Ur. 186. BbenncmenfS'Bcdlngtifigen: Wonncnicnts- PrciZ pränumerando: Vicrteljährl. 3,30 SJif., Niüimll. 1,10 Mk., wöchentlich 2ä Pfg. frei ins HauS. Einzelne Slunimer S Pfg. SonmagS« nunimcr mit illuflricrtcr Sonntags- Beilage»Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: J.IO Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Pl-lsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Numänicn, Schweden und die Schweiz. S6. Jahrg. crlchelnt Irlich ziigek Msulzg?. Verlinev Volksblatt. Die TniertionS'GebQbr Bfltügt für die scchsgcspaltene Nolone�- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und VerfamnilungZ-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hmelgen", das erste(fc!t- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stellen-Rnzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedeZ weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist piS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Soziaitlcniolirst Rerlio". Zentralorgan der fozialdemohratffchen Partei Deutfcbtands. Redaktion! SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S8S. Krieg und Revolution Endlich scheint es der spanischen Regierung doch ge lungen zu sein, die im Lande emporflammende Revolution im Blut zu ersticken. Schon die spärlichen Nachrichten, welche die spanische Zensur passieren läßt und die den unverkenn- daren Stempel der Beschönigung, der Lüge an sich tragen, lassen erkennen, wie hier wieder die entfesselte Qrdnungs- bestie gehaust hat. Weit ärger als irgendein Feind haben Aürgergarde und Soldateska gegen die Bürger des eigenen Landes gewütet, Tausende von blühenden Menschenleben sind geopfert, und ungezählte Existenzen werden noch auf dem blutigen Altar kapitalistischer„Ordnung" hingeschlachtet werden. Und doch sind diese Opfer nicht umsonst gefallen. Vielleicht wird König Alfons diesen Sturm noch überstehen, ja, es ist leider nicht ausgeschlossen, daß unmittelbar die Reaktion in Spanien noch verschärft, das Proletariat noch mehr niedergetreten wird. Aber dieser blutige Aufruhr ist eine furchtbare Warnung, die weit über die Grenzen des unglücklichen Königreichs gehört wird und verstanden werden muß. Zwar versucht die bürgerliche Presse, den klaren Sach verhalt nach Möglichkeit zu verwirren. Die liberalen Zeitungen weisen mit Entsetzen auf diese Früchte klerikalen Regimes hin. Aber sie wissen selbst dabei sehr wohl, wie leer das Stroh ist, das sie da dreschen. Daß die klerikale Verlotterung der Vvlkserziehung an der Volkserhebung„schuld" ist, das glauben die liberalen Gaukler ebensowenig wie ihre konservativen und ultra- inontanen Verufsgenossen wirklich davon überzeugt sind, daß das Ganze ein Werk anarchistischer oder sozialdemokratischer Hetzer sei. Sie alle und ebenso auch die Regierungen haben hier mit Entsetzen wahrnehmen müssen, daß selbst die elendeste Vernachlässigung der Volksbildung nicht mehr davor schützt, daß das arbeitende Volk in den Dingen, die seine eigene Haut angehen, selbständig zu denken beginnt. Wie groß dieser Schrecken ist, kann man aus dem breiten Behagen ersehen, mit dem die bürgerliche Presse die nieder- trächtigsten Lügen abdruckt, die von derselben Regierung in die Welt gesetzt werden, die sie wegen� ihres Klerikalismus zu verabscheuen vorgibt. Aehnlich wie nach der Nieder- werfung der Pariser Kommune die bürgerliche Presse aller Parteien sich nicht genug tun konnte in Ausmalung aller Greuel, die von den ruchlosen Kommunards verübt worden sein sollten, während man über die Bluttaten der Helden a la Galliset usw. den Mantel christlicher oder jüdischer Nächstenliebe breitete, ebenso beginnen jetzt bereits die Blätter die schamlosen Lügen von lebendig verbrannten Nonnen und anderen Moritaten zu kolportieren, die die Henker von Barcelona ihnen zutragen. Hier versagt aber alle Scham, die sich sonst vielleicht noch geltend macht: denn die ganze bürgerliche Welt fühlt, daß es sich bei den Straßenkämpfen in Barcelona um ihre eigene Haut handelt. Die wirtschaftliche Entwickelung drängt gerade die kapitalistisch fortgeschrittensten Länder am meisten zur Ausdehnung ihres Machtbereiches, und damit ist die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit kriegerischer Verwickelungen wieder in viel größere Nähe gerückt als sie es seit einem Mcnschenaltcr war. Damit steht im Zusammenhang das Er- wachen des Ostens, das ebenfalls zu einer Quelle von Beun- ruhigung, zu einer ständigen Kriegsgefahr wird. Nun wären die bürgerlichen Klassen kriegerischen Unternehmungen gar nicht so sehr abgeneigt: denn im Falle des Sieges winkt ihnen eine gewaltige Erweiterung des wirtschaftlichen und politischen Machtbereichs, verbunden mit einer Verstärkung des Säbelregiments im Innern, mit einer Gewaltherrschaft über das Proletariat, an der sie alle interessiert sind. Für den Fall der Niederlage ist das Risiko nicht gar so groß: denn die höheren Steuern werden ja doch, wie wir das eben am eigenen Leibe erfahren, ganz oder fast ganz den Schultern der arbeitenden Klassen auferlegt. Jedenfalls aber lassen sich auf beiden Seiten av den Armeelicferungen glänzende Gc- schäfte machen, noch bessere in Kriegszeiten, als sie schon während des Friedens bei dem allgemeinen Wettrüsten zu Land, zu Wasser und in der Lust zu machen waren. Freilich müssen mit Ausnahme Englands heute bereits in allen Kulturstaaten auch die Söhne der ausbeutenden Klassen ins Feld ziehen; aber sie tun das nicht als Soldaten,� sondern als Offiziere, denen ein glänzendes Avancement winkt. So weit wäre die Sache also ganz schön: aber da ersteht plötzlich vor dem entsetzten Auge des kriegslüsternen Bourgeois oder Aristokraten das Bild des revolutionären Arbeiters. Scdan hatte die Kommune im Gefolge, und nach Mukden und Tsushima erhob die russische Revolution ihr mächtiges Haupt. Also war für die herrschenden 5Aasten bei einer militärischen Niederlage doch mehr zu verlieren als die Aussicht auf einen Machtzuwachs und ein Verhältnis- mäßig kleiner Kapitalsverlust? In allen kapitalistischen Staaten vergrößert sich fortwährend die Spannung zwischen den ausgebeuteten und den ausbeutenden Klassen. Diesen gelingt es nur mehr mit Aufgebot ihrer ganzen Machtmittel, die an Zahl ihnen doch weit überlegenen Gegner niederzu- halten. Zu diesen Machtmitteln gehören in erster Linie das Expedition: 8M. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8I. Militär, die Schule und die Kirche. Wieweit auf diese heute noch Verlaß ist, das weiß kein Mensch, bevor sie im Ernstsalle auf die Probe gestellt werden. Bisher ist das noch in keinem kapitalistisch hoch entwickelten Lande der Fall ge- Wesen. Deshalb muß nian sich mit Schlüssen begnügen, die aus den Erfahrungen in zurückgebliebenen Ländern gezogen werden.� Gerade deshalb hat der Aufstand in Spanien so allgemeinen Schrecken in der bürgerlichen Welt verbreitet. Denn wenn schon in einem industriell unentwickelten Lande sich das Militär vielfach unzuverlässig erweist: wenn schon in einem Lande, in dem die Ausbreitung der Bildung mit allen Mitteln verhindert wird: wenn schon hier die alten Schlag- Worte von„P a t r i 0 t i s m u s",„nationaler Ehre" usw. kein Echo mehr in den Gemütern wecken, was ist dann erst von den Proletariern in kapitalistisch fortgeschrittenen Staaten zu erwarten I Deshalb haben sich unsere Herren Journalisten so fw�nders darüber entsetzt, daß das spanische Volk für die„idealen G ii t e r der Nation" so gar kein Verständnis habe. Gerade in dieser geistigen Befreiung des Proletariats sehen die bürgerlichen Kreise die größte Gefahr für ihre Herrschaft. Deshalb verfolgen sie unsere Presse und hindern nach Möglichkeit unsere Agitation. Aber das Beispiel Spaniens zeigt ihnen wieder die Vcrgeblichkeit ihres Mühens. Der Kapitalismus selbst zerreißt alle alte Gebundenheit: er reißt den Bauer von der Scholle, d.en Kleinmeister aus der Werkstatt, das Weib aus der Familie. Dieser allgemeine Umsturz zwingt jeden Einzelnen, sich stets neu in seiner Umwelt zurechtzufinden, sich ihr anzupassen. Das ist im Rahmen der althergebrachten Anschauungen und Gewohn- heiten nicht möglich: jeder Einzelne, der in diesen Hexen- kessel hineingerifsen wird, wird so gezwungen, selbst zu denken, dem eigenen Urteil allein zu trauen. Sobald aber das eigene Denken an die Stelle des blinden AutoritätS- glaubens tritt, muß auch der einfachste und ungebildetste Mensch fühlen, daß seine Interessen weit verschieden sind von denen seiner Ausbeuter, daß sein Vaterland, seine Nation, seine Ehre etwas ganz anderes sind, als das, was die offizielle Phrase so nennt. Und wenn er dann gezwungen werden soll, in einen Kampf auf Tod und Leben zu ziehen, dann liegt auch dem simpelsten Begriffsvermögen der Ge- danke nahe, daß es bester und rühmlicher ist, sein Blut für seine wirklichen Jnterefsen und Ideale zu verspritzen als für das, was seine Widersacher dafür ausgeben. Er wird lieber mit Begeisterung auf die Barri- kade steigen, um für Weib und Kind, für würdigere Lebens- fllhrung und bessere geistige Nahrung zu fechten und vielleicht zu fallen als sich gewaltsam zur Schlachtbank schleppen lasten, wo er für fremde Interessen, ja, für den Vorteil seiner Feinde zum Mörder werden und selbst gemordet werden soll. Diese Gedankengänge sind so einfach, und sie drängen sich so sehr dem einfachsten Verständnis auf, daß sie überall in Wirksamkeit treten müssen, wohin der Kapitalismus seine revolutionierende Tätigkeit erstreckt. Natürlich wird dadurch die Aufklärungsarbeit der Sozialdemokratie nicht überflüssig gemacht. Ihre Aufgabe ist es ja überhaupt nicht, den Prole- tariern von außen her willkürlich neue Gedanken einzureden: sie geht darauf aus, ihm das klar ins Bewußtsein zu bringen, was er selbst dunkel fühlt und ahnt, ihn klar erkennen zu lassen, was unbestimmt noch in ihm gärt. Ein unmittelbares Resultat wird der blutig unterdrückte Aufstand in Spanien für die Befreiung dieses unglücklichen Landes wohl kaum haben: aber er hat den herrschenden Klassen der ganzen Welt eine furchtbare Warnung vor leicht- fertigen kriegerischen Abenteuern zugerufen, eine Drohung, die ihnen, ob sie es zugeben oder nicht, in die Glieder ge- fahren ist. Zugleich aber hat er uns gezeigt, daß selbst die reaktionärste Gewaltpolitik und die klerikalste Volks- vcrdummung nicht imstande sind, die revolutionierende Wirkung des Kapitalismus aufzuhalten. Das französische Volk verdankt seine republikanische Staatsverfassung der Niederlage von Sedan: Oesterreich erhielt seine Verfassung, Ungarn seine Selbständigkeit nach Königgrätz: Deutschland hat seine Unterworfenheit unter das Kommando einer bornierten Junkerkaste den großen Siegen seiner Heere zu danken. Das sind Tatsachen und Zusammenhänge, die selbst� unsere vom ödesten Hurrapatriotismus beherrschte Schule nicht verdecken und verdunkeln kann, und die eine beredte Sprache sprechen. Aber selbst das klarste theoretische Wissen und die zwin- gendsten logifchcn Schlüsse, die aus unserer Schulweisheit ge- zogen werden, können sich an Eindringlichkeit bei weitem nicht mit dem messen, was das harte Leben selbst jedem einzelnen einbleut. Und daß diese Lehren des Lebens nicht die des Autoritätsglaubens, der Unterwürfigkeit sind, sondern die des eigenen Denkens und der frohgemuten Hingabe an die revolutionäre Tat, diese Ueberzeugung haben die Kämpfer von Barcelona in uns neuerdings bestärkt. Mögen die Maschinengewehre der militärischen Massenmörder, mag die Verleumdung der bürgerlichen Presse ihr Aeußcrstes tun: die Opfer sind nicht umsonst gefallen, und in unseren Herzen werden sie ein Denkmal finden, auch wenn kein toter Stein spricht von ihrem Streiten und Sterben. Schweden im Generalstreik. (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 9. August. Die Straßenbahngescllschaft von Rorrmalm, dem nörd- lichen Stadtteile Stockholms, hat heute den ersten schüchternen Versuch geniacht, ihren Betrieb wieder in Gang zu bringen. Es ist eine Linie, die grüne Ringlinie, die mit acht Wagen in Betrieb gesetzt wurde. Irgend welche Streikbrecher aus dem Fahr- und Begleitpersonal hat man natürlich nicht austreiben können. ES sind Kontrolleure, die teils als Fahrer, teils als Schaffner fungieren. Außerdem fährt auf jedem Wagen ein Ingenieur mit, sowie auf dem Vorder- und Hinter- Perron je ein Schutzmann. Als die Wagen gegen 10 Uhr nach einander das Depot verließen und über die seit dem Generalstreik verrosteten Schienen dahinfuhren, hatte sich eine große Menschenmenge versammelt. Polizei war gleichfalls außer- ordentlich zahlreich vertreten, besonders am RoSIagStorg, wo daSHauptdepot liegt; sie begnügte sich abex damit, den Fahrdamm freizuhalten. Auch die Ordnungsmänner der Arbeiterschaft, kenntlich an ihren roten Karten, waren vertreten. Sie hatten aber ebensowenig Mühe wie die behelmten Ordnungsretter der bürgerlichen �Gesellschaft, denn die Menge bewahrte eine eiserne Ruhe. Auch am Volkshaus, wo die Bahn vorbei» kommt, beschränkten sich die dort anwesenden Streikenden darauf, die Wagen und das Streikbrccherpersonal in Augen- schein zu nehmen. Obwohl das Vorgehen der Straßenbahn- gesellschaft ja ohne Zweifel eine gewisse provozierende Wirkung aus die Arbeiterschaft ausüben muß, sind bis jetzt nicht die geringsten Unruhen oder absichtlichen Störungen des Verkehrs vorgekommen. Die Straßcnbahngesellschaft gibt sich der Hoff- nung hin, den Verkehr auck> auf anderen Linien nach und nach wieder aufnehmen zu können. Geprüfte Fahrer hat man allerdings außer den etwa 20 Kontrollenren kaum zur Verfügung, man will jedoch andere Leute zum Schaffner- dienst heranziehen. Es ist aber keineswegs anzunehmen, daß es gelingen sollte, dem Streik in irgendwie einfchncidcndcr Weise Abbruch zu tun. Und im übrigen ist ja auch nicht vorauszusehen, was weiterhin geschieht. Hinter dem Tor des Hauptdcpots der Straßenbahn sah man heute vormittag auch ein paar Dutzend Frauen stehen und man konnte auf den Gedanken kommen, daß es Streikbrecherinncn seien, die sich zu irgend einer Arbeit melden wollten. Tat- fächlich waren es die streikenden Wagenputzer innen der Gesellschaft, die ihren rückständigen Lohn holten. Die bürgerlichen Blätter teilen heute in ihrer vorläufig letzten Nummer ihren Lesern mit dem Ausdruck der nötigen sittlichen Entrüstung über den Vertragsbruch der Typographen mit, daß sie ihr Erscheinen einstellen müssen, versprechen aber, nach besten Kräften teils durch Extrablätter, teils durch hekto- graphierte Mitteilungen das Publikum oder wenigstens ihre festen Abonnenten von den wichtigsten Vorgängen zu unter- richten. Ein Blatt,„Nyn Dagligt Allahanda", gibt sich jedoch der Hoffnung hin, auch in Zukunft noch erscheinen zu können. Ob cS dem Blatte möglich sein wird, ist jedoch fraglich. Da mit den Typographen auch daS AuLtragepersonal die Arbeit niedergelegt hat. müssen sich die Abonnenten die hektographierten Lappen oder waS sonst ans Tageslicht kommt, soweit der Vorrat reicht, selbst abholen. Die letzten Nummern hat die Kapitalistenpresse noch weidlich dazu ausgenutzt, allerlei Lügen über den General- streik und die Leiter des Kampfes zu verbreiten. Das Frechste, was in dieser Hinsicht geleistet wurde, war vielleicht eine Notiz mit der Uebcrschrift: „Der Vater von seinem Sohne erschosten. Ein Opfer des Massenstreiks. Wohin„Socialdemokratcns" Aufhetznngs Politik führt.' Unter diesen verschiedenen ScnsationStiteln wird erzählt, daß in dcrRadmannsgatan eine furchtbare Untat verübt worden sei, indem der Händler C. P. Erikstm von seinem 18jährigcn Sohne auf derStraße erschossen worden sei. Schuld daran sei die von leitender sozialdemokratischer Stelle betriebene Agitation, und zwar keine anderen als die Firma Vranting, Hinke u. Co.— Mit Hinke ist der bekannte Anarchist Hinke Bergegrccn gemeint.— Die Geschichte mit dem„Erschießen" besitzt die sonderbare Eigenschaft, daß sie im Schwedischen wahr und auch nicht wahr ist. Tatsächlich ist der junge Mann kein Mörder, sondern ein recht liebevoller Sohn, der, weil er nicht wußte, wie er in diesen GeneralstrcikSzeiten eine Droschke auftreiben sollte, seinen an kranken Beinen leidenden Vater auf einem Karren nach dessen Schwiegersohn geschoben hat. Nun heißt das Wort„schieben" und auch daS Wort„erschießen" im Schwedischen„skjuta.", und daS für beide Tätigkeiten gleichlautende Verbum benutzte man höchst einfach, um eine sensationelle Mordgeschichte zu konstruieren und die Sozial- demokratie dafür verantwortlich zu machen. Der nach der Lügenpresse crfchosscne, in Wirklichkeit auf dem Schicbkarren gefahrene alte Eriksen wie auch sein Sohn haben sich nicht wenig über den Schwindel entrüstet. • Die bürgerliche Presse sucht mit Hilfe ihrer Faktoren kleine Flugblätter herauszugeben als Ersatz der Zeitungen. In diesen wird die Behauptung aufgestellt, daß der Streik zurückgehe. Die Angaben sind natürlich erdichtet; der Kamps dauert und er« 3n5etl fötl und soM neüs ArbeitergrüppStt schließen sich fortgesetzt dem Aus stände an.— In Stockholm wurde heute ein großes Massenmeeting abgehalten, in dem die Genossen Brantina und Söbcrberg unter großer Be- geisterung die Situation besprachen. Mehr als 30 00V Streikende nahmen an dem Meeting teil; die Stimvung ist in jeder Be° Ziehung eine ausgezeichnete. i> Die Eisenbahner nehmen zurzeit eine Urabstimmung über die Frage bor, ob sie sich dem Ausstande anschließen oder nicht. Der Verbandsvorstand wird die endgültige Entscheidung treffen, sobald das Resultat der Urabstimmung vorliegt. Die in der inneren Stadt mit Hilfe der Kontrolle in Betrieb gesetzten Straßenbahnwagen sowie die durch die Polizeibehörde er- Zwungenen Droschken, die von den Eigentümern gefahren werden, haben bisher nicht vermocht, die Ruhe zu stören. Die Angaben der deutschen bürgerlichen Presse müssen mit größter Vorsicht aufgenommen werden, ebenso die Telegramme der mehr oder weniger offiziellen Depeschenbureaus. So z. B. die Telegramme des„Preßtelegraph", der die Scherlpresss versorgt. Die von ihm verbreiteten Nachrichten sind zweifellos erfunden. Heute wird von ihm berichtet, daß die Zeitungen im ganzen Lande erscheinen, nur in kleinem Format. Diese Behauptung hat sich der„Preßtelegraph" direkt aus den Fingern gesogen. Eine genaue Kontrolle der bürgerlichen Berichte ist nur schwer möglich; es sind aber Maßnahmen getroffen, um die Nichtigkeit genau prüfen zu können» » Konservative Scharfmacher. Die Konservativen sind momentan nicht in der ange- Nehmsten Lage. Sie haben Handel und Industrie gegen sich und selbst in den eigenen Reihen tritt der Geist des Wider- spruchs immer stärker in die Erscheinung. Offenbar meinte die„K r e u z z e i t u n g", daß es unter diesen Umständen an- gebracht sei, die Industriellen wieder einmal daran zu er- innern, daß scharfmacherische Bestrebungen noch immer am nachdrücklichsten von den Konservativen vertreten worden sind. In einem von Theodor S ch i e m a n n verfaßten Ar- tikel über die Vorgänge im Auslande heißt es am Schlüsse: „Wir gedenken endlich des schwedischen Generalstreiks, in welchem die schwedische Regierung merkwürdigerweise die Rolle des Zuschauers meint spielen zu kvnnen. Es drängt sich dabei die Frage auf, wie weit die Unterstützung der Streikenden durch die sozialdemokratischen Verbünde des Auslandes zu dulden isp Kann auch der einzelne nicht behindert werden, Geld an die Aus- ständigen zu schicken, so scheint die Frage doch anders zu liegen, wenn eine gewalttätige Organisation, wie die Sozialdemokratie, ihre Mitglieder zwingt, die Bewegung durch Zahlungen zu unter- stützen, und so Unruhen in einem unS befreundeten Nachbar- sstaate zu schüren. W>r denken dabei auch der Rolle, die unsere Sozialdemokraten auf Antrieb ihrer gewissenlosen Führer tn der russischen Revolution gespielt haben, und sind noch heute der Ansicht, daß dagegen einzuschreiten, dringend geboten war." ! Diese frommen Wünsche werden sich kaum verwirklichen lassen.� Die gewaltige Bewegung in Schweden, die nicht ohne Rückwirkung auf die Kampfesmethoden der organisierten Ar- heiter anderer Länder bleiben kann, ist durchaus nicht unge- setzlicher Natur. Daß ein preußisch-konservatives Gehirn es nicht erfassen kann, daß die schwedische Regierung noch immer nicht auf die sich völlig ruhig verhaltenden Arbeitermassen schießen läßt, verstehen wir. Aber mit welchem Rechte soll es die deutsche Regierung hindern Lönnen, daß die organisierten Arbeiter Deutschlands ihre kämpfenden Brüder in Schweden materiell unterstützen? Vielleicht schwebt der„Kreuzzeitung" eine Konfiskation der Gelder und ihre Verteilung an die notleidenden Agrarier vor! Die niederträchtige konservative Hetze wird ein neuer Ansporn für die klassenbewußte deutsche Arbeiterschaft sein, den Kampf in Schweden nun ex st recht zu u n t e r st ü tz e n„' Internationale Solidarität. Die Leipziger Parteiorganisationen haben beschlossen, Lo00 Mk. zur Unterstützung der im Generalstreik befindlichen schwedischen.Arbertex abzuführen. Bravo! Die Gärung in lllazedonieo. Aus Belgrad wird uns geschrieben: Mazedonien, dkr Hort der Revolution und der Macht der Jungtürken, ist und bleibt für diese auch der Ausgangspunkt größter Gefahren. Schon hat die alte Vandenwirtfchaft wieder begonnen, und ihre ersten Opfer sind gefallen. Dies bedeutet eine ganz andere Stimmung der mazedonischen Bevölkerung gegenüber den Jungkürkm, als die war, die vor einem Jahre herrschte. Damals wurden die Jungtürken in ganz Mazedonien unterstützt als Befreier des BolkeS von dem alten unerträglichen Regime. Je verhaßter das alte Regime war, desto willkommener geheißen wurden die Vertreter des Neuen bei der ganzen Be- völkerung ohne Nnterfchied der Klassen, der Religion und Nationen. Alle Gruppen des Volke? warteten darauf, von irgend etwas er- löst zu werden: die Ofsiziere von der Unregelmäßigkeit der Be» soldung. die Händler von der Unsicherheit und der Korruption der Behörden, die Industriellen von den feudalen Schranken, die christ« lichen Bauern von den Feudallasten, die ganze Bevölkerung von der Tyrannei der türkischen Behörden und den nationalen Banden. In der damaligen Türkei war niemand mit niemandem zufrieden. Plötzlich kam ganz unerwartet der Erlöser aus der Kaserne und eine allgemeine Verbrüderung begann. Der Muselmann verbrüderte sich mit dem Christen, der Serbe mit dem Griechen, der Patriarchist mit dem Exarchisten, der Bürger mit dem Militär, der Reiche mit dem Armen. All die zahlreichen und schroffen Gegensätze waren momentan verschwunden, aber nur um noch schärfer hervorzutreten. sobald die revolutionären Tage der Negation» der Versprechungen und Erwartungen vorübergerauscht waren. Die Bandentätigleit ist das Symptom, daß die Tage der gegenseitigen Toleranz vorbei sind; aber sie ist an sich keine große Gefahr für die Jungtürken. Denn die Schaffung einer modernen Staatsgewalt gestattet eS den Jungtürken die Banden an die Grenzen zu drängen. Das Treiben der serbischen, bulgarischen und griechischen Banden in den Tälern und Wäldern Mazedoniens, die Brandstiftung in den Dörfern und die Ermordung von Männern, Weibern und Kindern, die Ausraubung der Bevölkerung, um den Beitritt zu dieser oder jener Kirche, zu dieser oder jener Partei zu erzwingen, dieses ganze unerhörte Räubertum war nur möglich in einem Staate ohne Staatsgewalt, in einem Lande der Anarchie und der Desorganisation, der Unordnung und Korruption, wie es die Türkei unter dem alten Regime gewesen ist. Aber die Banden waren nur eine den politischen und kulturellen Zuständen entsprechende Form deS HervortretenS der Gegensätze, die durch administrative V laßregeln, durch Gendarmerie nicht auf- gehoben werden können. Mazedonien ist von denselben Nationen bewohnt, die in den christlichen Balkanstaaten ihre staatliche Selbständigkeit erriingen haben und auch in Mazedonien beginnt das Volk national zu fühlen und sich national zu betätigen. Die Balkanstaaten Bulgarien. Serbien und Griechenland richten ihre Blicke auf Maze- donien als die einige Möglichkeit für die Erweiterung ihrer Staaten. Ihre nationale Propaganda in Mazedonien geschah anfangs durch die Lehrer und Priester und ging dann zu der Bandentätigkeit, der nationalen Propaganda der Tat, über. Diese wird jetzt von den Jungtürken unmöglich gemacht werden, aber damit hören die Aspirationen der umliegenden Balkanstaaten nicht auf und ebenso- wenig die Unterstützung, die diese Bestrebungen bei der gleichartigen Bevölkerung in Mazedonien finden. Die Bestrebungen der Jungtürken entsprechen aber durchaus nicht den Wünschen der mazedonischen Bevölkerung. Sobald die Jungtürken die Oberhand erlangt hatten, wandten sie ihre Auf- merlsamkeit nicht auf die Durchführung sozialer und politischer Re- formen, sondern nur darauf, die Autorität der Staatsgewalt zu stärken und die Verbündeten von gestern zu willenlosen Untertanen zu machen. Die Lösung der Agrarfrage und die Steuerreform sind eine soziale, das Selbstvcrwaltuiigsrecht deS Volke» in den Ge- memden eine politische Notwendigkeit. Die Jungtürlen unterließen die sozialen Reformen und suchten politisch die Bewegungsfreiheit des Volkes einzuengen und unter die Kontrolle der volksfremden türkischen Herrschaft zu stellen. Diese Politik gipfelt im Artikel IV deS BerewsgesetzeS, nach dem alle Vereine mit politischnationalen Zwecken verboten sind. Der Sieg der Jungtürken macht also nur den früheren Formen de? nationalen KanwfeS ein Ende; er hat aber die nationalen und freiheitlichen Bewegungen selbst nur gestärkt. Die Gegensätze werden schroffer. Die christliche Bevölkerung, die nicht nur zahlenmäßig, sondern auch kulturell und wirtschaftlich stärker ist, fühlt desto größeres Bedürfnis nach voller Bewegungsfreiheit, je schneller die modernen WirtschastS-, Verkehrs- und Lebensverhältnisse sich ausbreiten. Die Jungtürken treten diesen Bestrebungen entgegen, um die türkische Herrschaft aufrecht zu erhalten; fie geraten dabei in Gefahr, diese Herrschaft durch die Mittel deS alten Regimes zu verteidigen. Nach unserer Meinung kann keine Rede von einem Balkanbund unter der Führung der Türkei sein. Bielmehr treibt die Entwickclung zu einem Kampfe der christlichen Balkanstaatm gegen die Türkei und zu einem Kampfe untereinander. Mit dem jungtürkischen Siege ist Mazedonien nicht nur nicht pazlfizicrt, e» hat auch nichts von seiner Gefahr für den Weltfrieden verloren. Eine Möglichkeit muß allerdings noch betrachtet werden. Der Sieg der Jungtürlen hat die Türkei aus einem Objekt der aus- wältigen Politik, wie fie eS unter dem alten Regime inbezug auf die kapitalistischen Großmächte war, zum Subjekt gemacht. Damit find Schutz- und Trutzbllndniffe der Türkei mit kleinen Balkanstaaten gegen die kapitalistischen Dränger und Eroberer auf dem Balkan in den Bereich der Möglichkeit geruckt. Ob aber die Gegensätze zwischen der Türkei und den Balkanstaatm sich nicht weitaus stärker erweisen werden, steht dahin. poUtifcbe ücberlicbt. Berlin, den 11. August 1909, Rücktritt des Kriegsministers v. Einem. Das offiziöse Depeschenbureau meldet ganz unvermutet den Rücktritt des preußischen Kriegsministers. Herr v. Einem war allerdings bor 1� Jahren erkrankt und auf längere Zeit beurlaubt, allein er galt für völlig wieder hergestellt, so daß es zweifelhaft ist, ob sein Rücktritt auf Gesundheits« rücksichten zurückzuführen ist. Herr b. Einem hat seit sechs Jahren das preußische Kriegsministerium geleitet. Seine Ernennung zum Kriegs- minister soll er einem Zitat zu verdanken haben, dessen er sich seinerzeit einem sozialdemokratischen Redner gegenüber bediente. Das ist kennzeichnend für die feuilletonhafte Art, wie während der Aera Bülow in Preußen-Deutschland Politik gemacht werden konnte. Irgendwelche Spuren wird der nunmehr verflossene Kriegsminister nicht hinterlassen. Er war, wie übrigens auch manche seiner Vorgänger, ein gewandter Redner, aber sonst ohne jeden hervorstechenden Charakterzug. Wenn die Schmach der Soldatenmißhandlungen und die sonstigen Rück- ständigkeiten unseres Militarismus im Reichstag behandelt wurden, wart Herr v. Einem stets ein leidenschaftlicher Ver- leidiger des preußischen Systems des Kadavergehorsams, das mit Naturnotwendigkeit solch liebliche Blüten hervorbringen muß. Auch die durch ihre Bescheidenheit berüchtigte„Frei- sinnige Zeitung" weiß Herrn v. Einem nichts Besseres nachzusagen, als daß er sich dahin ausgesprochen habe, daß auch jüdische Einjährige in bezug auf ihre Anwartschaft auf den Reserveleutnant nicht anders behandelt werden sollten, als die Einjährigen überhaupt.„Von einem greif- baren Erfolge," fährt das Blatt fort,„ist freilich bisher noch nichts Besonderes zu spüren." Ueber den Nachfolger Einems ist noch nichts bekannt. Die Person ist auch überaus gleichgültig, da jeder neue Kriegs- minister nicht anders sein wird und sein kann, als ein be- dingungsloser Lobredner des Gamaschendrills vnd des Kadavergehorsams._ Stupid danebengehauen i Vor Ausbruch des Generalstreiks in Schweden veröffentlichten wir einen Artikel über die wirtschaftlichen Verhältnisse Schwedens, dem es jeder nicht ganz Begriffsstutzige ansehen mußte, daß er von einem genauen Kenner schwedischer Verhältnisse stammte. Daß dieser Artikel dem schwedischen Unternehmertum nicht behagte, ist kein Wunder. Leider ließ sich auch unser Stockholmer Bruderorgan „Sozialdemokraten", irregeleitet durch die lückenhafte und tendenziöse Wiedergabe unseres Artikels durch die schwedische BourgeoiSpresse dazu hinreißen, u. a. von dem„hypermarxistischen Schema" zu sprechen, in da» der»Vorwärts" den schwedischen Kampf zu pressen versucht habe. Diese Notiz unseres Stockholmer Bruderorgans hat große Scharfmacherblätter wie die„Post" und die„Tägl. Rundschau" in einen wahren Rausch des Eni- zückens versetzt. DaS letztgenannte Blatt legt z. B. folgender- maßen los: «DaS ist«ine ganz wundervolle Lektion für die p I a t t e n B u r s ch c, die in der»VorlvärtS"-Redaktion sich als Erzieher und Leiter der roten Internationale aufblähen. eine noble Zurücklvcisung und Abfertigung der plumpen„Kameradschaftlichkeit", mit der der „Vorwärts" sich in einenStreit mischt, der ihn nichts angeht. Einen ganz ausgezeichneten Eindruck macht auch die starke Betonung des schwedischen, des nationalen Charakters der ganzen Angelegenheit: ein vorzüglicher R a s e n st ü b e r für unsere„Genossen", die sich nie genug tun können in Ver- höhnung deS nationalen Gedankens und in haltloser Jnter- Nationalität. Uebrigen»: DaS hätte selbst der„Vorwärts" eigentlich schon vorher merken können, daß die schwedischen Arbeiter in diesem Kampfe nicht mit Waffen kämpfen, welche die seinen sind, und deren Führung, wenn sie sich weiter wie bisher bewährt, für sie ein Ruhm bleiben wird, auch wenn sie in dem Ringen unterliegen." Auf die Sache selbst werden wir noch eingehender zurück- kommen; das aber wollen wir der sicbengescheiten Redaktion der „Tägl. Rundsch." schon heute verraten, daß sie mit ihren blöden Anpöbelungen der.VorwärtS"-Ncdaktion geradezu jammervoll da- neben gehauen hat. Denn der strittige Artikel entstammte keine»- Wegs der„Vorwärts"-Redakiion, sondern der Feder eines guten Kenners der schwedischen Verhältnisse, der überdies der G e w e r k- schaftsbewegung besonders nahe steht. Hat eS danach mit dem„hypermarxistischen Schema" des„Vorwärts", von dem „Sozialdemokraten"(allerdings nach der ersten unzulänglichen Information) sprach, schon seine eigene heitere Bewandtnis, so wirkt die„plumpe K a m e r a d s ch a f-t l i ch k e i t", mit der sich „Post" und„Tägl. Rundsch." den schwedischen Arbeitern ausdrängen, vollends zwerchfellerschütternd._ Das Inkrafttreten des Tabakstenergesehes. Mit dem 16. August tritt die zweite Serie der neuen Reich?- steuern in Kraft: daS Tabaksteuergesetz. Die letzten Wochen standen angesichts der Erhöhung der Zigarrenprcise iin Zeichen des Tabak- engroSeinkaufs, so daß die Zigarrengeschäfte zurzeit ihre Beständi fast alle ausverkauft haben, da die Fabriken seit acht Tagen etwa neue Vorräte nicht mehr zu den alten Preisen liefern. Nach den Ausführungsbestimmungen find die am 16. August im Besitze von Händlern und Privaten befindlichen Zigarren inländischen Ur- sprungS nicht nachzuverzollen, jedoch werden ausländische Zigarren mit i Pf. Nachsteuer pro Stück belegt, das Gleiche gilt für noch nicht bearbeitete ausländische Tabakblätter(vierzig Prozent Zuschlag des Wertes respektive 27 und 12 M. für den Doppelzeictncr bei geschnittenen, 86 und 16 M. für entrippte Tabalblätter). D!: erhöhten Zölle für Tabalerzeugnisse und fertige Zigarren treten mit dem 16. August in Ltraft, so daß die Fabrilcn von diescin Tage an nur noch zu erhöhten Preisen liefern werden. Der Zoll beträgt in Zukunft für Tabakblätter 85 bis 180 M. pro Doppelzentner, fü- Schnupf-, Kau- und Pfeifentabak 300 M., für geschnittene Rauch- tabake 700 Tl., für fertige Zigarren 270 M. Ferner wird für Tabai- blätter und Zigarren ein Zollzuschlag von 40 Pro z. des Wertes erhoben. Die Preise für Zigarren werden bei 5 Ps.-. 6 Pf.- und 7 Pf.-Zigarrcn uin 1 Pf., bei 8 Pf.- und 10 Pf.-Ziganeu um 2 Pf., bei 12 Pf.« und 15 Pf.-Zigarren um 8 Pf., bei 20 Pf.« Zigarren um 4 Pf. pro Stück verteuert. Den Zigaretten hat man noch eine vierzehntägige Gnaden- frist gewährt, die Erhöhung der Zigarettenpreise tritt erst an» 1. September in Kraft. Die Steuer beträgt 2 bis 15 M. für da» Tausend. Die 1 Pf.-Zigarette dürste gänzlich verschwinden, da das billigste Tausend dann 12 M. kostet. Die 1 Pf.-Zigarette wird IVi Pf-, die 2 Pf.-Zigarette 3 Pf., die 3 Pf.-Zigarette mindestens 4 Pf., wahrscheinlich 4'/, Pf. im Einzelverlauf kosten. Eine Berliner Zentrumszeitung Roerenscher Richtung. Die Bitter-Boonekamp-Roerensche Richtung in der Zentrums- Partei will zur Vertretung ihrer spezifisch katholischen Weltanschaunng ein besonderes Zentrumsblatt in Berlin gründen. Zwar steht die „Germania" völlig unter dem Einfluß des hohen Klerus und ihr Ableger, die„Märkische Volk.ztg." kann sich an Devotion vor dem Episkopat und an jesuitischer Skrupellosigleit mit den frömmsten Kirchenblättern messen; aber den Herren Bitter, Frick, Roeren und Underbcrg(letzterer betreibt neben seiner Seelenrettnng noch die Fabrikation des bekannten Boonekamp-SchnapfeS mit der Devise „Somxor idem") genügt das noch nicht. In einem der„Kölnischen Volkszeitung" auS den Kreisen der Zenwumsfraktion zugegangene.! Schreiben heißt es unter Hinweis auf die Leitsätze der Öfter- dienStagSkonferenz: „Der ganze Vorstoß ist eine neue Auflage deS alten Streite», ob„katholische" Fachabteilungen oder„christliche" Getverlschaftei:. Es sind dieselben Leitgedanken, eS sind auch zum gf.rcn Teil dieselben Personen, welche der Berliner Bewegung Vorschub oder doch Syinpathien gewähren. Die Artikel in den verschiedenen Organen, welche der Kölner Versainmlnng vorhergingen, und auch der Protollentivurf des Einberufers der„Versammlung", ergaben beides klar genug. Soll doch sogar die Gründung einer neuen großen katholischen Tageszeitung in Berlin geplant tv erden, diedenKa m pffür diese Ideen— gegen die jetzige Zentrum? presse— aufnehmen soll. Wir beinerken aber ausdrücklich, daß wir nicht annehinen, daß die Mitglieder deS Zentrums, welche den Aufruf unterzeichnet haben, bei diesem Plane beteiligt sind. Ebenso wollen wir gern annehmen, daß sie infolge einer glücklichen Inkonsequenz eS nicht befürivorten würden, daß nun in Zukunft etlva regelmäßig ein Delegierter de» deutschen Episkopat an den Fraktionsfitzungen teilnehmen möchte, um zu überwachen, daß nicht der Einklang mit den katholischen Grundsätzen gestört werde. Aber die Herren sollten doch die Auf- stellung solcher Definitionen und Leitsätze lieber denen überlassen, welche in erster Linie dazu berufen sind: Der ZentrumSfrallion und den Herren Bischöfen."_ Das Kölner Osterdienstags-Protokoll und die„Köln. Volkszeitung". In Nr. 182 deS„Vorwärts" haben wir einige kurze Auszüge auS dem Geheimprotokoll der Kölner OsterdienStagSversammlung ver- öffentlicht und dabei die Vermutung ausgesprochen, daß die Druck- legung„wahrscheinlich auf Veranlassung der engeren Parteifreund- der„Köln. Bolksztg." erfolgt sei. Der„Köln. VollSztg." scheint diese Vermutung, wie begreiflich ist, sehr unbequem zu sein, denn sie antwortet darauf mit folgender langen Epistel: Vor einigen Tagen ist eine Broschüre erschienen mit dem Titel:„DaS Kölner OstcrdienstagS-Protokoll". Von Athanasius. Bonn, Karl Georgi 1309.) Diese Broschüre enthält den wört- lichen Abdruck der vielbesprochenen Niederschvist jener Konferenz vom 23. April d. I. Die in die ganze Angelegenheit besonder? hineingezogene„Kölnische Vollszeiwng" steht dieser Broschüre vollständig fern. Weder der Redaktion noch dem Verlag ist von dieser Veröffentlichung irgend etwas bekannt ge- Wesen, ehe die Broschüre gedruckt vor unS lag. Die Leser der „Kölnischen Volkszeitung" werden sich erinnern, daß wir jeiih? „Protokoll", daS sich seit Mitte Juni in unseren Händen' befand. mit äußerster Zurückhaltung behandelt haben. Wir machten von seinem Inhalt nur andeutuiigslveise, und bezüglich der zehn Teil- nehmer an jener Zusammenkunft in vorsichtigster Weise Gebrauch, ohne ihre Namen zu nennen. Man wird eS daher verstehen, wenn wir die Bonner Veröffemlichung aufs äußerste bedauern und den— unS unbekannten— Kreisen die Verantwortung dafür überlassen müssen, die glaubten, fie in diesem Augenblick veranlassen zu sollen. Wir können schließlich auf das bestimmteste versichern, daß auch die Leitung derrheinischen Zentrumspartei wie der Volksverein für daö katholische Deutschland mit der Veröffentlichung deS Protokoll» nicht daS mindeste zu tun haben. Zu dieser Feststellung haben wir um so mehr Veranlassung, als der„Vorwärts", das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, am 7. d. M. schon die gänzlich falsch- Verdächtigung ausspricht, das„Geheimprotokoljl sei in vollem Wortlaute wahrscheinlich auf Ver- anlassung der engeren Parteifreunde der„Köln. VolkSzeitung" erschienen". Bewiesen wird durch diese Entschuldigungen selbstverständlich gar nichts. Wir haben nicht von der Redaktion der„Köln. Volk?-- zeitung", sondern von ihren„engeren Parteifreunden", d. h. von jenen ZentrumSpolitilern gesprochen, die mit ihr an demselben Strange ziehen. Ob nicht aus diesem Kreise heraus die Veröffent- lichnng des Gehe!mprotokolls erfolgt ist. kann das Kölner klerikale Älalt aber gar nicht wissen. Die Herren Boonelamp-Underberg, Witter. Noeren usw. hatten doch sicherlich kein Interesse an der Wer- ösfentlichung. sondern lediglich die»Köln. WollSztg.* und ihre Freunde._ Das Zengniszwangsverfahrett» daS(wie der„Vorwärts� in seiner Nummer 173 mitteilte) bor einigen Tagen vom Schöffengericht in Opladen(Kreis Solingen) gegen den verantwortlichen Redakteur der.Bergischen Arbeiter- stimme", Genossen HanS Deisel, in zwei Fällen verhängt wurde, begegnet auch in bürgerlichen Preßorganen schärfster Verurteilung. So wird beispielsweise der„Frankfurter Zeitung", anscheinend von einem im Gerichtssaale anwesenden Juristen, zu der Affäre u. a. folgendes geschrieben: .Den bereits zahlreichenGroßtatendesZeugnis« Zwangsverfahrens ist eine neue hinzuzufügen, die den Um- ständen, unter denen sie zustande kam, eine besonders krasse Beleuchtungvcrdankt. Während man nämlich bisher noch glauben konnte, daß die richterliche Aufforderung zur Verletzung des Berussgeheimnisses wenigstens auf solche Fälle beschränkt bleiben würde, Ivo ein Zeitungsartikel den Gegenstand eines Prozesses bildet, also die Ermittelung des Verfassers oder seiner GeivährS- männcr irgendein direktes Interesse bietet, so ist man jetzt eines Besseren, oder richtiger gesagt, eine? Schlimmeren belehrt: die Presse ist dem ZcugniSzwangSverfahrcn auch dann schon aus- gesetzt, wenn in einem Privatbeleidigungsprozesse eine der Parteien den Wunsch äußert, die Herkunst eines Artikels (bezw. die Gewährsmänner) kennen zu lernen, der nur in mittelbarer Weise in den schwebenden Prozeß hineinspielt. So lagen die Dinge in der Tat in dem vorliegenden Prozeß. Nach Besprechung der materiellen Seite der Sache kommt die Frankfurterin zu dem Schluß: Es ist zu hoffen, daß die von dem Redakteur eingelegte Beschwerde zu der juri- bischen Feststellung führen wird, daß es sich hier um einen offenkundigen Mißbrauch dcS Zcugnis- zwangSverfahrenS handelte, gegen das der Redakteur i n dem vorliegenden Falle schon durch daS straf- prozessualische Prinzip hätte geschützt sein sollen, daß niemand zu einer Aussage in einer Sache gezwungen werden kann, in der er selber zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden kann." Außerordentlich interesiant ist die Haltung der Zentrums- presse in diesem Falle. Man wird sich wohl noch der mutigen Worte erinnern, die die Zentrumspresse fand, als seinerzeit das Zeugniszwangsverfahren gegen den ZentrumSredaktenr Erzberger eingeleitet wurde und wo daS Zentrum vorgab, eine Aktion gegen den ZcugniSzwang der Redakteure vorzubereiten und Material in diesem Sinne zu fummeln. Heute schweigen alle Flöten und so etwas wie Scham scheint die schwarzen Schnapsblockblätter erfaßt zu haben, denn die Tatsache, daß zwei Zentrumsjuristen(Vorsitzender des Gerichts und Anwalt des Beklagten) daS ZeugniSzwangSverfahren beantragten bezw. beschlossen, scheint ihnen nicht gerade angenehm zu sein. Der»Opladener Bote". daS offizielle ZentrumSorgan für den unteren Kreis Solingen, dessen Redakteur Herr Stoffels in der fraglichen Schöffen- gerichtssitzung anwesend war und sich fleißig Notizen machte, hat es bis heute, nach mehr als einer Woche, noch nicht über sich bringen köimen, seine Leser über die Vorgänge in der genannten Gerichts- Verhandlung zu unterrichten. Wie es heißt, hat der erzbischöfliche Stuhl in Köln seine Hände im Spiel, der die Affäre am liebsten totschweigen möchte._ Landratliche Funktionen. Wie so manche anderen Beamtenkategorien klagen auch die Land- räte über Ueberbürdung. Das ist begreiflich, denn ein preußischer Landrat hat viele Aufgaben; er ist sozusagen das»Mädchen für alleS". Er hat die konservative Agitation in seinem Kreise zu leiten, den konservativen BereinSversammlnngen beizuwohnen und gute Rat- schlüge zu erteilen, auf den Jagd- und sonstigen Festen der Ritter- gutSbesitzer würdig die Staatsgewalt zu repräsentieren, das Kreisblatt zu instruieren und dessen Redaktion zu über- wachen, auf Kriegcrfesten für die nötige patriotische Be« geisterung zu sorgen usw. usw. Außer dieser nichtamtlichen politischen Tätigkeit ist der Landrat aber auch noch mit allerlei amtlichen Funktionen geplagt. Und wie mannigfaltig diese sind, das zeigt folgender hübsche Bericht des freisinnigen.Hamb. Fremden- blattS": Der Landrat des Kreises Pinneberg ist beauftragt worden. dem Häuptling einer in HagenbeckS Tierpark sich gegenwärtig produzierenden Somalitruppe das Allgemeine Ehrenzeichen anzuheften. Angeblich hat der gute schwarze Mann bei der Beschaffung von Kameln für die Schutztruppe beim südwestafrikanischcn Aufstand Hilfe ge- leistet. Wir glauben aber, daß diese um mehrere Jahre verspätete Auszeichnung unterblieben wäre, wenn nicht der Häuptling ein neues Verdienst seinem früheren hinzugefügt hätte. Er produzierte nämlich seine Knnststückchen vor wenigen Wochen vor dem Kaiser. Der Landrat reiste von Pinneberg nach Stellingen, um dem Häuptling die kaiserliche Auszeichnung persön« lich zu uberreichen. Es wird nicht mitgeteilt, ob dem Landrat.befohlen" war, diese Form der Ueber- reichung zu wählen, oder ob er aus eigener Macht- Vollkommenheit die Gelegenheit ergriff, sich seines Auftrages in dieser Form zu entledigen. Der Landrat hat aber auch die Gemeindevertretung von Stellingen- Langenfelde zu der feierlichen Ueberreichung eingeladen! Der stellvertretende Gemeindevorsteher tat den Gcmeindeverordneten in einem besonderen offiziellen Schreiben kund und zu wissen, daß der Herr Landrat persönlich„eine kaiser- liche AuSzeichrnmg" dem Herrn Häuptling überreichen werde, und der Gemeindediener wurde bemüht, um von einem Stadt- verordneten zum anderen zu pilgeni und die Einladung zur Teil« nähme an der Ucberreichungszeremonie. die sich im Tierpark abspielen sollte, zu überbringen. ES fand sich wirklich der stellvertretende Gemeindevorsteher mit einigen anderen Gemeindevertretern ein, und in ihrem Kreise entledigte sich der Landrat mit Worten, die für den Häuptling sehr schmeichelhaft waren, deS kaiserlichen Auftrages. Vielleicht wird»nancher denken, die Auszeichnung des edlen Somalihäuptlings durch das Allgemeine Ehrenzeichen wäre besser unterblieben, oder wenn doch einmal die Brust des Häuptling? dekoriert werden sollte, dann hätte ihm das Ding per Post zugeschickt werden können, doch alle, die so profane Gedanken hegen, kennen nicht die Würde deS preußischen KulturstaateS. Goldene Jugend. Der Bonner»Volksmund", ein kleines klerikales Blatt, bringt folgengen Bericht über einen von Bonner Husaren-Einjährigen und Korpsstudenten verübten Ueberfall und Angriff auf einen in Bonn, Nordstraße öS, wohnenden Husaren-Einjährigen-Unteroffizier, den Sohn eines Linzer Gewerbetreibenden: »In besagter Nacht— es war gegen S'/z Uhr fuhr vor seinen, Hause eine Droschke vor. ES cntsticgcn ihr nicht weniger als zehn Mann: halb Husaren-Einjährige, halb Angehörige eines Bonner Korps mit den bekannten weißen Stürmern. Und nun ging ein Hexensabbat lo-Z, der aller Beschreibung spottet. Unter wüstem Lärm und Geschimpfe drang man auf die Häustür ein. Ohne daß von innen geöffnet wurde, erlangte man Einlaß ins Haus. Im Flur wurde die erste Tür bestürmt. Sie führte iudss nicht zur Wohnung des Gesuchten. Ein Fahrrad, daS unten an der Treppe stand, ging in Stücke. Während einer bor der Haustür Wache hielt, stürmten die übrigen die Treppe hinauf. Die Tür zum Salon deS Unteroffiziers wurde eingetreten, im Innern alles drunter und drüber gestürzt, Möbel beschädigt, Bücher am Fenster hinausgeworfen. Weithin hörte man Rufe wie:„Du bist nicht satiSfaktionsfähig I" „Der Waschlnpp, der Wasserkopp." Und dann klangen durch die Nacht Hilferufe. Unteroffizier Feith stieß sie aus, denn mittler- weile waren die Eindringlinge in sein Schlafzimmer gestürzt, hatten an ihm ihren Rlut gekühlt und das Bettzeug zum Fenster hinausgeworfen. Dann verließ der nächtliche Besuch das HauS wüst und lärmend. Und als Hausbewohner ihnen Vorhaltungen machten, warfen die Herrschaften mit Stücken Basalt- und Ziegelsteinen." Und was war die Ursache dieses niederträchtigen Ueberfalles? Der Ueberfallene, ein strenger Katholik, soll sich wegwerfend über das Duell und das KorpZstudententum ausgesprochen haben. Wir sind sicherlich für die Fürsorgeanstalten und ihre Straf- Praxis nicht eingenommen; aber den Teilnehmern an diesem Ueber- fall könnte eS wirklich nichts schaden, wenn sie für einige Zeit der Anstalt in Mielczyn als Fürsorgezöglinge überwiesen würden. Eine Leuchte des Nntionalliberalismus. Der Reichstagsabgeordnete Dr. S e m l e r, der nach Berichten Her JentrumSpresse— i die Abkommandierung eines nationalliberalen Abgeordneten angeboten hatte, um die im Jnter- esse der Beamten von der eigenen Fraktion in der Budgetkommission gestellten Anträge zu Fall zu bringen, hat auch bei einer anderen Gelegenheit seine zur Schau getragene Veamtenfreundlichkeit mit seiner inneren/Ucberzeugung nicht in Einklang zu bringen vcr- mocht. Es mat in einer der letzten Sitzungen, der Kampf tobte um die Einreihung der verschiedenen Beamtenkategorien in die ihrem Range entsprechende Gehaltsklasse. Bei einem von den sozialdemokratischen Mitgliedern der Kommission gestellten Antrage. eine Kategorie von Unterbeamten in eine höhere Gehaltsstufe zu bringen, als in der Regierungsvorlage vorgesehen war, erhob bei der Abstimmung auch der Abgeordnete Dr. Semler als letzter zaghaft die Hand und seinem Mund« entrangen sich die Worte: „Nun, hoffentlich wird der Antrag abgelehnt."— Der Wunsch dieses Gemütsmenschen, der für einen Antrag stimmte, dessen Abehmmg er wünschte, ist in Erfüllung gegangen, der Antrag wurde richtig abgelehnt._ Annahme des württembergischen Volksschulgesetzes. Die Erste Kammer hat heute das Volksschulgesetz unter Zu- stimmung zu den Beschlüssen der Zweiten Kammer mit 23 gegen 8 Stimmen angenommen. Die Mehrheit erklärt, daß sie von dem Gedanken durchdrungen sei, daß das Scheitern des Gesetzes im Hinblick auf das Wohl der Volksschulen zu beklagen wäre. Die Beschlüsse des anderen Hauses bedeuteten ein so weites Entgegen- kommen, daß die Mehrheit angesichts der dem Gesetzentwurf drohen- den Gefahren ihm zustimmen könne, wenn auch mancher Wunsch unerfüllt bleibe. Das Gesetz ist damit endgültig angenommen. Militärjustiz. DaS Kriegsgericht in Hanau verurteilte den Schriftsetzer Oskar Nuschke aus Creußen i. Th. wegen Achtungsverletzung, Drohung vor versammelter Mannschaft und Preisgabe von Dtenstklcidern zu 2Vs Jahren Gefängnis. Der Mann war lange Zeit außer Arbeit und drei Tage nach- dem er endlich wieder Arbeit gefunden hatte, wurde er zu einer tägigcn Reserveübung eingezogen. Vor Wut darüber trank er etwa 3l) Glas Bier und eine Ouantität SchnapS und beleidigte dann in seiner Trunkenheit den Unteroffizier, der ihn einkleiden sollte. Er erklärte, diese militärischen Uebungen seien sein Ruin. Einige Tage später flüchtete er. stellte sich aber an der französischen Grenze der Behörde und wurde in Haft genommen. Der Anklagevertreter, GerichtSassesior Laubersbach- Frankfurt, ließ zunächst die Anklage wegen Widerstandes fallen, wetterte dann aber in seiner Rede gegen die revolutionäre Sozialdemokratie, die allein für die Taten des Nuschke verantwortlich zu machen sei. Der Angeklagte sei daS Opfer der systematischen Verhetzung durch die Internationale, er beantrage 2'/. Jahre Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten- st a n d e s. Das Gericht erkannte auf diese Strafe, nachdem ein Antrag des Verteidigers, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand zu untersuchen, abgelehnt worden war. Der Ge- richtsassessor Laubersbcrch hat sicher noch eine große Zukunft bor sich. Er scheint sein Beispiel an dem ehemaligen Staatsanwalt Romen genommen zu haben, der in öffentlicher Gerichtsverhand- lung die Sozialdemokratie des Meineides bezichtigte, und der es heute bereits bis zum Geheimen KriegsgerichtSrat gebracht hat. Ein Soldatenschinder. Vor dem Kriegsgericht der 12. Division in Neiße hatte sich der Unteroffizier Karl Kacse vom 23. Jnf�Reg. zu verantworten. In der Verhandlung wurden 103 Mißhandlungsfälle festgestellt. Haupt- sächlich waren es Rekruten, die er gcgnält hatte. Der saubere Patron wurde zu fünf Monaten Gefängnis und De- gradation verurteilt._ Kreta. Ueber den türkischtgriechischen Konflikt laufen nur spar» liche Mitteilungen ein. Die türkische Negierung hat die griechische Entgegnung auf ihre Note entgegengenommen, aber noch nicht darauf geantwortet. Der Ministerrat wird sich erst heute mit der griechischen Antwort befassen, doch wird schon im voraus angenommen, daß er sie als unbefriedigend be- zeichnen wird. Die Lage wird dadurch erschwert, daß die Pforte sich von Ansang an auf ihr weiteres Verfahren fest- gelegt hat, indem sie die Abreise des türkischen Gesandten aus Athen androhte. Die Absicht einer Kriegserklärung scheint aber auf türkischer Seite nicht mehr zu bestehen. Kanca, 11. A u g u st.(Meldung der Agence HavaS.) Die kretische Regierung scheint im Prinzip geneigt, den Forderungen der Schutzmächte in betreff der Flaggenfrage auf der Festung von Kanea zu entsprechen, doch sei es mit Rücksicht aus innere Schwierigkeiten wünschenswert, ihr eine gewisse Frist zu ge- währen.__ Cnglsncl. Die Wiederaufnahme der Etatsberakung London, 0. August.(Eig. Ber.) Für die britischen Parka. mentsmitglieder gibt es vorläufig keine Aussicht auf Ferien. Die Session hat bereits ö Monate gedauert und doch ist kaum ein Siebentel der Finanzvorlage durchberaten. Heute werden die Beratungen wieder aufgenommen. Die Finanzvorlage ist eine Spezifikation der im Etat bor- gesehenen Steuern. Sie besteht aus 74 Klauseln und mehreren Beilagen. Bis jetzt wurden nur 10 Klauseln, die die neuen Grund. und Bodensteuern behandeln, erledigt. Es bleiben noch folgende Klauseln: 10. Steuer auf den Wert von Bauplätzen, die(aus Speku» lationsgründen) brach liegen. 11. Die zu berücksichtigenden Aus- nahmen. 12. Steuer auf Berggerechtsame. 13. Steuer» exekutionen. 14 bis 21 behandeln Steuereinschätzungen von Grund und Boden und Mineralien. 22 und 23 betreffen Einlegung von Berufung gegen Einschätzung. 24 und 25 handeln von Ländereien, die von öffentlichen Behörden verwaltet werden. 27. Definitionen. 28. Anwendung der Vorlage aus Schottland. 29 bis 38 Schank- lizenzen.'40 bis 45 Erbschaftssteuer. 46 bis 51 Einkommensteuer. 52 bis 59 Stempel und Börse. 60 bis 66 Zölle und Verbrauchssteuern. 67 bis 70 Lokalregierung und Straßen..71. Staats- schuldendicnst. 72 bis 74 Allgemeines.— Es dürfte sich bei dieser Gelegenheit empfehlen, die neuen Steuern, die der Etat zum Zwecke der Deckung deS Defizits vorschlägt, ins Gedächtnis zu rufen: Steuer auf unverdiente Einkommen, sowie auf alle Ein» kommen von über 8000 Pfund Sterling: 1,20 M. pro 20 M. Zusatzsieuer auf Einkommen von über 5000 Pfund Sterling: 0,50 M. pro 20 M.; diese Steuer beginnt schon bei demjenigen Ein- lommenSteile, der über 3000 Pfund hinausgeht,. Erhöhung der Erbschaftssteuer, der Automobilsteuer, der Schanklizenzen, der Stempel- und Vörsensteuer, des Tabakzolls, der Verbrauchssteuern auf Spirituosen. 20 Prozent Steuer auf unverdienten Bodenwertzuwachs; 10 Prozent Steuer bei Rück- Übernahme deS Grund und Bodens durch den Grundherrn nach Ablauf deS Pachtvertrages; unentwickelter städtischer Boden: vier Pfennig pro 20 M. des Wertes.— Ueber die letztgenannte Steuer beginnt heute die Beratung.— Um der Mutlosigkeit zu steuern, die in der konservativen Partei eingerissen ist, sollen die Parteiführer demnächst Agitationstouren im Lande unternehmen. Der Feldzug wurde letzten Sonnabend von Lord Lansdowne eröffnet. In seiner Rede sprach er die Ansicht aus, die Lords sollten eS auf eine Verwerfung des Etats und auf eine Parlamcntsauflösung ankommen lassen:„Wir er- kennen an," sagte Lansdowne,„daß der Wille deS Volkes in unserem Lande maßgebend ist. Und wir verlangen, daß dem Volke volle Gelegenheit gegeben wird, seinen Willen mit vollständiger Kenntnis deS Gegenstandes auszusprechen- Das ist kein unvernünftiges Verlangen; und in dieser Frage sind wkr bereit, den Kampf aufzunehmen." Am selben Tage sprach der Handelsminister W i n st o n Churchill für den Etat. Aus seiner Rede ist folgende Stelle bemerkenswert:„Die Regierung ist sich des Ernstes der Lage be- wüßt. Sie ist entschlossen, ihre Politik durchzuführen. Das Schick- al der liberalen Regierung ist mit dem Schicksal des Etats ver- nüpft. Wir bewerten unser Amt nach dem Maße der Gelegen- heit, die eS uns gibt, unsere Politik zu verwirklichen. Wir setzen unsere Hoffnungen auf die Unterstützung des Volkes und nicht auf parlamentarische Manöver. Wir haben Vertrauen zum Volke; wir rechnen auf das Volk, und mit Hilfe deS Volkes werden wir siegen." Spanien. Erlast deS Generalkapitäns boa Barcelona. Daß zwar zurzeit in Barcelona wieder die heilige Ordnung regiert, aber im stillen die Volkserbitterung fort- glimmt, zeigt folgende Proklamation, die der Generalkapitän von Barcelona an allen Straßenecken anschlagen ließ: „Mir ist zu Ohren gekommen, daß von den Feinden der öffentlichen Ordnung fortgesetzt Versuche gemacht werden, die ordentlichen Arbeiter zu überreden, die Arbeit niederzulegen. Da ich aber fest entschlossen bin, nicht die gering st e Ruhestörung zu dulden, so?ufe ich meine Kundgebung vom 26. Juli in aller Gedächtnis zurück und erkläre, daß ich gegen jeden Versuch, die Ruhe und Ordnung zu stören, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln rücksichtslos einschreiten werde. Wer auf frischer Tat bei Arbeits st örun- gen. Plündern nglen oder B.ranvleguugen er- tappt wird, den stelle ich sofort vor daS Hin. richtungspeloton. Darum erwarte ich, daß jeder sich sein Tun und Handeln überlegt und sich der Verantwortung dabei bewußt wird. An die friedliebenden Bürger von Barcelona aber wende ich mich mit der Mitteilung, daß sie stets bei mir Schutz finden werden."_ Zur Charakteristik des spanischen KlcrnS. Der Madrider Korrespondent der»Voss. Ztg." berichtet seinem Blatt: „Oft ist in klerikalen Blättern die im Volke herrschende Mri- nung, daß die Jesuiten moderne Rcpetiergewehre und sogar Schncllfeuergeschütze besitzen, um sich gegen BolkSangriffe zu ver- teidigcn. als blödsinnige Fabel bezeichnet worden. Stun hat eS sich erwiesen, daß eines der wenigen Klöster, die in Barcelona dem Verderben entgingen, das in der Calle de Cospe gelegene Jesuiten- klostcr war, dessen Insassen, Patres und Zöglinge, jeden An- griff mit Gewehrschüssen zurückwarfen. In einem klerikalen Blatte(„El Pucblo Vasco") liest man unter der Ueber- schrift:„Rechtmäßige Verteidigung" folgende Zeilen:„Einem Brief eines Kapuzinermönchs entnehmen wir nachstehendes: Hier in Jgnalavla hat die Revolution fünf Tage gedauert. Der Mob wollte unser Kloster stürmen, aber er sah davon ab, als er die Wahrnehmung machte� daß wir bewaffnet waren und entschlossen, ihm eins auf den Pelz zu brennen. Ich bin im Handhaben von Waffen nicht sehr bewandert, habe mich aber genötigt gesehen, die Rolle eines Anführers zu übernehmen und die Befestigungswerke des KlosterS zu leiten. Vier Nächte hintereinander habe ich mit den Waffen in der Hand verbracht und jede Nacht bloß zwei oder drei Stunden geschlafen. In diesem Augenblicke, während ich Dir schreibe, habe ich in meiner Zelle drei Flinten und vier Revolver mit dem entsprechenden Schieß» bedarf... Also nicht allein die Jesuiten, auch die Kapuziner, wahrschein- lich die meisten Ordensgenossenschaften besitzen Waffen. ES ist dies eine unumstößliche Tatsache. Sie sind ihrer Beliebtheit im Volke bewußt und richten sich danach ein. Seit den blutigen Vorgängen in Osera, die in ganz Spanien so große Erbitterung hervorbrachten, dürften die Klöster ihre Be- waffnung vervollständigt haben. Friede auf Erden den Menschen, die Mauser- gewehre abzuschießen willens sind und die frohe Aotschafjt In die Majssen hanieinlnaDUnr* Italien. Ein Nefcrcndum über den Zarcnprotest Rom, 9. August.(Eig. Ber.) Das Exekutivkomitee der Kon. federation der Arbeit hat sich angesichts der zweifelhaften Auf. nähme, die die Tagesordnung des Ausschusses der Konfederation gesunden hat, entschlossen, unter den konfederierten Arbeitskam- mern und Zentralverbänden ein Referendum anzusagen. DaS Referendum enthält die folgenden Fragen: Seid Ihr der Ansicht, daß am Tage des ZarenbesuchZ in ganz Italien und in allen Gewerben und allen öffentlichen Diensten der Generalstreik zu proklamieren sei? Im Falle einer beiahenden Antwort könnt Ihr den Erfolg deS Generalstreiks in dem Bereich Eurer Arbeitskammer gewähr- leisten? Habt Ihr anderweitige Vorschläge zu machen? Dieser Fragebogen ist an 60 Arbeitskammern, 15 Zentralver- bände und die 30 Mitglieder des Ausschusses der Konfederation versandt worden. Als äußerster Termin für die Antwort ist der 16. August angesetzt worden. Wer bis dahin nicht anwortct, wird als Verfechter der Thesis der Konfederation angesehen, also als Gegner des Generalstreiks. Es ist dies eine durchaus willkürliche und, unseres Erachtens. ganz unstatthafte Interpretation der Stimmenthaltung. Die Organisationen von A p u l i e n haben bereits für den Fall des Zarenbesuches in ihrer Region den Generalstreik beschlossen und alle Vereinbarungen auch mit den starken Landarbeiter, organisationen getroffen. Gcwerhrcbaftlkbee. Dke Frankfurter Gewerkschaften im Jahre 1908. Nach dem soeben erschienenen 10. Jahresbericht deS Ar- beitcrsekretariats und des Gewerkschaftskartells zu Frankfurt am Main ging der Mitgliederstand der Frankfurter Ge- werkschaften von 33577 Ende 1907 auf 31 9 53 am Jahresschluß 1908 zurück. Dieser Rückgang ist eine Folge der Krise. Tie Bau- berufe hatten den größten Mitglicderverlust zu verzeichnen; Zu- nahmen konnten nur wenige Gewerkschaften konstatieren. Trotz des Mitgliederrückganges erhöhten sich die gesamten Einnahmen der 52 dem Kartell angeschlossenen Verbände von 1 311 817,22 M. im Jahre 1907 auf 1305164.83 M. im Jahre 1908. Die Ausgaben für die einzelnen Unterstützungszweige w u ch s e n e n o r m, so daß den Zentralkassen im Jahre 1908 nur 305 530,46 M. gegenüber 430 416,20 M. im Jahre 1907 überwiesen werden konnten. Die Ausgaben für Arbeitslose� wozu ein guter Teil der Summe, die als Krankcnunterstützung verbucht ist, hinzuzurechnen wäre, sind erschreckend gewachsen. Insgesamt stiegen bei den 52 Gcwerk- schaften die Ausgaben für Arbeitslose von 61 438,28 M. im Jahre 1907 auf 122 014,41 M. im Jahre 1908, also um rund 100 Proz.! Für Reisende wurden 30 444,07 M. gegenüber 26 125,91 M. im Vorjahre verausgabt� und für Kranke betrug die Ausgabesumme 201 984,17 M. gegenüber 147 580,62 M. im Jahre 1907. Die Ausgaben für Streik- und Gemaßregeltenuntcr- stützung fielen dagegen von 206 823,61 M. im Jahre 1907 auf 104 635,89 M. im Jahre 1908, Insgesamt flössen den Arbeits- losen am Platze, den Zureiscnden, den Kranken und Invaliden, den in besondere Not Geratenen und den Hinterbliebenen 386 986,60 M. aus den Kassen der Frankfurter Gewerkschaften zu, wobei die Be- träge für Streiks und Umzugskosten nicht berücksichtigt sind. Die Berichte der Arbeiter, und Gewcrkschaftssekretäre ent- halten in diesem Jahre besonders wertvolles Material. Das Ar- beitersekretariat hatte im Jahre 1889 eine Frequenz von 16 076, im Jahre 1903 von 28 758 und 1908 von 29 721 Personen. Rund 267 000 Ratsuchende nahmen in den 10 Jahren die Hilfe der Sekre- täre in Anspruch, und nicht weniger als 59 510 Schriftstücke wurden für sie angefertigt. Von den 261549 Besuchern des Sekretariats waren 137 062 organisiert, und 56 584 weiblich; 67 689 kamen von auswärts. Aus diesen Zahlen geht das segensreiche Wirken des Instituts zur Genüge hervor. Berlin und ümgegend. Achtung, Mitglieder deS MetallarbeiterverbandeS. Um den vielen Wünschen unserer Mitglieder entgcgenzu- kommen, haben wir von der Gewerkschaftskommission eine größere Anzahl Sammellisten für die schwedischen Genossen entnommen. Diese Listen sind von heute an in unserem Bureau» Charitöstr. 3 III, zu haben. Wir ersuchen unsere Vertrauensleute, sich mit Listen zu ver- sehe», damit die Metallarbeiter bezüglich der Unterstützung des Kampfes in Schweden nicht hinter anderen Gewerkschaften zurück- stehen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Töpfer! Die über die Firma Jürgens(Weißensee) verhängte Sperre ist hiermit aufgehoben. Wegen Nichtbezahlung des Tarifes und Beschäftigung von Wilden verhängen wir hiermit über die Firma Liebenow die Sperre. In Frage kommen die Bauten: Reinickendorf-West, Eich- bornstraße und Antonienstraße. Gleichzeitig weisen wir auf die im heutigen„Vorwärts" er- schienene Bauvertrauensmännerversammlungs-Annonce hin. Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen. Die Verbandsleitung. DeutfeKes Reich. Tarifverträge im Holzgewerbe. In B o ch u m sowie auch in Gladbeck wurden für das Holz- gclverbe weitere Verträge zwischen dem Arbeitgeberbunde und dem Holzarbeiterverband zum Abschluß gebracht- ES wurde dadurch einer Arbeitseinstellung vorgebeugt. Die Verhandlungen gingen unter Leitung des Beigeordneten der Stadt Essen, Herrn Rath, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Einigungsamtes für das Holzgewerbe im Industriegebiete vor sich.'Es wurde für Bochum vertraglich festgelegt: die Einführung der neunstündigen Arbeits- zeit an Stelle der bisher üblichen Olf-stündigen während der Vertragsdauer, desgleichen eine staffelweise Lohnerhöhung von ins- gesamt 5 Pf. Der Durchschnittslohn wird von 53 auf 58 Pf. ge- steigert.— Ueber die Frage der Bauzulage wurde eine Verständi- gung nicht erzielt: es wurde deshalb Herrn Rath die Fällung eines Schiedsspruches hierüber übertragen. Der Schiedsspruch selbst steht noch aus. Für Gladbeck wurde an Stelle der bisher üblichen lOstündigen die O�stündige Arbeitszeit, sowie eine Lohnsteigerung von ins- gesamt 5 Pf. während der Vertragszeit zugebilligt. Der Durch- fchnittslohn steigert sich von 46 auf 51 Pf. Die Verträge haben bis zum 15. April 1912 Gültigkeit. Die Verhandlungen der Bochumer Tischler, mit den dem Unter- nehmerverbande für das Baugewerbe angehörenden Arbeitgebern, die am Dienstag in Essen stattfanden, und zu einer Einigung ge- führte hatten, sind unerwarteterweise wieder gegenstandslos ge- worden. Während die in Frage kommenden Streikenden gestern (Dienstag abend), gemäß der in Essen vorläufig getroffenen Ver- einbarung beschlossen hatten, heute(Mittwoch) die Arbeit wieder aufzunehmen, haben die Unternehmer in einem Anfalle von Macht- kitzel in ihrer Versammlung beschlossen, Auslese unter den Strei- kenden zu halten. Als sich heute(Mittwoch) morgen die Streiken- den zur Arbeit einfanden, wurde ihnen eröffnet, daß sie alle einzeln um Arbeit nachsuchen sollten._ Der Streik der Dachdecker in Krefeld hat nach einer 15wöchigen Dauer mit einem vollen Siege der Arbeiter sein Ende gesunden. Am 31. März d. I. war der Tarif abgelaufen, den Unternehmer und Arbeiter im Dachdeckergewerbe abgeschlossen. Die Unternehmer hielten die Zeit für günstig, einige bei dem Tarifabschluß wider- willig gemachte Zugeständnisse zurückzuziehen- Es waren dieses die Extravergütungen von 5 Pf. pro Stunde bei Ueberland- und Turm- arbeiten. Unter diesen Umständen verzichteten die Arbeiter auf eine Erneuerung des Tarifes, waren aber entschlossen, sich keine Abzüge gefallen zu lassen. Es dauerte gar nicht lange, da weigerte sich ein Unternehmer, die Zuschläge zu zahlen, und stellten die Gehilfen dort die Arbeit ein. Gleichzeitig wurde über diesen Be- trieb die Sperre verhängt. Sofort erklärten sich die Unternehmer mit ihrem Kollegen solidarisch, und wurden sämtliche Dachdecker ausgesperrt. Verhandlungen lehnten die Unternehmer ab, sie bestanden auf ihrem Schein, sahen sich jedoch schließlich genötigt, die Hand zum Frieden zu bieten. Unter folgenden Bedingungen. ist die Arbeit wieder aufgenommen worden: der alte Tarif gilt weiter, auch die Extravergütungen werden gezahlt. Vom 1. April 1910 wird der Stundenlohn um 2 Pf. erhöht. Die Streikenden werden sämtlich wieder eingestellt, Maßregelungen dürfen nicht stattfinden.— Hier ist also von den Arbeitern in der Zeit der Krise, wenn auch nach hartem Kampfe, ein vollständiger Sieg erfochten worden. Zum Kampf im Baugetvcrbe in Hamburg. Die Verhandlungen bor dem Einigungsamt in Hamburg, die am Mittwoch stattfanden, sind rcsultatlos abgebrochen worden. Die Unternehmer wollten bedingungsweise vom 1. April 1910 ab 3 Pf. und vom 1. April 1912 ab weitere 2 Pf. als Lohnzulage bewilligen. Die Vertreter der Arbeiter erklärten aber, über den 1. Januar 1910 'verantw. Redakteur: Hanl Weber, Berlin. Inseratenteil verantw. als äußersten Termin der Lohnerhöhung nicht hinausgehen zu können. Da beide Parteien an ihren Bedingungen festhielten, konnte eine Einigung nicht erzielt werden. Das Eingiungsamt nahm des- halb von der Fällung eines Schiedsspruches Abstand. Dom Streik der Kieler städtische» Arbeiter. Die Verhandlungen mit dem Magistrat haben noch zu keinem Resultat geführt. Auf die Gegenvorschläge der Streikenden und Ausgesperrten, die in der Versammlung vom 5. August gemacht wurden, hat der Magistrat erklärt, daß der zugesagten Prüfung der Lohnverhältnisse gelegentlich der komnienden Etatsberatung eine Erörterung in den vereinigten Arbeiterausschüssen vorangehen soll. Bei der Wiedcreinstellung"sollen möglichst die nach dem Dienstalter Aeltesten und die Familienväter berücksichtigt werden. In bczug auf die Gewährung irgend welcher Arbeiterfürsorge auf Tot, In- Validität, Krankheit usw. will der Magistrat in jedem einzelnen Falle prüfen und die Sätze nach altem Herkommen gewähren. Die Rückversetzung in die niedrigste Lohnklasse während der„Gewäh- rungsfrist" soll jedoch aufrechterhalten werden. Tie Wieder- erlangung der alten Rechte erfolgte demnach erst nach dem 1. April 1910. Damit würde während dieser achtmonatigen Zwischenfrist für eine ganz beträchtliche Anzahl Ausgesperrter ein Lohnausfall von 20— 70 Pf. pro Tag eintreten. Anstatt Verbesserungen der Lohnverhältnisse kam also eine Verschlechterung zur Geltung. Mit der Beendigung des Kampfes, die allerseits erhofft wurde, ist es noch nichts. Der Kampf dauert vielmehr unverändert fort. Trotzdem wird versucht werden, die Einigungsverhandlungcn fort- zusetzen. Der Streikkoinmission ist dementsprechende Vollmacht von der Versammlung erteilt worden. Erfolgreiche Lohnbewegung. In Leibis i. Th.,�in einem weit vom Verkehr abgelegenen Dorfe bei Sitzendorf im Schwarzathal, haben die Arbeiter der Holz- Warenfabrik Gebr. Fritze eine erfolgreiche Lohnbewegung geführt. Interessant ist dabei, daß es sich um ungelernte Arbeiter handelte, die von den nächsten Dörfern zur Arbeit kommen. Zugleich wirft dieser Streik ein grelles Schlaglicht auf die Verhältnisse in Thü- ringen. Es wurde drei Wochen lang um einen Mindestlohn von 15 M. pro Woche für Arbeiter über 20 Jahre gestreikt. Erreicht wurde-ine Lohnerhöhung von 20 Pf. pro Tag, für später noch mal 10 Pf. den Tag. Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden pro Tag- Versammlungen. Der erste Berliner ReichStagSwaHlkreiS setzte am Dienstag die Generalversammlung vom 3. August fort. W o l de r s k i erstattete den Halbjahresbericht vom 1. Januar bis 30. Juni. Ihren Austritt aus der Landeskirche haben im ersten Kreis 234 Mitglieder voll- zogen. Besonders aufmerksam machte der Vorsitzende die an- wesenden NichtPreußen darauf, sich die preußische Staatsangehörig- keit zu verschaffen, damit sie bei Wahlen stimmberechtigt seien. In den Zahlabcnden müsse mehr in dieser Hinsicht gewirkt werden. Der Mitgliederbestand betrug am 30. Juni 1909 728, darunter 78 Frauen."Angesichts der Tatsache, daß 1907 5042 Stimmen für uns abgegeben wurden, müsse die Zahl unbefriedigend genannt werden. Die Maifeier schloß leider mit einem Defizit von 173,95 M. ab. Hierzu erklärte Wolderski, die Darbietungen bei dieser Fest- lichkeit nicht monieren zu wollen, jedoch solle man in Zukunft etwas mehr Sparsamkeit betätigen, schon mit Rücksicht auf die hohen Anforderungen, die zurzeit an unsere Finanzen gestellt werden. Bezüglich der Lieferung der„Neuen Zeit" an die Bezirks- sichrer werde in nächster Zeit eine andere Regelung eintreten, das gleiche treffe auf die Speditionsverhältnisse zu. Des weiteren unterbreitet Wolderski der Generalversammlung einen An- trag des Vorstandes und der Kreiskonferenz, den Zahntechniker H. Israel, Notzstr. 30s, aus der Partei auszuschließen. Das genannte Mitglied hat als Vorstandsmitglied des„Vereins selb- ständiger Zahntechniker" sich eifrigst um die Wahl des bekannten Dr. Mugdan zum Berliner Stadtverordneten bemüht, was aus folgendem Zirkular hervorgehe:„Verein selbständiger Zahnkünstler der Provinz Brandenburg und Berlin. Berlin-, den 30. 11. 1908. Sehr geehrter Herr Kollege! Da Herr Dr. Mugdan sich früher als eifriger Gegner unseres Standes zeigte, haben Sie ihn wohl auch bei der letzten Stadtverordnetenwahl nicht gewählt, wie viele andere Kollegen. Die Folge davon war, daß Herrn Dr. M. zwei Stimmen fehlten, und er jetzt in die Stichwahl kommt. Unsere Standesvertretung beschloß nun, Herrn Dr. M. diesen Umstand vor Augen zu halten und ihm die Stimmen unserer Kollegen zu- zusichern, wenn er in Zukunft nicht mehr gegen uns agitieren wolle. Dieses versprach er auch in einer Unterredung die Herr Kollege Israel, Schriftführer des Zentralverbandes, mit ihm hatte und bestätigte es schriftlich. Wir möchten Sie also bitten, am Mittlvoch, den 2. 12., zur Stichwahl zu gehen und Herrn Dr. Mu g d a n zu wählen. Eine nähere Besprechung über diese Sache findet in unserer Vereinsversammlung am Dienstag, den 1. 12., 8 Uhr, im Schultheiß, Behrenstr. 49, statt, wozu Sie herzlichst eingeladen sind. M. koll. Gr. Der Vorstand. I. A.: B. Koch, 2. Schriftführer."— Dieses Dokument männlicher Ueber- zeugungstreue kennzeichne das Mitglied Israel genügend, und Wolderski erklärte auch, bei aller Toleranz könne man ein derartiges Verhalten mit der Eigenschaft als Sozialdemokrat denn doch nicht vereinbaren, wenngleich wir schon Israel, als er sich bei der LandtagSwahl, aus Furcht vor wirtschaftlicher Schädigung, passiv verhielt und der Wahl fernblieb, darüber hinweggesehen hätten. Als Schiedsgerichtsbeisitzer wurden Schwabedal, Petermann und T ä t e r o w vorgeschlagen und bestätigt.— Bezüglich des Defizits bei der Maifeier meinte Peter mann, daß man dies doch nicht habe voraussehen können. Die Qualität der Darbietungen dürfe jedenfalls nicht herabgeschraubt werden. An dem Komitee liege daS ungunstige Resultat nicht; die schlechte Witterung an dem Tage und die allgemeinen Verhältnisse hätten es wohl in der Hauptsache verursacht. A u g u st u I kritisiert den„VorivärtS", der die Rede des Ab- geordneten Heydebrand im Reichstage, die eine programma- tische gewesen sei, nicht ausführlich gebracht habe. Dies tväre für die Genossen von großem Interesse und sie wollten die Rcdaktions- Meinung nicht fertig vorgesetzt erhalten. Ferner äußert sich Redner abfällig über den Wandkalender, der weder praktisch noch schön wäre, und an dessen Stelle er lieber einen Abreißblock wünsche. T ä t e r o w richtet an W o l d t die Anfrage, ob die Preßkommission schon Stellung genommen habe zur Frage der Einführung einer Ahcndausgabe des„Vorwärts"; die Genossen wollten wissen, ob dieses Problem endlich praktische Gestalt annehme. W o l d t hält die jetzige Zeit nicht für geeignet zur Lösung einer so schwer- wiegenden Frage, wenn auch im Prinzip sich alle darüber einig seien. Bezüglich HehdebrandS Rede weist er darauf hin, daß die Redaktion aus den parlamentarischen Berichten das Markanteste herausnehme und der hctrcffcnde Redakteur dies nach seiner Mci- nung ganz gut mache. Darüber, sowie über den Kalender, könne allerdings jeder verschieden denken. Täter ow verweist darauf, daß Woldt betreffs der Abendausgabe dieselben Einwände ge- bracht habe wie wir sie bei allen Neuerungen seit Jahrzehnten gewohnt seien. Schwierig sei es wohl, allein, was andere Blätter können, müsse der„Vorwärts" erst recht können. Es bedürfe ja nur einer vernünftigen Verteilung des Stoffes. Es müsse möglich sein, das Blatt so zu gestalten, daß man nicht auf die bürgerliche Press- angewiesen sei. Er glaube nicht, wie Woldt meine, daß dann die Redaktion erheblich verstärkt werden brauche. Auch Wolderski tritt warm für die Einführung eines Abendblattes ein. Abends hätten die Genossen mehr Zeit zum Lesen, viele kaufen sich jetzt, um eher unterrichtet zu werden über die öffentlichen Vorgänge, bürgerliche Blätter. Ein Abendblatt würde uns viele neue Abonnenten bringen. Die Diskussion hierüber wurde in folgender Resolution formuliert, der die Versammlung einstimmig zu- stimmte:„Die Generalversammlung des ersten Berliner Reichs- tagswahlkreises spricht die Erwartung aus, daß die Schaffung einer UH.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. LerlagSanstall Abendausgabe deS„Vorwärts" mit allem Nachdruck seiner Per» wirklichung entgegcngeführt wird."— Für Ausschluß des Mit- gliedes Israel stimmte die Versammlung einstimmig. Hierauf berichtet Schuster über die Tätigkeit der Agitattonskommission und Bartsch von der Lokalkommission, der den Genossen noch dringend ans Herz legt, die Lokalliste streng zu beachten. P u r z i k beklagt es, daß der Partcivorstand nicht, wie es in Kiel geschehen sei, auch in Berlin eine Protestaktion gegen den Zarenbesuch ver- anstaltet habe. Auch müsse mehr für die polnische Agitation ge- tan werden. Wolderski erwidert dem Redner daß von unserer Seite für die Polen schon sehr viel geschehen sei; diese müßten aber selbst auch unter sich agitieren und für Anschluß sorgen. Zum Schluß weist der Vorsitzende noch auf die bevorstehende Wohl der Delegtertinnen zum Parteitag hin, wozu vom ersten Kreis Ge- nossin Guttmann vorgeschlagen ist. Ter Reckenschaftsbericht ergab folgendes Resultat: Einnähme 4061,35 M., Ausgabe 3207,96 Mark. Bestand 853 39 M. Der Wahlvcrein fiir den vierten Kreis hielt am Dienstag eine Generalversammlung ab, welche sich mit dem am 3. August un- erledigt gebliebenen Teil der Tagesordnung beschäftigte. Zunächst entstand eine Debatte über die Frage, ob man dem Genossen Eugen Brückner, der neben den Genossen Adolf Hoffmann und Barcnthin am 3. August als Delegierter zum Parteitag gewählt wurde, das Mandat belassen solle, da er. wie erst nach der Wahl bekannt ge- worden ist. schon am 1. August vom Kreise Friedeberg-Arnswalde zum Parteitag delegiert worden war. Brückner bemerkte dazu: Auf der Kreisversammlung in Friedeberg-Arnswalde sei bekannt ge- Wesen, daß er in Berlin IV auf der Kandidatenliste stehe. Die Genossen in Friedeberg-Arnswalde hätten ihn gewählt unter dem Vorbehalt, daß, wenn er in Berlin gewählt werden sollte, das Friedeberg-Arnswalder Mandat auf einen anderen Genossen über- gehe. Hiernach sei er also nur Berliner Delegierter. UcbrigenS stehe der Ausübung eines Doppelmandats nichts entgegen.— Weiter wurde in der Diskussion dem Genossen Brückner der Vor- Wurf gemacht, daß er sich in Berlin zur Wahl gestellt habe, obgleich er bereits das Mandat für Friedeberg-Arnswalde hatte. Brückner dagegen vertrat den Standpunkt, daß er auf Grund der vorstehend von ihm gegebenen Darstellung korrekt gehandelt habe.— Tie Versammlung beschloß mit größer Mehrheit, daß dem Genossen Brückner daS Dclegicrtcnmandat abzuerkennen und dem Genossen Litfin zu übertragen ist, der nächst Brückner die meisten Stimmen erhalten hatte. Ueber die Provinzialkonferenz referierte Hackelbusch. Er be- sprach die wichtigsten Angelegenheiten, welche die Konferenz zu er. ledigen hat.— Anträge stellte die Versammlung nicht. Die Tele- gierten sind schon am 3. August gewählt worden. Zur Verbandsgeneralversammlung wurden 141 von den Be- zirken vorgeschlagene Delegierte gewählt.— Ein Antrag wurde an- genommen, welcher verlangt, daß die statutarisch zulässige Bei- tragsbefrciung kranker und arbeitsloser Mitglieder auch auf solche weibliche Mitglieder ausgedehnt werde, deren Mann arbeitslos ist und die selber in keinem gewerblichen Arbeitsverhältnis stehen.— Ferner wurde ein Antrag angenommen, welcher besagt, bei wich- tigen Angelegenheiten, besonders Statutenänderungen, solle Ur- abstimmung stattfinden.— Ein dritter Antrag nahm Bezug auf die Erörterungen im„Vorwärts" über die Geldquellen der„Sozia- listischcn Monatshefte" und forderte, daß derartige Auseinander. setzungen unterbleiben.— Der Antrag wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Dem Halbjahresbericht, den der Vorsitzende Paul Hoffmann erstattete, ist zu entnehmen, daß zum Zweck der Agitation 25 Volksversammlungen abgehalten, 464 000 Flugblätter und 64 000 Agitationsnummern des„Vorwärts" verbreitet wurden. Die Mit- gliederzahl betrug am 1. Januar 20 967(19 255 männliche und 1712 weibliche), am 1. Juli 19 873(17 679 männliche und 2194 Weib» liche). Insgesamt hat sich die Mitgliederzahl im Laufe des Halb- jahreS um 1094 vermindert.— Die vom Kassierer Barenthin er- stattete Abrechnung zeigt eine Einnahme von 45 986,74 M., eine Ausgabe von 44 077,80 M. und einen Bestand von 1908,44 M. An die Verbandskasse sind 24 827,52 M. abgeliefert. Der Frauenversammlung, welche die weiblichen Delegierten zum Parteitage zu wählen hat, wird Frau Fahrenwald vor- geschliagen. Als Mitglied des Parteivorstandes an Stplle fcfcs zurückgetretenen Genossen Eberhardt schlägt der vierte Kreis Adolf Hoffmann vor. Die Freie Jugendorganisation Berlin hielt kürzlich ihre Vierteljahrsversammlung ob. Aus dem Bericht des Vorstandes, den Scholz gab, ist folgendes zu ersehen: Am 1. April waren 1983 Mit. glieder vorhanden; eingetreten sind 602, ausgetreten 298, so daß ein Bestand von 2237 Mitgliedern, davon 227 weibliche, am 1. Juli verblieb. Die Abgänge resultieren zum Teil aus Uebertritten AuS» gelernter oder solcher Mitglieder, die das 18. Lebensjahr über- schritten hatten, zu einer Gewerkschaft. Es wurden 10 Vorstands-, 3 Vcrwaltungs- und 1 Bezirksführersitzung, ferner 3 öffentliche und 104 Abteilungsversammlungcn abgehaltem Ausflüge wurden, soweit wie berichtet, 86 veranstaltet, an denen sich zirka 3500 Per- sonen beteiligten. Außerdem fand ein MassenauSflug nach Sadowa statt, an dem 1500 Personen teilnahmen. 16 Jugendschutzfälle wurden gemeldet, doch müßte gerade auf diesem Gebiete mehr er- reicht werden. Es wird deshalb ersucht, etwaige Fälle sofort dem Vorstande mitzuteilen. Die Gegner waren auch nicht müßig. Die Polizei tat sich besonders durch Be— achtung unserer Ausflüge her- vor.— In der Diskussion wurden verschiedene Vorschläge betreffs Ausbau der Agitation und des Jugendschutzes gemacht. Den Kassenbericht gab Wenzel. Am 1. April war ein Bestand von 573,94 M. vorhanden, eingenommen wurden 1431,93 M., aus- gegeben 968,41 M., so daß ein Bestand von 1036,46 M. am 1. Juli verblieb. Nach Erledigung kleinerer Beanstandungen wurde dein Kassierer Decharge erteilt. Der Vorstand setzt sich jetzt aus fol» gendcn Personen zusammen: 1. Vorsitzender F. Maschke, 2. Vor- sitzender W. Scholz, 1. Kassierer E. Wenzel. 2. Kassierer W. Maschke, 1. Schriftführer G. Holzhütter. 2. Schriftführer E. Heyne, Beisitzer Gleinert und 3 Revisoren. Anwesend waren über 700 Mitglieder. Letzte INfacbrlcbten und Dcpefcbcn. Vom Generalstreik. Kristiania, 11. August.(B. H.) Das Zentralkomitee gibt bekannt, daß kein einziger Organisierter die Arbeit wieder ausgc- nommen hat. Die offizielle Zählung der Streikenden ergab für die Stadt Malmö 34 907. Dort wurde ein für die Propaganda unter den Soldaten bestimmtes Flugblatt konfisziert. Drei Dampfer, die 10 000 Fässer Exportzement der Zementfabr'k Makmö aufnehmen sollten, muhten leer den Hafen verlassen. Fluchtversuch eines Fürsorgezöglings. RnmmelSburg bei Berlin» 11. August.(W. T. B.) Bei der Station RummclSburg sprang der 13 Jahre alte Fiirsorgezögling Engel, der nach wiederholten Fluchtversuchen von der ErziehungS- anstalt Ncu-Zclle in die Anstalt Hauswall i. Ws übergeführt werden sollte, ans dem klosettfenfter deS Fernzuges. Nachdem der Trans- porteur vergeblich die Leffnung der Tür verlangt hatte, wurde auf dem Schlcsischcn Bahnhof das Fehlen des Knaben festgestellt. Dieser wurde dann bei Rummelsburg mit einer blutenden Kopf- wurde neben dem Gleise aufgefunden. Im Krankenhaus wurde Gehirnerschiittcrung fcstgcsicllt. Engel ist besinnungslos. BergmannsloZ. Glciwiy, 11. August.(V. H.) Auf der Lhtandcrgrube stürzte ein Fördcrkübcl ab. Die Bergleute Kaschitza und LiSz wurden getötet, einige andere verlebt._ Grohfener. Frankfurt a. M.» 11. August.(W. T. B.) Nach einer Meldung der„Frankfurter Zeitung" aus New Fork ist der Sommcrort Monticcllo abgebrannt. Hundert Wohnhäuser, 50 Läden und Hotels sind zerstört. Zahlreiche Sommergäste sind verletzt. Der Schaden geht in die Millionen._ ßaulSinger& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen n. UnterhaltuneSbU K.W. 26. Zshrgatlg. 1. KnlU des.Amiirls" Kerlmr KMlsIl. AaMsiaz. ver AM als tiiitgller! öer Gewerbe* siMIcht. � Die HälrdelZ- uhb Gewerbekommission des preußischen Drei NafsenhauseS hat bekanntlich auch die von den Sozialdemokraten beantragte Anstellung von Aerzten als Mitglieder der Gewerbe- aufsicht abgelehnt. Sowohl der Vertreter der preußischen Regie- rung als auch die Vertreter der meisten bürgerlichen Parteien erklärten eine solche Maßnahme für mindestens überflüssig. Wie falsch diese Behauptung ist, zeigen wohl am besten die kürzlich erschienenen amtlichen„Jahresberichte der Gewerbeauf- sichtsbeamten im Königreich Württemberg für 1S08". Denn in Württemberg ist bekanntlich ein Arzt als Mitglied der Gewerbe- aufsicht tätig. Und welche Erfahrungen hat man dabei gemacht? 5t lagt etwa der Arzt selbst, oder klagen die anderen Gewerbcauf- sichtsbeamten, oder die Arbeitgeber, oder die Arbeiter darüber. Äiß der Arzt als Mitglied der Gewerbeaufsicht nichts leiste? Durchaus nicht. Eine solche Klage ist ganz unmöglich. Geht doch )us den„Jahresberichten der Gewerbeaufsichtsbeamten im König- zeich Württemberg für 1908" wiederum in einer gerade für Preußen sehr lehrreichen Weise hervor, daß der Arzt als Mit- glied der Gewerbeaufsicht eine sehr segensreiche Tätigkeit ent- falten kann. ES seien daher die wichtigsten Mitteilungen der amtlichen Berichterstatter hierüber kurz zusammengestellt. Zunächst lesen wir in den Jahresberichten, daß sich der Arzt in dem Berichts- jähre an 56 Revisionen in 54 Fabriken und diesen gleichen Anlagen und in zwei Handwerksbetrieben, sowie an fünf Besichti- gungen und vier Besprechungen beteiligt hat. Im dritten Auf- sichtsbezirke handelte es sich bei der Besichtigung im wesentlichen um wichtigere Anordnungen zur Bekämpfung gesundheitsschädlicher Einflüsse in langst bestehenden Anlagen, in einem Falle darum, die gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen für die Befreiung von den Pausen, die für die jugendlichen Arbeiter vorgeschrieben sind, zu prüfen. Im zweiten Bezirke wurde der Arzt zu den Revisionen verschiedener Fabriken in erster Linie zu dem Zweck hinzugezogen, um über die Leistungsfähigkeit neuer sanitärer Verbesserungen in gemeinsamer Aussprache ein sicheres Urteil zu gewinnen.— Bei der Besichtigung der Gerberei der Lehrwerkstätte für daS Gerbereigeweroe in Metzingen wurde vom ärztlichen Mit- glied mit dem Leiter der Gerberei auch die Möglichkeit, die Krankheitskeime in Häuten, die Milzbrandsporen enthalten, zu töten, besprochen. Mehrfach wurden auch Beschwerden der Ar- beiter über sanitäre Mißstände gemeinsam untersucht und auf deren Abstellung hingewirkt. Bezeichnend ist der folgende Zu- sah in dem Bericht: Gleichwie in früheren Jahren ließen sich durch die Mitwirkung des ärztlichen Mitglieds auch ein- schneidendere, zum Schutze der Arbeiter gegen gesundheits- gefährdende Einflüsse als nötig erachtende Maßnahmen leichter und rascher durchsetzen, wenn die Unternehmer auch vom ärzt- lichen Standpunkte aus über die Notwendigkeit der Maßnahmen aufgeklärt worden waren. Ferner entnehmen wir den Berichten einige weitere Mit- teilungen darüber, wie im einzelnen das ärztliche Mitglied der Gewerbeaufsicht im Interesse der Arbeiter tätig gewesen ist. Eine Vijouteriefabrik suchte um die Erlaubnis nach, die Vormittags- pause ihrer neun männlichen und 40 weiblichen Arbeiter unter 10 Jahren auf eine Viertelstunde zu verkürzen und die Nach- nnttagspause wegfallen zu lassen, wobei angedeutet wurde, daß bei Nichtgewährung dieser Ausnahme den jugendlichen Arbeitern die Vergünstigung der neunstündigen Arbeitszeit entzogen würde. Der Gewerbeinspektor konnte das Gesuch zunächst nicht befür- Worten, da die im Gesetz vorgeschriebenen Voraussetzungen für eine solche Ausnahme nicht erfüllt waren. In der Aeußerung des kleines feiulleton. SevölkerungSstatistik von Deutsch- Südwest. Professor Supan bringt in Petermanns Mitteilungen eine Ueberficht über die Be- völkerung von Deutsch-Südwest auf Grund der Feststellungen, die zum erstenmal für die Zeit von 1908 vorgenommen worden sind. Eine vollkommene Sicherheit läßt sich in Anbetracht der Größe des Gebiets und der in manchen Teilen schwierigen Verhältnisse nicht erwarten, jedoch sind nur etwa 10 000 Bewohner durch Schätzung und nicht durch Zählung in die Angaben aufgenommen worden und mehr als die Hälfte von ihnen sind Buschleute. An der Unsicher- hcit nehmen nur die beiden nördlichsten Bezirke mit ihrer farbigen Bevölkerung teil. Ueberhaupt ausgenoinmen von der Statistik sind das Ovamboland und der sogenannte Caprivizipfel. Hereroland und Namaland haben eine Bevölkerung von 44027 bezw. 23 399, also zusammen 87 420 Seelen. Davon sind in den beiden Gebieten Deut, che 4567 bezw. 1648, Engländer 3050 bezw. 7080 und andere Fremde 5468 bezw. 2747. Die farbige Bevölkerung setzt sich zu- sammen aus 1769 bezw. 21 Ovambo, 13 253 bezw. 3105 Herero, 13 445 bezw. 3028 Bergdmnara, 297 Betschuanen snur im Herero- land), 5962 bezw. 943 Buschleuten, 3127 bezw. 9987 Roma. 533 bezw. 3006 Mischlingen und 170 bezw. 559 fremden Farbigen. Im ganzen stehen also 8213 Weißen 59 213 Farbige gegenüber. Da Schwabe die Bevölkerung 1899 auf 80 000 Herero, 20 000 Nama und 4000 Bastarde schätzte, so kann man beurteilen, in welch mörderischer Weise der Krieg und die deutsche Ausrottungspolitik die Hereros aufgerieben hat. Ovamboland hat vermutlich eine Be- völkerung von etwa 100 000, der Caprivi-Zipfel eine solche von etwa 24 000, so daß die Gesamtbevölkerung des Schutzgebietes etwa 100 000 betragen würde. Erwähnung verdient noch der Umstand, daß in dem Gebiete mehr Kinder als Männer vorhanden find, nämlich 13 260 Kinder und 17 418 Männer, dagegen 21 018 Frauen. Eine Wcrtzuwachstanticme für Künstler propagiert jetzt ein Verband französischer bildender Künstler und Literaten. Sie soll dem Uebelstande vorbeugen, daß oft Schöpfer von Kunstwerken oder ihre Nachkommen Not leiden, während ihre Werke im Handel ungeheuere Preise erzielen. Die Gesellschaft strebt die Errichtung eines Amtes für künstlerisches Eigentum an, dem jeder öffentliche oder private Verkauf von Kunstwerken angezeigt werden soll. Erhält der Verkäufer einen den ursprünglichen Kaufpreis über steigenden Betrag, so soll der Schöpfer des Werkes während seiner ganzen Lebensdauer, seine Familie während 50 Jahre nach seinem Tode einen festgesetzten Anteil vom Zuwachs erhalten.— Der Grund- gedanke der Aktion ist zweifellos gerecht, nur dürften sich seiner Durchführung, namentlich bei privaten Verkäufen, beträchtliche Hinder nisse entgegenstellen.— Jedenfalls hat B r i a n d den bei ihm vor sprechenden Vertretern des Komitees ein freundliches Lächeln fpendiert. Aus der Vorgeschichte der Zeitungen. Im alten Frankreich wurde die Presse planmäßig unterdrückt und die Regierung blickte mit unverhohlener Abneigung auf ihre ersten Gehversuche. Nur die 1631 gegründete, wöchentlich erscheinende„Gazette" konnte sich behördlicher Genehmigung rühmen, aber sie veröffentlichte nur un- wesentliche und.unbedeutende Nachrichten. Aus diesem Mangel Gewerbeinspektor? an die Kreisregierung wurde zugleich der Standpunkt des ärztlichen Mitglieds der Gewerbeaufsicht mit- geteilt, der eine halbstündige Vor- und Nachmittagspause im Interesse der Entwicklung des jugendlichen Organismus für un- crlaßlich erklärt, insbesondere im vorliegenden Falle, wo die Art der Beschäftigung eine vornübergebeugte Haltung des Oberkörpers bedingt. Auf Veranlassung der Kreisregierung wurde kurze Zeit darauf nochmals das Gesuch geprüft; als Grundlage diente eine mit dem ärztliche» Mitglied der Gewerbeaufsicht gemeinsam vor- genommene Revision des Betriebes. Hierbei gelangten die beiden Beamten zu der Ueberzeugung, daß hinsichtlich der 40 Mädchen das Gesuch der Firma nicht befürwortet werden könne, daß viel- mehr der Wegfall der Nachmittagspausc die Mädchen bei ihrer Zlrbcit, die große Aufmerksamkeit erfordert, i» ihrer Gesundheit schädigen würde. Dagegen konnte bezüglich der neun Lehrlinge, die in einem festen Lehrverhältnis zur Firma stehen und mit schriftlich abgeschlossenen Lchrverträgcn verschen sind, das Gesuch der Firma unterstützt werden. Von einer Vertrauensperson wurde ferner eine Beamtin der Gewerbeaufsicht darauf aufmerksam gemacht, daß in einer kleineren Druckerei selbst den schwangeren Arbeiterinnen zugemutet werde, die schweren Walzen der Druckmaschinen jeden Tag in die Maschinen hinein- und herauszuheben. Die Art, wie die Maschinen aufgestellt sind, erfordere, daß die Frauen in gebückter Stellung die Arbeit ausführen; und das falle den Frauen besonders schwer. Die Beamtin besichtigte zusammen mit dem Arzte den Betrieb. Dabei ergab sich, daß die Beschwerde berechtigt war. Die Be- schäftigung war für schwangere Frauen ganz ungeeigiiet,.fix konnte unter Umständen zu schweren Schäden führen. Selbst- verständlich wurde sie strengstens untersagt. Die Vorsteherin einer Kinderkrippe teilte einer Beamtin mit, daß die Kinder von Arbeiterinnen, die mit dem Ausfüllen von Seifenpulver oder mit dem Kleben von Gelatinefolienartikeln mit Salzsäure beschäftigt seien, auffallend schwächlich und viel mit Ausschlägen behaftet seien. Hierauf erfolgte mit dem Arzte eine Besichtigung der Fabriken. Es ergaben sich aber keine An- Haltspunkte dafür, daß, wie befürchtet war, die Arbeiten auf das Kind im Mutterleibe schädlich einwirken. Dagegen mußte, mit Rücksicht auf die Arbeiterinnen selbst» das Ausfüllen von Seifen- Pulver durch Schwangere verboten werden. Diese Beispiele werden genügen, um auch den letzten Zweifel darüber zu beseitigen, daß der Eifer der preußischen Dreiklassen- Herren gegen den Arzt als Mitglied der Gewerbeaufsicht— ganz gewiß nicht arbeiterfreundlichen Gründen entspringt. Hus der Partei. Die sozialdemokratische Partei Hamburgs im Krisenjahr. Dem soeben erschienen Jahresbericht der Landesorganisation und der drei Parteivereine Hamburgs entnehmen wir folgendes: Das verflossene Jahr war ganz besonders der Agitation und Pro- paganda für unsere Bestrebungen gewidmet. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft war zwar infolge der wirtschaftlichen Krise eine gedrückte und daher ungünstig für die Agitation, aber die Leitung der Reichspolitik sorgte dafür, ganz besonders durch die Vermehrung der indirekten Steuern und das persönliche Regiment, daß die Bevölkerung fortwährend in Aufregung blieb und allen die Augen über die ganze Reichsherrlichkeit geöffnet wurden. Die Hamburger„königlichen" Kaufleute befürchteten mit Recht, daß durch die fortwährenden Eingriffe des Monarchen in die Politik leicht schwere Konflikte mit dem Auslande entstehen, die gerade für Hamburg, als erste Handelsstadt des Reiches, schlimme Folge haben könnten. Es wird dann nachgewiesen, wie die Aktion der „aufrechten Hanseaten" verpuffte, während das Hamburger Pro- letariat machtvollen Protest einlegte. Trotz der großen Arbeits- losigkeit brachte die Novemberagitation, eine Frucht der Steuer- Politik und des persönlichen Regiments, uns einen Zuwachs von 8858 neuen Mitgliedern und 904 neuen Abonnenten auf an Information erwuchs die eigenartige Sitte der Nachrichten- briefe, die von Hand zu Hand gingen und von allen Freunden gewissermaßen als Ersatz für eine Zeitung gelesen wurden; die Briefe der Mme. de Sevigne spielten in dieser Hinsicht eine hervor- ragende Rolle. Schließlich kam es dann zu der Einrichtung eines regelrechten Informationsdienstes zwischen Verwandten und Freunden, die es übernahmen, sich gegenseitig ihre Informationen mitzuteilen. Mazarin zahlte monatlich 10 Frank an Portal für einen wöchentlichen Nachrichtenbrief. Schließlich wurden diese In- formationen zusammengeschlossen, auf Manuskriptpapier geschrieben und teuer verkauft; für manche Informationen wurden 400 bis 500 Frank Abonnement bezahlt. Ludwig XIV. organisierte dann eine regelrechte Jagd auf diese kleinen Geheimzeitungen, die mit größter Vorsicht unterderhand verbreitet wurden und im günstigsten Falle 100 oder 200 Abonnenten hatten. Nach Ludwigs Tode zeigte der Regent eine größere Duldsamkeit; er be gnügte sich damit, eine Präventivzcnsur einzuführen, die dem Generalleutnant der Polizei anvertraut wurde. Dabei kam< so wird in der„Rassegna Nationale" erzählt, bisweilen zu seit- samen Zwischenfällen. So wurde einem Nachrichtenverbreiter seine Zeitung verboten, weil er zu alte Notizen verbreitete. Die Notizen eines anderen wurden vernichtet, weil er Falsches und Wahres durcheinander würfelte. Der Polizeichef Marville, der um 1739 die Zensur verwaltete, entwickelte zum ersten Male den Gedanken, die Journalisten und Nachrichtenverbreiter zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu gebrauchen. 1745 schritt man dann wieder mit äußerster Strenge gegen die Journalisten ein, anscheinend im Zusammenhang mit dem österreichischen Erbfolgekrieg. Die Strafen des 17. Jahrhunderts wurden durch einen königlichen Erlaß er- neuert und die Journalisten mußten wiederum die Galeerenstrafe über sich ergehen lassen. Damals dachte noch niemand daran, daß der verfolgte Stand der Männer der Feder einstytgls die achte Großmacht genannt werden könnte.— Humor und Satire. Humor des Auslandes. Dr. Schlächter hatte seiner Klasse angehender Krankenpflegerinnen lang und breit die Einzelheiten eincS angenommenen Falles aus- einandergesetzt.„Nun, Fräulein Hastig." sprach er dann,„wieviel Morphium sollte in einem solchen Falle Ihrer Meinung nach der Kranke bekommen?"„Acht Gramm," war die prompte Antwort des jungen Mädchens.— Der Arzt machte keine Bemerkung dazu und fuhr in seiner Belehrung fort. Aber plötzlich durchzuckte seiner Schülerin ein entsetzlicher Gedanke.„Herr Doktor," sagte sie,„ich möchte die Antwort, die ich Ihnen vorhin gab, richtigstellen. Ich wollte sagen, daß dem Patienten ein Achtel Gramm gegeben iverden müßte."—„Zu spät", bemerkte Dr. Schlächter mit strengem Blick,„der Mann ist tot!" „Jimmy", sagte die zärtliche Mutter zu ihrem schlauen Elf- jährigen,„was ist aus dem Kuchen geworden, den ich Dir gestern zur Belohnung gebacken habe? Hast Du ihn aufgegessen?" „Nein, Mama", antwortete Jimmy grinsend,„ich habe ihn meiner Lehrerin mitgenommen."—„DaS war sehr nett und edelmütig von Dir, Jimmy!" lobte ihn seine Mutter.„Und hat Deine Lehrerin ihn verzehrt?'—„Ja, ich glaube." entgegnet» Jimmy.„Sie war heute nicht in der Schule."(„Answers".) daS„Echo". Wenn auch ein Teil von diesem Zuwachs wieder verloren ging, so ist doch die Steigerung der Mitgliederzahl um 4763 gegen das Vorjahr zum guten Teil auf die Agitation zurück- zuführen. Der Mitgliederbestand war am 30. Juni 1909 in den drei Vereinen 39 931 gegen 33168 im Vorjahre. Die Zahl der „Echo"-Abonnenten hat schwer unter der wirtschaftlichen Krise gelitten. Vom 1. Januar 1908 bis 31. Dezember 1908 ist die Auf- läge von 61 872 auf 57 710 zurückgegangen. Eine Besserung ist bis heute noch nicht wieder eingetreten. Auch die Zahl der Abon- nenten auf die„Neue Zeit",„Gleichheit" und den„Jakob" hat Einbuße erlitten. Das Bildungswesen ist zweckentsprechend reor» ganistert worden. Ebenso hat die Jugendorganisation eine Um» gestaltung erfahren. Für Unterrichtskurse in Nationalökonomie und sozialer Gesetzgebung wurde ein Zuschuß von 328,80 M. und für das übrige Bildungswesen ein solcher von beinahe 7000 M. geleistet, an welcher Summe zur Hälfte das Gewerkschaftskartell partizipiert. Die Jugendorganisation, die beinahe 800 Mitglieder zählt, erforderte einen Zuschuß von 1044,72 M. Die Partei er» zielte eine Einnahme von 210 412,24 M., wovon 181 008 M. an die Parteikasse in Berlin abgeführt wurden, 69 800 M. mehr. als nach dem Organisationsstatut abzuführen waren. Aus dem von der Partei bewerkstelligten Vertrieb des„Echo" und der sonstigen Literatur(nicht zu verwechseln mit Geschäftsüberschuß des Hamburger Parteiunternehmens) wurden an die Parteikasse Berlin abgeführt 12 000 M., der Kassenbestand beträgt gegen 20 000 M. Auf der Bilanzseite figurieren zwei Summen von je 20 000 M. als Anteilscheine bezw. Darlehen an das Gewerkschafts« haus.— Eine intensive Tätigkeit hat die 21 Köpfe starke sozialdemo» kratische Fraktion im Hamburger Landesparlament entfaltet, was im Bericht eingehend dargelegt wird. Aus den mitgeteilten Daten geht hervor, daß die hamburgische Parteigenossenschaft die Krise gut überstanden hat; der nächste wirtschaftliche Aufschwung wird ihrer Fahne große Scharen neuer Kämpfer zuführen. Die Generalversammlung des ZentrlAwahlvereins ftkv den Kreis Königsberg N.-M- fand am Sonntag, den 8. August, in Küstrin statt. Erschienen waren 27 Delegierte. Außerdem waren vertreten das Probinzialsekretariat, die Agitationskommission, der vierte Berliner Reichstagswahlkreis und der Kandidat des Kreises. Als ein trauriges Zeichen des wirtschaftlichen Niederganges und mangeln» den Pflichtgefühls muß es angesehen werden, daß aus den Oder» dörfern Zäkerik, Letzegörike, Zellin weder ein Delegierter erschienen noch eine Abrechnung eingesandt war. Die Bauhandwerker in den be- treffenden Orten, die sonst in Berlin arbeiten, sind mit dem Rück« gang der Konjunktur sofort fahnenflüchtig geworden. Die Zahl der im Kreise organisierten Genossen ist daher um 100 zurück- gegangen. Beigetragen hat hierzu allerdings, daß auch in anderen Orten alle faulen Zahler ausgemerzt wurden. Einen bemerkcns- werten Aufschwung hat Ncudamm zu verzeichnen; dort ist die Zahl der Genossen auf 115 gestiegen. ES stehen im Kreise uns nur zwei Lokale zur Verfügung; es sind darin 19 öffentliche Versamm- lungen sowie eine, und zwar die erste im Kreise, unter freiem Himmel, außerdem zwei Kreis-Generalversammlungen und mehrere Konserenzen abgehalten worden. 6 Gemeindevertreter sind vorhanden. Vorn Provinzialsekretariat sind 800 M. zur Agitation überwiesen worden. Der Bericht über die Rechtsauskunftsstellen lautet durchweg befriedigend, es soll eine vierte in Neuenhagen- Bralitz errichtet werden- lieber oie Provinzialkonferenz berichtet Hackelbusch. Als Delegierte werden gewählt Ebel-Neuenhagen, Lese-Neudamm und Dautz-Küstrin. Zum kommenden Parteitag sprach der Kandidat Borgmannn- Berlin, derselbe sowie Ebel- Neuenhagen wurden als Delegierte hierzu gewählt. Bezüglich der Gründung eines eigenen Organs wurde die Bedürfnisfrage ein- stimmig bejaht; die weiteren_Vorarbeiten dazu sind im Gange. Der alte Vorstand, der seinen Sitz in Küstrin hat, wurds einstimmig wiedergewählt und seine umsichtige und tatkräftige Arbeit'einhellig anerkannt. Eine in Münster stattgehabte Konferenz beschloß die Abtren- nung der Wahlkreisvereine Lüdinghausen- Beckum» Warendorf, Münster-Coesfeld und Tecklenburg» Ahaus-Burgsteinfurt vom Agitationsbezirk des östlichen Westfalens und ihren Anschluß an das' westliche Westfalen vorzu- nehmen. Der Wunsch nach dieser Aenderung war rege geworden, »Ich kann Ihnen sagen", sprach Sinnick,„die Menschen sind heutzutage so falsch, daß man seinen besten Freunden nicht trauen kann."—„Und was noch schlimmer ist," unterbrach ihn trübselig Pnmperle,„Sie können Ihre besten Freunde nicht bewegen, Ihnen zu trauen._(„Philadelphia Preß".) Notizen. — Theaterchronik. Das Berliner Theater nimmt ain 16. d. M. nach viermonatlicher Pause die Aufführung von Kalischs. Gesangsposse„Einer von unsere Leut' wieder auf.— Das Schiller-Theater 0 eröffnet seine neue Spiel» zeit am Sonnabend mit einer Neueinstudierung von Shakespeares „Macbeth".— Am gleichen Tage wird das Schiller» Theater-Charlottenburg mit Lindaus Lustspiel„Ein Erfolg" wieder eröffnet. — M u s i k ch r o n i k. G e m m a B e ll i n e i o n i beginnt am kommenden Montag ein Gastspiel an der Gura-Oper in Verdis „Traviata". — Die Sammlung alter Musikin st rumente (Charlottenburg, Fasanenstr. 1) hat in den letzten Jahren eine Reihe wertvoller Neuerwerbungen gemacht. Aus dem Nachlaß Josef Joachims wurden verschiedene seiner Instrumente geschenkt. Geschenkt wurden weiter der Flügel Klara S ch im annS. seltene afrikanische Musikinstrumente. 690 Porträts von Flötenspielern und Komponisten nebst biographischen Notizen dazu. Angekauft wurden eine alte gälische Harfe, eine schön ausgelegte Balalaika(südrussisches Nationalinstrument), prächtige Flöten u. a. Leihwesse ausgestellt wurde eine elfenbeinerne Flöte, die ehemals Friedrich II., der Flötenkönig, benutzt hat. — Auszeichnung eines Berliner Forschers. Die Balvh-Medaille, eine hohe wissenschaftliche Auszeichnung, die jedes zweite Jahr von dem königlichen Kollegium der Aerzte in London an den Gelehrten verliehen wird, der sich am meisten in der Förde- rung der Physiologie ausgezeichnet hat, ist in diesem Jahre dem berühmten Chemiker der Berliner Universität, Professor Emil Fischer, zugesprochen worden. —„Lilie ncron" als Tondichtung. Unser Müncheiter Mitarbeiter Wilhelm Mauke hat zum Gedächtnis des heim- gegangenen Dichters eine Tondichtung:„Lilieneron", als sinfonisches mernento vivore(Weckruf zum Leben) für großes Orchester und Tenorsolo komponiert. — Friesischer Unterricht ist mit Genehmigung der Regierung in den Lehrplan aller Schulen auf der Insel Sylt auf» genommen worden. Die friesische Sprache ist im Aussterben be» griffen und wird außer im holländischen FrieSland nur noch in der nordfriesischcn Abart auf einigen nordfriesischen Inseln gesprochen. ES ist nahe mit dem alten Angelsächsisch verwandt und steht etwa in der Mitte»wischen Platt- deutsch und Englisch. Einst an der ganzen Küste von Holland bis Dänemark verbreitet, ist es seit Jahrhunderten durck daS Holländische, Plattdeutsche und schließlich daS Hochdeutsche verdrängt worden. Das Friesische ist ein interessantes Beispiel dafür, tote eine Sprache aussterben kantt, ohne daß das Volk, da» die Sprach» schuf, verschwindet. ivei! Sfe Mrieipolitischs KokstellaliM � in Frage koiiMShdefl Kreise sich toeii näher mit der des westlichen als der des östlichen Westfalen berührt, und weil des weiteren die Zugverbindungen nach dein Kreise von Dortmund aus günstiger liegen als von Biele- ifeld aus. Nach einem Referat des Genossen König legten die ÄreiSvertreter die Beschlüsse der drei WahlkreiSvcreine dar, welche übereinstimmend sich für den Anschluß an das westliche Westfalen erklärten. Der Beschluß soll zur Kenntnis und Beschlußfassung des Provinzialparteitages für das westliche Westfalen, welcher im Herbst in Annen zusamnientritt, gebracht werden. Als Zeitpunkt .für die Abtrennung wurde der 1. Januar 1910 bestimmt. Längere Beratung erforderte die Frage der Parteipresse, die alsdann auch durch einstimmigen Beschluß, die Dortmunder«Arbeiterzeitung" zum Organ zu wählen, geregelt wurde. Die Jahresversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für den Wahlkreis Hanau-Gclnhausen-Orb fand am Sonntag, den 8. August, in Langenselbold statt. Im Berichtsjahr ist die Zahl der Mitglieder, trotz der wirtschaftlich ungünstigen Verhältnisse, von 3820 auf 5928 oder 55,02 Proz. gestiegen. Organisiert sind 5144 männliche und 784 weibliche Mitglieder, welche sich auf 64 örtliche Organisationen verteilen. Das sechste Tausend ist durch die am 1. August ,im Kreise vorgenommene Flugblattverbreitung und Hausagitation überschritten. Diesen erfreulichen Fortschritt verdankt der Kreis dem seit dem 1. Oktober 1008 ins Leben ge- rufenen Parteisekretariat, mit dem Sitz in Hanau, und der um- fangreichen agitatorischen Tätigkeit des Parteisekretärs Genossen Robert Dißmann. Von allgemeinem Interesse ist auch die Ent- Wickelung der Parteiorganisation in dem bisher rückständigsten Gebiet unseres Wahlkreises, im Kreise Gelnhausen. Dort waren vorhanden am 1. Juli 1903 in 6 Filialen 62 Mitglieder, am 1. Oktober 1908 in 6 Filialen 34 Mitglieder, am 1. Januar 1909 in 15 Filialen 175 Mitglieder, am 1. April 1909 in 21 Filialen 359 Mitglieder, am 30. Juni 1909 in 24 Filialen 441 Mitglieder-— Stellt man die bei der letzten Reichstagswahl im gesamten Wahl- kreise abgegebenen Stimmen in Vergleich zu unserer Gesamtmit- gliedschaft im Kreiswahlverein, so ergibt sich, daß bei 17 923 sozial- demokratischen Stimmen 5928 Mitglieder oder 33,07 Proz. der Parteiorganisation angehören.— In der Diskussion über den Parteitag in Leipzig, über welchen Genosse Reichstagsabgeordncter H o ch referierte, wurde in scharfer, aber sachlicher Weise von allen Rednern die Meinung ausgesprochen, daß man unter keinen Um- ständen eine Stimmung in der Reichstagsfraktion die Oberhand gewinnen lasse, die darauf hinausgehe, es mit den bürgerlichen Parteien nicht zu verderben. Unser altbewährter Grundsatz: Diesem System keinen Mann und keinen Groschen I gelte auch noch heute für die Partei. Den Hofgängern müsse in Leipzig gesagt werden, daß ihr Verhalten mit dem der gesamten Parteigenossen- schast nicht mehr in Einklang zu bringen sei. An der Maifeier müsse unter allen Umständen festgehalten werden. Als Partei- tagsdelegierte würden Dißmann, Lamm und Richter gewählt.~ Zum deutschen Parteitag in Leipzig ttahmen mm auch die München« Genossen in einer gutbesuchten Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für die ReichstagSwahlkreise München I und II Stellung. Nachdem Genosse Franz Schmitt den Rechenschaftsbericht des Parteivorstandes be- sprachen hatte, führte er folgendes aus: Einige Zeit habe es den An- schein gehabt, daß der diesjährige Parteitag von häßlichen Stänkereien verschont bleiben werde. Doch hätten die letzten Tage gezeigt, daß es Genossen gebe, die offenbar ohne Stänkereien nicht leben können und immer wieder die kostbare Zeit des Partei- tageS mit persönlichen Streitereien vergeuden. Die Münchener Delegierten müßten deshalb mit allem Nachdruck dafür eintreten, daß nicht wieder durch überflüssige Zänkereien am Schlüsse wichtige Fragen in Bausch und Bogen abgehandelt werden müßten. Neoner spricht unter allgemeiner Zustimmung den Wunsch aus, daß der diesjährige Parteitag nicht ein Parteitag des Zankes, sondern ein Parteitag fruchtbringender Arbeit werde.— Angenommen wurde ew Antrag, den§ 13 des Organisationsstatuts dahin zu erweitern, daß der Parteitag auch auf Antrag der Reichs- tagS-Fraktion einzuberufen ist. In 8 23 soll der Satz ge- strichen werden:„Auch kann der Ausschluß erfolgen, wenn das Mit- glied wiederholt in bewußter Weise das Parteiinteresse schädigt." Genosse Sänger führte aus, die Ausführungen in den Berliner Versammlungen müssen auf jeden, der mit Idealismus zur Partei kommt, geradezu deprimierend wirken. Der dort aufgestellte Grund- satz, daß derjenige schon auS der Partei ausgeschlossen werden muß, der auch nur fahrlässig die Parteigrundsätze schädigt, stehe im krassen Widerspruch zu dem Grundsatze der Freiheit, wodurch die Sozial- demokratie groß wurde. Nicht scharf genug könne man sich gegen einen Antrag der Berliner wenden, die einen Boykott der Mitarbeiter an den„Sozialistischen Monatsheften" fordert. Redner wendet sich hieranf gegen eine Resolution des Genossen Schmöger, die das Lorgehen der Württemberg er Hofgänger scharf verurteilt. Das sollte man den württembergischen Parteigenossen überlassen. der Parteitag habe damit nichts zu tun. Es handle sich hier nicht um eine Frage der Taktik, sondern um eine Frage des guten Geschmacks.— Genosse Kemmer begründete eine Resolution,«vonach die Münchener Delegierten beauftragt werden, energisch dafür einzutreten, daß sich jeder sozial- demokratische Abgeordnete unbedingt und unter gllen Umständen den Mehrheitsbeschlüsse» der Fraktion zu fügen habe. Der Redner befürchtet, daß es auch diesmal nicht ohne den üblichen Krach auf dem Parteitag abgehen werde. Es habe den Anschein, daß eine gewisse Richtung in der Partei wichtige Frafjen im Handumdrehen erledigen und nebensächliche Dinge aus reiner Skandalsucht heraus zu emer Staatsaktion auf- bauschen möchte. Die Hofgangerei der sieben Schwaben sei eine Dummheit gewesen, aber warum soll die kostbare Zeit des Parteitages damit vertrödelt und dadurch die Aufmerksamkeit von weit wichtigeren Fragen abgelenkt werden? Notwendig wäre es, daß sich der Parteitag mit der neuen GewerbeordnungZnovelle und der Frage des Arbeiterschutzes beschäftige. In dieser wichtigen Frage habe beispielsweise Genosse Stadthagen, der doch zu den Ultraradikalen zähle, tn der Kommission gegen den Genossen Robert Schmidt, der den gewerlschaftlichen Standpunkt ver- trat und die Beseitigung der Frauenarbeit ver- langte, gesprochen und gestimmt.(Hört l) Das sei eine weit größere Dummheit, als diejemge, die die sieben Schwaben gemacht hätten.(Lebhafte Zustimmung.) Und bei der Erbschaftssteuer habe Stadthagen öffentlich erllärt, wenn es zur dritten Lesung gekommen wäre, hätte eS eine Spaltung innerhalb der Fraktion gegeben, und ein Teil, zu dem auch er gehört hätte, würde gegen die ErbschaftS- steuer gestimmt haben. Das fei geradezu ungeheuerlich, seine Be- gründung eine höchst sonderbare Logik. In der Partei sei eine kleine Gruppe vorhanden, die sich gegen die produktive Arbeit unserer Genossen in fortgesetzten„Ouertrewereten" gefalle. Die ganze Aktion der Fraktion werde beeinflußt von dieser Minorität. Schließlich wurde die Resolution Kemmer einstimmig angenommen.— Zum Schluß wurde beschlossen, die sechs Delegierten durch UrWahl zu wählen und für die UrWahl 12 Kandidaten aufzustellen. • Der Genosse Kemmer hat mit seiner Behauptung. Genosse Stadthagen habe gegen die Beseitigimg der Frauenarbeit gestimmt, unrecht. Der Vorfall, um den es sich dreht, war wie unseren Lesern erinnerlich ist, folgender. Stadthagen bekämpfte in der ersten Lesung der Gewerbeordnungskommisfion einen Zentrums- antrag, der nur Beseitigung der Beschäftigung von Arbeiterinnen auf Bauten verlangt, als ni cht weit genug gehend. Not- wendig sei eS, alle den« weiblichen Organismus schädliche Arbeiten zu verb' ten. zu denen nicht nur das Tragen auf Bauten, soudern beispielsweise das Tragen von KokLsäcken usw. gehöre. Schmidt erklärte sich für den ZentrumSantrag. Nachdem dieser Antrag angenommen war, stimmte Stadthagen in zweiter Lesung der Kommission für den leider ungenügenden Antrag des Zentrums. In beiden Lesungen stiminten die KommissionS- fnitgliedtt gemeinsam für die Beseitigung der Frauenarbeit in Kokereien und im Bergbau. Dem törichien Gerede der Zentrumspresse, als habe Stadihagen gegen die Beseitigung auch nur der Frauenarbeit auf Bauten sich gewendet, trat bereits der vom Zentrumsabgeordnetcn Pieper verfaßte Bericht der Kommission und u« der zweiten Lesung des Plenums Stadthagen entgegen. Es wäre nicht zu viel gewesen, wenn der Genosse Kemmer vor dem von ihm erhobenen Angriff sich unterrichtet hätte.— Unrichtig ist auch, daß Stadthagen erklärt habe, er würde, falls die Fraktion für die Erbschaftssteuer in dritter Lesung zu stimmen beschlossen hätte, dagegen gestimmt haben. Er hat in der Niederbarnimer General- Versammlung erllärt. daß er dann von dem Recht, das stets in ihrer Ansicht von der Mehrheit abweichenden Fraktionsmitglicdern zustand, sich der Stimme zu enthalten. Gebrauch gemacht hätte._ Em Induftm und FtandeL Aschinger walzt auch ab. Bei den ersten Nachrichten über Preissteigerungen in den Casss wurde behauptet, Aschinger werde die sehr lukrative aber auch uu- verschämte Steuerabwälzung durch Aufschlag von 5 Pf. für die Portion Kaffee nicht mitmachen. Anscheinend hat man aber im AufsichtZrat der Gesellschaft die Bedenken wegen einer möglichen Konkurrenz tapfer überwunden, denn bei Aschingers kosten die Kännchen nun auch 80 Pf. 5 Pf. pro Portion, das macht pro Pfund Kaffee 1,50 bis 2 M. Mehreinnahme, während der Steuer- aufschlag nicht eimnal auf 15 Pf. sich stellt. Das ist ein Geschäft, das wohl zu einem kühnen Attentat auf die Konsumenten reizen kann. Aber hoffentlich lassen diese die Plünderung sich nicht ge- fallen. Für die Konkurrenz böte sich eine selten günstige Gelegen- heit zur Gründung eines flotten, hoch rentablen KaffeehausbetricbeS. Gerade wegen der Verteuerung des Bieres wird die Frequenz in den Cafös bei kräftig anwachsendem Umsatz sich heben, wenn man dem Bedürfnis mit akzeptablen Preisen entgegen kommt. Und das ist sicher: die Preise, die bisher bei AschingerS üblich waren, garantieren einem Betriebe großen Stils glänzende finanzielle Resultate. Die Konkurrenz der kleinen Konditoreien und Cafes kommt da gar nicht in Frage, weil diese keinen Massenbesuch wollen und solchem schon mit ihren räumlichen Einrichtungen nicht ge- wachsen find. Zweifellos fehlt es in Berlin an Kaffeehäusern, die das Gegenstück bilden zu den großen Bierhäusern— Schultheiß, Patzen- hofer usw. We>«n andere Unternehmen, wie zum Beispiel in den Zelten, Kännchen Kaffee zu 30 Pf. abgeben und dazu zwei Konzert- kapellen unterhalten, dann«miß ein planmäßig betriebenes Kaffee- Haus, das ohne solche besonderen und nicht geringen Unkosten arbeitet, bei einem Preise von 25 Pf., trotz der Zollerhöhung, groß- artig florieren können._ Gegen die Biervertenerung. In Mühlhansen i. Th. beschloß nach dem„Hann. C." eine von 1200 Personen besuchte Versammlung, alle die Brauereien und Wirte zu boykottieren, die einen Preisaufschlag von 2 Pf. für das Vier- zehntellitcrglas haben eintreten lassen. ES wird verlangt, daß das Vierzehntelliter Lagerbier auch in Zukunft für 13 Pf. abgegeben werde. In Saalfeld i. Th. protestierte eine don 800—1000 Personen besuchte Vollsversammlung ebenfalls gegen die Abwälzungspraxis. Eine Resolution, nach welcher sich die Anwesenden verpflichten, so lange kein Bier zu trinken— und in diesem Sinne auch in anderen Kreisen zu agitieren—, bis die Brauereien und Wirte bereit find, ein für die Konsumenten günstigeres Uebereinkommen zu treffe««, fand gegen eine Stimme Annahme. Die Saalfelder Wirte verlangen jetzt für einen halben Liter Lagerbier 16 Pf. Die Arbeiterschaft hält aber eine Erhöhung von 12 auf 13 Pf. für ausreichend. ... In«mserer gestrigen Notiz mutz eS, wie ja schon aus dem Vorsatz hervorgeht, heißen:«n der 8. Spalte 6. Zeile von oben »obergäriges" und in der 8. Zeile„untergäriges" Bier. Zu den obergärigen Bieren, die meist in kleinen Städten und auf dem Lande gebraut werde««, gehölen z. B. Braunbier. Einfach- bier, ferner daS Berliner Weißbier, das Grätzer Bier, daS Lichten- hainer, das Zerbster Bittcrbier, verschiedene Malz- und Weizenbiere, Doppclbier, Potsdamer Stangenbier u. a. m. Bei diesen Bieren schwankt der Malzverbrauch zwischen 5— 12V, Kilogramm pro Hektoliter Ausstoß. Für untergäriges Bier— Lagerbier— darf nach dem Brausteuergesetz vom 3. Juni 1900 nur noch Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden. Thyssen rüstet für die nächste Hochkonjunktur. August Thyssen möchte in dem Kampfe um den stärksten Anteil an der nächsten Hochkonjunktur nicht zu kurz wegkommen. Deshalb sorgt er schon jetzt dafür, daß er dann gerüstet ist. Sein Streben nach möglichst großem Einfluß in den zukunftsreichen lothringischen und luxemburgischen Eisenerzdistriltcn ist bekannt. Mit der Ver- grvßerung der von ihm kontrollierten ErzProduktion wird eS auch im Zusammenhang stehen, daß jetzt die«hm gehörende Gewerkschaft Deutscher Kaiser sich auf eine größere Roheisenproduktion vorbereitet. Dort sollen� im ganzen vier neue Hochöfen mit je 500 Tonnen Leistungsfähigkeit gebaut werden. Thyssen hat kürzlich auch von den Stahlwerken Richard Lindenberg die Elektrostahlpatente, System Heroult, für die Gewerkschaft Deutscher Kaiser erworben. Um sie ausnutzen zu können, ist auch noch der Bau neu« Stahlwerke erforderlich._ Gummi-Dividenden. Auch in Rußland scheint, wie in Deutsch- land. da? Gummiaeschäft die höchsten Dividenden abzuwerfen. Die Russisch-Amerikanische Gummimanufaltur„Treugolnik". die ihr Aktien« kapital im vorigen Jahre um 20 Millionen Rubel verstärkt hat, verteilt für 1908 eine Dividende von 30 Prozent gegen 25 Prozent pro 1907. Beachtung verdient der Umstand, daß die im Vorjahre 34,3 Millionen Rubel betragende Bilanzsumme in der jetzigen Bilanz auf 39 Millionen Rubel angewachsen ist. Bus der frauenbewegung. Kind erzähl und Kindersterblichkeit. Im Juliheft der„Zeitschrift für Sozialwissenschaft" behandelt Kreisarzt Dr. Hillenberg die neuerdings viel erörterte Frage der Beziehungen zwischen Geburtenhäufigkeit und Säuglingssterblichkeit. Einige Aerzte und Bedölkerungsstatistiker waren so weit ge- gangen, zu behaupten, daß die große Kindersterblichkeit Deutsch- landS nur die Folge der zu großen Geburtenziffer sei. Be» sonderes Aufsehen erregten in letzter Zeit die auch von unS er- wähnten Untersuchungen des Berliner Arztes Dr. Hamburger über die Verhältiiisse in großstädtischen Arbeiterfamilien. In den Jahren 1901— 1907 hat Dr. Hamburger bei 1042 Arbeiterfrauen festgestellt, wie oft jede von ihnen geboren hatte. Es ergab sich, daß den Arbeiterfrauen mehr als die Hälfte aller Geborenen durch den Tod wieder entrissen wurde, bevor sie daS 16. Lebensjahr er- reicht hatten, und daß die Verluste durch Tod mit zunehmender Geburtenziffer stiegen: bei zwei- und dreikindriger Ehe starben zirka 33% Proz.» bei fünfkindriger 40 Proz., bei siebenkindriger 46 Proz. usw. Dr. Hillenberg tvendet sich gegen die Hamburgersche Schluß- folgdrung, daß an der hohen Kindersterblichkeit in erster Linie die hohe Kindcrzahl schuld sei. ES sei nicht angängig, aus auf einem immerhin beschränkten Beobachtuntzsgebiet gesammelten Material verallgemeinernde Schlüsse zu ziehen. Nur die Durchschnitts- zahlen einer ganzen Bevölkerung mit der verschieden großen Kinder. zahl in kn Mzelvea StojfcQ im MaLMMang mit den zahle reidfjSft äußeren FakkoiW, die s o n st auf die Säüglingssterblichke!! einwirken, können eigentlich zur Untersuchung herangezogen werde». Von diesen Gesichtspunkten aus sind einzelne Statistiker zu ganz anderen Ergebnissen gelangt. So sagt Geitzler: „Die vielfach behauptete Abhängigkeit hoher Säuglingssterblich- keit läßt sich nur gezwungen aus unseren Tabellen herauslesen. So zeigt der Landbezirk Leipzig eine sehr günstige Sterblichkeit der ehelichen Kinder im ersten Lebensmonat bei sehr hoher ehelicher Fruchtbarkeit, andererseits hat der Landbezirk Zittau die un- günstigste Sterbeziffer der Säuglinge, trotzdem er auch fast die niedrigste eheliche Fruchtbarkeit in Sachsen aufweist." Einige Autoren geben die Möglichkeit eines Zusammenhanges zwischen Fruchtbarkeit und Säuglingssterblichkeit zu in Erwägung der Tatsache, daß zahlreiche aufeinander folgende Geburten die Mütter schwächen, daß die Kinder deshalb weniger lebensfähig sind und daß die überanstrengte Mutter den später Gebarenen nicht «nehr die nötige Pflege zuteil werden lassen kann. Ein durch- gängiger Zusammenhang zwischen Geburtenziffer und Kinder- sterblichkeit wird von den meisten entschieden bestritten. Auf einem radikal ablehnenden Standpunkt steht auch die preußische Statistik. Hillenberg zitiert aus dem 133. Bande(1901) Seite 57:„Die Säuglingssterblichkeit richtet sich nicht nach der Geburtszifferz die Jahre 1880, 1883, 1884, 1886, 1892, 1895 und 1900 mit den hohen Ziffern für erstere hatten keineswegs auch die größte Geburtenhäufigkeit, und umgekehrt die Jahre 1879, 1881, 1887, 1888, 1894, 1896 und 1898 mit der niedrigsten Kindersterblichkeit hatten nicht die kleinsten Geburtsziffern." Auch eine Autorität wie Professor Mayet bekämpfte— auf statistisches Material gestützt>-— die Ansicht, daß je höher die Geburtenziffer, desto größer auch die Säuglingssterblichkeit sei. Zu demselben allgemeinen Ergebnis kommt Hillenberg ebenfalls auf Grund amtlicher Zahlentabellen; doch gibt er zu, daß im einzelnen, d. h. für einzelne Berufsklaffen unter besonderen Verhältnissen eine Rückwirkung der Äinderzahl auf die Sterblichkeit nicht von der Hand zu weisen sei. Dies ist in großen Zügen der Inhalt des Hillenbergschen Artikels, der für die Frauen des Proletariats zweifellos hohes Interesse hat. Indem er die Voreiligkeit der Schlußfolgerungen von Hamburger und anderen nachweist, gibt er zu, daß die Ursachen der massenhaften Kindersterblichkeit, wie wir tausendfach nachge- wiesen, in unseren sozialen Verhältnissen, in der wirtschaftlichen Not deS Volkes, in der Ausbeutung seiner Frauen ruhen. Nicht durch neumalthusianische Praktiken, durch die künstliche Beschrän- kung der Kinderzahl, diesem vielgepriesenen Allheilmittel gegen soziale Uebel, das auch von Hamburger und den Semen empfohlen wird, gehen wir der Kindersterblichkeit im Proletariat wirksam zu Leibe, sondern indem wir immer und immer wieder von Staat und Gemeinde einen durchgreifenden Kinder- und Arbeiterinrien- schütz, eine Mutterschaftsversicherung großen Stils als besten Mutter- und Säuglingsschutz fordern. Die weibliche Arbeitskraft im In- und Auslande.>>. Eine interessante Zusammenstellung über das� Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Erwerbstätigen in den ver- schiedenen Ländern enthält das soeben erschienene, vom Kaiserlichen Statistischen Aint herausgegebene Statistische Jahrbuch für daS Deutsche Reich(1909). Nach den Angaben ist. in der Vergleichung nach Geschlechtern, die weibliche Arbeitskraft am stärksten erwerbs- tätig in Oesterreich, dann folgt Frankreich, an vierter Stelle steht Deutschland, das mit der absoluten Zahl die dritte Stelle ein- nimmt. Den ersten Platz hat Rußland, den zweiten nehme«« die Vereinigten Staaten ein, die aber mit der relativen Zahl die dritt- letzte Stelle innehaben, während Rußland mit der Verhältniszahl weitaus zurückgeblieben ist. Die folgende Zusammenstellung enthält die am meisten«nter- essiereudLv Angaben�-' � tion der Bevölkerung weibliche waren erlvcrbStätig Erwerbs- in Prozent tätige über- männ»«veib- Haupt lich lich 1907 31259 429 9 492 831 45.5 61.1 30,4 1900 13 298 015 5 684 984 51.5 60,6 42,3 1900 9 672407 2 585 235 45,1 63.7 45.1 1897 63162 673 5 276112 24,9 41.6 8.4 1901 16 320 123 5 284 064 50,1 63.0 32,4 1900 1 688 413 498 760 46,9 65,0 29.5 1901 19 533 899 6 804 510 51.3 68,2 34,8 1900 9 543 533 1351792 89,1 64,9 14,2 1900 3 363 714 948 229 45,9 63,8 28,1 1899 2 583 585 433 548 37,8 59.4 16,8 1901 1 256 092 853 980 45.2 63,1 28,1 1900 2 630 005 551021 33.4 56.3 21.0 1900 1 154 784 277 613 39,5 56.1 24.0 1901 16 799 230 1 171751 44,1 64,6 24.8 1001 2 298 348 591 624 44,3 64,0 25,8 1901 2 258 735 546 585 43,7 63,8 24,2 gShlungS- tte�e 1°� völlerung Deutschland! Oesterreich.. Ungarn... Rußland».. Italien.... Schweiz... Frankreich... Spanien.». Belgien... Niederlande.. Dänemark... Schweden... Norwegen... England U.Wales Schottland.. Irland..-» Großbritannien und Irland. Ver. Staaten von Amerika 1901 21356 313 5 809 960 44.0 64,4 L4.9 1900 37 244 145 5 329 807 38,4 61,3 14,3 Der Vergleichswert der Angaben wird der verschiedenen Zähl- jähre wegen gestört, doch unberührt davon bleibt das allgemeine Urteil: daß die weibliche Arbeitskraft im Erwerbsleben bereits eine überraschend große Verbreitung gefunden hat. In schreiendem Widerspruch zu der Bedeutung, die das weibliche Geschlecht für die Gütererzeugung erlangt hat, steht seine politische Rechtlosigkeit, seine soziale, rechtliche Unterdrückung. Die Gesellschaft, die der Frau Lasten und Pflichten auferlegt gerade so wie dem Manne, die sie aber weder in der Erwerbstätigkeit, noch überhaupt die Hausfrau, Mutter und Erzieherin als Wertfaktor berücksichtigt. weigert sich, gestützt auf ihre Macht, das weibliche Geschlecht als gleichwertige und gleichberechtigte Persönlichkeit anzuerkennen. Sache der Frauen ist es. den Kampf gegen diese Ungerechtigkeit. gegen die soziale und politische Unfreiheit der Frau«nit aller Energie zu führen. Her mit dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht, auch für die Frauen! Das muß h«S uifi VeMmmende FqMWNg sein._ Sericbts Leitung. .-> Geldheirat und Erpressuirg.'- Wie die Moralheuchelei von moralisch Minderwertig?« zu Er- Pressungen benutzt tvird, zeigt ein Jahre hindurch geführter Er- pressungSfeldzug gegen den verstorbenen Herzog von Plch und dessen nächste Angehörigen, der gestern die 3. Ferienstrafkammcr des Landgerichts I unter Vorsitz deS LandgerichtsdirektorS Goebel beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurde der Kaufmann Otto Knöpfke vorgeführt, um sich wegen vollendeter und versuchter Er. Pressung zu verantworten. Im Jahre 1875 machte der jetzige Angeklagte die Bekanntschaft eines damals 16jährigen Mädchens, namens Marie Berns«. Aus dem Liebesverhältnis ging ein Kind hervor. Knöpfte entzog sich an- fänglich seinen Alimentationspflichten«md mußte erst vom Gericht zur Zahlung gezwungen werden. Der Angeklagte bekümmerte sich dann nicht«vciter um die Mutter seines Kindes, sondern heiratete bald darauf die vermögende Inhaberin eines PutzgeschästS, die aber schon nach sechsjähriger Ehe starb. Inzwischen hatte seine ehemalige Geliebte den damaligen Fürsten zu Pleß kennen gelernt, der zu ihr in intime Beziehungen getreten tvar. Eines Tages suchte die Bernsee den Angeklagten wieder auf und legte ihm nahe, sie doch zu heiraten, damit ihr Kind endlich den Namen des VatcrS erhalte. Sie erzählte ihm hierbei von ihrem Verhältnis zu dem Fürsten Pleß und erklärte, daß dieser sie bei der Verheiratung mit einem größeren Kapital ausstatten werde: die Heirat sollte nur eine Scheinhcirat werden. Der Angeklagte ging auch hierauf ein Wd heirgtets sejnZ ftühW Geliebte. Bon dM Fürsten Pleß wurden ihm am Tage der Hochzeit 10 000 M. ausgezahlt. Die junge Frau hat niemals die Wohnung ihres Ehemannes gesehen, sondern wohnte nach wie vor in den elegant ausmöblierten Appartements, die ihr der Fürst Pleß zur Versügung gestellt hatte. Wie sich vor Gericht herausstellte, trat die junge Frau zwei Tage nach der Hochzeit ihre Hochzeitsreise nach Italien nicht mit ihrem Ehemann, dem Angeklagten, sondern mit dem Fürsten Pley an. Der Angeklagte fühlte sich jedoch hierdurch nicht im mindesten in seiner Ehre als Ehemann beeinträchtigt und dachte auch nicht im geringsten daran, eine mit Ehebruch begründete Ehescheidungsklage in die Wege zu leiten. Wie fach vor Gericht ergab, hatte der An- geklagte seiner Frau bielmehr wörtlich gesagt,„sie sollte lieber zu ihm halten, da sie dann beide eine Million aus dem Fürsten herausschlagen könnten". Von dieser Zeit an ging nun der An- geklagte mit erpresserischen Mitteln gegen den Fürsten vor. Auf Grund irgendeines Ucbereinkommens kam dann auch später eine Scheidung der Ehe zustande, welche nach dem damals noch gültigen Landrecht mit„unüberwindlicher Abneigung" begründet wurde. Bei der Scheidung erhielt der Angeklagte wiederum 10 000 M. von dem Fürsten, mit denen er ein Geschäft eröffnete. Als er mit diesem in Konkurs ging, erhielt er von dem Fürsten nochmals 5000 Mark und außerdem eine Leibrente von 1200 M. jährlich auf die Dauer von zehn Jahren. Die Hergäbe dieser Summe war von dem Fürsten mit der Bedingung verknüpft worden, daß der Angeklagte ausdrücklich versicherte, keinerlei weitere Ansprüche mehr gegen den Fürsten, auch nicht in Form einer Bitte um ein Darlehen, zu er- heben. Der Angeklagte ging hieraus ein, trat aber bald darauf mit neuen Ansprüchen an den Fürsten heran und forderte in erster Linie Auszahlung der Rente in einer Summe. Als Antwort hierauf wurde ihm von dem Fürsten die Rente entzogen. Der Angeklagte setzte nun gegen den inzwischen zum Herzog erhobenen Fürsten einen richtigen Erpressungsfeldzug in Szene. Er drohte mit Veröffentlichungen und Bloßstellungen. In einer offenen Post- karte drohte er, das ganze Material dem„Vorwärts" und der „Welt am Montag" zu übergeben. Als hierauf nicht reagiert wurde, erließ der Angeklagte in einer hiesigen Zeitung folgendes Inserat:„Privatmann sucht geeignete Persönlichkeit zur Geltend- machung von berechtigten Ansprüchen gegen eine hohe Persönlich- keit in einer Ehebruchssache." Hierauf meldete sich ein angeblicher Redakteur I. Lcwinski aus der Sttmisberger Straße 16a, der nun seinerseits mit versteckten Anspielungen im Aufträge des An- geklagten an den Herzog Pleß herantrat. Als auch dieses Manöver ohne Erfolg war, drohte der Angeklagte auf einer offenen Post- karte, das gesamte Material dem Reichskanzler zu übermitteln. Ferner behelligte er den Sohn des Herzogs, den Fürsten zu Pleß, wie auch den Schwiegersohn, den Grafen zu Solms-Baruth, mit den unverschämtesten Briefen, Postkarten und Telegrammen. Selbst als der Herzog zu Pleß verstorben war, setzte der Angeklagte seine Erpressungsvcrsuche fort und eröffnete ein richtiges Bombardement mit offenen Postkarten gegen den Sohn des Verstorbenen, den er auf den Besitztümern der Familie: Schloß Pleß, Schloß Fürsten- stein und in Florenz in der unglaublichsten Weise mit Erpressungs- versuchen verfolgte. Er scheute sich sogar nicht, an die verwitwete Herzogin zu Pleß mit Erpressungsvcrsuchen heranzugehen, als diese im Juni dieses Jahres im Hotel Adlon logierte. Jetzt erst wurde die Staatsanwaltschaft von dem Treiben des Erpressers in Kenntnis gesetzt, die unverzüglich die Verhaftung anordnete.— In der Verhandlung bor der Straffammer war ein ganzer Berg von Erpresserbrizfen und Postkarten zur Stelle, die zum Teil ber- lesen wurden. Der Angeklagte selbst war der Erpressung geständig. Staatsanwaltschaftsrat Porzelt beantragte 4 Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte wegen versuchter und vollendeter Er- Pressung auf 2 Jahre Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Unlauterer Wettbewerb? Der Seifenfabrikant Schröder betrieb früher den Handel mit Seife im großen. Er hatte in Berlin etwa 80 Filialen. Dadurch wurde er sehr bekannt. Man nannte ihn Seffenschröder. Diese Bezeichnung ließ er sich schützen. Später änderte er den Betrieb. Er ließ die Filialen eingehen und beschränkte sich auf die Seifen- fabrikation im mittleren Umfange. Diejenigen Ladeninhaber, die Seife von ihm zum Verkauf bezogen, durften mit seiner Zustim- mung die Bezeichnung„Seifenschröder" für die Ware benutzen. Davon machte auch der Kaufmann Haa! Gebrauch, als er ein zweites Geschäft in der Schliemannstratze eröffnete. Er hielt in dem Laden außer Seife alle die Artikel feil, die solche Händler zu verkaufen Pflegen. Von Schröder bezog er nur Seifen, die den kleineren Teil seiner sämtlichen Warenbestände ausmachten. Wegen der Art und Weise, wie er die Bezeichnung„Seifenschröder" mehrfach anbrachte, wuroe H. in zweiter Instanz wegen unlauteren Wettbewerbes zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht führte aus: Die Bezeichnung sei derart angebracht, daß sie auf alle Waren bezogen werden müßte- Allerdings hätte H. auch seinen eigenen Namen anbringen lassen. Der stände aber an versteckter Stelle auf einer Glasscheibe oberhalb der Eingangstür. Im übrigen würde der Eindruck erweckt, daß Scifenschröder der Inhaber des Geschäfts sei. Alle die vielen Konsumenten, die Seifenfchrödcr kennen, würden annehmen, der Einkauf in dem Geschäft biete die Vorteile, die der Großbetrieb dem Kleinbetriebe gegenüber voraus habe. Der Zweck sei gewesen, den Anschein eines besonders gün- stigen Angebots zu erwecken. Ter Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, er habe das Publikum nur darauf aufmerksam machen wollen, daß bei ihm Seifen von Schröder zu haben seien. Der Ferien-Strafsenat des Kammergerichts verwarf jedoch gestern die Revision mit folgender Begründung: Es sei bedenken- frei festgestellt worden, daß H. den ihm gestatteten Gebrauch des Warenzeichens mißbraucht habe, indem er es nicht zur Bezeichnung der Waren benutzte, fondern es in einer Weise anbrachte, daß beim Publikum der Glauben erweckt werden mußte, es kaufe direkt bei Schröder, der die Ware billiger abgeben könne, als der Inhaber eines kleinen Geschäfts. Es habe hinsichtlich der Seifen sogar der Glaube erweckt werden können, daß der Geschäftsinhaber zu- gleich der Fabrikant sei. Demnach stehe fest, daß durch unrichtige Angaben der Anschein eines günstigeren Angebots hervorgerufen worden sei. Angeklagter habe sich demnach einer Uebertretung des § 4 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb schuldig gemacht. Pfarrherrlicher TerroriSmuS. Vor der Hanauer Ferienstrafkammer spielte dieser Tage ein Beleidigungsprozeß des Pfarrers Trappe gegen den praktischen Arzt Dr. Heisterkamp. Ter Prozeß tvarf ein bezeichnendes Licht auf den Terrorismus, der von dem Kläger gegen den Beklagten geübt wurde. Trappe ist Pfarrer in dem Dörfchen Schmalnau, Kreis Hanau. Als Dr. Heisterkamp sich dort niederließ, wendet« der Pfarrer seine ganze pfarrherrliche Gewalt an, um dem Be- klagten die Ausübung seiner Praxis unmöglich zu machen, auf daß Dr. med. Spahn allein als Arzt fungiere. In Schmalnau machten die Vermieter die Mietsverträge mit Dr. Heisterkamp sogar auf Betreiben des Pfarrers rückgängig. Die Beichtkinder warnte der Pfarrer wiederholt vor dem zugezogenen Arzt. Als Dr. Heister- kamp wöchentlich zweimal andere Ortschaften besucht», um armen Leuten Gelegenheit zu geben, billig einen Arzt in Anspruch zu nehmen, erklärte er, das könnte den Leuten so passen, wenn sie jetzt nur 2 M. statt 8 bis 10 M. an den Arzt zu zahlen hätten. Da ritz endlich dem jungen Doktor die Geduld. Er schrieb an den Pfarrer einen Brief, in welchem er diesen einen Lügner und Ber- lcumder nannte. Hierauf lief der Pfarrer zum Kadi. Vor dem Schöffengericht zu Weihers wurde der Arzt zu der ungeheuerlichen Sttafe von drei Monaten Grfängnis verurteilt. Die Ferienstrafkammer ermäßigte die Sttaf» auf 50 M. In der.Verhandlung war eigentlich der Pfarrer, nicht der Arzt der Angeklagte. Der Beklagte legte dar, daß die Patienten des großen Bezirks wegen der Bedränguug durch den Pfarrer nachts zu ihm gekommen seien, um nur nicht vom Pfarrer gesehen zu werden. Der Pfarrer erklärte nur, er habe bloß den Frieden in der Gemeinde auftecht erhalten wollen, die Wohnungen habe er dem Arzt abgetrieben, um— die Vernrieter vor Schaden zu be- wahren. Kranke Leute habe er bor Dr. Heisterkamp gewarnt, weil er annahm, der Mann wäre zu teuer. Ein Zeuge Dr. Sack-Salz- schürf bekundet, der Pfarrer habe ihm wissentlich die Unwahrheit gesagt, damit dem Dr. Spahn keine Konkurrenz erwachse. In der Urteilsbegründung führt die Strafkammer aus: Der Angeklagte habe in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, in der Abwehr sei er aber zu weit gegangen. Das Gericht nimmt mehrere Fälle als erwiesen an, wo Pfarrer Trappe Patienten des Angeklagten beeinflusftc, sie sollten sich von Dr. Heisterkamp nicht weiter be- handeln lassen. Dazu habe der Pfarrer die Sakristei und das Krankenbett benutzt. Auch sei der Pfarrer leichtfertig mit der Wahrheit umgegangen, und das alles, um Aerzte, die nicht Mit- glieder des katholischen Ringes in der dortigen Gegend seien, nicht aufkommen zu lassen. Der Angeklagte kämpfte um seine Existenz, die man vernichten wollte, deshalb war nur auf eine geringe Geld- strafe au erkennen. Dieser Gerichtsspruch ist eine scharfe moralische Verurteilung des Pfarrers._ Eingegangene Druchrcbriftoi. Jahrbuch des Schweiz. GrütlivercinS und der Schweiz, sozial- demokratische« Partei. 1908. Zusammengestellt und bearbeitet vom Parteisekretariat in Biel. 243 Seiten. Selbstverlag, Zürich. Eine Isartal-Alapve mit acht Original-Steinzeichnungen, 5 M., von Ernst Müllcr-Bernburg ist eben im Verlage von G. D. W. Callweh in München erschienen. Aorschläge: I. Allgemeines Pensionsgesetz, II. Schulreform als Grundlage neuer Staatseinrichwngen von P. Becker. 80 Pf. Selbstverlag, Magdeburg. Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins Nürnberg, Altdorf. 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909. 48 Seiten. Selbstverlag. Rcchtspraxis der Krankenversicherung, Bd. II. Entscheidungen. 1908. 2,50 3)1. Verlag E. Schnapper, Frankfurt a. M. Lehrbnch der Physik von E. Grimsehl. Leipzig- Berlin 1909. B. G. Teubncr. 1052 Sellen, geh. 15 M., geb. 16 M. ALEXANDERPLATZ LEIPZIGER STRASSE FRANKFURTER ALLEE Donnerstag Freitag Sonnabend Lebensmittel besonders preiswert Soweit Vorrat Pa. ital. Pfirsiche sää�Op,. Pa. Sauerkirschenrf ss 15 pm.70 Kochbirnen............. Pa. Tafelbirnen p- ongi-ai> ko,- 22p,. SsPreissel beeren«-95�«->1 80 Pa. Liegnitzer Gurken.. I00 Pa. Pflaumen o,w„., k««,.... p«. 15«. Pa. Tomaten Origlnal-Korb Pfd. 10 Pf. Pa. Erfurt.BlumenkohlK.,,18,23 la Hirschwild 35 Pf.«L* 65 �«Ä° 9G p™?.6"!00 Prima Rehblätter.... s.« I40 1eo i76 Prima Rehkeulen.... swck 525 600 675 Prima junge Gänse«-. 63- 63« Prima junge Enten st. 2'° 230 27S Pf. 30 Junge Brathühner.. 80, 95«. 1'° t la Suppenhühner stock l75 I80 22° 2 88 Besonders preiswert Bei Abnahme von 25 Flaschen 5 Pf. 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Kirschsaft...........'/.kia-oil- 85 Pf Johannisbeersaft....v.piascho 85 pt. Erdbeersaft.......... ViFiasoha 1 mn Zitronensaft____....>-. pia�h» 1 Mk. Tafelbirnen............ Pfand 20 pf Kochäpfel ptd. 1 2 pt. T omaten" 1 0 pt. Blaue Pflaumen....... Pfand 18 pt Blumenkohl........... Eopt 18 pt. Einmachegurken...... Mands, 1.20 Melonen.............. pfund 18 pt Italienische Pfirsiche".. Pfand 21 Pt. Brathühner........... 75 pt. 1 Mk. Suppenhühner........ 1.90, 2.10 Poulets............... 95 pt. 1.75 Junge Gänse......... Pfand 64-f. Rehblätter" 1.50, Rehkeulen" 5. 50 Zervelat-a. Salamiwurst Pfand 1.05 Plockwurst............. Pfand 95 pi. Mettwurst u. Jagdwurst"pfund 85 pt. Teewurst".............. Pfand 1.10 Zwiebelwurst"......... pfand:45;pf. Rotwurst"........... Pfand 45, 65 pt. Feine Leberwurst"..... Pfund 95 pt. Landleberwurst"........ Pfand 85 pt. Hallesche Leberwurst". Pfand 95 Ft. Schinkenspeck........ Pfand 95 Ft. Kasseler Rippespeer"?» 85, 95 n. Ital. 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Wie jemand wider seinen Willen zum Sparen angehalten werden kann, zeigt folgender origineller Rechtsfall, mit dem sich gestern das Berliner Kaufmannsgericht zu beschäftigen hatte. Ein Fuhrunternehmer L. erhielt eines Tages vom Kaufmannsgericht eine Klage in Höhe von 175 M. zugestellt, die ein gcwisicr Reiche eingereicht hatte. L. teilte dem Gericht mit, dast ihm der Kläger gänzlich unbekannt sei, und Wohl ein Irrtum vorläge. Er hielt die Sache damit für erledigt und kümmerte sich deshalb auch nicht um den angesetzten Verhandlungstermin. Wie töricht das war, sollte er bald erfahren. In seiner Abwesenheit erging ein Ver säumnisurteil, uno dem Verklagten drohte die Zwangsvollstreckung. Letztere konnte er nur dadurch abwenden, daß er schleunigst Ein- spruch einlegte, die 175 M. mußte er indessen bei der öffentlichen Hinterlegungsstelle bcpouicreu. Soweit ist der Verlauf normal, das Ungewöhnliche setzt hier ein. Der um 175 M. bis auf weiteres erleichterte Kaufmann hegte die Hoffnung, er toerde im neuen Verhandlungstermin den Urheber der Klage zu Gesicht bekommen Diese Hoffnung wurde aber getäuscht. Weder der Kläger erschien, noch kam ein Vertreter für ihn. Nunmehr erging ein Versäumnis- urteil gegen den Kläger. Dieses Urteil muß jedoch, um rechts wirksam zu sein, erst zugestellt werden. R. ist aber inzwischen »unbekannt wohin" verzogen. Bei seinen Bemühungen, sein Geld wiederzubekommen, ist der anscheinend zu Unrecht Verklagte in eine sehr unangenehme Lage geraten. Er wird von Pontius zu Pilatus geschickt und hat die Aussicht, das„Depot" noch monatelang nicht angreifen zu dürfen. Denn das Einwohner-Meldeamt ver- weigerte dcni Beklagten jede Auskunft, wenn er nicht die Pcrso- nalicn des R., besonders Geburtsort und-tag, angeben kann. L. kennt seinen Prozeßgegner noch nicht einmal selbst, geschweige seine Personalien. Das Kaufmannsgericht kennt sie auch nicht, macht aber von dem Modus der„öffentlichen Zustellung" nicht eher Ge- brauch, bis L. durch amtliche Dokumente nachgewiesen hat, daß die direkte Zustellung unmöglich ist.— Beklagte, denen diese Art der„Erweckung des Spartriebs" nicht genehm ist, tun gut, gleich den ersten angesetzten Termin auf alle Fälle wahrzunehmen. Den Achtuhrladcnschluh hat der Regierungspräsident in Düsseldorf auf Antrag von Zwei- dritteln der beteiligten Geschäftsinhaber in Ronsdorf(Kreis Rem- scheid) für die offenen Verkaufsstellen sämtlicher Geschäftszweige mit Ausnahme der Konditoreien angeordnet. Die Anordnung gilt für alle Wochentage, mit Ausnahme der Sonnabende und der für den erweiterten Geschäftsverkehr, freigegebenen verlängerten Ver- kaufstage. Für die Metzgereien ist der Achtuhrladenschluß bereits durch Verfügung vom 25. November 1903 angeordnet worden. Ein preußisches Armenhausibyll. In dem etwa 1800 Einwohner zählenden Orte Heinrichs bei Suhl(Regierungsbezirk Erfurt) wurde kürzlich die Familie eines arbeitslos gewordenen Arbeiters, der infolgedessen die Miete schuldig geblieben war, vom Hausbesitzer exmittiert. Während sich der Mann auswärts nach Arbeit umsah, wandte sich die Frau in ihrer Ratlosigkeit an den Gemeindevorsteher, ihr ein Unterkommen zu verschaffen. Daraufhin wurde die Familie, bestehend aus Frau, 4 Kindern(von denen das älteste Kind 7— 8 Jahre zählt) und einem etwa 24 Jahre alten schwachsinnigen Bruder des Mannes, im Armenhaus untergebracht, und zwar, da alle übrigen Zimmer besetzt waren, in einem etwa 8 Quadratmeter großen Räume, der bisher von einem alten Manne allein bewohnt war. Zeitweise kommt dann noch der Mann zu seiner Familie auf Besuch, so daß dann 8 Personen— vier Erwachsene und vier Kinder— in diesem »Zimmer" zusammengepfercht kampieren. Die Annehmlichkeit für die Familie wird noch dadurch erhöht, daß sich der alte Mann über die ihm aufgezwungene Beschränkung seiner bisherigen„Bewe- gungsfreiheit" zeitweise recht unwirsch zeigt. Das sind Zustände, die allen sanitären und sittlichen Begriffen Hohn sprechen. Aber bekanntlich leiden ja die Kulturaufgaben in Preußen nicht! Bon der Bekleidungsindustrie. Die Zahl der gegen Unfall versicherten Arbeiter steigt in der Bekleidungsindustrie nur langsam an. Es waren nach dem Bericht der Bekleidungsindustrie-Berufsgenossenschaft im � Jahre 1908 278 780 Arbeiter versichert, gegen 267 567 im> Vorjahre. Wie unzureichend unsere Unfallversicherung ist, zeigt uns die Zahl der versicherten Betriebe. Ganze 9106 Betriebe der Beklei- dungsindustrie sind nur versichert. Die Millionen im Kleinhandwerk sind schutzlos. Zur Anzeige gelangten im Jahre 1903: 3007 Unfälle, gegen 3199 im Jahre 1907. Der Bericht erklärt uns aber, daß an diesem erfreulichen„Rückgang" nicht etwa die Vermehrung der Schutzvorrichtungen in den Betrieben, sondern die»allgemeine Ge- schäftskonjunktur" schuld sei, wodurch eine Einschränkung der Be- triebstätigkeit erfolgte. Auch habe das Ausscheiden der besonders gefährlichen Filzfabriken aus der Genossenschaft viel dazu bei- getragen, die Unfallziffcr zu ermäßigen. Große Gefahren zeigen uns die Maschinen in den Schuh fabriken, welche allein 1197 Unfälle aufwiesen. Aber auch die Wäschereien sind sehr gefährlich, da 650 Unfälle gemeldet wurden. Dampsmangeln und Piättmaschincn forderten allein 136 Opfer. Der Aufsichtsbeamte erklärt:„Einige Male habe ich Betriebs Unternehmer warnen müsien, jugendliche Arbeiter nicht an Dampf mangeln zu beschäftigen." Obschon der Beamte im Juli 1908 in einem Betrieb anordnete, daß der Raum hinter einer Wäscherolle vergrößert werden müsse, weil der Rollkasten fast die Wand berührte, wurde nichts geändert, und kurze Zeit darauf„wurden 2 Mädchen dnrch diese Wäscherolle erdrückt". Es waren ja nur arme Mädchen, die auch an den Jammer löhnen teilnahmen, welche in der Bekleidungsindustrie noch gezahlt werden. Laut Bericht enifällt auf den Kopf der Versicherten ein Durchschnittslohn von 858 Mark pro Jahr. In 600 besichtigten Betrieben fand der Aufsichtsbeamte allein 2117 Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften. Die Aerufsgenossenschaft meldet stolz, daß sie im Berichtsjahre sehr hinter den Rentenempfängern her war, und allein über 3000 Unfallakten nachprüfen ließ. Mit Hilfe ihrer Vertrauensärzte, welche„erfahren", sich nach der„veränderten Rechtsprechung" sehr gerichtet haben, wurden für 6245 M. Renten pro Jahr gestrichen. Sobald die Zeit es erlaubt, soll die Jagd auf die Unfallrentner fortgesetzt werden, und hofft man auf„einen Wegfall von 30 000 M. Rentenlast jährlich". Das kann ja gut werden, wenn nicht endlich die Gesetzgebung gegen dies frivole Treiben zu Ungunsten der Verletzten eintritt- Die Holzarbeiter in Sachsen. Durch die Krisis wurden schon im Jahre 1008 mehr als 2000 Arbeiter weniger in der Holzindustrie Sachsens beschäftigt. Der Bericht der Sächsischen Holzberufsgcnossenschaft erklärt, daß in 4180 versicherten Betrieben, darunter 2638 Maschinenbetriebe, ins- gesamt 37 849 Arbeiter beschäftigt waren, gegen 39 924 im Jahre 1907. Die Zahl der Betriebsunfälle ist etwas zurückgegangen, und zwar von 1642 auf 1545. Hiervon ereigneten sich allein 280 an den gefährlichen Kreissägen, 195 an Abrichtmaschinen, 124 an Fräsen usw. Aber auch die Sägewerke sind sehr unfallbringend, denn in den 461 versicherten Sägewerken, die 5170 Arbeiter beschäftigen, ereigneten sich im Berichtsjahre allein 430 Betriebsunfälle. Die Aufsichtsbeamten der Genossenschaft fanden denn auch, daß gerade die gefährlichsten Maschinen die meisten Mängel und Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften aufwiesen. Revi- diert wurden 844 Betriebe, wovon in 641 Betrieben Mängel vor- handen waren. Nur 203 dieser Betriebe wurden in Ordnung befunden. Insgesamt wurden 1240 Anordnungen erlassen, davon entfielen wieder 297 auf Kreissägen, 140 auf Abrichtmaschinen, 106 auf Fräsen usw. Trotzdem bringt es der Bericht fertig, den Versicherten vorzuwerfen, daß sie die vorgeschriebenen Schutzvor- richtungen nicht benutzten. Von 281 Berufungen der Verletzten wurden nur 23 von den Schiedsgerichten anerkannt, und das Landesversicherungsamt für Sachsen hat als oberste Spruchinstanz nur 15 Rekurse anerkannt, 14 als unbegründet abgewiesen. Bon der Lagcrci-Bcrufsgenossenschaft. Die Lagerei-Berufsgenossenschaft wächst sich naturgemäß mit der Zeit zu einer der größten Genossenschaften aus, wenn endlich dem Entwurf der Reichsversicherungsordnung entsprechend zahl- reiche Handelsbetriebe neu versichert sein werden. Versichert sind jetzt schon 68 715 Betriebe mit 358 891 Arbeiter, und sollen nach dem Bericht in einzelnen Landesteilen, wie in Schlesien, Bayern usw., noch zahlreiche Betriebe nicht versichert sein. Da nun gegen das Vorjahr eine Zunahme von 58 162 Personen vorhanden ist, so erklärt der Bericht, daß dieses Anwachsen nicht in den tatsächlichen Verhältnissen begründet sei, sondern auf einer neuen Berechnung beruhe, die vom Reichsversicherungsamt gegeben worden sei. Um eine„zuverlässige Grundlage für die Berechnung über die Unfallhäufigkeit usw. zu gewinnen, hat das Reichsver- sicherungsamt die Anordnung getroffen, daß bei allen Berufs- genossenschaftcn die Berechnung der Arbeitszeit nach einem ein- heitlichen Maßstäbe erfolgt". Bei der Berechnung der Arbeitszeit sind aber die Berufs- genossenschaften nur auf die Angaben der Unternehmer angewiesen, und wird daher auch diese Statistik sehr mangelhaft ausfallen. Bedauert wird der Standpunkt des Reichsversicherungsamts über die Versicherung der Konsumvereine. Verschiedene Konsumvereine seien an andere Bcrufsgenossenschaflen abgegeben worden, und werden wohl künftig eine große Zahl derselben aus den Katastern verschwinden. Das Reichsversicherungsamt hat sich prinzipiell dahin ausgesprochen, daß„Konsumvereine im Sinne des Gesetzes betr. die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften als Vereine, die Lebens- und Wirtschaftsbcdürfnisse im großen auf gemeinschaft- liche Rechnung einkaufen und im kleinen an die Mitglieder ab- lassen, in der Regel nicht unter§§ 1 und 2 des Gewerbcunfallver- sicherungsgesctzcs fallen, da sie nicht gewerbsmäßig, sondern nur zur Herbeiführung von Ersparnissen für die Mitglieder betrieben werden". Es wurde dann auch ausgeführt, daß diese Vereine nur dann versicherungspflichtig seien, wenn Motorbctncb vorhanden und alle Arbeiter„mit dem Motor oder dessen Gefahrenkreis reget- mäßig in Berührung kommen". Dieser Standpunkt ist unhaltbar und für die Arbeiter der Konsumvereine schädlich, wie die Berufs- genossenschaft selbst bedauert. Im Berichtsjahre wurden der Berufsgenosscuschaft insgesaint 19 815 Unfälle gemeldet, gegen 20 937 im Vorjahre. Entschädigt wurden jedoch nur 3738 dieser Unfälle- Die technischen Aufstchts- Beamten klagen selbst, daß die Zahl der Unfälle sehr hoch sei, und daß„die Unternehmer in der Ucbcrwachung nur eine lästige Kon- trolle erblicken". Auch die Versicherten haben die Beamten bei Erläuterungen von Schutzmaßnahmen zugezogen und„sie unter Hervorhebung warnender Beispiele auf besondere Gefahren hin- gewiesen". Sehr gut! Rcvioiert wurden jedoch nur 12 Proz. der versicherten Betriebe, und ist zu befürchten, daß die Bcauiten die Hauptmängel gar nicht sehen konnten. Nach der Aufzählung der vorgefundenen Mängel kommt der Bericht auch zu einer Ermittelung der Schuldfrage der Unfälle, die aber nur von 2 Sektionen erfolgt ist. In 532 Fällen wollen die Unternehmer, denn diese machen doch die„Berichte", als Ursache her Unfälle:„Nichtbenutzung gebotener Schutzmittel, offenbaren Leichtsinn, Trunkenheit, Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit, Schuld von Mitarbeitern und dritten Personen" usw.„ermittelt" haben. Mangelhafte Betriebseinrichtungen seien nur in 78 Fällen die Schuld am Unfall, während man auf das große Konto:„Ge- fährlichkeit des Betriebes" einfach 589 Fälle buchte. Man hat jedoch bei näherer Betrachtung der aufgezählten Fälle, wie der Bericht selbst zugibt, nur in 4 Fällen Trunkenheit des Verletzten nachweisen können und wird bemerkt:„Bestimmte Fälle, in denen Alkoholmißbrauch Ursache von Unfällen war, haben sich 4 nach- weisen lassen, gleichwohl ist anzunehmen, daß er als mittelbare Ursache häufiger in Betracht kommt, namentlich bei Kutschern in SpeditionS- und ähnlichen Betrieben auf ihren Fahrten." Um nun den Alkoholmißbrauch einzuschränken, hat man nach dem Bericht„in verschiedenen Weinkellereien des Rheins und der Mosel von den Unternehmern Kaffeeküchen eingerichtet". Die Schiedsgerichte erledigten 80 Proz. aller Berufungen zu- gunsten der Genossenschaft. Von den Verletzten wurden 3236 Be- rufungen erhoben, obschon 11 410 Rentenbescheide erlassen waren. Davon wurden 2258 zugunsten der Genossenschaft und nur in 554 Fällen für die Verletzten entschieden. Das Reichsversicherungsamt ging noch darüber hinaus, und hat gar 80,7 Proz. aller Rekurse der Verletzten als unbegründet abgewiesen. Von der Eisen- und Stahlindustrie im Nordosten. Der soeben erschienene Bericht der Nordöstlichen Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft meldet eine starke Arbeitslosigkeit der Metallarbeiter dieses Bezirkes. In 6249 Betrieben Ivurden nur noch 124 948 Arbeiter beschäftigt, gegen 128 911 im Jahre 1907. Eine geringe Zunahme an Mitglieder, d. h. Versicherte, zeigen uns die ost- und westpreußischcn Provinzen während die Sektion Berlin und Brandenburg starken Rückgang aufweist. Der Durchschnittslohn der Versicherten ist auch stark gefallen, und zwar in Sektion l(Verlin) von 1299 M. im Jahre 1907 auf 1285 M., in Sektion III(Stettin) von 1088 M. im Jahre 1907 auf 1070 M., in Sektion IV(Eching von 965 M. im Jahre 190? auf 955 M. v j, Nur in Sektion II(Brandenburg) ist der Durchschnittslohn von 1015 M. auf 1055 M. pro Jahr gestiegen. Gemeldet wurden im Berichtsjahre 11833 Unfälle, oder auf 1000 Versicherte durchschnittlich 94 Unfälle. Entschädigt wurden hiervon nur 1550 Fälle, darunter 54 Todesfälle, die sich laut Bericht in den letzten Jahren überhaupt stark vermehrt haben. Die Auf- sichtSbeamten der Genossenschaft„stellten" zur Beruhigung der Unternehmer auf Grund der Unfallzählkarten wieder„fest", daß die meisten Unfälle auf Verschulden der Verletzten sechst zurückzu» führen waren-— Wann wird endlich der Unfug aufhören, ein. seitige Angaben der Berufsgenossenschaften als Grundlage für die Frage zu benutzen, auf wessen Verschulden der Unfall zurückzu- führen ist?-_ amtlicher Marktvericht der städtischen Martthallen-DIreltlon übet den Groghandel in den Sentral.Markthallcii. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zusubr qe. nugend, Geschäft lebhaft, Preise etwa» nachgebend. G e s I ü a e l: stiisuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise nachgebend. Fische: Zusuhr ac- nugend, Geschäft lebhast, Preise, außer für geringe Seefische, bcsriedigcnd. Butter und Käse: Geschäst lebhaft, Preise unverändert. Gemüse. S. ft©Oblrüchtt: Zusuhr reichlich, besonders in Erfurter Bliimenlohl, Marli ziemlich belebt, Preise wenig befriedigend. Für den Inhalt der Inserate »ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwortung. Zheater. Donnerstag, den12. August. Ansang 7 Uhr. Neues königliches Operiitheater. Die Meistersinger von Nürnberg. (Ansang 6'/, Uhr.) Ansang 8 Uhr. Deutsches. Kelten. K a vi m e r I p i e l e. Gewstern. Lcssing. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Herbstmanöver. Stcnes. Sein Sundenregister. Reueö Schauspielhaus. Miß Dudclsack. Komische Qper. Demimonde. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Luslspiclhans. Familie Schimek. NeucS Operetten. Die Sprudels«. Kleines. Moral. LSesteu. Der sidele Bauer. Schiller O.«Walliier• Thealer.) Madame Bonivard. Schöner Eharlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich- Wl'hclmstSdt. Schau- spielhaus. Der TroilSadour. Luise». Der stille S«. FolieS Caprice. Drei Frauenbüte. Der Deserteur usw. Ans. 81/, Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. Apollo. 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AbendS�8 Uhr s Sein Sündenregister Morgen und folgende Tage: Lein dünäenrexister. Idesler des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fidele Bauer voSgan icaes Opercttcn-Xheater, chiftbaucrdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: Die Sprndclfee. Operette i» 3 Alien v. H. Reinhardt. Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Thcater.) Donnerstag, abendZsUhr: Mndnine Itonirard. Schwant in 3 Alten von Alexander Bisson und Antonh MarS. Freitag, abendS3 Uhr: Bladamc Bonivard. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Spielzeit 1900/10. MaebetI». Tlieater. Schillor-Theater Charlottenburg, Donnerstag. abendS8Uhr: Der Blberpel«. Eine DicbcSkomödi« in 4 Wen von Gerhart Hauptmann. Freitag, abends 8 Uhr: ver Blbcrpclx. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Spielzeit 1000/10. Ein Ertols- Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Gnra-Opor. Einfache Preise. Die Meistersinier?od irnlierg Von Rieh. Wagner. Änk. 0'/, Uhr. Freitag: Tannhäuser. Sonnabend: Lohengrln. Sonntag: Orpheus. 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Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. 8 Uhr! 8 Uhr! Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Passage-Tlieater. Ein darcbscblasender Erfolg! Alois POschl Edmondo I-nclni Tho lilngtons and das Aagust-Frogramni! 1 2 erstklass. Varidtb-Attraktloncn. LustspieEhaus. McndZ 3 Uhr: Familie Schimek. Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert� Eintritt 1 H., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder n. 10 Jahren die Hälfte. Volksgarten-Tbeatep früher WeimannS BolkSgarten. Täglich: Konzert, Dhcatcr- n»d Spezialitäten. Borstellung. Blla Vera X Lola üroll X litlo Beyer The Horleys X Brothers Vollmer Der Nkticnbudikcr. Volksstück m. Ges. u.Tanz in 5 Bildern. Donnerstag, 19. Aug.: Gr.Gartenfcst Inngfra« von Derlm. 12 erstklassige Spezialitäten. The Vcrniche. Anfang i'/i Uhr. Entrce 20 Pf. Kttlmr Prüttt- Theater! Kastanienallee 7—9. l Täglich:» < Klan lebt Ja nur einmal!> Havemanns größte Raublicrschule I j d.WelL Spezialität., Konzert, Ball., Ansang 41/, Uhr. i Zentral-Verband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend* _ Bnrean! Engel-Pfer 15 vom III, Zimmer 50.— Fernsprecher: Amt 4, No. 2789. Sonnabend, den 14. August 1909: Großes Sommer-Fest in der Brauerei Priedrichshain am Königstor. teert:; WUmMW:: MWen Oes Berier l-frio;; Kettele;; ider-Fatteo BrilU-Feeerrt;; Leleeie raiosri le In beiden Herron, die daran teilnelunen Sälen: OU III ITlwi II civil toUclii# wollen, zahlen 50 Pfg. nach. Anfang des Konzerts 4�/z Uhr.[254/13] Anlang der Spezialitätonvorstellung 6 Uhr. BMS Hie Kaffeeköohe steht den geehrten Hamen von 3 Uhr ab zur Verfügung.— Alle Mitglieder nebst Familie sowie Freunde und Gönner sind hierdurob nochmals orgebonst eingeladen. Entrc© SO Pf. BW Abendkasse findet nicht statt.""VSSfll Der Torstand. Filiale Berlin. Freitag, den 13. August 1909, abends 6� Uhr: ßauvertrauensmänner'Vcrlammluna im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. TageS- Ordnung» I. Vortrag des Genossen Dr. I. Herzfeld über das Gesetz: Die Sicherung der Bauhandtverker-Forderungen. 2. Der Generalstreik in Schweden. 3. Die Situation auf den Bauten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eZ unbedingt notwendig, daß jeder Vau der- treten ist. Gleichzeitig laden wir hiermit die Kollegen, welche bei der Firma Äierli arbeiten und gearbeitet haben und ganz speziell die auf dem Bau Rixdorf sWildenbruchplatz) gearbeitet haben, zu dieser Versammlung ein, da über Mißstände bei der Finna gesprochen werden soll. 1S3/6 vor Vorst»»«!. sr An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Tlastergültig In Konstruktion and Ansführnng, gleich vorzüglich für Hausgebrauch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. 3BEItL.I3i. Lielpziger Straße 98.»—i Lüden in den verschiedenen Stadtteilen. I A &€€€€€€€€» Unserem Sieninnten% i Fritz fieinicke nckt fraa 1 Ä unsere herzlichsten Glückwünsche J zur Silber-Hochzeit. J ' Oer Sparverein Achilles. i;< Kleiber. Donnerstag, de» 12. Augnst, abends 8 Uhr, bei Meyer, Oranienftr. 403» -------- Versammlsmg.-------- Tages. Ordnung! Die Zustände in unserem Beruf und unsere Stellungnahme dazu. Reserent: Max S t r a s s e r._ 177�8* Pflicht eines jeden Kollegen, insbesondere der unorganisierten, ist es zu erscheinen. _ Die Sektionsleitung. mm Frau Elkam's Friseur. Mine- Beine 7ootter. Leide Komödien mit den Autoren Auto» und Donat, Herritfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Ab 7 Uhr: Promenaden-Konzert im schattigen Sommergarten und Pergola. Mönigstncit- Kasino. tolzmavftitr.72(ödeSUcxanbccitr.) ägl. t herrl.Natur'Sommergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Vr. 7heater- u. Svoz.» Voretol' �inor auf iirrvveg. 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August, abeudS 81/, Uhr, im Saale von Fritz Wille, Brunnenstr. 188(nahe dem Rosenthaler Tor): VeffenMeke Versammlung der Tulilihiirbkiter v.-Arlikiterinnev Kerlius n. Umgegend. TageS. Ordnung: Ter 4 Millionen-MttcrfiütznngSfoiids und die bedrängte Lage der Tabakarbeiter. Referent Kollege Karl Deiehrnann-Bremen, Vorsitzender des Deutschen Tabakarbciter-Verbnndes. MA- Kolleginnen und Kollegen I Keiner von Such darf in dieser Versammlmig fehlen, da eS für jeden von Vorteil ist, bei Einführung der Tabaksteuer genau über die Situation und die einzuschlagenden Magnahmen zur Abwehr ungerechter Bedrückungen unterrichtet zu seit:. Ter Bertraucnstnann der Tabakarbeiter Berlind und Umgegend. Wilhcliu Boerner. 900B SozialiienioMeiiJalilvefeiDl Kixdorf. Todes- Anzeige« Am Sonntag, den 8. d. M., verstarb plötzlich unser Genosse Max Heinzel (19. Bezirk.) Sein Andenken in Ehren! Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 5>/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Dvr Vorstand. Für die z ahlreiche Beteiligung und die schönen Kranzspenden bei der Ve- erdlgung meines lieben Mannes lagen hiermit allen unseren herzlichsten Dank. Frau Anna Paul _ und Sohn._ tA. 8976 eise herzlicher . uno Für die vielen Beweist Teilnahme und die vielen Kranz. spenden bei dem Dahinscheiden meiner lieben Frau I-uisc Hertel sage hiermit allen Verwandten, Freunde» und Bekannten meinen innigsten Dank. Otto Hertel. Hr. Schttnemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Schützenstr. Wochentags 10—8, 5—7. Die billigsten u. schönsten eingezäunten S Parzellen H kaufen Sie in Nassenheide □/, Uhr. EltNn, Memeler Str. 67» abends 8'/, Uhr. Blume, Alt»Box- Hägen 66, abds. 8'/, Uhr. L. SltUCU. abends'S>,, Uhr. 6. Oslen und Lichtenberg: 7. Stralau und Rammelstmrg: 8. Ciiarloltenburg: Volkshaus, Rostncnftr. 8. abds. 8'/, Uhr. 9. Ueslen und Schoneherg: Wiio/aSs�K! Vortrag; Die Alkoholfrage. Referent: Kollege KürUu. 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Die neue Zahlstelle 54 befindet sich in Frlcdrichs- bagen bei Franke, Friedriohstr. 98(Konsumgenossensch.) Ordnersitzuns PrÄV.Uä; «chaftshana. Tagesordnung; Wahl der Beisitzer.— Beschlußfassung über die Verteilung der Kontrolle bei den Veranstaltungen in den Abteilungen. Einige neue Ordner können sich melden.€381 Anmeldungen für die neuen Abteilungen nehmen alle Zahlstellen entgegen. Werbet ZMWecker für die neuen Abteilungen. 241/10 Der Torstand: In Yertr. G. Winkler. fiMer-lMerbQiKj Die Naturireunde Wanderfahrten amSoniitng.den1ö.Angust1S09: 1. Ehsrll.chen— Kloster Cho'.in— Foos!» hnus Liepe— Odcrberg— Ptinpi» ncllen- Berge— Liepe— Nieder- Finow. Slbsnhrt: Slcttmer Fcr» bnhnhos vorm. 2. Erfner—Fangichleuse— Schmalen- berg— Löcknitz—Kagel— Möllensee— Werlsec— Erkner. Absahr!: Echlcs. Babnhos 6� Uhr vorm. 3.(Kinder- Wanderung.) Bahnhof Jungscrnhcidc— Saatwinkel— Tegelort— Hermsdors. Treffpunkt: I. Schlcsischer Bahnhos, Madai« und KopPenstratzen-Eckc. II. 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LcrlcillSaMgll Paul Singer& üp« Berlw SW» ff. 186. 26. Iahrgaug. tillige in Lmäck" parte!- Hngelegenbeitem Zosse». Am 15. August findet daZ 4. Stiftungsfest des Wahl- Vereins im Lokal Baruther Str. 10 statt. Das Fest beginnt mittags 12 Uhr. Programms find bei allen Genossen sowie im Festlokale zu haben. Aufgabe aller Genossen ist eS, für regen Besuch zu agitieren. Fredersdorf- Peteröhagen. Am heutigen Donnerstag, abends 8l/z Uhr: Zahlabeud bei Max Girke, Fredersdorf. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 14. August, findet in dem Lokale von Niidols Deter der regelmäßige Zahlabend statt. Bernau. Heute abend: Zahlabend in den bekannten Lokalen. Die aus der Bibliothek entliehenen Bücher bitten wir, umgehend zurückzugeben._ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten» Der OLermeister bei einer Bäckcreircvisio». Als die feit dem 1. Oktober vorigen JahreS geltende Bäckerei- Verordnung erlassen wurde, welche bestimmte Anforderungen in bezug auf Größe und Beschaffenheit der Backstuben stellt, liefen die Führer der Bäckermeister Sturm gegen die Verordnung. Sie behaupteten, die Durchführung derselben würde für viele Bäckermeister den Ruin zur Folge haben. Der Ansturm gegen die durchaus zweckmäßige Ver- ordnung hatte insofern einen Erfolg, als von maßgebender Stelle eine loyale Handhabung der Verordnung im allgemeinen, und im be- sonderen langjährige Dispense für solche Bäckereien zugesagt wurden, welche den Bestimmungen der Polizeivcrordnung nicht entsprechen. Kürzlich fand nun eine amtliche Revision solcher Bäckereien statt, die um Dispens nachgesucht hatten. An dieser Revision nahm auch Obermeister Schmidt von der Konkordia-Jniiuug teil. Was er darüber im Vorstande des Zweckverbandes der Bäckerinnungen mit teilte, ist in mehr als einer Hinsicht interessant. Nach einem Bericht der„Bäckerzeitung", eines JnnungsorganS, befürwortete der Ober- meister, daß einer der revidierten Bäckereien, die der Verordnung nicht entspricht, ein Dispens auf fünf Jahre erteilt werde. Der be- treffende Bäckenneister aber erklärte:„Ach, ich niache nur nichts daraus, wegen meiner kann die Bäckerei bald geschlossen werden". Das ist allerdings bitter für den Obermeister, wenn das Ge- schrei, die Verordnung ruiniere daS ehrsame Bäckerhandwerk, durch einen derjenigen, die angeblich ruiniert werden, so gründlich wider- legt wird. Noch dazu vor einer behördlichen Kommission, bestehend aus Geheimräten. Gewerberäten und Professoren.— Doch der so ack absurdum geführte Obermeister warf sich als tapferer Kämpfer für die Rettung deS Handwerks nochmals in die Bresche und suchte der Kommission klar zu machen, daß der Meister, wenn die Bäckerei geschlossen werden sollte, doch entschädigt werden müßte. Doch der Bäckermeister erklärte:»Na, wenn das auch nicht geschieht, darum geht es weiter."— Man wird es begreiflich finden, daß sich Overmeister Schmidt in der Vorstandssitzung— wie die.Bäckerzeitung" sagt— recht bitter über solche Kollegen äußerte, die so wenig Korpsgeist haben. Da steht»un der Obermeister seit Jahr und Tag an der Spitze der Agitation gegen die Bäckereiverordnung und behauptet, dieselbe sei geeignet, das Handwerk zu ruinieren, und dann kommt ein Meister dieses Handwerks und bekundet unzweideutig, daß ihm die Schließung der Bäckerei selbst ohne Entschädigung nicht sonderlich schade. Doch bei der Revision war dieser Fall nicht der einzige seiner Art. Herr Schmidt berichtete noch über einen zweiten Fall, wo er ebenfalls die Erteilung eines Dispenses. befürwortete, der betreffende Bäckermeister aber nicht das geringste Interesse an einem solchen hatte, weshalb denn auch ein der Kommission angehörender Geheimrat sagte:„Na, Herr Obermeister, was wollen Sie denn, Sie sind ja viel päpstlicher wie der Papst."— Das muß in der Tat eine peinliche Situation für den Obermeister gewesen sein. Man wird sich vielleicht darüber wundern, daß für eine Bäckerei ein Dispens nachgesucht wird, der betreffende Meister aber trotzdem erklärt, er habe kein Interesse an dem Dispens. Doch die Sache läßt sich sehr einfach erklären. Offenbar handelt es sich bei diesen Bäckereien um Mietsräume, für die nicht der Bäckermeister, sondern der Hausbesitzer um Dispens eingekommen ist. Bekanntlich hatten wir von Anfang an darauf hingewiesen, daß die Agitation der Jnnuugs- führer gegen die Bäckereiverordnung lediglich den Interessen der Hausbesitzer, aber nicht den Interessen der Bäckermeister und noch viel weniger den Jntereffen des Bäckerhandwerks diene. Die Nichtig« keit dieses Standpunktes wird durch die beiden angeführten Fälle unwiderleglich bewiesen. Noch eine Episode, die in anderer Hinsicht sehr intereffant ist, berichtete der Obermeister. Es wurde eine Backstube revidiert, da war alles so schmutzig, daß Herr Gcheimrat Frick— wie die »Bäckerzeitung" sagt— die vollberechtigte Frage an Schmidt richtete:»Na, Herr Obermeister, ist diese Bäckerei auch von Ihren Beauftragten revidiert?' Und als man nach dem Hof kam, sagte ein anderer Herr:„Dreckbude I" und Schmidt mußte ihm Recht geben. Zum Verständnis der Frage des Geheimrats sei daran erinnert, daß regelmäßig, wenn durch den Bäckerverband Schmutzereien in Back- stuben aufgedeckt wurden, die JnnungSvertrcter behorchten, daS seien hetzerische Uebertreibuugen, die Innung lasse die Bäckereien durch ihre Beauftragten revidieren und so werde dafür gesorgt, daß alles in bester Ordnung sei.— Wenn im vorliegenden Falle der Obermeister selber eine„Dreckbude" zu Gesicht bekam, so liegt daS wohl daran, daß diese Revision eine völlig unvermutete war und der Obermeister erst im letzten Augenblick telegraphisch zur Teil- nähme an derselben eingeladen wurde.— Wenn die Beauftragten der Innung ihre Revisionen ebenso plötzlich und unangemeldet vor- nehmen würden, dann fänden sie vielleicht manche.Dreckbude", mit der im Interesse der brotesscnden Bevölkerung aufgeräumt werden müßte._ Ein Bebauungsplan für das Tcmpelhofer Feld ist, wie berichtet wird, im Auftrage deS Kriegsministeriums aufgestellt und den an das Tempelhofer Feld grenzenden Gemeinden übersandt worden. Einspruch gegen den Fluchtlinienplan soll von den in Frage kommenden Anliegern Berlin, Schöneberg und Tempelhof nur Schöneberg erhoben haben. Den Nachbargcmeinden steht bekanntlich auf Grund des Fluchtliniengesetzes das Einspruchsrecht zu, sobald sie ihre Interessen durch die projektierte Anlage geschädigt glauben. Auf eine Zuschrift des Polizeipräsidenten von Schöneberg, die darauf aufmerksam machte, daß der dann etwa frei bleibende Geländestreifen von siebzig Meter Breite zwischen dem Tempelhofer Gelände und dem Gelände des Militärfiskus— Eisenbahn- Regiment und Bezirkskommando— als Müllabladestätte und Aufenthalt von allerhand lichtscheuem Gesindel benutzt werden würde, hat Schöneberg entgegnet, daß die bloße Anlage von Straßen— denn an eine schnelle Bebauung sei zurzeit noch nicht zu denken— diesen Uebelstand keineswegs beseitigen könnte. Dem Kriegs- ministeriuni sowie der Gemeinde Tcinpelhof ist mitgeteilt worden, daß Schöneberg, soweit seine Interessen in Frage kommen, wegen der zu großen Kosten für Unterführungen usw. zunächst seine Zu- stimmung zu dem Baufluchtlinienplan nicht erteilen könne. Zugleich hat Schöueberg aber seine Bereitwilligkeit erklärt, mit dem Gemeinde- vorstand von Tempelhof in Verhandlungen einzutreten. l Der Mangel an Freibädern kam am letzten Sonntag wieder einmal besonders kraß zum Ausdruck. In den beiden Freibädern am Wannsee und bei Grünau war der Andrang geradezu be- ängstigend, so daß Absperrung erfolgen mußte. An den Ufern des Tegeler Sees hatte sich aus Anlaß der auch von uns in der Sonn- tsgsnuDmer aA andexeg Blättxxn üisiwsmma Ngchricht, daß die Sperre über die Tegeler Freibäder wieder aufgehoben fei, eine gewaltige Menschenmasse eingefunden, um auch hier Erholung zu suchen. Wie man uns indessen mitteilt, waren auch am Sonntag noch die Freibäder geschlossen. Ausflügler, die doch badeten, liefen Gefahr, von den dort umherstreifenden Polizeibeamten festgestellt zu werden. So manchem erschien es wie ein Hohn, was in dem Fahrplanbuch der„Stern-Gesellschaft" in bezug auf den Tegeler See gesagt wird:„Das Tegeler Wasscrgebiet im Nordwesten der Reichshauptstadt gelegen, das eigentlich für das arbeitsame und doppelt erholungsbedürftige Berlin-Norden geschaffen zu sein scheint, bildet eine Welt für sich." Hierzu schreibt uns ein Leser: Und zur Erholung, zumal an heißen Sommertqgen, rechne ich auch ein erfrischendes Bad. Ich machte mich also am Sonntagnachmittag auf, um nach l�stündigem Spaziergang, vorbei an schönen Wäldern und grünen Wiesen, an die schilfumrankten Gestade des Tegeler Sees zu gelangen. Dort wimmelte es schon von Berliner Aus- flüglern, die das schöne Wetter herausgelockt hatte. Da aber die Ueberfahrt nach Baumwerder noch nicht gestattet war, nahm ich an, daß man eben in Saatwinkel baden könne, denn es tummelten sich eine Menge Badegäste an dem Ufer des Sees. Rasch entschlossen entledigte ich mich der Kleider und sprang in die kühlen Fluten. Doch kaum in den Genuß eines erfrischenden Bades gelangt, riefen vom Ufer her einige Stimmen: Der Gendarm kommt! Aha, dachte ich, das Auge des Gesetzes wacht. Aber in das Wasser kommt der Gendarm ja nicht, wie vor einigen Wochen seine Kollegen, die Berliner Schutzleute, bewiesen haben, als es galt, einen Be- trunkenen aus dem Springbrunnen am Alexanderplatz herauszu- holen. Schnell umschwamm ich eine kleine Halbinsel, die mich den Blicken des Gestrengen entzog. Heraus aus dem Wasser und an- kleiden war das Werk eines Augenblicks. Eben hatte ich die Bade- hose ausgewunden, als der Gesetzeshüter, der mittlerweile einige Herren notiert hatte, erschien. In sanftem Tone fragte er: Ist das Wasser sehr warm? Worauf die prompte Antwort erfolgte: Das will ich meinen, Herr Wachtmeister— bei dieser Hitze! Nachdem mich der Beamte gefragt, ob ich gebadet hätte, betonte ich: aber nicht hier, sondern viel weiter vorn. Als alle Formalitäten erledigt waren, frug ich den Mann: Na, was würde dieses Vergnügen wohl kosten?— Das wird so schlimm nicht werden, es ist nur eine Uebertretung, und Sie machen ja einen sehr guten Eindruck. Natürlich fühlte ich mich sehr geschmeichelt, von einem preußischen Gendarm als ehrlicher Mensch betrachtet zu werden. Es hatten sich mittlerweile eine Anzahl Menschen um uns versammelt, die mich wie einen Märtyrer bestaunten und mit mehr oder minder guten Ratschlägen beglückten. Doch als mir gar jemand zurief: Das Baden fei gestattet, es hätte ja auch im„Vorwärts" gestanden, erwiderte ich kurz: Der„Vorwärts" sei immer noch nicht das Publikationsorgan des Tegeler Gemeindevorstehers. Der am Sonntag vorhandene Massenberkehr der Berliner Be- völkerung an den gesperrten Tegeler„Freibädern" müßte die Behörde, namentlich in den jetzigen heißen Tagen, veranlassen, die Bäder freizugeben. Gerade die minderbemittelte Bevölkerung ist auf diese Erholungsorte einzig und allein angewiesen- Fast 100 000 Kubikmeter Wasser hat die städtische Verwaltung für Straßenreinigung im Juni dieses Jahres weniger als im Juni vorigen Jahres zur Besprengung der Berliner Straßen verwandt und im Juli dieses Jahres sogar über 100 000 Kubikmeter, weil der Himmel genügend für Besprengung sorgte. Haftentlassung eines Mordverdächtigen. Die Ermordung der Frau Pagel, die zu Anfang dieses Jahres eines Morgens auf einem Felde vor dem Prenzlauer Tor erdrosselt aufgefunden wurde, scheint ungesühnt zu bleiben. Zwar wurde als der Tat dringend verdächtig ein gewisser Max Brink in Haft genommen. Er war anscheinend der Tat überführt durch eine Wunde, die sich an seiner rechten Hand befand, und die man als Bißwunde ansehen zu sollen glaubte. Ferner brachte eine Frau, mit der er zusammenlebte, allerlei Be« lastendes gegen ihn vor. Die Glaubwürdigkeit dieser Frau, die ihn auch eines Sittlichkeitsverbrechens beschuldigte, stellte sich indessen als sehr zweifelhaft heraus, und Brink wurde in dem wegen Sittlichkeitsverbrechens eingeleiteten Verfahren freigesprochen. In der Mordsache hat der Rechtsanwalt des Augeschuldigten wiederholt die Haftentlassung und Einstellung des Verfahrens beantragt, und diese sind jetzt von der Beschlußkammer angeordnet worden. Die Gewerieinspektion Berlin 0 umfaßt, wie eine amtliche Bekantmachung besagt, vom 1. Oktober d. I. ab die Polizeireviere 22, 23. 24. 44. 45. 52. 65. 66. 93 bis 96. 102, 103, 103. 110 und III, den Stadtkreis Lichtenberg und die Landgemeinden Boxhagen« Rummelsburg und Stralau. Daß bei Unterschrist von Engagementsdedingunge» die größte Borsicht am Platze ist, zeigt ein Fall, der kürzlich vor der fünften Kammer deS KaufmannSgerichtS Gegenstand der Verhandlung war. Ein Herr H. hatte Klage gegen die Berliner Wein-Gefellfchast m. b. H. erhoben, die die Frau des Klägers als Verkäuferin einer rliale in Ober-Schöneweide. Wilhelminenhofftr. 30 zu den von der iesellschaft vorgelegten Engagcmentsbedingungen angestellt hatte. Wie bor Gericht festgestellt wurde, ist die genannte Firma eine Tochtergesellschaft der Firma Meyer u. Co. Laut Vertrag müssen Angestellte bei llebernahme einer Filiale 300 M. Kaution stellen; sie erhalten neben einem monatlichen Gehalt von 20 M. die an das Geschäft grenzende Wohnung mieteftei. Außerdem wird eine Gratifikation von 1 Proz. von dem an die Firma ab- gelieferten Barbetrage in Aussicht gestellt, die jährlich für das vorangegangene Jahr in der ersten Hälfte des Januar gezahlt werden soll. Diese Gratifikation ist jedoch kontrakt- lich nicht gewährleistet, sondern sie wird fteiwillig nur dann ge« aeben, wenn die Gesellschaft mit der Verwaltung des Geschäftes zu« frieden gewesen ist. Ausgeschlossen von dieser Gratifikation sind diejenigen Geschäftsleiterinnen, die innerhalb des Jahres entlassen, respektive gekündigt oder abgegangen sind. Die sofortige Entlassung kann erfolgen, wenn u. a. die Bestandaufnahme ein größeres Manko, etwa 25 M. ergibt. Außerdem befindet sich in dem Vertrage folgender Passus:„Sie verzichten, gegen zweifellos festgestellte Fehl- betrüge Einwendungen zu erheben, daß Sie aus irgendeinem Grunde für das Manko nicht aufzukommen brauchen." Die Klage richtete sich gegen die Einbehaltung eines von der Finna angeblich festgestellten Manko? von 106,16 M. Dieses Manko war in der Zeit von Mitte Dezember 1908 bis Juli 09 entstanden. Der Kläger betonte, daß während dieser Zeit keine Inventur stattgefunden habe. Letzteres suchte der Beklagte in Abrede zu stellen. Der Vorsitzende bemerkte, daß der Lohn von 20 M. pro Monat sowie die an das Geschäft angrenzende Wohnung. die mit ungefähr 10 M. berechnet wird, etwas sehr gering sei; im übrigen verstoße der Vertrag fast gegen die guten Sitten. Vom Vorsitzenden befragt, wie sich der Beklagte das Manko erkläre, konnte er keinen genügenden Ausschluß geben. Der Kläger betonte, das Manko könne nur durch das Geschäftsgebaren der Firma ent- standen sein. In' der Filiale seien toöchentlich bis 10 große Kisten mit Waren angekommen, die von seiner Frau aufgemacht und entleert werden mußten. Inzwischen mußten auch die Kunden be- dient werden; dabei könne es leicht vorkommen, daß Irrtümer in der Lieferung nicht bemerkt würden. Auf einen Vergleichsvor- schlag des Vorsitzenden ging der Beklagte nicht ein. Hierauf wurde die Finna zur Zahlung der einbehaltenen 106,16 M. verurteilt. Der Turnverein„Fichte" Berlin veranstaltet am Sonntag, den 15. August, nachmittags von 3 Uhr ab, auf dem Vereins- Turnplatz in Treptow an der Köpenicker Landstraße mit seinen sämtlichenJugendabteilungensls Lehrlings- und 3 Schülerabteilungen) ein großes öffentliches Schauturnen. Da der Berein zum 1. Oktober die Kündigung der städtischen Turnhallen für seine Lehrlingsabteilungen erhalten hat, kann bei dieser Ge« legenheit die Bevölkerung davon Kenntnis nehmen, wieviel jungen Proletarierkindern, die sich gern am Turnen und Wandern beteiligen, um ihren Körper zu stählen, durch die ungerechten Maßnahmen der Behörden und durch die Mithilfe der Deutschen Polizeiturner die Turnstätten entzogen sind. Bei diesem Schauturnen kann die Ar« beiterschaft zugleich beurteilen, ob die Jugend vom Verein„körper- lich, geistig und sittlich" richtig erzogen wird.— Der Turnverein„Fichte" ist bestrebt, sich der Jugend trotz alledem auch für die Zukunft anzunehmen; eS sind schon Vorkehrungen getroffen, um sie auch weiter am Turnen, Spielen und Wandern zu erfreuen. Eine verhängnisvolle Gasexplosion hat sich gestern auf dem Bahnhof Gesundbrunnen ereignet. Der 19 Jahre alte Schlosser Karl Zehrau, Gleimstraße 15 und der 20jährige Bahnarbeiter Gustav Distelmeier, Franzstraße 13 wohnhaft, hatten an einigen Gas- röhren Reparaturen vorgenommen und dabei auch Prüfungen auf die Dichtigkeit der Röhren angestellt. Plötzlich löste sich bei einer der Röhren der Schlußstopfcn, und im nächsten Augen« blick schlug eine Stichflamme von dem angezündeten Brenner nach dem Gasbehälter. Die Folge war, daß eine Explosion entstand. Die beiden jungen Arbeiter wurden vom Feuer erfaßt und brannten bald lichterloh. Ein in der Nähe beschäftigter Arbeiter eilte den beiden zu Hilfe und erstickte an ihnen die Flammen. Dabei zog er sich erhebliche Brandwunden zu. Z. und D. waren am Kopf, im Gesicht und an den Händen schrecklich zugerichtet worden. Die Haare waren ihnen vom Kopf heruntergesengt und an zahlreichen Stellen wiesen sie Brandwunden zweiten Grades auf. Leichenfunb. In der Spree zwischen Neu-Kamcrun und Hirsch- garten wurde vorgestern abend die Leiche einer weiblichen Person entdeckt und gelandet. Der Körper der Toten bot einen entsetzlichen Anblick. Beide Beine, sowie der rechte Arm fehlten. Die Schädel- haare waren vollständig abgefault, was darauf schließen läßt, daß die Verstorbene bereits längere Zeit im Wasser gelegen haben muß. Die Kleidungsstücke waren zerfetzt und eS ließ sich nur feststellen, daß die Tote schwarze wollene Strümpfe und gelbe Schnür- schuhe trug. Heber die Persönlichkeit der Verstorbenen, die etwa 20 Jahre zählen kann, konnte bisher nichts ermittelt werden. Die Leiche wurde nach der Friedrichshagener Leichenhalle übergeführt. Um dem Mangel an Trinkwasser beim Freibad Waiinsce ab- zuhelfen, sollen so rasch wie möglich Brunnen in der Umgebung deS Bades angelegt werden. Warnung vor einer Hilfskasse. Der Polizeipräsident erläßt folgende Warnung:„Hierdurch bringe ich im Interesse des Publi» kums zur öffentlichen Kenntnis, daß die.,Germania"-Kranken» unterstützungskasse zu Berlin— Borsitzender Karl Strangmann in Strausberg, Grotzestr. 9, wohnhaft—, die ihren Betrieb bereits Anfang Juni d. I. in den Geschäftsräumen des Generalagenten Karl Peter, Berlin, Alexanderstr. 14c, eröffnet hat und schon un- gefähr 60 Mitglieder zählt, von mir als„Eingeschriebene Hilfs- lasse" noch nicht zugelassen worden ist. Das Strafverfahren gegen die zeitigen Vorstandsmitglieder der Kasse ist eingeleitet worden. Peter ist für die Geschäftsleitung der Kasse nach etwa erfolgter Zulassung in Aussicht genommen worden. Er bietet aber durchaus keine Gewähr für die ordnungsmäßige Leitung einer Kasse, und am 14. V- M. ist gegen ihn die öffentliche Anklage wegen Betruges usw. zum Nachteil von Mitgliedern der früher von ihm in Berlin vertretenen Deutschen Krankenunterstützungskasse in Kassel(E. H. Nr. SO) erhoben worden." j Arbeiter-BildungSschule Berlin. Am Sonntag, den 15. August. Familienaitsflug nach H'irschgarten-RahnSdorfer Mühle. Abfahrt des ZugeS Alexanderplatz 8,29, Jannowitzbrllcke 6,31, Schief. Bahnhof 8,34. Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr vormittags Restaurant Saldburg", am Bahnhof Hirschgarten gelegen. Von 12 Uhr mittags ab„Gasthaus zur NahuSdorfer Mühle"(Jnh. A. Klemm) in Rahnsdorfer Mühle, am besten vom Bahnhof RahnZ« darf zu erreichen. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder nebst An« gehörigen und Freunden der Schule erwartet Das Komitee. Arbeiter- Samariterkolonne, 8. Abteilung. Heute abend im UebungSlokal bei Wieloch, Grunewaldftr. 110: Vortragsabend. Es spricht Herr Dr. Max Großmann über Nierenerkrankungen. Das Erscheinen aller Mitglieder wird erwartet. Feuerwchrbericht. Gestern früh um 7 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr nach dem Gesundbrunnen gerufen, wo das Vorderhaus Biesenthaler Straße 8 brannte. Der 16. Zug unter Leitung deS Brandmeisters Steiner griff sofort unter Benutzung einer großen mechanischen Leiter von außen an und eS gelang, die Flammen auf den Dachstuhlbrand zu beschränken. In der Cuxhavener Str. 18 kam in einer Küche beim Waschen Feuer aus, wobei ein Dienstmädchen Brandwunden an der Brust und den Armen erlitt. Brandmeister Mundh ließ die Verletzte nach dem Krankenhause Moabit bringen. In einem Lagerraums Nitterftr. 32 brannten Pappen und Pappkartons usw. Außerdem wurde die Feuerwehr nach der Alten Jakobstr. 79 alarmiert. Dort versuchle ein 19 jähriges Mädchen aus Furcht vor Mißhandlungen sich aus dem Fenster zu stürzen. Es gelang, das Mädchen zurück« zuhalten und der Polizei zu übergeben. Weitere Feuermeldmrgen liefen aus der Gerichtstr. 46 und von anderen Stellen ein. Vorort- J�acbriebtern Rixdorf. Der schamlose WahlrechtSranb,„. v: den bis reaktionäre Stadtberordnetenmehrheit mit dein Magistrat durch die Neuabgrenzung der Wählerabteilungen durchgeführt hat. wird sich bei der im Herbst stattfindenden Stadtverordnetenneuwahl zum ersten Male geltend machen. Das zeigt besonders die Fest» stellung, welche Wählcrzahl im Verhältnis auf die einzelnen Ab- teilungen entfällt. In der ersten Klasse müssen die Wähler mindestens 1065,20 M., in der zweiten 118,53 M. Steuern zahlen; alle übrigen Wähler haben in der dritten Klasse zu wählen. Nach der Wählerliste, die vom 15. d. M. ab öffentlich ausgelegt werden wird, sollen von der Gesamtzahl(33429) nicht weniger als 35 810— 93,2 Proz.— in der dritten Abteilung ihreStimme abgeben, 2317— 6,03 Proz.— in der zweiten Abteilung. 302— 0,77 Proz.— in der ersten Abteilung. Das heißt: der Wühler der zweiten Klasse besitzt ein Wahlrecht, das um nahezu das 16fache größer ist als das des Wählers der dritten Klasse. Der Wähler erster Klasse hat ein Wahlrecht, welches das des Wählers zweiter Klasse um etwa das 8fache und das des Wählers dritter Klasse sogar um das 121fache übertrifft!-•!V_ i•■•A: Mehr als durch alles andere ist der werktätigen Bevölkerung Rixdorfs durch jene Zahlen bor Augen geführt, wie sehr sie durch den im Dezember vorigen Jahres bollführten Gewaltakt der Rahmig. Alaseznann und Konsorten. entrechtet ffifil&a ifc ■tßoi einigen!?agett ivarfen wir die FrM Süf. na'H welches Grundsätzen Wohl der Magistrat in diesem Jahre die Wählerlisten zu den Gemeindewahlen aufstellen wird? Trotz des Urteils deS Bezirksausschusses, dem sich sicher das Oberverwaltungsgericht an- schließen wird, rechneten wir mit der Tatsache, daß der Magistrat dennoch den anderthalbfachen Durchschnitt zur An- Wendung bringen wird. Unsere Vermutungen täuschten uns nicht. Was kümmerte den Magistrat der Proteststurm der Bevölkerung! Er fühlt sich als Beauftragter der privilegierten Reaktionäre und hält sich für verpflichtet, deren Interessen zu wahren. Dieser Magistrat hat jedes Recht verloren, auf, das Vertrauen der Po- völkerung rechnen zu können � Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern vor dem Hause Kottbuser Damm 60. Dort versuchte gegen 6 Uhr abends der srsusmann A. Bergmann aus der Kaiser-Friedrich-Straße 120 den Vorderperron eines Straßenbahnwagens der Linie 6S während der Fahrt zu besteigen, glitt jedoch von dem Trittbrett ab und stürzte auf das Straßenpflaster. Er erlitt einen komplizierten Bruch des linken Unterschenkels, der seine Ueberführung nach dem Krankenhaus Am Urban erforderlich machte. Hier mußte das verletzte Glied bis zum Knie abgenommen werden. ' Genosse Tange, Pannierstraße 11 wohnhaft, dessen Tochter Elly am Sonntag beim Gasanzünden verbrannt ist, bittet uns, folgendes mitzuteilen: Nach Berichten einiger Blätter wird be- hauptet, Tange sei Portier des Hauses Pannierstraße 11 gewesen und habe seine Tochter beauftragt, allein das Gas anzuzünden, während die Eltern auf dem Erntefest weilten. Er, Tange, sei weder Portier, noch hatte seine Tochter, die bereits nach wenigen Stunden den Brandwunden erlegen ist, den Auftrag, Gas anzu- zünden; sie habe vielmehr aus Freundschaft die Portiersleute beim Gasanzünden begleitet. In dieser Zeit war nur er auf dem Erntefest, während seine Frau und T�chtex zu Haufe weilten, � Schöneberg. Eine Bränbkatastkohhe..____ Sechzig Personen schwebten gestern früh bei einer Feuers- brunst, die in der Akazienstraße 22 ausgebrochen war, in Lebens- gcfahr. Der Schöneberger Feuerwehr gelang es, 1ö Personen aus den Fenstern über Hakenleitern zu retten und die übrigen zu schützen. Ueber den gefährlichen Brand wird berichtet: i In der vergangenen Nacht kam vermutlich durch Selbstent« zündung von Preßkohlen in einem Keller des Ouergebäudes Akazienstraße 22, einem von zahlreichen kleinen Mietern mit ihren Aftermietern wohl an 80 Personen bewohnten Hause, Feuer aus. Dieses wurde erst bemerkt, als der Hof und das Quergebäude, be> scnders der Treppenflur, gänzlich bis zum Dach des vierstöckigen Gebäudes verqualmt waren. Das Feuer muß unbemerkt lange Zeit geschwelt haben, denn als kurz nach 2 Uhr früh Branddirektor Floeter mit dem Löschzuge aus der Feurigstraße an der Brandstelle eintraf, war die Lage schon sehr kritisch. Die Treppen waren nicht mehr zu passieren. Der Zugang zur Brandstelle im Keller, wo Brennmaterialen, alter Hausrat u. a. in Flammen standen, befand sich im Erdgeschoß des Hausflurs. Der Qualm drang immer von neuem in den Treppenaufgang und von außer schlugen Flammen und ein undurchdringlicher Rauch am Ouergebäude empor in die geöffneten Fenster der kleinen Wohnungen. Herz- zerreißend waren die Hilferufe der geängstigten Hausbewohner. Die Feuerwehr nahm sofort drei Schlauchleitungen vor und leitete ungesäumt eine umfassende Rettungsaktion ein. Ueber drei Haken leitern wurden von außen aus dem ersten Stock fünf Personen und aus dem zweiten Stock zehn Personen, insgesamt 15 Personen beiderlei Geschlechts in Sicherheit gebracht. Mit sogenannten Fangleinen wurden sie festgebunden und dann an den Leitern, die vollständig in Rauch eingehüllt waren, herabgelassen, unterstützt von den Feuermännern. Unten wurden die Geretteten gleich ge- labt. Die Kinder wurden von den Feuermännern auf den Rücken genommen und schnell ins Freie gebracht. Unbeschreiblich waren die Szenen, die sich dabei abspielten. Gleichzeitig wurden mehrere Feuermänner mit Rauchhelmen und Feuerschutzanzügen ausgerüstet. Diese drangen in das verqualmte Quergebäude, den Treppenauf- gang und den Keller ein. Ueberall wurde Luft gemacht, Fenster und Türen geöffnet, damit der Qualm abziehen konnte und kräftig im Keller gelöscht. In die Wohnungen drangen die Sappeure ein und beruhigten die Bewohner, die zum Teil in ihren Be- hausungen blieben, zum Teil aber über die inzwischen wieder passierbar gewordenen Treppen ins Freie gelangten. Die Gefahr toar geradezu schrecklich gewesen. Als die ersten Feuerrufe alle Be- lvohner aus dem Schlafe erweckten, stürzten sie nach den Fenstern. Aber als sie diese öffneten, drang schon Qualm ein und als sie dann zur Tür stürzten, war der Treppenaufgang schon voller Rauch und nicht mehr zu betreten. Nur die im Erdgeschoß wohnenden Familien konnten sich noch vor Eintreffen der Feuer- wehr in Sicherheit bringen, allen anderen war zuerst der Nettungs. weg abgeschnitten. Zum Glück war die Feuerwehr sofort zur Stelle und die Rettung selbst vollzog sich schnell. Die Ablöschung, die mit Macht durchgeführt wurde, dauerte auch nicht lange. Das Feuer blieb auf den Keller beschränkt, der ncttüilidj stark gelitten hat, denn dM Msser stgnd dort fußhoch.-- Die Wählerliste« i» zu den Stadtberordnetenwahlen liegen nünmehr zur Ein- ficht aus. Leider muß betont werden, daß auf die Arbeiter- schaft hierbei keinerlei Rücksicht genommen worden ist. Die Listen liegen während einer Zeit aus, wo es den meisten Arbeitern gar nicht möglich ist, Einsicht nehmen zu können. Und doch hat die Erfahrung gelehrt, daß gerade aus Arbeiterkreisen sehr häufig Einspruch eingelegt werden mußte, weil bei der Aufstellung der Wählerlisten nicht so genau verfahren wurde. Es ist deshalb doppelte Pflicht eines jeden Arbeiters und Parteigenossen, sich zu überzeugen, ob sein Name auch richtig eingetragen ist. Die Listen liegen aus in der Zeit vom 15. bis einschließlich 30. A u g u st d. I. an den Wochentagen von vormittags g Uhr bis nachmittags 1 Uhr im Bureau IE des hiesigen Rathauses, Kaiser-Wilhelm-Platz 3, Quergebäude. Zimmer 2, Wahlberechtigt ist jeder selbständige Einwohner, der Preuße und 24 Jahre alt ist. mindestens ein Jahr in Schöneberg wohnt und im letzten Jahre keine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat, sowie mit seinen Steuern nicht im Rückstände ist und mindestens zur zweiten Steuerstufe— 600 bis 900 M.— eingeschätzt ist. Selbständig ist jeder, der einen eigenen Haushalt oder die selbständige Verfügung über einen Raum hat. Cham- bregarnisten sind wahlberechtigt, Schlafburschen nicht. Wer in der Wählerliste nicht steht, soll sofort Einspruch erheben. Spätere Einsprüche finden keine Berücksichtigung. Jeder, der selbst Einsicht in die Listen nimmt, wird gut tun, wenn er die letzte Steuerquittung mit zur Stelle bringt. Da es vielen nicht möglich sein wird, selbst die Listen einzu sehen, so erhält jeder Einwohner der Bezirke 2, 3, 4, 7. 8 und 9 ein Formular, das am Freitag, den 13. d. W-, zugestellt und am Sonntag, den 15. d. M. wieder abgeholt wird. Das Formular möge möglichst genau ausgefüllt werden, damit die sich daraus ergeben» den Arbeiten auch korrekt ausgeführt werden können. Fersier sind gewillt, die Einsichtnähisis irt die Wählerliste« vorzunehmen: Tiegs. Nollendorfstraße 39, Folger, Kyffhäuser- straße 26. Kirchhof. Goltzstraße 26. Jürgens, Barbarossastraße 5, Frehde, Goltzstraße 10, Wieloch, Grunewaldstraße 110, Schulz, Merseburger Straße 7, Schultz, Apostel Paulusstraße 28. Schmarr, Grunewaldstraße 43, Spedition, Martin-Luther-Straße 51, Griese, Siegfriedstraße 3, Fiedler, Geßlerstraße 3, Rethfeld, Königsweg 42, Groß, Sedanstraße 18, Knobloch, Sedanstraße 53, Wenzel, Sedan- straße 57, Weltner, Gothenstraße 51, Andreas. Feurigstraße 8. Versäume niemand.dik Pflicht der.Einsichtnahme in die List � Charlottenburg. Ueber eine Skandalaffäre, die in Charlottenburg das größte Aufsehen erregt, wird der„Berliner Volkszeitung" folgendes berilbtet: In einem Abteil eines Stadtbahnzuges wurde ein jüngerer Mann dabei überrascht, als er sich in Gegenwart eines weiblichen Fahr- gastes in schamloser Weise entblößte. Er wurde sistiert und ent- puppte sich als der— Kriminalkommissar Freiherr Ferdinand v. Ledebur, der bei dem Charlottenburger Polizeipräsidium angestellt ist. Freiherr V. Ledebur, der verheiratet ist, war früher Offizier und ist der Sohn eines Generals. Schon während seiner Militärzeit soll man davon gemunkelt haben, daß er absonderliche Neigungen besitze. Freiherr v. Ledebur ist, als seine Borgesetzten von dem Vorfall erfuhren, sofort von seinen Dienstgeschäften entbunden worden. Die Unter- suchung erstreckt sich namentlich auf die Frage, ob der Kriminal- kommissar als geistig normal zu betrachten ist. Steglitz. Ein Opfer seines Berufes ist der Rohrleger Johanne? Franz geworden. Franz hatte auf einem Neubau in der Brüderstraße im dritten Stockwerk Arbeiten verrichtet und stürzte dabei infolge eines Fehltrittes in die Tiefe. Der Bedauernswerte zog sich bei dem Unfall so schwere innere Verletzungen zu, daß er unmittelbar darauf starb. Stralau. Den Tod in den Wellen fand gestern der Bäckergeselle Hermann Kohler. Derselbe badete vor dem Platz Alt-Stralau 1/2, wo er plötzlich versank. Augenzeugen beeilten sich sofort, den Verunglückten aus dem Wasser zu holen, jedoch konnte derselbe nur tot gelandet werden. Wiederbelebungsversuche durch den Arzt blieben ohne Erfolg. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Köpenick. Beim Bade» ertrunken ist vorgestern der 19 jahrige Arveiter Richard Hetschke. Der junge Mann, der bei der Aktiengesellschaft Resag beschäftigt war, wollte in der Mttagspause in der Spree in der Nähe des Fabrikgrundstücks ein Bad nehmen. Er wagte sich ziemlich weit in den Fluß hinein und machte hier Schwimm versuche. Plötzlich verließen ihn die Kräfte und er sank vor den Augen mehrerer Arbeitskollegen in die Tiefe. Obwohl sofort Rettungsversuche unternommen wurden, konnte der Arbeiter nur noch als Leiche gelandet werden. Herzfelde. In einer Bolksversammlnng im Lokal von Henze sprach am Sonntag die Genossin Jeetze-Rixdorf über„Die soziale Lage der Arbeiterklasse". Trotzdem die hiesigen patriotischen Vereine einen großen Umzug veranstaltet hatten, war die Versammlung gut besucht. Der Vortrag, in welchem die Rednerin auch die steigende Volks- ausbeutung besprach, wurde von den Versammelten mit großem Interesse verfolgt. An der Diskusston beteiligte sich Genosse Wessel-Stralau, der u. a. auch zur unablässigen Agitation für Organisation und Presse aufforderte. Zum Schlüsse der Versammlung wurde eine Anzahl Neuaufnahmen für den Wahlverein vollzogen. Notvatves. In der am Montag stattfindenden Kartcllsitzung soll aus Anlaß des Generalstreiks in Schweden zum erstenmal über die Höhe des Umlageverfahrens Beschluß gefaßt werden. Wir ersuchen die G e- Werkschaftsvorstände, dann diesen Betrag sowie auch eventuell Extrabewilligungen an den Kassierer H. Weinert, Priester« und Friedrichstraßen'Ecke, sofort abzuliefern. Der Kartellansschuß. Potsdam. Ueber eine Kollision zweier Dampfer wird vom gestrigen Tage aus Potsdam gemeldet: Auf der Fahrt von Potsdam nach Nedlitz wurde heute nach- mittag um 806 an der Glienicker Brücke der von etwa 50 Fahrgästeu besetzte Stcrndampfer„Treptow" in der Wasserlinie auf Steuerbord- seite von dem Hamburger Schleppdampfer„Neptun" angerannt. Unter größter Besonnenheit von Mannschaft und Publikum konnte ersterer bis zum nahen Landungssteg befördert werden. Hier ging er erst an der Backbordseite auf Grund, nachdem sämtliche Passagiere den Dampfer verlassen hatten. Sericdrs-Tettung. Die Bezeichnung«Streikbrecher" nach fünf Jahre» bestraft. Am 27. August 1904 zu der Zeit, in der die Bauhandwerker Bremens mit den Baugewaltigen im Kampfe lagen, durch- schritt der Schlosser H o I l e r aus Niedersachsversen bei Nordhausen die Straßen der Hansastadt und beabsichtigte, den Freihafen zu betrachten. Bei dieser Gelegenheit sah er das Treiben der„nütz- lichen" Elemente, wie sie ihren Kollegen den Kampf erschwerten. Holler konnte sich nicht enthalten, der Unternchmcrstütze namens Meyer, der sich als Maurer„nützlich" erwies, zuzurufen:„Ich denke, hier wird gestreikt, und Ihr arbeitet?" Diese Worte gaben den Grund zur Sistierung. Auf dem Polizei- bureau wurde Holler durch den arbeitswilligen Meyer unter- schoben. �Streikbrecher" gesagt zu haben. Holler und zwei Streikende, die dem Verhafteten gefolgt, bekundeten das Gegenteil. Seitdem waren fast fünf Jahre verflossen. Da, eines Tages, es war im Juli d. I., wird Holler vor das Jlfelder Amts- g e r i ch t zitiert, wo man ihm eröffnet, daß die Bremer Behörde das Hauptverfahren eingeleitet habe, weil er das Kapitalverbrechen begangen habe, durch die Bezeichnung„Streikbrecher" an der Ehre einer„Staatsstütze" zu rütteln. Holler bestritt da? und bezog sich auf seine und seiner Zeugen— deren Namen er leider nicht mehr im Gedächtnis hatte— im Jahre 1004 in Bremen zu Proto- koll gegebenen Aussage. Nutzte alles nichts. Wenige Tage später war bereits Termin vor dem Bremer Schöffengericht an- gesetzt. Angeklagter war vom Erscheinen wegen zu weiter Ent- fernung entbunden. Jetzt erfährt der Sünder, daß ihm als Sühne 10 M. Geldstrafe event. 2 Tage Haft und Tragung sämtlicher Kosten auferlegt sind. Die Berjährungsfrist für Beleidigungen dauert fünf Jahre, doch muß innerhalb drei Mo- ngicji Strasantrag gestellt fein. Eingegangene Druchfchnftcn. Mortallty Statlntlce 1907 sSterbllchleilü.Statistil.'tgoT). Achter Bericht des Handels- und ArbeitSministerimnS der Per. Staaten v. Amerika. Washington ISO!). 538 S. Interessante Briefe»md Dokumente znr Bülow-Ettlenbnrg- Intrige... mit Mitteitungen ans den M-meidsatten usw. von Fran, Schwarzer. Wilhelmshagcn 1309 bei Brand. LS Seiten und 4 ialj. Briese. 1 M. ----------- � i Economic inflncncc« npon cdncatlonal proerreas in the United States 18S0— 1850(Die ökonomischen Einflüsse aus den Fortschritt in Erziehung und Unterricht 1820—1850) von Frank Tracy Carlton.(Doktor-Dissertatlon.) Madison, Wisconsm. 1908. 135 S. 50 Cents. Die Waffe» nieder! Eine Wrcchnung mit dem Militarismus von I. Höglund. Aus dem Schwedischen übersetzt von einem deutschen jugendlichen Arbeiter, herausgegeben vom Sozialdemokralischen Nieder- rheinischen Agilationskomitce. Elberjcld 1309. Molkenbuhr u. Co. 16 Seite». 15 Pf. Protokoll über die Verhandlungen der 11. Generalversammlung des Zentralverbandes der Schiffszimmercr Teutschlands.(16. bis so. Mai 1303, Kiel.) Hamburg 1909. Verlag W. Dtüllcr. «. ConLi-da N ational(6. Parteitag der französischen vereinigten Sozialdemokratie) St. Etieime 11.— 14. April 1909. Stenographischer Bericht. 607 Seiten. 3,50 Fr. „Ärsthetik der deutschen Sprache« von Prof. Dr. Oskar Weise. 3. verbesserte Auslage. Leipzig-Berlin 1909 bei B. G. Tcubner. 318 S. Gebd. 3 M. „Fähigkeiten der Naturivisieuschaften und Monismus der Gcgeuivart". Bortrag von Paul Bolkmann. Lcipzig-Bcrlin 1909 bei B.<3. Teubncr. 38<5. Geh. 1 M. «Die Arbeiterbewegung in Bnlgarie»«, Fnaugural-Dissertation von Witscho Painoff, Dr. zur. lUniocrsität Bern). Aahrcsbericht des Vorstandes und Sekretariats de? Sozialdemo- krathchcn Vereins sür vcn 13. sächsischen Neichstagswahlkrcis. Leipzig 1909. Selbstverlag. 32 Seiten. Freideukerfchlagworte, kritisch geprüft von Dr. Franz Meffert. M.-Gladbach 1909. Volksvercins-Verlag G. m. b. Q. 64 S. 20 Ps.(ffiit kirchlicher Druckerlaubnis vom 26. Juli 1909.) Zentrum und Rcichsfinanzreform, herausgegeben im Austrage deS Vorsitzenden der Zentrumssraition deS deutschen Reichstages. 96 Seiten. Das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter, Arvcitcrbibliothek. 7. Hcst. M.-Gladbach 1909. Verlag der„Westdeutschen Arbeiter-Zcilung-. 56 S. 20 Pf. Protokolle über die erste Konferenz der russisch.sozialtftisch. rerolntionären Partei August 1908(in russischer Sprache). 241 S. Die neue Heilmethode von Plate». 41. bis 48. Licscrimg. Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart bei Bong.<60 Lieferungen a 40 Ps.) Arboitcr-Philosopheu und-Dichter, herausgegeben von Lldolf Levenstein. Bd. I. Verlag Frowein Berlin. 102 S. 2,50 M. Shanin(Sittenroman ans den Tagen der russischen Revolution, voll- ständige Ausgabe) von M. Artzybajchew. Berlin-Leipzig bei Hermann Seemann Nächst 430 S. Pilze und Pilzgerichte von Emil Siebert(mit sechs farbigen Taseln). Leipzig bei Konrad Grethlein. 93 S. 1 M. JUonni solt qnt mal y pense! oder: Wie wir unser Vater- land verloren... von Aim Effendt. Leipzig-Gohlis 1909 bei Bruno Volgcr. 60 S. 1 M. Reichostruergeseke vom 15. Juli 1909.(Textausgabe mit alphabetsichem Sachregister) München 1909. E. Q. Becksche Verlagsbuchhandlung. 299 S. 2 M. Die Börfenspicler. Roman von Ilpton Sinclair, übersetzt von Robert Müller. Hannover bei Adolj Sponholtz. 233 Seiten 3.50 M.. gebunden 4,50 M. Tarifverträge im Baugewerbe 1998. Herausgegeben von den Vorständen der Verbände der Maurer und BauhilsSarbciter Deutschlands. Hamburg 1909. Verlag von Bümelburg u. Behrendt. 862 S. Protokoll der ersten Konferenz der Zementierer.(5. n. 6. April 19093 Hamburg 1909. Verlag von Bömelburg u. Behrendt. 85 S. Da« englische GewerkvereiuSrecht nach 1879 von Fritz Haneid. (Heft 139 der von Schmoller u. Scring heraiiSgcgebeuen„Staats- und sozialwisscnschastlichcn Forschungen".) Leipzig 1909 bei Duncker u. Humblot. 131(5. 3 Ä?. Die Agrarverfassung RnmänienS. ihre Geschichte und ihre Reform von Dr. Dimitrie JoneScu.(Hest 136 der von Schmoller u. Sering herausgegebenen„Staats- und sozialwissenschastlichen Forschungen".) Leipzig 1909 bei Duncker u. Humblot. 132 S. 3.50 M. Briefkaften der Redaktion. Tie lurlstische Sprechstunde findet Lindenstraste 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Mx- Fahrstuhl-Mg wochentlgliq abendS von 7)4 dir 9% Uhr statt. Geöfsliet 7 Uhr. Sonnadends»ezinnt dl« Sprechstunde«m 6 Uhr. Jede» Anfrage ist ei» vnchstate und ew« Zahl als Mert, eichen b«>j«fi>skn. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Bis za» Beantwormng im Briefkasten launig 14 Tage vergehe», eilige Fragen trage «an t» der Sprechstunde vor. T. 3S. Herr Direktor HrabowZN. Berlin, Grostbeerenftr. SS. B. In der Regel werden nicht mehr ais 100 M. ausbezahlt. — Streitende Lithographen. Fragen Sie in der Redaltion eines Sportblattes an.— W. 33. Befragen Sie einen Arzt. Nicht quacksalbern. — Siechenhaus 59. Nein. Stistungsdebutation des Magistral» Berlin, Poststraße 16, gibt Auslunst über die näheren Bedingungen. — R. 39. Unentgeltlich in der Klinik, Luisenstraße 18. Sprechstunde mittags von 12 bis 1 Uhr.— Zigaretten S. Nach h 34 des Gesetzes sind die Waren innerhalb einer Woche vom Tage des Inkrafttretens desselben zur Nachverstcuerung anzumelden.— 9t, N. Nein. — Harry. 1. Das ist eine Redensart, die durch nichts gestützt wird. 2. Vergrault.— Auerbach 31. Ein Bankgeschäft dürste Verwendung dafür haben.— R. 297. Wenden Sie sich an die Verwaltung des Kaiser- Friedrich-Museum, Abteilung Münzsammlung.— 91. D. 38. Fachzeitschriften, deren Adressen Sie im Adreßbuch ll. Teil finden, würden sisiuen am besten Auskunst geben können.— H. R. 199. Wenn neben größter Sauberkeit Insektenpulver ohne Ersotg angewendet wird, müßten Sie schon einen Kammerjäger, deren Adressen Sie im Adreßbuch II. Teil finden, um Rat befragen.— 91. B. 1999. Das dürste eine krankhafte Veranlagung des TtercS sein und empfiehlt e» fich, einen Tierarzt zu befragen. J. K. 4. Ueder Privatkrankenkassen haben wir schon so oft geurteitt, daß unsere Anschauung betannt sein dürfte. Wenden Sie fich an Genossen SimanowSki, Berlin, Sngelufer 15.— O. O. Wcberftrahe. Nein. — N. E. B. 13. ES ist richtig, daß von dem Pastor in H. bei T. daS Ewkommen tn genannter Höhe unter Berücksichtigung der Zinsen für daZ der Stadt Berlin zu Zwecken des Wasserwerks verkauften PsarilandeS an- gegeben wurde.— E. S. 18. Unverständlich. Luillmig fehlt.— Fr. Kisscl, Kahlerstr. 9. Wetten entscheiden' wir nicht.— P. 4«. Wenn nicht andere Strafen vorliegen, liegt kein Grund zur KonzessioiiS- Verweigerung vor.— W. K. 99. Wenden Sie sich bitte um AuStuust an das Berliner Wetterbureau, Jnvalidenstraße.— Ziffer 99c. Der Zolltarif wurde im Jahre 1902 in der Nacht zum Sonntag, den 14. Dezember, vom Reichstage tn dritter Lesung angenommen.— BS. W.«. Nein. - J; ltvttterungSüberflcht vom 11. August 1999. morgens 8 Uhr. «aiioaen Swlnemde. II Sc = 5 erlw Frantt.aM Münch«, Wien .&? Ii 765 WNW 768 WNW 767 NW 768 NW 765 NO 763 WNW Wetter 2woMg 3 bedeckt 3 bedeckt Shaw bd. 2 wolkig Iwolkig w« 4 11 S? Stationen £ E lE II 8i=H S« »•c I I Haparanda 753N Petersburg 752 ND Sctllh Werdern Paris 771 N 767 SW 769 N Wetter 4woltenl 3 heiter 3 wolkig 1 bedeckt 3 bedeckt c* s» lä» BSetterprognose für Donnerstag, den IL. Angust 1999. Trocken und vielfach heiter, nachts kühl, am Tage mäßig warm etwas lebhasteren westlichen Winden. Berlin»! WeNerbureao. 11 12 16 18 Ii 6t* evasserstaildS-Nachrtihte« der Landes auilalt für Gewässerkunde, mitgeleA vom Berliner Wetterbureau. Wasserfland M e m e l. Tilsit P r e g e l, JustervMg Weichsel, Thor» Oder, Rattbor , Krossen . Frankfurt Warthe, Echrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leittncritz , Dresden , vnrby , Magdeburg WWWWWW�W�>W>W_ PepllntwvrtliStt Mdaktkiull Ksns Weber. 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