Nr. 191. RtonnementS'Redingungen: Monnements- Preis pränumerando i Biertcljährl. 8,30 Mr. monatl. 1,10 MI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illufirierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingelragen in die Pofi-ZcitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschlaild und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonncmentS nebmen an: Belgien. Dänemark, Hoc-nd. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crffttot tWch uBtr Olontas«. 86. Jahrg. * Vevliner Volksblatt. vle Insertionz-Lebühi' Beträgt für die fechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche BerelnS- ttlid BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. �Ulelne Anreig-n", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort IN Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier niüsfen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geösfnet. Telegramm-Adresse: „Zulzlltemolirat Rcrli»14. Zcntralorgan der fozialdcmohrattfchcn parte! Deutfcblands. Redaktion; SM. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Mittwoch, den 18. August 1999. Expedition; SM. 68, Lindenetraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984-» Der Kloftcrfturm in Katalonien. Aus Barcelona wird uns geschrieben: Die revolutionäre Bewegung der letzten Juliwoche hat den Klöstern, Kirchen und klerikalen Unterrichtsanstalten in Katalonien arg mitgespielt. Es wäre aber verkehrt, diese Zerstörungswut ausschließlich den Anarchisten zuzuschreiben. Schon im Jahre 1835 wurde unter Mendizabal ein Sturm gegen die Klöster unternommen und deren Insassen aus nahmslos geköpft. Auch diesmal wurden in Barcelona 49, in den übrigen Orten Kataloniens weitere 15 Klöster und Kirchen eingeäschert: den Mönchen und Nonnen jedoch freier Abzug unter Mitnahme ihrer Habseligkeiten gewährt. Trotzdem hat es sich die bürgerliche Presse nicht nehmen lassen, von wilden Grausamkeiten der Revolutionäre zu sprechen. Die Berichte sind erfunden. Die offizielle Statistik weist nur zwei Tote (einen Pfarrer und den Rektor eines Kapuzinerklosters) unter 2899 in Barcelona lebenden Mönchen und Nonnen auf, und diese zwei tragen selbst die Schuld an ihrem Tod. Es ist ein widerlicher Unfug, von brennenden Mönchen und Nonnen, von frommen Märtyrern am Fuße der Altäre zu sprechen. Ueberall wurde den Insassen eine entsprechende Frist zur Räumung der Gebäude eingeräumt und, falls deren Leben irgendwie bedroht zu sein schien, wurden sie von der revol«. tierenden Menge in Sicherheit gebracht. Welchen Abscheu er«' regen im Vergleich zu diesen Tatsachen die Verbrechen, welche die Priester noch in den Karlistenkriegcn von 1872 bis 1876 begangen haben, wo im Namen der alleinseligmachenden Kirche selbst Frauen, Kinder und Greise nicht geschont wurden. Nun zu den Opfern selbst. Der Pfarrer von S. Pedro de Tanlet(Pueblo Nuevo) U. Lycurgio wurde von der revoltie- rcnden Menge aufgefordert, das Pfarrhaus zu verlassen, da )iese samt der Kirche zur Einäscherung bestimmt sei. Er .cistete dieser Aufforderung keine Folge in der Annahme, daß icn Worten die Tat nicht folgen werde. Als er vom Feuer überrascht wurde, flüchtete er in die Kellerräumlichkeiten, wo !r infolge des ausströmenden Qualms den Erstickungstod ,and. Somit ist dieler Fall nicht auf das Konto der Revolu- .ionäre zu schreiben. Aehnlich steht es mit dem zweiten Fall. )lls die Revolutionäre das Kloster der Kapuziner in der Calle )e Santalü in San Gervasio angriffen, stellte sich der Rektor 1?. Ramon, mit einem Revolver bewaffnet, zur Wehr, und rachdem beiderseits einige Schüsse gewechselt wurden, blieb er Ks Opfer auf der Stelle. Wie darauf losgeflunkert wird, beweist am besten der .Daily Telegraph" in London. Der Vertreter dieses Blattes kam nach Barcelona, ohne mit den lokalen Verhältnissen ver- traut zu sein, auch beherrschte er bloß die englische Sprache. Er holte sich deshalb seine Informationen bei dem etwa? englisch sprechenden Kassierer einer hiesigen Drogenhandlung ein. einem schon bejahrten Herrn, der während der ganzen �uliwoche sein Haus nicht verlassen hat und sich mit dem Engländer auch nur schwer verständigen konnte. Für jeden, der Spanien kennt, war es längst kein Ge- heimnis mehr, daß dieser Klostersturm kommen mußte. Das arme Land ist von Mönchen und Nonnen geradezu über- schwemmt. Nach dem Verluste der Kolonien im Jahre 1898 und dem Inkrafttreten der französischen Trennungsgesetze kamen ganze Scharen von Mönchen nach dem frommen Lande der katholischen Majestäten. Die unzähligen Klöster verfügen über ungeheure Reichtümer, und ihre Liegenschaften usw. repräsen- tieren einen Wert von mehr alszehnMilliarden. Und diese klösterlichen Anstalten machen dem Handel und Verkehr eine derartige Konkurrenz, daß die Laien dagegen nicht auf- kommen können. Vor allem genießen die Kongregationen vollständige Steuerfreiheit. Sie verfügen über enorme Be- triebskapitalien und Renten, in den meisten Fällen sogar über unentgeltliche Arbeitskräfte. Die in den Klöstern unter- gebrachten Kinder, Jünglinge und Mädchen werden in un- glaublichster Weise ausgebeutet. Es gibt in Barcelona allein zirka 89 religiöse Orden, die an Kirchen, Klöstern, klerikalen Unterrichtsanstalten 285 eigene Gebäude besitzen, mit ihren Filialen und industriellen Betrieben sogar 1243. Wiederholt haben die Handels- und Jndustriekreise Eingaben an die Re- gierung wegen Erfüllung des Konkordats gerichtet und ver- langt, daß die Klöster zur Besteuerung herangezogen würden, doch vergebens. In einer mir zur Verfügung gestellten Ein- gäbe heißt es wie folgt:„Spanienhatsichineinun- geheueres- Klo st er-verwandelt. Die keine Steuer zahlenden religiösen Kongrega- tionen errichten Schulen, Likörfabrikcn, Pars ümeriegesch äste, Druckereien, Buch- bindereien. Wäschekonfektionen, Seifen- fabriken, Schuhfabriken und nehmen aller- hand Handarbeiten an sich unter Schädigung des Arbeiters, des Industriellen und des Kaufmann s." Es ist nicht uninteressant, einen Blick in den Betrieb eines solchen Klosters zu werfen. Vor mir liegt ein Prospekt des Nonnenklosters..Der heiligen Drei- f a l t i g k e i t" in Madrid vom Jahre 1995. Außer allerlei Gnadenmitteln werden darin besonders„Werkzeuge der Buße" empfohlen: eine Spezialität des genannten Klosters. Darunter Drahthemden von 59 Centimes bis zu 6 Pesetas, �Geißeln nach spanischer und französischer Form zu 2 und 1 3 Pesetas. Nach diesen Marterwerkzeugen folgen im Preis- Verzeichnis: Strümpfe, Korsetts, Unterröcke, Westen, Anzüge für Herren und Kinder, Sta- tuen der Madonna von Lourdes und der un- beflecktenJungfrau.— Das Kloster warnt vor einer Konkurrenzfirma, welche„Die Dreieinigkeit" firmiert.„Man lasse sich nicht täuschen", heißt es im Prospekt. Sonach gibt es ein klösterliches Geschäft„DerheiligenDreifaltig k e i t" und eines„Der Dreieinigkei t". Noch vor zehn Jahren besaß Spanien eine blühende Heimindustrie; infolge der unerhörten Konkurrenz der Klöster ist heute die erwerbende Frau dem Hungertode ausgeliefert. Dies erklärt es auch, daß die Frauen in den letzten Ereignissen eine hervorragende Rolle gespielt haben. * 0 * Eine Ergänzung und Bestätigung erfährt dieser Berich! durch eine der„Franks. Ztg." von ihrem Barcelonaer Speziab korrespondenten zugegangene Schilderung des spanischen Klosterwesens(„Franks. Ztg." Nr. 224), der wir folgenden Auszug entnehmen: „Dem spanischen Volk sind die Frailes und Monjas in tiefster Seele verhaßt. Die wenigen Orden, die sich einer zum Teil viel- leicht wirklich wohlgemeinten, aber dann meist in unzulänglicher, einseitiger und nicht uninteressierter Weise betriebenen Armen und Krankenpflege widmen, vermögen höchstens für sich selbst, nicht aber auch für ihresgleichen Sympathien zu erwecken. Die zahlreichen, von den religiösen Orden unterhaltenen Unterrichts- anstalien erscheinen der Bevölkerung ein notwendiges Uebel, so- lange eben noch das öffentliche Schulwesen vom Staate in sünd- hafter Pflichtversäumnis gänzlich vernachlässigt wird. Aber darum sind die Ordensschulanstalten doch weder geachtet noch beliebt. So weit sie dem Erziehungsbedürfnis der wohlhabenden Klassen dienen, sind es Institute zur finanziclleu�lusbeutung der reichen Familien, deren Söhne und Töchter ihnen anvertraut sind. Der Unterricht aber, den sie den mittleren und unteren Klassen zuteil werden lassen, ist immer minderwertig oder auch völlig wertlos und dient ihnen nur als Instrument, um schlechte Bürger, dafür aber um so gefügigere Knechte der Papstkirche heranzubilden. Das toeiß das Volk nur zu gut, und es hegt in seiner Allgemeinheit weder Achtung noch Vertrauen gegenüber diesen Lehrern und Erziehern. Aber seine kritischen Bedenken wandeln sich in Haß und Verachtung, wo es sich um die Mehrzahl der übrigen Orden handelt, die nichts sind als Parasiten am nationalen Wohlstand. Denn diese führen ein gar„beschauliches Dasein", indem sie, ohne etwas anderes als Zwietracht und Unfrieden in die Familien zu säen, reichte Erbschaften und Stiftungen ernten, von denen sie leben. Immerhin sind es schließlich ja nur die Vermögen der Kapitalistenkreise, die sie so in ihre Hand zu zaubern wissen.(Zu sagen:„in ihre tote Hand", wäre nicht richtig,— denn sie nutzen die errafften Millionen und Abermillionen gar eifrig, um ihren finanziellen Einfluß, der auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens in Spanien bereits ausschlaggebend ist, noch immer mehr zu festigen und zu stärkenl) Andere angeblich der Religion die- nende Gemeinschaften aber gibt es in Menge, diemit gefähr- licheren Mitteln den Fleiß des Gewerbe st andeö und der kleinen Leute um den mühselig er- arbeiteten Gewinn bringen. Was wird heute in den industriellen Konventen nicht alles hergestellt?! Vom Likör bis zur Seife, von der Schokolade bis zur Vi- sitenkarte. Den armen Kleidermacherinnen, eißzeugnäherinnen, Stickerinnen, Wäscherin- neu. Büglerinnen, ja selb st den Sprach, und Musiklehrerinnen nehmen die frommen Schwestern daB kärgliche Brot vom Munde weg. Und es ist ein ungleicher, ein unlauterer Wettbewerb. Denn die gewerbtätigen Stände sind mit Steuern und Abgaben überlastet. Die Klöster aber sind von allen staat- lichen und sonstigen Tributen befreit und ar- beiten außerdem fast ohne Unkosten, da sie mit den in„Asylen" untergebrachten Arbeitskräften die Arbeitslöhne sparen. Und diese vom Vatikan aus organisierten verschiedenartigen Erwerbsunternehmungen haben alle miteinander die Macht im spanischen Staate, weil sie die Herr- schenden Klassen beherrschen und mit ihrer Hilfe über die Gesetze verfügen und über daS Recht erhaben sind." ** * Zum Schluß noch folgender vom Pater Lorenzo Gonzalez, dem Superior des Klosters San Juan de Dios, selbst ver- öffentliche Bericht, der die Fabeleien der Blätter vom Schlage des„Daily Telegraph" Lügen straft und beweist, daß jenen Ordensanstalten, die dem Werk der Menschenliebe und Wohltätigkeit dienen, von den Revolutionären nicht das Ge- ringste geschehen ist: „Der Brand des gegenüberliegenden Klosters während der ganzen Nacht hatte uns auf eine harte Probe gestellt. AlS nun am folgenden Morgen die Schläge gegen unser Tor immer un- gestttmer ertönten, versammelte ich die neunzehn Brüder, die das Personal des Hauses bilden, und öffnete, indem wir die kranken und blinden Kinder auf den Arm nahmen, die Türe, durch die sich sofort eine wilde Menge, nach Zerstörung schreiend, in den Hof ergoß. Ich hob darauf den Knaben, den ich trug, hoch und rief mit Tränen in den Augen:„Freunde, Brüder, helft uns wenig- stens diese zweihundert unschuldigen Wesen in Sicherheit bringen. Nachher tut, was ihr wollt!" Diese Worte schienen das Herz der Leute zu rühren, denn ohne sich weiter zu besprechen, ergriffen sie alle die weinenden Kinder und sagten zu ihnen:.Seid doch nicht bange. Wir tun euch ja nichts. Weint doch nicht!" Dann be- gleiteten sie uns ins Innere des Gebäudes und bemerkten, daß wir nichts zu fürchten hätten; unser Haus würde geschont werden. Sie gingen dann durch alle Räume, ohne irgendwelchen Schaden anzu« richten, und verließen uns, um das benachbarte Karmeliterinnen- kloster anzuzünden. Wir baten sie, das nicht zu tun, da unser Haus darunter leiden könnte. Sie waren aber nicht davon abzu- bringen, gaben uns jedoch den Rat, vom Dach unseres Gebäudes die Wand mit Wasser zu begießen. Und so geschah es. Wir wurden benachrichtigt, als der Augenblick da war, um Wasser zu gießen, und wann wir damit wieder aufhören mußten, um das Zerstörungswerk nicht zu verhindern. Wir sind aber in keiner Weise mehr belästigt worden; im Gege.n« teil, am Donnerstag und Freitag schickten uns die Revolutionäre durch Kinder Hühner und Kaninchen, Kartoffeln, Brot und Reis zu, damit das Asyl keinen Mangel leide. Im ganzen haben wir 32 Hühner empfangen und müssen schließlich noch dafür dankbar sein. Hunderte von unbekannten Per- sotten besuchten unser Haus, dessen Türen wir auf Verlangen der Revolutionäre offen stehen ließen, aber es geschah uns nicht das mindeste." Alrkungen des Generalftreifts. (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 1ö. August. Wer im Unrecht ist und es nicht eingestehen will, verwickelt sich in Widersprüche. So geht es auch der bürgerlichen Presse Schwedens. Während ihre Streikbrecherblätter Tag für Tag verkünden, daß bald hier, bald dort Massen von Streikenden die Arbeit wieder auf- genommen haben sollen, daß der Generalstreik beständig im Ab- flauen begriffen sei, schön gänzlich Fiasko gemacht habe, sehen sie sich andererseits genötigt, mit der Tatsache zu rechnen, daß eben dieser Generalstreik der bürgerlichen Gesellschaft immer unerttäg- sicher wird. Einerseits überboten sich diese Blätter in ihrer Ent- rüstung über den Vertragsbruch der Typographen, bezeichneten die Gewerkschaftsorganisationefl als gänzlich vertrauensunwürdig, andererseits zwingt sie die Not der bürgerlichen Gesellschaft nun immer mehr, einer gütlichen Beilegung des Kampfes daS Wort zu reden. Ein Unternehmerblatt, das am ärgsten über„schändlichen Vertragsbruch" lamentierte,„Nya Dagligt Allahonda", tritt nun in einem Leitartikel für einen Ausgleich ein und erklärt es„natürlich für wünschenswert, daß beide Parteien sich in gegenseitigem Vertrauen wiederfinden."—„DagenS Nyheter" schreibt heute in einem anderthalbspaltigen Artikel unter der Ueberschrist: Ist die Zeit nicht bald da? „Jeder ist sich darüber klar, daß auch dieser Konflikt mit einem Ausgleich enden muß. Sollte nicht jetzt, wenn je, der Augen- blick gekommen fein, wenigstens zu den Präliminarien des Friedensschlusses zu schreiten, der doch kommen wird? Und eS ist un- widersprechbar, daß es in erster Linie Schwedens Regierung ist, die die Pflicht hat, mit der NichtinterventionSpolitik zu brechen. Sie kann sich nicht damit abfinden, daß unser Land, neulich erst von einer schweren und langwierigen Krise heimgesucht, noch weiterhin verarntt wird— höchst wahrscheinlich ohne nennenS- werten Nutzen für irgend jemand." So mehren sich im bürgerlichen Lager die Stimmen, die nach einem Ausgleich schreien. Aber warum in aller Welt will man den Ausgleich, wenn der General st reik Fiasko gemacht hat, wie auch„DagenS Nyhetern" zu Anfang des eben erwähnten Artikels steif und fest behauptet? Wäre es wirklich so,— wahrhastig, daS Unternehmertum würde nicht davor zurückschrecken, die Niederlage der Arbeiterschaft zu besiegeln, ruhig zu warten, bis der Hunger sie wieder an die Arbeit treibt, und auf irgend welchen Ausgleich pfeifen. AbereSistebennicht so! Die Arbeiter« schaft harrt mit ungebrochener Kraft im Kampfe aus, und die.Landesplage' des Generalstreils wird dem Unternehmertum immer unerträglicher. „Stockholms Dagblad" hat heute einen neuen langen Fahnenlappen an seinem Hause herausgehängt, auf dem der Welt vor Augen geführt wird, daß die nach offizieller Statistik 285 000 Streikenden tagtäglich 855 000 Kronen an Arbeitslohn einbüßen oder wöchentlich 6 130 000 Kronen. Danach kann man ermessen, wie ungeheuer er st die Verluste der Unternehmer sein müssen, ganz abgesehen davon, daß ihnen auch für die Zukunft wichtige Geschäftsverbindungen verloren gehen, weil sie außerstande sind, bestellte Waren zu liefern und ausländische Kon- kurrenten ihnen zuvor kommen. Aber außerdem haben auch Staat und Gemeinden mit außerordeutlich schweren Verlusten zu rechnen. Wie„Svaret" aus zuverlässiger Ouelle erfährt, haben die ntili- tärischen und anderen ttnnützen und unnötigen außerordentlichen Maßnahmen dem schwedischen Staat schon ungefähr zwei Millionen gekostet. DaS ist jedochssichcrlich ivenig im Verhältnis zu dem Ausfall an Einnahmen, den der Staat erleidet. Hat sich doch der Frachtverkehr schon um nicht weniger als 54 Proz. vermindert. Von rund 1200 Eisenbahn- zügen sind bereits 302 stillgelegt und die übrigen fahren meist mit verminderter Achsenzahl. Der Schiffsverkehr hat natürlich nicht minder schlver gelitten. Die Seeleute nehmen zwar in ihrer großen Masse an dem Generalstreik nicht teil. Bei den außerordentlich harten Strafen, die sie infolge einer Arbeits- niederlcgung zu erwarten hätten auf Grund einer AusttaHtttegesetz- gebung, verzichtet die Arbeiterschaft darauf, sie mit in den Kampf zu ziehen. Wie die Dinge liegen, erscheint es auch üverflüssig, und als ebensowenig notwendig kann man jetzt die Arbeitsniederlegung der Eisenbahner ansehen. Offenbar hat sich dieser Gedanke auch in den Kreisen der Eisenbahner selbst geltend gemacht. Wie verlautet, hat ihre Abstimmung wohl eine Mehrheit, aber nicht die zur allgemeinen Arbeitsniederlegung notwendige Z w.e i d r i t t e l m e hr- h e it ergeben. Post-, Telegraph- und Telephonvcrkehr leiden auch so schweren Schaden unter dem Generalstreik, daß in diesen Betrieben eine Arbeitsniederlegung auch nicht von Bedeutung wäre. Die Behörden greifen hier und da zu sonderbaren Maßnahmen gegen die kämpfende Arbeiterschaft. In Göteborg versucht die Polizeibehörde die präventive Zensur wieder einzuführen. Sie verlangt für eine auf morgen einberufene Massenversammlung, daß der Referent, Reichstagsabgeordneter ThorSson, seine Rede vorher schriftlich der Polizeikammer vorlege. Uebrigens war die letzte Frei- luftsversammlung in Göteborg von 20 00» Menschen besucht, ein Beweis, daß auch dort die Arbeiterschaft, wie im ganzen Lande, auf dem Posten ist.— Hier in Stockholm will das Oberstatthalteramt der Arbeiterschaft das vor sieben Jahren errungene Recht auf öffentliche Den, onstrationSzüge vorenthalten. Dabei gebärdet sich das bürgerliche.SchutzkorpS* unter dem Schutze der uniformierten Polizei immer herausfordernder. • Entschlossene Fortführung des Kampfes. Die Situation am Dienstag gibt folgende Depesche wieder: Stockholm, 17. August.(Privatbepesche des„Vorwärts") Wie heute aus den verschiedensten Orten einlaufende Nach- richten bestätigen, ist die Wiederaufnahme der Arbeit nicht erfolgt. Die Hoffnungen der Unternehmer sind also, wie wir in unserem gestrigen Telegramm feststellen konnten, illusorisch geworden. Die wenigen Unorganisierten, die sich zur Arbeit gemeldet haben, spielen keine Nolle, D i e organisierten Arbeiter stehen überall im gan« z e n Lande fest. Offizielle Zahlen bürste» in de» nächsten Tagen erscheinen. Die Wirkungen des Ausstandes aiif das GeschäftSlcbcn sind immer intensivere und die Stockung des gesamte,, Er- wcrbSlebens wird mit jedem Tage vollständiger. Troiidem hoffen die leitenden Kreise der Unternehmer immer noch, der Arbeiter- bewegung einen Todesstoß versehen zu können, und die Scharf- mnchrr haben immer noch die Oberhand. Die Stimmnug inner- halb der Arbeiterschaft ist eine e n t I ch l o s s e n r, die durch die kräftige Hilfe des internationalen Proletariats noch bedeutend gestärkt wird. Stockholm, 27. Aug. Der hiesige Korrespondent der„Frank- furter Zeitung" hatte gestern eine Unterredung mit dem Direktor des Arbeitgeberverbau des von Sh'd'o'w. Dieser erklärte, daß seiner Ansicht nach keine Stimmung für Ver- mittlungsversuche vorhanden ist und daß die Regierung keine solche unternehmen wird. Auch sehe er keine Möglichkeit, ein Kompro- miß oder einen Ausweg zu finden. Der Arbeitgeberverband werde nach wie vor an seinen Forderungen festhalten. Man müsse noch mit einer langen Dauer des Streikes rechnen. � » Jnternatlonale Solidarität. Nla'chdem der Vorstand des Flensburger GeWerk- s ch a f t s k a r t e l l s auf den Aufruf der Generalkommission ftin den streikenden Arbeitern Schwedens 1000 M. sofort gesandt hatte, beschlost eine Versammlung der Gewcrkschafts- vorstände, als zweite Rate 3000 M. ebenfalls sofort abzu- senden. Weitere Sammlungen sind eingeleitet. Der Gesamtvorsta-nd des Alten Ber�- arieiterverbandes überwies den Streikenden in Schweden aus Vcrbandsmitteln eine Unterstützung von 20 000 M.__„1 Blkderaufnadme des effener liielneids- prozeffes? Am 17. August 1895 sprachen die Geschworenen des Schwurgerichts Essen die Genossen Ludwig Schröder, den Vorsitzenden des Bergarbeiterverbandes, Johann Meyer, den Kassierer desselben Verbandes, und fünf andere Genossen und Bergleute des Meineids schuldig! Ein Aufschrei der Empörung und des Pro- testes ging durch die Arbeiterschaft Deutschlands! Das Pro- letariat sah sofort in den Verurteilten, was sie waren: Opfer der Klassenjustiz, des politischen Vorurteils: es zeigte durch eine sofort eingeleitete, ein glänzendes Ergebnis zeNigende Sammlung, wie es dieses Urteil wertete, das der Erste Staatsanwalt Peltasohn und andere mit der unwahren Be- hauptung gefordert hatte, daß die Sozialdemokratie des Ruhrreviers den Meineid für den Genossen billige, ja fordere! Der Anlast zu dem Meineidsprozeß war eine Bagatelle. Durch einen Zeitungsbericht über eine christliche Berg- arbeiterversammlung zu Bankau bei Herne im Nuhrrevier, in der Genosse Schröder in der Diskussion gegen die damals im Gang befindliche Gründung des Gewerkvereins christlicher Bergleute sprechen wollte, worauf ihm der Vorsitzende Brust des Lokals verwies, sollte der Gendarm Munter be- leidigt worden sein, weil der Bericht behauptete, Munter habe den Genossen Schröder zum Saale hinausgestoßen, so daß er zu Fall kam. In dem Prestprozeß beschwor Schröder und beschworen seine späteren Mitangeklagten, daß sich der Vorgang so abgespielt habe. Gendarm Münter aber stellte unter Eid in Abrede, daß er Schröder gestoßen oder auch nur angefaßt habe— mehrere andere Zeugen hatten niöht gesehen, daß er es getan hätte und meinten kum Teil, sie hätten es sehen müssen, wenn es geschehen wäre. Vor- nehmlich auf das Zeugnis M U n t e r s hin wurden die Angeklagten des Essener Meineidsprozesses zu mehr- jährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Die Strafen sind heute längst verbüßt— Genosse Meyer hat dabei seine Gesundheit verloren—, aber die Erinnerung an das furchtbare Unrecht, das den Verurteilten durch den Spruch der Bourgeoisgeschworenen und der gelehrten Nichter zugefügt wurde, ist nicht erloschen. Mehrfach haben die Verurteilten hinterher versucht, eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen. Aber die Organe der Klassenjustiz fanden das Material nicht beweiskräftig genug. Jetzt aber, nach vierzehn Jahreo, scheint plötzlich die Möglichkeit gegeben, die Unglaubwürdig- ke.it des Hauptbelastungszeugen, des Gendarmen Münter, lnachzuweisen. Münter wurde-später als Magistrats- bureauassistent in Berlin angestellt. Gegen ihn ist letzthin ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, weil er es unternommen haben soll, Zeugen zu einer un- wahren Aussage zu verleiten» andere Zeugen zur Abgabe einer unrichtige» eidesstattliche» Versicherung veranlaßt habe» soll und versucht hat, weitere Zeugen zu beeinflussen. In diesem Disziplinarverfahren ist auch zur Erörterung gekommen, daß Münter, auf dessen Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit das damalige Urteil beruhte, neben seinem Amte fremde Rechtsangelegenheiten besorgte und in den von ihm besorgten Rschtsangelegenheiten immer als Zeuge eine merkwürdige Rolle gespielt hat. Auf Grund dieser Tatsachen hat nunmehr Rechts- anwalt Dr. Niemeyer-Essen einen neuen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Schröder und Genossen gestellt, in dem die Unglaubwürdigkeit des Zeugen Münter nachgewiesen werden soll. Hoffentlich gelingt es jetzt, die Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen Politische debcrlicbt. Berlin, den 17. August 1909. Wilhelm II. als Landesvater. Bei einer KricgervcreinZpcirade auf der Hoheiisyvurg soll den, „Isert. Tagebl." zufolge der Kaiser einen ihm fremden, vtjährigen Herrn, einen aiigesehenen Fabrikanten, mit der Anfrage ausgezeichnet haben:„Wo hast Du daS Eiserne Kreuz bekommen?" Einen vierzigjährigen Herrn tippte der Kaiser mit dem Marschallstab auf die Schulter und sagte:»Du bist unten zu dick geworden I" Die Herren Krieger fühlten sich sehr geschmeichelt.... Der Kaiser muß nach seinen Erfahrungen die Kriegervereinler als sehr kindliche Leute einschätzen, daß er sich bei seinen Anreden selbst noch gegenüber 64jährigen und 40jährigen Männern des. Du" bedient. Vielleicht hat eo im ganzen mit dieser OualitätSeinschätzung nicht unrecht; aber selbst in diesem Falle zeugt der Gebrauch deS Wortes»Du' davon, daß Wilhelm II. sein Verhältnis zu den preußischen Staatsbürgern ganz verkehrt auffaßt und deshalb in diesem Punkte der Belehrung bedarf. Eine Feste der Reaktion. Oberst G ä d k e widmet im„Verl. Tageblatt" dem Militärkabinette eine interessante Erörterung. Er weist nach, daß die Institution des Militärkabinetts und die Schaffung verfassungswidrig absolutistischer Zustände auf dem Gebiete unseres Heereswesens nichts anderes darstellen, als eine Feste der Reaktion, einen absolutistischen Einbruch in die verfassungsmäßigen Verhältnisse. Denn der gegenwärttge Zustand, der die Rechte des Reichstages, die bürgerlichen Freiheiten bedrohe, stamme nicht etwa als unantastbares Recht aus der Zeit der einstigen Vollgewalt der Krone, sondern sei mit bewußter Absicht während der Herrschaft der Verfassung als wesentliche Ein- schränkung dieser geschaffen worden: Erst durch die Kabinettsorder von 1861 wurde die Gegenzeichnung des Ministers in Personalangelegenheiten und auf dem Gebiete der Kommandogewalt beseitigt I Gädke fährt dann fort: »Das Gebäude wurde gekrönt durch die K a b i n e t t S- ord er von 1883, die die Unterstellung deS Chefs des Militärkabinetts unter den KriegSmini st er beseitigte. Eine vollkommene Re st au ratio» deS Absolutismus unter möglichst harmlosen und versteckten Formen, ohne daß seitens der Parlamente sofort ent« rü steter Widerspruch erfolgtel Der Sinn beider KabinettsorderS war nämlich trotz ihrer Maskierung ganz klar: über die Grenzen der Kominandogewait wollte allein die Krone zu bestimmen haben, dem Parlamente sollte ein Einspruch nicht zustehen, er sollte in jedem Falle wirkungslos dadurch gemacht werden, daß der Kriegs min ist er die Verantwortung ablehnen konnte. Unter dem Schutze dieser verfassungswidrigen Neuordnungen ist dann tatsächlich das eingetreten, was wohl von allem Anfange mit beabsichtigt war: eine wesentliche Ausdehnung der Kommando« gewalt mitten in das bürge rft ich e.L eben hinein, eine Beschränkung der politischen BewegungS- und UeberzeugungS- freiheit aller Bürger, soweit man sie irgendwie gesetzlich oder nicht gesetzlich mit dem Heere in Verbindung bringen konnte. Die Mittel hierzu waren daS Ernenn u n g S- recht der Krone auch für die Offiziere oeS B e u r la n b tenst an d e S, die Entlassung dieser Offiziere und die Ehrengerichte. Die skrupellose Handhabung dieser Rechte hat em iveitgehendeS System von sehr fühlbaren oder auch vermeintlichen Abhängigkeiten geschaffen, die die Gewalt der Re- gterung auch in politischen Dingen weit über die Grenzen der Verfassung hinaus erhöht habe».' Gädke weift dann im einzelnen nach, wie speziell das Emennungsrecht der Krone für die Offiziere deS Beurlaubten- standes die Handhabe zur verfassungswidrigen Boykottierung einzelner Konfessionen geliefert und darüber hinaus zur Knebelung jeder freien Betätigung der Offiziere des Beurlaubtenstandes geführt hat. Er schließt seine Betrachtungen mit der Forderung: »Diese Beispiele zeigen klar, wohin die gegenwärtige Stellung des Militärkabinetts führt; sie ist der letzte Grund deS herrsche>: den Militärabsolu- t i S in u s, der«manfhörlichen Eingriffe in die bürgerliche Freiheit der Preußen und der Deutschen. Sie muß daher in jedem Falle beseitigt werden; ein Parlament, das sich seiner e r st e n Pflicht bewußt ist, müßte vor allen Dingen den Kampf gegen diese verfassungswidrigen Zustände auf seine Fahne schreiben." Der Liberalismus hat bekanntlich in dem von der Sozial- demokratte unternommenen Vorstoß gegen den Absolutismus derart kläglich versagt, daß man sich kaum der Illusion hinzu- geben vermag, er werde sich in Zukunft heldenhafter de- nehnren I_ Ein hübsches Geständnis. Die agrarische Presse sucht die Wichtigkeit der Landwirtschaft und damit die Notwendigkeit der Begünstigung der Land- Wirtschaft unier anderem auch mit dem Argument zu begründen, daß schon im Jntereffe der Wehrs ähi gleit deS Lande? durch »ine Politik der Liebesgaben die Landwirtschaft sin Wirklichkeit meint man den landwirtschaftlichen Großbesitz) besonders gehätschelt werden müsse. Liefere doch die Landwirtschaft prozentual doppelt soviel Rekruten wie die industrielle Bevölkerung. Zu diesem Wegen- stände wird nun der»R H.-W e st s. Z t g." von medizinischer Seite geschrieben: „Für die HeereSergänzung sind letzten Endes nicht die Ver- hältniSzahlen, sondern die absoluten Ziffern maßgebend. Nun lehrt die Statistik, daß nur etwa aller Soldaten von land- wirtschaftlich tätigen,*[, dagegen von anderweitig beschäftigten Vätern abstammten. Man sieht also, daß die relative Abnahme der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen und ungünstige Folgen für die Wehrfähigkeit und mithin für die Gesundheit de« Volke« nicht gezeitigt hat... Und ferner muß man bei der in Rede stehenden Statistik beachten, daß die Unterschiede hinsichtlich der Ergiebigkeit für die HeereSergänzung weniger von den väterlichen Berufsarten an sich abhängen, als vielmehr davon, ob die Väter selbständig oder unselbständig waren. Die selb ständigen stellten nämlich, soweit sie landwirtschaftlich tätig waren, verhältnismäßig mehr als doppelt so viel, soweit sie anderweitig beschäftigt waren, relativ fast doppelt so viel Söhne zum Heeresdienst wie die unselb- ständigen. Diese liefern, soweit es sich um Väter ans der Land- Wirtschaft handelt, verhältnismäßig das gleiche geringe Kontingent, wie die nicht landwirtschaftlich Be- schäftigten. Daraus erhellt mit aller Klarheit, daß die Erhaltung der Selbständigleit, ganz gleich welcher Berus in Betracht kommt, von der größten Wichtigkeit für die Militär- tauglichkeit wäre. Aver die Berufszählung hat erwiesen, daß die relative Zahl der Selbständige», sowohl in der Landwirtschaft wie besonders in der Industrie, wesentlich abnimmt. Die Mnffe der Lnselb ständigen vergrößert sich infolge der wirtschaftlichen Entwickelung Deutschlands immer mehr. so daß dadurch die Aussichten für die Heeresergänzung immer schlechter werden. — Im Interesse der Wehrfähigkeit der Nation wie zun, Wohle der Volksgesundheit im allge- meinen wird es mithin notwendig sein, durch gc- eignete Maßnahmen den Unselbständigen zu geben, was die günstigere Lage den Selbständigen ohne weiteres bietet. Durch Staats- und Selbsthilfe müssen die Unselb- ständigen und ihre Nachkommen in hygienische Zustände versetzt werden, durch die der Mangel der Wohlhabenheit wenigstens in gesundheitlicher Beziehung auSgeglichcu wird.' Also: Es ist nicht die industrielle Beschäftigung, die den Prozentsatz der Militärtanglichkeit herabsetzt, vielmehr die Wirt- s ch a f t l i ch e Unselbständigkeit, die auf dem platten Lande genau in demselben Maße wie in der Industrie die körperliche EntWickelung hemmt! Die Junker, die über die industrielle Entwickelung zetern, haben es also selbst durch das Dauern- legen, durch die A n n e k t i o n eines vollen Drittels de? gesamten Grund und BodenS in Preußen verschuldet, daß die Zahl der Militärtauglichen nicht größer ist! Weiter aber weist der Mediziner der»Rh ein.- W estf. Ztg.' auf die eigentliche Grundursache der geringeren körpcr- lichen Entwickelung der wirtschaftlich Abhängigen, der Land- wie der Stadtprolctarier, hin: auf ihren»Mangel an Wohlhaben- heit', auf die unhhgienischen Zustände, in der die stets wachsende Masse des Volkes zu leben verdammt ist. Das ist in der Tat des Pudels Ken, I Höhere Löhne, die bessere Ernährung, bessere Behausung, mehr freie körperliche Betätigung ermöglichen, würden ohne weiteres auch die physische Minderwertigkeit des deutschen Pro- letariat? beseitigen! Die Scharfmacher und Lohndrücker in Stadt und Land sind eS also ganz allein, die Deutsch- landSWehrkraftnachwievorbedrohen! Ein Kind als Steuerzahler. In der Zeit vom Mai bis 1. August d. I. war in Büttgen bei Neuß sRheinland) ein eben aus der Schule entlassener Knabe aus Weißenberg(Kreis Neuß) bei einem Milcfc- Händler als ArbeitSjnnge in Dienst bei 7,60 M. Monatslohn. Nach seinem Dienstaustritt schrieben seine Eltern an das Bürgern, eistcr- amt Büttgen um Zusendung deS Abmeldescheines für ihr Kind und legten für Rückporto eine 10 Pf.-Marke bei. Einige Tage darauf erhielten sie vom Bürgermeisteramte Büttgen einen Nach- „ahmebricf über 60 Pf., die sie natürlich zahlten. Der Brief ein- hielt den Abmeldeschein für den Jungen und die lakonische, schrift- liche Mitteilung:„An Steuern wurden 60 Pf. nach- genommen.' Wofür im ganzen 00 Pf. nachgenoinmcn. war nicht angegeben. Ein Kind von 14 Jahren mit 00 M. Jahresverdienst wird mit 2 M. zur Steuer veranlagt, während viele unserer Agrarier in Preuße» steuerfrei bleiben. Höher gehts wohl nimmer.— Dabei hat der Vater deS Jungen noch für acht Kinder unter 14 Jahren zu sorge»._ Eine glänzende Anszeichnung. Dem neuen Reichskanzler ist eine hohe Ehre widerfahren. Er. der bisher nur Ritttneister a. D. war, ist in Anerkennung seiner Verdienste zum Major befördert und ihm die Berechtigung erteilt worden, die Uniform des 1. Gardedragonerreglments zu tragen. DaS„Mllttärwochcnblatt' bringt folgende Meldung: v. Bcth- mann Hollweg. Rittweister a. D., zuletzt Oberleutnant des zweiten Aufgebots der Gardelandwehrlavallerie(Potsdam) unter Verleihung deS Charakters als Major mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des 1. Gardedragonerregiments bei den Offizieren& la suits der Armee angestellt. Da der ReichSknnzier jetzt glücklich um die m, stößige„Majors- ecke' herum ist, bringt er es vielleicht doch noch zum Oberstleutnant oder Obersten. Dem Verdienste seine Krone I Folgen der neuen Tabaksteuer. Im fünften Gau deS TabakarbciterverbandeS(Westfalen, Lippe, Waldeck) fanden infolge der neuen Tabaksteuer folgende weitere Arbciterentlaffnngen statt. ES wurde gekündigt in Südlengern bei der Firma W. Seiden 36 Zigarrenarbeitern, bei Böhlen und Bündel 12 Arbeitern; in Bünde bei Althoff u. Reinhold 27, bei Müller u. Woltgen 48, bei Heinccke u. Co. sämtlichen Arbeitern, bei Steimneister 48, bei Gebr. Hofbrancr 30, bei Krüger u. Blumenau 120� Arbeitern; bei Wiemann u. Tintelnot in Kirchlengern 7 Ar- bcitern; bei Burmestcr u. Rodenberg in Bustedt 31 Arbeitern. Der Zigarrensabrikant Krochmann in Osnabrück(Hannover) schloß am 14. August seine Fabrik. Zur Entlassung kamen 14 Arbeiter, die sämtlich im Alter von 60 bis 70 Jahren stehen und zehn bis fünfzig Jahre bei Krochmann gearbeitet haben. Die Firmen Paradies und Jsaaksohn, beide in Bielefeld, haben ebenfalls sämtliche Arbeiter entlassen, desgleichen die letztere Firma ihre sämtlichen Arbeiter in Enger. Auch die Firma Rhode in Oeyn- Hausen hat ihren sämtlichen Arbeitern gekündigt. DaS sind in den letzten 14 Tagen zusammen zirka 900 Arbeiter, die allein in Westfalen und dem angrenzenden Tabakindustriegebiet ihre Arbeits st elle durch die neu« Steuer verloren haben. Das Ende der Reichstagskandidatnr Weinhansen. Der für den Wahlkreis Landsberg-Soldiu aufgestellte Kandidat der Liberalen. Generalsekretär Weinhausen, ist von der Kandidalur zurückgetreten, weil die notwendige Einigkeit aller liberalen Rich- tungen an seiner Person zu scheitern drohte. Der Rücktritt dürste auch dadurch beeinflußt woroen sein, daß in der Presse ein Brief deS Herrn Weinhausen veröffentlicht wurde, in der er sich erbötig zeigte, die mittelständlerische Agitation in der schärfsten Weise zu be- kämpfen. Das war im Jahre 1006. Auf die von ihm damals be- kämpften Mittclständler wäre Herr Weinhausen aber jetzt angewiesen gewesen, und daß ihm dabei der Brief nicht förderlich sein konnte, hat er jedenfalls selbst eingesehen. V Kommunale Abgaben auf Zucker. In verschiedenen Gemeinden Elsaß-LothringenS ist in letzter Zeit der Borschlag aufgetaucht, zur Erhöhung der Gemeinde- einnahmen den im Gemeindebezirk verbrauchten Zucker mit einer kommunalen BervrauchSaVgabe(Oktroi) zu belegen. Diese« Be- streben bewog den Verein der deutschen Zuckerindustrie sich an die Reichsregierung mit dem Ansuchen zu wenden, solchen Besteuerung?- versuchen entgegenzutreten. Der StaaissekretZr des Reichsschatz- mntes hat darauf folgendes erwidert: „Ich bin zu meinem Bedauern nicht in der Lage, die Ab- standnahme von der Erhebung von Gemeindcabgaben auf Zucker in Elsajj-Lothriiigen zu veranlassen. Wie dortselbst angeführt wird, finden nach§ S des Gesetzes vom LS. Juni 1873 betreffend die Einführung der Verfassung des Deutschen Reiches in Elsaß- Lothringen die Beschränkungen, denen die Erhebung von Abgaben für Rechnung der Gemeinden nach Artikel S des Zollvereinignngs- Vertrages vom 8. Juli 18S7 unterliegt, auf die in Elsaß- Lothringen bestehenden Bestimmungen über das Oktroi bis auf weiteres keine Anwendung. Eine Anregung, das danach den elsaß- lothringischen Gemeinden zustehende Besteuerungsrecht jetzt für Zucker auszuschließen, verspricht umso weniger Erfolg, als mit dem Inkrafttreten des auch für Elsaß-Lothringen geltenden§ 13 deS Zolltarifgesetzes vom 25. Dezember 1902 den Gemeinden am 1. April 1910 bereits die Abgaben auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und andere Mühlenfabrikate, Backwarelt, Vieh, Fleisch, Fleifchwaren und Fett entzogen werden.' Ein Amt gefunden. Wie die»Staaisbürger-Ztg.' mitteilt, wurde Reichstags- abgeordneter Dr. Böhme, Mitglied der Wirtschaftlichen Vereinigung, zum Syndikus des Deutschen Bauernbundes berufen und ist als solcher dem Vorstand deS Deutschen Bauernbundes beigetreten. Der Vorstand des Deutschen Bauernbundes setzt sich demnach aus folgenden Herren zusammen: Abg. Wamhoff, Wachhorst de Wente (beide nationallib.), Abg. Dr. Böhme(Syndikus), Abg. Löscher(frei- konservativ), Ansiedler Harte(kons.). Abg. Dr. Böhme wird beim Zusammentritt des Reichstages sich nicht mehr— um der Neutralität des Deutschen Bauernbundes willen— der Wirtschaftlichen Vereinigung anschließen; er wird fraktionslos. Kreta. Die Schutzmächte haben zugleich in Konstantinopcl und in Kreta mit Beruhigungsaltionen zu tun. Die türkische Re- gie/rung. auf die das jungtürkische Komitee einen starken Druck ausübt— die letzte Note an Griechenland soll auf direkten Befehl des Komitees abgesandt worden sein— führt augenblicklich wieder eine etwas kriegerische Sprache. So erklärten am Montag maßgebende Stellen der Pforte beim diplomatischen Empfang, daß die Pforte darauf bestehe, daß Griechenland die in der türkischen Note verlangte Erklärun'g bezüglich Kretas abgebe.> k« > Der Großwesir äußerte sich zu mehreren Diplomaten, daß er von nun an alle weiteren Ratschläge zur M'ä'ßigung run'dweg ablehnen werde, da darin ein ungerecht- fertigter Vorwurf gegen die Haltung der Türkei liege. Angesichts dieser Haltung werden zwischen den Kretaschutzmächten direkte Verhandlungen gepflogen wegen eines neuerlichen ernsten Schrittes, den die Schutzmächte bei der Pforte in der Form einer Kollektivnote unternehmen sollen� deren Ueberreichung unmittelbar bevorstehe. '■* Auf Kreta ist ein solcher Schritt schon geschehen. ES wird illlS C anea vom 12. August gemeldet: „Die Konsuln der Schutzmächte haben der kretischen Re- gierung mitgeteilt, daß die chriechische Flagge morgen niedergeholt werde. Sie machten hierbei auf die nicht wieder gut zu machenden Folgen aufmerksam, die jeder Angriff auf die internationalen Lan- dungStruppen haben würde. Die provisorische Regierung richtet in einer Proklamation an das V o l k die M a h n u n g, sich dem WillenderMächte voll- stäudig zu uvterserfen." Oetterreld,. Nms Parlament. Wien, 17.«ugust. Einer heute stattfindenden Konferenz der Parteiführer deS Abgeordnetenhauses zur Besprechung der Frage, wie das Parlament arbeitsfähig zumachen fei, gingen Besprechungen der einzelnen Parteien voraus. Die parlamentarische Kommission der slavischen Union hat gegen die Stimmen der tschechisch Radikale» beschlossen, an der Konferenz teil- zunehmen. In dem Beschluß beharrt die Union auf dem Stand- f unlt der entschiedenen Gegnerschaft gegen das jetzige Regierungs- ystem und behält sich Beschlüsse vor. Der Vollzugsausschuß der deutschen Parteien beschloß, alles zu versuchen« um die Arbeitsfähig- keit des Hauses wieder herzustellen.— Ungarn. Das Betayren-Ncgimenk.> 'Agram, 17. August. Wegen deS Verbotes einer so- ziali(tischen Versammlung fanden abends große A r- beiterdemonstrationen in den Straßen statt. Die ein- schreitende Polizei wurde mit einem Steinhagel empfangen und sah sich gezwungen,(l) von der blanken Waffe Gebrauch zu machen. Zwanzig Perßonetl w>uirden durch Säbelhiebe verwundet, zahlreiche verhaftet.' Lelglen. Der Klerikalismus an der Arbeit. Einer der beliebtesten Gründe, die für volksentrechtende Wahl- systeme in? Feld geführt werden, ist die«mangelhafte Reife' der breiten Massen, die sie leider untauglich mache, die scharfe Waffe des Stimmzettels in einer ihnen selbst wie dem Staatsinteresse förderlichen Weise zu gebrauchen. Wäre das ehrlich gemeint, so müßten die Regierungen, die dieses Argument gebrauchen, die Er- ziehung der Wähler zum sachgemäßen Gebrauch ihrer Rechte durch Ausbau der Volksschule als ihre vornehmste Aufgabe betrachten. Tatsächlich geschieht aber das Gegenteil, am schlimmsten dort, wo die klerikal-konservativen Parteien das Staatsruder führen. Ein schlagender Beweis ist vor allem Belgien, das sich nun seit LS Jahren des Segens klerikaler Staatsverwaltung erfreut. Vernachlässigung der Volksschule. Ueberantwortung des Unterrichts an die geistlichen Feinde der Volksaufklärung ist hier die Parole. Im Brüsseler .Peuple' weist Genosse Dr. Terwagne nach, was es mit der Ultramontanen Volkserziehung auf sich hat. Als die Klerikalen 1884 Herren des Staates wurden, be» gannen sie sofort mit der Beseitigung der Wirkungen des liberalen Schulgesetzes von 1879; schon 1885 waren von 1933 staatlichen Volksschulen 877 verschwunden, dafür 1485 geistliche als öffentliche Lehranstalten anerkannt. Langsam und sicher wurde dieses System dann ausgebaut. Im Jahre 1902 gab es an den Volksschulen 3703 nicht geprüfte Lehrer. Gegenwärtig sind es rund 4500. Allein von 1902 bis 1905 traten 390 ungeprüfte geistliche„Volksbildner' in den Schuldienst ein. In diesen 3 Jahren stieg die Zahl der geist- lichen Lehrpcrsonals von 8698 auf 10 351, d. i. um 19 Proz.l Und was lehren diese„Brüderlcin" und Schulschwestern?„Eine Liste der Lehrbücher würde als Hauplteil des Unterrichts die Auslegung des Katechismus, die Geschichte der Heiligen und die Glaubcnsver- teidigung ergeben, alles behandelt in einer Art, die Fanatiker er- ziehen mutz, voll Vorachtung unseres öffentlichen Rechts und unserer Verfassung, der Grundlagen deS modernen demokratischen Staates telbst.' Nicht besser ist es bestellt um die Ausdehnung des Unterrichts. Bekanntlich kennt Belgien noch immer nicht die Schulpflicht. Die Freiheit des Schulschwänzens hat der Klerikalismus von dem alten Liberalismus überkommen und, Freund jeder„wahren Freiheit", sorgfältig erhalten. So berichtet die Verwaltung der Vorstadt Anderlecht bei Brüssel, daß von 10 671 Kindern zwischen 6 und 12 Jahren 3200 ohne Unterricht aufwachsen. Von den rund 7500 Schulkindern besuchen 1754 die geistlichen Schulen. So in einer Stadt von 62 000 Einwohnern vor den Toren der Hauptstadt! In ganz Belgien aber entbehren mehr als 150 000 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren des Schulunterrichts. Am schlimmsten ist es damit in den flämischen Provinzen, Hochburgen des wahren Glau- bens, bestellt. So ergab die Prüfung der Stellungspflichtigen im Jahre 1906, daß im flämischen Gebiet von 1000 zwanzigjährigen Männern nur 84 eine abgeschlossene Volksschulbildung besahen, während 180 nicht lesen und schreiben konnten. Im wallonischen Lande, das weniger Glauben und mehr weltliche Gemeindeschulen hat, zählte man unter 1000 Rekruten 176 mit voller Schulbildung und„nur" 122 Analphabeten. Im ganzen gab es 8,47 Proz. mit Volksschulbildung, gegen 6,5 Proz. im Jahre 1880. Das ist der Fortschritt in 26 Jahren. Die Zunahme betrug in den wallonischen Provinzen jährlich 0,3 Proz., in den flämischen aber 0,08 Proz. Und dabei hat das Ministerium die Keckheit, zu schreiben:„Die Freiheit des Schulbesuchs hat den Unterrichtsbctrieb soweit ge- fördert, daß man bald keine Kinder ohne Schulunterricht mehr sin- den wird." Terwagne rechnet aus, daß dieses„bald", wenn das jetzige Tempo beibehalten wird, soviel bedeutet wie 200 Jahre. Glücklicherweise aber wird es rascher gehen. Der Henker steht der klerikalen Schandwirtschast schon vor dec Tür, Trotz aller Volksverdummung. England. Die südafrikanische Union. London, 16. August. Das Unterhaus hat heute den Gesetz- entwurf über die Südafrikanische Union einstimmig in zweiter Lesung angenommen. Vom englisch-indischcn Kriegsschauplatz. London, 17. August. Der indische Student Dhingra, der den Obersten Curzon Wyllie ermordete ist heute früh hin- gerichtet worden. v'anemark. Der neue Ministerpräsident. Der neue Kabinettschef Graf Holstein-Ledreborg steht im 71. Lebensjahre, hat früher als Abgeordneter der gemäßigten Demokratie angehört, seit langem aber am politischen Leben keinen aktiven Anteil mehr genommen. Nach dem Rücktritt des Minister!- ums Nccrgaard wurde sein Wort, daß eine konsequente Neu- tralitätspolitik Dänemark besser schützen würde als zcde dort möglich« Militärreform, viel besprochen. Angesichts dieses Wortes überrascht es, daß in dem Programm der vom Grafen Holstein dem KöitiD vorgeschlayc�en Minister'eine Ko)' e n ya gen e r Landbesestigung enthalten sein soll, die freilich von dem ursprünglichen Plane erheblich abweichen dürfte. Näheres über dies Programm ist noch nicht bekannt geworden, l- Rußland« Zur Lage der politischen Verbannten. ' Im Transportgefängnis in Kraßnojarsk, das von allen Gefangenen passiert wird, die in politischen Prozessen zum Verlust aller Rechte und zur Deportation nach Sibirien verurteilt worden sind, ist eine Enquete veranstatlct worden, die interessante Auf» schlüsse über den Charakter der politischen Verbannten in Sibirien gibt. Von den 218 Verbannten, auf die sich die Enquete erstreckte, waren 110 Russen. 40 Juden, 24 Polen, 24 Letten, 13 Kau- lasier usw. Mehr als die Hälfte aller Verbannten(53 Proz.) hatte das 25. Lebensjahr noch nicht erreicht, darunter waren 16 Proz. noch nicht volljährig. Die Zahl der Frauen belief sich auf 24 gegen 194 Männer. Nach den Berufen geordnet ergaben sich: Arbeiter 55 Proz., Handelsangestellt« 11 Proz., intelligente Berufe 23 Proz. Wie sehr sich der Bestand der Verbannten demokratisiert hat, ist daraus ersichtlich, daß von 61 Intelligenten bloß einer von adliger Abstammung war, während 39 Kinder von Arbeitern, Bauern, Handwerkern usw. waren. Dem sozialen Bestand entspricht auch daS Bildungsniveau. Von 218 Personen hatten bloß 14 Hochschulbildung und 38 Ghm- nasialbildung genossen. Die übrigen hatten Volksschulen, Kirchen- schulen usw. besucht. Zwei waren des Lesens und Schreibens unkundig. Nach ihrer Parteizugehörigkeit gruppierten sich die Verbannten folgendermaßen: 104 Sozialdemokraten, 74 Sozialrevolutionäre, 6 Anarchisten Usw. 65 Proz. aller Angeklagten in den betreffenden Prozessen wurden wegen Zugehörigkeit zu verbrecherischen Gesellschaften angeklagt, 12 Proz. wegen Propaganda in der Armee, 20 Proz. wegen des Druckens und der Verbreitung illegaler Literatur. Insgesamt wurden tn diesen Prozessen 912 Personen zur Ver. antwortung gezogen, von denen verurteilt wurden: 197(22 Proz.) zu Zwangsarbeit, 272(30 Proz.) zur Deportation, 36(4 Proz.) zur Arrestantenkompagnie, 55(6 Proz.) zur Festungshaft. Ge- flüchtet waren 52, freigesprochen 252, begnadigt 7 Personen. Außerdem wurden 4 Personen bei der Verhaftung getötet, einer endete mit Selbstmord, einer wurde wahnsinnig. Auf jeden der befragten 213 Personen entfallen im Durch- schnitt 15 Monate Untersuchungshaft. 83 Personen verbrachten in der Untersuchungshaft l�h bis Jahre. Insgesamt hatten 214 Personen 2682 Jahre Gefängnishaft hinter sich. Marokko. Die spanischen Streitkräfte in Afrika. Die Spanier schicken noch immer Truppen nach Melilla Hinuber, um dort für die„Ehre des Vaterlandes", das heißt in diesem Falle: für den Profit der an den Bergwerken im Rifgebiet beteiligten spanisch-französischen Kapitalisten, zu kämpfen. Nach einer amtlichen Aufstellung verfügt der General Marina jetzt über folgende Truppen: 22170 Mann Infanterie, 1000 Mann Kavallerie, 2000 Mann Artillerie, 070 Pioniere, 400 Mann der Telcgraphenabteilung, 115 Mann von der Luftschifferabteilung, 160 Eisenbahner, 900 Mann Train und 230 Sanitätssoldaten, zusammen also etwa 27 500 Mann, ferner an Material: 1856 Pferde, 265 Zug- und 2750 Last-Maultiere, 28 Maschinengewehre. 20 Schnell- feuerkanoncn, 36 Berggeschütze. 2 Fesselballons. 48 optische. 12 elektrische. 8 tclephonische. 8 akustische Stationen, 18 Fern- sprccher und 128 Kilometer Leitungsdraht, 6 Scheinwerfer und Zelte für 34 000 Mann. Paris, 1?. August. Nach weiteren Telegrammen aus Melilla griffen die Mauren, die auf den benachbarten Höhen ver- schanzt waren, die spanischen Kolonnen in dem Augenblicke an, wo die Wachen abgelöst wurden, wurden aber von spanischen Batterien wirksam beschössen; auch eine GebirgSbatterie, die die Ablösungskolonne begleitete, beteiligte sich an dem Kampfe. ES gelang, den Feind ayS seiner Stellung zu vertreiben, wobei er große Verluste erlitt. Auch vorgestern hatten die Mauren große Verluste, als sie die Bedeckung eines LcbenSmitteltranSPorteS an- griffen und sich durch eine List verleiten ließen, ihr« gedeckte Stellung zu verlassen. Paris, 17. August. Der Korrespondent des„Matin" ick San Sebastian hatte mit dem dort weilenden spanischen Minister des Aeußern Allcndesalazar eine Unterredung. Der Minister er- klärte, bei der geringen Autorität, die Mulay Hafid im Rifgebiet besitze, glaub« er nicht, daß dessen Gesandtschaft dort Erfolg haben werde. Von einer Note, die Mulay Hafid an die Mächte gerichtet haben soll, um eine Intervention in dem Streite mit Spanien herbeizuführen, wisse er nichts. Die Mächte würden auch wohl schwerlich einem solchen Verlangen Folge geben, da die Spanier im Rifgebiet einen Angriff zu rächen hätten und jedenfalls die militärischen Operationen im Rifgebiet nicht unterbrechen würden. Amerika. Die Korruption. Ungeheuerliche Bestechungen von Amtspersonen werden aus Chicago berichtet. Der Polizeiinspektor Mac Cann erhielt Tribut von 199 in seinem Bezirk liegenden Vordellen. Auch andere hohe städtische Beamte und Politiker sind beteiligt. Eine Liste ergab, daß allein im ersten und zweiten Polizeibezirk jährlich 300 999 bis 790 999 Dollar für„polizeilichen und politischen Schutz" bezahlt wurden. Da findet man Hotels, Tingeltangel, Spiel- und Opiumhöhlen, Massageräume und direkte Bordelle usw. Auch gewerbsmäßige Taschendiebe und andere offene Spitzbuben zahlten ständige Abgaben. Csuckedionfereiiz der Sozialdemokratie Anhalts. Die Konferenz, von 84 Delegierten, darunter 8 Genossinnen, besucht, fand letzten Sonntag in K ö t h e n statt. Die beiden Reichs- tagstandidaten von Anhalt, Kurt E i s n e r- Nürnberg und Ferdinand Bender- Elberfeld, tvaren ebenfalls anlvescird. Aus dem Bericht des Parteisekretärs Günther ist hervorzuheben, daß die Zahl der organisierten Genossen im letzten Jahre von 5409 auf 5487 stieg. Darunter befanden sich 1286 Genossinnen. Der Fortschritt der Organisation wurde sehr gehemmt durch den fortwährenden Abzug organisierter Genossen. Anhalt hat in der letzten BolkSzählimgs- Periode, die einen Geburtenüberschuß von 20 000 Seelen zeigte, 8000 Menschen an das Umland abgegeben. Die Wieder- neilgewinnung von Parteimitgliedern aus den zuströmenden länd« lichen Arbeitern ist natürlich nicht leicht. Die Tätigkeit des seit einem halben Jahre im Amte befindlichen Parteisekretärs hat sich aber schon fruchtbar erwiesen. In 50 Besprechungen gewann er 222 Mitglieder. Die Kreiskasse von Anhalt I hatte einschließlich eincS Kassen- bestandcS von 891 M. eine Gesamteinnahme von 6064 M., die von Anhalt II einschließlich 434 M. Kassenbestand 3595 M. Die OrtS- lassen hatten daneben in Anhalt I 14 327 M., in Anhalt II 3553 M.. wobei in Anhalt I ein Kassenbcstand von 3769, in Anhalt II von 1084 M. mit eingerechnet ist.— Sozialdemokratische Gcmeinderats- mitglieder zählt man jetzt 80(gegen 72 im Vorjahre). Die freien Jugendorganisationen haben bisher 210 Mitglieder in Anhalt I. 65 in Anhalt II. «um Parteitag ward folgende Resolution angenommen, die artetsekretär gestellt hatte: „Der im§ 5 des OrganisationSstatut-Entwurfs vorgeschlagenen Festsetzung eines Mindestbeitrages von 30 Pf. monatlich für mann- liche Mitglieder stimmt die LaiideSkonferenz zu. Die Konferenz hofft aber, daß die hiermit für Anhalt verbundene Beitrags- eryöhung um 5 Pfennig pro Monat erst mit dem 1. April 1910 in Kraft tritt, da sich die herannahende Winterszeit mit der zu crivartenden Arbeitslosigkeit zu einer Erhöhung der Beiträge Nicht eignet. Die dem Parteitag vorliegenden weitergehenden Anträge, wie Einführung des 10 Ps.-Wochenbeitrages für männliche Mitglieder, obligatorische Lieferung der„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder und Er« höhung des Monatsbeitrages für die letzteren auf 20 Pf. sind entschieden abzulehnen, da eine solche Maßnahme einen Mitglicderverlust befürchten läßt.... Sodann ward der folgende Antrag des Genossen E i s n e r an den Parteitag von der Konferenz einstimmig angenommen: Der Parteitag möge beschließen: Die ReichStagSfraktion wird beauftragt, ein A k t i o n S- Programm von aktuellen gesetzgeberischeu Arbeiten zu cnt- Wersen und im Reichstag einzubringen, die unabhängig von den Borschlägen der Regierungen und den Anträgen der bürgerlichen Parteien den schöpferischen Willen der Sozialdemokratie imd des Proletariats verkörpern, � und so gestaltet sind, daß sie u n- mittelbar, auch in der bürgerlichen Gesellschaft, ausführbar find. Allen Gesetzentwürfen sind unifassende Begründungen bei- zugeben; sie bilden zugleich die Grundlage für AbändcrungS- Vorschläge an Entwürfen der Regierungen und unserer Gegner. Als solche Gesetzentwürfe kommen zunächst in Betracht: Eine demokratische Revision der Verfassung, systematische Milttnrreform, ReichSfinanzresorm, einheitliches Arbeitcrrccht(Arbeiterschntz und Arbeiterverficherung), Reichsschulgesetz, Strasrecht und Strafprozeß. Die Fraktton soll zu diesem Zweck einen ständigen Arbeits- ausschuß einsetzen, der auch nichtparlamentartsche Fachleute hinzu- ziehen kann. Die von dem Genossen EiSner dazu gegebene Begründung ward mit stürmischem Beifall aufgenommen. Genosse PeuS sprach noch den Wunsch auS, daß die Erörterung dieses Antrages auf dem Parteitage zur Förderung der Sachlichkeit der Debatten beitragen möge. In bezug auf die Taktik bei den Wahlkämpfen ward ebenfalls einstimmig die folgende Resolution des Genossen PeuS an- genommen: „Die verabschiedete„Reichsfinanzreform'... ist die unab- wendbare Konsequenz der Hottentottcnwahlcn deS Jahres 1907----• „... Allen Lohnarbeitern, einschließlich den Angestellten und Beamten, aber auch dem durch teilweise abweichende Interessen von der Arbeiterklasse geschiedenen Kleinbürgertum, ivie endlich auch der kleinbäuerlichen Bevölkerung ist zum Be- wußlsein zu bringen, daß keine fortschrittliche und volkstümliche. der großen Masse beS Volkes nützliche Politik möglich ist gegen die Sozialdemokratie. Nur durch die Sozialdemokratie, nur mit'ihrer Hilfe ist eine Befreiung des Volkes von der ans- ' beuterischen und unterdriickcrischen Politik der Junker und Pfaffen möglich.' Nach dem Leipziger Parteitag werden von Anhalt I die Genossen Eisner und De ist delegiert. In Anhalt II muß noch UrWahl stattfinden, da ein Delegierter geschickt werden soll, aber zwei Vorschläge Günther- Bernburg und Eschke- Nienburg, gemacht worden sind. Zum LaiideSvorsitzenden wurde Genosse D e i st gewählt. 8o2iales. In Obcrkirch(Baden) brachte die Wahl der Arbeitnehmer zur OrtSkrankenkasse unsere» Genossen und den freien Gewerkschaften einen sehr erfreukichen Sieg über die Christlichen unter Führung des berühmten Fechtmeisters Kaplan Sauer. Dieser hatte die Wahl an- fechten lasse», in welcher die freie Liste mit 69 Stimmen gesiegt hatte. Mit.Pathos ließ er im schwarzen Blatt verkünden, daß mm der Sozialdemokratie gezeigt werde, daß gar kein Boden im katho- lischen Remhtal für sie sei. Alle Dienstmädchen und Frauen wurden am Sonntag von der Klerisei aufgeboten, die Wütendste Agitation entfaltet. Resultat: Sieg der freien Liste mit 179 Stimmen- 6ewerhrcbaftUcbc& Vielseitiges Christentum. Mn interessantes Zugeständnis findet man in Nr. 32 der christ- lichen„Textilarbeiter-Zeitung". Dort liest man in einem Artikel »Gegen die Arbeiterinteressen— für das Unternehmertum": „Wir stehen in der Textilindustrie einem starken, kapitals- kräftigen Unternehmertum gegenüber, das in, allgemeinen gewiß nicht mit sozialem Oel gesalbt ist.--- Die Lage der Textil- arbeiter ist keine rosige. Durch die wirtschaftliche Krise und" die gewaltige Tcuenmg(!) ist ihre Lebenshaltung durchweg unter das Ledensminiuium gesunken. Hier mutz geholfen werden." DaS steht in derselben Nummer des christlichen Gewerkschasts- blattes, in welcher der Zentralvorsitzende Schiffer, von Zentrmns- gnaden M. d. R., seine Getreuen„auf die Schanzen" ruft— nicht etwa gegen das Zentrum, das die gewaltige Teuerung verschuldet hat, sondern gegen die— Sozialdemokraten und den freien Textil- arbeiterverband, die das volksfeindliche Verhalten des Zentrunis. einschlietzlich der sieben dem Zentrum angehörenden„Arbeiter- abgeordneten", gebührend kritisiert haben. An anderer Stelle liest man: „Die Arveiterschaft mag mit Recht über den AuSgäng der Steuerreform unzufrieden fein." Das hätte Held Schiffer und seine sechs Arbeiterkollegen im Zentrum auch früher wissen und demgemäß handeln müssen. Sie haben aber die ungeheuere Belastung der Arbeiterschaft durch in- direkte Steuern nicht nur widerspruchslos geschehen lassen, sondern so- gar dafür gestimmt, weil, wie auf der ersten Seite derselben Nummer zu lesen ist:„große, tiefcinschneidcnde politische Fragen bei der Reichöfinanzreform den Ausschlag gaben". Die große politische Frage heißt bekanntlich„Zentrumsherrschaft". Um diesen Preis muß also die Arbeiterschaft darben und wird obendrein noch von Arbeitern, die im Zentrum sitzen, verhöhnt. Nun— die gebührende Antwort wird nicht ausbleiben. Schon vernehmen sie die Arbeiter-.Vertreter", die dem Volke den Brotkorb höher hingen, und sie sinnen auf— neue Volkstäuschung. Der christliche Textilarbeiterverband muß schon gegen Mitglieder- schwund ankämpfen. In Bocholt, wo vor zehn Jahren die Wiege des christlichen Verbandes stand, hat auch die Krise mit voller Schärfe eingesetzt. Hier macht sich schon längst eine Mißstimmung gegen den Zentralvorsitzenden Schiffer, der hier früher als Webermeister tätig war, bemerkbar, jetzt kommt Empörung zum Ausdruck. Die Bocholter Ortsgruppe des christlichen Textilarbeiterverbandes, die ftüher etwa 1200 Mitglieder zählte, ist schon um etwa 600 zurückgegangen und wird jetzt, als Dank an das HmiS Zentrum für die bescherte Teuerung, jedenfalls noch weitere Einbuße erleiden. Dem Abg. Schiffer schwapt Unheil und er greift zum Mittel der religiösen Verhetzung, um der gerechten Strafe für die zentrümischen Schandtaten zu entgehen. In der christlichen„Textil- arbeiterzeiwng" liest man nämlich u. a.: „Ein Kampf ist«nS aufgedrungen, wie er heftiger zwischen der sozialdemokratischen und christlichen Gewerkschaftsbewegung noch nicht geführt worden ist... ein Kampf zwischen Christentum «nd Sozialdemokratie." Nun soll also das Christentum helfen, die Fahnenflucht aus der christlichen Gewerkschaft zu verhindern, nachdem die Repräsentanten des Christentums vor kurzem nichts Besseres zu tun wußten, als Lebensmittel und Massengebrauchsgegenstände geradezu ungeheuerlich zu verteuern. Wirklich, ein ebenso sonderbares als vielseitiges Christentum. Christliche Gewerkschaftsführer für Lebensmittelwucher zur Ehre Gottes, zum Wohle der Kirche, als Schutz des Christentums! Wirklich, die abgestempelte Frömmigkeit läßt sich vielseitig verwenden und— ausnutzen._ L erlin und Umgegend. Der Borsitzende des Allgem. Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS stellt in einer Zuschrift an uns die Behauptung auf, eine genaue Prüfung und Untersuchung des Vereinsvorstandes habe ergeben, daß die in der Versammlung des Metallarbeiter-Verbandes erfolgten Mitteilungen, Mitglieder des Allgemeinen Verbandes seien jetzt als Streikbrecher tätig, der tatsächlichen Grundlage entbehrten. Achtung, HausftauenZ Geschäftsleute! Die dem„Deutschen Transportarbeiter-Verband" als Mitglieder angehörigen Geschäfts- kutscher haben als Ausweis ihrer Mitgliedschaft eine grüne Legitimationskarte. Wir bitten die Frauen unserer Gewerkschasts- und Parteigenossen sowie die Geschäftsleute, die mit den Bestrebungen der modernen Arbeiterbewegung sympathisieren, uns in unserem Vorgehen zu unterstützen, Waren nur von solchen GeschästSkutschern zu entnehmen, welche im Besitz der grünen Legitimations- karte des»Deutschen Transportarbeiter-VerbandeS" sind. Be- sonders hinweisen wollen wir auf die Kutscher der Petroleum-, Fettwaren- und Kolonialwarenbranche sowie der Kutscher der Brot- bäckereien. Etwaige Ausreden bitten wir nicht beachten zu wollen. Der Transportarbeiter-Verband. Sektion der Geschästskutscher, Lagerarbeiter usw. Deutkchea Releb. Weitete Verhandlungen im Hamburger Baugewerbeausstand. Auch die Einigungsverhandlungen in Berlin, die am Montag von 10 Uhr morgens bis g Uhr abends gepflegt wurden, haben zu keinem positiven Ergebnis geführt. Verhandelt wurde nur über die Festsetzung der Arbeitsbedingungen für Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter. Die Schwierigkeiten, zu einer Einigung zu kommen, ergeben sich daraus, daß im Hamburger Ausstand noch eine Reihe anderer Bauberuse, wie Stukkateure. Töpfer usw. beteiligt sind, die ausgesperrt wurden, nachdem aber auch Forde. rungen stellten. Ueber deren Forderungen und Angelegenheiten konnte ohne Zuziehung der betreffenden Organisationen nicht ver- handelt werden. Um eine Einigung zu erzielen, müssen jedoch auch die Streitigkeiten der Nebenbranchen beseitigt werden.— Es sollen zu diesem Zwecke erneute Verhandlungen noch im Laufe dieser Woche wieder in Hamburg stattfinden. Streik und Aussperrung der städt. Arbeiter in Kiel sind beendet. Eine am Montag, den 16. August, abgehaltene Versammlung der Streikenden und Ausgesperrten hat mit 210 gegen 76 Stim- men— bei 4 Stimmenthaltungen— beschlossen, den Kampf abzu- brechen. Die Ursache für den Umschwung in der Sachlage bildet die Wiederaufnahme der Arbeit durch 70 Mann aus den eigenen Reihen. Der größten Mehrzahl von ihnen hat der Magistrat die Aufforderung zur Wiederaufnahme der Arbeit zugehen laffen, und dieser Verlockung sind sie unterlegen. Trotzdem Freitag, den 13. August, noch eine Versammlung der Streikenden und Aus- gesperrten beschlossen hatte, im Kampfe auszuharren, ergab sich durch die in den letzten Tagen entstandene Abtrünnigkeit die ver- änderte Taktik. Zehn Wochen lang haben die städtischen Arbeiter zusammengehalten wie e i n Mann. Der Ausgang des Kampfes wäre bei einem weiteren einmütigen Beharren der Ausständigen im Streik noch nicht in der Weise entschieden gewesen. Der Ma- gistrat befand sich in größter Verlegenheit, da kamen ihm die Aus- ständigen selbst zu Hilfe. Die Fahnenflucht wurde ziemlich groß, die Aufhebung des Kampfes war deshalb ein Gebot der Not- wendigkeit. Dessenungeachtet kann wohl behauptet werden, daß es in diesem Kampfe keinen eigentlichen Sieger gibt, denn auch der Magistrat hat nicht erreicht, was er wollte; auch er ist froh, daß der Konflikt beigelegt ist. 4*_ Der Streik in Babisch-Nheinfelden, der zu den von uns berichteten Krawallen führte, ist am 16. dieses Monats beendet worden. Der Fabrikportier Biel, der zwei' Ar- beiter erschossen hat. und. der Fabrikaufseher Fischer, der auf Streikposten mit dem Revolver geschossen hat, wurden verhaftet. Verhandlungen im Schiffahrtsgewerbe. Hamburg, 17. August. Vertreter des Arbeitgeber- und Arbeit- nehmerverbandes für Binnenschiffahrt und verwandte Gewerbe traten heute in die Vorverhandlungen über ein Lohntarifabkommen ein. Die Arbeitgeber erklärten sich bereit, trotz der mißlichen wirtschaftlichen Lage vom 1. Januar 1910 ab im Interesse der friedlichen Weiterentwicklung von Handel und Verkehr Lohn- crhöhungen zu gewähren. Die Vertreter der Arbeiter wollen die Entscheidung über die Vorschläge einer Versammlung ihres Ver- bandes überlassen. Em der frauenbewegung* „Franenrecht." 1 Wenn jemals aus den Reihen verständnisloser Frauenrechts- feinde eine funkelnagelneue(?) grandiose(I) Idee als„tiefster Grund für die zunehmende Frauenrechtsbewegung" zutage gc- fördert wurde, zugleich empfehlend, wie den„machtgierigen" Frauen der Garaus gemacht werden könnte— so von Dr. Wirth im „Tag"(12. August). Die wirtschaftliche Entwickelung scheint in der Sphäre des Hern Dr. W. gar nicht zu existieren, wenigstens scheint sie in seinem erleuchteten Geiste mit der„Frauenbewegung" in keinem Zusammenhange zu stehen. Jedenfalls aber hat ihm die Geschichte, daß Frauen„Rechte" beanspruchen, und daß es sogar Männer gibt, die solches anerkennen und unterstützen, be- denklich den Kopf verdreht. Vor der„Bildung" der Frauen, vor der„im Aufstieg begriffenen Herrschast der Frauen", scheint er bereits die geistigen Massen gestreckt zu haben. Von dieser Seite also ist man den Frauen nicht mehr beizukommen. Darum greift er zu den Waffen der brutalen Gewalt. Zeigt den Weibern das Schwert, Euere Fäuste, Euere körperliche Ueberlegenheit l— Das„Aufhören der Kriege(!)" sei Schuld an der zunehmenden Macht der Frauen;— W. bedauert, daß Europa(außer im Süd- osten) seit 1871 keinen Krieg mehr hatte und Nordamerika seit 1866 keine Schlacht mehr im eigenen Lande. Er meint,„im Frieden müsse das Weib an Macht gewinnen". Auch für Amerika resultiert er hieraus die willenlose Unterordnung des sonst so „selbstbewußten� männlichen und herrischen" Jankee vor der „Frau" überhaupt. Abgesehen davon, daß Herr Dr. W. des ethischen Empfindens eines Kulturmenschen in bezug auf die Massenmörderei gänzlich zu entbehren scheint, und seine martialischen Gelüste einerseits ein Manko des Empfindens bezeugen für die sich aus seinem Mittel für die Frauen ergebenden ideellen und materiellen Verluste, vermag er andererseits absolut nicht die 5wnsequenzen eines solchen Falles zu ziehen. Ein Beweis von seiner Erkenntnislosigkeit auf ökono- mischem Gebiet. Er zetert einfach nur über die„machtgierigen" Frauen, ohne anscheinend jemals die wirtschaftliche Entwickelung und die inneren Zusammenhänge verfolgt und verstanden zu haben. Anderenfalls wäre ihm längst die Erkenntnis aufgegangen, daß es sich nicht um„machtgierige" Frauen handelt, die sich nur ihre natürlichsten Menschenrechte und einen Anteil am gesamten Staats- und Wirtschaftsleben aus den Händen„machtgieriger" Männer erkämpfen müssen!— Manche Frauen sind heute dem Durchschnittsmann an Bildung und Kenntnissen überlegen, dessen- ungeachtet sollen sie sich vom Manne die Gesetze diktieren und sich immer weiter als unmündige Geschöpfe behandeln lassen. Das kennzeichnet eben den„machtgierigen" Mann, der auch schnell bereit ist, den zirka 10 Millionen erwerbstätigen Frauen in Deutschland alle Pflichten aufzuerlegen! Aber nur annähernd gleiche Rechte!— die müssen sie sich erkämpfen unter den er- schwerendsten Umständen. Daß es unter diesen„machtgierigen" Frauen auch solche gibt, die„purith"(Reinheit) des Jünglings vor der Ehe verlangen, das kann den Verfasser des„Tag"-Artikels gar arg entsetzen. Daß aber Frauen sich entsetzen könnten, wenn ihr Auserwählter vor der Ehe dem tiefsten Schmutz der Prostitution anheimfallen mutzte, wird wohl dem Herrn kaum verständlich sein; denn seine ganze Auffassung von Moral klingt wiederum verteufelt unethisch und unmoralisch. Die �Zumutung" an den Mann, die Mutter seines unehelichen Kindes zu heiraten, findet er zum mindesten„sehr bedenklich",— und zwar hauptsächlich vom Standpunkte der „Rassenverbesserung" aus betrachtet! Ob Mutter und Kind irgendwo als moralisch minderwertige Geschöpfe betrachtet, ein jammervolles Dasein führen das würde diesen Mann nicht alte- rieren; denn er geht auf die Suche nach einem„purity"-Weib als„Rassenzüchter". Angesichts solcher rückständigen Geisteshelden, die das Dichterwort„Ehret die Frauen" ummünzen in„Suchet das Zuchttier", die nur brutale Gewalt als Rückschlag zu entbieten vermögen in einer gewaltig großen und ernsten Entwickelungs- Periode, die die gesamte Menschheit auf eine höhere Kulturstufe zu heben verspricht, empfinden die Frauen immer mehr, daß sie geschlossen für ihren Aufstieg, für ihre politische und soziale Befrei- ung kämpfen müssen._ Die Frauen und die LandtagStvahl. Berlin steht am Vorabend eines WahlkampfeS. Die bürger- lichen Parteien im preußischen Landtage haben vier sozialdemo- kratische Mandate kassiert. Welche Gründe dabei herhalten mußten, und wie wenig stichhaltig diese Gründe waren, ist in aller Er- innerung. Man wollte die lästigen Sozialdemokraten, die so un- geschminkt die Wahrheit sagten, aus dem reaktionären Parlamente beseitigen. Das war der Grund; das Mittel wurde gesucht. Die Freisinnigen hofften dabei, die ihnen verloren gegangenen Mandate zurückzuerobern. Wir ziehen mit froher Zuversicht in den Wahlkampf, haben doch unsere Gegner noch besonders durch ihre Haltung bei der Reichsfinanzreform gezeigt, weß Geistes Kinder sie sind. Die Lasten, diel erneut dem arbeitenden Volke auferlegt worden sind, haben große Massen der indifferenten Bevölkerung zum Nachdenken gebracht. Vor allem sind die Frauen aufgerüttelt worden. Sie müssen aber auch bei diesem Wahlkampfe ihre ganze Macht auf- bieten, um die uns Fernstehenden für die Sozialdenwkratie zu gewinnen. Die Frauen müssen sich wöhl oder übel vorläufig noch damit abfinden, daß sie als minderwertig im Staate betrachtet werden; sie trösten sich auf Zeit in dem Bewußtsein, daß sie auch ohne die öffentliche Anerkennung gewichtigen Einfluß ausüben können. Die Wirtschaftspolitik des Preußen-Deutschland-Junker- staats mutz aber auch den stumpfsinnigsten Frauen die Augen öffnen. Alle die Frauen, die durch die unausgesetzte Plünderung ihres mageren Geldbeutels aufgestachelt wurden, müssen nun über- all dort, wo sich die Gelegenheit dazu bietet, gegen die Wucher« Politik aufhetzen. Der letzte große Raubzug muß das Maß der Erbitterung gegen die Volksbedrücker zum Ueberlaüfen bringen. Die Berliner Frauen werden bei dieser Wahl ihre wirtschaftliche Macht in den Dienst des Kampfes gegen die Volksfeinde stellen. Sie werden sich, durch die Erfahrung gewitzigt, nicht mehr durch leere Versprechungen einfangen lassen, sie werden dafür sorgen, daß die Männer nicht als Angstmeier und Liebediener wählen, sondern als pflichtbewußte Familienhäupter, die für sich und ihrer Angehörigen Wohl ihre Stimme abgeben. Die Frauen müssen ihre ganze Ueberredungskunst aufbieten, um überall agitatorisch für die Sozialdemokratie zu wirken. Schon verschiedentlich haben unsere Gegner die Macht der Genossinnen kennen und sürchten gelernt. Jetzt muß es ihnen besonders leicht sein, den Klassen- genossinnen Aufllärung zu bringen. Die Steuerschraube, der Lebensmittelwucher gibt ihnen die beste rLelegenheit, zu zeigen, daß nur die Sozialdemokratie allein die Interessen des arbeiten- den Volkes vertritt. Und nicht nur unter den Klassengenossinnen wird eifrige Agitationsarbeit der Frauen gute Früchte tragen, auch anderen Kreisen des deutschen Volkes ist die neue deutsche Wirtschaftspolitik eine Zuchtrute. Die Beamten, der kleine Mittel- stand spüren ebenfalls die ausplündernde Tendenz der neuen Finanzreform. Die reaktionären„Volksvertreter" sollen keinen Segen davon haben, daß sie die Frauen als Staatsbürger zweiter Klasse behandeln. Dieser Wahlkampf muß zeigen, daß trotz der Unterdrückung der Frau diese auch ohne Wahlrecht mit in den Kampf zieht. Unser Wahlkampf richtet sich hier in der Hauptsache gegen die verblockten Freisinnigen, die durch ihre Verbrüderung mit den Konservativen das politische Verbrechen begangen haben, den Machthunger der Lebensmittelwucherer zu reizen und den � Raubzug zu unterstützen. Die Früchte solcher politischen Ver- sündigung sollen sie jetzt ernten. Die kommende Landtagswahl mutz ein Volksgerichtstag sein; es mutz gründliche Abrechnung gehalten werden. Genossinnen, sorgt mit für Zerschmetterung des grundsatzlosen, verräterischen Freisinns! Leseabende. Reinickendorf-West. Freitag, den 20. August, 8 Uhr. im Lokal von H. Schulz, Scharnweberstraße 22. Versammlungen. Verband der Friseurgehilfen, Zweigverein Berlin. Die letzte Generalversammlung ehrt« zunächst das Andenken des verstorbenen Kollegen Alfred Bath in der üblichen Weise. Es wurde sodann ein Antrag angenommen, den schwedischen Arbeitern sofort 160 M. zu bewilligen sowie einen einmaligen Extrabeitrag pro Mitglied von 26 Pf. zu erheben. Den Halbjahresbericht des Vorstandes sowie des Nachweises erstattete Liere. Im ersten Halbjahr waren 1048 arbeitslose Kollegen vorhanden. Vermittelt wurden L10 feste Stellen und 3767 Aushilfen. Die Einnahme betrug inklusive Kassenbcstandcs von 1794,96 M. 8334.46 M. Die Ausgabe 6666,47 Mark, so daß ein Bestand von 2667,99 M. verbleibt. Die Mit- gliederzahl stieg im letzten Halbjahr von 608 auf 642. Unter Hinweis aus das am 29. d. M. zur Feier des 20jShrigen Bestehens des Verbandes stattfindende gemütliche Beisammensein im Ver- einshause wurde die Versammlung geschlossen. Die Bemerkung deS Genossen Heine gegen meine Ausführungen in der Generalversammlung des eisten Kreises sollen den Anschein erwecken, als hätte ich etwas Unrichtiges gesagt. Ich kann infolge Meinungsdifferenzen mit der Redaktion leider erst heute darauf antworten. Wenn Genosse Heine einen ganzen Artikel im„März" hindurch den Gedanken verficht, Liberalismus und Sozialdemokratie müßten alte, liebgewordene taktische Gewohnheiten aufgeben, so heißt das doch, deren Taktik taugt nichts und muß geändert werden. Setzt er dagegen die Politik der Zentrumspartei und sagt von ihr:„So schlecht sie ist, so geschickt ist sie gemacht," dann kann logisch in meiner Polemik nur das Lob gemeint sein, das im zweiten Teil dieses Satzes liegt. Ich kritisierte die Ansicht, daß man glaubt, politisch geschulte Massen ebenso als Schachfiguren benutzen zu können, wie es das Zentrum mit seinen Anhängern tut.— Guttmann. Letzte JVaebnebten und Depefeben. An Fischvergiftung erkrankte gestern abend das in der Wrangelstraße 104 wohnhafte Ehepaar Eisenberge r. Die Frau hatte am Nachmittag in einer Markthalle Lachs gekauft, nach dessen Genuß die beiden Leute schwer erkrankten. Mehrere sofort herbeigerufene Aerzte konstatierten Vergiftung durch den Genuß des Fisches. Die Kretafrage. Köln, 17. August.(W. T. B.) Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Konstantinopel telegraphiert: Zwei Admirale und 29 Offi- ziere sind mit einem Transport Munition, Torpedos und sonstiges Material zur Flotte abgegangen. Wie Persönlichkeiten aus den leitenden Kreisen erklären, wird da? türkische Geschwader kräftig vorgehen, wenn die Echutzmächte nicht schnell Kreta zwingen» den Status quo ante wieder herzustellen und die ottomanische Souverä» nität anzuerkennen. Die Vertreter der Mächte setzen ihre ver» mittelnde Tätigkeit fort, aber an maßgebender türkischer Stelle erklärt man, man erwarte Handlungen statt der Worte. Infolge» dessen herrscht jetzt im diplomatischen Korps die pessimistische Auf- fassung vor. � Flickarbeiten. Wien, 17. August.(W. T. B.) In der heutigen Konferenz der Parteiführer des Abgeordnetenhauses sprachen sich sämtliche Redner für die Wiederherstellung der Ar- beitsfähigkeit des Parlaments und die Einberufung des Reichs- rate? im Herbste aus. Die Vertteter der slawischen Union er- klärten, daß sie keinen Beschluß gefaßt hätten, in der nächsten Session des Reichsrates Obsttuktion zu treiben. Sie müßten sich aber ihre oppositionelle Taktik für die Zeit nach der Einberufung deS Reichsrates vorbehalten. Schließlich wurde einem Antrag Steinwender zugestimmt, wonach GlombinSki ermächtigt wird, mit der Regierung und den Parteien zur Sicherung der Arbeits- fähigkeit des Hauses Verhandlungen anzuknüpfen. Beendigung des Belagerungszustandes. Barcelona, 17. August.(W. T. B.) Der Belagerungszustand ist heute aufgehoben worden._ Kein Mord. Breslau, 17. August.(W. T. B.) Die Sektion der Leiche deS im Breslauer Stadtgraben aufgefundenen Schutzmanns Ludwig ergab keine äußeren Spuren einer Gewalttat; man nimmt als» Selbstmord an._ Unwetter. New Aork, 17. August.(W. T. B.) Ein heftiger Orkan hat in den Südstaaten gewütet und namentlich in Georgia verschiedene Städte von allem Verkehr abgeschnitten._ Verantw, Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil vergntw.: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, VerlagSanjtall Paul Singer Sc Co., Berlin L W. Hierzu 2 Beilagen».Uaterhallunasbl. it. 19!. 26. 1 Kkilize des Joimärts" Krliim HolMIntt. Witw-ih.t8.z«M?««9. Für den lchivediicheo Gtneralftreili. Bei der Berliner Gewerischaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Listen 1823, 2i, 25, 26, 27 Typograph, Melallarbeiter 180,05. 2887 Kollegen Zimmermann u. Buchloh 7,90. 3011 Metallarbeiter 27,50. Bäckerciarbeiter v. Vonnoh, Rixd., 1. Rate 3,—. Rote Handlungsgeh. v. Arndt u. Lipp- mann 5.—. 3015 d. Gassen, Metallarb. 9,60. 3019 Kall. d. Schlosserkasse 7,50. Edgar Nathan 2.—. 4373 Kollegen d. Firma Gensichen Holz A. 9,45. Weihrich 9,20. Tischlerei G. Olm, 2. Rate, Fil. Dresden 6,05. Ver« gnügungssonds d. Sattler u. Portejeuillcr 50,—. Statt getrunkenen Viertels, Gesangv. Borax, M. d. A.-S.-B. 10,—. Streyzcck—,50. 3050 Ortskasse d. Maschinenbauer 12,—. 3051 Ludw. Löwe 7,90. Kollegen v. Nagel 12,50. Laubenkolonie Busch Johannisthal 6,55. Kolonie Vergnügte Armut, Ernte- scst Grünau 16,70. Genosse Kolbermoor 2,—. 1522 Buchdruckerei G. Eichler 11,—. 3378 Kollegen v. Gladenbeck u. Sohn 11,—. Kollegen v. Kaiser u. Schmidt 13,85. 3382 Dr. H. Braun 20,—. 451 Kollegen ti. Mchdorj u Sohn(Kolonial Trps. II) 8,50. 3383 Metallarb. v. Lautcnschläger 51,—. 3574 Rauchklub Grüne Eiche 7,45. 1081 Bäcker u. Konditoren, Siemens- straste 7 7,50. 3384—3393 von Kollegen d. Dcimler-Werks(Metallarb.) 217,30. 3394 Allg. Omnib.-Gesellschast. Depot 7 38,35. 3402 Metall- arbeiter v. Löwenstein 22,85. 108. Bez., II. Kr. 10,—. Patienten der Heilstätte Heinersdors bei Teltow 5,55. Bäckereiarbeiter der Wilhelms 6,30. Plüschwcber von Elsbach, Görlitzer Straße 17,20. Baullcnipner der Firma Uhrmann 4,—. Tischlerei Jul. Mehner 18,15. 318, 321, 333, 337, 338, 349, 352, 353, 354, 358, 360, 36l, 6256 von Buch- bindern Berlins 163,75. 46 von Maurern Bau Halensce 10,65. Siebig- straße 7 1,60. Möbelpolierer von H. Köhlert 6,—. Karl Graßmann, Tischler 1.50. Hiljsarbeiter der Reichsdruckcrei 100,—. Handtuchsahrcr der Firma R. Bach, 1. Rate 11,50. Arb. d. Musikplattcnwerke Rigrolit, Weißensee 13,—. Maurer d. Schöncberger Krankenhauses 18,95. Tischlerei Kimbcl u. Friedrichsen 24,05. Kollegen Dünnhölter u. Schöltze 10,55. Bez. 205 Th. I, 4. Kr. 10,—. Bnchdruckerei Röntge u. Gronwald 8,75. Doppelter Lohn sämtlicher Ar- beiter der Neuen Berliner KcnossenschastSbäckerei Reinickcndors vom 1. Mai 174,—. Maler d. Firma Swantcs Bau Helmholtzstr. 9,45. Tischler der Firma Kirsch 3,50. 2897 Kollegen d. Alcxanderwerke(Metall) 27,45. Mon- icure d. Firma Völle! 3,15. 1562 Buchdruckerci Nagel 12.-. 2898 Metall. arbeiter Schwintzer u. Gräsf 15,85. Metallarbeiter von K'eusbcrg u. Ulbrich 9,70. 1517 Stuttgarter Union-Buchdruckcrei 13,—. 4385 Möbelfabrik Genossenschast Hoffnung 13,75. 4399 Tischlerei Alb. Koch 14,50. 6483 Bildhauer von Professor Taubert 3,50. Zuckersack Salzuser(Metall) 2,50. 5499 Metallarbeiter d. Firma H. Boas 23,75. Kollegen d. Stuhlsabrik Mendelsohn 8,50. Metallarbeiter d. Vnlkanwerkc 16,85. Küchcnmöbelmaler Rcimann Cie. 6,—. 6491 10,50. Tischlerei Schmidt, Fruchtstraße 7,50. 6426 Korbmacher v. Franke 112,25. Tischler v. Bartz 9,65. Bez. 170 4. Kr. 11,50. Lamprecht, Palisadenstratze 3,—. Parkettleger Christoph Becker u. Söhne 20,55. 1525 Buchdruckerei Simeon 16,45. Hilfsarbeiter Ullstein u. Co. 15,85. Stammgäste v. A. Zänker 4,15. 1579 Buchdrucker bei Lieb- hcit u. Thießen 8,—. 4355 Tischlerei Blankenburg u. Schnabel 17,95. Bilder- rahmenmacher b. Brückner Nachs. 2,50. Tischler b. Lochoiv, Hering u. Co. 11,—. Bautischler bei Sponer, Steglitz 10,—, 50500 Organisierte Schlosser bei Lehmann. 15. Abt. 3,10. 2916 Tischler bei Krause. Kuriller u. Co. 14,05. Tischler bei Schnell u. Co. 6.25. 4859 Töpfer Bau Ncumann, Pankow II,—. 2923—2930, 2932, 2933 Nähmaschinensabrik vorm. Frister». Roß- mann 86,30. LuxuSpapiersabrik KreslanoSki u. Co., 2. Rate 11,55. Tischler v. Modrow 10,35. 1566 Personal von Arendts Verlag 17,25. 4374 Bau- tischlerci E. Mittag 31,65. Möbelsabrik E. Phönix 10,—. 6950 Bauklempner d. Firma Geister 18,50. 4383 Kolleg, d. Firma Gebr. Röhlich 12,65. 5471 Metallarbeiter Siegsr. Weinbaum 10,—. 28 Bauarbeiter Ritterstr. 50 8,70. 2952 Metallarbeiter von Bischoff 11,30. Tischlerei A. G. Schneider 40,—. 6304 Bodenleger der Firma Scholz 13,50. Tischlerei Schulz u. Hintzsche 7,05. 5101 u. 5103 Metallarbeiter der Firma Gers 24,35. Küchenmöbclsabrik I. Kinne 13,55. 2592 Buchdruckerei G. Witze! 12,—. 6305 5,75. 4345 Gummiarbeitcr der Firma Müller A-G. 6,45. Schneider von I. Krebs 8,—. 1496 u. 1497 Rcichsdruckerei 15,05. 1498 Setzer der Rcichsd, uckerei 20,—, 2955 Metallarbeiter von Weber u. Co. 36,55. Bautischlcrei von Mausols 13 80. 3811 Metallarbeiter der Mctallwerke s. Beleuchtung 20.—. 4305 u. 4306 Tischlerei Harris u. Sheldon 36.—. 1478 Buchdrucker Deutsche Warte 13.75. 5463 Karbone Lichtgescllschast Weißensee 22,35. Bez. 416 I. T. und Anstreicher Tegel 12,75. Möbelpolierer von Phiwert 6,50. 1546 Buchdrucker v. A. W. Schabe 14,60. Wagner u. Dünnebeil 8,85. Mctalldrücker Girst u. Co. 7,45. Fritz Dietrich 2.—. Arbeiter der Firma Domschcit u. Papesch 5,20. Korbmacher v. Heinemann 3—, 1834 Werk- statt Siemens u. Halske, Treptow 14,20. 4324 Bautischlerei Kuhnert u. Kühne 26,55. 1781, 1782, 83. 84 u. 35 Metallarbeiter v. Gebert 97,15. Lichtenberg, Bez. 4 5,—. 38 Neubau Krankenhaus Schöneberg, RubenSstr. >3,15. 3403 Kollegen E. F. Heubach 35,25. 3415 Kollegen der Firma Frost 51,75. 3420 Von Werlstatt O. R. Nietsch 11,50. 3425 Firma Lau u Co. 6,90. 3429 Pankc Nachs. 10,50. Fraucn-Leseabend, Abt. 15 21,30. 3493 Kollegen v. Ahrend«. Co. 12,65. Schneider der Firma Torkler u. Sohn 30,—. 219 Schneider v. Klatt 8,30. 220 Stückwerkstatt Machol u Lcvy 10,50. 221 Schneider v. Heidcndors u. Baron 12,25. 223 Krienke 9,85. 234 Schneider von Trunz u. Boß 20,25. ■�37 o, b. Böttscher, 7. Abt. 5 Kr. 35,25. 241 Schneider v. Sammler Kleines Feuilleton. Wieviel Hitze kann der Mensch vertragen? Plagt uns HundstagS- Hitze, so liegt ein gewisser Trost in der Borstellung, daß die Be- wohner anderer Länder noch größere Hitze ertragen müssen. In Afrika, dem wärmsten aller Erdteile, gehören Temperaturen von 50 Grad CelsiuS nicht zu den Seltenheiten, und Livingstone war schon sehr vergnügt, als er an den Ufern de? Zmnbesi im Januar zur Mittagszeit, nachdem das Thennometer bei Sonnenaufgang mit 30 Grad Celsius eingesetzt hatte, im kühlsten Schatten nur 37,7 Grad Celsius auszuhallen hatte. Im Sommer 1845 betrug in Mittel- australien nach den Angaben Stuarts die Wärme der Luft täglich im Maximum 44,4 bis 46,6 Grad Celsius im Schatten und 60 bis 65 4 Grad Celsius in der Sonne. An einein Tage wurden unter 30 Grad 50 Minuten südlicher Breite und 141 Grad 18 Minuten östlicher Länge nachmittags 3 Uhr 15 Minuten sogar 55 Grad CelsiuS im Schatten und 67.8 Grad CelsiuS in der Sonne gemessen. Im Himalaya zeigte das Thermometer im Dezember 9 Uhr morgens bei einer Höhe von 10000 Fuß in der Sonne 55,5 Grad Celsius, während die Temperatur des auf dem Boden liegenden Schnees — 5.6 Grad CelsiuS betrug. Aehnliche Beobachtungen sind in den Schnecrcgionen der Alpen gemacht worden. Im Seeverkehr sind am meisten das Rote Meer und der Persische Golf gefürchtet. Unter Deck der Dampfer herrschen hier trotz der vorzüglichsten Ventilatoren Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad Celsius, wobei die Heizer vor den Kesselfeuern unentwegt ihren Dienst verrichten müssen, und zwar auf deutschen Kriegsschiffen jeder täglich zweimal vier Stunden. Tatsächlich' vermag der Mensch weit höhere Hitzegrade zu er- tragen, als gemeinhin angenommen tvird. Es ist erwiesen, daß der nienschliche Körper, wenn er vor Berührung mit guten Leitern ge- schützt wird, ohne irgendwelche üble Folgen die Hitze eines Raumes auszuhalten vermag, die genügend ist. um ein Beefsteak zu braten. Sehr bezeichnend sind die darauf bezüglichen Versuche der Engländer Blagdsn und Chantrey. Beide Gelehrte krochen in einen Backofen, dessen Hitze allmählich gesteigert wurde. Sie be- wiesen, daß ein lebendes Wesen von gefestigter Gesundheit eine Temperatur aushalten kann, die noch beträchtlich höher als der Siedepunkt des Wassers ist. Man sollte annehmen, daß die enorme Hitze das Körpergcwebe der beiden gänzlich zerstört habe. Aber die Sache liegt— wie Thndall treffend hervorhebt— wesentlich anders: die Wärme erhöhte nicht die Temperatur des menschlichen Körpers. sondern änderte lediglich den Aggregatzustand innerhalb seiner Be- standteile; sie trieb daS Wasser des Körpers energisch durch die Poren der Haut und verwandelte es hier in Dampf. Dadurch lvurde die Wärme verbraucht und in Arbeit verwandelt. Aus diese Weise wurde der Ueberfluß an Wärme aus dem Körper entfernt, ohne ihn zu schädigen. Ganz derselbe Prozeß spielt sich beim Nehmen eine? russischen Dampfbades ab. Genug, wir sind hm- reichend befähigt, die Hitze der Hundstage anstandslos zu ertragen. Ozeaurrife« im Lustschiff. In der ganzen Welt verfolgt man mtt aufmerksamem Interesse die Erfolge und Fortschritte, die der u. Hapek 10,70, 259 Schneider v. S. Adam 15,—. 268 Schneider vom Jockcy-Klub 23,90. 281 Schneider v. Biester 1,80. 284 Schneider von G. Schwarz 20,05. 291 Schneider v, Hcrpich Söhne 13,35. Schneider der Firma öorwitz u. Co. 20,—. Militärschncider v. I. Kühne 6,—. Schneider v. L. Elsbach 2,65. Bez. 566 Abt. 13 6, Kr. 9,40. Firma F. W. Müller 21,50. 3551 Maschinenfabrik v, Fischer 20,85. 3553 Kollegen von Raschig 7,10, Gebr. Wulff 13,25. 3616 Firma Schwarzlose 49,70. 3618 Aron 33,05, 3623 Kollegen v, Sielaff 33,65. 3684 Wunbcrg 10,50. 3683 Elektromotor 12,60. 3707 Gasmeffersabrik Vesta 15,73. Ocffentliche Versammlung der Laternenwärter Berlins 23,60, 3745 Firma Hcnninger 20,35. 3763 Metallarbeiter v, Pohl u. Hellwig 7,80. 3764 Firma Lüdke u. Zander 8,50, 3765 Metallarbeiter v, L. Stern 9,35. 3766 Kollegen b, SchAke 10,50. 3794 Kollegen v. Schiein u. Stcphani 6,80. 3839 Kollegen v, Grüdow, Blank u. Co. 10,30. 3419 Metallarbeiter d, Firnia Thom 9,90, Z. P. 10,—. R. Meyer, Friedenau, Einsetzer der Firma Wcgencr, Wilmersdorf 35,—. Verband des technischen Bühnenpersonals 100,—. Vom Arbeiter-Raucher- bund Berlin u, Umgegend, 3, Rate 100,—. Vom 419. Bezirk, 5. Kreis, 1. Abt. 20,03. Wahlkreis Merseburg, Oucrsurtb, Distrikt Schkeuditz d. Gerisch 50,—. Rauchklub Mchrdamps 20,—. Zweihmidertjährigc Jubiläumsseicr d, Glashütte Fricdrichsthal 7,80, Kollegen der Bautischlern Ziaetz 9,05. Zahlstelle der Porzcllanarbciter Spandau 15,—. Zwei Hallenser Studenten 5—. Hilfsarbeiter d.„Deutsch, Tageszeitung-, 2. Rate 7,05. Rs,, Rummelsburg 5,—. Setzmaschinenabtcilung Luchdruckerei Genter u. Nicolas 4,—. Steglitzer Buch- und Kunstdruckerei 13,25, Kernmacher der Firma Hugo tartung 13,—. Metallarbeiter der Kontinentalen Brcms-Gesellschast anlwitz 20,—. Arbeiter der AdlerShoser Schuhfabrik 3,—. Fabrikarbeiter- verband Glückstadt 50,—. Zusammen 3772,55. Bisher eingeliefert 17861,18 M.; dazu kommen 3772,55 M., zusammen 21 633,73 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags 9— I2V2 und nachmittags von 4—7�/, Uhr abzuliefern. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Killflpliriei'te Abwälzung der Mritener. Nun haben auch die bürgerlichen Gastwirteorganisationen den Bierboykott gegen die Lagerbierbranercien angekündigt, die be- schloffen haben, den Hcktoliterpreis um 3,50 M. zu erhöhen. In einer am Montag in den Germaniasälen abgehaltenen Versamm� lung, einberufen vom Verband der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg, gelangte diese Resolution zur Annahme: „Die im Montag, 16. d. M., in den Germaniasälcn ver- sammelten Delegierten und Mitglieder des aus 35 Vereinen bestehenden Verbandes der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg(E. V.) erklären sich mit den Ver- einbarungen, welche der Vorstand mit den obergärigen Brauereien getroffen hat, einverstanden und solidarisch. Die Versammlung erklärt, daß das Gastwirtsgewerbe eine weitere Belastung nicht mehr tragen kann, und daß auch in Rück- sicht auf die anderen Belastungen, die ihm auferlegt sind, eine Abwälzung durch Erhöhung der Verkaufspreise vorgenommen werden muß. Die Versammlung protestiert jedoch entschieden gegen das Verfahren des Vereins der Brauereien Berlins und der Um- gegend, und erklärt die von diesem Verein geplante Erhöhung des Hektolitcrpreises um 3,50 M. ablehnen zu müssen. Da die Brausteuererhöhung pro Hektoliter nicht mehr als 2,50 M. be- trägt, so erklären die Versammelten, die Geschäftsverbindungen mit denjenigen Mitgliedern des Vereins der Brauereien Ber- lins und Umgegend abzubrechen, die einen höheren Aufschlag als diesen Betrag verlangen. Gleichzeitig wird der Beschlutz vom Juli 1906, betreffend die Weitzbierbrauereien, aufgehoben, so daß die Vertragsbrauereien zur Lieferung zugelassen sind." In dieser Resolution wird nicht gesagt, ob wegen der Er- höhung des Hektoliterpreises um 3,50 M. der Boykott geführt werden soll, oder nur darum, weil die Brauereien sich weigern, den Wirten einen Mindestverkaufspreis borzuschreiben. Die Be- schlutzfassung enthält vielmehr die unbedingte Ablehnung der Preiserhöhung von 3,50 M. und die Erklärung, daß man nur 2,50 M. zahlen wolle, als den durch die Steuererhöhung bedingten Betrag. Dazu möchten wir nebenbei bemerken, daß die Rechnung Kampf um die Eroberung der Lüfte in den letzten Jahren gebracht hat, aber in keinem Lande ist diese Anteilnahme so allgemein und mit so großer Spannung durchtränkt wie in England. Seit einigen Monaten erscheint fast keine englische Zeitschrift. fast kein englisches Blatt mehr, die nicht umfassende Artikel über die Luftschiffahrt enthalten. Rundfragen werden veranstaltet, technische und militärische Autoritäten befragt.»Frys Magazine" hat alle bekannten Luflschiffer gefragt, ob sie an die Möglich- keit der Ueberquerung des Atlantischen Ozeans auf dem Luftwege glauben, und mit Ausnahme einer Stimme haben alle die Frage bejaht. Sir Hiram Maxim ist überzeugt, daß binnen kurzem Motoren konstruiert sein werden, die nicht die Hälfte der durch die Verbrennung erzeugten Energie verlieren und Kapitän Weridham glaubt, daß das Neberfliegen des Ozeans binnen kurzem eine Selbstverständlichkeit sein wird. Dabei sind diese Fodjklite jedoch der Meinung, daß die Flngmaschine im öffentlichen Leben niemals eine so breite Rolle spielen wird wie etwa das Fahrrad, da das Publikum die Gefahr des Fluges scheut. Percival Spencer dagegen vertritt die An- schannng, daß der Flugmaschinenflug in wenigen Jahren nicht mehr Gefahr bieten wird als daS Automobil, und er sieht die Zeit vor- aus, da das Aeroplan Dampfschiffe und Eisenbahn verdrängen wird. Die größte Schwierigkeit bei einem längeren Ozeanflug, ist die Mitführung ausreichenden Feuerungsmatcrials. Delagrange schlägt vor, in der Mitte des Atlantischen Ozeans ein riesiges Schiff zu verankern, das den Flugmaschinen Brennmaterial geben soll. Auch bei der vervollkommneten Flugmaschine wird Windrichtung und Windstärke eine wesentliche Rolle für die Dauer der Fahrt spielen 1 trotzdem ist Spencer der Ansicht, daß das Ucberfliegcn des Atlantischen Ozeans in rund 75 Stunden sich bewerkstelligen lassen würde. Den Skeptikern hält Sir Hiram Maxim entgegen, daß bei der Erfindung des Dampfschiffes englische Mathematiker schlagend„bewiesen", daß die Dampfer niemals den Atlantischen Ozean überwinden würden, da sie nicht imstande wären, das nötige Heizungsmaterial mitzuführen. Bei der Flugmaschine werde vor- aussichtlich durch die Wirklichkeit die Skepsis in gleicher Weise wider- legt werden. Freilich ist dabei die verschiedene Dichtigkeit von Wasser und Luft zu beachten, die sich wie 800: 1 verhält, so daß die Flugmaschine wohl nie schwerere Lasten befördern können wird. Mr. Butler prophezeit, daß alle, die heute nicht über dreißig Jahre alt sind, die Errichtung eines regelmäßigen FlugntaschinendiensteS zwischen Europa und Amerika noch erleben werden. Theater. Münchener Theater. Im Künstlertheater hat Max Reinhardt mit Heb b eis„Fudit h" einen neuen Sieg er- rungen.„Judith", das Hebbel einst nach einein Bilde in der Alten Pinakothek konzipierte,„Judith", das als„psychologische Studie über den Unterschied zwischen echtem Handeln und bloßem Sichselbst- herausfordern"— wie Hebbel selbst im Vorwort sagt— die Phantasiebühne ohne Dekorationsprunk nur mit verinnerlichtem Heraus- arbeiten des Dramas geradezu vorausahnt. Julius Diez indessen. der die kostümliche und malerische Inszenierung besorgte, hielt sich zu wenig hinter dem Dichter zurück und schuf eine Reihe nicht stimmt: mit 2,50 M. ist die erhöhte Steuer sehr reichlich ge- deckt. Damit die Resolution nicht irreführen kann, sei ausdrück- lich konstatiert, daß der Verbandspräsident die Resolution begrün- dete als Antwort auf den Beschlutz der Brauer, keine Mindest- preise vorzuschreiben. Das Ultimatum der Wirte lautet demnach: Entweder die Brauereien schreiben bei 3,50 M. Aufschlag Mindest- Verkaufspreise vor, oder wir zahlen nur 2,50 M.l Die Wirte wollen den Brauern höhere Preise bewilligen, wenn diese ihnen die Garantie geben, daß sie mit Sicherheit auch wieder multi» pliziert abwälzen können, so daß die Konsumenten bielleicht 7 M. Aufschlag zahlen müssen. Und die Arbeiter sollen helfen, die Vor- schrift der Mindestpreise zu erzwingen, das heißt, sich selbst zu schädigen. Die Stellung der Wirte ist taktisch so ungeschickt wie mir möglich: sie machen sich selbst zum Puffer, auf den die ent- gegenstehenden Interessen des Braukapitals und der Konsumenten aufprallen. Nehmen sie Schaden dabei, müssen sie sich das selbst zuschreibeni ••• I n Lübeck wollten die Brauereien vom 15. August ab den Hektoliter um 4 M. erhöhen, während die Wirte eine Erhöhung um„nur" 12Va M. vornehmen wollten. Die Wirte, die diese Preis- erhöhung nicht mitmachen wollten, sollten mit BierlieferungS- entziehnng bestraft werden. In Wirtekreisen erregte daS große Mißstimmung: das ist erklärlich, denn die Hauptmachenn war die Vcreinsbrauerei, die vor 114 Jahren gegründet worden ist, um der Biervertcuerung der übrigen Brauereien entgegen zu wirken. Auf Grund ihres jetzigen Umfalles kündigten zahlreiche Wirte die Kundschaft. Das veranlaßte die Verwaltung, von der Verein- barung zurückzutreten, so daß vorläufig überhaupt kein Aufschlag zu zahlen ist. Ohne die Vereinsbrauerci können und wollen auch die übrigen im Ring vereinigten Brauereien an dem Abkommen mit den Wirten nicht festhalten. .» Folgendes Schreiben ist uns zugegangen: ,An die Redaktion des.Vorwärts",. !'t1 Berlin. ~' In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattet veröffentlichen Sie, daß der von den Weitzbierbrauereien in Aussicht ge- nommene Preisaufschlag mindestens 5 M. pro Hektoliter aus- mache, und daß diese Verteuerung von 5 Pf. pro Liter nicht gerechtfertigt sei. Wir erlauben uns hierzu höflichst zu bemerken, daß der Preisaufschlag der Berliner Weitzbierbrauereien nur 3 M. pro Hektoliter beträgt, das heißt von 10 M. auf 13 M. Dieser Auf- schlag ist jedoch im Verhältnis zu den erheblichen Verteuerungen, die gerade die Weitzbierbrauereien betroffen haben, nicht zu hoch. Nach den Aufstellungen von drei verschiedenen Wiengesell- schaften, einer größeren, einer mittleren und einer kleineren, beträgt die Erhöhung der Unkosten seit 1901 pro Hektoliter 4,67, 4,85 und 4,90 M. Mithin deckt die jetzige Preiserhöhung von 3 M. pro Hektoliter, zusammen mit der Preiserhöhung von 1 M. im Jahre 1906, noch nicht die tatsächlich erfolgten Produktions- Verteuerungen. Um ein richtiges Bild zu haben, muß man die Steuererhöhung vom Jahre 1906 und die dieses Jahres zusammen addieren. Selbst bei der mittleren Brauerei, die also noch den größten Teil ihrer Verschrotung durch die niedrigen Staffeln laufen läßt, beträgt die Steuer 2,49 M. pro Hektoliter, gegen die frühere vor 1906: 0,66 M., mithin mehr 1,83 M.z hierzu kommen noch die durch die Handelsverträge und die Zollpolitik des Reiches ge- stiegenen Preise für Weizenmalz, welche pro Hektoliter Bier 1,72 M. mehr ausmachen, so daß die nur durch die Gesetzgebung erfolgte Erhöhung 3,55 M. beträgt, während noch die ander- weitigen Erhöhungen durch die gestiegenen Kohlen- und Hafer- preise usw. pro Hektoliter sich auf 1,30 M. stellen; in Summa 4.85 M. Daß aber auch der Gastwirt mit der Erhöhung von 13 Pf. für die kleine Weiße keine unbillige Erhöhung vornimmt, soll folgende Berechnung klarmachen: Vor dem Jahre 1906 erhielt der Gastwirt Vi Tonne Weißbier= 80 Liter für 7 M., zu welcher er zirka 20 Liter Wasser zufügte. Heute zahlt er für 100 Liter, da das Verbot des Wasser- zusatzes streng innegehalten werden muß. 13 M.. das ist pro Liter 6 Pf. mehr. Er erzielt, bei 3 Pf. Aufschlag für die kleine orientalischer Prunkszenen, deren Studium das Auge stark fesselte. aber eben vom Dichterwort abzog. Reinhardts, des denkenden Dramaturgen, großes Verdienst ist es. den Kothurn der biblischen Tragödie verlassen zu haben. Er führte«Judith" als moderne» psychologisches Drama durch. Auch W egener als Holofernes und Tilla Durieux als Judith spielten realistisch-modern. Die räumliche Notdurft der Ncliefbühne machte sich im fünften Alt wieder sehr störend geltend. m. Humor und Satire. Der Ausweg.«Ober, wie halten Sie'S denn nur hier mit die neuen Stenern?" „Ja, wissen Sie, wenn wir für den alten Preis ein Zehntel weniger geben, dann schimpft der eine Teil des Publikums. Und wenn wir für das alte Ouantum einen Sechser mehr nehmen, dann schimpft der andere Teil." „Na also-?" „Na also: Nehmen wir für ein Zehntel weniger einen Sechser mehr." A u s A r i z 0 n a. Auf einer Redaktion findet sich ein sehr er- regier Herr ein, der dem emsig arbeitenden Volontär zuschreit:„Wo ist der Chefredakteur? Der Mensch hat mich schwer beleidigt. Da- für werde ich ihm die Knochen entzweischlagen." Der Volontär schaute flüchtig auf und sagte:„Setzen Sie sich gefälligst einen Augenblick. ES sind drei Herren vor Ihnen, die in derselben Absicht gekommen sind. Sobald Sie den letzten aus dem linken Fenster ans die Straße fliegen sehen, kommt die Reihe an Sie." Sprach's und schrieb weiter. Der Besucher entfernte sich schweigend._ s.Lustige Blätter".) Notizen. — Das Lessing-Theater eröffnete am Montag seine Pforten mit Hermann B a h r s lustiger Burleske„Die gelbe Nachtigall". Die Persiflage auf das moderne Thcaterleben mit mehr oder weniger deutlichen Seitenhieben gehört ja noch halbwegs in die Kategorie der Sommcrstücke und war insofern besonders zeit- gemäß. Freilich konnte man mit um so mehr Genuß sich den prickelnden Einfällen und wirksamen Schlager» hingeben, als dieser Sommer uns bisher eine furchtbare Sammlung von Theaterschmarren gebracht hatte.(Wir haben unsere Leser zumeist mit der näheren Bekanntschaft verschont.) Der berühmte Bühnenhcld Lorm ist ja nicht ganz B a ss erm a nn s Fall. Aber trotzdem zieht er natür- lich doch. Ida W ü st spielt jetzt die japanische Nachtigall, frisch und lustig. Hinreißend gab wieder Reicher den Theaterdirektor Jascobsson.— r. — W i e's trifft. Die große Berliner Kunst-AuS- stellung hat alljährlich goldene Medaillen zu vergeben, die das Land bezahlt und der König von Preußen verleiht. Diesmal haben sie in zweierlei Abstufung erhalten: der Maler Ludwig Dettmann (Königsberg), der Berliner Architekt Ludwig Hofsmann, der Maler Franz E i ch h 0 r st(Charlottenbnrg), der Bildhauer Josef Wackerle(München) und der Maler Karl Langhammer(Berlin). Weiße, 7% Pf. pro Liter mchr. Da aber sich im Laufe Lex Zeit einbürgern wird, daß zwei kleine Weißen 25 Pf. kosten werden, so erhält er tatsächlich nur Pf. pro Liter mehr, das heißt % Pf. mehr, als er selbst bezahlen muß. Dieser äußerst geringe Mehrverdienst gegen früher, das ist pro kleine Weiße V« Pf., ist den Gastwirten wohl in Anbetracht, daß sie noch andere nicht abwälzbare Steuern übernehmen müssen, nicht übel zu deuten. Wir wären Ihnen für vorstehende Veröffentlichung in Ihrem werten Blatte sehr verbunden. Mit vorzüglicher Hochachtung Berliner Weißbierbrauerei Ed. Gebhardt, Aktiengesellschaft. Ed. Gebhardt." Wir wollen hierzu nur bemerken, daß die Berichtigung insofern daneben haut, alZ wir den direkten Aufschlag nicht mit 5 M, sondern mit L M. angegeben haben. Daß die Wirte bei dem Aufschlag zu viel schlucken, haben wir nirgends behauptet; wir wundern uns vielmehr darüber, daß die Wirte den Ausschlag der Brauer akzeptieren, woraus nicht für die Konsumenten oie Pflicht resultiert, dazu ebenfalls„ja" und„Amen" sagen zu müssen. Wie die Firma übrigens selbst angibt, müssen die Wirte jetzt K Mark mehr zahlen, als vor 1906. DaS ist eine Verteuerung, die nicht gerechtfertigt werden kann. Hus der partei* Eine sozialdemokratische Mehrheit. In Buk ach(Baden) hat die Sozialdemokratie vor einigen Tagen einen glänzenden Wahlsieg bei den Gemeinde ratSwahlen d r i t t e r K l a s s e erfochten. Jetzt hat auch in der zweiten Klasse die sozialdemokratische Liste gesiegt. In der ersten Klasse siegte eine Oppositionsliste, die auch von den Sozial- demokraten unterstützt wurde. DaS Proletariat hat die Vertreter der dritten und zweiten Wählerklasse und damit die Majorität im Gemeinderat. Das Zentrum, das früher die erste und zweite Klasse besaß, ist aus allen Klassen herausgeworfen und brachte es nur auf insgesamt SO Stimmen._ Wnhlkreiskonferenzett. Die Kreiskonferenz für PotSdam-Osthaöelland tagte am Sonntag in Nauen. AuS dem Bericht des Vorstandes, den Genosse Paris-Velten gab, ist hervorzuheben: Der„Märkische Landbote" wurde in 13690 Exemplaren im Kreise verteilt, außer- dem zwei verschiedene Flugblätter in 50 000 Exemplaren und 2000 Broschüren. Eine vom Genossen L e i d n e r- Falkenhagen bear- beitete Statistik der Reichstags- und Landtags- wählen wurden in 300 Exemplaren verteilt. Gegenwärtig sind im Kreise 16 sozialdemokratische Gemeindevertreter. In zwei Orten sind uns im Geschäftsjahre die Säle abgetrieben worden. Die Zahl der Abonnenten sowohl der„Brandenburger Zeitung" wie des„Vorwärts" hat einen Rückgang gehabt. waS wesentlich auf die wirtschaftliche Depression zurückzuführen ist. Die vom Provinzialsekretariat herausgegebene, monatlich erscheinende Zeit- schrift„Die Fackel" wurde ständig gratis in 1006 Exemplaren an die Landbevölkerung und die Schiffer verteilt. 99 VereinSver- sammlungen und öffentliche Versammlungen fanden statt. Der Kreisvorstand veranstaltete ö öffentliche Versammlungen, davon 2 in Bötzow und 2 in Linum unter freiem Himmel, eine Versamm- lung in Grünefeld in einer Scheune. Ferner fand eine Versamm- lung in Seegefeld unter freiem Himmel statt. Die Begrüßungs- feier, die auf Anregung des KreiSvorstandeS vom Spandauer Vor- stand in Hakenfelde bei Spandau zur Bewillkommnung des Genossen Dr. L i e b k n e ch t arrangiert war, gestaltete sich zu einer würdigen Demonstration. Zirka 5000 Personen aus fast allen Orten des Kreises waren erschienen.— Die Wahlvereine des Kreises haben zurzeit 2036 Mitglieder, darunter 119 weibliche. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte, in der von allen Seiten die Notwendigkeit anerkannt wurde, ein besonderes Augenmerk auf die Jugendorganisation zu richten. Ein- stimmig angenommen wurde folgender Antrag des Genossen Liebknecht: „Die Kreiskonferenz fordert die Genossen auf, mit größter Energie und lebhafterem Eifer als bisher für die Jugendorgani- fation tätig zu sein; auch mehr Mittel dafür flüssig zu machen. Die Kreiskonferenz hält die Form der freien Jugendorganisation an und für sich für die geeignetste Form der Jugendbewegung. Die Parteigenossen werden daher ersucht, wo angängig, die auf Gründung solcher Organisationen gerichteten Bestrebungen zu fördern, und dazu beizutragen, daß die verschiedenen Formen der Jugendbewegung in enge Fühlung miteinander treten. Die KreiZkonferenz spricht den Wunsch aus, den Arbeiter-Jugend- organifationen dm„Arbeiter-Jugend" billiger als bisher abzu- geben, da sie die für die Jugenderziehung gemachten Ausgaben als unvergleichlich nutzbringend für den Emanzipationskampf deS Proletariats betrachtet. Die Kreiskonferenz ersucht die JugendauSschüsse deS Kreises, mit den übrigen Jugendausschüssen der Provinz Brandenburg wegen baldiger Abhaltung einer Bezirkskonferenz der Jugend. auSschüsse der Provinz in Verbindung zu treten. Die Bezirks- konferenz soll vor allem dazu dienen, die Erfahrungen in bczug auf die Organisationsform und Taktik der Jugendbewegung aus- zutauschen und die baldige Abhaltung einer deutschen Konferenz der JugendauSschüsse zu den gleichen Zwecken vorzubereiten." Ebenso ein zweiter Antrag des Genossen Liebknecht: „Die Kreiskonferenz beschließt, für den Wahlkreis Potsdam- Osthavclland wird ein Obmann für die Jugend- Organisation bestellt." Der Kassenbericht wies eine Einnahme Non 6356,69 M., eine AuSgabe von 4720,53 M. auf, so daß ein Kassenbestand von 1636,16 Mark verbleibt.— Ueber den Parteitag und die P r o v i n- zialkonferenz referierte Genosse Liebknecht. Als Dele. gierte zum Parteitag wurden die Genossen Liebknecht, Schubert-Spandau und Paris-Velten gewählt. Für die Streikenden in Schweden wurden 100 M. bewilligt. � Die Kreisgeneralversammlung für den Wahlkreis West- p r i e g n i tz tagte am Sonntag in Wittenberge. Anwesend waren 29 Delegierte, außerdem Genosse Fischer von der Agi- lationSkommission und der Kandidat deS Kreises, Genosse B o e s k e- Berlin. Aus dem Vorstandsbericht, den der Vorsitzende, Genosse G u t s ch m i d t, gab, ist Hervorzuheben, daß im letzten Jahre der Mitgliederbestand um rund 105 zurückgegangen ist, trotz deS Hin- zutretcns von 24 weiblichen Mitgliedern. Dieser Rückgang trifft zum größten Teil, trotz eifriger Agitation, die Industriestadt Wittenberge. Auch die Gewerkschaftsorganisationen lassen viel zu wünschen übrig. Es sind 1400 Gewerkschaftler am Ort. gegen 286 männliche und 24 weibliche politisch Organisierte. In nächster Zeit soll gemeinsam mit dem Gewerkschaftskartell in die Agitation eingetreten werden. In H a v e l b e r g ist der Mitgliederbestand von 90 auf 70 zurückgegangen; dort fehlt eS an leitenden Personen. Ebenso in P e r l e b e r g, wo noch die Schikanen der Polizei hinzu- kommen, die uns im letzten Jahre die Vereinsstube der organisierten Arbeiterschaft, durch Einschüchterungen des Wirtes, abgetrieben hat. Versammlungen sollen in Zukunft unter freiem Himmel ab- gehalten werden. W i l S n a ck hat 24 Mitglieder, ein Saal steht den Gewerkschaften, aber nicht der Partei, zur Verfügung. In dem großen Landkreis mit Hunderten von Dörfern und 8 Städten sind nur 2 Säle und 2 Vereinszimmer zu Versammlungen zu haben. Beklagenswert ist die Vereinsmeierei der sogenannten Arbeitervereine in verschiedenen Orten. Die„Fackel"- Empfänger sind im letzten Jahre zweimal in den Dörfern besacht und zur Verbreitung und Mitarbeit aufgemuntert worden. Die „Fackel" wird monatlich in 700 Exemplaren im Kreis verbreitet. Die„Brandenburger Zeitung" lesen 328, den„Vorwärts" und „Hamburger Echo" 29, den„Wahren Jacob" und den„Postillon" 190, die.Gleichheit" 24 Personen, Die neue Orggnisation d c r L a n v- u n d W a l d a r h e i t e r hat im Kreis 13 Mitglieder. die besten Aussichten sind vorhanden, daß diese Organisation im Kreise festen Fuß fassen wird. Die Rechtsauskunft S- st e l l e hat sich eineS guten Zuspruchs zu erfreuen.— Ueber den Parteitag referierte Genosse B o e S k e. Angenommen wurde der Antrag der Statutenberatungskommission, den weiblichen Mitgliedern die„Gleichheit" zu liefern. Die Hof- gängerei der Württemberger Abgeordneten sei ebenso, wie die der Berliner Stadtverordneten in London nicht gutzuheißen. Dete giert wurde zum Parteitag der Kandidat des Kreises, Genosse B o e S k e. Zur Provinzialkonferenz wurden die Ge nassen Simon- Wittenberge, Zabel- Wilsnack und Schütz- Havelberg gewählt. Ueber die„Politische Lage" referierte ebeu falls Genosse B o e S k e. In der ausgedehnten Diskusston gaben die ländlichen Vertreter der unter dem Landvolk herrschenden Er- bitterung über die Reichsfinanzreform lebhaften Ausdruck. Die KreiS-Generalversammlung für S o r a u- F o r st tagte am Sonntag in Gassen. Sie war von 27 Delegierten besucht Außerdem waren anwesend der Sekretär Genosse Schmidt- Berlin, von der AgitationSIommission für die Provinz Brandenburg Genosse Schlüter- Berlin und als Vertreter der„Märkischen Volksstimme" der Geschäftsführer, Genosse B u d e r.— Mit geringer Mehrheit wurde ein Antrag Müller- Forst abgelehnt. die Kandidatenfrage von der Tagesordnung abzusetzen. Der Vorstandsbericht lag gedruckt vor. Der Etat bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 5536,51 M. Der Vermögensnachweis weist die Summe von 8450,72 M. auf. In den Vorstand wurden die Genossen Kammer und K u p p e l a als Borsitzende, Moritz Sommer als Kassierer, F e t t k e und Hopse als Beisitzer gewählt.— Eine lebhafte Debatte entspann sich bei der K a n d r d a t e n f r a g e. Genosse Müller-Forst hatte schon in der GeschäftsordnungS- debatte gesagt, daß die Genossen Dr. Rosenfeld und Schumann den Genossen im Kreise noch zu wenig bekannt sind, um sagen zu können, welcher von ihnen der geeignete Mann für den Wahlkreis sei. Die Sache dränge keinesfalls, Lorsicht sei geboten; die Er- sahrungen in den letzten Jahren auf diesem Gebiete seien lehrreich genug. Genosse R ü ck e r t- Seifersdorf hatte dem widersprochen; er war der Ansicht, daß die Genossen Rosenfeld und Schumann ge� nügend bekannt sind; daß die Versammlung in Forst, in welcher Schumann gesprochen, wenig besucht war, könne fiir die Beurteilung der Frage nicht ausschlaggebend sein. In der sachlichen Debatte schlug Genosse R ü ck e r t- SeiserSdorf den Genossen Schumann- Berlin vor. Genosse Müller-Forst wiederholte seine Ve denken; außerdem sprach noch eine große Anzahl Redner zu dieser Sache. Schließlich wurde mit großer Mehrheit Genosse Schumann- Berlin als Kandidat aufgestellt. Mehrere Delegierte enthielten sich der Abstimmung.— Ueber den O r g a- nisationSstatut-Entwurf referierte Genosse Sekretär Schmidt- Berlin. Mehrere von ihm vorgeschlagene AbänderunaS- antrüge wurden angenommen. Ueber den Parteitag und die Provinzialkonferenz referierte Genosse Kammer. AIS Delegierter zum Parteitag wurde Genosse Schumann gewählt, zur Provinzialkonferenz die Genossen Vogel- Sorau, Hopse Forst und G i l l m a n n- Gassen.— Dem Bericht des Genossen B u d e r über den Stand der Presse war zu entnehmen, daß die „Märkische Volks stimme" sehr unter der Krise gelitten hat.— Zum Schluß wurden den schwedischen Streikenden 100 Mark bewilligt. Die Kreis- Generalversammlung des Wahlkreises Lands- berg- Soldin fand am Sonntag in Lands bera statt. An wesend waren 19 Delegierte, außerdem der Genosse P ä tz e l und von der AgitationSkommission Genosse Zucht. Der Vorsitzende gab in seinem Geschäftsbericht bekannt, daß neun Versammlungen im Kreise stattfanden, mehr konnten wegen Mangel an Lokalen nicht abgehalten werden. Verbreitet wurden 7200„Fakeln", 15 000 Kalender, 20 000 Flugblätter gegen daS preußische Junkertum. Die Organisation hat 391 männliche und 66 weibliche Mitglieder. An BtldungSveranstaltungen fanden sechs Theatervorstellungen, ein Vor trag von Professor Archenhold über Sternkunde und 6 Vorträge über die Geschichte des Sozialismus, vom Genossen Grunewald ge� halten, statt. Weiter wurde eine Jugendorganisation ge- gründet, der 50 Mitglieder angehören. Die Auskunft stelle erledigte 266 Fälle. Der Kassenbericht wies eine Einnahme(ein schließlich des KassenbestandeS) von 1629,97 M., eine Aus gäbe von 1426,27 M. nach, so daß ein Kassenbestand von 203,70 M. bleibt. Genosse Zucht referierte über'den Entwurf deS Organisationsstatuts und den Parteitag In der Diskussion erklärten sich die Genossen im allgemeinen mit dem OrganisationSentwurf einverstanden. Die Genossinnen stimmten dem Referenten darin zu, daß sie die„Gleichheit" nach wie vor bezahlen wollen. Dann wies der Genosse P S tz e l darauf hin, daß durch den Tod deS konservativen Abgeordneten Boening für den Kreis eine ReichStagSersatzwahl nötig werde. AIS Delegierter zum Parteitag wurde Genosse P ä tz e l gewählt. Zur Provinzmlkonferenz wurden die Genossen Giersch. Neumann aus LandSberg und Genosse Zimmermann aus Vietz gewählt. Bei der Vorstandswahl wurde Genosse Kaiser zum ersten(Vor- sitzenden, Tismer zum zweiten, K r i e n i n g zum Kassierer, Paul zum Schriftführer und Neumann zum Beisitzer gewählt. Die KreiSgencralversammlung für den ReichStagSwahlkreiS uppin-Templin fand am Sonntag in L y ch e n(Uckermark) statt. Sie war von 23 Delegierten ans 11 Orten beschickt, darunter zum erstenmal eine Genossin aus Zehdenick; außerdem war der Zentralvorstand aus Zehdenick anwesend. Von der Agitations- kommifsion war Herbst-Bcrlin, als Vertreter deS 6. Berliner Wahl- lreiseS der Genosse DamS- Berlin erschienen, sowie der Kandidat des Kreises, Genosse Ritter-Berlin.— AuS dem Bericht deS BorstandeS ist zu entnehmen, daß der KrciSwahlverein zurzeit eine Mitgliederzahl von 561 hat, die sich auf 16 Einzelvemne des Wahlkreises verteilen. Es ist ein Mitgliederrückgang zu der- zeichnen, der zum Teil mit der wirtschaftlichen Krise. zun, anderen damit begründet wird, daß eine strengere Kontrolle die Ausmerzimg sogenannter„Nurlistenmittzlieder" ur Folge gehabt hat. Trotz dieses MitgliederrückgangeS ist eine Zerbesseniiig der Finanzen zu verzeichnen. Die Einnahmen in den einzelnen Wahlvereinen betrugen insgesamt 2798,68 M., die AuS- aben 2311,20 M.. so daß ein Bestand von 487,20 M. verbleibt. Sie Zentralkasse hatte inkl. einer Beihilfe von 600 M. von der AgitationSkommission eine Einnahme von 2033,06 M. zu verzeichnen. die Ausgabe betrug 2060,47 M,. bleibt-in Bestand von 22,59 M. Unter den Ausgaben befinden sich als an den Parteivorstand ab- eftihrt 176 M., die OrtSvereine erforderten einen Zuschuß von 75 M. Die Tätigkeit des Zentralvorstandes, dessen Sitz im Vorjahr von Neu-Ruppin nach Zehdenick verlegt wurde, wurde im allgemeinen als zufriedenstellend anerkannt. Recht trübe sieht eS hingegen mit der Ausbreitung der Parteipresse, der„Brandenburger Zeitung", aus. Versammlungslokale stehen der Partei im Kreise nur vier zur Ver- fiigung, und zwar in Zehdenick, Lychen, Lindow und Curtschlag. Neu-N»ippin, die größte Stadt des Kreises, hat kein VersammlungZ- lokal. Zur Lokalfrage bemerkt der Bericht des Vorstandes:„Man kann sich der Meinung nicht verschließen, daß die immerhin zahl« reicher vorhandenen Gewerkschaftsgenossen an manchen Orten ein Versammlungslokal erringen könnten, wodurch beide Teile, Partei- und Gewerkschaftsbewegung, bedeutend vorteilhafter operieren könnten." Der bisherige Vorstand, bestehend auS den Genossen Polziner (1. Vorsitzender), KaSler(Stellvertreter), Stumm(Schriftführer), Gehlicke(Kassierer) und Gründel, Creß und Lüdtke(Beisitzer) wurde einstimmig wiedergewählt. Ueber den bcvorsteiiden Parteitag und daS neue Organi- sationSstatut referierte Genosse Ritter- Berlüi, über die Pro- vin zialkonferenz Genosse Herbst- Berlin. Zum Parteitage wurde Genosse R i t t e r- Berlin delegiert, im eventilellen Behinderungsfalle Polziner-Zehdenick, zur Brandenburger rovinzialkoufercnz Sonne in aun und Stumm« Zehdenick und Schröder- Lindow. Außerdem wurden zu dem am Jahresschluß stattfiildenden Preußentag die Genossen W a l d h e i m- Rheinsberg und Kummer und Polziner-Zehdenick als Delegierte ge- wählt. Zum Schluß hielt Genosse Ritter einen Vortrag über die augenblickliche politische Lage. Als Ort der nächstjährigen General- Versammlung wurde Zehdenick bestimmt. Der Sozialdemokratische Berein Kassel- Melsungen hielt am Sonntag seine ordentliche General- Versammlung ab. Trotz der wirtschaftlichen Krise ist die Zahl der Mitglieder von 2661 im Vorjahre auf 2950(darunter 25 Frauen) in diesem Jahre gestiegen. Die Kasseiiverhältiiisse des Kreises sind sehr günstige. Mit 75 gegen 16 Stimmen wurde beschlossen, den Beitrag, der jetzt 80 Pf. pro Monat beträgt, ab 1. Juli 1910 auf 10 Pf. pro Woche zu erhöhen. Zum Parteitag in Leipzig, über den Genosse H a u s ch i l d referierte, wurde vom Resereuten unter lebhaftem Beifall der Delegierten betont, daß in Leipzig alle nebensächlichen Dinge(wie die Hofgängerei) zurück- zutteten hätten, denn die Hauptaufgabe dieses Parteitages fei es, der Volksbewegung gegen die AuSplüiiderungSs Politik des Schnapsb'locks einen neuen Impuls zu geben. Die Haltung der Fraktion zur Erbschafts- steuer aus Anlaß der Finanzreformdebatte wurde in einer Reso- lution ausdrücklich gebilligt. Die Generalversammlung war der Meinung, daß durch die Haltung der Fraktion daS Vertrauen der Volksmassen zu unserer Partei wesentlich gefestigt wurde. Eine Kreiskonfercnz für den Wahlkreis Duisburg-Mül- heim-Oberhausen tagte am Sonntag in A l st a d e n. Samt- liche 13 Orte des Wahlkreises waren durch insgesamt 62 Delegierte vertreten, unter denen sich 11 Frauen befanden. Außerdem nahmen der Abgeordnete deS Kreises, Genosse Hengsbach sowie Genosse Haberland als Vertreter des Niederrheinischen AgitationS- komitees und der Kreisvorstand sowie die Redaktion nebst Geschäftsleitung der„Niederrh. Arbeiter-Zeiwna" und Genosse Redakteur L i m b e r tz als Vertreter des Eisener Parteigeschäfts, in dem die „Niederrheinische Arbeiter-Zeitung" hergestellt wird, an den Ver- Handlungen teil. AuS dem Geschäftsbericht, den der Parteisekretär Genosse Schluchtmann erstattete, ist hervorzuheben, daß sich trotz der im Niederrheinischen Agitattonsbezirk ganz besonders hervortretenden wirtschaftlichen Krise sowohl die Mitgliederzahl des Wahlvereins als auch die finanziellen Verhältnisse des Wahlkreises gehoben haben. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 9406,56 M. und eine Ausgabe von 7940,50 M. auf, so daß ein Bestand von 1466,06 M. verbleibt gegen 310,77 M. im Vorjahre. Die Mitgliederzahl deS WahlvcrcinS beträgt 8705, nämlich 3015 männliche und 780 weibliche Mitglieder. Wie arg der Wahlkreis unter der geschäftlichen Depression uiid der damit verbundenen Fluktuation der Mitglieder zu leiden hat. ist daraus zu entnehmen, daß 2514 neuaufgenommenen Mitgliedern rund 2100 im Laufe des Jahres erfolgte Abmeldungen gegenüberstanden. An Flugblättern sind im Berichtsjahre 4 in einer Auflage von inS- gesamt 105 000 sowie 26 000 Agitationskalender verbreitet. In einer ganzen Anzahl von Orten hat die Partei unter behördlicher Saal- abtteiberei zu leiden. Der Kreiövorsiand unterbreitete der Konferenz ein neues Kreisstatut, das die straffe Zentralisation vorschreibt. Hiervon wollten verschiedene Orte nichts wissen, weil sie für ihre Selbständigkeit fürchteten. Es gab deshalb recht heiße Debatte». Die Mülheim er Delegierten trieben die Opposition gegen die Umänderung der alten Organisationsform so weit, daß sie die Kon- ferenz demonstrativ verließen, als ein von ihnen gestellter Ver- tagungSantrag nicht zur Annahme gelangte. Hoffentlich werden die Genossen sich besinnen und sich den Beschlüssen unterwerfen. In diesem Kreise, der auf so exponiertem Posten steht, können sich die Genoffen den LuxuS von Eigenbrödeleien nicht gestatten. Es wäre daS auch töricht angesichts der Tatsache, daß die Zentralisatton gegen eine ganz geringfügige Minderheit(8 Stimmen) beschlossen wurde. Erwähnenswert ist ferner noch aus den Verhandlungen, daß die Konferenz fast einstimmig einem vom Genossen Thielhorn bc- gründeten Vorstandsantrage zustimmte, der besagt, daß der Borstand zwecks Beschaffung von Mitteln zur Gründung einer eigenen Druckerei die Gründung einer Genossenschaft in die Wege zu leiten hat. Eine Beitragserhöhung von 10 Pf. pro Woche auf 50 Pf. pro Monat wurde abgelehnt. Eine Generalversammlung des sozialdemokratischen Volksvereins für den ReichStagSwahlkreiS Solingen fand an, letzten Sonntag im.Kaifersaal" in Solingen statt, Parteisekretär Beller't erstattete den Geschäftsbericht vom zweiten Halbjahr 1908/09. Die furchtbare Krise, die nun schon seit fast zwei Jahren im dortigen Jndustriebezirk herrscht, hat auch der Parteibewegung großen Schaden zugefügt. Während der Mitgliederbestand am Schlüsse des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2927 betrug, war a», Schlüsse des zweiten Halbjahres nur noch ein Mitglieder- bestand von 2633 zu verzeichnen. Der Verlust ist Haupt- sächlich auf da? Konto der abgereisten Mitglieder zu fetzen, die im dortigen Jndustriebezirk keine Arbeit mehr finden konnten. Die Zahl der weiblichen Mitglieder beträgt gegenwärtig 329, ist also gegen den letzten Bericht etwas gestiegen. Der Kassenbericht balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 9661,44 M,, bei eine», Kasieiibestand von 3763,63 M. Versammlungen fanden in, letzten Halbjahr 93 mit 44 Vorträgen statt, Flugblätter und Broschüren sind in, laufendci, Geschäftsjahr 29000 verbreitet worden; außerdem eine AgitationS- nummer der„Bergischen Arbeiterstimine" in einer Auflage von 12 000 Exemplaren. die de», Parteiorgan eine Reihe neuer Abonnenten brachte. Der Bericht konstatiert weiter die Gründung eines BildungS« und Jugend- Ausschusses, Kritisiert wurde in der Generalversammlung, daß das technische Personal der„Bergischen Arbeiterstimme" den, Nürnberger Parteitags- beschluß, wonach der Tagesverdienst am 1. Mai an die Parteikasse abzuliefern ist, nur teilweise nachgekommen ist. Von der Aiinahme einer Resolution, die dieses Verhalten verurteilt, wurde Abstand ge- nommen, jedoch folgender Antrag angenommen: »Angesichts der Tatsache, daß die Differenzen bezüglich des Nürnberger Beschlusses über den 1. Mai zum großen Teil auf eine Unklarheit dieses Beschlusses zurückzuführen sind und den bc« vorstehenden Parteitag in Leipzig noch beschäftigen werden, der wohl eine endgültige Regelung treffen wird, wird über diese An- gelegenheit zur Tagesordnung übergegangen." Zum Parteitag in Leipzig soll ein Genosse delegiert werde». AuS den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für Schaum- bu rg-Lippe zählte am 30. Juni in 8 Ortsgruppen 286 Mit- flieder, gegen 208 am 30. Juni 1903. Die feste Organisation bc- 'teht in dem Kreise erst seit einem Jahre. Die Einnahmen betrugen m 1. Geschäftsjahre 934,34 M,, die Ausgaben 868,78 M.— Der ozialdemokratische Verein für den Wahlkreis M ü>, st e r- C o e S- e l d zählte am 30. Juni in 5 Ortsgruppen 258 Mitglieder. Der Verein hatte im letzten Jahre annähernd 100 Mitglieder zugenommen. Die Einnahmen betrugen 1100,80 M., die Ausgaben 981,83 M.— Der �sozialdemokratische Berein für Tecklenburg-Steinfurt- Ahaus zählte am 30. Juni in 4 OrtSgrugpen 152 Mitglieder und hatte einen Kassenbestand von 76,80 M. DaS Befinden deS Genossen Hne ist noch äußerst bedenklich. Die Aerzte wußten bisher nicht genan, um welche Krankheit eS sich in der Hauptsache handelt: sie neigen 'etzt der Auffassung zu, daß sich in der Lunge ein Eiterherd ge- nldet hat. Soziales* A«S den Hütten nnd Walzwerke». Hütten und Walzwerke sind in Rheinland-Westfalen nur 22v vorhanden, die aber insgesamt 165 386 Arbeiter beschäftigen. Die GeschäftSkrisiS machte im Jahre 1903 laut Bericht der Rheinisch- Westfälischen Hütten« und WalzwerkS-VerufSgenossenschaft gegen 1907 allein 6304 Arbeiter brotlos. Im Bezirk Oberhausen sind allein 170ö Arbeiter toeniger beschäftigt. An Arbeitslöhnen wurden im Berichtsjahre über 14 Millionen Mark weniger gezahlt. In den einzelnen Sektionen beträgt der Lohnrückgang sogar bis zu 90 M. (Koblenz) pro Kopf und Jahr. Dafür ist aber auch die Unfallgefahr nicht gering. Es wurden im Berichtsjahre 28 492 Unfälle angemeldet, also auf 1000 Wer- sicherte durchschnittlich 172 Verletzte. Im Bezirk Essen(Krupp) be- trägt der Durchschnitt sogar 206. Die geringsten Unfallziffern hatte der Bezirk Siegen mit 64 Un« fällen pro 1000 Versicherte, ein Beweis, das; die Großindustrie die meisten Opfer fordert und daher auch keine Ursache hat, auf die etwas höheren Löhne besonders stolz zu sein. Entschädigt wurden von 28 482 gemeldeten Unfällen jedoch ein- schließlich 199 Todesfällen nur 2740, da in Rheinland-Westfalen die Aerzte große Uebung im„Gesundmachen" haben. Auch die Schiedsgerichte sind der mächtigen Berufsgenossenschaft nicht abhold, denn 1304 Berufungeir der Verletzten wurden als un- begründet abgewiesen, während nur in 24ö Fällen die Genossenschaft zur Zahlung der beantragten Rente verurteilt wurde. Das Reichs- versicherungsamt gab den Rest und verwarf 405 Rekurse der Ver- letzten, gab nur in 73 Fällen denselben statt. Ja die Kollegen von Krupp usw. können stolz auf ihr Wirken sein. Was sie auf diesem Wege nicht erreichen, holen sie bei der Beratung aller neuen Gesetze nach. Sie haben die Novelle zur Gewerbeordnung„geprüft", sie haben auch erreicht, daß ihre Berufs» genossenschaften kein Jota von ihrer Alleinherrschaft aufzugeben haben. Und viel Blut floß wieder in den Hütten und Walzwerken Rheinland-Westfalens. Die Verletzten haben aber nichts zu sagen. Beseitigung und Verhütung gesundheitsschädlicher Einflüsse. Die Jahresberichte der württembergischen GewerbcaufsichtS- beamten Pflegen feit einigen Jahren unter diesem Kapitel insbesondere auch über die Maßregeln zur Vorbeugung gegenüber den Alkoholgefahren zu berichten. In dem BerichtSbuche über 1903 finden sich folgende interessante Mitteilungen: In neuerer Zeit wurde vereinzelt das Verbot des Rauchens und des Genusses von alkoholischen Getränken in den ArbeitSräumen in die Arbeitsordnungen aufgenommen.„Der Verbrauch an alkoholischen Getränken ist, wenn nicht gar Enthaltsamkeit geübt wird, bei dielen, meist älteren Arbeitern im Abnehmen, und man kann bei geselligen und sonstigen Vereinigungen da und dort Leute antreffen, welche anstatt Bier und Wein Limonade oder Mineralwasser genießen. In den Versammlungen der sozial- demokratischen Jugendvereine ist der Trinkzwang aufgehoben, auch wird darauf hingewirkt, daß das Rauchen eingeschränkt werde." Nicht wenige Firmen haben in verdienstlicher Weise Einrichtungen getroffen, um ihren Arbeitern Ersatz für alkoholische Getränke zu bieten. Von der Verwaltung des städtischen GaS- und Wasserwerks in Feuerbach wurde im Sommer 1907 die kostenlose Verabreichung von Kaffee an die Arbeiter eingeführt, um den übermäßigen Bier- genuß einzuschränken,— mit befriedigendem Erfolge. Eine ganze Anzahl größerer Firmen verabreicht zu billigstem Preise Limonade und Sodawasser, deren Herstellung in eigenen Apparaten im großen geschieht. Welchen Anklang diese Einrichtung vielfach findet, geht daraus hervor, daß die Firma Ulrich Gminder, Baumwollspinnerei und Weberei in Reutlingen, 1908 180 576 Flaschen Limonade und 3610 Flaschen Sodawasser an ihre Arbeiter abgegeben hat, das Porllandzemcntwcrk in Nürtingen von Ende Mai, dem Zeit- Punkt der Einrichtung, bis Mitte Dezember rund 11 000 Flaschen Limonade und 4000 Flaschen Sodawasserr. Der Bicrgcnuß hat nach Mitteilung vieler Arbeitgeber teils durch die Ersatzgetränke einen Rückgang erfahren, teils ist er bei der guten Obsternte des Jahres in erheblichem Maße durch den Obstmoft ersetzt worden. Es wächst nach dem Bericht aus Bezirk II in den Arbeiterkreisen das Ver- ,'tändnis für die schädlichen Folgen des Alkoholmißbrauchs und gleich- zeitig das Interesse für zweckmäßige Ernährung. sOrganisationszwang durch Nnternehmerkartelle. Der Konsumverein in Flensburg beschloß, drei Wohnhäuser, ein Zentrallager und eine Bäckerei zu erbauen. Mit der Anfertigung ?er Pläne und Bauzeichnungen wurde eine Flensburger Baufirma beauftragt. Diese Firma ist nicht Mitglied des ArbeitgeberverbandcS, gehört jedoch neben einigen anderen Baugeschäften einer Einkaufs- ocreinigung an. Die in Flensburg und an der Flensburg« Föhrde belegenen Ziegeleien haben sich fast alle zu einem Ringe zusammen- geschlossen und alle diese Besitzer der Ziegeleien sind Mitglieder oes Arbeitgeberverbandes. Der Vorstand des Verbandes hat die genannte Baufirma wiederholt aufgefordert, ihm als Mitglied bei- zutreten, doch die Firma tat dies nicht. Sie beteiligte sich ebenfalls an der Submission der KonsumvereinSneubanten und holie sich beim Ringe eine Offerte über Steine ein, die auch bereitlvilligst gegeben und die Steinlieferung versprochen wurde. Doch war anschemend die Rechnung ohne den Arbeitgeberverband gemacht worden. Nach einigen Tagen erhielt nämlich die Firma bom Ziegeleiring die Mitteilung, daß die Offerte für Steine zum Bau des Konsumvereins zurückgezogen werde. Inzwischen war der Bau der Firma über- tragen worden. Doch der Druck des allgewaltigen Arbeitgeber- Verbandes hatte seinen Zweck verfehlt, anstatt des Ringes liefert jetzt eine ringfreie Ziegelei die benötigten Steine.— Der Vorgang zeigt aber, mit welchen Mitteln Mitglieder für den Arbeitgeber- verband gepreßt werden sollen. Hub Induftrie und ftandel* Höhere Schwemepreise. Wir geben nachstehend die Durchschnittspreise für Schweine, wie sie die Zentralstelle der preußischen Landwirtschasts- kümmern für den Monat Juli berechnet hat. Daraus geht hervor, daß die Preise heute höher stehen als 1906. Wir geben die No- tierungen für fleischige Schweine. Es kosteten im Durchschnitt des Monats Juli 50 Kilogramm an nachstehenden Plätzen in Mark: 1906 Berlin i.... 65,00 Breslau..... 56,75 1907 1908 1909 58,95 57,70 67,75 52,80 58,00 62,00 Magdeburg... 67,10 69,85 58,76 70,15 Dresden..... 69,00 59,20 62,35 68,75 Hamburg.... 67,50 61,10 59,00 70,10 Dortmund.... 68,50 61,70 61,25 69,65 Frankfurt a. M... 73.30 67.85 64,50 74,00 Mannheim.... 71.40 64.40 64,50 74,50 Stuttgart.... 67.00 60,75 61,75 71.60 Köln...... 69,40 62,70 60,26 70,15 Wenn die Arbeiterklasse trotz dieser EntWickelung, trotz der Ver- teuerung auf allen Gebieten, noch nicht zur Einsicht kommt, und den bürgerlichen Parteien die Gefolgschaft versagt, dann Werden die LebenSmtttelVerteuerer ruhig weiter wuchern. Das neue Getreideland. Während der Weizenexport der nordamerikanischen Union für die Versorgung des Weltmarktes, insbesondere des europäischen Jndnstrieniarktes, augenscheinlich ständig an Bedeutung verliert, da die Union infolge ihrer rapiden Jndustriecntwickelung und der Er- schöpfung ihrer durch Raubbau ausgesogenen Getreideländereien nicht mehr genug und nicht mehr billig genug Exportgetrcide produziert, besteht alle Aussicht darauf, daß Kanada für die nächsten Jahrzehnte den Export vor allem deS Weizens, aber auch vieler anderer Agrar- Produkte enorm steigern wird. Wenn auch der diesjährige günstige Emteausfall Kanadas zum guten Teil auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen ist, so hat doch einen wesentlichen Anteil daran auch die ungeheuere AuS- dehnung, die der Getreidebau in den letzten Jahren im Innern Kanadas erfahren hat. So betrug die gesamte Weizenernte Kanadas im Jahre 1900 erst 47 Millionen Bushels, 1903 dagegen betrug die Ernte 126 Millionen Bushels. Die diesjährige Weizenerute der Staaten Manitoba, Saskatchewan und Alberta wurde vom Ackerbnudcpartement Ende Juli auf 157 464 000 Bushels gegen 110 624 000 in der gleichen Zeit des Vorjahres eingeschätzt. DieS gewaltige Wachstum findet feine Erklärung sehr einfach darin, daß Taufende von Farmern aus der Union, die frischen Boden suchen und ihn in der Union nicht mehr finden, über die großen Seen nach Kanada auswandern. So sind von 1893—1908 unter 1 170 000 Einwanderern Kanadas 861 000 aus der Union ge- kommen, und das waren meistens Farmer, während kanadische Arbeiter umgekehrt in günstigen Jahren nach der Union hinüber- ziehen. Der Inspektor der kanadischen Einwanderungsagenturen in den Vereinigten Staaten, Mr. White, erklärte kürzlich, daß in diesem Jahre etwa 75 000 Amerikaner sich in West-Kanada an- siedeln würden. In Kanada setzt man auf viese Einwanderung von Farmern aus der Union große Hoffnungen. Man tut alles, um ihnen da» Land durch Eisenbahnbau Jm erschließen, und der Generalgouverneur von Kanada, Earl Grey, behauptete kürzlich in London, binnen kurzem würde Kanada der wertvollste Teil des britischen Reiches fein: An Flächeninhalt komme es der nord- amerikanischen Union nahe, und sein Boden sei, je weiter nördlich, desto besser für eine große Anzahl von Agrarprodukten. Ucbrigens ist es bemerkenswert, daß in Kanada eine recht starke Opposition dagegen besteht, sich vor den Wagen der imperialistischen Machtpolitik Alt-Englands spannen zu lassen. Von positiven Ergib- nissen der britischen Versuche, auf der gegenwärtigen Rerchs- Verteidigungskonferenz der Dominion militärische Lasten aufzureden, ist denn bisher auch noch nichts bekannt geworden, und der Staats- sckretär Murphy in Ottawa hat dieser Tage(angesichts deS versammelten Reichsverteidigungsausschusfes I) rundheraus erklärt, für Kanada fei die Frage der Rcichsverteidigung ziemlich gleichgültig, es gebrauche dringender Frachtwagen wie Schlachtschiffe. Die arme»— Reichen. Nun müssen sogar die Leute in ge- hobener Stellung ihre Lebenshaltung einschränken. Die Statistik weist da? aus. Der Konsum von Austern und Kaviar geht zurück. Im ersten Semester der letzten drei Jahre gestaltete sich die Emsuhr der aufgeführten Leckerbissen in 1600 Kilogramm wie folgt: 1907 1903 1909 Kaviar...... 168 500 167 000 153 200 Austern...... 456 900 413 600 416 800 Schnecken u. Froschkeulen 1 500 1 800 1 300 Süßwasserkrebse... 321 800 849 300 819 600 Hummern..... 492 100 463 600 514 900 Der Wert der Einfuhr der hier aufgeführten Delikatessen stellt sich zusammen im ersten Halbjahre 1909 auf 6,13, im ersten Halbjahre 1908 auf 6,40 Millionen Mark. Das Minus gegen 1908 belauft sich noch aus rund 220 000 Mark. Der Konsum aller besseren Lebensmittel ist zurückgegangen. Nur bei Hummern zeigt sich eine Zunahme. Wie der Proletarier zu Kartoffeln und Cichorie Zuflucht nimmt, wenn Arbeitslosigkeit das Einkommen mindert, so muß der Bessersituierte sich nun mit mehr Hummern durchhclfen. Schrecklich I Vom Kohlcnsyndikat.- Der rechnungsmäßige Kohlenabsatz be- trug im Juli 1909 bei 27 Arbeitstagen(27 im Vorjahre) 6 777 011 Tonnen(5 896 443 Tonnen) oder arbeitstäglich 213 963 Tonnen(218 387). Der auf die Beteiligung anzurechnende Kols- und Brikettabsatz hat in Koks bei 31(31) Arbeitstagen 799 555 Tonnen(795 775) oder arbeitstäglich 25 792 Tonnen(25 670) gleich 65,29 Proz.(65,60 Proz.) der Beteiligung betragen; in Briketts bei 27(27) Arbeitstagen 255 127 Tonne»(277 179) oder arbeits- täglich 9449(10 266) Tonnen gleich 81,73(91,05) Prozent der Beteiligung. Reiche Talakcrnte. Die diesjährige Ernte Kentuckys soll nach dem Bericht des deutschen Konsuls in Cincinnati eine der reichsten sein, die dieser Staat je zu verzeichnen gehabt. Einmal hätten die Anbauflächen eine beträchtliche Vergrößerung erfahren und zioeitens sei das Wetter recht vorteilhaft für die Ernte gewesen. Die Folgen einer reichen Tabalernte in Kentucky für den Tabakmarkt lassen sich noch nicht übersehen. In ähnlichen Fällen sind schon recht slrupcl- lose Mittel angewendet, um einen Preisdruck zu verhindern. Am bekanntesten sind die.Nachtreiter von Kentucky, Banden, welche während der Nacht mit Fackeln durch das Land jage», um die Tabakernte durch Feuer zu vernichten. Es kommt dabei oft zu blutigen Kämpfen mit den Farmern, die ihr Eigentum vor der Ver- mchtung zu schützen suchen._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Warkthalleu-Dircktlon ildcr den Grobdandel in dcn Zentral-Marktballen. Marktlage t Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäst schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschält lebhaft, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr knapp, in Gänsen reichlich, Gcschäst schlecht, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschält lebhast, Preise teilweise hoch. Butter und ktäse: Geschäft lebhast, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd- I r ü ch t e: Zufuhr stark, Geschäft schleppend, Preise unverändert. «Sitter, ingSliberftcht vom 17. August IVOS, morgen« 8 Uhr. etattonen L tee | Swlncmde. erlln Frankj.aM München Wien 756 SO 754 W 75« SO 757 SW 759 SO 760 N Weiter 4 Haid Bd. 2 Regen 3 heiter 4 wolkig L bedeckt 1 heiter e« e* s" k? Wo etattonen Sc .? « e b- daparanda 755 S ZeterSburg,75öNW Sctllp Werdern Pari» 756 SSW 756 NW 759 SSW Wetter 2 bedeckt Iwolkenl l'tooltig 2 heiler Lbedeckt aa c� t* WZ, 11 12 16 11 17 Wetterprognose für Mittwoch, den 18. August 1909. Ziemlich warm, zeilweise heiter, aber vorhcrrlchend wolkig mit Ge- Wittenegen. Berliner Wetterbureau. Wasierstands-Nachrlchten der Lattdesan statt für Gewässerkunde, milgeteUt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tstfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratlbor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrlmm , Landsderg Netze, Vordamm Elbe, Leiwicritz , Dresden , Larby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—-) Unterpegel. Allen Bclamiten hierdurch die traurige Nachricht, daß am Sonn- tag, den 15. August, unser lieber Vater, Sohn, Bruder und Bräuti- gam, der Bäckermeister tteinrlck HÜmer nach schweren Leiden im Mter von 39 Iahten entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten 01» trauernden Hinterbliebenen. Rixdorf, den 17. August 1909. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. August, nach« mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Rirdorser Gemeinde« Friedhofes, Maricndorser Weg, auS statt, 983b T odes- Anzeige. Am Soliutag. den 16. August, starb unsere Großmutter und Mutter SozialiiemokratisebJalilYereiii Rixdorf. In der Nacht zum Sonnlag verstarb unser Mitglied, der Bäckermeister Heinrich Hillmer (13. Bczirl). Sei» Andenken in Ehren! Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorser Kirchhofes, am Marien- dorser Weg, aus statt, 235/18 Der Vorstand. Bauschule u.Techmkum. Berlin C., Miinzstr. 7, errichtet 1890. Hoch- und Tiefbau(4 Semester), Btsenivetonitmu! Spezialablcilung f. Steinmetz, Tischler und Schlosser. Tage?- und Abendkurse. Programme s ostenlos durch die 16798« Direktion. verwitwete Winkler im Alter von 72 Jahren an Herzschwäche, nachdem der Tod am 14. Juli ihre Tochter, unsere Sedvester, Schwägerin nnd Tante Klara himveg- raffte. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch nachmittag» 50, Uhr, von der Leichenhalle deS FriedShoseS in Friedrichs. selbe auS statt. Karle, Elise nnd Gnstav Winkler. Zentral-Veplianil iler Maurer Deulschlantls. Zrveigverein Berlin. Sektion der Patzer. Den Mitgliedern zur Nachrlcht, daß unser Ehrenmitglied prite Grätz am 16. August im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 19. August nachmittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle deS HcilaudS-kkirchhoscs in Plötzensen aus, ohne Prediger, statt. DaS Singen ist nicht ge- staltet. Um rege Beteiligung ersucht 134/15 Der Vorstand. Melw Tabakarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Todes- Anzeige. Den MilgNcdcm zur Nachricht, daß unsere Kollegin, dle Zigarette»- arbeiterin Katbarina Gerstinann am Sonntag, dcn 15. d. M., nach laugen schweren Leiden ver- storven ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am DoimerStag, den 19. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Michael- Kirch- hoseS, Rixdorf. am Mariendorscr Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 187/12 Die OrtSverwaltung. Beutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Otto Mückenheim am 14. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 18. August,»ach- mtttagS ill. Uhr, von der Halle des ZentralsriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. 88/10 Die OrtSverwaltung. llr die so überaus liebevolle Teil- nähme bei dem schmerzlichen Verlust meines unvergeßlichen, dahiugeschie- dene» ManneS, meines liebe» SohueS, Schwiegelsohnes, Bruders, Schwagers und Onkels, des RestaurateurS Herrn k�ritT Mücke sage im Namen sämtlicher Hinter- bliebenen dem Sozialdemolratischen Wahlvereln und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, besonders dem Gesangverein»Freier Männer- chor- und dem Gesangverein»Eres- cendo'-Berlin, ebenso dem Gastwirte- verein NowaweS meinen herzlichsten Dank. g86b NowaweS, den 17, August 1909, Die trauernde SÄitwe Clara BUckc. . Stiel- 1. Salamiwst a Pfund 1.10 Mk. Täglich frische Wiener(3 Paar 50 Pf.) Fraustädter Würstchen(3 Sßaar 25 Ps.). Sämtliche OäflSB'ÄllikBli anerkannt beste Ware.(92/6 ttermann Meissner, Berlin 0., Klosterstr. 93-95. Berliner Spar- nnd Bauverein Angetragene Genossenschast mit beschränkter Hastpflicht. Sonntag, dcit 29. August 1909, vormittag» 9 Uhr, in den Sophie»'Säle», C., Sophien- straße 17/18: Aaficrordcntllche General-VersammiuDg. Tagesordnung: Abänderung deS§ 9 Ziffer 3 im Statut. 9696 Der Vorstand. L. Schmidt. Ernst Roscher. Uilligets Bezugsquelle j gedleg.TraDerganlerolie Itfestmannsl Trauer-Magazin | Berlin W., Mohrenstr. 87a 1 NO., Gr. Frankf. Str.>15. s I Genaue Beachtung I i meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Kunstgeigenbauer E. Toussaint BERLIN 0. Joachimstraße HC, liefert Reparaturen, aus Wunsch zugleich mit vorzgl. Tonverbesscrung. Spezialität: Erzeugung des alt- italienische» Tinivrcs für große Säle an alten :: und neuen Geigen.:: Säbiges Honorar.* llfii erfrijifiicii; Asew, Harting& Co. Hinter den Kulissen der rusfischeu Geheimpolizei und Revolution. Von Jean Longnet und Georges Silber. Mit einer Einleitung von W. Burzew und einem Vorwort von Jean JaurbS. Preis bimd. 3 Ii., geb. 4 M. Ferner bringen wir in emp- ehlende Erinnerung die Bro- chüre von Leo Deutsch llll. 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Für den Inseratenteil verantw.i Th, Glocke, Berltn, T-rud u, Verlag'.BorwärtH Luchdruckerei u, VerlagsaiistM P.S»I Singer ti Ev„ Berlin SW, Kr. 191. 26. Jahrgang. 2. fititat Ks Jjtmirtf Derlim WlksM Miwoch, 18. August MS. Partei- �ngelegendeiten. Steglitz. Umständehalver findet der nächste DiSlussionSavcnd des Wahlvereins nicht am Mittwoch, den 18. d. Mts., sondern am Montag, den 23. d. Mts., statt. Der Vorstand. Königs-Wusterhanse» und Umgegend. Die Parteigenofien und Genossinnen werden hierdurch auf die heute abend 8 Uhr im Wedhornschen Lokale stattfindende aufierordentliche Gcneralversamm- lung hingewiesen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen G r o g e r- Rixdorf. 2. Ergänzungswahlen des Vorstandes. 3. Ver- schiedenes._ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Bessere Zeiten? Der Mitgliederbestand der Krankenkassen ist in Berlin seit einigen Monaten endlich wieder etwas weniger ungünstig, als er im Vorjahre um dieselbe Zeit gewesen war. Die Orts-, Fabrik»- und JnnungSkrankenkassen hatten Anfang Juli vorigen JahreS 717 148 Mitglieder gehabt, Anfang Juli dieses Jahres hatten fie 727 216 Mitglieder, es ist also ein Plus von 10 668 zu verzeichnen. Viel ist das freilich nicht, gegenüber dem Mitgliederbestand des Vorjahres macht eS nur 1,4 Proz. aus, so dag die Besserung des Arbeitsmarktes, die auS der Zunahme des Mitgliederbestandes gefolgert werden könnte, noch kaum ins Ge- wicht fällt. Dieser.Aufschwung' verliert noch mehr an Bedeutung, wenn man sieht, dafi an dem Plus von 16 668 das Heer der zur Ver- sicherung verpflichteten Mitglieder mit nur 6649, aber die kleine Gruppe der freiwillig versicherten Mitglieder mit 4619 beteiligt ist. Verpflichtete wurden gezählt im vorjährigen Juli 672 146, im diesjährigen 678 139, daS sind um nur 6,9 Proz. mehr. Freiwillig aber waren versichert im vorjährigen Juli 4S663. ,m diesjährigen 49 627, um 8,9 Proz. mehr. In Zeiten der Arbeits- I o s i g k e i t pflegt die Zahl der sich freiwillig weiter versichernden Personen erheblich zuzunehmen, und diese Wirkung deS Beschäftigungsmangels ist denn auch in Berlin in den letzten Jahren ganz besonders deutlich hervorgetreten. Lehrreich ist auch die Sonderung der Mitglieder nach dem Ge- schleckt. Von Juli zu Juli mehrten sich/, Uhr. statt nnd zlvar bei Hunnnsl, Sophienstr. 5. Lese- und TISknticrttnb„Südost'. Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei H. Reibhardt, GSrlitzer Straße sz. chäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierkluv„Heinrich feine«. Heute abend L'/. Uhr Sitzung bei Bolz«, Nobenbergstrah« S. äste willkommen. Sericbts- Leitung. Haftpflicht infolge fahrlässiger Auskunft seitens brS Rechtsanwalts. Der Kaufmann S. in Ilversgehofen zögerte, zu feinet Stammeinlage bei den Thüringer Blechiüdustrie- werken rückständige 13 090 M. zu zahlen und wurde deshalb mit Ausschluß bedroht. S. holte sich bei dem Rechtsanwalt Dr. sur. N. Rat darüber, ivas er zu tun habe, und ob er den Ausschluß durch Hinterlegung des Restbetrages abwenden könne. Diese Hinterlegung bezeichnete N. als„geeignetes Mittel" zur Abwendung des Ausschlusses. Trotz- dem wurde S. ausgeschlossen, und zwar, wie in diesem Rechtsstreit angenommen wird, mit Recht. Da S. durch den Ausschluß alle seine Rechte gegen die Gesellschaft verloren hat, machte er nun den Rechtsanwalt N. wegen des fahrlässigerweise falsch erteilten Rates durch Widerklage in Höhe von 36 000 M. hastbar, während N. Klage dahin erhoben hatte, daß dem S. Ansprüche gegen ihn nicht zustehen. Das Landgericht Erfurt trat dem Rechtsanwalt bei und er- kannte auf Abweisung des Widerklägers. Auf die Berufung deS Beklagten und Widerklägers wurde jedoch der Kläger vom Ober- landesgcricht Naumburg mit seiner Klage abgewiesen und auf die Widerklage des S. hin wurden dessen Haftpflichtansprüche dem Grunde nach als gerechtfertigt anerkannt.- Die vom Kläger beim Reichsgericht eingelegte Revision hatte keinen Erfolg. Der III. Zivilsenat des höchsten Gerichts- Hofs erkannte auf Zurückweisung der Revision. Der erkennende Senat sieht als erwiesen an, daß nach der Amiahme des Berufungsgerichts der ursächliche Zusammenhang zwischen der unrichtigen Auskunft und dem Schaden gegeben sei, weil der Beklagte gezahlt und den Schaden abgewendet haben würde, wenn ihm der Kläger den entsprechende n Rat gegeben und gesagt hätte, daß er unbedingt zahlen müsse, wenn er die Ausschließung abwenden wolle. Auch die Feststellung, daß die vom Kläger erteilte Auskunft unrichtig war und der Kläger durch die Erteilung dieser Aus« kunst fahrlässig handelte, sieht das Reichsgericht als durchaus zu- treffend begründet an. Das Oberlandesgericht führte mit Recht an, daß der Kläger mit der Möglichkeit rechnen mußte, daß der Ausschluß des Beklagten durch den Rechtsweg nicht abzuwenden sein werde und daß deshalb sein einziger und unabänderlicher Rat sein mußte:„zahlen! Wenn der Kläger aber geglaubt habe. daß wegen Unsicherheit der Verhältnisse der Beklagte ein Recht zur Hinterlegung nach§ 372 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gehabt habe, soo stelle das einen für einen Rechtsanwalt nicht entschuldbaren J'rrtum dar. Der Kläger hätte den Beklagten auf jeden Fall darüber aufklären müssen, daß die Hinterlegung die Rechtswirkung der Zahlung nicht habe. Hier- über sei sich der Kläger aber anscheinend selbst nicht klar ge» Wesen. Die Behauptung, daß den Beklagten mitwirkendes Ver» schulden treffe, sei unbegründet. Vom Begriff des TrSdelhandelS. Auf Grund des§ 38 der Gewerbeordnung sind am 30. April 1901 Vorschriften des Handelsministers über den Trödelhandel er- gangen, inlbesondere darüber, wie die Trödler ihre Bücher zu führen haben. Der Altwarenhändler Scholz besaß VaZ vor» f:schriebene Geschäftsbuch, er trug aber nur die alten Kleidung?- ücke ein, die er einzeln gekauft hatte. Gebrauchte Sachen, die er in größeren Partien bezog, trug er nicht ein. Dazu hielt er sich nicht verpflichtet, weil es nicht mehr zum Trödel- Handel gehöre. Er wurde jedoch in zweiter Instanz wegen Heber» tretung der Ministerialvorschristcn zu einer Geldstrafe verurteilt und der Ferien-Strafsenat des Kammergerichts verwarf die Re- Vision des Angeklagten. Der Senat nahm an, daß unter den Be» griff des Trödelhandels der Ankauf und Verkauf von gebrauchten Sachen auch dann falle, wenn es sich um größere Partien handele. Das gehe aus dem§ 36 der Gewerbeordnung hervor, wo erst vom Trödelhandel und dann, als von etwas besonderem, vom Klein- Handel die Rede sei. Sch. hätte die in Partien bezogenen alten Sachen ebenfalls eintragen müssen, wie es für den Trödelhandel vorgeschrieben sei. VennilcKtes. Automobilungkück. Wie die„Pfälz. Presse' meldet, ist vorgestern abend zwischen Landstuhl und Kindsvach ein französisches Anto» mobil, da« sich auf dem Wege von PariS nach Marienbad befand, bei der Wettfahrt mit einem v-Zuge gegen einen Baum gefahren und explodiert. Zwei Damen, eine Herzogin und eine Gräfin, sind lebensgefährlich, eine dritte Dame und zwei Herren schwer verletzt. Die Verletzten wurden nach dem Krankenhaus« in Landstuhl ge- bracht. Nach neueren Nachrichten erlitt bei dem Automobilunglück nur die Witwe G a i l l a r d eine schwere Gehirnerschütterung. während die übrigen Insassen mit leichten äußeren Verletzungen davongekommen sind., Ein Raubmord hat sich in Bleckcndorf bei Egeln«eignet. Die in dem Dorfe wohnende greise Witwe Löttel wurde in ihrer Schlaf- kaminer ernwrdet aufgefunden. Der Mörder hatte seinem Opfer eine Schnur um den Hals geschlungen und hinten zugeschnürt. Al» Täter kommt ein Mann namens Stephan in Betracht der früher beim Sohne der Ermordeten als Karussellarbeiter beschäftigt ge- wescn ist. Er ist gelernter Schlosser; an der einen Backe befindet sich eine 6 Zentimeter lange Narbe, auf einem Arm ist die Zahl 1830 und zwei Buchstaben eintätowiert; er spricht gebrochen deutsch. fließend polnisch. Das Erdbeben in Mexiko am 30. Juli hat, wie uns nachträglich noch ans Toluca berichtet wird, einen viel größeren Schaden an» gerichtet, als zuerst angenommen wurde. Scapulco am Stillen Ozean ist fast ganz zerstört. In Mexiko und Morelia sind eine große Anzahl Gebäude beschädigt. Seit vielen Jahren ist Mexiko nicht von einem ähnlichen Erdbeben heimgesucht worden. Eine FenerSbrnnst hat, wie auS Glasgow berichtet wird, in der dortigen Jngramstrahe mehrere mit wertvollen Gütern, nainent» lich mit Musselin und Kurzwaren vollgespeicherte Gebäude ver» nichtet.______ briefharten der Redahtion« Tie luriftlsch« epreARanke s«»det LiNdeastea»« a,«weite»»of, dritter Einaaiig, vier Treppen, ZM- Fahrstuhl wmhentöglich abendS von 7-� diS Sih Uhr statt. GeSfknet 7 Nh». SonnadeiidZ dretnn» die Sprechslunde in» 8 Uhr. Jeder Aiifraar ist rt« Buchstabe und eine Zahl als Merl, eichen betzustisteu. vricsltche«»twart wir» nicht erteilt.«>» zur Beantiuartnnst im Brleflafteu lüunitl U Tag» vtrgetze». tfiitgc Frage« trag, man In der Sprcchstnnd« vor. — August Ebeling. Ihr« Vermutung ist nicht richtig. ES kann jeder Abgeordnete Schluß der Debatte beantragen.— C. ttö. 14. Fllr Preußen besieht jetzt eine solche Steuer.— Bremen LS. Ob und snivieweit das Buch anttguarischen Wert hat, vennbgen wir von hier aus nicht zu be- urteilen. Wollen Si» dasselbe einmal einem Antiquar zur Begutachtung vorlegen.— A. B. L. Mit dem Ablaus der 26. Woche hört die Ver- psltchlung der Kasse auch dem Kranlenhause gegenüber aus. Für die spätere Zeit muß tnaunel» anderer Verpflichteter die Armcnverwaltung cintreien. — F. H. 1. Wolle» Sie nicht einmal«wen Band deS.Sinipliclssimus' nachschlage», vielleicht finden Si« dann das angesragte Gedicht.— K IUI er» 16. Mitglieder zählt der baherisch« Landlag 167, darunter Ll Sozialdemokrateii. Für die Sozialdemotralt« wurden bei der letzten Landtagkwahl 160 64« Stimmen abgegeben.-- C. W. LL. Die Be« dingungcn, unter denen Arbeiter bei der Bahn ausgenommen tverden,«r» jähren Sie in den Bclriebswerlstältcn bezw. den Bauämtcrn. Meldungen können Sie schristlich oder mündlich cinbringm. M. 1009. Stein. — M. Sch. 30. Ihr« Zuschrist gedenlc» wir dei anderer Gelegenheit einmal mitzuverwendcn. 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Die Raben« ftewertn. Anfang K Uhr. Neues köuigltcheS Opcrntheater. sGura.Oper.) Salome. Deutsches. Ketten. Kamm erspiele. Freund Jack. Lesstng. Die gelbe Nachlisicill. Berliner. Einer von unsr« Lcut. SieucS. Sein Sündenregister. Neues Schauspielhaus. Miß Dndclfack. Thalia. Prinz Bufst. Komische Oper. Residenz. Kümmere dich um Amelle. tebbel. Frau WarrenS Gewerbe. rianon. Liedesgewitter. LnstsPielhauS. Familie Schimek. Neues Operetten. Die Dollar« prinzestin. Kleines. Moral. Westen. Der fidel« Bauer. Schiller O. i»allner« Theater.) Biester» Millionen. Schlilcr Eharlottenbnrg. Madame Bonivard. Friedrich- WtlbelmstSdt. Schon, spielhanS. Zar u. Zimmermann. Luisen. Der stille See. Jolies Eaprire. Drei Franenhüte. Der Deserteur Usw. Ans. S>/, Uhr. Aletropol. Die oberen Zehntausend. ?lpvü». Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. SlkamS Friseur. Mew»- Tochter. Wintergarte«. Spezialitäten. Baüage. Spezialitäten. Bernhard Rase. Der Tanzhusar. Walhalla. Svezialiläten. W. NoackS Theater. 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Operette in 3 Alten von Leo Fall. fsIgljsllZll'VfIIIlSlM8Mi8v!lS! Zctoplslliaus. Mittwoch, 18. August. Ans. 8 Uhr: Populäre Borstellung bei halb.Preisen- Zar und Zimmermann. Donnerstag: Die Afrikanerin. Freitag: Die Zaubcrdfite. Sonnabend: Oer Widertpenstigen Zähmung. Lustspielhaus. Abend» 8 Uhr: Familie Schimek. EfMRDRüMAI (8t. Frankiurler Str. 132. Sldend» 8 Uhr: Der Tanzhusar. Lustspiel in 3 Akten v. H. Pohlmann. Aus der Gartcnbühne Ans. 4'/, Uhr. Iheetervoreleliung. Speiiaiitliten. Keiehshalleu-Theater. Wochent. S Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Sclililei* Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abend» 8 Uhr: Brestcra Millionen. Lustspiel in 4 Alien von Wmchell Smhit und Byron Ongley. Donnerstag, abendsSUHr: vreator. Millionen. Freitag, abend» 8 Uhr: Macbetb. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Martamc Bonivard. Schwank in 3 Alien von Alexander Bisson und Antonh Mar». Donner»>ap.abcndSSUHr: Ein Ert'olg. Freitag, abend« s Uhr, Ein Erfolg._ Urania. 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August, ringen: Burghardt-Oesterreich gegen Gehhardi-Berlin. Ixa-Australien gegen HiSmann-Westfalen. Kiohailot- Rustland gegen Gggeberg-Finnland. Jaksen• Schottland gegen Potitjean- Elsaß-Lothringen. Vor den Ringkämpfen: Auftreten erstklass-SPezialitäten mit Pe. Sobanski. UZtyMIUIII Landsberger Allee 40/41, Ecke Petersburger Straße. gy Heute sowie täglich TSW im prachtvollen Nawrgarten: Vorstellunx abwechselnd von dm der btstituoinmiertestk« ZLugergesellschasteu. Verem-Zrsusreij stixilork, Hennaunstr. 214/219. Oekonom: Max Wendi gor* xagiich:~v9 Gr. Militär-Konzert. Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Entree 15 Pf. Arnold Scholz ÜGUe Hasenheide 108/114 Heute Mittwoch, den 18. August: Großes Ernte-Pankfest. Bonbonregen.— Kinderbelustigungen aller Art.— Fackelzug. Me Oralimrlosis.'VÄmÄSISÄ'"' Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Voranzeige I Sonnabend, 21. August: Großes Sommerfest der Internationalen Artistenloge. 25 auserlesene Nummern. Restaurant Kyffhäuser, Niader-Schöneweiile. 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