzmänner drängen sich an die Reisenden heran und versuchen sie zu überreden, doch zu bleiben. DaS Vorgehen der Polizei wird noch durch Matznahmen der Staatsanwaltschaft unterstützt. Ans der Eifenbahnerbewegung. Der Vorstand des Süddeutschen EisenbahnerverbandeS hat im Einverständnis mit den Bezirksleitern des Verbandes für das Eisenbahn- und Telegraphenpersonal eine Eingabe an das könig. lich bayerische Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten ge- richtet, dem Personal, soweit es unter 3000 M. entlohnt wird, eine Teuerungszulage von 20 Pf. täglich ab 1. August 1909 zu gswäh- ren.. Begründet ist die Eingabe mit der enormen Preissteigerung, welche die neue Reichssteuerreform mit sich bringt. Die Arbeiterausschüsse der sächsischen Eisenbahnbetriebs- arbeiter haben eine Petition ausgearbeitet, welche der sächsischen Staatsregierung und dem neu zu wählenden Landtag unterbreitet werden soll. Die Petition enthält eine Reihe von Wünschen der Betriebsarbeiter, die insbesondere sich aus die Anstellung der- selben, auf Erhöhung der PensionSbczüge, Erhöhung der Löhne. Regelung der Stellenzulagen, sowie die Herabsetzung der Dienst, stunden und auf Gewährung von mindestens 12 freien Sonntagen im Jahre beziehen. In vieler Hinsicht enthält die Petition die im vorigen Jahre der Regierung unterbreiteten, von dieser aber ab- schlägig beschiedenen Wünsche des Betriebspersonals, denen noch- mals eine eingehende Begründung beigegeben ist. Lohnbewegung der Binnenschiffer auf der Elbe und Havel. Um den Frieden im Binnenschiffahrtsgewerbe nicht zu stören. bedienen sich die Reedereien eigenartiger Mittel. Nachdem von den Organisationen die Forderungen der Schiffsmannschaften den Unternehmern am 31. Juli unterbreitet worden waren, erfolgte am 2. August in Dresden, wo sich der Hauptsitz der vereinigten Elbschiffahrten befindet, die Kündigung von 41 Schiffern. Der Umstand, daß die Kündigung der Ueberreichung der Lohnforderung auf dem Fuß folgte, läßt nur den einen Schluß zu, daß die Unter- nehmer versuchen, die Reihen der Schiffsmannschaften zu sprengen. Es wurde nämlich den Leuten gesagt, falls sie bleiben wollten, möchten sie sich bei dem Oberinspektor melden. Dies haben die Mannschaften natürlich abgelehnt. Der Wunsch der Unternehmer, 'ich aus den Reihen der jetzt fahrenden Mannschaften eine Hilfs- ruppe im Falle eines Streiks zu sichern, ist bis jetzt gescheitert. Die Binnenschiffer hielten eine Versammlung ab, in der der Bezirksleiter S ch ü n i n g daS Vorgehen der Unternehmer damit erklärte, daß diese versuchen, den Kampf zu einer für sie günstigen Zeit zu provozieren, denn jetzt sei es ihnen möglich, vermöge des guten Wasserstandes und des Geschäftsganges eine Anzahl u dieser Zeit eintretenden ruhigen ahrzeuge außer Dienst zu stellen Diese Zeit sei jedoch nicht lang, das Herbstgeschäft stände vor der Tür und' der alljährlich eintretende Mangel«m schiffahrtskundigen Mannschaften kehre bald wieder. Und vor dieser Zeit bange den Unternehmern. Die entlassenen Mannschaften lehnten jede Unterstützung ab, würden vielmehr bestrebt sein, sich anderweitig durchzuschlagen. Die Organisationsleitung wurde dann beauftragt, der Oeffent- lichkeit von den Entlassungen Kenntnis zu geben und die Arbeiter- schaft aufzufordern, Arbeitsangebote nach bem_ Elbe-Havelgebiet nicht anzunehmen, da es nicht ausgeschlossen sei, daß die Unter« nehmer die jetzt außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge mit unorga- nisierten Arbeitern zu besetzen versuchten. Die Aussperrung im Hamburger Baugewerbe. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die Einigungs- Verhandlungen im Baugewerbe diesmal von Erfolg begleitet sein werden. Die achtwöchige Aussperrung der 8000 Arbeiter aller Branchen im Baugewerbe hat auf beiden Seiten schon tiefe Wun- den geschlagen, so daß der Friede allseitig gewünscht wird. Vor dem Einigungsamt haben sich die Vertreter der Unternehmer und Arbeiter vorbehaltlich der Zustimmung der beiden Mitgliederver- sammlungen dahin verständigt, daß sämtliche an der Aussperrung beteiligten Arbeiterkategorien vom 1. Januar 1910 ab eine Lohn» erhöhung von 5 Pf. pro Stunde erhalten und daß die Unternehmer sofort in Verhandlungen wegen Abschlusses eines Tarifvertrages eintreten. Es wurde ferner ein Waffenstillstand bis zum 11. August — dem nächsten Verhandlungstermin bor dem Enigungsamt— vereinbart. Während dieser Zeit sollen von keiner Seide Maß- regeln zur Verschärfung des Kampfes ergriffen werden. Differenzen in der Holzindustrie. In Bochum sind Sonnabend 90 Tischler in den Ausstand ge- treten, 250 stehen in Kündigung. Die Verhandlungen mit dem Verband der Baugewerbe sind eingeleitet, die Jnnungsmeister lehnen jede Verhandlung ab. TerrorismnS. Interessante Blüten treibt hie Abwehrbewegung der Scheiben- töpfer in B i s ch o f s w e r d a. Obwohl die Töpfer nach Lage der Sache gar keine Veranlassung dazu gehabt hätten, hat sich ihre Darifkommifsion mit dem Obermeister der Innung in Verbindung gesetzt, um eine Verhandlung in die Wege zu leiten. Vom Ober- meister wurde versprochen, dem Vertrauensmann sollte der Bc- schluß der Innung sobald als möglich zugehen. Am 14. Juli ging den Töpfern folgender Ukas zu: Bischofswerda, 14. Juli 1909. Herrn Gustav Steglich, hier. Die unterzeichnete Innung teilt Ihnen folgendes mit.— In Arbeit können nur Gesellen treten, welche sich durch Abmeldung von der Organisation ausweisen können. Die Wahl der betreffenden Gesellen bei Eintritt ins alte Arbeits- Verhältnis behält sich die unterzeichnete Innung vor. Kommentar überflüssig. Husland. Zum Negerstreik. Keine„Kuhjungen", sondern Krujungenl Ein eigentümlicher Lapsus machte in unserer gestrigen Notiz über den Streik in Mon- rovia die braven schwarzen Schiffsarbeiter, die sich ein menschen- würdigeres Dasein erkämpfen wollen, zu ,. Kuhjungen". Nun würde aber der Woermann-Linie durch einen Kuhjungenstreik nicht bei- zukommen sein, da sie an Bord ihrer Schiffe Kühe nicht zu halten pflegt. Desto unangenehmer wird sie hoffentlich den Krujungen- streik empfinden. Krujungen lnach dem englischen CrooboyS) nennt man nämlich die schwarzen Schiffsarbeiter, Matrosen, Feuerleute usw., die an der afrikanischen Westküste für die Tropenzone an- geheuert zu werden pflegen. Das Wort kommt daher, daß ur- sprünglich der bei Kap Palmas ansässige Stamm der KruS(eng- lisch Croos) diese tüchtigen Leute allein stellte. Jetzt sind eS nicht mehr ausschließlich Kruneger, die an Bord der Schiffe gehen; aber der Name fyit für alle schwarzen Arbeiter an der Westküste Geltung erhalten. Versammlungen. In der Geiieralversnmmlung de» Verbandes der Schuhmacher gab der Kassierer Bendig die Abrechnung vom 2. Quartal 1909. Für die Zentralkasse balanziert Einnahme und Ausgabe mit 13 303,45 M., darunter für Arbeitslosenunterstützung 2470,30 M., für Krankenunterstützung 3045,75 M., für Reise- und Umzugs- Unterstützung 376,20 M. Die Einnahme und Ausgabe der Lokal- lasse balanziert mit 11276,36 M. Die Maiausspcrrung kostete der Lokalkasse zirka 2000 M. Die lokale Zuschußkasse buchte eine Ein» nähme von 592,70 M. und eine Ausgabe von 661,93 M. Letzte fladhrichten und Depefcben. Wirkungen des Generalstreiks. Stockholm, 7. August.(W. T. B.) Die Eisenbahn- direktion teilt mit, daß der Zugverkehr von morgen ab aus 14 und von Montag auf 15 Züge täglich beschränkt wird. Eine neue Schröpfung der Armen. Stuttgart, 7. August. sW. T. B.) Der Ministerpräsident er- klärte in der Zweiten Kammer, daß die Erhöhung des Tarifs der 4. Bahnklasse von 2 auf 2� Pfennig am t Dezember dieses Jahres eintrete. Bayerische Sparsamkeit. Nürnberg, 7. August.(B. H.) AuS Sparsamkeitsgründen werden am 16. d. M. alle nur einigermaßen entbehrlichen Arbeiter bei der Bahnmeisterei der Stadtbahnvrrwaltung entlasse«. Ein Möchtegern von Gottes Gnaden« «Eerbere, 7. August.(B. H.) In den nächsten Tagen wird an der französischen Grenze eine große Karlistenversammlung unter dem Borsitz von Don Jaime be Bourbon stattfinden. Don Jaime bereitet ein Manifest vor. Hartes Urteil. Hanau. 7. August.(B. H.) Wegen Fahnenflucht. Ungehorsam vor versammelter Mannschaft, Beleidigung und Preisgabe von Dienstgegenständen wurde heute vom Kriegsgericht der 21. Division der Frankfurter Reservist Oskar N o s k e zu 2l4 Jahren Gefängnis verurteilt. Die unter Anklage gestellte Tat war bei der Gestellung des NoSke zu einer 14tägigen Uebung erfolgt. NoSke war sinnlos betrunken und ließ sich in diesem Zustande dazu hinreißen, eine» Sergeanten zu beleidigen und dann durchzubrennen. Steuerverweigerungcn. K-nstantinopel, 7. August.(». H.) Der Großwesir ist benach. richtigt worden, daß 19 Ortschaften im Bilajet Skutari den Be« Hörden Widerstand leisten und die Steuerzahlung verweigern. Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.:»h. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdr. u.«erlogsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen." it. 183. 26. IchrgW. 1. Knlijt des Jotiiiätts" Knlim Jloilisliliitt, Somilxg, 8. A»g«I> 1909. Die Hölle von flilelczyn und der Berliner Konmonatfrelflnn. Ueber den Mielczyner Fürsorgepastor Breithanpt und den ihn schützenden Berliner Kommunalfreisinn hat am Freitag ein Volks- gericht geurteilt. Eine öffentliche Volksversamm- l u n g, die nach der„Germania" iEhausseestratze) einberufen worden war, um zu der schmachvollen Affäre Mielczhn Stellung zu nehmen, war besucht von zahlreichen Männern und Frauen, deren Schar den großen' Saal des Etablissements füllte. Stadtverordneter Genosse Dr. Alfred Bernstein, der an der Aufdeckung der in Mielczhn herrschenden himmelschreienden Zustände einen hervorragenden Anteil gehabt hat, gab das ein- leitende Referat. Er erwähnte die langjährigen Bemühungen der im Rathaus sitzenden Vertreter der Sozialdemokratie, die rechten Vorbedingungen für eine vernünftige Durchführung der Er- ziehungsaufgabe zu schaffen, die der Stadtverwaltung durch die Waisenpflege und im besonderen durch die Fürsorgeerziehung ge- stellt ist. Wieviel da noch zu tun sei, das habe jetzt wieder der durch den„Vorwärts" eröffnete Einblick in das Mielczyner Prügel- stist, in die„Hölle von Mielczhn", gezeigt. Die Angaben des„Vorwärts" über die Behandlung, die vielen Zöglingen des Pastors Breithaupt widerfahren sei, seien in allem Wesentlichen bestätigt und in vielen durch weitere Feststellungen der nach Miel- czyn entsandten Untersuchungskommission noch überboten worden. Der Vortragende schilderte, wie er durch Vermittelung der„Vor- wärtS"-Redaktion die erste Kunde von dem Treiben Breithaupts erhielt. Ein entflohener Zögling, der mit Striemen und Wunden bedeckt in Berlin angekommen war, wurde ihm zugeführt. Bern- stein untersuchte ihn und berichtete sofort an die Waisendeputation, stieß aber hier auf schroff abweisenden Zweifel. Seine Bitte, ihn sofort nach Mielczhn zu entsenden, damit er die Anstalt revidiere, halte keinen Erfolg. Dann gingen dem„Vorwärts" neue Mit- teilungen über die Hölle von"Mielczhn zu, und nun kam es zur Veröffentlichung jenes Artikels, der wie eine Bombe einschlug. s>tzt mußten die Vertuschungskünstler sich dazu bequemen, eine Untersuchungskommission abzuschicken, zu der auch Bernstein gehörte.„Greuel sondergleichen" nannte der Vortragende die Dinge, die da festgestellt wurden. Die Einzelheiten, die er seinen entsetzten Zuhörern mitteilte, sind im„Vorwärts" schon mehrfach besprochen worden. Sollen wir sie hier wiederholen? Sollen wir, gegenüber den v erlöge- neu Ableugnungen der aus den, Rathaus bedien- ten bürgerlichen Presse, erneut konstatieren, daß Pastor Breithaupt und sein Inspektor Engels sehr schlimme Dinge selber haben zugeben müssen? Sollen wir daran erinnern, daß bis 50 Hiebe, ja bis IVO verabreicht wurden; daß darauflos gehauen ivurde auch für geringfügige Vergehungen, für Fluchtversuche, ja für die bloße Aeußerung, fliehen zu wollen; daß mit dem Schlagen' von neuem angefangen wurde, wenn der geschlagene Junge„wider- spenstig" war, d. h. sich sträubte; daß geschlagen wurde mit der Reitpeitsche, mit dem Spazierstock, mit dem Gummiknüppel; daß Zöglinge tagelang in den Keller gesperrt wurden; daß die rcgcl- rechte Nahrung durch Wasser und Brot ersetzt wurde? Wir wollen einstweilen ganz absehen von noch schlimmeren, durch die Zög- linge gemachten Angaben, die von Breithaupt bestritten worden sind, die aber durch die uns von anderer Seite zugegangenen Mit- teilungen in ganz überraschender Weise rinterstützt wurden. Wie diese Behandlung gewirkt hatte, das hat Bernstein festgestellt durch körperliche Untersuchung von Zöglingen,, wobei er offene Wunden und beträchtliche Narben fand. Durch seine Darlegungen vor der Versammlung riß der Referent die Zuhörer mit sich fort zu heiß auflodernder Entrüstung. Immer wieder wurde er unterbrochen durch laute Zurufe des Entsetzens und des Abscheus. Als er an die Mütter erinnerte und einige im Saal anwesende Mütter von Mielczyner Zöglingen in lautes Weinen ausbrachen, ging eine tiefe Erbitterung durch die Reihen. Was geschieht gegenüber diesen Taten eines PastorS, der den Erzieher spielen wollte? Zunächst wollte der Magistrat nichts tun! So gut wie nichts! Die„schlimm- sten" Jungen wollte man dem Pastor Breithaupt nehmen, er selber aber sollte auf seinem Posten gehalten und gestützt werden und an den anderen Zöglingen mit mäßigeren Hieben weiter seine Kunst probieren dürfen.(Inzwischen hat der Magistrat seine Taktik ein klein wenig geändert; wir berichten darüber an anderer Stelle unseres Blattes.) Der Vortragende fragte, wie man sich wohl diese bisherige Haltung des liberalen Berliner Ma- gistrats zu erklären habe. Hinter Brcithaupt steht Pastor von Bodelschwingh, sein Lehrer und Berater, der nicht nur in unserem Rathaus, sondern noch weit höher hinauf seine Freunde habe und kleines feuilleton. Mittelalter. Mein Professor ist ein Mann mit weißem Bart, klugen Augen und gebeugtem Nacken. Den ganzen Tag, ja oft noch spät nachts sitzt er im Studierzimmer inmitten von Büchern und Folianten. Manchmal, wenn eS gelingt, ihn herauszulocken, oder wenn er zur Stadt muß— in die Universität und die Bibliotheken— sieht man, wie schwer es ihm ankommt, sich von dem Zimmer zu trennen: er macht ein wehmütiges Gesicht, denkt ständig über etwas nach und trippelt, ist er einmal fertig, in größter Eile daher, um nur mög- lichst bald heimzukommen. Da wirft er sich auf die Arbeit, als gelte es nicht Stunden, sondern Jahre einzuholen. Mein Professor ist ein alter Mann. Aber sein Blick jung, fem Urteil scharf. Es ist ihm nicht gegangen wie so manchem, den der Büchcrstaub erstickle. Sein Empfinden ist wach. Sein Rat ist tief durchdacht, seine Erfahrung— ein ganzes Leben. Er kennt nicht Dünkel, nicht Strebertum, un Gegenteil: zeder Erfolg macht ihn be- schcidencr. Jeder regt ihn an. zu fördern, weiter zu schaffen. Eines TagcS bekam ich einen Brief. Er war von ihm. „Könnten Sie nicht cinnial kommen? Es müßte allerdings bald sein. Ich hätte eine Arbeit für Sie." Nachmittags ging ich hinaus. Ich fand ihn im Studierzimmer; es war blau. Die Pfeife dampfte. „Guten Tag, Herr Professor I" „Guten Tag I" Er erhob sich, schlug daS Buch zu. „Ich hätte eine Arbeit für Sie. Nämlich: ein Verleger wünscht ein Buch— Soziale Zustände im Mittelalter. Wenn Sie das schreiben könnten?" Das konnte ich. „Nun denn einige Ratschläge. Studieren Sie die wirtschaftliche Ausbeutung. An Hand der Feudalherrschaft. An Hand der Kirche. Die systematische Voirsknechtlnig. Die Inquisition, die Raubritter Er hielt einen ganzen Vortrag. Sein erstaunliches Wissen schaffte für alles Belege, gestaltete alles bedeutungsvoll, zog aus allem Schlüsse. Als ich nach einer Stunde ging, hatte ich die Ge- wißheit, die Aufgabe zu lösen.---- Auf mciuem Tisch häuften sich Bücher, Chroniken, Tabellen, Weltgeschichten. Notizen lagen umher. Ich las nur vom Mittel- alter, dachte nur ans Mittelalter— vier Wochen lang. Dann sah ich, daß es so nicht ging. Es war farblos. „Ich muß nach Nußland," sagte ich. Meine Frau erschrak. „Ja," sagte ich.„Man muß an der Quelle studieren." „Was studieren?" Ich war ärgerlich. Den ganzen Tag schon war ich ärgerlich. nicht verletzt werden solle. Hinter der Anstalt Mielczhn aber stehe der Evangelische Verein für Waisenpflege in der Ostmark, stehe die G e rma n i si e r u n g sp o l i t i k, bei deren Förderern der noch immer vom Blockgedarrken erfüllte Liberalismus nicht an- stoßen� wolle. Daher die Bemühungen, den Skandal von Mielczhn izu beschönigen und zu vertuschen! Eine Umkehr zu besseren Grundsätzen der Fürsorgeerziehung sei von dort aus kaum zu erwarten, sie müsse herbeigeführt werden durch die S o z i a Z- d e m o k r a t i e, die im Kampf gegen die Verwahrlosung der Jugend den rechten Weg zu gehen wisse. Dem mit stürmischer Zustimmung aufgenommenen Vortrag folgte eine sehr ausgedehnte Diskussion. Sie gab gleichfalls Zeugnis von der gewaltigen Erregung, die durch die Aufdeckung des Mielczyner Treibens und durch die Vertuschungsmanöver des Berliner Kommunalfreisinns hervorgerufen worden. Die Mög- lichkeit solcher ungeheuerlichen Zustände, wie sie in Mielczhn vor- gekommen sind, wurde von mehreren Rednern und Rednerinnen daraus erklärt, daß die meisten Erziehungshäuser noch immer unter der Fuchtel von Pa stören stehen. Es wurde emp- fohlen, daß die unbemittelte Bevölkerung durch völlige Lossagung von der Kirche bekunden möge, wie sehr ihr der Einfluß der Schwarzen auf das Erziehungswesen als schwere Gefahr gilt. Die Lehren, die aus der Affäre Mielczhn sich im besonderen für die Frauen ergeben, wurden von der Genossin M a t s ch k e hervor- gehoben, desgleichen die Nutzanwendung, die bei den bevorstehenden Stadtverordneten Wahlen gegenüber dem Kom- mu nal fr e i s i n n zu machen ist. Von Gegnern wagte ein einziger sich hervor, ein Herr Schott. Er behauptete keck, daß die Beschuldigungen gegen Breithaupt übertrieben und eigentlich nichts bewiesen sei, und er pries Pastor Bodelschwingh, bei dem Herr Breithaupt seine Ausbildung zum„Erzieher" sich geholt hat. Dieser Verteidiger des Prügelsystems überging mit Stillschweigen, daß Breithaupt selber, wie schon gesagt, nur zu viele der gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen als zutreffend hat eingestehen müssen. Und er wußte nicht, daß Breithaupt sich zu entschuldigen gesucht hat mit einer Andeutung, die dahin aufgefaßt wurde, auch bei Bodelschwingh sei nicht zu knapp geprügelt worden. Genosse Bernstein sagte in seinem Schlußwort, aufs neue sei durch das Verhalten des Berliner Kommunalfreisinns zur Affäre Mielczhn gezeigt worden, daß in unserer Stadtverwaltung nur von der Sozialdemokratie wie auf allen Gebieten, so auch im Erziehungswcsen eine Förderung zu erwarten sei— von der Sozialdemokratie, die allein auch das Hemmnis jedes Kulturfort- schrittcs, das die moderne Gesellschaft �herrschende System des Kapitalismus beseitigen wolle. Einstimmig wurde dann folgende Resolution angenom- men:„Die am 6. August in den Germaniasälen tagende Versamm- lung hat mit Entrüstung Kenntnis genommen von den zum Himmel schreienden Zuständen in der Anstalt Mielczhn, der bis- her eine große Anzahl Berliner Fürsorgezöglinge in Pflege ge- geben war. Angesichts der vom Referenten angeführten sonnen- klaren Tatsachen protestieren die Versammelten gegen die kläglichen Vertuschungsversuche des liberalen Magistrats der Stadt Berlin, sie protestieren ferner gegen den die Bevölkerung auf das tiefste empörenden Beschluß desselben, einen Teil der Zöglinge in dem Prügelstift zu belassen, ohne daß von dem Anstaltsdirekwrium ein Personenwechsel auch nur versprochen worden ist. In Ueberein- stimmung mit dem Referenten sind die Versammlungsbcsucher der Ueberzeugung. daß die Interessen der Berliner Einwohner von den städtischen Behörden gegenüber den Greueln in der Mielczyner Anstalt nicht im geringsten geschützt werden. Sollte der Magistrat seinen der Gerechtigkeit ins Gesicht schlagenden Beschluß nicht in Kürze rückgängig machen, dann wird es Sache der Berliner Be- völkerung sein, mit der säumigen, die Mielczyner Verhältnisse be- schönigcnden Behörde ein ernstes, nicht mißzuverstehendes Wort zu sprechen." /Zks der Partei. Aus den Organisationen. Die Parteibewegung im Reichstagswahlkreis Hanau-Geln- hauscn-Orb hat nach dem Jahresbericht für die Zeit vom 1. Juli 1908 bis zum 30. Juni 1909 außerordentlich gute Fort- schritte gemacht. Während der Organisation am 1. Juli 1908 8820 Genossen angehörten, waren am 30. Juni 1909 in 64 Filialen 5928 Mitglieder organisiert(darunter 784 weibliche)! Die Ein- nahmen und Ausgaben des Kreiswahlvcreins schließen mit 20 784,11 Mark ab. Die Gemeindevertreter nahmen im April d. I. in Hanau an einem Lehrkursus über Kommunalpolitik teil, in dem als Lehr- kräfte die Genossen Hoch und Dr. Wagner fungierten. „Was studieren? In Rußland? Natürlich das— Mittelalter! „Genügen denn die Bücher nicht?" „Sie sind farblos." „So sprich doch mal mit dem Professor I' DaS leuchtete mir ein. Wenn niemand Rat wußte— der wußte welchen. Der fand schon daS Rechte. Ich mache mich auf und fuhr hinaus. Er saß im Studierzimmer. Vor ihm lagen Bücher. Die Pfeife dampfte. „Guten Tag, Herr Professor?" „Guten Tag! Na, wie weit sind Sie denn?" „Es will nicht recht," sagte ich.„Die Bücher sind farblo?." «Ja, das sind sie." „Ich will nun nach Rußland." „Nach— Rußland?" Er sah erstaunt über die Brille. „Ja, es ist doch immerhin— au der Quelle—" „Nußland!" sagte er.„Rußland— an der Quelle I" Dann setzte er sich. Er sah mich an, schien etwas nicht zu der- stehen... Er wiegte den Kopf... „Aber Herr Larsen I Soziale Zustände im Mittelalter! Knechtung, Ausbeutung I Und da— Bi'icherstudium? Da— Rußland? Mittelalter!— daS können Sie doch in Preußen haben!..."_ W. P. Larsen. Die Deutsche Gesellschaft für Vorgeschichte eröffnete ihre erste Hauptversammlung, die zugleich die erste deutsche Tagung für Vor- geschichte ist, am Sonnabend in Hannover. Die Gründung der Ge- sellschaft, die im Januar dieses Jahres in Berlin erfolgte, zeigt, daß auch in der wissenschaftlichen Welt der Grundsatz der Arheits- teilung bei zunehmender EntWickelung der Forschmig sich immer mehr Geltung verschaffen muß. Bisher ist in Deutschland die Vorgeschichte und vorgeschichtliche Forschung allzusehr als Anhängsel der Anthropologie und � der anthropologischen Forschung betrachtet worden und neben dieser daher immer erst in zweiter und dritter Linie gekommen. Deshalb hat Professor Dr. Kossinna, der den ersten Reichsdeutschen Lehrstuhl für Archäologie inue hat, und zwar an der Universität Berlin, sich schon längere Zeit bemüht, die vorgeschichtliche Forschung von der anthropologischen etwas mehr loszulösen; cS ist ihm und seinen Schülern gelungen. im Januar dieses Jahres die deutsche Gesellschaft sür Vorgeschichte zu gründen. Dieses Vorgehen fand in den Kreisen der archäolo- gischen Forscher ungeteilten Beifall, so daß die Gesellschaft in dem halben Jahre ihres" Bestehens rasch auf rund 300 Mitglieder an- gewachsen ist. Das Bananenschiff. Eine große schottische Werft hat ein ganz neuartiges Schiff gebaut, das eigens zur Verfrachtung von Bananen eingerichtet ist und jetzt auf seiner ersten Fahrt nach West-Jndien Der 15. sächsische Reichstagswahlkreis(Mittweida-Limbach) hat, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, am Ende des Be- richtsjahres 27 Lokalorganisationen(3 mehr als im Vorjahre), 3335 Mitglieder(293 mehr als im Vorjahre), 141 Gemeindever« treter(8 mehr als im Vorjahre). An den Parteivorstand wurden 1750 M. abgeliefert. In der Generalversammlung kam es bei dem Punkt„Presse" zu einer Aussprache über die„Ehem. nitzer Volksstimme". Die Genoffen von Mittweida brachten eine Resolution ein, in der sie sich mit der Haltung des Blattes einver- standen erklärten. Genosse Heim-Limbach dagegen erklärte sich mit der prinzipiellen Haltung der Zeitung nicht einverstanden: Ein Machwerk wie dos Buch des Dr. Arthur Schulz hätte nicht so freundlich besprochen werden dürfen. Auch die persönlichen Spitzen gegen die„Leipziger Volkszeitung" wären besser unterblieben. Der Bericht über die letzte Kreisversammlung sei nicht objektiv gewesen. Die Genossen Alban Landgraf-Limbach, Ehrlicki-Limbach-Ober- frohna und Winkler-Limbach schloffen sich diesen Beschwerden an. Die Genossen Engelmann-Frantenberg, Rakurow-Frankenberg. Lehmann-Mittweida und Redakteur Heilmann-ChemNitz traten den Vorwürfen entgegen. Genosse Mehner-Hartmannsdorf ist mit der Haltung der Redaktion einverstanden, bittet aber, keine persönlichen Polemiken mit anderen Parteiblättern zu führen. Auf Antrag des Genossen Heilmann wurde einstimmig beschlossen, über die Resolution von Mittweida nicht abzustimmen. pollreillcbcs, OcrichtKclica ulve. Die Berufungsinstanz beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Urteil des Schneeberger Amtsgerichts gegen die Genossen Redakteur Bartels von der Chemnitzer„Volksstimme" und Gcschäftsgehilfe R ü l k e in Schneeberg. Wegen angeblicher Beleidigung des Bürgermeisters Dr. v. Woydt in Schneeberg war Rülke zu der un- geheuerlichen Strafe von 3 Monaten Gefängnis, Bartels zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Beide hatten Berufung gegen das Urteil eingelegt, desgleichen die Staatsanwaltschaft, der die Strafen noch zu gering erschienen. Das Urteil der Berufungs- kammer lautet auf Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils bezüglich Rülke, der zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt wurde; bei Bartels soll es beim Urteil der ersten Instanz sein Bewenden haben. Soziales. Kinderauktion. Als Beweis für die Tatsache, daß einzelne Behörden, denen das Gesetz die Fürsorge für Kinder zuweist, dazu völlig ungeeignet sind, wird in dem mit großer Sorgfalt verfaßten, von der Zentrale für private Fürsorge herausgegebenen dritten Jahrgang des„Jahrbuchs der Fürsorge" u. a.—> leider ohne Nennung der Orte— folgender Beschluß eines Bürgermeisteramts mitgeteilt, der die Versteigerung eines Säuglings an den Mindestfordernden anordnet: „Der Armenpflegschaftsrat hat in seiner heutigen Sitzung die Uebernahme des Kindes R. beschlossen. Dasselbe soll in M. abgeholt und sodann in C. öffentlich an den Wenigstbietendcn vergeben werden. C., den 7- Juni 1907. Das Bürgermeisteramt."' Ein ähnliches Inserat veröffentlichte dieser Tage eine Schweriner Zeitung. Es lautet: „Am Montag, den 9. d. M., mittags 1 Uhr, sollen im Schulzen. Hause zu Sukow vier Kinder(Waisen), drei Mädchen von 2 bis 5 Jahren und 1 Knabe von Va Jahr, gegen Entschädigung vergeben werden. Der Gemeindevorstand." Fehlt freilich der ausdrückliche Hinweis auf das Mindest- gebot. Derartige Fälle zeigen, wie notwendig auch zur Ber- hütung behördlich begünstigter, wenn auch nicht beabsichtigter Engelmacherci die von sozialdemokratischer Seite so oft be- tonte Schaffung großer Unterstützungsverbände ist, die aus Männern und Frauen auf Grund des allgemeinen gleichen Wahlrechts gewählt sind._ Vereitelte Prozcsivcrschlcppung. Ein gewisses Interesse, die Prozesse, die von ihren Angestellten gegen sie angestrengt werden, zu verschleppen, scheint die Berliner Nachtwache-Gcsellschaft G. Gocde n. Co. zu haben. Zwei bis vor kurzem bei ihr als Wächter tätig gewesener Angestellte klagten beim Gewcrbegericht auf Zahlung rückständigen Gehalts und Rückzahlung der Kaution. Im vorigen Termin ließ sich die alleinige Inhaberin der Gesellschaft, Frau Clara Goede, vertreten. Jedoch konnte sich begriffen ist. Nach einer Beschreibung, die in der Wochenschrift „Engineer" von diesem einzigartigen Fahrzeug gegeben wird, hat es bei einer Größe von 5000 Tonnen abgeschlossene Laderäume von 100 000 Kubikmeter und kann tm ganzen 65 000 Kubikmeter Früchte aufnehmen. Diese Laderäume sind aufs sorgfältigste mit gemahlenem Kork isoliert, der sie in einer Schicht von etwa 20 Zentimeter Dicke umgibt. Die Behälter sind so gebaut, daß die Fruchtbündel während der Schiftsbewcgung nirgends in Berührung mit metallnen Oberflüchen kommen können. Soweit über- Haupt solche in der Nähe sind, haben sie eine Schutzkleidung von Holz oder Hanftauen. Die wichtigste und schwierigste Vorrichtung'in dem Schiff ist eine sorgsame Anlage von Lustkanälen, die der Ladung dauernd kalte Luft zuführen und sie ganz damit durch- dringen. Die Abkühlung der Luft wird durch eine besondere Maschine bewirkt, wie sie zur Bereitung von flüssiger oder fester Kohlensäure benutzt wird. Auf diese Weise wird im Laderaum eine gleichmäßige Temperatur von 13 Grad erhalten, was für eine Fahrt, die sich großenteils in tropischen Meeren vollzieht, in An- bctracht der großen Ausdehnung des Laderaums, als eine erhebliche Leistung zu bezeichnen ist. Trotzdem wird die Beschaffenheit der Ladung noch einer häufigen Prüfung unterworfen. Auf diese Weise ist alles dafür geschehen, um die Früchte in tadellosem Zu- stände bis nach ihrem Bestimmungsort Manchester zu schaffen. Die Bananen werden ohne jede Bedeckung verfrachtet. Die ebenso nahr- haften wie wohlschmeckenden Bananen, die jetzt schon in England sehr beliebt und billig sind, werden durch diese VerfrachtungS- Methode zweifellos noch wohlfeiler werden. Hoffentlich profitieren wir auch bei uns davon. Humor und Satire. Miekczhniana. Der Pastor Breithaupt, der Leiter der FursorgeerziehmigSanstalt in Mielczhn, ist ein lieber Herr. Um seine Zöglinge im Rechnen zu üben, mußte einer immer die Hiebe zählen. die ein anderer aufgezählt bekam. Als der Zähler eines TagcS 29 zählte, der Gehauene aber behauptete, er habe schon 30 be- kommen, entschied Breithaupt mit gütigem Lächeln:„Ich weiß nicht, wer von Euch beiden Recht hat, fangen wir also mit den Peitschen- hieben noch einmal von vorn an." m Pastor Dreithaupt ist von einer unerschütterlichen GerechtigkcitS- liebe. Ein Zögling wurde durch ihn zu drei Tagen Kartoffelkeller- arrest verurteilt. Der Inspektor sperrte ihn, da der Kartoffclkcller schon auf Monate hinaus besetzt war, in den Kohlcnkeller. Als Breithaupt dieS nach Verbüßung des Arrestes erfuhr, Ivurde er sehr böse. da der Kohlenkeller kleiner, dunkler und feuchter war als der Kartoffel- kellcr. Er befahl deshalb, daß der Aufenthalt im Kohlenkeller dem Zögling nicht als Strafe angerechnet werden solle, daß dieser vielmehr die drei Tage im Kartoffelkeller absitzen müsse.(„Jugend".) der Vertreter, Keil döllig uninformiert, sich zu den Klageanträgen nicht äußern. Das Gericht mußte deshalb die Verhandlungen ver- tagen, und ordnete das persönliche Erscheinen der Beklagten an. Diese erschien auch zum gestrigen Termin, erklärte aber, daß sie nicht verhandeln könne, da sie nicht informiert sei. Mit der Ge- schäftsführung habe sie ihren Ehemann betraut, der auch nur allein richtige Auskunft hinsichtlich der klägerischen Forderungen geben kann. Das Gericht erblickte wohl in dem Verhalten der Beklagten nicht mit Unrecht die Absicht, die Prozesse nur unnötig hinzuziehen. Es erließ deshalb gegen die Beklagte auf Grund des § 333 der Zivilprozeßordnung Bersäumnisurteile. Gründe zur Lösung des Lehrverhältnisses. " Der Druckerlehrling St. klagte gestern vor dem Gewerbegericht im Beistand seines Vaters gegen seinen Lehrherrn, den Buch- druckereibesitzer Gellcrt, auf Zahlung des rückständigen Kostgeldes für zwei Wochen im Betrage von 11,44 M. und verlangt weiter, daß der Beklagte verurteilt wird, in die Auflösung des Lehrvcr- haltnisses zu willigen. G. befindet sich seit einiger Zeit in Zah» lungsschwierigkeiten. Es ist ihm vor einigen Wochen auch die Schnellpresse, an der Kläger bisher arbeitete, gepfändet worden. Der Kläger hält dieserhalb eine weitere Ausbildung nicht mehr für nwglich. Gegenwärtig stehe er nur im Betriebe herum. Ter Beklagte lasse ihn aber nicht gehen, da er sichtlich aus eine möglichst billige Arbeitskraft angewiesen ist. Der Beklagte bestritt, daß sein Betrieb in der Auflösung begriffen ist. ES sei nur gegenwärtig eine stille Geschäftszeit. Die vorhandenen Zahlungsschwierigkeiten gab er zu. Ein jetzt schwebender Prozeß müsse aber in den nächsten Tagen entschieden werden und, wie er erwarte, nicht zu seinen Ungunsten. 11,44 M. an Kostgeld erkennt er an. rückständig zu sein. Verschiedene Fragen des Vorsitzenden, Magistratsassessor v. Schulz, über den gegenwärtigen Stand des schwebenden Prozesses beantwortet der Beklagte ausweichend. Das Gericht verurteilte ihn, den anerkannten Kostgeldbetrag zu zahlen und in die Auflösung des Lchrverhältnisscs zu willigen. Nach dem Lehrvertrage und dem Gesetz, hieß es in den Gründen, ist der Kläger berechtigt, schon wegen des schuldigen Kostgeldes die Lösung des Lehrverhältnisses zu verlangen. Ueberdies konnte sich aber auch das Gericht der Ansicht nicht verschließen, daß der Beklagte tatsächlich im Begriff stehe, seinen Betrieb aufzulösen, oder ihn doch aufzulösen gezwungen sei. Folgen der Nichtverwcnbung von Lohnbüchern. Gegen die Inhaberin einer Kartonfabrik, Henriette Burstein, Kastanienallee 34, klagte die Arbeiterin N. Sie war als Heim- arbeiterin für die Beklagte tätig. Bei der letzten Lohnzahlung sind ihr ö M. weniger gezahlt worden als vereinbart war, und zwar weil bei einer gelieferten Arbeit 63 an 1006 Stück gefehlt haben sollen. Die Klägerin will aber die richtige Anzahl geliefert haben. Die Einrichtung der Lohnbücher, in die die den Arbeite- rinnen in Auftrag gegebenen Arbeiten nebst dem dafür zu zahlen. den Lohn, sowie die gelieferten Arbeiten einzutragen sind, ist von der Beklagten nicht beachtet. Der als Zeuge vernommene Ehemann der Beklagten, dem die Geschäftsführung obliegt, mußte obendrein noch zugeben, daß die Arbeit nicht bei der Ablieferung in Gegen- wart der Klägerin, sondern erst später nachgezählt worden ist. Das Gewerbegericht kam zur Verurteilung der Beklagten, weil sie der Beweispflicht für ihre Behauptung nicht genügen konnte. Die völlige Sonntagsruhe im Handclsgewcrbe ist in Offenbach a. M. vom größten Teil der Geschäftsinhaber frei- willig eingeführt. Jetzt hat endlich die Handelskammer beschlossen, bei der hessischen Regierung die Genehmigung eines bereits von der Stadt Offenbach beschlossenen Ortsstatuts über die Einführung der völligen Sonntagsruhe zu empfehlen. Wenn die Regierung keine weiteren Schwierigkeiten macht, dürfte die größte Industrie- stadt Hessens bald völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe haben. Zündholzschachteln als Agitationsmaterial. Unsere Mitteilung über den scherzhaften Reinfall des liberalen Görliher Konsumvereins hat, wie wir einer Zuschrift entnehmen, die total irrige Auffassung aufkommen lassen, als ob der Zittauer Konsumverein aus anderen Gründen, als dem der reinen Freude über den Görlitzer Reinfall, die Abnahme der sozialdemokratisch verseuchten Zündhölzer abgelehnt hätte. Die Zuschrift gibt dem Gedanken Raum, als habe der Zittauer Konsumverein sich geniert, die„sozialdemokratischen" Feuerhölzchen zu verkaufen. Wir wollen ausdrücklich feststellen, daß der Zittauer Konsumverein 5 Kisten a 1000 Packete„Freigeist-Zünder" verkaufte. Auf jeder Schachtel befindet sich fplgende durch ein Bild illustrierte Aufschrift: .„Freigcist-Zünder". In daS Heim des Arbeiters gehört seine Zeitung:„Der Freigeist"- Erscheint in Reichenberg jede Woche zweimal und lostet mit freier Zustellung in HauS vierteljährig K. 2,60." Aehnliche Aufschriften für in deutschen Fabriken hergestellte Zündhölzer wären recht erfreulich. Hus Induftnc und Handel Amerikanischer Zolltarif. Der neue Tarif mit durchweg höheren Zollsätzen hat bereits die Unterschrift TaftS gefunden und ist mit dem gleichen Tage in Kraft getreten. Deutschland, als einer der Vertragsstaaten, hat allerdings noch eine Galgenfrist von einem halben Jahre nach erfolgter Kündi gung des Vertrags, also wahrscheinlich bis Mitte Februar nächsten Jahres. Bis dahin müssen die neuen Verträge zustande gekommen sein, oder es tritt zu den neuen Zollsätzen automatisch ein Zuschlag von 25 Proz. Durch die neuen Zollsätze besonders schwer getroffen werden: die deutsche Ansichtskartenindustrie, das Papiergewerbe, die Solinger Kleineiscnindustrie. die Spiegelglasfabriken, der Parfümexport, auch die Textil- und Konfektionsindustrie, namentlich Krefelder Ware, Spitzen, Pelzbckleidungen usw., wird schärfer belastet, sodann haben die deutschen Exporteure von Porzellan, Spielzeug, feinen Lederwaren, Chemikalien, Weinen und Likören mit höheren Zollsätzen zu rechnen. Die Vorschrift, wouach bei der Verzollung einer Ware nicht deren Wert im Ursprungslande, sondern der Marktwert in den Vereinigten Staaten zugrunde zu legen ist, kann in einzelnen Fällen eine außerordentliche Belastung bis zu 100 Proz. des Einfuhrwertes und mehr bedeuten. Handelsverträge sollen nur mit jenen Auslandsstaaten geschlossen werden, die sich keine„Diskrimination" gegen die Vereinigten Staaten oder von dort zur Einfuhr gebrachte Waren zuschulden kommen lassen. Wer solcher Sünde nicht frei ist, soll 25 Proz. Zusckckag auf die allgemeinen Sätze zahlen. Eine Diskriniination Deutschlands zuungunsten der Vereinigten Staaten wird jedenfalls in der Be« Handlung der Einfuhr von Schlachtvieh und Fleischwaren aus Amerika nach Deutschland gefunden. Es ist demnach zu befürchten, daß es zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten noch zu Zoll- konflikten kommen wird._ Rückgang der Kohlenproduktion. In der Zechenbesitzer-Versammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlenshndikats am Freitag wurde folgende Uebersicht der Förder- und'Absatzverhältnisse des ersten Halbjahres 1909 bekanntgegeben. ES betrug die Förderung der Syndikatszechen im ersten Halbjahr 1909 39 072 192 Tonnen(im ersten Halbjahr 190S 40 390 839 Tonnen). Der Rückgang stellt sich mithin auf 1 313 647 Tonnen gleich 3,37 Prozent. Die gesamte Lage deS Kohlenmarktes hat seit der letzten Bericht- erstattung eine wesentliche Besserung nicht erfahren. Der sortgesetzt gedrückten allgemeinen Geschäftslage entsprechend ist eine nachhaltige Zunahme deS BrcnnmaterialbedarfS der Industrie nicht zu ver- zeichnen, infolgedessen auch das Absatzgeschäft in den Monaten Juni und Juli dieses Jahres noch immer ein unbefriedigendes Ergebnis gehabt hat. Zu benierken ist, daß eS sowohl im Juni wie im Juli notwendig gewesen ist, einen wenn auch nicht erheblichen Teil der abgenommenen Menge Kohlen und Briketts auf Lager zu nehmen. In der Beiratssitzung wurden die Umlagen für das dritte und vierte Quartal 1909 wie bisher für Kohlen auf 9 Proz., für Koks auf 8 Proz., für Briketts auf 5 Proz. festgesetzt. Die Zechenbesitzer« Versammlung setzte die Beteiligungsanteile für September dieses JahreS wie bisher in Kohlen auf 80 Proz., in Koks auf 60 Proz. sowie in Briketts auf 80 Proz. fest. ES bleibt demnach bei der bisherigen zienilich erheblichen Einschränkung. Ein Beweis, daß irgend welche Hoffnungen auf baldige Zunahme deS Verbrauches nicht gehegt werden._ Eine neue Ueverlandzentrnle. Die Große Leipziger Straßenbahn gründete vor etlichen Jahren eine Außenbahngescllschaft, die eine Anzahl Vorortlinien betreibt. Die G. L. S. besitzt zwei Drittel ihrer Aktien. Jetzt beschäftigt man sich damit, für die Außenbahn ein eigenes Elektrizitätswerk zu bauen. Es soll eine elektrische Straßenbahnverbindung bis Schkeuditz(Preußen) hergestellt werden. Der Plan ist so ähnlich gedacht, wie bei der Elektrizitätslieferungs-Aktiengesellschaft, von der wir kürzlich meldeten, daß sie einen bedeutenden Kohlcnabnahmc- vertrag mit dem Braunkohlenwerk„Herkules" in Zittau-Hirsch- felde abgeschlossen habe, der die Grundlage zu einer Ueberland- zentrale in der Oberlausitz werden soll. Die neueste Ueberland- zentrale soll außer der Außenbahn-Aktiengesellschaft auch die sächsischen Amtshauptmannschaften Leipzig und Grimma und die beiden preußischen Kreise Merseburg und Delitzsch mit elektrischer Energie versorgen. Ein Millionenauftrag! Die Zentrale soll angeblich auf dem Gelände der Braunkohlenwerke Kulkwitz bei Markranstädt domilizieren. DaS Werk, dem Verkaufsverein sächsischer Braunkohlenbergwerke angehörend, baute sich vor zwei Jahren schon eine eigene elektrische Zentrale. Die Kohlenförderung soll bei einer jährlichen Ausbeute von 300 000 Hektolitern auf rund 60 Jahre gesichert sein. Der Grundbesitz beträgt 380 Hektar. Da gibts wieder Geschäfte; bei der Außenbahn-Aktiengesellschaft neue Kapitalerhöhungen, für die A. E. G. einen neuen Riesen- lieferungSauftrag, und für die eiirzelrtefl Gemeinden trtch Städke, so sagt man jetzt schon, finanzielle Zuschüsse! Das Projekt gehört ledenfalls mit zu den größten dieser Art, und bedeutet für die Gegend eine industrielle Revolution. Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luremburg während des Monats Juli 1909 insgesamt 1 091 059 Tonnen gegen 1 0s? 421 Tonnen im Juni 1909 und 1 010 770 Tonnen im Juli 1908. Die Erzeugung während der Monate Januar bis Juli 1909 stellte sich auf 7 340 543 Tonnen gegen 7 060 491 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Vom Stcuergeschüft der Spirituszcntrale. Die„Sächsische Industrie", das Bundesorgan der sächsischen Industriellen, klagt darüber, daß die Spirituszentrale die Macht, die das neue Bräunt- tveingesetz ihr gebe, rücksichtslos auf Kosten der Industrie aus- nütze. Es heißt da:„Bereits Mitte Juli erhöhte die Zentrale ganz unerlvartet den Preis um 10 M. pro Hektoliter, ohne daß diese Erhöhung in der Marktlage, oder in anderen Umständen be- gründet gewesen wäre. Die Zentrale setzt die Preise nicht nur ganz nach ihrem Belieben fest, sie verweigert auch das Eingehen von Licferungsabschlüssen zu festen Preisen auf Lieferungen, und Abgabe von größeren Mengen Spiritus über den üblichen Monats- bedarf des Industriellen, selbst gegen sofortige Bezahlung und Ab- nähme. Die Entrüstung ist allgemein. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß gegen die Uebergriffe der Spirituszentrale nichts zu erreichen ist."_ Amerikanische Hotels in Europa. Große und ehrgeizige Pläne werden dem gegenwärtig sich in Europa aufhaltenden Geschäftsführer des Plaza-Hotcls in New-Dork zugeschrieben. Die Aufmerksamkeit hat der Genannte durch die An- kündigung auf sich zu lenken gewußt, er sei im Begriff, den Bau einer prachtvollen Dampfjacht von 6000 Tonnen Raumgehalt. 640 Fuß Länge und 13 bis 20 Knoten Fahrgeschwindigkeit, in Auf- trag zu geben, welche als schwimmender„Annex" deS Plaza-Hotels Gäste desselben zwischen New-Dork und Southampton zu 15 Proz. höheren als den regulären Fahrpreisen befördern soll. Mit dieser Neuerung nicht zuftieden, plant der Genannte des weiteren, angeblich die Errichtung amerikanischer Hotels in London und Paris und vielleicht auch in europäischen Hauptstädten, um damit den alljährlich in immer größeren Scharen Europa besuchenden Amerikanern die Bequemlich- leiten sowie den Komfort und Luxus zu bieten, wie sie in den europäischen Hotels selten zu finden find. Schon soll der unter- nehmende Herr wegen Ankaufs von geeigneten Grundstücken in London und Paris in Unterhandlungen stehen. Also haben die Leute, die vorsichtig waren in der Wahl der Eltern, die Aussicht, daß sie in Zukunft nicht mehr in den ihren Bedürfnissen nicht genügenden europäischen Hotels logieren müssen. Die schaffenden Proletaner, die die glanzvollen Paläste bauen und selbst in elenden Löchern hausen, können da wieder mal sehen, was die reichen Leute für Sorgen und Nöte habm. Sogar schwimmende Hotels müssen sie bauen lassen, um nach ihrer Ansicht anständig eben zu können._ WitterungSüberstcht vom 7. Auguft lSVS. m»rgen«» od«. Stationen S- !3 2 765» 767 R 766 SO 765 NO 765 SD 763 N» «vctterpro, Trocken, vielfach I westlichen Winden. Ewtnemde. Hamburg Berlin Frantf.a.R. München Wien II 9? Setter 1 heiter l! Dunst 1 woltenl 3 woltenl 2 wolkig 2 bedeckt »SS M* Ctotfonen Havaranda Petersburg Sctlly Ab erde» Pari- ittofe für Tonntag, den iclter und am Tage warm, Berliner ö? J. 753» 761 N» 766 N 765 Still 764 NO 13 16 Sjbedeckl wölken!„ woltenl 17 heiter 17 woltenl 18 8.«ngnft 1909. bei meist schwachen Nord- W etterburea». Setta 's? s" |- üa LSailerstandS-Stachrtchten der Landes an statt für Gewässerkunde, mttgetev vom Berliner Wetterbureaa. Wasserstand Stemel. TUM Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thon, Oder, Rattbor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrinnn , LandSberg Netze, vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Varbv . Magdeburg 9 bedeutet Wtlch».— Fall.—») Unierpegel. In dieser Woche besonders vorteilhaftes Angebot: für ca. Jahre Fasson Norfolk, grau u. braun melierte Stoffe Schul-Anzüge für ca. Jahre Elegante Blusen-Anzüge 9-11 10 Mk. 3-5 12-14 12 Mk. 6-8 7.50 8.50 aus blauem Kammgarn, ganz gefüttert, verschiedene Fassons für ca. Jahre 6—9 10—14 Schul-Beinkleider bewährte Qualität 1.50 1.85 aus reinwoll, marine Cheviot, Kragen mit lYJLdll UoWilüiCIUd Tresse u. 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Andreassttafee 17.— Wiihelin Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. WVaUIkrels, Südosten: Paul Böhm, Laufltzerplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hos). O. Wahlkreis(Moabit und Hansavlcrtcl): Karl Ander», Salzwedelerstt. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstrafee 49. Bosenihaler und«Irnnlenhiirger Torstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 36, Eingang Zintiamersirafee. Oesuudhruuiieu: F. Trapp, Stettmerstr. 10. Sehttnhauser Torstadt: Karl Mars, Lhchenerstr. 123. .Adlershof: Karl Schwarzlose, Hossmannstt. 9. AIt-t»11en1eke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Baumschulen weg: H. Hornig, Marienihalerstr. 13, l. Bernau-Böntzxental: Heinrich Brase, Hohesteinstr. 74, Part. Bohnsdorf und Falkcnberg: G. Pseiser, Bohnsdorf, Ge» nossenschastshaus. Charlottenhnrs: Gustav Scharnberg. SesenHeimerstrafee 1. Eike Goethestrafee, Laden. Blohwalde, Zenthen, Miersdorf und Hankcls Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, stronprizizenstt. LI. Brkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Friedenau- Steglit*- Südcnde: H. Berns ee, Schlofestr. 119, Sos I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Stegllto: . Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Ahornstt. Iba. Frlcdrichshagcn: Ernst Werlmann, Friedrtchstr. 67. Grünau: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Bohen-Teuendorl: Wilhelm T e n t s ch e r, Stolperstr. 50 I, dohanulsthal: P i e l i ck e, Kaiser-WilHelm-Platz 4. Karlshorst: Richard Kiiter. Rödelstr. 9, II. Küuigs-Wusterhuusen: Friedrich Baumann, Bahnhosstr. 18. Köpenick: Emil W i fe l e r. Kietzerstr. 6, Laden. l-lohteuherg, Frledrlclisfelde, Wllbclmsbcrg: Otto Settel, Kronprinzenstrafee 4, I. Mahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdors, Walderseeslr. 14. Marlendorf: August Leip, Chausseestr. 296, Hos. Tcn-WciUcnsec: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Aileder-Schönewelde: Paul B e n g s ch. Grünauerstt. 8. Alowawes: Wilhelm I a p p e, Frtedrichstt. 7. 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BierbeCheP mit Gordaufbehriflen 1 5 Pf. Zitronenpressen 8pr. Zitronenpressen uSaS" 1 6 pr. Marmeladendosen 15, 20 pr. Milchgläser v. L««r 1 5 pr Kompotteller gepresst 5 pr. Käseglocken gepresst 38 pr. Weissbierpokale 1 3, 33 pr. Wassergläser 5, 7 Zuckerschalen 1 5 pt Ein Restposten Salatieren gepresst 20, 60 pr. Bierbecher gepresst 7 pr. Bierbecher mit geschua Boden 1 5 PC Selterbecher Bodfn,ehUffenera 1 2 pc Kompotteller gepresst 7 pr. Schleifglas Bierbecher geschuaen 27 p«. Wasserbecher gesctuaen 20 pr. Saftkannen geschliffen,ea.V,I.tr.90 PC Bowlenkannen 1.40, 1.65 glatt 65 Pf., geschliffen 1,10 Butterglocken �«.65 pc. 1.15 Fruchtschalen geschliffen 1.20 Käseglocken fCM. 85, 95pf.,1.20 Likörkelche geschaffen 1 6---. Likörkelche giatt 13, 15 pc Römer 1 6, 20, 35, 48 pc Salatieren geschliffen 25 bis 35 pt. voll ca. 12—24 cm Durchmesser Teller geschliffen 18, 22 PC Sturzflaschen geschüffen 75 pc Sturzflaschen j.Vh&emB.ch.�S pc Wasserflaschen L'h,. 45, 85 pc Weissbierpokale 65 pr. 1.10 _._ mit Berliner Ansichten, Goldrand OO Ein Posten DiePueCner und starkem Boden � Pt. Neue Tpinkgapnitup„Mapgapete'�raviert Rotweingläser 30 pc Weissweingläser 30 pc Madeiragläser 27 pc Bowlengläser 36 pr. / Likörgläser Sektkelche Sektschalen Biertulpen 23 pc 36 pc 40 Pc 40 pc Bierbecher 22 p,. Teebecher 22 pc Selterbecher 22 pc Ein Waggon Steinschliff-Imitation ISchapfarl« Blau Butterdosen m» 7.11« 55 pc Bratenplatten ovai 33 pc»isl mh. Kaffeebecher 9, 10, 12 pc Milchtöpfe Vs bis 2 uter 17, 75 pc Milchtöpfe Formfl*Gr. 1 8 b. 75 PC KartofFelnäpfe 75 pc Satz Salatieren«stückl.10,1.55 Saucieren Tassen Teller tief und flach Dessertteller Kompotteller 95, 70 pc 1 4 pc 10 PC 9 pc 8 pc Tafel-Geschirr glatte Form, mit blauer Randdekoration Teller«!ef und flach 1 3 Pf. Dessertteller 1 1 pc Kompotteller 9pf. Terrinen I.30, 1.55 KartofFelnäpfe 68 pc, 1 Mk. Salatieren 20, 25, 35 pc Saucieren 95 pc Bratenplatten 20 pc»i. 2.25 Bunt 13, 20 pc 1 0 PC 1.35 KafFeebecher Obstteller Majoiik« Wasch-Services««.iu, Wasch-Services1 1�2.90�6.75 Terrinen I.10, I.40, 1.65 Ein Posten Wasch-Services einfarbig gelb, grosse Form...... 4 Mk. Waschbecken u. Wasserkrüge dekoriert I.40 Ton-Blumentöpfe bemalt 10 bis40 Pf. KÜChengamitUren mltOelft-Dekoratlon, zztelllg.. 1 2 Mk. Speiseteller dekoriert und weiss.............. 5 Pf. Koch- und Bratgeschirre aus feuerfestem Ton. EMAILLIERTE GESCHIRRE Schmortöpfe->hn. Ring s Gr«»«n 40 Pf. bis 1.35 Schmortöpfe mit Ring 3 Grö»-n 65 PC bis 1 Mk. KaSSerollen ohne Ring« Grössen 30 bis 80 Pf. Kasserollen ml» Ring« Grössen 60 Pf. bis 1,10 Wasserkessel mit Absatz 3 Grössen 1 ,25 bis 1.75 Wasserkessel für Gas» Grössen 65 PC bis 1.75 Fischkocher 2 Grössen 3,50 und 4.50 Pfannen rund 3 Grössen 35 bis 7 5 Pf Kaffeekannen aGrsss«, 60 bis 90 pc Maschinentöpfe 7 Grössen 10 b« 30 pc Schüsseln flach k Grössen 1 6 PC bis 1.90 Teller 2«-m 30 pc Kinderteller dekon«» 25 pc Salz- und Mehlkonsolen 1 25 Konsole syiäs1f.n,d-'Seir# undSoda- 1.80 und 2Mk. Wasch-Garnituren dekoriert, s tauig 9«k. Toilette-Eimer Rohr- 4.25 bt. 5.50 Toilette-Eimer weiss m. Rohrbügel 2.75 und 3 Mk. Toilette-Eimer wel"mDr3ahaS 1.80 b-. 3Mk. Eimer päuSCm 63, neublau 75, marmoriert 85 Pf. Wannen oval« Grössen 1.25 bis 5.25 Wannen rund«Grössen 1.10 bis 2.50 Kaffeeservice«»eilig 6.75, 11.50 Teemaschinen Kupfer 8Mk. Tortenplatten �,nrnickBl,em 1.25 Brodkörbe mit Einlage 80 pr. 1.35 Butterdosen S*Z™c]"u*m 80 pc Saftkannen£ÄckeI,om 70 pc Zuckerschalen mitLönei 55 pc Wandbretter 3.75, 6.75 mit diversen Küchenmessern ESSlÖffel Britaania-Metall 1 8 PI. TeelÖfFel Britannia Melall 3 PC Tischbestecke 40pi. bi. l.io SC WIRTSCHAFTS- ARTIKEL Waschfässer mit Drahteinlag« mit Wulst Waschzober 6.25 bis 1 O Mk. 1 0 Mk. bis 1 3.50 7.25 bis 1 1 Mk. Wringmaschinen Z0r. 6.50 bis 1 0.50 Messerputzmaschinen 4.25, 5.50 Fleischmühlen von 2.25 bis 4 Mk. Bolzenplätten 1.60 b 2.25 Bolzenplätten 2.20 b. 2.80 Fruchtpressen 5 Mk., 6 Mk., 7 Mk. Fruchtpressen me-b 70, 80 pr. Briefkasten 40 pc ws 1.25 VW Gaskocher 2 Brenner 3 Mk. und 9,50 2 GaSplätten mit Erhitzer 4.50 SpiritUSkOCher Messingbassin 40 PC Krümelschaufeln mitBürs». 1.40 Spiralfussabtreter45x80cm 1.35 Verzinkte Eimer 75pr, 85 pc Obsthorden offen 9.50 us 1 9 Mk. Obsthorden.IS. 1 4.50 ws 23.50 T abletts 3 Grössen 90 PC bis 2 Mk. Wandkaffeemühlen 3.90 WaSChbretter mit Kunststein 1 ,35 zum: MC Eismaschinen 4 Gr. 4.75 bis 8 mm. Gardinenspanner 10.50 Messerputzer Frauenlob l.io Kleiderbügel 7 pc und 8 pc Rosshaarbesen er. 2.25 bu 2.90 Handfeger 1.15 bi. 1.65 Kleiderbürsten 65 pc bi. 90 pc Ein Posten Hill- Glühkörper Stück 30 Pf. IMC IMC Rand getstzL gsiehQtxt IMC 'Lerantwortl'icher Redakteur; Hans Weber, Berlin. Für de« Jnseratenteilverantw.; TMl-cke, Berlin. Trucku-Berlag: BorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co..»«Ii« SW, Nr. 183. 26. Jahrgang. 2. KeilU des.AlMg" Kcrlim WIKsdlM. Sonntag, 8. Angust 1WS. Sericdts- Leitung. Der Stadtvahnzusammenstotz am Bahnhof Alexanderplatz Wird nunmehr, nachdem die kgl. Eisenbahndireltion ihre Erhebun- gen abgeschlossen hat, zu einer Anklage wegen fahrlässiger Ge- fährdung eines Eisenbahntransportes führen, die sich in erster Linie gegen den Lokomotivführer Karl Martin richten wird. Be- kanntlich ereignete sich am Spätnachmittage des 16. Juni d. I. dicht vor der Einfahrt zum Bahnhos Alexanderplatz ein Zusam- mcnstoß zweier Stadtbahnzüge, indem der von dem Angeklagten geführte Südringzug auf einen vor dem Bahnhos auf freier Strecke haltenden anderen Stadtbahnzug von hinten auffuhr. Von den Fahrgästen wurde glücklicherweise niemand erheblich verletzt. Die Ermittelungen der Eisenbahnbehörde haben ergeben, daß der Lokomotivführer Martin das vor dem Bahnhof befindliche Haupt- signal, welches auf„Halt" stand, überfahren hat. Martin gibt dies zu, behauptet aber folgendes: Infolge des Zweiminutenver- kchrs bestehe bei dem Berliner Stadtbahnverkehr eine derartige Hast, die eine Anspannung aller Kräfte bis zur völligen Erschöp- fung der betreffenden Beamten erfordere und auch zur Folge habe. Bei den Südringzügen seien nicht weniger als 76 Signale zu be- achten. Durch den Zweiminutenverkehr sei es allgemein üblich geworden, daß die Signale erst im letzten Augenblick auf„Fahrt" gezogen werden, wenn der Zug das Signal bereits erreicht hat und hiermit habe er, wie auch alle anderen Lokomotivführer, gerechnet. Die Vorsignale würden auch heute noch überfahren, wenn sie auf „Halt" stünden, da sie stets, während der Zug daran vorüberfährt, auf„Fahrt" gestellt würden. Das Hauptsignal habe er infolge des Rauches einer Lokomotive nicht sehen können. Seitens des Rechtsanwalts Dr. Puppe wird deshalb die Ladung verschiedener Lokomotivführer beantragt werden, die bestätigen sollen, daß die Vorsignale stets passiert werden, da sie gewöhnlich nur sekunden- lang auf„Halt" stehen und ferner, daß das Hauptsignal am Bahn- hos Alexanderplatz schon wiederholt durch den Rauch anderer Loko- Motiven nicht erkennbar gewesen war. Martin selbst bestreitet jede Fahrlässigkeit. Wenn seine Behauptungen sich als zutreffend erweisen sollten, wird es voraussichtlich nicht erst zur Erhebung der Anklage kommen._ Umfangreiche Warenhausbiebstähle lagen einer Anklagesache zugrunde, mit der sich gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Gerich'tsassessors Schubert zu beschäftigen hatte. Wegen Diebstahls beziehungsweise wegen Hehlerei waren die Formerfrau Pauline Quasdorff aus Lichtenberg, deren Ehemann, der Formermeister Friedrich O. und die Frau Alwine Handtke angeklagt. Im Mai d. I. wurde der Polizeibehörde in Lichtenberg mitgeteilt, daß die jetzige Ange- klagte Quasdorff einen schwunghaften Handel mit Blusen, Wäsche und Kinderklcidern zu verdächtig billigen Preisen trieb. Es wurde festgestellt, daß die O. Blusen, die etwa 26 M. Wert hatten, für 2 M. verkaufte. Da diese Sachen keinesfalls reell erworben sein konnten, nahm der Kriminalw'achtmeister Schönfeld eines Tages unvermutet eine Haussuchung in der Wohnung der Q.schen Ehe- lcute vor. Diese förderte ein ganzes Lager gestohlener Sachen zutage, die sämtlich als aus den Beständen des Warenhauses Tietz herrührend erkannt wurden. Es wurde weiter festgestellt, daß die O. mehrere Male in der Woche das Warenhaus aufgesucht und hier in geschickter Weise Waren von den Vcrkaufstischen unter ihrem Mantel hatte verschwinden lassen. Der Ehemann soll nach Behauptung der Anklage den strafbaren Erwerb der Sachen ge- kannt haben, während die Frau Handtke die Hauptabnehmerin der Warenhausdiebin gewesen war. Das Gericht sprach den Ehemann Quasdorff frei, während die Frau Q. wegen Diesstahls zu drei Wochen und die Frau Handtke wegen Hehlerei zu drei Tagen Ge- fängnis verurteilt wurden._ Heiratsschwindler. Eine von recht niedriger(stcfinnung zeugende Straftat führte den Uhrmacher Rudolf Falber unter der Anklage des Betruges vor die 6. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte vor einiger Zeit in Frankfurt a. M. geschäftlich zu tun. Er machte hier die Bekanntschaft eines Dienstmädchens B., mit der er ein Liebesverhältnis einging. Er verschwieg hierbei wohlweislich, daß er in Berlin Frau und zwei Kinder hatte. Da ihr F. versprochen hatte, sie in kurzer Zeit zu heiraten, gab die B. willig ihrem„Zu- künftigen" kleinere Geldbeträge, die der Angeklagte anfänglich, um sie recht sicher zu machen, zurückerstattete. Tann aber verlangte und erhielt er auch größere Summen von ihr» Als der Angeklagte dann nach Berlin zurückkommen mußte, spiegelte er der B. bor, er müsse hier die Technische Hochschule besuchen, da er ein Reife- zeugnis brauche. Selbst von Berlin aus schrieb Falber noch an das Mädchen um Geld, welches er angeblich zu Büchcranschaffungen und sonstigen Studienzweckcn verwenden wollte. Nachdem die V. in ihrer Vertrauensseligkeit ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von zirka 5000 Mark geopfert hatte, beschloß sie endlich, ihren Ge- liebten in Berlin aufzusuchen. Der Angeklagte, der inzwischen von seiner Frau geschieden worden war, lebte hier schon wieder mit einem Fräulein Grünstock zusammen. Als er die B. zufällig auf der Straße traf, ließ er sie stehen und sprang schnell in eine Straßenbahn. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen Heiratsschwindels zu 6 Monaten Gefängnis. Die hiergegen von ihm eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer unter Bestätigung des ersten Urteils auf seine Kosten verworfen. Mocken-Splelplan c!er ßerlwer Cheater. Königl. Opernhaus. Geschlossen bis Sonnabend. Sonntag, den 15. August: Carmen. Montag: Salome. Königl. Schauspielhaus. Geschlossen bis Sonnabend. Sonntag, den 15. August: Die Welt, in der man sich langweilt. Montag: Die Lieder de? Euripides. Neues königl. Opern-Thcatcr.>Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 0'/, Uhr.) Montag: Orpheus in der Unterwelt. Dienstag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Mittivoch: Orpheus in der Unter- weit. Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 6'/, Uhr.) Freitag: Tannhäuscr.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Orpheus in der Unterwelt. Montag: La Traviata. Deutsches Theater. BIS aus weiteres täglich: Ketten. Deutsches Theater.(K a m m e r s p i e I e). Sonntag: Gelbstcrn. Montag: Ein Skandal in Monte Carlo. Dienstag: Gelbstern. Mittwoch: Ein Skandal in Monte Carlo. Donnerstag: Gewstern. Freitag: Ein Skandal in Monte Carlo. Sonnabend und Sonntag: Freund Jack. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Lcssing-Theatcr. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarprinzcssin. (Slnsang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag bis Sonntag: Ein Herbstmanöver. Montag, den 16. August: Einer von unsere Leut.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Bis aus weiteres täglich: Sein Sündenregister (Ansang 8 Uhr) Neues Schauspielhaus. Bis auf weiteres täglich: Miß Dudelsack. (Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag bis Sonntag: Demimonde. Montag. den 16. August: Tiefland.(Ansang 3 Uhr.) Lustspielhaus. Bis auf weiteres täglich i Familie Schimek.(An- sang 8 Uhr.) Neues Operetten< Theater. Bis auf weiteres täglich: Die Sprudclfce.(Anfang 8 Uhr.) Theater des Westens. Bis aus weiteres täglich: Der fidele Bauer. (Ansang 8 Uhr.) sttejidenz-Theater. Bis auf weiteres täglich: Kümmere Dich um Amelic.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Bis auf weiteres täglich: Moral.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntag bis Freitag: Madame Bonivard. Sonnabend: Macbeth. Sonntag: Der Biberpelz. Montag: Jungfer Obrig« keit.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag bis Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend: Ein Erfolg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Zwillingsichwester. Abends 8 Uhr: Ein Erfolg. Montag: Der Biberpelz. (Ansang 8 Uhr.) Friedrich- WilhelmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag: Nach- mittags 3 Uhr: Die Zauberflöte. Abends 8 Uhr: Martha oder der Markt zu Richmond. Montag: Oberon, König der Elsen. Dienstag: DaS Nacht- lager von Granada. Mittwoch: Die Afrikancrin. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Fra Diavolo. Sonnabend: Undwe. Sonntag nach- mittags 3 Uhr: Der Postillon von Lonjumeau. Abends 3 Uhr: Die Afrikancrin. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Waise aus Lowood. Abends 8 Uhr sowie bis aus weiteres täglich: Der stille See. (Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Geschlossen bis Donnerstag. Bon Freitag ab bis aus weiteres täglich: Prinz Bussi.(Anfang 8 Uhr.) Beruhard Rose- Theater. Sonntag: Der Mann mit der eisernen Maske. Montag bis Mittwoch: Die Grille. Bon Donnerstag bis aus weiteres täglich; Der Tanz Husar.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Thcatcr. Geschlossen bis Freitag. Bon Sonnabend bis aus weiteres täglich: Licbcsgewitter.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld-Theater. Bis auf weiteres tägsich: Frau ElkamS Friseur.(Ansang 8 Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Drei Fraucnhüte. Der Deserteur. (Anfang S'/t UhiO Aietropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(An- sang 8 Uhr.) ReichShallen- Theater. Allabendlich: Stcttiner Sänger.(Anfang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Berliner Pratcr-Theater. Bis auf weiteres täglich: Man lebt ja nur einmal.(Ansang 41/, Uhr.) Apollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passagc-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theatcr. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Ilrauia-Theatcr. Tauben, lrassc 48/49. Sonntag: Rom und die Campagna. Montag: Die deutsche Ostseeküste. Dienstag: Die Insel Rügen. Mittwoch: Rom und die Campagna. Donnerstag: Die Insel Rügen. Freitag: Bon der Zugspitze zum Watzmann. Sonnabend: Die deutsche Nordseeküste. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Unbestimmt.(An- sang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Amtlicher Marktbericht der stadtlichen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusubr schwach, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend, Geschäst rege, Preise besriedigcnd. G e s l ü g e l: Zusuhr genügend, Geschäft rege, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäst ruhig bei nachgebenden Preisen. Butter und Käse: Geschäft lebhast, Preise unverändert. Ge m.ü se, Obst und Südsr achte: Zusuhr schwach, Geschäst anfangs ruhig, später lebhafter, Preise wenig verändert. Zur ScKuIe Scliüler- Stoff- Anzüge Viele Tausende Exemplare Bewährte Loden, Cheviots, Buckskins und andere haltbare Stoff-Erzeugnisse. Joppen- u. Jackett-Fassons. 30, 27. 24, 21, 18, 15, 12, 10, 8 50 M. Loden-Joppen für sasi. v. 3 StOff HÖS6n für SAuler V. 2 M. an 1! Loden-Pelerinen k 5Aiii.v.5�-m» Einsepungs- Anzüge In achfinster, umfangreichster Auswahl, fertig und nach Matt. BaenSohn Direkter Verkauf aus eigener Fabrik Speiial-Haus größten Maßstabes, gegründet 1891 Chausseestraße 29/30 □ 11 Brückenstraße 11 Gr. 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AbendS 8 Uhr: Sein Sündenregister Margen und folgende Tage: Leia düaäenrexister. fs!gl!t!e!t>tViI!!8lmtzijt!8o!!S8 8oltgtt8piöliigll8. Sonntag, 8. August, nachm. 3 Uhr: IM« Zanberfittte. Halbe Preise. AbendS 8 Uhr: Vorletztes Gastspiel äug. Boekmann: MarthaoderDerMarltziiRiciiiiiOQd. Romant. Oper in i Akten von Flotow. (Mittelpreise.) Montag: Oberen, Künig der Elfen. Tbeater des Westeos. Allabendlich 8 Uhr: Der Adele Bauer AlSn Berliner Theater. Operetten-Gastspiel. Täglich 8 Uhr: Hin HerbstmanUver. Neues Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisen str. Ansang 8 Uhr: Ole Sprudel Tee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. Residenz Theater Direktton: Richard Alexander. 8 Uhr! 8 Uhr! Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. 8 Uhr Das 8 Uhr Kombea-Proxrsmm. u. a.: Sine Karernsnaeht. Triumpii der Scliönheit und die übrigen Attraktionen. Reicbslialleii-TIieater. Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. 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Morgen sowie täglich: nilitür- Doppel-Konzert Berliner Agnarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow-StraßeNo.14 Heute Sonntag: Eintrittspreis MT 50 Pf.-WI Ileiohhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Beptilien etc. Jungfrau von Kerliu. 1Z erstklassige Spezialitäten. �Vllll«ehiinbnrg. Ansang 4 Uhr. Entree 20 Ps. »••0Q800—— O—| Schweizer- Garten| 1 Am KönigStor. Am Friedrichshain» Tanlipk Ansang 4 resp. 5 Uhr IngilCll Entree 3© Pf. Tbeater-Vorstellung| i Spezialität. D. neue Augustprogr. > Kinematograph, Volksbelustigung !?ou�wtevi!iihmte.� ! Jed.Mittwoch: Kinüerfrsuösnfssi. UMMMM D Gr. ftranttnreer Str. 132. Abends 8 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske oder: Die Geheimnisse ein. Königshauses. Aus der Gartenbühne Ansang 4 Uhr. U. a.: Der geheimnisvolle Mr. Tatt. Theatervorstellung. Spezialitäten. W.Koacks Theater Dtrektioni Rod. Dill,«rmmenitr. 16. Letzte Sonntagsaufführung: Onkel Schlaumeier. 6 Uhr: Ein Küchcnroman. DaS groüartige Spezialitätrnprogr. Konz, ab 5 Uhr, Entree 3v Pf. Ball. Donnerstag: Benefiz C. Reich: Ein gefuuder Junge._ ECtyslnm Landsberger Allee 40(41, Ecke Petersburger Strasse. Heute sowie täglich im prachtvollen Naturgarten: Vorsteitung - abwechselnd von drei der bestretttimmlertesttu Siingergeseßschnsten. ji.iVeinbergswog 19-20, Rosenth.Tor. | Ansang 8 Uhr. Im Theater: D.neueu August-Spezialitäte« Frei: Im Garten Koneert. Leben u. Treiben im Traumland. Max Küems Soniiiifir- Theater uod Festste Rudolf KrDger Hasenheide 13(16. *■ mr- T a g l i ch;-93 Großes Konzert, Tbeater UDd Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung: Waltor Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elltetag. Während und nach der Borstellung ' Tanzkrilnzchcn. Brufliien-Theater Badstraste 58. Direktton: Willi Voigt. Heute sowie täglich: l)er �merika-Seppl. Bauernposse in 3 Akten von Manz. Kasseneröffnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Vereins- Brauerei i Rixdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wandt. Täglich:-MW Gr. Militär-Konzert. Vorzngökarteu haben wochentags Gültigkeit� Entree 15 Pf. Schiller-Theater Charloltenburg. Täglich: Der Biberpelz. Eine Dicbeskomödie in 4 Akte» von Gerhart Hauptmann. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Täglich: nadame Donivard. Schwank in 3 Alten von Alexander Bisson und Antony Mars. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. CASTAN's PAMOPTICUM Frledrichstr. 165(Pschorrpalasl). Ohne Extra-Entree 1 Das menschliche Monstrum! 2 Köpfe, 1 Bumpf, 4 Arme und 4 Beine. Signor irturo als Entfesselungskünstler Täglich 7'/� Uhr abends; Sensationelles Progr. Sonntags 8 Vorstellungen. Ohne ExtrasEntree! 2016L* Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Familie Schimek. Thsaker Frau Elkam's Friseur. Heine- Seine Tochter. Beide Komödien mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 3 Uhr. Vorverkauf 11— 2 Uhr. Ab 7 Uhr: Promenaden-Konzert im schattigen Sommergarien unb Pergola. Volksgarten-Tbeater früher Weimanns Volksgarten. Täglich: Konzert, Theater-««d Spezialitöten-Vorstellung. Ella Vera X i-ola Grell X v»» Ue>er The Horle/s X Brothers Vollmer Der Aktienbudtker. Volksstück m. Ges. u. Tanz w 5 Bildern. Donnerstag, 19. Aug.:Gr.Gartenfest 4 Kerlivtr Praw- Theater! j Kastanienallee 7—9. l Täglich: Han lebt Ja nur einmal! | Havemanns gröBte Raubtierschule t d.Welt. Spezialität., Konzert, Ball. Ansang 4'/, Uhr. k Stadt-Tlieater Moabit. Alt-Soabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Ulir, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5Uhr. Garteneröffnung 3 Uhr. Jeden Montag Eliretag, Spezi». iitäten und Soiree der»Lustigen Sänger-. Bei Regenwetter Vorstellung großen Theater- Saal. im .gsi HoIzmarktitr.72(EckeAIex Rente Sonntag, den 8. Angnst: Ii Gr. Wett- und Damen-Schwimmen'> !! veranstaltet vom Berliner Sebwlmms-ereln„Welle", J| i Mitgtted des Arbeiter-SchwimmerbundeS.,> i Knaben-«. Stafetten-Schniimnien. Springen u. 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Trotzdem ich verschiedene von Acrzten verordnete Mittel anwendete, konnte ich mein Uebel nicht los werden.— Nach Anwendung von ißnckcr's Patcnt- 31cdtxlnal-8elfe bin ich seit »/. Jahren von meiner Krankheit geheilt." F. M, in D. a Stck. 50 Pf. (15°/, ig) n. 1.50 M.(350/Oig, stärkste Form). Dazu gehörige Zuckooh- Creme(nicht fettend) 2 M., kleine Tube 75 Pf., ferner Zuckooh- Seife (mild), Preis 50 Pf. und 1.50 M. Nichts anderes aufreden lassen, es gibt dafür keinen Ersatz! In allen Apotheken, Drogerien, Parfiimerien etc. zu haben, wo nicht, ' direkt von Ii. Zocker& Co., Berlin, Potsdamers tr. 73. 2043L. Verleih-Institut: Friedrichst.l 15/1,«.Orabg. "Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1.50,Hose 1.00. Weile 50Ps. m 0 Sozialdemokratischer Wahlvereio für den 6. Berl. Reichstags-Wahlkreis I., 2.. Z. Abteilang(Schönhauser Vorstadt). Sonnabend, den 14. August, in den Gesamträumen des„Berliner P r a t e r", Kastanien-Allee: 229/14» Großes Sommerfest Konzert, Theater, große Spezialitäten, Fackelpolonäse unter Vorantritt des gesamten Musikehors. Im großem Saale HP«! n T Herren zahlen von 4 Uhr an* ÄlIIZi» 50 Pf. 50 Pf. Kaffeekuche von 3—6 Uhr geöffnet. Entree 25 Pf. Kassenöffnung 2 Uhr. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. IQ: Louis Keller8 Festsäle f ——— Inhaber: A. Freyer—— Berlin NO., Koppenstr. ÄO. AmtlÄssj. Teile den werten Gewerkschaften und Vereinen ergeh enst mit, daß meine sämtlichen Säle neu renoviert sind. Durch Zurücktreten der Klempner ist mein großer Saal am Sonnabend, den 9. Oktober, frei geworden. Gewerkschaften und Vereine, welche darauf reflektieren, bitte ich freundlichst, sich umgehend zu melden. A. Freyer, Koppeilstr. 29. k_•_■ Den Gewerkschaften und Vereinen zur gefl. Kenntnisnahme, daß ich vom AVIS! Vx�af Moabiter Sclmtzenhans �Gcschätt" übernommen habe. Ich bitte mich in meinem Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. Hochachtungsvoll Alberi Frcycp» Wo amüsieren wir uns? Im Krug zum grUnen Kranze ObersSchoneweide, Waldstr. 74, Kllche u. Keller vorzfiglich. Vereinen u. GeselUohaften bestens empfohlen. 18492» Ernst Höflich. Deutsche, sowie amerikanische Zigarettenrancher sind einig in der Beurteilung dieser hervorragenden Zigarette! In Zigarren-Geschäften zu haben t Heine Braut und Hochzeits-Seiden sowie Seiden jeder Art von 1.00 bis zu den elegantesten Genres sind unerreicht an Güte und Preiswürdigkeit. Man verlange franko Muster oder besichtige zwanglos die ausgestellten Samt- und Seiden- Läger. 20461. Man adressiere genau: Seiden> Herzog BERLIN SW., Leipzigeratr. 79 I. ■ji Hygienische _ Bedarlsartuei. fieuGBt.ivntcuOg D- Empfehi.viel. Aerzte u.Prof. grat.uJs B. Unter, Gnnusiwirealakiflt Berlin NW- Friedrich« im««« m/W 99 99 99 GardinenhauS Bernhard Schwartz. Wallstr. 29 (Flur-Gng.) 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August, nach- mittaas i'l, Uhr, von der Halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nieder-Schönhausen-Nordend aus statt. 88/2 Die Ortsverwaltung. Deutseher Transportarieiter-lferlanl Orteverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschäfts- futscher KsfI Kurtzke,, am 5. August im Alter von 3 62 Jahren an Magenlrebs ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 8. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des alten Thomas-Kirchhvses in Rixdott, Hermanilstraße, aus statt. 68/19 Ole Verwaltung II. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters sagen wir allen Freunden und Verwandten, Insbesondere dem Gesangverein„Alte Eintracht", dem Wahwerein von Tegel, den Mit- gliedern der Hamburger Krankerckasse und den Kollegen der Firma A. Borsig, dem KonsunwereinTeael, dem Metall- arbeiter-Verband unseren innigsten Danl. 20402 frau Anna Maier nebst Kindern. Von der Reise zurück[846b ]>r. IE. Gebert, Arzt für Hautkrankheiten. Von der Reise zurück 256/2» Dr. Gusla? Hirsebfeld, SO., Skalltzer Strafle 64 c. Von der Heise zurück. 88/14» Hr. Fiatow, Dr. Frankfnrter Str. 101. D/e Harnleiden Ihre Oetohren, Verbatung und Beseitigung von 2>r. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ lies tausend> I Billigste Be2ugsquello I gedieg.TrauergaMe ! Westmanns! Trauer-Magazin 1 Berlin W., Mohrenstr. 37a I NO., Gr. Frankf. Str. 115. 1 1 Genaue Beachtung I | meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Warnung! FahrstuMimschulkn! Durch marftschreierische Inserate in mehreren Berliner Tageszeitungen werden für sogenannte Fahrstuhlführer- schulen täglich Personen gesucht, die Lust haben, sich zum Fahrstuhisührer ausbilden zu lassen. Wir ersuchen alle diejenigen, die beabsichtigen, einen Kursus in einer solchen Schule durch- zumachen, sich vorher mit uns in Ver- bindung zu setzen, um sich vor eveni. Schädigungen zu bewahren. 68/18 Hohof Transportarbeiser-Verband. Sektion der Fahrstuhlführer. S0.16, Engeluferlö, II, Zimmer 33. SoziiddemokratiselierWaliimiD I. für den Görlitzer Viertel. Bezirk 172. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer lEinil Wutzo Skalltzerstr. 127 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. August, nachm. 3'/z Uhr. von der Leichenhalle des Zeniral-Friedhoses in Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 219/6 Der Vorstand. Zentral- Wand der Maurer' Deutsehiands. Zweigverein Berlin. Bezirk Südost. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Emil Wutzo am 5. August an Herzschlag ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde-FriedhoseS in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung«sucht 138/18 Der Vorstand. Sozialdeniokratisclier Verein im 8. Berliner Wahlkreise. Unser treues Mitglied, der, Genosse Wübelm Paul I Marienburg« Str. 47 (1. Abteilung) ist verschieden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Montag, de» 9. August er.,{ Ii Ahr nachmittags, aus dem!. städt. Friedhof in Friedrichs- � felde statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 223/12 Der Vorstand. Mohei Metallarbeiter-Yerbandj Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht.! daß unser Mitglied, der Schmied j Wilhelm Paul am 4. d. Mis. an Blinddarm- entzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet aml Montag, den 9. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes ins Friedrichsseide aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der j Schlosser Wilhelm Heinecke am 6. August an Blinddarm- j entzündung. Die Beerdigung findet am i Montag, den 9. August, vor- mittags lO'/z Uhr, von der Leichen.. Halle des St. Georgen-KirchhoseS! in Wetßensee, Röltestraße, aus! statt. Ehre ihrem Andenken l Rege Beteiligung erwartet 121/9 Hie Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Am 6. d. Mis. verschied nach kurzem aber schwerem Leiden unser lieber Kollege der Werfzeug« machers Wilhelm Hehiicke. Wir verlieren in ihm einen treuen und braven Kollegen und werden ihm stets ein bleibendes Andenken bewahren. L69H Ole Kollegen der General-Compesing-Oompaity. Die Beerdigung findet am Montag, vormittag t0>/, Uhr, von der Leichenhalle deS Georgen- Kirchhofes, Weißensee, auS statt. T odes- Anzeige. Am 7. d. MIS. verstarb saust nach schwerem Leiden unsere einzige Tochter 2P53L Fräda. DieS zeigen ticjbctrubt ob Gustav Wöbbeeke nebst Fra«. Die Beerdigungfindet am Dtens- tag, den 10. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Dan kes-Friedh oses, Neinicken dors- West, Blankestraße, aus statt. 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Nin Sonntag, den 8. und Montag, den 9. d M,, findet in Frniizösisch�Vuchholz ein von den dortigen Gastwirten arrangiertes Erntefest statt. Wir weisen darauf hin, daß uns am genannten Orts nur das Lokal von Karl Kähne, Ber- liner Straße 39, zur Berfügung sieht; alle anderen Lokale sind daher streng zu meiden. In Obcr-Tchöucweide ist das Lokal.Spreeschloß' nach wie vor gesperrt, worauf wir die dort ansässigen Laubenkolonisten ganz besonders aufmerksam machen. Ans Wunsch der Parteigenossen in Falkcnhagcil-Secgcfcld teilen wir mit. daß es uns in dem zirka 5000 Einwohner zählenden Orte trop unermüdlicher Arbeit nicht gelungen ist, auch nur ein Lokal zu Versaumilungeu zu gewinnen. Wir richten daher an die Berliner Ausflügler das dringende Ersuchen, vor allem die Lokale: Schöne- b e r g,„Zu den vier Linden", und Brandenburg,„Zu den drei Kaisen»' zu meiden. Alle übrigen Lokale sind bis auf weiteres als Vcrlehrslokale freigegeben. In Ncinilkciidorf-West feiert am 14. d. MtS. die Freiwillige Feuerwehr im Lokal von Müller, Scharnweberstr. 14, ihr Stiftungsfest, zu welchem versucht wird, auch in Arbeiterkreiscn möglichst viel Billetts umzusetzen. Wir ersuchen, alle etwa an- gebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen, da uns daS genannte Lokal nicht zur Verfügung steht. In Zchlcndorf sN.-B.) steht uns das Lokal„Zur Eisenbahn", Inhaber Osten, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. �Erster Wahlkreis. Am Dienstag, den 10. August, abends 8Vz Uhr, findet bei Dräsel, Neue Fricdrichstr. 35, die Forlsetzung der Generalversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. Kreisbericht. Vollzähliges Erscheinen der Genossen ist not- wendig. Der Vorstand. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, den 17. August, finden zwei Lolksvcrsnmmlungen statt, und zwar bei Kliem, Hasenheide 13/15, und bei Goßwann, Kreuzbergstr. 48. Thema:„Der große Siaubziig auf die Taschen des Volkes!" Frauen und Mädchen, die Ihr in erster Linie davon betroffen werdet, erscheint in Massen und protestiert gegen eine derartige Ausplünderung. Der Borstand. Sechster Wahlkreis. Die Genossen der 7. und 8. Abteilung besuchen am Sonntag, den 8. August, die Treptower Sternwarte. Treffpunkt um 0 Uhr bei Zenner vis-a-vis der Sternwarte. Wilmersdorf. Das diesjährige Sommerfest des örtlichen Wahl- Vereins findet heute in den gesamten Räumen des GescllschaftShauses, Wilhelmsaue 102, statt. Außer Gartcnkonzert und Ball wird durch die Darbietungen des Duettistenpaares„Lustige Brüder" die Veranstaltung zu einer genußreichen gestaltet werden. Da außerdem der Arbeiter- Turnverein, der Gesangverein„Gleichheit" sowie die Freie Turnerschaft bereitwilligst ihre Mitwirkung zugesagt haben, so liegt es nur an der genügenden Unterstützung der Arbeiterschaft, um das Gelingen des Festes zu garantieren. Zchlendorf. Heute Besichtigung deS Erziehungsheims am Urban durch den sozialdemokratischen' Wahlverein. Die Genossinnen und Genossen treffen sich um'Iß bei Miel. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Odcr-Schönewcide. Dienstag, den 10. August, abends 8'/z Uhr, findet die Generalversammlung des WahlvereinS im Wilhclmincnhos statt. Gen. Jacobsen wird über den Parteitag referieren. Des weiteren steht der Bericht des Vorstandes und der Bericht von der Kreis-Generalversammlung auf der Tagesordnung. Der Vorstand. Es sei hierdurch auf daS am Sonntag, den 15. August, statt- findende Volksfest hingewiesen. Vor dem Fest findet ein Umzug mit Musik durch den Ort statt. Abmarsch pünktlich 2'l„ Uhr vom Marktplatz. Alles Nähere siehe die Plakate. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich zu beteiligen und sich vorher mit Billetts zu versehen. DaS Komitee. FricdrichShagen. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maler Emil Müller, nach längerem Leide» ver- storbeu ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntagnachmittag 3l/2 Uhr. vom Traucrhause, Kastanienallee 10, aus statt. Uin zahlreiche Be- teiligung bittet Der WahlvereinSvorstand. NowawcS. Mittwoch, den 11. August, abends 8l/z Uhr, findet im Lokale des Herrn Ernst Schmidt, Wilhclmstr. 41—43, die Ver- sammlung des Wahlvercins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Stadtv. Genossen K ü t e r- Schöncberg über den Leipziger Parteitag. 2. Geschäftliches. 8. Abrechnung vom zweiten Quartal. 4. Fortsetzung der Diskussion über Kommunalpolitik.— Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Bcvlmcv JVacbricbten« Wieder in die Schule! Die schönen Feiertage sind nun vorüber.„Schön" im eigent- lichen Sinne des Wortes waren sie zwar nicht. Selten hat Jupiter Plnvius, der Regengott, mit den erholungsbedürftigen Großstadt- betvohnern so wenig Mitleid gehabt, wie im heurigen Sommer. Mußte denn der vieltausendjährige Griesgram auch ausgerechnet in diesen kurzen Wochen die Menschheit ärgern und eö fast unablässig durch alle seine Himmelsschlcuscn sickern lassen? Wir verzeihen ihm nur, wenn er wenigstens jetzt noch für eine ganze Weile die Wasser- klappe da oben zumacht und seiner alten Gegnerin, der liebe» Sonne, auch mal wieder ein bißchen belebende Tätigkeit gönnt. Der wetterwendische Wolkenschieber muß eS arg getrieben haben, daß er sich selbst die Herzen unserer Kinderwelt entfremdet hat. Wenn unsere Kinder wieder zu Hundcrttauscnden mit dem Ranzen beschwert in die Schule ziehen, wird eS ans all den kleinen Mäulern anklagend tönen, daß die großen Ferien ihren Hundstagsunmcn nicht verdient haben und nicht halb so schön ivie sonst waren. Aber trotz aller himmlischen Nässe sieht man doch auf gar vielen Gesichtern den Feriennbglanz. Ein paar aus jeder Klasse sind braungebrannt wie die Nubicr. DaS sind die Bevor- zugten, die in den schönsten Ferienkolonien würzige Seeluft atmeten und auf heißem Dünensand zum erstenmal eine ganz neue Welt erblickten. Verhältnismäßig gut, nur nicht so üppig von Luft und 1 Sonne mitgenommen, haben sich auch die übrigen Fcrienkolonisten ' herausgcmustert. Manche sind mit den Eltern nach deren Heimat verreist gewesen. Ihre Lust, von Wald und Flur, von Kuhställen und Scheunen zu erzählen, kann nur mit Mühe eingedämmt werden. Eine große Zahl hat die Ferienspiclplätze' besucht. Dennoch bleiben noch immer genug, die aus dem verräucherten Steinbaukasten an der Spree kaum herausgekommen sind. So manches Kind mußte zu Hause bleiben, um mit seineu schwachen Kräften für den nötigsten Lebensunterhalt mitvcrdienc» zu helfen. Vielleicht ist hier und da auch eine gewisse Gleichgültigkeit er- kenubar, die gemeinnützigen Einrichtungen noch nicht die genügende Beachtung schenkt. Noch vor wenigen Jahren waren solche gesundheitlichen Er- ziehungserfolge für die Großstadt etwas Unbekanntes. Nur die Kinder der wohlhabenderen Klassen durften sich an dem erfreuen, was Allmutter Natur der Gesamtheit der Menschen zugute kommen lassen will. Und die der Privatwohltätigkeit entsprungene Einrichtung der Ferienkolonie kann mangels beschränkter Mittel lange nicht so eingreifen, wie sie wohl möchte. Daß man endlich eine großzügige Ferienaktion für die vernachlässigten Großstadtkinder ins Leben rief, ist ein unbestreit- bares Verdienst der sozialdemokratischen Stadtparlamentarier. Die bürgerlichen Kreise hätten sich ohne einen energischen Rippenstoß niemals von selbst zu solchem Fortschritt verstanden. Und noch wird durch die Einrichtungen in ihrem jetzigen Umfange nicht die ge- »lügende Wirkung erzielt. Unsere Genossen werden es jedoch an Anregungen nicht fehlen lassen, daß das System iveiter ausgebaut wird, damit in Zukunft noch viele Tausende von Berliner Gemeinde- schülcrn mehr nach den Ferien mit frischen Kräften an Leib und Seele wieder zu den Schnlbüchem greifen. Die nkiicste Drangsaliermig deS Turnvereins„Fichte", die nun bis zur tatsächlichen Sperrung der st ädti scheu Turn- hallen für diesen Arbeiter-Turnverein, soweit seme Abteilungen mit Mitglied ern von Ive Niger als 21 Jahren darin turnen, vorgeschritten ist, wird— wie zu erivarten war— von der „Freisinnigen Zeitung" beschönigt. Das Freisinnsorgan krebst mit dem von uns schon als haltlos zurückgewiesenen Argument, daß die Schuldcputalion, die die Sperrung ab 1. Oktober dieses Jahres verfügt hat, gar nicht anders handeln könne. Wir haben bereits festgestellt, daß die von FreisinnSmännern beherrschte Schuldeputälion samt dem Magistrat und der Stadtverordnetcnmehr- heit nicht anders handeln wollen. Wäre es ihnen ernstlich darum zu tuil, die Wirkungen der von der Staatsregierung gewünschten »lnd vom Provinzial-Schulkollegium angeordneten Verfolgung des Arbeiier-TurnvcrcinS„Fichte" aufzuheben, so hätten wir nicht in dcrStadtvcrordnetenversammlu itg im Mai dieses Jahres jenes beschämende Schauspiel erlebt, als dort die Angelegen- heit von unseren Genossen, zur Sprache gebracht wurde. Selbst der ziveite Teil des damals von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Antrages— der Vorschlag, den Magistrat zu ersuchen, daß er dem Verein„Fichte" zu seinen Turn- Übungen fortan andere Räume zur Verfügung stelle, über die das Provinzialschulkollegium nicht wie über Schulgrundstücke zu kommandieren hat— wurde von den Freisinnigen nicht unterstütz t. Oberbürgermeister Kirschner fand das erlösende Wort, man dürfe sich nicht in diesen Streit zwischen staatlichen Behörden und Turilvercin„Fichte" einmische»»,— und die freisinnige Stadtverordnetenmehrhcit lehnte dann den Antrag ab. Die Arbeiterbevölkcrung ist eben minderen Rechts, sie darf nicht von der Stadt dieselbe Berücksichtigung forder», wie sie anderen Bevölkcrungskreiscn zuteil wird. Aber trotz all dieser Verfolgungen wird die Hoffnuiig des liberalen Bürgertums, daß nunmehr in Berlin kein Arbeiter- Turnverein mehr sich werde halten können. zuschanden werden. Einstweilen wird der Turn- verein„Fichte"»nit den über 21 Jahre alten Mit- gliedern weiter die Turnhallen der Stadt be- nutzen; denn noch fehlt eS an einer„gesetzlichen" Handhabe, auch für diese älteren Mitglieder ihn obdachlos zu machen. Die jüngeren Mitglieder aber wird er an anderer Stelle um sich sammeln und desto fester an sich zu ketten wissen, je wütender er mn ihretwillen verfolgt wird. Eine Zchnpfcnnigbricfpost nach den Vereinigten Staaten von Amerika geht tviedcr van Bremerhaven am nächsten Dienstag, den 10. August, ab. Sie benutzt den Schnelldampfer„Kaiser Wilhelm der Große". Ter Dampfer ist am 17. August in New Jork fällig. Zehnpfennigbricfe für diese Gelegenheit gehen zuletzt Dienstag früh von Osnabrück 3 Uhr 21 Minuten, von Hannover 3 Uhr 47 Mi- nuten, von Bremen um 3 Uhr ab. Zwanzigpfennigbricfe und alle anderen Arten von Briefsendungen, die sämtlich nach den Sätzen des Weltpostvereins frankiert sein müssen,»Verden dem deutschen Dampfer noch über England und Frankreich zugeführt. Die letzte Post nach Sonthampton geht von Köln am 10. August abends 0 Uhr 1 Minute, nach Cherbourg von dort an demselben Tage abends 10 Uhr 45 Minuten. Freigabe der Tegeler Freibäder. Die kürzlich verhängte Sperre über die Freibäder im Tegeler See ist, wie berichtet wird, gestern aufgehoben wordei», nachdem eine Umzäunung der Badestellcn vor- genommen wurde. Unter rätselhaften Unlständen vcrschtvundcn ist der Straßen- bahnschaffner Meißner aus der Joachim-Friedrichstraße in Halen- see. Er hatte am Freitag, den 30. Juli, aushilfsweise auf dem Straßenbahnhof Moabit Dienst getan und wollte nach Schluß des- selben, ohne die Kasse abzuliefern, sich nach seiner Wohnung be- geben. Dort ist er aber nicht eingetroffen. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib des M. sind bisher vergeblich gclvcsen. Daß er das vereinnahmte Geld etlva unterschlagen haben sollte, ist voll- ständig ausgeschlossen, da der Beamte eine tveit größere Summe als Kaution hinterlegt hat. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß er das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Vom Starkstroin getroffen wurde auf der elektrischen Ver- suchsbahn bei Oranienburg der 58jährige Monteur Klinge von den hiesigen Allgemeinen Elektrizitätslvcrken, der mit Reparatur- arbeiten an einer elektrischen Lokomotive beschäftigt war. K. geriet hierbei gegen eine Starkstromleituirg. wurde von der Maschine herabgeschlcudcrt und stürzte auf ein Steinlager, auf dem er be- sinnungslos liegen blieb. Der Bedauernswerte, der eine schtvere Kopfverletzung sotvie erhebliche Brandlvunden an beiden Händen erlitten hatte, wurde nach einem Berliner Krankeirhause überführt. Falsche Einmarkstücke mit dem Münzzeichcn A und der Jahreszahl 1875 sind neuerdings wieder in größerer Menge im Umlauf. Tie Prägung der Falsifikate ist matt hergestellt und entspricht d" angeblickien Alter der Münzen, die nur durch den Klang und e leichte bläuliche Färbuirg als Nachahmungen zu erkennen sin Der Umstand, daß die falschen Geldstücke gleichzeitig an ver- schiedenen Stellen und in mehreren Vororten ausgegeben werden, deutet darauf hin, daß mehrere Personen bei der Verbreitung der Falsifikats beteiligt sind. Vandalen auf der Stadtbahn. Neuerdiirgs werden wiederum in den Stadt- und Ningbahnzügen die Messiirgtürgriffo, Drücker und andere Messingteile abgeschraubt und gestohlen. Außerdem »verden aber vielfach Lederriemen, Gepäcknetze sowie in der zlveiten Wagenklasse die Polster zerschnitten und bei den in der Fahrt be- findlichen Zügen die Türen geöffnet, so daß diese beim Entgege»»- kommen anderer Trains zugeschleudert und beschädigt»Verden. Alle Bemühungen, die Unfugstifter auf frischer Tiat zu ertappe»», waren bisher vergeblich. Die Eisenbahndirektion Berlin hat nun- mehr auf die Erinittelung eines Täters eine Belohnung von 20 bis 300 M. je nach dein betreffenden Falle ausgesetzt. Keine Aliklage in Sache» deS Reiliivahniingli'icks. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren in Sachen des Unglücks auf der Reiiubahn ün alten Botanische»» Garten eingestellt. Seine Aufklärung fand der Lcicheufuud, der iin Goldfischteich gemacht wurde. Das junge Mädchen ist die 23 Jahre alte Tochter Else des Droschkenführers Skibbe aus der Zellestraße. Sie verlor die Mutter durch den Tod und suchte in einem Anfall von Schlver- mut am Montag im Goldfischteich den Tod. Ein Fall von Hitzschlag. Kaum hat sich die lang vcrnrißte Sommerlvärme eingestellt, so treten auch ihre unangeirehinen Folge- erscheinuugei», lvie Hitzschlag»islv,, wieder auf. So fanden gestern nachmittag Passanten am Trnpelhofer Ufer einen ööjährigen Maurer au? Nixdorf besinnuirgSlos auf»lud brachte»» ihn nach der Unfall- station I. Dort stellte de»; Arzt Hitzschlag fest und ordnete die Ueberfiihruug des Kranke»» nach den» Krankenhause am Urban ai». Tot im Boot gefunden. Vorgestern abend mietete sich ein junger Mann in einem Restaurant am Müggelsee ein Boot und fuhr auf den See hinaus. Da das Boot bis zum Abend nicht zurück- gekehrt»var,»vurde gestern vormittag nachgesucht. Man fand es schließlich iin Schilf festgcinacht und den Insassen tot darin liegend. Er hatte sich mit einer Browningpistole ins Herz geschossen. In seinem Hut befand sich ein Zettel mit der Adresse: Max Meyer, Krefeldcr Straße 18. Der Besuch deS„Zeppelin III" in Berlin findet, wie berichtet wird, am Sounabeud, den 28. d. M., statt. Eine SchlviiidsuchtSbrücke hat der FiSkliZ auf den» Bahnhof Reinickendorf-Roseiithal erbauen lasse»», damit die Fahrgäste, die von diesen» Bahnhof nach dem anliegenden der Kleinbahn Reinickendorf- BaSdorf usiv. nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sind, beim lieber- gang der Geleise gerädert zu werden. Die Fahrgäste inüsscn jetzt eine hohe Treppe hiuaiifklettcri», einen Wandelgang über de» Ge- leisen passieren und dann die Treppe wieder hinabsteigen. Grober Unfug lag wieder einmal einer Feucrmeldung zu- gründe, die nachts um 1 Uhr das Ausrücken des Berliner Auto- nwbilzuges nach der Mathiasstraße veranlaßte. Der Täter ist leider unerkannt entkommen. Wegen starken Nebenschluß in der Fcuermeldelinie 2 mußten nachts uin 2 Uhr vom 0. Zuge sämtliche Feuermelder dieser Linie revidiert werden. In der Chaussee- straße 54 brannten nachts in einer Elektromotorenfabrik Werk- tisch, Verschlage, Türen, Fenster und anderes. Die Fcuerlvehr verschaffte sich durch Einsteigen in die brennenden Räume Zugang und löschte dann durch kräftiges Wasscrgeben die Flainmcn. Die Entstehung war nicht zu ermitteln. Aodei»verschläge mit In- halt an altem Hausrat, Fußböden und anderes standen abends in der Königsberger Straße 4 in Flammen. Mit Erfolg»vurde ein Sauerstoffapparat vom 13. Zuge in der Dalldorfer Straße 25 benutzt. Ferner hatte die Feuerwehr in der Blumcnstraße 50s und anderen Stellen zu tun._ Arve itcr-Bildimgss chiilc B crlin. Am Sonntag, den 15. A u g n st, Familienansflug nach Hsirschgarten-Rahnsdorfer Mühle. Abfahrt des Z»lgcS Alexai»derplatz 3,20, Jannolvitzbrücke 8.31, Schles. Bahnhof 8,34. Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr vormittags Restaurant „Waldburg", am Bahirhof Hirschgartcn gelegen. Von 12 Uhr mittags ab„Gasthaus zur Rahnsdorfer Mühle"(Jnh. A. Klemm) in Rahnsdorfer Mühle, an, besten voin Bahnhof RahnS» dorf zu erreiche»». Zahlreiche Beteikigllng der Mitglieder nebst An- gehörigen und Freunden der Schule erlvartct _ DaS Komitee. Der Zoologische Garte» hat kürzlich drei Chinchillas erlvorben, eine Nagetierart, die durch ihr kostbares Pelzwerk zlvar sehr bekannt ist, aber nur sehr selten lebend aus ihrer Heimat, den südamerikanischen Anden, zu uns gebracht»vird. Die Tiere sind etwa von der Größe eines halblvüchsigcn Wildkaninchens, die Ohren sind groß und breit, der Schivanz ist von mittlerer Länge und dicht behaart. Die interessanten Fremdlinge sind in dem Hause für Landnagetiere, dicht neben dem großen Eichhorn-Gesell» schaftskäfig, untergebracht. Berliner Aquarium. An der Beschickung des Aquariums be- teiligten sich diesmal drei Meeresgcbiete. Aus der Nordsee kam durch die königliche Biologische Anstalt auf Helgoland eine mebr als 100 Stück umfassende Sendung von Blumentieren an, fast durchweg auserlesene Exemplare von besonderer Größe und Schönheit, so daß nun das sogenannte Nordseebecken im oberen Grottcngange mit seiner prächtigen Besatzung, namentlich an zart- farbigen, gelblichen, rötlichen und weißen Seenelken einen Haupt- anziehungspunkt bildet. Für das gegenüberliegeirde Medusen. becken lieferte die Ostsee eine Anzahl in Form, Färbung und Be- wcgung gleich anmutiger und reizvoller Quallen. Die Adria steuerte durch die Biologische"Station Rovigno unter anderem ein stcckartigcs Gebilde von tiefgrüner Färbung bei, das noch nie hierher gelangte und das im Gegensatz zu anderen ähnlichen Er. scheinungen in dem rechten Basaltbecken, die trotz ihrer gewächs- artigen Gestalt doch tierischen Ursprungs und Wesens sind, dein Pflanzenreich angehört; es ist eine Alge, die aber in ihrem ganzen Aufbau sich»veit unterscheidet von den öfter im Aquarium ein- treffenden Ulven mit ihren salatähnlichen grünen Blättern Vorort- I�acbncbten. Chitrlottenburg. Die gewerblichen Streitigkeiten belasteten im Jahre 1908 daS hiesige G e lv e r b e g e r i ch t um 37 Klagen mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Streitsachen wuchs an durch vcrinehrte Klagen aus den Fabrikbctrieben— nämlich um 46. Dagegen gingen die aus dem Baugewerbe und aus den» übrigen Gelverbe und Handwerk herrührenden Streitfälle um 22 zurück. Insgesamt erschienen vor dem Gewcrbcgericht 1741 Kläger, von denen in 320 Fällen mehrere dieselbe Klage gemeinsam führten. Von den Arbeitgebern ftreirgten ".Klagen gegen Arbeiter an, während 1504 Arbeiter gegen die ernehmer klagbar werden mußten. Außerdem suchten 11 Ar. er gegen andere Arbeiter ihr Recht vor dem Gelvcrbegericht. — Wie aus der hohen Zahl der Klagen der Arbeiter gegen Arbeit, gebcr erklärlich ist. entfielen in der Hauptsache die Klagegegen» ftanfce öuf Benachteiligungen der Arbeiter ist« Arbeitsverhältnis. So hatten 32 Klagen ihre Ursache im Beginn, in der Fortsetzung oder in der Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder in der Vor- enthaltung der Arbeitspapiere. In 143 Fällen handelte es sich um die Rückgabe von Legitimationspapieren oder anderer den Arbeitern gehörenden Sachen. Doch die Hauptzahl der Klagen drehte sich— in 651 Fällen— um die Nichteinhaltung der pekuniären Verpflich- tungen der Arbeitgeber. Nicht selten wurden den Hauptklagen Widerklagen entgegengestellt, doch läßt sich über den Umfang der letzteren keine bestimmte zahlenmäßige Angabe machen, da Haupt- und Widerklagen als eine Streitsache betrachtet wurden.-— Der Wert des Streitgegenstandes schwankte in den einzelnen Fällen zwischen 26 M. und 1723 M.. Bei dieser letztgenannten Summe dürfte eS sich aber um eine gemeinschaftliche Klage von 9 Arbeitern gegen einen Unternehmer gehandelt haben. In der Mehrzahl drehten sich die Klagen um Summen zwischen 26 und 56 M. Diese Fülle von Klagen beschäftigte das Gericht an 98 Termins- tagen, von denen 62 nur vor dem Richter stattfanden, während 36 Tage dem gesamten Gericht vorbehalten blieben. Wie stark aber die einzelnen Tage dabei belastet wurden, ergibt sich daraus, daß an einem Tags von dem Vorsitzenden bis zu 32 einzelne Sachen und von dem Vollgericht durchschnittlich 23 Klagen in einer Sitzung „erledigt" werden mußten. Dmß unter diesen Umstünden an eine allzu gründliche Behandlung des einzelnen Falles nicht immer gedacht werden kann, dürfte wohl klar sein. Insgesamt fanden vor dem Vorsitzenden 1449 Sachen und durch das Spruchgericht 465 Fälle ihre Erledigung. Aber die Zahl der Klagen würde eine noch viel größere gewesen sein, wenn nicht manche schon in der Gerichts. schreiberei aufgehalten worden wären. Durch die dort gegebene „mündliche Rechtsbelehrung", heißt es im Bericht, wurden verschiedene Klagen zurückgezogen.— Angesichts dieser starken In. anspruchnahme des Gerichts, die wir an sich nur begrüßen können, war es eine Notwendigkeit, daß die Leitung des Gewerbegerichts, die bisher von einem besoldeten Stadtrat fast nur im Nebenamte ausgeübt wurde, dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts als ein selbständiges Ressort übergeben wurde. An die Stelle des früheren Gewerberichters, des Assessors Dr. Mann, trat Assessor Dr. Lands- berger. Die Kosten, die der Stadt aus dem Gewerbegericht entstehen, betrugen für 19693 rund 24 666 M. Das Verfahren vor dem Ge- Werbegericht ist für die Parteien—' soweit die Tätigkeit des Gerichts dabei in Frage kommt— unentgeltlich. Zu dem dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwurf betreffend die Arbeitskammern wurde auf einstimmigen Beschluß der Bei- sitzer der Antrag an den Reichstag gerichtet, die zukünftigen Arbeitskammern in bezug auf deren Charakter als Einigungs. instanzen mit den Einigungsämtern der Gewerbegerichte nicht in Konkurrenz zu stellen. Auch sollten die Arbeitskammern nicht als zweite Instanz über den Einigungsämtern der Gewerbegerichte stehen. Sprung aus dem Fenster. Gestern früh stürzte sich die Portierssrau Marie Kadow aus der dritten Etage des Hauses Sybelstr. 67, in dem sie bedienstet war. auf den Hof herab, und blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Ein langwieriges Leiden soll sie zu der Verzweiflungstat veranlaßt haben. Schöneberg. Der hiesige BildungSausschuß teilt mit: Am heutigen Sonntag findet eine Besichtigung des Botanischen Gartens in Dahlem statt. Die Besichtigung wird unter Führung eines Botanikers vor- genommen und verspricht daher sehr belehrend und unterhaltend zu werden. Treffpunkt früh 9 Uhr an der Friedenauer Brücke. Hauptstraßen- und Ebersstraßen-Ecke. Jeder Jugendliche erscheine. Nixdorf. Die„Freie Turnerschaft Rixdorf-Brih" veranstaltet am Sonntag. den 8. August, ihr diesjähriges Sommerfest in Naddatz' Konzert- Park(früher B-tbge), Britz. Chausseestr. 39. Da uns genannter Verein bei allen Parteifestlichkeiten zur Verfügung steht, bitten wir die Parteigenossen um recht rege Beteiligung, zumal den Besuchern für den geringen Eintrittspreis von 20 Pf. einige genußreiche Stunden geboten werden sollen. Wilmersdorf-Halensee. Ueber den kommenden Parteitag referierte in der General- Versammlung des Wahlvereins Genosse Ulm. Angenommen wurde folgender Antrag des Genossen Hilbig:..Alle Partei- genossen, die nicht in der Lage sind, den 1. Mai zu feiern, sind verpflichtet, einen Tagelohn an einen Zentralmaifonds abzu- führen/ Als Delegierte zur Kreisgeneralversammluna wurden die Genossen Hilbig, Kämpfer. Tuckermann; zur Verbands- generalversammlung für Groß-Berlin die Genossen Kämpfer. Michaelis und Schubert gewählt. Hierauf erstattete Genosse Birn- stengel den Bericht der Spedition vom 2. Quartal, derselbe schließt mit einem Defizit von 23.39 M. ab- Der erweiterte Vorstand schlug der Versammlung den Ausschluß des Genossen Weit vor, welchem zugestimmt wurde. An Stelle des Genossen Vosl, welcher verzieht, wurde Genosse Nenner als Revisor gewählt. Der Vor- sitzende verwies noch auf das am Sonntag stattfindende Sommer- fest des Wahlvereins, sowie auf das am 15. August stattfindende Stiftungsfest der freien Turnerschaft, und ersuchte um rege Teil- nähme an beiden Veranstaltungen. Genosse Hilbig macht noch darauf aufmerksam, die preußische Staatsangehörigkeit zu erlangen. Rnmtnelsburg. Heute, Sonntag, den 8. August, findet im Waldlokal von Klug- mann. Köpenicker Chaussee, das vom hiesigen Wahlverein veranstaltete so beliebte„Kinderfest" statt. Die Kinderspiele und Belustigungen stehen unter bewährter Leitung. Für genügende Sitzgelegenheit ist diesmal auch in ausreichendem Maße gesorgt worden. Da die Teil- nehmer am Kinderfest wie im Vorjahre in einem geschlossenen Fest- zuge unter Musikbegleitung nach dem Festlokale marschieren, so, nacht sich— um unliebsame Störungen beim Einmarsch zu vermeiden— die vorherige Versorgung mit Billetts äußerst notwendig. Abmarsch präzise 2»/. Uhr von Hauptstr. 4 aus. Eintritt 15 Pf. Kinder frei. Jedes Kind erhält mehrere Geschenke. Der Festzug ist polizeilich genehmigt. Da» Komitee. Trept ow-Baums chulcnweg. In Brand gerate« ist am Sonnabendmittag 12>/z Uhr in der Köpenicker Landstraße eine Kraftdroschke aus Berlin. Das Feuer, welches am Vergaser entstand, wurde von dem Zug 2 der freiwilligen Feuerwehr, die durch Melder 12 alarnnert worden ist, gelöscht. Adlershof. Am Sonntag, den to. August, feiert, wie alljährlich, im Lokal von Wöllstein die hiesige Arbeiterschaft ihr Sommerfest, veranstaltet vom Gewerkschaftskartell, in Gemeinschaft mit dem hiesigen Wahl- berein.' Nachmittags 3 Uhr findet vom Lokal Kähne, Bismarck- straße 66. der Festzug durch die Bismarckstraße zum Fcstlokal statt. Die Festrede hält der Landtagsabgeordnete Genosse Heinrich S t r ö b e l. Im übrigen ist alles geschehen, um das Fest möglichst interessant und abwechselungsreich zu gestalten. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee- Klein-Tchönebeck-Fichtena«. Der Arbeiterturnvcrein„Eiche" veranstaltet am heutigen Sonntag in Schöneiche:„Waldschloß"(Jnh. Lemke), sein Stiftungs. fest, bestehend aus einem Festzug. Konzert. Ball, turnerische Auf. führungen usw. Die Parteigenossen nebst ihren Familien werden gebeten, das Fest zu besuchen. Hoherlehme-Wildau. Beim Kirschenpflücken verunglückt. Der Arbeiter Bruck war seiner Frau beim Einernten von Kirschen auf der Chanssee KönigS-Wusterhausen beschäftigt. DaS Ehepaar stand auf einer Leiter, die mit einem Strick an den Baum festgebunden war,»in da» Umfallen zu verhindern. Plötzlich riß der Strick, die Leiter rutschte ab und die bewen stürzten so unglücklich auf die Chaussee, daß sie besimmngSlos liegen blieben. Der in der Nähe beschäftigte Sohn der Verunglückten rief sofort Hilfe herbei und das Ehepaar wurde nach dem Krankenhause KönigS-Wusterhausen gebracht. Bruck, der schwere innere Verletzungen erlitten hatte, dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Dagegen erwiesen sich die Verivundungen seiner Frau als leichter, so daß ihre Wiederherstellung in kurzer Zeit zu erwarten ist.. Spandau. Der BildungSausschuß hat sich neu konstituiert; Obmann ist der Genosse Robert Ey, Wilhelmstr. 161, Kassierer Genosse Alfred Manker, Weißenburger Str.' 26. Sämtliche Anfragen sind an den Genossen Robert Ey zu richten. Zeuthen. Der Bezirk Zeuthen vom Wahlberein veranstaltet am heutigen Sonntag im Restaurant Lindemann ein Kinderfest, womit Auskegeln und Ausschießcn verbunden ist. Freunde uno Genossen sind hierzu freundlichst eingeladen. Das Komitee. Eue der frauenbewegung« Frauenarbeit in der Zuckerindustrie. „Zum Kapitel der Frauen, und Kinderarbeit würde die Ge- schichte der deutschen Zuckerindustrie eine reiche Quelle schätzbaren Materials liefern, wäre das Verständnis dafür in den Kreisen der zeitgenössischen Autoren bis zur staatlichen Regelung derselben nicht ein durchaus mangelhaftes gewesen." Diese Ausführungen werden von Dr. Schuchart in seiner Darstellung über die „volkswirtschaftliche Bedeutung der technischen Entwicklung der deutschen Zuckcrindustrie" noch des Näheren beleuchtet. Die Frau galt von jeher in der Zuckerindustrie als willkommenes Aus- beutungsobjekt. Seit seiner Begründung wurde der Rübenbau meist mit Frauen und Kindern betrieben, und in den Anfängen der Rübenzuckerindustrie wurde die weibliche Arbeitskraft wo irgend angängig der männlichen bevorzugt. Die Frauenarbeit war wegen ihrer notorischen Billigkeit ein Stützpunkt der ganzen Rübenzucker- industrie, woran für's erste auch das Vordringen der Maschine nichts änderte. Zu Anfang der 76cr Jahre, als der Betrieb noch technisch weit hinter der späteren Vervollkommnung zurückstand, arbeitete die Frau auf allen(damals noch Handarbeit erfordernden) Stationen, von der Rübe, wie sie auf den Fabrikhof kam bis zum konsumfähigen Produkt. Es gab zu dieser Zeit noch keine Schwemm- Rinnen, ebenso wie auch die Diffusion(ein neues Saftentziehungs- verfahren) statt des alten Prcßverfahrens nur erst wenig einge- führt war. Bei dem Heranschleppcn der Rohstoffe sowohl wie bei der sehr umständlichen Vorbereitung der Rüben bedurfte man der "raucnarbeit. Fast die ganze Rohzuckerarbeit einschließlich der entrifugen- und Bodenarbeit in den übermäßig geheizten Räumen siel der Frau als Arbeit zu. Die Technik brachte hier einen ge. wissen Fortschritt. Mit der Herrschaft der Maschine verschob sich die Arbeitsverteilung insofern, als der Frau die Arbeit verblieb. die vor allem Geschicklichkeit erforderte, während der Mann die Bedienung der Maschinen und der Apparate übernahm. Das Verbot der Frauennachtarbeit vom 24. März 1892 zwang die Unter nehmer in kontinuierlichen Betrieben die Verwendung von Frauen zu begrenzen. DaS Verbot, daS die Beschäftigung von Frauen zwar nicht gänzlich untersagte(es bezog sich auf die Arbeit an der Rübenschwämme, der Rübenwäsche. auf den Zuckerboden und an den Zentrifugen), kam jedoch einer„Ausschließung der weiblichen Arbeitskraft nahezu gleich". Eine der Folgen war eine beachtens- werte Verbesserung des technischen Betriebes. Einen Einblick in die Zuckerbodenarbeit gewährt uns Dr. Schuchart wie folgt:„Die Zeiten sind gar nicht so fern, daß die Saisongruppe auf den Fa- briken unter den tiefsten/ittlichcn und hygienischen Verhältnissen zu leben gewohnt war. Man stelle sich den ununterbrochenen und mit einmaligem Schichtwechsel aufrecht erhalchnen. Betrieb vor, der am Sonntag früh meist nur zum Jnstandsetzen wichtiger Betriebs- organe kaum für einige Stunden stillgelegt wurde, dazu die starke Heranziehung weiblicher Arbeitskräfte im Tag und Nachtdienst. Kaum mit Hose und Rock bekleidet waren Arbeiter beiderlei Ge- schlechts und jeder Altersstufe in denselben schlecht gelüfteten und belichteten Räumen beschäftigt, in denen, wie auf dem Zuckerboden und bei den Zentrifugen, unerhört hohe Hitzegrade herrschten. Während der Arbeit mußte da oft die kärglick?e Nahrung hinunter- geschlungen werden. War dann endlich die Arbeitszeit beendet, so drängte alles bald nach dem Schlafraum. Zu dem Zweck diente altem Herkommen gemäß der kaum gedielte Dachraum über den Dampfkesseln, der, schon vom Tageslicht mangelhaft beleuchtet, nachts wegen der FcuerSgefahr nicht mit Licht betreten werden durfte. Auf gemeinsamer Streu hausten hier Männer und Weiber, Junge und Alte, bunt durcheinander, usw." Der Verfasser meint. das Bild der Saisonarbeit in der Zuckerindustrie vor der Zeit staat- lichcn Eingreifens„sei zu den düstersten Kopiteln zu zählen, welche die Geschichte der deutschen Lohnarbeit in der zweiten Hälfte des lg. Jahrhunderts aufzuweisen hat, und welches in manchen Zügen an die in den englischen Blaubüchern geschilderte Lage des Jndu- strioarbcitcrs der zwanziger und dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnert." Während man anfing die Aufmerksam- keit auf die gewerbliche Arbeit in Betrieben streng industriellen Charakters zu lenken, hielt man in Deutschland die Rübenzucker- industrie noch als ein rein landwirtschaftliches Gewerbe und somit für etwas Unantastbares— weil agrarische Interessen in Frage kamen. Man tröstete sich bestenfalls damit, daß diese Zustände nur einige Monate dauerten. Ja, die Zuckerindustriellen haben sich mit dem bißchen Arbeiterinnenschutz auch heute noch nicht ab- gefunden, sie laufen immer noch Sturm um Aufhebung von Ver- boten, die eine Verwendung weiblicher Arbeitölrast bei bestimmten Arbeiten untersagen. Auch die Sonntagsruhe ist den frommen LiebeSgabenempfängern ein Dorn im Auge. Dnickfehlrr-Berichtigung. In Nr. 182. 2. Beilage, Seite 2 muß es in der Notiz„Frauen des Proletariats' Zeile 8 von unten nicht heißen:„nur erkämpfen', sondern„m i t erkämpfen'; ferner in der letzten Zeile der Notiz nicht:„Kämpfern, den Frauen des Prole- tariatS", sondern:.kämpfenden Frauen des Proletariats'. Frauen- und Kinderarbeit i« Italien. Jetzt erst sind die Auöfiihrungsbcstimmungen zum italienischen Gesetz über die Frauen- und Kinderarbeit(vom 16. November 1967) erlassen worden.„Kinder' im Sinne des neuen Gesetzes sind Personen, die daS 16. Lebensjahr nicht überschritten haben;„minder- jährige Frauen' sind weibliche Personen zwischen 16 und 21 Jahren. Dem Gesetz unterstehen alle Betriebe außer landwirtschaftlichen, in denen mehr als fünf Arbeiter gewerblich beschäftigt sind, sowie alle Betriebe, die mechanische Kraft verwenden. ErziehungS- und Wohl- tätigkeitsanstalteu, Klöster uslv., die Kinder arbeiten lassen, unter- stehen dem Gesetze nur dann, wenn die gewerblichen Erzeugnisse Spekulationszwecken dienen oder wenn die Handarbeit mehr Zert er- fordert als der Unterricht! Im Arbeitsbuch muß eine ärztliche Erklärung darüber stehen, ob das Kind oder die jugendliche Arbeiterin ohne Schaden für die körperliche Entwickelung Jnduftriearbeit zu verrichten im- stände ist; diejenigen Arbeiten, für die der Arzt die untersuchten Kinder oder jugendlichen Arbeiterinnen als ungeeignet erachtet, bat er ausdrücklich anzugeben. Kindern und Minderjährigen, die die Elementarschule nicht absolviert haben, darf ein Arbeitsbuch nur ausgestellt werden, wenn der sie beschäftigende Unternehmer sich ver- htet, den Unterricht zu vervollständigen. In 23 in den Aus- nngsbcstinmmngcn aufgezählten(vornehmlich chemischen) In« ricn ist die Beschäftigung der Kinder usw. ausdrücklich verboten. 25 Gewerben ist sie nur bei einigen Verrichtungen und unter deren Vorsichtsmaßregeln erlaubt i Glasindustrie, Asbestweberei, Kalkmühlen, Kämmen der Wolle, der Baumwolle, der Jute, des Hanf»). Unter den Betrieben, in denen die Verwendung von Kindern und minderjährigen Frauen auf jeden Fall untersagt ist. befindet sich erfreulicherweise auch die Erzgewinnung(sizilianische Schwefclbergwcrke). Jeder Unternehmer, der Kinder oder Jugendliche beschäftigt, hat die Pflicht der Anzeige; über den Bestand dieser Arbeiter ist ein Register zu führen, die Arbeitszeit muß in den Betriebsstätten deut- lich angeschlagen sein. Nährende» Müllern ist außer den vorgeschriebenen Pausen täg- lich mindestens eine Stunde Zeit zum Stillen zu gewähren, wenn das Kind außerhalb der Fabrik, eine halbe Stunde, wenn es in der Fabrikstillstube gehalten wird. Die Gewerbeinspektoren haben zu jeder Zeit Zutritt zu Be- trieben, in denen geschützte Arbeiter tälig sind; wird ihnen der Zu« tritt verweigert, so können sie ihn durch Zuziehung der bewaffneten Macht erzwingen. Die Strafen für Berietzungen des Gesetzes sind(Wie üblich) außerordentlich niedrig: 5—16 Lire! Vermischtes. Neuer Aeroplan-Wcltrekord. Dem französischen Aviater Sommer. der in letzter Zeit bereits größere Dauerflüge ausgeführt hatte, ist eZ gestern gelungen, den bisher von Wilbur Wright gehaltenen Dauerrckord im Aeroplanflug zu brechen. Eine Meldung aus Mourmclou(Marne) lautet: Der Aviater Sommer hat heute früh den Wellrekord durch einen Flug von zwei Stunden 27 Mi« nuten 15 Sekunden geschlagen. Sommer stieg um 3 Uhr 14 Minuten auf und landete, von den Zuschauern lebhaft begrüßt, um 5 Uhr 41� Minuten. Den bisherigen Rekord hielt Wilbur Wright mit einem am 31. Dezember 1963 ausgeführten Fluge von 2 Stunden 26 Minuten und 23 Sekunden Dauer. Der neue Rekordmann Sommer hat diese Leistung jetzt um fast 7 Minuten überboten, nachdem er bereits am 1. August d. I. der Leistung Wilbur WrightS mit einem Fliige von 1 Stunde 56 Miimten 36 Sekunden nahe gekommen war. Die nächsten in der Liste sind Henry Farman(1 Stunde 23 Minuten, am 19. Juli 1969), Orville Wright(1 Stunde 26 Mimiten. am 29. Juli 1969) und Paulhan(1 Stunde 17 Minuten, am 15. Juli 1969). BlntigeS Ende einer Hochzeitöfeicr. Zu stankalöfen Auftritten kam es bei einer Hochzeilsfeier in Lachen zwischen den HochzeitS- gasten und einer Anzahl von Unteroffizieren, ES wird hierüber aus Köln berichtet: In einem Restaurant in der Kaiscrstraße fand ein Hock, zeitsfest statt'. In demselben Lokale wurde gleichzeitig eine Beförderungsfeier abgehalten, an der etwa 36 Unteroffiziere teilnahmen. Nach Mitternacht betrat ein Feldwebel den Hochzeitssaal, wo schon eine kampflustige Stimmung herrschte. um sich von der Wirtin zu verabschieden. Hierbei wurde er von dem Bräutigam und einem Hochzeitsgaste tätlich angegriffen. Schließlich schlug ihn die Schwester der Braut mit einem Stuhl über den Kopf. Die vom Wirt verständigten übrigen Unteroffiziere drangen nun in den Saal, um ihrem Kameraden beizustehen, mußten aber, da sie unbewaffnet waren, der Ueberniacht weichen. Mit Bierseideln, Tellenr und Stühlen bewarf man sich, als schließlich die benachbarte Kasernenwache mit auf- gepflanztem Seitengewehr in den Saal stürnite und die ganze Gesellschaft verjagte. Der Saal glich einem Schlachtfelde. Ein Arzt leistete dem schwerverletzten Feldwebel die erste Hilfe. Die Militär- behörde hat die Untersuchung eingeleitet. Zur SchiffSkatastrophe bei Kapstadt. Wie eine Meldung aus Kapstadt besagt, sind die acht noch an Bord deS gestrandeten Dampfers .Maori' befindlichen Seeleute durch einen Raketenapparat gerettet worden._ i Slllgemeine Familien-Stcrdekasse. Heute Zahltag: Ackerstr.»23 bei Vernicke, von 3—6 Uhr. Arbeiter-Inmaritcr-Kolonne. Montag abend S Uhr: I. Abteilung, Dresdener Str. 45. Schluß des Sommerhalbjahrs. Herr Dr. Max Groß- mann-Schöncberg spricht über Herzkrankheiten. Die Mitglieder werden er- sucht, vollzählig zu erscheinen._,. eingegangene Druchfchnften. Leipziger Authologie. Gedichte ehemaliger Leipziger Studenten seit 1670. Festgabe zum 500 jährigen Jubiläum der Unwerfltät Leipzig. Herausgegeben von G. W. Peters.—®. Merseburger. Leipzig. Geb. 2 M. Ein Kampf um die rechtliche Stellung des Turnunterrichts. Aktenmäßig dargestellt von Zahnarzt I. Smith in Haderslcbcn. SO Seiten. Selbstverlag. Fachblatt für Holzarbeiter. Hcst 7. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbciter-Verband, Berlin. Erscheint am IS. jeden MonatS. 1 M. pro Bierteljahr. Verlag: Berlin C. 2, Neue griedrichstr. 2. Der Steinkohlenbergbau und feine Gefahre». Bon G. F. Baum. Brosch. 1,80 M., geb. 2,60 M. E. H. Moritz, Stuttgart. Protokoll der Konfere»» für die i» der chemischen Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, granssurt a. M. 1903. 1,50 M. Ll. Brey, Hannover._ BrUffuftcn der Redaktion. Die lurlstilche Tprrchsimide findet Linden st ratze 3, zweiter H-l, dritter Slnganz, vier Treppen, gegT" y a y r st« h l w-chentägliq »dendö von bis vzz Uhr statt. Geöffnet 7 Nhr. TonnabcndS beginnt dte eprechstilnde um 6 Uhr. Jeder Anfrage«st et» Buchstabe und eine Zahl als Merkzetchen belzufLgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BIS zu« veantworlung im Brieftastr« können 1t Tage Hergehen. Eilige Fragen trage man tu der eprechftnndr vor. S. W. 1. Solche Kasse ist uns nicht bekannt. Genossen SimanowSki, Engel-Nscr 15, um AuSkunst. trägt daS Doppelte der Höhe des GeschästSanteilS.______ 1200 Mark würden bei der NachlahteUung zur Aufrechnung gelangen. Der Vater kann auch jetzt schon aus Rückzahlung klagen. Den Geschwistern steht solches Recht nicht zn. Sie müßten bis zur Nachlaßregulierung warten. — At. K. HO. Die Auskunft der Steuerbehörde cntipricht dem Gesetz. — Rixdorf 661. Da ScheidungSurteil ist noch nicht rechtskräftig, da es durch Berusung angefochten ist. Auch Sie können timerhalb eines Monats nach der Zustellung des Urteils Berusmlg einlegen. Wann die Zustellung erjolgt ist, ergibt sich aus der ZustcllungSurkunde des Gerichtsoollzichers oder auS der Bescheinigung deS gegnerischen Rechtsanwalts. Nachdem das Urteil rcchtSkräslig geworden ist, würde eventuell in einem besonderen Vcrsahren die Auseinandersetzung wegen des Vermögens stattzu- finden haben; der Ehefrau ist daS, was sie eingebracht und ivaS sie während der Ehe erworben hat, zurückzugeben.— I. I. Nein. — SchwtebnS. Der Betreffende gehört der landwirtschaftlichen Berufs- gcnosscnschast an. KranIenvcrsichcrungSpsiichlig ist er nicht. Die Zahlung der Kmnkcnkostcn soll er ablehnen. Für die ersten 13 Wochen hat die Ge- meiiide, in deren Bezirk der verletzte ländliche Arbeiter b-schüstigt war. die Krankcnkoften zu wagen.— P.!)t. 83. Nach herrschender Ansicht ja.— F. SH> 846. 1. Der Nachweis in der Gartenstrabe ist von den Berliner Metallindustricllen im Jahre 1890 kemchwt. 2. Nein. 3. DaS Gehalt de» Kanzlers betrügt riiischlietzlich der RepräscntationSkostcn 100 000 M. 4. Bieten Sie Abschlagszahlungen an. Sind Sie w der Wählerliste ein- getragen, so bleiben Sie wahlberechtigt. 6. Der Hauswirt darf das Schild nur nach vorausgegangener Klage aus Zahlung der Miete veräußern.— W. D. 47. 1. Ja. 2. An den Dichter.— W. M. 68. Leider zu spät. — Th. Sch. 88. Die Forderung ist berechtigt. Die hiesige Kirchen- gemeinde zieht zur Kirchensteuer schon bei einem Einkommen von 1200 M. ab heran.— L. 66. Ja, daS ist die ErgönzungSstcuer, die zur Auf» beffcrung des Gehalts der Beamten auch von denen eingefordert wird, die nur zu 1200 M. versteuert find.— Holzberg 411. 1. Ja. Dem Wirt steht daS Zurückbehaltungsrecht an den Möbeln zu. 2. New.— 17jnhriger Abonnent. Die Forderung ist verjährt, wenn nicht etwa ein Anerkenntnis innerhalb der letzten vier Jahre erfolgt ist.— Spandau 5. Ja. Straf» anzeigen sind an die Staatsanwaltschaft zu richten, könne» auch bei der Polizei angebracht werden.— S. S. 8666. 1. Nein. 2. New. Sie können sich aber an das Vorniundfchastsgericht wenden. 3. Ja.— R. B. 163. 1. Der 1500 M. JahrgSbetrag übersteigeude Lohn ist be» fchlagnahmesähig. 2. Infolge Ihrer Uiitcrschust, ja.— M. BS. Nein. Wenden Sie sich an 2. Die Haftung be- � 106. Die ßnefhaften der Expedition. 1 tailfil Urbanstr. 50 und L. Schulze, granl- MCSMS7MC 7MC=Slt«e=5>MC=7««C=?c='9«C=)*»(=»*«e='*«C=)**C='«*C=3*«C9**C=>*«C=3*»<=9Me=9M 1 I I Warenhaus W. Wertheim 's G.m. b. H. Frieöridi-Strasse 110-112 s o Oranienburger Straße 54-56 \ i S II s D : Die von Öer PASSAGE- KAUFHAUS- Betriebs- gesellsdiaft m.b.H. übernommenen Waren bringen wir i 0 l 0 i zu bedeutend herabgesetzten Preisen f 0 S zum Verkauf. Zur Festsetzung der neuen Preise :: bleiben unsere Verkaufsräume:: am Montag und Dienstag geschlossen. Ausgenommen hiervon sind jene Abteilungen, die sich noch im Betriebe der selbständigen Mieter befinden. }—e=>—CiS29M=3»»C=)—<=3*CC=3»9C=ä»»«=)«»<=>f<=)—C=S»*C=>e=3* HiweBettenlSMIc' (Cbfrtttt, Crtrrbrtt, S Äiffm) mit doppciigercinlgien t.cucn Lcit» Itbtm, bessere Letten 15, IS, 24 M f.; IVjWL Letten 15, 20, 23. 29, 86 Bit! usw. tSerianb geg. Nachnahme. ißrciC« j Ufte, Proben, Verpackung kostensrei. l-llstzv l.ll8tix, k«röbt.epe,ial.Ee!chzft»cutschI. VcrfretcrtfeSuthi! V>SCD.. Flricdciaiitii Berlin. 505 S. Hammerstein, Berlin N. 54. Brunnonstrate Ifll — Gegründet 1W2— 101, Rohtabak x Utensilien halt sein reichh. 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