Mr. 188. BbonncmentS'Bcdlngungen: Abonnements• Preis pränunierando* LicrteljShrl. SP0 TOt, monatl. 1,10 Mt.. wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauZ. Einzelne Nninmcr 5 Pfg, Sonntags- Eingetragen in die Post-ZeiwngS- Preisliste, Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis Crfditint Uglild suStr lllsliliig». 36. Jahrg. Berliner Volksblakt. VIe Mertlonz-eebostt' Lilkägt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politifche und gewerlfchaflliche Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen A> Pfg. �Uteine �ureigen", daS erste ffelt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Slellengcfuche und Schlaf- slellen-Anzcigen das crfte Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über »5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends gcöljnet, Telegramm-Adresse! »ZSUÄÜMSliliil BttU»-. Zcntralorgan der rozialdemokratifcbcn parte» Deutfcblands. Rcdahtion; 8RI. 68, Lxndcnatraaoc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sie Barcelonacr StraßenHämpfc. Von einem Leser des..Vorwärts" erhalten wir den Brief eines seiner Freunde zur Verfügung gestellt, der darin seine Erlebnisse während der Barcelonacr Schreckenstage schildert. Wir geben den Brief, der nicht zur Veröffentlichung gc- schrieben ist, wörtlich wieder, natürlich nach Ausschaltung jener Stellen, die sich auf die persönlichen Verhältnisse des Absenders, eines in einem Barcelonaer Werk angestellten deutschen Ingenieurs, und des Empfängers beziehen. Am Montag, den 26. vorigen MonalS, ging ich morgens ahnungslos ins Bureau. Nichts Auffallendes war zu sehen. Etwa gegen Va9 Uhr sammelten sich vor unserer Fabrik einige Gruppen und bald hörten wir, der Generalstreik sei proklamiert als Protest gegen den Krieg. Alle unsere Arbeiter und Arbeiterinnen verliehen den Betrieb. In der Strohe sammelten sich eine große Menge von Leuten an. Sie hielten die elektrischen Bahnen dadurch an, daß fie mit der herabhängenden Schnur den Trolleg vom Draht abzogen, zwangen die Fahrgäste auszusteigen und demolierten dann Wagen und Oberleitung. Es dauerte nicht lange, so kam die berittene Guardia civil, Spaniens vorzüglich bewaffnete und sehr gefürchtete Polizeitruppe, und zer- streute die Menge mit dem Säbel in der Faust. Schon vormittags soll eS die ersten Toten gegeben haben bei dem versuch, die Elektrizitätswerke stillzulegen. Als ich mittags nach Hause ging, sah ich die GuardiaS durch die Straßen reiten, überall die Leute aus- einandertreibend und die Schankläden räumend. Die Oberleitung der TramviaS wurde unter ihrem Schutz wieder hergestellt, die Bahnen fuhren wieder und es schien, als ob der Versuch verunglückt wäre. Die Läden, die vormittags sich alle geschlossen hatten, öffneten sich wieder. Nachmittags arbeiteten wir im Bureau wie gewöhnlich. Gegen 4 Uhr sammelten sich wieder Menschcnmasien in unserer Straße, stürmten die Bahnen, und jetzt fielen die ersten Schüsse, die ich hörte und sah, unmittelbar vor unserer Fabrik. Ich sage Dir, für einen friedlichen Mittel-Europäer ist das ein fürchter licher Augenblick, wenn man etwa 20 Polizisten in einen dichten Menschenhaufen, auf Männer, Weiber und Kinder, schießen sieht. In der Nähe der Fabrik ist das Volkshaus,.Casa de pueblo", die Zentralstelle der Arbeitervereine. Das wurde vom Militär, unter itommando deS Generals Brand eis, eines früheren deutschen Offiziers, mit dem Bajonnett geräumt ohne Blutvergießen. Dieser General ist hier sehr beliebt und wurde auch an diesem Tage mit Händeklatschen begrüßt, wie überhaupt daS Militär, wo eS sich blicken ließ. Man erzählte mir nachher, er habe drei GuardiaS, die sehr verhaßt sind, verhaften lassen, weil fie ohne triftigen Grund geschaffen hätten. Nach dieser Schießerei hörten wir natürlich zu arbeiten auf und gingen fort. Auf der Straße sah ich die ersten Verwundeten. Einen Gemüsehändler, der beim Schließen seines Ladens von einer Kugel getroffen wurde. Merkwürdig, daß immer die Schuldlosen als die ersten Opfer fallen. Er lag auf der Tragbahre und wurde von zwei Männern vom Roten Kreuz getragen. Voran ging ein Mann mit einer weißen Fahne, hinterher Frau und Tochter. Aber es kommt noch viel, viel schlimmer. Da auf den Straßen alles ruhig schien, ging ich über die Hauptstraße, die Rambla zum Hafen und nach Barcelonelta, einer Fischervorstadt am Meere. Auf der Rambla, der Hauptstraße Barcelonas, standen alle zehn Schritte mit Gewehren bewaffnete Polizisten und GuardiaS. Hier gibts nämlich eine Unmenge Polizisten in fünf ver- schiedenen Arien. Erstens die GuardiaS der Regierung, die über ganz Spanien verbreitet sind und die jeden Eisenbahnzug begleiten; dann eine andere ähnliche Polizeitruppe nur für die Städte. Ferner gibts hier eine städtische SicherheitS- und eine Verkehrs- Polizei, die hübsch uniformiert ist— ohne Waffen. Diese beiden beteiligten sich nicht an dem Gemetzel. Dann ist außerdem so eine Art historischer Polizei vorhanden, die von der Provinz Barcelona «lücrhalten wird und die altkatalonische Kleidung trägt. Diese loiirde zum Schutz der öffentlichen Gebäude und Wohltätigleits- onstalten benutzt. Also auf der Rambla standen die RegiernngSpolizisten und GuardiaS schwer bewaffnet. Es sollten dort am Nachmittag vier oder fünf Angriffe mit Kolben und Säbel und mit Schüffen auf das Publiluin stattgefunden haben. Jedenfalls sah ich in dem Augenblick, als ich an einem provisorisch eingerichteten Verbandshaus vorbeiging, noch immer von allen Seiten Züge mit der weißen Fahne herankommen, die die Verwundeten heranbrachten. Ich schätze in einer Minute 15 bis 20. Auf dem Parallelo. der Vergnügungs- firatze Barcelonas, soll die Schlacht den ganzen Nachmittag getobt haben. Als ich in Barcelonetta ankam, fand ich dort alle? ruhig. Die Lcnte saßen vor der Tür. aßen und unterhielten sich wie alle Tage und boten ein Bild des tiefsten Friedens. Das ist echt spanisch. Dabei hatten sich dort ebenfalls am Nachmittag blutige Szenen ab- gespielt. Dort versuchte das Volk die Abfahrt der Truppentransport- schiffe zu verhindern und hatte den Erfolg, daß tatsächlich Kavallerie und Infanterie znrückblieben— aber, um gegen die Menge verwendet zu werden. Als ich nach Hause ging, waren überall die Bekanntmachungen mit der Proklamierung des Belagerungszustandes angeschlagen. Die tollsten Gerüchte durchschwirrtcn die Stadt. In ganz Spanien sollte der Generalstreik ausgebrochen sein, der verhaßte Ministerpräsident Maura sollte in Madrid ermordet sein, alle Bahn-, Telephon- und Telecirapherüierbindunaen sollten zerstört sein und dergleichen. Las meiste davon war unwahr, denn schon am nächsten Tage erschien ein königlicher Erlaß, gegengezeichnet von Maura... Am nächsten Tag(27. Juli) arbeitete ich wieder. Man hörte nur ab und zu einige Schüsse in der Ferne. In einigen Vororten sollte ein mächtiger Kampf toben. Wir hörten bald aus zu arbeiten, und seitdem ist unser Bureau geschlossen. Nachmittags besuchte ich einen Bekannten. Während meines Weges zu ihm sah ich. allerdings weit entfernt, wieder fliehende Menschen, aus die geschossen wurde. Bei meinem Bekannten angelangt, gingen wir auf daS Hausdach, um festzustellen, wo daS fürchterliche Schießen stattfand, das gegen 3 Uhr einsetzte. Da sahen wir plötzlich an fünf bis sechs Stellen der Stadt dicke Rauchwolken auf- steigen. Die Menge hatte die Oberhand, und alle politischen Ziele hinlenansetzend, richtete sich ihre Wut-gegen den Klerus. Kirchen und Klöster wurden angezündet. Da ich dicht nebchi einem Kloster wohne, so wollte ich nach Hause, ließ mich aber verleiten, nach der Rambla in ein noch geöffnetes Kaffeehaus zu gehen. Dort kamen viele Deutsche hin, und jeder brachte eine andere Hiobspost mit. 3000 Bauern aus der Provinz sollten im Anmarsch auf Barcelona sein, um die Arbeiter zu unterstützen usw. Endlich kam einer und brachte die Meldung, daß fünf Klöster in der Altstadt lichterloh brannten, daß GuardiaS und Militär zurückgezogen seien und man ruhig brennen ließe, was brannte. Ich ging deshalb mit einem Bekannten in die Stadt, um aus der Nähe mir das anzusehen, habe-es aber sehr bereut. Die Hauptstraßen alle ruhig, wenig Menschen, alle Läden zu, der Generalstreik gründlich durchgeführt. Kein Wagen aus den Straßen, außer den Transportwagen für Verwundete mit weißen Flaggen und roten Kreuzen; diese aber recht zahlreich. Die Tragbahren reichten bei weitem nicht aus. Die Allstadt ist sehr eng und winklig gebaut und wird nur von Arbeitern bewohnt. Hier wimmelte es von Menschen. An allen Straßenkreuzungen war das Pflaster aufgerissen und auS den Steinen wurden B a r r i- laden gebaut. Aus dem Oberleitungsdraht waren Hindcr- nisse quer über die Straße gespannt. Ueber alles das kletterten wir fort und kamen an das Kloster San Ger-,...ino in einer ganz engen Straße.. Das ganze Kloster stand in Flammen, rechts und links davon eine Barrikade, auf denen jetzt weiße Fahnen steckten, dazwischen ein paar Feuerwehr- leute, die kümmerliche Löschversuche machten. Ein Teil des brennenden Dachstuhls war auf die Straße gestürzt und brannte dort weiter. Ueberall waren Bücher und brennende Papiere zersweut, die von den Brandstiftern aus die Straße geworfen worden waren. An der einen Barrikade stand ein junger Bursche von 13 Jahren mit einer Brechstange in der Hand und sah mit Begeisterung dem Brande zu... Wir kletterten weiter über die zahllosen Barrikaden und sahen schließlich auf dem Parallelo Militär in Ruhestellung. Nun hielten wir unS für vollkommen sicher, und als wir in einer großen breiten Nebenstraße, Ronda San Rablo, wieder ein Kloster der PatreS Esculapios brennen sahen, gingen wir dorthin. ES brannte ein ganzer Gcbäudekomplex. ES war ein wunderbar schöner Anblick, diese hohen, viereckigen Gebäude ganz in Flammen gehüllt zu sehen. AuS allen Fenstern stiegen Flammen zum Himmel empor und mächtige Rauchwolken gingen in die Luft. Eine Maffe von etwa 1000 bis 1500 Menschen, wenn nicht mehr, Männer, Frauen und Kinder, stand auf der Straßr, um sich das Schau- spiel anzusehen. Ein kleiner Wagen mit ungefähr fünf Feuerwehrleuten kam heran. Er wurde mit Johlen und Pfeifen empfangen und zum Umkehren gezwungen. In diesem Augenblick verlieh ich mit meinem Bekannten die Masse, und als wir an der nächsten Straßenkreuzung, wo ebenfalls ein Kloster brannte, an- langten, sahen wir es war inzwischen dunkel geworden— zehn GuardiaS in zwei Reihen mit ihren schweren Reiterstiefeln an« marschieren, daS Mausergewehr schußbereit in der Hand. Während wir noch standen, um zu sehen, was das zu bedeuten hätte, knieten diese Hallunken mitten auf der Straße nieder und fingen an, nach allen vier Straßenrichtungen in die Menge hinein- zu feuern, ohne Wort, ohneWaruungSsignal; weil eS dunkel war, von den allerwenigsten bemerkt. Bei den ersten Schüssen flüchtete alles. Diese Bestien aber schössen weiter auf die Fliehenden. Ich stand dicht neben ihnen und werde nie im Leben den tierischen GesichtSauSdruck vergessen, den diese Erhalter von Thron und Reich zeigten. Ich sah die Menschen purzeln wie die Steine, sicherlich alles Unschuldige; denn die Brand- stifter waren längst weiter gezogen. Wie viele tot sind oder ver- wundet wurden, weiß ich nicht, aber eine Mauserkugel auf 200 Meter Entfernung geht durch fünf Menschen, und es fielen etwa 30 bis 40 Schüsse. Mir glückte es. in einen Laden zu flüchten. Der Besitzer ließ hinter uns die Nolljalousien herab und ich blieb dort etwa 20 Minuten, bis alles ruhig war und man das Militär anrücken hörte. DaS Militär wurde mit Händcllatschen empfangen. In dem Laden traf ich Landslcute, einige Matrosen von dem Dampfer.Skutari" des Norddeutschen Lloyd, der augenblicklich hier im Hafen liegt. Als das Militär kam, machte ich, daß ich nach Hause kam, und sah das Kloster neben meinem Hanse stand noch. Doch haben wir in der Nacht wenig geschlafen, da wir eine Wache bildeten, um uns zu retten, wenn das Kloster angezündet würde, denn unser Haus wäre unfehlbar mit verbrannt. Am anderen Morgen, nach fürchterlicher Schießerei in der Nacht, hörte ich gegen 7 Uhr ein schreckliches Geheule und Gepfeife, und richtig kam cin Tnipp von etwa 20—30 Männern und Burschen an. bewaffnet mit großen Aexten, auf den Schultern voll- gepfropfte Säcke tragend. Vor den Klostertüren machten sie Halt und schütteten den Inhalt dieser Säcke aus. Er stammte aus anderen Klöstern und bestand aus Büchern und Papieren. Ueber alles wurde Petroleum gegossen und dann angezündet. expcditiom 8«l. 68, Lindenotrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Darauf wurden die geschloffenen Türen mit Axtschlägen geöffnet. Jeder nahm einen brennenden Fetzen und lief in das Innere deS Klosters. Bilder. Bücher, Holztüren wurden herausgeschleppt und inS Feuer geworfen. ES gelang ihnen jedoch nicht, ebenso gründlich zu arbeiten, wie an manchen anderen Stellen. Aus einer in der Nähe gelegenen Kaserne kam Militär und verjagte sie. Hier sah ich zuerst, daß auch das Militär Schüsse auf die Menge abgab. Bis dahin hatte sich das Militär sehr zurückgehalten, Von nun an waren wir zwei Tage lang Gefangene in unseren Häusern. Alle Straßen waren vom Militär bewacht und nach 9 Uhr vormittags durfte niemand mehr auf die Straße, ohne angehalten zu werden. Die Lebensmittel stiegen im Preise. Fleisch und Fisch gab es überhaupt nicht. Brot, Reis und Konserven kosteten doppelt soviel als sonst. Seil Montag früh gab eS keine Zeitungen und abends lag die ganze Stadt im Dunkel, nur die Straßen mit elektrischer Beleuchtung hatten Licht... Aus der Ferne fortwährend eine entsetzliche Schießerei. M i t S ch n e l l f e u e r g e s ch ü tz en beschoß das Militär die Barrikaden und Häuser, aus denen geschossen wurde. Was sich anöden Fenstern zeigte, wurde beschossen. Fortwährend gingen Patrouillen durch alle Straßen. Es war mit Lebensgefahr verknüpft, die Nase zum Fenster hinauszu- stecken. Ein Deutscher wurde verwundet. alS er sich am Fenster rasierte; die Kugel ging durch die Scheiben und verletzte ihn schwer. Der Widerstand der Streikenden hörte jedoch nicht auf. Auf den Dächern entwickelten sich furchtbare Kämpfe. Die Angestellten der Tclephongesellschaft schützten die Leitungen, die Aufständis�"» versuchten sie zu durch- schneiden und schössen von den Dächern auf das heranstürmende Militär und die GuardiaS. Alle Häiffer wurden gestürmt, auS denen geschossen wurde. Kurz, selbst im Hause war man keinen Augenblick seines Lebens sicher. Dasging so dreiTagelang. Fort- wäl,-eud kam neues Militär und neue GuardiaS von anderen Städten hier an. Während bei Beginn der Revolte die Stadt von Militär ziem- lich entblößt war, sind jetzt mindestens 10—12 Regimenter hier und tausend Guardias auS anderen Orten. Man sprach sogar schon davon, daß die fremden Mächte Kriegsschiffe hierherschicken würden, um die Ausländer zu schützen. Der Militärgouverneur sollte aber bestimmt erklärt haben, bis Sonnabend die Ruhe wiedcrhcr- stellen zu können. Und richtig: am Sonnabendmittag war alles wieder ruhig. Man konnte wieder auf die Straße gehen. Morgens gabs auch wieder Fleisch. Ich ging nachmittags in alle Teile der Stadt, um mir die Verwüstungen anzusehen. Es sah schrecklich aus. In den Arbeitervierteln die Häuser von Flintenschüssen durchlöchert wie die Siebe. Manche Häuser von Kanonen zusammengeschossen. Etwa 40 Kirchen und Klöster total ausgebrannt, so daß nur die nackten Mauern stehen geblieben sind. In einem Kloster, das ich sah. waren die Leichen früher ver- storbener Nonnen aus ihren Begräbnisstcllen geriffen und teilweise ohne Sarg auf den Hof geworfen. Hier begräbt man die Leichen nicht, sondern mauert sie in Nischen von Bcgräbnisgebäuden ein. Die Leichen verwesen nicht, sondern trocknen ein. In einem Mönchs- kloster in Gracia, einem Vorort, sah ich ebenfalls fünf Leichen von Mönchen aus ihren Särgen gerissen. Eine unbeschreib- liche Roheit. Dagegen sind die Tatarennachrichten in den aus- ländischen Zeitungen unwahr, daß die Rebellen Mönche und Nonnen am Altar getötet hätten. Im Gegen- teil, sie haben er st alles aus dem Kloster gejagt und dann Feuer angelegt. Auch die Umzüge mit auf Stangen gesteckten Piaffenköpfen sind lediglich der Phantasie der Berichterstatter entsprungen, ebenso die Nachricht, daß die Leichen der Erschossenen tagelang auf der Straße gelegen hätten. Die Gesellschaft vom Noten Kreuz, die hier besteht, hat heldenhaft die Verwundeten und Toten mitten aus den Kämpfen herausgeholt. Schrecklich gingS ja her, die Stadt brannte an vielen Stellen, d. h. überall, wo Kirchen und Klöster standen; aber»ganz Barcelona ein Flammenmeer" ist doch übertrieben. Am Sonnabendmittag gab'ö Ruhe. Sonntag früh fuhren die Straßenbahnen wieder. Sonntag abends gab es die ersten Zeitungen, die, wie Du Dir denken kannst, verschlungen wurden. Montag gab es wieder Lebensmittel zu gewöhnlichen Preisen, abends Licht in den Straßen— und seitdem ist alles wie gewöhnlich. Nur viel Militär in den Straßen, überall Patrouillen mit aufgepflanztem Bajonett. Ab und zu sieht man noch gefesselte Gefangene von Soldaten oder Guardias transportiert. Im Hafen liegen zwei Panzerschiffe und zwei Küstenboote. DaS Publikum kehrt sich nicht daran, sondern promeniert, besucht Theater und Kaffeehäuser wie gewöhnlich. Abends ist dasselbe großstädtische Leben wie vorher; überall ist Musik, und ein Fremder, der ahnungslos herkommt, würde höchstens an der Unmenge Militär merken, daß Barcelona noch unter dem Belagerungszustand steht. In den Straßen, wo die heftigsten Kämpfe waren, haben fast alle Leute weiße Fahnen zu den Fenstern herausgesteckt, so daß die ganzen Straßen wie festlich geschmückt aussehen. Ab und zu sah man eine kleine französische Flagge, da wohnen gewöhnlich»Damen", die hie.r fast alle Fran- zösinnen sind. Tie ersten Zeitungen enthielten sämtlich einen gleichlautenden von der Militär zensur verfaßten Bericht über die Un- ruhen der letzten Wochen. Auchjetztstehen noch alleZei. tungen unter Militärzensur. Dieser Bericht enthielt zwar die Tatsachen, die nicht zu lcugnere waren; aber las sich sonst ganz harmlos und friedlich. Die Anzahl der Toten gibt er gar nicht an. Alle Zahlen von Verwundeten und Gefangenen sind sehr niedrig und sicher falsch. Es sollen in Wahrheit bQO Tote und 600 bis 80g VerwLndete gezählt sein. Alle Hospitäler liegen voll. Auf Lein Fori Montfuich sind 5W Gefangene. 20 davon sollen bereits auf kriegsgerichtliches «Urteil hin erschossen worden sein. Doch wird man über alle diese Sachen niemals die volle Wahrheit erfahren. Der Sturm auf die Klöster soll eine Folge davon sein, daß die Mönche ans ihren Fenstern zuerst auf das Volk geschossen haben. Doch find das eben auch nur Gerüchte. Bezeichnend ist aber, daß es den Aufständischen nicht gelungen ist, auch nur ein einziges Jesuitenkloster zu stürmen. Die sind vorzüglich verteidigt worden; wie es heißt, sogar mit Maschinengewehren. Müssen die In- fassen ein gutes Gewissen haben, wenn sie auf so etwas vorbereitet sind! Von den andern Klöstern erzählt man tolle Sachen. Man soll Nonnen aus den Klöstern gebracht haben, die dort gegen ihren Willen festgehalten wurden. In Strafzellen hat man vollständig nackte Nonnen gefunden, die auf dem kahlen Boden lagen. Mehrere Bekannte von mir haben noch am Sonntag in einem Nonnenkloster ein eisernes Bett, das allein in einer kleinen Zelle war und in der Wand festgemacht war, gesehen, das unter sich einen eisernen Rost hatte, auf dem Feuer angezündet werden konnte... Ich habe Dir hier also so gut ich konnte, meine Beobachtungen geschildert. Heute schwirren schon wieder Gerüchte durch die Stadt, daß morgen aufs neue der Generalstreik proklamiert werden soll. Das wäre fürchterlich, doch müssen wir hier das abwarten. Eine so schöne Stadt, ein so schönes Land und so entsetzliche Zustände I Oer Generalstreik In Schweden. sVon unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 11. August. »Parteilichkeit— aber Ruhe trotzdem, Arbeiterl" So lautet die Uebcrschnst des von Genossen Br antin g ver- faßten Leitartikels der heute erschienenen zweiten Nummer von »Svaret", Die schwedische Regierung gab in ihrem am Sonnabend veröffentlichten Kommuniguü einen unparteiischen Rückblick auf die Entwickelung des großen Kampfes, ließ auch keinen Zweifel darüber, daß der Massenstreik eine Folge der Massenaussperrungen ist und zollte der ruhigen, besonnenen Haltung der Arbeiterschaft die wohl- verdiente Anerkennung. Die Arbeiter wußten diese sachliche Dar- wohl zu würdigen.„Aber," schreibt Branting weiter,„dennoch wurde die Lehre von der absoluten Unverbrüchlichkeit einmal geschlossener Verträge, ihrer Aufrechterhaltung unter allen denkbaren Umständen proklamiert, eine Lehre, die vor den tieferen Forderungen deö Rechtsgesühls nicht standhält und die besonders schwach wirkt. wenn man bedenkt, daß die Arbeitgeber systematisch für sich das Recht in Anspruch nehmen, alle Vertrüge zu suspendieren, wenn die Ausdehnung eines Kampfes in ihrem Interesse liegt."— Im übrigen kann man natürlich von einer Regierung, die min einmal die der herrschenden Klasse ist, wirkliche Un- Parteilichkeit nicht erwarte«!. Dies zeigt sich auch um so deutlicher, je mehr der Generalstreik wächst und wirkt. Am Montag erschien eine königliche Kundgebung, wonach die„gnädige" Verordnung von 1900 über den Automobilverkehr insofern aufgehoben wird, als die Automobile bis auf weiteres die vorgeschriebenen Er- kennungsmarken nicht mehr zu führen brauchen. Die Automobile können also jetzt rücksichtslos durch die Straßen dahinrasen, ohne daß man ihre Führer oder Eigentümer feststellen kannl Menschenleben gelten der Regierung in diesen Zeiten des allgemeinen Wirtschaft- lichen Krieges offenbar weniger als sonst! Mit welcher Begeisterung und einmütigen Entschlossenheit die Arbeiterschaft Stockholms im Kampfe ausharrt, das konnte man heute wiederum in der allgemeinen Massenversammlung gewahr werden, die diesmal in Hombergs Hage stattfand, einem südlich von Norrmalm liegenden Walde, dessen Hügel und Täler, ebenso wie VilljanS, vorzügliche VcrsammlungSplätze bieten. ES waren hier wohl noch mehr Menschen zusammengeströmt, als neulich auf Billjans. Man hatte diesmal zwei Rednertribünen errichtet. An der einen Stelle sprach E r n st S ö d e r b e r g, der Kassierer der Landesorganisation, an der anderen der ReichStagSabgeordnete Branting. In den zusammengeströmten Volksmassen herrschte schon, ehe die Versammlung eröffnet war, eine Ruhe und ein Ernst wie in einer Kirche. Kaum ein Laut war zu hören. Ebenso ruhig zogen die Massen wieder von bannen. Es ist das etwas Eigentümliches, dem Fremden Auffallendes, das zu mancherlei törichten Behauptungen über den schwedischen Volkscharakter Veranlassung geben kann. So wurde in der Montags- Nummer des„Berliner Tageblatts" in einem„Generalstreik" über- schriebenen Artikel die Behauptung aufgestellt, der in den Stock- holmer Ruderklubs so anfeuernd wirkendeAlkohol übe in den Arbeitervierteln eine verzehrend« und verdüsternde Wirkung aus. Der Schreiber will offenbar den Eindruck erwecken, der schwedische Arbeiter sei durch unmäßigen SchnapSgennß zu einem finsteren, ungemütlichen Kerl geworden. Ich habe schon früher darauf hingewiesen, wie sich die schwedische Arbeiterschaft von der Herrschaft des Alkohols fteigemacht hat. ES ist auch keineswegs wakst�Unh der schwedische Arbeiter„verdüstert" wäre. Er kann ebenso lÄwusroh sein wie der Proletarier anderer Länder, wenn er durch semer Hände Arbeit verdient, was er zur menschenwüdigen Existenz braucht, und er kämpft jetzt mit Ernst, aber auch mit der frohen Zuversicht deS kommenden Sieges und ohne Verdüsterung. Wer allerdings mit dem v-Zuge nach Stockholm fährt, wer es nicht versteht, mit Arbeitern zu verkehren, wer einmal herablassend ein Gespräch mit einem Arbeiter anzuknüpfen sucht, der wird nie den Volköcharalter kennen lernen. Gegenüber den sonstigen Unrichtigkeiten jenes Tageblattartikels sei nur noch erwähnt, daß überall dafür gesorgt ist, und zwar von der Streikleitung, daß die Toten unter die Erde kommen und daß die Kinder nicht Mangel an Milch leiden. Darin aber hat der Artilclschreiber des„Tageblattes" reckt, daß die Ereignisse, die sich jetzt in Schweden abspielen, hundertmal wichtiger und interessanter sind als Staatsaktionen der internationalen Diplomatie. S t o ck h o l m, 12. August.(Eig. Ber.) Heute ist der neunte Tag des Generalstreiks oder Storstrejks— GroßstreikS—, wie die Schweden sagen. Nach den amt- lichen Berichten, die bis jetzt vorliegen und zusammengestellt sind, wurden 285 752 Streikende gezählt, von denen 42 000 allein auf Stockholm kommen. Aber hier wie anderwärts ist die Zahl offen- bar hinter den Tatsachen zurückgeblieben. Im ganzen Lande haben sich Massen von Unorganisierten dem Kampf angeschlossen, in manchen Orten und in Berufsgruppen, die bisher für den Organlsationsge danken nicht zu haben ivaren, sind neue Fachvereine gebildet� andererseits haben die bestehenden Verbände im Laufe des Kampfes neue Scharen von Mitgliedern gewonnen, und diese verschiedenen. Umstände bringen es mit sich, daß die statistischen Aufnahmen nicht so vollkommen sein können, wie wenn man im wesentlichen nur mit einem festen Stamm von Organi- sationSmitgliedern zu rechnen hat, und wenn» wie die» jetzt ja Sicht der Fall U Streikunterstützung gezahlt ixird. Mgn kann mit Sicherheit annehmen,«daß die Zahl der Streikenden die 300 000 ein gut Teil übersteigt. Dabei ist zu bedenken, daß Schweden doch nur rund Olh Millionen Einwohner zählt. Würde in Deutschland, nur nach seiner Bevölkerungszahl berechnet und ganz abgesehen davon� daß dieses Land weit mehr Industrieland ist, ein Verhältnis- mäßig ebenso allgemeiner Kampf ausbrechen, so müßte er min- bestens 3Vi Millionen Arbeiter umfassen! Das Unternehmertum hat sich ja von Anfang an bemüht, die Oeffentlichkeit über den Umfang und die Bedeutung des Kampfes zu täuschen, und ist nun fortdauernd bestrebt, der Welt weiszn- machen, daß der Streik im Abflauen begriffen sei.„Die Wieder- aufnähme der Arbeit" und dergleichen Ueberschriften findet man ständig in den Zeitungslappen und Maschinenschriftzetteln sowie Anschlägen, mit denen die bürgerliche Presse sich über diese für sie so besonders unangenehme Großstreikszeit hinwegzuhelfen weiß. Wollte man derartigen Nachrichten Glauben schenken, müßte man die Niederlage der Arbeiterschaft für besiegelt halten. Der Eindruck soll natürlich auch erweckt werden. Es ist System in dem Schwindel! Die Mitteilungen, die von jener Seite in die Welt gesetzt werden, sind denn auch danach. Gestern wurde zum Beispiel die Nachricht verbreitet, daß 200 Arbeiter der Lithograph:- scheu Aktiengesellschaft in Norrköping die Arbeit aufgenommen hätten. Tatsache ist, daß zwei Steindrucker das Personal zu einer Versammlung zusammenberufen hatten, daß dort die Mahnung zur Wiederaufnahme der Arbeit an die Streikenden gerichtet wurde und daß ungefähr die Hälfte der angegebenen Zahl, meist Arbeiterinnen, sich dazu bereit erklärten. Da diese größte lithographische Anstalt Schwedens an 800 Arbeiter und Arbeiterinnen zählt, die übrigens zu einem großen. Teil bisher unorganisiert waren, kann von einer Wiederaufnahme der Arbeit kaum die Rede sein. Heute vor- mittag haben übrigens auch jene 100 die Arbeit wieder ein- gestellt, soweit sie überhaupt zur Arbeit kamen. Hier in Stockholm soll nach den„Aufklärungen" der Unter- nchmerblätter heute der Straßenverkehr wieder„nor- mal" oder„fast normal" sein. Wenn man durch die Stadt geht, merkt man nicht viel davon. Die polizeilich befohlene Wieder- aufnähme des Droschkenverkehrs beschränkt sich darauf, daß die Droschkenbesitzer selbst persönlich mit je einem Fuhrwerk aus- gerückt sind. Die Kutscher und Automobilführer haben gestern in großer Versammlung einstimmig erklärt, daß sie, koste eS. was es wolle. im Stxeik verharren, bis der Sieg errungen ist. Ter Straßenbahn ist es hier auf der Norrmalm gelungen, noch eine Linie einigermaßen in Betrieb zu bringen, und auf Söder- malm fahren jetzt 3 Wagen. Das Personal verharrt jedoch dort wie hier im Streik. Es haben sich einige Leute aus der Bourgeoisie gefunden, die in ihrem staatsretterischen Eifer neben Kon- trolleuren und dergleichen Leuten als Schaffner oder Fahrer tätig sind. Da ist unter anderem der Ingenieur Standahl. der Sohn des Stadtfiskals, dann der Schauspieler und Theaterdirektor Axel Hultman, der, ebenso wie der Freiherr Djurclou, als Schaffner fungiert und behauptet, daß er gestern in dieser un- gewohnten Stelle 1.40 Kronen Trinkgeld«ingesteckt habe. Ter Mann will als Straßenbahnschaffner offenbar auch eine Helden- oder Märtyrerrolle spielen. Er läßt der Welt verkünden, daß man ihn und seinen Schaffnerkollcgen Standahl in die Luft sprengen wolle. Durch solche gruseligen Märchen macht man sich bei den Spieß- bürgern um so mehr interessant. Die Hafen- und Kaiarbeiter verharren, wie die ge- samte Arbeiterschaft, tapfer im Streik. Bei Skeppsbroen, den inneren Hafen, sieht man, wie sich die Herren Reeder samt ihrem Kontorpersonal oder anderen HerrenimStehkragen mit den schweren Kisten und Ballen plagen, die man unter allen Umständen gerne an Ort und Stelle bringen möchte. Wie lange dieser mit so großer Ruhe und Besonnenheit vor sich gehende Kampf der schwedischen Arbeiterklasse noch dauern wird? Keiner weiß das zu sagen. ES gehen Gerüchte von neuen Ver- mittclungsverfahren der Regierung, aber ob und wann sie Erfolg haben werden, ist nicht vorauszusehen. Die Arbeiterschaft war und ist darauf vorbereitet, daß der Kampf nicht in acht Tagenbeendetseinwerde. Sie wußte und weiß, daß sie es mit einem stark organisierten Gegner zu tun hat, der alles daran setzt, seine Machtstellung zu behaupten. Der Arbeiter- schaft ist dieser Kampf aufgezwungen worden, als das letzte und einzige Mittel, einer allgemeinen und unerträglichen Verschlechte- rung ihrer Lebenslage vorzubeugen. Es handelt sich nicht, wie es die bürgerliche Presse darzustellen beliebt, um geringe Lohnabzüge in einzelnen Betrieben und Berufen, sondern um einen über- legten Plan des Unternehmertums, den Einfluß der Arbeiter- organisation überhaupt zu brechen, um überall nach Be° lieben die Löhne herabzudrücken. Da blieb nichts anderes übrig, als die möglichst allgemeine Arbeitsniederlegung über das ganze Land, die mit eiserner Ausdauer durch- geführt ist. » Ueber die Lage am Freitag erhalten wir folgende Privatdepesche: Stockholm, den 13. August. Die Stellung ist unverändert, die Stimmung der Ausständigen fest und ruhig. Die Extrablättchen der bürgerlichen Presse sehen baS Schwindelgeschäft fort, er. dichtete Meldungen über Wiederaufnahme der Arbeit zu ver- breiten. Kein Arbeiter glaubt indes diesen Meldungen, weil durchschlagende Beispiele ihrer Unwahrhaftigkcit immerfort er- bracht werden. ES herrscht System in diesem„Nachrichtendienst". DaS schwedische Telegrammburca» unterdrückt in feinen Telcgrainmen nach Dänemark und anscheinend auch nach Deutschland die Nach- richten deS offiziellen Organs der Ausständige», während es syste- matisch die Nachrichten auS Unternrhmerkreifen und die Lügen der bürgerlichen Blätter verbreitet. Selbstverständlich lauten diese Schwindelnachrichten alle gleich, daß nämlich der Streik zurückgeht! Man will damit die Sammlungen im Auslände br- einträchtigen. Die Richtigkeit dieser Meldung beweist seit mehreren Tagen das Wolffsche Bureau. Auch nach Deutschland werden durch das offiziöse Telegrammbureau lediglich Nachrichten vom Abflauen der Streikbewegung verbreitet, die geradezu töricht sind. Heute erhalten wir beispielsweise die Meldung, daß von den Stockholmer städtischen Arbeitern 800 arbeiteten, nur 1700 ständen noch im Streik. Dadurch soll der Anschein erweckt werden, daß die städtischen Arbeiter wieder zur Arbeit zurückkehren. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß bestimmte Kategorien durchden Beschluß der Gewerkschaften vom Ausstande ausge- n o m m e n sind. Weiter berichtet die Depesche, die Zeitungen erscheinen, die Landwirtschaft ist vom Streik unberührt. W i e die Zeitungen erscheinen, wird verschwiegen, ebenso, daß der Landarbeiter st reik erst am Montag be- ginnen soll! Alle diese offiziösen Depeschen tragen demnach von vorn- herein den Stempel der Unwahrheit. Drucksthlerttrichtis«»«. In der Notiz gegen die„German i'a" in der letzten Nummer des„Vorwärts" muß es heißen: „In der letzten Ausgabe des Stockholmer Parteiblattes bor der Arbeitseinstellung..... erklärt die Redaktion ausdrücklich den bürgerlichen Blättern Schwedens, daß sie gegenüber den vielen Wahrheiten unseres Artikels keinerlei Ursache habe»"(nicht habe) usw. � Die italienischen Gewerkschaften für den schwedische» Generalstreik. Rom. 11. August 1909.(Eig. Ber.) Die italienische Konfederation der Arbeit hat einen Aufruf an das italienische Proletariat veröffentlicht, in dem sie auffordert, Sammlungen für die Arbeiter in Schweden zu eröffnen und selbst eine erste Rate von 200 Lire zeichnet.„Gegenüber der Großartigkeit dieses Kampfes," heißt es in dem Aufruf,„in dem die wichtigsten Wirt, schaftlichen Eroberungen des Proletariats verteidigt werden, halten wir es für unsere Pflicht, eine öffentliche Geldsammlung zu ber- anstalten. Auch das wenige, was wir zu geben vermögen, wird nicht bedeutnngslos sein, denn es gilt, dem herrischen Kapitalismus Schwedens zu beweisen, daß die Arbeiter, die sich in so be- wundernswerter Weise zur Wehr setzen» die Sympathien des Proletariats der ganzen Welt genießen." ein venllmai«leuticher Klassenjustiz. Am heutigen Sonnabend wird Genosse Hans Marck- Wald das Gefängnis in A l l e n st e i n, wo er l1/� Jahr lang wegen angeblicher„Majestätsbeleidigung" verbringen mußte, verlassen und in die preußische„Freiheit" zurückkehren. Genosse Marckwald, den wir hiermit herzlich willkommen heißen und gute Erholung wünschen, ist ein Opfer der bekannten Königsberger Schubertkam in er geworden, die sich durch ihre unerhört harten Urteile Welt- ruf erworben hat; er ist noch ein Opfer jener noch nicht weit zurückliegenden Zeit, da übereifrige Staatsretter in der Rettung der„Majestät", selbst vor dem Lallen bewußtlos Betrunkener, sich nicht genug tun konnten. Das letzte Opfer gewissermaßen, denn kaum saß unser Genosse im Gefängnis, da kam der bekannte Erlaß, der die Sucht gewisser Ueber- Patrioten, Majestätsbeleidigungsprozesse en gros zu inaugu- rieren, etwas eindämmte. Die Ursache der Verurteilung Marckwalds war ein Ar- tikel der Königsberger„Volkszeitung", der betitelt war: „Die Schandsäule zu Meme l". Er erschien ans An- laß einer Denkmalsenthüllung bei der 100. Wiederkehr des Tages der preußischen Schande, dem Friedensschluß von Tilsit, enthielt lediglich geschichtliche Betrachtungen und Tat- fachen, die zwar wahr, aber eben deshalb den Machthaber n von heute verhaßt und aus den Geschichtsbüchern der Schule verbannt sind. Insbesondere zerpflückte der Artikel etwas „unpatriotisch" die Legende von der preußischen National- heiligen Luise und stellte den Phrasen der Hohenzollern- verherrlicher die Urteile eines Humboldt u. a. entgegen, bei welcher Gegenüberstellung die früheren Hohenzollern etwas schlecht wegkommen mußten. Weil nun just zu dieser Denk- malsenthiillung Wilhelm II. zu Gaste war, sollte, so sagten nachher Staatsanwalt und Richter, der Artikelschreiber den — deutschen Kaiser mit Absicht beleidigt haben! Eine tolle Konstruktion! Aber zur Ehre des Staatsanwalts muß es wiederholt werden, was in der Verhandlung gegen Marck- Wald am 4. Januar 1008 festgestellt wurde: Nicht er selbst war der Vater dieser juristischen Ungeheuerlichkeit. Hätte er in dem Artikel eine Majestätsbeleidigung erblickt, so hätte er sofort die Beschlagnahine verfügt. D«S hat er aber n i ch t. Erst als sich die„freisinnig e", im Sinne der Kopsch, Wiemer, Mugdan, Fischbeck und Konsorten„freisinnige" „Königsberger Hartungsche Zeitung" Tag für Tag dem schmutzigen Denunziantengewerbe hingab und nach der Polizei und dem Staatsanwalt schrie, erst daraufhin wurde nach mehr als 10 Tagen Anklage und Haussuchung eingeleitet! Genosse Marckwald ist also in erster Linie ein Opfer der Verkommenheit des Freisinns geworden, jenes Freisinnsgelichters, das wenige Tage nach Marckwalds Verurteilung Orden und Ver- dien st schnallen einheimste I Zunächst wurde der verantwortliche Redakteur, Genosse Marchionini angeklagt. Aber Genosse Marckwald, der die gefährliche Situation erkannte, wollte seinen Kollegen vor Strafe schützen und meldete sich freiwillig als Ver- f a s s e r des Artikels, eine Tat, die damals selbst bürgcr- lichen Blättern Bewunderung abnötigte. Anstatt sich aber mit dem allein Schuldigen zu begnügen, packte der Staats- anwalt jetzt alle zwei und beantragte in der Verhandlung gegen den Verantwortlichen 9 Monate, gegen Marckwald Wz Jahre Gefängnis. Den geschickten Bemühungen des Verteidigers, Genossen H a a s e, gelang es zwar, die Richter von dem Justizmord gegen den Verantwortlichen zurückzu- halten, aber er konnte leider nicht verhindern, daß Marckwald in einem sehr bedenklichen Verfahren(von den fünf Richtern waren z. B. drei Assessoren) zu der erschreckend harten Strafe von 1% Jahr Gefängnis und sofortiger Verhaftung verurteilt wurde. Nach Stellung einer Kaution wurde er vorläufig freigelassen, aber das Reichsgericht verwarf natürlich die Revision und so mußte am 14. Mai v. I. das Opfer dieser Justiz für 13 lauge Monate von der Welt Abschied nehmen. Aber damit war seine Oual nicht erschöpft. Es be- ganncn die S ch i k a n e n i m Gefängnis; M. mußte wie ein gemeiner Verbrecher Netze stricken, seine Bitte, die Strafe in Königsberg absitzen zu dürfen, wurde ihm abgc- lehnt, keine der mechanischen Arbeiten und Demütigungen blieben ihm erspart. Erst als der„Vorwärts", die„Königsbergcr Volkszeitung" und die„Brcslauer Volkswacht" Lärm schlugen, erst als der Skandal im Reichstage gekennzeichnet worden war, erst da verfügte der Minister, daß M. besser be- handelt werde und daß er Selbstbeschäftigung und Selbst- beköstigung erhalten solle. Kleinere Nadelstiche aller Art hatte er aber später trotzdem noch zu erdulden. Aber auch das wurde überstanden. Als durch unsagbare Erbitterung in seiner Ucberzeugung und in seinem Haß ge- stärkt tritt Genosse Marckwald heute wieder in unsere Reihen ein, begrüßt von all denen, die sich mit ihm in der Ver- urtcilung unserer Klassenjustiz und der freisinnigen Denun- zianten eins wissen, bewillkommnet von seinen Kollegen und Mitarbeitern und geehrt durch eine Deputation der Dan- z i g e r Genossen, die ihm die Reichstagskandidatur für die Stadt D a n z i g an die Pforte des Kerkers bringt. In Königsberg sind dem Zurückkehrenden zu Ehren Volks- Versammlungen und ein Gartenfest arrangiert, und nach einigen Wochen der Erholung im Süden wird der Majestäts- beleidiger ungebeugt und mit altgewohnter Frische seine Arbeit für die Partei, da wieder aufnehmen, wo er sie vor 15 Monaten verließ. Zurückbleiben aber wird die Erinnerung an die Säule von Memel als ein Denkmal deutscher Klassenjustiz. poUtiFcbe ücbcrficbt. Berlin, den 13. August 1909, Ostmarkenpolitik. Die Vielseitigkeit, die die Regierung im Reiche und in Preußen im den Tag legt, wenn es gilt, den Agrariern Liebesgaben zuzu. schanzen, ist schon vielfach Gegenstand eingehender Erörterungen gewesen, ohne daß dieser tollen Wirtschaft bis jetzt hätte Einhalt getan werden können. Preußen ganz speziell treibt eine beson- dere Licbesgabenpolitik, die sich unter dem Namen»Ansied- lungspolitik" versteckt. Die Ansiedlungskommission in den Ost- marken hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die polnischen Be- sitzer verdrängt werden und deutsche Besitzer an ihre Stelle treten. In der Regel wird das so gemacht, daß diese Ansiedlungskommission Güter ankauft, sie dann zertrümmert und eine Anzahl deutscher Kolonisten, denen die weitgehendsten Vorteile gewährt werden, seßhaft macht. Obwohl schon Hunderte von Millionen für diesen Zweck ausgegeben worden find, muß doch amtlich konstatiert werden, daß ein Erfolg bisher so gut wie gar nicht zu verzeichnen war. In den meisten Fällen kauft die Ansiedlungskommission nämlich nicht polnische, sondern deutsche Güter, und die Junker in der Ostmark haben das Vergnügen, ihre Güter zu enormen Preisen los zu werden, weil sie gelegentlich darauf hinweisen, daß sie andernfalls ihre Güter an polnische Kapitalisten verkaufen werden. Von den 323 346 5)12 M.. die bisher für diesen Zweck ausgegeben worden sind, sind in deutsche Hände geflossen 237 099 991 M. Aus polnischen Händen wurden Güter erworben im Werte von 86 247 474 M. Mit diesem Gelde kaufen die Polen dann wieder deutsche Güter in Schlesien, so daß der polnische Grundbesitz nicht kleiner, sondern größer wird. Im polnischen Besitz tritt eigentlich nur eine Verschiebung ein. In Westpreußen und Posen kauft man sie aus und in Schlesien kaufen sie sich mit dem Gelde wieder an. Gegen den Gamaschendrill. Die Einsicht, daß bei unserer militärischen Ausbildung eine lknmenge Zeit mit ganz überflüssigen Exerzitien vergeudet wird. greift auch unter den deutschen Offizieren mehr und mehr um sich. So unternimmt in dem Juli-Heft der Keimschen.Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine* ein Offizier einen lebhaften Borstoß gegen den Gamaschendrill. Der Exerzier- marsch, die Paradegriffe, daS Einüben mancher geschlossener Forma- tionen, die nur auf den Parade- und Exerzierplätzen vorkommen, im Felde aber ausgeschlossen sind, endlich das peinlich genaue Drillen der Griffe verwirft der Verfasser mit Entschiedenheit. Dieser Drill sei zur Erziehung eines Soldaten keineswegs erforderlich, auch sei es unrichtig, daß er auch nur die Mannschaften innerlich gefestigter und disziplinierter mache. Die Anforderungen, die das Gefecht mit modernen Waffen stelle, seien ganz andere als stüher. Der Soldat trete nicht mehr als Maschine in eng� geschlossenem Rahmen auf, sondern als selbständig denkender und handelnder Einzelkämpfer. Die moralischen Faktoren hätten namentlich an Bedeutung gewonnen, diesen Faktoren trage aber die noch immer geübte alte Form der Ausbildung nur un- genügend Rechnung. Das alles fei ja nichts Neues. Er glaube aber, daß immer erneutes Sturmlaufen notwendig sei, um den Drill in seiner jetzigen Form zu beseitigen. Dabei macht der Verfasser ein Geständnis, das alles andere als ein Kompliment für unseren Militarismus ist: .Ein Offizier, der den Drill für überlebt hält, läuft Gefahr, sich in den Augen älterer Offiziere, seiner Bor- gesetzten, eine Blöße zu geben... Der Untergebene, auch wenn er anders denkt, ist schon auS Nützlichkeit«- gründen gezwungen, sich anzupassen... Di« Aus- bildung mit und durch den Drill macht verhältnismäßig die g e r i n g st e Mühe, ist am l e i ch t e st e n zu beherrschen, verlangt nicht vielNachdenken." In ähnlichem Sinne wie dieser Offizier verlangt auch Major v. Schreibe rS hosen in derselben Zeitschrift eine individuelle AuS- bildung der Mannschaften im Feuergefecht. Jeder Mann müsse so ausgebildet werden, daß er im Gefecht auch nach dem Berlust aller Führer und Chargen selbständig und ohne Befehl zweckmäßig zu handeln versteht. Eine derartige systematische Ausbildung der Soldaten zum selbständig denkenden und handelnden Einzellämpfer stehe freilich im Gegensatz zu der drtllmäßigenExerzier- auSbildung. Das gleiche hat Bebel seit Jahrzehnten im Reichstag ausgeführt. vergeblich I Ob die militärischen Kritiker mehr Erfolg haben werden? Verkrachter Diamantenschwindel. DaS offiziöse Depeschenbureau meldet unterm 13. August: »Nach dem neue st en amtlichen Berichte haben der frühere Vorstand der Kaiserlichen Bergbehörde in Süd- w e st a f r i k a Bergassessor Pasel und Professor Dr. Scheibe am Fischfluß bei AiarS auf den angeblichen Diamanten- feldern der South African TerritorieS mehrere Tage lang nach Diamanten gesucht und Waschungen vor« g e n o m m e n. Die Tätigkeit der beiden Sachverstandigen ist rrgediliSloS verlaufen.* Bekanntlich hatte sich die Kolonialbehörde durch den Schivindeltrick etlicher Hintermänner von Börsenwölfen zu einer amtlichen Reklame für die angeblichen neuen Diamanten- funde verleiten lassen.— Im übrigen sieht es nach der bis- herigen Ausbeute an Diamanten so aus, als ob der ganze südivestafrikanische Diamantensegen zu neun Zehnteln auf Sch>vindel beruhe._ Die Zuschläge znr preustischen Einkommen- und Ergänzungssteuer werden in der ersten Hälfte des laufenden Monats, also des zweiten Vierteljahre», erhoben. Die Erhebung gestaltet sich diesmal der- schieden von anderen, weil zum ersten Male die durch daS neue Gesetz festgelegten Zuschläge eingezogen werden. Das Gesetz, das rückwirkende Kraft bis zum 1. April 1999 hat, war erst später zustande gekommen. Infolgedessen konnten die Zuschläge für daS erste Vierteljahr nicht in diesem selbst eingezogen werden. Sie werden sich demgemäß diesmal auf ein halbes Jahr beziehen. Für die Einkommensteuer der physischen Personen mit einem Einkom- men von 1299 bis 3999 M. macht der Zuschlag b Proz., von mehr als 3999 bis 19 S99 M. 10 Proz., von mehr als 19 b99 bis 29 699 M. 16 Proz., von mehr als 29 699 bis 39999 M. 2 Proz. und von mehr als 80 500 M. 25 Proz. aus. Für Gesellschaften mit beschränkter Haftung, für Aktiengesell. schaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Berggewerk- schaften sind besondere ZuschlagSsätze vorgesehen. Der Zuschlag zur Ergänzungssteuer beträgt durchweg 25 Proz. Diese Steuer- zuschlage sind nicht als dauernde Einrichtung gedacht. Bekanntlich ist eine organische Neuordnung der direkten Steuern in Aussicht genommen. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wird von der StaatSrcgierung beim Landtage so zeitig eingebracht werden, daß sie spätestens im Jahre 1912 wird in Kraft treten können. Bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes werden aber die obigen Zu- schlage zur Einkommen, und Ergänzungssteuer in Preußen, gezahlt werden müsse» Die Krise. Auch im Wirtschaftsleben Sachsens macht sich die Krise immermehr geltend, während man schon auf eine allgemeine Besserung hoffte. Dieser Tage sind in den Granitsteinbrüchen der K a m e n z e r Gegend umfangreiche Arbeiterentlassungen erfolgt. Ein größerer Betrieb hat seine Arbeiterzahl um 69 vermindert und dem- nächst sollen noch 149 aufs Pflaster geworfen werden. In ver- Ichiedenen Bautzener Fabriken wird jetzt erneut der Bei rieb ein- geschränkt und die ArbeitSoauer auf vier Tage in der Woche reduziert. Dazu kommt, daß die in Sachsen stark vertretene Tabakindustrie infolge der Wertsteuer zu Hunderten zunächst den Heimarbeitern gekündigt hat, doch ynd mich schon Arbeitern in den Betriebswerkstätten in großer Zahl Kündigungen in Aussicht gestellt worden. Das sind nuyerst trübe Aussichten, wenn das schlimmste aller sozialen Uebel, dw Arbeltslosigkeit, in so schlimmer Weise überhand nimmt. Der nervöse Militarismus! Im guten Glauben hat sich der Soldat bekanntlich niemals zu befinden; er hat vielmehr dem blinden Kadavergehorsam des Militarismus unbedingt Folge zu leisten. Dies zeigt wieder ein- mal ein Fall, mit dem sich jetzt das Dresdener Kriegs- gericht beschäftigte, welches einen harmlosen Vorfall, der zu alledem noch durch das überstrenge Vorgehen eines Unteroffiziers verursacht worden ist, mit der ganzen Strenge des Gesetzes sühnte. Ter Grenadier Krause vom Leibgrenadierregiment war anlaßlich des Pfingstfestes bis mit 3. Juni nachts 12 Uhr be- urlaubt. Er mußte aber seinen Urlaub am 2. Feiertag unter- brechen, um auf Wache zu ziehen. Er zog es vor, nach Beendigung der Wäche den Rest seines Urlaubs in der Kaserne zu verbringen. Wie alle beurlaubten Soldaten bekam K. trotz seiner Anwesenheit in der Kaserne kein Essen und auch keine Löhnung; er mußte sich auf seine Kosten verpflegen. Am 3. Juni früh saß K. in der Mannschaftsstube, als ein Unteroffizier hereintrat und dem Grenadier den Befehl erteilte, dasReviermitzureinigen. K. blieb aber in der Annahme, daß er, da er noch beurlaubt war, keinen Dienst tun brauche, sitzen und reagierte nicht auf den Befehl. Obgleich der Unteroffizier wußte, daß der Grenadier beurlaubt war. drang er auf Ausführung des Befehls..Ich bin noch beurlaubt, ich brauche kein Revier zu reinigen," antwortete schließlich der Soldat. Er blieb sitzen und schlief ein. K. wurde wegen AchtungsvieSletzung, Gehorsams- Verweigerung und Beharrens im Ungehorsam vor das Standgericht gezerrt und dieses erkannte wegen dieser Lappalie auf die ungemein harte Strafe von 18 Tage» strengem Arrest!! Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Berufung ein mit der Begründung, daß er sich nicht für verpflichtet g e- halten habe, den Befehl zu befolgen, da er beurlaubt war. Er habe im guten Glauben gehandelt. Aber auch der Gerichtsherr hat das Urteil angefochten; ihm war die Strafe mit Rücksicht auf die„Schwere des Vergehens* zu gelinde!! Vom Anklagevertreter wurde dem Angeklagten plausibel ge- macht, daß ein Soldat nicht im guten Glauben zu handeln, sondern nur Befehle zu befolgen habe! Wenn er sich betroffen fühlte, dann stand es ihm frei, sich hinterher zu beschwere nl Dem Antrage gemäß gab das Kriegsgericht der Berufung des Gerichtsherrn statt und verurteilte den Angeklagten zu— 22 Tagen strengem Arrest!! Bei der Strafausmessung hat das Gericht die„F r e ch h e i t" und„D i S- ziplinlosigkeit* ftrafverschärfend berücksichtigtl t— Ein Freund des Mittelstandes. Im Wahlkreise LandSberg-Soldin haben die bereinigten Libe» ralen für die bevorstehende Reichstagsersatzwahl den Sekretär der Freisinnigen Vereinigung, Weinhausen, aufgestellt. Herr Weinhausen wirbt jetzt in allen Versammlungen um die Gunst der Mittelständler und versichert diese seiner besonderen Sympathie. Wie es mit seiner Sympathie aber in Wirklichkeit aussieht, beweist ein Schreiben. daS die„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht. Das Schreiben lautet: Bureau des WahlvereinS der Liberalen, Berlin. Berlin, den 23. November 1995. Sehr geehrte Herren! Durch besondere Vereinbarungen bin ich in den Stand gesetzt. künftig energischer als seither die Agitation der Mittelstands- belvegung zu bekämpfen. ES wird möglich sein, überall, wo große, städtische Versamm. hingen oder ausgesprochene Agitationsreisen der Mittelständler auf dem Lande geplant sind, rednerische Kräfte entgegenzuschicken. Um nun dies zu können, ist eS notwendig, daß in jedem einzelnen Falle möglichst sofort bei Bekanntwerden geplanter Versamm. lungen hierher berichtet wird, im Notfalle tclegraphisch. Ich werde dann versuchen, Mittel und Redner mobil zu machen. Mit der Bitte um Ihre freundliche Usiterstützung und mit besten Grüßen ergebenst Fr. Weinhausen. Kreta. Die Nachrichten des heutigen Tages schränken die des gestrigen, die von der Sicherung einer friedlichen Lösung des türkisch-griechischen Konflikts redeten, wieder ein. Aus Kon- st a n t i n o p e l wurde gemeldet, daß am Abend des Donners- tags eine weniger zuversichtliche Auffassung der Kretakrisis die Oberhand gewonnen hat. Man fürchtet, die Regierung werde kaum imstande sein, die Erregung des Landes zurück- zuhalten. Der Großwesir hat am Donnerstag dem griechischen Gesandten die griechische Note für un- befriedigend erklärt. Aus den Provinzen laufen fortgesetzt Meldungen über Kretademonstrationen ein. An einer Versammlung in Adrianopel nahmen 30 000 Personen teil. S ch ew k e t- P a s ch a soll mit Demission gedroht haben, da die Erregung der Truppen und des Offizierkorps unmöglich zu be- schwichtigen sei. Zwei Versammlungen in Jpek und D j a k o v a nahmen einen erregten Verlauf. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Re- gierung aufgefordert wird, gegen Athenvorzugchen, in welchem Falle Jpek und Djakova bereit seien, 40 000 Mann zu stellen. Auf den Botschaften der Schutzmächte hält man jedoch an der H o f f n u n g fest, eine friedlicheLösung der Krisis zu finden. Da daS jungtllrkische Komitee fortfährt, zum Kriege zu drängen, beschlossen die Botschafter der Schutz- mächte in ihrer Donnerstagskonferenz, neuerdings energische Schritte im Sinne des Friedens bei der Pforte zu unternehmen. Die neue türkische Note ist bereits am Freitag in Athen überreicht worden. Ihren Hauptinhalt bildet das Verlangen, daß die angeblich aus den Listen dcS grie- chifchen Heeres gestrichenen Offiziere aus Kreta zurückgezogen weiden. Die Note verlangt ferner eine bündige Versicherung der innerhalb der Grenzen des otto- manischen Reichs beamteten griechischen Konsuln, daß sie sich künftig nicht mehr an einer großgriechischen Propaganda be- teiligcn werden. Die Antwort der griechischen Regierung wird in kürzester Frist erwartet. In Peru soll ein verkleideter griechischer Offizier verhaftet worden sein, der Papiere über Kreta bei sich führte. Nach Athener Moldungen aus Canea ist die dortig« Bevölkerung entschlossen, auf keinen Fall in der Flaggenfrage nachzugeben und eventuell unter der Führung des Parteiführers Kunduros gegen ganz Eu- ropa(l) zu kämpfen. Die türkische Flotte ist in Karpathos, vierzig Meilen von Kreta, eingetroffen. Saloniki, 13. August. Hier sind alle Maßnahmen getroffen, um den Boykott gegen griechische Schiffe und Waren von morgen ab in Kraft treten zu lassen, obgleich ein Befehl des Ministeriums vorliegt, daß die Behörden den Boykott verhindern sollen. Rom, 13. August. Der Vorsitzende der kretischen Kammer hat ein Telegramm an den Abgeordneten Galli gerichtet, worin er die Notwendigkeit ausdrückt, eine Volksabstimmung über die Kretafrage abhalten zu lassen. Ocrtemicb. Eine grofiarti,ge Protestdemonstration veranstaltete die klassenbewußte Arbeiterschaft von Karlsbad am Sonntag. Das Pascharegiment des Karlsbader Bezirkshaupt- mann» Jordan und des Bürgermeisters Dr. Pfeiffer, die sich in Schikanen gegen die Arbeiterbewegung überbieten und mit der Hungerpeitsche Arbeiter für die deutschvölkische Organisation zu pressen suchen— die Karlsbader Stadtvertretung verlangt von jedem städtischen Arbeiter, daß er sich mit einer Legitimation des deutschvölkischen Streikbrechersekretariats ausweise— war der Anlaß dieser Explosion tiefer Erbitterung. Ein Zug von mehr als 2999 Mann zog am Nachmittag vom Marktplatz auS über die alte Wiese zur Bezirkshauptmannschaft, wo eine Deputation vorstellig werden sollte. Aber die Polizei ließ sie nicht ein: Unter unaufhörlichen Pfuirufen auf die Behörden bewegte sich der Zug der über diese bru- tale Abweisung erneut aufgebrachten Arbeiter zurück. Vor dem Hause des Bürgermeisters bedurfte es des ganzen Aufgebots der Autori- tät der Vertrauensmänner, um die Massen zum Weitergehen zu bewegen. Die wuchtige Demonstration endete mit dem Gesang des Liedes der Arbeit im Kurpark, wo die Kurgäste erstaunt nach dem Grunde der großen Kundgebung fragten. Genosse Abgeordneter Löw hielt dort eine Ansprache, die tosenden Beifall fand. Er er- klärte darin:„Wir kommen wieder! Keine Ruhe im Kurorte, bevor die Behörden uns das Brot wiedergeben, daS sie uns geraubt!" „Der Volkswille", das Karlsbader Parteiorgan, sagt am Schlüsse seiner Schilderung der Vorgänge:„Ob dieser eine Be- weis des VolkszorncS bessernd auf die hiesigen Behörden wirken wird? Wir glauben nicht.— Die Karlsbader Behörden werden mehr erleben müssen, um einzusehen, daß auch die Arbeiter Menschen sind, die sich mehr als krümmen, wenn sie ge- treten werden." Italien. Der Zar in Messina und Reggio. Rom, 11. August.(Eig. Ber.) Der„Tribuna* wird aus Messina berichtet, daß der Zar mit dem italienischen König im Jonischen Meere zusammentreffen werde. Nikolaus werde Messina und Reggio besuchen. In Messina sollte den russischen Matrosen ein feierlicher Empfang bereitet und ihnen eine goldene Medaille überreicht werden. ES scheint also wirklich, daß der Zar die beispielslose Unanständigkeit und Schuf- tigkeit haben werde, sich hinter der Sympathie zu verstecken, die die russischen Matrosen auf den Trümmern von Messina unter Nichtachtung ihres' Lebens und durch Taten heroischer Aufopfe- rung gewonnen haben. Um die ungeheure Gemeinheit dieser Spe- kulation zu ermessen, mutz man die dankbare und fast ehrfürchtige Begeisterung gesehen haben, mit der die wackeren Mannschaften des russischen Geschwaders gleich nach dem Erdbeben in Neapel aufgenommen wurden und von demselben Volke bejubelt, das, langer Gewaltherrschaft eingedenk, mit geradezu fanatischem Haß auf den blutbefleckten Zaren blickt. Und dieser Feigling schämt sich nicht, sich anZ dem Heldenmut der Söhne seine? Volkes eine Mauer zu bilden, die ihn vor dem verdienten Haß uyd Abscheu deS italienischen Volkes sichere. Orkei. Innere Konflikte. Konstantinopel, 13. August. In der Nähe ber Ortschaft Etechmitza im Sandschak Serres überfielen moham- medanische Bulgaren fünf schlafende bulgarische Feld- arbciier, die sie für K o m i t a t f ch i S hielten, und töteten sie durch Stockhiebe. Nach einer Konsularmeldung aus Mitrowitzaerschofsen A r n a u t e n, die ver Mutessarif von Jpek wegen WaffentragenS anhielt, einen den Beamten begleitenden Gendarmen und ver- wendeten einen zweiten. perfteu. Ein Revolutionsdirektorium. DaS nationalistische Zentralkomitee in Teheran hat, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, heute beschlossen, nach dem Muster der französischen Revolution ein Direk- t o r i u m zu ernennen, da? die gesamte Regierung in sich vereinigen soll. Die Zahl der Mitglieder steht noch nicht fest. Der junge Schuß will auf den Thron verzichten und sich mit seinen Elten, nach Rußland begeben. Marokko. Die Stärke der spanischen Armee in Melilla. Die Spanier haben ihre Streitkräfte in Afrika dermaßen ver- stärkt, daß demnächst 38 999 Mann unter dem Kommando von 14 Generälen bereitstehen werden, um den geplanten Vorstoß gegen die in den Gurugu-Bergen verschanzten Riffkabylen zu unter- nehmen. Unter dem Befehle des Generals Del Real(Garnison von Melilla) stehen zwei Jnfanterieregimenter und die Brigade der Straftruppen, 6599 Mann; unter dem General Tovar drei Jägerbrigaden zu sechs Bataillonen mit je 859 Mann; unter dem Kommando des Generals Uorozco vier Jnfanterieregimenter mit verstärkten Beständen, 7499 Mann und unter dem General Percira sechs Jägerbataillone, also 5199 Mann, vier Schnellfeuer-, neun Bergbatterien und eine Abteilung Maschinengewehre. An Ka- vallerie stehen drei Schwadronen mit je 159 Säbel bereit. Man erwartet noch umgehend ein Dragonerregiment(1299 Säbel) und eine Husarenschwadron(159 Säbel). An Spczialtruppcn sind zur Stelle zwei Gcniebataillone. eine Luftschisfer-, eine Telegraphisten- abteilung und mehrere Züge von Krankenwärtern und Militär- arbeitern. Paris, 13. August. Der„Matin" meldet aus Madrid: Der 11. August war nächst dem 28. Juli der verlustreichste Tag für die Riffkabylen. Einer beim Hippodrom von Melilla aufgestellten Batterie ist eS gelungen, ein in einer Schlucht des Gurugu-Ge'oirges liegendes Haus, daS von Mauren besetzt war, zu zerstören. Sodann wurde der Wall, der von Mauren errichtet war, in Brand geschossen und zahlreiche Mauren getötet. Ein Ballon zeigte die Richtung der Fliehenden an. Diese wurden von dem Feuer des FortS Kacamcllos dezimiert. Ferner wurde gegen Abend die Aeob- achtungSstation, die von den Mauren bei Mczuita errichtet worden war. durch 9 Zentimeter-Geschütze eine» Forts zerstört und begrub fast alle marokkanischen Posten unter ihren Trümmern. Auch die Eingcborenenpolizei hat an dem für den Feind verlustreichen Kampfe teilgenommen. Madrid, 13. August. Sämtliche Kriegsschiffe des spanischen Geschwaders haben den Befehl erhalten, nach Melilla abzugehen, GewerfefcbaftUcbee. Berlin und Umgegend« Die Spenden für die schwedischen Arbeiter werden heute(Sonnabend) und Montag, nachmittags von 4— S Uhr, im Saal 3 des Gewerkschaftshauses entgegengenommen. Achtung. Mitglieder des Metallarbciterverbanbes! � Den Kollegen zur Nachricht, daß in den am 12. d. M. stattgefundenen Brzirksversammlungen überall einstimmig dem Antrag der Ortsverwaltung zugestimmt wurde, wonach aus der hiesigen Lokalkasse den schwedischen Genossen 10 000 M. überwiesen werben. Desgleichen wurde überall beschlossen, für eine recht rege Listensammlung Sorge zu tragen. Weiter geben wir bekannt, das) zum Zwecke der Abrechnung der Sammellisten das Bureau, Charitestrahe 3, Hof 2 Tr., auch am Sonntag, den 15. d. M. vormittags von 9— 1 Uhr geöffnet ist. _ Die Ortsverwaltung. Der Kampf im Schlossergewerbe. Eine Vertrauensmännerversammlung der Schlosser, einberufen vom Deutschen Metallarbeiterverband, fand am Donnerstagabend statt. An dem gegenwärtigen Kampfe sind insgesamt 1750 Arbeiter beteiligt. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt 420. Bei den Firmen, die nur teilweise ausgesperrt haben, stellten die übrigen Arbeiter ihre Tätigkeit ein. Die Kontrollkommission der Meister hat zahlreiche Konflikte mit den Unternehmern gehabt, die den Aussperrungsbeschluß zu umgehen trachten. Viele behaupten, daß sie nur noch alte Akkordaufträge erledigen, andere lassen ihre Ar- beiter am Tage der Kontrolle feiern. Diejenigen, die dem Aus- spcrrungsbeschluß ehrlich nachgekommen sind, neigen selbst schon zu der Ansicht, daß sie„die Dummen" bei der Sache seien. Die einzelnen Unternehmer sind über den Stand der Bewegung sehr mangelhaft unterrichtet; der eine, über die gegenwärtige Situation befragt, meinte:„Ja, sehen Sie, ich erfahre auch immer erst aus dem„Vorwärts", wie es im allgemeinen bei uns aussieht, mehr weiß ich auch nicht." In einem Rundschreiben des Schutzverbandes der Schloffer- Meister wird behauptet, daß die von der Streikleitung veröffentlich- ten Zahlen über den Umfang der Aussperrung unzutreffend seien, zugleich aber wird zugestanden, daß der Schutzverband„noch keinen zuverlässigen Ueberblick über die Aussperrung" gewonnen habe. Jedenfalls ist man mit dem bisherigen Erfolg der Aussperrung sehr unzufrieden. Die streikenden Geldschrankschlosser versammelten sich am Freitagmorgen bei Franke in der Badstraße. Otto Handle erstattete einen Bericht aus der Vertrauensmännerkonferenz, der mit Befriedigung aufgenommen wurde. In der Diskussion be- richteten die Streikposten wieder von vielen Schwierigkeiten, denen sie begegnen, sobald sie mit Streikbrechern in Verbindung treten wollen. Mitgeteilt wurde unter anderem, der Gastwirt Thomas aus Pankow, Nordbahnstraße 3, habe in der Geldschrankfabrik von Panzer Arbeit angenommen. Die Streikenden sind mit dem Stand der Bewegung zufrieden, sie halten fest zusammen und weisen die Versuche zurück, die von einzelnen Unternehmern ge- macht werden, Streikende zur Fertigstellung von Akkordarbeiten , zu gewinnen. Unterhandlungen mit den Arbeitern sind nur zu- lässig durch die Streikleitung; Sonderabmachungen sind un- statthaft._ Das Koalitionsrecht der Arbeiter und die Polizei. Daß das Koalitionsrecht der Arbeiter vielfach nur auf dem Papier steht, die Ausübung desselben entweder erschwert oder gar sehr oft unmöglich gemacht wird, ist schon beinahe etwas Alltäg- liches. Bei jedem Streik, bei jeder Aussperrung zeigt sich immer w'eder von neuem, daß dem Arbeiter durch die staatlichen Organe das gesetzlich garantierte Koalitionsrecht beschnitten wird. Schutz der Unternehmer gegen die Arbeiter ist der absolute Grundsatz unserer Staatsraison. Am offenkundigsten tritt das zutage durch Behinderung der Streikposten durch die Polizei. Ein ganz sonder- bares Stuckchen hat sich jetzt die Polizei in Reinickendorf geleistet. Dort streiken seit kurzem die Arbeiter der Signalbauanstalt von Lehmann. Natürlich machten die Arbeiter von ihrem Recht. Streik- Posten zu stellen. Gebrauch. Die Polizei trat alsbald auf den Plan und engte den Posten den von ihnen zu begehenden Weg immer weiter ein, wobei ein Beamter im Gespräch mit einem Streikposten sich sehr despektierlich über den„Vorwärts" äußerte. Die Aeußerung, die wir nicht wiedergeben können, wollen wir uns nicht einer Anklage wegen„Gefährdung der Sittlichkeit" aussetzen, bewies, wie sehr Polizeibeamte glauben, sich alles leisten zu können. Ein tolles Stückchen der Reinickendorfer Polizei besteht darin, daß Streikposten sistiert und viele Stunden auf der Wache behalten wurden und daß diesen gegen ihren Willen und gegen das for- male Recht eingesperrten Arbeitern noch für diese Einsperrung Geld abgenommen wurde. So wurde der Schlosser Georg K. nach der Wache sistiert, wo er von �11 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends festgehalten wurde. Bei seiner Entlassung wurden ihm von seinem Gelde, das er bei sich hatte, 45 Pf. abgezogen und ihm vom Gefangenwärter eine Quittung ausgestellt, in der 30 Pf. für Verpflegung und 15 Pf. für Haftkosten berechnet waren. Also erst wird der Schloffer widerrechtlich eingesperrt und dann wird ihm dafür noch, gleichfalls widerrechtlich, Geld abgenommem Hoffent- lich verfolgt der Metallarbeiterverband die Sache weiter, um fest- zustellen, ob denn bei uns die Arbeiter gänzlich vogelfrei sind. An die zentralorganifferten Zimmerer Berlin» und der Bororte. Kameraden I Wie Euch durch die Presse bekannt geworden ist, tobt gegenwärtig ein gewaltiger Kampf in Schweden, woran zirka 300 000 Arbeiter beteiligt sind. Die Generalkommission der Ge- werkschaften Teutschlands hat mit Zustimmung der Gewerkschafts- vorstände den Beschluß gefaßt, die schwedische Arbeiterschaft in ihrem so bedeutungsvollen Kampfe nach besten Kräften zu unter- stützen. Zu diesem Zwecke soll in den Gewerkschaftsorganisationen eine allgemeine Sammlung veranstaltet werden. Wir schließen uns diesem Beschlüsse mit der Maßgabe an, unter unseren Mit- gliedern wie bisher keine Sammellisten zirkulieren zu lassen, son- dern Extramarken a 25 Pf. mit der Aufschrift„Für den schwedi- schen Generalstreik" herauszugeben. Diese Marken sind vom Sonntag, den 15. d. M., db bei allen Bezirkskassierern sowie in unserem Verbandsbureau, Engelufer 15, Zimmer 50, in Empfang 311"«n' diesen Stellen sind auch alle gesammelten Gelder für die verkauften Extramarken sofort abzuliefern. Um für die geleistete Unterstützung einen Beweis zu haben, empfiehlt es sich, die Extra- marken, deren Kauf ein freiwilliger ist, auf der Innenseite des Deckels im Mitgliedsbuch einzukleben. � � Kameraden I Tut in diesem Kampfe zwischen Kavital und Arbeit Eure Schuldigkeit. Bekundet auch diesmal Eure Solidarität durch regen Kauf der Extramarken und sargt gleichzeitig für den weitesten Vertrieb derselben, damit wir Mitglieder des Zimmerer- Verbandes uns späterhin darauf berufen können, daß wir die schwe- dische Arbeiterschaft in ihrem ihr aufgedrungenen Kampfe tatkraftig unterstützt und somit in jeder Weise unsere volle Pflicht erfüllt haben. Einen Betrag von 1000 M. haben wir der Zentralkasse unseres Verbandes für diesen Zweck im voraus schon überwiesen. Der Vorstand. __ I. A.: Wilhelm Witt._ Vergsitw. Redakteur; Kau» Weber, Bcrjin, Jnfergtepteil verantw.: Unternehmerpraktiken. Die Schiffbauer von Oranienburg-Sachsenhausen befinden sich seit 9. November 1903 im Abwehrstreik, da ihnen der Lohn von 48 auf 42 Pf. pro Stunde reduziert werden sollte. Die Schiff- bauer hatten einen Taxjf mit den Meistern abgeschlossen bis zum 1. April 1909; also Tarifbruch von feiten der Unternehmer. Einigungsverhandlungen scheiterten. Daraufhin wurden unsere Kollegen in Kalkberge und Fürstenwalde am 8. Mai 1909 ausge« sperrt, um einen Druck auf diejenigen Oranienburgs auszuüben; es war nutzlos. Jetzt suchen die Unternehmer durch Annoncen und Bekanntmachungen, der Streik wäre beendet oder die Arbeit wäre am 26. Juli 1909 wieder, aufgenommen, in bürgerlichen Blättern Schiffbauer als Rausreißer. Auch die Fürstenberger an der Oder und die Zehdenicker Schiffbauer befinden sich in einem Lohnkampfe. Darum haltet den Zuzug von Schiffbauern nach Oranienburg, Sachsenhausen, Fürstenwalde a. Spr., Fürstenberg a. O. und Zehdenick fern. Deuvlcbes Reich. Zum Kampf im Hamburger Baugewerbe. Am Donnerstagabend tagte im Gewerkschaftshause eine von über 2(XK1 Maurern besuchte Versammlung, in der nach einem eingehenden Referat des Genossen Hartwig über die resultatlos verlaufenen Einigungsverhandlungen fol- Uende Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die am 12. August 1909 im Gewerkfchaftshause tagende außerordentlich stark besuchte Versammlung des Zweigvereins der Maurer Hamburgs und llnigegend nimmt Kenntnis von dem negativen Ausgang der Einigungsverhandlungen vor dem hiesi- gen Gewerbegericht. Da eine Einigung nicht erzielt worden ist, so beschließt die Versammlung, den Kampf in versch ärfter Form fortzuführen und erwartet, daß die Plattenansctzer gemäß ihres Beschlusses die Arbeit in allen Geschäften einmütig wieder einstellen. Die weiteren Maßnahmen bleiben nach wie vor der Streikleitung überlassen." Ein weitergehender Antrag wurde nicht aus prinzipiellen, sondern aus Zweckmäßigkeitsgründen bekämpft, da von feiten der Arbeitgeber, neue Verhandlungen bean- tragt worden sind, die voraussichtlich am Montag stattfinden werden. Schwarze Listen. Durch schwarze Listen des Gesamtverbandes deutscher Metall- industrieller, die am 3., 4. und 5. August verschickt wwtden und die die Nummern 143 bis 149 tragen, werden wiederum eine große Zahl von Arbeitern in Verruf gebracht. Es sind mit Namen auf- geführt: 89 streikende Klempner und Installateure von Danzig und Umgegend, 34 streikende Schlosser aus 9 Schlosserbetrieben Breslaus, 32 Schlosser, 4 Schmiede, 2 Bohrer, 3 Arbeiter und 1 Dreher vom Eisenwerke Schott in Breslau und 14 Metall- arbeiter der Kesselschmiede Brand und Sohn in Dortmund. Letzteren Arbeitern hat die betreffende Werksverwaltung ge- kündigt, weil die in Betracht kommenden Gewerkschaften die Sperre über den Betrieb verhängt haben. Ferner wird unter Bezug auf die streikenden Geldschrankschloffer Berlins vor Einstellung samt» l i ch e r aus Berlin kommenden Schlosser gewarnt. Außer Kraft gesetzt werden die Äerrufserklärungen, die aus Anlaß der Streiks und Differenzen bei den Firmen Krctschmann in Eisenberg, Berg in Nürnberg-Mögeldorf, Pilger und Neidhart in Frankfurt-Bockenheim, Günther u. Kleinmond in Frankfurt- Rödelheim, Johannsen u. Co. in Danzig sowie der Maurer und Zimmergesellen in Horst i. H. versandt worden sind. Neu abgeschlossene Tarifverträge im deutschen Baugewerbe. Zwischen dem Zentralverband der Zimmerer Deutschlands und dem Arbeitgeberverbande des Kreises S a m t e r ist ein Tarif- vertrag abgeschlossen für diesen Kreis, der in den Hauptpunkten eine llstündige Arbeitszeit bei einem Stundenlohn von 40 Pf. festsetzt. Landzulage wird nicht gewährt. Ferner ist ein Vertrag abgeschlossen zwischen dem Zentralver- band christlicher Bauhandwerker und Bauhilfsarbeiter Deutschlands und dem Arbeitgeberverband für das Baugewerbe zu Birn- bäum und Umgegend. Hier ist ein Stundenlohn von 3814 Pf. bei 1014 stündiger Arbeitszeit festgesetzt. Ucber 7,5 Kilometer 2 Pf. Landzulage pro Stunde. Der dritte Vertrag ist abgeschlossen zwischen dem Zentralver- band der christlichen Handwerker und Bauhilfsarbeiter Deutsch- lands. Verwaltungsstelle W r o n k e. und dem Arbeitgeberverband für das Baugewerbe des Kreises Samter. Hier ist ein Stunden- lohn von 36 Pf. bei llstündiger Arbeitszeit vereinbart« Ueber 6 Kilometer 2 Pf. Landzulage pro Stunde. Tarifabschluß in der Brauindustrie. Mt der Städtischen Brauerei und der Brauerei Domeier u. Kaden in Einbeck wurde der bestehende Tarifvertrag auf ein Jahr, bis zum 1. Juni 1910. verlängert mit den Aenderungen, daß ab 15. Juni der Einstellungslohn und der Lohn der unter 18 M. der- dienenden männlichen Personen um 1 M. und der Einstellungslohn und der Lohn der jetzt beschäftigten weiblichen Personen um 50 Pf. pro Woche ab 15. Juli erhöht wird.— In Rücksicht auf die Beun. ruhigung der Brauindustrie anläßlich der Brausteuer und der da- mit verbundenen Bierpreisregulierung wurde von werteren Maß- riahmen Abstand genommen, obwohl durchgängig die derzeitigen Lohn, und Arbeitsbedingungen einer dringenden Regelung �be- dürfen. Die Unternehmer wurden aber nicht im Zweifel darüber gelassen, daß wir im nächsten Jahre„anklopfen" werden. Etos Industrie und Kandel. Vom Abwälzungswucher. Fast könnte man glauben, die Brauer seien von einem Ver- teuerungsdelirium befallen. Die Lagerbierbrauereien haben mit der Forderung eines Aufschlags von 5 Mi pro Hektoliter bewiesen� daß sie an Bescheidenheit nicht zugrunde gehen können. Aber die Weißbierbrauer sind ihnen doch noch über. Sie wollen eine Finanz- reform durchführen, die in der Hauptsache in einem direkten Preis- aufschlag von 3 M. pro Hektoliter besteht. Dazu übernehmen die Brauereien den Wasserzuguß. Nach dem neuen Gesetz ist die Ver- dünnung des Vieres, nachdem es die Brauerei verlassen Hat� nicht mehr gestattet. Die angenehme Beschäftigung des Wasserzusetzens werden daher in Zukunft die Brauer selbst ausüben. Diese Mehr» arbeit dürfte ihnen, mäßig gerechnet, noch extra 2 M. einbringen, so daß die wirkliche Mehreinnahme für die Brauereien 5 M. aus» macht. Und wie steht es mit der Belastung durch die erhöhte Brau- stcuer? Wie wir schon mehrfach dargelegt haben, macht die Steuer- crhöhung im Durchschnitt 10 M. pro Doppelzentner Malz aus. Ein Doppelzentner Malz bringt einen Ausstoß von 6 bis 10 Hektoliter Weißbier. Rechnen wir mit einem durchschnittlichen Malzverbrauch von 1214 Kilogramm, dann ergibt sich für die Brauer eine Mehr- belastung von 1,25 M. Für die Mühe der Abwälzung und der Taufe berechnen sich diese demnach 4,75 M. pro Hektoliter. Das Abwälzen ist fürwahr ein feines Geschäft I Die Brauer können die Steuermacher als ihre Wohltäter preisen. Ander» natürlich die Konsumenten. Nach den Plänen der Brauer würde sich für sie die Abwälzung wie folgt gestalten: die kleine Weiße(vier Zehntel- Liter) kostet 13 Pf., die große Weiße(acht Zchntcl-Liter) 25 Pf.; im Durchschnitt ein Liter also zirka 3114 Pf. gegen 25 Pf. früher. Das ist ein Aufschlag von 614 Pf., der sich jedoch unter Berücksichti. rhMsckrIÄllliii, Dilltck ij. Berlgg: Vorwärts Buchdr. u. Bulögsanststt gung des angenommenen Serminderken Wasserzusatzes auf 5 Pf. reduziert. Die Erhöhung für die Konsumenten macht danach pro Ltter 3M Pf. mehr aus als die Steuererhöhung. Solche Ab- wälzungsgeibühr zu übernehmen, liegt für die Konsumenten aber gar kein Anlaß vor. Wir reden hohen Löhnen gern das Wort, aber den Brauereien für die Arbeit des Abwälzens 3,75 M. pro Hekto- liter zu gewähren, das ist ein Tarif, den die Arbeiter den Kapita- listen nicht zahlen können. Man mutz sich nur wundern, daß die Wirte gegen die Praxis der Brauer nicht alarmieren. Man kann doch nicht annehmen, die Wirte fühlten so sehr sich den Brauern verpflichtet, daß sie es als ihre Aufgabe betrachteten, zu helfen, den Konsumenten ganz ungerechtfertigte Lasten aufzuwälzen. Kampf gegen die Bierverteuernng. Ein Bierbohkott ist im Großherzogtum Meiningen aus- gebrochen. Gastwirte und Biertrinker beschlossen in einer Reihe von Städten wegen zu hohen Preisaufschlags der Bierbrauereien einen gemeinsamen Bierstreik. Ueber 100 Brauereien sind boykottiert.— Aus Dresden wird berichtet, daß dort ebenfalls ein Boykott eingesetzt habe. Stammgäste meiden die Lokale, der Konsum ist stark eingeschränkt.— I n Leipzig stehen die Wirte immer noch im Kampfe gegen die Brauereien. Zwar haben diele schon etivas nachgegeben, indem sie die Forderung von 4,20 W. Aufschlag pro Hektoliter auf 3,20 M. ermäßigten; die Wirte jedoch wollen nur 2,20 M. zugestehen. Und das ist auch reichlich genug. • Die Bierpreiscrhöhung und die freien Gastwirte. Im großen Saale der„Neuen Welt" fand am Freitagnach- mittag eine Versammlung des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte statt. Der Redner, L i t f i n, führte aus, daß in den Verhandlungen mit dem Berein der Berliner Lagerbierbrauercicn ein bestimmtes Ergebnis noch nicht erzielt worden sei. Die Gastwirte verlangen, daß die Brauereien dazu beitragen, be- stimmte Mißstände im Gastwirtsgewerbe zu beseitigen, dann erst, das war der Standpunkt der Kommission, sollten drei Mark den Brauereien mehr bezahlt werden. Litfin wandte sich gegen die Behauptung, daß den Brauereien für Berlin fünf Mark angeboten worden seien, man habe in der Kommission gewußt, daß der höcksste Satz von fünf Mark für Berlin niemals zur Anwendung kommen könnte. Er protestierte gegen den Vorwurf, daß die Wirte einen Raubzug auf die Taschen der Konsumenten ausführen wollten. Die öffentliche Meinung befinde sich in einem Irrtum, die Gastwirte müßten mehr von den Konsumenten nehmen als die Brausteuer betrage, denn zu der Brausteuer kommen noch die andern weuen Steuern hinzu. Die Verhandlungen der Kommission der Gastwirte mit den Weiß-, Malz- und Braunbierbrauereien hätten zu einer Verständigung geführt. Für den Liter Bier solle durchschnitt- lich drei Pfennig mehr bezahlt werden. Die Gastwirte würden die große Weiße mit 25 Pf., die kleine mit 13 Pf. berechnen. Von den Brauereien solle aber verlangt werden, daß das Weißbier zehn Prozent Stammwürze enthalten müsse. Den vorgesehenen Vertrag empfahl Litfin zur Annahme.— In der Diskussion wurde vielfach heftiger Widerspruch laut. Man forderte, daß den Brauereien keinerlei Erhöhung oder nur die Höhe der Brausteuer bewilligt werde. Man besprach die schwierige Lage, in der sich die Gastwirte befinden und erhob auch Vorwürfe gegen den„Vorwärts", denn die Behauptung, daß die Wirte den Brauern 5 M. angeboten hätten. treffe für Berlin nicht zu. Viele Redner erklärttn, man sollte den Bierkrieg mit den Brauereien nicht scheuen, man müsse daS Publikum zum Schutze gegen die Brauer aufrufen. Nach langer Diskussion wurde die folgende Resolution mit großer Mehrheit angenommen: „Die am 13. August 1909 im Lokal„Neue Welt" ver- sammelten Gast, und Schankwirte der Zahlstelle Groß-Berlin des freien Gast- und Schankwirteverbandes erklären sich mit der Taktik ihrer Vertreter bezüglich der Verhandlungen mit den Brauereien einverstanden, sprechen denselben auch für die weiteren eventuell zu pflegenden Verhandlungen ihr vojty:s Vertrauen aus. Die Versammelten begrüßen eS, daß die Verhandlungen mit den obergärigen Brauereien zu einer gütlichen Regelung gelangt sind und versprechen, den abgeschlossenen Vertrag strikt inne zu halten. Gleicherweise finden die Versammelten das Verhalten der Lagerbierbrauereien äußerst unverständlich. Sie sind bereit, den Brauern bei einer Preiserhöhung bis zur äußersten Grenze entgegen zu kommen, verlangen dafür aber unbedingt Garantien, daß die Brauer ebenso wie die Gastwirte der Schmutzkonkurrenz im Brau- und Gastwirtsgewerbe entgegentreten werden. Sollten die Lagerbierbrauer ein Entgegenkommen in dieser Richtung nicht zeigen, so können die Gastwirte nicht anders handeln, als einen durchgreifenden Appell an die Konsumenten zu richten. Aus diesem Gesichtspunkte heraus ersuchen die Versammelten ihre Vertreter, mit den Organisationen der Konsumenten aus Arbeiterkreisen, der Gcneralkommission der Gewerkschaften, und der Parteileitung in Verbindung zu treten, um eine Regelung der Bierpreisfrage auf einer Grundlage eventuell zu erzwingen, die vornehmlich von den Wirten und von den Konsumenten akzep. tiert werden kann. Bezüglich der Weißbierfrage erklären die Versammelten die Beschlüsse, welche 1906 in der„Neuen Welt" gefaßt wurden, für aufgehoben, so daß alle Vertrags- brauereien zur Lieferung von obergärigem Bier zuge- lassen sind." Wir werden auf die Angelegenheit und auf die dePlazierten Angriffe auf den„Vorwärts" noch gebührend zurückkommen. Letzte Nachrichten und DepeFchen« Ein Unhold. Annweiler, 13. August.(B. H.) Der 49jShrige Maschinist Florian Lehr hatte sich an seiner 14jährigen Stieftochter ver- gangen. Als er verhaftet werden sollte, jagte er dem Mädchen eine Kugel durch den Kopf; das Kind war sofort tot. Dann durch- tränkte er das ganze HauS mit Petroleum und legte a» verschie- denen Stellen Feuer an. Er ging dann in den Schuppen, legte sich eine Schlinge um den Hals und schoß sich zweimal in die Schläfe; er war sofort tot. Als die Nachbarn das HauS brennen sahen und zur Rettung herbeieilten, entdeckten sie die grausige Tat. Beim Baden ertrunken. Essen, 13. August.(B. H.) In den letzten drei Tagen sind in der Ruhr, Emscher und Lippe nicht weniger als 18 Personen, meist junge Leute, beim Baden ertrunken. Familiendrama. Eßlingen. 13. August.(B. H.) Der Werkzeugfabrikant Stiefel- meier hat sich, seine Frau und ferne beiden Kinder aus finanziellen Schwierigkeiten zu erschießen versucht. Tie Frau und da* eine Kind waren sofort tot. Er selbst und das andere Kind wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Zugzusammenstoß. Op-rto. 13. August.(B. H.) Ein ernster Eisenbahnunfall er- eignete sich in Braga. Dort stieß ein Personenzug, worin sich zahlreiche Republikaner befanden, die von einer Versammlung zurückkehrten, infolge falscher Weichenstellung auf einen Güterzug. 11 Wagen wurden vollständig zertrümmert, 30 Personen teils schwer, teils minder schwer verletzt. Tie Republikaner beschuldigen ihre politischen Gegner, die Katastrophe herbeigeführt zu haben. MMjngerLi Qpx Bnl mSW« HierzuS Beilagen n, Unterhaltungsbl. Ar. 188. 26. Iahrgsug. 1 KeilM des Jonuirts" Kerlim DcksblM. Saanstfiib, 14. JnijtiS 1909. ungemeiner Deutieber Gärtnerverein. In der am Freitag abgehaltenen Sitzung der General- dersammlung wurden auf Antrag des Borsitzenden Schmidt 500 M. aus der Hauptlasse für den Generalstreik m Schweden bewilligt. Auf der Tagesordnung stand das Thema: Agitation und Organisation. Der erste Referent, Busch- Hamburg besprach die allgemeinen Gesichtspunkte, welche für die Agüation unter den Berufsangehörigen matzgebend sein sollen. In der Hauptsache der- trat der Redner den Standpunkt, man solle in der Agitation nicht in erster Linie auf die materiellen Vorteile hinweisen, welche die Gewerkschaft biete, sondern man solle einen gesunden Idealismus vertreten«<»d vor allen Dingen die Kollegen zu klassenbewutzten Arbeitern erziehen. Allgemeine politische Aufklärung sei notwendig, doch solle man die Indifferenten nicht von vornherein durch eine ausgesprochene sozialdemokratische Varteiagitation zu gewinnen suchen. Eine solche Agitation würde die rückständigen Arbeiter eher abstoßen als gewinnen. Wenn erst■ das Selbstgefühl und das Klassenbewußtsein geweckt sei, dann kämen die Mitglieder schließlich auch auf den Standpunkt, den der klassenbewußte Arbeiter in der Politik einzunehmen habe. In seinen weiteren Ausführungen gab der Redner eine Reihe von Anweisungen für die praktische Agitationsarbeit. Der zweite Referent, Löcher« Berlin, sprach über die O r- ganisierung der Privat« oderHerrschaftSgärtner. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Privatgärtner seien keineswegs als gute zu bezeichnen. Trotzdem herrsche ein starker Andrang nach Privatgärtnerstellen. In früheren Jahren habe die Organisation eine erhebliche Zahl von Privat- gärtnern unter ihren Mitgliedern gehabt, sie habe dieselben aber zum größten Teil verloren, weil für die Privatgärtner nicht genug gewerkschaftliche Arbeit geleistet worden sei. Die Privat- gärtner müßten der Organisation gewonnen werden. Sie hätten dieselben wirtschaftlichen Interessen wie alle anderen Branchen des Berufes. Nur in einer zentralen Organisation könnten die Verhältnisse der Privatgärtner verbessert werden, es müsse deshalb darauf hingearbeitet werden, daß die bestehenden Lokalvereine der Privatgärtner zusammen- gefaßt und jede weiteren Zersplitterungsversuche verhindert werden. Der Referent empfahl die Bildung einer besonderen Sektion der Privat- gärtner und brachte eine Resolution ein, worin bestimmte Vorschläge über die Stellung der Privatgärtner innerhalb der Gesamtorganisation gemacht werden. Als dritter Referent sprach Kaiser- Frankfurt a. M. über die Verhältnisse der in städtischen Betrieben beschäftigten Gärtner. An der Hand eines reichhaltigen statistischen Materials zeigte der Redner, daß die städtischen Gärtner durchweg schlechter gestellt find als andere von den Stadlverwaltungen beschäftigte ge- lernte Arbeiter. In den allermeisten Fällen besteht für die städtischen Gärtner die zehnstündige Arbeitszeit, nur in drei Städten ist sie geringer. In Chemnitz und Görlitz herrscht eine elfstündige Arbeits- zeit. Für die städtischen Gärtner müsse die neunstündige Arbeitszeit angestrebt werden sowie eine Aufbesserung der Löhne, die sich in den meisten Fällen zwischen 3—3,78 M. täglich bewegen. Wer die niedrigen Löhne hinnehme in der Hoffnung auf dauernde Arbeit, der sehe sich gewiß getäuscht, denn auch die städtischen Gärwer würden meist nur vorübergehend beschäftigt. Die Stadt Frankfurt a. M. beschäftige durchschnittlich 300 Gärwer, aber im Laufe eines JahreS seien 1bS0 eingestellt und wieder entlasten worden.... Hinsichtlich der Organi« sation der Stadtgärwer vertrat Redner den Standpunkt, daß für sie nicht der Gcmeindearbeiterverband, sondern nur die Organisation der Gärwer zuständig sei.— Der Referent empfahl die nachstehende Resolution: Da alle im Gartenbau beschäftigten Personen, ganz gleich ob diese in den Gewerbe-, Privat-, Stadt- oder staatlichen Gärtnereien ihr Brot verdienen, ein volkswirtschaftliches Ganzes bilden, erklärt die neunte Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen GärwervereinS in betreff der Stadtgärwereiarbeiterschaft: I. Die wirtschaftliche Lage der w kommunalen Betrieben beschäftigten Kollegen ist derjenigen unserer Berufsgenosten in den gewerblichen Gärtnereien gleich zu erachten. II. Die Stadtverwaltungen arbeiten in demselben Maße wie die Unternehmer unseres Gewerbe« kapitalistisch. Auch sie ver- suchen die Lohn- und Arbeitsbedingungen möglichst niedrig zu er- halten. Dies erklärt sich vor allem daraus, daß in den Stadt- Parlamenten das moderne Unternehmerwm den entscheidenden Einfluß ausübt. Dieses Unternehmertum wird immer bestrebt sein, die Löhne der städtischen Arbeiter ebenso niedrig zu erhalten wie in der Privatindustrie. Diese Tatsache wird durch die Ver- hältnisse allerorts erhärtet!_ III. Bei dem gewerkschaftlichen Kampfe der garwerischen Arbeiterschaft handelt eS sich vor allem darum, sämtlichen Berufs- kleines feuilleton. Im Ballon über die Zentralalpen. Franz Reichel schildert im ..Figaro" die Eindrücke, die er als Begleiter SpelteriniS bei der jüngsten Ballonfahrt über die Zentralalpen hatte. Spelterini — schreibt er— hat seinen großartigen und kühnen Alpenüber- querungen die schönste von allen hinzugefügt. Noch kann ich's nicht begreifen, aber die Karte liegt vor mir. Hier Chamonix, von wo ich abfuhr, und hier der Pizzo di Ruscada, an dessen schroffen Flanken der.Sirius" sich auf schmaler, über dem Abgrund hängender Platte niederließ. 140 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem Aufstieg- und dem Ankunftsort, aber zwischen beiden Punkten erheben sich in der wunderbaren Schönheit ihrer majestätisch stolzen, weißen Zinnen und im erhabenen Schrecken ihrer fürchterlichen Abgründe die berühmten Massive, deren Eroberung so viel kühne Alpinisten herausgefordert hat: Der Montblanc, der Grand Combin, das Matterhorn, der Dom. das Fletschhorn und all die berühmten Spitzen, die m den Wolken schlumniern. Den Montblanc selbst haben wir leider nicht überflogen. In 3000 Meter Höhe erfaßt unS ein Luststrom der uns von Frankreich nach Locarno am Lago Maggiore führte, über zwei Drittel der Schweiz hinweg I Welch' unvergeßlicher Augenblick! Als Kapitän Spelterini das Kommando Los I" erteilt hatte, schwebt der.Sirius" empor. Wir haben die Empfindung, daß nicht wrr uns rühren, sondern die Massive und Piks und Gletscher und Täler unter uns versinken. Wir hängen stumm und wie vernichtet durch so viel Sckön- heit und so viel Furchtbarkeit über der unendlichen Welt von Felsen, Schnee und Eis. Der.Sirius" überschreitet das Mer de Glace, umfährt die Liguille du Dru. schwebt über dem Gletscher von«rgentiäre und setzt mit emem Sprung von 4000 Meter Höhe über die Töte Noire. Das Schauspiel ist wunder- bar, es übertrifft die Phantasie und spottet de» Ausdrucks. Gegen- über von uns liegt König Montblanc mit seinem Hofftaat von Piks und Nadeln, die einen im Hermelinmantel, die anderen rn rot- braunen Gewändern. Links von uns daS wunderbar unendliche Reich der W a l l i f e r A l p e n mit seinen Zinnen von unVergleich. licher Schroffheit und Kühnheit. Strahlend in Licht und Weiß auf azurblauem Firmamenlgrund, alle überragend, das Matter- Horn. Wir wenden uns und entdecken im Westen den gigantischen Zirkus der Dent du Midi, der Diablerets und in weiter Ferne die eleganten Formen der Jungftau. Zwischen all diesen Athleten schlängeln sich die grünen Täler, bald schmal, bald breit; das Tal der Rhone steigt geräumig zum Genfer See hinab. Wir steigen und steigen noch immer. Jetzt sind wir höher als alle Alpengipfel. Der.Sirius" hat 8600 Meter erreicht. Wir passieren daS Signalrothorn, überfliegen das Weißhorn und sehen über dem genossen wirtschaftlich zu helfen. Eine einzelne Kategorie ist hier- zu unfähig. Erstens aus den unter Absatz II angeführten Gründen und zweitens: Da, selbst wenn ihr das gelänge, die große Masse der Kollegen als Lohndrücker, wenn auch ungewollt, auftreten müßte. Jeder Arbeiter hat das Bestreben, möglichst viel zu verdienen und deshalb würde auf solche Betriebe ein wahrer Wettlauf heraufbeschworen, der im Gefolge hätte, daß die Stellungen der Bessergestellten erschüttert würden. IV. Soll daher die wirtschaftliche Lage der Gärtnerarbeiter- schaff gehoben werden, so ist dies dauernd nur dann möglich, wenn sie sich in ihrer Gesamtheit in einer einheitlichen Berufs- organisation zusammenschließt. Nur dann, wenn die Verhältnisse in der gewerblichen Gärtnerei, als dem Kern des Berufes, ge- bessert werden, wird es möglich sein, die Position unserer Kollegen in den Siadtgärtnereien zu festigen und zu heben. V. Die Generalversammlung bringt daher zum Ausdruck, daß auch für die Stadtgärtnereiarbeiterschaft nur der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein als die allein zuständige Organisation in Frage kommt. Sie stellt sich vollinhaltlich auf den Standpunkt des Hamburger Gewerkschaftskongresses und billigt die Resolution über die Grenzstreitigkeitcn in allen Einzelheiten. VI. Der Hauptvorstand wird beaustragt, mit dem Verband der Gemeindcarbeiter erneut in Unterhandlungen zu treten, um eine präzisere Fassung des Kartellvertrages herbeizuführen. Dabei muß vor allem die Grenzstreitigkeitsresolution zu voller Geltung gebracht werden. Die Diskussion über die drei Referate nahm die ganze Nach- mittagssitzung in Anspruch. Wesentliche Einwendungen gegen die von den Referenten vertretenen Anschauungen wurden nicht erhoben. Es handelte sich in der Hauptsache um Darlegung örtlicher Verhält- niste und Vertretung örtlicher Anträge in bezug auf Organisation und Agitation. Vereinzelt wurde dem Gemeindearbeiterverbande nachgesagt, daß er, zwar nicht offiziell, aber durch den einen oder anderen Funktionär, städtische Gärtner aufzunehmen sich bemühte.— Riedel, der als Vertreter des Gemeindearbeiterverbandes der Generalversammlung beiwohnte, bestritt die Richtigkeit dieser Angaben. Der Gemeindearbeiterverband überschreite seine Kompetenzen und die bestehenden Abmachungen nicht, wenn er auch der Meinung sei, daß es zweckmäßiger wäre, wenn die Interessen der städtischen Gärtner durch ihn vertreten würden.— Der Referent Kaiser trat dieser Ansicht entgegen und berief sich auf Einzelfälle, wo der Ge- meindearbeiterverband städtische Gärtner aufgenommen habe, die vordem der Gärtncrorganisation angehört hätten. In der Abstimmung über die vorliegenden Anträge und Reso- lutionen wurde die Bildung einer Reichssektion der Privatgärtner abgelehnt. Die Resolution des Referenten Löcher soll redaktionell geändert und morgen zur Abstimmung gebracht werden.— Die Resolution des Referenten Kaiser wurde mit Ausnahme de? letzten Absatzes angenommen. Ferner wurde beschlossen, im Jahre 1010 eine Lohnstatistik aufzunehmen. flus der Partei. Japanisches Parteiblatt in Amerika. New Uork, Ende Juli. Die Zahl der fremdsprachigen Parteizeitungen in den Per- einigten Staaten hat neuerdings sich um eine vermehrt. In Chicago erscheint unter der Redaktion des Genosten Takahashi die japanische Monatsschrift„The Proletarian"(Der Proletarier). Von besonderem Interesse ist der Einführungsartikel. Der Artikel, der in englischer Sprache geschrieben ist(auch fernerhin wird das Blatt englische Beiträge enthalten. D. K.), befaßt sich mit der Japanerhetze und fertigt die amerikanischen Gewerkschaften, die bekanntlich für den Ausschluß der„Gelben" eintreten, und die ähnlichen Ansichten huldigenden Parteikreise kräftig ab. In dem Artikel heißt es unter anderem:„Unser Blatt hat eine doppelte Mission. In den englischen Spalten werden stets die wahren, bis- her von den„gelben"(Sensaions.) Journalisten leider so oft falsch dargestellten Ansichten der japanischen Arbeiter zum Ausdruck ge» bracht werden, und es wird darin stets für den Klastenkampf der Arbeiterschaft der Welt eingetreten werden. In den japanischen Spalten wird die Propaganda für die auf Jndustrieverbänden auf- gebaute Gewerkschaftsbewegung betrieben werden." In bezug auf die japanische Frage schreibt Genosse Takahashi: „Ich spreche von der japanischen Frage nicht vom Standpunkt eines Japaners oder als der Vertreter einer bestimmten Nationalität, sondern als internationaler Proletarier, der die intellektuelle Ein- heit der Arbeiterklasse vertritt. Zunächst will ich mich mit den prinzipiellen Gründen für die Ausschließungstheorie befassen, die da sind: 1. Japaner arbeiten billiger als die amerikanischen Ai> beiter und drücken deshalb die Lohnrate der amerikanischen Ar« beiter herab. 2. Japaner werden oft bei Ausständen amerkani- scher Arbeiter zu Streikbrechern. 3. Japaner schicken Geld in ihre Heimat, das sie hier verdienen. 4. Japaner gehören zu der gelben Rasse und haben andere religiöse Ansichten und andere Gebräuche. Sie können deshalb keine wünschenswerten Bürger werden. Mit der ersten Behauptung stehen die Tatsachen in absolutem Wjiderspruch. Japaner arbeiten an Eisenbahnen, in Gruben, in den Obstgärten des Westens. Im allgemeinen erhalten sie im Vergleich mit den weißen Arbeitern, die obendrein sogenannte gelernte Arbeiter sind, während es sich bei den Japanern um Neu- ankömmlinge handelt, gute Löhne. Nun zur zweiten Frage, daß die Japaner zu Streikbrechern geworden sind. Ich kann nicht in Abrede stellen, daß sie in vereinzelten Fällen schmachvoll han- Velten, abere in zahllosen Fällen hielten sie sich wacker. Als zum Beispiel die Kapitalisten während des großen Seemannstreiks an der pazifischen Küste im Jahre 1907 Japaner mit allen Mitteln zum Streikbruch veranlassen wollten, erlebten sie ein schmähliches Fiasko.„Bleibt von den Schiffen!" diese Losung wurde durch die Presse und durch Flugblätter unter den japanischen Arbeitern ausgegeben, und selbst die(japanischen) Stellenvermittler ver- hielten sich neutral. Uebt aber nicht andererseits die American Federation of Labor(Gewerkschaftsbund) tatsächlich Streikbruch gegenüber japanischen Arbeitern? An gewissen Orten wurden sämtliche japanischen Arbeiter auf einen Protest der Federation of Labor entlassen. Die American Federatton of Labor macht den Japanern den Vorwurf, Streikbrecher zu sein, übt aber gleich- zeitig den Streikbruch gegenüber Japanern. Sicher sind die Japaner zu verurteilen, wenn sie Streikbruch üben, aber andere Nationalitäten sollten ebenso wenig zu Streikbrechern werden. In Seattle(Washington) sind beispielsweise die Japaner beunruhigt über das Sinken der Löhne und den Mangel an Arbeitsgelegenheit infolge der Zuwanderung von Griechen. Auf den dritten Einwand zu antworten, wäre lächerlich. Ausfuhr amerikanischen Geldes! Wie einfältig derartige Argumente sind. Und die sie gebrauchen, vermögen die Ausbeutung durch die amerikanischen Kapitalisten nicht zu erkennen, die auf leichte Art Silber und Gold aus dem Blute der gelben Rasse münzen. Der vierte Einwand gegen die Japaner beruht nur auf mangelhafter Kenntnis oder einer fal- schen Beurteilung der Japaner. „Besonders verurteile ich die Haltung einiger amerikanischen Sozialisten. Sie behaupten, international zu sein, sind aber an- dererseits für den Ausschluß einer bestimmten Nationalität. Was bedeutet dies? Nichts weiter, als das Erwachen der japanischen Arbeiter zu verhindern und die Spaltung der Arbeiterklasse. Durch diese Haltung offenbaren sie die Schwäche ihrer Ansicht, ihre kapi- talistischen Anschauungen und Irrtümer. Führt die Japaner der amerikanischen Arbeiterbewegung zu. Dadurch würden sie zum Nachdenken veranlaßt, auf daß sie das Falsche erkennen und gegen alle Uebelstände Front machen, unter denen sie heute leiden. Stellt sie in die Marschlinie, die zur Emanzipation führt. Ich appelliere ernstlich an die amerikanischen Genossen, sich mit diesem Problem zu befassen. Unsere japanischen Arbeiter organisieren sich, aber auf nationaler Grundlage. Der psychologische Moment ist ge« kommen. Ob sie den Weg. der zur Freiheit und zu ihrer Emanzi- pation führt, beschreiten, oder den Weg zum engherzigen Patrio- tismus und zum Nationalstolze, hängt ganz von Eurer Haltung in dem vorliegenden Falle ab. Seid nicht kurzsichttg, sondern habt die Zukunft im Auge, nicht das Interesse eine» bestimmten Landesteiles, sondern das Interesse der gesamten Arbeiterklasse der Uelt."_» Parteiliteratur. Die Preletarierkrankheit, ihre Entstehung vnd Verbreitung, Verhütung und Heilung. Von Dr. Z a d e k.(Heft 20 der Arbeiter- GesundheitL-Bibliothek.— Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Preis 80 Pf.. Volksausgabe 20 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. In dem zwei Bogen starken Heft unternimmt es der Verfasser, die Arbeiter in verständlicher Form mit den Fortschritten bekannt zu machen, welche die Lehre von der Schwindsucht seit der Eni- deckung des Tuberkelbazillus durchgemacht hat. Ererbte und er- wordene Anlagen, die Woge der Aus- und Einwanderung deS Bazillus, die Uebertragung der Krankheit in der Familie und im Beruf, die Schwindsucht als Wohnungs- und Gewerbekranheit, der fabelhasten Zermattal uns gegenüber das Matterhorn in seiner stolzen und fremden Schönheit. Während wir den Dom passieren, sind zwischen unS und die Erde furchtbare Wolken getteten. Nur durch ihre Risse sehen wir noch die Gipfel. Die Erde scheint weit, unendlich weit von uns entfernt. Langsam treibt uns der Wind von den Felsmauern hinweg und plötzlich erscheinen vor unseren Augen die Wunder Italiens, die Seen und die Ebene der Lombardei. Die Sonne geht unter, die Nacht kommt, und Spelterini denkt traurig daran, daß wir die unbeschreibliche Fährt unterbrechen und zur Erde zurückkehren müssen, aber wo? Wir haben nur noch fünf Sack Ballast an Bord. Die Nacht ist nahe, ein Gewitter droht. Wir müssen landen, eS koste, was es wolle. Ein moderner Robinson. Der„Nimrod", das zähe Schiff, das Leutnant Shackleton in die Eismeere des Südpols führte, hat auf seiner Rückreise auf einer einsamen Insel fernab vom Schiffsverkehr einen modernen Robinson entdeckt. Im Mai passierte der„Nimrod" die 600 englische Meilen südwestlich von Neuseeland liegende kleine Maoquarie-Jnsel. Mit begreiflicher Verwunderung entdeckte Kapitän Davis dabei auf dem Eiland zwei Hütten, während am Strande das Wrack eines Schiffes in der Sonne bleichte.„Plötzlich sahen wir mit Erstaunen", so berichtet der Kapitän,„wie aus der kleineren Hütte Rauch aufstieg. Da die Insel als unbewohnt bekannt war, wurden wir aufmerksam. Dann erkannten wir mit unseren Gläsern einen Mann in der Tür der Hütte. Wir warfen Anker und ein Boot fuhr ans Land. Der Mann kam uns zum Strande entgegen, von zwei kleinen Hunden begleitet. ES war eine schwere Brandung, aber unser Robinson zeigte unS eine günstige LandungSstelle und half uns das Boot an den Strand zu bringen. Der Name des Ein- siedlers ist William Mokibben; er war Mitglied einer Jagd- gesellschaft, die in der vergangenen Saison Seehunde und Pinguine gejagt hatte. Als die Saison vorüber war und die Oclfässer deS Schiffes gefüllt waren, entschloß sich Mokibben. allein aus der Insel zurückzubleiben, um ein Jahr lang Oel für die nächste Saison zu sammeln. In seiner Einsamkeit fühlte er sich sehr wohl." Während der Rückfahrt konnte der Nimrod feststellen, daß die in den englischen Admiralitätskarten verzeichneten Inselgruppen, die Royal Socicty-Jnsel, die Nimrod-Jnsel und die Dougherty-Jnsel, nicht existieren. Bei der Aufnahme der letzteren tnsel in die Kotten hat man anscheinend einen Eisberg als festes and betrachtet; der Eisberg ist inzwischen geschmolzen und verschwunden. Die Vaterunser werden teurer. Alles wird teurer. Wer kanns da den geschäftsmäßigen Vaterunscrbetern verdenken, wenn sie auch aufschlagen. Wenn der Fromme für die leiblichen Bedürfnisse mehr ausgibt, wird er wohl auch fürs Geistige etwas drauflegen müssen. So lesen wir denn in der„Wiener Arbeiterzeitung": ES war bisher üblich, daß die Wallfahrer nach Mariazell für ihre ver« storbenen Verwandten oder Bekannten bei den Vorbetern oder Kreuzträgern gewisse Gebete bestellten, zumeist Vaterunser, die diese am Wege zur Gnadenkirche laut beten mußten. Für die einzelnen Gebete war eine bestimmte Taxe zu entrichten. Der Vaterunserbeter erhielt in der Regel sechs Heller für daS Gebet, hingegen der Glaubensbeter zehn Heller, weil der Glauben mehr Zeit zum Beten beansprucht. Zumeist teilten eS sich die professionellen Gebetverrichter so ein, daß sie die Walze wöchentlich wechselten. Nicht selten geschah es. daß sich die beiden Vorbeter nach der Wallfahrt stritten, weil der eine oder andere auf den Tausch nicht eingehen wollte. Der Glaubensbeter war materiell stets im Nachteil, weil erstens weniger solche Gebet« stücke bestellt wurden und dann konnte er nicht wie sein Kollege vom Vaterunser sein Gebet so herunterraspeln. Um diesen ewigen Streitigkeiten ein Ende zu machen, wurde nun ein Einheitspreis von zwanzig Hellern(18 Pfennig) für ein bestelltes Gebet festgesetzt. Die Preissteigerung ist enorm in Anbetracht dessen, daß doch die Herstellungskosten gleich Null sind. Kein Wunder, daß sich die wunderlichen Wallfahrer, die bisher die mäßigen Tarife gewöhnt waren, über die Verteuerung der Vaterunser empören. Die Kreuzträger haben daher viel grobe Motte anhören müssen. Allerdings ein Gutes hat die Sache doch. ES gibt jetzt „keinen Schwindel mehr", sondern alle Gebete werden richtig nach Bestellung und Maß geliefett. Wer zwanzig Heller zahlt, dem kann bei Gott und allen Heiligen geschworen werden, daß das Vaterunser anständig dem Himmel zu Gehör gebracht wird. Notizen. — Der Kampf um die Lehmann. Die Theaterdirektoren machen sich gegenseitig die guten oder zugkräftigen Schauspieler ab- spenstig und diese suchen sich so teuer wie möglich zu verkaufen. DaS ist so an der Tagesordnung. Manchmal führt das zu aller« Hand Zwischenfällen. So schwebte seit längerer Zeit ein Prozeß zwischen Else Lehmann vom Lessing-Theater und Reinhardt. dem Direktor des Deutschen Theaters. Else Lehmann mußte nach einem Vertrag am 1. September ins Deutsche Theater übersiedeln. Sie mag aber nicht, weil sie nur 30 000 M. Gage bekommen soll und sie beim Vertragsabschluß annahm, sie bekäme die Sorma- Gage, d. h. 80 000 M. Vor dem Kammergericht kam eS nun zu einem Vergleiche. Else Lehmann zahlt danach 3000 M. Abstand an Reinhardt, ferner die Kosten deS Verfahrens, darf dafür aber an der Stätte ihrer erprobten Wirksamkeit bleiben. Weiter verzichtet daS Lessing-Theater auf daS Engagement von Lucio Höflich, die es zur Revanche dem Deutschen Theater wegengagiert hatte. Wir möchten der verdienten Künstlerin für die Zukunft raten, nur in Gegenwatt eines Stenographen und Rechtsanwalts Verträge abzuschließen. Freilich kann man auch dabei noch reinfallen. vnkerschied zwischen verborgener und offener Tuberkulose, die neuesten Ergebnisse über ihre enorme Verbreitung und ihre Heilung und vieles andere wird in 12 Kapiteln abgehandelt, von denen die beiden letzten besonders ausführlich dem„Schutz der Gesunden" und der„Heilung der Erkrankten" gewidmet sind. Den Schluß des Ganzen führen wir wörtlich an:„Ein jedes Land bekämpft die Tuberkulose nach seiner Art, Deutschland mit Sanatorien, Eng- land mit Beefsteaks und Tennis; ich ziehe die englische Methode por, sie ist angenehmer und wirksamer."(Grancher.) Beefsteak und Tennis, was heißt das anders als Erhöhung der Löhne zur Aufbesserung der Lebenshaltung und Verringerung der Arbeitszeit, um Zeit zu gewinnen für Erholung, für Spiel und Sport im Freien! Die Arbeiterbewegung und der Kampf gegen die Schwindsucht haben das gleiche Ziel. Unsere Toten. In Leipzig starb ein Veteran der Arbeiterbewegung, der Buchbinder und spätere Gastwirt Genosse Emil Weihmann. Er hat seit Ende der siebziger Fahre, während dreier Jahrzehnte, in unermüdlicher Kleinarbeit der Partei treu gedient und in ge- fährlicher Zeit des öfteren gefährliche Posten treu verwaltet,, Soziales. Bier Stunden Schichtverlüngerung! Die Grubenherren glauben, den Bergleuten jetzt, zurzeit der Krise, alles bieten zu dürfen. Auf der Zeche„Glückauf-Segen" bei Hörde hat der zuständige Betriebsführer verfügt, daß die über Tage beschäftigten Arbeiter 12 Stunden zu arbeiten haben, statt bisher acht Stunden. Es ist keine Rede davon, daß den Leuten entsprechend der Schichtverlängerung auch der Lohn erhöht wurde; es wurde ihnen nur gesagt:„Wir wollen am Lohntage'mal sehen." Es ist dies übliche Art, die Leute hinzuhalten. Tie Maßnahme der Zeche, die zudem mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht in Ein- klang zu bringen ist, muß schwer aufreizend wirken. Es kommt noch hinzu, daß auch die jugendlichen Arbeiter zwölf Stunden arbeiten sollen(einschließlich zwei Stunde» Ruhepause), obwohl das Gesetz acht Stunden(mit einer Stunde Ruhepause) vorschreibt. So nehmen die Drangsalierungen auf den Ruhrzechen über- Hand, bis eines guten Tages das Maß wieder überläuft. Die Er- bitterung der Bergarbeiterschaft hat schon jetzt einen hohen Grad erreicht. Kommt es schließlich zur Katastrophe, dann gebärden die Grubenherren sich natürlich wieder als unschuldige Lämmer, und die Bergleute sind die Opfer sozialdemokratischer Hetze. So war» ja noch immer. Sericdts- Deining. Eine Verhaftung mit Hindernissen lag einer Anklage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zugrunde, welche gestern den Zapfer Georg Matz vor die Ferien- strafkammer des Landgerichts III führte. Der Angeklagte ist ein vielfach wegen aller möglicher Strafsachen vorbestrafter Mensch und hat schon über fünf Jahre hinter schwedischen Gardinen zuge- bracht. Im Frühjahr d. IS. wurde er wieder zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt, außerdem wurde er wegen Einbruchdieb- stahls steckbrieflich verfolgt. Der Angeklagte, welcher in der Buch- holzer Straße in Niederschönhausen wohnte, verstand es jedoch in geschickter Weise, sich der Festnahme auf längere Zeit hindurch zu entziehen. Der Polizeisergeant Mühler, welcher den Auftrag hatte. den Angeklagten zu verhaften, hatte sich schon einige zwanzig Male zu jeder Tages- und Nachtzeit bemüht, den Widerspenstigen anzutreffen, jedoch jedes Mal ohne Erfolg. Schließlich stellte der Beamte fest, daß Matz, sobald er von vorn die Wohnung betrat, durch ein Hinterfenster seiner im ersten Stockwerke gelegenen Wohnung auf ein daneben befindliches Schuppendach sprang und sich hier verborgen hielt. Eines Tages, anfangs Mai, ließ Möhler deshalb das Haustor verschließen. Wie er erwartet hatte, nahm der Angeklagte auch wiederum den Weg durchs Fenster. Als der Beamte ihn"auf dem Hofe stellte, kam es zu einem wüsten Exzeß. bei welchem Matz seiner Festnahme den größten Widerstand ent- gegensetzte.— Das Schöffengericht erkannte wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt auf fünfMonateGefängnis. Tie hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer v e r- warfen. Herr Willi Burghardt, Lessingstraße 13, ersucht unS um die Mitteilung, daß er mit dem Kaufmann Willi Burghardt, der in der Notiz der gestrigen Nummer„Ein dreistes Erpresser- manöver" genannt war, nicht identisch ist. Für den Inhalt der Inserate tiberuimint die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbeater. Sonnabend, den 14. Angnst. Ansang 7 Uhr. Neues königliches Operntheater. Lohengrln. Ansang 7'/, Uhr, Thalia. Prinz Busst. Anfang s Uhr. Deutsches. Kellen. Kammerspiele. Freund Jack. Lessiug. Die Dollarprinzessin. Berliner. Ein Herbstmanöver. ReueS. Sein Sundenregister. Nene» Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Komische Oper. Demimonde. Residenz. Kümmere dich um Amelie. LustsptclhauS. Familie Schimel. Neues Operetten. Die Sprudelsee. Kleines. Moral. Weste«. Der fidele Bauer. Schiller o.< Wallner- Theater.) Macbeth. Vchiile,' Eharlotteoburg. Ein Erfolg. Friedrich- Wilbelmstiidt. Schau- spielhaus. Undine. Luisen. Der stille See. Folies Eaprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. ö'/, Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. Apollo. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Dheater. Frau ElkamS Friseur. Meine- Dewe Tochter. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Der Tanzhusar. Walhalla. Spezialitäten. Berliner Prater. Man lebt ja nur einmal.(Ansang 4'/, Uhr.) W. NoackS Theater. Onlel Schlau- meier. Spezialitäten. Stadt-Dheater Moabit. Spezla- lttäten. Bolksgarten. Spezialitäten. vrnnnen. Der Amerika- Seppl. Spezlalllätm. Reichshalle». Stettiner Sänger. Urania. Daube, ittrafte 4*149. Abends 8 Uhr: Die deutsche Nord- seeküste. Sternwarte, Jnvaltdenftr. 61162. Urania. WifleenschaftlicheB Theater. Tanbenstraße 48)19. Abends 8 Uhr: Die deutsche NordseekQste. liesslng-Tboater. Ibsen-Zykliis. 12 Vorstellungen. Parkett 55 resp. 50 und 38 Mark. 8. Rang 28 resp. 24 M., aus Wunsch auch Teilabonnements aus je S Vor- stellungcn. Erste Vorstellung i. Ibsen- zyklus Dienstag, den 17. August. Der Verkauf ist eröffnet._ Lessing-Theater. Gast spiel d. Neuen Operetten-TheaterS. Ansang 8 Uhr. Dk« Dollarprinzessin. Operette in 3 Akten von Leo Fall. berliner �keater. Operetten-Gastspiel. Täglich 8 Uhr: Ein Herbstmanöver. Nenes Theater. Abends 8 Uhr: SeinSiintaegister Morgen und folgende Tage: Lern Sündenregister. Tbeater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der Adele Bauer ÄÄi. Reichshallen-TAeater. ier Sänser Ansang: W och ent. 8 Uhr. SoimtagS 7 Uhr. Schiller-Tlieater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Spielzeit 1999)19. Neu einstudiert: Macbeth. Trauerspiel In 5 Aufzügen von William Shakespeare. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Dlberpelz. Montag, abends 8 Uh r: �nnxfer Obrigkeit._ Eröffnung der Spielzeit 1909/19. Neu einstudiert: Ein Erfolg. Lustspiel in 4 Alten v. Paul Lindau. Sonntag, nach in. 3 U d r: Die üeivllllnAnsehtvester. Sonntag. nDendS 8 Uhr: Ein Erfolg;. Montag, abends 8 Uhr: _ Der Biberpelz. CASTAN's PAJTOPTICrM Friedrichstr. 165(Pschorrpalast). Ohne Exlra-Entreel Bas menschliche Monstrum! 2 Köpfe, 1 Eumpf, 4 Arne und 4 Beine. Signor&rturo als Entfesselungskünstlar Täglich 7V2 Uhr abends; n Sensationelles Progr. Sonntags 2 Vorstellungen. Ohne ExtrasEntree! soicl* Neues Kgl. Opern-Tbeater(Kroll). Gnra-Oper. Einfache Preise. Lohengrin. Von Rieh. Wagner. Sonntag; Orpheus weit. Montag; ts Travlata. Auf. 7 Uhr. In dar Unter- Neues Operetten-Theater, SchWauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: Die Sprudelfee. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt Friedrich-Wiltielmstädtlscties Schauspielhaus. SennaSenb, 14. August. Ans. 8 Uhr: Undines Rem. kem. Oper in S Akt. v. Lortzing. (Kleine Preises Sonntag nachmittag 3 Uhr: Postillion von Lonjumoau. AI 8 Uhr: Die Afrikanenn. Der AdendS Residenz-Theater Direktton: Richard Alexander. 8 Uhr! 8 Uhrk .S««mWie7 Schwank in 3 Akten von gehdeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. taistspäslksuss AbendS 8 Uhr: Tamilie Schimek. YWUMMs Gr. Frankturier Str. 132. Abends 8 Uhr: Der Tanzhusar. Lustspiel in 8 Akten v. H. Pohlmann. Aus der Gartenbühne Ansang 4>), Uhr. Theatervorstellung. Lpsrlalitäten. Debüt Humpsti-Bumsti. 9 Uhr Sine KareitisnaeM. Dazu ab 8 Uhr Das Bombeoprogramm. Vereins-Sranerei Rixdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom; Max Wandt VM- Täglich: nn Gr. Militär-Konzert. Borzugskarteu haben wochentags Glllllgkeit. Entree Ig Pf. I rwwt rwwmwwwwwwi*m.mwmmw' Passage- Panoptikum.| Aga! die schweb. Jungfrau. Ganz Berlin zerbricht lieh wieder d.Kopt Uber DerMann m.d. eisernen Schlund! Experimente d. IV. Dimension! Allee ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Ein durchschlagender| Erfolg! Alois Päschl Edmondo Euclnl Tho Elngtons und das &ugust-Programm! 12 erstklast.Vari6tö- Attraktionen. I Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Dp Gr Amerik. Operette v, Musik v. Gust. Kerker. Jul. Freund. In Szene gesetzt von Dir. Eich. Schulte. Tänze von Mr. Bishop. Ant 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags«Wahlkreises _(4., 5., 18. nnd 13. Abteilung)._ Sonnabend, d. 14. August, im Etablissement Ballschmieder, Badstraße 10: n Großes lierbstfest MITWIRKENDE: Elite=Orchester des Musikdirektors Hrn. Fritz Blume. Gesangverein„Neu erwacht". Volkssänger-Gesellschaft Hugo Anke. Anfang 5 Ehr.» Billett 85 Pf. DOP Die Haffecküche steht den geehrten Domen zur gefälligen Verfügung."M» Em 10 Ehr: Fackelpolonaise. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Im Saale: X A N Z. Herren zahlen 50 Pf. nach. 228)16 Das Komitee. 3*C Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 K., von abends 6 Uhr ab 50 Pt, Kinder u. 10 Jahren die Hälfte. Stadt-Theater Moabit. Alt-Boablt 47)48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Ubr, Konzert 6 Uhr. Gönnt. 6 btj». 6 Uhr. Earteneröstnung 8 Uhr. Jeden Montag Eliletag, GPezla» litäten und Seirce der»Lustigen Sänger«. Ber Regenwetter Borstellung im großen Theater-Saal. IWeinbsrnsweg 19-20, Rotenih.l Ansang 8 Uhr. Im Theater: D-ueueuAugnst-Zpezialitäten I Frei: Im Garten Konzert. Leben u. Treiben im Traumland. Schwarzer Adler Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 5(fSer Inh.: Gebr. Arnhold. Täglich: Gr. internation. Ringkampf-Konkurrenz um die Meisterschaft d. Prov. Brandenburg u. die Prämie SOOO M. in bar. Heute Gionuabend, de» 14. August, ringen: NIImann-Westfalen gegen Schwerz-Berlin. Gcbhardt-Sevim gegen Charles le Marin-gtanfreich. petltjean-Ellav-Lothrlngen gegen Surghardt Oesterreich. Entscheidungö- kämpft Hltzlei-» Bayern gegen Schlbllskl-Seriin. Vor den Ringkömpsen: Auftreten erfttlaff.TPezialitilten mit ssr. Sobanskl. Der schänste Ausflugsort und AnfentHalt ist immer und gern gesehn sind wir beim PSchelswerdep 17048* Alten freund. Neu eröffnet! Ken eröffnet k IReftaurant Wenhortt. Köpenick, Mahlsdorfer Straße, Haltestelle der Straßendahn. Den geehrten Herrschaslen von Köpenick nnd Umgegend zur gefälligen Kenntnis, daß ich meinen Rcstaurattonsbetrirb nebst großem Tanzsaal und Garten eröffne. 20812' Den acehrten Damen steht von 2 Uhr ab die Kasseekiiche zur Verfügung. Große reichhaltige Speisekarte in bekannter Güte. ff. Patzcnhofcr und MUncliener EOwenbrUn und diverse gutgepflegte Weine. Um zahlreichen Besuch bitten Gastwirt Eangncr u. Frau. Reederei Nobiling. Morgen Sonntag mit Musik: � Gr. Exirafabrten— Ausnahmetag. 8'/«, Q'lt 2, S'l, nach Berliner Schweiz(Gosener Berge), s, 2')« Uhr nach Wolterödorfer Schleuse, vor« Konzert und Tanz. Abfahrt Jannowiß. brücke, vor Schultheis Lprccpslasl, Hin und zurück SS Pf., Kinder 50 Pf Potsdam. Sonntag, den 15. August: Gcwcrkscbaftskst mit Umzug. Antreten der Gewerkschaften nachm. 2 Ubr, Im Restanrant Witwe Glaser. Kalser-Wilbelm-Stralle 38. Abmarsch nach dem Tlhtorlagartcn 9'l, Ehr. Daselbst• Konzert, Preisschießen, Prclskegeln, Tanz, Kinder- ' spiele unter Leitung des Arbeiter-Turnvereins. Eintritt 10 Pf. Kinder frei. Vollzähliges Erscheinen der Gewerkschaften erwartet 287/10 Daa Komitee. «»11 Frau Elkam's Friseur. Kleine- Seine Tochter. Beide Komödien mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Ab 7 Uhr: Promenaden-Konzert im schattigen Sommergartenunh Pergola. Königs tadt-Kaeino. Holzm-u.klstr.72(EckeAlexanderftr.) Tägl. i.herrl.Natur-Sommergarten bei ungünstiger Witterung i. Saale Gr. Thsaisr- u. Spez.- Vorstellung. Amor«uf Irrwegen. Bosse mit Gesang von TyrkowZtt. Elft Bürgels, Duett Herrmann, Heinz Heuer, Harves and Horve», Loewe- Lessen und erstklifls. Spezialitäten. Ans. wochent. 3. Sonntags 5 Uhr. Elysium Landsberger Allee 40)41. Ecke Petersburger Straße. gCHT" Heute sowie täglich IpQ im prachtvollen Naturgarte»: Vofstelluax abwechselnd van drei der bestrtuomlnierttjien Zöugtrgtstllslhastkn. Schweizer-Garten [ Am KönigStor. Am FriedrichShain j fMT' Hcnte< Großes Ernte-Dankfest. 1 k Ernte. Festzug, Fackelzug,| �Illumination, Theat., Spezialität.! jttaSperle-Theater n. Belustigungeni ! aller ArL i !Ab°nds- Großer Ftstblitl.! Ansang 5 Uhr. Enttee 39 Ps. 1 Sommerlatten Hab. Gülligkeu. ¥olksgarlen- Theater früher WeimannS Bollögarte». Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Borstellung. Ella Vera X t-ola 0roll X Otto llexer The Horle»s X llrethere Vollmer Der Aktieubudiker. volkSstück m. Ges. u.Tanz in 5 Bilden,. Donnerstag, 13. Aug.: Gr.Earteufrft W.Koacks Theater Dtreklton: lieb. Olli. Cnniitinfti. 16. Große Extra-Borstellung I Die Stiefmutter. Original-Familiengemälbe in 3 Atte». Daö große Epezialitäten-Progr. Ans. 7, Konzert 6, Kaffeelüche 3 Uhr. Entree 30 Ps. In den Pausen u. n. d. Theater: Call. Brunnen-Theater Badstraße 68. Direktion: Willi Voigt. Heute sowie täglich: Der �meriks-Seppl. Bauernposse in 3 Akten von Manz. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. 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Den Kollegen zur Kenntnis, dast unser Kollege am Mittwoch, den 11. d. Mts., verstorben ist. SO/2 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntrg. den IS. d. Mts.. nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- balle des neuen Rixdorser Kirch- hoseS, MartendorserWeg, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Den Vorstand. Allen Verwandten, Freunden i und Bekannten die betrübende! Nachricht, dah am 12. d. M.. I unser lieber Sohn, Bruder und I Schwager Fritz Schmidt im Alter von 18 Jahren an Herz- schlag plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am! Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des St. PaulS-Kirch- hoses m Plötzensee aus statt. DieS zeigen mit der Bitte um! stille Teilnahme an 327b 1 Ols trauernden Hinterbliebenen. Todes-Anzeige. Am 12. August verstarb nach I kurzem Krankenlager meine liebe, gute Frau. Mutter, Tante und I Schwägerin Gertrud Starick geb. Thater im 82. Lebensjahre. Die» zeigen tiesbetrübt an Oer trauernd« Oatta nebst Tachter. Berlin, den 13. August 1309. Die Beerdigung findet am Montag, den IS. August, nach- mittags ä'h Uhr, von der Leichenhalle deS PHllippus-Apostel- Friedhoset» Müllerstratz» 44—45, aus statt. Nowawes. Am Donnerstag, den 12. August, vormittags 3'/, Uhr, starb nach schwerem Leiden meist innigst- geliebter Mann, Bender und Schwager, der Restaurateur Fritz Mücke im 33. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmillag 4 Uhr vom Trauerhause, Ahornstratze l, aus statt. 2083L Danksagung. Für die vielen Deweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters (justav Ostermann sowie für die reichen Kranzspenden sagen wir allen Freunden und Be- kannten unseren herzlichsten Dank, insbesondere dem Magistrat der Stadt Rixdors. der sozialdemokratischen Stadtverordneten- Fraktion Rixdors, dein Zentral- Wablverein Teltow- Beeskow-Charlotlenburg, dem Wahl- verein Rixdors, den Genossen des 8. Bezirks, dem Verlag, der Buch- Handlung und der Uxvedition des .Vorwärts-, dem Zentraloerband der Handlungsgehilfen Deutschlands und dem Reichstagsabgeordneten Fritz Zubeil für seine letzten Worte am Sarge des Verblichenen. 332b Rixdors, den 14. August 1309. Die Hinterbliebenen. Hanlrsagnng. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes sage ans diesem Wege allen meinen herzlichsten Dank. 326b Witwe Berta liatuske geb. Suffe. Korben rMienen! öle t216'20' ihre eiitltcbung u. Verbreitung, Verhütung und Heilung von Dr. Zadeh. Preis 50 Pf., billige Ausgabe TO Ps. SxpLliition des Vorwärts, Berlin SW-, Lindcnstr. 69, Laden. Kerliner Pratrr- Theater Kastanienallee 7—9. Täglich: Daii lebt|a nur einmal! Havemanns größte Raubtierschule d. Well Spezialität., Konzert, Ball. Ansang 4'/, Uhr. ■ Zahlstelle Berlin.—— Montag, dt» 16. August 1909, gleich nach Feierabend: Versammlluns aller in Möbelmagazinen beschijftlgteu Tischler, Polierer v«d Keizer im BBsllsehen Garten, Alexandcrftrasje£7«. Tages-Ordnung: 1. Unsere nächsten Aufgaben. 2. Dislussion. 8. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 88/S «M- Jeder Kollege sollte eS sich zur Pflicht machen, tn dieser so wichtigen Versammlung zu erscheinen und für guten Besuch Sorge tragen. Die Braneheahommlssloii. .In der PrivaMagesache Baum .kontra Sternlicht haben die Parteien .am 18. Juni 1303 vor dem König- .lichen Schöffengericht Berlin-Mitte .einen Vergleich geschloffen, nach .welchem der Kläger berechtigt ist, .nachstehende Erllarung aus Kosten .des Angeklagten einmal im.Bor- .wärtS' zu veröffentlichen: .Ich nehme die Beleidigungen des .Händlers Bernhard Baum, hier, .Bötzowstr. 3, und insbesondere den .ihm gemachten Vorwurf des Mein- .eides mit dem Ausdruck des Be- .dauenis zurück. 208SL Ascher Stcrnllcht.* Wo finde» Sie bei Ihren Aus- fingen de» schönste» Familien- Aufenthalt? 1S16L' Nur in LrÄNSU bei yustsvLwüsnhAW Frlodrlchstr. 2. Telephon 17. 2 Minuten von der Fähre. Gut gepflegte Biere, ISPs.» große Weiße 25 Pf. Schattiger Garten und Beretnszimmer.— Verkehrslokal der Freien Turnerschaft Grünau und des Arbeiler-NadsahrvereinS»Frisch aus'.__ im Festsaal 1 des }M Gewerkschaltshaases, Engelafer 15. d-----------. v-„ l| Eröffnung der Saison 1909-1910 � ]a am 8 Sonntag, den 15. August, nachmittags 3 Uhr. i e Anmeldnngen werden in meiner Wohntmg, £ Wrangelstraßo 107, Amt 4, 10 38t, entgegengenommen. ja DV ihm O Uhr:"TSQ Eröffnung der Qesellschaftsstunde, wozn ich alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler, Freunde und Bekannte hierdurch freundlichst einlade. Hochachtungsvoll Richard Heinrich, Tanzlehrer. 1919L* �eder Hrbciter, jeder Dandwerher sollte zur Hrbeit die Lederhose Herkules tragen. S Unerreichte= Leistungsfähigkeit Allein-Verkanf. Sehr starkes Leder mit Zwirnkelte in grauen und braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund au* einem Stück gearbeitet, wodurch esondere Haltbarkelt bedingt ist. zehr feste Kappnähte mit starkem Garn- Schwere Leder-Pilot-Taschen. Große Flicken umsonst. Trotz dieser vielen und anderer Vorzüge kostet M die Herkules- riote für£4»» normale Mannes- OrOfie m O-t Berufs- u. Schutzkleidung für alle Zweige der Qewerke u. Industrie, Sanitätsdienst usw, BAERSOHN Spezlal• Haas grSBten Maßstabes Ctaatuseestr. 39-30— Uriickenxtr. U flr. 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Ziehung 2. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie, Ziehung vom 18. 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M., findet in Nowawcs der 17. Verbandstag der.Privattheatervereine Deutschlands"(Eingetr. Berein). Sitz Berlin, statt und zwar in dem gesperrten Lokal der Wwe. Klemm, Wilhelmstr. 168. Zu den mit diesem VerbandStag verbundenen Veranstaltungen werden Billetts aus- gegeben und dafür eine lebhafte Propaganda betrieben. Wir er- suchen daher, alle angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Am Sonntag, den IS. d. M., findet in Schönerlinde Ernte- f e st statt. Wir weisen darauf hin. daß uns dort nur das Lokal .Zur Friedenseiche", Inhaber Karl Szperlinski, zur Ver- fügung steht. In Friedrichshagen ki.-B. ist das»Müggelsee-Strand- Restaurant" von Freyer gesperrt. In Reinickendorf- West steht uns das Lokal.ArtuShof". Inhaber Otto Meyer wieder zur Verfügung. Die Lokalkommisfion. Dritter Wahlkreis. Morgen Sonntag findet ein Ausflug mit familie statt. Treffpunkt von früh 16 Uhr ab Station Eichkamp. u erreichen mit der Straßenbahn Linie 91 Görlitzer Bahnhof. Halensce«Endstation), von da zu Fuß 10— 1ö Minuten bis Eichkamp. oder aber mit der Potsdamer Bahn bis Halensee. Um rege Beteiligung ersucht_ Der Vorstand. Sozialdemokratischer Zeutral-Wahlverein für Teltow-BeeSkow- Storkow-Charlottenbnrg. Am Dienstag, den 17. August, abends 8 Uhr, findet eine Versammlung für die weiblichen Mitglieder im Volkshause zu Charlottenburg, Rosinenstr. 3, statt. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Fritz Zubcil:.Krise, 460 Millionen- Raub und die Stellung der Frauen." 2. Diskussion.* 3. Wahl einer Delegiertin zum Leipziger Parteitag. Die weiblichen Mitglieder des Kreises werden zu recht zahl- reichem Erscheinen eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. _ Der Zcntralvorstand. Rixdorf. Montag, den 16. August, abends von 6Va Uhr ab, findet Flugblattverbreitung statt. Wir ersuchen die Ge- »offen und Genossinnen, pünktlich und zahlreich in ihren Zahlabend- lokalen zu erscheinen. Der Vorstand. Charlottenburg. Die Genossen werden darauf aufmerksam ge« macht, daß am kommenden Sonntag, vormittags 8 Uhr, eine all- gemeine Flugblattverbreitung stattfindet. Nach der Neueinteilung der Kommunalbezirke befinden sich die Verbreitungslokale für die einzelnen Gruppen an folgenden Stellen: 1. Gruppe bei Tietze, Nehringstraße 4. 2. Gruppe bei Ehrhardt, Knobelsdorffstraße 60. 3. Gruppe bei Lachmann. Tauroggener Str. 10; Kliche, Usnaustr. 6; Reuchlinstr. 6. früher Felsmann« Krumbein. Kaiserin-Augusta-Allee, Ecke Beusselstraße; Siewert, Helmholtzstr. 83; Hamann, Helmholtz- stroße 11; Volkshaus, Rosinenstr. 3. 4. Gruppe bei Müller, Kant- straße 93; Liersch, Kantstr. 106. S. Gruppe im Volkshaus, Rosinen- straße 3; bei Lehmann, Weimarer Str. 5; Schulze. Wallstr. 90; Müller, Schulstr. 17; Lindstädt, Marchstr. 22. 6. Gruppe bei Päpke, Kaiser-Friedrich-Str. 91; Kühnert, Sescnheimer Str. 11. 7. Gruppe bei Thunack, Wielandstr. 4. 8. Gruppe bei Rill, Goethe- straße. Ecke Grolmanstraße; Ahrens, Ansbacher Str. 11: Weisheit. Nettelbcckstr. 11. Die Flugblätter betreffen die bevorstehenden Stadtverordneten- wählen und fordern zur Einsichtnahme in die Wählerlisten auf. Die Genoffen werden deshalb ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu er- scheinen. Der Vorstand. Steglitz. Am Sonntag, vormittags 8 Uhr, Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Die Bezirksführer erhalten die Flug- blätter bei Clement, Düppelstraße. Am Mittwoch, den 13. d. M.. abends S'/z Uhr bei Schellhase. Ahornstr. ISa: DiSkuffionSabend. Zur Debatte steht die Kautskysche Broschüre»Der Weg zur Macht". Hierzu sind sämtliche Mitglieder des Wahlvereins eingeladen. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Die Genoffen und Genossinnen werden auf das morgen stattfindende Sommerfest hingewiesen. Wie im vorigen Jahre, so ist auch in diesem Jahre für ein reichhaltiges Programm Sorge getragen worden. Auch findet ein Riesenfeuerwerk statt. Um den Fcstzug imposant zu gestalten, ist es Pflicht eines jeden Genossen fich hieran zu beteiligen. Billetts sind in allen durch Plakate kennt- lich gemachten Lokalen und Geschäfte zu haben. Das Komitee. Weißcnsce. Den Mitgliedern des Sozialdemokratischen Wahl- Vereins zur Nachricht, daß die Vereinsbibliothek von heute ab wieder jeden Sonnabendabend von 8— 9 Uhr geöffnet ist. Dieselbe be- findet sich beim Genossen Roßkopf, König-Chauffee 33. _ Die Bezirksleitung. Berliner J�admcbten. „Wem'S nicht paßt,--!" In Krankenhäusern fehlt eS den Patienten nie an Grund zu klagen, zu klagen nicht nur über die Pein ihrer Krank- heit, sondern obenein auch über allerlei anderes Ungemach, das der Betrieb einer derartigen Anstalt mit sich bringt. Was soll gegen» über solcher mehr oder minder berechtigten Unzufriedenheit die Verwaltung eines Kranknhauss tun? Was sie nicht tun sollte, das hat kürzlich im Virchow-Krcknkenhaus ein Beamter gezeigt, von dem die betreffenden Patienten annehmen, daß er der Verwaltungsdirektor Geheimrat Dr. Ohlmüller sei. Patienten der Station I hatten bemängelt, daß ein Gericht Linsen ihrer Meinung nach nicht weich genug gekocht gewesen sei. Ob das zutraf, können w i r nicht wissen, da wir nickst Gelegenheit gehabt haben, selber davon zu kosten. Der erwähnte Beamte aber— nennen wir ihn O., doch kommt's«ruf die Person wirklich nicht so genau an— hatte die Linsen probiert und erklärte nun in einem vielleicht übertrieben schroffen Ton, die Behauptung der Patienten sei nickst wahr. Na, über den Geschmack läßt sich ja nicht streiten. Auch das müssen wir unentschieden lassen, ob eine Wurst, die ein Patient sauer gefunden hatte, tatsächlich sauer oder aber so einwandfrei war, wie Herr O. meinte. Richtig ist ja, daß in Heil- und Pflegeanstalten unserer Stadt den Patienten wie dem Wartepersonal gerade durch die Wurst schon recht eigenartige Genüffe bereitet worden sind. Doch auch hier fehlt uns die Möglichkeit, selber zu prüfen, weil man uns— sollen wir„leider" oder„glücklicherweise" sagen?— den Genuß vor- enthalten hat, von jener Wurst zu kosten. Dem Herrn O., der die im Virchow-Krankenhaus dargereichte Kost nicht tadeln lassen wollte, erwiderte ein Patient:„Wenn man sich hier beschwert, kriegt man ja ja doch kein Recht."„So!? Warum kriegen Sie denn kein Recht?" fuhr Herr O. auf. Der Patient überließ es ihm, selber sich diese Frage zu beantworten. Schließlich beend.te Herr O. die Diskussion mit den Worten:„N Uhr statt, fteiiffnet 7 Uhr. Sannabrnd»»cglnn« dir Spreihstund« um C Uhr. Jrdcr Anlrage ist rin Buchstab« und rtue Zahl alS Mrrtzrichrn brizufiiocn. Brtrslichc Zlutwort wird nicht ertcilt. BIS zur Branrwortnng Im Bricskastra lSanc» 1t Tage»ctgehen. Eilige Frage» trage maa in der Sprechstunde vor. A. C. 11. Die Beschwerde wäre an den Regimentskommandeur zu richten. Sie sind nicht verpflichtet, den Eingriff in Ihr Eigentum sich ge- fallen zu lassen.— London Al. 107. Die zuständigen Instanzen sind das VormundschastZgericht und als Velchwerdcinstanz das Lanogcrlcht. Unter den von Ihnen angeführten Umständen ist die Vormundschafi dem Gefetz entsprechend aufgehoben.— BS. SO. Nein. Ueber die Frage der Bedürftigkeit»nd der Notwendigkeit ifsentlicher Unterstützung hat die Ge- meinde deS Wohnortes»u befinden.— A. U. 100. Die Forderung für ein Darlehen verfährt in dreißig Jahren. Die Forderung tür zum Ver- zehren gelieferte Speisen oder Getränke verjährt»n zwei Jahren von dem Zlblaus de? Jahres ab gerechnet, in dem die Forderung entstanden ist. Durch Anerkenntnis wird die Verjährungszeit unterbrochen.— A. S. Ja. — L. B. 333. 1. Nach zutreffender Ansicht nur seiner Ehefrau gegen- über. L. Nein. Im übrigen: Die Ehefrau teilt die Staatszugehörigkeit des Mannes. Eine geborene Ungarin wird also durch Heirat mit einem Preußen Prcußin.— B. B. 3. 1. bis 3. Derartige Anstalten sind uns nicht bekannt. Wenden Sie sich mit einer Anfrage an die Stiflungs- dcputation des Magistrats, Berlin, Poststraße 18. 4. Nein.— E. R. 34. Durch die Unterschrift sind Sie zur Zahlung verpflichtet, wenn Sie nicht nachweisen können, daß die Gesellschaft(nicht nur deren Reisender) vor Annahme Ihres Antrages Kenntnis von seiner Rücknahme hatte.— H. K. 45. Für die Klage wäre nicht daS Gewerbe- gericht, sondern da» Amtsgericht zuständig; diefclbe hätte aber mangels einer ausdrücklichen Abrede über eine Vermietung wenig Aussicht aus Erfolg. — B. 5. Nein. Auch Ihre Frau ist zur Zahlung nicht verpflichtet. Sie müssen aber dem Geschäft Mitteilung machen. Die Decke muß heraus- gegeben werden.— Max 14. Eine weitere Beschwerde bötte keine Aussicht auf Erfolg.— B. 1880. 1. Die Forderung ist noch nicht verjährt, müßte aber noch in diesem Jahre eingeklagi werden, um nicht zu oerjähren. 2. Mit der Einkiagung müßten Sie einen Anwalt beauftragen. 3. Ja.— B. D. 40. Ein Ersatzanspruch gegen die Landesverficherungsanstalt steht Ihnen nicht zu. Lassen Sie sich"die Notwendigkeit des Plombierens bescheinigen, dann muß Ihnen der Urlaub gewährt werden.— Drude 1810. 1. Zweckmäßig ist eS, beim Lonnundschaftsgericht unter Darlegung des Sachverhalts die Großjährigkeitserklärung deS Mädchens zu beantragen. 2. Dem Antrag würde schwerlich staltgegeben werden. 3. Durch 1 erledigt. 4. Ja. — St. B. 7. Die Klage sollten Sie unbedingt anstrengen— Luiscnstr. 2t. — S. 04. Leider würden Sic nach den gesetzlichen Bcstiminuugeu mit einer Klage nicht durchdringen.— K. B. 25. 1. Die Erlaabnis des Eigen- tümerS ist erforderlich. 2. Feldwebel. Ein Rschisanwalt braucht keines« wegs Reserbeleutnant zu sein oder überhaupt gedient haben.— Sl. T. Ja. — A. Z> 50. Zur Leistung des OssenbarungSeideS können Sie gezwungen werden. Durch Leistung desselben verlieren Sic kein« Rechte. Die ige- schlagnahme Ihres Gehalts wegen der Gerichtssorderung ist unzuläisig. — Wll. SÄ. Der Abzug des Fahrgeldes ist möglich, wird aber wieder« holt abgelehnt, da von ihm ausdrücklich im Gesetz nicht die Rede ist. — Lt. 40. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament ist gültig. Anleitung zur Abfassung eines solchen sowie Beispiele hierfür finden«ie aus den ietzien Seiten deS dem.Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken au».— P. S. 50. Der Vertrag müßte vor Gericht oder einem Notar geschlossen werden, um formelle Gültigkeit zu haben. Sein Inhalt würde als rechtsverbindlich schwerlich von einem Gericht anerkannt werden. Derartige Ver- träge können innegehalten werden. Gültigkeit aber haben sie nicht. — O. 100. Der Besuch kann Ihnen nicht verbotcn werden, wohl aber die Ausnahme des Freunde«. DaS Recht, den Vermieter aus der Wohnung zu weisen, steht dem Mieter zu.— St. D. Eine Anzeige ist zulässig, hätte aber kaum Aussicht auf Erfolg.— R. 70. Eine derartige Entscheidung des Reichsgerichts besteht nicht. Legen Sie Beschwerde ein. Wie wir seiner- zeit mitleilten, hat entgegen dem Gesetz erst ein ostpreußisches und dann ein westsäiisches Landgericht dem Lohnbcschlagnahmegcsetz die durchaus ver- kehrte Auslegung gegeben, über die Sie sich mit Recht beklagen.— P. G. 101. 1. und 2. Ja. 3. und 4. Da keine Vereinbarung darüber im Mictsvertrage getroffen ist, nein.— E. N. 100. Haben Sie nnt Ihrem Schwager ausdrücklich vereinbart, datz er für die Dauer des Miels- Vertrages in der Wohnung bleibt, so würden Sie, auch wenn Sie diese Vereinbarung nur durch Zeugen beweisen lönnen, mit Aussicht aus Ersolg aus Zahlung der Miete klagen können. Eingegangene Druckrchnften. „In Freie» Stnuden«. Von dieser Romanbibliotbek ist Heft 32 erschienen. ES bringt die Fortsetzung des Romans„Stephan vom G r i l l e n h o s" von Minna Kautsky sowie die Novelle von Theodor Mügge:„Es lebe die Gerechtigkeit." In»Freien Stunden" ist zum Preise von 10 Ps. pro Heft zu beziehen. Kommunale Praxis. Von dieler Wochenschrist sür Kommunalpolitik und Gemeindcsozialismus sind uns die Hefte 3t und 32 zugegangen. Die Leitarlikel sind: Der Kamps um daS GaSmonopol w Franlsuri a. M. sowie: Das Koalitionsrecht der städtischen Arbeiter. Die„Kommunale Praxis" ist zum Preise von 3 M. zu beziehen. Handbuch für Heer und Flotte. Herausgegeben von Georg v. Men. Lieserungen 3—12.(103 Lieserungen a 2 M.) Deutsches VerlagShauS Bong u. Co. Der VolkSschullchrer«nd die deutsche Kultur, von R. Panne. Witz. Kart. 3 M., geb. 4 M.„Hilfe". Berlin-schöneberg. Der dumme Teufel. Dle Katastrophe der Zentrumspolitik. 20. Ps. Fränk. Verlagsanstalt und Buchdrücke«! in Nürnberg. So unser Leben. Note Lieder von E. Fabri. Brosch. 1,20 Kronen. Suichitzky, Wien-Leipzig. 10. Jabresbcricht des ArbeitersekrefariatS Frankfurt a. M. (1008) nebst Bericht des.GewerljchaltssekrelärS. 174 Seiten..VoikSstimme", Franksurt a. M. Jahresbericht der Bezlrkskrankenkaffe sür dm Stadt« und Land- kreiS Brünn. 1908. 138 Seiten. Selbstverlag. Bericht deS Borstandes des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den Wahlkreis Hanau-Bockenheim-Gclnhausen-Orb. 1908/09. Sekretariat Hanau a. M., Rhönstr. 15. Die Finanzsysteme der Großmächte.(Internationale» Staats. und Gemeinde-Finanzwesen.) Von O. Schwarz, Geh. Oberfinanzrat. Zweiter Teil,(«ammlung Göschen Nr. 451.(®. I. Göschensche Verlagshandlung in Leipzig. Geb. 80 Pf. Bericht dcö Sozialdemokratischen Beretns„Eintracht" Zürich über dessen Tätigkeit 1908. 30 Seiten. Conzett u. Cie., Zürich. Kann die Erde erkalten? Eine neue Theorie von G. Wutke. 1 M. Selbstverlag Berlin, Pariser Sir. 83. Handbuch des Berbandes zur Wahrung der Interessen bayer. Rad- und Motorfahrer. 83 Seiten. München, Heßstr. 32/1. Die Zukunft der Freireligiösen Gemeinden. Vortrag von E. Vogt- Herr. 10 Pf. A. Hoffmann, Berlin O. 27, Biumenstr. 22. Acht Jahre Zuchthaus. Lebenserlnnerungm von Sepp Oerter. 181 Seiten..Tribüne". Berlin, Zimmerstr. 7. Bolkswirtfchaftliche Borlefunge« von Dr. R. WIlbrandt. 2 M. g. C. B. Mohr(P. Siebeck), Tübingen. Amtlicher Marktbericht der ftädttschm Martthallen-DireMon über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlicher, Geichäst rege, Preise befriedigend. Geflügel: Zufuhr ge- nügend, in Gänsen reichlich, Geschäft rege, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr reichlich, Geschäft teilweise lebhaft, Preise wenig verändert. Butler und Käse: Geschäft lebhaft, Preis« unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft rege, Preise vielfach verändert._ WttterungSübersscht vom 13. August 1909, morgens 8 Uhr. Eiättoöcn £ S ll *§ Ii a,f s Vetter Swtnemde>757 WSW 5 heiter Hamburg!780WSW 5 oedeckt verlin 1760®» 4 heiter Frantt.a vi 785 SW 4 heiter Münchm>788 W 2woltenl Wim I784W 1 heiler ö« d« eil H io etattonen Uä »H Wetter e-» I* *£ Haparanda 746 SSO 4 bedeckt i 11 Petersburg 751 WNW Ihalb bd. 12 Sctlly!788WNW 3wolklg 17 tlberdem!783W 2 wölken! 12 Part» 1787 NNO Iwollenl 18 Wetterprognose für Sonnabend, den 14. August 1909. Etwas kühler, veränderlich mit leichten Regenschauern und srischea nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WafferftnndS.otarbrtlbte» der LandeSanIIalt für Aewäffertunde, mitgeteM vom Berliner Wetterbureau._ Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterbnrg Weichsel. Tboru Oder, Ratibor , Kroffen , granksutt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , DreSdm , Larbh , Magdeburg '}+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unlerpeget. PK m <&d\<&o\(�\(�\Q�\(�\(�\e�\e�\cXd\@ ga U W. WERTHEIM G.m. b.H. FrieÖrichstrasse 110-112 aw Oranienburgerstr. 54-56a Von der Pneiiermifligung sind einige wenige Artikel s ausgenommen. u Wir bringen bis auf weiteres sämtliche Waren zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen zum Verkauf Auch die zur Vervollständigung der Auswahl neu eingetroffene Ware wird zu entsprechend billigen Preisen verkauft. BESONDERS PREISWERTE ANGEBOTE: PORZELLAN dekoriert Tassen m. Untert.. 18, 22 Pf. Kompottschalen mit Veilchendekoration. 10 Pf. Fruchtschalen mit Veilchendekoration, 55 Pf. Dessertteller reich dek. 18 Pf. Milchtöpfe m. Goldrand*/« 1 38, V» 1 30 Pf. Satztöpfe 6tlg., reich dek. 90 Pf. Kaffeeservice für 6 Pen., blau cobald.. 5.25 Tafelservice Feston-Goldrd. 23 teilig 11.75, 30 teilig 14.25 weiß Speiseteller flach od. tief 8 Pf. Dessertteller ca. 18 cm 6 Pf. Saucieren Feston... 45 Pf. GLAS Milchsatten...... 6 Pf. Zitronenpressen... 7 Pf. Käseglocken Diamant 48 Pf. 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Bis in die kleinste Stadt ist es gedrungen: aulomorsicren heißt geruchlos desinfizieren. - Diese schnelle Verbreitung des Wortes„auto- Morsicren" ist wohl der beste Beweis, daß die geruchlose DeSinsektion ein ebenso dringendes wie selbstocrstand- lichcs Bedürfnis, eine Notwendigkeit ist. Endlich nicht mehr die üblen Desinsektionsgcrüche atmen, enblir nicht mehr daran erinnert sein, daß dort, wo eS»na Karbol riecht", etwas nicht in Ordnung ist l Automorsieren— geruchlos desinfizieren I Wie ist eS nur denkbar, daß man nicht bereits früher daraus kam? Jahrzehntelang hat man die Desinsektionsdüste als etwas durchaus Selbstverständliches hingenommen, und heute fragt man sich, wie war das nur möglich! Riechen und Desinfizieren war für manche Menschen ein Begriff. Wenn ein' desinfizierter Gegenstand nur roch, dann war man beruhigt! Wie werden diefe Leute sich nun mit der Taffache abfinden, daß Autvmors geruchlos desinfiziert, und zwar fünsmal so stark wie z. B. Karbolsäure, die doch bekanntlich noch immer als das zuverlässigste und stärkste Desinjekffonsmittel an- gesehen wurde. Automors riecht nicht nur nicht, es schafft auch eine gute und reine Lust, da es die schlechten Gerüche cinsach zerstört und die Mikroorganismen, welche diese verursachen und immer von neuem bilden, sofort abtötet. Gerade dieses letzte, das sofortige Abtöten der Bazillen, Bakterien, Spaltpilze usw. durch Automors, ist so außer- ordentlich wichtig. Sie werden hierdurch unwirksam und können sich nicht vermehren. Erst hierdurch kann der Verbreitung von ansteckenden Krankheiten wirksam entgegengetreten und ihnen der Schrecken genommen werden. Ein Mittel, welches aber ansteckende Krankheiten und Seuchen verhindern soll, muß jedermann zugängig und darf dann nicht gefährlich, giftig usw sein. Die früheren Dcsinsektionsmittel aber waren es, saft wohl ohne Aus- nähme! Wieviel Unglück ist dadurch entstanden, wieviel Menschen gingen durch den sahrlässigen Gebranch der- selben zugrunde! Glücklicherweise hat dies nun aus- gehört, denn Automors ist ungistig, kann daher unbesorgt von jedermann gebraucht werden, um so mehr, da selbst die schwächsten Lösungen(>/, bis 1"/„ige) vollkommen zur durchgreifenden Desinfektion genügen. Geruchlos, gefahrlos und zuverlässig, das ist daS Kriterium der Antomors-DeZinjektion. Welch ein Unter- schied gegen früher! Es ist da wirklich nicht so w- wunderlich, daß das Wort„automorsieren" so schnell� zu einem geflügelten wurde, ja daß selbst ein besonders' eistiger Verehrer der geruchlosen Desinseltion sich zu einem kleinen Vierzeiler verstieg, den ich dem Leser nicht vorenthalten will: Fort mit der riechenden Desinfektion, Verdruß nur und Aerger hat man davonl Willst geruchlos Du desinfizieren, So mußt Du automorsieren! B> Hey. Warenhaus Berlin N>, Chausstestrasse 70-71. Heute Sonnabend, den 14. August er. Schluß der Verausgabung doppelter Sparmarken Wir geben sonst bei einemJEinkauf von 1 jVlk. g S JJ 3.1*111 STkCfil 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch solange Vorrat Von Sonnabend, den 14. bis Dienstag, den 17. August er. Vorrat Zwiebelleber- u. Rotwurst..... Pfd. 45 Pf. Berliner Mettwurst........ Pfd. 60 Pf- Westfälische Mettwurst...... Pfd. 85 Pf- Mettwurst Braunsohweiger Art..... Pfd. 85 Pf. Fleischwurst........... Pfd. 85 Pf. Landleberwurst.......... Pfd. 85 Pf. * Ausgenommen sind einige Artikel, Fleischwaren Fa. Kassler Rippespeer.. Pfd. 85, 95 pi. Fa. Kalbfleisch....... Pfd. 80, 90 Pf. Suppenhühner...... stück 1.80—2.25 Junge Brathühner.. Rehblätter....... ,. 75 Pf— 1.00 stück 1.50—2.25 Feine Leberwurst......... Pfd. 1,00 Schlackwurst............ Pfd. 1.00 Salamiwurst............ Pfd. 1,00 Fa. Plockwurst......... Pfd. 05 Pf- Thüringer Schlackwurst...... Pfd. 1,25 Thüringer Salamiwurst...... Pfd. 1,25 2080L , Verkäufe. Totalausverkaus. 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