Nr. 185. IlbonncmentS'ßedinguiwn: CRonncmentS- Prciz pränumerando i Vierteljährl. S£0 äRt,, monatl. 1,10 WIL, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sanntaas- nunimcr niit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitmigs- Preisliste. Unier Kreuzband für Dcutfchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PoftabonncinentS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 86. Jahrg. CiWnl tZgli» außer montags. Verlinev Volksblalt. Die Insertion;-LMhi' bekägt für die fcchsgcspaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gcwcrlschastliche Vereins- Und Versammlungs-Atizeigen 80 Psg. „Ulcfne xlnrelgen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weiters Wort 10 Pfg. Stellengeluche und Schlaf- ftellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnseralc für die nächste Nummer nüissen bis Z Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi§ 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SojlJldtnielirat RerliB**. Zentralorgan der rozialdemohratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion j SM. 68, Linden Strasse 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. wmmmmmmmmmmmmmBmamammmB Die Hationalifierung der österreichlichen Politik. Aus Wien wird uns vom 7. August geschrieben: Ter Kasimir Baden! ist gestorben, aber seine traurige Erb- schast ist geblieben. Was die Negierung des unseligen Schlacht- schitzen mit ihren verunglückten Sprachenverordnungen Oesterreich beschiedcn hat, und das nun wie Gift in den Blutbahnen kreist, ist die vollständige Nationalisierung des politischen Lebens in Oesterreich. Taß die nationalen Fragen in einem Nationalitätenstaate das Ilebcrgewicht besipen muffen, ist ganz begreiflich, zumal sich in Oesterreich das geschichtlich überlieferte Verhältnis der Nationen mit der ökonomischen Entwickelung kreuzt, der sich neue Notwen- digkeiten entwinden, die mit ungestümer Hast nach ihrer Erfüllung drängen. Es ist also auch nur eine ganz natürliche EntWickelung, daß der nationale Gedanke innerhalb jedes Volksstammes Wurzel schlug und in dem die Verhältniffe der Nationen zueinander all- mählich der herrschende ward. Aber das Unselige der Entwickelung. die mit Badeni anhebt, ist die Tatsache, daß der nationale Ge- danke immer mehr zum Chauvinismus entartet und alles verzehrt, was an Vernunft und Billigkeit gemahnte. Nationale Kämpfe hat es in Oesterreich immer gegeben und sie sind durch die Natur des Staates selbst bedingt. Aber vormals hatte daneben noch Be- sonnenheit und Gerechtigkeit Platz, man suchte auch den Stand- Punkt des anderen Teiles zu verstehen und die Lebensnotwendig- leiten des nationalen Gegners zu begreifen. Damals walteten zwischen den nationalen Parteien über den nationalen Gegensatz hinaus auch Beziehungen, Beziehungen wirtschaftlicher, politi- scher und kultureller Art. Das alles ist in den letzten Jahren gründlich ausgerottet worden und heute steht sich daS deutsche und das tschechische Bürgertum, und jedes in einer Front nur mit abgrundtiefem Haß gegenüber. Heute ist alles eine nationale Frage; ausnahmslos alles. Heute besteht das nationale In- tereffe fast zur Gänze aus dem Kampfe gegen die andere Nation; daß sie beide nebeneinander und miteinander leben müffen, ist in ihrem Bewußtsein ganz verlöscht. National sein bedeutet nun. die andere Nation hassen, kränken und schädigen zu wollen; ein sachlicher Standpunkt zu nationalen Forderungen des anderen, und wären diese selbst so geartet, daß sie die eigene Nation nicht berühren, ist unmöglich. Und jeder hält der eigenen Nation alles für erlaubt; bei der anderen erscheint ihm alles als Unrecht und Anmaßung. Alle sehen sie nur den Splitter im Auge des Nächsten, den Balken im eigenen nicht. In jener absoluten Nationalisierung seines Lebens erscheint Oesterreich als ein komplettes Irrenhaus. Deshalb kann in Oesterreich, und das ist das eigentlich Krank- hafte seiner Zustände, der bürgerlichen Welt nun die dümmste und gleichgültigste Lappalie als wichtige und bedeutsame Frage einge- redet werden. Wir wollen an zwei Beispielen, einem tschechischen und einem deutschen, demonstrieren, wohin dieser Wahnsinn führt. Wer wird es außerhalb Oesterreich begreifen, daß über die Kappen der deutschen Studenten in Prag, die sich übrigens nur an Sonntagen zeigten, eine große Stadt, ein ganzes Volk in Auf- rühr geriet, und daß sich aus dieser Albernheit die schwersten Verwickelungen in der inneren Politik ergaben? Aber es genügte, daß irgendein böswilliger Narr die Parole ausgab, diese Kappen seien eine Beleidigung des tschechischen Volkes, eine Gefahr für die tschechische Nation, und das gesamte bürgerliche nationale Tschechen- tum kam um seine Besinnung und die Kappenhetze wurde in Böhmen zur nationalen Betätigung. So die Tschechen; und wie treiben es heute die Deutschen? Vorigen Sonntag sollte in Schwechat ein Fest abgehalten werden. Schwechat ist ein an Wien unmittelbar grenzendes Städtchen mit etwa 8000 Einwohnern, von denen der überwiegende Teil Arbeiter sind; unter anderem be- findet sich in dem Orte die große Drehersche Brauerei, auch die jüngst eröffneten Hammerbrotwerke der Partei stehen dort. Von den Arbeitern sind gut ein Drittel Tschechen und Slowaken; trotz- dem hat man von nationalen Reibereien nie das geringste der- nommen. Nun arrangierte für den letzten Sonnig ein dortiger Ge» selligkeitsverein ein sogenanntes Schnittfest, zumeist für die Slo- waken, als Erinnerung an ihre Heimat, wo die Erntezeit damit eingeleitet wird; eine bescheidene, harmlose Nachmittagsunterhal- tung für die Arbeiter mit ein bißchen 5tu»st, Musik und Tanz, wie es so arme, indifferente, vom Land gekommene Arbeiter lieben. Und gegen diese, jeder agressiven Tendenz bare, mehr als harmlose Tanzunterhaltung wurde von den Deutschen eine fanatische Hetze unternommen! Mit dem Feste, so hieß es wörtlich ,n der immer blöder und gewissenloser werdenden„Neuen Freien Preffe", wollen die Tschechen Schwechat erobern und besetzen, um den Stoß ins Herz von Wien zu führen! Und richtig kamen am Sonntag mehr als 5000 Wiener nach Schwechat, um die hundert bis zweihundert im Gasthaus versammelten Tschechen und Slowaken zu blockieren, zu höhnen und zum„Abzug" zu zwingen! Und ganz Deutsch- Oesterreich halt von dem Siege von Schwechat wider! Denn das ist daS Kranke an diesen Dingen, daß sich gegen die sinnlosen Ucbertreibungen. gegen die systematische Vergiftung des nationalen Lebens im bürgerlichen Lager nirgendwo ein Wort des Widerspruchs regt. Dem tschechischen Volke konnte der infame Kckppenkrieg als nationale Tat vorgeschwindelt, der deutschen Kulturnation, und zwar weit über Oesterreich hinaus, kann ein- geredet werden, daß die gewaltsame Störung eines harmlosen, unpolitischen Tanzvergnügens eine fruchtbare Tat ist. die dem ge- samten Deutschtum zur Ehre gereicht und zum Nutzen ausschlagen - wird. Solange nicht eine durchgreifende Lösung der nationalen Expedition» SM. 63» Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Streitfragen herbeigeführt wird, muß sich dieser Wahnsinn immer steigern. Dabei seufzen die vernünftigen Elemente unter dem Schwindel der nationalen Demagogen, trotzdem sie sich ihm wider- standslos beugen. Denn ein nationaler Verräter will keiner ge- schölten werden und die bescheidenste Billigkeit gegenüber dem Andersnationalen gilt heute als schlimmster Verrat der eigenen Nation. Deshalb mußte die Vernunft abdizieren und die toll- gewordene Phrase setzt sich auf ihren Thron. Wenn die Sozial- dcmokraten nicht wären, deren internationale Einheit und Ge- schlossenheit zwischen den hadernden Bourgeois steht, so würden sich diese schon längst zerfleischt haben. ScHwedeo im Generalitreik. Unser nach Schweden entsandter Mitarbeiter schreibt uns: Stockholm, de» 8. August. Wenn in der bürgerlichen Presse des Auslandes versucht wird, den schwedischen Generalstreik als ein Fiasko hinzustellen, so beweist schon die Ratlosigkeit, mit der die Regierung den Dingen gegenüber- steht, daß jene Darstellungen der Wahrheit durchaus widersprechen. Hat doch gestern nicht nur der König mit den Hauptvertreteni der beiden Parteien konferiert, sondern auch im Namen der Regierung ein Schriftstück veröffentlicht, das eine„ernste Mahnung" an die Parteien zum Frieden und gegen weitere Vertragsbrüche und Rechts- kränkungcn enthält. Die bürgerlichen Zeitungen nennen es:„Ein warnendes Königswort",„Ein kräftiges, ernstes Wort" nsw. Ob es sich als kräftig erweisen wird, scheint noch sehr zweifelhaft. Die Arbeiterschaft stößt sich selbstverständlich durch derartige Dinge nicht von ihrer einmal eingeschlagenen Taktik abbringen, ist aber ebenso selbstverständlich bereit, unter den notwendigen Garantie» einen ehrlichen Frieden zu schließen. Für die Unternehmer und ihre Leiter wäre aber unter den obwaltenden Umständen die beste Gelegenheit geboten, zu zeigen, daß sie ein. Königswort" achten. Ob sie eS zeigen werden, weiß man nicht. Am heutigen Sonntagvormittag hatten sich Stockholms T h p 0- g r a p h e n samt den Hilfsarbeitern vollzählig im ZirkuSgebäude versammelt. Die Versammlung verlief mit dem Ernst und der Ruhe, die die organisierte Arbeiterschaft überhaupt auszeichnet. Einstimmig wurde beschlossen, morgen abend 7 Uhr die Arbeit überall ein- zustellen. Die Versammlung schloß mit dem alten Kampfliede: „Söhne der Arbeit" usw. Morgen wird also die letzte Zeitung erscheinen, und zwar nicht nur in der Hauptstadt, sondern im ganzen Lande wird man der Parole des VerbandSvorstandcS Folge leisten. Ob eS dem dänischen Blatt„Politiken" gelingen wird, Schweden mit dem üblichen Lesefutter zu versorgen, scheint noch sehr fraglich, denn dabei haben auch die dänischen Typographen ein ernstes Wort mit. zureden. Als im vorigen Jahre daS dänische Unternehmertum von der AuSsperrungSsucht ergriffen war, traten bekanntlich die Typographen dieses Landes in den Streik, und auf„Politikens" Betreiben wollten damals Zeitungsunternehmer von Malmö und Helsingborg aus Dänemark mit Blattern versorgen. Aber eS glückte ihnen nicht, denn ihr Personal weigerte sich, eine größere Auflage als sonst herzustellen oder auch nur den dänischen Text zu setzen und legte die Arbeit nieder. Das Unigekehrte wird jedenfalls jetzt eintreten: „PolitikenS" Setzer und Drucker werden ihren kämpfenden schwedischen Kollegen eine nicht minder weitgehende Sympathie beweisen. Die ratlosen Stützen der schwedischen Gesellschaft wollen nun offenbar auch mit Anklagen gegen die Leiter des Generalstreiks vor- gehen. Genosse Hjalmar Gustafsson, der als Vertreter des Stock- holmer Streikkomitees in der Maffenversammlung auf LilljanS die Resolution verlas, soll sich, weil in der Resolution auch die Eisenbahner zur Arbeitsniederlegung aufgefordert werden, da- mit eines Vergehens oder Verbrechens schuldig gemacht haben. Er sieht dem Strafprozeß mit aller Ruhe ent- gegen. UebrigcnS mutz eS Dutzende solcher Prozesse geben, wenn alle diejenigen, die in Massenversammlungen in den ver- schiedenen anderen Städten und Orten des Landes dieselbe Resolution vorlegten, angeklagt werden sollen, und sicherlich wird sich niemand dadurch abschrecken lassen, im Jntereffe des Riesenkampfes der Arbeiter- schaft auch fernerhin zu tun, was die Situation gebietet. Je länger der Kampf dauert, um so mehr wird natürlich das Bedürfnis hervortreten, den Notleidenden Unterstützung zu- kommen zu lassen. In einigen Orten, so z. B. in der Arbeiterstadt Eskilstuna, ist schon ein NothilsS- und Kinderspeisungskomitee ge- bildet Warden und in Wirksamkeit getreten. Zur Ausbringung der Mittel ist die schwedische Arbeiterschaft selbstverständlich vor allem auf die Solidarität der Brüder im Auslände an- gewiesen, und diese internationale Solidarität wird sich auch offenbar glänzend bewähren. Mit vorbildlichem Eifer sind namentlich die norwegische und die dänische Arbeiterschaft von Anfang an und danemd bestrebt, den Schweden tatkräftige Hilfe zu leisten. Man sendet immer größere Summen, legt sich wöchentliche Extrabeiträge von 1, 2 Kronen und mehr auf, um möglichst große Mittel so schnell wie möglich zusammenzubringen, eingedenk des altbewährten Wortes, daß„Euer Kampf unser Kampf, Euer Sieg unser Sieg" ist. Immer größer wird die Zahl der schwedischen Arbeiter, die in diesem Riesenkampfe gegen die Gewaltherrschaft des Unternehmertums mitstreiten, einem Kampfe, der in seiner Allgemein- heit, in seiner Einmütigkeit und dem Ernst, womit er geführt wird, einzig dasteht in der Geschichte der modernen Arbeiterschaft, ein Generalstreik,, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Ohne Zweifel wird die international organisierte Arbeiterschaft in edlem Wetteifer dafür sorgen, daß eS nicht an der nötigen finanziellen Hilfe fehlt. Stockholm in Nöten. (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, 9. August 1999. Gestern, am ersten Generalstreikssonntag, erschien Stock- Holm noch mehr als bisher schon wie eine tote Stadt. Von dem außerordentlich lebhaften Verkehr, der sonst schon Sonn- abends beginnt, war kaum etwas zu spüren. Fehlt es doch auf Land und Wasser an all den Verkehrsmitteln, die sonst an solchen Tagen, zumal wenn die Sonne es so gut meint wie gestern, von Menschen überfüllt sind. Wer hinaus wollte und nicht über ein Fahrrad verfügte, mußte zu Fuß wandern. Auf dem bergigen Terrain sind sie weniger brauchbar. Der Mangel an Verkehrsmitteln wird um so schwerer empfunden, als diese Jnselstadt von breiten Wasser- flächen durchzogen ist, auf denen sonst die kleinen flinken Dampfboote nach allen Richtungen hin- und herfahren. Stundenweite Wege muß man nun zurücklegen, um nach Orten zu kommen, die man sonst in einer Viertelstunde er- reicht. So kostet es große Mühe, das herrliche„Skansen" zu erreichen, und nicht minder mühsam ist es, nach der Kunst- und GeWerbeausstellung zu gelangen, die ja das große Er- eignis dieses Sommers sein sollte und das starke Anziehungs- mittel für die Fremden. Die Fremden, auf die man rechnete, sind aber schon lange abgereist, und neue kommen nicht. Es ist ja auch unerträglich für wohlhabende Leute, wenn sie aus dem Bahnhof oder vom Schiff kommen und keine Droschke finden, keine Straßenbahn, wenn sie zu Fuß wandern, viel- leicht gar ihr Gepäck selbst schleppen müssen, weil keine Hand sich rührt, ihnen Hilfe zu leisten. Dazu kommt, daß die Zu- stände in den Restaurants immer unbequemer werden. Nicht allein, daß keine anderen Alkoholika als Bier und Wein, und diese nur zum Essen ausgeschänkt werden dürfen, das Bier selbst geht auch auf die Neige und die Wirte sparen und möchten am liebsten nur ihre Stammgäste bedienen. Viele haben ihre Lokale überhaupt schon geschlossen, weil sie den Gästen nichts mehr vorsetzen können. Die Nahrungs- mittel gehen auch zu Ende. Frisches Fleisch wird immer seltener, weil es fast nur von Bauern zu haben ist, die selbst schlachten, und die allgemeine Verkehrsstockung, die Ein- stellung einer großen Anzahl von Güterzügen, der Streik der Transportarbeiter die Herbcischaffung immer schlvieriger macht. Man ist meist auf gepökelte und geräucherte Ware angewiesen. Die noch vorhandenen Waren und Getränke reichen für die meisten Restaurants, die gestern noch nicht am Ende angelangt waren, höchstens noch bis Dienstag oder Mittwoch. Die alkoholfreien Getränke, die bei der großen Stärke der Abstinenzbewegung sonst in der warmen JahrcS- zeit massenhaft konsumiert werden, sind nur noch hier und da in ganz kleinen Mengen vorhanden. Die eigentlichen Nüchternheitscafäs haben ihren Vorrat schon lange auf- gebraucht. Auch das Brot wird immer knapper. Schließlich gibt es nur noch das in großen runden Scheiben gebackene harte Speise- oder Knäkkebrot, das kräftige Kinnbacken er» fordert. Aber der Vorrat wird bald auch auf die Neige gehen. Der Bäckerei- und Konditoreiarbciterverband hat die allge- meine Arbeitsniederlegung von vornherein auch auf die kooperativen Bäckereien der Arbeiterschaft ausgedehnt. Jedenfalls wird aber in den nächsten Tagen in diesen Backe- reien wieder gearbeitet werden. Das Brot wird dann an den verschiedenen Orten durch die Generalstrcikkomitees ver- teilt werden. In vielen Familien haben die Hausfrauen an- gefangen, selbst zu backen, was aber nur in größeren Haus- ständen einigermaßen rentabel ist, denn das Brot, das hier neben dem nur in großen besonderen Backöfen herstellbaren Scheibenbrot üblich ist, wird aus feinem Weizenmehl be» reitet und läßt sich nicht gut auf Vorrat herstellen, weil es allzulcicht trocken wird. Milch ist natürlich auch immer schwerer zu beschaffen. Die Streikleitung hat aber auch Hier dafür gesorgt, daß Kinder und Kranke keine Not leiden. Für den Kranken- transport sind besondere Freikarten notwendig, und auch die Aerzte müssen persönlich mit einer solchen Freikarte, die im Volkshause ausgegeben wird, versehen sein, um zu ihren Patienten fahren zu können. Es kommen nicht selten Täuschungsversuche vor, durch die sich Unberufene das Privileg, in einer Droschke fahren zu dürfen, verschaffen wollen. So kam kürzlich ein Diener des Prinzen Karl, des Bruders des Königs, nach dem Volkshaus, um für seinen Herrn eine Freikarte zu holen.„Ist er krank?" fragte der Vertreter der Streikleitung.„Nein", war die Antwort.„Hat er denn einen anderen Fehler?"—„Nein."—„Na, dann kann er auch keine Freikarte kriegen."� Von heute an hat Schweden keine Zeitungen I Die Buchbrncker haben ziemlich einmütig im ganzen Laude die Arbeit eingestellt. Die Landeszentrale der Gewerkschaften hat sich gegenüber dein Streikbeschluß der Buchdrucker vorbehalten, ein eigenes Blatt zur Orientierung der Streikenden und Ausgesperrten herauszugeben. Dieses Blatt„S v a r e t'(Die Antwort) betitelt, ist in Stockholm das einzige, das heute erschienen ist. Es wird im ganzen Lande zum Preise von 5 Ocre pro Exemplar verbreitet. Folgende Privatdcpesche des„Vorwärts" unterrichtet über die Lage ain Dienstag: Stockholm, 10. August. Die Ruhe ist bisher nicht gestört. Auch gegenüber der Provokation der Stockholmer Straßenbahn, die einige Wagen,.von ihren Kontrolleuren geführt, auch heute sahreu läßt, verhalten sich die Kämpfende» passiv. Dke RtAtrunz hat rtne«eue LemdMlfta ictrcsseild den Ä« t o m o b i l b e t r i e b rrlassen, wonach die Automobile nicht mehr einer Bezeichnung refp. Kontroll nnmmer bedürfen. Zweck der Verordnung ist es, d e n S t r e i k b r u ch z n erleichtern, aber stc wird sicherlich wirkungslos bleiben. Die Stockholmer Polizeibehörde geht in ähnlicher Weis« gegen de» Streik der Berkehrsnrbeiter vor; sie verpflichtet die Droschkenbesiber, tn möglichst großer Ausdehnung ihre Wagen fahren zu lassen und droht ihnen die Entziehung der Konzrssion an, falls sie der Auf- fordcrung nicht Folge leisten. Die von der Landeszentrale der Gewerkschaften wahrend der Daner bcS BnchdruckerstrcikS herauszugebende Zeitung„Svarct" ist heute znm erste» Male in einer Auslage von 150 000 Exemplaren erschienen. Der Umfang des Streiks ist unverändert. Anders lautende Nach- richten von bürgerlicher Seite entsprechen nicht der Wahrheit. Im Lager der Ausständigen herrscht volle Einmütigkeit. Mit ihrer Suspendierung der bisherigen Automobilverordnung hat die erste Kammerregierung des Herrn Lindman nun endlich ihr wahres Gesicht gezeigt. Ihre SonntagSproNamation stand noch rein formell gesehen.über den Parteien", wie der»Wahl»' aber nicht Wahr spruch des Regierungschefs lautet. Sie schien Lob und Tadel nach beiden Seiten aussprechen zu wollen. Mit der den Streikbruch erleichternden Automobilverordnung zeigt die Lindmansche Negierung indes, daß sie jedes Mittel anwenden würde, könnte sie den Ausstand der Arbeiter wirkungslos machen. Für die Unter- nehmcr hat sie keine ähnlichen Verordnungen. Die Polizeiverordnung gegen die Fuhrwerksbesitzer ist anscheinend auf die Provokation der Arbeiter gestimmt. Die Landarbeiter werden am kommenden Montag die Arbeit einstellen. Ueber die Wirkungen dieses Beschlusses, sowie über den Umfang, den der Landarbeiterausstand eventuell annehmen wird, läßt sich im voraus nichts sagen.— Am Sonnabend hatte der König, der angeblich mit der Regie« rung unzufrieden war. weil sie nicht entschieden genug zu vermitteln gesucht haben soll, die beiden an der Spitze de« Kampfes stehenden Männer zu sich gebeten: den Führer der Unternehmerzenwale. v. S ü d o w, und den Vorsitzenden der gewerkschaftlichen Landes- organisation, unseren Genossen Herman Lindquist. Unser Ge- nosse hat selbstverständlich dem Könige die Auffassung der Arbeiter- schaft ungeschminkt mitgeteilt.— Die Haltung der deutschen Presse verdient in diesen Tagen einige Beachtung. Je nach ihrer politischen Brille betrachtet sie diesen rein gewerkschaftlichen Kampf. Dah die Scharfmacherpresse sich in den gröblichsten Beschimpfungen der Arbeiterführer ergeht. kann schliesslich bei den sonstigen diesbezüglichen Leistungen dieser Presse auch in deutschen Angelegenheiten nicht verwundern. Von der.Deutschen Arbeiterzeitung' kann man ein sachliches Urteil nicht verlangen. Typisch für die Haltung der reaktionären Blätter aller Schattierungen in Deutschland ist ein Leitarttkel der»Berliner Neue st en Nachrichten' vom Montag, den S. August. Der Artikelschreiber sucht den schwedischen Kampf für deutsche Verhältnisse zu ftukrifizieren. Er will beweisen, dass Nachgiebigkeit gegenüber den Arbeiterforderungen, oder wie et sich auch ausdrückt. gegenüber der»Unersättlichkeit der»modern' arbeitenden Ge- Werkschaftsführer', nie zum Frieden führt.»Wenn unsere Sozialpolitiker, auch die Herrschaften im Reichsamte des Innern, das doch begreifen wollten', ruft er aus, um zugleich in pessiniistischer Sttmmung die Äuffassung kund zu geben, dass man»angesichts der in Deutschland grassierenden und von den Behörden blindlings ge- förderten fozialpolittschen Seuche und des allgemeinen VerficherungS- taumels' nicht auf die richtigen Schlussfolgerungen aus dem»sehr klaren sozialpolittschen Krankheitsbilde' hoffen könne. Nun hat der schwedische Kampf mit Sozialpolitik rein gar nichts zu tun. Die Unternehnier sperrten S3 000 Arbeiter der verschiedensten Jndustriegruppen aus, weil sie besonders in zwei Erwerbszweigen die Löhne reduzieren wollten. Und sie beabsichtigten, im Laufe des Monats August noch weitere SO 000 hinauszuwerfen. Auf diese Absicht haben die Gewerkschaften mit dem Generalausstand geantwortet, nichts weiter. Schweden als ein Land der»sozialpolitischen Seuche' hinzustellen, zeugt nur von der völligen Unkenntnis des Verfassers in den Dingen, über die er schreibt. Schweden ist im Gegenteil eine? der sozialpolitisch nick- ständigsten Länder in Europa. Arbeiterschutz ein wenig mehr als nichts, Krankenversicherung lediglich auf freiwilliger Grundlage mit einem kleinen StaatSzuschuh zu den Verwaltungskosten der ein- getragenen Krankenkassen; Unfallversicherung nichts als das Haft- Pflichtprinzip; die Unternehmer können sich der Haftpflicht durch Ver- ficherung entziehen, sind aber nicht dazu gezwungen. Invaliden- und Altersversicherung----- 0. Die Gewerbeinspektion hat nach zwanzigjährigem Bestehen noch nicht alle revisionSpflichtigen Betriebe in Augenschein nehmen können, weil die Beamtenzahl absolut un- genügend ist. Ein wahres Eldorado der Krupp« und Stumm- linge also! Ebenso mit der Wahrheit kollidierend sind die Behauptungen der.V. N. N." von der grossen Nachgiebigkeit der schwedischen Unternehmer, die weit über ihre Leistungsfähigkeit der»Unerfätt» lichkeit der modern arbeitenden Gewerkschaftsführer' entgegen, gekommen sein sollen. In Wirklichkeit liegt es so, dass die schwedischen Unternehmer so gut wie alle Arbeiterforderungcn erst durch schwere und meistens geradezu unsinnige Kämpfe entscheiden lassen. Kein Land hat in den letzten Jahren relativ so viele Streiks und Aussperrungen aufzuweisen, wie gerade Schweden. Von einer Nachgiebigkeit der Unternehmer, die nach den„B. N. N.' in ihrer »grossen Dummheit'»blindlings drauflosbewilligen", kann ebenso- wenig die Rede sein. Wie etwa von den„hohen Löhnen" in der schwedischen Industrie. Schon die starke Auswanderung der Ar- beiter zeigt, dass die Einkommensverhältnisse im Auslände ihnen lockender erscheinen. Aber auch bei der jetzigen Aussperrung in der Zelluloseindustrie handelt es sich um Stundenlöhne bis zu 25 Oere (30 Pf.) hexab, denen der Kampf giltt Der Versuch des Stumm, und Krupporgans, die sozialpolittsche Seuche in Deutschland mit dem Hinweis auf Schweden zu„heilen", list daher in jeder Beziehung verfehlt. In der„B. Z. am Mittag' greift der nach Stockholm gereiste Dr. Breitscheid den„Vorwärts" an. Dieser habe den Typus des schwedischen Unternehmers als einen„leichtfertigen und geschäftsunkundigen Flaneur' gemalt, während die„schwedischen Industriellen in ihrer Mehrzahl dank eigenem Fleiß und eigener Intelligenz in den letzten Jahren große wirtschaftliche und poli- tische Fortschritte gemacht haben". Herr Dr. Breitscheid hätte sich wirklich diese Ausfuhrungen ersparen können. Kein deutsches Blatt hat so eingehend wie gerade der»Vorwärts" die Wirt- schaftlichen Fortschritte der schwedischen Industrie geschildert. Wir haben allerdings vor Dr. Breitscheid den Vorzug, dass wir die schwedischen Verhältnisse kennen und zahlenmäßig nachweisen "konnten, während Dr. Breitscheids Kenntnisse auf diesem Gebiete erst einige Tage alt sind. Wir wissen aber auch, dass es sich sehr stark um deutsches Kapital handelt, wenn von der schwedischen Industrie die Rede ist. T«S schwedische Unternehmertum ob seines Fleißes und seiner Intelligenz zu loben, konnte wirklich nicht unsere Aufgabe sein!!. , Herrn Dr. Breitscheids Informationen sind indes auch in «inem anderLN ZUinfte zweifelhqft..Er telegraphiert ftinein Blatte, der schwedische Uulcrilehmerverbaud Krfüge- über 17 Millionen Mark Mittel, davon 2 Millionen Mark bar und 15 Millionen Mark in Gestalt von Zuschussverpflichtungen der Verbandsmitglieder. Dazu kämen nach Dr. Breitscheid noch 8 Rillionen Kronen Bank- kredit«. DieRechnungstimmknicht. Ami. Januar d. I.— spätere Zahlen liegen nicht vor— hatte der betreffende Unter- nehmerverband zirka 13 Millionen Kronen Zuschussverpflichtungen. Um die 8 Milk. Kr. Bankkredit zu bekommen, hat er nach der schwedischen Presse diese Zuschussver- pflichtungen verpfänden müssen! Und von dem Bar- bestand heute zu reden, nachdem der Unternehmerverband seit Wochen und Monaten Streikunterstützung an seine Mitglieder zahlen und den Bankkredit bereits in Anspruch nehmen mußte, das ist doch zum mindesten ctwaS gewagt. Herr Dr. Breitscheid sollte sich in Stockholm doch etwas zuverlässigere Informationsquellen suchen. Seine Absicht wird eS doch kaum fein, dem auSfperrungs- tollen Unternehmertum in Schweden zu Hilfe zu kommen» ver Gichanilüche Kongreß. Die vergangene Woche verdiente sich das heilige Köln seinen Beinamen, der im Getriebe der modernen EntWickelung einigermaßen anfechtbar geworden war. wieder mit vollem Recht. Die Strassen der Stadt wimmelten von Kutten und Talaren, und die hohe Klerisei entfaltete die ganze grelle Buntheit ihrer unter- schiedlichen Amtstracht. Geistliche aller Länder und Völker, aller Grade und Würden sah man in diesen Tagen, nicht zu Hunderten, sondern zu Tausenden um den Dom, am erzbischöflichen Palais und in der Nähe der Hauptkirchen des deutschen Roms sich ge- schäftig umhertreiben; in allen grösseren Lokalen der Stadt fanden während dreier Tage ununterbrochen Versammlungen statt, wo in allen Zungen und Sprachen der Welt geredet wurde; in allen Kirchen Gottesdienst, von allen Türmen Glockengeläute, in allen Strassen Ehrenpforten, an allen Häusern Fahnen und Girlanden und Blumenschmuck, und am Sonntagnachmittag, als Krönung des Ganzen, vom hohen Dome aus feierliche fakramentalifche Pro- Zession— bei der sich der Glanz und die Pracht des römischckatho- tischen Kultus, aber auch die Macht der päpstlichen Kirche, die suggestive Massenwirkung ihres Systems in vollem Masse zeigten. So sinnverwirrend der äußere Eindruck des prunk, und lärm» vollen Schauspiels, so sinnverwirrend auch sein Inhalt, sein Motiv und sein Zweck. Der Eucharistische Kongreß, so nennt sich die Veranstaltung, die in Köln ihre zwanzigste Wiederholung erfuhr, ist dem heiligen Altarssakrament gewidmet, der Wunder- lehre nämlich von der absoluten Identität des eucharistischen und des himmlischen Christus, was besagen will, dass in dem von der Kirche gespendeten Abendmahl Christus wirklich gegenwärtig ist. »Die Eucharistie— so verkündete in einer der Versammlungen ein gelehrter Theologieprofessor— ist Trägerin de» göttlichen ReichsgedankenS, des göttlichen Staatszweckes: die Einverleibung aller Seelen in das Haupt Christi. Jedes andere Sakrament er- strebt und realisiert einen Teil dieses göttlichen Reichsgedankens, realisiert also auch einen Teil der eucharistischen Eni- Wickelung, die substantiell und in ihrer Totalität nur im Sakra- ment der Eucharistie niedergelegt und vollzogen wird." Der Leser wird vergebens versuchen, hinter den Sinn solcher Worte zu kommen; er wird sich auch vergebens bemühen, den Sinn der Lehre zu fassen, daß Jesus, selbst wenn er, was die Wissenschaft bekanntlich immer stärker in Zweifel zieht, gelebt haben sollte, leiblich in einer heute vollzogenen Handlung gegen» wärtig ist. Aber es handelt sich bei dem Altarssakrament um ein Wunder, das man entweder glaubt, oder verwirft, das aber keine Diskussion zuläßt. Für den Gläubigen verbietet sich das Denken über derartige Dinge von vornherein. Wenn er sie dem Denken unterwürfe, um sie zu rechtfertigen, dann hörte der Glaube auf, ein Verdienst zu sein. Deshalb fordert die Kirche von den Gläubigen in religiösen Dingen den völligen Verzicht auf das Denken; sie sollen auf die kirchliche Autorität hin und um des Lohnes im Jenseits willen auch daS Unbegreiflichste vertrauensvoll hinnehmen; sie sollen des eigenen Verdienstes wegen umso williger und freudiger vertrauen, je unbegreiflicher, je vernunftwidriger eine Sache ist. ES versteht sich, dass mit der Erziehung zu diesem Verzicht auf daS eigene Denken recht früh angefangen werden muß. Deshalb die Sorge der Kirche, sich die Herrschaft über die Schule zu sichern und ihre mystischen Begriffe und vernunftwidrigen Lehren den jungen Hirnen möglichst früh einzupauken, wenn das Material für derartige Zumutungen noch empfänglich ist. Deshalb ver- kündete in einer der Versammlungen ein Redner: „Zur Förderung der eucharistischen Bewegung und zur Ver- wirklichung der päpstlichen Dekrete ist eS von grosser Wichtigkeit und Bedeutung, die Verehrung der heiligen Eucharistie bei der Schuljugend mit Eifer und Sorgfalt zu pflegen. Ziel dieser Bestrebungen ist: Ehrerbietigkeit der Schuljugend gegen daS Gotteshaus, rechte und öftere Beiwohnung der heiligen Messe, würdiger und häufiger Empfang der heiligen Kommunion, freudige und eifrige Teilnahme an allen feierlichen eucharisti» schen Veranstaltungen, als da sind: Weisser Sonntag, Fron- leichnamsfest, Herz Jesu-Fest, vierzigstündiges, dreizehnstündiges, ewiges Gebet, Versehgang, NachmittagSandachten usw. Je mehr die häufige heilige Kommunion überall Gewohnheit bei der Schuljugend wird, um so leichter ist die Fortsetzung dieser Gewohnheit nach der Schulentlassun g." Man steht also, worauf es die Kirche bei ihrem Bestreben, sich die Volksschule Untertan zu machen, ankommt: Erziehung der Jugend des Volkes zum Wunderglauben, Entwöhnung der Kinder und damit der kommenden Geschlechter vom logischen Denken unter Missbrauch der Bildsamkeit und Empfänglichkeit der jugendlichen Gehirne, die, einmal in eine verkehrte Geistesrichtung gedrängt, später nur schwer oder gar nicht wieder in vernünftige Bahnen ge- lenkt werden können. Der Eucharistische Kongreß, als kirchliche Veranstaltung be- trachtet, mag die Oeffentlichkeit gleichgültig lassen. Aber die Kirche, die da weiß, daß sie nicht gedeihen kann, wenn sie sich nicht die kommenden Geschlechter sichert, sie hat in Köln keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie alle Mittel anzuwenden gedenkt, um ihren Einfluß auf die Jugend zugunsten ihrer allem vernünftigen Denken, aller Wissenschaft und aller Wahrheit widerstrebenden •Leijre zu erhalten und zu stärken. Als Willenskundgebnng in diesem Sinne hat das fünftägige Schauspiel am Rhein doch eine kulturelle Bedeutung insofern, als eS alle Freunde der Freiheit und Wahrheit, namentlich aber das arbeitende Volk, um dessen Jugend, um dessen Zukunft es sich in erster Linie handelt, auf. rufen sollte zur Sammlung und Stärkung ihrer Kräfte, die nötig sind, um der internationalen Reaktion, wie sie die römische Kirche verkörpert, Herr zn werden. ver weiße Schrecken in Spanien. In den Gegenden Kataloniens, die an dem jüngsten Aufstand teilgenommen haben, wütet der weiße Schrecken. Die von den Truppen aufgegriffenen Revolutionäre werden nag lägerligen Blükgerichtsfatcetk zll Düh'evd'ett erschossen. Alle die feigett Niedermetzelungen wehrloser Gefangener, die sich im Jahre 1871 nach der Niederwerfung der Pariser Kommune abspielten, finden jetzt auf katalonischen Boden ihre Wiederholung. Und die ehr« samen bürgerlichen Blätter, die sich sonst über die Schandtaten des französischen Schreckensregiments der Jahre 1793/91, über die Gerichtsverhandlungen des französischen Revolutionstribunals zu entsetzen wissen und die Würdigung des Menschenlebens predigen. sie finden kein Wort des Protestes gegen das Wüten der spani- schen Kriegsgerichte und ihrer Massenabschlachtungen. Und ob- gleich sich längst die meisten Meldungen von der gewaltsamen Schändung junger Nonnen, von der grausamen Marterung der Mönche als perfide Verleumdungen herausgestellt haben, haben doch nur wenige dieser anständigen Blätter den Mut offen zu bc- kennen, daß sie getäuscht worden sind, als sie solche Meldungen in ihre Spalten aufnahmen. Merkwürdigerweise gehört so halb und halb zu diesen wenigen auch die„Köln. Ztg." Nachdem sie wieder- holt schauderhafte Mären über die Taten der Aufständischen ver. breitet hat, bringt sie jetzt folgenden verklausulierten Widerruf aus der Feder ihres Madrider Korrespondenten: „Der Leser wird bemerkt haben, daß ich bisher der Unpar- lichkeit wegen sowohl konservative wie liberale Berichte habe zu Worte kommen lassen. Nun muß ich aber doch feststellen, dass in den letzten Tagen in der reaktionären Presse immer de u t- licher die Tendenz zum Vorschein kommt, die Dinge noch schlimmer darzustellen, als sie ge- wesen sind, in der offenbaren Zlbsicht. daraus für ihre Zwecke Kapital zu schlagen/ Beim noch- maligen Durchlesen aller Meldungen findet man die Legende von den vergewaltigten und bei lebendigem Leibe verbrannten Nonnen nirgends bestätigt. Im Gegenteil, e S wird übereinstimmend berichtet, dass zwei kranke Nonnen erst ins Krankenhaus geschafft wurden, bevor das Gebäude cu- gesteckt wurde. Sonst ist nur die Tötung einiger Geistlichen in GranollerS, dann einiger Mönche und eines Polizeiinspektors im Viertel Pueblo Mucno verbürgt. Das Hervorziehen einiger Leichen aus ihren Gräbern ist. wie Herr Sol y Ortcga dargelegt hat, nicht der Lust an Profanierung zuzuschreiben; die Leute wollten nur sehen, was es mit den umlaufenden Erzählungen von gewaltsamen Todesursachen in den Nonnenklöstern auf sich habe. Dabei sollen die Rebellen Leichen mit zusammen- gebundenen Beinen(angeblich eine spanische Klostersitte) gefunden, darin einen Beweis für ihren Ver- dacht erblickt und diese Leichen nun durch die Strassen getragen haben, um sie dem Volk als Zeichen der angeblich in den Kloster- mauern vorgekommenen Verbrechen zu zeigen- Selbstverständlich ist ein solches Verfahren unter allen Umständen zu verurteilen; aber die radikale Presse ist der Ansicht, daß es gerade den eng- tischen und französischen Blättern am wenigsten zukomme, sich besonders darüber aufzuregen, wenn sie sich an die weit furch:- barerern Auftritte in den RevolutionSperioden ihrer eigenen Länder erinnern wollten. Und was bedeuteten diese Ereignisse erst, verglichen mit den Greueln der Reaktion in Spanien und der Karlistenkriege. Es sei also pure Heuchelei, der Welt die Sache so darzustellen, als ob es sich hier um nie dagewesene Scheußlichkeiten handle." Am meisten beteiligen sich an der Verbreitung erdichteter Ver- leumdungen der Revolutionäre die katholischen Blätter aller Länder. DaS ist begreiflich. In erster Linie richtete sich, wie die Niederbrennung einer Anzahl Klöster beweist, der Ausbruch der Volkswut gegen die Misswirtschaft des korrupten, faulen spani- schen Klerus. Aus Rache für diesen Angriff bemüht sich die fromme Presse die Teilnehmer am Aufstand als verkommenes Mordgesindel hinzustellen. Zu welchen halb kindischen Fabeln sie dabei greift, zeigt folgender von der ehrlichen„Köln. Volksztg.' mit Behagen nachgedruckt» Bericht der»Corriere della Terra': „Der Gedanke, die Klöster niederzubrennen, ijl von der radikalen Presse systematisch genährV und g e- fördert worden; so bedurfte es in den Tagen der Anarchie nur eines RufeS, um mit einem Schlage die Wut der Empörer gegen die Geistlichkeit zu lenken. Der Angriff auf die Klöster ging in seltsamen Formen vor sich. In einer leeren Strasse erscheint ein Radfahrer: der Kundschafter. Er verschwindet wieder. Kurz darauf finden sich fünf oder sechs Knaben mit Petroleumkannen ein, die sie gegen die Klostertüren giessen. Im Nu ist dann Feuer gelegt; die Brandstifter verschwinden. Später' kommt dann eine kleine Gruppe von acht oder zehn Männern, um daS Werk zu vollenden. Bleiben die Schutzleute aus, so wächst die Zahl, aber das Heer der Brandstifter geht fast nirgends über 100 hinaus. So wurden manche Klöster un- mittelbar unter den Augen der Truppen ein- geäschert; Gewehr bei Fuß sahen die Soldaten zu. Bei manchen Klöstern erschienen auch Herolde. Sie klopf- ten an die Tür und kündigten an:»In einer halben Stunde wird hier Feuer angelegt, räumt also daS Haus." Die Mönche lohen dann in die Nachbarhäuser. So wurde das Feuerlegen ystematisiert. Wenn der Anschlag mihglückte, zogen diese Auf» rührer ohne weitere? ab; sie kamen später wieder. Dienstag- nacht brannten 18 Klöster... Manche Klöster und Kirchen wurden während des Brande? geplündert. Im nieder- gebrannten Magdalenenkloster kam man dabei an die ver- mauerten Grabkammern.„Die Schatzkammerl" so schrie die Horde erwartungsvoll,„hier liegt ihr Gold und Silber begraben." Die Mauer wurde gesprengt. Plötzlich stand man vor den Särgen. Einen Augenblick herrscht betretenes Schweigen. Aber die erregten Gemüter versagen selbst dem Tode die Ach- lung. Unter wildem Geschrei und rohem Gelächter werden die Särge hervorgezcrrt. Mit Steinen und Gewehrkolben schlägt man sie auf. So entweihte man 14 Särge, in denen die Körper verschiedener Nonnen wie schlafend lagen, in den gesal- teten Händen ihr kleines Kreuz. Aber sie sollen nicht schlafen. Der vertierte Mob zerrt die Leichen aus den Särgen. Einige der Leichname stellt man aufrecht neben die Klostertüre und schiebt ihnen Gewehre unter die gekreuzt«, Arme. Andere Leichen schleppte man auf die Rambla und warf sie in die Hausgänge. Obszöne Lieder wurden dabei gesungen."' nckttaufend Bergleute auf die Straße geworfen. Kürzlich noch wurden von der Werkspresie Meldungen über Massenentlassungen von Bergleuten im Ruhrbezirk als Hetzereien der sozialdemokratischen Presse verschrien. Und mm bestättgt die amtliche Nachweis»ng über den Belegschaft.?- Wechsel im 1. Ouartal 1909, daß in dem einen Monat März die Zahl der Abgänge um etwa 8000 grösser war als die Zahl der Zu- gänge. Das bedeutet: achttausend Bergleute sind arbeitslos geworden. Hier die amtlichen Ziffern fiir da» 1. Ouartal 1909 i Zugang Abgang Januar... 12705 1168S Februar... 11111 11S10 März.... 10 358_ 18 329 34174 41 025 Schon das vierte Ouartal de? Vorjahres zeigte eine auffällige Einschränkung dcS Belegschaftswechsel», die zum Teil als Einwirkung der Krise aufgefaßt, in der Hauptsache aber als eine Folge der Sperre und der schwarzen Listen angesprochen werden nntB- ym genannten Setttnum gcitnltete sich der BeleMaftZlvechsel wie folgt: Zugang Abgang Oltover... 24336 19364 November i. 20 059 14 263 Dezember 56 075 44 829 Insgesamt also noch ein erheblicher U e b e r s ch u ß an Zugängen- Im Monat Dezember aber schon ein Sinken der Zugänge um mehr als die Hälfte gegen den Monat Oktober. DaS PluS der Zugänge entfällt ganz auf die beiden Vormonate. Und dann im 1. Quartal dieses Jahres eine scharf rückläufige Tendenz, so daß im Monat März die Zahl der Abgänge die der Zugänge um 8000 übertrifft. Will man die Einschränkung des BelegschaftSwechsels richtig würdigen, muß man ein Jahr zurückgreifen. Es betrug zum Beispiel der Belegschaftswechsel 1907 Zugang Abgang im 1. Quartal. 42 622 39 837 im 4. Quartal. 70 149 42 653 Im 4. Quartal 1907 eine Vermehrung um rund 28000 Personen. Damit vergleiche matr die Ziffern des 1. Quartals 1909. Und in der Verschiebung liegt Methode. Mehr als durch die Krise ist das Ueberzähligwerden auf die unverantwortlichen Machenschaften der Grubengrafen zurückzuführen. Jüngst berichteten die Zeitungen, daß im letzten Jahre an 150 000 fremde Arbeiter nach dem Jndustriebezirk hergeholt worden seien. So hat man künstlich eine Reservearmee geschaffen. Diese Mafien wirken nun als Lohndrücker. Die Löhne sinken fortwährend; für manche Kategorien ist der Lohn um ein Viertel, ja um ein Drittel gesunken. Hierzu kommen die vielen Feierschichten, steigende Lebensmittelpreise und die all- genreine Arbeitslosigkeit in anderen Berufen. Das Unternehmertum hat planmäßig eine Situation geschaffen, die es ihm gestattet, die Arbeiter nach Willkür ausbeuten, knechten und mißhandeln zu können. Die Opfer der kapitalistischen SkrupeNosigkeit knirschen im Joch; aber ti kommt sicher die Stunde, wo sie es abschütteln und Vergeltung üben werden._ Politische dcbcrlicbt. Berlin, den 10. August 1909. Eine lächerliche Posse. Am 9. d. M. fand in Koblenz die Fortsetzung der bekannten ultramontanen Kölner Osterdienstags-Versammlung statt. Die Ab- geordneten Roeren und Müller-Koblenz erklärten, daß eine Definition der Zentrumspartei nur von dem Ausschutz der gesamten Partei gegeben werden könne, und baten, von weiteren Erörterungen in dieser Frage Abstand zu nehmen. Der Abgeordnete Dr. Bitter- Kiel wollte hierauf nicht eingehen z er hielt eine längere Rede, die in heftigen Angriffen gegen die Geschäftsleitung ausklang. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gesagt wird, daß 1. die Versammlung die Verdächtigung zurückweist, als sei man bestrebt, das Zentrum zu einer einseitig konfessionellen Partei zu gestalten: 2. daß sie ein für allemal erllärt, an dem Programm und der Tradition des Zentrum? festzuhalten und daß sie 3. daS von der.Köln. Volksztg.' systematisch verfolgte Be- streben, durch übermäßige und einseitige Betonung des inter- konfessionellen Prinzips den wirklichen Charakter des Zentnims zu verwischen, wodurch eine verhängnisvolle Verwirrung in die Wähler- schaft hineingetragen wird, scharf mißbilligt. Die Resolution ist so albern, daß man annehmen mutz, die Teilnehmer an der Konferenz haben bedenklich unter dem Einfluß der jetzigen Hitze gestanden._ Sozialdemokratie und Erbschaftssteuer. Durch die bürgerliche Presse geht die Nachricht, daß die sozial- demokratische Fraktion in der Frage der Erbschaftssteuer gespalten gewesen sei, und daß die Zustimmung zur Erbschaftssteuer in zweiter Lesung nur nach harten Kämpfen ermöglicht wurde. Wir können feststellen, daß diese Meldung nicht wahr ist. Die sozialdemokratischen Vertreter in der Steuerkon, Mission haben dort für die Erbschaftssteuer gestimmt; ihre Haltung wurde von der Fraktion ohne weiteres gebilligt. Daraus ergab sich von selbst, daß die Fraktion in zweiter Lesung im Plenum ebenfalls für die Erb» schaftssteuer stimmte. Ueber die Haltung der Fraktion bei der Abstimmung in dritter Lesung haben nur private Unterhaltungen zwischen einzelnen Abgeordneten stattgefunden; ein Beschluß der Fraktion erübrigte sich, weil es bekanntlich zu einer dritten Lesung im Plenum überhaupt nicht kam. Wie der Liberalismus sich ermannt. Man schreibt uns vom Rhein: In Bonn fand vorige Woche eine Versammlung deS liberalen Bürgervereins statt, in der über die durch den Ausgang der Reichs- finanzreform geschaffene innerpolitische Lage verhandelt werden sollte. Referenten waren Universitätsprofessor S e l l- Bonn und Landtagsabgeordneter Hinzmann- Barmen. Ich hatte meinen Platz in der Nähe des Vorstandstisches, wo die Herren von der Leitung des liberalen Bürgervereins einander begrüßten und sich den Referenten vorstellten— lauter Leute mit gelehrten Titeln, wie denn überhaupt in dem genannten Verein der Professorenlibe- ralismus den Ton angibt. Dabei hörte ich. wie einer der Bonner Herren zu dem auswärtigen Referenten sagte: ..Es ist doch eine Tatsache, daß seit hundert Jahren das Bürgertum nicht so an die Wand ge- drückt worden ist wie heute. Man ist schließlich nur noch zum Steuerzahlen und zum Hurra- schreien da." Wer nun glaubt, daß in den Reden und in der Aussprache auch nur eine Spur von dieser Gesinnung zum Ausdruck gebracht wurde, der irrt gewaltig. Man jammerte über den Zerfall des liberal- konservativen Blockes, wehklagte über die unerträgliche Herrsch- sucht der Klerikalen, bedauerte mit besonderer Inbrunst, als ob das das Wichtigste der ganzen Sache sei, den Abgang Bülows, des „herrlichsten Kanzlers nach Bismarck' � wie einer der Redner meinte— und ging dann mit dem Singsang von„Deutschland, Deutschland über alles" auseinander. Der Bonner Liberalismus fürchtet offenbar, daß die preußischen Prinzen die rheinische Universität boykottieren, was allerdings für manchen� ordens- und titellüsternen Professor von unermeßlichem Schaden wäre. Deshalb ballen sie die Faust der Opposition nur in der verschwiegenen Tasche und äußern den Unmut über die Verletzung ihrer liberalen Männer- würde nur unter vier Augen- Konservative Mache. Die Konservativen lassen die bekannte Rede deS Abg. von Hehde» brand als Flugblatt in allen ländlichen Orten verbreiten. Um nun auch den gewünschten Erfolg zu erzielen, ist man in einigen Punkten vom amtlichen Stenogramm abgewichen. Die Stimmung, die bei den Abgeordneten des Hauses während der Rede des Herrn von Hchdebrand herrschte, kam durch verschiedene Zwischenrufe und durch wiederholtes Gelächter zum Ausdruck. Wenn z. B. der„un- gekrönte König Preußens" den Vorwurf ablehnte, als wenn die Konservativen im„einseitig egoistischen Interesse lediglich etwa die Interessen des Grundbesitzes wahrnehmen wollten", so war das im stenographischen Bericht verzeichnete„schallende Gelächter links" die einzig richtige Antwort darauf.„Wiederholtes Lachen links" erregte die Behauptung, es bleibe das Ziel er« reicht, daß die Vorherrschaft des Zentrums gebrochen sei. Mit „Heiterkeit links" und dem ironischen Zuruf;„Der Dank vom Hause Hehdebrandl" wurde der Nachruf auf den eben gestürzten„verdienten Reichskanzler" abgetan. Von alledem ist in dem Flugblatte nichts zu finden, Die rote Fahne im Gcrichtsfaal. Die alte aus der Zeit des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins stammende Fahne des BreZlauer Sozialdemokratischen Vereins hat am letzten Sonnabend in den dortigen Tempel der Göttin Justitia ihren Einzug gehalten. Das kam so. Wie wir seinerzeit berichteten, war vor einigen Monaten das rote Sturmbanncr der Breslauer Sozialdemokraten bei der Beerdigung eines Genossen zum ersten Male im Leichenzuge mitgeführt worden. Ein solches staatsgefähr- licheS Unterfangen mußte Breslaus weltbMhmte Polizei natürlich zu verhindern bemüht sein. Zunächst verbot ein Kommissar die offene Mitführung Banners und ordnete die Verhüllung deS leuchtenden Rots durch das Wachstnchfutteral an. Als aber später wieder das Tuch lustig im Winde flatterte, zwang ein anderer Kommissar den Fahnenwagen wegen Störung des ganzen Leichen- zuges aus diesem heraus und zur nächsten Polizeiwache zu fahren. Hier wurde die Fahne beschlagnahmt. Sie blieb mehrere Tage in den Händen der Polizei. Gegen die Fahnendeputierten aber wurde wegen groben Unfugs ein Strafbefehl erlassen, desgleichen wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz gegen einen anderen Genossen. der am Grabe ein paar Abschiedsworte gesprochen hatte und als Veranstalter des nicht genehn, igten Umzuges, nämlich dts Begrab- nisses, von der Polizei angesehen wurde. Gegen die Strafbefehle wurde Einspruch erhoben, und in die Verhandlung vor dem Schöffengericht brachten unsere Genossen die Fahne mit. um dem Gericht zu beweisen, daß nichts Auffälliges an ihr sei. Die staats- und königStrcucn Richter mochten aber in der Enthüllung des roten BannerS in einer königlich preußischen AmtS- stube eine schwere Gefahr für den Bestand des Staates wittern, und so verzichteten sie auf die Besichtigung. Sie fanden den Ausweg, die Fahnenträger von der Beschuldigung des groben Unfugs los- zusprechen, da durch die bloße Mitnahme der verhüllten Fahne eine Belästigung deS Publikums nicht herbeigeführt worden sei. Da nun aber Strafe sein muß, so gab's eine Verurteilung zu 3 bezw. 6 M., weil die Fahnenträger der polizeilichen Ausforderung nicht sofort nachgekommen sein sollen, während der angebliche.Veranstalter" deS.ungewöhnlichen" BegräbniffeS 50 M. aufgebrummt erhielt. Die Gehaltszulage» der Lehrer. In der„Nordd. Allgem. Ztg." wird die Nachricht bestätigt, daß die Lehrer die im Jahre 1908 erhaltene einmalige Zulage zurück- erstatten sollen. Es wird aber daraus hingewiesen, daß die Zulage von 150 M. am 1. Oktober nicht abgezogen werden darf, sondern die Zurückerstattung durch Aufrechnung gegen die den Lehrem nach der neuen Besoldungsordnung zustehende Gehaltsforderung zu erfolgen hat. Voraussetzung aber ist, daß bis zum 1. Oktober die Gehallö- rcgelung derart beendet ist, daß die Lehrer die erhöhten Gehaltssätze bis dahin ausgezahlt erhalten._ Steuererhöhungen im tviirttembergischen Landtage. Der Landtag genehmigte gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten die Anträge der Regierung auf Erhöhung der B i e r st e u e r, durch die der erhöhte Ausgleichungsbetrag, der an das Reich zu zahlen ist, gedeckt wird. Um diese Wirkung zu erreichen, wurde der Höchsd- satz der Steuer über den Betrag der Reichssteuern hinaus, auf 22 M. pro Doppelzentner Malz, festgesetzt. Im Anschluß daran wurde die Einkommensteuer für alle Steuerstufen gleichmäßig um 5 Proz. des bisher erhobenen Einheitssatzes erhöht.— Die Forderung der Sozialdemokraten, die Einkommen von 500 bis 3050 M. von der Erhöhung gänzlich frei zu lassen, bei Einkommen von 3050 bis 10 000 M. eine Erhöhung von 5 Proz., bei Einkommen von 10 000 bis 20 000 M. IM Proz. und darüber hinaus 10 Proz. Erhöhung zu beschließen, fand bei keiner anderen Partei Unterstützung, weshalb die Sozialdemo- kraten gegen die Erhöhung stimmten, die mit allen gegen ihre Stimmen beschlossen wurde. Ferner wurde die Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Kapital- steucr um 5 Proz. des Einheitssatzes erhöht. Diese Erhöhung wurde einstimmig genehmigt._ Zur Volksschulreform in Württemberg. Die kürzlich von der Zweiten württembcrgischcn Kammer zum Volksschulgesetz gefaßten Beschlüsse haben nunmehr auch die Zu- stimmung der Volksschulkonunissiou der Ersten Kammer gefunden. Da mit Sicherheit zu erwarten ist, daß das Plenum der Ersten Kammer die Beschlüsse seiner Kommission bestätigt, so kann man die oft leidenschaftlich geführten Kämpfe um dieses Gesetz, das die wüttembergischen Stände seit Juni vorigen Jahres beschäftigt, nun- mehr als abgeschlossen ansehen. Die Entmickelung der ivürttem« bergischen Volksschule ist damit in eine neue und für sie hoffentlich recht erfolgreiche Phase eingetreten. Betrügereien auf der kaiserlichen Werft in Danzig. Die von uns in der letzten Sonntagßnummer des„Vorwärts" gemeldeten Betrügereien auf der kaiserlichen Werft in Danzig, die zur Verhaftung deS Mariuebuchführers Elvert Veranlassung gaben haben durchaus nicht einen so harmlosen Charakter, wie ein Teil der bürgerlichen Proviuzpresse Westpreußens im Biedermeierstile zu beweisen versucht. Bereits bei der großen UuterschlagungS- angelegenheit auf der Kieler Werft fielen einige Schatten auf die Danziger Werke, und die im geheimen, aber eifrig betriebenen Ermitlelungen haben zwischen Kiel und Danzig einen gewissen Zusammenhang ergeben. Es haben dann in letzter Zeit Nachforschungen bei Danziger Produkten- und Alt- metallhäudlern stattgefunden, die am Schluß der letzten Woche als Resultat die Verhaftung der Gebrüder Kronheim, Mitinhabor der größten Danziger Produktenhandlung und Metallschmelze, in Firma S. A Hoch führten. Die weitere Untersuchung der sehr peinlichen Dieb- stahlS- und Unterschlagungsgeschichte liegt jetzt ausschließlich in den Händen der Berliner Polizei. Sonnabend verfügte die Staatsanwalt- schaft die Verhaftung des Chefs der Produktenfirma S. A. Hoch. Er wurde dann aber, ebenso wie sein Schwiegersohn Kronheim, gegen Stellung von 100 000 M. Kantion einstweilen noch auf freiem Fuß belassen. Es sei hier noch erwähnt, daß der Chef der genannten Firma mehrfacher Millionär und, wie das dann so üblich, ein .waschechter Patriot" vom Scheitel bis zur Sohle ist, der selbst- verständlich gegen den iimercu Feind und tapfer für Thron und Altar ficht._ Auö der Kaserne. Vor dem Kriegsgericht der 17. Division hatte sich in der vorigen Woche der Unteroffizier B. vom Infanterie- Regiment„Lübeck", Nr. 162, wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu verantworten. Der Angeklagte hat einem Soldaten, der ein Paar dem Unteroffizier gehörige Stiefel nicht gut genug gereinigt hatte, gepackt und mit einem Stiefel auf zenKopf, iusGesicht und auf die zumSchutzer- hobene Hand derartig geschlagen, daß der Ge- quälte mehrere Beulen und Schrammen davon- trug und einige Tage lang Schmerzen litt. Als der Soldat sich wegen dieser Mißhandlung beim Feldwebel beschwerte, versetzte letzterer ihm eine kräftige Ohrfeige und ließ ihn mit einem 16 Pfund schweren Sandsack iin Tornister nachexerzteren. Da es sich um einen Borgesetzten handelte, der nur einen Unter- gebenen gemtßhandelt hatte, so sah das Kriegsgericht die Sache sehr milde an und verurteilte den schlagfertigen Unteroffizier zu zehn Tagen Mittelarrest. Von einer Bestrafung des Feldwebels, der eine so eigenartige und bezeichnende Illustration zum Beschwerde- „recht" des Soldaten lieferte, hat mau bisher überhaupt nichts vernommen. Welche Strafe würde wohl der Soldat erhalten haben, wenn er den Unteroffizier mit dem Stiefel bearbeitet hätte? Man kann sich das auf Grund gesammelter Erfahrungen schon ausmalen. Der türkisch-griechische Konflikt. Der politische Horizont zeigt sich heute, was die. Kretafrage an- belangt, weit weniger sturmbewölkt als in den letzten Tagen. Die Vorstellungen der Schutzmächte Kretas, denen sich auch Deutschland und Oesterreich-Ungarn angeschlossen haben, bei der türkischen Re- gierung haben bewirkt, daß die Pforte eine etwas weniger aggressive Haltung gegen Griechenland einnimmt. Nachdem die Mächte in Knnstantinopel energisch erllärt haben, daß die endgültige Regelung der Kretafrage Sache der Schutzmächte sei, hat die türkische Regie- rung keine weiteren Schritte gegen Griechenland unternommen und sich auf das Abwarten der griechischen Antwort auf ihre Note der- legt: eine Antwort, die schwerlich anders lauten wird, als daß die Vorgänge auf Kreta nicht»ine Angelegenheit Griechenlands sind. sondern der vier Schutzmächte. Zwar hat die Pforte den Bot- schaftern versichert, daß sie ihre Rechte nicht aufgeben und sie zu verteidigen entschlossen sei, aber zugleich hat sie erklärt, daß sie bereit sei, Kreta die Selbstverwaltung zuzugestehen, falls auf den Gouverneur- und auf die anderen hohen Beamtcnposten der Insel otwmanische Untertanen berufen würden. Mehr kann auf einmal nicht verlangt werden, denn das tür- kifche Kabinett hat eine sehr schwierige Stellung. Es muß not- gedrungen Rücksicht nehmen auf das hochgespannte Selbstgefühl, auf die Wünsche der jungtürkischen Partei, vor allem auf die Stimmung des Offizierskorps, das den Umschwung herbeigeführt und gestützt hat. Athen, 9. August. Die Antwort Griechenlands auf die türkische Note ist dem türkischen Gesandten heute nachmittag übermittelt worden. In der Note wird Wider- spruch erhoben gegen die türkischen Beschwerden und erklärt, Griechenland habe sich stets von dem Wunsche leiten lassen, herzliche Beziehungen mit der Türkei zu unterhalten. Die Note erinnert an die Begeisterung des griechischen Elements in der Türkei für das neue Regime als Beweis dafür, daß Griechenland keine der Absichten hegt, die ihm unterstellt werden. Griechenland wolle alles tun für eine Beruhigung in der kretischen Frage und habe Loyalität und Freimütigkeit gezeigt. Da übrigens Kreta sich in den Händen der Mächte befinde, könne GriechenlandnurdiesendieLösungderFrage überlassen. Griechenland sei in die annexionistische Be- wegung nicht verwickelt und habe stets eine korrekte und loyale Haltung beobachtet. Die Note spricht schließlich die Hoffnung aus, daß diese Erklärungen das Mißverständnis beseitigen und dazu beitragen werden, eine Aera herzlicher und loyaler Beziehungen zwischen beiden Staaten zu ihrem großen Wohle herbeizuführen. Wicn, 9. August. Wie das„Neue Wiener Tageblatt" cmthen- tisch meldet, haben die vier Schutzmächte die türkische Note dahin beantwortet, daß die Türkei das in der Note angebotene Autonomie« statut für Kreta den Mächten zur Prüfung vorlegen möchte. Hier- durch erscheint die Kriegsgefahr für die nächste Zeit beseitigt. Die Mächte erkennen durch diese Antwort an, daß die Türkei als Souverän eine Verfassung für Kreta erlassen kann, was einen großen diplomatischen Erfolg der Pforte bedeutet. Die Türkei wird nunmehr in Unterhandlungen über die ge- plante Verfassung eintreten, die längere Zeit dauern tverden._ Snglanck. Das Halbzeit-Schulsystem. London, 7. August.(Eig. Ber.) Seit Jahren wird von Sozia- listen, Arbeiterführern und Reformern agitiert, das in Te�til- gegenden bestehende Halbzeitsystem abzuschaffen. Unter diesem System versteht man folgendes: Die Kinder Englands sind vom 5. bis zum 14. Lebensjahre schulpflichtig. Die Lokalbehörden haben die Schulpflicht durchzuführen, und sie sind berechtigt, gewisse Aus- nahmen zuzulassen. In Gegenden, wo die Textilindustrie stark verbreitet ist, gestatteten die Lokalbehörden, daß Kinder, die 12 Jahre alt sind, einen halben Tag in der Schule und den anderen halben Tag in der Fabrik zubringen sollen. In Ackerbaugcgenden besteht der Gebrauch, daß Kinder im Alter von über 11 Jahren während der Sommermonate ganz vom Schulbesuch befreit werden, um bei der Getreide- und Obsternte mithelfen zu können. Infolge der oben erwähnten Agitation setzte das Unterrichtsministerium eine Kommission ein, um das Wesen und die Wir- lungen dieses Halbzeitsystems zu untersuchen. Der Bericht der Kommission wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht. Darin wird gesagt: „Wir haben gefunden, daß die Lehrer fast einstimmig gegen dieses System sind. Sie erklären, daß die Halbzeitler ihre Auf. merksamkeit zwischen Schule und Fabrik teilen und deshalb nicht mehr imstande sind, ihren Schularbeiten das nötige Juteresse ent- gegenzubringen. Ihr Fortschritt wird gehemmt oder ganz unmög- lich gemacht. Die Kinder kommen müde und schläfrig in die Schule. Ebenso leidet die ganze Schulorganisation darunter. Aber nicht nur der Geist der Kinder leidet, sondern auch ihr Charakter. Der Einfluß der Fabrik ist nicht so gut wie der der Schule. Es wurde beobachtet, daß die Halbzeitler oft an sittlicher Disziplin verlieren. Ihre Muster sind nicht mehr die Lehrer, son- dern die ledigen Fabrikarbeiter. Ihr Ton wird vulgär, und sie teilen ihn dann der ganzen Schule mit. Eine Abschaffung dieses Systems ist nicht leicht. Von 300 Kindern, die von den Kommissionsmitgliedern darüber befragt wurden, erklärten nur 7, daß sie lieber den ganzen Tag die Schule besuchen möchten. Die übrigen meinten, die Fabrikarbeit der- schaffte ihnen Geld und Freiheit und eine Gleichstellung mit den Erwachsenen. Andererseits hat die Kommission gefunden, daß viele der jungen Leute, die früher Halbzeitler waren, eS bedauern, den Unterricht frühzeitig abgebrochen zu haben. Ebenso hat die Kam- Mission gefunden, daß die meisten Familien, die ihre Kinder zu Halbzeitlern macheu, die Löhne der Kinder nicht brauchen. Nur in wenigen Familien waren diese Löhne zum Auskommen unent- behrlich. Die Kommisston kam zu folgenden Schlüssen: Das H a l b z e i t s y st e m ist am 1. Januar 1911 a b z u» schaffen, d. h. in Textildistrikten müssen die Kinder bis zur Vollendung deS 14. Lebensjahres die Schule besuchen. In Ackerbaugegendcn dürfen Befreiungen vom Schulbesuch nur bei Kindern eintreten, die das 13. Lebensjahr zurückgelegt haben, und NM dort, wo ihre Beschäftigung absolut notwendig ist. GewerklcbaMickies. Christliche Kampfesweise. Die Nr. Lv der..Gewerkschaftsstimme" enthält folgende Notiz: „Bodenlose Gemeinheiten der Genossen. Wir konnten bereits in mehreren Nummern unseres Organs Von der Verrätertaktik der Genossen in Solnhofen berichten. Trotz der Beschönigungsversuche der Presse roter Couleur bleiben die von uns berichteten Tatsachen stehen. Die Dinge werden aber noch schöner. Bekanntlich sind viele unserer Kollegen ab» gereist und haben anderweitig Stellung angenommen, unter anderem auch ein Teil in Lahe. Unsere Kollegen mußten aber schon am ersten Tage die wahre Interessenvertretung der Ge- nossen empfinden. Diese legten nämlich sofort, als unsere Kol- legen zu arbeiten begonnen hatten, die Arbeit nieder, um die Entlassung unserer Kollegen zu erzwingen. Tatsächlich wurden sie von der Firma Leser noch am gleichen Tage entlassen. Die Genossen arbeiten dadurch den Unternehmern dirkt in die Hände. Sie arbeiten in ihrem Haß gegen die Christlichen auch gegen die eigenen Mitglieder, die an der Bewegung in Solnhofen mitbetn» ligt sind. Noch gemeiner und niederträchtiger kann der Arbeiter. verrat wahrlich nicht mehr betrieben werden. Ob ein Arbeiter einer solchen Gesellschaft noch gemeinsame Sache machen will, überlassen wir ihm selbst; der Vorgang wird aber einen neuen Beweis für die Schandtaten der Genossen in der Ge- schichte der deutschen Arbeiterbewegung bilden." Wahr ist, daß 1l) Mann in Solnhofen im Steinbruch ver Firma Leser anfingen und am nächsten Tage wieder ent- lassen wurden. Gelogen ist, daß die„roten Genossen" ihre Entlassung erzwungen oder auch nur veranlaßt haben. Das ist schon deshalb unmöglich, weil von den 12 Mann, die im Steinbruch arbeiten, nur ein einziger organisiert ist, die übrigen sind genau so schwarz wie die zugereisten aus Soln- hosen. Berttn und Umgegend. Der Kampf im Schlossergcwerbe. Am Dienstag kamen die streikenden Geldschrank- schlosser in Frankes Festsälen in der Badstraße zusammen, die Bauschlosser im Gewerkschaftshause. Die Streikenden pro- testierten energisch dagegen, daß Vorfälle, mit denen sie nichts zu tun haben, wie die Schlägerei am Gesundbrunnen, gegen ihre Sache ausgebeutet werden. Besondere Vorwürfe wurden gegen „Die Zeit am Montag" erhoben, weil man von dieser Seite eine größere Zurückhaltung erwartet hätte. Otto Handle teilte mit. daß noch etwa 100 Ausgesperrte sich gemeldet hätten, so daß die Gesamtzahl bis Dienstag mittag noch keine 400 betrage. Zu Anfang der Bewegung wußte die bürgerliche Presse zu berichten, daß eine Aussperrung im Schlossergewerbe b000 bis 6000 Personen treffen würde. Die Unternehmer haben nach ihrer Generalversammlung vom 4. August ein Rundschreiben versandt, das in verschiedener Be° ziehung sehr interessant ist. Man ersieht daraus, mit welchen terroristischen Mitteln die Unternehmer zu arbeiten entschlossen sind, wenn ihre Mitglieder nicht gehorchen wollen. Das Schreiben lautet: Berlin, den 8. August 1000. An die Mitglieder der Schlosserinnungen zu Berlin und Charlottenburg sowie des Schuhverbandes Berliner Schlossereien und verwandter Gewerbe. Zu dem Streik der Geldschrankschlosser und zu dem Streik, den der Deutsche Metallarbeiterverband für mehrere unserer Betriebe proklamiert und durchgeführt hat, um zugunsten seiner übertriebenen Tarifforderungen einen Druck auf uns auszuüben, beschloß die gestrige außerordentliche Generalversammlung: Sä mtliche Stundenlohnarbeiter sind, soweit sie Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterbandes oder einer mit ihr solidarischen Organisation und nicht als Helfer an Akkordarbeiten beteiligt sind, am Sonnabendabend a u s z u- sperren. Neue Akkorde dürfen von heute an nicht mehr abgeschlossen werden. Bei Beendigung von Akkorden sind die dabei beteiligt gewesenen Leute sofort auszusperren. Die Aussperrung soll erfolgen, wenn der Deutsche Metall- arbeiterverband auf Aufforderung nicht bis zum Freitag abend 0 Uhr erklärt hat, daß der Streik sofort beendigt wird. Sobald sich danach eine Aussperrung nötig macht, werden Sie noch vor der Lohnzahlung benachrichtigt. Zugeständnisse dürfen in keiner Weise gemacht werden. Es wird sich auch ein jeder Arbeitgeber selbst sagen, welche desorganisierende Wirkung jedes Einzelzugeständnis haben muß. Die Arbeitnehmer wollen gerade durch ihre geschickte Taktik Zersplitterung in die Reihen der Arbeitgeber tragen, um dadurch die Löhne für die Gesamtheit bis ins Unmögliche in die Höhe zu treiben. Zeigen Sie durch einmütiges, festes Zusammengehen, daß Sie gewillt sind, geschlossen dem wachsenden Druck von unten und oben zu begegnen, um ein selbständiges Gewerbe lebens- fähig zu erhalten. Nichtorganisierten ist zur Unterschrift da? in zwei Exemplaren anliegende Formular vorzulegen, von dem weitere Exemplare in der Geschäftsstelle zur Verfügung stehen. Macht sich die allgemeine Aussperrung notwendig, so ist eS Ehrensache der Arbeitgeber, die durch die Gunst der Verhältnisse in der Lage sind, weiter zu arbeiten, keine„Aus. sperrungsarbeiten"(Arbeiten, die infolge der Aus» sperrung liegen bleiben müsseni ohne Wissen des betreffenden Kollegen anzunehmen. Wer solche Arbeiten übernehmen kann und will, möge sich mit Angabe der Art der Arbeiten, die er ausführen kann, an die Geschäftsstelle wenden. Wvr glaubt, durch Konventionalstrafe gebunden zu sein, möge sich, wenn alle Versuche, den Auftraggeber zur Ver- längerung der Lieferfrist zu bewegen, ohne Erfolg bleiben, durch die Geschäftsstelle sofort an den Vorstand wenden, und zwar mit genauer Darlegung des Falles. Der Vorstand wird das weitere veranlassen bezw. entscheiden. Um über die strikte Durchführung der Beschlüsse zu wachen, hat die Generalversammlung eine Kontrollkommission eingesetzt, deren Mitglieder mit Legitimationskarten ausgestattet sind. Gegen säumige Mitglieder werden nach den Satzungen der Innung und des Verbandes die gesetzlichen Zwangsmittel zur Anwendung gebracht werden und die Namen derer, die es an Solidarität fehlen lassen, werden allen Mitgliedern, den Be- Hörden, den einflußreichen Baumeistern, die Arbeitgeberverbänden angehören, und den Eisenhändlern bekanntgegeben. Arbeitswillige kann, bis jetzt allerdings noch im be- schränkten Umfange, die Geschäftsstelle beschaffen. Wir weisen noch darauf hin. daß den Ausgesperrten sofort alle Papiere auszuhändigen sind, unter anderem auch der Entlassungsschein(Formular des Verbandes Deutscher Schlosserinnungen, für 30 Pf. pro Dutzend in der Ge. schäftsstelle zu beziehen!) und daß sie sofort abzumelden sind. Wir ersuchen dringend, dieses Rundschreiben auf- gubewahrenl Mit kollegialem Gruß und vorzüglicher Hochachtung die Vorstände der Schlosserinnungen zu Berlin und Charlotten. bürg und des Schutzverbandes Berliner Schlossereien u. v. G. Paul Marcus. Ernst Franke. Th. Kaeber. Der Geschäftsführer: Dr. H. Karwehl. v«antw. Redakteur: Hans Weber' Berlin. Inseratenteil verantw.: An der„Mariendorfer Zeitung", dem„Publikationsorgan der Gemeindeverwaltung Mariendorf", findet man in der Sonntags- nummer vom 8. August die folgende Notiz: „Wie wir erfahren, werden die in der Kunstschlosserei von Bechlee u. Pnasche zu Mariendorf beschäftigten Gesellen sich dem allgemeinen Streik anschließen. Der Mindestlohn soll auf 4014 Pfennige erhöht werden. Nun, zu sehr wird die Firma nicht unter dem Streik leiden, da nicht weniger als 28 Lehrlinge dort in Arbeit stehen, eine Zahl, die mit der Anzahl der- Gehilfen in keinen Zusammenhang zu bringen ist." Die Firma Bechler u. Paasche wird recht erschrocken sein über die freundschaftliche Notiz der„Mariendorfer Zeitung". Vielleicht schenken die zuständigen Behörden in Mariendorf dieser Lehrlings- züchterei gelegentlich ihre nähere Aufmerksamkeit. Achtung, Kürscht�r! Wegen Maßregelung des Werkstattber- trauensmannes verhängte die Filiale Leipzig über die Firma Hermann Sobelmann in Leipzig die Sperre. Unsere Kollegen werden ersucht, Zuzug fernzuhalten. Deutscher Kürschnerverband. Ortsverwaltung Berlin. VeutkeKes Reich. Die leidtragenden Gastwirtsgehilfen. „Unter den Interessenten ist in bezug auf die Steuerabwälzung eine Einigkeit erzielt worden!" So wird jetzt von überall her ge- meldet. BraUer und Wirte verstehen es nicht schlechter wie die Agrarier, alle Lasten auf Dritte abzuwälzen. Wie die Darstellung der gesamten Presse ergeben hat, ist nicht nur die Abwälzung der neuen Steuern beabsichtigt, sondern es ist allgemein vereinbart worden, einen bedeutend höheren Preisaufschlag eintreten zu lassen, als sich mit den neuen Steuern rechtfertigen läßt. Die von den neuen Steuern zunächst, wenigstens anscheinend Betroffenen, die Wirte und die Brauer, machen nach allem, was bisher bekannt wird ein wahrhaft glänzendes Geschäft bei der Abwälzung. Unter anderem ist das auch daraus ersichtlich, daß die Aktien der meisten Brauereien eine erhebliche Kurssteigerung erzielten. Es ist auch schon festgestellt, daß die Brauereien allein aus einer Erhöhung von nur 3 M.— bekanntlich ist ja vielerorts eine solche von ö M. be- schlössen—, einen neuen Ueberschuß von 4— 13 Proz. auf ihr ge- samtes Aktienkapital erzielen werden. Bei einem Aufschlage von 3 M. würde z. B. die Schultheiß-Brauerei in Berlin aus der Abwälzung einen neuen Profit von 11-1 Millionen Mark heraus- schlagen und damit weitere 0 Proz. Dividende auf das Aktien- kapital zahlen können. Es ist also in aller Planmäßigkeit auf die Taschen des konsumierenden Publikums abgesehen. Ganz außer acht gelassen sind bisher bei allen Kalkulationen der„Beteiligten" die Angestellten Dabei gibt es kaum eine Ar- beiterkategorie, welche unter schlechteren- Verhältnissen ihr Dasein fristet, wie gerade die Angestellten des Gastwirtsgewerbes, das den Unternehmern ungeheure Gewinne, den Angestellten jedoch zumeist nur die Möglichkeit günstigenfalls von Trinkgeldern existieren zu können, bietet. Die Trinkgcldmisere ist nicht nur sprichwörtlich, sondern die Lösung dieser Frage in den letzten Jahren geradezu eine Notwendigkeit geworden, und sicherlich wird sich nicht so leicht wieder eine Gelegenheit bieten, wenigstens auf eine Aendrung dieses traurigsten aller Lohnsysteme hinzuwirken. Die gewerkschaftliche Organisation der Angestellten, der„Verband deutscher Gastwirts- gchilfen", ist zu solch einer Aktion allerdings noch zu schwach, ins- besondere durch den Umstand, daß er mit einer Reihe gelber natio- naler Verbände zu rechnen hat. Immerhin wird aber jetzt bei der überall eintretenden Vierpreiserhöhung auf die Einführung von festen Löhnen, so bescheiden diese auch in der ersten Zeit sein mögen, gedrungen werden können. Es ist zweifellos daß das Publikum sich gegen eine mäßige Erhöhung der Bierpreise viel weniger wenden würde, wenn die Gastwirte so einsichtsvoll ge- Wesen wären, sich auch über eine feste Entlohnung ihrer Angestellten zu einigen. Es ist zu wünschen, daß dem Verband deutscher Gast- wirtsgchilfen, der zurzeit überall, wo Bierpreiserhöhungen statt- finden und dami-t auch ein Zurückgehen des Trinkgelderverdienstcs der Angestellten zu befürchten ist. die Forderung auf Minimallöhne stellt, von feiten des' Publikums in jeder Weife Unterstützung zuteil werde._ Kampf im Baugewerbe in Hamburg. Da in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" die vor dem Einiguugsamt gepflogenen Verhandlungen nur zum Teil wieder- gegeben sind, bringen wir sie heute vollständig: Das Einigungsamt hat den Parteien den folgenden Vorschlag gemacht�eiten� � Axg�tnehmer der sämtlichen in Betracht kom- wenden Nebengewerbe wird die Arbeit zu den alten Lohn- und Arbeitsbedingungen sofort wieder aufgenommen, nachdem den Arbeiterorganisationen von dem Arbeitgeberverband offizielle Anzeige gemacht ist. daß die Stillegung des betreffenden Neben- gewerbes laut Bekanntmachung in den..Hamburger Nachrichten vom 24. Juli 1909 seitens des Baugewerbeverbandes aufgehoben worden ist. Die Vertreter des Baugewerbeverbandes nehmen den Antrag des Herrn Paeplow: Den an der heutigen Vcrhand- lung beteiligten Arbeitnehmerorganisationen, mit Ausnahme derjenigen der Gipser und Plattenansetzer, vom 1. Januar 1910 ab eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde auf die bisherigen Löhne zu gewähren, wenn und insoweit den Angehörigen der 3 Zentralverbände eine Lohnerhöhung überhaupt zugebilligt wird. _ entgegen und werden denselben mit der Paeplowschen Begrün- dung ausführlich vortragen- Die Parteien erklären sich zur Fort- setzung der Verhandlungen bor dem Einigungsamt in dem auf den 11. August d. I. anzuberaumenden Termine bereit. Im übrigen herrscht bis zur Beendigung der Verhandlungen vom 11. August im Baugewerbe Waffenstillstand. Es werden weder neue Sperren verhängt, noch fremde Arbeitskräfte angeworben und herangezogen, mit der Maßgabe jedoch, daß die bis heute angeworbenen Arbeitswilligen empfangen werden dürfen. Der Baugewerbeverband gibt noch heute Order» daß die Anwerbung Arbeitswilliger unterbleiben soll." Die Plattenansetzer. die neben den Gipsern bei einer Lohnerhöhung ausscheiden sollen, beschlossen, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. Die Betonarbeiter faßten den gleichen Beschluß. Vom Lohnschutzverband der Betonbauunternehmer lag ein Schreiben vor. worin sich die Unternehmer mit den Einigungsverhandlungen ein- verstanden erklären und mitteilen, daß die Betonarbeiter die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufnehmen können. Die Wieder- einstellung soll nach Bedarf erfolgen.— Wenn nach dem Tarif von 1907 gearbeitet wird, bedeutet dies im Vergleich zu den zuletzt ge- zahlten Löhnen teilweise eine Lohnerhöhung von 5—10 Pf. pro Stunde. Auch die Klempner stimmten dem Vorschlage, die Arbeit wieder aufzunehmen, zu. Sie wollen aber mit der Aufnahme der Arbeit warten, bis sie von den Meistern oder durch die Vermittclung der Organisation aufgefordert werden, die Arbeitsplätze wieder einzunehmen. Die Bauschlosser sind mit wenigen Ausnahmen wieder in Arbeit getreten. Von den Maurern und Bauhilfsarbeitern, die in zwei stark besuchten Versammlungen zu dem Resultat der Eini- gungsverhandlungen Stellung nahmen, wurde scharf kritisiert, daß die Verhandlungskommifsion vor den Unternehmern aufs Neue zurückgewichen sei. Es hätte unbedingt daran festgehalten werden Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftgU müssen, daß die Lohnerhöhung spätestens am 15. Oktober k>- F. eintreten würde, und nicht erst am 1. Januar 1910. Es wurde jedoch der Kommission die Vollmacht erteilt, die Verhandlungen weiterzuführen, und dafür zu sorgen, daß von dem jetzigen Stand» Punkt nicht mehr abgewichen werde.— Weiter beschlossen die Gipser, Kunststeinarbeiter, Glaser und Dachdecker, die Arbeit auf» zunehmen. Sämtliche Berufe, die beschlossen haben, die Arbeit wieder aufzunehmen, taten es unter der Bedingung, daß die weiteren Einigungsverhandlungen für die Hauptbeteiligten und die durch die Aussperrung in Mitleidenschaft gezogenen Nebenberufe an- nehmbare Resultate zeitigen. In den Kreisen der Arbeiter hört man kein Wort von Kampfes- Müdigkeit, wohingegen die Unternehmer vielfach über große Ver- luste Klagen führen, und bedauern, daß sie sich dcam Arbeitgeber- verband mit Haut und Haaren verschrieben haben. In der Ham- burgcr Arbeiterschaft ist man der Ansicht, daß ein großer Einfluß von der hamburgischen Regierung auf die Unternehmer ausgeübt werde. Der Hamburger Senat befürchtet anscheinend, daß ein Sieg der Arbeiter im Baugewerbe auch die in den Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter begehrlich machen könnte. Was der Unternehmer braucht, muß er haben! Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 9. August: In der sogenannten Waisenhausbuchdruckerei legten am 5. August 25 Hilfsarbeiter bezw.-arbciterinnen die Arbeit nieder, weil ihnen tarif- mäßige Zuschläge für die Ucberstunden nicht gewährt wurden. Der Administrator des Geschäfts ist nun auf das Gcwerbegericht gegangen und verlangt von den Arbeitern nnd Arbeiterinnen als „Gesamtschuldner" 1000 M., weil sie kündigungslos die Arbeit verlassen hätten. Der Unternehmer glaubt seine Pflichten nicht erfüllen zu brauchen. � Hu9 der Partei. Die 4. ordentliche Generalversammlung des 18. hannoverschen ReichstagswahlkreiseS tagte am Sonntag, den 8. August, in der „Zcntralhalle" zu Scharmbeck. Vertreten waren K Ortsvereine durch 18 Delegierte. Ferner waren anwesend 3 Mitglieder de» Kreisvorstandes, der Obmann der Kontrollkommission, 2 Mitglieder des Bezirksvorstandes, 2 Vertreter des 19. hannoverschen Reichs» tagswahlkreiseS, stnoie der Kandidat des Kreises Genosse Rhein- Bremen. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß die Mit- glicderzahl eine geringe Steigerung erfahren hat. Sic stieg von 1243 auf 1253. davon sind 1112 männliche, 141 weibliche Mit- glieder. Die Abonncntcnzahl unserer Parteipresse ist infolge der im Unterwesergebiet mit außerordentlicher Schärfe auftretenden Wirtschaftskrise von 1988 auf 1059 zurückgegangen. Die im Be- richtsjahre vollzogenen Geineindevertreterwahlen haben der Partei neue gute Erfolge gebracht. In 13 Orten sind jetzt 49 sozialdcmo- kratische Gemeindevcrtrcter tätig, während im Vorjahr in 12 Ge- mcinden nur 33 Gemeindevertreter vorhanden waren. Es wurden 29 000 Flugblätter, 11 200 Kalender, 00 000..Landboten" und 10 800„Sozialdemokraten" verbreitet. Als Delegierte zur Be- zirkskonferenz wurden die Genossen Geißler- Osterholz-Scharm- beck, Hölscher-Burgdamm, Hohorst-Ritterhude und Vollers-Vegesack gewählt. Zum Parteitag in Leipzig wurde Genosse Bollers einstimmig delegiert._ Versammlungen. Die Arbeiter-BildungSschule Berlin hielt im Schullokal, Genadierstr. 27, ihre regelmäßige ordentliche General- Versammlung ab. Der Vorsitzende, Genosse G e i t h n e r, erstattete den Bericht vom zweiten Quartal 1909. Wie in den früheren Jahren, so war auch diesmal der Unterricht auf die wichtigsten vier Unterrichtsfächer beschränkt und ist dadurch die Mitgliederzahl etwas zurückgegangen. Auch in den Vororten wurde der Unterricht für dieses Quartal eingestellt, er soll aber, nach Rücksprache mit den beteiligten Genossen, eventuell im Herbst wieder aufgenommen werden. Der Lehrplan für das vierte Quartal konnte dieser Generalversammlung noch nicht vorgelegt werden, das soll aber bald geschehen, damit frühzeitig in eine Agitation für die Schule eingetreten werden kann. Voraussichtlich wird er denselben Umfang wie im gleichen Quartal des Vorjahres haben. An sonstigen Veranstaltungen sind der gut besuchte Wilhelm-Busch-Abend und drei Ausflüge zu erwähnen. Den Kassenbericht gab Genosse Königs, für die Bibliothekare berichtete Genosse B a l z e r. während Genosse G r u n w a l d den Bericht des Lehrerkollegiums gab. Dem Antrage der Revisoren, Kassierer und Bibliothekare zu entlasten, wurde stattgegeben. Beim Punkt Schulangelegenheiten entspann sich eine längere Debatte über den weiteren Ausbau der Schule. Es wurden Vorschläge gemacht, die darauf abzielen, die Agitation für die Schule wirk- samer zu gestalten. Die Erfahrungen lehr«, jedoch, daß die Schule in der jetzigen Form und bei ihren beschränkten Mitteln über einen bestimmten Umfang nicht hinauskommt, zumal die Größe Berlins eine weitere EntWickelung, ohne die finanziell nicht mögliche, größere Dezentralisation, unterbindet. Dazu kommt noch, worauf Genosse G e i t h n e r binwies, daß die Form von straffen Lehrkursen immerhin erhebliche Anforderungen an Aufmerksamkeit und geistige Mitarbeit der am Tage körperlich schwer arbeitenden Schüler stellt. Dabei sei zu berücksichtigen, daß die Vorträge doch nur die An- regung zu weiterem Buchstudium geben könnten. Das beste Mittel zum Ausbau und zur Vorwärtsentwickelung der Schule sei die rege Beteiligung der Mitglieder auch am Vereinsleben der Schule und die eifrige mündliche Propaganda. Dem Vorstande seien auch Anregungen und Wünsche der Schüler auf Ausgestaltung der Lehr- Pläne sehr erwünscht. Von den Vorschlägen, die den zum nächsten Winter zu wählenden Lehrstoff betreffen, ist der am bemerkens- wertesten, der einen Kursus über die Geschichte der Sozialpolitik wünscht. Zentralverband der Maurer. Agitationsfragen wurden in der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung des ZweigvereinS Berlin besprochen. Um die Kollegen, welche unter dem Druck der wirtschaftlichen Krise sich vom Verbände abgewandt hatten, an ihre gewerkschaftlichen Pflichten zu mahnen und neue Mitglieder der Organisation zuzuführen, ist gemäß dem Beschluß der vorigen Generalversammlung eine Bautenagitation betrieben worden. In sieben Wochen fanden 140 Sitzungen statt, zu denen jedesmal die Kollegen geladen waren, die auf einigen, nahe beieinanderliegendcn Bauten beschäftigt waren. Die Einladungen sind insgesamt an 0394 auf den Bauten beschäftigten Maurern ergangen. Von diesen haben 3187 an den Sitzungen teilgenommen. Etwa 300 Auf- nahmen neuer Mitglieder sind als unmittelbarer Erfolg der Bautenagitation zu verzeichnen, während etwa 300 weitere Auf. nahmen als mittelbare Folge dieser Agitation angesehen werden können.— Am Schluß des zweiten Quartals hatte der Zweig- verein 8811 Mitglieder, und zwar 5721 Maurer, 1701 Putzer, 1329 GipS. und Zementarbeiter. Letzte IVacbnchten und Dcpclcbcn. Buchdruckerstreik. Innsbruck, 10. August.(B. H.) Wegen Differenzen beim Tiroler Anzeiger ist hier ein allgemeiner Streik der Seher und Buchdrucker ausgebrochen. Seit heute morgrn erscheinen hier keine Zeitungen._ Erdbeben. Trient, 10. August.(W. T. B.) In den t e s s i n i s ch e n Alpen wurde heute ein wellenförmiges Erdbeben in der Richtung von Ost nach West verspürt. ?aul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen«.NnterhaltongSbl. 81.185. 26.»Ä 1. Ktllllßt iles„Alllllllllts" Dtllilltl Dllllisltlilt!. NiMch.l1.AMlM. 16. Jahresversammlung des Zentralverbandes der Orts- liraukenkasseu im Deutschen Deiche. Bremen, den S. August. � Zweiter Tag. In der Nachmittagssitzung referierte Kassenrendant Albert Kohn-Berlin über die Vorschläge des Reichsversicherungsentwurfs zur Versicherung der Landarbeiter, Dienstboten, Heimarbeiter usw.: Die Ausdehnung der Versicherung auf die Landarbeiter habe nicht überrascht. Die Regierung komme nur zu dieser von der Sozialdemokratie seit Jahrzehnten verlangten Ausdehnung der Versicherung, um die Armenkassen zu entlasten. Leider werden die erwähnten Personengruppen vielen.Ausnahmebestimmungen in der Durchführung unterstellt- So sind ihre- Ansprüche geringer(teil- weise haben sie nicht einmal Anspruch auf Krankengeld) mitunter haben sie die Beiträge selbst zu zahlen, wobei sie im Falle der Säumigkeit überhaupt keine Ansprüche haben sollen usw. Es sei sehr bedauerlich, daß den Landarbeitern nicht das Selbstverwal- tungsrecht eingeräumt sei; dadurch werde die Landflucht selbstver- ständlich noch bedeutend größer werden. Der Redner forderte zu einem Protest gegen die Bestimmungen bezüglich der Dienstboten- Versicherung aus. Nach diesen Bestimmungen habe der Dienstherr zu entscheiden, ob der erkrankte Dienstbote in ein Krankenhaus zu bringen sei. Bekanntlich herrsche gerade unter den Dienstboten vielfach die Tuberkulose, die, wenn sie in den ersten Stadien be- handelt, zumeist heilbar sei. Bei derartigen Erkrankungen sei aber die Arbeitsunfähigkeit äußerlich meist nicht erkennbar. Der an Tuberkulose erkrankte Dienstbote werde daher in den seltensten Fällen rechtzeitig dem Krankenhause überwiesen werden. Man müsse ferner protestieren, die Heimarbeiter in die Landkassen ein» zureihen, die Heimarbeiter gehören in die Ortskrankenkasse. Letztere gelten aber als„sozialdemokratisch verseucht". Die Regierung sträube sich deshalb, die Heimarbeiter in die Ortskrankenkassen einzureihen. An dieser Stelle solle nicht Politik getrieben werden. Er glaube aber, sagen zu dürfen: Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen werde es der Regierung nicht gelingen, eine Scheidung der Heim- arbeiter von den Industriearbeitern auch nur für einige Zeit aufrechtzuerhalten. Die Art, wie gegen die Hilfskassen vor- gegangen wird, beweise, daß man alles Licht den Arbeitgebern, allen Schatten den Arbeitnehmern zuerteile- Die Delegierten werden jedenfalls mit dem festen Vorsatz in die Heimat zurück- kehren, daß. was auch geschehen möge, das Recht der Selbstverwal- tung der Lll Millionen versicherten Arbeiter nicht schmälern zu lassen. Der Redakteur der..Krankenkassenzeitung". Sydow-Berlin, spricht sodann über die Beziehungen der Versicherungsträger zueinander und zu anderen Verpflichteten und das Spruchverfahren. Redner spricht über die Ansprüche der Kassen an die Berufsgenossen- schaften, wenn sie einen Verletzten länger als 13 Wochen unter- stützen; über die neuen Versicherungsämter usw. Die Recht- sprechung in der Arbeiterbersicherung soll eine durchgreifende Um- gestaltung erfahren. So soll zwar die Erledigung der Streitfälle aus der Krankenversicherung dem allgemeinen Spruchverfahren angegliedert, dagegen soll die Wirksamkeit des Reichsversicherungs- amtes sehr beschränkt werden. Letzteres ist sehr nachteilig für die Versicherten. Redner kommt zu dem Schluß, daß es richtiger sei, den seitherigen Zustand zu behalten, als die Verbesserungen ein- zuführen. Beide Referate fanden die Zustimmung der Versammlung. Bremen, den 10. August. Dritter Tag. (Telegraphischer Bericht.) Die gestern wegen des schweren Gewitters abgebrochenen Ver- Handlungen wurden heute wieder aufgenommen. Auf der Tages- ordnung stand ein Antrag der Ortskrankenkasse für den Gewerbe- betrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker zu Berlin über „Die prophylaktischen Aufgaben der Krankenkassen". Referent war der Geschäftsführer der genannten Kasse, Albert Kohn-Berlin. Der Redner forderte in erster Linie die Einführung der Familienversichcrung. Alle anderen Forderungen seien nur Stückwerk, bis diese Forderung erfüllt sei. Ferner sei einzutreten kleines f eullUton. Deutschland, wahre deine herrlichsten Güter. Daß das Straß- burger Münster und ähnliche Kleinigkeiten noch am alten Platze stehen, ist nur der imnier noch mangelhaft entlvickelten Technik zu danken. Pierpont Morgan und andere amerikanische Milliardäre, die jetzt in Kunst machen wie zuvor in Eisenbahnen, Stahl und Menschen- leben, hätten sie sonst längst angekauft und heimlich oder offen über die Grenze gebracht. Warum auch nicht. In der kapitalistischen Gesellschaft ist alles Ware. Wer Geld genug hat, kann alles kaufen: Namen, Titel, Ehre, berühmte Schauspielerinnen oder alte Kunstwerke. Was man früher mühsam erst nach errungenen Siegen zusammenstehlen konnte— die Römer nnd zuletzt Napoleon haben diese Sammlermethode besonders entwickelt — kauft man jetzt. DaS ist viel einfacher und sicherlich ein Fort- schritt. Es ist sicherlich nur ein europäisches nationales Vorurteil und ein Mangel an Konkurrenzfähigkeit, wenn unsere MuseumS- direkteren sich darüber entrüsten. Der Berliner Generaldirektor Bode hat eben einen geharnischten Protest gegen die amerikanische Methode erlassen. Pierpont ist ihm bei verschiedenen deutschen Fideikommiß- besitzern zuvorgekommen und hat eben durch einen etwas hoch- staplerischen Trick einem rheinischen Pfarrer anS seiner Kirche schöne alte Elfenbeinbildwcrke entführen lassen. Versteht sich für gutes Geld. Aber gegen den Willen der Aufsichtsbehörden— und des Herrn Bode. Die Kirche braucht eben Geld, so gut Ivie die Söhne der alten Familien, die ihre Kunstsammlungen verramschen. Denen kann eS ja schließlich gleichgültig sein, ob die Sachen nach Berlin oder nach New Bork kommen. Die Amerikaner zahlen am besten. DaS ist die Hauptsache. Warum soll der einzelne plötzlich ein Gesetz nicht befolgen, das die Welt regiert und da? einzige Prinzip unserer Gesellschaftsordnung ist: Verkaufe, so teuer du kannst? Ethische, nationale und sonstige ideologische Bedenken hat der siegreiche Kapitalismus längst unter die Füße gestampft. Es ist eine vielleicht bittere, aber durchaus logische Konsequenz des allgemeinen Warengesetzes, wenn der Meistbietende recht behält. Und wir profitieren ja tn Italien und anderswo auch davon. Sich über den Kapitalismus und seine notwendigen Folgeerscheinungen zu beschweren, steht nur dem zu, der ihn grundsätzlich bekämpft und aufheben will. Die Skulptur im Freilicht. Deutschland ist das Land der Denk- mäler geworden. Und doch gibt es kaum ein Land, in dem so lvcnig gute, der Umgebung angepaßte und auf die Wirkung von Licht und Luft eingestimmte Skulpturen stehen. Bei uns gilt nicht das Kunstwerk, sondern der patriotische und sonstige Zweck, und es ist eine große und seltene Ausnahme, wenn es einen: Künstler gelingt, in dem Mummenschanz der Kleiderpuppen künstlerische Wirkungen zur Geltung zu bringen. Wie ein großer schaffender Künstler seine Freiskulpturen empfindet, mag man auS einem mit R o d i n, dem genialen französischen Plastiker. geführten Gespräche , sehen, daS Otto Grautoff in den»Münch. N. Nachr.' wiedergibt.' für die Zentralisation der Kasten und gegen die heute bestehende Zersplitterung, weil nur große Gebilde den gestellten Forderungen entsprechen können- In die Macht der Kranlenkasse müsse gestellt werden, die Tätigkeit der gewerbehygienischen Polizei zu unter- stützen, wobei wir die Mithilfe der Aerzte nicht entbehren wollen. Denn es ist für uns nicht gleichgültig, welche praktischen Schutz- Vorrichtungen getroffen sind und ob die Arbeitsräume den hygieni- schen Anforderungen entsprechen. Wir haben unser Augenmerk zu richten auf die Wöchnerinnen- und Säuglingsfiirsorge, aus die Gewährung von Stillprämien und auf die Milchfürsorge. Wenn auch die Schule in erster Linie die Pflicht hat. die Seele des Kindes zu pflegen, so hat sie doch auch auf die Gesundheit ihre Aufmerk- samkeit zu richten. Die Frage des Schularztes, der Zahnpflege, der Schulbäder und der Schulspeisungen liegt mit in unserem Interesse. Wir werden einen Zusammenhang mit den Schul- ärzten finden müssen, um die Akten von Kindern zu erhalten, da wirkliche Krankheitenbekämpfung nur möglich ist in hygienisch einwandfreien Wohnungen. Solange wir ein Wohnungsgesetz nicht haben, werden wir die bestehenden Mißstände öffentlich feststellen und auf Abhilfe drängen! Profestor Rubens hat auf dem letzten Berliner Tuberkulosenkongreß in flammenden Worten zur Be- kämpfung der schlechten Luft aufgefordert. Es ist richtig, unter den gegenwärtigen Wohnungsverhältnissen werden von den Krankenkassen Millionen ausgegeben, die durch die schlechten Woh- nungen keinen Nutzen bringen können. Damit im Zusammenhang steht die Bekämpfung des allgemeinen Schlafstellenwesens und die Förderung der Ledigenheime, wie sie in England, neuerdings in Italien und in Charlottenburg eingerichtet sind. Die Bestre- bungen der Baugenossenschaften und der Gartciistadtbewcgung sind zu unterstützen. Ob es möglich sein wird, hierfür Mittel aus dem Reservefonds der Krankenkasten zu bewilligen, wird einer ernsten Prüfung zu unterziehen sein. Die kostenlose Desinfektion von Wohnungen bei Auftreten von Krankheiten ist zu erweitern. Die bisherige Desinfektion ist nicht ausreichend. Bei Tuberkulose- erkrankungen wird nur dann desinfiziert, wenn ein Todesfall bor- gekommen ist. Wenn, wie dies vielfach üblich ist, der Kranke in den letzten Tagen oder Wochen in ein Krankenhaus gebracht wird;, bleibt die Wohnung undesinfiziert. Redner streifte sodann die Frage der Lebenshaltung der Arbeiter. In Stuttgart habe sich heftiger Widerspruch erhoben wegen der Einreichung einer Petition gegen die Erhöhung der Kornpreise. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Verschlechterung der Lebensweise ihren Niederschlag findet in den Krankenlisten der Kassen. An der Nah- rungsmittelbehandlung haben wir besonderes Interesse. Es ist nicht gleichgültig, ob die Nahrungsmittel in dumpfen Räumen auf- bewahrt werden, und ob der Verkäufer an ansteckenden Krank- heiten leidet oder mit Frostbeulen bedeckten Händen die Nahrungs- mittel einpackt. Weiter müssen wir die Bekämpfung der Geheim- mittel unterstützen- Die Errichtung von Bolksbädcrn ist energisch zu fördern. Die Verabreichung von medizinischen Bädern soll nicht Gegenstand gewinnbringender Unternehmungen sein. Das gleiche gilt für die Errichtung von Licht- und Sonnenbädern. Die Herausgabe von populären Schriften, wie sie von der General- kommission in Berlin, von der Reichskommission für Kranken- Wesen in Oesterreich begonnen wurde, ist zu unterstützen. Ferner muß durch kostenlose hygienische Vorträge hygienische Kultur in weite Kreise getragen werden. Es kommt hinzu die Ausdehnung der Hauspslege. Der kranken Hausfrau muß es möglich gemacht werden, den ärztlichen Anforderungen nachzukommen und die vor- geschriebene Diät zu halten. Die Bestrebungen, die sich auf Be- tämpfung der Tuberkulose, der Geschlechtskrankheiten und des Alkoholmißbrauchs beziehen, sind zu unterstützen. Es sind dies hohe Aufgaben und hohe Ziele. An diesen Arbeiten mitzuarbeiten, gehört ein fühlendes Herz und eine wahre Freudigkeit. Diese sind aber bedingt von der Selbstverwaltung der Krankenkassen. Nur dann herrscht wahre Freudigkeit an der Mitarbeit.(Leb- hafter Beifall.)— Die Versammlung erklärte sich ohne Debatte mit den Aus- führungen des Referenten einverstanden. Hierauf sprach Arbeitersekretär Bauer-Berlin über die Unfallversicherung. Er forderte in erster Linie die Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle Arbeiter und kleinen Unternehmer, die weniger als 5009 Mark Jahresberdienst haben. Der Entwurf bringt auch in bezug auf die Unfallversicherung Verschlechterungen. Der Rechtsweg sei gegenüber den bisherigen Bestimmungen noch mehr verschlechtert und die Rechtsinstanz zum Teil ganz augeschaltet worden. Die Mitwirkung der Versicherten in Versicherungsämtern sei zum Teil illusorisch gemacht worden. Die Festsetzung der Rente nach dem Jahresberdienst bedeutet ebenfalls eine Verschlechterung, da der Jahresverdienst nach anderen für den Arbeiter ungünstigeren Grundsätzen festgestellt wird. Das Bestreben der Reichsregierung gehe dahin, die kleinen Renten, die unter 20 Proz- der vollen Rente betragen, womöglich überhaupt auszuschalten. Eine völlige Um» gestaltung der UnfallversicherungsgesetzgebMg ist dringend er« forderlich.(Beifall.)■>--— l- Ueber den letzten Teil der Reichsbersicherungsordnung. die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung, sprach Elfenbeinschnitzer Starke-Dresden. Der Redner ging bon der Lex Trimborn aus, die er lebhaft kritisierte. Die Lex Trim- born sollte am 1. April 1910 in Kraft treten, wird aber wohl vertagt werden. Die neue Reichsversicherungsordnung bedeutet auch auf dem Gebiete der Invalidenversicherung eine Verschlechte» rung, wenn auch nicht direkt, doch indirekt. Die Ausstellungen, die bisher an der Invalidenversicherung gemacht worden sind, haben i» dem neuen Gesetz keinerlei Beachtung gefunden. An einzelnen Beispielen erörtert Redner sodann die Kompliziertheit und die geringen Leistungen bei der Invalidenversicherung. Was aber daS schlimmste ist, sei, daß die Einrichtung in denselben Händen bleiben soll, die bisher die Invalidenversicherung hatten. In erster Linie muß man eine Erhöhung der Invalidenrente fordern.— Wenn man die bisher gehaltenen Referate gehört hat— so führte Redner zum Schlüsse aus—, so könne man nur eins sagen: Durch das Gesetz geht ein Grundzug eines Burcaukratismus und der Plusmachcrei auf Kosten der Arbeiter. Der Versicherte wird in dem Gesetz sozusagen als Mensch niederen Grades betrachtet. Demgegenüber müssen wir ein Vorwärtsredigieren der ganzen Arbeiterversicherung verlangen.(Lebhafter Beifall.) Als Vertreter der Arbeitgeber führte sodann Wolff-Metz aus: Ich lege besonderen Wert darauf, daß die hier vertretenen Arbeit- gcber mit den vorgetragenen Ausführungen der Referenten durch- aus einverstanden sind. Ich unterschreibe das Schlußwort des Professors Stier-Somlo:„Das Moralische muß sich Bahn brechen!" Herr Kohn hat darauf hingewiesen, welche hohen Aufgaben die Krankenkassen noch zu lösen haben. Dies ist nur möglich auf dem Wege des Zusammcliarbcttcns von Arbeitgebern und Arbeit» nehmern. Es gibt auf dem Gebiete der Sozialpolitik keinerlei Sonderinteressen. Wenn wir so zusammenarbeiten, so wird in der Oeffentlichkeit das Geschrei von entgegengesetzten Interessen in den Krankenkassen bald verstummen- Man könnte meinen, der letzte Referent habe den Arbeitgebern Sachen gesagt, die diesen unangenehm seien. Das trifft aber nicht zu. Denn über alles geht die Wahrheit! Ich möchte hier als Arbeitgeber aussprechen. es hat selten ein harmonischeres Zusammenarbeiten stattgefunden als bei den Krankenkassen.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Krankenkassenreudant Grüf-Frankfurt a. M. begründete sodann folgenden Antrag der Ortskrankenkasse Frankfurt a. M.: «Die Krankenkassen haben beim Abschluß von Verträgen mit den Aerzten die Forderung aufzustellen, daß alle Kassen. ärzte verpflichtet sind, auch den von ihnen behandelten Unfall- verletzten aus Wunsch ein ärztliches Gutachten auszustellen, da- mit diese auch in der Lage sind, einen Kampf um die zu niedrig angesetzte Unfallrente zu führen." Redner führte aus: Wir haben als Krankenkassen nicht nur die Interessen der Krankenkassen, sondern auch die Interessen der Versicherten zu wahren; denn beide fallen zusammen. Es muß auch den Unfallverletzten ein ärztliches Gutachten gegeben werden, damit diese Ansprüche bei der Berufsgenossenschaft geltend machen können. Es ist bisher vorgekommen, daß ein Arzt, auch wenn man ihm ein Zehnmarkstück auf den Tisch gelegt hat, die Ausstellung eines Attestes abgelehnt hat, während er sofort dazu bereit war, sobald die Berufsgenossenschaft ein solches Attest verlangte. Nach einem Referat auf dem Lübecker Aerztetag soll bon den Aerzten überhaupt die Ausstellung bon Attesten abgelehnt werden. In diesem Falle wäre es schon das beste, die Aerzte lehnten überhaupt die ärztliche Tätigkeit für die Krankenkassen ab.(Zustimmung.) Es liegt auch im Interesse der Krankenkassen, daß die Aerzte bei Abschluß von Verträgen verpflichtet würden, auch Unfallverletzten aus Wunsch ärztliche Atteste auszuhändigen. Die Versammlung erklärte ihr Einverständnis mit den Aus- führungen des Referenten. Es wurden hierauf die Wahlen in das Tarifamt vorgenommen. Als geschäftsführende Kasse für die nächsten 3 Jahre wurde die Ortskrankenkasse Dresden gewählt. Zum Ort der nächsten Tagung wurde Regensburg bestimmt- Für das Jahr 1911 ist Dresden in An einem klaren und milden Sommertage, als ich den Hügel bon Meudon hinanstieg, herrschte geschäftiges Treiben ans der Höhe. Rodin ließ seine mächtige Balzaestatue auS dem Atelier hinaus- schaffen ins Freie, um sie von seinem Freunde, dem Maler Eduard Steinlen, photographieren zu lassen. Als sie an dem Rande des Abhanges aufgestellt war, schien die Statue eins zu werden mit der Erve. Sie stand da, umspült von der weichen Atmosphäre, be- gössen vom Licht, wie das Denkmal der schöpferischen Urkraft des Geistes. Wie ein elementares Ereignis schien dieser zerarbeitete Riesenschädel aus der Erde heraus durch die Gewaudung hindurch ins Licht zu wachsen, von Wissen schwer, bon Schauen überwältigt über die Stadt Paris zu blicken. Ein furchtbares Haupt, ein vom Ueberfluß schweres Haupt, ein Haupt, dessen Augen die Welt durch- bohre» und sie bildend erfassen. Ich habe Rodin selten so fieber- hast erregt gesehen. Dieses war die Erfüllung seines Künstler- traumes. »Sehen Sie,' sagte er ganz beseligt,„hier wirkt die Skulptur. Hier wächst sie in die Atmosphäre hinein. Im Gegensatz zu vielen anderen Skulpturen, deren Silhouette im Freien zerrissen oder dürftig wirkt, beginnen meine erst in der Luft und in der Sonne zu atmen. Sie sind in der Natur geschaffen und brauchen die Natur. Erst in der Wechselwirkung zwischen Stein und Atmosphäre fängt jeder Teil der Flächen an zu vibrieren; und man glaubt an das eigene Leben des Werkes. Hier erweist sich die Kraft dessen, was der Künstler hineingelegt hat. Genau die Natur kopieren ist nicht der Zweck der Kunst. Ein Gipsabguß nach der Natur ist die vollkommenste Kopie, die man erhalten kann. Aber der ist ohne Leben, ohne Bewegung, ohne Bered- samkeit. Man muß übertreiben.— In der Skulptur hängt alles davon ab, wie man die Modellierung ausführt, man muß die belebende Linie der Fläche und die harmonischen Uebergänge von Licht und Schatten suchen. Es handelt sich nicht darum, in einem Körper eine Partie zu betonen, und die andere zu vernachlässigen. Jede muß proportionell übertrieben werden gemäß dem Ton, welchen man anschlagen will, aber immer im Verhältnis zum ganzen. Die Aufstellung im Freilicht ist der große Prüfstein der Skulptur, um sie unter allen ihren Möglichleiten zu beobachten. Im Freilicht ist keine Betrügerei möglich. Keine Skulptur hält dem Freilicht stand, wenn sie nicht einen' klaren Aufriß hat." »Man sagt zuweilen, daß ich mich dem Geist der Griechen nähere. Vielleicht ist es wahr. Aber nicht, indem ich sie kopiere. Oder ich hätte nichts anderes erreicht als die Klassizisten. Der Schaffensprozeß, das Naturstudinm, das Streben nach Typisierung der Griechen ist mein Ideal, aber ihre Formen äußerlich nachzubilden, kam mir»ie in den Sinn. Durch Geduld, methodische Arbeit und die uiianfhörliche Anspannung meines Naturgefühls glaube ich das Verfahren der Griechen wieder- gefunden zu haben. Ich beobachte mein Modell lange. Ich zwinge es nicht in gesuchte Posen. Ich lasse es im Atelier auf und medergeheil wie ein ungezügeltes Pferd und zeichne meine Be- obachtungen unmittelbar auf. Wenn meine Skulptur gut ist, so ist sie geometrisch. Ich bin Mathematiker, und meine Kunst ist das Ergebnis meiner Logik. Die Skulptur ist die Kuiist der Buckel und Löcher, nicht die Sauberkeit der glatten, nicht durchmodellierten Flächen.' Wo besiegte Armin die Römer? Diese alte Streitstage, die eine bald unübersehbare Literatur hervorgerufen hat, behandelte Prof. K n o k e auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Vorgeschichte in Hannover. Daß man über die Oertlichkeit de»„Teuto- vurger Waldes", allwo im Jahre 9 nach Chr. die Legionen deS Barus vernichtet wurden, zu keinem übereinstimmenden Ergebnis kam, führte er auf den Mangel des Zusammenwirkens der ver« schiedcnen Fachwissenschaften zurück. Unter eingehender Würdigung aller Quellen, besonders auch des Zuges des GermaniluS, der sechs Jahre nach der Schlacht stattfand, kam er zu dem Schluß, daß man jetzt mit Sicherheit behaupten könne, die Schlacht habe zwischen Iburg und dem Habichtswalde stattgefunden. Auf einem Ausfluge, den die Teilnehmer an der Tagung in den Teutoburger Wald unternehnieu, soll das des Näheren denivti» striert werden. Humor und Satire. Lehmann. Ein Berliner erzählt in der„Franks. Ztg.' eine Begebenheit aus seinem Leben, die für die preußische Kulturgeschichte sehr be- zeichnend ist. Er berichtet: Ich war ein junger Dachs bon etwa 13 Jahren und besaß einen langhaarigen sibirischen P i n t s ch e r, dem ich daS Haupthaar scheitelte und pomadisierte und dem ich einen Schnurrbart drehte, wie ihn damals die Offiziere zu tragen pflegten; ich hatte ihm den Namen.Lehmann' gegeben. Eines schönen TagcS wurde ich zu dein mir übrigens persönlich bekannten Polizeipräsidenten I.... beschieden, der mir eröffnete, daß ich mich durch meinen Hund mißliebig gemacht hätte. Auf meine Frage wieso? erhielt ich die Antwort: „Ja, wissen Sie, erstens haben Sie dem Hunde eine nicht übliche Aergenkis erregende Frisur gegeben und dann der Name— I' „Ja, tvaS ist denn daran Auffälliges, Herr Präsident?' „Na, junger Mann", war die Antwort,„tun Sie doch nicht so, als ob Sie nicht wüßten, daß Se. königl. Hoheit der Prinzregent diesen Spitznamell hat." „Davon ist mir wirklich nichts bekannt, Herr Präsident." „Na, es sei dem, wie ihm wolle, ich rate Ihnen jedoch freund- schaftlichst, dem Hund einen andere» Namen zu geben." „Wie ist das möglich. Herr Präsident? Hunde hören doch nur auf den ihnen gegebenen Namen. Doch Ihnen zu Liebe will ich versuchen, ihn an einen ähnlich klingenden Namen zu gewöhnen." „Recht so. junger Mann: ich werde mich stellen, dem wirklich allerliebsten Hund künftig unter einem anderen Namen zu be- gegnen." So wurde aus dein»Lehmann' ein.Graumaim', und die hochpolitische Mio» hatte damit ihre» befriedigenden Abschluß erreicht." ÄuZsichk gsnsminen, Feil dann in Dresden sine hygienische Aus- stellung stattfindet.----- � Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Fräßdorf-Dresden führte zum Schluß aus: Wir haben hier als Vertreter der OrtSkrankenkassen zu der Reichs- Versicherungsordnung Stellung genommen; wir haben erklärt, daß wir mit der vorliegenden Fasiung nicht einverstanden sind. Die Negierung weiß nun. was wir wollen. Aber eS muß den einzelnen Reichstagsabgeordneten auch nahegelegt werden, welche Stellung die Ortskrankenkassenvertreter einnehmen. So werden wir alle Schritte tun. um schädliches zu verhindern. Es gibt für die nächste Zeit viel zu tun. Wenn wir nicht bei der Negierung genügendes Entgegenkommen finden, so müssen wir uns an die einzelnen Reichstagsabgcordneten wenden. Das ist nur möglich, wenn die Versicherten in einer großen Versammlung zu der Frage Stellung nehmen und hierzu Abgeordnete eingeladen werden. ES muß den Abgeordneten nahegelegt werden, wenn das Arbeiterversicherungs- gesetz verschandelt und verhunzt wird, sie sich leicht bei den nächsten Wahlen 1S12 zu verantworten haben werden.(Beifall.) Die Ab- geordneten aller politischen Parteien müssen bearbeitet werden und keine Kosten dürfen in dieser Hinsicht gescheut werden. Hoffen wir, daß die Reichsversicherungsordnung in einer Weife zustande kommt, daß wir mit Freuden auf sie blicken können!(Lebhafter Beifall.) Mit DankeStvorten an die Ortsgruppe Bremen, den Senat und die Burgerschaft von Bregun wurde hierauf der Kongreß gc- schlössen. Erster schmizerischer Htlmarbeiterlmgreß in Zürich. * Am 7. und 8. August trafen in der schweizerischen Heimarbeit- ausstellung gegen 400 Herren und Damen aus der Schweiz wie aus dem Auslände ein, um in zwei Tagen die Frage eines wirksamen Heimarbeiterschutzes zu behandeln. . Professor Dr. Beck, der zu seinem Vortrage das Thema: .Die schweizerische Hausindustrie in ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage' ausgewählt hatte, gab e,n Bild der Hausindustrie, ihren Umfang und die jeweilige Zu- und Abnahme einzelner Betriebsarten. In der von ihm vorgelegten Resolution, die der Kongreß einstimmig annahm, wird der wesentlichste Inhalt wiedergegeben: Thesen. l. Die Hausindustrie ist eine Erwerbsform, welche in der Schweiz rund 400 000 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt und sich über sämtliche Kantone erstreckt. Rechnen wir die durch Haus- industrie ernährten Familienglieder dazu, so ergibt sich, daß durch die Hausindustrie nahezu 10 Proz. der schweizerischen Wphnbevölke. rung erhalten werden. Daraus läßt sich die soziale und Wirtschaft. liche Bedeutung dieser Erwerbsform für die Schweiz erschließen. r II. In der schweizerischen Hausindustrie herrschen zurzeit öko- nomische und soziale Mißstände, welche das Einschreiten der Be- rufsvertretungen und der Staatsgewalt dringend notwendig machen, i e. t III. Die unerträglichsten Mißstände, an welchen gegenwärtig unsere Hausindustrie leidet, sind: 1. die gänzlich unzureichenden Löhne; 2, Das Trucksystem, Sweatingshstem und die blinden Akkorde; 3. die Beeinträchtigung der Heimarbeiterschaft durch das Ferger- oder Zwischenmeister, und das'Abzugswesen; 4. die über- lange Arbeitszeit, Nacht- und Sonntagsarbeit; S. die Beschäftigung minderjähriger Kinder; 6. die unzureichende Ernährung und das Wohnungselend; 7. die vielfachen Gefährdungen der Gesund- heit der Heimarbeiter und deö die Heimarbeitsprodukte konsu- mierenden Publikums. IV. Zur Erzielung einer wirksamen HeimarbeitSreform ist Vilm der organisierten Arbeiterschaft der Schweiz zu verlangen: 1. die tatkräftige Förderung der gewerkschaftlichen. Organi- sation der Heimarbeiter und des Beitritts der Heimarbeitergewerk- schaften zu den Zentralverbänden; 2. die Anhandnahme der Vorarbeiten für ein zu schaffendes schweizerisches Heimarbeitsgesetz seitens deS schweizerischen Ar- beiterbundes und der Gewerkschaften; 3. Maßnahmen zur Beseitigung der Heimarbeit in der Kon- fektionS-, Leder-, Nahrung?- und Genußmittelindustrie, überhaupt in solchen ErwerbSarten, deren Hausbctrieb eine Schädigung der Produzenten oder Konsumenten bedeutet� 4. die Unterstützung der Heimarbeitergewerkschaften in der Abschließung von Tarifverträgen, in der genossenschaftlichen Be- schaffung elektrischer und anderer mechanischer Betriebskräfte für die Heimarbeit, in der Ausdehnung der Kranken-, Unfall, und Altersversicherung auf die Heimarbeiter und in der Gründung von GenossenschaftSferggereien; S. die Organisation von künftigen schweizerischen Heimarbeiter- schutzkongressen, soweit solche nötig sein werden. iV. Von der Eidgenossenschaft ist zu verlangen: 1. der Erlaß eines schweizerischen HeimarbeitsgesetzeS;' � 2. die Schaffung eines Heimarbeitsinspektorates mit dem nötigen männlichen und weiblichen Jnspektionspersonal zum Zwecke der Durchführung des eidgenössischen HeimarbeitsgesetzeS- Vl. Bon den Kantonen muß erwartet werden: 1. die wirksame Mithilfe zur Einführung der elektrischen 5?raft in diejenigen hausindustriellen Anlagen, in denen der Motorbetrieb der Arbeiterschaft Nutzen bringt; 2. die Mitwirkung der Schulbehörden, der Lehrer und Lehre. rinnen zur Durchführung derjenigen Vorschriften deS eidgenössischen HeimarbeitsgesetzeS, welche den Kinderschutz betreffen; 3. das vereinte Vorgehen mit gemeinnützigen Körperschaften zur Schaffung neuer ErwerbSmöglichkeitcn für solche BevölkerungS- kreise, welche durch das Verschwinden gewisser nicht mehr lebens- fähiger HeimarbeitSarten erwerbslos werden. VIl. Der erste schweizerische Heimarbeiterschutzkongreß beauf- tragt den Bundesvorstand deS schweizerischen Arbeiterbundes, ein Aktionskomitee zur Durchführung seiner Beschlüsse zu bestellen. '' Professor Dr. Brunhes wies in seinem Referate:«Die Stellung des Konsumenten zum Produzenten" in der Hauptsache auf die Ansteckungsgefahr von Heimarbeit hin. Er verlangte die Schaffung von Konsumentenorganisationen, die wo- möglich international zusammengeschlossen werden sollen und führte dabei die in der Westschweiz bestehenden sozialen Käuferligen an. Seine folgende Resolution wurde vom Kongreß ebenfalls ein» stimmig angenommen: 1. In Erwägung dessen, daß das maßlose Verlangen der un- unterrichteten Käufer nach immer billigeren Waren die stete öko- nomische Ursache für die unbegrenzte Herabsetzung der Löhne in der Heimarbeit ist und in Erwägung dessen, daß die Konsumenten aus hygienischen Gründen, aus persönlichem Interesse und aus Ge- rechtigkeitssinn gegen dieses Uebel austreten müssen, spricht der Kongreß den doppelten Wunsch auS: a) Anwendung der Empfehlungsmarken '(Label)', damit(nach der 1008 in Genf durch die erste internationale Konferenz der sozialen Käuferliga angenommenen Resolution) die Konsumenten in den Stand gesetzt werden, die unter günstigen Bedingungen, d. h. von gut behandelten, gut bezahlten Arbeitern, in hygienisch einwandfreien Räumen hergestellten Waren beim Ein- kauf an einer Empfehlungsmarke zu erkennen und dies ebensowohl in bezug auf die von Heimarbeitern als von anderen Arbeitern verfertigten Gegenstände. d) Mithilfe bei der Geiverbeinspektion, dam,t die Heimarbeitreform schleunigst und die Arbeit der offiziellen und inoffiziellen Inspektoren und Jnspektorinnen, besonders bei dieser so komplizierten, sich der Kontrolle entziehenden Arbeitskategorien durch den guten Willen und die methodische organisierte Kontrolle der Gewerkschaften und der sozialen Käuferliga unterstützt und ergänzt werde. Als dritter Referent sprach dann Professor Dr. St. Bauer über:«Die Stellung des Staates zur Heimarbei t". Zur gesetzlichen Regelung der Heimarbeit legte er die nachfolgende Resolution vor, die gleichfalls Annahme fand: Der erste allgemeine schweizerische Heimarbeiterschutzkongreß vom 7. und 8. August in Zürich fordert gesetzlichen Schutz der menschlichen Arbeitskraft in der Heimarbeit. Er verlangt zu diesem Zwecke: 1, In Sachen der Lohnreform. s) Vom Bund: Erlaß eines Heimarbeitsgesetzes auf Grund des Gewerbe- artikels. Dieses hat zur Aufgabe: Einsetzung von Einigungsämtern zur Festsetzung von rechts- verbindlichen Mindestlohnsätzen in der Heimarbeit. Verbot des Trucksystems, Bekanntgabe der Lohnsätze vor Uebernahme der Aufträge, Regelung und Einschränkung des Abzugswesens. Erledigung von Streitigkeiten aus BelöhnungSverhältnissen in der Heimarbeit durch Gewerbegerichte. b) Von den Kantonen: Auszahlung des Eidgenössischen Tarifes für die Armeebeklei- dung in vollem Umfange an die Heimarbeiter. c) Von den Gemeinden: Geeignete Maßregeln der Wohnungs- und Werkstättenpolitik zur Regulierung der Mietzinsen. d) Von Bund, Kantonen und Gemeinden: Direkte Ausgabe der Uniformenfabrikation für die Armee, für Eisenbahn-, Post- und Telegraph-, Zoll-, Straßenbahn-, Polizei- und andere Angestellte an die Heimarbeiter ohne Verakkordierung an Unternehmer, mindestens nicht an solche, die nicht Tarifsätze zahlen. 2. I» Sachen de? Kinder- und Frauenschutzes und der Sonntagsruhe. Verbot der Arbeit von Kindern unter 12 Jahren und der Frauennachtarbeit durch Bundesgesetz; Einführung einer Schonzeit für Wöchnerinnen; Verbot der Sonntagsarbeit. 3. In Sachen des Gesundheitsschutzes, l s) Vom Bund: Verhaltungsmaßregeln an die Kantone beim Ausbruch von an. steckenden Krankheiten. Deklarationszwang der in der Heimarbeit verfertigten Waren der Konfektions- und Lebens- und Genußmittelindustrie. d) Von den Kantonen und Gemeinden: Verbot gesundheitsschädlicher Verfahren und Verrichtungen in der Heimarbeit. Erlaß von WohnungZgesetzen zur Verbesserung der WohnungS- Verhältnisse. WdhnungSinspektion. 4. In Sachen der Versicherung der Heimarbeiter. Ausdehnung der Kranken- und Unfallversicherung des Bundes und der Altersversicherung der Kantone auf die Heimarbeiter. Subvention von Llrisenfonds, Stromabgabegenossenschaften und GenossenschaftSferggereien. S. In Sachen der Durchführung dieser Postulate, Registrierzwang. Ergänzung des FabrikinspektorateS durch männliche und weibliche Heimarbeitsinspektoren oder wenigstens technisch und volkswirtschaftlich gebildetes Hilfspersonal. 6. In Sachen des internationalen ArbeiterschutzeS. Der Bund ergreift die Initiative zum Abschluß von inter« nationalen Heimarbeitsverträgen. 3ua Industrie unck Handel. Bierverteuerung. Von den kühnen Behauptungen und falschen Angaben, die bis- her von verschiedenen Seiten zur Begründung der von den Braue- reien geforderten Bierpreiserhöhung produziert worden sind, hat Regierungsrat a. D. R. Chrzescinili, Direktor der Ban! für Brau- industrie, die kühnsten und falschesten im„Tag"(4. August) zu- sammengetragen. Der Zweck der Uebung ist, den von den Brauereien verlangten Aufschlag von 5 Pf. pro Liter Bier als immer noch be- scheiden zu rechtfertigen.> Phantasieangaben über Produktionskosten findet man da im Verein mit anderen Zahlen, die mehr dem Zwecke dienen, als der Wphrheit entsprechen. So unterstellt der Verfasser, im Gebiet der Brausteuergemeinschaft müsse mit einem durchschnittlichen Malz- verbrauch von 25 Kilogramm pro Hektoliter untergäriges Bier ge- rechnet werden. Bei einem solchen Malzverbrauch berechnet sich die Brausteuererhöhung auf 2,50 M. pro Hektoliter. Von dem Per- fasser sollte man aber erwarten dürfen, daß ihm die wirklichen Ver» Hältnisse nicht unbekannt seien. Nach den amtlichen Ausweisen wurden im Jahre 190? im Gebiet der Norddeutschen Brausteuer- gemeinschaft pro Hektoliter Bier durchschnittlich 17,20 Kilogramm Malz und Reis verbraucht. Die Brausteuererhöhung macht pro Doppel- zentner Malz 10,09 Mi, mithin pro Hektoliter Bier, hoch gerechnet. 1,75 M. aus. Von der Brausteuergemeinschaft wären demnach, wenn man, wie ChrzescinSki, eine Erzeugung von nur 44 Millionen Hektoliter annimmt, nicht 190 Millionen Mark, sondern nur 77 Millionen Mark aufzubringen. Da übrigens die Erzeugung der Brausteuergemeinschaft von 40 Millionen Hektoliter im Durch- schnitt der Jahre 1889 bis 1904 mit geringen Schwankungen auf 48)4 Millionen im Jahre 1907 angewachsen ist, gehört auch schon etwas Kühnheit dazu, die Produktion der Zukunft auf nur 44 Mil. lionen Hektoliter zu veranschlagen. Und der Verfasser des„Tag"- Artikels glaubt noch mit niedrigerer Produktion rechnen zu müssen. Unterstellt man«inen durchschnittlichen Malzverbrauch von 17,20 Kilogramm, dann macht die alte Brausteucr, die für 1907 1,22 M. betrug, zusammen mit der neuen Erhöhung erst 2,90 M. pro Hektoliter aus. Herr ChrzescinSki errechnet aber allein auS der Brausteuererhöhung eine Mehrbelastung von 2,50 M.» womit er die tatsächliche Steucrerhöhung um 75 Pf. zu hoch angegeben hat. Den von ihm angenommenen hohen Gehalt haben nur die söge- nannten«besseren" Biere, die auch diel teurer verkauft werden als die gewöhnlichen Lagerbiere. In den amtlichen Nachweisen werden über den Malzverbrauch folgende Angaben gemacht: «Das gewöhnliche Lagerbier ist fast durchweg von guter Beschaffenheit. AuS 1 Doppelzentner Malz werden in den meisten Fällen 4 bis 7 Hektiliter Bier gezogen." Weiter wird dann mitgeteilt, daß von den besseren Bieren, wie z. B. Bockbier, Märzenbier und verschiedenen Exportbieren, 3,5 bis 4,5 Hektoliter aus 1 Doppelzentner Malz gezogen werden. Die gang wenig gebrauten Porterbiere beanspruchen für 2 bis 4 Hekto- liter 1 Doppclzentner Malz. Und als Preise werden angegeben: Für ein Hektoliter Lagerbier und sogenannte Pilsener 16 bis 20 M., Export-Märzen-, Bock- usw. Biere 18 bis 27 M.. Porter 25 bis 30 M. Herr ChrzescinSki schreibt:«Der Verkaufspreis in Berlin beispielsweise betrug bisher 1? M." Und der Herr unterstellt einen durchschnittlichen Malzverbrauch von 25 Kilogramm. Entweder die amtlichen Angaben und die Steuererhebungen verdienen das Prädikat«sehr liederlich", oder der„Tag"°Artikler hat sich— kolossal geirrt. Verbesserte Technik gestattete eine stets steigende Ausbeute des Malzes, und die Verwendung von Surrogaten nimmt zu. Von 1906 auf 1907 ist der Malzverbrauch pro Hektoliter Bier von 17,53 Kilogramm auf 17,20 Kilogramm zurückgegangen. Davon reWN die Verteidiger der Bierbertellerung natürlich nicht! In welcher Weise die Sparmethode sich entwickelt hat, dafür ein paar Angaben: Seit 1886 ist die Produktion der malzarmen obergärigcn Biere relativ enorm gesunken, die der malzreichcn hat erheblich zugenommen. Von je 100 Hektoliter der Gesamtproduktion waren im Jahre 1886 33 Hektoliter untergäriges Bier, im Jahre 1907 aber nur noch 12% Hektoliter; in derselben Zeit stieg der Anteil der obergärigen Biere von 67 auf 87)$ Hektoliter. Gleichzeitig aber sank die durchschnittlich pro Hektoliter verwendete Menge Getreide von 20,09 Kilogramm auf 17,20 Kilogramm und der Verbrauch von Surrogaten nahm zu von 0,11 Kilogramm auf 0,16 Kilogramm. Das bedeutet eine ganz enorme Verbilligung der Biererzeugung. Und diese EntWickelung ist auch heute noch nicht abgeschlossen. DaS den Lesern mitzuteilen, hält Herr ChrzescinSki nicht für notwendig, dafür macht er diese gewagte Rechnung auf: „Es ist eine statistische, ohne weiteres zu beweisende und bis- her auch von den Gegnern nicht bestrittene Tatfache, daß durch den Zolltarif und die damit verbundene allgemeine Teuerung die Herstellung von einem Hektoliter verteuert ist: an Gerste um, u% i i t, 1.20 M. an Hafer um< 0.16„ an Kohlen um...... 0,20« an Löhnen um«..... 1.30« zusammen 2,85 M. ' Wie wollen zur Illustration dieser eigenartig„naiven" Fest- stcllung einfach die uns zur Verfügung stehenden amtlichen An- gaben hierher setzen: Die Berliner Handelskammer schreibt in ihrem letzten Jahres- bericht(II. Teil):«Die Preise für Gerstenmalz waren um 3 bis 4 M., die Preise für Weizenmalz um 6— 8 M. pro 100 Kilogramm höher alS in den Vorjahren." Und nach Breslauer Notierung kostete Braugerste pro 1000 Kilogramm im Jahresdurchschnitt 1905: 140,8 M., im Jahresdurchschnitt 1908: 167,4 M. Die Preiserhöhung macht höchstens 70 Pf. pro Hektoliter Bier aus, aber nicht 1,20 M.. wie Herr Chrzescinsli alS„ohne weiteres zu beweisende Tatsache" hinstellt. Und erst die Lohnerhöhungen? Die Ausweise der Brauerei- und MLlzerei-DerufSgenossen- schast ergeben die folgenden tatsächlich gezahlten Lohnfummen. das Statistische Jahrbuch für da? Deutsche Reich gibt die neben- stehenden Produltionsmengen an, und die dritte Zahlenreihe ent- hält die aus den beiden anderen Positionen xesultiyxnden pro Hektolit« aufgewendeten Lohnsummen:.■ t**,, � Bierproduktion mithin Lohn- Gesamtlohnsumme im Reich kosten pro Hekto- 1000 Hekto- liter Bier M. liter M. 1905;; 126 923 560 72 442 1,752 1907.. 138 696 915 73 461 1,888 Demnach sind seit 1905 die Lohnkosten pro Hektoliter Mer iun ganze 13%' Pf.(!) gestiegen, und sie machen jetzt noch nicht ganz 1,90 M. aus. Da hört natürlich jede Diskussion auf, wenn ein Sachkundiger, von keinen Tatfachen beschwer», kühn behauptet, die eingetretenen Lohnerhöhungen verteuerten den Hektoliter Bier am IM M.,-'l Aber selbst bis Phantasiezahlen über LohnfieigSrung Und Steuererhöhung genügen anderen Verteidigern der Brauerforderungen noch nicht. Deshalb muß auch noch die Brausteuerung von 1906, neben der Verteuerung der Produktion infolge der neuen Handelsverträge, als Rechtfertigung des beabsichtigten Aufschlages von 5 M. pro Hektoliter Bier dienen. DaS wagt man, obwohl die meisten Brauer die Belastung durch entsprechende Aufschläge im Jahre 1900 aus die Wirte abgewälzt haben. Jetzt wollen sie nicht nur die neue Biersteuer vervielfacht, sondern auch noch die schon abgewälzte Mehrbelastung abwälzen. Fürwahr ein feines Gc- schüft l Wenn die Wirte solche Politik mitmachen wollen, dann ist das ihre Sache; wenn sie aber gedenken, sich für ihre Freigebigkeit bei den Konsumenten schadlos zu halten, dann werden diese sich doch schönstens dafür bedanken, das Objekt lawinenartig anschwellender Lastenüberwälzung zu sein. Mit einer Preiserhöhung von 2 M. pro Hektoliter im Durchschnitt für die Brauer ist deren Be- lastung durch die Brausteuererhöhung reichlich gedeckt.'* Fwanzreform und Extrageschäst. Eine Bremer Zigarrenfabrik hat. wie die«Deutsche TageS-Ztg.' berichtet, ihrer Kundschaft folgendes Schreiben zugehen lassen: «Um auch Ihnen die Versorgung für einen längeren Zeitraun, möglichst bequem zu gestalten, sind wir erbötig, vorläufig auf Wunsch noch jedes Quantum Zigarren zu späterer beliebiger Ab- forderung ivährend eines Zeitraumes von zwei Jahren für Sie zu reservieren, und zwar zu den bisherigen Preisen. Für der- artige Aufträge erfolgt die Berechnung erst beim Versand mit drei- monatlichem Ziel vom Tage der Lieferung an gerechnet. Für Orders zur sofortigen Ausführung, bestimmt zur Versorgung für später, geben wir je nach dem Umfange der Bestellung 6, S, 12 und bis 24 Monate Zrel. Daraus darf man doch wohl schließen, daß eine sofortige Er- höhung der Zigarrenpreise nicht nötig sei, daß der allgemein an- gekündigte Aufschlag in seiner vollen Höhe nur einen Extragelvinn der Verschleißer darstellt."_ Schwedisches Fleisch in Deutschland. Schwedische Geschäftsleute haben sich, wie der«V. Ztg." ge- schrieben wird, mit Hamburger Firmen in Verbindung gesetzt, un, eine Fleischausfuhr nach Deutschland in die Wege zu ledern Da der letzte schwedische Reichstag die Bestimmungen über Fleischbesichtigung »nt dem deutschen Fieischbeschaugesetz in UeLereinstimmung gebracht hat und die deutsch-schwedische Danchsfährenverbindung eine schnelle Beförderung ermöglicht, glaubt man d,e Ausfuhr unbehindert auf- nehmen zu können. Als Ausgangspunkt für die Fleischausfnhr nach Deutschland ist Malmö in Aussicht genommen, wo sich ein Schlacht- Haus befindet. Bei den neuen Gütertarifen stellt sich der Transport über Trelleborg-Saßnitz fast ebenso wie über Dänemarl, nämlich etwa 30 Pf. pro Kilogramm. Da in Schweden ebenfalls Kühlwagen zur Verfügung stehen und zudem noch verbesserte Wagen dieser Art eingeführt werden sollen, sind alle Vorbedingungen vorhanden, den, deutschen Markt schwedisches Fleisch zuzuführen, wenn nicht unsere Junker noch schnell einen gefährlichen Bazillus im schwedischen Dieb entdecken und so das Scuchengesetz die Gefahr vom deutschen Volk abwendet,— billiges Fleisch zu bekommen. Vom Kartellwucher. Wie die Kartellritter künstlich das Angebot verringern, um die Rentabilität ihrer Erzeugung zu erhöhen, ist zwar männiglich be- kannt. kann aber nicht oft genug dargelegt werden. Zu diesem Zwecke seien die Erfahrungen der Weißblech verarbeitenden In- dustriellen mitgeteilt, die deren Organisation durch eine Umfrage festgestellt hat. Allgemein ist von den Fertigfabrikanten bestätigt worden, daß das Weißblcchkartell das Ausbleiben.seiner Liefe- rungen, bezw. die Verspätungen her Lieferungen mit allerlei wenig annehmbaren Ursachen begründete. ES blieb den meisten Weißblechverbrauchcrn nichts anderes übrig, als ihren Bedarf in englischen Blechen zu decken. Die Folge davon war, daß die Ein- fuhr von englischen Blechen im Jahre 1908 mit 43 000 Tonnen eine Höhe erreicht«, die bei der Kartcllenquetc in, Jahre 1905 für unmöglich gehalten wurde. Damals betrug die bisher jemals er- reichte Einfuhr 29 000 Tonnen. Unter dem Druck der Enquete steigerten zwar die Walzwerke ihre Produktion von 1905 aus 1906 von 47 000 Tonnen auf 59200 Tonnen, seither ist aber keine weitere Steigerung eingetreten—- trotz der vermehrten Nachfrage! FS. Ttt d'tv 84U bd Höchko�ftinltur Karde soM die PttduktiöN noch verringert, obgleich die Gesamtvereinigung der Weihblech- fabrikanten unter Hinweis auf den Schutzzoll die Vergröherung der Produktion ausdrücklich begehrte, damit der heimische Bedarf gedeckt werden könnte. Der aber war den Walzwerten schnuppe weil sie sonst den Schutzzoll nicht so sehr hätten für sich ausbeuten können und die Steigerung des Profits ihnen höher stand als das Interesse der vaterländischen Industrie. So wie die brasilianischen Kaffeeplantagenbesitzer lieber einen Teil ihres Kaffees verbrennen lassen, um ihn zu„valorisieren", so hielten die deutschen Walz- werte mit der Blecherzeugung zurück, um die Preisschraube an- ziehen zu können!_ Die englische Bankenquete. Die Londoner Handelskammer hat den erwarteten Bericht über die Frage der britischen Goldreserven erstattet. In dem Gutachten wird festgestellt, dah die Goldreserve des Landes verstärkt, die gesetzlich fixierte Höhe der Notenemission der Bank von England herabgesetzt, eine Goldreserve für die Depositen der Trustee Sadings Bants und Postsparkassen geschaffen werden muh. Das sind die wichtigsten Forderungen der Kommission. Sie hat den Beifall der englischen Bankwelt nicht gefunden, ins» besondere wendet man sich gegen die zweite Forderung. Die Noten- enrission der Bank von England ist bekanntlich durch die Peelsakte festgesetzt worden. Bisher hat sich in Zeiten der Krisi« dieses Noten- koniingent stets als zu niedrig erwiesen und zur Abhilfe ist dann jedesmal durch ParlamentSbeschluh die Akte auf einige Zeit suspendiert worden. Als berechttgt erkennt man nur die dritte Forderung an. befürchtet aber von ihrer Verwirklichung«ine Schädigung der britischen Staatsanleihen, die von den Sparkassen jetzt als Sirservm gehalten werden. Soziales« SchtteckeNgang bei der Landesverficherung. Ein Fall, der leider als typisch für die mit ungeheurem bureau- kratischen Formelkram verbundene und dadurch verlangsamte Auszahlung der dem Arbeiter gesetzmäßig zustehenden Invaliden- rente angesehen werden mutz, hat sich jüngst in Neuheim bei Bromberg ereignet. Dort erkrankte die 63 Jahre alte Köchin Franziska SavinSka vor zirka 2�' Jahren an einem Krebs- leiden. Ihre Dienstherrschaft, bei der sie dreitzig Jahre in Stellung war. wandte sich an die Behörde, um die Invalidenrente für die Köchin zu erlangen. Da sich die Erledigung der Angelegenheit überaus lange hinzog, geriet die S. in grotze Not. Im letzten Jahre wurde sie nur noch von mitleidigen Dorfbewohnern ernährt und gepflegt. Dieser Tage starb sie. Als sie knapp« einige Stunden beerdigt war, erschien der Postbote, um ihr den nun zuerkannten, bereits fälligen Betrag von 263 M. auszuhändigen. Das Geld mutzte natürlich an die Landesverficherung zurückgehen. Französische» Arbeiterleven. In der„Opinion" unterzieht Philippe Millet die von der Board of Trade herausgegebene Untersuchung über daS Leben des französischen Arbeiters einer eingehenden Prüfung, und da er dieser Prüfung einen Vergleich deS fran- zösischen ArbeiterlebenS mit dem englischen und deutschen zugrunde legt, so dürfte sich wenigstens ein kurzes Eingehen auf die ungemein methodisch und gewissenhaft durchgeführte Studie MilletS wohl lohnen. Im allgemeinen ist die Lebensführung deS französischen Ar- beiters eine weit bessere als die de» deutschen oder englischen. Die französischen Familien sind durchgängig weit weniger zahl- reich, als die der anderen Länder, und so sind auch die Be- dingungen zu einer besseren Lebensweise von selbst gegeben. Während der Engländer in ermüdender Regelmäßigkeit Rindfleisch oder Hammelfleisch mit in Wasser gekochten Kartoffeln genießt und der Deutsch« ebenso regelniagig stich von Wurst mit Kartoffeln nährt, ist der Franzose imstande, sein Menu abwechslungsreicher zu gestalten; gekochtes und gebratenes Kalbfleisch, Brat, oder Back- Hühner fehlen Sonntags selten auf dem Tische des französischen Albeiters. Mit dieser besseren Ernährung geht eine ungemein anziehende Häuslichkeit Hand in Hand. Die französische Arbeiterfrau setzt ihren Stolz in ein helles, freundlich blinkendes Zimmer. Die Möbel sind gescheuert und geputzt und hinter sorgfältig geplätteten Borhängen verbirgt sich das saubere Bett. Das Auge eines fremden Besuchers soll nichts sehen, was ihn verletzen könnte, und Millet erlebte einst, daß eine Arbeiterfrau in Tränen ausbrach, als er unvermutet in ihr noch nicht hergerichtetes Zimmer trat. Wohnung und Ernährung sind in Frankreich besser, als in England und Deutschland; damit sind aber auch die Vorzüge jenes Landes vor den beiden übrigen erschöpft. Die französischen Löhne sind bei erhöhter Arbeitszeit geringer al» die englischen und deutschen und naturgemäß muß sich die Lebensführung danach richten. An der Nahrung kann und will der Franzose nicht sparen, darum spart er an der Wohnung, und setzt sich über den mangelnden Raum durch freundliche Sauberkeit hinweg. In England bewohnt eine Arbeiterfamilie selten weniger als vier oder fünf Zimmer, in Deutschland zwei oder drei, in Frankreich begnügt sie sich zumeist mit einem. In Brest und Fougeres bestehen bv Prozent aller Arbeiterwohnungen aus einem Zimmer, in Pari« 26,7 Prozent, in London nur 14.7 Prozent. Infolgedessen sind die Wohnungen der französischen Arbeiter zwar sauber, aber vielfach ungesund und vor allem lassen die Wafferverhältnisse noch vieles zu wünschen übrig. Wenn sich nun auch die vorstehenden Schilderungen in erster Linie auf die städtischen Arbeiter beziehen, und die Landarbeiter bessere Wohnung«- und Lohnverhältnisse haben, so ist doch die Rückständigkeit der französischen Arbeiterschaft im Vergleich zu der englischen und deutschen in die Augen springend. Der französische Arbeiter ist hinter seiner Zeit weit zurückgeblieben; alle die Vor- züge, die sich die Arbeiter anderer Länder durch engen Zusammen- schluß gesichert Habeft, fehlen deft Französen, Gewerkschaften unss Arbeitersyndikatc in unserem Sinne kennen die französischen Ar- bester nicht.— Aus dieser Erwägung heraus schließt Millet seine Studie mit den mahnenden Worten an seine Landsleute:„Die Lektüre des englischen Berichts kann uns bescheiden machen; wenn wir auch in der Kunst schlichter und angenehmer Häuslich- keit anderen Völkern voraus sind, so haben wir doch kaum eine Ahnung von organisiertem Zusammenschluß, auf dem allein die Kraft des ArbeiterstandeZ beruht." Holzarbeiter in Nordbcutfchland. Laut Bericht der Bcrufsgenossenschaft ist die Zahl der beschäf- tigten Arbeiter in der Holzindustrie um 2054 zurückgegangen und beträgt jetzt in 22 768 Fabrikbetrieben: 231321, in 21373 Handbetrieben sBautischlereien): 33165. Neue Fabrikbetriebe sind erstanden, so daß 1613 Betriebe neu versichert wurden, während 466 Handbetriebe eingingen.— Auch die Löhne der Arbester sind um mehr als 1 Million Mark gegen daS Jahr 1667 zurückgegangen und betragen durchschnittlich 1645 M. gegen 1643 M. im Jahre 1667. Von einer Lohnsteigerung kann demnach keine Rede sein. Die Unfallziffern sind entsprechend der Arbeiterzahl auch etwas zurückgegangen. Angemeldet wurden im Jahre 1668: 13 875 Un- fälle gegen 14 615 im Jahre 1667. Auf 1666 Versicherte entfielen ourchschnittlich 52 Unfälle. Nur 3156 dieser Fälle wurden zedoch entschädigt, darunter 123 jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren, sowie 26 Frauen. Die Mehrzahl der Unfälle ereigneten sich an ArbeitSmaschinen 1734, und wieder sind es die Kreissägen, welche die meisten Opfer forderten. Kein Wunder auch, denn die technischen Aufsichtsbeainten klagen, daß bei ihren Betriebsrevisionen allein an 1263 Kreissägen jeder Schutz fehlte. Dabei wurden nur 3466 Betriebe revidiert. In Ordnung be- funden wurden davon nur 2646 Betriebe. In 5259 Fällen mußten Anordnungen über Unfallschutz getroffen werden und wird von den Beamten geklagt,„daß immer noch ein großer Teil von Betriebs- Unternehmern sich der Durchführung der Unfallverhütungsvor- schriften gegenüber ablehnend verhält, und dieselben sich der Gefahr aussetzen, bei Unfällen wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft zu werden". Welch unverständliche Drohungen, die in der Praxis za doch nicht umgesetzt werden, und vor einer Haftung den Krüppeln gegenüber sind ja doch diese Herren durch die Bestim- mungen im§ 135 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes geschützt. welcher bekanntlich erst dann den Unternehmer zum Schadenersatz heranzieht, wenn der Unfall„vorsätzlich" herbeigeführt wurde- Durch Unfall wurden im Berichtsjahre wieder 117 Arbeiter getötet; in 4 Fällen mutzte den Verletzten die Vollrente, in 641 Fällen Rente für teilweise und in 2687 Fällen für vorübergehende Erwerbsunfähigkeit gezahlt werden. In 1714 Fällen wurden die Berufungen der armen Verletzten von dem vielgerühmten Schiedsgericht abgewiesen und nur in 347 Fällen zugestimmt. Der Berufsgenossenschaft war aber diese Ziffer noch zu hoch, denn sie hatte noch 174 eigene Rekurse am Reichsversicherungsamt zu verteidigen, und auch hier wieder in 58 Fällen Glück, in 66 Fällen eine Abweisung, während die Ver» letzten von 543 Rekursen nur 43 gewonnen haben.— Warum fürchten die Unternehmer denn das Reichsversicherungsamt? Sericdts- Leitung. Eine böswillige Alarmierung der Feuerwehr durch eine« Iffent- lichen Feuennelder mußte gestern der Jnstallatenr Otto Keller mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe büßen. Unter der Anklage der qualifizierten Sachbeschädigung(Beschädigung einer dem öffent- lichen Nutzen dienenden Einrichtung) mutzte sich K. vor der zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts m verantworten. In der Nacht zum 27. April d. I. zertrümmerte der Angeklagte die Scheibe des vor dem Haufe Delbrückstratze 20 in Grunewald steheuden Feuer- melder» und setzte den MeldemechaniSmuS in Tätigkeit. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, daß hierdurch zugleich auch der in dem Haufe wohnhafte Schuldiener Hintze durch eine Alarmglocke geweckt wurde. Während der Angeklagte noch an dem Melder herum- hantierte, wurde er von H. überrascht und festgenommen.— DaS Schöffengericht Charlottenburg verurteilte den An- geklagten mit Rücksicht darauf, daß es sich um einen groben Verstoß gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit handele, zu zwei Wochen Gefängnis. Die hiergegen von K. eingelegte B e- rufung wurde von der Strafkammer unter Bestätigung des ersten Urteil» verworfen._ Einbruchsdiebstahl durch die Decke. Ein EinbruchSdieb st ahl bei einem Juwelier, bei welchem die Diebe die Decke durchbohrt hatten. beschäftigte die zweite Ferienstraflammer deö Landgerichts I. Wegen versuchten und vollendeten schweren Diebstahl» bezw. wegen Hehlerei waren angeklagt: Der frühere Uhrmacher Hugo Schäfer, der gelegeutliche Schriftsetzer Paul JogSzat, der Händler Ferdinand Brunn, der Kaufmannslehrling Ernst Schäfer und die Frau Lina Schäfer.— Die drei erstgenannten Angeklagten sind oft mit Zuchthaus bestraft. So hat Brunn bisher 16 Jahre, JogSzat 17 Jahre Zuchthausstrafen hinter sich, während Schäser mit drei Jahren Zuchthaus vorbestraft ist. In dem Hause Friedrichstr. 162 befinden sich im ersten Stock- werk die Geschäftsräume deS Juweliers Groß. Die darüber liegenden Räume standen im Mai diese« Jahres leer. Mitte Mai erschienen die Angeklagten Schäfer und Brunn bei dem HauS- eigentümer Niemann und mieteten die leerstehenden Räumlichkeiten. Niemann schöpfte Verdacht und verständigte die Kriminal- Polizei. Am Abend deS 15. Mai gingen die Männer in die von Kriminalbeamten beobachteten Wohnung und hielten sich längere Zeit darin auf. Als des Morgens die Wohnung untersucht wurde, fanden sich im Fußboden elf mittels Zentrums« bohrerS hergestellte Löcher. Von einer weiteren Beob- achtung nahmen die Beamten Abstand, da sie an eine Fortsetzung be» Einbruchsversuchs nicht glaubten. In ber Nacht zum 17. Mai kam ein in dem Haufe bedienstetes Mädchen spät nach Hause. AlS sie in der leerstehenden Wohnung Leute hantieren sah, schlug sie Lärm und verscheuchte dadurch die Einbrecher. Es zeigte sich jetzt, daß die Diebe bereits den Fußboden herausgenommen und ein großes Loch aus dem Boden heraus- gebrochen hatten. AlS die verdächtigen Mieter wurden später die Angeklagten Schäfer, Brunn und JogSzat ermittelt. Gegen letzteren konnte nicht verhandelt werden, da er nicht aus der Strafanstalt Sonnenburg vorgeführt worden war. Der Kriminal- kommissar Weiland ermittelte ferner, daß von den drei Einbrechern auch ein Diebstahl bei der Firma Jakob Frank in der Charlotten- straße verübt worden war, bei welchem die Täter Seidenstoffe im Werte von zirka 4566 M. erbeutet hatten. Ein Teil der gestohlenen Seide wurde bei den sämtlichen Angeklagten noch vorgefunden. Bei der Frau Schäfer wurde allein ein Posten Seide, der etwa 1366 M. Wert hatte, beschlagnahmt.— Da die Angeklagten jede Straftat in Abrede stellten, zog sich die Verhandlung bis in die späten Nachmittagsstunden hin. Der Staatsanwalt beantragte Zuchthaus- und Gefängnisstrafen von eine in Monat bis zu drei Jahren. Das Gericht sprach die Angeklagte Frau Schäfer frei. Verurteilt wurden Brunn zu einem Jahre, Hugo Schäfer zu sechs Monaten und Ernst Schäfer zu drei Monaten Gefängnis. Ein Hexenprozeß beschäftigte dieser Tage das Schöffengericht zuSchönbergtMecklen- Strelitz). Von den mittelalterlichen Hexenprozessen unterschied sich dieser dadurch, daß die„Hexe" nicht al» Beklagte, sondern als Klägerin auf den Plan trat. Dem Kaufmann M. in Selmsdorf war sein Vieh behext. Als praktischer Mann sagte er sich, daß sich mit behextem Vieh schlecht wirtschaften lasse und er reiste nach Lübeck zu einem Teufelsbeschwörer, der mitkommen und den Zauber„auS- räuchern" sollte. Dies geschah denn auch in ausreichendem Maße. Ilm für die schwere Bezahlung noch ein übriges zu tun, denunzierte der Wundermann feine», Klienten die„Hexe". Wer zuerst kommen würde, um etwas zu kaufen, habe die Hexerei auf dem Gewissen. Als kurz darauf eine Frai» H. erschien, die ein Pfund Butter kaufen wollte, machte der Kaufmann von seiner Wissenschaft denn auch auSgiebig Gebrauch, indem er der Hexe so derb seine Meinung sagte, wie eS solch' verworfenem Weibe zukommt. Anstatt mit ihrer Kunst sich über gewöhnliche Sterbliche erhaben zu fühlen und dein wütenden Kmifmam, bei nächster Gelegenheit vom Blocksberg eine Ansichtskarte zu schicken, lief die Frau '' M je, oaß ihre Unabhängigkeit vom Bösen gerichtlich deklariert werde. In der Verhandlung brachte nach Schönberg zum Kadi und verlangte, man den Kaufmann dahin, daß er der„Hexe" eine Ehrenerklärung gebe. Es wird also demnächst in einem mecklenburgischen Blatte zu lesen sein, daß die Beschuldigung, daß eine Zeitgenossin des 20. Jahr- Hunderts eine Hexe sei,„als unbegründet zurückgenommen" werde! Klus der frauenbewegung. Weibliche Gewerkschaftsmitglieder. Unverkennbar hat sich das OrgamfationSverhältniS i« den freien Gewerkschaften für die weiblichen Mitglieder günstiger ge- staltet. Im Jahre 1663 zählten die„freien Gewerkschaften" im Jahresdurchschnitt nur 62 6 4 weibliche Mitglieder, gegen 13 8 4 43 organisierte Frauen und Mädchen im Jahre 1668. Nach den Angaben der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- kandS, zusammengestellt im Kaiserlichen Statistischen Amt, zählten im Jahre 1663 die angeführten Verbände weibliche Mitglieder: Bäcker und Konditoren 1388, Blunrenarbeiter 138, Brauereiarbeiter 776, Buchbinder 6256, BuchdruckereihilsSarbeiter 7466, Bureau- angestellte III Fabrikarbeiter 14 829, Fleischer 16, Gärtner 42, GasttvirtSgehilfen 564, Gemeindearbeiter 556, Glasarbeiter 474. Glaser 1. Hafenarbeiter 156, Handlungsgehilfen 4862, Handschuh. macher 466, Holzarbeiter 8163, Hutmacher 2231, Kürschner 601. Lagerhalter 86, Lederarbeiter 69, Maler 52, Metallarbeiter 15 167, Photographen 5, Portefeuiller 528, Porzellanarbciter 1563, Sattler 250, Schirmmachcr 113, Schneider 7416, Schuhmacher 5563, Stein» setzer 1, Tabakarbeiter 12 610, Tapezierer 85, Textilarbeiter 42 655, Transportarbeiter 3978, Zigarrenarbeiter 785. Nach der Gesamtzahl berechnet, beträgt der Anteil der 138 443 weiblichen Gewerkschaftsmitglieder 7,6 Proz. des gewerlschaftlichcn Mitgliederbestandes. Das allgemeine Wachstum der gewerkschaftlichen Organisation, sowie das der weiblichen Organisierten zeigt nachfolgende Tabelle: Zahl ber Organisierten: männliche u. weibliche weibliche allein 1603 1964 1905 190« 1867 1963 zuiammen 887 668 1 652 108 1 344 863 1 686 785 1 865 506 1 831 731 überhaupt in Proz. 46 666 4.6 48 604 4.6 74 411 5.5 118 668 7.0 130 629 7,4 138 44» 7.6 Die für die weiblichen Mitglieder günstigere OrganisatiöNS. gcftaltung soll keine RuhebedürfniS auslösende Konstatierung sein. Sie soll vielmehr als Ansporn zu weiteren Erfolgen wirken, die nur durch ständige Arbeit erzielt werden können. Wohl ist die Frau ein noch spröderes Organisationsmaterial als der Mann, das hat jedoch historisch gewordene, nicht im eigent- lichen Wesen des MeibeS begründete Ursachen,— und die daraus entspringenden Hindernisse können und müssen überwunden werden. In Industrie, Handel und Verkehr allein sind nach der letzten Be» ruf�ählung über 2 Millionen weibliche Arbeitskräfte erwerbstätig. Da zeigt dem Blick sich noch ein ungeheures Brachland, das der ge- werkschaftlichen Beackcrung sehnsüchtig harrt; sind doch erst 6 Proz. dieser Kräfte dem Organisationsrahmen eingefügt. Warenhaus Wilhelm Stein 5 1 Berlin N* Chausseestrasse-70-71 Nach beendeter Reisesaison verabfolgen wir als besondere Vergünstigung von Mittwoch, den 11. bis Sonnabend, den 14. August incl. IPowelte SparmarBiei�' Wir geben sonst bei einem Einkauf von 1 Mk.«cCbirt 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch O€*17 XslCaA * Ausgenommen sind einige Artikel. den Inhalt tibrrntmmt die Redaktion fftt« der Inserate dattion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Mittwoch, den lt. August. Ansang 7 Uhr. Neues königliches Operutheater. Orpheus in der Unterwelt. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. EW Skandal in Monte Carlo. Lefsing. Die Dollarprinzesfln. Berliner. Ein Herbstmanöver. Serres. Sein Sündenregister. Nenes Schauspielhans. Mß Dudclsack. Komische Oper. Demimonde. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Lriltsvielhaus. Familie Schimck. Neues Operetten. Die Sprudelsee. Kleines. Moral. Westen. Der sldele Bauer. Schiller O. abends': LkUtt V0U htUtk.! ! Lebensbild mit Gesang u. Tanz.! , Ansang S Uhr. Enircc 30 Ps. ! sommerkarten haben Gültigkeit. ZoouicizcHkR CARTEtt Täglich; Großes Militär- Doppel-Konzert. 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Jeden Montag Elitetag, Spezia» litäten und Soiree der„Lustigen Sänger�. Bei Regenwetter Borstellung im großen Theater-Saal. IS HimiTISfl Variete Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater: D.nenenAugiist-Spczialitäten I Frei: Im Garten Konzert. Leben u. Treiben in, Traumland. Max Kliems Sommer-Theater M Festsäle Rudolf KrDger Hasenheide 13/16. �-Täglich:-MU KoDzert, Theater Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag Elitetag. Während und nach der Vorstellung Danzkrtlnzekea. Vereins- Brauerei Rlzdorf, Hermannsfr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. BW Täglich:-TO Gr. Militär-Konzert. Borzugökarte» haben wochentags Gültigkeit. Entree 15 Pf., EI.v«iiiin Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Strafte. BW Heute sowie täglich"Wg Im prachtvollen Naturgarten: Vorstellung abwechselnd von drei der bestreiiommiertesteil Söngergesellschlisteil. Kerlmer Prater-Theater! Kastanienallee 7—9. Täglich: i Han lebt Ja nnr einmal! j Havemanns grSBte Raubtierschule J d. Welt. Spezialität., Konzert, Ball. ( Ansang 41/, Uhr. 1 KMMVMM WVMWkWMMMM«! Brunnen-Theater Badstraße 53. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: Der Amerika-Sepp!. Bauernposse In 3 Akten von Manz. Kasseneröffnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Jungfrau von Kerlin. 12 erstklassige Spezialitäten. Charles and Fred. Ansang 4'/3 Uhr. Entree 20 Ps. Bauschule u.Technikum. Berlin C., Münzstr. 7, errichtet 1890. Hoch- und Tiefbau(4 Semester). Eloenbetonban! Spezialabteilung!. Steinmetz, Tischler und Schlosser. Tages- und Abendkurse. Programme kostenlos durch die 18792- Direktion. Bildhauer! Die nächste Versammlung am L0/l2 Donnerstag, den 12. August, fällt aus._ Der Vorstand. Zentralverband der Zimmerer. Zahlstelle Berlin nnd Umgegend. Donnerstag, den 13. d. M.. abends 8'L Uhr, im Gewerkschasts- haus. Engel-Ufer 15, Settenfl. I(Saal 7)� Zusammenkunft ausgesperrten Zimmerer aus Hamburg. bandsbllch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. der Verbandsbuch legitimiert. 254/14_ Täglich, auch Sonntags: Billige Dampfer- Extrafahrten nach Voigts Krampenburg s Berliner Alpen. Jannosrltzbrilcke vorm. 9 Uhr, nachm. 2 Uhr. Ca(6 Bellevue, Rummelsburg(2 Min. von Station Stralau-Rummelsburg, woselbst Anschluß an Stadtbahn, Nord-, Süd- und Vollring), vormittags 9«/, Uhr, nachm. 21/, Uhr. In den pllacrcichcn Wllldcrn viel Pfefterltngc nsw. 150L3* Reederei Xoblllng.__ Deutscher Holzarbeiter-Verband. —— Vcnvaltnng Berlin. Donnerstag, de» 13. August, abends 8°/, Uhr. im»Roscnthaler Hof", Rosenthalerftrafte 11/13: 88/3 MnM WmmWlq Her Slellmeler. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwalwng. m Ms! Arbeitsnachweis: Hos 1. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: CharitästraBe 3. Hof EH. Amt 3, 1987 Dmerslag, de» 12. Anglist 1909: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin i. Norden: 2. Norden: 3. Norden: 4. Moabit: to folgenden Lokalen: Bockbranerel, Chaussee ste. 64, abends 8'/, Uhr. Wllkes FestsiUe, Brunnenstrafte 188. abends S'/i Uhr. Frankes FestsiUe, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Mt-Moabit 46/47, Kronenbranerel, abends S'/i Uhr. Außer der sonstigen Tagesordnung: Bortrag über:»Staat nnd Gemeinde als Arbeitgeber." Referent: Stadtverordneter Paal Hirsch. Lokal„SUd-Ost", Waldemarstrafte 75. abends S'/i Uhr. Eltfln, Memeler Str. abends 8'/, Uhr. B 1 n m e, Alt- Boxhage» 56, abdS. 8'/, Uhr. 67. 5. Süden: e. Osten und Lichtenberg: ?. Stralau und Rummelsburg: 8. Charlottenburg: Volkshan», Rostnenstr. 3, abdS. 8'/, Uhr. s.Veslen und ScbSneberg: Vortrag: Die Alkoholfrage. Wieloch, Grunewald- ftrafte 110, abends 8'/, Uhr. Reserent: Kollege KOrlln. to. Blidorf:*""""»*•"■ n. Weißensee!«»oi»...,«.«-md- m- Vortrag bei Genoffen Ceko. 12. Tegel: sachon, Müllerstrafte 136,-bend» S's, Uhr. vnanflsn'«ottrvald, Restaurant Vorwärts, SchSnwalder 13. SstaUUäU. Strafte 80. abends 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen H. Hilpert. .. VHnonlalr* Oratkorrskys Gesellsehaftshans, aupCUlUR. Friedrichshagen. Fricdrichftr.69. abends 8'/, Uhr. is.»erccliiineweide: Vortrag des Kollegen Hartmaan. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zur General- Versammlung am 30. August. BW Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt!"WQ lönfjcttfl mrdtv{u ditsell Versammtmigen nicht verschickt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Scklosser. Donnerstag, den 12* August, abends 8 Uhr: Ncrlrl»le»gMli»ncrl!l»isercn! der Schlbsser in Meiers Festsälen, Sebastianstr. 3S. 12t /12__ Die OrtSverwaltnng. Deutseher Buchbinder-Terband. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 13. August 1909, abends 8 Uhr, im grogen Saa) des EtabliffcmeutS„Zlrminhallen». Kommandantenstr. 58/59: � General-Versammlung.» TageS-Ordnung: l. Geschäfts- und Kassenberichte. 2. Wahl eines Revisors der Verbandskasse. 3. Wahl zweier Revisoren. 4. Verbandsangclcgcnheitcn und Verschiedenes. L4/d Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt! Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltung. tverantMrtlicher Siedaktsur: HgUS Weber. Lkllilb Lür dev Sniergtevteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts lvuchdrulkerei».BerlagSanstalt Paul Singer& do,, Berlin SW, it. 185. 26. mm 2. Keilte des Lomilrls" Betliner WldsdlM.«».».«. Heute flilttwocl): ZdS)ldbend in Groß--Berlin. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis, 3. Abteilung(Friedrichstadt). Der Zahl- morzcn für die Buchdruckerci-Nachtarbeitcr findet am Sonntag, den 15. August, früh 6 Uhr, bei I. Meyer, Oranien- straße 103. statt. Z findet Jake_______________„ A d a l b e r t st r. 63, statt. Am Sonntag, den 15. August, findet ein Ausflug mit Familie statt. Treffpunkt früh 10 Uhr Station Eichkamp. Für Dienstag, den 17. August, ist eine Versammlung für F r a u e n in Aussicht genommen. Dieselbe findet im„Märkischen Hof' statt. Referent und Tagesordnung werden noch bekannt gegeben Der Vorstand. Achtung! Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 15. August, vormittags S>/z Uhr, findet bei dem Genossen MerkowSki, Andreas straffe 26, eine Sitzung polnischsprechender Mitglieder unseres Wahl- Vereins statt. Da es sich um wichtige Angelegenheiten handelt. ersuchen wir sämtliche polnischen Genossen daran teilzunehmen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Charlottenbnrg. Die SammeUisten Nr. 7680— 7700 zur Deckung der Unkosten für die LandtagSwahl 1909 sind verloren gegangen. Die Listen, welche sämtlich leer waren, bitten wir bei Vorzeigung anzuhalten. Der Vorstand Erkner. Heute, Mittwoch, den 11. August: Mitgliederversamm- lung des WahlvcreinS. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreis- geiicralvttsanunlung. 2. Wahl eines Delegierten zur Kreisgeneral Versammlung. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegen heilen. Der Vorstand. Rcinickcntorf-Ost. Die Bibliothek deS Wahlvereins bleibt der Erweiterung und Neuordnung wegen kurze Zeit geschlossen. AuS geliehene Bücher bitten wir bis spätestens Sonntag, den 15. August, zurückzugeben. Die Bezirksleitung. Lerttner Nachrichten. Ei» Erholungsheim. Bei A l t- D ö b e r n in der Niederlausitz gibt es eine Pflege anstatt, die sich„Erholungsheim" nennt. Sie ist untergebracht auf dem Grundstück des Krankenhauses für den Kreis Kalan, gilt ober als besondere Anstatt und nimmt nur Mädchen und Frauen auf. Die Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg benutzt das Heim, um weibliche Versicherte, die chronisch krank sind oder eine akute Erkrankung überstanden haben, eine Erholung?- bczw. Genesungskur durchmachen zu lassen. Die Ab ficht ist gut, aber der Erfolg deS Aufenthaltes in dieser Pflegeanstalt wird leider beeinträchtigt durch allerlei Mängel und Miffstäude, bw von dort verpflegten„Heimchen"— so werden die Insassen deS HeimS genannt— als drückend empfunden worden sind. Tie Klagen, die uns vorgetragen und von einer ganzen Reihe nach Hause zurückgekehrter Heimchen bestätigt worden find, richten sich teils gegen die Einrichtungen der Anstalt, teils gegen die leitenden Personen. Die A n st a l t wird un§ so geschildert, daff unS die Bezeichnung „ErhottmgShcim" in der Tat ein biffchcn fragwürdig erscheint. ES fehle vor allem an der Möglichkeit, in ausreichenden Parkanlagen sich jederzeit frei ergehen zu können. Der vorhandene„Garten" sei klein und eng, zu eng für 40—50 Heinichen, einen Teil davon nehme noch eine zum Kraukenhaus gehörende Baracke für Männer ein, der Rest sei besetzt mit wenigen Bäumen nnd Sträuchern. Dafür habe aber das erholungsbedürftige Heimchen in nächster Nähe den Schweinestall sowie eine unbedeckte D u n g g r u b e, so daff der Gestank aus Grube und Stall die Luft verpeste. Was an sonstigen Erholungsstätten vorhanden sei, könne nur unter Aus ficht benutzt werden. Spaziergänge durch den benachbarten Park des Grafen von Witzlcben, deS Vorsitzenden vom AnstaltSkuratorium, sowie durch den nahen Wald seien zumeist nur in Begleitung von Anstaltsschwestern gestattet. Bezüglich deS Parks, der ja Privad besitz ist, wird das manchem vielleicht noch begreiflich scheinen. Dagegen fehlt jede Erklärung dafür, daff auch Spaziergänge durch den Wald unter Auf sich! gestellt werden. Unter den Heimchen erzählt man sich, früher sei das anders gewesen, bis einmal der Herr Orts Pfarrer, dein zugleich das Seelenheil der Anstaltsinsaffen anbefohlen ist, einen Insassen deS Männerkrankenhauses mit einem Heimchen im Walde spazierend angetroffen habe. Seitdem sei man nach Kräften bemüht, Männlcin und Wciblein vor den Gefahren solcher einsamen Spaziergänge zu behüten. Von den Massenspaziergängen, an denen in der Regel 40—50 Personen beteiligt seien, wird uns gesagt, daff man sie wahrlich nicht zu den Hochgenüssen zählen dürfe. Indes, die Anstatt hält für die Heimchen noch andere„ErholungS- mittel' bereit. Da ist vor allem die Beteiligung an den täglichen Arbeiten, die der Betrieb einer solchen Anstalt mit sich bringt. Die LandeSversicherungSaustalt sieht hierin nicht nur ein Erholnngsmittel, sondern geradezu ein Heilmittel. In den Ver» haltungsmaffregeln, die sie den Heimchen vor Aufnahme in die An- statt überreicht, findet sich der Satz:„Die Patienten des Erholungs- Heims werden nach ärztlicher Verordnung lediglich im Sinne der Ergänzung der anderen Heilmittel zu leichter Haus- nnd Garteuarbeit herangezogen." Heimchen haben uns nun ver- sichert, daff die ihnen zugemutete Arbeit ihnen keineswegs leicht geworden und von ihnen wirklich nicht als ein ergänzendes Heilmittel empfunden worden fei. Es fei ein so bcdculendcr Teil der notwendigen Arbeiten von Heimchen ausgeführt worden, daff die Anstalt nicht mehr viel für bezahltes Personal habe aufzuwenden brauchen. Fast jedes Heimchen sei dazu angehalten worden, irgendein„Amt" zu über- nehmen: den Tisch zu besorgen, das Geschirr abzuwaschen, den Saal zu reinigen, die Bäder herzurichten usw. usw. Der Dienst l Badcranm wird uns als ganz besonders schwer geschildert, weil manchmal eine beträchtliche Zahl von hintereinander Badenden zu bedienen gewesen sei. Ebenso wird unS über den Tisch- d i e nst gesagt, er sei für schwächliche Heimchen geradezu eine Strapaze gelvcscn. Im Garten mitzuarbeiten, z. B. Un- kraut zu jäten, Kartoffeln zu stecken usw., galt nicht als besonderes Amt, sondern als eine Tätigkeit, an der sich möglichst jeder zu be- tciligen habe; doch wurde die gewünschte allgemeine Beteiligung allerdings nicht durchgesetzt. Auch die Aufgabe, Wäsche auszubessern und— Strümpfe der im Krankenhause liegenden Männer zu stopfen, gehörte zu den ergänzenden„Heilmitteln", die man womöglich jedem Heimchen zugute kommen lassen wollte. Wundern muff man sich hier, daff nicht in der Beschäftigung mit Männerstrünipfen eine Gefahr sur die Sittlichkeil der Heimchen gesehen wurde. Die Leitung diese? Erholungsheims liegt Haupt- sächlich in den Händen zweier adeliger Fräulein, einer Schwester Klara v.Nibelschütz und einerSchwester Elsev.Redern. Diese Damen sollen ihre Art, mit den Heimchen umzugehen, hergeholt haben aus einem Erziehung?- hause, in dem sie früher tätig gewesen seien. Die fortwährende Bevormundung, wie überhaupt die ganze Disziplin erinnere, so klagte unS ein Heimchen, an Anstalten, die den Zweck haben, Mädchen vor sittlicher Verwahrlosung zu behüten. Selbst harmlose Fröhlichkeit soll manchmal streng gerügt und als„unanständig untersagt worden sein. Auch eine tüchtige Portion Frömmigkeit gehört zu den Mitteln, mit denen die adligen Damen des Erholungsheims ihre Heimchen behandeln. Morgew andacht, Gebet vor untr nach den Mahlzeiten, Abende andacht— das ist dort Zugabe zum täglichen Brot. Am Sonntag geht's nach der Ortskirche, wo am Gottesdienst teilgenommen wird. Wer das nicht tut, der bekommt einen zarten Wink, sich zu den— Männern des Krankenhauses hinüber zu begeben, um an dem dort abgehaltenen Gottesdienst teilzunehmen. Gottesdienst und Gebets- Übungen gelten den. leitenden Schwestern des Erholungsheims offen- bar als unentbehrliche Anregungen. Dagegen scheinen Besuche Angehöriger dort nicht gern gesehen zn sein, wenigstens soll eS auS solchen Anlässen schon Verdruß gegeben haben. Warum all diese Klagen dem„Vorwärts" vorgetragen wurden? Weil manche Heimchen sich wenig davon versprechen, sie der Leitung des Erholungsheims oder dem Vorstand der Ver- sicherungSanstalt vorzutragen. Im Interesse der Kranken, die in solchen Anstalten gesund werden sollen, kann der Versicherung? anstatt nur empfohlen werden, sich derartige Erholungsstätten recht oft und möglichst genau anzusehen. Nur einwandfreie An- stalten können einen vollen Erfolg bringen. Ein Heimchen deS von uns geschilderten Erholungsheims soll zur Landes Versicherungsanstalt gegangen sein und sich vorgestellt haben mit den Worten:„Schauen Sie mich mal an. ich komme auS Alt-Dölern I Sehe ich so aus!'_ Gegen Autofallen» Der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Minister des Innern haben eine ganz verständige Verfügung erlassen, die im letzten Ministerialblatt abgedruckt ist. Wiederholt haben wir be- richtet, daff es Beamte gibt, deren Gebaren beweist, daff es ihnen nicht auf eine Fürsorge zu besonnenem Fahren von Automobilen, sondern vielmehr auf Abfassen vielleicht zu schnell fahrender Chauffeure und recht viel Anzeigen ankommt. Insbesondere in der Nähe von Krümmungen des Weges und bei ettvas abschüssigen Stellen lauerten sie hinter einem Baum versteckt auf'die arglosen Opfer ihrer Anzeigcmanie. Derartige Stellen pflegt man als Autofallen zu bezeichnen. Die genannten Minister haben gegen diesen Unfug, der lediglich Scheercrcien für Chauffeure ohne irgend einen Vorteil für das Publikum nach sich zieht, sich in einer Verfügung gelvendet, deren Inhalt dahin geht:„Wiederholt ist bei uns Klage über das Verfahren geführt worden, welches die polizeilichen Exekutivbeamten angeblich an manchen Orten an- wenden, wenn sie der Ansicht sind, daff Kraftwagenführer sich nicht innerhalb der' vorgeschriebenen Echnelligkcits- grenzen halten. Die Beamten vermeiden es dann, ivie behauptet wird, de? öfteren mit voller Absicht, sich zu zeigen oder die Insassen des Kraftwagens darauf aufmerksam zu machen, daß sie Strafanzeige zu erstatten beabsichtigen. Ein solches Verhalten würde nur geeignet sein, Bestrafungen herbei- zuführen, nicht aber Uebcrtretuiigen vorzubeugen. Auch ist zuzugeben, daff es den Automobilisten, wenn sie von der behaupteten Zuwiderhandlung erst durch die oft nach längerer Frist eingehende Strafvcrfügung Kenntnis erhalten, praktisch nahezu unmöglich gemacht wird, sich der zulässigen Rechtsmittel mit Erfolg zu bedienen, selbst wenn sie sich einer Uebertretung nicht schuldig ge- macht haben. Wir erachten es deshalb für zweckmäßig, daß die Beamten in ähnlicher Weise, wie dies in anderen Ländern dem Vernehmen nach mit ausgezeichnetem Erfolge geschieht, die Insassen der Kraftwagen, welche die SchnelligkeitSgreuze zu überschreiten scheinen, soweit eS nach Lage deS einzelnen Falles angängig ist, durch Erheben des ArmeS, durch Abgeben eines Signals mit einer weithin hörbaren Pfeife oder dergleichen darauf aufmerksam machen, daß das Automobil nach Ansicht des Beamten zu schnell fährt. Ein solches Verhalten der Beamten wird voraussichtlich zugleich das im öffentlichen Interesse höchst tviinschenSwerte Ergebnis haben, daß diejenigen Automobil- sahrer, welche den guten Willen haben, sich im Nahmen der gesetz- lichen und polizeilichen Vorschriften zu halten, sich warnen lassen und weitere Uebertretungen vermeiden werden. Noch zweckmäßiger wäre eS, endlich dazu überzugehen. Schnellig- keitSmesser in den Autos anzubringen. Dadurch würden viele ungerechte Urteile gegen Chauffeure vermieden. Heute ergehen Be« strafungen fast ausschliehlich auf die wenig zuverlässigen Schätzungen von Beamten über die Geschwindigkeit. - Ueber Mißstände, die dringend einer Abhilfe bedürfen, wird unS von Anwohnern des Georgkirchplatzes berichtet. Der Kirche gegenüber befindet sich ein Neubau, den die Firma Held u. Franke in Auftrag hat und in dem nach Fertigstellung Kirchenbeamte und Schwestern Wohnung nehmen sollen. Anfang des Jahres 1905 wurde nun schon der frühere alte Bau abgerissen, nach zwei Jahren aber erst die Baustelle ausgeschachtet und nach weiteren zwei Jahren endlich mit dem Reubau begonnen. Die Vollendung des Baues braucht jedoch erst aitt 1. Juli 1910 zu er- folgen. Die Anwohner find nun der Meinung, daß dies viel früher geschehen könne, da zumal bei der großen Arbeitslosigkeit täglich Arbeiter bei diesem Bau anzukommen suchen. Das schlimmste aber ist der Umstand, daß schon seit Wochen der Neubau völlig stille liegt, angeblich der Steine wegen, die mit den zur Kirche verwendeten übereinstimmen sollen, und der Verkehr in der engen Passage durch den weitvorgeschobenen Bretterzaun äußerst beein- trächtig! ist. Kommen die Hochzeitskutschen und andere Fuhrwerke ange- fahren, so geraten die Kutscher oft hart aneinander und Zusammen- stoße sind unvermeidlich. Wir haben uns selbst überzeugt, daß die beiden Engpässe, die durch den Zaun gebildet werden, wirklich nicht geeignet sind, einen geregelten Verkehr sich abwickeln zu lassen. Die Anwohner sind der Meinung, daß die Polizei, die doch sonst in Verkehrsfragen unnachsichtlich vorgeht, auch einmal mit der Firma Held u. Franke ein ernstes Wort reden könnte. Ferner sollen sich auch in anderer Hinsicht auf diesem Platze un- erquickliche Verhältnisse herausgebildet haben, indem dort zahl- reiche Mädchen des Abends unter Assistenz ihrer Beschützer ihrem traurigen Erwerbe nachgehen. Es sollen sich dort abends nicht wiederzugebende Szenen abspielen und anständigen Frauen soll es nicht möglich sein, in dieser Zeit den Platz zu passieren, wollen sie nicht Gefahr laufen, in der unflätigsten Weise belästigt zu werden. Alle Klagen sind bis jetzt wirkungslos verhallt. Diese Zustände sind um so schlimmer, als der Platz abends sehr mangel- Haft beleuchtet ist und fragwürdige Elemente somit in ihrem Treiben begünstigt werden. Auch fehlt es an einem Pissoir, was im Gefolge hat, daß alle derartigen Bedürfnisse frei und ungeniert allerwegen verrichtet werden. Es wäre Wohl an der Zeit, daß die Behörden diesem Platze ihre erhöhte Aufmerksamkeit schenkten und dafür sorgten, daß die Anwohner dieser Gegend für ihre Steuer denselben Schutz und dieselbe Fürsorge genießen, wie die Bewohner anderer Stadt- viertel. Beim fiskalischen Exerzierplatz zur einsamen Pappel ist endlich der das gesamte dortige Stratzenbild verschandelnde Lattenzaun, von dem zuletzt nur noch die Hälfte stand, gefallen. Lange Jahre hat es gedauert, bis der Militärfiskus die Notwendigkeit einsah, hier etwas zu tun. Daß das weite Gelände wieder eingezäunt wird, ist nicht zu befürchten. Wir brauchen auch an dieser Stelle keinen Exerzierplatz, sondern viel nötiger eine große Erholungs- stätte für die dichtbevölkerte Schönhauser Vorstadt. Es heißt zwar immer, daß der Fiskus den Platz nicht entbehren kann. Das ist ein praktischer Grund für die Preissteigerei, wenn die Stadt Berlin mal das Gelände erwerben möchte. Sie wird natürlich wieder so lange zaudern, bis Privatspekulanten das Geschäft machen. Ein Wüstling wurde gestern in einem Kinematographentheatcr in der Potsdamer Straffe in dem 51 Jahre alten Sattler Rudolf Schwarz verhaftet. Der schon dreimal wegen an Kindern be- gangener Verbrechen gegen die Sittlichkeit mit Zuchthaus bestrafte Sünder wagte sich an drei kleine Mädchen in dem nur mit ge- dämpftem Licht versehenen Raum heran. Durch das Geschrei der Kinder wurde die Aufmerksamkeit auf den Verbrecher gelenkt, so daß er festgenommen und abgeführt werden konnte. Vom Hitzschlag getötet wurde vorgestern mittag der 62jährige Molkereibesitzer Wilhelm Protzen aus der Adalbertstraße 88. P. befand sich mit seinem Gespann auf dem Gute Wartenberg bei Weißensee, um dort für seine Kühe Gras zu holen. Während er mit dem Aufladen des Futters beschäftigt war, ereilte ihn in der großen Mittagshitze der jähe Tod. Die Leiche des P., der eine Frau und vier erwachsene Kinder hinterläßt, wurde noch im Laufe des Nachmittags nach Berlin gebracht. Zwei Opfer hat der Schwimmsport am vergangenen Sonntag gefordert. Mehrere Ausflügler hatten den romantisch gelegenen Teufelsseee bei Freienwalde besucht, um dort zu baden. Unter ihnen befand sich auch der 60 Jahre alte Kaufmann S. Kaum hatte der Kaufmann die Mitte des Sees erreicht, als er plötzlich lautlos unterging. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Die Leiche konnte erst am späten Abend geborgen werden.— In der Oberspree bei Köpenick hatten mehrere junge Leute aus Berlin gebadet. Einer der Schwimmer wagte sich zu weit in den Fluß hinein und hier verließen ihn die Kräfte. Der Gefährdete rief laut um Hilfe, doch sank er, wiewohl sofort Rettungsversuche unternommen wurden, alsbald unter und er- trank. Die Leiche konnte noch nicht gelandet werden. Eine Zehnpfennigpost nach den Bereinigten Staaten von Amerika geht wieder von Cuxhaven am 42. August ab. Sie benutzt den an diesem Tage abgehenden Dampfer„Amerika". Die letzten Bahnposten für die Zehnpfennigbriefe für diese Dampfer geht von Berlin am 11. und 12. mitternachts 12,00 von Köln, Magdeburg 12,17, von Osnabrück 3,21, von Hannover 3.37, von Hamburg 3,00. Zwanzigpfennigbriefe und alle anderen Arten von Vriefsendungen werden dem Dampfer noch in Southampton oder Cherbourg zu- geführt. Die letzte Bahnpost nach Cherbourg geht von Köln 6,01 abends, nach Cherbourg von dort 10,45. Zwanzigpfennig- briefe und alle anderen Vriefsendungen, die diese Anschlüsse ver. säumen, gehen ebenfalls nach Southampton und Cherbourg. Sie werden dort dem fälligen Dampfer der American-Linie übergeben. Die letzte Bahnpost nach Southampton geht in diesem Falle von Köln am 13., abends 6,01. von Hannover 3,36, nach Cherbourg von Köln 10,45. Der deutsche wie der fremde Dampfer sind beide am 21. August in New Uork fällig. Vom Straßenbahnwagen gestürzt und schwer zu Schaden ge- kommen ist am gestrigen Dienstag mittag der Friedrich-Karl-Platz 15 wohnende Fabrikarbeiter Wilhelm Vannier. Er hatte gegen 1lii2 Uhr einen Wagen der Straßenbahnlinie P der Berlin-Charlottenburger Straffenbahn benutzt und stand auf den, Vorderperron. In der Nähe des Zoologischen Gartens wurde V. plötzlich ohnmächtig und stürzte kopfüber von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen herab. Er fiel so unglücklich, daff er eine schwere Schädelverletzung davon- trug. Der Verunglückte wurde zunächst nach der nahen Unfall- statron gebracht, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde, und alsdann nach dem Krankenhause übergeführt. Beim Spielen ertrunken ist gestern ein bisher unbekannt ge- bliebener Knabe. Am Südufer, gegenüber dem Hause 17/18. spielte er mit anderen Kindern, lief in den Spandauer Schiffahrtskanal und ertrank. Obgleich auf das Geschrei der Spielgenossen Schiffer den Knaben zu retten versuchten, versank er vor ihren Augen.— Ein ähnlicher Fall ereignete sich gestern vormittag am Nordufer. Dort stürzte der neunjährige Arbeitersohn Bruno Krause aus der Torfstraße 10 in den Kanal und ertrank. Der Knabe tummelte sich mit Altersgenossen am Nordufer unweit der Torfstraßen. brücke. Durch einen Stoß, den er von einem anderen Knaben erhielt, verlor er das Gleichgewicht und stürzte in den Schiffahrts- kaual. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. An der gleichen Stelle haben sich erst in jüngster Zeit wiederholt ähnliche Vorfälle abgespielt, was hier auf die große Zahl der hier unbe- aufsichtigt spielenden Kinder sowie aus die ungenügende Ufer- einfassung zurückzuführen ist. Durch kochende Milch wurde der zwei Jahre alte Sohn der Tischler Krollschen Eheleute aus der Danziger Straße 76 ver- brüht. In der elterlichen Wohnung hatte die Mutter Milch ab- gekocht. Das Kind stieß in einem unbewachten Augenblick das Gefäß um, und der siedend heiße Inhalt ergoß sich über den Knaben, der so schwere Brandwunden davontrug, daß er nach einem Krankenhaus gebracht werden mußte. Dort ist das Kind der Verbrühung erlegen. Eine brave Tat vollbrachten vorgestern abend zwei Passanten am Tegeler See, als sie bemerkten, daff der ISjährige Knabe Erich Fahrich, Liebcnwalder Str. 55 wohnhaft, der dort badete, in den Fluten versank. Unter eigener Lebensgefahr sprang zunächst der Schutzmann Gerstenberger zu Hilfe; kurz darauf, als der Schul- straße 11 wohnhafte Willi Scholtz sah, daff G. in Gefahr war, sprang auch er hinzu. Durch gegenseitige Unterstützung gelang eS nun beiden nach anstrengenden Bemühungen, den, Knaben zu retten. Die Leiche eines Berliners wurde vorgestern auö der Ober- Havel bei dem Dorfe Wust in der Nähe von Brandenburg auf- gefunden. AuS Papieren, die der Tote hei sich führte, konnte fest- gestellt werden, daß es sich um den 30 Jahre alten Necdereiange. stellten Attur Wenzel aus Berlin handelt, der am Sonntag vor »Ht Tagen bei Klein-Kreutz von bem Berliner VergnugüngS. Kämpfer„Expreß" abgestürzt und ertrunken war. Im Bernhard R»se-Theater findet am Donnerstag, den 12. d. Mts., die Erstaufführung des Lustspiels„Der Tamhusar" von Harry Pohlmann statt. Feuerwehrbericht. Der erste Zug der Berliner Feuerwehr hatte m der Barnimstratze 12 zu tun. wo Papierabfälle und ein Wagen auf dem Hofe brannten. Am Halleschen Ufer 23 stand Teer und ein Dach in Flammen, die durch Aufwerfen von Sand erstickt wurden. Preßkohlen brannten Hochmeister- st raste 1, und Betten, Möbel usw. in einer Wohnung in der Torfstraste 14. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Dan- ziger Straße Nr. 25, Lübecker Straße, Spenerstraße s? und anderen Stellen alarmiert. Vorort- JVadmcbten. Rixdorf. Gustav Ostcrman»-st. Wieder hat der Tod einen wackeren Kämpen aus unseren Reihen gerissen: den Stadtverordneten Genossen Ostermann. Der im Alter von V2 Jahren Verstorbene war einer von denen, die mit Feuereifer und Arbeitsfteudigkeit allezeit auf vorgeschobenem Posten stehen und rastlos im Dienste der Arbeiter- bewegnng die schwersten Pflichten erfüllen. DaS war unter dem Sozialistengesetz der Fall, das hat Ostermann aber auch sonst treu gehalten. So ist es durch seine Mitarbeit möglich gewesen, den Grundstein für die Parteispedition zu legen; mit den unzulänglichsten Hilfsmitteln hat er sich damals erfolgreich gemüht, den Rixdorfer Ge- nassen in frühester Morgenstunde ihren„Vorwärts' zu liefern. Er genast daher auch das Vertrauen der letzteren im weitesten Maße; denn er saß sowohl in der Stadtverordnetenversammlung von der Stadt- werdung RixdorfS an als auch vordem bereits Jahre hindurch in der Gemeindevertretung. Unsere Stadtverordnetenfraktion verliert in ihm ihr ältestes Mitglied. Die Bestattung Gustav Ostermanns ist auf heute Mittwoch. nachmittags 3 Uhr. festgesetzt und findet von der Totenhalle des städtischen Friedhofes am Mariendorfer Weg aus statt. Diejenigen Genossen,� welche dem Verstorbenen das letzte Geleit geben wollen, treffen spätestens bis 2 Uhr bei Hoppe, Hennannstr. 49, zusammen. Beim Sturz von der Treppe lebensgefährlich venmgückt ist vor- gestern der 61jährige Maurer Drühmer. Er wollte gegen 11 Uhr abends seine in der Wanzlilstraste Iß belegene Wohnung aufsuchen. wobei er eine neu augelegte Treppe passieren»mstte. die im Roh- .au fertig gestellt ist. aber kein Geländer hatte. D. stürzte ab und tel so unglücklich, dost er einen komplizierten Schädelbruch, eine ; Zerschmetterung des Unterkiefers, sowie schwere innere Ver- etzuugen erlitt. Er wurde»ach dem Krankcnhause in der Tanner- traste gebracht, wo er in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Ein aufregender Vorgang hat sich am Sonntagabend im Hanse Pannierstr. 11 abgespielt. Dort hat das achtjährige Töchterchen Elly des Arbeiters Tange beim Gaöanznnden derart schwere Brnndwunden glitten, daß an feinem Aufkommen gezweifelt wird. Die Eltern ves Kindes befanden sich bei einem Erntefest von Laubcnkolonisten. Die kleine Elly übernahm es. mit dem Bruder der Portierfrau die Gaslampcn auf der Treppe anzustecken. Dabei hantierte sie mit dem Anzünder so unglücklich, däst ihre Mütze Feuer fing. Bald brannten die Kleider des armen Kindes lichterloh. Ehe Hilfe kam, hatte daö Mädchen furchtbare Brandwunden am ganzen Körper erlitten. Das fast völlig verbrannte Kind wurde ins Krankenhaus gebracht. Schönederg. Das Steiierbriiigesystem hat in Arvcitcrkreisen schon Anlast zu lebhaften Beschwerden gegeben. Da die KaffenburcauS nur bis S Uhr und die Banken bis ö Uhr geöffnet find, so liegt eS im Interesse vieler Steuerzahler, wenn die Möglichkeit gegeben ist. dast vom 14. bis 16. jedes zweiten Monats im Ouartal in den Abend- stunden von 6 bis g Uhr die fälligen Steuern in einem besonderen Bureau in Empfang genommen werden. Der Arbeiter brauchte dann nicht, wie es jetzt häufig der Fall ist, die Arbeit versäumen oder was auch des öfteren geschieht, Mahngebühren zu zahlen. Bei Neueinrichtungen ist auf alle Teile der Bevölkerung, also auch auf die Arbeiterschaft, eine gewisse Nüdstcht zu nehmen. Sich und ihr 2�, jähriges Töchterchen zu töten versuchte eine Frau in der Kranachstraste. NachbarSIeute nahmen Plötzlich eine» starken Gasgeruch wahr und holten sofort einen Schlosser herbei. Als dieser, die Tür öffnete, wurde Mutter und Kind bereits bewustt- los vorgefunden. Einem sofort hinzugezogenen Arzte gelaug eS, beide wieder ins Bewußtsein zurückzurufen, sodast die Hoffnung be- steht, sie am Leben zu erhalten. Der Grund der Tat soll in Familienzwistigleiten zu suchen sein. Eharlottenbnrg. Das Kaufmannsgericht beschäftigte sich im Jahre 1908, in seinem vierten Geschäftsjahr, mit 463 Streiföllen. Gegen das Lorjahr sind es 63 mehr. Im Vorjahr betrug die Steigerung je- doch 14ö oder 66 Prozent. Von den 468 Klagen wurden 16 von Kaufleuten gegen ihre Gehilfen erhoben, während insgesamt 452 Angestellte gegen die Arbeitgeber klagten. Von den 16 Klagen der Kaufleute betrafen 8 die Einforderung einer Konventional« strafe und 4 die Rückforderung von Spesen, und Provisionsvor- schüssen. Dagegen klagten aber 267 Angestellte ihre„Prinzipale" wegen rückständiges Gehalt oder Provision und Spesen an, und in 2l4 Fällen verlangten Gehilfen oder Gehilfinnnen einen Schaden- ersatz wegen vorzeitiger Entlassung. Unter den klagenden Ange. stellten, die insgesamt 475 zählen, waren 169 Handlungsgehilfinnen, die zumeist als Verkäuferinnen(96), Kontoristinnen(36) oder als Buchhalterinnen(26) tätig waren. Dagegen stellten bei den männlichen Klagenden den Hauptteil die Reisenden, nämlich 91. Dann folgten die Verkäufer, Buchhalter, Geschäftsführer usw.— Die Beträge, um welche sich die einzelnen Klagen drehten, bewegen sich in ihrer Höhe zwischen 1.19 M. und 22 250 M.I Doch zumeist sah die Sache weniger gefährlich aus und von 463 Klagen betrafen 29?, Summen zwischen 50 bis 800 M. Zudem wurden auch die meisten Sachen(190 durch Zurücknahme der Klage, durch An- erkenntnis oder durch einen Vergleich erledigt, während sich 49 Beklagte einfach gar nicht beim Gericht einfanden und daher ohne vi-i- Geschichten verurteilt wurden. Durch kontradiktorisches Urteil murden nur 10 Fälle erledigt, worunter auch noch 9 Klageabwei- sungen waren. In 75 Terminstagen wurden die Klagen behandelt. Der Vor- sitzende übernahm 55 Tage; für das aus 4 Beisitzern gebildete Spruchgericht blieben 20 Tage. An einem Tage erledigten der Vorsitzende und das Gericht durchschnittlich je 14 Sachen. Also so stark wie beim Gewerbericht ist hier die Fülle der Klagesachen nicht. Die meisten Klagen wurden innerhalb zwei Wochen erledigt, näm- lich 322; nur 63 dauerten 1 Monat und länger. Aber auch bei diesen Klagen, die aus kaufmännischen Kreisen kamen, machte sich ein starker Mangel an Kenntnis der notwendigen Voraussetzungen einer Klageschrift bei den Klagestellcnden bemerkbar, so daß 214 Klagen oder 46 Prozent zum Protokoll der GereichtSschrciberei ge. teben wurden und von den schriftlich eingereichten Klagen die Mehrzahl zur Vervollständigung zurückgeschickt werden mußte. Der Vorsitz und die Leitung deS Kaufmannsgerichts ist die- selbe wie beim Gewerbegericht. An der Verbandsversammlung oeutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte im Juni 1908 nahm das Gericht ebenfalls teil. An den Polizeipräsidenten wurde der Antrag gerichtet, daß „fortab vor Festsetzung der Ausnahmetage auf Grund der§§ 130c und d der Gewerbeordnung daS Kaufmannsgericht gehört werden möchte und dast für das Jahr 1909 die Ausnahinetage auf sieben Tage vor dem 2-4. Dezember und den Sonnabend vor Ostern und zwei Sonnabende vor Pfingsten zu beschränken seien".-- Ferner soll in die Reichsgewerbeordnüng. der§ 153a eingefügt werden:„Den Arbeitgebern ist untersagt, Angestellte durch Verabredungen irgendwelcher Art wegen der Zugehörigkeit zu Vereinigungen um ihre Stellungen zu bringen oder sie an der Erlangung einer neuen Stelle zu hindern. Die Strafbcstimmungen des 153 der Gewerbe- ordnung finden Anwendung."— Diesem recht erfreulichen Be- schluß, der einstimmig gefaßt wurde, schloß sich folgender Antrag an, nach dem es in dem Artikel 3 des Einführungsgesetzes zur Zivilprozeßordnung vom 17. Mai 1898 heißen soll:„daß nur ein Drittel des 1500 M. übersteigenden Gehaltsbetrages der Pfändung unterworfen wird, sofern tatsächlich 1500 M. Jahreseinkommen bereits verdient sind oder nach rechtlichen und gewöhnlichen tat sächlichen Verhältniffen erwartet werden können". Die Charlottenburger Feuerwehr wurde am Montag zweimal nach der Kalckreuthstr 10, Ecke Motzstraste, alarmiert, wo beide Male Preßkohlen im Laden eines Kohlenhändlers brannten und ein junger Mann bewußtlos aufgefunden wurde, der sich aber bald Wiedener- holte. Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell löschen. Steglitz. Die Sitzung der Gewerkschaftökommission beschäftigte sich in der Hauptsache mit den Wahlen zum Gewerbegericht. Dieselben finden am Sonntag, den 15. August, mittags von 1 2—2 Uhr, im Rathaus, Zimnier Nr. 21, statt. Es wurde beschlossen, an dem- selben Tage vormittags eine Flugblattverbreituug vorzunehmen. Der Schriftführer Genosse Fenstke hat wegen Krankheit seinen Posten niedergelegt; an seine Stelle wurde der Genosse Reinhold Gruner, Maurer, gewählt. Für die im Generalstreik stehenden schwedischenGenossen wurde ais erste Rate die Summe von 100 M. bewilligt, eine weitere Rate folgt nach Eingang der ausgegebenen Sammellisten. Die Ge- »offen, welche Listen in Händen haben, werden gebeten, dieselben sobald wie möglich mit dem Kassierer Genoffen Heinrich Pöhl- ni an». Friedenau, Kirchstr. 8, linker Seitenflügel I. abzurechnen. Der JugendauSschuß veranstaltet vom Sonnabend zum Sonntag eine Nachtpartie. Auster der Jugend ist auch die erwachsene Arbeiter- schatt zu dieser Veranstaltung eingeladen. Treffpunkt Sonnabend abends 10 Uhr im Restaurant Nähter. Marlsteinstraste 1. Zurück- kunft in Steglitz Sonntag früh zirka 8 Uhr. Weifzenfee. Die Gemeindevertretung nahm in ihrer letzten Sitzung die Wahl von 36 Mitgliedern resp. Stellvertretern für die Voreinschätzungs- kommission nach einer Vorschlagsliste vor. Ebenso wurden die Mit- glicder für das Kuratorium der gewerblichen Fortbildungsschule wiederum auf 3 Jahre bestätigt. Dem Kuratorium gehören als Gemeindebertreter Genosse Taubmann, als Arbeitnehmer die Genossen Fuhrmann und Schmädicke an. Eine ausgedehnte Debatte nahm die Abänderung einiger Bestimmungen der Ordnung für die Erhebung von Gemeindesteuern beim Umsatz von Grundstücken im Bezirk der Gemeinde Weistensee in Anspruch. Seit einiger Zeit haben die Grundstücks- spekulanten eS meisterhaft verstanden, sich um die Umsatz- und Wert- zulvachssteuern zu drücken, indem sie Gesellschaften mit beschränkter Haftung gründeten und auch mit Scheinofferten operierten. Jetzt werden die Erben eines Grundstücks zu dem vollen Umsatz resp. Wertzuwachs herangezogen, was nach dem alten Statut nicht mög- lich war und der Gemeinde dadurch ganz beträchtliche Summen verloren gegangen sind. Wie nicht anders zu erwarten, waren einige Haus- und Grundbesitzer von der Zweckmäßigkeit dieser Lenderungen nicht zu überzeugen. Besonders Herr Raspe und Herr Fechner glaubten in fortwährenden Reden die Vorlage totzumachen; sie wurden mit ihren Zweifeln nicht müde, zumal die Llt-Weistenseer UeberwachungSkommission aus der Zuhörergalerie in Heister Glut gerade diesen VerhandlungeS mit besonderer Ausinerksamkeit folgte. Nach langer Redeschlacht wurde dennoch die Vorlage gegen die Stimmen der beiden geiiannten Herren angenommen. Stadtbaumeister Püttmann erläuterte den Anwesenden ein AptierungSprojekt in Birkholz, dessen Ausführung sofort in Angriff genommen werden soll, da die Verlegung deS Druckrohres vollendet ist und mit dem Pumpen bald begonnen werden kann; auch die neu errichtete Pumpstation gebt ihrer Vollendung entgegen. CS wurde beschlossen, die Regulierung des StrastendammeS der Parkstraße zwischen Königschaussee und PistoriuSstraste sofort in Angriff zu nehmen. Die Ausführung geschieht in Stampfasphalt. Die Anlieger haben nach dem Ortsstatut 25 Proz. der Kosten zu übernehmen, die Gemeinde trägt den Rest von 75 Proz. Zugleich wird dieser Teil der Straße mit hängendem Glühlicht beleuchtet. Die Baufluchten für das Gelände zwischen PistoriuSstraste. Große See- und Schönstraße wurden festgelegt, ebenso die Baufluchten für die verlängerte Kniprodestratze zwischen Lichtenberger» und Falken- bergerstratze. Tegel. Als Leiche aus dem Tegeler See gelandet wurde vorgestern der 40 jährige Maurer Ernst Thielemann aus Brandenburg a. Havel, der in der Schloststraste wohnte. Th., der seit längerer Zeit schon arbeitslos war. hatte auS diesem Grunde bereits vor einigen Tagen einen Selbstmordversuch unternommen, indem er sich mit seinem fünf Jahre alten Söhnchen im Tegeler See zu ertränken versuchte. Damals wurde der Lebensmüde an der Ausführung seines Vor- Habens im letzten Augenblick verhindert. Vorgestern wurde der Un- glückliche als Leiche aus dein Tegeler See in der Nähe der Bade- anstalt gelandet. Ob er sein Söhnchen mit in den Tod genommen Hai, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Bernau. AuS der Stadtverordnetcnversammlnng. von dem Ankauf einer Parzelle von der königl. Schönwaldcr Forst nahm die Versammlung Abstand, weil für die genannte Parzelle 4000 M. ohne Waldbestand und 5000 M. mit Waldbestand gefordert wurde, welches für Beniauer Verhältnisse viel zu hoch bemessen ist. Der Antrag zweier bürger- licher Stadtverordneten betreffend die Entfernung von Abfluströhren auf dem Grundstück der Irrenanstalt deS Dr. Wiener», welche un- reines Wasier in die Paule leiten sollten. wurde von den Antragstellern zurückgezogen, nachdem der Besitzer deS Grundstücks Dr. Wieners ivie auch der Polizeivecwalter die Erklärung abgegeben haben, dast besagte Röhren, welche vermutlich von dem vorigen Besitzer Dr. Matzdorf gelegt wurden, bereit« entfernt worden sind. Es folgten dann die Verausgabungen verschiedener Arbeiten für da? Krankenhaus an die Mindestsordernden: Glaserarbeiten an den Glasermeister Schulze zum Preise von 1037 M. Malerarbeiten an Stoof für einfache Fenster zum Preise von 230,30 M. und sür Doppelfenster zuni Preise von 240,30 M. Kunststeinarbeiten an die firma Elasen u. Merk in Biesenthal zum Preise von 1945,68 M. isenkonstruktion zum Glasvorbau des OperationSranmes an die Firma Gossen in Weistensee zum Preise von 2115 M. Der Bau eines Kesselbrunnens an den Bcunnenbaunieister Thnrandt. welcher als einziger 1591,50 M. gefordert hatte. Eine lebhafte Diskussion rief die Erbauung der JusektionSbaracke und des Leichenhauses hervor. Der Magistrat und die Stadtverordneten sind durch Vergebung des Krankenhausbaues in engerer Submission an nur hiesige Unter- nehmer gründlich kuriert worden. Es wurde vom Magistrat durch den Bürgermeister erklärt, dast man eigentlich gar nicht wußte, ob Maurermeister Willmann,„welcher auch Stadt- verordneter ist" oder Maurermeister Drescher den Bau aufführe. Die Arbeiter von Drescher arbeiteten an dem Bau. und Willmann war die Bauausführung übertragen worden. Bezüglich der Abgabe von Submissionsofferten sollen sich die Unternehmer zusammengetan haben; es ist daher erklärlich, dast die Offerten fast durchweg den Voranschlag überstiegen. Um diese« Vorgehen der Unternehmer zu durchkreuzen, erklärte sich die Versammlung mit der Magistrats- Vorlage einverstanden, neben den hiesigen Firmen, noch fünf aus- wärtige Firmen zur Submission für. die Erbanung der JufektionS- barocken und der Leichenhalle zuzulassen. Von den Genossen Krüger und Wünsche wurde daS Gebaren der Unternehmer gleichfalls gerügt und verlangt, dast die zur Submission zugelassenen Unternehmer auch verpflichtet werden, den Arbeitern den hier für die betreffenden Arbeiter üblichen Lohn zu zahlen, wozu die bürgerliche» Vertreter sich aber nicht recht verstehen konnten. Spandau. An der Scharfen Lanke bei Weinmeisterhorn wollte ein Ingenieur O antragt werden mutz.— O. H. 17. 1. und 2. Bestimmle Sätze kennt das Gesetz nicht. Es müssen die zum Unierhalt ersorderlichen Sätze gezahlt werden. In Berlin wird in der Regel 26 bi» 30 Mark pro Monat als angemessen erachtet. 8. und 4. Eine Abfindung bedars der Zustimmung des Vormundschastsgerichts. 5. Nein.— M. W. 10. Nein. — F. W. 100. Zum Abdrucken solcher Rezepte, deren sich in jedem Koch. buche mehrere finden, fehlt UNS leider der Raum.— P. B. 4. Die Zenttale sür Auswanderung, Berlin W., Schelllngstr. 4, wird Ihnen Aus« lunst geben.— Thekla. Bei Vorhandensein eines solchen Leidens sollten Sie Ihre Frau überhaupt nicht behelligen. Die Frage selbst dllrsen Sie sich nur von einem Arzt beantworten lassen.— Anton Funke. Lassen Sie sich ln einem der größeren AnnoncenburcauS einen Katalog vorlegen. Dort finden Sie die Auslagen der einzelnen Zeitungen.— Krematortiim. I. D. Ivvv. Mit Religion hat diese Sache nicht» zu tun. Die Redaktion der„Flamme", Berlin, Brcitestr. 5, steht Ihnen gern mit Rat zur Seite. 7ö3NO München Wien 764 SW 762 W US cS- «.II Ha» i*2> Stationen II baparanda!749NO Petersburg 753 SW 2 wollen! 3Gcmitt. 19 Sctllh" 767 N 1 Nebel 18 Werdeen 769 S 3 heiter 19 Parrs 765 S3 3 bedeckt Wetterprognose sür Mittwoch, de» 11. August 1999. Ziemlich warm, wechselnde Bewölkung bei mäßigen nordwestlichen Winden, Gewitter nicht ganz ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wette rbureau. Welle, .« 1* 2 wolkig 1 Regen 3 halb bd. 1 bedeckt 1 bedeckt WafierstandS-Nachrichte« der Landtsanstalt für Gewäfferlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel. Tllfil Pr e g el, Jnsterbmg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, LeiNneritz , Dresden , Barbh , Magdeburg O+ bedeutet Wuchs.— Fall.— 1 Unterpeget. ff K O o th A Unserem Genoffen MM Gnindmann zu seinem 50. Geburts'aze die herzlichsten, Glückwünsche 1 Die Genossen der 8. Abt. im vierten Wahlkreise. Unserem Genossen 20652 Max die herzlichsten Glückwünsche zu seinem Wiegenfeste! Die Genossen des 365. Bezirks. Die Beerdigung de» Genoffen Kusla? Ostermann I findet heute Mittwoch, nach- 1 mittags 3 Uhr, aus dem Rix- dorser Friedhose am Mariendorser Weg statt. Am Sonntagabend verstarb unser langjähriger, treuer Mit- nrbeiter Gustav Ostermann. Wir werden ihm ew ehrendes Angedenlen bewahren. Oer Parteivorstand, Preßkommission and Verlag des„Vorwärts". • Ji Sozialtiem. MverordneteD- Fraktion Rixtlorl. Am Sonntag, den 6. August, verstarb unser langjähriger | FraltionSkollcge Genosse Gustav Ostermann. Schon als Gemeindevertreter sowie alS Stadioerordneter hat derselbe stets seine Pflichten treu erfüllt und werden wir dem Ver. storbenen stets ein ehrendes An- dcnlcn bewahren. Im Namen des FrakttonS- Vorstandes Dr. Silberstein. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 3 Uhr aus dem B Rixdorscr gricdhos am Marien- dorser Weg statt. 237/5 SozialdeinoMelLValil?ereiii Mixdorf. (8. Bezirk.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Kassierer Onstav Ostermann am Sonntag, den 8. August, ver- starben ist. Sein Andenken in Ehren k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. August, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Fried- Hose der Stadt Rixdors am Mattendorfer Weg statt. Um rege Acteiliguug ersucht ! 234/16 Der vorstand. [jeifeDU.GetijltiiiiienDeütseiil. (Bezirk Berlin.) Am Sonntag, dm 8. August, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser BerbandSIollege Gustav Ostermann im Aller von 52 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 11. August, nach- mittag» 8 Uhr, aus dem Rixdors« Friedhofe, MariendorferWeg, statt. Zahlrelche Beteiligung erwattet 287/6 Gle OrtsverwaUung Am Sonntag, den 8. August, nachmittags 2'/, Uhr, starb nach langen schweren Leiden der srühere Böttcher Wilbelm Obersehmidt im 64. Lebensjahre. Ties betrübt zeigen dies an die Hinterdliebeuen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. August, nach- mittags o'Jj Uhr, von der Leichen- Halle in Weißensee, Rölckeslraße, au« statt. 8Slb RozlalliWGki'atiO.Mvei'eiv des 6. Herl. Reielistapalreises. Todes- Anzeige. Am 7. August verstarb unser Mitglied, der Schuhmachcrmeister Paul Latuske Hochstr. 81. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 11. August, nach- mittags«>/, Uhr, von der Leichen- halle deS städttschm Friedhoscs, Müllerstraße, Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Leteiligung ersucht 229/17 Der Borktand. 8GzjaIllMGki'a!izeli.VadI?ö!'m Johannisthal, Am Montag, den 9, August, nachmittags 3 Uhr, ertrank beim Baden infolge Herzschlages unser alter Genosse 203/2 August Buhlicke im Wer von 61 Jahren. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Fttedrich- slraße 12 au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. Zentrai-yeM der Maarer Zwelgrcrelu Berlin. Am 8. August verstarb unser langjähriges Mitglied l PlUsch-l gofastoffe Rfesonauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dnefaf üloqnotts. IlCdIC. Satteltaschen. Zimmer Treppen Läufersloge mmmmammammmm Kocos Haargarn, Velour etc. JCnster�abe franko. Emil Lefevre Berlin, Oranienstr. 158 Mein neuer Pracht-Katalog AbbütogenPÖSILfPaDltO. sh .im Itud, im debfi'ge, am Strand: Westmanns Konfektion!!? Gediegen! Hochelegant! 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