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Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geösfnet, Telegramni- Adresse: „Sozialdtinolirat Rtrliii* Zentratorgan der foziatdemohrattrehen Partei Deutfebtands. vom allgemeinen Ausstand in Schweden. Die streikenden Arbeiter in den Orten, wo noch den Schwindel- tclegrammen der bürgerlichen Presse die Arbeit wieder aufgenommen worden sein soll, protestieren in Telegrammen und Briefen gegen diese Behauptungen an das Organ der Ausständigen„Svaret Tatsächlich sind denn auch die Gerüchte von der Wiederaufnahme der Arbeit in 99 Proz. der Fälle erlogen. Arbeiter, die nie in Ausstand getreten waren, werden einfach als zur Arbeit wiedergekehrt gemeldet. Die ganze Schwindelaktion ist von der Unternehm erzentrale organisiert, und in ihrem Dienste stehen die Blättchen, die die Stockholmer Zcitungsverleger höchst eigenhändig herstellen. Das schwedische Telcgrainmbureau, von dem das Wolffsche Bureau und der ,P. T." anscheinend ihre Nachrichten beziehen, ist wiederum Eigentum einiger großen bürgerlichen Zeitungen. So hat man also alle Fäden in der Hand, um die ausländische Oeffentlichkeit irre zu führen, die von den Feststellungen der Streikenden und ihrer Leitung nichts erfährt, sondern täglich nur die in Stockholm bereits dementierten unwahren Nachrichten vorgesetzt erhält. Wir haben ja wiederholt bereits derartige Schwindelnachrichten feststellen können. Heute wollen wir unseren Lesern zeigen, wie rasfiniert der oberste Führer der Unternehmerzcntrale die Volkspsyche zu beeinflussen sucht. Unsere Leser wissen, daß in Stockholm seit einigen Tagen einige Straßenbahnen in Betrieb sind. Die Nach- richten der bürgerlichen Presse lassen darauf schließen, daß die streikenden Straßenbahner wankend geworden seien und die Arbeit teilweise wieder aufgenommen hätten. Wir waren zwar gleich in der Lage, dieser Ausfassung zu widersprechen, und die wirklich„Arbeits- willigen", nämlich die Kontrolleure und die Mit- glieder des bürgerlichen.Schutzkorps" festzustellen. Immerhin war die Dupierung der Oeffentlichkeit in diesem Falle sehr geschickt inszeniert. Herr von Südow, der Leiter der Unter- nchmer in diesem Kampfe, hatte schon am ersten Tage des Straßen- bahnerstreiks die gleichen Leute zur Verfügung, hätte er sie benutzen wollen. Die Kontrolleure und sonstige höhere resp. mittlere Be- amten der Straßenbahn waren ja nicht ausständig, und das.Schutz- korps" war bereits am 4. August im Hotel Continental einquartiert. Aber Herr von Südow ließ den Straßenbahnbetrieb ruhig eine Woche ruhen, dann wurden Gesuche nach Straßcubahnpersonal in den kleinen Blättchcn, die erscheinen, losgelassen— und schon am nächsten Tage fuhren bereits einige Straßenbahnwagen, geführt von Kontrolleuren und„Schutzgardisten" in Straßenbahn- u n i f o r m I Der Zweck der Ucbung war erreicht. Die Be- völkerung konnte wirklich glauben, daß nach der ersten Streik- woche die Straßenbahner bereits wieder die Arbeit aufzunehmen begönnen. In Wirklichkeit war kein einziger Straßenbahner abtrünnig geworden. Nach den Feststellungen der Streikleitung ist die Stimmung der Streikenden in 252 Orten im ganzen Lande vorzüglich. Die Unternehmer machen die verzweifeltsten Versuche, die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Ihnen werden vielfach Lohnzulagen von 6 bis 10 Proz. sowie Unterstützungen für die bis- herigen Streiktage versprochen, wenn sie zurückkehren. Sogar Aktien werden in Aussicht gestellt, Gewinn- und Besitzanteil am Betriebe also. Die Lockungen verfehlen ihren Zweck, die Streikenden stehen festl Von den organisierten Arbeitern kehrt keiner zur Arbeit zurück ohne Zustimmung der Streikleitung. Auch die Unorganisierten halten sich bisher tapfer, obgleich die Gewerkschaftsleitung auf deren Teilnahme am Kampfe weniger gerechnet hatte. Wie klug die Nichteinbeziehung der Eisenbahner in den AuS> stand war, zeigt das bisherige Resultat des Ausstandes. Am Sonn abend wurden nicht weniger als 300 Eiscnvahnzüge alS eingestellt gemeldet. Fracht und Passagiere fehlen. Es hat also für die Eisenbahndirektioncn keinen Zweck, die Züge fahren zu lassen. Die den Verkehr aufrechterhaltenden Züge führen nur wenige Wagen und vielfach befahre» sie nur einen Teil ihrer sonstigen Strecken. Die Wirkungen des AusstandeS der Industriearbeiter bringen also auch den Eisenbahnverkehr zum Stillstand. ES wäre töricht gewesen, hätte man die Eisenbahner zugleich mit in den Aus- stand gezogen. Die Wirkung wäre keine andere gewesen, wohl aber die wirtschaftlichen und politischen Folgen für diese gutorganisierte Beamtenschaft, die jetzt einen guten Teil ihres Lohnes, den die EisenbahnverwalNmgen zahlen müssen, zur Unterstützung der Streikenden anwenden können. Die Kosten des AuSstandes werden für das Unter- nehmcrtum und die sch w e d i s ch e I n d u str ie u n g e h eu er e. DaS in der schwedischen Industrie investierte Kapital erfordert nach den Berechnungen deS„Svaret" täglich eine halbe Million Kronen zur Verzinsung. Rechnet man dazu die V« Million, die der Kampf täglich der Unternehmerorganisation in direkten Ausgaben kostet, so sind bereits'/a Millionen Kronen Kriegskosten pro Tag erreicht. Dazu kommen die sonstigen Verluste. DaS schwedische Unternehmer- tum hat also mit seiner Taktik den richtigen Weg gewählt, um die ohnehin kapitalschwache Industrie ihrem Ruin entgegenzuführen. Die Berliner Börsenzeitschrift„Der PlutuS' hat in einem sich scharf gegen das schwedische Unternehmertum wendenden Artikel daraxf hingewiesen, daß es sich hier vielfach um deutsches Kapital handelt, das verloren geht. Die bürgerliche Presse Deutschlands läßt aber in ihrem blinden Haß gegen die Arbeiterbewegung alle solchen Ausblicke beiseite, sie bringt täglich die gefälschten Nachrichten aus Schweden, die den günstigen Stand des Kampfes für die Unternehmer(I) dem Publikum plausibel mache» sollen. Das Organ der ausständigen Arbeiter wendet sich in seiner Ausgabe vom Sonnabend gegen die Nachrichten der bürgerlichen Presse Deutschlands und ihre Angriffe auf den.Vorwärts" aus Anlaß unserer ins Schwarze treffenden Charakterisierung des schwedischen Durchschnittsbourgcois.„Svaret" erklärt zu den Bemühungen der„Täglichen Rundschau", die schwedischen Sozial demokratcn in einen Gegensatz zu dem+tt„Vorwärts" zu stellen, unter anderem folgendes: „Jene Manöver sind uns allzu gut bekannt. Immer und überall sind die Sozialdemokraten des eigenen Lande« für die bürgerliche Presse die schlimmsten und die Parteigenossen des Auslandes demgegenüber feine Leute. Unsere Freunde im„Vor- wärts" können versichert sein, daß wir die Schmeichelei durch- schauen und nach Gebühr beurteilen. Der Versuch, Mißstimmung zwischen schwedischer und deutscher Arbeiterbewegung zu erzeugen, wird nicht gelingen, am allerwenigsten in diesen Tagen, in denen unsere deutschen Brüder uns gegenüber zeigen, wie sie die Gebote der internationalen Solidarität auffassen." Genügt das der„Täglichen Rundschau"? Die Unterstützungsaktion der ausländischen Arveiterschaft be ginnt, dem schwedischen Unternehmertum unheimlich zu werden. Alle Versuche, das Interesse für die schwedischen Arbeiter und ihren Kampf durch die bekannten Schwindelnachrichten herabzusetzen, sind fehlgeschlagen. In Deutschland allein sind bereits große Summen gesammelt, und täglich liefern die deutschen Arbeiter neue Beweise ihrer Solidarität, wie die Ouittungen in der Partcipresse beweisen. Auch aus Amerika und England treffen Nachrichten der internationalen Solidarität in Stockholm ein. Nur so weiter, und die Streikleitung wird in den kommenden Wochen die Not von der Tür der Ausständigen nach Möglichkeit fenchalten können. Ge stützt auf die eigenen Mittel und auf die bisher bekundete Solid» rität der Arbeitsbrüder des Auslandes hat sie heute dementsprechend ein Manifest veröffentlichen können, wonach Unterstützung an die Bedürftigen gezahlt werden soll. Eine Privatdcpcsche meldet uns in später Stunde näheres über die heutige Lage: Stockholm, 10. August. Das LandeSsekretariat veröffentlicht heute im„Svaret" ein Manifest, wonach die lokalen Streik- komitecs angewiesen werden, den Bedürftigen Unterstützungen zu gewähren. Der Montag ist ohne Wiederaufnahme» der Arbeit verlaufen. Die Hoffnungen der Unternehmer auf den heutigen Tag sind als» illusorisch geworden. Ihre großen Anstrengungen, die Arbeiter zur Rückkehr an die Arbeitsstätten zu bewegen, sind fruchtlos ge- blieben. Die Reihen der Ausständigen sind immer noch ohne Ausnahme fortdauernd geschlossen. Die Stockholmer Polizei hat den Anschlag von Plakaten mit Aufforderung an die Arbeiter, die Straßenbahnwagen der Streik- brechcr nicht zu benutzen, sowie den Nachrichten der bürgerlichen Presse von der Abbrockclung des Streiks keinen Glauben zu schenken, verboten! Die Ruhe ist fortdauernd im ganzen Lande ungestört. Wenn das Unternehmertum noch einige solche„blauen Mon- tage" erlebt, dürfte ihm vor der Gottähnlichkeit seiner Führung bald bange werden. Es ist ein gewaltiges Zeichen von der Stärke der Position der Gewerkschaftsleitung, daß sie erst nach zwei- wöchiger Dauer des Ausstandes den Kämpfenden die Unterstützung in besonders bedürftigen Fällen zuzusagen brauchte. Damit ist der Beweis erbracht, daß die Arbeiterschaft den Gegenstand des Kampfes begriffen hat und gewillt ist, die größten Opfer auf sich zu nehmen, um den Kampf siegreich zu beenden. Es war keine Aufforderung dazu nötig, die Streikenden von der Rückkehr zur Arbeit am heutigen Montag abzuhalten; sie blieben von selbst weg Um so größer wird die Freude sein, daß die Gewerkschaften diese treue Ausdauer mit einer Unterstützung der Bedürftigen ent- schädigen können. Der schwedische Ausstand zeigt uns beim Beginn der dritten Strcikwoche diese gewaltige Kampfeswaffe in einer ganz neuen Gestalt. Sie bedeutet nicht die Revolution, obgleich sie ein wirk- sames Mittel in revolutionären Kämpfen sein kann. Ihre Aussicht auf Erfolg beruht in ihrer Dauer. Je länger der Kamp dauert, desto schwerer die Wunden, die dem Gegner geschlagen werden! Daher ist die von der schwedischen Gewerkschaftsleitung einge- schlagene Taktik ein glänzender Beweis ihrer strategischen Kunst. Sie kann heute faktisch sagen, daß sie alle Momente des Kampfes im voraus zu bestimmen gewußt hat. Sie konnte auf die Eisen- bahner verzichten, weil nach zwei Wochen aus Mangel an Fracht und Passagieren die Züge eingestellt werden müssen; sie konnte auf die Postbeamten verzichten, weil sie selbst mehr als die bürger- liche Gesellschaft ein'pekuniäres und strategisches Interesse an dem Weiterbctricb der Post hat; sie konnte auf die Seeleute verzichten, weil die Schiffe ebensowenig wie die Eisenbahnen etwas zu tun haben. DaS sind sehr kühle Kalkulationen der schwedischen Gewcrk- schaftsführcr. Sie können stolz darauf sein, daß sie eine Arbeiter- schaff hinter sich haben, die den Kampf mit der gleichen eisigen Ruh« zu führen weiß, wie ihn der Kriegsplan der Gewerkschafts- vorstände entwarf. • Das Wolffsche Bureau bringt neben der un- vcrmeidlichen Depesche ihres Privatkorrespondentesi, der anscheinend seinen Sitz nahe der Untcrnehmerzentrale hat, folgende Telegramme: Stockholm, 15. August. Die Oberleitung der Streikenden erließ heute ein Rundschreiben an sämtliche Streikausschüsse, etwa 400, mit dem Ersuchen, anzugeben, loieviel notleidende Arbeiter der Hilfe bedürsten. Wenn die Antworten eingelaufen sind, wird die Oberleitung mit der Austeilung von Lebensmitteln beginnen.— Wie aus ESlöf gemeldet wird, hatte der dortige Thpographenklub beschlossen, die Arbeit morgen wieder aus- zunehmen. Infolge Verbots der Streikobcrleitung in Stockholm ließ man jedoch den Beschluß wieder fallen. Malmö, 15. August. Hier eingegangenen Meldungen zufolge beschlossen die T y p o g r a p h e n in Ustad, Engelholm, Geste, Linköping, Snndsvall und BesteraaS, den Streik fortzusetzen. Vier Landarbeitervereine in Schonen und einer in Oestergötland beschlossen, an dem Streik nicht teilzunehmen. Die Fleischermeister Schwedens sollen, wie aus Stockholm emcldet wird, damit beschäftigt sein, Streikbrecher in eutschland anzuwerben. Die organisierten Fleischer- esellen Deutschlands werden zweifellos alles, was in ihren :räftcn liegt, tun, um den Zuzug fernzuhalten. m Die Parteiorganisation in Dresden hat 2000 M. für die Kämpfenden in Schweden bewilligt. Line Demonstration für den Weltfrieden. Die Kieler sozialdemokratische Arbeiter» s ch a s t, die erst kürzlich im Namen der deutschen Sozialdemo- kratie einen so wirkungsvollen Protest gegen den Besuch des russischen Zaren erhoben hat, hat am Sonntag, den 15. August, eine machtvolle Demonstration gegen den Militarismus und für den Weltfrieden vcr- anstaltet. In drei großen Versammlungen, die insgesamt von 7— 8000 Personen besucht waren, sprachen neben den deutschen Genossen K. Legten, Ed. Bern st ein und Ed. Adler die Genossen Ramsay Mac Donald, Vertreter der Ar- beiterpartei im englischen Unterhause, A. C. Meyer, Ver- tretcr der sozialdemokratischen Partei im dänischen Folkething, und August Nielsso n, Vertreter der Sozialdemokratie in der zweiten schwedischen Kammer. Aus Anlaß der chauvi- nistischen Hetze diesseits und jenseits des Kanals kam die Lei- tung der sozialdemokratischen Organisation des 7. fchleswig- holsteinschen Wahlkreises auf den Gedanken, in Kiel, dem Orte, wo die wahnsinnige Nüstungspolitik zu Wasser in Gestalt der gepanzerten Mordwerkzeuge so drastisch vor Augen tritt, eine große Friedensdemonstration zu veranstalten. Weil während der Vorbereitungen zu dieser Demonstration der Generalstreik in Schweden ausbrach, lag der Gedanke nur zu nahe, auch an die dänische und schwedische sozialdemokratische Partei das Er- suchen zu richten, einen Vertreter zu dieser Demonstration zu entsenden. Was die Kieler Polizeibehörde tun konnte, um die Demon- stration zu verhindern, hat sie redlich getan. Der freimütige und grandiose Protest der Kieler Sozialdemokratie gegen den Besuch des russischen Mörder-Zaren, der in ganz Deutschland und über die Grenzen Deutschlands hinaus Widerhall ge- funden hat, ist der Kieler Polizeibehörde dermaßen in die Glieder gefahren, daß sie glaubt, derartige Demonstrationen verhindern zu müssen. Zunächst wurde von der Parteileitung die Genehmigung zu einer Versammlung unter freiem Himmel nachgesucht auf demselben Platz, wo die Protestversammlung gegen den Zarismus getagt hatte. D i e Genehmigung wurde versagtl Aus der Begrün- dung sei folgender Satz wiedergegeben, als Beweis, daß die Polizei um Gründe nie verlegen ist, wenn sie das Versammlungsrecht beschränken will: „... Das Zusammenströmen einer solchen Menschenmenge von vielen Tausenden Personen, das im vorliegenden Falle um so mehr zu erwarten ist, als die Veranstaltung an einem Sonntjagnachmittag abgehalten werden soll, erscheint in besonderem Maße geeignet, die öffentliche Sicherheit zu gefährden, da auch mit der Möglichkeff gerechnet werden muß, daß die Ausführungen der auftretenden Redner zu M,einungLvcrschiedenheiten unter den Versammelten und in Verbindung hiermit unter Umständen zu Demonstrationen und Aus- schreitungen Veranlassung geben könnten.. Diese an den Haaren herbeigezogene Begründung der Versagung der Erlaubnis wird am treffendsten durch den Hinweis auf den mu st ergllltigen Verlauf der De- monstrationsversainmlnng gegen den russi- 'chen Zaren widerlegt. Dann wurde beabsichtigt, die Versammlung in dem großen Saale des Etablissements „Waldwiese", dem größten Saale' Kiels, abzuhalten, und falls i)er Saal sich dann als zu klein erweisen sollte, die Versammlung auf Grund des§ 8 des Reichsvereinsgcsetzes nach draußen zu verlegen. Dieses Vorhaben wurde dadurch vereitelt, daß d i e Marinebehörde den Wirt indirekt veranlaßte— der Wirt ist auf den Besuch des Lokals durch die Marincmannschaften angewiesen— sein Lokal solange nicht zu einer solchen Veranstaltung herzugeben, als das Hochsee ge sch wader im Kieler Hafen liege. An einem späteren Tage als dem fest- gesetzten war aber wegen der schon getroffenen Vorarbeiten die Abhaltung der Versammlung nicht mehr möglich. Es wurden nun drei Versammlungen angemeldet, und zwar in den drei nächstgrößten Lokalen, dem„Gewerkschaftshaus",„Englischen Garten" und„Kaisersaal". Zuletzt erstand noch eine Schwierigkeit: Der Genosse Mac Donald war der beut- chen Sprache nicht mächtig, bei dem Genossen Meyer- Kopenhagen wußte man es nicht genau, ob er genügend deutsch prcchen könne. Es mußte deshalb die Genehmigung der Landeszentralbehörde nachgesucht werden, daß die Genossen dänisch resp. englisch sprechen durften. Die Genehmigung fiftMe von der Regierung in Schleswig ohne Angade von Gründen versagt. Und nun trat der für deutsche Verhält- nisse geradezu schmachvolle Zustand ein, daß der Genosse Mac Donald, der ebenso wie Meyer und N i e l s s 0 n, von Versammlung zu Versammlung ging und sich vorstellte, als stummer Mann auf der Tribüne stand und neben ihm Bern- st e i n, der das, was MacDonald sagen wollte aber nicht durste, der Versammlung vortrug. Tie Genossen Meyer und N i e l s s 0 n beherrschten die deutsche Sprache soweit, daß sie ihren Gedanken darin Ausdruck geben konnten. Mit Recht wies Genosse B e r n st e i n als Gegenstück darauf hin, daß er als Deutscher erst vor kurzer Zeit in England in begrenzten Räumen und auf öffentlichen Plätzen in deutscher Sprache ge- sprachen, ja daß er sogar vor den Fabriktor en deutsch zu deutschen Arbeitern gesprochen habe, daß sie sich den im Streik stehenden englischen Brüdern anschließen müßten, ohne daß ihm von der englischen Polizei das geringste Hindernis in den Weg gelegt worden wäre. Die Entrüstung der Ver- sammlungsbesucher über das Vorgehen der Polizei kam dann auch in den Versammlungen in elementarer Weise zum AuS- druck. Die Demonstration selbst hat durch die Maßnahmen der Polizei keine Einbuße erlitten, sie ist in geradezu glänzen- der Weise verlaufen. Aus dem Referate Mac Donalds, das durch Bern- stein vorgetragen wurde, sei folgendes hervorgehoben: Bei uns in England geht's mit den Rüstungen wie in Deutschland. Wir haben kein Geld, unser Volk vernünftig zu erziehen, wir haben kein Geld für alle möglichen Kulturfragen, aber wir haben stets Geld für die Rüstungen. Und wie bei Euch in Deutschland, bewilligen auch bei uns in England die Ver- tretcr der Besitzenden die Dreadnoughts und lassen sie die Armen bezahlen. Ich bin kein Gegner patriotischen Fühlens, aber ich wende mich gegen den entarteten Geist des Jingo- ismuS und Chauvinismus, der nichts mit wahrem Patriotismus zu tun hat. Es stehen keine Hindernisse im Wege, so weit die Masse der englischen und deutschen Bevölkerung in Betracht kommt, zu einem deutsch- englischen Vertrage in bezugauf die Abrüstung zu kommen, aber dem stehen die kapitalistischen In- teressen gegenüber. Die Konkurrenz der Kapitalisten- klassen der verschiedenen Länder wird den Völkern dargestellt als die Konkurrenz der Nationen. Wenn die Kapitalisten von nationalen Interessen roden, dann meinen sie immer ihre eigenen Interessen. Das sind die Kräfte, die für den Krieg wirken, und so lange diese Kräfte wirksam find, ist der Friede nicht gesichert und das Feuer des Krieges kann jeden Tag ent- flammen. Ein Argument, mit dem man den Arbeitern den Marinismus schmackhaft machen will, ist das, daß durch Flotten» bauten Arbeit geschaffen werde. Etwas Absurderes kann es nicht geben. Die Arbeit, die durch Rüstungen aller Art geschaffen wird, legt nur Lasten auf unsere Schultern. Durch Ausgaben für Volksgesundheit, Wohnungsbau und viele son- stigen Kulturaufgaben wird viel, viel mehr Arbeit ge- schaffen als auf den Wersten jetzt geboten wird. Durch die Rüstungen soll der Frieden erhalten werden, sagt man uns. Nie- mals ist eine albernere Lehre gepredigt worden. England baut Dreadnoughts und sagt, es geschehe im Interesse des Friedens, und Deutschland macht es ebenso, und das geht immer so weiter. Diese immerwährenden Rüstungen sind es gerade, sie schließlich den Krieg unvermeidlich machen. Die Ausgaben werden schließlich so hoch, daß kein Volk sie mehr tragen kann, dann kommt entweder der nationale Bankerott oder als letzter Ausgang der Krieg. Die Arbeiterklasse allein kann diesen schändlichen Zustand beseitigen. Wir und Ihr, Kür kämpfen für eine bessere Zukunft, kommen wird der Tag, wo die sozialistischen Parteien aller Länder die Garantie bieten werden für die Herrschaft des Weltfriedens.(Stürmischer Beifall.)».. Genosse Meyer- Kopenhagen führt u. a. aus: Der Kriegszustand gehört der Barbarei an. Die Nationen des 20. Jahrhunderts sind— allerdings weitentwickelte— Barbarennationen. Lediglich die Furcht bor den Folgen eines Krieges ist in den letzten Jahren daS beste Schiedsgericht ge- wesen. Der bewaffnete Frieden hat nichts mit der Kultur zu tun, er kostet den Völkern jährlich zirka 20 Milliarden Mark und unterdrückt alle Kulturaufgaben. Bei uns in Dänemark wün- schen sich die Konservativen die deutschen Verhältnisse; will man ooch für unsere Landesverteidigung jetzt auch 40 bis 50 Millionen haben. Die großen Nationen gehen mit den Rüstungen voran und die kleinen folgen. Erst die Sozialdemokratie wird end- gültig den Frieden bringen. Wir müssen die regierende Klasse werden, nicht um eine neue Klasseneinteilung zu schaffen, son- dern um die Klassen zu beseitigen und allen Menschen Freiheit und soziale Gleichheit zu bringen. Wir haben in Dänemark augenblicklich eine Ministerkrise, wir haben keine Regierung, weil keine Majorität für die Landbefestigung Kopenhagens vor- haichen ist. Wir haben keine Regierung, aber es geht doch. Wir Sozialdemokraten fordern die Abrüstung, dafür werden wir als vaterlandslos verschrien, genau so, wie es Ihnen ergeht. Gegen- über dem Wettrüsten und der Verhetzung der Völker prokla- micren wir Sozialdemokraten die Brüderlichkeit aller Proletarier. Redner schloß mit einem stürmisch aufgenommenen Hüch auf die Sozialdemokratie des Landes, wo Leute wie Lassalle, Marx, Liebknecht. Bebel und andere gewirkt haben und noch wirken.»1 t, Nielsson-Malmö:' In allen Ländern seufzt das Volk unter einem doppelten Fluche, dem des Kapitalismus und dem des Militarismus. Der Kapitalismus scheidet das Volk in eine Ober- und eine Unter- klasse, und der Militarismus hetzt Volk gegen Volk, Nation gegen Nation. Es ist die kapitalistische Konkurrenz, die die Nationen gegeneinander bewaffnet. In den Fragen des Krieges und der Kriegsrüstungen sollten cS die großen Nationen sein, die das Wort von der Abrüstung führen, denn die kleinen sind gerade in den Fragen bedeutungslos. Schweden hat nur gut b Mil- lionen Einwohner, und doch wird dieses Land mehr als ein anderes vom Militarismus bedrückt. Schwedens Militärbudget beträgt 85 Millionen Kronen. Aber wir bauen eine Flotte, die wir nicht bemannen können, errichten Festungen, die wir nicht verteidigen können, unsereRüstun- gen drücken uns indieKnie. Da? schwedische Volk seufzt unter dem Joch der Steuern. Bei dem schwedisch-norwegischen Unionskonflikt war es die energische Agitation der Sozialdemo- kratie beider Länder, die den Krieg verhütet hat; wir wurden dafür von der kriegsgeilen Bourgeoisie als Vaterlandsverräter bezeichnet. Seit zwei Wochen herrscht nun in Schweden der Generalstreik, hervorgerufen durch die Organisation der Unternehmer, die sich in den letzten Jahren zu ganz gemein- gefährlichen Instituten ausgebildet haben. Massenaus- sperr ung ist in Schweden das gewöhnliche Kampfmittel der Unternehmer geworden.� Es ist die systematische AussperrungSraserei, die die schwedischen Arbeiter zum Generalstreik gezwungen hat. Ein ganzes Volk steht gegeneinander rm sozialen Kriege, die Arbeiter gegen die Vertreter der Kapitalsgewalt. Wie lange wird der Kampf dauern, und wer wird als Sieger aus ihm hervorgehen? Niemand kann daS jetzt beantworten. Wenn es den schwedischen Arbeitern gelingen soll, die Aussperrungswut der Unternehmer zurückzuschlagen, dann kann das außer durch den Mut und die Ausdauer der schwedischen Arbeiter nur gelingen durch die Solidarität der ausländischen Arbeits- b r ü d e r. Ich rufe deshalb zu Ihnen und zu den Arbeitern ganz Deutschlands: Unterstützen Sie uns in unserm jchweren Kampfe, die schwedischen Arbeiter werden Sie auch nicht vergessen, wenn es not tut. Hoch über den wechseln- den Zufall des Tages erhebt sich der Sozialismus, er sam- melt uns, er bringt uns vorwärts, er gibt uns Mut und Zuver- ficht. Redner schließt mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf die internationale Solidarität. Die Genossen Bern st ein, Legren und Adler kriti- siertcn scharf den deutschen Militarismus und die deutsche Weltmachtspolitik und gaben der Ansicht Ausdruck, daß die deutsche Sozialdemokratie nach wie vor für den Weltfrieden wirken werde. In sämtlichen Versammlungen wurde einstimmig eine Resolution beschlossen, die in ihrem ersten Teile gegen das Vorgehen der Kieler Polizei protestiert und im letzten Teil folgenden Wortlaut hat: „Der Militarismus und der Marinismus sind an sich traurige Begleiterscheinungen des Kapitalismus, der Heer und Flotte zur Unterdrückung der arbeitenden Bevölkerung des eigenen Landes sowie zur Erweiterung seines Beute- gebietes in anderen Ländern, zur Vergeudung von Menschen- leben und nationalem Reichtum benutzt. Dazu erwecken die fortdauernden Rüstungen und Kriegsschiffbauten eines Landes bei den anderen Staaten einen wahnwitzigen Wcttlauf auf allen Gebieten der Mordtcchnik, schaffen überall ein den Frieden störendes Mißtrauen gegeneinander und bringen den Weltfrieden in die größte Gefahr. Sie werden endgültig nur beseitigt durch die Einführung der sozialistischen Gesellschaft, welche das vereinigte Proletariat der ganzen Erde durchzu- setzen die Aufgabe hat. Besonders die Arbeiter Kiels, des größten Kriegshafcns und Flottenarsenals Deutschlands, haben daher allen Grund, zu beklagen, daß sie ihr Brot nicht im Dienste segensreicherer Arbeitstätigkeit verdienen können und protestieren daher gegen die Auslassungen der Kapitalistenpresse, die böswillig ver- schweigt, daß der Kriegsschifsbau die Arbeitergroschen frißt und eine Beschäftigung an Kulturarbeiten für viele Tausende unmöglich macht. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, erklärt die Ver- sammlung den Kampf des internationalen vereinigten Prole- tariats gegen das Kapital für absolut notwendig und ver- spricht, ihre ganze Kraft an die Beseitigung dieser Zustände und die Herbeiführung der sozialistischen Gesellschaft wie des Völkerfriedens zu setzen." vie smeiilwifilche Zolltarifrevifion perfekt! Eine parteigenössische amerikanische Korrespondenz schreibt: Nach fünfmonatlicher Schwangerschaft kommt der Kongreß mit dem neuen amerikanischen Zolltarif, diesem Wechselbalg systemlosen Schachers, endlich in die Wochen. Das«Konferenz- Komitee", das, aus den führenden Zollmachern des Repräsentanten- Hauses und des Senats zusammengesetzt, die Differenzbeschlüsse beider Häuser zu beseitigen hatte, ist mit seiner Arbeit fertig, und die Tarifbill ist in Gestalt des Komiteeberichts bereits vom „Hause" an den Senat gegangen, wo ihre Annahme zu morgen oder übermorgen ebenfalls sicher erwartet wird. Ebenso sicher wird in den nächsten 10 Tagen die Unterzeichnung durch den Präsidenten erfolgen, dem das Konferenzkomitee in der Haupt- fache zu Willen gewesen ist. Die letzten Phasen des Revisionswerkes haben nämlich noch ein Eingreifen des Präsidenten gebracht, der in dem Augenblick, da das Konferenzkomitee sich auf die Hosen setzte, zwar nicht mit dem„großen Knüppel" seines Vorgängers, aber mit saftigen Menüs dazwischenfuhr, bei deren Absolvierung er die Zöllnerclique im Interesse der„Revision nach unten" breitschlug. Denn auf dieses Versprechen ist Herr Taft vor Jahresfrist gewählt worden, folglich mußte es ihm darauf an. kommen, wenigstens den Schein zu erwecken, als ob es ihm um die Ermäßigung der Dingley-Zölle zu tun sei. Er erhob also die Forderung zollfreier Rohstoffe. Für die Erleichterung der Er- nährung, Wohnung Bekleidung der breiten Massen wünschte Herr Taft weiter nichts zu tun, abgesehen von einer 10 bis 25 Proz. betragenden Zollermäßigung auf Schuhe. Erst jetzt ist es möglich, sich über den Charakter deS neuen Tarifs im einzelnen klar zu werden und zu erkennen, was ins- besondere der deutsche Exporthandel von ihm zu erwarten hat. Freilich werden hierüber auch jetzt noch die widersprechendsten Ansichten vertreten. Das kommt daher, daß der breiten Oeffent- lichkeit noch lange nicht alle einzelnen Positionen bekannt sind und ein detaillierter klarer Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Tarif gerade in manchen der wichtigsten Zollgruppen über- Haupt unmöglich gemacht ist dadurch, daß das System der Klassifizierung von Grund auf geändert oder an Stelle des Ge- Wichtszolls der Wertzoll gesetzt ist. Immerhin können heute folgende hauptsächlichsten Aenderungen zusammengestellt werden: Nach oben revidiert wurden(an die Spitze stellen wir die für die deutsche Ausfuhr wichtigsten Positionen): Juwelierwaren(ab- gestufte Erhöhungen in den teueren Artikeln), lithographische Drucke in den meisten Klassen, Pelzkleider von 35 auf 50 Proz., Baumwolle um annähernd 3 Proz., Strümpfe im Werte von nicht mehr als 1 Dollar pro Dutzend von 50 auf 70 Cent das Dutzend. Strümpfe im Dutzendwert von 1 Dollar bis 1,50 Dollar von 00 auf 85 Cent pro Dutzend, 1,50- bis 2-Dollar-Strümpfe von 70 auf 00 Cent.(Die Zollraten für Strümpfe in den übrigen Preislagen sind unverändert geblieben.) Spiegelglas kleinerer Größe(nur wenig erhöht), durchlöcherter Strukturstahl von 30 auf 45 Proz. deS Wertes, Rasiermesser(allgemein erhöht), Opium und Kokain um 50 Cent pro Unze, Kakao um 5 Cent pro Pfund, Talg(bisher frei) auf VA Cent pro Pfund, Kognak von 2,25 Dollar pro Gallone auf 2,00 Dollar, Liqueure ebenso, Champagner von 8 Dollar pro Dutzend Ouartflaschen auf S,60 Dollar, Ale, Porter, Biere von 40 Cent pro Gallone auf 45 Cent, Hopfen von 12 Cent pro Pfund auf 16 Cent. Sonst haben von landwirtschaftlichen Er- Zeugnissen noch Zollerhöhungen erfahren: Ananas, Feigen, Mandeln und Zitronen, von den Chemikalien Artikel, wie Modeseife und Parfümerien. Wesentliche Zollermäßigungen sind zunächst für Rohmaterialien und für zahlreiche Artikel der Metallbranche ein- getreten. Rindshäute, die im Dingley-Tarif mit 15 Proz. vom Werte belastet sind, wurden auf die Freiliste gesetzt, Roheisen von 4 Dollar auf 2,50 Dollar, Eisenerz von 40 auf 15 Cent, altes Eisen von 4 auf 1 Dollar pro Tonne reduziert. Bauholz zahlt künftig statt 2 Dollar 1,25 Dollar pro 1000 Fuß. Für die deutsche Ausfuhr sind diese Reduktionen auf Rohstoffe natürlich belang. los, bis auf Rohzucker(in den Zuckerzöllen sind die Dingley-Ratcn im wesentlichen beibehalten) und Rindshäute. Wenig Interesse haben für Deutschland auch die Zollermäßigungen auf fertige Waren der Metallabteilung. Es sind dies hauptsächlich: Draht- nägel(von% auf V» Cent pro Pfund), Stahlschienen(von'/» auf V« Cent pro Pfund). Schrauben(von 4 auf 3 Cent pro Pfund), Dampfmaschinen, Setzmaschinen, Schreibmaschinen und Zchlregiftratprm.�vov& auf 30 Proz.).. Für Deutschland am wichtigsten sind' die Abschnitte, die die Textilindustrie betreffen, die schon die Hauptleidtragende des Dinglch-Tarifs war, und sich jetzt, abgesehen von einer fünf- prozentigen Reduktion auf Wollgarne, Kammwolle und Tuche baumwollener Kette, weitere Erschtverungen gefallen lassen muß. Die Zollerhöhungen auf Baumwollstrümpfe erwähnten wir schon. Der ganze Abschnitt der Baumwollzölle hat aber noch eine re- daktionelle Umarbeitung erfahren, deren Tendenz ebenfalls der „Revision nach oben" entspricht. In den letzten Jahren sind näm- lich wiederholt Gerichtsentscheidungen vorgekommen, durch die die Dingley-Zölle mehr oder weniger kräftig reduziert wurden. Das soll künftig durch den veränderten Wortlaut dieses Abschnittes un- möglich gemacht werden, der im übrigen, wie berechnet wird, eine durchschnittlich dreiprozentige Erhöhung der Dingley-Sätze bringt. Im Seidenabschnitt sind bestimmte Zollsätze an Stelle der bis- herigen Wertzölle getreten, wodurch die Vergleichspunkte weg- fallen, jedoch verbirgt sich dahinter im allgemeinen sicher keine Zollermäßigung. Eine reelle Revision nach unten ist zu verzeichnen für Leder- geschirr und Sattlerwaren(von 45 auf 20 Proz.), für Kalbfelle (von 20 auf 15 Proz.), fertiges Leder(von 20 auf 10 Proz.), Stiefel und Schuhe, soweit sie aus zollfreien Häuten fabriziert sind(von 25 auf 10 Proz.), und für mehr als 20 Jahre alte Kunstwerke(bisher 20 Proz., künftig zollfrei). Damit wären die Zollerleichterungen aufgeführt(natürlich ist noch die Zoll- befreiung der Rindshäute in Rechnung zu stellen), die Deutsch- land als Entschädigung für die Erschwerung seines Handels in einigen Textilwaren und Chemikalien und besonders in Litho- graphien buchen darf. Schließlich sind noch Zollermäßigungen er- folgt auf Salz(von 12 auf 11 Cent pro 100 Pfund), Teppiche und Matten, Zelttuche und Linoleum, Streichhölzer, Schieß- Pulver und Patronen, Ackerbaugeräte, Druckpapier(von 6 Dollar pro Tonne auf 3,75 Dollar) und Schamottesteine(von 45 auf 35 Proz.). Außer Häuten und älteren Kunstwerken sind noch Petroleum und Holzbrei auf die Freiliste gesetzt, psr ordre de mufti—> bei den Weichkohlen mußte sich Herr Taft mit einer Reduktion von 67 auf 45 Cent die Tonne begnügen. Nach allem, was zu befürchten stand, könnte das Ganze noch so leidlich scheinen, wenn dieser Tarif überhaupt die Zölle vcr- riete, die nach Ablauf der bestehenden Verträge wirklich gelten sollen, aber das ist gar nicht die Absicht; denn das Gesetz bestimmt zum 1. April 1909 das automatische Inkrafttreten eines Maximal- tarifs, bezeichnenderweise„allgemeiner Tarif" genannt, der samt- liche Raten um 25 Proz. erhöht, wenn„das betreffende Land" der Union nicht a tempo seine niedrigsten Zölle und alle sonstigen, irgendeinem Staate durch individuellen Vertrag ge- währten Vergünstigungen ebenfalls einräumt! Das sind die An- spräche, die amerikanische Bescheidenheit an„reciproke Behand- lung" stellt...._ polltifcbe Oebcrficbt Berlin, den 16. August 1968 Keine Erhöhung der Mannschaftslöhnung. Bekanntlich ist die Erhöhung der Soldatenlöhnung im Reichstage von der klerikal-konservativen Steuerloalition abgelehnt worden. Um jedoch nicht allzu volksfeindlich zu erscheinen, verhießen die Klerikalen und Konservativen in einer Resolution, daß im nächsten Jahre die Erhöhung durchgeführt und eine entsprechende Summe in die HauShaltsrechnung deS Deutschen Reichs eingestellt verdcn solle. Indes Versprechen und Halten find zweierlei. Auch im nächsten Jahre werden wieder die Mannschaften auf eine Erhöhung ihrer kargen Löhnung ver- zichten müssen. Wie eine halboffiziöse Korrespondenz meldet, wird der nächstjährige Etat keine Erhöhung der Mannschafrö- löhnung für Heer und Flotte, wie sie ursprünglich beabsichtigt war. vorschlagen, da man erst die Wirkung der neuen Steuern ablvarteu will. Der neue Militäretat ist noch nach den Vorschlägen deS bis- herigen KriegSmimsterS v. Einem aufgestellt worden. Auch im folgenden zweiten Jahre ist in Anbetracht deS riefigcu Defizits der ReichSeimuhmen kaum auf eine Erhöhung zu rechne». M.-Gladbacher Schwarzkünstler. Im Jahre 1903 gab der Volksverein für das katholische Deutsch- land, die bekannte Agitationsstelle für daS Zentrum, ein Flugblatt heraus, betitelt:„Das Zentrum und die indirekten Steuern." DaS Flugblatt war bestimmt zur Einseifung der Massen für die bevorstehende Wahl und zur Abwehr der sozial. demokratischen Agitation, die den großen, durch den Zolltarif ver- übten Raubzug dazu benutzte, die katholischen Arbeiter über die Volksfteundlichieit des Zentrums aufzuklären. Die M.-Gladbachcr Zentrumsagitatoren versuchten darzutun, wie unschuldig die schwarze Partei an der Erhöhung der indirekten Steuern sei, wie sie im Gegenteil immer bemüht gewesen sei, einer Vermehrung der indirekten Lasten vorzubeugen. Wir lesen da: Tabaksteuer:„Das Zentrum hat bei Gelegenheit der Ab- lehnung der Tabaksteuer in den Jahren 1893/94 und 1894/95, die ihm die heftigsten> Angriffe seitens der liberal-konservativen Kartellparteicn zuzog, gezeigt, daß es die Interessen der weiten Volkskreise zu wahren weiß, ohne Rücksicht auf Gunst oder Miß- gunst von oben. Die Ablehnung der Tabakfabrikat- steuer seitens der Zentrumspartci erfolgte übrigens nicht nur wegen der daraus resultierenden Belastung der ärmeren Volksklassen, sondern ganz besonders auch, weil durch die Verteuerung der Tabakfabrikate eine erhebliche Minde- rung des Verbrauchs zu erwarten stand und dadurch viele Tausende der in der Tabakindustrie be- schafft igten Arbeiter ihre Existenz vserloren hätten." Bierstcner:„An Versuchen, die Brausteuer z» erhöhen, hat es nicht gefehlt; die ablehnende Haltung aber, die ge- rade die Zentrums Partei diesen Projekten gegenüber ein- genommen hat, war dafür entscheidend, daß aus denselben nichts geworden ist." Branntweinsteuer:„Es ist unbestreitbar, daß der Brannt- Weingenuß in der städtischen Arbeiterbevölkerung seit etwa 15 Jahren ganz erheblich zurückgegangen ist und aus der Statistik von Städten, die noch eine Branntweinkontrolle führen, läßt sid) der Beweis erbringen, daß der Branntweinverbrauch daselbst im Jahre 1901 gegen 1886 um fast 70 Proz. abgenommen hat. Der Verbrauch der Arbeiter hat sich mehr dem gesünderen, nahrhaften, billigeren Biere zugewendet, was als ein Segen für dieselben zu betrachten und der Zentrums- Partei von jeher ein Grund gewesen ist, gegen eine höhere Bier st euer einzutreten." Zuckersteuer:„Das Zentrum hat wiederholt beantragt, die uckersteuer weiter herabzusetzen, die Sozialdemo'- atcn haben jedoch im Verein mit den ostelbischcn Junkern und den Liberalen eine solche gerechtere Verteilung der Steuerlast bisher verhindert und auch bei dieser Gelegenheit wieder gezeigt, daß sie stets dem Kapitalismus die Steigbügel halten." Kaffeczoll:„Im Jahre 1887 stimmte das Zentrum mit der linken Seite des Reichstages für die gänzlich« Aufhebung des Kajjeezolles. leider vergeblich, die gewöhnliche Kar« teftmajoritäl deS SepieNNÄreiStageS brachte diesen Antrag zu Fall.' Teezoll:„Bei der Neuregelung des Zolltarifes(1902) wurde der Zoll für Tee und Kakao, welche beiden Getränke sich in Deutschland immer mehr einbürgern und welche in ganz be- sonderem Matze geeignet sind, den verderblichen AI-- koholgenuh einzuschränken, auf Anregung und unter ein st immiger Zustimmung des Zentrums sehr wesentlich ermätzig t." So das Zentrum im Jahre 1993. Damals rühmte es sich, die Erhöhung dex Tabaksteuer und der Biersteuer abgelehnt, die Herabsetzung der Zuckersteuer, die Aufhebung des Kaffeezollcs er- strebt und die Ermätzigung des Teezollcs durchgesetzt zu haben. Im Jahre 1999 hat es von alledem das Gegenteil getan: es hat die Tabak- und die Viersteuer erhöht, die Ermätzigung der Zuckersteuer verhindert und den Kaffee- und den Teezoll erhöht, dazu noch eine Anzahl weiterer Gcnutz- und Gebrauchsmittel weiter belastet. Natürlich werden die M.-Gladbacher Zentrumsagitatoren das jetzige Verhalten des Zentrums als ein ebenso grohes und und er- gänzliches Verdienst der Zentrums-„VoIkspartei" anzupreisen wissen, wie das gegenteilige Verhalten im Jahre 1993. Krawall in Badisch-Rheinfelden. Am 12. d. Mts. brachte ein Aufseher der Aluminiumfabrik in Badisch-Rheinfelden, deren Arbeiter augenblicklich im Streik stehen, 23 Streikbrecher von Bahnhof Beugge». Als sie die Streikposten passierten, rief man ihnen zu, daß hier Streik sei. Der Ausseher zog sofort seinen Revolver und gab einen scharfen Schutz auf einen der Streikenden ab, der jedoch mit der Hand die Mündung der Mordwaffe noch im letzten Augenblick beiseite schlagen konnte, so datz ein Unglück verhütet wurde. Die Arbeiter waren selbstredend empört über den Revolverhelden. Es gab einen großen Auflauf vor den Aluminiun, werken, und die Arbeiter verlangten von der Gendarmerie die Verhaftung des Aufsehers, die aber unbcgreiflicherweise nicht erfolgte. Darüber wurde die Menge aufs höchste erbittert und die Italiener fingen an, die Wohnung des Aufsehers zu demolieren und die Fenster mit Steinen einzuschlagen. Darauf herrschte Ruhe. Auf einmal fielen ein scharfer Gewehrschutz und mehrere Revolverschüsse aus dem Portierhaus, ohne zu treffen. Nach einer Weile folgte wieder ein Gewehrschutz. Ein Italiener sank— ins Herz ge« troffen— zu Boden. Ein weiterer Schutz folgte, der einem Deutschen durch die Lungen ging. Beide sind tot. Die beiden Eo schosseuen waren an dem Krawalle nicht beteiligt. Der Portier der Fabrik wurde erkannt, als er das Gewehr anlegte. Die Schuld an dem Krawalle dürfte indirekt die Gendarmerie zu tragen haben, die durch ihr passives Verhalten die Menge erbitterte und reizte. Hätte der Fall umgekehrt gelegen, ein Streikender hätte sich erlaubt, mit dem Revolver zu schießen, die Gendarmerie wäre höchst wahrscheinlich sofort eingeschritten und hätte ihn verhastet. Krach in der Miinchener liberalen RathauSfraktio«. In der liberalen RathauSftaktion in München ist eine Spaltung eingetreten. Eine Anzahl von linksliberalen Mitgliedern der Fraktton hat ihren Austritt erklärt. Die Ursache ist folgender Vorgang: In München sind einige Rechtsratsstellen erledigt. Um eine der artige Stelle hat sich der Gewerberichter Dr. Getzler beworben. Am Sonnabend hat die liberal« RathauSfraktio» zu den Bewerbungen Stellung genommen, wobei einige liberale Vertreter heftige Aus fälle gegen Dr. Getzler und gegen das Gewerbegericht unternahmen. Sie erklärten: eS sei unmöglich, der Bürgerschaft einen Mann zu präsentieren, der eine derartige sozialpolitische Vergangenheit habe, als Gewerberichter auf Seite der Arbeiter stehe, und dessen Judi katur immer zu Ungunsten der Unternehmer neige.— Die Fraktion beschloß dann— mit 19 gegen 1ö Stimmen— das Gesuch des Dr. Getzler abzulehnen, um einem jüngeren Herrn, der zudem schlechter besoldet ist, ihre Stimme zu erteilen. Die Folge war der Austritt eines Teiles der Fraktions- Mitglieder und die Drohung des Borsitzcnden der Fraktion, datz er sein Amt als Vorsitzender niederlegen wolle. Eine Huldigungsfahrt. Wie einst nach Friedrichsruh zum nationalen„Hera 5", so wandern jetzt die ehrsamen Parrioten nach den Gestaden Norderneys, um dort dem Fürsten Bülow zu huldigen. Wie der Telegraph berichtet, träfe» gestern mehr als 400 Männer und Weiblein aus Wilhelmshaven und Umgegend zur Huldigung ein. Sie marschierten vom Hafen mit Musik nach der Wohnung des Fürsten. Der Fürst empfing eine Deputatton, geführt von dem Rektor Muehlhof, der eine Ansprache hielt und mit einem Hoch auf den Fürsten schloß. Fürst Bülow erwiderte mit Dankesworten und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Darauf wurde gezecht und geschmaust.— Ein kostbares Geständnis. Die bayrische Zentrumspresse veröffentlicht einen Warnungsruf vor dem.Landarbeiter', dem Organ des Verbandes der Land- usw. Arbeiter Deutschlands. Das gefährliche Blatt werde in verschiedenen Gegenden Bayerns mit großer Emsigkeit verbreitet, und es sei daher Zeit, dieser Frage die größte Bedeutung zu schenken,.wenn e S nicht eines Tages geschehen soll, wie es bei den Industriearbeitern gegangen ist, wo erst etwas geschieht, wenn eS zu spät ist.' Sonst gibt sich die Zentrumspresse imnier die größte Mühe nachzuweisen, datz der erste Anstotz zur wirtschaftlichen Organisation der Industriearbeiter von Ultramontauen ausgegangen sei, wie man auch in wahrheitSwidrigcr Weise behauptet, die klerikale Partei habe in Deutschland die ersten Arbeiterschutzanträge gestellt. Mit ihren oben zitierten Auslassungen gesteht nun die ZentrumSpresse daS Gegenteil ein. Die Bemerkung, datz es jetzt„zu spät' ist, bedeutet zugleich auch daS Geständnis, datz man im ZentrumSlager recht(jut weiß, wie gering die Bedeutung der christ- lichen Gewerkschaften nn Vergleich zu den freien Gewerkschaften doch ist. Der Warnungsartikel der Zentrumspresse ist übrigens zum Bei- spiel im.Bayerischen Kurier' in München mit dem Korrespondenz« zeichen versehen, unter dem Abg. Dr. H e i m gewöhnlich seine schriftstellerischen Elaborate zu veröffentlichen Pflegt. Zur Erzwingung des Kadavergehorsams. Je mehr in den sogenannten regierenden Kreisen die Furcht zunimmt, daß im Falle innerer Unruhen ein Teil des Militärs den Dienst versagen und nicht blindlings den Befehlen der Kam- mandierenden folgen könnte, um so mehr prägt sich in den Urteilen der Militärjustiz daS Bestreben aus, jedes Gefühl der Selbständig- keit in dem gemeinen Soldaten zu unterdrücken und ihn zum blinden Kadavergehorsam zu erziehen. Einen neuen Beleg dafür liefert eine Verhandlung, die dieser Tage vor dem Oberkriegsgericht in Dresden als Berufungsinstanz stattfand. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Am IS. Juni d. IS. waren mehrere Soldaten des 28. Artillerie, regiments in Pirna zum Reinigen des Stalles befohlen. Der Fahrer Wagner behielt während der Arbeit der Vorschrift gemäß und weil er Halsleidend war, seine Halsbinde um. Ohne Grund und Ursache befahl der Unteroffizier Flemminger dem Auge- klagten die Halsbinde abzunehmen! Den ersten Befehl hatte W. überhört. Auf den zweiten erwiderte er:„Ich habe Halsschmerzen, ich nehme die Halsbinde nicht ab!" Der in der nähe stehende Unteroffizier Wolf bemerkte den Vorfall und glaubte einschreiten zu müssen. Ohne sich über den Sachverhalt zu orientieren befahl er Wagner, die Halsbinde abzunehmen! Obgleich W. den Unter- vsfizier auf sein.Halsleiden gstsmerksam machte und Wolf bat, von dem Befehl Abstand zu nehmen, drang der Unteroffizier auf Ausführung des Befehls. Wagner nahm denn auch schließlich die Halsbinde ab. Aber damit sollte die Angelegenheit noch nicht er- ledigt sein. Die beiden Unteroffiziere brachten die Sache zur Meldung. Wagner wurde wegen Gehorsamsverweige- rung, Beharrens im Ungehorsam und Achtungs- Verletzung vor das Kriegsgericht gezerrt. Vor Gericht erklärte er, er habe tatsächlich Halsschmerzen gehabt und deshalb die Binde nicht abgenommen. Auch habe er den Befehl nur als Schikane aufgefaßt. Die beiden Unteroffiziere schnitten in der damaligen Verhandlung schlecht ab. Sie mutzten sich sagen lassen, daß der efehl sinn- und zwecklos gewesen sei und sie wohl den Angeklagten nur hätten schikanieren wollen. Selbst der Anklage- Vertreter trat für den Angeklagten ein und meinte er, datz Wagner in einer Art Notwehr gehandelt habe. Zum mindesten sei er aber vorschriftswidrig behandelt worden, und deshalb müsse ihm der Z 98 des Militärstrafgesetzbuchs(Wenn ein Unter- gebener zur Tat gereizt wird, dann kann die Strafe auf die Hälfte herabgesetzt werden.) zugebilligt werden. Das Kriegs- gericht verurteilte den Angeklagten unter Anwendung des 8 98 zu 3 Wochen einen Tag strenge» Arrest!(Die Mindeststrafe wäre 6 Wochen ein Tag Gefängnis gewesen.) Es nahm an, datz W. schikaniert und vorschriftswidrig behandelt worden sei. Gegen das Urteil legte Wagner Berufung ein, welche in- dessen vom Oberkriegsgcu:ich4 als unbegründet ver- worfen wurde! Das Berufungsgericht nahm im Gegensatz zur Vorinstanz nicht an, datz der Angeklagte durch die Befehle s ch i k a- niert worden ist! Der Befehl die Halsbinde abzunehmen sei zweckmäßig gewesen! Wenn das Oberkriegsgericht, so führte der Verhandlungsführcr aus, als erste Instanz in der Sache zu entscheiden gehabt hätte, dann wäre die Strafe viel härter ausgefallen! Drei Wochen ein Tag sei eine außer- ordentlich gelinde Strafe! Wagner habe gar keine Ur- fache sich beschwert zu fühlen. Mit Rücksicht auf die„Frech- heit" und.Disziplinlosigkeit" wäre entschieden eine härtere Strafe am Platze gewesen! Das Oberkriegsgericht konnte jedoch auf eine höhere Strafe nicht erkennen, weil der Gerichtsherr nicht Berufung eingelegt hatte. kfreta. Soweit die Aeußerungen der offiziellen Stellen in Frage kommen, neigt die Wage wieder einmal zu einer friedlichen Lösung des türkisch-griechischen Konflikts. Der türkische Mi nister des Innern hat alle Kriegsgerüchte für falsch erklärt. Selbst im Falle einer unbefriedigenden Antwort Griechenlands werde der türkische Gesandte in Athen nicht abberufen werden. Ucberdies sei auf eine.günstige Antwort Griechenlands zu hoffen. Der Minister erwartet weiter, datz die Schutzmächte die Kreter dazu bewegen werden, die griechische Flagge niederzuholen. Die türkische Regierung hat einen Beweis ihrer Mätzigung gegeben, indem sie auf den Rat der Schutzmächte daraus verzichtet hat, ihre Flotte eine Demonstration in den kretischen Gewässern ausführen zu lassen. Ueber die Antwort, die Griechenland geben wird, ver lautet noch nichts. Bemerkenswert ist jedoch, datz die gesamte Athener Presse den Kretern dringend rät, sich in das Einziehen der griechischen Flagge zu fügen und dadurch ihre Willfährigkeit gegenüber den Rat schlügen der Schutzmächte zu erkennen zu geben. Die Athener Presse betrachtet die letzte Note der Türkei an Griechen land als einen Beweis für die Mätzigung der Türkei und ihre friedliche Gesinnung gegen über Griechenland. Auch aus Kreta kommen Meldungen, die da zeigen, datz die Regierung der Insel nicht geneigt ist, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Das neue Ministerium, das nach dem Rücktritt des bisherigen aus dem Unterstaatsanwalt Zouridis, dem Gerichtspräsidenten Kapsalis und dem Richter Sounatson von der Kammer erwählt wurde, soll entschlossen sein, dem Verlangen der Schutzmächte nach Nicderholung der griechischen Flagge nachzukommen. Jedenfalls hat sie gegen eine Schar von Bauern, die in Kanea eingezogen war, um die Flagge gegen die Schutzmächte zu schützen, Militär- und Gendarmerie Patrouillen aufgeboten, die die Bauern entwaffnen sollen. Aus verschiedenen Teilen der Insel werden Kundgebungen gegen die Forderungen der Schutzmächte gemeldet, doch ist es bisher nirgends zu Unruhen gekommen und in Athen herrscht der Eindruck vor, daß es der kretischen Regierung gelingen werde, ohne Eingreifen der Schutzmächte die Flagge niederzuholen. Mehrere Kriegsschiffe der Schutzmächte sind inzwischen in der Sudabai eingetroffen. Am Dienstag soll ein Ge- schwader von acht Schiffen dort versammelt sein und 1000 Mann Landungstruppen zur Verfügung stehen. Sie sollen in Aktton treten, tvenn bis dahin die Flagge nicht niedergeholt ist. Werden die Truppen ausgeschifft, so sind die Schutzmächte ent- schloffen, wieder Garnisonen auf kretischem Boden zu errichten und die kürzlich erfolgte Räumung der Insel von den Truppen wäre' damit auf längere Zeit wieder rückgängig ge- macht. Die Konsuln der Schutzmächte richteten am 13. August an die kretische Regierung eine Erklärung, in der sie auf die Gefahren hinweisen, die der Autonomie der Insel drohen, falls die Kreter den Rat der Schutzmächte, die griechische Flagge einzuziehen, zurückweisen. Kriegerischer ist die Stimmung in der türkischen Gesell- schaft und Presse. Der Boykott gegen die griechischen Waren wird scharf durchgeführt. In Konstanttnopel wurde am Montag der griechische Dampfer„Sango" nicht gelöscht und die griechischen Spezereihändler werden von den Türken boykotttert. Die türkischen Blätter verlangen, datz die Schiffe der Mächte Kanea bombardieren, falls die Entfernung der griechischen Flagge verweigert wird.— In Serres(Maze- donien) wurde der Sekretär des dorttgen griechischen Konsulats Coussis von einem Unbekannten ermordet. Indes hat die Pforte an die Provinzbehörden die Aufforderung ge- richtet, der Bevölkerung zu empfehlen, datz sie Kaltblütigkeit bewahren und anttgriechische Kundgebungen oder Akte, welche Mitzvcrständnisse veranlassen könnten, vermeiden möge, weil die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei normal seien. Der kürzlich in Pera verhaftete Grieche soll kein Offizier, sondern ein für die Kretasache arbeitender griechischer Journalist sein._ Italien. Eine Engnete über die Arbeit in den italienischen Bergwerken. Rom, 9. August.(Eig. Ber.) Das italienische Arbeitsamt veröffentlicht soeben den zweiten Teil der Enquete über die Lage der Arbeiter in den Bergwerken und Steinbrüchen. Während der erste Teil den Zweck hatte, Elemente zur Frage der Unfalls- und Altersversicherung der Bergwerkarbeiter zu liefern, soll dieser zweite Teil die Grundlage abgeben für ein Gesetz über den Arbeitsvertrag der betreffenden Arbeiterkategarie. Das Material ist von den In- spektoren der Bergwerke' gesammelt worden und bezieht sich auf das Jahr 1999. Die Enquete erstreckt sich auf 5Sb10 Bergleute und 13 993 Arbeiter der Steinbrüche. Was die Bergleute betrifft, so stellen Sizilien(27 327) und Sardinien(14 999) die grötztet» Zahlen. Die Arbeiter in den Steinbrüchen sind am stärksten in Toskana vertreten, wozu die Marmorbrüche von Carrara gehören. Tie Arbeitsdauer unter Tag beträgt in der Rtehrzahl der Fälle 8 Stunden. Ueber Tag wird im Sommer meistens 19, im Winter 9 oder 8 Stunden gearbeitet. Dem gewonnenen Erze nach kommt an erster Stelle der Schwefel, dann das Blei, schließ- lich das Zinn. In 45 Prozent aller Bergwerke wird ohne Schicht- Wechsel gearbeitet, in den übrigen finden 2 oder 3 Schichtwechsel in 24 Stunden statt, lieber die Auszahlung des Lohnes wird her- borgehoben, datz vielfach nur in sehr langen Abständen bezahlt wird, die auch einen Monat und mehr betragen. Das Truksystem ist in hoher Blüte. Die Arbeiter werden geradezu in Bons oder Marken bezahlt, die sie nur in bestimmten Läden ausgeben können, die. den Herren Bergwerksbesitzern gehören. Dies geschieht unter dem Borwand, datz es den Arbeitern zu schwierig wäre, die oft entfernt liegenden Ortschaften für ihre Einkäufe aufzusuchen. Als weiterer Mißstand wird hervorgehoben, datz den Arbeitern unter dem Vorwand von Strafen, Ersatz von Arbeitsinstrumenten, Kautionen usw., bedeutende Lohnabzüge gemacht werden. Ueber die Art der Lohnzahlung wird gerügt, datz sie z. B. in den sizili- anischen Schwefelbergwerken nur am Sonntage stattfindet, so daß die Arbeiter nutzlos einen stundenlangen Weg machen müssen. In mehreren Fällen wurde eine Entfernung von 27 Kilometer Ion- statiertl Haarsträubend ist auch, daß für 42 Prozent der Arbeiter- schaft die Unternehmer sich daS Recht ausbedungen haben, sie von heute auf morgen zu entlassen, was in Widerspruch zum gemeinen Rechte steht. Es wäre zu hoffen, datz die skandalösen Enthüllungen der Enquete nicht nur als Studienmaterial dienen, sondern den Gesetzgeber zu energischem Eingreifen anregt. Cuglanck. Die Verteidigung des britischen Reiches. London, 14. August.(Eig. Ber.) Seit einigen Wochen tagt hier eine Konferenz der Delegierten der selbständigen briti- scheu Kolonien, die den Zweck hat, eine einheitliche Reichsarmee zu schaffen. Die Verhandlungen finden unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt. Nur von Zeit zp Zeit werden offizielle Mitteilungen gemacht, die teils direkt, teils indirekt die Lage beleuchten. So wurde in den letzten Tagen angekündigt, datz Lord Kitchener zum Oberbefehlshaber der im Gebiete des Mittelmeeres sich befindenden britischen) Truppen ernannt wurde. Kitchener wird ferner die Aufgabe zufallen, die in Afrika zerstreuten britischen Garnisonen zu reorganisieren und einheitlich zusammenzufassen. Schließlich wird das Mittelmeer in einem Kriege, an dem England beteiligt ist, der Schauplatz der Konzentration der aus Austral- ästen und Afrika herbeieilenden Hilfskräfte sein. Weiter wird bc- richtet, datz General French nach Kanada abreist, um die militärischen Kräfte der Dominio in die Reichsarmee einzugliedern. Die Reicksmilitärkonferenz, die gegenwärtig in London tagt, kam zum einstimmigen Beschlüsse, dem Plane der britischen Rc- gierung zu folgen und die militärischen Kräfte der Kolonien so zu organisieren, datz sie jederzeit als organische Teile der Reichsarmee dienen können. Gewehre. Geschütze. Munition, Truppenausbil- dung, Monturen, Transport usw. sollen für die ganze Reichsarmer die gleichen sein. Die Kolonien sollen Offiziere im britischen Ge. neralstab haben.— � DaS größte Interesse wendet sich der Ernennung KitchenerS zu. Kitchener wird die Aufgabe baben, in Verbindung mit der Mittelmcerflotte. Aegypten gegen einen österreichischen Einfall(?) zu schützen und die Mittelmecrroute dem britischen Handels- und Truppenvcrkehr offen zu halten.- c Dänemark. Neues Ministerium. Die Ministerkrise ist zu Ende. Graf Holftein-Ledre- borg hat ein neues Kabinett zusammengebracht, in das der bis- herige Ministerpräsident Neergard als Fmanzmmister und Ehristensen als Verteidigungsminister eintritt. Die meisten Minister des vorigen Kabinetts behalten ihre Portefeuilles. CürKcu Die Nationalitäten nnd die Jnugtürken. Saloniki, 19. August. Gestern wurden hier und in der Provinz grotze bulgarische Versammlungen abgehalten, die Kirchen- und Schulfragen behandelten. In einer Proklamation greift der Bulgarenklub die Jungtürken heftig an und beschuldigt sie, Hann- discke Zustände wieder eingeführt und die konstitutionelle Freiheit mit Füßen getreten zu haben.— Konstanttnopel, 19. August. Wie die Blätter melden, hat der Prätendent von Aemen, Said JdriS, vorgestern t ii r- Ii f ch e Truppen angegriffen, welche 115 Tote ver- l o r e n. Der Ministerrat beschloß die sofortige Entsendniig einer Militärexpeditio».— Der Angriff ist eine Episode ans einer schon lange dauernden Erhebung arabischer Stämme gegen die türkische Herrschaft.— �„ pernen. Sie bleiben im Lande! Die russische Regierung hat in der„Nowoje Wremja' ein entschiedenes Dementi aller Nachrichten erlassen, datz Nutz- land seine Truppen aus Persien zurückzuziehen gedenke. Auch England ziehe vorläufig seine Truppen rncht zurück. Es zweifelt wohl niemand daran, datz die Russen und die Engländer nur dann Persicn wieder verlassen werden, wenn ent- weder das persische Volk stark genug ist, sie hinauszukomplimcn- tieren oder wenn eine Aenderung der weltpolitischen Konstellation den beiden.Schutzmächten' die Räumung rätlich erscheinen lassen wird. stlarokko. Große Worte. Aus FeS wird vom 12. August gemeldet: Bagdadi und Den Henah sind gestern nach Tauger und Melilla abgereist, um den Stämmen im Nif den Befehl des Sultans zu überbringen, die Angrisse gegen die Spanier einzustellen und Kontingente zur Schaffung einer Mahalla im Rif zu liefern. Der Snltan hat Befehl erteilt, der spanischen Regierung von dieser Sendimg Mitteilung zu machen und sie um Einstellung der Angriffsbeweguugen des Generals Marina zu er- suchen. Er. der Sultan, werde die zur Herstellung der Ordnung notwendigen Truppen in daS Rif entsenden. Melilla, 15. August. Wie aus AlhuceinaS gemeldet wird, dauerte der Kampf gestern den ganzen Tag bis zum Abend. Die Mauren richteten nicht nur Gewehrfeuer, sondern auch wiederholt Gcsckützsener gegen die Stadt. Madrid, den 19. August. Wie aus Melilla gemeldet wird, sind in der letzten Nacht mehrere Baggersckiffe eingetroffen, welche be- stimmt sind, einen Kanal zwischen Marchika und dem Meere her-, zustellen, um es.den Kanonenbooten zu ermögliche», das Borgehen der Truppen zu unterstützen. Indien. Die Unabhängigkcitsbrwegung. In Bengalen und anderen Provinzen fanden gewaltige Demonstrationen gegen die englische Unterdrückungspoliiik statt. In einer Riesenvcrsammlung in Kalkutta stellte der Rcfe- reut den Verlauf der Bewegung dar. Von Versammlungen und Petitionen ging man über zum Boykott britischer(auch amen- konischer und deutscher) Waren, der geradezu wunderbar wirkte. Ursache sei nicht Rassenhaß, sondern Zorn über die Verwaltungs- Willkür und die reaktionären Maßnahmen der Regierung. Der aus England zurückkehrende Führer t>er Bewegung, Bannerjee, wurde mit unbeschreiblicher Begeisterung empfangen. Nahezu 199 999 Menschen demonstrierten in voller Ordnung in einem u>r- geheuren Zuge. Kalkutta, 16. August. Ein Polizei-Unterinspektor, ein Kon- stabler und ein eingeborener Diener wurden von Landlcuten in der Nähe von Hardoi in der Provinz Oudh, wo sie eine Unter- suchung zu führen hatten, totgeschlagen, ein anderer Kon- stabler wurde schwer verletzt, GewcrftfcbaftUcbee. Die Organisationen der deutschen Arbeitgeber. Zum erstenmal bringt das«Statistische Jahrbuch siir das Deutsche Reich", Jahrgang 1909, eine Uebersicht über die Arbeitgeber- organisationen. Doch, wie man die Angaben des Jahrbuches über die Arbcitgeberverbände auch betrachten mag, ein Bild von der Stärke und der Bedeutung, welche die Arbeitgeber- verbände als Kampforganisationen gegen die Gewerkschaften haben könnten, kann man nicht gewinnen. Während die gleichfalls im Jahrbuch enthaltene Statistik der Arbeiter- organisationen klipp und klar Auskunft gibt über die organisato- rische Gliederung, Mitgliederzahl und Kassenverhältnisse der Gewerk- schaften, erweckt die Statistik der Arbeitgeberverbände den Eindruck, als wolle sie unter dem Schein einer öffentlichen Darlegung die tatsächlichen Verhältniffe verschleiern. Die Statistik teilt die Arbeitgeberorganisationen in Rcichsverbände, Bezirks- und Landes- verbände, Ortsverbände, gemischte Landes- und Bezirksverbände, gemischte Ortsverbände. Jede dieser Gruppen zerfällt wieder in zlvei Teile: Organisationen, die anderen Verbänden angeschlossen sind, und solche, die anderen Verbänden nicht angeschlossen sind. Es ist ohne weiteres klar, dag ein so verzwicktes Gebilde die Uebersichtlichkeit erschwert und zu erheblichen Fehlern in der Statistik Anlaß geben muß. In einer Anmerkung deS Statistischen Amts heißt es, daß Doppel- zählnngen nach Möglichkeit vermieden sind. Dadurch wird doch wohl indirekt zugegeben, daß möglichenfalls unter den NeichSverbänden die eine oder andere Organisation mitgezählt sein kann, die in den Gruppen der Bezirks- und Ortsverbände nochmals aufgeführt wird. Schon die Möglichkeit solcher Doppelzählungen macht eine Statistik fast wertlos, auf jeden Fall aber muß sie mit größter Vorsicht aufgenommen werden. Sehen Ivir nun, was uns dje Statistik über die Stärke der Arbeitgeberverbände sagt. Die Gruppe der nicht angeschlossenen Verbände zählt 46 Reichsverbände mit 144 499 Mitgliedern, die zusamnien 3124 866 Arbeiter beschäftigen, 38 Landes- und Bezirks- verbände mit 13 394 Mitgliedern, die 483 595 Arbeiter beschäftigen, 43 Ortsverbände mit 1510 Mitgliedern, die 40 218 Arbeiter beschäftigen. DaS gibt eine Gesamtzahl von 127 Ver- b ä n d en m i t 159 304 Mitgliedern, die 3 643 679 Ar- beiter beschäftigen. Wer sich durch große Zahlen verblüffen läßt, der könnte viel- leicht zu dem Schluß kommen: Die freien, Hirsch-Dunckerschen und christlichen Gewerkschaften geben für 1993 eine Mitgliederzahl von 2 291 808 an, die organisierten Unter- nehmer dagegen beschäftigen 3 648 679 Arbeiter, also ist die Unternehmerorganisation stärker wie die Organisation der Arbeiter. Ein solcher Schluß wäre jedoch durchaus verfehlt, denn für die Stärke, das heißt die Kampftüchtigkeit einer Organisation ist nicht nur die Zahl maßgebend, sondern es sind noch eine Reihe anderer Umstände von wesentlicher Bedeutung. Vor allem kommt es aus die AktionS- und� Schlagfcrtigkcit an, und diese hat wieder eine Einheitlichkeit der Organisation zur Voraussetzung. Daran aber fehlt es den Unternehmern noch sehr. Soweit die Statistik einen Einblick in die Gliederung der Unternehmerorganisation ge- stattet, ist sie von der Einheitlichkeit, von der Zentralisation noch weit entfernt. Da gibt es noch eine erhebliche Zahl, die sich nur über einen Ort oder Bezirk erstrecken, ohne engere Beziehungen mit den Berufs- angchörigcn anderer Orte zu haben. Ferner gibt es Verbände, welche für die Bcrnfsangehörigen des ganzen Reiches bestimmt sind. Mit den Arbeiterorganisationen verglichen sind die ersteren den Lokalvereinen gleichzuachten, während die letzteren ungefähr den gewerkschaftlichen Zentralverbänden entsprechen. Weiter haben die Unternehmer zwei Zentralen: den Verein deutscher Arbeitgeberverbäude und dieHauptstelle deutscherArbeitgeberverbände. Diese Zentralen mögen ungefähr das sein, was die Gcneralkommission für die freien Gewerk- schaften ist. Mit dem Unterschiede allerdings, daß den Zentralen der Unternehmer sowohl Reichsverbände als auch selbständige Landes-, Bezirks- und Ortsvereine angeschlossen sind und viele dieser Einzel- organisationen noch fernstehen. Dem Verein deutscher Arbeitgeberverbände sind angeschloffen 9 Reichs-, 13 Landes- und 23 Ortsvereine mit insgesamt 32 599 Mitgliedern, die 1459 999 Arbeiter beschäftigen. Der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände gehören an 13 Reichs-, 14 Landes-� 13 Ortsvereine mit 6144 Mitgliedern, die 988 142 Arbeiter beschäftigen. In den beiden Zentralen sind demnach 38 644 Mitglieder mit 2 438142 Arbeitern vereinigt. Das ist etwa% aller organisierten Unternehmer, aber etwa% aller bei organisierten Unter- nehmern beschäftigten Arbeiter. Es scheint also, daß die größeren Unternehmer mehr zur Zentralisation neigen wie die kleinen. Die beiden Zentralen haben auch eine eigene Streikversicherung. Auch die Reichsverbände, die keiner Zentrale angeschlossen sind, geben an, daß sie eine eigene Streikversicherung besitzen. Ueber die Leistungsfähigkeit der Streikversichcrungen erfährt man jedoch nichts, denn über die Kassenverhältnisse liegen keine Angaben vor. Von 11 anderen Verbänden wird angegeben, daß bei ihnen eine Streikversicherung vorgesehen ist. Gewiß haben sich die Unternchmerorganisationen in den letzten Jahren stark vermehrt. Das wußte man schon ohne die Angaben dieser mangelhaften Statistik. Die Unternehmerorganisationen sind stark genug, daß die organisierten Arbeiter mit ihnen rechnen müssen, aber sie sind keineswegs so stark, daß die Gelverkschaften Ursache hätten, die Organisationen der Unternehmer zu fürchten. Auf jeden Fall aber sollen die Arbeiter beherzigen: Bereit sein, heißt alles!_ Berlin und Ckmgegend. Die Lohnbewegung der Zehdenicker Schiffbauer ist durch Vergleich beendet. Der Stundenlohn wurde um 2 Pf. erhöht, von 49 auf 42 Pf. Die Sperre ist aufgehoben. Im Betonwerk Biesenthal, Firma Clasen u. Merck, Abteilung Zementröhren. Borsigwalde, sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug streng fernzuhalten. Deutfehes Reich- Zum Lohnkampf im Solnhofener Lithographiesteingebiet. � Die Streikleitung des Deutschen Stcinarbeiterverbandes richtet folgenden Appell an die Arbeiterschaft Deutschlands. Arbeiter! Sieben Wochen tobt bereits der Lohnkampf im Solnhofer Lithographiesteingebiet und noch immer ist das Ende nicht vorauszusehen. 809 Arbeiter liegen auf dem Pflaster. Die Lithographiesteinindustriellen wollen ihren Raubzug vollenden, in- dem sie darauf bestehen, daß ihr bis zu 59 Proz. reduzier- t e r Tarif angenommen lviÄ>. Nahezu 209 Streikbrecher haben sich gefunden und für weitere haben sich Agenten zur Vermittelung gemeldet. Es steht fest, daß aus Norddeutschland und Nord- b a y e r n bereits einige Trupps von S t r e i k b r e ch e r n auf dem Wege sind. Wir appellieren deshalb an die Arbeiterschaft Deutschlands, uns behilflich zu sein in diesem heiligen Kriege, und alles daran- setzen zu wollen, um den Plan eines profitgierigcn Unternehmer- tums zu vereiteln. Arbeiter! Hunderte von Kindern haben auf Wochen ihre Väter verloren, die anderweitig Arbeit suchen mutzten. Seid auch vergntw. Redakteur: Kans Weber« Berlin. Inseratenteil verantw.- den im christlichen Verbände organisierten Kollegen bei Vermitte- lung von Arbeit behilflich und übt an diesen Solidarität, trotz Ver- leumdungen der christlichen Führer. Das Lithographiesteinproletariat kämpft den Verzweif- lungskampf um seine Existenz. Setzt alles daran, jeden Zuzug. fernzuhalten!_ Protestversammlung der Techniker. Gegen die Maßregelung weiterer drei Beamten der M a- schinenfabrik Augsburg am Freitag protestierte eine öffentliche Versammlung in München, die vom„Deutschen Tech- nikerverband" und dem„Bund der technisch-industricllen Beamten" einberufen worden war. Nach einem Referat des Architekten Kauf- mann-Bcrlin, in welchem derselbe u. a. ausführte, daß die gelbe Organisation innerhalb zweier Jahre von dem Werk Augsburg nach und nach die Summe von 393 990 Mk. als Unterstützung erhalten habe, und einem weiteren Referat des Ingenieurs Neu- mann, der vom Staat die Förderung der Organisa- tion verlangte, wurde einstimmig folgende Resolution an- genommen: „Die Versammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis von der neuerlichen Matzregelung mehrerer technischer Beamter durch die Maschinenfabrik Augsburg. Sie muß feststellen, daß derartige Machenschaften geeignet sind, die Arbeit der durch königliche Verordnung eingeführten Angestellten- ausschüsse bei den Handelskammern völlig lahm zu legen und fordert daher die königlich bayerische Staatsregierung auf, u n g e- säumt Schritte zu unternehmen, um jede Schmälerung des Wahlrechts der Angestellten zu verhindern. Sie sieht einen geeigneten Weg darin, daß in Zukunft Staatsliefc- rungen grundsätzlich nur an solche Firmen vergeben werden, von denen es feststeht, daß sie das Koalitionsrecht und die persönliche Freiheit ihrer Angestellten in keiner Weise beeinträchtigen. Besonderen Wert legt die Versamm- lung darauf, daß die königliche Regierung in allen Zwcifelsfällcn beschließen möge, den Vertretern der Ange st eilten- organisation Gelegenheit zur Aeußerung zu geben. Die Versammlung spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß auch der M a g i st r a t der Stadt München sich zu diesen Grundsätzen bei Vergebung von Lieferungen an die Stadt- gemeinde bekennen möge, und bittet das Gemeindekollegium, in diesem Sinne auf den Magistrat einzuwirken. Die Versammlung fordert alle Angestellten auf, durch An- schluß an eine Berufsorganisation die Reihen der Kämpfer gegen das gewalttätige Untern c.hmertum zu stärken, und spricht die Hoffnung aus, daß die Berufsorganisationen die tren- nendcn Punkte mehr und mehr vergessen, um mit vereinten Kräften den gemeinsamen Feind zu bekämpfen." Streik der Ehauffeure. Die München er Ehauffeure be- schlössen in einer Versammlung vom Sonnabend auf Sonntag mit 279 gegen 7 Stimmen den Streik. Am Sonntag morgen traten die Chauffeure im Vollzug dieses Beschlusses nicht zum Dienst an. Am Sonntag morgen haben 22 Unternehmer die For- derungen bewilligt. Da München zurzeit infolge der Wagner- festspiele im Prinzrcgententhcater großen Fremdenzuzug aufzu- weisen hat, würde ein längerer Streik die Unternehmer empfindlich treffen. Zuzug von Chauffeuren nach München ist strengstens fern- zuhalten._ Zum Kampf im Baugewerbe in Hamburg. Die Plattenansetzer beschlossen, auf allen Bauten die Arbeit einzustellen. Es soll' auch mit den Bauten keine Ausnahme ge- macht werden, auf denen die Forderungen der Maurer bewilligt sind.— Die Bauhilfsarbeiter nahmen in einer Versammlung mit Entrüstung den Bericht über das herausfordernde Verhalten der Leitung des Baugcwerbcvcrbandcs entgegen. Nach kurzer Debatte wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: „Es wird überall, wo noch zu den alten Bedingungen ge- arbeitet wird, die Arbeit eingestellt. Arbeit darf nur zu den neuen Bedingungen angenommen werden." Zu den neuen Bedingungen arbeiten 613 Mitglieder und zu den alten 129. Bei Beginn der Bewegung traten 3999 Mitglieder in den Streik, respektive wurden ausgesperrt. Jiusland. Bauarbeiterstrcik in Wintcrthnr. Seit 12 Wochen dauert nun der Streik der Maurer und Hand- langer unverändert fort. Die zu wiederholten Malen untcrnom- menen Vermittelunasversuche sind an der Protzcnhaftigkeit und sozialen Rückständigleit der Herren Baumeister gescheitert. Diesen ist es aber nicht gelungen, eine größere Anzahl Streikbrecher auf- zutreiben. Die Streikenden halten nach wie vor an ihren Forde- rungen fest. In ihrer verzweifelten Notlage erheben die Herren Baumeister ein fürchterliches Geschrei, verbreiten zum Zwecke die Behörden scharf zu machen, die krassesten Unwahrheiten. Eine diesbezügliche Eingabe an die städtischen Verwaltungsbehörden strotzt derart von Lügen und Verdrehungen, daß sich sogar die Streikbrecher genötigt sahen, in der bürgerlichen Presse die Eingabe als ein verlogenes Machwerk hinzustellen. Bereits wächst sich diese Eingabe zu einer Riesenblamage für die Herren Baumeister und ihre Hintermänner aus. Die Sympathie der Winterthurer Be- völkerung ist allgemein auf Seite der Streikenden, jedermann gönnt den Herren Baumeistern die Schlappe, die sie sich in diesem Kampfe bereits geholt haben. Die Herren Baumeister suchen jetzt durch die Presse des In- und Auslandes und durch Streikbrecher. agenten überall Streikbrecher anzuwerben. Wir bitten deshalb unsere Organisationen überall unverzüglich Gegeninserat« zu er- lassen und uns vom Sachverhalt Kenntnis zu geben. Wir gewär- tigen auch gerne Mitteilungen betr. etwa vorhandener Arbeits- gelegenheit, damit wir zugereiste Kollegen etwa dorthin schicken bezw. ihnen Arbeit verschaffen können. Arbeitersekrctariat Winterthur und der Verbandsvorstand. In New Jork ist ein großer Schneiderstreik ausgebrochen. Die Streikenden fordern eine neunstündige Arbeitszeit und die Ab- schaffung der Stückarbeit. Auch wird teilweise eine Erhöhung deS bisherigen Wochenlohnes um 19 Proz. verlangt. Die Schneider haben eine starcke Organisation und in vielen Fällen haben die Unternehmer es vorgezogen, dem Streik zu begegnen und Ver- träge mit dem'Schneidcrverband abzuschließen. Die Zahl der Strei- kenden wird auf 19 999 bis 15 999 geschätzt. In Brooklyn streiten allein 6999 Schneider.__< Soziales. Eine Schadenersatzklage gegen Wilhelm II. Im August v. I. verunglückte auf der HohkönigSburg im Elsaß ein Burgdiener. Die Verletzung war so schwer, daß ihm daS rechte Bein unterhalb des KnieS abgenommen werden mußte. Für diese Kategorien von kaiserlichen Dienern besteht an- scheinend keine Unfallversicherung, denn seit Februar d. I., wo die Krankeuunterstiitzung ablief, erhält der Verlinglückte keine rcgel- mäßige Unterstützung. An Stelle des früheren gesunden Beines besitzt er ein hölzernes: da er aber Arbeit nicht zu finden vermochte, lebt er von der Unterstützung durch Verwandte. In dieser Lage wandte er sich— durch Vermittelung des Arbeitersekretariates— an daS Oberhofmarschallamt deS Kaisers mit der Bitte um Unter- stiitznng, erhielt jedoch bis jetzt noch keinen Bescheid. Der normale Rechtsweg für den Vermiglücktcn ist nun der, daß er auf dem Wege deö Armcnrechtes eine Schadenersatzklage gegen den Schloßherrn der Hohkönigsburg anstrengen wird. Ttz, Glocke« Berlin, Druck».VerlsZ: Vorwärts Buchdr, u, BerlagSanM» ArSeiter als Baukontrolleure. Die letzthin von den Arbeiterbaukontrollkommissionen eingeleiteten Baulonirollen haben reichliches Material über Verstöße gegen die Bauvorschriften zutage gefördert. Dadurch ist den Behörden denn doch einwandfreies Material zur Begründung der Arbeiterforderung auf vermehrten Bauarbeiterschutz geliefert worden. Auch die Slot- wcudigleit, Baukontrolleure aus Arbeiterlreifen anzustellen, erhielt dadurch neue Bestätigung. Die Gegenaklion der Berufsgeuosseu- schaften konnte gegen diese Feststellungen nicht auflommen. Jetzt will der Bremer Staat sich dazu entschließen, einen Weg zu beschreiten, den— wie es begründend heißt— beide Parteien mitgehen können. Der Senat har eineir Gesetzentwurf ausarbeiten lassen, der die Anstellung zweier Baukontrolleure für das bremische Staatsgebiet vorsieht, deren Aufgabe darin besteht, die Bauten auf die Unfallverhütungsvorschriften hin zu inspizieren. Diese Kontrolleure sollen aus den Polieren entnominen werden. Den Arbeiterfordernngen ist damit nicht völlig Genüge getan; immerhin ist ein Schritt auf dem von ihnen geioünschten Wege getan. Diese Kontrolleure sollen mit vierteljährlicher Kniidigung augestellt werden und ein Jahrcsgehalt von 2—3999 M. beziehen. Die Kündigungsklausel soll deshalb vorgesehen worden sein, um die Kontrolleure in kürzester Zeit entlassen zu können, wenn sie ihr Amt zu politischen Zwecken mißbrauchen sollten. Verlarmnlimgen. Tabakarbeiter und Tabaksteuer. Am Freitag tagte im Lokal von Wilke in der Brunnenstraße 183 eine überfüllte Versammlung von in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeitern und Arbeite- rinnen des Deutschen Tabakarbeiterverbandes. Karl Deichmann- Bremen sprach über:„Der 4 Millionen-Unterstützungs- fondsunddiebedrängteLagederTabakarbeite r". Der Referent illustrierte den Versammelten an Hand eines reichen Zahlenmaterials, wie sich die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter trotz absolut gesteigerter Löhne infolge der Zoll- und Steuerpolitik verschlechterte. Wenn sich aber schon die Lage der gesamten Ar- beiter verschlechtert habe, bemerkte er, da gelte das erst- recht für die Tabakarbeiter, die nicht imstande waren, Lohnerhöhungen in gleicher Weise mit den anderen Arbeitern zu erlangen. Während der Durchschnittslohn aller Arbeiter im Jahre 1999: 789 M. be- tragen habe, sei er im Jahre 1997 auf 1968 M. gestiegen. Das mache einen Mehrverdienst von 96 Pf. täglich aus. Der Durch- schnittslohn des deutschen Tabakarbeiters sei aber in derselben Zeit nur von 541 M. auf 692 M. gestiegen; das ergebe einen Mehrvcr- dienst von 21 Pf. täglich. Der Redner unterzog dann die neuen vom Reichstag beschlossenen indirekten Steuern einer instruktiven Kritik. Eine ber bedenklichsten Folgen sei die Verminderung der Existenzbedingungen für den Tabakarbeiter als Produzenten. Eine Schädigung der Arbeiter bedeute der angenommene Antrag Gies- berts betr. die Unterstützung der durch das Tabaksteuergesetz brotlos werdenden Tabakarbeiter. Die Tabakarbeiter müßten nun überall die Forderung aufstellen, daß bei dem infolge des Tabaksteuergesetzes eintretenden Produktionsrückgang keine Arbcitercntlassungen ror- genommen werden. Die eintretende Arbeitslosigkeit müsse alle Arbeiter gleichmäßig treffen. Werde auf diese Weise dafür gesorgt. daß der Arbeitsmartt von einem allzu großen Arbeiterangebot ver- schont bleibe, so dürfe in den kommenden schweren Zeiten aber auch niemand seiner Organisation den Rücken kehren. Alle müßten dafür eintreten, daß die noch fernstehenden Arbeiter ihrer Organisaliou zugeführt werden. Folgende Resolution empfahl die Gau- und Ortsverwaltung des Deutschen Tabakarbeilerverbandes zur Annahme: „Die am 13. August, abends, in Wilkes Festsälen zu Berlin tagende öffentliche Versammlung der Tabak-, Zigarren- und Z'- garettenarbeiter erklärt sich mit den Ausführungen des Refe- renten einverstanden und verspricht, dahin wirken zu wollen, daß in allen Betrieben der Taoakindustrie, wo infolge des ab- geänderten Tabaksteuergesetzes vom 16. Juli 1999 Produktions- einschränkungen sich notwendig erweisen, keine Arbeitercnt- lassungen vorgenommen werden sollen. Sie verlangt vielmehr. daß die bei einer Firma beschäftigten Arbeiter zeitweise die Arbeit aussetzen oder, wo die Betriebseinrichtungen dies nicht gestatten, abwechselnd gleichmäßige Feierschichten eingeführt werden. In maschinellen Betrieben, wie z. B. in der Zigaretten- industrie, sind die Arbeitsaussetzungen gleichmäßig auf die an der Maschine beschäftigten Arbeiter, sowie auf die beschäftigten Handarbeiter auszudehnen. Erweist sich auch diese RegKung als undurchführbar, so soll für Maschinen- wie für Handarbeiter die Arbeitszeit entsprechend verkürzt werden.(Pensumarbeit.) Sollten sich wider Erwarten die Fabrikanten dieser im all- gemeinen Interesse des Tabakgewerbes liegenden Regelung der Produktion entgegenstellen, so haben die Betriebsvertraucnslcute hiervon sofort der Verwaltung der hiesigen Zahlstelle des Deut- schen TabakarbeitervcrbandcS Mitteilung zu machen." In der Diskussion gab der Gauleiter des Deutschen Tabak- arbciterverbandeS, Max Kiesel, bekannt, daß es durch sein Ein- greifen schon an einigen Stellen im 13. Gau gelungen sei, Küudi- gungcn von Arbeitern rückgängig zu machen. Die betreffenden Fabrikanten haben die vorgeschlagene Arbeitseinteilung akzeptiert. Dagegen hat die Firma Ermler zu Berlin. Breitestr. 11, 49 Ar- beitern gekündigt. Die Leute sind dort zum Teil 29, 39 Jahre beschäftigt und— sämtlich unorganisiert.— In seinem Schlußwort wies der Referent darauf hin, daß vom Deutschen Tabakarbeiter- verband Unterstützungsformulare herausgegeben werden, die bei Anträgen auf Unterstützung aus dem 4 Millionen-Fonds benutzt werden könnn. Die Formulare können sowohl organisierte wie Nichtorganisierte Tabakarbeiter von den Gcvollmächtigten des Deutschen Tabakarbeiterverbandes beziehen. Den Arbeitern, denen die Ausfüllung der Formulare Schwierigkeiten bereitet, ist Kollege Wilh. Boerncr, Ritterstr. 15(Zigarrengeschäft), von morgens 8 bis abends 5 Uhr zu Helsen bereit. Von dieser Einrichtung können auch Nichtorganisierte Tabakarbeiter Gebrauch machen.— Nachdem der Vorsitzende Boerner noch auf den Generalstreik in Schweden hingewiesen und zu reger Sammeltätigkeit aufgefordert hatte, wurde beschlossen, den Ertrag der Tellersammlung nach Schweden zu überweisen. Die Ortsverwaltung des Deutschen Tabakarbeitcr- Verbandes bewilligte zu demselben Zweck aus der Lokalkasse den Betrag von 259 Mark._ Letzte JVacbricbten und Depefcben. Ehrung eines von Streikbrechern Erschossenen. Badisch-Rhcinfelden, 16. August.(B. H.) Heute vormittag 19 Uhr marschierte ein Arbeiterzng mit roter Fahne an das Grab des erschossenen italienischen Arbeiters, der am Sonntag ohne Wissen seiner Frau und Kinder beerdigt worden ist. Gewerkschafts- sckretär Engler und ein Italiener hielten Reden und teilten darin mit, daß kommenden Sonntag ein Temonstrationszng nach dem Grabe geplant sei, an dem alle Arbeitervereine sich beteiligen werden. Um 11 Uhr ist das requirierte Militär wieder nach Konstanz zurückgekehrt. Vom Eisenbahnzug übcrrannt. Posen, 16. August.(B. H.) Auf dem Bahnhofe Schrotz überfuhr gestern ein Eisenbahnzug ein Fuhrwerk. Eine darin befindliche Frau wurde getötet, während zwei andere tödliche Ver- lctzungen erlitten._ Cholera-Verschleppung. Emden, 16. August.(B. H.) Der Dampfer„England", der von Petersburg kommend in Nieuwe Waterweg bei Rotterdam eintraf, wurde mit Aufsichtsschiffen verankert, da zwei Mann, wie holländische Blätter melden, anscheinend an der Cholera erkrankt sind, Streikende Feuerwehrleute. Rom, 16. August.(B. H.) In Neapel ist ein Ansstand der Feuerwehrleute ausgebrochen, welcher Anlaß zu Befürchtungen gibt. Kaul Singer Lc Co., Berlin LW. Hierzu2Beilagcn u.Unterhaltungsbl. Nr. 190. 26. Jahrgang. 1. Kkilqe tos„ Dienstag, 17. Augnjt 1909. für den ichwedüchen Gcncralltrdk. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreil stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Hermann h. Co., Maschinenfabrik 4,65. Tischlerei D. Morgenstern 12,35. K. Wolter 1,50. Liste 1485, Seist u. Wagner, Druckerei 11,50. Liste 1786 13,75. Liste 4339, Tischlerei von Hempel 10,25. Liste 2894, Glasschlciserci Zalomonis 18,10. Hirsch, Charl. 10,—. Liste 1509, Buchdr. Schuhmacher '6Jj5. Pers. d. Buchdr. Maurer u. Dimmick 7,—. Pianosabr. G. Hoff- mann 3,50. Buchdruck.-Hilssarb.,»lbt. d.„Woche- 20,—, Liste 1046, Orts- lasse Ripdorf 30.-. Liste 2410,«lugest, u. Hilssarb. d. Ortskasse Rixdorf 47,50. Liste 1518, Buchdr. Wilh. Hartmann 6,40. Fabrikpers. L. Jürgens 20,—. Liste 4334, Goldleistensabr. I. Muller 10,60. Zusammensetzer b. E. Jakob 9,70. Liste 24, Maurer bei der Kaijer-Wilhelm-Akademie 9,—. Personal der Elektrischen Fabrik von Sehl 5,—. Personal b. Mohr u. Speyer 10,—. Liste 1520. Personal der Buchdruckerei Srewitz 17,60. Personal der Metall- ivarensabrik Kurz 5,—. Gesangverein„Jmmergrun'-Tegel 20,—. Liste 1673, Tischlerei Lieb Nitz u. Rese 25,15. Möbelsabrik Siewert 11,—. Personal der Stocksabrik Noa 13,85. 3. Abt., 5. Wahlkreis 6.—. Liste 3597, Schleifer bei Gebr. Krüger u. Co., Köpenick 5,—. Liste 3595, Srehersaal bei Gebr. Krüger u. Co., Köpenick 23,85. Buchdruckcrei Reuter u. Siecke 3,—. Möbel tabrik Anders 7,—. Tischlerei NöSler u. Schmidt, 2. Rate 21,40. Tischlerei Benno Hecht, 1. Rate 21,85. Liste 47, Bau Landhausstr. 49 6,75. Bau Sldols Schulze, Rixdors 13,—. Personal bei Kreselawski u. Co., Papiersabrik, erste Rate 25,—. B. u. C., Slbteilung Kunzig 6,85. Liste 6303, Pianosabr. Hoffmann 8,40. Liste 1567, Buchdr. Veilchciiseld 15,70. Liste 3502, Mitallwarensabr. Kerks u. Co. 13,35. Liste 1532, Buchdr. Boll 27,50. Liste 4336, Mechanikfabr. Wiesner 16,70. Pers. d. Buchdr. Schnitzer u. Bukoszer, 1. Rate 6,45. Liste 2920, Schlosserei Otto Aachs. 22.50. Werk- zcugsabr. Klaus 10,50. Liste 2956, Med. Warenhaus 43,50. Glaser d. Firma Laake 3,—. Otto Lüdtke 1,—. Liste 5470, Buchdruckcrei P. W. Porinetter 15.15. Tischlerei Schimming 6,—. Küchenmöbclmaler b. Kutsch 4,—. Liste 4760, Buchdruckerei Germania 18,25. Liste 3529, Kronleuchter« sabrik Kowalke 7,25. Bautischlerei Schüler 6,13. Liste 1572, Such- druckereipersonal Berolina 6,50. Tischlerei Sachse u. Hesse 21,75. Liste 1477, Personal der Buchdruckerei Schenk Nachs. 12,90. Polierer bei Voigtländer 10,—. Kollegen b. Firma Schwarz u. Fröhlich 15,50. Personal d. Buchdruckcrei Haß, 1. Rate 9,—. Hutmacher der Firma Schilling 10,50. Rlctallgiefferei Gradenwitz 5,—. Liste 1533, Buchdrucker b. Gebr. Unger 21,30. Liste 4379, Personal b. KiSIing 20,20. Personal d. Sruckcrci Lange 6,40. Lifte 1440, Personal„Lokal-Anzeiger"(Zeitung) 12,45. Liste 4391, Tischlerei Stabenow 21,80. Liste 4393, Tischlerei Olm 14,40. Liste 3527, Personal bei Bellers Rcgistrator- Compagnie 10,50. Liste 1577, Buchdrucker bei Sil. Weichert 12,50. Silberwarenwerkstatt Abraham 4.—. Schlosserei ?l. Benvcr 24,45. Liste 2895, Tischlerei Karl Müller 11,55. Personal der Buchdruckcrei H. S. Hermann 265,25. Arbeiter d. Zigarcttcnsabrik Manoli 69,35. Liste 4333, Tischlerei Wolf 15,70. Listen 2883, 2889, 2890, 2891, 2892, Maschincnsabril F. Werner 103,45. Liste 1780, Kollegen der Firma M. Sasse 35,30. SB. Sasse 1,—. Liste 1531, Personal der Buchdruckcrei S. Schalem 27.35. Liste 336, Buchbinder der„Seutschen Warte" 21,55. Klassenbewußte Arbeiter Rüster, Gerlinger 8,25. Hascloff-Rixdors 6,—. Pers. d. Firma Lorette u. Co. 11,—. Liste 4395, Kistcnmacher b. Staitz 15,25. Koll. d. Firma Koch u. Engel 12,75. Liste 6371, Tischler b. Tietze 10,30. Liste 4344, Srechslcr u. Schlciser b. C. Müller, A.-G., 14,90. Liste 4653, Graphische Anstalt Himmel 15,25. Stockarbeiter b. A. Ludwig u. Co. 40,75. Bez. 710 13,50. Sattler d. Seutschen Ossiziervereins 20,95. Gas- werk Mnriendorf, Werkstatt 21,10. Verein Berl. Schristgictzer 200,—. Glas- schleiscr Firma Sitlmeier 9,35. Ernst P. 1,—. Liste 1, Koll. b. Hilfe Nachs. 11,—. Liste 4389, Tischlerei Schubert inkl. Sechscrlasse 11,75. Kollegen d. Färberei Naeve 9,10. Liste 25, Pianosabrik List 7,20. Tischlerei F. Tierichens 14.50. Atelier Oppenheim u. Stern 9,65. Koll. d. Firma Standard 9,—. Möbelfabrik B. Schmidt 13,—. Liste 2893, Tischlerei Kuttner u. Hans 22,—. Klavicrarbcitcr bei Hillgärtner 20,—. Nachtrag zu Liste 2893, Kuttner u. Hans 1,—. Liste 3550, Montage-SIbt. Wilmersdorf der Seutschen Telephonwerke 29,55. Liste 3526, durch Fischer 7,60. Drei Kollegen der Pkaisai-Harris-Kompagnie 3,—.«'on den organisierten Berliner Tabak- arbeitern, trotz der Tabaksteuer 250,—. Tellcrsammlung der ösfcntl. Tabak« arbeiter-Versainmlung vom 13. August 1909 32,05. Listen 1500, 1501, Stereothpcure vom„Lokal-Anzciger" 17,25. Gr. 3,—. Liste 2209, Schnitt- arbciter bei Spinn u. Sohn 20,40. Zigareltensabrik Fredy 15,50. Bäckeret Cito Hanke, Manteuffclstraße 10,75. Liste 2883, Spathe 25,60. Artisten- verein Jugendkrast-WilmerSdors 10,—. Kollegen der Autosabrik Löwen- stein 11,50. Tischlerei Ncumann, Schönhauser Allee 8,—..Gegen Ausbeuter» tum" Gbr. W. 5,—. Modell-Abt. bei Bergmann A.-G. 5,—. Verband der Maurer, Nowawcs 100,—. E. Malkowitz 4,—. Verein Glückstern, Moabit 10,05. Liste 5498, Buchdr. Gebhardt, John u. Land 26,—. 3 Monteure von A. Sähring 2,—. Koll. bei Sannenberg u. Co. 9,—. Former, Kernmacher, Hilfsarbeiter u. Tischler bei Härtung A.-G. 60,—. Gesangverein Gesund- bnmneii Harmonie 30,—. Setzer und S rucker Fränkel u. Stroh 4,—. Skatllub Oller ehrlicher Seemann 10.—. Sltclier Gustav Lyon 14,—. O. Köhler 2,—. Bez. 373a, T. 2, 4. Wahlkr. 20,—. Arbeitcr-Raucherbund Berlin u. Umg. 100,—. Anton Bier, Hänelstr. 7,20. Bez. 675a, Moabit 2,50. Verb. d. Schneider u. Schneiderinnen Charlottenburg 20,—. Sozial- demokrat. Wahlverein Hartha 50,— und Kegelklub Alle Neune 10,—, 60,—. Genossen Sanatorium Stubbe 5,45. M. Waldmann 5,—. Gesangverein Männerchor Köpenick 20,—. L. PeterS, Martendorf.7,90. Artur Seebach 1,—. Munition für den Kamps vom L.-C.-Zlixdors 10,—. Ein paar rote Hand- lungSgehiljen 2,50. Sl. Muth 1,05, Modelltischlerei Ballnuß 5,—. Liste 1460, Verw. d. Vereins Berliner Buchdrucker und Schristgicßer 16,70. Schneider b. Bär Sohn, Betriebswcrkstätte 30,—. Zentralverb. d. Zivilbcruss« Musiker, Verw. Berlin 100,—. Liste 4380, Rahmeiunacher bei C. Raschig 8,75. Äctallarb. b. Robert Schulz 6.—. Pers. b. Jvsetti, Zigarettensabrik 28,10. Paul Ziele 2,—. Silberwarcnsabrik C. Schneider 17,00. Verband der«teinarb., Fil. Berlin 200,—. 325. Bez. 4. Kr. 5,—. Liste 31, Bauarbeiter d. Kanalisation, Neue Fricdrichstr. 10,10. Arb. b. Haese u. Harz, Spiegelsabr. 7,15. Koffcrsabr. Kleinod u. Göpler 6,—. Liste 2934, Arbeiter bei Frister u. Roßmann b,50. Liste 2899, Arbeiter bei Körb er 4,50. Kamm- sabrik Rahn u. Co., Hohenschönhausen 7,—. Liste 1474, Pers. der Buch- druckerei Marschner 25,70. Liste 4374, Tischlerei O. Erdmann 25,05. Pers. d. Buchdruckerei Feister 7,15. Liste 2882, Pers. der Buchdruckerei Roscnthal u. Co. 14,15. Scchserkasse der Buchdr. Senter u. Nikolas 40,—. Luxuspapicrfabrik F. PitiuS, 4. Etage 25,45. Lifte 5462, Pers. bei Gebr. Ernst, Buchdr. 27,85. Sechserlasse Tischlerei Beyer u. Kröning 15,—. Sechserkasse d. 352. Bez. 4. Kr. 5,—. Lifte 4333, Möbelsabrik Neumann u. Bunar 32,85. Tapezierer b. Kohlmctz 6,75. Tischlerwerkstatt C. Schüler 9,50. S. E. 6,00. Karosseriesabrik Eggebrccht u. Oehlke 25,20. Liste 2900, Metallarbeiter bei Konrad u. Grübler 9,75. Personal der Nauckschcn Buchdruckerei 18,00. Schlosser, Schmiede und Arbeiter der Wirt« schastsgcnossenschast 6,90. Arbeiter bei Münchmcyer u. Co. 15,80. Liste 4340, Tischler b. Sippelt u. Rothe 20,50. Verb. d. Schneider, Filiale Berlin I. 500.—. Schneider d. Jockey-Klubs 20,—. Liste 302 u. 225, Schneider b. Peel u. Cloppenburg, Kottbuser Samm 75,—. Liste 269, Schneider bei Ebenstein 20,—. Liste 292, Schneider bei Griewisch 20,50. Liste 294, Schneider bei Papst u. Kunze 12,75. Liste 286, Schneider bei Romann 28,50. Liste 230, Schneider bei Wendt u. Redlich 26,35. Liste 250, Schneider bei Klemens 8,50. Liste 229, Schneider bei Wols u. Schulz 18,—. Liste 289, Schneider bei Koppel 33,50. Liste 246, 299, 300, Schneider bei H. Hoffmann 57,50. Verb. d. Hutmacher, Fil. Berlin. 1. Rate 100,—. Hut- sabrik Lichtenstein 11,55. Liste 2935, Norddeutsche Metallwarcnsabrik 8,—. R. A. 2,—. Liste 6425,„Manoli", Maschinenabt. 15,10. Liste 1553, Pers. b. Gebr. Fehl, Buchdruckerei 8,20. Liste 4329, Tischlerei Sawatzki 19,40. Liste 2596, Zentralmagazin 6,50. Pers. b. Schtstan, Buchdr. 3,50. Tischlerei E. Schmidt, Gr. Franksurterstr. 7,—. Tischlerei Wusterbarth u. Sohn 21,75. Deutsche Tclephonwerke A. G. vorm. Stock: Listen 1762, Abt. Pusch u. Klause 16,05, 1763 Expedition 10,90, 1764 Rostock 14,40, 1765 Lehmann 22,00, 1766 Wilhelm 9,25, 1767 Born 8.75, 1763 Pape 11.20, 1769 Pape 7,75, 1770 Dase 20,75, 1771 Schäfer 14,—, 1773 Hermann 8,05, 1774 Rehbcrg 16,35, 1775 Stricke 10,20, 1776 Apelt 19,95, 1777 Kluge 17,75, 1680 Stümpsle 34,70, in Snma 242,05. Liste 1563, Personal der Buchdruckerei Köpke 19,50. Organisierte Maler bei fischer u. Maaß, Bau Lichtenberg 5,00. Liste 1548—1552, Personal der uchdruckerei Hempel 67,—. Lifte 4323, Tischler v. Wengler u. Mohrmann 7,65. Liste 4041, Bau Köpenickcrstr. 40 24,20. Von G. 4,— Liste 4802, Kraftdroschkensührer 12,— Liste 1461 u. 1462, Rotationsmaschinenmeister bei Ullstein 20,50. Tischlerei Gille u. Grobowski 16,50. Liste 4301, Tischler bei Rödelshcimer 20,—. Liste 1561, Druckerei Gehring u. Reimers 9,—. Pers. der Berliner Druckerei 9,20. Tischlerei tzaase-Pankow 6,—. Einige Handels- angestellte 3,50. Sllbumsabrik K. u. B., süns Mann 2,50. Liste 2990, Schnittarbeiter bei Jürft u. Co. 11,50. Liste 316, Buch- bindere! Schomburg 16,30. Liste 4381, Tischlerei Ä. Zahn 42,45. Liste 2953, Maschincnsabr. Behling u. Lübke 42,55. Möbelfabr. Grünenthal, Passoth u. Co. nebst Budiker 8,30. Liste 2943, Arb. d. Gesellsch. s. drahtlose Telegraphie 31,55. Bez. 394b. 2. Teil. 4. Kr. 18.—. Tischlerei Nickel, Kernicke u. Lehmann 41,35. Liste 43-12, Tischlerei Voigt, Weberstraße 6,35. Schneider b. Schöndube 10,—. Liste 44, Bau d. Schöneberger Kranken- hnuseS 7,30. Verb. d. Porzellanarbeitcr, Fil. Berlin 50,—. Peters Groß- bäckerei, Rixdors 4,—. Sektion d. Eisenbahner, Fil. Berlin 21,50. Liste 6110, Maurer u. Arbeiter beim Schulbau Wilmersdorf 15,05. Arbeiter d. Möbel- sabrik Fcltzer u. Koffer 11,05. Liste 1557, Buchdrucker b. Sittenseld 2,65. S-chserlasse d. 407./408. Bez., 5. Kreis 5,—. Listen 983, 986 d. Hinz 10,35. Rehseldt 1,—. Brotfabrik M. Modrow, Reinickendors 16,—. Listen 1362—1365, 1367, 1369—1373, 1375—1378, 1381—1383, 1385—1387, Arbeiter und Arbeiterinnen der Optischen Anstalt C. P. Görz, A.-G., Friedenau 717,10. Liste 2218, Schneider b. H. Hosmann und Bette, Bud u. Lachmann 28,20. Liste 260, Schneider b. Knappe 6,50. Liste 2210, Zahl- abend ö. 3. Abt.. 2. Kreis 6,25. Liste 2222, Zahlmorgen d. 3. Abt.. 2. Krris 3,50. Gesangverein d. Bäcker„Morgengrauen", 1. Rate 50,—. M. und F. 1.50. Liste 1575, Buchdrucker L. Düringshosen 2,—. Ges. bei Lier, Naunynstr. 9 3,10. Liste 4949, Töpfer v. Bau Böttcher, Kottbuser Damm 12,90. Listen 6591—6593, Bauarb.-Vcrb., Seit. d. Staakcr Berlins 44.—. Liste 4372, Tischlerei v. Schön 12,25. Liste 142, C. H. Röhl, Knopssabr. 14,75. Kollegen b. Hoffmann u. Göbler, Bierdruckapparatesabril 7,50. Liste 4343, Tischler und Polierer bei Bauer, Rigaer Str. 7,45. Modelltischler bei Müller u. Schulze 5,—. Bauarbeiter aus dem Bau Beuthstr. 5,95. Liste 2919, Gürtler, Schleifer, Werkzeugmacher u. Gießer bei Reinhold u. Westphal 18,50. Liste 4330, Korbmacher b. Wronker Nachs. 33,60. Listen 5191, 5192, Kollegen b. Riesel u. Kammer 35,75. Kollegen d. Möbelsabrik Gerson 30,—. Summa 6737,23. Bisher eingeliesert 11 123,95 M.; dazu kommen 6737,23 M., zusammen 17 861,18 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I. Zimmer 23, vor- mittags S— IL'/g und nachmittags von 4— V'/» Uhr abzuliefern. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. kleines feuilleton. Staub sollst du fressen— dieser Fluch der Bibel ist erst im Zeitalter des lebhaftesten Fortschritts in Erfüllung gegangen. Wer an einem Sonntage in der staubgesegneten Umaegenid Berlins frische Luft genießen will, der kann die Lorteile der Auto- mobilkultur im vollsten Umfange auskosten. Während in unseren wissenschaftlichen Anstalten die merkwürdigsten und aus- gefallensten Dinge untersucht werden, ist es unseres Wissens noch keinem Hygieniker eingefallen, festzustellen, wieviel Staubteilchen durch ein Automobil auf der Landstraße ausgewirbelt tverden, wie lauge sich der Staub in der Luft hält, wieviel Bakterien er pro Kubikzentimeter entMt, was für vorübergehende und dauernde Schädigungen das zu Fuß gehende Volk an seiner Gesundheit da- durch erleidet. Wir sind allesamt an die Vergewaltigung von oben her so gewöhnt, daß wir dergleichen ruhig in den Kauf nehmen— wie jetzt eben wieder die unerhörte Verteuerung aller Lebens- und Gcnußmittel und die dreifachen Aufschläge des Zwischenhandels die Jahre gewerkschaftlichen Kampfes mit einem Schlage illusorisch machen. Daß der Staat die Pflicht hätte, die ungeheure Mehrzahl der Bevölkerung vor der Automobilswubpest zu schützen, ist ja wohl klar genug. Aber da die herrschenden Schichten das Vergnügen und den Sport ihrer Mitglieder nicht stören wollen, ist nicht ein-- mal der Anfang einer Automobilhhgiene gemacht. Und wenn jetzt von Versuchen zur Staubbekämpfung etwas verlautet, so ist die Initiative dazu keineswegs der Obrigkeit, die sonst den Menschen zum Gegenstande ununterbrochener Ge- und Verbote nimmt, zu danken. Wie die„Umschau" mitteilt, hat der Mitteleuropäische Motorwagenverein es unternommen, die notwendige Erkenntnis von Art und Wesen der Staubbekämpfung zu fördern. Der Forst- fiskus hat dazu(welch eine Tat!) die Havelchausseen von Pichels- bcrg bis Wannsee zur Verfügung gestellt, wo unter ganz gleichen Verhältnissen vier Firmen je ein Viertel der genannten Chaussee nach ihrer Art geteert haben. Es müßte wunderbar zugehen, wenn unsere Technik nicht imstande wäre, die von den Automobilen ausgehenden Belästigungen zu bekämpfen. Aus Straßburg wird eben wieder von einer neuen Erfindung gemeldet, die an jedem Automobil angebracht werden kann und den durch die Automobile erzeugten Staub und die ebenso kästigen Auspreßgase auft'augt. Wann wird eine gesetzliche Vor- fchrift endlich uns anderen, die wir nicht Auto fahren, die Luft rein von Staub und Gestank zurückgebend Die Abrüstung in utt Tierwelt. In den großen naturwissen. schaftlichen Museen, die auch mit den Resten ausgestorbener Tiere reichlich ausgestattet sind, finden sich stets zahlreiche Skelette, die den Beweis liefern, daß in früheren Zeiten der Erdgeschichte manche Tiere, auch solche von ungeheuerer Größe, wie sie jetzt gar nicht mehr erreicht wird, mit Panzern von erstaunlicher Mächtig» kcit ausgerüstet waren. ES ist nun eine höchst reizvolle Aufgabe für den Lstursorscher, durch Vergleiche der ausgestorbenen Tier»' Welt mit der noch lebenden zu verfolgen, wie die einzelnen Fami- lien sowohl größerer wie kleinerer Tiere im Laufe der Zeit ihre Rüstungen zum Teil gänzlich abgelegt haben. Es gibt ja auch heute noch recht tüchtig gepanzerte Lebewesen. Unter den niederen Tieren, namentlich unter den Insekten, braucht man nach Bei- spielen nicht lange zu suchen. Aber auch unter den großen Wirbel- tieren, gerade unter den Riesen ihrer Klasse, finden sich die„Dick. häuter" mit ihrem dicken Fell, das erst die mörderischen Ge- schösse der Neuzeit zu durchdringen vermochten. Außerdem fallen jedem selbstverständlich sofort solche Wesen wie Schildkröten und Gürteltiere ein. Dennoch läßt sich der Nachweis führen, wie es Dr. Felix Oswald in der Monatsschrift„Science Progreß" unter- nommen hat, daß im allgemeinen in der Tierwelt die Neigung zum Ausdruck kommt, die Rüstung abzulegen. Die Amphibien und Reptilien, die heute meist nackt oder schlecht behaart sind, haben Vorfahren mit einer kolossalen Panzerung gehabt. Die Zahl der Knochenfische, die vor Alters vielfach in einen soliden Panzer eingeschlossen waren, ist wesentlich zurückgegangen oder hat»hr Schutzkleid zum großen Teil verloren. Die Gürteltiere stammen von Ahnen ab, die einschließlich des Schwanzes und der Beine in Knochenpanzern von riesigem Gewicht steckten, und sogar die Wale und Delphine, deren Haut bei den heutigen Vertretern nur durch die dicke Fettschicht eine erhebliche Widerstandskraft erhält, sind die Nachkommen von gepanzerten Tieren. Tie Tierwelt scheint also dem Menschen ein Vorbild allgemeiner Abrüstung zu geben. Die höchste Alpeustraßr. Bisher war das Stilfser Joch mit einer Höhe von 2760 Metern die höchste fahrbare Bergstraße in Europa; in einiger Zeit wird es aber diesen seinen Hauptruhm abgeben müssen. In den savohischen Alpen wird eine fahrbare, auch militärischen Zwecken genügende Straße über den Col del' Jseran gebaut werden, deren höchster Punkt 2770 Meter hoch liegen, also die Höhe de? Stilfser Jochs um 10 Meter überschreiten wird. Diese neueste Alpenstraße soll vom Ouellgebiet der Jstre ansteigen und in Bonneval am Are endigen, um die Gebiete von Tarcntaise und Maurienne miteinander zu verbinden und da- mit den Umweg von 225 Kilometern, der bisher nötig war, um von einem der genannten Täler ins andere zu gelangen, aus- zuschalten. Der Bau der neuen Alpenstraße wird Genf und Nizza in direkte Verbindung bringen; diese wird dann nur noch 620 Kilo- meter betrage». Die Kosten des Baues sollen 4 Millionen Fr. nicht überschreiten. Humor und Satire. Fürs Vaterland! Es wird dem Menschen arg verteuert, womit er sich den Magen bläht.' da frag' ich denn: warum besteuert man jenes nicht, was von ihm geht? Zweimal'ger Steuer würdig wäre jedwede Nahrung, kalt und warm; erst auf dem Weg zur Speiseröhre und später nach durchlaus'nem Darm. Mtichattlicher Vochenbericht. Berlin, 14. August 1909.> Stmdikatspolitik in der Kaliindustrie.— Kaliproduktion und Preis- gestaltung.— Spekulation und Allgemcininteresse.— Schwierig- leiten im Kalisyndikat.— SluSlandSverknufe zu niedrigen Preisen. i•. Kampfsyndikat. Wie die Syndikatspolitik sich in Widerspruch setzt mit den Allgemeininteressen, wie unter der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise das Wohl der Gesamtheit dem Dividendeninteresse weniger Kapitalisten hintangestellt wird, lehrt sinnenfällig die Entwicklung der Kaliindustrie und der hier herrschenden Produ- zentenorganisation. Bei dieser Industrie kann man sich der näheren nationalen Bezeichnung enthalten, denn es gibt nur eine Kaliindustrie und das ist die in Deutschland. Abgesehen von einer ziemlich belanglosen Produktion in Ungarn, ist Deutschland der alleinige Produzent und Lieferant für den Weltmarkt. Kali ist ein hochwertiges Dungmittel; es hat als solches für die Landwirt- schaft große Bedeutung, besonders dort, wo durch intensive. Kultur ausgesogener Boden nach Düngung hungert. Deshalb ist auch Amerika einer der Hauptabnehmer von Kali. Dessen Bedeutung für die Agrarkultur müßte nun vernunftgemäß als stärkstes Be- dürfnis das nach billiger Produktion auslösen, damit das Dung- mittel zu wohlfeilen Preisen an die Konsumenten gebracht werden könnte. Da wird man es sonderbar finden, daß nicht einmal die berufenen Vertreter der Landwirtschaft, die Agrarier pur excel- lence, die Hahn und Konsorten, zum Wohle der„Notleidenden" energisch dafür eintreten, daß Kali so billig verkauft wird, als das die Gewinnungsmöglichkeit gestattet. Der Bund der Land- Wirte hat sich allerdings finanziell in der Kaliindustrie engagiert, aber nicht, um durch technisch-rationelle Ausbeute diese billiger zu gestalten und das Kali, gewissermaßen das Brot des landwirt- schaftlichen Betriebes, zu wenig über den Gestehungskosten liegen- den Preisen an die Verbraucher abzugeben. Die Bündler stützen und schützen die Preispolitik des Kalisyndikats, an das auch der Fiskus als Kaligrubenbesitzer interessiert ist. Für jene Preis- Politik ist einzig und allein kapitalistisches Interesse nach eng» herzigster Erwägung maßgebend. Sie verhindert die Zunahme des Verbrauchs, hält die Produktion weit hinter der Leistungsmög- lichkeit der Werke zurück und stabilisiert Preise, die um 50 Proz. und mehr unterboten werden könnten. Woher nun diese Wider- sinnigkeiten? Sehen wir zunächst zu, wie sich die Kaliproduktion gestaltet hat.> Im Jahre 1885 wurden in Deutschland 7 Werke betrieben, die bei einer mittleren Belegschaft von 4133 Mann 921 000 Tonnen Kalirohsalze produzierten, deren Wert auf rund 11 Millionen M. angegeben wird; mithin Wert pro Tonne 12 M. Im Jahre 1890 wurden 1 275 000 Tonnen produziert, der Einheitswert war auf 13,25 M. hinaufgegangen. Ziemlich kräftig setzte dann die Unternehmungslust ein; die Kaliindustrie verhieß dem spekulativen Kapital hohen Gewinn, schnellten doch auch zunächst die Preise noch weiter hinauf. Der für 1896 ausgewiesene Einheitswert be- trug rund 14 M. 1904 zählte man bereits 45 Werke mit einer Produktion von über 4 Millionen Tonnen Salze, für welche die amtlichen Ausweise einen Wert von fast 49 Millionen Mark an- geben. Danach stellt sich- nun der Einheitswert wieder auf rund 12 M. Es war somit wieder der Preisstand von 20 Jahre vorher erreicht. Für die Produktion im Jahre 1907 von 5 749 400 Tonnen aus 79 Werken ergibt sich ein Gesamtwert von 66?b Millionen Mark, ein Einheitspreis von 11,60 M.. Die Gewinnung von Chlor. kalium aus wässeriger Lösung nahm folgende EntWickelung: 1885: 23 Werke 107 200 Tonnen Erzeugung, Einheitswert 146 M.; 1890: J 23 Werke 187 000 Tonnen Erzeugung, Einheitswert 130 M.; 1900: 21 Werke 271000 Tonnen Erzeugung, Einhcitswert 130 M.; 1904: 30 Werke 297 200 Tonnen Erzeugung, Einheitswert 118 M.; 1907: 44 Werke 473 100 Tonnen Erzeugung, Einheitswert 112 M. Bei der Rohsalz- und Chlorkaliumgewinnung waren im Jahre 1907 zusammen rund 28 000 Personen beschäftigt. Da seit 1890 die Preise nicht wesentlich gesunken sind, könnte man annehmen, daß sei die Folge eines trotz der starken Erzeugungssteigerung hinter der Nachfrage zurückgebliebenen Angebots. Das stimmt aber nicht. Nach fachmännischer Berechnung müßte, zur Erzielung einer mög- lichst rationellen Kultur, der Verbrauch der deutschen Landwirt- schaft auf das Dreifache des jetzigen Konsums gesteigert werden. Mag die Zurückhaltung des Verbrauchs zum Teil auch eine Folge des schwer zu überwindenden Betriebskonservatismus in der Denn es verdient die GotteSgabe, daß doppelt sie der Mensch verehrt: erst dient sie uns als Gaumen-Labe, und dann wird unsere Kraft vermehrt. ... Man hat seit alter Zeit getrunken aufs Vaterland so manches Glas: hinfort darf jeder damit prunken, fürs Vaterland geschehe das. Wär' jetzt besteuert.!.(ich erröte, doch was ich meine, ist bekannt)— so seid versichert: mancher täte 'was für und auf das Baterland. Franz. Notizen. — Kunstchronik. Im Klin st gewerbe museum wurde eine Sonderausstellung von Arbeiten aus den kunstgewerblichen Meisterkursen deS Bayerischen GewerbemuseumS in Nürnberg er» öffnet. Die Ausstellung wird bis Ende September geöffnet bleiben. — TolstoialS Friedensapostel. Der russische Dichter soll beabsichtigen, an dem Friedenskongreß in Stockholm teilzu- nehmen, um dort für seine Auffassung vom Frieden persönlich zu wirken. �— Der italienische Staat hat Glück. Einer der kunstgcschichtlich interessantesten Paläste in Rom ist der Palazzo Farnese, den die französische Gesandtschaft bewohnt. Der An- kauf durch die scanzösische Republik kam wegen der Höhe deZ geforderten Preises bisher nicht zustande. Jetzt hat der italienische Fiskus entdeckt, daß er als Erbe des päpstlichen FiskuS Eigentümer des Palastes ist und daß die bisherigen Besitzer keine Ansprüche darauf haben. — Die technische Seeschlange. Wie sehr die Technik unsere Vorstellungswelt beherrscht, dafür ist eine sonderbare Er- icheinung bezeichnend. In den warmen Sommertagen pflegte sonst — in den ZeitungSspalten die Seeschlange aufzutanchen. In unserer Zeit der Zerstörung aller Traditionen ist diese Schiffersaae, ein lang- lebiger Rest urwüchsiger Verhältnisse, jetzt aber abgelöst durch das technische Wunder. Was unsere kühnsten Erfinder erträumen, das verivirklichen mitleidige Märchenerzähler in den HundStagen. Der Fernseher, das Fernphotographieren, der drahtlose Kuß, die Fern- zeugung— das sind so Angebinde, die uns der Sommer beschert. Bor allem aber der„leichte Akkumulator". Kürzlich hatte ihn Edison wieder einmal erfunden, diesmal ist'S ein deutscher Musiker in Kristiania. Nach dem„Lok.-Anz.", der in Wirklichkeit ungefähr darstellt, was man unter dem nicht existierenden Arizona- Kicker versteht, ist dieser Zauberapparat so groß wie eine Zigarren- kiste für 50 Stück und wiegt 1% Kilo. Alles andere ist.irrelevant" dabei. Agrarkuttur sein, Vas stärkste HSmwniS BilSet sicher dir hohe Preis, der die Nachfrage nicht den gewünschten Umfang annehmen läßt und es den Werken nicht erlaubt, ihre volle Leistungsfähigkeit auszunützen. Die fortschritthemmende Preisgestaltung findet ihre Stütze in dem Monopolcharakter dieser Industrie und sie ist bestimmt durch ihre ganze EntWickelung. Die hohen Gewinne, die der Kalibergbau versprach, beran- Iahten ein williges Kapitalangebot für Gründungen auf diesem Gebiete. Und es wurde lustig drauf los gegründet. Die Anteile der Werke stiegen im Preise auf das 6,10, ja noch mehrfache ihres Ncminalwertes. Manche Kaligründer konnten sich nach kurzer Zeit mit Riesengewinnen vomSchauplatz ihrer Wirksamkeit zurückziehen. Die Anteilseigner, die zu hohen Kursen gekauft hatten, wollten natürlich auch noch Geschäfte machen. Ihr Interesse stand einer mit der technischen Vervollkommnung in der Kaliindustrie und wachsender Produktion in Einklang stehenden Preisgestaltung ent- gegen. Weil sie ihre Betriebe nicht voll ausnutzen konnten, muhten die Preise hochgehalten werden. Um eine„verderbliche" Kon- kurrenz untereinander auszuschließen, gründete man das Kali- shndikat, das die Preise festlegte und jedem Werke einen bestimmten Anteil an dem Gesamtabsatz zuwies. Damit wurde der Anteil— Quote— gewissermaßen ein Handelsobjekt. Anteil und Ge- stehungZkosten bestimmten den Gewinn des einzelnen Unter- nehmenS. Da die Preise nach dem Umfang des Absatzes, den Er- zeugungsbedingungen alter Werke, die technisch nicht ganz auf der Höhe blieben und dabei infolge der hohen Gründergewinne und der Kurssteigerungen teuer produzierten, festgelegt waren, blieb für die Spekulation der Anreiz bestehen, durch Neugründungen an dem Segen aus der Kaliindustrie teilzunehmen. So entstanden immer neue Werke, die das Shndikat aufnehmen muhte, wollte es sich nicht durch die Außenseiter die Preise verderben lassen. Mit der so stark zunehmenden Leistungsmöglichkeit der Kaliindustrie konnte der Absatz nicht gleichen Schritt halten. Bei den Werken, die alle Fortschritte der Technik sich zu eigen machten und damit auch ihre Leistungsfähigkeit steigerten, geriet diese zu der ihnen zustehenden Quote in ein immer größeres Mißverhältnis. Und damit war auch das stärkste Motiv für Aufrechterhaltung der hohen Preise gegeben. Kompliziert wurden die Verhältnisse durch die Mitbeteiligung des preußischen Fiskus, der eine Bevorzugung beanspruchte, dafür aber auch die Preispolitik des Syndikats unter- stützte und selbst mitmachte. Diese ging, wie bemerkt, dahin, ganz allgemein die Preise auf einer Höhe zu halten, die den Werken die Abstoßung entsprechender Gewinne gestattete, ohne daß ihre Leistungsfähigkeit ausgenutzt wurde. Ein besonderes Charakte- ristikum oer Kalisyndikatspreispolitik ist, daß die Auslandspreise höher sind, als die für den Inlandsmarkt. Diese Praxis steht im Widerspruch mit der jener Syndikate und Kartelle, die auf dem Außenmarkt zu billigeren Preisen anbieten als im Jnlande. Während andere Verbände hohe Inlandspreise dazu benutzen, an das Ausland billiger zu verkaufen, läßt das Kalisyndikat das Aus- land stärker bluten. Die Möglichkeit dazu liegt in seiner Monopol- stellung; es hat gar keinen Konkurrenten. Und mit dieser Politik dient das Syndikat auch den Bedürfnissen unserer Agrarier. Deren Sorge ist ja nicht auf die absolut möglichst billige Erzeugung ge- richtet, um billig verkaufen zu können, ihr Hauptverlangen ist, die Konkurrenz des Auslandes zu unterbinden, als Schutzwehr für ihre eigene Preispolitik. Die Großgrundbesitzer akzeptieren die nicht gerechtfertigten hohen Inlandspreise, weil das Ausland noch höhere Preise zahlen muß. Ein entgegengesetztes Interesse hat natürlich die ausländische Landwirtschaft, die auf die Verwendung von Kali angewiesen ist. Und daS ist vorwiegend Amerika. Im letzten Jahre bezogen die Vereinigten Staaten 364 731 Tonnen Abwumfalze, bei einer Ge- samtausfuhr Deutschlands von 818 677 Tonnen. Und von ins- gesamt 174 345 Tonnen Chlorkalium, die im Jahre 1903 ausge- führt wurden, bezogen die Vereinigten Staaten allein 100 587 Tonnen. Der hierfür angegebene Einheitswert stellt sich auf 14,60 M. pro Doppelzentner; er überragt damit um über 3 M. � den für die Gesamterzeugung ausgewiesenen Satz. Das große Interesse, das sich hieraus für Amerika herleitet, gab Ansporn zu dem Versuch, amerikanischem Kapital in der deutschen Kali- industrie und im Kalisyndikat Einfluß zu verschaffen. Und das ist auch gelungen. Mehrere der leistungsfähigsten Unternehmen, in denen die amerikanischen Interessenten bestimmenden Einfluß erlangt hatten, machten bei den Verhandlungen zwecks Erneuerung des am 30. Juni d. IS. abgelaufenen ShndikatSvertrages Schwierigkeiten. Diese wurden verschärft durch die Syndikatsver- drossenheit der Werke, welche daS Verlangen verspürten, in einem frisch-fröhlichen Konkurrenzkampf einer Anzahl finanziell und technisch nicht leistungsfähiger Unternehmen das Lebenslicht aus- zublascn, um so den Weg frei zu bekommen für die volle Entfal- tung ihrer eigenen Leistungsfähigkeit. Obwohl die Regierung zu- gunsten einer Shndikatserneuerung auf der alten Basis eingriff, konnte in wochenlangen Verhandlungen eine Einigung und Ver- ständigung der auseinandergehenden Interessen nicht herbeige- führt werden. Der Ablauf des Syndikatsvertrages am 30. Juni, nachts 12 Uhr, überraschte die Werksvertreter im Hotel„Adlon" bei der immer noch ergebnislosen Arbeit der Syndikatserneuerung. Und als man eine kurze Pause in den Verhandlungen eintreten ließ, benutzten einige Werke die syndikatslose Zeit dazu, mit an- wesenden amerikanischen Interessenten Verträge über enorme Lieferungen abzuschließen, die diesen Werken es ermöglicht, ihre volle Leistungsmöglichkeit auszunützen. An diesen Verkäufen ist von ganz besonderem Interesse die Preisgrundlage, auf oer sie zustande gekommen sind. Wie unwidersprochen mitgeteilt worden ist, haben die Amerikaner bedeutende Mengen gekauft, von dem Unternehmen der Schmidtmanngruppe allein für etwa 50 Mill. M. Der Preis soll sich auf nur 7 M. pro Doppelzentner Chlorkalium stellen. Als die Werksvertreter in derselben Nacht wieder zu- sammen kamen, standen sie vor vollendeten Tatsachen. Schließlich einigte man sich auf einen Notvertrag. Ausschließlich der Kali- werke AscherSleben und Sollstedt haben die übrigen betriebs- fertigen oder der Betriebseröffnung nahestehenden Werke einen Verband auf vorläufig ein Jahr geschlossen. Dessen Fortbestand auf vier Jahr« ist wesentlich abhängig von der Regelung der großen außersyndikatlichen Verkäufe. Bereits vom 2. Januar ab ist jedem Gesellschafter, solange die vorerwähnte Regelung nicht erfolgt ist. das Recht sechswöchiger Kündigung zugesprochen. Man hat sich mit einem Verbände auf der jetzt geschaffenen Grundlage be- gnügen müssen, um überhaupt irgend etwas zustande zu bringen. ES ist nicht gelungen, die Verträge, welche der Schmidtmann- kcnzern abgeschlossen hat, aufzuheben, nicht gelungen, sie auf ein neues Syndikat zu übernehmen. Es soll nun versucht werden, die mit den Amerikanern abgeschlossenen Verträge zu annullieren. Man hofft dabei auf die Unterstützung der Regierung, die mit einem Ausfuhrzoll Hilfe leisten soll. Bleiben die„friedlichen" Be- mühungen ergebnislos, dann will man es mit einem Preiskampf versuchen. DaS Shndikat soll dann der amerikanischen Gruppe, die sich für die Befriedigung des dortigen Marktes so reichlich ein- gedeckt hat, das Feld streitig machen, indem es selbst zu 4—5 M. anbietet. Auch diese Tatsache beansprucht höchstes Interesse; sie läßt einen Rückschluß zu in bezug auf den Preis, zu dem das Produkt verkauft werden könnte, wenn die technische Leistungsmöglichkeit der Werke ausgenützt würde. Daß das Syndikat durch seine An- kündigung die Amerikaner veranlaßt, mit ihm gemeinsame Sache zu machen, steht immerhin noch in Frage. ES könnte ja auch mög- lich sein, daß jene den Spieß umdrehen: Wenn das Shndikat in Amerika mit den Kampfpreisen auftritt, kann die Amerikaner- gruppe in Deutschland den Syndikatspreis für den Jnlandskonsu- menten unterbieten. Ganz gleich, ob und wie sich die kapita- listischen Brüder wieder zusammenfinden werden, jedenfalls lassen die Verhältnisse in der Kaliindustrie den Gegensatz zwischen kapitalistischer Mrtschaft und Allgemeininteresse greifbar in die Erscheinung treten. In einer Gesellschaftsordnung, in der das Gemeinwohl oberstes Prinzip wäre, könnte schon bei dem jetzigen Stande der Technik in der Kaliindustrie die Produktion an Lebens- Mitteln bedeutend gesteigert, das Preisniveau für diese herab- gemindert, der Konsum und damit die Lebenshaltung der arbei- -ienfefcu BeMkxrisna gehoben werden. D». vom Kampf um den Bierpreis. Die Bestrebungen auf Verteuerung des Bieres, weit über die beschlossene Steuererhöhung hinaus, bot unter anderen Sonder- barkciten auch das merkwürdige Schauspiel, die Organisation der freien Gastwirte in der Rolle der Verteidigerin der von den Brauereien geforderten Aufschläge zu sehen. Die bürgerlichen GastwirkSorganisationen haben sich da wenigstens einer ange- brachten Zurückhaltung befleißigt, wenn sie es auch unterließen, energisch gegen die unberechtigten Forderungen der Brauer Stellung zu nehmen. So haben nach den vorliegenden Berichten die Berliner Gastwirtsverbände und Zweigvereine in einer am Freitag abgehaltenen Monatssitzung die Erhöhung der Weißbier- preise einfach als etwas Unabwendbares hingenommen, obwohl be- merkt wurde, daß die Preisregulierung den Brauereien eine Mehr- einnähme von 5 Pf. pro Liter einbringt, der Verdienst der Wirte um 50 Pf. pro halbe Tonne gekürzt werde. In der Frage der Er- höhung der Lagerbierpreise wurden Beschlüsse noch nicht gefaßt, weil die Verhandlungen der Gastwirtsverbändc mit den Brauereien noch zu keinem Ergebnis geführt hätten. Die freien Gastwirte drohten aber mit Boykott, um die Brauereien zu zwingen. Min- destpreise vorzuschreiben, was abgelehnt worden sei. Danach scheinen die Gastwirtsverbände schlecht informiert zu sein über das, was die Brauer wollen. Wie weiter berichtet wird, haben nun die meisten Berliner Lagerbierbrauereien einem Aufschlag von 3,50 M. Pro Hektoliter zugestimmt. Die beschlossene Erhöhung stellt ein Kompromiß zwischen den Vorschlägen der Mehrheit der Brauereien dar, die eine Erhöhung um 5 M. pro Hektoliter gefordert hatte, und den Vorschlägen der Schultheißbrauerei, die nur eine Erhöhung von 3 M. vorgenommen wissen wollte. Weiter ist ein gewisser Absatz- ausgleich beschlossen worden auf der Grundlage des Absatzes der einzelnen Brauereien für die Zeit vom 1. Juli 1903 bis zum 30. Juni 1909. Nach Maßgabe dieses Absatzes sind die einzelnen Brauereien ratierlich an dem zukünftigen Gesamtabsatz beteiligt. Diejenigen Brauereien, die ihre Beteiligung und einen darüber hinausgehenden je nach der Größe des Absatzes verschiedenen Spielraum überschreiten, haben an die Konvention eine Abgabe von 5 M. pro Hektoliter ihres Mehrabsatzes zu entrichten. Die- jenigen Brauereien, die hinter ihrer Beteiligung zurückbleiben, erhalten pro Hektoliter ihres Minderabsatzes 3 M. Es handelt sich hierbei wie bei der Preiserhöhung nur um den Berliner Ab- fatz der Brauereien. Bezüglich des Versandes nach außerhalb behalten die Brauereien völlig freie Hand. Bemerkenswert ist die Bestimmung, daß für den Hektoliter Ueberabsatz 5 M. an die Konvention entrichtet werden sollen. Man muß doch wohl annehmen, daß selbst bei einer solchen Abgabe sich die Ueberproduktion noch rentieren könnte. Aber wenn im allgemeinen auch nur ein Reingewinn von 3 M. pro Hektoliter zu erzielen wäre, so kann das immer noch als ein sehr hoher Ge- winn bezeichnet werden. 3 M. ist jedoch anscheinend das Minimum, mit dem man rechnet, ist das doch der Betrag, der als Entschädigung für Minderabsatz gezahlt wird. Wenn eine Brauerei, die bisher 100 600 Hektoliter Ausstoß hatte, nun ihre Produktion auf 80 000 Hektoliter einschränkt, zahlt ihr die Konvention 60 000 M.! Wo ist der Arbeiter, der bezahlt erhält, wenn er nicht arbeitet; wer bekommt Prämien, wenn er weniger liefert als früher? Der Ab- satzausgleich zeigt deutlich genug, daß die Brauereien sich von der Steuerabwälzung eine ganz enorme Gewinnsteigerung versprechen. Um die stark vervielfachte Abwälzung der Steuererhöhung zu rechtfertigen, haben die Verteuerungsapologeten die unmöglichsten Berechnungen aufgemacht und wilde Behauptungen über die Ver- teuerung der Produktion aufgestellt. Von einer Verbilligung der Erzeugungskosten steht anscheinend nichts im Notizbuch der— Fachleute. Wir haben schon aus der amtlichen Statistik den nicht unerheblichen Rückgang des pro Hektoliter Bier verbrauchten Malz- quantumS nachgewiesen. Neuere Verfahren gestatten eine noch rationellere Ausbeute der Gehaltstoffe. Einen Anhalt für die Fortschritte auf diesem Gebiete liefert der Nachweis über den Materialverbrauch der Dortmunder Brauereien in den letzten zwei Jahren. Die„K. Ztg." macht darüber diese Angaben:„Die Dort- munder Brauereien haben im Jahre 1908 1 581 489 Hektoliter untergäriges und 43 594 Hektoliter obergäriges Bier erzeugt gegen 1 587 434 Hektoliter und 25 372 Hektoliter im Jahre 1907. Die Brauereien verbrauchten 30 402 322 Kilogramm Getreide und 252 043 Kilogramm andere Stoffe gegen 30 852 844 Kilogramm und 129 614 Kilogramm im Jahre 1907. An Brausteuer wurde gezahlt 2 552152 M. gegen 2 580 844 M. im Jahre vorher. Die Herstellung an untergärigem Bier ist demnach um etwa 6000 Hekto- liter zurückgegangen, während die Herstellung von obergärigem Bier erheblich in die Höhe ging. Es handelt sich hier in der Hauptsache um sogenanntes Malzbier. Das kommt auch zum Ausdruck in dem um 132 439 Kilogramm gesteigerten Verbrauch von„anderen Materialien"." Rechnet man für die obergärigen Biere einen durchschnittlichen Malzeinschutz von nur 10 Kilo- gramm, dann beanspruchte die Mehrproduktion eine Zunahme des Malzverbrauchs von 182 220 Kilogramm. Bei 20 Kilogramm Malzeinschuß für untergäriges Bier würde die Minderproduktion von 5945 Hektolitern eine Abnahme des Malzverbrauchs von 118 900 Kilogramm entsprechen. Danach würde die veränderte Bierproduktion im Jahre 1903 einen Malzverbrauch in Höhe des vorjährigen plus 182 220 Kilogramm minus 118 900 Kilogramm bedingen. Da aber in Wirklichkeit der Verbrauch im Jahre 1908 gegen 1907 um 450522 Kilogramm zurückgegangen ist, ergibt sich eine Gcsamtersparnis von über% Millionen Kilogramm, oder im Durchschnitt der Gesamtproduktion von 0,315 Kilogramm pro Hektoliter. Und nebenher gehen technische Verbesserungen� die auch noch Arbeitskräfte überflüssig machen. Davon erzählt man den Biertrinkern natürlich nichts. Im ganzen Herzogtum Anhalt hat eine Bewegung gegen die von den Bierbrauereien geplante Preiserhöhung von 4 M. ein- gesetzt. Auf dem anhaltinischen Gastwirtstag wurde die Preis- Politik der Brauereien einmütig verurteilt. Man war sichauch darin einig, größten Widerstand zu leisten. Es wurde den Wirten der Rat erteilt, sich möglichst von dem Einflüsse der Brauereien frei zu machen. Da auch das Publikum— nach Dutzenden von Ein- sendungen in den Zeitungen zu sihließen— keinesfalls gesonnen ist, für das Vierzehntelliterglas Bier 6 Pf. mehr als bisher zu zahlen, so scheint man cS allgemein auf einen Bierkrieg ankommen lassen zu wollen. Die dem Leipziger Brauereivcrcin angehörenden Brauer haben ihrer Kundschaft ein Zirkular zugeschickt, in dem sie die Mitteilung machen, daß sie vom 15. August ab das Lagerbier für 21 M., also mit einem Aufschlag von 3.20 M. verkaufen. Der Lokalverband der Gastwirte will hierzu Stellung nehmen. Die Genossenschaft?» braucrei in Burghausen gibt das Bier zum Preise von 20.50 M. ab und gewährt noch 50 Pf. Kassaskonto. In Jena tagte eine etwa von 2000 Personen besuchte Ar- beiterversammlung. Es wurde eine Resolution angenommen, in der sich sämtliche Anwesenden verpflichteten, kein verteuertes Bier zu trinken. Auch verschiedene Eisenbahndirektionen haben wegen der Preiserhöhungen Unterhandlungen gepflogen, um einen AuL- gleich herbeizuführen. In Breslau würde eine Konferenz von Vertretern ver- schieden«.EisenbghMrektiiM.S gbgehqlJn. um ein§ Festsetzung der Preise für Bier und andere durch die neven Verbrauchssteuern betroffene Getränke auf einheitlicher Grundlage zu erzielen. Tie auf dieser Konferenz festgesetzten Preise werden in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung gelangen. Im allgemeinen wurde den durch die Steuer bedingten erhöhten Einkaufspreisen Rech- nung getragen. Die Eisenbahndirektion in Altona stellte sich zu der Preis- erhöhung für Getränke und der Verkleinerung der Schankgefäße in Bahnhofswirtschaften auf den Standpunkt der Eisenbahn- direktiou Breslau. Auf die Eingabe eines schleswig-holsteinischen BahnhofSwirtes wurde, der„Kölnischen Zeitung" zufolge, erwidert, daß die bestehenden Preise genügten, es sei eine Erhöhung der Preise oder Verkleinerung der Gefäße nicht statthaft. Allgemeiner Seutkcher Lärtnerverein. Am Freitag hielt die Generalversammlung eine Abendsitzung ab, die bis kurz vor Mitternacht währte. Es wurde über Lohn- bewegungen und Streiks verhandelt. Der Referent H a u tfe- Leipzig unterzog die gewerkschaftlichen Kämpfe der Gärtnerorganisation einer eingehenden Betrachtung und kam zu dem Schluß: Die Erfahrungen, welche man bei den Streiks und Lohnbewegungen gemacht habe, böten keinen Anlaß, die bisherige Taktik der Organisation zu ändern.— Die Diskussionsredner vertraten im allgemeinen dieselbe Ansicht. Es wurde auf die von der vorigen Generalversammlung(1907) angenommenen Leitsätze ver- wiesen, die auch für die fernere Zeit Geltung haben und strikte beachtet werden sollen.— Der Vertreter der schweizerischen Gärtner teilte unter anderem mit, daß nach einem Streik in Basel im Jahre 1907 eine Gärtnergenossenschaft gegründet worden sei, um den Opfern des Streiks eine Existenz zu schaffen. Die Genossenschaft habe sich aber nicht halten können, sie sei finanziell zusammen- gebrochen. Dies Beispiel möge den Kollegen eine Warnung vor Gründung derartiger Genossenschaften sein.— Nach Schluß der Debatte wurde folgender Antrag angenommen: „An Stelle der llstündigen Arbeitszeit in einzelnen Branchen ist in Zukunft eine Höchstarbeitszeit in der Gesamtgärtnerei von 10 Stunden zu erstreben, und wird der Hauptvorstand wie auch die Bezirksleitungen verpflichtet, in dieser Beziehung mehr als bisher aufilärend zu wirken." In der Sonnabendsitzung referierte I a n s s o n- Berlin über daS Beitrags- und Unterstützungswesen. Er vertrat eine Vorlage des Hauptvorstandes, welche im wesentlichen von fol- genden Grundsätzen ausgeht: Der Vorstand sei zu seinem Be- dauern nicht immer in der Lage gewesen, den berechtigten Wün- schen der Kollegen in bezug auf Lohnbewegungen nachzukommen, weil die Finanzen der Hauptkasse dazu nicht ausreichten, denn ein großer Streik koste oft mehr, als im ganzen Jahre für Unter- stützungen aufzuwenden ist. Es sei notwendig, die Finanzen der Organisation zu stärken, daß sie für die wirtschaftlichen Kämpfe besser gerüstet sei, und daß sie ihre Aufgabe: die wirtschaftliche Lage der Kollegen zu verbessern, in vollem Umfange erfüllen könne. Die Hauptkasse bedürfe einer jährlichen Mehreinnahme von min- destens 7000 M. Diese könne erzielt werden entweder durch Er- höhung der Beiträge, oder durch eine erhebliche Herabsetzung der Unterstützungen. Zu einer Einschränkung der Ausgaben durch Verminderung der Zahl der Angestellten könne sich der Vorstand nicht entschließen, weil dadurch erfahrungsgemäß auch die Ein- nahmen sich vermindern. Ebenso wenig könne der Vorstand eine erhebliche Herabsetzung der Unterstützungssätze befürworten. Da- gegen empfehle er die Erhöhung des Grundbeitrages von 35 auf 40 Pf. und die Einführung einer freiwilligen Beitragsklasse zu 45 Pf. Für weibliche und jugendliche Mitglieder solle eine Bei- tragsklasse zu 30 Pf. eingerichtet werden.— Gemäß diesen drei Beitrags klajsen sieht die Vorlage auch drei Klassen für die Arbeits- losen- und Reisennterstiitzung vor. Die Unterstützungssätze werden im Vergleich zu den bisher geltenden in der ersten(30 Pf.-) Klasse herabgesetzt, auch die Bezugszeit wird ein wenig gekürzt. Letzteres ist auch in der zweiten(40 Pf.-) Klasse der Fall, doch bleibt der jetzige Satz von 1 M. pro Tag bestehen und erhöht sich bei längerer Mitgliedschaft auf 1,20 M. Die dritte(45 Pf.-) Klasse behält die gegenwärtige Bezugszeit zum Teil bei und sieht Unterstützungssätze von 1 bis 1,40 M. vor. Die Streikunterstützung ist ebenfalls in drei Klassen abgestuft. Sie soll betragen: In der ersten Klasse 6 M. für Ledige, 7 M. für Verheiratete; in der zweiten Klasse 9 bezw. 10 M.; in der dritten Klasse 10 bezw. 11 M. wöchentlich, außerdem Zuschläge für jedes Kind von 25, 50, 75 Pf. Im Laufe der Debatte wurde ein Antrag eingebracht, der die Vorlage des Vorstandes in mehreren Punkten abändert. Dieser Antrag wurde schließlich angenommen. Er setzt drei Beitrags- klassen fest: 30 Pf. für Gutsgärtner, rückständige Lohngebiete und Binderinnen; eine zweite Klasse mit 35 Pf. und eine dritte Klasse mit 40 Pf., die durch Beschluß des Hauptvorstandes im Einver- nehmen mit den Bezirksvorständen für bestimmte Orte obligatorisch eingeführt werden soll. Die Reise- und Arbeitslosenunterstützung veträgt in der ersten Beitragsklasse, je nach der Dauer der Mit- gliedschaft, 0,60 bis 1 M.. in der zweiten Klasse 0,80 bis 1,20 M., in der dritten Klasse 1 bis 1,40 M. pro Tag und wird gewährt für 20 bis 50 Tage. Die Streikunterstützung beträgt für Verheiratete in der ersten Klasse 9 M.. in der zweiten Klasse 11 M., in der dritten Klasse 12 M., sowie die bisherigen Zuschläge für Kinder. Die Ledigen erhalten 6, 9, 10 M. In der Nachmittagssitzung hielt Alb recht-Berlin ein Referat über:„Unsere Forderungen an die sozial- politische Gesetzgebung". Er vertrat im wesentlichen folgende Forderungen: Die landesgesetzlichen Bestimmungen über den Dienstvertrag des Gesindes und der ländlichen Arbeiter vertragen sich nicht mit den jetzigen Anschauungen über persönliche Freiheit und Menschenwürde. Diese Gesetze und Verordnungen sind auf- zuheben. Ein einheitliches Arbeiterrecht ist zu schaffen, welches das Gesinde und die ländlichen Arbeiter den gewerblichen Arbeitern gleichstellt. So lange diese Forderung nicht erfüllt ist, sollen in die Gewerbeordnung Bestimmungen aufgenommen werden, die das Arbeitspersonal aller Orten von Gartenbaubetrieben der Gewerbe- ordnung unterstellen.— Die Arbeiterschutzbestimmungen der Ge- Werbeordnung sind auf alle Gärtnereien und Gartenbaubetriebe anzuwenden.— Der Entwurf der Reichsversicherungsordnung ist abzulehnen, besonders ist zu verwerfen die Einrichtung von Land- krankenkassen mit bureaukratischer Verwaltung.— Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Unfallversicherung fordern wir besonders die Gleichstellung aller Versicherten mit den nach dem Gewerbeunfall- Versicherungsgesetz Versicherten. Die Rentenberechnung soll nach dem Jndividuallohn erfolgen.— Die Gärtner erklären sich gegen eine Privatangestelltenversicherung, weil von je 100 gelernten Ar- beitnehmern kaum 6 für diese Versicherung in Frage kommen. Hierauf sind besonders oie Privatgärtner hinzuweisen, die sich meist übertriebene Vorstellungen von der Privatangestelltenversicherung machen.— Die landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaften haben den im Unfallvcrsicherungsgesetz gegebenen Begriff„Facharbeiter", entgegen dem Willen der Gesetzgeber, eingeengt. Es wird erwartet, daß die Vertreter der Arbeiterschaft im Reichstage diese Sache in geeigneter Weise zur Sprache bringen und für Abhilfe sorgen.— Der Referent empfahl die nachstehende Resolution, welche ohne Debatte angenommen wurde: „Die 9. Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Gärtnervereins hält es— im Hinblick auf die reaktionären, arbeiterfeindlichen Bestrebungen eines scharfmacherischen Unter- nchmertums in Gewerbe, Handwerk. Handel, Industrie und Landwirtschaft, und angesichts der erfahrungsgemäßcn leichten Zugänglichkeit der Regierung in derlei Dingen, sowie im Hin- blick auf gewisse, jenem Unternehmertum' verbündeten und dienst- bereiten Parteien— für ihre Pflicht, die Kollegen aufmerksam zu machen, daß sie auf allen Gebieten der sozialen Gesetzgebung ständig von schweren Gefahren umgeben sind. � Nicht bloß, daß durch die genannten Faktoren und Umstände die Weiterbildung der sozialen Gesetze in arbeiterfreundnchem Sinne zurückgehalten wird, besteht sogar vielfach die ernste Gefahr einex Verschlechte» tung. DaS Arbeitsrecht foKoljl als auch der Arbeiterschutz rmd die Arbeiterversichcrung sind in gleichem Matze jenen Angriffen flllsgesetzt. Die 9. Generalversammlung ruft darum das gesamte Ar- beitspersonal in den Gärtnerei- und den Blumengeschäfts- betrieben dazu auf, diesen Dingen unausgesetzte Aufmerksamkeit zuzuwenden und den Willen für den allgemeinen sozialpolitischen Fortschritt dadurch mit Entschiedenheit zu bekunden, das; es sich in der für ihn zuständigen Organisation, dem Allgemeinen deutschen Gärtncrverein, zusammenschlietzt." „Internationale Organisation der Gärtner" lautete der nächste Punkt der Tagesordnung. Aus dem Referat, welches Kwasnick- Berlin erstattete, sowie aus den Ausfüh- rungen der Diskussionsredner ging hervor, dah seit der vorigen Generalversammlung keine wesentliche Aenderungen in den inter- nationalen Beziehungen eingetreten sind. Es bestehen Kartell. Verträge mit der schweizerischen und mit der böhmischen Organi- sation. In den anderen Ländern ist die Gärtnerorganisation noch schwach. Allseits wurde betont, datz es notwendig sei, nach Möglich- kert internationale Beziehungen anzuknüpfen und die in manchen Gegenden Deutschlands zahlreich vorhandenen ausländischen Kol- legen aufzuklären und für die gewerkschaftliche Bewegung zu ge- Winnen. Die von einer Seite beantragte Abhaltung einer inter- nationalen Konferenz, sowie die Errichtung eines internationalen Bureaus wird zurzeit als verfrüht erachtet, weil die ausländischen Organisationen noch zu schwach sind. Anerkannt wurde, datz der Hauptvorstand nach Kräften auf die Förderung der internationalen Beziehungen hingearbeitet hat. Hierauf wurden nach den Vorschlägen einer Kommission eine Reihe von Statutenänderungen beschlossen, die aber unwesentlicher Natur sind und für die Oeffentlichkeit kein Interesse haben.— Die Versammlung kam nochmals auf die am Vormittag festgesetzten Unterstützungssätze zurück und beschloh. dah die für die erste Bei- tragSklasse geltende Reise- und Arbeitslosenunterstützung den Binderinnen nur als Kranken-, den Gutsgärtnern als Umzugs- Unterstützung zu gewähren ist. Die Resolution zur Frage der Privatgärtnerorganisation, tvelche am Freitag zum Zweck einer Aenderung zurückgestellt worden ist, wurde angenommen. Sie erklärt in ihrem prinzipiellen Teil, datz sich die Privatgärtner mit den Kollegen der übrigen Branchen zu vereinigen haben in der gleichen Berufsorganisation, datz eine solche nur leistungsfähig sein kann, wenn sie auf zentraler Grund- läge beruht, daß deshalb auf eine Zusammenfassung der bestehenden Lokalvereine der Privatgärtner hinzuarbeiten und weiteren Zer- splitterungsversuchen entgegenzuarbeiten ist. Weiter sagt die Resolution: j. Für seine Mitglieder in der Privatgärtnerei erstrebt der ' Allgemeine deutsche Gärtnerverein insbesondere: Durch die Erziehung zum Selbst-, zum freien Menschen- bewutztsein die höhere Wertung der menschlichen Persönlichkeit des Privatgärtners. Dann: höhere Löhne und kürzere Lohn- Zahlungsfristen; geregelte Arbeitszeit; Beseitigung des Woh- nungszwanges und, wo die? nicht möglich, a) Abschlietzung eines besonderen Wohnungsmietsvertrages, der gleichen oder ähnlichen Kündigungsbedingungen unterliegt, wie der Mietsvertrag mit sonst einem Hausbesitzer; d) Einrichtung, Lage und Grötze der Wohnung, in Berücksichtigung der Gesundheitsanforderungen und jenen Bedingungen, die für eine angenehme Häuslichkeit Vor- aussetzung sind; Beseitigung des Kostzwanges, soweit möglich, im anderen Falle gute und angemessene Beköstigung; Vcrbesse- rung des Deputatlohnes: bei Tantiemebezügen Gewährleistung eines Mindesterlöses: Beseitigung der Kinderlosigkeitsbedingung; Beseitigung der Mitarbeit der Kinder, wo die Mitarbeit der Frau nicht zu beseitigen ist; reelle Vollbezahlung der betreffenden Arbeitsleistungen. Als besondere Forderung haben die Gutsgärtner noch aufzustellen: Die Beseitigung der Ver- pflichtung auf LehrlingSzüchterei; der Gutsherr soll auch ihre daraus hervorgehenden Einkommen in bar leisten. Und gegen- über der Gesetzgebung ist zu fordern: Aufhebung der Gesinde- ordnungen und aller Koalitionsverbote; Gleichstellung im Ar- beitsrecht mit den gewerblichen Arbeitern. In der Abendsitzung erledigte die Generalversammlung den Rest der Tagesordnung, bestehend aus einer Reihe von Anträgen, die sich auf innere Verwaltungsangelegenheiten beziehen. Die beschlossenen Statutenänderungen sollen am 1. Januar 1910 in Kraft treten. Mehrere Redner, die zur Vorstandswahl sprachen, bedauerten lebhaft, datz der erste Vorsitzende Schmidt sein Amt niederlegte, um die Leitung des neuen Verbandes der Land-, Wald- und Wein- bcrgarbeiter zu übernehmen. Nur ungern misse man eine so be- währte Kraft, wie die des seitherigen Vorsitzenden. Hierzu bemerkte Knoll, der als Vertreter de? Generalkommiision anwesend war: Der Landarbeiterverband, der ja unter besonders schwierigen Ver- Hältnissen zu arbeiten habe, brauche tüchtige Kräfte. Die Gärtner könnten ihren Vorsitzenden um so eher an die berufsverwandte Land- arbeiterorganisation abgeben, da sie, wie diese Generalversammlung gezeigt habe, eine nicht kleine Zahl tüchtiger Kräfte in ihren Reihen hätten.— Der bisherige zweite Vorsitzende, Löcher-Berlin, lehnte eine Wiederwahl aus persönlichen Gründen ab.— Gewählt wurden: 1. Vorsitzender Busch- Hamburg, 2. Vorsitzender H u n h o l z, Redakteur Alb recht; Beisitzer: Steinberg. Lehmann, L i n d e n b l a t t. de l a C r o i x, alle in Berlin. Gegen 1 Uhr nachts wurde die Generalversammlung ge- schlpsseu. IZus der Partei. Der böse..Vorwärts" und der schwäbische Hofgang. In der Partciversammlung der Stuttgarter Genossen vom 13. August hat nach dem Bericht der«Tagwacht" der Genosse Hildenbrand u.a. gesagt: »jEr anerkenne, datz die„Tagwacht" bemüht gewesen sei. die Angelegenheit objektiv zu behandeln. Anlah zu Weiterungen habe in der Partei im Reiche nur ein falscher und unwahrer Bericht des„Vorwärts" über seine Rede auf der Kreisgeneral- Versammlung gegeben. Auf Grund dieses Berichtes seien alle Resolutionen im Reich gefatzt worden. Es sei absolut falsch, datz er gesagt habe, man habe gewutzt, datz es Krakeel geben werde, sich aber nicht daran gekchrt.(Widerspruch.) Er sei diese: Auslegung seiner Rede schon auf der Kreisgeneralvcrsammlung entgegengetreten. Er habe wichtigere Dinge zu tun, als Bc- richtigungen an den„Vorwärts" zu senden. Es könne nicht einmal davon die Rede sein, datz er sich im Ausdruck verhauen habe..- Wie man sieht, hat bereits Widerspruch auS der Vcrsamm- lung dagegen protestiert, dah die Behauptung des Genossen Hilden- brand richtig sei, der Vorwärtsbericht habe Falsches gemeldet, als er den Genossen Hildenbrand sagen lieh, man habe gewußt, das; eS Krakeel gebe, sich aber nicht daran gekehrt. Da uns zudem unser bewährter Stuttgarter Korrespondent mitteilt, dah er jedes Wort seines Berichtes aufrecht erhält und datz er speziell genau weih, daß Genosse Hildeubrand die von»hm bestrittene Wendung gebraucht hat und datz mit ihm zahlreiche Stuttgarter Genossen sich dessen genau erinnern, so müssen wir den Vorwurf falscher Be- richterstattung entschieden zurückiveisen. Genosse Hildenbrand mag jetzt der Meinung sein, er habe jene Worte nicht gesagt und wünschen, sie nicht gesagt zu haben,— dann sind sie ihm eben doch in der Hitze des Gefechts herausgerutscht. Und datz die sieben Ab- geordneten nicht gewutzt haben sollten, datz ihr Schritt Unwillen er- regen und Auseinandersetzungen provozieren würde, daS wäre doch svch gar zu MogdexliKl-' Zum Leipziger Parteitag. In der Generälversammlung der Parteigenossen von Köln- Stadt und- Land wurde sowohl vom Referenten, Parteisekretär Müller, als auch von den Diskussionsrednern an der Reichs- tagsfraktion Kritik geübt. Bei der Beratung des Ab- rüstungsantrages habe die Fraktion es unterlassen, die deutsche Marinepolitik der erforderlichen Kritik zu unterziehen; bei jeder sich bietenden Gelegenheit müsse die von der Reichs- regierung gemachte Marine- und auswärtige Politik aufs schärfste bekämpft werden. Unerhört sei es, datz bei einer wichtigen Frage des Arbeiterschiuhes, der Frauenarbeit, drei sozialdemokratische Kommissionsmitglicd'er in dreierlei Weise Stellung genommen hätten, indem der eine dafür, der andere dagegen stimmte und der dritte sich der Abstimmung enthielt. DaS lasse doch auf daS Fahlen jedes Zusammenwirkens schließen. Genosse S o l l m e r führte aus, daß die Fraktion bei der Finanzreform nicht genügend scharf eingegriffen habe; die Obstruktion hätte mindestens versucht werden müssen und würde die Massen im Lande viel mehr aufgepeitscht haben. Genosse M e e r f e l d vermißt in letzter Zeit die politische Führung in der Fraktion, was sich besonders bei der Finanzrcform gezeigt habe. Dem müsse für künftig vorgebeugt werden. Bezüglich der Königsbesucher wünschten die Redner, daß der Parteitag die An- gelegenheit als württembergische Landesangelegenheit dem Landes- Parteitag überlasse, statt die kostbare Zeit des Leipziger Parteitages damit zu belasten. Die Versammlung beschloß, folgende beiden Anträge zu stellen: 1. Der Parteitag beauftragt die Zentralstelle für die ar° bettende Jugend, eine Reichskonferenz der Jugendausschusse einzuberufen, damit die Frage der Jugenderziehung einheitlich geregelt wird. 2. Der Parteivorstand wird beauftragt, den Kamps, den der Arbeiterabstinentenbund gegen den Alkoholismus aus- führt, zu unterstützen. Die Kreiskonferenz des 13. hannoverschen Wahlkreises(G o S- lar-Zellerfeld) zu Lauterberg beschlotz zum Organisationsstatut beim Parteitag zu beantragen, den§ S dahin zu ändern, daß die Beiträge der weiblichen Mitglieder statt auf 20 auf 1 0 P f. pro Monat festgesetzt werden. Ferner soll darauf hingewirkt werden, datz die„Gleichheit" den weiblichen Mit- gliedern nicht unentgeltlich verabfolgt und das Wort„müssen" in den Bestimmungen über die Besetzung der Vorstandsämter in Ortsvereinen gestrichen wird. In einer Parteiversammlung in Dresden-Altstadt wurde allgemein der Wunsch ausgedrückt, datz die Verhandlungen in Leipzig in sachlicher Weise geführt werden. Es soll beantragt werden, den Beschlutz über Abgabe des Tagesverdien- steS am 1. Mai aufzuheben; ferner wird gewünscht, datz der Parteitag einen Einheitsbeitrag von 10 Pf. pro Woche beschließen soll.— Die Re i ch s ta g s f ra k t i o n wird aufgefordert, energischer für eine gerechte Neueinteilung der Wahlkreise einzutreten; bei Stichwahlen sollen nur solche Kandidaten unterstützt werden, die das Versprechen geben, einem solchen Antrage zuzustimmen. Schließlich wurde beschlossen, zu- nächst einmal die Entscheidung des Parteivorstandes und der Ge- neralkommission abzuwarten, ehe Schritte gegen jene Genossen unternommen werden, die sich geweigert haben, ihren Tagesvcr- dienst vom 1. Mai abzugeben. Der Sozialdemokratische Verein Elberfeld-Barmen beschlotz, zu beantragen. eS möge mit Rücksicht auf die allgemeine pokitische Lage und die jüngsten Erscheinungen in der Partei auf die Tagesordnung des Parteitages„Die Taktik der Par- t e i" gesetzt und Genosse K a u t s k h als Referent ernannt wer- den.— Unter den zum Organisationsstatut angenomme- neu Anträgen befindet sich auch der, datz die Mitglieder der Reichstagsfraktion, die nicht Delegierte sind, auf dem Parteitage in allen Fragen nur beratende Stimme haben. In der Parteiversammlung des 4. sächsischen Reichstags wahlkeises(DreSden-Neustadt) rese- rierte Genosse Schelzig über die Aufgaben des Parteitages. Dringend notwendig sei, das Beitragswesen einheitlich zu regeln und als Mindestbeitrag 30 Pf. monatlich festzusetzen. Das Genossenschaftswesen der Konsumvereine und die Stellung der Sozialdemokratie dazu bedürfe einer eingehenden Be- Handlung auf dem Parteitag. An der Maifeier müsse unbe- dingt festgehalten und eine glückliche Lösung dieser Frage herbei- geführt werden. Die Taktik der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion sei anzuerkennen und zu billigen. Die Hofgängerei der württcmbergischen Parteigenossen sei auf das entschiedenste zu mißbilligen. Folgende Anträge wurden angenommen:„Der Parteitag möge die ReichstagSfraktion beauf- tragen, im Reichstage einen Antrag auf Wiedereinführung der gjährigen Legislaturperioden einzubringen." DaS Thema„DaS Genossenschaftswesen der Kon- sumvereine und die Stellung der Sozialdemokratie dazu" ist auf dem Parteitage zu behandeln. Zur Arbeitsregelung in Partei- geschästen wurde beantragt:„Der Parteitag möge zur Regelung sozialpolitischer Einrichtungen und zur Beilegung von Differenzen in Parteigeschäften einen Instanzenweg schaffen.— Als Delegierte wurden die Genossen Jungnickel, Kamp und Schelzig gewählt. AuS den Organisationen. Der 13. hannoversche Wahlkreis WoSlar- Zellerfeld) hielt am Sonntag in Lauterberg a. Harz seine diesjährige Kreiskonferenz ab. Die Mitgliederzahl der Orga- nisation ist infolge der Krise von 686 auf 456 zurückgegangen. Die Parteipresse wird in 634 Exemplaren gelesen. Während die Organisationseinnahmen von 1327,97 M. auf 1788,21 M, fielen, stiegen die Ausgaben von 1652,46 M. auf 1732.88 M. Hifd Ittdiirtne und ftandd. Uebcrlittidzentrnlen.- 1 Wie weit sich die großen Elektrofirmen engagieren, lätzt das Projekt einer Ueberlandzentrale, die ihre Kräfte durch ein riesiges Stauwerk aus der weißen Kohle holen soll, erkennen. Die finanzielle Durchführung des Projektes, nach welchem man an der oberen Saale ein 20 Kilometer langes Stauwerk errichten will, das einen Fassungsraum von 73 Millionen Kubikmeter hat und eine Fläche von 5 Quadratkilometer bedeckt, liegt völlig in der Hand der aus- führenden Elcktrizitätsgesellschaft. Der„Börsen-Couricr" nennt die SiemenS-Schuckert-Werkc. Die bauliche Ausführung allein bc- anfprucht zirka 8 Millionen Mark. Die Anlage soll 5,6 Millionen Pferdekraftstunden zur Verfügung stellen; sie könnte die Städte, die Industrie des Thüringer Waldes, Eisenbahnen usw. mit Kraft versorgen. Erfaßt werden sollen vorläufig alle Städte zwischen Pößneck und Erfurt. So macht die Elektrizität auch diesen Teil des Thüringer Waldes mit seiner Heimindustrie kleinsten Maß- stabeS zu einem Gebiet moderner Industrie. Kleinbahn Bocholt-Lichtenvoorde(Holland). Die neue Kleinbahn. deren Bau jetzt in Angriff genommen ist, soll in erster Linie dazu dienen, den zahlreichen, in der Bocholter Textilindustrie beschäftigte» holländischen Arbeitern und Arbeiterinnen den Verkehr zwischen ihrer in Holland belegenen Wohnung und ihrer deutschen Arbeitsstätte zu erleichtern. Die einheimische Arbeiterschaft befürchtet von dem Vahnbau einen stärkeren Zufluß der ausländischen Arbeiterschaft und zwar um so mehr, als der Lebensunterhalt in Deutschland seit dem Inkrafttreten der allcrncncsten deutschen Steuergesetze wiederum erheblich mehr Kosten verursacht als in Holland. Da man den in Bocholt wohnenden Holländem dazu eine besondere Ausländersieuer in Gestalt eines Fremdenschulgeldes auferlegt, ob- gleich sie in gleicher Weise wie die deutsche Einwohnerschaft schon den„Segen" unserer Steuergesetze genießen, ist der Anreiz, in Holland zu domizilieren, um so größer. Bocholt zählt unter an- nähernd 26 000 Einwohnern etwa 2000 Holländer. Somit steht nach Fertigstellung der neuen Bahn eine Verlegung des Wohnsitzes vieler in Bocholt wohnenden Holländer in ihre Heimat zu erwarten. Ja. auch viele deutsche Arbeiterfamilien erwägen schon den Plan, später nach Holland zu ziehen und per Bahn täglich zu ihrer Heimat- lichen Arbeitsstätte zu kommen, um dadurch dem unerträglichen direkten und indirekten deutschen Steuerdruck zu entrinnen.— Auch eine Illustration zu dem Kapitel deutsche Zentrums- und Steuer- Die Steigerung der Schweinepreise macht weitere Fortschritte. Bei einem Auftrieb von 8668 Schweinen zum letzten Berliner Schlachtviehmarkt, der sich um ungefähr 2000 Stück niedriger als am selben Markte 1903 und um 4000 Stück niedriger als am selben Markte 1307 stellt, stiegen die Preise auf 76 Mark und stehen dein- nach heute um 12 Mark höher als am 16. August 1903. Die gleichen Verhältnisse find auch auf andern deutschen Schlachtvieh- märlten zu beobachten. 6o2ia!es. Die verhängnisvolle Gratulation. Beim Kaufmannsgericht klagte Fräulein Ouedenfeld gegen den Inhaber der Tapeteiifabrik Emil Li ep mann auf Aus- zahlung einer Gratifikation in Höhe von 75 M. Klägerin war seit 1. Dezember 1904 bei der bellagten Firma als Stenotypistin in Tätigkeit, welche Stellung ihr von der Firma am 1. Juni d. I. gekündigt wurde. Am Anfang erhielt sie 30 und zuletzt 120 M. Monatsgehalt. Außerdem kamen an das Personal alljährlich Grati- fikationen von 15 bis 75 M. zur Verteilung, und zwar gewöhnlich nach der Jnventuraufnahme Ende April oder Anfang Mai. Der Grund der Kündigung und Verweigerung der Gratifikation bei der Klägerin war nach deren Aussage ein äußerst nichtiger. Herr Emil Liepmann feierte nämlich feine silberne Hochzeit und die Klägerin sendete ihrem Chef zu diesem Familienereignis nur eine Depesche— und kein Blumenbukctt, was nach den eigenen Worten des Jubilars, wie die Klägerin er- klärte, zu den besprochenen Maßnahmen Veranlassung gegeben haben soll. Sie habe jedoch von dem Jubiläum erst in letzter Stunde erfahren, weshalb sie noch schnell eine Depesche sandte. Bezüglich der Gratifikationen äußerte der Vertreter und Bruder des Bc- klagten, Herr R. Liepmann, die Gratifikationen seien frei- willig gegeben worden, ein festes Versprechen in dieser Hiusicht sei jedoch nicht erfolgt. ES sei früher einmal sogar vom Geschäfts- inhaber den Leuten erklärt worden, datz Gratifikationen und Ur» laub nur nach seinem B eli eb en dem Personal zugebilligt würden. Darauf sagte die Klägerin auS, datz sie bei dieser An- kündigung nicht zugegen gewesen sei, und sei ihr die Gratifikation ohne Vorbehalt weiter ausgezahlt worden. Herr R. Liep- mann erklärte dann noch, datz die Firma immer sehr human gegen ihr Personal und besonders gegen die Klägerin gewesen sei. Auch müsse diese von der betreffenden Ankündigung gewußt haben. Er selbst sei übrigens immer prinzipiell gegen jede Gratifikation gewesen. Der Vorsitzende bemerkte dazu, die Klägerin könne sich doch darauf berufen, daß ihr damals nicht gekündigt worden sei. Wenn die Firma immer human war. so möge sie es jetzt noch sein und sich mit der Klägerin einigen. Hiervon wollte jedoch Herr Liepmann nichts wissen. Sie hätten mit Unter- b i l a n z gearbeitet und da wollten fie nicht noch ftciwillig Geld hinterher werfen. Den Eid wegen der 75 M. wolle er auf sich nehmen. Die Klägerin sei von einem früheren Buchhalter zu ihrem Vorgehen aufgehetzt worden, was energisch bestritten wurde. Da eine Einigung nicht zustande kam, so fällte das Gericht sein Urteil. In der Begründung heißt eS: DaS Gericht sei einmütig zu der Ansicht gelangt, daß durch den jahrelangen Gebrauch die Gratifikation zu einem festen Bestandteil des Gehalts geworden sei, daS dem Gehilfen nicht plötzlich willkürlich entzogen werden könne. Durch die Gepflogenheit ist die Gratifikation zum Rechtsanspruch geworden. DaS Gericht habe der Klägerin deshalb ganz unabhängig von dem Eid des Beklagten die 76 M. zugesprochen. DaS Urteil ist, weil da? Objekt unter 300 M. beträgt, rechts- kräftig. Der Verurteilte erklärte hierauf, den Gerichtshof für den Schaden, der ihn hierdurch treffe, verantwortlich(II) zu machen. Der Vorsitzende belehrte ihn aber recht gemütlich über diesen Irrtum._ Verbot der Bewirtung von Schüler«. Eine Polzeiverordnung für Papenburg, die am 29. Dezember 1833 erlassen ist, verbietet es den Gast- und Schankwirten, den Schülern des RealprogymnastumS den Aufenthalt in ihren Lokalen zu gestatten und ihnen Speisen und Getränke zu verabreichen. DaS Verbot soll nur dann keine Anwendung finden, insoweit den Wirten von der Direktion des RealprogymnastumS die Aufnahme und Bewirtung von Schülern widerruflich gestattet ist. Der Gastwirt SchwarS hatte entgegen dem Verbot am 15. Februar d. I. Schüler bewirtet, welche die Berechtigung zum Einjährigendienst erworben hatten. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe, in- dem es die Verordnung für rechtsgültig erachtete, und das Landgericht Osnabrück verwarf feine Berufung. Nach Annahme des Land- gerichts findet die Verordnung ihre rechtliche Grundlage im§ 6o deS Polizeiverwaltungsgesetzes, wonach zu den Gegenständen polizeilicher Vorschriften gehört:„DaS öffentliche Interesse in bezug auf die Aufnahme und Beherbergung von Fremden, die Wein-, Bier- und Kaffecwirtschasten und sonstige Einrichtungen zur Verabreichung von Speisen und Getränken."— Der Angeklagte legte Revision ein und bestritt die Gültigkeit der Verordnung.— Der Ferien-Strassenat deS KammergerichtS verwarf das Rechtsmittel mit folgender Begründung: Mit Recht habe das Landgericht im Hinblick auf Z 6a des Polizei- verwaltungSgesctzeS die Gültigkeit der Verwaltung angenommen. Allerdings sei Wohl bei ihrem Erlaß in erster Linie an die Schul- disziplin gedacht worden. Die Verordnung wahre aber auch das öffentliche Interesse im Sinne deS erwähnten Z 60. Denn es liege iin öffentlichen Interesse, daß die jungen Leute vor Unsittlichkeit und Völlerei bewahrt würden. Em der frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Sechster Wahlkreis. 4. Abt. Mittwoch, den 18. August: Ausflug nach WaidmannSIust, Schweizerhäuschen, Dianastratze. Treff- Punkt 11 Uhr vormittags, auch für Nachzügler. Rege Bctcili- guna der Genossinnen und Genossen erwünscht. Die Genossinnen der 5. Abteilung des 6. Wahlkreises ver- anstalten am Mittwoch, den 18. August, eine Landpartie. Treffpunkt vormittags 10 Uhr, Bahnhof Jungfernheide, für Nachzügler nachmittags 2 Uhr im Waldkaier, Tegeler Weg 40. Dritter Wahlkreis. Heute Dienstag, 8M> Uhr, im Mariischen Hof, Admiralstraße 18 c, öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen. Genossin M. Hoppe spricht über:„Die neuen Reichssteuern." Genossinnen und Genossen, agitiert für zahl- reichen Besuch dieser Versammlung. Auch die Männer werdxü ersucht, zahlreich zu erscheinen, Für den Inhalt der Inserate »iderniuttnt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei BerantNiortung. Theater. Dienstag, den 17. A u g u st. Ansang 7',, Uhr. Kgl. Opernhaus. Vohsme. Kgl. Schauspielhaus. Die Jour> nalisten. Neues königliches Operntheater. OrphcuZ in der Unterwelt. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Freund Jack. Ssssing. Die Stützen der Gesellschast. Berliner. Einer von unsre Seilt, Neues. Sein Sündenregister. Neues Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Thalia. Prinz Busst. Komische Oper. Hoffmanns Er- zählungcn. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. HoheZ Spiel.___ Trianon. Siebcsgewitter. LustspiclhauS. Familie Schimek. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Kleines. 2X2=5. Westen. Der fidele Bauer. Schiller».(Wallner- Thealer.) Macbeth. Schiller Charlottenburg. Ein Ersolg. Friedrich. Wilhelmstädt. Schau. spiclhaus. Fidelio. Luisen. Der stille See. Folies Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Zins. 81/. Uhr. Metropol. Die oberen Zehntausend. 'Apollo. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau Ellams Friseur. Meine» Deine Tochter. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Der Tanzhusar. Walhalla. Spezialitäten. Berliner Pratcr. Man lebt ja nur einmal.(Ansang ilL Uhr.) W. Noacts Theater. Onlel Schlau- mcier. Spezialitäten. Stadt-Thcatrr Moabit. Epezia- litäten. BolkSgarteu. Spezialitäten. Brunnen. Der Amerika- SePPI. Spezialiläten. Reichöhallen. Stettincr Sänger. Urania. Tnnlicnitrahe inUff. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte. Jiivalidenllr. 57/62. lieaeing-Tbeater. Dienstag, 8 Uhr: Ibsen- Zyklus i 1. Vorstellung: Die Stützen der Gcseilscbaft. Mittwoch, 7 Uhr: vis gelbe Nachtigall. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Abends 8 Uhr: SemSiindenregister Morgen und folgende Tage: Leili di'mdenre?ister. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll). Crnro-Opcp. Einfache Preise. Orpheus in der Unterwelt. Burleske Oper von OHenbach. Anfang 7'f, Uhr. Mittwoch: Salome. Donnerst: Othello. Freitag: Orpheus. Sonnabend: Salome. Sonntag: Oer fliegende Holländer. Schluß der Spielzeit.__ Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, 17. August. Ans. 8 Uhr: Populäre Vorstellung bei halb.Preisen: l�Melüo. Mittwoch: Zar und Zimmermann. Donnerstag: Die Afriiianerin. Freitag: Die Zauberdiite._ It'eucH Öpercttcn-Theater, Schifsbauerdamm 23, a. d. Luisenslr. Ansang 8 Uhr: vi« DoUiirprlnnonsln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Ilieslei' ltes Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fidele BaiierÄlai LustspieBhaus. Abends 8 Uhr: 7smUis Schimek. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. 8 Uhr! 8 Uhr: Schwank in 3 Akten von Fchdcau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Reichsliallen-Theater. lir Säniier Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Urania. 2 Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Peher den Brenner naeh wetz. OOiOC(SCHER Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 ffl., j von abends 6 Uhr ab 50 Pf.,| Kinder u. 10 Jahren die Hälfte. LandesaussleiiungspapJt am Lehrter Bahnhof Neuerbaut: Festsäle Gartanrestaurant Konditorei und Cafö Militär■ Konzert tägl. y. 4 Uhr ab Dejeuners von 2.60 an bis 2 Uhr nachm. Diners und Soupers v. 4.00 an mrasEwi I" Sr. Frantinrler Str. 132. Abends 8 Uhr: Ml Der Tanzhusar. Lustspiel in 3 Akten v. H. Pohlmann. Ans der Gartenbühne Ans. 4'/, Uhr. Theatervorstellung. Spezialitäten. Debüt Humpsti-Bumsti. 9 Uhr Sine Karemsnaeht. Dazu ab 8 Uhr Das Bombenprogramm. Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jni Freund. Musik v. Gfust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Eich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop.JI Anf. 8 Uhr. Hauchen gestattet Vollständig renoviert Premiere HenryBender und das gigantische EröQnungs-PFogFamra! Theafep Frau Elkam's Friseur. Heine- Deine Tochter. Beide Komödien mit den Autoren Anton und Donat Herrnfcld in den Hauptrollen. Ansang 3 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. Ab 7 Uhr: Promonaden-Konzort im schattigen Sommsrgarten und Pergola. {Passage-Panoptikum. ■ Aga die schTreb. Jangfraa. 1 Ganz Berlin zerbricht j sich wieder d.Kopf über DcrMann m.d.ciscrncn Schlund! | Experimente d. IV. Dimension! Alles ohne Estra-Entree. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) DienSiag, abends 8 Uhr: kikacbeth. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Mittwoch, abends 3 Uhr: Rrester'« Millionen. Donnerstag, abends8Uhr: Brestcrs Millionen. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. DienSiag, abends 8 Uhr: Ein Erfolg. Lustspiel in 4 Akten v. Paul Lindau. Mittwoch, abends 8Uhr: Madame Bonivard. Donnerstag, oben dS8llhr: _ Ein Erfolg._ Schwarzer Udler UcMenlierg, Frankfurter Chaussee 5(fs£)er Inh.: Gebr. Arnhold. Täglich: Gr. inleFuation.RiDgkampf-RonkaFFenz um die Meisterschaft d. Prov. Brandenburg u. die Prämie 5000 M. in bar. Heute Dienstag, den 17. August, ringen: Jackson• Schottland | gegen Sauerer-Bayern. Eggeberg-Fitralanb geg. Gcbhardt-Setlm. Michailof- Rugland gegen Burghardt-Cciicncich. Entscheidungskampf; Schwarz- B erlin gegen NIUrnann-Westsalen. Vor den Ringkämpfen: Auftreten ersiklasi.SPezialititten mit Fr. Sobanski. Stadt-Ttieater Moabit. Alt-Moabit 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Uhr, Konzert s Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Garteneröffnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitctag. SPezia- litäten und Soiree der„Lustigen Sänger«. Bei Regenwetter Vorstellung im großen Theatcr-Saal._ Brunnen-Theater Badstraße 68. Direktion: Willi Voigt Heute sowie täglich: Der �merika-Seppl. Banernposse in 3 Akten von Manz. Kasseneröffnung 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Max Kliems Sotnnier- Theater linij Festsäle Rudolf Kröger Hasenh8ideJ3/15. Täglich: Großes Konzert, Theater imil Spezialitäten-Vorstellung. Art. Leitung: Waller Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elitetag. ZSährend und nach der Vorstellung TaiizikrUniEeben. Passays-Theater. I Ein durchsclilageDder Erfolg! Alois Pöschl Edmondo Encinl The Elngtons and das grofiaFtige Äugust-Programm! 12 erslklass. Variätb-Attraktionen. W.Koaeks Theater Direktion: Rod. Olli, vrunnentir. 10. Abschied und Htimkehr oder: Gebrochene Treue. ' Volksstück mit Gesang in 3 Akten. Vorher: Spezialitäten I Ans. 7, Konzert S, Kaffeelüche S Uhr. Entree 3V Pf. Donnerstag: Stiefmutter. abend: Wildschütz. Sorot- Volksgarten-Theater früher Weimauns Volksgarten. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Ella Vera X kola Groll X Otto Beyer The Horleys X Brothers Vollmer Der Aktienbudiker. Voirsstück m. Ges. u. Tanz in S Bildern. Donnerstag, 19. Aug.: Gr.Garteufest Hocligfe Anerkennung finden bei allen Rauchern anoli Cigaretten Spezialmarken: Dandy, Fix, GBiic9 Dibson Eingeführt von 1191L*| den französischen u. italienischen staatL Tabak-Regien. Variete-Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Im Theater:> T. interessanten Spezialitäten I Frei: Im Garten Konzert, i Leben u. Treiben im Traumland. I Ktrliner Prattr-Thtater Kastanienallce 7—9. Täglich: Zlnn lebt j» nnr einnrni! Spezialitäten ersten Ranges. Konzert nnd Ball. Ansang i'l, Uhr. 1 Jnngfran von Berlin. Nette Matrosen. Liedersp. i. 1 Akt. Willi Schönburg. Anfang 4'/. Uhr. Entree 20 Ps. Nach der Vorstellung: Or. Ball. Königstadt-Kasino. Holimarltstr.72(Ecke Alexand erftr.) Tägl. icherrl.Natur-Sommergartcn bei ungünstiger Witterung i. Saale Gr. Theater- u. Spez.- Vorstellung. Amor anf Irrwegen. Posse mit Gesang von Tyrtowski. Elly Bürgels, Duett Herrmann, Heinz Heuer, Harves and Horves, Locwc- Lessen und erstklass. Spezialitäten. Ans. wochent. 8, Sonntags S Uhr. in der Speisekammer beschlägt nichts mehr wenn dieselbe von Zeit zu Zeit mit Aufomorsa Wasser aufgewischt wird. Ebenso hält sich Ein- gemachtes tadellos, wenn die[Gefäße mit Automors- Wasser ausgespült werden. Salicyl und dergleichen ist dann ganz unnötig. Automors vernichtet Schimmel-Pilze und dumpfen Geruch. 19261, 'Schweizer- Garten| [ Am Königstor. Am Fricdrichshain A Nglich: spcii'umZn. S Vom 16.— 31. August: Neues® [ Programm.— Kincmatograph. S Volksbelustigungen. Jeden Abend 10 Uhr: 9 ! Am Brunnen vor dem Tore. Z Lebensbild mit Gesang. 2 Ansang 5 Uhr. Entree 30 Pf. 5 Sommerkarten Hab. - Klysicam Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Straffe. ZUT" Heute sowie täglich im prachtvollen Naturgatten: Vorstellung abwechselnd von drei der bestrenommiertekea Saugergesellschasteu. Ailvnv Hasenheide 108/11». Das neue Programm I Konzert. Anfang 5 Uhr, Sonntag 4 Uhr. Entree«5 Pf.• Mittwochs:„Ernte-Dankfesl'-. Donnerstags:„Elitctag".] Mittwochs, Donnerstags nnd Sonntags; Clrofier Ball. Voranzeige! Sonnabend, den 21.(Angost: Großes Sommerfest der Internationalen Artisten-Loge. Mitwirkung bedeutenderiKoryphlen S Vereins- Srausrei R/xdorf, tiermannstr. 214/219. Ookonom; Max WendL Täglich: Gr. Militär-Konzert. Borzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Entree 15 Pf. Uasero echten BIcre sind überall zu haben. In Flaschen k 10 Pf. In Kannen Ltr. 35 Pf. In Syphons Ltr. 35 Pf. Tel. VII, 4088, 80, 90. iBÜKCHESl BRAUHAUS rwByywHrcnwr Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Gold- und Silbersachen, Brillanton etc. l'keRi�tePriiizeiistriö1 jöeranfsortli.ch» Sisbafteuti Kgvs Mbpr, Berlin. Lür denJnieratenteil verantiv,: Th, Glocke, Berlin, Druc! u. Verlag: Vorwärts jLuchdruckerei u.Ber!agsanstalt Pgul«inger& Cv« Berlin SW, Nr. 190. 26. Jahrgang. 2. KtilM des JoRBirts" Irriiut BxlksdlÄ. Dienstag, 17. Augnft 1909. Partei- Angelegenheiten. Die Provinzialkonferenz der Provinz Brandenburg findet am Sonntag, den 29. August 1999, im Gewerkschafts' Hause, Saal 4, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht und Diskussion. 2. Die Verwaltung in Preußen. Referent: Stadl verordneter Genosse Hirsch- Charlottenburg. 3. Die politische Lage. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Robert S ch ni i d t- Berlin. Die Agitationskommission. Zweiter Wahlkreis.(7. und 8. Abteilung.) Sonnabend, den 21. August, findet im Garten von Nabe, Fichtestr. 29, ein Kinder- Freudenfest statt, verbunden mit Kaffeekochen, Liter 70 Pf., Va Liter 35 Pf.) Für Kinderbelustigungen ist Sorge ge tragen. Anfang nachmittags 3 Uhr. Abends: Sommernachts- ball in beiden Sälen. Eintritt frei. Um recht zahlreiche Beteiligung ersuchen Die Abteilungsführer. 5. Wahlkreis. Heute abend 8'/z Uhr findet im Alten Schützen haus die Fortsetzung der Generalversammlung statt. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverein für Teltow-Beeökow Storkow-Charlotteuburg. Heute Dienstag, den 17. August, abends 8 Uhr, findet eine Versammlung für die weiblichen lviitglieder im Volkshause zu Charlottcnburg, Rosinenstr. 3, statt. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Fritz Zubeil:»Krise, 400 Millionen- Raub und die Stellung der Frauen". 2. Diskussion. 8. Wahl einer Delcgiertin zum Leipziger Parteitag. Die weiblichen Mitglieder des Kreises werden zu recht zahl« reichem Erscheinen eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. _ Der Zcntralvorstand. Britz-Buckow. Heute abend>/z9 Uhr findet bei Weniger, Werderstr. 28, die Vcreinsversammluug statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen E. Brückner über: Rechte und Pflichten aus dem UnfallversichcrungSgcsetz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Gäste willkommen I Der Vorstand. Wnhlvcrcin Trcptow-Baumschuleuwcg.(OrtSteil Baumschulen- weg.) Die Mitglieder werden auf die heute DienStag, abends KVz Uhr, stattfindende Mitgliederversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: 1. Vortrag des GcwerkschaftSiekretärS Genossen Karl Hctzschold über:„Die Wirkung der neuen Steuern". 2. Diskussion. 8. Bericht von der Kreisgeneralversammlimg. 4. Wahl einer Zeitungskommission und eines Obmanns der Bezirksführer. 5. Ver- chiedenes. Der Vorstand. Köpenick. In der heute DienStag beim Genossen Zippan, Srünauerstr. 27. stattfindenden Versammlung spricht Genosse Emil LaSner über den Anfang der sozialistischen Bewegung in Deutsch- and. Der Vorstand. Nieder-Schöneweide. Am Mittwoch, den 18. d.M., abends 8 Uhr. indet im Lokal„Hasselwerdcr" eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Ge- ,osse Fritz Zubeil über Organisation und die neuen Steuern refe- :ieren wird. Eine rege Agitation der Genossen zu der Versamm- wng wird bestimint erwartet. Der Vorstand. Weißens«. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet in EnderS Jfestsälen, König-Chaussee 4—6 eine Volksversammlung statt. Partei- ekretär Genosse Vühlcr referiert über:„Die neuen Steuern und was haben wir vom SchnapZblock noch zu erwarten?" Zahlreichen Besuch, auch der Gegner, erwartet Die Bezirksleitung. Tegel. Heute Dienstagabend, pünktlich 8l/z Uhr, findet im öokale von Julius Klippenstein, Spandauer Strasze 4, die Mitglieder- zersammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Heinrich Schulz- Verlin über„Religion und Schule". Bericht von der Kreis- Generalversammlung. Vereinsangelegenheiten und Ver- chiedenes. Die Bezirksleitung. Pankow. Heute DienStag, abends 8V3 Uhr. findet bei Irotzknrt, Berliner Straße 27. die Mitgliederversammlung unseres Bezirks statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Willi Siering über:„Die Wirkungen der neuen Steuern". 3. Ver- , chiedenes. Um vollzähligen Besuch ersucht Die Bezirksleitung. ßerliner JVaebnebten» Die Angst vor der Zcpprlin-Raserei. Bekanntlich gedenkt Zeppelin Ende August Berlin jenen Besuch abzustatten, der ihm schon im Mai zugedacht war, als Zeppelin in Bitterfeld wieder umkehren mußte. Als sich damals die Kunde von seiner Ankunft verbreitet hatte, waren Hunderttausende nach der vorgesehenen Landungsstelle, dem Tempelhofer Felde, geströmt, wo sie in schwarzen Mauern viele Stunden lang aushielten, bis endlich um 10 Uhr die Nachricht eintraf, daß Zeppelin bereits wieder den Rückweg angetreten habe. Was an jenem Sonntage angenehm auffiel, war die absolute Ordnung, die von den rasch zusammengeströmten Menschen- massen beobachtet worden war. Man hatte den Eindruck, daß es wirklich nicht des gewalttgen Aufgebots von Soldaten und Schutzleuten zu Pferd und zu Fuß bedurft hätte, um das Feld selbst von Menschen frei zu halten. Wäre Zeppelin wirklich eingetroffen, so würde sich die Landung zweifellos in größter Ruhe und mit absoluter Sicherheit sowohl für das Luftschiff und die zu seiner Landung und Verankerung notwendigen Mannschaften als auch für daS Publikum selbst vollzogen haben. Dabei waren die paarmal hunderttausend Zuschauer von der Sensation des Zeppelinbesuchs völlig überrascht worden, ebenso hatten die Absperrungen improvisiert werden müssen. Und da wird jetzt offiziös gemeldet, daß städtische Behörden, Polizeipräsidium und Ministerium vor einer Landung Zeppelins auf dem Tempelhofer Felde wegen des ungezügelten Temperamentes oeS braven Berliner Publikum? eine solche Heidenangst hätten, daß man einmütig beschloffen habe, die Landung Zeppelins nicht unmittelbar vor den Toren Berlins, eben am Tempelhofer Felde, sondern fernab auf dem Tegeler Schießplatz er- folgen zu laffen, der obendrein für das Publikum völlig gesperrt werden sollte. Am Tempelhofer Felde würden wohl 500 000 Menschen zusammenströmen, die selbst durch ganze Regimenter von Mannschaften nicht in Schach gehalten werden könnten: sie würden sicherlich den Absperrungskordon durch- brechen, sich wie eine Meeresflut an das Luftschiff heranwälzen, und dadurch womöglich eine Katastrophe herausbeschwören, die-- bei einer Explosion der 15 000 Kubikmeter Gas des Ballons— unabsehbare Folgen haben könne. Den Tegeler Schießplatz dagegen werde man am LandungStage selbst v 0 1 l st ä n d i g ab- sperren, und am anderen Tage werde man das Publikum nur auf 100 Meter heranlaffen und alle Vorkehrungen dafür treffen, daß die Zeppelinraserci leinen gemeingefährlichen Charakter annehmen könne. Ein kläglicheres Armutszeugnis kaim der Berliner Bevölkerung nicht ausgestellt werden. Gewiß hat man sich ja die erdenklichste Mühe gegeben, den Berlinern durch die unglaubliche polizeiliche Bevormundung alle steie Selbstbetätigung und Selbst- disziplin auszutreiben. Sogar wenn der Wasserfall im Viktoriapark elektrisch beleuchtet wird, muß ein zahlreiches Aufgebot von Schutz- leuten dafür sorgen, daß dies Schauspiel auch reglementmäßig genossen wird. Wie eS denn überhaupt unglaublich ist, was sich bei Paraden, Fnrstenempfängen usw. das Berliner Publikum von den Hütern der Ordnung gefallen lassen mutz. Trotzdem halten wir die Vorsichtsmaßregeln zu dem Empfang Zeppelins für geradezu lächerlich übertrieben. Allerdings hat ja eine abgeschmackte Sensationspresse, die das Publikum systematisch zur ödesten Sensationsgier und kindischsten Neuigkeitsjägerei zu erziehen bemüht ist, alles getan, um das vernünftige Interesse, das jedermann für die Erfindung Zeppelins und die sympathische Person des Erfinder? selbst hegt, in einen geradezu absurden Luftschiff- und Zeppelin Fanatismus ausarten zu lassen. Wenn man sich aber einbildet, die Masse der Berliner Bevölkerung wirklich in eine Stimmung versetzt zu haben, die wüste Ausbrüche der Raserei befürchten lassen, so täuscht man sich unserer Ansicht nach denn doch! Es bedürfte sicherlich nicht einmal besonderer Absperrungsmaßregeln, sondern lediglich der Belehrung durch die Zeitungen, daß die Landung der allgemeinen Sicherheit wegen ein Herandrängen an den Ballon verbieten, eines ernstlichen Appells an die Selbstzucht des Publikums, um den be fürchteten Sturm zu verhüten. Sollten sich wirklich Elemente finden, denen die Sensationspresse die Besinnung geraubt, so würden diese Elenrente von der vernünftigen Mehrheit des Publikums schon energisch in Schach gehalten werden. An sich ist es natürlich herzlich gleichgültig, ob der Ballon inmitten der Bevölkerung am Tempelhofer Feld landet oder auf dem hermetisch abgeschlossenen Tegeler Schießplatz. Denn wenn Zeppelin das Tempelhofer Feld und Berlin überfliegt, wird die Schaulust ja auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Nur die Motive, die zu einer Aenderung des bisherigen Programms, das die Landung aus dem gewaltigen Tempelhofer Felde vorsah. Veranlassung gaben, er- scheinen uns als eine Beleidigung des Berliner Publikums, das durch die Angstbeschlüsse der hochweiscn Behörden als eine durch die Sensationspresse geistig verwirrte Hqrde Exaltierter und Unzw rechnungsfähiger dein Spotte der ganzen Welt preisgegeben wird. Das Schauturnen des Arbeiter-Turnvereins„Fichte", daS am Sonntag auf seinem Turnplatz an der Köpenicker Landstraße ab- gehalten wurde, hatte in der Bevölkerung ein besonders lebhaftes Interesse gefunden. Die Verfolgungen, die diesem Turnverein be- reitet werden, weil der turnsreudige Nachwuchs der Arbeiterklasse— den bürgerlichen Turnvereinen fern bleibend— in ihm sich sammelt, haben die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf ihn gelenkt. Eine tausendköpfige Zuschauermenge umsäumte den Rasen, auf dem die Jugendabteilungen des Vereins— die Jünglinge und Knaben? die man seinem„gefährlichen" Einfluß entziehen will— eine Probe ihrer turnerischen Ausbildung ablegen sollten. Der Aufmarsch der vierzehn Lehrlingsabteilungen und drei Schülerabteilungen, die an der Veranstaltung teilnahmen, bot ein Bild von prächtiger Massenwirkung. Eine Ansprache des Vereins Vorsitzenden Darmer wies sie auf den Kampf um die Jugend, den die bürgerliche Klaffe und die ihr dienenden staatlichen Organe den Arbeiter-Turnvereinen aufgenötigt haben. Dann begann das Schau turnen, geleitet vom Turnwart Kelsch, und auf dem weiten Platz entwickelte sich ein frisches, flottes Treiben. Freiübungen und Geräteturnen ließen erkennen, daß der Verein ein tüchtiges Stück Arbeit leistet, einx Arbeit, deren charakterbildender Wert auch von der Arbeiterbevölkerung nicht unterschätzt werden sollte. ES folgten Spiele, die den Teilnehmern Gelegenheit boten, sich freier zu tummeln und ungezwungener Fröhlichkeit sich hinzugeben. Sonder- aufführungen schloffen sich an, Neigen mancherlei Art, die Balancier- kunststücke der Barren- und Leiterpyrannden und zuletzt das anregende Schauspiel eines Eilbotcnlaufcs. Ein Turner- Trutzlied beendete, aus tausend Kehlen erklingend, den offiziellen Teil der wohlgclungenen Veranstaltung. Lange noch blieben dann die Turner mit ihren Gästen gesellig beisammen. Dem Turnverein„Fichte" werden bekanntlich vom 1. Oktober ab für seine jüngeren Mitglieder— für alle diejenigen Abteilungen, zu denen Mitglieder im Alter von weniger als 21 Jahre gehören— die Turnhallen der Stadt gesperrt; nur für Mitglieder im Alter von mehr als 21 Jahren darf er weiter diese Turnhallen benutzen. Wird der stille Wunsch der bürgerlichen Klasse, daß den Arbeiter-Turnvereinen die von der Staatsregierung angewendeten Polizeischikanen den Nachwuchs entziehen möchten, seine Erfüllung finden? Wird in Berlin der Handlangerdienst, den die von liberalen Männern beherrschte Schuldeputation der Stadt den aufsichtführenden Organen des Staates nüt Vergnügen leistet, seine Wirkung tun? Die Arbeiter-Turuer Berlins fühlen sich stark genug, auch diesen Schlag zu parierem Der Verein„Fichte" wird die turnfreudige Arbeiterjugend, die wir am Sonntag da draußen sich tummeln sahen, nach wie vor um sichzu sammeln wissen. Und er hofft, daß die Arbeiterbevölkerung dem erziehlichen Einfluß seiner Bestrebungen nicht geringere Beachtung schenken werde, als es die Staatsrcgierung tun zu sollen glaubt. Die„Nationalzeitung" hat in ihrer Ausgabe vom Sonnabend- abend ihren Lesern einen ordentlichen Bären aufgebunden. Sie be- richtete in bezug auf den Mitgliederrückgang des vierten Wahl- kreises u. a.: „Adolf Hoffmann ist den Radikalen noch nicht radikal genug, seine Londoner Reise mit den bürgerlichen Stadtverordneten hat auf das äußerste verstimmt und'hervorragende Mitglieder des Wahlvereins sind schmollend ausgetreten." Irgend ein zeilenhungriger Reporter hat sich da wieder einmal etwas aus den Fingern gesogen. Der Wahlvereinsvorstand des vierten Wahlkreises teilt uns mit, daß ihm von dem Austreten „hervorragender Mitglieder des Wahlvereins" nichts bekannt sei. Ein Lehrer unter dem Verdacht des SittlichkcitsverbrechenS. Schwere Verfehlungen gegen Mädchen unter vierzehn Jahren werden einem Berliner Schullehrcr zur Last gelegt, der vorgestern ver- hastet wurde. Der 31 Jahre alte Gcmeindeschullehrer Richard L i n d n e r erteilte seit zwei Jahren an der 233. Mädchenschule in der Frankfurter Allee in der achten Klasse Unterricht. Er ist HauS- b c s i tz er und wohnte mit seiner Fanlilie Schloßstr. 34 in Friedrichs- felde. Seit dem 2. August befand er sich als Reserveleutnant in Posen, wo er zu einer Uebung eingezogen war. Während seiner Ab- Wesenheit lief bei der Polizei eine Anzeige gegen ihn ein, in der er bezichtigt wurde, in einem möblierten Zimmer in der Frankfurter Allee 16 a die ihm anvertrauten Schulkinder mißbraucht zu haben. Die sofort angestellten Recherchen ergaben, daß Lindner tatsächlich ein einfaches Zinimer bei der taubstummen Witwe Niemsch im Hause Frankfurter Allee 16 a gemietet hatte. Er erklärte der Witwe seinerzeit, daß er das Zimmer brauche, um die Arbeiten seiner Schülerinnen in Ruhe durchsehen zu können. Auch müsse er den Mädchen französischen und englischen Unterricht erteilen, sie zu Boten- gängen benutzen oder Theaterstücke und Gedichte mit ihnen einüben. Die Witwe schöpfte deshalb in der ersten Zeit keinen Verdacht, als tagtäglich Mädchen kamen. Schließlich wurde aus eine Anzeige hin der sonderbare Kinderfrcund verhaftet. Bis jetzt sind etwa zwölf Schülerinnen vernommen worden, die gegen Lindner belastende Aus- sagen machten. Er bestellte die Kinder an eine Haltestelle der Straßenbahn und führte sie dann in sein Zimmer. Dort zeigte er ihnen Bilder, die ihn in der Uniform darstellen. Oft erschien er auch als Reserveleutuant vor den Kindern. Die Gattin Lindners wußte nichts von dem Treiben ihres Mannes. Die Tat eines Geisteskranken. Seine Ehefrau vor einen Eisen- bahnzug geworfen hat am Sonntagabend um 10' /3 Uhr der Kauf« mann Julius Körting, der in der Dircksenstr. 43/44 einen Groß- Handel mit Obst und Südfrüchten betreibt. Als der Südring aus dem Bahnhof Friedrichstraße von Charlottenburg einlief, stieß er seine Frau auf die Schienen, so daß ihr beide Beine abgefahren wurden; nicht lange darauf starb sie in der königl. Klinik. Ansang? glaubte man, daß Frau Körting, die man in Begleitung eines Mannes gesehen hatte, nach einem Streit sich selbst vor den Zug geworfen habe. Ein Bruder der unglücklichen Frau, der seine Schwester wiedererkannte und den Ehemann als Täter in Verdacht hatte, erstattete eine diesbezügliche Anzeige. Darauf wurde Körting festgenommen. Er gibt an, daß er seine Frau um das Leben ge- bracht habe aus Furcht vor der Irrenanstalt. Dorthin habe man ihn schaffen wollen. Dann habe er die Absicht gehabt, sich selbst das Leben zu nehmen, den Mut dazu aber dann verloren.' Zchiipfcnnigiriefe uach den Bereinigten Staaten von Amerika gehen im Laufe dieser Woche dreimal. Nach Abgang des„Kaiser Wilhelm II.' am Dienstag geht am Donnerstag, den 19. wieder ein Dampfer von Kuxhaven und am Sonnabend, den 21. ein solcher von Bremerhaven. Der Dampfer„Cleveland" von Cuxhaven kann aber nur für Briefe benutzt werden, die keine Eile haben. Eilige Briefe versieht man jetzt besser mit einer Zwanzigpfennigmarke. Sie gehen dann am 20. nach Southampon, um dort am 21. mit dem fälligen Dampfer der American-Linie befördert zu werden und am 29. in New- Jork einzutreffen. Die letzten Bahnposten nach Southampton gehen am 20. 6,01 von Köln; 10,45 geht dann noch eine zweite Bahnpost von dort zum Anschluß an den Dampfer in Cherbourg. Briefe, die diese Anschlüsse nicht mehr erreichen, gehen am Sonnabend früh von Bremerhaven mit dem„George Washington". Sie sind am 30. August in New-Jork. Nach- versandte zu diesem Dampfer gehen am 21. 6,01 von Köln nach Southampton, 10,45 nach Cherbourg. Die nächste Gelegenheit ab Bremerhaven den 24. ist aber gleichzeitig die billigste und schnellste Gelegenheit für Briefe nach den Vereinigten Staaten. Einen großen Brand hatte die Berliner Feuerwehr am Sonntag- nachmittag in der Hanuovcrschenstraße 19 zu löschen. Dort stand ein Fachwerkgebäude auf dem Hofe unmittelbar an der Panke in Flainmen. Es brannten Heu, Stroh und andere Futtervorräte, Möbel, Holzkästen u. a. Als die Feuerwehr erschien, hatten die Flammen schon das Dach ergriffen. Es mußte deshalb gleich mit mehreren Schlauchleitungen von Dampfspritzen Wasser gegeben werden. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit tonnte die Wehr iviedcr abrücken. Die Entstehung deS Brandes konnte bisher nicht er- mittelt werden. Vom Herzschlag getroffen. In der zweiten Morgenstunde des vorgestrigen Sonntags brach auf der Zugangstreppe des Wannscc- bahnhofes ei» älterer Herr plötzlich bewußtlos zusammen. Bahn« beamte und andere Personen eilten schnell zu Hilfe und riefen den Arzt der Rettungswache in der Köthenerstraße herbei. Als dieser eintraf, war der Verunglückte schon gestorben. Als Todesursache wurde Herzschlag festgestellt. Bei Durchsicht der Legitimationspapicre ergab sich, daß es sich um den Gymnasialprofessor Dr. Max Borheck handelt, der in der Annastr. 3 in Zehlendorf wohnte. Ein toelicher Straßcnvahnunfall ereignete sich am Sonntag gegen 11 Uhr abends auf der Treptower Chauffee. Der 23jährige Architekt Karl Steg, Manteuffelstraße 120 wohnhaft, versuchte in der Nähe des RingbahnhofeS das Gleis zu überschreiten, als er von einem Straßenbahnwagen der Linie 38 erfaßt und umgestoßen wurde. St. fiel so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen der Verunglückte kurz nach seiner Einliefe- rung auf der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof verstarb. Der Berliner Eispalast hat seine Pforten wieder geöffnet. Die neue Sportsaison wurde am Sonnabend durch einen festlichen Premierenabend eingeleitet, zu dem sich außer den alten Stamm- gästen des Etablissements so viele Freunde des fröhlichen Eissports eingefunden hatten, daß die Galerien sämtlich überfüllt waren. Allem Anschein nach sind die Schwierigkeiten, die sich anfangs der Eröffnung der Eisbahn unter der jetzigen warmen Witterung ent- gegenstellten, technisch völlig überwunden worden, wenigstens bleibt bis zuletzt die Bahn hart und glatt. Um Abwechselung in das heitere Sporttrciben zu bringen, hat die Direktion weiter eine Anzahl von BerufseiSknnstlern engagiert, unter denen besonders die Herren Biewer und Mündner sowie die Gebrüder Larsen vielen Beifall fanden. Auch das auf dem Eise zwischen dem Berliner und dem Charlottenburger Hockeyklub auSgcfochtene Hockehkampfspiel, in dem der Berliner Klub schließlich Sieger blieb, erregte großes Interesse. Sportpark Botanischer Garten. DaS erste Rennen seit dem Un- glückstage am 18. Juli erfreute sich eines sehr guten Besuches. Der gebotene Sport befriedigte durch die höchst spannenden Endkämpfe recht allgemein, wurden doch fast alle Läufe mit Reifenstärke, Hand- breite oder dichtauf gewonnen, so daß die Zielrichter ein schweres Amt hatten und sich öfters im Widerspruch mit dem Publikum be- fanden, obwohl das letztere von seinen oft entfernten Standorten ein wesentlich anderes Bild von dem Rennen hat, als die unmittel- bar am Ziel Stehenden. Deswegen sollten auch die MißfallSbezen- gungen gegen die Fahrer unterbleiben.— Das Internationale l i e g e r m a t ch sah Arend, H. Mayer, Poulain und den eger Major Taylor am Start und wurde in drei Läufen über tausend Meter ausgefahren. H. Mayer und Poulain hatten im ersten und zweiten Lauf je einen ersten und zweiten Platz mit ganz knappem Zeitunterschied. Erst der dritte Lauf ergab einen guten Sieg von H. Mayer vor Arend, Poulain und Taylor, so daß ersterer den Sieg errang vor dem Franzosen, Arend und dem Neger.— Der„Große Preis von Berlin", ein Stundenrennen hinter Tandeinführung, sah Bcrthet, van Neck, Ryscr und Stol am Start. Mit Ausnahme von Ryser, der noch unter den Folgen des Sturzes vom 18. Juli leidet, waren alle drei Fahrer in guter Form und hielten sich stets dicht beisammen. Alle Borstöße seitens Stol, Bcrthet und van Necks geben den jeweiligen Fahrer» nur geringen Vorsprung, der von den anderen stets geholt wird. In der Schlußrunde beginnt eine wilde Jagd. Stol, der die ührung hat, wird von Berthe! heftig angegriffen und rettet den -icg ganz knapp mit Reifenstärke vor dem Franzosen, während van Neck 20 Meter zurückliegt; Ryser 2830 Meter zurück.— Das Hnnptfahren gewann Stabe vor Sützmilch und v. d. T h y n. Im Tandcmfahren siegten S ch m i t t ch en- V i e r ck vor Süßmilch- Hitzler und im Vorgabefahren belegte Stabe vor Süßmilch, Schmittchen und Hamann den ersten Platz.— Sämtliche Nennen verliefen ohne Unfall. Nadrnmm in Treptow. Die Dauerrenne», die von P a lv k e, Fr. Hoffmann und Wiewerall Sestritten wurden, endeten mit dem Siege Pawkes, der alle drei Läufe überlegen gewann. Seine Gegner hatten überdies noch unter mancherlei Siadschädcn�zu leiden, so daß sie gegen Pawke nichts ausrichten konnten. Ergebnisse: 10 Kilometer- Rennen mit Mehrsttzerführung: 1. Pawte, 12 Minuten 14'/» Sekunden, 2. Hoffmann 1100 Meter, 3. Wiewerall 1200 Meter zurück.— 20Kilometer-Rennen: 1. Pawke, 25 Minuten 42% Sekunden, 2. Hofsinann 2050 Meter, Wiewerall 4l50 Meter zurück.— 80 Kilometer-Rennen: 1. Pawke, 30 Minuten 17% Sekunden, 2. Wiewerall 4050 Meter zurück. Hoffmann beim 6 Kilometer aufgegeben. Ursprünglich war der bekannte Artur Stell- brink zur Teilnahme bestimmt: er fuhr aber wegen Unpäßlichkeit nicht mit.— Das Hauptfahren über 1200 Meter gewann Fr. H o f f m a n n vor W. Theis, TrinkS und Tschirpe.— Im Prämienfahren über 5000 Meter siegte Pawke gegen Trinks, W. TheiS und Götze. Führungspreise errangen: Götze, Lauckner, Schwentke, Thiem und W. TheiS.— Im Kampf um die Goldene Armbinde von Treptow erwies sich der Verteidiger der- selben, Pawke, seinem Gegner Uhl überlegen: derselbe mußte sich schon nach sechs Runden geschlagen bekennen. Orgelkonzert. In der Marien-Kirche werden in dem Orgel- konzert des kgl. Musikdirektors Bernhard Jrrgang am Mittwoch- abend 7% Uhr mitwirken: Frau Emmy Collin-Haberlandt(Sopran), Herr Emil Fischer(Baß) und Herr Edwin Witt(Violine). Der Em tritt ist frei I Programm und Text 10 Pf. Zeugen gesucht. Am 5. Juni, vormittags 10'/« Uhr, wurden vor dem Bureau des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Charitö- straße 3, drei Personen verhaftet. Zeugen dieses Vorganges werden gebeten, ihre Adresie bei Wallschlager, Swinemünder Straße 42, Ouergebäude I, abzugeben. Beim Ankurbeln des Motors schwer verunglückt ist vorgestern der bei der Großen Berliner Motor-OmnibuSgesellschast angestellte Chauffeur Bolze. Er wollte gegen 0 Uhr abends mit seinem . Motoromnibus von Picheisberge nach Verlin fahren. Als er den Motor andrehen wollte, glitt er aus und schlug so heftig mit dem rechten Knie auf das Straßenpflaster, daß er einen komplizierten Bruch des Knies erlitt. Der Verunglückte wurde mittels Automobil- omnibusses nach dem Krankenhause Am Urban übergeführt. Aus dem Sommcrfest der 7. und 8. Abteilung des 3. Kreises bei GieShoit in Plötzensee find 2 CapeS, 2 Schlüssel und 1 Knaben- mütze gefunden worden. Abzuholen bei Fröhlich, Wittstocker Str. 23, parterre. Die Flottwellfiraße von der Straße am Karlsbad bis zur Lützowstraße wird wegen Kanalisationsarbeiten bis auf weiteres für Fuhrwerks mid Reiter gesperrt. Fcuerwehrbericht. Am Montag früh kam in der Treskowstraße 34 ein gefährliches Feuer aus. Benzin war dort in Brand geraten und hatten sich die Flammen schnell ausgebreitet. ES glückte aber, weitere Gefahren zu verhüten. In der Steinmetzstraße 17 brannte um Mitternacht der Fußboden einer Laube auf dem Dache des Hauses. Der 11. Zug hatte in der Dieffenbachstraße 40 und 60 zu tun, wo Hausrat auf einem Hängeboden, Tische, Bücher und anderes brannten. Am Waterloo-Ufer 6 und Tcmpelhofer Ufer 1o wurden Möbel und Kleider ein Raub der Flammen. Stroh und Eierkistcn brannten in einem Keller Prinzenstraße 93 und Möbel, Betten, Gardinen usw. in einer Wohnung Ouitzowstraße 40. Ferner hatte die Feuerwehr in der Friedrichstraße 33, Reinickendorfer Straße 40, Oranienstraße 63, Wilhelmshavener Straße 15 und anderen Stellen zu tun. Vorort- JVacbincbtcm Zllytotf. Aus der Magistratssitzung. Der Stadtgemeinde Berlin soll zur Herstellung ihrer Straßenbahnlinie durch die Friede!- und die Weserstraße die kleinbahngesetzliche Zustimmung nach Maßgabe ihres Antrages erteilt werden.— Wegen des Einbaues von Gleisen in der Wildenbruchstraße soll mit der Großen Berliner Straßen- bahn verhandelt werden.— Dem Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern soll die Aula des Kaiser Friedrich- Realgymnasiums für die von ihm erbetenen Tage zur Ver- fügung gestellt werden.— Der Heu- und Strohmarkt soll von der Weser- nach der Nansenstraße verlegt werden.—■ Der Markt am Maybachufer soll vorübergehend auf die Neue Hobrechtstraße aus- gedehnt werden.— Der Magistrat erklärt sich nachtraglich damit einverstanden, daß zur Neupublizicrung der Straßenordnung vom 5. Dezember 1901 dem hiesigen Polizeipräsidenten die Zustimmung gegeben worden ist.— Vom 1. Oktober d. I. ab soll eine neue Omnibuslinie vom Buschkrug in Britz bis zum Kranken- hause in Buckow in der Weise eingerichtet werden, daß zunächst in der Zeit von etwa 8— 12 Uhr vormittags und von 3—7 Uhr nachmittags stündlich ein Wagen verkehrt. Außerdem sollen zur Ergänzung des Straßenbahnverkehrs nach dem Krankenhause an den Besuchsnachmittagen von der Erkstraße je nach Bedarf Wagen abgelaffen werden, die dann in den Nachmittagsstunden ebenfalls zwischen dem Buschkruge und dem Krankenhause hin- und her- fahren, so daß halbstündiger oder je nach Bedarf auch viertelstündiger Verkehr erzielt wird. Der Fahrpreis für die Strecke vom Busch. krug bis zum Krankenhaus beträgt 5 Pfg., für die Strecke von der Erkstraße bis zum Krankenhaus 10 Pfg.— Der Magistrat ist damit einverstanden, daß der„Berolina" vorläufig gestattet wird, die Trinkhallen am Boddin- und Weichselplatz, an der Canner- und Richardstraße und am Bahnhof Hermannftraße bis zur Er- mittlung geeigneter neuer Standplätze geschlossen zu halten.— Die der Stadt gehörige Baumaske an der Straße 10 soll zur Aufstellung von Schaukästen oder zu ähnlichen Zwecken vermietet werden.— Der Polizeipräsident soll ersucht werden, die Schutzmannschaft anzuweisen, der Verunzierung des Straßenbildes durch das Be- malen der Häuser seitens der Kinder und der mutwilligen Zer- störung des Mosaikpflasters durch Ausreißen der einzelnen Steine energisch entgegenzutreten.— Der Magistrat beschließt:-) vom 1. Januar 1010 ab für das hiesige Stadtgebiet einen dritten Standesamtsbczirk dergestalt zu bilden, daß die nördliche Bau- fluchtlinie des Grünen Weges, der Thomasstraße, des Hohen- zollern- und Richardplatzcs und der Hertzbergstraße die Grenze zwischen dem 1. und dem 3. Bezirk bildet und das ganze südlich dieser Grenze liegende Gebiet zum 3. Standesamtsbezirk gehört, während das Gebiet zwischen der bisherigen Grenze des 2. Stan- dcsamtSbezirkS und der neuen Grenze des 3. Bezirks den SmndeSamtsbezirk 1 bildet; b) für den neugebildeten Standes- amtSbezirk einen Sekretär als Standesbeamten, einen Bureau- assistenten als Standesbeamten-Stellvertreter und zwei Kanzlisten einzustellen. Die Errichtung eines Hnndeafyls auf dem städti- schen Müllabladeplatze nach Maßgabe der vom Hochbauamt auf- gestellten Bauskizze wurde genehmigt.— Der Tarif für die Be- Nutzung der städtischen Omnibuffe wird dahin abgeändert, daß für Schoßhunde künftig auf Teilstrecken nur 5 Pfg. zu entrichten sind. Sturz vom Gerüst. Gestern früh stürzte der bei einem Neubau in der Treptower Straße beschäftigte Steinträger Schulze infolge eine« Fehltritts aus der Höhe der vierten Etage auf das Straßen- Pflaster und wurde mit schweren Verletzungen in hoffnungslosem Zustande dem Krankenhause eingeliefert. Brennend aus dem Fenster gesprungen. Die Unsitte, zur Entfachung eines Feuers Petroleum, Spiritus oder Oel zu be- nutzen, hat wieder zu einem schweren Brandunglück geführt. In der Nogatstrahe 32 wollte die neunjährige Tochter Frieda des Bahnarbeitcrs Schulz in Abwesenheit des Vaters für die kranke Mutter den Morgenkaffee kochen. Da das Herdfeuer aber immer wieder verlosch, holte das Kind die Petroleumkanne herbei und goß das Oel auj die nur leicht glipMSldW Kohlen, Im jelbest Augenblick schlugen lange Stichflammen empor, und che das Mädchen flüchten konnte, fingen die Kleider Feuer. Hilfcrufcnd stürzte das Kind nach dem Küchenfenstcr. In seiner Angst riß es das Fenster auf und sprang aus den: zweiten Stock brennend zum Garten hinab. Auf die Hilferufe eilten Hausbewohner her- bei und erstickten das Feuer. Ein Arzt legte die ersten Verbände an. Da das Mädchen außer Brandwunden durch den Sprung in den Garten auch noch andere Verletzungen davongetragen hatte, wurde es nach dem städtischen Krankenhaus in der Canner- straße geschafft, wo es in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Ein tragischer Borfall ereignete sich vorgestern in der Emscr- straße 44. Die Frau des dort wohnenden Tischlers Latt sollte gestern morgen wegen eines Nervenleidens in eine Anstalt über- geführt werden. Während vorgestern der Mann seine zwei Kinder zu Verwandten brachte, wurde die Frau plötzlich wahnsinnig, über- goß ihre Kleider mit Petroleum und zündete sie dann an. Die Nachbarn wurden durch den Qualm und das Geschrei der Unglück- lichen auf den Vorfall aufmerksam und alarmierten die Feuer- wehr. Als der erste Zug anrückte, war die Frau bereits bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Der JugeiidauSschuß teilt mit: Auf vielseitigen Wunsch finden die Spiele jeden Mittwoch nachmittag auf dem Spielplatz der Freien Turnerschaft, Grenzallee von 3—6 Uhr statt. Auch für die jugend- lichen Arbeiter und Arbeiterinnen finden jeden Sonntag, nachmittags von 3—6 Uhr, Spiele statt. In beiden Fällen wird rege Beteiligung erwünscht. Schöneberg. Die Schöneberger Feuerwehr hatte am Sonntagnachmittag von 3%— 5 Uhr in der Kolonnenslraße, Ecke der Herberlstraße, zu tun. Dort stand aus uncrmittelter Ursache der Dachstuhl des Eckhauses in Flammen. Diese hatten an dem Gebälk und dein Inhalt der Boden- verschlage schon reiche Nahrung gefunden. Der Treppenaufgang war wegen des versetzten OnalmS, der niedergedrückt war. nicht mehr zu passieren, weshalb ein Fenermann mit einem Ranchschutzhelm ans- gerüstet werden mußte, der bis zum Brandherd vordrang. Der An- griff gegen diesen erfolgte über zwei große mechanische Leitern von der Straße aus mit mehreren Schlauchleitungen. Es gelang, den Brand zu lokalisieren und so de» größten Teil des mächtigen Dach- stuhlS zu schützen. Von einem tollwiitverdächtigen Hnnde gebissen und schwer verletzt wurde in der verflossenen Nacht der in der Geneststr. 7/8 wohnhafte Kaufmann Andrecs. Als A. gegen 1 Uhr nachts nach Hause kam und sich zu Bette begeben wollte, stürzte sich plötzlich seine große deutsche Dogge auf ihn und brachte ihm eine tiefe, bis auf den Knochen gehende Bißwunde am rechten Oberschenkel bei. Nur unter großer Mühe gelang es dem Kauffnann, sich des TiereS zu erwehren. Mit Hilfe von hinzngerufenen Hausbewohnern wurde der Hund, der sonst absolut nicht bissig ist, nach dem Depot der tierärztlichen Versuchsanstalt gebracht, da allem Anscheine nach die Dogge mit Tollwut behaftet zu sein scheint. Andrees sebst begab sich noch in der Nacht nach dem dem Rudolf-Virchow-Krankenhause angegliederten Institut für Infektionskrankheiten, um sich während der vorgeschriebenen Zeit unter ärztliche Beobachtung zu stellen. Charlottenbnrg. „Eltern-Bcrein für freie Erziehung."(Verein freier Kinder- gärten.) Am Mittwoch, den 13. August, findet im„Waldhaus", Tegeler Weg 38/39, ein großes Kinderfest statt. Spiele unter Leitung von Kindergärtnerinnen. Verschiedene Belustigungen und Fackelzug. Anfang 3 Uhr. Ober-Schöneweide. Von einem beklagenswerten Geschick sind vorgestern die Krüger- schen Eheleute betroffen worden. Ihr noch nicht zwei Jahre altes Söhnchen, das in einem unbeobachteten Augenblick den Podest des offenstehenden Fensters erklettert hatte, ist au« dem zweiten Stockwerk in den Hof hinabgestürzt. Dabei zog sich das Kind so schwere Verletzungen der Wirbelsäule zu, daß es nach kurzer Zeit starb. Der Tod des Knaben trifft die Eltern um so härter, als sie erst vor kurzem ein Kind verloren hatten, das bei einem Brand- unfall verunglückt war. Lichtenberg. JngendauSschusi Lichtenberg. Eine Spielpartie nach Johannis- thal findet am Sonntag, den 22. d. M., statt. Treffpunkt 1 Uhr rankfurter Chaussee, Ecke Gürtelstraße. Hin« und Rückfahrt 20 Pf. affee 10 Pf. Nachzügler werden um 4 Uhr im Parkrestaurant, Jnh. Heffe, Caniphausenstr. 12/13, erwartet. Die Jugend sowie Interessenten ersuchen wir, sich massenhaft daran zu beteiligen. Trebbin(Kreis Teltow). AuS der Stadtverordnetensitzung. Die Festsetzung des TarifeS über die Benutzung der Badeanstalt wurde für später vertagt, nach- dem man sich darüber schlüssig geworden lpar, daß in diesem Jahre für die Benutzung der Badeanstalt kein Tarif erhoben werden soll. Die erhobenen Einsprüche gegen die Nichtigkeit der Wählerliste wurden für gerechtfertigt erklärt. Zum Kinderfest, welches am 27. August gefeiert werden soll, bewilligte die Versammlung 110 M. Der Nachwäcbter Bergemann, welcher zugleich bei Tage alS städtischer Arbeiter beschäftigt wird, hat daS Gesuch eingereicht, ihm den Posten als städtischer Arbeiter abzunehmen und nur den Rächt- wächterposten zu belassen. Die Versammlung beschloß mit 12 gegen die 5 Stimmen unserer Genossen, daß B. vorläusig noch den Posten als Nachtwächter und städtischer Arbeiter ausführen sollte. Die neuen Stadtverordneten wurden in folgende Kommissionen gewählt: Genosse Kärgel, Wasser-, Feuerlösch, und Bibliothekkonimission; Ge- nosse Ritter Armen-, Forst- und Baukommission; Samuel Ein- quartierungs-, Kassen- und Straßenbaukommisfion; Genosse Schön- see und Stadtv. Buchner Abteilungslommission. Mit der augenblicklichen Situation im Tavakgiwerbe beschäftigte sich im„GesellschaftShaus* eine von 250 Personen besuchte öffentliche Tabakarbeitervcrsammlnng. Nach einem Referat des Verbands« Vorsitzenden Deichmann-Bremen wurde einstimmig beschloffen, durch Wechsel- oder Feierschichten sich mit der jetzigen Situation abzu- finden; die Fabrikanten sollen ersucht werden, Entlassungen von Arbeitern nicht vorzunehmen. Bei der Firma W. Herbst wird bereits in dieser Weise verfahren. Daö Thema:„BolkSauSPlünderung durch neue Steuern" be- handelte in einer am Sonntagnachmittag im.Gesellschaftshause' stattgehabten öffentlichen Versammlung VieichStagsabgeordneter Fritz Zubeil. DaS Referat wurde von den 300—350 Anwesenden mit groyem Beifall aufgenommen. Nachdem in der Diskussion noch- mals der Genosse Wagensühr zum Beitritt in die Partei und Aus- tritt auS der Kirche aufgefordert hatte, wurde die Versammlung unter begeisteningsvoller Stimmung geschlossen. Semkts- Leitung. LebiuS kneift. Gestern mittag sollte bor dem Schöffengericht Derlin-Mitte wieder einmal ein Prozeß des sattsam bekannten.Bund'-Rcdakteurs Rudolf Lebius gegen unseren Verantwortlichen Redakteur Genoffen Weber stattfinden. Wer aber zu dem Termin nicht erschien, war— Lebius. In einem Schreiben an das Gericht hatte er uni Aufhebung des Termins gebeten, da er zu seinem Prozeß keinen Anwalt hätte. Es ist recht charakteristisch für die Person des Lebius und für die von ihm vertretene Sache, daß er unter den etwa 1000 Berliner RechtSanlvälten niemand findet, der sich feiner annimmt. Ohne den Beistand eineS Juristen vor den Gerichtsschranken seine»gerechte' Sache zu vertreten, erschien ihm wohl etwas zu bedenklich, denn in seiner Eriiiiienmg haftet wahrscheinlich noch lebhast die bei gleich« artigen Anlässen früher erlittene moralische Stäupung. Derselbe LebiuS aber, der ohne Anwalt nicht vor Gericht erscheinen kann, der vor kurzem in einer anderen Klagesache einen angesetzten Termin wegen angeblicher Krankheit ab- setzen ließ, trotzdem er am nächsten Tage in einer Bersamm« lnng bor seinen gelben.Bürgern' sprach, wütet in seinen an das Gericht gesandten Schriftsätzen ständig über die systematische Prozeß- Verschleppung unsererseits. LebiuS mag sich trösten: aufgeschoben ist nicht aufgehoben._ Einen unheilvollen Schlag mit einem Spazierstock mußte gestern der Kellner Felix MaezynSki mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe büßen. Wegen schwerer Körperverletzung im Sinne des Z 224 Str.-G.-B. mußte sich MaezynSki gestern der fünften Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats P a u l y verantworten. Am 21. Dezember hielt sich der Angeklagte in dem Lokal deS Schankwirts Diedrich in der Palisadenstraße auf. Aus einem ganz geringfügigen Anlaß kam es zwischen ihm und dem ebenfalls anwesenden Kellner Hartlieb zu einem Wortwechsel, in dessen Verlans der Angeklagte von Hartlieb einen Faustschlag in das Auge erhielt. Er schien sich hierüber anfänglich nicht besonders zu ärgern, erst als er nach einiger Zeit in einen Spiegel sah und dabei bemerkte, daß das geschlagene Auge anschwoll, wurde er von einem plötzlichen Wutanfall gepackt. Er schlug mit einem leichten Spazierstöckchen dem H. in das Gesicht. Dieser Schlag hatte recht bedauerliche Folgen, da er unglücklicherweise das Auge des H. traf und einen Bluterguß in den Augapfel hervorrief. Hartlieb mußte sofort die Augenklinik in der Ziegelstraße aufsuchen. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes Dr. Strauch ist die Seh- fähigkeit des Auges fast völlig geschwunden. Die Folge war eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung nach K 224, der als Mindeststrafe ein Jahr Gefängnis festsetzt. Da eS sich vor Gericht jedoch nicht ausreichend feststellen ließ, ob die Sehfähigkeit sich in absehbarer Zeit nicht wieder einstellen würde, erkannte das Gericht nur wegen gefäbrlicher Körperverletzung auf vier Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte nur zwei Monate Ge- fängnis beantragt._ Vermilcbtes. Brand eines CunarddampferS. Nach einer Meldung auS Lider« Pool kam vorgestern abend auf dem im dortigen Hafenbafsin liegenden Cunarddampfer»Lueania' Feuer auS. Die Kajüten brannten aus. Als das Feuer auch zum Steuerraum übergriff, mußte das Schiff angebohrt und versenkt werden, um vor der Vernichtung be« wahrt zu bleiben. Ein Raubanfall im Schnellzuge. Ein mysteriöser Raubanfall. der in seinen Einzelheiten noch der Erklärung bedarf, wurde in der Nacht zum Sonntag im Schnellzug Paris— Nancy— Frankfurt a. M. verübt. Die Beraubte ist eine Dame aus Stargard, die allein in einem Abteil erster Klasse reiste. Zwischen den Stationen Naunheim und Kelsterbach aus der Strecke Mainz— Frankfurt öffnete ein Mann, der eine Larve vor dem Gesicht hatte, das Abteil, entriß der Dame eine gelblederne Handtasche mit einem photographischen Apparat und verließ dann das Abteil. Er sprang zwischen Mörfelden und Goldstein vom fahrenden Zuge und verschwand im Walde. Die Dame hatte inzwischen die Notleine gezogen und der Zug hielt. Von dem Räuber wurde jedoch nichts mehr wahrgenommen. Eine Bremer Oelfabrik in Flammen. Bremen, 16. August. Die Bremer Oelfabrik steht seit heute nachmittag 1 Uhr in Flammen. Sämtliche Löschzüge der Bremer Feuerwehr sind zum Brandplatz aus« gerückt. Außerdem sind alle drei Spritzendampfer in Tätigkeit. Die Fabrikanlage scheint vollständig verloren zu sein. Dw Feuer- ivehr beschränkt sich in der Hauptsache darauf, die am meisten ge- fährdete Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik zu schützen; doch besteht bis jetzt für diese keine unmittelbare Gefahr. Eine spätere Meldung auS Bremen besagt: Nach etwa drei- stündiger harter Arbeit gelang eS der Feuerwehr, den Brand auf der Bremer Oelfabrik zu löschen. Das Feuer war mit 40 Rohren bekämpft worden. Von dem vier Stockwerk hohen Gebäude find die beiden obersten Stockwerke niedergebrannt. Die benachbarten Gebäude und Speicher wurden ständig unter Wasser gehalten, um ein Ueberspriiigen des Feuers zu verhindern. Bei den Löscharbeiten haben zwei Feuerwehrleute kleine Brandwunden erlitten. Erdbeben in Japan. Einer Meldung aus Tokio zufolge wurde am Freiwgnachmittag ein starkes Erdbeben in den Distrikten des Biwafees verspürt. In Kyoto und Osaka sind viele Häuser eingestürzt und verschiedene Unglücksfälle zu verzeichnen. Alle Züge mußten angehalten werden. In Tokio selbst fühlte man den Erdstoß nur leicht. Das Beben hat in Zentral-Japan und namentlich in Nagoya schweren Schaden an- gerichtet. Die vorliegenden Meldungen sind jedoch dürftig, da die Eisenbahnen und Telegraphenlinien unterbrochen sind; sie sprechen von 21 Toten und 70 Verwundeten. Sehr bettächtlich ist der Schaden auch in einem Teile der Provinz Schiga. Der erloschene Vulkan Jsuki soll nahe der Spitze in sich zuscuhmengesunken sein.— Eine spätere Drahtmeldung besagt: Nach den bisher eingegangenen Meldungen sind durch das Erdbeben 30 Personen getötet und 83 verwundet worden. Man nimmt jedoch an, daß diese Zahlen sich wesentlich erhöhen werden, wenn erst die Nachrichten auS sämtlichen betroffenen Distrikten vorliegen. Eine große Anzahl von Tempeln ist zerstört worden. Eine Eisenvahnkatastrophe in Nordamerika. Im Staate Colorado in Nordamerika hat sich ein schwerer Eisenbahnunfall ereignet, dem zahlreiche Passagiere zum Opfer gefallen sind. Ein Telegramm aus Colorado Sorings meldet: Zwei Züge der Denver- und Rio Grande« Bahn mit insgesamt 400(Pasiagieren sind bei einer Kurve zusammen- gestoßen. ES wurden 8 Personen getötet und 50 verwundet. Von den Verletzten liegen mehrere im Sterben. Gruvcnunfoll. Z a b r z e, 16. August. Gestern abend explo« Vierte auf DomierSiuarckhütte ein Gasbehälter, wodurch acht Arbeiter betäubt wurden. Fünf von ihnen wurden gerettet, während drei in einen Kanal stürzten, ans dem sie nur als Leichen geborgen werden konnten. Waldbrand. Nach einer Meldung des»Journal' aus Marseille stehe» die umfangreichen Fichtenwaldungen des Gebietes von Carry- le-Ronet und Sausset(Dep. BouchcS-du-Rhöne) in einer Ausdehuung von über 24 Kilometern in Flammen. Die Wälder dürften der völligen Vernichtung preisgegeben sein. «>a!lerstandS.?tachrichten »er Landes an(talt jür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilstt Brezel, Jnfterdurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frauksurt Warthe, Schrimm , Laudsbcrg Rehe, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden » varbz , Magdeburg ')-ff bedeutet Wuchs.— Fall.—•) UnterPegel. Eingegangene Dmckfcfmften. Von der„Gleichheit", Zeitschrift sür die Interessen der Arheilerinnm (SInttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr, 23 des 19, Jahr- gangs zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Ausrus zur Unterstützung der Aussperrung mid des allgemeinen Streiks der Gewerkschastcn Schwedens, — Der Generalstreit in Schweden.— Jutelapitalisten und Jutcarbeiter, Von H. Jäckcl.— Der Tiroler Ausstand im Jahre 1303. II. Von Dr. Wilhelm Haulenstein.— Die Ointerbliebcnenvcrsicherung. Vortrag von Ed. Gräs aus dem Kranlenkassentongvetz in Berlin.— Frauenarbeit in der Landwirtschaft Pommerus, Von Ernst Mehlich.— Prolctarierlos, Von »lara Wehmann.— Aus der Bewegung: Auguste Kadeit-s-,— Von der Agitation.— Von den Organisationen.— Jahresbericht der Genosssnnen zu Lübeck.— Politische Rundschau. Von H. E.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Der Verband der Buch- und SteindruSereihilssarbeitcr und-Ar- beiterinnen Deutschlands.— Notizcnteil: Dienslbotensrage.— Heimarbeiter» schütz.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Soziale Gesetzgebung.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Landarbeitersrage.— Für» sorge sür Mutler und Kind. FürunsereMütterundHausfrauen: An den Schmerz. Von Gaspar Nunez de Arce.— Gemuseschiisseln. Von Richard Wagner.— ?!crvosität und psychogene Störungen bei Schulkindern. Von Dr. Bettina Steininger.(Schluß.)— Feuilleton: Paris. Bon Honorb de Balzac. (Schluß). Für unsere Kinder: Der Baum. Von Björnstjerne Björnson. lGcdicht.)— Der kleine Streikposten. Bon Franz Henschcl.— Not macht hart. Von Emma Döltz.(Gedicht.)— Eine Floßsahrr aus dem Main: V. Karlstadt— Gemünden— Lohr. Von Heinrich Wandt.— Vixen,«Ine Mutter. Von Erncst Selon Thompson.(Schlusj.)— Ausfahren. Von Heinrich Seidel.(Gedicht) Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der tzlbonnementsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 65 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 M. »Der Wahre Jaeob« ist soeben in der 17. Nummer dcS 26. Jahr- gangeS erschienen. Aus ihrem Inhalt erivähnen ivir die beiden farbigen Bilder.Dicnstmann Nr. 5' und„Die verkannte Stcucrbandcrole" sowie die weiteren Illustrationen„Das Reich GolteS auf Miclczyn",„Bei Hoch- würden",„In Persicn",„Deutscher Sport",„Der glückhaste SchnapSbtock", „Kriegsgericht" und„Er hat genug I" Der textliche Test der Nummer bringt die Gedichte„Hcydcbrand",„Der Liebling Europas",„Persicn", „Mielczyner Gebet",„Die Fremdlinge",„Atavismus" von Richard Wagner und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch das größere satirische Feuilleton„Warum in Dingskirchen keine freisinnige Protcstvcrsammlung stattfand". Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Leo Burgerstcin und die Schulbankfrage. Von W. Rettig. P. Johannes Müller, Verlag sür Schulhygiene, Eharlottenburg. Brosch. 30 Pf. Pflege des Hcimatsfinnes. Von Prof. Dr. L. Gurlitt. Band HI, „Führer ins Leben". Geh. 2 M., geb. 2,80 M.— Das Buch der Frau. Frauenberufe von E. Liebrecht. Geh. 1,20 M., geb. 2 M. Modern Pädagogischer und Psycho!. Verlag, Berlin W. 30. Adrcsscnschreiber. Sozialer Roman von W. Stembauer. 2.50 M. B. Bolger, Leipzig-GohliS. Amtlicher Marktbericht der städtische» Markthallen. Direktson über den Großhandel in den Zentral-Markthallcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft rege, Preise sür Schweinefleisch anziehend, Kalbfleisch nachgebend. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhaft, Preise befriedigend. G e s l ü g c I: Zufuhr genügend, Geschäft still, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft lebhast, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süds rächte: Zufuhr reichlich, Geschäft rege, Preise wenig per- ändert._ Wttternngsiibersicht vom IC. August 1909, morgen» 8 Uhr. Stationen Wetter swtnenide 760 W Hamburg 732 WSW Berlin 762 W Franks.a.M.'762N München l7L3NO Wien|763SS 2 bedeckt 2 Nebel 2 bedeckt 2 wölken! 2 wölken! 1 heiter B* all Stt ÜB 16 15 18 17 17 19 Stationen taparanda 751 NO etcrSburg 749 Still Scilly i758WNW Werde«! Pari» 754 760 dSW sO Wetterprognose für Dienstag, de» 17. August 1909. Zunächst vielfach heiter und warm bei mäßigen südöstlichen Winde», später zunehmende Bewölkung und Gcwittcriieigung. Berliner Wetterbureau. m-m iJ 'S o <.) o <3 o yT#€€€©€«€» Unserem Genossen und ij Bezirkssührer 973b® Friiz Olinesorge nebst Frau| die herzlichsten Glückwünsche zu ihrer silbernen Hochzeit. W llio Cenosoon äes 35., 35., 37. Bezirks. 2. Kreis. m % Unserem Genossen Karl Schröter und Frau die herzlichsten Glückwünsche zu ihrer silbernen Hochzeit! Die Cenosson des 5. Kreises Bezirk 617. kür cksn berliner UstMabH Stralauer Viertel« Bezirk Nr. 339. Den Mitgliedern zur Nachricht, 1 daß unser Genosse, der Arbeiter August Schnitter Koppenftr. 65 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. August, nach- niittags 5 Uhr, von der Leichen- i halle des Pius- Kirchhofes in -! Wilhelmsberg auS statt. j Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. j, II IIIIIMIIIWNIII—III—IIMMI Zentral-ferbanil iler Maurer Deutsehlanils. Zweigvercin Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Paul Eckert infolge Absturz vom Gerüst am 13. August im Alter von 62 Jahren plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 17. August, nach- mittag» 6 Uhr, von der Leichen- halle des evangelischen Friedhofes in Steglitz, Bergstr. 38, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Allen Freunden nnd Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Hedwig Schädlich, geb. Snchamcl am 14. August gestorben ist. I-«»«!» KvIltttUlvd, Berlin, Waldcmarstraße 69. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des St. Hcdwigs-Kirchhoses, Liescnstr. 8, aus statt. 374b Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Maurers Karl Busse sage ich meinen tiesgcsühltesten Dank. Angnstc llnssc. Danksugung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS EiSfahrerZ f21t0L Heiiiricl» Benthe sage hiermit allen, besonders den Mitgliedern des Handels- und Trans» portarbeiter-BerbandeS meinen herz- lichsten Dank. Frau Witwe Genthe geb. Schmidt, __ Wcißensee. Bruch-Pollmann empfiehlt selnLager in Bruch- __ bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und Hilss-Krankenkassen. Berlin X.,* jetzt liOthrlnjpcr Straße 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- loten, angenehm u. welch am ktörper. 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Zentralverband der Steinarbeiter 172/4(Ortsverwaltung Berlin). Zwclgvorclu Berlin. DiruStag, den 17. August, abends ZUzllhr bei Böker, Wederstr. 17: Igp Versammlung-WU aller beim Mofeiibau g..° Maurer. TageS-Ordnung: 180/1 Tie Antwort der Unternehmer auf nnsere ihnen am 11. August zugesandten Forderungen, und welche Schritte gedenken wir weiter zu unternehmen? Ehrenpflicht jedes BackofenmaurerS ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen und jeden Kollegen von deren Stattsinden zu unterrichten. Der Zweigvereinsvorstand. Ditslleli, nach Sonntaga: Billige Dampfer- Extrafahrten nach Voigts Kratnpenburg= Berliner Alpen. Reederei Xoblllng;. Jannowltzbrttcke vorm. 9 Uhr, nachm. 2 Uhr. Ca(5 Bellevue, Rummelsburg(2 Min. von Station Stralau- Kummelsbnrg, woselbst Anschluß an Stadtbahn, Nord-, Süd- und Vollring), vormittags 91/, Uhr, naohm. 21/, Uhr. In den pllae- r eichen Wlildero viel Ffefferlloge usw. 150L3* 2. Wahlkreis! Dienstag, den 17. August 1909, abends 8'/z Uhr: M Volks-Versamilungen bei Qoßmanny Krenzhergstr. 48, und bei KS IQ IVB j Hascnhclde 13—15. 211/3 TageS-Ordnung: „Der große Raubzug auf die Taschen des Volkes." Resereritimicn: Frau Vahrenwald und Frau Wnrm. Männer und Frauen! Erscheint alle in dieser Versammlung und protestiert gegen eine derartige Ausplünderung. Speziell die Frauen müssen in diese Versammlung kommen. Ble Elnbcrnf erlnncn: Frau Döring, St-inmetzstraße 23. Frau Klotzsch, Fichteftraße 1. Dritter Vadikreis. Dienstag, den 17. August 1909, abends 8% Uhr» im„Märkischen Hof", Admiralstratze Nr. 18e: OefftMdit Fmen-UechMlW. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. Referentin: Frl. ftlartha Hoppe:„Die Wirkung der neue» Steuern.« 2. Diskussion. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 213/19» Der Etnberufer:.Ang. Pohl, Naunhnsiraße 30. Sozialdemokralischer Wahlverein des 6. Berliner Reiehsiagswahlkreises. Dienstag, den 17. August, abends 81/, Uhr: Mitglieder-Versammlung tat Swinemünder Gesellschaftsbaus, Swinemünder Straße 47. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Nathew über: Die neue NcichSver- stcherungsordnuug. 2. Dislussion.* Der Vorstand. SsÄsIlimlilsssiizelies Zentralwahlverein fürTeltow-Beeskow-Storkow-Ghailottenburg Heute, DieiiStug, de» 17. Slugnst, abends 8 Uhr: Versammlung ssir Sie w«°w«IMSer im„Bolköhause« zu Charlottenburg, Rosincustr. S. TageS-Ordnung: 1. Krise, 499 Millionen-Naub und die Stellung der Frauen. Reserent: ReichStagsabgcordncter Prlt« Znbcll. 2. Dislussion. 3. Wahl einer Delegicrtin zum Leipziger Parteitag. Die weiblichen Mitglieder der ZkreiSorganisation werden zu recht zahl- reichem Besuch eingeladen. '■ Mitgliedsbuch legitimiert.——— 250/18 Der Zentralvorstand. neue Hrmin'Hallen Keine Kaffepreis- Keine Bierpreis______ erhohung. ÜBI llfliy 11/mbivs» crh&hung. Kommandantcnetr. 58/59. Säle von 50 bis 1000 Personen. Sonnadende u. Sonntage in diesem u. nächsten Jahre noch frei! Fernsprecher: Amt IV. 10 155 914b* Abfahrt«, teile Schiliingsbrüeke am Schlestsche» Bahnhof. mit MllßK mittag SUHr, MiM. früh 9'/,, mittags s Uhr, nach Gosener Berge neben Berl. Schweiz. Jeden Blenstag, kreiteg triih 10 Uhr nach Rene Mühte. Hin u. znrück 99 Pf. H Kapitän zx V7sr eins wirklich gute I?loils rauohon will, der wähle unter den die von hervorragendster Qualität in den verschiedensten Mischungen und Preislagen(in Päckchen von 10 Pt bis 1,50 M.) u» den meisten Zigarrengoschäften zu haben sind. Spezialität: Feiner Goldshag in roten Düten. lffan achte jedoch genan auf dasges.gcsch.Wort „Kapitän". Bitekehea ohne diese Bezeichnung weise man als unecht zurück. 1911L* Öen.-Vertrleb Karl Röcker, Grüner Weg 112. i[>9—99990— 99—»0999990eC9«9««990999999 aus Küche, Keller und Vorratsräumon, die von Zeit zu Zeit mit AUTOMOBS- Wasser besprengt oder gescheuert werden.— AUTO MO RS ist das geruchlose und giftfreie Desinfektionsmittel, welches sich einzig und allein für den Hausgebrauch eignet! 1027L ilUMU. Berliner igllt-Tfio. Felix Schoner MI Stralsamlerstr.l. Deutscher Holzarbeiter-Verband. .VemaUutig Berlin. Mittwoch, bc« 18. August 1909, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShause, Eugelufer 15, Saal 4- MI"-VefSÄMmlunA"MI Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. Bericht der Ortöverwaltung. 2. Ersatzwahl der Ortsverwaltnng«nd der Angestellten. 3. Antrüge. 88/8 Oelegiertenkarle und Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltang. Bsdirtssrdliel. Neuoit. Katalojj IQ. hmpf«hl.Ti6l. A'tz ic u.Prof. grat. oUs B. Oanr, flummlwaiadakriä fiorlin KW.. Friointhauaa«» sl/93 Kliliiieil- unü ruanibhikrri ucii Robert Meyer,' um|Harinuiitii«Slrnif 2. Dr. Selittnemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrlchstr. 203, Ecke Schützenstr. Wochentags K9---IS,»— 7. ÄZM rülil's Xraftbrn wird angesichts der stetig wachsenden Teuerung bei allen Familien eine erhöhte Bedeutung gewinnen. Dieser unüber« troffene Kraftbrüh= Würfel ergibt sofort eine Tasse vorzüglicher Bouillon, die nach dem Gutachten des vereidigten Chemikers Dr. Jeserich vollkommen einer aus W» mi»» np :: Ein Versuch wird diese Behauptung bestätigen.:: Allgemeine Nährmittel-Oes. BRÜHL& Cie., Berlin SO., Schmidstr. 18, teiefoo iv. 9359. OAi H.& P. Uder, lÄV?:1 Tabak-Großhandlung und Tabakfabrik. SW Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für WiederverkSufer.' 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