Nr. 99. Erscheint täglich außer Montags. Brets pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708. Vorwärts 10. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgefvaltene Betttzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochentagen bis 7 or Abends, an Sonnund Fefttagen bis 9 1hr Vormittags geöffnet. Sernsprech- Anschlus Aut I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Abonnements- Einladung. Freitag, den 28. April 1893. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Mit dem 1. Mai eröffnen wir ein neues Abonnement lanbläufigen Anschauung, daß man die Industrie in Beiten weiten Regelung der Arbeit weiblicher( und jugendlicher) auf den Vorwärts" Berliner Volksblakk mit der illustrirten Sonntagsbeilage Neue Welt". Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, fowie Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, fowie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen zum 1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus, monatlichen Preise von wöchentlich 28 Pfennige. Für außerhalb nehmen sämmtliche Poftanstalten Abonnements zum Preise von 2,20 Mark für die Monate Mai und Juni entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.) Wir ersuchen unsere Postabonnenten höflichst, das Abonnement rechtzeitig aufzugeben, damit die regelmäßige Zustellung des Blattes feine Unterbrechung erleidet. Die Redaktion und Expedition des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Arbeiterschutz und Unternehmer in Bayern. " Der Vorschriften erleichtert. Ohne die Krisis hätten die Herren diesem Jahre wieder ganz besonders. Der oberbayerische Fabrikanten also weit heftiger opponirt. Nebenbei liegt in Inspektor schreibt wörtlich:" Einigermaßen hängt übrigens solchen Aeußerungen eine recht interessante Widerlegung der die verhältnißmäßige Seltenheit von Anträgen zur anderschlechten Geschäftsganges nicht mit neuen Arbeiterschutz- Personen zweifellos noch mit einer Mangelhaftigkeit im Vorschriften belasten" dürfe; es scheint, als wenn dies Vollzuge der gesetzlichen Bestimmungen zusammen". gerade die geeignetste Zeit für solche Maßregeln wäre. oberbayerische Beamte spricht von der geringen Theilnahme Außerdem kommt in Betracht, daß nach dem bayerischen seitens der Ortspolizeibehörden". Für sozialdemokratische Schulgesetz die Schulpflicht bereits mit dem 13. Jahre auf Versammlungen kann diese geringe Theilnahme" nicht hört, in Bayern also die Unternehmer vorzugsweise von beklagt werden. Der Fabrikinspektor für Oberpfalz und der Halbheit des neuen Arbeiterschutzes profitiren, welche Regensburg meint: wenn die Aufsicht durch die richtige 13jährige Kinder, die nicht mehr schulpflichtig sind, ruhig Mitwirkung der Ortspolizeibehörden wirksam unterstützt weiter der Ausbeutung überantwortet. Jetzt möchten Sie werden würde, so könnte mindestens die Durchführung bayrischen Fabrikanten nur noch haben, daß sie die neuer Bestimmungen rascher erfolgen und viel Zeit für 13jährigen Wesen statt nur 6, auch volle 10 Stunden wie andere Aufgaben gewonnen werden." bie jugendlichen von 14-16 Jahren ausnuten dürften. und Aschaffenburg heißt es: Nur in einigen Städten Für Unterfranken Zwei Gewerbe- Inspektoren, die für die Pfalz, sowie für wurde bemerkt, daß ortspolizeiliche Aufsicht über die jugendUnterfranken und Aschaffenburg, berichten von diesem christlichen Arbeiter geführt wurde." Was ist es da zu verlichen Wunsche ohne ein Wort der Abwehr. So wundern, daß verbotene Kinderbeschäftigung, Nichteinhal hoch werden die Bäume wohl nicht in den Himmel wachsen! tung der Arbeitspausen, Ueberschreitungen des MaximalKommt doch hinzu, daß nach den Uebergangsbestimmungen arbeitstages für jugendliche Arbeiter und Nachtarbeit der Gewerbe Ordnung 12 und 13jährige Kinder, die be- derselben in jedem Bezirk mehrfach beobachtet wurden. Er reits vor dem 1. Juni 1891 beschäftigt waren, ohnedies muthigen doch zwei Aufsichtsbeamte, die für Oberfranken ruhig in der bisherigen Weise weiter abgerackert werden und Schwaben und Neuburg die Fabrikanten geradezu zu Gefeßesübertretungen, indem sie in die beweglichen Klagen schäftigung jugendlicher Arbeiter in Bayern, die den Be- neuen Arbeiterschutz Bestimmungen mit vollem Munde Bahlenmäßig geht aus den Uebersichten über die Be getränkter Unternehmerseelen über die schwächlichen richten beigefügt sind, hervor, daß im Bajuvarenlande that- einstimmen. Nach dem erstgenannten fann die fächlich die Kinder und jugendliche Arbeit in Fabriken trotz Nachtarbeit der Frauen in einer Konserven Fabrik anderen Bundesstaat abgenommen hat. Die Anlagen mit und nach dem anderen ist die Nichtbeschäftigung 13jähriger dem neuen Arbeiterschuß so geringfügig, wie in feinem ohne empfindlichen Verlust nicht entbehrt werden", durften. A " jugendlichen Arbeitern vermehrten sich von 1890 auf 1892 Kinder, bezüglich deren sich viele Unternehmer den diesvon 2155 auf 2487, die Ziffer der industriell beschäftigten bezüglichen Gesetzesbestimmungen absolut nicht unterwerfen Kinder sank nur von 2140 auf 1642, während sie sich in wollen", im Interesse der Sittlichkeit zu beklagen". Solche Sachsen und Baden auf mehr als die Hälfte reduzirte, und Anschauungen sputen noch in den Röpfen staatlicher die Zahl der jugendlichen Arbeiter stieg munter bayerischer Gewerbe- Aufsichtsbeamten. Uebrigens ist es gar weiter von 14 760 im Jahre 1890 auf 15 419 im nicht richtig, wie der oberbayerische Inspektor es thut, von Eine Art Guerillakrieg mit den Unternehmern hatten Jahre 1892. Der Geschicklichkeit, mit welcher diese einer Seltenheit" der Anträge der bayerischen Unternehmer auch die bayerischen Gewerbe- Inspektoren, deren Bericht für bayerische Fabritarbeiter Statistit alle zwei Jahre auf wegen Ausnahmebestimmungen zu sprechen. Dem einzelnen 1892 fürzlich erschienen ist( bei Th. Ackermann in München gemacht wird, ist es zu verdanken, daß man dabei Beamten ist eben die Uebersicht erschwert, weil zu dem ganz enormen Preise von 4,80 Mark!), wegen der gar nicht erfährt, ob die Zahl der erwachsenen männlichen nicht einmal im vorliegenden Berichtsband die Zu Ausführung der neuen Arbeiterschutz- Bestimmungen durch Arbeiter zu- oder abgenommen hat. Fand wie wahrschein- sammenstellung aller bewilligten Ausnahmen für ganz zumachen. Mehrere der Beamten berichten zwar, daß sich lich das letztere statt, so wäre die Zunahme der jugendlichen Bayern addirt gegeben gegeben wird, sondern nur für D " die neuen Vorschriften bezüglich des Verbots der findlichen Arbeiter um so bedenklicher. Bezüglich der erwachsenen jeden Bezirk vereinzelt. Wir haben uns ber Arbeit unter 13 Jahren, der Nachtarbeit für Frauen und Arbeiterinnen läßt sich nur feststellen, daß sie von 1881, Wühe der Addition unterzogen und festgestellt, daß im gedes elfstündigen Maximal- Arbeitstages für lettere leicht" wo die erste Bählung stattfand, auf 1892, wo endlich wie sammteu Königreiche Bayern im Jahre 1892 für nicht und ohne Schwierigkeiten" einführten( Oberbayern, Ober- der zum zweiten Male gezählt wurde, von 25 537 auf nicht weniger als ca. 6200 Arbeiterinnen der verschiedensten Ge pfalz und Regensburg, Mittelfranken, Schwaben und Neu- weniger als 50 104 Röpfe wuchsen. Da ein Inspektor be- werbegruppen Ueberarbeit von 1 bis 3 Stunden Dauer für burg). Aber ihre sonstigen Mittheilungen widersprechen merkt, daß das Zuströmen weiblicher Kräfte in die Fabriken nicht weniger als ca. 5500 Betriebstage ausnahmsweise bediesem Urtheile theilweise direkt, oder sie schränken es auch ihm besonders aufgefallen sei, so liegt der Schluß willigt worden ist, und dies auf eine Gesammtzahl der Arwenigstens mit Bezug auf den guten Willen der Unternehmer nahe, daß jugendliche Arbeiter und Frauen wie in Sachsen beiterinnen von ca. 50 000, während in Baden unter einer wesentlich ein. So heißt es verschiedene Male, der ruhige so auch in Bayern immer mehr die Ausbeutungsobjekte der guten Gewerbe- Inspektion zu gleicher Zeit auf eine Gesammtd. h. schlechte Geschäftsgang des Jahres 1892, der ohnedies Unternehmer werden. zahl der Arbeiterinnen von ca. 36 000 nur für 6102 Ars vielfach eine Reduktion der Arbeitszeit und Arbeiterzahl Von der Mangelhaftigkeit der Aufsicht, namentlich der beiterinnen 2603 Betriebstage für Ueberarbeit freigegeben mit sich gebracht habe, hätte die Einführung der neuen ortspolizeilichen, berichten die bayerischen Beamten auch in wurden. So steht also Bayern auch bezüglich der AusFeuilleton. achorud verboten.) [ 74 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniak. Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. " Beigen Sie mir, was Sie im Sacke haben." Warum? Es ist nichts darin, das Ihnen gehört," sagte Andrej in verdrießlichem Tone." Wir verlieren nur Euretwegen nutzlos die Zeit." Thun Sie, was Ihnen befohlen ist, und geben Sie wohl Acht," sagte der Polizist streng. Andrej legte den Sack um die Schultern und wollte, da er diesen Vorfall als erledigt betrachtete, weitergehen. Aber jetzt beugte sich der andere Polizist, ein hagerer Bursche, mit einem boshaften pockennarbigen Gesichte, der bis dahin keinen Antheil an den Vorgängen genommen hatte, zu seinem jähzornigen Gefährten, der augenscheinlich sein Vorgesetzter war, herab und flüsterte ihm, auf Andrej's Stiefel zeigend, einige Worte zu. " Ah, halt!" rief der Andere, sich vor Andrej hinstellend. Ihr müßt nach der Polizeiwache gehen." Gregor blieb von selbst stehen. Er zweifelte nicht, daß alles verloren war. " Warum auf das Polizeiamt?" fragte Gregor. bin nicht betrunken und mein Paß ist in Ordnung." Das werden Sie dort sehen! Wir müssen Euch Aber warum?" Wir sind dazu verpflichtet." " halten." Sein Gedanke war, Gregor wegzubringen. Allein würde er sich sicherer fühlen und ebenso gut fertig werden. Die Polizisten schienen nichts dagegen zu haben, daß Gregor in die Stadt zurückging, sie hatten für einen solchen Fall teine Instruktionen. Gregor rührte sich aber nicht. Er merkte Andrej's Absicht, welche vom sachlichen Standpunkte aus sehr natürlich und richtig war. Er konnte es aber nicht über sich bringen wegzugehen und ihn in solcher Situation allein zu lassen. ch möchte lieber nicht," sagte er; Ephim Gamrilisch ist so eigenthümlich. Er würde böse sein, wenn man ihn wegen solch einer Kleinigkeit störte." Andrej konnte nicht weiter in ihn dringen.„ Gut, gehen wir dann sofort zum Polizei- Amt. Wir haben es sehr eilig." Ich anEr wollte den Ort ohne jeden Fluchtversuch verlassen, denn das Thor war bereits von Vorübergehenden umdrängt, die stehen blieben, um den Streit anzuhären. Wartet auf die Patrouille," erwiderte der Polizist Wir können unsere Posten Euretwegen nicht ver" " Andrej zuckte mit den Achseln und öffnete mit halb spöttischer, halb ärgerlicher Miene den Sack. Der Polizist Die Sache begann eine sehr üble Wendung zu nehmen. kurz. sah sich den Inhalt an und schien selbst zu empfinden, Es war leicht, diese beiden Dummköpfe unschädlich zu lassen. wie albern es wäre, seine Zeit und die anderer Leute zu machen, aber schwer bei hellem Tageslicht zu Fuß zu Sie entfernten sich einige Schritte, ließen sich auf den vergeuden. entfliehen. Boden nieder und zündeten ihre Pfeifen an, um sich die Während Andrej schnell den Platz überblickte und über- Beit zu vertreiben. legte, was zu thun wäre, wenn das Schlimmste einträte, Da die Menge nichts Anziehendes an dem Schauspiele protestivte er laut dagegen, daß ein Mensch, der einen Paß fand, zerstreute sie sich nach und nach. Selbst die Polizisten habe, so behandelt werde, rühmte sich der vielen guten An- schenkten ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Die Patrouille stellungen und der Anzahl von Meistern, die ihm die besten konnte aber jeden Moment kommen. Da war keine Zeit Zeugnisse geben würden. „ Und Sie?" wandte er sich an Gregor in viel ruhigerem Tone. " Semjon Schigajew. Auch auf dem Heimwege." " Brüder?" fragte der Polizist. " Ja, Stiefbrüder," erklärte Gregor, der sich erinnerte, wie wenig sie einander ähnelten. Inzwischen näherten sich andere Leute dem Thor, um ihrerseits geprüft zu werden. " Geht," sagte der Polizist, eine unwirsche Handbewegung machend. " Semjon", sagte er zu Gregor mit tugendhafter Entrüstung, gehe und bitte Arfipow's Geschäftsführer hierher zu kommen. Es ist nicht weit", erklärte er dem Polizisten und nannte eine benachbarte große Straße. zu verlieren. Zwischen zwei Zügen aus der Pfeife flüsterte ihm Gregor schnell zu: ,, Gieb dem Lumpen ein Goldstück." Andrej nickte. Er hatte auch daran gedacht, es zuerst mit Bestechung zu versuchen. Er wählte einen Moment, nahmen vom Arbeiterschutz, die es den Ausbeutern bereit- uilligst gewährte und welche diese sicher eher zu viel, als zu wenig ausgenutzt haben, unübertroffen da! Die bayerischen Arbeiter haben demnach schwere Arbeit vor sich, wenn sie dem schwächlichen Arbeiterschutz der Ge- werbe-Ordnung in ihrem Lande auch nur einigermaßen Geltung verschaffeu wollen. In Bayern sind bisher auch unseres Wissens noch keine UeberwachungSkommissionen seitens der Gewerkschaften gegründet worden, wie in Baden, Württemberg, Hessen und Sachsen. Diese Kommissionen müffen Beschwerden der Arbeiter über die mangelhafte Durchführung des Arbeiterschutzes zu den ihrigen machen und sie wohl begründet an den zuständigen Gewerbe- Inspektor bringen. Mögen die bayerischen Genossen nicht lange mehr säumen, damit sich das Uebel nicht einfrißt. Denn bei ihnen schaltet und waltet das Unternehmerthum noch wie es will, den neuen Gesetzesbestimmungen zum Trotz, daS beweisen die neuesten Berichte ihrer staatlichen Gewerbe-Jnspektoren. poltftmje U-berNiM. Berlin, den 27. April. Aus dem Reichstage. Die Berathung über den Gesetz- entwurs gegen den Berrath militärischer Geheimnisse brachte heute noch einen kleinen reaktionären Vorstoß aus den Reihen der Nationalliberalen. Bei der zweiten Lesung war ein Antrag Gröber angenommen worden, wonach die Bestimmung, daß neben dem Berrath von„Schriften, Zeichnungen oder anderen Gegenständen" durch die Mittheilung von»Nachrichten solcher Art" an andere mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren und Geldstrafe bis zu 15 000 M. bestraft werden könne, gestrichen wurde. Diese Worte(„Nachrichten solcher Art", welche sich in sieben Paragraphen des Gesetzes wiederholen, wollte nun der Abgeordnete Schneider(Hamm in den Entwurs wieder aufgenommen und damit eme der schlimmsten Bestimmungen dieses mit Kautschukbegriffen schon überladenen Gesetzes wieder in dasselbe aufnehmen. Der Kriegsminister trat mit mehr gutem Willen als Glück für den Antrag ein, das Haus aber lehnte in namentlicher Ab- stimmung mit 131 gegen 97 Stimmen denselben ab. Ein BruchlheU des Zentrums, die ganze Rechte und das Gros der Nationalliberalen stimmten für den Kautschukausdruck. Die ganze Vorlage wurde dann gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Die nunmehr erfolgende zweite Lesung der Wucher- gesetz-Norlage benutzten die Herren Antisemiten Liebermann von Sonnenberg und Dr. Böckel, um den Vorsprung, den ihr FraktionSgenosse Ahlwardt in der Kunst, sich tn den Augen aller anständigen Menschen zu blamiren, gewonnen hatte, wieder einzuholen. Besonders Herrn von Lieber- mann ist diese Absicht in vollem Umfange gelungen. Ein so einstimmiges Pfui! wie es am Schlüsse der Rede dieses Herrn heute, infolge seiner pöbelhasten Aeußerung gegen unseren Genossen Stadthagen, aus dem ganzen Hause entgegenscholl, hat außer Ahlwardt noch kein Redner jemals erzielt. Auch ein Erfolg! Herr Dr. Böckel erregte in den Reihen unserer Ab- geordneten ein homerisches Gelächter mit ver Wtittheilung, daß der Antisemitismus sogar in der sozialdemokratischen Fraktion seine Anhänger habe und zum Beweise dafür sich auf angeblich gedruckte Aeußerungen von— Kunert und Liebknecht berief. Dem Herrn werden morgen die An- gegriffenen den Staar stechen. Die Militärvorlage. In den„Hamburger Nach- eichten" liest man aus Süddeutschland:„Es bat den Anschein, als ob die maßgebenden Kreise in Berlin über die Stimmung in der süddeutschen Bevölkerung durchaus falsch de- richtet sind; sie täuschen sich über die Bedeutung einzelner Kund- gedungen zu gunsten der Militärvorlage und bilden sich«in, es sei leicht, durch allerhand künstliche Mittel das Volk von der Nothwendigkeit der Heeresverstärkung gerade in der von der Regierung beliebten Weise zu überzeugen. Man gewinnt wenigstens diese Meinung, wenn man beobachtet, mit welcher Beflissenheit die offiziöse Presse und insbesondere die„Nord- deutsche Allgemeine Zeiwng" jede Versammlung, und sei sie auch in dem unbedeutendsten Flecken abgehalten, sroh- lockend verzeichnet, wenn sie sich nur zustimmend zur Militärvorlage ausgesprochen hat. Entweder weiß die als niemand dabei war und sagte:—„Höre Freund. Wie viel willst Du haben, um mich meinen Weg in Frieden ziehen zu lassen." „Wie viel willst Du geben?" erwiderte er begierig. „DaS will ich Dir geben," sagte Andrej eindringlich und zeigte einige Kupfermünzen. Wenu er unter diesen Umständen eine große Be- stechung angeboten hätte, wäre sofort der Verdacht erregt worden und alles verloren gewesen. „Nein, es ist zu wenig. Wir sind Zwei. Geben Sie uns einen Rubel!" „Bah! Ich habe nicht so viele Rubel wegzuwerfen. Nehmen Sie einen halben Rubel. Ich würde Ihnen nicht einmal so viel geben, wenn ich'S nicht so eilig hätte." Er besaß indeß nicht die nöthige Ruhe, um so zu andeln, wie er sollte. Er legte etwas zu, und sie waren ald wieder frei. Beim ersten Dorfe mietheten sie einen einspännigen Bauernwagen, und gegen Mittag kamen sie an die Bahn- station. David wartete bereits auf sie und theilte ihnen mit, daß alles in Ordnung sei und kein Spion zu sehen wäre. Diesmal aber bestand Andrej darauf, daß sich die Gesellschaft theile. Sie gingen einzeln zum Billetschalter, suchten jeder einen besonderen Wagen auf und wollten sich aus den Zwischenstationen so benehmen, als ob sie Fremde wären. Erst am Endziele ihrer Reise vereinigten sie sich wieder. Kapitel VII. Daheim. Tanja befand sich allein in ihrem Zimmer. Die un- anfhörliche seelische Qual der letzten drei Tage hatte sie recht elend gemacht. Da kam David mit der Nachricht, daß Andrej frisch und gesund in St. Petersburg angelangt sei und in einigen Stunden bei ihr sein werde. Andrej hatte ihn gebeten, ihr diese Botschaft zu hinterbringen, da er wegen der Kleidung, die er zu wechseln hatte, nicht direkt zu ihr kommen konnte. David war überrascht, daß Tanja keine besondere Freude zeigte, dies zu hören. Der Blick, den sie aus ihn warf, war halb verwundert, halb fragend, als ob er der Ueberbringer offiziöse Presse nicht, wie diese Kundgebungen zu stände kommen. oder sie will nicht wissen, daß es hauptsächlich pen- sionirte Offiziere sind, welche die von ihnen geleiteten Kriegervereine mobil machen und die Mitglieder derselben in sogenannte„patriotische Bereine" zusammenfassen, welche dann, der gewohnten Führung folgend, sich für die Militärvorlage er- klären. Eine Fluth von Flugblättern wird zu gunsten der Militärvorlage verbreitet, deren Inhalt stets derselbe ist und von denen man zwar nicht weiß, aber ahnt, auf wessen Kosten sie verbreitet werden. Da man hier ganz allgemein glaubt, daß die Gelder für diese Agitation aus Berlin kommen, so legt man den scheinbaren Ergebnissen derselben keine Bedeutung bei. Die Gründung eines patriotischen Vereins ist eine sehr einfache Sache: ein Komitee beruft ein, der Beitritt ist unentgeltlich und es kommt nur darauf an, eine einiger- maßen besuchte Versammlung zu stände zu bringen. In dieser hat der Verein seine Resolution zu fassen und dann verschwindet er von der Bildfläche, ohne irgend eine Spur zu hinterlassen. Wenn die Regierung glaubt, mit solchen Truppen eine Wahl- schlacht zu gewinnen, dann wird sie sich täuschen. Augenblicklich wird lediglich diese harmlose Agitation betrieben und die übrigen Parteien bekümmern sich in der Erkenntniß der Bedeutungslosig- keit derselben gar nicht darum, wer etwa an einer solchen Ver- sammlung oder Kundgebung theilnimmt. Dadurch ist wahr- scheinlich bei der Regierung der Glaube entstanden. die Stimmung des Volkes sei namentlich im Süden der Militärvorlage günstig." Diese Ausführungen sind um so pikanter, als sie in dem Leibblatte des Mannes er- scheinen, der dieselbe schnöde Taktik der Wahlbeeinflussung Jahr- zehnte lang betrieben hat.— Aus Rom wird der„N a t i o n a l- Z e i t u n g" telegraphirt: „Als absolut zuverlässig kann ich Ihnen melden, daß bei der Unterredung des Kaisers mit dem Papst weder die Militärvorlage, noch irgend eine andere deutsche politische Angelegen- heil berührt wurde. Der Hauptgegenstand der Unterhaltung waren die sozialen Fragen. Ebenso wird mir authentisch versichert, daß auch in der Audienz des Staatssekretärs von Marschall beim Papste mit keinem Worte von der Militärvorlage die Rede war." Dasselbe Blatt meldet aber in derselben Nummer:„Es wird uns bestätigt, daß die Verhandlungen über die Militär- vorläge mit Herrn von Huene fortdauern, aber hinzugefügt, daß für den Fall des Nichtzustandekommens einer Einigung mit dem Reichstag die Auslösung desselben feststehe." Die „Vossische Zeiwng", die„Kölnische Zeitung", die„National- Zeitung", die sehr erbost sind über die Anrede Wilhelm II. an Leoochowski und ein amtliches Dementi fordern, bekommen in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" einen recht derben offiziösen Wischer. Da heißt es: „Verschiedene nationalliberale Blätter, namentlich die„National- Zeitung" und der„Hann. Kourier", äußern sich sehr erregt über von der„Köln. Volksztg." verbreitete Versionen einer angeblichen Aeußerung des Kaisers zum Kardinal Grafen Ledochowski. Die beiden genannten Zeitungen betonen dringend die Nothwendigkeit einer amtlichen Richtigstellung. Wir wissen nicht, ob dieser Wunsch Aussicht auf Erfüllung hat, und nehmen von der Gereizt- heil der genannten Blätter auch nur Notiz, weil dieselbe für die politische Stimmung des Augenblicks einigermaßen bezeich. nend ist."— Auch der StaaSsekretär des Auswärtigen Am t S, Freiherr Marschall von Bieberstein, ist, um auch diese römische Nachricht zu verzeichnen, am LS. d. M. vom Papst empfangen worden. Und die Entscheidung über die Militär- vorläge steht vor der Thür.— Zahlen beweisen. Der Bericht der Militär- k o m m i s s i o n giebt eine Zusammenstellung der Aus- f;aben des Reichsheeres, aus der hervorgeht, daß die ährlicheu Heereskosten in dem Zeiträume von 1879/80 bis 1893/94 von 361 385 520 auf 583 298 939 M. gestiegen sind. Anlage 26 enthält die Uebersicht der Ausgaben der Reichsverwaltungen in den Etatsjahren 1873 bis 1893/94. In diesem Zeiträume sind die Ausgaben der Marine- Verwaltung von 25 969 000 auf 88 853 599 M. ge- stiegen. Die Reichsschuld erforderte zu ihrer Verzinsung 1376/77 nur 97 929 M., 1893/94 aber 93 975 999 M. Während das Reichsschuldkapital am 31. März 1877 erst 19 338 199 M. betrug, ist es am 31. März 1839 bereits auf 883 773 999 M. gestiegen, um im Etatsjahre 1893/94 die Summe von 1 755 542 499 M. zu erreichen. Und man will dem Volke eine Vorlage aufhalsen, die nach ihrer Durchführung dem Reiche jährlich noch 75 Missionen kosten würde.— Aus der Ferienkolonie. Im„General-An- zeiger" für Marburg lesen wir folgendes Eingesandt: „Den zahlreichen Passanten der Kasernenstraße wurde am Sonntag Nachmittag ein eigcnthümliches Schauspiel geboten. Ein Offizier rief in der Nähe des Museums einen einer unangenehmen Nachricht gewesen wäre, die sie nicht glauben wollte. „Wer sagte es Ihnen?" fragte sie ungläubig. „Niemand. Wir reisten den ganzen Weg von Dubrawnik zusammen und sind auch zusammen an- gekommen. Ick versichere Sie, daß es wirklich Ihr Andrej von Fletsch und Blut war und kein Geist," sagte David lächelnd. Erst nach diesen umständlichen Auseinandersetzungen erwachte Tanja aus ihrer Erstarrung und gab ihrer Freude Ausdruck. Thatsächlich war sie überzeugt gewesen, Andrej fei um- gekommen. Nur fehlte ihrer Folgerung die positive Be- stätigung. Sie glaubte sich aber daraus gefaßt halten zu müssen und versuchte sich keinen trügerischen Hoffnungen hinzugeben, um bei der Nachricht von seiner Verhaftung nicht ganz zusammen zu brechen. Es ist wohl bekannt, daß die Unterthanen des Zaren sich nicht des Vergnügens einer freien Korrespondenz erfreuen. Was die Verschworenen anbetrifft, so schreiben sie fast gar keine Privatbriefe oder beschränken diese Korrespondenz auf's Allernothwendigste. Als Andrej nach Dubrawnik geschickt wurde, konnte sie nicht hoffen, Briefe von ihm zu bekommen. Sie hatte ihm aber das Versprechen abgenommen, ihr jeden Abend ein Zeitungsexemplar mit von ihm geschriebener Adresse zu senden. Das sagte ihr zwar nicht viel über ihn, sie ersah aber wenigstens daraus, daß er noch nicht verhaftet war. Andrej löste sein Versprechen gewissenhaft ein, jeden Morgen um elf Uhr erhielt Tanja regelmäßig ein Exemplar von dem Dubrawnik'schen Blättchen reaktionärster Tendenz und deshalb dem sichersten, welches Andrej finden konnte. Das Blatt bereitete ihr wahrscheinlich mehr Freude als allen übrigen Abonnenten znsanimen. Der Empfang des- elben war fi'tr sie das Hauptereigniß des Tages. Sie war erregt, wenn die Zeit, in der der Postbote gewöhnlich kam, heranrückte und fühlte sich elend, wenn die kostbare Sendung anstatt am Morgen am Nachmittag eintraf. (Fortsetzung folgt.) grüßend vorüber gehenden Jäger heran und ließ sich von demselben mit dem(natürlich dem Jäger gehörenden) Taschentuch die bestaubten Beinkleider und Stiefel auf offener Straße reinigen. An maßgebender Stelle würde daher der Vorschlag wohl Berücksichtigung finden, das Militär für solche Fälle— außer der gebränch- lichen Sonntagsgarnitur— mit einer Staub- und Wichs- bürste auszurüsten."— Vom festen Thurm. Im„Bayrischen Vater- l a n d" liest man:„Schauderhaftes Pech unserer braven Zentrumsleute! Noch ist die erbauliche Ge- schichte von dem liebreichen Zentrumsdcputatus(Herr Rauchenecker, Sigl's Gegenkandidat in Kelheim, soll darüber genauere Auskunft ertheilen können, Red. d. V.) und seiner geliebten Kellnerin, die ihn mit schreienden Beweisen seiner Frömmigkeit erfreute, nicht verklungen, klingelt es schon wieder von einem anderen Zentrums- deputatus, der auch ein übergefühlvolles Herz besitzt, aber weniger gegen die eigene züchtige Hausfrau, auch— diesmal— nicht gegen Kellnerinnen— die, wie Professor Lasaulx sagte—„auch leben sollen, wenn sie schön sind"— sondern zu seines Nächsten Hausfrau, und jetzt haben sie gar einen richtig auf's Bankl gesetzt, den braven Herrn Menzinger,„Patriot", Bürgermeister und durch der Dummen Wahl Landtagsdeputatus von Deggendorf. Selbiger brave Zentrumsmann kam gar wegen gemeiner„Untreue im Amte" durch Holzdiebstahl:c. auf's Bankl, eine Menge Zeugen sagten sehr gravirliche Dinge über ihn aus und der Staatsanwalt beantragte dann 1 Monat Gefängniß, 500 Mark Geldsttafe und auf 2 Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte!„Patriot" Menzinger tvill natürlich„nur zum Wohle der Stadt und seiner Mit- bürger" gehandelt haben. Natürlich! Das Urtheil wird erst in 8 Tagen verkündigt; der biedere„Patriot" hat aber auch ohne Urtheil schon genug und ist fertig für immer."— Die„Süderländische Volks- Zeitung", das in Attendorn, in Fusangel's Wahlkreis, er- scheinende Zentrumsblatt schreibt: „Wehe dem Zentrum, wenn der Geist, der bei dieser Wahl die Zentralleitung beherrscht hat, sich dauernd festsetzen sollte. Dann wäre das Ereignißim Wahlkreise Olpe- Meschede-Arnsberg der erste Nagel zum Sarge des Zentrums gewesen und die Verantwortung für den Untergang dieser für das katholische Volk hochbedeutsamen Parket würde, nach Lage der Umstände allein der Zentrums- leitung, welche im Interesse der Partei-Oraanisation und um nicht das Thun und Treiben einzelner ihrer Mitglieder zu desavouiren, mehr als IS 000 Zentrumswähler glaubte schroff vor den Kopf stoßen zu dürfen, mir Sagen, die schwere Verantwortung für die Trennung des acholischen„Volkes" von der Zentrumsfraktion würde letzterer einzig und allein aufzuerlegen sein.... Mit und auch ohne Zentrum, wenn essein soll und muß, wird die katholische Sache vertreten werden. Wenn aber die Behandlung des von uns gewählten Abgeordneten für jeden Wahlkreis hätte schmerzlich sein müssen, dann müssen wir es um so tiefer empfinden, als gerade der Wahlkrets Olpe- Meschede- Arnsberg derjenige gewesen ist, welcher mit der Wahl des Abgeordneten Peter Reichensperger den G r u n d st e i n zum Zentrum gelegt hat und sicher den Grundsätzen der Zentrumspartei treu bis in den Tod bleiben wird." Zum Schluß fordert das Blatt aus, an Fusangel festzuhalten.— Der Limonaden-„Neformer" Oechel Häuser erklärt, er wolle im 2. anhaltischen Reichstags- Wahlkreise kein Mandat mehr annehmen. Nun, die Sozialdemokratie dieses Wahlkreises hätte ihm ohnedies wohl die Mühe der An- nähme erspart.— Keine fakultative Feuerbestattung. Die Erste hessische Kammer hat mit 12 gegen 11 Stimmen nach längerer Debatte den von der Zweiten Kammer mit großer Mehrheit angenommenen Antrag auf Einführung der fakttl- tativen Feuerbestattung abgelehnt. Die Erste Kammer hat getreu ihrer junkerlich-pfäffischen Zusanimensetzung gar nicht anders handeln können. Aber die Zweite Kammer vermag, wenn sie nur ernstlich will, die widerhaarigen„Lords" des hessischen„Oberhauses" zur Raison zu bringen.— Frau Hammonia, die schlotterichte Königin von Geldsacksgnaden hat sich— schwer genug ist's ihr ge- worden— endlich bemüßigt gefunden, eine ihrer vielen Blößen, die sie dem Gespött der Welt preisgeben, noth- dürftig zu bedecken. Gestern hat die Bürgerschaft mit Ach und Krach die ihr vom Senat vorgelegte Nothstands- Novelle zum B a u g e s e tz angenommen, die für die nächste Zukunft den schlimmsten Schäden der Wohnungsmiscre einigermaßen abzuhelfen berufen ist. Auch hier hat es erst des Hinweises darauf bedurft, daß man sich vor allem vor der Sozialdemokratie zu schämen habe, wenn man nicht diesen ersten Schritt zur Besserung mache. Das Wolff'sche Telegraphenbureau meldete über die betreffende Sitzung:„Die Bürgerschaft berieth heute in Gegenwart von zwei Senatskommissaren eingehend die vom Senate vor- gelegte Nothstandsnovelle zum Baupolizeigesetz. Die Grund- eigenthümer hatten eine Ausschußprüfung beantragt. Ties wurde von anderer Seite als Verschleppungspolitik be- zeichnet. Senator Dr. Hachmann erklärte unter Hinweis auf die Reichstagssitzung vom 21. April, in welcher Senator Burchard die Stadt Hamburg gegen die Angriffe des sozial- demokratischen Äibgeordneten Wurm vertheidigt hatte, es sei eine Ehrenpflicht, sofort über diese Vorlage Beschluß zu fassen. Der Antrag auf Ausschußprüfung wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Bürgerschaft trat sogleich in die Spezialberathung ein und nahm schließlich die Senats- vorläge mit ganz geringfügigen Abänderungen endgiltig an."— Der Nhltvardt ist das A trnd O der liberalen und demokratischen Presse. Daß derFischmarkt-Skandal vom 25. April nach dem Geschmack dieser„freisinnigen" Leuchten ist, versteht sich. So liest man in der„Frank. surter Zeitung": „Der Präsident hatte anfangs den Versuch gemacht, die schlimmsten Ausbrüche der Entrüstung hiutanzuhalten. Er überzeugte sich bald, daß das unmöglich war, denn das ganze Haus zeigte sich einig; und dann ließ der Präsident diese Art uioralischen Faustrechtes gewähren, wohl in der Erkenntuih. daß einem Menschen gegenüber, der in parlamentarischen Formen andere als Spitzbuben und Betrüger hinstellt, die Ab- wehr der gerechten Entrüstung auch in u n p a r l a t» e n- t ar is ch e n Formen erlaubt fem müsse." Was in dieser„Entrüstung" sittliche Empömng und was Wuthschrci der Gründer und Gründergenossen wgr, die nun einmal von der l87Ser Schwindel-Aera nichts hören wollen, darüber mögen die B et heil igten, die bürger lichen Parteien sich auseinandersetzen. Ein Parlament, das seine eigenen Gesetze bricht, schlägt sich selber ins Ge- ficht. Unser Urtheil über die Radauszenen haben wir bereits am nächsten Tage gefällt und wir haben kein Tüpfelchen davon zu widerrufen. Aber ein Zeichen der Einsichtslosigkeit ist es, wenn die Vertreter des mobilen Kapitals, die Liberalen aller Schattirungen, den Antisemitismus nun für todt und begraben halten und die Konservativen allein für den Ahlwardt verantwortlich machen. Die ganz Bourgeoisie aber haftet solidarisch für den Anti semitismus, der ein Erzeugniß der wirtschaftlichen Zu stände ist, und die Konservativen krebsen mit der Judenhatz um den Angriff vom Junkerlager abzuhalten. Ahlwardt ist der idiotische Hanswurst, der mit seiner Pritsche blindlings um sich schlägt und ab und zu wunde Stellen trifft. Wird er in die Rumpelkammer geworfen— ob dies so bald geschieht, steht noch gar nicht fest—, so kommen neue Ahlwardt's, die etwa geschickter sind. Auf die kapi talistische Mißwirthschaft kleinbürgerliche Katilinarier, au einen Schelmen anderthalbe!— Für das allgemeine gleiche direkte Wahlrecht zum Landtag treten die vereinigten bayerischen Liberalen Teutschfreisinnige und Nationalliberale, in ihrem Wahl Programm ein. Natürlich sind sie fest entschloffen, dies Versprechen nicht zu halten und fest davon überzeugt, daß es nicht eingeführt wird. Es würde ihnen auch das letzte Mandat kosten. Die aufgeklärten Arbeiter antworten au den liberalen Lockruf mit sozialdemokratischen Stimm zetteln.— Dem ungarischen Reichstag sind von den drei ge planten kirchenpolitischen Vorlagen, die End würfe, betreffend die Einführung der Zivilmatrikeln, die Rezipirung der jüdischen Konfession und die Knltnsfreiheit der Konfessionen, die Vorlage über die Einführung der Zivilstandsregister und über die R e z e p tion der jüdischen Konfession am 26. April vorgelegt worden. Die erste Vorlage richtet sich gegen die sogenannten Weg taufen. Der römische Episkopat in Ungarn hat, nachdem er die gesetzliche Regelung der Frage, in welcher Konfession die Kinder aus gemischten Ehen zu taufen sind, vom Jahre 1863 23 Jahre lang gelten gelassen. auf Anweisung vom Vatikan her plötzlich deren Abschaffung gefordert. Nach jenen Bestimmungen sollten Knaben in der Konfession des Vaters, Mädchen in derjenigen der Mutter getauft werden. Die vorige Regierung zeigte sich zu Äenderungen des Gesetzes vom Jahre 1868 geneigt, aber der Episkopat verlangte schlechthin die Abschaffung des Gesetzes ohne jeden Ersatz. Darauf ging die Regierung nicht ein. Jetzt hat der Ministerpräsident W e k e r l e die Einführung der Zivilstandsregister beschlossen. Die zweite Vorlage be zweckt die vollständige Gleichstellung der Juden und läßt den Uebertritt au? christlichen Konfessionen zum Judenthum unter ganz denselben Bedingungen zu, wie diese für den Uebertritt von einer christlichen Konfession zur anderen gelten. Es ist die höchste Zeit, daß diese feudalen Rück stände des Ungarlandes beseitigt werden.— Ter Berner„Mutz", d. h. das patrizisch-kapi talistische Großbürgerthum der Stadt Bern nimmt argen Anstoß an dem Fortschritt der Arbeiterbewegung und an der hervorragenden Wirksamkeit unseres bewährten Genossen Dr. W a s s i l i e w. Der Einwohnerverein der Stadt Bern(der Mutzen-Bund) hatte sich nun an die Regierung mit einer Eingabe gewendet, worin er anfragte, ob sie es nicht für„dringend nöthig und gesetzlich geboten" erachte, das Herumtragen der rothen Fahne zu verbietm; ob sie nicht der„freien Schule" des Herrn Dr. Wassiliew ihre Aufmerksamkeit schenken wollte, was nach der Ueberzeugung der Petenten„sofortiges Einschreiten zur Folge haben müßte", und ob sie es nicht „für gesetzlich geboten erachte, gegen das ganze staats- gefährdende Auftreten gewisser soziali- stischer Elemente, so insbesondere des Großraths Steck, die kompetenten Behörden zum ganz energischen Einschreiten aufzufordern". Darauf erklärt nun(entsetze dich, teutschcs Herz!), die Berner Regierung, die wohl beweisen wollte, daß sie ein„wildes" Kantönli regiere, daß ein Verbot des Herum lragenS der rothen Fahne sich nur auf Artikel 40 der Berner Berfassung stützen könnte, der die Regierung ermächtigt, die zur Handhabung der gesetzlichen Ordnung geeigneten Maß- regeln zu treffen. Die Eingabe des Einwohnervereins sage aber selber nicht, daß in der Stadt Bern durch das Herumtragen der rothen Fahne Störungen der öffentlichen Ordnung verursacht worden seien. Auch sei im Gegensatz zu der Behauptung des EinwohnervereinS nicht festgestellt, daß die Vereine, welch« die rothe Fahne herumtragen, dieselbe als ein Zeichen des Aufruhrs bcirachlen. Und schließlich wird bemerkt, daß verfassungsmäßige Rechte der Bürger nicht willkürlich eingeschränkt wer- den können. Damit verzichte die Regierung freilich leincswegs darauf, nöthigenfalls, wenn das Herumtragen der rothen Fahne zu Konflikten führen sollte, geeignete Maßnahmen zu treffen. Sie kenne ihre Pflicht und ihr Recht, die Ordnung zumal in der Hauptstadt, am Sitze der Bundes- behörden und der Vertreter der fremden Staaten, ausrecht zu erhalten. Die Regierung erwarte indessen, daß die Arbeitervereine verständig und die Bevölkerung kaltblütig genug sein werden, um ihr die Ergreifung von Maßregeln zu ersparen, welche den Schein erwecken könnten, als ob die Bürger der Bundeshauptstadt nicht fähig wären, sich friedlich in den Sitten freier Länder zu bewegen. Was die„freie Schule" des Herrn Dr. Wassiliew betreffe, so wäre ein Einschreiten nur möglich, wenn dieselbe unter das Gesetz über den Privatunterricht(1832) fallen würde. Aus den'vorgenommenen administrativen Unter- snchungen ergebe sich aber nicht genügend, ob dies der Fall sei. das heißt, ob Unterricht au schulpflichtige Kinder ertheilt worden sei, in welchem Falle die gesetzlich vorgeschriebene Bewilligung hätte eingeholt werden muffen. Zum dritten An« liegen des Einwohnervereins endlich sagt der Regierungsrath, die Eingabe habe es unterlassen, bestimmte Thatsachen anzuführen, welche ein Einschreiten gegen„sozialistische Elemente" veran- lassen könnten. Für Meinungsäußerungen, selbst für solche, welche eine Aenderung bestehender Einrichtungen zum Zwecke haben könnten, biete der Artikel 78 der Kantonsverfassung Schutz. Dieser Artikel gewährleiste„die Freiheit der Mittheilung der Ge- danken durch Wort, Schrift, Druck und bildliche Darstellung" und untersagte ausdrücklich„die Zensur oder eine andere vorgreifende Maßnahme". Uebrigens bilde ja gerade die Oeffentlich. keit das beste Mittel zur Bekämpfung der sozialistischen Lehre, soweit sie staatsgesährlich sein könnte. Eine gewaltsame Unter- drückung würde dieselbe nur um so gefährlicher machen.„Unsere freien Institutionen," schließt der Regierungsrath seine Antwort, „und die soliden Traditionen des Bernervolkes bilden die stärkste Schutzwehr gegen jene Theorien, auf deren Gefährlich- lnt der Einwohnerverein uns aufmerksam machen zu sollen glaubte".— Aus einem wilden Lande. Der Stadtrath von I m o l a lin der italienischen Provinz Bologna) hat ein- stimmig beschloffen, den ersten Mai amtlich zu seiern, das Rathhaus, die Schulen und die Bureaus zu schließen und reiche Gaben an die Armen der Stadt zu vertheilen. Zittere, Byzanz!— England. Am 4. Mai soll die E i n z e l b e r a t h u n g der Homerule-Vorlage beginnen. Das Unterhaus hat sich deshalb in einen Ausschuß verwandelt. solcher darf es nur die ihm vom Hause als solchem zu- gewiesenen Gegenstände in Berathung ziehen: erscheint es wünschenswerth, daß auch andere Gegenstände erwogen werden, so hat das Haus eine den Ausschuß dazu ermach tigende„Instruktion" zu geben. Anträge in diesem Sinne sollen stets noch vor der Verwandlung des Hauses in einen Ausschuß, also nicht erst als Zusätze zu der Frage,„ob der Sprecher seinen Sitz verlassen soll" gestellt werden. Au diese Regel gründet sich, schreibt die„Vossische Z e i t u n g der weitere Verschleppungsplan der Opposition. Schon liegt eme ganze Reihe von Jnstruktionsanträgen vor, deren Berathung so lauge hinaus gezogen werden soll, daß die thatsächliche Umwandlung des Hauses in einen Ausschuß erst nach Pfingsten erfolgen rann. Leider wird es der Regierungsmehrheit kaum möglich sein, diesen Plan zu vereiteln. Trotzdem wird der Plan der Ulstev Patrioten im Unterhause scheitern. Im Oberhause freilich liegt die Sache anders.— Wie schimpflich die Kampfesweise der Ulsterpatrioten ist, geht unter anderem aus der von der„Kölnischen Volks-Zeitung gebrachten Nachricht hervor, daß die Firma Harlaud u. Wolff unter dem Druck des Mobs in Seidenhüten ihre 500 katholischen Arbeiter habe entlassen müssen. Die in der irischen Partei organistrten Katholiken— denn die Mehrheit der Iren sind römisch-katholisch— sind weit duldsamer und anständiger, als dieser hochkirchlich protestantische Geldsackpöbel. War doch der langjährige Führer der katholischen Iren, Parnell, ein Pro- testant.— Das Unterhaus genehmigte die zweite Lesung der Bill, betreffend die Eintragung der parlamentarischen Wähler in die Wählerlisten(Wahlregister-Gesetz mit mehreren Amendements.— Ein neues„Attentat" auf Alexander III. soll an- läßlich seiner Reise nach dem Süden bei Charkow versucht worden sein. Es ist mißglückt. Der„Vo ssischen Zeitung" wird aus London depeschirt:„Der Standard"(das Hauptorgan der Tories) erfährt aus Zetersburg: Während der Reise des Zaren nach dem -üden versammelten sich unweit Charkow mehrere Tausend Bauern, um gegen gewisse örtliche Mißbräuche zu petitioniren, legten sich nieder auf die Schienen und weigerten sich, sich zu erheben, bis der kaiserliche Zug anlangte. Es entspann sich ein Kampf, der d e n Tod von 15 S o l d a t e n zur Folge hatte. 42 Bauern wurden entweder durch die Kugeln der Soldaten getödtet oder vom kaiserlichen Zuge zermalmt. Nach der Dar- stellung des Chartower Amtsblattes wurde der kaiserliche Zug eines Morgens um 5 Uhr durch optische Signale und Abfeuern von Schüssen durch die längs der Geleise ausgestellten Soldaten zum Still stand gebracht, da entdeckt worden war, daß eine Schiene aufgerissen worden war. Die Schiene wurde aus gebessert, in acht Minuten setzte der Zug die Reise ohne weitere Störung fort. Die angestellte Untersuchung ergab, daß der Unfall nicht der Fahrlässigkeit des Bahn Personals zuzuschreiben ist." Danach hat höchst wahrscheinlich ein Bauern-Massakre stattgefunden, das„Attentat" aber scheint ein Märchen zu sein, das die grauenvolle Metzelei veschönigen soll. Der Verfolgungs wahn des Despoten zaubert ihm Attentäter vor Augen, wenn ein Haufe hungernder Bauern sich zusammenrottet. Wenn ihn einmal das Verhängniß ereilte, so trägt der Zarismus, der erbarmungslos jede freiheitliche Regung unterdrückt und das Volk aussangt, daran die Schuld. In der Kunst zu attentätern sind gerade die russischen Gewalt» Haber übrigens Meister.— ZZsvtamenknrtsfties. Die Kommission zur Berathuna eines Gesetzes, betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten, hielt am Donnerstag ihre erste Sitzung und trat sogleich in die Spezialberathung ein. Abg. v. Holleufer beantragt, das Ges nur auf Bekämpfung der Cholera erstrecken za lassen. Abaeord- neter v. Pfclten meint, daß das Gesetz für Bayern überflüssig sei, mindestens aber zu umfassend und zu rasch ausgearbeitet, was Staatssekretär v. Bötticher bestreitet. Geheimrath Dr. Koch weist darauf hin, daß für uns nicht nur die Cholera, sondern auch die Pest in Frage komme; seit undenklichen Zeiten herrscht sie in Mesopotamien, und ist immer schon bis nach Europa gekommen. 1870 war sie in Süd- Rußland und im Herbst vorigen Jahres an der Transkaspi- Bahn(Askabad) im asiatischen Ruß- land. Bon den 80 000 Einwohnern Askabad's sind vom 22. September v. I. innerhalb 8 Tagen über 1300 Menschen gestorben. Augenblicklich scheint die Pest sich am Mittelmeer auszubreiten. Ebenso ist der Flecktyphus nicht nur aus Preußen beschränkt, auch in Sachsen und Mecklenburg zeigte er sich. Augenblicklich herrscht er m Paris und kann von dort sehr leicht .u uns geschleppt werden. Mit den Pocken sieht es bei uns ehr gut aus, seitdem gründlich geimpft wird. Doch kommen aus dem A u s l a n d e beständig ungenügend oder gar nicht ge- impfte Personen, welche erkranken, da kleine Epidemien immer wieder ausbrechen. Er weist auf die Schwierigkeiten hin. eine ausbrechende Seuche zu erkennen, besonders während der Inkubationszeit. Kein Mensch, kein Arzt kann dann ägcn, welche Krankheit da vorliegt, und diese eben erst Erkrankten sind die Gefährlichsten für Verbreitung der Krankheit. Eben deswegen muß das Gesetz sich auch auf diejenigen aus- dehnen, welche im Verdacht stehm, erkrankt zu sein. Ohne das Recht, die Kranken eventuell zwangsweise an die Krankenhäuser zu überweisen, lasse sich eine Seuche nicht bekämpfen. Regierungs- rath Hopf weist nach, daß die Anzeigepflicht für Gelbfieber in das Gesetz kommen muffe, da mitunter Seeschiffe mit Gelb- ieber-Kranken an Bord in deutsche- Häfen einlaufen und eine Verschleppung immerhin möglich ist, zumal eine Sperrung der ausländischen Häfen gegen die deutschen dadurch hervorgerufen werden könnte. Abg. Schräder ist mit der Anzeigepflicht, wie ie der Gesetzentwurf feststellt, einverstanden. Dr. Koch weist darauf hin, daß bereits im vorigen Jahr die Anzeigepflicht durch die Verwaltungsbehörden angeordnet war und ohne Schwierigkeiten durchgeführt wurde. Die Cholera ist keine Krankheit der wohl» habenden Bevölkerung, und wenn diese betroffen»verde, könne ie sich in ihrer Wohnung isoliren. Meist handelt es sich um arme Leute, die in engsten Räumen zusammengedrängt sind, fodaß sowohl die Angehörigen wie die Kranken meist froh sind, wenn Unterkunft im Krankenhause geschafft wird. Di« Abgg. Wurm und Molkenbuhr bringen den Antrag ein, die Auzeigepflicht auch auf Rückfallfieber, Croup, Diphterie und Scharlach auszudehnen. Abg. Dr. V i r ch o w erklärt, daß er für diese Ausdehnung der Anzeigepflicht stimmen würde und dann wünschte, daß noch Unter- leibstyphus, Puerperalfieber, Grippe, Masern hinzugenommen werden. Doch sei er, um nur überhaupt ein Gesetz zu stände zu bringen, das nothwendig sei, um der Cholera entgegen zu treten, bereit, auf alle weitergehenden Bestimmungen zu verzichten. Erhält es für unzulässig, auch auf Verdachtsfälle die Maßnahmen des Ge- setzes auszudehnen, da sonst der Willkür zu großer Spielraum gegeben sei. Er beantragt daher folgenden Zusatz zum§ 1: „Als verdächtig gelten solche Fälle, in denen bestimmte Erschei- nungen beobachtet worden sind, die als Vorläufer oder bezeich- nendes Merkmal der Krankheit bekannt sind." Abg. Dr. Ende- mann tritt für den Entwurf ein. Abg. Wurm: Die Bedenken gegen den§ 1 beruhen darauf, daß der Polizei behörde so weitgehende Befugnisse gegeben werden. Nicht die Polizei, sondern eine Medizinal behöroe wie in England muß die Ausführung des Gesetzes überwachen. Der Reichs- Gesundheitsrath (ß 40) muß zu einer solchen Medizinalbehörde ausgedehnt werden, die in allen Orten Deutschlands vertreten ist. Der Gegensatz zwischen beamtetem und behandelndem Arzt wird zu Unzuträglichkeiten führen; die Verstaatlichung der Aerzte und vorläufig die Vermehrung der beamteten Aerzte ist dringend nothwendig. Abgeordneter von Unruh schildert, wie auch auf dem Lande die Arbeiter eng und zusammengedrängt wohnen, so daß bei ansteckenden Krankheiten Jsolirung der Kranken, Ueber- führung ins Hospital nothwendig ist. Abg. Lanaerhans beantragt, daß nicht durch Beschluß des Bundesraths, fondern durch den Kanzler auf Antrag des Reichs-Gesundheitsraths die Bestimmungen des Gesetzes auch auf andere Krankheiten aus- gedehnt werden.— Um 1 Uhr wird die Sitzung auf Freitag Vormittag vertagt. Kommission Ahlwardt. Die Sitzung d» Kommission über den Antrag Ahlwarvl nahm einen Verlauf, der den Anklagen und Beschuldigungen des Genannten kein günstiges Resultat i» Aussicht stellt. Das sogenannte Beweismaterial des Herrn stellte sich als äußerst dürftig heraus. Was die Hauplbeschuldigung wegen Mogeleien beim Jnvalidenfonds betrifft, so mußte Herr Ahlwardt auf wiederholtes Befragen ausdrücklich erklären, daß er sich bei seinen Anschuldigungen ausschließlich aus Broschüren von Niendorf und Rudolf Meyer stütze, ein besonderes Akten- Material stehe ihm hierfür nicht zur Verfügung. Auch die gegen den Abg. von Bennigsen erhobenen Beschuldigungen stützte er auf keine anderen Beweise. Auf die Frage, ob er außer gegen den Finanzminister Miquel und den Abg. von Bennigsen noch andere Personen, die im Reichstage gewesen seien oder sich noch darin befänden, auf grund semcs Materials anklage, antwortete er mit: Nein. Betreffs der rumänischen Bahnen überreichte er noch einiges Material, das er für besonders beweiskräftig de- zeichnete, mußte aber durch die Kommission angehalten werden, einen Brief eines angeblich hochgestellten rumänischen Beamten, der ganz besonders kompromittirend für Herrn Mrquel sein sollte, beizubringen, da er jetzt im Gegensatz zu früher behauptete, daß derselbe keine Bedeutung habe. Schließlich überwies die Kommisston die Broschüren von Niendorf und Rud. Meyer dem Abg. Cuny, das übrige Akten- Material den Abgg. Porsch und Bebel zur Berichterstattung. Die beiden letztgenannten begaben sich sofort an die Arbeit. mußten dieselbe aber unterbrechen, weil Herr Ahlwardt, der aus- drücklich versprochen, bei Prüfung des Materials zugegen zu sein, sich nicht eingefunden hatte. Es hieß, er sei nach Friedrichshagen gereist, um sich Informationen zu holen. Stellt sich im Lause des Tages noch Herr Ahlwardt, so dürste schon morgen die Kommission zur Entscheidung zusammenkommen, da nach Ansicht der Referenten das übergebene Material nur eine sehr dürftige Ausbeute giebt. Die Kommission besteht aus folgenden Abgeordneten: Ackermann, Graf v. Ballestrem, Vorsitzender, Bebel, Dr. v. Cuny, Dieben, Dr. Dohrn, Funck, Schriftführer, Dr. Horwitz, Dr. v. Jazdzewski, Graf v. Kleist-Schmenzin, Dr. Lieber, Lucius. Freiherr v. Manteuffel, Marbe, Dr. v. Marquardsen, Stell- Vertreter des Vorsitzenden. Dr. Pachnicke, Pickenbach, Dr. Porsch, Schriftführer, Graf von Preysing(Straubing), Stöcker, Wilisch. Zev Mä Vviefkapken dvv Dodaktton« An Berschiebene. Infolge meiner dreiwöchentlichen Ab- Wesenheit ist mancherlei unerledigt geblieben, da nicht jeder Brief mir nachgeschickt werden konnte. In den nächsten Tagen wird alles besorgt werden. W. Liebknecht. Cuno in I. 1. Selbstverständlich darf ein dem Be- urlaubtenstande Angehöriger während der Zeit, in der er nicht eingezogen ist, sozialdemokratische Versammlungen jeder Art einberufen. Macht er sich durch den Inhalt seiner Rede straf- bar, so unterliegt feine Handlung— nicht die Einberufung, andern der Inhalt der Rede— der Beurtheilung der Zivil- gerichte. Militärgerichte, welche ein entgegengesetztes Verfahren einschlagen sollten, würden den Gesetzen ins Gesicht schlagen. O. E. Pankow. Wir haben keinen Anlaß, Sie auf den Index zu setzen. Wir sind aber auch nicht in der Lage, uns wegen jeder geringfügigen Einsendung mit dem Einsender in Erörterungen einzulassen, warum dieselbe nicht benutzt ist. D. Franks. Allee. Für den Vorgang haben Sie keine eugen und keinen anderen Beweis als die Erzählung des 'ädchens. I. Kl. Die nachträgliche Erörterung der Beschlüfle einer Versammlung, welche, wie in Ihrem Fall, zur Genüge öffentlich bekannt gemacht war, müssen wir ablehnen. Gleich den anderen Mitgliedern war es auch Ihnen doch unbenommen, Ihre Be- denken zur rechten Zeit anzubringen. R. S. Schlagen Sie in der Expedition de?„Vorw." selbst nach.� Wir haben dazu keine Zeit. S., Tabakarbeiter, RheinSbergerstraße. Sie verstehen nicht zu lesen oder wollen es nicht verstehen. Wir stehen heute auf demselben Standpunkte wie früher. Der Hinweis auf aus- wärtige Amnestien soll eben klar legen, daß in anderen Länder» das Regiment der Klassenherrschaft noch den Schein einer V er- 'öhnung mit dem Volke erregen möchte. Wir sehnen uns nicht nach diesem S ch ei n e. Uns aber galt es der deutschen B o u r- g e o i s i e zu zeigen, wie itef sie von den Ueberlieferungen des alten Liberalismus herabgesunken ist. Den unverschämten Toii, in welchem Sie von„winseln" schreiben, sehen wir Ihnen nach, und schreiben ihn dem defekten Begriffsvermögen zu. M. F. 400..Zurückverlangen kann man allerdings Ge- chenke, die innerhalb 8 Monaten von Zustellung der Klage ab singegeben sind. Dennoch erscheint es unS in Ihrem Falle zweisilhaft, ob die Klage erfolgreich fein wird. E. T. 171. Auch wenn der Verführer verheirathet ist, muß er Alimente zahlen. 2. Wenden Sie sich an die Anstalt in der Ziegelstraße oder an die in der Dorotheenstraße bei der Univer- tätsstraße. A. L., Weißettbnrgersteaste. 1. Zur Reise nach Amerika gebrauchen Sie zum mindesten etwa 120 M. 2. Zur Legilimatio» md bestimmte Papiere nicht vorgeschrieben; Sie thun gut, nicht ohne Geburtsschein und Militärpapiere zu reisen. Ferner be- dürfen Sie Genehmigung des Bezirkskommandos. 3. Die amerikanischen Behörden verlangen schon jetzt im allgemeinen, daß der Ankommende entweder nachweist, daß er unterstützungs- ähige und untcrstützungsbereite Verwandle dort hat oder daß er im Besitz von Vaarmitteln(etwa 200 M.) sich befindet. Jeden- alls muß aber der Arbeiter unterlassen darzulegen, daß er Arbeitsgelegenheit habe, weil die Behörden dann die Landung hindern dürfen. Für den Inhalt der Juferate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 28. April. Opernhaus. Bajazzi. Die Rebe. Neues Theater. Basantasena. Deutsches Theater. Der Talisman. Berliner Theater. Graf Waldemar. Leffing- Theater. Brave Leut' vom Grund. Wallner- Theater. Die Drientreife. Kroll's Theater. Mala Vita. Rendenz- Theater. Jugend. Adolph Ern- Theater. Goldlotte. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Mam'zelle Nitouche. Thomas- Theater. Gute Zeugnisse. Circus Renz. ( Karlstraße.) Freitag, den 28. April, Abends 7/4 Uhr: Lezte Komiker- Vorstellung. Aus dem Programm befonders her Todes- Anzeige. 323/8 Den Mitgliedern des Vereins z. Regel. d. gewerbl. Verhältnisse der Töpfer Berlins und Umgegend 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis. zur Nachricht, daß unser langjähriges im Vereinsmitglied, der Kollege Ernst Grädler Montag, den 1. Mai 1893: Große Maiteier 31 Feenpalast, Burg- und St. Wolfgangstraße, Vokal- und Instrumental- Konzert bestehend in 343/4 vorzuheben: Mr. James Fillis mit d. Schulpf. Markir. Jeu de la rose, geritten von den Damen Frl. Clotilde Hager und Miss Edith. Eli- nach 1/ 2jährigem Krantenlager am unter Mitwirkung der Gesangvereine Senefelder", Steinmetzen", mar, der Strickspringer, vorgeführt von 24. d. M. verstorben ist. Die Beerdi- ,, Gemüthlichkeit“ und„ Berliner Buchdrucker"( M. d. Arb.- Sängerb.) Fräulein Oceana Renz. Auftreten der Klowns Hermann, Oscar und Lavater Um 9 Uhr: Festrede des Genossen Alwin Gerisch. Lee, Charlot etc., Cavallerie zu Puss. Um 10 Uhr: Eine sürmische Reichstagskhung im ZukunftsZum Schluß: berg statt. Um zahlreiche Betheiligung staate. Dramatische Szene frei nach Eugen Richter. Von C. M. Scävola. Der Vorstand. Billets 30 Pf. Anfang 5 Uhr. Zanz 30 Pf. Jeder Theilnehmer erhält beim Eintritt die Maifest- Zeitung gratis. Die lustigen Heidelberger. Große Ausstattungs- Pantomime. Neue Ausstattung. Morgen, Sonnabend: Gala- VorHellung zum Benefits für Mr. James Fillis. gung findet heute, am Freitag, den 28. d. M., Nachmittags 4 Uhr, von der Reichenhalle des Kirchhofs in Wilhelmsbittet Berein Berliner Hansdience. 3. Wahlkreis. Am 25. April cr., verstarb unser treues, langjähriges Sonntag: Zwei große Vorstellungen, Mitglied Georg Grützner im ( 1 E Hierauf: Wenn man im Dunkeln um 4 Uhr( i Kind unter 10 Jahren frei Alter von 33 Jahren an Zungen Hasenhaide. Neue Welt. Hasenhaide. füßt. Viktoria Theater. Die Reise um und um 7/2 Uhr. die Welt in achtzig Zagen. National- Theater. Don Carlos. Alexanderplatz- Theater. Zimmer- ftraße 51a. mann's Lene. Winter- Garten. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo Theater. Vorstellung. Abschieds- Vorstellung am 2. Mai. Billet- Vorverkauf an der Zirkuskasse u. beim Invalidendant", Markgrafen Fr. Renz, Direktor. Etablissement Play. Buggenhagen. Plaz Spezialitäten- MorigTheater der Reichshallen. Spezialitäten- Borstellung. Morik Täglich Juftrumental- Konzert. fatarrh. 3606b Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. d3., Nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Mittelstr. 45, nach dem Dorotheenstädtischen Kirchhof, Riesenstraße, statt; der Gammelplag für Vereinsmitglieder ist 21/2 Uhr Mittelstraße 48 bei Göring. Der Vorstand. Montag, den 1. Mai 1893: 347/7 Grosse Maifeier für den 3. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Vokal- und Instrumental- Konzert unter Mitwirkung mehrerer Gesangvereine. Auftreten verschiedener Spezialitäten. Gr. Feuerwerk. Um 8 Uhr: Allen Freunden und Bekannten zur Kaufmann's Variété. Spezialitäten Großer Frühkücks- u. Mittags. Nachricht, daß meine Frau nach Festrede, gehalten vom Reichstagsabgeordn. Bebel. tifd. Spezial- Ausschant von Paten- langen Leiden am Mittwoch, den 26. April, verstorben ist. Vorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spe- hofer Lagerbier, hell und dunkel. zialitäten- Vorstellung. An Sonn- und Festtagen findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Rommerse, Festlichkeiten 2c. Adolph Ernst- Theater. Bum 27. Male: Goldlotte. Gesangsposse in 3 Aften v. Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise v. G. Görss. Musik von G. Steffens. In Szene gefett von Adolph Ernst. Anf. 7, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. gröffnet. Der Sommer- Garten ist E American- Theater. Dresdenerstrasse 55. Lezte Woche. Der Dussel ( Nulpus) Parodie von Oscar Wagner. Bendix in feinen Glanznummern. Robert Dellor, Instrumentalist. Alfred Bender in seinen neuesten Rouplets. NB. Montag, den 1. Mai: Letzte und Wiederholung der JubiläumsVorstellung des urkomischen Bendir zum Benefiz für Direktor Louis Heinsdorf. PassageRheinländischer Tunnel genannt: Die fidele Nagelkifte. Berlin N, Elsasserstrasse 73. Neu! Neu! Die Möbel- Polonaise! oder:> 4070L* Weber hat'un Keber, an de Lunge, an de Bunge, an de Leber! Vorträge der berühmt. Gesangvereine Halbe Lunge" und Keuchhusten". " Vorzügliches Lagerbier der Schöneberger Schloßbrauerei" à Seidel 10 Pfennige. H. Schultze( mit'n). ( Notiz: Mang uns mang is teener nich mang, der nich mang uns mang jehört.) Empfehle in meinem neu eingerichteten für Klubs etc. Restaurant Die Beerdigung findet am Sonntag, Mittags 12 Uhr, von der Leichenhalle des Parochial Kirchhofes, Borhagener Weg, aus statt. 3611b August Rothert, Schankwirth, Rüdersdorferstr. 2. Danksagung. Für die herzlichen Beweise liebevoller Theilnahme, sowie die überaus zahl reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, des Bigarrenfabrikanten Gustav Friese fage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Prediger Billet 30 Pf. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Beim Eintritt erhalten alle mit Billets versehenen Personen die Maifestritung gratis. Billets find bei folgenden Komiteemitgliedern zu haben: Börner, Ritterstr. 108; Tschernick, Fürstenstr. 17; Georgi, Simeonstr. 22, 4 Tr.; Germey, Gneisenaustr. 63, H. 4 Tr.; Kräcker, Alexandrinenstr. 41,§. 1 Tr.; König, Laufigerstr. 44; Hoffmann, Alte Jakobstr. 89; Karraus, Manteuffelstr. 115; Schölzel, Mariannenplay 5; Wartenberg, Elisabeth- Ufer 18, sowie bei dem Vertrauensmann Fritz, Fürstenstr. 11, 4 Tr. und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 30 Bf. nach. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Das Comité. 6. Wahlkreis. Die Maifeier für den 6. Wahlkreis fängt an Herrn Dr. Bitthorn für die trostreichen am 1. Mai, Vormittags 10 Uhr, im Eiskeller, ChausseeWorte am Sarge meinen tiefgefühlten straße 88, bestehend im Vortrag des Genossen Dant. 3614b Die trauernde Wittwe. Ida Friese, Straußbergerstr. 35. Wilhelm Liebknecht. Nachmittags findet die Feier in folgenden Lokalen Gleichzeitig mache ich bekannt, daß statt: Arend's Brauerei( Moabit), Eiskeller und Nordich das von meinem Manne so viele Jahre geführte Geschäft in unver- deutsche Brauerei( Wedding), Weimann's Volksgarten änderter Weise fortseße und bitte, das auch auf mich übertragen zu wollen. meinem Manne geschenkte Bertrauen( Gesundbrunnen), Bötzow's Brauerei( Prenzlauer Thor). Gesangverein Concordia ( M. d. A.-S.-B.) Dirigent Herr Lindemann. Am Sonntag, den 30. April d. J.: Große und eine Bereinszimmer. 1. Stiftungsfest Schultheiß- Bier à Glas 10 Pf. Gute Weiße 20 ẞj. 4012L* Gerichtstr. 2, an der Grenzstraße. Panopticum. Bu Baumblüthe und Freikonzert Im Theater- Saal: Nen! Sonntag, 30. April, ladet ergebenst ein Otto Walther, Schwedterstr. 44. 2 Kegelbahnen und Vereinszimmer einige Tage frei. Billets à 20 Pf. find in allen mit Plakaten belegten Handlungen und bei den Vertrauenspersonen zu haben. Achtung! 353/7 Zimmerleute. Achtung! Große öffentliche Versammlung der Zimmerer Berlins und Umgegend am Sonntag, 30. April, Vorm. 10 Uhr, in Hoffmann's Zentral- Feßfälen, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77–79. Dranienstraße 180. Um geneigten Zuspruch bittet Der Vorstand. 3599b Die Hamburger GenossenschaftsBigarren werden von jetzt ab bei einmaliger Bestellung im 4. und 36096 5. Wahlkreis von 6 Stück an aufwärts franko ins Haus gesandt, in allen Die Beleidigung gegen Frau Koppe übrigen Wahlfreifen nur bei größeren nehme ich zurück und erkläre sie für Aufträgen. L. Wolf, Elbingerstr. 14, Lebende Bilder. eine ehrliche Frau. 2. Uhlich. 41018 v. 1 Tr., 4. Aufgang. Castan's Maler, Lackirer, Anstreicher. Versammlung der Filiale 3( Ost) 3598b Tages- Ordnung: 1 Stellungnahme zur Gewerkschaftskommission( früher Streif- Kontrolltommission) event. Wahl eines Delegirten. 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1893. 3. Wie regeln wir unsere Lohnverhältnisse? 4. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Vertrauensmänner. 363/5 Achtung! Töpfer. Achtung! Montag, 1. Mai, Vorm. 10 Uhr, bei Herrn Kuhlmey, Schönhauser Allee: Oeffentliche Versammlung Panopticum. am Dienstag, den 2. Mai, Abends 8½ Uhr, bei Henke, Blumenstraße 38. der Töpfer Berlins und Umg. mit Frauen. Große Ausstellung. 604b Akka- Zwerginnen. Neue Illusion: Lotosblume. Andere Jllufionen. Fantoche- Theater. Castan's Irrgarten. Schreckenskammer. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Neu! Die Inftige Neu! Zagesordnung: 1. Vortrag des Dr. Gebert. 2. Diskussion. 3. Filialangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten Der Vorstand. Kurhaus Friedenau. Sonntag, 30. April: Grosse Maifeier bestehend in Garten- Konzert mit nachfolgendem Tanzkränzchen, unter gefälliger Mitwirkung mehrerer Gefangvereine des Arbeiter- Sängerbundes für Berlin und Umgegend. Entree mit Programm 20 Pf. Anfang Nachm. 4 Uhr. Herren, welche am Zanz theilnehmen, zahlen 40 P. nach. Das Komitee. Montag, 1. Mai, Abends 8 Uhr, im Kurhaus: Schwiegermutter. Oeffentl. Komische Pantomime mit Ballet in 1 Aft. Ausgeführt v. d. PantomimenGesellschaft Diovanie, sowie Auftreten von 12 Oeffentl. Volksversammlung. Tagesordnung: 1. Der 1. Mai und seine Bedeutung für das Proletariat. Der Einberufer. 2. Diskussion. 336/19 Reinickendorf. Sonntag, ben 30. April, in Böttcher's Seeschlösschen: f. Berlin neuen Spezialitäten. Gr. Volksfest mit daran schließender Maifeier. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Neue freie Volksbühne. 326/9 Tages- Ordnung: Vortrag des Genoffen G. Keßler, über: Die Bedeutung des 1. Mai. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Dachdecker Berlins und Umgegend. Montag, den 1. Mai, Abends 8 Uhr, bei Herrn Feind, Weinstr. 11: Große öffentliche Versammlung mit Frauen. Tagesordnung: Die Bedeutung des 1. Mai. Vortrag gehalten vom Roll. M. Radwit. Nach der Versammlung: Gemüthliches Beisammensein mit Tanz. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 359,3 Der Einberufer. Paul Golz, Dachdecker, Mezzerstr. 25. Verein zur Regelung der gewerbl. Verhältnisse der Töpfer 324/7 Berlins und Umgegend. Montag, den 1. Mai, von Nachmittags 2 Uhr ab: Geselliges Beisammensein.) Für Unterhaltung der Bedeutung des Tages angemessen ist gesorgt. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Großes Vokal und Instrumental- Konzert Verband der Sattler und Tapezirer. Versammlung mit Frauen am Sonnabend, den 29. April 1893, Abends 81/2 Uhr, bei Wienecke, Alte Jakobstr. 83. Zages Ordnung: unter Mitwirkung der Gesangvereine Weisse Rose", Vergissmeinnicht" ,,, Junge Eiche",„ Immergrün", des Solofängers Herrn Albert Richter und der Duettisten Sonntag, 14. Mai, I. Abtheilung: Der Nächte". Von Dr. Fr. Lange. Gebrüder Kunzmann. Aufführung lebender Bilder. Täglich Jungbier- Verkauf à Liter Festrede gehalten vom Genossen Otto Knauf. 10 Pfg. Nolden, Müggelheimer: Grosses Kasperle- Theater. 40952* straße 3. Anfang 3 Uhr. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. Im Saale: Grosser Ball. Das Komitee. Entree 20 Pf.j 2. 1. Vortrag des Genossen J. Türk: Der Kampf gegen das Verbrechen. Distufiion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen ist Pflicht 264/17 Der Vorstand. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Zlr. 9S. Freitag, deu 38. April 189K. 10. Jahrg. pavtamcufsbcKttfile. Deutscher Reichstag. 84. Sitzung vom 27. April 1893, 2 Uhr. Am Bundcsrathstische: v. Böllicher, v. Kaltenborn, Hanauer und Kommissarien. Nachdem zum Mitglieds der Reichsschnlden-Kom- Mission an stelle des aus dem Reichstage geschiedenen Abg. v. Busse der Abg. Hahn gewählt worden, wird der Gesetz- entwurf betr. die Geltung des Gerichtsverfassung s- Gesetzes in Helgoland unverändert in dritter Berathung genehmigt und darauf die dritte Berathung des Gesetzentwurfs betr. den Berrath militärischer Geheimnisse be- gönnen. Es liegt ein Antrag des Abg. Schneider° Hamm(ntl.) vor, die Fassung der Regierungsvorlage zum Theil wiederherzustellen: „Wer vorsätzlich Schriften, Zeichnungen oder andere Gegenstände, deren Geheimhaltung im Juteresse der Landesoerrheidigung erforderlich ist, oder Nachrichten solcher Art in den Besitz oder zur Kenntniß eines anderen gelangen läßt, wird. wenn er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß dadurch die Sicherheit des Deutschen Reiches ge- fährdet wird, mit Zuchthaus nicht unter 2 Jahren bestraft, neben welchem auf Geldstrafe bis zu IS 000 M. erkannt werden kann." Die Worte„oder Nachrichten solcher Art" und„oder den Umständen nach annehmen muß" sind in der zweiten Lesung auf Autrag des Abg. Gröber(Z.) gestrichen; die letzteren Worte sollen nach dem Antrag Schneider gestrichen bleiben. Abg. v. Bar(dfr.) giebt zunächst eine Uebersicht über den Inhalt des Gesetzes und führt aus, daß das Gesetz an allzu großen Unbestimmtheiten leide. Die Freisinnigen hätten sich be- müht, darin eine Besserung herbeizuführen; aber es sei nicht ge- lungen und lohne sich auch nicht mehr, einen Versuch zu machen. Die Freisinnigen würden deshalb gegen deu Gesetzentwurf slinimen. Abg. Schneider-Hamm(natl.) führt aus, daß er die Wieder- Herstellung der Vorlage beantragt habe, weil das Strafgesetzbuch gerade nach dieser Richtung hin eine Ergänzung bedürfe. Nament- lich sei nicht einzusehe», weshalb die Ueberliefcrung von Nach- richten straffrei sein soll. Wenn z. B. ein Kanzlist ein Telegramm, das beim Kriegsministerium eingegangen ist, ausliefert, so wird er wegen Uebergabe einer Schrift bestraft; giebt er aber nur den Inhalt des Telegramms einem andern zur Kenntniß, so müßte er straffrei bleiben. In dieser Rücksicht müssen die besonderen mili- tärischen Interessen nachdrücklich gewahrt werden. Wenn man befürchte, daß sehr leicht Untersuchungen eingeleitet werden können, die nachher sich als unbegründet herausstellen, so sei das nicht so unbedenllich. Auch bei anderen Vergehen kommen leicht Unter- suchungen vor, die nachher erfolglos sind, so z. B. sind höchstens 5 pCt. aller Untersuchungen wegen Meineid erfolgreich. Ader diese Gefahr müsse mit in Kauf genommen werden, wenn es gelte, so wichtige militärische Interessen zu schützen. Abg. Gröber(Z.): Ein Bedürsniß für die Vorlage erkenne ich auch an, aber nicht in dem Umfange, wie die verbündeten Regierungen. Es ist nicht nur die Auslieferung von Schriften, Zeichnungen und ähnlichen Gegenständen strafbar, sondern auch das zur Kenntnißbringen derselbe». Wenn dazu auch noch die Nachrichten kommen, so können damit nur ganz allgemeine Nach- richten gemeint sein, die sich nicht auf Zeichnungen, Schriften u. f. w. stützen. Die Mittheilnngeu solcher Nachrichten strafbar zu machen, ist aber sehr bedenklich. Soweit es sich um den Kriegsfall handelt, ist die Vermittlung von Nachrichten an den Feind sogar mit dem Tode zu bestrafen. In dieser Beziehung braucht keine weitere Fürsorge getroffen zu werden. Für den Friedenszustand sind weitere Ausnahmebestimmungen aber nicht »othwendig. Damit schließt die Generaldiskussion. Zu§ 1 liegt der oben mitgetheilte Antrag Schneider- Hamm vor. Kriegsminister von Kaltenborn bittet den Antrag Schneider anzunehmen, weil sonst eine Menge Verhältnisse des Landes- verrathes überhaupt nicht mehr getroffen würden. Wenn die Worte„oder Nachrichten" gestrichen werden, so ist damit den Agenten unserer Gegner vollständig Thor und Thür- geöffnet; sie können die Sammelplätze der Kavallerie- divisionen auskundschaften, die festen Wege, auf denen der Gegner sein schweres Geschütz gegen eine Festung heranführen kann, wo er seine Feldbahnen u. s. w. anlegen könnte; es könnten ferner alle Verhältnisse unserer Eisen- bahn ausgekundschaftet werden. Das kann alles geschehen ohne Zeichnung. Gerade solche Dinge müssen unter Strafe gestellt werden. Ich möchte dringend bitten, daß die Herren den Antrag annehmen, wenn sie Werth darauf legen, daß das Gesetz auch Annahme findet bei den verbündeten Regierungen.(Heiterkeit.) Abg. v. Bar(dfr.) weist daraus hin, daß das Gesetz kein temporäres, sondern ein aus die Dauer berechnetes. Würde es nur ein temporäres Gesetz sein, dann könnte man sich eher uüt der Regierungsvorlage befreunden. Die Beispiele, die der Kriegs- minister angeführt hat, sprechen nicht für die Vorlage; denn die Beschaffenheit der Wege u. s. w. sind bekannt aus zahlreich ver- breitete» Karten. Die Sammelplätze für die Kavallerie-Regie- meilter im Fall eines Krieges sind allerdings geheim zu halten; aber eine Gefahr liegt doch nur im Falle eines Krieges vor. Solches Gesetz kann also nur zur Beunruhigung der Bevölkerung dienen. Kriegsminister v. Kaltenborn: Wenn die Agenten bestraft werden sollen, welche den Feinden Nachrichten zutragen, so kann darin durchaus keine Beunruhigung für die Bevölkerung liegen. Zwischen der Zeit des Krieges und des Friedens liegt eine Zeit der größten Gefahr und gerade während dieser Zeit brauchen wir ein scharfes Gesetz. Ich habe nicht von Kavallerie-Regimentern, sondern von Kava'llerie-Divisionen gesprochen, also Truppenkörpern, welche den Auftrag haben, beim Beginn des Krieges sofort eine Aufklärung zu schaffen und den eigenen Aufmarsch zu sicher». Ter Feind läßt es sich eine große Menge Geld kosten, um die Sammelplätze der Kavallerie- Divisionen kennen zu lernen. Deshalb bitte ich nochmals dringend, den Antrag Schneider an- zunehmen. Abg. von Marqnardsen(natl.) bedauert, daß der Antrag Gröber in der zweiten Lesung angenommen sei, trotzdem Herr Gröber nicht einmal Mitglied der Kommisston gewesen sei; es sei auch zu bedauern, daß der Kriegsministor nicht schon früher mit einigen technischen militärischen Beispielen ausgetreten sei. Geh. Rcgierungsrath von Seckendorf schließt sich den Aus- führnngen des Kricgsministers und des Abg. Schneider an und verweist auf seine früheren Bemerkungen bei der zweiten Lesung; dem Abg. Gröber gegenüber bemerkt er. daß jemand, der z. B. von einem neuen Gewehr nicht ein Modell oder eine Zeichnung entwendet, sondern blos eine mündliche Beschreibung liefert. nicht nach ß 1 bestrast werden kann, denn das sei nur eine Nachricht. Man könnte also die schwersten Landesverräthereien gar nicht treffen. Abg. Hahn(dk.) tritt für den Antrag Schneider ein; man könne zu den Gerichten das Vertrauen haben, daß sie das Gesetz richtig auslegen und nicht in fvlcher Weise anwenden, daß davon Unschuldige getroffen werden. Abg. Gröber(Z.): Nach den Beispielen, die hier ange- führt sind, giebt es bald keine Thatsachen mehr, die nicht als militärisches Geheimniß betrachtet werben können. Die Be- schaffenheit der Straßen, die Bezeichnung von Sammelplätzen und ähnlichen Dingen, die ziemlich allgemein bekannt sind. soll nicht zur Kenntniß gebracht werden! Die Personen, welche hier leicht verdächtigt werden können, riskiren eine langwierige Unter- suchung und eine schwere Strafe. Das ist eine so bedeutende Erweiterung des Strafrechts, daß man sie nicht ohne die schwersten Bedenken genehmigen könnte. Deshalb bitte ich Sie, es bei den Beschlüssen der zweiten Lesung bewenden zu lassen. Abg. Fristen- Koblenz(Z.) erklärt sich für den Antrag Schneider; erstlich mnß nachgewiesen werden, daß die Geheim- Haltung der betreffenden Schriften u. s. w. im Interesse der Landesvertheidigung nolhwendig ist, ferner muß dem Be- schuldigten auch nachgewiesen werden, daß er gewußt hat, daß er durch seine That die Sicherheit des Deutschen Reiches ge- sährdet hat. Nachdem nochmals Abg. v. Bar gegen den Paragraphen gesprochen, wird die Debatte geschlossen. In namentlicher Ab- stimmung wird darauf der Antrag des Abg. Schneider-Hamm mit 131 gegen 97 Stimmen abgelehnt. Für denselben stimmen geschlossen die Nationalliberalen, die Deutschkonservativen und die Reichspartei, serner von dem Zentrum die Abgg. Prinz Arenberg, Graf Ballestrem, Bock-Aachen, Graf Chamaro, v. Dal- wigk. Gras Droste, Fritzen-Koblenz. Fritzen-Düsseldorf, Graf Galen, v. Gliszczynski. Greiß, v. Heereman, Graf Hompesch, v. Huene, Graf Loö, Mooren, v. Reitzenstein, Rinlelen, Rudolph!, v. Schalscha, Sperlich und v. Mendt. Gegen den Antrag stimmen die Sozialdemokraten, die Freisinnigen, die Polen, die Mehrheit des Zentrums und der Prinz Schönaich- Carolath. § 1 wird unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt, ebenso ohne weitere Debatte die übrigen Para- graphen der Vorlage. Tarauf wird die ganze Vorlage gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Es folgt die dritte Berathung des Gesetzentwurfs betr. Er- gänzung der Bestimmungen über den Wucher. Abg. Licbermann von Sonnenberg(Antisemit) wendet sich gegen die früheren Ausführungen des Abg. Stadthagen; er sei bei den Beralhungen anwesend gewesen, habe aber nicht gesprochen, weil im Kommissionsbericht alles enthalten sei, was er hätte sagen können. Im Lande hätten die Antisemiten recht krästig dahin gewirkt, daß daS Wuchergesetz verlangt wird. Herr Stadthagen wundert sich darüber, daß Juden und Wucher immer zusammen genannt werden. Ist er denn so fremd in Israel, daß er nicht weiß, daß die Juden auf dem Lande, namentlich auch beim Viehwucher besonders betheiligt sind? Kennt er die Kriminalstatistik nicht? Auf 100 000 Strafmündige entfallen etwas über 2 Deutsche und 44 Juden, die wegen Wuchers verurtheilt sind. Herr Sladthagen hat gefragt, ob es aus den jüdischen Namen ankommt, ob sie Liebermann oder Sonnenberg heißen oder beides zusammen. Die Juden wurden 1812 gezwungen, sich Familiennamen zu geben, die sie vorher nicht hatten. Wenn die Juden adlige Namen angenommen haben, sind diese Namen dadurch jüdisch geworden? Ist die Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Freudenbergsche Familie jüdisch geworden, weil die Juden diese Namen sich an- geeignet haben?(Heiterkeit.) Meinen Vorfahren ist der adlige Name verliehen worden wegen Auszeichnung vor dem Feinde; das ist auch nicht jüdisch.(Heiterkeit.) Redner beruft sich auf Mominsen, nach dem der Jude sich mit der fremden Nationalität umhüllt; das geschieht jetzt auch in Ungarn.(Präsident von Levetzow bittet den Redner zur Sache zu kommen; er habe ihm genügend Zeit gelassen, auf die Aeußerungen Stadt- Hägens zu antworten.) Herr Stadthagen fragt nach andern Unterscheidungszeichen. Wenn er das gern wissen will, möge er in ein römisches Bad gehen und sich vor den Spiegel stellen. (Große Unruhe. Heiterkeit, Psui-Rufe.) Abg. Bockel(Antisemit) freut sich über die Vorlage, die aber durchaus noch nicht ausreichend sei; sie fei ein Juristen- gesetz und durchaus nicht volksthümlich. Die einfachen Hand- werker und Landleute können ein solches Gesetz gar nicht ver- liehen; sie werden mit Göthe sagen: Uns wird von alledem so dumm, als ging uns ein Mühlrad im Kopf herum. Ist es denn nothwendig, daß der Wucher so fein desinirt wird, daß erst die Ausbeutung der Nothlage nachgewiesen wird? Genügt es nicht, daß das Bewuchern bcstrast wird? Wenn man auf solche Volksbegriffe zurückgreift, dann muß man allerdings auch die Rechtsprechung dem Volke übertragen. Dem juristisch-theoretisch gebildeten Richter gegenüber ist es schwer, den Wucher»ach- zuweisen. Es giebt Richter, welche den Begriff des Wuchers wohl verstehen; das sind Männer, welche aus dem Volke hervor- gegangen sind. Ich behalte mir vor, später den Antrag zu stellen, die Verhandlungen der Wucherprozesse den Schwurgerichten zu überweisen. Die Vorlage wird einige Wucherer mehr treffen als bisher, aber eine rationelle Bekämpfung des Wuchers wird erst erreicht, wenn die Bolksgerichte mit der Verurtheilung betraut werden. Die Auskauferei des Getreides, welche bei den hohen Preisen stattfand, ist die schlimmste Wucherei� schlimmer als der Geldwucher. lieber die Judenfrage im allgemeinen habe ich nicht gesprochen; Herr Stadthagen hat meine Ausführungen nicht vollständig verstanden. Ich habe nur hervor- gehoben, daß in Hessen die Juden den Viehwucher besonders be- treiben. Ich habe durchaus nicht den Wucher der Christen be- günstigen oder beschönigen wollen. Das will überhaupt kein an- ständiger Mensch. Herr Stadthagen hat die Antisemiten in seiner Rede sammt und sonders als Wucherer bezeichnet; eine solche kampfesweise ist nicht geeignet, die parlamentarische Ord- nung aufrecht zu erhalten. Die antisemitische Bewegung verurtheile den Wucher ohne weiteres, und antisemitische Strömungen giebt es in jeder Partei, auch unter den Sozialdemokraten. Ich erinnere nur an ein Gedicht des Herrn Kunert gegen dcn jüdischen Kapitalisten und an die Bemerkungen Liebknecht's über den jüdischen Kapitalismus. Abg. Träger(dfr.) erklärt, daß die Freisinnigen gegen die Vorlage stimmen würden, weil dieselbe von der bedenklichsten Wirkung aus das ganze Verkehrsleben sei und namentlich reelle Geschäfte treffen würde; außerdem ist, wie schon der Vorredner ausführt, die Vorlage vollständig unklar. Der Richter kann so ziemlich alles, was ihm von Geschäften unter die Hand kommt, als Wucher ansehen. Wird die Vorlage abgelehnt, so bleibt der Wucher nach dem alten Gesetze immer noch strafbar. Die Wirkung des alten Wuchergeseyes ist die, daß von allen zur Anklage gekommenen Fällen über die Hälfte mit Freisprechung geender bat; nur in den ersten Jahren sind mehr Vcrurtheilungen erfolgt. Ist eS nicht eine große Rechts- Unsicherheit, wenn mehr als die Hälfte der Augeklagten frei- gesprochen wird? Gewiß kommen Uebervortheilungen und Ueberlheucrungen in vielen Fällen vor; aber dagegen giebt es zivile Reckitsmittel. Dazu braucht man nicht eine so abenteuer- liche Gesetzgebung. Redner wendet sich gegen die einzelnen für die Spezialverathung vorgelegten Anträge zum Artikel 4 und zu dem aus Antrag des Abg. Rintelen angenommenen Artikel S betreffend die Bestrafung der wucherischen Viehleihen, die Bestimmung, daß bei Auktionen geistige Gettänke nicht verabreicht werden dürfen, kann man wohl annehmen, trotzdem sie einem echt germanischen Zuge widerspricht; denn, nach echt germanischem Brauche sind alle Geschäfte erst giltig, wenn sie mit einem Trunk besiegelt sind. Ob Sie glauben, die Trunkfestigkeit des deutschen Volkes erschüttern zu können, lasse ich dahingestellt. Wir ver- kennen den guten Willen der Regierung und der Mehrheit des Hauses nicht; aber es sind schon oft genug aus gutem Willen böse Früchte erstanden.(Beifall links.) Darauf wird um S'/s Uhr die Weiterberathung bis Frei- tag I Uhr vertagt. Vorher Interpellation Richter, be- treffend die Vorkommnisse auf Kontrollversammlungen und zweite Berathung des Nachtragsetats. Pccrkcinclcftvickjkim; Gegen die Militärvorlage erklärten sich ferner Verfamm» lungen m Merseburg(Ref. Mittag- Halle), Balingen (Ref. Th. v. Wächter- Stuttgart), Lampertheim(Ref. B e r t h o l d- Darmstadt). »» Maifeier. Die Parteigenossen in Straußberg bei Berlin, Neumünster und Flensburg halten am 1. Mai eine Versammlung, am 7. Mai eine Nachfeier ab; die in Velten i. M. halten am 1. Mai ebenfalls eine Versammlung ab und machen am 7. Mai eine Agitationstour. In M ü n ch e n finden am Abend des 1. Mai fünf Versammlungen statt, am 7. Mai ist in Holzapfelskreuth ein großes Volksfest. In Frank- furt a. O. muß von der Abhaltung der zum 1. Mai geplant gewesenen Versammlung abgesehen werden, da ein geeignetes Lokal nicht zur Verfügung steht; es findet daher nur ein Aus- flug und zwar am 7. Mai statt. In Naumburg wird am Nachmittag des 1. Mai ein Ausflug unternommen; in Zeitz ein solcher Vormittags, und Nachmittags ist geselliges Beisammen- sein in der Zentralhalle. Abends Konzert». Hohenmölsen feiert am 30. April. Die Parteigenossen im Saarrevier wollen von einer besonderen Kundgebung am 1. Mai absehen, da diese von den Gegnern zu neuen Unterdrückungen der Berg- arbeiter benutzt werden würde; sie werden unter sich zusammen- kommen. Berggießhübel feiert am 30. April, Dresden und Umgegend am 1. Mai. Plauen i. V. hält am 30. April ein Fest, am Abend des 1. Mai eine Versammlung ab. Planitz bei Zwickau feiert das Fest am I. Mai. In Crimmitschau ist am Nachmittag und Abend des l.Mai Konzert, Ansprache, Theater; am 7. Mai wird ein Spaziergang unternommen. In Harburg ist am I.Mai Versammlung, am 7. Mai eine solche unter freiem timmel mit darauffolgendem Volksfest. Am 30. April feiern in aden: N e ck a r h a u s e n und Umgegend, Sandhosen. Käferthal, Heddesheim, Hemsbach, Schrres- heim. Schwetzingen; am 1. Mai Mannheim. Neckarau, Weinheim; am 7. Mai Freudenheim. Im Kreise Mainz halten Mainz, Kostheim.Bretzen- heim, Mo m bach und Gonsenheim die Feier am I. Mai ab, Weisenau und Finthen am 30. April, alle übrigen Landorte am 7. Mai und zwar in Mainz, wo an diesem Tage em großes Volksfest stattfindet. In Frankfurt a. M. ist am Vormittag des l. Mai Versammlung, Nachmittags musikalische ic. Unterhaltung, Abends großes Volksfest. In H ö ch st ist am 1. Mai Versammlung; am 7. Mai halten die dortigen und die Parteigenossen aus der Umgebung ein Volksfest in Hosheim im Taunus statt, da in Höchst kein geeignetes Lokal zu bekommen war. Der Wirth Müller des Erfurter Schützenhauses hat sich von der Schützen- Gesellschaft wirklich ins Bocks- Horn jagen lassen, indem er sein Lokal zur Mai- seier verweigerte. Das Fest findet nun in dein übrigens günstig gelegenen Lokal Planer's Felsenkeller statt. Die„verdammten Sozi" fallen immer auf die Füße. Ueber das Verfahren des Wirthes, der sein Wort brach, schreibt die „Thüringer Tribüne":„Der Herr suchte seinen Wortbruch durch allerlei windige Ausflüchte zu beschönigen. So behauptete er, Herr Oberbürgermeister Schneider habe ihm erklärt, er werde keine Versammlung dulden, Herrn Regierung S- Präsident von Brauchitsch beschuldigte er der unzu- lässigen Einwirkung aus seine(Müller's) Entschlüsse. Wir find davon überzeugt, daß Herr Schneider die ihm von Herrn Müller in den Mund gelegte mehr als einfältige Aeußerung nicht gethan hat, wir glauben ferner, daß Herr v. Brauchitsch ein viel zu vornehmer Herr ist, als daß er sich dazu herablassen würde, gleich dem untersten Polizisten, sich mit dem Abtreiben von Sälen zu befassen, und wir würden es vollständig begreiflich finden, wenn beide Herren gegen Herrn Müller wegen Herabwürdigung ihrer Person Strafantrag stellen würden." Gegen den Wirth Müller haben die Erfurter Parteigenossen eine Klage auf Schaden- ersah einleiten lassen. Die Waffenfabrik-Arbciter in S t e y r beschlossen Arbeitsruhe am 1. Mai. Die Fabriklcitung befragte daraus sämmtliche Ar- beiter durch Stiinmzettel um ihre Meinung. Das Resultat war, daß 1800 Arbeiter für und 600 gegen die Arbeitsruhe waren. Der Betrieb wird infolge dessen ruhen. Aus Paris meldet das Herold'sche Bureau: In dem Mani- fest, das der Sozialistenführer Basly an die Bergarbeiter im Pas de Calais erlassen hat, wird hervorgehoben,„daß die Kund- gedungen am I. Mai durchaus größer sein müssen, als im Vor- lahre, wenn die Brüder nicht verrathen werden sollen". Alle müßten am Sonnabend die Arbeit niederlegen und sie nicht etwa am Montage, sondern erst am Dienstag wieder aufnehmen. Der Ausschuß des Arbeitersyndikats im Departement Loire beschloß, am 1. Mai eine Deputation zu dem Präsekten zu senden, um den Achtstundentag und die Errichtung einer Pensionskasse für Arbeiter zu verlangen. Die sozialistische Parteileitung Spaniens hat folgenden Aufruf erlassen:„Arbeiter! Das vierte Mal schon bereiten wir uns vor durch Demonstratio» am l.Mai von den herrschenden Klassen diejenigen Gesetze zu verlangen, deren wir zu unserer Emanzipation bedürfen. Die Bourgeoisie, weit entfernt, unsere gerechten Forderungen zu erfüllen, treibt die Arbeiterklasse aller Länder, sich zu vereinigen, um den Sieg ihrer Ideen zu verwirklichen, um ihre ökonomische Befreiung herbei- zuführe». Hoch der Achtstundentag! Hoch die internationale Solidarität." »» NeichStaaS-Kandidaturem Für den Wahlkreis Quer- furt- Merseburg wurde von einer Volksversammlung in Merseburg, zu der die sozialdemokratischen Vertrauensleute des Kreises eingeladen waren, August Mittag aus Halle als Kandidat aufgestellt. Für den n a s s a u i s ch e n Wahlkreis Wiesbaden nominirle eine dort abgehaltene Konferenz den Parteigenossen Emil Fletsch mann ans Frankfurt a. M. als Kandidaten. 9* Von der Agitation. Im Wahlkreise Dortmund hielt am Sontag unsere Partei 16 Wählerversammlungen ab. Am Sonntag machte der freisinnige Bürgerverein von Straß- bürg i. E. einen Fouragirungsausfall nach B i s ch w e i l e r. Um halb 4 Uhr begann in der Restauration Schreiber die Versamm- rmtg, in welcher Rechtsanwalt Jerfchle refenrte. Nahezu ein stimmig ernannte diese ländliche Versammlung einen Sozialdemo- kraten zum Leiter der Versammlung. Tie beiden Advokaten Jerschke und Lonnig— ohne Advokaten geht es beim Freisinn nicht— mühten sich ab, den Leuten die Schredlbiloer des „Zukunstsstaales" vorzumalen, während ihnen der Sozialdemo krat Bühle aus Straßburg mit dem Gegemvartsstaal des liberalen Kapitalismus ersolgreich entgegentrat. Eine Resolution zu gunsten der Sozialdemokraten fand beinahe einstimmige An- nähme. Die Bürgervereinler verrichteten also ganz vergebliche Sonnlagsarbeit. Die Agitationskommission von M ü h l b u r g in Baden unternahm am Sonntag mit einer großen Zahl Parteigenossen eine Schriftenvertheilung in Eggenstein, Linkenheim, Leopoldshafen, Hochstetten und Umgebung. Die Landleule waren über die sozial- demokratische Lektüre hocherfreut. Am gleichen Tage machten etwa 200 Parteigenossen aus Aachen einen Ausflug ins Kohlenrevier über Morsbach, Bardenberg und Würselen, wobei die Rede Bebel's über den Zukunftsstaat verbreitet ivurde. Während die große Mehrheil der Landbewohner die Schriften freundlich in Empfang nahm. machten andere die Thür zu, bekreuzten sich oder zerrissen die Blätter. Einigen Frauen konnte es gar nicht einleuchten, daß die Verlheiler der Schriften Sozialdemokraten seien, denn sie sähen doch gar nicht wie Räuber oder dergleichen aus. Es beweist dies, wie groß der Unsinn ist, der von den Kanzeln herab und von der Zentrumspresse über die Sozialdemokratie ver- breitet wird. ' Ueber eine neue Heldenthat des PnstorS JSkraut bc- richtet das Kasseler„Volksblatt für Hessen und Waldeck". Ver- gangenen Sonntag sollte in Rehme in Westfalen eine Ver- sammlung stattfinden, in welcher Genosse Adolph Hoffmann aus Zeitz über die„Zehn Gebote und die besitzende Klasse" sprechen wollte. Schon Mittags rückte Jskraut mit seiner Garde an. er stellte sich rechts neben der Bühne auf einen Stuhl, gruppirte seine Getreuen um sich herum und gab von Zeit zu Zeil wie ein Feldherr seine Instruktion. Mehrere andere Pastoren gaben im Saale die Parole aus, konnten aber keine rechte Gegenliebe erwerben. Die Bureauwahl war das Signal zum Beginn des Skandals. Herr Jskraut winkte von seinem erhöhten Standpunkt, und die Garde stimmte ein nicht wieder zu gebendes Gebrüll an. Die Majorität entschied sich für ein sozialdemokratisches Bureau, nun war natürlich für den in seinen Hoffnungen getäuschten Jskraut kein Halten mehr. Der Einberufer der Versammlung forderte darauf den Pastor Jskraut auf, den Saal zu verlassen, indem er mittheilte, daß der Wirth dem Einberufer das Hausrecht übertragen habe und der Pastor eine Anklage wegen Hausfriedensbruchs zu gewärtigen habe, wenn er nicht Folge lerste,- Jskraut nahm seine Sachen und wendete sich mit dem Hinweis, daß man ihn ins Gefängnis bringen wolle, an feine„Getreuen", die natürlich„Hierbleiben!" brüllten. Als der Amtmann und die Gendarmen es ab- lehnten(!!), den Pastor zu entfernen, bekam dieser neue 5iourage, er blieb, und der Skandal begann von neuem. Der Referent nahm nunmehr das Wort, wurde aber von Jskraut und seiner Garde mit Gebrüll begrübt, Stöcke wurden ge- fchwu, gen, Taschentücher mit eingebundenen Feldsteinen geworfen.(Ein solcher Held war bereits von der Polizei verhaftet.) Hoffmann erklärte darauf mit dröhnender Stimme, die für einige Augenblicke Ruhe schaffte:„Herr Jskraut, brüllen Sie nicht so, mir jagen Sie durch Ihr Gebrüll keine Furcht ein, ich fürchte mich auch nicht vor der von einem Pastor geleiteten Knüppelgarde, ich bin derartige geistige Waffen von Eisleben aus gewöhnt." Dauernder Beifall auf der einen, wüthendes Geschrei unter Leitung Jskraut's auf der andern Seite. Als der Referent den Vortrag beginnen wollte, winkte Jskraut, und das Gebrülle begann von neuem. Nochmals gelang es dem Referenten, sich Ruhe zu verschaffen. Er wandte sich an die JSkraut'schcn Bauern, erklärte ihnen,„daß man doch erst ihn, den Redner hören sollte, dann könnte ja Herr Jskraut widerlegen; ob es ihnen denn nicht auffiele, daß Jskraut nur uns verhindern will, ihnen die Wahrheit zu sage»?" Einen Augenblick schien es, als wenn eine bessere Einsicht Platz greifen sollte. wiederholt hatte Jskraut das Signal zum Skandal vergebens gegeben; jetzt stampfte er ungeduldig mit den Füßen auf, und das Gebrüll beganngvon neuem. Hoff- mann schreit:„Herr Jskraut, Sie beweisen dadurch, daß Sie zu seig oder unfähig sind zu widerlegen." Jskraut und seine An- Hänger brechen in wüstes Geschimpfe aus, welches schon vorher recht niedliche Blüthen gefördert hatte. Schließlich schreck Jskraut Höhnisch:„Sprechen Sie doch über die zehn Gebote". Redner macht nochmals den Versuch, doch das Gebrüll machte es un- möglich, durchzudringen. JSkraut, der mit Auktionatorstimme vorausbrüllte. schrie höhnisch:„Sie müssen lauter sprechen". Hoffmann:„Verzeihen Sie, wenn ich das nicht kann, ich bin bisher nur gewöhnt zu Menschen zu sprechen, nicht aber im Kuhstall". Alle Versuche durch Vertagung, Unterhandlungen mit den anderen Pastoren w. scheiterten an der Skandal- sucht des Jskraut und der dämonischen Gewalt, welche er über seine blinden Getreuen hatte. Schließlich begann der bekannte Gesang„Heil dir im Siegerkranz",„Ein' feste Burg ist unser Gott" und„Allein Gott in der Höh' sei Ehr'", welcher von der anderen Seite mit„Arbeiter all' erwacht",„Marseillaise" und schließlich mit der„Holzauktion" beantwortet wurde. Das Ende war, der Amtmann löste unter dem frenetischen Jubel des Helden Jskraut und seiner Getreuen auf. Wenn man aber glaubt, da- mit die Sozialdemokratie getödtet zu haben, so ist man im argen Jrrthum, selbst unter den Getreuen wurden Stimmen laut, welche meinten,„man hätte doch erst hören sollen, was die Sozial- demokraten wollten". Die Versammlung wird trotz oder gerade durch JSkraut sür unS einen große» Erfolg haben, insbesondere, da es dem Referenten noch gelungen war, eine Auf- forderung in die Menge zu schleudern,„dem Herrn Js- kraut und seinem Helfershelfer bei der Wahl die Antwort auf sein Betragen zu geben." Finanziell waren wir auch zufrieden, die Versammlung brachte 73 M. 90 Pf. Kosten. Abends fand in dem 3/4 Stunde weit entfernten Vlotho eine Versammlung statt, in welcher Genosse Hoffmann über das- selbe Thema unter sich immer wiederholendem Beifall der den Saal bis auf den letzten Platz füllenden Menge sprach.(Viele waren von Rehme herüber gepilgert.) Wie lange die Behörde dem Treiben eines Jskraut zusehen wird, sagt das„Volksblatt für Hessen und Waldeck", ist mcht abzusehen, sie ist aber mit verantwortlich für das, was event. einmal daraus entsteht, denn nur der musterhaften Haltung der Sozialdemokratie ist es zu danken, daß es nicht zu ernsten Ex» zessen kam. Die maßgebenden preußischen Behörden wer- den gut thun, diesen Rath ernsthaft zu beherzigen. Man kann den Sozialdemokraten nicht ewig zumuthen, sich ihr gesetzliches Recht aus die Abhaltung von Versammlungen immer und immer wieder durch einen Menschen wie Jskraut und seine Rowdybande illusorisch machen zu lassen. Versagt die Polizei uns ihren Schutz vor derartigen Friedensstörern, dann müssen wir unser Recht schon selbst schützen. Die Macht dazu haben wir und anwenden werden wir sie gegebenen Falles auch. Polizeiliches, Gerichtliches ee. — Der Redakteur D i e h l von der„W urzenerZeitung" wurde vom Leipziger Landgericht wegen Beleidigung des Dort» munder Landgerichts zu 6 Wochen Gesängniß verurtheilt. — Die Parteigenossen N e u m a n n in Aken und Schöps in Dessau wurden vom Dessauer Schöffengericht wegen Be- leidigung der Lehrer und der Fußjäger in Osternienburg zu 60 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Amtsanwalt hatte SO M. Geldstrafe beantragt. Vommunoles. Stadtverordneten-Versammlung. Oefsentliche Sitzung vom Donner st ag, 27. April, Nachmittags 5 Uhr. In die Gesinde-Belohnungsdeputation wird Stadtv. Ladewig, in die Brennmaterialien- Deputation Stadtv. Matterne, in den Ausschuß sür die Wahlen ron unbesoldeten Eemeindebeamten Stadtv. Schulz durch Akklamation gewählt. In den Petitionsausschuß wählt die Versammlung den Stadtv. Wallach mit 59 Stimmen, daneben erhält Metzner II Stimmen. In das Kuratorium für das Friedrich- Wilhelms Hospital und die Sicchenanftalten tritt Stadtv. Hammerstein; Borgmann erhält 15 Stimmen. In das Markthallen- Kuratorium wird Stadtv. Herbig ent- sendet. Zur Vergrößerung der Saugekammer des älteren Theiles der Tegeler Wasserwerke werden 17 300 M. bewilligt. Die Verbreiterung der Mühlen st raße vom Rummelsburgerplatz bis zur Warschanerstraße macht die Er- Werbung mehrerer bebauter Grundstücksparzellen nothwendig. Bis jetzi ist nur der Eigenthümer des Grundstücks Mühlenstr. l l zum Abschluß eines dem Magistrat annehmbar erscheinenden Ab- kommens bereit gewesen. Es soll ihm für das abzutretende Terrain von ca. IZb Quadratmetern ein Preis von 85 M. pro Quadratmeter und außerdem die Summe von 1800 M. sür die Verkleinerung des Wohnhauses gezahlt werden. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Der Magistrat erneuert seine Vorlage betr. die innere Ausschmückung des Rathhauses. Aus den, Entwurf ist diesmal die bei der Berathuug der abgelehnten Vorlage be- anstandete Statue des Frhrn. vom Stein, die in der Nische des Magistrats-Vorsaals Ausstellung finden sollte, weggelassen worden. Der Anschlag der Kosten beläuft sich denigemäß nur auf 90 000 M. Die Arbeiten sollen unter Oberleitung der gemischten Deputation für die innere Ausschmückung des Rathhauses aus- geführt werden. Auch diese Vorlage gelangt ohne Debatte zur Annahme. Unter Aufhebung der drei für die Verwaltung der städtischen Krankenhäuser bestehenden Kuratorien soll eine aus vier Magistrats- Mitgliedern und acht Stadtverordneten bestehende„D e p u- tation für die städtischen Krankenanstalten" »eben der Deputation für öffentliche Gesundheitspflege errichtet werden. Der Magistratsvorschlag entsvricht einer von der Ber- sammlung bei der Etatsberathung beschlossenen Resolution. Stadtv. K a l i s ch beantragt Ausschußberathung. Man könne dem Magistrat für die schleunige Erfüllung der Resolution freilich nur dankbar sein, doch empfehle sich behufs besserer Abgrenzung der Kompetenzverhältniffe noch nähere Erörterung in einem Ausschuß. Stadtv. Dr. Z a d e k: Ich beantrage, zu der Deputation auch drei Bürger-Deputirte gehören zu lassen. Dieser An- trag spricht eigentlich für sich selbst. In den früheren De- putationen haben immer Bürger- Deputirte gesessen; sie sind auch in die Kuratorien übergegangen und sitzen noch heute darin. Ich finde keine Erklärung dafür, daß der Magistrat letzt von dieser Gepflogenheit abgehen will. Ich habe schon bei der Etatsberathung darauf hingewiesen, wie wünschenswerth es ist, wenn in diesen Verwaltungskörpern auch Vertreter derjenigen Klaffen sitzen, welche hauptsächlich in den städtischen Hospitälern behandelt werden, nämlich Arbeiter, zu- mal in der neu zu bildenden Deputation, die doch auch bis zu einem gewissen Grade als Berufungsinstanz zu gelten haben wird. Ich bitte Sie, unser Amendement anzunehmen. Die Einsetzung eines Ausschusses von 15 Mitgliedern wird darauf beschlossen; dem Ausschuß wird auch der Antrag Zadel überwiesen. Die Petition der Plahn'schen Buchhandlung. Henri Sauvage, Französischestr. 33, um Befriedigung von Forderungen für an den 1830 verstorbenen Direktor Gallenkamp von der Friedrich- Werderschen Ober-Realschule in den Jahren 1863 bis 1890 ge- lieferte Bücher wird dem Magistrat zur Berücksichtigung mit der Maßgabe überwiesen, daß der Buchhandlung noch der Betrag von 267,71 M. gezahlt werde. Der Schlächtermeister Robert Hartig, Solmsstr. 38, und Ge- nassen petitioniren um Bewilligung einer Entschädigung für die bei dem Gewitter am 17. Juli 1892 in den unteren Räumen der Häuser Gneisenaustr. 101/2 erlittenen Beschädigungen und Ver- luste, welche sie aus 4000 M. berechnen. Die Petionskommission ist nicht der Meinung gewesen, daß der Vorwurf, die Stadt habe nicht dafür gesorgt, den Schaden zu verhüten, irgendwie begründet sei, hält auch dafür, daß die Kanalisationsverwaltung keine Schuld trifft, daß diese Schuld vielmehr an den Terrainverhällnissen am Kreuzungspunkt der Gneifenau- und Nostizstraße liegt, and lehnt es ab, die Petition zu befürworten. Stadtv. Kreitling bittet um Ueberweisung zur Berücksichtigung. da solche Ueberschwemmungen sich oft wiederholen und die Anwohner aus die Dauer schwer schädigen muffen. Stadrralh Hagen: Der Magistrat kann eine Verpflichtung zur Entschädigung nicht zugeben. Für die Folgen des außer- ordentlichen Naturereignisses können wir von Stadlivegen nicht eintreten; es würde das einen sehr unangenehmen Präzedenzfall bilden, da wir derartige Terrainverhältnisse auch noch m vielen anderen Theilen der Stadt haben. Die Schuld für die ein- getretenen üblen Folgen trifft vielmehr die Hausbesitzer, welche diejenigen Einrichtungen und Vorrichtungen vernachlässigt haben, die sie im eigenen Interesse hätten treffen müssen. Es steht in keinem Gesetz, daß der Hausbesitzer gegen höhere Gewalt, wie sie durch solche Naturereignisse sich geltend macht, durch die Allgemeinheit geschützt werden muß. Was geschehen kann, um den hervorgetretenen Uebelständen durch neue allgemeine Einrichtungen abzuhelfen, wird geschehen. Wir sind mit Versuchen derart andauernd beschäftigt. Stadtv. Sachs II verlritt im Anschluß an diese Argu- mentation den Standpunkt des Ausschusses, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Stadtv. E s in a n n: Gewiß besteht auch nach meiner An- ficht keine Verpflichtung der Stadtgemeinde. Dennoch sollte die Petition berücksichtigt werden. Es handelt sich nicht um Haus- besitzer, sondern um die geschädigten Kellerbewohner, speziell um den ruinirten Schlächtermeister. Stadtv. L a d e w i g bittet aus prinzipiellen Gründen dem Ausschußantrag beizutreten. Gegen höhere Gewalt gebe es nur die Versicherung, die, wie gegen Feuer-, auch gegen Wasserschäden dewirkt werden könne. Der Antrag Kreitling wird abgelehnt, die Versammlung geht über die Petition zur Tagesordnung über. Aus Veranlassung der in jüngster Zeit wiederholt erfolgten Verleihung des Prädikats„S l a d l ä l t e st e r" hat der Magistrat die bisherige Ausfertigung der Vorrechte dieser Stadt- ältesten einer Durchsicht unterzogen und ihr eme zeitgemäße Fassung gegeben. Er ersucht die Versammlung um ihre Zu- stimmung zu der neuen Fässung, welche Zustimmung ohne Dis» kussion ertheilt wird. Die Stadtvv. Rast und Genossen beantragen, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen: wie weck die Angelegenheck wegen Herstellung einer Ber- zwischen Chaussee und Wöhlert'schen kehrsverbindung... G a r t e n st r a ß e auf dem ehemaligen Terrain gediehen ist. Stadtv. Burckhardt beantragt, einen Ausschuß von 10 Mitgliedern für diesen Antrag niederzusetzen. Stadtrath Friede!: Ob der in Aussicht genommene Fuß- gängertunnel unter dem Geleis« der Berlin-Stettiner Eisenbahn sobald in Angriff genommen werden kann, wissen wir nicht. Auf wiederholte Anfrage bei der Eisenbahndirektion haben wir noch keine Antwort bekommen, nachdem früher uns gesagt wurde, daß die Angelegenheit zweckmäßig erst mit dem neuen Bahnhofs- Bauprojekt erörtert würde. Stadtv. R a.st hält es doch für ersprießlich, einen Ausschuß niederzusetzen(Widerspruch), dessen Einsetzung wohl auch auf die fiskalischen Behörden einen Druck ausüben würde.(Heiterkeil.) Die Verbindung der beiden Straßen sei doch schon vor'S Jahren beschlossen worden. Stadtvv. Wohlgemuth und D i n s e können nicht be- greifen, wie ein Ausschuß in der Angelegenheit auch nur das Mindeste zu fördern vermöchte. Nachdem auch noch Stadtv. Sachs II sich gegen einen Ausschuß ausgesprochen, wird die Einsetzung eines solchen ab- gelehnt. Das im Besitz der Bleichröder'schen Erben befindliche Ritter- gut Gütergotz, welches südlich von Berlin zum großen Theile den städtischen Rieselgütern Schenkendorf und Sputendorf be- nachbart ist, soll zu R i e s e l z w e ck e n für den Preis von I 400 000 M. angekauft werden. Es umfaßt 678 da(darunter 341 da Forst, zum Theil angeblich 60— 70jähriger Holzbestand), aus denen die Kanalisationsverwaltung ca. 500 da zum Rieseln geeignete Ländereien zu gewinnen hofft. Es würde damit dem für die Entwässerung der Radialsysteme III und VII bestehenden Bedürfniß für lange Zeit genügt werden können. Stadtv. Wohlgemuth beantragt Ausschußberathung da der geforderte Preis ein sehr hoher und vorsichtige Prüfung also doppelt geboten sei. Dem Antrage entsprechend wird ein Ausschuß von 15 Mit- gliedern niedergesetzt. Von den Stadtvv. Sachs II und Meyer I wird am Schlüsse noch ein dringlicher Antrag eingebracht, nach welchem die Versammlung gemeinsam mit dem Magistrat beim Abgeordneten- hause gegen die zum Z 18 des Kommunalstenergesetzes auf Antrag Friedberg beschlossene Aufhebung der Miethssteuern, die bis späteiiens zum Jahre 1900 durchgeführt sein muß, petitio- niren soll. Vom Stadtv. Singer und von verschiedenen anderen Mitgliedern wird gegen die sofortige Berathuug Widerspruch er- hoben; der Antrag wird daher bis zur nächsten Titzung zurück- gestellt. Schluß 7 Uhr. Lofcnles. Die Miethssteuer ist von Herrn Alexander Meyer im preußischen Abgeordnetenhause für die beste Kommunalsteuer erklärt, und da Herr Meyer die Seele der freisinnigen Majorität der Berliner Stadtverordneten-Versammlung ist, so ist auch nicht daran zu denken, daß die Miethssteuer in Berlin beseitigt wird. Neben Berlin erfreuen sich in Preußen nur noch Frankfurt a. M., 'falle und Danzig dieser besten Kommunalsteuer. Trotz des frei- nnigen Widerspruchs hat, wie wir bereits gemeldet, nun das lbgeordnetenhaus am Dienstag in zweiter Lesung mit einer Majorität von nur 4 Stimmen den Beschluß gefaßt, daß die Kommunal-Miethssteuer auch dort, wo sie noch besteht, am 1. April 1900 fortfallen soll. Daß das Rothe Haus sich entschließen wird, eh« es durch das Gesetz dazu gezwungen ist, die Miethssteuer fortfallen zu lassen, dafür ist vorläufig keine Aussicht. Die beste Gelegenheit dazu war im vorigen Jahre gegeben. Dank der durch das neue Einkommensteuer-Gesetz bewirkten Verhütung der Steuer- Hinterziehungen der besitzenden Klassen, war die Stadt in der Lage, die Steuer herabzusetzen. Das Nächstliegende wäre nun gewesen, die Miethssteuer, welche die ärmere Bevölkerung am meiste» be- lastet, zu beseitigen, wie es von den sozialdemokratischen Stadl- verordneten beantragt ivurde. Statt dessen wurde aber die Ein- kommensteuer herabgesetzt. Wir wiesen in einem Leitartikel „Freisinniger Steuererlaß" am 3. April 1892 nach, daß diese Art der Steuerermäßigung besonders vortheilhaft für die Be- sitzenden sei, während der Forlfall der Miethssteuer den minder Besitzenden zu gute käme. In bezug hierauf schreibt ein ziemlich unabhängiges Zentrumsblatt, die„Deutsche Reichs-Zeitung" in Bonn vom 25. April: „In Berlin beträgt die Miethssteuer feit 1891 von einem Mielhspreise in der Höhe von 200—400 Mark pEt., von 400—600 Marl 3 pCt., von 600 bis 800 Mark 4 pCt., von 800—1000 Mark 5 pCt., unü darüber hinaus 63/s pCt.; also wer 1000 M. Miethe zahlt, zahlt 50 M. Miethssteuer. Sie trifft hauptsächlich die unteren und mittleren Klassen. Eine Wohnung von drei Räumen in an- ländiger Gegend, im Hofe, 4 Treppen hoch, kostet 700 M., solche Wohnungen hat der Beamte oder Kaufmann mit einem Ein- kommen von 4—5000 M. Wer aber eine halbe Million Ein- kommen hat, also 100 Mal so viel als der erwähnte Beamte oder Kaufmann, der benutzt doch nichr eine Wohnung, die 100 Mal mehr an Miethswerth hat. Also ist die Miethssteuer ein Nutzen ür die Reichsten. Die Stadt Berlin erhebt 12 Mill. M. an Miethssteuer, an Staats- Einkommensteuer wurden 22 Mill., an Gemeinde- Einkommensteuer(neben der Miethssteuer) nur 15 Mill. M. erhoben; für das Jahr 1833/94 werden nur 85 pEt. Zuschlag zum Staatseinkommen erhoben. Eine Aufhebung ist also dringend nöthig, und dazu sehr leicht, weil dieselbe nur Erhöhung der Zuschläge zur Einkommensteuer von 85 auf 120 pCt. nöthig macht, was ja immer noch ein(verhältnißmäßig) mäßiger Zuschlag ist." Diese Ausführungen stimmen vollständig mit dem überein, waS der„Vorwärts" in spezialistrter Ausführung im vorigen Jahr schrieb und was in der Stadtverordneten-Versammlung vom 31. März 1892 von den Genossen Zubeil und Singer des Näheren dargelegt wurde. Eine große antisemitische Versammknng fand am Mick- woch Abend in den Konkordia-Sälen statt mit der Tagesordnung Die Behandlung Ahlwardt's von seinen Gegnern." Die„National- Zeitung" berichtet über diese Versammlung: „Als A h l w a r d t mit dem antisemitischen Abgeordneten Werner erschien, wurden dieselben mit stürmischem Beifall empfangen. Abg. Werner sagte etwa folgendes: Während sonst der Reichstag an chronischer Schwindsucht leide, habe das Auftreten Ahlwardt's ein volles Haus geschaffen. Der Senioren- konvent habe Ahlwardt verurtheilen wollen, obwohl diesem, nur ein Bnichtheil der Akten vorgelegen habe. Eine traurige Rolle haben die Abgg. Lieber und v. Manteuffel im Reichslage gespielt. Lieber habe Ahlwardt von vornherein verurtheilt und v. Man- teuffel habe ihm hierbei sekundirt. Auf dem deutsch-konservativen Parteitage, der im Dezember 1332 aus Tivoli stattfand, sei wohl etwas Antisemitismus gelrieben worden, um die Wählermassen einzufangen, am Dienstag aber, wo es galt, offen Farbe zu be- kennen, da sei Herr v. Manteuffel als Retter der Juden auf- getreten und dem ganz allein stehenden Ahlwardt in den Rücken gefallen.(Rufe: Pfui!) Das sei keineswegs ritterlich. 'ür die Antisemiten sei das aber eine Mahnung, sich aus eigene � üße zu stellen und mit keiner anderen Partei Fühlung zu halten. Der konservative Abgeordnete Hultsch habe sogar Ahlwardt zu- gerufen:„Nur Dumme lassen sich betrügen." Hoffentlich werde es dem antisemitsschen Abgeordneten Zimmermann gelingen, Herrn Hultsch bei den nächsten Wahlen aus feinem Wahlkreise zu verdrängen. Die Freisinnigen haben ein wahres Indianer- geheul angestimmt, als Ahlwardt aufgetreten sei. Mau nenne die antisemitische Partei die Radau-Antisemiten; selbst Hof- Prediger Stöcker sage dies. Allein solchen Radau hahen'die Antisemiten jedenfalls noch niemals gemacht, als gestern die Ab- «ordneten im Reichstage. Die antisemitische Partei werde in Zukunft weder Kompromisse schließen, noch sich an eine alte. überlebte, morsche Partei anlehnen. Abg. Ahlwardt äußerte sich ungefähr folgendermaßen: So lange mein Beweis- n'ntcrial der Kommission deS Reichstages vorliegt, kann ich selbstverständlich darüber in einer Volksversammlung nicht sprechen, es märe das eine große Taktlosigkeit. Ich will blos über den gestrigen Vorgang im Reichstage sprechen. Die Angriffe der Slbgg. Lieber und v. Manteuffel haben mich schwer erschüttert, selbstverständlich nicht meiner Person wegen, sondern der Sache rvegen, die ich vertrete. Was meine Gegner im Reichstage und die Judenpresse gegen mich vorbringen, ist mir vollständig gleich« giltig.(Beifall.) Ich will lediglich an das Rechtsbewußtsein des deutschen Volkes appelliren.(Beifall.) Ich werde, soweit meine Kräfte reichen, durch Abhaltung von Versammlungen das deutsche Volk aufzuklären suchen. Und wenn von dem Eintrittsgeld von 20 Pf. etwas für die Sache und für meine Person übrig bleibt, so werde ich mich keineswegs darüber grämen.(Heiterkeit.) Mich treibt allein der Gedanke, das deutsche Volk von dem jüdischen Vampyr zu befreien. Ich will nicht eher ruhen, bis die Juden aus Deutschland entfernt sind.(Beifall.) Der Redner erzählte alsdann, daß der vielgenannte Meißner früher im Reichstage beschäftigt war. Er hatte speziell die Bedienung am Bundesrathstische und wurde, da er ein ganz besonderes Ver- trauen genoß, in den» Bureau der rumänischen Eisenbahn- Gesellschaft angestellt. Diese Gesellschaft sei seit ISS1 todt und es sei wohl möglich, daß er die Akten von dieser Gesellschaft geerbt habe. Gestohlen könne höchstens ein kleiner Theil sein, denn zumeist seien es Abschriften oder zusammengeklebte Schrift- stücke. Im Uebrigen habe er(Ahlwardt) es nur mit dem Inhalt der Akten zu thun, und er würde es geradezu als Verrath be- trachten, wenn er die Schäden, die er aus dem Inhalt der Aktenstücke ersah, nicht aufgedeckt hätte.(Stürmischer Beifall.) Ter Redner bemerkte zum Schluß, daß von höherer Seite der Wunsch geäußert worden sei, über das heutige Thema keine Debatte zuzulassen. Die Versammlung schloß hierauf unter Hoch- rufen aus Ahlwardt und Werner." Der von„höherer" Seite geäußerte Wunsch, keine Debatte zuzulassen, ist augenscheinlich Flunkerei. Ucber das in Berlin vorhandene Kranke»pflege-Per> sonst! enthält der 6. Gesammtbencht über das Berliner Sanitäts- uud Medizinalwesen einige Angaben. Der erst lS90 begründete, unter Protektorat der Kaiserin stehende Berliner Lokalverein des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins verfügte im Jahre 1S9l bereits über acht Stationen, auf denen gegenwärtig 43 Diakonissen in der Arbeit stehen. Außerdem sind seitens des Johanniter- ordens 16 für Krankenpflege ausgebildete Johanniterinnen den Stationen zur Aushilfe zugewiesen. Zu gleichem Zweck werden geeignete Kräfte aus den Gemeinden durch Vermittelung der Gemeindepflege gewonnen. Für Kranke, bei welchen eine Ver- sorgung durch männliche Pflege Bedürfniß ist, hat das Bielefelder Brüderhaus einige Brüder in der Reinickendorferstr. 36 a stationirt. Die Schwestern der Pflegestationen haben im Jahre I39l in 943 Familien 7785 Tage und 2603 Nächte gepflegt.— Von älteren Vereinigungen sind 44 Diakonen und 586 Diakonissinnen im Johannis- Stift bei Plötzensee, in Bethanien, im Elisabeth. Krankenhause, im Lazarus-Krankenhause und im Paul Gerhardt« Stift vorhanden.— Der Frauen- Lazarethverein hat zirka 300 Frauen ausgebildet.— Im Viktoria-Hause haben 126 Schülerinnen ihre Ausbildung erhalten.— Dazu treten noch 24 evangelische Hilssschwestern, welche dem Hilssschwestern- Verein der Gräfin Rittberg angehören. Außerdem bestehen noch zwei'.katholische Ordensniederlassungen zur Krankenpflege, und zwar mit 33 Barromäerinnen und 24 grauen Schwestern, denen sich seit dem Jahre 1339 noch eine Niederlassung der Franzislanerinnen an- geschlossen hat. Der Ballon Humboldt ist am Mittwoch bei Münsterberg in Schlesien gelandet und bei der Entleerung wahrscheinlich durch die weggeworfene Zigarre eines Bauern explodirt. Hülle und Netz sind vernichtet. Wiedernm ist ein Bankbeamter flüchtig geworden. Der 25 Jahre alte Buchhalter Franz Elstcrman», der bei der Dresdener Bank angestellt war, bat sich durch Fälschungen in den Besitz von 4000 M. gesetzt und ist am Montag Mittag auf und davon- gegangen. Sem nur wenige Jahre jüngerer Bruder, der bei der Nationalbank beschäftigt war, ist gleichzeitig verschwunden, ohne daß ihm Unterschleife nachgewiesen werde» können. In einer bedauernswerthen Lage befindet sich die gelähmte und an Krücken gehende Mutter der Beiden, die nur von den Unterstützungen ihrer Söhne lebte und völlig mittellos zurückgeblieben ist. Ein unverhofftes Wiedersehen hat gestern Mittwoch zur Verhaftung eines Fuhrwerks-Marders geführt, dessen Spezialität in dem Entführen unbeausstchtigt vor der Markt- Halle haltender Fleischerwagen besteht. Am Dienstag Morgen um 6 Uhr wurde dem Engros-Schlächter Hänell, Große Frankfurter- straße 2 wohnhaft, ein solches Fuhrwerk, auf welchem sich 24 halbe Schweine befanden, in dem Augenblick gestohlen, als Herr H. für einige Augenblicke in die Markthalle hinein ging. Ein früherer Geselle des Bestohlenen aber, der jetzige Schlächtermeister Bach- nick, Posenerstraße 3, wohnhaft, hatte bemerkt, wie sich ein un- bekannter Mann auf das Fuhrwerk gesetzt und damit fortgefahren war; Herr Bachnick hatte sofort die Verfolgung des Diebes auf- genommen und war demselben bis zur Warschauerstraße gefolgt, wo es dem wie toll und blind ausdie Pferde cinhauenden Spitzbuben gelungen war, zu entkommen. Am gestrigen Morgen gegen 9 Uhr stand Herr Bachnick in seinem Laden, als ein Schlächtergeselle eintrat und den Meister frug, ob er billig Schweine kaufen wolle. Der letztere trat eimge Schritt vor und sah den Verkäufer, dessen Gesicht ihm bekannt vorkam, nun näher an und erkannte in demselben den Dieb ivieder, den er tags vorher so lange vergeblich verfolgt. In demselben Augenblick aber sah der Fremde auch seinerseits, daß er mit seiner Offerte just an den Unrechten gerathen und in der nächste» Sekunde saß er auch schon auf dem gestohlenen Wagen und fuhr davon. Aber Meister B. war auch diesmal Himer ihm drein und in der Wrangelstraße wurde der Dieb ge- stellt und der Polizei übergeben. In demselben wurde der de- schäftigungslose Schlächtergeselle Heise ermittelt; auf dem Wagen wurden nur noch 13 halbe Schweine vorgefunden, den Rest hatte der Dieb bettits zu Schleuderpreisen verkauft. Ein gefährlicher Hochstapler hat feit einiger Zeit hier in Berlin die verschiedenartigsten Schwindeleien verübt. Sein Hauptaugenmerk hat er auf die feineren Gasthöf« gerichtet, wo er nicht blos die Wirthe, sondern auch Gäste mit ziemlichem Ge- schick in seine Schlingen zu ziehen versteht. Besonders ist er bis jetzt in der Dorotheenstraße und Fricdrichstraße aufgetreten. Ein besonders in die Augen springender Fall betrifft den Kauf- mann B., der mit seiner Gattin in einem Gasthofe der Doro- theenstraße wohnt. An einem Abend saßen beide im Friedrichs- garten, als sich ihnen ein Herr in tadelloser Form näherte und um die Erlaubniß nachsuchte, mit seiner angeblichen Frau an demselben Tisch Platz nehmen zu dürfen, da er anderswo von einer ihm nicht zusagenden Gesellschaft verdrängt worden sei. Er gab sich als Dr. med. Lehmann zu erkennen und theilte beiläufig mit, daß er Stationsarzt in der hiesigen kgl. Klinik sei. Die Doltorfamilie, dieim Hotel R.in derDorotheenstraße abgestiegen war, fand bei den B.'schen Eheleuten großes Entgegenkommen und man unternahm� einen gemeinschaftlichen Ausflug nach dem Grunewald. Wie weit die Unverfrorenheit des Schwindlers geht, mag daraus entnommen werden, daß er, als Frau B. unterwegs durch den Zugführer einen zufälligen Stoß in ein Auge erhielt, sofort als Arzt zur Hand war und mit unleserlichen Zeichen auf einem Zettel Augensalbe verschrieb. Nachdem er dann noch die Familie B. durch den Fernsprecher als Dr. Paul Lehmann wlederholt angerufen hatte, stellte er sich eines Tages in deren Gasthofe mit Sack und Pack ein, um gleichfalls daselbst Woh- nung zu nehmen, da er sich mit seinem früheren Wirlh entzweit habe. Nach einem eintägigen Aufenthalte war er unter Zurück- lassung von Schulden«nd unter Mitnahme der B.'schen Papier« verschwunden. Der Polizei ist es bisher nicht gelungen, de? Betrügers und Diebes habhaft zu werden. In der Frau Doktor glaubt man eine Frauensperson namens Elly B. aus der Novalis- straße vermuthen zu sollen. Der Kaufmann OSkar Dahlheim, der feit dem 12. d. M. verschwunden war, und auf dessen Ermittelung eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt worden war, ist gestern im Span- dauer Schifffahrtskanal in Charlottenburg als Leiche gelandet worden. Der Lebensmüde hatte vor dem Sprunge in das Wasser alle seine Taschen mit Steinen und Sand beschwert. Diesein Umstände ist es zuzuschreiben, daß der Leichnam erst jetzt gefunden wurde. Dahlheim war mit seinem Bruder Besitzer des Konfektions-Ausfuhrgeschästes Alte Leipzigerstr. 12. Der Laufbursche kin de eiicle. Als Zeichen der Zeit können zwei Anzeigen gelten, welche in der Rubrik„Offene Stellen" einer hiesigen Zeitung an einem Tage zu finden waren. In der einen Annoncesuchte jemand einen„Laufburschen, der in Buchdrnckereien beschäftigt war und das Setzen gut versteht"— während in der anderen Annonce eine Luxuspapierfabrik einen ebensolchen Burschen suchte,„welcher an der Tiegeldruck-Presse Bescheid weiß und etwas setzen kann." Die„Pap.-Ztg." bemerkt hierzu etwas bissig: Besteller, welche den suchenden Geschäften Austräge ertheilen wollen, ersehen aus diesen Anzeigen, daß sie auf fachgemäße Ausführung die schönsten Hoffnungen setzen können. Ein Einbruch ist in der verflossenen Nacht in der Villa der Bankiers S. in der Thiergartenstraße unter eigenthümlichen Umständen verübt worden. Der Thäter hat sich vom Garten aus den Eingang zunächst in das Billardzimmer des Erdgeschosses dadurch verschafft, daß er mit Hilse eines im Garten gefundenen eisernen Hakens die Rolljalousie emporhob und zwei Fenster- scheiden des Einganges so weit zertrümmerte, daß er mit dem Arm hindurchlangen und die Thür aufwirbeln konnte. Dann hat er alle Räume des Erdgeschosses, in denen sich zur Nachtzeit niemand aufhält, betreten und hier wie ein Vandale gehaust. Die zum Theil werthvollen Kunstgegenstände sind in Trümmern zer- schlagen, und Gemälde berühmter Maler wie Hildebrandt und Hogin zerschnitten. In gleicher Weise sind eine Gobelingarnitnr. die 40 000 M. gekostet haben soll, Polster und Stühle, zerstört worden. Verschiedene Behältnisse sind aufgerissen, doch ist von ihrem Inhalte nichts entwendet worden. so daß es zweifelhaft erscheint, ob es überhaupt auf einen Dieb- stahl abgesehen gewesen ist. Geld befand sich allerdings in den Räumen nicht, weshalb auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß der Einbrecher aus Aerger über das Fehlen des ver- mutheten Geldes die Zerstörung angerichtet hat. Indessen ent- spricht dies nicht den Gepflogenheiten der hiesigen Einbrecher und die Kriminalpolizei kann sich eines solchen Falles nicht ent- sinnen. Trotzdem muß vorläufig angenommen werden, daß ein Racheakt vorliegt. Zur Ermittelung des Thäters fehlt bisher jeder Anhalt, da niemand gesehen wurde, obgleich das Dienst- personal insgesammt 17 Köpfe zählt. Die Dienerschaft schläft indessen theils im Souterrain, theils im ersten Stock. Daß man von dem nächtlichen Besuche nichts gehört hat, erklärt sich durch die dicken Teppiche, mit denen die Fußböden belegt sind. Ein schwerer NnalückSfall. Die von uns gestern unter dieser Spitzmarke gebrachte Notiz ergänzen wir heute dahin, daß der junge Malergehilfe den Folgen seines unglücklichen Sturzes erlegen ist. Die Sache unterliegt bereits der Untersuchung der Staatsanwaltschaft. Wie der Malermeister Wiegmann in einer Zuschrift an uns erklärt, ist der Unglücksfall nicht infolge der Schadhaftigkeit der Leiter, die in brauchbarem Zustande sich befand, eingetreten. Verbrüht wurde infolge Platzens eines Dampfrohres auf dem Grundstücke Gerichtstraße 12/13 am Mittwoch Nachmittag der sechsundzwanzig Jahre alte Arbeiter Paul Kühne, der Pank- straße 6 wohnt. Er erlitt am ganzen Körper derart schwere Brandwunden, daß er der Charitee zugeführt werden mußte. Das königliche Polizeipräsidium hat im Einvernehmen mit der königlichen Mmisterial-Baukommission die landespolizei- liche Genehmigung zur Erbauung der neuen Moabiter Brücke unter der Bedingung genehmigt, daß die Schiff- fahrt während der Auführung des Baues weder unterbrochen noch erheblich gestört werde. Polizeibericht. Am 26. d. M. Vormittags wurde an der Ecke der Universitäts- und Dorotheenstraße ein Bäcker durch einen Geschäftswagen überfahren und so bedeutend am Kopfe verletzt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Beim An- bringen eines Geschäftsschildes an der Vorderseite des Hauses immerstr. 13 fiel ein Maurer von der Leiter und erlitt an der tirn und am Arm und Bein bedeutende Verletzungen, so daß seine Uebersührung nach der Charitee erforderlich wurde.— Bei der Markthalle aus dem Magdeburgerplatz wurde Mittags ein Arbeiter, als er das durchgehende Pferd eines unter seine Auf- ficht gestellten Schlächterwagens aufhalten wollte, zur Erde geschleudert und überfahren. Er erlitt dabei Verletzungen am Bein und mußte nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht werden.— Stuf dem Hofe des Grundstücks Brunnenstr. 196 fiel Nachmittags ein Schildermaler von einem Gerüst etwa 3Vs Meter hoch herab und erlitt außer inneren Verletzungen eine starke Quetschung des Knies. Er nucrde nach dem St. Heb- wigs-Krankenhause gebracht.— In seiner Wohnu.ig, in der Prmzen-Allee, wurde ein Handschuhmacher erhängt vorgefunden. — Beim Aufstellen eines Leitergerüstes auf dem Hofe des Hauses Friedrichsir. 239 stürzte Abends eine Leiter mit dem darauf stehenden Arbeiter um und traf einen anderen vorübergehenden Arbeiter. Beide Arbeiter wurden anscheinend bedeutend verletzt und nach dem Krankenhause gebracht.— Auf dem Schlesischen Bahnhofe fiel der Posthilssvote Hube beim Ueberschreiten der Ge- leise infolge eines Fehltritts zur Erde, als gerade eine Rangir- Maschine heranfuhr; sie ging ihm über den Fuß, so daß sämmt- liche Zehen zerquetscht wurden. Er wurde nach der Univer- sitätsklmik gebracht.— Im Laufe des TageZ und(n der darauffolgenden Nacht fanden sieben Brande statt. Geriickikv-Fleiknttg. Zur Vorsicht bei der Eidesleistung mahnte eine Ver- Handlung, die gestern vor der achten Strafkammer des Land» gerichts 1 stattfand. Der Schlächtermeister Gustav Söll war des fahrlässigen Meineides beschuldigt. Derselbe hatte im vorigen Jahre«ine Forderung in Höhe von 55 M., die er an die Fleisch- Händler Röper'schen Ebeleute hatte, an einen Agenten cedirt. Da die Forderung bestritten wurde, betrat der Agent den Klage- weg und lud den Angeklagten Söll als Zeugen. Dieser beschwor im Termine, daß die Forderung aus Lieferungen herrühre, die er im Jahre 1830 an die Röper'schen Eheleute geleistet habe. Den Letzleren gelang der Nachweis, daß sie in jenem Jahre überhaupt kein Geschäft gehabt hatten. Söll richtete darauf eine Eingabe an das Gericht, worin er zugab, daß er sich in einem Jrrthum be- sunden, die Forderung stamme nicht aus dem Jahre 1330, son- dern aus dem Jahre 1876. Die Fahrlässigkeit bei Ablegung des Eides war somit erwiesen. Während der Staatsanwalt sechs Monate Gefängniß beantragte, berücksichtigte der Gerichtshof die bisherige Unbescholtenheit des im vorgerückten Alter befind- lichen Angeklagten und erkannte auf drei Monate Ge- fängniß. Unter dem Verdacht der Hochstapelet stand gestern der Kaufmann Eugen W i e l a n d vor der 9. Strafkammer des Landgerichts l. Der Angeklagte hat in Sportkreisen eine Rolle gespielt. Er war früher Direktor des Berlin- Spandauer Svediteur-Vereins, wurde dann Direktor der Aktien-Gesellschast „Sporn" und gab schließlich das Sportblatt„Turf" heraus. Keines der letzteren Unternehmungen wurde vom Glück begün- stiat, der Angeklagte soll in den letzten Jahren fortwährend mit Geldverlegenheiten gekämpft haben und von seinen Glän- bigern arg bedrängt worden sein. Die Anklage behauptet, da» Wieland sich durch Hochstapelei über Wasser gehalten habe. Er bewohnte ein« Villa in Mariendorf, er soll sich nach wie vor als Direktor des vorgenannten Spediteur- Vereins� ausgegeben haben und so aufgetreten sein, als sei er ein reicher Mann. Es haben sich verschiedene Geschäfts- leute gemeldet, die durch den Angeklagten geschädigt sind. Zu dem Abtheilungs-Direktor der Weinhandlung des Hotels„Kaiser- hos" erklärte der Angeklagte gelegentlich einer erheblichen Wein- bestellung, daß er seinen Kutscher nebst seinem Diener schicken würde, um den bestellten Wein zu holen. Durch diese Aeuße- rungen, sowie durch sein ganzes Auftreten bewirkte der An- geklagte, daß ihm Kredit gewährt wurde. Bei einem Gewehr- sabrikanten soll der Angeklagte sich durch unwahre Angaben eine Jagdflinte zum Preise von 190 M. erschwindelt haben, die sofortzum Pfandleiher wanderte. Aehnlich liegen die übrigen Betrugs- fälle. Der Angeklagte bestritt seine Schuld mit Entschiedenheit, er ließ durch scmen Vertheidiger, Rechtsanwalt Hamburger, einen umfangreichen Entlastnngsbeweis antreten, daß er Guthaben an vermögende Personen habe, die, falls sie rechtzeitig eingegangen wären, zur Deckung der von ihm gemachten Schulden ausgereicht hätten. Der Zeuge Burckhardt entlastete den Angeklagten inso- weit, als er bekundete, daß er demselben ein größeres Kapital in Aussicht gestellt habe, sobald er großjährig geworden. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten für einen Hochstapler der gefährlichsten Art, gegen den inzwischen noch zwei andere An- zeigen eingegangen seien. Er hielt ihn des vollendeten und versuchten Betruges in insgesammt neun Fällen für überführt und beantragte gegen ihn eine Gefängnißstrafe von sechs Jahren, zehnjährigen Ehrverlust und 3000 M. Geldstrafe event. noch 300 Tage Gefängniß. Der Vertheidiger führte aus, daß das Verhalten des Angeklagten als Hochstapelei nicht angesehen werden könne. Niemand sei verpflichtet, bei einer Bestellung von Waaren dem Käufer zu sagen, daß er nicht in der Lage sei, dieselben sofort zu bezahlen. Es sei nur eine vorübergehende Nothlage gewesen, in der derAngeklagtch'ichsbefunden. Der Vertheidiger beantragte Freisprechung in allen Fällen event. die Ladung neuer Zeugen. Der Gerichtshof schied die Mehrheit der Fälle aus und erkannte nur auf acht Monate Gefängniß, wovon ein Monat durch die erlittene Untersuchungshast für ver- büßt erachtet wurde. Für Bierbrauer und Biertrinker gleich interessant ist eine in der„Jur. Wochenschr." veröffentlichte Reichsgerichts-E>t- scheidung in einer Anklage wegen Nahrungsmittel- Verfälschung. Der Angeklagte hatte einen Vorrath von Bier gebraut, welches, weil es einen ungenügenden Malz- und Zuckergehalt hatte, nicht absatzfähig war. Er hat nun dem Bier, um dessen Verkäuflichkeit zu ermöglichen, Saccharin beigemischt. Das Reichsgericht hat dieses Vorgehen als Bierverfälschung festgestellt, indem es sagt: Das Saccharin ist allerdings für die menschliche Gesundheit unschädlich, entbehrt aber gänzlich der Nährkraft insbesondere des Malzzuckers. Es ist nicht als Ersatzmittel für einen Bestandtheil des Bieres zu benutzen. Indem der Angeklagte das Saccharin dem Biere zur Verdeckung der Minderwerthigkeit desselben beimischte, hat er dieses Bier durch Verleihung des Scheines einer besseren als seiner wirklichen Beschaffenheit verfälscht. Indem er ferner die Hälfte dieses verfälschten Bieres seinem guten Biere beimischte, hat er auch dieses normale Bier verfälscht, er hat diese Fälschung zum Zwecke der Täuschung des Publikums vorgenommen und den Abnehmern, welche reines aus Malz und Hopfen gefertigtes Bier, dessen Süßigkeit aus seinem Malzgehalt beruhe, erwarteten, das verfälschte Bier als normales Bier verkauft. Damit sind die Thatbestandsmerkmale des ß 1 und 2 des Nahrungsmittel-Gesetzes erfüllt. Leipzig, 27. April. Das Reichsgericht erkannte in dem Pro- zesse gegen den Pfarrer Stöck in Trier wegen Entziehung eines Kindes, sowie gegen die Wittwe Ludwig, die Mutter des Kindes, aus Aufhebung des am 12. Januar er. vom Landgericht in Trier gefällten freisprechenden Urtheils. ZDevinmmlmrgen. Ju der Versammlung des Fachvereins der Firmen- schilderbranche, welche am 24. Aprit tagte, hielt Rackwitz über die Bedeutung des 1. Mai einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag. Des weiteren wählte die Versammlung zur Unter- suchung eines Streitfalls zwischen den Mitgliedern Kerkau und Nagel eine Kommission, welcher Cordes, Gerlach, Herbst, Silber- berg. Zuribarth und Kindleben angehören. Die nächste General- Versammlung wird am 28. Mai stattfinden. Der Verband deutscher Zimmerlente(Lokalverband Berlin) hatte am 23. April eine von Männern und Frauen zahl- reich besuchte Versammlung, in welcher Frau Palm über das Thema„Die zehn Gebote und die besitzende Klasse" einen interessanten und mit Beifall aufgenommenen Vortrag hielt. Nach dessen Beendigung ließ der Gesangverein„Frohe Hoffnung" seine ernsten und heiteren Weisen ertönen. Tanz und Gesang hielten die Anwesenden noch lange in gemüthlichster Weise beisammen. Im Berein der oft- und westprenffischen Sozialisten sprach der Genosse B orchard am 16. April über das Wesen der Sozialdemokratie. In der Diskusston äußerte fich Rein im Sinne des Referenten. Der Bauarbeiter-Verein der Roseuthaler Vorstadt hielt am 16. April eine Versammlung ab. Die verlesene Jahres- abrechnung, sowie die Abrechnung vom Monat Januar wurde für richtig befunden, desgleichen die Abrechnung vom Winter- vergnügen, welches einen Ueberschuß von 19 M. 70 Pf. abwarf. Den noch restirenden Mitgliedern stundete man die Beiträge für November, Dezember und Januar bis zum 14. Mai. Sodann wurden dem Mitgliede Gaßmann 30 M. Unterstützung aus der Vereinskasse zugebilligt. Mit der Beschaffung eines Saales zum Stiftungsfest beauftragte die Versammlung Leim, Passerkel und Wintzer. Nach Erledigung einiger inneren Angelegenheilen wurde bekannt gegeben, daß die nächste Versammlung am 21. Mai statt- findet. Vevimfckikos. Wieder Einer. Das Dresdner Landgericht verurtheilte den Bankier Haas« wegen Unterschlagung und Untreue �nsichttich der Depots zu 3 Jahren Gefängniß und 5 Jahren Und abermals Einer. Aus Zittau wird der„Frank- furter Ztg." berichtet: Als Mörder des vor etwa acht Tagen im Jeschken- Walde erschossenen fürstlich Rohan'schen Revier- sörsters Placht ist jetzt der Gemeindevorsteher Billner rn Drausendorf, ein wohlhabender und allgemein geachteter Mann, ermittelt worden. Die Entdeckung des Mörders wurde dadurch herbeigeführt, daß er fich eine Schrotschußwunde im Arm, die er im Kampfe mit dem Förster erhalten hatte, von einem Arzte untersuchen ließ, weil sie sich inzwischen stark entzündet hatte. Durch eine Fenersbrunft ift faft die ganze Ortschaft| herrschende Anämie burch biefen gefährlichen Schmaroser Klengen im Schwarzwald in Asche gelegt worden. hervorgebracht wird. Als Heilmittel erwiesen sich, der Aerzt. In Bremen ging in der Mittwoch- Nacht der Freilichen Rundschau" zufolge, Bettruhe und einige Gaben Mutterhafenspeicher Nr. 5 in Flammen auf. Mehrere in der forn. Nähe befindliche Eisenbahnwaggons verbrannten ebenfalls. Die Die Nachricht aus Chicago, das Trocadero im Hafen liegenden Schiffe konnten gerettet werden. Theater sei niedergebrannt, die wir nur unter Reserve widerEin merkwürdiger Unfall ist dem„ Hannover'schen Kourier", gaben, ist unzutreffend. das Sprachrohr des Herrn v. Bennigsen, widerfahren. Wie In Cincinnati stürzte in einer im Bau begriffenen Fabrit die Frankfurter 3eitung" berichtet, hat ihre lehte für Elektrotechnit eine Seitenwand ein, infolge dessen 14 Arbeiter Korrespondenz dieses Sprachrohr in die Achilles ferfe 40 Fuß tief in den Keller fielen. Ein Arbeiter blieb todt, 7 sind getroffen. schwer verwundet. " Mainz, 25. April. Heute waren Gerüchte über einen in Kostheim verübten angeblichen Lustmord verbreitet. An Ort und Stelle erfahre ich Folgendes: Am Sonntag Abend 11 Uhr sich eine etwas schwachsinnige Frau vom Hause fortbegeben und erst am Montag Morgen wurde sie, halb im Main liegend, von einigen Sandsärchern in folgendem Zustand gefunden: Die Frau war vollständig entfleidet und der ganze Körper mit Wunden bedeckt, sie selbst gab an, daß fie von einigen Kerlen, die sie nicht kannte, überfallen, ihrer Kleider bis aufs Hemd beraubt und dann in diesem Zustande durch das Unterholz der Weidenanpflanzungen am Mainufer geschleist worden sei, wodurch sie über und über mit Wunden bedeckt worden sei; in diesem Zustande sei ihr als dann Gewalt angethan worden. Heute war der Staatsanwalt in Kostheim. Es fanden viele Vernehmungen statt, doch fonnten die Vernommenen ihr Alibi nachweisen. Die vorgenom mene Ortsbesichtigung ergab, daß die Angaben der Frau der Wahrheit entsprechen können. Es ist offenbar ein schweres Verbrechen an der Unglücklichen verübt worden. Depeschen: ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Wien, 27. April. Gestern Abend bewarfen mehrere hundert streitende Zimmerleute eine Polizeiwache, welche einen Agitator verhaftet batte, mit Steinen. Die Polizisten zogen den Säbel und verhafteten einen Rädelsführer. Verlegt wurde niemand. Brüssel, 27. April. Der Senat genehmigte mit 52 Stimmen gegen eine Stimme, bei 14 Stimmenthaltungen, den neuen Artikel 47 der Verfassung, nach welchem das Mehrstimmensystem nach dem Antrag Nyssen's eingeführt werden soll. Die Kammer hatte den Antrag am 18. d. Mts. angenommen. ( Depeschen des Bureau Herold.) Brauhause zu Schwechat ausgebrochenen Brauergehilfen- Streits Wien, 27. April. Die Urheber eines in dem Dreher'schen find verhaftet worden. Striba in Tokio( Japan) gefunden. Es ist eine Milbe, halb so welche die Eisenbahnarbeiter zum allgemeinen Ausstand auf Ein neuer Parasit des Menschen wurde von Professor Paris, 27. April. Großes Aufsehen erregt eine Broschüre, lang wie die Kräßmilbe, und pflegt sich in der Niere anzusiedeln, fordert. Dieselben feien 850 000 Mann start und fehle es nur woselbst sie zur Enstehung blutigen fibrinhaltigen Urins Beranlaffung giebt. Prof. Sfriba bat jie Nephrophages sanguinarius an der Organisation, um ihre Zwecke zu erreichen. benannt und nimmt an, daß die in vielen tropischen Gegenden ,, Zum Prophet. Welthaus fertiger Herren- u. Knaben- Garderoben I. E Am Dönhoffplatz. Ege Etage. Ecke Leipziger- und Kommandanten- Straße. Wir offeriren nur noch kurze Zeit aus dem von uns erworbenen Hamburger Lager, bestehend in fertiger 4076L Herren- und Knaben- Garderobe: Cheviot- Anzüge Crimmitsch. do. Kammgarn- Anzüge Gehrock- Façon do. Frühjahrs- Paletots do. aus ff. Tuch do. hochelegant Sommer- Paletots do. extra ifter Tuchhosen Schwarze Hosen Nouveauté do. Welten weiße do. hodjelegante do. Knaben- Anzüge do. in Cheviot do. 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Die Mutter hat das Recht, das Kind bei sich zu bes halten; dann geht aber der Alimentenanspruch verloren. Ein Genoffe Svendsborg. Ausgeliefert wird wegen Ent ziehens von der Militärpflicht nicht; tommt der junge Mann später nach Deutschland, so muß er nachdienen und wird bestraft. 2. R. 16. Die Unterstüßung hat Ihre Frau zu beanspruchen, da Sie zur Alimentirung ihrer Kinder aus erster Ehe nicht verpflichtet sind. Franz L. 1. Die Forderung wegen Arbeitslohns verjährt erst in 2 Jahren, vom 31. Dezember des Jahres ab gerechnet, in dem die Forderung erwachsen ist. 2. Bei Wochenlohn ist Abzug für einen Feiertag unzulässig. 3. Sie haben Anspruch auf den vollen Tagelohn. 4. Ihre Klage ist beim Innungs- Schieds. eine Beleidigung. 2. Das ist keine firafbare, weil nicht von der gericht einzureichen. P. Schulze, 1. Die Aufstellung der Behauptung enthält auf die Frage, ob das Kleidungsstück brauchbar war, an. Der zuständigen Behörde abgegebene, eidesstattliche Versicherung. y. 2. 1. Eines Anwalts bedürfen Sie nicht. 2. Es kommt Ausgang des Prozesses hängt von der Entscheidung dieser Frage ab und ist deshalb zweifelhaft. 3. Die Kosten des Anwalts etwa 8 M. trägt die unterliegende Partei. Der Maifeier wegen 95/18 Algem. Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen ruht am Montag, den 1. Mai, unser Betrieb. Die geehrte Rundschaft er- l suchen wir, den resp. Bedarf gefl. vorher zu decken. Der Detailverkauf in den Filialen findet bis Mittags 1 Uhr statt. Genossenschafts- Bäckerei für Berlin und Umgegend. ( Eing. Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht.) Der Vorstand: Freytag. Grashold. ( E. H. 86 Hamburg). Die Mitglieder- Versammlungen finden statt: Für Bezirk A: Sonntag, 30. April, Vormittags 10 Uhr, bei Stehmann, Möbel u. Polsterwaaren Aug. Herold, Welchiorir. 15. Oranienstr. 83 84. Cigarren mit Kontroll- Schuhmarke! Sämmtliche von mir zum Verkauf gehaltene Waare ist reelles, eigenes Fabrikat und mit obiger Marke versehen. 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Für Bezirk C: Bossenerstr. 35 bei Talfe und Alte Jakobstr. 69 bei Lenz. Für Bezirk D: Elsasser- und Kl. Samburgerstraßen- Ecke bei Wittschow und Gollnow und Weinstraßen- Ecke im Lokal. [ 86126 Es werden die Mitglieder, welche nur obiger Kaffe angehören, dringend ersucht, zu erscheinen. Alle diejenigen Sänger, Oranienburgerstr. 2. fich beim Unterzeichneten Abends zu welche gewillt sind, sich den drei VerMontag, den 1. Mai bleibt mein Hut- Geschäft von 4 Uhr ab geschlossen. 4071L* Adolf Kehr, Köpenicker- Strasse 126. Sophastoff Reste in Rips, Damast, Crêpe, Fantasie, Gobelin, Plüsch und bunten Mocquets spottbillig! Proben franko! Berlin S., melden. 158/12 Franz Schacht, einen Senefelder, Steinmehen und Stellvertret. Vorsitzender. Gemüthlichkeit anzuschließen, um In der Böttcher'schen Fabrit arbeiten am 1. Mai im Feenpalast dementnur anständige Leute. 3610b sprechend mitwirken zu wollen, werden ersucht, Sonntag früh zur Probe im " Feenpalast" pünktlich zu erscheinen. 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