Nr. 194. Bbonnemcn ts-Bedingungcn s HBonnemcntS> Preis prSnmnerando i BiertcljShrl. s�o Mi, monatl. 1,10 Mü, wöchentlich 2S Pfg. frei ins Hau». einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagZ. nummcr mit illuftrierler SoimtagS- BcUage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,1» Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, lolland. Italien, Luxemburg, Portugal, änten, Schweden und die Schweiz. Crfätint tZzIIid»«Sek Eontags. 26. Jahrg. Berliner Volksblntt. Die TnfertlonS'Gebülfr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum M Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Verein»- und Verfainmlung». Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnieigen", da» erste(fett» gedruckte) Wort 20 Pfg,, jede» weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedeS weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS»Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist bij 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreffe: „Sozialittinolint Berlin'4. Zentralorgan der rozialdcmohrati leben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8CH. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die ßlöcfcadcgcfa|)r.*) 1. Zu den schwerwiegendsten Argumenten, die man für die Notwendigkeit der Flottenverstärkung ins Feld führt, gehört ohne Zweifel die Möglichkeit einer Blockierung der deutschen Küsten und der hieraus resultierenden Schädigung der Volkse Wirtschaft. Ausgehend von der Erwägung, daß ein großer Teil des Volkes abhängig ist von der ungestörden Einfuhr von Roh' Materialien und Halbfabrikaten und ebenso von der unge' hinderten Ausfuhr von Halbfabrikaten und fertigen Prv' dukten, in der weiteren Erwägung, daß Deutschland zur Ernährung seiner Einwohner der Lebensmitteleinfuhr bedarf, behauptet man, daß die durch eine Blockade verursachte Stockung in Import und Export zu einer verhängnisvollen Katastrophe führen müßte. Da aber eine solche Erschütterung des Wirtschaftslebens die allgemeine Arbeitslosigkeit und Hungersnot im Gefolge hätte, in erster Linie die Arbeiter schast treffen würde, so hat gerade diese nach der Ansicht der Flottenpropagandisten den Ausbau der Flotte aufs eifrigste zu fördern. Um uns nun über die wahre Wirkung einer Blockade klar zu werden, wollen wir uns zunächst mit dem intev nationalen Blockaderecht befassen. Die Blockade hat den Zweck, die feindlichen Küsten und Häfen von jedem Verkehr und Handel abzuschneiden. Sie ist ein ebenso legitimes Kriegsrecht, wie beispielsweise die Wegnahme der Konterbande. Die Blockade ist daher von allen Neutralen unbedingt zu achten, und suchen die Unter tanen einer neutralen Regierung, die Blockade zu durch brechen, so verfallen ihre Schiffe— selbst wenn sie die harni loseste Ladung tragen— der rechtsgültigen Einziehung durch den Blockierenden. Aber schon hieraus ist zu ersehen, daß die Blockade ein zweischneidiges Schwert ist, das sich nicht nur gegen den blockierten Feind richtet, sondern auch wider die Neutralen, die mit der blockierten Nation Handel treiben, oft auch gegen die Kaufleute und Kapitalisten der blockierenden Macht selbst. Es lag daher im Interesse aller Handel treibenden Völker, das Blockaderecht möglichst einzuschränken, und hauptsächlich unter englischem Einfluß sind dann Blockaderegeln zustande gekommen, denen nur eine ihrem Gegner weit überlegene Seemackft eine Ausdehnung von entscheidender Bedeutung geben kann. Eine Blockade wird überhaupt nur dann von den neutralen Mächten anerkannt, wenn sie effektiv ist, das heißt, wenin die blockierten Häfen oder Küsten dauernd mit einem Gürtel von Kriegsschiffen umgeben find. Kein Staat hat also das Recht, weitausgedehnte Küsten für blockiert zu erklären, wenn er zur Durchführung der Blockade nur wenige Kriegsschiffe zur Verfügung hat. Eine solche Blockadeverhängung ohne effektive Absperrung ist weiter nichts, als ein verschleierter Kampf gegen den Handel der Neutralen, den sich diese nicht gefallen lassen: denn der Handel der Neutralen niit einem Kriegführenden ist ja keines Wegs verboten, nur der Handel mit Konterbande ist nicht er laubt. Die Neutralen wachen deshalb eifersüchtig darüber, daß die Blockade dauernd und effektiv bleibt, und sobald die Zahl der Kriegsschiffe nicht genügt, um die blockierten Küsten' gebiete so gut wie gänzlich abzusperren, wird die Blockade für unverbindlich erklärt. So handelten zum Beispiel die Vereinigten Staaten 1870. die einfach die Blockierung der deutschen Küsten durch französische Schiffe als nicht zu Recht bestehend bezeichneten, und als Dänemark im Jahre 1864 einen Teil der preußischen Ostseehäfen für blockiert erklärte, zu diesem Zweck aber nur eine Flotte von vier Schiffen nach Rügen sandte, da protestierte Frankreich in ganz energischer Weise und forderte Sck?adcnersatz für jedes angehaltene Schiff, wenn Dänemark nicht sür eine wirkliche Blockade sorge*'). Und wir wollen hier auch gleich bemerken, daß die dauernde Aufrechterhaltung einer effektiven Blockade keine Kleinigkeit ist. Wird die Küste gut durch Torpedos vcr- teidigt, dann müssen sich die blockierenden Schiffe nachts auf der hohen See aufhalten, wollen sie nicht fortgesetzt den heimtückischen Angriffen der Torpedoboote, denen gerade die deutschen Küsten vorzügliche Schlupfwinkel bieten, ausgesetzt sein. Je weiter sich aber die Schiffe von den Küsten ent- fernen, desto leichter kann auch die Blockade durchbrochen werden. Und ungeheure Schwierigkeiten werden sich auch der Bekohlung der Blockadcschiffe in den Weg stellen. Gehen die Schiffe aber nach ihrem Hafen, um Kohlen einzunehmen, so wird die Blockade unterbrochen. Wir sehen also schon aus diesen Darlegungen, daß das Blockadegespenst gar nicht so schrecklich aussieht. Tatsächlich wäre denn auch eine Blockade der deutschen Küste durch französische, russische oder amerikanische Streitkräfte bei der *) Wir beginnen heute mit der Veröffentlichung einer Serie von Artikeln über die wesentlichsten Argumente, die von unseren Flottpnfexen so gorn zur Begründung immPr stär- leren Flottenrüstcnö vorgebracht werden. Da man sich in der bürgerlichen Presse bereits wieder anschickt für neue Flotten« ausgaben Stimmung zu machen, haben diese Artikel ein beson- deres Interesse. **) Generalstabswerk von 1864, Band IL jetzigen Stärke der deutschen Flotte undenkbar. Denn die Aufrechterhaltung einer effektiven Absperrung würde die Offensivkräfte der betreffenden Mächte derart schwachen, daß sie den deutschen Streitkräften, die überdies durch das Vor- handensein des Nordostjeekanals ungeheure taktische Vorteile hätten, nicht gewachsen wären. Ja selbst die heutigen Torpedoflottillen Deutschlands würden vollständig genügen, um den feindlichen Blockadeschiffen das Leben sauer zu machen. Uebrigens wollen wir auch hier betonen, daß bei einem Kriege gegen Frankreich oder Rußland bald die Schläge auf dem Landkricgsschauplatz eine Wendung zur Entscheidung bringen. Würden beispielsweise die Franzosen in einem Feldzug gegen Deutschland mehrere schwere Niederlagen er- leiden, dann sähen sie sich jedenfalls wieder wie 1870/71 ge- zwungen, ihre Marinetruppen ins Landheer zu stecken. Eine wirklich dauernde Blockade könnte also höchstens England durchführen. Doch— so behaupten wir � die englische Blockadeflotte zu vertreiben oder zu vernichten, wäre für uns gänzlich zwecklos, weil England mit seinen Flotten st ationen sämtliche Hauptverkehrsstraßen beherrscht. England besitzt den Ein- und Ausgang zum mittelländischen Meer, auf eurv' päischer Seite Gibraltar und auf asiatischer Seite Aden Den deutschen Schiffen ist deshalb der Zutritt zum Mittel ländischen Meer abgeschniten. Das hat aber zur Folge, daß der Seeverkehr Deutschlands mit allen europäischen Mittel meerhäfen, mit Rußland, Rumänien. Nordafrika, Süd- und Ostasien und selbst mit Australien unterbunden wird. Eng' land kann also auch ohne Blockade den Seehandel Deutsch' lands unterbinden. Ja. es braucht, um den deutschen Handel zu ruinieren, überhaupt keine kriegerischen Maßnahmen zu ergreifen. Denn da der Verkehr mit England und dessen Kolonien den Hauptteil des deutschen Scehandels bildet, braucht es nur die eigenen Häfen durch Prolsibitivzölle oder direkte Einfuhrverbote für die deutschen Waren zu sperren. England ist also in der Lage, ohne auch nur ein sinziges Kriegsschiff aufbieten zu müssen, die deutsche überseeische Ausfuhr um ungefähr 46 Prozent herabzusetzen. Doch, gesetzt einmal, die deutschen Küsten wären von den englischen Schiffen wie mit einem eisernen Ringe um geben. Wie würden sich die Dinge wohl gestalten? Die Fortsetzung des deutschen Seehandels im Lande ist ein Nord-Südhandel, der den großen Flüssen und Haupteisen bahnlinien folgt und sich bis nach Ungarn und die Schweiz erstreckt. Hier enden die Ausläufer der Handelsstraßen, die von den italienischen und österreichischen Mittelmeerhäfen kommend, nach Norden führen. Die Alpen bilden also ge wissermaßen die Handelsgrenze. Eine Blockade würde nun zur Folge haben, daß diese Handelsgrenze bedeutend nach Norden verschoben wird, daß also der Verkehr der Mittel meerhäfen rapid zunlimmt. Des gleichen würde natürlich auch der Verkehr nach den westlichen neutral en Ländern, durch die schon jetzt ein großer Teil des deutschen Handels geht, stark st eigen. Also die Folge einer wirksamen Blockade wäre eine Verlegung der Handelswege, was ja selbstverständlich eine E r schwerung des Verkehrs und eine geringe Erhöhung des Warenpreises um das Mehr an Frachtkosten zur Folge hätte Höchstwahrscheinlich aber würde die Blockade dadurch ab' geschwächt werden, daß England seineeigeneEin-und Ausfuhr nicht blockiert. Gerade England hat einen riesigen Warenaustausch mit Deutschland und durch den Abschluß desselben würden auch Englands Handel und Industrie kolossale Verluste erleiden. Von den Roh st offen im Werte von 2906 Millionen Mark, die Deutschland 1906 überseeisch ein- führte, stammten nämlich nicht weniger als 50 Prozent allein aus England und seinen Kolonien. Großbritannien würde also mindestens den Verkehr seiner Untertanen mit Deutschland über neutrale Häfen dulden.„So lassen sich aus der napoleonischen Zeit Beispiele dafür angeben, daß England solchen Warenverkehr auf Umwegen nicht nur zuließ, sondern anstrebte. Aber auch die Neutralen dürfte England nicht ganz unberücksichtigt lassen. Denn wenn man den Versuch machte, ein am Konsum und an der Weltproduktion stark beteiligtes Volk von 60 Millionen direkt aus dem Weltverkehr auszuschalten, so werden dadurch die Neutralen so empfindlich verletzt, daß die Mißstimmung gegen den Blockierenden zur Intervention der Neutralen führen wird."*) Eines der besten Beispiele dafür, wie ein neutrales Land durch eine Blockade geschädigt werden kann, ist die Bau m- Wollenhungersnot in Lancashire, die eine direkte Folge der über die Küsten der amerikanischen Süd- staaten verhängten Blockade war. Lancashire war im Laufe des vorvorigen Jahrhunderts zum Sitz der Baumwollindustrie in England geworden und war in hohem Maße auf die Ein- fuhr amerikanischer Baumwolle angewiesen. Als nun die Einfuhr infolge der Blockade fast ganz aufhörte, da wurde die Industrie dieses Landes aufs schwerste erschüttert. Pleite folgte auf Pleite, und die Zahl der Arbeitslosen stieg bis zu 250 000, was ungefähr 50 Prozent aller Erwerbstätigen aus- machte. Diese kolossale Arbeitslosigkeit hatte natürlich die #). Freiherr v. Maitz ahn: Der Seekrieg. Expedition: 8«l. 68, Undenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. üblichen Folgen: Zunahme der Todesfälle, der Kriminalität und der Auswanderung, Abnahme der Geburten und der Eheschließungen usw.; und man kann ruhig behaupten, daß die Bewohner dieses neutralen Landes schwerer getroffen wurden als die blockierten Südstaaten. Nun wäre die Krise von Lancashire ja nicht so schwer ge- Wesen, wenn nicht die Südstaatenregierung infolge politischer Erwägungen absichtlich die Wirkung der Blockade verstärkt hätte. Sie schränkte nämlich durch Verbote die Ausfuhr von Rohbaumwolle, die trotz eifrigster Bewachung durch die Flotte der Nordstaaten nicht unmöglich war, fast ganz ein, um auf diese Weise das schwer geschädigte England zur Intervention zu veranlassen. Jedenfalls zeigt dies Beispiel aber drassisch, daß die Blockade nicht nur den Blockierten, sondern auch dessen Käufer und Lieferanten trifft und daß die völlige Ausschaltung eines Volkes von 60 Millionen Menschen aus der Weltwirtschaft ungeheure Erbitterung bei den Neutralen erregen würde. Um uns nun einen Begriff von der Wirkung einer künftigen Blockade zu geben, kommt man häufig mit einer Schilderung der Kontinentalsperre. Wir werden sehen, in- wieweit dies gerechtfertigt ist. Der im Jahre 1803 zwischen Frankreich und England ausgebrochene Krieg wurde von England mit einer Blockade der französischen Küsten begonnen. Nachdem der Plan Napoleons, eine größere Armee auf England zu landen und es militärisch niederzuringen, an der Stärke der britischen Flotte gescheitert war. faßte er den Entschluß, England Wirt- schaftlich zu ruinieren. Er untersagte daher allen europäischen Mächten, die ihm Untertan waren, jeden Handel mit England. Die englischen Warm sollten also gänzlich aus Europa ver- drängt werden. Diese Maßnahme beantwortete England damit, daß es einfach die Häfen aller verbündeten Kontinental- mächte für blockiert erklärte und den neutralen Schiffen den Verkehr mit ihnen nur dann gestattete, wenn sie sich die Er- laubnis zum Anlaufen durch hohe Abgaben erkauften. Das war eine Tat. die nur das seemächtige England von damals durchführen konnte, deren Durchführung aber dem England von heute unmöglich wäre, selbst wenn seine Flotte dreimal stärker sein würde als sie ist, unmöglich schon deshalb, weil sie den Ruin der englischen Industrie selbst bedeuten würde. Trotzdem hat auch schon damals die Industrie En�- lands schweren Schaden gehabt. Massenhaft häuften sich die Fabrikate und Kolonialwaren in den Magazinen der eng- lischen Kaufleute, die Preise sanken bedrohlich, Bankbruch folgte auf Bankbruch, und der Unmut über die Handelssperre wuchs derart, daß England schwerlich eine längere Dauer der Sperre ausgehalten hätte. Dagegen kann von einem all- gemeinen Niedergang der Industrie auf dem europäischen Kontinent nicht gesprochen werden; denn beispielsweise hat sich die Industrie Frankreichs während der Kontinentalsperre durchaus günstig entwickelt. Auch von einer Nahrungsmittel- krise kann nicht die Rede sein, und wenn zu jener Zeit in Preußen wirklich von Teuerung geredet wurde, so stand diese nicht in kausalem Zusammenhang mit der Sperre. Es kann ruhig behauptet werden, daß England durch die Sperre die größten Nachteile gehabt hat. Der lRieienkampf in Schweden. (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, 19. August. Polizei zu Fi ß und zu Pferde wuroe gestern abend im Stadtteil zwngsholm gegen eine Volks- masse mobil gemacht. Dort liegt in der Fridhcmsgata die große Schokoladenfabrik Sture, deren zirka 199 Arbeiter und Arbeite- rinnen natürlich auch streiken. Nach den Berichten der Unter- nehmerpresse sollte hier die Arbeit wieder aufgenommen sein. Tatsächlich sind da neben Vorgesetzten 5 Streikbrecherinnen tätig. Die Streikenden hatten natürlich Lust, sich diese Personen an- zusehen. Es kam zu Volksansammlungen, die um so umfang- reicher wurden, als sich dbs Gerücht von einer Polizciattacke vcr- breitete. Zu Pferde und zu Fuß war die Polizei, wohl ein paar Dutzend Mann stark, angerückt, bereit die Menschen niederzureiten und niederzuprügeln. Die„Ordnungsretter" sind nämlich hier mit einem Knüppel bewaffnet. Solange Säbel oder gar Schieß- eisen nicht gebraucht werden, treibt man die Massen wie das Vieh vor sich her. Der Knüppel kam allerdings gestern nicht in An- Wendung. Die Polizisten sollen ßlnweisuugj erhalten habeffi, während des Massenstreiks so human wie möglich gegen Volks. ansammlungen vorzugehen. Von Humanität war allerdings nicht viel zu spüren. Nach meinen persönlichen Beobachtungen ging die Polizei ungefähr ebenso„schneidig" vor, wie wir es in Berlin erlebt haben, wenngleich es diesmal wie gesagt nicht zum Einhauen kam. Es hätte gewiß genügt, wenn man die Strcikbrecherinnen, sofern sie überhaupt Schutz nötig hatten, mit polizeilicher„Ehren- wache" nach Hause gebracht hätte. Da hätten die Massen schon von selbst Platz gemacht. Statt dessen trabte man auf Fahrdamm und Bürgersteig in die VolkSmasscn hinein und verfolgte sie wohl an 899 Meter weit. Auch die Torwege wurden nach der in Preußen bei ähnlichen Gelegenheiten üblichen Weise„gesäubert". Wer im Hause wohnte, mußte hineingehen, andere wurden weggetrieben. Die Massen leisteten keinerlei Widerstand und zerstreuten sich nach und nach ohne Lärm. Allerdings machten hier und da besonders die Frauen ihrer Entrüstung über die Mcnschentreiberei in derben Worten Lust. Das FSnze p'röb'oMorische Vorgehen der Polizei er- schien wieder einmal als ein bitterer Hohn auf die vielgcsungeneu Vaterlandsliedcr von dem„freien, herrlichen Nord", von dem „Stammsitz der Freiheit auf Erden" usw. Es ist eben das k a p i- talistische Unternehmertum, das hier herrscht, gestützt auf eine Polizei, die gelegentlich die berühmte Freiheit aufhebt und Volksmassen vor sich hertreibt, wie man das Vieh mit dem Stecken treibt. Würde die Arbeiterschaft nicht über diese unerschütterliche Ruhe und Selbstbeherrschung verfügen� die sie überall im Lande auszeichnet, so könnten leicht arge Krawalle aus der polizeilichen Ordnungsstifterei entstehen. Auch aus anderen Städten und Landesteilen kommen Mel- düngen von Polizeiangriffen. In Mölndal bei Göteborg ist die Polizei gestern mit ihren Knüppeln gegen die Menge vor- gegangen. In Jönköping ist die Polizei mit ihren Gäulen selbst in Frauen und Kindern hineingeritten und zwar auf Anordnung des Bürgermeisters. Nun hat dieser allerdings versprochen, die reitende Polizei solange wie möglich zurückzuhalten. Ein G e- such des Streikkomitees, in Jönköping eine Ver- sammlung unter freiem Himmel oder einen Demonstrations- zug veranstalten zu dürfen, ist abgelehnt. In Oskarsström hat der Länsmann einen böhmischen Textilarbeiter ausgewiesen und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil er, der seit 1306 dem Schwedischen Tcxtilarbeiterverband angehört, nicht zum Streikbrecher wefl:dlen wolltej! Mit seiner schwangeren Frau und seinem zweijährigen Kinde mußte der Mann das„gastfreundliche" Schweden verlassenk Unter- nehmer und Länsmann hatten in holder Eintracht diese gesetzlich gänzlich unbegründete Anweisung beschlossen. Daß Unternehmer- tum und Behörden zu so schmutzigen Mitteln greifen, um Strei- kende womöglich zur Arbeit zu zwingen, beweist auch, was es mit ihren Nachrichten über die„Wiederaufnahme" der Arbeit auf fich hat. In den letzten Tagen und heute noch habe ich mit verschiedenen Leuten gesprochen, die das schwedische Land nach allen Richtungen durchreist hatten, und von allen hörte ich, daß man keinen Fabrik- schornstein rauchen sieht, daß keine Maschinen klappern, daß die industrielle Tätigkeit überall daniederliegt. Wenn hier und da etwas Wahres an den Nachrichten über Wiederaufnahme der Ar- beit ist, so handelt es sich meist um ganz kleine Gruppen von Arbeitswilligen, die der gewaltigen Kraft des Massenstreiks keinen Abbruch tun können, und oft werden solche Leute plötzlich wieder von dem allgemeinen Solidaritätsgefühl er- griffen und lassen den Unternehmer von neuem im Stich, wenn er wirklich daran war, seinen Betrieb wieder zu eröffnen. In den Landstädten sucht das Unternehmertum den Arbeitern weis- zumachen, in Stockholm hätten so und so viel Hunderte oder gar Tausende die Arbeit wieder aufgenommen, während man hier in der Hauptstadt umgekehrt von der immer mehr zunehmenden Arbeitswilligkeit draußen im Lande schwindelt. Aber hier wie dort finden die Lügennachrichten bei der Arbeiterschaft keinerlei Glauben mehr. » T Der F r e i t a g hat während des schwedischen Ausstandes den ersten wirklichen Schurkenstreich gebracht. Nach Tele- grammen der bürgerlichen Presse aus Schweden hat der Vor- stand des„liberale n"— gleichzeitig„ch r i st l i ch e n"— „Arbeiterverbandes" in einem Rundschreiben seine Mitglieder aufgefordert, am Montag die Arbeit wieder auf- zunehmen. Die Begründung dieses Beschlusses, die das„B e r- liner Tageblatt" von seinen„liberalen" Genossen sich aus Stockholm melden läßt, besagt,„daß der Generalstreik jetzt eine solche Entwicklung erfahren habe, daß der Vorstand den Streik nicht mehr billigen könne." Diese„Begründung" ist ebenso blöd, wie der Beschluß fchurkenhaft. Die Entwicklung, die der Streik„jetzt" erfahren hat, ist genau dieselbe, die er seit dem ersten Tage nahm. d. h. er ist bis zur Stunde geradezu Programm- mäßigvorsichgegangen. Mit dieser Begründung ist es also nichts. Aber viel- leicht ist folgende Begründung, die wir dem Beschlüsse geben, zutreffender. Nämlich: Der„schwedische Arbeiterverband" verdankt im wesentlichen seine Gründung dem schwedischen Unternehmertum. Er ist sozusagen eine gelbe Gründung. und bereits auf einer der ersten Tagungen der zentralisierten Unternehmerorganisationen, wenn wir nicht irren, 13l12, wurde beschlossen, diese Zersplitterungsbündelei von Unter- uehmerseite zu unterstützen. Die Unterstützung und För- derung durch die Unternehmer hat dem gelben„Arbeiter- verband" allerdings nichts geholfen: er hat nie mehr als 10 000 Mitglieder nach- eigenen Angaben gezählt, er ist im Gegenteil in den letzten Jahren zurückgegangen, so daß er heute faktisch kaum mehr als 5000 Mitglieder zählt. Diese von Unternehmergnaden vegetierende und exi- stierende Organisation wird, das darf man mit ziemlicher Gewißheit voraussetzen, auch in diesen Tagen des Kampfes keine andere Aufgabe gehabt haben, als die Botengänge der Unternehmerzentrale zu besorgen. Wer da weiß, wie der Herr v. S ü d o w soeben eine Täuschung der Oeffentlichkeit mit der„Arbeitswilligkeit" der Stockholmer Straßenbahner ver- suchte, wird auch in der Teilnahme des gelben„Arbeiter- Verbandes" am Ausstande nichts anderes als eine Kriegs- l i st erblicken können. Auf Befehl des Herrn v. Südow dürften diese Sonderbündler am 4. August die Arbeit ein- gestellt haben. In diesem Moment aber, wo im Unternehmerlager die schärf st e Miß st im- mung gegen die Scharfmacher in der Unter- nehmerzentrale und der sehnlich st e Wunsch nach dem Friedensschluß sich einstellen, spielt Herr v. Südow seinen letzten Trumpf aus: Er läßt die gelben Bündler die Wiederaufnahme der Arbeit verkünden. Das, was die Schwindelnachrichten der bürgerlichen Presse während zweier Wochen nicht fertig-. brachten, die Arbeiter wankelmütig zu machen, das soll der feige Verrat der U n ter ne h m e r s ö ld n e r jetzt erreichen I Aber man täuscht sich? Die schwedische Arbeiterschaft steht in diesem Kampfe entschlossen auch ohne die gelben Gündler. Der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung", nahezu der einzige Berichterstatter der bürgerlichen Presse Deutschlands, der sich bisher bemüht hat, einigermaßen zu- berlässige Berichte zu bringen, telephonicrt seinem Blatte, daß auf keinen Fall mehr als 5000 Personen für die Befolgung dieses Beschlusses in Frage kommen, und die spielen für den Ausgang des Kampfes, erklärt der gleiche Korrespondent, keine Rolle I Diese Meldung trifft den Kern der Sache. Das„Berliner Tageblatt" dagegen, das von Anbeginn des Kampfes seine Leser über die Position der Arbeiter in einer ganz unverantwortlichen Weise beschwindelt hat, erklärt zu dem Beschluß seiner christlich-liberalen Stockholmer Lreunds folgendes�>■", „Es ist möglich, daß die sozialistische Arbeiterschaft, die stärker an Zahl, straffer organisiert, mit stärkeren Streikfonds versehen ist und ans größere Unterstützungen aus dem Auslande rechnen kann, entschlossen ist, den Kampf ohne die bisherigen Verbündeten fortzuführen. Aber der Streik ist fortan kein wirklicher Generalstreik mehr. Der Entschluß des schwedischen Arbeitcrverbandcs hat jede Möglichkeit be- s e i t i g t, daß der allgemeine Ausstand, soweit er noch fort- besteht, seinen Zweck erreicht. Man wird darum jetzt mit einem rascheren Abflauen der Bewegung als bisher zu rechnen haben." Diese Notiz könnte nicht verlogener sein, wenn sie vom schwedischen Arbeitgeberverein bezahlt bezw. veran- laßt wäre. Das„Tageblatt" hat schon in früheren Stadien des Kampfes sich um den Nachweis bemüht, daß ein„wirk- licher" Generalstreik nicht borhanden sei. Daß diese Be- mühungen jetzt wiederkehren, ist daher nicht verwunderlich. Wer aber nicht die Aufgabe hat. feine Leser durch die Brille des schwedischen Arbeitgebervereins die Dinge betrachten zu lassen, sondern es dielmehr als seine Pflicht ansieht, ihnen die W a h r h e i tjuitzuteilcn, der wird in dem Verrat der gelben Bündler noch keine entscheidende Wendung des Kampfes er- blicken können. Es trifft vielmehr zu, was der Korrespondent der„Frankfurter Ztg." erklärt, daß durch die Wiederaufnahme der Arbeit durch die 5000 Gelben an dem Stand der Dinge nicht das geringste geändert wird. Was das schwedische Unternehmertum übrigens be- absichtigt, geht aus folgender Anfrage des schwe- dischen Straßenbahnenvereins an eine Reihe ausländischer Straßenbahngesellschaften bezw. Organisationen hervor, die uns ein günstiger Wind soeben auf den Redak- tionstisch wehte. Das Schriftstück hat folgenden Wortlaut: Norrköping, den 14. August 1969. Schwedischer Straßenbahnverein. Wie Sie aus den Zeitungen entnommen haben werden, besteht bei uns in Schweden ständig ein scharfer Kampf zwischen Arbeiter und Arbeitgeber, der sich nunmehr schließlich zu einer gemeinschaftlichen Arbeitseinstellung entsponnen hat. Die den Fachvereinen angehörenden Arbeiter tun alles, was in ihrer Macht steht, um gewerbliche Betriebe in ihrem regelrechten Gang stören zu können, und haben somit Arbeiter in diesen Kamn hineingezogen, die im Grunde genommen von Anfang an kein Interesse an den Streitfragen gehabt haben, sondern nur durch Zwang und Drohungen sich daran haben beteiligen müssen. Unter anderem ist dies der Fall mit den meisten der Straßenbahnen in Schweden gewesen, die auch zumeist den Betrieb haben ein- stellen müssen, zumal der größte Teil des Personals den Fach- vereinen angehörten und trotz schriftlichen Abkommens ihre Ver- einbarung mit ihren Arbeitgebern hierdurch gebrochen haben. Um nun später dergleichen Vorkommnissen vorbeugen zu können, sind wir bedacht, die Annahme d«S Personals und die Anstellung desselben unter anderen Bedingungen geschehen zu lassen und die Zugehörigkeit zu einem Verbände vielleicht ganz zu verbieten. Wir lvären Ihnen zu besonderem Dank verpflichtet. wenn Sie uns mitteilen würden, welche Bedingungen bei Ihnen in diesem Falle gestellt werden. Für ein neu einzuführendes Abkommen mit dem Personal. welches bei allen schwedischen Straßenbahnen gleichlautend ein- geführt werden soll, sind wir bedacht, etwa mit jedem Angestellten einen persönlichen Kontrakt zu machen, wobei beim Engagement eine gewisse Kaution von diesem gestellt werden soll, welche im Falle des Eintritts oder der Beteiligung an einem Transport-, Verkehrs- oder anderem Vereine als Konven- tionalstrafe an den Arbeitgeber verfällt. Außerdem sollen noch kontraktlich Gehaltserhöhungen bezw. jährliche Prämien nach gewissen Dienstjahren festgelegt werden, zu welchen noch die üblichen Konditionen zu rechnen sind, wie freie Medizin, ärztliche Behandlung, Uniformen und andere Vorteile, wie vielleicht später noch Pension. Durch solche Vergünstigungen würde man vielleicht der Be- teiligung an den ewigen hier vorkommenden Streiks ein Ende bereiten können. Wir wären Ihnen äußerst dankbar für Ihre Mitteilung, wie diese Verhältnisse bei Ihnen geordnet sind. Vielleicht über- lassen Sie uns ein Exemplar Ihrer Dienstverträge, falls solche vorhanden sein sollten. Wir zeichnen, Ihnen im voraus dankend, zu Gegendiensten stets bereit. Hochachtungsvoll för swenska Sparvägsföreningen gez. A. H u l t q v i st, Sekretär. Der schwedische Straßenbahnenverein will also nach be- rühmtem Muster„Gelbe" züchten, die für eine Uniform und einige wertlose Versprechungen durch Unterschrift eines .persönlichen Kontrakts" ihr Koalitionsrecht verkaufen. Wir befürchten nicht, daß die schwedischen Unternehmer damit Glück haben werden: es ist aber gut, daß die Straßenbahner durch obige Veröffentlichung rechtzeitig gewarnt werden, wie wir auch gleichzeitig die Gelegenheit wahrnehmen, den deut» scheu Arbeitern besonders ans Herz zu legen, in ebenso großzügiger Weise wie bisher für die Unter» stützung der kämpfenden Brüder in Schweden z u s o r g e n I Aus diesem einen Schreiben des schwedischen Unternehmcrtunls geht zur Genüge hervor, was die Herren wollen: Zerstörung der mächtigen Organisa- tionen der schwedischen Arbeiterschaft. Das darf und soll ihnen nicht gelingen! filrlorgeröglinge auf der flucht. In Anstalten zur Erziehung von Fürsorgezöglingen werden Fluchtversuche in der Regel mit schwerer Strafe bedroht. Zöglinge, die bei einem Fluchtversuch erwischt oder nach geglückter Flucht wieder ergriffen werden, dürfen gewöhnlich auf eine nicht zu knappe Tracht Prügel rechnen. Das ist alter Brauch, auf den die meisten Anstaltsvorsteher nicht verzichten wollen, obwohl die Häufigkeit der sich immer wiederholenden Fluchtversuche lehrt, daß der Erfolg dieses Mittels sehr fragwürdig ist. Mit besonderem Eifer wurde es durch den Vorsteher des von der Stadt Berlin be- nutzten Prügel st iftes Mielczyn angewendet, den P a st o r Brcithaupt. dessen Erziehungsmethode durch den„Vorwärts" an die Oeffentlichkeit gebracht worden ist. Eine geglückte Flucht, ein Versuch zu fliehen, ja, der bloße Verdacht, daß Flucht bcabsich- tigt sei, konnten diesen mit der Peitsche erziehenden Mann GotteS in heiligen Zorn versetzen. Wir erinnern hier an daL Schicksal jenes Mielczyner Zöglings, der im Kreise seiner Leidensgefährten renommiert hatte, in etlichen Wochen hoffe er schon aus See zu schwimmen. Als dem Herrn Pastor diese Aeußerung hinterbracht wurde, muhte der Zögling eine der üblichen Prügelexckutionen über sich ergehen lassen, obwohl noch nicht mal eine vorbereitende Handlung zur Ausführung eines Fluchtversuches nachzuweisen war. Auch dem Pastor Brcithaupt hat in seinem Kampf gegen die Aus- reißer die Peitsche wenig Erfolg gebracht. So emsig dieses sein Erzichungsinstrumcnt auch arbeitete, die Fluchtversuche hörten in Mielczyn nicht auf. Ein Zögling, der sich den Segnungen der Breithauptschcn Anstalt durch Flucht entzogen hatte, erzählte später seinen Angehörigen, er habe sogleich am Tage seiner ersten EinljeserMg in Mielczyn gerade dMglb den Entichlutz zux Flucht gefaßt, weil er genötigt wurde, der Auspeitschung mehrerer Zög- linge zuzusehen. Wie oft mag im Bereich der Fürsorgeerziehung Berlins das vorkommen, daß Zöglinge entfliehen? Wir sind leider nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. Eine Statistik hierüber wird ja wohl in den Schreibstuben der Berliner Waisenverwaltung geführt werden, aber man wird sich hüten, sie der Oeffentlichkeit vorzulegen. Nur das wird allnwnatlich durch das Berliner Sta- tistische Amt bekanntgegeben, wieviele Zöglinge am Mo- natsende sich noch auf der Flucht befanden. Wieviele die Flucht ergriffen hatten und inzwischen schon wieder erwischt wor- den waren, das erfahren wir nicht. Doch auch die Zahl nur der entflohenen Zöglinge, die noch nicht ergriffen worden sind, ist noch überraschend groß. Nach den Monatsberichten des Statistischen Amts, die jetzt bis Mitte dieses Jahres vorliegen, waren Ende Juni 1969 in der Fürsorgeerziehung der Stadt 3821 Zöglinge, 2681 männliche und 1246 weibliche. Von den männlichen Zöglingen harrten einerseits 31 noch der Unterbringung, waren andererseits 89 widerruflich ihrer Familie überlassen und 213 widerruflich entlassen, im übrigen aber befanden sich 4 im Waisenhaus de: Stadt. 142 im Berliner Erziehungshaus Lichtenberg, 43 auf dem Rieselgut Birkholz, 612 in Privatanstalten, 98 in fremden Fa- mitten, 565 in Lehre, 442 in Dienst- oder Arbeitsstelle, 49 in? Gefängnis, 38 im Krankenhaus. Der Rest war entlaufen, 256 Zög- linge! 256 von überhaupt 2581, das bedeutet, daß fast jeder 16. männliche Zögling sich auf der Flucht be- fand. Scheidet man die aus, die im Gefängnis steckten oder im Krankenhaus lagen, auch diejenigen, die noch nicht unter- gebracht waren oder andererseits bereits auf Widerruf entlassen oder ihrer Familie überlassen worden waren, so ergeben sich 256 Flüchtlinge von nur 2156 Zöglingen. Das heißt: jeder 8. bis 9. war auf der Flucht. Von den weiblichen Zöglingen waren 13 noch nicht untergebracht, 32 widerruflich der Familie überlassen, 163 widerruflich entlassen, und es befanden sich 1 im Waisenhaus der Stadt, 34 im Berliner Erziehungshaus Kleinbeeren, 509 in Privatanstalten, 65 in fremden Familien, 3 in Lehre, 327 in Dienst- oder Arbeitsstelle, 5 im Gefängnis, 53 im Krankenhaus. Aus der Flucht waren hier 95. jedes 13. Mädchen. Wer- den die noch nicht untergebrachten, die widerruflich entlassenen usw.(wie oben) ausgeschieden, so bleiben 1634, von denen 95— jedes 11. Mädchen— sich auf der Flucht befanden. Diese Ziffern sind wahrlich hoch genug, und sie steigen noch immer mehr. In den letzten drei Jahren, von Ende Juni 1966 bis Ende Juni 1969, erhöhte sich(in abgerundeten Angaben) die Gesamtzahl der männ- lichen Zöglinge um ein Drittel, die Zahl der auf der Flucht be- findlichen aber um zwei Drittel, die Gesamtzahl der weiblichen Zöglinge um ein Viertel, die Zahl der auf der Flucht befindlichen aber um ein Drittel. Es wäre gewiß sehr lehrreich, zu erfahren. wie stark die einzelnen Gruppen, die in Familien, in Anstalten, in Lehre, in Dienst usw. untergebrachten Zöglinge, beteiligt sind. Und welche der nur zu vielen Privatanstalten mögen da die meisten Ausreißer haben? Ein Anstaltsvorsteher, der seine Schutzbefohlenen durch d r a. konische Strenge zur Flucht treibt, sollte schon deshalb schleunigst seines Postens enthoben werden. Die Flucht wird den Fürsorgezöglingen leider oft zum Anlaß, neue Straf- taten zu begehen, weil sie selbstverständlich ihren Hunger stillen wollen, sich bessere Kleidung beschaffen wollen usw. Aufnahme darf ihnen nirgends gewährt werden, selbst den Eltern ist es bei Strafe verboten, den Sohn vor den Häschern zu bergen, die nach ihm suchen. Arbeit zu finden ist ihm schwer möglich, da er keine Papiere hat. Schon manchem Fürsorge- zögling, den die Eltern abweisen zu sollen glaubten, hat dann nur zu bald die Tür des Gefängnisses sich geöffnet. Aber auch durch bloße Fluchtversuche, die mißlingen, wird die Lage des Zöglings meist nur noch verschlimmert. Sie führen in der Regel dazu, daß der Zeitpunkt der Entlassung immer weiter hinaus- geschoben wird, weil der Zögling ja durch seinen Versuch, sich selber frei zu machen, bewiesen habe, daß er noch nicht gebessert sei. Ge- rade der P a st o r B r e i t h a u p t ist groß auch darin, aus Fluchtversuchen seiner Zöglinge die Notwendigkeit einer Verlängerung ihrer Leidenszeit herzuleiten. Einer Mutter schrieb er über ihren Sohn in der formlosen Manier, die ihm eigen ist:„T.(Name des Sohnes) hat einen Fluchtversuch gemacht. Deshalb ist an eine Frei- lassung vor dem 21. Lebensjahre nicht zu denken� Brz�thaupt." Kein Wort mehr und keins weniger! Der Zögling, der w e g c n e i n e s Fluchtversuches dem Herrn Pastor wert erscheint, bis zum 21. Jahr unter seiner Fuchtel zu bleiben, ist jetzt— 17 Jahre alt. Man sieht: dieser Pastor, den der Berliner Kam- munalfreisinn durch schamlos verlogene Beschönigungen zu retten versucht, ist nach mehr als einer Richtung hin ein eigenartiger Erzieher politifcbe Cleberfiebt. Berlin, den 20. August 1309, Vom Staatsangehörigkeitsgesetz. Einem Wunsche deS Reichstages entsprechend, wird im Reichs- amt deS Innern eine Vorlage ausgearbeitet, die die Staats- Zugehörigkeit regelt. Ein Reichsbürgerrecht gibt es in Deutschland nicht; es besteht nur eine Staatsangehörigkeit in den einzelnen Bundesstaaten, und auch die ist überall verschieden geregelt. In den meisten Bundesstaaten hat man die Möglichkeit, aus dem Untertanenverband auszuscheiden, wenn man nicht mehr im Staatsgebiete wohnt; in Bayern dagegen kann man aus dem Untertancnverband überhaupt nicht austreten. Das hat insofern Nachteile, als ein bayerischer Staatsangehöriger sich im Ausland die Staatsangehörigkeit nicht erwerben kann, sobald dort ein Zeugnis über den Austritt aus dem bayerischen Untertancnvcr- band gefordert wird. Eine ganz besondere Härte liegt ferner darin, daß ein Deut- scher, der 16 Jahre im Auslände wohnt und versäumt hat, sich in die Matrikel des Konsulats eintragen zu lassen, in den meisten Bundesstaaten seine Staatsangehörigkeit verliert und bei seiner Rückkehr als Ausländer behandelt wird. DaS neue Gesetz soll nun nicht bloß eine Einheitlichkeit schaffen, sondern auch vor dem Verlust der Staatsangehörigkeit bewahren. Eine sehr bedenkliche Neuerung soll jedoch in das Gesetz eingefügt werden: nämlich, daß der Verlust der Staats. angehörigleit sofort eintritt, sobald der Angehörige eines deutschen Bundesstaates in fremde Kriegsdienste tritt. Man will auf diese Weise vermeiden, daß z. B. in der französischen Fremdenlegion sich Soldaten deutscher Nationalität befinden. Auch eine Folge der«euen Steuern. Die Einführung der neuen Steucrgesetze haben für Preußen allein 366 neue etatsmäßige Bcamlenstellen notwendig gemacht. Die Besetzung einer so großen Zahl neuer Stellen verursacht natürlich erhebliche Kosten. Dazu kommt die Herstellung der neuen Steuer- zeichen. Wie man hört, sollen allein für die neue Stcuerzigarcttcn» banderole nicht weniger als 266 000 M. ausgegeben worden sei». Die neuen Beamten bilden natürlich eine dauernde Last für die Steuerzahler der Einzelstaaten, so daß neben der Belastung durch die indwekten Steuern auch diese neuerliche Mehrausgabe von den Steuerzah lern getrogen werden muß. Abgefertigt. Eine hubscho Abfertigung holt sich Herr Matthias Erzberger von der„Südd. Tabakszeitung". In seiner mit Beistand der- schiedener anderer ZcntrumSgrößen verfaßten Broschüre„Jen- trum und Rcichsfinanzreform" gelangt Herr Erz- bergcr zu folgender Glorifizierung der Zenrumsleistung bei der Beratung der Tabacksteuererhöhung: Was das Zentrum erreichte. Das Zentrum hat 1383 und 1906 die Erhöhung der Tabak- steuer abgelehnt; d las mal stimmte es zu, da eine Mehrheit für eine Tabaksteuervorlr-ge auch ohne das Zentrum da war und ohne dessen Mitwirkung die Belastung höher geworden wäre; so aber hat das Zentrum erreicht: a) die Ablehnung der Banderolensteuer; b) die Ablehnung des nationalliberalen Vorschlags auf 89 Millionen Mark und des freisinnigen Antrags auf 60 Milli- onen Mark Mehrbelastung des Tabaks, es ist nur eine Mehr- belastung von 40 Millionan Mark für den Tabak und 5 Millionen Mark für die Zigaretten eingetreten; c) eine sozial gerechte Steuer, die die wohlhabenden Kreise mehr trifft; ct) eine Entschädigung den beschäftigungslos werdenden Arbeiter: e) eine geringere Belastung des Jnlandstabaks, den die Nationalliberalen mit 80 W. besteuern wollten, während er jetzt nur mit 57 M. belastet wird; f) für inländischen Zigarettentabak eine Steuer von nur 45 M." Auf diese Lobpreisung der Zentrumstaten antwortet die „Südd. Tabakszeitung": „a) die Bandcrolensteuer wurde bereits in der ersten Le° sung von allen Parteien mit Ausnahme der Konservativen und der Reichsparteiler abgelehnt; b) uns sind keine Tatsachen bekannt, welche die Behauptung betreffs des nationalliberalen Vorschlages beziehungsweise frei- sinnigen Antrages beweisen. Dagegen wissen wir, daß diese beiden Fraktionen bereit waren, nur das von den Vertretern des Tabakgewerbes befürwortete Steuersystem(Ausbau des bis- herigen Gewichtssteuersystems) anzunehmen; e) ist das eine sozial gerechte Steuer, welche die kleine Und mittlere Falsrikation zugunsten her großkapitalistischen Kon- kurrenz aufs schwerste benachteiligt? 6) wurde von fast allen Parteien befürwortet; e) hier fehlen die entsprechenden Verhältniszahlen. Ob der deutsche Tabakbau bei dem neuen System besser fährt, mutz die Erfahrung lehren; f) inländischer Tabak zu Zigaretten wird nUr in minimalen Mengen(in Elsatz-Lohringen und Luxemburg) verwendet. Wir möchten aber noch die Aufzählung der verdienstvollen Taten erweitern: g) Man hat gegen den dringenden Wunsch der erdrücken- den Mehrheit der Tabakgewerbetrcibenden einem Steuersystem zur Annahme vcrholfen, dessen soziale Nachteile für die Mehr- zahl der beteiligten Produzenten noch nicht abzusehen sind." Arbeiterentlassungen in der Tabakindnstrie. Vom Gau Schlesien des Tabakarbeiterverbandes wird berichtet, daß in Breslau die Firma Max Lambke ihre sämtlichen Arbeiter acht Tage aussetzen läßt. Ferner fanden in Miloslaw(Posen) Arbeiterentlassuugen statt und in Grünau bei Hirschberg. Zugleich bestätigt sich auch bereits die Befürchtung, datz die Zigarrensteuer und Erhöhung der Zigaretten-Banderolesteuer ihre Wirkung auf andere Industriezweige ausüben wird. So zunächst auf das Stein- druckgewerbe und die Kartonnagenindustrie. Die vielfach recht feinen Zigarettenkartons und die oft geradezu künstlerischen lithographischen Prägungen für Zigarrcnftstenausstattungen müssen jetzt unterbleiben, damit die Qualität der Tabakfabrikate nicht zu sehr leidet. Dadurch werden auch in den genannten Gewerben Arbeiterentlassungen verursacht. So gibt die Zigarettenfirma Janowicz u. Weklinski in Posen bekannt, datz sie, um die Qualität und Größe der von ihr hergestellten Zigaretten in der bisherigen Weise belassen zu können, an den Packungen sparen müsse. Siesehe sich deshalb gezwungen, dreihundert Kartonnage- arbeitern und«Arbeiterinnen zu kündigen. Die Kündigungen sind am Sonnabend, den 14. Aligust er., bereits erfolgt. Wie ein Kadaver sollt ihr sein! Die Militärgerichtsurteile werden immer seltsamer. Um jede Regung des Widerspruchs und Selbstgefühls im„gemeinen" Sol- baten zu ersticken und ihm blinden Kadavergehorsam einzupauken, greifen die Militärgerichte, sobald ein Soldat nicht blindlings den unsinnigsten Befehlen eines Vorgesetzten folgt, zu barbarischen Strafen; während andererseits ehrlose Mißhandlungen des„Ge- meinen" durch seine Vorgesetzten als lächerliche Kleinigkeiten be- handelt werden. Dafür ein weiteres Beispiel: ' Eines Nachmittags hatten die Mannschaften dttr 3. Kompagnie des Franzer-Regiments auf dem Kasernenhof Bajonettfechten. Da die Leute vorher auf dem Tempelhofcr Felde geübt, vermochte der sehr ermüdete Grenadier Hoff den Stößen seines Gegners nicht standzuhalten. Es trat ihm dann der Sergeant Reinhardt mit dem Bajonett gegenüber. Der Vorgesetzte verabfolgte dem Grenadier mehrere so kräftige Stöße vor den Brustpanzcr, daß dem Ange» klagten der Atem ausging. Er wich immer mehr zurück und führte den Befehl des Sergeanten, wieder in Gefechtsstellung zu gehen, nicht aus. Der Sergeant meldete dies dem überwachenden Leut- nant und focht dahin nochmals mit dem Angeklagten.. Aber auch jetzt parierte H. die Stöße seines Gegners nicht. Die Folge war, daß er wegen Beharrens im Ungehorsam vor das Kriegsgericht gestellt und zu zwei Monate» Gefängnis ver- urteilt wurde. H. hatte seinerzeit beteuert, daß er nicht absichtlich den Gehör- sam verweigert habe; er sei vielmehr so erschöpft ge» Wesen, datz er den Befehl dcS Vorgesetzten nicht habe ausführen können. Er legte daher gegen das Urteil Berufung bei dem Ober- kricgsgcrichi des Gardekorps ein und zitierte mehrere Grenadiere als Entlastungszeugen vor das Gericht. Fünf der Kameraden bc- kündeten auch, datz sie den Angeklagten bei seinem erschöpften Zu- stand nicht für fähig gehalten hätten, die Befehle des Sergeanten auszuführen. Das Oberkricgsgcricht war jedoch der Ansicht» daß der Angeklagte keineswegs so erschöpft gewesen sei, um den Be- fehlen des Vorgesetzten nicht nachzukommen. Es verwarf infolge- dessen die Berufung des Angeklagten. lfc'eta. Tie gestern unter„Letzte Depeschen" wiedergegebene Kollektiv note der Schutz mächte an die Pforte überrascht durch ihren schroffen Ton, der durch das, was über die Haltung der türkischen Negierung in den letzten Tagen ge- meldet wurde, nicht geboten erscheint. Wie diese Note in Konstantinopel gewirkt hat, ist nicht bekannt; die Befürchtung ist nicht ausgeschlossen, daß sie den türkischen Nationalstolz verwundet und die Kriegsleidenschaft neu belebt. Zumal inzwischen ein neuer Zwischenfall auf Kreta eingetreten. In K'andia hatte ein bewaffneter Volkshaufe die von den Behörden entfernte griechische Fahne mit Gewalt wieder aufgerichtet. Eine Milizabtctlung hatte dem Vorgang ruhig zugesehen. Inzwischen hat freilich die Bevölkerung den Lorstellungen des Gouverneurs und des Metropoliten nachgegeben, die Flagge wieder ein- gezogen und sie den Gemeindebehörden aus-' geliefert. Außerdem hat die kretische Regierung den Konsuln der Schutzmächte mündlich die Versicherung ge- geben, daß es ihre Absicht sei, die Entscheidung der Mächte zu beachten. Die Konsuln haben dann von der Regierung die schriftliche Verpflichtung verlangt, dafür zu sorgen, daß die griechische Fahne nicht mehr auf der Festung gehißt wird. Die Regierung versprach, dem Verlangen ndchzukommen. Somit darf dieser Zivischenfall als erledigt angesehen werden, immerhin wird er die Stimmung der Türken nicht ver- bessern. In der kretischen Kammer fand eine Interpellation über die Besetzung der Festung durch die intcr- nationalen Truppen statt. Von der Regierung wurde gc- antwortet, daß entsprechend den Erklärungen der Konsuln die Besetzung nur von kurzer Dauer sein würde, wenn die Einwohner sich ruhig verhalten. Die griechische Antwort ist am Donnerstag der Pforte überreicht worden. Es wird darin lebhaftes Bedauern darüber ausgedrückt, daß die Türkei selbst nach der ersten Ant- wort auf ihren Beschwerden über die Haltung Griechenlands in Rumelien und ans Kreta beharre) Sicherlich habe die Anarchie, welche seit so langer Zeit Rumelien verwüstete, Anlaß zu mancherlei Mißverständnissen gegeben. Griechenland be- klage mehr als irgend jemand anders die Bewegung, welche die verschiedenen Völker dezimiere und ruiniere. Daher habe Griechenland, seitdem der neue Stand der Dinge die Wiederherstellung der Ordnung hoffen ließ, sich bemüht, die Aufgabe der Türkei zu erleichtern. Die von Griechen- land ergriffenen Maßnahmen seien ein Beweis für seinen festen Entschluß, von dieser Verhaltungslinie nicht ab- zuweichen. Was Kreta betreffe, werde die Pforte zugeben, daß sie in ihren vorhergehenden Erklärungen weit davon entfernt gewesen sei, die frühere Haltung Griechenlands als nicht vorwurfsfrei zu betrachten, und daß sie wiederholt selbst die vollständige Korrektheit Griechenlands betont habe. Nichtsdestoweniger ergreife Griechenland die Gelegenheit, um neuerdings zu erklären, daß es sich in allen Punkten den Be- schlüssen der Kretaschutzmächte anpassen werde, indem es davon abstehe, eine eventuelle Bewegung auf der Insel zu ermutigen. Griechenland hoffe, daß die Pforte seine Loyalität anerkennen und zugeben werde, daß kein Anlaß zu fort- währenden Mißverständnissen vorliege, die für die Interessen beider Länder so verderblich seien. Der Eindruck dieser Note bei der türkischen Re- gierung soll nicht ungünstig sein. Die kretische Frage scheidet damit aus dem Konflikt aus. Im übrigen befriedigt aber die Note, nicht ganz. Die Entschlüsse der Regierung werden von der Haltung des jungtürkischen Komitees zu Saloniki abhängen. Dieses hat in den letzten Tagen seine Agitation für den Krieg gemäßigt. Der Boykott gegen griechische Waren und Schiffe dauert jedoch unverändert fort. Oeftermeb. Der Nationalitätenstreit. Prag, 20. August. Gestern kam es in G a v l o n z wegen eines in Aussicht genommenen tschechischen Trntzfestes zu großen anti- tschechischen Demo» st ratio neu und dabei zu Zu- s a m m e n st ö tz e n, bei denen drei Deutsche ernstlich ver- letzt wurden. Die Statthalterei hat zugesagt, daß sie das Tschechenfest verbieten werd o.— Snglancl. Die Entrechtung der siidafrikauischcn Farbigen perfekt. Das llnterhauS hat am Donnerstag in dritter Lesung das Gesetz über die südafrikanische.Union einstimmig ange- nommen. Der von der Arbeiterpartei gestellte Unterantrag, der für die gebildeten Farbigen die politischen Rechte verlangte, wurde mit 100 Stimmen Mehrheit abgelehnt, obwohl die Redner aller Par- teicn bedauerten, datz die UuionSalte die Farbigen vom süd- aftilanischeii Parlament ausschlösse.— Ciirhei. Griechische Obstruktion in Sicht. Konstantinopel, 19. August. Die Kammer beriet heute in einer überaus stürmischen Sitzung die Gesetzesvorlage über die st ri t- tigen mazedonischen Kirchen und Schulen. Die vom Kultusminister vorgeschlagene Abänderung wird im Sinne der An- erkennung des bisherigen Besitzausweises unter un beschreib- lichem Lärm der Griechen angenommen. Die Griechen beabsichtigen, durch Obstruktion die Durchbcrgtung der Ge- setzesvorlage zu verhindern. Euq der Partei. „Ausgehungert.■ Unter dieser sensationellen Ueberschrift bringt die„Berliner Volkszeitung" einen total wahnsinnigen Artikel über die angebliche Aushungerung deS Genossen Bernstein, die„die Zionslvächter dcS orthodoxen Marxismus" über ihn verhängt haben sollen. Bern- stein, der in diesem Produkt eines offenbar Unzurechnungsfähigen über den SchcllcndauS gelobt wird, gehöre zu den„boykottiertesten geistigen Arbeiten:" der Partei, seit Jahren erhalte er„Stockprllgel auf den Magen" appliziert, seine Bücher würden von der Partei- presse so gut wie totgeschwiegen usw. usw. Zum Schluß wird gar hoch und heilig beteuert, daß Eduard Bernstein bevt Artikel voll- ständig fernstehe, um ihm„nicht vollends der Rache seiner fanatischen Verfolger auszuliefern und um sie nicht zu dem Acutzersten gegen das Opfer ihres Hasses zu reizen."... Die„Perlmer Volks-Zeitung" hat für diesen vollendeten Blödsinn, der niemanden unangenehmer als dem Genossen Bernstein sein kann, eine gewisse Entschuldigung. Den Anstoß zu dieser Eni- ladung von tollen Unwahrheiten hat nämlich das Brandenburger Parteiblatt, die„Brandenburger Zeitung" gegeben, indem sie in ihrer Besprechung dcS neuesten Falles Bernstein schrieb: Wir sind unS mit dem„Vorwärts" darin vollkommrn einig, den Fall zu bcdauenr. Wie liegt aber die Sache? Der Genosse Bernstein fühlt sich, wie wir wissen, schon lange, zumal seitdem er das von ihm in Berlin gegründete„Neue Montagsblatt" mangels parteigenössischer Unterstützung eingehen lassen mutzte, journalistisch ans den Aussterbeetat gesetzt. Alles Remonstrieren dagegen hat ihm bisher nichts geholfen. Wenn er sich nun. um nicht nur vor russischen und englischen Kreisen der Jnter- Nationalität zu dienen, auch außerhalb der«Sozialistischen Monats- hefte" an die deutschen Genossen wenden will, so ist ihm das natürlich nicht zu verargen. Freilich sind wir keine Freunde der politischen Mitarbeit an bürgerlichen Blättern und fänden an sich völlig einwandöfreie und agitatorisch wertvolle Artikel Bernsteins, wie den über den Kieler Skandal, lieber anderSlvo als selbst im demokratisch gerichieten„Berliner Tageblatt". Der Unterschied mit dem„Fall Caliver" im Scherlschen„Tag" ist dabei nicht zu verkennen. Wenn Genosse Bernstein sich aber herabläßt, seine Arbeiten sogar in einem illustrierten Blättchen vom niedersten Range deS„Nimm nnch mit" zu veröffentlichen, so sehen»vir darin vor allem den Beweis, wie traurig es um die materielle Existenz deS Genossen Bernstein bestellt sein mutz. Eine derartige Wütarbeiterschaft entspricht sicherlich weder dem Ehrgeiz noch dem Geschmack deS Genossen Bernstein. Wir wissen nicht, wie cS um die materielle Lage des Genossen Bernstein bestellt ist. Aber das wissen wir, datz Genosse Bernstein von den radikalen Berliner Genossen den Auftrag erhalten hat, die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung zu schreiben, deren dritten Band er noch unter, der Feder hat— eine Arbeit, die sicher- lich anständig bezahlt wird. Wir wissen, datz die Vorwärtsbuch« Handlung ziemlich oft Schriften dcS Genossen Bernstein herausbringt, datz er häufig Vorträge hält und Mitarbeiter ausländischer Blätter ist. Außerdem steht ihm die ganze deutsche Partcipresse offen — wenn er es mit seiner Ehre nicht vereinbar halten sollte, sür radikale Organe zu arbeiten, so gibt es doch wahrlich genug revisionistisch gerichtete in Deutsch mild. Daß die radikale Partei- presse nicht so engherzig ist, brauchbare Arbeiten aus revisionistischer Feder abzulehnen— zur Propaganda revisionistischer Liebhabereien wird sie sich natürlich nicht hergeben—, weiß jeder, der die Ver- Hältnisse kennt. Wir möchten jedenfalls hier hervorheben, datz der Veröffentlichung des Bernsteinschen Artikels, den das„Berliner Tageblatt" brachte, im«Vorwärts" nichts im Wege gestanden hätte. Wenn Genosse Bernstein das freilich wegen der Differenzen, die er mit dem„Vorwärts" gehabt hat, als mit seiner Ehre nicht verträglich findet und lieber an ein bürgerliches Blatt geht, so können wir ihm nicht helfen. Jedenfalls sind unter den Mitarbeitern des„Vorwärts" manche, die mit seiner Haliung in Parteifragen durchaus nicht einverstanden sind und bei verschiedenen Auseinandersetzungen ihm schon Püffe verabreicht und von ihm solche empfangen haben.(Es wäre unser und ihrer unwürdig, wenn deshalb die Beziehungen zwischen beide» Teilen abgebrochen würden. Mit diesen nüchternen Feststellungen lassen wir die Halluzinationen der„Berliner Volkszeitung" erledigt sein. Wir sind überzeugt, datz Genosse Bernstein beim Lesen jenes Produkts eine Empfindung gehabt hat, die sich am besten in den AuSruf:„Gott behüte mich vor meinen Freunden I" kleiden ließe, und daß er diesen Bärendienst ganz entschieden ablehnt. Die„Berliner Volkszeitung" möge sich gesagt sein lassen, daß Genosse Bernstein in der Lage ist, Differenzen mit seinen Genossen selber auSzufcchten, und daß sie besser täte, sich um ihre eigenen Parteivcrhällnisse zu kümmern, beispielsweise die Ausführungen der Herren von der Demokratischen'Bereinigung gegen Bernstein mehr zu beherzigen, anstatt unglaubliche Torheiten über die Sozialdemokratie in die Welt zu setzen. Dcssauer Praktiken. Die„Leipziger Volkszeitung" nimmt von dem Bannfluch, den das„Vollsblatt für Anhalt" gegen sie erlassen, in entsprechender Weise Notiz und teilt zum Schluß init: Um nun den Sturz der Leizigcr Redaktion, die siöh immer „noch. hält", etwas zu beschleunigen, hat mau heute früh an das Leipziger Partcisckrctariat Exemplare dieser Erklärung gesandt mit der Bitte, sie unter den Leipziger BcrtrancnSIeutcu zu verteilen. Man beabsichtigt also, der Leipziger Redaktion in Leipzig von hinten herum ein Fenerchen anzuzünden. Ein Urteil über dieses Vorgehen überlassen wir getrost den Genossen; der Redaktion des„Volksblattcö" aber können wir jetzt schon sagen, daß sie ihre Absicht mit derartigen Mitteln sicherlich n i ch t erreichen wird. Die Redaktion der'„Leipziger Volkszeitung" weiß natürlich nicht, wie lange sie sich„noch hält", daß nmn aber in Leipzig nicht am Peus stirbt, darauf kann man sich in Dessau verlassen. Soziales. Weibliches Personal vogelfrei? Datz der Prinzipal verpflichtet ist, seine weiblichen Angestell. ten vor Angriffen auf ihre Ehre ganz besonders zu schützen, das haben die verschiedensten KaufmannSgcrichte wiederholt aus- gesprochen. Um so merkwürdiger mutz ein gestern ergangenes Urteil der 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgcrichts berühren, welches dem Chef diesen Schutz versagt. Der Fall lag folgender« maßen: Die Klägerin F. war als Aussichtsdame im Warenhaus von Jacques Cohn in Stellung. Sie hrelt es für angebracht, mit ihrer Tätigkeit als Aufseherin auch die Rolle der Tugendwächterin zu verquicken. So äußerte sie zum Geschäftspersonal, datz sie sich ihr Urteil über die sittlichen Qualitäten eines jungen Mädchens aus der Hautfarbe bilde. Zum Zeichen, datz sie selbst sittenrcin sei, entblößte sie vor den Verkäuferinnen tyren Bnse» und wies auf ihre reine Haut hin. Sodann beschuldigte sie das gesamte weibliche Personal, etwa 50 Damen, eines nicht einwandfreien Lebenswandels und nahm nur zwei junge Mädchen davon aus, die sie als unbescholten bezeichnete. Gerade diese beiden selbst nicht beschuldigten Verkäuferinnen bekundeten bei ausgeschlossener Oeffentlichkeit, daß die Klägerin für die Beschuldigung sich einer ordinären, hier reicht wiederzugebenden Redewendung bediente. Auf Antrag der Beklagten wurde auch die Hauptbclastungszeugin vereidigt. Das weibliche Personal fühlte sich durch den Angriff aus seine Ehre schwer gekränkt, und die Firma verfügte auch die sofortige Entlassung der Sittenrichterin. Das Kaufmannsgericht verurteilte die beklagte Firma, der Klägerin das Rcstgehalt in Höhe von 270 Mi. zu zahlen. Die vor» gekommenen Dinge seien zlvar nicht zulässig, aber nach Auffassung des Gerichts seien sie doch nicht so erheblich, als datz sie die so- fortige Entlassung rechtfertigten. In derartigen größeren Ge- schästsbctriebcn könne cS schon mal zu solchen Auseinandersetzungen kommen. Nach einem dieser Tage veröffentlichten Urteil sind Ange- stellte sogar nach der Entlassung verpflichtet, im Verkehr mit dem. früheren Chef die üblichen HösUchkeitsformen peinlich zu beachten, aber nach diesem Urteil müssen sich die weiblichen Angestellten von ihrer Chefin in der gröblichsten Weise beschimpfen lassen; der Firmeninhaber kann sie nicht dagegen schützen. Wann ist ein Arbeitgeber als haftpflichtiger Unternehmer anzu- sehen? Um diese Streitfrage drehte sich eine Klage des Armenber- bandcs Berlin gegen die Pankower Ortskrankenkasse. Die Unter-.. läge für das Streitverfahren bildete ein Unfall, den der Maurer Gürler bei einem Neubau in Lankwitz erlitt. G. stand bei dem Maurermeister Bethge aus Pankow in Arbeit, der sein Personal in der Pankower Ortskrankenkasse anmeldete, die billigere Beiträge■ fordert als die Berliner Ortskrankcnkasse. Dem G. wurden nun 52 M. Unterstützungsgelder ausbezahlt, die die Pankolver Kasse von der Ortskrankcnkasse des MaurergewerbeS in Berlin zurückforderte. Ihren Anspruch rechtfertigte die MaurcrgewerbSkasse damit, datz G. den Unfall eigentlich im Dienste des Zimmermeisters Müller aus Berlin erlitten habe, der durch Bethge den Bau ausführen ließ." Es handelte sich also um die Prüfung der Haftpflichtfrage. Der Bezirksausschutz stellte fest, datz Bethge nur Beauftragter des M.. war, der das Baumaterial und die Löhne lieferte, der aber auch elbst im Dienste Müllers arbeitete. Bethge hat allerdings die. Annahme des Arbeitspersonals und die Eintragungen in die Kassen und Versicherungen zu besorgen. Alle diese Funktionen er- achtete der Bezirksausschuß für den Begriff Arbeitgeber als nicht matzgebend und er betrachtete den B. nach dem GesctzcSwortlaut nicht als haftpflichtigen Unternehmer, sondern nur als Bauleiter. Mit dieser Feststellung fiel auch der Klageanspruch. Der Berliner-- Armenverband wurde für kostenpflichtig erklärt und mit seinem Klageantrag abgewiesen. Die erste Instanz hatte die Pankowcr Ortskrankenkasse zur Zahlung verurteilt. Das obsiegende Urteil ist von prinzipieller Bedeutung und stützt sich auf die Judikatur des Oberverwaltungsgerichts über den Begriff Unternehmer. Gewerkrcbaftlichee. Deutsches Militär für ausländisches Kapital. Zu den brutalen Arbeitermorden in Rheinfelden ist die Fest- stellung interessant, daß das erwähnte Aluminiumwerk ein Zweigunternehmen der Alumiumfabrik Aktiengesellschaft in Rem Hausen bei Schaffhausen ist, das mit einem Aktienkapital von 2(5 Millionen Frank„arbeitet" und ihren Aktionären Dividenden von 10, 20 bis 26 Proz.(1906) abwarf. Das in Rheinfelden auf- gebotene deutsche Militär hat somit schweizerisches Kapital und ausländische Ausbeuterpraktiken beschützt und sich somit sehr inter- national gegen die eigenen Volksgenossen und Landeskinder be tätigt. Das deutsche Volk muß eine Milliarde jährlich für das stehende Heer ausgeben, um es für Streikbrecher und ausländisches Kapital verwenden zu lasscnl Berlin und Olmgegend. Die Spenden für die schwedischen Arbeiter werden heute(Sonnabend) und Montag, nachmittags von 4—8 Uhr, im Saal 3 des Gewerkschaftshauses entgegengenommen. Ein dummer Angriff gegen den„Vorwärts". Das Organ des Allgemeinen Deutschen Metallarbeiter Verbandes, der in den letzten Zügen liegt, enthält in seiner letzten Nummer einen jener Angriffe auf den„Vorwärts", bei denen Bosheit und Dummheit um die Palme ringen. Es wird da zunächst die erfundene Unterstellung gemacht, die gelegentlich des Rohrlegerstreiks im vorigen Jahre gegen den Wiesenthaler Verband erhobene Beschuldigung der Streik brecherei sei vom„Vorwärts" ausgegeangen. Weiter wird behauptet, der Vertrauensmann Nöske vom Metallarbeiter� verband habe sich in einer Branchenversammlung zu folgendem Geständnis hinreißen lassen: „Er bedauere diese Mitteilung im„Vorwärts". ES sei weder dem Streikkomitee noch der Verwaltung de? Verbandes bekannt, daß von feiten des Allgemeinen Deutschen Metall- arbeiterverbandes Streikbrecher im Klempnerstreik vermittelt wurden. Auch seien beide Instanzen an dieser Veröffentlichung des„Vorwärts" unschuldig, da niemand dazu eine Veranlassung zu dieser oder einer ähnlichen Notiz gegeben hätte." Da die Intelligenzen von der Wiesenthalerei sicher nicht so dumm sind, als sie sich stellen, und wissen, daß die Mitteilung über die Streikbrecherei in Versammlungen von Vertrauens- leuten des Verbandes gemacht worden sind, und die Beschul- digungen auch heute noch erhoben werden(Siehe die nach- folgende Erklärung), charakterisiert sich der Angriff gegen den „Vorwärts" als ein bewußter Schwindel. Weiter wird uns mitgeteilt, das Nöske untergeschobene Geständnis sei auch— Kombination der Wiesenthaler. Die nächste Versammlung der Schlosser soll sich mit der Angelegenheit beschäftigen. Die Angriffe gegen den„Vorwärts" sind lediglich konstruiert worden— um die Aufmerksamkeit von den neuesten Taten der Wiesenthaler abzulenken. ** „In der Nummer 191 des„Vorwärts" ist unter„Gewerk- schaftliches, Berlin und Umgegend" mitgeteilt, daß der Vor- sitzende des„Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverbandes" behauptet, die Beschuldigung, Mitglieder dieses Verbandes wären als Streikbrecher tätig, sei unrichtig und entbehre„der tatsächlichen Grundlage". Dazu ist folgendes zu bemerken: In der Schlosserversammlung am 14. dieses Monats wurde von unserem Vertrauensmann einer bestreikten Firma die Mitteilung gemacht, daß Mitglieder des Wiesenthaler Ver- bandes, trotz Abraten der Streikposten, bei der betreffenden Firma in Arbeit getreten sind. Außerdem können wir auch nachweisen, daß auf die tclephonische Anfrage einer bestreikten Firma beim Bureau des„Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverbandes", ob man nicht Schlosser für die Arbeitsplätze der Streikenden ver- Mitteln wolle, geantwortet wurde, daß gegenwärtig keine Schlosser vorhanden wären: aber, so lautete die Antwort weiter, die Firma solle sich nur an den Arbeitsnachweis in der Gormannstraße oder den Arbeitsnachweis der Berliner Metallindustriellen wenden, dort bekäme man Schlosser. Daß sich der Vorgang wirklich so abgespielt hat, dafür sind Zeugen vorhanden. Daraus kann aber jeder erkennen, daß die Zuschrift des Vorsitzenden vom Allgemeinen Verband sehr vorsichtig aufzunehmen ist. Wenn man einem bestreikten Arbeitgeber zwar selbst keine Arbeitswillige vermittelt, aber Stellen angibt, wo er welche erhalten kann, dann ist das eine indirekte Streikbrechervermittelung Im übrigen sei noch darauf hingewiesen, daß man bei jener Seite keine Veranlassung hat, sich zu entrüsten, denn im vorigen Jahre beim Rohrlegerstreik hat man doch Mit glieder des Allgemeinen Metallarbeiterverbandes veranlaßt, die Plätze der streikenden Rohrleger zu besetzen. Außerdem hat man bei dieser Gelegenheit, schon vor Beginn des vor jährigen Streiks der Rohrleger, den Arbeitgebern versprochen, falls die Rohrleger vom Deutschen Metallarbeiterverband streiken würden, für Ersatzkräfte zu sorgen. Damit ist der Wert der Zuschrift genügend gekennzeichnet. Otto Handke, 2. Bevollmächtigter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Ortsverwaltung Berlin. veutfebes Reich. Der Bergarbeiterverband konnte am 18. August auf ein LOjähriges Bestehen zurückblicken. An diesem Tage trat im Jahre 1889 in Dorstfeld ein Bergarbeitertag zusammen, der von mehr als 200 Delegierten beschickt war. Auf dieser Tagung wurde die Gründung des„Verbandes zur Wahrung und Förderung der bergmännischen Interessen in Rheinland und Westfalen" beschlossen, aus dem sich dann später der jetzige„Ver- band der Bergleute Deutschlands" entwickelte. Den äußeren An- laß zur Organisation gaben die gewaltigen Kämpfe der Berg- arbeiter in den Maitagen des Jahres 1889, die allein im Ruhr- decken 90 000 und in den anderen Revieren 50 000 Bergleute auf den Kampfplatz riefen. Nicht auch zuletzt die große Enttäuschung, die die Bergarbeiter nach der bekannten Kaiseraudienz erfuhren. Der neugegründeten Organisation schlössen sich sofoxt Tausende von Bergarbeitern an. Furchtbare Feinde entstanden aber dem jungen Verbände, die es durch die skrupellosesten Mittel dazu brachten, daß der auf zirka 50 000 Mitglieder angewachsene Verband auf wenige Tausend zusammenschmolz. In dieser Zeit wurde auch das be. rüchtigte Urteil gegen Schröder und Genossen gefällt. Außerdem saßen fortgesetzt Angestellte des Verbandes in den ersten Jahren im Gefängnis. In fünf Monaten wurden drei Redaktcure der„Berg. arbeiter-Zeitung" nacheinander verhaftet. Im Winter 1391 zählten an einem Tage die Verbandsführcr Siegel für sich fünf Anklagen, Mayer zwei Anklagen, Möller sechs bis acht Anklagen, Hüninghaus fünf Anklagen, Beckmann zwei Anklagen, Schröder, Bunte und Bauer je eine Anklage. Wenn der Verband trotz alledem heute rund 110000 Mitglieder zählt und über 3 Millionen Mark Kassenbestand hat, so verdankt er es zäher, ausdauernder Arbeit und seinen mutigen, unerschrockenen Führern und tapferen Mitgliedern. Der Verband der Lithographen und Steindrucker im Jahre 1908 Der Verband der Lithographen und Steindrucker, in dem auch die Chemigraphen, Photographen, Kupferdrucker, Tapetcndrucker usw organisiert sind, hat 1903 trotz der wirtschaftlich ungünstigen Zeit bei seinen rund 16 800 Mitgliedern in 56 Bewegungen gestanden, die 163 Betriebe in 52 Orten umfaßten und 2083 Kollegen in den Kampf riefen, also rund 12ll2 Prozent aller Organisierten über- Haupt! Es sind, und dies erscheint besonders beachtenswert, zum größten Teile Angriffsbewegungen: sie umfassen 158 Betriebe mit 1750 Mitgliedern. Und die Hauptforderung bei allen diesen Bewegungen war die Verkürzung der Arbeitszeit l Bon diesen Forderungen wurden ohne Streik die Bewilligungen für 1666 Personen erreicht. Die Resultate aller Bewegungen, also der Augriffs- und der Abwehrkämpfe, waren die folgenden: Bewegungen Kollegen Erfolgreich ohne Streik.... 42 1 785 Teilweise erfolgreich ohne Streik. 7 181 „„ mit». 4 93 Ohne Erfolg mit Streik.... 8_ 24 Insgesamt 56 2 083 Die bedeutende Mehrzahl aller Mitglieder, eS sind 1966, waren an den Arbeitsbewegungen ohne Streiks beteiligt, und hierin drückt sich wohl die Depression des Jahres 1908 aus. Die Errungenschaften betrugen für 1282 Personen zusammen 2339 Stunden wöchentliche Arbeitszeitverkürzung, es kommt auf den Kopf der daran Beteiligten IV« Stunde, gewiß ein Resultat, das sich in Beachtung der besonderen ungünstigen Arbeitsmarktverhältnisse, die sich im Steindruckgewerbe besonders gründlich bemerkbar machten, als sehr gut bezeichnet werden kann. Für 206 Mitglieder wurden 342 M. wöchentlicher Lohnzulage erreicht, eS kommt auf den Kopf dieser Beteiligten 1,66 M. 724 Mitglieder erreichten sonstige Ver- besserungen. In den wenigen Kämpfen, die geführt werden mußten. wurden Arbeitszeitverlängerungen, Lohnkürzungen und sonstiges bekämpft. Tarifverträge wurden in 17 Fällen mit 1260 Beteiligten abgeschlossen. Der Verband der Lithographen und Steindrucker hat, alles in allem, ein starkes Kampfjahr hinter sich; erfreulich ist es. daß ohne weiteres gesagt werden kann, eS ist ohne Nachteile für die Arbeiter durchgekämpft worden Das Scharfmachertum im Bangewerbe in Leeste, Brinkum und Kirchweyhe geht auch hier mit den bekannten Mitteln gegen die organisierte Arbeiterschaft vor. In Kirchweyhe streiken die Maurer und in Leeste und Brinkum sind Maurer und Bauarbeiter ausgesperrt. Jetzt ist den Mitgliedern der Vereinigung selbständiger Handwerker von Leeste Kirchweyhe und Brinkum folgendes Schrift- stück zugestellt: Ehrichshof. 6. August 1909. An die Herren Mitgliederl Von feiten des Bremischen Arbeitgeberverbandes wird mir mitgeteilt, daß unter keinen Umständen streikende Gesellen beschäftigt werden dürfen. Falls es doch noch vorkommt, so liegt der Grund darin, daß in Bremen die Arbeiter von den Polieren angestellt werden und der Betriebsinhaber den Namen nicht immer gleich erfährt. Pflicht eines jeden ist es deshalb, darüber zu wachen, wo seine bei ihm beschäftigten Arbeiter Unter- kunft finden. Sobald solches festgestellt ist, bitte ich um sofortige Nachricht, daß der Maurer oder Arbeiter so oder so, bei dem Meister so oder so, in so oder so beschäftigt wird. Falls dies geschieht, ist es eine Kleinigkeit für mich, die sofortige Entlassung in Bremen durch zu- führen. Tue also ein jeder seine Pflicht. Mit kollegialem Gruß Karl Dunkhase. Herr Dunkhase hat den Mund recht voll genommen, wenn er behauptet, daß es für ihn eine Kleinigkeit ist, die sofortige Ent- lassung eines im Baugewerbe beschäftigten, d. h. streikenden oder ausgesperrten Arbeiters zu bewirken. Es ist doch hier allbekannt, daß die Unternehmer recht gern streikende oder ausgesperrte Maurer beschäftigen. Wer hier heutzutage einen tüchtigen Arbeiter hat, der sucht ihn zu halten. Husland. Die amerikanischen Seeleute auf den Binnenseen streiken, um ihre äußerst schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Der Streik, der vor einiger Zeit schon begann, hat einen großen Umfang angenommen. 12 000 Mann streiken, darunter 2000 Ma- schinisten. Die Schiffsgescllschaften versuchen, besonders unter den Eingewanderten Streikbrecher anzuwerben. Zahlreich haben sich auch Studenten als Streikbrecher gemeldet. Den Maschinisten, für die am schwersten ein Ersatz zu finden ist, haben die Gesellschaften schon teilweise Zugeständnisse gemacht. Die Organisation, welche die Seeleute mit großen Opfern aufgebaut haben, ist noch nicht sehr stark._ Hu9 Induftm und Handel. Ein« agrarische Drohnote. Nach der bekannten Spitzbubentaktik entrüsten die Agrarier sich jetzt über— Preistreiberei. Ihre Begehrlichkeit und Porte- monnaieinteressenpolitik hat auch bei anderen Profitmachern erhöhte Plündergelüste ausgelöst. Die Herren vom Bunde der Liebes- gabenschlucker wollen das Handwerk der Lebensmittelwucherei aber möglichst für sich reservieren. Und gleichzeitig fühlen sie� das Bedürfnis, als Jnteressenwahrnehmer der Konsumenten zu para- dieren. Zwei Fliegen mit einer Klappe! Die„Korrespondenz des Bundes" der Landwirte erläßt folgenden Drohukas: „Von allen Seiten hören wir, daß der Groß- und Zwischen- Handel die Absicht habe, die Preise für diejenigen Bedarfsartikel, welche von den neuen Steuern betroffen werden, um einen Be- trag zu erhöhen, welcher viel größer ist, als der Erhöhung der Steuern entspricht. Bier, Zigarren, Zündhölzer, Kaffe sollen un- gebührlich verteuert werden. Man scheint dabei ganz außer acht zu lassen, daß das kaufende Publikum hierbei auch mitzusprechen hat und in der Lage ist, Gegenmaßregeln zu treffen. So wären die landwirtschaftlichen Genossenschaften zum Beispiel sehr Wohl imstande, übertriebenen Forderungen des Groß- und Zwischen- Handels wirksam entgegenzutreten. Bisher haben die führenden Männer in der Landwirtschaft es verhindert, daß die ländlichen Genossenschaften ihre geschäftliche Tätigkeit auf Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens aus- dehnten, welche der kleine und mittlere Kaufmann vertreibt. Es ist dies aus der Erwägung heraus geschehen, daß die Interessen des kaufmännischen Mittelstandes gewahrt bleiben müßten; man wollte nicht dazu beitragen, dem Kaufmann und Händler die Existenz zu unterbinden. Sollte aber die oben erwähnte Absicht des Handels wirklich zur Tat werden, so würde es kaum zu vermeiden sein, daß von feiten der landwirtschaftlichen Genossenschaften der Vertrieb solcher Gegenstände selbst in die Hand genommen wird. Das würde eine sehr große Gefahr für den ortsangesessenen Klein- kaufmann, namentlich in den Landstädten, bedeuten. Es gibt viele Tausende ländlicher Genossenschaften, die kapitalkräftig genug und heute so geschult sind, daß sie den Bertrieb der frag« lichen Konsumartikel mit Leichtigkeit aufnehmen können. Es würde eine Kleinigkeit sein, die Landwirte daran zu gewöhnen, daß sie Zigarren, Streichhölzer, Kaffee und anderes mehr durch ihre Genossenschaften beziehen. Hat aber eine dahingehende Be- lvcgung einmal eingesetzt, so dürfte es schwer, ja auch beim besten Willen vielleicht unmöglich sein, sie wieder einzudämmen. Die Angehörigen des kaufmännischen Mittelstandes sollten in ihrem eigensten Interesse bei ihren Grossisten dahin Einfluß zu nehmen suchen, daß von einer Ucberspannung der Preise ab- gesehen wird; sie könnten sonst leicht Folgen heraufbeschwören, die ihnen anstatt des erhofften Gewinnes den schwersten Schaden bringen würden. Wir aber würden es auf das Lebhafteste be- dauern, wenn der Mittelstand wirtschaftliche Nackenschläge er- hielte, wie andererseits, daß das gute zurzeit bestehende Verhält- nis zwischen Landwirt und dem Mittelstand in der Stadt gestört würde." An sich ist die Stellungnahme gegen Preisüberspannung durch- aus berechtigt. Der Protest müßte sich jedoch auch gegen Fleisch- und Brotwucher wenden. Aber da liegt der Hase im Pfeffer. Was die Junker selbst kaufen müssen als Konsumartikel, das soll billig sein, wer da wuchert, ist ein böser Geselle; jedoch die Wucherei mit Lebensmitteln, die unsere Edelsten verkaufen, gehört zur die teutjche Familie und die Monarchie erhaltenden nationalen Arbeit. J3us der frauenbewegunc� Der geängstigte Freisinn. Der Artikel im„Vorwärts":„Die Frau und die Landtags- wählen" hat die Helden und Größen vom Freisinn arg in Nöten und Aengste versetzt. Man sieht die durch den dumm-frechen Man- datsraub erledigten Mandate schon wieder an der Mugdanschen Gerberei vorbeischwimmen. Schrecklich! Sogar ihre Heber- redungskunst sollen die Genossinnen in den Dienst unserer Sache stellen.— Da sinkt den tapferen Mandatsräubern das Freisinns- herz in die Hosen. Die Helden besinnen sich auf ihre guten Freunde und Seelenverwandten und rufen auf Vorschuß um Hilfe. Die „Freisinnige Zeitung" empfiehlt schon jetzt den Konservativen und Ultramontanen Wahlkassierung, falls die Sozialdemokratie wieder siegen sollte. Sie bettelt also: „Daß aber der preußische Landtag das zweitemal einen durch die verächtlichsten Wahlbeeinflussungen herbeigeführten Sieg der Sozialdemokratie anders beurteilen sollte als das erstemal, will uns recht zweifelhaft erscheinen." Dieser Appell an die Gewissen illustriert genügend die Entrüstung, die das Mugdanescnblatt aufbringt, weil wir den Frei- sinnigen mit Recht vorwarfen, sie hätten den Machthunger der Lebensmittelwucherer gereizt. Sie machens ja schon wieder! Und die Freisinnigen können sich das leisten: sie haben ja nichts mehr zu verlieren. Wir sinds zuftteden, denn die Sozialdemokratie hat noch viel zu gewinnen und die Genossinnen werden nach Kräften zu den weiteren Erfolgen der Sozialdemokratie beitragen. Je mehr der Zimmerstraßenfreisinn Ursache hat zu jammern, desto besser für uns. Erfolgreicher Plätterinnenstreik. Aus Oesterreich kommt die interessante Nachricht über einen gewonnenen Streik der Plätterinnen. Die Arbeiterinnen der allbekannten Wäschereifirma Meißeubige in Perchtelsdorf legten geschlossen die Arbeit nieder» weil ihnen eine Verkürzung der Arbeitszeit verweigert wurde. Noch am selben Tage gab die Firma nach und bewilligte den Zehn- stundentag an Stelle der bisher bestandenen 13stündigen Arbeitszeit. Weiterhin wurde die Beköstigung der Arbeiterinnen abgeschafft und dafür eine wöchentliche Lohnzulage von 6 Kronen gleich 5,10 M. zugestanden.— Den deutschen Wäschereiarbeiterinnen zur Nachahmung empfohlen. Versammlungen. Der Niesenstreik in Schweden und die Absicht der dor- tigen Fleischermeister, in Deutschland Fleischer- gesellen als Streikbrecher anzuwerben, toar das Thema, das Bergmann am Donnerstag in einer gut besuchten Ver- sammlnng der arbeitslosen Fleischer behandelte. Redner schilderte zunächst die industrielle EntWickelung Schwedens, sowie die dortigen zahlreichen Streiks und Aussperrungen in den letzten Jahren. Auch in diesem Jahre versuchten die Unternehmer die Organisationen zu vernichten. Die Arbeiter griffen zum letzten Mittel— zum Generalstreik. Nach einer eingehenden Schilderung dieses Riesen- streiks erörterte Redner die Absicht der schwedischen Fleischermeister, hier Streikbrecher zu werben. Dringend ersuchte er die Anwesenden, unter keinen Umtständen nach Schweden oder Dänemark Arbeit an- zunähmen. Schon am Sonnabend sei versucht worden, 3 Kollegen nach Malmö(Schweden) zu vermitteln. Nach Aufklärung über die dortige Lage weigerten sich die Betreffenden jedoch, hinzufahren. In der Diskussion wurde darauf i�tlärt, es würde für die Fleischergesellen eine Schande sein, wenn auch nur ein einziger als Streikbrecher nach Schweden fahre. In seinem Schlußwort er- suchte Bergmann, auf den Sprechmeister der Innung, Dräbert, ein sehr wachsames Auge zu haben. !�et2te I�acbricdten und jOepelcben. Steuerhinterziehungen. Frankfurt«. M., 20. August.(B. H.) Wie die„Franks. Ztg." meldet, haben die Kaffeenachverzolldeklarationen verschiedener Großhandlungen zu Beanstandungen der ZollbehSrde geführt, und es haben infolgedessen vorläufige Beschlagnahmungen stattgefunden. In einem Falle soll es sich um 256 Ballen handeln. Ein Bubenstück. Mutterstadt, 20. August.(B. H.) Heute früh wurde auf der Lokalbahnstrecke Dannstadt-Ludwigshafen ein Anschlag auf den um 4 Uhr 40 Minuten durchfahrenden Zug verübt. Ein bis jetzt un- bekannter Täter hatte auf die Schienen ein Paket, gefüllt mit 56 Platzpatronen, gelegt. Als der Zug die Stelle überfuhr, explo- dierten die Patronen, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Auch Personen sind nicht verletzt worden. Tollwütiger Hund. Münchhausen(Kreis Dill). 20. August.(B. H.) Großes Un- heil hat ein toller Schäferhund im Orte Münchhausen angerichtet. Ueber 46 von ihm gebissene Rinder mußten getötet werden. Meh» rere von ihm gebissene Personen mußten sich zur Schutzimpfung nach Berlin begeben._ Beilegung des chinesisch-japanischen Konflikts. Tokio, 20. Aug.(W. T. B. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Gestern ist von den Vertretern Chinas und Japans in Mukden ein Memorandum unterzeichnet worden, durch das die Streitigkeiten wegen der Antung-Mukdenbahn praktisch als beendet betrachtet werden können. Den Bestimmungen des Ucbercinkommens gemäß, ägt China der japanischen Regierung jeden Beistand beim Aus- bau der Eisenbahn zu und zieht alle Einwände zurück. Eine amt- liehe Mitteilung an die Mächte, in der über das Fortschreiten der Unterhandlungen ausführlich berichtet wird, soll ergehen. Verantw. Redakteur: HouS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke. Berlin. Druck u.Verlgg:Borwärts Buchdr.u.BerlagSanftal> Daul Singer& Co„ Berlin S W, Hierzu Z Beilagen u.UnterholtungShl, Kr. 194. 26. Zahrglmg. i KeilAt des.Hmiirls" Keelim WiksbIM. SmntiM, 21. Jujnfl 1909. Kr den ichmdlichen Generalftrelfi. Bei der Berliner Gewerlschastskommission gingen ferner für die ausgesperrte» und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Hagen, Schulze, Helwig n. Frau 4,—. Groschenkasse der Rep.-Werkstatt Zl. E. G., Kabelwerke Oberspree 25,—. 2657 Platz III GreisZwalderstr. 5,25. Verband der Bureauangestellten aus Liften 36,20. 1001 Angest. O.-K.-K. Drechfler 17,50. 1002 Angest. O.-K.-K. Schneider 35.—. 1003 Angest. O.-K.-K. Buchdrucker 18,—. 1003 Angest. O.-K.-K. Konditoren 2,50. 1004 Angest. O.-K.-K. Gastwirte 21,—. 1004 Angest. O.-K.-K. Zigarrenarbeiter 2,—. 1005 Angest. O.-K.-K. Maschinenbauer 4,—. 1007 Angest. O.-K.-K. Kausteute 36,25. 1008 Angest. O.-K.-K. Maurer 8,50. 1010 Angest. O.-K.-K. Maler 14,—. 1029 Angest. O.-K.-K. Hutmacher 7,—. 1030 Äugest. O.-K.-K. Bureouangestewe 5,60. 1031 Angest. O.-K.-K. Schlosser 6,50. 1010 Angest. O.-K.-K. Wittenau 3.—. 1031 Angest. JnnungS-K.-K. Drechsler 2,—. 1035 Angest. O.-K.-K. Bildhauer 4,—. 1036 Angest. O.-K.-K. Schuhmacher 4,—. 1038 Angest. O.-K.-K. Schlächter 10,—. 1040 Angest. O.-K.-K. Reinicken- dors 2,25. 1042 Angest. O.-K.-K. Mariendorf 14,50. 1043 Angest. O.-K.-K. Schöneberg 5,—. 1045 Angest. O.-K.-K. Lichtenberg 10,—. 1047 Angest. O.-K.-K. Wilmersdors 6,50. 1047 Angest. O.-K.-K. Friedenau 3,—. 1050 Angest. O.< K.» K. Tischler 22,—. 1051 Angest. Allgemeine O.- K.- K. 32,50. 1043 Angestellte Lagerei- und Fuhrwerksgenossenschast 5,20. Versammlung de» Wahwerein» Martendorf 7,10. Steinmetzen Neubau Hau».Dessau" 21,75. 6525 Sparverein.Vergißmeinnicht Süd-Ost' 15,—. Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin u. Umgegend 200,—. 1286 Maler vom Bau Mosdorsftr. 3 6,—. 1288 12,55. 1299 14,50. 5048 19,40. 5049 13,35. 5051 11,85. 5056 25,20. 5066 14,05. 5085 7,65. 5113 Gips- u. Zementbr. Bau Dernburgstr. 25 3,60. 5117 Gips- u. Zementbr. Bau Blücher str. 31 22,90. 5116, 5119, 5120 Maurerverband Berlin, Gips- und Zeinenibranche 16,—. 1442 Druckerei O. Walter 11,15. 6201 Verband der Tabakarbeiter aus Listen: Arbeiter der Zigarettenfabrik Problem 13,50. 6202 Arbeiter der Zigarettenfabrik Bakhiri— ,90. 6204 Arbeiter der Zigarettenfabrik Herbstoli 4,05. 6223 Arbeiter der Zigarettenfabrik Kräh 13,20. 6236 Arbeiter der Zigarrenfabrik Runge 3,15. 6238 Arbeiter der Zigarettenfabrik Askanas 4,80. Klapproth u. Hoppe, 2. Rate 7,10. Sechserkasse der Sektion der Fensterputzer 36,45. 2836 Firma Ksionsek, 2. Rate 21,25. Ausgelöster Lese- und Diskutierklub.Nordkante" 5,—. Gewerks chastskommission Reinickendorf: Laue u. Co., Walzwerk Firma Becker, 2902 19,85, 2903 18,20, 2904 11,65, 2905 13,35, 2306 13,25, 2910 11,70. sBuchdrucker u Buchbinder b. Hintz, Mariendors, 1. Rate 5,15. Schneider b. tzemann, Christburger Str. 7,—. Kollegen der Kistensabrik Crdmann in Britz 8,35. Lugendliche Arbeiter u. Arbeiterinnen von Rummelsburg u. Umg. 14,25. 1402 Tischler b. Mauske, Weißensee 10,25. B. G. 3,—. 7000 JeziorSki, Korbmacher 7,25. Unterkommission Schöneberg: 1157 Arbeiter der Firma Bedag A.-G. 20,85. 1162 Baubude Nonnendamm 13,05. 1164 8a. Bezirk Schöneberg 5,10. 1181 Ivb. Bez. Schöneberg 7,85. 1182 10o. Bez. Schöneberg 12,10. 1186 4c. Bez. Schöneberg 13,15. 1189 Tischlerei von Dohn u. Zieg 19,20. 1190 Tischlerei Mosner u. Wegener 33,90. 1191 Tischlerei MoSner u. Wegener 18,—. 1192 Tischlerei Stahl Söhne 13,75. 1267 Böttcher der GenossenschastSbraueret Friedrichshagen 4,—. 4363 Treppen- geländerfabr. Bruns, Boppstraße 10,15. 6526, 6528 Verband der Bauarbeiter, Bezirk Südwest 11,20. 1554, 1555, 1556, 2104, 2105, 2106 von der 36. Abellung de» 4. Wahlkreises, 2. Rate 52,50. 4462 Gr. Maschinenbau Siemens-Schuckert, Nonnendamm 42,75. 3535 Graveure b. Handel 9,50. Listen 1069, 1092, 6357 Verband der Bäcker u. Konditoren, Verwaltung Berlin 63,35. Bäcker u. Konditoren b. Sanier, Oudenarder Straße 6,—. Konditoren bei Etzler 4,55. 5480, 5420 Verband der Hasenarbeiter, Verw. Berlin 18,30. 357, 313 Verband der Buchbinder, Verw. Berlin 36,85. 6263 18,—. Verband der Tapezierer, OrtSyerwalwng Berlin, auf folgende Listen: 2108 4.60. 2111 Tapezierwerkstatt Horst 8,25. 2114 9.—. 2117 I. C. Psaff 15,80. 2118 Reckling, Oranienstratze 14,70. 2121 9,—. 2142 27,80. 2143 Löber, Köthener Straße 14,25. 2145 3,30. 2l49 Hoff u. Heiserich, Apostel- Paulus- Straße 11,—. 2154 Alex Viru- bäum 24,25. 2161 Dittmar 18,50. 2165 DunSki, Wilhelmstraße 13,10. 2184 Friedmann n. Weber 11,65. In Summa 185,80.— 6708 u. 8709 von Vers, der Marmorarb. 11,80. Verband der Transport- arbeiter, Leitung Gr.>BerIin 1000,— Transportarb.-Verband, Bezirksleitung Gr-Berlin auf folgende Listen: 423 5,75. 431 9,60. 433 10,85. 453 Roll kutscher b. Montag u. Schäffer 12,40. 454 10,15. 460 6,35. 461 7,65. 462 10�55. 463 3,35. 465 11,15. 1852 Hutjabril Heinr. Bork 17,30. 1855 11,90. 1858 � 7,35. 1859 I. A. Fischer 8,45. 1866 9,50. 1867 Brauerei G. Hilsebein, Biersahrer 6,80. 1868 Aktiengesellschaft für GaSglühlicht 9,65. 1870 Otto Fischer Nachf., Weidenweg 3,70. 1832 Handwchverleihinstitut Emensta, Hausdiener 16,10. 1888 7,90. 1905 6,70. 1908 8,20. 1910 16,65. 1945 Tischler und Arbeiter bei Wegner in Wilmersdorf 27,40. 1947 9,30. 1959 GeschästSdiener von Joseph u. Co. in Rixdors 8,10. 5196 7,90. 5271 von einigen Am gestellten 27,60. 252? Kollegen von Felix Land u. Markus 7,50. 2540 12,20. Extrasendung von Kollegen vom Betrieb Brauerei Schulz 20,40. 1983 8,30. 393 20,15. 5252 18,10. In Summa 378,95 M. 2146 Tapezierer Groztcky 4,30. 2138 Tapezierer von Jakob u. Braunsisch 12,60. 2163 Tapezierer von Groschkus 8,25. 2131 Tapezierer von H. Gerson 27,10. 2143 Tapezierer von Flatow u. Priemer 10,50. 2152 Tapezierer von N. Israel 17,45. Heise, Vadstr. 17 5,—. Gesammelt bei Gliesche 4,—. 4322 Tischler bei Felder u. Plothen 32,85. G- Heine 2,—. 2567 Arbeiter bei Hugo WieSner 9,35. Bezirk 225 Test I 10,—. 26 Pianinoarbelter von Heb ecke 10,45. 27 Maurer v. Bau Hertzog 18,65.' Verband der Gemeinde- und SlaatSarbeiter, Filiale Groß-Berltn, 1. Rate auf folgenden Listen: Gasanstalt Gitfchiner Straße: 4133 17,40. 4150 15,20. Kleines Feuilleton. Die indische Marseillaise. Durch das Attentat des indischen Studenten Dhingra und seine in diesen Tagen erfolgte Hinrichtung ist wieder einmal die indische Unabhängigkeitsbewegung in den Vordergrund getreten. Der Hauptsitz der Bewegung ist das kulturell am weitesten vorgeschrittene Bengalen, wo die Unabhängigkeits- Partei den Namen„Svsässt" führt, eine Parole, die etwa mit .Indien den Indern" zu übersetzen wäre. Hier kam auch ein indisches Nationallied ans, daS überall mit der NevolutionSbewegung seinen Einzug hält, also eine Art indischer Marseillaise, und das von dem immer wiederholten Refrain „Bando mätararn" seinen Namen erhalten hat. Der Text deS Liedes. der auch literarisch sehr bedeutsam und von ungemein poetischer Wirkung ist, lautet in freier Uebertragung. die leider die klangvolle Schönheit des indischen Originals nicht wiederzugeben vermag: .Heimat, du meine Mutter, ich grüße dich l Du Land mächtiger Ströme und süßer Früchte, gekühlt vom Winde, der vom Himalaya daherweht, und bedeckt mit einem Mantel von leuchtendem Grün l Heimat, du meine Mutter, ich grüße dich! Du, deren Nächte im Glänze de« Mondes schimmern, du mit den dichten Wäldern und den leuchtenden Blumen, du Seligkeit deiner Söhne, du lächelnd gewährende Gnade, du, deren Sprache so lieblich ist. Heimat, du meine Mutter, ich grüße dichl Siebzig Millionen Stimmen verkünden deinen Willen, zwei mal siebzig Millionen Arme, scharfe Schwerter in der Faust, erheben sich für dich; wer wagt eS, dick kraftlos zu schelten? Ich rufe zu dir, o Mutter, daß du uns rettest, daß du uns schützest vor unseren Feinden l Heimat, du meine Mutter, ich grüße dich I Du bist die Weisheit und Tugend, du bist Herz und Mut; im Leib bist du die Seele, in den Armen die Kraft, im Herzen der Glaube. O möchte in unseren Tempeln nur dein Bild die Altäre schmücken! Sei gebenedeit, du Durgä, zehnarmige. waffendräuende Göttin, du Lakshml, Beherrscherin deS Lotus, du Bllnt, Beschützerin der Weisheit! Sei gebenedeit, du, Mutter ohne Fehl und ohnegleichen, du mit den lieblichen Wassern und den süßen Früchten! Heimat, du meine Mutter, ich grüße dich! Du in Blüten lächelnde, freundliche, mächtige, sorgende, nährende Mutter, Heimat, ich grüße dich I"... Der indische Text bietet eine eigentümliche Mischung ans Worten de» modernen bengalischen Dialekts und der altnationalen Sanskrit- 4168 11,85. Gasanstalt Danziger Straße: 2574 9,05. 2575 70,—. 2577 10,75. 2580 4,40. 2593 5,35. 2594 8,10. Gasanstalt Schmargendorf: 4074 14,30, 4075 11,—. 4076 3,80, 4077 7—, 4078 21.—. 4090 7,75, 4091 4,40, 4093 13,05. 4113 10,90. Gasanstalt Tegel: 4030 10,90, 4031 13,85, 4032 16.30, 4033 4,05, 4034 4,90, 4035 13,30, 4036 28,80, 4037 9,40. Reoiermspeltionen: 2590 5,80, 2637 5,35, 2638 12,—, 2664 30,—, 4044 11,—, 4053 8,75, 4087 6,25, 4127 17,50, 4205 6,—. Zentralmagazin: 2655 19,50, 4167 7,90. Latcrnenwärterliste 4114 4,60. Englische Gasanstalten: 4081 6,30, 4117 11,20, 4120 5,85, 4121 5,—. 4139 4,80. Wasserlverk Berlin: 2661 20,35. 4115 1,60, Wasserwerk Westend 4094 4,95. Slraßenreinigung 4005 4,80, 4086 4,65, Irrenanstalt Wuhlgarten 4185 3,30, Markthalle II 4123 2,—, Charlotten- burg 4095 4,90, 4098 14,25, 4099 5,20, 4103 4,—, 4105 2,70, 4106 5—, 4110 7,30, 4111 2,20, Köpenick 4200 14.25, Lichtenberg 7602 18,85, Schöneberg 4088 6,60, Summa 572,30. 2211, 2212, 2214, 2216, 2217 und 2220 2. Kreis, 3. Abt. 52,80. 218 Heimfahrt von den Büglern, Lindowerfir. 8,45. 232 Schneider v. Vortrefflich'40,—. 245 Maßschneider v. Gerson 12,10. 249 Linde 3,30. 252 Schneider v. Heckenbergcr u. Becker 20,70. 256 Schneider v. S. Baum 6,30. 257 Schneider v. Benedikt 37,45. 274 Schneider v. Koppe u. Kliffes 14,15. 275 Schneider v. Kluge 9,20. 277 Schulz 15,75. 282 Schneider v. Schulmeister 3,60. 3l0 Bureau der Schneider 13,35. 4830 Tagschncider v. Peel u. Cloppenburg 43,—. Schneider v. Vandsburger 3,75. 5047 Kollegen v. Firma Wilh. Schwarzenau 3.45. Expeditton u. Buchhandlung Vorwärts, 2. Rate 22,80. Zl. A Z. 3,25. Einige jüdische Sozialdemokraten 10,—. Theaterverein„Felsensest" 7,60. Spar- verein.Bettelpfennig" 10,—. Sechscrlaffe Bezirk 372 10.—. 2845, 2846 Arbeiter von Kaisers Kaffeegeschäst, Spandau 36,40. 2861 Durch Grögerchen 21,50. Deutscher TrailSportarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Spandau 100,—. Vorstandssitzung d. Dtsch. Transportarbeiter-Verb. Ortsvcrw. Spandau 5,50. Sektton der Kcllerarbciter d. Deutschen Transporiarbctter-Verbandes 10.—. Gießerei Schwidlinsli u. Co. 5,—. 4387 Arbeiter von Voigtländer 4,25. Organisierte der Schmalzsiedereicn u. Wurstsabriken 6,—. Arbeiter- Radsahrervcrcin Reinickcndors, I. Abt.(M. 6. A.-R.-B.) 10,—. 4415 Arbeiter der Wagcnachsensabrik Gicsicke, Pankow 36,40. 4622 Hilssarbeiter Druckerei .SomttagSblatt" 20,-. 3357, 3345, 3353, 3351, 3342. 3332, 3356, 3346, 3314, 3354, 3369, 3358, 3339, 3347, 3370, 3376, 3364, 3330, 3349, 3368, 3357, 3343, 3362 von Arbeitern u. Arbeiterinnen der Firma Mix u. Genest, 1. Rate 149,25. Buchdruckerei Roter Nachfolger 2,75. Arbeiter-Radsahrer- verein„Solidarität" 4. Abt. 10,—. Ehemals 18., jetzt 22. Bezirk Rix- dorj 20,—. Tischlerei A. Büngcr 2. Rate 20.—. 1431, 1616, 1613, 1615, 1619, 1620„Lokal-Anzeiger" Gewißgeld, 3. Rate 83,95. 1621„Lokal- Anz." 2,10. Tischlerei Hnnsmann, Sechserkasse 8,—. Buchdr. Stanliewicz 2. Rate 12,25. Deutscher Portierverband 50,—. Bäckermeister Kretzschmar 5,—. Wahlvcrein Wcißensee 25,70. Arbeiter d. Spritsabr. M. u. W. Müller 14,50. 2377 Tischlerei Borsutzki 4,70. Tischler u. Polierer d. Möbelsabrik Eiche 10,—. Hilssarbeiter und-Arbeiterinnen Luchdruckerei Gutcnberg 13,—. Frei- organisierte Kollegen von A. Werner u. Söhne 3,—. 5051 Bau Hohen- zollerndamm 28,30. Gebrüder Karaus 3,—. Maurer U. Bauarbeiter vom Schulbau, Ostender Sttaße 19,—. Zwei Zentraiverbändler d. O. Ritschle 2,—. Bromsilberabteilung von E. A. S. 6,50. R. Z., Norden 3,—. FiladeS, stuck, tcolru. 10,—. Junge Garde 11,—. H. Tcuber, Dittersbach. Bez. Breslau 6,70. Wahlverein Tegel 50,—, für ein Referat vom 17. August 1909 i» Tegel 6,40, ein Genosse v. Tegel 2,—, Genossen und Genossinnen in Tegel 2,40; in Summa 60,80. Bezirk Godesberg, Wahwerein Bonn am Rhein durch Döring 3,. Bäckcreiarbeiier b. T. Turban, Lichtenberg 4,—. Lottcrieverein Schlag aus Schlag 5,—. Verband der Schuhmacher, Charlottcnburg 50,—. Deutscher Textilarbeiterverband, Filiale OelSnitz i. V. 50,—. Freie Jugendorganisation Alt-Moabit d. M. Herber 5,—. Maler der Firma Weikert. Fricdrichshagcn 6,—. Verband der Tapezierer, Filiale Spandau 20,—. Max Grawunder, Wicicsstraße 3,—. Personal der Fiima Emil Jagcrt, Neucnburger Straße 14,45. F. G. 2.—. Schneider der Finna Eimke 10,—. Groschenkaffe der organisierten Hilfsarbeiter d. kgi. Hosbuchdruckerei S. Mittler u. Sohn 10, Sechs Genossen der Straßcnbaugesellsch. Z. W. D. 3,—. Durch Miersch 1,05. Wahlvercin Charlottenburg 100,—. Summa: 5292,60 M. Bisher eingeliefert 33101,70 M.; dazu kommen 5292,60 M., zu- sammen 43 394,30 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden. sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags 9— lü'/s und nachmittags von 4— 71/a Uhr abzuliefern. Die Listen 3395 und 3337 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkommisfio». vom Klei'Ili'Ieg. In den Kreisen der freien Gastwirte vegt sich die Opposition gegen die Abmachungen mit den Brauereivertretern. Eine Ver- sammlung des 1. Bezirks(Moabit) nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, daß man mit dem Verhalten der Kommission des Verbandes bei den Verhandlungen mit den Vertretern der Brauereien nicht einverstanden sei.. In der Versammlung waren zirka 150 Wirte anwesend; nur 3 stimmten gegen die Resolution. spräche. Die große Masse des Volkes kennt übrigens von dem Liede, das die eigenartige Schönheit der indischen Landschaft äußerst wirkungsvoll zum Ausdruck bringt, meist nur den Refrain, der zu einer Art Losungswort im Munde der Revolutionäre geworden ist. Was unL dringend not tut! In dem ewigen Kampf zwischen Panzerplatte und Kanone hat der Marinismus noch ganz hösostdere Forderungen. Er arbeitet nicht allein mit diesen beiden Hnstru- menten. sondern auch noch mit Torpedos, mit TorPedöZekstörern und was sich da sonst noch alles schönes anwenden läßt. Jeden- falls ist man in Marinekreisen mit den Leistungen der Torpedos nicht zufrieden, weil sie lange nicht so weit tragen wie die mo- dernen Geschütze. Im russisch-japanischen Kriege reichten die Torpedos kaum über 1500 Meter weit, und das ist unbedingt zu wenig. Zum Antrieb der Torpcdomaschinen hat man nun neuerdings überhitzte Druckluft verwendet und auch sonstige Verbesserungen angebracht, so daß der Aktionsradius sich plötzlich gewaltig ge- steigert hat. Man ist nun auch dazu übergegangen, die Torpedos selbst größer zu machen, damit man mehr Sprengladung darin unterbringen kann. Das ist durchaus erforderlich, weil sich gezeigt hat, daß selbst mehrere Treffer die großen Kähne nicht genügend beschädigten, um sie zum Sinken zu bringen, auch wenn sie nicht besonders stark geschützt waren. DaS mußte anders lverden, und so werden auch die neuesten Schiffe der.,Collingwood"-Klasse der britischen Marine Torpedos erhalten, die bei 51 Zentimeter eige- nem Durchmesser eine Schußweite von rund 7 Kilometer haben. Ob diese Mordinstrumcnte aber in dieser Entfernung noch wirk- scrm sein werden, ist sehr die Frage, weil dann eben die Schisse auch viel schwerer zu treffen sind. Nun sorgen ja die immer größer werdenden Jnvincibles und DreadnoughtS dafür, daß man auf immer größere Panzerkähne schießen kann, aber so riesige „Greatmouths" wird mau wohl kaum bauen können, daß die Schieß- künste der Torpedomaschinistcn sie auf eine geographische Meile Entfernung erfolgreich treffen könnten. DaS krankhafte Erröten. Das Erröten, das bei Kindern sich als etwas Harmloses darstellt und nicht weiter beachtet wird, wird als krankhaft bezeichnet, wenn eS sich bei Erwachsenen häufig und ohne ersichtkichen Grund einstellt. Von der Mehrzahl der Forscher wurde es bisher als Zwangsvorstellung aufgefaßt, von anderen als eine Acußerung der Nervosität betrachtet. Mehrere Fälle beobachtete der Berliner Nervenarzt Dr. A r 0 n s 0 h n. Bei einem Patienten trat das Erröten nur auf, wenn er öffentlich oder vor einer kleinen Gesellschaft unvorbereitet zu sprechen gezwungen war. Dem Patienten war daS Erröten um so peinlicher, als eS schon bei ganz kleinen Anlässen� auftrat, wenn er z. B. unvor- bereitet eine kleine Gesellschaft begrüßen sollte. Ein anderer Patient errötete immer, wenn er Kunden empfing oder wenn er mit den Arbeitern seiner Fabrik sprach. Beide Patienten hatten daS gemeinsam, daß sie übermäßig von dem Bestreben beherrscht wurden, einen imponierenden, ihrer Stellung entsprechenden Eindruck Der in einer Volksversammlung in Jena beschlossene Aufruf, durch den die Biertrinker aufgefordert werden, bis zur Lösung der Preisfrage keinen Tropfen Gerstensaft zu trinken, soll sehr großen Erfolg haben. Die Wirte kämpfen mit den Konsumenten zusammen gegen die Brauereien. Diese müßten auch die Kosten des den Wirten entgehenden Verdienstes tragen. Verdient hätten sie es..- Vön einem erfolgreichen Bierboykott wird aus Fürth i. B. berichtet: Viele Wirte erhöhten den Preis von 20 auf 24 Pf. pro Liter. Den Konsumenten schmeckte infolgedessen das Gebräu nicht mehr. Wohl oder übel mußten die Wirte und Brauer die alte Schmackhaftigkeit wieder herstellen. Das geschah, indem man aus die bitteren 4 Pf. verzichtete. Seitdem trinken die Fürther wieder. In Bochum hat der Bicrkrieg dahin geführt, daß nun manche Wirte den Preis— ermäßigten. Während früher dch- über die Straße verkaufte Bier 30 Pf. kostete erhält mau es jetzt, wie die „K. Z." berichtet, in zahlreichen Wirtschaften in unveränderter Güte für 25 Pf. Verschiedene Wirte machen durch besondere Aushänge an ihren Fenstern auf diese Preisermäßigung aufmerksam. Die geplante Ucbervortcilung der Lübecker Bierkonsumenien durch die Brauereien und Wirte ist dank dem entschiedenen Vorgehen der organisierten Arbeiterschaft zum erheblichen Teil abgewehrt worden. Die Brauereien hatten den Preis für den Liter zunächst um 4 Pf. erhöht, während die Wirte\2Va Pfennig pro Liter mehr vom Konsumenten verlangten. Dagegen nahm eine arohe Volksversammlung Stellung und eine von dieser eingesetzte Kommission erreichte es nach langen Verhandlungen mit den Brauereien und Wirten, daß der Preis des Hektoliters seitens der Brauereien um 2,58 M. erhöht wird und der von den Wirten geforderte Preis um 5 M. höher ist als bisher. Vier- zehntellitcr sollen in Zukunft 17 Pf. anstatt bisher 15 Pf. kosten. In Dresden, wo die Wirte in Gemeinschaft mit den Brauern die verdoppelte Abwälzung durchsetzen wollten, haben die ersteren die Rechnung ohne die Biertrinker gemacht. Nachdem schon von Anfang an die energischen Proteste seitens des Publikums allgemeinen Beifall gefunden haben, hat die Bewegung gegen die Wirte. seitdem die Ferien beendet sind, noch an Umfang zugenommen. Es macht sich eine regelrechte Flucht der Bierkonsumenten bemerkbar, die stetig im Wachsen begriffen ist. In Lokalen, wo sonst nie ein Apfel zur Erde fallen konnte, herrscht jetzt eine gähnende Leere und selbst die in Dresden so beliebten„Schlacht» feste" üben nicht mehr die alte Anziehungskraft aus. Der Konsum ist ganz enorm zurückgegangen. Selbst der Flaschenbierhandel hat eine große Einbuße erlitten, die sich namentlich in Fabrik- und Bauiantinen ganz besonders fühlbar macht. In Kantinens die sonst täglich bis zu 1000 Flaschen Bier umsetzten. werden jetzt nur noch einige Dutzend Flaschen verkauft. Einige Wirte beginnen bereits, um ihre Existenz nicht aufs Spiel zu setzen, das Bier wieder zum alten Preise zu verkaufen. Große Plakate zeigen das in weithin sichtbarer Schrift an. ,Jn Reutz ä. L. haben Partei und Gewerkschaften den Bier- bohkott erklärt. Auch in Rudolstadt und Pößneck haben die Genossen den Kampf gegen die übertriebenen Abwälzungen durch Abstincnzcrklärung ausgenommen. In Leipzig droht die Differenz zwischen Wirten und Bräuern zu einem Streik der ersteren sich auszuwachsen. Man-will jetzt erst noch die Handelskammer als Vermittlerin anrufen._ Sericbts- Leitung. Die Lanistagschählerliste als Plakat, Der Gastwirt Genosse Keßner in Berlin hatte am 3. Juni 1908. dem Tage der Ilrwahlen zUm preußischen Landtag, im Schau. fenster seines Schanklokals eine Liste mit Namen, Stand und Wohnung der Urwähler der zweiten Abteilung des Bezirks aus- gehängt. Wähler, die für die Sozialdemokratie gestimmt hatten, waren rot und solche, die anders gestimmt hatten, waren blau angestrichen, während die, welche noch nicht gewählt hatten, überhaupt nicht angejirichen waren,.Sobald bekannt wurde, daß und wie jemand abgestimmt habe vervollständigte K. die Strichver- merke. Auf die Anzeige einiger Personen entfernte die Polizei die Liste aus dem Schaufenster. K. wurde wegen groben Unfugs angeklagt, von dieser Beschuldigung aber freigesprochen. Das Kammcrgericht verneinte ebenfalls das Vorliegen groben UnUnfugs, weil das Publikum in seiner Allgemeinheit nicht in einer Weise belästigt und beunruhigt worden sei, durch die in den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung eingegriffen worden zu machen. Infolgedessen schauspielerten sie, spielten ihre Rolle unnatürlich und schlecht und hatten bei allem, was sie anordnen sollten, das Gefühl der Scham wie Schullnaben, die beim Lügen ertappt werden. Aus diesen Krankheitsbildcrn zieht Dr. Aronsohn den Schluß, daß das krankhafte Erröten auf genau derselben Art und Weise zustande kommt wie das Erröten der Kinder, die auf einer Unwahrheit ertappt werden und sich dieser UnwahtheS schämen. Das Schamgefühl bringt hier wie dort daS Erröten hervor. Die Heilung dieses Leidens durch seelische Beeinflussung ist nicht ällzuschwer. Die Patienten müssen zur Wahrheit, Einfachheit und Natürlichkeit erzogen werden. Der Erröter, der von seinem Uebel befreit sein will, muß darauf verzichten einen be- sonderen Wert auf die Form, auf gewählte Ausdrucksweise zu legen. Er muh alles Schauspielern sein lassen und niemals ein anderer scheinen wollen, als er ist._ Notizen. — Theaterchronik. Als erste Novität des B e r Ick n e r Theaters wird zurzeit Henning BcrgerS Schauspiel„Sünd f l u t" vorbereitet. Anfang September wird Karl RößlerS „DaS Lebensfest" zum ersten Male aufgeführt. —_ Musikchronik.� Die„Sinfonischen Lustspiel ....______ Musik- abende" des Blüthner-OrchesterS, die Josef Stranökh dirigiert, bringen an Novitäten: die l. Sinfonie von Gustav Mahler. die III. von Jean Sibelius und die D-ckur von Sgambatti. Außer diesen Neuheiten gelangen die O-moU-Sinsonie von Haydn, die HI. und VIII. von Beethoven, die III. von Schumann und die große in C-ckur von Schubert zur Aufführung. — HeineinLuccaundHamburg. In dem italienischen Badeort Lucca, der durch Heines„Bäder von Lueca" literarisch bekannt geworden ist, hat sich ein Komitee gebildet, um dort ein Denkmal für Heinrich Heine zu errichten. Offenbar verspricht man Ich etwas Reklame davon.— Das aus Korfu ausgewiesene Heine- Denkmal, das Herr Campe, der Nachkomme deS Hewe-VerlegerS, erstanden hat, wird nach dem„Bcrl. Tagebl." in Campes Park in Blankenese aufgestellt werden. Der Hamburger Senat braucht sich also nicht in die Unkosten einer Blamage zu stürze». Herr Campe will dafür Sorge tragen, daß nach seinem Tode ein Teil des Parks in eine öffentliche Anlage verwandelt werde». — Der verkannte Wohltäter. Pierpont Morgan, der große Kunsträuber, vor dem unsere Museumsdircktoren zittern, will seine berühmte Bildersammlung nicht nach Amerika überführe». Bisher hatte ihn der hohe Wertzoll auf Kunstwerke davon abge- halten. Obwohl dieser für ältere Kunst jetzt aufgehoben ist, wird er trotzdem seine Schätze in Europa lassen. Seine Tochter hat verraten, warum. Die Amerikaner würden Morgans Eifer dort nicht ge- nügend anerkennen. So bleiben denn die zusammengekauften Kunst- werke vorderhand noch in London. Hoffentlich findet der verkannte Wohltäter Europas hier mehr Anerkennung. to5re. Die Passanten, die die Liste gelesen hätten, seien nach den tatsächlichen Feststellungen ruhig weitergegangen. Das Kammer. gericht verwies jedoch die Sache an die Vorinstanz zurück, damit sie nachprüfe, ob nicht die noch geltenden Plakat. Vorschriften des alten preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1TS1 zur Anwendung kämen. Das Landgericht verurteilte dann auch K. wegen Uebertretung des ß ö des preußischen Preßgesctzes, welcher das öffentliche Anheften und Ausstellen solcher Anschlagezettel und Plakate verbietet, welche einen anderen Inhalt haben, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe und andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr. Ein öffent- liches Ausstellen der Liste liege vor, da sie in dem nach der Straße zu gelegenen Schaufenster des Lokals ausgestellt gewesen sei. Ihr Inhalt sei dem gesamten Publikum, einer unbestimmten Personen» mehrheit, bekanntgegeben worden. Diese Liste der Landtags- Wähler sei aber auch als ein Plakat anzusehen. Auch ein geschriebener Zettel falle unter den Begriff des Plakats, sofern er eine dem Publikum verständliche Mitteilung enthalte. Die LandtagSwählerliste, wie sie hier ausgehängt worden sei, stelle aber eine Mitteilung dar, die dem Publikum ohne weiteres ver» ständlich sei. Da ihr Inhalt ein anderer sei als ihn der zitierte § ö des preußischen Preßgesetzes für öffentlich auszustellende Plakate zulasse, so hätte der öffentliche Aushang beziehungsweise die öffentliche Ausstellung der Liste nicht erfolgen dürfen und K. habe sich einer Uebcrtretung des§ 9 des preußischen Preßgesetzcs schuldig gemacht. Der Angeklagte legte Revision ein, der Ferien-Strafsenat des Kammergerichts verwarf aber das Rechtsmittel mit der Begründung, daß die Vorentscheidung ohne Rechtsirrtum ergangen sei. Der Begriff des Plakats sei richtig gewürdigt und Z 9 des preußischen Prcßgesetzes mit Recht angewendet worden. Bneffcaftcn der Redaktton. Tie luristlsche Sprechstunde sindet Linden st raste 3, zweiter Huf, driiter tkiugan-i, vier Treppen, jpp"" Fahrstuhl"TIBQ wochentäglich adend» von 7H bis OH Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um t> Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antivort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 1t Tage bergehen. Ellige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Tch. 2. Nein, er haftet für die Miete.— H. M. 233. 1. und 2. Etwa ein Drittel seiner Einkünfte. 3. Ja, wenn da« Erbrecht nicht im Ver- trage ausgeschlossen ist.— Pankow 10. Wenn Sie nicht gekündigt haben, müssen Sie zahlen.— P. St.«23. 1. Ohne Genehmigung des Vor, mundschastSgerichtS Ist die Abmachung ungültig. 2. Ja. 3. und 7. Die Höhe der Koste« hängt von dem Wert des Nachlasse» resp. Ihres Vermögen» ab. 4. Ja, aber Ihre Frau kann auf Freigabe klagen. S. SS muh ein Testament gemacht werden. 6. Sie müssen bei einem Notar oder Gericht einen Ehevertrag schließen. 3. Ja.— ♦!. Z. Nur au» besonderen Gründen. — K. 3„ Tegel. Nichts zu machen.— 91.®. 55. a) Sie sind berechtigt, auszuziehen, b) Nein, c) Ja.— R.«. 79. L Nein. 2. Nein. 3. Nein.—»«» 0.» 9.».0.' 0 0» 0» 9»<'» 0» ♦».♦» 0« 0» H, 0» �> *•�■*•�•«•�-�•*•0.» H» 0' 0." 0» 9»*» V»■■> Warenhaus Wilhelm Stein *4*4*4*0*4*4*4*$. o:.»■ o■»« o«»»»» Berlin N., Chausseestrasse 70-71 Sehr preiswerte finsehote in Lebensmitteln iPUPaek 38 pl Kunsthonig im Bienenkorb,. 3 Pfd. Inhalt 8 0 Pt. Kunsthonig....... ßPfd.Eiiner 1,65 Kunstmarmelade... 6Pkd.-Eimer 1.05 Gemischte Marmelade sptd. Eimer 1,15 Seifen Vaselin-Seife«-». iss«r..,.. t, r..*»».,. s sta-k 45 Pf- Lanolin-Seife c#, iso gr, � � 3 stock 45 Pt. Weisse Fliederseife;;;;; i i>. a stück 45 pt. Stein's Fettseifen in verschiedenen Gerüchen � J- i-e i i i 3 Stück 30 Pf. Harzkernseife den...... 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CD ernhauS. Aida. «gl. Schauspielhaus. Zopf und Schwert. Anfang 3 Uhr. Neues königliches Operutheater. (Gura-Oper) Salome. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Freund Jack. Lessing. Gespenster. Berliner. Einer von unsre Leut. Neues. Sein Siindemegister, Neues Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Thalia. Prinz Busst. Komische Oper. Zaza. Residenz. Kümmere dich um Amelie. t ebbet. RevolutionShochzeit. rianon. Liebesgewitter. LustspielhauS. Familie Schimek. Lilrinrs. Moral. Neues Operette». Die Dollar- Prinzessin, Westen. Der fidele Bauer. Schiller O. Wallner- Theater.) BresterS Millionen. Schiller Eharlotteuburg. Madame Bonivard, Friedrich> WilbelmftSdt. Schau- spielhaus. Der Widerspenstigen Zähmung. Luisen. Der stille See. Wietrovol. Die oberen Zehntausend. FolieS Capriee. Drei Frauenhüt«. Der Deserteur usw. Ans. 8's« Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau Elkams Friseur. Meine» Deine Tochter. Passage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Der Tanzhusar. Sioatks Theater. Die Stiesmutter. Spezialitäten. Stadt. Theater Moabit. Spezialitäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Earmen. Walhalla. Spezialitäten. Retchöhallen. Steltiner Sänger. Urania. Tanbenltrahe 49/49. Rom und die Campagna. Sternwarte, Jnvalibenstr. 07/02. l-v»«,!»zr-'I'Iieatcr. Sonnabend, 8 Uhr: Ibsen- Zyklus! 3. Vorstellung:««npcnntvi». Sonntag, 3 Uhr: Heöda Gabler. Sonnlag, 8 Uhr: Berliner Theater, Herste 8 Uhr: Einer von nnsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Sein Sündenregister Morgen und folgende Tage: Sein bündenregister. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 21. August. Ans. 8 Uhr: Eröffnung der Schauspielsaison: Zum erstenmal: Der Widerspenstip Zähmung. Sonntag: Per Widerspenstigen Zähmung. Schiller- Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Sonnabend, abend» 8 Uhr: Ikrvutvr» TIÜIIoiivii. Lustspiel in 4 Akten von Winchell Smhtt und Byron Ongley. Sonntag, abends 8 Uhr: Vrvut«?» üUllionen. Montag, abend» 8 Uhr: »restors milloneii. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: lllmllun« Bonlvapd. Schwank in 3 Alten von Alexander Bissen und Antony Mar». Sonntag, nachm. 3Uhrt Wilhelm Teil. Sonntag, abend» 8 Uhr: Hie Ehre. Montag, abend» 8 Uhr: Eli» Erfolg. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der Adele Bauer noXIcg. W.KoacUs Theatsr Dtreklio»' Rod. Dill. Sniimenftt, IS, Grostc Extra-Borftellung! Der Wildschütz oder: Die Stimme der Natur. Ans. 7, Konzert S, Kaffeeküche 3 Uhr. Entree 3V Ps. Während und nach der Vorst.: Tant Sonntag: Ein gesunder Junge. L.ustspiolksiis. Abends 8 Uhr: ?amiUe Schimek. ü EMU ROSE TIIEATE Gr. Frnnfiuriet«?tr. 132. Abends 8 Uhr: vj Der Tanzhusar Lustspiel in 3 Akten v. H. Pohlmann. Aus der Gartenbühne Ans. 4'/, Uhr. Theatervorstellung. Spezialitäten. 32.|| r. Ii i Neues Kgl. Opern-Theater(Kroll)* Gnrn-Oper. Eelztes Gtsutuplel Helllncioni Salome. Von Rieh. Strauß.— Anf. 8 TThr. Sonntag: Letzt© Vorstellung: Der kliegende Helländer. Xeoe. Operotten-Ttaeatcr, Schiffdauerdautm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: Kilo Dollu»-pi>I:nsEc».li». Operette in 3 Akten von Leo Fall. Stadt-Theater Moabit. Alt-3Ioablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung Wochentag» 7 Ubr, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. S Uhr. Garteueröfinung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, Spezia- litäten und Soiree der»Lustigen Sänger-. Bei Regenwetter Vorstellung im grotzen Theater-Saal. Urania. WisBenschaftliches Theater. Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 91., von abends 6 Uhr ab SO Pf., Kinder u. 10 Jahren die Hälfte. Besidenz-Thaater DirckUon: Richard Alexander. 8 llhr! 8 Uhr! Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. «»IS Kommandanlenstr. 57. T. R. 4, 6083. OS9~ Die erfolgreichste«-VG Lach-Komödien Meine- Deine-Tochter Frau Elkams Friseur mit Slnto» und Donat Hcrrnfeld. Vorverkauf 11—2 Uhr. 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August verschied nach langem, schwerem Leiden, unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Pati! Lehmann im Alter von 24 Jahren. Ein ehrendes Andenken werden ihm bewahren 1030b vlo Kollegen der Buchdi-ncherei Paß u. Garleb. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachmittags l/,4 Uhr, von der Leichenhalle des Tempel« hoier GemeindesriedhoseS, Tempel- bof, Geimaniastraßc, aus statt. Danksag Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben guten Mannes, des Putzer» Pritz Grätz sage ich allen Verwandten und 35«» kannten sowie der Sektion der Putzer meinen herzlichsten Dank. 1021b Emilie Grätz, geb. Manteutiel. 5?A.B.WX Kohlengrotzhandlung Gegründet 1888. Haupt-Kontor Berlin 0. 84. Petershurger Straße 1 (vis-ä-vls Warschauer StraBa). Fernspr. Amt 7 Nr. 3040 u. 3096. Lagerplai» I: Berlin 0. 34, Brom- d erger Ätr. IG, später Eingang vorn am Ostbnhnparf, Rüders- dorser Strafte 71. Lagerplai/U: 0. 17.Nruchtstr.1S (Güterbabnhos Ostbabn). 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Kciltzt Ks Jotiuitts" Sttliiitt Pollislilolt. Zomabeud, 21. August 1909. Anträge zum Parteitag in Leipzig. Cagfcs-Ordnung des Parteitags: Berlin I. Auf die Tages-Ordnung zu setzen: Die Taktik der Partei. Berlin IV, Magdeburg. Als besonderen Punkt die Ge- nossenschaftsfraoe zu behandeln. Aachen'Land, Breslau und Nürnberg. Auf die Tages-Ordnung zu setzen: Die Reichssinanzreform und. ihre Folgen. Weimar. Auf die Tagesordnung zu setzen: Die Landarbeiterfrage. 4. sächs. Kreis. Auf die Tagesordnung zu setzen: Die Stellung der Sozialdemokratie zu den Konsumgenossenschaften. Agitation. Mannheim. Der Parteitag möge den Parteivorsiand be- miftragen, unter den Rheinschiffern eine intensive Agitation zur (Selviiinuitj dieser Tausende von Reichstagswählern für die Sozial- demokratie zu gewinnen und der Parteiorganisation zuzuführen. Organisation. Koblenz. Der Parteitag wolle beschließen, daß dem ober- rheinischen Agitationsbezirk Köln ein zweiter Parteisekretär zugestellt wird, mit dem Sitz in Koblenz. Die Tätigkeit des zweiten Sekretärs soll sich erstrecken auf die Wahlkreise Trier, Cochem-Zell, Andernach- Mayen, Neuwied-Altenkirchen, Idar-Oberstein, Kreuznach-Simmern. Koblenz- St. Goar, Adenau- Urweiler und Fürstentum Birkenfeld <1. Oldenbnrger Wahlkreis.) Hamburg III. Distrikt Eilbeck: Der Parteitag wolle beschließen: Die Sonderorganisation der Frauen Deutschlands ist aufzuheben und alle vereinnahmten Gelder, bestehend aus der Wer- breitung der.Gleichheit", Marken, Broschüren. Tellersammlungen usw., welche bisher an die Zentralvertrauensperson Genossin Baader Berlin abgeliefert wurden, an den Parteivorstand abzuliefern. Der Vertrieb der„Gleichheit", Broschüren usw. hat ausschließe lich durch die Parteiorganisation oder unter deren Kontrolle zu ge schehen. Niederbarnim: Der Parteitag wolle die Frage entscheiden: „Ist ein Kreis wahlverein berechtigt, einen Bezirks wahlverein aufzulösen?" Jugend-Agitation. Nürnberg: Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, die„Arbeiter-Jugend" monatlich nur einmal erscheinen zu lassen. Betreffs Inhalt soll mehr auf Illustration Rücksicht genommen werden. Den örtlichen Jugendkommissionen ist die.Arbeiter- Jugend" pro Nummer für 5 Pf. zu liefern, damit dieselbe eventuell obligatorisch eingeführt werden kann. Ferner soll in Erwägung ge- zogen werden, ob möglich, daß Parteivorstand und General- konlmission die Kosten für die„Arbeiter-Jugend" selbständig tragen. E i l c n b u r g. Alljährlich hat im Anschluß an den Parteitag eine Konferenz der Jugendorganisationen stattzufinden. P o t s d a m- O st h a v e l l a n d. Der Parteitag fordert die Genossen auf, mit größerer Energie und lebhafterem Eifer als bis- her für die Jugendbewegung tätig zu sein, auch mehr Mittel dafür flüssig zu machen. Der Parteitag beschließt weiter, daß die Zeitung„Arbeiter Jugend" billiger als bisher abgegeben wird, da er die für die Jugenderziehung gemachten Ausgaben als unvergleichlich nutz- bringend für den Emanzipationskampf des Proletariats betrachtet. Köln Stadt und Land: Der Parteitag beaustragt die Zentralstelle für die arbeitende Jugend, eine Reichskonferenz der Jugendansschüsse einzuberufen, damit die Frage der Jugenderziehung einheitlich geregelt wird. Der Parteivorstand wird beauftragt, den Kampf, den der Atbeitcrabstinentenbund gegen den Alkoholismus führt, zu unter- stützen. Stuttgart: Der Parteitag möge den Bildungsausschuß be- auftragen, es den Jugendorganisationen durch Anstellung von Wander- lehrern oder Lehrerinnen möglich zu machen, ihre Mitglieder durch Unterrichtskurse und systematische Vorträge in die verschiedenen Ge- biete der Wissenschaft einzuführen. prelle und Literatur. Hamburg II: Der Parteitag setzt eine Kommission ein, welche die Aufgabe hat. die künstlerische Ausgestaltung der Mai- zeitung in die Hand zu nehmen. O. Habickt- Charlottenburg: Den neueintretenden Mitgliedern werde» in monatlichen Abständen sechs aufeinanderfolgende Bro- schüren, in denen die Grundsätze, Forderungen und die Organisation der Partei in gemeinverständlicher Weise erläutert werden, gratis verabfolgt. Bremen: Der Parteivorsiand wird beauftragt, mit den Partei- Verlagen Verhandlungen zu pflegen, um eine Regelung in der Lieferung von Parteiliteratur an die Partei- und Gewerkschafts- organisationen zu Vorzugspreisen herbeizuführen. E i l e n b u r g: Der Parteitag wolle beschließen, baß eine Ver- billigung der Parteischriften, einschließlich der„Neuen Zeit", statt- zufinden hat. 1. badischer Kreis: Der Parteitag möge Mittel und Wege suchen, um eine bessere künstlerische Ausstattung der Mai fest- zeitung sowohl als auch des„Wahren Jakob" herbeizuführen. E i l e n b u r g: Der Parteivorstand wird beauftragt, AgitationS- stoff in Manuskriptform herauszugeben. Breslau: Der Parteitag wolle beschließen: Der Partei- vorstand wird beauftragt, alles geeignete Material über die Be- ratung der Finanzreform zu sammeln und in Broschürenform herauszugeben. Den für die Partei tätigen Genossen ist diese Agitationsschrift möglichst billig, wenn es angeht kostenlos zu über- lassen. Mannheim: Um der Schundliteratur mehr als bisher ent- gegenarbeiten zu können, sind auf dem diesjährigen Parteitage Mittel und Wege zu suchen, um eine geeignete Zeitschrift, vielleicht ähnlich wie die„Gartenlaube", und für den Preis von 20 Pf., namentlich für die Frauen und für die Jugend zu gründen. BreSlau.Um die Agitation gegen die vielen bürgerlichen Frauen- zeitungen, die im Proletariat Hunderttausende von Abonnenten haben, erfolgreicher betteiben zu können und die Einführung der „Gleichheit" zu erleichtern, beantragen wir, das Blatt als Frauen- zeitung weiter auszugestalten und wöchentlich erscheinen zu lasten. Mannheim: Der Erscheinungstag des„Wahren Jakob" ist von Dienstag auf Sonnabend zu verlegen. Ferner wird ersucht. t--m„Wahren Jakob" mehr denn bisher den Charakter eines aktuellen Witzblattes zu geben. Lilien thal: Der Parteitag wolle zum Zwecke der Auf- klärung und Agitation für ländliche Bezirke eine 14tägig erscheinende Parteizeitung im Format der„Gleichheit" herausgeben. Für die örtlichen Verhältnisse können Beilagen beigegeben werden. Die Herstellungskosten für das Hauptblatt trägt der Parteivorstand, die der Beilagen tragen die Wahlkreisvereine. Diese Zeitung ist an Parteimitglieder unentgeltlich abzugeben, sofern an den Orten kein Parteiorgan vorhanden ist. Wahlvcrein der P. P. S. Kattowitz-Zabrze: Der Parteitag wolle beschließen, die bis jetzt dreimal wöchentlich er- scheinende»Gazeta Robotnicza" in ein Tageblatt umzuwandeln. Lilienthal: Nach allen Orten, wo eine Parteiorganisation vorhanden ist, ist mindestens ein Exemplar der„Partei-Korrespondenz,, unentgeltlich an die Organisation zu liefern. parlamentarifcbes. a) Reichstag. 6. sächs. KreiS: Die NcichstagSfraktion ist zu beauftragen den Antrag auf gleichniäßige Einteilung der Rcichstagswahlkreise so oft als irgend angängig einzubringen. Bei Reichstagswahlen ist bei Unterstützung eines bürgerlichen Kandidaten demselben mit zur Pflicht zu machen, fiir diese unsere Forderung einzutreten. Im Falle seiner Weigerung ist ihm von der Parteileitung unsere Unterstützung zu versagen. 4. sächs. Kreis: Der Parteitag wolle beschließen, unsere Fraktion im Reichstage zu beauftragen, einen Antrag einzubringen, in welchem die Herabsetzung der fünfjährigen Legislaturperiode mr die ursprünglich dreijährige gefordert wird. Frankfurt a. M.: Der Parteitag ersucht die Reichstags fraktion: 1. Sofort mit Genossen, die in der Arbeiterversicherung tätig sind, in Verbindung zu treten und eine Aussprache über die parla mentarische Behandlung der Reichsversicherungsordnung herbei zuführen; 2. eine Anzahl von Fachleuten zu beauftragen, je einen Ab- schnitt der Reichsversicherungsordnung zu bearbeiten und die im Interesse der Versicherten notwendigen Abänderungen zu formulieren und mit Begründung der Fraktion vor der Beratung in der Kom- Mission zuzustellen. Saarbrücken: Der Parteitag möge bestimmen, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei Vorberatungen sozial- politischer Gesctzesvorlagen jedes Mal eine vorherige Rücksprache mit den Arbeitcrsekrctären oder einem Teil derselben veranstaltet. München I und II: Die Reichstagsfraktion wird beauftragt, im Reichstage dahin zu wirken, daß den Ausländern die Er- Werbung der deutschen Staatsangehörigkeit leichter gemacht wird als bisher. München 1 und H: Der Parteitag beauftragt den Partei vorstand, sich unverzüglich mit der Generalkommission der GeWerk schastcn Deutschlands in Verbindung zu setzen zur Einberufung einer Konferenz, die sich mit der Beratung der Reichsversicherungs ordnung befaßt. Diese Konferenz soll zusammengesetzt sein aus Arbeitersekretären, Vertretern von Krankenkassen und BerufSgcnossenschaften, Beisitzern von Schiedsgerichten, Landesversicherungsämtern, des Reichsvcr- sicherungsamtes, der unteren Verwaltungsbehörden und der Ver- sicherungSanstalten sowie sonst in der Sozialversicherung praktisch ivirkender und erfahrener Genossen. Die verschiedenen Bundesstaaten sollen soweit wie möglich berücksichtigt werden. Breslau. Der Parteitag empfiehlt allen Parteiorganisationen und der Parteipresse, eine planmäßige Propaganda zur Herabminde- rung des Branntweinkonsums zu entfalten. Diese Boykottbewegung soll die Verkürzung des Ertrages der Branntweinsteuer und möglicher weise auch der Liebesgabe zum Ziele haben. Hamburg III, Distrikt Hohenfelde: Der Parteitag wolle be- schließen: Infolge Einführung von neuen indirekten Steuern, den Branntwcinboykott zu proklamieren. Bielefeld-Wieden brück: Der Parteitag wolle be- schließen, von den Angehörigen der modernen Arbeiterbewegung zu fordern, sich jeden Genusses von Schnaps zu enthalten, um durch diese Steuerverwcigerung energischen Protest gegen die ausbeuterische Steuerpolitik der Regierung einzulegen. B u n z l a u. Der Parteitag möge beschließen: Gegen den Schnapsgcnuß von feiten der Partei eine planmäßige Propaganda zu entfalten, um die Großgrundbesitzer und Schnapsbrenner, die ge- 'chworenen Feinde der Arbeiter, nicht mehr zu unterstützen. Ferner folgende Nesolutioncn: Berlin I: In Anbetracht, daß die bisherige Politik de? Liberalismus nichts war als eine dauernde Kette des Verrats von Arbeitcrinteressen i daß auch bei der Finanzreform die Liberalen das arbeitende Volk mit der Unsumme indirekter Steuern belasten wollten, und jeder kraftvollen Opposition Hindernisse in den Weg legten; daß bei den letzten Reichstagswahlen die Liberalen aller Schattierungen ich als ein fester Bestandteil der einen reaktionären Masse erwiesen und die jetzige agrarisch- klerikale Mehrheit geschaffen haben; daß chlicßlich der Vicrmandateraub im preußischen Landtage, die Wahl- rechtsverstllmmelung in Kiel, Nixdorf usw. von Liberalen inszeniert worden ist; angesichts alles dessen muß die Zumutung sozial- demokratischer Rcichstagsabgeordnetcr, mit dieser Sorte� Liberalen zusammenzugehen und gar die Kritik aus taktischen Gründen ein- zuschränken, wie eine blutige Verhöhnung der Partei anmuten. Die Arbeiterschaft har Mittel und'Wege genug, ihren Willen aus eigener Kraft durchzusetzen. Berlin I: In Anbetracht, daß die sogenannte Finanzrefonn eins der volksfeindlichsten und niederträchtigsten Gesetze ist, die emals in dem doch stets reaktionär regierten Deutschland fabriziert vurde, daß das Machwerk im Laufe der Beratung noch immer ver- chlechtert wurde und sich hierbei die maßlose Habsucht der herrschenden Klassen im stärksten Lichte zeigte, daß diese Tatsachen tm höchsten Grade erbitternd auf das ausgepreßte Volk wirken mußte und dieses auch geschehen ist, in fernerer Erwägung, daß die sozialdemokratische Partei bei anderen Gelegenheiten, wie beim Zolltarif und beim preußischen Wahlrechtskampfe schon viel schärfere Mittel angewandt und diese hier durchaus dringend geboten waren, erkennt die heutige Generalversammlung an. daß die sozialdemokratische Partei die einzige war, die das VolkSausplündernngsgesetz im Ernste bekämpft hat, bedauert jedoch, daß weder Parteivorstand noch �Fraktion zu chärferen Mitteln ihre Zuflucht genommen und sich überhaupt zu wenig an die breite Masse des unterdrückten Volkes gewandt haben. München I und IL Nachdem durch die Parteipresse bekannt geworden ist, daß in der Stellungnahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Finanzreform in bezug auf die Erbschafls- teuer in der eventuellen dritten Lesung eine Spaltung in der Ab- stinnnung innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion eingetreten wäre, beauftragt die heutige Versammlung die Delegierten des özialdemokratischen Vereins München für die Wahlkreise München 1 und II dafür einzutreten, daß sich jeder sozialdemokratische Abgcord- nete unbedingt und unter allen Umständen den Mehrheitsbeschlüssen der Fraktion zu fügen hat. d) Landtage. Magdeburg: Die Hofgängerei in einer Kommisston zu ver- handeln. Ferner folgende Resolutionen: Frankfurt a. M.: Die Mitgliederversammlung des Sozial- demokratischen Vereins Frankfurt a. M. spricht ihre schärfste Miß- billigung gegenüber dem Verhalten der württembergischen Landtags- abgeordneten aus, welche sich am Besuch des Königs beteiligt haben und erwartet, daß der Parteitag gegenüber diesen Genoffen den Standpunkt vettreten wird, den zu erfüllen uns unser Prinzip zwingt. Halle: Die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für Halle und den Saalkreis erklärt sich gegen alle Hof« zängerei und Schmanferei und erwartet vom Leipziger Parteitag, !>aß er diesem Gebaren energisch entgegentritt. Berlin III: Die Generalversammlung des 3. Berliner ReichStagswahlkreiseS erwartet vom Parteitag in Leipzig einen dahingehenden Beschluß, daß derartige Vorgänge, wie sie sich unter württembergischen Landtagsabgeordneten ahgespielt haben, fiir die Zukunft vermieden werden.'' Göppingen: In Erkenntnis deffen, daß die Befreiung der Arbeiterklasse vom kapitalistischen Joche nur das Werk der Arbeiter« klaffe selbst sein kann, da alle bürgerlichen Parteien auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung— als der Ursache aller Unter- drückung und Ausbeutung— stehen und festhalten, erklärt dxr Parteitag zur Beteiligung von Mitgliedern der wnrttembergischen Landtagsfraktion am Ausflug und Königsbesuch der wllrttcm- bergischen Ständekammern, sowie allen derartigen, früher außer- halb Württembergs vorgekommenen Fällen, folgende?: Der Kampf der Arbeiterklasse gegen die bürgerliche Gesellschaft wird immer erbitterter und schärfer. Die Klassengegensätze verschärfen sich. Die herrschende Klaffe ist eifrig bestrebt, jede Regung im Volke nach Bildung und Aufklärung im Keime zu ersticken, um das Volk in Dummheit zu erhalten. Trotz der nun so lange währenden wirt- schaftlichen Krise, durch die tausende Arbeiterfamflien in schwere Not und Elend gerieten, waren sich die Vertreter aller bürgerlichen Parteien von vornherein darin einig, die Hauptlasten der Finanz- reform auf die Schultern der breiten Masse des Volkes abzuwälzen. Die Staatsoberhäupter und Monarchen empfangen den russischen Zaren und feiern diesen Bluthund obendrein noch als Helden. In Erwägung aller dieser Tatsachen, die noch vielfach ergänzt werden könnten, und in Erwägung des antimonarchischen Charakters der Sozialdemokratie, � erklärt der Parteitag, daß eö eines Sozial- demokraten unwürdig ist, sich durch Beteiligung an patriotischen Veranstaltungen einer Handlungsweise schuldig zu machen, die geeignet ist, daS Vertrauen der Arbeiterschaft zu ihren Fuhrern zu untergraben. Der Parteitag erwartet deshalb von den Genossen, daß sie sich von Veranstaltungen dieser Art in Zukunft fernhallen. Stuttgart I: Der Parteitag wolle erklären: Der Ausflug der Stände nach Friedrichshafen bedeutete in seiner Verbindung mit dem Besuch beim König eine Demonstration zugunsten einer Staats- cinrichtung, deren Bekämpfung grundsätzliche Pflicht der Sozial« demokratie ist. Die Teilnahme sozialdemokratischer Abgeordneter ist daher ein Verstoß gegen die Grundsätze der Partei. Die Mitwirkung an Veranstaltungen dieses Charakters überschreitet den Rahmen deS Auftrags, der Parteigenossen durch die Uebertragung eines Ver- trauensamtcs erteilt wird. Für künftige Fälle gleicher Art hat die Respektierung dieser Parteiansicht als Grundlage einer Ausübung von Vertrauensämtern zu gelten. Maifeier. Der Parteivorstand nach Vereinbarung mit der General» kommission: Zur Vorbereitung der Maifeier ist an allen Orten, möglichst zu Beginn des Jahres, eine Kommission einzusetzen, für die zu gleichen Teilen das Gewerkschaftskartell und die Parteiorganisation ihre Ver- tretung bestimmen. Den Vorsitzenden wählt die Kommission selbst. Die Kommission hat die Aufgabe, unter Berücksichtigung der beruflichen und örtlichen Verhältnisse und der Bestimmungen der gewerkschaftlichen Organisationen sowie der Beschlüsse des Partei- tages, für eine würdige Feier Sorge zu tragen. Die in Aussicht genommene Feier darf an keinem anderen Tage als am 1. Mai stattfinden. Bei Aussperrungen infolge der Maifeier kann den davon be- troffenen Arbeitern eine Unterstützung gewährt werden, und darauf haben die politisch wie auch die gewerkschaftlich organisierten Ar- beiter Anspruch. Zur Unterstützung der Ausgesperrten sollen für größere zu- sammenhängende Wirtschaftsgebiete Bezirksfonds gebildet werden. Die Abgrenzung der Bezirke erfolgt unter Zustimmung der in Frage kommenden Orte. Die für die Unterstützung nötigen Mittel sind von der Parteiorganisation und den Gewerkschaften in dem Bezirk, in dem die Aussperrung erfolgt, durch freiwillige Beiträge und Sammlungen aufzubringen. Orte, deren Angliederung an einen BezirkSfondS untunlich ist. haben in gleicher Weise am Orte einen Fonds zu bilden. auS dem die am Orte Ausgesperrten zu unterstützen sind. Bedarf es eines solchen Fonds am Orte oder im Bezirk nicht oder reichen die Mittel eines solchen Fonds zur Unterstützung der Ausgesperrten nicht auS, so sind die erforderlichen Unkosten von der Parteiorganisation und den Gewerkschaften, denen die Ausgesperrten angehören, zu decken. Der Anteil, den jede dieser Organisationen zur Deckung der Unkosten der Aussperrung aufzubringen hat. wird nach der Zahl der diesen Organisationen angehörenden Ausgesperrten berechnet. Anspruch auf Unterstützung aus den Zentralkaffen der Partei und Gewerkschaften haben die Ausgesperrten nicht. Erheben die Gewerkschaften im Anschluß an die Aussperrungen Lohnforderungen, so haben sie die Unterstützung der Ausgesperrten allein zu übernehmen. Lippe-Detmold: Der Internationale Kongreß möge be« schließen, die Arbeitsrnhe am 1. Mai fallen zu lassen. Bielefeld-Wiedenbrück: Die Arbeitsruhe zur Feier deS I. Mai fallen zu lassen. D a n z i g: Die M a i f e i e r ist auf den 1. Sonntag nach dem 1. Mai zu verlegen. Minden-Lübbecke: Der Parteitag unterbreitet dem nächsten Internationalen Arbeiterkongreß, zur Maifeier zu beschließen, die Arbeitsruhe nicht als Forderung aufzustellen, sondern die Feier in die Abendstunden zu verlegen. Erfurt und S. sächs. KreiS: Der Beschluß des Nürnberger Parteitages, betreffend Abgabe des Tagesverdienstes der Partei- und Gewerkschaftsbeamten am 1. Mai, sowie derjenigen Genossen, welche durch ArbeitSruhe in ihrem Einkommen nicht geschädigt werden, ist aufzuheben. Bochum-Gelsenkirchen: Der Beschluß des Nürnberger Parteitages, betreffend Abführung des Tagesverdienstes am 1. Mai 'oll bestehen bleiben. Teltoiv-BeeSkow: Der Parteitag hält es für eine un- erläßliche Pflicht aller Parteigenossen, für den internationalen Be- chluß, die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe zu begehen, eine weit energischere Agitation in die Wege zu leiten. Angesichts der neuesten Stellungnahme auf gewerkschaftlicher Seite betont der Parteitag, daß wir gegenüber der herrschenden Klasse unmöglich eine VerWässerung der so dringend mehr als je nötigen Energie in dem gewaltigen Besreiungskanrpfe zulassen können. Idealismus und Energie sind die treibenden Kräfte bei der weit über das Alltägliche hinausragenden Demonstration am 1. Mai. Diese zu beseitigen er- klärt der Parteitag für eine Unmöglichkeit. Zur Errichtung eines Fonds, aus dem den wegen der Maifeier gematzregelten Parteigenossen eine Unterstützung gezahlt werden kann, sind vom Parteivorstand Beitragsmarken herauszugeben, zu deren Abnahme jeder Parteigenosse nach Matzgabe seiner Wirtschaft- lichen Lage verpflichtet ist. Alle Parteigenossen, die nicht in der Lage sind, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern, sind verpflichtet, einen Tagelohn an den Zentral- oder Bezirksmaifeierfonds abzuführen. Der Beschluß von Nürnberg, den Maifeierfonds betreffend, wird aufgehoben. Berlin IV: Entgegen den öffentlichen Bestrebungen in Gewerkschaftskreisen, die Maifeier zu beseitigen resp. auf einen Sonntag zu verlegen, erklärt der Parteitag, daß nach wie vor die Arveitsruhe am 1. Mai die würdigste Feier darstellt. Um nun dieser Feier die größtmögliche Ausdehnung zu geben, wird der Parteivorstand beauftragt, noch einmal mit der Generalkommission in Verhandlung zu treten zwecks Aufbringung der Gelder für die Opfer der Maifeier. E l b i n g: Der Parteitag möge allen Versuchen, die auf Ver» lachung der Maifeier gerichtet sind, insbesondere der Verlegung auf eine» Sonntag, energisch entgegentreten. Fürth: Der Parteitag möge Beschließen, an den internationalen Sozialistenkongreß den Antrag zu stellen:«Die Maifeier erneut einer Prüfung zu unterziehen." Berlin IV: Den Beschluß des internationalen Kongresses von Paris 188g unter allen Umständen hoch zu halten. Zu diesem Zweck sind mindestens vier Wochen vor dem 1. Mai öffentliche Volks- Versammlungen abzuhalten, um die Propaganda für die Lrbeitsruhe intensiv zu betreiben. Ludwigshafen: Der Parteitag möge in der Maifeierfrage eine für Gewerkschaften und Partei annehmbare Grundlage schaffen, Bamit endlich die die gesamte Arbeiterschaft schädigenden Ausein- andersetzungen über diese Frage eingedämmt werden und als ein- . hcitlichen Tag für die Maifeier den ersten Sonntag im Mai fest- zulegen. Königsberg: Der Beschluß deS vorjährigen Parteitages in Nürnberg,»die Beamten, Arbeiter und Mitglieder der Partei, welche am 1. Mai feiern und keinen Lohnausfall erleiden, sind verpflichtet, an die Partei- und Gewerkschaftskasse einen Tagesverdienst abzu- geben," wird aufgehoben.— Die in ihm bezeichneten Partei- genossen sind nur dann �u Extrabeiträgen zu verpflichten, wenn solche auch ebenso für die am 1. Mai arbeitenden Parteigeiiossen beschloflen werden sollten. 6. s ä ch s. Kreis und Magdeburg: Der Beschluß des Parteitages in Nürnberg: Antrag so ist aufzuheben. Anträge betr. Henderung des Ttatutes. Orgamfations- Kommisfion: Parteiangehörigkeit.§ 1. Zur Partei ge hörig wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt- und Mitglied der Parteiorganisation ist. Gliederung.§ 2. Die Grundlage der Organisation bildet für jeden ReichstagSwahlkreiS der Sozialdemokratische Verein, dem jeder tm Wahlkreise wohnende Parteigenosse als Mitglied anzugehören hat. Umfaßt ein Ort mehrere Reichstagswahlkteise, so kann die Zugehörigkeit zu den einzelnen Wahlkreisorganisationen örtlich geregelt werden. Erstreckt sich der RerchstagSwahlkreiS über mehrere Orte, so kann an jedem Ort ein Ortsverein deS Sozialdemokratischen Vereins gebildet werden. B a r n: e n: Den letzten Satz beginnend„Erstreckt" zu streichen Kiel: Anzufügen: Die einzelnen Ortsvereine sind nur Unterorganisationen des Sozialdemokratischen Vereins. Bremen: Im§ 2 ist nach den Worten:„kann an jedem Orte" zu sagen:„im Einverständnis mit dem Wahlkreisvorstande Lennep, Lu.dwigShafen und W e i m a r: Statt Otts- derein zn setzen: Ortsgruppe. Königsberg: Hinter»ein Ortsverein" einzufügen:„oder eine Ortsgruppe"..-, Kommission:§ 8. Die Sozialdemokratischen Vereine schließen sich zu Bezirksverbänden sowie zu Landesorganisationen zu sammen, denen die selbständige Führung der Parteigeschäfte nach eigenen Statuten obliegt; diese dem Parteivorstand mitzuteilenden Statuten dürfen mit dem Organisationsstatut der Gesamtpartei nicht im Widerspruch stehen. Die Vorstände haben ihre erfolgte Wahl dem Parteivorstanpe mitzuteilen. Leipzig: Im letzten Satz hinter den Worte»»die Vorstände haben" einzufügen„Statuten und". Barmen: Im letzten Satz hinter dem Wort. Parteivorstande". einzufügen:„innerhalb einer Woche". 18. sächsischer Krei-s-: Die Sozialdemokratischen Kreis tvahlvereine können sich zu Bezirks- und Landesorganisationen zu- sammenschließen. . K o m m ijij Ion;.§ 4. Organisationen, denen weibliche Mit glieder angehören, � müssen diesen eine Vertretung im Borstand gewähren. Die weiblichen Vorstandsmitglieder haben im Einvernehmen mit dem Gesamtvorstand vornehmlich die Frauenagitation zu betreiben. Frankfurt a. M.: Statt„müssen" zu setzen„können". Landesorganisation Hamburg:§ 4 folgende Fassung zu geben:„Sofern dem Vorstande ein weibliches Mitglied angehört, hat dasselbe im Einverständnis mit dem Gesamtvorstande vornehmlich die Agitation unter dem weiblichen Proletariat zu be treiben." Kiel: Hinter dem Worte„diesen" des Entwurfs einzuschalten »auf Verlangen". 16. sächsischer KreiS: �n Organisationen, denen weib liche Mitglieder angehören, ist diesen möglichst eine Vertretung im Lorstand zu gewähren. Brau»schweig: Der erste Satz des ß 4 soll lauten:„Zur Leitung und Verwaltung in den sozialdemokratischen Vereinen und Kreisorgauisationen sind, wenn möglich. Genossinnen heran zuziehen, ebenso zur Leitung der Gesamtpartei." Erfurt: Alle die jetzt bestehenden Rechte der weiblichen Mit- glieder im neuen Organisationsstatutentwurf unverkürzt bestehen zu lassen. Bayrischer Landesvorstand undGau vor stände: Zn§ 4„müssen" streichen, dafür setzen:„sollen nach Möglichkeit H i I d e s h e i m: Das Wort„müssen" durch„können" ersetzen. Bielefeld: Hinter die Worte„angehören müssen" zu setzen: soweit die Möglichkeit dafür vorhanden ist. 8. u. 9. s ch l e s w.- h o I st. Kreis: Statt des§ 4 möge der Parteitag folgende dem Statut anzuhängende Erklärung beschließen: Wo eS nach den Verhältnissen geboten und möglich erscheint, weiblichen Mitgliedern eine Vertretung im. Vorstande des Vereins zu gewähren, haben die Organisationen dem Rechnung zu tragen. Nürnberg, 16. s ä ch s. Kreis, 18. s ä ch s. Kreis, Bochum, Teltow, Münchenlu. II: Soll statt„müffcn" ge- fetzt werden„sollen möglichst". Ludwigshafen u. Leipzig: Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, haben diesen im Vorstand eine Ver- tretung zu gewähren. Leipzig: Kreis organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, müssen diesen eine Vertretung im Vorstande gewähren. Die Ortsvereine der einzelnen Kreisorganisationen sind verpflichtet, nach Möglichkeit, den Frauen eine Vertretung im Vorstand zu gewähren. Die weiblichen Vorstandsmitglieder haben im Em- verständnis mit dem Gesamtvorstande vornehmlich die Frauenagitation zu betreiben. Kommission:§6. Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirksverbänden und Landesorganisationen überlassen. Der mona:liche Mindestbeitrag mutz jedoch für männliche Mitglieder 30 Pf. und für weibliche Mitglieder 29 Pf. betragen. Den weib- lichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern. Mindestens 29 Proz. der erhobenen Mitgliederbeiträge sind an die gentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand ist berechtigt, einzelnen Wahlkreisen im Bedarfsfalle einen über 89 Proz. dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung zu überlassen. Königsberg: Den monatlichen Mindestbeitrag für Frauen auf 19 Pf. festzusetzen und Satz 8 zn streichen. Salzwedcl, Tangermünde: Der wöchentliche Beitrag muß mindestens 19 Pf. für männliche und 6 Pf. für weibliche Mit- glieder betragen. Den Satz:„Den weiblichen Mitgliedern ist die �Gleichheit" unentgeltlich zu liefern", zu streichen. Straßburg: Für den zweiten Teil des vorstehenden Antrages. Desgleichen München 1 und H, Berlin l, Teltow. Münch en I und II:. Nach den Worten: im Bedarfsfalle, ein- zusetzen: nach Zustimmung der betreffenden BezidlS- oder Landes» Organisation. Düsseldorf: Dem zweitletzten Satz folgende Fassung zu geben: Mindestens 29 Proz. der von den Bezirks- bczw. Landes- organiiationen festgesetzten Mindestbeiträgen sind an die Zentralkasse abzuliefern.'- Bunzlan: Den Mindestbeitrag im OrganisationSstatut für männliche Mitglieder auf 16 Pf. pro Monat festzusetzen. De» weib- lichen Mitgliedern ist die„Gleichheit� unentgeltlich zu liefern. H a l b e r st a d t: Anstelle deS monatlichen Mindestbeitrages von 39 Pf. für männliche und LS Pf. für weibliche Mitglieder ist der 19 Pf.-Wochenbeiirag für männliche und der 6 Pf.-Wocheubeitrag für weibliche Mitglieder festzusetzen. Die unentgeltliche Lieferung der„Gleichheit" hat fortzufallen. Andernfalls sind nur von- dem Mindestbeitrag von 39. Pf. die Prozente an die Hauplkasse ab- zuliefern. Flensburg und 8 und 9 schleswig-holsteinischer KreiS: Zn Z 6:„Der Beitrag für weibliche Mitglieder beträgt mindestens 19 Pf. pro Monat." Der Satz:„Den weiblichen Mit- gliedern ist die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern" wird gestrichen. Sollten beide Anträge abgelehnt werden und das Statut in der Form deS Entwurfs beschlossen werden, dann soll der folgende Satz lauten:„Von den erhobenen Beiträgen der m än n lich en Mit- glieder sind 29 Proz. an die Zentralkasse abzuführen." Durlach: Mindestens 29 Proz. der erhobenen Mindestbeiträge sind an die Zentralkasse abzuführen. In Zeile 8 ist das Wort „berechtigt" durch„verpflichtet" zu ersetzen. MeweS, Neu-Segefeld: Mitglieder, welche durch Arbeits- lofigkeit, Krankheit usw. länger als vier Wochen erwerbslos sind, können auf eigenen Antrag während der weiteren Erwerbslosigkeit von den Beiträgen befreit werden und ist dies im Mitgliedsbuch zu vermerken. Koblenz: Der Parteitag wolle beschließen, den Beitrag für die weiblichen Mitglieder auf 6 Pf. pro Woche festzusetzen. Die Landesorganisationen haben nicht das Recht, diese zu erhöhen. Magdeburg: a) Der wöchentliche Beitrag beträgt für männ- liche Mitglieder 19 Pf., für weibliche 6 Pf. b) Der folgende Satz im § 6:„Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" unentgeltlich zu liesern" ist zu streichen. Bei Ablehnung d:S Abs. a wolle der Parteitag beschließen: 29 Proz. von den im Organisationsstatut festgesetzten Mindest- beitrügen sind an die Parteikasse abzuführen. B o ch u m: Der K 6 erhält folgende Fassung: Der wöchentliche Beitrag beträgt für männliche Mitglieder 19 Pf. und für weibliche Mitglieder 6 Pf. Den weiblichen Mitgliedern wird die„Gleichheit" durch die Gesamtpartei gratis geliefert. Mindestens 16 Proz. der erhobenen Mitgliederbeiträge sind än die Zentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand ist jedoch be- rechtigt, einzelnen Wahlkreisen im Bedarfsfalle einen über 86 Proz. dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung zu überlassen. Lippe-Detmold: Das Minimum des Beitrages bleibt auf 29 und 19 Pf. bestehen. Zwickau: Der Beitrag beträgt für männliche Mitglieder wöchentlich 19 Pf., für weibliche Mitglieder 6 Pf., jedoch ist es den einzelnen Ortsvereinen bezw. Kreis- oder Landesorganisationen über- lassen, höhere resp. Extrabeiträge zu erheben. Dre Mitgliedsbücher mrd Beitragsmarken müssen einheitlich über ganz Deutschland sein. Offenbach: Von den festgelegten Mindestbeiträgen der männlichen Mitglieder sind 29 Proz. an die Zentralkasse ab- zuführen. Die Beiträge der weiblichen Mitglieder sind hiervon ausgenommen. Leipzig: Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirks- und Landesorganisationen überlassen. Der wöchentliche Beitrag muß für männliche Mitglieder mindestens 19 Pf. und für weibliche Mitglieder mindestens 6 Pf. betragen; Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" auf Antrag unentgeltlich zu liefern. 16. sächsischer KreiS:„Der monatliche Mindestbeitrag mich jedoch für männliche Mitglieder 39 Pf. und für weibliche Mit- glieder 29 Pf. betragen" zu streichen. 16. h a n n o v e r sch e r.Kr esi S: Statt 29 Pf. für weibliche Mitglieder 19 Pf. zu fetzen und S atz 3 zu streichen. Bayrischer Land esvor stand undGauvorstände: In§ 6 die unentgeltliche Lieferung der„Gleichheit" streichen. In der drittletzten Zeile einzufügen:„nach Zustimmung der betreffenden Bezirks- und Landesorganisationen." L u d w i g s h a f e n. Der§ 6, der von der Beitragsleistung handelt, ist in der alten Gestalt zu belassen und dem letzten Absatz hinzuzufügen:„Solche Gesuche müssen vom Vorstand der Bezirks- und Landesorganisation unterstützt fein." 22. s ä ch s i s ch e r K r e i s: Der Wochenbeitrag in ganz Deutsch- land beträgt für männliche Mitglieder a Person 19 Pf. 4. württembergischer Kreis: Im neuen Organisations- statutenentwurf zu bestimmen, daß nicht 29 Proz. der Leitrüge an die Zentralkasse abzuführen sind, sondern es bei dem seitherigen Satze von 4 Pf. zu belassen. Calw: Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirksverbänden und Landesorganisationen überlassen. Der monatliche Mindestbeitrag muß jedoch für männliche Mitglieder 39 Pf. und für weibliche Mitglieder 29 Pf. betragen. Mindestens 29 Proz. der regelmäßigen Beiträge sind an die Zentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand ist berechtigt usw. Wie im Entwurf. Landesparteitag Oldenburg: Der wöchentliche Beitrag beträgt für männliche Mitglieder 19 Pf., für weibliche Mitglieder 6 Pf. Liegnitz-Goldberg: Der Mindestbeitrag für männliche Mitglieder beträgt 29 Pf. pro Monat, für Frauen 19 Pf. pro Monat. Die obligatorische Einführung der„Gleichheit" ist ab zulehuen. eher: Der Parteitag wolle beschließen. den einzelnen Landes-, Kreis- und Ortsorganisationen zu empfehlen, die Erhebung der Parteibeiträge progressiv und zwar in folgender Ordnung zu erheben: bis 799 M. Einkommen 9,19 M. pro Monat 9.16... „ 9,29„„„ „ 9,39„„„ „ 9,49„„„ „ 9,59„„„ „ 9,69„„„ 9,89.. » 1,29„„» „ 1,59„„„. „ 2,---„„„ �_. Brieg: Der Parteitag möge in Anbetracht der immerwährenden Steigerung der Lebens- und Bedürfnisartikel beschließen, den Monatsbeitrag nicht(wie der Antrag der Kommission) auf einen esten Satz zu stellen, sondern den jetzigen Modus der einzelnen Wahlkreise auch für fernerhin weiter zu belassen. Die Versammlung befürchtet bei einer Erhöhung deS Beitrages gerade in ärmeren Kreisen einen großen Rückgang der Mitgliederzahl. Niederbarnim: Zm§ 5 sind die Worte zu streichen:„Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit" gratis zu liefern". i e I e f e l d, Wiedenbrück. Magdeburg, für den letzten Satz Mülhausen i. Elf.: Der wöchentliche Mindest- Beitrag muß für männliche Mitglieder 19 Pf..und für weibliche Mit- zlieder 6 Pf. betragen. Den Satz:„Den weiblichen Mitgliedern ist sie„Gleichheit" gratis zu liefern" zu streichen. Minden: Lübbecke: Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirksverbänden und Landesorganisationen überlassen. Die Wahlkreise haben mindestens 29 Proz. ihrer au« den Beiträgen sich ergebenden Einnahmen an die Zentralkasse abzuführen. Der Partei- vorstand ist berechtigt, einzelnen Wahlkreisen im Bedarfsfalle einen über 89 Proz. dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigen- Verwendung zu überlassen.- i. Striegau: Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirksverbänden und Landesorganisationen überlassen. Der monat- liche Mindestbeitrag muß jedoch für männliche Mitglieder 39 Pf. und für weibliche Mitglieder 29 Pf. betragen; Ausnahmen kann auf Antrag der Parteivorstand belvilligen. Mindestens 29 Proz. der erhobenen Mitgliederbeiträge. sind an die Zentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand ist berechtigt, einzelne» Wahlkreisen im Bedarfsfall einen, über 89 Proz. diefer Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung zu überlassen. '16. s ä ch s. Kreis: Statt.Bezirksverbänden und Landes- organisationen" zu setzen:.Wahlkreisorganisationen".»Den weib« lichen Mitgliedern die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern" zu streichen.' Glatz, Habelschwerdt': Desgleichen ist der Parteivorstand berechtigt, die in§ 5 festgesetzten Mindestbeiträge niedriger zuzulassen, wenn mit besonders schwierigen örtlichen Ver- Hältnissen für unsere Pnrteibewegung gerechmsi werden muß. So- bald jedoch eine gewisse F e st i g u n g der Pätteibewcgung eingetreten ist, ist auf die Durchführung des statutengemäßen � monatlichen MindestbetrageS hinzuwirken. Eine Schmälernnz der statutengemäßen Rechte tritt wegen geringerer BeitragSleistnng nicht ein, weder innerhalb der Gesamipartet oder den Landes- oder Bezirksverbänden. 6. s ä ch s. Kreis: Der Mindestbeitrag ist für männliche Mit- glieder auf 19 Pf. pro Woche und für weibliche auf 6 Pf. festzn- fetzen. Den weiblichen Mitgliedern ist die»Gleichheit" unentgeltlich zu liefern. B r a u n s ch w e i g für den Schlußsatz, HamburgerLandeS« Organisation, und Hildes heim: Im§ 5 soll es heißen: Der Mindestbeilrag für weibliche Mitglieder beträgt 19 Pf. Der Passus, betreffend unentgeltliche Lieferung der«Gleichheit" wird ge- strichen. Kiel. Celle: Im§3 im ersten Satz hinter dem Worte „Landesorganisationen" einzuschalten: bezw. Wahlkreis- organisationen; im zweiten Satze zu setzen 19 Pf. statt 29 Pf.: den Satz betr. unentgeltliche Lieferung der„Gleichheit" zn streichen; im vierten Satz zu setzen: vom Mindestbeitrag statt der erhobenen Mitgliederbeiträge. Lennep: Die Beiträge betragen zwei wöchentlich 29 Pf. für männliche Mitglieder und 16 Pi. für weibliche Mitglieder. Plauen: Der Beitrag bettägl für männliche Mitglieder wöchentlich 19 Pf., für weibliche Mitglieder 6 Pf., jedoch ist es den einzelnen Ortsvereinen bezw. Kreisen oder Landesorganisationen überlassen, höhere resp. Extrabeiträge zu erheben. Die Mitglieds- bücher und Beitragsmarken müssen einheitlich für ganz Deutsch« land sein. Gießen: Den Mindestbeitraz wie bisher auf 29 Pf. oen Monat festzusetzen. Halle: Zn 8 S wird beschlossen, den weiblichen Mitglredern die„Gleichheit" gratis zu liefern. Stuttgart: Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Vezirlsverbänden und Landesorganisationen überlassen. Der monat» liche Beitrag für männliche Milglieder muß mindestens 39 Pf. be» tragen; von diesem Grundbeitrag sind 29 Proz. an die Zentral- lasse abzuführen. Der monatliche Beitrag für weibliche Mitglieder beträgt mindestens 29 Pf., dafür ist denselben die„Gleichheit" unentgeltlich zu liefern; von den Beiträgen der weiblichen Mit» glieder ist an die Zentralkasse nichts abzuführen. O b e r r h e i n i s ch e r P a r t e i t a g: Der Parteibeittag wird auf wöchentlich 19 Pf. festgesetzt und den einzelnen Wahlkreisen und Agitationsbezirken bleibt freigestellt, zu diesem Mindestbeiträge Lolal» zuschlüge zu erhebe». Der Parteitag weist erneut auf die durchaus guten Erfolge hin, die überall mit der Einführung des Zehnpfennig» beitrageö gemacht worden sind. G r ü n b e r g: In denjenigen Gegenden, wo der ortsübliche Tagelohn für erwachsene männliche Arbeiter weniger als 2 M. szwci Mark) beträgt, ist es den Vereinen gestattet, den MonatSbeitrag auf mindestens 29 Pf. festzusetzen. Barme n: Der monatliche Beittag der weiblichen Mitglieder soll 16 Pf. betragen. Die unentgeliliche Liefermig der„Gleichheit" ist im allgemeinen Statut nicht vorzusehen. Ka m Mission: Berichterstattung. 8 6-, Das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen läuft vom 1. Juli bis 39. Juni. Die Vor- sitzenden der Sozialdemokralischen Vereine haben alljährlich bis zum 16. Juli dem Parteivorstand Bericht zu erstatten. Der Bericht ist nach einem vom Parteivorstand zu versendenden Fragebogen zu geben und muß mindestens enthalten Angaben über: Art und Umfang der ent» falteten Agitation, die Zahl der im Wohlkreise organisierten Partei» genossen, die Höhe des von den Mitgliedern erhobenen Partei» beitrageS, die Summe der gesamten Einnahmen, die Art der Ver« Wendung der dem Wahlkreise verbliebenen Gelder. �... Den gleichen alljährlichen Bericht in bezng auf ihre Tätigkeit und die Verwendung der ihnen etwa vom Parteivorstande über» wieseiien Gelder haben die Vorstände der Bezirksverbände und Laudesorganisationen zu erstatten. Bayrischer LandeSvor st and und Gau vor stände. Satz 2 und 3 soll lauten: Die Vorsitzenden der sozialdemokratischen Vereine haben alljährlich an die Bezirksorganisationen so rechtzeitig Bericht zu erstatten, daß deren Berichte an die Lmrdesorganisation sobald eingeliefert werden, daß diese ihren Bericht an den Partei» vorstand bis zum 39. Juli fertigstellen können. Die Grundlage zn diesem Bericht gibt ein vom Parteivorstand herzustellender Frage» bogen, der von den Landesorganisationen an die Bezirks- und von diesen an die VereinSorganisation bestimmt. Dieser Fragebogen muß mindestens enthalten, Angaben übet: Art und Umfang usw. München I und II: Satz 2 soll lauten: Die Vorsitzenden der sozialdemokratischen Vereine haben an die Bezirksverbände alljährlich sobald Bericht zu erstatten, daß die Bezirksorganisationen ihren Bericht an den Landesvorstand so rechtzeitig abliefern können, daß der Landesvorstand seinen Bericht bis spätestens am 15. August abliefern kann. Der Bericht usw. Flensburg: Zu 8 6: Die Vorsitzenden der sozialdemo- kratischen Vereine haben alljährlich bis zum 39. Juli dem Partei» vorstand Bericht zu erstatten. Bochum. Dortmund, Limbach, Ch emnitz. Döhlen, Lennep, I o h a n n g e o r g e n st a d t, Kolberg, Meerane: Das Geschäftsjahr beginnt am 1. April und endet am 31. März des folgenden Kalenderjahres. Kiel: Im zweiten Satz zu setzen»16. August" statt .16. Juli". Nürnberg: An Stelle der Worte: Die Vorsitzenden der sozialdemokratischen Vereine, zu setzen: Die Bezirksvorstände, und statt 16. Juli zu setzen: 39. Juli. Kommt) sion: Parteitag. 8 7. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme au ihm sind be- rechtigt: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags-, Wahlkreisen. Die Wahl der Delegierten erfolgt nach der Maß« gäbe, daß in Wahlkreisen bis 1699 Mitglieder ein Delegierter, bis 3999 zwei, bis 6999- drei, bis 12 999 vier, bis 18 999 fünf und über 18 999 sechs Delegierte zu wählen sind. Die Vertretung richtet sich nach der vom Parteivorstand auf Grund der nach§ 6 abgeführten Beiträge festgestellten Mitgliederzahl. Wo niedrere Delegierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. 2. Die Mitglieder der ReichStagssraltion. 8. Die Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontroll- kommission. 4. Die vom Parteivorstand berufenen Referenten. Die Mitglieder.der ReichstqgSfraktion haben in allen die Parka« mentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die eschüftliche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur beratende Stimme. Nur beratende Stimme haben auch die vom Parteivorstande hinzugezogenen Vertreter von Parleiinstitutionen. Kiel, Hagen: Am Schluß des 2. Satzes zu setzen:„gewählt werden können" statt„zu wählen sind"; den ersten Satz des letzten Absatzes zu streichen ilnd dafür zu setzen:„Tie Mitglieder der Reichstqgsfrgktion baben nur beratende Stimme, die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die geschäftliche Leitung der Partei be» treffenden Fragen nur beratende Stimme". Plauen: Absatz 2 zn streichen.' Barmen: Zu 8 7 letzter Absatz: Die Mitglieder der Rcich J- tagSfraktion, soweit sie nicht zugleich Delegierte sind, haben aus dem Parteitag in allen Angelegenheiten nur beratende Stimme. Landesorganisation Ha m d u r g t 8 7 Absatz 1 wie folgt abzuändern:„Die Delegierten der Pgrtei ans den einzelnen ReichStagSwahlkreisen. Die Wahl der Delegierten erfolgt nach Maß» gäbe der Mitgliederzahl. ES können gewählt werden: In Wahl« kreisen usw." Stuttgart:§ 7 ist nach folgenden Grundsätzen abzuändern: die zwingende Form„zu wählen sind" zu ersetzen durch„gewählt werden können". Demgemäß sei auch zu sagen: Wo mehrere Delegierte„gewählt werden" Ter 2. Absatz, 1. Satz soll lauten: Gegen diese Entscheidung� steht sowohl dem Antragsteller als auch dem Wahlkreisvorstande bezlo. dem Bezirks- oder Landesvorstande das Recht der Berufung an den nächsten Parteitag zu. Königsberg: Der Schluß des ersten Satzes, Absatz 1. soll lauten:„an den Vorstand der Bezirks- bezw. Landesorganisation zu richten, der der Ausgeschlossene angehörte". 3. und 9. schleswig-hol st eini scher Kreis: Der Antrag auf Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen ist jederzeit an den Vorstand usw. Kommission: Abänderung der Organisafion.§ 23. Acnde« rungen an der Organisation der Partei können nur durch einen Parteitag vorgenommen werden. Anträge auf Abänderung der Organisation können nur beraten werden, wenn sie innerhalb der Fristen, welche die 88 16 und 13 vorschreiben, zur öffentlichen Kenntnis der Parteigenossen gelangten. Eine Abweichung von der letzten Bestimmung ist nur dann zu- lässig, wenn mindestens dreiviertel der anwesenden Vertreter auf einem Parteitag sich für die Abweichung entscheiden. Breslau: Als neuer 8 M: Das neue Organisationsstatut tritt mit dem 1. Juli 1310 in Kraft. Königsberg: Resolution zum Entwurf deS Organisafions� statutS: Der Parteitag wolle bei unserem Parteiorganisations- statut auch den sprachlichen Ausdruck prüfen und einwandfrei gestalten. Bezirkstag der Provinz Posen: Der Parteitag iu Leipzig möge klare Bestimmungen in das Organisationsstatut der Partei aufnehmen über: 1. Art und Umfang der Zulässigkeit der P. P. S.(Polnische Soz. Partei.) 2. Deren rechtliche Stellung zur Gesamtpartei. 3. Pflichten des Znsammenarbeitens der einzelnen Organisafionen in solchen Kreisen, in denen solche Organisation neben der Wahl- kreisorganisation bestehen. Internationaler kongrek. H e n n i g- Leipzig. Das Internationale Bureau wolle zu gleicher Zeit mit dem Internationalen Kongreß in Kopenhagen eine internationale Konferenz der BildungSauSschüsse und Bibliothekare veranlaffen. Sonstige Anträge. Berlin IV. Der Antrag III des vorigen Parteitages ist dem Parteivorstand zur Berücksichtigung empfohlen. Die Delegierten deS Leipziger Parteitages sind verpflichtet, für strikte Durchführung obigen Antrages einzutreten. 4. s ä ch s. K r»i s. Der Parteivorstand wird beauftragt, zur Regelung der sozialpolitischen Einrichtungen und zur Schlichtung von aus dem Arbeitsverhältnis entstehenden Differenzen für die im Besitz der Partei befindlichen Betriebe(Druckereien usw.) eine Kommission, bestehend auS Vertretern der Parteigeschäfte und der Angestellten, einzurichten. Nürnberg: Der Parteitag in Leipzig wolle beschließen, den Deutschen Arbeiter-Abstinentcnbund zur Ausbreitung seiner Ideen nach Möglichkeit zu unterstützen. E l b i n g: Der Parteivorstand möge zweimal jährlich ein Adrefr Verzeichnis herausgeben und in beschränkter Anzahl den Vorständen der Kreisorganisationen zur Verfügung stellen. Dies Verzeichnis soll außer den Adressen der Sekretariate diejenigen der Kreisvereine und nach Möglichkeit auch die Adressen der Verkehrslokale enthalten. Saarbrücken: Der Parteitag wolle beschließen: Den Partei- buchhandlungen und-Kolporteuren wird es untersagt, Photographien, Porträts und hauptsächlich Ansichtskarten mit Photographien lebender Parteigenossen zu verkaufen noch auszustellen. Marne im 5. schlestvig-holsteinischen Kreis: Der Parteitag wolle beschließen, daß Mitglieder der Partei, die sich zurBe- kämpfung des Alkohols organisieren io ollen, sich nur dem Deutschen Arbeiter- Ab st inentenb und an- schließen und nicht dem Guttempler-Orden. Wer dem Guttempler- Orden angehört, hat innerhalb vier Wochen aus demselben aus- zutreten, widrigenfalls die Betreffenden aus der Partei aus- geschlossen werden. B e n s h e i m: Der Parteitag möge beschließen, die deutsche Volkskurzschrift(Arendsche Stenographie) durch eine Kommission oder sonst eine geeignete Körperschaft auf ihre Konkurrenzfähigkeit den anderen Stenographien gegenüber zu prüfen, da gerade die aus dem Arbeiterstande in ein Parlament gewählten Genossen mit der besten Stenographie ausgerüstet sein sollen und die Arbeiter nicht mehrere Stenographieshstcme erlernen können. P o t s d a m- O st h a v e l l a n d. Der Parteitag brandmarkt mit Abscheu die blutigen Greuel, unter denen die Gegenrevolution in Rußland ihren weißen Schrecken verbreitet. Er spricht den unglücklichen Opern dieser fluchwürdigen Ordnung und den heldenmütigen Kämpfern gegen sie seine brüderliche Sym- pathie aus. Er weist jede Gemeinschaft mit dem des doppelt hochverräteri- schen und meineidigsten Zarismus entschieden zurück. Er betrachtet es als eine Schmach für Deutschland und das deutsche Volk, daß der mitschuldige Träger dieses Regimes unter Ehrung deutscher Behörden seinen Fuß auf deutschen Boden setzen konnte und daß deutsche Soldaten zur Bewachung des gekrönten Verbrechers kommandiert werden konnten. Er gelobt, daß sich die deutsche Sozialdemokratie auch künftig mit den russischen Freiheitskämpfern solidarisch fühlen und den Opfern dieser Freiheitskämpfe niit besten Kräften bereitwillige Unter- stützung leisten wird. Breslau: Um sobald als möglich die Einführung von Dissidentenschulen zu ermöglichen und dadurch die Jugend dem ver- derblichen Einfluß des dogniatischen Religionsunterrichts zu entziehen, empfiehlt der Parteitag den Parteigenossen dringend den Austritt aus der Landeskirche. Antrag nack§ 29 des Organisationsstatuts auf Vlliederaufnakme in die Partei. Emil Schröder- Berlin 30. Tagesordnung des näcksten Parteitags. Es beantragen 1310 auf die Tagesordnung zu setzen: L u d w'i g S h a f e n. Die Agrarfrage. Kattowitz-Zabrze. Die Ein- und Aus Wanderungsfrage. Teltow-Beeskow. Die Genossenschaftsfrage. Ort des näckften Parteitages: Berlin I. Den Parteitag 1310 in Berlin abzuhalten. Magdeburg. Den Parteitag 1310 in Magdeburg abzn- halten. Versammlungen. Der Holzarbciterverband hielt am Mittwoch seine Genei.alver- sammlung für das zweite Quartal ab. Nach der vorliegenden Ab» rechnung hatte die.Haupt lasse eine Einnahme von 126 285,35 M.. eine Ausgabe von 125 662,81 M. Die Lokalkasse chat 246 384,06 M. eingenommen und 185 450,74 M. ausgegeben. Der Bestand beträgt 61 533,32 M.— Für Unterstützungen hat der Verband ausgegeben: An Arbeitslose 80 861 M., an Kranke 46 470 M., an Streikende 4320 M., an Gemaßregelte 8657 M.> au Maigemaßregelte 44 561 M., Sterbegeld 3065 M., Umzugunterstützung 531 M., Notfallunterstützung 520 M., Rechtsschutz 1769 M., Extraunterstützung an Aus« gesteuerte 6438 M.— Bei der mündlichen Erstattung des Kassen� berichts sagte der Kassierer Miele, die Mitgliederzahl sei in einer erfreulichen Zunahme begriffen. Der Verband sei auf dem besten Wege, die Mitgliederzahl, die er vor der Krise hatte, nicht nur wieder zu erreichen, sondern zu überschreiten. Dem vom Vorsitzenden Glocke erstatteten Geschäftsbericht des Vorstandes ist folgendes zu entnehmen: Abgehalten wurden 1 Generalversammlung, 3 Gcsamtvertrauensmännerversammlun- gen, 81 Vertrauensmännerbersammlungen der Bezirke und Bran- che», 73 Mitgliederversammlungen, 12 Verwaltungssitzungen. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich seit dem ersten Quartal ständig ver- ringert. Ein Zeichen, daß sich die wirtschaftliche Konjunktur wieder hebt. Die Zahl der Arbeitslosen betrug im Mai 2400, im Juni 2300, im Juli 1530. Das ist ein Drittel der Arbcitslosenzahl, welche im Januar dieses Jahres vorhanden war. Immerhin ist die Konjunktur noch nicht günstig, denn in normalen Zeiten betrug die Zahl der Arbeitslosen im Monat Juli nur 700 bis 800. Maß erstattete den Bericht der Schlichtungskommisfion. Diese wurde 66mal angerufen. 43mal fanden Verhandlungen der beiden Beauftragten der Schlichtungskommission statt, bmal wurden Sach- verständige hinzugezogen. Bei Meistern, die nicht unter dem Ver- trage stehen, fanden 51mal Differenzen statt, die 55 Verhandlungen zur Folge hatten. In 0 Betrieben mit 35 Arbeitern kam es zum Streik. Es handelte sich um Abwehr von Verschlechterungen. Ein Streik mit 8 Beteiligten ging verloren, die übrigen 5 Streiks hatten Erfolg.— Die Hutformtischler hatten eine Lohnbewegung ohne Arbeitseinstellung. Es wurde ein neuer Vertrag mit den Fabri- kanten abgeschlossen, durch den die Arbeitszeit von 52 auf 51 Stun- den herabgesetzt, der Mindestlohn für eingearbeitete Hutformtischler von 70 auf 80 Pf. und im übrigen der Lohn um 5 Pf. pro Stunde erhöht wird. lieber die Tätigkeit der Kontroll- und Agitationskommission berichtete Maß: Die Kommission zählte im zweiten Quartal 384 Mitglieder. Sie hielt 180 geschäftliche Sitzungen und 1377 Werk- stattsitzungen ab. Dazu waren 2432 Werkstätten mit 27 883 Be- schäftigten geladen und aus 1844 Werkstätten 18 313 Kollegen, davon 16 683 organisierte zu den Sitzungen erschienen. Güth gab den Bericht vom paritätifchiFt Arbeitsnachweis. Im zweiten Quartal ließen sich 7641 Arbeitslose einschreiben, 2427 offene Stellen waren gemeldet, 1343 wurden besetzt. Die Zahl der eingetragenen Arbeitslosen war gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres durchschnittlich um 1000 niedriger. Daraus ergibt sich jedoch nicht, daß der Geschäftsgang besser ist wie im zweiten Quartal vorigen Jahres. Im Gegenteil, voriges Jahr war mehr Arbeitsgelegenheit vorhanden. Wenn in diesem Jahre die Zahl der Arbeitsuchenden durchschnittlich niedriger war wie im Vor- jähre, so erklärt sich das dadurch, daß viele Kollegen von Berlin nach anderen Orten gereist sind.— In der letzten Woche war die Zahl der Arbeitslosen auf 350 herabgegangen. Den Berichten folgten längere Diskussionen, in denen Haupt- sächlich Einzelfälle aus den Vorgängen im Berufs zur Sprache kamen.— Die Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung wurden wegen der vorgerückten Zeit vertagt. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Verwaltungsstelle I hielt am Mittwochabend bei Keller, Köpenicker Straße, ihre Gene. ralversammlung ab. Der Vorfitzende W a p p l e r erstattete den Tätigkeitsbericht. Neben der Generalversammlung fanden neun Sitzungen der Ortsverwaltung, 73 Betriebsbefprcchungen, 16 Bran» chenversammlungen, 8 Sitzungen der Vertrauensleute der einzelnen Branchen und 3 Sitzungen der Sektionsleitungen, 4 der Bezirks- leitungen und verschiedene Kommissionssitzungen sowie 7 Ver- Handlungen mit Unternehmern statt. Der Kassenbericht der Verwaltung I für das zweite Quartal 1303 zeigt eine Einnahme von 77 548,30 M.(darunter den Kassenbestand vom 1. April 1303 mit 44 059,12 M.), der eine Ausgabe von 37 103,68 M. gegenübersteht; somit verbleibt am 30. Juni 1303 ein Bestand von 40 444,62 M.(Di». Hauptkasse zählte im Laufe des zweiten Quartals 16 303,70 M. an Unterstützungen aus, darunter an Arbeitslose 3590,70 M., an Kranke 4874,85 M., an Gcmatzregelte 1389,15 M.. in Notfällen 575 M., bei Beerdigungen 380 M.) Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Dccharge er» teilt. Der zweite Punkt der Tagesordnung war von besonderer Wich- tigkeit; es handelte sich darum, wie sich die Mitglieder zu dem Vor- schlag, die vier Berliner Verwaltungsstellen zusammenzulegen, ver- halten. Spieckermann legte dar, daß diese Frage sich den Mit- gliedern in der letzten Zeit immer mehr aufgedrängt habe. In Konferenzen hatte man schon eifrig beraten und erwogen, wie solche Pläne durchzuführen seien. Die Vertrauensmänner aller Ver- waltungsstellen haben sich für die Einheitlichkeit der Organisation erklärt. Man verspricht sich viel Nutzen für die Agitation davon, man erwartet, an Vcrwaltungskosten zu sparen und die Organisa- tion zu stärken. In der Diskussion machten sich hauptsächlich Be- denken wegen der Beitragsleistung geltend; prinzipielle Einwen- dimgen wurden nicht erhoben. Spieckermann erklärte, daß die Frage der Beiträge durch VcrbandStagsbcschlüsse geregelt sei und man Vertrauen dazu haben müsse. Er legte folgende Resolution vor: „Die am 18. August tagende ordentliche Generalversammlung der Verwaltung I erklärt sich prinzipiell mit der Zusammenlegung der vier Berliner Verwaltungsstellen einverstanden unter der Vor- aussetzung, daß der zukünftigen Sektionsleitung der Hausdiener die Selbständigkeit in der Agitation gewährleistet wende und daß eine Erhöhung der Beiträge, sofern dieselbe nicht durch Verbands- tagsbcschluß erfolgt, nicht über die Köpfe der Kollegen der jetzigen Verwaltung Berlin I erfolgen darf." Mit allen gegen drei Stimmen wurde diese Resolution ange- nommen. eingegangene vruckfckriften. Süddeutsche Monatshefte. Heft 9. Herausgegeben von P. R. Coßmaim. Einzelheit 1.50 M. Verlag in München. „Niiirz", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber L. Thoma, H. Hesse. K. Aram, R. Hessen. Zweites Augusthest 1909. 1,20 M. Quartal 6 Mi 81. Langen, München. Taschenbuch der Pilze. Von 33. Clcff. 2,50 M. I. F. Schreiber, Eßlingen a. N. StraubcS Wandcrrudercr-Führcr„Hip HIp hurra", Wegweiser für Ruderer, Segler, Motor- und Dampsbootsahrer aus den märkischcii, mecklenburgischen und angrenzenden Gewässern. Von Fr. Ed. Keller. Mit 15 Karten. 4 M. Geograph. Institut Straube, Berlin LW. 13, Neuen- burger Str. 15. Krankheiten und Ehe. Darstellung der Beziehungen zwischen Gc- sundhcitsstörungcn und Ehegcmeiaschast. Von Geh. Mcdizinalrat Pros. Dr. H. Senator und Dr. med. S. Kaminer. Dargestellt von Dr. med. Zt. Fuch er. In 25 Lieserungcn ä 50 Ps. Lieserung 5 und ö. Rüstung und Ueberrüstung. Von Berta v. Suttuer. Geh. 70 Pj. HeSperuS Verlag. Berlin IV. 30. Tie Tätigkeit deS Sozialdemokratischen Verbandes im Rb. geordnctcnhanse. 19. Session. 20 Heller. I. Brand u. Co., Wien VI. Die Auferstehung oder der Rat der Götter von E. Loewenthal, Ullivcrsai-Archm für Wijseuschnst und Literatur. Berlin dl. 05. Wegweiser für dauernd bessere Zeiten von I. Naneder. 15 Li. Selbstverlag Berlin, Landsberger Straße 91. Verantwortlicher Aedaktestr: Hm? Mber, SfjJifl, Für tWJnIergtentkil vergntw,; Th, Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärt« Buchdruckerej u. LcrlagSanstalt Paul Einger Sc Co., Berlin LM Kr. 194. 26. Iahrgaug. 3. Kkilage des Joiiuätls" Seil inet WltsdlM Zonnllbend. 21. August 1909. Partei- Hngelegenbeitcn» Die Generalversammlung des Verbandes der sozial demokratischen Wahlvereine findet am Sonntag, den SS. August, mittags 12 Uhr, in Kellers Festsälen (Jnh. Freyer), Koppenftr. SS, statt. Tagesordnung: 1. Vorstands-, Kassen- und Revisionsbericht. 2. Diskussion. 3. Anträge der Kreiswahlvercine. 4. Die politische Situation im Reich und in Preußem Referent: Landtagsabgeordneter Genosse S t r ö b e l.� 6. Partei- und Verbandsangelegenheiten. Die Delegierten- und Gastkarten sind den Kreisen zu gegangen. Der gcschäftsführende Ansschust. Zur Lokalliste. Am Sonntag, den 22. d. M., findet in Blanken bürg bei Berlin da« diesjährige Erntefest statt. Wir machen ganz besonders darauf aufmerksam, daß uns in Blankenburg selbst kein Lokal zur Verfügung steht und ersuchen daher, nur das abseits des OrteS liegende„Wirtshaus an der Panke" Jnh. Rick, zu besuchen. Auf Wunsch der Parteigenossen in Falkenhagen-Seegefeld teilen wir mit, daß eS leider bis jetzt noch nicht gelungen ist, ein Lokal für unsere Versammlungen zu gewinnen und daß unsere Organt sation am Orte daher obdachlos ist. Wir richten daher an alle Bereine, speziell die Arbeiterradfahrer, das dringendste Ersuchen, obige Orte möglichst gänzlich zu meiden. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. s7. und 3. Abteilung.) Heute Sonn abend, findet im Garten von Rabe, Fichtestr. 29, ein Kinde r- Freudenfest statt, verbunden mit Kaffeekochen, sl Liter 70 Pf., Va Liter 35 Pf.) Für Kinderbelustigungen ist Sorge ge tragen. Anfang nachmittags 3 Uhr. Abends: So mmernachts- ball in beiden Sälen. Eintritt frei. Um recht zahlreiche Beteiligung ersuchen Die Abteilungsführer. Rixdorf. Am nächsten Sonntag, den 22. August, mittags 12 Uhr, veranstaltet der Männergesangverein Rixdorf in der„Neuen Welt' eine Matinee für den schwedischen Generalstreik. Da der volle Reinertrag den Opfern des Generalstreiks übermittelt wird und der Verein sich sonst bei unseren Veranstaltungen bereitwilligst zur Ver fügung stellt, so ersuchen wir die Parteigenossen, sich zahlreich daran zu beteiligen. Die Zahlstellenleiter haben Billetts a 20 Pf. zum Verkauf in Händen. Im Interesse der Sache wünschen wir, daß die Billetts sofort bezahlt werden, damit das Geld so schnell als möglich übermittelt werden kann. Der Vorstand deS Wahlvereins. Erkner. Am heutigen Sonnabend, abends 8'/, Uhr, findet in Fangschleuse im Restaurant Korolewsky eine Volksversammlung für Männer und Frauen statt. Die Genosien und Genossinnen von Erkner treffen sich um 3 Uhr bei Degebrodt zum gemeinschaftlichen Gang nach Fangschleuse. Französisch-Bnchholz und Umgegend. Sonntag, den 22. August, nachmittags 4 Uhr, findet bei Kähne, Berliner Straße 34, eine Volks- Versammlung statt. Thema: Die Wirkung der neuen Steuern. Referentin: Frau Martha Jeetze. Um vollzähliges Erscheinen, namentlich der Frauen, ersucht Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittenan. Montag, den 23. d. MtS., in den„Borfig walder Festsälen': Oeffentliche Frauenversammlung. Tagesordnung 1. Vortrag der Genossin Gettud Hanna über„Kuiderschutz". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sonntag früh Handzettelverbreitung. Hcegermiihle bei Eberswalde. Achtung, Genoffen I Am Sonntag. den 22. August, feiern die gesamten Gewerkschaften von Heegermühle und Umgegend im Gewerkschaftslokal„Deutsches HauS' ihr dies- jähriges Sommerfest. Um zahlreiche Beteiligung bittet _ Der Vorstand. Berliner JVadmcbten. Spielende Kinder. Im äußersten Westen, wo zwischen langen Straßenzügen noch unbebaute Stücke liegen, haben sich die Kinder hier und da ein kleines Fleckchen zum Tummelplatz erkoren, auf dem sie alles finden, was sie zu ihrer anspruchslosen Glückseligkeit brauchen, nämlich Licht, Freiheit und— Sand! Soll wieder ein neuer Haus koloß erstehen, so wird der zum Bau nötige Sand gefahren, und wie die Bienen, von Blütenduft angezogen, den Honig wittern, so lockt der weiße, schimmernde Sandberg die Kleinen an. Isis nur einigermaßen schönes Wetter, dann krabbeltS und wimmelts von blonden, braunen und schwarzen Köpfen, die grab noch mit dem obersten Scheitelpunkt des wild zerzausten Schopfes über tiefe, selbstgefertigte Abgründe hervorragen. Von keinem Parkwächter an die staakliche Ordnung erinnert, von keiner aufsichtführenden Ge- walt in ihrem fröhlichen Treiben eingeschränkt, buddeln sie in den weichen, von der Sonne heißen Sandwogen, bauen sich Sitze, um sie wieder einzureißen, backen sich Kuchen, um ihn zu zertreten, tragen grüne Zweige zusammen, mit der sie eine lange Chaussee begrenzen, auf der ein winziger Rollwagen entlangkutschiert. Reicht der Sand nicht mehr hin zum Zeitvertreib, so muß der zer- brochene Drahtzaun als Schaukel dienen, und er trägt gewöhnlich so deutlich die Spuren solcher ungewohnten Tätigkeit, daß er in seiner ganzen Ausdehnung Schlupflöcher zum Katze« und Maus- spiel zeigt. Dabei lacht und schreit, zankt und pufft sich die kleine Bande, und ihre äußerst mangelhafte, leicht verletzliche Gewandung trägt manchen unheilbaren Ritz davon, der ihnen ein unangenehmes Nachspiel ihrer kindlichen Ausgelassenheit in Aussicht stellt. Oft ereilt sie gar bald dies fatale Schicksal, wenn die Mutter strickend oder stopfend im Sande hockt und das geschehene Unheil bemerkt. Aber das geniert'n großen Geist nicht, und so ein kleiner Misse- täter, der sich eben in seine fadenscheinigen Höschen ein klaffendes Loch gerissen hat, turnt schon fünf Minuten später wieder auf dem wackligsten Zaunpfeiler, über ein halbes Dutzend anderer Barfüßler triumphierend, die ihm den Platz streitig machen wollen. Wenn die Sonne schon untergegangen ist, gibt es noch einige Nachzügler auf dem Sandberg, die ihre selbstgebauten Gräben der engen Stube daheim vorziehen. Zum Einsturz de? Gerüstturmes. Das Befinden des Reisenden Georg Tichauer, der bei der Katastrophe einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung er- litten hat, ist, wie berichtet wird, zufriedenstellend. Auch der Zu- stand des Hausdieners Emil Treetz, der sich in seiner Wohnung in ärztlicher Behandlung befindet, hat sich bedeutend gebessert, so daß keinerlei ernste Gefahr zu befürchten ist.— Wie nachträglich gemeldet wird, ist durch das Eingreifen eines Eisenbahnbcamten bei der Katastrophe ein noch größeres Unglück verhütet worden. Der Rottenführer Gustav Hamann, der sich im Augenblick deS Gerüst- einsturzeS etwa 30 Meter von der Unfallstelle entfernt befand und die Tragweite des Vorfalles sofort übersah, gab schnell auf den durch das zusammengestürzte Turmgerüst gesperrten Strecken das Signal„Halt", wodurch es möglich war, die auf der Fahrt befind lichcn Züge rechtzeitig zum Stehen zu bringen rcsp. auf andere Schienenstränge überzuleiten. Andernfalls wären zlveifellos sämt. liche Trains zusammengestoßen und die Folgen wären unabsehbare gewesen. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht genügend geklärt. Bon einem technischen Sachverständigen wird dem„Verl. Tagebl." zu dem Unfall geschrieben: Für den Aufbau des neuen Gasometers in Schöneberg wurden von der ausführenden Firma, der bekannten Bcrlin-Anhaltischcn Maschinenbauakticngesellschaft, vier fahrbare Krantürme von 29 und 85 Meter Höhe aufgestellt, die in ähnlicher Weise, wie sie seit einigen Jahren allgemein bei großen Bauten zum Aufwinden der schweren Bausteine verwendet werden, die massigen Eiscnplatten usw. heben sollten. An der Gasometer- wand führte innen ein Gleis entlang, auf dem die Kräne an die jeweilige Verwcndungsstelle gefahren werden. Von den Kränen, die als Fachwerkmaste ausgebildet waren, stürzte der größere 85metrige um. Welches die Ursachen waren, darüber kann mit Sicherheit nur eine genaue Untersuchung Auskunft geben. Auf Grund der vorhandenen Zeichnungen wird nachzuweisen sein, ob die einzelnen Teile den Belastungen entsprechend richtig berechnet sind, ob bei der statischen Berechnung keine Fehler gemacht wurden, sodann, ob die Ausführung zeichnungsgemäß erfolgte, und schließ- lich, ob das Material auch einwandfrei war. Nach seinem Sturze wies der Turm das typische Bild eines durch Biegung gerissenen Trägers auf. Eigenartig ist es, daß der Turm gerade in der Höhe der Gasometerwand umbrach, so daß der obere Teil nach außen fiel. Dieses könnte darauf hindeuten, daß der Vorgang sich in der Weise abspielte, daß der Turm umkippte, sich schräg gegen die Gasometer- wand stützte und der überhängende Teil dann abbrach. Weshalb der Kran überhaupt ins Kippen kam, muß die Untersuchung lehren. Als Möglichkeiten hierfür kommen in Betracht, daß er überlastet war, daß er in der Basis nicht das gehörige Gegengewicht hatte, oder daß von der oberen Laufschiene durch irgendwelche Umstände der durch das drehende Kräftepaar entstehende Gegendruck nicht auf- genommen werden könnte. Wird, wie es mehrfach geschehen ist, auch dem Wind die Schuld in die Schuhe geschoben, so ist zu er- widern, daß die Standfestigkeit derartiger Gerüste auch bei den heftigsten Winden durch richtig ausgeführte Berechnungen garan- ticrt werden kann und hierfür polizeiliche Vorschriften vorliegen. Wenn es eine Entschuldigung wäre, daß der Wind Mäste und der« gleichen umkippte, so würde auch jede persönliche Sicherheit auf den Straßen aufhören. Der Oberpräsident hat die WohnungSgeldentschädigung für die Lehrerinnen der Berliner Gemeindeschulen, die nach den Beschlüssen der Gemeindebehörden 699 M. betragen sollte, auf 550 M. festgesetzt. Der Magistrat hat gestern beschlossen, beim Provinzialichulkollegiiim nunmehr z» beantragen, die Orts- bezw. Amtszulagen für Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen zu genehmigen und sich vor- behalten, unter Umständen eine Erhöhung der Ortszulagen für die Lehrerinnen der Gemeindeschulen um die gekürzten 50 M.- bei der Stadtverordnetenversammlung und eventuell später beim Provinzial- schulkollegium zu beantragen. Es wird gehofft, daß bei schneller Erledigung der Angelegenheit durch das Provinzialschulkollegium die fälligen Zulagen noch im nächsten Monat zur Auszahlung kommen können. Die westlichen Schnellbahnen. Der vielerörterte Vertragsentwurf zwischen Schöueberg und Charlottenburg wegen des Baues der Schöneberger Schnellbahn wurde in der vorgestrigen Sitzung des Charlottenburger Magistrats noch einmal eingehend beraten, nach- dem zu wiederholten Malen Abänderungen vorgenommen waren. Der Magistrat hat, wie berichtet wird, dem Vertrage jetzt seine Zu« stimmung gegeben. Ueber die noch vorhandenen kleinen Differenzen glaubt man bis zu der außerordentlichen Stadtverordnetenversainm- lung eine Einigung zu erzielen. Mit dem Bau der Wilmersdorfer Untergrundbahn soll am 5. September begonnen werden. Der Bau selbst wird vom Hohen- zollernplatz zunächst nach der Dahlemer Seite bis zum Fehrbelliner Platz betrieben. Durch den elektrischen Strom schwer verletzt wurde gestern mittag gegen 12 Uhr der 41jährige Postschaffner Angust Scharrietz, Ain Schlesischen Bahnhof 2 wohnhaft. Sch. hatte auf dem Gelände des Schlestschen Bahnhofs auf dem Dache eines Bahnpostwagens gearbeitet. Beim Herabsteigen stürzte er gegen einen Tclegraphen- draht und blieb besinnungslos auf dem Erdboden liegen. Aus der Unfallstation am Grünen Weg. wohin der Verunglückte gebracht wurde, stellte der anwesende Arzt fest, daß der Postschaffner einen elektrischen Schlag erhalten und infolge desselben schwere innere Verletzungen erlitten hatte. Nachdem Sch. die erste ärztliche Hilfe erhalten, wurde er mittels Krankenwagens nach dem Nudolf-Virchow- Krankenhaus überführt, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Die Verlängerung einer Straßenbahnlinie nimmt die Große Berliner Stratzenbahn am beutigen Sonnabend vor. Es wird von der Linie 73, die jetzt von Wilmersdorf bis zum Ringbahnhos Frankfurter Allee geführt wird, jeder zweite Wagen bis an die Frank- urter Chaussee an der Ecke der Hubertusstratze durchgeführt. Im übrigen macht die Linie ihren bisherigen Weg. Von der Ecke der Xantener Straße über den Ludwigskirchplatz, den Rankeplatz, den Lützowplatz, Potsdamer Platz, Spittelmarkt, Molkenmarkt, Andreas Platz und Küstriner Platz. Der erste Wagen von Wilmersdorf nach der Hubertusstratze geht werktags 7.95. Der erste Wagen von der Frankfurter Chaussee geht 7.91. Der letzte Wagen geht von Wilmers- dorf 2.13 ftüh, vom Küstriner Platz zur Xantener Straße 1.92. Sonn- und Feiertags geht der letzte Wagen von der Frankfurter Allee 2.93, von der Xantener Straße 2.21. Die Fahrzeit für die ganze Strecke beträgt wochentags 67 Minuten, Sonntags 65 Minuten. Strastenunfälle. Gegen%5 Uhr nachmittags versuchte vorgestern in der Lützowstraße der 13 Jahre alte Hausdiener Max Borowitz auf einem Zweirade unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 52 die Gleise zu kreuzen. Er wurde jedoch von dem Vorderperron erfaßt und umgestoßen. B. erlitt einen Bruch deS linken Unterarmes und nicht unerhebliche Haut- abschürfungen und wurde nach dem nahen Elisabeth-Krankenhaus übergeführt.— Beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen StratzenbahnwagenS ist vorgestern der 17jährige Schlosserlehrling Fritz Berndt aus Bitterfeld schwer zu Schaden gekommen. Der junge Mann, der bei Verwandten in der Kaiser-Fricdrichstraße 213 in Rixdorf wohnt, wollte um 6V3 Uhr nachmittags in der Schönhauser Allee einen Wagen der Straßenbahnlinie 48 während der Fahrt besteigen, kam hierbei zu Fall und trug einen komplizierten Bruch des linken Oberschenkels davon, der seine Ueberführung nach der königlichen Charite erforderlich machte.— Von einem Kohlenwagen überfahren und schwer verletzt wurde ebenfalls vorgestern der 29 Jahre alte Kutscher Wladimir Wawrczyniak aus der Amcnde- itraße. Er führte einen mit Preßkohlen bcladencn Wagen durch die Hauptstraße in Reinickendorf. Er war eingeschlafen und stürzte unterwegs von seinem Sitz herab. W. geriet unter das schwere Ge- fährt, dessen Räder ihm über beide Unterschenkel hinweggingen und sie vollständig zermalmten. Der Verunglückte wurde in hoffnungs- losem Zustande in das Augusta-Hospital eingeliefert. Selbstmord eines Soldaten. Gestern vormittag wurde der Musketier Sigismund Reiff, der als Bursche bei dem Hauptmann Kraut beim Kommando der Schutztrnppen in Berlin kommandiert war, von einem Dragoner von der 5. Eskadron 2. Garde-Dragonerrcgiments auf dem Boden des Hauses Fenriastr. 63 mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. Reiff war, wie berichtet wird, im Juni d. I. an einer Blinddarmrcizung erkrankt und daran'.im Garnisonlazarett behandelt worden. Als er am 9. Juli aus dem Lazarett entlassen worden war, wurde ihm ein vierwöchentlicher Urlaub zur weiteren Wiederherstellimg seiner Gesundheit bewilligt, der jetzt abgelaufen ist. Vermutlich hat Reiff in einem Anfalle von Schivermut Hand an sich gelegt. Mit einem Rasiermesser, daS in unmittelbarer Nähe neben der Leiche lag. hat sich der Bedauernswerte den Keblkops bis zur hinteren Wand durchschnitten. Der sofort hinzugerufene Arzt konnte nur»och den bereits eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche ist in das Garnisoulazarelt II in Tempelhof übergeführt worden. Von Eisciivahiirädcrn zermalmt. Von einem Zuge der Zossener Bahn wurde gestern nacht zwischen den Stationen Marienfelde und Lichtenrade auf Lichtenrader Gebiet ein unbekannter, etwa 33jäbrigcr Mann überfahren und so furchtbar von den Rädern zugerichtet, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Erst gestern früh wurde vom Streckenwärter die verstümmelte Leiche ausgefunden. Der Tote, der anscheinend dem Arbeilcrstande angehört, hat rotblonden Schnurrbart und dunkelblondes Haar. Er trug dunkelgrauen Jackeltanzug, schwarze Schnürstiefel, dunklen Schlips und Trikothemd. Bei der Leiche wurde eine silberne Zylinderuhr mit der Nr. 25 437 ge- funden. St. BurcaukratiuS bei der hiesigen Steuerbehörde. Den Nagel auf den Kopf getroffen, hat wieder mal unsere hochwohllöbliche Steuerbehörde. Eine im Hause Müllerstr. 156 wohnhafte Witwe W. erhielt am Montag den Besuch eines Steuereinnehmers, um die restierenden Stenern ihres Mannes im Betrage von 7 P f. ein« znfordern. Da der Mann der Frau W. bereits vor drei Monaten gestorben ist, kam der Steuereinnehmer etwas sehr xost lsstum. Frau W. hat die 7 Pf. anstandslos bezahlt, um eventuell Scherereien mit der Behörde zu entgehen. Jetzt ist somit also auch bei der Steuerbehörde alles in Ordnung. BetricbScrwcitcrungcn im Straßenbahnbctriebe führt die Große Ber- liner Straßenbahn am heutigen Sonnabend im Südosten von Groß- Berlin ein. Vor allem wird die Linie 23 Dalldorf-Ltixdorf von der vor- läufigen Endhaltestelle an dem Mariendorfer Wege bis zur Germania- Promenade in Britz verlängert. Gleichzeitig werden die Wagen der Linie 29 Seestratzc-Britz anstatt bis 9.19 abends bis 19.19 nach der Triflstraße in Britz durchgeführt. Auch bei der Linie 55 Danziger Straße-Britz wird der Wagen, der jetzt 9.96 abends von der Danziger Straße abgeht und nur bis zur Knesebcckstratze verkehrte, von jetzt an nach der Germaniapromcnade in Britz durchgeführt. Die Züge der Linie 23 und 29 ergänzen sich zwischen der Seestraße und der Germaniapromenade in Britz zu einem Betriebe von 7l/3 Minute». Ebenso ergänzen sich die Züge der Linie 53 und 55 zwischen der Danziger Straße und der Steinmetzstraße zu einem Betriebe von 71/a Minuten. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktirngesellschaft wird, einem allgemeinen Wunsche entsprechend, an den Sonntagen bei gutem Wetter einen Torwagcnverkehr mit Kraftomnibussen nach Tempel- Hof und Mariendorf einrichten. Die Wagen verkehren vom Hallcschen Tor von 1 Uhr mittags ab in Abständen von 19 Minuten. Der Jugendausschuß veranstaltet am Sonntag, den 22. August, einen Ausflug nach Saatwinkel, Lokal„JägerhäuSchen". Die Teilnehmer treffen sich morgens 71/a Uhr an folgenden Stellen: Norden: Schwcdenstraße, Ecke Exerzierstraße; Nettclbeck- platz(Normal-Uhr); Gartenplatz. Moabit: Stromstraße. Ecke Turmstraße. Osten: Landsberger Tor(Kriegerdenkmal): Alexanderplatz (Berolina); Schlesischer Bahnhof, Ecke Madaistraße. S ü d- O st e n: Kottbuser Tor(Normal- Uhr); Görlitzcr Bahnhof. Die einzelnen Gruppen treffen um 12 Uhr in Saatwinlel, Lokal „Jägerhäuschen", ein. Das weitere Programm wie üblich. Alle Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbciteriimen sind will- kommen. Wir bitten, die Liederbücher mitzubringen. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht kam in der Simon Dachstraße 26 kurz nach 9 Uhr Feuer aus. Kleider vor einem Bade- ofen hatten sich entzündet. Gardinen u. a. brannten in der Sonnenburger Straße 14 und alter Hausrat in einer Badestube Linienstraße 146. Tüchtig zu tun hatte der 1. Löschzug in der Georgcnkirchstraße 19, wo in einer Schuhmacherwerkstatt abends Feuer ausgekommen war und kräftig gelöscht werden niutzte. In der Kastanicnallec 52 brannten Tapeten u. a. in einer Badckainmer und Preßkohlen in der Markgrafenstraße 25, auf dem Anhalter Güterbahnhof u. a. Stellen. Am Freitag, mittags um l'/a Uhr, wurde die Berliner Feuer- wehr böswilligerweise nach der Frankfurter Allee 24 alanniert. Der Täter ist unerkannt entkommen. Betten, Matratzen und Möbel brannten in der TreSckowstt. 51 und Müllerstr. 171». auf einem Fabrikhofe ein Kessel mit Teer. Mit Sand und Wasser mutzte dieser Brand gelöscht werden. Ferner wurden noch Feuer aus der Char- lottenstr. 79 und anderen Stellen gemeldet. Vorort- JVadmcbtern Charlottenburg. Wodurch verliert man das Wahlrecht zur Stadtverordneten» wähl? Diese Frage beantwortete der Magistrat, indem derselbe be- schloß, daß der Verlust deS Wahlrechts nur eintreten sollte: ».) bei laufenden baren Unterstützungen, denen ein Pflegegeld für eigene eheliche Kinder gleich zu rechnen ist; b) bei der Aufnahme des etwa Wahlberechtigten selbst zur dauernden Verpflegung in daS städtische Bürgerhaus oder in eine gleichartige Anstalt; c) bei einer zeitweise an Stelle der laufenden Unterstützung oder der Verpflegung im Bürgerhaus tretenden Krankenhaus- Verpflegung. Einmalige bare Unterstützungen, Lieferung von Lernmittel an die Kinder oder vereinzelte Leistungen zur Hebung einer äugen» blicklichen Notlage ziehen nicht den Verlust des Wahlrechts nach sich. W a h l b e r e ch t i gt ist jeder männliche Einwohner Char- lottenburgs, der seit mindestens einem Jahre in Charlottcnburg wohnt, preußischer Staatsangehöriger ist, im letzten Jahre seine Steuern bezahlt hat und am Wahltage mindestens 2 4 Jahre alt ist. Die Wählerliste, in der jeder wahlberechtigte Bürger eingetragen ist, liegt aus im Statistischen Amt, Berliner Straße 71. Seitenflügel, wochentags von 8 bis 3 Uhr, außerdem Sonnabends von 5 bis 8 Uhr nachmittags und Sonn» tags von 8 bis 12 Uhr vormittags. Die Auslegung der Liste dauert bis zum Montag, den 39. August. Aber es ist die Pflicht eines jeden Wählers, sofort nachzusehen, ob sein Name in der Wählerliste steht. Wer nicht in der Liste verzeichnet ist, darf nicht wählen. Formulare, um dagegen, dah ein Wahlberechtigitt nicht in Per Liste verzeichnet ist. Protest einlegen zu können, erhält jedermann gratis bei dem Genossen Alfred Will, Kirchstr. 30. Rixdorf. Der Mönnergesangverein Nixdorf veranstaltet am morgigen Sonntag in der„Neuen Welt" eine Matine. Der gesamte Rein- ertrag wird den im Generalstreik befindlichen schwedischen Arbeitern überwiesen. Es ist Ehrensache eines jeden Arbeiters, das Arrangement aufs kräftigste zu unterstützen. Mitwirkende: Neues Berliner Tonkünstler-Orchester(Direktion Fr. Hollfelder), sowie„Berliner Ulk-Trio". Anfang pünktlich 12 Uhr. Billetts sind an der Kasse sowie in allen mit Plakat versehenen Geschäften für 20 Pf. zu haben. Grost-Lichterfelde. Am Sonntag, den 22. Auglist, findet ein Ausflug der jugend- lichen Arbeiter und Lehrlinge nach Picheiswerder mit Besichtigung der Döberitzer Heerstraße statt. Abmarsch morgens 8 Uhr vom Gesellschaftshaus, Bäkestraße 22. Steglitz. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag in der Thorwaldsenstraße. Dort wurde das vier Jahre alte Söhnchen des in derselben Straße wohnhaften Schutzmanns Hilprecht von einem Wagen der Schultheißbrauerei überfahren und so schwer verletzt, daß es kurze Zeit daraus verstarb. Der Jngendausschuß veranstaltet morgen Sonntag eine Bade- Partie nach Wannsee. Treffpunkt früh 3 Uhr am Wannseebahnhof. Bei ungünstiger Witterung fällt die Partie aus; dafür am Nachmittag Spielpartie. Treffpunkt nachmittag 2 Uhr am Wannsee- bahnhof. Wilmersdorf. Die Wilmersdorfer Feuerwehr erhält in Kürze eine Automobil- dampsspritze. Das Feuerlöschgerät ist stets sofort fertig zum Angriff, so daß es unabhängig von Wasserleitungen, von Dampf usw., ohne jeden Zeitverlust zum Löschen kleinerer und auch mittlerer Brände mit Erfolg benutzt werden kann und aus diesem Grunde mit Vor liebe von allen modernen Wehren beim ersten Angriff gebraucht wird. Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde. Nachdem die organisierte Arbeiterschaft eine Gewerkschafts kommission für die drei obengenannten Orte gegründet hat. beruft dieselbe für nächsten Mittwoch, den 2S. August, abends 7 Uhr, im „Wilhelmsgarten", Berliner Straße 9, eine Versammlung ein. In derselben wird protestiert werden gegen den Beschluß der Tempeb hofer Gemeindevertretung, ein Gewerbegericht zu schaffen. Alle Gewerkschasts- und Parteigenossen müssen zu dieser Versammlung erscheinen l Das Referat hat Gewerkschaftssekretär Alwin K ö r st e n übernommen. Eine ausregende Szene entrollte dieser Tage die Verhaftung einer Frau, die einer Lapalie wegen festgenommen wurde. Nach dem dieselbe aus der Wohnung geholt, spielte sich das Bild auf der Straße weiter ab, wo die Frau, umringt von ihren kleinen Kindern, auf dem Bürgersteige kauerte. Erst auf gütliches Zureden einiger Passanten war die Frau zu bewegen, mitzugehen. Barfuß und im Hauskleid, an beiden Händen befestigt, wurde die Frau von zwei Polizisten die Straßen entlang eskorliert. Der zahlreichen Passanten bemächtigte sich bei der Beobachtung dieses Vorganges eine Einpörung. Die Frau mag gewiß in ihrer Angst sich gesträubt baben, den Beamten Folge zu leisten, nichtsdestoweniger müßte die Dorfpolizei dafür Sorge tragen, daß durch eine andere Art des Transportes solche Szenen vermieden werden. Dabei braucht man noch nicht an ein EulenburgscheS Auto zu denken. Trebbin(Kreis Teltow). Ein verwegener Einbruchsdiebstahl ist in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch in der Plantage Kliestow verübt worden. Als Täter kommen vier junge Burschen in Betracht, die morgens gegen 6 Uhr auf dem Wege nach Trebbin zu gesehen worden find. Die Diebe sind durch das offene Saalfenster eingedrungen und haben in der Gaststube verschiedene Behälter mit den vorgefundenen Schlüsseln geöffnet. Hieraus find sie unter Mitnahme von Rollenschokolade, Zigaretten, Oelsardinen und anderer Gegenstände entkommen. Unter dem dringenden Verdacht sich an noch schulpflichtige Kinder unter vierzehn Jahren sittlich vergangen zu haben, wurden gestern abend gwei Angestellte des sich zurzeit hier befindlichen Karussels verhaftet und dem hiesigen Aintsgerichtsgefängnis zugeführt. Paukow. Heute abend 8 Nhr findet bei Götzmann. Florastr. 7, eine Ver» sammlung der freien Jugendorganisation, Abteilung Pankow, statt. Vortrag des Genossen Karl Liepnitz über: Heinrich Heine. Die Ge- nassen werden ersucht, ihre schulentlassenen Kinder aus diese Ver- anstaltung aufmerksam zu machen und die Versammlung selbst zu besuchen. Reinickendorf. Von einem Pferde lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern der 36jährige Kutscher Franz Hasse aus der Provinzstrahe. Als er einem Pferde ein Hufeisen anschlagen wollte, scheute das Tier. H. wurde zu Boden geschleudert und von den Hufen des wild um sich schlagenden Pferdes entsetzlich zugerichtet. In besinnungS- losem Zustande wurde der Verunglückte nach der Charitö über- geführt, wo die Aerztc Bruch mehrerer Rippen, Bruch beider Beine und schwere innere Verletzungen feststellten. Außerdem war dem Bedauernswerten das Gesicht total zerfleischt, der Schädel wies zahlreiche stark blutende Wunden auf. Der Zustand des H. ist fast hoffnungslos. Spandau. Stadtveroridiretcnversammlung. Nach Erledigung mehrcher eingegangener Schreiben wurde die Einführung des neugewählten zweiten Stadtbaurats B r u g s ch durch den Oberbürgermeister Költze vorgenommen und der für denselben festgesetzte Gehalt be» willigt. Es sollten nun b Mitglieder in eine gemischte Kam- Mission zur Beratung der Angelegenheit betreffend die Stiftung eines Ausstattungsgegenstandes für die neue katholische Pfarrkirche gewählt werden. Es waren auch vom sechsten Ausschuß, der diese Wahlen vorzubereiten hat, Vorschläge gemacht, als der Stadtvcrord» nete Genosse Pieper gegen die Wahlen Protest erhob. Er erklärte, er sei Mitglied des sechsten Ausschusses und habe keine Einladung zu dieser Sitzung erhalten. Infolge dieses gerecht. fertigten Protestes wurden die Wahlen bis zur nächsten Sitzung vertagt. Bemerkt sei noch, daß der katholische Kirchenvorstand selb9 den Magistrat angegangen ist, für die Kirche einen Aus- staiiungsgegenstand zu stiften, allzublöde sind solche Kirchen- behörden wirklich nicht.— Der Magistrat hatte beantragt, zu der X. Hauptversammlung des Deutschen Forswereins, die vom 6. bis 11. September er. in Heidelberg stattfindet, den Oberförster und ein Mitglied der Forstdeputation zu deputieren. Die Kosten sollten für jede Person 295 M. betragen. Die Versammlung deputierte aber nur den Oberförster und bewilligte 259 M.— Zur Beschickung der Generalversammlung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit in München bewilligt die Versammlung die Reisekosten in Höhe von 329 M. Die leidige Brückcnstratzen-An- gelegenheit wurde wieder einmal aufgerollt bei der Vorlage, den Vertrag mit den Sternbcrgschen Erben bezüglich Geländeaustauschs, insbesondere Auszahlung von 25 999 M. an Sternberg. Die Ver- sammlung hatte früher schon einer diesbezüglichen Vereinbarung zugestimmt, da aber bei der Vrückenstraße fortwährend neue Pro- zelte auftauchen, so war die Angelegenheit nicht vom Fleck gc. kommen und die Sternbergschen Erben verlangen endlich einmal ihr Geld. Bei Bcrätung dieses Gegenständes kam auch zur Sprache, daß die Sternbcrgschen Erben noch weitere Entschädigungsan- sprüche stellen werden. Von der sozialdemokratischen Fraktion war es der Genosse Schmidt I, der mit beißendem Sarkasmus auf die ganz verfahrene Karre hinwies. Die Versammlung stimmte schließlich der Vorlage mit der Einschränkung zu. daß vorläufig nur 29 999 M. ausgezahlt werden.— Des weiteren genehmigte die Versammlung nach längerer Debatte, daß in Spandau eine Reichsbank-Nebenstclle eingerichtet wird, sie bewilligt auf fünf Jahre jährlich 2599 M. für Mietung eines entsprechenden Raumes nebst Kassendienerwohnung und beschloß,«daß der Reichsbankneben- stelle auf 5 Jahre Kommunalsteuerfreiheit gewährt wird. Unter diesen Bedingungen will die Reichsbank nur eine Nebenstelle hier einrichten.— Der frühere städtische Chauffeearbeiter Makem, der über 8 Jahre in städtischen Diensten gestanden, war ohne Angabe eines Grundes gekündigt und entlassen worden. Er hatte sich über die Entlassung schriftlich beschwert, da er annahm, sie fei nur darauf zurückzuführen, daß der Oberförster Bein von ihm ver- langte, er solle dessen Hofraum reinigen und er diese Arbeit ver- weigerte, weil sie ihm von Stadtrat Müller und von dem Bau» meister Clären untersagt war. Der siebente Ausschuß hatte sich mit dieser Sache beschäftigt und beantragte durch den Referenten, Stadtverordneten Matthias, Uebergang zur Tagesordnung, weil sich herausgestellt habe, daß der Arbeiter viel gefaulenzt habe. Stadtverordneter Genosse Pieper versuchte zwar sein mög- lichsres, den Mann zu seinem Recht zu verhelfen, es war aber vergebens, die Versammlung stimmte, mit Ausnahme der sozial- demokratischen Stadtverordneten dem Uebergang zur Tagesordnung zu.— Infolge der Errichtung der Betriebskrankcnkasse für städtische Arbeiter wird die Umwandlung einer Assistentenstclle in eine Sekretärstelle beantragt. Genosse Pieck wies darauf hin. daß man diese Kasse nur eingerichtet habe, um die Ortskranken� lasse, in welcher einige Sozialdemokraten als Bureaubeamte be- schäftigt sind, zugrunde zu richten. Man habe so süß vorgeredet, es soll kein neuer Beamter gefordert werden, jetzt komme man schon mit dieser Umwandlung. Es wird nicht lange, dauern, dann wird der neue Beamte folgen. Auch der Stadtverordnete Weber sprach gegen diese Vorlage. Die Versammlung stimmte derselben aber zu. Nach Vertagung der übrigen Nummern wird in die geheime Sitzung eingetreten. Die Betriebskonzession fiir die elektrische Straßenbahn der Stadt Spandau hat nunmehr der Potsdamer Regierungspräsident auf die Dauer von 99 Jahren, d. i. bis zum 39. Juni 1999, erteilt. Für den Betrieb auf der Stadtlinie einschließlich der Linie nach dem Spandauer Bock, die mit einer Spurweite von 1,435 Meter her- gestellt sind, gelten die üblichen verkehrstechnischen Bestimmungen. Die Fahrgeschwindigkeit darf auf der Strecke Bahnhof— Markt resp. Bahnhof— Gruneioaldstraße 19 Kilometer in der Stunde nicht übersteigen. Auf der Linie Berlin- Lehrter Bahn— Orts- grenze Pichelsdorf sowie auf der Route Grunewaldstraße— Charlottenburger Chaussee darf die Fahrgeschwindigkeit 29 Kilo- meter in der Stunde betragen. Die höchste zulässige Ge- schwindigkeit darf die Straßenbahn auf der Charlottenburger Chaussee mit 39 Kilonieter per Stunde anschlagen. Auf der Chaussee selbst darf innerhalb gewisser Begrenzungen mit 12 Kilometer-Geschwindig- keit gefahren werden. Im übrigen darf auf den anderen Strecken das Fahrtempo 15 Kilometer pro Stunde, wie das Kleinbahngesetz vorschreibt, nicht überschreiten. Die Regierung knüpft an die Konzessionserteilung verschiedene Rechtsvorbehalte bezüglich der Tarife, technischen Verbesserungen und Sicherheitsmaßregeln. Der JugendauSfchuß veranstaltet am Sonntag, den 22. einen Ausflug nach Finkcnkrug. Abmarsch vom Wasserturm pünktlich 1 Uhr mittags. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, seine erwachsenen Kinder darauf aufmerksam zu machen. Rowawes. Die letzte Kartellsstzung beschäftigte sich mit der Unterstützung der Streikenden in Schweden. Es wurde beschlossen, pro Mitglied der angeschlossenen Gewerkschaften 19 Pf. zu erheben; außerdem wurden 59 M. aus der Kartellkasse bewilligt. Das Geld, auch da«. jenige, welches noch außerdem von den Gewerkschaften gegeben wird, ist so schnell wie möglich an den Kassierer W e i n e r t, Priesterstraße 74, abzuführen. Mit den Maurern ist eine Einigung nicht erzielt worden, da dieselben dabei beharren, nicht mehr als 5 Pf. Beitrag pro Mitglied und Vierteljahr zu bezahlen; sie scheiden daher aus dem Kartell aus. Beschlossen wurde, den Auslunfts- abend für si« zu sperren mit Ausnahme der Sachen, welche schon anhängig gemacht sind. In den Bildungsausschuß wurden die Genossen Krautspaul und Rottstock, in die Bibliothekkommission Förster und Chmeling und in die Lokalkommission Baate gewählt. Gericbrs-�elrung. Ein Nachspiel zum Eolander-Prozrß. Vor der Strafkammer in Itzehoe, die sich ir den letzten Mo- naten zweimal mit der skandalösen Colanderaffäre zu befassen hatte, staird nunmehr die„Mitarbeiterin" des früheren Hausvaters Friedrich Wilhelm Co lau der von der Blohmeschen Wildnis bei Glückstadt, die unverehelichte Arbeiterin Malwine Schmiede aus Altona unter der Anklage der versuchten und vollendeten Nöti- gung. Bekanntlich hatte Colander, wenn er seine berüchtigte Prügelanstalt verließ, die Malwine Schmied« zur Aufsicht über die seiner Fürsorge anvertrauten Zöglinge bestellt. Das dienst- eifrig« Mädchen verstand es denn auch aufs beste, die Mädchen im Sinne des tyrannisckzen„Hausvaters" zu„bearbeiten". In den beiden Colander-Prozessen wurde sie durch das Zeugnis der zahl. reichen vernommenen Mädchen überführt, dem Leiter des Asyls in der Anwendung des Stockes und der Peitsche gegen die Widerspen» stigen Zöglinge nicht nachgestanden zu haben. Sie gab jedoch da- nials an. daß sie nur aus Furcht vor Colanker und seine Frau zu den Mißhandlungen der Mädchen übergegangen sei. Später scheint es dann zu Differenzen zwischen ihr und dem inzwisckzen verurteil. ten Ehepaar gekommen zu sein, denn in der Verhandlung zeigte sich Colander ganz konsterniert darüber, daß die als Zeugin ver- nommene Schmiede die einzelnen Untaten, die bis dahin von Co- lander kräftig bestritten worden waren, zugestand und sich dabei auch selbst in ihren Aussagen nicht schonte. So gab si« zu, auf Ge. heiß des Colander ein Mädchen im Winter um 6 Uhr früh auf den kalten Hof gestellt zu haben, wo das Mädchen 12 Stunden hindurch bis abends 6 Uhr nur mit einem Hemd bekleidet, und in jeder Hand ein schwere? Bettpolster haltend, dazu über dem Kopfe ein nasses Bettlaken, stehen mußte. Ein anderes Mädchen prügelte sie auf Geheiß der .Hausmutter" Colander, das von anderen Mädchen über ein Bett gezogen worden war. In einem dritten Falle zwang sie den Zögling Helene Behn, der den allgemeinen Speisesaal verunreinigt hatte, den Kot mit dem Munde aufzunehmen, nach- dem vorher der Hausvater Colander das Mädchen an den aaren zu Boden gezogen, und die jetzt angeklagte Schmiede es solange geschlagen hatte, bis es willen- lostat, wasman von ihmverlangte. In einvm vierten Fall«, wo Colander ein Mädchen veranlassen wollte, aus einem Nachtgefätz Kaffee zu trinken, soll die Malwine Schmiede ebenfalls Beihilfe/geleistet haben. Wegen dieser beiden letzteren Fälle, sowie wegen eines Falles, wo sie einen Zögling Frida Heid- mann an einen Stuhl festgebunden und an deren Zöpfen einen F«Idstein angehängt hatte, war sie gestern unter Anklage gestellt, und ebenso ging eine weitere Beschul- öigung dahin, mehrere der weiblichen Insassen durch Stock- hiebe gezüchtigt zu haben, in einer Weise, die sich als eine schwere Körperverletzung charakterisierte. Im Laufe der Ver- Handlung, in der die einzelnen Mädchen wiederum schwere Be- schuldigungen gegen den ebenfalls als Zeugen geladenen Haus- bater Colander erhoben, blieb die Angeklagte dabei, daß Colander sie selbst erst zur Ausübung dieser strafbaren Handlungen genötigt habe, und da Colander dies im wesentlichen zugestand, so wurde die Angeklagte schließlich nur wegen das Falles Behn hinter Frei- sprcchung von der Anklage in den übrigen Fällen zu einer Ge« fängnis strafe von zwei Wochen verurteilt.— Ter Hausvater Colander, der zu der Verhandlung von Gefängnis- beamten vorgeführt worden war, befindet sich zurzeit in dem von seinem Vater, dem Gefängnisdirektor Colander sen. geleiteten Strafgefängnis Glück st ad t, das unmittelbar neben der Blohmeschen Wildnis gelegen ist. Er ver- büßt dort gegenwärtig die ihm in der erneuten Verhandlung zu- diktierte, von 9 auf 8 Monate gemilderte Gefängnisstrafe, nach deren Beendigung er nach Altona übcrgeftihrt werden wird, wo sich langsam der große Prozeß wegen Verleitung zum Mein- eide gegen ihn vorbereitet, der in der Oktobcr-Schwur- g-richtsperiode des Alwnaer Schwurgerichts zur Verhandlung ga- langen soll. Vermilcdtes. Bon Räubern überfallen. Einer Meldung ans Benthe n zu« folge wurde in der Nacht zum 19. d. M. der Händler Schweitzer aus Milowice von drei Räubern überfallen und erhielt, als er sich zur Wehr setzte, einen Schuß durch den Hals und einen durch den Arm. Seiner herbeieilenden Tochter schössen die Räuber in den Rücken. Sie entkamen trotz der in der Nähe sich aufhallenden Grenzsoldaten nach Preußen. Einer soll Lytko, ein zweiter Soßnierz beißen. Beide sind russische Untertanen und durch wiederholte Diebstähle auch den preußischen Behörden bekannt. Ein zum Tode Bernrteilter irrfinnig geworden. Aus Baden schreibt man uns: Vor Jahresfrist fand auf der Höhe deS badischen mittleren"Schwarzwaldes am Glaswaldsee der Raubmord statt, dessen Opfer zwei Kurgäste in Bad Griesbach waren. Der Mörder war der achtzehnjährige Schneidergeselle Filipsohn aus Russisch- Livland, der vom Schwurgericht in Offenburg zum Tode verurteilt wurde. Die bürgerliche Presse forderte— voran der liberale Amts- verlündiger— den Kopf des SchneiderleinS; sozialdemokratische Organe verwiesen auf die rätselhafte Psychologie dieses Falles und auf die offenbar vorhandene Abnormität der Psycbe Filipsohns. Auf die Bedenken der Psychiater scheint der neue Großherzog diesem ersten Fall seiner Kompetenz die Bestätigung des Todesurteils ver- sagt zu haben. Jetzt ist bei dem Mörder im Zuchthause der Irr- sinn ausgebrochen. Der angebliche Mvrdanschlag in einem Berliner Schnellzuge bei Linderode, der in der Nacht zmn Montag verübt worden sein soll, hat seine Aufklärung gefunden. Nach Ermittelungen der Berliner Kriminalpolizei handelt es sich nicht um elnen Mord, sondern um einen Selbstmord. Das 39 Jahre alte Dienstmädchen Auguste Scheurig, das feit drei Jahren in der Friedrichstraße 246 beschäftigt war, war am Sonntag verschwunden. Das Mädchen war schon seit einiger Zeit sehr aufgeregt und hatte wiederholt die Absicht geäußert, sich das Leben zu nehmen. In Abwesenheit der Herrschast hatte die Sch. ihre ganze Habe znsammengcpackt und war fortgegangen. An ihren Bruder, einen Postboten aus der Sonntagstraße 2 zu Rummelsburg, hatte sie einen Brief zurückgelassen. Darin teilte sie ihm mit, daß sie Verwandte zu besuchen beabsichtige, ließ aber zugleich die Absicht des Selbstmordes durchblicken. Es hat sich kein Anhalt für die Annahme eines Verbrechens ergeben. Bei der gestrigen großen FeuerSbrunst in MoulinS(Dep.«Hier), durch die, wie bereits gemeldet, der Güterbahnhof zerstört wurde. haben vier Personen schwere Brandwunden erlitten; eine ist bereilS den Verletzungen erlegen. 29 Wagen mit Waren sind verbrannt. Der Schaden ist beträchtlich. Ein neuer Ozcanrekord. Der große Turbinendampfer der Cunard-Linie„Mauretania" hat, wie aus New Aork gemeldet wird, einen neuen Rekord für die Ueberfahrt von Europa nach den Vereinigten Staaten aufgestellt. Er legte diese Fahrt auf der kürzesten Kurs» linie in 4 Tagen 14 Stunden und 33 Minuten zurück. Dadurch ist der zuletzt von der„Lusitania", dem neuen Schweslerichiff der „Mauretania", aufgestellte Rekord um 22 Minuten gedrückt. Die „Mauretania" hal mit dieser Leistung, die für die ailgnlische Fahrt westwärts oder ostwärts aufgestellten Zeitrekords geschlagen. Meireligtöse Gemeinde. Sonntag, den 22. August, vormittags S Uhi, in der Halle Pappel-Allee 15/17: Freireligiös« Vorlesung. 10*/4 Uhr in der Schule, Kleine Frantsurter Str. 6: Vottrag des Hrn. Dr. M. H. Barge: ,11. Unser Wissen vom Werden der Welten, a) EntivickclungSgeschtchte des Kosmos". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken, und Stcrbeknsse der Metallarbeiter (8. H. 29 Hamburg.)(Filiale Berlin 4.) Sonnabend, den 21. d. MIS., abends 81/, Uhr, bei Merlowsli. AndreaSstr. 26, Milgliederveriammlung. Zcntralverbond der freien Händler, Hausierer und ver- Wandler Bcrufsgenossen Deutschlands. Sitz Essen.(VerwaltungS- stelle Berlin). Heule abend 8'/, Uhr bei Dräsel, Neue Fttedrichstraße 35: Versammlung. Gäste willkommen Amtlicher Marktdertch» der ftädtilchen MarNhallen-Dtrektion über den Großbandel in den Zentral-Marktballen. Markilag«; Fleisch: Zulubr genügend, Keichäsl flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Gcichält lebhast, Preise unverändert. Gesiügel: Zufuhr in Gänsen weil über den Bedarf, sonst tnapp. Geschäft rege, Preise befriedigend. F i I ch e: Zufuhr mäßig, Geschäft lebhast, Presse, auger für geringere Seefische und Aale, hoch. Bulter und Käse: Geschäft lebhaft, Preise unverändett. Gemüse, Qbn und Sadsrüchle: Zusuhr reichlich, befonders in Blumenkohl, Geschäst schleppend, Preise gedrückt. stvttterungSnderstch» vom 80. August l»NV. morgens« Ilvr. ewtwnm Ii Ca c£ � 5 c H Ü 5 Stattonev Detter t* *£ »wniemd« 7SSWSW 3 bedeckt 17 �aparanda 757W 4 bedeckt �15 Hamburg l7kk SSW 4 bedeckt lk Petersburg 762 SO 2 bedeckt i 13 verlw 1768®® 2halb bd. 17 Sctllh 764 22® 4 bedeckt i 16 Frantl- M 769 SA 2Dunst 15 Merdee» 752 SSW 2bedickt! 14 Münch«!770O 2balb bd. 15 Part» 769 S> 2woltenl 16 A>«!770Sttll halb bd. 16! Is Wetterprognose für Sonnabend, den 81. Augnft 1909. Mäßig warm bei wechselnder Bewölkung und südwesUich« Winden. keine erheblichen Niederschläge. Berlioer Wetterbnreaa. 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Diskussion. 3. Bezirks- angelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen I In Anbetracht der wichtigen Tagesordinmg ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Montag, den 23. August, abendS 8 Uhr, in den Muslker-Festsälen» Kaiser-ZSUHelm-Str.. 18 m:.... Kranchen Versammlung der Werkzeugmacher (Einrichter, Schiuttbauer, Lthreiiilauer, Schnejdzeug- mncher und aller in Knchdruliikreininschiiirii-Kttriebt» beschästigteu Kollegen). TageS-Ordnung: 1. Vortag: Die Ansänge der Kultur oder auS Urzeiten der Mensch- heit. Reserent: Herr M. H. Barge. Diskussion. 2. Ersatzwahlen zur AgltationSkommsssion. 3. Brnnchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Ten Mitgliedern zur Kenntnis, dafj Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassierern zu haben siud.| 121/17 l»iv Ortn-vvi'vmlt»»«. Reederei Noblling. g'ÄSÄ«i Musik 8',', und 9, 2 u, 2'/, Uhr nach der««»-Unei? aüivi wr» S c h w c I?.(Gosener Berne). 9 n. 21/. nach Wolter«- dorfer Schleuse. Absahrt Jannowiftbriittc vor Schulthcitz und Spreepalast. w V--- Hin und zurück nur 80 Ps.. Kinder 40, einlach 50 ------ u- a Reederei Kaliut&Hertzer, N» /fü�jn Sonntag, den 22. August 1909: Grosse Damnier-Extraialirt«« Musik nach Ziegenhals (Sportshaus), zum Pilzesuchen. Absahrt vormittags«>/, Uhr, nach- mittags 2'U Uhr, ftahrgcld hin».zurück 0,75, einlach 0,50. Kinder d. Halste. ArbkitöV finden für ihren Zßpul gute und billige in grosser Auswahl SrunneNStr. iM,(«elber£adew. Mein Geschäst hat mit den„Gewen Gewerkschaften' nichts zu tun. Nngemseliles verälrlil sehr leicht, wenn die Gefäße nicht peinlich sauber sind. Ein sehr einfaches Mittel. dieselben keimfrei zu erhalten, ist das Ausspülen mit �.utomors»Wasser(1 Eßlöffel voll A U i o m o r 8 auf 5 Liter Wasser). 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