Nr. ISS. BbonncmcntS'Bedingungen: fffionncmontä> PreiZ pränumerando z Vierteljährl. g�o Mk., Monats 1,10 Ml., wöchentlich LS Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: I.lO Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dünemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crfftlnt tZgl!» MBtt montagi. 36. Jahrg. Berliner Volksblnll. vle snierNsiiZ-lledilhi' keträgt für die fechsgespaltcnc Kolone?« zeile oder deren Raum M Pfg.. für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versamnilungs-Anzeigen 30 Pfg. „Ulewe Sn--tg-n", das erste fselt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmiltags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössnet, Telegramm-Adresse: „SsiIi»äciii«>!lZt Rcrlin**. Zcntfalorgan der foztaldcmohrati fcbcn partei Deutfcblands. Redaktion: 8d. 68, Ltndcnstrasse 69 Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983, Die Blockadcgcfaljr. n. Nun wenden aber unsere Flottenfreunde ein. daß sich seit der Kontinentalsperre die Verhältnisse zuungunsten Deutsch- lands geändert hätten. Das trifft jedoch nicht zu. Gewiß spielt jetzt der Außenhandel für uns eine größere Rolle, als zur Zeit der Kontinentalsperre: aber unsere Flottenbefürworter wollen durchaus nicht beachten, daß bei einer Blockade Deutschlands eben nur die deutschen Häfen blockiert sind und daß die deutsche Regierung die Wirkung, der Blockade nicht noch durch ein Handelsverbot mit England verstärken wird! Dann aber ist Deutschland noch immer das beste Absatzgebiet Englands, und die mit dem Deutschen Reiche in Handelsbeziehungen stehenden englischen Kaufleute werden sich den Teufel um das Interesse der englischen Regierung kümmern. Das Kapital kennt kein Vaterland, und sollte die englische Re gierung ihren eigenen Handel mit Deutschland tatsächlich blockieren, dann würde dieser einfach über die neutralen Häfen gchen, was die britische Regierung höchstwahrscheinlich durchaus in der Ordnung finden würde. Wir sehen also, daß aus der Kontinentalsperre keine Schlüsse auf die Wirkung einer künftigen Blockade gezogen werden können, und wir wenden uns daher zur Blockade der nordamerikanischen Südstaaten, die ja ebenfalls zeigen soll, was Deutschland ohne eine starke Flotte an Schrecknissen zu erwarten hat. Man werfe nur einen Blick auf die Landkarte, und man wird finden, daß die Wirksamkeit der Küstenabsperrung eigentlich von vornherein selbstverständlich sein mußte. Im Norden stießen die Südstagten an die Grenze des Feindes, und mit dem Feindesland war ein Handelsverkehr völlig ausgeschlossen. Denn Eisenbahnen— das wollen unsere Gegner immer nicht be achten— fehlten damals gänzlich, und so konnte denn weder nach Norden noch nach Süden der Landweg wegen seiner riesigen Länge gewählt werden. Unter diesen Umständen mußte die Ausfuhr der erzeugten Waren— Baumwolle, Reis. Tabak, Zucker usw.— erheblich abnehmen, desgleichen aber war an eine Einsuhr von Jndustrieprodukten gar nicht zu denken. Die Südstaaten waren aber ganz auf die In dustrie des Auslandes angewiesen, und gerade der Mangel an Waffen, Munition, Maschinen. Kleidungsgegenständcn usw. hat wesentlich zur Beendigung. des Krieges beigetragen. Richtig ist. daß die Preise für die notwendigsten Lebens- mittel kolossal stiegen. Das lag zum Teil an dem Rückgang der Produktion, der dadurch verursacht wurde, daß ein großer Teil der männlichen Bevölkerung im Kriege stand, daß infolgedessen den Farmen die Aufseher fehlten und die Sklaven nur im Auftrage der Frauen arbeiteten, und daß auch zufällig das Jahr 18V2 ein Jahr der schwersten Miß- ernte war. Aber obgleich auch die Erzeugung abnahm, und obgleich die Truppen der Nordstaaten bei ihren Einfällen mit Vorsatz alle Bestände an Nahrungsmitteln, soweit sie sie nicht selbst gebrauchen konnten, zerstörten, an Lebens- initteln fehlte es nicht. Noch gegen Ende des Krieges wurden von den Nordstaaten ungeheure Vor- räte an Getreide, Viehfuttcr initteln und Vieh beschlagnahmtoderzerstörtl Der Nahrungs- mittelmangel war hervorgerufen worden einmal durch die völlig unzureichenden Verkehrsmittel— bei den Truppen durch die mangelhafte Organisation des Trains—, andererseits aber durch das betrügerische und wucherische Wirken der Geschäfts- bourgeoisie, die aus der Not der Massen P r 0 f i t s ch l u g. Wenn also die Blockade der Slldstaaten etwas beweist, so nur die Skrupellosigkeit der Bourgeoisie und die Unfähig- kcit der kapitalistischen Gesellschaft, in stürmischen Zeiten das Volk vor wüster und schamloser Ausbeutung zu schützen! Doch betrachten wir uns den Außenhandel Deutschlands einmal genauer, um einen Maßstab sür die Wirkung einer Blockade zu bekommen. Ueber jeden Zweifel steht fest, daß der Welthandel' Deutschlands eine enorme Bedeutung für unser ganzes Wirt- schaftsleben erlangt hat, und weiter läßt sich nicht leugnen, daß die deutsche Industrie in hohem Maße überseeischer Rohstoffe bedarf. Deutschland führte im Jahre 1906 für nicht weniger als 4050 Millionen Mark Rohstoffe zu industriellen Zwecken ein. Aber diese Menge wurde nicht gänzlich der heimischen Erzeugung dienstbar gemacht; denn Teutschland führte selbst für 1390 Millionen Mark Jndustrierohstoffe aus, gewiß auch eine ganz respektable Menge. Und— was weiter beachtet werden muß— wir sind nicht ganz und gar auf die überseeische Einfuhr angewiesen: denn von der oben angeführten Summe ist der Import aus den an- liegenden Ländern in Abzug zu bringen, der einen Wert von mindestens 1200 Millionen Mark repräsentiert. Immerhin bleibt die Tatsache bestehen, daß viel Rohstoffe überseeisch eingeführt werden; aber trotzdem soll man diese Zahlen nicht überschätzen. Gewiß, die Zahlen des deutschen Welthandels haben etwas Riesenhaftes an sich, aber sie be- sagen uns noch gar nichts über die'Bedeutung des Außen- Handels für unsere Nation, solange wir nicht den Wert des deutschen Innenhandels oder der heimischen Produktion kennen. Die Heimat ist nämlich noch immer für unsere Industrie der beste Markt. Gilt dies in erster Linie für den Handel mit Fertigfabrikatcn, so auch für die Deckung des Bedarfs an Rohstoffen. So betrug beispielsweise 1906 der Wert aller deutschen Bergwerkserzeugnisse IVl Milliarden Mark, während die Gesamteinfuhr von Bergwerksprodukten 675 Millionen Mark ausmachte. Von diesem Werte stammten zirka 325 Millionen aus den anliegenden Ländern, so daß also Deutsch- land seinen Bedarf an Bergwerkserzeugnissen noch nicht zu einem Sechstel überseeisch deckte. Bei vielen Arten von Ein- fuhrgegenständen liegen die Verhältnisse natürlich noch weit günstiger. Wenn nun immer noch eine beträchtliche Abhängig- keit von der überseeischen Einfuhr besteht, so darf doch nicht vergessen werden, daß bei jedem Kriege Millionen der leistungsfähigsten Arbeitskräfte der Produktion entzogen werden. Dann aber geht bei jedem Kriege der Konsum stark zurück. Die Kaufkraft des Volkes muß sinken, wenn Hundert- tausende von Familien ihres Ernährers beraubt werden und wenn der nicht aktiv am Krieg beteiligte Teil der Bevölkerung durch die hohen Kriegssteuern bis aufs Mark ausgesogen wird. Das ganze Erwerbsleben wird gelähmt, und der Be- darf an Rohstofsen sinkt— im Vergleich zu deni bisherigen Verbrauch— auf ein Minimum herab. Das gilt nicht nur für den mit einer Blockade verbundenen Krieg, sondern für jeden blutigen Konflikt. Weiter wollen wir noch die Behauptung auf ihren Wert prüfen, daß bei einer Stockung der Lebensmitteleinfuhr infolge Blockierung der Küsten eine Hungersnot die unaus- blcibliche Folge sein würde. Inwieweit Deutschland bei der Ernährung seiner Be- völkerung auf das Ausland angewiesen ist, das zeigt deutlich die folgende Tabelle. Es betrug im Jahre 1906 bei den wichtigsten Nährfrüchten in 1000-Tonncn: Eigen- ffinfufir Ueberschutz d. Einfuhr produltion über die Ausfuhr Roggen.. 9 626 665 404 Weisen.. 4 399 2 091 1749 Gerste.. 3111 2 075 2 053 Haser.. 8 431 680 343 Kartoffeln. 42 937 265 107 Sunnna 68 504 5 776 4 661 Wir sehen also, daß Deutschlands Bedarf an den wich tigsten Nährfrllchten nur zu etwa ein Fünfzehntel vom Aus' lande gedeckt wurde. Wir dürfen hier aber nicht außer acht lassen, daß in Deutschland allein in den Brenne reiendasZwölffachedergesamtenKartoffel- einfuhr verbraucht wurde, daß große Mengen an Kartoffeln zur Stärkemehlbercitung Verwendung fanden und daß der Getreidebedarf zur Branntwein bereit ung die gesamte Roggeneinfuhr über traf. Ferner dürfen wir nicht vergessen, daß Deutschland für 237 Millionen Mark aus deutschen Rüben gewonnenen Zucker exportierte, welche Summe beinahe dem Wert der ganzen Weizeneinfuhr gleichkam; und endlich ist noch zu beachten, daß ein Teil des eingeführten Getreides in Form von Mehl wieder an das Ausland zurückkehrt; hatte doch Deutschland 1906 in Mehl eine Ausfuhr von 139 000 Tonnen, der nur 27 000 Tonnen Einfuhr gegenüberstanden. Handelt es sich also um die Ernährung der Einwohnerschaft, so kann Deutschland im Ern st falle diese noch immer allein besorgen, wenn man nicht gerade eine ungünstige Ernte voraussetzt. Doch unsere Gegner behaupten, daß die Lebensmittel emsuhr infolge des Wachstums der Bevölkerung immer größer werden muß: aber diese Behauptung, die man schon vor mehreren Dezennien aufstellte, hat sich bis jetzt noch nicht als gerechtfertigt erwiesen. In einem weit höheren Grade nämlich, als die Vermehrung der Bevölkerung vor sich geht, steigt auch die Produktivität ider Landwirtschast. Die solgende Tabelle mag das beweisen: Vom Hektar wurden geerntet Doppelzentner: 1881/83 1894/96 1906 Roggen.«. 9.87 11,67 15.78 Weizen.... 12.50 15,10 20.35 Winterspelz.. 11,93 11,10 14.31 Sommergerste. 12,90 14,33 18.92 Karloffeln... 81.00 98,37 130.03 Hafer.... 10.63 12,97 19,97 Wiesenhcu... 29.20 33,77 48.28 Die Jahre 1907 und 1908 haben eine weitere starke Steigerung der Ernteerträge gebracht, wuchs doch beispiels- weise der Ertrag bei Roggen auf 18 Doppelzentner pro Hektar. Die Erträgnisse steigerten sich also bei den einzelnen Getreidearten bis zu beinahe 100 Prozent, während sich die Bevölkerung in demselben Zeitraum um nur 33 Prozent der- mehrte. Diese Steigerung der Ertragsfähigkeit ist vor allen Dingen auf die Fortschritte in der Bearbeitung des Bodens zurückzuführen. Zweifellos können hier noch weit bessere Resultate erzielt werden, und die Behauptung vieler Fach- männer, daß Deutschland bei rationeller Ausnutzung und Be- arbeitung seines Bodens noch auf viele Jahre hinaus seinen Bedarf an Lebensmitteln allein decken könnte, ist durchaus nicht übertrieben. Sicher ist ja, daß diese Steigerung der Ertragsfähigkeit nicht bis ins Unendliche fortschreiten wird, aber auf jeden Fall ist die Höchstgrenze noch lange nicht erreicht. Doch wann wir wirklich Lebensmittel einführen müssen, so sind wir damit keineswegs völlig auf die überseeische Expedition: 8ML 68, Lindcnotrasac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Einfuhr angewiesen. Ja, sie spielt eigentlich eine recht unbedeutende Nolle. Wir beziehen nämlich alle Getreidearten (außer Weizen) zum weitaus größten Teil aus Rußland und Oe st er reich- Ungarn l Nur bei Weizen, der vor- wiegend aus Argentinien und den Vereinigten Staaten kommt, überwiegt die überseeische Einfuhr. Dagegen beziehen wir wieder ausschließlich oder aber fast ganz ans den Nachbarländern: Milch und Milchprodukte, Federvieh und Eier, Hülsenfrüchte, Obst. Gemüse und Kartoffeln. D i e Lebens mi�telei»fuhr ist also im Falle einer Blockade überhaupt nicht in Frage ge st eilt. Uebrigens ist die Sorge der herrschenden Klassen um die Lebensmittelversorgung des Volkes geradezu rührend komisch: denn der Zweck der ganzen j unk er- lichen Zollschutzpolitik ist ja doch die völlige Absperrung der Grenzen gegen die Lebens- mitteleinfuhr. Ob nämlich die Grenze durch Kriegs- schiffe des Gegners oder aber durch die sogenannten Schutz- zclle gesperrt tvird, das ist in der Wirkung vollständig gleich. Der einzige Unterschied ist vielleicht der, daß bei einer Blockade nur die Küsten gesperrt sind und daß daher dieses Mittel weit weniger probat ist, als das der Schutzzölle, so- bald diese nur genügend hoch sind. Gerade bei den Agrar- zöllen, die ja den Kern unseres ganzen Schutzzollsystems bilden, tritt ja die Absicht des Gesetzgebers und die Wirkung am deutlichsten in die Erscheinung. Zweck der Agrarzölle ist es, den Preis der inländischen Lebensmittel um ungefähr den Einfuhrzoll zu erhöhen. Je höher also der Einfuhrzoll ist, desto höher kann auch der Preis der betreffenden Inlands- Produkte geschraubt werden. Das Ausland wird somit als Preisregulator ausgeschaltet, und der Preis der heimischen Lebensmittel kann bedeutend über dem Weltmarktpreis ge- halten werden. Wo die Wirkung dieses Systems noch durch indirekte Ausfuhrprämien erhöht wird, wie es bei uns in Deutschland tatsächlich geschieht, da müssen die Lebensmittel- preise einen enorm hohen Stand erreichen. Daß die Praxis diese Ueberlegungen bestätigt, das geht aus der Tatsache hervor, daß in Deutschland zurzeit der Weizenprcis um etwa 60 M. und der Roggenpreis um un- gefähr 50 M. über dem Weltmarktpreis stehen, daß also unter der Herrschaft der- Junker wahre Hungersnotpreise erreicht worden sind, trotz der glänzendsten Ernten! Und wenn nun die herrschenden Klassen nach immer höheren Zöllen schreien, so kann man ihre Sorge um die Lebensmittelversorgung des Volkes im Kriege unmöglich ernst nehmen! In bezug auf die Fleischvcrsorgung ist übrigens der Jdealzustand der Junker, die völlige Sperrung der Grenze, bereits erreicht. Nun wird doch. aber niemand im Ernste be- haupten wollen, daß das wirkliche Bedürfnis nach Fleisch und Fleischwaren durch die eigene Produktion gedeckt wird. Das Fleisch steht eben so hoch im Preise, daß sich ungezählte Familien gar nicht oder doch nur selten den Luxus des Fleisch- genusscs erlauben können. Und das ist es ja gerade, was wir den herrschenden Klassen zum Vorwurf machen, daß sie unbekümmert um die wahren Bedürfnisse der breiten Massen und um die alllge meine Volksgesundheit d i e Grenzen durch ihre famose Seuchenpolitik und durch die Zölle absperren und so einen Zu st and schaffen, der dem der Blockade durchaus gleicht! Das Proletariat wird ständig durch die Juukcrklassc blockiert, wie es wirksamer durch keine Macht der Welt geschehen könnte, und deshalb macht auch das Gefasele unserer Marincüber- menschen von der Blockadcgefahr auf die Arbeiterschaft einen verteufelt geringen Eindruck. Die Herrschaft der Junker, das ist die Blockade in Permanenz! Der klelenkampf in Schmede». f(Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 20. August. „DagbladS*- Redakteur Hildebrand hat mit seinen langen DcmonstrationSfahnen am Hause des Blattes der Oeffcntlichkeit recht wenig Neues über die Wiederaufnahme der Arbeit melden können. Sie sind nicht länger geworden. Er hat sie aber mit neuen Lappen ausflicken lassen, um hier und da alte niemals wahr gewesene oder nicht mehr wahre Nachrichten über Arbeitsaufnahme durch frische, aber nicht minder zweifelhafte zu ersetzen. Die ge» flickten Fahnen werden nun um so mehr verlacht, als eS ja jetzt durch die neuen statistischen Zahlen der LandcSbehörden unzweifel- Haft festgestellt ist, datz die llntenrehmerpresse die Oeffentlichkeit fort- gesetzt über die Ausdehnung des Streiks zu täuschen suchte. Gestern abend war allerdings noch großer'Jubel in der reaktionären Presse. Man hatte da die neuen statistischen Angaben über die Zahl der Streikenden aus verschiedenen LandcSteilcn, aber nicht aus allen, und konstatierte wieder einmal mit der üblichen Fixigkeit, daß der Massenstreik im Siückgang begriffen sei, die Zahl der Streikenden sich bedeutend vermindert habe. Die Freude währte nicht lange. Heute, wo die Zahlen aus dem ganzen Lande vorliegen, schrumpft die starke Verminderung auf die Zahl von 1344 Personen zusammen, wobei immer zu beachten ist, daß cS sich hier um eine auf Anordnung der Regierung von ihren Veainten aufgenommene Statistik handelt. Am 9. August, dem sechsten Streik- tage, wurden 285 762 Streikende gezählt; am 18. August, also am 15. Etreiftage: 284 418. Das hiesige Telegrammbureau, das ja auch die Auslandspresse bedient, ist natürlich bestrebt, die Wirkung dieser Tatsache abzuschwächen und behauptet dabei unter anderem, daß die Zählung am S. August infolge Zeitmangels zu niedrig ausgefallen sei. Das ist ja damals schon in Arbeiterlreisen überall und auch im„Vorwärts" gesagt worden, daß die Zahl der Streikenden gewiß bedeutend höher sei. Damals hatte man auf feiten der Arbeitgeber natürlich keine Ursache, dergleichen Vermutungen aufkommen zu lassen. Nun aber liegt Grund genug vor. anzunehmen, daß auch diesmal die offiziellen Zahlen hinter den Tatsachen zurückbleiben. Sie geben übrigens für einzelne Bezirke noch eine erhebliche Zu nähme der Streikenden an, z. B. für Stockholm von 42 000 auf 44 000, für Malmölän von 34 907 auf 37 657.— Im allgemeinen aber bildet diese Streikstatistik eine durchaus beweiskräftige Wider legung der vom Unternehmertum nach dem bekannten Rezept, nur für seine Partei günstige Nachrichten zu verbreiten, in alle Welt hinausposaunten Schwindeleien vom Rückgang oder Fiasko des Massenstreiks und ein Beweis für die ungebrochene Kraft der kämpfenden Arbeiterschaft de? ganzen Landes. Als ein weiterer Beweis fiir diese bewundernswerte Ausdauer und Kampfesfreudigkeit sei auf die Tatsache hingewiesen, daß die Ansprüche, die in den einzelnen Orten an die Notstands- Unterstützung gestellt werden, im Verhältnis zu der langen Dauer des Niesenkampfes sehr bescheiden find. Das Landes- fekretariat hat gestern die aus 450 Orten vorNegenden Berichte geprüft und heute die Mittel abgesandt, die verlangt wurden. AuS mehreren Orten war übrigens berichtet, daß man noch keine * Unterstützung nötig habe. Andere verlangten nur einen kleinen Zu- schuß zu am Orte vorhandenen Mitteln, während aus solchen Orten, wo man zuvor schon unter langwierigen Kämpfen und Arbeitslosig- keit zu leiden hatte, natürlich auch mehr verlangt wurde. Im allgemeinen liegt die Sache so, daß die Streikenden in den Landstädten und-Orten sich weit leichter über die Notlage hinweg- helfen können, als die großstädtischen Arbeiter, weil jenen die Beeren, die die fteie Natur jetzt in großer Fülle bietet, die Fische in den Gewässern weit mehr zur Verfügung stehen, und ihnen auch im übrigen daS Leben weniger Unkosten bereitet, als dem Großstädter. Aber selbst hier in Stockholm, der teuersten Stadt Schwedens, find die Streikenden größtenteils äußerst bescheiden in ihren Ansprüchen. So ist z. B. hier eine Gewerkschaft mit 1200 Mitgliedern, die sämtlich seit dem 4. August tapfer und unverzagt mitgekämpft haben und kämpfen, von denen jedoch nur 80 bis jetzt die Notstandsunterstützung verlangen. Selbstverständlich wird das Bedürfnis in der nächsten Woche überall bedeutend stärker hervortreten. Daß aber die Arbeiterschaft bislang so außerordentlich bescheiden in ihren Unterstützungsansprüchen ist, daS ist ein leuchtendes Beispiel ihrer Opferwilligkeit, ohne die ja überhaupt dieser un- geheure, im Verhältnis zu seiner Ausdehnung langwierige Kampf nicht durchführbar wäre. Man redet hier nicht viel von Opfermut, von Idealismus innerhalb der Arbeiterbewegung, man hört der- gleichen Worte kaum, aber man beweist durch die Tat, daß diese Eigenschaft und Gesinnung der Arbeiterschaft in Fleisch und Blut übergegangen ist. DaS Unternehmertum will sich nun offenbar, soweit eS möglich ist, auf Drohungen mit Schadenersatzklagen verlegen, um die Streikenden zur Arbeit zu zwingen. Die hiesigen Zeitungsverleger und Buchdruckereien erheben, wie der„Vorwärts" schon berichtete, Schadenersatzerklage gegen den Typographenverband wegen Ver- tragsbruch. Wahrscheinlich werden sie aber im ganzen Lande froh sein, wenn sie ihr Personal wieder im Betriebe haben Dein Prozeß sieht der Typographenverband übrigens mit aller Ruhe ent- gegen, und das Gleiche gilt für die Straßenbahner, denen heute die Neue Straßenbahngesellschaft mit einer Schadenersatzklage droht, für den Fall, daß sie die Arbeit nicht sofort wieder auf- «ehmen. Offenbar hat die Arbeit auf der Straßenbahn für die Herren Streikbrecher aus der„besseren Gesellschaft" den Reiz der Neuheit verloren, und im übrigen reichen fie noch lange ,iicht für alle Linien aus, sondern kaum für die Hälfte, und oabei nur für einen sehr eingeschränkten Betrieb. Dazu kommt, daß die große Maffe des Volkes die Streikbrecherstraßenbahn boykottiert, die meisten Wagen stets nur sehr schwach besetzt sind. Auch möchte man natürlich die Polizeibesetzung los sein, die die Gesellschaft bezahlen muß. Aber das Personal hält fest und ein- mütig im Kampfe aus und wird nicht eher zurückkehren, als dieser auf der ganzen Linie beendet ist. Der König sucht fortdauernd seinen Einfluß zur Beilegung des Kampfes geltend zu machen, aber offenbar ohne Erfolg. Vorläufig liegt nichts vor, was auf eine irgendwie erfolgreiche Vermittelung zwischen den Parteien schließen läßt oder zur Beendigung des Kampfes führen könnte. In der Betätigung ihrer internationalen Solidarität haben vor allem die norwegischen Arbeiter Großes geleistet. Aus diesem ja kaum 21/a Millionen Einwohner zählenden Lande sind bis heute schon 114 353 Kronen fiir Unterstützung der schwedischen Arbeiter- schaft eingesandt. Mittel werden natürlich fortdauernd gebraucht. und je länger der Kampf dauert, um so mehr. Auch werden sicherlich nach Beendigung des Streiks noch viele übrig bleiben, die der Hilfe ihrer Kameraden und der internationalen Arbeiterschaft bedürfen, denn so ohne weiteres werden ja all die großen Industriebetriebe nicht wieder in Betrieb kommen. •«• Der Verrat Les gelben„Arbeiterverbandes" hat, wie heute schon festgestellt werden kann, im großen und ganzen seinen Zweck verfehlt. Innerhalb der Streikleitung war man über die Unzuverlässigkeit dieser Leute nie im Zweifel: ihre geringe Zahl spielt für den Ausstand keine Rolle. Wir hatten uns in Anbetracht des Jubels eines Teiles der bürgerlichen Presse Deutschlands, besonders aber aus Anlaß der tendiös- verlogenen Berichterstattung des„Berliner Tageblattes", gestern abend an die Stockholiner Zentralstreikleitung ge- wendet, mit der Bitte um Auskunft darüber, wie man dort den Verrat der Gelben bewertet. Wir erhielten folgende telegraphische Antwort: Stockholm, 21. August. Werte Genossen l Der Beschluß des VorstnndcI der Gelben» seine Mitglieder zur Wiederaufnahme der Arbeit aufzufordern, läßt uns voll- ständig kalt Die ganze Gesellschaft zählt kaum 8009 Mann, da- von sind schon viele vorher an ihre früheren Arbeitsstätten zu- rückgekehrt, ein anderer Teil wird wahrscheinlich im Streik be- harren. Das Manöver der bürgerlichen Presse, diesen von uns längst erwarteten Umfall der Gelben gegen den Ausstand aus- zuschlachtcn» ist zu durchsichtig um ernst geuommeu zu werden. Der Beschluß ist für de» Gang der Dinge bedeutungslos. Eine Privatdcpesche von heute meldet uns folgendes: Stockholm, 21. August. Der Verrat des gelbrn Verbands- liorstandes erweckt hier nur Erbitterung. Tie Unzuverlässigkeit dieser Leute ist wohlbekannt, daher konnte ihr Beschluß keine Ucberraschung bringen. Ter kommende Montag wird mit großer Spannung erwartet. Tie Gegner erhoffen ein größeres Abbröckeln; sie werden wahr- schcinlich sehr enttäuscht sein. Liberale Politiker und Männer aus der HandelSwclt versuchen, eine Aufforderung an die Regierung, vermittelnd ein- zugreifen, zustande zu bringen. Der Versuch kann als gescheitert angesehen werden, weil die Leute selbst nicht einig waren. Sie forderten in ihrer Machtlosigkeit gegenüber der Unternehmer- zentrale von der Arbeiterschaft, diese solle zuerst ein Gesuch um Vermittelung einreichen, wozu indes nicht der geringste Anlaß vorliegt. Diese Depesche zeigt deutlich, doß die Position der Ar- bciter seit voriger Woche in keiner Weise ungünstig beeinflußt worden ist. Die Unternehmerzentrale ist in ihrem Lager allev dings auch noch im Besitze der ausschlaggebenden Macht Sie erhofft vom kommenden Montag eine größere Zersplitterung der Ausständigen, zu welchem Zweck der Verrat der Gelben als neuer Bluff dienen soll. Aber die gleichen Hoffnungen hatte man ini Unternehmerlager auf den letzten Montag auch gesetzt. Vergeblich, die Arbeiter standen, trotz der versprochenen Aktien und Lohnerhöhungen, fest. Es ist kaum anzunehmen, daß es viel anders kommen wird an diesem Montag. Auf jeden Fall stehen die Organisierten fest, worauf es in erster Linie an kommt. Ueber die diesbezügliche Auffassung der Gewcrkschafts leitung spricht sich ein Aufruf des Landessekretariats der Gewerkschaften an die Ausständigen aus, der in der Donners tagsausgabe des„Sparet" veröffentlicht wird. Der Aufruf tritt der Auffassung vieler Streikenden entgegen, als ob die durch den Beschluß der Gewerkschaftsvorstände vom Ausstande ausaenommenen Arbeitergruppen in verschiedenen öffentlichen, sanitären und charitativen Diensten die Arbeit ein- stellen müßten. Gegen die Pflege kranker Menschen sowie der Tiere hat sich Widerspruch nicht erhoben. Dagegen hätte man hier und da den Anschluß der Wasserwerksarbeiter, der Ar beiter in der Straßenreiuigung usw. gewünscht. Der Aufruf erklärt nun, daß die Straßenbeleuchtung notwendig ist im Interesse der öffentlichen Ordnung, die mit den Interessen des Großstreiks zusammenhängt. Das Wasser ist für die Streikenden mindestens so notwendig, wie für andere Be- Völkerungsschichten: die Straßenreinigung zu inhibieren, wäre, heißt es im Aufruf, unverantwortlich gegenüber den. Arbeitern selbst in erster Linie. Die Gefahr der Epedimien ist für die Arbeiterschaft aber am größten. Sodann aber wird klar und deutlich ausgesprochen, um was es sich handelt und gegen wen der Kamps geführt wird. An den Beschluß bezüglich der obigen Arbeiterkategorien muß unverbrüchlich festgehalten werden.„Außer, daß die ursprünglichen Gründe für die obigen Ausnahmen," wird im Aufruf erklärt,„noch in voller Kraft bestehen, müssen sich die Arbeiter darüber klar sein, daß ein Streik der Straßen- reinigungsarbeiter in keiner Weise die Position der Arbeiter stärken würde. Bor allem aber: die Erfolge des Riesen- kampfes im ganzen Lande beruhen nicht auf einen mehr oder weniger effektiven Streik der Straßenreinigungsarbeiter in Stockhalm oder eventuell in irgendeiner anderen Stadt. Der Kernpunkt liegt vielmehr... nicht in den Straßen- Verhältnissen oder ähnlichem, sondern in der Frage, ob die Industriellen die lähmenden Wirkungen des großen Aus- staudes vertragen können. Mit den Industriellen wird der Kampf der Arbeiter ausgefochten, mit jenen Industriellen, die die Aussperrungsdrohungen als ständige Waffe benutzt haben, um den Arbeitern das in jahrelangen Kämpfen errungene Mitbestimmmipsrecht über die Arbeitsbedingungen zu entreißen. Hier steht die Entscheidung des Riesenstreiks, sonst nirgends... Der zweiwöchige Kampf hat in keiner Weise die Solidarität der schfoedifchen Arbeiterklasse gebrochen. Die Ausdauer so weiter fortgesetzt, und der große Abwehrkampf wird mit Ehre durchgekämpft und das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter über die Arbeitsbedingungen für die Zukunft gesickert sein." Hier ist klar und deutlich ausgesprochen, um was die Ar- beiter kämpfen. Sie wollen nicht, wie es in der Absicht der Unternehmer liegt, als Marionetten an den Verhandlungen iiber die Arbeitsbedingungen teilnehmen, die nur die Gebote der Unternehmer zu akzeptieren oder aber Massenaussper- rungen in Kauf zu nehmen haben. Wie groß die Solidarität in allen der Arbeiterschaft nahe- stehenden Kreisen ist, zeigt ein Aufruf des Vorstandes des Zentralverbandes der schwedischen Konsumvereine' an die An- gestellten und Arbeiter in den Genossenschaftsbetrieben. Der Vorstand des genannten Verbandes fordert die Genannten auf, gleich den Angestellten der Partei und der Gewerkschaften ihren vollen Lohn für die Dauer des Ausstandcs an die Streikkasse abzuführen.„Es kann nur eine Pflicht des Per- sonals der Genossenschaften sein, in diesen: Falle den kämpfenden Arbeitern eine intensive Unterstützung zu gc- währen. Denn die Arbeiter Ind es, die zum großen Teile Mit- glieder der Konsumvereine sind," schließt der Aufruf, der ein erfreuliches Zeugnis dafür ist. daß die Z e n t r a l l e i t u n g des schwedischen Konsumgenossenschafts. Wesens nicht vergessen hat, in wessen D i e n st e n sie sieht. Dem schwedischen Arbeitgeberverein scheint sein schwin- deudes Ansehen in deutschen Kapitalistenkreisen sehr auf die Nieren zu fallen. Er„berichtigt" in der„Frankfurter Ztg." die durchaus zutreffenden Angaben des Korrespondenten dieses Blattes betreffend die von ihm beabsichtigten Lohn- Herabsetzungen. Allerdings mit wenig Glück. Der Korrespondent erklärt, er habe die jetzt geltenden Lohnsätze in der Zellulose- industrie mit den Forderungen der Unternehmer verglichen und findet nur. daß die letzteren erheblich niedriger sind. Ueber die Lohnkürzungen im Schneidergewerbe schweigt sich der Ärbeitgeberverein vollständig aus. Und die spielen doch auch eine kleine Rolle unter den Vorwänden dieses Kampfes. Die schwedische Geistlichkeit sollte am 24. August in Stockholm zu ihrem zehnten allgemeinen Kongreß zusanimentreten. Der Kongreß ist nun in letzter Stunde wegen des Streiks vertagt worden. Unser Kopenhagener Brudcrorgan fragt verwundert nach den Ursachen der Vertagung:„Die Eisen- bahnen sind im Betrieb: die Hotels haben Plätze genug frei und Essen auch. Das einzige, was fehlt, ist der Spiritus. Es ist doch wohl nicht deshalb, daß die Pfarrer nicht nach Stock- Holm wollen?" Von der Schnollpressenfabrik Frankcnthal, Albert u. Co., A.-G.. erhalten wir solgeirde Zuschrift, der toir gerne Raum gewähren: „Ii. Nr. 189 Ihres geschätzten Blattes vom 15. August wird in dem Artikel„Der Riesenkampf in Schweden" u. a. erwähnt, daß einige Deutsche als Streikbrecher in Stockholm tätig seien, darunter zwei Monteure bei„Dagens Nyhetcr", die aus Frankenthal in der Rheinpfalz gekommen seien, um eine Maschine aufzustellen, nun aber als Maschinenmeister fungierten. Wir sehen unS veranlaßt, um falschen Auslegungen vorzu- beugen, Ihnen mitzuteilen, daß wir eine Maschine an die «DagenS Nyheter" geliefert haben; die Maschine ist allerdings aufgestellt, jedoch noch nicht vollständig ausprobiert und kann ins- besondere noch nicht übergeben tSerden, da dieselbe SerkragL- mäßig eine bestimmte Zeitlang eine vereinbarte Leistung er- zielen muß. Damit sind die Monteure noch beschäftigt und so- bald die Maschine vertragsmäßig übergeben ist, werden unsere Monteure sofort abreisen. Wir dürfen wohl freundlichst ersuchen, diese Richtigstellung in Ihrem geschätzten Blatte aufzunehmen und zeichnen Hochachtungsvoll Schnellpressenfabrik Frankenthal Albert u. Cie., Aktiengesellschaft. Wir müssen es unserem Korrespondenten überlassen, sich dazu zu äußern. An sich will das Schreiben der Frankenthaler Schnellpressenfabrik nicht viel besagen. Es kommt doch in erster Linie darauf an, was die beiden Monteure dort tun. nicht was sie tun s o l l e m Heber die Unterstützungsaktion der deutschen Arbeiter erhalten wir vom Kassierer der Generalkonnnission, Ec- Nossen Hermann Kube, folgende Mitteilungen: Für den allgemeinen Ausstand in Schweden gingen bei der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands bis Sonnabend, den 21. August, einschließlich, insgesamt 433 053,60 M. ein. Davon sandten ein: Die Vorstände der Zcntralverbände 192 050 M., Ortsverwaltungen der Zcntralvcrbände 15 482,62 M., Gewerkschaftskartelle 185 730,50 Mark, Parteiorganisationen 35 859,37 M., Ausland 2181,87 M., sonstige Sammlungen 1749,24 M. Der Gewerkschaftlichen Landes- zentrale in Stockholm wurden bisher in 3 Raten 350 000 M. über- wiesen. Die folgende Rate wird in den nächsten Tagen abgesandt werden. Ueber die Beträge im einzelnen quittiert das»Cor- respondenzblatt der Generalkommission" laufend. Die deutschen Arbeiter haben in diesem Kampfe unsere Erwartungen nicht getäuscht. Trotzdem ist es not- wendig, noch mehr Eifer in die Sammlungen zu setzen. Ans Mangel an Mitteln darf die schwedische Arbeiterschaft nicht unterliegen. Das sonstige Ausland enttäuscht uns freilich, wenn wir von Norwegen und Dänemark absehen. Wir vermissen vor allem England und Frankreich mit an der Spitze. Wir meinen, man sollte etwas weniger durch Sympathiekund- gedungen und etwas mehr durch opferwillige Taten seineu Internationalismus bekunden. * Ueber weitere Bewilligungen von Geldern seitens deut- scher organisierter Arbeiter erhalten wir folgende Mit- teilungen: Der Verband deutscher Textilarbeiter, Filiale Barmen- Elberfeld und Umgegend, bewilligte aus Lokalmitteln für die schwedischen Arbeiter 1000 M. Die Mitgliedschaft Hamborg des Metallarbeiter- Verbandes hat, obwohl 1100 ihrer Mitglieder durch den Kampf im Baugewerbe in Mitleidenschaft gezogen bezw. ausgesperrt sind, eine zweite Rate von 6000 M. an die ausgesperrten und streikenden schwedischen Arbeiter abgeführt. Auf Sammellisten haben die Hamburger Metallarbeiter ebenfalls 6000 M. aufgebracht, so daß sie bislang für diesen Zweck insgesamt 18 000 M. bewilligt bezw- aufgebracht haben. Ein erfreuliches Zeichen internationaler Soli- darität. Amtliche Abwürgung des ßdchsvefeins- getetzes. Den Solinger Parteigenossen wurde von der dortigen Polizei- Verwaltung am 21. April die schriftliche Genehmigung zur Ver- an staltung eines öffentlichen Aufzuges am 1. Mai g e st a t t e t. Am 30. April wurde jedoch Genosse B e l l e r t aus das Polizeiamt bestellt und ihm eröffnet, daß aus dem Aufzuge nichts werden könne, da der Regierungspräsident die Solinger Polizeibehörde angewiesen habe, die bereits erteilte enehmigung wieder rückgängig zu mache». runde für dieses Verbot anzugeben, war der Solinger Polizei- inspektor damals nicht in der Lage. Man setzte sich am grünen Tisch in Düsseldorf ganz einfach iiber den klaren Wortlaut des§ 7 des Reichsvereinsgesetzes hinweg, der besagt,„daß im Falle der Verweigerung seines Aufzuges) dem Veranstalter sofort ein kosten- freier Bescheid mit Angabe der Gründe zu erteilen ist". Tie Solinger Polizeiverwaltung hatte selbstverständlich keine Gründe zu dem Verbote, sonst würde sie nicht vorher den Aufzug genehmigt habe». In Preußen muß aber auch ein Oberbürgermeister parieren, und so kam die Solinger Polizeiverwaltung dem Verlangen des Düssel- dorfcr Regierungspräsidenten eben nach und inhibierte den vorher von ihr genehmigten Aufzug. Die Solinger Parteileitung wandte sich am 12. Mai unter Be- nifung auf den Z 7 des Reichsvereinsgesetzes an den Regierung?« Präsidenten in Düsseldorf und ersuchte um Angabe der Gründe für daS Verbot des Aufzuges. Der Regierungspräsident überließ die Beantwortung der Beschwerde dem Solinger Oberbürgermeister, dem- selben Oberbürgermeister, der den Aufzug wenige Tage vorher ge- nehmigt hatte, und in der Genehmigung desselben also keine„Gc- fahr für die öffentliche Sicherheit" erblickte. Der Düsseldorfer Rc- gierilngSpräsident wußte natürlich viel besser wie die Solinger Polizeiverwaltung, was sich im„Staate der vollendetsten Rechts- garantien" gehörte; er ging hin und ließ durch den Solinger Ober- bürgern, eister verkünden, daß daS Umzugsverbot erfolgt sei, „weil bei dem demonstrativen Charakter der Veranstaltung von vornherein anzimchmen war, daß die Abhaltung eines Aufzuges mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit verbunden gewesen wäre." Der Düsseldorfer Regierungspräsident spielte also eine Art Vor- sehung, die, wie sich später herausstellte, vollständig überflüsfig und nur Erbitterung unter der Arbeiterschaft hervorzurufen geeignet war. Die Solinger Parteileitung wandte sich aber auch gleichzeitig beschwerdeführend an den Minister des Innern, der mit feiner Antwort ziemlich lange auf sich warten und die Beschwerde durch den Düsseldorfer Regierungspräsidenten beantworten ließ, der sich mit der Sache folgendermaßen abfand: Der Regierungspräsident» Düffeldorf, 23. Juli 1909. C. B. IL 299. Ihre Beschwerde vom 7. Mai d. I. ffi vom Herrn Minister deö Innern an mich zur Entscheidung abgegeben worden, weil die am 80. April d. I. durch die dortige Polizeivorwaltuug erfolgte Zurücknahme der Genebmigung zur Veranstaltung eines öffent- lichen Aufzuges der sozialdemokratische» Partei am 1. Mai d. I. sich als eine ortspolizeiliche Verfügung darstellt, gegen die nach§ 127 des Landesverwaltungsgesetzes die Beschwerde au mich stattfindet. Nachdem dann der Regierungspräsident dargelegt, daß die Be- schwerde schon wegen Frist Versäumnis znrückz n- weisen, da sie zu spät in seine Hände gelangt sei, fährt er wörtlich fort:� Ihre Beschwerde ist jedoch auch sachlich unbegründet, weil, wie Ihnen der Herr Oberbürgermeister dort am 21. d. M. zutreffend(!!!) mitgeteilt hat, bei dem demonstrativen Charakter der Veranstaltung von vornherein anzunehmen toar, daß die Abhaltung des Aufzuges mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit verbunden gewesen wäre. Der gegen die nichtsozialdemokratische Bevölkerung gerichtete demonstrative Charakter der Ber- anstaltung ging unzweifelhaft daraus hervor, daß der Aufzug aus Anlaß der Maifeier geplamt war; es handelte sich offenbar um eine Kundgebung gegen die staatliche und wirtschaftliche Ordnung, die geeignet gewesen wäre, in allen der Sozialdemokratie abgezweigten Kreisen, insbesondere unter den Arbeitgeber», Unruhe und Erbitterung hervorzurufen, zumal da sie unter zumeist erzwungener Arbcitsruhe vor sich gehen sollte. Wegen dieser vor- handenen Gegensätze war die Möglichkeit von Reibungen und Ausschreitungen in eine solche Nähe gedickt, daß die Besorgnis der Störung der öffentlichen Sicherheit begründet war. Die Zurücknahme der Genehmigung war daher gerechtfertigt, ohne daß eS auf die von Ihnen angeführte Tatsache ankommen kann, daß in einigen Nachbarorten von Solingen Aufzüge am 1. Mai d. I. stattfinden durften. Diese Begründung de? AufzugSverbotS durch den Düsseldorfer Regierungspräsidenten bedeutet nichts mehr und nichts weniger als die Außerkurssetzung des Reichsvereinsgesetzes. Wir meinen, wenn die Solinger Polizeiverwaltung den Aufzug genehmigte und in dem- selben keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit erblickte, so konnte sich auch der Düsseldorfer Regierungspräsident beruhigen, denn die Solinger Polizeiverwaltung dürfte den Charakter der dortigen Be- völkerung doch wohl besser keimen wie die Herren am grünen Tisch in Düsseldorf. Tatsache ist ja auch, daß in einer ganzen Anzahl eine halbe Stunde von Solingen entfernt liegender Orte, die ebenfalls dem dorttgen Jndustriebezirk hinzugezählt werden müssen, Aufzüge mit demonstrativem Charakter stattfanden, und die Solinger Genossen veranstalteten ihren Aufzug trotz des polizeilichen Verbots, ohne daß die vom Regierugspräsidenten befürchtete»Störung der öffentlichen Sicherheit" eintrat. Höchst interessant ist der Satz in dem Schrift- stück, der da meint, daß die geplante Kundgebung„insbesondere unter de» Arbeitgebern Unruhe und Erbitterung hervorzurufen" ge- eignet war, zumal da sie unter zumeist erzwungener Arbcitsruhe(1 1 1) vor sich gehen sollte. Außer dem Regierungspräsidenten in Düffel- dorf ist in Solingen niemand etwas davon bekannt, daß am 1. Mai jemand zur Arbeitsruhe gezwungen worden ist. Man ist versucht zu glauben, daß sich irgend ein Scharfmachcrllub hinter den Düsseldorfer Regierungspräsidenten gesteckt hat, um den Aufzug, der nach Meinung des Regierungs- Präsidenten auch gegen die»nichtsozialdemokratische Be- völkerung Solingens" gerichtet war, zu vereiteln. Hätte der Regierungspräsident von Düsseldorf das Resultat der letzten Reichstagswahl zur Hand genommen, dann würde er gefunden haben, daß seine Befürchtungen an der unrichtigen Stelle angebracht wurden, denn die Stadt Solingen zählte bei der letzten Wahl öslv sozialdemokratische und nur insgesamt 4451 bürgerliche Stimmen, weist also eine sozialdemokratische Be- Völkerungsmehrheit auf, die sich schon oft von der Mnder- heit patriotische Klimbim-Fcstzüge gefallen lassen mußte, ohne daß sie sich„beunruhigt" fühlte oder zu Reibungen und Ausschreitungen verleiten ließ. Man kann natürlich durchaus nichts dagegen einzuwenden haben, wenn der Arbeiterschaft von unserer herrschenden Sippe immer wieder eingebläut wird, daß sie minderen Rechts ist und daß man sich ihr gegenüber über klare Gesetzesbestimmungen einfach mit nichtssagenden Redensarten hinwegsetzen kann. Wie diese Umzugverbotbegründung zeigte, sind die preußische Regierung und ihre Diener nie um»Gründe" verlegen, wenn es gilt, der Arbeiter- schaft Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten zu bereiten. Im Reichstag und preußischen Landtag werden unsere Abgeordneten diese Praxis gehörig kennzeichnen und die Herren von der Regierung zu klaren Antworten nöttgen müssen, was sie zu dieser»loyalen Aus- führung' des LereinsgesetzeS sagen. poUtifcbe üebcrficbt Berlin, den 21. August 1909. Der„eigentliche Charakter" des Zentrums. Der Streit um die Frage, ob die Zentrumspartei sich als konfessionelle oder interkonfessionelle Partei gerieren solle, kommt der Leitung der Zentrumspartei zur jetzigen Zeit sehr ungelegen. Um die erhitzten Gemüter zu beruhigen, verspricht sie deshalb, sich baldigst mit dieser strittigen Frage beschäftigen zu wollen. Ber- fchiedene Zentrumsblätter veröffentlichen nämlich heute folgenden seltsamen Aufruf: »An die Mitglieder der Zenttumspartei. Gemäß der von dem rheinischen Provinzialausschuß der Zentrumspartei gegebenen An- regung wird sich der Landesausschuß der preußischen Zentrums- Partei, verstärkt durch die süddeutschen Vorstandsmitglieder, der Reichstagsfraktion des Zentrums, sofort beim Wiederzusammcntritt des Reichstages mit der neuerdings zur Diskussion gestellten Frage zu befassen haben, welches der eigentliche Charakter der seit vierzig Jahren be st ehenden Zentrums- Partei ist. Mit Rücksicht hieraus richten wir an alle unsere Freunde im Lande die dringende Bitte, einstweilen und bis dahin von jeder Erörterung dieses Gegenstandes in der Presse und in Versammlungen absehen zu wollen. Ruhpolding(Oberbayern) und Breslau, am 20. August 1309. Freiherr v. Hertling. Dr. Porsch." ES ist hochkomisch, daß nach vierzigjährigem Bestand der Zentrumspartei ihre Leitung selbst noch nicht genau den»eigent- lichen Charakter" der Partei kennt und ihn erst auf einer Konferenz feststellen lassen muß. Erschiene der Aufruf nicht in der.Germania" und anderen anerkannten klerikalen Blättern, man könnte annehmen, daß er von einem Satiriker erfunden sei, um die Zentrumspartei zu verspotten._ <884 Millionen Mark neuer Schulden. Die Matrikularbeiträge haben eine Höhe von rund 150 Millionen Mark erreicht, und sollen von den Einzelstaaten nicht etwa an die Reichskasse abgeführt werden, sondern ihre Deckung durch eine Anleihe finden, für deren Verzinsung die Einzelstaaten aufzukommen haben. Die Anleihe selbst wird natürlich vom Reiche aufgenommen und ist deshalb den Reichsschulden zuzurechnen. Dazu kommt das Defizit, das sich beim laufenden Etat herausstellen wird und das heute schon auf mindestens 130 Millionen Mark beziffern wird. Das ergibt eine Summe von 280 Millionen Mark. Nachdem aber die Einnahmen des Reiches aus Zöllen und Verbrauchssteuern zum Teil hinter dem Voranschlage zurückgeblieben sind, ist mit einem weiteren Defizit zu rechnen, so daß der gesamte Fehlbetrag, der auf Anleihen zu nehmen ist, mit 284 Millionen Mark berechnet wird. Entschieden zu wenig: Liegen erst die Abschlüsse vor, dann wird sich sicher herausstellen, daß mindestens 300 Millionen Mark durch eine Anleihe aufgebracht werden müssen._ Russische Zolltarifrevifion. Nach berühmten Mustern beabsichtigt auch Stußland eine Revision seines Zolltarifs vorzunehmen und verschiedene Zollsätze, die durch Handelsverträge nicht gebunden sind, zu erhöhen. Im russischen Handelsministerium ist man bereits mit den Vorarbeiten beschäftigt, da die Vorlage noch im Herbst der RcichSdnma zugehen soll. Wie verlautet, erleichtert der Entwurf die Einfuhr von auS- ländischen Waren und Fabrikaten, die der russischen Produttion keine Konkurrenz machen, und erhöht um ein Bedeutendes die Zollsätze für Luxusartikel. Dem Schutz der wichtigsten Zweige der russischen Produktion, u. a. besonders der Holzindustrie, wird die größte Beachtung geschenkt, da die Praxis zeigt, daß trotz der hohen Zollsätze Amerika und Schweden nach Rußland enorme Mengen Holzfabrikate und Möbel einführen. Der Handel mit Frank- reich sei dagegen durch die hohen Zölle fast vollständig lahm gelegt. „Die bisherige Zollpolitik", heißt es am Schlüsse,„hat die Ent- Wickelung der russischen Industrie im allgemeinen nur wenig ge- fördert, dahingegen den Handel mit dem Orient und dem nahen Westen ungünstig beeinflußt." Danach zu urteilen, wird Deutschland von der Zolltarif- revision schwerlich Vorteil haben; der Zweck der Revision scheint vielmehr zu sein, Frankreichs Einfuhr in Rußland günstiger zu stellen— wahrscheinlich um dafür Frankreichs Wohlwollen auf anderem Gebiet einzutauschen. Sollte man in Rußland eine neue Anleihe auf dem Pariser Geldmarkt planen? Die„Anständigen". Die ganze bürgerliche Presse fällt natürlich mit Wonne über den Schwindel der„Berliner Volkszeitung" her, den sie in ihrem „Ausgehungert"-Artikcl verzapft hat. Und ebenso selbstverständlich nimmt keines dieser edlen Blätter von der Erwiderung des„Vor- wärts" und seinen Feststellungen Notiz. Auch die„Berliner Volks- zeitung" nicht, die die nächste dazu wäre. Sie verschweigt ihren Lesern überhaupt, daß der„Vorwärts" erwidert hat. O, über diese Anständigen! In der„B. Z. am Mittag" hat der bekannte„Plutus"-Bern- Harb einen Artikel geschrieben, betitelt„Der rote Hungerturm". Er ist dem Artikel der„Berliner Volkszeitung" durchaus gleich- wertig, der vom selben Verfasser herstammen könnte. Selbstver- ständlich unterschlägt der Bernhard krampfhast die Erwiderung des „Vorwärts". Fast könnten wir den Genossen Bernstein bedauern, daß er diesen Menschen als seinen angeblichen Verteidiger sehen muß.- Die Gedächtnisschwäche des Herrn Semler. Der nationalliberale Abgeordnete Semler hat, wie wir in letzter Sonntagsnummer mitteilten, bestritten, daß er bei der Abstimmung über die Beamtenbesoldungen im Reichstage beabsichttgt habe, den Saal zu verlassen, damit das Kompromiß zwischen der Mehrheit und der Regierung angenommen werde. Auf diese Ab« leugnung antwortet jetzt die klerikale„Sachs. Volksztg." mit der Er- klärung, daß Herr Semler nicht nur dem konservativen Abgeord- neten Dröscher diese Absicht bekundet habe, sondern daß er auch zu Herrn Matthias Erzberger gekommen sei und diesem gesagt habe, er werde während der Abstimmung hinausgehen. Ab- geordneter Erzberger erwiderte, daß es gar nicht nötig sei, daß er (Semler) hinausgehe; denn die Mehrheit für die Verständigung sei auch bei seiner Anwesenheit gesichert. Darauf blieb der Abgeordnete Semler im Saale und stinimte mit seinen Parteifreunden für die als unannehmbar erklärten Beschlüsse, einmal mit der ganz laut gegebenen Begründung:„Hoffentlich erhält der Antrag keine Mehrheit." Das genannte Zentrumsblatt erklärt, diese Mitteilungen seien »absolut richtig"; denn auch andere Zentrumsabgeordnete hätten diese amüsante Unterredung mit angehört. Wenn Dr. Semler sich dieses Vorfalles nickit mehr erinnere, so trüge nur sein schwaches Gedächtnis daran die Schuld und nichts anderes. Wir find neugierig, mit welchen Flausen sich jetzt wieder Herr Semler herauszureden versuchen und seine absichtliche Ge- dächtnisschwäche entschuldigen wird. Kein konservativer Parteitag. Von den konservativen Kreisen, die mit dem Verhalten der konservattven Reichstagsfraktion bei den Beratungen über die neuen Steuern nicht einverstanden sind, wurde in letzter Zeit mehrfach die Einberufung eines konservativen Parteitages gefordert. Die konser- vative Parteileitung scheint von dieser Forderung wenig erbaut zu sein, denn, indem sie so tut als ginge das Verlangen von»nicht- konservativer" Seite aus, antwortet die«Deutsche Tagesztg." mit folgendem Ausfall: „Diese unerbetcnen Ratschläge sind zwar geWitz sehr freund- lich gemeint, aber doch im Grunde genommen höchst unnötig. Darüber, ob die Einberufung eines Parteitages geboten und zweckmäßig sei, hat denn doch nur die Leitung der betreffenden Partei zu befinden. Sind die organisierten Parteigenossen der Meinung, daß ein Parteitag einberufen werden solle, so werden sie sich verständigerweise an die Persönlichkeiten wenden, die durch das Vertrauen der Partei an die Spitze der Organisation berufen worden sind. Ratschläge von auswärts haben verhältnismüßig sehr geringen Wert." Die konservative Parteileitung fürchtet offenbar, daß eS auf den, Parteitag zu scharfen Konflikten kommen könnte. Sie hält sich des- halb weise zurück in dem Vertrauen, daß die Zeit auch diese oppo- sitionellen Schmerzen in den eigenen Reihen heilen werde. Konservative„Arbeiterfrcunde". Kürzlich hat in Breslau eine Versammlung der Tabakarbeiter beschlossen, in allen Betrieben dahin zu wirken, daß bei der infolge der neuen Steuern eintretenden Absatzvermindorung Arbeiter- entlassungen nicht stattfinden sollen. Die Arbeiter sollen vielmehr sämtlich zeitweise aussetzen, abwechselnde Feierschichten machen oder bei allgemein verkürzter Arbeitszeit arbeiten. Ein großer Teil der Fabrikanten war hiermit von vornherein einverstanden. Dieses Einvernehme» zwischen Unternehmern und Arbeitern paßt der konservativen»Schlesischen Zeitung" nicht; sie veröffentlicht vielmehr einen Hetzartikel, in dem die Unternehmer darauf hin- gewiesen werden, daß bei verkürzter Arbeitszeit die Regiekosten, die Beiträge zur Kranken- und Jnvaliditätsversicherung usw. die gleichen bleiben würden. Die Fabrikanten sollten deshalb nur die soliden m,d fleißigen Arbeiter behalten und sich solcher Elemente entledigen, die sie sich bisher nur notgedrungen hätten gefallen lassen müssen. Kreta. Eine Meldung des Reuterschen Bureaus sucht den Inhalt der Kollektivuote der Schutzmächte an die Pforte als unver- fänglich hinzustellen. Sie behauptet, die Note enthalte weder dem Inhalte noch dem Wortlaute nach etwas Peremptorisches. Die Note bedauere, daß die Türkei die Beilegung der Krisis aitf Kreta nicht den Händen der Schutzmächte überließ, die jedwede Bereitwilligkeit zur Wahrung der türkischen Jnter- essen auf der Insel gezeigt hätten. Mit Bezug auf Mazedonien werde der Pforte nahegelegt, im Interesse des Friedens fei der beste Weg ein Appell an die Berliner Signatarmächte, denen jede Beschiverde, die die Türkei etwa zu führen habe, vorgelegt werden könne. Dasselbe Bureau meldet, die Türkei werde aller Wahr- scheinlichkeit nach auf die letzte Note der Mächte keine form- liche Antwort geben, da die Note keinen Punkt enthalte, der eine Antwort verlange. Die türkische Negierung habe alles getan, was in ihrer Macht stand, um zu verhindern, daß die Stimmung des Volkes gegen Griechenland zu sehr erregt werde, und halte es nicht für wahrscheinlich, daß die Türkei mit Rücksicht auf den Charakter der griechischen Antwort es noch nötig finden werde, an die Mächte zu appellieren, irgend- welchen Beschwerden betreffend Mazedonien abzuhelfen. Auch die griechische Note wird nach einer Konstantinopeler Meldung nicht beantwortet werden. Danach scheint die Kriegsgefahr vorerst beseitigt zu sein. Oesterreick. Vom Natioualitätenkriea. Prag, 20. August. Die tschechenfeindlichen De- moustrationen in Gablonz dauerten gestern bis in die Nacht fort. Ein Gendarm wurde von einem von Tschechen ab- gegebenen scharfen Schuß getroffen; einem Reisenden aus Karlsbad wurde durch einen Steinwurf ein Fuß zerschmettert. (lngarn. Eine Polizei-Heldentat. Budapest, 21. August. Die Polizei überraschte in einem hiesigen Quartier eine größere Anzahl Anarchisten, welche den schon seit einigen Tagen angekündigten, jedoch verbotenen Kongreß abhalten wollten. Sämtliche zwanzig Teilnehmer wurden v e r- haftet. Sckweis. Entschädigung der Absinthfabriken. Bern, 19. August.(Eig. Ber.) Im vorigen Jahre wurde durch die Volksabstimmung das verfassungsmäßige Absinth verbot beschlossen, zu dessen Ausführung noch ein besonderes Gesetz zu schaffen ist. Diese Gelegenheit benutzen nun die Absinthfabrikanten, um eine einmalige Entschädigung von einer Million Frank für Jmmobiliencntwertung und außerdem eine jährliche Entschädigung von 400 000 Frank zu fordern. Das Schweizervolk mußte somit die Beseitigung der Gefahren der Absinthvergifwng teuer bezahlen. Dabei ist aber von der Entschädigung der mit der Aufhebung der Absinthfabrikation ihre Existenz verlierenden Arbeiter mit keinem Worte die Rede. Italien. Die Gewerkschafte« und Arbcitskammcrn gegen den Generalstreik beim Zarenbesuch. Rom, 19. August.(Eig. Ber.) Das vom Exekutivkomitee der Konfederation der Arbeit angesagte Referendum über den General- streik im Falle des Zarenbesuchs ist(wie wir schon kurz meldeten Red.) zuungunsten dieses Protestmittels ausgefallen. Von den 17 Zenwalverbänden der Gewerkschasten, die der Konfederation an» geschlossen sind, haben 12 geantwortet und sich alle gegen den Generalstreik ausgesprochen. Die eingetroffenen Antworten rühren von folgenden Zentralverbänden her: Buchdrucker, Buchbinder, Metallarbeiter, Lithographen, Arbeiter in Staatsbetrieben. Gerber, Textilarbeiter, Flaschenarbeiter, Seelente, Bauarbeiter, Hutmacher (diese schlagen vor. die Arbeit zwei Stunden früher einzustellen, um an den Protestversammlungen teilzunehmen) und Holzarbeiter(die Sammlungen zugunsten der russischen Revolutionäre bei den Protest- Versammlungen anregen). Von 57 Arbeitskammern haben 30 ge- antwortet. Von diesen haben sich für den Generalstreik in allen Be- trieben erklärt: Mirandola, Gallarate, Mantua, Varese, Genna- Sampierdarena, Catanzaro. Für den Generalstreik, aber unter Ausschluß der öffentlichen Dienste, haben 3 gestimmt: Piacenza, Pcscia und Siena. 19 haben sich gegen den Generalstreik ausgesprochen; eS sind dies Florenz, Parma, Cento, Schio, Sesto Fiorentino, Murano, Salerno, Casale-Monferrato, Alessandria, Monza, Forli, Voghera, Padua, Jesi, Carpi, Siradella, Livorno, Mailand und Pavia. Unter den Arbeitskammern, die sich für den Generalstreik erklärten, über- wiegen bei weitem die ländlicher Zentren; von großen Industrie- orten sind nur Genua und Sampierdarena vertreten. Snglancl. Die Konferenz über Rcichsverteidigtinq. London, 19. August.(Eig. Ber.) Heute schloß die Konferenz über Reichsverteidigung ihre Sitzungen ab, ohne indes ihre Beschlüsse veröffentlicht zu haben. Erst wenn die kolonialen Delegierten nach Rückkehr in ihre Heimat die gefaßten Beschlüsse den Parlamenten vorlegen, werden wir wissen, was die Konferenz in bezug auf die Reorganisation der Reichsvcrteidigung geleistet hat. Bekannt sind nur zwei Tatsachen: 1. daß eine durchaus offene Aussprache statt- gefunden hat; 2. daß die Kolonien zwar ihre eigenen Flotten und Armeen schaffen, aber sie so einrichten, daß sie zu jeder Zeit als organische Teile in der britischen Flotte und Armee eingereiht werden könnten. Zu diesem Zwecke werden wahrscheinlich Vau Zeit zu Zeit gemeinschaftliche Manöver und ein Austausch von Schiffs- einheiten und Offizieren vorgenommen werden. Das Motiv der Zusammenfassung der maritimen und mili- tärischen Kräfte besteht darin, dem Anwachsen der Bevölkerung und der Machtmittel Deutschlands das Gleichgewicht halten zu können. Die Kolonialkonferenz. Am Donnerstag wurde die Kolonialkonferenz geschlossen. Uebcr ihre Ergebnisse wird mitgeteilt, daß die einheitliche Regelung des Flotten Wesens ans größere Schwierigkeiten stieß, als die des Heerwesens. Die englische Admiralität wünschte erhöhte Geldbeiträge zur britischen Flotte, daneben aber die gänz« liche Unterordnung der kolonialen Flotten unter die Admiralität im Kriegsfall. Kanada bestand ans dem vollständigen Selbst- bestimmungSrccht über die kanadische Flotte zum Schutz der Küste des Stillen Ozeans auch im Kriegsfall, während Australien nur in Friedenszeiten absolutes Bestimmungsrecht verlangte, daS im Kriegsfall an den britischen Admiral abgetreten werden könnte. Am gefügigsten war Neuseeland, dessen aus Kreuzern bestehende Flotte im Kriegsfall dem britischen im Stillen Ozean aufgestellten Geschwader zugeteilt werden soll.— CUrket. Die Kammer geschlossen. In der heutigen Schlußsitzung der Kammer gab der Präsident Achmed Riza in einer kurzen Schlußrede einen Rückblick auf die ereignisreiche Tagung und forderte die Abgeordneten auf, während der Ferien die Ideen der Freiheit und der Verfassung im Laude zu verbreiten. Sodann verlas der Großwesir ein kaiserliches Jrade, das die e r st e S e s s i o n des Parlamentes für geschlossen erklärt und den Beginn der nächsten S e s> i o n auf den 14. November dieses Jahres ansetzt. Schwierigkeiten in Albanien. Konstantinopcl, 21. August. In V e r i s s o w i tz haben sich etwa 1000 Albaner versammelt, um einheitlich zur Steuerfrage Stellung zu nehmen. Ein Bataillon Infanterie und zwei Kanonen sind aus UeSkueb nach Verissolvitz entsendet worden. Marokko. Die Lage der spanische» Truppen in Mclilla hat sich nach den Berichten englischer Blätter recht ungünstig gestaltet. Die Vor- proviantieruiig der Truppen in Melilla, Alhnceuias und Penon wird immer sckuvieriger. Ilm die Zufuhr von Lebensmitteln und Munition nach Melilla zu erleichtern, graben die Spanier einen Kanal, der von der Stadt in das Mar Chica führen und somit die Ver- bindung mit den, Meer herstellen soll, da der Hafen MelillaS un- günstig und gefahrvoll ist. Der Vau deS Kanals stößt aber auf größere Schwierigkeiten als erwartet lvnrde und seine Fertig- stellung dürfte noch etwa seckS Wochen dauern. Ilebcr- dies müssen die Spanier, sobald sie sich aus ihren bcsestigtcu Stellungen herauswagen, ans Angriffe der Knbylen gefaßt sein. Ein spauischer Militärtransport wurde gestern von den Rtanrcn, die aus dem Jimeren Verstärkungen erhalten haben, angegriffen, wobei die Spanler einen Verlust von 2 Toten und ö Verwundeten hatten. ©ewerkfcbaftlicbce. Die Tarifverträge im Baugewerbe. Manchen harten Kampf haben die Organisationen der bau< gewerblichen Arbeiter(Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter) in früheren Jahren führen müssen, um den Unternehmern die Er- kenntniS beizubringen, daß ihnen in den Arbeiterorganisationen ein Gegner gegenübersteht, mit dem sie rechnen, den sie als der- handlungs- und vertragsfähig anerkennen müssen. Diese An- erkennung haben sich die Verbände der baugewerblichen Arbeiter in den letzten Jahren auf der ganzen Linie errungen und es ist dahin gekommen, daß sie in allen Gebieten des Reiches Tarifver- träge mit den Unternehmern abgeschlossen haben. Der enge Zu- sammenhang zwischen dem Maurer- und dem Zimmerergewerbe, sowie der Umstand, daß die Unternehmer dieser beiden Zweige des Baugewerbes in einer gemeinsamen Organisation vereinigt sind, brachte es mit sich, daß die Tarifverträge für Maurer und für Zimmerer im allgemeinen übereinstimmend sind. Auch eine dritte Gruppe des Baugewerbes: die Bauhilfsarbeiter, sind in das Vertragsverhältnis mit eingeschlossen. Sonderbestimmungen für jede der drei Arbeitergruppen kommen außer der Festsetzung des Lohnes sehr selten vor. Maurer und Zimmerer haben in der Regel den gleichen Lohn, nur für die Hilfsarbeiter ist er meist ab- weichend von dem Lohn dieser beiden Gruppen festgesetzt. Eine detaillierte Uebersicht über die zurzeit im Baugewerbe be- stehenden Tarifverträge haben die Verbandsvorstände der Maurer und der Bauhilfsarbeiter in einem kürzlich erschienenen umfang- reichen Buche veröffentlicht. Der Zimmererverband hat sich an dieser Veröffentlichung nicht beteiligt. Die für ihn bestehenden Verträge sind in dem Buche nur so weit berücksichtigt, als eS sich um Verträge handelt, die für Zimmerer und Maurer beziehungs- weise Hilfsarbeiter gemeinsam abgeschlossen sind. In der Haupt- fache gibt die Veröffentlichung demnach nur über die Verträge der beiden letztgenannten Arbeitergruppen Auskunft. Am Schluß des Jahres 1907 bestanden im ganzen Reiche 697 für Maurer und Hilfsarbeiter gemeinsame Verträge, außerdem noch 1 Verträge, die nur für Hilfsarbeiter gelten. Das sind im ganzen 797 Tarifverträge, die sich auf 997 Lohngebiete und 895 Orte erstrecken. Im Jahre 1998 lief ein Teil der Verträge ab. Von diesen wurden die meisten erneuert beziehungsweise der- längert, auch kamen eine Reihe völlig neuer Tarifabschlüsse hinzu. Am Schluß des Jahres 1993 bestanden für Maurer und Hilfs- arbeiter 736 Tarifverträge. Sie erstrecken sich auf 987 Lohngebiete mit 19 995 Orten, 13 619 Unternehmern, 151967 Maurern und 86473 Hilfsarbeitern. Von diesen Verträgen wurden abgeschlossen 279 im Jahre 1993, 317 im Jahre 1997, 113 im Jahre 1996 und 22 vor dem Jahre 1996.— Von den Verträgen hatten Geltung 372 nur für Maurer, 77 nur für Hilfsarbeiter, 49 für Maurer und Hilfsarbeiter, 97 für Maurer, Hilfsarbeiter und Zimmerer, 99 für Maurer und Zimmerer, 19 für Fliesenleger, 17 für andere Spezialgruppen des Maurerverbandes, 15 für Spezialgruppen des Hilfsarbeiterverbandes.— Die Verträge laufen ab: 362 im Jahre 1999, 329 im Jahre 1919, 15 im Jahre 1911, bei 36 Verträgen ist der Ablauftermin nicht bekannt. Die reguläre Arbeitszeit in den Sommermonaten ist folgender- maßen festgesetzt: in 1 Vertragsgebiet 8 Stunden, in 3 Vertrags- gebieten 8lH Stunden, in 19 Vertragsgebieten 9 Stunden, in 22 Vertragsgebieten dVs Stunden, in 4 Vcrtragsgebieten 9% Stunden, in 299 Vertragsgebieten 19 Stunden, in 6 Vertragsgebicten 191h Stunden, in 4 Vertragsgebieten 11 Stunden, in 3 Vertrags- gebieten 19— 11 Stunden.— Der Arbeitslohn ist in 289 Verträgen festgesetzt, und zwar in 272 Fällen als Mindestlohn, in 1 Fall als Einheitslohn, in 7 Fällen als Durchschnittslohn. Wenn auch, wie die vorstehenden kurzen Angaben zeigen, der Tarifgedanke im Baugewerbe fast allgemeine Anerkennung ge- funden hat, so wissen doch die beteiligten Arbeiterorganisationen. daß mit dem Abschluß von Verträgen kein dauernder Friede im Gewerbe eingezogen ist, und daß sich die Arbeiter keineswegs auf den Lorbeeren des Vertragsverhältnisses ausruhen können. Wie nur die im Kampfe erprobte Stärke der Arbeiterorganisationen vermocht hat, die Unternehmer zum Abschluß von Verträgen zu bestimmen, so kann nur die stets gerüstete, starke und jederzeit kampfbereite Organisation das Errungene festhalten und. auf der einmal gewonnenen Basis weiterbauend, neue Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse durchsetzen. Auf der 6. internationalen Konferenz der Sekretäre der grwerk- schaftlichen Landeszentralen, die am 39. August in Paris zusammentritt, Werden folgende Länder vertreten sein: England durch Appleton und Gee, Frank- reich durch Jouhaux und Urelot, Niederlande durch Oudegeest, Bel- gien durch Bergmans und Huhsmans, Dänemark durch Madsen und Gran, Norwegen durch Lian, Deutschland durch Legien und Sassenbach. Oesterreich durch Hueber und Jura, Ungarn durch Laszai Kroatien durch Bukseg, Italien durch Rigola und Ouag- lino, Spanien durch Barrio, Nordamerika durch Gompers. Schwe- den, Finnland, Serbien, Bulgarrien und die Schweiz, die ebenfalls dem Internationalen Sekretariate angeschlossen sind, haben ihre Delegierten noch nicht bezeichnet.— Die Konferenz findet im Grand-Cafe du Globe. Boulevard Strasbourg Nr. 3. statt, VenUn und dmgegttid* Sitzungskalenber der„Gelben". Eine„gelungene" Vereinseinrichtung macht die gelbe »Straßenbahnerzeitung" der Großen Berliner bekannt An der Spitze des Blattes heißt es: Sitzungskalender. Die regelmäßigen Sitzungen des Vorstandes und des Arbeiterausschusscs, sowie die Bezirksversammlungcn fallen in den Monaten Juli und A u g u st aus. Gewiß großartig gedacht und durchgeführt! So lange also die Herren Direktoren und Obcrbeamten der Unternehmung von ihren Riescngehältern in die schweizer oder nordische Sommerfrische gehen, hört die ganze Vereinstätigkeit der armen Schaffner und Wagenführer des Betriebes auf. Sie könnten ja am Ende auch Vergleiche ziehen und fragen, weshalb sie alle für wenige Mark am Tage im Sommer fortschuften müssen, während ein paar Leute von der Spitze sich an den schönsten und kostspieligsten Erholungsplätzen vom Regieren ausruhen können. Deshalb ist Vorsicht am Platze. Man stellt von oben den ganzen Apparat des gelben Vereins mit ein paar„amtlichen" Federstrichen ab, und fertig ist die Laube! Jetzt kann in Ablvcsenheit der Herren Direktoren und ihrer Gehilfen nichts passieren, ihre Erholungsruhe wird durch unliebsame Vereins- diskussionen oder gar Beschlüsse nicht gestört, und die armen gelben Straßenbahner gewöhnen sich daran, daß sie ohne ihre Herren Vorgesetzten einfach Luft sind.— Und so etwas Entwürdigendes läßt sich eine Ange- stellten-Organisation der Reichsha uptstadt bieten! Tie Bewegung der Schlosser. Bis auf den letzten Platz besetzt war der große Saal des Ge- Werkschaftshauses am Sonnabendvormittag, als die streikenden und ausgesperrten Bau- und Kunstschlosser sich versammelten, um über den Abschluß der Verhandlungen mit den Unternehmern das Nähere zu erfahren. Große Aufregung herrschte in der Versammlung und der Redner, Otto Handle, mußte sich oft stürmische Unter- brechungen gefallen lassen. Viele sahen in der entscheidenden Ver- sammlung am Mittwoch eine Ueberrumpelung der Streikenden und verlangten eine erneute Abstimmung über die Aufhebung des Streiks. Man war sehr unzufrieden, weil die Bewegung kein besseres Resultat gezeitigt hat und man sparte nicht mit Vor- würfen gegen die Streikleitung. Eine Resolution wurde eingc- bracht, nach welcher die Versammelten den verantwortlichen Per- sonen L u b a t s ch und Handle ein Mißtrauensvotum ausstellen sollten, weil sie die Arbeiter über den Stand der Bewegung nicht genügend informiert hätten. Die Versammlung lehnte die Reso- lution ab, nachdem die Angegriffenen sehr energisch erklärt hatten, stets ihre Pflicht getan zu haben. Unter großer Unruhe berichtete Handle über die letzten Verhandlungen mit den Unternehmern. Die Aussperrung ist aufgehoben und die folgenden Vereinbarungen sind getroffen worden: „Die Aufnahme der Arbeit beginnt am Montag, den 22. August, sowohl für die Streikenden als auch für die Aus- gesperrten. Der Revers, bezüglich Zugehörigkeit zum Deutschen Metallarbeiterverband, wird von den Meistern zurückgezogen. In Werkstätten oder Abteilungen, wo nicht sämtliche Streikenden oder Ausgesperrten sofort wieder anfangen können, dürfen be- triebsfremde Schlosser erst dann eingestellt werden, wenn von den Streikenden oder Ausgesperrten der betreffenden Betriebe oder Abteilungen keine Beschäftigungslosen mehr vorhanden sind. Falls Streikende oder Ausgesperrte inzwischen andere Arbeit angenommen haben, steht ihnen ein Anspruch auf die alten Plätze nicht zu. Mahregelungen dürfen nicht vorkommen. Sollte in einzelnen Fällen die Wiedereinstellung unmöglich er- scheinen, entscheidet darüber die Schlichtungskommission. Die während des Streiks beschäftigten Arbeitswilligen dürfen in keiner Weise belästigt werden." Diese Vereinbarungen gelten nun. Die Streikbewegung gilt als beendet. Der veränderte Tarif wird noch einer allgemeinen Schlosserversammlung unterbreitet werden. Die streikenden Geldschrankschlosser versammelten sich am Sonnabendnachmittag bei Franke in der Badstraße. Auch hier machte sich eine große Verstimmung geltend. Die Arbeiter fürchten, daß bei der Wiedereinstellung die gehegten Erwartungen nicht er- füllt, daß vielleicht zahlreiche Schlosser ihre alten Plätze nicht wieder erhalten würden. Die Unternehmer haben aber der Streik- leitung gegenüber sich ausdrücklich verpflichtet, keine Maßregelungen vorzunehmen. Wenn auch nicht sofort alle Streikenden eingestellt werden, so dürfte man doch innerhalb 8 bis 19 Tagen mit Ein- stellung aller rechnen können. Bei Arnheim haben schon am Frei- tag, nach einer voraufgegangenen Besprechung der Arbeiter, 112 Mann angefangen. Wegen der Aufnahme der Arbeit bei der Firma Panzer findet noch eine Besprechung am Sonntagmorgen statt. Im allgemeinen waren auch die Geldschrankschlosser sehr. mißmutig über das Ergebnis der Bewegung. Auch hier wurde der Streikleitung mancher Vorwurf gemacht. Diese aber wies energisch alle Angriffe zurück und betonte, daß unter den gegebenen Ver- Hältnissen ein besseres Resultat zurzeit nicht erzielt werden konnte, und daß die Leitung sich des Vertrauens der in der Bewegung stehenden Schlosser stets würdig gezeigt habe. Auf der Streikbrechersuckie befinden sich die beiden Breslaucr Jsoliersirmen„Schlesische Jsoliermittelfabrik" JImmer u. Sohn, Vorwerkstraße 31. und die Filiale der Firma Rheinhold u. Co. Vertreter der letzteren ist der bekannte Herr Reime, mit welchem die organisierten Isolierer schon mancbes Hühnchen zu pflücken hatten. Herr Reime spekuliert auf die Hilfe der anderen Filialen der Firma Rheinhold u. Co. Er verlangt, daß diese ihm Leute zur Verfügung stellen. Arbeiten für Breslau sind unbedingt zu verweigern und muß für Fernhaltung von Zuzug gesorgt werden. . veuvkckea Reich. Der Glaserstreik in Erfurt ist nicht abgebrochen, sondern wird in ver- schärfter Weise so lange weitergeführt, bis er einen für die Ausständigen günstigen Abschluß gefunden hat. Die Mittel, die von verschiedenen„Größen", die sonst absolut kein Interesse an dem„gedeihlichen Verhältnis" zwischen Meister und Gesellen(wie es im Jnnungsstatut heißt) haben, angewendet werden, können nur als unver— froren bezeichnet werden. Wie mit den Tatsachen in Punkto Wahrheit umgegangen wird, da- für diene folgendes Schreiben als Beweis: Erfurt, 12. August 1999. An die Lohnkommission der Glasergesellen Erfurts! Die Glasergesellen haben die Arbeit ohne jede Vorderhand- lung kontraktbrüchig niedergelegt, wir haben deshalb auch heute unserem Schreiben vom 23. Juli nichts hinzuzufügen. Der Vorstand der Glaserinnung Erfurt. Also den Glasergehilfen wird, nachdem von feiten der Innung der Tarif gekündigt worden ist, Kontraktbruch vorgeworfen. Dies ist eine Unterstellung, die gar nicht scharfgenug zurückgewiesen werden kann. Der Tarif ist nicht von den Gehilfen, sondern von den Meistern durchbrochen worden, dadurch, daß sie ganz einfach zahlten, was sie wollten, da ihnen die bestehenden Tarifsätze viel zu hoch waren. Die Taktik der Unternehmer geht dahin, die Organisation der Gehilfen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu sprengen.— Der Zuzug von Glasern. Tischlern und Maschinen- arbeitern ist so lange fernzuhalten, bis der Glaserstreik auch wirklich beendet ist. Kampf der Holzarbeiter in Heidelberg. Die Schreiner und Maschinenarbeiter in Heidel- berg stehen seit einer Woche im S t r e i k, da die Meister die geforderte Verkürzung der Arbeitszeit sowie jede Lohnerhöhung für dieses Jahr ablehnen. In der bürgerlichen Presse versuchen die Unternehmer es so darzu- stellen, als wenn die Arbeiter die Angreifer wären. Die Arbeiter befinden sich jedoch in der Abwehr, denn die Unternehmer sind diejenigen, welche im Frühjahr auf Betreiben des Sekretärs des Südwe st deutschen Arbeitgeber- Verbandes für das Holzge,wrrbe, Dr. Reiner. den Vertrag gekündigt haben. Der Stand des Streiks ist nach der ersten Woche für die Streikenden äußerst günstig. Der Versuch der Meister, von außerhalb Streikbrecher heranzuziehen, ist bisher nicht geglückt. Es wird der Versuch gemacht werden, Arbeiten außerhalb fertigstellen zu lassen. Das müssen die Holz« arbeiter unter allen Umständen vereiteln. Es wird dringend er- sucht, die Streikenden dadurch moralisch zu unterstützen, daß der Zuzug von Schreinern und Maschinenarbeitern nach Heidelberg strengstens ferngehalten wird. Deutscher' Holzarbeiterverband. Zahlstelle Heidelberg. Erfolgreiche Lohnbewegung der Küfer in Frankfurt a. M. Seit vier Monaten stehen die hiesigen Küfer mit dem Unternehmer- tum in resultatlosen Verhandlungen. Immer und immer wieder versuchten die Arbeitgeber die Tariffrage zu verschieben, zuletzt noch kamen sie mit dem Vorschlag, die Verhandlungen bis nach der Kelterperiode zu vertagen. Was damit bezweckt werden sollte, lag klar aüf der Hand: Wenn die Keller voll sin?, konnken die Sr» bclter gehen. Damit waren freilich die Arbeiter nicht zufriedea und so beschlossen sie in einer zahlreich besuchten Versammlung, am Freitag früh in den einzelnen Geschäften vorstellig zu werden und Klarheit zu verlangen, eventuell die Arbeit niederzulegen. Dieser Beschluß wurde auf der ganzen Linie einmütig durch- geführt: nach 114 stündlichem„Streik" war das Unternehmertum zu Verhandlungen bereit und stand nunmehr der Annahme des Tarifs nichts mehr im Wege. Hierauf wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Die Forderungen betragen 27 M. Minimallohn und 914stündige Arbeitszeit._ Holzarbeiterstreik in Braunschweig. In der Jnstrumentenfabrik der Firma Zeitter und Winkel- mann in Braunschweig, die dem„Schutzverband der Klavier- industriellen Westdeutschlands" angeschlossen ist, ist es zu Lohn- streitigkeiten und zum Ausstand gekommen. Sämtliche Polierer, A b p u tz e r und Fertigpolierer haben die Arbeit nieder- gelegt, weil ihre Forderung einer 5— lOprozentigen Lohnerhöhung auf die bestehenden Akkorde nicht bewilligt wurde. Die Firma hat darauf erklärt, daß sie ihren Betrieb gänzlich schließen werde, falls die Arbeitszeit bis zum 19. dieses Monats nicht wieder auf- genommen werde.— Eine schwarze Liste der Streikenden ist bereits in Umlauf gesetzt._ Mühlenarbeiterbewegung in Mannheim. Die Lohnbewegung in der Kaufmannsmühle ist beendet. Nach- dem die Arbeiter die Kündigung eingereicht hatten, bewilligte die Firma eine Lohnzulage von 2 Pf. pro Stunde, gefordert waren 3 Pf. Der Mindestlohn beträgt jetzt 49, der Höchstlohn 43 Pf. pro Stunde. Die Arbe'W nahmen das Angebot an; sie zogen die Kündigung zurück. Die Dachdecker in Gollnow in Pommern sind bei der Firma Schröder u. Pifrement im Ausstand. Der Firma ist die am Orte neugegründete Filiale des Tachdeckerver- bandes nicht genehm. Sie entließ den Vorsitzenden der Zahlstelle und noch einen Arbeiter, offenbar wegen ihrer Verbandszugehörig- keit. Als die Entlassungen auf Vorhalt der Arbeiter nicht rück- gängig gemacht wurden, erklärten sich sämtliche Arbeiter der Firma mit den Entlassenen solidarisch und legten die Arbeit nieder. Zuzug von Dachdeckern ist daher streng zu meiden! Tlusland. Bauarbeiterstreik in Winterthur. In der bürgerlichen Press« des In- und Auslandes sucht die Firma Gebrüder Sulzer für die dortigen Baumeister Streikbrecher anzuwerben. Winterthur und Umgebung ist für Miaurer und Handlanger gesperrt. Gewerkschaftler und Parteigenossen sorgt überall dafür, daß eS der Weltfirma Gebr. Sulzer erspart bleibt, auf dem Gebiete des Streikbrecher fangs Lorbeeren zu ernten. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.:«.Glocke. Berlin. Druck».Verlan: VolwärtsBuchdr.u.VerlaaSanstall Paul Singer ä:Co..BerlinLW, Sozialee. Die Zahntechniker gegen die ReichsversichernngSorbnung.„ In dem Entwarf der Reichsvqrsicherdngsordnung ist vov» gesehen, daß auch die rein mechanischen und handwerksmäßigen Verrichtungen bei Zahnbehandlungen nur durch Zahnärzte vor- genommen werden dürfen. Wie wir hören, wollen die Zahn- techniker im Verein mit den Krankenkassen bei dem Reichstag hiergegen Protest erheben und zwar mit der Begründung, daß cs sich bei den angeführten Verrichtungen nur um manuelle Fertig- leiten handelt, die keinerlei wissenschaftliche Kenntnisse voraus« setzen. Ein großer Stand würde in seiner Existenz wesentlich be- droht und eventuell ganz brotlos werden. Die Krankenkassen fügen j dem Proteste die Begründung bei, daß die Techniker bisher ine' niederen Verrichtungen in der Zahnheilkunde zur allgemeinen Zu- friedenheit ausgeführt haben. Außerdem würden den Kranken» lassen bei Inanspruchnahme von Zahnärzten bei dem umfang- reichen Gebiete der Zahnleiden nicht zu bewältigende Kosten ent- stehen. In dem Protest wird der Reichstag gebeten, noch einmal die gesamten in Betracht kommenden Verhältnisse zu prüfen, bevor er endgültig Stellung nimmt. Haftbarkeit der Vorstandsmitglieder einer Konsumgenoffen- schaft für die unterlassene Steueranmeldung. Dobschall und Lindenhahn, zwei Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes des Konsumvereins zu Trotha, waren in zweiter Instanz vom Landgericht Halle wegen Uebertretung der§§ 59, 69 und 70 des Gewerbesteuergesetzes zu Geldstrafen von'je 299 M. verurteilt worden, weil der Kleinhandel mit Branntlvein, soweit ihn die Genossenschaft in einer Nebenbetrieböstätte in Teicha betreibt, nicht zur Steuer angemeldet worden war. Die Angeklagten legten Revision ein und machten geltend, sie könnten nicht für die Unter- lassung der Anmeldung haftbar gemacht werden. Keiner von ihnen beiden sei Inhaber der Konzession für den Kleinhandel. Diese besitze vielmehr ein anderes Vorstandsmitglied der Genossen- schaft. Nur derjenige, dem der Kleinhandel mit Branntwein kon- zessioniert sei, könnte in Frage kommen.— Ter Ferien-Strafsenat des Kammergerichts verwarf jedoch die Revision der Angeklagten mit folgender Begründung: Sämtliche Vorstandsmitglieder des Konsumvereins(einer Genossenschaft mit beschränkter Haftung) hafteten solidarisch für die Anmeldung zur Steuer. Daran ändere der Umstand nichts, daß einer besonderen Person der Kleinhandel mit Branntwein konzessioniert sei. Die Angeklagten seien mit Recht bestraft._ Letzte l�acbncbtcn und Dcpefchen Wcllmanns Nordpolexpedition mißglückt. Hammerfest, 21. August.(W. T. B.) Die norwegischen Kriegs- schiffe„Harald" und„Neptun", die heute nachmittag von Spitz» bergen hier angekommen sind, berichten, daß der Amerikane: e l l m a n n am Sonntag mit seinem Ballon aufgestiegen sei, Als er 32 Meilen gesegelt war, habe er wieder herabsteigen müssen, weil die Proviantschläuche geborsten waren. Bei der Landung erlitt der Ballon so erhebliche Beschädigungen, daß ein Aufstieg in diesem Jahre nicht mehr stattfinden kann. Wer kauft Luftlinienaktien? Frankfurt a. M.. 2t. August.(B. H.) In den nächsten Tagen wird an weitere Kreise eine Einladung zur Bildung einer Deutschen Luftlinienaktiengesellschaft ergehen, die sich die Veranstaltung von Ziel- und Rundfahrten mit Luftschiffe» zur Aufgabe macht. Der Aufruf ist unterzeichnet von einer großen Anzahl von bekannten und hervorragenden Persönlichkeiten aus den Kreisen des Handels und der Industrie. Die Zeppelinluftschiffbaugesellschaft wird sich mit einer halben Million Mark beteiligen. Gerüsteinsturz. Niederlahnstein, 21. August.(©. H.) Durch den Einsturz eine? Gerüsts an dem Neubau der Eisenbahnbrücke wurden gestern drei Arbeiter in die Tiefe gerissen. Zwei sind schwer verletzt, während der dritte nur als Leiche aus der Lahn gezogen werden konnte. Folgenschwere Explosion. Mülheim a.R., 2t. August.(B.H.) Auf der Friedrich-WilhelmS- Hütte explodierte eine Zentrifuge, die in der Minute 809 Umdrehungen macht. Die Eisenleile trafen den Laboratoriumsgehilfen Weber, dem beide Beine abgerissen, ein Teil deS Rumpfes bis zur Wirbel- faule gespalten und die Schädeldecke eingedrückt wurde, so daß der Tod aus der Stelle eintrat. Ein anderer Arbeiter wurde schwer, drei wurden leichter verletzt. " �Hierz«4Beilage». 9t. 195. M. ZahtMA. 1. KcilU Ks LomSrls" AerliM UslkdlR Zlilllitllz. 22. Angkji 1909. jfur den ichmdilchen Gcntralftreilt. Bei der Berliner Gewerlschastskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar» beiter ein: O. ElSner, Abt. Buchbinderei, L. Rate IS,—. ISS8 Buchdruikerei Schlicke u. Co. 6,50. Schneiderct-Genossenschast.Hoffnung," 2. Rate 20,—. 3491 Buchdruckerct Deutscher Verlag 37,50. Lotterievcrein Treffer 10,—. 4591, 4592, 4593 Verband der Bootsbauer-Ver. Bert. 29,—. Ortsvcrwaitung Berlin d. BootSbauer 25,—. 362 Firma Geisler 13,50. 239 Schneider bei Stein 10,50. 1544 Pers. d. Buchdruckcrci Kettenibeil, Schöneberg 28,25. Buchdrucker b. Braunbeck u. Gutcnberg, 2. Rate 35,—. Scchscrknss? der Buchbinder Braunbeck u. Gutenberg, 2. Rate 5,—. 4308 Tischlerei Mctlitzki 3,40. 7348 Holzarbeiter 67,—, Kreuzberger Harmonie 50,—. 7446 Tischlerei Fles u. Co. 39,20. Berl. Arbeiter-Radjahrcrbund 30,—. Arb. d, Möbclsab. Bauer, Rigaerstr. 27 10,—. 6638 Pers. der Buchdruckcrei Bertmetti 16,55. 3791 Deutsche Waffen, und Munitionsfabrik Wittenau 47,85. 6111 Bau Bülowstr. 3,15. 2901 Holzarbeiter b. Beermann-Treptow 28,65. Unter. loinmijsion Rixdorf aus solgcvde Listen: 2290 17,60. 2291 11,40. 97 13,30. 58 12,65. 2301 14,10. 7 6,50. 14 12,—. 40 14,05. 41 9,45. 42 8,50. 43 8,95. 44 11,30. 45 9,80. 46—,55. 50 14,55. 51 8,95. 74 15,75. 78 16,60. 90 8,60. 91 6,80. 92 17,40. 93 17,05. 97 5,10. 99 8,55. 2276 Luftschiffbau Schlcsischestr. 21,60. 2288 Buchdr. SS. u. S. Löwcnthal Berlin 12,—. 2299 Dreherei Saal t b. K. Flohr, Berlin 30,15. 2325 Firma F. salomon, Plinzenstr. 12,85. 2339 Arbeiter b. Happoldt, Braucreiarb. 6,—. 2347 Linz u. Eckardt, Berlin, Met. 20,—. 2356 Jimeoputzer Bau Bismarck- straffe 69, Chart. 6,70. 2360 König u. Co., Tcltoiverstr. 10,20. 2373 Tischlerei Cnimcluth, Rird. 33,17. 2354 Tischlerei Stabernack, Ternpelhos 8.30. 2385 Kollegen bei Meisenbach. Riffarth u. Co., Abt. Chemigr., Schünebcrg 17,25. 2393 Hilfsarb. der»Norddeutschen Slllg. Ztg.» 17,25. 7146 Arb. von Paul Neye, Ciicnmöbel 16,70. 2334, 2335, 2336 Koll. d. Knorr-Brcmse, Boxhngen 55,30. Tischler bei A. Haase, Rixdorf, Hermannstr. 9,—. Summa 546,50. Sektion der Puffer, Berlin: 1197 7,10. 1199 10,65. 1200 7,20. 1206 4,10. 1207 7,35. 1210 5.80. 1211 7,10. 1213 9,10. 8t. E.©.,«ckerstr., auf Listen: 2041—2100 Abt. 1 181,25. 8Ibt. 2 131,45. Slbt. 3 266,25. Abt. 4 244,90. Abt. 5 206,45. Abt. 6 178,80. 8lbt. 7 137,15. Slbt. 3 52,90. Lager 1 und 2 und Hausverwaltung 113,40. Summa 1512,45. Slrbeiter- Radfahrerverein Rummelsburg und Restauratcur Echlebitz 20,—. Kollegen der Bäckerei Frenke! 11,—. 6 organisierte Schlächtergesellen 5,—. A. Ullrich, Sommergäste Schlachtensce 8,50. Nador 100,—. 248 Schneider bei Ehrlich u. Danz 6,30. 312 Schneider v. Bender u. Gutmann 3,85. 4825 Schneider von Hossmara» 20,90. 4827 Schneider im Jockey- Club 24,90. 6731 Bureau der Holzarbeiter Berlins 22,05. Freiwillige Beiträge der Patienten in Beelitz a 1,— 17,30. 7411 I. C. Psaff, Saal 5 13,35. Lottcrieverein Frobe Hoffnung, Cbarlottcnburg, Osnadrückerstr. 12,55. Tischlerei H. u. 8l. Schultz 30,30. 6470 Bauarbeiter Bau Baatz, Charlotten- bürg 8,80. Tellersammlung der Maurer Moabits 10,—. 9. Abteilung des Strbciter-Radsahrerbundes Solidarität 10,—. Arbeiter-Radsahrcrvercin Britz 15.—. Gäste von Lowack 5,75. Verlauste Makulatur 10,—. Slrbeiter und Firma Bückercigenossenschast Berlin 50,—. Deutscher Metallarbcitervcrband, ll rtsverwaltung Groh-Berlin: Deutsche Waffen- und MunitionSsabrik: 3611 Abt. Petzsch 12,05. 3612 Abt. Maschinengewehre 36,35. 3613 Abt. Orban 29,70. 1803 Abt. Hackmann 43,35. 1804 Abt. Hofimann 55,—. 1805 Abt. Wohlken 52,25. 1806 Abt. Christenson 46,55. 1809 Abt. Zaczewski 19,40 1811 Abt. Ulbricht 33,—. 1813 Abt. Hacnsch 27,15. 1815 Abt. Grog 16.85. 1816 Abt. Wagner 43,05. 1818 Abt. Lindncr u. Tegncr 27,75. 1798 Abt. Will 40,35. 1819 Slbt. Maschinengewehre 23,—. 3102 4,40. 3416 17,30. 3417 3,—. 3779 Freud u. Co. 11,—. 3854 Schmidt u. Co. 13,95. 3945 A. Kander 4,75. Organisierte Hausdiener A. Wcrthcim, Oranienslraffe 10,—. Wahlvcrcin Fiicdrichsscldc a konto aus Listen 34,—. Buchdruckerei Stich. Gartinann 6.05. Deutscher Holzarbeitcrverband, Zahlstelle Gr.-Lichtcrselde IM,—. Lauben- tclonic Slli-Iapan 7.25. Dr. S. W. 10,—. 22. sächsischer Reichstags- Wahlkreis 100,—. Sozialdemokr. Verein Stuttgart 250,—. Sozialdemokr. Nercin Fcllbach 10,65. Generalversammlung 6. württemb. Wahllreis 4,25. 2. württemb. Wahlkreis 50,—. Rote.Haiidlungsgehilsen 4,05. Alois Kauf 6,—. Kartell Werder 50,—. Vaterlandsloscr Zahntechniker 10,—. Verein W. 4,15. Rcdatiioil des.Nordd. Volksblatts» in Bant 1. Rate 6M,—. 31. Vanschke 2,—. Zahlstelle der Schmiede Königswusterhauscn 50,—. 4 Ober-Eclbe deir SiemenS-Schuckcrt-Wcrle 6,—. Jugendorganisation Schönebcrg 3,10. Zentralverband der Schubmacher, Fil. Spandau 25,—. Verband der Ma« schinislen u. Heizer, Zadlstelle Spandau 30,—. Theatcrverein»Künstlerhcim» 5.—. Lottericverein.Glückaus". Wciffensee 7,—. Arbeiter-Radsahrervcrcin »Vorwärts», Wilmersdorf 29,—. Kollegen von Stolle. Zementdielen 6,80. Bezirk 38 u. 39, 2. Kreis 4. Abt. 11,—. 287 Verband der Schimder, darunter Schneider der Firma W. Pähl mit 10 M. 22,—. Sechserkasse 5. Kreis. Bez. Sachse 15,—. G. E. Mollbrücken 20,—. H. Schönlank 1.—. 6107 Matusseck 6,95. 4303 Kollegen der Tischlerei v. Röffler 14,30. 6633, 6634, 6635 Personal Norddeutsche Buchdruckern 73,65. Tilchlerci©. u. H, Schütze 18,—. Klempner v. Schicgnitz. 2. Rate 17,—. Waldfestüberschuff. 13. Bezir! Rixdorf 40,—. Verband d. Wäsche- u. Krawattenarbeiter, Fil. 3, aus Listen: 5164 Firma Fritze u. Botz 10,30. 5167 Ptätlcriiinen Philippsobn u. Leschziner 14,—. 5171 Plätterinnen v. Laak 12,55. 5172 Cohn u. Samuel 8.45. 5173 Plätterinnen v. Cohn u. Ellcnburg 8,35. 5175 Plätterinnen v. G. Behrendt 5,40. 5176 Näherinnen v. Gebr. Borchardt 5,30. 5180 S. Moffe 7,85. Liemes Feuilleton. Die Wirkung der Spitzgefchofle. Wie oft ist uns versichert worden, der Kiticg werde infolge der technischen Umwälzungen ganz von selber wieder grausam und roh. Von modernen Geschossen verwundet zu werden, schien beinahe eine Harmlosigkeit. Da kam das moderne Spitzgeschost und vorbei ist's wieder einmal mit dem Schalmeienklang. Die Wirkung der modernen Spitz- gcschosse auf Menschen und Tiere bat der Münchencr Chirurg Fcstlcr untersucht, indem er auf frische und konservierte Teile menschlicher Leichen, frisch getötete Hunde und Pferde schiestcn lieh. Wie der„Militärarzt" berichtet, wurden durch über 26 000 Schüsse mit kriegsmästiger Ladung 400 Treffer erzielt, und die Verarbeitung des so gewonnenen Materials gab ein klares Bild von den in einem Zukunftskrieg zu erwartenden Verletzungen. Diese Verletzungen werden furchtbare sein. Das neue Spitzgeschoh besitzt eine enorme Neigung zum Pendeln, infolgedessen zum Schief» und Querschlagen. Schon der geringste Widerstand vor Erreichung des eigentlichen Zieles genügt, um beim neuen Spitzgeschost einen sogenannten Querschläger zu erzeugen, das hciht zu veranlassen, dost das Geschah sein Opfer nicht mit der Spitze trifft, sondern mit der Breitseite. Es lästt sich denken, dast die hierdurch bewirk- tcn Wunden viel schwerer sein müssen, als beim Treffer mit der Gcschohspitze. Ebenso verhält sich auch das mit der Spitze die .l'.aut treffende Geschost. Beim geringsten Widerstand im Inneren Körpers, also zum Beispiel beim Uebergang von Weichtcilen in Knochen, wird die Bahn abgelenkt, und es entsteht ein Quer- schläger. Kurz, die Verwundungsfähigkeit des neuen Geschosses ist gegenüber dem alten ganz erheblich gesteigert. Ter Wasserschlauch. Wenn im Hochsommer die Gräben in den Wiesen und Wäldern mit üppigem Grün bestanden sind, dann bietet sich die beste Gelegenheit eine der merkwürdigsten Pflanzen »u beobachten, die nicht blast die heimische Flora, sondern das ge- samte Gewächsrcich überhaupt aufzuweisen hat. Wir meinen den Wasserschlauch, den die Botaniker Utricularia nennen. Wo das Kapitel von den fleischfressenden Pflanzen behandelt wird, da wird dem Leser regelmästig der Sonnentau vorgeführt, der auf unseren Mooren heimisch ist. Kleine Insekten, die sich auf seine mit haarartigen Drüsen besetzten Blätter setzen, lverden von diesen festgehalten, eingerollt und durch ein abgeschiedenes Sekret verdaut. Der Wasserschlauch ist aber noch viel merk« würdiger. Wir achten im Graben auf ein Gewächs, das gar keine Blätter auf oder über dem Wasserspiegel erkennen lästt. Bald werden wir ein bis mehrere Fust lange, gestreckte, slockenartige Ciebilde erkennen, die dicht unter der Oberfläche horizontal schwimmen und eher wie Algen als wie eine höhere Blutenpflanze aussehen. Man kann weder Stengel noch Blätter unterscheiden. sondern sieht nur taufende überaus fein zerschlitzter borstenartig schmaler Zipfel, und wenn man da? Ganze mir dem Stocke heraus- holt, fällt eS schlaff und formlos in sich zusammen. Wir nehmen das Gewächs dsher in fepchtM.Papier Mit und setzen kS zu Hause 5181 Zuschneider v. E. Grünbaum 5.25. 5182 Plätterinnen v. F. Grün bauin 6,05. 5183 Plätterinnen v. Levin 6,60. 5186 Näherinnen v. Wois u. Glascrfcld 5,80. 5187 Näherinnen v. Woff u. Glaierseld d. K. 7.15. 5188 Näherinnen v. Sternberg jun. 15,25(4,75 von Blume). 6437 Otto Levh 6,65. 6439 Zuschneider v. Cohn u. Samuel 6,—. 6446 R. A. Frcycr 10.90. 6448 Plätterinnen v. Buchholz u. Co. 7,90. 6449 Mar Riesi 13,85. 6450 R. Ackermann 6,75. 6453 Plätterinnen v. Kirchstein u. Michaelis 1,75. Ein Slngestcllter Fil. III 5,—. Bäckerei Kalfuff, Aebigstr. 1 4,50. 1072, 1086, 6966 Verb. d. Bäcker, Zahlst. Berlin 72,85. Buchdr. L. Schultz, Friedenau 9,25. Kutscher d. D.-Sl. Petrolcumgesellsch., Plötzcnsee 10,—. Möbeltischler von Stahm u. König 5,—. Radfahrer, Kcllcrarbeiter, Bicrvcrlag Caint'hausen 6,15. Lottcrieverein»Glücksbote» 11,—. Angestellten Heilstätte Müllrose 6,75. Schlafburschen aus Jüterbog 4,—. Kollegen v. Troschkc 6,60. Julanums 3,—. Bäcker u. Kutscher Konsumverein Charlttb. 15,—. Hersch, Kolberg 3,—. Kollegen v. L. Finger 16,—. Personal der Firma W/u. B. 5,80. Amsterdamer Diamanienschleifer, Friedrichsir. 6,55. Diskutic! klub Wilhelm Liebknecht 20,05. Verlag u. Expedition.Volksbote», Stettin 400,—. Sozialdemokr. Verein Meißen d. 7. sächs. Wahlkreises 300,—. 1590 Personal der Uniondruckerei, 2. Rate 3,—. SIrbcitcr-Ziaucherbund Berlin u. Umgeg., 4. Rate 100,—. M. 6 Hans des Moslrichdircktors 6,—. Emil 21. Stulz 50,—, Autogarage Fritsch 3,—. Arbeiter- Radfahrerverein Spandau 10,—. Klempncrmeister E. B. 3,—. Sozialdemokratischer Verein Jüningen 12,20. Gesangverein vereinigter Sängerchor Wedding 50.—. Tellersammlnng Kaisers Kaffeegeschäst Spandau 6.65. 4761, 4762, 4763, 4765, 4766, 4769, 4870 Verband der Schneider Fil. Berlin II 61,20. Deutscher Transport- arbeiter-Vcrband Verw. I VorstandSsitzung v. 20. 8. 09 14.—. W. M., Kottbuser Ufer 2.—. Schneider von Bothmann u. Dünzer 8,05. Natur- freunde 1,—. 1441 Maschinenmeister der»Woche» 2. Rate 13,—. Summa 6683.90 M. Bisher eingeliefert 43 394,30 M.! dazu kommen 6683,90 M., zu sammen 50 078,20 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags 9— 12Vz und nachmittags von 4— Uhr abzuliefern. Die Listen 3393 und 3V87 sind verloren gegangen und sind beim Borzeigen anzuhalten. Die Spenden für die schwedische» Arbeiter loerden Montag, nachmittags von 4—8 Uhr, im Saal 3 des G werkschaftshauseS entgegengenommen. Der Ausschuß der Berliner Gcwerkschaftskommission. e- rsktilche frage« in der russischen Sozialdemokratie. Vor kurzem fand eine Beratung der Führer dcS rebolutio nären Flügels der russischen Sozialdemokratie(der Bolschcwiki) statt. Es wurde über eine ganze Reihe taktischer Fragen Beschlüsse gefaßt, die, wenn auch keine taktische Wendung dieser Fraktion, so doch den Schluß einer Etappe ihrer EntWickelung bedeuten. Sie sind von einer großen Bedeutung für die russische Sozialdemokratie und dadurch auch nicht interesselos für die Internationale. Wie schwach auch jetzt die Arbeiterbewegung in Rußland nach den Niederlagen der Jahre 1906/07 ist, wie auch die Beschlüsse äugen- blicklich auf ihre Teilnehmer einwirken werden, in ihnen spiegelt sich der gewaltige Weg, den die Partei zurückgelegt hat; sie sind ein Zeugnis dafür, daß niemand den Lehren des Lebens mehr zu- gänglicher ist als diese Richtung der russischen Sozialdemokratie, die in den glorreichen Jahren der Revolution die Fahne des kämpfenden russischen Proletariats in den Händen hatte. Wir wollen das einzelne der Beratung hier nicht wiedergeben, sondern nur ihren Inhalt und ihre Bedeutung besprechen. Praktisch bedeuten die Beschlüsse, dast die Bolschewiki das Tischtuch zwischen sich und den Anhängern der Slbberufung der russischen Dumafraktion zerschnitten haben, daß sie in Würdigung der Bedeutung der Arbeit der Fraktion, der Arbeit in legalen Arbeitervereinen aller Gat- tungen, ihre Anhänger zur Beteiligung an ihr aufrufen. Durch diesen Beschluß wenden sich die Bolschewiki gegen einen Teil ihrer bisherigen Anhänger, sie reichen einem Teil ihrer bisherigen Gegner die Hand, und weil alle diese Richtungen sich innerhalb der einigen russischen Sozialdemokratie befinden, leiten die Beschlüsse eine Neu- gruppierung ihrer Bestandteile ein. die von Bedeutung für den Gang der Parteiarbeit sein wird. Um diese Bedeutung zu würdigen, müssen wir nur kurz an den Entwickelunzsgang der Bolschewiki und Menschewiki erinnern. Die ins Zimmeraquarium. Sobald es sich darin wieder zur natür- lichen Gestalt ausgebreitet hat, werden wir zwischen den borsten- artigen Zipfeln merkwürdige Blasen bemerken. Sie sind etwa von der Größe kleiner Linsen und durchsichtig. Nimmt man ein Ver- grösterungsglas zu Hilfe, so findet man, dast diese Bläschen an einer Stelle eine kleine Oeffnung haben, die mit einer Klappe versehen ist, die sich nur nach innen öffnet. Diese Bläschen sind raffinierte Tierfallen. Im Innern müssen sie wohl etwas ent- halten, was auf winzige Wasserinsckten anziehend wirkt. Mühelos gibt das Türchen ihnen nach. Aber was einmal in das Innere der Bläschen gelangt ist, das wird mitleidslos verdaut. Die Fang- bläschen sind zu Hunderten an jeder Pflanze vorhanden, und man kann sich vorstellen, dast sie bei dieser Einrichtung ein gutes Ge- schüft macht. Sie spart dabei auch die Wurzeln, von denen keine Spur an ihr zu entdecken ist. Um so merkwürdiger wirkt das Ge- wächs, wenn es seine Blüten entwickelt. Aus einem blattlosen nackten, wenige Zenlimeter bis futzhohen Schaft entspringen einige hochgelb gefärbte hübsche Blüten, die durch ihren Sporn etwa an die Blüten des Löivenmaules erinnern. An ihnen kann man zur Blütezeit den Wasserschlauch leicht von weitem erkennen. Der Kontrast zwischen den hochentwickelten Blüten und dem fast algen- artig zurückgebildctcn Vegetationskörper mit den sonderbaren Schläuchen oder Blasen, sowie überhaupt das Fehlen jeder San- derung in Wurzel, Stamm und Blatt ist es, lvas dieser Pflanze eine höchst eigenartige Stellung im Pflanzenreich verschafft hat. Sie besitzt übrigens Verwandte, die den gleichen Blütenbau zeigen, dabei aber mit ausgebildeten Blättern verschen sind. Die ganze Sippschaft gleicht sich jedoch darin, daß sie ausnahmslos' Insekten- fang betreibt, jede Gattung auf eine andere Weise. Der Nährwert des FischfleischeS. Frühere wissenschaftliche Untersuchungen hatten das Ergebnis gehabt, daß Fischfleisch im allgemeinen schwerer verdaulich wäre als Rindfleisch, dagegen in dieser Hinsicht aus gleicher Stufe mit Hammel-, Lamm- und Hühnerfleisch stände. Erklärt wurde dieser Ilnistand durch den bc° sonders hohen Fettgehalt niancher Fische wie des Aals und des Herings, während es freilich auch Fische gibt, bei denen er ziem- lich gering ist. Die sehr gründlichen neuen Forschungen, die mit Rücksicht auf die Bedeutung der Fischerei für die Fleischversor- gung im Deutschen Reich von Dr. König und Dr. Splittgcrbcr an der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Münster ausgeführt worden sind, lassen die Stellung der Fische in dieser Beziehung noch günstiger erscheinen. Obgleich durch das Kochen die Ver- daulichkeit beeinträchtigt wird� findet dies beim Fisch doch in ge- ringcrem Grade statt als beim Rindfleisch, und im allgemeinen kann das Fischfleisch mit dem Fleisch der landwirtschaftlichen Nutz- tiere überhaupt gleichgesetzt werden. Auch die Ausnutzung für den Körper ist bei beiden Arten von Fleisch ungefähr dieselbe. Diese Tatsache ist auch durch Versuche am Menschen nachgewiesen worden. Das Fischfleisch kann daher als ein vollwertiges Nahrungs- mittel betrachtet werden, das sogar bei hohen Anforderungen an die Ernährung, wie sie für Sportsleute und Mannschaften von Heer und Marine gestellt werden, Genüge zu leisten vermag. Was den Nährstoffgehalt betrifft, so kommt das Fischfleisch dem Fleisch der Haustiere im frischen Zustand nicht völlig gleich- übertrifft� Bolschewiki entstanden am Ende des Jahres 1904 im russischen Teile der auS vielen nationalen Gruppen zusammengesetzten Sozialdemo- kratie Rußlands als Fraktion, indem einige Führer zu der Ansicht kamen, daß das russische Proletariat in der Revolution die führende Rolle haben werde, daß es in seinem Kampfe auf die Unterstützung des Bauerntums, aber keinesfalls auf die Bourgeoisie rechnen könne. Sie legten den größten Nachdruck auf die Rolle des Prole- tariats, forderten es zum unentwegten Kampfe um die Diktatur in der Revolution anf, die es nach ihren Ansichten zwecks Durch- führung der demokratischen Ziele der Revolution mit dem Bauern- tum teilen sollte. Da sie bei der steigenden Welle der Revolution dem Proletariat die weitgehendsten, wenn auch auf dem Boden der bürgerlichen Revolution erreichbaren Ziele steckten, ihm immer voraneiltcn, sammelten sich um sie die energischsten, die am meisten revolutionär gestimmten Teile der Arbeiterklasse. Aber weil sie dabei in ihrer Praxis den technischen.Kampfcsmitteln, den Kampfes- organisationen usw. eine zu große Rolle beigemessen hatten, lockten sie einen Schwärm von Abenteurern in ihre Organisation, die mehr der romantische Kampf mit der Bombe und dem Revolver in der Hand als die Aufklärungsarbeit in den Reihen der Arbeiterklasse anzogen, dann Stimmungsmenschen, Liebhaber der revolutionären Phrase, die in den Festtagen der Revolution die Losungen der Richtung in sich einsogen und, was in der Richtung nur Produkt des Tages, der Situation war, für den Inhalt der revolutionären Sozialdemokratie nabmcn. Die Bolschewiki sprachen z. B. im Jahre 1905 und 1906 den Boykott über die Buliginssche und Witte» sche Duma aus. Diese Losung entsprach ihrer Vorstellung der da» maligen Situation. Man glaubte, die Revolution befinde sich im Vorwärtsschreiten, und man zeigte durch den Boykott der Duma und die Forderung der konstituierenden Versammlung dem Prole- tariat das nächste Ziel seines Kampfes. Die Rechnung stimmte im Jahre 1905, wo die revolutionäre Welle das Kartenhaus Buligins wegschwemmte. Im Jahre 1906 hatte sie nicht mehr die nötige Kraft; aber jedenfalls entsprach dies auch damals nur der Beurteilung des Moments, war Sache der Taktik, nicht des Prinzips. Aber in den Augen der Liebhaber der schönen Geste und rcvolu» tionären Phrase errang der Boykott die Bedeutung des Wesens der Haltung der Bolschewiki; er wurde für sie zu einem Fetisch. So war z. B. bei den Wahlen zur dritten Duma der Führer der Bolschewiki, Genosse Lcwin, mit einigen seiner Freunde fast vereinsamt in seiner Richtung, als er die Teilnahme an den Wahlen befürwortete und den zeitlichen Charakter des Boykotts klarlegte. Weil während der Revolution ganz natürlich den Massen von den Führern der revolutionären Richtung immer wieder ge- predigt wurde, nur die Massenbewegung könne den Zarismus stürzen, entstand bei dem unentwickelten Teile der Richtung eine Neigung zur Unterschätzung des Parlamentarismus, die dazu führte, daß, als die Massenbewegung unter dem Einfluß der Krise, der Verfolgungen durch die Regierung und das Kapital, versandete, diese Elemente die Bedeutung der Aufklärungsarbeit der kleinen Duinafraktion nicht einschen ivollten und konnten, sich an ihre Fehler klammerten, ihre Abberufung forderten und sich mit der Geste gcr Verachtung für die Stolypinsche Konstitution begnügten. So war es auch aus vielen anderen Gebieten, auf denen sie, weil man sehr viele Hindernisse überwältigen mußte und nur sehr kleine Resultate erringen konnte, auf die Arbeit verzichten wollten. Die Führer der Bolschewiki, die sich seit dem Jahre 1907 um die Re- daktion des Proletariats gruppieren, scheuten keine Arbeit, um diesen Elementen die sozialdemokratische Auffassung der Arbeiter- Politik beizubringen. Sie kritisierten jeden Fehler der Duma- fraktion. Aber gleichzeitig zeigten sie, daß die Ursachen dieser Fehler im Mangel eines regen Parteilclxins begründet sind, das der Fraktion die Richtung geben würde. Sie legten die Bedeutung der Fraktion als legalen Posten für die zukünftige Entwickelung der Partei klar. Die unermüdliche Arbeit, die der Redaktion des„Proletariers" zur Ehre gereicht, verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie brachte den größeren Teil ihrer Anhänger auf den richtigen Weg; sie verhalf der Dumafraktion zur Ausarbeitung einer Taktik, die niit der Zeit in der Mehrheit der Partei Beifall finden und zur Erwcckung der Arbeiterklasse beitragen wird: Aber die Bolschewiki hatten nicht nur diesen Kampf zu führen. Auf der anderen Seite der Partei sammelten sich Elemente, für die die Partei ein Kadaver war, der nur zu verschwinden hat, Elemente, die in den traurigen Tagen» die das russische Prol:. tariat jetzt durchlebt, als einzigen Ausweg farblose legale Ar- beitervereine betrachteten, in denen sich der aktive Teil der Ar- beiterklasse versammeln könnte wie in einem Asyl. Diese Elemente eS dagegen im konservierten Zustand. Von besonderer Bedeutung ist selbstverständlich auch der Umstand, daß der Preis deS Fisch- flcisches, selbst bei längerem Transport, mehr oder weniger erheb- lich hinter dem anderer Fleischarten zurücksteht. Humor und Satire. Fremdenbuchpoesie. In einem Ostseebadhottl fand ich neulich im Fremdenbuche folgende zeitgemäßen Verse: Wohl mangelt Schönheit mir und Jugend, Und was den Jüngling sonst entzückt. Doch Hab' ich eine and're Tugend: Mein Geldschrank ist sehr reich gespickt. Der mich erkiest, der wack're Knabe. Ist aller Nahrungssorgen quitt: Ich bringe ihm als Morgengabe Zwölf Dutzend Streichholzschachteln mit. Elise H. Darunter hatte ein spöttisch veranlagter männlicher Badegast geschrieben: Zwölf Dutzend Schachteln, liebe Liese, Und dich dazu, o welch ein Glück I DaS wären ja nach Adam Riese Einhundertfünfundvierzig Stück i _ Uno. Notizen. — Kunstchronik. Der Münchener Bildhauer Joseph W a ck e r l e, der eben die goldene Medaille auf der große» Berliner Kunstausstellung erhielt, wird voraussichtlich an die königliche orzellan mannfaktur in Berlin berufen werden. Die Manufaktur könnte Leute Ivie Wackerle sehr wohl brauchen. — I m Lessing-Theater werden jetzt alle die Stücke noch einmal gespielt, in denen Basscrmann eine tragende Rolle hat. Am Freitag lvurde die Tragikomödie„Traumulnö" von Holz und I e r s ch l e neu belebt. Als Pädagoge der Güte, alö vertrauender Idealist, der an das Beste im Menschen glaubt, aber im ent- cheidenden Moment seinem Genius untreu wird und von da ab ein Spielball wechselnder Stimmungen wird, bis er schließlich zusammen« bricht, hat B a s s e r m a n n wunderbare Gelegenheiten, echt mensch- lich zu gestalten und seelisch zu vertiefen. Sein reich nuanciertes Spiel fesselte— trotzdem cS etwas mehr Wärme vertrüge— aufs höchste. Der schneidige Landrat fand in Herrn Ma r r einen robusten Vertreter. Das kecke Theatermädchen wurde von Fräulein E b e r t y und die treulose Frau des Träumers von Ida W ü st sehr lebendig und frisch gespielt.-r. — M»> s i k ch r o n i k. Die Gura-Oper gibt anr Sonntag als Abschiedsaufführung den„Fliegenden Holländer". Die Oper wird vollständig strichlos gegeben. Sie wird von dem Hamburger Kapellmeister Josef Stransky dirigiert. — DieOrganisatiou der Balletteusen. In Pari» haben sich die Ballettarbeiter— weiter alö schlecht bezahlte und ausgebeutete Arbeiter sind die Angehörigen des Balle»» nicht»— organisiert, und zwar Männer und Frauen gemeinsam. waren Wieoer daS Produkt der Entwickekung am zweiten Pole oer Sozialdemokratie, bei den Menschewiki. Diese Richtung, die sich grundsätzlich in der Beurteilung der russischen Revolution von den Bolschewiki unterschied, sah in der Bourgeoisie die Führerin der Revolution, neigte während der Revolution zu einem Bündnis mit ihr. Obwohl ihre Führer sich als orthodoxe Marxisten betrachteten, obwohl sich unter ihnen namhafte Vertreter der Marxschen Theorie befinden, muhte natürlich diese taktische Position die Elemente an. locken, die. eigentlich liberal gesinnt, sich der Partei in der Ar- beiterklasse während der Revolution anschlössen, um sie der Bour, geoisie dienstbar zu machen. Als die Konterrevolution siegte, ver- schwanden sie teilweise sofort aus den Arbeiterreihen, teilweise blieben sie in ihnen, um sie auf den Weg der Aussöhnung mit der bestehenden Ordnung, zur kleinen Arbeit ohne grögere Ziele zu locken. Sie predigten offen, daß die Sozialdemokratie unnötig sei, sie suchten das Heil in den legalen Gewerkschaften, und als diese zertrümmert worden waren, in den Konsumvereinen usw. Aber die Führer der Menschewiki folgten nicht dem Beispiel der Führer der Bolschewiki. Ihr Organ, die„Stimme des Sozialdemokraten", führte keinen Kampf mit diesen Zersetzern der Partei, es leugnete ihre Existenz und kanzelte die Leute in den eigenen Reihen ab, die auf die Gefahr der Arbeit dieser zersetzenden Elemente hinwiesen. Den Kampf gegen die Schädlinge auf dem linken und auf dem rechten Flügel der Partei mußten die Bolschewiki selber führen, unterstützt nur von dem, lettischen und polnischen Teile der Gesamt, parte«. Sie konnten den Kampf natürlich nicht mit genügender Schärfe führen, weil ein Teil dieser Schädlinge sich in ihrer eigenen Fraktion befand, weil sie auf ihn Rücksicht nehmen mußten weil sie zusammen mit ihm als Ganzes hervortraten und so die Blößen der Phrasenrevolutionäre als eigene ausgeben mußten. Die Beschlüsse der letzten Konferenz der bolschewistischen Führer zeigen, daß sie die Unmöglichkeit dieser Position erkannt haben und zu der Ansicht gekommen sind, daß sie sich reinlich von diesen Liebhabern der Geste trennen müssen, wenn sie innerhalb der Partei gegen sie und gegen die Zersetzer der Elemente kämpfen wollen. Erfreulich ist es. daß gleichzeitig Anzeichen hervortreten, daß es sich auch bei den Menschewiki gegen das parteischädigende Treiben der Zersetzer und ihrer Beschützer zu regen beginnt. In Rußland selbst protestieren russische Arbeiter aus der mensche- wikischen Richtung gegen sie und ihr früherer Führer, Genosfe Plechanow, trat aus der Redaktion der„Stimme des Sozialdemo. kraten" aus, weil diese seiner Ansicht nach die parteischädigenden Tendenzen nicht bekämpft. Und man kann es nur begrüßen wenn der„Proletarier" diesen Schritt Plechanows gutheißt und erklärt, daß trotz aller Unterschiede die Bolschewiki«nit ihm und seinen Freunden, die die Schädlinge und Zerstörer der Partei bekämpfen wollen, in vielen Dingen Hand in Hand gehen werden.«Sbcnso muß man es begrüßen, wenn das Organ der Bolschewiki erklärt, die Partei habe noch unendlich viel zu lernen, was die Ausnützung der legalen Posten sür die Arbeitersache betrifft, und wenn es weiser erklärt, die Partei müsse in der Kleinarbeit ebenso energisch fortschreiten, wie sie in den Tagen der revolutionären Sturm- V-md Drqngperiode die Massen zu den großen Kämpfen geführt hu'lte. > Wir wollen hoffen, daß diese Arbeit zum wirklichen Aufbau der' Partei beitragen wird, daß dieses energische Auftreten gegen alle dte Partes zerstörenden und von wirtlicher revolutionärer sozialdmokratischer Arbeit ablenkenden Tendenzen das Band noch mehr festigen wird, das die polnische und lettische Sozialdemo- kratie mit.den Bolschewiki verbindet. Was die Sozialdemokratie Russisch-Pokr ns speziell betrifft, so unterstützt sie die Bolschewiki, weil sie auf!vm Boden der Theorie und Praxis der revolutionären Richtung der h.>esteuropäischen Sozialdemokratie stehend, den revo- lutionären Flügel der russischen Sozialdemokratie fördern muß, weil sie sah, wie diese Fraktion sich mit jedem Jahr mehr ihrem eigenen Standputt.'t nähert, wie sie die Herrschaft der revolutio- nären Phrase allmählich überwindet. Sie kann die letzten Beschlüsse der Bolschewiki um so freudiger begrüßen; denn in ihnen steckt kein kleiner Teil der politischen Arbeit, den sie in dem Rahmen der Gesamtpartei geleistet.hat., Gegner des Kauarbeltechhuhes«nd die MenMoile der dlillgemrtM'tll Arbeiter Kerlins. Aus Bauarbeiterkreiscn uns geschrieben: Der Reichstag hat in seiner Sitzung vom I«. Januar d. I. eine Petition, in welcher die Anstellung- von Arbeitern als Bankontrol- leure gefordert wird, der Reichs agierung zur„Berücksichtigung" überwiesen. Diese Tatsache hat den Zorn der Scharfmacher im Baugewerbe hervorgerufen. Am 29. und 39. März d. I. tagte in Kassel die Generalversammlung des„Deictschen Arbeitgeierbundcs für da? Baugewerbe", die es als-in dringliches Gebot betrachtete, sich mit allem Rachdruck gegen den Ruf nach Anstellung von Ar- beiter-Baukontrolleuren zu wenden. Di« Forderung sei unbedingt abzulehnen. DaS Resultat der Scharfmachertagung war die ein- stimmige Annahme einer Resolution, mit der die Ablehnung der Arbeiterkontrolleure verlangt wird, weil 1. die Arbeiter zur Kontrolle auf Bauten nicht geeignet sind, da ihnen die nötigen Borkenntnisse auf theoretischem wie prak- tischem Gebiete fehlen; weil 2. deshalb die Heranziehung von Arbeitern zur Baukontrolle eine Verschlechterung, aber keine Verbesserung des Arbeiteiflchutzes bedeuten würde, weil 3. für die Revision von Bauten nur ausreichend vorgebildete Fachleute, welch- theoretisch wie praktisch das Baugewerbe be- herrschen, brauchbar sind und weil 4. die Baukontrolle für die Arbeiter auch in politischer Hin- ficht schwere Nachteile zeitigen würde und den TerroriSmus der Sozialdemokratie vermehren, auch das ohnehin schon schlechte Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bis zur Unerträglichkeit steigern müßte und endlich 5. weil die Arbeiter des Baugewerbes durckj baupolizeiliche Vorschriften und Revisionen sowie durch Vorschriftenkontrolleure der Berufsgenossenschaften im Gegensatz zu anderen ähnlichen Betrieben sehr geschützt sind. Diese Resolution ist dem Reichstage, dem Bundesrat, dem RcichSamt des Innern und den Staatsministerien der deutschen Bundesstaaten zugesandt worden. Gegen die Anstellung von Arbeiter-Baukontrolleuren wird in der beigcgebcnen Begründung behauptet, dem Arbeiter fehle das „durchdringende" Verständnis für technische Fragen. Er lörme über Fragen der Statik, der Festigkeitslehre, der Mechanik usw. mit der für den Kontrollzweck unbedingt notwendigen Sicherheit kein be- weiskräftiges Urteil abgeben. Der absolute Mangel an fachtvissen- schaftlichem Verständnis der Arbeiter sei auch von hoher Regie- rungsstclle anerkannt worden. In der Xl. RcichStagskommission Zv0S habe ein Vertreter sich dabin ausgesprochen: daß zunächst selbst dem tüchtigen, zuverlässigen und erfahrenen Arberter der Ueberblick über die mannigfachen Vorgänge und Einrichtungen auf dem Bau fehle, namentlich wenn es sich um komplizierte Maschinen, z. B. Schopfmaschinen, bei Gründungen, Maschinen zur Senkung des Grundwasserspiegels, elektrische Ma- terialaufzüge, um Eisenkonstruktionen, namentlich Vetoneisen- konstruktionen handele, wozu eine Beherrschung der Statik und Mechanik gehöre. Aber selbst hiervon abgesehen, möchte er in Abrede stellen, daß der Arbeiterkontrolleur die Stabilität ein- facher Stangen und abgebundener Rüstungen und ihre Trag- fähigkeit zu beurteilen imstande sei; der Versuch, durch den Ar- beiterkontrolleur die Zahl der Ziegelsteine bestimmen zu lassen, welche auf ein Gerüstfeld abgeworfen werden dürften, würde mißglücken. Aber auch die richtige Beurteilung der Feuerungsanlagen, der Verankerungen, der Stärke der Bögen, Gelvölbe und Wider- lager, die Vergleichung des Belastungsbildes in der Ausführung mit dem in der statischen Berechnung, das Urteil über die auf der Baustelle vorhandenen BgunMeriaften, namentlich Kenn es sich um die vielen neuen Surrogate handele, seien Dinge, welche außerhalb der Sphäre eines selbst tüchtigen Arbeiters liegen dürften. Der Herr Regierungsvertreter zählt da Dinge auf, die mit der eigentlichen Tätigkeit und den Aufgaben des Arbeitcr-Baukon- trolleurs nichts zu tun haben. Dann wird hervorgehoben, daß der Minister in seiner Rede vom 17. März d I. die Kontrolltätigkeit des Arbeiters nur als eine oberflächliche bezeichnet habe, und daß durch die Anstellung von Arbeiter-Baukontrolleuren der soziale Friede weiter gefährdet würde. Die Herren Fetisch und Genossen, beziehungsivcise der„Deutsche Arbeitgeberbund für da» Baugewerbe", haben wohl erkannt, daß sie mit den zwei Kronzeugen keinen Staat machen können. Deshalb bringen sie selbst sckiwerercs Geschütz heran. Die Anstellung von Arbeiter-Baukontrolleuren soll eine parteipolitische Seite haben. Sie behaupten: „In der Tat ist dieser Wunsch(Anstellung von Kontrolleuren aus dem Arbeiterstande) im wesentlichen eine sozialdemokratische Forderung und lediglich zu dem Zwecke aufgestellt, um unter der Flagge des Arbeiterschutzes die M-acht der Gewerkschaften zu vermehren und zu vertiefen. Durch die Kontrolleure der be- zeichneten Art würde die sozialdenwkratische Agitation, die häufig genug schon heute die schwersten Mißstände zeitigt, unter dem Deckmantel der behördlichen Baukontrolle vor sich gehen, und die Arbeiter wären nicht in der Lage, die mit autoritativer Macht ausgestatteten Kontrosseure von der Arbeitsstelle zu weisen. Die Arbeitgeber gerieten in ein unwürdiges AbhängigkcitSverViltnis zu den Gewerkschaften ihrer Arbeiter, und der Unzuträglichkeiten zwischen den beiden doch aufeinander angewiesenen Arbeitsfak« toren, den Arbeitgeberu und den Arbeitnehmern, wäre kein Ende." Mit einer solchen aus den Fingern gesogenen Behauptung ar- gumentieren die Baugetvaltigen gegen eine Arbeiterforderung, durch welche nahezu eine Million Arbeiter ihr höchstes Gut, ihr Leben und ihre Gesundheit, schützen»vollen. In direktem Widerspruch mit den wirklichen Tatsachen steht der Absatz 6 der Sckarsmachcr-Resolution. Wenn wir im Baugewerbe von„Arbefterschutz" reden, dann kommen nur die Unsallverhütungsvorfchriften in Betracht. Wie diese ge- staltet sind, bestimmt der Wille der Berufsgenosscnschaften. Wohl sind die Arbeiter bei der Beratung der Unfallverhütung zu hören, zu beschließen haben sie nichts. Der Hauptpunkt ist indessen die Ueberivachung der Unfallverhütungsvorschriften auf ihre Durchfüh- rung. Die Ueberivachung liegt wiederum allein in den Händen der Berufsgenossenschaft. Während die Arbeiterschutzvorschriften in den Fabriken durch staatliche Beamte kontrolliert werden, ruht die Ueberwachung im Baugewerbe in den Händen der von der Unter- Nehmerinteressenvertretung— der BerufSgcnossenschaft— abhängigen technischen Aufsichtsbeamten. Nun bestehen aber auch noch Polizeiverordnungen zum Schutze der baugelverblichen Arbeiter. -Abgesehen davon, daß derartige Verordnungen nur in einzelnen Orten bestehen, wird die Ueberwachung hier durch Schutzmänner ausgeübt, jedoch nicht in regelrechter Kontrolle. Nur auf eine An- zeige hin erscheint so ein behelmtes Haupt. Die Ueberwachung durch Schutzmänner hält der Minister der öffentlichen Arbeiten für aus- reichend. Da kann doch nur Unwissenheit oder Bosheit behaupten, die baugewerblichen Arbeiter seien in bezug auf den Arbeiterschutz gegen andere Arbeiter sehr bevorzugt! Von den Baukontrolleuren ist in erster Linie zu verlangen. mit den praktischen Einrichtungen und dem Wesen des Baues ver- traut zu sein. Das sind die technischen Aufsichtsbeamten doch nicht genügend. Mit dem Wesen und den Verhältnissen des Baues ist aber wohl vertraut, wer praktisch gearbeitet hat. Und selbst, wenn Kenntnisse in der Statik und Mechanik vom Bautenkontrolleur verlangt werden, auch dann können aus Arbeiterkreisen die nötigen Kräfte entnommen werden. Aber das Bedürfnis der Anstellung von Baukontrolleuren wird überhaupt verneint, weil die Bau- gewerkL-Bcrufsgenossenschaften mehr wie alle anderen Berufs- genossenschaften für die Ueberwachung und Unfallverhütung auf- gewendet hatten. Es wird auf die Statistik des Rcichsversicherungs- amts für 1997 hingewiesen. Danach hatten die Baugewerts- Berufsgenossenschaften im Jahre 1997 bei 1S9S48 Betrieben 93 technische Aufsichtsbeamte, während alle übrigen 54 Bcrufsgenossen- schaften zur Kontrolle von 513 579 Betrieben nur 292 technische Aufsichtsbeamte beschäftigten. Demnach kommt bei den BaugewerkS- Berufsgenossenschaften auf 1.692 Betriebe ein technischer Aufsichts- beamter, bei dem übrigen Gewerbe erst auf 2542 Betriebe. Solche Rechnung stimmt nicht I In anderen Gewerben wird die„Fabrik" als Betrieb gezählt; im Baugewerbe haben wir es jedoch mit Bau- arbritsstellcn zu tun. Ein Unternehmer hat oftmals 19 solcher Arbeitsstellen. Wenn wir durchschnittlich jeden Betrieb nur mit 3 solcher Arbeitsstellen berechnen, dann verschiebt sich das Bild wesentlich zuungunsten des Baugewerbes. Das wissen die Herren vom Arbeitgeberbund sehr genau. Hat doch Herr Fetisch selbst auf dem Bcrbandstage Deutscher BaugewerkS-Berufsgenossenschaften in Essen 1998 darüber Klage erhöben, daß das ReichsversicherungSamt angeordnet habe, nunmehr die Arbeitsstellen zu zählen, und nicht die Betriebe. Damit, meinte Herr Felisch,„verschiebt sich die Ueberwachung zuungunsten der Berufsgenoffenschaften". Daß die Unternehmer fortgesetzt gegen die UnfallverhütungS- Vorschriften verstoßen, auch die mageren Polizeivorschriften be- züglich de» sanitären und hygienischen ArbeiterschutzeS auf den Bauten wenig beachtet werden, dafür lieferte die vom 19. bis 24. Juli b. I. ausgeübte Bautenkontrolle der Berliner baugetverblichen Arbeiterorganisationen einen unwiderleglichen Beweis. Koutrol- liert wurden 395 Bauten(darunter 4 Staats- und 22 Kommunal- bauten) mit 19 955 Arbeitern. Unter den kontrollierten Bauten befanden sich 4 EisenkonstruktionS- und 47 Betonbauten. Von den kontrollierten Bauten wurden 48 oder 15,74 Proz. mit 1771 Ar- beitern oder 17,61 Proz., von BaugeiverkS-JnnungSmeistern auS- geführt. Auf 32 Bauten oder 19,49 Proz. waren die Unfallver- hlltungsvorschriften nicht ausgehängt. Der Gerüstbau wurde auf 95 oder 37,84 Proz. der Bauten von Bauhilfsarbeitern und Lehr- lingen— also von ungelernten und von jugendlichen Personen— ausgeführt. Brauchbares und genügendes Gerüstmaterial war auf 235 Bauten vorhanden; auf 14 Bauten war nur mangelhaftes unv auf 21 Bauten war überhaupt kein Rüstzeug zu finden. Bei 16 von 49 kontrollierten Bauten waren die Auhengerüste nicht genügend verschweltet oder versteift. Ein vollständig abgedecktes Gerüst wurde nur auf 194 oder 34,99 Proz. der Bauten festgestellt. Ueberdiehandmauern. Auf 165 oder 54,99 Proz. der Bauten wurden die Außenwände von der inneren Rüstung aus gemauert. Nur auf 19 oder 11,51 Proz. dieser Bauten wurde mit dem Fort- schreiten der Arbeit ein Schutz- bezw. Fanggerüst angebracht. Auf 23 Bauten waren die Rüstungen, aus welchen gearbeitet wurde, weder mit einem Geländer, noch mit einer Bordwand(Sockelbrett) versehen. Auf 68 Bauten waren die Balkenlagen bezw. die Träger der Kellerdecken nicht abgedeckt. Bei 3 von 47 Bauten, an denen Dacharbeiten ausgeführt wurden, fehlte jedes Schutz- bezw. Fang- gerüst. Materialtransport. Auf 14 Bauten fehlte bei den Einlade- stellen der Steinwinden das Schutzdach. Auf 198 Bauten war bei den Laufbrücken, Rüstungen und Treppen das Geländer und Sockel- brett nur teilweise oder überhaupt nicht vorhanden. Auf 59 Bauten fehlte es bei den Transportaufgängen an genügenden Podesten zum Ausruhen für die mit dem Transport der Materialien beschäftigten Arbeiter. Auf 191 Bauten war am Außenbau kein Schutzdach an- gebracht. Auf 96 Bauten fehlte an den AufzugSmaschinen(Krane und Winden) jede Bremsvorrichtung. Nur auf 14 oder 4,57 Pro�. der Bauten wurde zur Verhütung von Staubentwickelung die Arbeitsstelle im Laufe des Tages mehrmals mit Wasser besprengt. Von den kontrollierten Bauten waren 175 wiederholt von der Baupolizei kontrolliert worden. Auf 228 oder 74,75 Proz. der kontrollierten Bauten war kein genießbares Trinkwasser vorhanden. Auf 84 oder 27,54 Proz. der Bauten hat die Anleitung zur ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen nicht ausgehangen. Auf 63 oder 29,65 Proz. der Bauten war krii» Verbandskasten bezw. Verbands- Material vorhanden. Baubuden. Recht trübe sieht es mit den UnterkunftSräumen gut». Auf s Bgijten war eine Baubude ijherMpt nicht vorhanden. In 29 Fällen diente die Baubude als Aufbewahrungsort für Sau- Materialien, in 5 Fällen«rar sie in den feuchten Kellerräumen plaziert. In 168 Fällen konnten die Fenster der Baubude nicht geöffnet werden, während in 49 Fällen die Baubude überhaupt keine Fenster hatte. In 214 Fällen war entsprechend den Vor- schriften die Baubude mit einem festen Holzfußboden versehen; dagegen hatten 24 oder 8,39 Proz. der Baubuden überhaupt teincn Fußboden. Schränke in der Baubude zur Aufbewahrung der Kleider für die auf dem Bau beschäftigten Arbeiter waren über- Haupt nicht vorhanden. Tische fehlten bei 39 oder 19,48 Proz., Bänke bei 24 oder 8,39 Proz. der Baubuden. Oefcn zum Erwärmen der Speisen für die Arbeiter waren nur bei 18 oder 6,29 Proz. der Baubuden vorhanden. Spucknöpfc wurden nur in 2 Fällen vor- gefunden. Die Reinigung der Baubuden wurde auf 69 Bauten mehrmals, auf 166 Bauten rininal in der Woche vollzogen; während in 51 Fällen eine Reinigung der Baubude überhaupt nicht stattfand. Auf 29 Bauten war die Baubude für die dort beschäftigte Anzahl der Arbeiter viel zu klein. Aborte. In einem skandalösen Zustand befinden sich die Aborte. Während man sonst eifrig um die Sittlichkeit der Arbeiter- schaft bemüht ist, kümmert sich um die bezüglichen Zustände auf den Bauten niemand. Nicht einmal der Schutzmann, dessen Kon- trolle nach der Rede des Ministers der öffentlichen Arbeiten doch ausreichend sein soll. Auf 99 oder 29,59 Proz. der Bauten sind die Aborte so gelegen, daß man von der Straße und den Fenstern der Nachbarhäuser auS hineinsehen kann. In 73 Fällen fehlte daS Dach, teilweise oder ganz. Auf 56 Bauten hatte der Abort keinen Fußboden; auf 19 Bauten befand er sich in den dunklen Keller- räume» des Neubaues selbst. In 231 Fällen bestand der Abort aus einer Tonne, während in 74° Bauten nur eine Grube aus- geworfen war. 19 Aborte oder 3,27 Proz. hatten Wasserspülung und nur 5 waren der Geineindekanalisatiou angeschlossen. Ob der Abort Sitzbrillen(172 Bauten) oder Lattensitze(«53 Bauten) auf- weist, überall fehlen Seitenwändr und Türen. Die Reinigung der Sitze und Fußböden der Aborte erfolgte nur in 152 oder 49,83 Proz. der Fälle. Desinfiziert wurden nur 89 oder 29,18 Proz. der Aborte, für eine geregelte Abfuhr wurde nur auf 231 Bauten Sorge ge- tragen. Dabei ist zu beinerkcn, daß die Aborte auf 196 oder 64,16 Prozent der Bauten nicht der Zahl der dort Beschäftigten entsprach. Noch viel ungünstiger sieht es mit den Pissoiranlagen aus. Auf 284 oder 93,14 Proz. der Bauten war überhaupt keine Anlage vor- Händen; nur in 13 Fällen oder 4,26 Proz. waren Urineimer auf- gestellt. Erwähnt mag noch werden, daß auf allen Bauten, wo Maler beschäftigt waren, die Bundesratsverordnung vom 27. Juni«993 über die Bleiweihgefahr nicht aushing. Diese Feststellungen sind um so bedeutungsvoller, als in der Zeit vom 15. bis 39. Juni d. I. durch technische Aussichtsbcamte der Baugewerks-Bernfsgenossen- schaften besondere Bautonrevisionen stattgefunden haben. Diese Feststellungen beweisen, daß die Ailst-lluug von Arbciterbaukou- troveuren eine dringende Notwendigkeit ist. Die baugewerblichen Arbeiter betrachten eS als ein dringliches Gebot, mit allem Nachdruck für dir Anstellung von Arbeiterbaukou» trollepten einzutreten.. Huo der Partei. Wanderkurfe für Naturwissenschaft«ud Kulturgeschichte, Der B i l d u n g S a u S s ch«i ß hat die folgenden Wanderkurse neu eingerichtet: 1. Die Geschichte unserer Erde(6 Vorträge). S. Die Rätsel deS Lebens(4 Vorträge). «. Vom Urtier zum Menschen(4 Vorträge, Fortsetzung im zweiten Kursus). 4. Der Mensch der Urzeit(8 Vorträge). 5. Einführung in die Religionsgeschichte(4 Vorträge). 6. Die Geschichte deS ChcifteutumS(8 Vorträge). Als Lortragender ist Genosse E. Graf verpflichtet worden. Die Kurse 1 bis 4 werden durch Lichtbilder unterstützt. Am 13. September kann mit den Kursen begonnen werden; die An- Meldungen finden nach der Reihenfolge ihres Eintreffens Berück- sichtigung. Nähere Mitteilungen über Organisation der einzelnen Kurse und über die Kostenfrage stehen den lokalen BildungS- auSschüssen, GcwerkschaftSkartellen und sozialdemokratischen Vereinen auf Wunsch zur Verfügung. Drr BildungSanSschuß. I. A.: Heinrich Schulz, Berlin LW. 63, Lindenstraß« 3. Genosse Bernstein sendet uns heute die folgende Zuschrift: „Auf die mich betreffende Notiz in der heutigen Nummer deS„Vorwärts" sei bemerkt, lvas ich zugleich auch der Redaktion der„Volkszeitung" schreibe, daß ich weit entfernt bin, irgend einer nennenswerten Gruppe innerhalb der deutschen Sozialdemo- kratie eine Absicht vorzuwerfen, mich materiell auszuhungern, und daß ich auch in keiner Weife materiell Not leide. Meine Beschwerden liegen auf anderem Gebiet. Da sie jedoch nicht mit ein paar Redensarten abzumachen sind, sondern, wenn sie überhaupt zur Sprache gebracht werden,� substantiert sein wollen, gehe ich hier auf sie nicht ein. Es wird sich hoffentlich an anderer Stelle Gelegenheit dazu bieten. Wenn aber weiter die Redaftion deS.Vorwärts' bemerkt. es hätte mir freigestanden, den Artikel, den ich dem„Berliner Tageblatt" eingesandt habe, im„Vorwärts" zu veröffentlichen, so habe ich darauf zu erwidern, daß die seit Jahren von det Re- daktion deS„Vorwärts" meinen Einsendungen und Veröffent- lichungen gegenüber geübte Praxis mir jede Mitarbeiterschaft am „Vorwärts" verbietet. Die Art, wie der„Vorwärts" gerade jetzt wieder, ohne seinen Lesern in ehrlicher Weise das mitzuteilen, was ich über die Politik der„Demokratischen Bereinigung" geschrieben habe, aus den Gegenäußerungcn dieser geflissentlich das heraus- nimmt, was sich für die Zwecke der Herabsetzung meiner Person ausschlachten läßt, das aber fortläßt, w�is gegenteilig wirken könnte, ist nur ein neuer Beweis, wie wenig ich auf anständige Behandlung seitens der Redaktion zu rechnen habe. Dasselbe gilt von den Bemerkungen hinsichtlich deS„Nimm mich mit". Es ist nicht wahr, daß das„Nimm mich mit", als eS mein Bild ver- öffentlichte, wie es beiläufig auch Bebels Bild veröffentlicht hat, mich als seinen„Mitarbeiter" bezeichnet hat. Unter dem Bild steht nur:„Der bekannte Sozialist, von dem wir in vorliegender Nummer einen Artikel veröffentlichen." Selbst wenn ich den be- treffenden Artikel für das„Nimm mich mit" geschrieben hätte. würde der einmalige Beitrag mich«roch nicht zum„Mitarbeiter" stempeln. Es ist aber der Redaktion des„Vorwärts" wohlbekannt. daß in der Tat der Artikel von mir nicht für daS„Nimm mich mit", sondern für die„Deutsche Illustrierte Zeitung" geschrieben wurde, daß ihn das„Nimm mich mit" ohne me,n V o r w i s s e n au« jener Zeitschrist übernommen hat, und daß. ehe er im„Nimm mich mit" erschien, schon eine Reihe Blätter unserer Partei ilm gleichfalls veröffentlicht hatte. Wenn die Redaktion, trotz- dem ihr das bekannt war. die Notiz so formulierte, als sei ich Mit- arbeiter einer von ihr als„niedriges SensationSblatt" bezeichneten Zeitschrift, so ist das eine Unehrlichkeit, die nur dem Wunsch ent- sprungen fem kann, meinen guten Namen zu verunglimpfen. Wie kann man mir unter solchen Umständen zumuten, für den„Vor. Ich �nehm�diese Gelegenheit noch wahr, eine Notiz in der „Leipziger Volkszeitung". die mich zum„Berichterstatter recht?- liberaler russischer Zeitungen" stempelt, für erlogen zu erklaren. Die einzige bürgerliche russische Zeitung, deren Mitarbeiter ich bin, ist die als„Profefforenblatt" sehr angesehene demokratische Zeitung „R u ß k i j a W j e do m o st i". die hier ihren eigenen Berichterstatter hat. Meine Beiträge für dieses Blatt beschränken sich auf B r i e f e sozialpolitifchea Inhalts, zu denen mich sein von der russischen Reaktion ermordeter Hauptredakteur Jolle S seinerzeit eingeladen hatte, und über deren Charakter und Tendenz ich von russischen Sozialisten bisher nur das Gegenteil von Be- s ch w e r d e n vernommen habe. Berlin, den 21. August 1909. Ed. B e r n st e i n. Genosse Bernstein ist, wie wir aus dieser Zuschrift entnehmen, zu einer objektiven Betrachtung de?.Vorwärts' nicht fähig. Wir haben ihn oftmals unsanft angefaßt— unsere Auffassung unserer Parteipflicht zwang uns dazu. Wenn wir Bernsteinsche Artikel und Reden nicht beachtet oder nach Bernsteins Ansicht nicht genügend beachtet und wieder gegeben haben, so haben uns dabei jedesmal sachliche Gründe geleitet und jede Absicht, die Person des Genossen Bernstein herab zusetzen, hat unS selbstverständlich ferngelegen. Und wir schmeicheln uns, gewissenhafter und minder leichtfertig als der Genosse Bernstein bei unseren Angriffen auf ihn vorgegangen zu sein, als er bei den seinigen auf unS. So ist es eine geradezu hafhnebüchene Leichtfertigkeit Bernsteins, um lein härteres Wort zu ge- brauchen, wenn er uns beschuldigt, daß wir ihn wider besseres Wissen zum Mitarbeiter des»Nimm midb mit gestempelt häiten, daß wir sehr wohl gewußt hätten, daß jene Artikelserie ohne sein Zutun und Wissen in diesem SensationSblatt abgedruckt wurde. Selbstverständlich haben wir davon nichts, aber auch gar nichts gewußt und selbstverständlich konnten wir nicht aus Eigenem auf die Vermutung kommen. daß die Veröffentlichung durch mehrere Nummern wider den Willen des Genossen Bernstein geschehen konnte. Auf eine Auseinandersetzung darüber, ob die redaktionelle An- merkung im«Nimm mich mit' zu dem Porträt Bernsteins als eine Vorstellung als Mitarbeiter des Blattes aufgefaßt werden darf, glauben wir verzichten zu können. Zur Wortklauberei ist unS der Raum unseres Blattes zu schade. Im übrigen vermissen wir in dieser Zuschrift im starken Maße die Loyalität, die Genosse Bernstein vom.Vorwärts' fordert. Was soll die verklausulierte Fassung des ersten Absahes? Was soll die dunkle Wendung von„irgendeiner nennenswerten Gruppe'! Ist sie darauf berechnet, den Eindruck hervorzurufen, daß doch irgendeine Gruppe in der Sozialdemokratie ihn aushungern wolle? Soll der sensationshungrigen bürgerlichen Presse damit ein neuer Brocken hingeworfen werden? Wenn Genosse Bernstein nicht un° umwunden erklären wollte, daß ihn niemand aushungern will, so jsollte er offen sagen, was er meint. Von der Leichtfertigkeit, mit der Bernstein bei seinen Vor. würfen gegen Parteiorgane verfährt, gibt auch der letzte, gegen die„Leipziger Bolkszeitung' gerichtete Teil ein Zeugnis. Anstatt die Behauptung unseres Leipziger Pcrrteiblattes als falsch zu be- zeichnen, nennt er sie frischweg„erlogen". Im übrigen wird die„Leipziger Bolkszeitung" dem Genossen Bernstein schon das Nötige selbst sagen. Die„Breslag�er Volkswacht" haut in dieselbe Kerbe tote die„Brandenburger Zeitung". Sie schreibt: „Sein Artikel im„Berliner Tageblatt' aber dagegen wird von der Dresdener Resolution nicht getroffen, denn diese ver- bietet die Mitarbeit nur an Blättern, die uns mit„gehässiger und hämischer" Kritik verfolgen. Zu diesen Blättern gehört das „Berliner Tageblatt' nicht, eine Mitarbeit bei ihm ist ungefähr gleich zu erachten der zustimmenden Diskussionsrede Ledebours oder ZubeilS in einer demokratischen Versammlung. Wenn trotz- dem ein gctvisseS unangenehmes Gefühl zurückblieb, als wir den Namen des Genossen Bernstein an der Spitze des„B. T.' sahen, so erinnerten wir uns mündlicher Erklärungen, die uns Genosse Bernstein früher schon dafür gegeben hat. Durch den„Vorwärts' hat nämlich unser Genosse seit geraumer Zeit wegen persönlicher Zwischenfälle keine Gelegenheit mehr, zu Berliner Arbeitern zu sprechen. Dieser hat bis heute»och nicht einmal jenen von ihm aufgestellten und in der Parteipresse vielfach debattierten„Leit- sähen zum Programm' Raum gegeben, die in einer Organ j. s a t i o n Groß-Verlins verhandelt worden sind, obwohl diese Leitsätze fast in allen Parteiblättern, sogar im Leipziger, er- schienen. Auch bei Versammlungen glaubt Genosse Bernstein einen ähnlichen Boykott des„Vorwärts" zu verspüren und seine mehrfachen Rücksprachen mit befreundeten Mitgliedern des Par» teivorstandes haben darin keine Aenderung gebracht. Bernstein ineinte schon früher, daß er sich schriftlich mit der Berliner Ar- beiterschaft wohl nur durch eins der Montagsblätter, die„Volks- zeitung" oder das„Tageblatt" werde verständigen können. Das ist ein sehr bedauerlicher und unhaltbarer Zustand. Zeitweise kommen für Genossen Bernstein wohl auch Gründe der Existenzfristung dazu, die ihn zur Mitarbeit an neutralen Organen zwang, nachdem ihm andere Einnahmequellen verloren gegangen waren— was niemand besser weiß, als der„Vor- wärts.' Was es mit den„Gründen der Existenzfristung' auf sich hat. sagt das Schreiben Bernsteins selbst. Wenn das Breslauer Partei- blatt seine Leser geivisscnhaft unterrichten wollte, so hätte es ihnen auch die Gründe mitteilen müssen, die der„Vorwärts" seinerzeit für die NichtVeröffentlichung der Bernsteinschen Leitsätze angegeben hat. Und schließlich könnte die Redaktion der„Volkswacht" wirklich wissen, daß die„Vorwärts'redaktion nicht die Vorsehung von Groß-Berlin ist, sondern daß die Organisationen Berlins ihre VersanrmlungsarrangementS treffen, ohne im allgemeinen das Be- dürfnis zu haben, sich dazu bei der«Borwärts"redaktion Rat zu holen._ Zum Parteitag. Von der Kreiskonferenz des Wahlvereins Spandau- O st h a v e l l a n d ist noch nachzutragen, daß Genosse Liebknecht in einem Referat über den Parteitag und die Provinzialtonferenz unter anderem sagte: Wenn die Partei einmal durch irgendwelche Ereignisse vorwärts getrieben würde, werde der Revisionismus weg- geschwemmt. Er sei überhaupt nur eine Ausgeburt der verhält- nismäßigen Ruhe in der Bewegung; je stärker die Bewegung, desto bedeutungsloser der Revisionismus, dessen führende Verfechter, so- weit es sich um den Revisionismus außerfailb der Gewerkschaften, besonders unter den Akademikern handle,' ihrer ganzen persönlickjcn EntWickelung und sozialen Lage nach vom Wesen und Feuer des Klassenkampfes nicht so tief durchdrungen sein können, wie das Proletariat selbst. Die Hofgängerei der württembergischen Abgeordneten verurteilte der Redner als Würdelosigkcit, war jedoch der Meinung, daß der Parteitag in Leipzig daraus keine Staats- aktion machen und nur unzweideutig zu erkennen geben werde, daß künftig solche Borkommnisse nicht geduldet werden würden. Was die Taktik der Reichstagsfraktion bezüglich der Erbschaftssteuer anbelange, so könne er nur sagen, daß, wenn die Fraktion gegen- über der ganzen Finanzreform in eine einmütige Obstruktion g?« treten wäre, sie unzweifelhaft Zustimmung bei der Masse der Ge- nassen gefunden haben würde. Doch darüber sich jetzt zu streiten, sei müßig, das Hauptaugenmerk müsse auf eine nachdrückliche Be- kämpfung des Dreiklasfenwahlrechts in Preußen gerichtet werden, damit diese Festung der Reaktion gebrochen werde.— Bei der Besprechung des Organisationsstatuts bezeichnete er es für einen notwendigen Akt der Parität, wenn Reichstagsabgeordnete auf Grund ihres Mandats auf dem Parteitag erscheinen dürften, dieses Privileg auch je einem Vertreter der Redaktionen dxx.„Neuen Zeit", des„Vorwärts" und der„Gleichheit' zuzubilligen, die selbst- redend in sie selbst berührenden Fragen kein Stimmrecht haben dürften. Betreffs des 8 23, worin es heißt: Auch kann der AuS- schluß eines Mitgliedes saus der Partei) erfolgen, wenn er wieder. holt in bewußter Weise die Parteiinteressen schädigt, beantragt Ge- nosse Liebknecht die Worte„in bewußter Weise" zu streichen. E» müsse für die Partei gleichgültig sein, ob sie bewußt oder un- bewußt geschädigt werde. Sie müss? sich schädlicher Elemente un-, bedingt entledigen können.— In der Diskussion wandten sich alle Redner entschieden gegen die revisionistische Richtung. Man sei vielfach gar zu duldsam gegenüber Genoikn, die aus Mangel an proletarischem Empfinden, wenn auch ohne Zlbsicht die klaren Richtlinien, die der ParteibeweMng vorgezeichnet seien, zu ver- wischen suchten. Hier sei Energie am Platze, andernfalls würden für die Partei noch unheilvolle Folgen entstehen. Mit den vom Genossen Liebknecht angeregten Aenderungen des Organisations- statuts erklärten sich alle Redner einverstanden.— Die für den Parteitag beschlossenen Anträge sind bereits in unserer gestrigen Zusammenstellung enthalten. An der von uns mitgeteilten Reso- lution der Krciskonferenz zu der Jugendbewegung ist zu berich- tigen, daß sie die Genossen nicht zur Förderung der Jugend- o r g a n i s a t i o n, sondern zur Förderung der Jugend b e w e- g u n g auffordert. Der Sozialdemokratische Verein Erfurt beschäf- tigte sich in einer am Donnerstag abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung mit der Stellungnahme zum Leipziger Parteitag. Das Ergebnis einer längeren Debatte, die durch ein Referat des Kreisvorsitzendcn Genossen R i tz eingeleitet wurde, war die Annahme des vom Redakteur Genossen D ä u m i g befür- warteten Antrages, die Frage der Taktik der Partei als be- sonderen Punkt aus die Tagesordnung des Parteitages zu setzen. Anlaß hierzu gab die w ü r t t e m b e rg i s ch e H o f g ä n g e r e i, für die das Motiv ausschlaggebend gewesen sei, der Partei Vor- teile zu verschaffen. Es müsse einmal unzweideutig von dem Parteitag zum Ausdruck gebracht werden, ob das Schwergewicht der Tätigkeit der Partei nur in die Beratungszimmer der Parlamente und in die Bureaus wirtschaftlicher Organisationen verlegt werden solle, oder ob letzten Endes ernste Parteientscheidungen bei den Massen lieg«, deren systematische Schulung und Durchbildung des- halb gefördert werden müsse.— Der Antrag Frankfurt a. M. auf besondere Behandlung der preußischen Wahlrechtsfrage auf dem Parteitage wurde als dr ingend notwendig begrüßt. — Die vom Parteivorstand vorgeschlagene Lösung der Maifeier- Unter st ützungsfrage wurde nicht als befriedigend betrachtet. Solange die Maifeier nicht vpn der Unterstützungsfrage getrennt werde, wird sie ihrem idealen Zweck nicht gerecht.— Die Haltung der„Tribüne" zur Frage der H o f g ä n g e r e i. speziell die schroffe Verurteilung des Verhaltens des Redakteurs des „Wahren Jakob". Genossen Heymann, fand einmütige Zu st im- m u n g.— Zum Delegierten zum Leipziger Parteitag wurde Ge- nosse Ritz- Erfurt gewählt._ 20 Jahre Parteiarbeit in Rathenow. Auf ein LOjährigcs Bestehen kann die Parteiorganisation Ra- thenows diesen Monat zurückblicken. Am 19. August 1889, also zu einer Zeit, als nach das Ausnahmegesetz bestand, wurde die Orga- nisation nach einem Vortrage des alten Theodor Metzner ge- gründet. 70 Genossen zeichneten sich gleich am Gründungstage in die Mitgliederliste ein, von denen heute noch 21 der Parteiorgani- sation angehören. Die neugcgründete Oraanisation erhielt den Namen„Verein zur Erzielung volkstümlicher Wahlen", der im Jahre 1894 in„Sozialdemolratischer Wahlverein" umgeändert wurde. Bis zur Gründung des Zentralwahlvereins Brandenburg- Westhavelland blieb der Verein eine selbständige Organisation. Heute zcchlt die Parteiorganisation am Orte rund 800 Mitglieder. Seit Bestehen des Wahlvereins stieg die Zahl der sozialdcmokrati. scheu Stimmen bei der Ncick>stagswahl von 1370 auf 2072, bei der Siadtverordnetenwahl von 00 auf 900. Bon den 12 Mandaten der dritten Wähle rklassc besitzt die Partei 8; die letzten 4 sollen im Herbst erobert werden._ polizeiltcheo,©rnchtilchea ukw. Ausklärimg über den Stcuerraub ist grober Unfug. In Nordbahern wurden in den letzten Wochen massenhaft Flug- blätter verbreitet, worin die Scbaudtatcn des Schnapsblocks ge- schildert werden. So auch jüngst im schwarzen Wahlkreise Lohr. Die ZcntrunrShäuplinge spien Feuer und Flanime, und in Marktheidenfeld hetzte man sogar die Heilige Hernrandad auf die Verbreiter, die denn auch schließlich von Gendnrnien aufgebracht und den, Bezirksamt vorgeführt wurden. Dort«rtlärt« mau ihnen, daß in Markiheidenfeld keine„solchen Flugblätter' verteilt Werden dürften, das sei grober Unfug; bei eveniucll weiterer Verbreitung würden die Verbreiter sofort verhastet und festgehalten. Den Genosse» blieb nichts anderes übrig, als sich vorläufig der Gewalt zu fügen. Der Herr BezirkSamtman» wird aber wohl noch belehrt werden, daß nicht die Aufklärung über die Schandtaten des Zentrums, sondern seine GcsetzeSauslegung grober Unfug ist. Prcsiprozcß. Der Zentrumsagitator und Pfarrer Sauer in O b e r k i r ch(Baden) halte das sozialdemokratische„V o l k s b l a t t" in Offenburg verllagt, weil es die anonymen Schmähbriefe aus Oberkirch gegen die Sozialdemokratie als die Werke des Kaplans bezeichnete. Das Oberkircher Gericht stellte fest, daß der Kaplan Sauer der Täter ist. Das Landgericht als Berufungsinstanz war anderer Meinung und sprach dem vom„Volksblatt' widerbeklagten Kaplan frei. Das badische Oberlandesgericht hat nun die Eni- scheidung zweiter Instanz bestätigt. Sie sagt, daß Sauer frei- gesprochen werden müsse, weil einige Zweifel an der Täterschaft bestünden und auf das Gutachten des Sachverständigen hin ei» Schuldig nicht ausgesprochen Werden könnte. Das.Bolksblatt' hatte, weil sein Rechtsvertreter nicht erscheinen konnte, eine Ver- tagung der Verhandlung gewünscht. Das Oberlandesgericht ließ edoch verhandeln. Soziales. Die Elsenbahnvcrwaltung und der Kaffeezoll. In der Eisenbahnwerlstätte BreSlau-Freiburg gab es bisher a ch t K a f f e e m a r k e n. Am Montag, den 2. August, gab es plötzlich einen Anschlag mit folgenden Inhalt: � Durch die Erhöhung des KasfeezolleS sind wir nicht mehr in der Lage, acht, sondern nur s r ch S Kaffeemarten geben zu können." Unglaublich aber Wahr I Den Staat als Arbeitgeber kleidet dieser Anschlag geradezu ausgezeichnet. Dieser Vorgang wird kaum dazu führen, daß die Eisenbahner den.Vater Staat' besonders in ihr Herz schließen werden._ Konservative Aufschneider. Professor Franke brachte in Nummer 37 der»Sozialen Praxis' eine kleine Abhandlung über den Geschäftsbericht der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Frankfurt a. M und referierte rein sachlich über deren ungünstigen Geschäftsabschluß pro 1908. Das sich er- gebende Defizit von 17 900 M. wird da hauptsächlich auf die Wir- kung der freien Arztwahl und der ungünstigen Gestaltung des Arbcitsmarktcs zurückgeführt. In Jahren der Hochkonjunktur habe die Kasse 200 000 bis 300 000 M. Ucberschüsse erzielt und ihren Reservefonds auf fast zwei Millionen Mark gebracht. Da sie, wie so viele andere Kassen, im Krisenjahre keine Rücklagen zum Reserve- fondS machen konnte, rechnet die„Kreuzzeitung" einfach die nicht gemachten Rücklagen als Defizit mit an und spricht von einem .Riesendefizit". Es heißt da: »Eine Ortskrankenkasse im Defizit. Die Allgemeine Ortskrankenkasse zu Frankfurt a. M. hat daS Geschäftsjahr 1903 mit einem Fehlbeträge von über 17 000 M. abgeschlossen und ist nicht imstande gewesen, überhaupt eine Rück- läge zum Reservefonds zu machen, die eigentlich 800 000 M. hätte betragen sollen. Es handelt sich hier also um ein Riesen- dcfizit von 380 000 M. Wie die„Soziale Praxis" mitteilt, wird in dem Geschäftsberichte der Krankenkasse dieses üble Ergebnis damit motiviert, daß die ungünstige Gestaltung des Arbeits- Marktes sich auch in Frankfurt in einer auffallenden Jnanspruch- nähme her Kassenleistungen geäußert habe, weil infolge des� aus der Arbeitslosigkeit erwachsenen Notstandes die Kasse zur Deckung der notwendigsten Lebensbedürfnisse in noch viel stärke- rem Maße als bisher herangezogen worden sei. Der Bericht erklärt hierzu: „So bedauerlich eine derartige Belastung der Krankenkassen durch die Arbeitslosigkeit auch ist, so ist die Handlungsweise der betreffenden Mitglieder menschlich doch sehr begreiflich und zeigt, daß im Interesse der arbeitenden Bevölkerung wie auch zum Schutze der schon bestehenden Einrichtungen die Schaffung einer organisierten Arbeitslosenversicherung außerordentlich not- wendig ist." Mit dieser Auffassung dürfte die AufsichtSinstanz in keinem Falle einverstanden sein." Sofort schloß sich natürlich auch die„Schlesssche Zeitung' dieser„Auffassung" des edlen Junkerorgans, die durch keinerlei Sachkenntnis getrübt ist, an und meinte: .Diese Meinung, die wir in der„Kreuzzeitung' finden, ist durchaus zutreffend, ebenso das, was daS genannte Berliner Blatt hinzufügt: „Zweifellos liegt hier ein Mißbrauch der Krankenkasse zu anderen Zwecken als denen der Krankenversicherung und eine nicht korrekte Kassenverwaltun� vor. Die Krankenversicherung ist nicht dazu da, zur Unterstützung von Arbeitslosen herange- zogen zu werden. Ein Kassenvorstaud, der dazu die Hand bietet, überschreitet seine Befugnisse und müßte eigentlich haftbar ge- macht werden. Bei der Reform Krankenversicherung im Rahmen der neuen Versichcrungsordnung wird jedenfalls für Kautelen gegen solchen Mißbrauch zu sorgen sein." Also die neue ReichSversichernngsordnung soll nicht allein das Selbstverwaltungsrecht aufheben, sondern auch die Kassenvorstände „haftbar" machen, wenn Arbeitslose eine Krankenkasse belasten, be- lasten müssen. Daß die Kassenverwaltungen jeden Krankenschein zu bezahlen haben, der ihnen von dem Kranken, auch dem Arbeits- losen, der nach dem Gefetz bis jetzt noch Anspruch an die Kasse hat, wenn der behandelnde Arzt seine Erwerbsunfähigkeit attestiert, entgeht den„Sozialpolitikern" der Junker. Sie schreien einfach über„Mißbräuche" und fordern die Hilfe der Anfsichts- behörden und des Staates als Gesetzgeber. Die Kassenvorstände sollen womöglich auch noch haftbar ge- macht werden für Beitragsverluste...... Schreibt doch die „Schlestsche Zeitung" weiter: „Uebrigens wird in dem Bericht der Frankfurter Kranken- kasse noch mitgeteilt, das; die Kasse innerhalb 24 Jahren einen Verlust von mehr als 240 000 M. an Beiträgen und Eintritts- geldern von Arbeitgebern erlitten hätte. Sollte dieses Ergebnis nicht seine Ursache in Mängeln der Geschäftsführung haben?" Zahlen die Unternehmer nicht, dann sollen eben die.Kassen» vorstände diese Verluste decken, da ja die Geschäftsführuirg so „mangelhaft" war. Hätte man den Bericht der Kasse näher ge- lesen, so würde man bemerkt haben, daß es hauptsächlich sogenannte „Bauunternehmer" waren, die keine Beiträge zahlten. In blinder Wut beschuldigt das Junkerorgan indirekt auch die Vorstände der Berufsgenossenschaften, die doch getviß„sozialistenrein" zu nennen sin!�. Fast jeder Bericht der Baugewerksberufsgenossenschasten bringt eine Liste der zahlungsunfähigen Unternehmer über enorme Beitragsverlnste. Die Hessen-Nassauische Baugewerksberufsgenossenschaft, Sek- tion I, hatte bei einer Eiiinnhme von 340 000 M. im Jahre 1908 einen Bcitrngsverlust von 8709 M., oder 2,55 Proz. zu beklagen. Der Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse Frankfurt verzeichnet bei einer Jahreöeinnahme von 3 005 000 M. einen Beitragsverlust von 10 500 M. oder 0,80 Proz. der Beiträge. Nach diesen Zahlen wäre die Berufsgenossenschaft viel schlechter verwaltet als die ge- rügte Ortskrankenkasse, da jene doch dreimal mehr Beitragsverluste hat, als diese. So ist es eben mit allen Aufschneidereien der Gegner. Geht man den Dingen nach, so cntpupvt sich die ganze Sensation sehr schnell als elende Mache und wird zur Blamage für diese„Sach- verständigen" auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung. äus Induftric und Handel Fleischtenernng. Nach den Ergebnissen der Schlachtvieh» und Fleischbeschau find im ersten Halbjahre geschlachtet ivorden: 1904 1905 1900 1907 1908 1909 in tausend Stück Rinder... 1584 1748 1782 1029 1769 1888 Kälber... 2215 2443 2308 2281 2542 2043 Hammel.. 791 930 972 876 888 957 Schweine.. 7757 7052 0220 7783 8123 7078 Bevölkerung sMillionen) 59.5 00,3 01,2 02,1 03 03,9 Die große Zahl der Rinder- und Kälberschlachtungen läßt darauf schließen, daß die Landwirtschaft bemüht ist, den Biehstand zu reduzieren. Der erhebliche Rückgang der Schweineschlachtungen zeigt, in welch außerordentlichem Maße die Schweinezucht und-mast eingeschränkt worden ist. Die Schlachtziffcr liegt bereits unter der des ersten Halbjahres 1904, dem bekanntlich die Schweineteuerung der Jahre 1005 und 1000 folgte. Da ist zu befürchten, daß die Schweineteuerung in verschärftem Maße in diesem und dem nächsten Jahre wiederkcbren wird, falls die Regierung nicht vorbeugende Schritte unternimmt. Der Austrieb zu den Schkachtviehmärkten spiegelt dasselbe Bild wider. Er hat in den 40 bedeutendsten Schlachtviehmärkteu des Jahres in den ersten 7 Monaten betragen: 1900 1907 1903 190» in tausend Stück Rinder.. 770 750 771 888 Kälber.. 821 830 910 890 Hammel.. 058 018 025 054 Schweine.. 2310 8117 3138 2900 Für die ungünstige Entwickelnug ist die Regierung im Bunde mit den Junkern und dem Zentrum verantwortlich. Dieses Trifolium hat die sozialdemokratischen Bemühungen, Maßnahmen zur Ab- schwächung der nach oben gerichteten Preisentwickelung herbeizu- führen— illusorisch gemacht. Wer jetzt die Volksplünderpolitik schmerzhaft empfindet, soll daran denken, daß er sie in erster Linie den Ultramontanen uiw Konservativen verdankt. Saatcnstand in Prcuszen. Der Saatenstand in Preußen für Mitte August wird amtlich wie folgt angegeben<2— gut; 3— mittel); Winterweizen 2,8(im Vormonat 2,9), Sommerweizen 2,5(2,0), Winterspclz 2,2(2,5), Wintcrroggcn 2,0(2,7), Sommerroggen 2,9<2,9), Sommergerste 2.5(2,5), Hafer 2.4(2.0). Erbsen 2,5(2.5). Ackerbohncn 2.7(2,0), Wicken 2,5(2,0), Kartoffeln 2,3(2,5), Zuckerrüben 2,4(2,5), Flachs 2,0(2,0), Klee 3,1(3,3), Luzerne 2,9(3,1), Nieselwiesen 2,3(3,2), andere Wiesen 3,1(3,4). In den Bemerkungen der„Statist..Korresp." heißt eS u. a.: „Nach einer fünfwöchigen Periode, die das Getreide nicht zur Reife kommen ließ und auch den Futterpflanzen den mim Gedeihen nötigen Sonnenschein vorenthielt, kamen Anfang August endlich schöne warme Tage die für die EntWickelung der Feldfrüchte von größtem Borteil waren. Die Getreideernte ist in vollem Gange. Der Wintcrroggen ist zurzeit wohl schon zum größten Teile einge» ibracht. Dem Roggen ist das langsame Reifen von großem Vorteil gewesen: bei dem allmählichen Wachstum sind die Körner vorzüglich ausgebildet. Vom Sommergetreide hat der Hafer am meisten ge- Wonnen. Das Schneiden der Gerste und des Hafers hat begonnen, eingefahren ist erst wenig. Als schlechteste BcgutachtungSziffcr für Kartoffeln haben sich 2,7 in Oppeln, je 2,0 in Stralsund und Sckiles- wig, je 2,5 in Potsdam und Breslau herausgestellt. Schon aus den günstigen Noten ist ersichtlich, daß kranke Karwffeln in bemerkenS- wertem Maße nicht vorhanden sein können." ALEXANDER PLATZ 01— Weofaa Leipziger Strasse: Versand-Abteilung Versand nach ausserhalb erfolgt prompt, FRANKFURTER ALLEE Soweit Vorret 3 Waggon Glas und Porzellan Weiss Porzellan Speiseteller fl«ch................. 12 Pf. Suppenteller tief................ IZp». Dessertteller...........,..5,8*. Suppenschüsseln Oval m. Deckel. 85 Pf. I15 Kartoffelschüsseln mit Deckel..... 68 Pf. Saucleren...................... 40 Pf. 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Wer mit Erfolg die Unterstnie durchgemacht hat, kann In die Oberstuie eintreten. B Oberstufe. Die Oberstufe bietet Vorgeschrittenen und Kanflenten, die schon praktisch tätig waren, Gelegenheit zur Erweiterung und Vertiefung ihrer kauimänniachen Kenntnisse. C. Höhere Hsndelsknrse! für Herren, die entweder ans einer oberen Klasse einer höheren Schule abgegangen sind oder bereite —-——-'ne gute Vorbildung verfügen. "" Kontoristen i ausguuuu�i...........—— t besondere solchen Herren zu empfehlen, die im Besitze des Einjährige». ZeugnissM sind und sich dem kaufmännischen Beruf widmen wollen. praktisch tätig waren und über eine gute Vorbilduni Die Teilnehmer werden zn tüchtigen Buchhaltern, 1 und Korrespondenten ausgebildet. Der Besuch ist Lehrfächer für das I.Vierteljahr Kaufmänniachee Eechnen Handelskorreopondeuz. Handelsbetriebslehre und Wechselkunde.... Einiache.doppelte.amerlk. Buchführung..... Schönachrelben.»» Stenographie...•. Maaohmenschrelben Std.- Zabl 20 Lehrfächer für das II. 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M., abends Sli Uhr, Mitgliederversammlung bei Schellhase, Steglitz, Ahornstr. loa. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Vortrag des Genossen Paul Göhre, Pastor a. D. Berichte von der Kreisgeneralver- sammlung und Groß-Berlin. Anträge und Verschiedenes. Der Vorstand. Zehlcndorf lDeltow-Beeskow). Dienstag, den 24. August, abends 8l4 Uhr, Vereinsversammlung bei Mickleh. 1. Vortrag des Genossen 23. Ulm:„Die freie und die Zwangserziehung". 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreis�eneralversammlung und der Generalversammlung von Groß-BeMn. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Tcmpelhof. Sämtliche Mitglieder des ZLahlvereinS sowie die Nadfahrer werden ersucht, sich heute, Sonntag, nachmittag 2 Uhr, in ihren Bezirkslokalen einzufinden. Friedrichshagen. Dienstag, den 24. d. M., abends SVi Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Restaurant Witwe Lerche, Friedrichstr. 112, statt. Tagesordnung: 1. Vortrog des Genossen Emil Kloth über„Fritz Reuter"(plattdeutsche Dich- tungen). 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegierten von der Kreis- generalversammlung und von Groß-Berlin. 4. Vereinsangelegen- heiten und Verschiedenes. Gäste willkommen. Reue Mitglieder werden aufgenommen. Lichtenberg. Heute findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, der Schnell, gleit wegen, sich sämtlich daran zu beteiligen. Am Dienstag, den 28. d. M., abends 8'/- Uhr, findet im Lokal der Gebr. Zlrnhold. Frankfurter Chaussee ö, eine öffentliche Ver- sammlung statt. Tagesordnung: Bericht der Stadtverordneten. Diskussion.' Reinickendorf-West. Dienstag, den 24. d. M., abends 8 Uhr: findet im Lokal von Dimke, Eichbornstr. 18, die Mitgliederversamm- lung des Bezirks-Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Zlufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 3. Bericht von der VerbandS-Generalversammlung. 4. Vereins- angelegenheitcn. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Genossen, welche noch Billetts vom Stiftungsfest in Händen haben, werden ersucht, dieselben bis zum 23. beim Kassierer abzurechnen, sonst gelten sie als verkauft. Die Bezirksleitung. Alt-Glienicke. Am Dienstag, den 24. August, abends 8 Uhr, findet im Lokal des Herrn Troppens, Rudower Straße 54, die Mitgliederversammlung des SVahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Be- richt von der Kreisgeneralversammlung und der Gcneralversamm- lung von Groß-Berlin. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mit- glieder. 4. Abrechnung vom Sommerfest. 5. Vereinsangelegen. heiten. Der Vorstand. Hohen-Neuendorf. Die zu Dienstag, den 24. d. M. geplante Versammlung des ZLahlvereinS findet nicht statt. Die Bezirksleitung. SlowaweS. Mittwoch, den 25. August, abends 8 Mi Uhr, findet im Lokal des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 41/43, eine außer. ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlverrins statt. TagcS- ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Fortsetzung der Diskussion über Kommunalpolitik. 3. Abrechnung vom 2. Quartal. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Berliner JVacbricbten* Zum Zeppclinbcsuch. Am 28. August. nachnnttagS S Uhr, beabfichtigt, einer Meldung de« Wölfischen Telegraphenbureaus zufolge, Graf Zeppelin in Berlin einzutreffen. Auf wie lange der„Zeppelin Hl' in Berlin oder viel- mehr auf dem Tegeler Schießplatz verweilen wird, steht noch nicht genau fest. Jedenfalls dürfte da«, was vor mehreren Tagen magistratsoffiziös berichtet wurde, nicht ganz zutreffen. An einen acht- bis zehntägigen Aufenthalt in Berlin, wovon in der be- treffenden Meldung des Magistratsberichterstatters die Rede war, denkt in Friedrichshafen niemand. Erstens wäre ohne Ballonhalle ein solches Experiment recht wagehalsig und zweitens muß „Z. III" bereits am 2. September wieder am Bodensee sein, da eS am 3. und 4. September den Mitgliedern des Bundesrats und Reichstags vorgeführt werden soll. Da! Berliner Programm wird also noch Aendernngen erfahren müssen. Seit mehreren Tagen schon gefällt sich die Sensationspresse in allerlei Betrachtungen über den Zeppelinbesuch und trägt nicht zum mindesten dazu bei, die Sensationsgier ihrer Leser auf das äußerste zu steigern. Wohl wissen auch wir jeden technischen Fortschritt zu schätzen und preisen ihn als Errungenschaft menschlichen Geistes; was aber hier getrieben wird, ist nichts anderes als die Erziehung der Bevölkerung zum Zeppelin-FanatismuS. Eine gewisse Reserve dieser Presse wäre schon deshalb am Platze, weil für daS Publikum der eigentliche Landungsplatz von mehreren Regimentern abgesperrt wird. Am 29. und 30. endlich soll der Berliner Be« völkerung Gelegenheit geboten werden, sich den Ballon in nächster Nähe anzusehen; so, berichtet man, habe der Kaiser verfügt. .« Unter dem Vorsitz deS Bürgermeisters Dr. Reicke fand heute eine längere Besprechung von Vertretern der am Berliner Rettungs- wesen beteiligten Institutionen statt. ES wurde u. a. beschlossen, am 28. August, am Tage der Ankunft auf, dem Tegeler Schießplatz drei Rettungswachen zu errichten, die in direkter Verbindung mit den Unfallstationen in der Lindower und Badstraße stehen sollen. Ferner soll auf dem Tempelhofer Felde eine große Wache nnmittel« bar an der dort zu errichtenden Tribüne eingerichtet werden. Zwei weitere Wachen sollen in der Bockbrauerei und Schultheiß-Brauerei .Tivoli' aufgeschlagen werden. Aus den Akte» einer Armenkommission hat man uns vier Schriftstücke auf den Redaktionstisch gelegt, die anscheinend von irgendeiner im Dienste der Armenpflege tätigen Person verloren worden sind. Der Finder hat wohl gemeint, dag der Ver- liercr am besten durch Vermittelung des„Vorwärts" wieder zu seinen Papieren kommen werde. Es sind vier Blätter, auf denen über die Unterstützungsgesuche vier genau bezeichneter Personen — eines Arbeiters, einer lcdigen Frau, eines invaliden Kutschers, eines invaliden Straßenreinigers— berichtet wird. Alle vier Blätter tragen am Kopf die Angabe„?l r m e n k o m m i s s i o n Nr. 1 9 6 i" und sind unterschrieben mit dem Namen des Kom- missionSvorstehers„M. Becker". Ter Bezirk der Armenkom- Mission 196 i gehört zu Moabit und umfaßt Teile der Emdcner Straße, der Ottostratze, der Turmstraße, der Oldenburger Straße; der Vorsteher Herr Becker ist Gcmeindeschullehrer und wohnt Turm- straße 47a. Die Papiere sind ein bißchen alt, sie rühren bereits vom Januar 1908 her. Wie es möglich war, daß sie erst jetzt gefunden wurden, das entzieht sich unserer Kenntnis. Mancher wird ver- muten wollen, daß sie längst in die Makulatur gewandert waren und dann von irgendwem als wertlos weggeworfen sind. Dem möchten wir von vornherein widersprechen; denn wir können uns nicht denken, daß in unserer Armenverwaltung amtliche Schrift st ücke so sorglos behandelt werden. Wir halten das für unmöglich, obwohl uns hierbei einfällt, daß vor mehreren Jahren Schriftstücke, die dem Wahlburcau des Magistrats als Grundlage für die Aufstellung der Wählerlisten gedient hatten Zuschriften der Staatsanwaltschaft, durch die dem Magistrat die Vorstrafen wahlberechtigter Personen mitgeteilt worden waren— in einem Schlächterladen auftauchten und als Einwickelpapier be- nutzt wurden. Von den vier Blättern aus den?lkten der Llrmen- kommission 196 i sind drei versehen mit einem Datumstempel des Armenamts Xll, zu dem diese Kommission gehört. Da darf angenommen werden, daß sie bereits dur chdic Bureaus des Armen- amts gegangen waren. Hiernach haben wir es für das beste gehalten, alle vier Blätter dem Armenamt Xll zur weiteren Ver- fügung zu übenveisen. Wir vermuten, daß das auch dem Wunsch des ehrlichen Finders entspricht. Das Armcnamt wird sicherlich zu ermitteln suchen, wie die Schriftstücke in Verlust geraten sind. Wir geben uns aber nicht der Hoffnung hin, daß wir von dort aus über das Ergebnis der Untersuchung informiert werden, damit wir es unseren Lesern mitteilen können. Auch damals, als wir über das aus den Akten des Wahlburcaus stammende Einwickelpapier berich- tetcn und dem Wahlbureau auf dessen ausdrücklichen Wunsch einige der fett- und blutgetränkten Blätter übersandten, ist keine Gegen- äußcrung zu unserer Kenntnis gelangt. Eine Brandkatastrophe in Stralau. In der gestrigen Nacht wurde Stralau von einem gewaltigen Schadenfeuer heimgesucht. Unmittelbar gegenüber dem Eingang zum Spreetunncl an der Tnimelstraße standen drei am Rummels- burger See belegene Grundstücke mit allen Baulichkeiten in Flammen Ueber das Fcner, das nachts weithin sichtbar war, geht uns folgender Bericht zu: DaS Feuer kam unmittelbar am Ufer des RummclSburger Sees auf der Werft der Motorenfabrik und Schiffs- werfte: Spree-Wcrft Stralau, Inhaber Schuster u. Struck, aus noch nicht ermittelter Ursache aus. ES wurde erst bemerkt, als es schon eine große Ausdehnung erlangt hatte, und zwar gegen 12 Uhr. Die freiwillige Ortsfeuerwehr wurde erst nach 12 Uhr alarnnert, ebenso die RnmmelSburger, die zuerst erschien. Schon brannte das Boots� hauS der Rudergesellschast von 1884 und zahlreiche Motorboote der Spreewerft Stralau, darunter ein eben erst fertig gewordenes Prachtboot im Werte von 20000 M. Da in den Bootshäusern große Vorräte von Benzin lagerten, niußten diese zunächst, um eine Katastrophe zu verhüten, von der inzwischen eingetroffenen Stralauer Wehr in Sicherheit gebracht werden, was auch glücklich gelang. Auch gelang es, fast sämtliche wertvollen Boote der Ruder- Gesellschaft von 1884 ins Wasser zu lassen. Das Bootshaus brannte total nieder, dabei kamen Tauben, Hühner und Hunde um. Ein wertvoller Bernhardiner, der angekettet im BootShause entsetzlich heulte, konnte nicht mehr gerettet werden. Von dem angrenzenden BootShause deS Akademischen RudervereinS ist der Turm und da« Dach beschädigt, sämtliche Boote sind uuver« sehrt geblieben. Am meisten gelitten hat die Spree-Werft Stralau. Von vier Motorbooten sind nur die Eisenteile übrig geblieben und von den übrigen Booten nichts. Der Gesamtschaden, der übrigens nur zum Teil versichert sein soll, übersteigt 120 000 M. Schwer ge- troffen ist auch die Firma Emil Frey, Architekt für Bureauarchitektur und Bauausführung Verlin 80, deren Lagerplatz fast niedergebrannt ist. Da die Gefahr bestand, daß der Brand noch eine weitere Ausdehnung erlangen könnte, wurde die Berliner Wehr alarmiert. Diese erschien mit dem 7. Löschzuge aus der Memeler Straße und gab wirksam mit einem O-Rohre stärksten Kalibers von ihrer Dampfspritze Wasser. Außerdem waren noch die Ortsfeuerwehren Mieder- und Ober-Schöneweide und Johannisthal tätig. Mit 16 Schlauchleitungen wurde von allen Seiten stunden- lang Wasser gegeben. Die Flammen schlugen immer wieder von neuem bald hier bald dort empor. Sie wurden von Vor- rätcn an Steinkohlen, Gas aus nicht abgesperrten Gasleitungen und Hölzern usw. reichlich genährt. Selbst früh um 10 Uhr mußten noch vereinzelt Stellen unter Wasser genommen werden. Die großen Grundstücke Tunnelstr. 37 und 33 bildeten einen großen rauchenden Trümmerhaufen. Die Bäume in den Gärten waren entweder angebrannt oder von der Hitze verdorrt. Vom RumnielSburger See aus gewährte das Feuer während der Nacht einen unbeschreiblichen Anblick. Ganz Stralau schien zu brennen. Der Wind trieb Flammen und Qualm über Stralau hinweg in der Richtung nach Berlin, so daß man Befürchtungen für die vielen großen Bettiebe in Alt-Stralau hegte. Mit der Aufräumung wird die Stralauer Feuerwehr noch längere Zeit zn wir haben. Die Kunde von dem großen Brande verbreitete sich schnell, so daß eine große Menschenmenge herbeieilte und sich das Schauspiel ansah. Zahlreiche Arbeiter, die auch Handwerkszeug eingebüßt haben, sind beschäftigungslos geworden. Die Mitglieder der Ruder« Gesellschaft von 1834 haben von der inneren Einrichtung nichts retten können. Die Mitglieder des Akademischen RndervercinS sind besser davongekommen, denn der Schaden am Grundstück trifft nur den Eigentümer Deutsch. Ueber die Entstehung verloutet, daß das Feuer unmittelbar am Ufer, wo Maler arbeiteten und ihre Farben. Terpentin. Oel usw. aufbewahrten, entstanden sein soll. Die mangel- hafte Feuermeldung hat dann mit dazu beigetragen, daß der Brand eine solche Ausdehnung erlangen konnte. Aufhebung des MotorradrennverbotS. Infolge der Unglücks- fälle, die sich in letzter Zeit bei der Abhaltung von Rennen auf den Radrennbahnen zugetragen haben, schreiben der Minister des Innern und der Minister der öffentlichen Arbeiten zum Schutze des Publikums und der Rennfahrer folgende Sicherhcitsmaßrcgcln auf Radrennbahnen vor: A. Für alle Radrennbahnen. Einbauten irgend welcher Art unter den Kurventribünen sowie unter der Fahr- bahn selbst sind zu verbieten. Der Einbau von Räumen unter massiven Fahrbahnen kann ausnahmsweise zugelassen werden. Für die Zuschauerplätze ist eine höchst zuläffige Personenzahl festzu- fetzen; für Stehtribünen ist ein Quadratmeter Fläche für je drei Personen zu verlangen. Ter Jnnenraum der Bahn mutz vom Publikum vollständig frei bleiben. Die Fahrbahn muß nach den Zuschauerplätzen hin durch eine feste Umwehrung abgegrenzt sein, die so zu konstruieren ist, daß ein Ueberspringen der Räder in da« Publikum hinein unter allen Umständen ausgeschlossen ist. Das wird beispielsweise zu erreichen sein durch doppelte Umwehrung, durch Zlnbringung von Schutzdächern und Balken an der Umweh- rung, die nach der Fahrbahn zugekehrt sind, oder dergleichen. Es müssen nach einzuholendem feuerpolizeilichen Gutachten aus- reichende Löschvorrichtungen vorhanden sein. Für Bahnen, an nicht mit Wasserleitung versehenen Orten ist für die Bereithaltung von Wasser zu Löschzwecken oder von anderen Löschmitteln in aus- reichender Weise zu sorgen. Es müssen genügende Slusgäuge und Treppen vorhanden sein. U. Für Radrennbahnen, auf denen Motorräder benutzt werden, gelten außer den unter A. aufgeführten Vorschriften noch folgende: Fahrbahn und Tribünen müssen kon- struktiv vollkommen voneinander getrennt sein, so daß durch die Bewegung der Fahrzeuge auf der Fahrbahn keine'Mdlichen Ein- flüsse auf die Konstruktion ausgeübt werden können. Die Fahrbahn muß aus unverbrennbarem oder schwer entflammbarem Material hergestellt sein. Die Abmessungen der Bahn in ihrer Länge und Breite, sowie in den Kurven müssen zueinander in richtigem Ver- hältnis stehen. Es müssen abgesonderte, den polizeilichen Vorschrif- tcn entsprechmde Räume zur Unterbringung der Benzinvorräle vorhanden sein. Zur Aufbewahrung der Motorräder und zu ihrer Füllung mit Benzin müssen besondere, feuersichere oder in aus- reichender Entfernung von den Zuschauertribünen befindliche Räume vorhanden sein. Die Motorräder müssen mit allen den- jenigen Vorrichtungen versehen sein, welche geeignet sind, eine Ex- plosion der Motoren oder der Benzinbehälter sowie eine Entzün- dung des auf den Rädern mitgeführten Benzinvorrates zu vorhin- dem. Künstliche Windschutzvorrichtungen an den Motorrädern sind verboten. Am Hinteren Ende des Motorrades muß eine Rolle in Höhe von 3S Zentimeter über dem Erdboden mit mindestens 40 Zentimeter Abstand von dem Hinterrad angebracht sein. Das Ocl- sangblech am Motorrad darf 30 Zentimeter in der Breite und 60 Zentimeter in der Höhe nicht überschreiten und muß mindestens 10 Zentimeter vom Erdboden entfernt angebracht sein. Der Sattel an den Schrittmachermotormaschincn darf über das Hinterrad nicht hinausragen.— Das Verbot der Verwendung von Mo- torrädern als Renn- oder Schrittmacher maschi- neu auf Radrennbahnen wird aufgehoben. Die mangelhafte Aufbewahrung der Garderobe im Kranken- hause hat schon Tausenden, die eine Heilanstalt aufsuchen mußten, obendrein viel Acrgcr bereitet. In der natürlichen Erregung bei der Aufnahme denkt nur selten jemand darüber nach, was aus seinen Kleidungsstücken wird. Selbst die etwa mitkommenden, von Sorge erfüllten Angehörigen zerbrechen sich hierüber zunächst nicht weiter den Kopf. Sie nehmen die etwaigen Wertsachen an sich und verlassen sich ini übrigen auf die Sorgfalt des Krankenhauses. Bei der Entlassung sieht man erst, welcher Art diese Sorgfalt ist. Die Kleider befinden sich dann meist in einer Verfassung, daß man so- fort sieht, oder noch besser— riecht, woher der Besitzer kommt. In den städtisckjcn allgemeinen Krankenhäusern Berlins werden die Kleidungsstücke in erster Linie tüchtig desinfiziert, eingemottet und dann ohne Rücksicht auf ihren Wert fest zusammengebündelt. Hut und Stiefel kommen auf ein Regal, das Bündel auf den„Kleider- boden" zu Hunderten anderer Packete. Ob die Kleider unter diesem Verfahren leiden, danach fragt die Verwaltung nicht. Dem Patienten werden bei der Entlassung seine Sachen in vollständig zer- knittertem Zustande übergeben, und nun mag er sehen, wie er damit nach Hause kommt. Gewöhnlich hat der Patient mindestens eine Stunde zu tun, um die Kleider erst mal oberflächlich so zu reinigen, daß er sich damit über die Straße wagen kann. Häufig kommt eS, wenn wertvollere Kleider stark gelitten haben, zu un- licbsamen Erörterungen darüber, aber die Verwaltungen sind an so etwas gewöhnt und erklären kaltblütig, daß sie keine Verpflich. tung haben, den Kranken in tadellosem Salonanzuge zu entlassen. Müssen denn die Kleider unbedingt eng zusammengebündelt werden? Warum können sie nicht in entsprechenden Räumen lose hängen und mit Lcinwandüberzügen geschützt werden? In etwas anderer Manier verfahren die städtischen Irren- anstalten. Es ist dringend anzuraten, den Kranken bei der Ein- lieferung die schlechtesten Sachen anzuziehen. Sie kommen sofort in die„Brenne", wie der Tesinfektionsapparat heißt, und nehmen hier einen äußerst widerlichen Geruch an, der erst nach Wochen ver- schwindet. Wiederholt sind durch diesen Prozeß gute Sachen schwer beschädigt worden, so daß es erst sehr energischer Entschädigungs- a'nsprüche bedurfte. Niemals wird der wirkliche Schaden ersetzt, weil man gleich nach erfolgter Llufnahme die Kleidung weit unter dem wahren Werte taxiert und sich allenfalls zum Ersatz dieses Taxwertes versteht. Das„Ausbrennen" geschieht so grundsätzlich und gründlich, daß selbst wohlhabende Patienten, die über„Bienen- verdacht" erhaben sind, davon nicht verschont bleiben. Nach dem Ausbrennen wird die gesamte Kleidung mit Hut, Vorhemd, Kragen, und selbst den schmutzigen Stiefeln einfach in einen Sack gesteckt. Man kann sich also lebhaft vorstellen, wie die Kleidungsstück« aus- sehen, wenn der Sack behufs der Entlassung des Patienten geöffnet wird. Allerdings bügelt man hier den Anzug auf, aber die Wüsche ist total beschmutzt, und es geht nicht immer an, schnell für Ersatz zu sorgen. Die Krankenhausverwaltungen sollten sich also etlvaS mehr darum bekümmern, daß die Patienten weder Kbeiderschaden erleiden, noch in unwürdigem äußeren Zustande entlassen werden. Eine billige Briefpost nach den Bereinigten Staaten von Amerika geht wieder von Bremerhaven am 24. August ab. Sie benutzt den an diesem Tage von dort in See gehenden Schnell- dampfer„Kronprinz Wilhelm". Der Dampfer ist am 31. Slugust in New Uork. Die letzten Vahnposten nach Bremerhaven zum An- schlutz an den Dampfer gehen am Dienstag früh von Osnabrück 3.21, von Hannover 3.47, Bremen 3.00. Sie müssen in Bremer- baven 7.00 Uhr früh vorliegen. Briefscndungen, die diese Bahn- Posten nicht mehr erreichen, und alle anderen Arten von�Bricfscn- düngen werden dem Dampfer noch in Southampton oder Cherbourg zugeführt. Die letzte Bahnpost nach Southampton geht am 24., abends 6.01 von Köln, nach Cherbourg an demselben Abend 10.45. Briefsendungcn, die nach den Sätzen des Weltpostvereins frankiert sind, verlassen Köln am folgenden Morgen 4.27. Sie gehen nach Oucenstown, wo sie dem fälligen Dampfer der White Star Linie übergeben werden. Die Sendungen treffen mit dieser am 1. oder 2. September in New Dork ein. „Diana", die Spllrhiindin vom 82. Polizeirevier in der Hoch- straße 28 hat sich wieder eingefunden. Offenbar hat sich die vier- beinige Polizeigehilfin bei ihrem Entführer nicht wohlgefühlt. Sie rückte ihm aus und schlenderte hinter einem uniformierten Schutz- mann her. der schließlich sich der entführten„Diana" annahm, und sie nack ihrem Heim zurückbrachte. Eine wertvolle Geige, ein Werk des Tiroler Meisters Matthias Albanus aus bem Jahre 1SS4, wurde auf dem Bahnhof Friedrich- stvaste in einem schwarzen, lederbezogenen Kasten von einem Rei- senden, einem Professor der Musik, in einem Abteil dritter Klasse des Südringzuges vergessen. Trotzdem der Verlust sofort nach dem Abgange des Zuges bemerkt und die ii� der Fahrtrichtung liegenden Stationen telephonisch benachrichtigt wurden, gelang es dem Bahn- personal nicht, die Geige aufzufinden. Nur soviel wurde durch einen Reisenden auf dem Schlesischen Bahnhof festgestellt, daß ein Mann mit einer Geige die Sperre passiert habe. Ein BootSungliick, wobei drei Berliner in der größten Lebens- gefahr schwebten, ereignete sich vorgestern nachmittag in dem Langerhanskanal bei Kalkberge-Rüdersdorf. Der Fabrikant Becker aus der Rosenthaler Strasse, der gegenwärtig mit seiner Braut und seiner Schwester in dem erwähnten Vorort zum Sommeraufenthalt weilt, hatte mit den beiden Damen eine Nuderpartie nach dem Criensee unternommen. Auf der Rückfahrt durch den Langerhans- kanal wurde das Fahrzeug von einem ins Schleudern geratenen Schleppdampfer mit solcher Gewalt getroffen und gegen die Ufer- büschung geschleudert, dass es vollständig in Trümmer ging. Die Braut des B. erlitt einen schweren Oberschenkelbruch und musste nach dem Krankenhaus geschafft werden. Die Schwester des Fabri- kanten sowie der letztere selbst wurden ins Wasser geworfen und gerieten unter das Boot. Nur mit grosser Mühe konnten die beiden Personen im letzten Augenblick gerettet werden. Die vier Bankräuber, die dem Silbermannschen Geschäft in der Friedrichstrahe einen Besuch abstatteten, wurden nunmehr dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Bei den Vernehmungen haben sich noch neue Einzelheiten ergeben. Nachdem der Plan fertig war, zog man kurz vor der Ausführung zu Timm nach der Elsasser Strasse 47/48, um sich unkenntlich zu machen. Blume vertauschte seinen hellgrauen Anzug mit einem dunklen, Wedzichi seinen schwarzen Filzhut mit einem Strohhut. Nach dem Mißlingen des Naubanfalles liess Wedzichi sich bei einem Friseur sein langes Haar abschneiden; Blume nahm seinen hellen Anzug wieder und den Strohhut des Wedzichi, da sein Hut auf dem Kampfplatze ge- blieben war. Dann ging er als Aushilfskellner nach Friedrichs- Hägen, brannte aber dort mit der Ladenkasse durch. Seinen Stroh- Hut vertauschte er mit dem eines Gastes, und dieser brachte ihn nach der Kriminalpolizei. Dadurch wurde Blume, obgleich er unter falschem Namen aufgetreten war, als der Kassendieb und dann als cm Teilnehmer an dem Raubanfall ermittelt. Nach Unterschlagung von 10000 Mark wurde der Buchhalter Gustav Günther aus der Carmen-Shloa-Strasse verhaftet. Er war bei einem Berliner Lotteriekollckteur angestellt und hatte die Juli- abrechnung über den Losverkauf insofern gefälscht, als er eine geringere Anzahl Lose mit verkauft bezeichnete, als tatsächlich ab- gesetzt waren. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der Vortrag „Heber den Brenner nach Venedig", der den Beschauer an der Hand zahlreicher farbenprächtiger Bilder und Wandelpanoramen auf der allerersten und schönsten Gebirgsstrasse von den Wundern des Rosengartens bei Bozen, über Trient, Verona bis nach Venedig führt, am Sonntag noch einmal zur Wiederholung. Am Montag wird der Vortrag,„Von der Zugspitze zum Watzmann", am Diens- tag, Donnerstag und Sonnabend der Vortrag„Rom und die Cam- pagna" und am Mittwoch und Freitag der Vortrag„Die Insel Rügen" gehalten werden. Im Berliner Aquarium stösst der Besucher gleich bei den ersten Schritten auf verschiedene Neuheiten, welche in den Glashäusern der Schlangcngalerie untergebracht sind. Mehrere Arten stammen von der Insel Madagaskar. In dem umfangreichen Zwinger linker Hand, welcher den eigentlichen Riesen unter den Schlangen einge- räumt ist, hat sich zu' den indischen Schlingern eine noch nicht hier ausgestellte madagassische Spezies gesellt, welche auf den ersten Blick durch den sie gegen ihre alt- und neuwcltlichen Genossen aus- zeichnenden Färbungs- und Zeichnungscharakter auffällt, indem bei ihr der Rücken einfarbig dunkelbraun ist und diese Partie nur seit- lich von einer Reihe länglich-runder dunkler, hell umschlossener Flecken begleitet wird, was dem Schuppenkleid des starken, etliche Meter langen Tieres einen absonderlichen Anstrich gibt. Gjin Glashaus gegenüher, das bereits die Schlankboa von den Antillen be- herbergte, hat drei Exemplare einer gleichfalls elegant und gestreckt gebauten„Baumboa" von Madagaskar aufgenommen, in deren Färbung der von Heller und dunkler Fleckenzeichnung unterbrochene grüne Grundton der Oberseite angenehm heraustritt. Zeugen gesucht. Am Montag, den 1ö. August, früh 6 Uhr, ver- unglückte auf dem Hochbahnhof Oranienstrasse, als sich der Train bereits in Bewegung gesetzt hatte, ein Fräulein. Zeugen dieses Vor- faltes werden gebeten, ihre Adresse an Reinhold Krüger, Alexan- drinenstr. 5/6, abzugeben. Feuerwehrbericht. Am Sonnabend wurde die Berliner Feuer- wehr nach der Strasse Alt-Moabit 79 gerusen, wo Bodenverschläge, die Dachkonstruktion, der Futzboden u. a. brannten und der 15. Lösch- zug tüchtig Wasser geben muhte, um die Flammen zu löschen. In der Prenzlauer Str. 19a brannte Teer u. a. auf dem Dache und auf dem Anhalter Güterbahnhof Presskohlen. Um einer Person Hilfe zu leisten, erfolgte ein Alarm nach der Kochhannstr. 18. Als die Samariter dort ankamen, war der Patient schon tot. Ferner liefen noch Feuermeldungen aus der Driesener Strasse 20 u. a. Stellen ein. Vorort- I�admchten. Rixdorf. Seht die Wählerlisten ein i Dieselben liegen am heutigen Sonntag von 8— 10 Uhr vormittags im alten Stadtverordnetensitzungssaale. Berliner Strasse, 1 Treppe links, Zimmer 135, und an den Wochentagen während der Geschäslsstunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im Rathause, Eingang Berliner Str. 62, 1 Treppe rechts(Wahlbureaus. Zimmer 137, zu jedermanns Einsicht öffentlich aus. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Wählerlisten können hier schriftlich oder zu Protokoll beim Magistrat erhoben werden. Jeder Wahlberechtigte muss Protest gegen die Ausstellung der Wählerlisten erheben, da die» selben nicht nach dem Drittelungsverfahren aufgestellt sind. Indem der anderthalbfache Durchschnitt zugrunde gelegt worden ist, sind eine grosse Anzahl Wähler entrechtet worden. Tempelhof. Aus der Gemeindevcrtretersitzung. War die letzte Sitzung nahe daran, beschlußunfähig zu werden, so war diesmal die Sitzung besser besucht. Handelte es sich ja nicht um die Errichtung eines Gewerbegerichts, sondern um die Vorlegung des Projekts zur Er- bauung eines Realgymnasiums. Während die Vertreter Tempel- Hofs in der letzten Sitzung acht verschiedene Angelegenheiten in kaum% Stunden(jede Sache etwa 5 Minuten, einschliesslich der Verlesung der Entschuldigunsschreiben) in Beratung zogen und natürlich„einstimmig" genehmigten, so dauerte es diesmal doch etwas länger. Die Schaffung eines Gcwerbegerichts wurde mit dürftigen Gründen und wegen der Kosken abgelehnt. Man kann aber auch anders; es muß sich nur um bessere Gesellschaftsklassen handeln. Vorläufig müssen 799 999 M. zum Bau des auf der Fricdrich-Franz- Ecke Kaiserin-Augusta-Strasse zu errichtenden Realgymnasiums locker gemacht werden. Die Kostenfrage ist ja die Hauptsache. Wenn man kein Geld hat, pumpt man sich welches, und so wird auch hier die Beschaffung der zum Bau erforderlichen Mittel der Gemeinde in einer besonderen Vorlage zugehen. Von den 116 eingegangenen Entwürfen ist das mit dem zweiten Preise ausgezeichnete Projekt(Köhler u. Kranz, Charlottenburg) von der Gemeinde genehmigt worden. Es wird 24 Klassen, diverse Unter- richtsräume, Direktor-Wohnhaus, Aula, Turnhalle, Wohnräume für Schuldiener und Heizer usw. enthalten. Der Bau dürfte im Oktober in Angriff genommen und in 1� Jahren, also zum 1. April 1911, fertiggestellt sein. Derselbe wird nicht in eigener Regie ausgeführt, sondern ist unter Aufsicht des Gemeindsbau- Meisters der obengenannten Firma übertragen worden. Das Schul- gebäude ist von dem Turn-, dem Schul-, dem Wirtschaftshof und dem Garten des Direktors umgeben, mit hohen Satteldächern ver- sehen, aus deren Mitte ein grosser, viereckiger Turm hervorragt, dessen oberer Teil mit einer gedeckten Plattform versehen ist.— Auf Antrag wurde dem Verleger der„Vororts-Zeitung" für die Aufnahme amtlicher Bekanntmachungen die jährliche Pauschal- summe von 199 auf 299 M. erhöht; ebenso wurde für Reparaturen der alten Dampfmaschinen in der Kanalisations-Pumpstation(die als Reservemaschinen dienen) 2999 M. bewilligt.— Bei der Verpachtung von Gemeindeland warf Schöffe Lehne die„Kehrichtfrage" auf. Bei dieser Gelegenheit möchten wir erwähnen, dass die Neben- straßen gegenüber den Hauptstraßen recht ungleich behandelt werden. Es darf nicht vorkommen, daß Anwohner beim Reinigen der Strassen durch die Staubplage sich belästigt fühlen, die Fenster zumachen müssen, weil nicht gesprengt wird, oder dass man gar die Wagen, die zum Transpork des Unrats benutzt werden und einen duftigen Geruch verbreiten, auf belebte Strassen führt, um sie zu reinigen! Würde man dieses auch vor herrschaftlichen Wohnungen vornehmen? — Nachdem noch einige unwesentliche Sachen erledigt wurden, kam man noch auf den„Vandalismus" zu sprechen, der in der Nacht zum Sonntag im hiesigen Park ausgeübt wurde. Konnte man sich zuerst nicht genug entrüsten über diese Rohlinge, lächelt man heute darüber, weil man glaubt, es handle sich um einen„Studentenulk". Wenn gebildete Rohlinge sich nachts im Park herumtreiben, mittels Nachschlüssel die Parktür öffnen und in demselben„schwere Arbeit" verrichten, da fällt das Urteil ganz anders aus. Die allegorischen Figuren werden nach dem Beschluß der Vertretung wieder auf ihre Sockel gesetzt und etwaige Mängel beseitigt.— Die Kommission, welche auf Kosten der Gemeinde nach Würzburg reiste, um sich an Ort und Stelle ein neues Stratzenpflaster anzusehen, gab einen schriftlichen Bericht, in dem sie dies Pflaster als nicht empfchlens- wert betrachtet. Schöneberg. Ein aufregender Borfall spielte sich gestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Sedanstrasse ab. Dort lief vor dem Hause Nr. 1, mit anderen Kindern beim Spiel beschäftigt, die vierjährige Gertrud Hoppe plötzlich auf den Fahrdamm und in einen in diesem Augen- blick herannahenden Strassenbahmvagon der Linie 23 hinein. Obwohl der Führer des Wagens sofort Gefahrbremse anwandte, wurde das Mädchen doch von dem Bahnwagen erfasst und umgestoßen. In diesem Augenblick sprang der auf der Vorderplattsorm des Motor- Wagens stehende Kanalanfscher Weidstein herab und riss die Ver- unglückte, die um ein Haar unter den Schntzrahmen des Strassen- bahnwagens geraten wäre, hervor. Bei diesem Rettungswerk wäre W. fast selbst überfahren worden. Wie ein sofort hinzugerufcner Arzt feststellte, hatte die kleine H. keinerlei ernste Verletzungen erlitten. Die Augenzeugen des aufregenden Vorfalls zollten dem mutigen Retter lebhafte Anerkennung. Die Wählerlisten liegen heute, Sonntag, den 22. August, in der Zeit von vormittags 11 bis nachmittags 1 Uhr im Bureau dl des hiesigen Rathauses, im Ouergebäude, aus. Ein jeder überzeuge sich persönlich, ob sein Name richtig eingetragen; ist dies nicht der Fall, so erhebe er hiergegen bei dem betreffenden Beamten Ein- spruch. Für diejenigen, die nicht in der Lage sind, selbst in die Listen einsehen zu können, haben sich die Genossen bererterklärt, in deren Schaufenster ein rotes Plakat aushängt; ausserdem kann die Einsicht für die Stadtbezirke, die zur Wahl stehen, wie der 2., 3., 4., 7., 8. und 9. Bezirk, in der Spedition, Martin-Luther-Strasse, vollzogen werden. Ein jeder, dem es ernst ist mit der Ausübung seines Bürgerrechts, der überzeuge sich, dass sein Name in die Liste der stimmberechtigten Personen aufgenommen ist. Eine städtische BolkSbadcanstalt mit Schwimmbassin stellt sich immer mehr als ein dringendes Bedürfnis heraus. In der Bade- anstalt, Ebersstraße 9, sind nur Wannen- und Brausebäder vor- Händen, die den Bedürfnissen nicht im entferntesten genügen. Sehr häufig, besonders in den letzten Tagen der Woche kommt es vor, daß ein erheblicher Teil der Besucher auf das Bad verzichten müssen, weil ein zu starker Andrang vorhanden ist. Diesen Uebelstand können selbst die beiden Privatbadeanstalten, obwohl dort Schwimm- basflns sind nicht beseitigen, da sie nicht gross genug sind; ausserdem müssen die Räumlichkeilen für derartige Bassins auch hell und luftig sein. Schon vor längerer Zeit wurde in der Wohlfahrtsdeputation angeregt, im Südgelände, wo die sog. Blanke Hölle sich befindet, eine offene Volksbadeanstalt zu errichten. Dieser zweifellos in die Praxis umzusetzende Gedanke ist jedenfalls der Vergessenheit anhenngefallen. Vielleicht zieht man in massgebenden Kreisen diesen Vorschlag erneut in Erwägung. Lichtenberg. Jugendausschusi Lichtenberg. Genossen und Genossinnen! Ver- säumt nicht, die Jugend zur Teilnahme an der heute stattfindenden Partie anzuhalten. Ziel: Johannisthal. Treffpunkt: 1 Uhr, Frankfurter Chaussee Ecke Gürtelstrasse. Hin- und Rückfahrt 29 Pf. Kaffee 19 Pf. Nachzügler werden um 4 Uhr im„Parkrestaurant" (Jnh. Hesse), Camphausenstr. 12/13. erwartet. Britz-Buckow. lieber Rechte und Pflichten aus dem Unfallversicherungsgesctz referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Eugen Brückner. Leider war der Besuch der Versammlung. die gerade für die arbeitende Klasse eine Fülle des Belehrenden brachte, ein recht schwacher. Nach Erledigung interner Angelegen- heiten gab Genosse Beuthmann den Bericht von der Krcisgeneral- Versammlung am 8. August und machte zum Schluß auf die Urania- Vorstellung am 12. September aufmerksam. Billetts a 69 Pf. inklusive Garderobe sind bei den Bezirksführern zu haben. Nieder- Schöneweide. In der letzten Gemcinderatssitzung wurde mitgeteilt, dass die Anleihe der Gemeinde-Gasanstalt in Höhe von 299 999 M. an die Landesversicherungsanstalt zurückgegeben und dafür obige Summe bei der Teltower Kreissparkasse aufgeuominen loordcn ist. Es werden dadurch Proz. Zinsen und i Proz. Amortisation gespart. Für die Pachtung des Gemeindestätteplatzes lagen 3 Bewerbungen vor; es erhielt den Zuschlag Herr Otto Massante als Höchstbietender mit 1959 M. Für die Gemcinde-Feuerwchr wurde die An-chaffung von Stortskuppelungen und die Kosten dazu bewilligt. Auf Antrag des Rektors Schütze wurde die Einführung der halbjährigen Ein- schulung und Entlassung beschlossen. Zugleich beschloß die Ver- tretung die Einrichtung einer neuen Klasse(15.)— dieselbe soll eine gemischte sein—, und die Einstellung eines neuen Lehrers. In Sachen Kaufmanns- und Gewerbegericht wurde mitgeteilt, dass Johannisthal aus der Gemeindschaft Ober- und Nieder-Tchöne- weide ausgetreten ist. Die Statuten zu obigen Gerichten wurden noch einmal an die Kommission zwecks Aussprache mit Ober- Schöneweide verwiesen. Betreffs des Bebauungsplanes der Grünauer Strasse ist mit der Eisenbahnverwaltung keine Einigung zu erzielen. Es wurde daher beschlossen, den Bebauungsplan der Polizeibehörde zur Genehmigung vorzulegen; sollte die Genebmi- gung nicht erteilt werden, so wird der Klageweg beschritten. veber Organisation nnd neue Steuern referierte in der vom hiesigen Wahlverein einberufenen öffentlichen Versammlung Ge- nosse Zubeil. Der Redner beleuchtete die gesamte politische Si- tuation, im besonderen das Werk, das der Schnapsblock geleistet hat. Mit einem Appell, rastlos an dem Kampfe des Proletariats teilzunehmen, schloß der Referent unter lautem Beifall der An- wesenden. Genosse Bengsch forderte noch auf, der politischen Or- ganisation beizutreten und den„Vorwärts" zu abonnieren. Adlershof- Alt-Glienicke. Jugendausschuß Adlershof. Den Parteigenossen und GeWerk- schaftsmitgliedern zur Nachricht, daß am heutigen Sonntag das Jugendheim eröffnet wird. Die Mitglieder des Vereins„Jugend- heim" und die Arbeiterschaft von Adlershof, Alt-Glienicke, Bohns- dorf und Grünau sind hiermit freundlichst eingeladen, die Räume von vormittags 19 Uhr ab zu besichtigen. Abends um 7 Uhr findet für die jugendlichen Arbeiter, Arbeiterinnen und Lehrlinge der vier genannten Orte eine kleine Einweihungsfeier statt, unter Mit- Wirkung des Arbeitergesangvereins„Frohsinn" von Adlershof. Um den Jugendlichen möglichst viel Raum für diese Feier geben zu können, kann die Teilnahme der Erwachsenen aber nur eine be. schränkte sein. Ferner weisen wir darauf hin, dass am Freitag, den 27. August, abends 8� Uhr, ein Vortragszyklus von 3 Vorträgen für die Jugendlichen beginnt. Der Zyklus behandelt das Thema: „Napoleon und die französische Revolution". Vortragender ist Schriftsteller Anatol Rembe. Neber Freiligrath und seine Dichtungen referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Kreowski. Zur Aufnahme meldeten sich 8 Genossen. Ein Antrag des Ge- nossen Poppe, während der Versammlung eine Tellersammlung vor- zunehmen und den Betrag für die im Kampfe stehenden Arbeiter Schwedens abzuliefern, wurde angenommen. Weiter wurde mit- geteilt, daß am Sonntag, den 22. August, das neu gegründete Jugendheim eingeweiht wird. Am 24. August hält der Verein Jugendheim seine erste Mitgliederversammlung ab, und zwar abends 8Va Uhr, bei Kaul. Weiftcnsee. „Die neuen Steuern und was haben wir vom Schnapsblock noch zu erwarten?" lautete das Thema, über das Genosse Bühler in einer gutbcsuchten Volksversammlung am Dienstag in Enders Festsaal referierte. Redner erläuterte und kritisierte scharf die vom Schnapsblock im Reichstag angenommenen Stcuervorlagen. Am Schlüsse seines mit Beifall aufgenommenen Referats ersuchte der Redner, mehr denn je für die Organisation sowohl wie auch für die Verbreitung der Arbeiterpresse tätig zu sein. Die hurze Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Zehlendorf(Niederbarnim). Eine gut besuchte öffentliche Versammlung tagte am Sonntag am hiesigen Orte. Nicht nur die hiesige, sondern auch die Be- völkerung von Klosterfelde. Stolzenhagen, Wensickendorf und Schmachtenhagen war in der Versammlung vertreten. Die Ar- bciterradfahrer hatten eine intensive Agitation für den Besuch dieser Versammlung entfaltet, galt es doch zu der Ausplünderung des deutschen Volkes durch den Schnapsblock Stellung zu nehmen. Das Referat hierzu hatte Genosse B ü h l e r übernommen, der sich seiner Aufgabe in leichtverständlicher Weise entledigte. Die am Schluß an die Versammelten gerichtete Mahnung des Referenten, die Reihen der Sozialdemokratie zu stärken, waren nicht ungehört ver- hallt. Zahlreiche Neuaufnahmen in den Wahlverein bewiesen, dass die Versammlungsbcsucher entschlossen sind, fürderhin an dem Kampfe für bessere Zustände teilzunehmen. Eine in diesem Sinne verfaßte Resolution fand einstimmige Annahme. Eine Diskussion über den gehörten Vortrag fand nicht statt; unter begeisterter Stimmung hatte daher die Versammlung ihr Ende erreicht. Pankow. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins sprach Ge- nosse Siering über:„Die Wirkungen der neuen Steuern". In fesselnder Weise zeichnete der Referent ein Bild von den Folgen der dem deutschen Volke vom Schnapsblock bescherten neuen Lasten. Am Schluß seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrages wies der Redner darauf hin, dass diese zu vier Fünfteln an den Besitzlosen vorgenommene unverschämte Schröpfung uns ungezählte Scharen neuer Anhänger zuführen müsse, und es deshalb Pflicht jedes einzelnen sei, mit allen Kräften für die Ausbreitung unserer Presse, wie für den Anschluß an die politischen und gewerkschaft» lichen Organisationen zu wirken.— Nachdem hierauf vom Genossen Jacob der Bericht von der Kreisgeneralversammlung gegeben worden, wurde noch auf den am kommenden Montag, den 22. d. M., im Lokal von Wunderlich, Florastr. 31, stattfindenden Leseabend der Frauen hingewiesen, und um vollzählige Beteiligung der weiblichen Mitglieder ersucht. Borsigwalde. Der Turnverein„Jahn" feiert heute bei Jaschinski sein Grün- dungsfest. Da sich genannter Verein bei Parteifestlichkeiten zur Verfügung stellt, bitten wir die Parteigenossen, sich recht rege daran zu beteiligen. Waidmannslust. In der letzten Mitgliederversammlung des hiesigen Bezirks hielt Genosse Brühl einen Vortrag über:„Der Parteitag in Leipzig". Genosse Hempel gab alsdann die Abrechnung vom Volks. fest, welche einen Ueberschuss von zirka 139 M. aufweist. Zur Frauenversammlung nach Rummelsburg wurden die Genossinnen Eichberg und Luscher delegiert. Der Bericht über die KreiSgeneral- Versammlung wurde vom Genossen Luscher gegeben. Spandau. Der Bildungsausschuß beabsichtigt, in diesem Winter unter Mitwirkung des Arbeiter-Samariterbundes enien Samariterkursus abzuhalten. Der Unterricht erstreckt sich auf den„Bau des mensch- lichen Körpers, die Tätigkeit der Organe, des Nervensystems, und hauptsächlich auf erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen". Die Partei- und Gewerkschaftsgenossen werden ersucht, sich rege zu be- teiligen und ihre Adressen bis spätestens 19. September dem Ob- mann, Genossen Robert Eh. Wilhelmstr. 161, zu übermitteln. Auch ist nach Ablauf dieses Kursus die Gründung einer Kolonne teab- sichtigt. Die Listen der stimmbe-eaitigteu Bürger zur Stadtverordneten- wähl liegen während der Dienststunden im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 13— 14 des Rathauses, bis zum 39. August zu jeder. manns Einsicht aus. ES ist Pflicht jedes Organisierten und politisch Denkenden, sich davon zu überzeugen, dass sein Name auch in die Wählerliste eingetragen ist. Ist dies nicht der Fall, so be- antrage er die sofortige Nachtragung in die Liste. Für diejenigen, welche keine Zeit und Gelegenheit zur persön- lichen Einsichtnahme haben, haben sich nachstehende Personen berxit- erklärt. Einsicht in die Liste zu nehmen: E. Koepnick, Restaurateur, Pichelsdorfer Straße 39. H. Reinert, Restaurateur. Földerichstr. 6. Fr. Böhle, Restaurateur, Havelstr. 29. Ferd. Schuster. Restaurateur, Wröhmännerstr. 11. Alb. Mette, Restaurateur, Bismarckstr. 6. Jul. Feuerherdt. Kurstr. 21. K. Heilig, Frobenstr. 12. K. Gottwald, Restaurateur, Schönwalder Strasse 89. G. Sachs, Schuhmachermeister, Pichelsdorfer Strasse 11. R. Wels, Barbier, Seeburger Straße 38. Fr. Götze, Restaurateur, Seeburger Strasse 88. Krüning, Barbier. Seegefelder Straße 116. W. Pieper, Zigarrenladen, Metzer Strasse 12. Otto Arendt, Seifengeschäft, Lhnarstr.?. E. Koppen, �Borwärts"-Spedition, Jagowstr. 9. / 6erlchtö- Zeitung» Ungetreuer Vertrauensmann. Ein grober Vertraucnsbruch führte gestern den Arbeiter Fritz R e d l i n unter der Anklage der Untreue vor den Strafrichter.— Der Angeklagte ist seit mehreren Jahren bei der Allgemeinen Elek- trizitätsgesellschaft beschäftigt. Er wurde deshalb auch zum Ver- traucnsinann der bei der A. E.-G. beschäftigten Arbeiter berufen und hatte als solcher auch die Verbandsgeschäfte zu erledigen. So zog er u. a. auch als Kassierer des Metallarbeiterverbandes die Wochen- beitrüge ein. Vor einiger Zeit wurde durch einen Zufall entdeckt, dah R. einen großen Teil der eingezogenen Beiträge in seine Tasche fließen ließ. Es wurde eine Revision vorgenommen, die ergab, daß der Angeklagte den Betrag von zirka 370 Mark ver- nntreut hatte.— Die Strafkammer erkannte auf eine G e- fängnisstrafe von zwei Monaten. Hus der frauenbewegung» "■ Finanzreform und die Frauen. In einer vom Zentralwahl- verein„Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg" für die organi- sierten Frauen und Mädchen einberufenen, gut besuchten Versamm- lung, referierte Reichstagsabgeordneter Genosse Fritz Zubeil über: .,5vrise, 400 Millionenraub und die Stellung der Frauen." Unter lebhafter Zustimmung schilderte der Referent die Ursachen und Wirkungen der nun schon so lange andauernden Krise, durch welche die gesamte arbeitende Bevölkerung in schwere wirtschaftliche Not geraten sei. Trotz der Arbeitslosigkeit, Teuerung und Not habe man nun das Volk wiederum mit 400 000 000 M. neuer Steuern belastet. Die den Besitz treffende Erbschafts- bezw. Erbanfall- steuer auf größere Vermögen dagegen sei abgelehnt worden, obwohl die Negierung vorher feierlich erklärt hatte, ohne letztere sei die Finanzreform unannehmbar. Trotz steigender Einnahmen und stärkerer Verschuldung des Reichs, trotz der ungeheueren Belastung des Volkes durch die Zolltarifteform von 1906 und die jetzt be- schlossenen neuen Steuern auf Bier, Branntwein, Tabak, Zünd- waren, Kaffee, Tee, Zucker, Beleuchtungsgegenstände usw. reichten die Einnahmen immer noch nicht. Nicht die lächerlich geringen Ausgaben für Sozialpolitik, sondern die unheimlichen Ausgaben für Heer und Marine usw. verursachten die immer größeren, zum Ruin führenden Ausgaben. Es zeige sich rmmer mehr, daß die Reichstagsauflösung im Jahre 1907 nur erfolgt sei, um eine g-.- fügige Mehrheit für neue Steuern zu erhalten. Um weitere Be- lastungen abzuwehren, müßten auch die Frauen und Mädchen, denen die Not am fühlbarsten werde, sich nicht nur gewerkschaftlich und politisch organisieren, sondern auch unter den noch indiffe- renken Frauen für unsere Bewegung agitieren und ihre Gleich- berechtigung und das Wahlrecht erkämpfen. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen. Als Dele- gierte zum Parteitag wurde die Genossin Frau Jeetze-Rixdorf, als Ersatzperson die Genossin Thiel-Tempelhof gewählt. Leseabende. Erster Wahlkreis. Montag, den 23. August, SV* Uhr, bei Boß, Klosterstraße 101. Vortrag. Genosse Jäckel.> Zweiter Wahlkreis. Westen und Südwesten. Achtung! Der Leseabend findet morgen, Montagabend nicht mehr Möckernstrahe 114, sondern Aorkstraße 74 bei Rosseck, statt. Tegel. Montag, den 23. August, 8*4 Uhr, bei Halses, Brunow- straße 23. Vortrag:„Der erste Teil des Erfurter Pro- gramms." Pankow. Montag, den 23. August, Leseabend der sozial- demokratischen Frauen im Lokal von Wunderlich, F l o r a st r a tz e 32. Genosse Hermann Lesser spricht über: „Heinrich Heine", dabei Rezitation aus dessen Werken. Alt-Boxhagen. Montag, 23. August, SVt Uhr, bei Blume, Mt-Box- Hagen 56._ Versammlungen. Zetttralvcrband der Glaser, Zahlstelle Berlin. In der letzten allgemeinen Glaserversaninilung beschäftigte man sich mit den Schäden der Akkordarbeit Das Referat hatte der Vorsitzende Jahn übernommen. Er empfahl Annahme folgender Resolution:.Die Glaser Berlins stehen nach wie vor auf dem Boden der Lohnarbeit. Es soll mit aller Kraft darauf hingewirkt werden, daß in keiner Werkstatt Arbeiten im Akkordsystem ausgeführt werden." In der Diskussion sprachen sich fast alle Redner gegen die Akkordarbeit miS. Die Versammlung stimmte der Resolution zu. Zum Schluß ersucht Jahn, etwaige Entlassungen wegen Akkordverweigerung sofort der Leitung zu melden._ CClocbcii-8p!elplaii der Berliner Cbeater. König!, cpernhanö. Sonntag: Das Rhelngold. Montag: FlgaroZ Hochzeit. D>cnstag: Die WnUküre. Miitwoch: Die Hugenotten. Donners. tag: Siegfried.r a C h r u 1. Am Dienstag, den 17. August, ist unser Mitglied TvKskSI» beim Baden in der Tollense ertrunken. Ehre seinem Andenken! 157/19 Oie Ortsverwaltung. Danksagung. Allen Bekaiinteil.Freunden, Kollegen sowie dem Zentraloerband der Brauer sür die reg- Beteiligung bei der Be- erdigung unseres lieben Bruders, des Brauers Karl Lange, hiermit unseren innigste» Dank, 217IL 0!e trauernden Gesehwisier. Für die vielen Kranzspenden und rege Teilnahme bei der Beerdigung unseres geliebten Sohnes Willy sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten unseren ties- gejühlten Dank. 2173L Paul Kaetel, _ Frau und Dochter. httbliud d-r Maler, Lackiercr, In jlrtidjtt Meichiorstrafle 28, Part. Filiale Berlin. F-rnspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, de» 26. Angnst, abends 8'/, Uhr: Ntitglieder- Versammlung im groftcn Saale des Gewerkschaftshanfes, Engelufer 15. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Ouartal 1909. 2. Vortrag des Arbcitersekrctärs Kollegen GnstavLink über:„DaS neueste Attentat der Berliner Scharfmacher im Malcrgetverbe gegen- über Leben nnd Gesundheit unserer Kollegen". 3. Diskussion. 4. VercinLangelegcnheiten. 229/l0' Kollegen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen eines jeden cinzelucn._ Bio Ortsverwaltmis. Sommerkostüms Es werden u. a. angeboten: ? in Mk. 13.—, I 20.—, 25.—, fl 30.-, 33.- usw. Sommermäntel! zu Mark 7'/» 10,-, 12.-, 15.-, 28.- usw. Jaeketls, Kimonos, Paletots, Capes, Fielms!« Kleider, Röcke, Bliiseo. Ganz bedeutend im Preise herabgesetzt: Ein großer Posten Uebergangsmäntcl U. Capes! TSglicher Eingang Gratis Stell zu einem Kock bei Einkauf von Mk. 15.— an! hochmoderner Herbst-Modelle aus Paris und Itomlon! Einsegnungskleider! Große Auswahl(ür starke Figuren!— Besuch möglichst vormittags erbeten!— Geöffnet 8— 10, 12—2 Uhr! Verbessertes im Gebrauch Billigstes Seifenpulver. Erleichtert bedeutend das Waschen und ist ohne Zusatz von Seife und Soda cd gebrauchen. Ueberau erhältlich. Paket 26 Pfg. Alleinige Fabrikanteru Henkel s, Co., Düsaaldorf. In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seitengeschäiten erhältlich. Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Job. Schntalor, Berlin N., Tieckstraße II. ISoziaidemokratiseherWaiilyereini für den I. Berliner Reiehstapalilkreis! Görlifter Viertel. Bezirk Nr. 157. Den Mitgliedern zur Nachricht,� daß unser Gmesse, der Schiffer Hermann polte Oranimstraffe 32 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am l Sonntag, den 22. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Thomas-Kirchhoseo in> Rixdors, Hermannstraße ans statt.! 219/13 Ter Vorstand. SoziaMEfflokratisehEPl/ahlYErelni Charlottenburg. Todes- Anzeige. Den Genossen hiermit zur Nachricht, dasi unser Mitglied. Gastwirt Hermann.Jacke! Gruppe HI verstorben ist. Ehre feinem Andenke» 1 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. halle am Fürftenbrunncr Weg ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Bvi-'V«p.tau>I. Verband der freien Gast-undj Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Eharlottenburg. Den Mitgliedern hiermit zur t Nachricht, dag unser Kollege Hermann.Jacke! Osnabrückcr Str. 27 verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. d. M., nach« mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen- Fricdhoscs, Fürftenbrunncr Weg, aus statt. Die Kollegen treffen sich bei Metzdors, Potsdamer Str. 44. I. ll.- Emil Müller. iSozialdemokratisehJaöIverei!! Kixdorf. (Bezirk 17c.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi am 19. d. M. unser Genosse, der Tischler Otto ßlumentda! I verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am> Sonntag, den 22. d. M., nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Rixdorser�Fricd- hoseS, am Mariendorser Weg. aus statt. 235/19 l Zahlreiche Beteiligung erwartet s Oer'Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-ferlianl Ortsverwattung Berlin II. Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege pokert Metzke Hussitenstrage 43 vom Betrieb Schwartzkopff am Donnerstag, den 19. v. M. im Aller von 54 Jahren an Rippensellentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 23. j,. M.. nach. mittag» 3'/, Uhr von der Leichen- halle der Himmclf�h�z.Axnteinde Nordend aus stati Verwaltung II. Deutscher Iranspcriarheiter- Verband. Ortsvorwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege Hennanii Traugoh am Freitag, den 20. d. MtS., im Alter von 45 Jahren an Lungenentzündung gestorben ist. Ohre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet am Montag, den 23. d. M., nach» mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS AnslaltS-KirchhoseS in Wittenau aus statt. 59/4 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tecknahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters Wilhelm Stabcnow sagen wir allen Verwandten, Freunden wie Bekannten, dem Verein Berliner Droschkenkutscher, dem Gesangverein .Sorgensrei" wie auch seinen früheren Kollegen des guhrherrn Lelms aus diesem Wege unsere» herzlichsten Dank. 10535 Die trauernden Hinterbliebene». Leranttvprtlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für denJnseratenteilveransiv.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. LerlagSanstalt Paul Singer Le Co.. Berlin SW. Kr. 195. 26. Jahrgang. 4. SkilM des DlMlls" Knlim WM«. Zountag, 22. August 1969. LitcvavikhzQ. Die technische Entwickelung der Glasindustrie. Die Glasindustrie geliört zu denjenigen Wirtschaftszweigen, in denen die entgegengesetzten Arbeitsmethoden noch vertreten sind. Reden den Uebcrvesten einer unsagbar zurückgebliebenen Heim- arbeit in der Weiterverarbeitung von Glasperlen finden wir eine ausgebildete arbeitsteilige Massenproduttion. Die neue Ovens-Maschine verkörpert fur�den Kapitalisten in idealer Weise das Prinzip, die Produktivität der Arbeit zu steigern und die Hand- geschicklichkeit in weitem Umfange auszuschalten. In den lvech- feinden Formen der Mode werden aus Glas Kunstgegenstände her- gestellt, ein Teil der Glasindustrie gehört dem Kunstgewerbe an, pflegt Einzelfabrilation. Ferner finden wir hier eine Präzisionstcchnik ausgebildet, die wissenschaftliche Glasschmelzkunst. Die Fortschritte, die von der Glastechnik für das Gebiet der Optik geschaffen wurden, sind nicht hoch genug zu bewerten. Wir bewaffnen unser Auge mit sorgfältig abgeschliffenen Linsen und sind dadurch eigentlich erst in die Lage versetzt worden, die Wunderwerke der Statur im großen wie im kleinen zu erfassen. Tie Hypothesen der modernen Naturwissen- schaft haben ihre Bestätigung durch Mikroskop und Fernrohr er- halten, durch technische Hilfsmittel, die erst die heutige Glas- industrie in ihren höchsten Feinheiten herstellen konnte. Eine Weltfirma, die das Gebiet der optischen Glasschmclz- kunst in bahnbrechender Weise ausgebildet hat, ist das Jenaer Werk Schott und Genossen. Erst vor wenigen Wochen hat das Unter- nehmen das Jubiläum seines 23jährigen Bestehens feiern können. Wir haben darüber bereits berichtet. Für den Sozialpolitiker bietet dieses Werk ja noch das besondere Interesse, daß hier Abbe seine Ideale zu verwirklichen suchte, eine«konstitutionelle Fabrik" in seinem Sinne zu schaffen. Heute sollen uns nur die technischen Probleme der Glashütten- künde beschäftigen. Es sei nochmals auf Jschimmers bcachtens- werde Arbeit„Die G l a s i n d u st r i e in Jena"(Verlag'D i e- d e r i ch s, Jena), hingewiesen, in der vom Verfasser ausführlich die Schwierigkeiten dargelegt werden, die in der wissenschaftlichen Glasschmelzkunst zu überwinden waren. Den wesentlichen Bestandteil des Glases bildet die Kieselsäure. Die hauptsächlichsten Formen, in denen sie hier zur Anwendung kommt, sind Sand, Ouarzgestein und Feuerstein. Von diesen ist am wichtigsten der Sand, der sowohl zur Herstellung der feinsten Fabrikate, wie auch der rohesten Massenartikel verwendet wird. Die Farbenreinheit des Sandes bedingt dessen Verwendung für Epe- zialzwecke. Für die Herstellung der Linsen ist der feine reine Glassand ein sehr geschätztes Material, das selten vorkommt und den Glashütten oft von sehr entfernten Stellen zugeführt werden muß. Den Gründern des Jenaer Werkes, Schott und Abbe, hat besonders die chemische Zusammensetzung der Rohmaterialien für ihre Linsenfabrikation große Mühe und Arbeit gemacht. Endlos sind die Schmelzversuche, Analysen und Berechnungen gewesen, die von beiden Forschern im Laboratorium und in der Studierstube vorgenommen werden mußten. Dann aber war auch die Schmelz- tcchnik sehr sorgfältig auszubilden. Die Glasmaterialien werden in der sogenannten Mengestube nach sorgfältiger Abwägung möglichst innig gemischt. Das ge- schieht selbst in größeren Glaswerken vielfach von Hand und wird durch ein einfaches Umschaufeln in backtrogartigen Halzbchältcrn ausgeführt. Dabei beobachtet man an der Färbung die Fortschritte der Mischung. Diese Gemengekammern stehen unter der Spezial- leitung des Hüttenmeisters, weil das richtige Mischungsverhältnis der Materialien die Hauptbedingung für die Qualität des Glases ist. Die Schmelzung des Glasgcmengcs erfolgt in den Glasöfen. Die Beschaffenheit dieser Oefen ist auch eines der wesentlichsten Punkte im Hüttenbetrieb. Die Schmelzgefähe müssen lange in der Hitze aushalten, dürfen weder springen,»och von dem schmelzenden Gemenge chemisch angegriffen werden. Bei größeren Quantitäten sind die„Häfen" auch zu sogenannten„Wannen", offenen Gefäße», ausgebildet, und wird die Glasmasse daraus gleich von den Ar- beitern abgeschöpft. Das Gemenge wird bei den Hafen- sowie bei den Wannenöfen partienweise eingetragen. Dazu dienen Schaufeln aus starkem Blech. Das von der heißen Schmelzgefäßwand berührte Gemenge beginnt alsbald zu erweichen und unter starkem Schäumen zu schmelzen. Die Restparticn werden jetzt nachgefüllt. Nach und nach vermindert sich das Schäumen, die Schmelze beruhigt sich, klärt sich. Die Hitze ist nun so zu regulieren, daß das Gemenge möglichst blasenarm ist. Besonders für die optische Gläscrfabrikation sind Materialstücke mit Blasen und Schlieren unbrauchbar. Nachdem das Vlankschmelzen erreicht ist, mindert man das Feuer(Kalt- schüren, Abstehen), bis die Masse syrupartig geworden ist. Dann beginnt das„Ausarbeiten", die Formgebung der Bläser. Für optische Zwecke werden die abgekühlten RohglaSstücke dem Glasschleifer zur Politur übergeben. In ihren Arbeitsmethoden zeigt die Glashütte gewisse Aehn- lichkeit mit der Metallgießerei und können wir die optische Glas- schmelzkunst der Arbeit des Glockengießers an die Seite, stellen. Wie das Gelingen eines Glockengusses abhängig ist von der sorgfältigen Beobachtung einer Reihe von Erfahrungswerten, so ist auch die Fabrikation optischer Linsen nur möglich geworden durch wissen- schaftliche Forscherarbeit, zu der die beiden Gründer des Jenaer Wertes, Schott und Abbe, wertvolle Beiträge geleistet haben. Zschimmer berührt in seinem Buch auch das aktuellste Thema in der Glasindustrie, die Einführung der Owens-Flaschcnmaschine. Er schildert die bisherige Arbeitsorganisation beim Glasmachen wie folgt: Ein Junge(der sogenannte Anfänger), ein Gehilfe(der Külbelmacher) und ein Mister(der Glasmacher) arbeiten nach- einander an demselben Stück. 1. Der Junge nimmt am Kopf eines langen Blasrohres, der sogenannten Pfeife, etwas Glas aus dem Schmelzgefäß auf. Dabei dreht er das eiserne Rohr behende-zwischen den Fingern, bis schließ- lich nach öfterem Abkühlen und Eintauchen ein zwiebeiförmiger weicher Klumpen an der Pfeife kleben bleibt. 2. Das angefangene Glas bearbeitet der Gehilfe zu einem Kulbcl(Kölbchen) vor, um die weiche Masse— unter Einblasen von etwas Luft— so zu verarbeiten, daß Hohlraum und Wand- stärke bei der späterhin zu formenden Flasche die rechten Maße bekommen. Er wälzt nämlich die Zwiebel zunächst zum Kegel- stumpf, bläst etwas Luft nach, wärmt ein, wälzt und bläst wieder, bis schließlich durch Anwärmen und darauffolgendes Drehen und Blasen an der senkrecht gehaltenen Pfeife das fertige Külbel hängt. 3. Ter Meister bollendet die Arbeit deS Gehilfen. Er treibt das Külbel hängend und schwankend zum luftgefülltcn„Darm" auf, den er dann rasch in die eiserne Form taucht und(unter stetem Drehen um die Achse der Pfeife) zur fertigen Flasche aufbläst. Auf die künstliche Nachahnuing dieser Handgriffe mußte denn auch der Konstrukteur bei der Ausbildung seiner Flaschenmaschine hinarbeiten. So ist denn ein„sechsarmigcs Ungeheuer" daraus geworden,„das die flüssige Glasmasse automatisch aufsaugt, durch ein Msser abschneidet, in die ausgewechselte Flaschenform ausbläst, abtrennt, in der Muffel verschmilzt, in den Kühlofen transportiert und daraus echt amerikanisch in Kisten verpackt."„...) Der Reihe nach tauchen die sechs, eisernen Rüssel in die glutflüssige Misse, lutschen sich voll, pusten den feurigen Teig in Form aus und kühlen sich, während alles im Kreise herumläuft, wieder ab."„Tag und Nacht arbeitet der unermüdliche Automat, der jeder Menschenkraft spottet, und von drei Jungen bedient wird. Die Produktivität der Maschine ist geradezu fabelhaft. Innerhalb eines Tages speit sie 13 000 Flaschen aus." So zeigt die technische EntWickelung in der Glasindustrie die gleichen Erscheinungsformen, wie wir sie auf anderen Wirtschafts- gebieten schon längst.beobachten konnten. Wo Massenfabrikation durchgeführt worden kann, entwickelt sich eine ausgebildete Ma- schincnwirtschaft und selbst die sorgfältigste Präzisionsarbeit kann nur im kapitalistischen Großbetriebe erfolgen, der mit allen tcch- »ischen Hilfsmitteln zu arbeiten imstande ist und alle Wissenschaft- lichen Erfahrungsresultate in der Produktion anwendet. R« W. Amtlicher Marktbericht der ftädtilchen Marttballen-Direktion über den Grohhandel in den ßentral-Marktballcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach. Geschält still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reich- lich, Beichist rege, Preise iveuig verändert. Geflügel: Zufuhr genügend, in Gänsen reichlich, Geschäft ziemlich lebhast, Preise bc- friedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise nach« gebend, kleine Schleie und prima Seefische gefragt. Butter und Käse: Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend. Geschäft regc'Prcife, wenig verändert. WitterungSiiberstcht vom Lt. August titvv, morgens 8 Nbr. Etation cn Lwtnenide. Hamburg »erlil! Franks.« M. Münch«» Wie» Wetterprognose für Sonntag, den LS. August 1909. etwas kühler, zunächst ziemlich trübe und regnerisch bei mätzigcu süd- westlichen Winden, später zeitweise aufklarend. Berliner Wetterbureau. WafserftandS-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, milgeleM vom Berliner Wetterbureau. «)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unterpegel. Mar bei den Tisebler- Meistern der Berliner Tischler-Innung bestellen Sie Ihre Möbel! Nor bei den Tapezierer- Meislern der Berliner Tapezierer-Innung decken Sie Ihren Bedarf in Polstersacbenl Wir liefern an keine Bazare noch irgend an Möbelgeschäfte, sondern haben uns fest vorgenommen, nur an Private zu verkaufen. In einem großen Gebäude an der Jannowitzbrücke haben wir unsere Fabrikate ausgestellt mit dem vornehmsten Prinzip, bei der großen Auswahl nur ganz gediegene, äußerst solid gearbeitete Möbel zu fabrizieren. 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