Dr. 193. BtennemcntS'Btdlngnngei«! Iffiominnentä• Preis pränumerando 2 LierlcljShrl. 330®!(., monatl. 1,10 Md. wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für d-S übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Crfchelnt tägliii aufitr tnontags. Verlinev Volksblatt. Die Tnlertlons'GebDßr lilrägt für die sechsgefpaliene Kolone!» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Pereins. und Lerfammlungs-Anzeigcn SO Pfg. �Uleine Sn-elgen", daS erste(fest- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SozlaldsmoKrat Rerlia". Zentralorgan der fosialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8S. vie Lehren von Barcelona und Schweden. Knutcn-Oertel hält wieder mal die Zeit für gekommen, durch einen mit der bekannten Kognakmarke gezeichneten Artikel das Schreckgespenst der krachenden Throne heraufzubeschwören, das die Agrarier in der Zirkus-Busch- Versammlung so schauerlich an die Wand gemalt hatten. Die Herren Agrarier wußten damals ganz genau, w e s- halb sie den Schrecken der Revolution mit so blut- roten Tinten zeichneten. Sie waren schon damals entschlossen, bei der ReichSfinanzrcform nicht ein Titelchen von ihren Vorrechten preiszugeben. Weder die Branntwein- liebesgabe noch das Agrariervorrecht auf Steuerhinterziehung. Ganz offen drohten sie damals den Ministern, sowohl dein Fürsten Bülow als auch dem preußischen Landwirtschafts- minister und anderen, mit ihrem vernichtendenZorne, wenn ihren Ansprüchen nicht nur bei der Finanzreform, sondern auch auf dem Gebiete der inneren preußischen Politik, in der Wahlrechtsfrage, in vollstem Umfange Rechnung getragen werde. Sie haben ihre Drohungen redlich gehalten. Sie haben den Fürsten Bülow un- erbittlich über die Klinge springen lassen, obwohl sie die Vor- dienste des„agrarischen Kanzlers" um die agrarische Reaktion sehr wohl zu schätzen wußten. Die Gefahr einer stärkeren Heranziehung des junkerlichen Besitzes ist damit einstweilen beseitigt. Vorhanden dagegen ist noch die Gefahr der preußischen Wahlreform. Als so zweifelhafter Freund einer Wahlreform, die diesen Namen auch nur von Ferne verdiente, auch der neue Reichskanzler, Herr v. Beth- mann Hollweg, bekannt ist. so ist doch der Haß der Junker selbst gegen eine Reform nach sächsischem Muster ein so fanatischer, daß die Herren Agrarier abermals zu dem Schreck- mittel der krachenden Throne greifen zu müssen glauben. um durch Einschüchterung der Krone die preußische Wahlresorm noch kläglicher zu gestalten, als sie nach deren, Jntensionen und dem berüchtigten Programm Bethmann Hollwegs ohnehin ausfallen würde. Barcelona und der schwedische Massen st reik müssen also herhalten, um den Herrschenden in Preußen- Deutschland Furcht und Abscheu vor den proletarischen Massen einzuflößen und sie noch mehr in die Arme des Junkertums und des verjunkerten Militarismus zu scheuchen. Die Vor- gänge in Barcelona werden nicht nur als eine„wilde und wü st e Empörung", eine„bewußte und mit allen Mitteln arbeitende Auflehnung des Pöbels gegen die Ord- uung" bezeichnet, sondern es wird auch die liberale Presse geschmäht und heruntergeputzt, weil sie solch revolutionären Versuchen gegenüber die der gesamten staatserhaltenden Presse geziemende„geschlossene Einmütigkeit der Abwehr" habe vermissen lassen. Namentlich das„Berl. Tageblatt" wird mit den heftigsten Vorwürfen überschüttet, weil es die Vorgänge in Barcelona mit den dort herrschenden Mißständen zu entschuldigen sich nicht gescheut habe. Welche Mißstände immer geherrscht haben möchten— auch die liberale deutsche Presse habe die verdammte Pflicht gehabt, die Empörung schlechterdings als„Brand- und M 0 r d w e r k" zu verurteilen. Herr Oertel gibt dann oleich einige Beispiele, wie sich die liberale Presse hätte äußern müssen. Auch die von den Klöstern betriebene industrielle Schmutzkonkurrenz, die das hungernde Proletariat, speziell die Proletarierinnen, vollends um die ohnehin jämmerliche Existenz bringt, vermöge die Teilnahme der Frauen an dem Klostersturm nicht im mindesten zu entschuldigen. Vielmehr bätten die revolutionären Weiber in Barcelona nur wieder einmal die Wahrheit des Wortes bewiesen,„daß, wenn die Glocke der Empörung durch das Land heult, Weiber zu Hyänen werden und mit Entsetzen Scherz treiben". Die Auf- ständischen sollten Mäßigung bewiesen haben? Seien nicht von den Empörern achtzehn Personen getötet und hundert- siebzig verwundet worden? Daß das Militär und die Polizei diese Verluste erst erlitt, als es zu den brutalsten Füsilladen gegen die Massen schritt und das furchtbarste Blutbad selbst unter Wehrlosen und ganz Unbeteiligten angerichtet hatte. verschweigt Knutcn-Oertel natürlich. Gleichgültig ist ihm die entsetzliche polisische Korruption Spaniens, gleichgültig die entsetzliche Ausplünderung der Massen dura) eine Riesenarmee schmarotzender Pfaffen, gleich- gültig ist ihm. wie das soziale, so auch das kulturelle Elend des geknechteten, niedergetretenen und gewaltsam verdummten Volkes. Die Ursachen für die Erhebung spielen für die „Deutsche Tageszeitung" nicht die geringste Rolle. Ebenso wenig die von den einwandfreien Zeugen bestätigte Tatsache, daß angesichts des Maßes von Schuld der Reaktion, hier speziell des Klerus, die Ausbrüche der Rache und der Ver- zweiflung des Volkes noch überaus maßvoll gewesen sind. Für das Junkerorgan ist jeder Akt der Volksnotwehr der „Gipfel der revolutionären Frechheit". Die „Deutsche Tageszeitung" schließt ihre Strafpredigt gegen die allzu objektive liberale Presse mit den Worten: „Unsere Zeit ist von revolutionärem Dunste geschwängert, Der Mangel an Ernst, der bei solcher Berichterstattung zutage tritt. ist lediglich geeignet, wie der Funke im Pulverfaß zu wirleu. Wer Expedition: SM. 68, Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IX, Nr. 1984. solchen Mangel an Ernst öffentlich bekundet, der fördert die Empörung, der ist ei»Schrittmacher derRevolution." Gilt der Verzweiflungsausbruch in Barcelona Herrn Oertel als revolutionäre Frechheit, so nicht minder der bei- spiellos friedliche Massenstreik in Schweden. Die Besonnenheit der Streikenden in Schweden vermag selbst ein Oertel nicht zu leugnen.„Was will das aber sagen? Diese Mäßigung lag in ihrem eigensten Interesse. Und ist nicht der Massenstreik als solcher schon eine M a ß 1 0 s i g keit ersten Ranges?" Jeder Massenstreik sei ein Gewaltmittel. Denn auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Jena sei von allen Seiten zugestanden worden, daß hinter dem Massenstreik die blutige Revolution lauere. Beiläufig eine Entstellung der Massenstreikdebatte, die selbst für einen Oertel alles mögliche darstellt. Das Junkerorgan greift denn auch die schwedische Regierung heftig an, weil sie eine so große Schwäche bewiesen habe. Und dann folgende nicht nur an die Adresse des Liberalismus, sondern vor allen Dingen an die Regierung gerichtete Schlußmahnung: „Wir fürchten, daß uns ähnliche schwere Erschütterungen nicht erspart werden. Deshalb brauchen wir nicht mutlos zu sein. Es wird dafür gesorgtz werden, daß die rotblühcnden Bäume der Revolution nicht in den Himmel wachsen. Wir werden aber die Gewalten, die sich gegen die gewordene Ordnung aufbäumen, nicht über Iv in den können, wenn wir fortfahren, die schwersten Dinge mit unbegreiflichem Leichtsinne zu betrachten, wenn wir in schlapperWeichlichkeit die erforderliche ernste Entschiedenheit vermissen lasse n." Herr Oertel mag glauben, durch seinen Artikel wieder einen Meisterzug agrarischer Diplomatie getan zu haben. Aber seine Schreckmittel sind denn doch ein wenig zu plump! Die Revolution in Spanien beweist vielmehr, daß auch das gckncbeltste Volk sich erhebt, wenn der Uebermut seiner Unterdrücker allzu groß wird. Die spanische Erhebung zeigt ebenso klassisch wie die Revolutionen in Rußland, der Türkei und Persien, daß Brutalität und die Vor- enthaltung von Bürgerrechten das denkbar schlechteste Mittel sind, die Herrschaft der Privilegierten dauernd zu sichern. Auf der anderen Seite aber beweist der schwedische Massenstreik, daß auch der gewaltigste Machtkanipf sich in den ruhigsten Formen abspielen kann, wenn auch die Herrschenden auf Brutalisierung im Geiste unseres ostclbischcn Junkertums verzichten. Barcelona und Schweden zeigen also gerade der preußisch- deutschen Regierung, daß sie in ihrem eigenen Interesse, wie in dem der Nation handelt, wenn sie ihr Ohr den junkerlichen Scharfmachern verschließt, und dem preußischen Volke das Maß politischer Rechte einräumt, das ihm bei seiner Stärke und Kampf- entschlossenheit ohnehin nicht lange mehr vorenthalten werden kann._ Oer Riefenkainpf in Schweden. (Von unserem nach Stockholm entsandten Korrespondenten.) Stockholm, 18. August. Wie bei der gegenwärtigen Lage des Kampfes vorauszusehen war, haben die Eisenbahner auf die allgemeine Arbeits- einstellung verzichtet. Die Dreiviertelmajorität, die für einen gültigen Streikbeschluß nach ihrem Verbandsstatut erforderlich ist, kam bei der Abstimmung nicht zustande. Das genaue Ergebnis der Abstimmung der Oeffentlichkeit ohne weiteres mitzuteilen, liegt keine Veranlassung vor. Der Grund, daß der Eisenbahnerstreik nicht zur Tatsache wird, ist aber, daß man ihn bei der außerordentlichen Einschränkung, die der Verkehr infolge des Massenstreiks so wie so schon erfahren hat, nicht mehr für zweck- mäßig erachtete. Nach Berechnungen Sachverständiger liegt der Verkehr dermaßen danieder, daß auf den Staats- wie Privat- bahnen kaum 25 Prozent des vorhandenen Personals notwendig wären, um den Betrieb austecht zu erhalten, und unter diesen Um« ständen könnten sich die Bahnverwaltungen mit Hilfe der höheren Beamten, der Ingenieure usw. leicht über die grüßten Schwierig- leiten hinweghelfen, die die Arbeitseinstellung mit sich bringen würde. Daß die Eisenbahner Schlvedens sich durchaus sali- d a r i s ch mit der kämpfenden Arbeiterschaft fühlen, daß sie es nun als selbstverständlich ansehen, die Streikenden so kräftig, wie nur irgend möglich, finanziell zu unterstützen, daran ist nicht zu zweifeln. Diese Auffortserung richtet auch der Haiiptvorstand des Eisenbahnerverbandes an die Mitglieder und hebt dabei mit Recht hervor, daß die Eisenbahner im Vergleich mit dem. was die übrige Arbeiterschaft Schwedens in diesem Kamps für Opfer bringt, sehr billig davonkomme. Der hier weilende Korrespondent des Christianaer«Sozial- demokraten", Genosse Punterwold, hat auf Grund statistischer Zahlen Berechnungen über die Verluste angestellt, die Industrie, wie Handel, Verkehr und Eisenbahnen Schwedens durch, den Massenstreik in seiner bisherigen Ausdehnung erleiden. Er ist für die Staats- und Privatbahncn auf die Summe von 3 Millionen Kronen Verlust an Einnahmen gekommen, wobei jedoch nur die ersten 10 Streiktage gerechnet sind. Jetzt müßte man also schon das Anderthalbfache annehmen. Den Verlust, den die schwedische Fabrikindustrie bereits in den ersten 10 Strciktagen erlitten hat, berechnet er auf gegen S0 Millionen Kronen, wobei der Wert der sonst pro Jahr produzierten Waren zugrunde gelegt ist. Die Handelsschiffahrt hat in derselben Zeit schon iVi Millionen Kronen an Einnahmen aus dem Frachtverkehr eingebüßt. Die Schulden, die die Arbeitgeberbereinigung infolge des Streikes bei den Bgn- ken innerhalb der 10 Tage gemacht hat, werden auf 3 Millionen Kronen berechnet, die Ausgaben des Staates für außerordentliche militärische Matznahmen und dergleichen unnötige Aufwendungen aus Anlaß des Streikes auf 2 Millionen Kronen. Diese Berechnungen können selbstverständlich nicht in jedem einzelnen Punkt als durchaus zutreffend angesehen werden. Sie sollen überhaupt auch nur als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung gelten. In Wirklichkeit ist ja der Verlust, den das Unternehmer- tum, der Handel, der Staat, die Kommunen, überhaupt die Ge- samtheit durch diesen ungeheuren wirtschaftlichen Krieg erleiden, unberechenbar. Die Geschäftsleute, Händler, Gastwirte, Hotel- besitzer, überhaupt jeder, dessen Verdienst von der jeweiligen Kon- junktur abhängig ist, haben natürlich schwer unter diesen Zu- ständen zu leiden. Bei den Unternehmern wird es so gehen, wie bei jedem großen, langwierigen Streik: die kapitalkräftigen werden die Krise überstehen, während die kleineren und mittleren daran zugrunde gehen, daß sie der Aussperrungstaktik der großen Herren �Beifall gezollt haben und nun auch vom allgemeinen Streik be- troffen sind. Die gewaltigen Opfer, die die Arbeiterschaft in diesem Kampfe bringt, lassen sich natürlich auch nicht genau feststellen. Allerdings hat man ja in den Durchschnittslöhnen, multipliziert mit den Arbeitstagen, die verloren gehen, einen scheinbar ziemlich sicheren Maßstab. Man vergißt dabei jedoch, daß, wenn der Massenstreik nicht Tatsache geworden wäre, die Unternehmer entweder fort- dauernd die Löhne herabgesetzt und die Arbeiter sich damit hätten einverstanden erklären müssen, oder daß sie andernfalls durch immer neue und größere Massenaussperrungen ebensosehr gc» schädigt worden wären oder noch viel mehr. Vorläufig sucht das Unternehmertum noch immer durch neue Nachrichten über Wiederaufnahme der Arbeit die Oeffentlichkeit über die Lage des Kampfes zu täuschen. Viel Zuwachs haben aber „Hildebrandts schmutzige Hemden"— wie die Arbeiterschaft die am Hause von„Stockholms Dagblad" hängenden langen Lappen nennt — seit gestern nicht aufweisen können. Man hat wohl gemerkt, daß die Oeffentlichkeit sich doch nicht mehr an die schon zu oft als falsch nachgewiesenen Neuigkeiten über Arbeitsaufnahme täuschen läßt. Jener„Dagblads"-Redakteur Hildebrandt ist übrigens der Arbeiterschaft schon lange als einer ihrer ärgsten Gegner bekannt, so daß sie so wie so schon alle Ursache hatte, alles, was von seiner Seite kommt, mit größtem Mißtrauen aufzunehmen. War er cS doch, der voriges Jahr im Reichstag einen Antrag einbrachte, wo- nach derjenige, der andere in der Ausübung ihres Geioerbes oder Berufes durch öffentliche Mitteilungen oder dergleichen vorsätzlich schädigt, bestraft werden sollte. Damit sollten natürlich vor allem Aufforderungen zum Streik, Sperrnotizen, Warnungen vor Streik- blechern usw. getroffen werden. Wäre der Vorschlag Gesetz ge- worden, so hätten bei gerechter Anwendung jetzt allerdings auch die Unternehmer wegen ihrer auf Schädigung der Arbeiter be- rechneten Massenausspcrrungen bestraft werden müssen. Aber daS lag sicherlich nicht in der Absicht des Antragstellers. Es ist, trotz aller gegenteiligen Nachrichten, die das schwedische Unternehmertum im In- und Auslande verbreitet, durchaus nicht daran zu zweifeln, daß die Arbeiterschaft im ganzen Lande un- erschüttert im Kampfe ausharrt und noch lange nicht am Ende ihrer Kraft angelangt ist. Wer die schwedische Arbeiterschaft kennt. wer ihre großen und kleineren langwierigen Kämpfe miterlebt oder in zuverlässigen Mitteilungen Kenntnis davon erhalten hat, der weiß, daß dieses wohlorganisierte Heer der Arbeit eine Aus. dauer und Festigkeit besitzt, vor der auch die stärkste Unternehmer- Organisation zurückweichen muß. Es ist jedoch keineswegs so, daß die Arbeiterschaft nicht jederzeit bereit wäre, einen ehrlichen, ihre Rechte sichernden Frieden zu schließen. Dem entspricht auch die Haltung, die der Vorsitzende der Landesorganisation, unser Partei. genösse Lindquist, den Vermittelungsversuchen der Regierung gegenüber einnimmt. Heute geht hier eine Notiz durch die Presse, wonach der Staats- Vermittlungsmann Stadtnotar Cederborg vor einigen Tagen an L i n d e q u i st eine Anfrage über eventuelle Verhandlungen richtete, und wonach dieser antwortete, daß man auf Arbeiterseite jetzt wie immer verhandlungsfreundlich ist, unter der Voraus» aussetzung, daß mit Vorschlägen über Ver. Handlungen keine unannehmbaren VerHand» lungsbedingungen verknüpft werden. Genosse Lindquist hat mir heute persönlich erklärt, daß diese Notiz der Wahrheit entspricht, daß aber die von einigen Blättern daran geknüpften Bemerkungen, er habe vor 14 Tagen eine andere Stellung zu dieser Frage eingenommen oder damals gesagt, er hätte keine Zeit oder keine Veranlassung, sich dazu zu äußern, falsch sind.— Es ist ja auch selbstverständlich, daß die Arbeiter- schaft wie ihre leitenden Personen von Anfang an danach trach. teten, diesen opferreichen Kampf so bald wie möglich zu gutem Ende zu führen.— Es mag hier auch nochmals gegen eine aller. dings inzwischen widerrufene Unternehmerblattnotiz Hervorgehoben werden, daß alle Beamten oder Angestellten der Arbeiterbewegung im ganzen Lande für die Dauer des Generalstreiks kein Gehalt oder Lohn beziehen, obwohl sie in ihrer Stellung meist weit an. strengender zu arbeiten haben als sonst. Das war ja von vorn» herein beschlossen und wird gewissenhaft durchgeführt. Als eine der Wirkungen des mächtigen Kampfes ist anzuführen. daß nun die Regierung die vor bald zwei Jahren eingesetzte Kom- misston zur Vorbereitung eines Gesetzes über den Arbeitsvertrag auffordert, ihre Arbeiten so zu fördern, daß 1910 dem Reichstage ein Entwurf vorgelegt werden kann. Man will also offenbar so schnell wie möglich Gesetze schaffen, die ähnlichen Kämpfen wie den jetzigen vorbeugen sollen.' Det vievzehilte Streiktag ist genau so ruhig und cnt- schlössen verlaufen wie die bisherigen. Im Unternehmerlager dagegen beginnen sich nunmehr Strömungen bemerkbar zu machen, die ein schnelles Ende des Ausstandes herbeizuführen wünschen. Freilich die Großindustriellen, die das Heft in Händen haben und den Verantwortlichen Leiter der Unter- nchmerzentrale, den ehemaligen Polizeipräsidenten von Stock- Holm, stützen, halten es ihren Behauptungen nach noch aus. Sie sind es ja, die jene Taktik eingeschlagen haben, die jetzt mit schnellen Schritten große Teile der schwedischen Industrie ihrem Ruin cntgegenführen muß. Die wenigen Großindustriellen repräsentieren aber nicht die schwedische Industrie. Ueberdies sind auch unter ihnen Leute, die mit Besorgnis der Zukunft entgegensehen. Das Handwerk, die mittlere und kleine Industrie werden zudem sehr hart von dem Kampfe betroffen und viele sehen dem Ruin entgegen, der die Bankwelt schwer treffen muß. Diese Wirkungen des Kampfes kann man auch aus dem Verhalten der bürgerlichen Presse deutlich genug ersehen. Die schwedischen Blätter, soweit sie in verkleinertem Format er- scheinen, beginnen bereits zum Frieden zu mahnen. Nicht nur das Organ der freisinnigen bürgerlichen Schichten Stockholms, „Dagens Nyheter", sondern auch andere Blätter mahnen zum Frieden, die ihren Leserkreis in der Großbourgeoisie suchen, legen eine bemerkenswerte Kampfesmüdigkeit an den Tag. Auch die Regierung will angeblich nicht länger stiller Zu- schauer verbleiben. Sie wird von Unternehmerkrcisen zur Vermittclung gedrängt, hat aber anscheinend noch keine defi- nitive Entscheidung getroffen. Wahrscheinlich sucht sie erst das Terrain zu sondieren. Ist ihr doch besonders aus dem Lager der Gewerkschaften zu Beginn des Kampfes zu ver- stehen gegeben, daß die Arbeiter an eine Unterwerfung unter die Forderungen der Unternehmer nicht denken. Heute haben sie, trotz ihrer feststehenden Friedensliebe erst recht keine Ur- fache dazu. Die Sammlungen im Auslande, verbunden mit den eigenen Mitteln, setzen sie in den Stand, den Kampf noch einige Wochen auszuhalten. Um so mehr als nur die Bedürf- tigsten unterstützt werden. Von dem vorbereitenden Umschwung der Stimmung in Unternehmerkreisen liefert auch die deutsche Presse einen voll- gültigen Beweis. Noch bis Ende der vorigen Woche konnte man in deutschen bürgerlichen Blättern nur ausnahmsweise einen Bericht finden, der nicht die arbeiterfeindlichste Stim- mung verriet. Von der reaktionären Presse ganz abgesehen, aber selbst Blätter wie das„Berliner Tageblatt" taten ihr Möglichstes, die Aussichtslosigkeit des Kampfes für die Ar- beiter zu„beweisen". Die ganzen Schwindelnachrichten der Unternehmer wurden in der bürgerlichen Presse Deutsch- lands ohne Fragezeichen abgeladen, die Wiederaufnahme der Arbeit durch die Ausständigen und ihre Streikmüdigkeit in hohen Tönen gepriesen. Heute glaubt niemand diesen Nachrichten mehr. In der dritten Streikwoche ist zugestandenermaßen die Zahl der Aus- ständigen g r ö ß e r als in der ersten. Das läßt sich nun ein- mal nicht vertuschen. Zudem beginnt man auch in bürgerlichen Kreisen lang- sam einen Ueberblick über die ungeheuren Kosten des Kampfes zu gewinnen, die schließlich von den Gläubigern der kapital- schwachen Industrie bezahlt werden müssen. Der Umschwung der Berichterstattung der bürgerlichen Presse hat also ganz reale Unterlagen. Die Scharfmacherblätter freilich sind noch kampfesfroh, aber schließlich müssen auch sie erkennen, daß sie auf verlorenem Posten kämpfen. Denn in Wirklichkeit ist der schwedische Kampf heute bereits für die Arbeiter ge° Wonnen, möge auch der endgültige Friedensschluß aussehen wie er will. Je länger die Arbeiter den.Kampf aushalten, ihn wie bisher führen können, je vorteilhafter für sie ist das endgültige Ergebnis. Aber die Frage, ob die Scharfmacher im schwedischen Unternehmertum ihre Aussperrungstaktik wie bisher fortsetzen können, ob sie die Massen der Unternehmer für die Zukunft darauf noch festlegen tonnen, die ist bereits durch die Wucht des Ausstandes entschieden. Zum zweiten Male werden die schwedischen Scharfmacher in dieser leicht- sinnigen und frivolen Weise mit der Generalaussperrung wicht kommen können. Aber gerade die Tatsache, daß diese Frage bereits ent- schieden ist zu Ungunsten des Unternehmertums, drängt die schwedische Arbeiterschaft dazu, den Kampf mit größter Energie fortzuführen, bis der Sieg endgültig errungen ist. Die Friedensbedingungen werden um so schwerer für die Unternehmer, je länger der Kamps andauert. Die Herren dürfen sich darüber nicht täuschen, daß eine hochentwickelte Arbeiterschaft mit so kampfesfähigcu Organisationen, wie die schwedischen, sich nicht zum Vergnügen einiger tonangebenden Scharfmacher wochenlang außer Lohn und Brot setzen läßt. Diese Erkenntnis bricht sich auch in der bürgerlichen Presse Deutschlands immer mehr Bahn. Der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" berichtet denn auch seinem Blatte, daß er unter den Ausständigen auf seiner Reise von Kristiania nach Stockholm nur die eine Meinung vorfand, die nämlich, daß der Ausstand jetzt erst angefangen hat. In der zweiten Klasse der Eisenbahn redete man zwar davon, der Generalausstand sei schon gebrochen: ein Blick auf die stilliegende Industrie zeigte ihm überall auf der Reise das Gegenteil und in der dritten Eisenbahnklasse hörte er überall: es beginnt erst! Wer die schwedische Arbeiterschaft und ihre bisherigen Kämpfe kennt, weiß, daß sie einen einmal begonnenen Kampf auch zu Ende führt. Die Unternehmer haben es in der Hand, einen vernünftigen Frieden zu schließen: aber sie können auch einige Wochen warten, wenn sie dazu Lust haben. Daß für sie dadurch die Situation besser wird, können sie kaum noch erwarten. Folgende Privat depesche aus Stockholm meldet uns über die Lage vom Donnerstag folgendes: Stockholm, den 19. August. Die Stockholmer ZeitungSver- leger hoben den Buchdruckerverband vor Gericht«laden lassen; sie verlangen Schadenersatz fiir den ihnen durch die Teilnahme der Buchdrucker am Ausstande entstandenen Schaden. Eine irgendwie nennenswerte Wieberanfnahme der Arbeit hat auch diese Woche nicht stattgefunden. Der Kampf nimmt wie bisher feinen ruhigen Fortgang. Im Unternehmerlager kämpfen zwei StrZmungen um die Oberhand. Die Scharfmacher verwerfen jedes Eingreifen der Regierung, während die Freunde des Friedens das vermittelnde Eingreife» der Regierung wünschen. In einem neuen Manifest des Lanbessekretariats der Ge- werkschaftcn wird an der früheren Entscheidung festgehalten, dasi die Arbeiter der Straßenreinignng die Arbeit fortsetzen sollen refp. dürfen. Der Schwerpunkt des Kampfes liegt im Stillstand der ganzen Industrie des Lande». * r Die Justizaktion der Zeitungsverleger wird an dem Ausstanze nichts ändern, ebensowenig wie an der Teilnahme der Buchdrucker an dem Streik. Zudem fehlt es auch im schwedischen Gesetz an einer Bestiminung über die Rechtsver- Kindlichkeit der Tarifverträge— zum Glücke für die Unter- nehmer. die sonst längst wegen gröblicher Tarifbrüchs hätten zur Verantwortung gezogen werden müssen. »» » festgenagelte Lügen. Stockholm. 19. August. auch Taufende dem Glauben und t der Kirche zu erhalten. D>i>r„Ehrensold" der Veteranen. Der Reichstag hat kurz bor Schluh der Session, ohne daß es ln dem Trubel besonders beachtet wurde, ein Gesetz angenommen, wonach bedürftigem Kriegsteilnehmern, die mindestens 6i) Jahre alt sind, und deren Einkommen 600 M. jährlich nicht übersteigt, eine Beihilfe von jährlich 120 M. zu zahlen ist. Die alten Bete- ranen haben sich darüber gefreut, denn sie dachten, daß sie sofort in den Genuß dieser„fürstlichen" Zulage treten würden. Das war eine Täuschung. Der Bundesrat hat nämlich bisher zu dem Gesetz, das der Initiative des Reichstages entsprungen ist, noch nicht Stellung genommen. Es ist noch immer mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Bundesrat dem Gesetz nicht zustimmt. Dann kriegen die Veteranen nichts. Wie heißt es doch in dem bekannten Lied:„Komm, Bruder;, nimm den Bettelstab. Soldat bist Du gewesen!"_ Kreta. Die Meldungen lauten heute friedlich. Die Pforte soll nach einer Meldung au»? Konstantinopel von dem Vorgehen der Schutzmächte auf Kneta so sehr befriedigt sein, daß der Minister des Innern an sämtliche Malis den Befehl habe er- gehen lassen, Maßregeln zur Aufhebung des Boykotts der griechischen Schiffe zu tveffen. Mittwochabend wurde dem Minister des Aeußern eins Kollektivnote der Schutz- mächte überreicht. Ihr Inhalt wird geheim gehalten. In der Ztote soll der Standpunkt vertreten sein, daß die Pforte, da die Kretafrage die vier Schutzmächte angehe, Griechen- land in diese Frage nicht hineinziehen dürfe. Die Schutzmächte wollen demnächt ein Statut für Kreta aus- arbeiten. Eine erneute Besetzung Kretas durch Truppen der Schutz- mächte scheint nicht beabsichtigt zu sein. Nach einer Meldung aus Kanea werden die auf der Insel zurückgebliebenen internationalen Truppen voraussichtlich noch drei Tage dort gelassen werden, um den Beschlüssen der Mächte Achtung zu verschaffen. Die griechische Negierung hat nach Konstantinopeler Meldungen um Verlängerung der Frist für die Ueberreichung der Antwortnote bis zum Freitag ersucht und zugesagt erhalten, nach einer Athener Meldung dagegen hätte sie die Note schon am Mittwochnachmittag überreicht. Uns wird aus Konstantinopel berichtet, daß die griechische Re- gicrung dem türkischen Gesandten in Athen mitgeteilt hat, der Hauptmann Spyromilios, ein leitendes Mitglied des mazedonischen Komitees, sei verhaftet worden. Damit wäre ein weiterer Beschwerdepunkt der Türkei aus der Welt geschafft, da die Verhaftung den Willen Griechenlands be- zeugt, der griechischen Agitation in Mazedonien ein Ende zu machen._ Oeftemteh. Die Lage des Reichsrats. Die Konferenz der Vertreter aller Parteien, die am Dienstag in Wien stattfand, um über die Lage des Parlaments und die Mög- lichkeit einer baldigen Tagung zu verhandeln, hat ergeben, daß keine Partei, auch die slavische Union nicht, die Verantwortung übernehmen will, die Tagung des Parlaments zu verhindern. Die slavische Union weigert sich zwar, ohne weiteres �zu erklären, daß sie auf die Obstruktion Verzicht leiste, ließ aber doch die Möglichkeit offen, daß sie nicht zur Obstruition zurücklehren werde. Ein erster Schritt, das Parlament arbeitsfähig zu machen, ist getan. Der Vertreter der Sozialdemokratie, Genosse Seitz, präsentierte der Konferenz ein Aktionsprogramm, an dessen Spitze die Arbeiter- Versicherung steht. fratikrelcb. Wachsende MilitSrdienstnntauglichkett in Frankreich. Die Fachzeitschrift„La France Militaire" berichtet, daß von 318 449 für 1999 in die Stammrolle eingetragenen jungen Leuten 29 607 als ungeeignet zum Militärdienst befunden wurden, davon 4499 wegen allgemeiner körperlicher Schwäche. Die Zahl zeigt ein fortdauerndes jährliches Anwachsen und hat sich seit fünf Jahren fast verdreifacht. Wegen T u b e r- k u l o s e waren 4793 unbrauchbar. Auch diese Zahl weist eine e r- hebliche Zunahme auf. Die Zahlen zeigen die Notwendigkeit eines eingreifenden Arbeiterschntzes.—_ Begnadigungen. Paris, 19. August. Präsident FalliercS hat mehrere wegen Beteiligung an Streikunruhen verurteilte Arbeiter begnadigt, gleichzeitig mehrere der royalistischen Lärmmacher sowie den gelben Deputierten Bietry, der wegen Sicgelbruchs bestraft wurde. Italien. Zum Zarenbesuch. Turin, 19/August. Der Vollzugsausschuß des Ar. beickerbundes hat mit großer Majorität die Verhängung des Genaralstreiks als Protest gegen den Zarenbesuch abgelehnt. Snglami. Die Finanzbill. Nach 21 resp. 13 Stunden langen Sitzungen ist in der Nacht zum Donnerstag im Unterhaus die Beratung des ersten Ab- schnitteS der Finanzbill, der 28 Artikel enthält und die der- schiedenen Grundsteuern regelt, zu Ende geführt worden. 46 Ar- tikel haaren jetzt noch der Beratung, aber man nimmt an. daß diese rascher fortschreiten wird, wenn die Debatte wieder aufgenommen ist, was in der übernächsten Woche geschehen soll. Mysteriöse Dynamitfunde. Unter den Kohlenvorräten der Marine in Spithead ist Dynamit entdeckt worden. Auf dem Kreuzer„Duke of Edinburgh" fanden die Matrosen beim Einnehmen der Kohlen ganze Pakete des Sprengstoffes unter der Kohle. Die Arbeit wurde sofort ein- gestellt, und die Admiralität ordnete eine Untersuchung an. Der Kreuzer«Drtzke" erhielt Befehl, seine Kohlen wieder zu entladen. Dänemark. Ei» programmwidrige Parlamentsrede. Kopenhagen� 19. August. Nachdem zu Beginn der Sitzung des Sitzung des heutigen Folk ethings der Präsident Mitteilung von dem Kabli»ettS.wcchsel gemacht hatte, erschien plötzlich eine Dame im Sihmngssaal, nahm vor dem Präsidentenstuhl Auf- stellung und rief:„Hier sitzt Ihr dänischen Männer, handelt und schachert in Machtbegehr und Eigenliebe um das Wohl und Wehe des Landes. Euch soll von diesem Orte gesagt sein, daß die Frauen Dänemarks Euch verleugnen, Euch brandmarken als einen Haufen vaterlandsloser Söldner, die die Ehre Dänemarks verraten." Trotz ununterbrochenen Läutens der Präsidentenglocke und trotz der Zwischenrufe der M'geordneten konnte die Dame diese Ansprache zu Ende bringen. Sie wurde von Parlamentsdienern aus dem Saale geführt. Es wurde festgestellt, daß eS sich um ein Fräulein Westenholtz handelt.'- Ciirkei. Depntiertenreisen. Konstantinopel, 19, August. Die Deputiertenkammer wählte eine Abordnung, die im September oder Oktober Wien, Berlin und PetersbuiB besuchen soll. Marokko. Bu Hamaras Fall. Paris, 19. August. Aus Fes wird unter dem 15. August gemeldet: Ein Brief des Gouverneurs von Uezzan teilt mit, daß der Rohgi bei den Beni Messara Zuflucht gesucht hat. Der Gouverneur ersucht um Truppen, um die Verfolgung aufnehmen zu können. Unter den abgeschlagenen Häuptern befinden sich auch die zweier Spanier, die zur Artillerie des Rohgi gehörten. Die vom Feinde erbeuteten Waffen sind größtenteils spanischen Ursprungs. Fes, 18. August.(Meldung der Agence HavaS.) Der Sultan hat eine Abordnung der Rifkabylen, die nach Fes gekommen war, um seine Intervention zu erbitten, mit der Erklärung zurück- geschickt, daß er selbst die von den Spaniern begonnene Züchtigung zu Ende führen werde.— Fortwährend treffen noch Züge von gefangenen Rohgileuten ein. Der Roghi selbst soll bei dem Stamm der Kumas Zuflucht gesucht haben. Bombardement der Grugnhöhen. Melilla, 19. August. Die Batterien des spanischen Lagers bombadiertcn gestern die Grugnhöhen. Die Batterien der borge- schobenen spanischen Posten nahmen an der Beschießung teil. Eine Patrouille, welche abgesandt war, wurde von den Nifleuten an- gegriffen, ohne jedoch Verluste zu erleidein Huö der Partei* Zu des Genossen Bernstein Mitarbeit am„Berk. Tageblatt" schreibt die„Leipz. Volkszeitung": „... Die Partei wird darin mit Recht eine absichtliche Provokation erblicken, die den Anschein erweckt, als wollte ein gewisser Kreis innerhalb der Partei es auf dem Leipziger Kongreß zum Skandal treiben Die Dresdener Resolution, die hier in Betracht kommt, untersagt ausdrücklich den Parteigenossen die Mitarbeit an solchen bürgerlichen Blättern, in denen an der sozialdemokratischen Partei gehässige oder hämische Kritik geübt wird. Daß das„Tageblatt" unter diese Rubrik fällt, dürfte selbst dem Genossen Bernstein klar sein. Sollte aber das berechnet-sreundliche Verhalten des„Tageblattes" gegenüber dem revisionistischen Bäckerdutzend in der Partei vom Schlage der Bernstein, Heine, Franck und den schwäbischen Königsbesuchern den Genossen Bernstein zu der Ansicht verleiten, das„Berliner Tageblatt" gehöre nicht zu der Richtung, in der die Partei ge- hässig oder hämisch kritisiert wird, so wäre diese Ansicht zwar falsch ünd liefe ans eine Gleichstellung des revisionistischen Flügels mit der Gesamtpartei hinaus, immerhin käme hier Pnnkr 2 der Dresdener Resolution in Betracht. Er bestimmt, daß den Partei- genossen, die Mitarbeiter solcher bürgerlicher Blätter sind, in denen die Partei nicht gehässig und hämisch angegriffen wird, keine Vertrauensstellungen übertragen werden. Genosse Bernstein ist aber Reichstagskandidat für Breslau. Man darf nunmehr wohl erwarten, nachdem er zum Mitarbeiter der Firma Rudolf Mossc avanciert ist, daß er seine Reichstagskandidatur niederlegt." Wir nehmen die Sache nicht ganz so tragisch, wie unser Leipziger Parteiorgan, da Genosse Bernstein vielleicht wirklich der Ansicht ist, im„Berliner Tageblatt" mit einem Organ zu tun zu haben, das die Sozialdemokratie nicht gehässig und hämisch an- greift. Es muß ja auch zugestanden werden, daß dieses Blatt bis- weilen längere Zeit hindurch sich solcher Angriffe enthält, bis dann bei irgend einer passenden Gelegenheit sich doch einmal verrät, daß es auch die gehässige oder hämische Kritik an der Sozial- demokratie nicht verschmäht. So z. B. unterstellte es am 9. Juni unverfroren, daß die Sozialdemokratie bisweilen künstliche Differenzen mit dem Liberalismus schaffe, indem sie gewisse Forderungen übertreibe, nur um konkurrenzlos zu bleiben.(Daß es dann hinterher den„Vorwärts", der diese Unterstellung gebührend zurückwies, unverschämt anpöbelte, wollen wir dabei nicht anrechnen, da dieser gehässige Angriff schlauer- weise auf die„Vorwärts"°Nedaktion beschränkt wurde.) Genosse Bernstein hätte von jenem hämischen Angriff auf die Partei Kenntnis haben können, da er in einer höchst lobenden Besprechung seiner Broschüre„Der Revisionismus in der So- zialdemokratie" enthalten war. Aber vielleicht hat er den Artikel gar nicht gelesen oder ihn längst vergessen.— Was aber die Meinung des Leipziger PartciblatteS angeht, Bernstein sei durch den 2. Absatz der Dresdener Resolution betr. die Mitarbeit an bürgcr- lichen Blättern verpflichtet, seine ReichstagSkandidatur niederzulegen, so würde sie erst zutreffen, wenn Bernstein öfterer und dauernder Mitarbeiter des„Berliner Tageblatts" werden würde. Daß eS dazu kommt, das halten tvir denn doch noch nicht für ausgemacht. »»' » Nachdem die obigen Zeilen bereits in Satz gegeben waren, erhielten wir in eingeschriebenem Brief die folgende Erwiderung. Folgendes zur Erwiderung auf die mich betreffende Notiz in der heutigen Nummer des„Vorwärts": Ich sehe mich nicht veranlaßt, der Redaktion des„Vorwärts" über meine schriftstellerische Tätigkeit Rede und Antwort zu stehen. Die nächsten zuständigen Instanzen hierfür sind der sozialdemo- kratische Wahlverein für Schvneberg. dessen Mitglied ich bin, und der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins, dem der Schöneberger Verein angeschlossen ist. Sollte also aus der am nächsten Sonntag stattfindenden Generalversammlung des Verbands Beschwerde gegen mich erHobe» werden, so wird man mich dort zur Antwort bereit finden. Inzwischen stelle ich es der Redaktion des„Vor- wärts" frei, den Artikel, den ich dem„Berliner Tageblatt" zur Veröffentlichung überschickt habe, zur Kenntnis der Parteigenossen zu bringen. Da der Artikel sehr kurz ist, mute ich der Redaktion damit nichts Unbilliges zu. Die Bemerkung hinsichtlich der vom„Nimm mich mit" ab- gedruckten Artikel erkläre ich zunächst für eine Unehrlichkeit. Schöueberg, den 19. August 1909. Ed. Bernstein. Genosse Bernstein weigert sich also mit tapferer Miene, etwas zu tun. was wir nie von ihm verlangt haben. Wir haben nämlich, wie jeder bestätigen wird, der unsere gestrige Notiz gelesen hat. mit keiner Silbe gefordert, daß er uns über seine schrislstellerische Tätigkeit Rede und Antwort stehe. Wir werden uns hüten! Wir sind ja gar nicht kompetent zu solchem Unterfangen! Genosse Bernstein will uns strafen, indem er uns' freistellt, seinen„Tageblatt"-Artikel zu veröffentlichen. Wir sind bescheidentlich der Ansicht, daß wir solche Strafe nicht verdienen. Denn wir haben nicht behauptet, daß in dem Artikel, der. wie wir schon angedeutet haben, die behördliche Mißhandlung des VersammlimgsrechtS bei Gelegenheit der Friedensdemonstration der Kieler Genossen be- handelt, irgend etwas Anstößiges stehe. An der Sachlage, daß die Veröffentlichung mr„Berliner Tageblatt" dem Dresdener Beschluß widerspricht, wird durch diesen Umstand indes nichts geändert. Die Bernsteinsche Bemerkung über Unehrlichkeit läßt uns trotz der Hitze verteufelt kalt, so lange Genosse Bernstein nicht deutlicher wird. Vorläufig bemerken wir, daß uns mehrere Nummern des ordinären Sensationsblattes„Nimm mich mit" niit dem blau angestrichenen Artikel Bernsteins schon vor.längerer Zeit von entrüsteten Genossen zugesandt wurden. Eine dieser Nummern enthält zugleich das Porträt des Genossen Bernstein, der in einer redal- tionellen Anmerkung den unglücklichen Lesen» dieses Schundblattes als Mitarbeiter vorgestellt wird. Der fehlende Bericht des AgitationsbezirkS Pfalz. Wir werden um die Veröffentlichung folgender Erklärung ersucht: In dem vom Parteivorstand an den Deutschen Parteitag in Leipzig erstatteten Bericht heißt es unter Organisation: „Aus den« Agitationsbezirk Pfalz waren überhaupt keine Be- richte zu erhalte»." Hierzu haben wir folgendes zu bemerken: Daß unser Bericht nicht eingesandt wurde, bedauern auch wir; doch trägt hieran einzig und allein die im zweiten pfälzischen ReichstagSwahlkreis Landau- Neustadt-Dürkheim stattgefnndene Ersatzwahl die Schuld. Während dieser Zeit(15. Juni bis 80. Juli) war unser Parteisekretär Genosse Profit dermaßen mit Wahlarbeiten überhäuft, daß nicht nur der Bericht an den Parteivorstand, sondern auch noch andere Arbeiten un'erledigt bleiben mußten. Genosse Profit, der hiervon den Gau- vorstand rechtzeitig in Kenntnis setzte, trifft also nicht die mindeste Schuld. Um jedoch den Delegierten des Deutschen Parteitages in die Tätigkeit des Bezirks Pfalz Einblick zu gewähren, haben wir beschlossen, jedem Delegierten ein Exemplar unseres Berichtes zu überreichen. Der Gauvorstand der Pfalz: I. A.: Bruno Körner, 1. Vorsitzender. IM. Die Parteiblätter werden um Abdruck gebeten. Zwei Gemeiilderatswahlcn in Baden. Bei der Bürgerausschußwahl in Zell am Har«nersbach(bad. Schwarzwald) kämpften unsere Genossen, welche das vorige Mal in der dritten Wählerklasse einen ersten Er- folg verzeichneten, diesmal gegen die geeinigte bürgerliche Brüderschaft aller Richtungen. Die sich gegenwärtig wie Todfeinde gegenüberstehenden Blöckler beider Fakultäten traten zu einem Kartell zusammen, um der Arbeiterschaft dieser Fabrikstadt die„praktische Arbeit" ans dem Rathause zu wehren; dabei hatten sie auf die Mitwirkung des„christlichen" Proletariats gerechnet. Der Kampf war ein so heißer, daß die Stimmenzahl der beiden feindlichen Lager um eine einzige Stimnie differierte. Die Höchstzahl des sozialdeinokratischcn Zettels betrug 73 Stiminen, die Mindestzahl der Bürgerlichen 74. Der Ausgang des Kampfes ist ein ehrenvoller für unsere Genossen. lieber einen anderen AnSschußlvahlkampf wird aus dem badischen Schlvarzwaldstädtchen Dillingen berichtet. Dort verbanden sich die Sozialdeinokraten mit den Liberalen in der dritten Klasse zur Bekämpfung des Zentrums. Die Folge war, wie dein „Volkssrelmd" berichtet wird, eine sehr flaue Wahlbeteiligung und ein Sieg der Zentrumsliste. Wer die Stimmung in Vollskreisen und insbesondere bei der städtischen Arbeiterschaft gegen das schänd- liche Treiben der bürgerlichen Finanzreformer der beiden Block- fatultäten kennt, wird der Sozialdemokratie den guten Rat geben. sich von Bündnissen mit der Bourgeoisie in allen Fällen freizuhalten. Einen Bannstrahl wider die„Leipziger Bolkszeitung" erläßt höchst aufgeregter und feierlicher Weise die Redaktion des D e s s a u e r„V o l k s b l a t t e s für Anhalt". In auffälligem Druck bringt sie eine von allen drei Redakteuren namentlich unter- zeichnete und von den Vorsitzenden der Landes- unid Kreisorgani- sationen gegengezeichnete Erklärung, worin sie die Darstellung der „Leipziger Volkszeitung" von der Anhaltischen Landeskonferenz eine„beispiellos verlogene und gehässige" schilt und zu dem pathe- tischen Schluß kommt:„Wir erklären hierdurch ein für allemal, daß wir grundsätzlich darauf verzichten, mit der„Leipziger Volkszei- tung", solange ihre gegenwärtige Redaktion sich noch hält, zu Pole- misieren, weil uns und unseren Leser«« im Lande der Ekel vor der Verlogenheit dieses Parteiblattes die Gefahr des Erbrechens zu. nahe bringt.— Die Partcipresse im Reiche sei daher ausdrücklich davor gewarnt, die Lügen der„Leipziger Volkszeitung" für bare Münze zu nehmen, wenn wir in Zukunft zu ihnen schweigen."— Die Stellen in der Notiz der„Leipziger Volkszeitung", die also furchtbaren Zorn in Dessau erregt haben, sind die folgenden: ..... Die Debatte drehte sich in der Hauptsache um die Presse, mit der die Dessauer Genossen selbstredend schon seit Jahren rinzu- frieden sind. An der teilweise äußerst scharfen Debatte, in der immer wieder das Verlangen nach belehrenden Artikeln zum Aus-> druck kam— einer der Stedner sagte, das Peussche Volksblatt sei heute„in Grund und Boden verdammt" worden— beteiligte sich auch Eisner, der die Ansicht der Nürnberger Redaktion über das Anhalter„Volksblatt" dahin präzisierte: Das„Volksblatt" gehöre zu den wenigen individuell ausgestatteten Parteiblättern in Deutsch- land, ein Urteil, das etwas nach der Zensur des Prinzenerziehers schmeckt, der seinem erhabenen Zögling ins Zeugnis schrieb: Vom Lateinischen ist seine Auffassung«nehr individuell als richtig. So- dann legt« sich Genosse Eisnxr noch für die Errichtung einer großen Parteisterbekasse ins Zeug; durch derartige Unterstützungstassen würde sich die Partei einen stabilen Mitgliederbestand sichern; denn man müsse den Genossen in der Partei etwas Materielles liefen«. Eine Kritik dieses Vorschlages ist nicht nötig. Die Verhandlungen fanden, wie gesagt, im Königreich Pens statt, und das war schon immer die hmnoristische Ecke der Partei...." Das einzige, was die Erklärung an Positivem gegen'diese Dar- stellung vorbringt, ist dies, es sei nicht wahr, daß ein Redner ge- sagt habe, das„Volksblatt" sei„in Grund und Boden verdamm«" worden; vielmehr habe Genosse Bender, der Reichstagskandidat von Anhalt II umgekehrt erklärt:„Ich muß sagen, daß das„Volksblatt" in den letzten drei Jahren inhaltlich bedeutend besser geworden ist. Es ist auch nicht wahr, daß das„Volksblatt" heute hier in Grund und Boden verdammt worden ist. Es ist doch zu berücksichtigen, daß es Arbeiter sind, die hier gesprochen haben- die nicht jedes Wort auf die Goldwage legen." Das„Volksblatt" scheint nicht zu merken, daß es durch die An- führung der Benderschen Rede selbst bestätigt, daß ein Redner die in der„Leipziger VolkSzeitung" hervorgehobenen Worte gebraucht hat. Wenn eS die„Leipziger VolMzeitiiizg" für nötig erachtet, wird sie dem„Volksblatt für Anhalt" das Nötige schon zu sagen wissen. Wir wollen uns auf die Feststellung beschränken, daß die feierliche Erklärung des„Volksblattes" angesichts der Tatsache, daß eS sich selbst in der Polemik gegen«hm unbequeme Aeußerungen der Par- teipresse niemals den geringsten Zwai«g auferlegt, uns als eine der gröbsten Geschinacklosigkeiten erscheint, die uns je vorgekommen sind._ Unsere Toten. Am DonnerStagmorgen verstarb im Wandsbeker Krankenhause Genosse I o h. E f f t i n g e im Alter von 45 Jahren. Er gehörte zur alten Garde, denn schon i» frühen Jahre««, eben den Kinder- schuhen entwachsen, schloß er sich der sozialdemokratischen Partei«nid der Gewerkschaftsbewegung an. Beiden Heeressäulen deS kämpfenden Proletariats hat er bis zum letzten Atemzuge gedient. Seit 1890 war er Vorsitzender des Wandsbeker ParteivcreinS, feit 12 Jahren zweiter Vorsitzender des Zentralverbandes der Maurer, außerden« bekleidete er das Amt eines Vorsitzenden der Preßkommission unseres Hamburger Parteiorgans und im Herbst 1908 ivurde er in das Wandsbeker Sladtverordnctenkolleginni gewählt, in dem er unermüd- lich für unsere Sache gewirkt hat. Ein Hüne von Gestalt, pflegte er Ivochenlang seine am Typhus erkrankte Tochter; nun ist er, der opferivillige Vater, selbst der tückischen Krankheit erlege,«. Die Parteigenossen werden unserem Genossen, der auch vor Jahresfrist zmn Kandidaten für den ersten Mecklenburger Wahlkreis nominiert «rnirde, ein dauerndes Andenken bewahren. Im Befinden des Genossen Hur ist eine Besserung eingetreten. DaS Fieber hat nachgelassen< er verbrachte mehrere Nächte ruhig und ist auch im allgemeinen ruhiger geworden. GcwcrkfcbaftUcbc� Berlin und Umgegend. Der Streik der Geldschrankschlosser ausgehoben. Die streikenden Geldschrankschlosser versammelten sich am Donnerstagmorgen bei Franke in der Badstraße, um den Bericht über die letzten Verhandlungen mit den Unternehmern entgegen- zunehmen. Der Berichterstatter Otto Handle erklärt, die Versuche, eine Erhöhung der Minimallöhne durchzusetzen, hätten zu keinem be- friedigenden Resultat geführt. Man will den Hilfsarbeitern eine kleine Verbesserung zugestehen und ihren Mindestlohn von 33 Pf. resp. 40 Pf. pro Stunde erhöhen, im übrigen den alten Tarif bis zum 1. April 1911 verlängern, zum Unterschied von der Tarifdaucr für die B a u s ch l o s s e r, die bis zum 1. April 1912 abgeschlossen haben. Diese Verschiedenheit im Ablauf des Tarifvertrages ent« spricht den Wünschen der Geldschrankschlosser. Die Unter- nchmer verpflichteten sich, keinerlei Maßregelungen vorzu- nehmen und keinen Streikenden zu schlechteren Ee- dingnngen wieder einzustellen. Handle empfahl den Versammelten, auf diese Vorschläge einzugehen und den Streik auf- zuheben. Eine lange Diskussion folgte dem Bericht. Man war enttäuscht und unzufrieden. Verschiedene Redner forderten die Fort- setzung deS Streiks. Franke vom Deutschen Transportarbeiter- Verband und S i e r i n g vom Verband der Schmiede traten für Annahme der Vorschläge ein, da nach Lage der Dinge durch die Verlängerung des Streiks keine Borteile mehr erzielt werden könnten.— Die geheime Abstimmung, die vorgenommen wurde, ergab eine Majorität für die Aufhebung des Streiks. Die Arbeit soll aber erst am Montag wieder aufgenommen werden. Die Ver- Handlungen mit den Unternehmern find noch nicht beendet. Die Aussperrung haben die Unternehmer noch nicht aufgehoben, fie wollten erst die Beschlüsse der Geldschrankschlosser abwarten. Achtung, Schlosser! Die arbeitslosen Schlosser werden darauf aufmerksam gemacht, daß die bestreikten Bauschlossereien bis nach Bekanntgabe von der endgültigen Erledigung der bestehenden Diffe- renzen strengstens zu meiden sind. Deutscher Metallarbeiterverbcmb, Ortsvertvalwng Berlin. Veutfdiea Reich. Die Einigungsverhandlungea im Hamburger Baugewerbe. Hamburg, 18. August.(Privatdepesche des.Vorwärts.') Bei den heute stattgefundenen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeiter und Unternehmerverbände der Bauberufe wurde eine Einigung auf folgender Grundlage erzielt: Sämtliche Gewerbe, die an der Bewegung beteiligt sind, er- halten den Lohn, der den Maurern usw. in Berlin zugebilligt ist. Es tritt noch vom 1. April 1910 eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde und vom 1. Juli 1910 von 2 Pf. pro Stunde ein. Man hofft, daß beide Parteien am Sonntag diesen Vereinbarungen zu- stimmen, so daß der Kampf mit Beginn nächster Woche sein Ende erreicht haben dürfte._ llntcrnehmerehrenwvrt? Aus Coswig(Anhalt) wird berichtet: Bei Beilegung des Maurer st reikS wurde in Gegenwart des GewerberatS Krämer vereinbart, daß Maßregelungen nicht stattfinden dürfen. Auch in den schriftlichen Arbeitsbedingungen, die den Maurern bei Auf- nähme der Arbeit zur Unterschrift vorgelegt wurden, heißt es im Z S wörtlich: .Maßregelungen von Polieren, Gesellen und Arbeitern, welche gestreikt haben, fowie solchen, die sich am Streik nicht be- teiligt haben oder die Arbeit vor Beendigung des Streiks auf« genommen haben, sind verboten.' Trotz alledem handeln die Unternehmer anders. Gleich nach Beendigung des Streiks stug der Vorsitzende des Maurerverbandes, Genosse Fink, bei dem Bauunternehmer Schmidt, bei dem er bor Ausbruch des Streiks 1b Jahre gearbeitet hatte, um Arbeit nach. Dieser erwiderte, daß er keine Arbeit habe, stellte aber trotzdem tags darauf und am folgenden Montag zusammen fünf Maurer, darunter sogar zwei ledige, ein. Jetzt wird nun aus sicherer Quelle bekannt, daß laut Arbeitgeber-Berbands» b e s ch l u ß der Zahlstellenvorsitzende Fink ausgesperrt worden ist, ihn also niemand einstellen darf.'So halten die Unter- nehmer ihr Ehrenwort! Sie genieren sich nicht, einen Familienvater mit sieben noch unmündigen Kindern dem Hunger preiszugeben. Dieser Anschlag wird ihnen aber nicht gelingen. Erfolgreicher Streik. Nach siebenwöchentlichem Kampfe ist der Streik der Klempner, Installateure, Rohrleger, Heizungsmonteure, sowie deren Helfer in Danzig am 17. August mit vollem Erfolg für die Streikenden be- endet worden. Es wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen, der eine Lohnaufbesserung von durchschnittlich fünf Pfennig pro Stunde vor- steht._ Scharfmacher im Tischlereigewerbe. Wegen des Versuchs der Einführung einer verschlechterten Arbeitsordnung ist seit 6 Wochen die Tischlerei von Hohen- thaler in Pfarrkirchen(Bayern) gesperrt. Da nun die Arbeit sich aufhäufte und immer mehr unerledigt blieb, aber der Meister trotz aller Bemühungen keine Arbeiter bekommen konnte, erklärte er sidh schließlich zu Verhandlungen bereit und einen Vertrag abzu- schließen. Da aber nur ein Vertrag, der für sämtliche Betriebe abgeschlossen ist, Wert für die Arbeiter haben kann, so fanden durch die Gauvorsteher Verhandlungen mit den matzgebenden Meistern statt, die auf eine friedliche Verständigung schließen ließen. Inzwischen müssen jedoch außenstehende Scharfmacher Einfluß gewonnen haben; denn anstatt den Tarifvertrag zu unterzeichnen, haben die Tischlermeister sämtlichen Gehilfen g e k üßn d i g t. Also eine regelrechte Aus- sperrung._ Die Töpfergesellen in Dirschau haben am Montag die Arbeit einmütig niedergelegt, nachdem eine friedliche Einigung mit dem Unternehmertum nicht erzielt werden konnte, weil es absolut keine Zugeständnisse machen wollte. Die Gesellen verlangen eine zehn- prozentige Lohnerhöhung. Die Unternehmer im Töpfergewerbe ver- suchen durch allerlei Manöver die Sympathien des Publikums zu gewinnen, wobei die bürgerliche Presse natürlich tapfer mithilft. Man lügt einfach darauf los, um das Publikum zu täuschen. Soziales. Die Quittungskarten der Invalidenversicherung als Ersatz der schwarzen Liste. In neuerer Zeit mehren sich die Fälle, daß die„Invaliden- karten" zur Kennzeichnung der Arbeiter mißbraucht werden. Der Anfang wurde 1907 bei der Aussperrung im Berliner Baugewerbe gemacht. Der Arbeitgcberbund erließ öffentlich an alle�Bauge- veräntw. Redakteur: Haus Weber. Berlio. Inseratenteil verantw.: werbetreibenden die Bitte, äuS tern Streikgebiet kommende Leute nicht einzustellen, oder, falls es schon geschehen sein sollte, sie sofort wieder zu entlassen. Wörtlich heißt es weiter, daß„die Herstellung und Versendung so umfangreicher Listen streikender Arbeiter, wie sie für den vorliegenden Fall erforderlich sein würden, sich nicht ermöglichen läßt und auch nicht notwendig erscheint, weil die Her- kunft der Leute an der Hand der Ouittungskarten für die Jnva- lidcnvcrsichcrung geprüft werden kann." Dieses Vorgehen hat seit- dem, nicht nur im Baugewerbe, viel Nachahmung gefunden. Erst in den letzten Tagen erließ anläßlich eines Maurerstreiks in Würzen der dortige Arbeitgeberverband für das Baugewerbe in einer Reihe Zeitungen die Aufforderung, keinen der Streikenden in Beschäfti- gung zu nehmen. Als Kennzeichen diene die QuittungSkartc. Tiefe Verwendung der Quittungskarte zur Aussperrung ihres Inhabers verstößt zweifellos gegen die Absicht des Gesetzes. Im 8 139 J.V.G. heißt es:„Die Eintragung eines Urteils über die Führung oder die Leistungen des Inhabers sowie sonstige durch dieses Gesetz nicht vorgesehene Eintragungen oder Vermerke in oder an der Quittungskarte sind unzulässig. Ouittungskarten, in welchen derartige Eintragungen oder Vermerke sich vorfinden, sind von jeder Behörde, welcher sie zugchen, einzubehalten." Und Z 148 bestimmt:„Wer in Ouittungskarten Eintragungen oder Vermerke macht, welche nach 8 139 unzulässig sind,... kann... mit Geld- strafe bis zu 20 M. belegt werden. Sind die Eintragungen, Ver- merke oder Veränderungen in der Absicht gemacht worden, den Inhaber der Ouittungskarte anderen Arbeitgebern gegenüber zu kennzeichnen, so tritt Geldstrafe bis zu 2000 M. oder Gefängnis bis zu 6 Monaten ein." Wenn nun auch in unserem Falle Vermerke oder sonstige Ver? änderringen der Karte keine Rolle spielen, so handelt es sich doch zweifellos um eine mißbräuchliche Verwendung der Ouittungskarte, wie sie das Gesetz mit den angeführten Verbots- und Strasbcstim- mungen hat treffen wollen. Die Karten sollen nur der Versiche- rung, d. h. dem Interesse deS Arbeiters dienen, nicht als Kampf- mittel gegen ihn verlvandt werden. Gerade, um dem sehr regen Mißtrauen der Arbeiter, denen die Erinnerung an die alten Ar- beitsbücher noch nicht entschwunden war, den Boden zu entziehen. hat man diese Vorschriften in das Gesetz aufgenommen. In gleichem Sinne spricht sich das Mitglied des Reichsversicherungsamtes Reg.- Rat Dr. Weymann in seinem Kommentar zum Gesetze aus:„Zweck der Bestimmung des Z 139 ist, zu verhindern, daß der Inhaber der Karte in irgend einer Weise gekennzeichnet werde." Sollten die Aufforderungen der Unternehmerverbande daher selbst nicht gegen den Buchstaben des Gesetzes verstoßen(bei dessen Erlaß dachte man offenbar an diese Möglichkeit des Mißbrauchs der Karte nicht), so verstoßen sie zweifellos gegen den humanen Willen des Gesetzes und damit gegen die guten Sitten, die ja sonst im Munde von Un- tcrnehmern und Behörden eine große Rolle spielen. Ein Versuch, auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuches Schadenersatz für eine solche Verhöhnung des gesetzgeberischen Willens zu fordern, muß durchaus als aussichtsvoll angesehen werden. Jedenfalls zeigt der Trick der Unternehmer, daß die jetzige Fassung des Gesetzes nicht imstande ist, den Willen des Gesetzes ge- nügend zur Geltung zu bringen, also abänderungsbedürstig ist. Leider aber bringt die Fassung der Reichs-Versichcrungsordnung auch hier keine Verbesserung. Die in Betracht kommenden 88 1483 und 1543 decken sich wörtlich mit den mitgeteilten Bestimmungen des Jnvalidenversicherungsgesetzes. Eine Verbesserung ist aber unbc- dingt notwendig, schon zum Schutze der unbeteiligten Arbeiter. Das rigorose Vorgehen der Unternehmer trifft auch eine ganze Anzahl „unschuldiger" Arbeiter, die mit den Lohnkämpfen gar nichts zu tun haben. Die auf der Quittungskarte verzeichnete Ausgabestelle (Polizeibehörde oder Krankenkasse) ist kein vollgültiger Beweis für die Herkunft der betreffenden Arbeiter aus dem Streikgebiet, noch viel weniger natürlich die auf den Marken aufgedruckte Versiche- rungsanstalt. Trägt die Quittungskarte nicht das jüngste Datum zur Bezeichnung des Ausstellungstages, so kann der Versicherte in- zwischen bei ganz anderen Arbeitgebern und an anderen Orten beschäftigt gewesen sein. Der Bezirk der Versicherungsanstalt, die auf den Marken vermerkt ist, nun gar ist— abgesehen von der V.-A. Berlin— so groß, daß die Marke erst recht keine Auskunst über den letzten Beschäftigungsort gibt. Die Maßnahmen der Un- ternehmcrtxrbände führen daher auch zu großer Verwirrung. Jedenfalls sind sie dem Willen des Gesetzes derart zuwider, daß ein zweifelloses Verbot bei erster Gelegenheit solche Machenschaften ausschließen muß._ Ein seltener Fall wurde gestern unter Ausschluß der Ocffcntlichkeit vor der fünften Kammer des Berliner KaufmannSgerichts verhandelt. Der Beklagte Wenger und seine Frau, die beide aus Galizien eingewandert sind, betreiben ein Kurzwarengeschäft und engagieren meist auch das Verkäuserpersonal aus Galizien. Im Oktober 1907 ließ der Be- klagte die damals Ibjäbrige Amalie Faber nach Berlin kommen und schloß mit ihren Eltern einen dreijährigen Anstcllungsvertrag. W. löste jedoch im März d. I. den Kontrakt, indem er sittliche Ver- Wahrlosung der F. geltend machte. Sie sollte besonders jugend- liche männliche Angestellte im Geschäftslokal zu unsittlichen Hand- lungen verleitet haben. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß das Schlafzimmer der Klägerin, die gleich den anderen An- gestellten bei ihrem Arbeitgeber logierte, ganz getrennt von den Schlafräumen der jungen Leute war. Trotzdem wandte das kräftige und frühreife Mädchen alle ihre Vcrführungskünste an, um mit den kaum dem Knabenalter entwachsenen Mitangestellten Schäfer- stündchen zu verleben. Ein 17jähriger Verkäufer bekundete, daß ihm die Klägerin eines Tages das Versprechen abnahm, sie abends in ihrem Schlafzimmer zu besuchen. Als er aber in der Dunkelheit leise in ihr Zimmer schleichen wollte, fand er zu seinem nicht ge- ringen Schrecken bereits— den Bruder des Chefs als Besucher vor. Auf dieses lebhafte nächtliche Treiben wurde schließlich auch der Prinzipal aufmerksam, und er jagte daraufhin sowohl seinen Bruder wie die liebesdürstige Galizicrin aus dem Hause. Das Kaufmannsgericht wies die Klägerin mit ihrem Anspruch auf 357 M. Nestgehalt ab. Der Beklagte habe nach Lage der Sache gar nicht anders bandeln können. Er hätte mit dem Kuppeleipara- graphen in Konflikt kommen können und hätte als Ausländer auch mit der Ausweisung rechnen müssen. Erschwerend falle für die Klägerin ins Gewicht, daß sie sich an jugendliche Mitangestellte in so unlauterer Weise herangemacht hatte. Die verhängnisvolle Gratifikation. Zu dieser„Notiz', die Ta- pctenfabrik Emil Liepmann betreffend, schreibt uns der Firmen- inhaber folgendes: „Fräulein Ouedenfeld hat mit Brief vom 21. ein Attest ein- gereicht, laut welchem sie für eine Zeit von 3— 4 Wochen kraul geschrieben war. Infolgedessen kündigten wir und zahlten das Gehalt bis zum 1. Juni, das sind b Wochen, ohne daß Fräulein Ouedenfeld wieder im Kontor erschienen war. Zu bemerken ist, daß Frl. Ouedenfeld außerhalb des 14tägigen Urlaubs für eine lang- wierige Fango-Kur wochenlang Teilurlaub erhalten hatte. Eine Anzahl Arbeiter, die bereits 25 und 20 Jahre in der Fabrik sind, setzten sich mit den Meistern der verschiedenen Ab- leilungen in Verbindung, um über eine Ovation für mich gelegent- lich der am 18. März stattfindenden Feier meiner silbernen Hoch. zeit zu beraten! Zu diesen Beratungen wurde der Kassierer, de» 11 Jahre an erster Stelle im Kontor steht, zugezogen. Dieser Herr erklärte rundweg: das Kontorpcrsonal beteiligte sich nicht. Infolgedessen ließen auch die Meister und Arbeiter ihren Plan fallen. Nach etwa 3 Wochen kam dieses Verhalten des Kontor- Personals zur 5lenntnis meines Sozius, der dem Kontorpersonal sein Mißfallen über ein derartiges Verhalten ausdrückte. Diese Unterhaltung war ganz privater Natur und ist dies dem Personal ausdrücklich gesagt worden. Ich selbst habe davon erst später er- fahren. Die Gratifikationssache hat mit dieser Privatsache absolut nichts zu tun." rd. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdr-u-VerlagSanstall\ Gerichts-Zeitung. Der liebebebürftige Magistratsbeamte. Die Potsdamer Ferienstrafkammer entschied gestern in einer Strafsache gegen den 43 Jahre alten Magistratsnuntius Karl T a r n o w, gegen den Strafantrag wegen tätlicher Beleidigung gestellt war. Tornow war als städtischer Excckutivbeamter mit der Steuereinziehung betraut und erlaubte, sich auf seinen amtlichen Gängen Zutraulichkeiten und Liebenswürdigkeiten, die, wie der zur Anklage stehende Vorfall beweist, in strafbare Handlungen auszuarten drohten. Im April d. I. erreichte ihn sein Verhängnis. Der Angeklagte besuchte im städtischen Auftrage dos Haus eines Bür- gers in der Hodizstraße zu Potsdam. Er benutzte seinen dienst- lichcn Besuch zu plumpen Zärtlichkeiten ge-zenüber der Tochter des Hauses, mit denen er schließlich an der Grenze der tätlichen Be- leidigung landete. Das unqualifizierbare Verhalten des Beamten wurde sofort zur Kenntnis des Hausherrn gebracht, der dann namens seiner Tochter Strafantrag stellte.— Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Ocfsentlichkeit stattfand, führte zur Verurteilung des Angeklagten wegen tätliöher Beleidigung zu einem Micnat Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Vor» sitzende, Lmrdgerichtsdirektor Barchewitz, aus, der Angeklagte habe mit Gewalt unzüchtige Handlungen vornehmen wollen, es sei ihm aber die Vorsätzlichkeit der Handlungsweise, durch die er die Ehre einer Dame schwer gekränkt habe, nicht nach- zuweisen. Wenngleich auch seine Tat: sonst schwere Nachteile über ihn bringe, könne von einer Freiheitsstrafe nicht Abstand genommen werden. Der Verhandlung wohnte als disziplinarischer Borge. sctztcr Oberbürgermeister Rösberg bei. Die nächste Folge der Verurteilung wird die Er.tlassung des T. aus städtischen Diensten sein._ Heiratsschwindler. Eine Spekulation auf die Leichtgläubigkeit und Naivität hei- ratslustiger Mädchen führte gestern den Kaufmann Alexander Walter unter der Anklage des Rückfallbctrugcs in 2 Fällen vor die Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte ist schon mehrfach wegen Heiratsschwindels vorbestraft. In jenen Fallen hatte der Angeklagte mehrere Dienstmädchen und Köchinnen, denen er sich als„Alex von Schellhap" vorstellte, den größten Teil ihrer Ersparnisse und verschiedene Schmucksachen abgenommen. In den jetzt zur Anklage stehenden Fällen handelt es sich um ganz ähn- liche Schwindeleien. An einem Sonntag„hell und klar" hatte Auguste M., die bei einer Herrschast in Charlottcnburg bedienstet war, ihren„Ausgang". Auf der Straße näherte sich ihr mit stöh- lichem Gruß ein netter junger Mann, der sie ein Stück Weges be- gleiten wollte. Auguste war nicht spröde, zumal der junge Mann einen ganz netten Eindruck aus sie gemacht hatte. Aus der Be- kanntschaft entwickelte sich ein Liebesverhältnis, welchem der junge Mann, der jetzige Angeklagte, einen ernsteren Anstrich dadurch zu geben wußte, daß er bei dem Vater der M. um deren Hand anhielt. Bald darauf legte er aber auch bei seiner„Zukünftigen" den ersten Pump an, um angeblich Sachen für die Ausstattung zu kaufen. Eines schönen Tages erfuhr die M. dann, daß ihr Bräutigam nicht nur schon verheiratet war, sondern zu gleicher Zeit auch noch Be» ziehungen zu einem anderen Mädchen angeknüpft hatte, welches er ebenso beschwindelte. Das Urteil gegen Walter lautete auf 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stel» lung unter Polizeiaufsicht. Letzte Nachrichten und Depefchen Die Kretafrage. Konstantinohel. 19. August.(W. T. B.) Die dem Minister des Aeußern gestern abend überreichte Kollektivnote der Schutzmächte erklärt in entschiedenem Tone, für die Lösung der Kretafrage seien allein die Schutzmächte zuständig. Wie die Schutzmächte weiter erklären, seien sie entschlossen, den Frieden unbedingt aufrechtzuerhalten, sie würden daher weder das Er- scheinen der türkischen Flotte in den kretischen Gewässern noch irgend- eine kriegerische Unternehmung gegen Griechenland zulassen. Auf der Pforte umlaufenden Gerüchten zufolge, soll die Note ferner den Zusatz enthalten, daß die Schutzmächte, falls die Türkei dennoch Griechenland angreife, die Integrität des griechischen Staates garantieren und die endgültige Lösung der Kretafrage zugunsten Griechenlands herbeiführen werden. Die Note schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Pforte alles tun werde. um die Bemühungen der Mächte für die Erhaltung deS Friedens zu unterstützen. Die Note, deren Inhalt vom Minister deS Aeußern noch in der Nacht dem Großwesir telegraphisch übermittelt wurde, rief in den Kreisen der Pforte unverkennbare Ueberraschung hervor. Die Antwortnote der griechischen Regierung, die gestern dem tür- tischen Gesandten in Athen überreicht worden war. ist heute nach- mittag bei der Pforte eingegangen. In der Note wird erklärt, daß die griechische Negierung über das Verhalten ihrer Offiziere und Konsuln innerhalb des OttomanenreicheS nochmals eine Untersuchung eingeleitet habe, diese habe aber ergeben, daß keine Vergehen vorgekommen seien, die so schwerwiegend wären, daß hierdurch die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern gestört werden könnten. Die griechische Regierung werde ihre Freund- schaft und Loyalität gegenüber der Türkei auch weiterhin durch die Tat beweisen.— Die Kretafrage selbst, wird, wie vorlautet, in der Note nicht berührt. Der Eindruck der Antwort auf die Regie.rMgskreise scheint nicht ungünstig zu fein. Sieben Menschen ertrunken. Offenbach a. Main, 19. August.(W. T. B.) Heute nachmittag unternahm, wie die.Offenbacher Zeitung' meldet, eine Lehrerin der Offenbacher Mathildenschule mit ihren Schülerinnen einen Spazier- gang auf der Frankfurter Seite des MainS. Einige Schülerinnen nahmen ein Bad in der Nähe der Schleuse, als auf bisher noch un- aufgeklärte Weise plötzlich Wasier in das seichte Bassin strömte. Hierbei gerieten neun Kinder in die Strömung; sechs davon ertranken, drei konnten gerettet werden. Ein Arbeiter, der zur Rettung t» den Fluß sprang, ist ebenfalls ertrunken.. Doppelselbsimord. Graz, 19. August.(W. T. B.) Der ehemalige UniverfitätS- Professor Dr. Ludwig Gumplowiez hat mit feiner Gattin gemeinsam Selbstmord begangen. Der Beweggrund der Tat ist darin zu suchen, daß beide Eheleute unheilbar krank v�aran. Niedergebrannter Güterbahnhof. MonlinS(Dep. Allier), 19. August.(W. T. D.)' Der hiesig« Güterbahnhof wurde heute nachmittag durch eine große FeuerS» brnnst zerstört. Der Schaden ist beträchtlich. Auch Personen sollen umS Leben gekommen sein. i..BerlinLW. HierzuLBeilugen«.UnterhaltungSbl. Ir. 193. R. Allhrgass. 1. KeilM des Jotmirto" fittlintt lollislilatt. Itftttg, 30. logoP 1909. für den schwedische» Gcneralitreüt. Bei der Berliner Gewerlschastskommisston gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar« beiter ein: Deutscher Metallarbeiter-Verbanb. Ortsverwaltung Berlin, 3. Rate aus folgende Listen: Bergmann 21 3,45. 2002 27,60. 2003 7,80. 2004 35,75. 2005 82,09. 2006 18,45. 2007 12,15. 2008 10,40. 2009 13,25. 2010 34,05. 2011 12,65. 2012 20,75. 2013 6,25. 2014 3,60. 2015 9,—. 2016 12,35. 2017 8,50. 2040 11,20. 2021 36,25. 2022 16,90. 2023 24,50. 2024 32,75. 2025 8,90. 2026 20,10. 2027 51,20. 2028 16,75. 2029 59,75. 2030 7,75. 2031 26,35. 2032 5,20. 2033 22,75. 2034 19,15. 2035 33,15. 2036 13,60. 2037 7,10. 2038 6,75. 2039 8,25. A. E.-G. Turbine 1633 27,60. 1654 28,—. 1656 33,10. 1655 12,50. 1657 29.—. 1659 29,05. 1660 32,50. 1662 46,—. 1661 19,20. 1658 1664 dors 3075 20,45. 29,80. 12,60. 2981 73,60. 3726 u. Co. 3001 13,60. 3006 15,33. 3007 3263 Eburin-Werke 3135 Schwartzkopff 3192 LüderS 12,20. 3556 Schwartzkopff G. Filsch 2,35. � Glühlampe 10,—. 1665 21,—. 1666 21,35. 1634 28,60. Stock, Marien 29,—. 2982 19,10. 2983 14,—. Schwartzkopff, Wildau 3076 43,00. 3078 80,—. 3721 18,35. 3721 12,90. 3725 11,75. 3727 29,40, 3729 55,25. 3730 5,80. Zwitusch 3002 7,35. 3003 12,25. 3004 27,90. 3005 15,55. 15,80. 3008 11,75. 3009 28,90. 3010 13,20. 37,40. 3406 Flohr 36,50. 3411 Guttmann 47,30, 61,—. 3484 Lautenschläger 3,60. 3485 12,95. 3530 Sandmann 8,—. 3555 E. Schultz« 10,25. 25,50. 3557 Emmerich u. Schöning 14,10. 3563 3619 A.E..G. Ncrnstlampe 29.—. 3620 A. E.-E. 3621 A. E.-G. Signalbau 36,30. 3646 Nössemann u. Kühncmaun 26,—. 3680 Beißwcnger 21,15. 3683 Butzke 4,65. 3736 Scherbe! 16,10. 3737 Scherbe! 1745. 3743 Abrahamsobn 20.—. 3751 biunge 8,40. 3760 Swiliiisabrik 13,10. 3768 Mutschmidt 14.—.'3769 D. Hirsch 27,55. 3770 D. Hirsch 8,85. 3772 Kräfter 8,25. 3773 Berliner Mesjmglverke 9,10. 3777 Hein. Lehmann 10,70. 3791 Giadenbcck 17,25. 3792 Gladenbcck 19.—. 3793 Verewsbraucrei 12,25. 3828 Harnisch 17.65. 3971 Dakapo-Rekord 4,95. 3981 Wicklerbranche 50,—. Summa 2358,65 M.— 2942 Kall. b. Förster u. Runge 11,70. 6278 Branchcnvers. d. Kartonarbeiter u. Arbeiterinnen a. 17. 8. 09 5,65. Maler v. Lindstädt 1,—. 4616 Steindrucker «. Hilssversonal Littaucr u. Boysen 23,55. 4617 Personal der Buchdrucker« Kühn Söhne, 1. Rate 33,50. 4619 Hilfspersonal der Buchdruckerci Blixen- iieiu 26,40. 4620 Hilfspersonal der Buchdruckerei Schenk 2,20. 4624 Sechser- lasse der Buchdruckerei-Hilssarbeiter Dtsch. Verlag 10,—. Bäckerei arbeiter 6. Mehl, Hausburgstraße 5,—. 1587 Buchdruckerei Büttner 13,15. 1833 Von Kollegen b..Argos" Motoren-A.-G. 24,85. Kantinenübcrschutz für Juli der Kollegen b..Argos' A.-G. 80,—. Rauchllub.Weichseldust' II 5.—. Ver- band d. Brauereiarbeiter, Fil. Berlin, a Konto Listen 500.—. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Ortsvcrwaltung Groß-Berlin auf folgende Listen: 366 Carl Heynianns Verlag, Geschnstsdiener 3,20. 367 29,55. 375 8,25. 376(darunter Kohlenarb. b. Gebr. Gerber 5,—) 9,20. 383 8.70. 391 Töpfer Fahrer o. 1. Stock 1. Rate 12,10. 392 Krast- droschkensührer: 28,10, 395 16,30, 393 16,15, 400 15,80. 419 17,10. 424 16,95. 4!9 3,80. 455 Kellereiarbeiter v. Sandmann 14,10. 457 6,70. 1850 Gcschäftsdiencr Gebr. Simon 26,95. 1851 Kartonsabrik Jacoblohn 8,60. 1854 13,05. 1885 11,95. 1393 Brauerei Engelhardt 43,45. 1943 12,40. 1956 14,05. 1964 6,20. 1966 5,55. 1963 2,80. 1970 4.25. 1971 Tenge!- niann, Kaffeerösterei, lleberschuh der Sechferkasse 15,—. 1973 10,—. 1985 5,40. 1986 5,15. 1983 15,65. 1993 5,50. 1996 8,10. 2524 Tengel- mann, Kaffeerösterei 23,70. 2529 I. E. Degner, Eiscnarb. 3,10. 2531 5,95. 2533 12,15. 2535 7,65. 2536 19,52. 2539 16,95. 2541 10,05. 2542 20,40. 2544 15,90. 2546 8,60. 2547 Ernst Nürnberg 4,95. 2549 11,50. 2561 Fensterputzer der Glascrinnung 11,50. 2569 13,55. 2570 16,95. 2571 10,90. 2572 1.—. 2573 0,75. 4815 14,45. 4816 14,55. 4817 14,30. 5199 18,10. 5200 Berliner Burcauangestcllto 25,—. 417 Berliner Burcauangestelltc 7,50. 5201 8,60. 5202 ges. d. Otto Krieg 12,05. 5203 5,95. 5213 3,—. 5235 Arbeiter d. Zenwalmarkthalle, ges. d. Ad. Sims 22,60. 5236 Möbelkutscher u. Packer b. Röhler it. Schmidt 4,—. 5241 Blüllkutschcr u. Schaffner d. W.®. 13,40. Summa 799,22.— Drei Tapezierer b. S. Gcrlach, Oranienstr. 3,50. 1502 Buchdr. d. Rcichsdr. 12,80. 1 565 Buchdr. b. Nauck u. Hartmann 20,80. 1487 Buchdr. b. Müller u. Borell 7,80. Vcrgoldcr und Schlciscrnmcn b. Naschig 14,35. Wahlvcrein Rummelsburg, 16. Bez. 10.—. Personal der Buchdruckerci H. S. Hermann, Nachtrag 4,95. 1568 Personal der Briesumschlagsabrik Brettichneider u. Graejcr 18,40. Bezirk 618, Mundharmonikaveretn Vorwärts, ges. am Brocken 30,—. 1484 Buchdruckerei„Technik" 5.60. Arbeiter der tzutsabrik Blumenthal 14,60. 1 523 Buchdruckern Emil Dreh« 3,40. 1398 Kollegen bei Rauschcnbcrger 7 C. F. Lorenz, Telephon«, Telegraphenbau aus Listen: 1. Abt. 31,70. 2. Abt. 11,90. 3. Abt. 26,—. 5. Abt. 20,50. 6. Abt. 6,85. 7. Abt. 8!. 50. 0. Abt. 20,70. 1629 Buchdrucker« Bollsr ab u. Apel 7,40. Personal 0. Buchdruckerci Sittenseld, 1. Rate 117,10. 4957 D. Mahlitz Tops« 5,90. 1482 it. 1483 Pers. Buchdruckerci Mittler u. Sohn 71,70. 4394 Bautifchlerei Kühn 11,95. 330 Buchbind« bei A. Joachim Buchdr. 4. 55. 1504 Personal d. Buchdruck«« Pah u. Garlepp 40.—. 1391 Tischlerei W. Hyan 12,05. Pers. d. Buchdruckerci Lange 3,95. 6397 Tischler b. Oehl- scl'läaer 11,25. Hotcldiener im Restaurant Auts 5,—. 5497 Kollegen b. EheUädt u. Robert 11,60. 344 1,45. 1505 Abteilung der„Woche" u.„Tag" Rotation 7,25. Mechanische Werkstatt H. Götzke 4,—. 45 Bau Leipzigerpl. 3 2.75. 4302 D. Lehmann 14,80. Tapezierer bei Schulz, Lindenstr. 3,—. 1-199 Reichsdruckerei Abteilung VII 9,50. Bautischler« Thal 3,30. 1443 bis 1454, 1623 und 1624 vom technischen Personal der Duchdruckeret Mosse 453,80. 2922 Gemeinde, und Staatsarbcit«. verband 11.—. Schwiminkluv„Neptun" 94 M. d. Arb.-Schw.-B. 10,—. Lrotsabrik CortS u. Co. 12,25. 1464—71 Buchdruckeret Ullstein u. Co. 149,25. kleines feuilleton. Kunst und Demokratie. Unter den Künstlem von heute sind Oollnaturen, die nicht nur in ihrem Teilbezirk wirken, sondern auch an dem Ringen und Kämpfen ihrer Zeitgenossen teilnehmen, äußerst selten. Vollends solche, die die soziale Scheuklappe von den Augen i-ehmen und sehen, was die Kunst heute ist und was sie fein könnte. und die den Mut haben, sich zu solchen Ketzereien zu bekennen, sind an den Fingern zu zählen. Morris. Crane, Segmutni. Der fran- -öfische Maler Eugdne Carriöre. den ein allzufrühcr Tod seinem Streben nach tiefer, innerer Harmonie entrissen hat. gehört auch zu den wenigen. Unsere Leser werden sich noch an die Worte erinnern, die er als Antwort auf unsere Umfrage.über die Rolle des Proletariats in der Bekämpfung des Krieges' 1903 an den „Vorwärts" richtete:.. „Seit Jahrhunderten geben sich die Menschen die Schlage wieder, die sie als Kinder empfangen haben: möge der Einzelne auf die Roheit und die Schimpfworte in seinem engen Kreise verzichten, dann wird er den Gewaltakten der Gesamtheit entgegenarbeiten, dle aus der Ungerechtigkeit der Einzelnen hervorgehen. Mögen die Proletarier ihre Kinder lieben und achten, wie man feine eigene Zukunft, seinen höchsten Gedanken lieben und achten soll, und sogar sie bewundern als Träger d-S Bewußtseins einer gerechteren ��Aiich sonst ist Carriöre in Wort und Schrift aus dem engen und gedaulenarmen Leben, das unsere Künstler zu führen pflegen. berausgetreten und hat seinen Teil haben wollen an dem, was den nach Schönheit und Gerechtigkeit verlangenden Menschen von heute bewegt. Aus seinem Nachlaß hat man seine Schriften und Briefe herausgegeben, und F. Ed. SchneeganS gibt im Septemberheft der Süddeutsch en Monatshefte' uns emen Einblick m die Gedankenwelt des Künstlers und Menschen. Carrisre empfindet tief die unheilvolle Trennung, die in die Kunst durch die Klasiengegensätze gekommen ist. und hofft eine neue Einheit(die freilich erst der Sozialismus bringen kann): � m � Sicherlich hat sich schon in einer fernen Vergangenheit der Bruch vollzogen zwischen der Kunst und dem Volke. Die Vorstellung von einer.Volkskunst" zeigt, wie sehr die irrige Annahme emer doppelten Kunst verbreitet ist. Man sagt auch, daß das Volk eine Religion brauchte, die Reichen dagegen nicht. Warum? Es gibt also Menschen, die sich an den Gedanken gewöhnt haben, daß die Menschen verschiedener Stände verschiedene Gefühle haben. Dieser vanz seltsame Irrtum, der auf diesem Gebiete ganz neu ist. ver- schlimmert noch die Trennung zwischen den Menschen. Da die Kunst-in Bindemittel zwischen den Menschen ist. hat. sie nur dann Einfluß, wenn sie sich an alle Menschen wendet. Sie muß sich also nicht an die wechselnden Gewobnbeiten der Menschen wenden, die au» der Verderbnis 6974 Kollegen b. Schmidt«. Herkenrath 11,55. 3308 Kollegen v. Auer- Gesellschaft 8,45. Von drei Nicht-Niedergerittenen 1,50. 335 Werkstatt Schlunk 12,85. Spar- u. Lotterieverein.Hertba I" 13,65. 2988 Kollegen bei I. C. Mädickc 11,80. 7175 Wille u. Clausnitzer, Tischler 21,—. 5193 und 5194 Won Kollegen bei Siemens, Lichtenberg 34,—. 6945 Tischlerei A. Müller 4,70. Bauklcmpner, Gasanstalt Tegel 7,25. Deutscher Metallarbeiterverb and Berlin, 4. Rate: Ludwig Locwe 3017 16,50. 3018 1t, 75. 3019 3,50. 3020 6,65. 3021 6,65. 3022 13,30. 3023 23,15. 3024 17,25. 3025 14,05. 3026 3,10. 3027 25,75. 3028 28,10. 3029 6,10. 3030 35,45. 3031 2,75. 3032 18,45. 3033 36,—. 3034 10,75. 3035 14,30. 3036 5,50. 3037 8,85. 3038 7,85. 3039 13,10. 3040 14,65. 3042 3,95. 3044 15,60. Schwartzkopff, Schcringstraße 3266 12,—. 3265 30,15. 3268 33,50. 3269 18,55. 3270 7,60. 3271 20,—. 3278 6,80. 3279 14,05. 3280 15,10. 3231 21,10. 3283 31,55. 3284 12,75. 3285 23,20. 3286 31,89. 3287 13,30. 3289 Sotzenburg 24,10. 3291 Schwartzkopff, Wildau 116,—. 3303 Gnrsch 9,50. 3306 Teßnow 5,60. 3380 Goede 28,50. 3397 25.10. 3398 22,65. 3399 9,35. 3437 Deutzer Motorfabrik 46,70. 3438 Pichatzcck 23,10. 3139 Borsig 23,30. 3442 8,—. 3443 3,25. 3146 Max Hasse u. Comp. 56,45. 3447 Bolsani 16,—. 3148 13,95. 3449 25,35. 3451 20,—. Auergesellschast 3688 16,60. 3689 18.80. 3691 13,20. 3692 8,30. 3693 10,95. 3695 7,—. 3696 6,75. 3697 7,75. 3698 18,40. 3699 6,65. 3701 15,55. 3703 3,75. 3704 3,75. 3705 38,75. 3706 17,20. 3740 Otto Herb« u. Co. 13,20. 3796 Sackhoss u. Sohn 12,30. 3812 Schuchard u. Schütte 9,05. 3833 durch NagA 4,60. 3882 Schwaa« 7,50. 3985 Siemens«. Halste 15,—. 3997 Baumgarten u. Sohn 5,—. Summa 1486,40 M.— Werkstatt Starnberg 5,50. 1090 Arbeit« der Sargsabrik Solan 10,65. Von den Gästen bei Millionenblumen-Müller 2,—. 5389 Verband der Textilarbeiter Berlins 29,25. Textilarbeiter- Verband, Hauptvorstand, SitzungSgeld 9,—. Tcxtilarbeiter-Verband, Fil. Auerbach 30,—. 1512 Buchdruckerci o. Bernstein 14,05. 6370 Lyrophonwerle 14,90. 2912, 2913, 29)4, 2915 Arbeiter der Firma Auerbach 41,45. 334 Personal der Luxuspapier sabrik A. Wols 39,45. 1475 Buchdruckerei Scydcl u. Eo. 29,25. Anton Böker 10,—. Bäcker von E. Ranst 4,—. 2918 Metallarbeiter W. A. Börse 11,95. Tischler von Hülsenbeck, Kroll u. Co. 21,35. Tischlerei Franz 10,—. Tischlerei H. Riedel 3.—. Ungenannt 5.—. 6182 Metallarbeiter der Firma Unterwalder 9,55. R. R. 2,—. 2675, 2676, 2677, 2678, 2679, 2680, 2681, 2682, 2683, 2684, 2685, 2686. 2687, 2688, 2692 Personal von Julws Pintsch, Andreasstiaße 218,60. 4386 Bautischler Grün u. Hciwig 19,20. Glühlampensabrik Lahmcyerwerke 23,55. Schneider von Joh. Steinberg 6,65. Personal der Buchdruckerci F. Manning 8,45. 6940 Stocksabrik B. Noa 40,30. 1831 und 1832 Metallarbeiter van W. A. Stclzncr 66,95. 1788, 1789, 17D0, 1792, 1793, 1791, 1795, 1796, 1797 Arbeiter und Arbeiterinnen der Deutschen Waffen- und Munittons- sabrik Wittenau 390,75. Verband der Gastwirtsgehilscn, Ver- waltung Ii 1343 V«cinsbrau«ei 10,—. 1346 Ktonenbramei 7,95. 1335 Happoldtausschank 10,—. 1349 Neue Welt 18,90. Angestellte aus dem Patzcnhos«ausschank, Turmstraße 26 1339 Aus dem BWlincr Prater 6,30. 1326 Gewerkschaftshaus 14,—. Böhmisches Brauhaus 12,10. 1343 Schweizer Garten 9,30. 4598 Weinhaus KempinSli 8,80. 1338 Eiysium, Landsberger Allee, inkl. Kapelle 13,45. 1344 Von MierS, Ortsverw. II 8,30. 4599 Eichewitz, OrtSverw. II 11,—. 1351 Berliner Schweiz. Schwiebusch 9,75. 1321 BerbandShaus-Kelln« 6,15. 1331 VollStheater. Badstraße 6.30. 1319 Neu-tzelgoland inkl. Wirt 12,15. 1341 Friedrichshain 17,85. 1320 Siibcrsleins Bolksgarten 2,80. 1325 Casö Bcllevue, Rummelsburg 3,75. 1350 Germania- Säle 6,35. 1324 Schwarz« Adler, Lichtenberg 4,55. 1347 PharuSsäle 10,35. 1313 Bureau der Gastwirtsgchilsut 14,55. 3741 Drahwiüller 6,10. 1073 Schwarzbäcker v. Goldacker 11,50. Tischlerei E. Zahn 10,—. Bezirk 125, 2. Kr. 8,—. Buchdruckcrci-HilsSarb. u. Arbeiterinnen. Masse, 2. Rate 25,—. 6309 Tiichlerei Schuster, Böhm u. Co. 7.95. Tellersammlung Wahlvcrein Adlershos 12,60. 4772, 4773, 4776, 4778, 4779, 4781, 4783 und 4785, Verband der Lederarbeiter, Ortsoerwaliung Berlin II 50,—. 4786 Lederarbeiter o. Salomon 23,20. A. B. Schöneberg 25,—. Tischleret v. Nagel u. Walther 5,—. Alvin Saengcr 3,—. Holzarbeiter 81. E.-G., Brunnen- stratze 10,—. Sargsabrik Kerstcn 1,60. BatcrlandSlose Gesellen 3,—. Voglsche Gruftsänger 6,05. Saalmann 2,05. Kollegen der Schlosserei Austria 7,55. Villa Rautendeiein 8,—. I. Gruppe Eharlottenburg 19,—. Werkstatt Schmidt 4,—. Schlosser der Firma Melcher 5.—. Dietze 5,—. K. B.sl 3,—. 9 Maschinisten. Karlshorst 5,—. Parteifreunde Erkelenz 3,50. tankcs Bäckerei, Schönhauser Str. 2,—. Lollerievercin Vorwärts 1909 3,70. rbeiter der Maschincnsabrik Otto Schob« 10,—. Dr. Rocdcr, Schönebcrg 20,—. Porzcllanarbeiter Berlin-Moabit 10,—. Sparverein Freude 10,—. E. I. 8,05. Hi. L. 1,—. 5444 Patienten der Heilstätte Grabowsee 31,35, Maler und Radier«, Brückcnallce 3,—. Arbeiter und Arbeiterinnen von Ludwig Lehmann 20,—. Verband der Schuhmacher, Zahlstelle Storkow 25,—. Arbeiter der Treppcngcländersabnk Vogt u. Söhne' 15,05. Rad- sahrer der Buchhandlung Nicolai 8,35. 1214 Verband der Maurer, Sektion der Putzer 18,55. 1196 Verband der Maurer, Scltion der Putzer 20,—. DiZkutierklub Osten 5,—. Svarvercin Goldene III 3,—. Buchdrucker« „Vorwärts", Werkabteilung, 2. Rate 100,—. Thomas u. Fischer 3,—. Buch druck« v. Hirschberg 3,—. Buchdrucker v. 4. KreiS 35,—. Turnv«ein Fichte, 1. 4623 Buchdruckerei Thcinhardt 12,75. 11,60. 6428 Tischt« von Rachsall wärtS II 15,—. 6310 Modelltischler Rauchklub Humor(D. Zi.-B.) 10,—. 1480 Buchdruckerci Trowitzsch u. Sohn 6,65.- 3585 Metallarbeiter Köpenicks 12,75. Listen 2798. 2828. 2830, 283t, 2800, 2812, 2802, 2832 G-wcrlschastSkartcll Köpenick 53,60. 2794 Ortsvcrcin der Buchdrucker Köpenicks 12,—. 6124 Bau der Elektrizitätswerke Volta- straße 20,25. Tischler v. Sicbert u. Schwesinger 14,—. Abteilung 16, 4. KreiS 65,—. Summa 7636,57 M. 1322 22,50. 1334 H. Zitelmann 6,—. Abt. 26, Nännerabt. 10,50. 1569 und Bautischler 0. Jonelcidt 15,75. Diskutierklub Vor- von C. 81. Lucas 13,50, des Wohllebens oder aus den gewaltsamen Forderungen der Armut entstehen. Ihr Ziel ist allgemeiner und lennt weder das Vornehme noch das Volkstümliche: in der Menschheit steht sie nur den Menschen; sie sieht nur einen Gegenstand, der sie fesselt, der alle anderen miteinschließt. Ist die Kunst nicht die wahre Welt- spräche, daS wahre Esperanto gewesen?... Im Zeichen der Kunst haben immer alle Menschen sich geeinigt." Wie fthr die moderne Kunst den Menschen unbefriedigt läßt, kommt Carriäre zum Bewußtsein. Er fragt:„Durch welche ge- bcimen Ursachen bringen unsere modernen öffentlichen Bauten, die soviel Geld kosten, Langeweile in unsere Straße. Fehlt es diesen Gebäuden an Skulpturen, die ihre Fassaden Heike beleben, und würden sie freundlicher aussehen, wenn sie noch reicheren Schmuck hätten? Man sieht sofort ein, daß das nicht der Fall wäre. Der wahre Grund ist, daß nirgends die moderne Architektur sich um die Vorübergehenden kümmert; ihre Fassaden bieten kein Obdach dem Müden, noch auch Schutz gegen Sturm und Regen; nichts, was zur stillen Einkehr oder zur Plauderei einlädt; sie zeigen kein äußeres Band mit dem Publikum.... Die ganze künstlerische Wiedergeburt liegt in dem Gedanken, daß, wer im Innern des Baues arbeitet, der zukünftige' Bürger ist, der unter den äußeren Säulenhallen nachdenklich wandeln wird. Mögen Wissenschaft und Kunst allen offenstehen und ihr Zu» gang heiter sein wie ihr Ziel. Unsere Straßen sind kalt und die öffentlichen Gebäude, die Frucht der Tätigkeit aller, machen sie unfreundlich. Die Wissenschaft und die Kunst erscheinen uns hoch- mutig und leer, um ihre Behausung herum ist es öde. Kein Vor- übergehender findet hier eine Ermunterung zur ersehnten Hoff- nung: Die Umzäunungen und �ie Wächter offenbaren im Verein mit der kaltabschließenden Mauer, daß hier jedes sittliche Band unter den Menschen fehlt." Wo es am meisten donnert. Die Leute der Witterungskunde müssen als Grundlage zum Fortschritt ihrer Kenntnisse recht viel Statistik treiben und alles mögliche in Zahlen bringen. Die Schlußfolgerungen sind zur Belohnung dafür aber auch meist recht interessant. Jetzt hat man auch eine Antwort auf die Frage ge» funden, wo die meisten Gewitter niedergehen. Daß dies in einer Gegend der Tropen der Fall sein wird, konnte man schon ohne weiteres annehmen. Nunmehr aber weiß man genau, daß die Insel Java die Ehr? hat, das gewitterreichste Land der Erde zu sein. Dort finden nämlich in jedem Jahr durchschnittlich an 97 Tagen Gewitter statt. Nach einer weiteren Zusammenstellung, die in'der Wochenschrift„English Mechanik" wiedergegeben ist, folgt an zweiter Stelle die Insel Sumatra mit 86 Gewittzertagen im Jahr, dann Sindostan(die oordindische Ebene) mit 56, die Insel Borneo mit 54, die Goldlüste auf der Westseite von Afrika mit 52 und Rio de Janeiro, Hauptstadt Brasiliens, mit 51 Gewittertagen. Europa steht demnach, als nur in der gemäßigten Zone gelegen, in der Gewitterhäufigkeit zurück. In unserem Erdteil hat die Bisher eingeliefert 30 465,13 M.; dazu kommen 7636,57 M.," zu- jammen 33 101,70 M. Gelder. welche per Post eingesandt werden, find au A. Körsten, Engelufer 15 I zn senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vormittags 9—12�2 und nachmittags von 1— T'/g Uhr abzuliefern. Die Listen 3395 und 3637 sind verloren gegangen o»d find beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkommisfioo. ZsÄsIdewoßratische Kiervetteurer. Unter vorstehender Stichmarke enthüllt die schwarze.Ger- mania" eine schwarze Tat der Roten. Das Organ für Schnaps- block-Währheit und-Recht schreibt: »Die Sozialdemokratie hat bekanntlich die Steuer auf Bier jederzeit bekämpft. Gegenwärtig befehdet sie den Gesetzgeber, der die neue Steuer beschlossen hat. und noch mehr die Brauer und Wirte, die über den Steuerbetrag hinaus den Bierpreis erhöht haben. Eine sonderbare Ausnahme machte bisher der.Vor- ivärts", das sozialdemokratische Zentvalorgan. Er schalt zwar den Gesetzgeber, schwieg aber zu dem Vorgehen der Brauer und Wirte" fein still. Vielleicht aits Sympathie mit den Abstinenz- lern? Doch die sind solche Rücksicht vom„Vorwärts"� nicht ge- wohnt, der es weit mehr mit den Partei-Budikern hält. Jetzt kommt in die Sache Licht. Der„Vorwärts" hat nämlich nun doch in gewissem Sinne Stellung? genommen und eben dadurch eine Aufklärung von anderer Seite her provoziert. Er nimmt Stellung gegen die Weißbierbrauereien, deren Aufschlag von 5 Ml zu hoch sei, und gegen die Wirte, hauptsächlich gegen die — sozialdemokratische„Freie Gastwirte-Organisation". Dieser wirft er erstens vor, daß sie das Publikum täuschte, zweitens. daß sie von den Brauereien verlangt hätten, Preise für den Ausschank vorzuschreiben und die Außenseiter(Wirte, Jlaschcn- bierhändler, Konsumenten) zu boykottieren, also zu rümteren. Sehr merkwürdig ist, daß der„Vorwärts" die großen matzgeben- den Bayrischbicrbrauereien auch jetzt noch schont. Dies habe, wie man uns schreibt, seinen Grund darin, daß zwei wohl- habende Mitglieder des sozialdemokratischen Posrteivorstandes an Berliner Großbrauereien finanziell interessiert seien und folglich an der Erhöhung der Bierpreise, das heißt an der Er- Hebung eines Extraprofites, nicht gehindert zu werden wünschten. Die Berliner Genossen hätten die Enthüllung mit großem Un- willen aufgenommen und ergingen sich einstweilen in Drohungen: sie würden die beiden Vorstandsmitglieder in Berlin und auf dem Leipziger Parteitage zur Veranwortung ziehen usw. Wenn das wirklich geschehen sollte, so wird man den Sozialdemokraten immerhin zugestehen, daß sie auch vor den roten Majestäten den Mut haben, bei ihren Grundsätzen zu bleiben. Im anderen Falle aber ergibt sich als„Standpunkt" der Sozialdemokratie: die Verteuerung von Genußmitteln ist ein schweres Unrecht, wenn das Reich sie vornimmt; sie ist aber in der Ordnung, wenn sozial- demokratische Führer sie zugunsten der eigenen Taschen zu prak- tizieren verstehen." Die„Germania" hat noch nicht alles mitgeteilt. Sie unter- schlägt noch folgende Tatsachen: Die Redaktion des„Vorwärts" erhielt für die— Schonung der Ringbrauereien von diesen bereits 1 Million Mark. Der Parteivorstand kaufte sämtliche Schultheißaktien. Verhandlungen zwecks Uebernahme aller süd» deutschen Brauereim in den Besitz der Partei sind eingeleitet. Der Bierpreis wird durch ParteitagSbeschluß auf 1 M. pro Liter festgesetzt. Der Profit aus dem Biergeschäft soll dazu benutzt wer- den, die„Germania" zu bestechen, damit sie wenigstens einmal in ihrem Leben die Wahrheit sagt. »• * Andere Bläter haben den— Schwindel noch etwas intcr» cssanter garniert als die„Germania". Da aber schließlich nicht? so dumm ist. als daß es nicht sein Publikum finden könnte, wollen wir doch ausdrücklich feststellen, daß kein bürgerliches Glatt so scharf und so zeitig gegen die Lagerbierbrauereien Stellung ge- nommen hat wie der„Vorwärts". Am 15. Juli veröffentlichte er bereits eine Notiz gegen die Verteuerungsgelüste der Brauer. Am 18. Juli wiesen wir nach, daß die in Aussicht gmommene Preiserhöhung von 5 M. den Brauereien eine Mrhreinnahme von meisten Gewitter Jtalim mit 38 Tagm im Jahr, während Frank- reich und Südrußland nur 16 Gewittertage, Groß-Britannien und die Schweiz nur 7, Norwegen sogar nur 4 zu zahlm hat. Diese Ziffern sind aber noch nicht die niedrigsten. Kairo kann im Durch- schnitt nur 3mal- im Jahre darauf rechnen, einen Donerschlag zu hören, und noch seltener sind Gewitter im nördlichm Tmckestan und schließlich in den Polargegenden. Nördlich von Island, No- waja-Semlja und der Küste des Sibirischen Meeres scheinen Ge- Witter überhaupt niemals vorzukommen. Der oder das Gehalt? Seit nicht allzulanger Zeit gebraucht man vielfach Gehalt im Sinne von Besoldung als sächliches Haupt- wort mit der Mehrzahl Gehälter. Wustmann hat sehr'dagegen geeifert: er nennt das Gehalt häßlich, die Gehälter plebejisch und bedauert, daß diese norddeutschen Eindringling« selbst in den Kreisen der Gebildeten Alldeutschlands Jorkschritte machen. Wes- halb solle man sich aber so etwas aufnötigen lassen? Dabei mutz er freilich zugeben, daß die Unterscheidung: der Gehalt(Gedanken. geholt, Silbcrgehalt des Erzes) und das Gehalt(Besoldung) in Norddeutschland als willkommene Bereicherung der Sprache cmp- funden werde. Und als solche sollte man sie übceäll ansehen; un- terscheidet man doch auch vielfach der Lohn(geistig) und das Lohn (sinnlich) und— wenn auch umgekehrt— daS Verdienst(geistig) und der Verdienst(sinnlich). Notizen. — LiliencronSNachlaß wird am 22. Septemver in zwei Bänden im Verlage von Schuster u. Loeffler, Berlin, erscheinen. Diese von Richard Dehme! geordneten Bände betiteln sich:„Gute Nacht" und„Letzte Ernte". Der erste Band enthält die letzten Gedichte des Meisters, in dem zweiten sind verschiedene No- Vellen LiliencronS. darunter seine erste Arbeit, eine KnegSepisode, vereinigt.— Dehme! bereitet auch eine Ausgabe Liliencronscher Briefe vor und ersucht Besitzer solcher Briefe, mit ihm in Ber« biudung zu treten.(Seine Adresse ist Blanlenese bei Hamburg.) — Demokratie an den Universitäten. Durch eine ReltoratSverfügung erhielten, Ivie amerikanische Zeitungen berichteten, die Studenten der Universität Chicago das volle Recht, bei der Festsetzung der Vorlesungen mitzureden und auch Kritik an den Pro- fessoren»nd ihren Lehnnethoden zu üben. Sie werden aufgefordert, sich auf schriftlichem Wege bei den Leitern der Universität über die Professoren freimütig zu äußern und Vorschläge zur Verbesserung der Lehrmethoden zu unterbreiten. Die Namen der Studenten, die an bestehenden Zuständen Kritik üben, werden geheim gehalten. In Deutschland werden die Studenten als unmündige Wesen behandelt, denen man einige Spielereien gestattet, im übrigen aber eine Schulbubenzucht auferlegt. Unsere Erlesenen sind ab« im ollgemeinen ganz damit einverstanden. 364 Millionen Mar? bringen ivürde. Am 19. Juli enthielt dÄM die„Arbeitsmarkt-Korrespondenz" eine Notiz, die ähnliche Be- rechnungen enthielt. Mit dem Abdruck dieser Notiz kamen die meisten bürgerlichen Blätter, die aus eigenem nichts zu sagen wußten, hinter dem„Vorwärts" hergehinkt. Am 24. Juli machten Wir auf die Gefahren eines Biertrustes aufmerksam. Unser„Wirt- schaftlicher Wochenbericht" vom 1. August beschäftigt sich ausschließ- lich mit der Materie, er enthält den eingehenden Nachweis, daß die Forderung der Brauer jeder Berechtigung entbehrt. Unter anderem heißt es da: „Die Brausteuererhöhnng macht für llprozentige Biere zirka 1,79 M.. für ILprozentige zirka 1,8S M. aus. Bei einer Preis steigerung von 2 M. pro Hektoliter würden demnach die Braue- reien schon einen kleinen Ueberschuß aus der Abwälzung er fielen. Dieser berechnet sich z. B. für die Sibultheiß-Braucrei, selbst wenn man eine durchschnittliche Belastung von 1,99 M. unterstellt, bei gleichbleibendem Absatz auf rund 125 999 M Unter solchen Umständen ist die Frage einer Preissteigerung von 5 M. gar nicht diskutabel. Ein Aufschlag von 3 M. würde schon folgende finanzielle Resultate haben, wenn man von der An- nähme einer Belastung von 2 M. pro Tonne für die Brauereien ausgeht:> Ueberschuß aus der Abwälzung pro Jahr überhaupt M. Schultheiß, Berlin.... l � l l 1 259 999 Patzenhofer, Berlin........ 699 990 Aktienbrauerei, Essen....... 150 900 Münchener Brauhaus, Berlin.... 199999 Pfefferberg, Berlin........ 125 000 Böhmisches Brauhaus, Berlin.... 215999 Feldschlößchen, Dresden...... 160 900 Binding, Frankfurt 800 000 Bockbrauerei. Berlin....... 225 000 Viktoria, Bochum........ 100 900 Aktienbrauerei. Dortmund..... 180 000 Union, Dortmund........ 200 000 Germania, Dortmund....... 135 000 Wir glauben, die Angaben beweisen, daß die von den Braue. reien geplanten Preisaufschläge nicht gerechtfertigt sind. Aus diesem Grunde haben die Konsumenten alle Ursache, den Atten- tatsplänen auf ihr Portemonnaie Widerstand entgegenzusetzen. Aber nicht nur sie. Die Wirte, welche mit den Brauereien in kurzsichtigem Eifer an einem Strange ziehen, dienen nicht ihrem eigenen und auch nicht dem Vorteil der Kellner. Diese befürchten, daß die in Aussicht genommenen Preiserhöhungen sich für sie in erheblichem Trinkgelderausfall umsetzen werden. Wehren sich die Wirte und die Konsumenten gemeinsam gegen die Absichten der Brauereien, dann dürften diese sich doch wohl veranlaßt sehen, den Pflock etwas stark zurückzustecken. Und auch dann wird die Belastung für den Biertrinker noch fühlbar genug bleiben." ," Hier ist auch schon der NachtveiS, daß wir die Wirte in erster Linie darum angreifen, weil sie mit den Brauern gemeinsame Sache machten. Und so haben wir noch eine ganze Reihe von Artikeln und Notizen folgen lassen, in denen zum Widerstand gegen die Wuchergelüste der Lagerbierbrauereien aufgerufen wird. Eine Verteidigung dieser Gelüste, die Direktor Chrzescinski von der Bank für Brauereiindustrie im„Tag" unternommen hat, ist z. B. in der Nummer des„Vorwärts" vom 11. August als auf durchaus falschen Angaben beruhend zurückgewiesen worden. Und kaum ist ein Tag vergangen, an dem der«Vorwärts" nicht gegen die Lagerbierbrauereien mobilisierte. Kurzum: kein bürgerliches Blatt hat auch nur entfernt so energisch den Kampf gegen die wucherische Bierverteuerung propagiert als wie der„Vorwärts". m Prozent des Aktien« kapitalS 9 S'/- 6 4'/- 9'/, 7 13 4 5 ßV2 «v, 4 Am Arbeitsmarkt gestalten die Verhältnisse sich wieder UN- günstiger, und die Preise fast aller Lebensmittel gehen in die Höhe. So merkt der Arbeiter doch, daß er in einer blau-schwarz regierten göttlichen Weltordnung lebt._ Das letzte Geschäftsjahr deS StahlwcrkSverbaudcs. Der jetzt auszugsweise in der bürgerlichen Presse veröffentlichte Geschäftsbericht des StahlwerkSverbandeS für das Jahr 1908/09 spiegelt eine recht unfreundliche Wirtschaftslage. Die allgemeine Tendenz wird also gezeichnet: Die Abschwackmng in der Marktlage, welche rn der zweiten Hälfte des Jahres 1907 eingesetzt hatte, hielt mit geringen Ausnahmen das ganze Jahr hindurch an und übte auch einen ungünstigen Einfluß auf das ganze Geschäftsjahr des Stahlwerksverbandes aus. Die folgende Aufstellung gibt einen Ueberblick über die Versandergebniffe: davon in Prozent Halbzeug... Eisenbahnmaterial Formeisen... 1997/98 1998/99 1997/93 1998/99 1997/93 1998/99 Tonnen 1456 443 1 4l7 852 2 368 668 1 980 225 1 601 895 1 403 921 Inland 81,54 63,73 68,58 71,75 73,42 77,73 Hus Induftnc und ftandd. EntWickelung der Fleischpreise im Jahre 1909. ' Nach den Berechnungen der„Statistischen Korrespondenz" über die monatlichen Durchschnittspreise, die zusammengestellt find aus den Preisen an fünfzig Marktorten, ist seit Jahresanfang 1999 durchweg eine Steigerung der Fleischpreise eingetreten. Folgende Zusammenstellung veranschaulicht das. ES kostete ein Kilogramm Januar Februar März April Mai Juni Juli Rindfleisch �. 154 153 154 154 155 155 156 Kalbfleisch... 172 171 171 171 176 175 172 Hammelfleisch. 163 164 163 163 164 163 168 Schweinefleisch 155 164 155 155 155 155 IS9 Nur für Kalbfleisch ist der Preis im Juli gegen die beiden letzten Bormonate wieder gesunken, bei Hammelfleisch blieb der Preis, der aber von Mai auf Juni um 4 Pf. in die Höhe schnellte, im Juli unverändert. Rindfleisch wurde einen Pfennig teuerer, während Schweinefleisch um 4 Pf. im Preise stieg._ Ausland 18,46 88,27 31,42 28,25 20,58 22,27 Der Gesamtversaud au Produkten A erfuhr gegen das Vorjahr einen Rückgang von 625 000 Tonnen, der sich mit 338 433 Tonnen auf Eisenbahnmaterial, mit 179 974 Tonnen auf Formeisen und mit 38 594 Tonnen auf Halbzeug verteilt. Besonders bemerkenswert an dem Versandausweis ist die Zu- nähme der Halbzeugausfuhr. Sie beweist, daß die Klagen der reinen Werke über die Preispolitik des StahIvcrbandeS berechtigt waren. Zu reduzierten Preisen warf man Rohmaterial auf den Weltmarkt und unterband dadurch die Konkurrenzfähigkeit der in- ländischen Halbzeugverbände. DaS ist auch ein„Erfolg" unserer— Schutzzollpolitik._ Unter dem Drucke der Krise. In dem soeben erschienenen Berichte der Dresdener Handelskammer für 1968 wird betont, daß man ein Krisen- jähr hinter sich habe. Der Niedergang der Konjunktur sei schon deutlich dadurch zum Ausdruck gekommen, daß die Einnahmen der sächsischen StaatSbahn aus dem Güterverkehr von lOOVs Millionen auf 97>/z Millionen Mark zurückgegangen feien. Zum Teil fei das Niedergehen der Konjunktur auch auf die Beunruhigung zurück- zuführen, die die NeichSfinanzreform hervorgerufen habe. Es sei schon lange vorher bekannt gewesen, daß eine Ver- steuerung des Verbrauchs und Verkehrs beabsichtigt gewesen sei. Dadurch wäre die Unternehmungslust in verschiedenen Industriezweigen gelähmt worden. Durch den Rückgang der Kaufkraft seien sowohl der Großhandel wie der Kleinhandel benachteiligt worden.„Namentlich", so heißt es wörtlich,„ging der Verkauf von solchen Waren, die zum Lebens- unterhalt nicht gerade unentbehrlich sind, wie Obst und Südfrüchte, Kakao, Bücher usw. zurück. Allenthalben wird geklagt, daß nament- lich minderwertige und billige Waren gekauft würde n." Viele Betriebe hätten sich aus Mangel an Beschäftigung ver- anlaßt gesehen, ihre Betriebe einzuschränken, Arbeiter» entlassungen seien dabei namentlich von solchen Unternehmern möglichst vermieden, die über einen Stamm bewährter und ige« schulter Arbeitskräfte verfügten, weil sie befürchten mußten, hier die ausscheidenden Kräfte später bei besserem Geschäfts- gange keinen geeigneten Ersatz zu finden.„Immer- hin; so heißt es weiter, dürften die Arbeiterentlaflungen auch im Kammerbezirke einen ziemlich bedeutenden Umfang an» genommen haben, denn es wird von allen Seiten berichtet, daß das Angebot von Arbeitskräften ungemein stark w a r." So wird aufs neue bestätigt, daß die Krise für die Arbeiter Arbeitslosigkeit gebracht hat, anderseits erfahren wir auch, daß die Unternehmer nur in ihrem eigenen Interesse handelten, wenn sie mit Arbeiterentlassungen«was zurück- hielten._ Hus der Frauenbewegung. Mutterschutz und Kindersterblichkeit. Die geplante Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes hat stark enttauscht. Nicht allein wegen des Angriffs auf die bewährte OrtSkrankenkasscn. Auch das, was als Eni- jritte an wirklichen Verbesserungen in Aus- entspricht so gar wenig den berechtigten Forde- rungen der Sozialhygiene. Betrachten wir, was im Wöchnerinnen« schütz als Ansatz durchgreifenden Mutterschutzes geboten wird. Eine Verbesserung ist es, daß die heute geltende obligatorische ArbeitSruhe von 4 Wochen(seit 1993 ist im§ 135, Abs. 5 der Ge» Werbeordnung eine Mindestruhezeit von 4 Wochen bei Beibringung eineö ärztlichen Zeugnisses, sonst von 6 Wochen vorgeschrieben; bei dem niedrigen Krankengeld trifft der Wunsch eines solchen Zeugnisses zumeist bei Wöchnerin und Unternehmer zusammen), gemäß der neuen Vorschrift der Gewerbeordnung, die am 1. Ja. nuar 1919 in Kraft tritt, auf 8 Wochen verlängert wird. Davon können 2 vor der Entbindung liegen. Aber diese Verbesserung ist völlig unzulänglich. Wie unzulängllch, das mögen einige Zahlen dartun. Auf dem im Juni in Dresden abgehaltenen ersten Kongresse für Sguglingsschutz erstattete der Leiter der Gießener Entbindungs- ansialt, Profcss-�v. F r a n g u 6, ein Referat: Entbindungs- anstalten, Z�öchn e rinnen- und Säuglingsheime als Mittel zur Bekämpfung der S ä u g l i n g s ste rb- lichkeit. Aus seinen ausgezeichneten Darlegungen seien einige Tatsachen �nitgeteilt, die sich aus das Sterben der Kinder aus Mangel an Mutterschutz vor und nack der Geburt erstrecken. In Preußen starben 1893— 1897 3,59 Proz. aller Lcbendgeborc- nen in den ersten neun Tagen; in Wien 1898— 1902 in der ersten Woche 3,2 Proz. Im ganzen wird berechnet, daß von durchschnitt- lich rund 499 999 SäuglingSsterbefällcn im Deutschen Reich der fünfte Teil(8 9 9 991) als Folge von Schädigungen der Mutter in der Schwangerschaft oder bei der Geburt zu kennzeichnen sei. Zu- sammcn mit den rund 69 999 Totgeborenen ergibt das einen jährlichen Verlust von 14 9 9 99 lebensbercchtigten Wesen als Opfer von Schädigungen, die mit größter Wahrscheinlichkeit als vermeidbar bezeichnet werden können. Der Referent führt dazu aus:„Betrachten wir zuerst die Schwangerschaft, so bedarf es kaum eines Beweises, daß eine schlecht- genährte, blutarme, seelisch und körperlich heruntergekommene Schwangere nach der Entbindung nicht in dem gleichen Maße und mit der gleichen Gewißheit wie eine kräftige und wohlgenährte Mutter dem Kinde den einzig sicheren Schutz gegen alle Gefahren des Säuglingsalters: die Brustnahrung, wird reichen lömren, selbst wenn sie das Kind reif und kräftig geboren hat. Aber nicht ein- mal das vermag sie in vielen Fällen. Es ist nachgewiesen, daß schlechte Ernährung und schwere Arbeit in der Schwangerschaft nicht nur häufiger zum Tod der Frucht kurz vor der Geburt, sonden auch zu der Geburt unreifer, schwächlicher, das normale Durchschnittsgewicht nicht erreichender Kinder führt, die dann na- türlich den Gefahren des Säuglingsalters leichter und rascher er- liegen, als auSgetragene und vollgewichtige Kinder." Zahlenmäßig wird dazu nachgewiesen, daß nicht nur bei den Unehelichen der Tod im Mutterleib häufiger ist, sondern daß auch bei den ehelichen Geburten, in den sozial schlechter gestellten Schichten der Anteil der Totgeburten um Vi Proz. höher ist als in den günstiger gestellten. Das Durchschnittsgewicht der Kinder, deren Mütter in den letzten 6— 8 Wochen vor der Geburt nicht mehr schwer zu arbeiten brauchten, übertraf nach dem Franzosen P i n a r d das Gewicht der Kinder, deren Mütter sich nicht hatten schonen können, um 390 Gramm im Durchschnitt. Andere Forscher stellten bei Frauen, die 19 Tage vor der Geburt geruht hatten, ein Mehrgewicht von 295 und bei 26 Tagen Ruhe gar von 429 Gramm über das Gewicht von Kindern, deren Mütter unmittelbar von andauernder s Averer Arbeit zur Geburt kamen, fest..... Die Fabrikarbeiterinnen gebären durchschnittlich um 299 Gramm leichtere Kinder als die Hausfrauen." An deutschem Material wurde in 634 Fällen ein deutlicher Einfluß dreiwöchiger Arbeitsruhe vor der Geburt auf das Gewicht der Kinder festgestellt. Außerdem fanden sich bei dieser Gruppe nur 9,8 Proz., Totgeburten gegenüber 1,4 Proz. bei den Frauen, die bis zur Geburt gearbeitet hatten. Der unheilvolle Einfluß, den verfrühte Wiederaufnahme der Arbeit nach der �Geburt auf Mutter und Kind ausübt, ist bereits seit langem Tatsache wissenschaftlicher Erfahrung. Es ist erfreu- lich, daß die Auftnerksomkett der Wissenschaft sich nun auch den schädigenden Ursachen, die vor der Geburt wirken, zuwendet. Jeden- fall? zeigen aber schon die von uns angeführten Tatsachen, wie völlig unzulänglich die von der Reichsversicherungsordnung vorgesehene (nicht vorgeschriebene) vierzehntägige Schonzeit vor der Nieder- kunft ist. Mag sie ausreichen für die Nur-HauSfrau, falls sie nicht überanstrengt ist, niemals aber für die Frau, die ein vollgerütteltcs Maß harter ErlvcrbSarbeit und daneben zumeist noch ein tüchtiges Stück hauswirtschaftlicher Arbeit zu bewältigen hat. Eine obliga- torische Ruhezeit, die im normalen Fall, d. h. wenn die Mutter gesund und ihre Arbeit nicht zu schwer ist, nicht weniger als vier Wochen betragen müßte, ist das Mindestmaß dessen, was an Schlvan- aerenfürsorge verlangt werden muß. Eine Verlängerung dieser Frist oder eine beträchtliche Verkürzung der Arbeitszeit müßte überall dort eintreten, wo es sich um sehr schwere oder übermäßig lange Arbeitszeit handelt. Und ein völliges Verbot der Arfcit Schwangerer ist zu fordern in Industrien, die, wie die Verarbci- tung von Giften, dem Leben des Ungeborenen direkt schädlich sind. «LttterungSüberslcht vom 10. August 1900, morgeuS 8 Uhr. stillt OTi�n II Swinemdr Hamburg »eilte gnrnfs.B.KJ 7 München 17 Wle» 753 SD 759 WSW 760@38 766 SW 67 W 765 W Wetter 4 bedeckt 7 bedeckt 3 bedeckt 3 wollig 5 halb bd. 4 Regen »K d* *11 i? Mto «tationen S 5 a 3 »=• "■o 7633 «terSburg 767 OSO Gctllh «lberdee» Part» 764 WSW 753 S 763 SSW Weiter 2 wolkig Ibeiter «bedeckt Iwolkcnli 13 3wolleiill 13 ** ei- t" s» M« ÜSettcrproguose für Freitag, den 20. August 1000. Ziemlich kühl, zeitweise austlarend, vorherrschend wolkig mit leichten Regenschauern und frischen westlichen Winden, Berliner W« t t e r b u r e a u. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktton dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. mBEmssEsmausammm €beater. Freitag, den 20. A u g n st. Ansang 7»/, Uhr. Kgl. OpernhauS. Lajazzi, Oavall. rustioana. Kgl. Schauspielhaus. Colberg, Neues königliches Opernthrater. (Gura-Oper.) Orpheus w der Unterwelt. Anfang L Uhr. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Freund Jack. Lessing. Traumulus. Berliner. Einer von misre Lenk. Neues. Sein Sündenregister. Neues Schauspielhaus» Miß Dudelsack. Thalia. Prinz Busfi. Komische Oper. Tiefland. »iestdcnz. Kümmere dich um«Melle, Hebbel. Frau Marrens Gewerbe.� Trianon. Liebesgewitter. .LnstsptelhauS. Familie Schimek. Neues Operetten» Die Dollar- Prinzessin, Kleines. 2X2=5. Westen. Der fidele Bauer. Schilter<1. lWallner- Theater.) Macbeth. Schiiter Eharlotteuburg. Ein Er- folg. Friedrich> Wilhelmstädt. Schau. spielhaus. Die Zauberslöte. Luisen. Der stille See. Mctropol. Die oberen Zehntausend. FolieS Caprtce. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 81/« Uhr. Apolto. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialität«». Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau EllamS Friseur. Mewe- Deine Tochter. Passage. Spezialitäten. Bernhard Mose. Der Tanzhnsar. 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M., nach- mitlags'/.S Uhr, aus dem neuen Jakobi-Kirchhos in Rixdors statt. ?eM der Fabrikarbeiter Geutseblands. Zahlstelle Berlin. Am Montag, den 16. August, i starb unser Mitglied Wilkelm Meier. Ehre feinem Andenken I Die Beerdigung findet aml Freitag, den 20. August, nach- mittags 4 Uhr, vom Lazarus- Krankenhause, Bcrnauerstrafie,| nach dem PaulS-Kirchhos, Plötzen- see, statt. 64/6 Die OrtSverwaltuu». ür die so überaus liebevolle Teil- nähme bei dem schmerzlichen Verlust meiner lieben, unvergeßlichen Gattin und Mutier Fr«« Gertrud Starlcks�Tbater sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. 21302 Reinhold Starick. Von der Reise zurück. Gr. med. ired Simonsobü, _ Jnvaltdenftr. 129. Von der Reise zurück. Dr. Hoffmann, Augenarzt. Gr. Frankfurter Str. 134. 9—11. 5-7. „Berliner Arbeiter- Radfabrer-fereir Mitglied des Arbeite» Radsahrer-Bundes „Soltdarttäf. Tonren zum Sonntag, den»2. Angnst. t. Abt. 21., abend» 6'/. Uhr, Gör. liher Bahnhos nach dem Spreewald. 22., früh 2 Uhr: Spreewald. 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August, früh 8 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Das Wahlkomitee. Lichtenderg. Am Sonntag, den 22. d. Mts., findet eine Flug- blattverbreitung von den bekannten Lokalen aus statt. Der Vor- stand. Tempelhof. Mariendorf, Marienfelde i Sonntag, den 22. August, früh 7 Uhr findet eine Flugblattverbreitung in den drei Ortschaften von den bekannten Bezirkslokalen aus statt. Alle Gewerkschaftler und Parteigenossen müssen zur Stelle sein. Neuenhagen und Umgegend. Die Mitgliederversammlung des Wahlvere'n�. fällt aus, es finoet dasür eine Volksversammlung statt. Nähere Bekanntmachung erfolgt an dieser Stelle. Der Vorstand. Schenkendorf bei KönigS-Wusterhausen. Am Sonnabend, den 21. August, abends 8 Uhr findet im Lokale des Herrn P ä t s ch die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vorttag des Genossen Pagets über .Zweck und Ziele der Organisation"; außerdem Neuwahl des 1. und 2. Borsitzenden. Trebbin. Am Sonnabend, den 21. August, abends 8'/z Uhr findet bei Wolf die Wahlvereinsversammlung statt. TageS- ordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Wahl der Delegierten von Grotz-Berlin. 3. Bericht von der Krcis-General- Versammlung. 4. Parteiangelegenheiten. Falkeichagen-Seegefeld. Sonntag. 22. d. MtS., Flugblatt- Verbreitung morgens pünktlich l/z? Uhr von den Bezirks- führern aus. Alle Genossen haben sich zur Verfügung zu stellen!— Sonntag, 29. d. Mts., nachmittags: Familien-Kaffeekochen in Wald- heim. Treffpunkt 2 Uhr bei Fichtner, Neu-Finkenkrug. Der Borstand des Wahlvereins._ Berliner JVacbricbtem Ein verhängnisvoller Unglücksfall. hat sich gestern in der Mittagsstunde auf dem Gelände der eng- tischen Gasanstalt in Schöneberg und der angrenzenden Ringbahn ereignet. Ein 85 Meter hoher eiserner Hebekran stürzte um und fiel auf einen vorüberfahrenden Südringzug, ein Wagenabteil wurde zertrümmert. Eine Person wurde schwer, vier Personen wurden leichter verletzt. Ueber das Unglück werden folgende Einzel hcitcn berichtet: Auf der Gasanstalt in Schöneberg wird gegenwärttg ein Gaso- meter gebaut, der einen Umfang von 200 Metern und einen Raum inhalt von 100 000 Kubikmetern erhalten soll. An der Innenseite des Turmes ist ein 20 Meter hoher Kran errichtet, der auf einem 85 Meter hohen Eisengerüst montiert ist. Die Arbeiter befanden sich nicht auf dem Eisengerüst und nahmen gerade in der Nähe auf dem Hofe der Gasanstalt ihre Mittagsmahlzcit ein. Wenige Minuten nach 12 Uhr begann plötzlich das Eisengerüst zu wanken, anscheinend unter der Einwirkung des herrschenden starken Windes. Die Arbeiter sahen dieses und wollten den Versuch unter. nehmen, mib Stricken den Einsturz zu verhüten. Ehe sie jedoch dazu kamen, zeigte sich in der Mitte des Eisengerüstes eine Ein- buchtung, die merklich stärker wurde, der obere Teil des Gerüstes neigte sich mehr und mehr. In demselben Augenblick näherte sich auf dem etwa zehn Meter davon entfernten Eisenbahngleise «in Vorortzug des Südringes, der nach Tempelhof fuhr. Plötzlich als der Zug sich im Bereiche der Gasanstalt befand und in der Nähe des Gasometers vorbeifuhr, brach das Gerüst mit donner ähnlichem Krachen zusammen, die Eisenteile stürzten über den Gasometer und durchschlugen das Dach eines Wagens der dritten Klasse, der sich inmitten des vorüberfahrenden SüringzugeS befand. Der Lokomotivführer, der eine Entgleisung des ganzen Zuges fürchtete, brachte den Train sofort zum Stehen. Die Schönebergir Feuerwehr unter Leitung des Branddirektors Flöter war sofort zur Stelle. Auch der Verband für erste Hilfe traf sofort mit einigen Krankenwagen ein. Die Verwundeten wurden auf den Bahndamm gelegt, dort verbunden und darauf nach dem Lazarett gebracht. Gegen �2 Uhr trafen die Vertreter der Staatsanwalt schaft auf der Unfallstelle ein. Die verletzten Personen sind: Der 21jährige Reisende Georg Tz ch au er aus der Grem dierstrafie 26, er erlitt einen Schädelbruch, Gehirn. erschütterung und Gesichtsverletzungen und wurde in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Der Hausdiener Emil Dreetz, 23 Jahre alt. aus Rixdorf, Wartestraße 14, der an den Händen und auf dem Rücken verletzt wurde. Er konnte nach Anlegung eines Notverbandes in feine Wohnung gebracht werden. Frau Mari« Ziegener, 32 Jahre alt, aus Schöneberg, Feurigstr. 62. Sie erlitt einen schweren Nervenchoc und Fleischwunden. Die leichter Verletzten, bei denen es sich zum größten Teil um einen Nervenchoc infolge des ausgestandenen Schreckens han» delte, wurden mit den Krankenwagen nach der Unfallstation ge bracht, wo ihnen beruhigende Mittel gereicht wurden, und dann nach ihrer Wohnung entlassen. Amtlich wird über den Unglücksfall folgende? gemeldet: Heute zwischen 11 und 12 Uhr vormittags stürzte ein Turm in der englischen Gasanstalt Schöneberg ein. Der Turm, 85 Meter hoch, war zum Ausrichten von Material für einen neuen Gasbehälter bestimmt; er fiel auf einen vorbeifahrenden Personenzug und zer- trümmerte das letzte Wagenabteil. Eine Person wurde schwer, vier leicht verletzt. Der Verkehr ist wiederhergestellt. Die Bankräuber aus der Friedrichstraße verhaftet. Die verwegenen Räuber, die vor einigen Tagen den Bankraub in der Wechselstube von Silbermann, Friedrichstraße 153a, versuchten und den Sohn des Chefs, Artur Silbermann, überfielen, sind er- mittelt worden. Ihre Verhaftung erfolgte Mittwoch abend und gestern morgen in Berlin und in Potsdam. Dem Überfallenen Silbermann wurden im Laufe der letzten Tage verschiedene Per- sonen gegenübergestellt, von denen er aber keinen als bei der Tat beteiligt gewesen bezeichnen konnte. Auch nach einem Bild, das ihm als dasjenige eines der Räuber vorgelegt wurde, erkannte Silbermann die Persönlichkeit nicht. Den Plan ent- warfen ein Kellner und ein Koch, die in Glienicke beschäftigt gewesen, dort aber entlassen waren. Zur Ausführung nahmen sie noch zwei Komplizen hinzu. Der Koch heißt Franz W e d z i ch i und stammt aus Rußland, der Kellner ist ein gewisser Artur P o k a l l o aus Potsdam. Dieser hatte die Bekanntschaft des Speisewagen- kellners Friedrich Timm und des mehrfach bestraften Schaufenstereinbrechers, des 20jährigen Arbeiters Otto Blum gemacht. Blum war seinerzeit bei den Panamahut- und Pelzdicbstählcn in Char lottenburg und Schönebcrg beteiligt, hat aber seine Strafe bereits verbüßt. Nachdem das Vierblatt die Nacht durchschwärmt hatte, schritt es morgens, nachdem die Rollen genaß verteilt waren, an die Aus. führung des Raubes. Wedzichi wohnte am Kurfürstendamm, die anderen hatten ihre Schlupfwinkel, wo sie unangemeldet Aufnahme fanden Ueber die Persönlichkeit der Bankräuber und den Raubplan wird uns weiter berichtet: Der Kellner Artur Pokalla war im Cnfs Sans sonci beschäftigt. Nachdem er seinen Genossen erklärt hatte, daß sie 50 000 bis 60 000 Mark erbeuten könnten, wurde der Tag für den Naubanfall festgesetzt. Am Vorabend versammelte sich die Gesellschaft in der Wohnung Timms, Elsasserstraße 47/48, nochmals zu einer Be sprechung. Pokalla wollte nicht teilnehmen, um nicht gesehen zu werden. Daher fuhr er um 12 Uhr nachts nach Potsdam zurück Die drei anderen sollten gleich nach dem Raub mit der Beute in Potsdam zu Pokalla stoßen; dieser sollte dann nach Posen fahren und die anderen dort erwarten. Aus der Wohnung des Kellners Timm hatte die Gesellschaft ein Brecheisen mitgenommen; der Koch Wedzichi sollte zuerst den Laden der Wechselstube betreten. Während der Verhandlung mit Silbermann sollte der zweite Genosse hinzu- kommen; der dritte sollte auf der Straße aufpassen. Wedzichi hatte somit die Aufgabe, den Bankier niederzuschlagen. Die entkommenen Räuber fanden sich wieder in der Wohnung Timms ein und wechselten die Kleidung. Der Hut, den Timm einbüßte, wurde durch einen neuen ersetzt. Dann trat Timm seelenruhig wieder als Speisewagenkellner auf. Als er vorgestern abend gegen 8 Uhr mit dem Zuge aus Breslau eintraf, wurde er von der Kriminalpolizei verhaftet. Blume, ein früherer Heizer, wurde als Einbrecher gesucht und in einem Lokal ergriffen. Der Koch Wedzichi wurde aus der mütterlichen Wohnung am Kurfürstendamm herausgeholt Pokalla aber bei der Eröffnung des Cafös festgenommen und nach Berlin gebracht. Von Posen, wo sich die Bande treffen wollte, sollte die Flucht in Ausland mit dem vielen Gelde angetreten werden. Die Zeit am frühen Morgen wurde deswegen gewählt, weil man aus dem Schaufenster nur wenig Geld zusammenzuraffen brauchte und der Gefahr, von außen gesehen zu werden, in geringerem Maße ausgesetzt war. Herr Silbermann, der den Räubern heute morgen gegenübergestellt wurde, erkannte in Wedzichi den wieder, der zuerst den Laden betrat Wer der zweite war, weiß er nicht be. stimmt, weil er den Kneifer verloren hatte. Ein Blumenhändler, ein Zeitmigshändler und ein Gastwirt glauben in den Verhafteten die aus dem Bankgeschäft Fliehenden wiederzuerkennen. Orville Wright, der berühmte Aviater, und seine Schwester sind gestern morgen aus London in Berlin eingetroffen, um nach Fertig stellung und Erprobung seines Flugapparates demnächst mit den auf dem Tempelhofer Felde veranstalteten Flügen zu beginnen. Mit Schließung der Tegeler„Sechscrbrücke" zur Nachtzeit droht der„Tegeler Anzeiger",- der als Sprachrohr des dortigen Bürger- mcisters gilt. Es sind vielfach Beschwerden darüber laut geworden, daß diejenigen Personen, welche nach Mitternacht über die Brücke nach Berlin oder auch bloß nach Tegel heimkehren wollen, noch eine besondere Nachtsteucr von 10 Pf. zahlen müssen, obwohl sie schon ein paar Stunden vorher das am Tage übliche Brückengeld von 5 Pf. entrichtet haben. Mit Recht faßt man das als eine unbillige Spekulation auf den Geldbeutel auf. Die Brückenverwaltung, aus der Gemeinde- und Gutsbehörde zusammengesetzt, verteidigt ihre Maßnahmen mit den Kosten der nächtlichen Beleuchtung und will dabei nicht bedenken, daß ja die Tageseinnahmen, welch: bloß im letzten halben Jahr nicht weniger als rund 2 0 0 0 0 Mark betragen haben, die Beleuchtungskostcn auch ohne nächtliche Brückensteuer sehr wohl vertragen können. Wird die Brücke beleuchtet und kein Nachtzoll erhoben, so macht die Verwaltung immer noch ein brillantes Geschäft. Die Schließung der Brücke wird also erst recht dahin verstanden werden, daß die Brückentoerwalttmg ohne Geld- vortoile für jede einzelne Leistung nicht gewillt ist, sich der kehvsfortschrittlich zu zeigen. Wenn die Berliner Ausflügler wegen dieser Schröpfung mal erst auf den Gedanken kommen, die Sechser- upd Groschenbrücke zu boykottieren und den Weg über die Hum boldtmühle zu nehmen, haben die schlauen Tegeler Interessenten das Nachsehen. Inzwischen ist der Appetit nach Brückensteuer auch in der Nach- barschaft Tegels rege geworden. Eine zweite Sechserbrücke soll zwischen Tegelort und dem sogenannten Nüst erbaut werden. Man kann dieses Verkehrsprojekt, welches für die Berlmer Ausflügler keineswegs von so erheblicher Bedeutung ist, nur dann gutheißen, wenn der Verkehr über die neue Brücke ohne jede Steuer freige- geben wird. Die interessierten Gemeinden und Grundbesitzer hoffen natürlich, daß sich die Brücke mit der Zeit durch die vielen Sechser, ebenso wie in Tegel, bezählt machen wird. Die Berliner bezahlen die Kosten, und die Tcgelorter haben die Brücke! Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern morgen in der Prägerei und Stanzerei der Luxuspapier- und Kotillonfabrik von Moniack, Lindenstraße 16/17. Dort wurden einem Präger vier Finger der linken Hand total abgequetscht. In bewußtlosem Zustande mußte der Verunglückte mittels Droschke nach dem Krankenhause gebracht werden. Einen Polizeihund gestohlen haben Einbrecher auf dem Grund stück Hochstr. 23. In diesem Hause befindet sich das 82. Polizei revier, wo auch eine Spürhündin.Diana" untergebracht ist. .Diana" muß ein außerordentlich tüchtiger Spürhund sein, denn sonst hätten sich Diebe nicht daran gemacht, den Zwinger, ftn dem sie untergebracht war, zu erbrechen und die Hündin fortzuschaffen. Nun wird ein anderer vierfüßiger Polizeigehilfe herbeigeholt werden müssen, der.Diana" ausfindig macht. Der Wintergarten eröffnete am Mittwoch feine Wintersaison. Wenn man nach dem gebotenen AnfangSprogramm auf den Verlauf der Spielzeit Schlüsse ziehen dürfte, so könnte man nur die denkbar beste Prognose stellen. Vortragskunst, Akrobatik, Tierdressur und Tanz kamen zu ihrem Rechte. Im Mittelpunkt des'durchaus erfolg- reich zu nennenden Abends stand Henry Bender, bisher einer der Sterne des Metropoltheaters, der, wie er selbst in einein seiner zündenden Couplets sagt, wohl dem„Mctropol", aber nicht der Metropole." den Rücken gekehrt hat. In ganz erstaunlichen Kraft- lc istungen produzierten sich die modernen Gladiatoren Belle» clarre Brothers; Körperkraft und Geschicklichkeit geben ihnen in ihren Darbietungen jene Harmonie, die von Künstlern auf diesem Gebiete nur selten erreicht wird. Auch die Geschwister Klös ernteten mit ihrem Gymnastikakt Beifall, desgleichen die Morris Cronin-Trupp: mit ihren durch hübsche Lichtcffektc unterstützten Jonglcurkunststücken. Von den gesanglichen und musi- kalischen Programmnummern erregte die Jnstrumentalgesellschaft The Six Cuttys berechtigte Bewunderung; auch die ameri- kanische Operettendiva Truly Shattuck gefiel. Als graziöse Ballettänzerin zeigte sich Julie Sädowa von der Petersburger Hofoper. Tanz und Gesang bracht« gleichfalls die humoristische Piece Lustiges Leben und Treiben im Freien; von den drei Unterabteilungen dieser Nummer waren die„Winter- freuden in Holland", ein meisterlich ausgeführter Nollschuhakt, am zelungenstcn. Ferner sei noch Miß Marquis mit ihren dressierten Ponnies erwähnt; obwohl die Darbietung nichts tveseni- lich Neues bot, so wirkten doch gerade die burlesken Einschläge, mit 'denen dies« Dressurnummer recht verschwenderisch ausgestattet war, Kochst beiMeiregeud auf die Zu schau lr. Allgemeines Interesse fand schließlich noch die kinematographisch vorgeführte Landung Zeppelins auf der Jla in Frankfurt a. M. Treptower Sternwarte. Direktor Dr. F. S. Archenhold wird am Sonntag, den 22. August, nachmittags 5 Uhr, in der Treptow« Sternwarte einen Vortrag über:.Die Rätsel des MarS" halten. Abends 7 Uhr spricht Dr. Archenhold über:„Ein Ausflug in die Stemenwelten" und am Montag, den 23. Aua.ust, abends 9 Uhr, über:»Das Wiederkommen des Halleyschen Kometen".— Alle diese Vorträge sind durchaus gemein- verständlich gehalten und werden an Hand zahlreicher Lichtbilder erläutert.— Im großen Fernrohr wird zurzeit tagsüber die Sonne, abends ein Sternhaufen im Herkules und der Planet Mars gezeigt. An den kleineren Fernrohren sind außerdem beliebige andere Objekte des gestirnten Himmels, der zurzeit einen besonders interesiäuten Anblick gewährt, zu beobachten. Feucrwchrbericht. In der gestrigen Nacht kam in der Frie- drichstraße 249, Ecke Belle-Alliance-Platz Feuer aus. Um Mitter- nacht brannten dort Papier, Lumpen, Kisten und anderes in einem Keller. Der 17. Löschzug beseitigte die Gefahr. In der Novalis- straße 3 stand abends ein Schlafraum für Schlächter in Flammen. Der 13. Zug mußte kräftig Wasser geben, um die Gefahr zu besei- tigcn. Auf einem Schulneubau in der Amsterdamer Straße brann- ten gestern alte Kabel und anderes und gleichzeitig in der Mark- grafenstraße 92/93 Papier usw. Preßkohlen hatten sich auf dem Anhalter Güterbahnhof und anderen Stellen enHündet. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Franseckistraße 43, Treskowstraße 46, Köthener Straße 27, Alt-Stralau 54/55 und anderen Orten ge- rufen._ Vorort- J�admcbtern Schöneberg. Bei der Einsichtnahme in die Wählerlisten ist bereits festgestellt, daß eine große Anzahl von Arbeitern und Parteigenossen in die Wählerlisten nicht aufgenommen wurden, weil sie angeblich Unter- stützungen aus öffentlichen Mitteln erhalten hoben. Diejenigen, deren Namen in den Listen nicht vermerkt sind, haben sofort mündlich oder schriftlich bei dem Magistrat rechtzeittg Einspruch gegen die Nichtigkeit der Wählerlisten einzulegen. Fornmlare sind in der Spedition, Martin-Luther-Slr. 51, zu hassen. Durch diesen Protest soll bezweckt werden, daß ähnlich wie in anderen Städten die ein- schränkenden Bestimmungen, worauf sich die Nichtaufnahme in die Listen stützt, beseitigt werden. Ebenfalls ein Uebelstand ist die für die Arbeiterschaft ungelegene Tageszeit, in der die Listen zur Einsicht aus- liegen. Die wenigsten Arbeiter können während der Zeit von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 1 Uhr an den Wochentagen sich von der Richtigkeit der Wählerliste überzeugen. Zweifellos sind für den Arbeiter die Abendstunden viel günstiger. Es wäre daher Pflicht einer einsichtigen Verwaltungsbehörde, der Arbeiterschaft mehr ent- gegenzukommen. Trotzdem tue ein jeder seine Pflicht und über- zeuge sich von der Richtigkeit der Eintragrmgen in die Wählerliste. Lankwitz. Der Eintritt zweier sozialdemokratischer Gemrindevertreter in da? hiesige Ortsparlament wurde vorgestern durch ein Erkenntnis des Potsdamer Bezirksausschusses durchgesetzt. Am.'11. März vorigen Jahres fanden in Lankwitz Gcmeindevertreterwahlen statt, aus denen in der 3. Abteilung die Genossen Reinhold Theurig und Paul Radicke als gewählt hervorgingen. Sie wurden mit 263 resp. 264 Stimmen gewählt. Gegen diese Wahl erklärte sich aber die bisher sozialistenreine Gemeindevertretung und be- schloß am 24. April vorigen Jahres die Ungültigkeit der Wahl. Die Gemeindevertretung stützte ihren Beschluß auf vier Punkte. Fürs erste hielt sie die Zeit der Wahl von 5 bis 8 Uhr für zu kurz und sah darin eine Beschränkung des Wahlrechtes. Zweitens wurde geltend gemacht, daß nicht genügende Vorbereitungen sür den Wahlakt getroffen waren und daß weder für geregelten Zu» tritt, noch für ordnungsgemäßen Abgang der Wähler gesorgt war. Das dritte Monitum richtete sich gegen die Zurückweisung einzelner Vollmachten, die ungestempelt waren, und viertens beanstandete man, daß die Wählerliste nach Schluß der Wahl unversiegelt einem Beamten übergeben wurde und das Resultat erst am anderen Tag publiziert worden ist. Gegen die Ungültigkeitserklärung führten die Gewählten Klage beim Teltotoer Kreisausschutz, der dem Klage- begehren stattgab und die Ungültigkeitserklärung aufhob. Dagegen rekurrierte nun die Lankwitzer Gemeindevertretung beim Pots- damer Bezirksausschutz. In zwei Beschlußsitzungen ordnete der Bezirksausschuß die Vernehmung der von Lankwitz angebotenen Zeugen an. um den Tatbestand am Wahltag aufzuklären. Der Kreisausschuß hielt auf Grund der Erhebungen den angebotenen Beweis für nicht erbracht. Der Bezirksausschutz schloß sich dem Urteil des KreiSausschusseS an und verurteilte die Gemeindcver- tretung unter Festsetzung des Wertes des Streitgegenstandes auf 2000 M. zur Kostentragung. Durch dieses Erkenntnis ist die Wahl unserer beiden Genossen für gültig erklärt und sie gehören nun dem Lankivitzer Ortsparlamcnt an. Selbst wenn die Gemeinde Lankwitz die ihr noch offen stehende Berufung beim Oberverwaltungsgericht einlegt, dürfte an dem Urteil wohl nichts mehr geändert werden. Lichtenberg. Jugcndausschnß Lichtenberg. Eine Spielpartie nach Johannisthal findet am Sonntag, den 22. d. MtS., statt. Treffpunkt 1 Uhr Frankfurter Chaussee, Ecke Gürtelstraße. Hin- und Rück- fahrt 20 Pf. Kaffee 10 Pf. Nachzügler werden um 4 Uhr im Park- restaurant.-Jnh. Hesse, Camphausenstr. 12/13, erwartet. Die Parteigenossen und-Genossinnen ersuchen wir, die Jugend zur Teilnahme an der Partie anzuhalten. Ober-Schönetveide. Die TyPhuSepidemie ist noch immer im Wachsen begriffen. Es sind in den letzten Tagen wieder einige neue Erkrauhmgen eingetreten. Am gestrigen Tonnerstag fand eine Konferenz statt, an welcher außer den Vertretern der Behörden der Kreisarzt und sämtliche Aerzte des Ortes teilnahmen, und in welcher neue Maß- nahmen beraten worden sind, um eine weitere Ausdehnung der Krankheit zu verhindern. Friedrichshagc». Die Gcuioindevertretung tvählte in der am 17. August abge. haltencn Sitzung an Stelle deS zweimal von der Vertretung ge- wählten und von dem KreisanSschuß und Bezirksausschuß nicht bc- tätigten Gemcindcvcrtretcrs Gloede den Gemeindevcrtreter Mol- denhauer zum Gemeindeschöffcn. Im Anschluß hieran wurde eine Erklärung von elf Vertretern verlesen, nach welcher dieselben von der Wiederwahl des Herrn Gloede lediglich aus Rücksicht auf die zum dritten Male in Aussicht stehend« Nichtbestätigung Ab- stand genommen haben. Die Unterzeichneten erachten Herrn Gloede trotz zweimaliger Nichtbestätigung durchaus geeignet zum Schöffcnamt.— Die am 27. Juli erfolgte Wahl des Gemeinde- Vertreters Lange zum Gemeindcschöffen ist von dem Laudrat bestätigt.— Die Vertretung nahm 5lenntnis von dem Dank- Schreiben der Witwe des verstorbenen Bürgermeisters Klüt sowie von dem Beileidschreibcn der städtischen Körperschaften der Nach. borgemeinde Köpenick.— Der Verfügung der Königlichen Ne- gwxupch de» Gemullde.sHuIlehre.lli die nach im veuen Lehrer« besoldungsgesetz zustehenden Normalgchaltssätze, rückwirkend vom 1. April 1908, zu zahlen, stimmte die Vertretung einstimmig zu. Nach diesen Sätzen beträgt das Grundgehalt(ausschließlich der Mietsentschädigung und der neunmaligen Alterszulage) für Lehrer 1400 M., für Lehrerinnen 1200 M.(bisher 1150 Mk.), für tech. nifche Lehrer 1100 M., für technische Lehrerinnen 1000 M.(bisher 900 M>). Noch nicht festangestellte Lehrkräfte erhalten ein Fünftel weniger als das Grundgehalt. Die rückwirkende Nachzahlung kommt jedoch nur für diejenigen Lehrpersonen in Frage, die be- reits am 1. April 1903 amtierten. Der Beschlußfassung über etwaige Ortszulagen kann die Vertretung jedoch erst näher treten, wenn eine Einigung mit den in Betracht kommenden Vorortgemein- den über die gleichmäßige Festsetzung der Ortszulagen erfolgt»st und der Gemeinde wie bisher ein Staatszuschuß gewährt wird. — Der Pachtung einer Fläche auf dem Bahnhofsgelände zur Auf» stellung einer Bedürfnisanstalt für eine jährliche AnerkennungS- gebühx von 6 Ml wurde zugestimmt.— Zum Schiedsmann und dessen Stellvertreter wurden gewählt die Vertreter Kunzke und A x n i ck.— Der Kaufofferte der Witwe Hargesheimer stimmte die Vertretung zu. Das Grundstück der Verkäuferin liegt an der Durchbruchsstraße zwischen der Friedrich- und der Scharnweber- straße. Durch den Kauf ist nunmehr der Straßendurchbruch er- möglicht.— Die Beschlußfassung über die Annahme eines Legats von 500 M. mit der Verpflichtung, 30 Jahre zwei Gräber zu pflegen und in Stand zu halten, wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Die Kirchhofsverwaltung soll um eine Erklärung ersucht werden, ab sie bereit ist, die Gräber zu einem Jahresbetrage zu pflegen, der die Zinsen des Legats nicht übersteigt.— In geheimer Sitzung wurde über die Angebote des GrundstückszusammenlegungS. Verfahrens im östlichen Gemeindebezirk sowie über die Festsetzung der Dienstbezüge und Anstellungsbedingungen des zu wählenden Gemeindevorstehers Beschluß gefaßt. Weistensee. AuS der Gemeindevertretung. Vor Eröffnung der Sitzung gab der Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins eine Erklä- rung ab, daß er nicht der Verfasser der Protestresolution sei. die Veranlassung zu einer Besprechung in boriger Gemeindevertreter- sitzung gab. Diese Debatte sei in der Versammlung des alten Grundbcsitzervereins wiedergegeben worden, dort sei festgestellt wor- den, daß gerat« der Vorsitzende des ersten Vereins, der in der Gemeindevcrtrehing sich nicht auf den Standpunkt der Resolution stellte, der Verfasser derselben sei. Eine Kommission, der er aller- dings angehörte, habe die Resolution verfaßt. In der betreffenden Grundbesitzerversammlung sind auch unserem Genossen Fuhrmann Sätze unterschoben worden, die er nicht gesprochen hat. 8090 Mark wurden für 2909 als Beitrag zu den Polizeikosten gefordert und auch bewilligt. Weiter wurden 7500 M. bewilligt zur Erweite- rung der Heizungsanlagen in der 3. Gemeindeschule. Die Dienst- cntschädigung eines neuen Standesbeamten wurde auf 1800 M.. steigend bis 2400 M. festgesetzt. Die Besetzung des Kreuzpfuhl an der Turnhalle mit Karpfen wurde beschlossen und die Mittel zur Beschaffung von 1000 Stück Karpfenbrut bewilligt. Der in voriger Sitzung angenommene Nachtrag zur Wertzuwachssteuer bedurfte noch einiger Aenderunxen, die diesmal debattelos angenommen wurden. Die Königschaufsee vom Schloßplatz ab, die Berliner Straße bis zur Rennbahnstraße sowie die Große Seestraße sollen eine bessere Beleuchtung erhalten; zur Verwendung kommt das bereits an anderen Stellen eingeführte hängende Glühlicht. Ein Beschluß von großer Bedeutung ist, daß man sich endlich entschloß, den Trianonpark freizulegen. Der Staketenzaun an der Königs- chaussee soll entfernt werden; man wird nunmehr«inen freien Blick durch den Park auf den See haben. Eine seit langem ver- treten« Forderung unserer Genoffen, Parkanlagen zu erwerben und dem Publikum freizugeben, kommt somit immer mehr zum Durchbruch. Die Feststellung und Entlastung der Gemeinderech- nung für 1907 zeitigte noch eine kleine Debatte seitens der Haus- besitzer. Herr Fechner hat, wie er selbst sagte, nach langem Suchen entdeckt, daß aus dem Kapitel Wasserversorgung 14 000 M. Ueber- schütz herausgewirtschaftet ist. dieser Ueberschuß käme den Haus- besitzern zugute, die manchmal tränenden Auges den Wasserzins nach dem Rathause tragen müssen. Der Herr betonte, die HauS- besitzer müssen sowieso schon den Löwenanteil der Steuern tragen, Ucberschüsse herauszuwirtschaftem, halte er für ungerechtfertigt. Die Genossen Fuhrmann, Taubmann und Frentz hielten den Herrn Hausbesitzern vor Augen, daß doch gerade erst die Mieter den Hauswirten dazu verhelfen, Steuern zu zahlen, denn die Haus- besitzer hätten doch ihre Häuser nicht bloß der Mieter wegen, son- dern um ein einträgliches Geschäft zu besitzen. Natürlich stach man in ein Wespennest, und' gerade Herr Fechner geriet so in Har- nisch, daß er erklärte, in Zukunft komme es bald soweit, daß die Hausbesitzer überhaupt nichts mehr zu reden haben. Ja, er for- derte den Vorsitzenden auf, die ewigen Anzapfungen durch Ord- nungsrufe zu unterbinden, was selbstverständlich abgelehnt werden mußte, da keinerlei Veranlassung zuist Einschreiten vorlag. Nieder-Schöuhausen. Der Gesangverein„Zukunft III" feiert am Sonntag, den 22. August, sein 18jähriges Stiftungsfest im Lokal von Scttekorns „Waldschlößchen', Liudenstr. 1. Da sich genannter Verein bei Partei- fcstlichkciten zur Verfügung stellt, bitten wir die Parteigenossen um recht rege Beteiligung. Grüna«. Am Sonntag nachmittag veranstaltet der hiesige Arbeiter- Gesangverein aus dem Spielplatz ein Waldfest. Für Unterhaltung und Spiele für die Kleinen wird bestens gesorgt. Da keinerlei direkte Unkosten entstehen, wird daS Fest von der Arbeiterschaft hoffentlich recht rege besucht. Bornim bei Potsdam. Die SpirituScxplofion, über die wir gestern berichteten, hat leider noch ein zweites Opfer gefordert. Das 15jährige Kindermädchen Berta Tallig ist ebenfalls vorgestern nachmittag im St. Josephs- krankenhans in Potsdam seinen Leiden erlegen. Spandau. Auf Anregung des Genossen Stadtverordneten Pieck, welcher der Gasdeputation angehört, wurde vor etiva einem Jahre in der städtischen Gasanstalt eingeführt, daß den in der Anstalt be- schäftigten Arbeitern zur Stillung ihres Durstes unentgeltlich Kaffee verabfolgt wird. Diese Anregung hat einen schönen Erfolg gezeitigt, denn infolge des Kaffeegenusses hat der Verbrauch an alkoholischen Gelränken wesentlich nachgelassen. Zur Deckung deS Jahresbedarfs an Kaffee hat die GaSdeputation 1000 M. bewilligt. Vermischtes. Einem schweren Verbrechen kam man vorgestern in Sorau (Lausitz) auf die Spur. In der Nähe des Dorfes Schönwalde fand der Streckenwärter in einem Gebüsch neben dem Bahngleise eine etwa dreißigjährige, anscheinend den besseren Ständen an- gehörende Frau mit schweren Verletzungen besinnungslos auf. Am Kopf hatte sie eine klaffende Wunde, der Hals und die Arme waren mit Blut bedeckt. Um den Hals der Bewußtlosen war eine Schnur geschlungen, mit der sie anscheinend gewürgt worden war. Der Wärter alarmierte die Polizei, und diese veranlaßte die Ueber- führung der Frau nach dem Krankenhause in Sorau. Nachdem sie zeitweilig zur Besinnung gelangt war, konnte sie angeben, mit einem Manne namens Jakob Brauer aus CHarlotteuburg am Sonntagabend 11 Uhr 43 Minuten von Berlin, Bahnhof Friedrich- straße, mit dem V- Zuge abgefahren und während der Fahrt über- fallen worden zu sein. Sie verlor hierauf das Bewußtsein, das sie bis zur Stunde noch nicht wieder erlangt hat. Aus der Sachlage geht hervor, daß sie anscheinend im Eiieiibahnabteil von rückwärts überfallen und durch einen mit einem stumpfen Instrumente ausgeführten Schlag über den Kops betäubt wurde. Der Täter warf seinem Opfer dann die Schlinge um den Hals und versuchte, es zu erwürgen. Dann schleuderte er die Frau aus dem Zuge ins Gebüsch. Dem Anscheine nach handelt es sich um keinen Raubmord, da bei der Bewußtlosen, deren Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte, ein Barbetrag von 90 M. gefunden wurde. Ueber das Verbrechen verbreitet„W. T. B." folgende Meldung: Sorau, 19. August. Am Montag wurde auf dem Bahnkörper zwischen Gassen und Linderöde eine Damentasche mit zirka 90 M. und eine Fahrkarte Berlin-Posen gefunden. Am Dienstag ist an derselben Stelle ein Hut gefunden worden. Daraufhin suchte eine Schrankenwärterin den Bahnkörper am Dienstagnachmittag ab. Sie hörte um 4 Uhr ein leises Wimmern und fand in einem dichten Gebüsch am Bahndamm die Schwerverletzte. Sie konnte in einigen Worten angeben, daß sie von einem gewissen Jakob Brauer aus Charlottenburg aus dem Schnellzuge in der Nacht von Sonntag zum Montag gestoßen worden sei. Heute nachmittag 1/2i Uhr ist die Schwerverletzte gestorben.— In ihren Fieberphantasien nannte sie häufig den Namen»Auguste". Entgleist. Amtlich wird vom gestrigen Tage aus Riesa gemeldet: Von dem heute früh 4'/, Uhr von Nöderan hier ein- fahrenden Zug 3432 entgleiste die Lokomotive und ein Personen« wagen durch Ansahren einer Rangiermaschine. Zwei Reisende wurde« leicht und der Neservelokomotivfuhrer schwer verletzt. Zehn Personen vom elektrischen Strom getötet. Einer Meldung aus L e c c o zufolge fiel im benachbarten Olgi- nate ein Kabel mit hoher elektrischer Spannung auf die LeitungS- brühte der elektrischen Ortsbeleuchtung. Infolgedessen entstand in den mit elektrischer Beleuchtung versehenen Häusern Feuer. Bei dem Versuche, dieses zu löschen, kamen viele Personen mit den Drähten in Berührung; zehn wurden wie vom Blitz erschlagen, zwanzig er- hielten mehr oder minder schwere Brandwunden. Die Bevölkerung von Olginate ist in größter Aufregung. Von Lccco sind sofort Feuerwehrleute mit allen Hilfsmitteln dorthin abgegangen. Eine Mutter und drei Kinder in den Flammen umgekommen. Wie aus Amsterdam gemeldet wird, brach gestern früh in Zaandam ein großer Brand aus, durch den fünf Häuser in Asche ge- legt wurden. Eine Mutter mit drei Kindern ist in den Flammen umgekommen. SchiffSunfälle an der französischen Küste. Pariser Morgenblätter meldeten gestern gewaltigen Sturm an der atlantischen Küste Frank- reichö, der den ganzen Tag über wütete und sich auch hier suhlbar machte. Es werden verschiedene Schiffsunfälle gemeldet. Bei Brest hörte man anhaltend Notsignale eines Dampfers, man konnte ihm aber keine Hilfe bringen.' Honte früh wurden zwei Leichen von Matrosen aufgefischt. Zwei Segelschiffe sind gescheitert. Eingegangene vruckkckriften. Von der»Neue» Zeit-'(Stuttgart, Paul Singer) ist soeven da» 47. Hest des 27. Jahrgangs erschienen. Es hat solgendeu Inhalt: Säkulartage.— Der Massenstreik in Schweden. Von Hjalmar Branting. — Der Bauer als Erzieher. Von A. Hoscr.— Heimarbeit und Heim- arbcitSausftcllung in der Schweiz. Von Dionys Zinner.— Literarische Rundschau: Slrbeiter-Gcsundheitskalcnder 1910. Von Dr. Georg Wagner, San au.— Notizen: Indirekte Sleueroerwcigerung I Von Eugen Prager, öln. Zur Lage der Arbeiterklasse in Elsah-Lothringen. Von Aua. Wicky, Miithauien i E. Zur Entgegnung. Von Heinrich Knaus.— Zettschristeu- schau.— Bibliographie des Sozialismus. Feuilleton der„Neuen Zeit' Nr. IV und 20: Detlev v. Liliencron. Von H. Ströbel. Der Ingenieur. Von Joseph August Lux. Johann Joachim Winckclmanu. Von F. Mehring. Die Museen und die Arociter. Bon Fr. Förster.— Büchcrschau: Wenzel Holek, LebenSgang eines deulsch-tschcchischcn Handarbeiters. C. Matschotz, Die Entwickelung der Dampsmaschine. Kämmerer, Die Technik der Lastenbesörderuug einst und jetzt.— Lose Blätter: Derselbe und welcher. Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von S.Lä M. pro Quartal zu beziehe»; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet SZ Pf. Probenummeru stehen jederzeit zur Verjüguug. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DIrelilon über den Grojzbandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr ziemlich stark, Geschäst flau, Preise für Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr genügend, Geschäst in Wild lebhaft, Preise wenig verändert. Geflügel: Zusuhr genügend, in Gänsen über Bedarf, Geschäst schleppend, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr mäßig, Gcichäst etwas lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst lcbhast, Preise sür Butter hoher. Gemüse, Obst und Süd- srüchte: Zujuhr über Bedars, Geschäft sehr still, Preise wenig be- jriedigmd._ eSasserstandS-Nachrtchte» der Landes anstalt sür Gewässerkunde. mitgeteA vom Berliner Wetterbureau. ') 4- bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unterpegel. n_r ni ALEXANDER PLATZ Freitag, Sonnabend Leipziger Strasse: Versand-Abteilung Versand nach ausserhalb erfolgt prompt. FRANKFURTER ALL&E soweit Vorrat Lebensmittel besonders für Restaurateure und Pensionate geeignet fflonsemn 1000 neue örnte Stangenspargel% d«. t 55 Stangenspargel pnm....% do. I45 Stangenspargel..... v. o°. I05 Prima Rheinisches Apfelkrautap«-o� 7 5 p« Brechspargel pnm.% 0°.. 1 1 0 Brechspargel 70, 85pf. Leipziger Allerlei«tm y, d. 93--, Leipziger Allerlei«.im.«ad. 45 p<. Erbsen u. Karotten 75 w. Erbsen u. Karotten» v»d. 55 w. 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